Ans dem Inhalt 37 in dee Jxnieszeile Seite 3 £et»er programmatischen Rede seiner Ostpolitik eröffnete. Er 'brach zunächst die jetzt parteiamtlich vorgeschriebenen pazi- witschen Formeln für den Frieden: Deutschland denke nicht daran, die furchtbare politische Lage su irgendeinem Angriff gegen andere z« benutzen. Es wolle stch nur tiefere Rechenschaft darüber ablegen, was sich ans dem Boden im Osten früher abgespielt hat und wie die Dinge hent« liegen, um dann die Frage zu stellen, w i e aus dieser für alle furchtbaren Lage ein Weg aufwärts gefunden werden könne. Nach diesem schönen Friebensbild aber entwickelt Rosen- r'erg die blutige Viston eines umfassenden europäischen Bundes gegen die Sowjetunion. Er gruppiert Europa gegen àie„kommunistische Weltanschauung": Di« Tatsach«, daß die früher unter russischer Herrschast stehenden Völler sich von der kommunistischen Weltanschauung staatlich Und politisch losgelöst und Europa zöge- wandt hätte«, sei»on weltgeschichtlicher Bedeutung inmitten der großen Entschr.dungskämpsc sozialer Art, die durch alle Völker hindurchgingen. Rosenberg will also, daß ein Staatenblock von den Rand- staaten an der Ostsee über Polen und die Tschechoslowakei bis nach Ungarn und dem Balkan stch unter deutscher Führung gegen den Bolschewismus zusammenfindet. Auch das übrige Europa soll sich unter der Losung„Wahrt eure helligsten Güter" zusammenschließen. Es ist die alte wil- helminische Parole. Rur daß ste jetzt nicht gegen die„gelbe Gefahr" im Fernen Osten geht, mit der man sich im Bunde Legen die Russen weiß, sondern gegen die„rote Gefahr", nicht nur der Rüsten, sondern auch inmitten der eigenen»Im« V1a#S> 11F Alllh»hoililil' Völker. Rosenberg spekuliert auf faschistisch-kapitalistische Ig|ÛH|* Ara fin II I|l[fllf'||(||" Hastinstinkte aeaen den marxistischen Sozialismus, als er*/»^ Hastinsttnkte gegen vr» dessen Bollwerk Rußland getroffen werden soll. In Wahr- heit ist das alles nur Mittel zum Zwecke einer großen all- deutschen Expansion im Osten als Vorbereitung für das erträumte Alldeutschland, das alle deutschsprachigen Gebiete in Europa umfassen will. Die Nationalsozialisten reden im Bewußtsein der noch mangelhaften militärischen Vorbereitung vom Frieden, aber ihre Politik rechnet mit dem Kriege und ist auch nur krie- gertsch zu verwirklichen. .«lock der Kleinen'' In einem Aufsatz„Allerhand Ungewißheiten" beschäftigt stch die Basler„N a t i o n a l- Z e i t u n g" mit der Vielfalt der außenpolitischen Probleme in Europa. Das Blatt untersucht sehr kritisch die englische Politik: Ebenso bedenklich ist die Ungewißheit über das Ver halten Englands in einem Konflikt zwischen Deutschland und Frankreich. Sie isoliert Frankrcich-Belgien gegen- über Deutschland und Italien. Fe starrer solcherart die FriedenSthcorie verteidigt wirb, desto näher droht der Krieg in der Wirklichkeit. Auch für England. Denn nie- mais könnte es ein besiegtes und vernichtete« Frankreich neben sich ertragen, die Deutschen am Kanal stehend. Vor macht in Europa, jederzeit England ihr Gebot auserlegend. Sein ganzes Empire, alle Bedingungen seiner Wirtschaft wären dann in daS Belieben der Berliner Weltgebietcr gestellt. Niemals könnte England dies dann gestatten, sein Eingreifen iväre ebenso und noch mehr als Ulks unver- metbbar. Aber so wie damals eben der Glaube an Eng landS Neutralität die Reichsregierung zur Fntranstgenz ermutigte, so hätte bei einer ähnlichen Entscheidung der Zukunft der Glaube an Englands Neutralität die gleichen verhängnisvollen Folgen. ES scheint unfaßbar, daß ein Volk ans dem ungeheuren Fehler einer so nahen Ber- gangenheit so gar nichts gelernt zu haben scheint. Dann verweist die„Rational-Zeitung" auf den Willen der faschistischen Staaten, bloß das Recht der großen Mächte anzuerkennen. Der Aufsatz schließt: Der deutsche Ruf nach Gleichberechtigung führt solcher- art dahin, baß die faschistischen Staaten eine Einteilung der Staaten in solche erster und solche zweiter Klasse be- gründen wollen, wobei Besitz und sogar Existenz der Kleinen ganz in daS revisionistische und eigennützige Belieben der Großen gestellt wären. Umso nützlicher wäre eine Organisation der Klein- und Mittelstaaten, die als Verteidigung auch dann unerläßlich wäre, wenn Frankreich der Verlockung wider- steht und England spät und hoffentlich nicht zu spät er- kennt, wie sehr es stch jetzt an Suropa versündigt und sich selbst gefährdet. Hitler, der Pazifist, sucht eine Unterhaltung zu zweien ..litriiu«", Pari« Im Gebiet von Odessa liegt eine große bäuerliche Kollektivwirtschast, die seit ihrer Begründung„Krasny N e s a m o s ch n i k".„Der rote Arme", heißt. Denn es waren die Armen der Dörfer, die diese bäuerliche Kollektivwirtschaft begründet haben. Heuer hatte diese Kollektivwirtschaft eine ausgezeichnete Ernte. Sie hat den Pflichtteil an Getreide an den Staat abgeliefert und hat dabei nicht nur so viel erübrigt, als zur Ernährung der Mitglieder der Kollektivwirtschaft und zur Fütterung ihres Viehes erforderlich ist, sondern auch Ueberschüsse, die sie jetzt auf dem freien Markt zu höheren Preisen verkaufen kann. Die bäuerlichen Mitglieder der Kollektiv- Wirtschaft haben dieses Ergebnis ihrer Jahresarbeit mit einem großen Fest gefeiert. Bei diesem Fest haben sie beschlossen, ihre Kollektivwirtschaft umzutaufen. Sie soll jetzt nicht mehr„Krasny Nesamoschnik", sondern„Krasny Samoschnik" heißen, nicht mehr„Der rote Arme", sondern „Der rote Wohlhabende". Diese Umbenennung einer großen Kollektivwirtschaft ist ein Symptom der Wandlungen, die sich eben jetzt, nach zwei sehr schweren, sehr harten Iahren, in der Sowjet- union zu vollziehen beginnen.„Die Bauern wohlhabend zu machen", hat Stalin als die nächste Aufgabe der Sowjetunion bezeichnet. Der bäuerliche Wohlstand ist nun freilich noch immer nur Programm und Verheißung, noch nicht Wirklichkeit. Aber es ist der Sowjetregierung immerhin gelungen, die bäuerliche Anarchie, die nach der Kollektivisierung der Bauernwirtschaften auf dem Lande eingerissen war, so weit zu überwinden, die kollektivisierte bäuerliche Arbeit so weit zu organisieren und zu diszipli- nieren, daß heuer eine wesentlich größere Ernte ein- gebracht werden konnte. Und auf dieser Grundlage unter- nimmt die Sowjetregierung jetzt in der Tat sehr ernst- hafte Versuche, das Lebenshaltungsniveau der bäuerlichen Bevölkerung zu heben. Zunächst wird ein großzügiger Versuch unternommen, den bäuerlichen Viehstand zu vergrößern. In den Kollektivwirtschaften sind nur der Grund und Boden, die Maschinen und Geräte und das Zugvieh Gemeinbesitz. Dagegen sind Haus und Hausgarten, Milchvieh und Ge- flügel individuelles Eigentum des einzelnen Bauern. Der Viehstand ist aber im Verlauf des gewaltsamen Kollek- tioisierungsprozesses sehr arg verkleinert worden. Die Sowjetregierung will nunmehr den individuellen Besitz- stand der Bauern an Milchvieh vergrößern: das ist nicht nur ein wichtiges Mittel, die Bauern„wohlhabend zu machen", sondern auch ein Mittel, den Mangel an Milch und Butter, der in den russischen Städten immer noch herrscht, zu überwinden. Zu diesem Zweck nun will die Sowjetregierung im Verlauf des heurigen Wirtschafts- jahres nicht weniger als anderthalb Millionen Kälber auf« uaufen und auf die in den Kollektivwirtschaften organi- sierten Bauern verteilen. Die Bauern sind in Rußland oerpflichtet, bestimmte Mengen Milch und Fleisch zu den gesetzlichen Preisen an den Staat abzuliefern: denjenigen Bauern nun, die dem Staat Kälber abliefern, wird ein Teil ihrer Milch- und Fleischablieferungspflicht erlassen. Dadurch wird zwar vorübergehend die Versorgung der Städte und Industriegebiete mit Milch und Fleisch er- schwert werden: aber dafür wird der Staat dadurch in der Lage sein, die anderthalb Millionen Kälber aufzubringen, die er den Kollektivwirtschaften zuweisen wird. Die Kollektivwirtschaften werden die Kälber dann den einzel- nen Bauern zuteilen, wobei in erster Linie die„Stoß- bri^adiere", die besten Arbeiter der Kollektivwirtschaften, berücksichtigt werden sollen. Auf diese Weise soll die Zu- teilung von Kälbern auch eine Prämie für gute Arbeit für die Kollektivwirtschaft und dadurch ein Mittel zu weiterer Intensivierung und Disziplinierung der kollektiven bäuer- lichen Arbeit werden. Daneben aber sollen insbesondere die- jenigen Wirtschaften berücksichtigt werden, die überhaupt keine Milchkühe haben. Die„Liquidierung der Kuhlosig- heit" ist eines der Ziele der Aktion. Gelingt die Aktion, so wird sie sicherlich dazu beitragen, sowohl die Leben». Haltung breiter bäuerlicher Schichten zu heben, als auch die Milchversorgung der Städte zu verbessern. Man hat in der kapitalistischen Presse aller Länder in den letzten Iahren sehr viel über das Elend der russischen Bauern, über die Hungersnot in der Südukraine und im Nordkaukasus geschrieben, lieber die himmelschreiend« Rot der Arbeitslosen in den kapitalistischen Industrie- staaten der ganzen Welt, über die furchtbare Not und Kulturlosigkeit der Bauern in den Dörfern des faschisti- Jchen Unter- und Mittelitalien, des faschistischen Polen und Ungarn ist viel weniger geschrieben worden. In der Tat war die Lage in Rußlant sehr schlimm: es hat Zeit ge- braucht, um die desorganisierenden Wirkungen des über- hasteten und gewaltsamen Kollektivisierungsprozesses in der russischen Landwirtschaft zu überwinden. Sicherlich sind auch jetzt die inneren Schwierigkeiten der Kollektiv- wirtschaften noch lange nicht überwunden. Und sicherlich sind die großen Anstrengungen der Sowjetregierung, sie zu überwinden, auch heute noch von ernsten Gefahren, vor allem von der Kriegsgefahr im Fernen Osten, die sehr große wirtschaftliche Kräfte bindet, bedroht. Trotzdem wäre es töricht, zu übersehen, daß das Schlimmste über- wunden zu sein scheint, daß offenbar eine wichtige Wen- dung in der russischen Landwirtschaft eingetreten ist. Die Umbenennung des„Roten Armen" in den„Roten Wohl- habenden" ist ein Symptom, das man nicht übersehen darf. An'ilaschl-sflsclie Kundgebung Die Freiheitsfront an der Saar wächst Der Abwehrwillen der antifaschistischen Bevölkerung, die sich in der Freiheitssront an der Saar geeint hat, kommt fortlaufend in überaus stark besuchten Kundgebungen zum Ausdruck Vorgestern sprach Max Braun im überfüllten Saale in Saarlouts. Am Montag standen im Saale beâ AW.-Hauses in Saarbrücken über tausend Personen Kops an Kops, saften aus den Fensterbänken und auf der Bühne, um die Reden von Mar Braun und Dr. Sender zu hören. Immer nneder wurden die Ausführungen der Sprecher von begeisterten Zustimmungskundgebungen unterbrochen. Eine Minute lang verharrte die Versammlung in Schweigen zum Gedenken der Opfer des HitlersystemS und der Bluturteilc Görinas. Professor Dessoucr Der„Korruptionsprozeß" gegen den katholischen Gelehrten Seit einer Reihe von Monaten befindet sich der frühere ZentrumSabgcordncte Professor Dessauer in Haft. Er wird beschuldigt, gesetzwidrige finanzielle Transaktionen mit dem katholischen VolkSvcrein und der Carolus-Druckerei durchgeführt zu haben. Dessauer, der nicht nur als Politiker, sondern auch als Röntacnsorschcr und Philosoph rühmlich bekannt geworden ist, galt weitbin als«in uneigennütziger Plann. Am ersten Berhandlungstagc des Prozesses, der in M- Gladbach verhandelt wird, hat Dessauer über seine finanzielle -Betätigung zwischen Carolus-Drnckerei und katholischem Volksverein einen längeren Vortrag gehalten und ge- schloffen:„Ich halte daS kür eine durchaus anständige und noble Geschichte. Ich handelte nicht aus irgend welchen egoistischen Gründen, sondern nur, um dem Volks- vereins-Verlag zu hülsen. Auch im AufsichtSrat. der Carolus-Druckerei ging die Stimmung dahin, daft man hier nicht ein^auteö Geschäft" gemacht habe, sondern man sagte, da hat der Professor Dessauer einmal wieder im Idealismus höchst eigenmächtig gehandelt." Neues Klrdiengesetz Reichsbischof Müller verläßt die„Deutschen Christen" DaS geistliche Ministerium der Deutschen Evangelischen Kirche hat«in Gesetz beschlosten, wonach den Mitgliedern de» geistlichen Ministeriums und den Beamten und Hilfsarbeitern der ReichSkirchenregierung die Zugehörigkeit zu kirchenpolitischen Parteien, Bünden, Gruppe» und Be- «egungen untersagt wird. Da» Geletz soll die einher«- liche kirchliche Führung wieder herstellen. Der Reichobischof selber bat im Zusammenhang damit die Schirmherrschaft über die Glauocnsbewegung„Deutschc Christen" nieder- gelegt. * Mit diesem Gesetz hat sich der Reichsbischof selber aus einer unmöglichen Lage gerettet. Von allen Seiten wurde er bestürmt von den radikalen Elementen und den„Deutschen Christen" abzurücken und das Evangelium von politischen Einflüsten und völkischen Ströinungen freizuhalten. Da aber Müller zu einem groften Teile mit diesen Leuten unter den „Deutschen Christen" aufs engste zusainmenarbcitete und sich Erpreßte und erprilgslte ïeugen aussagen Die Schande des deutschen Reichsgerichts Die Anweisung des deutschen LltgenmintsterS Göbbels, daft die gleichgeschalteten Telegratenbüros nur höchstens 60 Zeilen über den Rcichstagöprozeb bringen dürften, ist in Kraft getreten.AllcSWichtige wirb der deutschen O e f f e n t l i ch k e i t verschwiegen. Immer deutlicher wirb, daft die Untersuchungsprotokolle, soweit sie„komm«- nistische" Belastungen enthalten, c r p r e ft t und g e- fälscht sind. Dafür ist ein Kapitel aus der Verhandlung am Montag tderen deutschen Bericht wir an anderer Stelle bringen) charakteristisch. Nach ausländischen Berichten spielte sich die Vernehmung der kommandierten Belastungszeugen über den geplanten bewaffneten Aufstand so ab: Präsident BüngerS greift et». „Sic wissen ganz genau, woraus es ankommt, reden Sic!" —„Wer soll denn alles so genau behalten?" weicht der Zeuge Nickel auS. Alle Druckmittel werden angewendet, bis sich fchlieftlich der Präsident auf Einflüsterung eines Richters hin zur Feststeliuna bequemt, der Zeuae, ein über 50- tähriger Arbeiter, dürfe natürlich aus jene Fragen, deren Beantwortung ihn selbst belasten könne, die Ant- wort ablehnen. Der Zeuge gibt fchlieftlich anstatt wie früher„geheime Verhandlungen und Sitzungen zwecks Vornahm« von Sprengungen von Kraftwerken und Auslösung des bewaffneten Aufstandes" nur ordentliche Monatssitzungen »u. Die„Sprengungen" im Protokoll seien zu ersetze» durch: „Stillegung der Betriebe". Weher diese gewaltigen Wider- sprüch« i» de» Aussagen komme», wird nicht abgeklärt. Man kann sich nur in Vermutungen ergehen. Der Ar- better gibt ruhige und klare, wenn auch zurückhaltende Aut- wortcn. Der Präsident ist sichtlich erbost, daft auch dieser Belastungszeuge zu versagen scheint. Einige Fragen, die von D i m i t r o s f dem Angeklagten gestellt werden, werden vom Präsidenten dem Angeklagten in ausfallend entstellter Form vorgelegt. Dlmi- troff verlangt die Einvernahme jener Personen, welche die Protokolle, speziell das Polizeiprotokoll, aufgestellt haben. Der Präsident lehnt das ab. Der Antrag diene nur der Ver- schlcppung der Verhandlungen. bisher ihrer Hilfe und ihres Beistandes erfreute, s o h a t e r sich schließlich durch dieses Gesetz allen Schwierigkeiten durch die Flucht entzogen. Für de evängeliichc Kirche bestehen sie natürlich in voller Schärfe weiter. Jedes Gerede von Einheit und Einigung wird durch die täglichen Tatsachen widerlegt. Der deutsche Protestantismus kann sich für seine Zerrissenheit bei den hitlerdculichcn Christen bedanken. * Auch im lathol'schenLager gehen die Auseinander- ietzungen weiter. Selbst Popens„Germania" wendet sich geKcn völkische Druckerzeugnisse, die Kirchentnm und Ehristentum in gehässiger Weife angriffen Dabei wirb beut- lich aus die gegen die katholische Presse gerichtete Verfügung deS Düsseldorfer Nazigauleitcrs Florian angespielt. Der Vorwurf„konfessioneller Friedens störung" sei unberechtigt, wenn nichts anderes vorläge, als daft Zeitungen in katholischen Gebieten den Bedürfnissen ihre? Leserkreises Rechnung tragen. Kreuz gegen hl» kenkreuz Der theologische Mitarbeiter der„H a a g s ch e n P o st" schreibt über den deutschen Kitchenstrcit einen Artikel „Kreuz gegen Hakenkreuz" In diesem Artikel setzt er die ganzen Streitfragen, die augenblicklich im Mittelpunkt des Nonnenlenmerber FÜR STRASBOURG SOFORT GESUCHT Schreiben an- AGENCE LIBERTE 2, pet. rue d'Austerlit: hill-Kramer Q7 Graod'rne dip nu> I. Stock STRASBOURG Crosse Auswahl in Pelzkragen ab 30 Fr., Pelz- iaquettex ab 175 Fr., Pelzmäntel ab 350 Fr., hub.- und Skunksfürhse ab 150 Fr., Skunk-Colliers und Ediarpe* ab 300 Fr. Reparatur. 50*'y Ersparnisse 1421 Stefan George Stefan George ist am Sonntagabend in Locarno an den Folgen eines Blasenleidens gestorben. Eine der seltsamsten Gestalten des deutschen Schrifttums, einzigartig und einmalig in seiner langen Reihe, ist nicht mehr. Stefan George, Sprachschöpser. Seher und Prophet, saß jahrzehntelang in seinem Hause am Rhein und beschenkte in langen Abstän'in den KreiS seiner Verehrer mit hom- »tschen Versen, die von seinen Anbetern und Verehrern wie heilige Offenbarungen gelesen wurden. Niemals hatte Stefan George mit den brennenden und peitschenden LebenSnöten um dir einfache wirtschaftliche Existenz zu ringen. Wie ein Dichterkönig saft er auf dem Throne der Unabhängigkeit und gab seine Bücher wie Geschenke an seine Gläubigen ab. Ihm stand die Welt offen. In jenen Jahren, als der Natu- raliSmus in Deutschland um Anerkennung rang, reiste er durch Europa und bekam von allen seinen Kulturen An- regungen,* te er, weltosfen und zugleich klasstsch-streng, in sich aufnahm. Schon in den neuziger Iahren bildeten sich Zirkel und Kreise von Gleichgestimmten um den Dichter— Männer, die gleich ihm den Genius und das Sumbol der groften Persönlichkeit verehrten dazu bestimmt, die un- erweckte Masse zu heiligen und zu erlösen. Stefan George ist der Lettstern der poetischen Aristokratie geworden, die der Wirklichkeit entrann, um sich im Reiche der Träume und der Gesänge anzusiedeln, wo es keine unmittelbaren Bcrpflich- tungen kür die Gegenwart gab. Von ihm wurden die neuen Romantiker angeregt. Er war der Abgott literarhistorischer- germanistischer Schulen, von Gundolf in Heidelberg ange- fangen b'S zu Bertram in Köln. Sein Werk? Unzählige Verse klingen in uns nach, ge- schrieben in kleinen Buchstaben und ohne landesübliche Interpunktion, die den Leser in einen exstasischen Rausch versetzten und ihnen heroische Gedanken schenkten. Schon vor langen Iahren tauchte bei Stefan George die Idee vom „Führer" auf, die Schau eines neuen Reiches, dem ein ftrah- lender Held, geadelt durch Sinn und Geste, degeisternd vor- steht. Diese Verse haben dazu geführt, daft die Wegbereiter des Nationalsozialismus sich auf Stefan George beriefen. Er hat dazu geschwiegen. Unter all den GleichschaltungS- Manifestationen deutscher Schriftsteller, die nicht schnell genug mit Hitler und GöbbelS d-m neuen deutschen Aufbruch mit- machen konnten, befand sich niemals sein Name. Er schwieg wohl nicht nur aus Weltabgewandtheit. Man kann sich vor- stellen, daft dieser einsame Erbe eines klassischen HumantS- mus entsetzt war vor dem mißverstandenen Heroismus des realen„neu«-» Reiches" das feine Andacht vor den heiligen Dingen des Lebens durch Rechtsbruch und Peitsche bezeugte- Jene Deutschen, die unrettbar dem politischen Leben und den Fragen der Gesamtheit verschworen sind, hatten nur wenig innerliche Beziehungen zu Stefan George. Wenn sie aber Rechenschaft ablegen über die geistige Erbschaft die ihnen das Sein der deutschen Sprache und der Atem der deutschen Zukunft lebcnSwert und liebenswert macht, so wird vor ihnen das streng geformte Antlitz von Stefan George erscheinen. Sie trauern mit vielen anderen, dir auf der anderen Seite des Grabens stehen, der beute Deutschland durchfurcht, ehrfürchtig um einen schöpferischen Menschen und um eine grofte Erinnerung. A. Howald. » Stefan George wurde 18«8 geboren, 1800 erschienen die „Hymnen", 1801 in Wien„Pilgerfahrten". 1802 gründete er die„Blätter für die Kunst" für einen erlesenen Leserkreis. ssVD erschien da-' einzige Prviawerk„Taae und Taten" 1007 „Der siebente Ring". 1028 im Rahmen der Gesamtausgabe als neunter Band„Das neue Reich". Zeuge Jäsche sagt:„Wir sind zu unseren gezwungen worden. Der Oberlandjäger hat uns unir Aussagen vorgesagt und wenn wir nachher... der z-ra, dent wird noch nervöser:„Ach, das ist ja alles Kercdr- „Nein, das ist die Wahrheit!"«Bewegung.» Zeuge, sichtlich eingeschüchtert, beschränkt sich bei den l» wenden Fragen des Vorsitzenden aus kurze„Ja.. Plötzlich kann man einen tiefen Blick in 91- Untersuchungsmcthoden werten. „Hat Sie die Polizei geschlagen?" wird der Zeuge gefragt.—„Nein, die SA. ha« unS genügen« lEprügel^ Ich habe so Kopfweh gehübt, daft ich alles unterschrieb. Ucder den Saal legt sich eine ungeheure Spannung. D>< Enthüllungen wirken sensationell. Befragt, was den die Gendarmen für Drohungen auSgestvhen hätten, sagt»er Zeuge:„Man hat uns gesagt, wenn ihr nicht gesteht, komme ihr nach Diesberg".—„Was war denn dort?" will Ott Präsident wissen. Dort war eine SA.-Sturm und..."— Der Zeuge britw ob und ist trotz allem Zureden deS Präsidenten nicht»*** Weitcrredeu bereit. Der Oberreichsanwalt interveniert Er nimmt unter dem schlechten Eindruck, den die vow Zeugen erwähnte Art der Voruntersuchung machte, einen Antrag Dimitrosfs sofort auf, es seien die frag' lichen Landjäger und Untersuchungsrichter als Zeugen zu laden. Als Dimitrokf etwas von„er- preßte n Protokollen" spricht, unterbricht ihn der Präsident in höchster Erregung.—„Schweigen Sie!" donnert er ihn an. Zeuge H i e s k e. ebenfalls widerborstig:„Da» Protokoll ist erfunden. Wir haben e» nur unter schärfsten Dr"bnnqen unterschrieben." äuftert er sich.—-.Am- das ist ja Unsinn." sagt der Präsident.—„Rein, eS ist so. Nachdeu..vir das vom Landjäger aufgesetzte Protokoll unterschrieben hatten, unterschrieben wir auch daS weitere, vom Untersuchungsgericht ausgesetzte. Es stand ja daS gleiche darin! Aber es war ja alleâ nicht wahr!",— beharrt auch dieser Arbeiter klar und zäh. Interesses stehen, scharf auseinander. Wir zitieren hier die Schlußworte des Artikels: „Wie wunderlich es auch klingen mag: in Deutschland, i» dem von christlicher Trad tion und Kultur erfüllten deutschen Volk, wird im zwanzigsten Jahrhundert noch einmal ein erbitterter Kamps um Christus geführt und die Welt iielst mit Interesse zu, ob daö heidnische Hakenkreuz oder aber das Symbol des Erlösers triumphieren wird." Tierschutzmethoden Wir entnehmen aus„De Nieuwe Rotterdamiche E o u r a n: „Hitler trachtet mit frtedensliebender Vorsichtigkeit, die Rechtsgleichheit diplomatisch zu erobern. Diese vorsichtige Methode ist beständig und erfreulich. In Deutschland dar» man das nicht so geradeheraus sagen. Daher rührt auch der grimmige„Rauchvorhang" der Propaganda, der hielt „Idnlle" verdeckt. Aber wir in der Außenwelt tun doch besser- wenn wir dies« Ding« scharf auseinanderhalten. Ver,aille» war und ist noch zum Tod« oerurteilt, aber Hitler ist vor- sichtig Er arbeitet an der Vollziehung dieses Urteils mit de»' sanftesten Mitteln, die der Tierschutz kennt." Sp'nlT torMton Der«» Sl sein! Ein Komplott in Vorbereitung Madrid, 5. Dezember. Ein Manifest deS Innenministers lautet: „Spanien hat soeben ein herrliche» Beispiel bürgeLltchcr Tugenden gegeben. Ein Komplott war in Bor- b e r e i t u n g. Die Regierung ist über Tag. Stunde und Ort des Ausbru^s unterrichtet. Entschlossen, alle Anschläge au' die öifenNiche Ordnung unmöglich zu machen, hat sie eS für ihre Pflicht gehalten, ihre Zuflucht zu den Maft- nahmen zu nehmen, welche sie rechtmäßig treffen kann, und bat daher über das ganze Land den P r ä v e n t i v z u st a n d verhängt. Die Regierung sichert den Frieden und die Ruhe, Spanier. Ihr könnt be- r u h i g t sein!" Die spanischen Cortes Rechte und Mitte übermächtig Paris, 3. Dez. Havas berichtet auS Madrid, daß der Innenminister nach den bisher bekannte» Ergebnissen de» zweiten Wahlganges die Zusammensetzung der neuen EortcS wie folgt«mrift: Rechtsparteien 207 Litze, Mittelparteien 167, Linksparteien und äußerste Linke VS Litze, insgesamt 17». Die endgültige Proklamierung der Wahlergebnisse erfolgt Don- nerStag. und Freitag trete» die neuen CorteS zusammen. Pas Heueste Wir HaoaS ans Lissabon berichtet, ist ei« portugiesischer Fischkutter bei Figueira-da-FoS»om Sturm überrascht worden und gekentert. 1t Mann der Besetzung wurde» ge- rettet, lî sind ertrunken. Der WienerGauleiter d«rRSDAP„ Frauen- selb, ist verhaftet worden. I» ganz Holland herrscht überaus streng« Kälte. Die Schiffahrt mußt« auf mehreren Kanälen eingestellt werden. Der Fachlehrer LanghanS, der der NSDAP, angehört, ist polizeilich auS dem Karlsbader Bezirk auogewiesea worden. Zwölf weitere Nationalsozialisten haben sich täglich auf der Polizeihauptwache zu melden. „TimeS" meldet auS Hongkong: Anscheinend ist die Blockade der Fukien-HSse» durch die Kriegsschiffe von Nanking im Gange. Ei» Kanonenboot hat, wie es heißt, ein Schiff mit einer Ladung von 80» Gewehren für Futschau beschlagnahmt. AuS Fntfchan wird ein«ragischer Borsall berichtet. Ka- betten, die in den Vororten der Stadt Schießübungen unter» nahm««, wurden versehentlich unter F«u«r genommen. Zehn warden getötet und»6 verwundet. Jubiläums Sitzung in Leipzig Audi sie bringt heme Beweise lUr die Sdioid der Kommunisten Leipzig. 4 Dez Der ReichstagSbranbstifterprozeß feiert heule ein Jubiläum, den öl). Verhandlungsiag. Die Beweis- aufnähme steht dich, vor dem Abichlutz. eS iind nur noch wenige Zeugen zu vernehmen dann ist auch der politische Teil erledigt Boraussichtlich wird am Mittwoch die Beweis- aufnähme geschlossen werden. Dann>st beabsichtigt eine längere Pause zur Vorbereitung der Plädoyers einzulegen. Auch er weiß nichts Jfn der heutigen Verhandlung werden zunächst vier Zeugen aus dem GerichtSgefängniS Guben vorgeführt. Der erste Zeuge is, der Invalide Wilhelm Nickel der in einet Ort- schasl bei Franksurl a. d. O wohnt. Er hat in einer früheren polizeilichen Vernehmung zugegeben, daß in seinem Haute kommunistische Geheimveriammlungen stattgefunden haben. Der Zeuge erklärt, trotz aller Borhaltungen des Vorsitzen- den da sei nichts besprochen worden Auch von einem ge- planten kommunistischen Umsturz will der Zeuge entgegen leinen früheren Bekundungen nichlS wissen. Der Vorsitzende »erliest schließlich das polizeiliche Protokoll, in dem der Zeuge »ugegeben hat daß u. a das Kraftwerk Finkenherd gesprengt werden sollte. Bei seiner späteren gerichtlichen Vernehmung ha: der Zeuge das bestätigt, d'e Aussage aber dahin einge- fchränkt daß nur von einer Stillegung gesprochen worden fer. Nach Borhalt dieses Protokolls erklärt der Zeuge, er habe nur zugegeben, baß von dem Kraftwerk gesprochen worden sei. Er bleibt im übrigen dabei, daß er nichts weiter wisse. Auch die Vernehmung der nächsten Zeugen, des Arbeiters Jäschke aus Zinzendorf bei Frankfurt a. d. O. des Ar- beiters Hieske und des Landarbeiters Noske, führt zu keinem Ergebnis. Alle drei Zeugen versuchen, von ihren Aussagen bei ihren früheren Vernehmungen abzurücken und wollen sich an wesentliche Bekundungen vor der Polizei nicht wehr erinnern. Ein neuer Beweisantrag der Rechtsanwälte RA Dr T e ufe rt stellt dann im Benehmen mit RA. Dr. Sack einen neuen Betvcisantrag, der sich mit der Möglichkeit her Inbrandsetzung des Plenarsaales allein durch van der Lübbe beschäftigt. Dr. Seukert führt aus. es sei festgestellt worden, daß zur Reinigung des Plenarsaales ein Putzmittel verwendet worden ist. das nach Auslage des Sachverständigen Schwerbenzi» enthält. ES ist behauptet worden, daß durch die häufige Verwendung dieses Putzmittels sich an den Holz- stühlen eine derartige Schicht bildete, die zur Gasbildung neigt, sobald diese Räume kalt werden, und daß eben wegen dieser Gasbildung über dem Gestühl eine plötzliche Entflam- mung möglich ist. wenn an irgendeiner Stelle ein Feuerbrand hineingebracht wird. In der Zuschrift ist behauptet worden, daß ein lolcher Fall in Bad Kissingen bereit» vorgekommen ist. Dort ist durch das Herausfallen eines Kohlenstückes in kürzester Frist ein Raum schlagartig in Flammen aufgegan- gen. RA Dr. Scuscrt beantragt, den Sachverständigen Dr- Schatz darüber zu hören ob biete Behauptungen richtig sind. Auch der Hausinspcktor Scranowitz soll gehört werden, in welchem llmiange das Putzmittel verwendet worden ist. Der Oberreichsanwalt erklärt, baß er keine Bedenken gegen diesen Antrag habe. In einer Pause wird baS Gericht über den Antrag Beschluß fassen.„. Nach der Pause teilt der Borfitzende als Senatsbefchluß mit. daß auf Antrag der Verteidiger Teufert und Sack der Hausinspektor Scranowitz und der Sachverständige Dr. Schatz über die Verwendung deè Putzmittels Sanagol als Zeugen geladen werden sollen. RA. Dr. Teufert regt an, als weitere Zeugin die Leiterin der Reinemachefrauen im Reichstag zu vernehmen. Der Vorsitzende stimmt dem zu. Noch ein Kriminal und zwei Zeugen aus dem Zuchthaus Der nächste Zeuge. Kriminal-Sekretär Kasse bäum. Dortmund hat seinerzeit die polizeilichen Ermittlungen in der Strasiache Roiner in Hamm geführt, in der bereits die Hauptverhandlung gegen 34 Angeklagte stattgesunden hat. Bon dieien Angeklagten sind der Bauarbeiter Zerweis und der Installateur Brand, die zu fünf und zu zwei Iahren Zuchthaus verurteilt worden sind heute als Zeugen vorge- führt worden. Kassebaum bekundet, er habe festgestellt, daß die Gruppen des RFB. auf Veranlassung der Partei gebildet waren und daß auch die Partei Gelder für Wassenbeschasfung zur Verfügung stellte. Für die Wahlnacht war»höchster Alarm" angeordnet und„dte Nacht der langen Messer" vor- bereitet worden. Man habe nur auf den Befehl zum Los- schlagen gewartet. Der Zeuge Z e r w e i s„bestätigt", daß im Februar Alarm- bereitschast bestand Der endgültige Befehl sei aber nicht gc- kommen, so daß in Kreisen der RFB. die Meinung herrschte, man müsse selbst losschlagen Die Flage. ob der Reichstags- brand daè Fanal zum bewaffneten Aufstand sein sollte, ver- neint der Zeuge. Der Zeuge Brand aus Hamm bekundet, daß der ganze RFB. im Februar neu organisiert worden war Weiter macht der Zeuge Bekundungen über eine Unterredung, in der davon gesprochen wurde, baß in Düsseldorf beabiicht'gt fei, die Gas- werke zur Explosion zu bringen, Kabel z» sprengen usw., um dadurch Verwirrung zu stiften und den Boden für den Aus- stand vorzubereiten. Die Weiterverhandlung wird bann auf DienStag vertagt. 37 in der Todeszelle Das Schaffott erwartet Vater und Sohn Nachdem die nationalsozialistische Presse in Deutschland triumphierend mitgeteilt hat. daß am 27. November der Arbeiter Kurt Gerber in Breslau auf dem Schafott hin- gerichtet wurde und in Dessau am 28. November wiederum 10 Arbeiter von dem Schwurgericht zum Tobe verurteilt sind, kam die Nachricht von einer neuen gräßlichen Bluttat, für die Hitler und Göring die Verantwortung tragen. Am Sll. November früh wurden S Kommunisten fHammacher. Willms, Moritz, Weese», Horsch, Engeloj im Kölner Gerichts- gesängnis hingerichtet. Sechs Menschen in einer Stunde die Köpfe abschlagen, dazu gehört die ganze Bestialität nationalsozialistischer Führer vom Schlage Hitlers und Görings. Das ist nun der lg. Justizmord, den sie begeben. Erst wurde der katholische Arbeiter S chief fer hingerichtet, dann die Altonaer Kommunisten Lüttgens, Tesch, Müller, Wolfs und V o l ck durch den Henker ermordet. Ihnen folgte der Jung- arbeiter Kurt Gerber und jetzt die sechs Kölner Anti- saschlsten. Ein Blutstrom fließt durch Deutschland. IS legale Mord«— Tausende illegale, ausgeführt durch die SA., SS und faschistische Polize«. Seit Hitlers Machtergreifung sind S2 politische Gefangene zum Tode verurteilt worden. 87 jeden Augenblick das Schicksal der Kölner Antifaschisten erwartend schmachten noch in der Todeszelle. Die Arbeiter: F. Bartl. Winkler. Siedelmann, Lange. Hans. T h a l m a n» j u n.. Bieser. Tölz. Sosodry, Trampenau, Büchler, Arnstedt. Masgai, Tibulski, Eggert. Bohlers. Herr, Kupers. Schmidt. Fick, Schidzik, Reitinger, Rochow, Wotthc, Marquardt, Berg. vus lier ju. der Mensdi nidit! Wie gut in mtler-Deulsdiland. ein Tier zu sein' Sämtliche deutschen Tierschutz-Bereine haben, wie man sich erinnern wird, den Preußen-Zar Göring zum Ehren-Bor- sitzenden und„Schirmherrn" ernannt. Weil diese Hitler- Kreatur ihren Schutz angebeihen läßt. Nun haben die setzt Deutschland regierenden Menschenpciniger ein scharfes Reichs-Tierschutzgesetz erlösten. Den Tieren wird gewährt. waS den Menschen versagt bleibt. Die Ber sassungsartikel. die den Schutz des Lebens und der persön- lichen Freiheit eines jedes deutschen Bürgers gewährleisten, sind ja— dank der Verordnung des Reichspräsidenten von Hinbenburg— außer Kraft. Um wieviel haben es also heute in Hitler-Deutschland die Tiere bester! 'Verboten ist: RoheS Mißhandeln oder unnötiges Quälen eines Tieres— aber erlaubt ist- Menschen viehisch zu mißhandeln und sie in zahllosen Gefängnissen. Zuchthäusern und 26 Kon» zentrationslager zu quälen! M i t GeiängniS zu zwei Jahren wird bestraft, wer sich Tier-Mißhandlungen oder Tier-Quälerei hat zuschulden kommen lasten— Doch al»„nationaler Held" wird gefeiert und zum General der Infanterie wirb vom Reichspräsidenten befördert, wer Zehntausende Menschen foltern läßt,— wer besohlen hat, es Püffe auf alle Fälle geschaffen werden wer gesagt hat, ein Mord sei kein Mord, wenn er eine »nationale Tat" sei,— wer erklärt hat. die Polizei sei nicht dazu da,„marxistische Verbrecher zu schützen", wer ein Blutgesetz sondergleichen gegen anders Gesinnte veranlaßt hat! Verboten ist: Ein Tier derartig zu vernachlästigen, daß es dadurch erhebliche Schmerzen oder Schaden erleide— aber erlaubt i st: 170000 deutsche Staatsbürger in Kon- zentrationslager und Zuchthäuser zu sperren, sie dort schlimmer noch als Tiere zu behandeln? ihnen eiternde Wunden durch Hieb- und Stichwaffen beibringen zu lasten? Söhne zu zwingen, die eigenen Väter zu prügeln? und Gefangenen mit bestialischer Gewalt Arme oder Beine zu brechen und sie zu zwingen, aus Jauche Kübeln zu trinken! Verboten ist: Ein Tier unnötig zu Arbeitsleistungen zu verwenden, die offensichtlich seine Kräfte übersteigen— aber erlaubt ist: Alte Männer zu körperlich schwerster Arbeit zu zwingen, sie mit Gummiknüppeln blutig zu schlauen wenn sie unter dieser Arbeit zusammenbrechen, halbwüchsige und kranke Männer in einen„Arbeitsdienst" pressen, gegen den der alttestamentarische ägyptische Fron- dienst eine spielerische Angelegenheit wart Berbotenist: Einem Hund die Ohren oder den Schwanz zu kürzen— aber erlaubt ist: Einem Schutzhäftling eine brennende Fackel unter die nackten Füße zu halten: einem Häftling (Rechtsanwalt Joachim) mit glühenden Stempeln Haken- kreuze aui den Kopf und ins Gesicht zu brennen(er ist unter entsetzlichen Qualen daran gestorben)? einem Wehrlosen mit einem Meffer in den Handrücken Hakenkreuze zu schneiden: einen„Schutzhäftling" so zu mißhandeln, baß er das Gedächtnis verliert fRechtsanwalt Litten): Tausende andere Häftlinge roh zu verstümmeln? Gefangenen mit Fußtritten die Nieren zu zerquetschen fRechtsanwalt Eck- stern) und sie für immer krank und siech zu machen! Verboten sind: Versuche an lebenden Tieren im allge- meinen— aber erlaubt ist: Willkürliche Sterilisation und Kastra- tion von Menschen, wenn sie nicht dem„erbbiologischen und rassischen Ausleseprinzip" der Hitler-Gcrmancn enr- sprechen. Nur.zulässig" sind: Forschungsversuche an Tieren, wenn sie einen bestimmten wistenschaftlichen Ersolg er- warten lasten— aber erlaubt ist: Mit einem 65-Millionen-Volk ern Verbrecher-Experiment zu machen, das ein schlimmes Ende erwarten läßt! B e r b o t e n i st: Ein Tier anders als schmerzlos zu töten— aber erlaubt ist: Menschen mit Gummiknüppeln. Stahlruten. Totschlägern und Reitpeitschen solange zu schlagen, bis sie eine blutige und zerfetzte Masse sind und eines qualvollen Todes sterben! Verboten ist: Willkürlich ein anderes als ein niederes Tier zu solchen Versuchen zu gebrauchen— aber erlaubt ist: In Hitler-Deutschland das höchst- stehende Lebewesen, den Menschen, zu quälen und zu morden! Wer unbelugt... Kasparik. Uhe, May, Tallager, Hugo Gast, Richard Küch- mann. Fritz Scheinhardt. Herbert Speckmann. Karl Zellmer. Otto Thalrnann sen. Unter den zum Tode Verurteilten befinden sich Jugend- liche von 18 bis 19 Jahren, Sozialdemokraten und Komm» nisten, alles politische Ueberzeugungstäter. Doch bei allen kam die Verurteilung nicht auf Grund von Schuldbeweilcn— sondern lediglich darum, weil Rache- Justiz in des Wortes reinster Bedeutung an ihnen ange- wandt wurde. Durch gräßliche Folterungen zu„Geständnisten" ge- zwungen. durch meineidige Nazizeugen belastet sollen sie auf dem Schafott enden. B a t e r und Sohn wie bei den Ber- urteilten Thalmann sollen hingerichtet werden. Die Rote Hilfe Deutschlands ruft allen Antifaschisten, allen rechtlich denkenden Menschen zu: Verhindert den Masten- mord und die Grausamkeiten an den politischen Gefangenen Deutschlands! Steigert in der ganzen Welt die Proteste? tragt die Nachrichten über die Greuel Deutschlands in alle Fabriken und Arbeiterviertel, in alle Dörfer und Städte, in alle Länder und Kontinente! Ueberflutet die Hitlerver- tretungen im Auslande mit Euren Protesten! Geht in Massen auf die Straßen protestieren! Duldet kein Auftreten eines Nazisührers im Auslände! Entlabet kein Schiff, auf dem die Mördersahne steht! Prangert die Namen der Mörder und Folterknechte in aller Welt an! Vereint Euren Kamps mit dem der deutschen werktätigen Bevölkerung! Ehrt überall die gemeuchelten Freiheitskämpfer' Wie ber Amtliche Preußische Prefledienst mitteilt, hat der preußische Minister des Innern für den Umfang des Landes Preußen eine Polizeiverorbnung betreffend Verbot des Ver- kchrs mit Gefangenen erlassen. Danach wird ieder mit Geldstrafe bzw. Haft be- straft wer unbefugt mil Gefangenen oder Schutzhästlingen, die sich aus dem Transport nach ober von einer Strafanstalt, einem Gefängnis einer Korrekiionsanstalt oder einem Kon- zentrationslager oder aus Außenorbelt befinden, aus öisent- lichen Straßen Wegen ober Plätzen. Brücken, Ufern oder Gewässern entweder in Verkehr tritt oder sich mit ihnen durch Worte. Zeichen oder auf andere Weise zu verständigen sucht. Diese Polizeiverordnung tritt mit sofortiger Wir- k u n g in Kraft. Es gibt nodi Rldiler Verleumder Vom Schwurgericht tu Würzvurg wurde der 27jährige Metzger Adolf Schmitz zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt, weil er im Sommer die>es Jahres einen jüdischen Viehhänd- ler in Dielenbronn durch falsche Angaben und Verleum- düngen für vier Wochen in Schutzhaft gebracht hatte. Die Verurteilung ersolqtc wegen des Verbrechens des Me'neidS. In der Urteilsbegründung wurde u. a. ausgeführt, daß die Strafe deswegen so streng ausfiel, iveil durch die Haudlüngs- weise des Angeklagten ein Unschuldiger in Haft genommeii und dadurch der Greuelpropaganda Stoff gegeben worden sei. Erpresser Bor ber Kleinen Strafkammer in Darmstadt hatte sich tn zweiter Instanz ein Kaufmann aus Offenbach a. M. wegen versuchter Erpressung und tätlicher Beleidigung zu verant- worten. Er hatte auf ber Straße den jüdische» Inhaber eines Offenbacher Bankhauses gestellt und gcohrfeigt und an ihn die ungerechtfertigte Forderung gestellt, er habe von ihm noch Geld zu bekommen. Während der Ofsenbacher Kaufmann in erster Instanz zu zweieinhalb Monaten Gefängnis venir- teilt worden war. wurde jetzt lediglich wegen Beleidigung auf drei Wochen Geiängvis erkannt Das Gericht stellte sich auf den Standpunkt daß eine Geldstrafe nicht ausreichend sei. denn eS gehe nicht au. daß die nationale Sache von Querulanten mit ihrem kleinlichen Privatnutzen verquickt werde. Aufregung über anonyme Briefe Wiesbad««, 4. Dez. Di« Kreisleitung der NSDAP, sagt jetzt denjenigen anonymen Briesschreibern scharfen Kampf an. die denunzieren oder die Maßnahmen der Parteileitung ber Krittk unterziehen. Man werde diese Schreiben fortan n'cht mehr unbeachtet lasten sondern sie der Staatspolizei zurUntersuchung übergeben. Daß eine solche Schreiber- ferle, gefaßt, für einige Zeit bei freier Verpflegung„in Moorkultur" arbeiten dürfe, sei sicher. ES heißt weiter in der Mitteilung:„Wenn gewisse anonyme Briesschreiber glau- den. daß es bedauerlich sei. wenn untere Parteiorgane immer hi tierischer iein wollen, als Hitler selbst, wodurch dem groben Gedanken des Führers in der ganzen Bewegung ständig erheblich geschabet würde, so se' ihnen geantwortet, daß eS uns eine ganz besondere Ehre ist. ein Hitler zu sein, und genannt zu werden." Arn franger lJnpreß.) In Wernigerode wurde der Direktor der Harz- Querbahn an den öffentlichen Pranger gestellt weil er als Deutscher zu viel Geld verdient. Ein vorüberkommenber Arzt erlaubte sich die Bemerkung, daß„wir ins Mittelalter ver- setzt seien"? er durfte dafür selbst am Tchanbpfahl stehen. Oie Rache fJnpreß.) Die„Neue Mannheimer Zeitung" teilt mit:„In Furtwangen wurden neun Personen verhaftet. Es handelt sich um ehemalige Kommunisten, die sich in letzter Zeit regie- rungsfeindlich betät'gt haben. Weitere Verhaftungen werden höchstwahrscheinlich folgen Es war höchst notwendig, gegen die Miebmacher einzuschreiten, denn aus ihr Konto ist zu setzen, daß bei der Wahl Furtwangen mit den meisten Nein- Stimmen an der Spitze des ganzen Bezirks stand" rur Inden teurer In einigen ostpreußischen Städten wurde gemäß Beschluß der städtischen Körperschaften seit 1. April von Juden ein hundertprozentiger Zuschlag zu den Gas- und stromgebühren erhoben. Der zuständig« Landrat hat nun verfügt, daß die von April bis Oktober gezahlten Zuschläge den jüdischen Einwohnern wieder erstattet werden. Di« Magistratsbeschlüsse wurden annulliert. ..Kölnische Zeitung" Letzter Seufzer vor der Todesagonie 3" der„Kölnischen Zeltung"(Nr 653) liest man folgenden Ausruf: „In den letzten Tagen werden in Köln und außerhalb Nachrichten verbreitet,»aß der Verlag M. DuMont Schau- berg mit seinen Zeitungen— Kölniiche Zeitung— Stadt- Anzeiger— Kölnische Illustrierte Zeitung und Sonnlag Morgen— in den Besitz der Westdeutschen Beobachter- GmbH. Köln, übergegangen oder der Uebergang so gut wie vollzogen sei. Hierzu stellen wir fest: Diese Nachrichten sind unrichtig. ES sind allerdings Verhandlungen zwischen M. DuMontSchaubergunddemB er- lag des Westdeutschen Beobachters gewesen, die aber keineswegs in ein entscheidendes Stadium ge- treten waren. Am SamStagnachmtttag haben wir dem Verlag deS WB. durch ein Schreiben mitgeteilt, daß mir diese Verhandlungen abgebrochen haben." * Die Tatsache von Verhandlungen wird nicht bestritten, daß sie gescheitert find, ändert nichts an der Tatsache, daß sich die einstmals angesehene„Kölnische Zeitung" mit ihren Tra- baute» unter nationalsozialistische Bcsehlsgewalt bringen wollte. Die Verhandlungen scheiterten nicht auS grundsätzlich-politischen, sondern aus wtrt- s ch a s t l i ch e n Gründen. Das große Zeitungssterben ist nicht mehr aufzuhalten. Nack den großen Berliner Konzernen kommen die Familien- gründungen in den deutschen Groß- und Kleinstädten an die Reihe. Der Leser der„Kölnischen Zeitung" hätte kaum ge- incrkt. daß seine Zeitung eine andere Leitung hat, denn sie war und sie ist bis zur Bollendung gleichgeschaltet. Was heute „abgebrochen" wurde, wird morgen bestimmt Realitiät sein. vi« Preise hoch! Das Marschtempo der Teuer uns beschleunigt sich Die„Frankfurter Zettung" schreibt: „Will man sich über die Gesamtentwicklung der Preise ein Bild machen, so stehen dafür im wesentlichen nur die Index- zahlen der Großhandelspreise zur Verfügung. Diese be- sitzen aber den Nachteil, daß sie vielfach auf Listen- preisen aufgebaut sind, die in Wirklichkeit keines- wegs überall gelten. Vor allem in der nun wohl abge- schlössen«! Periode der Preisrückgänge ist das Ausmaß der wirklichen Preisbewegung im Index nicht überall voll zum Ausdruck gekommen.(Rabatte, Ueberprcisabbau usw.) D a- her kommt es jetzt, daß auch bei neuen Preis- steigerungen deren volles Ausmaß äugen- schcinlich nicht richtig widergespiegelt wird. Sieht man hierbei vom Gcsamtindex ab, der nur einen groben Durchschnitt vermitteln kann und seit dem Tiespunkt im Frühjahr bis 21. November insgesamt um 6,2 Prozent gestiegen ist, so kommt zwar in der Gruppe der A g r a r- preise die bisherige Steigerung um 18,5 ziemlich klar zum Ausdruck, aber nicht in den übrigen Gruppen. Die indu- st r i e l l e n R o h st o t s e und Halbwarcn z. B. sind gegen- über dem Tiefstand im Index, also durchschnittlich, nur um 2,2 Prozent gestiegen, ein Maß, das sicherlich nicht allein An- laß zu den erwähnten scharfen Maßnahmen und Warnungen gegeben hätte. In Wirklichkeit dürsten manche Rohstofipreise. wenn auch zum Teil vorübergehend, weit höhere Steige- rungen erfahren haben: andere mögen dahinter freilich zu- rückgebliebcn sein. Bei den industriellen Fertigwaren zeigt der Index für Produktionsgüter keinerlei Beraube rung, während die Konsumgüter um 4,6 Prozent angezogt» haben. Die Spanne zwischen Roh st o s s und B* a r b e t tun g, die sich wenigstens bis Juli unter demE 1"" flu h anziehender Wellwarenpreise bei den Produktion»- gittern verengte, hat sich jedenfalls in letzter Zeit wieder etwas erweitert und damit der Verarbeitung einen etwas größeren Kalkulationsraum geschaffen. Die geringe Gesamterhöhung des Index der Rohstoffe erklärt daS Ins»' tut für Konjunkturforschung damit, daß den Preissteige- rungen von Textilien lgeqenüber dem Vorjahr 4- Prozent), von Kautschuk<4- 4« Prozent» und Papierstotscn <4- g Prozent) Preisabschläge bei Kohle um 0,4. E»en um 0,9, Metallen um 1.4, Häuten und Leder um 2,8 und Chemikalien um 1 Prozent gegenüberstehen. Baustone dagegen sollen nach dem Index gegenüber dem Vorjahr»n- verändert geblieben sein, obwohl in vielen Fällen über das Anziehen gerade dieser P rei I e Klage geführt lvorben war, die für die heutige Konjunkturentwicklung von be- >o»derer Bedeutung sind. Richtig ist wohl, daß die Preiserhöhungen zum Teil Konsumgüter- Rohstoffe de- trenen, denen sich die wachsende Nachfrage zuerst mitgeteilt hat, während die Preisrückgänge vornehmlich Produktions- gllter-Rohstosse erfaßten. Dieser Unterschied kann auch t" e oben erwähnte unterschiedliche Bewegung der Fertigwaren- preise nicht erklären,- dazu kommt offenbar noch der Einfluß n e u g e b i l d e t e r K a r t e l l e." Das(ratifiée Ende Die Erklärung des Verlags der„Kölnischen Zeitung" hat, wie zu erwarten mar, den Verlag des„Westdeutschen Be- obachters" zu einer Gegenerklärung veranlaßt. Sie ver- größert die Bloßstellung des Hauses M. Du Mont Schauberg in erschütternder Weise. Der „Kölnischen Zeitung" wird ihre Vergangenheit als„Wetter- sahne am Rhein" vorgehalten. Nach dem Siege des National- sozialismus wäre eigentlich eine völlige Beseitigung solcher Zeitungsunternehmen gerechtfertigt gewesen. Trotzdem seien Partei- und Gauverlag weitherzig genug gewesen, daran mitzuhelfen, einen Zusammenbruch des Berlages DuMont Schauberg zu verhindern. In Verhandlungen, wie der „Westdeutsche Beobachter" mitteilt, habe grundsätzliche Uebercinsttmmung darüber geherrscht, sämtliche im Verlag M. DuMont Schauberg erscheinenden Zeitungen(„Kölnische Zeitung",„Stadtanzetger",„Sonn- tag-Morgen" und„Kölnische Illustrierte Zeitung") nebst Gebäuden und technischen Druckereieinrichtungen pacht- iveise mit späterem Vorkaufsrecht dem„Westdeutschen Beobachter" abzutreten. Die Firma M. DuMont Schanberg hatte schon die Pacht- summe genannt und der Vertrag sollte am 1. Januar in Kraft treten, als die Firma Dumont Schanberg die Verhandlungen abbrach. Jetzt ist sie allein dafür ver- antwortlich, wenn über kurz oder lang die bereits gekün- digte Belegschaft wegen Unrentabilität des Unternehmens brotlos werden sollte... Die tidifspieifheater Besuch und Einnahmen der Lichtspieltheater, die im Juli, der Saison entsprechend, ihren Tiefpunkt erreichten, haben sich seitdem namentlich in den Mittel- und Kleinstädten beträchtlich erhöbt. Gegenüber dem Vorjahr war im Septem- ber die Zahl der. abgerechneten Eintrittskarten in den Mittel- städten um S Prozent und in den Kleinstädten um 2 Prozent gestiegen, in den Großstädten dagegen um 6 Pro- zent gesunken. Auch der im Durchschnitt je Eintritts- karte erlöste Betrag hat sich erhöhl. Der Durchschnittserlös, der im Juli in den Mittelstädten noch um rund 9 Prozent, in den Kleinstädten um 14 Prozent und in den Großstädten um 4 Prozent geringer war als im Vorjahre, war im Sep- tember 1033 in den Mittelstädten nur noch um 3 Prozent, in den Großstädten um 1 Prozent niedriger, in den Kleinstädten erreichte er sogar die Vorjahrshöhe. Nach dem Gesamtergeb- »iS des dritte» Vierteljahres scheint die Abwanderung des Publikums zu den billigeren Plätzen zum Stillstand gekom- men. In den kommenden Wochen dürsten, teilweise im Zu- sammcnhang mit den Vorbereitungen für das Wethnachts- geschäft. die Zahl der Besucher und die Theatereinnahmen ge- ringer sein als im Oktober-Novcmber. Erst im Januar ist dann wieder mit lebhafterem Theaterbesuch zu rechnen: der Januar pflegt der saisongünstigste Monat für die Lichtsptel- theater zu sein. Auch eine„Steigerung" Die„Frankfurter Zctrung" meldet: Im Oktober 1933 ist nach der Statistik des Reichsbundes des Textileinzelhandcl» der Umsatz im Tcxtilcinzclhandel wertmäßig auf 103,6 Prozent des Umsatzes im Oktober des Vorjahrs gestiegen. Schaltet man die Preisschwankungen ans, so ergibt sich bei Umrechnung über den Lebenöhaltungs- index(Gruppe Bekleidung) ein Umsatz von 105 Prozent, bei Umrechnung über die Großhandelsmeßzahl für Textilien ein solcher von 101,6 Prozent deS Umsatzes im Vèrglcichsmonat In der Reihe der von Saisonschwankungen bereinigten Monats zahlen i st sowohl wert- alsauchinengenmäßigeingeringerRückgang gegenüber dem September 1038 zu ver- zeichnen. Kraf'verKchr in GroDbrltannien (JTF.) Im Jahre 1933 ist in Großbritannien eine starke Zunahme des Kraftverkehrs zu verzeichnen. Laut ber jetzt veröffentlichten Jahresstakistik der„Automobile Association" verkehren nahezu 300 000 mehr Kraftsahrzeuge pro Woche als vor einem Jahre: die Zunahme der Anzahl Fahrzeuge beträgt im Vergleich zur Zählung von 1928: 1 Million. Diese Zahlen rühren von einer im September in den Hauptver- kehrsstunden an 100 verkehrsreichen Stellen von England. Wales und Schottland vorgenommenen Berkehrszählung her.©«messen an den Zahlen für 1932 hat der Kraftverkehr im allgemeinen eine Zunahme von 17 Prozent zu verzcich- nen. Privatwagen sind 19 Prozent, schwere Wagen(für Personen- und Gütertransport» 12 Prozent und Krafträder ebenfalls 12 Prozent mehr im Verkehr. Im Vergleich zu den Berhälrnlsien vom Jahre 1923. hat der Verkehr mit sämtlichen Verkehrsmitteln um 42 Prozent zugenommen. Deidispost und Reichsbahn Trotz amtlicher Schönfärberei In schwerer Krisenlage Der ReichSpostminister gab im VerwaltungSrat be- kannt: Der Borjahrsverkehr ist noch nicht überall er- reicht, aber die 1932 noch stark abgleitenden Kurven haben sich erheblich abgeschwächt,- sie nähern sich immer mehr einer horizontalen Bewegung. In verschiedenen Fällen ist der Borjahrsverkehr bereits überschritten. Die Einnahmen im abgelaufenen Teil des Rechnungs- jahres sind erheblich hinter der Schätzung bei der Aufstellung des Voranschlags für 1983 zurückgeblieben. Der Ge- jainteinnahmcaussall für 1983 ist auf 100 Millionen Reichs- mark zu schätzen. Das zusätzliche Arbeitsbeschaffungspro- g r a m m, das durch Aufnahme eines Wechselkredits finanziert wird, ist in Gang gesetzt. Uebcr 80 Prozent der in Höhe von 76,6 Millionen Reichsmark vorgesehenen Mittel sind bereits vergeben. In Durchführung dieses Programms konnten btS Ende Oktober bei der allgemeinen Wirtschaft über 4700 Arbeiter neu eingestellt und beinahe 11000 Arbeiter weiterbeschäftigt werden. * Im Güterverkehr setzte sich, wie die Reichsbahn- Hauptverwaltung berichtet, die seit Monaten beobachtet« VerkehrSbelebung auch im Oktober fort. Im Ver- gleich zum Vormonat waren die Wagenstellungszahlen>w Oktober um 5,7 Prozent höher, erreichten aber nicht ganz de» Umfang der Steigerung von 1932(6,8 Prozent) und 1931 <6,3 Prozent). Die Steigerung war indessen größer als die im Jahre 198»(4L Prozent» und 1929<3.6 Prozent). Im arbeitstäglichen Durchschnitt wurden gestellt: im Oktober 1933: 118 213 Wagen, dagegen im September 1933: 111821 Wagen, im Oktober 1933 also 6392 Wagen oder 5,7 Prozent mehr, im Oktober 1932: 110 874 Wagen. Das Ergebnis des Personenverkehrs kann unter Berücksichtigung des jahreszeitlich bedingten Rückgangs des Reiseverkehrs nock als zufriedenstellend bezeichnet werden, wenngleich es nicht ganz das vorjährige erreicht hat. Die im Oktober 1933 aufgekommene» Gesamt ein- nahmen betragen 258,3 Millionen Reichsmark und liegen nur um eine geringe Summe über dem Oktobcrergebnis 1982. Der Personen- und Gepäckverkehr weist im Vergleich zu 1932 eine Mindereinnahme auf. Tiefster Stand des Volkseinkommens Beginnende leichte Steider und Das deutsche Volkseinkommen betrug laut„Wirtschaft und«tatistik" im Jahre 1932 nach den vorläufigen Berechnungen 46,5 Milliarden RM. Es hat sich also gegenüber dem Borjahr um 10,6 Milliarden RM. oder 18,6 Prozent vermindert. DaS Volkseinkommen des laufenden Jahres läßt sich noch nicht zuverlässig schätzen, doch spricht die allgemeine konjunkturelle Bewegung dafür, daß es in der Jahressumme nicht mehr weiter zurückgehen wird. Freilich setzt daS voraus, daß das Einkommen im Ber- lauf deS Jahres 1933 mindestens um ebensoviel steigt, wie es während des Borjahres noch gesunken ist. Auch wenn bei einzelnen Einkommensarten, wie z. B. beim Arbeits- einkommen, in den letzten Monaten bereits der Vor- jahresstand überschritten worden ist. so kann diese Zunahme möglicherweise durch ein Zurückbleiben anderer Einkom- mensarten mehr oder weniger aufgewogen werden. Im I, Halbjahr 1933 blieb das Volkseinkommen nominal uoch um annähernd eine halbe Milliarde Reichsmark hinter dem entsprechenden VorjahreSbetrage zurück, dagegen ergab sich real bereits eine Zunahme von fast zwei Prozent. Das Einkommen aus Lohn und Gehalt ist im Jahre 1932 stärker als in den Vorjahren gesunken. Dies liegt hauptsächlich daran, daß mit der Lohn- und Gchaltssenkung vom 1. Januar 1932 auf einmal das nachgeholt wurde, was sich bei völlig freier Lohnpreis- bildung in den beiden vorangegangenen Jahren bereits Schritt sllr Schritt durchgesetzt hätte. Im 1. Halbjahr 1938 ist die Gesamtsumme der Löhne und Gehälter noch um annähernd vier Prozent gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres gesunken. Da die Gehälter hieran kaum noch beteiligt waren, hat die Summe des Lohneinkommens allein verhältnismäßig stärker abgenommen. Dieser Rückgang fällt jedoch nur Im 1. Vierteljahr 1933, in dem die Beschäftig gung ihren tiefsten Stand erreichte. DaS 2. Vierteljahr 193» brachte einen A n st i e g, so daß das Arbeitseinkommen dieses Zeitraums nur noch wenig hinter dem entsprechende» Borjahresbetrag zurückblieb. Im 3. Vierteljahr 1938 hat sich infolge der erhöhten Beschäftigung diese Zu- nähme fortgesetzt. Das Einkommen aus Lohn und Gehalt ohne Pensionen (vorläufige Zahlen) betrug in Mrd. RM.: 1. Vierteljahr 2. Vierteljahr 3. Vierteljahr 4. Vierteljahr 1932 6,49 6,64 6,58 6,49 1983 6.10 6,56 6.72 Die Einkünfte aus Kapitalvermögen weisen im Jahr« 1931 zum ersten Male einen Rückgang von 6,8 Prozent aus: da- gegen haben sie im Jahre 1932 stärker als alle anderen Ein- künste abgenommen. Der Hauptgrund hierfür liegt in der gesetzlichen ZinSsenkung, die am 1. Januar 1932 in Kraft trat. Daneben haben sich auch die Dividenden mit der längeren Dauer der Wirtschaftskrise immer mehr vermindert. In welchem Umfang die Kapitalflucht zur Schmäleruna der Ein- künste beitrug, läßt sich zahlenmäßig nicht angeben. a „Sfaotslelnde unentbehrlich Wenn sie sich hehehren, brauchen sie nicht zu verhungern „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen". Dieses Sprichwort ist gleichgeschaltet worden, jetzt heißt es:„Wer nicht kuscht, soll auch nicht arbeiten". Die Leipziger Kreishauptmannschaft ist mit einem Erlab niedergekommen, in dem es heißt. auS den öffentlichen und lebenswichtigen Betrieben seien in letzter Zeit viele marxistische Arbeiter und Angestellte entlassen und durch arbeitslose Nationalsozialisten ersetzt worden. Die Entlassenen sollten aber nicht dauernd„als Staatsseinde gebrandmarkt und von der Wiederetnstellung ferngehalten iverdcn". Wenn sie sich von der marxistischen Gedankenwelt abivenden und in absehbarer Zeit durch ihr Verhalten nach weisen, daß lie sich in ehrlicher Ueberzeugung hinter die nationalsozialistische Regierung stellen, dann solle und könne ihnen die Wiedereinstelluug in eine andere, besonders private Arbeitsstelle nicht verwehrt werden. Arbeit als Prämie für Wohlverhalten! Freilich dürften die Privatunternehmer selbst an dieser SinneSwanblung der Behörden nicht unbeträchtlich beteiligt fein. Viele von ihnen weigern sich seit längerer Zeit, aus dir„marxistischen Staats- feinde" und Qualitätsarbeiter zu verzichten, nicht etwa, weil sie dem braunen Kapitalistenstaat nicht treu ergeben wären, sondern weil sie die Entdeckung gemacht haben, daß die haken- kreuzlertschcn Parteibucharbeiter allzu oft ebenso untüchtig wie hitlertreu sind. Uns Interessiert aber viel mehr die Frage, wie ein„Ge- brandmarkter" durch sein Verhalten nachweisen soll, daß er „in ehrlicher Ueberzeugung..." usio Das Armeheben und Mitmarschieren genügt sicher nicht, denn wer da nicht mitmacht. wird ohnehin niedergeschlagen. Also bleiben nur—, Sp tzeldienste für das braune Heiikeriustem, Kameraden- verrat. Denunziantentum. Dafür bedanken sich Millionen sozialistischer Arbeiter Millionen Helden, die Hunger und Mißhandlungen leichter ertragen als die durch Renegalen- tum erkaufte Gnade beamteter Lumpen. Und diese Millionen retten den wahrhaft deutschen Geist in eine stolzere Zeit hinüber. Ginge es freilich nach dem Willen der..deutschen Erneuerer", der Führer, denen es selbst auf eine Gemein- heit. auf einen Verrat mehr oder weniger niemals ange- kommen ist— das ganze Volk würde in eine Herde von feigen Sklaven, Denunzianten und Kriechern verwandelt. Am ihren Liedern sollt ihr sie erkennen! Von Adolf Philippsborn» Paris „Heiliger Stolz und heilige? Glaube find die Lieder eines hoffenden Volkes." Adolf Hitler. ,^?îese Widmung Adolf Hitlers steht auf der Iten Seite des„Liederbuches der National- lozia listischen Deutschen Arbeiterparte i", os, wie es ausdrücklich auf der Titelseite heißt,„i m A u f- Le der Parteileitung herausgegeben" !'■. Man Kann also mit Fug und Recht den deutschen '"eichsKanzler für den Inhalt dieses Liederbuches e r a n t w o r t l i ch machen, zumal ja nach seinen eigenen sch?eht" seiner Partei nichts ohne seinen Willen ge- Adolf Hitler hat in dem von ihm nun siegreich beendeten »-Aahlkampf" die herrlichsten Friedensreden gehalten. Er Mt der Friedensschalmei nie geahnte Töne entlockt, die lai? àz eines jeden Pazifisten hätten höher schlagen Olsen müssen, wenn, ja wenn eben nicht von dem gegen- wart,gen deutschen Reichskanzler das Wort hundert- prozentige Geltung hätte:„Richtet Euch nach meinen »i-aten, aber nicht nach meinen Worten." Wir wissen, wie sich Hitlers Haß, zumal gegen Frankreich, in seinem Buche„Wem Kampf", der Mugen Schrift des Nationalsozialismus, geradezu über- schlagt. Wenn wir das„Liederbuch der NSDAP." zur ^and nehmen, finden wir fast auf jeder Seite den Be- weis dafür, daß es neben Juden und Marxisten für den ->iat,onalsozialisten nur einen Feind gibt— die Fran- Men! Nur an einer einzigen Stelle sind die Russen er- wahnt. Es mag gerade in diesen Tagen, wo vom besten «riedenswisten beseelte Menschen außerhalb Deutsch- wndg gor zu gern an die mit Hilfe des Propanda- Ministers Dr. Göbbels an asten Ecken und Enden aus- posaunte Friedensliebe Adolf Hitlers glauben wollen, an- gebracht sein, aus diesem Liederbuch einige Kostproben öer Oeffentlichkeit zu präsentieren. Da hat man das Lied„0 Straßburg, du wunderschöne Stadt" recht geschmackvoll umgedichtet: »Verraten, erschlagen, viel Hunderttausend tot. Auf Straßburg welsche Fahnen verhöhnen deutsche Not. O Straßburg, o Straßburg, das Herz tut mir so ""h. Wenn ich auf Deinem Dome die Trikolore seh'I p Straßburg, o Straßburg, wir schwören bis zum Tod. Es weht aufDeinemDome einst wieder Schwarz- w e i ß- r o t l" Mfler-DeufscMand verhaftet Saarlander- Und muß ihn nach sieben Wochen freilassen Am 9. Oktober 1083 war Hitlerdeutschland um eine Sen- sation reicher. Eine halbamtliche Meldung teilte mit. es sei gelungen, den„Adjutant Max Brauns", Karl Funke, beim Uebertritt vom Saargebiet ins-dritte Reich" zu verhasten. Wer war Karl Funke? Ein Maschinensetzer «es Betriebes der„VolkSstimme", der politisch niemals her- vorgetreten war. Erst jetzt hat Funke die Freiheit wieber erlangt. Wir würden die Geschichte seiner Verhaftung nicht erzählen, wenn sie nicht so bezeichnend märe für die braunen Denun- ziationsmcthoden im Saargebiet und für die Rechtsverhält- Nisse im„dritten Reich". Eine Nachbarin, die Funke aus irgendeinem Grunde nicht wohl will, war ihm bei seiner Abreise gefolgt und hatte ihn beobachtet. Gleich hinter der Grenze wurde Funke aus„Material" untersucht. Er hatte aber nichts bei sich, so daß man ihn wieder freilich. In Trassem wurde der Autobus erneut von Landjägern an- gehalten, die Funke mit der Begründung verhafteten, er sei der„Adjudant von Max Braun". Einer der Beamten er- klärte, bah diese Mitteilung von»er Kreisleitung der NSDAP, in Reunkirche» stamme. Funke wurde verhaftet und ins Gertchlsgefängnis in Saarburg eingeliefert, wo sofort ein Haftbefehl gegen ihn ausgestellt wurde. Hier befand sich Funke ununterbrochen volle sieben Wochen, ohne daß er nur«in einziges Mal vernommen w u r d e. Obwohl man gleich zu Beginn der Haft feststellen muhte, dah Funke nicht„Adjutant von Mar Braun" war und nicht das Geringste gegen ihn vorlag, wurde er einfach des- halb, weil er Setzer und Sozialdemokrat ist, im Gefängnis festgehalten. Aus welchem Grunde? Man wollte gegen ihn ein Verfahren wegen Hochverrats durchführen! Der Oberreichsanwalt erhielt die Akten mit der sanften Ans- forderung, die Möglichkeit eines solchen Verfahrens auf Grund der politischen Stellung zu prüfen, obwohl ein Saar- länder der staatlichen Hoheit des„dritten gleiches" überhaupt nicht unterliegt. Der Oberreichsanwalt lehnte jedoch die Ein- leitung eines HochverratsverfahrcnS ab, nachdem die Regie- rungökommisssson deS SaargebieteS sich energisch für die Rechte FunkeS eingesetzt hatte. ES steht fest, dah eine schwere Verletzung des Völkerrechts vorliegt. Man wollte einen Saarländer wegen seiner von Hitler abweichenden Gesinnung ins Zucht- haus bringen und hielt ihn deshalb sieben Wochen fest. Eine vortreffliche Illustration nicht nur für die Methoden des „dritten Reiches", da? weder Vertrag noch Recht beachtet, sondern auch für die Zustände im Saarqebiet. Denn es besteht kein Zweifel darüber, bah die Verhaftung von den Nationalsozialisten des Gaargebietes veranlaht wurde. Slresemann und mticr i. „AlS Stresemann. klarblickend und»er- d i e n st v o l l, ein Uebereinkommen mit Frankreich an- strebte, hatte er da« Volk nicht hinter sich. Ich habe es hinter mir... Elsah-Lothringen! Ich habe oft genug ge- sagt, dah wir endgültig darauf verzichten!" Gespräch mit dem„Matin", A. November 1088. II. „Kampf dem Stresemann!... Damit idem lieber- einkommcn mit Frankreich) ist alles Mah übergelaufen. Ein Mensch, der an Stresemanns Stelle für Frankreich etwas Hat man nicht von Hitler, Göring und Genossen gehört, daß sie den s t a t u s q u o im Elsaß anerkennen? Worte, nichts als Worte! Denn auch in einem Lied„Mondnacht am Rhein" heißt es: „Traut nicht des Mondes Frieden, Der Tag glimmt blutig auf, Es lodern Frankreichs Feuer Stets neu an des Rheines Laus!" Reinste Friedensliebe spricht anscheinend aus den Versen: „Brüder, wir haben kein Geld, Ziehen wir nach Frankreich in das Feld. Brüder, haben wir kein' Wein, Schlagen wir den Franzosen die Fässer ein. Brüder, scheut nicht Schuft noch Stoh, Immerfort au s Frankreichlos." Recht geschmackvoll heißt es im„Kampflied der Ratio- nalsozialiften": „Wir schließen keinen Bruderpakt mit Juden und mit Welschen, Weil sie den Freiheitsbrief des deutschen Volkes fälschen. Wir schließen keinen Bruderpakt mit unseren Tyrannen. Und mögen sie uns hundertmal ins tiefste Elend bannen." Der nächste Vers soll wohl Adolf Hitlers Willen zu ehr- licher Abrüstung beweisen: „Wir schließen keinen Bruderpakt mit bangen, feigen Wichten, ES gilt, die große Niedertracht Europas zu vernichten." Von der friedlichen Gesinnung der heutigen Machthaber in Deutschland zeugt in dem Lied„Das Hakenkreuz" eine Strophe, die wohl auf das Saargebiet zu be- ziehen ist: „Wir tragen stolz da» Hakenkreuz und fürchten nicht das Sterben. Mit unser», Blut zahl'n wir die Schuld der eigenen feigen Schergen. Lieb Vaterland, bald bist Du frei von fremden Söldnerhorden. Heil! Heil ist unser Sieggeschrei vom Süden bi» zum Norden." Hitler erklärt immer wieder, die SA. sei keine mili- tärische Truppe, sie diene nur der„Befriedung im'In- nern". sie kämpfe nur gegen den Marxismus. Viele Lieder der SA. könnten wir hier aus dem„Liederbuch der NSDAP." anführen, die das Gegenteil beweisen. So heißt es in einem„Lied der SA. München", also Hitlers eigentlicher Leibgarden „Und naht dereinst der R a ch e t a g, Und ruit der Führer uns zun, Kriege, Dann führen wir ans Not und^Schmach Das Hakenkreuz von Tieg zu Siege. Dann ziehen wir beim Morgenrot Für Hitlers Fahne in den Tod." Und die gleiche Gesinnung spricht aus einem anderen Lied, in dem gesagt wird: „Und ruft uns einst zum ernsten Streit Des Hitlers M a ch t g e b o t, Dann blitzt das Auge kampibereit, Mit Gott in Sieg und Tod." Nach diesen Kostproben wird man sich nicht mehr wun- dern, daß ein nationalsozialistischer Reimeschmied auch Max Schneckenburgers„W acht a tu R h ei n" neu sri- fieri* hat. Aus dieser„Dichtung" strahlt so recht Hitlers und der Seinen ehrliche Friedensgesinnung. Der Leser urteile selbst: „Es braust ein Ruf wie Donnerhall, Wie Schivertgeklirr und Wogenprall. Zum Rhein, zum Rhein, zum deutschen Rhein, Wir wvll'» des Stroms Befreier sein! Lieb B a t e r l a n d, s o l l st ruhig sein, BtS ivjeder frei der deutsche Rhein! Wenn unS ein Tropfen Blut noch glüht, Roch uns're Faust den Degen zieht, Noch unser Arm die Büchse spannt: Wir holen heim geraubtes Landk Zum Schwur die Händ' erhoben sind. Laßt Fahnen flattern hoch im Wind, Zum Rhein, zum Rhein, zun, deutschen R h e i n. Wir alle looU'n Befreier fein! Wenn frei des Stromes Woge rinnt, Und Siegesfahnen wch'n im Wind, Wenn Schlesiens Gaue wieder frei. Das alte Lied gesungen sei: „Lieb Vaterland, magst ruhig sein, Fest steht und treu die Wacht am Rheins" In dem Geist, wenn man überhaupt in diesem Zu- sammenhange von Geist sprechen kann, der aus diesen Liedern spricht, wird die deutsche Jugend, werden Hun- derttausende junger wehrfähiger Männer in Deutschland erzogen. Erzogen, das muß noch einmal betont werden, nach dem Wunsch und Willen des deutschen Reichskanzlers Adolf Hitler, der zu dem Liederbuch der NSDAP, das Motto geschrieben hat. Und nun mag Hitlers Friedensreden Glauben schenken wer will, niemals aber diejenigen, die den Frieden ivirklick lieben und für seine Erhaltung kämpfen. im hoiliinölsoicn Deutschland erwacht! L. Catz van Aalten schreibt im«Kort Eommentaar" von„D c St i e u w e P e r S" u. a.: „Woher Hitlers Bekehrung oder sogenannte Bekehrung? Verschiedene Ueberlegungen müssen ihn dazu gebracht haben Eine davon ha» sicher ihren Ursprung in den wachsenden Schwierigkeiten im Inland. Der Brandprozch bringt dem deutschen Volk jeden Tag ein neues Stück Blamage. ebenso der deutschen Regierung. Und obwohl die deutsche Presse an Händen und Füßen geknebelt ist. sickert doch dies oder das auch innerhalb der deutschen Grenzen durch, und das erhöht das Prestige der Regierung keines- ivegs, während das Ende, daö man absichtlich hinauözu- schieben scheint, wie eS auch sein mag, ohne Zweifel der Blamage die Krone aufsetzen wird. Dann wächst die Unzn- sricdenheit der Katholiken im Sande tagtäglich, und die Stellung zum Vatikan verschlechtert sich von Tag zu Tag. Der Papst hat sich sogar geweigert. Göring zu empfangen, als dieser vor einigen Wochen in offiziellem Auftrage in Rom weilte. Indessen balgen ssch die Protestanten heftig, weil ein großer Teil von ihnen mit der kirchlichen Zwangöpolitik sehr unzu- frieden ist." Weg mit der Nazipropaganda! Unter der Rubrik„Hier in Holland" der„Haagschrn P o st" lesen wir u. a.: „Daß eine offizielle Propaganda dem guten Namen eine? Landes einen unberechenbaren Schaden zufiigen kann, bc- weist die in holländischer Sprache herausgegebene Broschüre Aehnlichcs unterschrieben hätte, wäre nach seiner Rückkehr nach Paris wie ein Hund erschlagen worden!" „Völkischer Beobachter". 18. Oktober 1925. Kerrls S/I.Lauf»ahn Fast wie ein Hohenzollern-Minister Eine wirklich erfreuliche Nachricht, geeignet, in dieser trüben Zeit die Menschen mit Hoffnung zu erfüllen, bringt der amtliche Teil der Nazipresse: Der Stabschef der©81., Nöhm. hat dem preußischen Justizminister. Staatsrat Hanns Kerrl, telegrafisch mitge- teilt, daß ihn der Führer zum SR.-Gruppensührcr, unter Zuteilung an den Stab der Gruppe Berlin-Brandenburg, ernannt Hai._,, r.„^„ ES ist fast schon wie zu Wilhelms Zeiten. Dieser uniform- begeisterte Monarch verpaßte seinen Zivilministern Haupt manns- und Majorsuniiormen, damit sie aus Hosbällen neben den Militärs eine bescheidene, aber nicht gar zu stark abfallende Figur machte». Kerrl, der etwas träge» LeibcS ist, hat bisher in der SA. keine große Karriere»lachen können. Aber für einen Minister ist es doch peinlich, wenn er neben Untergebenen in blitzendem Lametta im zivilen dunkeln Bratenrock erscheinen muß. Dem ist— gottlob— nun abgeholfen. Und wie schön wär es gar für Kerrl, wenn er als LandtagSpräsident in Gruppenführcr-Uniform Jammer. Jammer, daß der Landtag a u f g e l ö st und nicht wieder gewählt ist. Aber der Ex-Prästdent hat sein Pslästerchen: eine braune Uniform. „Deutschlands Streit für die abendländische Kultur", eine antijüdische Schrift, d,e dieser Tage zahlreiche deutsche Kauf- lcute ihren holländischen Geschäftsfreunden zusandte». Man m„ß sich wieder und wieder absragen, ivie die deutschen Machthaber eS doch fertig bringen, stets im psychologisch un- günstigen Augenblick— nämlich dann, wenn die ösientliche Meinung gerade im Begriss steht, den Schleier der Ver- gessenheit über frühere Fehlschläge zu decken— wieder die Aufmerksamkeit aus sich zu lenken, und zivar durch eine Tat, die daraus zugeschnitten ist, die alte Entrüstung wieder neu zu entfachen... Der Zusamincnstcller besitzt den Mut, in der Einleitung zu versichern, daß die Broschüre„sachlich und objektiv" ist. Er ist so objektiv, daß er tatsächlich mit Wohlbehagen anstößige KorruptionS-Assären von einigen Ostiudcn anführt, jedoch verschweigt er, daß alle diese Zahlen zusammen noch nicht die Ziffer erreichen, die die deutsche Volksgemeinschaft durch den Millionenbetrug der rcinarischcn Brüder L a h u se», den Geldgebern des Herrn Hitler, verlor. Die Broschüre ist ferner mit einer Reihe von jüdischen Karrikaturen ge schmückt, die unS ein Bild von der Mentalität des Schreibers geben, das alle? andere als schmeichelhaft ist. Die deutsche Regierung halte diesen„Schund" im eigenen Lande. Die Mitteilung, daß man„nach den Grundsätzen der christlichen Moral" livie der Schreiber ausführt) diese Politik gegen die Juden betreibt, ist in unseren Augen eine Herabwürdigung und Beleidigung des Christentums. Unsere Regierung bat am letzten Mittwoch einen Gesetzentwurf eingereicht, der u. a.„die öffentliche Beleidigung einer Bcvölkcrungsgrnppe" als strafbar bezeichne». Die deutsche Regierung sund ihre Botenjungen, die deutschen Kansleute) mögen hieraus eut nehmen, wie der Haag über derartige Veröffentlichungen denkt und was sie von jetzt ab zu erwarten haben." Was ist„denlsdi"? Darüber gibt es drei Ansichten Schwere Sorgen hat die gleichgeschaltete Justiz. Die herrschende Rasscntheorie wirft Probleme auf, von denen sich die vorangegangenen Iuristengcschlechter von Pufendorss über Savigny bis Kahl nichts habe» träume» lassen. To ist z. B. die Streitfrage aufgetaucht, welche GeschästSuntcr- nchmungen das Recht habe», sich„deutsche Firmen" zu nennen. Nach einem alten Sprichwort haben zwei Juristen über die gleiche Frage drei verschiedene Ansichten, und so scheint es auch noch heute zu sein— trotz der Gleichschritt- Übungen In den Kerrllchen Rcfercnbarlagern. Den» in der „Rhein- Mainischen Wtrtschaftszeitung" erklärt ein Dr. E m i l S t u d t: Darüber, was eine deutsche Firma sei, gebe eS heute drei Ansichten. Deutsch sei eine Firma, wenn die Inhaber der Unternebmnng und das gesamte Personal seit drei Generationen arisch sind und das Kapital sich in arischen Händen befindet. Die zweite Ansicht be- gnügt sich damit, nichtartsche Elemente in der Unter» nehmungSftthrnng entsprechend ihrem BevölkcrungSanteil zurückzudrängen, und die dritte Auffassung erblickt daS Kriterium darin, daß„deutsche Waren" produziert werden, d. h. Waren, die von deutschen Arbeitern ans deutschen Rohstoffen hergestellt werden. Ja,— und was ist nun wirklich deutsch...?l Deutsdie Stimmen• fteilage zur..Deutsdken&reifheit"• frd^nfsse und Qesffildhlett Mittwoch», den 6. Dezember 1933 Tilusik und Jtcopaçanda Von ZauC Jbekkec Der ausgezeichnete Musikschriftsteller und frühere Intendant, für den es im Hitler-Reich keine Wirkungsmöglichkeit gibt, veröffentlicht in der„Neuen Zürcher Zeitung" einen Auf sag, dem wir folgende Partien entnehmen: Man hat oft versucht, die Kunst durch mehr oder minder sanften Druck, durch Lockung, durch freigebigste Pflege auch da zu kommandieren, wo man ihr die für den schöpferischen Geist unerläßlichen ideellen Antriebe nicht zu geben vermochte. Der letzte deutsche Kaiser war ein leidenschaftlicher Freund der Künste, bildender und darstellender, wie er sie sah. Das Ergebnis aber gelangte nicht über die Sieges- Allee, Lauffs Hohenzollerndramen, Leoncavallos„Roland von Berlin" und den Ausstattungszauber der mythologisch- wissenschaftlichen Ballett-Pantomime„Sardanapal" mit assyrischer Musik von Josef Schlar hinaus. Damals sagte man: „Die Kunst soll." Wie aber, wenn man gar sagt:„Die Kunst m ti IZ"? Was soll sie müssen? Werben? Wofür? Für Politik oder politisch begründete Weltanschauung? Die Marseillaise war ein politischer Propagandagesang, der aufrüttelndste, den die neue Zeit kennt. Ein bisher fremder Auftraggeber war gekommen, die Masse. In ihr lebte ein Aufschwungswille, der zu neuen Menschheitsideen emportrieb, nicht diktiert und geführt, sondern aus sich heraus erst unter schweren Kämpfen Führer gestaltend. So war die Marseillaise nicht eigentlich Partei-, sondern Freiheitsgesang, die seither letzte große und wahrhaft erfassende Werbemusik, eines der stärksten musikalischen Flammenzeichen aller Zeiten. Keiner der später politischen Gesänge: Internationale, Bandiera rossa, Giovinezza kommt ihr an elementarem Schwünge gleich, und das Horst-Wessel-Lied kann als Massenhymne in volkskünstlerischem Sinne nur psychologisch gewertet werden. Die musikalische Sturmfahne fehlt all diesen neuern Massenbewegungen. Es zeigt sich also auch hier, daß die Musik umso schwächer wird, je mehr sie bewußt auf Propagandazwecke gerichtet ist. Sind aber schon diese Wurzeln so schwach— wie soll es da um die kunstvoll gestaltete Musik stehen, die aus den Kräften des Volksmäßigen ihre Nahrung ziehen muß? Ist es überhaupt möglich, der Kunst, namentlich der Musik, jeden beliebigen machtpolitischen Stempel aufzuzwingen? Kann man Musik für rein politische Zwecke propagandistisch ausnützen oder auch nur durch propagandistische Mittel aktivieren? Man kannnicht. Alle dahin gerichteten Bestrebungen, mögen sie auch subjektiv ehrlich und ernsthaft reforma- 1laziçeogtafte Die Schute im„dritten Reith" muß, um allen nationalen Bedürfnissen zu entsprechen, zur nationalen Bedürfnisanstalt werden. Einer der wichtigsten Gegenstände neben dem Hauptgegenstand Wehrkunde ist die Geografie, durch welche die Jugend auf die kommenden territorialen Auseinandersetzungen vorbereitet werden soll. Deshalb wird allen Schülern eine kurze Charakteristik der europäischen Länder eingepaukt. Ungefähr so: Frankreich: Siegreich zu schlagendes Erbfeindesland. Bewohnt von den Affen Europas, einem minderrassigen welschen Volksgemisch. Hauptstadt Paris, ein von Dirnen, Apachen, verkommenen Künstlern und anderen Kulturbolschewiken bevölkerter Steinhaufen, aus dem der Eiffelturm provozierend aufragt, um friedliche deutsche Luftbesuche in tendenziöser Weise zu avisieren. In der Nähe der Haupt» Stadt liegt Versailles, der Sitz der Schmach. Das Volk ist größtenteils demokratisch und pazifistisch verseucht und spricht aus Haß gegen Hitler nur Französisch. Es hält noch immer an den Traditionen der von einer Handvoll marxistisch-jüdischer Jakobiner(Jakob!) inszenierten Französischen Revolution fest. Unter andern» beschäftigen sich die Franzmänner mit der Herstellung von Champagner, nur um !Bonn am Mein, du schönes Städtchen Schweizer Professor entlassen Wie wir Schweizer Zeitungen entnehmen, ist dem Basler Frig Lieb. a. o. Prof. an der Universität Bonn, vom Preußischen Kultusministerium von einem Tag auf den andern die Lehrbefugnis entzogen worden. Das eine muß und kann hier mit Sicherheit festgestellt werden: Der Grund der Entlassung liegt keinesfalls darin, daß Lieb als Forscher und Lehrer etwa seine Pflichten nicht erfüllt hätte. Im Gegenteil, seine wissenschaftliche Arbeit hat sich in den letzten Jahren immer mehr ausgebreitet und vertieft. Fritz Lieb ist geboren 1892 als Sohn eines Baselgebieter Pfarrers. Er studierte Orientalia und Geschichte und im Anschluß daran Theologie und habilitierte sich nach Abschluß der Studien in Basel für systematische Theologie Im Sommer 1930 übersiedelte er nach Bonn. Er erhielt an der dortigen Universität die Venia legendi für ..(festliches Christentum in Vergangenheit und Gegenwart". Im gleichen Jahre wurde er von der Basler Fakultät zum D. theol. und 1931 in Bonn vom preußischen Staate zum außerordentlichen Professor ernannt. Seine zahlreichen Arbeiten betreffen, abgesehen von einem größeren Werke über den Philosophen Franz von Baader ausschließlich das ihm zugewiesene Stoffgebiet der russischen Religionsphilosophie und Theologie. Einen besonderen Namen hat er sich gemacht durch die Herausgabe der Zeitschrift„Orient und Okzident". Diese Zeitschrift hatte von Anfang an ein besonders hohes Niveau. Sie ist eine Fundgrube für alles Wissenswerte aus dem russischen Geistesleben der Vergangenheit und der Gegenwart, und sie ist auch— wir sind darüber informiert — von den Vertretern des neuen Regimes in Deutschland gern als Rüstkammer benützt worden. Lieb hat in dieser Zeitschrift aus seiner intimen Kenntnis des Kommunismus heraus gegen den alles Geistige und Geistliche vergewaltigen- torisch gerichtet sein, beruhen auf Verkennung des wirklichen Zusammenhanges politischer und künstlerischer Schaffenstriebe. Sicher bestehen zwischen diesen Gebieten Bindungen geheimer und tiefer Art. Aus ihnen erst erklärt sich das dienende, gelegentlich bis zur scheinbar servilen Selbstverleugnung gehende Verhältnis der Kunst zur Macht. Aber dieser Eindruck beruht auf einer Täuschung, sofern er eine unmittelbare Abhängigkeit der Kunst annimmt. Jene Bindungen sind zu begreifen nur aus einer der äußeren Einflußnahme unzugänglichen irrationalen Beziehung. Für sich genommen, sind Politik und Kunst zwei völlig verschieden gelagerte Ebenen, die erst durch eine dritte Sphäre Verbindung miteinander erhalten. Aus dieser Verbindung allein wird die Propagandawirkung der Kunst möglich. Damit hängt es zusammen, daß in einer Zeit, die verschiedenartigst organisierte politische Systeme hervorbringt, wie etwa die Gegenwart Faschismus und Bolschewismus, die aus beiden scheinbar resultierenden künstlerischen Bestrebungen in grundlegenden Punkten übereinstimmen. Sie kommen nicht hier aus dem Bolschewismus und dort aus dem Faschismus als politische Gesinnung. Sie kommen aus dem beiden gemeinsamen Generalnenner als der Kraft, die das gesamte Leben dieser Zeit innerlich aufrührt und hier dieses, dort jenes politische System hervorbringen. Diese über- g; irdnete. ursprunggebende Zentralkraft erst erzeugt in der Kunst jene Bewegungen, die jede Partei i r r t ü m 1 i cfa als künstlerischen Ausdruck ihrer politischen Physiognomie in Anspruch nehmen mag— sofern sie nicht erkennen kann, daß das Gegenteil ebenso möglich wäre. Solche Zeiten prägen Kaiserhymen zu republikanischen oder nationalistischen Gesängen um, weltliche Lieder zu Reformations-Chorälen. Sie übernehmen das alte Melodiegefäß und gießen ihm mit dem neuen Text einen solchen Schwung der Bekenntniskraft ein, daß niemand mehr an die einstige Herkunft denkt. Solche Zeiten erfinden aber auch Schlagworte wie„Bolschewismus" der Kunst— ohne zu sehen, daß der Faschismus die gleichen Erscheinungen hervorbringt und daß der einstige Futurismus beider Kinder und noch anderer Geschwister Vater ist. Nur die Kunst ist als solche überhaupt möglich, die in andern Bezirken beheimatet ist als dem der Dienstbarkeit, gleichviel ob gegenüber Königen, Päpsten, Bankiers oder politischen Parteien, nämlich in dem einzigen Bezirk des innerlich freien schöpferischen Willens. Ist er in Wahrheit ein solcher, dann mag er sich nach- und unterordnen, weil er es aus eigenem Entschluß tut, denn dann ist ja eben dieser Eintschluß die tiefste Bekundung schöpferischer Freiheit dem deutschen Rheinwein bei den Gelagen der nationalsozialistischen Führer Konkurrenz zu machen. Wenn Deutschland leben will, so muß es Frankreich aufs Haupt schlagen und das Gebiet stückweise an nationalsozialistische Staatsführer aufteilen.(Näheres in Hitlers„Mein Kampf") Italien: Prachtvolles Land, in dem der Faschismus unter Zitronen blüht. Große Teile des Volkes liegen vor Mussolini, dem genialen Nachahmer Hitlers, am Po. Rom ist in der kleinsten Hütte. Die Bevölkerung der kernitalienischen Provinz Südtirol spricht aus Sympathie für das„dritte Reich" fast nur Deutsch. Das gleichgeschaltete Land kann allen national Erhobenen als geistige Sommerfrische wärmstens empfohlen werden. Rußland: Zukünftiges Kolonisationsgebiet Deutschlands. Derzeit infolge bedeutender Industrieaufträge seitens der Sowjetregierung nur vorsichtig anzugreifen. Oesterreich: Slawisch-semitischer Landfetzen im Süden Bayerns. Brauchbares Experimentierfeld für Höllenmaschinen, Hakenkreuzfeuer und Papierböller. Die Bevölkerung ist wegen ihrer Gemütlichkeit und echt österreichischen Schlamperei berüchtigt. Es muß getrachtet werden, Oesterreich unter das Sprengpatronat Deutschlands zu bringen. Karo. den Bolschewismus einen Kampf geführt, der seinesgleichen sucht. Es dürfte keine Frage sein, daß auch die Entlassung dieses Theologen auf Umtriebe von Seiten der Glaubensbewegung Deutscher Christen zurückzuführen ist. Man fragt sich, ob unsere Behörden, so fragt die„Neue Züricher Zeitung", solchen Entlassungen von Schweizern mit verschränkten Armen zusehen werden. Auteeteu: StammcoMc! Meldepflicht für Schriftsteller Der Reichsverband Deutscher Schriftsteller e. V., Berlin W 50, Nürnberger Straße 8, teilt mit: In Durchführung des Kulturkammergesetzes haben sich alle deutschen Schriftsteller zur Eingliederung in die Reichsschrifttumskammer beim Reichsverband Deutscher Schriftsteller e. V., Reichsleitung Berlin W 50, Nürnberger Straße 8, anzumelden. Diese Meldepflicht betrifft alle Arten schriftstellerisch Schaffender mit Ausnahme der für die Reichspressekammer zuständigen Schriftleiter und Journalisten. Es haben sich zu melden alle Buchautoren, alle belletristischen Mitarbeiter bei Zeitungen und Zeitschriften, wissenschaftliche und Fachschriftsteller, Filmschriftsteller, Uebersetzer, Lyriker, Textdichter, Bühnenschriftsteller, Funkschriftsteller und Kritiker aller Art Die Meldung hat bis zum 15. Dezember dieses Jahres zu erfolgen. * Der Präsident der Reichsschrifttumskammer hat die Mitglieder des Präsidialrates Dr Heinz Wismann zum Vizepräsidenten und Dr. Gunther Haupt zum Geschäftsführer der Reichsschrifttumskammer bestellt. ïBaUade ooh dee deutschen Ziehe Von Georg Wilman Im Teutoburger Wald steht eine Eiche. Sie steht da schon seit recht geraumer Zeit. Sie überlebte viele Deutsche Reiche. Sie sah so manche deutsche Heldenleiche Und wuchs und wurde dick und groß und breit. Sie sah die Schlacht, die gegen Varus tobte. Als H err mann der Cherusker Führer war. Und Karl der Große sich die Eiche lobte, Als er das Christentum, das sturmerprobte, Mit Schwert und Feuer trug zur Sachsenschar. Sie sah viel Kriege und sah wenig Frieden Und blähte sich in echtem deutschen Stolz. Sie sah das Los, das stets dem Volk beschieden Und war mit allem, was sie sah. zufrieden. Denn sie war immerhin aus deutschem Holz. Sie zitterte und bebte vierzehn Jahre, Als Deutschland schmachvoll tief am Boden lag, Sie trauerte an mancher Heldenbahre Und wußte doch: es kommt einmal der wahre, Der erste echte deutsche Frühlingstag. Es kam der Tag. Im Frühling dreiunddreißig, Da brachten braune Helden einen an Und hängten ihn. Es knisterte im Reisig.' Die Eulen schrieen. Und der Wind war eisig• Und sieben Tage hing der tote Mann. Die Eiche wußte: das war ein Verräter, Das war ein Jude oder Kommunist. Sie dachte an die deutschen Heldenväter. Sie billigte die Tat der braunen Täter, Weil das die neue deutsche Sitte ist. Und dann verlor die Eiche ihre Blätter Im„dritten Reich". Jefft steht sie kahl und matt. Verdorrt und sterbend. Denn die braunen Retter, Sie waren nichts als Schwindler. Mit Geschmetter Und Reden macht man nicht mal Eichen satt! Ob sie noch einmal nützlich wird, die Eiche? Ich glaube doch, ich hab' daran gedacht, Daß man, ist's aus erst mit dem„dritten Reiche", Für manche schöne„dritte Reiches"-Leiche Aus Eichenholz die besten Galgen macht! VoCCscfttaitk und uecmoqeud „Mein Führer wünscht" Die nationalsozialistischen Führer im Reich haben,•• lesen wir in der„Wiener Zeitung"(amtliches Organ der österreichischen Regierung), die verschiedensten Wünsche, die sie in Form von strikten Aufträgen und Drohunge 0 durchgeführt wissen wollen. So wünschen sie, daß die Unterführer sieh nicht in die Staatsgeschäfte und in die wirtschaftlichen Betriebe einmengen, daß sie nicht al« Richter und Polizeifunktionäre auftreten sollen. Stabschef Rühm befahl jüngst den Sonderbevollmächtigten und Sonderbeauftragten des obersten SA.-Führers, im Namen ihret Zuständigkeit der Vereinsmeierei ein Ende zu machen, well noch immer viel zu viel Vereine beständen und die Bildung neuer ein großer Unfug sei. Weiter bezeichnete Böhm da« Absammeln durch uniformierte SA.-Leute sogar als eine Landplage. Er verbot jede Sammeltätigkeit, jede Werbung von Zeitungen und Zeitschriften, Büchern und industriellen Erzeugnissen im Dienstanzuge. Auf das hinauf entwickelte sich natürlich eine Inflation von Verboten, die anschwillt wie seinerzeit im November die Markentwertung. Welch absonderliche Blüten die nationalsozialistische Propaganda treibt, geht aus nachstehendem Inserat hervor, das jüngat in den„Breslauer Neuesten Nachrichten" erschien: „Mein Führer wünscht, daß ich heirate. Drum suche ich ein evangelisches, rein arisches Mädchen, blond, voll' schlank, vermögend... Demnach berufen sich sogar Mitgiftjäger auf den Führer. Das ist die andere Seite der Gesinnungs- und der Rassenpflege. ßie siack UAaaete,(eitlei&iqe!Buhtecüi Blonde Arier heiraten sie nicht! In einem Programm zur Verbesserung der Rasse durch dl® Ehe, das vom„rassenwissenschaftlichen" Wochenblatt„Das Wissen der Nation" veröffentlicht wird, heißt es:„Die Rasse und das Weib dürfen sich nicht selbst überlassen bleiben, sondern die gut rassige Arierin muß vom arisch-heldischen Mann behütet werden... Wir fordern, daß der blonde, blauäugige Mann kein Weib brünetter(mittelländischer) Artung mit langem Rumpf, kurzen Beinen, schwarzen Haaren, Hakennase, vollen Lippen, großem Mund, Hängebrüsten, Hängebauch, übermäßig starker Behaarung und Neigung zur Fettbildung heiratet. Wir fordern, daß der arisch-heldische, blonde, blauäugige Mann keine schwarze Negroide heiratet mit dem bekannten Negerkopf, mit Ellipsenbrüsten, starken Brustwarzen und hagerem Körper. Die Mittelländerin ist der Typus der Buhlerin, die Negerin und Mongolin der Typus des weiblichen Lasttieres. Dagegen heiratet der arische, heldische Mensch nur seinesgleichen.•- 7laii=Hcau, entsage! Im übrigen: zeuge Kinder Im nationalsozialistischen„Führer" weist Julianita Wölber- Schräder der Frau die Rolle zu, die sie im„dritten Reich" zu spielen hat. U. a. schreibt sie:„Das oberste Gesetz, nach dem die Frau eines aktiven Nationalsozialisten ihr Zusammenleben mit dem Manne auszurichten hat, ist: Geduld... Frauen", ruft Julianita,„laßt Geduld, Entsagung und Verständnis die Gesetze sein, denen gemäß Ihr Euer Verhalten dem Kämpfer der Bewegung gegenüber ausrichtet!" Du sollst, um die Wahrheit sagen zu können, das Exil vorziehen. Niegsche• Labour-Köpfe Von Dr. Gabriel, London Georg Lansbarij leader of Sis MajektvS Opposition'(„Der Führer Tetner Maiestat Opposition"»- so lautet heut« Lansburys Offizieller Titel im Parlament. Ivo der Alte tapser, warm- vsrzjg und mit erstaunlicher Vitasiiäl die kleine Fraktion von 50 Mann gegen 550 führt. Lansbury ift hoch in den Siebzigern Saar Backenbart und Schnurrbart schneeweiß, aber geistig ist er jünger, lebendiger und beweglicher als Mancher Dreißiger. Daß er zum osnziellen Führer der Partei wurde verdankt er der Tatsache, daß er das einzige ehemalige Kabinerlsmitglied ist, das bei der Katastrophen- wähl von 1982 sein Mandat nicht verlor. LanSbury wurde alio Führer durch Zufall. Aber die Labour Party braucht oiescn Zufall nicht zu bereuen Sie hat einen Führer, der vielleicht kein großer Staatsmann ist. aber ein wundervoller, ehrlicher gerader Mensch in dessen Reden die Sentiment«- Utät des englischen VolkSinannes widerklingt, dem die Liebe »er Massen zufliegt. Man kann ihm vertraue» und man vertraut ihm. H»er ist ein Meirich, der Sozialist ift. sogar radikaler Sozialist— er neigte stets zum linken Flügel- Vicht weil er dadurch vorwärts zu kommen hoffte, auch nicht aus wissenichaftlichcr Erkenntnis sondern ans tiefster rel>» tUöser Neberzeugung. Lansbury ist frommer Christ: die -Bergpredigt sagt ihm mehr als Marx' Kapi- l a l. In jeder Rede spürt man diesen(Seist echten Christentums, der mit kirchlicher Bindung nichts zu tun hat. Lansbury bat für seine lleberzeugung einst im Gefängnis gesessen. Lansbury blieb auch als Minister der einfache Mann aus dem Volk, kindlich wie nur Engländer zu sein vermögen. Er spricht die Sprache des ManneS von der Straße— obnc Wert auf vornehmen Dialekt zu legen. Er hat einst im Amt als Minister der öffentlichen Arbeiten die Volksparks be- treut..Lansbury Lide"— so heißen die einfachen ErholungS- stätten der Mallen: auch die konservative Prelle nennt lle»o, das Wort ist in den englischen Sprachschatz aufgenommen worden.„ Jeder achtet Lansburv, die Verleumdung— in England sowieso selten— ivagt sich an diesen Mann nicht heran. Ob LanSbury einmal Ministerpräsident sein wird, ist trag- lich. Ihn lockt das helle Rampenlicht der Wellpolitik nicht. Auch aus dem letzten großen Parteitag sprach er nur wenig. Aber wenn er sprach, wenn er sich nur erhob, spürte er die aufrichtige Liebe und Verehrung der Männer und Frauen, für die er ei» Menschcnalter gekämpft hat und für die er auch heute noch kämp.t. Arthur neniFer^oa .Onkel Arthur"— diesen Namen behielt er in der Partei, auch als aus dem Parteisekretär der weltbekannte Staats- mann wurde. Als Macdonald die Mallen, die ihn bochge- tragen hatten, verließ, wäre es für Sendcrson aeiviß ver- lockend gewesen, das ihm ans Herz gewachsene Aubenmini- sterium zu behalten. Hier hatte Sendersohn Großes geleistet. Bor allem, wenn man ihn an seinen Nachfolgern mißt, spürt man den ganzen Abstand. Unter Hendersons Führung wurde England zum Führer auf dem Wege des Friedens. Und beute? Simon überläßt Mulloltnt die Führung und duldet es. daß Italien England ins Schlepptau nimmt. _ Henderson hielt seiner Partei die Treue. Als er bei der ' Wahl unterlag, überließ er Lansburv die offizielle Führung. ,-Auch heute, wo er in einer triumphalen Nachwahl zurückkehrte. macht er feinem alten Mitkämpfer die Führung vstht streitig. Mit hingebendem Eifer kämpft er den fast hoff- nungslosen Kamp» für die Abrüstung. Um das große Ziel zu erreichen, weicht er selbst Begegnungen nicht aus, die ihm sicher peinlicher sein müllen ivie jedem anderen. Vielleicht wäre cS beller gewesen, er hätte diese Ausgabe die Ab- rttstuNgSkonserenz zu leiten, nicht übernommen. Der Ein- zelne ist auch bei dem besten Willen und den größten.diplo- matischen Fähigkeiten machtlos gegen die nationalistischen und kapitalistischen Interellcnten. die heute die große Politik der meisten Staaten bestimmen. Die Zähigkeit, mit der Sen- derson trotz aller Widrigkeiten für das Ideal kämpft ehrt ihn. Und die britische Arbeiterbewegung ist stolz auk ihn. auch wenn sie über die Erfolgsmöglichkeiten skeptischer denkt. Die unermüdliche Arbeit und schwere Krankheit sind an - Henderson nicht spurlos vorübergeganen. Er ist alt ge- worden. Man spürte eS auch auf dem Parteitag— nicht nur, äußerlich. In der Verteidigung einiger parteiorgani- satorifcher Pläne hatte er nicht gerade eine glückliche Sand- und er unterlag auch. Aber seine staatsmännische Rede zum Friedcnsproblem zeigte ihn wieder voll aul der Höhe. Der ganze Parteitag, ohne Unterschied von rechtS und links, iubelte ihm zu. Wenn man von Führern der Labour Party spricht, bann ist Arthur Henderson an erster Stelle zu nennen Nerven Pförns©« Morrison gehört zu den Jüngeren. Er ist in den Vier- zigern. Führer der Londoner Labour Party. Mitglied des Parteivorstandes. Verkehrsminister im letzten Labour-Kabi- nett-- neben Henderson der einzige Minister, der wirkliche Erfolge bat durchsetzen können. In der Welt ist er noch nicht so bekannt, aber man sollte ani ihn achten. Wer weiß, ob nicht das nächste Labour-Kabinett seinen Namen tragen wird. Schon äußerlich ein Kopf. Kein Intellektueller. Ein WillenSmensch Die Energie dcS Gesichtsausdrucks, die sich in seinem Kinn vor allem verkörpert, wird durch die Brille kaum gemildert. Er hat in das Chaos der Londoner Vcr- tchrsorganisation Ordnung gebracht— in dem individuali- stischen England eine große Leistung. Er ist stolz daraus. Freilich redet er stets nur von der Sache, nie von seiner per- sönlichcn Verantwortung dafür— aber jeder weiß cS. Auch diesen Morrison konnte die Lockung konstruktiver Arbeit nicht von. der Partei trennen. Er ging nicht mit Mac- donald. Kürzlich suchte man ihn als Leiter eines großen halböffentlichen Unternehmens zu gewinnen. Aber weder das hohe Gehalt von Pfund, noch das Recht, sich frei politisch zu betätigen, konnten ihn verlocken. Er lehnte ab. er will seine Kraft weiter der Bewegung widmen. Morrison steht in der Partei rechts. Aber er ist beileibe kein Reformist in dem Sinn, daß der Einzeleriolg ibm mehr wert ist als der Kampf für den Sozialismus. Zehn Minuten Unterhaltung m,t diesem Mann zeigen zur Genüge: hier ist ein echter begeisterter Sozialist, der alle konstruktiv'» Einzelmaßnahmen nur unter dem Gesichtspunkt des End ziel? siebt. Morrison bat manchen Strauß mit den Kommunisten aus- gelochten und ihnen nichts erspart. Aber er ift ohne Vor- urteile. Jüngst reiste er an der Spitze einer Reisegesellschaft in Sowietrußland und schrieb über seine Eindrücke eine Reibe von Artikeln. Nicht unkritisch gewiß, aber frei von Jedem Sowjethaß. Für vieles fand er hohe Anerkennung und scheute sich nicht zu loben, was er lobenswert land Nu, glaubt er nicht, daß alles, was in Rußland gut und nötig fein mag. sklavisch mit den gleichen Methoden auch in England durchgeführt werden muh. Aui dem Parteitag stand Morrison stark im Vordergrund Seine knappen Reden trafen stets den Kern der Sache. Nüchtern, logisch, überzeugend und dabei doch voller Witz und Humor, arlea-nilich auch etwa? boshakt. Ein treffsicher Redner englischen Stils, und einer der etwas zu iaacn hat Nur der Tropfen Sentimentalität, der den Engländern so lieb ist, fehlt ibm. Wird eS die Mallen begeistern können? Doch wie dem auch sei— ob er nun der kommende Führer sein wirb oder nicht— eine entscheidende Rolle wird er im kommenden Kampfe des englischen Sozialismus sicherlich spielen. Sir Sfaford Crions Sein Gegenspieler ist Sir Stafford Cripps. auch einer der Jüngeren, der Führer der Linken, dellen Traum cS ist, auS der von ihm geführten Socialist League die sozialistische Vorhut der Partei zu machen und von boriher allmählich die Partei ganz zu durchsetzen, wie es einst die Unabhängige Arbeiterpartei getan hat. In der kleinen Untcrhaussraktio» wo Cripps den Wahlkreis Ost-Bristol vertritt, ist er neben LanSbury, Attlee und Greenwood die stärkste Persönlichkeit. CrippS ist Anwalt, er hatte in der letzten Labour-Regie rung einen der juristischen Posten inné(Soliciter General», war aber nicht Mitglied de» eigentlichen Kabinetts Scute steht er im Bordergrund der Labour Party. Die Konser nativen benutzen ihn als schwarzen Mann. Einige, nicht immer sehr glücklich formulierte Aeußerungen über Demo kratic und Diktatur, haben ihn in diese Rolle gebrach' ErippS glaubt an den Grundsatz der Demokratie, aber er ist der Ueberzeugung. daß die kapitalistischen Kräfte nicht ge- statten werden, daß die Gesellschaftsordnung auf demokratischem Wege in eine sozialistische umgewandelt wird. CrippS möchte deshalb eine aus demokratischen Weg ins Amt gelangte Labour-Regicrung mit stärkeren Vollmachten ver» sehen, um ihr die Macht zu geben, kapitalistische Sabotage mit allen Mitteln zu brechen und ungehemmt sozialistische Maßnahmen durchführen zu können. Als Jurist möchte er alle Möglichkeiten vorher formulieren»nd bei der Wahl dem Volk unterbreiten. Daß das taktisch richtig ist. wird von vielen Sozialisten beziocifclt, die sonst in vielem mit Cripps übereinstimmen. Aber Cripps liebt Taktik nicht— daß er dennoch Taktiker sein kann, bewies er in Hastings Ivo er sehr geschickt operierte»nd den entscheidenden Kampf um ein Jahr verschob— Cripps ist Prinzipicnmensch. Wenn man ihm gegenübersitzt und mit ibm spricht, wenn man ihn als Redner im Parlament hört, hat man den Eindruck: ein zweiter Robespierre. Kalt, logisch, starr, prinzipcnsest- in teincr Art grandios. Auch seine Gegner achten ihn als»first claß brain" lerstklassigeS Gehirn». Etwas von seinem Geist — gemischt mit dem gesunden Menschenverstand, der Willens- kraft und dem konstruktive» Geist Morrisons und der Wärme und Sentimentalität Lansburys— kann die Britische Labour Party gut vertragen. flogv Daifon Auch Dalton— gleichfalls zur jüngeren Generation ge- hörig— ist Intellektueller: Professor der Nationalökonomie. Aber ein ganz anderer Typ alS der strenge Cripps. Fast stets spielt ein liebenswürdiges, oft leicht ironisches Lächein um sein seines durchgcistiges Gesicht, Er scheint stets heiter: auch wenn er angegriffen wird, nimmt er es nicht krumm. Und wenn er dann zum Gegenstoß ausholt verzichtet er auf jede Schärfe. Nicht durch geballte Willenskraft wie Morrison, nicht durch schneidende Logik wie Cripps überzeugt er die Menschen. Er serviert ihnen die Argumente so charmant und schmackhast, daß er. ehe man es merkt, gewonnenes Spiel Hab. Dabei weiß er genau, was er will. Er hat Kenntnisse »nd Ideen. Nur er prunkt nicht etwa mit seiner Gelebrsaui- feit, er stellt das. was er will, als Selbstverständlichkeit hin, und setzt es dadurch leicht durch. Dalton war im letzten Labour-Kabinett ilnlerstaatö- sekrctär des Acußcrcn. auch heute noch spielt er in der Außen- Politik eine Rolle— so war er der geistige Führer der eng- tischen Delegation aus dem Pariser Kongreß der Sozial!- stischen Arbeiterintcrnationale— aber heute liegt sein Hauptarbeitsgebiet anderswo: er arbeitet an den sozia- listischen Wirtschaftspläncn, er ist der Finanzpolitikcr der i'""" 1 II I'd vielleicht der Finanzminister iSchatzkanzler» des nächste» Labour-Kabinctts. Daß er die Sympath cn der Be- wegung beüyl. zeigt die Tatsache, daß er in seine, Gruppe bei der Parteivorstandsivahl die höchste Stimmenzahl er- hielt. Auf dem Parteitag war er daS Vorstandsmitglied, das neben Morrison am häufigsten und am wirksamsten in die Debatte eingriff. Bew r Vewin, der Vorsitzende der General and Transport Wor- kers Union sTransportarbeiterverband» ist neben dem Generalsekretär des GewerkschaftsbundeS Walter Citrine zweifellos die markanteste Figur unter den Gewerkschaften. Tatkräftig und tätig, heute hier morgen dort, rastloser Ar- beiter— was seinem Körperumsana keinen Abbruch tut. Ein Mann, der nicht in der Routine versinkt, sondern sich immer wieder Gedanken macht. So hat er kürzlich eine Artikelserie zum Kampf gegen die Wirtschaftskrise veröfsent-> licht, Maßnahmen der Tagespolitik, aber getragen von der sozialistischen Idee. Stets wenn er auf dem Parteitag in die Debatte eingriff, herrschte Ruhe im Saal: jeder wußte: dieser Mann mit dem breiten, ivillensstarkcn Gesicht hat etwas von Belang zu sagen. Manche sehen in ihm, der bisher parlamentarische und rein politische Betätigung abgelehnt dat. den kommenden Sozialisicrungsminifter. Wie dem auch >ei— wenn man von Führern der britischen Arbeiter- deweaung spricht, darf man Bevin nicht vergessen IM? Wrftstfevnartfs bat Führer von hoben O.nalitäten— und dabei blieben noch viele unerwähnt wie Arthur Green- wood, Roet Baker»Hendersons cnaster Mitarbeiter», Treve- 'van, Attlee, Laski, Colo. Ponsoiibn, Lees Smith, Addison. Burton» a.«Elle» Wilkinson kann kaum zur Führer- iruvpc gerechnet werden, so reizvoll„nd interessant»nd so beweglich sie alS Persönlichkeit anch ist,» ES würbe einer kommenden sozialistischen Regierung nicht an Männern 'ehlcn»nd das Gerede von der Führerlosinkeit des englischen Sozialismus ist eben nur Gerede, das von der bürgerliche» Reaktion mit bewußter Absichtlichkeit ausgestreut wird Achtung, Elfern? Mein luecndhctm bedeut. vergrößert, befindet sich jetzt in MARNES.LA COQUETTE, 3" Grande Rae 20 Minuten Bahntahrt vom Bahnhot St. Lazare. Paris Telefon Garthe« Nr. 629. Große Villa mit riesigem Parte, fließendes Wasser in jedem Zimmer, Zentralheizung usw Überleitung in die franz. Schulen Gymnastik, Sport. „ FR AU DR. BERG An- und Verkauf zantralauropA achat und aOdamankan- achar Oevtaan EMaktan und REICHSMARK durch daa Bankhaus Georges Per es G P. Michel 34 RUE l AFFITTE. PARIS IX iel con ni tsout ae-40 bis as Werbt für die„Dcutscne frelhelt"! 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Rue !'Fd'mbour t Pariser Dcridile Pariser Slraßenhalender Die Verteilung der literarischen Preise hat begonnen: Unter dem Vorsitz von Jean Giraudoux, dem erfolgreichen Bühnenschriftsteller, wurden drsi Preise von 2000, 1000 und 500 Franken für Fußball-Literatur ausgegeben, and den Novellen-Preis von 1000 Franken für Noefa-nicht-Zwanzig- jährige erhielt der Student Jean Néret von einer Jury, der auch François Mauriac angehörte, für seine Novelle„Les Pieux". * Ein neues Telefonkabel Paris—Lille wurde eröffnet. * Der Meister in einer Käsefabrik Charles Paul, der das Denkmal Briands in Paey-sur-Eure mit einer ätzenden Säure begossen und für 20 000 Franken Schaden angerichtet hatte, erhielt zehn Monate Gefängnis. * Wahrscheinlich findet der Prozeß gegen Violette Nozières in der zweiten Hälfte Januar vor dem Pariser Schwurgericht statt. « Der Pariser Kardinal Verdier erlebte einen Autounfall Ecke rues de Sèvres et de l'Abbé-Crégoire, blieb aber unverletzt. Der Pariser Polizeipräsident Ober die Emigranten Eine wichtige Debatte im Stadtrat— 7200 deutsche Flüchtlinge in Paris— Die„falschen Matrosen" Im Pariser Stadtrat hat anläßlich der großen Sittlichkeitsdebatte, bei der über die„falschen Matrosen" und„falschen Studenten" gesprochen wurde, auch eine sehr ernste Deutschen-Debatte stattgefunden. Msr. Le Provost de Launay mißbilligte die Judenverfolgungen in Deutschland und sprach sich für Beschützung der Verfolgten aus. Aber er wünschte, daß die Emigranten sich n i ch t in die inneren Verhältnisse Frankreichs mischten und nicht begeisterte Zuhörer in den Versammlungen der Dienstverweigerer seien. Weiter bedauerte er, daß Emigranten eine Konkurrenz für die bereits von der Krise erreichten französischen Arbeiter seien und daß sich gewisse zweifelhafte Elemente unter ihnen befänden. M. J o I y erwiderte, daß reaktionäre Proteste bei der Einwanderung der Weißrussen nicht bemerkt seien. Wenn Hitler nächstens die Katholiken weiter verfolge, werde dann die katholische Rechte in Frankreich ihre Glaubensbrüder zurückweisen? Der Polizeipräsident C h i a p p e wies in seiner großen Rede, in der er auf die Unterdrückung bestimmter Laster und die sittliche Reinheit der Hauptstadt zu sprechen kam, u. a. darauf hin, daß unter 45 000 Studenten, einer Rekordzahl, darunter 10 000 Ausländer, sich wohl einzelne räudige Schafe finden könnten, aber die Mehrzahl sei sittlich gesund. M. Chiappe teilte dann genaue Zahlen über die Einwanderung mit. Nach Abzug der Naturalisierungen gibt es noch 22 000 Weißrussen in Paris, und der Faschismus hält den wesentlichen Teil der 71 000 in Paris wohnenden Italiener von ihrer Heimat fern. Außerdem wohnen noch 14 000 Spanier, darunter viele aus politischen Gründen, an der Seine. Vor dem Regierungsantritt Hitlers wohnten 2000 Deutsche in Paris. Im ganzen sind seitdem nur 7200 d e u t s ch e Flüchtlinge nach Paris gekommen. Die Einmischung in die politischen Verhältnisse des Landes und die Berührung mit Dienstverweigern sei nicht zu dulden. Auch Lohndrückern! und Herabdrücken der Warenpreise seien unzulässig. * In einem Interview mit Geo London hat der Polizeipräsident seine Auffassung noch präzisiert und ausgesprochen, daß der Emigrant sieh völlig von Kundgebungen fernhalten müsse. Wer in dieser Beziehung Zuwiderhandlungen begehe, werde innerhalb 24 Stunden ausgewiesen. M. Chiappe wiederholte dann seine Erklärungen gegen Lohn- unterbietung und Dumping. Vor der 13. Strafkammer ist kürzlich ein junger Deut« seher wegen einer schweren Sittenaffäre erschienen. Das Urteil lautete, wie M. Chiappe betonte, nur auf 6 Tage Gefängnis, obwohl in ähnlichen Fällen auf 2 Monate erkannt zu werden pflegt. Was die„falschen Matrosen" angeht, so sind Adker, rote Troddel, blauer Kragen und Abzeichen geschützt. Neulich wurde aber nachts auf dem Montmartre ein„falscher Matrose" hochgenommen, der die gestickten Abzeichen eines — Pinguins trug. Dieser verbreitete Sumpfvogel ist aber als symbolisches Abzeichen noch ungeschützt, der Pinguin-Mann mußte also laufen gelassen werden. In Wahrheit, erklärte M. Chiappe, gibt es keine„falschen Matrosen". Zur Vorbeugung gewisser Laster sei ein Präventiv Dienst eingeführt worden. * Die Erklärungen des Polizeipräsidenten und die Debatte im Stadtrat, allein und in Verbindung mit mehreren anderen Vorkommnissen des Pariser Lebens, sind von besonderer Bedeutung für die Emigration. Wir können, auch unsererseits, unsere Gesinnungsfreunde und Landsleute nur warnen, sich an unerwünschten Einmischungen in die Politik unseres Gastgebers zu beteiligen. Auch die Ausführungen über die Lohndrückerei und das Dumping finden unseren vollen Beifall; die Hilfskomitees hätten sich längst der Mitarbeit und Kontrolle der geeigneten Instanzen wie der Gewerkschaften bedienen sollen, dann wäre manches vermieden worden. Daß sich ein gewisser Prozentsatz übler großstädtischer Elemente unter der Maske der Emigration eingeschlichen hat, ist leider Tatsache. Die anderen Emigranten leiden unter diesen„falschen Emigranten". Eine klarere Klassifizierung andererseits von politischen und nichtpolitischen Emigranten wäre von Nutzen gewesen. Unterlassen wollen wir nicht, auf die verderbliehe Tätigkeit der Nazi-Zellen in Paris und Frankreich erneut hinzuweisen, die erfahrungsgemäß mit Verliebe agents preveeateurs absenden: das Auftreten gewisser Spitzel im Leipziger Reichstagsbrand Prozeß hat da wohl die letzten Zweifel beseitigt. Sfeuerfragen Gese i I Schaftsgründungen Wenden Sie sida an F.BRIQUEU LICENCIÉ EN DROIT" ehemaliger Kontrolleur der direkten Steuerbehörden um vom offiziellen Staadpunkt aus beraten zu werden 25, Ii N#uunU#, Part«(2), Tel. Louvre 22.*> Tél. Trinité 43-13 Métro- Pi gal le Deutsche Poliklinik Pan». 62. Rue d« U Rochefoucauld si Allgemeine b) Chirurgie Konsultationen Zweistöckige» Senats. riumsgebäude. Die aller «ntt 9 Spezialisten modernste Einrichtung Ordinarien täglich von 9—12 and 2--8: c) Geburtshilfliche Klinik d) Zahnärztliches Kabinett Zahn, und Mundehlrurg» Sonn, and Feiertags von 10—12 and 2—4 übt Vierstöckiges Gebäude. Zimmer mit I bis 4 Betten Die Debatte im Pariser Stadtrat zeigt erneut, wie dringend die Inangriffnahme einer Generallösung in Verbindung mit Siedlung und Arbeitsbeschaffung ist. Die Aufnahme der Tätigkeit des neuen Völkerbundsdelegierten Mae d e n a I d wird es hoffentlich ermöglichen, der teilweise ganz verzweifelten Lage der mittellosen jüdischen und nicht- jüdischen Flüchtlinge in absehbarer Zeit durch eine produktive Hilfe Herr zu werden, in Verbindung mit dem internationalen Verteilungsplan. ZDm Tode von Firmln filmier Mit tiefster Erschütterung haben die Theaterfreunde der ganzen Welt vernommen, daß der Begründer und Beseeler der„Société Universelle du Théâtre", Firmin Gémier, seit Sonntag nicht mehr unter den Lebenden weilt. In ergriffener Trauer neigen sich in Frankreich alle Freunde der Bühne und de» Films vor der Leiche eines der gefeiertsten Meister der Darstellung nnd der Regie. Eine unbezähmbare Passion für das Theater hatte den jungen Sohn kleiner Kaufleute aus Saint-Denis auf die Bretter getrieben. Nach einem Debut auf der Vorstadtbühne von Belleville sollte er bald in Antoine den berufenen Entdecker und Förderer einer Begabung finden, die ihn zu einer der schönsten und segensreichsten Laufbahnen berechtigte, die Frankreichs Bühnengeschichte der letzten Jahrzehnte gekannt hat. Der junge Uraufführungsinterpret von Courtelines„Bon- bourouche" und Brieux„Blanchette" folgte seinem Meister als Leiter dea„Théâtre Antoine" und des„Théâtre National de l'Odéon", er wurde gleichzeitig zum Direktor der staatlichen Volksbühne im„Troeadéro" und zum berufenen Verbindungsgliede mit allen künstlerischen Bestrebungen des Auslandes. Wie Reinhardt veranstaltete er klassische Aufführungen im Zirkus, er wurde zum Förderer neuer Begabungen wie Lenormand, Raynal, Jean-Jac- ques Bernard, er spendete, als Einziger fast, seinem großen Freunde Romain Rolland geschuldeten Tribut und machte durch eine Inszenierung des„Fans t" im„Odéon" den offiziellen Schlußstrich unter den Nachkriegsboykott der deutschen Bühnendichtung in Paris. Mit seinen Leistungen als Darsteller, als Regisseur und Theaterleiter, mit seiner erfolgreichen Tätigkeit im Film und allen angrenzenden künstlerischen Aufgaben betrachtete er seine Tätigkeit jedoch noch längst nicht als erschöpft. Der Gedanke an die übernationale Mission der Bühne ließ ihn aur Gründung eines Völkerbundes des Theater» schreiten, dem er, vergleichbar mit dem ihm befreundeten Briand, die besten Kräfte seiner letzten Jahre weihte. Seiner unermüdlichen Propaganda in Wort und Schrift verdankte die Welt jene große Idee einer„Société Universelle du Théatrè", eines Welttheaterbundes, der alle künstlerischen Bestrebungen aller Länder zu gemeinsamer Geistestat zusammenfassen sollte. Die Widerstände, die nationalistische Engstirnigkeit diesem genialen Plane im eigenen Lande wie bei anderen Völkern entgegengesetzt hat, haben den kühnen Vorkämpfer alles Edlen und Großen vielleicht gelegentlich entmutigt. Man hat den Eindruck gewinnen können, ala wäre der Fortschritt der„Société Universelle" in den lettzten Jahren immer geringer geworden. Erinnert man sich aber andererseits an einzelne Tagungen in Paris. Barcelona, Rom oder Hamburg, und insbesondere an die Hamburger Zusammenkunft, so bleibt die begeisterte und begeisternde Beredtsamkeit dieses unermüdlichen Vorkämpfers für Frieden und Verständigung ein unvergeßliches Erlebnis. Als leuchtendes Vorbild muß und wird die menschliche und künstlerische Erscheinung Gétniers in allen denen weiterleben, die, einer bedrohlichen Reaktion in vielen Ländern zum Trotze, von der hohen verbindenden Mission fest durchdrungen bleiben, die dem Theater— wie der Kunst im allgemeinen— im Leben der Kulturmenschheit gebührt. Hans-Adalbert v. Maitzahn. rranzOslsdic Kunsfhäufe in Vranhlart and«Sin „Der nene ,Kunstnationalismus' in Deutschland hat für Frankreich ganz unerwartete Vorteile," stellt die Pariser Presse feat.„Nicht nur Werke der Ultras, mit mehr oder weniger Verstiegenheit, oder von jüdischen Künstlern stammend, sind vollständig aus den Museen verschwunden, die neuen.Konservatoren' der Muaeen— wenn man aie noch so nennen darf—, die von der Nazipartei ernannt wurden, bemühen sich auch, heftig unter den älteren Werken aufzuräumen, die die größten Namen französischer Künstler tragen." Die Pariser Antiquare lassen natürlich eine so schöue Gelegenheit nicht vorübergehen. Einer von ihnen kaufte im Kölner Museum zu lächerlichem Preis vier allegorische Köpfe von Ingres. Ein anderer, ala„König des 18. Jahrhunderts" bekannt, ließ sich aus Frankfurt a. M ein Butterbrot eir Reihe Fragonards erster Ordnung kommen. Jetzt brauchen sie nur noch, um sie zu astronomischen Preisen weiter zu verkaufen, abzuwarten, bis der Dollar steigt.., «eine-Konzm Heine-Lieder in der Vertonung verschiedener Komponisten und Epochen. Ein Programm, das Stoff für mehr als einen Abend bietet, und das man hoffentlich zu einem Zyklus zus- bauen wird. Denn neben dem großen künstlerischen und kunsthistorischen Wert, wo gäbe es besseres, anschaulicheres, schlagenderes Material gegen allen Wahnsinn der Hitlerei als in diesen Kunstwerken, die deutsche Musiker—— unter ihnen allerdings auch der„Untermensch" Mendelssohn und das Produkt einer„Rassenschändung" Brahms— nach den bis zum glorreichen Jahre 1933 in Deutschland ala Volksliedern gekannten Versen des Juden Heinrich Heine geschaffen haben?! Else P e p p 1 e r, die Sängerin des Abends im Deutsche" Klub, kommt von der Oper. Manches gerät bei diesem für Bühnendimensionen geschulten großen Stimmaterial noch zu stark, zu„dramatisch". Aber die Art, wie die Stimmung«- weiten 0 r verschiedenen Komponisten— von Schumann bis zu dem Milbaud Schüler Sauguet—- voneinander abgehoben werden, beweist ebenso große technische Schulung und Sicherheit wie einen stets wachen Kunstverstand und -geschmack. Man wird diese Stimme hoffentlich in größerem Rahmen Wiederhören. Am Fhigel wirkt Kapellmeister Adolf Dans als sicherer Begleiter. Ein— leider nicht«ehr zahlreiches— Publikum gibt herzlichen Beifall. Paul Walter- Hitler-Krach in Vigo Nach einer Pariser Meldung aus Vigo umringten spanische Extremisten deutsche Hitler-Matrosen vom Kreuzer„Köln, als diese an Bord gingen. Die Demonstranten riefen:„Hoch der Kommunismus" und„Nieder mit Hitler!" Die Polizei zerstreute die Ansammlung und nahm 10 Verhaftungen vor. Hilfswerk für deofsdie Sdirll'sfeiier Der Schutzoerband deutscher Schriftsteller unternimmt unter de« Protektorat von Andrer Biolli», Barbusse. Jean Richard Bloch und Andre Malraux ein Hilfswerk für deutsche Schriftsteller. De» gefangenen und verfolgten Kollegen soll Erleichterung ihre« Schicksals gebrach: werden. Der erste Abend zugunsten dieses Hilfswerks findet am Donnerstag, de« 7 Dezember, 3O.B0 tthr, in der r u« Casimir Perter, ZI statt, Paris 7, Metro Solfertno. Aus unveröffentlichten Werke« lesen Egon Erwin»tsch, Anna SegherS, Theodor Plivter. Arnold Zweig. Else Fl a tau lieft auS Werken gefangener und er- »ordeter Kollegen: Theodor Lessing, Willy Bredel. Erich Mühsam. Carl von Osfietzky, Klau» Neukrantz. Eintritt 5 Fr. Di« Einnahme geht restlos an das Hilfswerk. An alle Freund« und Sollegen gebt die Bitte, da« Hilfswerk durch zahlreiche» Erscheinen zu unter- stützen. BRIEFKASTEN Andalusien. Sie bestätigen uns den Empfang der ersten Nummern ^der»Deutschen Freiheit--. Dank sür Bries und Berse. Wahrschein- lich haben Sie dort besonders reiche Gelegenheit. Ragesragen z" studieren. Soweit wir wigen, ist es bei Ihnen nur in einem Falle gelungen,«ine wirkliche reine Rag» zu züchten, der dt« Légitima- lion des Herrn RetchSrassewartS finden dürft«: den andolusischen Stier. Aber im Ernst: Sie irren, wen» Sie meinen, bah wir unS über die Kirche aufregten, weil sie im Sinne der Nazis arbeite. Sie schreiben un»:»Bor dem Kriege waren die protestantische» Pastoren Kaiserpatrioten. 1914 riefen st«:„Gott strase England--. Nach dem Kriege waren ste plötzlich Arbeiierpaftoren. Warum als» sollten sie heute nicht überzeugte Nazivastoren sein? Wenn übermorgen der Führer Deutschland» der Prophet Hänger wäre; wären ste plötzlich alle Häuuer.Pastoren.--— Nein, Sie machen sich Ihr Urteil über die Kirche doch zu leicht. Die GleichschaliungS- »aftoren verdienen die schärfste Kritik. Im Lager de» Protesta»- tismu« Ist aber auch viel Luther-Trotz lebendig, der. geführt, von den besten Männern der protestantischen Theologie und der Geist- lichtest heute die einzig geistige Bewegung erzeug» hat. die sich gegen die braune Diktatur erbebt und nicht sofort mit Gewalt mundtot gemacht werden kann. Das sollten Ste nicht unterschätzen. Wir freuen un», daß wir gerade in Spanien so viele aufmerksame und kompssrohe Leser besttzen. Florian. Wir haben Ihren Brief»er Buchhandlung»er„BolkS- stimme-- in Saarbrücken mit der Bitte um Erledigung weiter- gegeben. Für den Gesamtinbalt verantwortlich: Johann P> tz In Dud- weiser: kür Inserate: Ctto Kuhn in Saarbrücken Rotationsdruck und Bei lag: Verlag der BolkSstimme GmbH.. Saarbrücken 3, Schützenftratze 5. Deutsche Poliklinik Chelirtt TroieuorWENSTEN I) SPEZIALÄRZTLICHE ORDINATION tu,.»flick. A« Erkrankungen. 4t INNERE Klinik 1) CHIRURGISCHE Klinik 4) GEBURTSHILFLICHE Khe.V 1 ORDINATION: täglich vnn I bi. S Ubr. Sonn* und Feiertag» vt>. 10 bi« 12 Uhr—■- LEÇONS DE FRANCAIS mnnatlich vnn 40 Fro. an, nachweisbare besta Erfolge. Mlle BATAGNE O. L P. 104, Bd. Magenta, Métro Gare dm I TAYLOR HOTEI— » BUB 7 AYLOB. PABlS I/O) (Omm A/erd et Bit) TUtßktmt Bettmris n-AS Sétnme Zimmer, mitritt Prellt. Wemm Sie ge- mUtllch am t ruhig mmhmtm wtllf*. im steigern Sie Im Hdtel„TAYLOR" eh. X»(4CHe449H0H0BSH9He4»HS30H»49H0l»E» Eiakaui uad Au-le-unti vom BRILLANTEN. GOLD SILBERWAREN. UHREN '4gil.be GelenenheitvVerkSule BETTER, 49, FAUBOURG MONTMARTRE MAN SPRICHT DEUTSCH ö-äWlSBXÖti» DER HINDU AAHA MIR Der berühmte-te, geistreiche Hindu, dessen Weltruhui be. kannt ist. p'ophezeit genau Kuere Zukunft, uad lient alle Euere Gedanken, mit einer un glaublichen Sicherheit, Fr vir. Si# leiten, ans vers, hiedenei Art Schwiri