Ur. 78. AdlNmemMs- Kedingungen: AdonnementZ-Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Ml., monatl. l.lvMI., wöchentlich LS Psg. frei ins Haus. Tinzelne Nummer 6 Psg. Sonntags- Nummer mit tllustrirler Sonntags- Beilage„Die Neu» Welt" 10 Psg. Post- Abonnement: 3,30 Mark pro Quartal. tkingelragen in der Post-Zeitungs- Preisliste für ISS? unter»r. 7437. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, sür da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. 14. Jahrg. Die Insertion?-Vedlihr beträgt sür die sechsgespaliene Kolonel- zelte oder deren Raum so Psg., für Vereins- und VersammlungS-Bnzetgen, sowie Arbeitsmarkt 20 Psg. Inserat« sür die nächste Nummer müssen bis s Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abend», »a So»»- und Festtagen bis S Uhr vormittags geössnet. Trs, Heini täglich ausser Wontag». Vevlinev Volksblakt. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1B08, Telegramm-Adresse: „SoiialdemoKrat Berlin". Dentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Ziehaktio»: 8V. 19, Weulh-Siraße 2. Freitag, den Ä. April 1897'. Spedition: SW. 19, U-uty-Straß- S. Die Nefnltttke dev Arbeitslosen- zÄhlungen» welche Zählungen am 14. Juni und am 2. Dezember 1895 im Deutschen Reiche vorgenommen sind, haben mir unser» Lesern bereits Ende Dezember vorigen Jahres ausführlich dargelegt.— Es ist ja bekannt, und ivird auch gegenwärtig von niemand mehr bestritten, daß diese Arbeitslosenzählnngen, namentlich infolge nnverständlichcr oder zweideutiger Fragestellung, nicht so vollständig gelungen sind, ivie man es ivohl hätte wünschen mögen. Mail kann nicht annehmen, daß man die ZahldcrArbcitsloscn im sozialpolitisch allein w ichtigen Sinne absolut richtig erfaßt hat. In diesem Sinne käme es darauf an, zu erfahren, wieviel �Arbeitslose vorhanden waren, die sowohl die körperliche Fähigkeit wie den Misten haben, ihnen angebotene Arbeit sofort zu übernehmen. Man wünscht also zu erfahren, wie viel arbeits- ivistige Arbeiter durch wirthschaftliche Ursachen zur Arbeits- losigkeit verdammt sind. Wenn sich dagegen in den 1895 gewonnenen Zahlen auch solche Fälle befinden, in denen sich Erwerbs- unfähige. Altersschwache, Krüppel, in der Bcrufsvorbereitung begriffene jc. als„Arbeitslose" bezeichnet haben;— wenn sich andererseits viele nicht als„arbeitslos" bezeichnet haben, „die sich durch Gelegenheitsarbeiten, Hansindnstrie, Hansir- ewerbe in etwas über die drückendste Roth hinweg zu helfen nchen, in Wirklichkeit aber fast völlig arbeits- und erwerbslos sind, andere, die der Ausweisung unseres humanen Unter- stützungswohilsitz-Gesetzcs oder des Hauseigeuthiiniers nicht verfallen mochten, ferner ivaudcrndc Arbeitslose" w.— wenn alle derartigeil Jrrthümer unterlaufen sind, so kann man sich nicht wundern, daß die geivonnenen Resultate vorläufig nur allgemeine Einblicke in die Verhältnisse gewähren, die einzelnen Zahlen aber keinen Anspruch ans mathematische Richtigkeit haben. Außerdem ist auch immer iviedcr daran zu erinnern, daß das Jahr 1895 schon einen abnormen wirthschaftliche» Aufschwung zeigte, und daß eine weilige Jahre früher vorgenommene Arbeitslosenzählung ganz bestimmt eine wesentlich höhere Arbeitslosenzahl gezeigt hätte. Was zukünftige ähnliche Zählungen betrifft, so werden die in der Methode der Zähltcchnik liegenden Fehler dann hoffentlich vermieden. Hinsichtlich der 1895er Zählung haben sich eine ganze Reihe dentscher Städte bemüht, durch Nachprüfung, auch durch nachträgliche Erhebungen mittels eigener Zähl- karten das Material möglichst zu berichtigen oder auch zu erweitern und zu ergänzen. Es sind hier zn nennen Dresden, Leipzig, Magdeburg, Berlin, Hamburg, Lübeck, Stuttgart und Straßbnrg. Dieses ganze Aiaterial ist zusammen mit dem vom Statistischen Amt veröffentlichten jetzt in einem sehr instruktiven si Aufsatz des Professors Dr. Georg Schanz(Archiv für soziale Gesetzgebung und Statistik, 1897, drittes Heft) bearbeitet, ans dem wir den Lesern im nachstehenden einzelnes ans den inter- essanten Ergebnissen mittheilen wollen. Das Gesammtergebniß der beiden Zählungen stellte sich, um dies zu rekapituliren, folgendermaßen: 14. Juni 1835 2. Dezember 1895 Gesunde(eigentliche) Arbeitslose 17i> 004 553 640 Davon männlich,,,, 132 737 40» 017 Davon weiblich..... 46 267 153 623 G e s a>»»i l z a h l der Arbeitslosen inkl. der wegen Krank- heil Arbeitslose»..... 299 35-2*771005 Davon männlich.... 218603 553578 Davon weiblich.... 80749 217427 Im folgenden ist immer nur von den eigentlichen, ge- sunden und arbeitsfähigen Arbeitslosen die Rede. Die Differenz zwischen der Winter- und der Sommerzählnng betrug für den Winter ein Plus an Arbeitslosen von 374 636. Professor Schanz iveist nach, daß fast dieses ganze Mehr an Arbeits- losigkeit eben durch das kältere Klima des Winters herbei- geführt ivird. Die größere Arbeitsloseuzahl, die sich im Winter- ergeben hat, treffe solche Gewerbe, deren Ausübung durch die Wintertemperatnr erschwert oder verhindert werde. Er führt 34 solcher Erwerbsgrnppen an, von denen wir im nachstehenden diejenigen wiedergeben, die im Winter 1895 mehr als tausend Arbeitslose zeigten: Landwirthschaft 153 139, Gärtnerei 5177, Forstwirth- schaft 3225, Steinmetzen 2831, Steinbrüche 1290, Ziegelei, Thonröhren 13 073, Töpferei 1477, Baunnternehmung 21 043, Maurer 79 918, Zimmerer 15 372) Stubenmaler 16 620) Stnckateure 2135, Dachdecker 3799, Steinsetzer 3767, See- und Küstcnschifffahrt 3964, Binnenschifffahrt 4229. Jus- gesammt hatten die 34 von der Witterung beeinflußten Gewcrbs- gruppen im Sommer eine Arbeitslosigkeit von 42 463, im Winter aber eine solche von 385 776, im Winter also ein Mehr von 343 313. Vergleicht man dazu die obige Angabe, wonach die beiden Zählungen sür den Winter sür alle Gewerbe ein Plus von 374 636 ergeben hat, so sieht man, daß in der That fast die ganze größere Winter-Arbeitslosigkeit den vom Klima abhängigen Gewerben zur Last fällt.— Eine größere S o m m e r- Arbeitslosigkeit zeigen 49 Gewerbe, wobei es sich freilich um wesentlich kleinere Zahlen handelt. Dahin gehören Buch-, Zink-, Steindrnckcrei, Buch-, Kunst- und Mnsikalienhandel, Zeitungsverlag und Zeitnngsspcdition, eine Reihe Tcxtilzwcige, die Kürschnerei:c. Die Höhe der Arbeitslosigkeit in den einzelnen Berufs- gruppen scheint uns die nachstehende Tabelle recht anschaulich wiederzugeben: Die niedrigste Arbeitslosigkeit(nntcr Ve pCt. im Durchschnitt der Winter- und Sommerzählung) halten folgende Bctriebsgrnppen: Post und Telegraph 0,14, Eisenbahn 0,15, Kirchcndicnst, religiöse Anstalten 0,24, Erziehung, Unterricht 0,33, Privatgelehrte, Schriftsteller, Journalisten 0,41, Reichs-, Staats-, Gemeiudedienst 0,45, Verfertigung von Korsets 0,45, Erzgewinnsing 0,47, Spielwaareu aus Porzellan, Glas, Thon 0,43, Hüttenbetricb 0,5. Die höchste Arbeilslosigkeit hatten dagegen beider Winterzählnng: Zimmerer 9,36, Pntzi»acherei6,41, Klciderreiniger, Kammerjäger jc. 11,11, Privatsekretäre, Schreiber 6,91, Ofensetzer 4,82, Binnenschifffahrt 1 1,78, Handelshilfsgewerbc, Schauerlcutc 7,92, See- und Küstenfischerei 14,54, Tapezirer 10,91, Maler und Bildhauer 13,52, Dachdecker 17,18, Stnckateure 17,52, Stubcnmalcr 17,31, Maurer 18,71, Fabrikarbeiter ohne nähere Bezeichnung 18,19, Steinsetzer 21,90, wechselnde Lohnarbeit 20,83, See- und Küstenschifffahrt 27,51. Das sind wahrhaft ungeheure Zahlen!— Die d» r ch- schnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit läßt sich bekauntlich ans den reichsstatistischen Zahlen nur unvollkommen berechnen. Für Berlin stellt sie sich nach einer durch die uachträglicheu Ermittelungen ermöglichten Berechnung ailf 30 Tage. Dabei stellte sich hier bei der Winterzählnng die Arbeitslosenzahl auf 36 889. Und jeder von diesen Halle eine Hungerkur von ca. 40 Tagen! Daß die größten Städte auch die größte Arbeitslosigkeit haben, ist ja bekannt. Nur ein paar seien hier aufgeführt. Berlin hatte am 2. Dezember 1895 von je 1000 Arbeitern Arbeitslose 65, Hamburg 71, Breslau 57, Magdeburg 63, tanuover 50, Königsberg 79, Altona 98, Straßbnrg i. E. 73, anzig 93, Charlottenbnrg 59, Halle 58, Braun- schweig 51. Professor Schanz sieht sich übrigens ge- zwnngeu, zuzugeben, daß die„sozialdeniokratischc Arbeitslosenzählung im Jahre 1892/93 besser gewesen zn sein scheine, als ihr Ruf, wenigstens insofern, als keineswegs die gewerkschaftlichen Ziffern(im Verhältnis} zu den Ziffern der Reichsstatistik) in allen Fällen übertrieben groß ausgefallen sind". Wir müssen uns des beschränkten Raumes halber ver- sagen, noch mehr der interessanten Einzelheiten und Berechnungen vorzuführen. Eingehen aber müssen wir noch ans die von Schanz gemachten Ausführungen betreffend den Werth der beiden Arbeitslosenzählnngen sür die Frage der Ar- b e i t s l o s e ii- V e r s i ch e r n n g. Er macht den solgcndcn rechnerischen Versuch: Tie zwei Zählungen lieferten 179 004 und 553 640 eigcnt- licbe Arbeitslose, durchschnittlich 366 322. Nimmt man an, daß dieser Durchschnitt aus dem Sommer- und Wintcrbcstand ungefähr der mittleren Jahrcs-Arbeitslosigkcit entspreche und daß jedem Arbeitslosen täglich 1 M a r k zn verabreichen sei, so wäre der nöthige Gcsammtaufwand 366 322 X 365-- rund 134 Millionen M a r k jährlich. Bei der Sommer- zählnng waren 16 146 671 Arbeiter vorhanden, nach Abzug der Arbeitslosen 15 780 349. Sollen diese 15V» Millionen Arbeiter den obigen Aufwand allein decken, so treffen auf jeden Arbeiter 8,47 M. jährlich oder per Woche 16 Pf. Hierin liegen noch keine Verwaltnngskostcn, auch ist nicht zn vergessen, daß das Jahr 1895 besonders günstig war und in schlechteren Jahren die Arbeitsloseuzahl bedeutend anschwelleil wird. Andererseits sei nicht die ganze Arbeitsloseuzahl nnterstützungsbcrcchtigt. Es fielen fort, die ihre Stellung selbst aufgegeben haben, die die Karenz- zeit noch nicht hinter sich, oder die festgesetzte Unterstützungs- zeit bereits überschritten haben je. Durch alles das könne die effektiv zu unterstützende Zahl vielleicht auf die Hälfte der Gesammtzahl der Arbeitslosen herabsinken. Und man könne vermuthe», daß, ähnlich wie bei der Krankenversichernng, bei einem Aufwand von 30 Pfennig pro Woche und Arbeiter die Arbeitslosenversicherung finanziell gedeckt sei. Was hierzu etwa von unserem Standpunkt aus zu sagen wäre, wollen wir heute, wo es nur darauf ankam, die jeden- falls interessanten Ausführungen des Professor Schanz wieder- zugeben, aus ein anderes Mal zurückstellen. polikische Mebevstchk. � Berlin. 1. April 1397.. Ter Reichstag führte heute, bei der gleichen schwachen Besetzung des Hauses wie gestern, die Berathung über die Handwerker-Vorlage zn Ende. Die Debatte hatte sich erschöpft und so boten die Reden heute noch weniger Interessantes. Abg. Pachnicke(frs. Vg.) tröstet sich über den Untergang des Handwerkerstandes damit, daß er daß Emporkommen eines neuen Mittelstandes sieht, der sich ans dem technischen Per- sonal, Vorarbeitern und Werkführern der Großindustrie rekrntirt. Der preußische Handelsminister Brefeld brachte sodann eine lange Empfehlung der Vorlage, in der er sich mehr damit beschäftigte, ganz überflüssigerweise nachzuweisen,� daß der Entwurf seines Vorgängers des Herrn v. Berlepsch nicht durchführbar sei. Er wünscht, daß der Reichstag noch in dieser Session die Vorlage verabschieden möge, und stellt der preußischen Regierung das Zeugniß ans, daß sie bisher im Gegensatz z« Süddentschland sehr wenig für das Handwerk gethan habe. Er verspricht seinerseits eine Besserung ein- treten zu lassen, denn der Handwerkerstand dünkt ihm eine Stütze sür Thron und Altar. Der Abg. E n l e r vom Zentrum plädirte für die obligatorischen Innungen und will diese zn einer christlich- patriotischen Macht ge- stalten. Er begnügt sich aber auch mit dem vor- läufig Gebotenen. Herrn V i e I h a b e n(Reform-P.) passirte wieder einmal das Mißgeschick, seine Rede nicht beenden zn können, da der Präsident in derselben keinen Zusammenhang mit der Vorlage finden konnte. Vielen Mitgliedern im Hause kam die Rede recht bekannt vor. Bei der Diskussion über die Bäckereiverordnung hatte der Reichstag das Vergnügen, schon einen Theil zn hören, und man behauptet, daß in einer Ham- bnrgcr Volksversamnilnng Herr Vielhaben die Rede schon ganz. gehalten habe. Da der Redner von seinem Konzept nicht ab- weichen wollte und von der Tribüne zurücktrat, ohne zu erklären, wie sich seine Partei zn der Handwerkervorlage stellt, so mußte nachträglich Herr Liebermann das Versäumte nachholen. Die Abgg. B'enoit und Beckh(frs.) begründeten ihren ablehnenden Standpunkt, wobei der letztere sich eine Aurempelung des Bauernbündlers Hilpert zn schulden kommen ließ, worauf ihm die entsprechende Abweisung zu theil wurde. Von unserer Seite kam der Genosse R e i ß h a n s zn Wort, der den Jnnungsschwärmern bei ihrem Lob über die Leistungen dieser Korporationen entgegenhielt, ivas die Arbeiterorganisationen sürWohlfahrtseinrichtnngcn ihrer Mitglieder aufwende». Dabei fiel der Vergleich sehr zu lln- gnnslcn der Innungen ans, die, wie unser Redner sehr treffend bemerkte, die gute Ausbildung der Gesellen und Lehrlinge nur im Mnnde führen, aber nie zur That werden lassen. Morgen stehen Initiativanträge auf der Tagesordnung, n. a. der'Antrag der Antisemiten aus Einführung der kon- sessionellen Eidesformel und Aufhebung des Jesnitengesetzes.— TaS preußische Abgrordneteuhaus setzte heute zunächst die zweite EtatA berathung fort und erledigte die Etats der Staatsarchive und der Z e n t r a l- G e n o s s e n s ch a s r 5- lasse. Dieses Institut, das bekanntlich eine Schöpfung des Finanz- Ministers Dr. v. M i q n e l zu giinste» der Landwirthschaft ist, har. wie nus der heutigen Debatte hervorgeht, in der kurzen Zeit seines Bestehens der Landwirthschnst groben Nutzen gebracht, während es für das Handwerk, dem es ebenfalls auf die Beine helfen sollte. völlig nutzlos geblieben ist. Infolge dessen sprachen die Herren von der Rechten dem Minister ihren Dank sür sein Em- treten sür die Landwirthschaft aus, indem sie zugleich in ge« wohnter Bescheidenheit eine weitere Erhöhung de? Grundkapitals in Bnregnng brachten. Diesen Wunsch kann der Minister vorlänsig noch nicht ersüllen, er tröstete aber seine Freunde mit dem Ver- spreche», daß er. wenn die Entwickelung in der bisherigen Weise weiter ginge, selbst von der Llothwcndigkeit einer Erhöhung des Grundkapitals für das nächste Jahr durchdrungen sei. Gegen die Erhöhung sprach sich Abg. P- r s i n s(srs. Vp.) aus, der auch die geringen GeschäslSergebnisse bemängelte, und vor allem eine genaue Statistik verlangte. Die Ersiillung dieses Wunsches wurde seitens des Ministers zugesagt. Hierauf trat das Haus i» die zweite Lesung des Geseheutwurs» belr eine Slädte-Ordnuiig n n d eine Landgemeinde- Ordnung für H e s s e n- N a s s a u. Die Kommission hat die von Mitgliedern der verschiedensten Parteien in Hesseu-Nassan aus- gesprochenen Wünsche und die zahlreichen Petitionen völlig nnberück- sichtigt gelassen und nicht nur die reaktionären Bestimmungen der Negierungsvorlage gut geheisjeit, sondern theilwcise noch reaktiv- närer gestaltet. So ist gegenüber der Regierungsvorlage, die einen einjährigen Ansenlhalt als Vorbedingung sür die Erwerbung deö Bürgerrechts verlangt, ein zweijähriger Aufenthall in einer Gemeinde beschlossen; das Dreiklassen- Wahlsystem ist bei- behalten, die Bürgermeister werden nickst, wie es nach altpreußischem Zioininnnalrecht Sitte ist, von den Stadtverordneten allein, sondern in gemeinsamer Sitzung der Stadlvcrordnelen und des Magistrats gewählt. Ferner kann in den Städten die Wahl der Bürgermeister auf Lebenszeit«rsolgeu, in den Landgemeinden auf acht Jahre, und falls es sich um eine» besoldeten Bürgcrmeistei: handelt, sogar auf zwölf Jahre. Die Stadtvcrordneten-Aorstehe� werden nicht, ivie es die Negierungsvorlage beabsichtigte, auf e i n Jahr, sondern stets auf zwei Jahre gewählt. In der dentlge» Debatte traten die Redner der Konservativen dte Slvgg. v. P a p p e» h e i in und Dr. Schilling, sowie Abg. C b r i st e n(fk.) durchweg für die Kommissionsbeschlüsse ein. obgleich auch sie die hochgradige Erregung Über diese Vorlage in den be- theiliglen Provinzen zugeben mußten. Bei der Zusammensetzung des tauses fehlen den beiden konservativen Parteien nur wenige tiinmen an der absoluten Mehrheit und so wurden denn alle Berbesserungsanträge abgelehnt. Hierhin sind zn rechnen ein An- trag E n n e c c e r u s(natl.) ans Erwerb des Bürgerrechts durch einjährigen Aufenthalt, ein Antrag Stephan(Z.), wonach das Bürgerrecht ruht, wenn ein Bürger innerhalb sechs Monaten nach erfolgter Mahnung die Gcmcinde-Abgaben nicht bezahlt hat, während die Vorlage diese Frist ans acht Tage beschränkt, und ein Antrag C a h e n s l i>(Z.) auf Streichung der Bestimmung, daß dem Fiskus das Genieinde-Wahlrecht zusteht, wenn er einen höheren Betrag an Genieittdesteuern zahlt, als einer der drei Höchstbesteuerten in der Geuieinde an direkten Staats- und Gemeindestenern zusammen- gerechnet. Recht unglücklich war die Bemerkung des Abg. v. Pappen- heim(k.), daß die Berathung der Vorlage unter günstigen Vor- bedingungen beginne, da heule Fürst Bismarck seinen Geburtstag feiere. Der Redner scheint nicht zn wissen, daß gerade Fürst Bismarck sich am schärfsten gegen das Dreiklassen-Wahlsystem, das auch hier wieder eingeführt wird, ausgesprochen hat. Morgen wird die Berathung fortgesetzt.— Jeder Vergleich unserer politischen Zustände mit deueu anderer Kulturländer fällt zu unserem Nachthcile aus. Bekanntlich ist es ein Lieblingswort unserer nationalen Pharisäer, daß wir eine festere Regierung und stabilere Zu- stände haben, als die Länder mit parlameiitarischen Regierungen. Ein Blick ans die Ereignisse zeigt das unrichtige dieser Behauptung. Es giebt— kaum mit Ausschluß der Türkei— gegenwärtig kein Land, in welchem die Regierung so unstetig und so unsicher ist, als in Deutsch- laud. Seit dem Sturze Caprivi's auf jener bekannten mittel- alterlichen Hofjagd sind wir in fortwährender Regierungskrise. Die verschiedenen Minister.» Ressorts arbeiten gegeneinander (s. Leckert-Lützow-Prozeß): der oberste Beamte, der titular das Steuerruder führt, ist jeden Augenblick in Gefahr, von unsichtbaren und unverantwortlichen Händen über Bord geworfen zu werden, und die Thätigkeit dessen, was euphemisch Regierung genannt wird, geht in dem berühmten Zickzackkurs, der die Signatur des herrschenden Regierungs- systems bildet. Jetzt wieder in der Marrnefrage dieser klassische Zickzack. Uferlose Pläne! Keine nserloseu Pläne! Uferlose Pläne! Annehmen oder Kladderadatsch! Ablehnen und kein Kladderadatsch!— Ja, was kann es Zickzackigeres geben? Aehnliches Hin- und Herschwanken haben wir selbst in Frank- reich nicht erlebt, wo trotz des häufigen Wechsels der Regie- rnngen doch eine gewisse Kontinuität des Negierens besteht. Und nun die traurige Rolle, welche bei uns die Volks- Vertretung spielt! Vor einigen Tagen nahm der Reichs- tag zum n e u n t e u Mal mit großer Majorität den Diäten- nntrag au. Achtmal schon hatte er ihn mit gleich großer Mehrheit angenommen, und ebenso oft hat die Regierung den Diätenantrag abgelehnt. Ob ein Sperling auf dem Dach zwitschert oder ob der deutsche Reichstag eine Forderung stellt — die Regierung hat sich dadurch nicht ans dem Gleichgewicht bringen lassen. Auch der neunte Diätcnbeschluß wird kein anderes Schicksal haben. Ist das ein Zustand, auf den wir stolz sein können? Müssen wir uns nicht schämen vor den Franzosen und Engländern? Nicht weniger Grund haben wir, ans den Stand der ö s f e n t l i ch e n Moral in unserem Vatcrlande stolz zu sein. Wir brachten neulich schon das Verhalten der französischen Kammer und der deutschen Volksvertretung zn den Gründern in Parallele, und zeigte», wie wenig Ursache wir haben, uns über die Franzosen zu erheben. Heute wollen �vir auf die Art und Weise hindeuten, wie der Hildes- heim er Begnadig uugs-Prozeß im preußischen Abgeordnetenhaus: behandelt worden ist. Niemand wird sagen wollen, die Erklärungen des Ministers der Justiz seien be- sriedigend gewesen. Allein das Abgeordnetenhans gab sich zufrieden. Ms vor zwölf Jahren gegen Wilson, den Schwiegersohn des Präsidenten Grevy, ähnliche Beschuldigungen erhoben wurden, erzwang die französische Kammer die Niedcrsetznng einer Unter- suchungs-Kommission, welche die Wahrheit an den Tag brachte, und die Abdankung G r e v y' s, der den Praktiken seines saubereu Schwiegersohnes nicht mit nöthiger Energie entgegen- getreten war, zur Folge hatte. Wo ist da die größere„Moral"?— Zur Beuriheilung des preußische» Vereinsrcchtes. Ans die Denunziation B e b e l' s gegen die Leitung des Bundes der Landwirthe, der konservativen und nationalliberalen Partei, hatte die Staatsanwaltschaft zwar den Antrag auf Einleitung des Strafverfahrens wegen Verletzung des Vereins- und Ver- sammlungsgesetzes erhoben, die Strafkammer V am Land- gericht I hat aber in allen drei Fällen die Erhebung der Anklage wegen Mangels an Beweisen abgewiesen. Dadurch, daß die Staatsanwaltschaft die Sachen sofort zur Entscheidung der Anklagekammer brachte, ist ein weiteres Rechtsmittel ausgeschlossen. Eine Haussuchung, wie solche seinerzeit bei der sozialdemokratischen Parteileitung, den Vertrauensmännern«. stattgefunden hat, ist seitens der Staatsanwaltschaft bei den in Voruntersuchung genommene« Personen der genannten Organisationen nicht beliebt worden und so war es natürlich, daß die Angeschuldigten jede gesetzwidrige Handlung bestritten. Die Gutgläubigkeit der Staatsanwaltschaft zeigt sich auch darin, daß die seitens des „Vorwärts" wiederholt gegen die hiesigen konservativen Vereine erhobenen Denunziationen, im Widerspruch mit dem Gesetz tn Verbindung getreten zu sein, Denunziationen, die sich auf bestimmte Thatsachen stützten, vollkommen unbeachtet geblieben sind. Würden die Staats- anwaltschaft und die zu ihren Diensten stehenden polizeilichen Hilfspersonen nur den hundertsten Theil der Aufmerksamkeit, die sie der Thätigkeit der Sozialdemokratie widmen, der Thätig- keit der bürgerlichen Parteien gewidmet haben, das Anklage- Material wäre so konkludent, daß es für die Angeschuldigten kein Entrinnen gab. Aber wir leben in einem Klassenstaat, das erklärt alles.— Die orientalische Frage. Aus Athen liegen heute die folgenden Meldungen vor: Oberst Vassos übersandte dem König mittels optischen Tele- graphen folgendes Telegramm, datiit Alikiaim, 81. März: Entgegen den Versprechiingen gestatteten die Admirale den Musel« nmnen, Kandano in voller Rüstung zum Zwecke von Plünderungen und Brandstiftungen zu verlasien, während jede That der Ver- theidigung von feiten der Christen ein Bombardement hervorruft. Gestern besetzten gemischte Truppeiiabtheilungeii Anembali und ver- sahen die im Blockhaus Castelli belagerten Türken mit Lebens- Mitteln. Die Admirale haben fälschlicherweise an ihre Regierungen telegraphirt, daß ich Grausamkeiten verübe und die Gefangenen von Malaxa niedergemetzelt habe, daß ich serner beabsichtige, Kanea anzugreifen, trotz meiner feierliche» Erklärungen. Ich werde den Admiralen eine energische Protest-Erkläriing übermitletn. V a s s o s. Für die am 25. März(alt. Stils) stattsindende Feier des Be- giniics des Freiheitskampses werden von den Slüdeiiteii sowohl wie von den Bürgern große Vorbereitungen getroffen. Die Aiisstniidischeii'ffehteii den Angriff gegen Fort Jzzedin fort; die Kriegsschiffe begannen deshalb wiederum das Bombardement. Die Aiissländischeii behaupteten ihre Stellung, bis der englische Panzer„Camperdown" sie mit dem Feuer seiner schweren Geschütze zum Rückzüge zwang. Das Wiener„Frcmdenblatt" meldet aus Peters- bürg: Das englische Kabinet habe dort seine Zustimmung zu dem Vor- schlage der Admirale, den Golf von Athen zu blockiren. angezeigt, unter der Voraussetzung, daß sich alle Regierungen daran bctheiligen wür- den, was thatsächlich der Fall sei. Das russische Kabinet sei auch geneigt zur Nachsendnng eines Bataillons und einer Batterie nach Kreta, in der Voraussetzung, daß die Mehrzahl der Machte ein Gleiches thnn werde. Das„Frenidenblait" bemerkt, für die Ver- stärknng der Besatznugstruppen ans Kreta scheine nur die Zustimmung, nicht die gleiche saktische Bcideilianng aller Mächte dte Vorbedingung zu bilden Seitens Oesterreich- Ungarns sei ein weiterer Nachschub von Truppen nicht beabsichtigt. Eine interessante Mittheilung, die auch in gewissem Zu- sammenhange mit dem Stande der orientalischen Frage steht, ist die Verlobung des jüngsten Bruders des ersten Fürsten von Bulgarien mit einer montenegrinischen Prinzessin. Die Anknüpfung von Beziehungen des Prinzen Franz Joseph von Battenberg mit einem der Baltanhöfe wird vor allem dem, in Bulgarien höchst un- beliebten Kobnrger sehr unangenehm sein. Vorläufig soll der Prinz als Generalgouvernenr von Kreta Verwendung finden. Weiter wird er von Rußland gebraucht werden, um den Koburgcr Gernegroß in Sofia stets willfährig und gehorsam zn erhalten.— Mac Kinley's Programm nähert sich seiner Verwirk- lichung. Eine Depesche aus Washington meldet: DaS Repräsentanlenhaiis nah»! mit 205 gegen 121 Stimmen die Tarisbill in der Schlnßabstiniinung an. Mit 201 gegen 150 Sliinmen wurde beschlossen, daß die Bill am 1. April in kraft treten soll. Diese Beftinimnng dezieht sich jedoch nicht auf Waaren, die sich auf der Ocean-Ueberfahrl befinden. Auf die große Bedeutung der nun beginnenden excessiven Schutzzollpolitik der Vereinigten Staaten für die meisten deutschen Exportindustrien und für unsere Arbeitsverhältnisse haben wir des öfteren schon hingewiesen.— Chronik der MajestätSbcleidigunaS- Prozesse. Wegen Majestätsbeleidigung veruriheilte die erste Strafkammer des Landgerichts II den Arbeiter Licht zu 2 Monaten Gefängniß, weil er in einem Lokal eine beleidigende Äleiißerung in bezug ans das eheliche Leben des Kaisers gemacht hatte.— Wegen Majestätsbeleidigniig, Widerstands gegen den Gendarm Wolfs und Beleidigung desselben wurde der oftmals vorbestrafte Tapezirer und Arbeiter August Neichenbach von Nowawes am Mittwoch von der Potsdamer Straskammer zu 1 Jahr 8 Monaten Gefängniß vernrtheill. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. »» * Deutsches Reich. — Hollmann's Urlaub wird i» der Presse allgemein als ein Vorläufer seines Rücktrittes angesehen. Ist dem so, dann ist Adniiral v. Tirpitz sei« Nachfolger und dieser Personen- Wechsel bedeutet ein Beharren ans die vom Reichstag mit großer Majorität abgelehnten Marincpläne. Wir hoffen, daß Tirpitz, der Uferlose, nicht mehr erreichen wird, als Hollmaini, der Temperamentvolle.— — A m n e st i e. Wie die„Danziger Zeitung" aus Militär- kreisen gehört hat, sind alle militärischen Strafen unter sechs Wochen vom Kaiser erlassen worden. Die von dieser Begnadigung betroffenen Strafgesangeiie» find sofort auf freien Fuß gesetzt worden. Außerdem ist bekannt geworden, daß auch der wegen Duells inhaftirte Lieutenant von Gontard begnadigt wurde.— — Herr v. Miguel und der Bund der Landwirthe. In Lndwigshafen fand dieser Tage eine Versanimkiing des Bundes der Landwirthe statt, wobei sich ein Redner, Lncke-Pelershausen. auf eine Aeußerung des Finanzministers Miquel über die heutigen Par- teien, die er schon wiederholt für veraltet erklärt hat, berief. Herr Lncke erklärte: Ich berufe mich hier auf einen berühmten Parteiniann, den Herrn FiNänzmiiiister Dr. Miquel; dieser sagte mir vor wenigen Tagen:„Ja, Lücke, Sie haben ganz recht,', die einzelnen Parteien sind veraltet, sie leben von der Vergangenheit, sie haben kein Programm, und das einzige Programm, das existirt, das hat der Bund der Landwirthe." DaS eiizzige, was bei den Häuptlingen des Bundes der Land- wirthe die Freude über diese Aeußerung ihres Protektors trüben wird, ist die Wandelbarkeit der politischen Anschauungen des ehe- uialigen Kommunisteii, Demokraten, Fortschrittlers, Nationalliberalen und gegenwärtigen Agrariers Miquel.— — Der I n n u Ii gs- Ausschuß der vereinigten Inn Hilgen Berlins hat durch seine ständige Deputation erklärt, daß die Stellungnahne des Abgeordneten Jacobs- kötter den Anschauungen des organisirteii deutschen Handwerker- standeS keineswegs entspreche und man gegen die Auffassung, als sei der Herr Abgeordnete berechtigt gewesen, im Namen des gesammten Handiverkerstandes so, wie geschehen, sich zu äußern, entschieden Verwahrung einlege; man stehe nach wie vor imver- ändert auf dem Äodeu des v. Berlepsch'scheu Gesetzentwurfs und der Abäiiderungs-Beschlüsse der Handwerker-Konsereiiz vom 8. bis 10. September 1896. — In derStrafsache gegen v. Tausch und v. Lützow wird bestätigt, daß die Anklageschrift den Angeschuldigten niiiimehr zugesteUt worden ist, nachdem die Staatsanwaltschaft die Akten mit dem Antrage auf Eröffnung des Hauptverfahrens der Strafkammer eingereicht hat. Da die den Angefchnldigten zur Erklärung gestellte Frist, dem Umsange des Beweismaterials entsprechend, ziemlich reichlich bemessen ist, so dürfte der Prozeß frühestens im Mai vor dem Schwurgericht zur Verhandlung gelangen. Wie früher schon gemeldet wurde, soll Herr v. Tausch des wiederholten Meineids und des Verbrechens im Amte, Freiherr v. Lützow nur der Urknndenfälschung bezichtigt sein. Herr v. Tausch soll völlig gebrochen sein. Unter den zahlreichen Zeugen, deren Vernehmnng die Staatsanwaltschaft beantragt, befinden sich dem Vernehmen nach die früheren Minister v. K ö l l e r und v. B r o n s a r t, der Staatssekretär Freiherr v. Marschall, Polizeipräsident v. W i n d h e i m, der Geh. Legationsrath Dr. H a m a ii ii, der Dirigent der politischen Polizei Geh. Reg.-Rath Muhl sowie eine Reihe von Journalisten, darunter die Herren Maximilian Harde» und Dr. Liman.— — Vom Münte t. Die„Nheiiiisch-Westfälische Arbelter-Ztg." schreibt: „Vor kurzem wurde uns mitgetheilt, daß sich in einer Nerven- Heilanstalt in Wiesbaden ein Mann unter dem Namen Klei» be- finde, der mit Münter identisch sei. Der frühere Berliner Haus- wirth des Münter theill uns nun mit, Münter sei zur Gendarmerie wieder zugelassen und in Techow stationirt, befinde sich aber jetzt zur Kur aus Staatskosten in einer Wiesbadener Anstalt." — Ein Zentriimsführer als Arbeitgeber. Ueber die Zustände und Arbeitsverhältnisse auf der im Ausstande befind- lichen Grube„Wolsgang" schreibt Genosse Hu« in der„Rhein.- Wests. Arbeiter-Ztg.": Der Schreiber dieser Zeilen kennt die Grube aus eigenerAnschaiiung und weiß, wie die Arbeilsverbältniffe dort sind.„Wolfgang" gehört dem Zentrumsführer Graf Ballestrem auf Plawoniwitz, eine be- sonders starke Stütze der Ordnung und Sitte, welche Eigenschaft ihn aber nicht abhält, auf„Wolfgang" die Belegschaft aus mehr als ein Fünftel Frauen bestehen zu lassen. Die Zeiitrumsblätter spüren immer gewissenhaft allen„Schlechtig- keilen" der Sozialdemokratie nach. Zur Abwechslung wollen wir heute auch einmal einen echt frommen, waschechten Zentrums- sichrer als Arbeitgeber vorführen. Man sehe sich gefälligst folgende Zahlen an. Gras Ballestrem beschäftigte auf„Wolfgang": 189-1 1895 Männer Frauen Männer Frauen 667 133 663 140 Der edle Graf ließ seine Arbeiter verdienen: 1894 Männer Frauen pro Tag ganzes Jahr pro Tag ganzes Jahr 2,31 M. 766 M. V,9S M. 254 M. 1895 Männer Frauen pro Tag ganzes Jahr pro Tag ganzes Jahr 2.31 M. 741 M. 0,89 M. 236 M. Also trotz der flotten Geschäftszeit im Jahre 1395 sank doch der Lohn der gräflich Ballestrem'schen Arbeiter und Arbeiterinnen! 1394 sowohl wie 1895(für 1896 liegen uns noch keine amtlichen Zahlen vor) hielt sich der Durchschnittslohn der Ballestrem'schen Bergleute bedeutend unter dem schon ohnehin niedrigen Durch- schnittslohn der oberschlesischen Bergleute. Was sagen denn dazu die frommen Sozialpolitiker, die so forsch in der Organisation— der Ruhrberglente machen? Sollte nicht in der Domäne des Zentrums eine Organisation der Arbeiter gegen ihren frommen Ausbeuter noch eher am Platze fein wie an der Ruhr. Damit man nun nicht sagen kann, die Geschäfte des Herrn Grafen Ballestrem gingen schlecht, wollen wir den auf jeden seiner Arbeiter entfallenden Produttionswerth ebenfalls mittheilen. 1894 entfiel auf den Kopf jedes Ballestrem'schen Arbeiters der Wolfgang- grübe ein Prodnktionsiverth von 1625 M.!! Von dieser Summe erhielt der männliche Bergmann 47 pCt., der weibliche 15 pCt. als Lohn! 1895 betrug der von jedem„Wolfgangs"-Bergmanii erzeugte Werth 1607 M. Die etwas gefallene Werthmenge wird aber wieder sehr günstig für den Grafen Ballestrem beeinflußt durch die im Jahre 1895(siehe oben) statlgefuiideiie Verringerung der„theuren" männlichen Arbeiter und ihr Ersatz durch billige Frauen. Der prozentuale Antheil der Arbeitslöhne am Prodnktionsiverth fiel aber 1395 bei den Mäiinerii auf 46 pCt., bei den Frauen auf 14 pCt.! So bezahlt man im frommkatholischen„GegenwartS"- Staat Oberschlesiens die Arbeiter! Damit es den Helfern des Herrn Ballestrem nicht einfallen kann, uns mit dem Einwand zu begegnen:„Ja, bezahlen denn die Ruhrzechen ihre Arbeiter besser? Der Graf Ballestrem bezahlt seine Arbeiter nach Lage der Konjunktur"— so sei noch bemerkt, daß im Jahre 1395 auf de» Kopf des Ruhrbergmanns ein Produklionswcrth von 1774 Mark entfiel und der Lohn des Ruhr- berginanns 963 Mark— 54 pCt. seines Arbeitsertrages ausmachte! Also bezahlen die„gottlosen liberalen Kapitalisten" an der Ruhr doch wenigstens ihre Arbeiter noch bedeutend besser— absolut und vcrhältnißmäßig— wie der fromin-katholische Grubenadel in Ober- fchlesien. Da nun Herr Ballestrem und seine Freunde eine Menge billige Frauen beschäfiigen, während im Ruhrgebiet keine Frauen auf de» Gruben zu finden find, so kann man leicht ausrechnen, wie riesig die Gewinne der oberschlesischen Grubenbesitzer sind. Unsere Zahlen über Oberschlesien und die Wolfganasgrube sind entnommen den„Jahrbüchern für die oberschlesischen Gruben- und Hüttenwerke", entstammen also amtlichen Quellen. An ihren Früchten sollt Ihr sie erkennen!— — Der grrroße Konflikt im Landtage von S a ch s e n- C o b u r g- G o t h a ist zu gunsten des Landtages ent- schieden. Die Ministerial-Jnstruktion, die Herrn von Strenge in der Verfassung nicht begründete Rechte einräumt, ist zurückgezogen worden.— Oesterreich. — Die erste Aktion unserer Partei im Parka- m e ii t e wird von allen Wiener Zeitungen in Leitartikeln besprochen. Alle sind erstaunt über das taktische Geschick, über die überaus glückliche AuSnützung der Situation, über die Redegewandtheit und die Erfolge unserer Genossen, die doch ausnahmslos Neulinge auf dem parlamentarischen Boden sind. Den Jungezechen und den Polen wurde höchst unheimlich zu Mulhe. Keine dieser Parteien kann mehr als die einzige Verlreterin ihrer Nation austreten. Die Wiener„Arbeiter-Zeitung" schreibt über diese denkwürdige Sitzung: Die Erklärung der czechischen Sozialdemokraten, mit der sie heute im Parlament die obligate„Rechtsverwahrnng" der Jungezechen und seudalen Junker beantworteten, wirkte geradezu niederschmetternd auf diese Herren. Der Schmerz und die Wuth preßte ihnen Schimpfworte ab, die freilich niemanden beschmutzen als ihre Urheber. Daß sie ergrimmt waren, begreift sich. Was bei den Deutschen längst offenkundige, nicht mehr zu leugnende Thatsache ist, daß die adeligen und bürger- lichen Parteien nicht die Vertreter des Volkes sind, sondern seine Feinde, hat man bismin bei den Slaven zu verheimlichen gesucht. Der heutige Tag, die erste Sitzung des Parlaments, an der Sozial- demokraten theilnahmen, zerstörte mit einem Schlage die beiden großen Lügen, die mit so viel Kunst und Eifer bisher ansrechtgehalten wurden. Die Lüge, daß der Polenklub das polnische Volk vertrete, und daß seine perfide und brutale Politik im Interesse des Landes Galizien ge- fuhrt werde, zerstörte Genosse D a s z y ii s k i mit seiner wuchtigen Rede, der ersten, die dieses Parlament zu hören bekam. Die Lüge. daß die böhmischen Feudalherren und die jnngczechischen Gaukler, daß die Schwarzenberg und Herold das czechische Volk vertreten, und daß die unterdrückten Massen keine anderen Sorgen kennen als die Wiederherstellung des Glanzes der Wenzelskrone, diese ganz« bewußt heuchlerische Romantik zerstörte die Erklärung unserer czechischen Genossen. Wie wenn man in einem dumpfen, finsteren Räume, in dem verschrumpste Reliquien modern, plötzlich die Fenster aufreißt, die Sonne einläßt und die frische Lust, daß der Staub uiifwirbelt und die Götzen in ihrem gebrechlichen Jammer wackeln, so wirkte der sozialdemokratische Protest gegen die jung- czechische Deklamation. Ei» bürgerliches Wiener Blatt, das„Neue Wiener Journal". schreibt: Das gestrige erste Debüt der Sozialisten im österreichischen Parlament« ist glücklich anSgesallen. Sie haben, um im Theaterjargon weiter zu sprechen, einen durchschlagenden Erfolg zu verzeichnen. Sie erzwangen, daß die von uns bereits mitgetheilt« Affäre Szajer gegen den Willen der Regierung, gegen den Willen des Präsideiiteu und gegen den Willen des Polenkiubs auf die Tagesordnung ge- langte, und sie setzten es durch, daß nahezu einstimniig, wenige feudale Großgrundbesitzer ausgenommen, aus telegrapbifchem Wege die sofortige Enthaftnng Szajer's angeordnet wurde. Das bedeutet immerhin einen Erfolg, aus welchen das Abgeordnetenhaus stolz sei» kann. Das erste Wort im neuen Hause hatte der polnische Sozialist Daszynski. Ein schmächtiger Mann mit energischem Gesichtsausdriick, blitzenden Augen und schwarzem Schnurrbart. Obgleich er die deutsche Sprache nicht ganz in seiner Gewalt bat. versteht er es dennoch, tiefen Eindruck hervorzurufen. Die Abgeordneten, die Minister horchen hoch auf und hängen förmlich an seinen Lippen. Je länger er spricht, desto düsterer werden die sonst lächelnd«» Züge deS Ministerpräsidenten Grasen Badeni und die der Herren auf den Poleubänken. So wie Daszynski und der Stojaloivski-Anhättger Danielak hat iin Parlamente noch niemand über die allgewaltigen Schlachzizen. nicht einmal der ehemalige Ab- geordnete Pernerstorfer gesprochen. Der eindringliche Appell Daszyuski'S war für die Richtung, welche die Debatte in der Folge nabi», entscheidend. Ter Obmann des Polenklubs, Ritter v. Jmvorski, flehte förmlich das Haus an, die Angelegenheil nicht sofort, sondern später zu berathe». Das Haus beschloß bei nament- licher Abstimmung mir 30S Stimmen, die Dringlichkeilsanträge sofort in Beralhung zu ziehen. Nur die Polnisch-Konservativen und die Falkenhayn-Gruppe— zusammen 27 Abgeordnete— hatten den Muth, dagegen zu stimmen, während die liberalen Polen sich vor der Abstimmung abientirten. Der Polenklub, bisher der Herr im österreichische» Abgeordneten- hause, war ganz verblufft über die fürchterliche Niederlage, die ihm bereitet wurde. Der allgewaltige Polenführer und frühere Minister Jaworski halte einen ganz kläglichen, milleidserregenden Ton an» geschlagen. Fast weinerlich soll der folgende Satz aus seinem Munde gellungen haben: „Aber wenn die Herren die Immunität vertheidigt haben, dann muß ich sagen, wir fl»d angesichts solcher Reden von dieser Immunität in diesem Hause ausgeschlossen.'' Ungar». Budapest, l. April. Abgeordnetenhaus. Der kleri- rals Abgeordnete Kalma« hat gegen de» Abgeordneten Julius Rvsenberg die Inkompatibilität angemeldet.— Schweiz. Zürich, 31. März.(Eig. Ber.) Die bundesrälhliche Vorlage betreffend die E i s e» b a h n v e r st a a t l i ch u n g findet in der ganzen Presse gute Aufnahme, mindestens eine ganz andere, als jene Vorlage von 1391, welche zu einem unerhört hohe» Preise— 1000 Franken-Rente für jede Aktie— die Zentralbahn(Basel) zu- rückkaufen wollte. Dieselbe Aktie, welche am 10. März 1397 einen Börsenkurs von 710 Fr. hatte, werthet das eidgenösstsche Eisenbahn- Departement aits den Berstaatlichungstermin von 1903 hin aus 043,10 Fr., wobei aber immer noch in der Presse Stimmen laut .verde», diese Werthschätzuug noch etwas weiter zu reduzire». Das gleiche gilt von den Aktien der übrige» Bahnen, die alle 'vesentlich hinter dem Kursstand zurückbleiben, an» meisten bei der Nordoftdahn mit 333,42 gegen 675 Fr. Dabei wird der Wunsch laut, die gesammte bndgelirte RückkaufSsumme von 964 Millionen Frauken möglichst noch um ein beträchtliches zu vermindern, was wahr- scheinlich auch geschehe»»vird, da das Eisenbahndepartement selbst erklärt, daß seine Feststellungen noch eher zu gunslen der Bahn- gcscllschaften gemacht sind. Unbefriedigend ist die Borlage»ach der . d e in o k ra t i s ch e» Seite hin, da sie alle Kompetenzen in die Hände des Bundekrathes und der Bundesversammlung legt und nur einen aus der Volksivahl hervorgehenden Eisenbahnrath von 72 Mitgliedern vorsieht, dessen Befugnifle aber keine großen sind. Soll das Gesetz in der Bolksabstimmung Annahme finden, so »vird daran noch manche Verbesserung vorgenoinme»»verde» müssen. Bei den am letzten Sonntag im Kanton Freiburg nach . dem Proporz vollzogenen G e m e i n d e>v a b l e n erhielten die Arbeiter in der Stadl Freiburg 2 und in Murten 8 Vertreter. Da- nebe» wurden in ersterer Stadt 41 Konservative und 34 Liberale, in Murten 30 Liberale und 12 Konservative geivählt. — Der Ktirs stürz der schiveizerischen Bahn- aktien. Die Botschaft des schiveizerischen Bundesrathes über den Eisenbahn- Liückkauf machte an der Züricher Börse geivalligen Ein- druck. Die Aktie» einzelner Bahnen sind am letzten Sonnabend von»nitlags 11 Uhr bis abendL halb 5 Uhr jäh zurückgegangen. Galten Nordostbahu- Aktien bei Eröffnung der Mittag. börse noch 652 Fr., vollzog sich der letzte Kaufsabschluß an der Abendbörse zu 616 Fr., das ist«in Rückgang um 36 Fr. an einem einzigen Börseutage. Am Montag Mittag»vurde der Kurs von Nordostbahn-Aktien sogar bis auf 560 Fr., ja vorübergehend bis auf 540 Fr. geworfen. Der Rückgang beträgt also gegenüber Sonn- abend Abend abermals 56 Fr. Wir verzeichnen, schreibt die„Züricher Post", somit seit letzten» Freitag einen Kurssturz der Nordostbahn- Aktien um volle 100 Fr. Die Bestürzung,»velche die bundesrälhliche Vorlage in Aktionär- und Spekulantenkreisen hervorbrachte, drückt sich in folgenden Zahlen aus: Kurs vom 29. März Kurs vom 1. März mittags Fr. Fr. Nordostbahuaktien 560 634 ura- Simplon- Stamm 155 197 entralbahnaklien 665 715 ereinigte Schweizerbahnen 400 439 Ein interessanter Beleg für die»»»reelle Preistreiberei der Börsen. Frankreich. Paris, 1. April. Die Experimente,»''elche der Professor Nocard an der thierärztlichen Schule in Alsori-Ville bei Paris mit den, Koch'schen Tuberkulin unternahm,� ergaben so günstige Resultate, daß Ministerpräsident Meli»« demnächst einen Gesetzentivurf ein- bringen»vird,»vonach die Viehzüchter und Molkerei- besitzer verpflichtet sind, ihr« Kühe einer Tuberkulin- probe zu»» n t e r ,v e r f e n. Nu» wird bald Meline als der Musterpoliliker von unseren Agrariern empfohlen»verde«.— Pari», 1. April Der Senat ertheilte nach»»nerh-olicher Debatte� mit zieinlich großer Stimmeninehrheit dem Antrage der Kominission gemäß die Ermächtigung zur gerichtliche» Verfolgung des Senators Levrey. Unter den von dem Untersuchungsrichter Le Poitevin für heute einberufene» Zeugen befindet sich auch der ehemalige Depulirte de la Haye,»velcher im Jahre 1392 den ersten Panama-Skandal enthüllte. Der„Gaulois" veröffentlicht eine Depesche deS Baron Cottu aus Petersburg, in»velcher dieser erklärt, er habe niemals uiit Mit- gliedern der Rechten verhandelt. Es verlautet. Seiiatspräsident Loubet, welcher mit Arton »vährend dessen Flucht unterhandelte, sei gleichfalls stark kompro- »nittirt. „Antoritö" hat kein Vertrauen zu der Untersuchungskommission in der Artou-Affaire. Im Jahre 1392»vurde unter der radikale» Regierung Bourgeois' der Opportunisnius verfolgt und jetzt unter der opportunistischen Regierung Meline's nur Radikale; das be- weist, daß die Justiz Frankreichs von» Parteistandpunkte aus geleitet »vird.— Paris, 1. April. Der Ministerrath ermächtigte den Marine- minister Adniiral Besnard, heut« in der Deputirienkainmer einen Gesetzentivurf einzubringen, durch»velchen der Regierung die Ge- »ehinigung zum Bau neuer Schiffe im Gesammtiverthe von 80 Millionen Franks erlheilt wird. Diese Eumnie soll aus mehrere Jahre verlheill werden; der Kredit sür das Jahr 1397 soll 3 500000 Franks betragen.— Italien. Rom, I. April. Kurz nach dem Tode deS Kardinals Hohenlohe wollte der preußische Gesandte beim Vatikan von Büloiv fünf Kisten Korrespondenzen an sich bringen, wobei ihn» indessen bedeutet »vurde, daß die gesmnmte Korrespondenz verbrannt sei. Auf der gestrigen Auktion des Nachlasses Hohenlohe's kamen nun jene fünf Kisten zum Vorschein, wobei die Königin(?!!) dieselben durch Rudini sofort beschlagnahmen ließ. Bei den Korrespondenzen solle» sich Briefe des deutschen Kaisers an Erispi und sonstige hochgestellt« Personen befinde». — Bei de» Stich»vahlen am letzten Sonntag sind unsere Kandidaten mit meist nur wenigen Etimmen den vereinigten Gegnern unterlegen. Di« Klerikalen, welch« in der Hauptwahl Wahl«nthaltu»g proklainirt hatten, stellten sich bei den Stichivahlen den sozial- deinokratischen und demokratischen Kandidaten entgegen. In Mai- l a>» d erhielt unser Kandidat Professor L i c c o t l i 1395 Stimm«» (Hauptivahl 992), der»ninisterielle Gegner 1442. In Alban o blieb»»ser Kandidat»nit 1902 gegen 2600 Stiiinnen in der Minorität, in A l e s s a n d r i a handelte es sich»i»» 104 Stiminen (2030 gegen 2134). In Bergamo brachte es M a i r o>1 i(Soz.) auf 695, der Gegner»vurde»nit 1200 Stimmen geivnblt. I» Porto Maurizio erlangte der Sozialdemokrat 1733 Stimme» (Hauptivahl 1290), der Gegenkandidat 2465. In Vignale,»vo sich von 9526 eingeschriebenen Wählern 7200 bclheiligten, brachte es unser Kandidat R o s s i ans 3393 Stiininen,»vährend der Gegner 3715 erhielt. In Turin III geivann»»nser Kai»didat Cerrutti 400 Stimmen mehr als in der Hauptivahl, unterlag aber trotzdem. Hier und in ganz Italien sind Wahlbeeinflussungen und U», r e g e l m ä ß> g l e i t e>» in ungeheuren» Maße vor- gekominen.— Spanie». — Der Anarchisten prozeß von Barcelona, der die öffentliche Meinung in ganz Europa in so ausgedehntem Maße beschäftigte,»vird um die Mitte d. M. in zweiler Instanz, vor dem obersten Kriegs- und Marinegericht in Madrid, zur Verhandlung komme». Nach spanischen» Nechtsbranch hat der öffentliche Ankläger bereits jetzt die Strafen sür die einzelne» Angellagten beantragt. Er beantragt die Todesstrafe sür neun Anarchisten, lebenslängliche Zuchlhansstrafe sür sünf oder sechs»ud Strafe»» vo» 13 bis 20 Jahren Zuchthaus für mehrere andere„Verbrecher". Für 30 An- geklagte, die vo» dem Kriegsgericht(I. Instanz) werurtheilt»vurde», beantragt er Freisprechung. Unter den Personen,»velchen 20 Jahre Zuchthaus zugedacht sind, befindet sich der Chefredakteur des i» Barcelona erscheinenden Blattes„La Pnblicidad", Herr Corominas. Meichstsg. 203. Sitzung vom 1. SI p r i l. 1 Uhr, Am Tische des Bundesralhs: von Bötticher, Brefeld. Die erste Berathung der Handwerkervorlage»vird sortgesetzt. Abg. Pachnicke(srs. Vg.): Wenn»na» die Wichtigkeit der Vorlage nach der Besetzung des Hauses beurtheile» dürfte, so legt das Ha»ls dieser Vorlage sicherlich keine große Bedeutung bei(es sind etiva 20 Abgeordnete anivesend), und ich bedanre nur die Handwerker, die sich Zugang zur Tribüne verschafft haben, ui» diesen Verhandlungen beizuwohnen. Man spricht davon, daß der Mittelstand verschlvindet. Ein Theil des Miltelstandes ver- schivindet allerdings, aber ein neuer Mittelstand entsteht. Das ist in Schmoller's Jahrbüchern an der Einkommensteuer-Statistik »achgeiviesen. Die Schwenkung,»velche sich vollzogen hat, sieht»nan recht deutlich daran, daß früher jede Zünftlerversammlung Herrn v. Bötticher nach Kamerun»vünschte,»vährend»»an heute den Sper- ling in der Hand nimmt und die Taube auf dem Dache sitzen läßt. Die organisirten Handiverker sind auch durchaus nicht zufrieden mit Ver Stellung des Herrn Jacobskölter zu der Organisation, dem man vorivirft, daß er durch eine heimliche Ko»sere»>z im Reichsaint des Eimer» zu einer andern Ansicht beivogen»vorden sei. Sehen Sie. err Jacobskötler, so hat ein jeder seine Jakobiner; hinter den» Zielbewußten steht immer ei» noch Zielbe»vubt«rer. Man»vill das Ha»d>verk vrganisiren und schließt alle diejenigen ans,»velche»ich» in Innungen oder Geiverbevereine» sind, d. h. die große Mehrzahl der Handiverker. Man sollte das Handwerk, das gesauinite Handiverk sprechen lassen und nicht blos einen Tuuimel- platz für zünsllerische Bestrebungen schaffe». Ueber»nanche Punkte der Vorlage läßt sich ja vielleicht eine Verstänoigung erziele», aber ausgeschlossen ist eine solche bezügl. der Zwangsiniumgen. Freie Innungen habe» a>»ch»vir stets gebilligt; aber ZivangSinnnngen können nichts leisten,»veil oh>»e Lust und Liebe zur Sache niemals etivus Gedeihliches zu stände zu bringen ist. Für verschieocne Ge»verbez>veige»vurde eine Innung gar nicht zu schaffen sein,»veil ihre Vertreter sehr zerstreut im Laude»vvhne». Eine Schwierigkeit ist ferner, zu entscheiden:»vas ist Handiverk über- Haupt? Mai» spricht von der Glanzperiode der Zünfte, als»venu damals alles gut geivesen wäre, und trotzdem gab es schon damals Klage» der Gesellen über Lohndrückerei»nd Lehrlingszüchterei,»vie Schoenlauk nackiveist in seinen» Buche„Soziale Käuipfe", das auch sür Geiverbelreibende, auch für Großniiternehmer interessant zu lesen ist. Wen» die Handiverker Agrarier wären,»venu die Schuster Zuckersiedcr und die Schneider Branntiveinbrenner»vären, dann »vurde es auch baar Geld geben. Aber für die Hand- Iverker giebt es kein Geld, auch»licht für die Forlbildungsschulen. Die Klagen der Handwerker sind ganz berechtigt, daß die Großgrund- besitzer die Handiverter nicht berücksichtigen. Wenn der BefähignngS- nachiveis eingeführt»vird, dann»vird jeder Handiverker bestraft, der ei» Slück anfertigt, für»velches er nicht geprüft »st. Die Erfahrungen, die Oesterreich darin gemacht hat. sollten abschrecke». Speziell die Land»virthschast»vnrde schwer ge- schädigt»verde»,»veil die Handwerker dort nicht vor- handen sind. Auf den» Lande muß der Schuster Pferdegeschirr aus- bessern, der Stellmacher muß a»ch Thür«»» machen und auch»innial ein Butterfaß repariren. Der Gärtner und der Glaser sind meist eine Person, weil der Gärtner die Mistbeet« eindecke» muß.(Un> ruhe rechts.) Alles, was die Tüchtigkeit des HandiverkS hebt,»verde» »vir fördern, aber die Freiheit»vollen»vir den Handiverkern nicht beeint» ächtigeu.(Beifall links.) Preußischer Handelsminister Brefeld: Die verbündeten Regie. runge» haben alle Ursache, dem Hanse dankbar zu sein für die»vohl- wollende Beurtheilimg, die die Bollage bei den verschiedenste» Seiten dieses Hauses gefunden bat. Daß sie nicht allen Wünschen enlspricht, ist natürlich. Sie»st das Ergebniß eines Koii»pron»isses. Alls der «ine» Seite bestand der Wunsch, den Zivangsinnunge» ein« möglichst »veite Ausdehnung zu geben, auf der anderen Seite der Wunsch, daß die Korporation des Ha»d»ve»ks sich freiivillig vollziehe und »ach und»»ach. Die Vorlage ist hervorgegangen aus einer sehr mühevollen, ernsthafte» und geivissenhaslen Piüfnng der Verhältnisse des Handiverks, und es liegt in» Interesse des Handiverks selbst, daß die Vorlage in dieser Session endlich zum Abschluß gebracht wird. Wir sind davon ausgegangen, daß Zivnligsinuitngen nur da eingeführt werde» könne»,»vo die Voraussetzungen dafür vorhanden sind. Es ist hier von de» verschiedensten Seiten hervorgehoben, daß das. »vas die Zivangsinnungen leisten, in Süddeutschland die Geiverbe- vereine zuwege gebracht und daß sie viel für das Handiverk getban haben. Das letztere»nnß ich anerkennen, und ich hätte geivünscht, daß man auch in Preußen für das Handiverk medr gethan hätte. (Beifall rechts.) Es empfiehlt sich, in 65 pCt. der Bezlrke die freie» Innungen vorläufig bestehen zu lassei». und sie erst allmälig in Zivangsinnungc» zu verivandeln, iusoferu die Voraussetzungen dafür vorhanden sind und sich im Handiverk die Ueberzeugung Bahn bricht, daß die Zwangsinnung der Abschluß der bisherige» Eutivlckelung ist. Es»vird hier ei» Wunsch erfüllt, der schon seil 50 Jahren gehegt »vird, daß eine Vertretung des Handiverks nicht»»»r in» Oberbau geschaffen»verde, sonder» auch in» Unterban durch eine lebens- kräftige Organisation und einen selbständigen Verivaltungskörper. Ich hoffe, daß sich in der Kolnmission leicht eine Verständigung über etivaige Verbessernngsantrüge finden»vird. Ich nehme nicht an, daß das Handiverk unrettdar verloren ist und daß die Zeit »ahe ist,»vo»vir uur noch Arbeitgeber und Arbeitnehiner haben. Das Handiverk hat die Hcffnuiig und die Berechtigung zu leben. Es ist Jahrhunderte der Hort dentscher Treue, Zucht und Ordnung geivesen, die beste Slütze von Thron und Altar(Beifall rechts), ans ihm»st eine große Zahl löuigstreuer»nd geivissenhafler Männer hervorgegangen; so»vird es auch in Zukunft sein.(Lebhaste Zu- stiminung rechts.) Abg. Euler(Z): Auch ich stehe«inen, Theile dieser Borlage sympathisch gegenüber, namentlich den Zivangsinnungen. Rur wegen mangelnder Mittel ist manche Einrichtung, die dem Hand« werk dienen könnte, unterblieben. Mai» widerstrebt den Zwangs- innnngen auf der Linken nnr, weil man weiß, daß im Handiverk ein Fonds vo» christlich-konservativem Geiste vorhai»den ist,»veil man fürchtet, daß die Macht des Handiverks zu groß»vird, � daß dadurch der Sozialdemokratie ein Damm entgegengestellt würde. Glauben Sie, daß es in Oesterreich möglich geivesen wäre, die liberale Judenivirthschaft aiis Wien hinailszuschaffen, wenn nicht die Handwerker als Kerntruppe gedient hätten? DaS österreichische Gewerbegesetz von 1883 macht den Hand- iverkern»vegen der vielen Streitigkeiten auch nicht große Freude; aber sie ziehen den jetzigen Znstand dein Zustande vor 1333 vor. Man braucht die österreichischen Fehler nicht nachzumachen und kann den Befähigungsnachiveis ruhig einsühren zur moralischen ebung der Handiverker. Ich persönlich, und ich kann daS im amen des ganzen Handwerk? sagen, stehe auf dem Boden der obligatorische» Zwangsinnunge». Die Einrichtung der Handiverks- kammer» und die Beibehaltung des JnnungSauSschnffes. soivie die Regelung des Lehrlingsivesens, das sind die annehmbaren Punkte der Vorlage. Ich hätte gewünscht, daß Herr Jacobskötter nicht mit fliegenden Fahne»» in das RegierungSlager übergegangen»väre; er hätte das Prinzip festhalten sollen. Es wird mir nicht viel nützen, in der Kommission daS Prinzip der obligatorischen Innung zu vertreten. Das bedauere ich lebhast, denn bei der Vorlage mit ihren fakultativen Zivangsinnungen kommt nichts heraus alS Zank und Streit. Redner wendet sich dann gegen die Angriffe,»velche der Abg. Schmidt-Berlin gegen die Berliner � Innungen gerichtet hat bei der Besprechung der Interpellation über die Handiverkervorlage im Februar. Zivischen Handwerksmeistern und Gesellen besteht immer noch ein gutes Berhältniß, wenigstens auf dem Lande, und»vo es zerstört ist, kau»» es wieder hergestellt »verde»,»ven» von beiden Seiten vernünftig gehandelt wird. Die Bestimmungen über die Handwerkertammern und über das Lehrlingsivesen sind so wichtig, daß ich in einer Zivangslage bin der Borlage gegenüber. Die fakultativen Zivangsinnungen sind aber nicht zu gebrauchen; da sollte man es bei den jetzigen Innungen belassen. Das übrige ist ein Schritt weiter auf dem Weg« zur Zivangsorganisatio». Hoffent- lich bringt die Entwickelung der Regierung den Beiveis dafür, daß die obligatorischen Zivangsinnungen doch nothivendig sind. Da wir aber nicht mehr erreichen können, so nehme», wir schließlich das, waS uns geboten wird, und»varten darauf, daß dai andere später kommt. (Heiterkeit.) Abg. Vielhabe»(Reform-P): Die Bernfszählung hat ergeben, daß wir seit 1832 79 000 männliche und 60 000»veibliche seldst- ständige Existenzen»veniger haben, trotz der Zunahnir der Bevölke- rung,»ach welcher die Zahl der selbständigen Existenzen sich hätte vermehre» müssen, und zivar um 600 000; also nahezu'/a Million selbständiger Existenzen ist weggewischt worden. Man will die Handiverker konkurrenzfähig inachen gegenüber der Großindustrie u»d zivar theils dl»rch genossenschaftlich« Zusammenfassung, theilS durch bessere Ausbildung. Die Genosseuschasten können Kapitalien iliid Maschinen aufbringen, aber sie können leine geistige Kraft her- vorbringe»,»velche den» Großunternehmer entgegentreten kann. Durch die bessere Ausbildung der Handiverker wird die Waare besser, aber auch theurer. Die Konsulnenle» frage»» aber niemals nach der Qualität der Waare, sondern sehen»ur aus die Billigkeit. Redner geht auS- führlich dara»»s ei»», daß die Großindustrie Dutzendwaare herstellt, daß die Fabrikarbeit eintönig sei und daß dadurch auch die Menschen innner mehr zu Dutzendmenschen»vürden.(Präsident v. B u o l: Selbst die iveitesten Grenzen der Generaldiskussto» geben wohl nicht die Möglichkeit, soiveit abzuschweifen. Ich möchte den Redner bitten. zur Vorlage zurückzukehren, damit»vir heute an» dritten Tage endlich fertig»verde».) Da meine»veiteren A»lsführu»»gen ohne diese Aus» einandersetzungen nicht verständlich wären, so muß ich mein« Redt abbreche». Mürttembergischer Reg.-Direktor v. Schicker soll daS Wort erhalten, ist aber im Saale nicht ainvesend. Abg. Benoit(srs Vg)»veist darauf hin, daß die Hand- »verker sich die Fortschritte der Technik zu Nutze»nachen könnten,»»amentlich durch die Benutzung von Elektromotoren. Uebrigens habe der Meister in einer Fabrik eine sorgenlosere Stet- lnng als ein selbständiger Handiverksineister. WaS wird denn bei der Prüfung der Meister verlangt? Di« gewöhnliche» Arbeiten deS Handiverks,»veil sonst mancher durchfallen»vürde. Dadurch wird »virllich das Handiverk»»ich» gehoben»verde». Die Borlage muß geändert»verde»», aber nicht in» Sinne der Herren von der Rechte», sondern in dein Sinne, daß die Freiheit der Handiverker ausrecht erhalten»vird. Abg. Beckh(srs. Bp.)»vendet sich gegen die Redner, welche für die Vorlage aufgetreten sind. Abg. ReißhauS(Soz): Die Antisemiten haben am aller« »venigsten Ursache, sich über die schivache Besetzung d«S HauseS bei Handiverke» fragen zu beklagen, sie haben zu solchen Debatten immer das geringste Kontingent gestellt. Die AnSsührungcn deS Handels- ininisters möge» ja den Handwerkern recht angenehn» klingen, die Vorlage»vird aber mit recht von ihnen als«in Wechselvalg be« zeichnet. Das Handwerk im Lande ist davon nicht iin geringsten erbaut. Wenn der Abg. Gamp die Borlage als«ine Folg« der geschichtlichen Entivickelung deS Handwerks betrachtet, so »veise ich darauf hin, daß die modern« Zeit über die Be- stielninge» der Znnstler längst zur Tagesordnung übergegangen ist;»vaS sich heute beinerlbar macht, ist nur«in« Reaktion. Gegen freie Organisatlonen läßt sich nicht? einivend«»». Die Znnfller aber rufen immerfort nach der Polizei oder der Hilfe der Regierung. Den Nachiveis, daß die alten Zünfte etwa? ge- leistet haben, sind uns die Herren schuldig geblieben, und auch die neueren Innungen haben sür Fachausbildung außerordentlich>»»«nig geleistet. Auf diesem Gebiete haben»ur die freien Organisationen etivaS Ersprießliches zustande gebracht. Das ist ganz natürlich. Die Jnnuiigsmeister glauben, daß sie mit dem Augenblick,»vo st« ihre» Lehrlingen und Geselle» Gelegenheit geben, sich auszubilden, sich eine Konkurrenz schaffen. Me»n Fraktionsgenosse Schmidt hat schon»achgeiviesen, daß die Berliner Innungen ein Vermögei» vo» l'/e Millionen habe» und trotzdem für Fachschulen nnr verhältniß- mäßig»venig ausgegeben haben. 36 Innungen iiicht einen Pfennig. Mit dem Entivurs bringen Sie nur Benvirruna in die Gewerbe- Schiedsgerichte hinein, die sich kaum erst eingelebt und«ingebürgert. haben, die Jnnungs-Schiedsgericht» werden dadurch illusorisch gemacht. Ter Abg. Jacobskötler meinte zivar, daß man auch die Gesellen hören»vürde, aber man kennt das. Für den Arbeitsnachiveis habe» schon die jetzigen Innungen nichts geleistet, wie viel»veniger wird es der Fall sein, wenn er de» obligatorischen Innungen aus- geliefert»vird. Von dem Befähigungsnachiveis er>vartet mau Wunder« dinge, als»venn nicht unter gelernte» Meistern Pfuschereien vorkämen. Ich denke an de» Zusainmenbruch eines BaueS, bei dein Hunderle von Arbeitern getödtet worden wären, wenn sie ihn nicht eine halbe Stunde früher verlassen hätten. Wie vie Meisler von der Aus- und Fortbildung ihrer Lehrlinge denken, zeigt«in Beispiel aus meiner Heimalh. Ii» Erfurt»vurde 1837 beantragt. eine 6 stufige in eine 4 stufige Volksschule umzuwandeln. Da stand einer auf»md sagte: Was kann uns denn die ganze Bildung nützen? Wir»»»issen auch Knechte und Mägde haben. Di« konservativen Handiverker»vissen ganz gut, daß, wem» ihre Leute erst et, vas Tüchtiges gelernt haben, sie ihnen de» Rücken kehren. Auchldie ZwaugS» Organisationen»verde» wahrscheinlich gegen die Einführung von Fachschulen sein. Nicht Ausbildung, sondern Ausnutzung der Ar- veiter ist ihr Panier. Gnt« vernünftige Meister bekommen auch mite Gesellen, aber solch« Meister giebt es nur in wenigen Fällen. Der Handelsminister wünscht, daß die Vorlage noch in dieser Session verabschiedet würde, damit die Handiverker im Lande auch Thaten sähen. Wollen Sie wirklich etivaS Gnies sür die Handiverker thun.. dam, entlasten Sie sie und schaffen Sie Ausklärung. DaS ist besser als die fakultativ« ZwangSorganisation.(Zustimmung bei den' Sozialdemokraten.) Abg. Hilpert wendet sich gegen die Ausführungen des Abg. Beckh. der ihn mehrfach persönlich angegriffen� habe;«» seien»her nicht die schlechtesten Fruchte, an denen die Wespen nage», auch die Wespe Beckh.(Heiterkeit.) Abg. Licbcrniami von Sonnenbcrg(Nesom-P.): Die Negie- tuug hat die Vorlage nur gemacht, um sagen zu köuueu, dast sie die Wünsche der Handwerker erfüllt habe, aber mau sollte den Hand- werkern helfe» in der Welse, wie sie es selbst wollen. Da wir nicht hoffen, daß in der Kommission die Vorlage wieder dem Berlepsch'schen Entwürfe genähert wird, so werden wir auch nicht für die lieber- Weisung an die Kominission stimmen. Diejenigen, die dieses Zwitter- ding annehmen, um mit den Worten des Abg. Jacobskötter zu sprachen, werden nicht nur das Handwerk in die Patsche reiten, sondern auch selbst in die Patsche kömme». Abg. Jacoboköttcr(k.): Ich habe diese Worte nicht gebraucht, sondern nur Kollege Euler. Redner wendet sich dann gegen die Ausfnhritngc» der verschiedenen Redner gegen seine Rede. Nach einer kurzen Bemerkung des Abg. Nciffhans und einiger persönlicher Bemerkungen der Abgg. Jacobskötter, Bcckh, Euler wird die Vorlage der Koinniission nbenviesen, welcher bereits die Vorlage delresfend die Handiverkerkammern überiviesei» ist. Schlnsi nach G'/i Uhr. Nächste Sitzung Freitag 12 Uhr. (Antrag Liebermann v. Sonnenberg ivegen der konsessionellen Eides- sormel. Jesnitenautrag de» Zentrums und Margarinegesetz.) Der Viiiidcörath überwies in seiner heutigen Sitzung die Mit- kheilung des Präsidenten des Reichstages über den Beschlusi dcs Reichstages zn dein Antrage des Abg. Grafen Schwerin-Löwitz und Genossen wegen Beschränkung des Zollkredits bei der Einfuhr von Getreide und Mühlenfabrikalen den zuständigen Älusschüssen und er- theilte den Ausschubberichten über den Gesetzentwurf ivegen ander- weiter Beinessung des Wittiven- und Waisengeldes snr die Hinter- bliebeneu von Angehörigen des Reichsdienstes und über den Gesetz- entivnrf ivegen Feststellung eines Nachtrags zm» Reichshanehalls- Etat für 1897/33 seine Znstimmiing. In der Anöwanderergrsetz- Kommission wurde auch heute wieder„mit Dampf" gearbeitet,»ni, wie sich die nationalliberale» KoniinissionZuiitglieder wiederholt äußerten. das Gesetz so schnell wie möglich„unter Dach" zn bringen. Vorn'Abg. Prinz v. A r e n b e r g war zu§ 37 folgender Zusatz beantragt: „In jedem Auswandercrschiffe müssen alle mehr als 14 Jahre alten männlichen Passagiere, die nicht in Begleitung ihrer Ehefrauen reise», in einem Räume untergebracht werden, der mit den übrigen Passagierrüninen in keiner Verbindung steht." Dieser Antrag wurde, nach Befürwortnng durch den Antrag- steller, seitens der Regierungsverlreter mit dem Himveis bekämpft, daß bei Annahme desselben auch kein stichhaltiger Grund dagegen sei, weitere Details, so wie sie in de» gestern diskntirten aber nicht angenommenen'Anträgen G e r i s ch und Metzger enthalte» seien, in das Gesetz aufznnehinen. Der Geheimrath 3t i ch t e r verliest im Anschluß an seine Ausführungen eine, im Ätanien des Bundesrathcs abgegebene Erklärung, i» welcher die Zusicherung gegeben wird, daß die Ansführnngsverordnnngen nicht hinter den schon be st ehe n den bewährten Vorschriften, wie sie im Hamburger Auswanderungsgesetz von 1887 enthalten sind. zurückbleiben werden, dessen man sich als Richtschnur für die Verordnnugen bediene» werde. Da der 3tegieruugsvertreler außer- dem noch eine kleine Aenderung des Z 37 der Vorlage vorschlägt, welche die Sorge für die Auswanderer„in leiblicher und geistiger Hinsicht" demBnndcsrath für seine Verordnungen zurbesonderenPflicht macht, erklären sich die Abgg. Prinz v. Arenberg und Metzger im Namen ihrer Mitantragsteller einverstanden und verzichten auf die Aufnahme ihrer Anträge in das Gesetz. Abg. Frese beantragt den§ 43 zn streichen, der also lautet: „Durch kaiserliche Verordnung mit Zustimmung des Bnndesraths können zur Regelung der Beförderung von Auswanderern und Passaairen aus deutschen Schissen, welche von außerdentschen Häfen ausgehen, Vorschriften der im§ 37 bezeichneten Art erlassen werden." Der?lntragsteller motivirt seinen Antrag damit, daß z. B. deutsche Schiffe in den chinesischen Gewässern>viele Knlis befördern, und da es diesen zumeist um billige Passngepreise zn thun sei, würden die deutschen Dampfer bei Jnnehaltung der im§ 37 vorgesehenen Schntzbestiinuinngen thenrer fahren müssen als die Schiffe anderer Flaggen. Demgegenüber erklärt der Direktor des Auswanderer- Amtes, Geheimrath R e i ch a r d t, daß die Engländer längst jene Ein- rlchtungen getroffen haben, deren Nebertretung mit Geldstrafen bis zu 1000 Dollar ev. bis zn zweijährigen Gefängnißstrasen bedroht werde, und der englischen Regierung gegenüber sei man verpflichtet, in gleicher Weise zn verfahren. Ilm Verlhenernng der Passagepreise brauche man nicht besorgt zu sein, denn bei der Kuli-Expedition werden bedeutende Summen verdient, meistens bei einigen hundert KuliS mehrere tausend Mark. Die deutsche» Dampfer haben im vergangenen Jahre über 33 000 Kulis expedirl, eine Zahl, welche die Schiffe keiner anderen Flagge auch nicht annähernd erreicht. 11-brigens hätten die deutschen Dampfer im Konkurrenzkampf mit den Engländern sich längst deren Einrichtungen freiwillig zn eigen ge- macht, so daß die Gefahr der Anwendung der in der Vorlage an- gedrohten Strafen bei diesen Schiffen gar nicht einmal vorhanden sei. Nach diesen Eröffnungen zieht Frese seinen Antrag zurück. Eine längere Debatte entspann sich dann noch über den K 46, welcher mit Gefängniß bis zn einein Jahre und Geldstrafe bis zn sechstausend Mark alle diejenigen bedroht, welche ohne die nach Zg 1 und 12 erforderliche Erlanbniß die Be- sörderung von Auswanderern betreiben oder bei einem solchen Betriebe mitwirken, welche Strafe auch solche trifft, die sich zum Geschäft machen, zur Auswanderung an- Jmverben. Von den Zentrunismitgliedern wurden ernste Bedenken egen diese Fassung erhoben, desgleichen von Metzger, welcher an den von dein Genossen Schmidt- Frankfurt jüngst zur Sprache gebrachten Fall erinnerte, wonach derselbe als Vertreter eines Berusnngs- klägers vor einem Schiedsgericht in Unfallsachen, nachdem er bereits zweimal als Vertreter vor demselben Schiedsgericht fungirt hatte, mit der Motivirung zurückgewiesen worden mar, daß er die Ver- tretnng„geschäftsmäßig" betreibe. Mit dieser Anffassung sei es jedem Gericht möglich, jemanden, der wiederholt Auswandcriings- lnstigen oder Auswanderer» Gesälligkeiten erwiesen, die sich auf ihre„B e f ö r d e r u» g" beziehen, ivegen„M i t iv i r k u n g a n eine in s o l ch e ni Betriebe" zn den angedrohten Strafen zu verurtheilen. Gerisch weist auf die Zurückweisung gewerkschaftlicher Vertrauensmänner als Vertreter vor gewerblichen Schiedsgerichten mit denselben Gründen hin und befürwortet eine Sicherstellung gegen derartige Möglichkeiten. Stach längerer, theils recht erregter Debatte wird sowohl im Z 46 wie in den mit dein- selben korrespondirenden Paragraphen das Wort„ g e w e r b s- m ä ß i g" bezw.„Gewerbe" statt„geschäftsmäßig" beziehungsweise„Geschäfte" geseht. womit man sich, einschließlich der Zusicherung der Siegiernngsvertreter, daß ihre Erklärungen in dieser Frage schriftlich zu Protokoll gegeben werden sollen, allseitig einverstanden erklärt. Die weiteren Paragraphen wurden alsdann ohne weitere Debatte angenommen, womit die erste Lesung beendet war. Nach Annahme einer und Ablehnung zweier von Hasse beantragten Slesolntionen wurde die Sitzung geschloffen und die nächste Sitzung zum Beginn der zweiten Lesung auf Freitag Vormittag 10 Uhr anberaumt. Parlamentarisch« Jubiläcu wurden heute in großer Zahl ge- feiert; die Kanzleidirektoren des Abgeordnetenhauses und des Sieichs- tages. die Geheimräthe Kleinschmidt und Knack, feierten das 25jährige Jubiläuni ihrer Thätigkeit in» Parlamente. Das Löjährige Dienst- jubiläuin als Beamte des Sieichstags begingen heute außerdem auch der Geh. Rechnungsrath Schlüter, die Kanzleiräthe Schallopp, Vor- steher des Stenographischen Bureaus, und Huth, sowie die beiden Pförtner Hermann und Schreiber.— _ Sächsische LaudtagSwahlcn. Als Kandidaten sind von unserer Seite bis jetzt anfgestelll: im 4. Dresdener Kreis Kaden, im 5. Dresdener Kreis P o st e l t, im 3. städtischen Kreis(Radeberg) Planitz. In F r e i b e r g erklärte sich die Parteiversanimlung für den 9. Sieichslags-Wahlkreis für Betheiligung i an den Landtagswahleii. � Tie Laudcskoufercttz der Parteigenossen im Großherzogthum Sachsen-Weimar wird am 18. April im Restaurant zum Schwansee in Weimar abgehalten. In DrcSdcir und Umgegend wollen die Konsumvereine im Gegensatz zu früher am 1. Mai nicht ihre Lokalitäten schließen, weil der 1. Mai diesmal auf den Sonnabend fällt, wo die Arbeiter ihre Einkäufe für die nächste Woche zu machen pflegen. Die„Sächs. Slrbeiter-Zeitnng" wendet sich deswegen scharf gegen die Konsum- vereine, deren Verwaltung in Händen von Parteigenossen liegt. Aus der Tchiveiz. Das seit 21/a Jahren schwebende Projekt eines sozialdemokratischen Tageblattes in Zürich soll noch in diesem Jahre verwirklicht werden. Es sind bereits über 10 000 Fr. beisammen. Ende Juni soll die Preßgenossenschafl konstitnirt und am I. Oktober das Tageblatt herausgegeben werden. Ein sozialistischer Erfolg in Ungar». In Mölykat, einem rein ländlichen Orte im Bacser Komilat, ivnrde», wie der „Pester Lloiid" meldet, bei der Wahl des katholischen Schulstnhls (Bezirksschnlrath) säinmtliche 12 Mandate mit Sozialdemokraten besetzt. Polizeiliches, Gcrichtliihcö:c. — Der gemeinsamen Orts-Krankenkasse in Elmshorn war vom Magistrat untersagt worden, ihre Bekannt- machmigen auch in der sozialdemokratischen„Schleswig-Holsteinischen Volkszeilung" zn veröffentlichen, die zwar in Kiel erscheint, aber, wie in anderen Orlen Schleswig-Holsteins, so auch in Elmshorn von der Anbeiterbevölkernng stark gelesen wird. Die Kasse änderte iini» ihr Statut i» den» Sinne ab, daß die Behörde gegen die Insertion in dem genannten Kieler Blatt nichts einiveiiden' mit ihren Erfolgen, Streikbrecher heranzuziehen, und richteten es wohl nicht ohne Absicht ein, daß am letzten Sonntag mit den Nachmittagszügen solche„Arbeitswillige"(zirka 15 bis 20 Mann) ankameii. Die Streikbrecher wurden auf dem Bahnhofe demonstrativ gesaniiiielt uud unter Bedeckung von Gendarmen in die Stadt geführt. Dies erregte natürlich Aussehen. Neugierige folgten dem Zug, Streikende kamen dazu, so daß schließlich eine Menge von einigen hundert Personen sich vor dem„Streikbrecherhotel", dem Restaurant„Büdel" wo die Ankömmlinge untergebracht wurden, angesammelt hatte. Niemand dachte an Skandal oder Aufruhr. Aber einige hnndert Menschen auf einein Knäuel zu sehen, ohne daß es sich um eine Bisniarckdemonstralion handelt, wirkt in Kissingen beängstigend, und die Staalserhalter thaten ihre Pflicht. Der Bürgermeister und Landtagsabgeordnete Fuchs witterte Revolution, dito ein Assessor v. T häng en, dein das Malheur pqsstrte, gerade in dieser unerhört schwierigen Situation den Bezirksamtman» vertreten zu müsse»». Bürgermeister Fuchs, besagter Herr v. Thüngen und noch ein Assessor Herr v. Raum er, eilten also in Amtstracht rects Uniform mitten ins Gedränge. Dann hielt die hohe Obrigkeit«ine Ansprache an das„rebellische" Volk, das dastand und stauneiid vernahm,„im Namen Sr. Maj. des Königs" angeredet und aufgefordert zu werden, sofort den Platz zu verlassen, sonst würde mit Gewalt vorgegangen. Die Gewalt erschien auch auf der Stelle in Gestalt der städtischen Feuerwehr: an Stelle von Kanonen wurde die Feuerspritze auf- gefahren. Da die Menge sich aber zun» großen Theile aus Neu- gierigen, es»varen sogar Damen und Herren ans der„Gesellschaft" darunter, zusainmeiisetzte, löste sich der Auflauf in würdiger Weise auf und die Staalserhalter im Zivildienst hatten ihre rettende Thal vollbracht. Damit das Bild jedoch noch schöner»verde, wurde auch die Militärmacht aufgeboten. Und so sorgte neben den Spritzen mäiineru das Landwehr-Bezirkskoinniando unter dem Kommando des Oberstlienteiianls v. Zobel und des Majors Burkhard für di» Anfrechterhaltung der Ordnung und Ruhe in der Siestauration Büdel. Während des ganzen Auslaufs erfolgte eine Verhaftung, doch war der„Bösewicht" kein Streikender. Nu» arbeiten in Bad Kissingen an jeder Baustelle 2 oder 3 Maurer, befchirmt von ebenso viel Gendarmen. Sonst aber ist der Bismarckwallfahrtsort voll. kommen ruhig._ konnte, aber diese Abänderüng wurde von der Behörde nicht bestätigt. Die*■• r* Kasse wandte sich nun an den Bezirksausschuß, uiid dieser entschied UNv nStnjUlllJitUlt. -»-- dl- /"»!-- Par.ri-.c,iosie-».lch-l.°-.»b«-..d.-l-- „R h e i ii i s ch- W- st f ä l i s ch e A r b e i t er- Z e i l u n g" Straf- /»r Königsberg, ist an, Donnerstag Abend lOVe Uhr gestorben. Wie antrag gestellt, weil ihn diese durch eine Kritik seines Verhaltcnssden näheren Parteifreunden des Verstorbeneii bekannt»var, bei einer Beerdigung beleidigt haben sollte. Unserem Bruderorgan ist jetzt von der Staatsanwaltschaft»nitgetheilt worden, daß sie die Untersuchnng eingestellt hat. — Eine Parteiversanimlung für den Reichstags-Wahlkreis Burg- städt-Linibach-Mittweida. die am vorigen Sonntag im Schützenhanse zu Chemnitz abgehalten»verde» sollte, wurde verboten, weil sie eine Fortsetzung des aufgelösten„Vereins" Sozialdemokratische Partei sei. Die Versammlung ist nun in Göppersdorf angemeldet worden, welcher Ort avßerhalb der Machtsphäre der Chemnitzer Behörde» liegt. GewevkMzstftlirszes. Zlchtung, Stciuarbcitc»! In der M a r in o r w a a r e n- f a b r i k von C. F i n k haben säinmtliche Steinmetzen die Arbeit wegen Verlängerung der Arbeitszeit auf 10 Stunden eingestellt. Zuzug ist streng fernzuhalten. Der Acrband der Hirsch-Duncker'schc» Geiverkvereine hat jetzt, wie dessen Organ mittheilt, in 829 Orten 1578 Ortsvereine und 74 000 Mitglieder. Tie Tischler Kiels haben iiach einer Unterhandlung mit de» Unternehmern den Beschluß gefaßt, diese» vorzuschlagen, daß von, 1. April d. I. an der Mindest-Stundenlohn 33 Pf., von» Jahre 1393 an dagegen 40 Pf. betragen soll. Ferner soll vom Jahr« 1833 an die Arbeitszeit 91/2 anstatt 10 Stunden betragen. Tie Tischler Wismars in Mecklenburg haben, mit Wirkung vom 5. April ab, folgende Forderungen gestellt: Zehnstündige Slrbeits- zeit, Abschaffung von Kost und Logis beim Meister, Abschaffung der Akkordarbeit, Miniuiallohn von 13,75 M. die Woche; für lieber- stunden einen Aufschlag von 25 pCt, Anschaffung von Lohnbüchern. Wenn der Zuzug vermieden wird, glauben die Arbeiter ihre Forde- rnngcn bewilligt zn bekomme». Tic Maurer Neninülisters in Holstein haben sich mit den Unternehmern ans einen Stundenlohn von 44 Pf. geeinigt. Bisher erhielte» sie 42 Pf. Ju Hannover war eine öffentliche Maler- Ver- s a in n» l n n g polizeilich aufgelöst worden, als der Vorsitzende sie nach Erledigung der Bureauwahl und anderer Formalitäten ver- tagt nnd nach der Vertagung ivieder eröffnet hatte. Gegen den überwachenden Beamten wurde beim Polizeipräsidinm Beschwerde geführt. Dieses wies die Beschwerde ab, denn die Vertagung eiuer Versammlung sei nur unter der Voraussetzung zulässig, daß bereits in die Aerhandlungen eingetreten war, da sonst von einer Wieder- aufnähme nicht die Rede sein könne. Das Polizeipräsidinm be- trachtet also die Wahl des Bureaus und die sonstigen Formalitäten nicht als integrireiiden Theil der Verhandlungen einer Berfa»»»»- Inng. Dieser Ansicht, die von dem Einberufer der Versammlung im Wege der Beschwerde angefochten werden»vird, steht aber entgegen die Thatsache, daß in Preußen die Tagesordnung einer Versamm- lung der Polizei nicht mitgetheilt zu»Verden braucht; hieraus geht unseres Erachtens hervor, daß es der Polizei nicht zusteht, Qiialifikatiousunterschiede betreffs des Begriffs„Verhandlung" ein- zuführen. Tie Maurer Magdeburgs beschlossen, nicht zu streiken. sondern den von der Lohnkommiision nnd dem Arbeitgeberverband vereinbarten Lohntarif anznerkeunen. Nach diesen» Tarif bekommen Maurer in» ersten Gescllenjahre 35 Pf., solche, die„nicht»nehr ii» Vollbesitze ihrer geschäftlichen Leistungsfähigkeit sind"(worüber die Lohnkommission»nit entscheidet) 37 Pf., alle übrigen Gesellen 40 Pf. Stundenlohn. In der Apfeltveiu- Kelterei von Ada in Ra ckl es in B 0 r n h e i n» bei Frankfurt a. M. legten 17 Arbeiter, darunter 10 Küfer, die Arbeit nieder. Sie hatten Wegfall des Abzugs für die gesetzlichen Feiertage verlangt, darauf wurde von ihnen verlangt, entweder einen Stundeulohii-Tarif zn unterschreiben oder das Ge- schüft zu verlassen. Sie»vählten das letztere In GeringStvaldc i. S. stehen jetzt,»vie uns telegraphirt»vird, 300 Arbeiter der vier größten Schuhfabriken in» Streik. Ju Miiucheu stehe» die Stucka teure der Firma R a p p 11. G i 0 b e im Streik zwecks Durchführung deS von den Münchener Stuckateuren aufgestellten Lohntarifs. Sie bitten die auSivärtigen Fachgenossen, den Zuzug streng fcruzuhallei». Ter Münchener Getverkschaftöverciu hat eine Streik- Kontrollkommission eingesetzt und ihr ein Reglement ge- geben, woraus als wichtigste Bestimmung die mitgetheilt sei, daß Streiks, die ohne Zustimmung des Geiverkschaftsvereins begonnen »vurden, leinen Anspruch auf Unterstütznng haben. Tic Schmiede von Nürnberg und Umgegend haben folgende Forderungen gestellt: Abschaffung der Beköstigitng und des Quartiers beim Meister, 10 stündige Arbeitszeit, Bezahlung eines wöchentlichen Mininiallohiis von 16 Mk., Vergütung der Ueber- stunden mit 26 pCt. Zuschlag. Mehrere Meister beivilligten bereits. Ter Manrcrstreik in Kisfiuacu scheint die dortigen Behörden in eine Situation gebracht zu haben, gegen»velche die der Groß- mächte vor Kreta das reine Znckerlickeu ist. Unsere bayerischen Parteiorgane berichten darüber: Die Herren Meister renommiren hatte» die Aerzte bei der weit vorgeschrittenen Lungen- erkrankung keine Hoffnung auf eine Wiederherstellung seiner Gesundheit gehegt. Schnitze hatte in den letzten Tagen noch die sehr beschwerliche Reise von Königsberg nach Berlin gemacht, um hier, wo er lange in der Partei gewirkt hatte und die hochbetagten Eltern wohnen, seine letzten Tage zu be- schießen. Schnitze befand sich im Alter von 39 Jahren. Er ist unseren Berliner Parteigenossen aus der Zeit des Sozialistengesetzes bekannt und mußte als ein Opfer der durch dieses Gesetz gegen nnsere Parteigenossen angefachte Verfolgung am 17. No- vember 1836 Berlin verlassen. Von hier ging er nach Görlitz, später nach Chemnitz nnd dann nach Königsberg i. Pr., wo er im Jahre 1390 in den Reichstag gewählt»vnrde und in» Jahre 1333 aufs neue das Mandat errang. Die Krankheit hat sich unser Parteigenosse im Kampf für nnsere Partei, in der Verfolgung, die ihm auch seine wirlhfchaftliche Existenz erschwerte, zugezogen. Alle, die ihn kannte», werden ihn als einen eifrigen Anhänger unserer Sache kennen, der aus schweren», vorgeschobenem Posten seiner Parteipflicht im hohe» Maße genügte. Ehre seinem Andenken. Geestemünde, I. April.(W.T.B.) Der Fischereidampfer „Paul" landete heute hier acht Mann von einer bei Lodbjerg(Jiit- land) gestrandeten norwegischen Brigg, welche mit einer Ladung Grubenhölzer von Tvestestrand nach Tröport bestimmt war. Die Mannschaft war mit Hilfe der Rettungsleine durch das Wasser a» Bord des„Paul" gebracht worden. Frankfurt a. M., I. April.(B. H.) Die„Frankfurter Ztg." meldet ans Straßburg i. Elf.: Die Behörde hat, den,„Straßburger Tageblatt" zufolge, die Verbreitung des in Straßburg er- scheinende» klerikalen„Elsässer", soweit er von den Expeditionen der aufgehobenen„Colmarer Zeitung" und des„Mülhanser Volks- blatt" ausgeht, verboten. Der„Elsässer"»var an Stelle der beiden unterdrückten oberelsässischen klerikalen Blätter deren Abonnenten zit- gestellt worden. Kol», 1. April.(B. H.) Die„Köln. Ztg." erhält Kenntmß von einen» sehr befremdlichen Erlaß der Minister des Innern und der Justiz, wonach die Standesbeamten bei Ausnahme von Ver- haiidliingen über Aufgebote, Eheschließungen und Geburten die Be» theiligten ans ihre kirchlichen Verpflichtungen hinzuiveisen haben. Die Anregung dazu ist angeblich von kirchlicher Seite ans- gegangen. Die„Köln. Ztg." bemerkt, es sei lebhaft zn bedanern, daß die Ministerien solcher Anregung Folge gegeben haben. Bern, 1. April.(W. T. B.) Soweit bisher ermittelt, vnrde, sind ans den» heute Nacht aus der Linie Genf-Bern beranblen Post- wagen nur etwa 300 Franks entwendet worden. Der Wagen»var ein Ergänzungswagen mit nur einem Angestellten, während in den» nachfolgenden eigentlichen Postwagen niehrere Angestellte arbeiteten. die garnichts von dem Vorfall vernahmen. Der ermordete Beamte Angst nahm die letzten Sendungen in Lausanne entgegen uud trug die richtig in die Kontrolle ein; es wird daher angeiiommen, daß die That zwischen Lausanne und Bern geschehen ist. Bei Flamat fährt gegenwärtig der Zug äußerst langsam, da dort eine Brücken- reparatur vorgenominen»vird; daher ist dort ein Ab- springen vom Zuge sehr leicht möglich. Festgestellt ist. daß die Wagenthüren nur mittels des besonderen Postschlüsses zu öffnen oder zu schließen sind. Der Wagen war aber bei der Ankunft in Bern regelrecht geschlossen und Angst hatte seinen Schlüssel neben sich liege»; der Mörder besaß also einen Stachschlüssel. Offenbar hat der Mörder nur nach baarem Geld« gesucht, da die Säcke vollzählig und auch die Werlhschristen- und Obligatioiieiisendungen unberührt sind. Es ist nur ein Postpli mit 200 Fr. und eine goldene Uhr im Werthe von 100 Fr. verschwunden. Von dem Thäter fehlt mich jetzt noch jede Spur. Wien, I.Zlpril.(B. H.) Einer aus offiziöser Quelle koininender Meldung zufolge haben nun säinmtliche Mächte, England in- begriffen, die Blockade des Golfs von Athen akzeptirt. Dieselbe soll, sobald der geeignete Moment gekomme», ins Werk gesetzt werden. Madrid, I. April.(W. T. B) Nach einer Depesche aus Manila hat General Jaramillo die Nnfständischen bei Bundokan geschlagen, wobei 149 Aufständische»nid 1 spanischer Soldat sielen. Kanca, 1. April.(W. T. B.) Oberst Vassos richtete heule ein Schreiben an den orthodoxen Bischof in Kanea, in welchen» er an- bietet. 42 türkische Soldaten und 2 Offizier«, welche in dein letzten Gefechte bei Malaxa gefangen wurden und in Mikianu zurückgehalten»verden, unter der Bedingung ihrer Entfernung von Kreta ansznli-sern. Die Admirale sind von der Angelegenheit sofort unter- richtet worden. Washington, l. April.(B. H.) In der Erklärung, welche der t Staatssekretär des Ausivärligen den Vertretern der Mächte, die ihm die Blockade Kreta's notisizirten, gab, heißt es unter anderem, daß die Regierung der Ver- einigten Staaten, da diese nicht Signatarmacht des Berliner Ver- träges seien, durch die Stipulationen dieses Vertrages sich nicht für gebunden erachte. Sie nehme die Mittheilung von der Blockade zur Kenntniß, behalte sich aber vor, die hierbei in betracht kommenden Fragen des internationalen Rechts vom Standpunkte ihrer eigenen Handels- und sonstigen Interessen frei zu erwägen. Verantwortlicher Siedakteur: August Jacobey in Berlin. Für den Jnseratenthcil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu 4 Beilage u. ttnterhaltungsblatt, it. 78. i4. Zchgm. Keilllge des �mwlf SMer WldsblM. � is»?. Monnnnttttles. Neue Paragraphen zum Pferdebahn- Vertragöeutivurf werden bekannt. Der ß 4(Rechtsverhältnisse bei weiteren, während der Vertragsdaner zu bauenden Linien) soll folgende Fassung erhallen: Sollte während der Dauer dieses Vertrages der Magistrat die Zlus- fiihrung noch anderer, zur Zeit nicht zu bezeichnender Linien inner- halb des jeweiligen Weichbildes von Berlin verlange», so müssen die Gesellschaften die Linie nach erlangter staatsbehördlicher Genehmigung bis zum Höchstbetrage von 150 Kilometern(doppelgleisig für ein- gleisig gerechnet) herstellen. Es finden aus diese Linien sämintliche Bestimmungen dieses Vertrages jedoch init der Maßgabe Anwendung, daß die Gesell- schafte» der Stadtgemeinde gegenüber nach Erfüllung ihrer Bau- Verpflichtung berechtigt sind zu verlangen: 1. Bei den von Anfang des Jahres 1902 bis Ablauf 1907 ge- forderten Strecken Erstattung eines Drittels der Bankostens 2. bei den von Anfang des Jahres 1908 bis Ende 1913 verlangten Strecken Erstattung der Hälfte der Baukosten; 3. bei den von Beginn des Jahres 1914 geforderten Strecke» Erstattung von Baukosten oder auch Gewährung eines Betriebskostenzuschnsses, worüber Vereinbarung vorbehalten bleibt. Unter Baukosten im Sinne dieses Paragraphen sind zu verstehen die anschlagsmäßigen und angemessenen Kosten, welche zur betriebs- fertige» Herstellung der Anlagen in den öffentlichen Straßen erforderlich find. Diese Bestimmungen finden keine Anwendung auf dlejenigen Strecken, zu deren Herstellung die Gesellschaften sich freiwillig er- bieten. Auch erlangen dieselben durch diesen Paragraphen keni Vorzugsrecht vor anderen Unternehmer». § 23, dessen Ueberschrift: Einrichtung von Sommerwagen ab- geändert ist in:„Besondere Betriebseinrichtnngen", soll folgende Zusätze erhalte»: a) Die Gesellschaften sind ferner ver- pflichtet, die Wageil in ihrem ganzen Betriebe oder in einem Theile derselben auf Verlangen des Magistrats im Winter mit Heizung zu versehen, b) die Gesellschaften dürfen ihre Wagen- sührer nicht länger als 10 Stunden täglich beschäftigen.— Folgender neue, von uns kurz bereits erwähnte Z 39a ist in folgender Fassung in den Vertrag aufgenommen: Einrichtung e i n e r P e n f io n s k a s s e. Die Gesellschaften sind verpflichtet, eine Pensionskaffe für ihren Betrieb einzurichten, sobald der Magistrat den von ihnen binnen sechs Monate» nach Ab- schlnß des Vertrages einzureichenden Entwurf eines Statuts der Kasse genehmigt und sich bereit erklärt hat, die ans dem Statut sich ergebenden Verpflichtungen für den Fall des Erlöschens der Zn- ; stimmung oder beim Aufhören der staatsbehördlichen Genehmigung selbst zu übernehmen oder dem Betriebsnachfolger der Gesellschaften vertragsmäßig aufzuerlegen.— Die übrigen Abänderungen haben wir bereits ausführlich mitgetheilt. Tas Grundstück Friedrichstr. 104 ist nunmehr am Dienstag an die Stadt aufgelassen und die Kaufsnmme von 623 000 M. an den bisherigen Besitzer, Herrn Liepmann, am Mittivoch ausgezahlt worden. Dieses Grundstück, wie das angrenzende, der Stadt- gemeinde gehörende Grundstück Fricdrichstr. 104a, solle» nun zu- sainmen zur Bebauung, der dortigen Gegend entsprechend, ins- besondere der neuerrichteten Weidendammer Brücke, ivieder verkauft werden. Herr Liepmann, welcher das Grundstück Friedrichstr. 104 1871 erworben hatte, ließ damals sofort sämintliche darauf lastende Hypotheken löschen, so daß dasselbe bis jetzt ohne Hypothekenlast bestand. Uolmles. Tie Daner der Verpflegung iu de» städtische» Kranken- Häuser» wird allem Anschein nach bis zu einem gewissen Grade mit beeinflußt durch die jeweilige Stärk« des Andranges von Kranken. Wenn die ZInstalten gefüllt sind und»och weitere Kranke kommen, so bleibt— das ist von vornherein klar— für de» Augenblick nichts anderes übrig, als entweder die Anfnahmesttchendeii abzuweisen oder (um für die neuen Ankömmlinge Platz zu schaffen) Kranke vorzeitig zu entlassen. Der erste Ausweg muß ja seit einigen Jahren, da die vorhandene» Krankenhäuser dem Bedürfniß schon längst nicht mehr genüge», iu jedem Winter eingeschlagen werden und ist erst kürzlich wieder Gegenstand lebhafter Erörterung gewesen. Aber auch das Verfahren, durch zeitigere Entlassung noch nicht völlig genesener Kranker der Ueberfüllung abzuhelfen, ist in den städtische» Anstalten nicht unbekannt. Daß es bereits angewandt wurde, geht ans einem früheren Krankenhaus-Bericht hervor. Es muß aber leider angenommen werde», daß erforderlichenfalls auch heute noch so ver- fahren wird, wen» es auch in de» Berichten nicht mehr gesagt wird. In den letzte» Jahren is der Durchschnitt der Verpflegungsdauer in den städtischen Anstalten so stark zurückgegangen, daß man schon daraus, falls ina» es nicht auf Fortschritte der Heilkunst zurück- führe» will, auf eine noihgedrungcne Abkürzung der Behandlung schließen nulßte. Die Verpflegnngsdaner muß sich allerdings bei etivaiger Aenderung der Beschaffenheit des Krankenmaterials gleich- falls ändern; aus diesem Grunde könnte eine Vergleichnug der Jahrgänge unter einander vielleicht nicht ganz beweiskräftig scheinen. Vergleicht man aber die städtischen Anstalte» mit anderen Berliner Krankenhäusern(wobei angenommen werden darf, daß eine zwischen den verschiedenen Jahren etwa bestehende Verschieden- heit des Krankenmaterials im allgemeinen bei alle» Anstalten i» gleicher Weise auftreten wird), so erscheint der Rückgang der Verpflegnngsdaner in den städtischen Anstalten nicht iveniger auf. fällig. In den nichtstädtischen Anstalten hat nämlich die Ver- pflegnngsdauer entweder nur wenig oder überhanpt nicht ab- genommen. Zusammenstellnngen über die gesummte Berliner Krankenhaus.Freqnenz sind im Berliner„Statistischen Jahrbuch" bis 1894 veröffentlicht. Danach wurden in den 5 Jahren 1890 bis 1394 in den städtischen Anstalten(Friedrichshai», Moabit, Urban, Waisenlazareth) verpflegt: pro Bett 3,23, 3.37, 9,91, 11,03, 11,06 Kranke, und die Verpflegnngsdaner war: pro Kopf 29.78. 33,28, 28,79, 26,74, 26,30 Tage. Die zweite Reihe bewegt sich im ganzen umgekehrt wie die erste: die Verpflegungsdaner nimmt ungefähr i» demselben Maße ab, wie die Zahl der Verpflegten zunimmt. In demselben Zeitraum hatte» dagegen die Charitee nebst Universitätskliniken: pro Bell 11,92, 11,23, 1l.86, 12.91. 11,49 Kranke, pro Kopf 25,43, 27,87, 27,76, 26.71. 28,30 Tage. die G-fängnißlazarethe(Sladtvogtei, Barnimstraße, Lehrterstraßc Plötzensee): pro Bett 14,10, 14,13, 13,03. 17,07, 14,03 Kranke, pro Kopf 11,47, 11,33, 11,66, 12,01, 12,76 Tage. sonstige öffentliche Anstalten(Bethanien, Augusta-, Lazarus-, Elisabeth-, Hedwigs-, Kaiser Friedrich-Kinderkrankenhaus, Elisabeth- Kinderhospital, Gerhardt-Stifk, jüdisches 5kra»kenhaus): pro Bett 8.93. 8,86, 9.44, 10,11, 9,39 Kranke. pro Kops 32.02, 31,39, 29.82. 30,66, 31,63 Tage, die Privatanstalten(Kliniken): pro Bett 8,32, 8.31. 7,62, 8.39. 9.00 Kranke, pro Kopf 19,63, 21,99, 22,11, 22,33, 23,60 Tage. lieber die Thätigkeit dcS Patentamtes bringt auf grund der erschienenen vergleichende» Statistik die„Zentral- Zeitung für Optik und Mechanik" eine interessante Ueberstcht. Nach derselben find im Jahre>396 nicht weniger als 16 486 Patenle, das sind 1423 mehr als im Vorjahre, zur Anmeldung gekommen. Von diesen sind indessen noch nicht einmal die Hälfte, vielmehr nur 6203 ausgelegt bezw. bekannt gemacht worden. Aber auch diesen Anmeldern ist— meist infolge von Einsprüchen— nur iu 3410 Fällen �310 weniger als im Vorjahre) das erstrebte Patent ertheilt worden. Der Geschäftsbetrieb des Kaiserl. Patentamtes ist in 89 Klassen eittgethcilt. Die meisten Pateulanineldniigen zc, nämlich 1382, entfielen auf die Klasse 63:„Sattlerei und'Wagenbau", zu welcher auch das Radsahrwesen gehört. Erlheilt wurden indessen nur .195 Patente. Die niedrigste Frequenz weist die 5ilasse 62:„Salinen- weseu", auf. In derselben liegt nur eine Anmeldung beziv. Patent- crtheilnng vor. Die Zahl der Gebranchsmuster-Anmeldungen belauft sich auf 19 090(1601 mehr als im Borjahre). Eingetragen wurde» hiervon 17 323(1200 mehr als im Vorjahre). Seit dem Jahre 1391 sind insgesammt 63 000 Gebrauchsmuster geschützt worden. Die meisten der angemeldeten Gebrauchsmuster fallen in die Klasse 34:„Haus- wirthschaftliche Geräthe", nämlich 1991. Die Zahl der angemeldete» Waarenzeichen betrug 10 832(146 mehr als im Vorjahre). Eingetragen wurden indessen nur 8381(2077 weniger als im Vorjahre). Die Zahl der seit dem Inkrafttreten des neuen Waarenzeichen- Gesetzes eingetragenen Schutzmarken beträgt nunmehr 21 333. Von dieser Zahl entfallen die meisten, nämlich 4162, aus Klasse 16: „Getränke"(Wein, Bier. Spirituosen und Mineralwässer). Die wenigsten Eintragungen, 13, hat die Klasse„Gespmnstsasern" aus- zuweisen. Das Patentamt erzielte einen Ueberschnß von über zwei Millionen Mark. Tie allgemeine und gleichmäßige Vermessuug des Berliner Stadtgebietes ist eine überaus langwierige Arbeit. Sie wurde im Juli 1878 von der Stadt in Augriff genommen und wird, wie in 'der letzten Veröffentlichung des Vermessungsamtes mitgetheilt wird, voraussichtlich im Jahre 1397 zum Abschluß kommen. Am I. Januar 1897 waren bereits 6224 Hektar genau ver- messe», während das Gesannntareal rund 6339 Hektar beträgt. Der Flächeninhalt der einzelnen S t a d t t h e i l e »ind Stadtbezirke ist seit der Neueintheilung des Stadt- gebieles in Bezirke, also seit 1884, überhaupt nicht bekannt. Die Feststellung der belreffeuden Zahle», die für die Berliner Statistik von großer Wichtigkeit sind, wurde schon damals vom Statistischen Amt geivünscht und vom Magistrat infolge dessen an- geordnet. Sie wurde jedoch später bis nach Abschluß der ganze» Vermessung vertagt und ist nun, wie das neueste Berliner„Statist. Jahrb." niittheilt, für die Volkszählung von 1900 verheißen worden. Welche patriotische» Unternehmer zahle» ihre» Arbeitern nicht den schuldige» Lohn für die ihnen anfgezwnngenen Zeutenarfeiertage? Vom Verband der m Buchbindereien beschäftigte» Arbeiter wird uns folgendes Verzeichniß zugestellt: B a n m b a ch u. C o., Alexandrinenstr. 97, Buchbinderei, gefeiert ein halber Tag ohne Bezahlung. Lüderitz u. Bauer, Buchbinderei, Mauerstraße 80. Fünf Akkordarbeiter» ist der halbe Tag nicht entschädigt worden. F erd. As Helm, Kontobuch-Fabrik, Neue Grünstraße 32. Gefeiert der halbe Montag, den Atkordarbeitern wurde eine Entschädigung nicht gewährt. E r n st u. K o., Luxus- papier-Fabrik, Köpuickerstraße 112, 1 Tag gefeiert, niemand ist dafür bezahlt worden. Litt au er u. Boysen, Luxus- papier-Fabrik, Skalitzerstraße 104,>/, Tag gefeiert; dafür mußte das Personal in der laufenden Woche jeden Tag eine Stunde länger arbeiten, damit der halbe Tag wieder eingeholt wurde. Deilitz, N a ch f l g r., Lederwaaren-Fabrik, Rilterstr. 21; der halbe Montag wurde gefeiert, eine Bezahlung erhielt niemand von den dort Beschäftigten. H o f- M a n r e r in e i st c r K a n d t hat ebenfalls seine Arbeiter ohne Entschädigung seiern lassen. Tie Kanzleigehilfe» und Lohnschreiber der hiesigen Ge- richtsstellen wurden gestern, am Tage der monatlichen Abrechnung, durch eine Verfügung des Jnstizministers angenehm überrascht, laut welcher diesen Hilfsarbeitern der Justiz, welche nicht im festen Ge- halt stehen, eine Entschädigung sür den 22. März, den Tag der Nationalfeier, in der Höhe eines durchschnittlichen Tagesverdienstes gezahlt werden soll. Es wäre eigentlich von vornherein selbst- verständlich gewesen, daß eine Behörde, welche Feiertage anordnet, die Lohnarbeiter ebenso für den Ausfall an Verdienst schadlos hält, wie die festangestellten Beamten, deren Gehalt rnhig weiter geht; in der ersten Verfügung vor der Feier war aber von einer Entschädigung der Lohnarbeiter keine Rede. Katholische Propaganda. Ein eigenes Blatt will, der„Nat.- Ztg." zufolge, der Bund der katholischen Arbeitervereine Berlins und Umgegend unter dem Titel:„Der Arbeiter" herausgeben. Zwecks Agitation für den Bund sollen außerdem Flugblätter in einer Massenauflage durch ganz Berlin verbreitet werden. Bis jetzt ge- hören den katholischen„Arbeiter"vereinen Berlins weit mehr Geist- liche, Handwerksmeister und Geschäftsleute an, als wirkliche Arbeiter, lind so wird es bleibe». Der Proletarier, der erkannt hat, daß er sich organisire» muß, weiß auch, daß er es nur auf dem Boden des Klassenkampfes kann. Eine Pom Anöschuß für die Einaeineittdnng der Bororte einberufene Versammlung, welche am Mittwoch bei Dräsel in der Neuen Friedrichstraße tagte, beschäftigte sich wefentlich mit der vom Provinzial- Landtag beschlossenen Stadlrechls- Verleihung an die Gemeinde Schönebcrg. Man beschloß, ans den Berliner Magistrat dahin einzuwirken, daß derselbe die Initiative dazu ergreist, die in den Vororten wohnenden Berliner vor der Besteuerung durch die ständischen Körperschaften zu schützen und zu diesem Zwecke die Ein- verleibung der Vororte herbeizuführen. Heute beginnt in den Berliner Geineindeschnle» das Sommerhalbjahr. Leider wird auch in das neue Semester das alte Nebel des unregelmäßigen Unterrichts mit hinüber- genommen. Noch immer beginnt für die einzelnen Klassen die Schulstunde bald um 3 Uhr und bald um 10 Uhr; an ver- schiedenen Wochentagen ist durchgehender Unterricht. an anderen müssen die Kinder nochmals am Nachmittag in die Schule. In einer hiesigen Geineindeschnle besteht z. B. für die Schüler einer Klasse folgenden Stnudenplan: Montag von 3 bis 12 Uhr, Dienstag von 10 bis I Uhr, Mittwoch wieder von 8 bis 12 Uhr, Donnerstag desgleichen, Freitag von 8 bis 10 Uhr vor- mittags nnd 2 bis 4 Uhr nachmittags und Sonnabend zur Ab- wechsclnng wieder von 10 bis I Uhr. Dag kann man als systematische Erziehung zur Unpünktlichkeit bezeichnen. Zum Sommer kommt noch hinzu, daß der Unterricht an einigen Wochentagen bereits um 7 Uhr, also zu einer Slnude beginnt, zu der in der Großstadt die meisten sechs- und siebenjährigen Kinder noch des Schlafes bedürfen. Ist wirklich keine Abhilfe möglich? Reverenzen vor der Polizei. Z» der Meldung, daß der Polizeipräsident v. W i n d h e im sich mit dem Grafen P ü ck l e r in Wien befinde, bemerkt das vom Spitzel Gingold-Stärk genasführte „Berliner Tageblatt":„Es ist mit Genugthuung anfzu- nehmen, daß sich Graf Pncklcr der Studienreise des Berliner Polizeihanptes angeschlossen hat, denn gar manche Einrichtungen der Wiener Kriminalpolizei, insbesondere ihre Beziehungen zn der Presse dürsten sich für die Berliner als nachahmensiverth erweisen oder doch wenigstens als schätzbares Material bei den geplanten Re- formen der letzteren in belracht kommen." Hierzu schreibt die „Vossische Zeitung":„Wir beklagen es im Gegentheil, daß der Berliner Polizeipräsident nnd der Chef der Berliner Kriminal- polizei bei ihren Informationen über die Einrichtungen der Wiener Kriminalpolizei sich erst dort über die Beziehungen der Polizei zur Presse Rath holen können. Es wäre wünschenswerther gewesen, wenn sie sich diesen Rath auch schon in Berlin hätten holen können. Das geht aber darum nicht an, weil es hier an einer Vertretung der Berliner Zeitungspresse, an die sich das Berliner Polizeipräsidium hätte wenden können, fehlt. An gutem Willen dazu hat es unseres Wissens dem hiesigen Polizeipräsidium nicht gefehlt."— „Wer da Recht hat, weiß ich nicht u. f. w." Stadtverordneter Hngo Hanke ist hier am 31. März ge- storben. Gegen die sogeuaunten Kons»««- nnd Rabatt-Sparvereiue nahm dieser Tage eine Versammlung von Schlächtermeistern dahin- gehend Stellung, daß die Theilnehmer sich bei 1000 M. Konventionalstrafe verpflichteten, jede Verbindung mit den Vereinen abzubrechen. Bisher haben sich die Detailhändler vergeblich gegen die Umklamme- rung dieser Organisationen gewehrt. Zur Berfronttnungö-Berordnnng. Die Petition, welche von dem Komitee für die Agitation gegen die neue Polizei-Verordnung über die Sonntagsruhe ausgearbeitet worden ist, Hai nahezu 107 000 Unterschriften erhalten. Vereinfachuug des Gepiickverkehrö. Im Verkehr zwischen dem Lehrter Hauptvahnhof und Hambnrg-Altona komittt seit bereits länger als zwei Jahren ein vereinsachtes Absertigungsverfahren für aufgegebenes, die Grenze» des Freigewichts nicht überschreitendes Ge- päck zur Anwendung. Danach erhält der Reisende statt des sonst üblichen Gepäckscheines so viele Checks(Bleckmarken mit dein ein- geprägten Namen der Abgangsstation und einer Nunliner) ein- gehändigt, als er Gepäckstücke ansgegeben hat. Dies Verfahre» wird vom l. d. M. an u. a. auch im Verkehr zwischen dem An- Halter Bahnhof und Dessau, Halle nnd Leipzig Berliner Bahnhos, eingeführt. Gegen tziückgabe des oder der Checks erhält der Lieisende sein Gepäck aus der Bestiinmnngsstation' oder auch auf einer Zwischenstalion ausgeliefert. Diese„Reform" muß dem Eisenbahn- siskuS billiger zu stehen kommen, als die alte Art der Abfertigung. Anders wäre sie unter der heutigen Verwaltung, die jeder Aenderung zun» Vortheil des Publikums ablehnend gegenüber steht, ganz gewiß nicht verallgemeinert worden. Nichtrancherivage» dritter Klasse sollen endlich auf der Stadt- bahn eingeführt werden. Wann, wird nicht berichtet. Tic patriotische Börse. Das Ergedniß des Börsenkonzerts. daß am 18. März aus Anlaß der Hundertjahrfeier für Kaiser Wilhelm I. zum besten des König Wilhelm- nnd Kaiser Wilhelm- Jnvalidenfonds stattfand, beträgt rund 17 000 Mark. Die Aellcslen beschlossen, den Betrag den genannten Fonds zu überweisen und die entstandenen Kosten ihrerseits persönlich zu tragen. Mit dem Bau des provisorischen Stettiner Bahuhoses ist gestern in der Jnvalidenstraße begonnen worden. Wiener Cafvö i» Berlin. Das Linden-Cass nebst Inventar ist, wie der„Konfektionär" meldet, für den jährliche» Miethspreis von 70 000 M. an einen früheren Zahlkellner des Cafö Bauer weiter verpachtet worden. Das Cafö Bauer zahlt 120 000 M. Noch ein anderes Cass geht demnächst in anderen Besitz über. Das Cass Schiller ist sür 22 000 M. Miethe und 30000 M. Entschädigung sür Inventar weitcrverpachtet worden. Fritjof Nansen trifft heute Vormittag gegen acht Uhr, von Paris kommend, aus dem Bahnhose Friedrichstrahe ein. Morgen, Sonnabend Abend hält er bei Kroll den der Geographischen Gesell- schaft zugesagten Vortrag. Bei de» hiesige» Postanstalte» begann gestern der Schalter- dienst des Morgens wieder»in 7 Uhr, während er im Winter»m 3 Uhr begonnen hatte. Doch findet die frühere Schalteröffnung nur bei den wirklichen Postämtern und nicht auch bei den„Post- Zweigstellen", den sogenannten„Quetschen" statt, bei denen, mit Ausnahme von zweien, abends die Schalter stets schon um 7 Uhr geschlossen nnd morgens im Winter wie Sommer durchweg erst um 8 Uhr geöffnet werden, gleichviel, ob die„Zweigstellen" Telegraphenbetrieb haben oder nicht. Die Zahl dieser„Quetschen", die übrigens zum größten Theil auch keine Packet-Annahme haben, des Sonntags jedoch sämmtlich überhaupt nicht geöffnet werden, beträgt nicht weniger als 42, während sich die Zahl der eigentlichen„Postämter" z. Z. auf 63 beläuft. Zu er- wähnen ist hier auch noch, daß bei 6 dieser Postämter, nämlich bei denjenigen aus dem Lehrter, Potsdamer, Anhalter, Schlesischen und Stell n r Bahnhos, sonne bei dem Postamt 4 in der Schlegelstraße ein Schalterdienst bis 11 Uhr abends stattfindet. Ein Nachspiel zuur Falle Liebling. Eine Anzahl Berliner Musikkritiker legt Verwahrung ein gegen die von dem Schriftsteller Knor in der„Frankfurter Zeitung" nnkgestellte Behauptung, daß bestimmte Musikkritiker bestechlich seien. Herr Knor wird ans- gefordert, Namen zu nennen. Ob er die Antwort schuldig bleiben wird? Danipfkessel-Nevifiou. Das Polizeipräsidium theilt mit: Mis dem I. April tritt eine neue Anweisung über das Versahren bc� Genehmigung und Untersuchung von Dampfkesseln in Kraft. Die nicht fiskalischen Schiffs-Dampskessel und die Kessel in landwirth- schaftlichen Betrieben werden daiiach, soweit sie nicht schon Dampf- kcffel-Ueberwachnngsvereincn zngehören, auch fernerhin durch staal- licherseits zugelassene Ingenieure dieser Vereine in staatlichem Ans- trage revidirt. Im übrigen hat sich hinsichtlich der Zuständigkeit für die Kesseluntersnchungen nnd ihrer AitSsührnng wenig geändert; sie werden nach wie vor in der Industrie namentlich von den kgl. Gewerbe-Jnspektoren und den Ingenieuren der Kessel-Ueberwachungs- vereine vorgenommen. Das Verfahren bei der Anlegung und Inbetriebsetzung von Dampfkesseln ist ebenfalls im wesentlichen das- selbe gebliebe», doch ist sür die Beschreibung neu zu genehmigender Steffel von jetzt ab ein bestimmtes Muster innezuhalten. Hervor- zuhebeu ist die neu eingeführte Gebühren- Ordnung. Bisher mußte jede einzelne Kesselprüsu ig liquidirt nnd bezahlt werden; es ergaben sich daraus viel Arbeilen sür die Behörden nnd Unbequemlichkeite» für die Kesselbesiher. Deshalb ist nun fest- gesetzt, daß sür die regelmäßig iviederkehrenden Untersuchungen eine Jahresgebühr zn erheben ist. Befindet sich ein Kessel ein ganzes Etatsjahr(vom I. April ab beginnend) hindurch außer Betrieb, so werden sür ihn Gebühren nicht erhoben, wenn die Anßerbetrieb- setzung bis zum 1. April dem zuständigen Kesselprüser(Kesselrevisor) nnd der Ortspolizeibehörde vom Besitzer angezeigt worden ist. Dieser hat den genannten Behörden überhaupt von jeder in seinem Sleffelbesitzstande eintretenden Aenderung— insbesondere von dem Erlöschen der Genehmigung, der Wiedereröffnung deS Betriebes, der zeilweifen oder gänzlichen Außerbelriebstellung, Beseitigung, dem Verkauf oder der Neubeschaffnng von Kesseln spätestens bis zum I. April jeden Jahres Anzeige zu machen. Der Uebcrgang von Kesseln aus der staatlichen Ueberwachung oder der Ueberwachnng im staatlichen Auftrage in die Vereinsüberwachung kann n>r am 1. April jedes Jahres nach rechtzeitiger, spätestens bis zum A>lanf des vorhergehenden Kalender- jahres an den zuständigen Kesselprüfer gerichteten schriftlichen Kündigung des Kesselbesitzers erfolgen. Kesselexplosionen sind fernerhin nicht nur der Polizeibehörde, sondern in erster Linie auch stets dem für den Bezirk znstiindigen Staatsbeamten(Gewerbc-Jnspektor, Bezirks-Revierbeamten) un- verzüglich anzuzeigen. Die gleiche illnzeige ist bei Vereinskesseln an den Vereinsingenieur zu richten. Gebühren werden für die amtliche Untersuchung explodirter Kessel jedoch nicht entrichtet. Z» dem in Nr. 32 unseres Blattes gebrachten Artikel„Wie man in Berlin Häuser baut" sendet uns der darin erwähnte Herr Julius Ewest eine Zuschrift, ans der wir die Miltheilung ent- nehmen, daß Herr Ewest nicht unvermögend war, als er vom Rechts- anwalt Alexander Katz die Baustellen kaufte. Auch heute sei er nicht unvermögend. Gransam. Gestern war in der antisemitischen und der übrige» Bismarckpresse allerhand Poesie zu Ehren des„Heros" zu finden der bekanntlich an diesem Tage in sein 83. Lebensjahr trat. DaS ge- reimte und ungereimte Zeug hätte dem nlten- Mann nun nicht »veiter gcschndet. wenn nicht einige der Schuldigen so grausam ge- wefeii wären, die verbrocheneu Gedichte nach Friedrichöruh zu sendem Eine hiesige Zeitschrift, der„Deutsche Nadfahrsport", hat sogar sein Festgedicht»ulsammt einer„Adresse" in eine kunstvolle Mappe ver- packt. Wir haben gewiß keine Sympathie mit dem alten Arbeiter- feind, aber so etwa» hätten wir ihm doch nicht anthun mögen. Die Dliuou Vlad'schc Testainciits- Angelegenheit soll neuerdings, wie berichtet wird, eine ganz nberraschende Wendung genommen haben. Tie übergangenen Erben des Blad, der sein über I'/« Millionen Mark betragendes Vermögen den Städten Berlin, Mainz und Bingen vermacht, hatten in einem Immediatgesuch an den Kaiser gebeten, der Zuwendung die landesherrliche Genehmigung zu versagen. Diesem Gesuche sind nun zahlreiche eidesstattliche Aussagen beigefügt worden, welche es außer allem Zweifel lassen, daß der verstorbene Millionär in den lehten sechs Jahren seines Lebens an hochgradigem Ver- folgnngsivahnfinn gelitten hat. Von den vernommenen Dienst- boten, die während dieser Zeit bei Blad in Stellung waren, machen vier ganz ungeheuerliche Angabe« über das Leben und Treiben des Mannes. Bon noch größerem Gewicht ist aber die Älussage des langjährigen Hausarztes des Herrn Blad. Derselbe erklärt, er habe oft Kaffee und Suppen untersuchen müssen, von denen Herr Bind behauptete, daß ihnen seine eigene Schwester und deren Sohn— das sind die gesetzliche» Erben des Herr» Blad— Gift beigemischt hätte»!„Im Juli 1331", so heißt es in der notariell beglaubigte» Erklärung des Arztes,„erneuerte Herr Blad sein Testament und übergab mir das- selbe zur Einsicht. Als ich es gelesen und ihn erstaunt fragte warum er denn seiner Schiuxster, die doch so viele Jahre bei ihm gewesen sei. kein bestimmtes Kapital ausgesetzt habe, erwiderte er:„Fällt mir gar nicht ein! Damit die Bande mich noch schneller um die Ecke bringt!"— Am Schlüsse faßt der Hausarzt seine sechsjährigen Beobachtungen dahin zu- sammen:„Auf Grund der von mir gemachten Wahrnehmungen kann ich mit bestem Wissen und Gewissen die Ansicht aussprechen, daß Herr Blad im Jahre 1331 an Verfolgungswahnsinn gelitten hat, und zwar erstreckten sich seine Wahnideen nicht allein auf fremde, ihm unbekannte Mensche», sondern hauptsächlich auf seine eigene Schwester, von der er fest überzeugt war, daß sie die Absicht hatte, ihn in Gemeinschaft mit ihrem Sohne durch Gift aus der Welt zu schaffen." Nach allen diesen Angabe», die noch durch das motivirte Gutachten eines hervorragende» Irren- arztes unterstützt werden, ist es allerdings nicht unmöglich, daß man es hier mit dem Testament eines Wahn- sinnigen zu thun hat, der seine Verwandten n n r deshalb enterbte, weil er sie für seine Verfolger hält. Möglich ist es auch, daß Blad schon damals geisteskrank war, als er im Dameukoupee den Stationsvorsteher mit dem Dolchmesser bedrohte, und als ein Ausfluß dieser Krankheit war denn auch die an die Stadt Berlin gestellte Forderung zn betrachten, ihm ein lebensgroßes Denkmal in Erz setzen zu lassen. Sehr bezeichnend ist es übrigens, daß der erwähnte Hausarzt die Annahme der ihm testamentarisch vennachten Bibliothek des Herrn Blad mit der Begründung ver- weigerte, daß er aus dein Testament eines Geisteskranken keinerlei Vortheile ziehen wolle... Justizrath Makower, der stellvertretende Vorsitzende der An- waltskaninier ist hier gestern 68 Jahre alt, gestorben. Das„Verl. Tagebl." rühmt dem Tobten nach, daß er niemals um des materiellen Vortheils willen ein Rechtsmandat übernommen habe. Mit dem Berkaufsbermittler Georg Wendler sind auch zwei seiner Agenten verhaftet worden. ES wird berichtet, daß Wendler leitgnet, die ihm zur Last gelegte» Betrügereien begangen zu haben. Zwei ans Magdeburg entlassene Militärsträflinge, namens Großmann und Mund, die auf dem Bahnhof Großgörschenstraße Beamte bedrohten, wurden zunächst zur Polizeiwache und von da in Militärarrest gebracht. Hand an sich gelegt hat der Kaufmann Otto Löser. der ans Luckenwalde hierher gekommen war, um in der Weißenburgerstr. 34 ein Mehl- und Vorkvstgeschäft einzurichten. Seine Angehörige» be- finden sich noch in Luckenwalde und er selbst ivar hier auch noch nicht polizeilich gemeldet. Da das Geschäft nicht geöffnet ivurde, so ließ die Polizei des 31. flieviers es am Mittwoch Vormittag öffnen und fand nun Löser als Leiche mit einer Schnur an einem Haken hängen. Was ihn zum Selbstmord veranlaßt hat, weiß man nicht. Seine Räume sind von der Behörde geschlossen worden. In Moabit hat in der Nacht zu gestern ein Miether im Hause des Maurermeisters F. Sprick, Bremerstr. öl, seine Wohnung vor- sätzlich in Brand gesetzt. Um 11 Uhr wurde die Feuerwehr benachrichtigt; diese war aus der nahe» Feuerwache in der Thurmstraße schnell zur Stelle und stellte bald fest, daß a» verschiedenen Stellen die Betten, Möbel und der Fußboden mit Petrolenm getränkt waren. Die Flammen konnten noch so schnell gelöscht werden, daß die Löschmannschaften noch ein klares Bild von der Brandstiftung gewannen. Die Polizei nahm den Inhaber der Woh- nung in Haft. Gestohlene Uhr. Das Polizeipräsidium theilt mit: Am 29. v. M. wurde einem bis jetzt unbekannt gebliebenen Manne in trunkenem Zustande auf dem Flur des Hauses Jnvalidenstr. 44/4S eine silberne Zylinder-Uhr mit der Nummer 42 533, auf 6 Steinen gehend, mit Talmikette gestohlen. Der Dieb ist ermittelt und die Uhr in Verwahrung genommen worden. Der rechtmäßige Eigen- thümer der Uhr wolle sich in den Vormittagsstunden zwischen 10 und 12 Uhr in dem Zimmer Nr. 331 des Präsidialgebäudes am Alexanderplatz einfinden. Bon der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt worden ist die Leiche der 75 Jahre alten Wittive Anna R o h d e geb. Korth, die bei dem Grünkramhändler Bartelt in der Hasenhaide 50 wohnte. Man hatte die alte Frau de» ganzen Tag über nicht gesehen, ließ Mittwoch Abend um 8 Uhr ihre Wohnung öffnen und fand sie als Leiche auf. Die Todesursache konnte nicht festgestellt werden. Seineil Verletznngen erlegen ist der 43 Jahre alte Gastwirth Fritz Harms aus der Gitschcnersir. 107, der sich in seiner Wohnung beim Steinigen eines Revolvers durch einen Schuß in den Unter- leib schwer verletzt hatte. Der Verunglückte ist im Krankenhaus Am Urban gestern gestorben. Gleichfalls ist am Donnerstag früh die Zunmervermietherin Langner i» der Charitee gestorben, die sich in ihrer Wohnung in der Elsasserstraße durch Gift zu tödten versuchte. Eine Mahnung znr Vorsicht! Vorgestern Abend starb der Vit jährige Sohn des Putbuserstraße 51 wohnenden Malers August Sierakowsky an den Folge» einer Vergiftung, die er sich durch den Genuß von Tuschfarben zugezogen Halle. Theater. In der heute im O st e n d- T h e a t e r stattändeuden erste n Ausführung von„Klein Geld" liegen die Hauptrollen in den Händen der Damen: Lid, Anna Müller, Schönberg und Pauli: der Herren: Dill, Weiß, Walter, Heckman», Wach. Kettner, Aschinger und Pauli, Ii» Zirkus Busch wird aui Sonnabend das Ausstattungsstuck«Nach Sibirien" zum 100. Male aufgeführt. A»ts de«» Nachbarorte». In Rixdorf findet am nächste» Sonntag, mittags 12 Uhr, in den Viktoriasälen, Hermannstr. 43/öO, eine Volksversammlung für Frauen der arbeitenden Bevölkerung statt. Auf der Tagesordnung steht die Berathung der von der Kommisston ausgearbeiteten Statuten betreffs Gründung ei» es Bildungsvereins für Frauen und Mädchen. Wir machen auf diese wichtige Versammlung ganz be« fonders aufmerksam. Die zweite Schöneberger Ringbahustatiou, die zwischen der Tempethofer- und Mnxstraße angelegt wird, ist jetzt nahezu fertiggestellt, so daß ihre Eröffnung bestimmt am l. M a i erfolgen kann. Ein Aufsehen erregender Steckbrief wird von der Staats- anwaltschafl des königl. Landgerichts II erlassen. Der Professor Dr. Waldemar Ortleb, geboren am 23. Mai 1344 zu Swinemünde, Ivird wegen schwerer Urkundenfälschung in gewinnsüchtiger Absicht (§S 267, 268, 74 des Sl.-G.-B.) verfolgt. Professor Ortleb, welcher ein Amt an der Berliner Universität nicht inne hatte, lebte zuletzt im Vororte Hermsdorf, wo er sich mit philosophischen Studien und Schriflstellerei beschäftigte. Das Signalement des Steckbriefes lautet wie folgt: Größe 1,75 Meter. Statur: sehr kräftig, Gesicht: voll, rüthlich. »ober deu Selbstmord eines KindeS wird aus Spandau berichtet: Ei» Il'/ejäbriger Knabe, Pflegesohn deS Seeburgerstr. 33 wohnhaften Arbeiters Lehmann, hat gestern Selbstmord begangen. Er hatte auf der Straße Ungezogenheiten vollführt, die einen Poltzei- beamte» zum Einschreiten veranlaßten. Die Mutter drohte darauf dem Knaben, daß er seine Strafe von dem Vater erhalten würde. Darauf ging der Knabe in den Stall und tödtete sich durch Erhängen._ Gevirszks" Bettung. Ein frommer Katholik ist der Arbeiter Przybyl. Jeden Sonntag ging er in die Kirche. Das hinderte ihn aber nicht, an der fünfjährige» Tochter eines Hansgenossen ein abscheuliches Sittlich- keitsverbrechen zn begehen. Da Przybyl zur Zeit der Thal an einer geheimen Lirankheit litt, so übertrug er diese Krankheil auch auf das von ihm mißbrauchte Kind. das infolge dessen über zwei Monate im Krankenhanse zubringen mußte und auch gegen- wältig noch nicht völlig wieder hergestellt ist. Die erste Straf- kammer des Landgerichts II(die That ist in Charlottenburg verübt) verurtheilte den Angeklagten in anbelracht der ganz besonders rohen Handlungsweise und da er schon einmal wegen Sittlichkeitsvergehen vorbestraft ist, zu einer Zttchlhansstrafe von 3 Jahren. Eine Anklage gegen die„göttliche Weltordnung". Aus der Anklagebank vor der 2. Strafkammer des Landgerichts I befand sich gestern ein armes vergrämtes Weib. Es war die verehelichte Ziminermanns-Ehesran Klara Drescher, welche durch Fahrlässig- keit den Tod ihres Kindes verschuldet haben sollte. Sie entrollte folgendes trübe Bild ans dem Arbeiterleben. Sie sei Mutter von sechs lebenden Kindern, von denen das älteste 10 Jahre alt sei. Mit ihrem Ehemann und deffen Bater hatten sich also neun Personen in die ans Stube und Küche bestehende Wohnung zu theilen. Die beide» Männer mußten schwer arbeiten, izach ge- nossenem Abendbrot pflegten sie sich zur Ruhe zu legen. Aber auch sie sei von früh bis spät mit Arbeit überhäuft, wenn sie ihre Wohnung und ihre sechs Kinder in Ordnung halten wolle. Am Morgen des 17. Januar d. I. sei sie wie gewöhnlich um drei Uhr aufgestanden, die beiden Männer mußten früh zur Arbeit und vorher Kaffee trinken. Sie habe in der Küche Wasser warm gemacht und einen Eimer voll lauwarmen Wassers in die Stube getragen, da sie ihr acht Wochen altes Kind baden wollte. Sie stellte den Eimer neben sich und setzte sich auf die Bettkaute, um dem Kinde vorher Nahrung zu geben. Ob sie nun hierbei einen Ohnmachtsanfall gehabt, oder ob sie vor Uebermüdnng eingeschlafen sei, wisse sie nicht. Plötzlich sei sie aufgeschreckt, sie vermißte das Kind, welches an ihrer Brust gelegen. Zu ihrem Entsetzen erblickte sie de» kleinen Körper mit dem Kopie nach unten im Ei m e r liegen. Das Kind war dem kraftlose» Arme entglitte» und in den Eimer gefallen. Es war bewußtlos, als die Mutter es empor- zog und es zn ihrem Manne ins Bett legte. den sie erst weckeit mußte. Dann stürzte sie zum nächsttvohnenden Arzt-- er lehnte es ab zu komnieii. Ein zweiler 'Arzt folgte mit nach ihrer Wohnung, die von ihm an- gestellten Wiederbelebungsversuche waren erfolglos. Der Sach- verständige Professor Dr. Straßinann begutachtete int Termin, daß das Kind den Erstickungstod erlitten habe. Der Staatsanwalt hielt eine Fahrlässigkeit für vorliegend, für die er das zulässig niedrigste Strasmaß— einen Tag Gefängniß— beanlragle. Der Gerichtshof sprach die Angeklagte frei. Der Vorsitzende. Landaerichtsrath Grandlke, führte aus. daß man es nicht als eine Fahrlässigkeit bezeichnen könne, wenn ein dermaßen mit Arbeit überbürdetes Weib wie die Angeklagte, sich unter den vorliegenden Umständen vom Schlafe überwältigen ließ. Anch gestern hatte sich daö Schwurgericht des Landgerichts I unter Vorsiy des Landgerichts-Direklors 9t i e et mit einer Anklage wegen Münzverbreche n s zu beschästigen. Nicht iveniger als acht Personen befanden sich auf der Anklagebank: 1. der Kellner Robert B r i e s e m e i st e r, 2. Kellner Otto Kühn, 3. Kellner Arthur K l i ß, 4. jkellner Walther B r i e s e in e i st e r. 5. Koch Karl Möller, 6. Schriftsetzer Walther Lieb ig, 7. Kellner Arthur Polinsli. 8. Kellner Iiiehard W i n k l e r.— Den Angeklagten standen die Rechtsanwälte Meltzbach, Leop. Meyer, Siegm. Marcus«, Dr. Gennerich. Mühsam, Masur, Dr. Misch und Morris als Ber- theidiger zur Seite.— In der zweiten Halste des vorigen Jahres tauchten gleichzeitig in Berlin, Hamburg, Altona und an anderen Orlen falsche Ein- und Zweimarkstücke auf. Die Mehrzahl der falschen Zweimarkstücke trug zum theil das Bildniß des Königs Alberl von Sachsen mit der Jahres- zahl 1377, zum theil das Bildniß des Kaisers Wilhelm I. mit der Jahreszahl 1376 Schon im November 1836 gelang es, der Falschmünzer und ihrer Genossen habhaft zn werden. Es stellte sich heraus, daß zwei Werlätten bestanden, in welchen die Falschslücke gegossen wurde». Die urfprüng- liche Werkstatt war die des Angeklagten Kliß in der Thurm- straße 7. Von hier ans wurden die Falschstücke durch die Angekl. Kühn, Möller, Robert und Walther Briesemeister und Liebig in den Verkehr gebracht. Im Oktober vorigen Jahres reisten Robert Briesemeister und Karl Möller mit einem größeren Vorrath falscher Zweimarkstücke nach Hamburg und setzten sie dort in Siestanrationen, Zigarrenläden, Obsthandlunge» w. in Umlauf. Kliß Halle ihnen bei ihrer Abreise 63 falsche Einmarkstücke mitgegeben und ihnen dann noch über 300 M. in falschen Ein- und Zweimarkstücken nachgeliefert. Während Moller eine Stelle als Schisfskoch annahm, kehrte Robert Briesemeister nach Berlin zurück tuid versuchte mm, die Falschmünzerei auf eigene Faust zu betreiben. Er zog deshalb zu dem in der Chausseestraße wohnenden Angeklagten Kühn und hier entstand nun eine zweite Werkstatt. Die letzten beiden Angeklagten, Polinski und Winkler haben nach den polizeilichen EnnUtetungen von der Anfertigung der Falschstücke genaue Kenutuiß gehabt, ohne der Polizei- behörde davon Anzeige zu erstatten.— Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Der Spruch der Ge- schworenen lautete ans Schuldig in betreff der ersten sechs Angeklagten, die Angeklagten Polinski und Winkler wurden frei- gesprochen. Das Urtheil lautete gegen Kliß aus 2 Jahre, gegen Robert Briesemeister auf I Jahr 6 Monate. M ölten I Jahr, Kühn a eh t M o n a t e, W. B r i e s e m e i st e r und L i« b i g je vier Monate Gefängniß, gegen die ersten vier Verurlheilten wurde außerdem auf Ehrverlust erkannt. Von sämmtlichen Strafen wurden je drei Monate durch die erlittene Untersuchungshaft in Abrechnung gebracht. Jnacudlicher Leichtsinn war es, welcher einen siebzehnjährigen jungen Marnt dazu veranlaßte. im Uebermuth der Trunkenheit die Schansensterscheibe eines Katifmannsladens in Eharlottenburg ein- zuschlagen und ein Paar Stiefeln aus dem Laden zn entwenden. Er wurde auf frischer That erwischt und in Untersuchungshaft geführt. Thränenden Auges erschien er auf der Anklagebank vor dem Landgericht II. Seine Mutter saß schluchzend im Zuhörerranm und suchte von da aus zu gunsteu ihres Sohues zu interveuireu. Der Gerichtshof ließ die Trunkenheit des Angeklagten als mildernden Umstand gelten und erkannte mit Rücksicht auf sein» augenscheinliche Reu» aus»inen Monat Gefängniß. der durch die Untersuchungshaft für verbüßt er- achtet wurde. Muffen Pridat-Kraukenhauser«iuen Garten haben? Diese Frage, die nicht nur für die betheiligten Aerzte, sondern auch für das Publikum von eminenler Bedeutung ist, unterlag am Donners- tag) der Prüfung des Ober-Verwaltungsgerichts. Der Polizeipräsident von Berlin versagte im vorigen Jahre dem Frauen- arzte Dr. Bogel die Erlaubnis, im Hause Michaelkirchplatz 10 eine Privatheilaustall zu eröffnen, weil das Grundstück k e i n e n Garten hat. Nach Meinung der Polizei entsprachen aus diesem Grunde� die Anstaltsanlagen nicht den sanitätspolizeilichen Anforderungen, die auf grund des H 30 der Gewerbe-Ordnutig au die baulichen und lechnischen Einrichtungen einer Privat- Heilanstalt gestellt werden können. Die fragliche Verfügung griff Dr. Vogel im Verwaltungs- streite an und machte besonders geltend, daß ein Garten iveder zu de» baulichen, noch zu den technischen Einrichtungen eines Kranken- Hauses gehöre. Vom Bezirksausschuß wurde den» auch die polizeiliche Verfügung, durch die ihm die Konzession versagt worden war, aufgehoben. Thatsächlich gehöre, führte das Gericht an-, ein Garten dem Begriffe nach nicht zu den baulichen und technischen Einrichtungen im Sinne des§ 30 der Gewerbe-Ordnung. Der Polizeipräsident legte gegen das Urtheil Berufnng ein und er- zielte anch insofern einen Erfolg, als die Vorentscheidung aufgehoben und die Sache zu nochmaliger Verhandlung in die Vor- instanz zurückverwiesen wurde. Das Ober- Berwaltungsgericht erklärte die Annahme des Bezirksausschusses für irrig, wo- nach von dem Unternehmer einer Privat- Krankenanstalt überhaupt nicht die Zugehörigkeit eines Gartens verlangt werden kann, tveil ein Garten keine bauliche und auch keine technische Ein- rieh tu» g wäre. So allgemein sei die strittige Frage nicht zn enl- scheiden. Es komme vielmehr aus den einzelnen konkreten Fall an. Je nach den vorliegenden Umständen sei zn entscheiden, ob das Vorhandensein eines Garlens aus sanitätspolizeilichen Gründen ge- sordert werden müsse oder nicht. Im Falle des Klägers habe nun- mehr der Vorderrichter dieser Frage näher zu treten. Eine der bisherigen Praxis der Stenerbehörden entgegen- tretende Plenar-Entscheidnng der Steuersenale des O b e r- V e r- w a l t u n g s g e r i ch t s, die vom Senatspräsidenten Finsting in der „D. Jur. Ztg." mitgetheilt wird, ist von ungewöhnlicher Wichtigkeit für die Ermittelung des Einkommens der Hausbesitzer, Landwirthe und Gewerbetreibenden. Die Entscheidung beschäftigt sich mit der Bemessung der im Z 3 des Einkommensteuer-Gesetzes allgemein zugelassenen„regelmäßigen jährlichen Absetzungen für Abnutzung von Gebäuden, Maschinen, Betriebsgerälhschaften u. s. w.", führt aus. daß die Anwendung der Z i n s e s z t n s r e ch n u n g bei Bemessung der im Z 9 1� vorgesehenen Absetzungen wegen Abnutzung ausgeschlossen ist und stellt für die Bemessung der Abnutzungsquote folgende Grundsätze fest: I. Berücksichtigt wird nur die Werlhver- Minderung durch Abnutzung der Gebäude, Maschinen u. s. w. im gewöhnlichen Betriebe, d. h. durch Verringerung oder Ver- schlechterung infolge natürlicher Einflüsse und bestimmungsmäßigen Gebrauches bei regelmäßigem Verlause der Dinge, nicht aber infolge außerordentlicher Vorkommniffe, ivie Unglücksfälle, Betriebsändernngen u. s. w. 2. Die Abuntzungsquole bemißt sich als schwankende Ausgabe(§ 10 a. a. O) regelmäßig nach der im Durchschnitte der maßgebenden Vorjahre eingetretenen, falls aber die Durchschnitts- berechnuug wegen der Kürze de? Bestehens der Quell« nicht angewandt werden kann, nach der für das SUuerjahr muth- maßlich zn erwartenden Werthvermindernng. 8. Hierbei ist nicht von dem ursprünglichen Werth« der Gebäude u. s. w.(zur Zeit der Errichtung), sondern von dem jeweiligen Werth« auszugehen, den sie bei Beginn des für die Veranlagung maßgebenden Zeitraums in Wirklichkeit(nicht etwa blos buchmäßig) gehabt haben; jedoch bleibt eine Werthverininderung. die ein Gegenstand erlitten hat, bevor er ein Bestandtheil des Vermögens des Steuerpflichtigen wurde, außer betracht. 4. Die Ermittelung der im Vergleiche mit diesem Werth«(zu Nr. 3) erfolgten jährlichen Werthverminderung geschieht unter Berücksichtigung aller dieser im einzelnen Falle ivesentlichen Umstände, also bei Gebäuden insbesondere des baulichen Zustaudes, der örtlichen Lage, der Einwirkung der Witterung, vor allem aber der Benutzungsart(Wohnhäuser im GegensMe zu Wirthschasts- gcbäuden, Stallungen, Fabrikationsstätten ic.).?! Für die praktisch« Handhabung dieser Grundsätze genügt es, daß die Beranlagtiugs- deHörden bestimmten. der durchschnittlichen jährlichen Werth- Veränderung der betreffenden Gegenstände bei g e m e i n g e w ö h n- 1 i ch e n Verhältnissen voll entsprechende Durchschnittssätze. bis zu welchen die beanspruchten Abnutzungsquoteu unbeanstandet zugelassen werde» köniien. festsetzen und so lange anwenden, als nicht etwa besondere, eine größere Werthverminderung bedingende thatsächlich« Umstände von dem Sleuerpflichtigen geltend gemacht und nöthigenfalls nachgewiesen sind. Schwindelauktionen. Der Weinhändler Ludwig Peters zu Mannheim halte hier durch den Agenten Alexander Adler 1000 Flaschen „Rum" zum Preis« von 54 bis 75 Ps. für die Flasche verauktioniren lassen, während der wirkliche Werth des ans Wasser und 8 pCl. Spiritus bestehenden Gemisches sich ans höchstens 50 Pf. belief. Der Händler erhielt gestern wegen Vergehens gegen das NahrungsinUtel- gesetz 14 Tage Gefängniß und 300 Mar« Geldstrafe, der Agent kam mit 100 Mark davon. Der Ofierctteu-Kompouist Hofrath Zeller in Wien, der des Betruges und des Falscheides beschuldigt war, ivurde nach mehrtägiger Verhandlung zu einem Jahre schweren KerkerS ver- urtheilt. Zu der Verhandlung gegen den Schlächtermeister Hallmann, über die wir in Nr. 69 berichteten, theilt uns der Kläger, Dr. jur. Nosenberg, berichtigend mit, daß die Beleidigungen iiiir von dem Beklagten ausgegangen seien. Ferner schreibt uns Herr Dr. Rosenberg:„Die von mir gegen den betreffenden früheren Schüler angestrengte Klage richtet sich nicht aus Zahlung eines von mir„für den erhaltenen Unterricht geforderten Betrages"; der betreffende Schüler, Besitzer eines nach Millionen zählenden Ver- mögens, machte mir vielmehr nicht nur freiwillig, sondern nach langem Sträuben meinerseits. schriftlich ein remuneratorisches Schenkungsversprechen." Nachdem der Schüler anfangs seine Zahlungöpflicht ersüllt habe, habe er plötzlich aufgehört, seinen Ver- pflichtungen iiachznlommei!, so daß Dr. Rosenberg klagen mußte. Soziales. Ein Urinsbrief, wie deren wohl viele geschrieben werden, wird im„Brannschweiger Volksfrenud" veröffentlicht. Er lautet: „Blankenburg, den 9. Februar 1391. Herr» Kollegen Nürnberg hier. Antivorllich Ihres geehrten Gestrigen theile Ihnen mit, daß der genannte Winnig(Gras) bei der Reichstagswahl sozialdemokratisch gewählt hat, trotzdem derselbe mir versprochen, anders zu wählen. Sonst keune ich seine sonstigen Eigenschaften nicht, ich weiß nur, daß derselbe von mir im Lohne gekürzt ist, da derselbe sehr langsam arbeitet. Mit kolleg Gruß W. M ü g g t." Dieser Herr M n g g« ist herzoglicher H o f- Z i m in e r» meister. Im vorigen Herbst, bei der Anwesenheit des Kaisers, soll er seine Arbeiter zum Spalierbildeu mit der Bemerkung kommaiidirt haben: Wer nicht da ist, ist aus der Arbeit entlassen. Auch über niedrige Bezahlung seiner Arbeiter wird in der Notiz Klage geführt. Urber die Arbeitslöhne und die Kostspieligkeit des Lebens» Unterhalts in West-Australien berichtet der„Hamburger Kor» respondent": In P ert h bekommen Zimmerleute II Schilling per Tag(1 Schilling— rund 1 SN), Maurer 12 Schilling, Gipser 11 Schilling, Handlanger V Schilling. Gegenwärtig verlangen sie sämmtlich 1 Schilling den Tag mehr. Nur die Maurer sind mit ihrem jetzigen Lvhn zufrieden. Sollte die Forderung nicht gewährt rverden, so soll ein allgemeiner Ausstand in Perth und Fremantle beginnen. Die Kosten der Lebenshaltung sind allerdings in West- Australien sehr hoch. Für IV Schilling dort läßt sich nicht mehr kaufen, als für 6 in London. Die Miethe eines kleinen Hauses mit drei Zimmer» in den beiden genannten Städten ist 1 Pfd. Sterling (2V M.) wöchentlich. Dabei giebt es häufig Wassermangel, wenn der Wärmemesser auf lvv— 11V Grad Fahrenheit im Schatten steht. Eine Familie mit 2 Kindern kann ohne 2 Pfd. 10 Schill,(rund 50 M.) die Woche nicht auskommen. GomevKMMftlidVeS. In Braudcilburg haben die Maurer auf sämmtlichen Bauten die Arbeit niederlegt. Die Veranlassung hierzn ist folgende: Ueber den Kasernenbau des Maurermeisters Borueleit wurde von den Ar- beitern die Sperre verhängt, weil von dem Unternehmer die Mit- glieder des Verbandes gemaßregelt wurden. Gestern wurde von allen 2i Meistern und Unternehmern je 2 Maurern mitgelheilt, daß sie au> Kaserneubau zu arbeite» hätten. Da diese sich erklärlicher Weise nicht dazu hergebe» wollten, die eigene Organisalio» zu schädigen und sich weigerten, auf diesem Bau zu arbeiten, wurden 48 Mann entlassen. Die Meister sind kontraktlich verpflichtet, zwei Mann zu stellen bei 5vv M. Konventionalstrafe. Die Maurer mußten annehmen, daß an andere nun die Zumnthung gestellt werde, bei Herrn Borneleit zu arbeiten. Daher haben sie heute früh aus fast sämmtlichen Bauten die Arbeit niedergelegt. Seit langem schon niag der Schlag gegen die Maurer von feiten der Unternehmer geplant sei». Die Maurer haben den Meistern die Forderung um Ausbesserung des Lohnes auf 4V Pf. pr. Stunde vor einiger Zeit unterbreitet. Diesen geiviß nicht hohe» Lohn verweigern die Herren, trotzdem bekannt ist, daß sie selbst sich SV. KV bis 70 Pf. pr. Stunde von den Bauherr» bezahlen lassen. Um einem Vorgehen der Arbeiter zuvorzukommen, haben die Herren den Schlag gegen die Arbeiter geführt. Die Maurer hatten das aufrichtige Bestreben, ohne Kamps, aus gütlichem Wege einen Ausgleich mit den Unternehmern herbeizuführen. jetzt sind sie zum Kampf getrieben und werden ihn mit äußerster Zähigkeit durchsetzen. Mögen deshalb die Maurer de» Zuzug nach Brandenburg fernhalten. Jahreö-Zlbrcchnnng der Zentral-Kraiikenrasse„Grundstein zur Einigkeit" von 18SK. Einnahme»(inklusive Baar- bestand vom 1. Januar 1836: 22 116.15 M.): 472 67S M. Ausgaben: 448 570,25 M. Unter den Ausgaben figuriren: ärztliche Behandlung mit 47 713,85 M., Krankengeld 193 536,40 M., Sterbe- geld 18 279 M., Kur- und Verpflegungskosten 16 043,55 M., Ver- ivaltungskosten 46 991,93. Der Reservefonds beträgt 271 251,13 M., das ist 42 VVV M. mehr als Ende 1835.— Die durchschnittliche Mitgliederzahl war 15 231. Hiervon erkrankten 5143 oder 33,67 pCt., davon durch Betriebsunfälle 930(13,07 pCt. aller Erkranknngsfälle). Die Durchschnittsdauer jedes Erkrankuugsfalles war 22.12 Tage. Die Krankheiistage ans sämmtliche Mitglieder im Durchschnitt de- rechnet betrugen pro Mitglied 7.45. Bon 186 im Lause des Jahres verstorbenen Mitgliedern war bei 102 Lungen- und Brust- leiden die Todesursache, 12 sind durch Betriebsunfälle umgekommen. Bei der Auflösung der österreichischen Eisenbahner- Organisation that die Behörde noch ein übriges, indem sie über Redaktion, Administration und Expedition des Fachblalts„Der Eisenbahner" die Sperre verhängte. Infolge der energischen Intervention der sozialdemokratischen Ab- geordneten Dr. Verkauf und Zell er sowie des Rechtsanwalts Dr. H a r p» e r ist diese Maßregel jetzt aufgehoben und damit die geistige Verbindung der Eisenbahner Oesterreichs wieder hergestellt. Das belgische Arbeitsamt berichtet über 10 neue Streiks im Monat Februar, woran betheiligt waren 750 Personen. Die Tertil- und Montanindustrie hatten davon je zwei zu verzeichnen. Ursache der Streiks war: Bei dreien die Forderung nach Erhöhung des Lohnes, bei dreien Widerstand gegen die versuchte Kürzung des Lohnes, bei zwei Streiks handelte es sich um die Entlassung des Werkführers, bei einem um Abschaffung von Strafbcstimmungen und bei einem schließlich um die Lohnzahlung am Sonnabend, die der Unternehmer auf den Montag verlegen wollte.— Von acht dieser Konflikte, deren lliesullaie bis jetzt bekannt geworden, endeten drei nrit nur lheilweisem Erfolg der Arbeiter, fünf gingen für sie ganz verloren. Im Hafen von Dover a» der englischen Küste streiken die Ladearbeiter. Infolgedessen ist, wie die„K. Z." miltheilt, der Waarenverkehr mit Calais an der französischen Küste unterbrochen. Mtttevttvhittev-DevbÄnde. Tie Bnchdruckcreibefitzcr in Chur in der Schweiz ver- pflichteten sich, wie der Leipziger„Korrespondent" mittheilf, bei 1500 Franken Konventionalstrafe, das dortige Amtsblatt nicht mehr für 500 Fr. zu drucken. Der Sladtrath versprach nun der Firma Schüdler, die a» dieser Vereinbarung theilgcnommen hatte, alle städtischen Arbeiten zu übertragen, wen» sie das Amtsblatt zu dem genannten Preis übernehme. Trotz der gegenthciligen Verpflichtung ging diese Firma darauf ein, mußte aber auch laut Urlheil des Kantougerichts die 1500 Fr. berappen. Vevssunrnlunigett. Eine öffentliche Versanimluug der Schneider und Näherinnen aller Branchen, welche am 30. März in den Armin- hallen tagte, nahm Stellung zu den Aufgaben der Berliner Gewerk- schafts-Kommission und deren geplanler Erweiterung. Timm erläuterte die Resvlulionseniwürse der Genosse» Massiui, Millarg und Winkler, deren wesentlicher Inhalt planmäßigere lllegelung be- züglich der Streiks will. In der Debatte schlössen sich H a a s e, lliind.FrauWengels und Frl. Baader den Ausführungen Timm's an; es wurde betont, daß der Ausschuß der Gewerk- schafts-Kommission derartige Befugnisse haben müsse, die es ihm ermöglichen, bei ausbrechenden Streiks eventuell sofort Stellung zu nehmen. Allgemein sprach man sich auch sür Erweiterung der Thäligkeit des Gewerkschaftsbureaus aus und erklärte sich bereit, den aus die Gewerkschaft entfallenden Mehrbetrag für die noth- wendige Anstellung eines zweiten Gewerkschafis-Beamten zu übernehmen. Die Abrechnung der Agitationskommission gab Zander. Die Gesammteinnahmen betrugen 4331,63 M., die Gesammtausgaben 3438,22 M., sodaß ein Bestand von 943,46 M. verbleibt. Die Richtigkeit der Abrechnung wurde von den Revisoren bestätigt und dem Kassirer einstimmig Techarge«rtheilt. Die Schuhmacher(Fabrikarbeiter) hielte» am Mittwoch in der Königsbank eine öffentliche Versammlung ab, in der nach kurzer Be- gründung einstimmig beschlossen wurde, so wie in den Vorjahren den 1. Mai durch strikte Arbeitsruhe zu feiern. Vor- mittags soll eine öffentliche Versammlung stattfinden und des Nach- mittags ein gemeinsamer Ausflug nach Stralau veranstaltet werden. Um sämmtliche Fabriken zur Theilnahme zu veranlassen, werden in den nächsten Tagen überall Fabrikkonferenzen abgehalten. Eine längere Debatte entspann sich hierauf über den Vorschlag der Agi- tationskommission, für Berlin einen Lokal-Sireikfonds, ähnlich wie bei den Bauhandwerkern durch Karten, in welche pro Woche 25- resp. 50 Pf.-Marken eingeklebt werden sollen und womit eine Arbeiisloseustatistik verbunden ist, zu gründen. Dieser Vor- schlag wurde wie Willner in seiner Begründung ausführte. veranlaßt„durch die Stellungnahm« des„Vorwärts"") und das Verhallen des Ausschusses Nw Gewerkschastskommission zu der letzten Bewegung der Schuh.«, acher". Dieser Vorschlag wurde außer von Willner ebenfalls von Weber, Nowack, Lange und anderen empfohlen, hingegen von Nauer und Hildebrand unter dem Hinweis aus den Zentral-Uuterstützungsfonds, wozu die gesammten Schuhmacher Deutschlands steuern und aus diese» bei Slrciks nach Maßgabe der vorhandenen Mittel unterstützt werden, bekämpft. In dieser Diskussion wurde von verschiedenen Rednern angeführt, daß allgemein in den Fabriken eine Mißstimmung über den Verlauf der verflosseneu Bewegung vorhanden ist, daß ihre Kollegen mit dem erzielten Resultat unzufrieden sind und die zu stände gekommene Einigung vor dem Gewerbegericht als eine arge Nieder- läge sür die Arbeiter bezeichnen. Die Beschlußfassung über die Griinirnig eines Lokal-Streiksonds wurde des mäßigen Be- suchs wegen bis zu einer demnächst statlfindenden Versammlung und nachdem in Fabrikskonferenzen d'ese Frage diskutirt worden ist, ver- tagt. Unter Berschiedonem wurde darauf hingewiesen, daß die Fabrikanten jetzt mehr als zuvor, sich ihrer Macht bewußt, die Arbeiter in jeder Weise drücken. Wie behauptet wurde, solle», entgegen den Abmachungen vor dem Gewerbegericht, Entlassungen stattgefunden haben, die als Maß regelungen bezeichnet werden müssen; außerdem soll eine Verlänge rung der Arbeitszeit auf mehreren Stelle» eingeführt sei» und der Arbeitsnachweis soll in derselben willkürlichen Weise, wie vordem, gehavdhabl werden. Wie bekanntgegeben wurde, wird die Kom- Mission im Norden in nächster Zeit eine rege Agitation entfalte» und zu diesem Zweck mehrere Versammlungen einberufen. In einer Tabakarbciter-Versammluug, die am Mittwoch bei Gründe! tagie, hielt Reichstags-Abgeordneter Geyer eine» lehrreichen Bortrag über„Die EntWickelung der deutschen Gewerkschaftsbewegung. In der Diskussion nahmen Börner und Kiesel das Wort. Darauf verlas R o s e n t h a l die Abrechnung der Kommission für die Zeit vom 2. Dezember v. I. bis 31. März d. I. Dieselbe schließt in Einnahme und Ausgabe mit 1373,10 M. Dem Kassirer wurde aus Antrag der Revisoren Decharge ertheilt. Börner wies auf die geringe Betheiligung der Kollegen an den öffentlichen Beiträgen hin und forderte z» größerer Opferwillig- keit auf. Ferner beantragte er, daß alle Tabakarbeiter und Arbeiterinnen, wenn sie nicht eine wesentliche materielle Schädigung zu erwarten haben, den I. Mai durch Arbeitsruhe feiern und am Vormittag die Versammlung der Nahrungs- und Genußmittelbranche besuchen, sowie sich an den Veraiistaltungett der Wahlkreise be- theiligen sollen. Der Antrag wurde debattelos angenommen. Schließlich betraute man die bisherigen Revisoren mit der ferneren Führung ihres Amtes. Die Kirchenaustrittskommisfion läßt uns durch Genossen Ad. H o f s m a n n ein Schreiben zugehen, in dem„berichtigt" wird. daß der bei dem Reserente» der letzten Versammlung Dr. L ü l g e n a u bestandene Jrrthum, die Versammlung gehe von der Partei ans, nicht durch sie hervorgerufen worden sei. Eine solche Annahme ist aus unserem Bericht(siehe gestrige Nummer 2. Beilage) durchaus nicht heraus zu lesen, weshalb die„Berichtigung" nach dieser Richtung ziemlich überflüssig erscheint. Von febenso nebensächlicher Bedeutung scheint uns die„Berichtigung", daß Hossmann und Waldeck M a n a s s e sich nicht gegen die„vorwaltend w i r t h s ch a f t- l i ch e Aufklärung" ausgesprochen und die„A u f k l ä r u» g" auf„religiösem Gebiete"(!) nur„daneben" verlangt haben. Daß schließlich die Haltung der Versammlung eine andere, als in de» sonst von der Kommission arrangirten gewesen sein muß, geht wohl schon daraus hervor, daß sich eine Anzahl Redner mit dem Referenten einverstanden erklärten. Ztrb»>t«r-KItdung«sch«Ie. Semefier-F-erien bli MUte April. Ki» UrfttznUr drr Arl>»iter-Kild>>»»»schulr, Brunnenslr es, ist Wochen- tagi doii 8— ö NM, So»»lag« von 4—9 Uhr, uneuIgeltUch für jedermann aeöffuel: die 0 st e l l e der Schule It., Brunnenflrabe es. die den«rreln»- vorstünden zur verr.iillelung von Bortrügen wissenschaftlichen ilharallert zur Beifügung steht, ist edenfall» von e—» Uhr nachmillagt geöffnet. ') Wenn wir durch unsere„Stellungnahme" dazu beigetragen haben, die Betheiliglen zu der richtigen Erkenntniß zu bringe», daß, che man es zum Kampfe kommen läßt, sür Massen, in diesem Falle für gefüllte Kassen gesorgt sein muß, so kann das uns nur erfreulich sein. Red. d.„Vorw." Zivd«it«r-Säua»ri>u„d Berlins und Uuigegend. vorfitzender Ad. Reumann. Pasewallerstr. 8. Alle Aenderunge» i>» BereinSkalender find zu richten an griedria» «ort»»,, Manteuffelstr.«9, v. 9 Zr. Arb.itev. Z!a»ch»rl»»>> Oeriin» und Hlnigegend. Aendernngen im Berei»sra>°»d-r sind zu richten a» Hermann Bra un sch w eig, Dresdener-� 'Ua gund d»r' g(felligen Arbeitervereine Keriinv und Zlmiegend. Alle Zuschriflen, den Bund betreffend, sind zu rtchlen an H. B e n di l, Alerandrmen- straße ioo. Verein der Suchdrucker und Kchriftgieher fiirNirdorf-Sriis. Sonntag. den«. April, nachmittags I Uhr, Versammlung in den„Viltoria- Sälen Hermannsir. es— so. Borirag über:„Tie Behandlung und Pflege der Zahne de- sonders bei den Arbeitern". Periiner Zirbeitervertreter- Perei« tagt jeden Tienfiag nach dem ersten im Monat bei Bus le,«renadierstr. 33, abend» sjz Uhr. Unentgeltlicher Rath wird ertheilt:„ Im Norden K-rlin»: Für Unfall-, Jnvalidilals- und Alters- Bsrsiche- rung, abends von 7-9 Uhr: W. Buch holz, Hufsttenstrahs sa, v. s Zr. A. Daehne, Demminerstr. öS, v. s Tr. K. Wut he it. Wiesenstc. 990, von ö-9 Uhr abends. F. Pieschel, Sarlensir. 55, v. 9 Tr. S. Simanowstt, Sartenftr. 7S, Portal 9, 9 Tr. M. S t u h l m a n n, Oderbergerstr. 37, 4 Tr., von 8-9 Uhr adendS. R. Tamm, Hussilenstraße s. von s-9 Uhr abend«. A. Botgt, Wtesenstrahe 41—49. E.«arnst, Kolberaerstra«>e 7, von s-7Uhr abendS.— Nur für JnvaltditäiS- und Altersversicherung: F. Blum«, Sneligerstr. 8S. P. Rstmann, Bellermannstr. 88. F. Trapp, Schulstr.»«, von 7— s Uhr abends. Im Nord.«ften: Nur sür JnvalidUäts- und Altersversicherung: W. Mo HS, Schönhauser Allee 83. Im«sie»: Nur sür Invalidität«- und«lterSverstcherung:«.Bader,. Ar. Frantsurlerstr. 34, v. 4 Tr. Im Kiid. vfte«: Für Unfall-, Lnvaltdität»- und«ltersoirstchermig: S ch a I t h o f s, Michaelkirchslr. lS. Km Süden! Für Unfall-, Jnvaltditäts- und Altersversicherung: K. s t ü g e l- mater, Grtmmftrabe ss.— R u r für JnvaltditäiS- und Altersversicherung: P. Keller. Camphausenstr. s. fm Süd zpest-n: Nur für Unfallversicherung: S. Hän el, SolmSstr. 44. »» Uord-Weft»»: Nur für Unfallversicherung: I.»raufe, WliSnacker- straße 19. R. Stephan, Lessingftr. 84. Im Zentrum: Nur sür Unfallversicherung:«. Löfsler,»losterstr. 9t, Bei sämmtlichen vorgenannte» Personen, det denen hier keine Sprechzeit an- gegeben, ist dieselbe Wochentag« von 7—« Uhr. Eingelaufene Druckschriften. ,, Soziale Proria, Zentralblatt für Sozialpolitik",(Berlin, Carl Heymamus Verlag) enthält in ihrer neuesten Nr. 97 folgenden leitenden Aufsatz: Land- wirlhfchastliche Ausfuhrprämie». Bon Heinrich Adler.— Di« gesundheitliche Eürsorge in dem Reichsgeseh-Entwurf Uber das Auswanderungswefen. Bon afenarzt Dr. B. Rocht.— Bauarbeiler-Schutz für Franisurt am Mai».— Elädttscher Regiebetrieb in Como(Jlalien).— Städtische zahnärztlich« In- spetlioa und Polirltnit. Berhandlungen in Dresden.— Städtische Bolksparks in Deutschland.—«rundrenlen-Steuer für Glasgow.— Eingemeindungen tn Preußen.— Arbeitsverhältnisse bei der Zeiß-Sttfrung in Jena.— Arbeits- Verhältnisse im belgischen Kohlendergbau.— Statistit gewerblicher Organt- faiionen in Baden.— Streits, Lockouls und Probt vtrt in Italien ise« dt» 1896.— Streit» in Belgien 1896.— Entwurf einer Gewerbe Ordnung mit Arbetlerschutz für Zürich.— Der Geschäftsbertcht des Retchs-BerstcherungsamlS für 1898. Bon Sladtrath H. v. Franlenberg.— Arbetterhäuser der Unfall- Verstcherungsanstalt tn Trieft.— Bodenwerth-Steigerungen in Berlin.— Schulpflicht und Hausindustrie tn Aachen.— Kinderarbeit tn der ReichS-Poft- verwallung.— Kinderspetsung im Kanton Bern.— Lehrlursu» für Haus- haltungs- und HandardettS-Lehrerinnen zu Neurode. Bon der„N«n»n Zeit"(Stuttgart, I. H. W. Dtetz' Verlag) ist soeben da» 97. Heft des l6. Jahrgang« erfchtenen. Au« dem Inhalt hebe» wir hervor: Parlamentspoltttt.—«cht Tage tn Holland. Bon W. Ltebtnecht. I.— Kreta und die russische Gefahr. Bon Eduard Bernstein.— Holz' Sozialaristokraten. Bon H. Ströbel.— Die geologische Bedeutung der Melallcarbide. Bon H. Vogel.— Notizen: Die Eniwtcllung der englischen Agraiwerhälmiste. Bon Eduard Bernstein.— Feuilleton: Antotne Franeoi» Provost d'Srtles.(Geboren am i. April 1897.(Bon Dr. M. Freudenberger, Nürnberg. Bon der«leichlieit, Zeitschrist für die Interessen der Ardeiterinnen(Stuttaart, I. H. W. Dtetz' Berlag) ist uns soeben die Nr. 7 de» 7. Jahrgangs zu- gegange». Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor:«einen«ahn und leinen Groschen.—»rtlische Bemerkungen zu Genossin Brau»'««or- schlaa. II. Bon Klara Zetkin.— Au» der Bewegung— Die Wiener ArbeUevtnnen im Wahltampfe. Bon Adelheid Popp.— Arbeit«- und Lohiwerhältntfs« der Neuplällerinne». Bon Ottilie Baader.— Feuilleton: Sin Traum. Eine WethnachtS- Legende von W.»orolenlo.(Schluß.)—»leine Nachrichten. Tie„Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Ps., durch die Post bezogen(eingetragen tn der NcichSpost- ZeituugSIifte für I997 unter Nr. 9009) beträgt der Adonnementsprsi« vierteljährlich ohne Bestellgeld 66 Pf,; unter Kreuzband 86 Ps. WitternnaSlibersicht vom 1. April 1897. Wetter Prognose für Freitag, de« S. April 1897. Mild, jedoch ziemlich trübe mit Regenfällen und mäßigen füd» westlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Briefkasten der Redaktion. Ein alter Abonnent. Sie müssen aus Ihrer Anonymität heraus- treten und uus über den Prozeh näheres inittheilen. S.».«. Wilmersdorf bei Berlin, Kaiser-Allee IIS. .®t. Die Fusion zur freisinnigen Partei fand am 5. März 1884 statt, die neuerliche Trennung fand am 8. Mai 1893 statt. P. So ganz harmlos, wie Sie nieinen, ist das blödsinnige Benedetti- Lied doch nicht. Und daß solches Zeug dem deutschen Voll zur Zentenar- seier amilich aufgetischt wird, ist doch sicherlich ein für die Charakteristil der Zickzactturs-Aera gewiß nicht werthloses Zeichen der Zeit. Allen Verwandten, Freunden u. I Bekannten hienuit die traurige I Mittheilung, daß mein lieber! I Mann, unser guter Vater, Bruder! Innd Schwager, der Gastwirth Uenrnsun?urbs | am Mittwoch, früh b Uhr, nach I kurzem Leiden sanft entschlafen ist. 1 1344b Die Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Sonn- I tag, nachmittags 3 Uhr. vom! I Trauerhause, Pücklerstr. 53, aus, I nach dem Emmauslirchhof(Rix- I dort) statt. Aclitnng! Achtung! Allgemeine Kraukett-«. Sterbekasse der deutsche» Drechsler und deren Berufsgenoffen. (E. H. 86, Hainburg. Berlin, Bezirk O.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied CAPl Z5iiel»mr Am 30. März verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, 2. April, nachm. 5 Uhr, von der Leichenhalle des Golgatha-Kirch- Hofes, Barfußstraßc, ans statt. -13396 Die Ortsverwaltung. Franzose an«l Russe, 20 bis 25 Jahre, Osten wohnend, zum freundschaftlichen Verkehr gesucht. 13366] Andrzejewstt, Koppenstr. 63. MmMittt. Die Beerdigung des am 29. März verstorbenen Kollegen NöLsorlein findet am 3. April, nachm. 4 Uhr, von der Charitee-Leichenhalle(Louisenstraße am Neuen Thor) aus statt. Um rege Betheiligung ersucht 172/13 Der Vertrauensmann. Die Beleidigung gegen Schröder nehme ich zurück. 13386 F. jiichrether. Restaurant und Festsäle v. Julius Wernau Schwedter- Str. 23—24 Empfehle meinen Saal, 500 Personen fassend, zu Versammlungen u. Festlich- kciten. Einige Sonnabende u. Sonntage (auch der l. Mai), sind noch im kounnenden Sommer zu vergeben. fSmpfchle allen Freunden n. Bekannten O mein Weiss-, Uairlsciibier- und gr. Speiscareschüft. Reichhaltiges Frühstück von 30 Pf., Mittag mit Bier 50 Pf. sowie Abendttsch ä la. carte von 30 Pf. an. 2 Vereinszimmer mit Klavier für 20— 50 Personen.* II. Stramin. Rest., Ritterstr. 123. Typographie Gesangverein Berliner Buchdrucker n. Schrlftrlesscr (Dirigent: W. ß ö 1 k e.) Sonntag, den 4. April 1897, in der Brauerei Friedrichshain(Lips)c Uolltslieder-Aliend unter gütiger Mitivirkung des Herrn Albrecht I-ttirier(Violoncello- Virtuose), Slax Fr« hnert(Klavier-Virtuose), und deS Kollegen Rieh. Pape(Bariton). 13246—— Anfang präzise 6V2 Uhr.- Enttee im Vorverkauf 30 Pf., an der Kasse 50 Pf., Kinder 15 Pf. Borverkauf-BiUets sind aus der Verwaltung des Vereins Berliner Buchdrucker und Schriftgiesier, Ritterstr. 83, II, in der Musikalien- haiidlung von Richard Kau», Grüner Weg 17, bei Herrn Jsensec, Usedomstr. 23, bei Herrn Otto Brückner, Gartenstr. 63, im Sctzersaal des „Vorwärts", bei Herrn Ncttermann, Bandelstr. 45, bei Herrn Siewert, Gräfestr. 69/70, Freitags im Uebunaslokal des Vereins(Eohn's Festsäle), sowie in allen mit Plakaten belegten Berkaufsstelle» zu haben. Nach dem Konzert: Ball» Herren, welche daran theilnehmen. zahlen 50 Pf. nach. Das Rauchen vor und während des Konzerts sowie das Re- serviren der Plätze ist nicht gestattet. Der Verstand. Kochieito-Gefche»!«». fierndt's Vürsteistube Wo. 7. Molkenmarkt Wo. 7. Empf. mein Vereinszimmer m. Piano. Maus Giesen, Lmtitußr. 171 .pathen- schenk». Preisen. (Eingang Flur). vom ». Cognac selber zu machen, kaufe man für 75 Pf. 1 Flasche Dr.Mt!lillghajssCognacefft»z Es ist die beste bisher existirende Eognacessenz und erzielt uian daniii durch Zusatz von feinem Weingeist u. Wasser einen wohlbekümmlichen schmack- haften Cognac, dessen Güte am besten durch den stetig zunehnlenden Konsum der Essenz bewiesen wird. 1U3L* Da Nachahmungen ezistire», welche die Eognacessenz nur in Mißttedit bringen, so kaufe man nur Dr.MtlliilghDCogNlltessellz. Verkauf in den bekannten Drogneilgeschäften. F.» gros: Apotheke ZummißenTchMN • C. Spandauerstr. 77. Verelnszimmer Wö Meitslimkt. l-ehrmitdchen für Putzfedern gegen sofortiges Gehalt und dauernder Beschäsligung verlangt Muli Rosen."iZZ!.'#: Karton-Arbeiterin, geübte, verlangt Emil Grunow, Grüner Weg 104._ 13206 Schweiz. Glasbläser gesucht. Vorarbeiter sür größere Glasbläserei für dauernde Stellung bei gutem Lohn gesucht. Offerten mit Angabe der Lohnansvrnche 8u6 Chiffre OF 1302 an Orell Füsfli, Aiinonce», Zürich, Lehrling verlangt die Buchbinderei Wallstr. 24. 13336 Taillen- und Zuarbeiterin verlangt Borsch, Raupachstr. 7, Hos 4 Tr. Arbeiter aus Plüsch- und Sammt- Pantoffel, gewendet, außer dem Hanse, werden verlangt.* Th. Simon A Co., Neue Königftratze Nr. Jg. Junge Mädchen können Damen- schneiderei unentgeltlich erlernen bei Fran Tlnimcrniann, Ramlerstr. 34. Goldleisten. 13416 Tüchttge Beraolderinnen finden dauenide Beschäft. Köpnickerstt. 109». Einen Klempnerlehrling verlangt Bogt, Müllerstt. 166a._ Ntll-V.z für dauernde Beschäftigung bei hohem Lohn, sofort gesucht. Wohnung auf dem Werte. Grube Victoria bei Grotz.Räschen Mir den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegennber keinerlei Vcrantwortliuk. ThvSlkev. Freitag, den 2. April. Opernhaus. Enoch Silben. Die Entführung anö dem Serail. Schauspielhaus. 1812. Deutsches. Die versunkene Glocke. Berliner. Dorf mid Stadt. Hessing. Die Ehre. Neues, illg. Cousine. Westen. Korpsgeist. Rrsideuz. Stffocies. Lindeir. Die Fledermaus. Thalia. Frau Lieutenant. Schiller. Die gerechte Welt. Zentral. Ein fideler Slbcnd. Volks. Von Stufe zu Stufe. Friedrich- Wilhelmstädtisches. Don Carlos. Alexauderplah. Die Tauzsrida. Ostend. Klein Geld. American. Lumpc�Gastspiel: Ritter Benno von Schrcckenstein. Passage-Panoptikum. 32 Mädchen anö Sainoa. Sckillvv-Thvsrtov Freitag, abends 8 Uhr: Die gerechte Welt. Sonnabend, abends 8 Uhr: Ein Wintermärche». Oftend-Theater. Gr. Fraukfmterstr. 132. Dir.<5. Weist. Heute: Zum ersten Male: Klein Geld. Posse mit Gesang in 3 Akten von E. Pohl.- Anfang 8 Uhr. Morgen: Dieselbe Vursiellung. Sonntag, nachmittags 3 Uhr, halbe Preise: Berlin, mic es weint und lacht. Abends; Klein Geld. Volks Theater 34. Rricheuberger- Strafte 34. Pferdebahnftation: Kottbuser Thor. Von Stufe zu Stufe. Lebensbild tu 4 Akten von Dr. Hugo Müller.— In Vorbereitung: Hopsen- raths Erben. Volksstück mit Gesang in b Akten von H. Willens. Anfang 8 Uhr. Kassenerüffnung 7 Uhr. Thalia-Theater. (vormals Adolph Ernst-Theater). „Frau Lieutenant." Vaudeville in drei Akten von Paul Ferrier»nd Antony MarS. Deutsch von Hermann Hirschel Musik von G. Serpette und V. Roger Anfang T/z Uhr. Morgen und folgende Tage: Frau Lieutenant. WM" In Vorbereitung: Die Drillingsmutter. Schwank in drei Slufzügen von Gravos. Alexallderplü-Thellter, Alepandcriir. 40. Heute und die folgenden Tage: Gastspiel des urkomischen Bendix. Die Tanzfrida. Berliner Posse mit Gesang und Tanz in 3 Akten(4 Bildern) von Heinrich Witter. Musik von Albert Wicher. NW- Kleine Preise.'W(i Anfang 8 Uhr. Säimntliche ausgegebenen Bons be- halten ihre Giltigkeit. Sonntag, nachmittags 4 Uhr, zu NetnenPreisen: Genoveva. Märchen� drama in 5 Bildern v. Curt Maurice. Billets sind ohne Borbestcllgebühr schon drei Tage vorher an der Theater- lasse zu haben. Vormittags 11—1 Uhr und abends von>/,? Uhr a». Kriedrilh Wilhelmst. Theater, Chausseestr. 25/28. ' Heute: Don Carlos. Trauer- spiel in 5 Aufzügen von Friedrich von Schiller.— Anfang 8 Uhr. Sonnabend, zum ersten Male: Ferdinand von Schill. Vater- ländisches Schauspiel in b Slufzügen von Hermann Vesten. Billets sind schon drei Tage vorher ohne Vorbcstellgebühr an der Theater- lasse zu haben. Ausserdem im In- validendauk, Unter den Linden 24, bei Paul Nomeick, Leipzigerstrast« 8, und Julius Lengenseld, Markgrasenstr. SO. Central-Theater. Alte Jakovstr. 30. Dir. RIch. Schultz. smr Zum 57. Haie:"w fitt fideler Abend. Burleske dramatische Revue in einem Borspiel und 3 Bildern v. I. Freund und W. Mannstädt. Musik von Julius Einödshofer. Anfang V-« Uhr. Morgen und die folgenden Tage: Ein fideler Abend. Schluß der diesjährigen Possen- Saison Sonntag, den 18. April er. Apollo-Vkester. Vollständig ututs Programm und neue, unvergleichliche Btlder-Serie des Kineiograph und zwar: Pariser Karnevalzug. Der berühmte Schnellmaler Jigg. Der Niagarafall im Winter(hoch- interessant). Russische National- tänzer. Ein Traum. Mist Eveltne Ethardo. Station Warschaucrstraste Zentenar-Feier: 1. Fürstenhalle. L. Borbeimarsch der Truppen. Das Sensationsbild: Endlich allein! und VZ neue Debüts. Kassenerüffnung G/A. Uhr. Ans. T/t Uhr. --.is �32 3»» —IT» Ilpania Tauben-Strasse U I(tllln, Xo. 48-49. Naturkundliche Ausstellung täglich geöffnet von lg Uhr vorm. ab. Eintritt 50 Pf. Wiffenschaftl. Theater abends 8 Uhr. öPif(.UulUHr Lehrter Stadtbahn- hof. Täglich von Uhr abends ab 50 Pf. Im Theater- Saale täglich 8 Uhr abends Vorträge, mit Expcri- menten u. gr. Lichtbildern ausgestattet. Näheres die Tagcsanschläge. psvoptieum. iilsliciien ans Samoa. Castan's Panopticnm. Pygmäen Die beiden indischen_ die kleinste» Menschen der Welt! Dameu-Wettschivimmcn. Aeett-Pnkn�t, fir�KL. Direktion HVlnlrler de Frttbcl. ZW- Neues Wh» Künftler- Personal Zum ersten Male: Pin schwarzes Wiegenkind. Komische Operette, unter Mitwirlung des Direktors Wilhelm F r ö b e l. Verlängertes Gastspiel der lebenden Photographien mit dem SensationSbilde: Endlich allein! Anfang T/- Uhr. Sonntags 7 Uhr. Entree 30 Pf.'VS Alcazar Varidte-Theatcrl. Ranges. Dresdeuerstr. 52/53(Citu-Passage) Annenstrafte 42/43. Täglilh: Großes ionjnl von vollbesetztem Orchester und Lxtra-Vorstslwllg. Nur Künstler ersteu Ranges. Anf.Soiintags 6UH r. Wochentags 8 Uhr. Entree 30 Ps., reserv. Platz 50 Pf., numerirt. Sperrsitz(Sonntags) 75 Pf. Die Direktion. IW- Nur noch kurze Zeit."Mi Circns Renz Karlstrasse. (Jubiläums-Saison 18t)G 07.) Freitag, de» 2. April 1897, abends 7>/z Uhr: Ansterordentliche Borstcklung. Durchschlagender Erfolg. Aus der Mappe eines Riestligebirgs-Phlllltosttil. Ausserdem: Edinburgh, ostpreuss. Sengst, vorgeführt von Frau Robert Renz. Mazud»nd Atharguel, nrav. Hengste, dressirt und vorgeführt von Herrn Hugo Herzog. Anstr. der Schnlreitcrin Frl. Wally Renz mit dem Schnlpferde Cromwell und dem Steiger Alep. Die vorztigl. Akrobaten Herren Michelle und Saudro. Sluf- treten des Schulreiters Mr. Gaberet mit dem Schnlpferde Prinz. Hoch. und Weitsprünge über K, 8 und 10 Pferde, ausgeführt von den besten Springern der Gesellschaft. Morgen: Aus der Mappe eiues Riesengebirgs- Phantasten. Rahuhor RUrsc. Schluß der Saison am 15. Slpril. Freitag, de» 2. April 1807. abends 7>/z Uhr: Graste humoristische Borstellnng. Alle Klowns mit neuen Spähen. 100 Klowns. mäunl. n. wcibl. 100. Hamlets Geist, lomische Szene des Gigerl-Klowns Mr. Alf. Daniels. Tito O'Ijcary'». orient.-biirleslc Akt. 4 arabische Schimmelhengste nlS Schankelpserde, 6 Trakehner Hengsie. dress. Ii. vorgef. vom Direktor Busch. Leopard, mecklcnb. Baucnipferd, dreff. und ger. von Herrn Foottit-Bnrg- Hardt. Zum Schluss: Nach Sibirie». Morgen: Jubiläuuis- Vorstellung. Zum 100. Male: Nach Sibirien. Sonntag 2 Borstellungen. Nach- mittags 4 Uhr: Zscheus. Slbends T/zUhr: Nach Sibirien. 1. und 3. Osterseiertag, sowie Sonnabend, 1. Mai, abends, zu vergeben. B. Niest's Festsäle, 17. Weberstr 17. I383L' Concordia Variete-Theater ICrnnnenstr. 154. Täglich: tSrossc Theater- illld Spezialitätc ii- Vorstellung. Das beste Programm d. Nordens. Neu! T ro n p c N i ch a r d t(1 Herr, ] Dame, 1 Kind) Akrobaten. Neu! Kathi Richter, Tprolienne. Neu I-ong anck littlo Adolfi, Tanzduettisten. Neil! Ein geplagter Dichter. Posse. Ansang Wochentags 7|/2 Uhr. Sonntags 0 Uhr. Umtansch- Billets haben Giltigkeit. Welt-Bestaurant Variete- und Spczialithteii- Thcatcr. Dresdenerstraste 07. Berlin, lvie's ballt llllhkrcht! Bilder aus dem Volkslcbeu v. E l y. Der letzte Faitg. Operette von N u n g c- L a n d>v c h r. Im vorderen Saal täglich: Tyroler-Konzert A.Iols klbiier. Anfang: Wochcitt. 8 Uhr. Sonntags 8 Uhr. Entree: Wochentags 20 Pf Sonntags 30 Pf. Viktoria- Brauerei JL-ützow• Strasse 111/112. ZW- Heute sowie jeden Montag n. Freitag: (Mcysel. Pietro. Britto». Stcidl, Krone. Röhl. Schneider und Schräder). Ntiies llmtmum! Donnerstag, den 8. April: 5000. Soiree der Stettiner sänger inBerlin. Cl"npletaM4� halten ein ganzes Jahr, sind ahsolnt waschecht Einzigster Schutz vor dorn Erfasatwerdon rotlronder Masohlnenthoüe. WIchtiffer als das Mar- kcnklehcn. Ansähe ob klein, mittel, gross, extragross. Halb-Invalide werden als Agenten anprestellt. JU. liioxi, Düsseldorf. Schäftebranche. Berein dentscher Slhuhinacher »Tliaie V. 185/15 Sonnabend, d. 3. April, abends 8V2 Uhr, bei Rabiel, Rosenthaler- sträste 57: Versammlung. Hugo lehmann's Weist- 11. Bairisch-Bier-Lokal, Buttmaunstr. 10. Thurneyserstr. 3 Verein Szimmer m. Piano zu 10— 20n. 20—»OPcrs.f.Geiangvcreine, Zahlstellen u. s.w. Fernsprecher, Slmt II Nr. 1309. Niemand'versäumen bei Bedarf s838O Brunnen- Strasse 110 (neben dem Pferdebahn- Depot) von.Tgnata! Sello zu beziehen: Frischen Maitrauk, Vi Fl. inkl. 50 Pf.; alten Rordhäuser per Liter 50 Pf., hochfeinen Stonsdorfer inkl.Orig-Fl. (V, Ltr.) a 80 Pf., Halb u. Halb. feinste Likörmtschung, per Vi Cham- pagner-Flaschc inll.00 Pf., Ingwer-, Pfefferminz- k. ff. Liköre Vi Liierst. hin. 1,10 M., V- Liierst, inkl. 55 Ps., Himliccr- 11. Kirsch-Taft, rein und dick eingekocht, per Liter 1,10 M., säst. Ungarwein. Orig.-Fl.(V- Liter) vmi 80 Pf. an, sowie sämmtliche Sorten Weine, Cogiiac. Rum:c. Spirituosen im Einzelverkauf, auch ciiigemesscii nur zu Engrospreisen. Billigste Bezugsquelle. IW- Bitte genau auf Nr. 110, Bruniieustraste Nr. 110 zu achten. «MMss-Rejie zu Bezügen ausreichend, in Phantasie, Rips. Damast, Crepe, Gobelin, Mognette niid Plüsch, sowicTatteltaschcii spottbillig. J. Adler, 10558» Teppich Hans, Spandanerstr. 30, v.s-a-vis dem Rathhause. Jllustrirte Preislisten gratis u. franko Yerwaltnng der Kochaustalt Städt. Sclilaclitliof Täglich(Sonntags vorm. von 7 bis 9 Uhr) Berkauf von:* Gekochtem ZUndfielsch ä 30 imb 35 Pf. per Pfund. Gek. Schmewefieisch ». 40 Ps per Pfunds_* Me MtlllWtlillllNg von Rudolph Ruberiuauu, früher Rraehvogel. Man- teuffekstraste 75, cnipstchlt bestens: Wiciiennchl, uPfd.20 Pf., Vs Ctr.2,35M. B.Weizeniuehl,, 18„„ 0,90„ Weizenmehl„ 14„„ 0,75„ Zioggcnmchl 0„ 14„„ 0,75„ Hochfeine grosse Nostiicy, ü. Pfd. 55 Pf. Grosse Rostucii-t0Pf.,Coiiiitheii 30 Ps. Feinste Sultaninen, 5 Pfd. 40 u. 45 Pf. Süsse.Mandeln, feinste Arola, 90 Ps. Süsse Mandeln la Bari, 70 Pf. Bittere Mandeln, ff. Sicil., 90 Pf. ophastoffe auch LWl&ertv j Eine Drehbank(Hohlfpilidel) für Stockdrechsler wird zu kaufen gesucht. Näheres bei Kraft, Sprccstr. 8, III. in Rips, Tainast, Crepe, Phantasie, Gobelin und Plüsch spottbillig! Proben franlro! Emillefei/re,— (ammim............... ii i- r Bcr Die weltbekannte"gaa Bettfedern-Fabrik GnstabLustig, Berlin«., Prinzen ftrnße 4L, versendet gegen Rachnnbvie gnrnnt.neue aettsedern d. Pfd. 55 Pf., «ii............ besj bot »» chinesische Helbdauiieii d.Psd. M.l,L5, bessere Salbdeuueii d. Pfd. M. 1.75, borzügliche Daunen d. Psd. M. 2,86. —m van diesen Daunen genügen 3 big. Psund zum oraheu Lberbei». Verpackung frei. Preisl. n. Proben h grätig. Viele AnirkennungSschr. Mincit' Rester-AusRrkauf älterer Muster tu weiss und creme zu 1—4 Fenster» passend, spottbillig in dem Gardiiieufabrik-Lager Berlin R., Grüner Weg Nr. 80 pari., Eing. vom Flur(kein Laden). Neuheiten treffen täglich ein. Proben nach ausserhalb portofrei. Aclitung! Töpfer! Aule Töpferstcine sind zuhaben b. Silex. Pallisadenstr. 57.[1342b Achtung! Achtung! Künstliche Zähne von 3 M. au, Theilz. lvöchentl. 1 M., wird abgebolt. Zahnziehen, Zahiirciiiigcn, Nervtödten bei Bestellung iiinsonst. CiiPlrol Lausttzerplatz 2, Elsasser- UUbhvI, stp. 12, Steglitzerstr. 71 1 für 15-20 Pers. mit Klavier zu vergeben,<2 ch i JU n g st r. 35a. Neftaltrateure erhalten die neuesten Musikautomaten billig bei Aug. Ressler, 1098b Laufitzerstrastc Nr. 52. Geschäfte jeder Art, sichere Existenzen, verkäufl. Neanderstr. 16. Wohnniigs-Einrichtnng,* neue, bestellte Arbeit, svottbillig ver- käuflich, Admiralstr. 8, vorn I links. Charlottenbui g, Christstr. 20, Lauf- sette niihe Westend, schöner Laden in. Wohn. 11. gr. Keller sof. bill. z. v. Anständ. Mädchen mit Bett küimcn bei alltiiistch. Frau einwohnen. Näh. Sonntag oder abends StrauSbcrger- strasse 33, Hof 3 Tr. rechts. 13431, Möbl. Schlofft, f. Hrn., Muskaner- strossc ij», vvrn l Tr. geradezu. f1445b k. k. Nittklstäät. Lerlill. Lrullveuztr. 152. isf aus passenden Kräutern abdestiHirt befördert vorzuglich die t Ver- daung und reg/, besonders den Appetit an. In Fl. Mk. 0,60. 1,10.& 1,80. Im Ausschank und In Flaschen überall zu haben. j|rbeiter-ßildimgs-SclmIe Freitag, den O. April, abends Vi® dif» in den Arminhallcu(oberer Saal), Kommaudantenstr. 20: Ordentliche General-Versammlung. Tages-Ordnung:_ 1. Bericht des Vorstandes und der Eevisoren. 2. Durch welche Organisationsform wird S 2 des Statuts am vollkommensten erreicht? 3. Diskussion. 4. Eventuelle Statutenänderungen. 5. Neuwahlen. 5/18 Jahreskarte oder Ritgliedsbuch legitimirt. Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung erwartet zahlreichen Besuch»er Vorstand. Anarchisten! Sozialisten! Üiärz-Feier am Freitag, den 2. April, abends Vc� Ihr, in Renz Salon, Nannynstrasse»7: Fortsetzung des Referats vom Gen.vempvolk über: Die Melltimg des 18.«. 32. IWm. DW- Arbeiter und Genossen! Trotz polizeilicher Auflösung und Chikanen stndet nunmehr die 4. Versammlung statt. Beweist Eure Svm- pathie durch zahlreiches Erscheinen! 1340b Franz Kertzscher. DeuWer üolwtlifltet-Mrimd. Heute, Freitag, abends 8'/. Ahr, bei Oobn, Beuthfirastc 20/21: Sitzung der Ortsverwaltung. 88.3 Achtung. Osten! Die Zahlstelle Langestraste 05 ist verlegt nach der Kleinen Andreasstraste 11 bei Nenmann._ Tischler h V er ein. Am Sonnabend, den 3. April, abends 9 Nhr, Melchiorstraste 15: Mensammlung."WW Tages-Ordnung: Vereiusaugelegeuheiten. 198/16_ Der Borstand. Uerdaud der Vau-, Erd- und gewerblicheu Nilfsardeiter Deutschlauds(Zahlstelle Berlin). Sonntag, vormittags 11 Uhr, Insclstr. 10: U Mitglieder-Uersamminng. TageS-Ordnung: 1. Abrechnung vom letzten Quartal. 2. Regelung des Begräbniss- Wesens. 3. Negeliiug der Spedition. 4. Verbandsongelegenheiten. 32/14 Neue Mitglieder werden ausgenommen.-WR_ Mtung! Maurer. AUitung! Am Sonntag, den 4. April, vormittags lOV, Uhr, in Colin'« groftem Saal, Benthstraste Nr. 20—22: �. Mitglieder-Versammlung._ der Filiale II Berlin des Zentralverbandes deutscher Maurer» Tages-Ordnung: 1. Berichterstattmig der Delegirten vom 4. Verbandstage des Zentral- Verbandes deutscher Maurer. 2. Neuwahl des Ausschusses. 3. Gewerkschaftliches. Der Wichtigkeit der Tagesordnung gemäss ist es Ehrenpflicht jedes Mitgliedes, diese Versammlung zu besuchen. 136/17 Die Lokalverwaltung. Achtung, Putzer! Sonntag, den 4. April 1807. vormittags pnnkt 11 Uhr: Mitglieder-Versammlnug des ZentralmbaM delltjlher Mrnirer lFil. I Berlin Putzer) im Lokal Kommandantenstr. 20(Nrmiuhallen). Tages-Ordnung: 1. Abrechnung des Kassirers vom 1. Quartal. 2. Bericht vom 4. Ver- bandstag und Wahl von 4 NuSschnssinitgliedern. 3. Stellungnahme zur Lohnbewegung. 4. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Zu gleicher Zeit werden die Kollegen ersucht, ihren Wohnungswechsel beim Kassirer Angnst Kclpln, Demminerstr. 25, Portal II, anzuzeigen: alle übrigen Anzeigen sind zu richten an den Vorsitzenden«nstav tiehmpfnhl. Wollinerstr. 24. 134/14 Altikniillllltttl Dohen-Mönhllustn When-Schönhausen bri Berlin KS. DW- Telephon: Amt Friedrichsberg, Xo. 83.-Haut Den Herren Gastwirtheu empfehlen wir unsere auS den besten Materialien hergestellten, wohlschmeckenden und giitbekümmlicheii Bieie und zwar: Lagerbier(goldgelb), |M! fetter Kier(hell, mich Pilsener Arl), Exportbier(dunkel, nach Miinchener Art) in amtlich geaichten Gebinden zum Nettopreise von 15 Pf. per Liter frei HnuS resp. frei Bahnhof Berlin. IW- Auf die vielfachen, von Privaten an uns ergangenen Anfragen erwidern ergebenst, dass wir unsere Biere, auf Flaschen gezogen, nicht abgeben. Die Direktion: IVilb. Starck. Sichert. mit KontrollRiarko (nur an? der GenosseiifchafiS- Hutfabrik bezogen) verlauft im einzelnen zu Engrospreisen billiger als jede Konkurrenz Oscar Arnold, Hut-F.ngros-Oeschiift. 116 Mtnftflt. 116-gSÄ*- Sonngkiili: Rkßtt-Lttkaiis! Brenner& die., -• Alte Jakobstrasse No. 57—69. A!»kt»i, �-teppdeck., Gardin., Bor- 411-11111, düren, Stores, Sommer- Paletots, Wäsche, Anzüge, Hosen, Regn- lator.,Reino!itoirnhr.,Gllldwaar.spottb. Pfandleihe Neanderstr. 0. Der Gesammt-Auflage unseres heutigen Blatte» liegt ein Pro- spekt des Geschäftshauses Ferd. A'eamann, Leipzigerstraste 31, bei. Bermnworllicher iliedaktenr: Anglist Jaeobey in Berlin. Für den Znseralenlheii veraittworllich: Th. Glocke«i Berlin. Druck und Verlag von Mar Badina in Berlin.