Sinzig« unabhängige Tageszeitung veuhchlands Aosnanmczuslanfl nSpanlcn Öcr zweile Wahlgami- friedliche Hadiiversdiiebung oder NassenkämpSc? Ans dem Inhalt £UuhhflrM rt# Wn Amt, das macht ihn zum Exponenten dieser oder jener Gruppe. Ich fordere die Anwesenden au», um uuiiu>ucn Männer zu nennen, welche die betr. Vekenntnisgruppcn zu dominieren gedenken. Nach der Bekanntgabe der Borschläge durch die Kirchen- sührer berief der Reichsbischof folgende Persönlichkeiten in das geistliche Ministerium: Für die lutherischen Kirchen den Rektor der evangelisch-lutherischen Diakonissenanstalt Neuen- DettelSau, Dr. Lanier. stir die Kirchen mit unierten Be- kenntnisgepräge Prof. Dr. D. Hermann Wolfgang B e n e r. Greifswald, für die Reformierten Kirchen Seminardirektor Weber. Die Berufung des rechtskundigen Mitgliedes wird gemäß der Verfassung im Einvernehmen mit der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union erfolgen. .#... Man steht, die Nazis wagen es nicht, gegen die Gegner in der evangelischen Kirche mit denselben schroffen Waffen und Methoden vorzugehen, wie sie es gegen die politischen Parteien usw. beliebten. Allerdings einen Maulkorb versucht man der Presse anzuhängen, damit nichts von den Auseinandersetzungen in das evangelische Kirchenvolk hineinkommen. Die opponierenden Pfarrer hofft man mit Konzessionen ködern zu können. Sie dürfen setzt sogar Männer für daâ neue Kirchcnministermm benennen. Das ist zwar ein kleiner Sieg der opponierenden protestantischen Pfarrer. Ob sie sich mit diesem Linsengericht zufrieden gebe» und da für ihre protestantischen Grundsätze aufopfern, kann noch in Frage gestellt werden. 9 Monafe Gefängnis[fir einen Kaplan Esten, 3. Dez. Das Dortmunder Tvndergericht verurteilte den 34jährigen Kaplan Peter Brobener aus Essen wegen Vergehens gegen 8 3 der Verordnung des Reichs- Präsidenten vom 3l. März 1988 in Tateinheit mit Belei digung zu 5 Monaten Gefängnis. Brodesser, der als Reltgronslehrer au einer privaten höheren Lehranstalt tätig war. hatte sich in einem Gespräch mit seinen 19- bis 17- jährigen Schülern beleidigende Aenßernngen gegenüber Reichsminister Dr. Göb b els zuschulden kommen lassen. Der Angeklagte gab die ihm zur Last gelegten Aeußerungen mit dem Ausdruck des Bedauern» zu. Das Gericht habe ihm. so heißt es in der Urteilsbegründung, zwar eine gewisse Erregung zugebilligt, andererseits falle ftraferschwerend ins Gewicht, daß er seinen Schülern gegenüber, die der Hitlerjugend angehören, sich einer großen Zurückhaltung hätte befleißigen müssen, um sie nicht in Gewissenskonflikte zu bringen... » Zu der Verhaftung von drei katholischen Geistlichen durch die bayerische politische Polizei wegen Verbreitung von deutschfeindlichen Greuelnachrichten wurde nunmehr bekannt, daß einer dieser Beteiligten, der Ttadtplarrer Dr. Muhler, der Leiter der sogenannten katholischen Aktion in Bayern ist. Bei didsem wurden umfangreiche marristiiche Literatur und Mitgliedsbücher der Roten Hilfe gesunden. Pa> Ein 40 Jahre alter Prokurist in F r e i b« r g hat sich und seine beiden Kinder mit Gas»ergiftet. Die Reusozialisten hielten am Sonntag in Paris ihre eigentliche Gritndungokonferenz ab. Aus Honolulu wird gemeldet: Der schwerste Aus- bruch des Vulkans Manna Loa seit 1998 ist beobachtet worden. » DaS Zentralerekntivkomitee der Sowjetunion ist zum A. d. M. einberufen worden. Auf der Tagesordnung stehen folgende Punkte: Der Volkswirtschastöplan und der Staats- Haushalt der Sowjetunion für 1984, die Ergebnisse des Land- Wirtschaftsjahres 1033 und die Frühtahrfaafkamvaqne 1934. schließlich die Bestätigung der in d-r Zeit zwHchen der letzten und der gestern einberufenen Tagungen angenommenen Beschlüsse. Fortsetzung von der ersten Seite. Bricht der Sturm los? Der Sttchwahltag kann die parlamentarischen Krästever- yältnisse nicht mehr entscheidend ändern. Ueberall im Lande rechnet man mit Links- oder Rechtsputschen, obwohl bisher, abgesehen von einigen kleineren Gebieten, Ruhe in Svanicn herrscht. Läßt die Arbeiterschaft Spaniens willig über sich ergehen was die Agrarier wollen, so wird man etwa den gleichen Weg gehen, wie in Deutschland, allerdings in weniger brn- raler Form. Reform der Konstitution, Wiederherstellung des Unter- richtsrechtes für die religiösen Orden? Inhibierung der gesamten Sozialgesetzgebung, vor allem de? Tarifverträge, Zunichtemachung der Arbeiten für die Agrarreform und — salls möglich—: neuerliche Verschmelzung von Kirche und Staat. Kurz— ungestört in seinem Werke- würde ein Scheinparlament der Agrarier nichts anderes bedeuten als Rückkehr zur gute« alte« Zeit, hau« aber: Ab« publik! Immerhin: Der Weg, den die Sozialisten unter FührutzS Largo Caballeros eingeschlagen haben, ist kaum mehr S unterbrechen, will man nicht die gesamte GewerkjchaftS- u» Arbeiterbewegung Spaniens aus sich selbst heraus zer- schlagen-. Man muß weitergehen: Die Devise:.Feme Schritt rückwärts, Eroberung der Macht für die Sozialisten- ganz gleich, durch welche Mittel", einhalten. Die Haltung Largo Caballeros, des spanischen Lenin, wie man ihn t« 1 Wochen nennt, war so eindeutig, daß sogar die Kommunist« sich damit einverstanden erklärten. Und dieser gleiche Ea^ ballero sollte widerstandslos eine Regierung Gil den Tieg des Millionärs March über die Republik, über st« und die spanische Arbeiterbewegung ergehen lassen? g „Wenn Eure Führer sich lau zeigen, geht über sie H'ttweg> dieses Wort des spanischen Lenin hat in der Arbeiter ck»' Widerhall gesunden. Noch warten sie auf ein Zeichen de Führer zum Losbrechen. Wird es kommen? Wirdes nuy kommen? Endgültiger Sieg bei Faschismus in Spanien Litwinow und Mussolini Die Pelden Gegner der UOiKerDonflspoUllK Rom, 1 Dezember. Litwinoiv ist aus einem italic- nischen Dampfer von Ncuyork in Italien eingetroffen. Er hat am Sonntag sofort Besprechungen mit Mussolini auf- genommen, über deren Ergebnis die regierungsosfiziöse „Agcnza Stcfani" meldet: Der Regierungschef empfing heute mittag im Palazzo Venecia den Volkskommissar für Auswärtige Angelegen- Helten Litwinow und hatte mit ihm eine längere herzliche Unterredung. Mussolini und Litwinow erörterten gemein- fam die Fragen der internationalen Politik und im be- sonderen diejenigen. die beide Länder unmittelbar berühren. Tie erwogen weiterhin die Möglichkeit einer Besserung der allgemeinen politischen Lage im Geiste des kürzlich ge- schlössen?» italienisch-sowjetrussischen FreundschaftSvertrageS und beschlossen, möglichst bald den Austausch der Rati- fikationsurkunden vornehmen zu lassen. Am Montag ist er vom König im Outrinal empfangen worden und am Nachmittag vom Gouverneur der Stadt Rom auf dem Kapital. Am Dienstag ist ein Frühstück in der amerikanischen Botschaft angesetzt und ein Tee aus der türkischen Gesandtschast. Die Begrüßung, welche die italienische Presse dem ersten offiziellen Besuch aus der Towsctunion widmet, ist inzwischen auf drei Formeln gebracht worden, die in allen Artikeln wiederkehren: 1. Der Besuch entspricht der kontinuierlichen zehn- jährigen Entwicklung der italienisch-russtschen Politik» deren Ausdruck und Bekräftigung er ist. 2. Er steht im Zusammenhang eines Besuchsver» kehrà, der schon Vertreter aller europäischen Länder in zwangloser Folge nach Rom geführt hat. 3. Sein Ziel ist die Erhaltung«nb Festigung des europäischen Friedens. vie Scaler Krise Die römische Presse verbirgt nicht, baß die Besprechung Litwinow Mussolini sich mit der Krise des Völkerbundes und den daraus sich ergebenden direkten Verhandlungen zwischen den Mächten hauptsächlich beschäftigte. To schreibt die„Tribuna": „daß im Augenblick der Krise des GenfcrSystcms die konkreten Beziehungen der Mächte eine besondere Be- deutung gewonnen hätten, um die gegenseitigen Positionen klar zu umreißen und zu deutliche» Feststellungen der Verantwortlichkeit zu kommen. Aber dieser Hinweis bleibt mit dem Bemerke» verbunden, daß die italienisch-russtschen Beziehungen ihren Sinn erst im Zusammenhang mit den allgemeinen Fragen des europäischen Friedens und der europäischen Zivili- sation finden. Da»„Giornalc d'Jtalia" bringt heute noch einmal eine Zusammenstellung der Besuche, die Italien im vergangenen Jahr von Vertretern anderer Mächte emp- fangen hat." Der.Lavoro Fascista' hebt hervor: ".F.st selbstverständlich, daß die Abrüstung weientllchen Gegenstand der Besprechungen bilden wird, aber die Möglichkeit der Abrüstung ist ihrerseits an eine Menge politischer Voraussetzungen gebunden und nebt mit der Lage internationaler Institutionen«» zuwinmeniattji, deren Verhältnisse eine genaue Priiiung erheischen. Die wesentliche Tatsache der gegenwärtige» Situation ist der Umstand, daß die Verband- tun g en über die Abrüstung sich beut« a u h e r h a l b Genfs abspielen, und daß Rußland ftteier Hinsicht völlig in den Rahmen der europäische» Zusammenarbeit zurückgekehrt ist. Es ist vorauszusehen' da» es sich auch in Zukunft von diesem Gesichtspunkt leite» lagen wird." Der starke Gegensatz zum Völkerbund, der aus diese» Presseäußerungcn und zweifellos auch aus den offizielle? Besprechungen hervorbricht, müßte logisch dazu führen, da» Httlerdcutschland sich mit Litwinow ebenso zu verständig«» versucht, wie es Mussolini tut. Dafür scheint aber keine Aufsicht zu bestehen. Litwinow, der ursprunglich über V«*h» zurückreisen wollte, will letzt den Weg über W>en wähl«»- Die Feindschaft zwischen Nationalsozialismus und Bolsck« wismus ist unüberbrückbar. Es ist eine der wenigen H»"- nungen iür den Völkerbund, daß seine mächtigsten Gcg«» spieler sich nicht vereinen können. Derlin-Moskau Mussolini will Stalin und Hitler versöhnen Paris, 4. Dez. Nur der römisch« Korrespondent d«f Matin beschäftigt sich in einem eigenen Bericht mit de« Unterredung Mussolini-Ltlwtnow. Er gtaubl mitteilen JJ* können daß dit deutsch-russischen Beziehung«» dc>» Haupcthema. abgegeben hätten, und zwar weil sie na« Ansicht der italienischen Regierung eine der iveienttichst«.» Seite» des Abrüstilstgsproblems bilden Rußland mil"« nämlich eventuell zwei militärischen Gefahren begegne»- Teutschland und Japan. Rußland habe nacheinander Garantie» bei Frankreich und bei Amerika ge.uchl- T« russische Politik nähere sich mehr dem alten Grundsatz de« Tiaatcnblocks alS deni Gedanken der allgemeinen Z"' sammenarbeit, für den Italien eintrete. An oem Tage, a» dem Rußland von Dentichland Sicheryci.sverncherungen«'-' halten werde, iverdc sich leine Amtanung von der rüstung zum mindesten für Europa ändern. Wahrjchcini« habe Mussolini seine Ucbcrrcdungssähigkeiten in diese»' Sinne spielen lassen. Natürlich sei das Unternehmen schwer Denn zwischen dem deutschen und dem russi.chcn Regime bc- stehe ein grundlegender Gegensatz der Gefühle und Interessen. Aber sur Jtal'en lohne sich der Versuch einer V««' mittlung zwischen Verlin und Moskau. Wenn Mussolini de» deutsch-russischen Streitfall schlichten wurde dann wurde er die allgemeine Lösung des AbriistungsproblemS beträchtlich vorwärtsbringen, und zwar in dem Sinne, wie Italien sich diese Lösung denke, nämlich durch die allmähliche Er- reichung der Gleichberechtigung, vor allem, wenn die deutsch- französi.che Annäherung Wirklichkeit werde. vic Banditen des ßcidishonzlers Von durchaus vertrauenswürdiger Seite wird uns der folgende Brief ans dem Reiche zur Per- iügung gestellt. Die Veröffentlichung ivnrde uns nur unter der Bedingung gestattet, daß wir s>e Namen weglassen. Der Brieijchreibcr furchtet die Rache der braunen und schwarzen Banden. Noch stehe ich unter dem erschütternden Eindruck eines Bor- salles, der sich hier unter dem Kommando des Sadisten... ereignet hat. Vergangene Woche ist in... vom Krieger- dentmal eine schwarzweißrote Kranzschleife verschwunden. Dieser Vorfall veranlasste die SA. von... zn„Aktionen". Unter der Führung von... rückten etiva 100 SA.-Leute ein. Die Einwohner mußten vor das Denkmal ziehen, wo... eine Rede hielt. 13 Männer, von denen bekannt ist daß sie früher mit der SPD. sympathisiert haben, wurden heraus- gesucht und in den Saal von... lGastwirtschastt geführt. Dort mußte» sie sich ausziehen und auf den Fußboden legen. Jeder einzelne wurde non vier SA.-Leuten aus die Erde gepreßt, so daß er sich nickt bewegen konnte. Dann gab.... das Kommando„Schlagen", und nun schlugen alle übrigen mit Gummiknüppeln und Trahtpeiticken aus die entkleideten, wehrlosen Menschen ein, bis die Haut aus dem Körper buch- stäblich auseinanderplatzte. Wer daS sadistische und lüsterne Grinsen des.... und seiner Leute gesehen hat, vergißt es nie. Einige von den Geschlagenen ließen sich am folgenden Tage nach.... fahren und vom Arzt untersuchen. Der Arzt war selbst von dem Anblick so erschüttert, daß er Zeugen kommen ließ, die die Mißhandelten ebenfalls in Augenschein nahmen,«m z« bescheinigen, daß daS vom Arzc ausgestellte Attest den Tatsachen entsprach. In dem Attest selbst beißt es:„Der Rücken und das Gesäß sind von faustdicken Streifen und aufgeplatzten Hautstellen bedeckt, welche von unzähligen Schlägen herrühren, die mit großer Gewalt geführt fein müssen. Das Gesicht ist vcr- schwollen, am Hals Würgemale. An den Handgelenken blaue Flecken.— Einer von den Geschlagenem der noch nicht bewußtlos war. bat. ihn doch lieber sofort zu erschießen Das Schreien der ^pfer war aus weiter Entfernung ,zu hören. Führende Stahlhelmmänncr, die dieses sadistische Treiben nicht mehr mit ansehen konnten, wandten sich an die Polizei, da»" diese dem Treiben der Banditen Einhalt gebiete. Dort wurse ihnen erklärt:„Dagegen läßt sich nichts mache»- .... handelt als steanftragter der politischen Polizei." Un» das passiert zur gleichen Zeit, wo alle deutschen Zeitung«» behaupten, in Deutschland gäbe es keine Greueltaten mehr- Aber ich kann Dir noch mehr berichten. Am vergangene« Sonntag war die„Wahl". DaS Resultat ist offensichtlich 0 e" fälscht. Beweis: In einem Wahllokal, wo 14 unserer Lenke mit„Nein" stA stimmt haben, was wir bestimmt wissen, stnd bei der Aus' zählung nur drei Rein-Sttmmen gezählt worden. Die Plakette mit dem„Ja", mußte jeder anstecken, der nick' Gefahr laufen wollte, angepöbelt oder geschlagen zu werde». In.... hat man am Wahlsonntag nachmittags 4 Uhr. also noch während der Wahl, 18 Männer und Frauen, welche si« kein Ja-Abzeichen kauften, durch die Straßen geführt uns ihnen Plakate umgehängt mit der Aufschrist„Ich bin et» Volksverräter, ich heiße.... und habe in>> „Nein" g e st i m m t." Am Dienstag sollte das Schandspiet wiederholt werden, weil sich jedoch einer von den Gegeißelten inzwischen er« schössen hatte, wurde den anderen dieser Spießrutenlaus et' spart. Gewiß, wenn es nur beim„Zurschaustcllen" geblieben wäre, hätte kein Mensch etwas dagegen gehabt. Denn wir alle, die wir mit Nein gestimmt baben, sind stolz darauf. In... ha> sich dasselbe zugetragen. Ja. wenn es nicht sogar bier t n d e r Zeitung stehen würbe, könnte man es gar nicht glauben Am 1. Januar 1934 wird nun wieder die allgemeine W hr- »flicht eingeführt. Die Stadt.... bekommt ein Bataillon Infanterie und eine Fliegerkompanie. Der Nazi-Ober bitrgermeistcr hat dies in einer Besprechung mit den Führer» der Gewerbetreibenden mitgeteilt. Er selbst war stolz daraus, welk cr damit eine Belebung der Stadt erhofft. Arbeiter und Angestellte am Tage vor der Wahl in seiner Arb'iter und«gestellte am Tage uor der Wahl in seiner Lohntüte hatte. Ja, so wird im dritten Reiche„Wahl" ge- macht. Dein Freund P. Jsmotiis: Europäische Gedanken Rückfall ins Wilhelminiscne- Sir Baldwins drei MdsMicftkeiten■■ Faustrechf in der AuOenpoJitik— Die v«erte Mftg ichkeit 9îacf) dem 14. Oktober, dem Tag des Verlassen? der Abrüstungskonferenz und des Völkerbundes, ging durch ^ re N e^ie Meldung, daß sich der Exkaiser über den schritt der deutschen Regierung sehr anerkennend ge- ?ußert hat. Er hat wahrscheinlich dabei gedacht: das hätte !5j nicht besser machen können! Denn der theatralische «treich der Reichsregierung war in der Tat ein Stück wilhelminischer Politik. Wenn jemand früher glaubte, daß Wilhelm unnachahm- üch sei. so hat im Laufe dieses Jahres Adolf Hitler diese Auffassung auf die überzeugendste Weise widerlegt. Seine Außenpolitik stellt eine vollkommen gelungene Nach- uhmung der wilhelminischen dar. Jeder, der die Geschichte oer deutschen Außenpolitik einigermaßen kennt, mußte I'd) in den letzten Monaten an die wilhelminische Zeit er- >nnern, an die Friedensbeteuerungen des Kaisers und an leine tollen Streiche, die die ganze Welt in Unruhe ver- letzten. Man beruft sich jetzt genau so wie damals auf die - e"'^klärte Wilhelm nicht, daß er über die Be- Ichränkung des Flottenbaues nicht verhandeln könne? Es lei die Eyrenfrage. Und wenn man jetzt die Dekla- Motionen über den„asiatischen Bolschewismus" hört, von dem Hitler-Deutschland angeblich Europa rettet, so kann man nicht die Erinnerung an die Deklamationen des Kaisers über die„gelbe Gefahr" und seinen Appell an die Einigung der„weißen Raffe"(selbstverständlich unter Deutschlands Führung) gegen den gelben Feind unter- drücken. André Maurois, der auch in Deutschland durch seine Disreali-Biografie rühmlichst bekannt geworden ist, hat letzt ein wunderbar geschriebenes Buch über Eduard VII. jmb seine Zeit(„Edouarä VII et son temps") veröffentlicht. Es gelingt dem Verfasser in seinem neuen Buch auf Grund von den zum Teil neuerschlossenen Quellen(z. B. aus dem bis jetzt unveröffentlichten Nachlaß von Delcassê) die Vorgeschichte der„Entente cordiale" zuverlässig und Außerordentlich lebendig darzustellen. Wären die Menschen Überhaupt imstande, aus der Geschichte zu lernen, so könnte jede Regierung aus dieser Geschichte, deren Ab- lchluß der fürchterlichste Krieg aller Zeiten war, sehr viel lernen. « Wozu braucht aber die Hitler-Regierung solche geschicht- uchen Lehren? Wird es nicht mit jedem Tage offensicht- ucher, daß ihre Politik durch Erfolg gekrönt wirb? Ist sucht schon heute wenigstens in England die Bereitschaft festzustellen, bedeutsame Zugeständnisse an Deutschland zu Machen? War nicht auch Frankreich gezwungen/ der Ver- tagung der Abrüstungskonferenz zuzustimmen, um die Zeit fur die„bilateralen"(von Regierung zu Regierung geführten) Verhandlungen zu lassen, wie das dem deutschen Wunsche entsprach? Erfolg entscheidet. Gewiß, man muß n^ber immer verstehen, den richtigen Zeitpunkt für die -Feststellung eines Erfolges oder Mißerfolges zu finden. Was heute als ein Erfolg erscheint, kann sich morgen als eine Katastrophe erweisen. Auch die wilhelminische Politik hat„Erfolge" gekannt. Solange die anderen alles tun. um einem Konflikt auszu- weichen und sich nicht zur festen Abwehr zusammenfinden, kann die plumpste und aggressivste Politik ihre Triumphe feiern. War es nicht ein großer Erfolg der deutschen Diplomatie, als sie 1905 den von ihr gehaßten französischen Außenminister Delcassê durch Drohungen zum Sturz brachte? Einen solchen Triumph hat Herr von Neurath nicht gehabt, da sein Versuch, den englischen Außenminister Simon zu stürzen, mißglückte. Nun hat der Sturz von Delcassê genau das Gegenteil von dem. was erstrebt wurde, zur Folge gehabt. Man wollte die französisch-eng- lische Annäherung stören und hat sie sehr wirksam ge- fördert Etwa die gleichen Folgen hat auch der große „Erfolg" Deutschlands und Oesterreich-Ungarns von 1908 gehabt, als Bosnien und Herzegowina von Oesterreich- Ungarn annektiert wurden. Während die angebliche„Ein- Kreisungspolitik" Englands Deutschland gegenüber ledig- lich eine Legende war. hat Deutschland seine Selbstein- kreisung außerordentlich erfolgreich herbeigeführt. Der Preis für diesen Erfolg war der Versailler Friedens- vertrag. * Ich will nicht ungerecht sein. Nicht nur Hitler macht dem Kaiser nach, sondern die Außenpolitik der gegenwärtigen englischen Regierung weist ähnliche Schwächen auf. wie seinerzeit die Politik von Sir Edward Grey. Man ver- mißt nämlich in der englischen Politik die Klarheit und Eindeutigkeit, die"ielleicht noch die Lage retten, d. h. den neuen Krieg auf die Dauer verhindern gönnte. Der oben genannte Maurois veröffentlichte in diesen Tagen in der Wochenschrift„1933" einen Brief„an seine englischen Freunde", in dem er unter anderem sagte:„Zweifelsohne werden sie nach einigen Tagen oder nach einigen Wochen auf unserer Seite sein... Nur wird das zu spät sein, und sie werden selbst durch ihr Schweigen die Gewalttaten herbeiführen, die sie selbst wie kein anderer hassen." Maurois erinnert an die Aeußerung von Grey, der einmal sagte:„Man kann doch nicht vom britischen Kabinett ver- langen, daß es über eine Hypothese berät!" Das war sehr englisch formuliert. Nichtsdestoweniger war damals eine solche„Berufung über eine Hnpothese". d. h. über die Stellung Englands im Falle der Kriegsgefahr notwendig, um der zum Kriege treibenden Entwicklung entgegen- wirken zu können. Mit Recht ist die letzte Rede B a l d w i n s im englischen Unterhaus in der ganzen Welt stark beachtet worden. Baldwin hat wenigstens in e i n e m Punkt die momentane Haltung der englischen Außenpolitik klar gemacht, näm- lich ihre keutige Zielsetzung in der Abrüstungsfrage. Diese Klarheit für heute erweist sich aber bei der näheren Be- trachtung als eine um so größere Unklarheit für morgen. Baldwin hat von drei Möglichkeiten gesprochen. Die erste Möglichkeit ist die Abrüstung aller Staaten auf den Stand der deutschen Rüstungen. Die zweite ist die Herstellung der Gleichheit durch die Beschränkung aller auf die sogenannten defensiven Waffen, d. h. eine partielle Abrüstung der meisten Staaten und eine partielle Auf- rüstung Deutschlands. Die dritte ist der Wettbewerb der Rüstungen mit seinen unvermeidlichen katastrophalen Folgen. Diese dritte Möglichkeit soll unter allen Um- ständen verhindert werden. Da aber die erste Möglich- Keit, also die allgemeine Abrüstung momentan nicht zu er- reichen ist. so bleibt nur die zweite Möglichkeit, die eine partielle Aufrüstung Deutschlands vorsieht, übrig. So ganz klar hat sich allerdings Baldwin nicht ausgedrückt. Er hat sich vielmehr für die zweite Möglichkeit dadurch ausge- sprachen, daß er die dritte unter allen Umständen ver- worsen und die erste als e£st nach einigen Iahren und nicht heute verwirklichbar bezeichnete. Der Sinn seiner Aus- führungen wird aber durch den ganzen Zusammenhang wirklich klar und er versuchte ihn den Franzosen durch einige begeisterte Sätze an die Adresse Frankreichs schmackhaft zu machen. Baldwin hat aber gleichzeitig betont, daß er eine Ver- ständigung innerhalbdesVölkerbundes meint. Die Zugeständnisse an Deutschland scheinen also an die Bedingung geknüpft zu sein, daß Deutschland auf die Ab- rüstungskonferenz und in den Völkerbund zurückkehrt. Die von Baldwin angedeutete Lösung setzt also voraus, daß erstens Frankreich und die anderen Nachbarn Deutsch- lands der partiellen Aufrüstung Deutschlands zustimmen und daß zweitens Deutschland sich bereitsindet, an der Ab- rüstungskonferenz teilzunehmen und— trotz Hitlers feier- lichen Erklärungen— seinen Rücktritt aus dem Völker- bund zurückzuziehen. Und wenn eine der beiden oder die beiden Voraussetzungen nicht zu erreichen sind? Hier schlägt eben die scheinbare Klarheit in vollkommene Un- Klarheit um. Sind die Gedankengänge von Baldwin richtig, so scheint es beinahe, daß die beiden ersten„Mög- lichkeiten" in der Tat unmöglich sind, die dritte aber, die Baldwin unter allen Umständen vermeiden will, die e i n.z i g e Perspektive der künftigen Entwicklung ist. So liegen jedoch die Dinge wiederum nicht. Baldwin geht vom Grundsatz der Gleichberechtigung aus. Stellen wir uns vor, daß die Gleichberechtigung Deutschlands auf die von Baldwin angedeutete Weise ver- wirklicht werden soll. Können die Nachbarn Deutsch- lands, können vor allem die Länder, wie das kleine Belgien oder die Tschechoslowakei, anerkennen, daß sie mit Deutschland gleichgestellt, wenn sie Verhältnis- mähig gleichstark gerüstet sind? Offenbar nicht. Die Gleichberechtigung bedeutet aber keine Gleichstellung. Das ist gewiß richtig, sie bedeutet aber die g l e i ch e C h a n c e, sein Recht zu verteidigen und sie wird zwar nicht dadurch erreicht, daß alle effektiv gleichstark gemacht werden, was unmöglich ist, aber dadurch, daß diese Gleichheit der Chancen durch eine Rechtsordnung garantiert wird. Eine formelle Gleichberechtigung ohne solche Rechtsordnung ist im Grunde nichts anderes als das F a u st r e ch t. Man braucht natürlich sich auch solche Gleichberechtigung nicht so vorzustellen, daß jeder machen darf, was er will. Allen soll die gleiche Einschränkung der Bewegungsfreiheit auf- erlegt werden. Nur, wenn man festsetzen würde, daß jeder Mensch einem anderen nur einen Schlag ins Gesicht versetzen darf, so würde das zu einer Diktatur der Boxer in der menschlichen Gesellschaft führen! Aber eine solche Einschränkung ist selbst nur dann möglich, wenn eine Rechtsordnung da ist, die Normen aufstellt und über die Macht verfügt, diese Normen durchzusetzen. Dementsprechend sind die Voraussetzungen der Gleich- berechtigung der V ö l k e r: die internationale Rechtsord- nung und eine internationale Kraft, die mächtig genug ist, um diese Rechtsordnung zu sichern. Sonst wird die Welt zwangsläufig vom heutigen, zweifelsohne äußerst unbe- friedigenden Uebergang^ustand: zwischen der inter- nationalen Rechtsordnung und der Herrschaft des Faust- rechtes in den zwischenstaatlichen Beziehungen, zu der früheren unverhüllten Herrschaft des Faustrechtes zurück- kehren. Das würde allerdings mindestens den Vorzug der Klarheit haben. Wenn aber von mancher Seite nicht nur die offensichtlichen Schwächen des heutigen Völker- bundes kritisiert werden, sondern die Idee der internatio- nalen Rechtsordnung mit Mißachtung behandelt wird, so soll man namentlich in Deutschland folgendes berück- sichtigen. Sind wir wirklich so weit, daß nicht einmal die schwachen und an sich unbefriedigenden Ansätze zur Aus- schaltung des Faustrechtes aus der Außenpolitik mehr vor- Händen find, so wird es unvermeidlich sein, daß diejenigen Mächte, die heute noch stärkere Fäuste haben, unverzüglich von dieser ihrer Ueberlegenheit Gebrauch machen, d. h. daß Frankreich und seine Verbündeten gegen Deutschland einen präventiven Krieg führen und das Deutsche Reich vernichten werden. Eben deshalb, weil Frank- reich das nicht will, weil es. wie Baldwin sagte, gegen- wältig„die friedlichste Nation in Europa" ist. klammert er sich so stark an die Politik des Rechtes, was mancher Kritiker lächerlich findet. Es gibt, also außer den drei von Baldwin angefübrten noch eine vierte Möglichkeit. Es ist nämlich nock» ne solidarische Aktion möglich mit dem Ziele, nicht Deutschland als Volk zu erniedrigen, sondern die Ge- fährdung des Friedens durch die deutschen Rüstungen und durch die das deutsche Volk wirklich erniedrigende Mili- taristerung des ganzen deutschen Lebens auszuschalten. Heute kann eine solche Aktion noch den Erfolg haben, ohne den Krieg zu provozieren, später wird es schon zu spät sein. Dieser Versuch schließt nicht aus, ja setzt es viel- mehr voraus, daß man sich gleichzeitig um die Herstellung einer befriedigenden internationalen Rechtsordnung und um die Organisierung einer diese Rechtsordnung sicher st eilenden Macht bemüht. Nur auf diese Weise kann die Bahn für die Verwirklichung der tatsächlichen Gleichberechtigung der Völker freigemacht werden. Die Aufgabe ist außer- ordentlich schwierig. Gelingt es aber nicht, sie einiger- maßen befriedigend zu lösen, dann wird eben eine stärkere Faust oder eine stärkere Kombination der Fäuste ent- scheiden. «..»na ölst cd nickt w'ing" Der Sterilisierungszwang wird in Köln durchgeführt— Eine Provokation des Kölner Kardinals Schulte Wie aus Köln berichtet wird, wird hier in Kürze ein E r b- gesundheitsgericht und- Obergericht existieren. Wie wir dem Kölner Naziblatt entnehmen, stützt es sich auf das zum 1. Januar 1334 in Kraft tretende„Reichsgesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses". Die entscheidende Bestimmung, wer erbkrank ist und durch einen chirurgischen Eingriff sterilisiert werden soll, soll durch sogenannte Erbgcsundheitsgerichte festgestellt werden. Diese Erbgcsundheitsgertchtc, wovon zum 1. Januar 1334 auch in der Stadt Köln eines errichtet wird, haben darüber zu ent- scheiden, ob der zu behandelnde Patient unfruchtbar gemacht werden soll. Vorausgesetzt ist jedoch, daß nach den gemachten Erfahrungen mit Sicherheit damit zu rechnen ist. daß die Nachkommen des Patienten erbkrank werden. Das Reichs- gesetz über die Sterilifierung sieht die Unfruchtbarmachung von Patienten vor, die an angeborenem Schwachsinn, Schizophrenie sdas sind solche Menschen, die man im Volksmund„Halbidioten" nennt), zirkulärem Irresein, erblicher Fallsucht, erblichem Veitstanz, erblicher Blindheit, erblicher Taub- heit und schweren erblichen körperlichen Mißbildungen zu leiden haben. Antragsberechtigt ist derjenige, der un- fruchtbar gemacht werden soll, sein gesetzlicher Vertreter, der beamtete Arzt und für die Insassen einer Kranken-, Irren- oder Strafanstalt der Leiter der betreffenden Anstalt. DaS ErbgesundheitSgericht KSl« ist de« Amtsgericht Köln angegliedert. ES ist für alle Entscheidungen über Sterili- sierungSanträge zuständig. Anträge auf Unfruchtbarmachung sind von den AntraqSberechtigten, die ihren Wohnsitz im AmtSgerichtSbeztrk Köln haben, an das Erbgesundheits- -in»,reichen welches über die Anträge entscheidet. Es s?vt sich zusammen aus einem Amtsrichter als Vorsitzen- ein ein beamteten Arzt iAmtsarzts und einem zweiten Ar»t der mit der Erbgesundheitslehre besonders vertraut Et Die dem ErbgesundheitSgericht Köln angehörenden Aerzte /ommen Mr den operativen Eingriff der un ruchtbar zu wänden Personen nicht in Frage. Die Unsruchtbarmachung îîlrf nut in einer Krankenanstalt vorgenommen werden, und Intra approbierten Arzt. Die Krankenanstalten NN? A?r»te werden von der zuständigen Instanz der Landes- ?e?.e?ung bestimmt. Di. Kost.« des Verfahrens trägt der den Beschluß deS ErbgefundheitSgerichtS Köln kann », behandelnde Patient Einspruch erheben. Au diesem elm.'ök werden in Deutschland mehrere Erbgesundheits-Ober- à ,7ià aebildet Für die vom Kölner ErbgesundheitSgericht Verurteilten bietet sich eine Möglichkeit der Revision bei« ErbgesundheitS-Obergericht in Köln. hiesige ErbgesundheitS-Obergericht wird unserm O?e r l an de S ge richt angegliedert und ist für alle Erb- aelundbeitsaerichte des Oberlandesgerichtsbezirks Köln zu- sibndia soweit es sich um Beschwerden gegen Beschlüsse der Erboèsûndbeitsgerichte deS gesamten OberlandeSgerichtS- b«i?ks bandelt Nach den bisherigen Feststellungen dürste es sich um insgesamt 73 Erbgesundheitsgertchte im Oberlandes- gerichtsbezirk Köln handeln. Wird der Einspruch vom Obergericht verworfen, so ist die Unsruchtbarmachung rechtskräftig geworden und kann auch gegen den Willen des Patienten durchgeführt werden, wenn nötig. sogar mit Anwendung von Gewalt. O Köln I» eine überwiegend katholische Stadt. Kirchen- oolitisch wird sie betreut von dem Kölner Erzbiichos Kardinal - rfi u 11 1 Der Vatikan steht, wie man weiß, dem deutschen StertltsierungSgesetz tn«chrofser Ablehnung gegenüber, da es sich nach katholischer Auslassung mit der Gewissen»- entscheidung des Gläubigen nicht vereinbaren läßt und der Selbstverantwortlichkeit de» Menschen überhaupt wider- spricht. Der Papst hat die Bischöfe angewiesen, kathol chen Aerzten die Vornahme der Opérai on und katholischen Assistentinnen und Krankenschwestern die helfende Teilnahme daran z« verbieten. Diese Gerichtshöfe in Köln mit ihren ungeheuerlichen Machtbefugnissen sind, zumal liier ganz überwiegend katho- lische Aerzte amtieren, eine Heraussorderung des Kardinals. Der Kirchenfürst kann sie kaum unbeantwortet lassen, wenn er die Autorität der Hierarchie in Fragen religiöser Ge- Wissensverpflichtung aufrechterhalten will. Verfolgung katholischer Priester Die große Strafkammer zu Nordhausen verurteilte den katholischen Pfarrer M. Stender aus Heuthen lEichsfelds zu einem Monat Festungshast. Der Pfarrer hatte von der Kanzel herab Aeußerungen getan, die als gegen die Regierung und den Reichs- kanzler gerichtet aufgefaßt werden mußten. Der Staats- anwalt hatte einen Monat Gefängnis beantragt. Die vor einigen Tagen k» Bauern verhafteten katholischen Priester werben in halbamtlichen Meldungen beschuldigt— Kommunisten zu sein. Es seien Mitgliedsbücher der komm»- nistifchen Roten Hilfe bei ihnen gefunden worden. Deutlicher ist wohl nie gezeigt worden, daß die Polizei solche Beweisstücke tn die Wohnungen der Beschuldigten schmuggelt, denn baß die Priester Jünger Moskaus seien, ist natürlich ein Schwindel. Staatsgefährlicher Stahlhelmer Wegen schwerer Beleidigung deS StahlhelmführerS Seldte und des Stabschefs Röhm wurde der Landmann Johann Johanns«» aus Marienhoi bei Basum verhaftet. Johanns«» war früher Stahlhelmführer und ist aus der Zeit der Landvolkbewegung als Redner ud Agitator in ganz SchleSwig-Holstrin bekannt. Arisdi- nldifarisdi Aniisemiiismus and Wirtschaft Fristlose Entlassung nichtarischer Angestellter? In der.Frankfurter Zeitung" schreibt Rechtsan- malt Dr. Schott(Berlins: Im Verfolg des Boykotts vom 1. April 1988 sind in zahlreichen Betrieben nichtarischc Angestellte fristlos entlasten worden und haben hiergegen vor den Arbeitsgerichten Klage erhoben. Eine einheitliche Rechtsprechung hat stch zwar noch nicht herausgebildet. Aber nur in verschwindenden Aus- nahmefällcn haben einzelne Gerichte dahin erkannt, daß die Zugehörigkeit zur silbischen Raste für sich allein und ohne Verschulden des Arbeitnehmers und ohne Hinzutreten be- sonderer Umstände einen Grund zu fristloser Entlastung ab- gäbe. In den weitaus meisten Fällen haben stch die Gerichte bemüht, die Entscheidung auf die besonderen Verhält- Nisse beS Einzelfalles abzustellen. Es ist sehr zu begrüßen, bast nunmehr auch daS Reich»- arbeitSgertcht Gelegenheit erhalten hat, sich zu Lüstern. Bei einem Urteil vom SS. November 1933 handelt eS stch um die Berechtigung der fristlosen Entlastung eine» als.Werbe- letter" lReklamefachmanns bei der Standesvereinigung eines bedeutenden BcrufSstandeS tätigen halbarischen Angestellten mit einem Gehalt von monatlich 700 Reichsmark und einem bis zum Ll. Dezember 1933 unkündbaren Vertrag. In diesem Fall hatte ein Landesarbeitsgericht die fristlose Entlastung für begründet angesehen und in den Entschci- dungSgründcn seine» Urteils folgendes ausgeführt: .Der Beklagte ist ein S t a n d e s v e r e i n, er hat die beruflichen, aber auch die persönlichen Belange seiner Mit- glieder zu vertreten. Sicher vertreten erhebliche Teile sei- ner Mitglieder auch über den Krci» der Angehörigen der NSDAP, hinaus die Ausfastung, dast Juden blutsmästig austerhalb deS Deutschen BolkSverbande» stehen. Dieser Teil der Mitglieder des Beklagten würde es nicht ver- stehen, dast ein Mann halbjüdischer Abstammung, wie der Kläger, eine leitende Stellung in ihrer Standesorgantsa- tion innehat, auch wenn diese weniger die eigentliche be- rufliche, als die wirtschaftliche Seite de» Stande» betrifft. ES besteht die Gefahr, dast eine erheblich« Unruhe in den Verein getragen wird. Daneben mustte der Beklagte aber auch sehr wohl beachten, daß er als Standesorganisation Gefahr lausen würde, mit amtlichen Stellen in einem für seine Fortdauer nicht ungefährlichen Konflikt zu geraten, wenn er einen Angestellten halbjlldischen Blute» in leiten- der Stellung belieb.... Vor allem ist aber gegenüber diesem und den weiteren Hinweisen des Kläger» auf seine persönlichen und wirt- schaftlichcn Verhältniste zu sagen, dast dir Kündigung nicht mit einem Verschulden oder einem Verhalten des Kläger» begründet wird, sondern mit der jetzigen Durchsetzung ge- ändcrter, übrigens in der Entstehung bereit» länger zu- rückliegenber Anschauungen über die Bedeutung der Bluts- Zugehörigkeit, die aber die Weiterbeschäftigung des Kläger» in der leitenden Stellung einer Standesorganisation, ins- besondere auch unter Beachtung der politischen Machtver- Hältnisse nicht mehr zumutbar erscheinen lassen. Bei Beachtung der noch langen Vertragsdauer und der Höhe deS Gehalte» konnte e» dem Beklagten auch nicht ^gemutet werben, dem Kläger bei Verzicht auf seine Dienste da» Gehalt für die restliche BertragSdauer nachzu- zahlen und dadurch die fristlose Kündigung auszuschalten. Nach allem ist die fristlose Kündigung berechtigt." Diese» Urteil hat da» ReichsarbritSgericht aufgehoben und die Sache zu anberweiter Verhandlung und Entscheidung an da» LandeSarbeitSgericht zurückverwie- sen. AuS der mündlichen Begründung des Urteils ist zunächst zu entnehmen, dast die nichtarische Abstammung für stch allein keinen Grund zu fristloser Entlassung abgeben kann. Insoweit bedeutet da» Urteil gegenüber der immerhin nicht ganz sicheren Recht- sprechung der Untergerichte eine klare Richtlinie. Anderer- seit» hat da» ReichSarbeitsgericht doch ausgesprochen, dast die nichtarische Abstammung in Verbindung mit anderen. AW" ständen eine fristlose Entlassung begründen könne, nämum dann, wenn die Weiterbeschäftigung des betreffenden Arbeit- nehmer» sich zum Schaden des Betriebe» auswirke. Bei M* Prüfung dieser Frage müsse aber von objektiven E^- wägungen ausgegangen werden, insbesondere könne wr Boykott vom 1. April 1933 als vorübergehendes Ereignt» den Bruch eines längeren Vertrage» nicht begründen. Da» Urteil de» Reichsarbeitsgerichts zeigt, dast die aussetzungen für eine fristlose Entlastung sehr eng umgrenz' werden. Denn die Aufhebung des landesarbeitsgerichtlichen Urteil» erfolgte, obwohl das ReichsarbritSgericht in setner oben angegebenen Begründung Feststellungen getroffen hatte, auS denen stch eine Gefährdung der Interessen deS beklagten StandcövereinS entnehmen liehe. Das Recht zu fristloser Entlastung bleibt mithin nach Auffassung de» ReichSarbe'tS- gertchtS auf seltene Ausnahmefälle beschränkt. Schutz den Einheitspreisgeschäften Am Mittwoch war in den Straßen Fulda» ei« blatt verbreitet worden, in dem die Schließung de» F«' daer Einheitspreisgeschäfte» gcsordert und zu einer P s o- testkundgrbung eingeladen wurde. Den Versammelten wurde mitgeteilt, dast die Versammlung durch den au» Anlast der Vorgänge nach hier entsandten Vertreter de» Treuhänder» der Arbeit sür da» Wirtschaftsgebiet O*#" 1 ale nicht zulässig bezeichnet und au» diesem Grunde boten sei. Auch müßten die in den Schaufenstern der Ge- schäste angebrachten Protest.Flngblätter sofort entfernt werden. In einer neu einberufenen genehmigten Versammlung erklärte der Vertreter des Treuhänders der Arbeit, Astestor Dr. Röhr jFrankfurt a. M.j: Im wirtschaftlichen Kawpi« hätte das. was anfangs gefühlsmäßig von der politischen Richtung getragen sei. unmöglich aus die Arbeitsplätze über- trägen werden können Daher habe auch der Reichswirt- schaftsminister die bekannte Verordnung erlassen, nach dtt arische und nichtarischc GeschäskSnnternehmungen gleich« zustellen sind- Augenblicklich sei es unmöglich, diejenige« ArbeitSgenosten, die in Einheitspreisgeschäften Beschäftigung hätten, anderweitig in Arbeit zu bringen.— Der bevor- stehende schwere Winter verlange, dast alle bestehenden Ar« beitsplätze gehalten würden. Was im.dritten Reich" vo« zuständiger Stelle verordnet würde, werde ausgeiührt. Der Redner schloß:.Erhalten Tie im Interesse unserer Volk»- genossen die Arbeitsplätze und suchen St« neu« dazu»« schassen, aber zerstören Sie nicht»." frühe Aussichten hei Tietz Nach den Mitteilungen von der Verwaltung bei der Lag« der Warenhäuser im allgemeinen kann es nicht wunder- nehme«, wenn die Gesellschaft feststellt, daß der Rückgang de» Umsätze» der Gesellschaft>« lausenden Geschäftsjahr, insbesondere auch infolge der sür da» Unternehmen seit»*« Frühjahr d«s Jahres entstandenen.außergewöhnliche« Lage", sich in erhebliche« Maße sortgesetzt hat. Der Abbau der Unkosten konnte dem Umsatzrückgang nicht angealich«« werden, so daß für das lausende Jahr mit eine« Verlust »u rechnen ist. Ebenso hat die Ehape, AG. sür Einheitspreise, im zweite« Halbjahr deS om 31. Juli abgelaufene» Geschäftsjahrs unter einem nicht unbeträchtlichen Umsatzrückgang zu leiden. Sle wird daher einen verringerten Gewinn ausweisen. Wie stark die Nmsatzverringerung schon bisher geweiest ist. geht daran» hervor, daß bei Tietz 1930-31 243M, im folgenden Jahr 212 90 und in 1932-83 nur 175,9 Mill, umgesetzt wurden. Bedeutend besser ha» sich der Umsatz bei der Ehape gehalten, der für 1929-30 59.23. danach 71 und für 1931-32«8.00 Mill betrug- Allerdings liegt diele Zahl schon einige Zeit zurück. Die Westdeutsche Kaufbos AG. beschäsngt zur Zeit rund ist 100 kaufmännisches und rund 2700 gewerbliches Personal, dt« Ehape 3400 bzw. 430. Ostpreußen wimmelt von Erwerbslosen Dos ZorOdillnten In die Städte Die berühmten Siege in der ostpreußischen ArbeliSschlacht sind Schwindel gewesen. Da» konnte sich jeder halbweg» vernünftige Mensch denken. Die Provinz war nie einen Tag ohne viele Erwerbslose. Nun lassen auch die amtlichen Ber- lautbarungen erkennen, daß viele zehntausend« Erwerbslose in der angeblich ganz von Erwerbslosen befreiten Provinz vorhanden sind. Auf einer Kundgebung in Königsberg sprach der Vize- Präsident von Ostpreusten, Dr. Bethkr, über die Arbeits- losigkeit. Er führte u. a. auS: Im Kampf gegen die Arbeits- losigkeit habe Ostpreusten seine Pflicht getan. Di« in der ostpreusttschen Arbeitsschlacht geirossenen Maßnahmen seien aber kein Dauer» und Jdealzustaud. SO 000 Menschen habe man draußen mit NotstandSarbeiten beschästig«« tön- nen, mit eintretendem Frost wird aber der größere Teil dieser Arbeiter in die Städte zurücksluten und di« Ar- beitSämter wie zuvor füllen. ES gelt« daher, Maßnahme« zu treffen um für die zurückströmenden Arbeitermaffeu«in« Auffangstellung zu schaffen. Dr. Belhke appelliert« an die ostpreußische Bevölkerung, sie möge restlos zusammenstehen, damit nicht ein Rückschlag im Kamps« gegen die Arbeits« losigkeit in Ostpreußen einsetz«. DaS heißt mithin, dast daS Reklamegeschrei ausgegebet werden muß. Es gibt«in Heer von Erwerbslosen in Ost- preußen das durch öffentliche Mittel und durch Bettel erhalten werden mutz. Samt and Seide Enttäuschungen und Hoffnungen Die Lage in der Kreselder Samt- und Seiden- industrie ist in diesem Herbst sehr uneinheitltch. Während hier und dort gute Nachfrage und ausreichende Beschäftigung zu verzeichnen sind, läßt das Geschäft bei andern Waren sehr zu wünschen übrig, so daß die Beschäftigung in den ein- schrägigen Betrieben nachgelassen hat. Dies gilt besonders für die S a m t t n d ust r i e. Hier haben sich die zu Beginn der Saison gehegten Erwartungen keineswegs erfüllt. Da» Geichäst in P u y s a m t vor allem ist rasch wieder zusammengeschrumpft, da der Filzhut. ebenso wie in den vergangenen Jahren, die Kopfbedeckung ans Samt nicht aufkommen ließ. Auch K l e i d e r s a m t ist nicht im erhofften Maß zur Geltung gekommen. Die Hemmungen, die sich einer ausgesprochenen Samlmode in den Weg stellen, liegen vor allem aus w i r t s ch a s t l i ch e m Gebiet— eS fehlt vielfach noch an der notwendigen Kaufkraft. Die Nach- frage nach Pelznachahmungen bzw. pelzartig aufge- machten Plüschsamten mar, ebenso wie in den ver- gangenen Jahren, wieder ziemlich groß. Aber auch hier machen sich weiter gewisse Hemmungen geltend. ES besteht die Gefahr, daß, wenn man die weib- lichen Arbeitskräfte au» dem Wirtschafts- Prozeß in größerem Ausmaß ausschalten würde.daSModegeschästdadurchinsetnerEnt- Wicklung noch mehr gehemmt würde, da die verdienenden Jungdamen eher in der Lage sind, größere Ausgaben sür modische Klei- d u n g zu machen. Zur Zeit klagt die Modeindustrie allgemein sehr über die nachteiligen Auswirkungen der Uniformtracht, denn viele Mädel tragen nunmehr immer die Uniform- kleiduna. Auch die Seidenindustrie verspürt diese Ein- fliisse- Die Konfektion berichtet über ähnliche Auswir- kungen Allerdings werden dadurch ja andre Zweige der Textilindustrie wieder angeregt und mit neuen Beschäf- tigungsmöglichkeiten versehen. Um einen bessern Ausgleich zu schaffe», werden immer mehr Stimmen laut, die vrr- langen, daß das Tragen von U n i s o r m k l e i d u n g auf die eigentlichen Veranstaltungen beschränkt bleibe.' In der S e i d e n i n d u st r t e und ebenso auch in der Futter st ofsindu st rie war das Geschäft bisher in dieser Saison zwar angeregt, doch vermißte man das etgent- liche große Geschäft, das auf Grund der besseren Wirtschaft- lichen Verhältnisse zu erwarten gewesen wäre. Erfreulich war die Belebung in der K r a w a t t e n st o f f• und Krawattentndustrte: hier war der Auftrags- eingang aus dem Inland und zum Teil auch aus dem Ausland wesentllch besser, so daß Weber und ge- eignete Arbeitskräfte und ebenso auch Heimarbeiterinnen und Krawaltennäherinnen zeitiveise sehr gesucht waren. Neben Binden waren auch wieder NegatteS begehrt. In der S ch t r m st o f f i n d» st r t e hat das Geschäft ange» halten. Zum Teil hat jedoch das im ganzen trockene Herbst- wetter der Entwicklung Abbruch getan. Die Uniformmode hat auch hier die Nachfrage beschränkt, da zu Uniformen natürlich keine Schirme getragen werden. Vle denfsdie Au'oKonlunKfor Die deuische Automobilindustrie hat im Oktober ein- schließlich der mit Motoren versehenen Untergestelle insge« samt 1227 Personen- und Lastkraftwagen im Werte von 2,58 Millionen Reichsmark ausgeführt. Das sind 355 Wagen mehr al» im gleichen Monat des Vorjahres, in dem sich die AuS- fuhr auf 872 Personen- und Lastkraftwagen im Werte von 1,99 Millionen Reichsmark belles. In den ersten zehn Monaten des lausenden Jahres sind insgesamt 11520 Automobile im Werte von 23,03 Millionen Reichsmark exportiert werden gegen 9597 Wagen im Werte von 23,02 Millionen Reichsmark im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Tatfache, daß der Ausfuhrerlös trotz einer der Wagen- zahl nach um 20 Prozent gesteigerten Ausfuhr nahezu unver- ändert geblieben ist, gibt zu erkennen, tn wie starkem Maße der deutsche Kleinwagen auch an den ausländischen Absatzmärkten vorzudringen vermochte. Im einzelnen konnte im lausenden Jahr die Aussuhr von Personenkraftwagen gegenüber 1932 von 7825 aus 9518 Stück und die Aussuhr von Lastkraftwagen von 1772 aus 2002 Stück gesteigert werden. Unter den im laufenden Jahr ausgeftibrten Personenkraftwagen befinden sich 980 gebrauchte Wagen gegen 918 Altwagen tn den ersten zehn Monaten des vergangenen JabreS. Deutschlands weitaus wichtigster Absatzmarkt sür gebrauchte Automobile ist Holland, das im vergangenen Jahr 803 Stück und im lausenden Jahr 793 Altwagen abge- nommen hat. Daneben hat sich in letzter Zeit auch ein ver- hältnidmäßig beträchtlicher Altwagenexport nach Norwegen entwickelt. Nor nodi. zuverlässige" Wirte Auch der Alkohol wird gleichgeschaltet Das sächsische Wirtschaftsmiliisterium weist in einer Ver- orbnung an die Gemeindebehörden darauf hin, daß zu den Voraussetzungen zur Erteilung einer Schankkonzession auch die politische Zuverlässigkeit gehört. Ein Gastwirt komme täglich und stündlich mit Personen der verschiedensten Be- völkerungskreife zusammen, und es sei ihm hierbei die Mög- lîchkrtt gegeben, aus diese Personen unausfällig und unkon- trollierbar in staatsfeindlichem Sinne einzuwirken. Die Kon- zesstonsdehörden werden daher angewiesen, insbesondere Personen, die bisher Angehörige der KPD. und SPD. ge- wesen sind und sich als solche betätigt haben, die Schank- erlaubnio schon aus diesem Grunde zu versagen. Schacht gegen Schleuderpreise Der R e i ch S b a n k p r ä s i d e n t Hai an die dentschen Ex- porteure die Mahnung gerichtet, sie möchten nicht durch Disziplinlosigkeit die gegebenen Möglichkeiten verderben und die Sxportsörderungsmittel zur Schleuderausfuhr be- nutzen. Ausfuhr an sich ist noch kein volkswirtschaftlicher Vorteil. Sie muß sich auch lohnen. Aufwand und Ertrag müssen in angemessenem Verhältnis zueinander stehen. Deutsche Exporteure, die sich gegenseitig hemmungslos unter- bieten, schmälern den Gesamterlös der deutschen Ausfuhr. Tie können dazu beitragen, den internationalen Konkur- renzkampf übermäßig zu verschärfen und damit der allge- weinen Neigung zur handelspolitischen und psychologischen Abwehr neue Nahrung geben. Schon die bloße Kalkn lation wird dem Kaufmann sagen, wie weil er gehen darf. Verteidigt er in diesen Grenzen seinen Absatz gegen aus ländische Valutadumpings, so handelt er auch im Interesse unserer Gläubiger, die nur aus den Erlösen des dentschen Exports befriedigt werden können. toh*on-'lo'*ai! in 2 Tagen Am 1. Mat 1934 wird eine neue Fluglinie Stockholm- Leningrad mit Verbindung nach Moskau eröffnet werden. Die Linie soll in Zusammenarbeit mit der Sowjet-Union von den drei großen nordischen Gesellschaften Aero Trans- port Ltd. sSchwedens, KLM. sHollands und der finnischen Luftverkehrsgesellschaft betrieben werden. Die Sowjet- regierung hat dem Projekt ihre volle Unterstützung zu- gesagt, da die gegenwärtig« Lage in Deutschland es wünschenswert macht, die Verbindung mit Zentral-Europa nicht mebr durch Deutschland herzustellen. Durch die neuen Verbindungen wird die Möglichkeit geschaffen, dir Strecke London—Moskau in zwei Tagen zurückzulegen, ohne deutsches Gebiet zu berühren. Kropp als OewerKsdiaitier? Krupp von Bohlen und Halbach hat all« deutschen Unter- nehmer aufgefordert, in die„Deutsche Arbeitsfront" einzutreten. Er, der Kanonenkönig und„Sozialist" sowie Industrielle wie Thrillen, Vögler oder von Siemens sind zweifellos dle geeignetsten Gewerkschaftsvertreter in Hitler- Deutschland. Ahschwächung Nach dem Monatsbericht de» Röhrenverban- d e S hat der Umsatz an Röhren aller Art auf dem Inland» markt die Höhe der Bormonate nicht ganz erreicht. Diese leichte Abschwächung ist vorwiegend jahreszeitlich begründet. Dle Umsätze im Auslandgeschäst sind»ach wie vor unzulänglich. Oelkönig Rockefeller schwer erkrankt John Davison Rockefeller, der V4jährige amerikanische Milliardär, ist an einer Grippe erkrankt. Selbstschutz oder Aufstand? Widerspruchsvolle Zeugenaussagen der Samstag-Sitzung des Reichsiags-Brandstifter- ßrozeffes werden weitere Zeugen aus der Untersuchungshaft vorgeführt, gegen die kommunistische Umirieböverfahren schweben. Der Zeuge Zimmermann aus Wiesa iErz- «eblrge» war Mitglied der Ortsgrupoe des KampsbundeS. deren Kührer ein gewister Lutz war. Der Zeuge hat in der Voruntersuchung Angaben«der die Vorbereitungen gemacht, die tu seiner Ortsgruppe für bewqfinete Auseinander- etzungen getroffen wurden. Er macht heute seine Aussagen ehr zögernd, und der Vorsitzende steht stch gezwungen, ihm eine früheren vor dem Untersuchungsrichter gemachten Be- Rundungen vorzuhalten, die er dann auch zugibt. Daraus er- »ibt stch. dah Schießübungen und Geländeübungen veran- »aktet wurden. Die Parteileitung habe die Bewaffnung an- «ordnet, die Partei würde zu einem Aufstand ausrufen und du diesem Zweck brauche man Waffen. Der nächste Zeuge. Lorenz, àmt Me Erklärungen »>>rück. die er bei seinen früheren Vernehmungen über die Auntandsvorbereitungen gemacht hat. Gr bestreitet jestt, daß sagen vorhält, die ganz anderS lauten, meint Lorenz, er habe stch damals vielleicht nicht richtig ausgedrückt. Der Vor- sitzende ruft Lorenz zu: .Machen Sie uns doch nicht«»ort Sie habe» hie? i» Ahrer Aussage Me Wahrheit»erschwiegen und habe»»«S an. gelogen!" Der Vorsitzende läßt nun den Untersuchungsrichter. Land- Serichtsrat Dr. Lösche, nochmals vortreten, um ihn über die trüheren Bekundungen de« Zeugen Loren, zu vernehmen. Der Untersuchungsrichter bekundet, daß der Zeuge o«e Dinge so geschildert habe, wie sie im Protokoll stehen. Xjt Zeuge habe auch Angaben über Brückensprengungen gemacht, wovon man nicht sprechen könne, wenn man stch nur wehren wolle. Aus einen Einwand deS Angeklagten D oraler erklärt der Untersuchungsrichter. Torgler tue immer so. alS ob die illegalen WasienbeschaHungen Einzelfälle waren. DaS l,t eine ganz irrige Aufsaffung. An der ganzen Frenze ent- lang hat eine Beschaffung von Waffen zum großen Teil auS der Tschechoslowakei stattgefunden. Politischer Massenstreik Die Zeugen Märtn aus Annaberg. Becker und Schmal fuß aus Kalkenstein bestätigen im wesentlichen dre Bekundungen der vorher vernommenen Zeugen, daß in kommunistischen Kreisen der Plan politischer Mastenstreiks zu Ansang des Jabres 1933 allgemein erörtert worden sei. Das Ziel einer solchen Aktion wäre die politische Macht- rrgreikung durch die Kommunisten gewesen. Die Waisen- beschaff«»« sei notwendig gewesen, weil man mit einem Widerstand der staatlichen Machtorgane habe rechnen müssen. Massenselhstschuts Der Arbeiter B a r n t tz k e aus Grünberg fSchlesienf be- richtet über eine Funktlonärsttzung des Roten Mastenselbst- schütze?, die im Februar 1933 in seiner Wohnung statt- gesunden hat. In der Sitzung sei gesagt worden, die Au?- sichten für einen kommunistischen Sieg seien günstig, wenn jeder seine Pflicht tue. Wenn die kommunistischen Kührer verhaftet würden, dann sollte das für die Kommunisten da? Signal zum Kamps sein. Der Massenielbstschutz, fährt der Zeuge fort, habe die Ans- gäbe gehabt, die Revolution weiterzutragen. Die Anweisung habe stch nicht nur aus Grünberg bezogen, sondern sei ganz allgemein gehalten gewesen, weil mit de« Ausbruch des Kampfes s« ganzeu Reich gerechuet wurde. Bon der vre?- lauer Parteileitung sei für den 3. März eine Probemobil- machung angeordnet worden. Der genaue Zeitpunkt für den Termin der Revolution wurde nicht angegeben. Die wesent- l'chste Bekundung deS nächsten Zeugen Mrunwald aus Sagan besteht in der Wiedergabe einer Aeußerung. die der Leiter der Ortsgruppe Dagan der Partei. Streit, kurz nach dem Reichstagsbrand ihm gegenüber gemacht hat. Streit habe geäußert, daß der Reichstagsbrand als Signal zum Angriff für dir KPD. gelten sollte, daß aber leider verschiedene der in die Provinz entsandten Kuriere abgefangen worden seien. Der Zeuge hat angenommen, baß es sich um Kuriere aus Berlin handelte. „Losschlagen" Der letzte Zeuge ist Pucks aus Berlin-Köpenick, der dem Roten Krontkämpierbund von 1926 bis 1933 angehört hat. Der Zeuge spricht von revolutionären Borarbeiten, die bis zum Losschlagen durchgeführt werden sollten. Vom 30. Januar ab war erhöhte Alarmbereitschaft im RKB., tür den 8. und 4. März war höchster Alarm angesagt. Vors.: Sie haben auch etwas darüber gesagt, daß für den 4. März das Losschlagen geplant gewesen sei. Zeuge: Am 2. oder 3. März wurde»nS erklärt, daß im ganzen Reich losgeschlagen würde. Wenn die Nationalsozia- listen am 4. März in Fackelzügen durch die Straßen zögen, sollte es losgehen, zunächst mit Handgranaten, dann mit Pistolen. ES waren Kuriere eingesetzt, und der Kurierdienst funktionierte auch, bis er am 4. März versagte. Wir saßen zusammen und wußten nicht, waS los war. Auf der Straße trafen wir den Abteilungsleiter und machten ihm Vorwürfe, daß er uns nächtelang ohne Informationen sttzen laste. Der Mann wußte auch nicht, was los war. Darauf haben wir unleren Leuten gesagt, ste sollten nach Hause gehen. Dieses Theater würden wir nicht mehr mitmachen. Dimitroff darf nicht fragen Nachdem nunmehr alle für heute geladenen Zeugen ver- nrmmen find, formuliert der Angeklagte Dimitrofs eine lange Reihe von Kragen, die er an die einzelnen Zeuge» richten will. Als Dimitross immer neue Kragen formuliert, erklärt der Vorsitzende energisch, weitere Fragen laste er nicht zu. Nachdem der Untersuchungsrichter Dr. Lösche und die Zeugen Becker. Schmalluß. Barnitzke und Grunwald noch einige Kragen Dimitrosss. die der Senat nach kurzer Beratung zugelassen hatte, beantwortet hatte, und ein Antrag des Angeklagten Dimitrofs aus Vernehmung des Verfasser» der Schritt„Der bewaffnete Aufstand" abgelehnt worden war. vertagte der Vorsitzende die Weiterverhandlung ans Montag. vimttron unter Ausnahmezustand lieber Dimitrofs ist ein A u s n a h m e r e g i m e ver- hängt worden, indem er den einzelnen Zeugen keine Kragen mehr stellen, sondern nur noch am Schluß der Berhand- lungen die Punkte, über die er Auskunft verlangt, dem Gericht vorlegen darf, damit dieses eine AuSflebung vor- nimmt. Das Gericht lehnt dann alle Fragen, die unbequem sind, in geheimer Beratung ab. vor erfle Tole des Relchsfagsprozesses In Dadran ermordet Die politische Polizei in München gibt bekannt, daß der Gefangene KritzBürkim Konzentrationslager in Dachau am Donnerstag von der Wachmannschaft erschossen wurde, weil er versuchte, einen SA.-Mann zu erwürgen. Eine neue Variation für politische Morde: der Gefangene Bürk ist nicht auf der Flucht erschossen worden, sondern weil er versuchte, einen SA.-Mann zu erwürgen. Unterstellen wir einmal diese Behauptung als wahr, so erhebt sich die Krage, wie man den Menschen gequält haben muß. bis er den sinn- losen Verzweiflungsakt beging, sich inmitten eines durch viele Bewaffnete geschützten Konzentrationslager als wehr- loser Gefangener auf einen bewaffneten SA-Mann zu stürze». Nota einer! In der Nähe von Högel. einem kleine», zwischen Düssel- dors und Esten gelegenen Ort. wurde auf der Flucht ein führender Kommunist und früherer Führer einer söge- nannten roten Armee. Theodor EoerS aus Essen, erschossen. Er hatte einen tätlichen Angriff auf einen begleitenden Beamten oerübt und einen Fluchtversuch unternommen, obioohl ihm vorher für den Fall der Flucht der Wafsengebranch angekündigt worden war. Der Er- schössen« befand sich in einem Konzentrationslager und sollte zur Vernehmung in einer Strafsach« nach Essen übergeführt werden Er war u. a. beschuldigt worden, bei dem kommu- nistischen Mär,ausstand 1930 im Ruhrgebiet führend tätig ge- wesen zu setn. Schweinehunde" Der Wahlaufruf in der Lohntüte Deutsche Männer,„ Deutsche Frauen! Werte Arbeitskameraden! Ein Tag von seltener geschichtlicher Bedeutung ist der IS. November 193«. Nur wenige Stunden trennen nnS noch von dUfm Ereignis, dessen Ergebnis die ganze Welt mit Hochspannung '"Wer'm'it^dem Führer für Gleschheit. l^rechtigkel». Welt- frieden und Gleichberechtigung unteres Volke« ist. stimmt mit ,Ja". Wer aber glaubt, stch mit Vaterlands- Klne neue Aktion dies Pariser Untersuchungsausschusses sum Relchstagsprozeû Paris, 4. Dezember. «sie.Jnpreß" erfährt, wird die vor einiger Zeit be- schlössen- öffentliche Untersuchnng über die unmenschlichen Grausamkeiten der Nationalsozialisten an wehrlosen Gegner» ihrer Politik am«. Dezember in Paris durchgeführt. Zahlreiche angesehene Persönlichkeiten des össentlichen. politischen»nd kulturellen Ledens haben stch iu Frank» reich. England, der Schweiz, in Holland und Amerika de« Patronat über die Enquete- Kommtssion angeschlossen. In Frankreich, wo Frau Pros. Sah» den Vorsitz deS Jniiiaiiv-AuSschusses sühri, u. a.: Andre Gide. Leon Frappie, Andre Biollis. Aurore Sand, Michel Sorday, die Professoren Levy- Brühl, Wallon, Andre Lan gier, Etienne Rabaud. die Advokaten Eampinchi, Chauvin, die Künstler Fernand Leger»nd Kran, M a se reel. Weiter Hai sich eine große Anzahl von Organisationen der Unier- snchung znr Verfügung gestellt. Ans England wird Lord Marl«, mit einer Delegation»on angesehene« Persön- lichkeiie« an der Untersnchnng teilnehme«. Kür den Tag nach Beendigung der Untersnchnng ist«in großes öffentliche» Meeting in Paris vorgesehen. Ungefähr ê S O p i e r des Hiiler-TerrorS,«nier ihnen drei aus Konzentrationslagern Entflohene, werden über ihre S r- lebnisse und das Schicksal von Tausenden Wehrloser, die noch in den Händen ihrer national- sozialistischen Peiniger find, a« s s a g e n. Die Untersnchnng dien« nicht nur dem Ziel, die exakte Wahrheit«der die wirklichen Verhältnisse in den Konzen- trationSlagern»nd SA.-Kasernen dnrch eine große Unier, suchung zu enthüllen. Alle Beteiligten stellen stch ebensosehr die Ansgabe, die össeniliche Meinung der Welt znr Ver- Hinderung derartiger unmenschlicher Handlnngeu ansznruse». ..Sewelsmaterial" geiaisdii Leipzig, 8. Dez. sJnpreß.s Auf die Art, wie die Boruntrr- suchung im Reichstagsbrandprozeß„Beiveismaterial" herbei- geschafft hat, wirst folgender Vorfall ein bezeichnendes Licht: Der bulgarische Angeklagte Poposf erklärt kattgortsch, daß die mit„Peter" unterzeichneten Quittungen sich nicht in seiner Wohnung befunden haben. Er oerlangt hie Quittungen zu sehen,' daS Reichsgericht lehnt ab. Alle bei Popoff beschlagnahmten Schriftstücke seien schon zu Beginn des Prozesses vorgelegt worden? daS genüge. Schließlich werden die Quittungen dem Offizialverteidiger PoposfS, Dr. Teichen, ausgehändigt, und nun stellt sich heraus, daß Poposf sie nie zuvor gesehen hat und daß ste nicht unter den bei ihm gefundenen Papieren waren. Sogar der Ofsizialver- leidiger protestiert gegen die Benutzung solcher Beweismitteln ver«astre Peler DaS Berteidigungskomitee für den Reichstagsbrandprozeß erhielt ein Schreiben aus Berlin, in dem sich derjenige meldet, der die mit„Peter" unterzeichneten Quittungen, die angeblich bei Popoff gesunden wurden, unterfertigte. Da» Berteidigungskomitee hat die Absicht, die Erklärung dieses Mannes sowie seine faksimilierte Unterschrift der Oeffentlich- kett zu übergeben. Verrätern«nd Staatsverbrechern tn eine Reihe stellen zu müssen, der stimme mit„Nein", denn die Ne- gierung legt großen Wert aus die Feststellung, mit wieviel Schweinehunden wir es im neuen dritte« Reich noch zu tu« habe«. Jeder Arbeitskamerad unseres Betriebes, der am 13. November die Eingangspforte unseres Betriebes passiert, muß ein reines Gewissen haben und seine Handlungsweise des 13. November 1933 vor sich, seinen Kindern und der deutschen Geschichte verantworten können. Also: ans«»lere« Betrieb geht alles z»r Urne«nd stimmt mit»Ja", Deutsd ic Stimmen• fteilaüe zur„Deutstfken Freiheit"• Ereignisse und 9estfüdMen »W M Wl l WWM W A» llllßllllllilHlllblllWiUilllIlli Dienstag, den S. Deiember 1933 Vom StcaMeakiadei zum ZCake^ Dec Jhhm'utdelseçen des(deinen Mannes In Gnllspnrh ist das Geschäft aus. Dem Wundermann, der mit dem elektrischen Strahlenbündel in einer Minute alle Krankheiten auslöschte, die den Bemühungen der gelehrten Aerzte getrotzt hatten, ist samt seiner Patentmedizin das Handwerk gelegt worden War der Schwindel zu grob, zu durchsichtig, offenbar? Hat der„gesunde Menschenverstand" in seinen Grundfesten, ein sturmwindhaftes Gelächter angestimmt, das den Charlatan wegfegte? Keine Spur von Gelächter. Keine Spur von Sturmwind. Die Gilde der staatlich konzessionierten Heilbehandler sah ihre Felle wegschwimmen und den goldenen Strom, der auf Grund der Konzession und von Rechts wegen ihre Mühlen zu treiben hat, in ein Bett geleitet, das nicht das ihrige ist. Darum mußte der Wundermann vernichtet werden. Man hätte mit dem Schwindel sich abgefunden, auch in ihm jene Dosis Genialität entdeckt, die die Zünftigen immer fort finden, wo das Volk sie zu sehen wünscht. Die Kirmeß einer Dorfgemeinde wars in Gallspach. 100 oder 300 Menschen höchstens, über denen in jeder Séance des Meisters elektrische Funken sich entluden. 100 000 oder 500 000 segnet in Deutschland des Meisters Hakenkreuz zu gleicher Zeit— und die Menge der in den Segen sich Teilenden tut der Wirkung keinen Abbruch. Wie die 300 in Gallspach nach empfangener Bestrahlung ihrer Krücken ent- raten konnten, fühlen die 500 000 in Deutschland nach der Segnung des Meisters sich aller Gebrechen frei und ledig. Ist der Schwindel im Weltmaßstab, wie er in verflossenen Jahrtausenden ein oder das andere Mal die Welt durchraste, in Bann schlug, in Wahnsinn fiebernd machte? Es ist der Schwindel des„kleinen Mannes", der Inhalt seiner kindhaften Tages- und Nachtträume, die Fibelfilosofie, die Schuster und Schneider angesichts des gestirnten Firmamens ankommt. Der Traum von der Erlösung von allen körperlichen und seelischen Leiden durch das Lebenselixier, von aller sozialen Besch wertheit durch die Patentmedizin des Wundermannes. Was strengt Ihr Euch an. Ihr Machthaber in Berlin, um Euren Gläubigen eine passable Analyse Eurer Arzneien zu geben, was sinnt Ihr über dialektische Feinheiten, über filoso- fiach-sozialökonomische Explikationen? Sagt Euren Gläubigen offen und brutal ins Gesicht, daß Eure Tränke gebraut sind aus den getrockneten Exkrementen vergangener Jahrtausende, vermischt mit allen Abwässern aus den Jauchegruben der alten und der neuen Welt— und seit überzeugt, die Wirkung Eurer Arzneien wird sich noch verhundertfachen. Schwindel? Schon finden sich in aller Welt, auch der außerdeutschen. die Zünftigen die auf Euren hakenkreuz- geschmüekten Haufen nächtlicherweile die Flämmchen der Genialität haben irrlich tern sehen. Schon wird man Zeuge der „geistigen Auseinandersetzung" mit dem System, dessen„geniale Organisation" Ethos und Wirkungskraft aus sich selber zeugt. Die Emanationen des hundertprozentigen Irrsinns, der urzeitlichen Brutalität, des typischen Schwindels werden sublimiert und ins Untypische erhoben. Die Herrschaft, die Dolch und Peitsche, Handgranate und alles sonstiges Rüstzeug der rasenden Bestie über Leibern und Seelen aufrichtete, wurde zu göttlicher Macht, vor der sich in den Staub zu werfen letzte Sehnsucht der Menschheit ist. So wird aus der eindimensionalen Viecherei eine geistige Strömung, aus dem Gestammel eindeutig banaler Allerwelts- sprüche das System von Zeit und Zukunft. Die Erlösung der Welt und Menschheit von allen ihren Uebeln, von Heiligen und Narren oft versucht, soll in Deutschland durch die Mittel des abgründigen Hasses und des Totschlags, durch infamen Rechtsbruch und durch Erniedrigung und Herabwürdigung der menschlichen Kreatur in die Wege geleitet werden. Tortur und Scheiterhaufen: wir kennen die Requisiten noch aus der Zeit, da man seiner sittlichen Sendung sich bewußt war und sich ihrer nach Kräften befliß. Aber wir erinnern uns auch, daß, obzwar der Ruch der verbrannten Menschenleiber ein gut Teil der V elt erfüllte, die Erlöser doch in etlicher Zeit die göttliche Kraft verließ— und die Erlösung Stückwerk blieb, indem sie nur für die relativ Wenigen stattfand, die durch die Flamme in die Seligkeit eingingen. Gegen das Abrakadabra des Wundermannes der Deutschen sind die Gesetze der Logik und die nüchternen Worte des gesunden Menschenverstandes hoffnungslos. Die fetten Schwaden sacharingesüßter Populärfilosofie haften zäh und träge in der gähnenden Leere der Hirnwindungen wie Ka»* gummi am Gaumendach. Ausgelöscht vom seichten Schwatz der Militärrentnerfilo- sofie ist alle Erinnerung an klassenkämpferische Menschenwürde. Sie forderte harte geistige Zucht und persönliche Verantwortlichkeit, sie lud zentnerschwere Säcke von Pflichten auf müde Schultern und zeigte nicht im Hintergründe den gleißenden Jahrmarktshimmel der Seligen, sondern den kahlen Acker, dem eine befreite Menschheit— Spatenstich um Spatenstich— ein karges Dasein abzuringen hat. Hier aber ist ein berauschender Wundertrank, der die von dem jahrzehntelangen Elend nicht aufgefressenen schäbigen Reste der Hirnmasse umnebelt und ihnen eine beglückende Fata Morgana vorgaukelt. Wie konnte die deutsche Menschheit, diese friedlichen, ruhigen, nüchternen, aller Ekstase abholden Massen in diesen Paroxysmus von Haß, Terror und Gemeinheit geraten? Wer dieses Volk kennt und wer mit offenen Sinnen diese schaurige Transformation miterlebt, mitgefühlt, miterlitten hat, weiß sicher und gewiß, daß hier nur scheinbar eine Transformation stattgefunden hat. 100 000 oder eine Million Menschen sind es von allen 60 Millionen Deutschen, deren innere Schmutzigkeit diese Bewegung von je Lebenselement war. Sie sind es, die den 59 Millionen ihren Willen zur Gemeinheit aufzwingen mit Mitteln, die nie in diesem Volke heimisch waren. Es ist leicht, anständige Gesinnung, die nicht mit Widerstandskraft und persönlichen Mut gepaart ist, niederzuhalten, einzuschüchtern, ja, in ihr Gegenteil zu verkehren. Aber man kann sie nicht ausrotten, Lier kurz oder lang wird sie sich wieder an die Oberfläche ringen und schauerlich Gericht halten. Die klare Erkenntnis der begangenen Freveltaten ist eingeschläfert, aber es wird ein Erwachen geben, das elementarhaft und ruckartig den mit Unrat bis zur Decke angehäuften Stall ausmistet. An Euch. Euch, Euch. Ihr 40 Millionen deutsche Arbeiter, war es. den klaren, eindeutigen, hunderttausenmal erwogenen Weg obna Besinnen, ohne Zögern und, ohne Klingelzeichen anzutreten, an dessen Ende der Popanz Adolf Hitler nur eine Laternenverzierung sein konnte. ,,, Kein Wunder wird uns der ehernen Notwendigkeit entheben, diesen Weg zu gehen. Heute oder morgen. Und eine Stunde der Entschlossenheit wird uns zeigen, daß das. was viele für Eisenbeton und Gußstahl halten, Papiermache und Filmkulisse ist. Peter Ber. fa&el Zu Aesops Zeiten sprachen die Tiere, 'He Bildung der Menschen ward so die ihre; Da viel ihnen aber mit einmal ein, Die Stammesart sollte das Höchste sein. .Ich will wieder brummen." sprach der Bär, Zu heulen war des Wolfs Begehr, Mich lüstets zu blöken," sagte das Schaf, \ur einer, der bellt, schien dem Hunde brav. Da wurden allmählich sie wieder Tiere, Und ihre Bildung der Bestien ihre. Franz Grillparzer, 1849. Zu TJlaclucç an de Ein tapfecec JUofessoc- Und Studenten, die ihn anfühlten Während in der ganzen Zeit des politischen Umbruchs keinerlei öffentliche Auseinandersetzung zwischen Professoren- und Studentenschaft der Harburger Universität vorgekommen war, veranstalteten, so berichtet die„Kölnische Zeitung", die Studenten eine große Kundgebung, die sich gegen den Geheimen Justizrat Professor Dr. M a n i g k richtete. Sie war veranlaßt durch Aeußerungen, die der Professor in einem Repetitorium über Bürgerliches Recht getan hatte. Er gab geschichtliche Hinweise auf die internationale Auwirkung kultureller Ideen und Einrichtungen, sprach u. a. vom Lieber- gang des römischen fiduziaren Rechts über das deutsche Rechtsleben und sagte in diesem Zusammenhang, daß ja auch die politische Idee, die Deutschland jetzt beherrscht, im römischen Roden ihre Wurzel habe. Die Aeußerung wurde in der Hörerschaft sogleich mit Mißfallen und Unruhe aufgenommen, und diese Gefühle fanden dann heute zu Beginn der Vorlesung Manigks ungestümen Ausdruck. Die meist in SA.- und SS.-Tracht erschienenen Studenten brachten durch ihrer Führer die Angelegenheit zur Sprache, zeigten sich von der Erwiderung des Professors unbefriedigt und verließen den Saal, um sich auf dem Marktplatz anzusammeln. Dort hielt der studentische Sturmfiihrer eine Rede, worin dem Professor vorgeworfen wurde, daß er den Nationalsozialismus als eine Importware und als eine fremde Pflanze auf deutschem Baden geschmäht habe.„Wir, die deutsche Jugend", so schloß der Redner,„verbitten es uns, von solchen„Führern" erzogen zu werden und wir verlangen, daß Professor Manigk von seinem Lehrstul verschwindet." Nachdem ein zweiter Student in ähnlichem Sinn gesprochen hatte, marschierte ein tausend Mann starker Zua mit Sprechchören und Kampfliedern durch die Stadt. Nachher sprach noch der nationalsozialistische Standartenführer und versicherte, daß er die Forderung der Studenten mit allen Mitteln unterstützen werde. iTlactin Hade, entlassen Marburg, 1. Dezember. Der seit Jahren emeritierte Professor der Theologie an der hiesigen Universität, Martin Rade, weitern Kreisen bekannt als Herausgeber der„Christlichen Welt", ist jetzt auf Grund des Paragrafen 4 des Beamtengesetzes(„Beamte, die nicht die Gewähr bieten, daß sie jederzeit rückhaltlos für den nationalen Staat eintreten, usw.") aus dem Staatsdienst entlassen worden; ebenso Professor Goetze, der über semitische Philologie las. Martin Rade gehörte zum Freundeskreise Friedrich Neumanns. Seine„Christliche Welt" war seit langen Jahren eine Zeitschrift, die von echtem religiösen Erleben getragen, den sozialen Ereignissen unserer Zeit weit aufgeschlossen war. Diese Verfügung gegen Martin Rade ist nicht nur gegen den greisen Theologen und Gelthrten, der schon In der Vorkriegszeit echte'demokratische Gesinung bekundete, gerichtet. Sie ist zugleich eine Kampfansage gegen die opponierenden Professoren der Marburger Universität, deren„Gutachten" wider die radikalen„Deutschen Christen" von den Anschauungen Rades nicht unbeeinflußt geblieben ist. Wir treiben jetzt nach neuer Methode in Deutschland Gelehrsamkeit; nach geopolitischer Mode sind wir an den Grenzen bereit. Die Chemiker züchten Bazillen zu Zwecken, die Banse gelehrt und Pastoren dichten im Stillen die Feldpredigt, längst schon entbehrt. Zum Luftschutzappell schreit, Sirenen schrill- wer nicht gehorcht, sitzt schnell in Haft. Wer Wissenschaft schreiben will, hört im Kolleg Wehrwissenschaft. Man putzt jetzt die Wehrgedanken blitzblank in der Filosofie, gehn zu Grund auch Fabriken und Banken so heroisch war Deutschland noch nie. Man studiert das Gesetz der Vererbung; und der Wenden nordische Zucht, wird aus der Semiten-Verderbung, Potz Odin, zu retten gesucht. Zum Luftschutzappell Schrein Sirenen schrill- wer nicht gehorcht, sitzt schnell in Haft. Wer Wissenschaft betreiben will, hört im Kolleg Wehrwissenschafl. Die braven Historiker lehren jetzt alles in„rassische, Schau", man kann Charaktere entbehren, die Esel sind alle ja grau. Was die Bansen an Wissenschaft haben, in Retorten stinkt es als Gas. Ueber Deutschland fliegen die Raben, denn sie wittern das künftige Aas. Zum Luftschutzappell schrein Sirenen schrill, wer nicht gehorcht, sitzt schnell in Halt. Wer Wissenschaft betreiben will, hört im Kolleg Wehrwissenschaft. Wenzel Sladek• „JUauuxeifi" int Esplanade Papen hat Geburtstag Wer die Volksreden der deutschen Regierungshäuptling* hört oder liest, muß annehmen, diese treusorgenden Väter der Armen seien im Privatleben anspruchslos und bescheiden wie die alten Spartaner am Eintopfsonntag. Und der„Bef* liner Herold", bestätigt das denn auch: „Am Sonntag hatte der Vizekanzler von Papen seinen 56. Geburtstag.. Er ging also am Sonnabend mit den Seinen zu Max Hansen ins„Bezaubernde Fräulein",*»* er herzlich lachte und hinterher ging man auf einen Ball- Per Vizekanzler, der ein begeisterter Sportsmann ist. erschien mit den Seinen knapp vor Mitternacht auf dein großen Ball des Tennisklub„Blauweiß" im Esplanade. D» die Zeitungen schon am Tage vorher die Tatsache seines Geburtstags ausgeplaudert hatten, sprach sich seine Anwesenheit schnell herum, Punkt zwölf Uhr schmetterte db* Kapelle einen Tusch, aus allen Sälen des Esplanade brach aus tausend Kehlen ein donnerndes Hoch aus. Als erster gratulierte von Papens Kollege aus dem Kabinett, der Reichswirtschaftsminister Dr. Schmitt... Ehrenpräsident des Klubs„Blauweiß" ist Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg. Eine vornehme Geselligkeit herrschte«n diesem Abend.. Unter den Anwesenden sah man auch den Polizeigeneral Daluege. der Chef der Geheimen Staats* polizei Dr. Diehls, in der Stahlhelmuniform Prinz Eite Friedrich, in der SS.-Uniform seinen Neffen, den Prinzen Wilhelm von Braunschweig." Im..Esplanade" zu Berlin pflegt man gewöhnlich Wassersuppe zu essen. Trotzdem soll es nicht nur Herr von Papen, sondern auch dem Polizeigeneral Daluege und dem Che der Geheimen Staatspolizei Dr. Diehls ausgezeichnet g* schmeckt haben. Warum audi nicht? Was sollte ihnen den Appetit verderben? Blut sehen sie alle Tage.„Stark in» Ertragen aller Opfer"— so will Hitler den deutschen Mann. Und so ertragen sie denn ihre Opfer mit größtem Gleichmut- Einec, dee sie kennt Wilhelm Stapel auf dem Index Herr Wilhelm Stapel, einer der eifrigsten Propheten de»» „dritten Reichs", wettert im„Deutschen Volkstum" über „Kriechertum und Angstmeierei": „Die seelische Reaktion des Spießers auf die Gewalt überindividueller Mächte, die über ihn dahinhrausen, pflegt zu sein: Aengstlichkeit, Sich ducken und Pfötdien- geben. Damit kommt er überall durch die Welt und durch jede Revolution. Eiligst suchte der Spießer auf dem Parteibüro ein Loch, durch das er in die Partei hineinschlüpfen könnte... Durch Aeußerlichkeiten schmust er sich an die heran die Macht haben um innerlich zu bleiben, was er war, ist und..- sein wird.. Aufmerksam späht er nach dem Munde derer, die sein Schicksal(!) sind. Keinen Gedanken wagt er mehr von sich zu geben, ohne sie durch irgend ein Zitat von Hitler, Göring, Göbbels usw. zu sichern... Ganz besonders devot erfolgt das Zitat dann, wenn der Spießer es als Deckung für seine eigene andere Meinung benutzt, die er nicht klar auszusprechen wagt. Speiübel wird einem von diesem Neubyzantinismus des ewigen Spießers." Ganz unsere Meinung! Aber dieser Neubyzantismus, dieses Kriechertum, diese Angstmeierei sind die unvermeidlichen Folgen eines Systems, das die Freiheit gemordet, den Geist in Fesseln geschlagen, die aufrechten Männer und Frauen in che Gefängnisse und Konzentrationslager gesperrt oder ins Exil gejagt hat! Wer das mit gefördert bat, darf sich über die Folgen nicht beklagen. * Auch Stapel selber nicht. Er seilte jüngst in Hamburg ver Studenten sprechen. Sofort wurde sein Vertrag verboten Chaofemps erster Erfolg Pariser Berichte Pariser Sfraßenhalcnder Die Verteilung de» Goncourt-Prei«e». die die literarischen Kreis«- in Atem Kalt, wurde vom 6. auf den 7. Dezember verschoben. ♦ Der Kanadier Patrick Hardy, der Sohn eines Senators, der •n Paris seine Mutter überfallen hatte, ist für unzurechnungsfähig erklärt worden. * 46 Arbeitslose von Lille, die einen„Hungermarsch" nach »«ris angetreten hatten nnd unterwegs nachts in Scheunen Schliefen, haben die französische Hauptstadt erreicht. » Die Mistinguett ist wieder nach Paris zurückgekehrt und •pielt wieder vor dem Pariser Publikum Der Verkauf der neuen Antituberkulose-Marke„Jena et Santé" hat begonnen Ist Paris nnslllll(Ii? Nach Auffassung von deutschen Heldenjnngfranen mit Dutt ist Paris bekanntlich das moderne Babel. Nach Auffassung der Franzosen hingegen sind Laster, wie sie in Berlin vorkommen, insbesondere das Vorhandensein von Spezialitäten für Roehm-Kuahen und der„Koka"-Verkauf (trotj Marseille) in diesem Umfang für Paris unmöglich. Nunmehr haben im Pariser Stadtrat die Affäre von Violette Nozieres und den„falschen Matrosen" im Anschluß an den Tod des Nachtkönigs Dufrenne zu einer Teigend Debatte geführt. Der Stadtrat Lionel N o s t< i hat Reinigung der Straßenviertel, besonders in lateinischen Gegenden, sowie auf den zwei Bergen verlangt und vor allem will er nicht, daß man echte Studenten und falsche, echte Matrosen und falsche durcheinanderschmeißt. Herr Cbiappe, der Polizeipräsident von Paris, hat geantwortet. Er hat klipp und klar auseinandergesetzt, wie er es in Verbindung mit dem Innenministerium fertig beengt, dac Eindringen der unmoralischen Wellen einzudämmen. Gewisse Laster entschlüpfen zwar der Polizei, da sie nicht straf l»ar sind. Aber, mit schuldiger Reserve, muß festgestellt werden, daß die moralische Gesundheit der wahren Fran- , zosen und der wahren Pariser ebenso wie die der richtigen Studenten und Matrosen außer Zweifel ist. „Meine Wachsamkeit," so schloß der Präfekt und Reiniger des Bois de Boulogne,„wird niemals in dieser Hinsicht mangeln." R'diardlll. des Hordes Oberlahr! Nach besonderen Meldungen ist eben ein Verbrechen aufgeklärt worden, dessen Urheber kein anderer als— „ R i di a r d III. ist, der von Shakespeare besungene königliche Mörder. -, Es handelt sich um die beiden Knaben Eduards IV., die dieser Untermensch, wie Shakespeare das in der berühmten Mörder-Szene schildert, umbringen läßt. Der eine war der 1 Ojährige König Eduard V, der andere sein Bruder Richard, Herzog von Torch Beide wurden im Tower gemeuchelt. Aber bisher war sich die Historie noch nicht einig, oh Richard III oder Heinrich VII der Mörder war. Man schwankte auch, ob gewisse Knochen, die 1674 im Tower gefunden wurden, die der Knaben waren. Jetzt aber haben der Konservator T a n n e r von Westminster Abtei und Professor Wright, Leiter der anatomischen Gesellschaft der Inselkönigreiche, das Geheimnis enthüllt. Soeben haben sie in einem sensationellen Vortrage vor der Gesellschaft der Altertumsforscher von London den Prozeß gegen Richard III. wieder aufgenommen. Am 6. Juli wurde in Gegenwart der Kirchenbehörden in strengster Abgeschlossenheit die Urne geöffnet, die die Reste der Knaben enthielt. Der Anatora Wright hat die Ueber- hleibsel durchforscht und festgestellt, daß es unzweifelhaft die Reste von zwei Knaben sind, der eine 12 bis 13 Jahre, der andere 9 bis 11, beide groß für ihr Alter. Die Konstruktion der Sehädelknochen und das Fehlen der Milchzähne lassen darauf schließen, daß es Brüder waren. Auf dem Kinnbacken des Aelteren waren Blutstropfen, ein Indiz, daß er erdrosselt wurde. Mehrere Dokumente beweisen, daß der Mord 1483 geschah(also 450 Jahre vor dem Reichstagsbrand). Damals regierte Richard III, ihr Oheim. Heinrich VII muß also freigesprochen werden. Thomas Morus, der berühmte Geschichtsschreiber, erlebt mit seiner„Regierung Richards III." eine nachträgliche Rechtfertigung. Nach Morus' Annahme ist der Bericht des Kardinals Morton autreffend Nach diesem drangen die Mörder in die Zelle der schlafenden Knaben ein und erdrosselten einen nach dem andern. Richard III. ließ den Opfern nach dieser Tat ein königliches Grabmal bauen Wo haben wir doch dergleichen auch sonst schon gelesen?— In den Banden des Kantinenmädchens Meli, den 1. Dezember. Da« französische Gericht hat mal wieder mit einem Spion für Deutschland zu tun. Divsmal war es der 22- jährige Zeichner Jacques, der auf einem Trainbureau der neuen Festungswerke von Veckring bei Thionviile beschäftigt wurde. Der blutjunge Mensch wurde durch ein Kantinen- mädchen namens Elise Pfeffer zu seinem verräterischen Werk gewonnen. Br wurde auf dem Metzer Bahnhof verhaftet, als er Kopien von Festungsplänen einem deutschen Agenten ausliefern wollte. Der Täter erhielt 4 Jahre Gefängnis und 100 Fr. Geldstrafe. Man merkt, es riecht immer noch sehr nach Spionen um den friedfertigen Adolf. Das Erbe des Roulette-Fürstentums Das Baccarat- und Roulette-Fürstentum am Mittelmeer hat wiederholt die Gerichte beschäftigt. Die Erbin des alten Fürsten und berühmten Tiefseefoischers, Erbprinzessiii Charlotte Qrimaldi von Monaco, bat trübe Erfahrungen in der Ehe gemacht. «tb. Pari». 2. Dez. Die Sammer Hat Heule nachmittag mit> 2 1 gegen 19 Stimmen beschlossen, bie Interpellation über bie allgemeine Politik ber Regierung bis«ach ver» abschiedung der KinanzlaniernngSgeletze zu vertage». Die Regierung Chautcmps hatte für diesen Antrag die Ber, ranensfrage eingesetzt und blieb somit stegreich. Der Antrag der Regierung, für Beratung der Finanz» laniernngSgesetze baS beschleunigte DringlichfeitSnerfghren zur Anwendung z« bringen swosür Zweidrittelmehrheit not» wendig ifts wurde von der Kammer mit SS 9 gegen If Stimmen angenommen. Sie war mit dem Prinzen Pierre de Pollfjnac verheiratet. Die Ehe wurde 1930 erst getrennt, dann 1983 geschieden. Zu diesem Zwecke tagte der Revislonshof von Monaco als höchstes Gericht in Paris. Präsident Poincaré war Schiedsrichter gewesen. Jetzt klagte die Kasino-Erbin erneut, aber vor dem französischen Gericht, um das Scheidungsurteil in Frankreich ausführbar zu machen. Die Pollgnarf, sind eine der bekanntesten Familien von Frankreich. Einer von ihnen war Kardinal und schrieb vor über 200 Jahren ein berühmtes Buch gegen Lukrez und den Materialismus. Eine war die intimste Freundin von Marie Antoinette.. Einer brachte 1830 das Bourbonen-Königtum durch seine Juli-Ordonnanzen zum Scheitern. Jetzt sind die Ur-Ur-Neffen des alten materialistenfeindlichen Kardinals zur Ehe mit der Croupier-Familie übergegangen, und die Roulettekugel ihres Schicksals rollt weiter. Maisonnette des Comédiens Rnsses Erstklanuges Kestaurant«Cabaret Normale Preise RAPHAEL>r.h ,r ,Mon.co-.NASTIA POUAKOWA und die berühmten russischen Sänger Abendmahlzeit(von 8 Uhr) soupers(bis 1 Uhr) 36. RUE VI VIENNE(BEI BOURSE) PARIS. CABINET E* M ARTELLIERE docteur es droit(Gegründet 1910) MARC LINAlf EMILE TRONQUIT licencié en droit diplômé notaire Conseils juridiques ERNST LANDAU früh. Rechtsanwalt beim Amts, u Landgericht in Düsseldorf 2. Kue des Petits.Pères, I Gesellschaftsverträge PARIS 2^ I Prozessführung T.. Gutenberg 79«42 I Einziehung von Forde« c 1 n Central 40,57| rungen im In, u. Ausland Ein Saar-nim Im Ciné— Paris— wird gegenwärtig eine Filmreportage «La Tragédie de la Sarre" vorgeführt, der von dem Chefredakteur des„Paris-Midi", M. Gabriel Perreu*, kommentiert ist und von M. M. Hudelet et Fassin unter der künstlerischen Leitung M. J. Beer geschaffen wurde. Der kleine Film zeigt Fotos von Saarbrütken nnd Umgebung. Er enthält Erklärungen der aaarländischen Parteiführer, dagegen hat der Führer der Hitlerianor im Saargebiet, wie„Paris-Soir" mitteilt, ein Interview abgelehnt. Im Zeitalter de*„Angebots" Hitlers in der Saarfrage ist diese Ablehnung allerding» sehr pikant. Das Blatt lobt den neuen Saar-Film außerordentlich, empfiehlt den Besuch des Reportage-Film» and fordert mehr Aufnahmen diese* Genres. Der neue Greta-Garbo-Film Nach Nachrichten aus Hollywood heißt der neue Film Greta Garhos in französischer Uebersetzung„ Le voile peint", nach dem bekannten Roman von Somerset Maugham, Drehbuch von John Meehan. Nach Beendigung von„Königin Christine" nimmt die Garbo drei Wochen Urlaub. Die Produktion hat Hunt Stromberg. Der Regisseur steht noch nicht fest. Wagner-nansse. Madrigal and Song Der Zwischenfall um Kurt Weill Die Pariser Wagnermode nimmt ungewöhnliche Formen an: Wer Lnst, Zeit und Geld dafür hat, kann dreimal wöchentlich Wagner-Werke-in der Grande Opera sehen und hören, zum Teil mit illustren deutschen, englischen nnd amerikanischen Gästen. Er kann fast allwöchentlich ein big zwei Wagner-Festivals in den großen Zykluskonserten absolvieren. Er kann sich, ist sein Bedarf damit noch nicht gedeckt, in den Concerts Pasdeloup das Vergnügen einer Konzertaufführung des ungekürzten„Rheingold" leisten. Bei alledem wird er die Probe auf» Exempel seiner Stellung an Wagner machen und wahrscheinlich finden, daß die Kunst des Bayreuthers hier in Paris, wo keine nationalsozialistisch- chauvinistische Aufmachung die Darbietung verzerrt, reiner leuchtet und gegenwärtige! scheint als bei den zur Regel gewordenen..Festen" de»„dritten Reichs", Vielleicht ist es da» hervorstechende Merkmal des Pariser Muusiklebens, daß die Kunst hier trotz aller gesellschaftlichen Bindungen nnd Repräsentationsgelüste noch ein Eigenlehen führt, dem die Politik bis jetzt fast völlig ferngeblieben ist (mit Ausnahmen— versteht sich!). Erfreulich, daß eine aus deutschen emigrierten Künstlern zusammengestellte Sängergruppe„Le Madrigal", die Hans W. David führt, ein prominentes Publikum(im Saal der Eeola Normale de Musique) und herzlichen Beifall findet. Das erste Programm, das neben A-cappella-Gesängen aus der Zeit der fransösischen Renaissance Badis Motette„Jesu meine Freude" als Hauptstück hot, bewies fleißigste Vorbereitungsarbeit und zum Teil ausgezeichnetes Material. Die junge Vereinigung hat»ich mutig gleich an das Höchste und Schwierigste gewagt. Sie wird ihr Programm, vielleicht unter Hinzuziehung alter Instrumentalmusik, erweitern und vor allem aus zeitgenössischem Schaffen ergänzen müssen. Dann wird sie einen festen, wenn vielleicht auch kleinen, Besucherkreis finden. Man wünscht es der Künstler wie alter nnd nener Madrigalmusik wegen. Das Neue fällt auf: ein Konzert des vortrefflichen Chormeister* der Grinde Opera, S i o h a n, das dem Schaffen Arthur Honnegger», vor allem dem wesentlichsten Werk, dem Oratorium„Le Boi David" gewidmet ist. Eine Matinee der Pasdeloup-Konzerte, in der der repräsentativste französische Musiker dieser Zeit, Maurice Ravel, sein Klavierkonzert und seinen„Bolero" selbst dirigiert. Ein Konzert de» Orchestre Symphoniqne de Paris unter Maurice de Ahrs vanals Leitung schließlich, in dem eine Novität Kurt Weill* zu einem sensationellen Zwischenfall führt. Kort Weill ist in Pari» kein Unbekannter. Die„Dreigroschenoper" ist ein ebenso großer französischer wie deutscher Erfolg gewesen.„Mahagonny", das„Ballett 1933", beides audi in Pari» heftig umstritten, hat doch hier wie überall stärkste Beachtung gefunden. Nun hat Madame Madeleine Grey ausdrücklichen Wunsch des Orchestre Sympbonique, das um diese Novität bat, drei Gesänge aus Weills letztem Bühnenwerk„S i I b e r a e e" anr Pariser Erstaufführung gebracht. Die äußerst gelungene fransösische Version des Georg Kaiserschen Textes stammt von Madame Milhaud. Ea handelt sich um„Songs", oder besser gesagt um eine schon wieder— im besten und modernsten Sinne— opernmäßigere Nachfolge der Songmusik, die wir ans„Drei- groschrnoper" und..Mahagonny" kennen. Was zunächst nicht möglich schien, das Genre der zeitgemäßen coupletartigen Liedform in sich weiter ru entwickeln, ist Kurt Weill in seiner Massenoper„Die Bürgschaft" und in diesem wieder zwischen Schauspiel und Oper pendelnden„Silbersee" gelungen. Eine Lyrik, eine eigenartige neue Stimmungskraft und ein Streben zur großen Form hat den ursprünglich in Literatur und Kabarett beheimateten Song-Typ auf eine musikalische Ebene gebracht, die seine Verpflanzung in den Konzertsaal rechtfertigt. Das Publikum im Saal Pleyel erzwingt sich eine Wiederholung, bei deren Beginn es zu jenem merkwürdigen, von der Presse übertriebenen„Zwischenfall" kommt: der bekannte fransösische Komponist und Musikkritiker Florent Schmitt ruft nach einigen alarmierenden Pfiffen„Vivo Hitler" in den Saal. Er will damit, so äußert er sofort, keine Politik in den Konzertsaal tragen, aber er will gegen schlechte deutsche Komponisten— auch wenn es Emigranten sind— in ersten Pariser Konzerten protestieren. 1st diese Form des Protestes nötig für eine Autorität, der die erste Pariser Tageszeitung als Organ zur Verfügung steht? Möglich, daß Florent Schmitts fachliche Meinung berechtigter ist als die hier geäußerte— alle Kritik ist ja leider oder glücklicherweise subjektiv und also relativ— über die Form, in der sie geäußert wurde, brachte eine andere als die von Herrn Schmitt beabsichtigte Wirkung: Er hat jenen hitlerdeutschen. Kreisen eine Freude gemacht, dir«ich nie und nirgend« für dir Aufführung auch der besten französischen Musik in Deutschland einsetzen werden. Man erinnere sich: 1913 wurde Igor Strawinskya -Sacre du Printemps" im Theatre des Champs Elysees niedergezischt, 1930 versuchten einige Naiijünglinge Darius Milhaud*„Columbus"-Erfolg in der Berliner Staatsoper nieder au brüllen. Dir Pariser Wagtierhausse des Jahres 1933 zum Beispiel zeigt ja. daß allein die Zeit ein gerechte« Werturteil fällt. Paul Walter. fachm»nn«0r Propaganda i Fran tose) mit eirenem Büro, ringe iragene Firma, großem Kundenkreis, sucht rwect« Vergrößerung seines Wirkung»*rel»e- aktiven Teilhaber mit 15**000 Fr Kapital. Offerten an Puhl Metz 1, Paris, 51, rue Turbico Nr. I'5 TeitKa er mil M Ma I») Mill H' -T a«m.pieth r d- SV 1!• 'find»v it, Ei**ß-Lt>'hr im» f. o,kirne«, Itr. v«c) K-tucfat. OH. Mb>>«rdwi vmb»m a.4...Dcui,che Freiheil" Auen dia..Mama Anzalao"'n de ,Deutschen Frei -lett' nr nn' Eriei« I FARIS-ETOILr ». RUE O'ARM AILLE iiiziiiiiliff r erühmi durch tttne vortrefflich« Küche u. sein« Spezialitätrn. Stark hwwht von deutschen( I Téléphone Kfoile| IQniSDBHHEBl Bar-Cabare««Dancinq ArrgAKTioNKN MONTPARNASSE ». RUF BRI A TFLfPHON DANTONM-S* Di« ganz« Nach, eröffnet Mit dieter Annonce bekommen Sie 10% Preit«nn3ßi«t»hff. 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Leider ist es ja manchmal beut- zutage so, dah man seinen nächsten Mitmenschen nicht mehr trauen kann. Der Hunger ist groß. Dazu kommt der grobe Druck, den alle Stellen ausüben, die irgendwie mit der Ver- teilnng von Unterstützungen zu tun haben. Manch einer hat in der Verzweiflung den Kopf verloren und ist bei der letzten Aufhebung der Aufnahmespcrre hingelaufen, um sich in die SA. ausnehmen zu lassen. Auch M. hat nunmehr diesen Schritt getan. Ich habe ihm schwere Vorwürfe gemacht. Aber er gehört nun einmal leider nicht zu den Kämpfernaturcn, die lieber verhungern, ehe sie das bemühte Hemd wechseln. Als ich ihm Vorhaltungen machte, antwortete er, ob ich ihm Stiesel und Brot geben könne... Du kannst glauben, wir haben uns an vieles gewöhnen müssen. Es macht bestimmt kein Vergnügen, hier in Arbeit zu stehen. Manchmal möchte man den ganzen Dreck hin- schmeihen und davongehen. Dabei muh man noch froh sein, dah man als„ehemaliger" Sozi überhaupt seine Familie vor dem gröhtcn Hunger schützen kann. Am Samstag hatte unsere Firma„Deutschen Abend". Jeder Werksangehörige muh hin oder er fliegt. Ich kann Dir sagen, es wird einem übel, wenn man dieses Geseire miterleben muh. Dagegen waren die alten Harmonie- verbände die reinsten Klassenkampsorganisationen. Am Mittwoch ist eine Versammlung im Sportpalast. Er- scheinen ist Zwang. Es wird genau kontrolliert. Am Freitag stellt sich in einer Abteilungsversammlung der neue Nazi- bonze vor. Also Pslichtversammlung. So geht das jede Woche drei-, viermal. Eintrittsgeld beträgt im Durchschnitt 40 bis 80 Pfennig. Dafür hast Du dann das Vergnügen, Dich be- schimpfen und Dein Ehrgefühl in den Dreck trampeln zu lassen. Und wehe dem, der sich weigert oder sich sonstwie verdächtig macht. Wir haben in diesen Tagen erst wieder den Fall mit dem alten... mann erlebt. 27 Jahre hat er in seinem Be- triebe gearbeitet. Eine unbedachte Acuherung und schon war er draußen. Er hat Einspruch erhoben. Antwort darauf bc- kam er— Du wirst lachen!— vom Polizeipräsidium: Der Einspruch wird abgelehnt wegen Verdachts staatsfeind- licher Gesinnung. Im übrigen solle er froh sein, dah er noch- mal so davongekommen sei. Als er nach Hause kam, hat er sein Anerkennungsdiplom für fünfundzwanzigsabrige treue Mitarbeit, unterzeichnet vom Altvater Hindenburg, in den Ofen gesteckt. Aber trotz aller Not ist die Stimmung hier so, dah wir zu- frieden sein können. Nachdem der erste Schreck vorüber war, haben sich viele gefunden, die begeistert mitarbeiten und Kops und Kragen riskieren, um den Sturz dieser Gesell- schaft vorzubereiten. Oftmals muh man sich wundern, weil diese neuen aktiven Kräfte vielfach bisher völlig unbekannt sind, während mancher von den früher Guten heute versagt. Aber das kommt wohl bei den Alten daher, daß ihre Kraft verbraucht und ihr Wille nun nicht mehr stark genug ist. Die dauernden Aufmärsche,„freiwilligen" Sammlungen, Eintopfgerichtstheater und Abzüge wirken ans die, die in ihrem ganzen Leben nichts anderes als Eintopfgerichte auf dem Tisch gehabt haben, besonders revolutionierend. Du machst Dir keine Vorstellung, wie beispielsweise der Mittel- stand meckert. Ja. diese Brüder haben sich eben zu gründlich verrechnet. Die dachten, der große Adolf würde ihnen die Kunden in ihre jämmerlichen Budiken treiben. Und nun geht es ihnen hundertmal dreckiger als vorher. Das kommt zum Teil daher, dah die Leute kein Geld mehr haben, etwas zu laufen. Zum andern aber hat sich ein großer Kreis von Ge- nossen gefunden, der um die Ladentüren derjenigen, die früher ausgesprochene Hitler-Fritzen waren, herumgebt. Das erhöht natürlich die Meckerei ungeheuer. Dadurch wird die Stimmung oegen die Hitler-Bonzen in diesen Kreisen von Tag zu Tag schlechter. Und dann erst die ST. und SA. Man kann den Eindruck aben, als säße die nationale Regierung aus einem brodeln- en Vulkan. Die rauhen Kämpfer hatten sich die Belohnung für ihre an unseren Leuten verübten Brutalitäten wesentlich anders voro-'ieNt Darum es dauernd heftige Dis- kussionen und Revolten. Haben die Bonzen an einer Stelle den Brandherd notdürftig ausgetreten, so schlagen die Flammen an einer anderen Stelle um so höher. Erst in der letzten Woche haben sie wieder über hundert SA.-Leute vom Wedding in das Konzentrationslager Oranienburg gebracht. Nunmehr stalten sie überall große Appelle ab, wo die Lamettabonzen allerlei zu hören kriegen. Diese Appelle haben den Zweck, eine alte Garde mit besonderen Abzeichen zu „ bilden, die die aufsässigen^ttler-Soldaten in Schach halten sollen. Wielange wird es dauern, bann müssen sie eine noch ältere Garde bilden, die die alte Garbe zur Ordnung rufen muh. Du warst in Deinem letzten Schreiben ein wenig pcsst- mistisch und hast gemeint, es würde wohl sehr lange dauern. Sicher ist der Sturz dieses Reaimes keine Sache, die sich aus heute und morgen ins Auge fassen läht. Trotzdem sind w:r guter Zuversicht. Denn der Hitler-Schwindel war zu vvh, um diese Diktatur mit den Mak-ctäben anderer Diktaturen zu niesien. Außerdem weiht Tu ta, wie unsere alte Paro.e lautet:„Tempo. Tempo, Kameraden." Nun laß es Dir aufgehen und den Kopf nickt hängen. Warte mit dem Schreiben, bis ich Dir eine neue Adresse mit- geteilt habe. Alle Freunde lassen grüßen. Dein O... llllMibMlinif sJnpreh.s Im Konzentrationslager Brandenburg war kürzlich eine Besichtigung durch ausländische Journalisten an- gesagt. Alle Gefangenen wurden vorher zum Rasteren kommandiert. Für jeden Internierten wurde ein Strohsack bereitgestellt, während sonst mehrere zusammen aus einem Strohsack schlafen mutzten: dann gab es sogar ein festliches Mittagessen.., Nach der Besichtigung muhten die neu ausgegebenen Stroh- sacke sofort zurückgebracht werden, und es gab wieder daS frühere kaum genießbare Essen. Man schreibt uns aus Mitteldeutschland: Die dreizehn Todesurteile, die das Schwurgericht in Dessau im Hecklinger Mordprozeh gefällt hat, haben in Mitteldeutschland eine furchtbare Erregung in der Arbeiter- schaft ausgelöst. Hecklingen ist ein Landstädtchen mit etwa 10 000 Einwohnern. Es liegt an der preuhilch-anhaltftchen Grenze und war schon vor dem Kriege stark sozialdemo- krattsch. Nach dem Kriege mar das Städtchen oft der Schau- platz heftiger politischer Kämpfe. Die sozialdemokratisch ge- leitete Stadtverwaltung war der Angriffspunkt für rechts und links Die Einwohnerschaft hatte unter der Not besonders stark zu leiden Ringsum waren die Kohlen- und Kaligrubcn still- gelegt. Ungeheure Arbeitslosigkeit trug dazu bei, dah ständig eine Atmosphäre der Erregung herrschte. Die Bergleute wurden in verhältnismäßig jungen Jahren von den Gruben- Verwaltungen entlassen, und sie muhten von ihren niedrigen Renten leben. Der Schreiber dieser Zeilen hat die bedauerns- werten Opfer der Wirtschaftskrise oft in Versammlungen vor sich gehabt. Und oft hat er ihren Unwillen über die Lage entgegennehmen müssen. Man muh diese abgehärmten Ge- sichter der Männer und Frauen gesehen und studiert haben um zu wissen, wieviel Disziplin ihre Träger trotz all ihrer Not beherrschte. Man muh die hoffnungslose Lage der In- gend dieses Gebietes und ihre sonstigen Nöte gekannt haben um zu begreifen, dah jeder Nazilümmel, der vom Unter- nchmer bezahlt wurde, in einer solchen Stadt als Provoka- tcur wirken muhte. Und nun erst der erschossene Zicslik. Wir wollen den Mord nicht gutheißen. Aber Ziesltk war ein Provokateur. Er mar es, der Abend für Abend wie ein Pfa« In die KPD-Kneipe ging und herausforderte. Er war es, der jeden sozialdemokratischen Arbeiter, jeden Reichsbanner- mann, jede» Kommunisten aus der Straße anpöbelte. Er war es. der sozialdemokratische und kommunistische Ber- sammlungen zu sprengen suchte- Was Wunder, dah man ihm gern einen Denkzettel verabreichen wolli«. Wir haben die feste Ueberzeugung, daß die sogenannten Mörder an jenem verhängnisvollen Abend 1932 von ihm aufs schwerste ge- reizt worden sind. Es war gerade Wahlzeit, und die Nazis traten überall provokatorisch aus. Zieslik war überall dabei, wo es zu Raufereien kam: er war es, der ständig mit. der Pistole herumfuchtelte. Und in Anhalt, wozu Hecklingen ge- hört, gab es schon damals keine objekliven Richter mehr, denn Anhalt hatte bereits eine Naziregierung unter Herrn Fey- berg. Die Republikaner waren rechtlos. Kann man da nicht verstehen, wenn Arbeiter sich vor solchen Rowdys zu schlitzen suchten? Der oder ich— so stand es damals in Anhalt bei Zusammenstößen. Um den Tod dieses„Edelmcnschen" zu rächen, haben die Desiauer Richter 13 Arbeiter zum Tode verurteilt. 13 s ll r einen! Warum? Nur weil sich nicht nachweisen ließ, wer geschossen hatte. Wie aber sind anhaltischc Richter in anderen Fällen ver- fahren? Im August 1032 kam an einem Sonnabendabend eine Desiauer Reichsbannerabteilung auf Rädern von einer Tour ans Zerbst zurück. An ihrer Spitze ihr Führer Feuer- Herdt. Sie hatten eben ein nationalsozialistisches Garten- lokal passiert. Da gab es hinten Krach. Die Nazis überfielen die letzten des Radfahrerzuges. Feuerherdt fuhr sofort an das Hintere Ende des Zuges. Er hatte eben das Kommando „Weiterfahren" gegeben, um es nicht zu einer wüsten Schlä- gerei kommen zu lasten. Da kam aus dem Garten ein Nazi- mann angelaufen, und er schoß sofort auf Feuerherdt. Dieser stürzte getroffen vom Rade. Die NaHbande siel über ihn her und bearbeitete den zu Tode getroffenen mit Messern. Am andern Tage starb Fcuerherdt nach fürchterlicher Oual. Die Dessauer Richter bzw. der Staatsanwalt? Was tat die hohe Justiz? Sie stellte das Verfahren ein, weil ber oder die Mörder nicht festzustellen waren. Die Mitteilung darüber an die Witwe des Ermordeten enthielt die Bemerkung, dah das Verjähren auch eingestellt worden sei, weil der Ermordete selbst Schuld au seinem Tode gewesen ici. Ein anderer Fall. In der Nähe von Hecklingen liegt S t a h s n r t. Diese Stadt hatte seit Jahren einen sozial- demokratischen Bürgermeister. Hermann Kasten hieß er. Ein außerordentlich tüchtiger Mann, dem kaum jemals ein Mensch wegen seiner Geschäftsführung Vorwürfe gemacht hatte. Er hatte die unter vorheriger bürgerlicher Verwaltung völlig verlotterten Finanzen in Ordnung ge- bracht. Die Stadt konnte sich glücklich schätzen, ihn zu haben. Aber er mar Marxist. Das war der Grund zu einer stän- bigcn. Hetze gegen ihn. Und eines Abends, als er. von einer Landtagssitzung aus Berlin kommend, soeben seine Garten- pforte ausgeschlossen hatte, knallte ein Schuh. Kasten zu Tode getroffen, brach zusammen. Die ganze Nacht wand er sich in Todesqualen. Er konnte nur noch den Täter als einen jungen Mann mit Schülermütze nennen. Dann starb er, im besten Mannesalter von 18 Jahren. Der Schüler wurde verhastet. DaS war im Januar dieses Jahres. Ansang Februar wurde dieser Lümmel entlassen und auher Verfolgung gesetzt. Kein Richter fand sich, der diesen jungen Mann aburteilte. Heute ist er strammer TA.-Mann und verprügelt Arbeiter. Der Witwe des verstorbenen Bürgermeisters Kasten ent« zieht man die Witwenrente. Das ist Recht im„dritten Reich". Alles das wissest die Arbeiter in Mitteldeutschland. Und nun müssen sie mitansehen, wie für einen Nazi-Rowdy dreizehn Arbeiter zum Tode verurteilt werden. Alles bäumt sich in ihnen auf. Nur noch einmal Rache nehmen für soviel Unrecht. Das ist ihr Wunsch und Wille. Wehe euch ihr „Richter" des„dritten Reiches". Ihr werdet Sturm ernten. Die Welt aber, was sagt sie dazu? Wird sie erst erwachen, wenn sie von Herrn Hitler so behandelt wird, wie jetzt im Innern Deutschlands die freiheitliebenden Menschen? B^EFXAST^N Die neue Wcltbühne, Prag 1, Melantrichova 1, Nr. 48 ist soeben erschienen und enthält folgende Beiträge: Willi Schlamm„So wollen wir Deutschland": Leo Trotzki„Pazifist Hitler": Adolf Hitler„Mein Kampf gegen Frankreich"? Heinrich Mann„Die Erpresser": Ein Jurist„Lübbe bebt den Kopf": Heinrich Fischer„Deutsche Christen" und ein Ehrist": „Die Hüter der Flamme": Hermann Eschwege„Wunderland Italien". Die„Neuen Deutschen Blätter", Nr. 3, erschienen in ver- stärktem Umfang und bringen einen interessanten Brief- Wechsel zwischen Stefan Zweig, Ernst Fischer und Wieland Herzfelde sowie Hermynia Zur Mühlen und dem Engelhorn-Berlag, Stuttgart, unter dem Titel„Briefe, die den Weg beleuchten". Weiter Balder Olden:„Mir wäre nichts Besonderes passiert". Briefe von Ludwig Börne, Prosa von Theodor Plivier, Stefan Hochrainer, F. E. Weiskops u. a. sowie in der„Stimme aus Deutschland" ergreifende Schilderungen wirklicher Ereignisse sowie einen Original-Jnstruktionsplan für den Horst-Wessel-Sturm Lichterfelde. Eine Auseinander- setzung:„Zwei Grabreden aus Karl Kraus", eine Satire „Das erlösende Mittel" von OSkar Baum, Buchkrittken, Glossen usw. beschlieben das 72 Seiten starke Heft. Preis: Kc 6,50. Für den Kesamtinlialt verantwortlich: stoftann Pitz in Tud- weiler: iür Inserate: Ctto R u 1, n in Huarbrüctfn Nalaiiansdiuck und Bei lag: Bering der VoUsslimme JjtsecateHcutnaPune FÜR STRASBOURG £i&caicie JlopuCaicz 2, RUE SEDILLOT 2 Gesurft t Out elngrf. Reisende In Papier- and De- volionalien-Ceschäften für Saargebiet gesucht. Neuer Artikel Erfeig gesichert. Librairie„PROGRÈS" Iür F. 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