::u> I lÂnf iï i Sinzige unabhängige Tageszeitung ventfchlands Nummer 146— 1. Jahrgang Saarbrücken, Sonntag-Montag, lO.'ll. Dez. 1933 Chefredakteur: M. B r a u n Ans dem Inhalt Tlazilonze und Cclhof. Seite 2 Millionen Jcstanzuqe Seite 3 Jndusteialisieeung i Ostpreußens Seite 4 Unterirdisches Deutschland Seite 5 Unruhen in Spanien Seite 7 Jnseratenteil leuchten! KaisertumoderRevolution? Die illegale Stahlhelmb ewegiang im Reich Das Ende von Schwarz s weiß; rot A. Sch. 1902, am Vorabend jener breiten und mäch- îigen sozialen Bewegung, aus der die russische Revolution von 1005-6 entstanden ist. hat der große Stratege der £ D?rl ut' on Lenin den vielzitierten Satz niedergeschrieben: «Willkommen, ihr Herren Adelsmarschälle, unsere Verbündeten von morgen." Lenin hat mit diesen Worten die Entwicklung vorausgesehen, bei der selbst die obere Gesellschaftsschicht in ihrem Ringen um die Selbst- Verwaltung den politischen Kampf gegen den Zarismus aufzunehmen gezwungen war und dadurch ohne und gegen ihren Willen den Kampfraum zunächst für das liberale Bürgertum und dann für das sozialistische Proletariat vorbereitete. Lenin hat damals angedeutet, daß das Proletariat zum Nutznießer einer konservativen Opposition gegen die Diktatur, in Rußland war es die zaristische Diktatur, werden kann. Es wäre falsch, die russische Situation von 1902 mit der deutschen Situation von Ende 1933 oergleichen zu wollen. Die konservative Opposition gegen den Faschismus ist in Deutschland ohnmächtig, ihre Kräfte sind eingeschüchtert und verzettelt. Niemals und unter keinen Umständen wird diese Opposition zum politischen Verbündeten des Proletariats werden dürfen. Aber es ist doch nicht unwichtig, daß diese Opposition, wie die oben veröffentlichten Stahlhelmer- Briefe das beweisen, erste Lebenszeichen gibt. Diese Opposition kann zu einer der Quellen der Zersetzung werden. Die konservative Rechte ist durch den Faschist mus nicht restlos aufgesaugt. Sie ist teilweise von ihm abgestoßen worden. Die Stahlhelmer-Briefe zeigen, wo- durch und wie der Nationalsozialismus eine konservative Opposition ins Leben gerufen hat. Der Nationalsozialismus hat selbst die Vertretung der großagrarischen Interessen übernommen, er bat die blut- durchtränkte Tradition der Gewaltanbetung und des Machtstaates, die den deutschen feudalen Konservatismus auszeichnete, fortgesetzt und gesteigert. Aber er hat die Elemente des Rechtsstaates, die der konservativen Rechten eigenartig waren, ausgetilgt, er ließ einen auf- geklärten Absolutismus nicht aufkommen, weil er einen barbarischen Absolutismus aufrichtete. Er hat — und das ist die Hauptsache— die konservative Reaktion entmachtet: Hugenberg aus der Reichsregierung weg- gejagt, die Beamten der Periode Papen-Gayl aus der preußischen Verwaltung, die Klakreuth-Brandes-Schiele aus dem Landbund und den agrarischen Berufs- Vertretungen. Der Faschismus unterstützt finanziell den Grokarnndbesitz. läßt ihm sein Profit, aber nimmt ihm die politische Macht aus den Händen. Der Faschismus hat die Schwarz-weiß-roten nicht nur politisch, er hat sie auch geistig erschlagen, er hat sie ideologisch enteignet. Die Macht der Kirche und der alt- preußischen Staatstradition, die Jahrhunderte die konser- vative Rechte stärkte, ist vom Nationalsozialismus durch- drungen worden. In der Schule und an der Universität wird nicht der Geist Treitschkes, sondern der Ungeist Rosenbergs aufgepflanzt. Hitler wird als die Vollendung Luthers dargestellt, und Friedrich der Große sei nur ein bescheidener Vorgänger gewesen. Die evangelische Kirche wird durch die Nazis besetzt. Statt Scharnhorst huldigt man dem Röhm. Der Faschismus hat die politische Kultur der preußischen Reaktion ausgemerzt, was ihm ja gar nicht schwer fällt, da diese Kultur längst baufällig war. In dem Maße als die konservative Rechte nicht freiwillig abstirbt, wird sie vom Faschismus unterdrückt. Der Faschismus schützt die sozialen Interessen des Besitzes, aber er vernichtet die politische und die soziale Kultur des Bürgertums und selbst des Feudalismus. Jetzt bekommen auch die Schwarz-weiß-roten den SA.-Stiefel zu fühlen. Aus diesen Stahlhelm-Briefen erschallt der Schrei des En»- setzens— so haben sie sich das nicht vorgestellt! Sie haben geglaubt, daß nur das Proletariat, vielleicht noch das freiheitliche Bürgertum und der politische Katholizismus durch den Faschismus unterdrückt werden, daß aber die Wir haben vor einigen Wochen mit der Veröffentlichung der illegalen Stahlhelm-Dokumente begonnen, die von Hand zu Hand wandern und eine politische Opposition der Schwarz-weiß-roten aufzuziehen versuchen. Inzwischen hat das große Weltblatt des englischen Liberalismus, der„Manchester Guardian", noch aus einem anderen interessanten Dokument der Stahlhelm-Opposition einige kurze Auszüge gebracht. Wir veröffentlichen dieses ganze Dokument im Wortlaut, nur mit kurzen Streichungen. Sein Verfasser ist ein einflußreicher Stahlhelm-Führer. Sehr geehrter Herr Kamerad? Auch heute noch bin ich der festen Ueberzeugung, daß im Stahlhelm oder bester im Stahlhelmgeist die Zukunft Deutschlands beschlossen ist. und zwar daxum, weil er deutsch und soldatisch, nicht aber im Nationalsozialismus, der un- deutsch und wenn auch militant, nicht soldatisch ist. Wenn ich vom Stahlhelm spreche, so meine ich nicht den Stahlhelm Seldtcs, wie sich dieser Mann seit dem 5. März entwickelt hat. Ich meine den Stahlhelm, wie er sich heute in dem Verhältnis von Führerschaft ibis zu einige» Landes- führern hinaufj und Gefolgschaft darstellt, und den Stahl- Helm, wie ihn die Persönlichkeit Tüsterbergs verkörpert, den ich gerade in den Tagen seines Unglücks als einen Mann von höchsten Qualitäten des Charakters und tzcs Geistes kennengelernt lmbe. Seldte hat, indem er feine Diktatur über Stfii' Stahlhelm erklärte, und ihn dem Führer des Nationalsozia- lismus unterordnete, sein eigenes Geschöpf verleugnet und eine nie mehr zu überbrückende Kluft zwischen sich und dem Stahlhelm aufgerissen. Stahlhelmgeist und Diktatur sind ebenso unanfhebbare Widersprüche, wie sittliche Freiheit und äußerer Zwang. Da aber von der großen Masse der Stahlhelmer diese Diktatur nicht innerlich anerkannt nnd Seldte als Vcr- räter nicht nur Dllsterbcrgs, sondern des Stahlhelms über- Haupt abgelehnt, ja verachtet wird, lebt hènte seine Schöpfung in der Gefolgschaft der im Stahlhelmgeist er- zogenen Führer der unteren Einheiten fort. Seit dem März haben die Unterführer des Stahlhelms keinen ruhigen Tag gehabt. Tie hinterhältige Taktik des Nationalsozialismus, bei dem alles Taktik, Technik. Mccha- nismus. Agitation. Reklame, Propaganda, Mastenwahn- Politik ist—, der Zermürbungs- und Entncrvungskrieg hat sie last täglich vor neue Lagen und damit vor innere Eni- scheidungen gestellt, sie von einer inneren Aufregung in die andere geworfen. Die Nächte mußten immer auss Neue zu Führerbciprechungen herhalten, heule hier, morgen dort. Die Führer haben allen Schwierigkeiten zum Trotz ihre Linie durchgehalten, und haben sich als Männer von Charakter und innerer Wahrhaftigkeit so entschieden, daß nichts von dem Wesentlichen preisgegeben wurde. Der Stahlhelm und Stahl- Helmgeist lassen sich nicht vernichten oder in etwas Wesens- fremdes einschmelzen lwie das schlappe und ewig opportu- nistische Bürgertum, das die Hauptmasse des Nationalsozia- liSmuS bildet). Ich sagte, der Nationalsozialismus und seine Methoden sind undeutsch. Methoden und Formen nationalsozialistischer Gesellschaftsordnung sind dem bolschcwist'schen Rußland und dem faschistischen Italien entlehnt. Für deutsche Verhältnisse unerträglich sind nicht nur die Mittel, die im Namen dieser Diktatur angewandt werden sondern ist vor allem, da sie weit über das hinausgehen, was um des politischen Zweckes Willen erforderlich ist. Hier liegt der so stark ausgeprägte bolschewistische Ein- schlag der nationalsozialistischen Diktatur. Um der Diktatur der einen Partei zerschlägt man den nationalen Konservatis- muö, zerschlägt man oder gliedert sich man unter unerträg- lichen Demütigungen dem Stahlhelm ein. zerschlägt man die studentischen Korporationen, zerschlägt man die echte deutsche und so gesunde vielgestaltige Jugendbewegung. All das ge- konservative Rechte unter diesem Regime blühen wird. Sie haben sich verrechnet. Aber es ist noch anderes, was aus diesen Briefen spricht: die Angst vor der Zukunft. Die Schwarz-weiß-roten, die jetzt zur Illegalität greifen und die hektografierten Briefe vertreiben, haben höllische Angst, daß nach der totalen Gegenrevolution zunächst der totale Zusammenbruch und dann die totale Revolution kommt. Und so versuchen sie, dem Faschismus einen konservativen Nachfolger zu be- stimmen, damit er nicht einen revolutionären Nachfolger erhält. Daher die Sehnsucht nach der sozialen Monarchie, die den Hitlerschen Trümmerhaufen aufräumen und Deutschlands blutende Wunden heilen soll. Zu spätl Die Angst und die Empörung der Rechten sind wohl begreif- lich. Ihr Rettungsrezept verrät aber eine heillose politische Verwirrung. Kein Wilhelm III. wird Adolf I. folgen sondern die antifaschistische Revolution wird Deutschland reinigen und besreuin. schielst unter Drohung, mit Zwang und notfalls unter An- Wendung von Gewalt. Die schäbigsten Mittel der Denunziation, der Wirtschaft» lichen Benachteiligung, der Ausschließung von der freie» Mitwirkung am Staatsausbau und an jeglicher öffentlicher Betätigung kommen zur Anwendung, die gleichen schäbige» Mitteln die der Politik gegen das deutsche Brudervolk Oesterreichs das traurige Gepräge geben. Schutzhost und Konzentrationslager sind die bere'tS all- täglich gewordenen Mittel gegenüber allen, gleichgültig aug welchem Lager, die es wagen, auch nur im geringsten anderer Meinung zu sein, als die nationalsozial'stiichcn Machthaber. Wiederum das gleiche wie in Sowjctrußland, wo das Kon- zentrationSlager dieselbe Rolle spielt wie heule in Deutsch- land. Der Tscheka des Bolschewismus entspracht die Geheim« Staatspolizei, wohl das unwürdigste Instrument, dessen sich die Politik und gar erst ein Staat bedienen kann. Gegen diese Methoden der Verhaftung unbequemer Mentchen, des Konzentrationslagers, der Geheime» Staatspolizei, die bar- barisch nnd unwürdig sind, muß sich echtes deutsches Empfin, den auflehnen. Es ist ein Gipfel der Gemeinheit, Männer nur darum in das Konzentrationslager zu sperren, weil sie politische Gegner sind und nach ihrer Ueberzcugung Politik ge, trieben und gehandelt haben, wie man es mit den Führer» der Sozialdemokratie und der freien Gewerkschaften tut. Und es ist der Gipfel der Gemeinheit, die Methode deS Konzentrationslagers mit sadistischem Hohn öffentlich als Mittel zur Gemeinschaftserziehung zu verherrlichen. Ein gut Teil dessen, was bisher geschah, atmet den G e i st primitiver Rachsucht. Die Unzahl der kleinen Ge'stcr, welche diejenigen aus dem anderen Lager verdrängt und sich an ihrer Stelle gesetzt haben, und die in ihrer Summe das gegenwärtige System verkörpern, schwelgen seit Monaten in kleinliche» Rachsucht und kühlen ihr Mütchen an denen, die mit Gewalt wehrlos gemacht worden sind. Ist das mannhast und deutsch? Diese Massenpsychose, der man glaubt nachgeben zu müssen und der man anscheinend hilflos gegenübersteht, ist nicht im Volke von sich aus entstanden, sondern sie ist von den gleichen Führern, die sie jetzt vielleicht zu fürchten be- ginnen, er st entfacht und mit allen Mitteln, die nurdieTechnikderAgitationundDemagogie bietet, geschürt und zum hellen Brande ge- trieben worden. Man versteifte sich aus die Idee, das herrschende System mit seinen eigenen Mitteln zu überwinden, man huldigte dem für den Weg des Nationalsozialismus charakteristischen Grundsatz„der Zweck heiligt die Mittel" und man entschied sich damit für die südländische faschistisch-ultramontane. und gegen die deulsch-idealiftisch-protestantische Lösung, für den Weg der Vermassung, und gegen den des Einsatzes der sttl- lich freien Persönlichkeit. Man erhob der nationalsozialistischen Total'tatSansprnch, an dem Deutschland zugrunde gehen wird, wenn nicht zur rechten Zeit seine Ueberwindung gelingt. Die Mittel dieses Weges sind die der demagogischen Demo- f.™.*. 1!'>ein Erfolg— die Pöbelherrschast. Die nalionaisozia- Östlichen Wahlversammlungen und die in ihnen gehaltenen Reden bewegten sich auf einem vergleichlosen Niveau der geistig politischen Minderwertigkeit und den Bogel schössen hierbei die höchsten Spitzen ab. So etwas Widerwärtiges und Tlefstehenöes wie die Göbbels-Versammlungsreportage, ganz abgestellt aus den minderwertigen Massengeschmack, hat mau in Deutichland nie vorher erlebt. Und dann, als der Sieg errungen war, folgt« Treubruch auf Treubruch. Zunächst ging der Angriff gegen den Stahlhelm, und hier âlles leicht, weil Sedte den kühnsten der national- »ozialiftiichen Gegenspieler nicht gewachsen und innerlich haltlos war. Die prachtvollen Menschen des Stahlhelms wurde» um einen schäbigen Ministersitz an dir„wahrhast echt deutsch sittliche" Person des Herrn Röhm verkaust. Auch hier: der Zweck heiligt die Mittel. Ohne diesen teusliche» Grundiatz konnte ein Kerl mit dem Vorleben Röhms nicht eine entscheidende Rolle in dem verheißenden neuen Deutsch- land der«ittenreinheit spielen. Dann ging es gegen Husen- berg. Er muß abtreten, damit für d l e Scharlatane wie Darre und Feder Platz wird Aber es ist gut, daß diese innere Notwendigkeit reinlicher Scheidung so schnell lichtbar geworden ist. denn um Deutschlands Willen ist es nnerlaßltch, daß sich die Manner wahrhaft deutscher Gest»- JtUKfl ans diesem undentschen System ausscheiden, sich nicht an ihm mitschuldig machen, bis ihre Stunde gcschla- gen hat. Daß sie schlägt, darum braucht kpinem'Bange zu sein. Ohne sie wäre deutsches Wesen tot. Non entscheidender Bedeutung ist aber, daß die dcmo- kratische Phase des Kampfes um die Macht in den Kreisen der Nationalsozialist«^» Anhängerichast eine llrber- bebung eine Unduldsauite««. ein Parteisanatiömus und Egoismus ohne gleiche» erzeugt ha«, deren unausbleibliche folgen, die geradezu zum Masse„wahn gewordene Tatsache geworden ist, daß nur Ansprüche und Forderungen der Parteimitglieder erhöbe,, werden, deren Berücksichtigung und Erfüllung für die Führer zur Lebensfrage ihrer Machterhaltnng geworden ist. Die Ausschließung oder Zurücksetzung aller anderen Kräsie macht, da sie sachlich nicht zu begründen ist, ihre Dis- samicruila und unehrliche Bekämpfung unmöglich, und so kommt es dazu, daß in die eigentliche zusammengehörigen nationalen Kräfte des Volkes das tödliche Gift der Beibit- terung, der Zwietracht der Feindschaft hineingetragen wird. Und diese Erscheinungen, die wie ein zersetzendes Gist, im deutschen Bolle wirken müssen, führen mich zu der Forde- rung das Regime des Nationalsozialismus durch die Monar- chie zu ersetzen, nicht eine solche von Hitlers(Gnaden, sondern die Monarchie aus dem in u t i g e n E i g e n w i l l e n eineS vom R e i ch S h e er gerufenen und empor- gehobenen Monarchen. Sie erscheint mir als die ein- zigc Möglichkeit aile nationalen Kräfte unabhängig von der Parteizugehörigkeit im Dienste am Staate zu einigen. Trotz des gegenüber des Faschismus verschiedene,, Weges zur®lod)t, kopiert nun aber der NationalsozialiSmns den Faschismus in einer Weise, die höchste Bedenken erregen muß. Bedenken deshalb, weil die völkisch feilschen Voraussetzungen für die Gestaltung des italienischen und deutschen Volks- und Staatslebens grundverschieden sind. ES ist charakte- ristisch, daß ein Mann ivte Göring, eine impulsive Krastnatur ohne jede geistige Tiefe und Ste- l igkeit, eine so entscheidende Nolle in, neuen Deutschland in seiner Phase der FaschismuSkopierung spielt, als faschistisches Gegenstück zu den« bolschewistischen Typ Wöbbels. Gerade mit diesen Methoden der Aufputschung zu immer neuen Teilaktionen wird man in Deutsch- landSchissbruchcrleiden. weil der Deutsche zu fach- lich und zu ehrlich und wahrheitsliebend, zu nüchtern veran- lagt ist. um die Illusionen, die mit ihnen verknüpft sind, nicht zu erkennen. I» Summa: Ich lehne dasnationalsoziali st Ische Regime, das Deutschland in einen halbbol- s ch e iv i st i s ch c n und h a l b s a s ch t st i s ch e n Staat um- gewandelt hat, ab Ich verwerfe den undeuischen Tola- Ittätsanipruch des'Nationalsozialismus, der zur Parteiherr- schaft und zur Willkürherrschaft eines kleinen Kreises von Menschen führt. Ein Regime, in dem man Männer wie Röhn, eine entickzeidende Rolle spielen läßt, muß jedem Deutschen von vornherein verdächtig sein. Ich lehne ein Regime ab, das seine Herrschast rücksichtslos auf der Unter- drückung der freien sittlichen Persönlichkeit und auf der brutalen Unterdrückung jeder Geistes- und Meinungsfrci- lieit aufbaut, wie sie sich in der verlogenen Uniformierung der neuen deutschen Presse am widerwärtigsten spiegelt. Ich verwerfe ein Regime, deren Verwirklichung Deutschland t« ein bolschewistisches Reich umzuwandeln droht, das nur Tyrannen und Sklaven duldet. Ich schaudere vor einem Regime, das einem wahren Götzendienst,iu seiner reklamchasten Verherrlichung einer kleinen Gruppe von Männern nicht nur duldet, sondern selbst betreibt, deren Charaktere höchst zweifelhaft, deren Ziele undeulsch und deren Mittel verwerflich sind. Ich schaudere vor dem Hybris. die sich in gottvcrsnchcnder Ucberhcbung das Hltler-Regime als Erfüllung des geschichtlichen Weges Teutschlands als das anbrechende tausendjährige Reich verkündet und Hitler als den großen Reformator neben, ja über Luther stellt. Und ich lehe nur eine Rettung vor dem kommenden Ber- hängnis. den entschlossenen Kamps aller Geister, die die äußere und innere Freiheit Deutschlands wollen, gegen die nationaliozialiitische Tyrannei für ein neues soziales Kaiser- tum der Weisheit und der Gerechtigkeit, das alle guten und bereiten Deutschen zum Dienste an einem freien und großen Deutschland zusammenfaßt. Mit diesem Bekenntnis bin ich in treuer kameradschaftlicher Berbundenheit Ihr.... pelttlansslurm Mr vn8Mn?a^e Um die Freiheit Dimitroffs, Torgier», Popoff», T&neffs iInprcß.j Das Komitee zur Befreiung Dimitroffs, Torg- lers, Popoffs und Tanrffs, dem 28 Organisationen mit Millionen Mitgliedern angeschlossen sind, veranstaltet am kommenden Sonntag in ganz Frankreich einen„Nationalen PctikionStag", auf dem Hunderttausende von Unterschriften zugunsten der unschuldig Angeklagten gesammelt werden sollen. Marxisten müssen verhungern Nur bei Gesinnungswechsel Recht zum Leben Die Leipziger Kreishauptmannschaft weist darauf hin, daß in den letzten Wochen und Monaten in öffentlichen und lebenswichtigen Betrieben viele Arbeiter und Angestellte wegen früherer marxistischer Betätigung ent- lassen werden mußten, an deren Stelle Personen kamen, die seit längerer Zeit sich zur nationalsozialistischen Bewegung bekannt hatten und arbeitslos waren. Zum Aufbau des nationalsozialistischen Staates seien diese Maßnahmen nn- bedingt notwendig gewesen, weil gerade bei Betrieben der genannten Art ein strengerer Maßstab an die politische Zu- nerlässtgkeit habe angelegt werden müssen, die Entlassenen sollten damit aber natürlich nicht dauernd als Staatsfeinde aebrand markt nnd von der Wieder- einstellung in den Arbeitsprozeß ferngehalten werden. Wenn, so heißt, es in der Mitteilung der Kreishanptmannschast weiter, sie sich von der marristischen Gedankenwelt abwenden und in absehbarer Zeit durch ihr Verhalten nachweisen, daß sie in ehrlicher Ueberzeugung sich hinter die natjonalioziali- stischc Regierung stellen, bann soll und kann ihnen die Wicdcreinstellung in eine andere, besonders private Arbeitsstelle, nicht verwehrt werden. V« Ist der llerzog? Paris» g. Dez.„Petit Parisien" teilt mit, daß der Herzog Philipp Albrecht von Württemberg, der sich weigerte zu wählen, von TA. mißhandelt nnd verhaftet worden sein soll. Nach einer anderen Version soll er aufgefordert worden sein, daS Land innerhalb von drei Tagen zu verlassen. Nach einer dritten Darstellung soll der Herzog im Konzentrattonslager Heuberg interniert worden sein. Der französisdic Gegenstoß Große außenpolitische Aktivität Frankreichs Die gestern von uns auf Grund besonderer Informationen aus Berlin veröffentlichten Mitteilungen über die sran- zösischc Gegenaktion werden heute aus Paris und aus London bestätigt. Die französische Regierung tritt nicht eher in beutsch-fran- zösische Besprechungen ein, bis England bestimmte Fragen Frankreichs, die der britische Botschafter in Paris Lord Tyr- rell nach London ttberbracht hat, in einem für Frankreich beruhigenden Sinne beantwortet bat. Frankreich will sich gegen alle Möglichkeiten sichern, wenn England stärkeres Entgegenkommen an die deutschen Ausrüstungswünsche zeigt. ES geht um die französischen Sicherheitssorge», um die Durchsetzung der Rüstungskontrolle und die Not wen- digkeit englischer Beteiligung an etwa er- forderlichen Sanktionen. Frankreich hat gleichzeitig seine östlichen Verbündeten in diesen ganzen Fragenkomplex eingespannt, so daß deutsch-französische Gespräche nur möglich werden, wenn Frankreich sich über die Haltung Englands und der Oststaaten Gcivißheit verschafft hat. Die europäische Politik ist also in ein Stadium grober Aktivität, aber noch größerer Schwierigkeiten und Gefahren eingetreten. Unlösbar mit dem Völkerbund Pari s. 8. Dez. Außenminister Paul-Boncour gab heute vor der Presse eine Erklärung ab zu den Bestrebungen einer Bölkerbundsresorm. Ich lege Wert aus die Feststellung, sührte er aus, daß uns bisher kein konkreter Bor« schlag unterbreitet worden ist. Wenn dies geschieht, werden wir ihn prüfen. Wenn man uns vorschlägt, über eine„An- passung" zu verhandeln, sind wir dazu gern bereit, voraus- gesetzt, daß man die Grundlagen des Völkerbundes, die aus der Achtung der Rechte aller Nationen und ihres gemein- samen Anteils au der Organisation des Friedens beruhen, nicht antastet, und daß es sich nicht um die Artikel handelt, die als Ausdruck dieser Grundsätze zu gelten haben. Ith meinen Teil sinde, daß der Völkerbund aus das glücklichste den Grundsatz der Gleichheit zwischen allen Rationeu, der für mich unantastbar ist, mit der tatsächlichen''age in Einklang bringt. Ich bekämpfe die Bersnche, innerhalb des Völker- bundes irgendeine Hegemonie zu schassen. ist eine seltsame Berkennung der Wirklichkeit, die Allianzen- Politik in Gegensatz znr Völkerbundspolitik bringen 1" wollen, wie dies von gewisser Seite geschieht. Die von un» unterzeichneten Ententen und Pakte liege» im Rahmen dcö Völkerbundes und sind un- Lösbar mit seiuem Mechanismus verbunden. Sämtliche Ententen und sämtliche Pakte wären neu zu fit' stalten, wenn der Völkerbund fortfallen sollte. Deshalb denken wir nicht daran, den Völkerbund direkt oder indirekt auch nur im geringsten antasten zu lassen. Er ist und bleibt die Grundlage unserer Politik, ob man will oder nicht. Auszug der traniöslsdien Sozialisten Nur ein Protest Paris, 9 Dez. Im„Populaire" schreibt Leon Bluw zu dein gestrigen Auszug der französischen Sozialisten a»S dem Parlament und verwahrt sich dagegen,»aß es sich dabei nur um eines der üblichen Stimmenthaltungsmanöver handelt habe. Blum legt der gestrigen Geste der französischem «ozialisten die Bedeutung eines i e i c r l i ch e u P r o- t c st c S bei, denn die französischen Sozialisten wollten.»««ist mrhr bei der unheilvollen Komödie mitspielen, daß die Rechtsparteien und die Linksparteien bei einem Finanz- laiiierungs-Gesetzentwurf ihren Grundsätzen zuwider stimm- französischen Sozialisten hätten die Fenster ein- geschlagen, nicht nur, uni sich selbst freizumachen, sondern damit durch den Lärm die öffentliche Meinung auf die gegen- wartig bestehende Gefahr aufmerksam gemacht werde. Gegensätze im ständischen Mtm Die Bedeutung des deutschen Handwerks Die nationalsozialistischen Zeitungen polemisieren gegen die liberalistische Einstellung, die das Ziel der Wirtschaft in Mammut-Betrieben erblickt habe, der gegenüber das Hand- werk wieder zu Ehren kommen müsse. Jetzt sei die marxi- stische Theorie verschwunden, nach der das Handwerk nicht mehr eristenzberechtigt sei, sondern lediglich als Anhängsel der Industrie noch Daseinsberechtigung finden könne. Die meisten wüßten nicht, daß daS deutsche Handwerk ebenso viel Personen beschästige wie Bergbau. Ebeinieindustrte, Eisen- und Maschinenindnstrie zusammen, daß von t»1(1000 Bc- triebSinhabern auf das deutsche Handivert 87 Prozent ent- fallen und im Durchschnitt aui 1000 Einwohner 20 handwerkliche Betriebe kommen. Das Betriebsvermögen des Handwerks habe bei der letzten Statistik 1928 insgesamt 6.8 Milliarden, seine Einkünfte 7 Milliarden, sein Umsatz 20 Milliarden, d. b. ein Fünftel des Gesamtumsatzes der deut- scheu Wirtschast betragen. Wenn übrigens 87 Prozent der Betriebe nur 20 Prozent der Umsätze erzielen, so beweist das im übrigen nur, daß daS Volumen doch relativ klein ist. doch ist nicht zu verkennen, daß die Rolle des Handwerks in Deutschland noch eine relativ sehr große war. wie man auch zahlenmäßig den Anteil des Mittelstandes an der Ge- samtbevölkernng Deutschlands nicht unterschätzen dark. Er stellte ja auch das Gros ber nationalsozialistEchen Anhänger- schalt, obwohl die Zusammensetzung der SA. scheinbar ein anderes Bild gibt. Die Einstellung aus den Mittelstand, aus Handwerk. Kleinhandel und Bauerntum, ist für den Nationalsozialismus charakteristisch. Hierbei bricht aber immer wieder eine Tendenz durch, das Rad zurückzudrehen, eine Tendenz, die gleichzeitig im schärfsten Gegensatz zur Naz'bonze und Erbhof Die Mißstimmung zwingt ihn zur Herausgabe des Gutes Berlin» 8. Dez. jEig. Meldg.) Die Pressestelle des Reichs- nährstanöcs gibt folgende Erklärung des bayerischen Landcs- bauernsührers und Brigadeftthrers der SA. Luber bekannt: Am v. Rebelling 198« schenkte mir die bayerische Bauern- schaft einen Erbhof. Meine Freude über diese Schenkung Ivar umso größer, als ich bis zu diesem Tag von dem Hof nichts gewußt habe und ich in dieser Schenkung nur eine Anerkennung sür meine bisherige Tätigkeit in der bayrischen Bauernfchaft sah. In den nn» vergangenen Wochen mußte ich erkennen» daß vielerorts der Bcgrisf von Blut und Boden und damit der Sinn eines Erbhojes noch nlcht verstanden wird. Denn der Erbhof ist ja nicht eine Verdienstquelle, ivie es in den Zeiten des Liberalismus der Bauernhof war, sondern er stellt die Berbinduzig des Bauern mit seinem Hose, des Blutes mit dem Boden dar und ist also eine Verpflichtung. Der Erbhof ist unveräußerlich! Infolgedessen halte ich eS als Landcsbaucrnführcr für richtig, in voller Anerkennung des guten Willens der Schenker, den Erbhos als solchen zurückzugeben mit dem Ersuchen, ihn als Erholungsstätte sür die Kinder bedürftiger SA.- und SS.-Männer zu ver iv enden. Diese Meldung zeigt, daß sich die SA. die Bereicherung ihrer Bonzen nicht mehr gefallen lassen will. l«iehe auch Seite 7.) Drei Polizeibeamle niedergeschossen! Der Täter entkommen Dortmund, 0. Dez. Die Mordkommission teilt mit: Hans Malter, der Mörder des TA.-Manncö Fehlich, sollte Herne morgen in der Wohnung seiner Eltern in Hamm in der Königsstraßc festgenommen werden. Malter lag angekleidet der Küche auf einem Sofa. Auf die eintretenden Beamten letzten Rede von Dr. Ley über die weitere Ausgestaltung der Rationalisierung steht und zeigt, daß die Gegensätze innerhalb des ständischen Aufbaus um so schärfer und unvcr- söhnlicher aufeinanderstoßen müssen, ganz besonders da- durch, daß die Probleme ja keine durchgreifende Klärung flt* tun den haben, zumal man doch icdc theoretische Grundlage als liberalistische und rationalistische Einstellung verwirst. Durch die autoritäre Svitze. die die Gegensätze aufeinander abstimmen, die ständischen Interessen versöhnen, zwischen Staat»nd Wirtschast„zwischen Staat und Arbeitgeber. Staat und Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Arbeitnehmer aus- gleichend wirken soll, erfahren diese.Kontraste zunächst eine Dämpfung, denn sonst müßte es sofort ein Ebaos geben. Im Grunde sprechen dabei patriarchalische Ausfassungen mit, dir dem Handwerk entlehnt sind, eine fast mystische Sehnsucht nach dem Mittelalter, der Zeit von Holbein Dürer uu° Hans Sachs, die aus dem Handwerk hervorgegangen siub, die gleiche Tendenz, das Rad zurückzuschrauben, wie sie siw auch auk wirtschaftlichem Gebiete zeigt. Diese Gegensätze aber führen zu einer Ileberlastnng der Spitze, wie sie in einer Demokratie nicht möglich ist und ivie man sie nur auk sub zu nehmen want, wenn man vor diesen Gegensätzen die Auaen verschließt. Ein ähnlicher Widerspruch im kleinen zeiat sich bei der Frage, ob Aufträge in öffentlicher Regie aus>ufübren oder an private Unternehmer zu vcrqebcn sind Die öffentliche Hand ist in letzter Zeit sehr stark als Arbeitaebcr aui- getreten ievt verlautet von Reaierungsseitc wieder,»aß es zur Wirtschastsb'leb'ing unbedino» erforderlich sei, Auf- träge nur an Unternehmer zu vergeben. gab er sofort mehrere Schüsse ab, wodurch einer der Be- c> m t e n einen H e rz schu ß, der andere einen Lungen- und Knieschub und der dritte einen Bauch- und Brustschutz davontrug, lieber die am Boden liegenden Beamten sprang Walte» hinweg und flüchtete durch daö Fenster auf das 4 ach eines Anbaues. Er entkam über die Dächer. Der Mörder ließ zwei M e h r l a d c p i st o l e n zurück. Tie ausgesetzte Belohnung beträgt 2000 Mark. Wie wir erfahren, sind die Verletzungen der Beamten so schwer, daß sie kaum mit dem Leben davonkommen dürften. * Malter erschossen Malter war. r o wir dinzwischen gemeldet, von Hamm nach Dortmund geflüchtet, wo die Polizei feststellte, daß er sich im Borort. Obereving aufhielt. Das Haus, in dem sich der Mörder versteckt hielt, ivurde unistellt und Malter aufgespürt. Als die Beamten nahten, eröffnete Malter sofort daS Feuer, das von der Polizei erwidert wurde. Nach kurzem Kugel- Wechsel wurde Malter erschossen. Pas Moua*,to Zwilchen Dr. Len nnd Baldnr v. Tchirgch wurde eine Vereinbarung getroffen, nach der die HJ. die einzige Jugend- bewegung Deutschlands ist. Das ist ein vernichtender Schlag gegen die konfessionellen Iugendveieinc und die gewerk- schastlichen Lehrlingöabtcilungen. Ganz Schlesien liegt unter einer geschlossenen Schneedecke. Ein neuer Einbruch trockener arktischer Kaltlnftmaffen bat neue Frostverschärfnng gebrach«. Samstag morgen meldet Breslau 28 Grad. Sprottau 29 Grad nnd Hirschberg sowie Groß-Iser sogar 27 Grad Kälte. An der ostprenßilchen Küste »errscht dagegen leichtes Tauwetter, nnd auch die Schnee» koppe meldet nur 1t Grad Kälte. Berlin, 9 Dez. Heute früh gegen l!A Uhr brach auf bem in der Nähe von Zehlendorf gelegenen Rittergut Düppel Feuer aus. Das Gut gehörte früher dem Prinzen Friedrich Karl und dient heute dem Turnierreitcr Major Bürckner als Tatteriall. Der Brand war um 6.15 Uhr eingekreist. Das Holzgebäude der Reitbahn, das eine Fläche von 1000 Ouadratmeter bedeckt, Ist bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Der Dochstuhl eines Stallgebäudeg steht noch in Flammen, doch ist ein weiteres Unsichgreifen des Feuere nicht mehr zu befürchten. An der Brandstelle sind neun Züge der Berliner Feuerwehr tätig. Die neuen Arbeiferfflhrer sJnpreh.j Der bekannte Lokomotivfabrikant OSkar Henschel von der Firma Henschel n. Sohn hat seinen Beitritt zur nationalsozialistischen„Arbeiterorganisation". NSBO., angemeldet. « IJnpreß.) Auf Grund des faschistischen Beschlusses, Unter- nehincr in die NSBO. aufzunehmen, hat c i n Unternehmer- ^rband allein 500 Aufnahmescheine angefordert. Um welchen Bezirk es stch handelt, der sich so stürmisch für die Vertretung der Arbciterintercssen bemüht, wird vorerst schamhaft oer- ichwiegen. Millionen„FestanzQge Volksgemeinschaft in vier Preisklassen a Din leider so ein Feigling... Brief aus Deutschland Die„Wiener Allgemeine Zeitung" vom 1. Dezember teilt Mit: Ein Gmundner Ehepaar erhielt dieser Tage aus Deutsch- land den Brief eines Angehörigen, dessen Name begreif- llcherweisc nicht genannt werden kann. Der Brief lautet: „Lange schon wollte ich Ihnen einige Zeilen senden. Heute will ich doch mein Wort halten und Ihnen von mir ein Lebenszeichen geben. Hoffentlich weilen Tie noch unter den Lebenden. Mu persönlich wäre es schon vollkommen gleichgültig. Nicht sein bedeutet für mich eine Er- l ö s u n g. Das Dasein ist für mich eine gegeben« Tatsache, mit der ich mich abfinde» muh. Di« wirtschaftliche Lage'st trostlos. Man kann froh sein, wenn man das Nötigste für den Lebensunterhalt verdient. Wer weih, was wir noch alles erleben. Wäre'(f) Millionär. Deutschland sähe mich nie wieder. Ich muh nun schon hier aushalten und mit„Heil" schreien. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht. Am liebsten möchte ich in einen Winterschlaf vcr- fallen und»'cht eher erwachen, bis die Tonne wieder lacht. Heute wird im Rundfunk ein Wiener Abend übertragen. Tie lustige Musik heitert mich immer wieder etwas auf." Unter der Unterschrift befindet sich noch folgende Nach- schritt- Diskretion Ehrenfache. Werde sonst abgeführt. Bin leider genau so ein Feigling ivie alle anderen. Anircdist Vo'kserz'fher Man wirft sie aus dem Dienst Tie Dienststrafverfahren gegen den Studienrat Dr. Kuno Fiedler in Altenburg, der sich seinerzeit geweigert hat, einen kür alle Schulen Thüringens eingeführten„Wechsel- sprach gegen den Bersaillex Vertrag" von seinen Schüler» aufsagen zu lassen, und den Oberstudienrat Dr. R a u in Gera, der zwar die Verordnung dnrchaeführi. aber gegen ste Protest eingelegt und Rückfragen des Volksbildunasministe- rtums nicht ordnunasgemäh beantwortet bat. beschäftigten jetzt den Thüringischen Dienststrafbof in Jena als zweite Instanz. Von der Thürinaischen D i e n st st r a f k a m m e r Weimar war Dr. Fiedler am 39. Juni l. I. zu einer Strafversetzung und zur Minderunq seines Dienst- einkommens um ein Fünftel auf die Daner eines Jahres. Dr. Ra» zu einem Veriveis und zu 50 Mk. Geldstrafe ver- nrfeilf worden. Den an dem Urfeil beteiligten RWen, der Dienststrafkammer bat der Innenminister die Ausübung ihres Amtes vorläufig untersagt, weil die ans- ^nefprocheneu Strafen im Verhältnis zu der tgffächlich er- folgten Auflehnung gegen eine ministerielle Anordnung unverständlich gering ausa>-fallen seien. Die höhere Instanz kam ietzt z» einer wefentli-h strengeren Beurteilung der Vergeben der beiden Lehrer. Studienrat Fiedler wurde vom Dienststrafbof zur Dienstentlassung verurteilt mif Belastung von drei Vierteln seine« gesetzlichen R„be- gebalt« auf drei Fgbre Oberstudienrgt Rau wurde al»ichfalls mit Dienstenflgstuna bestraft, indesten werden ihm drei Viertel feines aeletzlishen Rnbegebalts auf Lebenszeit und die Ansprüche aus Hinterbliebenenvcrsorgung belassen. Maßreglung Der hervorragende Fachmann für Genossenschaftswesen und Herausgeber der„Vierteliahrsschrift für Genossen- schattswesen" Professor Dr. Ernst G r ü n f ej d. Halle ist aus dem Staatsdienst entlassen worden. Er muhte auch aus dem Seminar der Universität Halle ausscheiden Was mit seiner Zeitschrift geschehen wird, ist noch unbestimmt. Anordnung der Deutschen Arbeitsfront, mitgeteilt von deren Presseamt:„Für die Mitglieder der Deutschen Arbeits- front wird ein Festanzug ge>chasfen, der von ihnen bei allen Veranstaltungen der Deutschen Arbeitsfront getragen wird, ebenso ein Abzeichen, das immer zu tragen ist. Der Fest- anzug ist von dunkelblauer Farbe und besteht aus einem zweireihigen Rock und langer Hofe, dazu eine blaue Teller- mütze, in der Form der Schirmmütze der alten Armee, an der sich an Stelle der Kokarde das gestickte Abzeichen der Deutschen Arbeitsfront befindet. Das Abzeichen besteht aus einer runden Plakette, ein Zahnrad darstellend, in dem sich das Hakenkreuz befindet. Zu dem Anzug wird ein iveihes Oberhemd und Kragen mit schwarzer Binde getragen. Schwarze Schuhe vervollständigen den Anzug. Der Fest- anzug kann von dem Schncidergcwerbc angefertigt werden nach Mahgabe der Vorschriften der Re'chszeugme'sterei. Wie es in einer weiteren Anordnung heiht, soll dieses Ehrenkleid den schaffende» deutschen Menschen ohne Unterschied deS Standes als Mitglied der deutschen Volksgemeinschaft kenn- zeichnen und damtt seine Stellung als vollwertiges Glied der Gesellschaft festlegen. Gleichzeitig bekommt der deutsche Mensch auch einen Einheitsgesang:„Das Lied der Deutschen Arbeitsfront. H c r r n Pg. Staatsrat Dr. Ley gewidmet, Worte von Dr. H. M. Eckert Musik von P. Pietzner- Elausen." I» dem Lied heiht es:„Den, d"r uns will am Werke hindern, stoht aus dem Volke aus. Auf freiem Bode» wollen lebe» wir stolz und frei. Bis zu den Wolken soll erheben sich vnfer Siegesfcbrei!" „Bei der Rcichszeugmeistcrei der NSDAP, schätzt man. Ann eine.Versollte, so werde er in ein Konzentrationslager einaeiperrt. Gezwungenermaßen mußte der Journalist auf die Wl-der- rabe der Worte Dimitrosfs, die sich aus seine Eindrücke über den Prozehverlauf bezogen, vernichten. A'hnlichc und noch schwerere Anstände hatten die meisten der Pressevertreter vor dem Braudstiftertribunal. Trost Von Alfred Grünewald Und magst du aller Bande der Liebe ledig sein, ward dir der Kelch der Bitternis gefüllt auch bis zum Rande: n deiner Qual GewitterniS wird doch Natur dir gnädig sein. Ein Teil von deinem Odem ist jedes Blattes Hauch,- in jedem Grase grünest du. Aus Nebcldunst und Brodem steigst du gen Tag, entsühnest du die Nacht und deine Seele auch. Kaiserin<5?r Gespenster Gespenster gehe» um, in den Rumpelkammern der Ver- gangenheit regt sich Vermodertes. Halbvergeffencs, Motten taumeln erschreckt empor und hinter ihnen erhebt sich die große Zeit in voller Uniform, verrostete Uhren beginnen zu ticken, wie verrückt läuft der Zeiger rückwärts, Ratten 'ch'ehen hin und her. Spieldosen zirpen die alten Kaiser- Hymnen und Fledermäuse gebärden sich wie Doppeladler. Aus dunklen Oelbildern treten hundertjährige Generale, wische» sich den Staub von den Lippen, in einem Winkel streitet Metternich mit dem Turnvater Jahn, aber ein Schatten flüstert ihnen zu:„Der Feind steht links," worauf sie sich rasch versöhnen, über wurmstichige Holztreppen keucht eine Deputation der Stände, um der Kaiserin Maria The- resia zu huldigen, irgendwo greint ein graues Männlein: „Der Walzer ist undeutsch und unmoralisch, eine gottlose Er- findung." und in morschen Pfosten trommelt der Toten- wurm zur Offensive. In dieser gespenstischen Atmosphäre des Jahres 1983 würde sich niemand wundern, den Grafen Berchtold bei der Verfertigung e'ner neuen Kriegserklärung anzutreffen(„Der Krieg wird fescher lein als der fade von 1914") oder in eine Konferenz von sechsunddreihig Mouar- che» hineinzugeraten, die beauftragt wurden, eine hoch- moderne Verfassung auszuarbeiten. In d'eser gespenstischen Atmosphäre wundert sich auch niemand über folgende Mel- dung: Der„Matin" berichtet aus D o o r n. dah Exkaiser Wilhelm gestern seiner Gemahlin Her m ine den Rang einer Kaiserin verliehen hat. Bis- her hatte er sich getveigert, mit seiner zweiten Gattin die ihm noch verbliebenen kaiserlichen Ehren zu teilen. Hermine hat es also erreicht: endlich, fünfzehn Jahre nach 1918, hat ihr der spröde Gatte den Rang und Titel einer Kaiserin zugestanden. Warum nicht? Ka'ser Wilhelm schaltet sich mit dem allgemeinen Fortschritt gleich, und wenn Deutschland ganz erwacht ist, hat es wenigstens eind Kaiserin. B'Sher muhte es mit Kronprinzen und ähnlichen völkischen Arbeitern pardon, Lcistungsaristokraten, vorliebnehmen Aber der Zeiger läuft rasch zurück: bald wird es 1914 schlagen. Dann wird die Welt, in der die Gespenster über die Lebenden triumphieren zu spät erkennen, w a s es geschlagen bat. Im Kftmn» deden den Krens Der italienische Chirurg und Krebssorscher Fichera hat eine neue biologische Methode für die Krebsbehandlung entdeckt die unter Umstände» auch dann»och Erfolg haben soll, wen» die Operation oder die Bestrahlung versagt. Die neue Methode der Rrebsbeliandlung Ficheras wird von nam- hatten Krebsforschern untersucht und kurz folgendermaßen erklärt. Die Gesamtheit der Organe, die das Krebswachs tum hindern, nennt Fichera geschwulstscindliche Gewebe. Daraus stellt er nun Extrakte her, die, dem krebSkranken Menschen eingeimpft. daS Wachstum des Krebses hemmen und die Krankheit in gewisse» Fällen ganz verhindern. Zu- weilen liehen sich sogar bösartige Geschwülste, die einem chirurgischen Eingriff oder einer Strahlenbehaüdlung nicht mehr zugänglich waren, zur Rückbildung bringen. Fichera will nun bei seine» Forschungsarbeiten die Entdeckung ge» macht haben, dah im Alter und besonders bei geschwulstkran- fen Manschen dein Organismus bestimmte Substanzen fehlen, die das Gcschwulstwachstum hemme» und daß jene Organe, welche diese gegen Geschwülste wirksamen Tubstanzen erzen- gen, sich im Alter zurückbilden. Sei» neues Präparat soll nun nicht an die Stelle der bisher geübten mehr oder»Luder erfolgreichen Behandlungsmethoden der Chirurgie und Be- strahluna gegen Krebs treten, sondern es soll neben diesen Behandlungsarten angewendet werden. Durch Zufuhr der im gesunden menschlichen Körper selbst gebildete» krebsseind- liche» Substanzen sucht man also dem krebskranke» Körper die ihm fehlenden Kampsstvfse zuzuführen und seine durch de» Krebs geschwächten Abwebroraane zu neuer Tätigkeit an- zuregen.• Wo kommen die vielen Französinnen her? Scotland Pard verfolgt seit einiger Zeit die Spuren von M ä d cb e n h ä n d l c r n. die sich hauptsächlich aus den Import „französischer Ware" spezialisiert hatten. Es siel nämlich aus, ''ah in London und in den Hafenstädten die Zahl der Fran- ö s i n n e n in den Kaschemmen und in den Matrosen- kneipen sich in der letzten Zeit vervielfacht hatte. Sooft .'ine dieser Frauen sich bei dem Polizcibeamten ausweisen mußte, stellte sich heraus, dah diese mit einem Engländer ver- ehelicht gewesen ist und demnach also englische Staats- bürgerin war. Jetzt gelang es Scotland Aard, einen guten Fang zu machen. Auf Grund ihr zugegangener Anzeigen nahm die Polizei de» zweiunddrZhia Jahre alten Agenten Harold Brown und den gleichaltrigen Kaufmann Georges Cecil Foulstone fest. Beide wurden auf irischer Tat erwischt, näm- lich in dem Augenblick, in dem sie eine Französin an ein zivetfelhaftes Lokal verschachern wollten. Bevor das Mäd- che», welches auö Frankreich nach England eingeschmuggelt war, ihre„Stellung" antreten tonnte, sollte sie mit einem gewissen E. Clayton verheiratet werden, um dann als Eng- länderin zu gelten. Clayton sollte für diese Scheinehe eine Entschädigung von zehn Pfund erhalten. Die Ermittlungen von Scotland Bard nehmen immer größeren Umfang an. Man glaubt, dah im letzten Jahre mehr als hundert A u s l ä» d e r i n n e n auf diese Weise nach London gekommen sind und durch ihre Schein- ehe« die englische Staatsbürgerschaft erworben haben. Man hat mehrere Strolche von der Art des Clayton aussindig ge- macht, die gegen kleine Entschädigungen die Mädchen „heirateten". HOh'enmensdien Aus Prag wird uns geschrieben: Die Domica-Höhlc^ die den Ansang eines bisher noch un» bekannten großen Höhlensystems darstellt und eine Bested- lung aus der jüngere» Steinzeit tum 8000 vor Christi) aus- weist, wurde bekanntlich von dem staatliche» archäologischen Institut zum Mittelpunkt der neolithischen Forschung in der Slowakei gewählt. Dieser Tage ist nunmehr die zweite Forschungskampagne beendet worden. Ein bedeutender Fund ist dabei ein menschlicher Unterkiefer, der zu den wenigen Ueberresten eines Menschen aus dieser Zeit gehört. Hierzu muh man auch die Funde in der ungarischen Höhle Jstalloökö rechnen, die den Kannibalismus des Steinzeitmenschen be- weist. Die Funde zeigen auch die Beschäftigung der Domica- Bewohner. Die Mahlsteine und Getreidereste deuten auf eine primitive Landwirtschaft h'n, Wcbegewichte und der Abdruck einer groben Sackleinwand zeigen, daß die Menschen schon Leincnstofse weben konnten. Knochen von Wildschweinen und Rehen führen uns die Jagdtätigkcit vor Augen, und eine Knochenangel beweist, dah auch der Fischfang den Urbewoh- nern bekannt war. Wertvoll ist die Keramik. Man plant die Errichtung eines Museums bei der Domica-Höhle. das den Besuchern die ganze Kultur der Höhlenbewohner aufzeigen soll. Der Plan soll bereits im Frühjahr kommenden Jahres realisiert werden. Musiker auf Briefmarken In Barcelona wurden vor kurzem Briefmarken heraus» gegeben, auf denen die bedeutendsten Persönlichkeiten der Kunst, Wissenschaft und Politik dargestellt sind. Als Re° Präsentant der Musik figuriert der berühmte spanisch« Geiaer Juan Manen. ÂbsdifuOderTransferbesprechuiiécii Die R e i ch S b a n k gibt bekannt: Tic Skiprerfningcn mit öctt Vertretern der ausländischen Gläubiger lang- und mittelfristiger Forderungen kind heute in Berlin zum Ab- jchluß gelangt. Die Gläubiger ivurdc» über die Devisen- läge unterrichtet. Alle mit dem Transfer zusammenhängen- den statistischen linterlagen und Ziffern wurden ihnen mit- geteilt und mit ihnen durchgesprochen. Die Reichsbank wirb vor Ablans dos Monats Dezember bekanntgeben, ob sie sich in der Lage glaubt, die Transserierung der in Frage kommenden Zinsbeträge aus der bisherigen Höhe zu halte» oder nicht. Zunehmende Verarmung So berichtet die Wirtschaft Württembergs Nach dem Bericht des Württembergischen Industrie- und HandelStags haben die jahreszeitlich bedingten Beschäf- llgungsrncigänge später eingesetzt und seien außerdem nicht so stark in Erscheinung getreten ivie früher. Allerdings hatten sich auch die Erwartungen einzelner Industriezweige aus die übliche W in t e r b e l e b u n g nur in sehr wenigen Fällen ganz erfüllt. Die Aufnahmefähigkeit des B t n» e n markte s habe sich zweifellos gehoben, wenn- gleich nur f it r billigste W are n. Der Umsatz von Qualitätsware» gehe trotz des vorhandenen Bedarfs mit Rücksicht auf die schwache K a u s k r a s t des einzelnen noch weiter zurück. Der Z a h l u n g s e i u g a n g scheine in der letzten Zeit viel z u w li n s ch e n ü b r i g zu lassen. Die Preise seien noch ziemlich gedrückt, obgleich in vielen Wirtschaftszweigen Preisvereinbarungen getroffen worden seien, um ungesunden Preisschleudereien Einhalt zu tun. Die Absatz- und Produktionsverhältnisse innerhalb der ver- schiebenen Zweige der Malchin e» i nd u strie feien nach ivie vor sehr uneinheitlich. Immerhin sei eine gewisse Ber- stärkung der vereinzelt ausgetretenen leichten Besserungs- erschein ungen zu beobachten. In der Banmwvll- industrie habe sich der bisher befriedigende Beschäl- tigungSgrad nicht verändert, allerdings sei der Auftrags- cingang ziemlich schleppend. In der Trikotagen- industrie seien die Produktionsverhältnisse weiterhin günstig. Man holfe, die Bollarbeit iiorfi einige Zeit aufrechterhalten zu können, zumal da der Aüstragseingang eine saiionmästige Belebung zeige. Das Ausfuhrgeschäft ruhe nahezu vollkommen. Das gleiche ekelte von der S t r i ck- w a r e n i n d u st rte: der Beschäftigungsgrad habe sich saisonmäfiig gebessert. Sch'cch'c Re'rltsnnanrrn Nach Mitteilungen des Neichsfinanzministeriums betrugen im Oktober tAngaben in Millionen Marks im ordentlichen Haushalt die E t n n a h ni e n 5ii,l lim September 548,7) und die Ausgaben 4486(44^.8); mithin ergibt sich für Oktober ein Ueberichtig von 07.5 1105,0). Die Reichsfinanzen haben sich in Einnahme und Ausgabe verschlechtert. ver denksdie Aufschwung Ein gleichgeschaltetes Blatt sagt:„Angesichts der gegen- iiber dem letzten Schulentlasiungstermin mehr als ver- doppelten Zahlen der Lehrstellenbewerber glaubt man schwer- lich, zu Ostern alle geeigneten Jugendlichen- in Lehrstellen unterbringen zu können. Die Frage: Was wird aus dem Schulentlassnngsiahrgang 1084? wird darum immer bren- vender. Man hört auch schon von manchen Lösnnosvorschlä- gen, wie Landschuljahr, Hausdienstjahr und wieder einmal vom 9. Schuljahr. Man hört davon, dag das Schulgesetz zu Ostern nächsten Jahres zum ersten Male in der Form durch- geführt werden soll, dasi nur ein bestimmter Anteil der Abitu- rtenten zum Studium zugelassen, der größere Ziest praktischen Berufen zugeführt werden wird." Aus den Berichten der B^rusSberatungsamter. deren Zahlen bereits deutlich frisiert sind, gebt dennoch hervor, dag kaum noch Lehrstellen vermittelt werden. Plan sendet die jungen Menschen in den Arbeitsdienst oder als Helfer aufs Land. Die Zahl der Jugendlichen, die zu gualifizierten Ar- vettern ausgebildet werden, geht immer mehr zurück. Ilotelp'eife Die.Reichspost", das Organ der österreichischen Christlich- soziale» meldet ans Berlin: Die trostlose wirtschaftliche Lage wirkt sich im Hotelgewerbe deutlich aus: die Berliner Hotelverwaltung AG. hat ihr Stammkapital von zwei Mil- lionen Reichsmark und die Hotelgesellscbaft„Esplanade" ihr kl apikal von einer Million RM. zur Gänze verloren. Das Hotel Adlon kann nur dadurch keinen Betrieb ausrecht- erhalten, dast es einen Teil seiner Räume an das außen- politische Amt vermietet und daß es einen billigen Mittags- tisch für einen politischen Klub eingerichtet hat. Hineratâte: llmsafz sfaWl Nachdem in den ersten Monaten d. I. der allgemeine Ge- schäftsverlaus weiter rückgängig war, trat im Verlaute des Jahres insofern eine Besserung ein, so baß die gesamten Um- sätze bis Ende September nicht hinter denen der gleichen Zeit des Borjahres zurückblicken. Die dauernde Abwärts- bewegung scheint also nun aufgehalten z» sein, worin sich insbesondere die Regierungsmaßnahmeu zur Hebung des Kraftverkehrs ausgewirkt haben dürfte». Der ans dem Bor- jähr übernommene B e r I u st wird voraussichtlich noch eine g e r i n g s ü g t g e Erhöhung erfahren. ImiDSlrlalisleriing Ostpreußens Die Sdionung des Großgrundbesitzes ERNST TOLLER EINE JUGEND IN DEUTSCHLAND Broschiert Hfl. 2,—, in Leinen Hfl. 3,25 Einst io'ler crzihlt uns sen I.ebcn. Mit ßiöbter Auhich.ißkeit werden alle Piusen d tser so e»n t so leidriwcha 1 n>ch ß»*l b'tn luyt nd daree teilt und episch P«* chworen; Kmdhct und Studentenzeit; de inneie KrtS'S wähond des Krieges in den Twler als Freiwilliger zog; die elÛhénd* aktive Anteilnahme an der deutschen Revolution von I^i8 und allen ihren Kämpfen de Münchener Rate eit, zu deren I laup Hguien# ei gehöite; Wihaitung. tozcW und die langen lahre dir hestunc Die bezwingende- Kunst e n*T einfachen Sprache ma ht den bei cht die-es Lehens Spanne, d wie den bewegtesten Roman QUERIDO- VERLA« AMSTERDAM Der Plan, Ostpreußen ans Kosten der Arbeiter und mit Staatsiubventtonen zn industrialisieren, der in der „Deutschen Freiheit" Nr. 186 besprochen wurde, ist ans- führlich in der elften-Nummer der„Zeitschrift für Geo- Politik" auseinandergesetzt. Dort besaßt sich Günther Wiedemann in einem Aussatz„Das Fabrikdorf— die künftige Siedlungsform des deutschen Ostens" mit dem Projekt. Nach Wiedemann soll nicht nur Ostpreußen, son- dern„nach dem Willen der nationalsozialistischen Führung der gesamte großagrarische Osten planmäßig industrialisiert werden". An Hand einer Großgrnndbesitz-Statistik führt er aus:„Die Durchführung dieses Projektes würde somit die Umsiedlung von einundeinhalb Millionen Familien be- deuten, für deren Unterbringung bei Zugrundelegung von durchschnittlich etwa dreieinhalb Hektar je Tiedlerstelle ins- gesamt fünf Millionen Hektar erforderlich sein würden. Wie sich aus der Tabelle ergibt, beträgt der Anteil der Groß- betriebe über ton Hektar in allen ostelbischen Gebieten zwischen 56 und 66 Prozent der gesamten land- und korst- wirtschaftlich genutzten Fläche. Lediglich Mecklenburg macht hiervon eine Ausnahme, wo den Großbetrieben mehr als zwei Drittel, nämlich nahezu 76 Prozent der gesamten land- und forstwirtschaftlich genutzten Fläche gehört. Demgegen- über beträgt der Anteil der Großbetriebe in Schleswig- Holstein und... in Württemberg weniger als ein Drittel, nämlich 24 bzw. 36 Prozent." Wollte man wirklich Ostpreußens wirtschaftliche Lage ändern, müßte man, das geht aus Wiedemanus Tabelle klar hervor, den Großgrund- besitz zerschlagen. Daher beeilt sich Wiedemann so- fort zn sagen:„Eine derartige Maßnahme, durck die unsere Getreide- und Brotveriorgung in die arößten Schwierig- leiten geraten müßte, liegt natürlich nicht in der Linie der nationalsozialistischen Agrarpolitik." Man erinnert sich, das ist ja der einzige Punkt des Nazi- Programms, der scheinbar ernst genommen wird, der be- riibmte Punkt 17, der die Bodenreform forderte, die Hitler selbst dann in einem Kodizill vom 18. April 1886 zurück- nahm. Es ist daher für das Projekt schon die Land- beschassnng eine kaum lösbare Frage. Man muß einfach das Land nehmen, das der„Reichsgrund- besitzerverband" zur Verfügung stellt. Der Sonderbeauftragte des Zleichsernährungsministeriums Dr. Kummer behauptet, von dieser S'elle rund 66 666 Hektar erhalten zu haben. Mit dem bis Ende Juni vorhandenen Land von etwa 78 666 Hektar verfügen die Tiedlunasstellen nun iiber etwa 146 666 Hektar insgesamt. Was daS für Land ist, kann man sich vor- stellen, wenn man die Erklärung hört, es käme für Boll- hauernsiedlung nicht in Betracht. Das Land, iiber das in Ostelbieu das Reich zur Bergebung an Siedler ver»ügt. ist so, daß es nur zur..nebenberuflichen Landsied- l u n a" geeignet ist. Der berühmte Koch hat denn auch im Rundfunk erklärt:„auch bei schärfster agrarischer Besiedlung kann die Bevölkerung fim Osten Deutschlandss nicht um einen wirklich ins Gewicht fallenden Anteil vermehrt werden. Eine entscheidende R e v ö l k e r u n g s- Vermehrung i st nur möglich durch eine In- d u st r i a l i s i e r u n n des Lande s.": c Ueberflutung mit japani,chen Waren nach Tüdvstafieil und Indien die Levante überschritten. Die Glühlampenindustrie schlägt die japanische Konkurrenz am alle» Märkten. Die Preis« liegen 20 bis 25 Prozent unter den deutschen Preisen. M cht nur Asien und Südamerika sind Absatzmärkte, die Lampen werde» bereits in Amsterdam an- geboten. Auf dem holländischen Markt erscheine» auch Fahr- rader, Rohre und Kleineisenwaren. In der Schweiz iverden Uhren kiloiveife verkauft! I» Kürze»Verden in europäischen Häsen japanische— Automobile eintreffen, die nicht mehr als 50 englische Pfund kosten! Hvlländisch-Indien wird über- schwemmt mit japanischen Textilwaren, mit Emaillegefchirr, Wellblech. Tort iverden nicht nur die Holländer, sondern auch die Ebinesen verdrängt, von denen'in vorigen Jahre 284 060 nach Ehina zurückwanderten Der Baumivollexpvrt hat den englischen überflügelt und in Indien. Australien, Argen- Unten und Aegupte» verdrängt, von China und der Mandschurei ganz zu schiveigen. Aehnlich steht es mit den Philippinen. Die Seidenindustrie macht der französischen Konkurrenz Lnon ist nicht nur in Aegnpten verdrängt, Japan ericheint in Frankreich mit kunstseidene» Geweben. Fertige Kunstleidenaewebe sind billiger, als Looner Fabrikanten die Garne kauie» können. Der Expvrt nach Süd- amerika Hai sich feit dem Vorjahre verdoppelt. Viele deutsche Häuser sind durch japanische verdrängt worden, besonders in Argentinien. Brasilien. Peru. Chile und Ilruguan. Japan übernimmt für Brasilien die Rüstungsaufträge auf Kreuzer, Zerstörer und Unterseeboote. Zur Zeit fühlt sich durch die Konkurrenz in Wolle. Baum- wolle und Seide besonders Italien bedroht. Das glîiche gilt für die Ehemieindustne. Ein Banniwollkvngreß in Mailand berät zur Zeit Abwehrmaßiiahmeu. Pvpvlo dt Roma spricht von der gelbe» Gefahr. Der Eorriere della Sera meint, Europa könne das Ruder noch einmal herumretsten. wenn es nu M in im a m an Einigkeit finde. Diese Stimmung gegen Japan i» Italien war bei der Zusammenkunst Litminviv- Mussolini wichtig,. Da Land also nicht vorhanden, bleibt das uralte eiiler„intensiven Moor- und Oedlandlultur". Damit 111„ nicht viel zn gewinnen sein und es bleibt nichts, als o papierene Schivert des„Gesetzes über die Nenbuoum! deutschen Bauerntums", das eine Enteignung des Grow grundbesitzeS, falls er nicht mehr„fanierungsfähig Un e möglicht. An das Gesetz denkt aber niemand, auch nicht»i Koch, er will die Industrialisierung und den Lohndnu». denn der neue ostpreußische Arbeiter wird billiger K können, da er ja im„Nebenberuf Landivirt" ist. Koch M im Rundfunk als Anreiz für die Industrialisierung vorgeschlagen:„Herabsetzung der allgemeinen Reichs-»" Landessteuern, Bereitstellung von Elektrizität zu billigere' Preisen, Verbillig»»« der Bahnfrachten und andere M annahmen, die eine allgemeine Lasten- un o Kostensenkung zum Ziele haben(womit das Wou Lohnsenkung deutlich genug umschrieben istlj. Darüber hinaus wird der Staat den Großstädten die Konzession »euer industrieller Betriebe untersagen oder ihre Einrichtung doch zum mindesten erschweren wüsten, wenn das Ziel der industriellen Umsiedlung erreicht iverden soll." To spram Koch. Der Plan Koch-Micdemann benötigt zu seiner Durcn- sührung„mindestens 23 Milliarden Mark, denn» Herren gedenke» den Großgrundbesitzern Roden»» mindestens 860 Mark vro Hektar abzukaufen und scmtfien, daß sie ans diese Weise rund vier Milliarden den Geo»- grundbesitzern schenken könnten, um ja keine Bodenreform durchführen zu müssen. Wie die 25 Milliarden auszubringen sind, davon sagen Kock nnd Wiedemann kein Wort. Sie stellen lediglich fest, da» das ganze Projekt nur»nier iolaender Bedingung Bedeutung haben könnte:„Wirklich fühlbar würde sich die läge nur dann ändern, wenn das osioreußische Programm in' 1 derselben Intensität im aesamien deutschen Osten zur Durch- führuna gelange, d. h. alio iährlich etwa 5—600 000 Menschen umgesiedelt werden würben". Miedemann iaat zwischen den Zeilen sehr deutlich, daß dnö ganze agrarische Siedlnngswerk erlediat ist, daß es nur gelinge,, kann,„wenn die Linie der bisherigen Siedlung»- Politik verlosten nnd die von Koch vorgeschlagene indn- striell-agrarische Linie beschritten wird". Schließlich wird auch die Frage der Rentabilität zu beant- wortcn versilcht. Die Bedenken westdeutscher industrieller Kreise werden zum Teil anerkannt. Da diese Bedenken sachlich stnd. hi lit man sich eckt hitleri'ch mit einer roman- tischen Phrase über das wirtschaftliche Problem hinweg und sagt, es gelte die Industrie und Landwirtschaft durch eine enge Verbindung zu überb'ück>'n. Der Wiedemann meint, das Ganze werde erst ein Problem sein,„wenn diese erste Koniunk'urwelle verebbt". Und solche Gedanken mitten in der Pleite! Bon der deutschen Außenpolitik verlangen die Projektanten die Herstellung— weltivirEchaitlicher Beziehungen, so liberalistisch beten lebrt sie die Not! Schließlich wäre das Ganze kein Nazivroiekk, wenn seine Begaster nicht meinten, zu allein Wirtschaftlichen müsse die „religiös-stttliche Erneneruna" kommen, damit der Plan oe- linoe. Für diese Erneneruna bat Herr Wiedemen» mehr Zeilen übrig als für die Frage, woher man die 25 Milliarden nehme! Das oonce Proiekk beweist. 3ost Köchs Zf-o in der' Arbei'skckLoäL eine Lise- war und deß er seine Niederlage hinter einer neuen noch größeren Lüge verberge» möchte. Solingen niiMclit Die Lage der Stahl- und Eisenwarenindustrie des Solinger Bezirks hat sich, wie die Industrie- und Handels- kammer zu Solingen berichtet, im November gegenüber dem Vormonat kaum geändert. Im Jnlandgeschäit der Schneidioarenindustrie hat die leichte Belebung, die sich M einigen Zweigen gezeigt hatte, angehalten. T e i l w e i j e wird von einer saisonniäßigen Mehrbeschäftigung gegenüber dem vorigen Jahr berichtet und mit einer weitere» Belebung des Geschäfts vor Weihnachten gerechnet. Einzelne Branchen hingegen, für die das Weihnachtsgeschäft eine be- sondere Rolle spielt, z. B. die Silberwarenfabriken, klagen darüber, daß»och keinerlei Anziehen des Ge- s ch ä f t S v e r m e r k t iverden könne. Die Verhältnisse aui dem Auslandsmarkt blieben gleichfalls im wesentlichen unverändert. Die Ausfuhr- erschwerunge», insbesondere die Tevisenfchwierigkeiten. halten an und haben sich teilweise, z. B. in S ü d a m e r i k a, noch v e r s ch ä r s t. Der Berkehr mit dem Teil des Aus- landes, der unter dem Einfluß der Wäbrungsentwertungen steht, erschwert sich mehr und mehr. Dos Saar gebiet hält mit der Erteilung von Austrügen zu- rück, da iiidii nach Rückgliederung zum Weich keine verzollte und mit„Importe d'Allemagne" gezeichnete Ware vor- rätig zu haben wünscht. In der Schinnoestell-, Taschen- und Kosserbügelindustrie hat sich die Geschäftslage nicht zum Bessern gewandt. Alle Sendungen für VERLA« UND REDAKTION der „Deutschen Freiheit" WÊÊHKKÊKÊÊÊKÊÊttÊâHÊÊKÊHtlÊÊùiMiM sind zu adressieren: SAARBRÜCKEN Schütjenstr. 5, Postschließfach 776 •Gr oft mol" Kadavergehorsam, sonst„für Immer unschädlich Bechen" 9n der von unS gemeldeten Amnestterung o»V Sl>E> Schutz J'flftlinqen ha, Oer preuBildw Ministerpräsident Gdrtng t« ittnet if'igen idxitt ale Ebel der Geheimen Staaispottze, an ' e<ïnfi>eftcu rc de, Geheimen Gtaatspoltze» et» Schreiben »krichir, in oe,„ tt briftt -dm Ot ablief>u>«o«>.niniiige Ergebnis der RetchiagSwohl "sbeiondeir!„«oiizenirattouslageru und auS Anlast ^e i,,>„g>i»frs ,r«>m»,e flftfldi: Entlassungen au» e"^>«>rzenrrnr»oiistagern m«rznnebmen dal»? es hei de, Beruhigung der tnnerpoltttschenLage in, H,ndl,ct uni a.« adgeichlosseue Stabilisierung des """onalsoztalist'scheii Regiments sttr tragbar. aus diese bis Weihnachten noch r«»d»«««esaugene znr«>i- '"ü."«» zu dringen ■i-uinti die Entlastungen ihren Erztehuugszweck i»»ch»»er- '">len hahen sie ale Lamwelentlaslungen zu ersol- wobei Beauftragte der Gebetinen S-aaispoltze« oder die .^aerlommanbanirn gehalten sind die oeriommelien Ge- '"»genen aus die Gründe dieser meiner Anordnung hinzu- ["'"en Die zur Entlassung kommenden Gesanqenen sind '"-besondere Uber meine«Mich! ans,»klären Ne dem«»»ich r» rtübtem enltprethend wieder In stte nationals»,îaliftische >[<>ikôgemeinschas» einzuordnen. Tie sind aber auch nicht im ""klaren darüber zu lassen da st ick mit rücksichtsloser Stenge dlelenigen. die dir Grostmui de» nattonatfoz'alistl' n'en Kioatd erneut mit staatdseiübliche, Treibereien eut- "'"en, i, nnnachsschtlicher Weis, und iür immer nn'chädlich "">ch«'n werde" .®' e das Geheime Siaatspoltzetami hierzu mitteilt. b«> "achiei der prensttlche Mintsterpräsident diei« Enllasinngs- ?"ion als einen Versuch den er zu niederholen gedenkt. ™a» otf Entlastenen nich: riitksäklig werden Bor allem sollen ^'"ier oon mebreren Kindern enslailen werden falls ntrfil '^"»ermieaeiide Gründe dagegen bestehen. « ^stch Dichau ,«US Anlast de» überwältigenden Siege» de» Nattvnat- wziall»mus bei de, Retchstge.sivabl und de» herannahendes» ^eihnachisfriedeii» ha> der Kommandeur der baurlichen ^""isschen Polizei die Snilaisung oon tider Nil' in «rtiiiehaft befindlich«" Personen in ganz Bauern oersttat dem ttonzeulrationbiager Dachau werden e>wa P»' enl- 'allen. Es handeli sich un Prriouen. die sich bisher ein- ["andfrei geführt haben und von denen erwarte» wird, hast sich al? nützliche Mtigi'eder der Bolksgemeinschast er. ["eilen werden. Was mil ihnen geschehen wird wenn lie Erwartungen nichi erfüllen. wird»ich» gesagl«drin« " deutlicher. Karniüfan bri«er Win'rrhMfr" ^uchthan« zur Abschreckung De, üle chsn« niste, der Justiz hat aus Berantastung de» "eichsni>»iliers fiia VotkSainklärung und Propaganda in ['»«»> Er.ah nom>7 Okivbei in»n daraus hingewiesen, dost Wtpierhilsawerk de» deutiche» Volle» b«-t«einer grosten 'eoeiitung>>li»e Allaem«'«i>t»e>>-r> st ratrechtliche, Bezte- Hbs nntcrlrdisdie Denfediland Die muie won Sonnenburg- I2|anrlger Im Homenlrnilonsioger- Die Cniianstfilen Ii 6 ti ''«is«'«ondeien stch«» U'ifc'fni Ei>»> dabei gebetet« die ^««ai,„-,!»,gung^ii,•norde.» ,'i,»iuei>en geg»> irden de> sich "'tsseibrmania tk.ebe»aabeo»>» Wi,,-e> lii' an« rk» aneignet [li>„>'u.ineib'tt/tche• être«««--«„zzugehen Ganz ""'ondes» iii> a es>>>a de»«stall aast och etwa Perwnen d>e ">!«Ü w" V, Dur«,«äbru»» de» W'n'erH llawerk» beaus- ''ag!«lad a« de,, ihnen anoertrante« pzea.'nständen»er- »re,ten t 1*t> de>»riigen Vi I ill»dig II»gen»n> tdiliowils»!« "'> deiii'N»« aiii'ii«ollen die Tiaataaiiwgilichgsle» AnkMge "uch a,»ne«i««on vi nationalen tsseaiernna"e chlosieoei« ^est,,nn>ir»gei>»i«e> llinreue erstehen eine Straf« sou «inchiban» h'e«««« bn stastre» nni fifh« Veftrainnge» dieser «r» find bereits eriotgi Das last!'tel hinten Wastrichelniich hat man sich IM ifteich ^ie Nazi N», Hilfe a»e den« Taoraehlel zum Mntter ge. "vmmen d»e«»'»ei ein Perlonenanto au» den erbettelten Gelder anschgssie Damit wurde der dringendsten Not«e> heuert. „Clicr itrutsst im meine Krlegs- enebnKüie.. »in«us dem Konzentrationslager Tonnenburg entlassener TchufiHästliug schildert leine TchreckenS» »et«: Da» Zuchthaus Sonnenburg war Im Hahre>üÄi wegen »einer schlechten Brunnen von Amt» wegen geschlossen worden. Es durste nicht mehr beniivi werden, weil die Ge- iundsteit der Gefangenen durch die mangelhafte Unter» stringung gefährdet wurde, sstür Schutzhällling« findet die nationgllozialistische Regierung diese Döhle eben recht. «l» unser dreißig Mann starker Trupp auf dem Bahnhos Sonnenburg ankam, wurden wir von einein blutjungen Polizeileutnant empfangen, der die Rainen ausrief»nd uns dann einer TA.-Kolonne überliest. Sofort erschallten Koni- inandos>vte:«Zu uns gerichtet! Still gestanden! Zu vieren abzahlen! iln Gruppen linkö schwenkt! Marsch!" Da viele unter uns des Exerzierens nngeivohnl waren, teilten die braunen Wächter schon in der ersten Viertelstunde ss-»sttrttte »nd Kolbenstoße ans. Unter den derart Misthandeltcn ivaren ahlreiche Männer von über fünfzig Jahren, indes der älteste .t«iniger vielleicht!M. der iünaste nicht viel über i« flahre zihlte. Wer etwas veriah, weil leine Körperkkäite versagten, kam in den Bunker. Die Bunker waren Arrestzellen, deren einige gepolstert« Doppeltüren hatten. In dielen Zellen wurde un- lmrniherzig geschlagen. Trov der schallsicheren Wände drangen Schreie der Gefolterten bis zu uns Die stameraden, die schon von Beginn an in Sonnenburg waren, erzählten uns aus der ersten Zeit entsetzliche Grau- samkeilen Istns Inhaftierte, deren Namen der ganzen Welt bekannt sind, muhten in der Mitte des DofcS ihr eigenes Grab graben— ein groster gelber Isert ist heute noch ,n sehen-, dann verband man ihnen die Augen und schost llk«" ihre Köpfe Hinweg. Diese blinden»rschiestungen waren im Ansang überhaupt an der Tagesordnung und be» retteten den braunen Sadisten offenbar höllische» Vergnügen. Im^ager war zu meiner Zeit ein DZsährtger Mann, der die Spure» furchtbarer Misthandlungen trug. Er hatte mlt setner 70jährigen Iran ein kleines Anweie» h-«"'* gehörte wohl der SPD. an, war aber, wie mir später ein Bewohner de» gleichen OrteS bestätigte, poiittich». ,o»o lich Hervorgetreten. Eines Abends kamen vier TA.-Leute, Holten den alten, gebrechliche» und schwerhörigen Mann ab, richteten ihn im Spritzenhaus schrecklich zu und schleppten ihn dann zum„Auskurieren" in unser^ager, damit in den« kleinen Ort niemand etwas erfuhr. Alb aui dem TempelHofcr Ield die Hindenburgriche abgesägt worde» ivar, befahl unser damaliger Eagerkomman- dant. ei» Polizeileutnant. die WO Insassen des?aaers ans d» Oos und verkündete, dast lüdisch-inarristiiche klubcn in Berlin die O>»denburgeiche abgesägt hätten, würden die Kom- munisten und Juden im t'apcr drei Tage lang kein Mittag- elle» erhalle». Am selben Abend begann ein Strakexerzieren »-te ich es beim Militär niemals erlebt Hab«. Die ab- kommandierten Leute fielen um wie die Iiiegen, sie ivaren »ollig erschöpf» Wir anderen muhten zusehen»nd dürft.'» den Gepeinigten nicht helfen, sondern muhten warten. btS das Kommando ertönte:»Tragt die Schweine kort!" Diese Schleiferei hätte noch lange kein Ende genommen, wenn der Arzt sich nicht in» Mittel gelegt hätte. „ItirMenSckd' abgelehrt Nur die Nazis dürfen schröpfen In Anwesenheit des Retchsstatthalters fand gestern ein Ministerrat statt, der eine Reihe oon Beschlüssen über Iragcn der bäuerische» iZlerwallung sohle. Bon über Bayern hinaus gehenden« Jim lie waren die Berglungen über die Iragr ob den kirchlichen Körperschaften rne Ermächtigung zur Em «ührung eines Kirchengeldes zn geben sei. durch daS den kiräi lichen Behörden die Erhebung einer Kopssteiier oon den An gehörigen der Kirchengemeinden ermöglich! werden soll De« Erlast des Gesetzes wurde jedoch bis aus weiteres zurück gestellt da der Ministerrat die unbedingte Roiwendigkeii su« die Zulassung einer neuen Kirchensteuer nicht anerkennen konnte und der Ansicht war. dast unter alle» Umständen»er sucht werden lall, ohne neue steuerliche Belastungen auSzo- Der EA.-Mann Mftfl«, der setzt noch fret im«braune« Ehrenkleid" umherläust und schuldlose Menschen ihrer Ge- sinnung wegen quält, ist ein Mörder. Mitte August wurde ein TPD.'Mann namens Ritter, 52 Jahre alt. Vater oon«nehreren nnniündtgen Kindern, eingeliefert. Müller folterte den Wehrlosen auis Entsetzlichste. Am anderen Morgen um 5 Ubi gab man uns bekannt, Ritter habe «ch Übe, Rachi«n leine» Zelle erhängt. Der Arzt "eigene'«ch den?»»«>> schein auszustellen «ind verlangte Anzeige an bte Staatsanwaltschaft, da der àâstltng sich nicht das Lehen genommen Habe, sondern tot- geschlagen worden»ei Di« Staatsanwaltschaft kam. besichtigte tt« Le ich und«»><; ie zu» Beerdigung frei, über untere» Arzi haben»vir nicht wiedergesehen. Ale«ti end! ch entlassen wurde, durchsuchte man mein „epäck und prll'tc leben Zettel genau nach Unnütze Müde! Ich»lihrte nichts be» mir. ich hatte mt» kelnerlet Notizen gemacht Was ich im Lager Tonnenburg erlebte war>o ent- ieyltch dast ich mein Leben iana daran traaen werde Eher «»ergesie ich nieine KrieaSerlebnisie!- Aber trotzdem ich -»eist, was mir dioht. werbe ich bi»«um letzten Atemzuge •«-gen bte beanne Schande kämpfen „Wenn es nruie Anders howmf.. Em a derer Betel, aus dew man einiges Uber die Mtf-üimmuna in der LA erfährt Ltei Ire»>d Von m> Ie">»-Hl Ich nichi viel erzählen, Du weiht, wie schwer des•'«•!• im zu ertragen ist. Aber nicht nur wir leihe», Vi,«inline!«? error, auch in de:> b. ichim oirir Enttäuschte. ,)ui Ko« I>•.. ii' mi ein ïVl Mann«Der R. kann mich-«»«{!«einei, Auiniocsch illeine machen, ich gehe nininii-' 5T>,'ii-.litt" rri ds,.iah,', stand, fügte hinzu: „Wenn k' i» ii rh»w in«, oeihr-niie»ch meine lknt- >orw und mach'->,>>>---N» Iragen nte weh» den Sckna» bei au»! V,ei«nd dabei-tte innerlich schon tängii ins „inarristtiche" Va„ei g hvrei, Vo> ewigen Wochen wurden in Mannheim 57 Leute oerhaiir».setz» enäliri man. dast darunter TA Leute waren Sie gegen den Nazi Bürger- meiste» Remingei gemeuieri hatten Vielletch» gelüstet e» einen andern nach der Stelle Ost geschieh« es. dast Lehrer, die um Beförderung ein- kommen, mst dem Bescheid nach Hause geschickt werden: „Wenn Sie eiue Hauptiehrcrin heiraten, können Sie deren Stelle einnehmen" Du kannst Dir denken, was illr Ehen aus diese Welse zustande kommen. Dir Braui ist bäustg um viele Jahre älter- Auch die Referendare des Mannheimer Amtsgerichts wtsien. was sie von der„Besserung des Ar- hettSmarkles in allen Berulen" zu halten haben Als Ne sich über die Aiissichislosigkett beschwerten, in ihrem Jach voran- zukommen, erhielten sie die Antwort:«Ja. meine Oerren. da inüsien Sic sick eben nach einer anderen Beschästiguna um- sehen!" DaS ist lelcki gelagt wenn nur„andere Beschäi- 'igungen" zu haben wtiren? Die Stimmung ts» überall gedrückt, aber gan» in» Gr- Neimen werd-i- doch manchmal btssiae Witze welteraerelcht. Galgenhumor' So erzählt man sich setzt, eine Zeltuno babe folgendes Inlergi erhalten. „Jost neuer Mere«de» gegen artlch» Grvà- mutter etnzutaiitchen gesucht!" komme« Der MinlsterpräsideiA stellte dabei lest, baß er vor längerer Zet» den Antrag an dte zuständigen RetchSmtnt- «trrien geste»,»ah, v» EinfübinN,,--ine, K» I> n r st» n e» In Erwäg,»»g z„ c e»en>•« Tri« dir alle«», de« Kirchen antz- geschtehe^„ Perlenen ev-sprechend der Belastnni«'«es«rtr> '^ngeni- ä,>„q- ,-i>>«ae«-« ü«»»tiniettr Znwckr neuerlich leranaez gen-»e-> e>-'h„„ei> .Kraft und Freude" vorläufig für rwei Bert»».-, Tti fü, Jir aauonalloziollsiliche Gemeinschaft Krgs« und.trend'-ink neiir Aemirr errschtei worden«nd »war etnes fst« tziupagand.,->ne eines für„Volkstum»nd Oetlnàt" Zun, BwiSlett»,«u, Provaganda ist«art B n l ch. «dauptlchristle ir» d.-s.Deuistben" ernanni worden. Das Amt Volksinw>«nd«V""ar"'i»i r»> Wer—r Haverbeck beireuen Dar umsichtige Geschäftsmann inseriert mit Erfolg in der rr Deutschen Freiheit" dem Weltblatt Inserieren in der„Deutschen Freiheit" verbürgt allerbeste Erfolge ïïeutsffie Stimmen• Beilage zur 5>eutsdken Freiheit"• Ireignisse und Gestfkidkten »i. n jR'iüEtgBani^BBnmanmyiai!!:.! Sonntag-Montag, den<0. und 11. D«i«mb»r 1>33 -Deutsche£eficedcagödieit vm Davon er, bringen Beispiele, Im„Oesterreitbiseben LehrerbUtt"(Nr. 24) finden wir den Jolgenden Aufsatz: Die Welt weilj, wie es dentstben Juden ergeht, sehreiben die Zeitungen vieler Land I roteste, Notschreie. Autb das Schicksal namhafter Linkspolitiker und Sehriltsteller ist bekannt. Lieber die grauenvollen Morde, die entsetzlichen Folterungen, verübt an zahllosen Gegnern des Dritten Keitbes, wird ausführlich berichtet in einem liratiuhuch, das wohl hie und da eine kleine sachliche Unrichtigkeit enthält, im ganzen aber längst nicht die 1 iille der Barbarei erlalit, die unser armes V aterland erleidet. Dazu kommen viele Linzelberubte, die von dein keineswegs abflauenden braunen Terror Zeugnis geben. Kaum etwas aber ist bekannt über das Dasein der namenlosen Zehntausendc„ die..nur" aus ihrem Beruf entfernt, jetzt gänzlich wehrlos einer nationalsozialistischen„Fürsorge" ausgeliefert sind, die zu II linger, I'rost und Vereinsamung verurteilt wurden, die für ihre Kinder nicht mehr sorgen können, die dauernd bespitzelt werden und keinen Augenblick auller Gefahr sind, wegen irgendeines Verdachts verhaftet und ohne jede Begründung auf nicht absehbare Zeit eingesperrt zu werden. Ich will hier ein paar Fälle erzählen, Wort für Wort tatsachengetreu. nur die Namen sind aus naheliegenden Gründen verfälscht. Diese Fälle betreffen allesamt deutsehe. Lehrer, die keinen bekannten Namen tragen, die nicht in großem Kreis hervorgetreten sind, die weder besonders radikal noch iu der Form ihrer Betätigung herausfordernd waren. &nU(Kausen Emil Hansen war ein Lehrer von außerordentlicher Qualität. Nachdem er den Krieg als Freiwilliger, er pflegte zu sagen: Kriegsfreiwilliger, mitgemacht hatte, kehrte er mit gebrochener Gesundheit zurück in die Heimat, machte sein Lxameti und stürzte sich mit Eifer und Liebe in die Schularbeit. Wenn man oft findet, daß ein Lehrer neben seiner Schultätigkeit ein Steckenpferd reitet, sich stark für außerschulische Dinge engagiert, so könnte man für Hansen sagen, daß sein Steckenpferd eben die Schule, die Wohlfahrt seiner Klasse, die Anschaulichkeit und Ergiebigkeit, die Lebensnähe seines Unterrichts bedeutete. Seine sozialistische Weltanschauung äußerte sich in nie abreißender freiwilliger Arbeit für die Schule. Er baute aus eigenen Mitteln den ersten ltadiocmptänger der Schule, er gab Bastelkurse außerhalb (jer Schulzeit, ohne Entgelt, er bat bei Bekannten um Farbe, Holz, Papier als Material für die Aermsten- er sammelte Steine, Schmetterlinge, Briefmarken, schuf eine vollständige Sammlung von dreihundert Bildserien zu Lichtbildervorträgen für alle Wissensgebiete, er wanderte mit den Kindern, lehrte sie Sterne beobachten, Stile beurteilen, alles, was ihm geschah, verwertete er in seiner Klasse. Nie nahm er Lob an. Nie schrieb er wie andere um Geld über die schönen, viel beneideten Ergebnisse solcher hingebungsvollen Arbeit. Er halte keinen Feind, alle achteten ihn.— Das Dritte Reich brach aus. Hansen schreckte zusammen. Doch arbeitete er fort wie bisher. Dann kamen die Befehle zur Umstellung der Schularbeit im„nationalen Sinne". Hansen sollte nicht mehr seiner wissenschaftlichen Auffassung folgen dürfen im Geschichtsunterricht, er sollte an Stelle von Naturwissenschaft blinden Glauben au den Schöpfungsmythus bringen, er sollte Hitler loben, den er verachtete und haßte, er sollte den Rassenwahn lehren., gegen den sich seine Wahrheitsliebe erhob. Er verfiel sichtlich. Die Kollegen waren in Sorge um ihn. Er vermochte nichts mehr zu tun wie sonst. Seine Sammlungen schenkte er den Kindern. Er wurde krank, ein Bild des Jammers. Eines Tages erhielt er audi noch die Nachricht seiner Entlassung wegen„nationaler Unzuverlässigkeit". Eine Kommission von Nazi-Lehrern hatte einen Lehrplan von ihm gefunden, in dem auch das Thema:„Karl Marx und seine Bedeutung für die deutsche Arbeiterklasse" stand. Das hatte genügt.— Hansen hatte zwei Kinder und eine sehr zarte Frau Neunzig Mark würde er monatlich erhalten, das hätte vor offenem Hunger bewahrt. Aber ihm hatte der Sieg der Barbarei mehr zerschlagen als die bürgerliche Existenz. So sehr Kollegen ihn zu behüten trachteten, er fand Gelegenheit, sich eine Kugel durch die schmale Stirn zu schießen. Utax cKeHU'Mtp Ein anderer bemerkenswerte! Fall betrifft den Kollegen Max Henning, Er war noch„Junglehrer", das heißt: noch nicht festangestellt, obschon er zweiunddreißig Jahre alt, verheiratet und Vater eines vierjährigen Töchterchens war. Seiner Weltanschauung entsprechend arbeitete er an einer weltlichen Schule. Diese Schulen und ihre Lehrer hatten schon unter den bürgerlichen Regierungen der letzten Jahre erheblich zu leiden gehabt. Doch hielten Eltern, Kinder und Lehrer gut zusammen. Das Ergebnis der Schularbeit, zu der auch die Unterhaltung eines von den proletarischen Eltern selbst erbauten Schullandheims für die Kinder gehörte, war wesentlich besser als beim Durchschnitt der anderen Schulen. Henning war Wortführer der Elternschaft in vielen Auseinandersetzungen mit den Behörden, bei der Werbung, auf Festen und Feiern. Auch über Schuldinge hinaus war er Berater der Eltern. Er hat sogar in einigen Fällen Grabreden gehalten, wenn arme Familien sich keinen bezahlten Redner leisten konnten. Als die Nazis in die Bildungsministerien einzogen, wußte Henning, daß er würde gehen müssen. Schon die ersten Erlasse brachten die Zerschlagung der weltlichen Schulen. Am 1. April 1933 wurde er aus dem Schuldienst ausgestoßen. Er erhielt weder Uebergangsgehalt noch irgendeine Pension. Nachdem er die übliche Anzahl Wochen gewartet hatte, bekam er regelmäßig vierzehn Mark wöchentlich vom kommunalen Wohlfahrtsamt für alle Lebensbedürfnisse dreier Menschen. Das reichte nicht einmal zum Nichthungern. Kollegen halfen aus.— Henning hatte »einer kranken Mutter, sein Vater war in Frankreich gefallen, nichts gesagt von seinem Schicksal, um sie nicht zu quälen. Da verlangte das„Wohlfahrtsamt" eines Tages von der entfernt wohnenden, völlig ahnungslosen Mutter, daß sie von ihrer kargen Rente etwas abgeben müsse für ihren Sohn oder aber diesem würden statt vierzehn nur noch zwölf Mark wöchentlich bezahlt werden. Z)as Qcoße Menteuec Die alte Frau erlitt auf der Stelle einen Nervenzusammenbruch. der das Schlimmste befürchten ließ. Henning, völlig machtlos gegen solche Roheit, verlor nun seinerseits zum erstenmal die Nerven. Alle seine Bemühungen um Arbeit, gleich welcher Art. waren aussichtslos, er als„Marxist" blieb ausgestoßen aus der amtlichen Arbeitsvermittlung. Da er die Beziehungen zu den alten Genossen, die Rat und Hilfe jetzt noch häufiger brauchten, in selbstverständlicher Kameradschaft fortsetzte, ward er vor etlichen Wochen verhaftet und in ein Konzentrationslager gebracht. Das Töchterchen weint haltlos nach dem Vater, die Frau grämt sich um den Mann, der nur alle Monat einmal schreiben darf, die Mutter mußte in hoffnungslosem Zustand in eine Heilanstalt gebracht werden. Auch für den nichtnationalsozialistischen Lehrer, der im Amt bleiben konnte, ist die Zeit unglaublich schwer. Alle Freiheit der Lehre ist dahin. Alle guten Beziehungen des Lehrers zum proletarischen Elternhaus sind wieder überwuchert von dem Haß, mit dem der Arbeiter auf die Vergiftung der Kinderhirne reagiert, den Lehrer ablehnt, der den Arbeitermörder Hitler feiert. Der Lehrer muß seihst hie und da Widerstand hei den Kindern niederkämpfen. Ich kenne einige Dutzei^l Fälle, in denen Kinder sich weigerten, das Horts-Wessel-Lied zu singen, weil ihr Vater im Gefängnis sifjt, weil bei ihnen zu Hause SA. das Mobiliar zerschlagen oder gestohlen halte, weil sie gesehen hatten, daß SA. Arbeiter mißhandelt und blutig schlägt, ,.auf der Flucht erschießt", beschimpft und bespuckt. Auch das, meine ich. gehört zu den Tragödien, anter denen deutsche Lehrer heute zu leben gezwungen sind. Aber noch einen Fall will ich anführen. Der Kollege Wandet und Wall Wander war nicht Sozialist oder Marxist. Er war stolz auf seine Orden, ein guter, solider Bürger, aber weltlicher Haltung. Er lebte in einem größeren Dorfe, angesehen, wohlhabend, fast ohne Gegner. Sein Religionsunterricht brachte den Kindern keine Dogmen, war eine Unterweisung zu herzlicher Menschenliebe. Dieser Kollege erhielt als Nachharn einen jungen Nazipfarrer, der alsbald versuchte, den Lehrer zu kirchlichen Dogmen zu zwängen. Er fragte die Kinder aus, hieß sie den Lehrer bespitzeln. Als Wander das vernahm. sagte er dem Pfarrer deutlich seine Meinung, was diesen in rasende Wut versetzte. Der„deutsche Christ" hetzte nun in einer schamlosen Weise wider den rechtschaffenen Lehrer, nannte ihn einen Marxisten. Wander ließ sich das nicht gefallen, wurde laut, wehrte sich. Und— wurde seiner Stelle enthoben als..national nicht zuverlässig", in ein geringeres Amt versetzt. Das mag harmlos scheinen unter der blutigen Fülle des deutschen Elends. Es bedeutet aber für diesen Mann den völligen Zusammenbruch seiner Rechtsauffassung. Leider ist er kein Marxist. So leidet er jetzt mit fürchterlicher, auswegloser Wut diese Vergewaltigung, die ihn völlig zerbrochen hat. Er schreit in der Schulstubc herum, schlägt, es ist ihm alles gleich. Abends sperrt seine Frau die Läden zu, damit keiner die„regierungsfreundlichen" Reden ihres Mgnnes belauscht. Dies letzte Beispiel steht hier auch, um zu zeigen, wie die neuen„Führer" der deutschen Lehrer den ganzen, Generationen mit Aufopferung geführten Emanzipationskampf der I/ehrersrhaft verraten haben. Einer dieser„Führer" ist ein alter Bekannter: Herr Wolf, der sich in übelster Weise gleichgeschaltet hat. Auch diese Tatsachen gehören zu dem großen Trauerspiel in deutschen Schulen und Lehrerhänsern, veranstaltet von der braunen Invasion. Es ist nur ein Film und heut' noch nicht wahr. Ich bring' euch auch die Voranzeige. Aber morgen, in drei Wochen, oder übers Jahr, dann ist es so weit. Dann wird es schrecklich klar—* während ich heut' noch einige Pointen verschweige. Entree ist gratis. Nur gassichre Logen sind teuer. Meine Damen, meine Herren, auf! Ins große Abenteuer I Die Hauptrolle spielt der neudeutsche Geist, ein Bastard aus Trusts und Syndikaten, aus Feigheit, Sadismus und Spiel mit Soldaten. Ein Geist, der die Welt als hors d'oeuvre verspeist mit Gelbkreuz-, Grünkreuz-, Brisanzgranaten. Damen und Herren, ihr seid noch nicht Feuer und Flamme fürs große Abenteuer? Die Regisseure bleiben natürlich im Hintergrund. Doch die Gagen sind nichtsdestcneeniger enorm. Verdient wird an Tanks, Chemikalien, an jedem Pfuttd Pulver werden die Leute gesund, jedem Flugzeug, jedem Knopf, jeder Uniform! Leider zahlt ihr mit eurem Leben die Steuer, Damen und Herren, fürs große Abenteuer. Man dreht an dem Film. Er ist fast vollendet. Die deutsche Regierung setzt die Premiere an! L ud eh ich s vergesse, eh' sich die Stunde wendet, eh man den Film über die Grenzen, sendet: Die komische Rolle spielst du, kleiner Mann! Du Stiller, Geduckter, Bescheidener, Scheuer. Blind läufst du hinein, Idiot! Ins große Abenteuer. Stefan Hey*' JAce Ju teUigeHi... „Obendrein bekommt das Weib noch Hiebe" Das Programmheft des Züricher Stadttheaters veröff«®'' lieht folgenden Brief, der bei der Direktion einginge »einer Original-Schreibart: „Zürich im Nov. 1933. Sehr geehrter Herr Direktor' Einige: ständige Deutsche Theaterbesucher ersuchen Sj« höflichst der Person im blondgefärbten Haar, welche'» der Operette„Der Vogelhändler" die Kurfiirstin spie''' energisch zu verbieten im dritten Ackt den Witz wenn«' einer sein soll zu unterlassen und zwar wenn die Person sagt..Ihre Intelligenz können Sie in Berlin anbringen". D*' ist für uns Deutsche kein Witz mehr sondern eine A® 8' höhnerei, für unser gutes Geld lassen wir uns das nicht gefallen und Sie als Deutscher sollen so etwas nicht zugehen. Seite unsere Bitte unerfüllt bleiben, so wird'» Zukunft eine Pfeiferei entstehen wenn das Weib nochm«' 8 uns Deutsche beleidigt und obendrein bekommt das Weib noch Hiebe das Sie auf Wienerart an uns Deutsche denke» wird. Wir hoffen und erwarten also von Ihnen Herf Direktor künftig hin zu Sorgen, das die Worte fortbleibe®- Mit ganz vorzüglicher Hochachtung an Sie zeichnen ein'? deutsche und deutschfreundliche Theaterbesucher" Die Direktion des Theaters bemerkt dazu, daß der beanstandete Witz wortgetreu der Neufassung der Münchner Staatsoper entspricht.— Wir aber meinen, daß das ganz« unter die Rubrik gehört- Knlturpropaganda des erwachte® Deutschlands im Ausland. di&ch dec Jtdui&cfvfnled! Balduin Bähtamm als Kauptmann mtt Köpenick In Bi utinschwoig. dem extra braunen, hat sich dieser Tage ein Streich begeben, der einer Köpnickiade gleichkommt. Zu Ehren eines in den Mauern der Stadt abgehaltenen„Tag des deutschen Handels" hatte das Stadttheater eine Aufführung von Bahra„Konzert" angesetzt. Doch als die Vorstellung steigen sollte, kam es zn einem seltsamen Zwischenfall, dessen abgeblaßte Schilderung in der gleichgeschalteten Presse zunächst wiedergegeben sei: ..Wenige Minuten vor Anfang der Vorstellung erschien auf der Bühne ein Fremder beim Regisseur und gab sich mit einem Schwall von Worten als der„Kaufmann frischer" zu erkennen, der zum Tag des Deutschen Handels nach Braunschweig gekommen sei. Vor Beginn der Aufführung wollte er vor das Publikum treten und ihm ein eigenes Gedicht vortragen. Mit Stolz wies er jeden Einwand zurück. man solle ihn nur erst hören. Dem etwas ans der Fassung gebrachten Regisseur blieb endlich nichts übrig als der Hinweis darauf, daß er ja die Erlaubnis zu dem Vortrag nicht geben könne, Herr Fischer müsse schon den Intendanten bemühen. Insgeheim hoffte er, die Angelegenheit damit erledigt zu Ilaben, denn der Intendant würde jetzt kaum aufzutreiben sein. Doch der„Dichter" kannte keine Hemmung. Er verschwand umgehend in der Telefonzelle und trat mit der strahlenden Miene des Unbesiegbaren fünf Minuten später wieder vor den Regisseur: Alle« in Ordnung. Er werde sofort beginnen. Resigniert gab der Regisseur nach und hörte süßsauer lächelnd zu, wie draußen mit hohem Pathos das Erbauungsgedicht anhebt. Wenn das Erzeugnis wenigstens so kurz wäre, wie es schlecht ist. Aber nein! Minute um Minute plätschert e, dahin. Endlich ist es aus. Der„Dichter frischer" erscheint wieder auf der Bühne, verabschiedet sich und bittet um— Nachsendung der Kritiken der Presse. Auf der Intendantur wußte, wie sich am anderen Tage herausstellte, niemand etwas von einem telefonischen Anruf. Die Sehnsucht, einmal einem größeren Kreise ein eigenes Gedicht vortragen zu dürfen, hatte den„Dichter" Fischer zum Schwindler werden lassen. Und nun lachen in Braunschweig die Hühner.", Ja, die Hühner lachen— aber worüber?— Was sich in Wahrheit begeben hat, läßt dieser Bericht nur durchschimmern. Hinter der ganzen Geschichte steckt natürlich die Angst der gleichgeschalteten Seelen vor fristloser Eni lassung, Konzentrationslager,„Abreibung" in einer SA-' Kaserne usw., wenn irgendein Wunsch eines hohen Nazi Tieres nicht respektiert wird. Offenbar hat der ulkig« Dichterling Fischer verstanden, sich den Anschein zn gebe®« als wünsche die Leitung des„Deutschen Tages" oder sonst eine höhere Nazi-Stelle den Vortrag seines Gedichts, und d et angstschlotternde Regisseur hat daraufhin nicht„Nein"*» sagen gewagt, weil er sich schon im Konzentrationslager sab, falls er den Vortrag verweigerte. Möglicherweise konnte da« Gedicht ja zum Lobe Hitlers verfaßt sein, dann wäre di« Verhinderung des Vortrages sogar direkte Majestätsbeleidi" gung, mit Gefängnis strafbar, gewesen! Jedenfalls zeugt das Geschichtchen, was im„dritten Reich — und nur dort— vorkommen kann. Jm dec(Kcutd die Jiilchlasse ,.Marsch weg, Jüdin!" Graf Sforza, Außenminister im vormussolinisehen Italie»» erzählt im„Journal des Nations": „Eine meiner Cousinen verbrachte diesen Sommer auf einem Schlosse in Württemberg. Wegen ihres gräflichen Titels und weil sie auf dem Schlosse zu Gast war, hegte ma® gegen sie keinen Verdacht. Sie konnte die Schulen besuchen» für die sie sich interessierte. Da erlebte sie folgendes: In der Vormittagspause zogen die Kinder an der Türe der Schulkantine vorbei, wo man ihnen eine Tasse Milch und ein Stück Brot verabreichte. Die kleinen Mädchen warteten, bis sie an die Reihe kamen. Aber immer, wenn ein jüdisches Mädchen an die Reihe kam, schrie es die Direktorin, welch« in der Hand die Tasse mit Milch hielt, an:„Marsch««?» Jüdin! Die nächste bitte..." Diese Szene wiederholte sich täglich. Man ersparte es den kleinen jüdischen Kindern nicht- in der Reihe zu stehen. Man eraparte es ihnen nicht, di« Hand nach der Tasse anszustrecken... Die christliche® Kinder mußten täglich Zeugen dieser Szene sein, damit«>« lernten, wie man ein jüdisches Kind behandelt- das Huna«' hat und essen will," I I Elnfopf bei M'n's'ers Ohne Kommentar aus der Naziprcsse nachgedruckt. Die Mär berichtet nur von„gleichem Essens nicht von „gleicher Löhnung"' Der dritte Einer ließ sich ein Gut schenken Sr wollte es gut haben wie Hindenburg und Hitler w der Eintopf-Sonntag im „ zum drittenmal das gesamte deutsche an einem Tisch. Eintopfgericht bei allen. Verbunden- Jeder "ritte Eintops-Sonntag, 3sü(f mü" rt-' ol) eit de Tage München, 8. Dezember. Der Rcichsstatthalter in Bayern, General Ritter von Epp, Hai aus Borschlag des bayrischen Ministerpräsidenten Sichert den Staatssekretär und Lei- ter der Abteilung Landivirtschaft im bayrischen StaatSmini- sterium für Wirtschaft. Diplomlandivirt Georg Luber. von seinem A m t e e n t h o b e n. Zu dem Ausscheiden des Staatssekretärs und Leiters der Abteilung Landivirtschaft im bayrischen StaatSminifterium sür Wirtschaft. Georg Lubcr, wird amtlich bekanntgegeben: „Ans Anlas! des Geburtstages des Staatssekretärs Luber wurde von dem bayrischen Landesbanernvbmann da S bisher im Eigentum des Landivirtschaftlichcn Kreisausschusses von Schwaben und Rcuburg stehende Hosgut Hirsch- iv a n g dem Staatssekretär als Geschenk übereignet. Staats- sekretär Luber hat dieses Geschenk angenommen. Da es sich bei dem große,, Hofgut(!) um einen im Eigen- tum einer Körperschaft des öffentlichen Rechtes stehendes Besitztum handelt, hat die bayrische Staatsregierung uns Grund ihrer nationalsozialistischen Weltanschauung(!) die Auffassung, daß durch diesen Borgang die Unabhängigkeit finît i.. tlnem Tisch. Eintopfgericht bei allen. II des deutschen Volkes beim täglichen Brot. ,-Lage vorher steht es schon fest:„Eintopfgericht". Jeder 'reut„ch, bedürftigen Volksgenossen durch diese Einsparung l».. ci" wenig helfen zu könne» und auch darin National- ivziallsmus der Tat zu zeigen wie ihn der Führer vorlebt. Keine groben„Sachen" Austern und Schlemmerplatten JjWWh sich Bonzen delektieren und mit Sklareks schlemmten, schlicht und einfach überall:„Eintopfgericht"! Auch bei den Eiihrern. Erbsensuppe mit Speck, ein überall, auch im Felde begehrt geweieties Gericht, war das„Tonntagsdiner" beim Minister- vra«,deuten Hermann Goring, der es sich nicht nehmen "cv. trotz kaum erst überstandencr Krankheit, auf besondere „-rankenkost zit verzichten, um auch an diesem Tage in der Steche zu sein- ^«rrau Magda Göbbcls hatte„Brühkartoffeln" auf den Speisezettel gesetzt, die in gleicher Zubereitung wohl in minöerttausend Familien am Tonntag auf den Tisch kamen. ?eim Gruppenführer Staatsrat Ernst gab es„Pichelsteiner u>cmi,setovf". ,u dem sich Gäste eingefunden hatten. „Dicke Reissuppe" gab es im Hause des Reichsinnenmini- -ers Dr. Jrick, wo man stets sehr einfach zu speisen pflegt. Kultusminister Rust hatte Gäste zu seinem„Eintvpf-Ge- K Nationalsozialismus als Exportartikel wpfgericht. das aber gar keine Einschränkung für ihn be-" °c»lctc, da es ein von ihm immer sehr geschätztes Gericht war:„Wirsingkohl". Ganz Deutschland bildete am 3. Dezember ?>ne grobe I a m i l i e, die gemeinsam am Tisch sab und freudigen Herzens für b'e Bedürftigen gab. Beispiel für kommende Eintopf-Sonntagc. und Entschlubfreiheit eines ihrer Mitglieder und damit ihre eigene Regierungstätigkeit beeinträchtigt werden könnte. Bei der gegebenen Sachlage glaubte der Ministerpräsident, sich von seinem Mitarbeiter im Wirtschaftsministeriuin trenne,, z« müssen. Bis zur Entscheidung über die Neubesetzung der Stelle deö Staatssekretärs der Landivirtschaft wird der Ministerpräfi dent als Wirtschastsminister. dem die Abteilung der Land Wirtschaft unterstellt ist. deren Geschäfte leiten." * Ja, ja, wen» Hitler.(Höring und Hindenburg sich Hos- güter„schenken lassen", so dürfen sie annehmen, ohne ihr Amt ausgeben zu müssen. Dem bayrischen Staatssekretär Luber aber, der sich auch gerne„segnen" lassen wollte, steht nun die„nationalsozialistische Weltanschauung", und vor allem der Siebcrt und der Ritter von tkpp im Wege. Er, der Lubcr, hätte auch warten sollen mit der Annahme der Segnung und sich schl'csslich mit einem kleine n Hos- gut begnügen können, zumal die bayrische» Nazigröben erster Ordnung»och nicht alle mit den„groben Hofgiitcrn" beschenkt worden sind. »er verhinderte. Horst Wessel von Schweden Westiand •t n ^ie neue Wochenzeitung Im Westland-Verlag G. m. b. H. Saarbrücken erschci. t wit kurzem eine neue Wochenzeitung:„Westiand". In diesen neun Monaten seit Hitlers Machtergreifung hat die Welt eine Fülle von Publikationen, Schriften und Zeitungen erlebt, die an der Wiederherstellung des deutschen Rechts- staats mitarbeiten. Dauernd kommen neue hinzu, und ihr geistiges Geivicht ist bei dem Reichtum an schriftstellerische» Jnduvidualitäten im antifaschistischen Kampf sehr verschieden öu bemessen. „Westland" nimmt in diesem Schrifttum jedoch einen besonderen Rang ein. Diese Wochelizeitung darf mit Jug und Recht versichern, dab sie kein Emigranienblatt iei. Es fehlt Gr daö Ressentiment, das Himmelhoch-jauchzende und Zu- Tode-betrübte, die ekstatische Empörung und die pathetische Anklage, die unter Emigranten und ihren Publikationen oft den klaren Sinn für die Tinge verwischen. Im„Westiand" gibt es keine Wunschbilder und keine Propheten, sondern, vor allem in der Außenpolitik. nüchtern« und manchmal harte Realitäten. Der-bequeme Pazifismus mit seinen uuverbind- liehen Gebärden ist ausgestonen ans dieser Zeitung, und das >st gut so. Dabei fehlt es an lebendigen Glossierungen und an farbigen Lichtern nicht, auf Grund des überreichen Mate- rials, das das„dritte Reich" täglich dem Beobachter liefert. Da„Westland" im Saargebiet seinen Standort hat und sich hier der Kamps um die europäische Freiheit bewähren mub. so wird den Saarproblemen besondere Aufmerksamkeit ge- widmet. „Westland" hat eilten Jehler. einen Jehler seiner Vorzüge: die Jülle des Lesestoffes, den es jede Woche seine» schnell- gewonnenen Freunden übergibt, ist fast zu reich. Es ist ein Buch für sehr aufmerksame Leser: es hat nichts von einer Zeitung von der es sich durch bewubten Verzicht aus aktuelle Sensationen und kreischende Ueberkchriften unterscheidet. „Westland" wird sich durchsetzen. Diese ausgezeichnete Wochenzcitung ist eine Mitkämpferin und eine Informât!- onSquelle. die. soweit wir sehen können, keine gleichwertige Nebenbuhlerin besitzt. Selbst wenn sie unsere erbitterte Konkurrentin wäre— was sie nicht ist— miibten wir ihr viele, regelmässige und sorgfältige Leser wünschen. A. H. „Wcstland" ist in jeder Buchhandlung zu beziehen und an allen Kiosken zu haben. Der Preis der Nummer beträgt t.— Jr., das Vicrleljahresabvnncmcnt kostet 13,— Jr. Aus Stockholm ivird uns geschrieben: Eine Sensation ivar vor einigen Tagen das Geständnis des schivedischcn Naziführers M a l t h e W e l l i n, dab die schwedische Nazibewegung aus Teutschland während der letzten Monate rund 50 000 M ark erhalten habe. Zugleich mit dieser Enthüllung meldete die Presse, bass der Stockholmer Naziltthrer K. V. Z e t tcr st r ö m vom Gericht zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt ivurde, ivcil er seit Jahren der Zuhälter seiner eigenen Iran gewesen war. Diese Enthüllungen werden nunmehr durch wertvolle weitere Geständnisse ergänzt. Sic bcivciscn erstens, was von den Kundgebungen der deutschen Regierung zu halten ist, und sie zeigen zweitens, wie sehr das deutsche faschistische Regiment bemüht ist, die inländische Propaganda in das Ausland zu verpflanzen. Da erfährt man. dab zwischen der deutschen Nazipartei und den Schweden ein Abkomme,, getrosscn wurde, »ach dem die Schweden sich verpflichteten, im Sinne des Nationalsozialismus zu agitieren, wofür ihnen von Deutsch- land zugebilligt wurde: genügende finanzielle Mittel zur Propaganda, finanzielle Mittel zum Aufkauf von Zeitungen, die bisher antifaschistische Tendenzen vertreten, finanzielle Mittel, um einen Buchverlag zu gründen oder einen be- stehenden anfzukanfen, und schliesslich genügend lauseydc Mittel, um die Unternehmungen am Leben zu halten. Der I i n a n z i c r u n g s p l a n sah wie folgt ans: Da? deutsche Jinanzministcriuui sollte sich bereit erklären, die in Deutschland befindlichen schwedischen Guthaben freizugeben, weiter sollten von jedem deutschen Jilm, der»ach Schwede» ausgeliehen wird, ein bestimmter Prozentsatz den schwedischen Nazis zur Verfügung gestellt werden und schliesslich wurde vereinbart, dass auch für alle übrigen schwedische» Importe aus Deutschland Provisionen in die Nazikasse gezahlt werden sollten. Der formelle Vertrag, um den noch bis in den September hinein verhandelt wurde, kam indessen nicht zustande, weil der Unterhändler der Schweden die sofortige Auszahlung eines Betrages von 2O0Ö00 Kronen forderte, in» das „Westsvcnska Dagbladet" auszukaufen und die national- sozialistisch,;„RcichSzeitiina" sicherzustellen. Die Verband- lungen sind aber in den letzten Wochen erneut ausgenommen worden und so weit gediehen daft der Vertrag nach Reu- jähr in Wirksamkeit treten soll. Unruhen in Snanl^n Paris, 0. Dez. Aus Spanien liegen Havasmcldungen vor, die über einige Zwischenfälle berichten. So wird aus Barcelona gemeldet, dass dort im Lause des Abends drei ziemlich grosse Bomben explodierten, die beträchtlichen Sachschaden anrichteten. Eine Anzahl Extremisten soll versucht haben, in ein Autobusdepot einzudringen, um die Wagen in Brand zu stecken. Es kam daraus zu einer Schieberei, bei der zwei Personell getötet wurden. 24 Verhaftungen wurden vorgenommen. Aus Saragossa verlautet, daß dort zahlreiche Hans- suchungen vorgenommen ivurden, da man vermutet, dass das revolutionäre Komitee in Saragossa seinen Titz hat. 45 Per- svnen wurden festgenommen. In Hue sea kam es zu Zusammenstößen zwischen Zivil- garde und umherziehenden Extremisten, die die rote Jahne vorantxugen. Bei der Schieberei wurde eine Person getötet und eine andere schwer verletzt. Ausserdem berichtet Havas aus Madrid, dass der Innen- minister gegenüber den Pressevertretern in der Nacht diese Zwischenfälle bestätigte und weiter noch mitgeteilt hat, das, die Polizei in Huesca ein Wafsenlagcr mit 38 Bomben, 2 Revolvern, 1 Gewehr und zahlreicher Munition beschlag- nahmt habe. Man habe weiterhin festgestellt, das, mehrere I c r n s p r c ch l i n i e n durchgeschnitten worden ck». Schließlich erklärte der Innenminister noch, dab t» Salamanca die Erregung so gross sei, dass die Truppen aus Versehen ans eine Streife der Zivilgarde geschossen habe. In ganz Spanien fänden Haussuchungen, verbunden mit Ver- hastungen, statt. * Der frühere spanische Minister Santiago Alba wurde zum Präsidenten der Eortes ernannt. Paris, 9. Dez. Havas berichtet ans Madrid, dass dort eine Gcheimversgmmlung von Extremisten ausgehoben und 4 8 Teilnehmer verhaltet wurden. Am Abend kam es in den Strassen von Madrid zu Zwischenfällen. Verkäufer einer neuen neuen faschistischen Zeitung, die als Namen die Abkürzung„V. E." führt, wurden von der Menge bedrängt. Jaschisten mit Totschläger» leisteten ihre» Zcitnngs- Verkäufern Beistand. In der Hnvasmeldnng wird erklärt, dass bei Puerto del Sol zwei Jaschisten von der Menge ge lyncht worden wären, wenn die Polizei nicht noch rechtzeitig eingegriffen hätte. Paris, 9. Dez. Havas berichtet aus Barcelona, dass i„ dem Vorort Ospitalet unter dem Ruf„Es lebe der iberische Anarchistenverband!" Extremisten durch die Strasse» zogen und eine Jabrik in Brand zu stecken versuchten. Die Polizei ist verstärkt worden, weil die Demonstranten versuchten, vis nach der Stadt Barcelona vorzudringen. Bild aus Waldenburg r ü>or einiger Zeit fuhr ich mit der Eisenbahn von Breslau nach Waldenburg, wo ich in einer Versammlung sprechen seilte. Das Waldcnburger Bergland ist eins der grausten Elendsgebicte Deutschlands. In meinem Abteil sab ein junger Mann in Forstbcamten- uniform, der auf seinem Schob ein kleines exotisches Hünd- che» hielt, das trotz der Wärme erbärmlich zu frieren schien. Ich fragte ihn, was das für ein Hündchen sei, und ob es krank wäre. „Ja", sagte der Mann,„das ist ein Pekinese?. Die sein sehr empfindlich. Ich war beim Tierdoktor in Breslau. Da muss das Viechcrl alle Woche zivecmal behandelt werden. Ter is»ich etwa krank, aber der verträgt halt's Klima nich." „Ist das Ihrer?" „Nee, der is der Jürschtin Plcß!" „Sic ,sind wohl da angestellt/" „Ja. Die Herrschaft hat noch drei Hundel von der Torte.' „So. daS sind wohl kostbare Tiere?" „Tausend Mark das Stick Da fährt die Jürschtin perscen- lich nach Paris, wenn sie sich cens kvofen will. Es sein ihr schon verschiedene krepiert. Tic müssen immer die richtige Temperatur haben. Die fressen ooch keen gcwchnlichen Iras, Die kriegen klecngehacktes Htthnersleesch mit weichem Reis in Bul-ler. Ja. die kosten ein" Stange Geld!" » In Waldenburg suchte ich den Veraustaltungslcitcr aus einen Kumpel. Er wohnte in einer finsteren Strasse, d' aus trostlosen, baufälligen Mietskasernen bestand. Die zer sallene Treppe wurde von dem Grabcslichtchen einer kleine, Gasflamme bedämmert. Von jedem Treppenabsatz liefet uach beiden Seiten lange Gangschluchten, wie in einem Znchi Haus. Ein Hotel des Todes. Ich suche die angegebene Zim mer n um mer 173. Ich trat in einen düsteren Raum, der vier mal sechs Meter grob sein mochte. Ein Gcruchgcmisch schlug mir entgegen von Ranch, Zwiebeln, verstockten Ttrohsäcken. Windeln, Tabak und faulen Dielen. Der Kumpel, der eben von der Schicht gekommen war, streckte mir müde seine Hand entgegen. Tie Iran rührte in einem Suppentopf und wendete kaum den Kops nach mir. Fünf abgerissene kleine Kinderchen starrten "".Du'bist kaputt von der Arbeit!" sagte ich. „Naja sei amal dreißig Jahre Kumpel uff der Knochen- mihlc da drunten!" „Gehört die auch dem Jürstcn Pley?" „Na. was gebeert dem nich hier im Bergland?" „Verdienst du noch einigermaßen?" „Mir können nich klagen. Ich brings noch uff zweeuno- zwanzig Mark de Woche.", „Nichi mehr als zwciundzwanzig Mark?" „Na geh ock! Ich bin»och ganz gutt bezahlt. Da im obcrn Stocke haust eetter mit seiner Allen und vier Bälgern, der -at Kurzarbeet und bringts blob uff neun Mark die Woche." „Wie sollen die davon leben?" „Nu, seine Alte kocht in der Frühe c'ncn Topp Ouetschkar- löffeln, die streicht sie ihm halt als Belag usss Brot. Das is eben Jrühstück, Mittag und Veschper. Daheeme gibts ooch »jsch'e weiter. Nee, mir können nich klagen, uns geht'S»och gutt!"# Iii einem Ttilappartcmeut auf dem fürstlichen Schloß räkeln sich vier w'nzige Pekineser, die von Hühnerfleisch. Reis und Butter Sodbrennen haben und alle Woche zum Tier- rzt gebracht werden müssen, damit ihre Kostbarkeit der ge ingweilten Arbeiigeberin als süßes Spielzeug erhalten leibe. In einem verpesteten Mcnschcnstall stopfen sich sechs tuber- »liste Kreaturen Tag für Tag einen widerlichen Jraß aus strvt und Kartoffelbrei in den Bauch, dam't die übersättigte lrbeitaeberin nach Pari» reisen und sich mit rührenden Schoßlicblingcn versorgen kann, ♦ Es würde aber in diesem Bild etwas fehlen, wenn es nn- erwähnt bliebe: Fürst Pless ist nicht nur einer der reichsten Leute Deutschlands, er ist auch Nationalsozialist! Erhard Winzer. Die„Deutsche Freiheit" Ç I ri«! g i Anhängige Tageszeitung Deutschlands mufj man regelmäßig lesen Abonnieren Sie sofort! Bestellschein I di ersuche um regelmäßige Zusendung der„Deutschen Freiheit" Name,, Strafjei: Orti , de Unteradirift Verlag der„Deutschen Freiheit" Saarbrücken 3• Schützenstrafje 5- Postschließfach 776 » SfrflOburger WodmbciKM Strasbourg, 8. Dezember Emigrantendiskussionen In der lokale Presse gabs in dieser Woche einige recht heftige Auseinandersetzungen über die Betätigung deutscher Emigranten im Elsaß Man hatte dabei sowohl die beliebige Beschäftigung zum Zwecke des Broterwerbs im Auge, als auch die Tatsache der Mitarbeit verschiedener deutscher I migrainen an hier erscheinenden Zeitungen. Trotz einiger bissiger Bemerkungen, die mehr einem rein parteipolitischen Bedürfnis entsprungen sein dürften, als einer sachlichen Prüfung der delikaten Frage, darf man mit großer Freude konstatieren, daß die meisten an der Diskussinn beteiligten Zeitungen das Problem einer durchaus gerechten Würdigung unterzogen, wobei Zeitungen, die der gegenwärtigen Regierung nahestehen, offen ihre Sympathie für die aus Hitler- deutschland vertriebenen Menschen bekundeten. Ja in einer Zeitung lobte man sogar die in der kommunistischen Oppositionspresse in Erscheinung getretene Mitarbeit deutscher Emigranten. Ohne uns selbst berufen zu fühlen, mit fertigen Ratschlägen in der Emigrantenfrage hervorzutreten, gehen wir unserer Freude Ausdruck, daß im großen und ganzen das Emigrantenproblem in der lokalen Presse— von geringen Ausnahmen abgesehen— mit großer Objektivität behandelt wurde und ein gewisser Hauch von Sympathie für die Emigranten zu verspüren war, der geeignet ist, die Trostlosigkeit des Schicksals der aus Deutschland Vertriebenen ein klein wenig aufzuhellen. Dem Wunsche verschiedener Zeitungen, die Emigranten möchten sich an internen Diskussionen möglichst nicht beteiligen und in lokalen Streitfragen die Arena den Einheimischen allein überlassen, können wir uns au» innerster Ueberzeugung anschließen. Wer gezwungen war, wegen seines politischen Kampfes Hitler- deutschland zu verlassen, wird sich— ohne daß es ihm schwer fällt— der notwendigen Zurückhaltung befleißigen können, die man in einem Lande als selbstverständlich vorausseht. in dem er Gastrecht genießt.„Emigranten", die das nicht fertig bringen, liefern damit den Beweis, daß nicht immer politische Ursachen sie in die Emigration getrieben haben. [his Wort eines Arbeiters Ein elsässischer Arbeiter, Fritz Mäder, der am 12. August hei den Rheinregulierungsarbeiten einem deutschen Kollegen das Leben rettete, dafür nun von seiner Organisation eine Belohnung erhielt, schreibt au seine Corporation:„Ich wünsche nur, daß Deutschland und Frankreich sich so einig wären, wie wir Arbeiter am Rhein, wo, wenn es not tut, einer dem anderen unter Einsatz des eigenen Lebens das Leben rettet, ob Deutscher oder Franzose." Das ist das Wort eines Arbeiters. Die Taten der neudeutschen Politiker verfolgen allerdings ein anderes Ziel. Bis die Arbeiter aller Länder einig sind AOK. Der Mitgliederstand der Allgemeinen Ortskrankenkasse Strusbcnng betrug am 2. Dezember 74 199. An Krankengeld wurden 232 769,05 Franken ausgezahlt. Dir Volkshochschule hat ihren winterlichen Abendsrhulbetrieb in vollem Umfang aufgenommen. Die Vorträge finden immer eine zahlreiche und interessierte Hörerschaft. Im Theatre municipal kam die Operette..Prince Chéri" zur Erstaufführung. Man prophezeit ihr hier kein allzu langes Leben.— Mit„La maison d'en face" beginnt das Theatre des Nouveautés den großen Erfolg, den das Stück bei seiner Pariser Uraufführung voriges Jahr erlebte, in Strasbourg zu wiederholen. Menuhin und Richard Tauber Zwei große Erfolge verzeichnet die Konzertagentur S Wo/// in dieser Woche Mit dem berühnften Violinvirtuosen Menuhin leitete man im ausverkauften Palais des Fetes die Konzertwoche ein. Das Publikum überschüttete den jungen Künstler mit wahren Beifallstürmen. Am Donnerstagabend lockte Richard Tauber in den gleichen Saal wieder ein nach Pelze-Krämer Q"f Grand'rue vif nur I. Stock STRASBOURG Gros se Auswahl in Pelzkragen ab 20 Fr., Pelz- jaquettes ab 175 Fr.. Pclzmitnlel ab 3,% Fr.. Isab.- und Skunksfilchsc ab ISO Ft., Skunks-Colliers und Ediarpes ab 200 Fr. Reparatur. 5/Pb Ersparnisse 1421 jMsecatenannahme FÜR STRASBOURG £iécaicie Populaire 2, RU E SEDILLO T 2 AGENCE LIBERTÉ 2, petite rue d'Austerlitz STRASBOU RG Generalvertretung der .Deutsche Freiheit" tür Elsass. Lothringen Annahme von Abonnements und Inseraten: LIBRAIRIE POPULAIRE, 2, rue Sédillot Strasbourg ABONNENTENWERBER in allen Orten des BAS. RHIN und HAUT-RHIN sofort gesucht. Tausenden zählendes Publikum. Der gefeierte Sänger entzückte mit den bekannten Liedern, die seinen Weltruf begründeten Als er„Dein ist mein ganzes Herz" auf französisch sang, sprang der Beifall in Kaskaden durch den Saal Noch eine halbe Stunde nach dem offiziellen Schluß stand Tauber mitten im Kreis mehrerer Hundert Unentwegter und sang immer wieder auf Wunsch seine zarten Liebes- licder. Die Philharmonie veranstaltet ihr erstes Winterkonzert am 11. Dezember im Palais des Fetes, wobei u. a. die 5. Symphonie von Beethoven zu hören sein wird. Acht Jahre Zwangsarbeit Der 44 Jahre alte Frederic Wolff, der seine Geliebte, die mit ihm brechen wollte, in der Nacht zum 3. Juni bei Neudorf mit dem Taschenmesser erstach, wurde vom Schwurgericht zu acht Jahren Zwangsarbeit verurteilt. „VeEnegertes Frankreich" Wie Herr Göbhels seine Propaganda gegen das„vernegerte Frankreich" betreibt, geht aus einem Fall hervor, der hier sehr viel besprochen wird. Ein Herr verstand es, eine Verkäuferin von hier unter der Vorspieglung, die Aufnahme werde dem„Bey" von Marokko zum Beweis für die gute Aufnahme der Morokkaner in Straßburg geschickt, zu bewegen, sich mit einem marokkanischen Soldaten fotografieren zu lassen. Das Bild ging aber nicht an den„Bey" von Marokko, sondern in eine deutsche illustriere Zeitung, die es mit folgender Unterschrift versah: „Das Marokkanerliebcheu. Wie weit sich das Gefühl für Bassenstolz und völkische Sauberkeit in Frankreich schon verschoben hat. zeigt dieses geschmacklose, für Paris durchaus alltägliche Bild." Die Polizei nahm nun die Angelegenheit in die Hände. Ohne das Ergebnis der Untersuchung vorwegnehmen zu wollen, darf gesagt werden, daß hier einer der vielen Hitler- agenteu wieder einmal seine dreckigen Finger im Spiel hat. Die Art. wie man zu dieser Fotografie gelangte, ist typisch für die Methoden, mit denen der deutsche Faschismus seine Propaganda betreiht. Herr Göbhels hat nötig, Frankreichs „Rassenschande" zu fotografieren! Wenn in Deutschland das Gesetz für alle gleichmäßig Gültigkeit hätte, hätte er sich längst in ein Krankenhaus einliefern lassen müssen, um sich jenen Prozeduren zu unterziehen, die man jetzt an Tausenden Deutschen zur Erhaltung eines angeblich gesunde""' gutes vornimmt, E. D. Strasbourg Oer oiDtele Salon de"o Buren» Disss CflCZ \m\rn Unter den Gewerbslauben 75 (I. Stock:: Telefon Nr. 44.16 Dauerwellen nach neuest. System 50. 6 Monate Garantie daartär jen mit tnecto SO. 1 on fmachen der Haare 15. Sämtliche Arbeiten werden nur von ersten Spezia« listen ausgeführt, da ich in meinem Salon nur erste Kräfte beschäftige. Gei ffne' den ganten Tag v. 8 Uhr früh b s 7 Uir abend» Bei Vorzeige* dieser Annonce erhält jeder Kunde eine Friktion gratis. ätz-......viv st, /.«- v..-.-.-uv Räumungs-Verkauf Wegen Haus*Abbruch verschleudern wir unser gesamtes Lager in nur la Marken-Artikeln weif unter Fabrikpreis DAMEN' HERREN' KINDER' SCHUHE 30,- 25,- 15,- 50,- 40,- 30,- Ch aussures Hoff mann STRASBOURG 14, RUEKUHN(Kuhngasse) neben Hotel Monopol, Telefon Nr. 8115 An- und Verkauf zentralemopä sehet und südamerikanischer Devisen EUekten und REICHSMARK durch das Sankhaus Georges Perles& P. Miche! 34 RUE LAFFITTE. PARIS>X TELEFON TA I TBOUT#S-40 BIS ♦# Jugoslawen una lOdhcht: Em'stranfrn vtm Senat erklärte Minister des Innern Lazic in antwortung einer Interpellation des Senators M a ill r o v i c, das, die Regierung einer geringen Zahl iu'lllwi Juden die Bewilligung zum vorübergehenden t?XutcntD in Jugoslawien gegeben habe, und zwar aus Grund> o jugoslawischen Tolcranztradition, wonach«"» grauten verschiedener Völker das A s n l r c ch t gewaa iverdc. Ein Teil der aus Deutschland emigrierten beabsichtige, das mitgebrachte Kapital in Jugoslawien» zulegen, was der jugoslawischen Volkswirtschaft von N»? sein könne. Gegenwärtig befinden sich noch 200 dent® Juden in Jugoslawien, während 000 zugereiste Juden reits die Reise nach Palästina fortgesetzt haben. Senator Obcrrabincr Dr. A l k a l a j dankte als' giöses Oberhaupt der jugoslawischen Juden für die Kümo_ Haltung der jugoslawischen Regierung und verwies darmn- das, besonders in Serbien niemals a n t i s e m i t 1 1 cd V c m e g u n g e n bestanden hätten. Eine solche Aktion wer setzt k ü n st l i ch vom Auslande nach Jugoslawien hineu getragen.^ Ter Interpellant Senator Majstorovfc stimmte dem Senator Dr. Alkalaj hinsichtlich der jugoslawischen Glan bcnstolcranz bei, erklärte aber, dast man dem Antisemit-' mus am besten durch rechtzeitige Abwehr des Seniitisw« vorbeugen könne. Jugoslawien müsse eine Permehrung de Iahl der Juden im Lande verhindern, weil dieses Clemen sonst gestshrlich werden könne. Die Zahl der eingewanderten Anden scheine weit gröber zu sein, als dies der Ministe ztmebev wolle.- Der Senat nahm schließlich die Antwort des Ministers ei n st i m m i g zur Kenntnis. Nur ni 1er Jauerns Die konfessionellen Jugendvereine müssen veP schwinden Aus einer groben.Kundgebung der Hitler-Iugend führt! der Iugenbsührer Baldur von Schirach u. a. aus: Man sagt neuerdings von uns, wir seien eine antichrist- liche Bewegung. Man sagt sogar, ich sei ein ausgesprochener Heide. Dabei hat die nationalsozialistische Bewegung de» Beweis, das, sie aus Gedeih und Verderb mit dem Herrn im Himmel verknüpft ist, sichtbarer erbracht als die christ' lichen Parteien. Diese verschwundenen Parteien versuchen jetzt wieder unter der Maske irgendeiner Jugendorgani- iation das Giit der Zwietracht in die Jugend hineinzu- tragen, lind dagegen setze ich mich zur Wehr. Ich erkläre hier feierlichst vor der deutschen Oessentlichkett, dab ich aus dem Boden des Christentums stehe, dab ich aber jeden Ver- such, konfessionelle Gegensätze in die Hitler-Iugend hinein- zutragen, schärfsten s unterdrücken werde. Nachdem von Schirach betont hatte, das, niemand an der Aeuberung seiner privaten konfessionellen Meinung gehin- dert werden solle außerhalb der Hitler-Iugend. fuhr er sort:„Wir beanspruchen, daß alle andern Jugend- organ isationen in Deutschland keine Da- ieinsberechtigung mehr besitzen. Diese Organt- sationen müssen zugunsten der Hitler-Iugend verschwinden." r oforti?e Befreiung KOPFWEH, MIGRÄNE, NERVEN. SCHMERZEN jeder Art vert ürgt Ihnen OSAI Infolge neuartiger Zusammensetzung überaus rasch beruhigend»st es un schädlich für Herz und Magen. Jeder Verbraucher zufrieden/ (Schweizer Spezialität.) Pu.ver oder Cachets, franco geg< n Einsendung von 8.50 Fr. an Postscheck Saarbrücken Nr. 4850 oder l,/0schw. Franken an: Otto Sidter TelhApoth ke, Zürich 3 BRÜSSEL rue t. Enseignement i5-l7 Dr.jur. K. Goldnnnn trüb, deutsch Rechtsanw. Forderungseinziehung h» Deutschland Handelsvertretung. Daselbst franz. Sprachkurse. Monatlich 20.— Franken Wegen der Aufnahme von Inseraten und der Annahme von Abonnements in Belgien wende man sich schriftlich an die „Deutsche JiceiAeit" Ausgabestelle: BRUXELLES XL 38, Rue d'Edimbourg Deutsche Bücher werden schnellstens zu Originalpreisen geliefert! Pariser Berichte Pariser Straßenkalender ■. der drei oder vier broschierten Exemplare der ' t'ginalausgabe der berühmten Gedichtsammlung„Fleurs du al von Baudelaire wurde bei der Versteigerung der Herzogin von S. in Paris für 40 000 Francs losgeschlagen, ■ine Originalausgabe von„Salammbô" mit eigenhändiger idinung von Flaubert erzielte 12 500 Francs. # ff Die alte Straße des Deux Ponts, in der Nähe des Pariser Jndenviertels, die die Insel St. Louis überquert, soll ihre rc chte Häuserreihe nächstens dem Verkehr opfern. * In der Cote d'Or, in der Nähe der Quellen des Seine- fusses, an denen ein Monument der Stadt Paris steht, wurde ■n» August v. J. eine Göttin auf einem Schiff mit einem LIltenschnabel als Bug ausgegraben. Man glaubt, daß es eine «Göttin der Seine" ist. Der Fund, aus dem 1. nachchristlichen Jahrhundert stammend, ist zur Zeit im Museum Saint- ermain-en-Laye ausgestellt. -!> Im Generalrat der Seine wurde über ein neues Autobus- Modell mit zentraler Plattform gesprochen, das der Versammlung vorgeführt wurde. Weihnadifewunsdi In den Pariser Straßen stehen die ersten Weihnachtsbäume. *iele arme deutsche Kinder, Emigrantenkinder, viele abgehärmte Frauen, vertriebene Menschen. 60 000 Deutsche feiern heute ihr erstes Weihnachten in der Fremde. Es ist nicht Sentimentalität— oder, gleichviel, am Weihnachtsabend i s t der Deutsche sentimental, zu stark Wirken an diesem Tage- die Eindrücke seiner Kindheit auf 'hn ein. Der Franzose, der erst am Neujahr seine„Etrennes" Zerteilt und vorher am Nikolaustage die Kleinen die Schuhe an den Herd stellen läßt, damit die Nachfahren der keltischen Eeen Gaben bringen, versteht diese bestimmte Gemütsverfassung der Deutschen nur schwer. Nun ja, Kinderlieder Und das Land von Rupprecht mit der Rute, die sich in eine Stahlrute verwandelt hat, das paßt ja auch nur schwer zusammen. Dennoch geht unser heutiger Wunsch dabin: Hilfskomitees, jüdische Verteilungsstellen, Quäker, Matteotti-Leute; wo immer ihr arme deutsche Kinder seht, wo so viel ungestilltes Heimweh nach Wohnung und Arbeit ist: vergeßt eins nicht: diesem ersten Weihnachten unter dem Tannenbaum der Emigranten ein bißchen Freude durch Geschenke zu geben. Bisher haben unsere reicheren Landsleute in den Champs Elysées zu Paris und in den Glanzhotels der französischen Riviera nicht immer gezeigt, daß sie Landsleute der Armen sind, denen die Erlangung der 100 Franken für das Récépissé schlaflose Nächte bereitet: Nunmehr ist es noch eben Zeit, eine schöne Weihnachtssammlung für die Kinder und Frauen der Emigranten zu organisieren. Wie wir hören, sind zum Beispiel in dem neu gegründeten Verband der deutschen Journalisten in der Emigration Vorbereitungen einer Weihnachtsbeacherung erörtert worden. Vielleicht könnte man diese Anregung insbesondere auch noch durch Unterstützung des M a t t e o t t i• Komitees verallgemeinern. Es wäre weiter in Erwägung zu ziehen, audi wieder die künstlerischen Kräfte der Emigration, zum Beispiel das„O r di ester der Vertriebene n" zu diesen Fetern heranziehen- Malraux. Dldifer und Chinahämpler In dem Restaurant Drouant an der Place Gaillon, in Opern- und Boulevard-Nähe, wo das größte literarische Heiligtum des Jahres verteilt wird, herrschte dieses Jahr besondere Aufregung. Einmal, weil Léon Daudet, der König von rechts, in einen dicken Pelz gehüllt, weidlich zu spät zu der Sitzung der Jury anrollte, so daß die berühmten Decemvirn, die großen Zehn, diesmal zu acht, anfangs zu sieben zusammenschrumpften. Dann weil die Goncourt- Herren zum erstenmal getonfilmt wurden. Dann weil Roland D o r g e I è 8, der Dichter der herrlichen„Kreuze von Holz" diesmal den neuen Gott der Romane verkündete. André Malraux, auf den diesmal die Wahl mit fünf Stimmen im vierten Wahlgang gefallen ist, erscheint als interessanter schlanker Mensdfmit sehnsüchtigen Augen und einem dichterischen Zug im dunklen Haar, sieht aus als wie ein Zwanzigjähriger. Aber er ist ein Zweiunddreißigjäliriger und hat schon Schicksale hinter sich Er hat lange im Fernen Osten gelebt und dort dem großen Kampf der Weißen und der Gelben um die Welt zugesehen, sich auch aktiv an den revolutionären Kämpfen um China beteiligt. PARtS-CTOILt- 0. RUE D'ARM AILLE CHEZ KOllliLDFF Herühmt durch leine vortreffliche Küche u.»eine Spezialitäten. Stark besucht von deutschen Gästen WWW Téléphone Etoile 52»49| t^l''HlllTnMIlipff^lllllir^^ ill Kosmetische Kurse »»«««»«««»««««N«»AN«»Si5»«««» Einkau i und Auslösung vom Versatzamt A BRILLANTEN. COLD Z g SILBERWAREN. UHREN| 'ägliche Gelegenheit. Vrrk.iur Z BETTER, 49, FAUBOURG MONTMARTRE iji »»»«O«» MAN iPRICMT DEUTSCH««NM»»« âne M AC O // // Vorbereitung kosmetischer Produkte Verteilung der Diplome 278 BOULEVAKU KAM'A I L Telefon Danton 73»99 DER HINDU A6HA MIR Oer Deiühmte e geistreiche Hinein, dessen Weilruhm be. kannt ist. popheret genau Euere Zukunft, und liest alle Euere Gedanken, mit fine» un glaublichen Sicherheit. Fr wird Sie leiten, ans vers«hiedenet Art ScLwirieke ten u. U. glück beraumr uiw fragen Sie Ihn um Rat rertönl. o du ch Krie» 20, A venoe Mac.Hahon, Parts, Métro Etoile feinste iüdische Seichiaacen* und Wiener O&äckecei-Qeschäfte"Pads SS, AVENUE WAGRAM. lui. Carnoi 27-63 58. RUE DE PASSY. lui. Au'auil 33-61 lllllllllllllllllll# I O L D Brillanten das iat SI MO NO j 24. Fq Montmartre(I te Et.) f der am teuerst. Bezahlen wird Tailleur Eichner 20, Rue Laplace. Paris(5) Métro Maubert. Mutualité Tel. Odéon 83.75 Ausbesserun. gen, Um Wendungen, nach Mali Anzüge 350 l'"r. CANNEf-RIVIERA PRIVATVILLA Rafugi« nimmt einige Gäste auf. leder Komfort. Gepfl. Küche. Monatlich 1000 Fr. Schreiben an: PUBL. METZL, PARIS. St. rae Turbigo, unter Nr. 74 Einkauf, Verkauf u. Beratung bei allen Juwelen und Goldwaren Wenden Sie sich an J. WILLK 41, r. le Reletier, Ecke 41. r. Lafayette Trud. 67-77• Métro: Le Peletiet o. RUE 7 AY LOR, PARIS{10) (Gares Nord et Est) Telephone Botzaris 17-83 Schöne Zimmer, mässige Preise. Wenn Sie gemütlich und ruhig wohnen wollen, so steigen Sie im Hôtel„TAYLOR" ab. Bereits bestehender Pabrikat onsbeir eb(Kon« fçktion) sucht kapitalkräftigen Teilhaber Angebote an l'ubl Metel. Pans, 51, rue Turbigo, unter Nr 162 Xkà QainßA da 83, Boulevard Malesherbes 177, Regent S'reet, London W. I ZIGARREN naefi deutschem Svscfimaeft Voltigeurs.. Fr. 0,65 Voltigeurs extra Fr. 0,75 Flonanas... Fr. 1,25 Diplomates.. Fr 2,— Patriotas... Fr, 2,25 Campeones.. Fr. 2,25 Magnat.... Fr. 4,— Ambassadeurs. Fr. 6,— Obige mit feinem Sumatra und Brasil angefertigte Zigarren sind in ledern f a b a k b ü ro erhältlich Seine drei Romane, durch die der Dichter auch vor der höchsten Auszeichnung schon berühmt war. sind„Die Eroberer",„Die königliche Stimme" und vor allem„La condition humaine"(etwa:„Die Hauptsache des Menschen"), der ihn stark in die OcfTentlichkeit gerückt bat Der Nebenbuhler des mit Genugtuung aufgenommenen Siegers ist Charles B r a i b a n t gewesen, der audi im vierteil Gang noch drei Stimmen für seinen„Roi qui dort" hatte, ein echt französisches Buch, das man überall ausgestellt sieht. Bekannt ist, daß die Journalisten, während die Jury- manner taeen. das zweite Rennen des Tages, den Tbéopbraste- Ri naiidot Preis auslaufen lassen. Diesmal erhielt B r a i b a n t fiii den„Roi qui dort" die ihm bei den Concourls entgangene Krone— und das ist um so interessanter, als der Verlag des Dichters Celine dadurch abermals im Außenseiterrennen herauskam. Céline war im Vorjahr bei Théopbraste mit der scharf markierten..Reise ain Ende def Nacht" glatt durchs Ziel gegangen und hatte den ganzen Théophrast für viele Tage durch diese„Nacht" berühmt gemacht. Nun ist ihm der „Schlafende König" gefolgt. Vielleicht ein bißchen übertrieben diese Vorliebe für das Wunderland der Girlanden und Romane... alter verglichen mit den„Scheiterhaufen"— ist es nicht heute ein Jahrlausend, das die Völker trennt? Frau Coty verklagt iltren geschiedenen Mann Die geschiedene Frau des französischen Parfiimfabrikanteii Coty, Frau Yvonne Alexandrine L e b a r o u, verklagte ihren früheren Mann auf Zahlung eines Betrages von 5 760 000 Dollar. Sie stützt ihre Klage darauf, daß sie in Paris gegen Coty den Elieselieidungsprozeß gewann, der ihr die Hälfte des Vermögens ihres früheren Mannes im Gesamtbetrag von 160 Millionen Franken zuerkennt. Da aber Coty III Frankreich diesen Betrag n i ch t ausbezahlt hat, könne sein amerikanisches Vermögen für die Zahlung herangezogen werden Gleichzeitig klagt die ehemalige Frau Coty auch gegen die amerikanische Coty-Gesell- schaft. Frau Lebaron und Coty heirateten 1919 die Scheidung wurde 1929 ausgesprochen Uebrigens bat sich Frau Lebaron vor einigen Monaten mit einem rumänischen Bankier verheiratet- Heinrich Heine emp:ängf n'cht Zwei blonde Jungen marschieren durch Paris, so hell und so jung, daß die kleinen Französinnen sich halb spöttisch halb entzückt nach ihren flimmernden Schöpfen und nackten Knien umsehen. So mögen Römerinnen des Kaiserreichs hinter breitstapfenden Germanenburschen hergeschaut haben. Sonderbares Land, das solche vollkommenen Menschenbilder voll Kraft und Jugend ziehen läßt, ja, vertreibt. Nun laufen sie ein wenig ziellos in Paris umher, denn Arbeit gibt es nicht für sie. Aber weil sie viel Zeit haben und nicht wissen, wie lang oder wie kurz ihr Aufenthalt sein wird, suchen sie möglichst viel von dieser seltsamen Stadt zu sehen, deren Weite sie selbst aus der Holte von Montmartre nichl erfassen können, deren Boulevards und schmale Gassen immer neue Geheimnisse enthüllen. Durch die endlosen Säle des Louvre schlendern sie, hilflos, am meisten noch ergriffen von antiken Statuen, die nach ihrer sportlichen Haltung und Lcbcnsechtheit beurteilt werden Von der Vielfalt der Kathedrale Notre-Dame fallen ihnen die klaren und strengen Dome ihrer Heimat ein, in Worms und Speyer. Und am 14. Juli sehen sie, in eine unverständliche plappernde Menge gedrängt, das Feuerwerk über allen Seinebrücken aufflammen und vergleichen ts mit der Schloßbeleuchtung in Heidelberg. Deutsche Handwerkshurschen lesen viel. Der eine hat dem anderen'abends in der Herberge Heines Gedichte vorgetragen. Sie haben dann auch gehört, daß die Werke dieses Dichters mit manchen anderen iu eben jener Stadt Düsseldorf verbrannt wurden, an der er so hing und die er als Stätte seiner Kindheit ergreifend geschildert hat Und nun drängt es sie, das Grab dieses Landsmannes aufzusuchen, der gleich ihnen aus einer sehr geliebten Heimat in diese fremde, unbegreifliche, doch barmherzige Stadt verschlagen wurde und dort vor 77 Jahren gestorben ist. Es ist nicht ganz leicht, den Eingang zum Montmartre- Friedhof zu finden; man entdeckt ihn schließlich zwischen zwei Häusern des vergnüglichen Boulevard Clichy. Aber als die beiden an dem Pförtnerhäuschen vorüberwollen, tritt ein mürrischer Mann heraus, der ihnen nicht ohne Würde den Eintritt verwehrt. Sie verstehen ihn nicht, sehen sich verlegen an, bis er auf ihre nackten Knie zeigt, auf die offenen Hemden mit hochgerollten Aerineln. Nun begreifen sie und merken sich für ihren Wortschatz, daß„tenue convenable" wohl irgend was mit korrekter Kleidung und bürgerlicher Gesetztheit zu tun haben muß Ihre Schuld ist es nicht, daß sip, als Reichsbanncrleute, im Itheinstädtchen verdächtigt und verfolgt, nicht Zeit gefunden haben, ihre Sonntagsanzüge in ein Köfferchen zu packen sondern nur mit einem schmalen Bündel auf dem Rücken in ihrer groben Wanderkhift bei Nacht über die Grenze laufen mußten, so schnell es ging. Nichts zu machen! Heinrich Heine, selbst ein politischer Flüchtling wie sie, darf zwei deutsche Handwerkshurschen nicht empfangen, weil sie keinen Schlips tragen und keine langen Hosen. Gewiß würde er über das Vorurteil lächeln einen bissigen Vers darüber schreiben— wenn er's erführe. Aber der strenge Wärter sorgt schon dafür, daß die Ruhe und Vornehmheit seiner prominenten Toten ungestört bleibt. Achselzuckend wenden die beiden den Schritt, treten in das Getriebe des Boulevards hinaus und biegen in die Rue Coulaincourt ein, die sich, eine lärmende und belebte Brücke, über die bleiche Ztiriickgezogenlieit der Gräberalleen bin- spannt. Seltsames Symbol, wie das harte, rücksichtslose Lehen über die Toten in ihren steinernen Grüften hinwegfegt! Sie bleiben auf der Brücke stehen, schauen hinab auf die eherne Ruhe unter ihnen, heben dann den Blick dorthin, wo die Kuppeln von Sacré-Coeur gegen einen grünlichen Abend- liimmel aufleuchten.„Sieb mal die Autos alle." sagt der eine. Der andere nickt. Und ohne viel Worte, die sie nicht zu machen verstehen, hegreifen sie beide in diesem Augenblick, daß es vielleicht hei aller Ehrfurcht vor der Vergangenheit etwas Wichtigeres gibt, als die Gräber der Großen; daß es vor allem darauf ankommt, in der eigenen Zeit zu stehen und sich bereitzuhalten. Es muß ja ein Tag kommen da man nicht mehr als tatenloser Zuschauer am Wege steht sondern wieder mitarbeiten und mitkämpfen darf in einer befreiten Heimat am Rhein, nach der jener tote Dichter sich vergeblich gesehnt bat... L. A. UniBge sin«l Stückgut verkehr Paris- Palästina verbilligte Frachtberechnung durch regelmäßige Wochen'Sammelladung Verpackung- Lagerung- Versicherung Spezialer Dienst mit Abrufe ab DEUTSCHLAND f. FRANKREICH und PALÄSTINA Billigst und fachgemäß nur durch STERN-EXPRESS- PARIS 8 31, Rue rte F»®trogred(Nâne Piece Ciichy) Telefon: Europe 60.10 :"viiiiiiioiiiiiiwiNiimiiiii OameiiscAiirMer i. Masfchenko ' Rue du Marché St. Honoré.«>ü>. Opéra 72-/9 Kléidûr, MAntol.< Umarbeitung, Rapariarurvq Verschiedene Möbel Schlaf. und Speisezimmer ronce, noyer, Manaqonj. Elena, Pails- sande. Jedes Zimmer besteht aus menreren Gegenständen Wird abgetreten für 1 500 Fr. 75, rue Monge. Mo Scbweiitriechee und eteleiiechel Wuretwarengeeeblft KuebenbAekerei, Konditorei Waint und Lihtra Jxoduits Jihmid IS Boulevard dg Strasbourg, 5, rut St. Lturtnt PaÜS, btl(art da l'Ett Telefon 4 Linien vereinigt unter BOTZARIS 11-11 Deutsche Poliklinik Chefarzt Professor WENSTKN I) SPEZIALARZTUCHE ORDINATION für»amtlich. Art Erkrankungen. 2) INNERE Klinik Z) CHIRUKUISCHE Klinik 4) GEBURTSHILFLICHE Klinik 1' ORDINA1 ION: täglich von I bis 8 Uhr. Sonn» und Feiertags von 10 bis 12 Uhr--------- Berücksichtigt die Inserenten der„Deutschen Areikeit" Adiq Fanrscnule II. Place 4« U P» f Chaa^errat(17) relate« Galv. 63^7 10 Unterrichtsstunden 140,— Fr Unterricht zu jeder Zeit. Auch W ohngelegenheit. Ae'iaof Verkauf Tanacb réL Trinité 43.13 Métro; Pigalle Deutsche Poliklinik Paris, 62. R«^ la Roche foocauld c) Gebortahilt. 4) Zahnarxtlkhe» liehe Klinik Kabinett Vierstöckiges Gehau- Zahn- und Mussdcht« de. Zimmer mit 1 bis runrie. Gold* u. For- 4 Betten. 3 Aerzte, 3 zellankron...Brucken. Hebammen und zwei Kautschuk.Arbeiten Operationssäle. Ordination täglich von 9—12 und 2--8: Sonn, und Feiertag* von 10—12 end 2—4 Übt •I Allgemeine Konsultationen b) Chirurgie mit 9 Spezialisten. Innere Medizin, Augen», Ohren«, Nasen# und Kehlkopf« krankheiten. Röntgen Diathermie. Elektrotherapie, Spezialbehandlung bei Blut«, Harn« u. Geschlechtskrankheiten Zweistöckiges Sanato« riumsgebäude. Kleine, mittlere und große Chirurgie. Die aller modernste Einrichtung Neuer Papenritt Er fordert die Saar-Regieriin9Skomiiiissioii heraus Mit jener Plötzlichkeit, Unüberlegtheit»nd taktischer Un- geschictlichkeit, mit denen sich Herr von Papen in seiner diplomatischen nnd politischen Laufbähn wiederholt ans- zeichnete, hat er sich soeben auch als„Sacirkvmmissar" ein- geführt. Wir haben gestern über den Frcispruch bed Koni- merzienratS Hermann Röchling berichtet. Diese Gelegen- hcit nahm Vizekanzler von Papen zum Anlast, ihm ein G l ü ck w u n s ch t e l c g r a m m zu schicken. Es heißt darin: „Das deutsche Volk dankt Ihnen und allen Mitkämpfern, für den seit Jahren geführten Kampf gegen den jeden menschlichen und internationalen Recht widersprechenden unmoralischen Zwang einer land- fremden Verwaltung, deutsche Kinder in französischen Schulen erziehen zu lassen." Diese Papen Aktion dürste weitere Schritte nach sich ziehen. Unzweifelhaft handelt es sich um eine mit vollem ANCIEN CABINET E* MARTELLIERE docteur co droit(Gegründet 1910) MARC LINAH licencié en droit EMILE TRONQUIT diplômé notaire advocat conseil ERNST LANDAU früh. Rechtsanwalt beim Amts« u. Landgericht in Düsseldorf 2. Rue des Petits-Pères, I Gesellschaftsverträge PARIS 2°(Nähe Börse) I Prozessführung Gutenberg 79»42 I Einziehung von Forde- Central 40,57| rungen im In- u. Ausland SPRECH/Elf NACHMITTAGS Telefon Wie kann man sich in Amerika betrinken? Dienstag traten in den einzelnen Bundesstaaten Amerikas die Polizeivcrordnungcn über den Ausschank von Alkohol in Kraft. Wie verwickelt die AlkoholgesetZgebnng in Amerika nunmehr ist. ergibt sich u. a. aus folgendem: In den Staaten New Zersen, Wiskonsin, Louisiana, Nevada und Missouri dürfen K:.cipcn Schwingtüren besitzen und Volljährige jeder Art an den Vars Alkohol Irinken. In Neunvrl dagegen wird nur Bier an Bars ausgeschenkt, während die übrigen alko- Holischen Getränke nur an Tischen serviert werden Die Neu- norker Lokale dürfen weder Schwingtürcn haben, noch Reklame für Alkohol machen. In Rhode Island darf Alkohol nur ausgeschenkt werden, wenn gleichzeitig etwas verzehrt wird. In Kalifornien, Connecticut und Colorado werden Viere und Weine nur gleichzeitig mit Speisen verabreicht. Den Bewohnern dieser drei Staaten ist es dagegen gestattet, alkoholische Getränke, die allerdings in Paketen verpackt sein müssen, zum Hausgebrauch mitzunehmen. In Montana ist Alkohol nur gegen Alkoholkartc in staatlichen Verkaufsladen zu haben. In Washington darf Alkohol nur an Personen über sechzehn Jahren ausgeschenkt werden. In Delaware und Pennsylvanien kommt der durstige Amerikaner nur in Hotels. Restaurants und Klubs aui seine Rechnung: in an- deren Gaststätten gibt es keinen Ausschnnk. Colorado erlaubt nur Wein und Bier, keinen SdinapS. Die amerikanischen Matrosen und Soldaten dürfen überhaupt nur Bier trinken. Die Speisewagen der Eisenbahnen richten sidi jeweils nach den Gesetzen des Staates, denen Gebiet gerade durchiahren wird. Im Flugverkehr ist der Genuh von Alkohol verboten. Englische Unfallschronik Nach einer soeben veröffentlichten Statistik des englischen BerkeHrsministeriums betrug die Zahl der Verkehrsunfälle anl den englischen Landstraßen im ersten Halbsahr 19.83 291)8, wobei8061 Personen getötet wurden. AuS der Statistik geht serner hervor, daß sich die meisten Unfälle zwischen 7 und 9 Uhr, serner zwischen 12 und 14 Uhr, zwischen 17 und 18 Uhr und zwischen 22 und 29 Uhr ereigneten. Die wenigsten Unglücksfälle kamen a n Sonntagen vor, im lSegensatz zu Samstagen, an denen sich die meisten Unglücks- fälle ereigneten. Die Hälfte der Todesopfer waren Fußgeher- Musik-Pranger (Inpreß.) In Halberstadt holt man regelmäßig„Schuldige" zusammen, hängt ihnen Plakate um den Hals und führt sie unter den Klängen der Musik einer SA. Kapelle durch die Frankreich „Ne»f'»•»"»«ris' wird in Paris jeden Sonntag in allen großen Zeitungskiosken und in den Bahnhofs- u. Untergrund- bahnhuchhandlungen verkauft. Er 1st In den bedeutendsten übrigen französischen Städten erhältlich(.Lille, Marseille, Lyon, Nice, Cannes, Juan- les- Pins, Vlentone usw.). Auch in Monaco, Marokko(Casablanca) und Algerien(Alger). Wegen der Aufnahme von Inse- , raten und von Abonnements in Krankreich wende man sieh schriftlich an BORIS FKOMROSKY— 14J rue Broca— Paris(13e). Postscheckkonto(Chèque postaux): Paris 1260 98. Da« Abonnement kostet: 12 Monate 65 Fr., 6 Monate .15 Fr., 3 Monate 18 Fr. Bewußtsein betriebene Provokation, die die Widerstandskraft der Saarregierung erproben soll. Wir sind weit davon ent- sernt, irgendeinen Zwang gutzuheißen, der aus deutsche Schulkinder ausgeübt wird. Wir bestreiten aber Herrn Vizekanzler von Papen das Recht, von Unmenschlichkeit und Unmoral z» sprechen. Seelenruhig duldet er, daß in Deutschland nicht nur Marxisten und Pazifisten, sondern auch seine eigenen Glaubenssreunde und früheren Parteigenossen in Konzen- trattonslager gesteckt, mißhandelt und getötet werden. Wir haben in der Oefsentlichkeit nie etwas davon gehört, daß dieser prominente katholische Führer jemals über die Ver- hastung katholischer Priester Einspruch erhoben hätte, die man im Triumphzug durch die Straßen führte, deren Häuser man stürmte und die man ins Gefängnis warf. Kurz, solche Proteste der Sachwalter des„dritten Reiches", zu denen Herr v. Papen gehört, sind vollkommen wirkungS- los. Sie haben nur die eine Eigensäzast, daß sienne anderen Mächte Heraussordern und damit der deutschen Sache neuen schweren Schaden zufügen. Inzwischen tobt der Terror im Saargebiet weiter. Wir haben vorgestern über die beiden Anschläge aus die Buchhandlung der„Volks stimme" in Dub- iv e i l e r und N e u n k i r ch e n berichtet, die nadi allen bisherigen Ermittlungen sorgfältig vorbereitete Nazi-Atten- täte waren. Zwei SA.-Leule in Neunkirchen, die im Ver- dacht stehen, daran beteiligt zu sein, sind inzwischen ver- s ch m u n d e n. Einer von ihnen mar noch kürzlich in fast vollkommener SA.-Unisorm im Volkshaus erschienen. Man vermutet, daß sie beide in Hitlerdeutschland Unterschlupf gesunden haben, um sich vor Strafe zu schützen. Die Regierungskommisston des Saargebiets hat die Druck- schrist„Die Bomb e", die sich„deutsches Blatt für die Kreise Saarlouis und Merzig" nennt, wegen eines anti- semitischen Hetzartikelö für zwei Monate verboten. Straßen der Stadt. Auf den Plakaten befinden sich In- schritten wie:„Ich bin der Jude Pick und habe gesagt, jeder SA.-Mann muß totgeschlagen werden",„Ich habe mit einem Juden verkehrt".„Ich bin der Arbeiterverräter Dozialdemo- krat.ï." usw. Jeder, der Neigung verspürt, kann diese an- geprangerten Leute während der Zeit der ötfentlichen Um- züge bespeien und beleidigen, so viel er will. Reiche Leute hei der Schweizer Nationalen Front sp. Wie ein Korrespondent des„Volksrecht" aus Fronten- kreisen vernommen hat, plant die Nationale Front in Zürich den Bau eines„Braunen Hauses". Auf den ersten Anhieb seien 67 000 Franken zusammengebracht worden und wettere, bedeutend größere Summen ständen in Bereitschaft. Wo die finanziellen Konstrukteure sitzen, braucht nicht lang« gefragt zu werden. Dort, wo die Reaktion sitzt. Aufruhr in Belgisch-Kongo Brüssel, 8. Dez.(Jnsa.) Infolge der unglaublichen AuS- beutung der Negerbevölkerung in Belgisch-Kongo durch die Kolonial-Gesellschasten ist im Bezirk Boende ein neuer Auf- stand ausgebrochen, nachdem erst kürzlich im Bezirk Ubangi zahlreiche Neger niedergemetzelt worden waren. Die Ur- fachen der neuen Unruhen ist wie bei früheren, die Weigè- rung der Eingeborenen, die außerordentlich hohen Kopf steuern zu zahlen. Bei den Zusammenstößen mit den Kolonialtruppen wurden mehrere Neger getötet, die übrigen Kämpfenden zogen sich in den Urwald zurück. Wie die belgisdze Arbeiterpresse meldet, werden die neuesten Zwischen fälle vom Kolontalministerium nicht bestritten. Um„die Lage in Ordnung zu bringen" s!) wurde General Ermens aus Leopoldvtlle in den Bezirk Boende abkommandiert. Auf dem Scheiterhaufen verbrannt wib Renyorf, 8. Dez. Wie aus Kountze sTerass gemeldet wird, wollte die Polizei beute einen Neger verhasten, der beschuldigt war, eine weiße Frau entführt und getötet zu haben. Der Neger setzte den Beamten hartnäckigen Wider- stand entgegen. Es kam zu einem Handgemenge, in dessen Verlauf die Polizei den Neger tötete. Die Bevölkerung entriß den Beamten den Leichnam und schleifte ihn hinter einem Auto durch das Negervirriel. Tann errichtete sie einen Scheiterhaufen und verbrannte den Leichnam. Bestrafte Hühner Das Verbot, Vieh außerhalb umfriedeter Räume umher- laufen zu lassen, bezieht sich im„dritten Reich" nach einem bayerischen Urteil auch aus Geflügel: das Verbot gestattet „das Laufenlassen von Hausgeflügel auf Felder... unter Strafe zu stellen". Warum sollen nur die Menschen merken, daß der Hitler regiert? BRIEFKASTEN Wege« den Skandal»an Leipzig. Wir tragen gerne nach, jüngste Sitzung des internationalen UniersuchungSaudschuni»»>- den Reichstagsbrand auf Initiative von Mme. Pros. Lahy u anderen Persönlichkeiten des öffentlichen, politischen nnd knit- retten Lebens in Frankreich und England(wie Andre Gide, An« Vtoli», Etienne Rabaud, Lord Marley usw.j einberufen worden>< und auf das engste mit dem Weli-HilsSkomilee für die Opfer»e HiNer-FaschiSmu» zusammenarbeitet. „My Home". Das Dokument des verstorbenen deutschnationaleck Abgeordneten Obersohren erschien unseres WigenS zuerst i» „Reuen Weltbilhne". ES wurde dann nom Braunbuch in volle' Wortlaut übernommen. Gruß. Köln. Ein Freund übermittelt uns einen Vries, den er vö« einem Verwandten, einen im Verlage Du Moni Schauberg Beschäftigten erhallen Hai. Darin heißt e»:„Bei uns im Betrieb sind die guten Zeilen vorbei, seitdem wir die heftige Konknrreü» haben«gemein, ist der„Westdeutsche Beobachter").«lleS S«»' dränier und drüber. Jeder guckt den andern mißtrauisch an un keiner weiß, ob er morgen noch da ist. Unsere alten Leute iut Betrieb, die jahrzehntelang hier arbeiten,»nd deren Jubiläum der Ehes mit großem Aufwände feiern ließ, bangen um ihre Stellungen- Dauernd finden Verhandlungen statt, wobei e« um unser Schicksal geht. Vielleicht hast Tu gelesen, daß eine Betriebsversammlung bw mit der Verschinelzungdsrage beschäftigt hat. Der Betriebsrats- vorsitzende machte der GeschäfiSleitung bittere Vorwürfe wegen des Zu vermieten Möbliertes Haus, nähe Paris. 6Zimmer, Wasser, Oos, Elektrizität, Korn- for{. Für rendez-vous schreiben: Gavsiik, 7, rue de Panama, Paris(18) ZAHNARZTIN LICMTEN STEIN 85, Bd. Beaumarchais, Tel. Arch. 80-38, Métra Baat'Uê Konsult. ▼. 2-7 u. sut Verabredung, Sonntags von 1^ ht Ver agsobjekt in Frankreich, weicht* ohne jedes Risiko und ohne Geld zu investieren SOJMk. monatlich(weiterhin ständig steigen*)j Überschuß bringt, soU wegen Abreise tt'Oi U.S.A. an einen Sicht- arier verkauft werden. Dauernde Existent- Branchekenntnisse nicht erforderlich. Angebote um er Sr. 1391 on die Exped. dieser Zeitung- Dame uriflK geb. D. gut tränt sprechend. sucht Stell* Verls. Kassiererin oder imp angsdame. Ofterten schreiben an Puhl. Metel, Paris, S. eus Turbigo. unter Nr. 171. Abbruchs der Verhandlungen. Den Krach hättest Du dabei hören mü>,en! Manche Leute benahmen sich wie die Wilden, schrien sich an und fuchtelten mit den Armen. Zuletzt kam eS zu einer richtigen Prügelei, weil man Mitglieder des Betriebes nicht zum Worte kommen la»en wollte. Die Herren von der Redaktion verließcn unter Protest da» Lokal. Jetzt soll der Staatsrat Börger, der Treuhänder der Arbeit in Westfalen, die Sache in Ordnung bringen. Na. wir werben sehen. Vom Führerprinzip ist bei uns jedensalls keine Rede mehr. Man zieht an verschiedenen Stricken und die Verlagoleilung ist ganz ratlos, da wir ja schon eine Beschlagnahme wegen der Polemik gehabt haben. So was ist bei uns noch nicht dagewesen, als die Polizei am Mittwoch früh kam npd die Beschlag- nähme der Auslage erklärte Nachher wurde sie wieder frei- gegeben. Wir haben alle das Gefühl, daß es hier bald zu Ende geht. Den andern«gemeint sin» die Nationalsozialisten) sin» wir nicht national genug, obwohl die„Kölnische Zeitung", der„Stadt- Anzeiger" und der„Sonntagmorgen" sofort mit dabei waren. Du kannst Dir denken, wie mir zumute ist."— Dieses Bild aus de« Betriebe des einstmals bedeutenden Verlage» DuMont Schauder», der auf fein mit MI Redakteuren und festangestellten Berichterstattern ausgestattetes„Weltblatt" so stolz war und erhaben auf dem Kölner Zeltungsthrone saß, spricht für sich. Da baden nun die Herren der nationalsozialistischen Révolution so eifrig HilfSstel« lung geleistet, das„Führerprin.'.ip" unter lebhaften Gleichschal- tnngSbewegungen herzlich begrüßt und tägliche Ireuebekenntnlije zu Hitler abgelegt. Jetzt werden sie redaktionell und geschäftlich von der milden Demagogie überspurtet, der sie unter heftigen Wonne- schauern die Mniterbruft gereicht haben Begreiflich, daß sich die Verleger und ihre Redakteure beute iiefinnerlich nach der ebenso bequemen wie anständigen Republik Weimarer Gepräges zurück- lehnen, die sie mit in den Staub traten. Diese Sehnsuch! müssen sie freilich unter einem lauten„Heil Hitler" verschweigen. Sonst käme zum geschäftlichen Ruin noch das Konzentrationslager hinzu. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann Pitz In Dusweiler: für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksftimm« GmbH, Saarbrücken», Schützenstraße 5., Dr. Spécialiste <*», rue de Rivoli— Métro: Chnielr RADIKALE HEILUNG voa BLUT., HAUT- and FRAUENKRANKHEITEN Heilung von Krampladern and«flauen Belawanden Neueste Behandlungsmethoden Elektrn iitlt Imptungsvertahien Tcypafle vine Einspritzungen Blut- und Harn-Untenuehungen, S per. makullur. Salvarsan. Wismut usw. Sprechstunden täglich von 10-12 und von 4—8 Uhr Sonntags von 9-12 Uhr Konsultationen von 24 Fr. ah. Man sprich deutsch Deutsches Zahnärztliches Institut 12, RUE M DOUAI. MMre, Noch*,»geile fei. TrtnM«0.27.«girisl. I*.12, U tk Zahn- u. Mundkrankh.. Röntgen. Elektrotherapie. Prothesen, Kronen. Brücken in Gold. Platin u. Porzellan NEUHEIT: PORZELLAN.KRONEN UND.BRUCKEN Umarbeitung schlechtsitzender Gebisse mit voller Garantie für guten Sitz. Reparaturen binnen 3 Stunden SCHONENDSTE BEHANDLUNG FÜR NERVÖSE UND HERZKRANKE MISSIGE PREISE. URTERSUCHUKC 0. BERKUMS KOSTENLOS SEROKLINIK VON PARIS 71, Boulevard da Clletvv- Metro Blanche Harnleiden chronischer und Irischer Tripper. Milftärgicht, Cystitis, Prostata. FRAUENLEIDEN Ktutkrankheiteti Venenentzündung Hämorrhoiden Syphilis, Haut und Kopfhauterkrankangen. Ausschlag, Psoriasis.— Neue Behandlungsmethode auf elektrischem Wege und durch ultraviolette Strahlen. Sérothérapie und Auw-Hemo. Therapie— Massiges Honorar. Kosssuhatioesee voa 9—12 und 14— äU Uhr. Sonntags van 9—12 Uhr. I