I Linzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nummer 153— 1. Jahrgang Saarbrücken, Dienstag, den 19. Dezember 1933 1 Chefredakteur: M. B raun Aus dem Inha lt Die fßedinec Angebote Seite 2 Attentat gegen Max Jbcaun Seite 3 5äe Joe glees Jceispeuch Seite 4 Jeoteststuem un das JUichsgeeicht Seite 5 Jnsecatenteil beachten! SPlfzfI seilen flieh an! Die Agenten der Geheimen Staatspolizei Wir stellen vor: Den Agenten Max Sibhoff, der im Aus- nage der Geheimen Staatspolizei unter dem Namen êjalmar Kronenborg deutsche Emigranten bespitzelt. Die vorstehend fotografisch wiedergcgebenen Papiere wurden ihm tn Antwerpen abgenommen als er in einem Hotel einen emigrierten Sozialdemokraten überfiel, um diesem Material zu entreißen. Er hatte 1200 Reichsmark in bar und ein Bankbuch mit Ucbcrweisungen des deutschen Kon- s u l s i n R o t t e r d a m in der Höhe von 4000 RM. bei sich. Ferner eine Besuchskarte des deutschen Konsuls tn Antwerpen, ein Abschnitt von einer Geldüberweisung aus Paris im Betrage von 848,37 Franken und zahlreiche Adressen. Wie sehr die Geheime Staatspolizei für das Ein- kommen ihrer Menschenjäger sorgt, geht daraus hervor daß »Kronenborg" zu allem übrigen auch noch Unterstützung in der Heimat weiterbezieht. Er hatte folgendes Schriftstück in der Brieftasche: Arbeitsamt Hambnrg-Altona. Dienststelle Altona. Stammt. Nr, 50 034. Urlaubsbeschcinigung. Bemerkung des Arbeitsamts. Name: Kronenborg, Hjalmar, wird vom 22. 11. 33 bis 4. 12. 33....... «ach Krankreich mit Weiterzahlung der Unterstützung ohne Anrechnung aus die Bezugszeit beurlaubt. Dieser Sidhoks-Kronenborg ist keineswegs ein Einzel- ganger. Ueberall, wo sich Emigranten in nennenswerter Zahl aushalten, ist das Agentenslistenk der Geheimen Staats- Polizei ausgebaut. Zeder Emigrant, der in Deutschland führend politisch tätig war. genießt die dauernde Beobach- tung dieser staatspolizeilichen Spitzel. Er mag unter einem Namen wie immer und wo immer wohnen und mag sich noch so zurückhalten, die Agenten kommen ihm aus die Spur und geben ihre Berichte an ihre staatspolizeiliche Behörde. Wie der Fall Sidhoff-Kronenborg zctgt, verfügen die Burschen über geradezu unbegrenzte Mittel. Daß ste unbedenklich und rücksichtslos auch im Auslande arbeiten, dafür liefert die Be- urlaubung des Sidhosf-Kronenborg nach Frankreich den Beweise An anderer Stelle dieses Blattes berichten wir aber den Attentatsversuch aus die Arbeiterwohlfahrt in Saarbrücken und den Führer der saarländi- scheu Sozialdemokratie Max Braun. Die Vor- berettung des Attentats scheint uns die Vermutung nahezu- legen, daß einer der von der Geheimen Staatspolizei finanzierten Provokateure dahintersteht. Er wußte sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Nur sein einheimischer Pg. konnte gefaßt werden. .......— X>to poli5cibcl|s'i- be Hamburg AWaO-wJ I« I jÇsiwwrr#**». 91. Sseochêintgun^. tferr P. r o ö o r c reirtt tn AUj'irugt J>r Sti.tjpolift I« Hiuturg. 0It litufch* Hthùrtv tsini tasttn mtrim i gtttm, bft.un- Ai nrtta* Attn..'«< Attl.rtgAAtiAn tu ti.'ttfx. Hvturg.*/. tzrmttr}0M. t Ä&¥.■' ' Wnàber-!; Ä-''■'! .•; "" WMWWM m "* i""" 1 y 1^" 1 Kxmkurj, H. 4. iO. Xt* \ y«'; Hérr JT. tot Sur*t* àt, t ütij. zji.fc hun4Uunf**i ten», witerJasaei. ZU tour ditfüiMSa.wtrd fjorru /.,«re tHi ii è»P w Rabbiner in Schatzhan „Wegen unverschämter Aeußerungen" Offenbach, 16. Dezember. Das WSN.-Biiro meldet: der hiesige Rabbiner Dr. Dienemann ist in Schutzhast genommen worden. Von dem Ofienbacher Polizeidirektor hatte er sich die Genehmigung zur Abhaltung von Borträgen in der jüdischen Knltnsgemeinde geben laffen. In einem dieser Bor- träge schilderte er die Gewalttaten des Königs Herodes und betonte daß auch während der französischen BesatzungSzeit derartige Gewalttaten vorgekommen seien. Aber für daS Judentum iei eS gleichgültig ob es von einem französischen General oder von einem Polizeipräsidenten regiert werde. Wegen dieser unverschämten Aeußerungen wurde über den Rabbtnei die Schutzhaft verhängt und die Uebersührung ins Konzentrationslager beantragt Die unklare und unlogische Fassung der Notiz zeigi. daß die Inhaltsangabe der Rebe des Rabbiners mehr von der SA. als von dem jüdischen Prediger stammt. «eine Belebung Die Steuereinnahmen beweisen es Im Oktober d. I. sind insgesamt 591,g Millionen Mark an Reichssteuern aufgekommen gegen 538,2 Mill im Oktober v. I. Besitz- und Vcrkehrssteuern brachten 305 si. B. 314,2), Zölle und Verbrauchssteuern 286,3< 284,1) Millionen. In den ersten stehen Monate« des lausenden Rechnungsjahres be- trägt das Aufkommen insgesamt 8383.7 si. B. 3951,1) Millionen Mark Davon entfallen 2333,6(i. y. 2821,6) Mill, auf Besitz- und BerkehrSsteuern und 1647.1<1629,5) Millionen auf Zölle und Verbrauchssteuern. Mithin sind im Oktober 1388. als nach den amtlichen Schwindelangaben schon mehrere Millionen Arbeitskräfte mehr eingestellt worden sein sollen die Steuereinnahmen noch geringer gewesen al? im Oktober 1982, der schon einen Krisentiefstand bedeutete. In den ersten 7 Neonaten dieses Jahres sind ganze 32,6 Millionen Mehrein- nahmen errechnet worden, die anscheinend im letzten Viertel des Jahres wieder oerschwinden werden. Die Zahlen be- weisen, daß keine WirtschaftSbelebung eingetreten ist und Ei», kommen und Verbrauch so tief stehen wie je in dieser lange« Krise. ..lieber von. madi midi stumm!" Das Sondergericht in Darmstadt verurteilte den Kauf- mann G. Brehm aus Ottenbach und den Hausierer Wik- helm Hartwig aus Hanau zu je zehn Monate» Gefängnis, weil sie in gemeinster Weife auf den Führer schimpften. AuS demselben Grund erhielt die Lederarbeiterin Elisabeth Löschhorn aus Ottenbach fünf Monate und der Arbeiter Heinrich Sott au» Lampertheim zehn Wochen Ge- »ängniS. Ihm wird die Untersuchungshaft angerechnet Drei Monate, zu denen ein Arbeiter aus Niederramstadt ver» urteilt wurde, gelten durch die Untersuchungshaft als ver- büßt. Er ist geistig beschränkt und wirb daher milder be- urteilt als die anderen. Sämtliche Verurteilte haben sich da- durch gegen das Gesetz zum Schutz von Volk und Staat ver» gangen, daß sie ihren Mund nicht in Zncht hielte«. Sozialistische Erfolge in finition*! Avn St. H. Witk sHelsinki, Tic finnische Sozialdemokratie. die bei den Reichstags- waylen im«ommer einen so eindrucksvollen Sieg errang, hat auch bei den Gemeinde,vahlen am 4 Tczembrc ihre i'ff behauptet. An einen«rohen Vormarsch mar dies- n,al nicht zu denken, denn bei den Gemeindcivahlen Vestehen gewisse Brich,anklingen dcö Stimmrechte»: diese» wird vcr- loren. wenn nicht die Steuern ordentlich bezahlt worden »nd. Und das war bei der fürchterlichen Arbeitslosigkeit zahU Arbeitern unmöglich. Allein tn der Hauptstadt Helsinki' ai', T? Einwohner» wurden an» diesem Grunde zehntausend Arbeiter aus den Wählerlisten gestrichen. Auch in den im Jahre 1930— in der Blütezeit der Lappo- bewegung— beschlossenen Ankikommuntstrngesctzcn hatte die Reaktion eine Waffe, die an mehreren Orten schamlos be- nutz» wurde. Wenn elu Kandidat in den letzten drei Jahren an„siaatsvcrbrechcrischer" Tätigkeit teilgenommen hat, ver- licit er seine Wählbarkeit und die ganze Kandidatenliste wird infolgedessen abgelehnt. Als Teilnahme an sraats- verbrecherischer Tätigkeit wird öfters auch Mitgliedschaft an der nunmehr ausgelösten gewerkschaftlichen Landes,cntrale betrachtet— in 1st Gemeinden wurden die Arbeiter in dieser Weise aller Vertretung beraubt-, dagegen nicht Teilnahme an dem von den Lappoleutcn im Jahre 1932 versuchten Aus. stand in Mäulsalä. Ferner rechne, die Reaktion mit Sicher- licit daraus, die Jugend für ihre Zwecke mobilisieren z« können, weil bei den Gemeindewahlen das Stimmrecht schon mit 21 Jahren anfängt lda» politische Stimmrecht dagegen erst von St Jahren an» und weil der Faschismus auch tn Finnland besonders unter der bürgerlichen Jugend sein Spiel betrieben und auch Erfolge erreicht hat. Aber die Arbeiterschaft ging mit Begeisterung tn den Wablkamps nnd die Ergebnisse find durchaus befriedigend. Einige Verluste waren nicht zu vermeiden. Aber in mehrere» Gemeinden, wo die Arveiter im Jahre>iM mittels des Antikommnnistcngcsetze» ihrer Vertretung beraubt wurden, haben sie diese wiedergewonnen nnd tn mehreren anderen Gemeinden wurden weitere Erfolge erzielt. In Helsinki ist ein Zuwachs der sozialdemokratischen Stimmen am Sv Prozent zu verzeichnen: die Partei errang!» 2X8 Stimmen und damit ein neues Mandat: jetzt stehen in der finnische» Hauptstadt S3«rbritcrvertreter gegen 30 bürgerliche. In Turko lAbo» wurden zwei neue Mandate besetzt, in Wansa ebenso, und in Wiipurs, wo die Zahl der Stadtverordnete» nm sechs vcrgröstert wurde, wurden alle diese n c» e n M a n d a t r von der Sozialdemokratie besetzt. Besonders bemühten sich die Real- tionäre, um der Arbeiterschaft der Mehrheit in der roten Industriestadt Tampere zu berauben, aber umsonst. Auch aus dem flachen Lande wurden Mandate erobert, u. a. unter der bäuerlichen Bevölkerung in Ostrobothnien, der Heimat der Lappobewegnng. Unter den Bürgerlichen macht sich immer noch, wie bei den RetchStagswahlcn im Sommer, eine Verschiebung be- merkbar zugunsten der Fortschrittspartei. Auch das ist als eine Acusterung der A v n e« g u n g gegen d r u F a s ch i s- mus aufzufassen. Tie konservative„SammlnngSpartei", die auch diesmal im Wahlbündnis mit den Lappoleuten auk- tritt, erlitt mehrere Verluste. Tie Lappobewegung ist nun- mehr bemüht, sich insofern in eine wirkliche faschistische Be- wegung umzuwandeln, als sie mit sozialen Scheiniorde- rungcn auftritt nnd unter den Arbeitslosen Anhänger zu werbe» versucht Wahlrecht«» und Verfassungareform? Ein Vorstost der Liberalen zur Einführung des Verhältnis- Wahlrechts in England ist zum Glück für die englische Temo- frotte am vereinten Widerstand der Konservativen und der Labourpartei gescheitert. Tie Liberalen wollen durch die Ber- hältniswahl ihre Existenz retten, dast sie dabei die Partei- zersplitterung fördern. daS Parlament arbeitsunfähig machen und dam» den Parlamentarismus zerstören würden, kürn- mert sie in ihrer Blindheit nicht. Ta der liberale Redner das jetzige Wahlsystem als ein Glücks,viel bezeichnet hatte, antwortete der Labonr-Rediicr Major Attlcs, das wildeste Glücksipiel sei es doch liberal zu wählen, denn dann wisse man überhaupt nicht. waS man gewählt habe. Ernsthastcr ist eine andere VcrsassungSreform, die von den Konservative» propagiert ivird: eine Reform deS Oberhauses. Unter dem Schein e'ner Demokratisierung soll eine neue mächtige Kammer geschaffen werden die einer Labour-Mehr- hcit im Unterhaus Widerstand entgegensetzen könnte. Ein solcher Vorstost der Reaktion könnt« leidenschaftliche Kämpfe i» England entfesseln. Vorläufig allerdings hört man noch nicht viel davon. London-Berlin Euro&âsscftes System der Nichtangriffspakte Die deutschen Vorschläge zur Sicherheit und zur Ab- rüstung, die der britische Botschafter in Berlin zum Wochenende nach London überbracht hat. sollen sich stark an Macdonalds Pläne anlehnen: ZehnjährigerpolitilcherWaffenstillstand mit Verzicht auf Gewaltanwendung und A b f ch l« st einer Reihe von RichtangrissSpakten zwischen den Fest- lanbsmächten. Nach dieicm doppelten Grundsatz wäre das Reich bereit: 1. Nichtangriffspakte tntt allen Nachbarstaaten abzuschließen: 3. dem Grundsast de» Sanktionen gegen einen Angreiser zuzustimmen unter der Bedingung, daß die Sanktionen nicht autvmatlsch wirk- kam werden: 8. den Kriegögcift anS den deutsch en Schulbüchern und ans dem Unterricht auszu- merzen, wenn die anderen Staaten das gleiche inn. In der Ritstnng»erlangt DenEchland militärische Gleichberechtigung ans folgender Grundlage: l. Allmähliche Umwandlung derReichöwehrtneine Armee von S vi» 0 0 0 Mann mit kurze, Tienstzeit: die angegebene Stärke soll nicht endgültig sein: Teutschland ist damit einverstanden, daß die zahlenmäßige Stärke seines Heeres in angemessenem Verhältnis zu den Armeen der übrigen Staaten stehe. î. Freigabe aller Defensivwassen. die in Gens als solche anerkannt wnrdcn, für das neue dentschc Heer: hierunter fallen wahrscheinlich: Geichiiste bis zum 15-Zenttmeter-Kalider, die leichten Tanks und die Er, kondungSslngzenge. Tie übrigen Staaten behalten vor- läusig ihre schweren Waffen, verpflichten sich aber, diele all- mählich in absehbarer Zeit zu vernichten. Tic Bombcuslng- zeuge, der chemische und bakteriologische Krieg sollen unbedingt verboten werbe«. 8. Teutschland nimmt die periodische, automatische und in allen Ländern gleichmäßig dnrchzn- führende Kontrolle an. Der Botschafter soll nach seiner Rückkehr in Berlin die- jenigen Punkte besonders zu klären versuchen, die in den Verhandlungen zwischen London und Paris die größten Schwierigkeiten machen. Polen beunruhig! Annäherung an Rußland und Frankreich Marschau, 18. Dezember. Tie amtliche polnisch« Tele- graphcn-Agcntur beschäftigt sich mit den in London über- re'chten deutschen Borschlägen und meint, daß Teutschland und Italien gemeinsam einen Teil deS Bcriailler Vertrages nach dem andern beseitigen wollen. Man begrüßt lebhaft die Gegenoffensive Frankreichs. DaS Pilfndski Blatt»Kurier Neuer rconsfreprozeß? Gegen Thälmann sJnpreß.» Hinter den Kulissen der Nnzisustlz wird bereits fieberhaft der Prozeß gegen den Führer der Kommunistischen Partei Dentschlonds, Ernst Thälmann. vorbereitet. Es zeigt sich schon jetzt, daß dieser Prozeß ganz anders aufgezogen werden wird, als das Verfahren gegen Dimttrosf, Torgler. Popoff und Taneff. Thälmann. der fett 9 Monaten tn Einzel- hakt sttzt. hat noch immer keine Anklageschrist erhalten. ES ist ganz v'srnstchtlich, daß der Prozeß gebeim vorbereitet und so überraschend angesetzt wird, wie z. B. der kürzliche Pro- zcß gegen den früheren kommunistischen Abgeordneten Schneller, der mit schwerer Zuchthausstrafe endete. Tie Nazireaierung will um ieden Preis die Regiefehler vermeiden, durch die sie ebenio wie durch die mutige Ver- teidigung ber Angeklagten im Leipitger Prozeß nicht nur bloßgestellt morden Ist, sondern der Ovvosttion die sie ans- zurotten bestrebt ist, nene starke Svmvatbicn in weitesten Kreiie» zugc'übrt bat. Tarnm wird das Anklaae-Matcrial strengstens geheim gehalten. vie Iiiitter des Revolutionärs Aua dem Interview mit der Mutter TimitroskS. das Michael Koltzow in der„Prawda" veröffentlicht. entnehmen wir:„Rechtsanwalt Teichert sagte der Mutter Timitrosts: „Beeinflussen Sie Ihren Solln, baß er stch rnbiaer verhalte und daS Gericht nicht derart angreife, das wird ihm beim « Weltreise eines Sexnallorsdiers" Von Magnus Hirschfeld sBoezbekg-Berlag, Brugg. Schweiz.) Zu den geprüstcsten Opfern des Hitlertnms ist, neuen zahllosen anderen, auch Magnus Hirschicld zu zählen, gegen dessen bedeutsames und einzig in seiner Art geschossenes Lebenswerk rückschrittliches Barbarentum in sinnloser Weise zu wüten gesucht hat. Tas Kaiserreich wie die Weimarer Re- publik waren sich der Bedeutung dieses Gelehrten von Well- ruf bewußt gewesen, den eine Überkommene Tradition mil Teutschlands wtssenlchaftltchrm Leben schon verwurzelt hatte und dessen Selbstlosigkeit wohl keinen greifbareren RewetS finden konnte als jene großzügige Stiftung feines Institutes an den preußischen Staat. Heute ist nicht nur ber Schöpfer diese» Instituts verbannt, da? Werk, lo weit eS ging, ver> lernt, verbrannt und geschändet: selbst daS Denkmal, das die dankbare Stadt Kolbcrg dem Vater Hirfchields errichte! hatte, wurde von denselben abaetraaen, die dem Morphinisten Göring den Stock Joachim Nettelhecks als Zeichen ihrer Unterwürfigkeit— und da daS Ttöckesä'enken einmal an der Mode ist— zum Angebinde überreichten. Ter wild gewordene deutsche Spießer der hcu'e Persönlichkeiten wie Röhm und Hclldorf auk Händen trägt, möge sich aber be- ruhigen: trotz aller Manifestationen seines Halles hat er da? Lebenswerk Magnus HirschleldS nicht zu vernichten gewußt Dafür bietet lein Toaebnch über die..Weltreise eineS Seruallorschers". den erbebenden Beweis. Dieser Band, der soeben in der Schweiz in deutscher Svracke erschien, und dem- nächst auch durch einen lranzöllschen Verlan zur Verbreitung gelangen wird, ist gerade in der geaenwärtigen Zeit ein be- sonders erfreuliches Zeugnis für die hohe, durch nichts zu erschütternde Achtung, die deutsche Wissenschaft bis in die fernsten Erdgcgendcn genießt. cS darf daher Hirfchfeld zum Trost und zur Beruhigung gereichen, bei zahllosen Völkern alS einer der interessantesten und mutigsten Vertreter deutschen GclebrtentumS noch jüngst gewürdigt und geehrt worden zu sein, und zwar durch Acußerungen und Kund- gedungen grist'gcr Meuchen und Gemeinschaften, von denen ein Verständnis'iir das mitlelalterlichc Wüten der Hitlerei nicht zu befürchten ist. Das Buch, daS wir Hirschfeld verdanken, ist aber weit mehr als ein Register seiner persönlichen Genugtuungen. Selbst eine lange verehrungsvolle Freundschaft, die ich ihm ent- aeaenbringe, hätte dann der Velastnnasprobe dieser vier- hundertseitigen Lektüre ivvhl kaum standgehalten. Tie Bc« deutuna dieses Werkes liegt einmal in einer außeroröenl lichen klaren Schilderung mit wundervoller Aufgeschîollen heit und Einfühlung gewonnener Eindrücke und n dem Sinn liir Freiheit und Gerechtigkeit, der daS Schauen de S Reisenden genau lo bestimmt wie daS Wirten des Willen schaltlerS. Al» Teutschlands.studierende Jugend" den ichrumv' germanischen Kundolfschüler beim GeisteSauiodatr vor dem Reichstaa umiohlte war auch eine Metallbüirr Hirich'elde anl den Scheiierbanten ae'chteppt morden Roi glut auS der Alcbe ragend, bat lle das Zerstörnngsl-e!>< n überdauert. Wenn die, die Teutschland heute in den lo a rund treiben, nicht, über ihren selbstgeschalsenen. den Blick für Zeichen und Snmbole ganz verloren bättcn, so hätten ne au» diesem sonderbaren Faktum vielleicht den Schluß ziehen können, daß deutsche Kunst und deutsche Willen- ichalt au' ihren Scheiterhaufen nicht definitiv verbrennen werden. Und warum sollte man vor ihnen, denen Geistiges nicht heilig ist. nicht auch den Abaott von Vaureuih einmal zeitmäßig korrigieien:.Verging in Dunst das hcilge.dritte Reich. unS bliebe gleich die deutsche Willenschast uud deutsche Kunstt" HanS- A Valbert v. M altzahn. Poranny" hofft aus die Aktivuät e ncr festen Front der Re» visionSgcgner, die außer Frankreich und der Kleinen(Intente auch Polen, die baltischen Staaten und nicht zuletzt die Sow- je.'union umfallen werde. Der Leitartikel Radeks im de« Moskauer„Jswestija", der zum ersten Male von der Möst- lichkeit eines formale« Bündnisses der Sowjetunion mit andere« Staaten spricht, verstärkt diese Hoffnung Die halb- amtliche.Gazrla Poilka" nennt die Ausführungen Radeks sensationell und gibt einen Moskauer Bericht wieder, in dem es heißt, man beziehe dort diese Propaganda tiit ein Blind- nis nicht nur aui die gemcmiamcn Jnterellrn des Räie- staaies m.t Amerika gegen Japan, sondern auch aus ein etwaige» Zuiammengeven mit Polen gegen Dentichland. Von der deutsch polnischen Entspannung ist wenig mehr zu spüren....... Oberster Verteidigungsrat London, 18. Dezember. Der jranzösischc Korrespondent deS „Dail» Telegraph" berichtet auS Paris: Es ist nicht unwahr- sche nltch. daß die endgültige Antwort der französischen gierung aus die drulübe AbttistungSaiiregunge» vor nächster Woche leriiggestellt sei» werden. Diese Verzögerung ici da- durch entstanden, daß Ministerpräsident Ehautewpö i't- schloffen habe, den Oberste« Rat siit national« Verteidigung einzuberufen. Me talttsdie Vermittinns London, 18. Dez. Der diplomatische Korrespondent deS „Dailn Telegraph" schreibt der britische Botschafter in Berli». Sir Erie Pb vpS. dürste heute eine wettere Be- iprechung mit dem Premierminister nnd den anderen Mit- gliedern des AbrüsinngsansschullcS des Kabinetts haben und dann die Riickreile nach Berlin antreten Der Botschafter werbe in der Lage iein. dem Reichskanzler darzulegen, welch« Bedeutung die britische Regierung seinen letzte«! Erklärungen beimesse. Er werde ihn darüber unter- richten, in welchen Punkten London mit Berlin überein- stimme und in welchen Punkten London a e- na» ere Mitteilungen oder vielleicht eine Ab- änderuna wünschen würde. Der Korreipondeni betont nochmals, daß die britische Regierung entschlossen W, ihre eigenen Verbindlichkeiten nicht über Locarno t«-a M< Völkerbundssatziing hinaus auszudehnen, und schließt, britische Kreise seien bezüglich der Aussichten der deutsch- französischen Besprechungen entschieden hoffnungsvoller als vor einer Woche. Der d-plomatiichc Korrespondent der„Morning Post sagt, die Ausgabe, die sich die britische Regierung gestellt habe, bt- steht darin. Frankreich dem deutschen stand- punkt zugänglich zu machen ohne Frankreich dafür irgendwelche weiteren Garantien anzubieten. Urteil helfen." Die Mutter Dimtirokl» antwortete dem Rechtsanwalt:„Georg kann sprechen und deshalb toll er so viel sprechen, wie es ihm gefällt" Sie lügte, zu îTtmjtteff gewandt hinzu:„Rege Dich nicht auk. sage alles, was s.» aui dem Herzen hast und wie Tn es saacn willst.„Aui der Straße," erzählte die Mutter Timitrosts weiter,„war da» Publikum geacn uns sehr hö'lich. Auk der leeren«trank kamen Menschen heran, drückten meine Hände und veN schivanden eiligst, bevor die Polizei st« twmerkte." Schließ- lich berichtete Timitrosts Mutter noch:„In Leipzig lab ich ihn tTimitrosf» ein zweites Mal. Er war ganz krank, er- höhte Temperatur, seine Lunaen sind nicht gesund. Er sagte: „Ich werde wohl kaum hier herauskommen.. Verfall des Jtngriffs" TaS frühere Göbl'clS-Blatt.„Der Angriff", daS schon Im Jahre>n3t einen Abonnentcnstand von rtOOtlf) verzeichnete, zählt heute noch nind 30(Km Abonnenten. Am sn. September kündigte der„Angiifs"-Brrlag allen Mitarbeitern: am 31 Oktober wurden Personen entlallen. Unter den Entlallenen befanden stch mehrere SA.-Männer. Alle Gc- kündigten mußten einen Revers unterschreiben, in dem sie sich ausdrücklich verpflichteten, über die Enttallungen in der Oeskentlichkeit nicht zu sprechen. Sowohl Nednk'Ion. wie Ervedition und ZeitungSsaKrer wurden von den Maßnahmen betroffen Jetzt geht der„An- ariss' noch einen Schritt wei'er: er will sämtliche ZettungS« kahrcr entlasten und das Ausfahren der.Zeitungszentrale" übertragen. Ende der Privatnotenbanken Die ReichSregierung hat von dem Recht Gebraiich gemacht, zum 1. Januar lüS.ll da« Noienprivileg der sogenannte« Privatnot,nbankcn. b. h der B a u e r i s ch e n Notenbank tn München, der Sächsischen Bank in Dresden, der W ü r t e m b e r g i s ch e n Notenbank in Stuttgart und der Badischen Bank in Mannheim auszuheben I« der Be- gründung des Gesetze« wird erklärt, daß im Hinblick aui di« zu schassende ReichsverkallungSreform die Beibehaltung der zehnjährigen Kündigungsfrist des NotenbankprivilegS nicht erträglich wäre. !>as Me icst« Durch einen Wirbelfturm im Staate Louisiana wurden vier Personen getöte» und 19 verletzt. Tie bisherigen Rargeldspenden für das Winterbiliswerk belaufen sich aus rund l S S Mil» lio n e n R M. Bei dem Bahnhof Schwarzkollm-Lautamerk wnrde der Steinbrucharbeiter Rejnllold Günter ermordet aus» il e s u» d e n. Dem Mörder ist man aas der Spur. Vor der deutschen Botschaft in London kam eg »in Sonntag z» einem Zasammcnstoß zwischen etwa 200 de, monftriercnden Kommunisten nnd der Polizei, die mehrere Verhaftungen vornahm. Der Dampfer.Broom fleet" ist LberfäMa. Man be, fürchtet, daß er an der englischen O ft k si ft c unter» gegangen ist. Der oberste Ehes der Polizei in vrüsiel. Angerhansen, wurde wegen Korruption in Hast genommen Die beiden zum Tode verurteilten afghanisch«tz Königs Mörder find am Sonntag i« Kabul hin« gerichtet worden. „Dell Hitler!- ein Ärgernis Auch das ist möglich Die Deutsche Arbeitsfront wendet sich in ihrem»Informa- tionsdienst" dagegen, da« Kündigungsschreiben mit »Heil Hitler" unterzeichnet werben. Day vorweihnachtliche Kündigungsschreiben, wie es seitens einzelner Betriebe ge- schehen sei, mit»Heil Hitler", also unter mißbrauch- licher Verwendung des Namens des Mannes unter- zeichnet werden, unter dessen Führung Millionen werktätiger Volksgenossen Lohn und Brot wiedererhielten, habe in weiten Kreisen nicht nur der Betroffenen und der Oeffent- lichkeit, sondern auch bei den zuständigen Behörden und Organisationen mit Recht Aergernis und Anstoß erregt. Eine Kündigung, noch dazu vor Weihnachten, könne man nicht im Namen des Führers aussprechen. Wer das tut, dürfe sich nicht wundern, wenn er in gebührender Weise zurück- gewiesen wird. Item: Hitler will nur für die wenigen guten Tage im „dritten Reich" verantwortlich sein. Für die vielen schlechten Tage drückt er sich. „Schwarzseher dulde ich nicht" Gauleiter Staatsrat Jordan wandte sich in einer Rede in Halle besonders gegen die Miesmacher, Leute, die das Vertrauen in die Führung biskreditieren und mit Gerüchten hausieren gingen. Diese Leute müßten rücksichtslos zum Ver- schwinden gebracht werden, ebenso rücksichtslos aber auch die, die glaubten, wenn sie sich ein Abzeichen ansteckten, gegen die Reinungsmatznahmen der kommenden Zeit eine Versicherung eingegangen zu sein. Miesmachen hänge mit dem Charakter zusammen, für Miesmacher dürfe es deshalb keine Amnestie geben. Kriegsbeschädigte im Konzentrationslager Der Reichsarbeitsminister hat angeordnet, daß im Be- nehmen mit der zuständigen Polizeibehörde bei der Unter- bringung von Kriegsbeschädigten in Konzentrationslagern von Fall zu Fall festzustellen ist. ob ein Ruhen der Ber- sorgungsbezüge in Frage kommt. In diesen Fällen soll die Entscheidung des Reichsarbcitsministers eingeholt werben. Es ruhen aber nur die laufenden Bersorgungsbezllge. Heil- behanblung ohne Barleistungen ist nach dem Reichs- vcrsorgungsgesetz zu gewähren, soweit sie nicht durch die Verwaltung des Konzentrationslagers sichergestellt werden kann. Es sind also zahlreiche Kriegsbeschädigte eingesperrt und man raubt ihnen offenbar in zahlreichen Fällen auch die Versorgungsbezüge. Redienhnnststüdfe Du mußt verstehen— aus einem Juden mach zehn! Bon Zeit zu Zeit fühlen die Herren des„dritten Reiches" ein Rechtfertigungsbedürfnis. Sie müssen dann der Welt klarmachen, wie entsetzlich das deutsche Volk von den Juden mit gänzlicher Ueberfremdung bedroht war. Zu diesem Zweck wird durch das halbamtliche VDZ- Büro jetzt eine Meldung verbreitet, die darauf hinweist, daß die statistischen Ermittlungen eine stärkere Zu- nähme der jüdischen Bevölkerung als der deutschen ergeben haben. Seit der Zählung vom 10. Dezember 1910 bis zum 1k. Juni 19 2 5 habe im ganzen preutzi- schen Staat eine Zunahme der jüdischen Bevölkerung von 36«376 auf 403 969, das heißt um 10,1 Prozent, stattgefunden. Die Gesamtbevölkerung Preußens sei aber im gleichen Zeitraum und bei gleichem Gebiets- umfang nur um 8,9 Prozent, nämlich um rund 3119 000. also erheblich weniger stark(!!) als die jüdische gestiegen. Das entsetzliche Verbrechen der Juden besteht darin, sich in 15 Iahren, das heißt in einem halben Menschenalter, statt um 9 Prozent um 10 Prozent, das heißt um 1(ein) Prozent zu stark vermehrt zu haben. Wenn diese Disse- renz in der halbamtlichen Auslassung als„erheblich" be- zeichnet wird, so stellen wir demgegenüber fest, daß die ganze„Erheblichkeit" auf ein angebliches Zuviel von 8750 Köpfen innerhalb einer Gesamtbevölke- rung von 40 Millionen Menschen hinausläuft. Hätten die preußischen Juden sich um 3750 weniger, also statt auf 404 Tausend nur auf 400'/« Tausend Köpfe ver- mehrt, so wäre ihre Vermehrung genau im Rahmen der Vermehrung der Gesamtbevölkerung geblieben. Ihr„ge- fährlicher" Vermehrungsüberschuß betrug im Durchschnitt ganze 250 Köpfe pro Jährt vas Attentat gegen Max Braun DefeUlgf ein Sfurmlrupplflhrer der SS. ans dem Deich Die Untersuchung des Attentats gegen Max Braun förderte Tatsachen zutage, die den niederträchtigen Anschlag als eins der schwersten Kapitalverbrechen enthüllen, die je- mals im Saargebiet geplant wurden. Bereits berichteten wir, daß am Freitagabend der Natiovalsozialist Schäfer aus Neunkirchen verhaktet wurde. Neben dem Mitgliedsbuch der NSDAP, wurde noch ein besonderer Ausweis der KreiS- leitung der NSDAP, gefunden. Bei Schäker fand man noch einen ganz neuen Revolver allerneuester Konstruktion. Als zweiter Täter wurde der Sturmtruppführer der SS. Neun- kirchen Kellermann ermittelt. Dieser Mann befand sich seit 1020 ständig als Inhaber besonderer Vertrauensposten der Nationalsozialisten im Reich. Bor drei Wochen erschien er plötzlich wieder in seiner Heimat. Täglich ging er bei der Kreisleitung ein und aus Kellermann hat sofort nach Be- kanntwerden des Verbrechens das Saargebiet wieder verlassen. Die Ermittlungen der Sachverständigen haben inzwischen ergeben, daß es sich um ein Mordiiistrument von außer- ordentlicher Gefährlichkeit handelt. Wäre nicht eine Be- fchädigung beim Transport eingetreten, dann wäre mit hundertprozentiger Gewißheit eine Explosion mit furchtbarer Wirkung erfolgt. Die Konstruktion der Kiste bewies auch, daß unter Umständen schon unterwegs eine schwere Entladung möglich gewesen wäre. Nur die Störung der Kontakt- lösung hat verhindert, daß die von den Attentätern gewollte furchtbare Wirkung— Vernichtung mehrerer Menschenleben und unübersehbarer Gebäudeschaden— ausgeblieben ist. * Die noble Presse Und eine anständige Ausnahme Erstaunlich und selbst bei primitiven AnstandSbegriske» ist die Haltung der Zeitungen des Saargebietes. Obschon die Redakteure wissen, daß die beiden setzt bekannten Täter ein- geschriebene Mitglieder der nationalsozialistischen Partei sind, daß beide nach ihrer Einstellung weit erhaben sind über den Verdacht sich von der SPD. haben kaufen lasten, spricht das nationalsozialistische„Abendblatt" von einem»Re- klametrick Brauns". Das stellt den Gipfelpunkt charakter- loser Journalistik dar. Kein Wort davon, daß es sich hier um einen Sturmführer der SS. aus dem Reiche bandelt, der offenbar nur zum Zwecke der Durchführung des Attentats in seine Heimat nach Neunkirchen geschickt worden war. Wir werden»ich* zögern, dem verantwortlichen Redak- teur Gelegenheit zu geben seine Frechheit und wahnwitzigen Lügen vor Gericht zu beweisen. Die Pgs. Schäker und Keller- mann werden als Zeugen in dem kommenden Beleidigung»- prozeß gegen den skrupellosen Verleumder vom„Abendblatt" unter ihrem Eide aussagen müssen, welch dreiste und unge- hcuerlichc Erfindung die Behauptung darstellt, Braun hätte sich dieses Attentat bei den braunen Banditen bestellt. Man ersieht daraus, in welchem„Tempo" die jüdische Ueberfremdung vor sich ging.— Aber halt: warum ist denn in der hitlerdeutschen Verlautbarung immer nur von Preußen die Rede? In Deutschland, im gesamten Reich ist nämlich seit Beginn des 20. Jahr- Hunderts der Prozentsatz der Juden dauernd zurück- gegangen. Um 1900 betrug er noch ü b e r ein Prozent, 1925 nur noch 0,95, also w e n i g e r als ein Prozent! Mit anderen Worten: die mikroskopische Vermehrung der Juden in Preußen wurde mehr als ausgeglichen durch Rückgang in den anderen Ländern. Die Iudenstatistik des„dritten Reiches" ist um kein Haar ehrlicher als seine Arbeitslosenstatistik! Hitlers getreue Indennazi Das„Neue Wiener Journal", das Organ der öfter- reichischen Menschen jüdischer Konsession, meldet aus Berlin: »Deutschjuden und Frcmdjudeu" Berlin, 11. Dezember. sT. P.) Der Verband nationaldeutscher Juden, der unter der Leitung Dr. Max Neumanns steht, hat an die deutsche Regierung die Forderung gestellt, daß die Juden in Deutschland in Deutschjuden und Fremdjuben geteilt werden sollen. Die Deutschjuden dürfen nicht so behandelt werden wie die Fremdjuden. Die Fremdjuden gehören unter das Fremdenrecht in die Stel- lung der Staatenlosen. Sic müssen zu einem bestimmten Termin das Staatsgebiet Deutschlands verlasse». Dagegen Die»Saarbrücker Landeszeitung" schreibt in ihrer Sonn- tag-Nummer: Aus Grund d«S UnterfuchunaSergebniffes ist nicht der geringste Anlaßpunkt dasllr vorhanden, daß es sich bei dem Attentat um einen Reklamctrick der Gegenseite bandeln könnte. Mit solchen Werturteilen sollte man zu mindesten zurückhalten, bis eine polizeiliche Klärung der Angelegen- heit herbeigeführt ist. Wir zweiseln nicht daran, daß die Gaarbevölkcrung in ihrer Gesamtheit derartige Wildwest- Methoden restlos ablehnt. Ein Glück, daß bei dem Buben- streich nicht Menschenleben geopfert wurden. Das ist ge- miß nicht das Verdienst derjenigen, die dieses Attentat vor- bereitet hatten. Lediglich dem glücklichen Zufall, daß aus dem Postwege der Inhalt des Paketes beschädigt wurde, ist es zu danken, daß nicht unabsehbarer Schaden an Men- scheu und Material entstanden ist. Selbstverständlich kann sich die»Saarbrücker Zeitung" zu dieser anständigen Stellungnahme nicht aufschwingen. Wenn sie auch nicht ganz so grob und niederträchtig beschmutzt wie das»Abendblatt", so bringt diese unendlich tief gesunkene Zci- tung es doch auch fertig, den Eindruck zu erwecken, als hon- dele es sich bei diesem schurkischen Bubenstreich um eine Re- klame der SPD. Die Untersuchung wird wohl auch daraus ausgedehnt wer- den, wie die Mordgerüchte bereits entstehen konnten, bevor die Höllenmaschine in der Arbeiterwohlsahrt gelandet war. Haben nur die Täter geplaudert oder konnten die Mitwisser und Drahtzieher ihre Ungeduld nicht mehr bezähmen, suchten sie begierig über den Erfolg des Schurkenstreiches sich Ge- wißheit zu verschaffen? ES dürste nicht schwer fallen, auch dieser Seite des Falle» auf den Grund zu kommen. vie Saarabsammung Die Saarvereine machen mobil In den deutschen Zeitungen erscheinen Notizen folgenden Inhalts: Im Januar 1935 findet im Saargebiet die Volksabsttm- mung über folgende drei Fragen statt: 1. Beibehaltung der durch den Vcrfajller Vertrag geschaffenen Rechtsordnung: 2. Vercin'gung mit Frankreich: 3. Wiedervereinigung mit Deutschland. Abstimmungsberechtigt sind alle Deutsche, die am 28. Juni 1919 polizeilich im Saargebiet gemeldet waren und dtc bis zum Tage der Abstimmung das 29. Lebensjahr erreicht haben. Die örtlichen Saarvereine sind beauftragt, sämtliche Stimmberechtigte zu erfassen und sie unverzüglich den Behörden zu melden. Alle Stimmberechtigten, die kei- nein Saarverein angehören, werden gebeten, sich zur Ver-- vollständig»«« der Listen sofort zu melden. Urkunde» oder sonstige Beweise, aus denen die Abstimmungsberechtigung hervorgeht, müssen vorgelegt werden. müssen die Deutschjuden, die mit den Ideen Hitlers ein- verstanden sind, genau so behandelt werden wie die boden- ständige deutsche Bevölkerung. Der Verband national- deutscher Juden erklärt wörtlich.'„S A.- G e i st muß in uns hinein, die flammenden Takte des„Hohen- friedberger-Marfches" müssen unserer Jugend Herzen entzünden, nicht näselnde Musiklaute. Keine Schwäche darf es mehr geben." Kurz und gut: der Faschismus ist interkonfessionell. Die deutschnationalen Juden übertrumpfen die Hakenkreuzler, SA.-Geist fährt in sie hinein, zum Takte preußischer Mili- tärmärsche assimilieren sie sich an den herrschenden Anti- semitismus. Mögen arische Proleten und jüdische Jntellek- tuelle in den Konzentrationslagern gefoltert werden— interessiert die Hitler-Juden weiter nicht, wenn sie in Gnaden in Ruhe gelassen werden. vie Sozlaiistenilonlerenz Im Verlag der Sozialtstischen Arbeiter-Jnternationale er- scheint soeben eine Broschüre unter dem Titel„Nach der deutschen Katastrophe". Sie enthält auf 32 Seiten den Wort- laut der Rede des Berichterstatters Otto Bauer bei der In- ternationalen Konferenz der SAJ, in Paris, in der die ge- meinsamcn Anschauungen der Konferenz über die Aufgaben der internationalen Arbeiterbewegung im Kamps gegen den Faschismus zusammengefaßt wurden. Die Broschüre enthält ferner die von der Konferenz gefaßten Beschlüsse, Einzel- heiten über die Abstimmungen und die Liste der Delegierten und der Redner. Exemplar« sind zu 39 Schweizer Centimes beim Sekretariat der SAJ., Postfach Hauplbahnhof. Zürich. Schweiz, erhältlich. Weltausstellung in Chlhogo Chikago, Anfang Dezember. Jeder gute Europäer verbindet mit dem Wort»Chikago" die Borstellung„Gangsters". Mit derselben Unfehlbarkeit antwortet das gute amerikanische Gehirn Heuer aus„Chikago" mit»Ausstellung". Eigentlich ist„Weltausstellung" nicht die richtige Uebersetzung für das englische»Worlds Fair". Denn Fair heißt eher Kirtag— und die neue Lagune, die da im Zentrum der Stadt in den Michigans«« hineingebaut worden ist, macht auch mehr den Eindruck eines übertriebenen Gschnas als den eines»Jahrhundert des Fortschrittes", wie es im offiziellen Katalog steht. Das Ganze ist amerikanisch bis ins Kleinste. Ein« Mischung von genialen Einfällen und aufreizender Propaganda: die Sensationslust wird aufs äußerste ausgenützt. Der Maßstab ist ungeheuer, das Bild farbig, grell. Die Gebäude sind das Modernste, was man hier kennt, uird so bunt durcheinander gewürfelt, daß einem die Augen wehtun. Der Ruf der Aus- stellung ist bis in die fernsten Ecken der Bereinigten Staaten gedrungen und in den Straßen Chikagos schießen die Autos aus allen Staaten herum, Texas, Kalifornien, Oregon. Flo- rida und Neuyork. Von überall her sind sie gekommen: Bauern mit ihren Familien aus Iowa und Kansas, kleine Beamte aus Michigan und Missouri und Intellektuelle aus den Oststaaten. Alle sind begeistert und freuen sich an der neuesten Großtat Amer'kaS. Und es ist wirklich teilweis« schön. Dt« Architektur ist topische AuSstellungSarbeit. eS gibt nur»»«i oder biet gelungene Gebäude, die meisten find landesüblicher Durch- schnitt Aber immerhin ist eS ein Fortschritt, von den schau- derhaften Imitationen klassischer Tempel wegzukommen Und ein Gebäude ohne Säulen und Pilaster, ohne sinnlose Orna- mentik*st schon hochmodern. Die Erbauer taten ein Uebrrge« nud begossen ihr Werk mit grünen, roten, gelben und blauen Farbe«. Das Resultat ist vernichtend mit twer Ausnahmen: die Hall« der Wissenschaft ist weiß, orange und blau, und da« ChrySler-Gebäude in Weiß. Aber bei Nacht vergeht der Spuk und in dem Licht unzähliger Scheinwerfer kommen auch die meisten andern Bauten zu besserer Geltung. Wir gehen über die Brücke auf die Lagune hinüber. Der ganze Grund, auf dem die Ausstellung steht, ist eigens auf- gefüllt worden: und die Aussicht auf ChikagoS Seefront einerseits, auf den dunklen See hinaus andererseits ist packend schön. Der Eingang mit der„Fahnenstraße", die zur Halle der Wissenschaft hinaufführt, ist imposant. Hier sind die besten Teile der Ausstellung und anschauliche Darstellun- gen der Entdeckungen des letzten Jahrhunderts. Physik, Chemie, Elektrotechnik und Medizin sind mit vielerlei Appa- raten vertreten, die man selbst durch Hebel und Schalter in Bewegung setzen kann. Mathematische Gesetze der Wahr- schcinlichkeit, geometrische Formen und Kurven, neueste Er- gebniffe der Atomsorschung— alles mit beweglichen Leucht- körpern und Maschinen ist klar und einleuchtend dargestellt. Das Publikum ist fasziniert— wie viele die dargestellten Vorgänge wirklich verstehen, weiß man allerdings nicht. Dann gchts wieder hinaus und wir schlendern langsam durch die Straßen zwischen den verschiedenen Separata»»- stellnngen durch. Da gibts ein nettes, kleines Gebäude der Festschriften»Time" und„Fortune"— eine Lesehalle mit Möbeln aus Hellem Birkenholz: hier kann man all« Zeit- schriften der Welt bekommen— angeblich. Ich habe den Wiener„Kuckuck" gesucht und nicht gefunden. Das war aber vielleicht meine Schuld. Im nächsten Bau gibt eS erne schön« PhotoauSstellun«: dann kommen alle möglichen kleinen Häuser, die die Anwen- duna verschiedener Materialien»eranschaulichen. Ein Wiener Cafe gibt eS auch mit unglaublich hohen Preisen und schleckten, Kaffee ohne Schlag Dann sind da die Pavillons verschiedener Länder- Italien und Schweden sind vertreten und ein echter chinesischer Tempel gibt einem einen Eindruck von asiatischer Kunst. Die»Halle der Religionen" enthält neben alle» möglichen NebeuaussteUungen und der Heilsarmee auch den Heiligen Gral— einen groben Becher aus der Frühzeit des Christentums, der in kunstvollste Silberarbeit gefaßt ist. Langsam kommen wir in den»leichten" Teil der AuS- stellung An einem belgischen Dors vorüber gehen wir an zahllosen Buden vorbei, in denen die Sensationen der Welt für wenig Geld zu sehen sind. Aus jeder Tür schrei- einen ein Lautsprecher an— eS ist ein Höllenlärm und der Prater ist nichts gegen daS Tohuwabohu, das hier herrscht. Da gibt e» Riesen und Zwerge, Babys mit zwei Köpfen oder vier Armen j»AlleS lebendig, bitte!"); Affen und Chamäleons, die Miß Amerika ist auch da; man kann sehen, wie BabyS künstlich ausgebrütet werden, und die Schlacht bei soundfo wird einem vor Augen geführt. Das Publikum geht sensa- tionSlüstern herum— es läßt vor Gier fast die Zunge heraushängen— und strömt in die„Straßen von Paris", wo jede Nacht garantiert nackte Mädchen tanzen. Wer einen Stich Kleidung an ihnen entdecken kann, kriegt sein Gelb zu- rück. Wir gehen so rasch al« möglich an all diesen schönen Dingen vorbei und landen auf der andern Seite der Lagune. Hier sind die Ausstellungen der einzelnen Staaten, dann das„Ge- bäude de» Landwirtschaft" und die„Halle der Elektrizität". Langsam wirb es dunkel und wir denken ans Heimgehen. Da plötzlich slaminen die Lichter an cinein Ende der Lagune auf— wie ein Lauffeuer verbreiten sie sich und bald steht alleö im Glanz der Scheinwerfer. Diese Taufende von Lampen sind soeben von einem Strahl des Sternes Arkturus entzündet worden»-«in Strahl, der vor vierzig Jahren seinen Stern verlassen hat und der jetzt hier eingefangen wurde und Arbeit leisten muß. Dierz'g Jahre! So lang« ist eS seit der letzten Weltausstellung in Chikago schon her— und viel bat kick aeänder'»«♦ Fogrbnndert des Fort- schritte». Von wem»vird der Strahl des Arkrurus,»er heute, eben jetzt, von ihm wegflammt. in abermals vierzig Jahren empsaxoen«erden? Lisl. Scheu. Für Toralers Freispruch Romain Rolland— Dr. Sacks Verteitigungsrede Alle für Dem Welthilfskomitee für die Opfer des Hitler- faschismns flitifl soeben folgender Aufruf Romain RvllandS für die Rettung Tor gler s zu: Die Ankldge ist zurückgewichen vor dem Betrug ihrer ur- sprünglichcn Beschuldigungen gegen Dimitrosf, Popoff und Tancff. die sie in höchst ungeschickter Weise vor den Augen der Weltöffentlichkeit, mit gefälschten Zeugenaussagen und unter flagranten Verletzungen der Alibis ausgebreitet halle. Sie hat, durch den Mund des Oberrcichsanioalts, die Unschuld dieser Angeklagten anerkennen müssen. Aber in ohnmächtiger Wut die in den rasenden Beschuldigungen Görings zum Aus- druck kommt, ivill der öffentliche Ankläger, der sich von Göring bedroht fühlt, sich rächen und will Torglcr dem Hcn- ker ausliefern. Ernst Torglcr, der Unschuldigste, der je angeklagt war— der reinste der politischen Kämpfer.— der Mann, dessen gan- zcs Leben nur Uneigennutzigkeit und Aufopferung war, er, der aus Disziplin und Temperament in seiner Partei am fernsten iedem individuellen Gewaltakt stand, der am wenig- st en eines 10 sinnlosen, theatralischen und nutzlosen Terror- aktes sähig war, wie ihn der Reichstagsbrand darstellt, aus dessen Flammen das Herostratcnrum eines Minderwertigen hervorbrach, den die schändliche ProvokatwnSiucht derjenigen vorgesehen hatte, die dieses neronischc Schauspiel in Szene geletzt hatten:— Ernst Torgler. der, getragen von seiner Un- schuld, nicht gezögert hat. in der Raserei der ersten Stunden nach dem Brande, die die Provokateure gegen ihn entfesselt hatten, st» ihrer Rache auszuliefern, um die Ehre seiner Par- tet zu verteidigen, dieser Mann, den sie sieben Monate lang im Gefängnis, fünf Monate lang in Ketten gehalten haben, obwohl sie wnstlcn, dass er unschuldig war,— dieser Mann, dessen Flammen das Hervtentum eines Minderwertigen unschuldig ist, um ihn der Rache derjenigen vorzuiverfen, die dem Marxismus eine Falle stellen wollten, und die sich in ihrer eigenen Falle ans falschen Zeugenaussagen und offen zu Tage liegenden Lügen gefangen haben... Ernst Torgler, der als Sühneopfer für das Verbrechen seiner Henker und für seine eiaene Unschuld fallen soll, semer Henker, die in ihm nicht den Menschen, sondern die Partei treffen wollen! Kreuzigt ihn denn, den Unschuldigen! Wenn Ihr es wagt, dieses Verbrechen auszuführen, so gebt Ihr der»rosten Partei des Weltproletariats die hellige Fahne in die Hand, dag blutige Snmbol, da? Banner des Märtyrers, in dessen Zeichen es zum Siege schreiten wird. Romain Rolland. * Dr. Sadfs Verteidigungsrede wtb. Berlin, 17. Dezember. Die SamStagvcrhandlung des Reichstagsbrandprozesses beginnt sofort mit dem Plädoyer des RA, Dr. Sack, des Verteidigers dcS Angeklagten Torgler. Als uns, führt er aus, am 27. Februar abends die Kunde wurde, dah der Reichs- tag in Brand gesetzt war, da war wohl jeder von uns Deut- scheu, ob er sich mehr oder weniger als deutscher politischer Mensch iiihlte, betroffen. Er mustte betroffen sein, denn er mustte sich sagen: Wie weit ist die geistige Verwirrung in Deutschland gekommen, dah das höchste Gut, daS der Deutsche hat, nicht sicher war vor der Hand eines Frevlers. Für jeden politisch denkenden deutschen Volksgenossen war es klar: Fetzt ist der Zeitpunkt gekommen, dast endlich dieser geistigen Ver- wirrung gesteuert werden must. Aus der einen Seite hat das sofort unser Führer erkannt, aus der anderen Seite der Poli- zeiminister, der sich sagte, dast hier nicht nur Präveutivmast- nahmen erlaubt sein müssen, sondern dast er die Pflicht habe, durchzugreifen. Der Prozcst hat gezeigt, dast auch im neuen Staat Adolf Hitlers die Richter unabhängig sein sollen. Der Prozcst wird uns zeigen, dast das Wort, das Hitler am 23. März gesprochen hat, dast dieser neue deutsche Staat„ein Rechtsstaat auf nationalem Boden" ist. durch die nachfolgen- den Geschehnisse geheiligt worden ist. Insofern ist dieser Pro- zest deutsche Geschichte, ein Prüfstein für unö Deutsche, in uns zu gehen, und ein Prüfstein nach aussen. Dann»ich selber Ma» hat versucht, den Oberreichsanwalt in eine schiefe Lage zu bringen und auch die erkennenden Richter vor der Welt in eine schicke Lage zu bringen. Mau hat letzten Endes jeden Dreckkubel, den man hatte, über mich ausgegossen. Man hat gesagt, dast ich ein Doppelspiel triebe, dast eS nur darauf ankäme, Torglcr zu verraten, weil zwei Weltanfchanunacn uns trennen, nämlich meinen Klienten, den Kommnuisten Toraler, von mir, dem nationalsozia- listischen Berteidiger, Diese Leute konnten(ich nicht vorstellen, dast ein anständiger Rationalsorialist es liber sich bringt, anständiq, sair. korrekt einen Menschen von ent- gegrngesctzter Gesinnung zu verteidigen. Dr. Sack verliest ein Telegramm, daS Ihm in der letzten Nacht von dem sogenannten VerteidignngSkomitec zugegan- gen ist:„Antrag dcS Oberrcichsanioalts gegen Torgler be- meist, bah Sie mit der Führung Ihrer Verteidigung, insbesondere mit der Ablehnuna seder politischen Verteidigung Ihren Mandanten an die Anklagebehörde und Regierung verraten haben," Ich. erklärt Dr, Sack, habe kein Bedenken, dieses Tele- grainm damit zu bekräftigen, dast ich sage, ich würde mir selbst als schlechter Verteidiger Torgler? vorkommen, wenn ich all dem nachgeganaen wäre, ivas mau versucht hat, an mich heranzutragen. Alle diele Momente haben, was beab- sichtiat war, nicht vermocht: Misttrauen zwilchen dem Kam» munisten Torgler und dem nationalsozialistischen Verteidiger zu säen. Ich habe mir nicht lange iiberlcat, nachdem ich die Ner- teidigung übernommen hatte, ob ich nach Paris fahren sollte, um dort die Fraae zu prüfen, ob wirklich Ent- lastnnqsmoterial für Tniglcr vorhanden ist. Ich bin als deutscher Mann betrübt zurückgekommen, k^twas war in mir zerbrochen, als man mir nichts iy Baris saate: Mas wollen Sie denn. Her,- Dr. Sack' 3 Glauben Sie denn wirklich, das, eS unS»m Loralerg Schuld ober Un- schuld geht? Es geht um die Tendenz. Als ich nach„veitägiaer Teilnahme an den Verhandlungen des Untersuchungsausschusses in London zurückkam, erklärt Dr Sack weiter, sagte.ich mir- Ist es wirklich möglich, dast ei» Gremium prominenter Juristen kritiklos eine solche Be- wciSaulnghme über sich ergehen lästt. dast der so streng natio- nal eingestellte Engländer sich nicht kritisch zu diesem Men- schcnmaterial stellt, das er da gesehen hat. Und jetzt hetzt er gegen Landesverräter Ich zog die einzig mögliche Konsequenz: Deutsche im Auslände, die sich noch Deutsche nennen, die gar kein Verantwortungsgefühl haben, was sie ihrer Bolksgemetu- schast in der Heimat tun, sind für mich nichts anderes als potenzierte Landesverräter. Ich spreche das in aller Öffentlichkeit hier aus. Als.Ver» leidiger Torglers will ich keine Milde. Urteilen Sie hart, aber urteilen Sie gerecht! Dr. Tack besaht sich dann mit der Möglichkeit der Anwen- dung der Lex Lübbe, lieber den Charakter des Ermäch- tigungsgesetzes vom 24. März als vorläufige Verfassung be- stünden keine Zweifel. Aus diesem Ermächtigungsgesetz her- aus seien die Reichsgeseye vom 28. Februar und SS. März cutstanden. Ihre formelle Verfassungsmässigkeit sei zu bc- iahen. Zweifel bestunden aber über die materielle Berfas- sungsmässigkeit. Dr. Sack betont, das, er als Nationalsozialist nicht nur das Recht, sondern die Pflicht habe, Gesetze auch kritisch zu prü- sen. Die Ansichten darüber, ob der Senat die Möglichkeit habe, solche Gesetze nachzuprüfen, seien geteilt. Der Vertei- diger macht dann längere staatsrechtliche Ausführungen über die Grenzen der Vcrfassungsgefeygebung, um schliesslich ein Prüfungsrecht über die materielle Verfassungsmässigkeit der Gesetze zu bejahen. Auch beim Staatsnotreckt mußten die ab- iolutcn Schranken des Verfassungsrechtes Geltung erhalten. Er fordert Vergeltung Dr. Sack erklärt: Ich babe das unerschütterliche Ber, trauen zum Reichsgericht, bass eS den Anspruch der VolkSgemeinschast aus Vergeltung erfüllen, dass es aber auch dem Angeklagten sein Recht aas ein gerechtes Urteil geben wird. Rechtsanwalt Dr. Sack leitet den zweiten Teil seiner Ausführungen ein mit den Versicherungen, er habe Torglers Berteidiauna übernommen, alS ihm Torgler gesagt Hab«, dass er am Reichstagsbrand unbeteiligt sei und dag er aus ferner politischen Gesinnung nie ein Geschält gemacht habe. AlS Verteidiger Torglers sei er nicht Berteidiger der kom- munistischen Partei. Aus dem politischen Charakter dicjeS grossen Sensationsprozesses ergebe sich ganz von selbst eine Häufung von Fehlerquellen, die dadurch entstanden seien, dass die Vorarbeiten der Polizei zum grossen Teil recht un- vollkommen geführt worden seien. Der Verteidiger verweist in diesem Zusammenhang aus die Erklärung des Minister- Präsidenten G ö r i n g. dass der Reichstagsbrand in eine Zeit fiel, in der die Neugestaltung der vom alten System über- nvmmenen Polizei erst gerade in Angriff genommen mar. Erst dann verteidigt er Torgler Der Verteidiger bemängelte, dass man Torgler jeden klei- nen Irrtum stark angekreidet habe, während man dem Zeu- gen G r o t h e, einem Wichtigtuer und Tendcnzliigncr, das Recht zugebilligt habe, sich fortwährend zu widersprechen. Die vom Ankläger angenommene Mittäterschaft sei voll- kommen ausgeschlossen. Unmöglich könne man sagen: Da Torgler zu einer bestimm- ten Zeit nicht in seinem Nitro gewesen ist. hat er in dieser Zeit den Brand vorbereitet! Das würde eine Umkeürung der Bcweislast bedeuten. Nach deutschem Strasrccht müsse dem Angeklagten die Schuld nachgewiesen werden, und es sei nicht umgekehrt die Aufgabe des Angeklagten, seine Unschuld zu beweisen. Selbst wenn man die objektive Richtigkeit der Aussage von Karwane und Kroyer unterstelle, dann würde daraus folgen, dass am 27. Februar nachmittags Torgler mit Lübbe gesehen worden ist. Sie können sich über alles Mögliche unterhalten haben. Dieser Tatbestand reiche nicht aus, um ei« Schuldig fest» zustellen. Woycr wisse der Obcrreichsauwalt, dass Torgler von der Tat gewußt habe, daß er sie billigte»der teil- genommen habe? Dr. Sack geht weiter ausführlich aul die Aussagen von K a r- wane und Kroner ein und kommt zu der Ansicht, da» Karwane von der besten Absicht beseelt sei, die Wahrheit zu sagen. dass seine Aussage aber objektiv unrichtig sei. Bei der nächtlichen Aussage von Karwane, Kroyer ntto Z>rcy aus dem Polizeipräsidium liege der typische Fall einer wechselseitigen Suggestion unter der Einwirkung einer Sensationsmclduna vor. Aus de, zunächst elnheit, lichen Gelamtbelastung Torglers sielen dann Frey und Kroyer aus. Nur Karwane blieb übrig. Bei aller mensch- lichen Vollkommenheit sei es aber nicht möglich, nameut- iich angesichts der Lichtvcrhältnisse im Obergeschoß des Reichstags, eine solche Wiedererkennung festzustellen,«ie sie Karwane behauptet habe. RA. Dr. Sack beschäftigt sich dann weiter mit den vom Ober- reichsanwalt angeführten Belastungsmomenten ge- gen Torgler. Mit Zeugenaussagen vom Schlage des Verbrechers Leber mann brauche man sich nicht auSeinan» derzusctzcn. Grothe sei zwar unbestraft, aber nach ärztlicher Auskunft ein Psychopath mit hysterischem Ein- schlag. Keine seiner Behauptungen habe der Nachprüfung standgehalten. Es lohne sich auch nicht, au> den Komplex der Bekundungen von Kampier, Kempncr, Singer und Kunzack einzugehen. Kunzack insbesondere habe die Prüfung seiner Zcugenaualität nicht bestanden. Der Verdacht, dass Torgler in leinen Taschen Brandmatrrtal in den Reichstag gebracht habe, sei durch die gründliche Beweiserhebung in keiner Weile bestätigt worden. Der Oberrcichsanwalt habe die These ausgestellt, da Torglcr nicht nachweisen könne, wie er am Freitag die Zeit von IS biS 20.45 Uhr verbracht hat. müsse angenommen werden, dass er in dieser Zeit an ber Brand- Vorbereitung gearbeitet habe. Dazu überreicht der Vertei- diger dem Gericht eine Zeittafel, in der genau aufgezeichnet ist. was in diesem Zettraum nach den Angaben des Ange- klagten und der verschiedenen Zeugen im Reichstag in der Umgebung Torglers gestochen ist. Dadurch werde der genaue Nachweis geführt, dass Torgler in der kritischen Zeit gar nicht in der Lage gewesen wäre, sich mit der Vorbereitung der Brandlegung im Plenarsaal zu befassen. Der Berteidiger schildert das Verhalten Toralcrs nach dem Verlassen des Reichstags und sagt,„ein Mann, der eben das schwere Berbrecken der Reichstagsbrandstiftung begangen hätte, würde sicherlich nicht in so langsamem Tempo mit der kränklichen Sekretärin z« Atchinger ge- gangen sein nnb dort ruhia und mit so antem Appetit ei« reichliches Abendessen verzehrt haben." Auch Torglers An- gäbe, dass er schon gegen 20.80 Uhr den Reichstag verlassen habe, scheine zntressend zu sein. Dr. Sack wendet sich weiter gegen den Vorwurf, dass sich Torgler verstecken wollte, als er nachts nicht nach Karls- borst zurückfuhr, sondern in der Wohnung des Partcisekre- tärs Kühne nächtigte. Ebenso vertritt er entschieden die Ausfassung, dass Torgler sich freiwillig gestellt Habe. Viele seiner Gesinnungsgenossen, führt Dr. Sack ans, haben nicht zu ihm gestanden. So mancher ha« sich eine Rückzngsstcllnng gesichert. Er hatte nichts zur Abreise vorbereitet; er besass keinen sal- scheu Pas, ans der Passlälscherzentralc, kein, falsche Wob- nung zum Tarnen. Dieser gntc Trottel, möchte ich beinahe 3D-'■ Nieder mit der Denherlnsttz! Werktätige in Stadt und Land! Antifaschisten aller Länder! Der Oberrcichsanwalt in Leipzig hat seinen Mordantrag gestellt Das ist der Befehl der Nazircgicrung an daö Gericht! Hitler fordert den Kopf unseres Kameraden Ernst Torgler! Der Oberrcichsanwalt ist selbst genötigt, trotz Görings tollwütiger Drohungen den Freispruch des grossen Revo- lutionärS Dimitrofs und seiner beiden bulgarischen Mit- käuipier Popoif und Tauesf zu beantragen. Dimitrofs hat den Hitler, Göring und Göbbels den Prozcss gemacht. Die Angeklagten waren die Ankläger. Sie haben vor der Welt gewonnen. Die Richter wurden gerichtet. Ter Antrag, die bulgarischen Angeklagten freizusprechen, ist der Zusammenbruch des schmählichen Feldzuges gegen alle vier tapferen antifaschistischen Vorkämpfer, gegen die sie drei Monate lang ihren beispiellosen Gewalt- und Lügenapparat in Bewegung setzten. Alle Welt und sie selbst sind davon überzeugt, daß auch Torgler mit va» der Lübbe und dem Reichstagsbrand nichts, gar nichts zu schassen hat. Van der Lübbe— wer zweifelt daran?— war das Werkzeug ber Nazis, die allein das Inter- esse hatten, den Reichstag in Brand zu setzen: nur sie konnten Nutzniesser dieses Verbrechens sein. Es ist ihnen nicht ge- langen und es wird ihnen niemals gelingen. Torgler und die revolutionäre Arbeiterklasse mit dem verkommenen Provokateur van ber Lübbe in irgendeine Verbindung zu bringen. Und dennoch fordern sie Torglers Kops! Sie wollen in Torgler die heldenhaft kämpfende Arbeiter- schast Deutschlands und die werktätigen Antifaschisten der ganzen Welt treffen. Torgler hat sich von Jugend aui nur einer Sache ge- widmet: der Befreiung der Arbeiterklasse. Immer und über- all hat er alle seine Kräfte iür die Sache der Arbeiter und Bauer», der Angestellten und Braunen, der Intellektuellen, der Franc» und Jugend eingesetzt. Sein ganzes Leben und Wirken galt der Befreiung der Menschheit von Ausbeulung, Elend und Not. Bor dem Reichsgericht hat Torgler seine Festigkeit und Opierbereitschait bewiesen. Er kämpfte und stand für seine grosse, revolutionäre Massenpartei, deren Ziel es ist, alle Arbeitenden zu sammeln, die Einheitsfront aller Wcrktättge» gegen Faschismus, Krieg und mörderischen Kapitalismus zu schmieden. Das Iustizverbrechen an dem unschuldigen Torgler, dem bekguutesten Sprecher der Kommunisten im Reichstag, soll zugleich ei» Austakt sein zum„legalen" Mord an Hunderten von antifaschistischen Kämpfern mit Ernst Thälmann, dem Führer der antifaschistischen Massen Deutschlands. Sind doch bereits öd Arbeiter in den Todeszellen vom Henkerbeil bedroht. Antifaschistenl Werktätige! Das Urteil droht in den nächsten Stunden! Erhebt Euch zur Rettung Ernst TorglerS! Slrbeiter in den Betrieben und Stempelstellen! Rettet Torgler! Versammelt Euch! Unterbrecht die Arbeit! Angestellte in den Büros und Acmtern! Zwei Jahrzehnte hat Ernst Torgler tagtäglich Euren Interessen gedient. Er war der Führer, der Euren Forde- ungen Geltung verschaffte! Marschiert gemeinsam mit der Arbeiterschaft, um Euren Vorkämpfer den Henkern zu ent- reisten! An alle Geistesarbeiter, an alle Mitkämpfer für Freiheit und Menschlichkeit ergeht unser Appell: Erhebt Eure Stimme, zögert keinen Augenblick, um allen Regierungen zu- zuruien: Torgler darf nicht das Opfer entmenschter Bestien, perverser Morphinisten, blutrünstiger Sadisten werden. Es geht um ein Leben, das den heroischen Kamps gegen den Faschismus verkörpert! Millionen Antifaschisten aller Länder, zeigt Eure Macht. Rettet Ernst Torgler! Weltkomitee zum Kampf gegen imperialistischen Krieg und Faschismus. Weltjugendkomitee gegen Krieg und Faschismus. Europäische? Büro der Roten Gewerkschaft?- Internationale. Internationale Rote Hilfe. Internationale Arbcitcrhilfe. Liga gegen Imperialismus und koloniale Unter- drückung. Frauenliga fiii Frieden und Freiheit. Studenten Weltkomitee. Internationale der revolutionären Schriftsteller und Künstler. Internationale der BildnngSarbeiter. Internationaler Bund der Opfer dcS Kriege» und der Arbeit. Europäisches Büro der Roten Sportmternationà M g r ig, 15, Dezember 1933, II' fo«««, mußte hierbleiben, hat sich i« seiner Einsältigkeit gestellt und trat stir seine Idee ein. Was dieser Mann in drei Monaten durchgemacht hat. wird tu einer Läuterung dieses Mannes dienen. Wenn nur ein geringes Bindeglied zwischen Lübbe und Torgler bestehen würde. dann wäre es bestimmt in der Verhandlung einmal zutage getreten. Torgler hat mir gegcnttber immer ausrecht- erhalten, er misse, dah er Gott sei dank«IS Deuticher an diesem Verbrechen nicht beteiligt sei. Ich kann mir vorstellen, baß Torgler, wenn eS ihm gelungen wäre, von der Ge- wcindeschule ein Stipendium zu bekommen, vielleicht entgegengesetzt aus der Verbundenheit zu unserem Staat in seiner Tätigkeit tn Richtung auf die uns setzt so beseligende Volksbewegung geleitet worden wäre. Es war ihm aber vcr- sagt. Ich kann verstehen, dag ein Mensch von IS oder IS Jahren in Bitternis verfällt, wenn er moraenS Schrippen austragen mug, um ein paar Groschen für Vater und Mut- ter hinzuzuverdienen. Torgler ist das typische Probukt eineS Autodidakten, dem die runde innere Abgeschlissenheit zur Verarbeitung all dessen, was aus ihn eindringt, fehlt. Richtig angesetzt, hätte dieser Mann für sein Proletariat wirklich»iel erreichen können. Ich frage, was denn die bis ins kleinste gehende gewissen- hafte Beiveisausnahme au hochverräterischer Betätigung Torglers ergeben hat. Ich habe dafür keinen Beweis er- biip.gMi sehen. In diesem Prozeh hat der OberreichSanwalt die Anklage gegen die drei Bulgaren nicht aufrechterhalten. Er hat sein eigenes Anklagcgebäude erschüttert. Er hat da mit in die Einheit des Belastungskompleres Karwane. Frey und Kroner eine Diskrepanz hineingetragen, die auch für den Angeklagten Torgler von Bedeutung ist. Ter Ober- reichSanwalt hat gesagt, es sei nicht ermittelt worden, wohin die anderen Täter verschwunden feien. Taraus ziehe ich den Schluß, dah man die Beteiligung anderer, nicht ermittelter Täter nicht strikte ausichliehcn kann. Tann kann man aber auch nicht sagen: Da keine anderen gesunden worden sind, muh man Torgler verurteilen. Ter Verteidiger wandte sich zum Schluß an die Richter und sagte: Denken Sie an die Worte deS Ministerpräsiden- ten Göring in diesem Prozeh. Als Torgler seine Unschuld beteuerte, hat der Ministerpräsident Göring ihm geantwortet: „Ich nehme diese Erklärung zur Kenntnis. Aber Ausgabe des Hohen Gerichtshofes ist es. zu prüfen, ob es wahr ist!" Damit hat der Ministerpräsident z» erkennen gegeben, daß er den Rechtsspruch vertrauensvoll in Ihre Hände legt. Kein anderer als unser Führer hat gesagt:„Möge Gott uns da- vor bewahren, dah ein Deutscher an diesem Verbrechen be- teiligt ist." Mit diesem Wunsche werde ich nicht schließen, son- dern ich kann lagen, an der Hand dieser minutiösen bis ins Kleinste gewissenhaft durchgeführten Beweisaufnahme ist Gott sei Dank alles erbracht für mich, dah dieser Deutsche Torgler Gottlob an diesem Reichstagsbrand nicht beteiligt ist. Diese meine innere Uebcrzeugung gibt mir vor Ihnen die Berechtigung, die ich verantwortungsbewußt trage, zu sagen: Sprechen Sie den Angeklagten Torgler frei! * In der Nachmittagssitzung ging P a r r i s i u S kurz auf die Ausführungen Dr. Seufterts ein. Die Ansicht, daß die Voraussetzungen des Hochverrats sür van der Lübbe nicht gegeben seien, stehe mit den Feststellungen des Prozesses im Widerspruch. Fest gestellt sei. dah der Brand nicht von Lübbe allein, sondern von mehreren Tätern begangen ist. DaS sei auch der Eindruck der Personen gewesen, die zuerst an der Brandstätte eintrafen, außerdem seien die drei Sachverstän- digen übereinstimmend zu diesem Ergebnis gekommen. Für die Frage des Hochverrat? sei die Mittäterschaft anderer auch nicht entscheidend. Selbst wenn Lübbe Alleintäter war. so wäre er doch des Hochverrats schuldig. Der Anklagevertreter widerspricht iveitcr der Schilderung, die Seusscrt vom Cha- rakter Lübbes gegeben hat.^... Van der Lübbe habe über seine politischen Motive keinen Zweifel gelassen. An die Inbrandsetzung de» Reichstags sollte sich nach seiner Absicht unmittelbar der bewaffnete A inst and anschließen, sie war also keine Vorbereitung zum Hoch- verrat, sondern eine Handlung, durch die das Borhaben des Hochverrats zur Ausführung gelangen sollte. Diesem Ber- brechen gegenüber sei eine milde Auffassung nicht am Platze. Oberreichsanwalt Dr. Werner tritt dann in vollem Umfange den Ausführungen des Reichs- anwalts Parrisius bei. Lübbe, fuhr Werner»ort. hatte es nicht so gedacht, wie der Verteidiger meinte, daß seine».at in der Bevölkerung eine gewisse Erregung hervvrruien und daö Thema aufgeregter Stammtischunterhaltungcn bilden würde. Nein, er wollte mit seiner Tat die Massen aufpctt- schcn zu unmittelbarem Handeln. Der Oberreichsanivalt setzt sich dann mit den rechtlichen Ausführungen der Verteidiger über das Strafmaß auseinander und kommt zu dem Schlug, daß uach den neuen strasgesetzlichcn Vorschriften allein die Todesstrafe für die abzuurteilenden Verbrechen in Frage komme, und daß auch dir rückwirkende Krait der verschärften Strafbestimmungen gegeben sei. Er wendete sich dann gegen die Ausführungen Dr. Sack?. Wenn es richtig ist. dav Torgler wenige Stunden vor der Tat mit Lübbe am Tatort zusammen war, außerdem richtig ist, daß Torgler und Lübbe dies bestreiten, so ergibt sich daraus notwendig der«chlug. dah diese beiden etwas getan haben, was mit dem Brande zusammenhängt. Man werde es nirgends verlieben können, wenn man nicht zu der Annahme käme, daß sie über den Brand gesprochen haben. Das Gericht bildet seine llcbcr- zcugung nicht nach schabloncnmäßigen Grundsätzen, es kann sie sich aus allen möglichen Dingen bilden. Niemand kann es, wenn eS zu dieser Ucberzeugnng kommt, hindern, eine entsprechende Entscheidung zu finden. Wenn eS diese lieber- zeugung nicht gewinnt, wird eS auch daraus die Konseanen- zcn zu ziehen haben. Ich kann der Ueberzeuguug. daß die angeführten Beweise haltlos sind, nicht beitreten. Ich habe die Pflicht der Objektivität nach jeder Richtung gewahrt und auch die Zweifel vorgetragen Wenn ich Zweifel nicht in dem Maße hatte wie der Verteidiger, so liegt da« an der ver- schieden?« Auffassung und daran, daß es Auigabe und Pilichl b'r Verteidigung ist. gerade diese Dinge besonders hervor- znbeben. Ich bekenne nach wie vor. daß ick nimt den gering- st-n Zweifel babe, daß Torgler subjektiv die Tat als eigene gewollt und alS Mittäter gehandelt. Rechtsanwalt Seuffert »"'wortet. nach seiner Ausfassung sei die Beteiligung meh- r>"-'r Täter an der Brandstiftung nicht tengestellt worden, es h dlc sich nur um eine B e r m ut un g- Wenn nach der Ver- u'ung der Reichsanwaltschalt Lübbe nicht einen Mittäter, fi bern nnr Nebentäter aebabt habe, dann könne^ubbe siir d Handlungen dieser Nebentäter nicht verantwortlich ge- werden,?5n der NecktSt'raae. der Zulaniatett der To bestrafe für Lübbe, hält Rechtsanwalt«e u ffe r t an sei- ner voraetragcnen Aitfsaffunq lest.... Vorsitzender: Ich richte nun an die Angeklagten die Frage, ob sie noch etwas erklären wollen. Der Angeklagte van der Lübbe, der wäbrend der gan- zev Sitzung mit tiefa-sen»'-m Kovk dasaß, erbebt sich zögernd und sag' aus holländisch: Nein, ich babe nichts mehr zu lagen Der Angeklagte Torgler bittet, nach^den bulgarische« A-'-klonten sprechen ru dürfen... Vorsitzender: Ich lebe den Grund nicht ein, aber wir wenden Ihrer Bitte nachkommen. proteste an das Rcidisgcridit Sdiutz Dlmllroifs- Heraus mil Torgler! Gegen Görings Drohungen Das englische Hilfskomitee für die Opfer des HitlersaschiS- mus hat den bekannten englischen Arzt Doktor Sommerville- Hastings gebeten, sich in. Begleitung eines Rechtsanwalts nach Leipzig z« begeben, um Dimttrosf nach seiner Frei- lassung zu begleiten. Diese Maßnahme wird verständlich,«cun man sich an die Drohungen erinnert, die Göring im Reichstagsbrandprozeß gegen Dimitross ausgesprochen hat. Dr. HasFngs fährt heute ab. Ieiegramms(urni Der TobeSantrag des OberreichSanwaltS gegen den un- schuldigen Angeklagten Torgler hat einen ungeheuren Sturm in der gesamten Welt entlacht. Wir veröffentlichen nachstehend einige der nach dem Bekanntwerden des Mord- antrageS abgesandten Telegramme: An den Senatsprässdenten B ü n g e r, Reichsgericht, Leipzig. Im Namen von Millionen Männern und Kranen, die unserem Komitee in Europa und iu den Bereinigten Staaten angeschlossen sind, erheben wir energischen und feierlichen Protest gegen den Autrag des Oderrcichs- a» waits aus Todesstrafe gegen Torgler. Die gesamte aus- ländische Presse und ihre in Leipzig teilnehmenden Korre- spondenten und Augenzeugen und die öffentliche Meinung in allen Ländern stud einstimmig überzeugt, dah Torgler unschuldig ist. Im Namen der mit uns verbundenen M»l- lionen Männer und Frauen fordern wir Freispruch und Freilassung des unschuldigen Torgler. Welthilsskomite«. Gez.: Lord Marlen. Vizepräsident des Oberhauses. Prof. Haugcviu, Prenant, Pros, a la Sorbonne. » An den Senatspräsidenten B ü» g c r, Reichsgericht Leipzig. Dem Untersuchungsausschuß liegt Protesterklärung zwei- hundertsttnszig größter französischer Gelehrter, Professoren sämtlicher französischer Universitäten, gegen Todesurteil Tsrglcrs vor. Namcnsverzeichniö folgt. Unter ihnen Blondel, Brnenschwicg. HoGniachS«»-»ua-vin Prônant, Ballon, Urbain. Diese Erklärung gegen den etwaigen Justizmord kann kein Gericht uoouuu». Untersnchnngsansschnh zur Aufklärung deS Reichstagsbrandes. » An den Senatsprässdente» Bünger, Reichsgericht. Leipzig. Die gesamte Weltöffentlichkeit ist über den Todesantrag gegen Torgler entsetzt. Seine Ermordung soll die iuneu« politischen Mahnahme» der Hitlerregierung rechtfertigen. Torgler kann ebensowenig verurteilt«erden wie Dimitross, Poposf, Tanefs. Gegen den geplanten Mord erheben wir schärfsten Protest und fordern Freispruch. Vcrteidungskomitee sür den Reichstagsbrandprozeß. » Herrn Rechtsanwalt Dr. Sack, Reichsgericht, Leipzig. Der überraschende Antrag des Reichsanwalts aus Todes- strafe gegen Torgler zwingt uns in letzter Minute, noch- mala an die zahlreichen Sleweisunträge zu erinnern, die der Untersuchungsausschuß teils direkt an daö Reichsgericht, teils durch Hans, teils durch Jtcirer gestellt hat. Angesichts der Todesgefahr ersuchen wir dringendst nochmals, die Ver- nehmung der wichtigsten Zeugen zu beantragen. Es ist un- bedingt der Nachweis ,n führen, dah Lübbe Gegner der Kommunistischen Partei nnd schon deshalb keine Verbindung mit Torgler gehab« haben kann. Darum wollen S>e beantragen die Vernehmung von Albada, Biuk, Kriminal- kommissar Weyer, Abgeordneter Visser. Weynhipp. Schrift- stcllcr Freek van Leewe» und die IS anderen vom Unter- suchnngsansschnß in Amsterdam vernommenen Zeugen. Ferner wollen Sie beantragen, nachgenannteu Zeugen, die sich dem Untersuchungsausfchnh gegenüber bereiterklärt haben, an beliebtem Ort kommissarisch auszusagcn nnd zwar: Wilhelm Löhnen, Otto Kühne, Pros. Felix Halle, Wilhelm Florian, Erich Virkcnhaucr. Das Zeugnis dieser Zeugen widerlegt vollständig die Behauptung des Ober» reichsanwalts, dah Torgler am!7. Februar in frühen Nachmittagsstunden den Reichstag verlassen hat. In Zu- sammenkttnften Vranting-HayS und anderen Mitgliedern des Untersuchungsausschusses und in Presseerklärungen haben Sie nicht nur die Unschuld Torglers betont, sondern auch den Freispruch als sicher bezeichnet. Deshalb haben Sie viele unserer Ratschläge und Vewcisanträge sür nötig gehalten. Nunmehr beschwören wir Sie in letzter Stunde, nach dieser Stellungnahme des Oberreichsanwalts, die Wiederaufnahme des BcwcisversahrenS durchzusetzen und die Vernehmung auswärtiger Zeugen zu beantragen. Heu- tiger„Temps" schreibt: Man denkt, daß daS starke Talent des Herrn Sack als Verteidiger Torglers. ohne große Mühe z« haben, eine Dr. Werner entgegengesetzte Theie triumphieren lassen wird. Angesichts der einstimmigen Ueberzeuguug der ganzen Welt von Torglers Unschuld und angesichts ihrer frühere» Erklärungen ist Ihre Verant- wortung riesengroß. Untersuchungsausschuß zur Ausklärung deâ Reichstagsbrandes. » Au den Senatsprässdente» Bünger, Reichsgericht, Leipzig. Der Untersuchungsausschuß appelliert nochmals in letzter Stunde dringend au Sie, den gleichzeitig an Dr. Sack vor« geschlagenen Bewcisanträgcn, deren Kopie Sie erhalten, stattzugeben. Ohne Vernehmung dieser Zeugen ist eine Fest- stellung der Wahrheit unmöglich. Eine Verurteilung Torg- lers wäre schwerstes Fehlurteil. Die einstimmige Meinung der ganzen Welt geh» unterschiedslos dahin, daß im Prozeß nicht der geringste Beweis für Torglers Schuld erbracht ist. Untersuchungsausschuß zur Aufklärung deS Reichstagsbrandes. * Herr« Rechtsanwalt D r. Sack, Reichsgericht, Leipzig. Der Antrag deS OberreichSanwaltS gegen Torgler bc- weift, dah Sie mit der Führung Ihrer Verteidigung, ins- besondere mit der Ablehnung jeder politischen Verteidigung Ihren Mandanten an die Anklagebehörde und an die Rc- gierung verraten haben. In letzter Stunde appellieren wir an Ihre Vcrussehre und erwarten endlichen Uebergang zu wirklicher Verteidigung. Verteidnngskomitee sür den Reichstagsbrandprozeß. «- Herr« Torgler, Reichsgericht. Leipzig. Romain Rolland bittet, Ihnen wärmste Grüße zu senden nnd die Zusicherung vollster brüderlicher Solidarität. Appelliert an die ganze Welt für Ihre Hilfe. Relthilsskomitee. * An Rechtsanwalt Dr. Sack in Leipzig mit der Bitte, das Telegramm an die Mutter und Frau Torgler« weiterzugeben. Leipzig. Die Nachricht vom Todesantrag gegen Torgler hat Empörung cn der ganzen Welt hervorgerufen. Viele Hun- derte hervorragender Gelehrter, Intellektuelle, viele Mil- lionen Arbeiter nnd die gesamte Auslandspresse sind ein- stimmig von der Unschuld Torglers überzeugt. Keniizeich- neiid ist ein heute in der„Times" London erschienener Artikel, der von einem hervorragenden allgemein an- erkannten englischen Juristen geschrieben ist? in diesem wird unter anderem ausdrücklich hervorgehoben, daß für die Schuld Torglers nicht der mindeste Beweis erbracht ist. In brüderlicher Verbundenheit mit Ernst finden Nieseiituiid- gedungen in allen Hauptstädten nnd Industriezentren der Melt statt. Der Untersnchnngsansschuß sür Ausklärnng des Reichstagsbrandes ist sür Sonntag nach London einberufen. Florin, Birkenhaner und Pros. Felix Halle habe» einwand- freie Erklärungen über de» Ausenthalt von Ernst Torgler am 27. Februar im Reichstag abgegeben und werden es als Zengen vor dem Untersnchnngsansschuß bestätigen. Das Alibi ist damit vollkommen erwiesen. Wir versichern Ihne» und Ernst in dieser Stunde vollste Solidarität. W-Ithilfßkomitee. Verteidnngskomitee stir den Reichstagsbrandprozeß. Angeklagter Dimitroff erklärt zunächst, er habe nach 8 958 das Recht, sür sich se l b st als Verteidiger und dann als Angeklagter zu sprechen. Vorsitzender: Sie haben das Recht aus das letzte Wort, und daS ivird Ihnen jetzt gewährt. Der Angeklagte Dimitroff ergeht sich dann in angeb- lich endlosen Aeußerunaen über die politische Situation zur Zeit deS Reichstagsbrandes. Er beteuert immer wieder, daß die Lommoniftifche Partei an der Brandstiftung ganz nndr- teiligt nnd uninteressiert sei, und beantragt schließlich, nach zahlreichen Ermahnungen des Vorsitzende», endlich zur Sache zu kommen, ihn nicht wegen mangelnder Beweise, sondern wegen erwiesener Unschuld freizusprechen. AlS er diesen Antrag auch auf Tanelf. PopoU»nd Torgler ausdehnt und schließlich auch noch Entschädigung sür feine verlorene freie Zeit verlangt, entzieht der Vorsitzende ihm daS Wort. Der Angeklagte P ovo ff verliest dann in bulgarischer Sprache eine längere Erklärung, die Satz kür Satz vom Tol- melscher übersetzt wird. Er erklärt darin, dah er als buk- garischer Emigrant»nd Kommunist sich um die politischen Dinae in Den'schland nicht bekümmert habe und an dem Brande aänzlich unbeteiligt sei. Er wolle nichi wegen Man- >iels an Beweisen, sondern wegen erwiesener Unschuld frei- gesprochen werden. l^ine Erklärung gleichen Inhalts gibt auch Tanefs ab. ^oraler erklärte, er will- nicht durch eine Veweiswür- . das Plädoyer seines Verteidigers abschwäche«, dew •r auch hier in der Öffentlichkeit seinen wärmsten Dank akS Anaeklagter»nd Men'ch ausspreche. Der Antrag auf TodeS- ktrake treffe ibn als einen völlig Unschuldigen. Torgler erklärte weiter, daß er von der ReichStaaSbrand- stiftnutz keine Ahnung gehabt babe, andernfalls er diese Ver- brechen verhindert bätte. Van der Lübbe habe er zum ersten- mal im GerichtSsaal gesehen. Gegen 9 Uhr wurde die Sitzung geschlossen. » Die Verkündung des Orteils ist auf den 23. De* zember, vormittags 9 Uhr, festgesetzt. Dos tägliche Todesurteil KottbnS, 16. Dez. DaS Schwurgericht KottbnS verurteilte nach dreitägiger Verhandlung den LZ Jahre alten Dreher Bernhard Pischon ans KottbnS wegen Ermordung deS SA.- Mannes Kornatoivski zum Tode nnd Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte aus Lebenszeit, den Arbeiter Fritz Sommer wegen TodschlagSversnchS zu acht Jahren Zucht- hauS nnd zehn Jahren Ehrverlust. Droiessor Dessauer Wieder verhaftet Professor Dr. Dessauer, der am Freitag aus der U nter- s u ch u n g s h as t entlassen worden war. wurde zum e i g e- neu Schutze wieder in Hast genommen. Also: nicht mehr Untersuchungs-, sondern Schutzhastgesan- gener. Das bedeutet, daß kein Gerichtshof mehr seine Frei- lassung verfügen kann. Darüber entscheidet von nun an die TA. Wie befindet ssch eigentlich das christ-katholische Gewissen Ses Herrn Vizekanzlers von Pape», wenn er zusieht, wie Glaubensgenossen ihreö Glaubenswillen von denselben Leuten verfolgt werden, dessen ber Katholik von Pape»- schwerlich um deS Glaubens willen— dient? ch DaS halbamtliche Telegrafenbüro meldet noch: Wie früher ist Dessaner setzt wieder im Evangelischen Krankenhaus untergebracht, weil er wegen schwerer Röntgenverbrennung und dadurch nvtioendig gewordener Operationen ärztlich be- handelt werden muß und noch sehr schwach ist. Die Erleichte, rungen. die Professor Deffauer wegen seines ZustandeS zw» teil wurden, werde» ihm auch jetzt wieder gewährt.„ deutsche Stimmen•(Beilage zur„2)eutsdFken ffweitkcit"• Ireiénisse und Gesdhiefkten M i i Ui- Pl»wst»q, d»n 1>. Dezember 1»33 tBüchec untetm a tischen Chdst&aum Tla Um nun das durch jüdische Unmoral zersetzte Kinowese» zu restaurieren und den mörderischen Konkurrenzkampf der kleinen Theaterbesitzer(gegen die Ufa) wieder in arische Bahnen zu lenken, brachte die Reichsfilmkammer eine Verordnung heraus, nach der mit Wirkung ab 15. September in allen Theatern nur noch ein Film gezeigt werden durfte. Weiterhin wurden durch Kommissionen in den einzelnen Bezirken neue Preise festgesetzt. Von dieser Teuerung wurde aber durchweg nur der Arbeiter betroffen. Die niedrigsten Eintrittspreise wurden von einem zum anderen Tag in vielen Theatern bis zu 80 Prozent erhöht, während die höheren Platzkategorien einen Aufschlag von nur 20 bis 25 Prozent erhielten. Andererseits wurde anstatt wie bisher zwei Filme, nur noch einer gezeigt. Diese Maßnahme wirkte sich für die Theaterhesitzer katastrophal aus. Das Publikum streikte. Es ist nachgewiesen, daß nach dorn 15. September die Besucherzahl gegen die Vorwoche uns 50 bis 60 Prozent zurückging. Die Einnahme ging natürlich nur weniger zurück infolge der erhöhten Eintrittspreise. Anders war es in den großen Städten, wo die Ufa mit ihren Spitzenfilmen und Variétédarbietungen die Situation beherrscht. Dort ist noch eine verhältnismäßig große Schicht zahlungsfähigen Publikums und in diesen Theatern wurde ohnedies stets nur sin Film gezeigt, allerdings ergänzt durch mehrere Variétédarbietungen, begleitet von einem großen Orchester. Die Preise wurden in diesen Theatern durchweg nur um 20 Prozent erhöht, gegen, wie oben gesagt, in den kleinen Theatern um bis zu 80 Prozent. Mit einem Male hatten die großen Theater einen gewaltigen Zulauf und die kleinen Kinos spielten vor leeren Bänken. Wer also profitierte von den Maßnahmen der Regierung? Die großen(Ufa) Theater! Den Schaden hatte der kleine Theaterbesitzer und-pächter und der Arbeiter, der sich keinen Kinobesuch mehr erlauben konnte. Alles wurde munter. Vor und in dem Büro des Verbandes der rheinisch westfälischen Kinotheaterbesitzer in Düsseldorf haben sich unbeschreibliche Szenen abgespielt. Es worden Protestversammlungen abgehalten und große Reden geschwungen. Diejenigen, die vorher am lautesten „Heil" gerufen hatten, verlangten jetzt am lautesten den zweiten Film und die ehemaligen billigen Preise. Aber die hohen Herren des Verbandes. Herr Syndikus Emil Sander mit etwa 80 000 RM. Jahreseinkommen, Herr Abels aus Köln, Kinobesitzer und Inhaber einer gutgehenden Maschinenfabrik, blieben hart, sie mußten aber auch hart bleiben, weil trotz Telegrammwechsel und ständiger Telefonate mit Berlin von der Reichefilmkammer die Anweisung kam, sich strikte an die Verordnungen zu halten. Es wurde mit Geldstrafen und Konzentrationslager gedroht. Wochenlang ging der Kampf. Abordnungen der Theaterbesitzer fuhren nach Berlin. Alles war sich darüber klar, daß die. Gesetze der Reiehsfilmkammer»»ter Einfluß der Ufa zustande gekommen waren. Es war wieder einmal so, daß die Regierung dem Kapital auf den Leim gekrochen war. In diesen Tagen wurde von den notleidenden Kinobesitzern in Westdeutschland das Wort geprägt: Untergang Für Alle (Ufa). Die Filme liefen weiter in leeren Häusern und das Publikum in den kleinen und mittleren Theatern verzichtete darauf, bei zum Teil mehr als verdoppelten Eintrittspreisen die Hälfte geboten zu bekommen. In den großen(Ufa) Theatern blühte der Weizen. Dann habe» einige Kinobesitzer aus Burscheid bei Aachen in den Verbandsbüros in Düsseldorf mit den Revolvern gefuchtelt. Sie konnten sich das auf Grund ihrer langjährigen Parteizugehörigkeit und entsprechenden SA.-Uniformen leisten. Sie verlangten den zweiten Film spielen zu dürfen! Die Herabsetzung der Eintrittspreise brauchten sie nicht mehr zu erwirken, denn dafür hatten auf Grund zahlreicher Be schwerde» die Polizeipräsidenten der einzelne» Städte gesorgt. Sie ordneten an, die Preise auf den alten Stand zu bringen und drohten bei Zuwiderhandlung mit Geld- und Gefängnisstrafen. Die Polizeipräsidenten siegten in dem Kampf gegen die Reichsfilmkammer. Einmal setzten die Theaterleiter die Preise gern herab und zweitens war die Reichsfilmkammer viel weiter entfernt als die Polizeipräsidien. Schließlich wagten einige Theaterhesitzer wieder den zweiten Film zu spielen und gegen Mitte Oktober waren sämtliche Maßnahmen der Reiehsfilmkammer sabotiert, ohne daß von Regierungsseite etwas geschah. Und nun kam das Merkwürdige! Die mittleren und kleineren Theater blieben trotzdem äußerst schlecht besucht. Und das hat sich bis heute kaum geändert. Man zerbricht sich den Kopf und findet nicht des Rätsels Lösung. Ich habe die Lösung auch nicht gefunden, aber ich vermute den Grund für die schlechten Geschäfte in den Kinos. Einmal ist in den letzten Monaten das Einkommen der Bevölkerung auf einen Stand gesunken, der nicht einmal das Notwendigste zum Lebensunterhalt, viel weniger den Luxus eines Kinobesuches erlaubt. Ferner ist das Niveau der Filme derart gesunken, daß für die Kinos seitens der Bevölkerung nur noch wenig Interesse vorhanden ist. Filme, die mit unglaublichem Aufwand an Reklame dem Publikum vorgesetzt wurden, waren Versager, weil sie inhaltlich vollkommen ungenügend waren. Gerade der einfache Mann läßt sich heute nicht mehr so leicht bluffen. Die Filme der„nationalen Erhebung" wie „SA-Mann Brand" und„Hitlerjunge Quex" hatten keine Erfolge zu verzeichnen, von einzelnen Städten abgesehen. Weit stichhaltiger ist aber wohl die Tatsache, daß von den jungen Leuten, die ein großes Kontingent der Kinobesucher ausmachen, fast alle in Arbeitslagern und ein kleiner Teil auch in Konzentrationslagern untergebracht ist. Was noch übrig bleibt, ist in SA. und SS. und muß Abend für Abend zu Appellen und Nachtübungen antreten. Frauen und Nichtwehrfähige werden fast jeden Abend in politischen und kulturellen Veranstaltungen über die Vorzüge des„dritten Reiches" aufgeklärt. Es läßt sich denken, was für die Kinobesitzer bleibt, wenn nun noch jeder Beamte und in etwa Begüterte gezwungen wird, für das jeweilige Stadttheater ein Abonnement zu nehmen. Der Preis wird in Raten am Lohn abgezogen. Es ist nachgewiesen und unbestreitbar, daß in der Zeit vom 15. September bis 15. November in mittleren Theatern zwischen 5000 und 8000 RM. verloren wurden und daß die Theaterbesitzer in Westdeutschland noch nie ein solch schlechtes Geschäft gemacht haben. Die Einnahmen sind gegen das Vorjahr um 25 bis 30 Proz. und die Besucherzahlen um 50 Prozent zurückgegangen. Und wenn der Januar 1934 seinen Einzug gehauen haben wird, dann werden die zahlreichen Schließungen der Kinos den„Aufschwung" ergebe*. Pariser Beruhte Pariser Sfraßenhalender Ein prachtvolles, an römischem Vorbild geschalte» Rrllrr- Standbild des Freiheitskämpfers Bolivar, des Befreiers von Venezuela, wird am Sonntag an der Porte-Champerrét enthüllt. # Der Polizeipräfekt bal entschieden daß an den beiden Pestsonntagen, 24. und 31. April, keine Veränderungen in den Zeiten der Priseurgesrhäfte eintreten. Die. Sonntags- Vormittags Geschäfte" müssen am Nachmittag geschlossen halten, die übrigen überhaupt. Das erfolgreich in Zürich uraufgeführt« Drama..Bassen*' von Brückner wurde von einem Biihnenvertrieb vermittelt, dessen nach Paris geflüchteter Inhaber Vordem von Hitler in Schutzhaft gehalten wurde. * Eine Anleihe von 900 Millionen Pranken zum Bau Von 30 Kilometer Untergrundbahn außerhalb der Stadt steht bevor.— Das Modell von Aulobussen mit Plattform in der Mitte wird eingeführt werden. Am Samstag und Sonntag Ist wieder eine Fülle deutscher Musik in den Pariser Konzertsälen au hören Weingartner dirigiert zwei Wagner Festivals. Beethovens Nennte wird dreimal gespielt, und Schumanns„Paust" gelangt ungekürzt zur Aufführung. I Allgemeine Deutsche Poliklinik: An- und Verkauf zentralem opä achei und tOdamer.Nam- achar Devisen IHesten um REICHSMARK düröH da« Bankhaus Georges Perles£ P. Michel 34 RUE LAFFITTE. PARIS IX TÈL6FON fAlfêOUT»1-40»I* 4| Franzosen nnd Dcufsdie Ober die Rnssenfrage Französische Volkslieder— deutsche Musik in der Freimaurerkapelle Mit den Fragen des deutschen Rassismus beschäftigte silh ein Kreil vdn Franzosen und Deutschen, die sith zur Feier des zehnjährigen Bestehens der Gruppe ,-Fraternité» Réconciliation" zusammenfanden. Das Ist eine Freimaurer» Vereinigung zur Forderung der Ideen der VfllkertefiÖhnung und deutsch-französischen Annäherung. Nach tien Begrüßungsworten des Präsidenten K 0 t t tt e f nahnl für die Deutschet) Ë. 1. G u m h é 1, der vertriebene Professor der Heidelberger Universität, zu einigen hiSlörisih- kritischen Ausführungen über den„Racisme allemand"' das Wort. Rassismus?«-» Die Anwendung einer biologischen Lehr« auf die Politik, einer biologischen Behauptung, die längst als halb wissenschaftliche Stümperei widerlegt 1st. Denn die„reinen Rassen", nnter denen die„nordische Rasse"' wiederum die„fasse supérieure" darstellen seil, existieren überhaupt nicht. Das ist eine Phantasielehre, die jeder wissenschaftlichen Basis entbehrt, eine BegrUfsklitterung. die wahllos philologische Feststellungen auf die Biologie überträgt (i B den Begriff der arischen, d. h. indogermanischen V öl- leer). Ihr ist die Vermeidung und Verdummung eines ganzen Volkej oder doch großer Volksteile gelungen Ihre Verfechter werfen den Marxisten den„ökonomischen Materiaiismus vor(obwohl doch die Oekonomie die Förthen menschlichen Gemeinschaftslebens schafft), während sie seihst mit dem Rassismus, diesem„zoologischen Materialismus", den Men» acèien zum Rassezuchttier erniedrigen. Antonio Coen, Altgroßmeister der Grnßloge, ergänzt Gumbels Ausfiihrungne nach dem Politischen hin; er zeigt noch einmal den Wahnsinn, die Lächerlichkeit, den grauenhaften Terror jener„Eroberer" jenseits de« Rheins. 5 Um die Gedanken der Redner zu ergänzen, dem Rasse- Wahnsinn den Geist währer Menschlichkeit entgegenzustellen, haben sich Künster— Franzosen und deutsche Réfugiés ■*—• Zusammengefunden. Deutsches und I rartzösischei erklingt abwechselnd in der internationalen Sprache der Musik; Bach, Beethoven. Gluck. Janequien. de BcaUxjoyenx. F r a n z ö- sise he Volkslieder. Deutsche Gesänge Men- detssohns. die ein vorhitlerisches Deutschland in seinen nationalen Liederschatz aufgenommen hatte, und die heute gleich Menschen ihre Heimat verloren haben. Dies alle« ist die Feier eines kleinen Kreises überzeugter Menschen verschiedensten Alters und Berufes. In einer ungeheizten Kapelle, oben in der Montmartfegegend hat man slrh getroffen. Die Einnahmen der Feier soll das Hilfswerk für die dont sehen Flüchtlinge erhalten. Wenige nur wissen davon Aber vielleicht trägt die Arbeit der vielen kleinen Kreise"<>"> ihre Früchte, ueuiscne punminiti '' Che'jrzt Prof,,,or WENSTEN I) ORDINATION DURCH SPÊZf AI XftZ TE für inner«, chirurgisch«, Frauen- und Kinderkrankheiten. Haut- und Geschlechtskrankheiten Augen-. Ohren- SaURI>HIL. Lltfic t Ni)<.Y*XftOLOGl vCltt Klin k Vierstöckige Gebäude mit der allermodernsten Einrichtung — n»..».M. ORDINATION' lasch fttr Pr va»kranke> tägjich yon 1 bia M Uhr. Sono- und Fe e t«s von H' bis 12 Uhr 1 Auf dem Genoveva-Berge Der Präsident der Republik im Gymnasium Anf dem Genoveva Berge zu Paris liegt das Panthéon, das seinen Erbauer Soufflot ganz unglücklich gemacht hat. Weil die Leute glaubten, die erhaben« Kirchenkuppel werde ein- stürzen. Auf dem Genoveva Berg« steht auch Jean Jacques Rousseau in steinerner Weisheit, dort ist die Polizeiwache, und dort ein..Hotel zu den großen Männern" mit allem Komfort, und von der anderen Seite schauen die erhabenen Pedelle der Rechtsfakultäten mal heraus, und wenn sie weg» schauen, geht der Geist von Jean Dahin vorbei, der wegen seiner Liehe zu der Violette die Wissenschaft meiden mußte und nun im nordafrikaniseben Wüstenrand exerziert, während wir in Paris frieren. Dem einen das Panthéon, dem anderen der langsame Schritt, das ist der Lanf der Weit. Auf dem Genoveva Berge steht auch das Lyzeum Henri IV., dzs dem Andenken des„guten Königs' gilt, der Paris eine Messe wert fand und die Frauen auch und der die schöne Geschichte Vom Hahn im Topf Sonntags früh für seine Untertanen erfand, es ist aber wohl schon lange her. Am„Goldenen Sonntag"(wie man bei un* sagt) war großer Besuch in diesem Lyzeum zur Hundertjahrfeier ihre Freund* angesetzt, und der Präsident der Republik Lebrun war auch da und der Minislsr de M o a*1 e, und es bildet ein Pariser Ereignis. Gegründet ist dies Lyzeum eigentlich von Nâpoleoft le Grand, aber nicht alles, was von Austerlitz stammt, trägt seinen Namen. So sehe ich manchmal sinnend nach dem Triumphbogen im Garten des Tuileriett hinauf, dz stehen die Königreiche Bayern und Württemberg eingetragen, aber nicht jeder hört es gern. Also hat auch der dicke König Ludwig XVHL, als er mit der heiligen Allianz zurückkehrte, den Namen Napoleon weggewischt und Henri IV. eingesetzt, weil das der erste Bourbons war. Der Bürgerkönig taufte die Schule auf Corneille um, Napoleon der Kleine mechte aus Corneille wieder Napoleon, die Republik setzte im Schreckens- jähre, bevor die preußischen Grenadierstiefel durch das Elysälsche Feld zogen, wieder Corneille- eilt, die heran marschierende neue Morharchie machte 1873 aus Corneille wieder Henri fV. Seitdem blieb es hei dem Suppentopf. Denn die Republik ist längst.gefestigt, und hat die Umtaufe vergessen. O Lyzeum Henri IV. i Berühmte Leute waren deine Schüler unter dem hohen Chlodwigturm; Da ist Millerànd, dor politische Mann, Und Alfred de Musset, der sinnende Dichter, und Prosper Merlméé, der wörtfeste Schreiber. Da slyk Pierre Lotj, der Dichter des exotischen Meerpj uyd der Mt IJ... M. I1E. M Wf'iua MM? tafel zeichnen und formt dio Gliedmaßen der Genoveva, die er nachher in großen Fresken anf dus Panthéon geworfen hat. Und das mit Recht: denn dies ist ihr Berg, und sie hat Parhi von Attila und den Hunnen befreit. 0 Lyzeum Henri IV., bist du nicht, mit deinem Wechsel» vollen Namen, ein Bild der polltischen VergBnglichfceir?—• aber schließlich war die Republik gefestigt, und dann war alles gut. Midi dünkt, wir können auch von Heinrich dem Vierten noch manches lernen.. Baptiste. Chrysanthemen, untef delhs Tortfiis' all PiÜsefTCihtl Pu vis de Chavanne, ein berühmter Mälet, auf dec Spitzel and Siedler Eine Kosakengeschichte Dieser Kosakengeschichte muß man doch wohl ein politisches Geleitwort geben. Man weiß, der Russe Gorgulow tötet« den Präsidenten D o u m e r. Der Haupthelastungszcuge war der Kosak Ivan L a t a r e w. Dieser Bursche, ein dumpfer Mensch, log. Er sagte, dieser Gorgulow sei ein Bolschewikenführer von Rostow am Don, der ihn gequält habe. Er stand da, ein breiter und dummer Bauer, und hob die Einger. Niemand glaubte dem Spitzel Mächtigerer. Gorgulow war ein Wahnsinniger, aber kein Bolschewik. Der lügenhafte Kosak ging dann in die Pyrenäen zurück, wo er ein Leben als Ackerbauer unter traurigen Bedingungen führte. Dort gründeten di« zaristischen Weißrussen eine Siedlunglgeiellaehafti die Skala. Die Siedlung sollte in Algier sein, man zahlte Geld ein. man hoffte auf Wahl von 1932. Aber die Wahl ging links, die Pläne fieleh-pin. das Geld war verloren. Lazarew hatte 100 Franken eingezahlt, hatte das Geld nach Nice ausgegeben, um an der Gründungsv>i^ammlung teilzunehmen. Der Betrogene protestiert, macht-xvrach, wird angezeigt— die Folge ist ein Ausweisungsbefehl, Das war am 10. Abtust. Am 27. Oktober hörte der Kosak erst von dem Polizeihefeyd. Er tippelte nach Paris und suchte Hilfe beim alten Botschafter Maklakoff, der den„Irrtum" aufklären wollte. Makvikoff tat. was er konnte, aber inzwischen verstrich die Zeit, UK'I als Lazarew am 7. Dezember in Paris auf die PolizeipricVektur ging, um sich Auskünfte zu holen, wurde er drauDev auf dem Blumenmarkt verhaftet, denn die Frist war verstet Kien. Jetzt«aß er da, stumpf, dichtbehaart, geschwätzig, heulend. Der einzige Zeuge war der ehemalige zaristische Staatsanwalt Tschebychow. der kannte ihn wohl, aber mehr von Amts wegen... Uehrigens ist Tschebychoyv jetzt Redakteur an dem Pariser Zaristenlrlatt„Die Renaissance". Lazarew, der blinde Kosak, erhielt vier T»A5 Gefäng- eis. dann wird er ausgewiesen. Dfe Geschichte eines Spitzel-, eines Siedlungs-, eines Kosakenprozesses, die ganz lehrreich ist!—- Ein Seine-Schiff für die Obdachlogen! Die berühmten Brückenbogen an der Seine, an denen sonst die Obdachlosen schlafen, sind leer. Die grimme Kälte, die abwechselnd mit Tauwetter und Glatteis herrschte, hat die UmkerIrrenden vertrieben. Nacht» spähen die Radfahrer- Patrouillen der Polizei die Kais ah. zu«eben, ob irgendwo ein einsamer Brasero in der Nähe eines Holzplatzes oder Kohlenlager- flammt, an dem sich ein paar Hungernde wärmen. Die Schlafplätze der Heilsarmee, auch die neue cité dut Refuge, sind überflutet In Ketten stehen die vom Elend Verfolgten. darunter audi wohl manche arme deutsche Arbeiter, und warten auf die heiße Suppe, die Soupe Populaire, dio die Wohlfahrt ausgibt Andl der Pot-au-Feu für die Alten, das Hilfswerk einer barmherzigen Fran, zieht umher. Aber alles das genügt nicht Der Pariser Polizeipräfekt hat jetzt die ausgezeidinete Absicht, am quai Jemappes ein ganzes Schiff, das in der Seine liegt, mit Stroh auszufüttern, um dort die vom Leben Angestoßenen zu betten. Die Not ist schwer. Anf offener Straße, rue Legendre. ist vor einigen Tagen ein 85jähriger Greis zusammengebrochen; und halb erfroren. In Kellern und Scheunen oder ungeheizten Wohnräumen waren mehrere arme Menschen er- froreh: darunter eine 6f)j3hrigf EVàit in der Gegend vom Montparnasse in ihrer Wohnung nnd eine 51jährige Frau, anscheinend polnische Jüdin, die bei einer Freundin In der Nähe des Boulevards Saint-Michel in einem Hause genächtigt hatte. Die Obdach'osen entdeckt man nachts,— in Bildern, die an Gorkis„Nachtasyl"' erinnern— in den Wölbungen der Eingahgsichächte zur Untergrund, die warm sind. Andere schleichen sich in Keller ein und pennen in der Nähe der Heizungskörper. Die Kälte war grimmig, die Not ist groß. Die Seine führte Eiswasser, draußen ist sie teilweise mit Eis bedeckt, besonders auf den Höhen von Lothringen, beim Fort Donaumont, am Rhein RÜone Kanal tobte der Krieg des Wetters gegen den Menschen. Die Maas bei Verdun war völlig zugefroren. Impfungen gegen den Typhus Nach Mitteilung der Polizeipräfektur finden Impfungen gegen den Typhus statt: Für Erwachsene: Samstags 9 Uhr im Hôpital Cochiu, Samstags 15 Uhr im Hôpital Saint-Antoine, Samstags 17.30 Uhr im Hôpital Lariboisièrr. Für K I n d e r: Dienstags nnd Donnerstags 9 Uhr im Hopitai Brelonneau, Mittwochs, Donnerstags und Freitags 9 Uhr im Hôpital Trousseau. Die Poliaei warnt, anderes Wasser als Trinkwasser zu benutzen: man soll anderes Wasser audi nicht zum Waschen und znr Lebensmittelznhereitung benutzen da trotz der Kälte im Dezember die Zihl der Typhusfälle stieg. Wohnung 5Z m i Bad« Tel.* Fahrstuhl. ZdWfâ hstt. t.uft Intrrfü. Prell. 47,«f. Jufiot 3. Stock von 2 bis 4 Uhr EILIG! SCHÖNER BESITZ 1$ ttn VOfl PARIS fsgl.clWf damlaei, 8 Räum«. Garage« Interessanter, Pre ß. Routsy, 174. Allé« Montfermeil, L««Iney BBr« 4 große Simmer Carrefour Rlchellea Drouol ahtiutreten. Sehr editin eingerichtet. Miete 8S0O It., ZcnlralhetiUtig. Pas tend für Dank, Galanterie. 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ES handelt sich also um ein an die Rechte angelehntes radikales Kabinett das wahrscheinlich in den CorteS auch von der größten Rechtspartet, der Volks- aktion. unterstützt werden wird, obgleich diese nicht in der Regierung vertreten ist. Der neue Ministerpräsident hat eine Kundgebung ertasten, in der es heißt:„Ich will im Zeichen des Friedens ohne Schwäche und ohne jemanden herauszusordern meint Amt führen. Ich habe nur das Wohl des Vaterlandes und der Republik im Auge. Ich gedenke, die Festigung der staatlichen Ordnung trotz aller Angrisse durchzuführen. Die Ersahrun- gen. die wir mit dem Fraucnsttmmrecht gemacht haben, be- weisen, daß w-r ein demokratiichcs Land sind. Das Land will vor allem Ruhe, wirtschaftliches Wohlergehen und gegen- seitigc Achtung." Lerroux rechnet mit einer sicheren republikanischen Mehrheit. Sein Kabinett tritt am Dienstag vor das Parlament. Venler riegle Die schönen Tage von Locarno sind vorüber. Nun wirds nach Noten Ultimata schnein. John Bull und Marianne blicken trüber Und leise flüstern sie: Endlich allein... Leise knacken eingefrorene Kredite.« Dick wird das Eis— einst brach es Stresemann. Und der Bericht für alle Schneegebiete Eutopas lautet: Pulver häuft sich an. O Kältewelle! Der Kanonenofen Von Essen wird behaglich eingeheizt. Dem Frieden bleibt nichts mehr zu Eoudenhoffen. Man ist verschnupft, trompetet sehr gereizt. Zum Friedhof ist der Friedenshos geworden. Wie frostig wird die Weihnacht Heuer werden. Es fingen Engel mit Gesreitenborten: „Siegfriede sei den Menschen hier auf Erden...* Jura. Paris isl gerettet! Die Pariser Zeitschrist„Lectures pour touS" brachte eine Stelle aus einem Zukunftskriegsroman, der von einem ge- wissen Colonel Brat gezeichnet ist, aber als Kostprobe aus dem Roman eines deutschen Majors v. H e l b c r S bezeichnet wird. In diesem Roman wird die geplante„Einnahme von PariS durch die Deutschen" im Jahre 1936 wie folgt ge- schildert: 18. Juni 1936 „ES ist der Morgen des IS. Juni 1036. Reichskanzler Adolf Hitler hat den General v. Hammerstei». den„Generalstabs- chef der deutschen Armee", in fein Zimmer besohlen. Respekt- voll grüßt der General den„Führer". Dieser befiehlt dem Offizier vom Dienst:„Ich bin für niemanden zu sprechen!" Nachdem er sich noch versichert, daß sie beide ganz allein und unbelauscht, ersucht er den General. Platz zu nehmen. Bor einem groben breiten Tisch, bedeckt mit Generalstabskarten. Dann beginnt Hitler mit beherrschter Stimme:„Heute ist der IS. Juni. In vier Wochen müssen wir Frankreich an- greifen. Das deutsche Volk ersehnt den Tag der Rache. Ich nehme an, Exzellenz, daß die Reichswehr bereit ist?"—„Zu befehlen, morgen schon kann ich, unter dem Vorwand größerer Manöverübungen, eine halbe Million Mann an der Grenze ausmarschieren lassen."—„Eine halbe Million? —„Jawohl. Reichsmehr und kasernierte Polizei."—„ES kommt darauf an, überraschend und entscheidend alle unsere Streitkräfte gegen uiiscren einzigen Feind. Frankreich aus- marschieren zu lassen."—„Aber" wirst der General ei«. „Frankreich wird den Völkerbund anrufen und seine Bundes- genossen»m Hilfe bitten."-„Nein." ruit der Kanzler mit schneidender Stimme,„250 Bombenflugzeuge in drei Staffeln zum Bombardement an» Paris und seine nördlichen und öst- lichen Verbindungen losgelassen, werden Frankreich keine Zeit mehr dazu lassen!" Und Hitler befiehlt sofort den Generalinspcktor der deutschen Luftstreitkräfte zu sich.. Aber in derselben Stunde kniet eine Sekretärin vom Büro des Reichskanzlers. Vera Gangloff, oben in einem der be- fcheidenen Zimmer über der Zimmerflucht des Reichskanzlers auf dem Fußboden, anscheinend um eine herabgefallene Nadel zwischen zwei Parkettstäben zu suchen. Und sie ver- nimmt eine wohlbekannte-stimme, wohl flûnfl fern, aber künstlich verstärkt, und deshalb verständlich genug: In vier Wochen überraschender Angriff große Manöver am Rhein— plötzlich 250 Bombenblugzeuge über Paris— wir diktieren Frankreich den Frieden. Vierundzwanzig«tunden später bält der Chef des französischen zweiten Büros«Ab- wehr und Spionagel einen genauen chiffrierten Bericht aus Berlin in Händen... Parts schweigt. 5 Juli: fettgedruckte Ueberschriften der Pariser Zeitungen: Deutschland zieht große Truppenmasseu in der entmtlttart- fierten Zone am Rhein zwischen Köln und Koblenz zu- lammen. Gegenüber Straßburg schwere deutsche Batterien. — Paris schweigt...... 1-,>„>> wied r iettgedrnckkc Uebcrschr,sten: Der deutsche Botschafter nach Berlin abgereist, um seinen Ferienurlaub 4 Uhr morgens meldet Maubeuge Motoren- ws*ui* Uxsobtomiojsker, Slugzeuggeschwader. Richtung Süden. Und jetzt erwacht Paris! Alarm! Alarm! Deutscher Fltegerllberfall— mitten im Frieden— auf Paris! Die Sirenen heulen, Paris ist bereit, ganz Frankreich ist bereit. Um 4.30 wird die erste deutsche Flugzeugstassel, 4.35 die zweite, dichtauf die dritte, jede zu 70 bis 80 Flugzeugen, ge- meldet. Die französischen Abwehrbatterien beginnen ihr Werk. Bereits 4.50 stürze» die ersten deutschen Flugzeuge, dank der geschickten Ausstellung und dem wohlgeztelten Schießen der Batterien, ab: hier vier, dort fünf Abstürze werden gemeldet. 5 Uhr steigen in Le Bourg« sdem Pariser Flugplatz» 200 französische Flugzeuge zur Gegcnattacke auf. Gewaltige Luftschlacht über Senlis. Einzelheiten sind nicht zu erkennen. 5.85 Uhr versuchen die deutschen Flugzeuge sich loszulösen und Paris vereinzelt zu erreichen, anscheinend hat das ein- heitliche deutsche Kommando ausgesetzt. Umsonst. Die fran- zöstschen Flugzeuge sind Sieger, die deutschen werden zer- streut, abgeschossen, fliehen. 0.35 schweigen die Batterien, die Luftschlacht ist zu Ende. Paris ist gerettet. Der Kamps war schwer, die Opfer groß, aber der tollkühne Angriff der Deut- scheu ist völlig gescheitert. Morgen wird das Deutsche Reich und sein Führer Adolf Hitler im Bann und Verruf aller Nationen stehen! Morgen werden Belgien, die Kleine Entente, Italien mit dem französischen Volke sich solidarisch erklären. Morgen wird die britische Flotte nach der Nord- see auslaufen. Am 3». Juli kapituliert Deutschland, am gleichen Tage, an dem der Völkerbund tn Gens zusammentrifft, um de» „Angreiser festzustellen". „Erwadiendes Ungarn?" Während die ungarische Regierung, die sich zuerst Deutsch- land gegenüber reserviert verhielt, mißtrauisch gegen die Stabilität der deutschen Verhältnisse war, deutlich einen deutschfreundlichen Kurs betreibt und Graf Bethlen den Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund begrüßte, Kanya den deutsch-österreichischen Konflikt beklagt und der ehe- malige Justizminister Nagy selbst das Bündnis mit dem Teufel fordert, um die revisionistischen Ziele durchzusetzen, machen die Légitimiste» Opposition gegen die ungarische Außenpolitik und vor allem gegen die deutsche Orientierung, die kürzlich von dem Grafen Johann Zlchn scharf verurteilt wurde. Die Legitimisten wünschen statt dessen die franzö- fische Orientierung, die das Wiedererstehen einer ungarisch- österreichischen Monarchie als Damm gegen den National- sozialismus ermöglichen soll. Die ungarischen Christlich- Sozialen, die sich früher mehr zur Demokratie bekannten, bekennen sich jetzt, ähnlich wie Dollfuß, aus die päpstliche Enzyklika Ouabragesimo Anno und die barin vertretenen Anschauungen vom Ständestaat, der sich aber von der nationalsozialistischen Konzeption wesentlich unterscheidet. Wie stark der Gegensatz zwischen der Regierung und der legitimistischen Opposition ist, zeigten die Kundgebungen der Studenten in Budapest gegen die Leg'timistcn, die Demonstration der GömböS nahestehenden Antihaböburg- Liga in Debreczin und die scharfe Einstellung der Regierung gegen den Gebrauch des Wortes„Erbkönig Otto". Dabei spielt die Jugend eine Rolle, die eine antisemitische Politik fordert, die Durchführung des Numerus Clausus und ge- meinsam mit den unzufriedenen Kleinbauern, die durch die Regelung der landwirtschaftlichen Schulden nicht befriedigt sind, eine Agrarreform fordert, woraus sich die Kamps- stellung gegen die aristokratischen Légitimiste» von selbst er- gibt. Es werden gleichzeitig Parole» gegen die Juden und die Großgrundbesitzer laut. Der RcchtsradikaliSmus wächst, zumal die andere oppositionelle Partei der kleinen Land- wirte geschwächt ist. Es erhebt sich der Ruf nach der Dik- tatur. In der Judensrage schwankt die Regierung noch, die bisher mit dem südischen Bürgertum zusammenging. Bei den Ausschreitungen an den Hochschulen kam dieser schwankende Kürs sichtbar zum Borschein. Nicht mit Unrecht bc- tonten die demokratischen Blätter, daß die schlummernden Geister der„Erwachenden Ungarn" wieder lebendig werden. Polen ittr ttifler „Der Auslandsdeutsche" teilt mit:„Während in West- preußen die Polen fast durchweg mit„Nein" gestimmt haben, hat die polnische Minderheit in der mittleren Grenzmark Posen-Westpreußen mit ganz geringen Ausnahmen bei der Volksabstimmung mit„Ja" abgestimmt und bei der Reichs- tagSwahl die Liste der NSDAP, angekreuzt. In mehreren polnischen Minderheitendörtern in den Kreisen Meseritz und Bomst hat die polnische Wählerschaft sogar 100prozentig bei der Volksabstimmung und Reichstagswahl abgestimmt." BttllFKASTEN Lars«, Kopenhagen(früher»erlin). Ihr erster Brief ist prompt beantwortet worden. Vielleicht ist die Antwort über Deutschland gegangen und wurde dort bei der Geftap„verloren". Freude kann sie an dem Inhalt nicht gehabt haben. Auch war weder der Absender noch der Adregat zu erkennen.— Ans Ihrem zweiten Brief fehlt Ihre Abrege. Bitte, fie nachzuliefern. „Freiheit" Dänemark. Der von Ihnen zu den Toten geworfene S- lebt. Er wurde nicht wie die beiden anderen erschoge», sondern „nur" gefoltert. Längst ist er wieder an seiner früheren Arbeit, wenn auch in einem anderen Ort. ^varnm in der Emigration? Der Aufsatz enthält Selbstverständ- lichkeiten. Der Abdruck ist unnötig. M. ,. Besten Dank. Wir finden das von Ihnen übersandte„Wahl- rundschreiben" nicht besonders auffällig. Wir haben viel beweiskräftigeres Material über die Terrorwahlen veröffentlicht. <8. R. Straßbnrg. Dieser Paul F. ist uns nicht richtig genug, als daß wir vor ihm warnen möchten. Man kann nicht vor jedem Gau- ner warnen, der in der Welt herumläuft. ES sind leider zu viele. Wien, Wir danken Ihnen für Ihre Berichtigung. Der Lbersohren- bericht ist also nicht zuerst in der„Neuen Weltbühne", sondern ano- nnm im„Manchester Guardian" erschienen. Nach Obersohrens Tod nannte der„Manchester Guardian" Lbersohren als Versager. Immer wieder sind wir Ihnen dankbar für Ihre Hilfe. Viele Grüße. Egma. Dank für Ihren Brief. Wir sind Ihnen, wie Sie schrei- den, in den letzten Monaten etwas„zu sachlich" geworden. Wir nehmen daà, obwohl Sie es vielleicht nicht so gemeint haben, als Kompliment an. Die einfachen Tatsachen, die wir in jedem Fall genau aus ihre Richtigkeit nachprüfen, reden oft eine wirksamere Sprache als ein anklägerischer oder s> asiischer Artikel. Die Mehrzahl unserer Leser, die zur geistig-sortgeschriiienen Kategorie der Menschheil gehört, versteht uns und ist uns dankbar für die Würze der Kürze. Der Name de« Herrn Dr. E. M. ist uns wohl bekannt, aber wir wissen leider seine Adresse nicht. Vielleicht können Sie uns den Text von M. K. einmal senden, damit wir uns selbst ein Urteil bilden können. Ihre kleine satirische Randbemerkung wer- den wir gelegentlich verwenden. AnonymnS. Ausnahmsweise antworten wir Ihnen. Sie find nicht der erste, der eine französische und englische Ausgabe der Deutschen Freiheit wünscht. Wenn es nicht gehe, so schreiben Sie. daß sedeS Blatt in drei Sprachen erscheine, so muß es doch möglich sein, wenigstens einmal in der Woche eine dreisprachige Zeitung mit den besten und wichtigsten Aufsätzen herauszugeben. Diese Vorschläge sind vortrefflich, aber nicht so leicht zu verwirklichen. Ehe wir daran gehen, müssen andere Ausbaupläne ernsthaft erwogen werden. Sie beklagen sich über die zahlreichen Druckfehler. Ach. wir auch!. Herr Th. von der Pariser Zeitung, der Sie interessiert, ist In jüngster Zeit offen als Freund des„dritten Reiches" bezeichnet worden, lieber Me Motive ist man sich nicht im Unklaren, wenn man die Propagandaarbeit des Herrn Göbbels aus Grund der im„Petit Partsien" veröffentlichten Anweisungen genau kennt. Sie finde» auch hier deS Rätsels Lösung Über die Versammlungen, die jener Friedensapostel In Paris abhält. Galveston, Texas. Sie schreiben nnS:„Wir lesen hier im fernen Texas a m Golf von Mexiko Ihre Zeitung immer mit großem Interesse. Sie geht von Hand zij Hand bis herüber ins Land Mexiko»nd erfreut sich großer Beliebheit. Nun hatten wir hier in Galvestone vor kurzem hohen Besuch. Bier Wochen lang war hier ein Abgesandter des Herrn Hitler unter dem Namen „I ürg es" anwesend. Er soll Gauleiter oder Gauführer oder Sturmsührer ln Berlin gewesen sein. Jedenfalls balte er reichliche Moneten und besaß ein Beglaubigungsschreiben der Hiilerregierung. Kam über Holland und hatte die Taschen voll mit gemünztem Gold. Holländische Banknoten usw. Der Herr war sehr enttäuscht, hier keinerlei Ehaneen vorzufinden. Naziverbände oder dergleichen zu organisieren, glückte ihm nicht, sodaß er meinte, aus sich heraus sollten die Deutschen hier solche Verbände ausstellen. Die denken aber gar nicht daran. So dampfte der Herr denn wieder ab, via Panamakanal nach Südamerika, um dort sein Glück zu versuchen. A»s den deutschen Dampfern der Hamburg-Amerikalinie und de? Norddeutschen Lloyd hatte er freie Passage als Abgesandter des Herrn Hitler."— Das wundert uns nicht mehr. Bon allen Seite» und aus der ganzen Welt berichtet man uns über das plötzliche Auftreten schneidiger lunger Herren unter den in der Fremde an- lässigen Deutschen, die man im Eiltempo auf das Hakenkreuz schwö- ren lassen will. Wenn es nicht gelingt, riskiert der sunge Mann weiter nichts. Die deutschen Schiffahrtslinien sind Svitzelhilfsstellen »nd transportieren den braunen Knaben einfach woandershin, da- mit er dort sein Heil versuche. Den Galvestoner Freunden, die ihr Deutschtum nach wie vor mit Freiheit und Menschenliebe verbun- den ballen und darum die Hitlerwerbungen abweisen, unseren Gruß! Für den Gesamtlnbalt verantwortlich: Johann Pitz In Dud. weiler: für Inserate: Otto Kuhn tn Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der BolkSftimme GmbH„ Saarbrücken 3, Schützenstraße 6. Deutsches Zahnärztliches Institut O. 8DE OK OODAi Métro. Bland», FigstU f«L Trinité*0.27 S>r«cfc—«é— 9.12, l* Uhr Zahn» tu Mundkran Ith. Röntgen. Elektrotherapie, Prothesen. Kronen. Brücken tn.Gold, Platin tu Porzellan NEUHEIT: PORZELLAN.KRONEN UND BRUCKEN Umarbeitung schlechtsitzender Gebisse mit voller Garantie für guten Sitz. Reparaturen binnen 3 Stunden SCHONENDSTE BEHANDLUNG FÜR NERVÖSE UND HERZKRANKE «■«IGF PHFISF. UITFRSUCHUVG U. BERIIUII. KOStFMLO» Steuerfragen Gesellschaftsgründungen Wenden Sie sich an F. BRIQUEU LICENCIE EN DROIT ehemaliger Kontrolleur der direkten Steuerbehörden um vom offiziellen Standpunkt aus beraten zu werden '*, Bd. BooM*Notnrelle. Paris(2), Tal. Loovr* Z2.9' Dr. Spécialiste at>, roe de Rivoli— Meiro: Chaiele RADIKALE HEILUNG von BLUT., HAUT u..d FRAUENKRANKHEITEN Heilaas von Krampfadern and offenen Beinwanden Neueste Behandlungsmethoden Elektrizität. Implungsverfahren Trypafle vine- Einspiitzungen Blut- und Hatn-Untcrsuchungen. S per. makuUut Salvarsan Wismut usw. 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