- Nummer 154■ Sinzige«nabhSagig« deutsche Tageszeitung , j Sa«rbriicken. Mittwoch, 20. Pezembe, 1933| Cjgfr;d«jrt«^byir»™ Ana dem Inhalt &f Jodesucteile Seite 2 Deutsche. Qläu&iqec betcoçen! Seite 2 Di mite oft als Ankläqec Seite 3 Qeeuet oot dem Sondecgecicht Seite 3 7 lach den Juden die Jiathcliken Seite 5 JuseeatenteU beachten! Deufsdi-französisdies Wciirflslcn Halle Abrüstungsgesprüche und militärische Fanfaren Die AbrüstungSgefpräche sind noch in vollem Gange, aber sie dienen nicht mehr der Abrüstung oder anch nur der Rüstungsbegrenzung, sondern der Aufrüstung. Der interministerielle Ausschuß sür Abrüftungssragen, der unter dem Borstß von Macdonald die englische Antwort auf die deutschen Vorschlüge formulierte, diskutierte nnr noch über die Frage, bis z« welcher Höhe und in welchem Umsange der deutschen Wiederansrüstung entgegenzukommen sei. Daß diese anch ohne hohe völkerkundliche Genehmigung und ohne den Gegen des Herrn Ministerprüstdenten Macdonald in vollem Gange ist, weiß alle Welt und wird auch von der deutschen Presse nnr noch schamhaft dementiert. Man redet von Nichtangriffspakten, aber niemand glaubt im Ernst an diese Aktenstücke, und man baut daher vorsichtig Bündnissysteme aus und ans, hinter denen sich die milita- rischen Kräfte gruppieren. Der deutsche Reichskanzler emp- fängt liebenswürdig den französischen Botschafter und ver- sichert ihm treuherzig, daß er nie einen üblen Gedanken gegen Frankreich gehabt habe, während gleichzeitig die Marschkolonnen der braunen und schwarzen Miliz durch die Wilhclmstraßc ziehen. Nicht etwa als Angkjitstrnppeu gegen Frankreich, sondern nur als ebelpazisistische Schntifarma- tionen gegen die Marriften. die den holden Weihnachts- frieden des„dritten Reiches" und die Ruhe Europas be- drohen. Die französische Regierung scheint doch weniger gläubig zu sein, als es manchmal den Anschein hat. Sie hat, während noch diplomatische Finessen die Fortführung des deutsch-sran- zösischen Gesprächs ermöglichen sollen, Maßnahmen in Aus- sicht genommen, die Frankreichs Sicherheit besser garantieren sollen, als Unterschriften unter kricgsächtende Verträge. Der Oberste K r i e g s r a t hat sich versammelt, um da- sür zu sorgen, daß dir durch den Gebnrtenanssall ans der «riegszeit sür das Jahr 1934 85 zu befürchtenden M-nn- schaftsverringerungcn in der Praxis sich nicht auswirken. Ein Gcfeßentwuri Vernier besteht darin, daß die Rekruten- klaffe nicht wie üblich eine ganze Jabresklaffe umsaßt salso z. V. die jungen Leute, die zwischen dem t. l. und St. tZ. eines Einberusungsjahres geboren finds, fondern zunächst nnr eine Klasse von zehn Monaten»also z. B. die junge» Leute, die zwischen dem l. t. und dem 81. 18. geboren finds. Dadurch werden die Rekrutenkontingente von zwei Monaten des betreffenden Jahres eingespart und können ans die Fehlbetragsjahre verteilt werden, d. h. daß man die Kon- tingente einberufen werde, die Z. B. die Rekruten umsassen, die innerhalb von tk aufeinanderfolgenden Monaten geboren sind, wodurch der ziffernmäßige Ausfall ausgeglichen wird. Natürlich werden rechnerisch die ganzen Jahreöklassen der Rekruten geführt. Die Regierung wolle alles ins Werk festen, um der Gefahr der Rekrntensehl- betragsjahre zu begegnen, ohne das schwierige Problem der Rückkehr zur achtzchnmonatigen oder zweijährigen Dienst- zeit auszurollen. Wenn sich die geplanten Maßnahmen der Regierung zur Auffüllung der Rekrntenfchlbetragsjahre als unzureichend herausstellen, könnte man sich z« einer E r- höhnng der Die„st zeit entschließen, für die gewisse militärische Führer eintreten, die der Ansicht find, daß die zweijährige Dienstzeit sür den Haushalt weniger teuer zu stehen komme, als etwa die dreijährige Dienstzeit oder auch als die achtzehnmonatige»der fünfzehnmonatige Dienstzeit. Dex Kriegsminister ist der Ansicht, eS fei unzu- lässig, zu einer so unbeliebten Maßnahme wie der Rerlängc- rung der Dienstzeit zu schreiten, ohne vorher das z» vermeiden versucht zu haben, wobei natürlich die s r a n- zösische Wehrmacht unversehrt gewahrt bleiben müsse. Der mit der Behandlung militärischer Fragen betraute Redakteur des„Echo de Paris" glaubt zu wisse«, daß innerhalb des Obersten KricgSrates eine sehr scharfe Oppo- sition gegen den zur Debatte stehenden Gesestentwnrs vor- Händen gewesen sei. Namentlich sei darauf hingewiesen worden, wie gefährlich es sei. die Bestände des fran- zösischen Heer-S. die schon nahe,« nnzureichend seien, qe- rade in einem Augenblick zu verringern, in dem die Httfcttt* Politik iede aerinafte Lockerung verbiete, während die Auf- rüsinno Deutlä-kunbs fa besckilennlgtem Demo» vonstatten gebe Wo» die Einstellung von 15 000„Spezialisten" ,nr Witl. süllnno bes Ne»rnt-nnngtollS betreffe, la lebienen die Mit- alied-r de» Obersten»eieoSrateg— immer no«b nach der Quelle de»„Echo de Pari»"— einmütig der Ansicht zu sei», daß der Verwirklichung dieser Einstellung große Schwierig- leiten entgegenstünden. Die Debatte des Obersten Kriegs- rates könne als Borspiel einer demnächstigc» Diskussion angesehen werden, die die Vervollkommnung der französische« M i l i t ä r o r g a n i s a t i o u n«A verschiedenartigen, wenn nicht sogar mit- unter entgegengesetzten Wege» zum Gegen- stand habe« werde. Das„Oeuvre" glaubt zu wissen, daß in der Sitzung des Obersten KriegSrates auch beschlossen worden sei, die Grenz- bcsestigungsarbeiten an der französischen Rordgrenze demnächst ausführen zu lassen. Führer-Worte Tardlen und ROhm In einem Aufsatz der..Agence Economique et Finan- ciere" sogt André Tardie u n. r „Direkte Besprechungen erscheinen uns für Frankreich weniger dringend zu sein als zwei Vorsichtsmaßregeln, au> die ich nicht genug hinweisen kann: Die erste besteht darin, unsere Armee hinsichtlich der Bestände in eine Lage z» bringen, die eine gute Abwicklung der Mobilisation, eine gute Besetzung der Festungswerke und eine gute Organi- sation der manövrierfähigen Armee gewährleistet. Die zweite besteht darin, uns durch präzise Abkommen in die Lage zu versetzen, im Namen der 150 Millionen Euro prier zu sprechen, die dieselben Interessen haben wie wir, und von denen uns der Vtcrerpakt etwas entfernt hatte. Nach alledem werden wir ohne theatralische Zusammen kllnfte, sondern durch einfache diplomatische Fühlungnahme dem Kanzler Hitler, der weder ein Engel noch ein Teufel ist, die Grenzen angeben können, über die es auf jeden Fall unseren Freunden und uns selbst unmöglich wäre, hinaus- zugehen. Dies wäre die sicherste Art, den Frieden zu festigen und eine bessere Zukunft vorzubereiten." Wesentlich deutlicher als der geschliffene und geistige Parlamentarier Andre Tardieu. Führer der franzosischen Rechten, äußert sich der deutsche Reichsminister E r n st R ö h m, Führer der deutschen Milizen aller Gattungen und aller Farben. In seinem Buche„Die Geschichte eines Hochverräters", das iin offiziellen nationalsozialistischen Parteiverlag Franz Eher Nachfolger in München neu er- schienen ist. und dieses Jahr den jungen deutschen Männern unter den Tannenbaum gelegt wird, sagt Ernst Röhm: Europa, die ganze Welt mag in Flammen versinken: w a S kümmert e s u n S? Deutschland muß leben und frei sein... Der Krieg weckt und fördert die besten Kräfte der Nation. Im Zuge der Zeit ist er eine innere und äußere Notwendigkeit für ein Volk, das in dieser Welt bestehen und sich durchsetzen will. Für den Soldaten ist er Jungbrunnen, Hoffnung und Erfüllung zugleich." Der Mann, der diese Sätze nicht nur schrieb, sondern sich durch die Taten eines langen Soldatenlebens zu ihnen be kennt, ist der mächtigste Mann im„dritten Reich". Er ist der eigentliche Führer der SA. und der SS. und ihrer Iugendreserven. Das alles ist fein Werk. Er ist der oberste Herr des„Stahlhelms", des Wehrsports, des Arbeits- dienstes der ganzen körperlichen und technischen Vorberxi- tung der deutschen Iungmannschaft auf die Möglichkeit eines europäischen Krieges. Dem Willen dieses großen und gefährlichen Organisators unterstehen mindestens 5 Millionen junge deutsche Männer, und der Wille dieses Soldaten ist härter und stärker als der Adolf Hitlers, den er im Grunde als einen Maulaufreißer und Federfuchser oerachtet Ernst Röhm verlangt m seinem Buche„Das Primat des Soldaten vor dem Politiker". Er proklamiert: „In einem Macht st aat muß der Soldat die erste Stelle einnehmen." Ernst Röhm ist im deutschen Heere nicht über den Hauptmann hinausge- kommen. So steht er noch in der Rangliste. In Wahrheit aber ist er der General aller Generäle Deutschlands, der Revanche-Feldmarschall. Die von ihm einberufenen auf- gebauten und gedrillten Marschkolonnen sind jetzt schon die Besorgnis aller Militärmächte Europas. vie Diplomaten reisen Wir reisen in Versailler Artikeln Ober vertreten die Revision. Wir haben aus Vorrat die feinsten Stückeln und sind Reisende mit Tradition. Aber die Krise. Herr, die Krise: Ach, wer hält denn hcutzutag'. Wenn die Zeiten so sind, wie diese. Einen Vertrag? Wir reisen in Frieden. Wir tauschen Gedanken. Wir nehmen Fühlung und geben Gewähr. Wir handeln in gebotenen Schranken, Ein jeder ein Compromis voyageur. Aber die Krise. Herr, die Krise! Konjunktur herrscht nur für Revanche. Und Verständigung wird eine miese Branche! Liebe verschleudern wir. jLetzte Reste!) Wir nehmen Hitlers Kontraktbruch nicht krumin. Wir reisen in Frieden. Wir wollen da» beste Fltr das breiteste Publikum. Aber die Krise, Herr, die Krise! Ach. der Absatz sür Frieden stockt Und eine andre Ware als diese Lockt... Wenn daS Geschäftsglück mit positiver'« BerhandlungSergebnissen weiterhin kargt, Werden wir bald etwas andres liefern: Schlachten. Zu höheren Preisen und tiefer«. Giftgas erobert den Markt! Iura. vlc vomvc Siehe zweite Stil«. D. F In das Haus der sozialistischen Arbeiter-Wohl- fahrt in Saarbrücken ist ein Paket mit einer Pulver- ladung geschickt worden. Es war an den Führer der deutschen Freiheitsfront an der Saar Max Braun adres- siert. Beigepackte Eisenteile sollten die Sprengwirkung verstärken. Nur ungenügende Verpackung durch den noch nicht ausreichend geschulten Nazi-Attentäter ver- hinderte die Explosion. Wäre die granatenähnliche La- dung unversehrt angekommen, lägen mehrere Menschen tot oder verstümmelt vor uns und das Saarbrücker Ar- beiterheim wäre demoliert. Die nationalsozialistische Presse im Saargebiet nennt so etwas einen„Lausbubenstreich". Weil der Anschlag nicht gelungen ist und weil man auf die„landfremde" Regie- rung, wie der deutsche Vizekanzler von Papen amtlich die Regierungskommission des Völkerbundes anspricht, noch etwas Rücksicht nehmen muß. Hätte die Pulver- bombe den vielgehaßten Max Braun zerrissen, würde man zwar auch einstweilen von dem Täter abgerückt sein, aber höchstens bis zu der ersehnten Rückgliederung. Spä- testens am Tage des Einzugs der deutschen Reichsregie- rung würde Adolf Hitler seinen Pg. Bombenmörder so gefeiert haben wie vor Jahresfrist die Pg. Menschen- schlächter von Potempa. Die Nazipresse im Saargebiet würde den jungen Helden als Vorbild deutscher Tapfer- keit, als den Mann einer befreienden Tat gepriesen haben und der Saarbrücker Oberbürgermeister hätte ge- wiß nichts dagegen einzuwenden gehabt, wenn man eine Straße nach dem Pg. Mordbuben benannt hätte. Der Jüngling wäre in den Walhallaruhm der Ministeratten- täter und Fememörder eingegangen. Nun freilich, da er so mangelhaft gearbeitet hat. ist er nur ein Lausbube. Wenn seine Auftraggeber, die sich schleunigst in den Mörderschutz des„dritten Reiches" begeben haben, schlau genug gewesen wären, sein nationalsozialistisches Mit- gliedsbuch rechtzeitig durch ein kommunistisches zu ver- tauschen, würde dieser van der Lübbe des Saargebietes nach der verunglückten Tat ihnen weniger Ungelegen- Helten bereitet haben. Nun mag der dumme Kerl, der sich von Gerissenen hat mißbrauchen lassen, sehen, wie er aus der Patsche wieder kerauskommt. Die Nationalsozialisten geben bekannt, daß jeder der an der Tat Beteiligten aus der Partei ausgeschlossen iperhe. Das will nichts besagen. Auch die Femebestie Heines ist Icheinhalber aus der Partei hinausgeworfen worden. Dann wurde der Mörder wieder aufgenommen und avancierte zum Parlamentarier und von da zum Polizeipräsidenten. Auch der Bombenattentäter aus Neunkirchen kann, wenn er lernt. Marxisten sicherer ab- zuknallen, noch in den Reichstag gewählt werden und es bis zum Polizeipräsidenten von Saarbrücken bringen, .lus ein paar Eigentumsdelikte unter den Vorstrafen kommt es dabei nichl an. Sowas fällt im„dritten Reich" nicht weiter auf und gehört zu dem kleinen Sünden- register großer nationalsozialistischer Heiligen. r. Œirtss der am dümmsten beschriebenen nationalsozia- Iislischen Papiere, das„Abendblatt" in Saarbrücken, macht aus seiner Sympathie für den Attentäter und aus seinem Bedauern, daß der Anschlag mißlungen ist, kaum ein Hehl. Anders ist doch wohl nicht zu verstehen, wenn das Blatt spricht von„angegriffenen Indivi- buen solcher Prägung, die der allgemeinen Nichtachtung und dem Haß der Volks- genossen verfallen sind". Das sind deutliche Feme worte. die Feme taten vorbereiten. Zwar scheint uns, daß solche journalistischen Ausschreitungen Regierungsverordnungen verletzen, die gegen die Aech- tung von Einwohnern des Saargebietes erlassen worden sind, aber bei der von den Nazis so gehöhnten„libera- listischen" Handhabung der Gesetze, die unter dem Völker- bundsregime an der Saar noch üblich ist, riskieren die Schreiber nicht viel. Nicht dem letzten Hitlerjungen im Reich dürfte das gesagt werden, was sich die meisten Organe der„deutschen Front" an der Saar gegen Bolus- sichrer der Freiheitsfront und auch gegen Organe der Landesverwaltung herausnehmen. Dicke Bände ließen sich mit den Aufsätzen füllen, in denen Max Braun in einer Weise charakterisiert wird, die seine Vernichtung jedem unreifen Fanatiker als eine notwendige nationale Tat erscheinen läßt. ^ Die Schuld an den wachsenden Ausschreitungen im Saargebiet, die in dem mißglückten Attentat einstweilen einen Höhepunkt erreicht haben, liegt bei den Zeitungen der„deutschen Front", die jeden Gegner des Hitler- regimes als einen Landesverräter und gekauften Fran- zösling verfemen. Tie Verantwortung für die Folgen dieser persönlich zugespitzten Bluthetze kann keiner dieser Redakteure von sich abschütteln, und wir hoffen sehr, daß sie für ihre Aufpeitschung aller Haßinstinkte einmal vor einem anderen Forum werden gerade stehen müssen als vor einem gleichgeschalteten Richterkollegium. Erst vor wenigen Tagen haben wir diese gewissenlosen Lügner und Fälscher darauf hingewiesen, daß sie zu Femetaten anreizen, wenn sie behaupten, die sozialdemokratischen Führer trieben eine Politik des Präventivkrieges und wälzten Pläne zum Einmarsch bcwaffnerter Legionen nach Teutichland. Drei Tage später schon versuchte ein Nationalsozialist das Urteil zu vollstrecken, das die „Saarbrücker Zeitung" verleumderisch über die sozial- demokratischen Führer gefüllt hatte. Man soll die Schuld scharf herausarbeiten und nichts vergessen. Noch sind wir mehr als ein Jahr von der im Versailler Vertrag vorgesehenen Volksabstimmung an der Saar entfernt, und schon hat sich der Terror big zu einem Mordanschlag auf den Führer der deutschen Freiheits- front gesteigert. Was mag da noch alles kommen, wenn wir erst mitten in der Hitze des Abstimmungskampfes stehen. Die Schlägergarden der„deutschen Front" sind so mit Kriminellen durchsetzt, daß der selber unreife und rednerisch hemmungslose Staatsrat z. D. Spaniol un- möglich für ihre Disziplin einstehen Kann. Dies um so weniger, als die„deutsche Front" längst von inncrem Mißtrauen zerrissen ist und ihre anständigen Teile mit Grauen auf die Gefahren sehen, die sich zu entwickeln beginnen. Seit einiger Zeit hat sich das politische Interesse Europas stärker als bisher der Saarfrage zugewandt. Dringend notwendig ist, daß die Europäer auch den Terror im Saargebiet mehr beachten. In der srnnzö- fischen und in der englischen Demokratie geschulte Poli- tiker und Journalisten können nur schwer die tückische Art des nationalsozialistischen Terrors begreifen. Wenn sie nicht Tote und Verwundete auf den Straßen liegen sehen, glauben sie leicht, es sei alles in bester Ordnung. Die Nationalsozialisten tarnen den Terror und Tarnen ist von jeher ihre große K il n st gewesen. Das ganze Saargebiet lebt unter einem nur selten sichtbaren Terror, dessen Raffinesse in langer Uebung drüben im Reich ausgebildet worden ist. Das Ziel dieses Terrors ist, jeden, der nicht als sicherer Anhänger der„deutschen Front" gilt, wirtschaftlich zu vernichten und gesellschaftlich zu ächten. Zumal in den kleineren Orten müssen die Kämpfer der deutschen Frei- heitssront mit trotzigem Heroismus gegen die Roheit und den Unverstand der Gegner sich behaupten. In einem Gebiet, dessen Bevölkerung von— wenn auch nicht uniformierten— Parteitruppen eingeschüchtert wird, kann von einer freien Abstimmung keine Rede sein. In einer Stadt, deren nationalsozialistische Presse Bombenaltentate als harmlose Lausbubenstreiche be- witzelt und durch wilde persönliche Haßausbrüche zu neuen Untaten gegen„Individuen" geradezu ausreizt, sind die Rechte der Minderheit kaum zu wahren, weil die Mehrheit entschlossen ist. jede ordnende und schützende (Gesetzgebung zu sabotieren. Die Nationalsozialisten haben innerhalb 15 Iahren mehr politische Mörder her- vorgebracht, als die deutsche Geschichte in Jahrhunderten zu melden wußte. Eine solche Partei und ihre Presse pfeifen auf alle„liberalistisch" politische Ethik. Eine solche Bewegung kennt nur eine Methode: die Vernichtung K ea (hegnerv um jeden Preis: sie kennt nur ein Recht: den Weg zum Sieg, und sei es über Leichen. Der Völkerbund und seine Beauftragten irren, wenn sie glauben, dort erziehen zu können, wo alle Voraus- setzungen und jeder gute Wille fehlen, die politischen Kämpfe in zivilisierten Formen auszutragen. Die Nationalsozialisten auch an der Saar sind verschlagen, entschlossen und hart, Ihre Gegner müssen in dem un- vermeidiichen Ringen dieselben Eigenschaften entwickeln, und das Pölkerbundsregime an der Saar mutz sich an- gesichls der großen Gefahren und der Unmöglichkeit einer freien geordneten Abstimmungsbewegung eine Autorität verschaffen, die weit über das jetzige Maß hinausgeht. Nur so ist Freikeit und Reckt für alle möalich. Die Anklage Saarbrücken. 20. Dezember. 3Pe wir erfahren, ist die Untersuchung in der Angelegenheit des an die Arbeitcrivohl- fahrt gesandten PakeiS io weit abgeschlossen, daß die Akten der Staatsanwaltschaft übergeben werden konnten ES dürste Anklage gegen den bcrusSlosen Jakob Schäfer und den stellungslosen Art'sten Kellermann wegen Sprcngstofsvcr- gehend erhoben werden. Die Untersuchung aus dem Polizei- technischen Laboratorium hat ergeben, daß der Inhalt des zerbrochenen Kruges aus Schwarzpulver bestand, wie es in Steinbrüchen zu Sprengungen verwendet wird. Ein echter Nazi Kriminell, wie es sich gehört Die„Neunkirchener Zeitung" schreibt uns über den Alten- täter gegen Mar Braun: Unwahr ist, daß der Alten- tätcr in der„Neunkirchener Zeitung" als Bote beschäftigt ist. Wahr ist. daß der Altcntätcr keine weiter« Verbindung mit der„Neunkirchener Zeitung" hat, alsdaßerineiner Mansarde des Gebäudes bei seiner Mutter wohnt. Wahr ist. daß die„Neunkirchener Zeitnng" froh gewesen wäre, ivenn sie den Attentäter aus der Wohnung hätte ausweisen können, da er durch seine krimi- nelleEinstcllungundTtrastatenlmehrsachcr Dieb stahl, einmal mit Gefängnis be st rat t> eine Last geworden war. Die Rücksicht auf seine Jugend, seine Arbeitslosigkeit und seine brave Mutter hat uns daran gehindert. Katholisches Blatt verboten! Weil es katholische Priester gegen Verleumdungen in Schutz nahm Die Polizeidirektion Kaiserslautern hat auf Weisung der bayrischen politisck»en Polizei München mit Beschluß vom 10. Dezember 1933 die in Kaiserslautern erscheinende Tages- zcttung„Pfälzer Tagblatt" aus die Daner von acht Tag«n, bis einschließlich 24. Dezember 1933.»erboten. In Nr. 289 der genannten Zeitung vom 14. Dezember 1933 ivurde ein Artikel„Marxistische L'teratnr bei katholischen Geistlichen?" veröffentlicht, der sich mit den durch die bayrische politische Polizei in München getroffenen Maßnahmen gegen die katholischen Pfarrer Dr. Muhler, Sollacher und Thaler be- schäftigt. Dieser Art'kel greift einem eingeleiteten geeicht- lichen Verfahren vor und kritisier« die Maßnahmen einer staatlichen Behörde in einer staatsabträglichcn Weise. * Berlin. 18. Dez. Das Oberpräsidium der Provinz West- falen hat die in Hagen erscheinende„Westdeutsche V o l k s z e i t u n g" und das in Iserlohn erscheinende „Märkische Volksblatt" aus die Dauer von drei Tagen verboten. Die Verbote endigen am Mittwoch, den 20. Dezember 1933. »I Todesurteile! Dem Reichsgericht wird nicht genug geköpft Leipzig. 18. Dez. Das Reichsgericht verwarf am Montag die Revision von zehn zum Tode verurteilten Angeklagten gegen das Urteil des Düsseldorfer Schwurgerichtes im H»- merprozctz. Aus die Revision der örtlichen Siaatsanivali- schast verhängte das Reichsgericht gegen den Maurer Otto Lukat. der von der Vorinstanz wegen Mordversuches zu to Jahren Zuchthaus verurteilt worden war. über dieses Ur- teil hinausgehend antragsgemäß rvegen Mordes die Todes- strate. a Die Verurteilten hatten in der Nacht zum 20. Juni t.U„ auf die von dem TA.-Heim in Erkrath tBez. Düsseldorf! stehenden Posten einen„feigen Naubübcrsall" verübt, bei dem der TA.-Mann Hilmcr gelötet und sein Kamerad Groß schwer verletzt wurde. Der Ucbersall war sorgfältig vor- bereitei worden. Soweit otc offiziöse deutsche Meldung. Daö Reichsgericht scheint den Ehrgeiz zu haben, Welt- rckorde in Todesurteilen aufzustellen. Zehn aus einmal ge- nügen nicht. Es müssen elf geköpft iverden. Mit dem Hand- beil! Aus diese Art ist Deutschland auch in der Hcukerö- arbeit in der Welt voran. * Gilt TA-Mann ist vor anderthalb Jahren gelötet worden. In einer Zeit, da hinüber und herüber geschossen ivurde. E l f Menschen sollen nun dafür büßen. Es ist natürlich ausgeschlossen, daß alle elf wirklich beteiligt waren. Bei der Gesetzgebung und Justiz des„dritten Reichs" gc- nügt es aber, jemandem die Beteiligung an einem solche» Ucbersall oder auch nur die Absicht dazu nachzuweisen oder ihn nur einigermaßen überzeugend zu verdächtigen, um ihm dem Scharsrichter auszuliefern. O, Deutschland hoch in Ehren... du heilig Hermanns- land. Das Neueste In der Gegend der Goldbergwcrkc Rulpoi in Sieben- bürgen explodierte eine Kiste mit Sprengstoff. Bier Arbeiter wurden getötet, fünf schwer verletzt. Im Znsammenhang mit der Korruptionsaffäre in der Potizeiverwaltung wurde auch der Polizeiches von Löwen verhaftet. Aus den Konzentrationslagern Oranienburg und Brandenburg wurdeu am Montag die Schutzhästling« ent- lasse«, die aus Grund ihrer bisherigen Führung die Ge- währ bieten dürften, daß sie sich künftig poli- tisch einwandfrei oerhalten. Dem„Petit Parisien" wird ans Toulon gemeldet, daß der neusozialistische Abgeordnete N e n a n d e l, der zu den Gründern dieser Partei gehört, erkrankt ist, und daß die Aerzte ihm vollkommene Ruhe auf Monate hinaus verordnet haben. Deutschlands Gläubiger betrogen! Schacht diktiert: Transterquote 30 v. il. In Berlin tagte der Zentralanölchnß der Reichsbank. Ans Grund eines Referats von Schacht wurde beschlossen, daß infolge des»erminderten Deviseneingangs im ersten Halbfahr 1034 die ausländischen Gläubiger nur SV ibisher>»> Prozent ihrer Ziuseu in bar erhalten werden, den Rest weite» in Gutscheinen der Konoersionskassc, die zn 50 Prozent verwertet werden können. Der Rückgang der deutschen Ausfuhr und die deshalb notwendigen Maßnahmen seien aber besonders durch die WährungS- rntwertung einzelner Länder hervorgerufen worden. Aus Schachts Rede Berlin, den 18. Dezember 1933. Da der Handels- llbcrschnß während der ersten fünf Monate des Jahres monatlich 5 2 Millionen R M. betrug, nahm die Reichsbank einen öOprozentigcn Transfer in Aussicht, tvozu monatlich 4t Millionen RM. Ausfuhrüberschuß hätten gc- nügen müssen, so daß noch Platz für eine bescheidene Stär- knng der Währungsreserve gewesen wäre. Dieses Ziel sei nicht erreicht worden, hauptsächlich weil die Aussuhrüber- schlisse nicht voll in Devisen hereingekommen ieien. Nach neuen den Gläubigernvertretern vorgelegten Aufstellungen betrage der auS dem Warenauäsnhrüberfchuß zu deckende monatliche Betrag nicht, wie ursprünglich errechnet, 81, sondern nur 7 4 M i I l i o n e n R M. Für den Durchschnitt der Monate Juli bis November betrug der deutsche Aussuhr- Überschuß rund 6T> Millionen NM. Wenn die Reichsbank trotz- dem nicht in der Lage sei. den öOprozcntigcn Transfer auf» rechtznerhaltcn, so liege das daran, daß dieser Ausfuhr- Überschuß nicht in voller Höhe mit Devisen bezahlt werde, sondern zum erbeblichen Teil mit Sperrmark und deutschen Ausland S bonds, die dem Auslande gehörten. Die Statistik ergebe, daß von Juli bis November rund 200 von den 327 Millionen RM. betragendem Ausfuhr- Überschuß nicht mit Devisen, sondern mit inländischen Zah- lnngsmttteln bezahlt worden seien. Demnach seien nicht 32'. sondern nur 127 Millionen RM., daS sind 25 Millionen RM. monatlich, an Deviseneinnahmen zn erwarten. Die Reichs- bank babe sich auch jetzt wieder entschlossen, für die nächsten sechs Monate das Maximum dessen zu transferieren, das nach den vorliegenden Statistiken möglich sei, nämlich dreißig Prozent. » Die Rede Schachts und die Beschlüsse des Zentral- ausschusseS sind bestimmt durch den außerordentlich un- günstigen ReichSbankaudweis vom 13. Dezember. Immer kleiner wirb die Golddccke immer geringer wird der Devisen- besitz. Die ausländischen Gläubiger, ohnehin durch die sinan- ziellen Maßnahmen Deutschlands aitts äußerste erbittert, werben die neuen Beschlüsse, die vor allem die Zinszahlungen ans 30 Prozent reduzieren, vermutlich nicht ohne weiteres hinnehmen. Schon ist von Gcgenmafircgcln die Rede. Zum deutsch-französischen Wettrüsten Fortsetzung von erster Seite. Zweijährige Dienstzeit London, 10. Dez. Der französische Korrespondent des „Daily Telegraph" meldet aus Paris, Kriegsminister Dala- dier habe, wie verlautet, in der gestrigen Sitzung deö Obersten Kriegsratcs die Wiedereinführung der zweijährigen Dienstzeit vorgeschlagen, wodurch die Friedensstärke der französischen Armee um ungefähr 40000 Mann er- höht werden würde— Zu den Erklärungen des deutschen Reichskanzlers zur Abrüstungsfrage habe, so heißt es in der Pariser Meldung weiter, Ministerpräsident Ehauicmps noch nicht, endgültig Stellung genommen. Der französische Botschafter in Berlin sei angewiesen worden, wegen gewisser Punkte der deutschen Mitteilungen weitere Informationen einzuholen. Auch England? Verstärkung der britischen Luftflotte London, 19. Dez.„Daily Telegraph" glaubt mitteilen zu können, daß in dem im April nächsten Jahres fälligen Haus- halt für daS kommende Finanzjahr eine Verstärkung der britischen Luftstreitmacht um vier Geschwader, d. h. ungefähr 60 Flugzeuge, größtenteils Kampsflugzeuge, vorgesehen sei. DaS Blatt, daS diese Zahl„enttäuschend niedrig" nennt, schreibt, im Jahre 1923 sei festgestellt worden, daß die Mindcststärke der heimischen Luslstreitmacht 52 Geschwader betrage. Talsächlich habe England aber gegenwärtig nur 42 Geschwader. Aber die Regierung halte die Lage nicht für ernst genug, um eine weitergehende Vermehrung unver- weidlich zu machen. Verstimmung In England Londo«. 19. Dezember. Die englische Presse bcschäitigt sich ziemlich eingehend in Leitartikeln und Kommentaren mit der im Zeniralausschuß der Reichsbank bekanntgegebenen neuen Transscrguote. die mit Ablehnung ausgenommen wird. Das Vorgehen dcS Rcichsbankpräfidenten, so schreibt „Times" u. a.. hinterlasse keinen günstigen Gesamteindruck. Achnlich lauten auch die Argumente, die die übrigen Blätter zur Beurteilung des deuttchen Schrittes anführen. Besonders scharf glaubt„Financial News" sich äußern z» müssen. Das Blatt geht sogar so weit, daß es ein Ein- greifen der britischen Regierung fordert. Dazu seien zwei Wege offen, nämlich die Schassung von Sonder-Zolltarifen und die Einführung eine« Dcviscn-Elearing-Systeins. Nach Ansicht des Blattes habe das letzte Minel aber zur Folge, daß den amerikanischen- Gläubigern die Hauptlas» aufge- bürdet würde. Das könne aber vermieden werden, wenn sich alle interessierten Länder an einem solchen Devisen-Clearing- System beteiligen würden, da somit das Nettoergebnis eine gerechtere Verteilung erfahre. DlmHroffs große Anklagerede lind nodi einmal wird Ihm das Wort entzogen UeBer die Schlußrede des„Angeklagten" Dimitrosf Be- richtet die»Neue Züricher Zeitung"(Nr. 2312): Dim i t r o f f zeigt sich nochmals als„ganzer Kerl". Wie ein Pfeil schnellt er von seinem Sitze empor. Der persönliche Mut, die Schlauheit, Bosheit und der Esprit des Mazedoniers sollen heute noch einmal Brillieren. Dem Gefängnis- märter hat er Bereits anvertraut, so viele Monate, als er in der Untersuchungshaft gewesen sei, so viele Stunden werde er vor Gericht plädieren, und es sind deren neuneinhalb. In den Händen hält er jetzt zwei mit roten und blauen Kreisen gefüllte Papicrbogen, auf denen er nach einem seltsamen System die Zeugenaussagen mit eingezeichneten Pfeilen registriert hat. Er beginnt mit einem leidenschaftlichen Protest gegen die ungerechte Anklage, die für ein anti- kommunistisches Verbrechen die Kommunisten haftbar machen wolle. Gern bekennt er. das höchste Gesetz sei für ihn das Programm der Kommunistischen Internationale, das höchste Gericht die Kontrollkommission in Moskau. Trotzdem nehme er das Reichsgericht ernst, um hier seine politische und revolutionäre Ehre zu verteidigen. Nachdem man ihm die Bciziehung von Moro-Giasferi, Torres, Eampinchi, Willard, Grigoroff und noch vier anderen vorgeschlagenen Rechts- beiständen verweigert habe, müsse er seine Sache selbst führen. „Ich will," erklärt Dimitrosf mit einem Seitenhieb aus seinen Mitangeklagten, der in Moskau nicht mehr persona grata ist,„Torgier nicht kränken, nachdem er von seinem Verteidiger moralisch schon genug gekränkt worden ist, aber lieber würde ich mich vom Reichsgericht zum Tode verurteilen lasten, als mir eine Verteidigung wie diejenige Dr. Sacks gefallen zu lasten." Dimitrosf bereitet seinen Zuhörern eine lleberraschung. Plötzlich verwandelt er sich in einen bulgarischen Nationa- listen, um sein Land gegen den Vorwurf des„dunklen Val- kans" zu verteidige», der in Prozeßberichten der deutschen Preste gefallen sein soll. Der Kampf für die eigene Nationa- lität und Sprache sei dort schon geführt worden, als in Deutschland die Gebildeten sich noch des Lateins als Schrift- spräche bedient hätten. Als rabiat und barbarisch dürfen nicht das Bulgarische Volk beschimpft werden, sondern nur die faschistischen Kreise dieses Landes. Aber Ivo gebe es über- Haupt einen Faschismus, der nicht rabiat und Barbarisch sei! lDer Vorsitzende Dr. Bünger, der heute von der milden Stimmung eines Weihnachtsmannes beseelt ist, mir» die Frage ein:„Sie wollen doch nicht auf die Verbältnisse in Teutschland anspielen?"„Nein," antwortete Dimitrosf, um weitersprechen zu können.)„In Bulgarien." so fährt der Redner fort, hat niemand, nicht einmal die politischen Gegner, an die Schuld der vier Mitangeklagten geglaubt. Wieviele Verbrechen sind schon ini ersten Moment den Kom- muniften zugeschoben worden, das Eisenbahnattentat von Jüterbog als dessen Urheber erst später der Psychopath Matuschka ermittelt wurde, die Ermordung des Präsidenten Donmcr durch Gorgulots, von dem man zuerst meinte, er sei Vin Agent der Dritten Internationale, und manches andere." Bon Ministerpräsident Göring, so erklärte der Agitator aus der Bank der Angeklagten weiter, stammt die von der Anklagebehörde ausgenommene Theorie des Vabangueipiels der Kommunisten, des„Jetzt oder Nie", vor das diese Partei sich angeblich im Februar gestellt sah. Aber die Kommunisten sind nicht so kurzsichtig wie ihre Gegner. Als Millionenweltpartei, deren größte Sektion in Rußland die Regiernngsmacht iibex weite Gebiete Europas und Asiens ist, kennen sie ihre Verantwortung und bleiben»hren Beschlüssen treu. Die prggnisterung der proletarischen Revolution in allen ~^ letzte Ziel, aber das kann hier in Leipzig nicht der Gegenstand der Anklage sein. Es kommt darauf an, ob Ende Februar die deutschen Kommunisten etwas ins Werk letzten, um das Ziel unmittelbar zu erreichen. Allen national- sozialistischen Politikern, alle» Polizeibeamtc», die hier als Zeugen auftraten, habe ich die Frage gestellt, ob zur Zeit des Reichstagsbrandes konkrete Vorbereitungen zur Revo- lution zu Bemerken waren, und die in verschiedenen Varia- tionen erteilten Antworten waren schließlich immer verneinend. Wer hatte den Reichstagsbrand nötig? Ter N a t i o u a l s o z i a l i s m u s brauchte irgendeinen Anlaß, um die Notverordnung vom 28. Februar durchzusetzen, die die Grundlage zur Verfolgung aller anderen Parteien bilde» sollte. Der Redner, der den Schwanengesang der komm»- nistischen Opposition in Deutschland ertönen läßt, wird immer lebendiger. Er stößt die geballten Fäuste gegen- einander: das sind die beide» Flügel der Reichsregierung, der konservative und der nationalsozialistische, die im Je- bruar 1083 in Konflikt geraten. Mit weiten, ausladenden Armbewegungen deutet er die heranmarschierenden Arbeiter- Massen an, die sich zur Einheitsfront vereinigen. Der Vor- sitzende greift wiederholt ein. Aber Dimitrosf läßt sich nicht beirren. Er spricht von Thyssen und Krupp, die jahrelang die nationalsozialistische Bewegung finanzierten, um die Neuorganisation der deutschen Wirtschast in ihre Hände zu bekommen, von der Gärung bei den Politikern der Linken und des Bürgertums, die im Februar das Herannahen einer brutalen Alleinherrschaft, des Nationalsozialismus, gespürt hätten. sDer Vorsitzende rügt diesen Ausdruck.) Man brauchte ein Ablenkungsmanöver und einen schwer- wiegenden Anlaß, um den Ausnahmeznstand zu verhängen mit der Vernichtung aller Grundrechte, der Entfesselung e,ner Polize,Herrschaft, den Massenverhastnngen, dem summarischen Verfahren bis zum Konzentrationslager. Dr. Bünger versucht unterdessen immer neue Anläufe, um den Redner vom politischen Gebiet abzulenken. In einem einzigen Punkt kann Dimitrosf sich mit der Anklageschrift einverstanden erklären: Van der Lübbe hau- delte nicht allein. Nach dem mißglückten Brandstislungs- versuch am Rathaus und am Schloß traf er, wahrscheinlich auf dem Wege nach Henningsdorf, mit jemand zusammen, dem er seine Taten erzählte und der ihm antwortete: Warum eine io kleine Sache? Wir werden zusammen etwas Größeres unternehmen. Van der Lübbe, der den Ausführungen Dimitroffs gefolgt ist, beginnt plötzlich zu lachen. Er lacht fast lautlos, aber so unbändig, daß der ganze Körper sich schüttelt und fast von der Bank herabfällt. Nochmals heften sich alle Blicke auf ihn. Es ist tatsächlich kein Schluchzen: das ganze Gesicht ist zu einem amüsierten Grinsen verzerrt. Nach zweistündiger Rededauer setzt der Vorsitzende eine letzte Frist von zehn Minuten und behält die Uhr in der Hand. Dimitrosf muß zu seinen Tchlußanträgen übergehen. Er ist nicht einverstanden mit einer Freisprechung„wegen Mangels an Beweisen" und verlangt, daß seine Unschuld wie auch dieseniae der beiden bulgarischen Mitangeklagten und Torglers ausdrücklich festgestellt werde. Ferner soll das Gericht erklären, daß van der Lübbe„als mißbrauchtes Werkzeua der Feinde der Arbeiterklasse zu betrachten ist". Der dritte Antra« ist der Gipfelpunkt der^Demonstration: die wir'lichen Schukdiaen feien unter Mithilfe Dimitrofss seft-nltellen nnd zur Verantwortung zu und eS fei oui ibre Kosten de« freigesprochenen Angeklaaten eine Entschädigung für ihre verlorene Zeit auszuruhteu. „Noch eine Minute," ruft der Vorsitzende. Dimitrosf redet vom Galilei-Prozeß und von der Erde, die sich trotz alledem bewegt.„Schweigen Sie, schweigen Sie," unterbricht Dr. Bünger. In ihrer rauschenden roten Amtstracht verlassen die Richter den Saal, um nach ihrer Rückkehr den endgültigen Wortentzug zu verkünden. P o p o s f und T a n e s f beteuern nochmals ihre Unschuld und verlangen die bedingungslose Freisprechung. Schlußwort Torgier» Torgler tritt in die Fußstapfcn seines Verteidigers, dem er den wärmsten Dank ausspricht, und bittet gleichfalls um eine Freisprechung. Wenn jemals in der Weltgeschichte der Antrag der Todesstrafe gegen einen völlig Unschuldigen gestellt wurde, so ist es in diesem Prozeß. Nochmals beteuerte der Angeklagte, er wäre ein Verbrecher gegen die Partei gewesen, wenn er zu einer Wahnsinnstat wie dem Reichs- tagsbrand Hand geboten hätte, die sich nur als fürchterlicher Schlag gegen den Kommunismus auswirken konnte. Das Attentat Nobilings gegen Kaiser Wilhelm l. wurde von Bis- marck zum Borwand für seine Sozialistengesetze genommen. Bei den Wahlvorbereitungen vom Februar 1033 hatte Torgler nur die Befürchtung, daß ein Irrsinniger ein ähn- liches Verhängnis entfesseln könnte. Er ahnte nichts Gutes, seit er vernommen hatte, daß der junge Stahlhelmsührer Morozewitz einem andern Stahlhelmer. der gezweifelt hatte, ob die Kommunisten so unklug seien, selber Komplikationen zu schassen und den Anlaß zu einer Säuberungsaktion zu geben, erwiderte: Na, da werden wir eben Komplikationen schaffen! Die Verhandlungen, die ursprünglich auf drei Wochen be rechnet waren und nun fast drei Monate gedauert haben, sind damit geschlossen. Drei kleine Panzerautos führen die Angeklagten durch die eiskalte Dezembcrnacht ins Ge- sängnis zurück, wo ihnen noch eine Woche des Wartens bevorsteht. Am Samstag, dem 23. Dezember, 0 Uhr vormittags, soll das Urteil der Oessentlichkeit verkündet werden. vie oreoel der Sondergerldite Frei nach einer nationalsozialistischen Zeitung Unter den Ueberschriften:„Freche jüdische Hetze vor dem Sondergericht— Für Ruth Steinberg müßte die Prügelstrafe eingeführt werden" finden wir in dem nationalsozialistischen„Westdeutschen Beobachter" in Köln vom 15. Dezember einen Bericht, der hinreichnd„Freiheit und Recht" im„dritten Reich" charakterisiert: In Rückershausen, im Taunuskreis, wohnte früher der 56jährige Reisende Leo Kahn, der genau so wie der Ort»- bürgermejster ein strammes Mitglied der SPD ivar. Mit diesem stand er sich dalwr auch sehr gut. bis der scharfe Märzwind auch durch den Taunus fegte, der den Bürger- meister im„Stahlhelm" niedersetzte und Kahn plötzlich in ein Chaos trieb, in dem er sich nicht mehr zurecht fand. AlS einfacher Soldat hatte er sich>m Felde zwar das Eiserne Kreuz und die Hessische TapserkeitS-Medaille geholt, aber feige wurde er gegenüber de» ueugeordneien Verhältnissen i» Deutschland, als das schwarz-roie System wie Spreu im Winde zerflog. Daß der jüdische Einfluß überall im öffent- lichen Leben und die Macht des Kapitals mit einem Male gebrochen ivurden, tonnte Kahn einfach nicht fassen und glaubte auch nicht daran. Entsprechend war auch seine per- sönliche Einstellung zu den bedeutsamen Ereignissen der Zeit, die er nicht begreifen wollte. Am Gründonnerstag dieses Jahres wurde er von einer Gruppe junger Burschen überfallen, die ihm ans irgend- welchen Gründen eine Abreibung verabreichten, bei der er auck> einige Schrammen am Kopfe davontrug, die späterhin als Narben sichtbar blieben. Diese Zeichen seines angeblichen„Märtyrertums" führte er künftighin mit einem gewissen Stolz: aber nach dieiem Vorfall wurde ihm doch der Aufenthalt in Rückershausen zu ungemütlich, und er zog nun nach Wiesbaden. Auf sei- »er Äundschaftsreise kam er anfangs September wieder in seine» früheren Wohnort und besuchte hier auch eine Ku»^ din, bei der er glaubte, seinem bedrängten Herzen einmal Luft machen Lu können. Mit Bezug aus seine Kopfnarbc» erzählte er, daß es natür- lich die„bösen Nazis" gewesen seien, die ihn überfallen hätten, und, was noch das schlimmste dabei sei, ansgerechnet auf Veranlassung seines früheren Gesinnungsgenossen, des Bür- germeisters, der mit vollen Segeln in einen besseren Hafen gefahren sei, nachdem er der Gemeinde noch 10 Morgen Land draufgemacht habe. Dann berichtete er allgemein über die schlechte geschäftliche Lage über die man sich auch wirklich nicht zu wundern brauche. Was mau in Teutschland als ausländische Greuelmärchen bezeichne, habe sich immer als Tatsache herausgestellt. Die- ics alles führe auch ganz zwangsläufig zu einem Kriege, der wahrscheinlich noch im Herbst ausbrechen werde. Von all diese» Verleumdungen und Beleidigungen wollte aber der Angeklagte Kahn jetzt vor dem Sondergericht nichts mehr wissen itnd versuchte, die Anzeigende als eine geistes- gestörte Person hinzustellen, was ihm aber»ach der klaren Bekundung dieser Zeugin durchaus mißlang. Lediglich mit Rücksicht ans sei» einwandfreies Vorleben nnd weil er als Soldat im Felde feine Pflicht erfüllt batte, beantragte StaatSanwaltschaftsrat Porten nur eine Gesäug- „isstrafe von« Monate« bei Anrechnung der Unt«rsuchungS- hast. Das Gericht erkannte auch nur auf diese Strafe, weil es dem Angeklagten wegen seiner bisherigen Straflosigkeit und vor allem wegen seiner Kriegsverdienste im weitesten Maße mildernde Umstände zugebilligt hatte, sonst wäre ein viel schärferes Strasmaß bei der Fülle der Verleumdungen und Beleidigungen gegen ihn festgesetzt worden. Da« lose Maul wurde der Ruth auch im Ausland gestopft Frau Wilhelm Kreuder hieß zwar die Angeklagte, die dem Sondergericht aus der Untersuchungshaft vorgeführt wurde. aber sie war eine geborene Ruth Steinberg und 1902 in Köln geboren. In Amerika, wo sie länger« Zeit lebte, hatte sich ihr Mann von>hr getrennt, und dann war sie naä' Luxemburg zu ihrer Mutier gezogen, wo sie auch heute noch wohnt. Im August dieses Jahres hatte st« ihre„Mischpoke" in Saarbrücken besuch« und befand sich am 22. August wieder aus der Rückreise nach Luxemburg. In dem Zuge Saarbrücken—Trier war sie ihren Mitreise» den schon durch ihr jüdisches Benehmen mehr als unan- genehm ausgefallen, zumal sie auch»och ostentativ das üble und berüchtigte Hetzblatt, dt« Saarbrücker„Freiheit" zur Schau bei sich trug. Je mehr sie in den Mienen ihrer Mit- reisenden deren Acrger über ihr Verhalten las, desto drei fter, herausfordernder und u»vcrschäm:er benahm sie sich, weil sie sich ja»och innerhalb der fie schützenden Grenzpfähle befand. Im abgeschnürten Saarbrücker Land haben leider noch die berussmäßigen Hetze» und Verleumder das Recht, ihre verbrecherische Meinung und Gesinnung offen an de» Tag zu legen. Zu diesem Gesindel ist auch die freche Jüdin zu zählen, die in hämischer und boshafter Freude ihre Märchen auftischte, damit ihre Mitreisenden„die Platze kriegen" sollten. Nach dem üblichen jüdischen Geplapper von dem Nichts- können desKanzlers, über den sie sich auch in Schmähungen erging, versuchte sie den Anwesenden klarzumachen, daß i» den ArbeitSdienstläqer» die Freiwilligen bei schwerster Ar- Bett Hunger leiden müßten. Der Hinweis eines Mitreise» den, daß gerade das Gegenteil der Fall sei, was er aus eigner Anschauung aus drei Läger» genau wisse, stachelte die Jüdin zu noch größerer Wut an. und frech behauptete sie jetzt, daß sie mit eigenen Augen gesehen habe und dies auch jederzeit unter Eid»niederholen wurde, in Köln hatten SA.-Leute nicht nur die Frauen mißhandelt, sondern auch Mütter, die noch'hre Kinder an der Brust gehabt hätten, in der gemeinsten Weise malträtiert. In ihrem Berleumdungseiser vergab sie dabei ganz, daß der Zug inzwischen die Zollkontrolle Serrig angelaufen hatte, wo die empörten Reisenden nun endlich auch ihre Meinung frei und offen gegenüber dieser frechen Jüdin an- bringen dursten. Ihr schamloses Verhalten hatte nicht n«r die Reisende» ihres Abteils, sondern des ganzen Waggons in to große Aufregung versetzt, daß nachher aus deutschem Boden ihre Festnahme crsolgen mußte. Vor Gericht versuchte sie ebenso frech die gegen sie erhobenen Beschuldigungen abzustreiten Aber gegen sie traten zwei einwandfreie Saarländer als Zeuge» aus. Daß sie im Besitz der hetzerischen„Freiheit" gewesen«var. konnte sie nicht ableugnen, aber dazu erfand sie die Erklärung, daß sie natürlich ebensogut eine andere Saarbrücker Zeitung hätte kaufen können, diese aber die billigste für sie gewesen sei. Mit scharfer Anklage richtete sich der Staatsanwalt gegen die Angeklagte, die ihr loses Maul auch schon im Ausland unter Beweis gestellt hatte und bereits in Belgien wegen Beleidigung zu 14 Tagen Gefängnis und 360 Frauken Geld strafe bestrast worden war. Als im Auslande lebende Deutsche hatte die Angeklagte weiter bewiesen, daß sie»» würdig geworden ist. die deutsche Staatsangehörigkeit zu besitzen, die ihr hofsentlich mit diesem Verfahren allen Rech tens abgesprochen wird. Auf den Antrag des Staatsanwalts von 16 Monate» Ge- fängnis setzte das Gericht eine Gefängnisstrafe von einem Jahr seft, die als milde genug bezeichnet werden darf. w Staafsgelährlidie" Bride Zwei Einwohner a„S Upen bei Ringelheim hatten einen Briet' an die Rundfunkzentrale in Moskau ge- richtet, in dem sie falsche Behauptungen über die Verhältnisse in Deutschland aufgestellt hatten. Sie wurden wegen Ber- gehcns gegen die Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze des Staates zu jceincmJahrachtMonaten Gefängnis verurteilt.^ Das Stuttgarter Sondergericht verurteilte den Stuttgarter Orthopäden B a r t l m e zu drei Monaten Gefängnis. Der Verurteilte hatte an seinen Bruder in München Briefe ge- schrieben, die von der Postkontrolle geöffnet wurden. In diesen Briefen hieß es, daß die Regierung nun auch aus katholische Priester Jagd mache und daß beim katholischen Gesellentag ein Pfarrer erschossen und ein anderer verletzt worden sei. Konjunktur ihr Denunzianten Das Breslauer Sondergertcht gibt eine Uebersicht über sein« seit dem 1. April ausgeübte Tätigkeit. Insgesamt wur- den 166 Angeklagte vor ihm abgeurteilt, davon 22 sreige- sprachen. In einem Fall wurde die Todesstrafe verhängt. 16 Angeklagte wurden zu insgesamt 82 Iahren und.2 Mona- ten Zuchthaus verurteilt, 127 Angeklagt« zu insgesamt H7 Jahren und 8 Monaten Gefängnis. Der Anklage in 166 Fällen stehen nicht tveniger als 19'»0 Ermittlungsverfahren bei der Staatsanwaltschaft des Sondergcrichts gegenüber. Ein Beweis dafür, daß über»0 v H. der Anzeigen nicht stichhaltig waren. Man hat sich darum entschlossen, den§ 164 des Strafgesetzbuches, der falschen Anschuldigung, wenn sie wider beste- res Wissen erfolgt, mit Gefängnis nicht unter einem Monat bedroht, verschärft zur Anwendung zu bringen. Anna hat es Dessen Die Berliner Nazipropaganda ist aus einen neuen Trick verfallen Tie läßt Juden, die Vernnmdte im Ausland haben, a» diese schreiben, es ginge ihnen ausgezeichnet, sie würde» in Deutschland gar nicht belästigt, überhaupt wäre alles in schönster Ordnung. Einen Brief dieser Art bekam auch eine Familie in Toronto»icdestücke. Die deutsche Schwerindustrie verpflichtet sich weiter, nur solche Walzwerkserzeugnille noch nach Polen rinzlNuhrcn die in Pole» selbst nicht hergestellt werden, .luncr den Eiscnkontingdntett erhält Polen auch noch eine ît^ tgung am deutschen Iitlandsuinsav an Edelstahl von r*' iährlich. Deutschland verpflichtet sich ferner, den polnischen Hüttenwerken aus Anîorderi, Sckrott zum Eimchme.»n zu licfcrti. und zwar 21 Prozent der Menge, die die polniichcn Werke zukaufen müssen, um ihren Schrott- bedari zu decken Aus diesem Abkomme» ist ersichtlich, daß alle vorteile ökonomischer Na'ur Polen znialle» und alle Nachteile 7» eutschland treffen. ES ist klar, da« Deutschland dagegen 'Vorteile anderer, und zwar politischer Art zu erziele» wIinscht.'Zunächst rechne» das Naziregtmc damit, dasi Pilsudiki die dcutiche Autrüsiuna nicht stören wird: ivei'cr gibt es bekanntlich eine ukrainische Iraae. bei deren Bc- Handlung sich die Interessen von Polen und Teutschland vcr- schmelzen lassen. Her mil Kolonien! Das Organ der deutschen Schwerindustrie, die„Deutsche Vergwerkszeitung" schreibt über das Recht Deutschlands ausKolonie»:„Jehl werden wir voraussichtlich auch Hinsicht- ha? der endlichen Einlösung oller kolonialen Versprechungen, wie sie bei Abschluß des Vorfrieden s vert rages in bindender ,vori» vorlagen, viel wirksamer als bisher arbeiten... Zur vollen Gleichberechtigung au' allen Gebieten gehör» nn- iveiacrlich auch die koloniale Gleichberechlianng. Ohne eine bindende Znkaac a»i diesem Gebiete lallte Deutschland iür einen Wiedereintritt in den Völkerbund von vornherein nie zu haben sein." Jahresabsatz: SZ OOO Anlos Rückgang de# Kraftwagenabsatzes— Industrie aber noch gut beschäftigt 3"cr November brachte den saisonüblichen weitere» Rück- gang deS Krattwagen-Ablatzes. Gegenüber dem Höhepunkt der Perioiienwagen-Saison. der diesmal einen Monat später und wesentlich h ö h c r lag als in früheren Nahren. betrug der Rückgang iedoch nur 39.0 Prozent, während er im Vorjahr 42.2 Prozent und 1931 sogar 74,3 Prozent betragen halte. Ten Auistellungcn. die das Institut für Konjunktur- ivrlchung in icincm neuen Wochenbericht veröffentlicht, cnt- neliincn wir folgende Angaben: Zulassungen fabrikneuer Lrastsahrzeuge arbeiisiägl. Pcrsoncnkraslivagcn Lasttraitwagen in$IÜ(t lftil 19.13 1003 lftil 1032 1033 Mat 304,8 LV3.8 878,0 Ol,.) 27,8 47,3 Juni 280,8 188,5 832,7 02,1 28.2 45,7 Null 2.','>,!I 181,2 871,0 52,7 27,3 13,2 August 158,3 110,8 885,0 38,9 24,0 43,4 September 144,8 130,8 810,5 34,2 24,1 43,8 Oktober 118,4 1 81,7 818,5 30,4 25,7 45.7 November 08.8 117,3 231,3 20J 24,1 42.9 Damit ist UN Inland sogar der Personenwagen-Absatz vom November des Konjunkturjahres 14)09 überschritten, die gesamte Kriseneinbuße also beinahe ausgeglichen worden. Ter Dezember wird, der Jahreszeit entsprechend, wohl einen weiteren Rückgang bringen: im Dezember 11132 waren z. B. je Arbeitstag nur 02,0 Personen- und 22.2 Lastwagen neu zugelassen worden. Den Geiaintablay iür daS lausende Jahr dart man aber schon jetzt auk rund 31"><*1 Personenwagen, das ist das Doppelte der Vorjahrszikker. und 11 400 Lastwagen. das sind 00 Prozent mehr als in? Vorführ, schätzen. Ergänzend sei daraus hingewiesen, dan llch auch der Aus- landsabsatz der deutschen Antvniobilindnstrie Vergleichs- weise günstig entwickelt bat. In den erste» Kl Monaten wur» den 9518 fertige Personen wagen und Iahrgestellc mit Mo- lvr ausgeführt gegen 782.1 im gleichen Zeitraum des Vor- jahres. Damit wurde die Gesaüitans'nhr deS Verhältnis- mäßig gnten Erportiahres 1031 um 1">00 Stück überschritten. Die entsprechend» Lastwaaenansiuhr dagegen bleibt mit L>«t2 ttiv Vorjahre 17721 Stück noch um fast 50 Prozent hinter der gesamtausfuhr von 1031 zurück. Größer als amtlich zugegeben Das Statistische Rcichs a mt kam in einer Unter- iuchung über die Entwicklung der Baukosten zu dem Ergeb- ins, dah sich das Preisniveau nicht sehr wesentlich gehoben habe, wenn auch dieser oder jener Baustoss da oder dort erheblich oerteueii worden iei Die Statistik schlost allerdings im Oktober ab. Der Hand m e r k s st a n d stellte dagegen sehr beträchtliche Preiserhöhungen fest und zivar in einer Denkschrift, die schon im September abgeschlossen worden war. wenn sie auch jetzt erst der Oefseutlichkeit vorgelegt ivurdc. Ireilich gaben die Methoden dieser Denkschrift in vielen Punkten zur Kritik Anlast. Es werden nun soeben die N o v e m b e r z a h l c u des Tta- tistiichcn RcichSamtS für die Baustosfpreiie in 15 Städten veröffentlich:, und zwar noch vor Erscheinen von„Wirtschaft und Statistik" in der„Bauwclt" v. 7. Dezember. Diese Zah- lcn zeigen ein recht beträchtliches Anziehen der Preise. Die Balkenpreise z. B. stiegen im November je Rubikincter von 38 aus 41 Reichsmark in Nürnberg von 45 aus 43 Mark in Ellen, in anderen Städten um 2 oder 1 Mark. Tic Preise iür l» To. Ttückenkalk stiegen i» Iranksurt a. Main von 225 aus 245 Mark: in Leipzig waren sie schon im Oktober von 200 auf 280 Mark erhöht worden. Ter Preis für 1000 Hinter- mauerungssteine. der jetzt zwischen 24 und 86 Mark schwankt, verteuerte sich an verschiedenen Orten um b'S zu 3 Mark. Bemerkenswert ist. dast gerade' in Nürnberg die Teuerung der Baustosfpreiie besonders ausgeprägt ist. Austerdcin ist die Unterschiedlichkeit der Entwicklung in den verschiedenen Städte» ausfällig, und deslmlb erscheint uns d'e Irage der „Bauwclt" beachtenswert, ob Zahlen aus nur fünfzehn Grost- städtcn eine genügend breite Grundlage für die Ermittlung des Index sind. Großhandelsindex leicht gestiegen Die vom Statistischen Reichsamt berechnete Indexziffer der Großhandelspreise stellt sich wie folgt: 14.12. 15 3. 14.«. 13.9. 0.12. 13.12. 11)32 1933 1933 1933 1933 1933 Gesamtinder 92,5 91,2 92,9 94,8 96,1 9«,1 Agrantoffe 84.8 82,4 85,1 89,0 93.8 93,6 Ind. Rohstoff? 87,3 87,3 89.2 89.3 88.9 89,1 Ind. Fertigwaren 113,0 111,0 112.0 113,5 113,9 114,0 Notleidende Sozialversicherung Das„Zeniralblatt für Reichsversichernng und Reichsver- svrgung" teilt— ohne genaue Zahlen anzugeben!— mit, dast der Mitgliederstand der Krankenkassen im 2. Vierteljahr 1938„nur unerheblich niedriger als in der entsprechenden Zeit des Jahres 1932" war.„In der Invalidenversicherung haben die Beitragseinnahmen um 7.2 v. H„ die Reineu- leiflungen dagegen nur um 2.4 v. H gegenüber dem Bor- Vierteljahr zugenommen." In der Angestelltenversicherung „sind die BeUragseinnahmen gegenüber dem 1. Vierteljahr, das ein sehr günstiges Ergebnis auswies, bedeutend, und zwar um 22,5 v. H. zurückgegangen, während die Renten- zahlungen um 2X». H. gestiegen sind. Infolgedessen ist der Ueberichnst der Beitragseinnahmen über die Rentenlcistun- gen von 182 Mill. RM. im 2. Vierteljahr 1932 und 29,1 Mill. RM. im I. Vierteljahr 1933 auk 9 Mill. RM. im Berichts- Vierteljahr zusammengeschrumpft. Die Beitragseinnahmen d r jinappschaftlichen PensionSversicherung haben sick gegen- über dem Vorvierteljahr um 2,2 v. H. vermindert, der Lei- stnngSauiwand dagegen hat sich um 2.» v. H. erhöht. Der linterschied lFehlbetragj zwischen Beitragseinnahmen und LeisrungSauswand ist von 21.0 Mill. RM. iin 1. Vierteljahr auf 23.0 Mill. RM. im Berichtsvierteljahr gestiegen." „Zwei Erlebnisse- eine Moral!" Unter diesem Titel finden wir im„Deutschen NahrungS- miltelarbelter" die folgenden zum Bonkott Frankreichs auf- fordernden Szenen.„1. Akt. Ort der Handlung: Gut einge- richteteS deutsches Ladengeschäft deS SeidenliandelS. Per- sonen: Ein deutscher Geschäftsinhaber, eine deutsche Käuferin. Er:„Wünschen Sie Kunstseide? Ober reine«etde. gnädige Iran? Dann kann ich Ihnen diese vortreffliche und preis- werte Kreselder Ware empfehlen!" Sie:„Sehr hübsch, schwere Qualität, geschmackvolles Mu- ster und auch billig! Aber willen Sie. ich möchte was Bei- sers haben. Sie hatten neulich meiner Ireundin einen Herr- liche» eckt französischen Seidenstoff verkauft. Er ist zivar doppelt so teuer, aber doch echt Lyvncr Ware: ein höchst apartes Muster." Er:„Gnädige Iran, ich garantiere Ihnen, dast die billigere deutsche Ware gleichwertig ist: eS sind nur die Zölle und die französischen Zivischengewinne, welche die Einfuhrware verteuern, denn oft find Muster und Ware erst von Krefeld nach Lyon ansgeiührt und dann zurückge- führt: das gibt also doppelte Irach», Zölle usw." Tie lungläubig lächelnd):„Die Ausreden kennt man ja! Zie haben eben ja keine eckt französische Ware am Lager. Tann gehe ich wo anders hin!" lRauicht ab). Er«allein):„Ich fürchte. ich must wieder die teure Aus- landsseide auk Lager nehmen. Das Publikum zivingt einen ja mit seinem Unverstand dazu" Zweiter A k t. Ort der Handlung: Ein Warenhaus in Paris. Personen: Eine französische Käuferin, ein französischer Verkäufer, ein französischer Zu- schauer.»Alle Sperrungen im Original!) Sie:„Bitte eine Ilaiche Eau de Cologne!" Verkäufer:„Die deutsche Ware aus Köln sühre ich nicht mehr, da unser Pariser Publikum keine deutsche Ware«or- dert, solange solche— wenn auch nicht vollivertig— hier im Lande hergestellt wird. Die Bockes sind reicher als wir! Darf ich Ihnen dieses echt französische Eau de Cologne Russe anbieten?" Sie:„Gcwist, auch ich bevorzuge heimische Waren! Nieder mit den BocheS!" Zuschauer:„'Nieder mit den Boches! Es lebe Irankreich! Unterstützt französische Arbeiter und Kauslente." Es ist gar nicht zu sagen, wie verbrecherisch dumm die,«: Art von Agitation ist. Leu im Tran „Jeden Tag was Neues!" Der Führer der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Le», hat eine Reise durch Deutschlands Fabriken««tau, über die er im „Arbeitertum" zusammenfassend berichtet:„Das find alles Gedanken, die einem kommen, meine Mitarbeiter. Ich sage Ihnen, was mir auf dieser Reise für Ideen gekomme« find» immer wieder, jeden Tag was Neues. Es ist»nge- Heuer, ich behaupte, wir brauchen 30 bis 100 Jahre,»« das alles durchzuführen» was durchgeführt werden muß." EnlerernSbrle lugend Ein Drittel nicht voll leistungsfähig lieber den Gesundheitszustand unserer Jugend liegt eine beachtliche Aensterniig des beratenden Arztes beim Jugendamt der Deutschen Arbeitsfron» Dr. HanS Hoske vor. Darin wird festgestellt, dast die Sünden der Vernachlässigung der B e v ö l k e r u n g s p o l i t i k. die in der Vergangenheit reichlich begangen wurden, zur Iolge haben, dast der Gesundheitszustand unserer berufstätigen Jugend recht ungünstig sei. Im allgemeinen sei damit zu rechnen, dast ungefähr ein Drittel der Jugendlichen nicht voll l e i st u n g S i ä h i g ist. Dabei zeige sick iür die Grost- städte z. B. ein höherer Prozentsatz, nämlich 43,3 v. H.. an nicht voll gesunden, behandlungsbedttrstigen bzw. erholungS- bedürftigen Lehrlingen als iür die Städte unter 20 000 Ein- wobnern<33.04 v. H.s. Tie vom gesunden Lande umgebenen Städte Ostpreustens wiesen eine wesentlich geringere „Kurbedürftigkeitsziiier", nämlich 22.2 v. H., au» als der Reichödurchschnitt der Üleiustädte<33,471. Besonders aus- geprägt seien die Belastungsschäde» des licht- und lustarmeu Stabtlebens bei de» Mädchen. Auflösung der Handwerkerbünde und Gewerbevereine In einer nüchternen Viertelstunde hat Len am 29. Novem- ber 1933 verfügt, dast jeder Deutsche der Arbeitsfront an- znaehöre» bat.„Es ist selbstverständliche Pflicht aller An- gehörigen des deutschen HandiverkS. dickem Aufruf um- gebend Iolge zu leisten." Die Handwerker haben sich bei deu Amtsstellcn der NS.-Hago und der GIG. zu melden." Durch diese Eingliedernng deS HandiverkS in die Deutsche Slrbeitsiront sind die S'andiverkerbiindc und Gcwerkvereinc überflüssig geworden. Bei der endgültigen Bereinigung der ans der liberalistisch-kapitalistischen Zeit vorhandenen Hand- iverker-Organisationen ist es deshalb dringend erforderlich, dast in Zukunft die Angehörigen deS handwerklichen BcrulS- standes austcr ihrer ständischen Organisation lInnung. InnungSanSschnst. Iachverband. Handwerkskammer) nur noch die Mitgliedschaft in der Arbeitsfront erwerben." („Korrespondent für das grafische Gewerbe". 0S.) NNler anî französisch Seine Reden an die französische Nation Aus Erfurt wurde an ausländische besonders französische Persönlichkeiten sowie au die hierfür empfänglich erscheinende Prelle ein Band der letzten Hitlcrr den in sranzö- sischer Sprache mit folgendem in der gleichen Sprache ab- gcsasttcn Begleitschreiben gesandt: II. Bodnng-Verlag Erfurt(Allemagne) GartenatraDe 38 Monsieur! Par la presse mondial, donc juive, vous n'êtes, sans doute, que peu renseigné sur les vraies intentions et les idées du Chancelier d'Allemagne. Sur la demande de quelques-uns de nos amis à l'étranger et en supposant de correspondre par ist A un désir que vous éprouvez vous même nous avons l'honneur de vous transmettre sous ce pli, en langue française, une collection des principaux discours de Mr. Hitler. Ce petit livre vous montrera— mieux que toute autre chose— les vraies lendenee des ambitions politiques de la Nouvelle Allemagne. Nous vous saurions gré, si vous vouliez bien apprécier, sans parti pris, le contenu d'e cette brochure.. Iu deutscher Uebersetzung: U. Bvdung-Verlag Erfurt lDeutschiand) Gartenstrabe 38 Sehr geehrter Herr! Sie sind von der Welt- also jüdischen Prelle zweifellos nur ungenügend informier» über die wahren Absichten und Ideen des Kanzlers des Deuiicken Reiches. Aul Aufforderung einiger nn'erer Ireunde im Ans lande und in der Annahme, dadurch einem Wnnickc zu einsprechen den Sic selbst liegen, haben wir dir Ehre. Ihnen in der Anlage eine Tainmiuna der^hauptsächlickste» Reden des Herrn Hitler in iranzosiicher Sprache zu über- reichen Diele» Büchlein wird Ihne» beller als alles an dere die wahren Tendenzen der politischen Bestrebungen des neuen Deutschland zeigen.^ Wir wären Ihnen zu Dank verpilichtct, wenn sie den Inhalt dicier Borschiire unbefangen würdigen wollten. Diese Werbesendung kommt nicht direkt vom Reichs- propagandaministcrium, sondern von einem privaten Ber- lag. Der Bvdung-Verlag ist aber ein nationalsozialistisches Unternehmen. Auszüge aus„Mein Kampf" mit den Stellen zur Vernichtung des„vernegerten" Frankreich sind den Reden nicht beigefügt. Die neueren Reden Hitlers sollen ivohl die„Greuelpropaganda", die in seinem Buch getrieben wird, vertuschen. Ferdinand Toennies „Wir geben zu, dah Deutlihiand keinen Raum hat für Marxisten. Juden, Pazifisten. Oumanisten»nd ähnliche» i?e- lichter." tRudolf Bindung an Romain Rolland.« Daö ist. fürwahr auk die prägnanteste Iormel gebracht, die Kultur-, Kunst- und Wissenschaftspolitik der faschistischen Ge- ivalthaber in Deutschland. Die Einstellung der Schmecke, Banause» und Indolenten. Diesem Programm der Pogrome gegen Geist. Kultur und wissenschaftliche Unbestechlichkeit ist jetzt einer der größten deutschen Gelehrten, der S o z i o l o g e Ierdlnand Toennies. zum Opfer gefallen, lieber siebzig Jahre alt. wurde er, ein Mehrer deutschen Anieheus in der ganzen Welt, vor die Tür geletzt. Welches Verbrechen beging dieser Mann, der von Geburt ein Iricie, also Voßarier ist? War er, da schon keil» Jude, ein Marinst ein Liberaler? Nein, er war Humanist im wahrsten Sinne des Wortes, ei» Demokrat, ttnd^er war zeit keines r'ebens nnbestechlick. Hatte ickon immer Tumpaihien iür die Arbeiterklasse und ihre Kämpfe gehabt, war mit viele» Sozialisten befreundet gewesen Darum erhielt er erst im Alter von über iünsziq Jahren— da auch das wilhelminische Deutschland keine freien Geister duldete- 1912 ein Ordina- riat im Lehrkörper einer Universität. Der Welt ivar er«ckon >rüh bekannt geworden durck lein Hauptwerk„Gelelllchalt und Gemeinichait", das in last alle Sprachen übersetzt wurde und die Soziologie überall beeinlliikte. Er brachte dem dcittlcken Volke den englischen Philosophen H ebbe s durch eine umialigreiche?l»ali»'e nahe. Sein größtes Verbrechen aber in den Augen des heutigen„Kultur" Diktators Rust ist. daß 7oennies ein obsektlveS. von Snmpatvie erlülltes Buck .Karl Mar Leben und Lehre" geschrieben hat. da» von Vielen gelesen wurde. Und»och ein Verbrecken: Ferdinand Toennies kam ,n Kiel, trotz seine? Alters, seder Aufforderung junger Sozialisten»ach. zu ihnen über soziologische Probleme zu sprechen und mit ihnen, jenseits der akademischen Würde, zu dISku- litten. Verbrechen genug, um einen Mann, der aus Grund seines Könnens, keiner Unbestechlichkeit, der Präsident vieler internationaler Soziologenkongrellc. sowie der Präsiden» der „Deutschen Gesellschaft kür Soziologie" war. davonzujagen — uin irgendeinem nationallozialistilchen„Wissenschaftler" Platz z» schassen.„Wir sind nicht rachsüchtig," erklärte ein- mal ÄöbbelS der staunenden Welt,„aber was soll man machen, wenn man iür eine» nationalsozialistischen Wissen- schaltler Platz haben must? Man must dann einen H u m a n i st e n beseitigen." Mag auck die faschistische Diktatur den„Altmeister der deutschen Soziologie" brutal behandeln, Hunderte, ja Tausende in Deutschland und in der Welt wissen. waS sie diesem edlen Mann lür ihre Denkentwicklung. Gesinnung und Haltung danken. Wir grüßen den großen deutschen Soziologen über die Grenzen hinweg. Wenn in Jahrzehnten die Namen der heutigen Machthaber in ein paar Zeilen verabscheuender Erinnerung abgetan sein werden, wird der Name Toennies noch lebendig sein. Jens Jensen in ber„Wahrheit". Nazis spre dien didt an Zwei wahre Erlebnisse. ES war im März. In einem Wagen der U-Bahn. Richtung Krumme Lanke— Alerandcrplatz. sitzen sich ein älterer, weißhaariger Jude und ein junge' SA. Mann gegenüber. Das Abieil füllt sich. Eine junge, blonde Dame steht im Mtttelgang. zwischen den„Antipoden". Der junge SA-Mann erhebt sich und bietet galant Nein! Mit lauter Stimme fährt er sein Gegenüber an:.Ikönnen Tic»ick' aufstehen,*ic alter Iudenlümmel. wenn ein« deutsche Dame steht!?" Ein andermal: In ein bereits überisilltes Abteil steigt eine korpulent«, mit Paketen beladen« Dame ein. Ein reizendes aber kehr jtidiich auSiehendes junges Mädchen erhebt sich sofort und bietet mit freundlicher Geste ihr-,, Eckvlatz an Die„Dame" dankt, eisig, unnahbar:„Auf den Platz einer Jüdin setze ick mich nicht!" Nach den Inden die Katholiken. Der Das gegen die„sdiwane internationale" t• Der Rassenwahnsinn im„dritten Reich" und die anti- semitische Hetze bekommen ein Gegenstück. Genau nach denselben Grundsätzen, nach denen die Nazi ihre Juden- hetze aufgezogen haben, beginnt jetzt die systematische Hetze gegen den Katholizismus: mit Zeitungsnotizen von den jüdischen Verwandten des Papstes hat sie begonnen, und nun wird sie wissenschaftlich. Man erinnert sich, datz die Iudenhetze ihr wissenschaftliches Material aus den alten, längst vergessenen Publikationen der Ahlwardt und Fritsch bezogen hat, datz man zum Teil sogar den alten Unsinn neu druckt und datz es besondere Künstler gibt, die die brutalen Dummheiten der genannten Autoren wissen- schaftlich zu umkleiden verstehen. Genau so geht es mit der Katholikenhetze. Im Jahre 1911 erschien ein dummes Buch von Gustav Mix, protestatttisckem Pfarrer in Guben, „Aus dem Schuldbuch der Jesuiten". Dieses Buch erscheint nun(1933) in neuer, ein wenig veränderter Auflage und erhält durch ein Vorwort des V. Wilhelm Fahrenhorst, Direktor des Evangelischen Bundes, gewissermaßen die offizielle Weihe des Protestantismus. So wie die antisemitischen Schriften ist dieses Buch ein Zitatenmosaik aus alten vergilbten Propaganda- schriften. die nun zu neuem Leben erweckt werden. Mix geht von den Fabeleien über die Jesuiten aus, um zu dem Resultat zu kommen, datz der deutsche Katholizismus überhaupt von„jesuitischem Geist" erfüllt sei. So wie man den Juden die Vaterlandslosigkeit vorwirst, genau so behauptet man das von den Katholiken und dem Jesuitenorden. Dem Hirtenbrief vom Juni 1933 wirft Mix„wohltemperierte Vaterlandsliebe" vor.„Ist es ein Wunder, datz diese schwarze Internationale sich in den letzten Jahrzehnten so innig verbunden hat mit der roten Internationale, die kein Vaterland kannte, das Deutschland heitzt? Hoffentlich gelingt es im neuen Reich, ihrer Herr zu werden. Die nationale Regierung ist sich gewitz klar darüber, datz hier ihr gefährlichster, weil verschlagen- ster Feind sitzt. Darum wird gerade hier nur rücksichts- loses Vorgeheit zum Ziele führen." Aber die Katholiken sind nicht nur vaterlandslos, sie sind auch unmoralisch. Und bewiesen wird das an Hand jener Statistiken, die man aus den antisemitischen und rassebiologischen Schriften kennt, in denen erzählt wurde, datz die Kriminalität der Juden die aller anderen Menschen übertreffe. Zwar gibt es unter den Katholiken weniger Selbstmörder als bei den Protestanten, aber: „ganz schlimm dagegen steht es für die katholische Kirche mit einer Statistik der verübten Mordtaten... Noch auf- fälliger aber ist, datz die Kriminalstatistik seit Jahr- zehnten den Katholiken ungünstig ist und anscheinend Jahr für Jahr eine Zunahme der Verbrechen auf katho- lischer Seite erkennen lätzt". Mix betont, datz die katho- tische Kirche als solche an dieser moralischen Verfassung ihrer Gläubigen Schuld hat, ja mehr noch, sie ist verant- ivortlich„an der allgemeinen geistigen und Wirtschaft- lichen Rückständigkeit der Katholiken aller Länder". Das Zentrum ist der Exponent des„jesuitischen Geistes" im Reich, das vor diesem Feind gewarnt werden mutz: „Und ist auch sein gefährlichster Exponent, das Zentrum, zur Zeit ausgeschaltet, so dürfen wir uns doch keiner Täuschung darüber hingeben, datz er selbst durchaus lebendig ist und gerade der Kirche schwer zu schaffen machen wird. Darum ist es bitter nötig, ihm nachzuspüren bis in feine feinsten Verästelungen und seine Sch'upf- Winkel in dem weiten Bau der Kirche ausfindig zu machen. Nur so werden wir gegen böse Ueberraschungen gesichert sein." Neben dem Buch von Mix sind im Säemann-Verlag. Berlin. W. 35, Friedrich-Wilhelm-Strahe 2a, eine ganze Die Reformation erscheint somit als ein Versuch, das Christentum den ererbten Tendenzen der arischen Rasse anzupassen. Weiter beruft man sich auf ein Werk:„Das Keltentum in der europäischen Blutmischung" von Hein- rich Driesmans, in dem gesagt wird:„Hat man wohl bis auf den heutigen Tag häufig blonde katholische Geistliche gesehen? Mönche und Einsiedler wohl, weil deren Lebens- art dem weitabgewandten, wirklichkeitsfeindlichen, eigen- artigen Sinne'der Germanen sympathisch sein mutzte. Aber Priester, die sich einer den Willen des einzelnen zerbrechenden Institution bedingungslos unterwerfen, die sich bis ins einzelne vorschreiben lassen müssen, wie sie zu denken und zu handeln haben,— nein! Der blonde katholische Priester ist eine Abnormität, ein Monstrum. Man achte nur auf die Tiener der allein seligmachenden Kirche: ihre rundliche gedrungene Schädelbildung, das breite behagliche Gesicht, welches, um mit Friedrich Hebbel zu reden, sich wie ein vollkommen glaubwürdiges Attest ausnimmt, das der donkbare Magen über die regelmäßig empfangenen Futterleistungen ausgestellt, die rastlos umherspähcnden dunklen Augen, die durchwegs schwarzen Haare,— so wird man den sremdrassigen Typus, der hier vorliegt, nicht verkennen können. Es kann keinem Zweifel unterliegen, datz man es hier mit einem Volk in unserem Volk zu tun hat, das sich im Schatze der katho- tischen Kirche wie auf einem ihm besonders zuträglichen fetten Boden konserviert hat. Doch soll nicht in Abrede gestellt werden, datz auch die protestantische Kirche solche keltische(— alpine) Elemente angezogen habe, und be- geichnenderweise zumeist in ihren orthodoxesten Zentren, in denen gleichfalls der schwarze rundschädclige ge- drungene Typus den Ausschlag gibt." All dieser alte Mist und Unsinn wird nun neu serviert. Das ist nur möglich, weil man ihn bereits vergessen hat und weil er früher unbeachtet von den Geistigen, den Ge- bildeten und den Hochschulen ein unterirdisches Dasein führte. So wie das Nazitum alle schlechten Instinkte in den Menschen losgemacht hat, genau so verhilft es der minderwertigen unterirdischen Hetzliteratur ans Tages- licht. Die Geister der Gemeinheit, die die Rassenhetze ent- fesselt hat, wird das„dritte Reich" nicht los werden. Mit den Juden hat es begonnen, mit den Katholiken geht es iveiter. Mande des Reidiskanzlers Hitler Kennt die verbredien und«breitet nldit ein Am 8. und 9. Dezember dieses Jahres hielt in Paris im Saale der Société pour l'Encouragement a l'Industrie Nationale, 44, rue de Nennnes. der Internationale Unter- snchungsausschuß der Grausamkeiten in Hitler-Deutschland eine öffentliche Verhandlung ab. lieber das Ergebnis der- selben wurde vom Untersuchungsausschuß, der sich zusammensetzt ans: Mme. Lahy-Hollcbecquc, Prof. an der Universität, PariS, Mc. Eh. Cbanin, Advokat, Paris. Dr. Jean Dalsace, Arzt, Paris, Me. E. Drugeon, Advokat, PariS, Dr. M. Martinn, Arzt. Paris. Me. E. Milhaud. Advokat. Paris. Marcel Prenant, Prof. an der Fakultät für Wissenscha»' Paris, Wallon. Prof. an der Universität, PariS, Wcißuiann-Netter, Arzt. Paris: Lord Marlen, Vizepräsident des Oberhauses. Labour- Party, London, Professor Catlin, London, Ivor Montague. Schriftsteller, London? Iosuc Jehouda. Redakteur. Genf. Dr. Roscnbaiim Dncommun. Rechtsanwalt, Zürich? Dr. Ernst Lebcnhart, Advokat, Prag? Dr. Wreichner, Oberrechtsanwalt..Kopenhagen? Dr. Stefan Detschei'f, Advokat. Sofia? und dessen Patronat folgende Persönlichkeiten in Paris übernommen haben: Me. E. Eampinchi, Rechtsanwalt, Me. Ehadirat. Rechtsanwalt, Michel Eorday, Schriftsteller, Me. Maurice Delcpine. Rechtsanwalt, Andre Gide, Schriftsteller. Henri Laugier, Professor an der Sorbonne, Fernand Leger. Maler, Franz Moscreel. Maler, Raymond Offner, Schriftsteller, Etienne Rabaud, Professor an der Sorbonne, Jean Tinot, Journalist, Andrer Biolis, Schriftsteller, folgendes Communiqué ausgegeben: Die öffentliche Verhandlung vom 8. Dezember 1933 wurde vo»»er Präsidentin des AnsschnsseS, Fran Prof. Lahy-Holle- her sie an Göbbels ankiinpfte. der in Genf vor der ganzen Welt erklärt habe, alle Meldungen in der ausländischen Preste über Greueltaten in den Konzentrationslagern seien frei erfunden. In Paris habe sich ein Initiativausschust gebildet, bei dem Hunderte von Eingaben eingelaufen seien, die die oben zitierten Worte des deutschen Reichspropagandaministcrs der Lüge zeihen. Der Initiativausichub habe sich daher entschlossen, diese öffentliche Versammlung einzuberufen und zu dieser Augen- zeugen und Betroffene zu laden. (5 S s«» unmöglich gewesen, alle jene Hunderte, die sich zn diesem Zweck zur Verfügung stellten, vorzuladen. Der Untersuchungsausschuß habe deshalb nur eine beschränkte Anzahl zur Vernehmung laden können. Frau Lahy forderte die Zeugen im Namen des Ausschusses auf, ihrer Verant- wortung voll bewußt, die reine und nichts alS die reine Wahrheit zu sagen. Lord Marlen, der Vizepräsident deS AusschuyeS, der hierauf das Wort ergriff, führte aus: Ebenso wie der Londoner, vom Untersuchungsausschuß kür den Reichstags- brandprozcß abgehaltene öffentliche Prozeß, in unabhängiger und objektiver Weise einwandfreies Material zur Klar- stcllung der nüchternsten Wahrheit über die tatsächlichen Ur ihren Namen nennen, iveil sie angaben, in diesem Fall iiir das Leben ihrer noch in Deutschland befindlichen Angehörigen fürchten zu müssen. Der Untersuchungsausschuß berück- sichtigte diesen Grund und stellte ihre Identität unter Aus- schluß der Oeffentlichkeit fest. Die weiteren drei Zeugen sind: Herr Walter Tfchuppik, Chefredakteur der„Münchner Tonntagözeitung"? Frau Anima Stenzer aus Pasing bei München, Witwe des Dr. Franz Stcnzcr? Herr Kurt Großmann, Sekretär der demokratischen Flücht- lingSfitrsorge in Prag Aus den Aussagen der Zeugen ergibt sich, daß in den deutschen Konzentrationslagern Menschen grundlos ge- mordet, Menschen durch barbarische Bestialitäten zn Selbst- mord und Wahnsinn getrieben werden. Menschen de» systematischen sadistischen Quälereien und Vergewaltigungen vertierter Unmenschen ausgesetzt sind. So warden grundlos ermordet im Konzentrationslager Dachau: Am 39. Mai Rechtsanwalt Dr. Strauß, Nürnberg? am 22. August Reichstagsabgeordneter Franz Stenzer, Pasing? in der ersten Woche November Dr. Theodor Katz, Arzt aus München. Im Konzentrationslager Sonnenburg: Im Juni ein Arbeiter, Namen unbekannt, aus Meieritz? Mitte September ein syphilitischer Arbeiter, geisteskrank. Im Konzentrationslager Ncusuftrum bei Pagcnburg: Anfang November unbekannter Arbeiter, 29 Jahre alt? An- fang November Polizeimcister Guse aus Wcrthe? Anfang November Baruch, Israelit aus Frankfurt. Zn Selbstmordversuchen, zum vollendeten Selbstmorde ge- trieben im Konzentrationslager Stadelhcim bei München: Ende April eine Frau unbekannten Namens. Im Konzentrationslager Sonnenburg: April Rechtsanwalt Dr. Litten, Berlin? am 11. August politischer Funktionär aus Frankfurt a. O.? Mitte Tep> te m der drc, Männer, Vater und znwi Söhne, unbekannte» Namens. In den Wahnsinn getrieben im Konzentrationslager Sonnenburg: Studicnrat Dr. Dackel, Stettin. Im Konzentrationslager von S o n n c n b n r g gehört es zu den beliebtesten Quälereien, daß Häftlinge ihre beim militärischen Drill zusammengebrochenen, blntigge- schlagenen, ohnmächtig gewordenen Mithäftlinge in hocken- der Stellung über ihre Knie gelegt, über deii ganzen Hos znr nächsten Wand balancieren müssen, wobei Wettrennen zwischen den einzelnen Gruppen erzwungen werden, und der Preis darin besteht, daß die Gruppe, die zuerst die Wand er- reicht, für diesen Dag von weiteren Quälereien verschont bleibt. I in Konzentrationslager S o n n e n b u r g ge- hört es zu den üblichen sadistischen Quälereien, daß die in bockender Stellung sich vorwärtsbewegcnden Häftlinge von den sie überwachenden SA.-Leuten mit Nadeln. Nägeln und spitzen Eisenwerkzeugen in das Gesäß und die Weichteile der Geschlechtsorgane gestochen werden, um sie zu größerer Eile anzuspornen. ES gibt Fälle, in denen Häftlinge, deren Körper sport gestählt sind, in der Nacht in ihren Zellen von TA.-Leuten ausgesucht werden? sie müssen ihr Glied entblößen, sie müssen onanieren und werden vergewaltigt. In den deutschen Konzentrationslagern schmachten heute Zehntausende, unter ihnen namhafte frühere Politiker, «chriftstcllcr und Gelehrte deren Kräfte zu versagen drohen Wir sind davon überzeugt, daß die Aussage» der Zeugen nWWWWWWWDPWWWWPW»D^M^M> 2a, I| WWWWWW| Reihe von Hetzschriften erschienen, die den Katholizismus î>ec'«nc,' ,*rit einer kurzen Ansprache eröffnet, in d p.enau so behandeln wie die Schriften der Fritsch und bie Worte des deutschen Reichspropagandaministers Günther(also entweder grob oder was man so wissen-«-r aan.en Weit erkl schaftlich nennt) die Juden. Das Interessanteste aber ist folgendes: Die ganze Serie der„Semigokhaismen", die zuerst im Kyffhäuser-Verlag erschienen sind, sind in den Verlag Franz Eher, den Naziparteizentralverlag. übergegangen. Vor kurzem bezogen wir zum Beispiel aus dieser Reihe durch den Naziverlag das Werk„Seini- Imperator", das die katholischen und jüdischen Beziehungen Wilhelm II. für die Kriegsniederlage und dieDesertation des Kaisers verantwortlich macht. Dieses Buch trägt bereits die Firmierung Franz Eher. In allen diesen Büchern wird der Krieg nach zwei Fronten geführt, gegen Katholiken und gegen Juden. Diese Bücher sind über- baupt das wichtigste Material für alle Katholiken- und Iudenhetzer. Alle Behauptungen auf diesem Gebiete gehen zum größten Teil auf das in diesen Büchern aufgestapelte Material zurück. Wir Haben sie— nicht ohne Muhe und Ekel—. durchgearbeitet und müssen sagen, datz wir Irrsinnigeres noch nie gelesen haben. Zum Beispiel eine Rassentheorie, die in der„Politisch- emchropologischen Revue" von einem Gelehrten namen? Maurus Horst vorgetragen wird: da stammen„die Euroiden darunter Ost- und Westarier, vom primitiven Schuppentier, noch vollzähnig", die„Syroiden. darunter Semiten und Kuschiten, vom primitiven Gürteltier, noch vollzähnig", und die„Sinoiden, darunter die Mongolen, vom primitiven Stacheltier, noch vollzähnig". Wir wollen auf die Erklärungen, die der Gelehrte diesen menschlichen Stammbäumen gab, verzichten, so lustig sie auch sind: wir führen sie nur an. damit der Leser nicht allzu verwundert ist. wenn nun behauptet wird, datz die Katholiken rassisch Minderwertige sind Zunächst beruft man sich zur Begründung ö>\^ f 1 v c>oumum lieber die deutsche Grenzstation Perl an der Obermosel r»'""»" ï 1» nno: von«ern- frauzosischeii Anthropologen Georges wacher de Lapouge,. Ôi- cr j Jmci g^en niliJ Teutschland nach î i,an' eiMC, knorrige Eiche? von Gustav Maetcrlink der gesagt haben soll:..bemerkenswert ist daß sich m Frankreich eingeführt, aus die kein Zoll erhoben wurde's»ei Eukalyptusbäume und von Gabriele S'Annunziv eine Teutschland in den Älischgebieten die Beziehungen-£ Cnn j^ r Absender war G e r h art Hauptmann, und f Mmu zwischen Bekenntnis und Rasse sogar bis zu den Etnzeu^ waren adressiert an den französischen Dichter und che- Zwei Fichten von Gerhart Hauptmann vermutlich au« Helten herab verfolgen lätzt. Die Protestanten sind dort ,„aligcn Tbeaterregisseur Lugne-Poe. Der letztere hatte an den schleichen Wäldern stammend, an die Zeit erinnernd um zwei bis drei Indexeinheiten langkopfiger(und alle bekannten Dichter und Schriftsteller Europas die Bitte als Hauptmann noch immergrün der deutschen Freiheit ver- blcàr- Anmerkung der Redaktion der„Semigothais- gerichtet, ihm zwei lebende Bäume zuzusenden? die Bäume schworen war. Heute hätte ein Guinmibauin den deutsche» inen") als die Katholiken. sollen in einem^vald angepilanzt werden, der auf der Be-^.eil dic>cs„Tichtcrwaldes" besser charakterisiert. Heber des Reichstagsbrandes dargeboten und die politischen bcr Wahrheit entsprechen 5-6 L-i»,iner Prozesses aufaezeiat habe, werde Wir halten es für dringend notwendig, unsere Unter- suchung fortzusetzen, neue Zeugen zu vernehmen, alle erreichbaren Dokumente zu sammeln, sie auf das genaueste zn prüfen, gegenüberzustellen und zu vergleichen, damit wir in der Lage sind, so schnell wie möglich einen zusammensassenden Bericht, in dem unsere definitiven Beschlüsse in vollster Objektivität enthalten sind, zu veröffentlichen. Hintergründe des Leipziger Prozesses aufgezeigt habe, werde auch der Pariser Untersuchungsausschuß seinen Weg gehen: den der Ermittlung der reinen Wahrheit. Der UntcrsuchungSavsichuß bat hieraus in seinen ersten zwei Sitzungen sieben.Zeugen vernommen, die ,»m Dcil parteilos sind, zum Teil verschiedensten politischen Parteien angehören. Vier von diesen Zeugen konnten nicht öffentlich Zwei riditen von Gerhart Hauptmann sitzung Lugne-Poes in der französischen Provence als „Dichterwald Europas" weiter grünen soll. Ein jeder Baum dieses Waldes wird den Namen des Spenders tragen Man erkährt. daß außer der Spende Gerhart Hauptmanns u. a noch'vlgende Sendungen eingegangen sind: von Bern- Deutsche Stimmen•(Beilage zur..Deutschen&teiheit"• Ereignisse und Geschichten Mittwoch, den 20. Dezember<>33 jfenfty ma WestpliaCm tute the wied qeschändet Dec 9Caß Frauengröße ist ein zwiespältiger Begriff. Die bedeutende l'rau, deren Wirken in den Büchern der Geschichte verzeichnet steht, wird vor den Höheren Menschheitsriditern oft in «im Schatten gestellt von der Lebensgefährtin, die nichts anderes zu verschenken hatte als die Größe ihres Herzens und die IJebermacht ihrer Seele. Zu ihnen gehört Jenny Marx, die Frau von Karl Marx. Dieses Mädchen aus altadelig-altpreußischem Hause, eine gebürtige von Westphalen.hat ihren Jugendgeliebten allen Widerständen zum Trotj geheiratet. Sie war ihm 35 Jahre hindurch eine Lebensbegleiterin mit einer seelischen Treue, die zu Dithyramben über diese erste„marxistische" Ehe Anlaß bieten könnte. Denn ihre Wege führten durch Revolution und Emigration, durch Entbehrung und Leid um den Mann und um die Kinder. Immer war Jenny in den uner- furschlichen Bereichen zwischen Mann und Weib glüdclich, geborgen und zufrieden mit ihrem„Mohr". Eine Liebe, die das Klagelied des Tages hallend übertönte. Aber das weiß jeder, der etwas von Marxens Lehen weiß. Nicht aber weiß jeder, daß dieses Exempel eines gewitterfesten Ehebundes jetzt unseren braunen Familienrettern zum Nachweis der Folgen einer Rassenschande dienen muß.„Wie eine deutsche Frau endet": so lautet die Ueberschrift eines Artikels im„Völkischen Beobachter"(Nr. 337/338) über die „Tragödie einer Mischehe", eben der Ehe von Karl Marx und Jenny von Westphalcn. JCestpcohen: „Als der Knabe acht Jahre alt war. trat der Vater, ein Advokat, mit seiner Familie zum evangelischen Glauben über, da er dem Sohne sein bürgerliches Fortkommen erleichtern wollte. Er hätte sich diesen Schritt ersparen können. denn der Junge schlug doch nicht die bürgerlich-korrekte Laufbahn ein, sondern bevorzugte, seinem Charakter entsprechend, das zersetzende Wirken des wurzellosen und heimatlosen Literaten.,, ... Ungesellig, anmaßend, großmannssiiehtig, mit Gott «ind der Welt zerfallen und jeder regelmäßigen, systematischen Arbeit abgeneigt, versteht er es, die Zuneigung des „schönsten Mädchens von Trier" zu gewinnen. Sie hat diese unglückselige Wahl und Sünde wider das Blut mit einem lebenslänglichen Martyrium büßen müssen... ... denn der junge Student stieß auf stärksten Widerstand. Der Kampf war sehr heftig und hat lange gedauert. Die Drohung Jennys, sieh das Leben zu nehmen, entschied ihr Schicksal. Die Eltern gaben nach. Aber auch die schwere Verantwortung, die der junge Mann leichtsinnig übernommen hatte, änderte an seiner Lebens- und Arbeitsweise nichts. Er blieb der verbummelte Student, der sich zu keinem ernsthaften Lebensziel aufraffen konnte. Mit Ach und Krach braute er seinen Doktor, aber sich redlich zu einem Beruf zu entschließen, dazu reichte es bei ihm nicht. Er liest wahllos alles durcheinander, beschäftigt sich heute mit Philosophie, morgen mit etwas anderem und kommt auf diese Art zu nichts rechtem... ... Nach drei bitteren Entbehrungsjahren werden sie ausgewiesen und reisen nach Brüssel. Es geht ihnen miserabel. Sie haben bereits zwei Töchter und einen Sohn und hausen„in einer armseligen kleinen Wohnung, die nur dürftig möbliert ist". Die einstige Ballkönigin von Trier, Jenny von Westfalen, muß die Hausarbeiten t< ledigen und bei ihrem Mann noch Sekretärin spielen. ...„Meine Frau", schreibt er,„sagt mir jeden Tag, sie wünsche, sie läge mit den Kindern im Grab". Er sieht ihre „nächtelangen Tränenbäche", aber er rafft sich zu nichts Stetigem auf. Rasendes Arbeitstempo und lähmende Faulheit lösen einander ab. Hochherzige Freunde helfen immer wieder aus, aber das Geld rinnt im Marxschen Haushalt wie durch ein Sieb. Er kann nicht rechnen und einteilen. Marx könnte immerhin etwas Geld verdienen durch Tagesschriftstellerei, aber das ist ihm zu lästig, er läßt seinen Freund Engels für ihn schreiben, der ihn außerdem als wohlhabender Fabrikant und„Ausbeuter" immerzu unterstützen muß. Verbittert und vergällt, daß er nicht reich ist, haßt Marx alle anderen Menschen, denen es besser geht, oder die irgendwelche bedeutsame Leistungen erzielen".., Also der„Völkische Beobachter". Sein Autor ist ein Mann namens E. Unger Winkelried Die Macht dieses Pseudonyms kennzeichnet den Schreiber. Einer, der Material zu schmutziger Erniedrigung eines Ehebundes zusammensucht, will sich vor sich selbst rechtfertigen und kriecht in die Gestalt jenes Sehweizerhelden, der die Speere seiner Feinde auf seine Brust vereinigte. Dementsprechend auch seine Argumentation. Der„verbummelte Student" Karl Marx hat mit 22 Jahren sein Doktorexamen vor einer sehr gestrengen Prüfungskommission an der Bonner Universität mit hohen Ehren bestanden. Der verbummelte Student war mit 22 Jahren Chefredakteur der „Rheinischen Zeitung" in Köln. Der verbummelte Student hat Schrift auf Schrift, Buch auf Buch verfaßt, ein von leidenschaftlichem Gerechtigkeitsverlangen religiös besessener Mann. Dieser verbummelte Student hat Versuche großer deutscher Zeitungen bürgerlichen Geprägs, ihn zum Mitarbeiter zu gewinnen, abgelehnt, weil er lieber hungern, als seiner Gesinnung untreu werden wollte. Die Lehre dieses verbummelten Studenten war vom Ethos durchglüht: durch den Klassenkampf des mißbrauchten Proletariats den Klassenkampf überhaupt zu überwinden. So nebenbei, auf Grund wahllos zusammengelesenen Zeugs, entdeckt der verbummelte Student die Bewegungsgesetze der kapitalistischen Gesellschaft und entfesselte, weil er nie etwas ordentliches gelernt hatte, die beherrschende Arbeiterbewegung der Welt. Nicht wahr, Herr Winkelried, so ein Mann konnte natürlich nicht richtig Geld verdienen. So ein wurzelloser und heimatloser Literat konnte seiner daligen Frau natürlich nicht das feudale Leben bieten, das ihr zukam: das Leben mit vielem Gesinde, einer Equipage und Reitpferden. Statt zur Putzmacherin zu gehen, mußte sie die Arbeitssklavin ihres Mannes spielen und ihm rassenschänderische Kinder zeugen. Kurz, der Marxismus, ein Exkrement der Galle und des Aergers über die Börse der andern, bietet zugleich das Beispiel der Tragödie einer Mischehe. Die Nutzanwendung: denke und arbeite nur. was dich honorig macht, dir einen angesehenen Posten und ein festes Einkommen verschafft. Gehe der Liebesehe aus dem Wege, deutscher Jüngling! Bleibe beim Blute und zeuge redlich, nach den Bestimmungen des Reichsrassewarts! Siehe die gerechte Strafe für die Sünde wider Wotan im Leben von Marx und Jenny, die sich 35 Jahre hindurch liebten und den grünen Zweig des trauten Heims niemals erreichen konnten! Andreas HowaltL Kitte! tin gehetztec 1Tlen&cA cuft Die freisinnige„Züricher Volkszeitung"(Nr. 288) schreibt: Es lebt da in unserer schönen freien Stadt ein Flüchtling aus Deutschland. Den Schreckenskammern der„SS." entgangen, rettete dieser geschundene, gehetzte Mensch sich in unser Land. Er wollte hier ausruhen, seine wunde Seele und seinen geschlagenen Körper heilen, um vielleicht weiterzuwandern, wenn es kein..Zurück" mehr gibt.., Unkundig der hier bestehenden Verordnungen, meldete er sich n i ch t„binnen vierundzwanzig Stunden" als„Flüchtling" an.— Er wollte nicht„als Mensch zweiter Klasse der Schweiz zur Last fallen", in der er sonst in ersten Häusern gewohnt und Geld gelassen hatte. Er wollte über seine Erlebnisse„drüben" schweigen und warten, ob nicht doch wieder die Möglichkeit käme, in das Land zurückzukehren, für das er Kriegswunden empfangen, immer wieder Blut und Leben eingesetzt hatte. Wenn ein vom Schicksal hin und her Geschmetterter schließlich sein müdes Haupt an der glücklich erreichten Küste bettet,— wenn er vor Erschöpfung und Leid zusammensinkt,— denkt er da wohl vor diesem ersten leid» erlösenden Schlaf an etwaig mögliche„Vorschriften" des rettenden Landstriches? Hat er nach einigem Ruhen nicht als Mensch von Dankbarkeit für das rettende Land das Bestreben, sich so still als möglich im Lande zu verhalten, so wenig als möglich lästig zu werden, so g u t als möglich dem Lande Belastung zu ersparen? Wenn er dann aber eines Tages entdeckt wird, dieser gestrandete Mensch, wenn ihm die Rückkehr in die Heimat plötzlich verbaut wird, wie er im Begriffe ist, die Heimat aufzusuchen? Wenn ihm obendrein andere Länder zur Weiterreise unüberwindliche Hemmnisse entgegen- türmen? Wehe ihm! Er hat sich ja binnen 24 Stunden nicht als F I ü ch 11 i n g gemeldet!! Nun i s t er aber doch Flüchtling— die Zeitungen der so veränderten Heimat, ihre Beschimpfungen, ihre Drohungen beweisen es ihm ja!! Schrecklich stehen vor seiner Seele die Folterkammern seines Landes. Schreckend stehen hinter ihm die Polizeikräfte des neuen Landes, an dessen Altäre er als Schutzflehender sich gerettet hatte!— Das Gesetz des Landes aber schreibt vor, den Schutzsuchenden, den Gefolterten, den Schutzlosen den Folterknechten seines Heimatlandes auszuliefern!!! : Der Buchstabe des„Gesetzes" könnte sonst nicht erfüllt werden!— Keiner fragt danach, daß er ja erst jetzt„Flüchtling" und ..anmeldepflichtig" wurde, nachdem er die Drohungen der Heimat vernahm. Keiner schützt, rettet, hilft!———: Keiner? Ein Mensch schreit um Hilfe!! Und über unsere Stadt senken sich weihnachtliche Schneeflocken. und glitzernde Weihnachtsbäume prangen schon in den Schaufenstern! Bald wird der Sang erschallen, von Glockenklang begleitet:„Friede den Menschen auf Erden, die eines guten Willens sind!" Wird dann der zerschmetterte Bruder Mitmensch noch leben? Werden wir froh werden können über seinem Leid? Max Hardenberg. „Weh jenen, die den Ewigblinden Des Lichtes Himmelfackel leih'n"!— Weh denen, die das Maul verbinden Den Menschen, die nach Wahrheit seh'ein! Karl Henckell. Wir tragen auf der Schulter Last von Lebenden und Toten. Wir tragen in den Herzen Haß von Lebenden und Toten. Wir schleppen und wir schleppen schwer. Wir geben nicht die Bürde her. wir tragen ohne Murren. Es liegt in uns wie schweres Blei und das Gewicht läßt uns nicht frei, es drückt den Tag, die Nacht. Es drückt bis zu dem heißen Tag, der diesen Klumpen schmelzen mag. Aus Blei da gießt man Kugeln. Der Haß, der macht die Augen scharf. Es singt das Blei, das fliegen darf. Der Haß macht harte Hände. Auf Wort und Wort da hört er nicht. Er schaut euch nur in das Gesicht. Dort steht es angeschrieben, wer leben und wer sterben soll. Der Tag ist heiß, das Maß ist voll, da wird man nicht viel reden. Kurt Doberer. Jm der tBähttenlaule Deutsch im deutschen Haus „Die deutsche Bühne", das amtliche Organ des Deutschen Bühnen-Vereins, teilt das ihr vom Reichsm.n.stenum fur Volksaufklärung und Propaganda zugestellte Verzeichne entbehrlicher Fremdwörter im Theaterbetrieb mit. Es he.bl darin: Arrangierprobe— Stellprobe, Büro- Kanzlei. Bur chef= Kanzleivorstand, Theaterbüro= Theaterkanzlei, Chordirigent- Chormeister. Chorist= Chorsanger Debut - Antrittsrolle, erstes Auftreten, Foyer= Wandelsaal, Wandelhalle, Erfrischungshalle oder Erfrischungsraum, Gag^ - Gehalt, Galavorstellung- Festvorstellung, Garderobe- Kleiderablage, Ankleideraum, Garderobegeld- Klefdergel, Ablagegeld, Garderobier— Gewandmeister, Ankleider, Ga derobiere- Gewandmeisterin, Ankleidend. Generalprobe- Schlußprobe, Inspizient- Spielwart, Kontrakt- Vertrg, Loge= Laube, Logenschließer= Schließer Marionetten- theater= Puppenbühne, Portier= Pförtner, Hauswart. Premiere= Uraufführung, Erstaufführung, Programm- Zettel, Proszeniumsloge- Bühnenlaube, Regie- Spie dant- Rechnungsführer. Repertoire- Spielplan, RoUenve zeichnis, Repetition- Wiederholung, Saison- Spiel««. Stehparterre= Saalstehplatz, Vestibül= Vorhalle, Eni- gangshalle, Kassenflur, Kassenhallc. Diese Verdeutschungen gehen uns nicht weit genug. Wir schlagen vor: Theater— nationalsozialistische Werbebühne, Drama— arische Ueberzeugungstat. Das Landestheater Gotha bat eine bemerkenswerte Einrichtung getroffen. Nach der großen Pause werden„Fünf Minuten Politik" eingeschoben, in denen in Frage und Antwort zu volkswichtigen politischen Problemen Stellung gc* nominell wird. Schlösser hat den Schlüssel Der Zensor der dramatischen Kunst Ein Rundbrief des preußischen Staatskommissars Hinket weist darauf hin, daß der Reichsdramaturg im Reichsministerium für Propaganda und Volksaufklärung, Dr. Schlösser, die amtlich zuständige Stelle für die Prüfung der UebedcnJi- lichkeit eines Bühnenwerkes ist. Auch die Frage des paritätischen Bühnennachweises und seiner Zukunft fanden dort durch Beschlüsse der Theaterkammer usw. ihre amtliche Reglung. Der berufsständische Aufbau werde durch die zuständigen Kulturkammern betrieben. Die amtliche Mitteilung schließt mit der Aufforderung, im Spielplan mehr und mehr die bereits vor Monaten auch vom preußischen Ministerpräsidenten Göring ausgegebene Parole:„Spendet Kraft, indem ihr Freude spendet!" zu verwirklichen. 7 looetlenland von^Brentano Im Verlag Oprechl und Helbling, Zürich, erschien soeben ein Band„Berliner Novellen" von Bernard Brentano. In drei Kurzgeschichten versucht Brentano das Berlin der Gegenwart zu uns sprechen zu lassen, das Leben dieser Millionenstadt, in der wie überall die Menschen hoffen, verzweifeln, ihr Leben fristen und ein bischen Glück zu erjagen suchen. Der Alltag ist es, den Brentano aus seinen Novellen schildert, der Alltag des Elends und des Kampfes um das bischen Leben. Am besten gelungen scheint mir die erste Novelle zu sein, „Rudi", die das Werden und frühe Sterben eines kleinen frühreifen Proletarier jungen erzählt. Wie da die in dem Jungen herausbrechende Sehnsucht nach ein wenig Liebe und Wärme, das altkluge Verstehen aller menschlichen Triebe, Leidenschaften und auch allen Elends gestaltet wird, das zeigt, daß Brentano das Berliner Proletariat der Elendsviertel in seinem Wesen erfaßt hat. Die dem Buch beigefügten Holzschnitte von Clément Moreau(Paris), ergänzen mit eindringlicher Sprache das Buch. Proletariergeschick spricht aus ihnen. Arbeiterleben- und-kämpfe, aber auch das Stumpfwerden in der zermürbenden Mühle der Ausbeutung und— was noch schlimmer ist— das seelische Versinken durch die Arbeitslosigkeit. Das Ganze, ein Buch, das, ohne daß es deutlich gesagt wird, in seiner Gestaltung und Richtung für die Arbeiterschaft im Kampfe gegen Kapitalismus und Iiitlertum steht, Pariser SIraOenhalender Am Weihnachtsabend und an Silvester, zwei Kalender- »nnnlagen, sind die Pariser Warenhäuser geöffnet. Das Personal erhält Ersagruhetage. Die Kramläden schließen an den beiden Sonntagen um 21 Uhr, am 25. und Neujahr wie gewöhnlich. * Tm Pariser Rathans fand eine Tagung der französischen Bürgermeister statt, bei der teilweise der Bürgermeister von Met}. M. Vautrin, den Vorsitz führte. Ein Beschluß wandte sich gegen die neue Bestimmung, die den Städten verbietet. Unterstützungen oder Vorschüsse für Arbeiten von öffentlichem Interesse, besonders Schulhauten, auszuzahlen. Die Bürgermeister besichtigten die Gewölbe der Bank von Frankreich. * Dem französischen Nationalkomitee für die Emigrantenhilfe ist seit einiger Zeit ein Comité de Triage, bestehend aus deutschen Vertretern, angegliedert. Es ist allerdings, ähnlich wie bei dem Macdonald Comité, festzustellen daß die Zusammensetzung wichtige Organisationen der Emigrantenschaft nicht umfaßt. * Das Telefonamt Provence ist ab Samstag, 16. Dezember, automatisch eröffnet worden. # Die bekannte Zeitschrift„Lu" vom 15. Dezember bringt eine Veröffentlichung:„Heute die Saar, und morgen?" gegen die hitlerdeutschen Ansprüche. * Da das neue 5-Franken-Stück nicht die Gunst des Publikums gefunden hat, gibt der Staat eine neue„Thune" in Nickel aus, die demnächst erscheint. Die 3- und 10-Franken-Sebeine der Bank von Frankreich werden vom neuen Jahre an nur noch an der Bank eingelöst. * Violette Nozières wurde einem letzten Verhör vor dertt Wahrscheinlich erst im Februar beginnenden Sensations- . Prozeß unterzogen. Sie hielt die Beschuldigung ihres Vaters im wesentlichen aufrecht, erklärte die Tötung aber auch damit, daß ihr Vater gegen ihre Heirat mit dem Studenten Dabin gewesen sei.» *' In der rue Saint-Jacques wurde große Aufregung durch die Eifersuchtstat eines Tschechen geschaffen, der auf seine polnische Braut schoß, die ihn verlassen hatte. Die Frau wurde nicht lebensgefährlich verletzt. Der Täter, ein 31jäh- riger arbeitsloser Anstreicher, erschoß sich. * Ein Karrenschieber in Seine et Marne wurde Vater eines zehnten Kindes, dessen Patenschaft der Präsident der Republik übernahm. * Deutschland ist nicht alleine das Land der„Organisierung": , eine Verordnung des Polizeipräfekten hat jetzt die genaue Höhe der Lattenzäune in Paris geregelt: 1 Meter Höhe zum Beispiel bei Bauplätzen von Geschäftshäusern, und so werter. * Eine Square im 20. Bezirk wurde nach dem verstorbenen sozialistischen Stadtrat und Député Luquet benannt. Die Benennung einer Straße des 5. Bezirks nach dem verstorbenen großen Gelehrten Painlevé steht bevor. * Die U'ehernahme des Senders Radio-Paris durch den Staat vollzog sich mit einer Rede des französischen Postministers Mistler. Der Sender liegt in Essarts-Ies-Roi, 15 Kilometer von Rambouillet, und arbeitet mit 80 Kilowatt auf M ellenlange 1721 m. 1. 57, rue de Cikhy tel. Tnnité 15• 75 Allgemeine Deutsche Poliklinik Chefarzt Prote»ior WENSTfcN Métro Trinité med Clichy rar Rettung Torgierst Das Komitee zur Befreiung Torglers, Dimitroffs, Popoffs und Taneffs veranstaltet am Dienstag, dem 19. Dezember, 20.10 Uhr, ein Massenmeeting im Pariser Luna- p a r k. Die Gewerkschaften der Seine fordern zur Teil- nähme auf. Maurice Delépine, Vertreter der sozialistischen Advokaten, wird einer der Redner sein. Poriser Arbcilerfngend iur deutsdie Emigranten Die sozialistische Seinejugend veranstaltete in der salle Adyar eine Hilfskundgebung für die Opfer der Hitlerei. Man spielte den Film„Vier von der Infanterie", dann Film- reportage von der sozialistischen Kundgebung in Livrjr- Gargan. Chabrier sprach im Geiste der Kundgebung. Deutsche Flüchtlinge sangen deutsche sozialistische Kampflieder.. Vorweihnachf an der Seine Auf den Kaimauern liegt Schnee, Notre Dame steht dunkel am Rande. Die Seine führt Eisschollen, scharf knirschend kantig friert es aus der Tiefe. Die Weihnachtsbäume lehnen wie hohe Büschel, wie Gaben für den„Réveillon" am Ufer. In den Terrassen der Cafés am Anfang des Boullrvard St, Midkel stehen die Clochards und schlage» sich die Hände vor Frost unter die Achselhöhlen. In dem Metroschacht ruc Monge pennen sie haIbdutzendweise. Gegenüber steht ein Brasero auf offener Straße; die Frierenden wärmen sich davor.„Penses tu," sagt ein altes Kattunweib,„daß sie das aus Mildtätigkeit getan haben Das h Ten sie nur getan, damit ihnen die Gasleitung nicht zerfr vrt Es ist unerhört, wieviel Not noch in den Hohlem der Altstadt haust. In den schmalen Höfen um Alt Paris grassiert das Elend. Nachts kommen sie von den Hallen und habeu Gemüse zerflückt. An der Kneipe„N erließ", zwischen den Nachtbumsen mit dem roten l.icht, fahren Fremdenautos mit Engländern und Hitler-Deutschen an. Eine Besoffene singt ein Lied von der ewigen Dreigroschenoper des Lebens. Auf der Marienbrücke hebt sich seltsam die neukatholisch expressionistische Heilige in die Grippe Luft. Drüben im J u. Opéra 7?W9 Kleider, Mftmel. Unrorbnltunq, RoparUrun«. die Serviette, grell, angemalt, schlotternd schauerlich brüllt mit seinen Schallplatte» los. In den alten Gassen der Insel St. Louis irrt der Judenknabe Jesus, und die Kerren vom Hilfskomitee sitzen würdig da und sagen: ,, Bis jetzt haben wir Ihnen das Hotel bezahlt und einmal Essen gegeben, nun müsse wir Sic leider aussteuern." Auf dem Holzplatz unten brennen Koblenfener, Holzkohlen, Männer in Kitteln wärmen sich.„Du, August." sagt einer auf Deutsch,„ob Sie jetzt daheemc in Zella Mebbis'a Hakenkreuz ooch uff den Christbaum tun?" Gleichgültig, knirschend, kalt schieben die halbgefrorenen Wellen der Seine weiter. Baptiste. Der Einheitstarif auf der 116 ra Der Beschluß des Generalrats der Seine, den Einheitstarif der Métro für Paris und Umgegend audi nach dem Bau der neuen Linien beizubehalten, ist von weittragender verkehrstechnischer und sozialer Bedeutung. Der Seine- präfekt R e n a r d berief sich mit Redit auf das Vorbild seines großen Vorgängers, des Barons Haußmann. des Schöpfers der großen Boulevards, der ebenfalls mit größter Konsequenz seine Verkehrspolitik durchgeführt hat. Man wird sich entsinnen, welcher Bekämpfung von rechts der „sozialistische" Einheitstarif von Berlin einst ausgesetzt war. Der neue Beschluß der Seine, der mit der hohen Mehrheit von 85 gegen 28 Stimmen gefaßt wurde, zeigt, daß eine moderne Weltstadt gar nicht anders kann. Einsteins Rückkehr nach Paris Professor Einstein, der soeben in Neuyork ein Violin- Konzert zugunsten der deutschen Emigranten gab, wird, wie wir hören, demnächst nach Paris zu seinen Vorlesungen im Collège de France zurückkehren. Sein Pariser Aufenthalt dürfte etwa auf zwei Monate bemessen sein. Die Pariser Brüder Saß In Berlin hat vor ein paar Jahren der große Einbruch am Wittenhergplatz die Stadt in große Aufregung versetzt. Geschickte Räuber waren durch einen unterirdischen Gang in die Keller eingedrungen und hatten die Tresors schwer beraubt. Die Täter wurden nie gefaßt. Die Polizei verhaftete zwar mehrfach die geheimnisvollen Brüder Saß, die später auch bei der Ausbuddlung eines unterirdischen Ganges an einem Friedhof in Charlottenburg erwischt wurden, aber die Polizei konnte ihnen nichts beweisen. In Paris gab es vor kurzem ähnliche Bohrungen. Vor allem wurde ein Bankhaus in der vielbelebten rue Réaumur angebohrt und ein gewaltiger Schatz erbautet. Eine„Mar seiller Bande", die schon einen ähnlichen Schlag ausgeführt hatte, sollte der Urheber sein. Die Polizei, die fieberhaft hinter den Graßknackern her sucht, hat jetzt zu einer gewaltigen Razzia hei Italienern ausgeholt und 53 von ihnen gestellt, 16 eingesperrt. Diese soll.cn zu einer gefährlichen Bande gehören, die dunkle Dinge treibt; einige sollen mit Tiegeln zum Schmelzen von Metallen umgehen, andere Falschgeld vertreiben und Leute sein, denen „unterirdische" Arbeiten zuzutrauen sind. Ein Haupt der Bande, der 1905 in Turin geborene Pallavicino, hatte einen falschen Paß auf den Namen eines„Marquis von Priola und Ceva" hei sich. Andere waren schon aus Frankreich ausgewiesen und führten falsche Flebben. Die Parallelität der Fälle in der rue Reaumur und am Wittenbergplatz ist ohne Zweifel gegeben. Es wird sich nun zeigen, oh die Spur der Pariser Polizei die richtigere ist. Eine Hamlet-Szene bei Marseille In Saint-Antoine, auf dem Friedhof, ereignete sich ein Drama, das an die berühmte Grabesszene im„Hamlet" erinnerte Während ein Leichengefolge auf den Friedhof zog, schoß der eine Fried Ii ofswächter ein paarmal auf seinen Kollegen infolge eines Streits. Der Getroffene wälzte sieh am Boden und verröchelte in wenigen Minuten. Er war 27 Jahre alt und Vater von vier Kindern. Der mörderische Friedhofswärter. 25jährig, und Vater von zwei Kindern, wurde angesichts des entsetzten Leichengefolges verhaftet. Was ist„Paotr e vragou berre"? Das ist kein Druckfehler, sondern der Titel eines Theaterstückes, das dieser Tage in Paris mit großem Erfolg aufgeführt worden ist. Die Zuschauer waren durchweg gute Bürger der Hauptstadt. Sie verstanden sehr gut. was auf der Bühne als..Paotr e vragou herre" vor sich ging, denn sie alle waren— Bretonen, und ein echter Bretone verlernt niemals seine Heimatsprache, die vier Dialekte hat: Das Léonard, daß Trégorrois, das Cornouaillais und das Van- netais. „Paotr e vragou berre"—„Der Bursch in engen Hosen", ist das erste Theaterstück in hretoniseber Sprache, das öffentlich in volkstümlichem Rahmen in Paris aufgeführt worden ist. Nicht nur der Verfasser, auch di» Schauspieler waren durchweg Bretouen. Schon die Namen beweisen es: Dir na Dor heißt der Verfasser(hinter dienet» ßardennammen verbirgt sich der Bretone(Le Moal). Le Dou- arain. Audic, Mazé, Gwnncgan, Breton. Yann ar Morvan. Ronan Kaouissin heißen die Darsteller. Der Vater dieser hrc- tonischen Veranstaltung war. der„Cercle Celtique de Pari s", der sich die Pflege der bretonisdien Sprache. Musik und Tänze zur Aufgabe gemacht hat. S. J. Der neue Papst-Film Der Film„Du Haut en Bas", den Papst vor seiner Abreise nach Amerika in Frankreich gedreht bat, ist, wie wir bereit« vor Monaten meldeten, eine Art Gegenstück zur „Freudlosen Gasse". Marie de Ferstel, ein Mädel aus gutem Haus, verdingt sich unter falschem Namen als Kammermädel bei den Binders. Der beste Fußballspieler von Wien verliebt sich nach manchen Abenteuern in sie und heiratet sie als echte Marie de Ferstel. Drum herum sehr viel Volks- und Vorstadttypen. Jeanine Crispin als Heldin. Margo Lion als Mutter, Jean Gabin als Fußballgeliehtcr, Peter Lorre. Catherine Heßling. Sokoloff. Uraufführung in den Miracles. * Im R e x fand die Premiere des Marcel Pagnol Films„La gendre de Mr. Poirier" mit Léon Bernard von der Corné de Française statt, der nur eine Woche laufen soll. Kriegsgranaten in Laon Nach einer Meldung des..Matin" aus Laon veranlaßte eine Senkung des Fußbodens im großen Saale der Präfektur von Laon eine Reparaturarbeit. Die Ausbesserer entdeckten unter den Bohlen etwa zehn Granaten, etwa hundert Gewehrkugeln, Bajonette und Gewehre von deutscher Herkunft aus dem Weltkriege. Wiener Restaurait ch«z Barna's Paris, 13, ma St-Sdvor'n Métro S'-Micho' Deutsch« u. ungarische Spex alltäten Man l^t gut 10'«Fr.- Haut«, Mlftwodi.74.Oas.: Oer«c■' HrftlMk larr an 3.Ml f>. Unterzeichnen Sie nichts! Kein G^cha.f*ab*>chtuli kern Mtct* vt'pra«, k» in I' cneK ohne voiheiige fachkundige B tatuni* Vcttre urtfl vor äln n Gerichten Pioze-sr 11« d c uldenemz ehung Urwundeneir entung— Gesellschar'S- verti R Le'Entr'aide de la Defense 103, roe LafayC'te, PARIS ni 1 S leziaiah'ei u g unter Le tung one*«Jeu**chen Anw I»* Steuertragen Geseüschaftsgründungen enden S»e*ch an F. BRIQUEU ligen* H droh ehemaliger Kontrolleur der direkten Steuerbehörden um vom olfiziellen Standpunki aus beraten zu werden 2)» IM« B«aaé*N«ovéllé f Pari«(2), Tri. Leavre 22*93 —TAYLOR HOTEL- t. RUE 7 A y LOR. 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Sotor» zu beziehen durch HUGH HANDLUNG de, „Volksstimme «eankirchm, Mfiftoabcrvatr Ignazio Silone Der Fascismus Jena Entstehung und Entwicklung Karton ert Fr. 5,—• Leinen Fr. 7,— Dieses erste, wirklich grundlegende Buch über den Fascismus hätte kein Bewährterer schreiben können als Ignazio Silone. Eine wirklich klare Geschichte über die Nachkriegszeit Italiens. Europa-Verlag Zürich ü i im holländischen Urteil Der Lügenprozeß Wir entnehmen aus„De Nicuwc Rotterdam s che Courant": »Der Herr Werner versteht es nicht, seine Rede besonders interessant zu machen. Dia» sieht hie und da verschiedene Leute vergebens mit dem Schlaf kämpfen. Wenn einer von den Richtern ein paar Worte dazwischen wirst, so klingt es. als ob jemand laut träumt. Glücklich stich einer von den Richtern eine Lampe um. Das brach die Langeweile wieder etwas. Der Oberreichsanwalt folgt einer Methode, die nicht nachläßt, den Zeugenaussagen des Psychopathen Grothe und des Schurken Lebermann Bedeutung beizumessen. Er zitiert einen Psychiater:„Wir sind alle mehr oder weniger Psycho- pathen, aber deswegen noch keine unzuverlässigen Menschen." Ein Psychopath kann also sehr gut die Wahrheit sprechen. Das ist an und kür sich richtig, und gerade darum ist es ein Trugschluß. Grothe hat die Unwahrheit gesprochen, und daS ergab sich daraus, daß er Zusammenkünfte mit Atenschen ge- schildert hat, die schon lange im Gefängnis saßen, ferner hat er bei jemandem Versammlungen abhalten lassen, der tot- krank im Bett lag. Weiterhin wußte er von den wichtigsten Dingen nicht mehr, ob sie sich gestern oder vor vierzehn Ta- gen abgespielt hatten usw. Durch diese Beweise ist klargelegt, daß Grothe lügt, und um dieses Lügen wieder zu erkläre», stellte man fest, daß er Psychopath mar. Niemand hat aber die Tatsache, daß er Psy- chopath ist, gebraucht, um daraus abzuleiten, daß er log: denn das schien von alleinc sonnenklar." Au anderer Stelle lesen wir in demselben Blatt über den ReichstagSprozeß: „Der Oberreichsanwalt entwickelte dieselbe politische Bor- ausketzung, die ina» schon monatelang im Verlaus dieses Pro- zesses und sogar schon vor diesem Prozeß entwickelt hat. ES gelang ihm, diese Voraussetzung zu motivieren. Aber nach- zuweisen, daß sie mehr wert ist, wie alle anderen ebenso mög- lichen Voraussetzungen, das glückte ihm nicht. Von einem Beweis überhaupt geschwiegen." Der Mohr kann gehen! Wir lesen in der„P o st Scripta" der H a a g s ch e n P o st: „Diese Woche hat sich der Reichskanzler mit dem Kriegs- minister nach Wilhelmshaven begeben, um den Kreuzer Köln, der eine gewöhnliche Probefahrt von einem Jahr gemacht hatte, bei seiner Rückkehr willkommen zu heißen. Das war an dem Tag, an welchem der neue Reichstag eröffnet wurde und an welchem sich Suvich. der italienische Gast, in Berlin aufhielt. Vor Suvich ist Hitler nicht geflüchtet, aber aller Wahrscheinlichkeit nach wobl vor dem Reichstag. IkebrigenS hätte er. wenn er den eröffnet hätte, eine große Rede wie bei der Wahl im März halten müssen. Und die ausländischen Angelegenheiten sind im Augenblick zu heikel, um in der Oesscntlichkeit besprochen zu werde». Hitlers Meinung ivar sicher richtig. Die Eröffnung des Reichstages erforderte so nur wenige Minuten. Es zeigte sich deutlich, daß keine Auf- gäbe kür das Parlament mehr da ist. Die Wahl hatte man sich nur als Demonstration gedacht: mit dem Ergebnis der Wahl hatte der Reichstag seine Pflicht bereits getan. Ter Mohr kann geben!" Deutschlands Bankrottpolitik Wir lesen in der«Haagschen P o st": „Nach seiner am 21. November ist Wuppertal gehaltenen Rede vor der deutschen Eisen- und Metallindustrie, in der natürlich das Ausland wieder die Schuld bekam, daß Deutsch- land nicht zahlungsfähig sei, nämlich weil die ausländischen Märkte nicht genug deutsche Güter ausnehmen, war die Rede Dr. Schachts in Basel im Anfang eine Wiederholung der vorigen. Der Schacht gab in deutlichen Worten zu verstehen, daß Deutschland nicht in der Lage sein wird, in den folgen- D6l Trinité 43-13 Méiro P i g a 11 e Deutsche Poliklinik Paris, 62., Rue de la Rochefoucauld «I Allgemeine Konsultationen«n 9 Sp«ialM». b) Cbirergie c) Geburtshilfliche Klinik d) Zahnärztliche» Kabine« Innere Med.:.», Aug.n., Ohren., Nasen, und Kehlkoplkrink. Zweistöck.ReslSanaiorimnsRehäude. Vieratockiges Gebäude. Zimmer Zahn und .leiten. Röntgen Diathermie hlektr-iiherapie dpe-ialhehand. Kleine, mittlere und eroße Chirur mit I bis ♦ Betten. 5 Aertte. 3 Heb- und PoreeUankronen. Bruc lung bei Blut. Harn. u. Gesehleehta Krankheiten gie. DiealiermodernsteEinnehtung ammen und 2 Operationssäle. Kautsehuk-Arbeiten Ordination täglich von Q—12 und 2—8; Sonntags und Feiertags von 10—12 und 2—4 Uhs den sechs Monaten den Transfer von 50 Prozent wie bisher ausrecht zu erhalten, ohne die Devisenreserven der Reichs- dank anzugreifen. Die Enthüllungen über den deutschen Er- port sind insofern interessant, daß jetzt endlich einmal öffent- lich zugegeben wird, daß der deutsche Ausfuhrüberschun lworaus Deutschland immer mit soviel Stolz zu weisen pflegte) in Wirklichkeit lange nicht so groß war, wie die Zis- iern angaben, weil nämlich ein Teil des Exportes aus zu- sätzlichem Export besteht, wofür keine Bezahlung in Devisen erfolgt. Der Schacht bezichtigt die politischen Gläubiger, weil das Äergernis deS Einzelnen über die deutsche Bankrott- politik sich gegen Deutschland selbst kehrt. Erwartete man vielleicht, daß die schändlich Betrogenen auch noch Hurra rufen würden? Was er weiterhin mitteilte über den Zustand des ganzen deutscheu Wirtschaftslebens, war nichts anderes als eine Bankrotterklärung dem Auslande gegenüber. Tie Glau- biger haben nun abzuwarten, was der Schuldner ihnen bie- tet. Nach Schachts Rede und auch nach der Transferkonferenz in Berlin wird das bitter wenig sein." Der gleichgeschaltete Fehler L. C a tz v a n Aalten schreibt in„D e N i e u w e P e r s" über Dr. Schachts Rede u. a.: „Nie war gegen das Ausland Ein anderes Land gerecht wie du: Sei nicht allzu gerecht, sie denken nicht edel genug Zu sehn, wie schön Dein Fehler ist." „Diese Ode weihte vor anderthalb Jahrhunderten der deutsche Dichter Klovstock seinem Vaterland. Wenn Klopstock noch lebte, würde er seine wahre Freude haben, zu sehen, wie sich Deutschland verändert hat. Von dem braven„allzu ge- rechten" Deutschland von Anno dazumal ist wenig übrig ge- blieben: der.Jehler" ist im gleichgeschalteten Hitler-Deutsch- land vollkommen ausgeschaltet. Von Gerechtigkeit gegenüber dem Ausland kann gar keine Rede mehr sein. Darum macht eS auch nichts ans, ob wir Ausländer nickst edel genug sind oder denken, um zu iehen wie schön dieser Jehler ist, der nicht mehr besteht. Dr. Tchackst gab durch seine Rede in Bakel da- für den svundiovielsten Beweis.— Und Reichskanzler Hitler hatte doch nicht in jeder Hinsicht sslecht, als er einen Tag iväter in einer Rede in Berlin erklärte,„daß die Macht des Wortes Treue aewaltia sei": denn die Macht des Gegen- teils ist noch stärker. Nun. im„dritten Reich" jedenfalls, anderthalb Jahrhunderte nach Klopstock." Kommandierte Einheit Wir lesen u. a. in„H e t A l g e m e e n H a n d e l s b l a d": „Als in Deutschland die Andersdenkenden einsahen, daß sie vorläufig keine Chancen hatten und daß sich eine rohe Uebermackst durchsetzte, kam die Einheit zustande. Diese riecht mehr nach Beruhigung als nach Ueberzcugung. Eine Einheit auk Kommando! Und seither ist in Deutschland alles Kom- mando geworden, selbst die Begeisterung— für ein gut Teil jedenfalls. Man hat Einheit kommandiert und sieht sich nun gezwun- gen, diese Einheit zu verteidigen und zu verherrlichen. Und man verherrlicht sie programmäßig und maßlos. Das ist kür uns Holländer unbegreiflich, auf den ersten Blick vielleicht eindrucksvoll, bei etwas Nachdenken aber äußerst fremd und alles andere als anziehend." B«