Einzige unabhängige Tageszeiiung Veuifchlands Nummer 149— 1. Jahrgang| Saarbrücken, Donnerstag, 14. Dezember 1933| Chefredakteur: M. Braun Aas dem Inhalt Jause Un Qespcäch Seite 2 Dec JMchttinqskomnüssaz enttäuscht Seite 3 Die Sieuecn hoch! Seite 4 VecuxteiU zum Jode Seite 5 Dec JCultuckatnpf. Seite 8 Görings Griff über die Grenze Die Geheime Staatspolizei auf Menschenjagd im Anstände ' n»^ er ätzten Woche haben sich die Spitzel der geheimen Staatspolizei auf Belgien geworfen/ Dabei festgestellt werden, datz auhergewöhnlich grohe Geldmittel von der Regierung des hungernden deutschen Volkes fur Ueberfälle auf Emigranten zur Verfügung gestellt werden. Es gelang den belgischen Sozial- oemokraten in zwei Fällen, die Verbrecher im Augenblick «es Ueberfalls in Antwerpen zu fassen. Ein sozialdemokratischer Journalist, der in einem kleinen Hotel, das für billiges Geld Emigranten Aus- enthalt gewährt, einige Tage wohnte, wurde des Nachts im Hotelzimmer von dem Agenten Max Siedhoff, geboren 10. 9. 1889 zu Barmen, nachdem der Bursche in frecher Weise Unterstützung als Flüchtling verlangt hatte, uberfallen. Dem Journalisten wurden die Kleidungs- stücke zerrissen und seine Papiere entwendet. Zufällig waren im Gastzimmer des Hotels einige belgische Sozial- demokraten anwesend, die auf die Hilferufe ihres deutschen Freundes für die Festnahme des Naziverbrechers durch die belgische Polizei sorgten. Auf der Polizeiwache wurde festgestellt, daß der Spitzel außer barem deutschein Gelde im Betrage vyn 12 00,—. Reichsmark in 5 0- Ma r k s ch e i n e n ein Bankbuch der Rotter da m er Bank mit Ueberweisungen des deutschen Konsuls in Rotterdam in der Höhe von 4000,— Reichsmark bei sich trug. Im deutschen Reisepaß hatte der Agent Visa für Frankreich und Belgien. Der Polizei gab er an, nach Südfrankreich reisen zu wollen, aber auch in der Schweiz, in Basel und in Brüssel auf der Durchreise Geschäften nachgehen zu wollen. Vom deutschen Metallarbeiterverband und der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands besaß Siedhoff gefälschte Mitgliedsbücher. Unserem Genossen mußte er die zerrissene Kleidung bezahlen und wurde dann über die französische Grenze abgeschoben. Noch dreister war das Auftreten eines zweiten Agenten einige Tage später im Antwerpener Gewerk- schaftshaus. Unter der Angabe, als deutscher Kommunist an der illegalen Arbeit, auch für die Sozial- demokratie tätig zu sein, suchte Hjalmar Kronen- borg Anschluß bei belgischen Sozialisten und deutschen Flüchtlingen. Ein sozialistischer Emigrant erkannte in dem Mann einen berüchtigten Polizeispitzel aus Hamburg, der in den letzten Iahren an der Wasserkante die marxi- stische Bevölkerung wiederholt zu Exzessen verleiten wollte. Als der Bursche sah, daß seine Rolle entdeckt war. griff er im vollbesetzten großen Restaurationssaal des Eewerkschaftshauses zum Browning und war im Begriff auf die Genoffen am Tisch zu schießen. In der Nachbar- schaft sitzende Belgier entwaffneten ihn, wobei ihm eine gehörige Lektion erteilt wurde. Aus seinen Papieren, die fotografisch verewigt wurden, ist ersichtlich, mit welcher Dreistigkeit die Würger Deutschlands ihre Banditen in friedliche Länder schicken. Er hatte folgende Polizei- ausweise in der Tasche: Die Polizeibehörde Hamburg Tab. Nr. Staatspolizei Hamburg, deu ZI. November IMS Neuer Wall 88. Bescheinigung Herr Hjalmar»rouenborg reist im Austrage der Staatspolizei in Hamburg. Die dcutschen Behörden und Dienststellen werden gebeten, ihm bei der Aus- und Ein- reise keine Schwierigkeiten zu bereite». Hamburg, den ZI. November 1933 Unterschrift: Schattenbach(?) Stempel. Leiter der Staatspolizei. D'e Polizeibehörde Hamburg Hamburg 5«, Zti. Juli 1934 Reuer Wall 88. Tab. Nr. Staatspolizei/ 9» St. P. 4a. Herr Hjalmar Sroneuborg fährt mit Wissen der Staatspolizei iu Hamburg nach Rotterdam. Er ist beans- tragt, kommunistisches Schristenmaterial, soweit für ihn erreichbar ist, nach hier mitzubringen. Stempel. Unterschrift unleserlich. An Europa Goldene Worte des deutschen Reichskanzlers zu den diplomatischen Gesprächen Entweder die Welt wird regiert nach den Vorstellungen unserer modernen Demokratie, dann fällt das Schwergewicht jeder Entscheidung zugunsten der zahlenmäßig stärkere« Rassen aus, oder die Welt wird beherrscht nach den Gesetze» der natürlichen Krastordnung, dann siegen die Völker des brutaleren Willens und mithin eben wieder nicht die Nationen der Selbst, beschränkung. Daß aber diese Welt dereinst noch schwersten Kämpfen um das Dasein der Menschheit ans- gesetzt sein wird, kann niemand bezweifeln. Am Ende siegt ewig nur die Sucht der Selbsterhaltung. Unter ihr schmilzt die sogenannte Humanität, einer Mischung von Dummheit, Feigheit und ein- gebildetem Besserwtssen, wie Schnee i« der Märzensonne. Im ewigen Kamps ist die Menschheit groß geworden— im ewige» Frieden geht sie zugrunde. Aus.Mein Kamps". Englischer Brief Staatspolizei Hamburg, de» 4. ll>.»S. Herr S. ist für die St. P. tätig. Es wird gebeten, Amts- Handlungen gegen ihn zu Unterlasten. Dieser Ausweis wird Herrn St. behändigt, um ihn i„ der Wohnung zu verwahre». Stempel. Unterschrist unleserlich. Alle deutschen Konsulate und Gesandtschaften sind gegenwärtig nichts weiter als Spionagebüros. Auch Kronenborg, der in Hamburg jahrelang den wildesten Kommunisten spielte, hatte in seinen Papieren als Ziel seiner Reise Frankreich vermerkt. Allen Emigranten ist größte Vorsicht anzuraten, wenn ein ihnen Un- bekannter mit großen Erzählungen über die geleistete illegale Arbeit sie bekannt macht. Mndenburg als„Landesverräter Der Reldishanzler wirf! ihm Sdimadi und Sdiande vor Der deutsche Reichstag hat sich zu einer Zehnminutensitzung versammelt. Die Abgeordneten wählten durch Zu- ruf ein Präsidium, zu dem neben Göring und dem bayerischen Nazi-Minister Esser auch der Bank- und Börsenfürst von Stauß gehört, schrien dreimal„Sieg Heil", liquidierten 600 Mark Diäten, reisten nach dieser Kraftanstrengung in die einstweilen unbegrenzten Weihnachtsferien, an die sich vielleicht die Oster- und Pfingstferien gleich anschließen und haben einstweilen keine anderen parlamentarischen Sorgen, als das pünktliche Eintreffen der monatlichen Aufivands- entschädigung abzuwarten. Die„Saarbrücker Zeitung" leistet sich über den Gottesdienst in der Hedwigskirche folgende Greuelmeldung, die um so bedenklicher ist, als sie zugleich mit einer Verächtlichmachung der Kirche verbunden ist: In Zivil bemerkte man den Vizekanzler v. Pape». Gläubig kniet die Menge nieder und bittet den Herrgott um Kraft und Segen für die neuen Männer, die ge- w a l t s a m e Ausgaben zu lösen haben. Es ist offenbare Gotteslästerung, den Segen des Höchsten für Gewalttaten gegen die eigenen Volks genossen anzurufen. Die SA. besorgt das übrigens, oipw den lieben Gott zu bemühen. Schließlich sind die„gemalt- samen" Lösungen auch gar nicht die Aufgabe dieses Reichstages. Er hat nur die Brutalität des„gemalt- samen" Regimes durch einige neu zu druckende Reichs gesetzblätter zu decken. Der Reichskanzler war am Tage der Parlaments- eröffnung in Wilhelmshaven, um eine Rede an die Be- satzung des heimkehrenden Kreuzers„Köln" zu halten. Wir finden das durchaus stilgerecht. Im neuen Deutsch- land ist das Parlament der Zivilisten, auch wenn sie als SA. und SS. kostümiert sind, ganz bedeutungslos. Die Waffe regiert die Stunde. Nur durch Gewalt und Rechts- bruch ist Hitler Reichskanzler. Nur durch die Mordwaffe kann er sich halten, und die Gewalt steht auch hinter seinen außenpolitischen Zielen. Der Reichswehrminister von Blomberg gelobte dem Kanzler Treue. Dem Kanzler und Führer! Nicht seiner Partei! Die Distanz zu den Milizen bleibt unverkennbar. Es geht um die entscheidende Macht von Heer und Marine im Staate, nicht um die SA. und SS., die man als Instru- m ent benutzen, aber nicht herrschen lassen möch te. lFortsetzung Seite Z.j Dr. O. G. London, 9. Dezember. Der erhobene Zeigefinger und die Ideenlosigkeit Während in der Welt sich entscheidende Neugruppie- rungen vollziehen, herrscht in England äußerlich tiefster Friede. Es geschieht scheinbar gar nichts in der Politik. Der kleine— ach wie kleine— Sturm der Nachwahlen ist vorüber. Weder in der Innen- noch in der Außen- Politik ereignet sich anscheinend etwas Entscheidendes. Die Zeitungen sind so langweilig, wie sie seit langem nicht waren. In der Außenpolitik begnügt man sich mit milden Ratschlägen und freundlichen Zureden. Man treibt eine Politik des erhobenen Zeigefingers. Der gütige Herr Lehrer mahnt. Er mahnt seinen lieben französischen Freund, sich doch mit Herrn Hitler an einen Tisch zu setzen, er spricht ja so mild und friedlich, warum soll man es nicht einmal mit ihm versuchen. Man mahnt den lieben Hitler, doch seine wilden Männer endgültig zu zähmen: wenn er brav und ehrlich ist. dann gibt es auch ein Geschenk, dann kann ein bißchen revidiert werden(was, darüber zerbricht man sich vorläufig noch nicht den Kopf). Man mahnt den lieben Mussolini, nicht allzu stürmisch gegen den Völker- bund vorzugehen: daß der Völkerbund revisionsbedürftig sei, ist ja ganz richtig, aber man müsse doch behutsam an- fangen... Und dann redet Lord Londonderry, Englands Luftminister. Macdonalds bester Freund, im Oberhaus: wir müssen zur Luft aufrüsten. England müsse soviel neue Flugzeuggcschwader bauen, datz es von der fünften oder sechsten Stelle auf die erste rücke und mindestens so stark sei wie die stärkste Luftmacht. Zur gleichen Zeit spricht Baldwin im Unterhaus über das gleiche Thema, im Ton sanfter, er droht nur mit Luftaufrüstung, wenn die ande- ren sich nicht bald über eine Abrüstung einig werden. Hinter dem erhobenen Zeigefinger steckt doch also etwas mehr als bloße Liebenswürdigkeit. Was will England eigentlich? Treibt es, wie manche glauben, ein geheimnisvolles Doppelspiel? Spielt es eine Macht gegen die andere aus, um dadurch selbst zum Schiedsrichter zu werden? Nun. es scheint fast, als ob nicht solche schwarzen Gedanken die englische Politik leiten, als ob die englische Politik überhaupt nicht so klar und zielbewußt ist, wie Englands Bewunderer meist glauben, sondern als ob hinter der ganzen Geheimnis- tuerei nur Ideenlosigkeit steckt. Es ist überhaupt ein Irrtum zu glauben, die Engländer trieben immer eine gerissene Politik auf lange Sicht. Die Engländer sind vielmehr Meister im Improvisieren, ihre Stärke liegt in dem gesunden politischen Instinkt, der sie zur rechten Zeit das Richtige tun läßt. In der Zwischenzeit aber plätschert die Politik im seichten Gewässer der Ideenlosig- keit dahin. England und Hitler-Deutschland Zur Zeit herrscht eine gewisse Interesselosigkeit gegen- über Vorgängen in Deutschland, man hat genug gehört. ouf der anderen Seite möchte man auch die Deutschen »icht reiben, man sucht sich selber einzureden, daß Hitler es eritsi mit seiner Friedenspolitik meine(freilich so recht glaubt man es nicht, aber man tut zunächst einmal so), man glaubt durch freundliche Worte die. Razibeslie so beruhigen zu können, daß sie sich die Raubtierzähne frei- willig ziehen läßt. So ist zur Zeit, in den maßgebenden Zeitungen«„Times".„Daily Telegraph"), die früher so lebhafte Diskussion für und wieder das Naziregime so gut wie ganz abgestoppt. Rur in einer Frage geben die Zeitungen viel Raum für eine deutsche Angelegenheit her. in der Kirchenfrage. Die Forderungen der radikalen Deutschen Christen, habep die froinmen Engländer aufs tiefste entsetzt. Der Widerstandsbewegung der Pastoren- liga widmen sie daher viel Raum und viel Sympathie. Der sozialistische„Daily Herald", der eine Zeitlang so gut wie nichts über Nazideutschland brachte, beginnt jetzt eine auf Material gestützte Darstellung der Nyzi- propaganda in England, wo die Razigruppcn Zellen bilden, zum Teil zur Bespitzelung der Emigranten, zum Teil zur Propagierung von Raziideen in England. Tie Polizei forscht den Wegen dieser Agitatoren sorgfältig nach. Ein Teil der Propaganda spielt sich in Persendung raffinier» gemachter Broschüren an zahllose Engländer, in denen die Judenverfolgungen in Deutschland gerechtfertigt werden sollen. Andrerseits reisen deutsche Studenten und Dozenten im Lande herum und halten Vorträge, in denen sie um Verständnis für Deutschland werben. In vielen Fällen sind es die Liberalen in ihrem Objeklivitäts- fimmel, die diesen Raziagitatoren die Gelegenheit ver- schaffen, ihre Lügen zu verbreiten. Da die Engländer meist über andere Länder sehr wenig wissen, ist diese planmäßige Hillerpropaganda natürlich recht gefährlich. Oie englischen Nazis Auch in England gibt es Nazis, wenn auch vorläufig nur wenig. Trotzdem muß Man von einer faschistischen Gefahr sprechen, wenn sie auch noch nicht akut ist. Wenn die Labour Party, die zur Zeit auf durchaus aufsteigender Linie ist, nach ihrer Machtergreifung versagen sollte, dann würde wahrscheinlich auch in England einö faschistische Gefahr akut werden. Heute ist der englische Faschismus gespalten, die beiden Gruppen hassen sich und liefern sich Prügelschlachten. Erst neulich mußte die Polizei von den antisemitischen Faschisten zu Hilfe gerufen werden, weil die Mosleyfaschtsten, die neuerdings auch gelegentlich mit den, Antisemitismus kokettieren, die Persammlung mit Stuhlbeinen und ähnlichen Waffen zu sprengen versuchten. Wer denkt dabei nicht an die Zeit, wo Kube die Polizei gegen Göbbels zu Hilfe rief. Noch besteht keine faschistische Gefahr in England, aber man soll die Mosleybewegung doch nicht mit einer Handbewegung abtun. S>e kann gefährlich werden, wenn die Verhältnisse ihr zur Hilfe .Kommen. Kleinkrieg mit Irland Das Hauptereignss der InnßnpMtfk, wenn map es noch Innenpolitik nennen darf, ist der Kampf mit Irland. .Irlands Ministerpräsident de Valera möchte Irland als selbständige Republik aus dem englischen Weltreich los- lösen. Praktisch sind bereits beinahe alle Beziehungen ab- gebrochen. Irland und England liegen im Wirtschafts- krieg miteinander. Rur die formelle Bindung besteht noch. Auch diese möchte de Valera lösen. Außerdem möchte er auch das noch mit England verbundene Nordirland(Ulster) annektieren. Nun schrieb er an die englische Regierung einen Brief, in dem er anfragt, was England tun wird, wenn Irland si chganz loslöst— von Nordirland schwieg er wohlweislich—. Er hoffte England würde drohen, dann hätte er das irische Parlament aufgelöst und mit seiner Parole„Gegen England" eine Riesenmehrheit er- halten und die ihm gefährliche Opposition der irischen Blauhemden(Halbfaschisten) zerschmettert. Aber die eng- tische Regierung tat ihm nicht den Gefallen. Sie ant- wartete sehr höflich de Valeras Frage sei ja nur eine hypothetische Frage, der Fall würde doch nicht eintreten, denn Irland würde doch nicht einseitig den Vertrag brechen wollen. Eine eigentliche Antwort auf die konkrete Frage wurde so umgangen. Die Antwort war ein vipoma- tische» Meisterstück. Denn was sollte England konkret antworten? Krieg kommt nicht in Frage, solange de Valera Nordirland nicht angreift(und er wird sich hüten). Wirtschaftsmaßnahmen kann England n cht androhen, denn es besteht ja schon voller Wirtschaftskrieg. Aus- Weisung der in England arbeitenden Iren, soweit sie nickt für England optieren- nun das würde de Valera nicht stören, denn die meisten würden für England optieren. Also kann England nicht viel tun. Dadurch daß es leere Drohungen vermied, hat es de Valera um eine Wahl- parole gekrackt, und der Opposition, die engiandfreund- sicher ist. geholfen. De Valera hat als Antwort das Tragen der blauen Hemden verboten. Aber wird er dos Verbot auch durcksetzen können? Werden sich genug Volirei- beamte finden, die eine ganze Versammlung einsperren oder ihr die Hemden ausziehen? Reform der Arbeitslosenversicherung Das Unterhaus debattiert nun sckon sei vielen Ta""n über eine Regierungsvorlage zur Reform der Arbeits- losenversicherung. Das Gesetz siebt ein sckarfe Trennung von Arbeitslosen und arbeitsunfähigen Armen vor. Es verlängert teilweise die Dauer des Unterstükunosbezugs. bringt neue Gruppen in die Versicherung, sieht Lehrkurse für Jugendliche vor usw. Es ist kein"swegs durchaus unsozial, trotz einzelner bedenklicker Bestimmtingen. Die Arbeiterpartei opponiert dennoch sckarf. Si-" ist g"gen das Persicherungsprinzip und für das Unterstützungsprinzjp. da die Sorge für die Arbeitslosen Pflicht der ganzen Gesellschaft und nickt nur einzelner Gruppen sei. Die Arbeitervartei wehrt sich vor allem gegen di» B'dürftlg- keitsprüfung, den sogenannten..menas tost", wobei es eine pikante Tatfack" ist. daß sie selber diese B"dürft'g- keitsprüfung eingeführt bot— freilich als Milderung einer völlig unsozialen Bestimmung- und daß ihr Führer Lansbury sick noch vor gar nickt langer Zeit für eine, wenn auch verbesserte Bedürftigkeitsprüfung ausgesprochen hat. Hindenbnrg als Xandesvcrrüfer' (Fortsetzung von Seite 1.) Der Reichskanzler, ein Verleumder von Natur, benutzte die Gelegenheit, offen nicht nur alle Reichsministerien vor ihm einschließlich Papen und Schleicher als Landesverräter zu schmähen, sondern diesen An- wurf kaum noch verblümt auch gegen den einstweilen noch allerhöchsten Kriegsherrn und R e i ch s p r ä I i- denten oonHindendurg zu erheben: Der Führer erinnerte einleitend in feiner cindrucks- vollen Ansprache an die Zeit, in der vor einem Jahre die Besatzung ded Kreuzers ein Deutschland verließ, das 15 Jahre hindurch jede Schande und Schmach willenlos er- tragen hatte, das t5 Jahre hindurch bereit war, auf feine Lebensinteresien immer wieder Verzicht zu leisten. Acht Jahre lang hat also Hindenburg Ministerien be- rufen, die Deutschlands Lebeneinteressen verraten haben. Acht Jahre lang hat er Gesetze unterschrieben, die der Reichskanzler als deutschfeindlich bezeichnet. Hitler rimtet sich auf Hindenburgs baldigen Abgang ein. Er fühlt sich als der polltische Führer der Wehrmacht, und diese hat ihn nötig. Einstweilen wenigstens. Ter offiziöse Bericht schließt: Die Abfahrt des Kanzlers gestaltete sich abermals zu einem wahren Triumphzug In Oldenburg. Bremen und ganz besonders in Uelzen, wo der Zug wenige Minuten Aufenthalt nahm, hatten sich Taufende auf dem Bahnsteig eingefunden die dem Führer, der sich freundlich lächelnd am Fenster zeigte, begeistert zujubelten. Der deutsche Untertan hat seinen Serenissimus wieder. Ob Adolf oder Wilhelm, ob Hitler oder Hohenzollern ist .für diese Sorte Schreier einerlei. Aver es stud nicht d i a Deutschen, die da Hurra brüllen. Dag kommende neue Deutschland winkt und ruft nicht an den Straßenrändern. Noch schweigt es. aber es arbeitet am Sturz des jetzigen Regimes und dem Aufbau der sozialistischen Revolution. vte spanisdien Unruhen Abflauende Bewegung Paris, 18, Dezember. Die aus Spanien vorliegenden Mcl- düngen lassen erkennen, daß die Unruhen bedeutend im Abnehme» begriffen find. Die Polizeistrciikräsie haben, wie Havas aus Leon berichtet, die Ortschaft Eaeabclo besetzt, wo die Kommunisten den freimachenden Kommunismus ausgerufen hätten. Be: den Kämpfen seien sechs Ertremisten »ms Leben gekommen. Die Verluste der Polizei brliefen sich aul zwei lote. Vei Kämpfen in Bujalanee stnd fünf Aufständische getötet worden. In verschiedenen Orten Spaniens wurden mehr oder weniger bedeutende Vombenlager entdeckt und beîchlag- ■ nahmt. -Rack) einer Havasmeldung aus Madrid hat die Regierung das amttiche Organ der anarchistischen Gewerkschaftler vcr- boten, ebenso die faschtstische Wochenzeitschrift„F. ET ßcssauer- Mühlon- Brüning Eine unvorsichtige Unterredung München-Gladbach, 18. Dezember.(Eigene Meldung.) Ter V. Verhandlungstag im Volksveretus-Verlags-Proze» brachte die Vernehmung mehrerer Aufsichtsralsmitglieoer der Carolus-Druckeret. Im Verlauf der Sitzung wurde wieder der' Fall Mühlon behandelt. Der Sonderjtaatsanivail legte einige Schreiben aui den Tisch, die Ausschluß über die Beziehungen Pros. Tcssauers zu Mühlon ge_bett iollen. Suis diesen Vriesen geht auch hervor, das; Dr. Desiauer im 3ob rc 1981 Mühlon mit dem damaligen Reichskanzler ü- Brüning zusammengebracht hat. Dr. Dessauer gibt zu. Mühlon mit Dr. Brüntng bekanntgemacht zu haben. Er habe sich von der Hoffnung leiten lassen, daß Deutschland durch Mühlon wichtige Aufschlüsie über die Stimmung Frankreichs bezüglich der Reparationen erhalten werde. Mühlon habe aber keinen bestimmten Auftrag bekommen. Dr. Brüning selbst Habe später nie auf diesen Besuch Bezug genommen. Ter Sonderftaatsanwalt legte Dr. Desiauer die Frage vor, ob er nicht empfunden habe, vast es geradezu eine Groteske gewesen fet, etnen Rachsvlger Bismarcks nut einen: Landesverräter zusammenzubringen. Ter Angeklagte entgegnete, da» er Mühlon nicht für einen Landesverrater gehalten habe. Hätte er damals das gewußt, was dieser Prozeß zu seinem größten Leidwesen offenbare, dann hätte er Mühlon nicht mit Tr. Brüning zusammengebracht, ganz abgesehen davon, daß er dann sicher nicht von Tr. Brüning empfangen worden set. Selhsl CK hat es satt Ter Stabsleiter des Stellvertreter» des Führers Bor- mann Hai folgende Anordnung erlösten: Ter Führer Hal erneut bestimmt, daß keinerlei Hitler- Denkmäler.-Gedenktafeln oder dergleichen zu seinen Leb- zelten errichtet bzw. angebracht morden dürfen, soweit dies bereits geschehe» ist. sind die Denkmäler und Tafeln unver- züglich zu beseitigen.. * Auk der Mainzer Landstraße in Frankfurt wurden bei dem Zusammenstoß eines P c r î o n e» a n t o S mit einem Mol orrad ein SS. Mann getötet und ein zweiter schwer verletzt. Relchstagsproieß Urteil noch vor Weihnachten Berlin, 13. Dez. Heute vormittag wurden die Verband- lungen im Reichsiaasbrandstifterpro.eß wieder auigeiioiii- men. Tie restlichen Verbandlunaen losten nunmehr möglichst beschleunigt werden, damit da» Urteil noch vor Weihnachten gesprochen werden kann. Vor den Plädoyers der RcichsaN- walischall ist noch ein geringer Rest der vewrisausuabme z» erledigen. Ter Gerichtschemiker Tr. Schatz erklär! zu Beginn der Verbands,tna. eine genaue Prülling der Schritt des Zeugen Werner Hirtch alias Nopotsz Bekannten airichen Namens habe zweikekstrei ergeben, daß eine Identität zwi- schon den Quittungen und der Schrill des Werner Hirsch nicht besteht. 52 Menschen erfroren! Reu„ort. 1». D«z. Die Zahl der in mehreren Strate» der Kälte zum Opfer gefallenen Personen ist aus 52 gestiegen. Paus« im Gespräch Frankreich bleibt reserviert Berlin, 18. Dez. lieber die Unterredung deö Reichskanzlers mit dem französischen Botschafter verbreitet der Spezial- dienst der Havasagentur, der Kanzler habe sich bei Francois- Poncet über die wirklichen Absichten des französischen Außen- ministers im Hinblick auf den bevorstehenden Besuch Bcnesch« in Paris sowie Bvnevurs bevorstehende Reisen in die Oststaaten Europas erkundigt und beruhigende Vor- sicherungcn vom französische» Botschafter erhalten. Nach unseren Erkundigung«» handelt es sich hierbei nur um Kom- blnatkonen der Agentur, die dem tatsächliche» Inhalt der Unterredung nicht entsprochen. In das gleiche Gebiet der Kombinationen gehöre» die Behauptungen..'s«Echo i> c Pari S". daß der Reichskanzler bei seiner Unterredung mit dem französischen Botschafter vom-'3. November sich in Einzelheiten über Art und Zeitpunkt der Vernichtung der abzuschaffenden W a s s e n a a k t n n g c n durch die nicht entwaffneten Staaten eingelösten habe. » Diese» deutsche Dementi greift nur zwei der zahlreichen Mitteilungen auf, die in der französischen Preste über den Inhalt der Unterredung des deutsche» Reichskanzlers mit dem französtschen Botschafter FranroiskPoneet veröffentlicht werden. Unsere gestrige Mitteilung, daß Frankreichs Bot- schafter den deutschen Forderungen in bezug aus die deutschen Aufrüftungsfordernngen ein.Unannehmbar" entgeaen- gehalten hat, wird unter anderem im.Echo de Paris" be- (tätigt. Auch wird in mehreren Zeitungen darauf hingewiesen, daß die Anrechnung der SA. und SS. auf die deutschen Truppenbestände eine entscheidende Schwierigkeit darstellt. Zur Saarkragc wird in mehreren Zeitungen der be- kannte Standpnnk' der französischen Regierung wiederholt: Ter Völkcrbnndsrat habe die Pflicht, die vorgesehene Ab- itimmung zu organisieren, und die Entscheidung liege bei den Saarländern. Rur über die Zukunft der W i r t i ch a s t s- bezieh n ngen könne nötigenfalls zwischen Berlin und Parts verhandelt werden. Das werbe zweifellos auch Fran- cois-Poneet dem Reichskanzler gesagt haben. Tie französische Preste ist sehr zurückhaltend. Es sehlen ihr offensichtlich die nötigen Stichwort? durch die Regierung. Auch über die Besprechungen bes englischen Bollchallers in Paris Lord Tyrell in London liegen aufklärende Nachrichten nicht vor. Man rechnet damit, daß seine Verband- lungen noch zu keiner französisch-englischen Verständiaung geführt haben. Es ist nicht anzunehmen, daß im Laufe der nächsten Tage entscheidende Aeußernngen zur weiteren Sut- Wicklung des deutsch-französifchen Gespräches erfolgen „Keinerlei Entscheidung" Paris, 18. Dez. Tic diplomatischen Vorverhandlungen, die dieser Tage in Paris und in Berlin fortgesetzt wurden, beschäftigen die französische Presse in starkem Maße. Man be- tont allgemein, daß der gestrige Ministerrat»insichtlich der denisch-französischen Politik keinerlei Entscheidung getroffen habe,»»d daß der Vortrag des französischen Außenm-nisierS Paul'Boneour»nr dn Zweck aeßabi habe leine Kosteten über die deuisch-sranzvstschcn Besprechungen zu unterrichten. », DaS„Echo de Paris" glaubt zu wissen, daß die geplante Steife des französischen Außenministers nach Warschau gegen den 15. Januar stattfinden werde. Französisch-englische Begegnung? Paris. 13. Dez. Ter.Matin" spricht VON der Möglichkeit, baß der französische Ministerpräsident Ehauiemps und der französische Außenminister Paul-Bonconr mit dem englischen Ministerpräsideitte»»nd dem englischen Außenminister FUV- lung nehmen könnte», wenn ein solcher Wunsch engiiicher- seiis bestehe, um am Vorabend von Verhandlungen, die>ur den Frieden in Europa von erstrangigem Interesse seien, oie allgemeine Lage.gemeinsam zu prllse».. Plüifärischc Rüdicndedinng" I Paris, 13. Dez.(Eig. Meld.) Tie französische Regierung hat die Atempause zwischen der Verabschiedung der Steuer- geletze und den parlamentarischen Kämpfe« um den Haus- halt dazu benutzt, um sich in einem Ministerrat mit der außerpolittschcn Lage zu beschästigen. Paul-Boneour be- richtete über den Stand der deutsch-iranzöstjchen Be- sprechiingen. Eo kam ihm, wie ein sozialistisches Blatt meldet, daraus an. die Ansicht der drei Militärininister, des Kriegsministers Daladier, des MarinrmiuisterS Sarraut » nd des Lullfahrlmiiiisters Eot. kennenzulcrucn. Offenbar ginge» die Meinungen weit auseinander. Auf Vorschlaft des Ministerpräsidenten wurde eine gemeinsame Be- sprechung der genannten drei Minister mit Paul-Bontour beschlossen, u», den Stand der Verhandlungen mit Deutsch- land zu prüfen und nächste Woche im Ministerrat die Stei- lungiiahme der einzelnen Persönlichkeiten zu diesen Pro- blemen bekanntzugeben. Paul-Boneour ist jedenfalls bestrebt. sich für jeden seiner außenpolitifcheii Schritte volle Rückendeckung bei den», 1111 il r i f rf> e« Stellen zu verschassen. Das erklärt auch die angekündigte Einberu- sung des Obersten Kriegsrate». Die Frage der Vermehrung der deutschrn Streitkräfte etwa aus die Stärke eine» Rc- krutenjahrganges, der durchschnittllch 800 Mi) Mann bc- tragen würde, wird in Frankreich auch vom tunerpolitische» Standpunkt lebhaft erörtert. Der Geueralstab und die Oppo- sitionsgruppen, an ihrer Spitze Tardie». lassen heute in der Presse den Gedanken zur Erörterung stellen, daß Frankreich, wenn der deutsche Standpunkt von den Mächten angenom- men würde, gezwungen wäre, die zweijährige Dienstzeit wieder einzuführen, um leine Ueberlegenheit zu wahre». Andere Blätter iveisen demgegenüber daraus hin. daß Frankreich mit seinen 400000 Plann und keinem Borsprung in den Rüstungen auf alle Fälle eine gewisse Ueberlegenheit gegenüber Teutschland behalten würde, wenn auch der Spielraum geringer werde Was den Fortgang der diplomatischen Verhandlungen betrifft, so liegen zwei Pläne in der Luft, die für den Gegensatz zwischen der englischen und der französischen Taktik charakteristisch sind: der englische Plan einer E i n b e r u i» n g s e r S i g a a i a r m ä ch l e des Vierer- pakte» und die in der französische» Presse heute enthaltene Anregung einer Zusammenkunft des französischen Ministerpräsidenten mit dem englischen Ministerpräsidenten. nodifllngskoniinissar cnttaosdil Der folgsame hohe Kommissar— Noch keine„konstruktiven Lösungen"— Machtkämpfe um Ausschußsitze— Jeder will dem anderen die Flüchtlinge zuschieben— Abschluß mit Krach (Co* unserem«enfer Vertreter.) Laufanne, im Dezember 1933. Der Verwaltungsrat aus Vertretern von 16 Regierungen, der dem Hohen Kommissar des Völkerbundes für die Flucht- linge aus Deutschland vom Völkerbundsrat beigegeben ist, konnte auf seiner ersten Tagung in Lausanne(5. bis 8. Dezember! die wichtigsten technischen Grundlagen iür seine Tä- tigkeit errichten sowie verschiedene Anregungen für konstruk- tive Lösungen wenigstens anhören. Wie bei allen umfang- reichen internationalen Unternehmungen, so war auch bei diesem Bemühen um die Heilung einer erschütternden menschlichen Tragödie der äußere Ablauf der Konserenz von einer glatten Regie geleitet, die aber gegen die krassen Be- dingtheiten der handelnden Personen aus dem Zwang ihres Werdens und ihrer Verhältnisse überall trotz vorsichtiger Formeln versagte. Die Gegensätze brachen heftig in streit- baren Geheimvcrhandlungen und am Schluß sogar öfsent- lich durch. Das ganze Hilfswerk steht und fällt selbstverständlich mit der Persönlichkeit des Hohen Kommiisars Fames G. Mac- donald, weswegen seine programmatischen Erklärungen in der Eröffnungssitzung allgemein mit größter Spannung erwartet«nrden. Dieser jugendlich wirkende Amerikaner mit der scharfen Ha- kennase deS leibhaftigen Uncle Sam und dem lichtblonden Haarichopf des Schweben aus dem Bilderbuch hat eine nichts- sagende Rede abgelesen und überhaupt dauernd gehandelt wie ein vorsichtiger Mann aus der dritten Garnitur der Völkerbundsdiplomatie. Obwohl Verwaltungsrat und Kom- missar autonom find, wurde alles peinlichst genau nach den ebenso ehrwürdigen wie erfolglosen Praktiken des Völker- bundes inszeniert. Es sollte alles zu glatt sein und zu be- fitsten um die harten politischen Tatsachen herumgcleitet werden, als daß man sich des Eindrucks hätte erwehren kön- neu, daß das Fell des Bären gewaschen, aber nicht naß ge- macht werden solle. Herr Macdonald gab einen korrekten Ueberblick über Zahl, Zusammensetzung und Lage der Flücht- linge, über die Arbeit der privaten Hilfsorganisationen und über die Völkerbundsbeschlüsse zum Hilfswerk. Kein Wort siel dabei über die Urheber dieses Leidens und ihre Metho- den, was man noch begreisen könnte, wenn Macdonald nicht ausdrücklich jede Intervention bei der Hitlcrregierung für die Flüchtlinge innerhalb Deutschlands und die Freimachung von Besitz derer im Auslände abgelehnt hätte. Aber auch die „Anregungen" über seine positive Tätigkeit waren so vor- sichtig gehalten, daß der.Verwaltungsrat der Diplomaten wahrhaftig kein Wort daran auszusetzen fand. In der Ncga- tive hat Macbonald gewiß recht, wenn er sein Clearinghouse für die Flüchtlingshilse nicht mit Unterstützungs- und indi- vidueller Arbeitsvermittlungsfragen belasten will. Auch ist er selbst von der amerikanischen Geldaristokratie „gemanaqed" worden, die ihre und anderer Leute bedeu- tenden Kapitalien besonders im bereits bestehenden iüdi- schen Hilfswerk wegen des big busineß nicht ans der Kon- trolle läßt, weshalb der Vertrauensmann dieser Dollar- Millionäre für große Umsäße im Fliichtlingshilfegelchäft zu somen, aber die Finger von den Organisationsgelderu zu lassen hat. Daher wird erst die konstruktive Arbeit für Ansiedlung und Kolonisation, für Berufswechsel und Placierung der Flücht- linge vom Kommissariat zusammengefaßt: daher werden die neuen, beträchtlichen Gelder für dieses konstruktive Pro- gramm auch ausschließlich vom Herrn Hohen Kommissar sel- ber gesammelt und verteilt werden. Von diesem mysteriösen „konstruktiven Programm" selbst sprach Mocdonald aber kein Wort. Cs geht dabei nämlich nicht ohne Politik, es geht nicht ohne kräftiges Anpacken der Großmächte, die den Erdball in einem Netz von Kolonien, Dominions und Mandatsgebie- ten durch eiserne Einwanderungsverbote gesperrt halten. Der Bahnbrecher für die Ansiedlung der deutschen Flücht- linge wird also zuerst schön brav diplomatisch mit den Re- gicrungen über das erlaubte Blaß seiner Forderungen auf Land verhandeln, statt sie, wie einst der Eisenkerl Nansen für die Armenier, im Namen der Menschheit vor dem Welt- gewissen öffentlich zu verkünden ohne Rücksicht aus machtpolitische Egoismen. War es nicht bezeichnend, daß gerade der prächtige Lord Cecil als neugewählter Präsident des Bcrwaltungsrates in bester puritanischer Ueberzeugung von den weiten Gegenden unseres Erdballs sprach, die noch un- bekannt seien und mit den Flüchtlingen erschlossen iverden könnten. Wer spürt da nicht unwillkürlich die Bitterkeit des Wortes„Kulturdttnger" auf der Zunge? Ebenso enttäuschend begann anch der Tag der Privatorga- nisationen. Eiskalt-frenndliche Erklärungen zur Hilfs- bercjtschaft. vorgelesen von sehr vornehmen, kehr hochbe- soldeten, aber gänzlich uninteressierten Beamten der reichen jtidichen Hilfsorganisationen aus Amerika leiteten ihn ei«. Dann gab der Genfer Professor R a p p a r d ein gutes, warm mitgefühltes Bild von der Arbeit der Komitees für die Unterbringung der Intellektuellen, wobei er wenigstens wagte, den Hohen Kommissar um einige konkrete Aktionen zu bitten. Bei der Forderung auf Verhandlungen mit der Hitlerregierung über Freimachung des zurückgebliebenen Eigentums der Flüchtlinge schüttelte Macdonald mit er- staunter, knabenhafter Grimasse den Kops. Endlich aber eine starke, überragende Persönlichkeit: die erregend heisere Stimme des Zionistenkührers Dr. W e i z m a n n bändigt kaum die Energie, mit der er für die Aufnahmen der Menschen in den beiden Amerika, in Süasrika, Australien und den französischen Kolonien eintritt. Er zeigt unerbittlich, daß alles Gerede um den politischen Kern herumgeht, daß jede Regierung sogar lieber Geld gibt, als Flüchtlinge in ihr Land hereinzulassen. Und selbst im einzigen Lande der Erde, wo der Jude nicht als Flüchtling, sondern im Rechte hinkommt, in Palästina, ist der Wille zur Ausnahme der ge- quälten Menschen durch fremde Vorschriften gekesselt. Niemand antwortete aus den einzigen echten Ruf an die Menschheit! Dafür brauchte man anschließend anderthalb Tage, um den erbitterten Kampf um die Vertretungen in den beratenden Ausschüssen der privaten Organisationen auszutragen. Schließlich erhöhte man die Sitze im großen Ausschuß von ltz aus 18, von denen 9 durch jüdische und 9 durch nichtjttbische Organisationen besetzt werden. Gegen die antidemokratische Gesinnung Macdonalds und seiner reichen Hintermänner aller Konfessionen wurde von den loyalen Vertretern der Auffassung, daß doch den Flücht» l i n g e n und nicht den Geldgebern geholfen werden solle, schließlich auch in der zweiten Kategorie der I n t e r n a t i o- nalc Gewerkschaftsbund eingesetzt. Am nettesten konnte man sich über verwaltnngstechnische Èfragen einigen. Das Statut bestimmt Lansanne als Sitz es Hohen Kommissars ium ja keinen Verdacht bei dem ausgetretenen Deutschland ans einen Zusammenhang mit dem Völkerbund in Genf aufkommen zu lassen): es macht den VcrwaltungSrat zum UntersttttzungSgremium kür den Hohen Kommissar, dem es alle Initiator und Exe- kutive läßt, und zur Verbindungsstelle mit den vertretenen Regierungen. Das Büro des Hohen Kommissars wird von dessen Gönnern auf Geschäftsspesen bezahlt. Bei seiner Zu- sammensetzung ist der Aricrparagrak streng durchgeführt, ob- wohl 8« Prozent aller Flüchtlinge Juden sind. Ebenso wird grundsätzlich kein Flüchtling eingestellt, obwohl gerade die Flüchtlinge doch am besten um die Not ihrer Leidensgenossen wissen müßten. Kleine Arbeitskomitees und Bubgctausschuß liefen glatt durch die Amtsmaschicne. Indessen mußte nach aller Mühe für die glatte Fassade doch die nüchterne Wirklichkeit in der Schlußsitzung den Zauber des unverbindlichen Wohlwollens zerstören. Die Vertreter der Regierungen hatten sich endlich zum Kernproblem zu äußern. Organisationen waren da. Geld sollte ausgebracht werden, Zusammenfassung aller Arbeit war nun durch die Tagung geschaffen. Wo aber konnte all das angesetzt werden, um die Flücht- linge ans Deutschland unterzubringen? Wieder hielt der Vertreter der V e r e i n i g t e» S- a a» e n eine freundliche Rede, versprach sogar Geld, aber on der Ausnahme der Menschen sagte er kein Wort. Das bcachre den Frau? s c n Bercngcr in Harnisch, er verlangte, daß beide Amerika und die englischen Dominions sein Land von>!ncm Teil der 80 000 Flüchtlinge entlasten müßten,'.»mal î er Zustrom unaufhaltsam weitergehe. Niemand habe"iL.fw Katastrophe für möglich gehalten im Zeitalter der menschlichen Zivilisation. Das Flüchtlingsproblem fei eine ge- meinsame Aufgabe der gesamten Menschheit. P o l e n, H o l- land und die Tschechoslowakei erklärten, daß sie keine weiteren Flüchtlinge mehr aufnehmen könnten, Uruguay konnte nichts sagen, weil Argentinien und Brasilien nicht anwesend waren, seder wehrte sich gegen die Aufnahme neuer Menschen und wollte sie den anderen zuschieben. Lord Cecil wollte beruhigen, er zählte Englands Leistungen für die Flüchtlinge aus und erklärte resigniert. Europa sei voll. Amerika müsse Flüchtlinge nehmen. Aber mit Englands eigenen Dominien könne er natürlich nur reden, da sie ihre Selbstverwaltung ängstlich hüteten. Nichts ist alio, wie aus allen Gebieten der größten inter- nationalen Probleme, bisher geschehen, der trübste Schacher«m die Abschiebung der Flüchtlinge wird erst begin- neu. Und ihn soll der folgsame Hohe Kommissar dnrchsech- ten, der nach solcher enttäuschenden Verneinung mensch- licher Solidarität wieder nur beamtete Formel» diploma- tischen Dankes an alle Versammelten fand. Um das Schicksal der deutschen Flüchtlinge sähe es bitter aus, wenn nicht trotz Kabinetten und Diplomaten, geschobe- neu Kommissaren, pietistischen Sekretären und eifersüchtigen Organisationsbeamten doch noch überall in der Welt der prächtig st e Idealismus unbeamteter Kämpfe rinn en und Kämpfer in übermenschlicher Andren- gung ihr Bestes leisten würden. Deren Energie zwang schon den Hohen Kommissar zu überhaupt den wenigen Anregungen, die er über den negativen Befehl seiner in e, männei hinaus vorzutragen wagte: deren glühender Wille tre.bi unentwegt das große Werk weiter an und wird holientl ch trotz Krise und nationalen Egoismen den Flüchtlingen auch Länder und Arbeit erschließen. Um der P?>». hvu r llen sei ihnen vor allein gedankt! kin fdreier Inr M itten Meli" in den üflnden der braunen banden Die Saarbrücker„Volksstimme" veröffentlicht folgenden Bericht: Saarbrücken, 13. Dezember. Wir lassen dem Zeugen gleich das Wort: „Um dem deutschen Volke zu zeigen, wie in unserem jetzigen deutschen Vaterlande unter der Regierung Hitlers Andersdenkende behandelt werden, seien diese Zeilen ge- schrieben. Seit dem Jahre 1926 war ich bei der Ardeyer Waldgenossenschast als Privatförster angestellt. Bor dieser Zeit b'n ich als ehemaliger Bergarbeiter Mitglied der So- zialdemokratischen Partei gewesen, doch habe ich mich sett meiner Anstellung nicht mehr politisch betätigt, sondern mich im Gegenteil polit'tch vollständig neutral verhalten. Trotzdem bin ich im jetzigen Hitler-Deutschland mit Frau und Kind wie folgt behandelt worden: In der Nacht vom 11. zum 12. August 1933. gegen 11.30 Uhr. wurde an meiner Haustür stürmisch Einlaß begehrt, mit dem Bemerken, sofort aufzumachen, andernfalls die Türe ausgebrochen würde. Me ne Frau, die infolge vorher schon bei mir eingegangener Drohbriefe, schon wochenlang keine richtige Nach:ruhe gehabt und mehrfach Nächte hindurch zusammen mit mir und unserm Söhnchen in der Nähe unier Hauses im Walde zugebracht halte, össuelk die Tür«, während ich zu gleicher Zeit versuchte, mit unserm Jungen durch eine Hintertüre aus dem Haus zu entkommen. Aus der Dunkel- heit hallte mir aber sofort der Ruf entgegen:„Stehen blci- bei, oder es knallt!" An ein Entkommen war tatsächlich nicht zu denken, denn das ganze Haus war von SS.-Leuten um- stellt. Ich wurde wieder in meine Wohnung zurückgebracht und es begann eine Durchsuchung und Turchwühlung sämtlicher Z'mmer. Man suchte angeblich nach verbotene» Waffen, obwohl die SS.-Leute genau wußten, daß ich als Förster Waffen im Hause haben mußte, diese aber vorschrists- mäßig polizeilich angemeldet halte. Trotzdem ließ der Trupp- führer. ein gewisser Erwin Knop aus der Lange Straße in Witten, mein Schlafzimmer vollständig durchwühlen und ein Illjähriger Junge meines Schwagers, der in dem Zim- mer im Vctt lag. hörte, wie.Knop zu seinen SS.-Leuten sagte: „Sucht nur gut, damit ja etwas gefunden wird." Es sollte mithin absolut etwas gefunden werden, womit sie aber kein Glück hatten, da ich, wie erwähnt, meine Waffen angemeldet hatte. Nachdem man auf diese Weise nicht? gegen mich erreichen iivnnte wurde ich gefragt, ob ich gegen die Regierung Hitler ,ei. denn ich sollte angeblich einmal den Ausdruck„Braune Pest" gebraucht haben. Da ich mir aber keiner Schuld bewußt war und eS sich hierbei nur um eine der jetzt in Deutschland leider üblichen Dcnunzlativnen handeln konnte, verneinte ich die Frage des Truppsührers Knop. Trotzdem wurde ich für verhaftet erklärt. Ich wurde aufgefordert, mich jchleu- nigft anzuziehen, denn ich sollte mit zu meiner Vernehmung bei der politischen Polizei in Witten, Marktplatz 1. Dort sollte mich, so erklärte man fälschlicher Weise meiner Frau und mir der uns bekannte Kriminal-Polizeisekretär Neu- mann vernehmen Als mein« Frau aber trotzdem noch gegen meine„Verhaftung" protestierte, erhielt sie von den SS.- Leuten zur Antwort:„Er muß mitgehen, Gewalt geht vor Recht!" Die SS.-Leute. etwa 30 bis 35 Mann, führten mich dann in ein bereitstehendes Auto und als meine Frau bei meinem Abtransport verzweifelt zusammenbrach, hatten sie dafür nur ein höhnisches Lachen. Anstatt mich aber nun wirklich zur politischen Polizei zu führen, brachte man m ch in das Lyzeum, in dem die TT. von Witten ihren Hauptsitz hatte. Nachdem ich dort unter starker Bewachung etwa 1st Minuten lang auf dem Flur gestanden hatte, hörte ich. wie einer fragte:.List alles ser- tig?". Nach Bejahung dieser Frage führte man mich dann in den Keller des Hauses, den die SS.-Leute„Konzertkcller" nannten. Hier wurde ich nochmals gefragt, ob ich gegen d:c Regierung Hitler wäre und ob ich„Braune Pest" gesagt hätte. Als ich abermals verneinte, wie es auch richtig ivar, sagte man mir:„In eineinhalb Stunden kommen wir w'eder. Wenn wir dann noch nicht die richtige Antwort erhalten, ivie wir sie wünschen, bekommen Tic Ihre Familie nicht wieder zu sehen!" Nachdem etwa eine Stunde vergangen war, kamen drei Mann zu mir in den Keller Ich saß auf einem Stuhl. Einer der SS.-Leute stellte sich vor mich, während die beiden ande- ren hinter meinen Stuhl traten. Ter vor mir Stehende wiederholte die schon so oft an mich gerichteten Fragen und im gleichen Augenblick erhielt ich blitzschnell von hinten mehrere Schläge über den Kopf. Was dann mit mir ge- ichehcn ist weiß ich nicht mehr. Als ich wieder zur Besinnung kam, standen in einer Ecke des Kellerraumes die drei ST.- Leute, wovon zwei mit Stuhlbeinen und einer mit einem Polizeiknüppel bewaffnet waren Zwei Mann hiervon habe ich erkannt. Es waren Erich Röhrig aus der Kruppschen Kolonie in Witten-Anneu und ein gewisser Rohde, der in Witten. Marktplatz 2 wohnt. Die drei Mann schleppten mich schließlich nach oben und ich wurde um 3 Uhr nachts entlassen mit dem Bemerken von meiner Festnahme und Mißhand- lung nichts zu erzählen, sonst würde ich nochmals geholt werden. Durch die furchtbaren Mißhandlungen schwer verletzt, schleppte ich mich unter größten Schmerzen und größter Mühe nach Hause, wo ich gegen 5.30 Uhr ankam Meine Frau rief sofort den Arzt Dr. Boß von Rüdinghausen, der meine Verletzungen untersuchte. Obwohl dieser Herr selber sowohl das Stahlhelm-Abzeichen wie auch das Hakenkreuz der Nationalsozialistischen Partei trug, war er sehr entrüstet und er riet mir, gegen die SS.-Leute Straiantrag zu stellen. Meine Försternniform war total zersetzt und von den furchtbare» S-k'lägen zeigte mein Körper alle Farben. Außerdem(" ch durch die Schläge aus dem linken Ange die Sehkrast ,.tr Hülste verloren, obwohl ich lange bei einem Augen-Spezialarzt in Behandlung war. Gute Freunde brachten mich noch am gleichen Tage heim- lich in Sicherheit und Pflege. Nach etwa acht Tagen erhielt ich jedoch von meiner Frau die Nachricht, sofort nach Hause zurückzukommen, da die Sache gegen die SS.-Leute ange- zeigt wäre. Außerdem hatte der Tturmsührcr Welle aus Witten meiner Frau eine Bescheinigung geschrieben, nach der die SS. mein Haus nicht inehr betreten dürfe. Diese Be- scheinigung habe ich noch im Besitz. An einem Sonntagvor- mittag wurde ich dann einem größeren Trupp SS.-Leuten gegenübergestellt und ich sollte die Schuldigen heraussuchen, die mich geschlagen hatten. Die Leute, und namentlich die oben erwïhnten Röhrig und Rohde, waren aber unter dem Trupp n!.; t zu finden, und ich hütete mich, ihre Namen zu nennen. Ich hatte nämlich zwischendurch fortgesetzt neue Drohungen erhalten und meine Freunde rieten mir, zu ichiveigen, weil ich sonst nochmals geholt werden sollte. Zu- dem wurde mein Hans fortgesetzt beobachtet. Wie ich später feststellte, war der schändliche Plan zu meiner Mißhandlung am Abend vorher bei der Einführung des neuen kommissarischen Bürgermeisters Zimmergrasf von Witten be- schlössen worden. Obwohl ich seit 192» nicht mehr politisch tätig war. mußte ich diese Mißhandlungen durchmachen, nur weil ich vor 192» Mitglied der SPD. war. Aber meine Stelle als Förster mußte freigemacht iverden. denn an meine Stelle sollte der SS.-Truppführer Erwin Knop kommen. Außerdem hatte ich einen persönlichen Feind in dem Ober landjäger Wippich aus der Waldstraße in Witten. Da nach meiner Kenntnis vor der Wahl am 12 November keine Einzelaktioncn mehr vorgenommen werden sollte», verblieb ich bis zum Wahltage zu Hause. Noch am Bor- mittag des 12. November ging ich zur Wahl, weil ich genau wußte, daß ich beobachtet wurde. Nachmittags aber wollte ich heimlich zu meiner Frau fahren, die ich schon bald nach meiner ersten Verhaftung nach Holland in Sicherheit ge- bracht hatte. An der Grenze in Herzogenrath verhaftete man mich jedoch abermals und man nahm mir neben andere» Papieren, einen holländischen Paß. neun Zeugnisse und»05 Reichsmark ab, wovon ich meiner Frau Geld zum Lebens- unterhalt bringen wollte. Hierbei möchte ich ausdrücklich bemerken, daß diese»00 NM. aus dem Verkauf einer Kuh, von zwei Schweinen, einer Zentrifuge sowie einigen anderen Gerätschaften und 50 Zentner Kartoffeln stammten. Man nahm also mir und meiner Familie auch noch das Letzte. Durch die Hilfe guter Freunde war es mir dann möglich, bis hierher nach Saarbrücken zu kommen. Hier muß ich jetzt als Emigrant leben, mittellos, die Stellung verloren und von meiner Familie getrennt! Ob das das Programm des„dritten Reiches" sein soll?! Aber leider ist es nicht mir allein so ergangen In meiner Heimat Witten sind eine ganze Reihe ähnlicher Aktionen vorgekommen. To wurden nebe» anderen Leuten ein ge- wisscr Käufer aus Witten-Annen ähnlich mißhandelt Des- gleichen die Gebrüder Schreiner aus Witten-Annen und der Landwirt Heinrich Sträterhoff aus Witten-Stockum. Dem Letztgenannten wurden unter anderem drei Rippen einge- schlagen und außerdem schlug man dem Manne den linken Arm entzwei. Bei den Mißhandlunaen taten sich besonders hervor die Gebrüder Trapp aus Witten, einer von ihnen ist ja auch wegen seiner„Tüchtigkeit" befördert worden Außerdem ist der SA.-Manu Erich Schars von Witten noch sehe bekannt. Man möge nur einmal im Marien-Hospital in Witten die Schwester fraqen, die das Zimmer 41 betreut' Und wenn ich dann an die Friedensrede des Reichs- Gnzlers Adolf Hitler d'nk lowic an seine Rede am letzten Tage vor der Wahl, in der er erklärte, in Teutschland wäre keinem ein Haar gekrümmt und keine Fensterscheibe ein- geschlagen worden! Man soll einmal in Witten und Annen Nacht sämtliche Fenst?rsche?ben de? jüdischen Geschäftshäuser zertrümmert murd-m Ich babe genua"0M..ftriHo, Reich" Ich will lieber alä "rant leb-m a!» noch'finnet diesen Betrua im Deutschland mitmachen vmufl"" Wilhelm Rohlfing, ehemals Förster. Die Steuern hoch! Und die Preise auch! Idar-Oberstein ivar in den letzten Jahren zu einer Hoch' bürg der NaziS gcivordcn. Tie Reichstagswahlcn habe» freilich gezeigt, das? die Ernücherung schon begonnen hat. Grobe Erhöhung der Gcnicindesteuern ivird die Segnungen des„dritten Reiches" noch mehr schätzen lassen. Heber die jüngste Tagung des Idar-Obersteiner TtadtparlamcntS »vird nämlich berichten Tie G r u n d- und G c b ä n d e ft e n e r muh in In- kunit bis zu einem Fünftel über dem Landesdurchschnitt liegen und zivar 351 Prozent Grund- und ill Prozent Gebäudesteuer. Das bedeutet für die Stadtteile Obersteiii und Algenrodt 51 Prozent Grund- und 11 Prozent Gc- bände st euer mehr und für den Stadtteil Idar 58 Prozent Grund- und lg Prozent Gebändcstener mehr. Ter Er- trag hieraus beläuft sich ans etwa Kl(Min Mark. Tie MtetzI n S st e u er ivird im Stadtteil Idar von 82 auf 100 Prozent erhöht und zwar noch in einer Räch- Umlage für 1988. Ter Ertrag hieraus macht etwa 23 m Mi Mark aus. Die G e w e r b e h e u c r ivird aus 70 Prozent des Mchbctragcs festgesetzt, das sind für die Stadtteile Obersten, und Algenrodt 10 Prozent und für den Stadt- teil Idar 30 Prozent mehr als bisher. Auhcrdem wird die B ü r g e r st e u e r von 500 auf 700 Prozent erhöht. Tann gab es folgende erbauliche Debatte über die Teuerung: Fraktionssührcr Pg. PH.«lau cher bemerkt hierzu, dah sich grohe Teile aus Handel und Gewerbe nur zur Wah» rung ihrer eigenen Interessen in der NS.-Hago zu- sammengeschlossen hätten. Diese Heute hätten den Nationalsozialismus noch nicht verstanden. Rabatte und Zugaben seien in Fortsall gekommen, aber eine Preid- scnknng sei nicht erfolgt. Diese Torte Menschen gingen durch die Stadt und rieten„Heil Hitler", aber den To- zialtsmus wollten sie nicht verstehen. Nach ziemlich er- regier Debatte nimmt der Gemeinderat folgende Ent- ichlichnng an. die der Regierung zugeleitet wird: „Der Gemeinderat hat Veranlassung, die Regierung dringend darum zu bitten, dah alle Preissteigerungen, die den Lebensunterhalt deö Arbeiters, beste» Lohn nicht gesteigert werden darf, verteuern, vermieden wer- den müssen." Lohnabbau „Nach Anweisung der Regierung" (ITF.) Der Treuhänder der Arbeit stir Westfalen, ehemals Syndikus des gröhten deutschen Trusts, der JG.-Farben. hat einer Anweisung der Regierung entsprechend verboten, dah bei den immer häutigeren A r b e i t sz c i t v e r k ü r- f.HJ?" c ä, c. in Lohnausgleich, wie ihn die nationalsoziali- titschen Agitatoren bis in die letzten Wochen versprachen, gezahlt ivird.„Ein H o h n a n S g l e i ch würde das bestehende -.ohnniven» verschieben, was nach Aniveisung der Regierung verboten ist".'Naive Gemüter werden annehmen, dah eigentlich dann eine Lohnkürzung im„dritten Reich" unmöglich ist. Doch zu jedem Erlah gehört ein Nom- inentar, der die Art der Ausführung bestimmt, und mindestens die Kommentare werden im„dritten Reiche" von Unter- neomern formuliert. Der genannte Treuhänder hat gleich- zeitig mitgeteilt, dah genau so wenig wie der» Unternehmer e>n Lohnausgleich, dem Arbeiter ein Lohnausfall durch Arbeitszeitverkürzung zugemutet werde» könne. Wie macht man daS nun? Ganz einfach: zahlreiche Unter- n e h m e r kürzen den Lohn iv i e bei einer Arbeitszeitverkürzung, lassen die Beleg- s m a s t a b e r nach wie vor voll arbeiten. DaS tu ja nicht verboten, wenn sie für die ersparte Lohnsumme neue Arbeitskräfte einstellen. Selbstverständlich nennt man vsfizicll diese Lohnkürzung der Arbeiter„freiwillig" Tie Unternehmer fügen sich dieser Reglnng mit ehrlicher Be- geisterung. denn der Lohn für die neueingestellten Arbeiter kostet sie nichts. Er wird von der alten Belegschaft aufgebracht und diese Belegschaft arbeitet gleichzeitig täglich einige©Minden umsonst. Tie städtischen Werke in Breslau und die Stauereien im Stettiner Hase» sind mit der Durch- sührung dieses gcwjh neuartigen Lohnabbaus voran- gegangen. Das alles geschieht nun„nach Anweisung der Rc- gicrung". Blografle eines Gewerkschaftsführers Die„Graphische Jugend"(4) setzt folgenden Text unter die Phvsiognomie des„Erich Klapper, Leiter des Personal- aintcs des Gesamtverbandes der deutschen Arbeiter".„Kurz der Lebenslauf, der alles sagt:„Am 13. Dezem- der 1807 zu Berlin geboren. Volksschule und höhere Jach- schule für Textil- und Bekleidungsindustrie. Mit 18 Jahren Frontsoldat. 1916 verwundert. 1917 50 Prozent kriegsbeschä- digt entlassen. Führer des Frontbann Nord 15 Neukölln 1. Oktober 1925 Eintritt in die Partei. Februar 1926 SAF. Neukölln. Wegen„Schlackt Alt-Landsbera" 1926 fünf Monate Gefängnis. 1930 Ausbilder der SAR. Neukölln. 1931 Adiu IV'3 Berlin. 1982 Stubaf IV/8 Berlin. August 1932 Stabsleiter der Retckö-Betriebszellen-Abs. Nack der Gleichschaltung Mitglied des Kleinen Konvents der TAI." Nur welchen Berns der Herr gehabt hat, wird verschwiegen. Von Oer Arbeitsfront Nach citicr Ordnung des Leu dürfen die Perbände keine neuen Mitglieder mehr ausnehmen: Neuanmeldungen sind a» die„Arbeitsfront" direkt zu leiten. Und:„Wenn die Führuna der Deutschen Arbeitsfront den Zeitpunkt für ge- komme» hält, auch den äußeren Rahmen der Verbände zu sprengen, so wird sie das tun. Aber es geht nicht an. dah von unten nach oben die Perbände zerristen werden und nach Gutdünken des einzelnen etwas umgeworfen wird." W. Schuhmann,„Führer des àsamtverbandev der deutschen Arbeiter", letz: unter anderem hinzu:„Die NTBO.-Dienst- stellen, die jetzt die Neuaufnahmen für die Arbeitsfront tätige», haben das Aufstchtbrecht über die Perbands- dlenststcllcn. Jrgl'chc Eingriffe dagegen in die Geschästs- tätigkeit der Perbände ist ihnen untersagt." In einem zwei- ten Erlah verfügt der Schuhmann, dag Unternehmer, die NSDAP.-Mitglieder sind, in die NTBO. ausgenommen werben können. Aus all den vielen Erlästen, Weisungen ulw. bekommt man den Eindruck, dah es nicht gerade einfach In der„Arbeitsfront" zugeht. „Abgesehen von Zeitungsdruckpapier" Nach dem Lagebericht der Fachgruppe der Papier-, Pappen-, Zellstoff- und Holzstoffindustrie hat sich die Lage der papier- erzeugenden Industrien im Monat'November nicht wesent- lich geändert. Bei verhältnismäßig günstigem Jnlandabsatz — abgesehen von Zeitungsdruckpapier— haben die Schmie- rigkeiten bei der Ausfuhr eher noch zugenommen. Die Be- triebswasserverhältniise im Berichtsmonat toaren»nge» nügend, so bah die Produktion an Holzstoff beschränkt war und der gesamte erzeugte Stoff abgesetzt werden konnte. Aus der Einschaltung„abgesehen von Zeitungsdruckpapier" zeigt, wie sehr der Verbrauch an Papier und damit die Preste in Deutschland zurückgeht. Ein wahres Wort Der„Deutsche Volkswirt" lNr. 9t sagt:„Das»a ional- sozialistische Deutschland wird Mir den Ausgleich der wirt- schaftlichen Gegensätze, soweit sie eben nicht aus der Welt geschaffen werden können, eine andere Organisation schassen. Wie sie aussehen wird, dürften heute nur sehr iv e n i g e wissen. B i e l l e i ch t..." „Fischtage in den Gaststätten" heiht ein Aufsatz im„Deutschen Nahrungömittelarbeiter" e Löhne stark gesunken sind" und die Arbeitersrauen lmben deshalb den„ziemlich hohen Betrag" einlach nicht zur Ber- sügung. Das nennen wir Pech im„dritten Reich". Billige Hausgehilfinnen „Ein Musterlehrvertrag für hanswirtschaslliche Lehrstelle» ist zwischen dem Rcichsvcrbaiid der Deutschen Hausfrauen und dem Deutschen Heimarbeiter- und Hausgehilfen-Vcrband unter Mttwirkuna der Treuhänder der Arbeit vereinbart worden. Der Lehrvertraa lieht eine Sjährtge Ausbildung vor. Die Lehrirau verpflichtet sich zu entsprechender Ausbildung und zum Ersatz der elteilichen Fürsorge. Im weiteren ist i>e verpflichtet dem Lehrling in sittlicher und gesundheitlicher Beziehung eine Beraterin z« sein. Der Lehrvertrag regen im Einzelnen die Arbeitszeit und die Freizeit. Am Schluß der Lehrzeit erhält das Lehrmädchen ein schriftliches Zeug- nis. ES soll sich einer praktischen Prviiing unterziehen, durai deren Bestehen der Lehrbrief und das Recht aus Beschäftigung als„geprüfte Hausgehilfin" erteilt wird." ITeutsche Zeit- schritt für Wohlfahrtspflege 8.1 Bon Geld, das das„Lehr- mädchen" zu bekommen hat, ist in dem jittlich-religiösen Ver- trag nichts enthalten. Ber abgeschaffte Hiassenhamnf beginnt immer deutlicher aufzuleben. Der„Korrespondent für das grafische Gewerbe" iNr. 63» polemisiert erregt gegen das Arbeitgeberblatt„Zeitschritt für Deutschlands Puck" drucker" lNr. 841. Es geht um die Verlängerung der Kün- digungskristen, die die Arbeitgeber nicht zugestehen wollen. Ter„Treuhänder". Staatskommissar Engel, hat ln der Streitfrage, ob Kündigunassristen zu verlängern seien oder nicht, so salomonisch entschieden, daß beide Streitteile die Entscheidung für sich in Anspruch nehmen und praktisch die Arbeitgeber rubig weiter so verfahren wie bisher, nämlich daß sie bei Bedari Arbeiter iür„fitrüriftige Gelegenheitsarbeit" ausnehmen, solange eben ihr Bedari reicht. Da nun die Arbeit selbst immer weniger wird, wird ungehemmt zu den kürzest möglichen Fristen gekündigt. Da Hilst auch der Protest der sogenannten„Gewerkschaft" aar nichts: denn sie hat nicht ein einziaes Kamp», oder Druckmittel und die Ar« heitgeber, sonst zerfallen und uneinig, sind geschlossen»r* ctnia, wenn es gegen die Arbeiter geht, zumal die Druckerei- besitzer die. regierenden Kreise hinter sich haben. Kommunale Zwischenbilanz 1933 Nach dem Oktobcrhefi deS Deutschen Gemeindetages be- tragen bis jetzt die Zahlungsrückstände ber Gemeinden 1938 580 bis 600 Millionen RM. Blitzlichter Ins Braune Bekanntlich hat Hitler in den zehn Monaten seiner Herrschast„drei Millionen Erwerbslosen wieder Arbeit.und Brot gegeben" Es hat, bei Wotan, keinen Menschen in ganz Deutschland gegeben, der daran auch nur den leisesten Zwei- sei heaen durfte. Nu* aber kommt eine zersetzende amtliche Statistik des deutschen Instituts iür ttonjunkturiorschuiig und verbreitet die Greuelmelduna, dast tm„dritten Reich" im ersten Halbjahr 1933 das Volkseinkommen um rund eine halbe Milliarde hinter dem v o r>- gen Jahr z u r ü ck g e b l i e b e» Ist. Vor einiger Zeit, es war im s i c b c» t c n Monat der über Teutschland hereingebrochenen Naziherrschast. berichteten gleichgeschaltete Blätter, es sei seit Beginn des Hilter- Regimes in allen deutschen«bauen eine erhebliche Geburtenzunahme festzustellen. Alle Welt staunte über dieses medizinische Phänomen: Sogar Frühgeburten ver- mochte das„dritte Reich" zu produziere». Nunmehr liegt aber eine Geburtenstatistik der ersten zehn Mona:« 1933 vor. Tie sieht schon etwas anders aus: Denn es ergibt sich, daß trotz Hitler und SA., trotz nationaler Ertüchtigung, in Deutschland ein Geburlenminus von drei Prozent besteht, ja baß der G e b n r i e n r il ck g a n g besonders im letzten Monat der Statistik. Oktober, sehr empfindlich war. Folglich gehört der deutsche Klappersivrcb wegen„Sabotage der natio- iialen Auibauarbeii" ins Konzentrationslager. * Ein begeisterter Anhänger der Nazi, ihrer Titten und Ge- branche, der Bonner Professor Stursberg, schreib: in der „Mllnchener Medizinischen Wochenschrift" daß man tn den letzten Monaten leider bei vielen Kindern eine vollstän- d ge lledcraiitirengiing und Erschöpfung wahrnehmen mußte. Und er sühn das ans die anstrengenden Märsche und Nebnnaen zurück, die setz: den deutschen Kindern auferlegt sind auch die Teilnahme an Massenkundgebungen wirke aus die Kinder anstrengend Dieser Arzt iaa> das nicht etwa, weil ihn'ein ärztliches Gewissen nicht ruhen läßt, sondern weil er fürckiei daß durch die vorzeitige Erichs Kung- die Miliiärtanglichkeit gesährdci werden könnte. Denn es ist eines bei erhabenen Ziele des„dritten Reiches", die deutsche» Me»ich-» n kür die Schlachtbank zu crtüchtlaen. » Folgende Episode wird aus einer Berliner»Mädchenschule berichict: Eine Lehrerin erteilt Unterricht in Rassenkundc. Sie will die„typischen Merkmale" der jüdischen Rasse am lebenden Objekt demonstrieren und fordert die Klaffe aus. an eine» zu diesem Zweck vorgerufenen jüdischen Tckü» l c r i n. diese Merkmale zu benennen. Dt« Schttlertünen ruien durcheinander:„Gebogene Nase, krauses, schwarzes Haar, volle Lippen" Weiter fällt ihnen bei dem jüdischen kleinen Mädchen nicht mehr aus. Die Lehrerin tagt:„Seht Ihr sonst nichts?" Die Kinder schweigen, denn sie sehen wirk- lich nichts mehr. Darauf die Lehrerin:„Und der verlogene Blick, den seht Ihr wohl garnichi?" DaS kleine jüdische Mäd- che» steht da. über und über wie mit Blut begossen. Geschehen im neue» Mittelalter 1933. * Eine Berliner Zeituna letzt für ein JuaendpreiSansschrei- ben folgende Hauptpreise auS„Zwei große Lands- k n e ch: s t r o m m e i n" Selbstverständlich! Bücher als Preise sind eine längst überwundene marxistische Entartung. » Es hat sich vielleicht in ber übrige» Welt noch nicht genügend herumaelprochen. daß Deutschland heute die alück- lichste» Menschen beherbergt, bereits ein„Land des Lachens" ist wie ER es vor einigen Monaten verheißen hat. Unbe- preislich ist daher eine amtliche»ranzö isch« Meldung ans Metz, der Zustrom v o» Reichsdeutschen zur Fremdenlegion babe in letzter Zeit derart zngenom- men, daß da» Mctzer Rckrutieruiigsbüro nur noch»ch» Pro- zcnl der Bewerber annehmen kann * Ohne„Front" geht eS bekanntlich nicht mehr in Deutschland. Wo zwei Deutsche zusammenstehen, bilden kie eine Front. ES aibt eine„Nationale Front" eine..ArbeiiSiron:". „Dentiche RechtSfront"„Hebammenfront"„Elektrokront" „Tich'eriront" Imit einem Herrn Hanvtmann an der?p!t>el »kw. Dieker Tage las man•„F e u e r n n g s s r o n t greift a n'" WaS war geschehe»? Tie Töpier und die Okenletzer Halle» sich zuiammenaeschlossen und einen»Vorschlag zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit lg'bt es die denn In Deutsch- land noch?! ausgearbeitet. Ja TA marschiert, die Front greift an Am besten ausgebaut ist die Lllgenîront sie setzt sich auS eiserne» Stirnen zusammen! Agitation für— Schach Au? einer Gewerkschaftsversammlung in Bochum sprach am 26 November der OrtSleiter der graphisch-» Arbeiter Adloif über eine Weihnachtsfeier. Den Haupiteil des Abends nahm eine Agitation K a tz c r für das Schachspiel ein. Line üble Hummer Arbeitergelder vor*""~d nun Kronzeuge der Nazis Man schreibt uns: Durch das Eont,-Büro werden zwei Briese verbreitet, die der frühere angeblich marxistische Schriftsteller August Kuper in Essen an den Vorstand der Sozialdemokratischen Partei in Prag und an den Ehefredakteur der„Tribüne" in Prag gerichtet haben ivill. In diesen Briefen schreibt Kuper. er sei jetzt durch die Grobmut Adolf Hitlers aus dem Konzen- trationSlager entlassen worden, tn dem ihm trotz jähre- langer scharfer Gegnerschaft kein Haar gekrümmt worden sei. August Kuper schimpkt dann über die VorstandSmit- gliedcr der SPD., weil sie feige davongelaufen seien. Daß dem August Kuper, der nie ein marxistischer Schrift- steller, sondern etioas ganz anderes war, kein Haar ge- krümmt worden ist. nimmt jeder Kenner seiner Person ohne weiteres an. Aber ivarum? Wenn wir den August Kuper war noch nie etwa» anderes wie ein Zeilenschinder iür diese Art Behandlung ohne Schwierigkeit erkennen Kuper war noch nie etwas anderes wie ein Zeilen schind'r und Reptil übelster Sorte? in Essen war er nuter dein 'Namen„der Lügenpapst von der Essener Schützenbahn" be kanni. Bei der sozialdemokratischen Presse lnchte er seine geiälschten Internas auo der Koinmunistiichen Partei anzubringen. und bei der kommunistische» Presse seine ge- 'älschtcn Meldungen über die Sozialdemokratische Partei: außerdem schrieb er für jede andere Zeitung ganz nach Wunsch. August Kuper war alto ein äußerst brauchbarer »Mensch Welche Rolle er im Konzentrationslager gespielt hat. ist hiernach leicht zu ermessen Wegen seiner marxistischen Gesinnung war er nicht dort, wahrscheinlich aber hat er Kommunisten und Sozialdemokraten bespitzelt, bis sie ihn erkannten. Damit waren auch seine Venoendung»tähig feit im Konzentrationslager für die Nazis und der Grund für seine weitere Inhaftierung weggefallen. Zur Abrun- dung des Charakterbildes dieses Kronzeugen de« Conti' Büros sei noch beigefügt, daß August Kuper vor einigen Jahren beim Bauarbeiterverband in Osnabrück 17 00» »Mark unterschlagen und dafür sieben Monate im GeiängniS in Bochum abgebrummt bat. Seitdem wurde Kuper von allen anständigen Menschen gemieden. Aber als Kronzeuge für die Nazis ist er gerade der richtige Mann. Denn an- ständige Menschen zeugen nicht für sie. »» Verurteil! zum Tode durcli... €€ \Hi diesen Tagen, da es den Anschein hat, als hätte die ~£ 1 ,' Ichoit wieder alle Greuel des Krieges vergessen u»d nichts Besseres zu tun. als für einen nenen zu rüsten, mag »?."."gezeigt lein, einer„Tradition" zu gedenken, die mir "■» dem Kriege versunken glaubten. Eines der Hanptmittcl, ?^"en sich das untergehende Alt-Oesterreich bediente, um !; lnc»treuen" Völker bei der Stange zu halten, war die eis- rige Anwendung der T o d e s ft r a f e. Dadurch sollte der Andruck der Stärke und Unerbittlichkeit erweckt werden, laicht wurde gerade das Gegenteil... Je näher das ^chicksalsjahr 1018 kam, desto mehr wurde gehängt und„zum Lobe durch Erschießen begnadigt". Einige selbsterlcbtc Bei- Miele seien der Erinnerung an stumme Tote geweiht. »Spione" r 25. Jnfanterietruppendivision bcsand sich im Spät- m ri nach dem überstürzten Rückzug wieder im Vor- Marsch. Knapp vor den österreichisch-ungarischen Truppen "Uteten die russischen Regimenter gegen Osten zurück. Oft "■am es vor. daß unsere Truppen beim Einmarsch in ein »aitzisches Dorf noch russische Soldaten darin antrafen. Da trat dann ein aus ein paar Offtzteren selbstherrlich gebildetes »Standgericht" in aller Eile zusammen und„verurteilte" mele dieser armen Nachzügler als„Spione", je nach Ge- î!"ack und Menschlichkeit der Richter zum Tode durch Er- ii«r n£? er Erhängen. Und so hörten wir. ivenn wir mit unserer SanitätSanstalt in einen solchen Ort einmarschier- 'kn, nnt gräßlicher Regelmäßigkeit imnier wieder ratternde ewebrfchnsse der OinrichtnnaSpelotons»nd mußten uns u> die Rücken unserer Pferde niederbücken, uni von den ^riefeln der auf den Bäumen des Ringplatzes und der Hauptstraße baumelnden russischen Soldaten und polnischen Dauern und Juden nicht gestreikt zu werden... Denn an.h >cle Einheimische wurden crgrttken und unter irgendeinem ?»rwand aus rasche Weise hingerichtet. In ihrer Not kamen " e oft auf den Knien zu den Aerzten gerutscht, die sie an vein roten Kreuz am Arm erkannten, uni fie um trn'e zu «Uten. Manchmal gelang es uns, einen dieser armen Tau- iei vor dem Aeiißerstcn zu bewahren, meist setzte sich aber oer, der solcher Mordgter in den Weg treten wollte, selbst der ^'ahr au«, mit dem Revolver irgendeines irll aeivor^rnen »Kameraden" Bekanntschaft zu machen. Die Zahl derer, die «ort grundlos in dielen Taaen ins Jenseits befördert wnr- «en, ging in dir Taufende. Wie späte, überreife Früchte hin- «en die Erhängten an den in herbstlichen Karben prangen- °en Bäumen.... Zum Tode in der Zelie verurteilt den Kasematten, die ich damals oft betrat, waren zahl- eich««träflinge untergebracht. Der Zugang war nur vom EestunaSgraben aus möglich und die Zellen, käst durchweg ebenerdig gelegen, waren alle feucht und düster. Einer Zelle wich der Profoß immer aus, ich konnte nicht erfahren, weshalb. Von einer» Fenster der„Offiziersmckse" aus ivar der Eingang zu dieser Zelle zu sehen, und als sich oazu Gelegenheit bot, fragte ich den Gefängnisarzt, was es damit kür eine Bewandtnis hätte. Da wir allein waren, gab er mir die Antwort:„Dort drin liegt Princip, der Mör- der des Thronsolgers. Weil er noch zu jung ist, duckte er nicht hingerichtet werbe». Und so liegt er seit dem Winter vier in dieser Zelle, der feuchtesten und dunkelsten der aan- den Festuna. und soll sie lebend nicht mehr verlassen. Er ist >cho» so aut wie blind, denn Licht steht er nur, wenn ihn je- wand„höherer" anichauen kommt. Am Oernmoehen hindern >bn die schweren Eikenketten. mi' denen er an der Wand n- gehängt ist. Nnd so liegt er feit Monaten auk seiner Pritsche. Er hat schon Knochentuberkulose und Lnvaenschwinssuchi und wird es»ich» mehr san->e mitmach-n. Mir tut er R erz li.Ç leid, aber„Belegs ist Bekehl", ich dark ihn nur verlni' n und nichts mit ihm kvrechen. Und so bat man ihn»begna- diat". lanakam. aber stcher iu verkaulen. Eine Kugel in den Koos wäre die reine Erlöiuuq kür ihn. Und seit einigen Wnch'n hi»»et er mich jedesmal ivenn ich zu ihm komme im soll ihm Gilt geben..." Das Kriegsende hat Princip nicht mehr erlebt, er starb in dieser Zelle. Battisti An einem Vormittag fährt ein seltsames Fuhrwerk, von Matarcllo her kommend, durch die Stadt Trient: ein italienischer Bauernwaoen mit zwei müden Pferden bespannt, von einem Trainsoldaten gelenkt. Darauf sitzt zwischen be- Von Dr. FRITZ HAUTMANN wasfnetcn Frontsoldaten ein schmächtiger, bärtiger Rann init lebhaft funkelnden, klugen Augen in der Uniform eines italienischen Alpiniosfiziero. Die Hände hat er aus den Rücken gefesselt, der Stahlhelm ist durch das Holpern des Wagens in den Nacken gerutscht. Heiß brennt die Sonne auf die Gruppe herab, die sichtlich schon lang unterwegs ist. Oft fährt der Gefangene mit trockener Zunge über seine stoubi- ge» Lippen.„Battisti kommt!" Eilig slieqt diese Nack- richt durch alle Gassen. Je näher der Transport zum Kastell kommt, desto dichter wird die'"'-ngc. Auf der St.aßc drän- gen sich österreichisch-ungarischc Soldaten, um ihn zu sehen. Aus den Fenstern beugen stch die Einwohner von Tri?»:, um den ihnen llcn wohlbekannten Abgeordnete, zu fien. Verstohlen winke» ihm seine Genossen zu, ermunternd und bedauernd zugleich. Mit hasterfüllten Blicken messen ä>» einige fromme Ordenspatrcs. Auch die Soldaten ans inr Gasse mustern den Gefangenen, aber ihr Stirn.mg ist»ei- »eSwegs icindlich, eher haben sie mit dem verstaubten, dur' stigcn Kriegsgefangenen Mitleid. Da tritt ein Tralnwajor aus den Wagen zu und ick traue meine» Anaen nickt- schlägt dem gefesselten Battisti mit der Jaust ins Gesicht. Wütend wischt sich dieser mit der Zunge das Biut von din Lippen, man siebt, daß er den Trainmajor beschimpf« über ocrai dieser in helle Wut und ruft die.»nitehcudc» Soldaten herbei, um den Gefangenen zu schlagen. Aber diese drebcn dem Major den Rücken und"eben oez. Fluchend Guckt»er Trainhcld Battisti in? Gestcht, dann fährt der Wagen vor dem Tor des Kastells vor und Wachspld,,ten G:ic- ben sich zwi''"" den Gefangenen nnd dir anoern Kurz da- nach trifft auk einem zweiten landesüblichen Fuhrwerk Bat- tistis Schicksalsgenosse F i l z i ein. Grausige» Schauspiel Rur wenige Tage später fand die Hinrichtung ta». L inge batte man darüber ob man die beide,, an.,»iuun oder eriY testen solle. Tchließf'ck entschied man /ich für die gemeinere TodcSart, um den italienischen„Erbsenfd" m:hr -u beleidigen._.. Battisti und Filzt sollten um die Mittagszeit im Hof des KasteNS gehängt werden. Da ich an diesem Tage ärztlichen GarnisonSinspektionsdienst hatte, befand ich mich zur Zeit der Hinrichtung eben im Kastell. Eine halbe Stunde vorher war der Hos, der in diesen Jahren fast täglich als Richtplav dienen mußte, schon von Hunderten Offizieren belagert, die ungeduldig aus das Schauspiel warteten und sich die Zeit mit öden Kommißwitzen vertrieben. Bei einem der Galgen, die bort standen, sammelte stch fchlicßlich die Menge. Der andre gehörte kür den weniger intercstanten Delinquenten Ftlzi. Aber zuerst sollte, wie man erfuhr. Battisti„dran- kommen".^.... Der Galgen war ein etwa zwei Meter hoher vierkantiger Holzpslock, auf dessen oberem Ende ein Eisenring zum Durch- ziehen deS Strickes angebracht war. Hinter dem Pflock stand eine Holztreppe, auf der der Scharfrichter feines Amtes zu walten hatte. Rund um dielen Galgen drängten sich die Offi- ziere in Erwartung des bald kommenden Schauspiels. Unter ihnen waren nur ganz wenige„Maunschaftspersoncn": in einer Ecke standen die beiden oberöstcrreichischcn Insan- tcristen, die nach einem Sturmangriff ans«inen Hügel bei Rooercto den von seinen eigenen Kameraden verratenen Battisti gefangengenommen hatten. Ihnen war es„zur Be- lobnung" erlaubt worden, der Hinrichtung ihres Gefangenen beizuwohnen. Pünktlich zur festgesetzten Stunden öffnete stch ober der von den Gefängnissen in den Hof herablührcnden Stiege eine Tür. Inmitten einer kleinen Abteilung Soldaten betrat Battisti den Hof. empsanaen von wütende» Schimpfrufen der »'artenden Offiziere. Einige taten stch dadurch besonder» hervor, daß sie dem mit aus de» Rücken gefesselten Händen an ihnen vorbeiichreitenden Battisti ins Gestcht spien. Ohne eine Miene zu verziehen, tritt der Verurteilte zum Galgen und stellte stch mit dem Rücken zum Pflock. Ein Auditor ver- las mit monotoner Stimme das Urteil. Battistis Augen schweiften wäbrenddeffcii emvor zum Himmel, als suche er ei» Eaproni-Flugzeng als letzten Gruß seines Vaterlandes-. Als der Auditor ausgrsvrochcn hatte, wandte Battisti seine» klare» Blick von der Weite der blauen Unendlichkeit ab. Fest klang jetzt seine belle Stimme:..Evviva Italia, evviva Trcntino italiano!"ie eine Erlösung, wenn der„Iustisizierte" endlich ausgelitten hatte.... Alle damals erlebten Szene» sind mir im vollen Sinye des Wortes unvergeßlich geblieben. Zum Glück tauche» sie in der Erinnerung nur selten, meist tn Form böser Träume, auf. Und einen solchen scheinen wir eben jetzt, tn diese» Tatzen, zu träumen: werden wir bald wieder erwachen? Theo Ebers „Auf der Flucht erschossen!" Eine kleine Rottz ging in diesen Tagen durch die Presse, daft der Bergmann Theodor Ebers auf der Flucht er- schössen worden ist. Die amtliche Meldung lügt hinzu, das, es stch bei Theo Ebers um den„aus dem Jahre 1920 berüchtigten Kommunisten" handle. Diese lakonische Meldung erinnert an daS Jahr 1929, wo die deutsche Ocfkentlichkeit vlötzlich wegen des Falles Theo Ebers alarmiert wurde. Was war geschehen? EbrrS war 192(1 im Abwehrkampk gegen die Kappisten von einem Bolksqericht zunächst zum Tode verurteilt, dann zu lebenslänglichem Zuchthaus, später zu 15 Iahren Zuchthaus begnadigt worden. HauptbelastungSzeuge war«in Polizei- spitzel. Das Urteil enthielt die Begründung, daft Ebers bei einem Handgemenge einem Schutzpolizisten eine,, tödlichen Stich habe beibringen wollen, wenn er ihn auch nur im Rücken getroUen habe. Die Verletzung war geringfügig und es wurde noch nicht einmal mit Sicherheit festgestellt, daß Theo Ebers die Tat vollbracht babe. EberS gelang die Flucht auf dem Transport nach dem Zuchthaus Tonnenburg, und er wandte sich zunächst nach Rußland Nach neun Iabren kehrte er nach Deutschland zurück Warum? Er batte es in Rußland z» einer gute» Stellung gebracht, aber ihn, den„berüchtigten Kommunisten", hatte das Heimweh aepackf.„Ich schäme mich nicht," tagte er dem Schreiber dieter Zeilen.„Ich mußte zurück, und ich will de, Sache ein Ende machen. Ich stelle mich morgen in P-'i-n dem Gericht!" Alle Bedenken hiergegen nutzten nichts T'enta« Tage veraingen, da wurde bekannt, EberS habe sich den, Gericht gestellt Jetzt wurde der Komps für seine Befreiung ausgenommen, das Urteil mit seiner fadenscheinigen Bcgriinduna zerpflückt Nach einem halben Iakr konnte Ebers das Gefängnis ver- lassen. Er kämpfte kür seine Weltanschauung weiter, aber er vergaß darüber nie diejenigen die um des Rechtes iville», da? heute in Deutschland mit Füßen getreten wird, ihn au? dem Gefängnis befreit hatten. Jetzt ist dieser wirklich Pracht rolle Me»ich der. obwohl Kommunist auch noch an da? Recht in einem bürgerlichen Staate glaubte,„auf der Flucht" erschossen worden. „Ich mußte das schreiben..." Der Brief eines Nationalsozialisten über die Marxisten ... Ich schrieb schon letzte? Mal von der Kundgebung der NTBO. Bei dieser Kundgebung kam das wirklich zum AuS- druck, was ich befürchtete. Durch den Eintrittspreis von :>e> Pfennig wurden lebr viele Leute abgehalten, an dieser Sache teilzunehmen, So sind von den 590 Hafenarbeitern nur 290 mitgewesen,«nd das waren zum größten Teil die- ieuiaen. die durch die Vermittlung der NSBO. zuletzt einac- stell' stnd. Auch bei dem anschließenden Unuua kehlte der Geist»nd die Stimmunn. die sonst Arbeiteri'estzügen innc- wohnt. Ein neben mir siebender Herr bemängelte auch, daß d'o wie man spüre— unter Zwang handeln Es ist für mich besonders peinlich, die» feststellen zu müssen. Nun sind d'e Arbeiter zum Tett Mitglieder der marrttfttehe» M-werBchglten oemelen wo istne» getagt mnrd-, daß durch f„. T c,e„f»rgff die Erik- ,n linder» tel und"UN loa» hier her Festredner: Lohnerhöhungen«ifif es nickt mehr, »ilr müsse" NN tern Man N'"ß«Ich in die P ,"cke her Arßel'er «"•« ist g an, erl'grl'ck hgh z«.'' Beifgss »--h die Arbeiter da« Horst Wessel-Lied"'cht mitsänge». ??ein man sänat«S nickt richtig an. die Arbeiter zu aewiii» Iten Zo ist beute wieder-I»e große Gemerkfch"fisk»nd. geblN'g fchmnbf hie Leute flg-Urgee s,e«el.fe», irierf>e n uoch (, vfr„ fFfntrfttSrveiff non° n Nfentia erhoben^gtgstrgniigf mirfei» guck d'e stssudiaen Nert<",e.„ng»u der •>„(,»«w>»»e Oktober wieder Veitt ,mn,»"'ftt Gr K,tcker, Erlti»"» a lleherakf Stftbuen und Klagen^a?«derz »,i> e«i-em>w C»e'be web we"u mg" Neb«, wie d'- beste» T"ile dei- Arfteiteefchgst»ichi« M'' der NegferuNg Hitler w«„» beben wollen Nur vereinzelt daß einer der bewußten An- der»nisgldemokrateu»ur N»ck>.qîq> Tiefe Tattgsfie Iff Nderall« nerzelcknen I»«lleröen Leer fvwdeu nnd»m O„nöf»oife»ctg» kann g"ck gegen d'efe»e„»„»ledig wgöde»«Ugnikiiugf ist man auf sie gngen'iefen?g mußten beif»lef«me>f» tu Wilhelmshaven auk der N?„ri»ewerft bun» derte Marrfstr», die man wegen ihrer nolif'fcheu stnaehftrj», fett ,„r Oittrew entlasten hgtte wieder etuaestefsf werden, weil fife fr-t-Ueffeiien bgidanalifl-'er»- nr-r ,,.|f^ r irieren ab»e die wo» ejnigrb nicht»ertia wurde Se'bft der zz^^lre.zfggrer der SAJ. wurde wieder eingestellt. SA.-Leute mußten wie- der entlassen werden, weil sie den Anforderungen nicht ge- wachsen waren. Ebenso im Emder Hafen, wo man ständig vor der NSBO.-Kundgcbung gedroht hatte, Richtteilneh- inende zu entlasse». Würde man die Drohung wahr mache», müßten die besten Kräfte entlassen werde». Das ist schwie- rig, weil schon durch die letzten llmbesetzungen die Arbeits- leistung schwer gesunken ist. Diese Feststellung hat man schon verschiedentlich machen müssen. So kommen die Arbeiter beim Holzlöschen lAkkordf nur mehr aus 19 Pfennig Stundenleistung gegenüber früher 70 Pfennig. Im Baggerei- betricb ist die Arbeitsleistung um 7 Prozent z»rückgcgniigcn. Ich teile Dir das alles mit, um Dir zu zeigen, ivte schwer der Kamps gegen den MarriSmns ist. Man bat wohl die Organisationen der Marxisten zerstört. Doch die Mitglieder scheinen sehr z^he zu sei». Ich werde manchmal a» das Lied erinnert:„Wir hatten gebaut ein stattliches Haus." Ich weift nicht, ob Du das Lied kennst, da kommt eine Stelle vor, in der es beißt:„Die Form kann man zerbrechen, die Liebe nimmermehr" und dann„Das Haus mag zerfallen. was ha»S denn kür No», der Geist lebt in uns allen und unsere Burg Ist Gott!" DaS mag wohl nicht gerade der richtige Vergleich lein. Aber wie die Arbeiter zu ihrer, wenn auch besiegten Weltanschauung stehen, läßt einem trotz allem Trennenden sagen, daß es nickt die schlechtesten Menschen sei» können. Ja, Else, ich habe soaar eine Aeußeruna ge- hört, über die ich gestaunt habe. Ein alter Marxist. Vater von sechs Kindern, ivird entlassen. Er mar bei der Stadt beschäftigt. Er sagte:„Gott sei dank, daß es vorbei ist, man kam sich wie ein Lump vor." Man nimmt die Entlassung mit der Genugtuung hin, daß man nun nicht mehr alles mitzu- machen braucht. mußte Dir dies einmal alles schreiben, wen» es Dir auch nicht aesällt. Man kann diesen Menschen die«ch'ung nicht verwehren. Wenn tn unserer großen Bewegung dieser Geist und diese Treue herrschte, könnte sie nie untergehen... Ich mußte daS schreiben. Es laa wie ein Druck auf meinem Herzen. Du kannst ia Deine Schlüsse daraus»leben. Ich war wieder über Land, bei Bekannten. Wir haben lange geplaudert, sie teilen ganz meine Auffassung. Die Löhne tief Der Fachausschuß für Glasindustrie tn Thüringen. Sitz Ilmenau, hat die»,» 5 September kestacsetzien HcimarbeitS löhne um 19 bis 29 Prozent gesenkt. lReichSarbeitSblatt Nr. deutsche Stimmen• föeifagc zur..Deutschen Freiheit"• freiénissc und Geschichten Donnerstag, den 14. Dezember 1 933 „Die Jlassen" Das neue Schauspiel von Jecdinand JScuckuec Stefan Qeocge Im Züricher Schauspielhaut ist jüngst ein neues Schauspiel von Ferdinand Bruckner:„Die Rassen"' aufgeführt worden Ein Stüde von starker aktueller Bedeutung, das in der glänzenden Regie des aus dem„dritten Reich" gejagten Gustav Härtung trotz mancher Schwächen einen gewaltigen Eindruck hinterließ. Der äußere Hergang ist folgender, wie wir dem ausführlichen Referat des Züricher„Volksrecht"— leider ist uns kein eigener Bericht zugegangen— entnehmen: Nacht. Vor dem Schaufenster des Juden Samuel Rabino- witsch steht Heinrich Karlanner, der deutsche Mensch. Gespenstiges Bild: die Hauswände sind beklebt mit Plakaten, auf der Straße Flugzettel, über die Zeile„Rotfront", in großen Lettern an eine Mauer geschrieben, ist riesig ein Hakenkreuz gemalt. Wie Blut rinnt von roten Buchstaben— aus einer Kopfwunde, über der Schläfe, in der Großaufnahme eines Films, das Gesicht des Gehetzten unheimlich weiß mit geschlossenen Augen auf dem Rinnstein liegend, rinnt ebenso, und sich verkrustend, Blut— wie Blut, aus einer Kopfwunde, über der Schläfe, rinnt rote Farbe von den Buchstaben über die Scheibe: Achtung, Jude! Vor der Scheibe Heinrich Karlanner, SA.-Mann, Student, sieht aus dem Fenster sein Ich zu ihm zurückkommen. In diesem Augenblick, in einer Sekunde, hat die nationale Erhebung einen Soldaten verloren. In diesem Augenblick, in einer Sekunde, hat das andere Deutschland einen Zeugen gefunden Vor ein paar Monaten, taumelnd in Musik. Disziplin, gab Karlanner sein Ich auf, tauchte ein, unter in die Nation. Da kam in der Nacht aus dem Fenster des Juden Samuel Rabinowitsch, der vier Jahre, in tausend Tagen für Deutschland seinen Leib aus der Schutzwehr des Grabens in die Kugellinie eines Feindes, der nie sein Gesicht, den nie Samuel Rabinowitsch sah, gehalten hat— da kam, in dieser Nacht, und das Fenster war verschmiert und der Jude Samuel Rabinowitsch verlästert, das Schicksal des Heinrich Karlanner zu ihm zurück, weil er nicht mehr ohne sein Schicksal leben konnte. Das ist die Hoffnung. Aus den Fenstern, in der Nacht, aus den Spiegeln vor jedem Gesicht kommen die Schicksale zurück zu allen, die sie ablegten und den Menschen gespenstisch über dem Rausch wirren Trommeins vergessen haben. Die Erfüllung? Heinrich Karlanner wird von SA Kameraden zu einem Spaziergang abgeholt. Dieser Spaziergang heißt: Feme. Heinrich Karlanner weiß, daß er fallen wird für Deutschland, für das ewige Deutschland. ch Es ist erstaunlich, aus welcher Distanz Bruckner Raum und Ereignisse, die im März dieses Frühjahres geschahen, betrachtet. Ressentiment ihm vorwerfen ist unsinnig. Der unmenschlichste SA.-Mann, Rosloh, trägt Züge besessener Gläubigkeit. Tessow, wie Rosloh. Karlanner und Siegelmann, Mediziner, tauscht aus Heberzeugung sein Ich für den Gleichschritt des marschierenden deutschen Volkes. Vor der letzten Entscheidung, da er spürt, nach allem Rausch, daß kein Sinn dem grausam Erschlagenen erblühen wird, weil nie ein Gott sich von Gläubigen erfinden läßt, wählt Tessow die Ruhe seines Gewissens: er marschiert taumelnd weiter. Nur Karlanner, der die jüdische Freundin verlassen hat, sie gab ihm Kraft, Disziplin, kehrt zu Helene zurück in dem Augenblick, da Rosloh. sie zu verhaften, ihn ausgewählt hat. Sein Leben ist verwirkt, auch vor ihm selber. Liebe, Kameradschaft, Wissenschaft zerbrechen an der brutalen Gewalt dieses Staates. Erst im Krieg gegen ihre Rasse auf die Zugehörigkeit zu ihr tapfer sich besinnend— ihr Vater unterstützt die nationale Revolution und fabriziert Seife aus dem mosaischen Verrat—, flieht Helene in die Schweiz. Siegelmann, im Krankenhaus von den Verletzungen germanischer Züchtigung gesundet, geht nach Palästina. Ist das nicht objektiv? Keinem Juden sind mehr als ein paar Haare gekrümmt; mit dem Seifensieder verbrüdern sich Karlanncrs Mörder, und dem Reisenden ins Heilige Land, barfuß, mit nackten Beinen und angeklebten Locken durch die Straßen geführt, verkündet eine mystische Stimme die Verheißung auf das geistige Reich. Einmal, im sechsten Bild, sprengt Bruckner, wissend oder unwissend, die enge Begrenzung seines Themas. Auch die Juden, sagt der Industrielle, zerfallen in Rassen; er gehöre der besseren Rasse an, die sich zur Nation bekenne; und für diese Nation produziert er Seife. Hier, in abstrakter Formulierung, flackl Wesentliches auf: es geht ja gar nicht um die Rassen. Es geht um die Seife! Um die Hersteller und Verbraucher von Seife! Um die Klassen... • Die Aufführung: Gustav Härtung war Spielleiter, Theo Otto malte die Bilder. Sie kennen beide wohl, was sie nahebringen müssen. Das nächtliche Berlin, akustische Stimmungen aus den Straßenschächten; Interieurs: Helenes, des einfachen guten Menschen; Siegelmanns, des abseitigen, dem Geistigen Verfallenen. Das Bräuhaus qualmt fiebernd: in Dialogen, Helene und Karlanner, Karlanner und Tessow, schmerzt grausam die Qual junger Menschen, die nicht mehr an ihrem Intellekt, in ihren Herzen sich orientieren können, weil, stärker als sie, ein Phantom sie überwältigt. Härtung hat Schwerstes gedämpft, Stilwidrigkeiten mildern können. Den Trost, den ihm Bruckner nicht gibt, den Weg, kann dieser sensible, spürsamste Gestalter dem Schauspiel auch nicht geben.— Sybille Binders Helene: in ihrem ganzen Wesen fliehende Frau. Ihre Stimme, die Traurigkeit, Hast. Abgründigkeit, ist der gehetzte Blick rückwärts, die Hand zuckend nach einer Hoffnung, und, nach knapper Zäsur, Schreck. Wenn Karlanner zu ihr zurückkehrt, ist Emil Stöhr verblüffendes, ganz wundersames Ereignis. Prägnanteste Figur zeichnet Erwin Kaiser. Dieser Seifenindustrielle hat eine Art, seine Worte zu setzen. Erbärmliches umzuwerten, daß die Rolle, für Kaiser bestimmt, nicht mehr lange des trefflichen Sprechers warten sollte. Josef Zechell(Tessow) und Ernst Ginsberg(Siegelmann) profilieren ausgezeichnet junge deutsche Menschen, und Wolf Beneckendorff gräbt den fanatisch-gläubigen Rosloh unheimlich scharf ins Gedächtnis. Nicht endenwollender Beifall rief Autor, Regisseur, Darsteller auf die Bühne. Die Aufführung war eine tapfere Sache. Man muß Tapferkeit heute registrieren; sie sei. Zuletzt: man kann jetzt beweisen, wem es um was zu tun ist. • Das Schauspiel„Die Rassen" erscheint bei Oprecht& Helb- ling, Zürich. Der große Dichter ist gestorben fern im Exil, wo er der Kunst gelebt, der Kunst, die ihn das Leben tiefer schauen und das Gespinst der Tagesfäden weis entwirren ließ.... Den Kreis, den er gezogen als Seher, wagt kein Fürst zu überschreiten... und sieben Ringe der Vollendung, geschmiedet in dem Feuer seines Geistes: „die kunst der kuntt" sie machten fremd ihn seinem Volke— So wandelt er, still seines Werks getreu ins fremde Land, nie rückwärts schauend.— Nun liegt er still, und seine Leier ist gebrochen Das Volk, das er verließ, steht jetzt in Ehrfurcht vor dem Geiste, den es nie begriffen und reißt den Leichnam aus der fremden Erde, ..denn er war unser und der Seher neuer Tage".., Er wird nie euer sein, solang die Freiheit des Geistes an der Kette solang der Geist noch dürstet schmachte* in der Wüste eurer Schalheit... Der Geist ist frei, wenn auch sein Dichter nicht mehr redet. Viel höher steht der Tod.— Der siebte Ring, die Hoffnung auf Vollendung... VeitHirsehvogel Çeacqe unteem cKahenheeuz Besucher machten es wieder gut Man schreibt uns aus Aseona: Zu der Notiz in der„Deut* sehen Freiheit":„Ein Toter wird mißbraucht", kann i* Ihnen ergänzend folgendes mitteilen: Nicht genug, dan Stefan George nun, wo er sich nicht mehr wehren kann, von Göbbels durch den Stefan-George-Preis„geehrt" wird, nein, am Donnerstagnachmittag erschienen auf dem Friedho von Locarno-Minusio, wo der Dichter seine letzte Ruhestätte fand, einige Herren unter Führung des deutschen Geschäftsträgers in Bern, Herrn von Weizsäcker, und legten am Grabe einen Lorbeerkranz mit schwarzweißroter und mit Hakenkreuzschleife nieder. Jeder, dem die Wesensart Georges vertraut war. kann dies nur als Grabschändung empfinden. Besucher, die sich heute von dieser kaum glaubhaften Taktlosigkeit. die sich rasch in der Gegend herumgesprochen hatte, überzeugen wollten, konnten zu ihrer Befriedigung feststellen, daß bereits über Nacht das Hakenkreuz von verständnisvollen Freunden des Dichters entfernt war un nur ein breites feuerrotes Band neben der dreifarbigen Reichsschleife prangte. JuCius Jalheastein Dec gleichgeschaltete Scdta moctale In Berlin starb plötzlich an einer Lungenentzündung der bekannte Schauspieler und Filmdarsteller Julius Falkenstein. Er hat Theater- und Filmliebhaber in den Jahrzehnten seines Wirkens mit seiner unaufdringlichen Schauspielkunst unzählige Male beschenkt. Ursprünglich war er Bonvivant, Ehemann in den Nöten des Lebemanns. Als die Jahre kamen, wurde seine Komik feiner. Mit seinem kahlen, schmalen Kopf, seinem scharfen Profil, dem in so vielen Rollen wiederkehrenden Einglas, seinen eigenartigen Bewegungen, und vor allem mit seiner Kellergewölbestimme, die man immer noch im Ohr hat. Er war ein Berliner Kind und hatte die Fünfzig noch nicht erreicht. Die Deutschen Ut dec JMtecHotUmaieH Actistenlcqe luttec„Keil(Killet"- Sie ecuuieten Aufschuxunq... Ulusih Süll die JuZHtitie CCttCH Dir Artisten, deren vielseitigen Künste uns allen oft I rende und Staunen bereitet haben, waren bisher in der Internationalen Artisten-Loge organisiert. Dieser Verband war klug geleitet und hatte im Laufe langer Jahre einen Zusammenhalt unter den Mitgliedern geschaffen, der mit seiner echten Hilfsbereitschaft und Kameradschaftlichkeit gegenüber allen Nationen, Rassen und Konfessionen vorbildlich war. Das ist nun aus. Die alte Artistenloge ist nicht mehr. Das artistische Fachblatt„Das Programm" teilt in Nr. 1651 mit, daß„seit dem 21. November unsere Mitgliedschaft den Nationalsozialismus voll und ganz erfaßt hat", und daß man neue Satzungen geschaffen hat. Wir lesen da: „Mit der Annahme der neuen Satzungen ist die Gleich- Schaltung der IAL. nunmehr lOOprozentig vollzogen. Die Tragweite dieser hier von der Mitgliedschaft herbeigeführten Entscheidung kann nur der ermessen, der unsere Organisation genau kennt. Durch die Annahme der neuen Satzungen hat die Mitgliedschaft bewiesen, daß sie dem während der Revolutionszeit durch die NSBO. als Beauftragten eingesetzten Führer, dem sie ja schon einmal ihr Vertrauen bei der kürzlich erfolgten Vorstandswahl geschenkt hat. erneut ihr Vertrauen ausspricht, und jeder Unbefangene muß sich doch darüber klar sein, daß sich dieses Vertrauen nicht allein auf die private Person bezieht, sondern einzig und allein daher kommt, weil die Mitglieder mit der Führung des neuen Deutschland einverstanden sind und deshalb auch erhoffen, daß dieser von ihnen bestimmte Führer, der ebenfalls durch die nationalsozialistische Revolution zu ihnen gekommen ist, auch wirklich das erreicht, was der Nationalsozialismus dem deutschen Volk, in diesem Fall dem 1-tisten. geben will. Mein Wahlspruch sei: Vorwärts immer! Rückwärts nimmer! Walter Sandow, Führer der Int. Artisten-Loge E. V. Berufsverband Deutscher Artisten." So haben denn auch die Artisten ihren„Führer". Der Beauftragte der NSBO. war bei ihnen und hat sie gezwungen, ihre demokratischen Einrichtungen preiszugeben. Da haben sie denn alle Ja dazu gesagt, die Komiker, Equili- bristen, Tänzerinnen, Zauberkünstler und Bauchredner. Denn sie alle wollen leben. Ohne ihr„Heil Hitler" hätte niemand mehr an einem deutschen Variete Arbeit bekommen. Schon heute finden sie Juden nicht mehr! Unter den jüdischen Artisten herrscht namenloses Elend. Sie stehlen ein JConta Ein österreichischer Verlag schwer geschädigt Die Bayrische politische Polizei hat das Münchener Postscheckkonto des österreichischen katholischen Verlages Gsur & Co., Wien 18, gesperrt. Die auf dem Konto liegenden Beträge wurden der bayrischen politischen Polizei überwiesen. Der Verlag Gsur& Co. hat antinationalsozialistische Schriften von Thomas Murner, K. E. Winter und Pater Zyrill Fischer OFM. herausgegeben. Daneben historische und theologische Werke. Die Beträge auf dem Münchener Konto des Verlages sind zur Gänze aus dem Vertrieb der Schrift: Hans Eibel„Von Augustinus zu Kant" und aus der Jubiläumsschrift„Marco d'Aviano" entstanden. Die Konfiskation des Kontos ist also ein Racheakt, der rechtlich überhaupt nicht begründet werden kann, und ein nackter Diebstahl. Der Fall ist wichtig, weil er jedem Kaufmann zeigt, welches Risiko er im Geschäftsverkehr mit Hitler Deutschland auf sich nimmt. 2>eit=7lotiie*i Verboten wurden laut Kriminalpolizeiblatt Nr. 1714/15 folgende Druckschriften:„An Alle",„Die KP. für die Einheitsfront der Tat",„Sorgt für Familie und Wirtschaft",„Rüstet zum Massenprotest gegen Mißhandlung, Meuchelmord und Terror",„Der Kämpfer"(Heberschrift: Erscheint trotz Terror und Verhaftungen),„Ruhr-Echo"(Uebersdbrift: Heraus mit Ernst Thälmann),„Rote Volkswacht" Nr. 1,„Junge Garde" Nr. 18,„Gewerkschafts-Zeitung",„Arbeiter und Bauern! Mittelständler und Intellektuelle!". Weiter:„Transatlantik Radio"(Wien);„Die jüdische Welt"(Prag); Hanns Heinz Ewers„Armer Junge", Verlag„Der Eigene". Berlin; Victor Margueritte„La Garconne" in allen Ausgaben. Klageruf einer Frau Dem Sprechsaal der„Kölnischen Zeitung" schreibt Ida Maeco: „Die Beanspruchung jedes einzelnen bis herunter zum kleinen Hitler-Jungen ist neben den Pflichten in Beruf und Schule heute derart stark, daß mir eine Mutter neulich unter Tränen sagte:„Ich sitze jetzt meist allein zu Haus und warte nur noch auf die Befehle meiner Angehörigen. Für Minuten erscheinen sie zu den verschiedensten Zeiten, jeder mit einem andern Wunsch, den ich in aller Eile erfüllen muß, um dann wieder für Stunden allein zu sein. An gemeinsames Lesen oder gar Musizieren, wie wir es früher so gern geübt haben, ist gar nicht mehr zu denken." Hier überschneiden sich in betrüblicher Weise die begreiflichen Wünsche der Familie nach gemeinsamen Feierstunden mit den Pflichten aller Volksgenossen im„dritten Reich". Sollte bei gutem Willen da nicht ein Ausgleich möglich sein? Wenn im Mittelpunkt aller Aufgaben des neuen Staates die Wiederbelebung des Familienlebens und Familiensinnes stehen soll, so darf diesem gesunden Streben nicht entgegengearbeitet werden durch eine Häufung von außerhäuslichen Verpflichtungen, die die Familie bis zum späten Abend in alle vier Winde zerstreuen, statt sie wieder einander näherzubringen. Gemeinsames Musizieren ist wohl das schönste und wertvollste Bindemittel innerhalb der Familie, aber es bedarf der regelmäßigen Hebung, wenn es über krassen Dilettantismus hinauskommen und auch zn einem inneren Erleben der Musik führen soll. Frau Maceo sagt mehr zwischen den Zeilen, als sie offiziell sagen darf. Es gibt anscheinend noch Frauen, die noch nicht erfaßt haben, daß es im„dritten Reich" keine schönere Aufgabe für sie gibt, als Küchenmarketenderin der braunen Familie zu sein. Nun ruft Ida Maceo nach Musik. Aber diese Flucht dürfte ihr nicht gelingen. Hitler-Junge, Hitler-Mädel und Papa-Gruppenführer werden die flotten Märsche unserer Tage verlangen, um„inneres Erleben" zu verspüren, und sich vom Teppich ins Gelände zurücksehnen, wo sich der neue Gemeinschaftsgeist manifestiert. Kurz. Mutter wird schließlich mitmarschieren müssen, um wenigstens am nächtlichen Feuer eine Vision des heimatlichen Herdes zu erleben. î". OZONE Oai Radium, der aktivst! Beatandteil aller Heilqee'len in Varkihdang mit fizan», die Quiataaieni der lergtnN, iat daa«irksamste und schnellste Heilmittel aller ehren, i»Ida», wie: âaemie, Rheumatiemue, tclima. Oarmeat- zilndung und besondere Infektion der Blase tKarr.-nd Blasenleiden), Con rrhlte Prostat«, Metrit. Salpingit us». Biases Cas dringt leichter als jede Flüssigkeit in alle Drüsen ein, regt ihre Tätigkeit an und tütet alle Mikroben beim Durchdringen. Kostest. Auskunft im Institut der Radiologie Paris. 52, Rue de Bond»(10) Behandlung mit Radium, Ozone. 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Alles Auffällige wird vermieden, nichts„betont Männliches", eher au Begin ein wenig Befangenheit. Mit sehr sicheren Bewegungen und ganz untnanirirrter. natürlicher Auffassung werden zwei Programme interpretiert, die sieh von allem Reißerischen fernhalten? Liszt(die..Préludes" und daa zweite Klavierkonzert, bravourös gespielt von Emile Baume, der auch einmal«u Weingartners Rasier Schülerschar gehörte), Dukas(mit der schon klassischen fran- Pariser Berldiie Pariser siraßenkalender Der im„dritten Reiche" nicht mehr auftretende Baseler Geiger Adolf Busch hatte einen sensationellen Erfolg als Interpret des Beethoven-Konzerts im Saal I'leyel. Die Union des Emigrés allemands, geführt von der Not- gemeinsdiaft deutscher Aerzte. wird demnächst eine eigene Speiseküche mit hilligem Einbeitsgericht gegenüber der Galerie Lafayette eröffnen. Die neue Umsatzsteuer von 1 Prozent auf die Einheitspreisgeschäfte wurde in der Kammer mit einfacher Abstimmung durch Handaufhehen beschlossen. Im Moulin Rouge findet Samstag die Premiere von .Viktoria und ihr Husar", der Operette von Paul Abraham, statt. Im Foyer Israélite in der Nähe des Luxemburggarten« wurden nachts mehrere Fenster eingeschlagen. Vor dem Jlause stand in den letzten Tagen eine Wache. Die Vorvölker in Nordafrika Der bedeutendste Sahara-Kenner ist der Professor an der Universität Algier Gautier. Er rüstet soeben mit seinein .Kollegen, dem Erforscher der nordafrikanischen Vorgeschichte Kay gas sa zu einer Expedition in die große Wüste, um die Geheimnisse, der Frühzeit zu erkunden, die auch Herrn Hitler so sehr beschäftigen. Denn nach Hitlerscher Auffassung sollen ja Arier vor den schwarzen und gelben Völkern am Rande des Mittelmeeres gewesen sein. Die Reise gilt zunächst den römischen Karawanenstraßcu, nachdem von Reygasse vor einigen Jahren auf den Saharabergen im Tuareg-Landc hn großen'Steinmauaolemn' von Ahalassa daa Skelett eine» Frau von hohem Rang auf einem hölzernen Bettgesteil,, mit einer Statuette aus Gold und anderen Schmucksachen, entdeckt wurde. Der Leichnam und der Schipuck wurden auf den Namen der Königin Tin Hinan, der Stammutter der Tuareg, nach Algier gebracht. Später grub Reygasse an derselben Stelle acht Säle aus, die ■'«nt den Beweis lieferten, daß das Mausoleum in Wirklich- t eine Schanze und ein Etappenplatz war. Zwischen Höggar, dem Tuareg Lande, und Tripolis in einer Wüste in der Wüste will die Expedition dann unter tiein Sande die tiuf immer verschwundenen Völker suchen, die zahllose schöne und freudige Gegenstände wie Schalen, Mörser. Getreidestampfer hinterließen. Die Expedition, die drei bis vier Monate unterwegs sein soll, wird vom Unterrichtsministerium unterstützt. Die Gattin Weingartners im Pariser Konzertsaal Die Weltstadt braucht ihre Sensationen. Im Konaertsaal an einem Abend das geigende Wunderkind Jehudo Menuhim, am anderen Tage die dirigierende Frau Carmen Weingartner-Studer. Auch in dieser Zeit der Aerzticmen. Rechtnanwältinnen und Diplomatinnen ist der Kapellmeisterberuf ja immer noch dem Manne vorbehalten. Und die Ausnahmen, an die sich sehr versierte Konzertgänger erinnern, sind nicht angetan, dieses Monopol zu brechen. Man denke an Ethel Smyth, die nicht mehr ganz jugendliche Engländerin, in strenger Rektoratsrobe sich wacker um Musik und Orchester An- und Verkauf zontralouropä schoi und tOdamarckani- 8 7her Damen E'tokton und REICHSMARK durch das dankhaut•*•~-,> Georges Perles& P. Michel 34 RUE LAFFlTTE. PARIS IX tilefon i« tfiout»a-no sis«s noefi deutschem Sesefimucfi Voltigeurs.. Fr. 0,65 Patriot»«.;. Fr. 2,25 Voltigeurs extra Fr. 0,75 Campeones.. Fr. 2,25• Flor anas... Fr i,25 Magnat.... Fr. 4,— Diplomates.. Fr 2,— Ambassadeurs. Fr. 6,— Obige mit leinem Sumatra und Brasil angefertigte Zigarren sind in ic Jem I a b a k b ü r» erhältlich Zöllschen Programmusik des„Zauberlehrling"),, dazu Schumann. Brahms und Weber aus dem romantischen, Mozart und Beethoven(Leonoren-Ouvertüre) aus dem klassischen Repertoire. Der Sensationsjäger ist enttäuscht: hier wirkt eine seriös« Musikerin, die nicht einmal mehr Anfängerin ist. Nath jahrelanger Instrumentalausbildung hat sie in den Dirigentenkursen ihres Gatten am Basler Konservatorium sich das Handwerkszeug erarbeitet, dann nach erfolgreichem Debüt mit dem Wiener Symphonieorchester in fast allen Städten der Schweiz, in Wien und Budapest eigene Konzerte und Opernabende geleitet, bevor sie sich jetzt dem Pariser Publikum vorstellte. Mit Redit darf sieh die junge Orchesterleiterin eine Meisterschülerin Felix von Weingartners nennen: die Klarheit der Zeichengebung, die klassische Einfachheit des Ausdrucks und der Interpretation, diese Hauptmerkmale großen Derigentc-ntums besitzt sie beute schon; eine Befangenheit, die in dienern Fall nur sympathisch wirkt, wird sieh im Laufe der weiteren Arbeit verlieren, und der äußeren Vollendung der hewegungsmäßigen wird sich der innere Reichtum der inhaltlichen Interpretation hinzugesellen; schon heute jedenfalls eine grwße'Begabung der jüngeyen Dirigentengeneration, •der die Ausnahmestellung als^..dlFißiHrcnde Frau" hoffentlich nicht zur Klippe werijen wirej, Das Publikum des Théâtre des Champs Elysées dankt ebenso begeistert der Dirigentin wie dem Orchester Pasel e I o u p, das diesen Schweizer Gant.präsentiert, den man in Paris gerne wiedersehen und-hören wird, obwohl oder gerade, weil es s: ch um keine Sensation, sondern um den verdienten Erleb-- n.-r begabten, jungen Musikerin handelt. milcrs Einbrecher in Siroßburg? Nationalsozialisten dringen in ein Siraßborger Verlogsbiiro ein Straßburg, 12. Dezember. In der Nacht vom Montag auf Dienstag, den 12. Dezember, drangen in der Zeit zwischen drei und vier Uhr bis jetzt noch unbekannte Einbrecher in ein in der St. Gothardstraße 31 gelegenes Verlagsbüro ein. Der große Komplex, der direkt am Börsenplatz liegt,.beherbergt clie Straßburger„Freie Presse", eine Kon- t-umvereins-Filiale und zahlreiche freigewerkschaftliche Büros. In den oberen Stockwerken sind mehrere Wohnungen der Angestellten untergebracht. Im 1. Stockwerk befindet aich das Büro des vor kurzem gegründeten Verlags des einzigen antihitleriachen Witzblattes:„Der Anti-Faachisi". In diesem Büro werden die Versand-Arbeiten und die Korre- spondenzen mit dem Auslande durchgeführt und alle sonstigen Büro-Arbeiten erledigt. Was die Einbrecher suchten? Wie schon oben kurz mitgeteilt, fand der Besuch dieser Burschen gegen 4 Uhr morgens statt. Entweder sind die Einbrecher zuerst über eine an da» Haus St. Gothardtstraße angrenzende Mauer eingedrungen, oder sie Italien sich dureil Schlüssel Eingang durch die Haustüre verschafft. Angenommen wird aber, daß sie Übel die nahegelegene Mauer gekommen sind, haben sieh mit einer Strickleiter an dem zum Büro gehörenden Balkon in die Höhe geschafft und haben dort versucht, einzudringen. Die Scheibe der Türe haben sie mit Leim verschmiert und dann mit einem Glasschneider bearbeitet, damit sie beim Eindrücken keinen Lärm verursachen Sollte. Der aweite oder ga' der dritte Einbrecher muß durch ein Flurfenster auf den Flur eingedrungen»ein, während die- aer dann von außen die Abseblußtiire su einem weiteren Gang aufgebrochen hat. In der Zwischenzeit muß der sich bereits im Büro befindliche Einbrecher mit der..Arbeit beschäftigt haben, während der zweite die B.irottire infolge des großen Widerstandes nicht aufbrechen konnte. Die im Büro aufbewahrten Gegenstände und 1 elder, sowie Schecks und Vollmachten wurden durcheinander geworfen, aber liegen gelassen. Alle Adressenlisten. Kundenbücher und sonstige wichtige Dokumente lagen wohl im Büro, hatten aber für die Einbrecher keinen Wert. Nach den bis jetzt getätigten Vorarbeiten und Vermutungen kann es sich nur ufh Nationalsozialisten handeln, die vielleicht vom Saargehiet odei vom nahen Kehl beauftragt waren, in diesem Rüio wichtiges Material zu stehlen, das sie dort vermuteten. Da aber die wichtigsten Listen und Adressenmaterialien des Nachte nicht im Büro verbleiben, war ihre Arbeit umsonst. Zwei-Schreibmaschinen ließen Hie Einbrecher a Ii cii unberührt an Ort und Stelle, sowie alle sonstigen Gegenstände. Die Postscheckformiiiare und weiteren Papiere lagen zerstreut und zertreten am Boden. Die Einbrecher müssen lange im Büro zugebracht haben, denn durch Fallen eines Gegenstandes oder sonstigen verursachten Lärms, wurde ein Gewerkschaftsangestellter im Hause im Schlafe geweckt und sah im Hofe und auf dem nahen Dache die Koffer mit den Werkzeugen stehen. Darauhhiu schlug dieser Alarm: „Haltet ihn!", da er nur einen Einbrecher vermutete. Plötzlich sahen sieh dann die Einbrecher bedroht und flohen unter Zurücklassung aller Gegenstände Uber das nahe Dach und die dann folgenden Gärten. Da es um diese Zeit tüchtig General-Verlreter für absolut gangbare Sache in Pa f is, Wien, Amsic dam und Pra- mn rtwa too,— c ta HX),- Iii. haue on gesucht« OHcrtcn Unter Intere s«nt" an de AGENCE LIBERTE STRASBOURG schneite, waren, bis diê Polizei eintraf, alle Spuren zugeschneit. Ea können nur Nazis gewesen sein! In den dann folgenden Ermittlungen, wurde festgestellt, daß es sich nicht um Einbrecher handeln kann, die auf Geld oder Wertgegenstände ausgegangen sind. Die Einbrecher sollen gut gekleidet gewesen sein und die»urückgelassenen Koffer geben den Vermutungen Recht. Es handelt sich um einen großen und einem kleineren Lederkoffer, in dem funkelnagelneue Werkzeuge sich befanden, also den Einbrechern und Halunken zur Verfügung gestellte Sachen waren. Ein Sehweißapparat, eine Bohrmaschine und vieles andere mehr befanden sich darin. In dem zweiten Koffer waren ebenfalls Einbrechet Werkzeuge, sowie Handtücher. Seife i.d sonstige Utensilien enthalten. Ein Zeichen also, daß es sich wohl um raffinierte Mensche)' ober nicht um Berufs-Einbrecher handelt. Eine Strickleiter benutzten sie ebenfalls, woraus au ersehen iat. daß sie sich vorher über den Einstieg sehr gut informiert hatten. Durch das plötzliche und vielleicht nicht er-, wartete Erwachen des Gçwerkschaftssekretârs und der damit nicht erwarteten Flucht, ließ der eine Einbrecher seinen Mantel liegen, der dann spätei von der Polizei beschlagnahmt wurde. In der Tasche des Mantels befand sieh ein Revolver mit fünf Kugeln. Bis zur Stunde iat von der eingeleiteten Untersuchung noch nichts Näheres zu erfahren. Keine Zweifel mehr... Nach den bis jetzt aufgestellten Untersuchungsei^chiiiSse» kann kein Moment mehr an den obigen Vermutungen gezweifelt werden. Hitlers Beauftragte sollten unzweifelhaft in diesem Büro wichtiges Adressen material stehlen, das zu weiteren Verfolgungen titid Verhaftungen gebraucht worden wäre. Die beauftragten Einbrecher von Adolf Hitler sind aber gründlich hereinaefallen. Erstens sind die vermuteten Adressen schon seit Monaten in einem anderen B'iro und was für sie noch von Interesse gewesen wäre, ist ebenfalls unauffindbar untergebracht. Wenn die Diebe oder besser gesagt Verbrecher nicht verjagt worden wären, hätten sie sicher das noch vorhandene Material mitgenommen. Hoffentlich gelingt es. auf Grund der Koffer und Werkieuge. sowie Fingerabdrucke an dem beschlagnahmten Revolver und Mantel die Einbrecher und ihre Iiiutermänner zu verhaften. Wer kann dabei gewesen sein? In den letzten. Wochen sind manche verdächtige fersonen ins Büro gekommen, die sich über diese oder jene Frage erkundigten. die dann gleich yerachiedene„Blicke" herum- schweifen ließen und weil bis zur Stunde noch nichts Verdächtiget vorgelegen, hat man keine weitere Veranlassung gehabt, sich näher mit solchen Personen zu befassen. Ueber mehrere Personen aber muß in diesem Bericht, weil die UntcrsuchuugsbeliÖrdcn mit diesem Fall beschäftigt sind, gesehwiege» werden. Ea steht fest, daß Adolf Hitler und sein Monlgeneral Görmg im Auslände»uf jeden Emigranten einen Spitzel gesetzt hat. Wir werden in den nächsten Tagen Über solche Spitzel in einem besonderen Bericht Stellung nehmen und die Art und Weise, wie diese Burschen mit Hilfe von Frauen arbeiten, unseren Lesern schildern Es Ist kein Geheimnis mehr, daß zu solchen Bespitzelungen unzählige Summen verwendet werden, denn alle Materialien, die bis jetzt entdeckt wurden, sind neu und direkt aus dem Laden. Dabei hungern Millionen von Volksgenossen in Deutschland und dürfen noch nicht einmal sagen, wie schlecht es ihnen geht, sonst blüht ihnen Zuchthaus oder Dachau Tél. Trinilé 43-13 Méiro P i g a 11 e Deutsche Poliklinik Paris. 62., Rue de la Rochefoucauld al Allgemeine Konsultationen mit 9 Spezialist«.•») Chirurgie c) Geburtshilfliche Klinik d) Zahnärxtliche» Kabinett innere Medizin, Augen*, Ohren*. Nasen* und Kehlkopfkrank» Zwelstöckigei'Sanatoriuinsgehäude. Vierstöckiges Gebinde. Zimmer Zahn und Mundchirurgie. Gold, heiten. Röntgen Diathermie. 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Vor kurzem wurde unwider- sprochen mitgeteilt, daß Dr. Faulhaber sich seit längerer Zeit der größten Abneigung der Nationalsozialisten erfreut— eine Abneigung, die noch von den bekannten Zwischenfällen von der Miinchener Tagung der katholischen Gesellenver- bände herrührt. Es bestand die Absicht, Faulhaber wegen sei- ner andauernden Renitenz gegen die braunen Machthaber zu verhaften. Nur die Drohung des bayrischen Statthal- ters Ritter von E p p, der für den Fall einer Berhaf- tung Faulhabers seine Demission ankündigte, hielt die Füh- rer der bayrischen Nationalsozialisten von einem Schritt von unübersehbaren Folgen ab. Die Verhaftung Dr. Muhlers ist jetzt die Rache dafür, daß may an Faulhaber selber nicht herankonnte. Nicht geringes Aussehen erregte endlich eine Meldung des Wolff-Hüros, daß man bei Haussuchungen in den Wohnun- gen der verhafteten Priester u. a. Material und Mitglieds- bllcher der„Roten Hilfe" gefunden hätte. Man kann dem deutschen Volke bekanntlich alles einreden, aber hier war der Schwindel doch zu dick ausgetragen. Jetzt stellt die„Saar- brücker Landes-Zeitung", die sich hin und wieder trotz ihrer Zugehörigkeit zur„deutschen Front" gegen allzugrobc Ein- griffe in die katholischen Bezirke wehrt, auf Grund authen- tischen Münchester Materials fest, daß kein Wort daran.wahr ist. Wohl hatte Stadtpfarrer Dr. Muhler kommunistische Schriften. Sie dienten ihm aber zum Studium des Komm»- nismus und der Gottlosenbewegung, gegen die er dauernd auftrat. Das bei ihm vorgefundene Mitgliedsbuch der Ro- ten Hilfe rührte von einem ehemaligen K o m m u n i- st en her, der es dem Pfarrer als Zeichen seiner Abkehr vom Kommunismus übergeben hatte. Mit iedem Tage spitzt sich das Verhältnis zwischen den katholischen Autoritäten und den führenden Nationalsozia- listen zu. Gerade im Saargebict hinterließ der scharfe Aufruf, des Bischofs Dr. Bornewasser gegen die nationalsozia- listischen Zeitnngswerber einen sehr starken Eindruck. Da hier auch die katholischen Jugendorganisationen sehr stark sind, so führt das ehemalige Zentrumsblatt mit wachsender Energie einen Kampf gegen Baldur von Schirach, der keine Jugendverbände neben der Hitlerjugend dulde» will. Neben dem Organisationsinteresse spielt dabei die Furcht um die Glaubenskräfte eine große Rolle. Sehr scharf wen- det sich die„Saarbrücker Landes-Zeitung" gegen Schirach Sätze wie die folgenden:„Wir Hiilerjungen verbinden Gott und Deutschland zum Begriff des Heiligsten. Wir Hitler- jungen kennen keine fremden Konfessionen." Sollte bei diesem Erwachen der Aufentbalt des päpstlichen Nuntius Testa im Saargebtet eine Rolle spielen? Wolle» sich die Katholiken von den protestierenden Protestanten nicht beschämen laßen? Es zeigt sich, daß das Konkordat nur not- dürstig die Risse zwischen Katholizismus und Nationalsozia- lismus überdeckt. M Untertan der ODrigUelt" Von Gott gesetzt... Das Geistliche Ministerium der deutscheu evangelischen Kirche hat einige bemerkenswerte Ge- fetze beschlossen. Als Geistlicher oder Beamter darf, so heißt es in dem einen Gesetz, nur berufen werden, wer die für diese Lausbahn vorgeschriebene Borbildung besitzt und gc- willt ist, die Ordnung der deutschen evangelischen Kirche ein- zuhalten, dem deutschen Volke zu dienen und der ihm von Gott gesetzten Obrigkeit Untertan zu sein. Interessant ist, daß künstig die Eingehung der Ehe der Geist- lichen von einer besonderen Genehmigung abhängig gemacht wird. Ausreiseverbot I0r Kardinal Sdinlte? Köln, 12: Dez. Wir erfahren, daß dem Kardinal Schulte die Ausreiseerlaubnis für einen von ihm geplanten Besuch in Rom von den Nazibehörden verweigert worden ist, ob- schon oder weil er die Absicht hatte, mit dem Vatikan über die Ausführung des Konkordats zu verhandeln. Verschärft wurde die bestehende Spannung zwischen dem Kardinal des vorwiegend katholischen rheinischen Bezirks und den Nazis dadurch, daß die bereits ersotgte Einsetzung von etwa 70 Erbgcsundheitsgerichten im Obcrlandesgerichtsdezirk Köln von dem Kölner Erzbischos mit einem Protest beantwortet worden ist. Doktor Wachtel Harn«, Blut- and Hautkrankheiten 123, Bd. Sébastopol.- Sprechstunden v. 9—12 u. 2—S Uhr; Sonntags vormittags Nase, Hals, Ohren: Sprechstunden täglich von 5— 7 Uhr. Deinste jüdische Setchmuen* und löienec tJ&ächecei-Qeschäfie JUuis 58, AVENUE WAGRAM, 1.1. Camot 27-63 58. RUE DE PASSY. Tel. Au'.uil 33-61 20|ahre Weltgeschichte in 700 Bildern! Einleitung von Fr. 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Diese Verfolgungsmaßnahme gehen die nationalsozialistische Bewegung wird damit be- gründet, daß in der Nacht zum Dienstag in einer Fernsprcch- zellc im zweiten Wiener Gemcindebezirk ein Sprengkörper explodierte, wodurch Sachschaden angerichtet wurde. Die ^.äter sind bisher unbekannt. Die für Weihnachten angeordnete Amnestie in Oester- reich für politische Häftlinge erstreckt sich ans solche, deren «Strafmaß etn Jahr nicht überschreitet, bei unter SN Jahre alte« Häftlingen 2 Jahre. Ausgenommen sind solche poli- tischen Inhaftierten, die schlechte Führung aufweisen. Blut- schuld aus sich geladen haben oder mehr als sechsmal politisch bestrast sind. Havas berichtet aus Buenos Aires, aus La Paz verlaute, daß die Regierung durch eine Verordnung General Sundt als Befehlshaber der bolschewisti che» Truppen abgesetzt habe. Ans Montevideo verlaute, daß in Bolivien eine Revolution ausgebrochen sei. Jedoch sei die,es Gerücht noch nicht bestätigt worden. Auf der Höhe von Tromfö ging ei» Fischerboot mit fünf Insasse» hei schwerer See nn'ter. „Das VolK bin idi" Kundgebung der französischen Neusozialisten Paris, 13. Dezember. Die französischen Nensozialisten haben gestern in einem Vorort von Paris eine Kundgebung veranstaltet, bei der eines der Gründungsmitglieder dieser Partei, der Abg. Marquet lBürgermeister von Bordeaux), eine Rede hielt, in der er folgende prägnante Worte aus- sprach: Eine Volksbewegung in Frankreich mußte seinen Stützpunkt in dem Begriff der Nation suchen und nicht mehr in dem jetzt veralteten demagogischen Begriff des Klassen- kampses. Noch vor nicht allzu langer Zeit hat man das Vaterland gegen die Arbeiterklasse ausgespielt, die mit ihrem Bluk den Krieg durchgemacht hat. Ist es nicht schon allzu lange Zeit her, daß man der Arbeiterklasse das Vater- land stiehlt? Die Arbeiterklasse muß jetzt ihrerseits er- klären: Das Volk, das bin ich! Arbeitsfront= NSBO. Das Organisativnsamt der Arbeitsfront jagt in Anord- nung Nr. ll! 33:„Alle Dienststellen der Deutschen Arbeits- iront sind in Personalunion von den Dienststellen der NSBO. durch die Amtswalter der NSBO. zu führen". Elegante möblierte 2-Zimmer-WotinunQ Bad. Küche, schöne Ans- slcht, aller Kam/. Möß. Preis. 3, rue de 1'Admiral Cloué(16) Paris Auch die ,,Kleina Anzeige" in dei „Deutschen Frei- heit'bnngf Erlolg Die sdiotflsdie Seesdilange In der sogenannten Sauregurkenzeit, d. h. im Hoch sommer, wo sich in der Welt nicht viel ereignete, pflegten in früheren Zeiten die Zeitungen um Stoff verlegen zu sein— lang, lang ists her Dann tauchte meist irgendwo eine Secschlange auf und begierig stürzten sich die Zeitungen auf dieses Ungetüm, das in Wahrheit eine harmlose Ente war. In England ereignet sich zur Zeit nicht viel, und schon ist die berühmte Seeschlange da. Diesmal nicht als See- mannsgarn vom fernen Ozean, sondern als heimisches Un- getttm aus einem schottischen Binnensee, aus dem Lech Neb. Aus den Abgründen dieses tiefen Tees soll plötzlich ein Un- getüm ausgetaucht sein, ein Riesentier mit dem Kopf eines Seehundes, dem Körper einer Schlange und einem gewal- tigen Schweif, der die Wogen peitscht. Nicht einer nur. viele wollen das Bich gesehen haben; die Zeitungen waren voll davon, besonders natürlich die Sensationsblätter, die mir bedauerten, nicht auch gleich das Bild bringen zu können. Populärschriftsteller stellten Erörterungen darüber an. welcher Saurier es sein könne, der sich liber Jahrtausende herübergerettet haben könne. Ein Abgeordneter nabin sich des Ungetüms an und bearbeitete den Minister kür Schott- land, bis der eine Order erließ, das Bich nicht totzuschießen. Jetzt hat sogar ein Mann das Tier fotografiert. Die Platte wurde einem bekannten Zoologen geschickt, der suchte, suchte, naftm das Mikroskop zu Hilfe, um das Ungetüm zu ent- decken, aber er konnte beim besten Willen nicht mehr finden, als wellenbewegtes Wasser. Sollte das Bich Angst vor dem Fotograsiertwerden haben und noch rasch die rettenden Tiefen aufgesucht habend Oder sollte ein findiger Jnaenieur recht haben, der die Vermutung ausspricht, es bandle ssch um einen Kran, der>n den See gefallen sei und gelegentlich mit seinem von Wasserpflanzen durchsetzten Haupt auk- taucht? Jedenfalls îpukt das Ungetüm weiter im Blätter- wald. eS wird wohl noch solange spuken, bis wichtigere Er- eignisse auch diese Seeschlange zu ihren Brüdern ver sammeln wird bis auf dem geheimnisvollen See von Reh friedlich eine Ente schwimmen wird. Ncnyerk. Dir Echtheit des Brieses ist uns zweifelhaft, Für die êleiiungSaiiSschniitc danken wir, Dimitross. Ein Freund schickt und Nr. 46 des national- sozialetstifchen Blattes„FridertcuS", worin sich diese Notiz befindet:„ES gibt Menschen, die grundsätzliche Gegner der P r ü- g e l ft r a s e sind. Und doch ringt sich ihnen nicht selten der Ttoß- scuszer über die Lippen: Der Kerl müßte vor iedem Frühstück 25 hinten ausgezählt erhalten. Wie wohltätig würde eine solche Arz- nei z. B, ans die Teelenversassnng des Herrn D i m i- troff wirken, selbst wenn das Heilmittel— kleines Heilmittel, sagt man in der Apotbekersprache— nur in halben oder Bicrteldosen verabreicht würde."— Das möchte ihnen so passen. Zu dem innerliche» Heilmittel für Lübbe etwas „äußerliches" für Dimitross! Bielleicht bietet sich der Herausgeber des„Fridcricus", ein Herr Haitz, als Prügelknechi an. So etwas macht einen Mann, der wegen Exhibitionismus vorbestraft ist, nicht nur politische, sondern auch persönliche Freunde. St. Lunewille. Solche Ausweise können wir nur unseren stän* digcn Mitarbeitern ausstellen.— Uns ist nichts davon bekannt, daß ein Abzeichen für Emigranten geschaffen werden soll. Wir hol- ten daS auch für unnötig. Herodot Straßburg. DaS ist gewiß möglich, aber eine reine Geld-- frage. Jede derartige Aktion kostet Tausende Mark. Auch mutz man die Verlustmöglichkcit des teuer» Apparats einkalkulieren. Für den Geiamtinhalt verantwortlich: Johann P t tz in Dub- weiter; kür Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken Rotationsdruck und Bei lag: Verlag der BolkSftimme GmbH.. Saarbrücken ft, Schlltzenstraße 5. Allgemeine Deutsche Poliklinik Chefarzt Professor WENSTEN I) ORDINATION DURCH SPùZIALISEN für sämtlich# Art Erkrankungen. 2) INNERE Klinik 3) CHIRURGISCHE Klinik 4) GEBURTSHILFLICHE Klinik ORDINATION- täglich von I bis# Uhr Sonn« und Feiertags von 10 bt* 12 Uhr===== Deutsches Zahnärztliches Institut Li, RUE DE DOUAI Métro t Blanche, Plgalk tel. Irbrité 50.27 Spmbfttudea; 9.12, 2.8 Uhr Zahn» u. Mundkrankh. 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