Sinzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands ^UBWler 143 1. Jahrgang[Saarbrücken, Donnerstag, den 7. Dezember 1933 1 Chefredakteur: M. Braun Ans dem Inhalt Sa mieden sechs geköpft Seite 2 Justiz und Jlecht Seite 3 Veclcecheccecht Seite 4 „ JCölnische Zeitung* beschlagnahmt Seite 5 Deutsche Wirtschaft Seite 5 Emigration: JCeincich Mann Seite 7 Ultimatum an den Völkerbund Mussolini fordert sofortige radikale Reform— LHwinow in Derlin Sloo gegen Gent London, 6. Dez. Renter meldet anS Rom: Der Fa- kchiftjsche Große Rat beschloß in einer Sitzung, an der Musso- >uii»od alle Mitglieder teilnahmen, in den frühen Morgen- stunden, daß Italiens Mitgliedschaft beim Völkerbund ab- gängig sein solle von einer radikalen Resorm dieser Ein- Achtung, die in der kürze st möglichen Zeit in seiner Erfassung seinen Ziele» durchgeführt werden solle. Mit Bezug ans die Kriegsfchuldenzahlung an ?"nerika beschloß der Große Rat, eine Summe von einer RiIlion Dollar zu zahlen als Beweis des guten in Erwartung einer endgültigen Reglung. London, 6. Dez. Renter berichtet ans Rom z» dem bereits gemeldeten Beschluß dcS faschistischen Großen Rates: bezüglich der Reform des Völkerbundes muß nach italic- bischer Ansicht eine Revision in drei Gesichtspunkten erfolgen. l. Die Beschränkung des Rechts der kleine- îcn Mächte, ihre Stimme über Problem abzugeben, die ne nur teilweise berühren. I. Die Vereinfachung des Bölkerbnndsver- s a h r c n s. Man ist in Rom der Ansicht, baß augenblicklich "ie endlose Hinausziehung der Erörterungen«nd die Ber- urehrung der Ausschüsse einen Fortschritt so gut wie«n- Utöglich machten. 3. Die Befreiung des Völkerbundes vom Rahmen- werk des Versailler Vertrages und anderer Rachkriegsverträge. Dagegen ist in Italien stets erbittert gekämpft worden, Und man ist der Ansicht, daß dies den Völkerbund zu einer Einrichtung für die Wahrung der Gewinne der Sieger st aaten unter der Herrschaft Groß, britanniens und Frankreichs macht. Die Folge war, daß die europäischen Rationen in zwei Gruppen geteilt wurden, die„Besitzenden" und die„Besitzlosen". Man vertritt 'n Rom den Standpunkt, daß der Völkerbund durch eine radikale Revision zu einer wirklich universalen Körperschaft gemacht werden müsse. Jetzt, da der Faschistische Große Rat keine Drohung gegen Genf gerichtet hat, erwartet man nicht, s» schließt die Reuter-Meldung, daß irgendeine weitere Aktion in der uahcn Zukunft folgen wird. End« und Anfang Noch am DienStag mittag hat der russische VolkS- kommissar für die Außenpolitk L i t w i n o w vor der Welt- presse in Rom erklärt, er habe noch keine endgültige Ent, icheibung über seinen Reiseweg nach Moskau getroffen. ES sei ungewiß, ob er über Berlin fahre. Am DienStag abend jedoch ist der russische Staatsmann nach Berlin abgereist. Als er nach Rom kam» hatte er die Absicht, die Berliner Re- gierung demonstrativ zu schneiden und über Wien nach Moskau zu fahren. Wenn er nun seine Reiseroute geändert hat, so ist das ein Erfolg der starken Bemühungen Musso» linis, eine Entspannung zwischen Rußland«nd Hitlerdeutsch- land herbeizuführen. Die Aussichten dafür sind freilich gering. Litwino« hat vor feiner Abreise vo« Rom verkündet, daß sein Aufenthalt in Berlin keinen amtlichen Eharakter trage, selbst wenn er einen Vertreter der Reichsregierung treffen sollte. Die deutsche Reichsregierung macht in einer halbamtlichen Berlautbarung den Russen ebenso wie den Japanern und den Vereinigten Staaten ein Kompliment, weil sie dem Völker» bund nicht angehören, fügt aber hinzu, weitere Verträge mit Rußland seien von deutscher Seite nicht notwendig, da die Beziehungen auf Grund früherer Abkommen„uormal" seien. Bekanntlich so„normal", daß der Ministerpräsident Preußens vor de« Reichsgericht das bolschewistische Rußland als»er» brecherisch ga», allgemein»eschimpfte»nd ans»ie»olsche- »istisch, Betätigung in feine« Reiche Todesstrafe setzt. Sowohl die Berliner wie Moskaner sehen offenbar zur Zeit keine Möglichkeit, den Wünsche« Mussolinis aus srenud- lichere Beziehungen zu entspreche». In einem sind Rom, Berlin und MoSka« allerdings be- stimmt einig: in dem Unglauben an die Wir- knng des Völkerbundes und an die Möglich, teit einer Abrüstung.. Der faschistische Große Rat hat soeben beschlossen, daß Italiens weitere Mitgliedschaft beim Völkerbund abhängig sein soll von einer radikale« Reform dieser Ein- r i ch t u n g. Während die nordamerikanische Reserve gegen, über dem Völkerbund dem Willen entspringt, Zurückhaltung gegenüber den europäischen Sorgen«nd Spannungen zu üben, sind sowohl die Faschisten wie die Bolschewisten grund- sätzliche Gegner jeder VölkerbundSideologie, auch wenn sie sich der nach dem Weltkriege üblich gewordenen pazifistischen Ausdrucksweise bedienen. Gerade der Bolschewismus hat in seinem gesamten Schrifttum den bürgerlichen Pazifismus mit der ganzen Schärfe marxistischer Dialektik zersetzt, und diese Grnndanschanungen der bolschewistischen Lehre gehen tiefer als die taktischen Bemühungen, im außenpolitischen Spiel der Mächte die Interessen Rußlands so ausgezeichnet zu»ertreten, wie cS Litwinow zum Stauneu der Welt ver- steht. Man spricht davon, daß die Besprechungen in Rom einen neuen Abschnitt der AbrüstungSver» Handlungen einleiten sollen. Der Gedanke, daß eine bolschewistisch-faschistische Entente, ein Einvernehmen der Gcwaltpolitiker schlechthin der sranzösischcn und der britischen Demokratie den ewigen Frieden bringen werde, ist zu absurd» nm Ernst genommen zu werden. Daß jede der Großmächte, auch Italien und Rnftland so gut wie Deutschland, sich de- mühen, den Ausbruch eines Krieges zu ungelegener Zeit hintanzuhalten, darf man ihnen glauben. Mehr nicht. In Wahrheit behandeln Japan, Deutschland, Italien und Rußland den Völkerbund schon wie einen Toten. Bestenfalls rechnen sie mit Reformen der Genfer Institution, die deren Umsang beschränkt und die geringen Völkerbundsrechte noch mehr einengt. Es wäre gefährlich, die Augen vor Tatsachen ,« ver, schließen. Die Zeit ber allgemeinen inter- nationalen Konserenzen ist vorüber, auch wenn da«nd d"rt noch eine stattfinden sollte. Längst ist wieder die frühere Geheimdiplomatie am Werk. Der Versuch, die Weltvölker in einer Weltorganisation einiger- maßen vertrauensvoll zusammenzuschließen, ist einstweilen gescheitert. Wie an die Stelle der Bölkerbundsberatungcn geheime Sonderverhandlungen getreten sind, so sind auch die Mächtegruppierungen wieder auserstanden. Hinter der kaum noch zu übersehenden Zahl von RichtangrissSpakten und ähnlichen schönen Abkommen zeichnen sich die schweren Schatten von militärischen Bündnissen ab, die immer Bor» läufer von Kriegen gewesen sind. Wenn Litwinow nach Moskau zurückgekehrt sein wird, kann er dort von großen diplomatischen Erfolge» seine» Lande» berichten, und die Bolschewisten dürfen sich einer weitere« Atempause für ihre wirtschaftlichen»nd milita- rifchen Rüstungen freuen. Schwerlich aber wird Litwinow seinen Mitarbeitern da« Märchen erzählen, er habe die kapi- talistische Welt»oll Vertrauen ans einen langen Frieden angetrossen,«nd niemand im Kreml würde ihm daS schöne Märlein glauben. Es sind gewiß in Europa noch gewaltige Kräfte am Werk, die den Frieden sichern wollen, aber die entscheidende Macht haben sie nicht. Was Derlin melnk Berlin zur VölkerbundSpolitik Halbamtlich wird aus Italiens geschrieben: Die neue Gemeinschaft muß auf einer objektiven und neutralen Grundlage aufgebaut werden, wie sie z. B. im Kellogg-Pakt angedeutet ist. Eine großzügigere politische Linie würde auch— wie man in Italien seit langem richtig erkannt hat— ein einfacheres und schnelleres Verfahren ermöglichen. Der Wortlaut der Ausführungen Mussolinis über diese Reform liegt noch nicht vor: doch läßt sich schon«uS den Beschlüssen»eS Großen Rates eulnehmeu, daß eS sich für Italien im wesentlichen u« eine Erweiterung de» BiermächtepakteS ins Uuipersell, bändelt. 90 wird nicht ausbleiben, daß die gleichen»iderstäude bei»enjeuige« Staate« hervortreten. die«au die boat, poimtsontos»euut und die bereit« durch de« Bierwachtepakt ihre Interessen gefährdet sahen. Aber auch diese Länder werden sich allmählich damit ab- finden müsse», daß der Völkerbund mit seiner auf»ie Wünsche»er«iegerstaaten»ugetchnittenen«erfassung und Zielsetzung nur eine Uebergangserscheinung sein konnte und schon jetzt praktisch der Ver» gaugeuheie augehört. „Kriegshetzer* Brenscheid Dieser Tage fand man in der Presse des„dritten Reiches" eine Notiz, daß erneut bei zahlreichen Politikern „kommuni st isches Vermögen" beschlagnahmt worden sei. Dabei wurden auch der Führer der früheren sozialdemokratischen Reichstagsfraktion Rudolf Breitscheid und seine Frau Toni genannt. Woraus bestand das„Vermögen" dieser beiden? Au» einer bescheidenen Wohnungseinrichtung und einer Bibliothek. Kurz, an Breitscheid wurde ein Diebstahl vor, genommen, den man mit einer Enteignung nach den Methoden des Kommunismus gleichsetzen könnte. Wir tun es nicht, um Sowjet-Rutzland mit diesem Vergleich nicht zu kränken. Immerhin beweist dieser Zugriff, daß Rudolf Breitscheid von den braunen Machthabern tief gehaßt wird. Sie ehren ihn darüber hinaus andauernd durch die Behauptung, er treibe im Ausland Landes- verrat und Hetze zum Kriege gegen Deutschland. Ein besonders dreistes Stück hat sich jüngst das von den Nationalsozialisten kurzerhand konfiszierte große Blatt des Industriegebietes, der„Dortmunder Generalanzeiger- geleistet. Er behauptete, daß Breitscheid in seiner Reds an der Pariser Sorbonne sich unter anderem auch gegen künftige deutsch-französische Verständigung gewandt und Europa beschuldigt habe, die Verantwortung für das Vor- dringen des Nationalsozialismus zu tragen. Seine Rede fei ausgeklungen mit der Aufforderung, alles daran zu setzen, damit„Deutschland abgerüstet werde". Diese Wiedergabe ist eine einzige dreiste Entstellung. Eine Zuschrift aus Paris, deren Verfasser unter den Zuhörern Breitscheids saß, widerlegt die verlogenen Behauptungen des nationalsozialistischen Blattes. Was hat Breitscheid wörtlich gesagt? Breitscheid begann mit einer Darstellung der Ber, fehlnngen, die sich die Alliierten der deutschen Demokratie gegenüber haben zuschulden kommen lassen. Er schildert« dann die Widersprüche zwischen den nationalsozialistische« Reden und Gesten von ehedem und heute. Er hat dann aus die Gefahren aufmerksam gemacht, die durch Sonder, Verhandlungen erwachsen könnten. ES wäre richtiger ge» wesen» wenn die Abrüstungskonferenz nach dem Austritt Deutschlands weiter getagt und eine Konvention angenom» men hätte, durch die Hitler vor eine klare Ver, antwortung gestellt worden wäre. Statt dessen ermutigten ihn eine Reihe von Regierungen dadurch, daß sie ihn immer wieder freundlich zu einer Verständigung einluden. So habe er einen diplomatischen Erfolg erzielt, unter Umständen auch nicht ohne ungünstige Rück, der Wirkungen auf die innere Politik von vielen Staate» bleiben könne. Wörtlich fuhr Breitscheid fort:„Nur die äußere Politik darf mich heute hier beschästigen. Abor selbst auf diesem Gebiet muß ich mir eine gewisse Zurück» Haltung auserlegen. Ich bin nicht befugt, den Regierunge» Ratschläge sür ihr zuständiges Verhalten zu erteilen. Ich kann nur Wünsche äußern, die ich als Europäer sowohl wie als Deutscher, der sein Vaterland und sein Land wieber frei sehen möchte, im Herzen trage. Der erste und wichtigste Wunsch ist der, daß diejenigen Nationen, die noch ei« Gefühl für Demokratie und Freiheit, sür die Rechte des Bürgers und des Menschen besitzen, zusammen» stehen mögen zur Abwehr ihnen gemeinsam drohender Ge» fahren. Ich weise es weit von mir, etwa ,« einem bewaffneten Kampf gegen da» Deutschland Adolf Hitlers aufzurufen. Ich würde einen Krieg für ei» Verbrechen, di« Besetzung deutschen Gebietes für et« e?S 0 5 âi ick- SUn gsü ck halten. Ich wünsche auch nicht, daß der Gedanke der Aufrüstung lebendig wird. Man soll im Gegenteil an dem Prinzip der internationale« Abrüstung festhalten, um alles zu tun. um z« einem Ergebnis z« gelangen. Erst wenn dies erzielt ist, wirb man Deutschland die entscheidende Frage vorlegen und ihm d,c Verantwortung zuschieben können. Das alles aber «uß geschehen in Einigkeit und in Entschlossenheit und iudem«an mit aller Deutlichkeit zu verstehen gibt.!>,»& die PteU bei aller Ablehnung einer politisch-militärische« Intervention in der moralischen Verurteilung des deutschen Systems übereinstimmt." Wir drucken diese Zuschrift nicht nur ab. um den Be- we-« der Verlogenheit eine« Raziblattes zu führen. Bremscheid hat an der Pariser Sorbonne nicht al» Partei- mann gesprochen. Seine Ausführungen wird jeder Friedensfreund und jeder Deutsche unterschreiben müssen, der um Deutschlands willen Hitler bekämpft. Breitscheid iff«ap erste und der etn^rne, dessen Meiniiiigss »utzerungen in Wort und Sa,rif>-,u.^rchlichtigen Zwecken entstellt werden, g^nau io, ine der„Dortmunder Generalanzeiger" nur das Echo einer amtlich befohlenen und überall hin ausstrahlenden Hetze ist, die Sozial« demokraten, Pazifisten und Demokraten um jeden Prei« «ls landesverräterisch bloßstellen soll. Me letzten zeugen Lübbe will das Urteil Leipzig, 6. Dez. Für die heutige Verhandlung find die letzten Zeugen geladen, insgesamt noch IS. Der größte Teil der Zeugen betrifft den Komplex der auS Guben vernomme- ne» Zeugen, die ihre früheren Angaben»um Teil bestritten haben. Zu der Anwendung des Putz- mittel» Saganol im Reichstage sollen der HauSinspektor Scranowitz, die Leiterin der Retnmachefrauen im Reichstag und der Sachverständige Dr. Schatz sHallej gehört werden. Da außer diesen 12 Zeugen auch die medizinischen Sachver- ständigen noch zum Wort kommen müssen, ehe die Beweis- aufnähme geschlossen werden kann, ist eS noch nicht ganz sicher, ab die Absicht, heute die Beweisausnahme zu schließen, durch- geführt werden kann. Nach dem Zeugenausruf erhebt sich der Angeklagte van der Lübbe und erklärt: Ich habe gehört, daß in ein paar Wochen erst da» Urteil kommen wird. Der Borsitzende erklärt, daß voraussichtlich heute der letzt« VerhandlunaStag sei. Dann folgten nach kurzer Unter- brechung die Ausführungen der ReichSanwaltschait, der Ver- teidiguug und der Angeklagten, und dann Ivürden wenige Tage nur vergehen, bt» da» Urteil gesprochen werden kSnne. Pas Neueste Die österreichisch« BischofSkousereuz hat beschlossen, bi- Mitglieder der katholischen Geistlichkeit in Oesterreich auszusordern. ihre politischen Mandate niederzulegen. Die in der ausländischen Presse verbreiteten Meldungen fr« die Aufdeckung einer BerschwSrung in der owjetnnion, die zur Verhaftung von 80g» Personen So worden sedis geköpft! Ein Angenzenge Ober die Ifosseniunrldisuiig in Köln «der © geführt habe, werden als glatt erfunden bezeichnet. Der Staat Utah hat die Aushebung des Alkoholverbotes ratifiziert. Damit ist die P r o h i b i t> o n in den Ver- einigten Staaten gefällten. Bei dem Unwetter in Kalabrien ist der Turm eineö alten Schlaffes, daS als Gefängnis dient, eingestürzt. Zwiils Gefangene wurden hierbei verletzt und einer getötet. HaoaS berichtet ans V i g o. daß ein holländischer Uebersee- dampf« die Mannschaft des in Seenot geratenen spanischen Dampfers„Aida" an Bord nehm«« konnte und nach Big» befördert Hab«. Gin holländischer Schlepper versuchte, den »erlaffeuen Dampfer.Aida" einzuholen, brachte ihn auch bis auf einige Meile» an die Küste heran, verlor ihn jedoch, da das Schiff dann sank. Havas berichtet aus M a r a k e s«h, daß bei den dortigen Manöver d« Befehlshaber des Militärbezirks Marakesch, General Cartroux. durch eine herunterhängende. Antenne eines gerade landenden Flugzeuges so schwer verletzt wnrde, daß man eine Operation d«r Schädeldecke vornehmen mußt«. Wie HaoaS auS Madrid berichtet, hat fich der Streik der Kaffeehauskellner gestern anch ans die Restaurants, die Familienvenstone« usw. anögedehnt. Anch die Köche haben angekündigt, daß fie die Arbeit niederlegen werden. Nach einer HavaSmelbung ans Nizza find von«nbe» kaum« Hand t« der»ergangenen Rächt die Straßenschilder, die den Namen Aristide Briands trugen, beschädigt bzw- heruntergeriffen worden. Die fünf marxistischen Schntzhästlinge aus Simmering er- hielten 7 bis V Monate schweren Kerkers wegen Tötung im Raufhandet. Da ihnen die Untersuchungshast angerechnet wurde, wurden fie ans freie« Fuß gesetzt. Zwei SA.-Männer und ein Polizist war«« die Todesopfer der Schüsse aus dem Arbeiterheim. Stabschef R ö h m verbietet allen Angehörigen der SA., SS. und SAR. die Zagehörigkeit zu irgendwelche« Klubs. Di« französische Kamm« hat in einer Nachtsitzung nach ein« Diskussion, die von gestern srüh 10 Uhr b'o heute nacht 2 Uhr dauerte, mit.170 gegen lt kommunistische Stimmen eine« Gesetzentwurf zum Schutze des Getreidemarktes und znr Organisierung des GetreidehandelS angenommen. Es handelt fich um AuSführnngSbestimmnnge» zu einem schon »« Morgen des SO. November wurden in Köln sechs Ar- better hingerichtet. Dt« illegal« Rote Hilfe Deutsch- laud S hat jetzt durch einen Beamten, der Augenzeuge war, einen Bericht erhalten. Dt« Schilderung, in welch bestialischer Weis« dies« Massenschlächterei vor sich ging, bedarf keines Kommentar». Köln, de««). November 1988. In den späten NachmittagSstnnden de» 29. November wnrde im Klingelpütz-Gesängnt» bekannt, daß die Entschei- dung über die Bollstreckung d« Todesurteil«, die im Juli vom Schwurgericht Köln gefällt waren, aus Berlin ein- gegangen seien, und daß am nächsten Morgen die Hinrichtung an den sechs verurteilten Arbeitern vollzogen werden sollte. In der Anstalt machte sich, da die Nachricht bald durchsickert«, ein« große Unruhe bemerkbar. Alle» fieberte. Die Insassen waren aus Seiten der Verurteilten, die Sympathien der Beamtenschaft geteilt. In der späten Abendstunde wurden den Verurteilten durch den Staatsanwalt in Gegenwart de» Anstaltsleiter» mit- geteilt, daß die Bollstreckung der Todesurteil« für den nach- sten Morgen angesetzt sei. Dt« Verurteilt»». insbesondere Hammacher und Moritz, legten schärfsten Protest gegen den VoNstreckungSbesehl«in«nd erklärte» nochmals ihre Unschuld. Ne seien Opfer des Meineids der Nazizeugen, sie seien mit dem Zusammenstoß am St. Februar 1988 die Uebersallenen und Angegriffenen gewesen. Der ganz« Tat- bestand set in der Voruntersuchung und in der Hauptverhanb- lung auf den Kopf gestellt worden. Ihr« Proteste wurden al« unbeachtlich übergangen. SS wurde den Verurteilten sogar nahegelegt, sich deS Beistandes eines Geistlichen zu be- mühen. waS all« sechs al» überzeugte Kommunisten ab- lehnten. An der Stelle auf dem Hofe, an der früher ein Schafott mit Guillotine aufgerichtet wurde, war dieses Mal das Schafott nur mit Bank und Rtchtblock ausgebaut, um die Hinrichtung mit dem kurzen Handbeil zu vollziehen. In den Rheinland«», in denen der Code Napoleons gegolten hatte, wurde auch unter preußischer Herrschaft bis zur sogenannten „nationalen Revolution" die Todesstrafe mit der Guillotine vollzogen. Die Nazi» lehnten die Guillotine wegen ihre» fremden Ursprungs und wegen ihrer Verwendung in der großen sranzösischen Revolution als usiHeutsch ab und haben die Hinrichtung durch Handbeil ober Strick im ReichSmaß- stabe anbefohlen. An derselben Stell«, an der heut« die 0 politischen Verur- teilten mit dem Handbeil hingerichtet wurden, war 1981 der bekannte Massenmörder Kürten mit der Guillotine enthaup- tet worden. Ich hatte auch im gleichen Hof«, kurz nach dem Kriege, zur Zeit der englischen Besatzung, einer Doppel- Hinrichtung mit der Guillotine— eS wurde eine Fran und ein Mann hingerichtet— beiwohnen müssen. Aber selbst dieser furchtbar« Vorgang tritt völlig zurück gegenüber dem entsetzlichen Schauspiel wir heute morgen waren. Während des Läuten» de» Sünderglöckchens wurden die Verurteilten gefesselt, einzeln von Gefängnisbeamten her- untergeführt, unter besonders starker Bedeckung von Schupo und TA.-Mannschaften. Im Hof« hatten sich versammelt: der Vorsitzend« und die Mitglieder des Schwurgerichts, Ge- schivorene und die vorgeschriebenen 12 Gemeindemttglicder. Der Scharfrichter und seine Gehilfen standen hinter dem Schafott, außerdem waren einig« höhere Beamte auch von der Geheimen Staatspolizei. Aerzte, Geistliche beider Kon- session«« anwesend, sodann eine besondere Abordnung der SA., der Genugtung sür die Tötung der SA.-Leut« Span- ««genommenen Gesetz vom 10. Juli 1088. das den M i n d« st- ) t k r« i b« festsetzte. Im Verlause der gestrig« Debatte wnrde ein sozialistische» Gegenentwnrf mit 22» genberg und Winterberg gegeben werde» sollte. Schupo*«Ö SA.-Leut« bildeten sodann Spalier vor dem Gebäude bi» zum Schafott und um das Schafott und den Tisch der Amt» person«». Hinter einem mit schwarzem Tuche überzogeneu Tische stand der Staatsanwalt und der UrkundSbeamte. Die Gefangenen, deren Kopshaare geschoren waren und deren HalS von der Kleidung freigelassen wurde, wurde« gefesselt an den Tisch d«S Staatsanwalts geführt. Ter Staatsanwalt laß ihnen mit lauter Stimm« noch einmal de» Urteil vor, und dann dt« Order:„Seiner Excellenz de» Preußischen Ministerpräsidenten Göring, der entschlossen habe, von dem ihm zustehenden Begnadigungsrechte keinen Gebrauch zu machen". Die Verurteilten, die offensichtlich unter der Haft, der Fesse- lung und dem Druck des Urteil» sehr gelitten hatten. a»t- warteten dem Staatsanwalt auf sein« Verlesung mit einem Hoch ans die Weltrevolntton. Sosort ergrissen aber die Henkersknecht« den ersten der Verurteilten und rissen ihn zum Schafott. Kaum war der angeschnallt, so wurde ihm auch der Kops mit einem wuchtigen Beilhieb« herunter- geichlagen. Nach dem Akt wurde aus da» herumgespritzi« Blut etwa» Sand gestreut. Auch der 2. und». Verurteilt« wurde in dieser Weise mit einem Schlag««»rhauptet. B«' dem Vierten aber schlug der Scharsrichter, der ebenso tttfck sein« Gehilsen, augenscheinlich groß« Quantitäten van Schnaps zu sich genommen hatte, um durchhalten zu könne», falsch, da««eil blieb im Schädel de» Verurteilten stecke«, er führte einen zweiten Hieb, auch dieser hatte noch nicht da» gewünschte Ergebnis und erst der dritte Hieb, trennt« de« Kopf von dem Rumpf des unglücklichen Opfers. Der Vorsoll rief bei den Anwesenden eine ungeheure Erregung heroor» und bei all denen, bi« sich noch einen Rest menschlichen sindenS gewahrt hatten, Entsetzen und Empörung. Infolge dieser Erregung kam es auch bei der S. HinrichtunS zuerst zu einem Fehlschlag und erst der zweit« Hieb voll- endete die Enthauptung. Die sechste Bollstreckung an de» Fensterputzer Josef Engel wurde von dem Scharfrichter«**! einem einzigen furchtbaren Hiebe glatt durchgeführt. Die Massenhinrichtung dteser« Arbeiter war da» furch»« barste Erlebnis, das ich in meiner Dienstzeit gehabt habe. Ich glaube, daß trotz der 40 Millionen Stimmen, die M neu« System erhalten hat, viele immer noch nicht wissen, wo» eigentlich gespielt wirb. Würden Millionen von Arbeiter» mit eigenen Augen gesehen haben, in wie grausiger Weif* sechs ihrer Brüder in Köln am letzten Novembertag« de» Jahres 1938 geschlachtet worden sind, sie würben sich ohn< Zögern von solchem System abwenden." vas..Alker" Oer Mngcrtckkeken Wir ergänzen die Schilderung dieser grausigen Barbarei durch die Mitteilung, daß dl« Geburtsdaten der Geköpften zwischen 1908 nnb 191» liegen. Der Jüngste war als» gerade 20 Jahre alt. Noch nicht einmal volljährig' Die Verurteilten waren durch rechtskräftiges Urteil de« Schwurgerichts in Köln am 22. Jult 1988 wegen zum Teil gemeinschaftlichen Morde« bzw. Anstiftung zum Morde, begangen in Köln an den SA.-Leuten Spangen» berg und Winterberg, zum Tobe verurteilt worden. Selbst das Urteil behauptet also nicht, daß alle der«n« Hingerichteten an der Bluttat beteiligt waren. Was in Köln durch die faschistische Henkersusttz verübt wurde, ist sech»' facher Micb, und die Blutschuld fällt auf den preußisches Ministerpräsidenten Göring. preiSfürGetreid» sestsetzte. Im Verlaufe der gestrigen Debatte wnrde~ gegen 182 Stimmen abgelehnt. „Tatige Reue" Amnestie in Oesterreich Zu Weihnachten soll Bundespräsident M i k t a» ein« grogr Amnestie erlassen, die insbesondere sür solche politisch Ber- urteilten gelten soll, die»tätige Reue" gezeigt habe». Man »erspricht sich von dteser Begnadigung insbesondere vieler Nationalsozialisten ein« wettere Beruhigung der politische» Atmosphäre. ..Geheime" Wahl Aber die„Nein"-Stimmen sind bekannt und werden angeprangert Der„Sonnenburger Anzeiger, Zeitung sü» da« Warthebruch", berichtet am 18. November: Bei der ReichStagswahl und Volksabstimmung wurden in See low neun„Nein"-Stimmen abgegeben. Den eifrigen Be- mü Hungen'wachsamer Wähler und Beobach- teristes m ögllchge we sen. vier„Nein".Wähler festzustellen. ES sind dies 1. Bankangestellter Erich Wichmann auS Seelow, der sofort am 18. November srtst- loSentlasse» wurde: 2. Arbeiter Hahnisch auS Seelow! 8. Arbeiter Artur Schmidt aus Seelow und Wilhelm Koch. Bierfahrer, au» Seelow. In Polizetgewahrsam b«" fand sich ebenfalls der Arbeiter Mieckley aus Groß-Neuen» dorf, der al» Kommunist schlimmster Sorte bekannt ist. All« süns Verräter wurden nun durch dt« Straßen der Kr«t»- stadt geführt und mußten Plakate folgenden Inhalt» trag«»: „Ich bin ein Landesverräter".„Ich Hab« mit Nein gestimmt" und„JchhabefürFrankretchgestimmt", Der Spielmannszug der SA. eröffnet« den Zug. Auf de« Marktplatz hielt ber Zug und jeder einzeln« mußt« seine« Namen nennen und laut rufen:„Ich bin ein Landesverräter, ich habe mit Nein gestimmt." Zum Schluß wurden die„Verbrecher" in der Kreisleitung fotografiert. . Stefan George-Preis" Die amerikanischste Amerikanerin Miß Margret de Poung auS Oregon j in dem großen nationalen Schönheitswettbewerb der Schulfportvereintgung zur amerikanischen Schönheit«- köniatn 1984 gewählt und mit dem Titel.Da» allamerika- Mädchen" ausgezeichnet, da» die Schönheiten aller in USA. lebende» Rasse» widerspiegele. Neuer Präsident des Hanger smicdsgerldifsholcs Berit». 6. Dez. Aue Anlaß des lo plötzlichen Ableben» de» deutschen Dichter» und Seher» Stefan George hat der Minister für BolkSaufklärung»nd Propaganda bestimmt, daß der vom Reichsministerium sür BolkSaufklärung und Propaganda alljährlich am 1. Mai für daS beste Buch d«S vergangenen Jahres zur Verteilung kommend« Prêt» in 'öhe von 12 000 Reichsmark die Bezeichnung„Stefan- ' jährt. Cecil H-rst, der bekannte englische RechtSiachverständige,«st z»m Prä- ftdeuteu de» Internationale» SchicdsgerichtShofe» tm Haag gewählt worden. „Köinlsdie Zeifong" beschlagnahmt kt sie noch„national zuverlässig?** heftige Auseinandersetzung»wischen der»Kölnischen Hortung" und dem»Westdeutschen Beobachter", über die wir ichon berichtet haben, hat jetzt ein in Hitler-Deutschland nicht wehr erstaunliches Ergebnis gehabt. Am DienStagmorgen wurde die Morgenausgabe»er»Kölnischen Zeitung" und deS wî-tadlanzeigerS" durch eine Verfügung deS Kölner Polizei- Präsidenten beschlagnahmt. Vie ist»«ranlaßt worden »urch eine erneute Erklärung der Kölnischen Zeitung", worin behauptet wurde, der„Westdeutsche Beobachter" habe vurch Angestellte und Werber im kaufe der vorigen Woche Ersucht, die Leser der»Kölnischen Zeitung" zum Bezug deS -Westdeutschen Beobachter»" zu veranlassen. Das stände in wrektem Widerspruch zu den vielfach abgegebenen Er- Gärungen der führenden Männer der nationalsozialistischen Bewegung:»Die Schriftleitung läßt sich von niemanden »n der nationalen Gesinnung übertreffen. Eine Auseinandersetzung über tie forage, was national ist, lehnen wir ab, da nationale Gesinnung und national« Politik für Uns selbstverständlich sind." Selbst diese Erklärung bat nichts geholfen. Nicht einmal w« Versicherung, da« der Verlag es als feine Aufgabe be- "achten würde, die Ziele der nationalsozialistischen Regie- rung talkräftig zu fördern. Inzwischen ist die Beschlagnahm« wieder aufgehoben worden. Vielleicht hat der Polizei- Präsident, der sie verfügte, neue Versicherungen über die ntr«ch. tigt werden müßte. ES ist heut« wie vor sechs Monaten bringend nötig, die WährnngSrücklaaen zu erhöhen. Für den inner« Wert der Währung ist zwar der Gold- vorrat unerheblich.«IS AuSgleichfondS im internationalen Waren- und Zahlungsverkehr ist unser Goldbestand noch zu klein. DaS Ausland zeigt aber weniger den« je Neigung, ansre Ausfuhr zu unterstützen. Wenn der AuSsnhrüber- schuss von 25,1 Mill. Mark im Juni aus 05,7 Mill, im Juli, 05,3 Mill, im August und»3,4 Mill, im Oktober gestiegen ist, so ist daS keineswegs für uns devisenpolittsch eine Besse- rung. Ersten» ist die zahlenmäßig günstigere Entwicklung aisonmäßig bedingt, zweiten» steckt in dem AuSsnhrüber- chutz ein ansehnlicher Posten von Waren, die keine D«vi- enerlöse einbringen fZwsatzanSsuhr!). Zur Oktvbcrbilanz des deutschen Außenhandels mußte daher schon auSdrück» lich sestgestellt werden, daß die auS der Ausfuhr auskom- mende« Devise« keineswegs ausreichen, um die Zins- und Rückzahlungen auf die noch mehr als 19 Milliarden be- tragenden Auslandschulden zu decken. Daß der Ausfuhrüberschuß bei der jetzigen Transfer» regelung fast nichts für die Stärkung der Währungsrück- lagen übrigläßt, zeigt die Entwicklung bei der Reichsbant. Von dem Zugang von 220 Mill. Mark an Gold stammen aus Okiober nur IL Mill. Mark. Es bleibt also den Aus- landgläubigern keine andere Wahl, als sich mit der Not- wcndigkeit der Verlängerung des Teilaufschubs abzufin- den, wenn sie nicht eine grundsätzliche Neuordnung deS Schuldendienstes vorziehen." Ist also der wirtschaftliche Teft d«S deutschen Horizonts nun auf einmal wieder düster umwölkt, so strahlt der polt- tische Himmel umsomchr im Glanz der Morgenfonn«: „Die Wahl vom 12. November hat Jedes Argument für die politische Rtsikoprämie, die in den hohen Ausland, zinsen steckt, widerlegt. Es wäre klug und devifenpvtitisch zweckmässig, das anzuerkennen. Die politische« Verhält- niffe i« Deutschland sin» so konsolidiert, bah mir«ich, die böäiften, sondern die niedrigsten Zinse« für Anslandtapi. tat habe» wühlen." Den Auslandgläuvlgern soll alfa eingeredet werden, nirgend Ivo in der Welt fei ihr Geld so sicher anaeleai»sie IN dem faschistischen Deutschland. Wir haben gew ß nichts da- gegen, daß»er Zinssatz für die deutschen Auslandschulde» sinkt. Aber es muß doch ein Weltgelächier hervorrufen, wen» man den gerissensten Vankleuten vormachen will, ein Land. daS weder seine Schulden noch sein« Zinsen bezahlt, und diese Manipulation innerhalb weniger Jahr« zu wiederhol» ten Malen verübt hat. biete eine auSgczeichnete Kapitalanlage, nur weil es durch die kommandierte Volksabstimmung unter schlimmstem Terror eine Volksgemeinschaft voriäuicht. Jedes von außen oder von innen unterdrückte Volk ist ei» ExplosionSherd. Wie die Kapitalisten aller Länder nun ein- mal sind, lassen sie sich für solch« Zustände bei Anleihen hob« Risikoprämien zahlen. So ivar es immer, und so wird eS wohl auch noch lange bleiben. Mitci e Stiiriimpiung der Warenhäuser Die Grundlagen der vom Institut für Konjunkturforschung ausgearbeiteten Gemeinschaftsstatistik der deutschen Waren- und Kaufhäuser konnte in letzter Zeit beträchtlich verbreitert werden. Die Zahl der berichtenden Betriebe ist erneut ge- stiegen, so daß jetzt eine nahezu vollkommene Erfassung de» deutschen Waren- und KaufhauSgewerbe» erreicht ist. Die Umsatzgestaliung»er deutschen Waren- und Kaufhäuser hat fich, wie der„Ueberblick" berichtet, im Oktober 1333 weiter oerschlechtert. Die Umsätze der Warenhäuser, die im September um 13,4 Prozent unter Vor- jahrShöhe lagen, unterschritten im Oktober den BorjahrSstand um 2»,S Pro». Der Absatz hat sich gleichfalls ungünstiger gestattet,' er hielt sich um 18,7 Pro», unter dem Stand der gleichen VorjahrSzeit. Die saison- mäßige Umsatzbelebung ist in diesem Jahr bei den Waren- Häusern nur abgeschwächt in die Erscheinung getreten. Die Abwanderung»er Käufer ist noch nicht beendet. Im Einzelhandel hat sich die Lage in den letzten Monaten zunehmen» aebessert,' seine gesamten Umsätze lagen im September erstmalig— um I Prozent— über Vorjahr»- höhe. Diese Entwicklung ist vor allem von den Fachgeschäften getragen, in deren Umsätzen sich sowohl die Zunähme de» Verbrauchs als auch die Abwanderung von den Waren- und Kaufhäusern auswirkt. Für den Oktober liegt die Entwicklung der gesamten Einzelhandelsumsätze zur Zeit noch nicht vor. Doch hat sich an der unterschiedlichen Entwicklung der Waren- und Kaufhäuser auf der einen Seite, der Fachgeschäfte auf der anderen, nichts geändert. Dies erkennt man, wenn man sich vergegenwärtigt, daß im Oktober die Umsätze in Textilien und Bekleidung in den Warenhäusern um fast 20 Prozent, in den Kaufhäusern um 18 Prozent unter Borjahrshöhe lagen, während sich in den Textil- und Manufakwrfachge- schästen der Oktoberumsatz um 3,8 Prozent über Vorjahrs- stand bewegte. Besonders schlecht waren im Betriebs- monat die Umsätze in den Lebensmittelabieilun» gen der Warenhäuser. Sie waren um rund 30 Prozent niedriger al» 1032. Dabei muß man berücksichtigen, daß M« Lebensmittelpreise im Einzelhandel nach dem Ernährung»- index im Oktober um 2,5 Prozent über VorsahreShöhe lagen. Mengenmäßig dürfte also der Umsatzrückgang noch etwa» stärker sein, als es in den Zahlen für die Umsatzwerle zum Ausdruck kommt. Nicht ganz so ungünstig lagen die Umsätze.« den Hausrat- und Möbelabteilunge» »er Waren- und Kam-häuser. Doch haben auch sie sich— verglichen mit den Septemberergebnisse»— verschlechtert. „Persänlidie Motive" Im Frühsaftr d. I. waren gegen das Warenhaus TIetz, jetzt Kaufhof AG. in Kassel, in der Oeffentlichkeit schwere Vorwürfe erhoben worden, die dahingingen, daß tu der Lebensmiitelabteilung des Warenhauses schlimmste Miß- stände herrschen sollten. In zweitägiger Verhandlung be- schäftigte sich die Strafkammer mit der Angelegenheit mit dem Ergebnis, daß der Angeklagte auf Kosten der Staats» lasse freigesprochen wurde. Das freisprechende Urteil wurde vom Gericht damit begründet, daß daS scinerzeitige Vorgehen gegen das Warenhaus auf persönliche Motive einzelner Personen zurückzuführen gewesen sei, deren Zurechtweisung jetzt zu einer öffentlichen Rchabiliiie- rung des Warenhauses und seines verantwortlichen A» gestellte» werden müsse. Kirschwasserfahrt Bonzenleben Im„dritten Reich" Vor uns liegt folgendes Dokument, für dessen Echtheit wir uns verbürgen: Verzeichnis der Spender von Kirschivasser usw. für die Tagung der AmtSwalter der NSDAP, in Baden-Baden am ll. Oktober 1933 mit schließender Rundfahrt durch den Schwarzwald 1. Bad RippoldSau, Akt.-Ges 2. Bühlertal, Gemeindetet Gegenbach.»,, 3. Städtisches Verkehrsamt 4. Gernsbach Murgtal, Verkehrsverein.., 5. Gutach-Schmarzwaldbahn, Verkehrsverein« 8. HaSlach-Kinzigtal, Stadtgcmcinde 7. HorniSgrinde, Rasthaus A. Springmann.. 3. HundSeck, Kurhaus. Hammer u. Maushard. 0. Karlsruhe, Kammerkirsch A.-G IS. KarlSruhe-Grünwinkel, Sinner A.-G.... 11. Konstanz a. B., Stadtverwaltung..... 12. Mummelsee, Hotel Mummelsee, K. Bürk., 18. Nordrach, Bürgermeisteramt 14. Ottenhofen, Verkehrs-». BerschönerungSverei» 15. Plättig. Kurhaus. K. Habich u. Söhne... 18. Rastatt,. Bürgermeisteramt 17. Ruhestein. Hotel u. KurhauS, Gebr. Klumpp. I«. Unterstmatt, Kurhaus. Klumpp u. Reqmann. IS. Waldulm. Bürgermeisteramt 1 Flasche Kirschwasser 2 Pfund Bauernspeck 20 Fläschchen Zwetschgenwaffer 10 Reiseflaschcn Kirschwasser 2 Flaschen Kirchwasser 2—3 Flaschen Kirschwasser 3 Flaschen Kirschwasser 2 Flaschen Himbeergcift 2 Flaschen Kirschwasser 3 Flaschen Kammerkirsch 550 Bol. 1« 4 Flaschen Kirschwasscr «00 Weinproben aus der Konstanzer Spttallellere, 2 Flaschen Kirschwaffer 7/2 Flaschen Kirschwasser 5 Flaschen Kirschwasser, bzm. Htmbeeraeist 2 Flaschen Kirschwasser 1 Flasche Kirschwasser 4 Flaschen Kirschwasser 2 Flaschen Kirschwasser 2 Flaschen Kirschwasser 2 Flaschen Kirschwaffer 20! Zell am HarmerSbach, Bürgermeisteramt.... AmtSwalter heiße» die»ationalsozialistischen Parteifunktionäre, die sogenannten„braunen Bonzen". Die EiegeS- ^u» anderen Räusche,«»ene» ste schwelgen, lasse« eine« Katzenjammer ahnen, der fürchterlich sein wird! i.„ j._«»„^vereinen d«r Verkehr und die Verbindung deutschen Gportrttemc Sport.eretnen»erboten ist. im Ä"'"»'"<*"»•'»"'"It"- sssä"ä ä Schießstände? Was sase» Spo«verband« aar Weit«azur Verschwinden eines Industriedirektors Wie mitgeteilt wird, ist der Direktor der? e l e f« n» e u« GmbH.. Berlin, Haupimann a. D. HauS Abraham, seit Samstag, dem 23. November, spurlos verschwunden. Dirck- tor Abraham war der VertragSspeziaftst der Gesellschaft und führte hauptsächlich die internationalen Vcrlmudlungeo. Di« Gründe des BerjchwurdenS find nicht ftkwt jfrcufstfte Stimmen• fteila^e rar..Denfscften Gweitkeit"•£rei^nfsse and 9esdHdhfevi Donnerstag, den"7. Dezamber 1933 Dee£ieMmgsdichtec des„fMhcecs" SCeinclch Zetkaulen besucht JCaci lîlag Wir mfinni den Antor nom tielieitig bebilderten Auf- "■ nationalsozialistischen„Westdeutschen Beobachter" p. Dezember) untern Leaern roratelien. Er heiBt Heinrieh Zerkauten, wohnhaft au Dresden, wo er Feuilletonredalcteur einer heute gleichgeschalteten Zeitung tat, und er schrieb . ror n® un Monaten hübsche Romane, die auch höheren geistigen Ansprüchen genügen konnten. Er war andern Literaturkritiker mit einigem Geschmack, und er gehörte pu den sogenannten praktizierenden Katholiken, die von der Warte ihrer Weltanschauung aus das literarische Geschehen würdig und sachlich zu beurteilen versuchten. Was ist aus Zerkaulen im Fegefeuer des„dritten Reiches" geworden? Wie hat ihn das Bekenntnis zupi neudeutschen Umbruch verwandelt? Nun, er schreibt nicht mehr über die UroBen des deutschen Geistes. Er schreibt über des Führers Liebling, über den verstorbenen deutschen Kitschromanzier Karl May. Er besuchte seine einstige Villa in Presden-Radebeul und erzählt: „Man kann noch so nüchtern die Dinge betrachten, man kann literarisch und künstlerisch die Werke des Mannes angreifen, eines bleibt mit immer stärkerer Gewißheit: Karl May hat nicht umsonst gelebt. Als kürzlich an seinem so schlichten Geburtshaus in Nohen stein-Ernsttal im Erzgebirge eine Gedenktafel enthüllt wurde, und als dabei ein alter Freund des Hauses feststellte, daB bis heute rund fünf Millionen Bände Karl Mays verkauft seien, daß diese fünf Millionen Bände auf ein Bücherregal gestellt, eine Strecke von etwa 150 Kilometer einnähmen, da lächelten einige und bedachten nicht, daß das Werk Karl Mays im Herzen der vielen Millionen Leser ein unvergängliches Denkmal sich schon gesetzt hat. Also die Villa„Shatterhand" in Radebeul. Die Treppe hinauf zu den ehemaligen Arbeiteräumen Karl Mays ist ein Weg durch sagenhafte Kulturen Indiens und Chinas. Wir stehen in der Bibliothek des Dichters. Riesige Büchergestelle füllen den saalartigen Raum bis zur Decke. Da ist von seiner Hand alles katalogisiert und numeriert. Kulturgeschichten aller Völker, Geographie- und Religionsgeschichten. Der Koran liegt auf einem Taburett neben dem Diwan, den ein gewaltiges Löwenfell ziert. Im sich anschließenden Zimmer pflegte Karl May zu arbeiten. Meißner Indianer-Porzellan schmückt den Raum. Hier saß er und dichtete an seiner Welt voller Romantik und glücklicher Fantasien. Schrieb oft drei Tage und Nächte hintereinander, ohne zu essen. Tbtenstille herrschte derweilen im Hause. Er, der bis zum 9. Lebensjahre blind war, der in seiner Jugend nur bitterste Not kannte, dem das Erbe seiner Großmutter im Blute lag, die das zteeite Gesicht hatte, er arbeitete fast in einem Traumzustand. Wenn ihn einer daraus unversehens weckte, fand er den Faden nicht mehr, das Werk war verloren.„Auf diese Weise sind Stöße von Manuskripten meines Mannes ins Feuer gewandert, er kam dann nicht mehr weiter," erzählt Frau May. Verzaubert ist der Abend, geheimnisvoll und unwirklich. Denn jetzt treten wir den Gang durch den nächtlichen Park an. Kleine Taschenlampen funken auf, und bald hebt sich gegen den dunkeln Sternenhimmel groß und gewaltig der Umriß des Blockhauses ab. Drei Schläge mit dem eisernen Ring gegen die klotzige Holztüre. Im Sthlapphut erscheint der Trapper Patty Franck. Nein, es ist kein Kitsch. Man mag es drehen und wenden Wie man will. Die Illusion ist völlig, es bleibt eine Welt für asch, schicksalhaft verbunden mit dem Werk einet Toten. Ich war auch zugegen, als die Sioux-Indianer Karl Mays Grabmal besuchten. Schußpolizei hatte absperren müssen. Dumpfer Trommelwirbel, die Indianer formierten sich, hielten feierlich die gewaltigen Kränze mit der blau-weißroten und der grün-weißen Schleife vor sich hin.„Der Häuptling der Sioux grüßt seinen großen weißen Bruder" stand auf der einen,„Dem Lieblingsschriftsteller der deutschen Jugend" auf der andern. Da standen wir vor dem Marmordenkmal Karl Mays auf dem Radebeuler Friedhof. Die Kapelle stimmte gedämpft die amerikanische Nationalhymne an. Hunderte, oder waren es Tausende, von Rade- beulern umsäumten rings die Grabstätte. Ein alter Mann hinter mir sagte immerfort:„Nee, May Karle, was hättest du dazu gesagt, nee so was—"„Kannten Sie ihn denn?" drehte ich mich um.„Aber gewiß, kannte ich den May Karle, Tleue Jkichec André Maurois: Amerika, Neubau oder Chaos? Preis J2 Fr. Verlag des Europäischen Merkur, Paris. Was geht in Amerika vor? Wieder einmal ist diese Frage von brennender, fast schicksalhafter Wichtigkeit. Seit Monaten füllt der Roosevelt-Plan mit seinen überraschenden Wirtschafts- maßnahmen, seinen verblüffenden, kühnen Experimenten die Spalten sämtlicher Zeitungen. Aber was ist aus ihnen zu ersehen? Nichts— wenn die Zusammenhänge unbekannt bleiben. Nichts— wenn der Hintergrund unsichtbar bleibt, auf dem diese Ereignisse erst eigentlich Bedeutung gewinnen. Diese großen Zusammenhänge, dieser überwältigende Hintergrund treten aus dem knappen und klaren Situationsbericht AndiA Maurois' mit atemberaubender Eindringlichkeit vor. Dieses Buch ist geschrieben für den Tag and die Stunde. Es muß gelesen werden, ehe der Tag, ehe die Stunde herum ist. Ehe es zu spät ist. Lion Feuchtwanger— Arnold Zweig. Die Aufgaben des Judentums. Preis: 5 Fr. Verlag des Europäischen Merkur, Paris. Ein neuer deutscher Buchverlag in Paris eröffnet mit dieser Broschüre die Reihe der„Streitschriften des Europäischen Merkur", die ein Forum sdiaffen sollen für die Diskussion der wichtigsten Probleme unserer Zeit. Der Anfang ist vielversprechend! Zum hundertsten Male in ihrer Geschichte werden die Juden von ihren Wohnsitzen vertrieben. ziehen SIC. die schon seßhaft zu sein glaubten, heimatlos in'he Welt hinaus. Sollen Sie den Nationalsozialisten ■dt einem eigenen Nationalsozialismus antworten? Sollen à aiadm m Palästina beimisch werden oder lieft in ihaar so am guter Maust wie er war." Und der Geist Wiaaetens war beschworen... Nicht zu übersehen bleibt die Feststellung: Welchem Wandel deutsches Geschick in den letzten Jahrzehnten auch unterworfen sein mochte, das Erlebnis„Karl May" wirkt in den heute Vierzigjährigen noch ebenso stark und unauslöschlich, une in den heute Zwölfjährigen einer neuen Generation. In dieser Tatsache allein umschließt sich für mich der eigentliche Wertkern des Schaffens von Karl May. Von solcher Wirkung her betrachtet, gelten mir als beispielhaft die warmen und herzlichen Dankesworte, die kein Geringerer alt unser Führer Adolf Hitler im Bayreuther Sommer dieses Jahres für die Witwe Karl Mays fand, da er ihr ingleich versprach, die Lebens- und Sterbestätte des Dichters in Radebeul einmal aufzusuchen." 5 Warum wir das abdrucken? Nicht, um unsere Spottinst an dem toten Karl May zu üben, der in seinem Hause au Dresden Radeheul, mit Filzpantinen an den Füßen, heldische Abenteuer in den Steppen Amerikas erlebte nnd sie»um Genuß aller schwärmenden und schweifenden Jungem in mehr als awei Dutzend Bänden niederschrieb. Um interessiert etwas anderes. Hitler hat Karl May so seinem Lieblingsantoren erkoren. Mehrere Meter seines Bücherschrankes sind erfüllt von Old Shatterhand, Old Shurehand nnd Winnetou. Die Abenteuer, die Karl May mit Tomahawks und Skalpen in seiner Fantasie erlebte, sind die bedeutendsten Anregungsmittel für den„Führer" geworden, dem sie zugleich alt Ersatz für Alkohol galten. Nicht nur die hysterische Aktivität des Führers, sondern auch sein Stil sind ohne Karl May nicht denkbar. Hier lernte er die verschraubten und verbissenen Sätze, die gequollene Pathetik und die Eqnilibristik mit der Grammatik, die bei jedem Freunde deutscher Stilkunst immer wieder Entsetzen erregen. Aber da der„Führer" den Karl May liebt, muß ihn auch Zerkaulen lieben. Er schreibt über May gegen Anstand und Gewissen, um sich für die Berechtigungskarte der Reich» Schrifttumskammer hinreichend zu legitimieren. Er schämt sich nicht mehr, ein Typus der traurigen geistigen und moralischen Korrumpierung, wie sie heute die einstmals Honorigen unter den deutschen Schrifttums bataillonsweise hinrafft. Um diese Leute zu entlarven: wahrhaftig, Karl May hat nicht„umsonst gelebt". A. H. 7 lach etwas aus Dcesden „Hege und Pflege" Dichters Aengste Vom Frickschen Reichsinnenministerium protegiert, erscheint in Dresden eine Monatsschrift für„völkische Kultur". In der Propagandanummer fordert ein gleichgeschalteter Skribent den„Einbau des Dichters in den Staat". Das steht wörtlich so ein paarmal schwarz auf weiß. Staatliche„ Hege und Pflege" wird gefordert, damit der Dichter nicht„dem Juden in die Arme getrieben" wird und damit das,„was der Dichter muß und was der Staat will, zwanglos zusammen fällt..." Auch dieses hilflose Zeug steht wörtlich da. Dann aber gehts weiter: „So muß die Hege und Pflege sich vor allen Dingen und zu allererst dahin auswirken, daß dem Dichter die Angst genommen wird, er dürfe jetzt nicht mehr schreiben, was er wolle, er müsse sich etwa auch noch an gewisse Stoffe halten, die besonders„deutsch" seien. Diese Angst ist nämlich vorhanden und sie ist gerade bei unseren Besten vorhanden." Aber wie die„Besten" das nun machen sollen, daß sie in der Angst das völkische Richtige treffen und dabei richtige Kunst entsteht— den Trick hat noch niemand entdeckt und darüber zerbrechen sich alle Beteiligten im„dritten Reich" die Köpfe. Die selbstverständliche Voraussetzung jede« wirklichen Kunstschaffens, nämlich Freiheit, wagt keiner der besorgten Kulturhüter zu fordern. Ein ekelhaftes Bild hilfloser Feigheit und Heuchelei! Siehe oben: Exempel Zerkaulen! Heimatlosigkeit ihr Schicksal und ihre Aufgabe? Feuchtwanger stellt fest:„Das Ziel des wahren jüdischen Nationalismus ist die Durchdringung von Materie und Geist. Er ist kosmopolitisch." Und Arnold Zweig schließt mit den Worten:„Jenseits der Gewalt und ihrer blutigen Prophezeiungen steht das Wort, auch das des Juden, nnd sie werden e» müssen stehen lassen". Wenn die kommenden Broschüren das Niveau der ersten halten, so kann uns diese Diskussion wirklich einen großen Schritt weiterhelfen. Die falsche Welle Hopla! Nicht arisch! „Der SA-Mann", das in München erscheinende„Organ der Obersten SA.-Führung der NSDAP." bringt einen Aufsatz von Oberst a. D. Max Blümner über die Technik im Weltkrieg, in dem sich folgende goldene Worte finden: Die Deutschen, das Volk der Denker, neigen leider dazu, die Verwertung neuer Gedanken ihrer Erfinder und Gelehrten, häufig anderen Völkern zu überlassen. So wars bei Lilienthals Flugversuchen, bei der Elektrischen Straßenbahn, bei den Herzschen Wellen. Der Physiker mit dem unsterblichen Namen, der die nach ihm benannten Wellen entdeckt hat, war nach neudeutzcher Auffassung keineswegs ein dem deutschen Volk gehörender Gelehrter. Herz war nämlich— ein Jude! Lebte er noch, so wäre er längst von seinem Lehrstuhl entfernt. Seine Tochter, die als Privatdozentin an der Berliner Universität»eine Ar- brat fûrttt^ly rat tin|v4 firtlnwt> raididl Aas Deutschlands tcneuecuMQ; Von Alfred Karr I Wir säubern keusch den Kurfü. Aendmmm Von der Unnatur und dem schlimmem SMamm, Wir strafen streng vom BichterstuAl Die Dekadenz in dem Sündenpfuhl— Wir selbst sind schwul. Uns leuchtet das Licht und das Ritlar-Weil Im arisch allerwertesten Teil Der Zukunft, die wir erneuen— Mit deutschem Gruß in Treuen! II Wir zerren ohne Gnade Das HungervoUt zur Parade. Das Geld der Aermsten wird verjuxt (Denn wir sind streng sozial) Und wer da murrt, und wer da muckst. Liegt bald im Hospital; Bleibt hier zu seinem Schutz ht Haft, Massiert, bis ihm die Birne klafft, Zerwalkt, gefoltert und gekillt, Daß reichlich rote Suppe quillt— Doch rein ist unser Ehrenschild. Dann klebt am Sarg ein Etikett: „Verstorben auf der Fluche mt Bett" Wir lügen feig und leugnest wiid— Mit arisch reinem Ehrensehüd. m Die ganze weite Weh entpuppt Sich alt verschüchtert und korrupt... Manch deutscher Jude kam auf dem Hund. Will seine Koffer nicht packen; Er spricht:„Zum Klagen ist kein Grund— Sie spucken uns nicht direkt in dem Mund, Sie spucken jetzt bloß auf die Backott; Da beugen wir nebbich den Nachett." Dann ruft die Makkabäersehmr: „Hoch Hitlerleben! bis hundert Jährt" JCant und JCcottec Honorige Studentenarier Das Hauptamt V für Presse und Propaganda der Kiel** Studentenschaft teilt mit: Aus den Reihen der Studente" ist stärkste Verwunderung darüber laut geworden, daß die Kant-Gesellschaft, die am Sonnabend, dem 18. November 1933 einen Vortrag in der Universitätsaula veranstaltet immer noch von dem nichtarischen Professor Dr. Richard Aroner geleitet wird. Die Studentenschaft hat nicht die Absicht, gegen Prof. Kroner, der nach den Vorschriften de* ministeriellen Beamtengesetzes im Lehramt belassen werde" mußte, in seiner Eigenschaft als Beamten vorzugehen. Sin ist aber der Ansicht, daß es untragbar ist, daß die privat« Kant-Gesellschaft unter dem Vorsitz eines Juden steht. Di« sich ihres Deutschtums bewußten Studenten werden den Vorträgen und Veranstaltungen der Kant-Gesellschaft bis zur Abstellung dieses Zustandet fern bleiben und fordern die nationalsozialistischen Einwohner Kiel» auf, sich diesem Bei* spiel anzuschließen. Die deutsche Zcau liebäugelt nicht sagt Günther Der von den Nazis zum Professor gemachte Dr. Hans Günther schreibt in seinem Buch„Der Nordische Gedank« unter den Deutschen" über die deutsche Frau: „... Grade dieses selbstsichere Wesen aus weiblicher Scheu, grade die Abneigung gegen das Liebäugeln sind ee bezeichnend nordische Züge, und eben die„keinen ausgelassenen Gefallsüchtigen" mit dem schnell welkendes Jugendreiz(beaute de diable) sind für die nichtnordisches Rassen Europas bezeichnend... Durch die ganze„modern« Literatur" haben sich viele Deutsche vorschreiben lasses, daß sie die„schillernde", die„differenzierte", die„interessante" Frau lieben sollen oder das„rassische Weib" oder gar des „Dämon Weib".„... Demgegenüber richtet der nordische Gedanke sein Vorbild der Ertüchtigung auf...", das is eistet vollendeten Kreuzung der Liebling Hitlers, Hans Heisa Ewera mit„Vampir" und„Horst Wessel" geschaffen hake* dürfte.... Zeit=7lotizen Der Volksoberrat des flachen Dacht Berlin, 3. Dezember.(InpreB.) Um su ver binders, dal die„orientalisch-jüdische Bauweise weiter um sich greift und das Zehlendorfer Stadtbild weiter verschandelt", hat dar• Zehlendorfer Oberbürgermeister das Bsuen von Häusern mit flachem Dach verboten. Max Hodann entkommen Der bekannte Sexualforscher und Schriftsteller Ma* Hodann, der in der Nacht des Reichstagsbrandes verhaftet, für einige Monate ins Konzentrationslager überführt und zuletzt entlassen, aber unter Polizeiaufsicht gestellt wurde« ist mit seiner Frau aus Deutschland entkommen. Das Braunhemd unpfändbar Das Braunhemd darf nach einer Darlegung vos Lande* gerichtsdirektor Staudt in der„Preußischen Justiz" nicht gepfändet werden, dz es sich um ein Kleidungsstück handelte das für den Bedarf des Schuldners unentbehrlich ist. Sarottis Pech Die bekannte Berliner Schokoladenfabrik Sarettl bot eins neue Konfektpackung herstellen lassen: SchwarzweiBret mit Eichenlaub! Das Berliner Polizeipräsidium hat> xîoeh auf Grund des Gesetzes Uber den Schutt der nationalen Symbols diese Packung verboten. Pariser Berichte Pariser Sfraßenkalender In« Pariser Stadtrat fand eine Aussprache über die Champs ®yaéet statt, bei der festgestellt wurde, daß dort infolge ^ Krise manche Cafés und Geschäfte su billigen Preisen •'•ffnet wurden. « Christine Papin, das sum Tode verurteilte Dienstmädchen, ■eren Revision abgelehnt wurde, hat die Unterseichnung eines Gnadengesuchs verweigert. Ihr Verteidiger reichte das Gnadengesuch jetzt selbständig ein. * In Paris notierte man Anfang der Woche 6 Grad Kälte, •bengo in Nancy und Straßburg, in Calais 8, in Tours 4, in Brest 1. * Die Uebernahme von Radio-Paris durch den Staat ist der besseren Vorbereitung wegen auf den 17. Desember verschoben worden. » Vor dem Schwurgericht Seine-et-Oise hatte sich Jean Galvier, ein reicher Karosseriebesifcer aus Versailles, der den Sultan von Marokko su seinen Kunden zählte, zu verantworten. Galvier, ein älterer Herr mit spärlichem Haar, natte, nachdem allerhand Erbstreitigkeiten vorgekommen *aren und er wegen anonymen Briefe-Schreibens zu einem Monat Gefängnis verurteilt war, seinen Schwager Seigle in dessen Garten erschossen. Galvier behauptete, selbst be- droht gewesen zn sein. Die Gerichtsverhandlung enthüllt bürgerlichen FamilienskandaL Der Goncoart-Prels Verband deutscher Journalisten In der emigration Der neugegründete Verband der deutschen Journalisten im Ausland, die Hitler bekämpfen und auf dem Prinzip der Pressefreiheit stehen, nahm durch V orstandshcschluß den Namen: Verband deutscher Journalisten in der Emigration (Association des journalistes allemands émigrés) an. Beschlossen wurde, niehtdeutsche Journalisten nur aufzunehmen, wenn sie in Deutschland bereits dem Reichs- vorband der deutschen Presse oder dem Verein Berliner Presse, dein Verein Arbeiterpresse oder dem Schutzverband deutscher Schriftsteller angehört haben. Deutsche, die erst in der Emigrat is n den Beruf des Journalisten wählen, seilen nach einjähriger hauptberuf. ihn Tätigkeit im Journalismus aufgone 1 Pressezeichner, Pressefotografen usw. sind den Journalisten gleichgestellt. Der Verband hat zahlreiche Anmeldungen zu verzeichnen. Die Anschrift ist: H. v. Gerlach, 27, rue Jean-Dolent, Paris 14e. Obst ilahan und Ausbessern von Polltor- möbeln. Nähe und hing« Gardinen und VorhAnge. Mr. MICHEL 155-bli, m« Conv.ntlon T.I.Vwg. 10-10, bl.UUhr Auch dlo ,,Kleina Anzeige" In dai „Deutschen Frel- heit'brinqt Erfolg îeiffiaBer mit 50 bis 60 Mill,» erlolxvetiptechcnde Na*, grândune in Elsaß-Lothr. von Lothringer(fr, Nat.) kreucht Oft. unt. Horchw verbaten a. d.„Dent.che Freiheit" nun- Paris AGENCE LIBERTÉ Le Maitre des Forgea, der bekannte Roman von Georges 0 h n e t ist verfilmt worden und wird im Paramount gegeben. Das Schauspiel stammt aus dem Jahre 1883. Aber die Liebe des reichen Mannes au Ciaire(Gaby Morlay) überlebte die Mode. Im Rex lief„D'Amour et d'Ean fraîche", ein Filmlust- spiei von Felix Gandéra mit dem bekannten Dreieck. In Agriculteurs, Bonaparte und Ermitage kam„A n n a und Elisabeth" heraus, die Geschichte einer Wunder- kur in einem Dorf und dergleichen mit Hertha Thiele und Dorothea Wieck. Ein Sowjetfilm„0 k r a i n a" im Studio Parnasse behandelt die Geschichte eines deutschen Kriegsgefangenen, der in einem Dorfe im Ural zurückgehalten wurde. „R asputin und die Kaiserin" in der Ermitage behandelt abermals, diesmal in Hollywooder Stil, die berühmte Heiligen- und Liebesgeschichte des sibirischen Bauern am Zarenhofe. Nächstens erscheint die französische Verfilmung des Revolutionsstückes„Barbier von Sevilla". André Rangé spielt den Figaro, Beaumarchais* Helden. Die Aufnahmen zn Zolas„La Bete humaine" stehen bevor. 2, petite rue d'AusterUtz STRASBOURG Generalvertretung der Deutsche Freiheit" W für Elsass.Lothringen Annahme von Abonnements und Inseraten: LIBRAIRIE POPULAIRE, 2, rue Sédillot Strasbourg ABONNENTENWERBER in allen Orten des BAS. RHIN und HAUT.RHIN sofort gesucht. Werbt für die„Deutsche Freiheit"! Während in Deutschland die Scheiterhaufen des Luther- •od Wagner-Jahres in der Arbeit der Göbbelsschen Reichs- kulturkammer moralisch noch weiter flammen, rüstet Frankreich sich zu seinem größten literarischen Ereignis: der Verleihung des Goncourt Preises. Dieser nationale„Nobelpreis", wie man fast sagen föchte, geht auf die beiden großen Brüder Goncourt äuriidc, die zusammen berühmte Romane schrieben, u. a. den Dienstmädchenroman„Germinie Lacerteux", das erste Erzeugnis dieses Genres, Edmond Goncourt, der ältere der Brüder, überlebte den acht Jahre jüngeren Bruder Jules, der 1870 starb, um 26 Jahre und setzte nach dessen Tode das Werk fort. Er war der geistige Vater des berühmten Testaments, das die Herausgabe des Tagebuches der beiden Brüder anordnete und einen Preis für den Autor des phantasievollsten Buches aussetzte. Die Goncourt-Preise sind seit 1904 verteilt worden, es gibt ganz berühmte Namen unter den Preisträgern, freilich «uch eine große Reihe Vergessener. Einige große Pariser Verleger liefern sich Schlachten um die höchste literarische Ehre, bei denen es manchmal so aussieht, als ob die gewarteten Dichter wie Pferde im Rennen für einen Stall liefen. Doch haben andererseits die hohen Pariser Verleger natürlich auch gewaltige Meriten, und das eine ist sicher, daß in Frankreich in viel höherem Maße als auch im republikanischen Deutschland der wahrhafte Stil, der Geschmack, die Form, die wirklich t literarische Bedeutung über die Meisterschaft entscheidet. Frankreich ist unzweifelhaft das Land der größten Schriftsteller. Die beiden bekanntesten Namen, die durch die von Edmond Goncourt eingesetzten zehn Mitglieder der Akademie der Preisverteilung entdeckt wurden, sind: Henri Barbusse, der Dichter des Antikriegsromans„Das Feuer" und Georges Duhamel, der Verfasser der„Scènes de la vie future". Der Goncourt-Preis wird dieses Jahr am Donnerstag, dem 7. Dezember, nach Wochen großer Spannung in den literarischen Kreisen verkündet. Am Tage vorher, Mittwoch, den 6. Dezember, gelangt im Cercle Interallié der F e m i n a Preis zur Austeilung. Dieser Preis, der ebenfalls sehr angesehen ist, hat die Spezialität, daß die Jury nur aus Damen besteht. Der vorjährige Femina-Preisträger Ramon Fernandez(„Lé Pari") setzt eben auseinander, daß die Damen die seit 1. Januar erschienenen Bü er der Jungen draußen in der Stille lesen und dann gegen Ende September jede mit einem provisorischen Kandidaten im Kopf heimkommen. Die Hauptsache ist, sagt Fernandez, sein Buch zur„Lesung" zu bringen. Die Frauen-Richter haben, wie dieser von ihnen Beglückte sagt, durchaus den Willen, dem Schriftsteller zu helfen, besitzen ein literarisches Gewissen und bleiben der einmal getroffenen literarischen Wahl treu. Im Vorjahre entschied Madame C o r t h i s das Rennen, indem sie in ihrer Eigenschaft als Vorsitzende vom Recht einer zweiten Stimme Gebranch machte, nach 11 Wahlgängen. Schließlich gibt es den Théophraste-Renaudot-Preis. Das ist derjenige, der vop den auf das Urteil der Jnry wartenden Literaturrichter und Zeitungsleute vergeben wird. Im Vorjahre erhielt diesen Preis Céline für seinen seitdem berühmt gewordenen Roman„Voyage au bont de la nuit". Céline ist berühmt dafür, daß er sich zurückhält; so weigerte •r sich standhaft, die Presse-Exemplare seines in Buchform Geschienenen Dramas„L' E g I i• e" zu zeichnen. Daher war seine wunderbare Rede in Mendon am Todestage Zolas dieses Jahr ein besonderes literarisches Ereignis. Man sieht: die Literatur bestimmt in Frankreich noch in Maße den Toni Emigration- vom Schicksal eingesetzt Von Heinrich Mann Wir entnehmen die folgenden Betrachtungen einem neuen Essay von Mann:„Schule der Emigra- t t o n". Es erscheint in Kürze in einer Broschüre im Rahmen der„Zeitschristen des Europäischen Merkur", die der Verlag„Les Editions du Mercure de l'Europe" tu Paris herausgibt. Die Emigration soll!« heranbilden, um sie einst vvrzu- schicken, eine Aristokratie der Arbeiter und der Denker. ES handelt sich darum, eine Nation herauszuführen aus der Region der Katastrophen und die verlorene Verbindung mit der gesitteten Welt wieder herzustellen. Wer eS noch erlebt, wird ein umso besserer Führer sein, je mehr er in der Zeit der Prüfungen gelernt hat. Di« Aussichten, eS zu erleben, werden scheinbar ver- ringert dadurch, daß die sittlich vorgejchrittenen Völker sich dennoch einigermaßen angezogen fühlen von den Ausschwei- sungen der anderen. Ungeheure Wellen der Gewalt und Widernunft schlagen von außen und jetzt von Deutschland her gegen die geschützten Länder. brechen sich an den Grenzen und dringen dennoch allmählich ein. DaS ist nicht zu verkennen und steht übrigens immer zu erwarten, da die Vernunft daS zuletzt Erworbene, die Gewalt das länger Gewohnte ist. Den Franzosen, soweit sie schon mit einem„Systemwechsel" spielen, könnten die Emigranten immerhin erzählen, wie er in der Wirklichkeii aussieht. Für Ricienversammlungen wäre dies ein würdigerer Gegenstand, als Klagen und Hilferufe. Sie selbst können helfen. Die Emigratton muß aufklären. Sie weiß, wie furchtbar schnell ein Volk, hat es sich erst vergewaltigen lasten, sinkt und sinkt. Wenn niemand mehr in Europa Widerstand leistete, ständen Jahrhunderte einer nie geahnten Berwtlde. rung bevor. Der Widerstand ist zuletzt auch gesichert, dafür sorgt gerade das deutsche Beispiel des Gegenteils. Die Emi- gratton muß es einfach erläutern, eS wird verstanden werden. Die durchaus fragwürdig« Hinneigung zu einem„System- Wechsel"— waö immer nur heißen kann: Einschränkung der Menschenrecht«— wird aus die Dauer nirgends ermnttgt durch die Nachrichten aus Deutschland. Furcht, ivenn sie da wäre, wird allmählich abgeschwächt bei übertriebenen Herausforderungen und ihrer sinnlosen Wiederholung. Sie wirb auch abgeschwächt, wenn der ge- waltige Prahlhans sichtlich selbst nicht weiß, wie e» mit ihm steht- Er ist sich gar nicht bewußt, in den Krieg zu treiben, >oie ihm auch nicht klar ist, daß er über eine zerrissene, knirschend« Nation herrscht. Fried« und Krieg, Auf. und Ab- rüstung. national« Einheit und kommunistische Gefahr. Sozialismus. Rasse und was noch alle» für unbegriffene Widersprüche, sind nur Schaum vor seinem Munde. Der nationale Größenwahn, der ihm die Macht verschafft hat, soll sie ihm auch erhalten: mehr kennt er nicht. Dies, nur dies, kann die Emigratton aus ihrem näherem Wissen heraus der Welt versichern. Sie weiß so wenig wie irgend jemand, ob Krieg kommt, ob er aus dem ungeregelten Gliederiverfen eines Geisteskranken eines Tages wirklich her» vorgeht. Sie kann dagegen versichern, daß der Größenwahn die Entschlußkraft des Kranken nicht bedingt, eher hemmt er sie; und daß Unbchcrrschtheit eine schlechte Bürgschaft de» Sieges ist. In seinen immerhin gesünderen Tagen hat sich Deutsch- land schon einmal eingebildet, die Welt sei seine leichte Beute. Heute wurzelt sein Glaube bei weitem nicht so fest. Ein stärkerer Wille kann ihm entgegentreten, dann bricht der Wahn zusammen, bevor das letzte Unglück ivirkltch geschieht. Das ist zu sagen— niemals aber die Furcht der Welt zu nähren vor der deutschen Aufrüstung und technischen Unbe- siegbarkeir. Giftgase bringen auch andere fertig, und die Betnichtung der Völker durch Attkroben ist ein unwissenschaftliches Phantasieerzeugnis. Schwer zu sagen,»ven dt« deutsche» Chemiker mit ihren Bazillcnkulturen eigentlich be- trügen: sich selbst oder ihre Auftraggeber. Emigranten dürfen jedenfalls den Betrug auch unfreiwillig nicht mitmachen. Die Emigration will keinen Krieg gegen ihr Land. Der leidenschaftliche Wunsch, daß kein Krieg komm«, ist gerade bei ihr. Das Gegenteil wird ihr nur unterschoben von einem Hitler in seinen Ausbrüchen von Wut ober Angst. Denn er hatte alles vorgesehen, die schreckensvoll« Bernich. tung aller Deutschen, die ihm widerständen: nur nicht, daß draußen, ihm unerreichbar, noch immer Deutsche sich erhalten und sich in Uebereinsttmmung erhalten mit allen, die guten Willens sind. Die Emigration ist eingesetzt vom Schicksal damit Deutschland das Recht behält, sich zu messen an der Vernunft und an der Mensch, lichkeit! Ohne die Emigratton könnte eS dies heut« nicht, sie allein ist übrig als ein Deutschland, das lernt, denkt und Zukunft erarbeitet. Eine Emigratton, die sich behauptet, wird ihre leibvoll und kämpfend erworben« inner« Zucht einst übertragen auf ihr ganzes Volk, dem so sehr, so sehr zu gönnen wäre, daß es die Gegend der Katastrophen verläßt und seinen Frieden mit der Welt macht. Die Emtgratton lebt arm, sehnsuchtsvoll und von Zwei, sein bedrängt. Wer jetzt heimkehren könnte, fände das un» längst verlassen« Land nicht mehr, es schiene ihm unterge- gangen, und nur im Verborgenen wären Hände, denen er die seinen reichen wollte, vielleicht noch aufzufinden. Aber diese Hände werden nicht sterben, und auch daS Land nicht. Behauptet euch und lernt, dann werden viele von euch es wiedersehen, und e» wird das eure seinl Concerts Pasdeloiip THEATER DBS C H A M S• E L YS É E S vciNNAREND. 9. Dezember, 17 Uhr. Die Préluder* ,vonLiai.- Zauberlehrling, r. P.Dukas. Symphonie Nr. 4 von Schumann.— Concerto /a für Klavier und Orchester, von Lizzt.ge- aieli'von Herrn EMILE BAUME. SONNtXO, Ta&ZmbeïïlsOVhr: Die Ouvertüre dJSury- an the. nm WeberSymphonte en Mozart.- Oasertüre Leonore III, n.Beetnem c*et rtrmrin(1 ritte und Or aies 1er, von Brahms, rtsnftltionHtrrnROLANDCHARMY. Leitung ^ CJ&MEN STVDER(Fmu WringertnZ) CONCERTS POULET. Th. Sarah-Bernhardt. Sonntag, 10. Dezember 17.50 Uhr 7. Symphonie von B.c-h<^. B«l«hc"rd Orchester) v. R. Strauß.«i Kl«t.r Victor BABIN. 4 Lieder der Villa», von G. Pandel*, Reilingen ron Mme Germaine CERNAT(ans der Opéra^Comiqae) Mutikttücke für Klamenolo». Fie Berge gebaren mit qroßem Lärm: das Resultat war eine lächerlich kleine Maus^ //.■/// y y Richter Innch Aus Sachsen, wo es am l & Ziaê BerteidtgnngSkomitee Mr den ReichstagSprozeß hat folgenden Brief nach Leipzig gerichtet: Paris, den 1. Dezember 1S33. Herrn Seuatöprästdenten B ü n g e r, 4. Strafsenat Leipzig, Reichsgericht. Anliegend übersenden wir Ihnen eine handschriftliche Quittung, ausgestellt und unter- schrieben von„Peter". Ein einfacher Vergleich dieser Quittung mit den bei den Akten befindlichen, am 29. 11. Popofs vorgehaltenen Quittungen wird die Uebereinstimmung beider Hand- schrtften erweisen. Damit entfällt die Annahme, daß Popoff baß Geld von einem„Funktionär" der Kommunistischen Partei zu politischen Zwecken ober gar für die Anschaffung von Brandmaterial erhalten hätte. Wir erwarten, daß das Gericht in öffentlicher Sitzung zu diesem neue», Popofs entlastenden Beweismaterial Stellung nimmt. Aus Sachsen, wo es am braunsten ist In Seifhennersdorf in Sachsen berief am S. November der stellvertretend« Nazi-Bürgermeister Neumann eine Ein» wohnerversammlung ein und hielt gegen seinen Antioor- gänger F i ch t n e r eine Rede, in der er ihn in zahlreiche» Einzelfällen der Korruption beschuldigte. Fichtner wohnte gezwungener Weise der Versammlung bei und mußte di« ganze Anklagerede anhören, ohne ein Wort zu seiner Recht- sertigung sagen zu dürfen. Nach seiner Rede ließ Neumann die Versammlung darüber abstimmen, ob sie mit Fichtner noch zusammen arbeiten wolle, was sie gegen«ine Stimm« verneinte. Danach forderte Neumann den Altbürgermeister, der auch vor der Abstimmung nicht zu Worte gekommen war, zum Verlassen des Saales aus. Damit war jedoch das edle Spiel noch nicht zu Ende:«S gab noch ein Nachspiel, wie aus folgender amtlicher Bekanntmachung der Ortsgruppe»" leitung hervorgeht: Nach der gestrigen Kundgebung ist dem Ortsgruppen» letter mitgeteilt worden, daß sich ein kleiner, unliebsamer Zwischenfall mit dem Bürgermeister ereignet haben soll. Es wird ausdrücklich darauf aufmerksam gemacA, daß dir Ortsgruppenleitung denselben durchaus nicht billigt, son- der« verurteilt. Die Verbreitung falscher Nachrichten dar» über wird geahndet. Ob der Bürgermeister Fichtner den»kleine« unliebsame« Zwischenfall" ohne dauernden Schaden überstanden hat, da»» über meldet die Ortsgruppetüeitung nichts. Verbrecherrecht Lebenslängliche Verwahrung und Kastration Niemand urteilt strenger über gefallen« Mädchen als alternde Kokotten, niemand rümpft verächtlicher die Nase über Armut als retchgeworden« Bettler, niemand ersinnt harter« Strafen gegen Verbrecher, als wer selber durch endlos« verbrechen zur Macht kam. Die nationalsozialistische RetchSregierung kündet ein neues Strafgesetz an, und zwar ein Spezialgesetz gegen gefährliche Gewohnheitsverbrecher. Dt« sehr umstrittenen Bestimmun- gen. di« der vom Reichstag bis 1932 beraten« Entwurf eines Strafgesetzbuches in seinem ersten Teil gegen das Berufs- Verbrechertum vorsah, sind aus ihm herausgenommen und noch bedeutend vermehrt und verschärft— zu einem Son- dergesetz vereint worden. Nach diesem Gesetz sollen gefährliche Gewohnhcitsver- brecher— schon zwei Vorstrafen genügen als objektive Vor- auösetzung für die Feststellung dieser Eigenschaft!— bei erneutem Rückfall mit Zuchthaus bis zu fünfzehn Jahren bestraft werden zu können, auch wenn die Tat an sich mit viel geringerer Strafe bedroht ist. Ferner können sie lebens- länglich in Sicherheitsverwahrung genommen werden! Aehnliche Verwahrung— teils lebenslänglich, teils zeitlich — ist zulässig gegen geistig Minderwerttge, vermindert Zu- rechnungsfähige, Alkoholiker. Landstreicher usw. Es wäre das neue Gesetz kein nationalsozialistisches Pro- bukt, wenn eS nicht besonders eigentümliche Vorschriften in der sexuellen Sphäre enthielte: gefährliche Stttlichketisver- brecher können nach dem Gesetz auf richterliche Anordnung kastriert werden. Nicht etwa handelt es sich hier um eine bl»ße„St«rilis«tt»n", die Unfruchtbarmachung, wie st« ein frühere? Gesetz der Nazi in gewissen Fällen zuließ, sondern um die Zerstörung von Geschlechtsorganen mit dem Ziel der völligen Entmannung. Im allgemeinen war gegen die früheren Bestimmungen des StrafgesetzentnmrfeS eingewendet worden: so wenig sich gegen einen besseren Schutz d«r Gesellschaft dnrch dauernde Unschädlichmachung der wirklich unverbesserlichen Verbrecher etwa» einwende» läßt, so bedenklich ist es anderseits, di« vie se relenen Ka'hoWcen Zaghaftes Winseln der Presse Die„Germania" vom 5. Dezember schreibt: Die Münchener halbamtliche Mitteilung, daß die An- gelegenheit des StadrpsarrerS Dr. Muhler der zuständigen Staatsanwaltschaft übergebe» worden sei, schließt mit dem Satze:„Denn nur die gerichtliche Klärung solcher Fälle wird den Boden schassen, aus dem ein wahrer Friede zwi- scheu Kirch« und Staat, so wie ihn das Konkordat vor- sieht, gedeihen kann." Das ist die Erkenntnis, der man rückhaltlos zustimmen muß. Niemand wird einen katho- tischen Geistlichen von der Verantwortung für sein« Worte und Handlungen entlasten wollen. Im Gegenteil, vom Geistlichen darf ein Höchstmaß von Gewissenhaftigkeit und Taktgefllhlt aus der Kanzel, in der Schul« und im tag- «che» Verkehr gefordert werten. Verstößt er gegen die Zurückhaltung in politischen Dingen, die ihm sein Amt auferlegt, dann hat er die Folgen zu tragen. Anderseits richten voreilige Verdächtigungen großes Unheil an, sie »«»gift«» die Atmosphäre zwischen Staat und Kirche, sie schassen ein Märtprertum. das die normale Cntwtiklnng der Beziehungen stört. Die Zeitungsnachricht, daß bei de« oerhgfrelen bayrischen Geistlichen marxistische Sit«- ratur und sogar Mitgliedsbücher der„Roten Hilfe" ge- sunder motten seien, konnte nur mit SopsschlUtel» aus- Entscheidung darüber, wer alS„unverbcsserNch" anzusehen ist, einer erzreakttonären Richterschaft zu überlassen. Nicht nur seien im allgemeinen Harte und Willkür zu befürchte» — besonders groß sei die Gefahr, daß poltttsch Oppositionelle, die aus idealer innerer Einstellung den Staat oder die heu» tige Gesellschaftsordnung bekämpfen, beim dritten Verstoß gegen Strasbestimmung für unverbesserliche Gewohnheit»» verbreche? erklärt und lebenslänglich eingesperrt würde». Zumal diese Art Leute sich wirklich nicht„bessern" wollen. Es bedarf keiner besonderen Begründung, daß die Gefahr solcher reaktionärer Gesetzanwendung im„dritten Reich" sick verhundertfacht hat. Die Ausscheidung der unverbesserliche« Asozialen aus dem Volkskörper, ihre Abschließung und dau- ernde Unschädlichmachung ist selbstverständlich nach wie vor ein durchaus beachtliches Problem. Aber hier gilt genau das gleiche, was zu dem Sterilisationsgesetz zu sagen ist: solche Dinge müssen mit größter Sachlichkeit, Leidenschaft?» losigkeit und strengster Objektivität ausgeführt werden, wen» nicht viel mehr Schaden als Nutzen, viel mehr sinnlose Grau- samkeit als Vermeidung unnötiger Leiden erzeugt werde» soll. Aber gerade an dieser Voraussetzung fehlt eS in einem LaAde, in dem Fieberhitze und Raserei täglich prit allen Mit« teln neu entzündet werden, zu hundert Prozent. Was gar die Kastratton als„vorbeugende Sicherheitsmaß» regel" gegen Sittlichkeitsverbrecher anbelangt, so eröffnet si« die Pr»spekti»e auf eine neu« Aera mittelalterlicher Leibes» strafen. Die offizielle Wiedereinführung der Prügel» strafe sneben ihrer inoffiziellen Berhängung in den SA-» Höllen) steht söwieso aus dem Programm der Nazi, in de« Strafanstalten ist sie bereits als„Ordnungsstrafe" wieder zulässig. Aber man kann da noch weiter gehen: wenn ma» den Sittlichkettsverbrechcr kastriert, warum dann nicht dem Taschendieb die Finger abhacken, dem Spion die Augen aus» stechen usw. usw.? Der völlige Rückzug tnS Mittelalter wird dieser.Iievolutton" auf dem Gebiet« des Gtrafr«chtS nicht schwerer fallen alS auf anderen Gebieten. Justinian» im„N«uen Vorwärts"« genommen werden. Männer, die viel« Jahre im Kampfs gegen die marxistische Volksverheyung standen, habe» selbstverständlich di« einschlägige Literatur zum Studium besessen, sie mögen auch in ihrer Materialsammlung Satzun- gen und Parteibücher der kommunistischen Organisattone» gehabt haben. Daraus ans Zustimmung oder gar M't» gliedschaft zu schließen, ist doch mehr als kurzsichtig. Di« erwähnte halbamtliche Mitteilung enthält auch nichts von Beschuldigungen dieser Art, sondern spricht nur von der Verbreitung falscher Gerüchte über die Dachauer Konzen- trattonslager. Es ist dankenswert, daß im Fall« Muhler sehr rasch daS ordentliche Gerichtsverfahren eingeleitet worden ist. Damit wird die Auffassung, als ob d'e polizei- liche» Maßnahmen weniger gegen staatsfeindliches und volksschädigende» Verhalte«, als gegen de«„schwarzen R»«f" gerichtet sein, der Garau» gemacht. Im Interesse »es Staate« wie»er.Kirche kiegt eS, daß de« Hetzer« g«ge» da« nationalsozialistische Deutschland, die geflissentlich dies« Auffassung nähren, jede Handhab« e«»zogen wird. • Dieses Gerede ändert nichts an der grundlole« Verdächtt» gung katholischer Priester Nicht durch„Hetzer", sonder« durch nationalsozialistische Amtsstellen. Wie die„Germania" furchtbar winselt! Was würde st« gezetert haben, wenn im alten Staat einmal so mit katho» Eschen Priestern umgegangen worden wäre? Rechtsanwalt Dr. senden Justiz und Recht! Ne for„Arfoter-Wohlfahrf»»«cofbtirfee fan* vor einige« Tage« ein« grob« Knndgebung statt. E« sprachen der Führer der saarländische« Freiheit«, sront Max Brann«nd der Rechtsanwalt T r. Sender. De» Hauptvortrag hielt Dr. Sender» und wir glauben, daß seine Gedanken auch über das --aargebiet hinaus Interesse habe«. „,®ie Grundlage des Rechtsstaates beruht auf der Treu» ott Gewalten, insbesondere auf der Unabhängigkeit \ Richters von der Macht höchster und aller Regierung»- »no Verwaltungsstellen. . trotzdem war bis vor dem Kriege in keinem anderen Land g^.Welt der Einfluß der Krone auf die Rechtsprechung fo »arl ,vie in dem alten Preußen. In keinem anderen Kultur- baben Krone und Verwaltung so häufig und heftig >n die Unabhängigkeit der Rechtspflege eingegriffen. îw Unabhängigkeit der Richter war zwar verfassungS- Mäßig und durch Tondergesetz verankert, blieb aber in der ^ra,is oft nur Theorie. Die Beförderung eines politisch «&« konfessionell nicht genehmen Richters war entweder Überhaupt nicht möglich oder stark gehindert. Die Zurücksetzung katholischer oder gar jüdischer Richter war eine gegebene Tatsache. Diese Verhältnisse hatten sich erst nach 1918 in der deutschen „^publik geändert. Seitdem konnten sich die Richter wirklich Abhängig fühlen. Es gibt auch unzählige Beweise dafür, °aß Richter und Staatsanwälte nach 1918 auch befördert »■Tir en< ohne daß sie nachwiesen, wie das heute der natio- ?also,ialtstische Richter tun muß, besonders eifrige Anhänger orr geltenden StaatSform zu sein. Räch 1918 galt wirklich der Satz, daß die Richter nnab« bangig und nur dem Gesetze nnterworfen find, daß fie wider ihren Willen nur kraft richterlicher Entscheidung und nur ans de» Gründen und unter den Formen, welche Sie Gesetze bestimmen, dauernd oder zeitweise ihres AmteS enthoben werden könne». «eit ISIS durfte der Richter in Freiheit und Unabhängig- mit dem Richterspruch dem Gedanken objektiver Rechts- Nnbung dienen. Viele glaubten auch aufrichtig an ihre Objektivität, viele waren auch objektiv, nicht wenige übten scheinheilig Objek- nvität. Nach 1918 beachtete man vielfach auf dem Richter- stuhl nicht die Verschiedenheit politischer Bekenntnisse. Man oiente mit dem Richterspruch dem Ordnungsbedürinis des bürgerlichen Staates und seinen Gesetzen, ohne allerdings »u wissen, wie sehr der bürgerliche Staat auch den Richter «üb seine Justiz für die eigensüchtigen arbeiterfeindlichen ?vünsche Untertan machte. Es gibt sicherlich ewige unver- anderliche Gerechtigkeitswerte. Aber der bürgerliche Staat bürste und darf nicht den Anspruch erheben, dieses vielleicht «'cht ganz mögliche Idealbild verwirklicht zu habe» oder verwirklichen zu können. Seine Richter glaubten aber wenigstens an dieses Idealbild und waren in vielen Rechts- kragen gläubig objektiv. Diese Auffassung vor- Nehmer Richterpflicht ist in Deutschland ge- w ich e n. Der Richter ist ein den Bedürfnissen des national- wzialistischen Staates gehorchender Beamter, geworden, dem °as Rückgrat und der Mut deshalb gebrochen sind, weil man vas Fundament der Richtcrperfönlichkeit vernichtete, weil Unabhängigkeit und Unabsetzbarkeit nicht mehr garantiert nno. ^Der Richter hat sich den Bedürfnissen des faschistischen unabsetzbaren und objektiven Iuristenstand den Erforder- Nissen der herrschenden Nationalsozialistischen Partei zu unterwerfen. Aus der Gottähnltchkeit irdischen Richtertum» wurde die Kläglichkeit verzagten, bedrückten und mutlosen Gehorsams. Man tut teilweise noch so, als ob dies ernsthaft bestreitbar wäre. Indessen hat gelegentlich der letzten Iuristentagung in Leipzig der Reichsjustizkommtssar Frank den deutschen Iu- eisten in einer wichtigen Rebe mehrere zu befolgende Sätze mit auf den Heimweg gegeben, nämlich: 1. DaS Recht des neuen deutschen Reiches wird nicht den Schwächling schützen, sondern den Starken noch stärker machen. Î. Der Iuristenstand hat sich den Erfordernissen des Ratio- nalsozialismns zn sügen. 8. Wenn heute in den Gerichtsurteilen immer wieder leise und zaghaft die Meinung des Richters durchleuchtet, daß die gegenwärtigen Rechtsznstände noch in der Entwick- kung«nd Uebergangsepoche sich befänden, noch unklar «nd nicht stabil genug seien im Vergleich zur bisherige« Rechtsordnung, so wird ein derartiger Zweifel von nun ab verboten..Meine Herren," sagte der Reichsjustiz- kommissar,„das hat augenblicklich aufzuhören." 4. Recht ist, was Deutschland nützt, Unrecht, was Dentsch- land schadet. Ei« Ausspruch aus dem Munde eines andern führen« den beamteten deutschen Würdenträgers:. I. Man hat anläßlich des Reichstagsbrandprozesses«ine Grundlage bisheriger Rechtsprechung verlassen durch die Anshebnng des Grundsatzes„Leine Strafe ohne Gesetz" «nd hat für die Bedürfnisse dieses Reichstagsbrand- Prozesses am îv. März durch das Gesetz hängnng»nd de« Vollzug der Todesstrafe Straf» androhungen mit rückwirlender Kraft für alle seit dem 81. Januar 1938 begangene« Verbreche,, statuiert.(Lex Lübbe.) Diese neuen Gedanken haben mit RcchtSauffassung und Gerechtigkeit nichts mehr zu tun. Sie zeige« der Recht- sprechung den Weg der Unterdrückung für den Schwachen, machen die Justiz dem Starken und damit dem Kapital dienstbar, heben den Grundsatz der Trennung der Gewalten aust sind national und international bedenklich, gefährlich «nd berechtigtes Mißtrauen ausstreuend. Ich frage: Welcher in Deutschland absetzbare Richter hatr ed bisher Dt« Gerichte wetteifern mit den Staatsanwälte« in«nerbitt- ltcher Strenge. Die Auslegungskünste des Gesetze» find ten- denziös geworden und liebedienerisch. Die Rechtsprechung schielt nach der Macht der Diktatur und ordnet sich ihr unter. Verabscheuungswürdlge Mörder werden begnadigt und als Helden gefeiert. iPotempa.) Wer brutale Gewaltakte der SA. mit Gewalt abwehrt, der Pistole die Pistole eutgegenhält, wird mit dem Tode de» straft. Deutschland feiert mit»ahllose» Todesurteilen Blutorgie«. Der Henker Samson der französischen Revolution ist in den Schatten gestellt. Eine blutmystische Nachsicht schenkt dem Gleichgesinnten die Freisprechung und schlägt mit gtausamer Strenge die Marxisten und Juden nieder. Der Jude wagt eS in Deutschland nicht mehr in vielen Fällen zu klagen, zu beanzeigen, sein Recht zu fordern. Alte erfahrene, mensch- lich und beruflich vornehme Richter und Rechtsanwälte jagte man au» den GerichtSsälen und schmähte sie in widerlichster Form. Die lieben Herren Kollegen schwiegen dazu. Brutalste Verwaltungsmacht tobte widerspruchslos und von den Ge- richtspräsidenten nicht gerügt in den Sälen der Gerechtigkeit. Ausrechte Richter wandten sich mit Ekel ab. andere verließen den Dienst de» faschistischen Staates, die meisten aber beugten sich, lernten schnell um und schämten sich nicht einmal sehr. Es gibt keine freie Advokatur mehr, keinen stolzen An- walt mehr, der es wagte, einen Marxisten zu verteidigen, für seine Unschuld einzutreten, göttlichem und menschlichem Rechte zum Siege zu verhelfen und damit die edelste Men- schenpflicht zu erfüllen. Alles rennt, rettet, flüchtet. In die Herzen unserer Richter und Staatsanwälte und Rechtsanwälte ist schlotternde Angst eingekehrt. Die Ein- schüchterung hat sie besiegt. Die ängstigen sich für ihre Kar- riere und ließen sich einreihen in die leichte Kavallerie schwankender Charaktere. Auch im Saargebiel haben sich die Tendenzen der sogenannten deutschen Recht»- pflege bereits unheilvoll bemerkbar gemacht, obwohl Richter, Staatsanwälte und Rechtsanwälte, insbesondere die von arischem Geblüte. im Falle der Rückgliederung keinerlei Befürchtungen wegen ihrer Existcnzgefährbung hätten zu hegen brauchen. Die Beeinflussung der saarländischen Rechtslage durch den neuen deutschen Richtergeist lehnen wir ab. Das Saar- gebiet ist zwar deutsches Gebiet, aber keine Hitler-Domäne. DaS Saargcbiet ist noch altes Rechtsgediet mit den alten RechtSgrnndsätzen und keines Falles nntertan den ge» walttätigen Bedürfnissen eines überhitzten heldischen Götzendienstes. Unser Recht und Gesetz haben sich nicht geändert. Für eine Aenderung der Rechtspflege und für neue Tendenzen ist daher kein Platz im Sanrgebiet. Wir haben keinen An- spruch daraus, daß im Saargebtet die sogenannten neuen deutschen Rechtsideen Anwendung finden. Trotzdem die Rechtslage auf Grund der im Saargebtet ge- gebencn Verhältnisse und des SaarstatutS einwandfrei und klar sind, zeigten in diesem Jahre im Gegensatz zu früheren zahlreiche saarländische Juristen durch ihren Besuch der Iuristentagung in Leipzig einen viel stärkeren Wissensdurst als in den früheren Iahren. Ich frage Sie, meine Herren Richter, Staatsanwälte und lteben Herren Kollegen und bitte um Ihre Antwort: Haben Sie die Frankschen Grundsätze in sich aufgenommen? Fügen Sie ssch den Erfordernissen des Nationalsozialismus? Stärkt Ihr Richterspruch den Starken, schützt er nicht mehr den Schwachen? Haffen auch Sie den Marxisten, verab scheuen Sie den„minderwertigen" Juden, verteidigen noch die Herren Anwälte den Marxisten? Kennen Sie schon in Ihren Reihen den Unterschied zwi- schen arischen und nichtarischen Großmüttern? Haben Sie keine Angst, daß in Ihrer Ahnenreihe eine solche arme gute jüdische Grobmutter, einstmals vielleicht ihrem reinrassigen Bräutigam eine junge entzückende Jüdin, entdeckt wird? Sind Sie auch der Auffassung, baß im Sinne des Beruf»- beamtentums nur derjenige Richter, Staatsanwalt und An- walt als arisch gilt, der nachweisen kann, daß er nicht mehr als 12'/, Prozent nichtartsches Blut in seinen Adern fließen hat? Meine Herren, die Verhältnisse haben sich so weit be- reits entwickelt, daß an klaren Auseinandersetzungen im Saargebiet in allen diesen Fragen nicht mehr vorbei- gegangen werben kann und auch nicht mehr an klaren Eni- scheibungen. So lange ich im Saargcbiet innerhalb meiner Partei Ver- trauen genieße und beruflich tätig bin, so lange man mich meiner Heimat nicht berauben kann, bestehe ich mit allen meinen Freunden aus unseren Rechtsansprüchen— auch gegenüber der Justiz. Mir ist bekannt, daß eine Reihe von Staatsanwälten, Richtern und Rechtsanwälten der Nationalsozialistischen Partei angehören. Ich bekämpfe sie deshalb nicht, wenn ich auch in zahlreichen Fällen den rapiden UmlernungS- vrozeß ihrer Anschauungen bewundere, so sehr ich auch in vielen Fällen das innere Angstgeschrei künftiger gefährdeter Karrieren verstehe, so sehr ich auch verstehe, daß nicht alle Juristen trotz mancher heldischer Pose Heroen sind. Gesetz" Mi« löse» die Serren das Dilemma zwischen ihrer Mit- ibrand- gliedschaft in der Nationalsozialiftischen Partei, den For- dernngen deS ReichSjustizkommissarS einerseits««b der Gültigkeit unserer alten deutschen Rechtsgrundsätze i« Saargebiet? Befinden sie sich vielleicht noch in der von Frank erwähnte» Uebergangsepoche und befolgen sie die Forderungen au» so bedeutendem Iuristenmunde? Welcher Regierung gehorche« sie. wessen Rechtsanssas» snngen befolgen sie? Sprechen sie nur formell Recht i« Namen der Regiernngstommission und tatsächlich im Na, men der sogenannten neudeutscheu RechtSidcen? Ein Teil der Herren ist objektiv geblieben, ein anderer aber löst das Dilemma mit einer gewissen Kühnheit, indem sie das Alibi ihrer bereits jetzt vorhandencnen Brauchbar» keit für den Faschistenstaat klar antreten Ich habe da beispielsweise in einem Ehescheidungsurteil den klaren und unverblümten antisemitischen Satz gelesen, der alle Inden diffamiert und lautet,„daß unter Juden i» allen Dingen des Lebens die Geldsrage im allgemeine» eine besonders wichtige Rolle spiele". Ich hörte verläßlich, daß der Präsident einer Strafkammer sich eine tapfere Aeußcrung zuschulden kommen ließ, die einen abwesenden jüdischen Zeugen lächerlich machte, indem dieser'Richter fragte,„ob der abwesende Zeuge vielleicht schon nach Palästina unterwegs sei". Ist es richtig, nötig und angemessen, daß ein Richter in öffentlicher Verhandlung ausruft, er sei kein Jude. Ei» Richter, der offenbar unter dieser Meinung, er sei deshalb minderwertig, leidet. Bedeutet es nicht eine bedenkliche Hast, einen Haftbefehl zu erlassen gegen einen marxistische» Redakteur, als er sich um einige Minuten verspätete? War es eines Richters würdig, diesen blonden Spätling, der sich später entschuldigen konnte, sofort in eine Zelle zu Verbrechern abführen zu lassen, ohne ihn sofort anzuhören. War es notwendig, des Richters Ansehen so zu schmälern, daß vor aller Oesfentlichkeit einige Minuten später der Hastbcfehl wieder ausgehoben werden mußte? War es notwendig und tragbar, diesem Redakteur den Triumph zu verschaffen, aussprechen zu können:„Meine Verhaftung war bisher die kürzeste der Welt." Ein anderer Teil unserer Juristen ist bereits so sehr im Banne der Antipathie und Gegnerschaft gegen Marxisten und Juden, daß manche ihrer Anklagereden, Urteilsbegrün- düngen und Urteilssprüche im Gegensatz zu früheren Zeiten eine baS erträgliche Maß übersteigende Feindseligkeit ober Strenge atmen. In einer nicht unerheblichen Zahl von Prozessen poli» tischen Gepräges hat der Urteilsspruch überraschende Inter- prctationskunst von Gesetzen und Verordnungen gezeitigt. Zur Freude der politischen Rechten und zur Erbitterung der politischen Linken. Mangelnde Objektivität oder Einseitigkeit in der Aus- legung bedeuten eine erhebliche Gefahr für den intakten Weiterbestand der saarländischen Rechtspflege. Die Herren, die in der Rechtspflege tätig sind, werden eines Tages die Bürde der Verantwortung für unsere Forderug der Ein- richtung von Sonbergerichten zu tragen haben, wenn die Einsicht nicht wiederkehrt und die Objektivität rückhaltlos nicht wieder hergestellt ivird. Sie werben auch die Verantwortung dafür zu tragen haben, daß sich das Mißtrauen in die Rechtspflege bei einem erheblichen Teile der Bevölkerung vertieft, in erschrecken- deren Formen als mancher ahnt ober glauben möchte. Ich bin mir darüber klar, daß es einem natürliche» Werdegang entspricht, wenn Ideen ins Saargebiet über- strömen und ausgenommen werden. Die Herren der Anklage und Rechtsfindung würden aber, wenn sie kritiklos und widerstandslos sich dem nenen deutschen Richtergeist mit Herz und Hand ergeben, Deutschland mit Faschismus verwechseln. Tun sie das weiterhin, so lauten sie Gefahr, die ihnen im Saargebiet bis jetzt noch verliehene und garantierte richterliche Majestät zu vertauschen mit jener gehorsamen Ab- hängigkeit des absetzbaren Richters. Sie werden, soweit ihre richterliche Tätigkeit kein gültiges Vertrauen mehr genießen kann, sich nicht beklagen dürfen, wenn eine absolute Regie- rungSkommiision— das deutsche Beispiel nachahmend— den Richter herabstürzt vom Throne feiner göttlichen Unab- bängigkeit und Unabsetzbarkeit. Mögen sie keine gefesselte Justiz betreiben. Schon einmal habe ich die saarländischen Richter aus einer gewissen Gefahr befreit. Es war dies zur Resatznngszeit. Der Einfluß des französischen Militärs war sehr stark. In politisch gefärbten Prozessen hatte mancher Richter in, solge der Unklarheit der Verhältnisse Angst für seine Eristenz. Ich habe damals eine Entscheidung des Oberste« Gerichtshofes herbeigesührt, die Beruhigung in die Reihe« der Richter brachte. Heute warnen wir. Unsere Führer hatten in der Vergangenheit gezeigt, daß sie eine unendliche Geduld und ein unverständliches Ver- trauen in ihre Gegner gesetzt haben. Wir im Saargebiet haben daraus rechtzeitig gelernt. Wir sind wachsam und mißtrauisch und so kühn, daß wir für unsere Idee der Freiheit und des Rechts mit allen zu- lässigen Mitteln und Kräften kämpfen, keine Zukunft sürch- ten, mag sie uns Sonne ober ein bitteres LoS bescheren Ueber allem besteht für unS der Grundsatz:„Ein Volk ob«« Freiheit«nd Recht ist ein Volk ohne Ehre!" iBegeisterter Beifall.) Räubergeschichten und Reichsgericht 6»t rar teooo Personen und andere Kriminalromane lssindnng? Haben sie nicht biS zum heutigen Tage unter der Diktatur des Faschismus die zu ReichSkeinden erklärten Sozialdemo- kraten und Kommunisten, bar aller Milde, zu den grau- samsten Freiheit»- und Todesstrafen verurteilt? Haben sie eö gewagt, auch unnachsichtlich die Träger der nationalsozialistischen Idee durch Anklage und Urteil anzu- packen? Haben sich Ankläger und Richter gefunden für alle jene Beschimpfungen, Bedrohungen. Gewalttaten. Freiheit«- beraubungen. Mißhandlungen, Mordtaten, begangen gegen Marxisten und Juden? Man zeige uns den Staatsanwalt im deutschen Lande, der eine solche Anklage erhoben hätte, der einmal die häufige Tatsache, daß Konzentrationslageraefangene von vorn auf der Flucht erschossen werben, zum Gegenstand einer Anklage gemacht hat. » àtt ritj JMé& ShiTiUtf tifhMt 5 ffl 51. Verhandlungstas Der Weg zum Aufstand à/ivtb. Leipzig, 5. Dez. In der Dienstagsitzung de» Reichstagsbrandprozesse» wird als erster Zeuge der Ar- better Hermann Felix au S dem Gericht». aefängniS Prenzlnu vorgeführt. Der Zeuge wohnt in Bad Freienwaide und ivar bort Mitglied der KPD. Der -ieua- macht Bekundungen über Funktionärsitzungen. die in Freienwalde und in Neucnhagen bei Freienwalde am •>8 Februar, also am Tage nach dem Reichstagsbrand statt- gefunden haben. An dem Tage kam ein gewisser Jessel, der ebenfalls als Zeuge geladen ist. au» Berlin nach Freien- walde Gessel war Verbindungsmann der Partei und hatte die Wasfenbeschaffung zu betreuen. In einer Ver- lammlung habe Jessel gesagt, w e n n am S. März die Konter- revolution den Marsch aus das rote Berlin mache und die Kommunisten dem roten Berlin hellen wollten, dann sei cS notwendig im Rücken der Konterrevolution, genau wie 1917 das russische Proletariat e» getan habe. Parti- fo»e»4S»»te zm jäte«. Ueber die Ausführungen Iessels bekundet der Zeuge weiter, Jessel habe gesagt, das Verbot der KPD. würde die erste Phase deS Bürgerkrieges herbeiführen. Dann wären Sabotageakte gegen die staatlichen Machthaber zu unternehmen. Man müßte Gab-, Wasser-, Elektrizitätswerke und andere lebenswichtige Betriebe stillegen. Um den Vor- marsch der Konterrevolution aufzuhalten, müßten auch E t s e n b a h u b r ü ck e n gesprengt werden. Ueber einen Sprcngstosfbiebstghl bekundet der Zeuge, daß der gestohlene Sprengstoff erst im Walde versteckt und dann schließlich in einem Erbbegräbnis untergebracht worden ist. Auch Waffen wurden in dem Erbbegräbnis verborgen. Der Oberreichsanwalt fragt, ob der Zeuge die Erklärungen Iessels so aufgefaßt habe, daß man auf dem Wege über die Bekämpfung des Marsches»ach Berlin zur Ausrichtung der Diktatur des Proletariats gelangen würde. Der Zeuge erividert, das sei selbstverständlich, und e» sei seine heutige Auffassung.— Auf die weitere Frage, wer gegebenenfalls den Besch! zum Ausbruch der Partisanen- kämpfe gegeben hätte, verweigert der Zeuge dt« weil et sich felMt dadue» bt^S^j Dr. Spécialiste SV, rue de Rivoli— Mélro: Chalelei RADIKALE HEILUNG von BLUT., HAUT, und FRAUENKRANKHEITEN Hella ig von Krampladern and etlenen Beinwanden Neueste Behandlungsmethoden Elektri. eitît, Impfungsverfihren Trypafie vine. Einspritzungen Blut, und Harn-Unterenchnngen, S per. makultur, Salvarsan, Wismut usw. Sprechstunden täglich von 10—12 und von 4—8 Uhr. Sonntags von 9—12 Uhr Konsultationen von 25 Fr. ab. Man spricht deutsch Inserieren bringt Gewinn t«. 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Es gib! natürlich eine Reih« Zu den zahlreichen Zeitungen von Weltruf, die sich mehr und mehr mit der Saarfrage beschästigen, hat sich nun auch die große liberale Zeitung Englands, der„Manchester Guardian" gesellt. Er hat einen Berichterstatter an die Saar gesandt, der zu folgendem Urteil kommt. Die Volksabstimmung eröffnet keine angenehmen Per- spektiven. Sie wird eine intensive deutsche Propaganda ent- sesieln und eine Verschärfung der ohnehin schon gespannten Lage zur Folge haben. Trotz dieser Begleiterscheinungen ist sie nicht zu umgehen. DerVersaillerVertragsieht sie vor und die allgemeine Gerechtigkeit ver- langt sie. Obwohl die Bevölkerung des Saargebietes deutsch ist, gibt es eine nicht zu unterschätzende Anzahl Gegner des Nazi-Regimes. Das berechtigt zu der Annahme, daß sich ein großer Teil der Bevölkerung für die Aufrechterhaltung des jetzigen Zu st an- räwt r lt0,e s rot TO. Es gibt natürlich etne mein« von Gründen, um die Abstimmung vorzuverlegen: solang: b!?..t?^îfrage nicht endgültig geregelt ist, werben d»e deutsch-franzönschen Beziehungen nicht zu einer festen Baslê kommen. Die Wahlen 1934 statt 1935 stattfinden zu lassen, bedeutet- naturlich eine Revision des Versailler Vertrages und würde den Weg freimachen zu neuen deutsche» Forderungen. Früher oder später müßten die deutschen An- sprüche behandelt werden und wenn man einige unter ihnen als zu Recht bestehend anerkennt, bedeutete das San»- problem den Auftakt. Den Abstimmungstermin vorverlegen heißt trotz aller An- erkennung des Selbstbestimmungsrechtes der Saarbevölke- rung— eine neue Quelle von Unannehmlichkeiten zwische» Frankreich und Deutschland bloßlegen. vie neue„Sozialistische Partei Frankreichs" Gegen das Solei der Minlsfersfürzerel Verbeugung vor fremden Rassen Aber nur vor den fernöstlichen Der Retchsminister des Innern Dr. Frick hat gestern einen Vertreter des WTB. empfangen, um durch diesen die Chinesen und Japaner bezüglich der Rassenfrage beruhigen zu lassen. Danach stellte Dr. Frick fest, daß in den Ländern de» Fernen Ostens in den letzten Wochen eine gewisse Be- unruhigung über die Pläne der Reichsregierung in der Nassenfrage entstanden sei. Dr. Frick gab sich alle Mühe, die Angehörigen der fernöstlichen Rasse zu beruhigen und ihnen zu sagen, daß„derartige Nachrichten jeglicher Grundlage entbehren" und daß„bei anderen Völkern ebenfalls Be- strebungen" seien, die Rasse aufrechtzuerhalten. Die national- sozialistische Rassengesetzgebung wolle auch nur die„Rein- Haltung der Rasse für die Zukunft des deutschen Volkes". Allerdings mit den Juden sei es etwas anderes. Zahlen- mäßig sei deren An/eil in der Wirtschaft auf finanziellem, kulturellem und politischem Gebiete in Deutschland größer gewesen, als es ihnen zustände. Er führte dazu Zahlen an, bemerkte aber dabei nicht, daß er der„eigenen Rasse", den deutschen„Ariern", ein schlechtes Zeugnis ausstellte, wenn sie mit den Juden nicht konkurrieren konnten. Diese konnten doch nichts dafür, wenn diese Sorte Arier nicht so recht„mit kommen". Es hat ja ausgerechnet des Sieges der national- sozialistischen Partei in Deutschland bedurft, um endlich wieder einmal den weniger Klugen in den Regiernngssattel zu verHelsen. Und eö hat des Terrors bedurft, um die Dnmmheit in Deutschland Triumphe feiern zu lassen. Aber das hat Herr Frick dem WTB.-Mann nicht gesagt, sondern folgendes: „Dieser übermäßigen Ueberfremdung Einhalt zu tun, war für das deutsche Volk eine Lebensfrage geworden, so daß seine Rassengesetzgebung nur einen Akt der Notwehr und nicht des Hasses darstellt. Darüber hinaus ist es das Ziel der Reichsregierung, das Rassengut des deutschen VolkeS zu pflegen und seine Reinerhaltung sicherzustellen. Mit diesen Bestrebungen will die Reichsregierung in keiner Weise ein Werturteil über andere Nassen fällen. Sie ist sich durchaus bewußt, daß viele vom deutschen Volk rassisch ver- schiedene Völker eine alte und hohe Kultur vertreten. Diese herabzusetzen, liegt der Reichsregierung und dem deutschen Volke fern. In diesem Zusammenhang möchte ich vor allem darauf hinweisen, baß Angehörige fremder Staaten in Deutschland nach wie vor ihrem Erwerb nachgehen können und daß ihrer Jugend deutsche Bildungsanstalten nach wie vor offenstehen." Also Herr Frick will den Asiaten höflich komme». Aber er bemerkt nicht, daß er gerade hier wieder ein„Werturteil" ab- gibt. Jedenfalls wird er mit seinem Interview, das er dem WTV.-Pressemann gewährte, die„fernöstliche Rasse" nicht von ihrer Auffassung abbringen können, daß der Barbaris- mus durch den Nationalsozialismus gerade in der Rassen- frage sich am ausfälligsten entschleiert. Alke Verleger anklfasekislkekev deufsefispraefiiger Literatur senden Angebote und Prospekte usw. sofort an die VueKKanàng derDofftssttmme Saarßrüc&en 3. Öafmfiofslraflc 32 iliMIIHRnMHIIIIMnnnRHIIMHIfMBnHHMIBIIIIIIinMIOIIMBIIIflllllDHnMMIIinHnnHMMMMnRn^HHlnDV BRIBFKASTEII Leipziger Prozeß Wenn Sie sich ein Gesamturteil über dl: An- klagefchritt und ihre Unmöglichkeiten bilden wellen, so greisen Sie nach der Broschüre„Anklage gegen die Ankläger" Widerlegung der geheimen Anklageschrift des Reichstagsbrand-Prozesses, Heraus- ge'geben vom Wcltkomitec für die Opfer deS Httler-FaschiSmuS. Verlag Edition du Carrefour in Paris. Sic können das Heft durch die Buchhandlung der„Bolksstlmme" in Saarbrücken, Bahnhof» stlahe, bezichen. stoses Winckler. Eine ehemaiS bedeutende Zeitung hat jüngst Ihr Bild veröffentlicht. ES befindet sich tu einer Reihe von Porträts deutscher Schriftsteller, von denen das Blatt schreibt, daß cS»die Männer seien, die heute nach der Neubildung de» Staates in der vordersten Reihe des deutschen Schrifttum« stehen". Lieber Aosef Winckler, wie kommen Sie in diese Gesellschaft? Sie haben den „Tollen Bömberg" geschrieben, ein Werk voller Respektlosigkeiten. Sic sind nichts weniger als völkisch, und wir können uns nicht vorstellen, dah Sie, respektloser Spötter und Gegner aller ver- künstelten Großtuerei, heute zur Nachhut des„dritten Reiches" ge- hören. Außerdem haben Sie eine reizende Frau jüdischer Abkunft. Hans Friedrich Blunck, der Präsident der RctchsschrifttnmSkammer, darf Ihnen also keine Legitiniationskartc ausstellen, die Ihnen BesugniS zu Publikationen erteilt. Protestieren Sie dagegen, daß ma» Sic zusammen mit Konjunktiirdienern fotografiert.' A. F. Wald-Zch. Wir danken für Ihre Aufmerksamkeit. Der Fehler liegt bei den gleichgeschalteten deutschen TelcgrafcnbüroS. Wir haben»ns inzwischen gegen weitere derartige Fehler geschützt. Die unS übermittelten Aufsätze wollen wir nun nicht mehr bringen. ES ist doch zu spät. „Abschaum." Ihr Brief hat uns nicht erreicht. Wir sehen Ihren Berichten entgegen. WaS S. angeht, so wissen wir, dost er vor einigen Wochen sein Haus verlassen muhte und sich vorübergehend in einem anderen Landestcile aufgehalten hat. Er und andere wollen durchaus nicht über die Grenze. Barcelona. Wir nahmen davon Kenntnis, daß das Kampsblatt „Der Antifaschist" schon seit dem 1. Juni erscheint. Wir wünschen dem tapferen Mitstreiter alle Erfolge. An Arbeit wird es nach dem Ausfall der Eortcswahlen nicht fehlen. Kommunist K. W., Paris. Ihre Befürchtungen von wegen„klel- uerem Nebel" sind ganz unbegründet. Ein Moan wie St»,»er auch ohne Partcibrille sehen und urteilen kann, wir» begreifen, daß solche Prejscstimnicn»nd Stimmungsbilder nur al»».und. läge für die Meinungsbildung zu bewerte« sin» Eine Zeitung, die nur das bringt, was die Anhänger einer bestimmten Partei- gruppc gerne lesen und alle Gegenströmungen bagatellisiert, leistet eine verberbliche politische Bcrziebung. Darüber müht auch Ihr hinauskommen. Für Ilde Kritik, auch von ganz linkS, sind wir dankbar. Ihre Mitteilungen über den Niederrhci» und den schuf- tigen Kriminalkommissar sind nnS sehr interessant. Wir haben die Belastungszeugen des OberrcichSanwaltS nie anders eingeschätzt. Dde Mitteilung au« dem Konzentrationslager wollen wir einst» An dem ersten Kongreß der Neusozialisten nahmen 1299 Personen teil. Die Partei hat sich den Namen„Sozi alt- sttsche Partei Frankreichs"