Ar. 79. Abonnement«- Kedingungen: Abonnements-PrelS pränumerando: Bierteljährb 3,30 Mb, monatl, l.IO Mb, irächentlich 28 Pfg, srei tnS Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- Nummer mit illustrirter Sonntags- Beilage„Tie Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post- ZeitungS- Preisliste für 1897 unter Hr. 7437. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für daS übrige Ausland 3 Marl pro Monat. 14. Jahrg. Die Insertion«-Gebühr beträgt für die sechSgespaltene Kolonel- »eile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und BerfammlungS-Anzeigc», fowie ArbeitSmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müffen bis 4 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr «ormittags geöffnet. Erscheint täglich auher wouiag». Devlinev Volktsbl�kk. Fernsprecher: Amt I, Hr. 1008. Telegramm- Adresse: „S»li»ldrin»kr«k Berlin". Dentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. •strt.ilUion: SW. 19, Jldllli-StVclf)- 2. Schultzo f. Ein Proletarier-Vertreter der Proletarier-Krankheit erlegen, nachdem er kaum die Hälfte der voll der Natur nuter natür- lichen Verhältnissen dem Menschen zugemessenen Lebens- daner erreicht. Ein echter Proletarier— keiner jener Talmi- Proletarier, die stolz sind, ivenn ihnen glacs- behandschuhte Junker und Lords auf die Schulter klopfen und die Thore des Parlaments öffnen, und die es für die Pflicht eitles Arbeitcrvcrtreters halten, den Ausbeutern irnd Unterdrückern der Arbeiter Bedienten- und Handlangerdienste zu leisten. Ein echter und rechter Proletarier war unser Schultz?. Als Prolctarierkind kam er zur Welt, und ein Proletarierleben hatte er zu führen sein ganzes Leben laug. Ein fortwährender Kampf gegen das Elend, das die kapitalistische Gesellschaft über die Erzeuger ihres, des Kapitalistenreichthums verhängt hat. Schon die Jugend, an der die Sorge sonst vorübergeht, von Wolken des Elends überschattet, und in einem Alter, wo die höhere Erziehung erst beginnen sollte, die Erziehung geschlossen und der Knabe hinausgeschickt in den Kampf um das Dasein. Am 15. Oktober 1858 in Steinau an der Oder geboren, kam Karl Friedrich Wilhelm Schnitze 1872, also mit 14 Jahren, bei einem Schlossermeister zu Berlin in die Lehre. Die Ideen des Sozialismus drangen auch in seine Werkstatt und in sein Hirn. Als das Attentat des Sozialistengesetzes gegen die deutsche Arbeiterklasse verübt wurde, war er 20 Jahre alt. In der Luft des Sozialistengesetzes wuchs der Jüngling heran zum Mann; die Nadelstiche des Sozialistengesetzes er füllten ihn Ulit Ingrimm und die Hammerschläge des Sozialistengesetzes hämmerten ihn. hart— wie das gesammte deutsche Proletariat. Er wurde einer der unermüdlichen, unerschrockenen, eisen- festen Soldaten des Sozialismus, ivclche den 5krieg führten gegen die Polizei und welche die Schandpolitik des Fürsten Bismarck erfolgreich zn schänden machten. In dieOeffentlichkeit trat Schultz? erst zu Anfang der achtziger Jahre; 1883 wurde er Mitbegründer des Arbeiter-Bczirks- Vereins S ü d- O st und 1885 Vorsitzender des Fachvercins der Mctallschleifer. Jetzt wurde die Polizei aufmerksam auf ihn, und am 17. November 1836 wurde er des Morgens ans dem Weg zur Arbeit verhaftet und Knall und Fall ans rund des Sozialistengesetzes ans Berlin ausgewiesen. Die 'xistenz war zerstört, die Familie zerrissen: seine Fran mit vier Kindern mußte er in Berlin zurücklassen und sich eine neue Existenz zu gründen suchen. Er wandte sich nach Görlitz und von dort nach Chemnitz, wo er über zwei Jahre blieb. Lange war hier jedoch seines Bleibens nicht— WWMWMMMwW er ging hierhin, dorthin, bis er in Lkönigsberg Aussicht fand, sich eine bescheidene Existenz zu gründen. Im Jahre 1889 ließ Schnitze sich in Königsberg nieder, und bei der Wahl des folgenden Jahres 1890 wurde Königsberg von der Sozialdemokratie erobert und Schnitze als Sieger in den Reichstag gesandt. Das war der verdiente Lohn— der Proletarier ivar nun Proletarier- Vertreter und er konnte in größerem Umfange thätig sein als bisher. Aber die vermehrte Thätigkeit verbrauchte auch rascher die Kraft des nicht sehr kräftigen Mannes. Umsonst ward ihm geratheu, sich zn schonen. Er kannte keine Rücksicht gegen sich selbst. Rastlos arbeitete er im Dienst des Proletariats, und rastlos verzehrte er sich im Dienste der Partei und der Pflicht. Bei den Wahlen von 1393 wurde Schnitze wieder gewählt. Die Aerzte verschrieben ihm Ruhe, eine leichte und nahrhafte Diät, womöglich einen Aufenthalt im Süden. Hätte er den Rath befolgt, befolgen können. Schnitze lebte noch heute. Doch dem Proletarier war der Weg zur Gesundheit verschlossen. Stoisch faßte er sein Loos ins Auge. Er wußte, seine Tage waren gezählt, wenn er so fortlebte. Er lebte so fort, weil die Nothwendigkeit und die Pflicht es geboten. Und so hat er seine Schuldigkeit gethan und ist treu ge- Wesen bis in den Tod. Von diesem Stoff sind die Männer, welche die deutsche Sozialdemokratie groß gemacht haben. Bescheiden, ans- opferungsvoll, tapfer, allzeit das hohe Ziel der Sozial- demokratie vor Augen, hat unser verstorbener Frnrnd und Genosse durch sein kämpf- und entbehrungsreiches Leben uns ein Vorbild geschaffen, das die Jugend des Proletariats zur Nacheiferung begeistern muß. Die Sozialdeniokratie vergißt ihre treuen Tobten nicht. Ehre dem braven Mit- und Vorkämpfer! *** Wir lassen noch einige weitere Daten au? dem Leben de? Ver- florbenen folge»: Genosse Schnitze war Metallschleifer und als solcher für seine Gewerkschaft eifrig thätig. Er trat zuerst öffentlich im Schleiferstreik 1834 hervor, dessen Leitung wesentlich in seine» Hände» lag. Nebe» der gewerkschaftlichen Thätigkeit vergaß er auch nicht die politische. Er entfaltete eine rege Thätigkeit in de» Arbeiter-Bezirksvereinen, welche zur Zeit des Sozialistengesetzes die politische Organisation der Parteigenossen darstellten. Da er sich in den Kreise» der Genossen des ausgedehntesten Vertrauens erfreute, so war er natürlich einer derienigen, die wahrend des Ausnahmegesetzes auf vorgeschobenem Posten für die Partei zu kämpfen hatte». Unter anderem lag ihm das wichtige Amt ob, die Verbindung mit den in der Schweiz weilenden nlisgeivicsenen Genossen ausrecht zu erhallen, was er zur allseitigen Zusriedenheit ausführte. Unter diesen Umständen konnte es natürlich nicht ausbleiben, daß Genosse Schnitze sich in hervor- ragendem Maße der Aufmerksamkeit der Polizei erfreute, die am 17. September I8L6 seine Ausweisung verfügte, worauf er mit einem Leidensgefährten, Genossen Bennewitz, Berlin ver- ließ, geleitet von einer Anzahl treuer Parteifreunde und gefolgt von zwei Polizei- V>gilante». Er wandte sich zunächst nach Sora», nm nach kurzem Aufenthalt von dort weiter nach Görlitz zu wandern. Auch hier gelang es ihm nicht. eine Existenz zu finden. Er trennte sich hier von seinem Begleiter Bennewitz und ging nach Chemnitz, wo es ihm nach mancherlei Beschwerde» und Entbehrungen endlich gelang, Arbeit in seinem Berufzusinden undkünunerlichseinLeben zn fristen. Nach einiger Zeit fand er in Chemnitz wieder Anschluß an die dortigen Parteikreise. Nachdem er auch an diesem Orte mit der größten Opferwilligkeit und Selbstlosigkeit für die Interessen der Partei thätig war, ging er im Jahre 1839 nach Königsberg i. Pr., Ivo er an stelle des verstorbenen Genossen Godau die Agitation im Wahlkreise mit solchem Erfolg betrieb, daß er 1699 von den dortigen Parteigenossen in den Reichstag gewählt wurde. Als Verbannter, als ein ins Elend gestoßener, hatte Genosse Schnitze Berlin verlassen, mit dem höchsten Ehrenamte des Volkes bekleidet. kehrte er zurück, freudig begrüßt von seinen hiesigen Freunden. Auch im Jahre 1893 betrauten ihn die Königsberger Genossen wiederum mit dem Reichstagsmandat. Er hinterläßt eine Frau und fünf Kinder, welche demnächst nach Berlin übersiedeln werden, um hier ständigen Wohnsitz zu nehmen. Schultz? hatte den lebhaften Wunsch geäußert, seine letzten Stunden bei seinen Eltern zuzubringen. Dieser Wunsch konnte ihm noch erfüllt werden, indem einige Freunde seine Uebersiedelung, welche für seinen Znstand äußerst gefahrvoll war, von Königsberg nach Berlin unternahmen. Seine Familieiiangehörige», welche gestern abends 6 Uhr hier einlrafe», fanden den Gatten und Vater nicht mehr unter den Lebenden.— Die Beerdigung unseres braven Genossen sindel am Sonntag, den 4. A p r i l, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhanse, S ch I e s i s ch e st r a ß e 2, nach dem Friedhofe der Freireligiösen Gemeinde in der Pappel-Allee statt. � --- politische Mebetchchk. Berlin. 2. April 1897. Auö dem Neichstage. Die Antisemiten haben am heutigen Schiverinstage einen Erfolg eingeheimst. Es wurde nämlich ihr Autrag ans Einsührmlg der konfessionellen Eidesformel angenommen. Dieser Erfolg ist freilich wesentlich dem Umstände zn verdanken, daß Herr L i e b e r m a il il von Sonuenberg als Begruuder des Antrages die antisemi- tischen Motive für denselben wohl iveislich für sich behielt. Kanin daß der Redner das Wort Jude in den Mund nahm. Da das Zentrum und die Konservativen dem Ailtrage znstimmten, so war dessen Annahme gesichert und die verhältnißniäßig lange Debatte eigentlich überflüssig. Den Staildpunkt unserer Partei legteil die Genossen V o g t h c r r und L ü t g e n a n dar, indem sie sich sowohl gegen den Antrag wie die gegenwärtige Forni des Eides überhaupt aussprachen. Der zweite Punkt der Tagesordnung, Antrag des Zentrums ans Aushebung des Jesuitengesctzes, fand auch heute wieder in derselben Weise seine Erledigung, wie bereits wiederholt in früheren Jahren. Im Hanse ist eine große Majorität für die Aufhebung dieses letzte» Restes der Knltnrkampf-Gesetze schon seit Jahren vor- Händen und tvciln der Buudcsrath bisher nicht gewagt hat, dem wiederholt ausgedrückten Wunsche des Reichstages nach- zukommen, so geschieht dies nur aus Rücksicht auf gewisse pro- testantische Muckerkreise, für welche der Jesuit genau derselbe Wauwau äst, wie für die glaubensstarken Katholiken der Fm- maurcr. Genosse Vollmar wahrte de» Standpunkt der Fraktion. Der Antrag dos Zentrums wurde schließlich mit den Stimmen dieser Partei, ider Sozialdemokraten und der beiden Bolksparteien angenommen. Ebenso wurden die Anträge R i ck e r t und Graf Lim- b n r g- S t i r n m auf Aufhebung des§ 2 des Jesuiten- gesetzes mit großer Mehrheit angenommen. Dagegen stimmten nur einzelne Nationalliberale sowie Herr v. S t u m m und sein Anhang. Hierauf trat das Hans in die zweite Lesung des Margarine- gesetzes ein. Dasselbe hat in der Kommission eine Form er- halten, daß Aussicht für einstimmige Annahme vorhanden war. Inzwischen aber regte sich bei den Agrariern der Wunsch nach mehr und sie brachten einen Autrag ein wonach in Orten mit über 5000 Einwohnern für Margarine und Butter getrennte Vcrkanfsränme eingeführt werden sollen. Mit diesem Antrag ist die Einigkeit gestört und die Linke kann mit dieser Bestim- niiliig das Gesetz nicht mehr annehmen. Von unserer Seite wurde die entsprechende Erklärung von Genossen Wurm abgegeben. Die Entscheidung über diese Frage liegt auch in diesem Falle beim Zentrum, welches in seiner Mehrheit mit den Agrariern geht. Die ersteil drei Paragraphen der Vorlage wurden ohne Debatte angenomnien. Zu§ 4 war der oben erwähnte Antrag der Agrarier gestellt, über den namentliche Ab- stimnlung stattfand. Dieselbe ergab die Anwesenheit von 187 Abgeordneten, von denen 100 für und 86 gegen den An- trag stimmten, während ein Abgeordneter(v. Stumm) sich der Abstimmung enthielt. Da das Haus also nicht beschlußfähig war, so mußte Vertagung eintreten. Nächste Sitzung morgen 12 Uhr.— TaS preußische Abgeoidneienhaus setzte heute die zweite Veralhuiig des Enlwurss einer S t ä d t e- O r d n u n g für H e s s e n. N a s s a n bei§ 15 fort, welcher für die Wahle» zur Stadtverordneten- Versannnlung das Dreiklasscn- Wahlsystem ein- führt. Hierzu lag ein Antrag Kircher(Z.) vor, welcher die Wahlbeslimnunige» der Vorlage nur für den Regierungsbezirk Wiesbaden gelten lassen, dagegen für den Bezirk Kassel das gleiche Spedition: SW. 19, Ateuth-Straße 3. Wahlrecht bestehen lassen will. Ferner beantragten die Abgg. Ca hensly(Z.) und Kirch er, es solle der vorgeschlagene Modus der Wahlklassenbildung mit der Maßgabe gelten, daß in der ersten Klasse mindestens 19 pCt., in der zweiten mindestens 29 pCt. aller Stimmberechtigten Ausnahme finden. Für die Einführung des Dreiklassen- Wahlsystems sprachen sich die Abgeordneten Dr. Schilling(k.), von Tepper-Lasli(k.), v. P a p p e n h e i m(k.), S ch a f f e r(natl.) und in sehr ent- schiedener Weise der Minister des Innern Frhr. v. d. Recke ans, der von der Annahme dieser Bestimmung das Zustandekommen der Vorlage abhängig machte und in Aussicht stellte, daß er dem Hause das Ergebnis! der Erhebungen über die Verhältnisse der Drciklasseuwahlen bald nach de» Osterferien übermitteln werde. Für die Anträge Kircher und Cahensly traten außer den Antrag- stellern die Abgg. Dr. E n n e c c e r u s(natl.), Dr. Stephan(Z.)» Kirsch(Z.) und Dasbach(Z) ein. Letzlerer brach in beredten Worten eine Lanze für das allgemeine Wahlrecht, indem er darauf hinwies, daß in an durch dasDreiklass en-Wahl- s y st e»i die Sozialdemokratie reize, sich zum K l a s s e n k a in p f e z u organifiren und s o d a s U e b e l, das man beseitigen wolle, nur verschlimmere. Die Abändermigsanträge wurden schließlich abgelehnt und, der Vorlage entsprechend, das Dreiklassen- Wahlsystem beschlossen. Ebenso wurde, entgegen einem Antrage Kirch er(Z.) auf Ein- führuiig der geheimen Wahl, die mündliche Wahl eingeführt. 'Abgelehnt wurde serner ein Antrag W i n t e r m e y e r(frs. Vp.), wonach die Wahl des Stadtverordneten-Vorstehers jährlich, und nicht, wie es die Konniiission beschlossen hatte, nur alte zwei Jahre erfolge» soll. Auch im übrigen wurden, abgesehen von einige» ii»wese»llichen redaktionellen Aeuderunge», durchweg die Kommissions« beschlüsse gutgeheißen. Morgen sieht die Berathung der hessischen Landgemeinde-Ordnung und des Entwurfs betreffend die T a g e- g e l d e r n n d N e i s e k o st e n der Beamten aus der Tages- ordnung.— Neber das„Unglück des Herr» v. Borsig" ver- öffentlichen heute eine Reihe von Abendblättern sehr bewegliche Klage». Auch wir haben allen Antheil mit dem Schicksal des Grubenbesitzers, der zur Rettung seiner Arbeiter in eine von schlagendem Wetter erfüllte Grnve fährt. Aber nur iveil ein Grubenbesitzer cinnial von einem Grubenunglück mit- ereilt wird, von einer dieser leider sich überaus häufig wiederholenden Katastrophen besonders eingehende und ans- fällige Notiz zu nehmen, ist-- kapitalistisch. Daß bei dem fürchterlichen Grubenunglücke in der Hedwig Wunsch-Griibe, von dem wir au anderer Stelle berichten, auch 10 Arbeiter verunglückt sind, erscheint der hier gekennzeichneten Presse nebensächlich. Hoffentlich hat das Unglück des Herrn v. Borsig die Folge, daß die Grubenbesitzer mehr für Sicherheitsvorkehrungen in dcu Bergiverken thnn, als dies sonst nach Katastrophen, bei denen blos die Arbeiter die Opfer sind, geschieht. DaS österreichische Ministerium Badem hat seine Demission gegeben, angeblich weil die beabsichtigte Bildung einer Parlamentsmehrheit mit Einschluß der Dcutsch-Lieberaleu und Jnngczechen gescheitert ist. Diese beiden Parteien wollte Badem mit einer Regelung der Sprachenfrage in Böhmen versöhnen und die Versöhnten vor seinen Siegeswagen spannen. Das ist ihm nun mißlungen. Die Liberalen dürften als Bedingung für die Unterstützung des Kabinets Badem die Nichtbestätigung Lueger's als Bürgermeister von Wien gestellt haben. Hier konnte aber Badem, dessen formelles Versprechen der Führer der Christlich-Sozialen schon in der Tasche hat, nicht nachgeben. Die Entscheidung � über das Dcmissionsgcsnch des Ministeriums ist vom Kaiser noch nicht getroffen. Sie verzögert sich vielleicht dadurch, daß der Kaiser im Begriff ist, einen Gegenbesuch beim Zaren in Petersburg zn machen. Vielleicht aber ist das neue Ministerium auch schon fertig und die ganze Affäre eine von dem Schlachzizenhäuptling schlau abgekartete Geschichte. Graf Badem schifft nach bekannter Manier eine Anzahl ihm unbequemer Kollegen, so die liberal angehauchten Minister des Unterrichts und der Justiz, Gauisch und Graf Glcispach ans und bildet nun sein reaktionäres polnisch-klcrikaleS Kabinet. Die für morgen anberaumte Sitzung des Abgeordneten- Hauses, die bei der Präsidentenwahl das erste klare Bild über die Parteigruppirung ergeben, und auch Rückschlüsse über die Zusammensetzung des nächsten Kabinets und der von diesem einzuschlagenden Politik erlauben würde, findet wegen der unerwartet ausgebrocheneu Miuisterkrisis nicht statt. Die nächste Sitzung soll erst Dienstag stattfinden.— Die Admkale der Großmächte verlangen Truppen- Verstärkungen. Der„Kölnischen Zeitung* wird aus Kissamos telegraphirt: In der vergangenen Nacht erfolgte ein durch griechische Ge- schütze unterstützter Angriff, der jedoch mit Hilfe österreichischer Matrosen durch Feuergeschütze der Barkassen nbgeiviesen wurde. Die Oesterreicher habe» keine Verwundete. Die Torpedoboote werden ständig bei der Vorbeifahrt in die Bucht von Ltissamos von den Griechen beschossen. Ans A t h e n wird telegraphirt: Die englischen Kriegsschiffe haben außerhalb der Blockadelinie d-rci kleine mit Lebensmitteln beladene griechische Segelschiffe ab« gefangen. Ans K o» st a n t in o p e l wird depeschirt: Der griechische Gesandte Maurokordato hatte mit dem Minister des Aeußeren Tewfik Pascha wegen einiger Vorfälle an der Grenze eine Unterredung, bei welcher beiderseits die Versicherung gegeben wurde, daß die Truppen an der Grenze die strengste Jnftriiktiaii erhalten haben. Reibungen zu vermeiden. Der Gesandte Manro» 'orbnto bot bei diesem Nnloß nochmals eine direkte Verständigung zwischen der Türkei und Griechenland an. indessen scheint die Ab- ficht der Entsendung eines besonderen türkischen Abgesandten nach Athen wieder aufgegeben zu sein. Das Kanonenboot des t. Ge- schivaders„Hisgr" mich infolge einer großen Havarie hierher ge- bracht werden. Der englische Konsul in Siwas, Major Bollmann, hat bisher in Tvkat 89 todle und 36 verwundete Armenier sowie die Plünderung von drei Dörfern der Umgebung konstatirt. Nach einer Meldung ans dem französischen Kloster i» Tokat wurden auch zwei armenische Priester getödtet. Ans Malakia sind beunruhigende Stimmungsberichte eingelaufen.— »» Deutsches Reich. — Zur Amnestie. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Die„Danziger Zeitung" ivollte erfahren haben, es waren alle militärischen Strafen unter sechs Wochen erlassen und die Be- gnadigten auf freie» Fuß geseht worden. An militärischen Stellen, die von der Sache unterrichtet sein müßten, ist darüber nichts bekannt. Also wäre» nur fünf Duellanten begnadigt.— Reichstags-Ersahwahl im Kreis« S ch w e h. Bis 12 Nhr mittags bekannt: für von Saß-Jaworski(Pole) 7800 Stimmen, Ritterguisbesther Holh-Berlin(Np.) 6300 Stimmen. Die Wahl des erstere» gilt als sicher.— — Der Bund der L a n d w i r t h e läßt in seinem Hauptorgane mittheilen,„daß der Untersuchungsrichter ganze Wagen- ladungen voll Akten ans dem„Bund der Landwirthe" mitgenommen hat, und daß die Untersuchung mit jener Peinlichkeit gesührt worden ist, die dem preußischen Beamtenthum« eigen ist." Desto merkwürdiger, daß man keinen Verstoß gegen das preußi- sche Vereinsgeseh entdecken konnte.— — Jugendliche Slkkordarbeiter bei der Reichs- p o st. Aitf eine Anfrage von sozialdemokratischer Seite erklärte am vorigen Montag der Post-Nnterstaatssekretär Fischer nach tele- phonischer Anfrage in Frankfurt a. M.. es würden in Frankfurt a. M. keine Depeschenausträger nuter 13 Jahren von der Post- und Telegraphenbehörde verwendet. Dagegen erklärt heute unser Frank- surter Partei-Orgau, die„Volksstimme", die jenen Uebelsland zuerst aufgedeckt hat: Wie genaue Erkundigungen ergeben haben, sind noch heute bei der Frankfurter Post im Depescheudienst jugendliche Austräger im Akkord beschäftigt, die im Alter von unter 13 Jahre» stehen. Wir konnten zwei dieser jugendlichen Ausgenutzten persönlich feststellen, von denen der eine lOi/z, der andere 17 Jahre alt zu sein angab. Wir fragen nunmehr öffentlich: Wie war es möglich bei der hiesigen Oberpostdirektion, daß sie über diese Dinge auf telephonische An- frage der obersten Verwaltung in Berlin nach dem Reichstag keine richtige Auskunft gab?? Herr Fischer wird sich nun mit den Frankfurter Postbehörde» auseinanderzusetzen haben darüber, wer sich im Unrecht befand und die Unwahrheit gesagt hat.— Dresden, 2. April.(Eig. Ber.) Der„Vorwärts" berichtete schon vor 5 Monaten von einem bevorstehenden Avancement des sozialistenvernichtenden Amtsrichters Dr. Becker in Dresden. Dr. Becker fällte während und nach dem Dresdener Waldschlößchen- Boykott gegen Parteigenossen sehr scharfe Strafen. Viele Urtheile wurden in der Berufungsinstanz kasstrt. Dr. Gradnauer wurde von ihm zu IV Monaten Gefängniß vernrlheilt wegen der bekannten Militärbeleidigung, das Landgericht machte 6 daraus. Reichstags-Abgeordneter Horn wurde unter anderen einmal zu S Monaten Gefängniß verurrheilt. Dies Nrtheil wurde dann unter Freisprechung aufgehoben. Genosse Arno Reichard, damals Redakteur bei der„Arbeiter-Zeitung", wurde wegen Beamten' beleidigung zu drei Monaten Gefängniß vernrtheilt. Das Land- gericht stellte fest, daß gegen ihn gar kein Strafantrag vorlag und sprach Reichard frei. Genosse Heimann wurde zu drei Monaten Haft vernrtheilt. weil er die Boykottaufrufe gegen die Waldschlößchen-Brauerei verantwortlich gezeichnet. Es stellte sich später heraus, daß Dr. Becker Aktionär dieser Brauerei ist. Diese Urtheile hatten dazu gesührt, daß»ichrfach Parteigenossen Dr. Becker als befangen ablehnten, aber erfolglos. Jetzt ist er Landgerichls-Direltor und Vorsitzender der ö. Strafkammer des Landgerichts i» Dresden geworden. Der erste Sozialistenprozeß, der vor ihm staltfindet, ist der gegen die Genossen Schulze und Reichard, die ans Anlaß der Bewegung unter den sächsischen Arsenalarbeiter» ivege» Beleidigung des Kriegsministeriums angeklagt sind. Die Beförderung ist von symptomatischer Bedeutung für den Geist, der die sächsische Regierung erfüllt.— — Ausgewiesen aus Dresden wurde der Anarchist Buchbinder Oskar Kohl, ein— geborener Dresdener. Nach seiner Rückkehr vom letzten Anarchistenkongreß wurde er verhaftet, weil er eine Broschüre von Krapotkin verkauft hatte. Nachj monatelanger Untersuchungshaft wurde er wegen Aufreizung zum Klassenhaß zu L Monaten Gefängniß vernrtheilt. Kein Tag von der Unter- suchungshaft wurde ihm angerechnet. Heute, am I. April, früh, er- Jielt er den Ausweisungsbefehl(der sich darauf stützt, daß Kohl hier einen Unterstützuiigsivohnsitz hat). Um 11 Uhr mußte er Dresden verlassen haben. Kohl entfaltete in den Gewerkschaften eine ruhige aber eifrige Thätigkeit. Ob jetzt m ihm die Liebe zum Vaterland und zu dem Bestehenden gestärkt wird?— Strasburg, 1. April. In der heutigen Sitzung des Landes- ausschusses für Elsaß-Lothringen wurde ein ans dem Hause kommender Entivurf auf Einführung der Ein- k o m m e n st e u e r zur E n t l a st u n g der L a n d iv i r t h- sch a f t berathen. Im Laufe der Debatte gab Unterstaatesekretär v. Schrank die Nothlage der Landivirthschast zu, wies jedoch darauf hin, daß durch die auf dem Wege der Steuerreform gethanen Schritte bereits große Erleichterung für dieselbe eingetreten sei. Die Ein- führung einer Einkommensteuer gleich der in Preußen tvürde die Beseitigung fäunntlicher anderen direkten Steuer» zur Folge haben. Das lasse sich nicht von heute auf morgen bewerkstelligen. Der Unlerstaatssekretär erkannte dabei an, daß die Vertheilung einzelner bestehender Steuern verbesserungsbedürftig sei, namentlich der Personal- und Mobiliarsteuern, durch welche die Minderbemittelten u n v e r h ä l t n i ß m ä ß i g belastet würden. Der Antrag wurde schließlich einer Kommission überwiesen.— Oesterreich. — Zur ersten Aktion nnserer Fraktion. Die Protest-Erklärung der e z e ch i s ch e n Sozialdemo- k r a t e n gegen das aus vergilbten Pergamenten hervorgesuchte böhmische Staatsrecht hat stürmischen Widerspruch in den ezechischen Organen hervorgerufen.„Narodni Listy", das Hanptorgan der Jungezechen, betonen, dieser Protest stelle die errungenen Vortheile für das Czechenthum in Frage und bedeute eine» Stückschritt(für ihre nationale Bewegung). Die„Politik", das Organ der Altczechen, fährt gar mit dem hussilischen Morgenstern gegen die Sozialdemo- krate» los und erklärt:„Mit dieser Gesellschaft muß man nun ge- hörig aufräume» und denselben zu verstehen geben, daß sie kein Recht mehr hat,„in ihrer Eigenschaft als Czechen", wie sie wiederholt in ihrer Erklärung hervorgehoben, zu sprechen. Diese Leute inüssen nun zu fühle» bekommen, daß sie in den Auge» der Patrioten die Rolle der Landesverräther spielen." Dieser Aerger beweist, wie unser Hieb gesessen hat. Die Olmützer Czechen berufen eine allgemeine Volksversammlung ein, um gegen den Protest der Sozialdemokraten ans Böhmen gegen das Staatsrecht Stellung zu nehmen. Die ezechischen Blätter geben die Parole aus: Vereinigung der ezechisch-slavischen Arbeiter in Prag unabhängig von der Wiener Führung. Ja die Jungezechen haben schon seil" Bestehen einer selbständigen Arbeiterbewegung versucht, die Arbeiter für sich einzufangen. Gelungen ist es ihnen freilich niemals, and jetzt sind ihre Aussichten schlechter denn je. Aus Lemberg wird berichtet: Fast sämmtliche polnischen Blätter besprechen in überaus gereiztem Tone das erste Debüt des sozialdemokratischen Abg. D a s z y n s k i und des Stojalowski'schen Anhängers Dr. Danielak im.Reichsralhe in der Debatte über die Enthafrnng des Abg. Szajer.„Przeglond" äußert sich sehr erbittert über die Mitglieder der Stojalowski-Gruppe und sagt:„Dieselben existiren nicht mehr für die Polen, sowie Polen für sie ebenfalls nicht besteht, wir können sie also vergessen." Der„Przeglond" empfiehlt schließlich, durch eine rechtzeitige entsprechende Organisation des künftigen Wahlapparates den destruktiven polnischen Elementen ein- für allemal den Daseinsgrnnd im Lande abzugraben. Freilich wird dies nicht mehr möglich sein.„Slowo Polskie" drückt die Befürchtung ans, daß die oppositionellen polnischen Abgeordneten die gestern eröffnete Aktion in betreff Galiziens systematisch fortsetzen werden..- Die„Reforma" erhebt gegen die Führer des Polen-Klnbs de» Vor- wurf, daß diese durch ihre Taktik die oppositionellen polnischen Abgeordneten, statt sie für ein Znsammengehen zu gewinnen, noch mehr ins feindliche Lager drängen. Andererseits klagen wieder die polnischen Abgeordneten über die Ungeschicklichkeit der polnische» Presse, welche ans Mangel an Orienlirungssinn zur Steigerung des Anflösnngs-Prozesses eifrig beitrage.— Wie», 2. April. Ter Stadtrath hat die Bürgermeister- wähl aus den 3. April vormittags anberaumt.— Frankreich. Paris, 1. April.(Eig. Ber) Einen höchst zeitgemäße» Beschluß hat der P a r i s e r G e in e in d e r a t h gefaßt. Während die gesammle bürgerliche Welt Frankreichs bis an den Hals im Panama- schmutz watet, beschloß der Gemeinderath, das Standbild M a r a t' s auf einem öffentlichen Platze aufzustellen. Das Stand- bild des unbestechlichen itlnklägers jeglicher Korruption, ein hervor- ragendes Kunstwerk des Bildhauers Jean Baffier, wurde bereits einmal im Pare Montsouris ausgestellt, aber von Regierungsivege» wieder entfernt. Der erneuerte Beschluß des Gemeinderaths dürfte abermals unausgeführt bleiben. Die panamistisch-ministerielle Presse protestirt heftig gegen die Verherrlichung eines Volksmanues, der der Schrecken der Panamisten seiner Zeit war. Andererseits meldet der„Figaro", daß ein zur Hälfte bereits fertiges Staudbild eines großbürgerlichen Politikers infolge der Panama-Enthüllungen unvollendet bleiben soll. Der Witz des Zufalls hat es gefügt, daß der Bildhauer gerade a» der Ansmeißelung der— Tasche stehen blieb.— Paris, 2. April. Amtlich wird gemeldet, das Marine- Ministerium habe die Vermehrung der Flotte um 6 Panzerschiffe, 22 Kreuzer, 7 Kanonenboote, 35 Avisos und 150 Torpedoboote beschlossen. Ter Bau dieser Fahrzeuge werde auf acht Jahre ver- (heilt. Der größte Theil soll in fünf Jahren schon fertig sein.— Belgien. Brüssel, 2. April. Der Finanzminister erklärte gestern in der Kammer, die Regierung bemühe sich, das Akzisenrecht(Verbrauchs- steuern), welches dem Staatsschatz sechs Millionen einbringe, ab- znschaffen.— Spanien. Madrid, 2. April.(Franks. Ztg.) Binnen wenigen Tagen sollen in Bareelona die als.Anarchisten unschuldig Eingekerkerten freigelassen werden. — In Antequera(Provinz Malaga) kam es wegen der Steuern zu Ruhestörungen. Die Ruhe wurde wiederhergestellt.— — Siege auf den Philippinen werden wieder ans Madrid gemeldet. Da ein ganzer spanischer Soldat bei dem Siege gefallen sein soll, so wird die Affäre wohl für die Entscheidung des Kolonialkrieges bedeutungslos sein.— — Nicht weniger als 220 000 Mann hat Spanien zur Bekämpfung der Aufstände auf Kuba und den Philippinen entsendet. Davon sind nach einer in Madrider Blättern vorliegenden kriegs- ministeriellen Statistik durch Kämpfe, Seuchen und Entbehrungen mehr als 23 000 Man» hingerafft worden. Finanziell kostet die Be- känipfnng der beiden Aufstände bis jetzt dem spanischen Staats- schätze weit mehr als 700 Millionen Pesetas. Nach der Unterredung, welche der künftige Generalgonverneur der Philippinen in Madrid mit Ordenshäuptern gehabt hat, dürfte die Bevölkerung der Kolonie nach Niederwerfung des Aufstandes nicht viel Gutes zu erwarte» haben. Primero de River« erklärte nämlich, er sei mit der Regierung dahin übereingekommen, daß der ganze moralische Einfluß und das Ansehen der religiösen Orden auf den Philippinen wieder hergestellt werden müsse. So müßten namentlich die den Eingeborenen durch die liberale Gesetzgebung von 1891 ge- währten Zngeständnisse wieder aufgehoben und der Einfluß der Geistlichkeit auf die Gemeindeverwaltungen wieder wirksam gemacht werden. Man sieht, auch in Spanien haben die Machthaber kein Talent, zu lernen.— Slnierika. Netv-Uork, 1. April. Die Festsetzung des 1. April als Beginn der Wirksamkeit der T a r i f b i l l ist als S p e r r b e st i m m u n g anzusehen, um der Vorlage rückwirkende Kraft zu geben, durch welche die M a s s e n e i n f u h r in der Z w i s ch e n z e i t verhindert werden soll. Der Senat Hai die Bill noch nicht an- genommen, doch gilt die A n n a h in e als zweifellos.— Aeirtzskslg. 204. Sitzung vom 2. LI p r i l. 1 Uhr. Am Tische des Bnndesraths: N i e d e r d i n g. Der Abg. S ch u l tz e- Königsberg(Soz.) ist verstorben; das Haus ehrt sein Andenken in der üblichen Weise. Auf der Tagesordnung steht zunächst der Antrag des Abg. L i e b e r m a n n v. Sonnenberg und Genossen: Die verbündeten Regierungen jit ersuchen, einen Gesetzentwurf vorzulegen, wonach bei allen gerichtlichen Vereidigungen von Parteien, Zeugen und Sachverständigen die konfessionelle Eidesformel wieder eingeführt wird. Abg. Licbenna»» von Sonnenberg(Reform-P.): Durch die Zivilprozeßorduiliig wurde die für die Juden festgestellte Eidesformel einfach verallgemeinert. Es verschwanden die Schlußsormelu:„So wahr mir Gott helfe durch Jesui» Christum zur ewigen Seligkeit" und„So wahr mir Gott helfe durch sein heiliges Evangelium": es verschwand ferner die Aufhebung der drei Schwurfinger. Die Ver- eidigiing eines evangelischen Geistlichen gab Anlaß dazu, daß eine Verfügung des Justizministers erging, wonach es jedem überlassen bleiben sollte, nach seinem Wunsche den Eidzu leisten. Ader eine gesetzliche Aeuderung wurde trotz mehrfacher Anregungen nicht beschlossen. Seil 1894 ist der vorliegende Antrag von mir und meinen politischen Freunden wiederholt gestellt worden. Eine Nothlage. eine Gewissensbedrängung liegt für die christliche Bevölkerung vor. In einer Zeit, wo wir durch das Bürgerliche Gesetzbuch eine Einheitlichkeit des Rechts an- streben, muß'auch für die Eidesformel Einheitlichkeit geschaffen werden, die jetzt durch die Erlaubniß durchbrochen ist, daß in Preußen die konfessionelle Eidesformel angewendet werden kann. ür die Dissidenten könnte eine besondere Eidesformel eingeführt werden. ie Regierung hat keine Veranlassung, unseren Wunsch nicht zu erfüllen; denn es wird niemand dadurch geschädigt, aber das deutsche Volk würde dankbar sein für eine solche gesetzgeberische That. Mg. Vogtherr(Soz.): Keine Partei hat ein Interesse, den antisemitischen Antrag anzunehmen; die jetzige Eidesformel enthält zweifellos für keine» eine Beschwerde oder ein Bedenken. Wenn er fchon abgeändert werden sollte, so müßte das nach der entgegen- gesetzten Seite erfolgen. Wir stehen in Deutschland hinter anderen Kulturländern wesentlich zurück! England hat den konfessioiieUen Eideszwang 1888 abgeschafft, Italien seit 20 Jahren, Frankreich seit Anfang des Jahrhunderts. In Italien genügt einfach die Formel: Ich schwöre! In Deutschland ist die Sache noch nicht konsequent durchgeführt worden; beispielsweise ist es den Mennonite» in Preußen gestattet, den Eid durch Aussprechen des Wortes„ja" in Verbindung mit einem Handschlage zu ersetzen. In Württemberg ist es den Angehörigen der Templergemeinde gestattet, an EideSstatr zu sagen: Ich schwöre i Wenn noch mehr nach dem Bekenntniß spezialisirt werden soll, so verkennen die Anträge das Wesen des Eides oder sein Verhältniß zum Staat oder zur Rechtspflege über- Haupt. Religiös ist der Eid auf feinen Fall, denn er wird ans staatliches Verlangen im Interesse der öffentliche» Rechtspflege ge- leistet, er hat mit der Religionspflege als solcher absolut nichts zu thun. Ist dies aber der Fall, so ist der Eideszwaug, wie er besteht und auch vom Antragsteller nicht geändert werde» soll, nichts anderes als eine Aufforderung zur Heuchelei. Der Eideszwaug ist aber nicht nur uunioralisch, sondern auch ungesetzlich, da er der durch die Versasfung gewährleisteten Glaubens- und Gewiffensfreiheil widerspricht. Für diejenigen, die sich durch einen derartigen Zwang bei gerichtlichen Verhandlungen bedrückt fühlen, wird keinerlei Erleichterung geschaffen, sie sollen mit allen gesetzlichen Mitteln zur Ableistung des konfessionellen Eides gezwungen werden. Die Zahl derer, die diesen Eid leisten. obwohl sie Atheisten sind, ist nicht gering. Wenn eine reaktionäre, von der Münchener Universität preisgekrönte Schrift ausgesprochen hat, daß Atheisten und Deisten der Eid ebenso verboten werden müsse, wie infamirten Verbrechern, so ist das durchaus konsequent. Der Doktoreid für alle Fakultäten, gleichgiltig, welcher Richtung die Eidesleistenden angehören, ist eine Anomalie. Ein Berliner Prediger hat einen Eid verweigert unter Berufung auf das Gebot: Du sollst den Namen Deines Gottes nicht unnützlich führen. Die Drohung des Vorsitzenden, daß er den Zeugnißz.vaug anwenden würde, blieb erfolglos, und ein AuSweg wurde nur dadurch gefunden, daß Vertheidiger und Staatsanwalt auf die Vernehmung dieses Zeugen verzichteten. Der Antrag ist aber auch ein Angriff aus die Gleichberechtigung der jüdischen Mitbürger, und er würde dazu beitragen, die konfessionellen Gegensätze immer wieder aufs neue zu verschärfen. Nicht einmal in streng konfessionellen Kreisen wird dem Antrage das Wort geredet. Der Eid bezweckt doch n»r. dem Zeugen die moralische Verpflichtung aufzuerlegen, die Wahrheit zu sagen. Dieser Zweck kann aber auch erreicht werden ohne Eid. Wenn deshalb an dem jetzigen Zustand etwas geändert werde» soll, so darf es nicht im reaktionären Sinne geschehen, sondern so, daß gegen die Atheisten, Dissidenten und sonstige freie Richtungen Toleranz geübt wird. Die Eidesleistung und Eidesformel müssen überhaupt abgeschafft werden. Die von den Antragstellern besllrivorteten Anhängsel würde» das Ansehen des Gerichtsverfahrens nicht erhöhen, sondern vermindern.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Lieber(Z.): Ich scheide bei dem Antrage und seiner Begründung alles aus. was nach Antisemitismus aussieht. Wir nehmen einen andern Standpunkt ein als der Vorredner und seine politischen Freunde. Der Eid ist eine religiöse Handlung auch im Gerichtssaale. Die Religion ist nicht reine Privatsache, sondern auch eine öffentliche Angelegenheit, denn unsere ganze Staats- und Rechtsordnung steht auf dem Boden des Christenthums. Aber vonl Standpunkte der Gewissensfreiheit ans, auf dem wir in allen Parlamenten stehen, haben wir gar nichts dagegen, daß für die- jenige», welche nicht an einen persönlichen Golt glauben, die einfache Aussage zugelassen wird bei Vermeidung von 15 Jahren Zuchthans. Wir können mit dem Antrage einverstanden sein, müssen aber bezüglich der Gesetzesvorlage, die gefordert wird, Verwahriing einlegen bezüglich der Ausgestaltung der einzelnen Bestimmungen. Abg. Lcnzma»»(frs. Vp.): Ich hoffe, daß trotz der Zusage des Abg. Lieber die Parteien sich nicht auf den Antrag einlassen werden, weil er den Jndeneid betrifft. Ten Antragstellern kam es hauptsächlich auf den Judeneid, nicht aus die kon- fessionelle Ansgestaltung des Chrisieneides an.(Zuruf des Abg. Gräfe:„Verleiimdiiiig!" Große Unruhe.) Ein solcher Zwischenruf ist eine parlamentarische Flegelei!(Präsident v. B u o l: Ich muß den Ausdruck„Verleumdung als höchst ungeeignet bezeichnen!) Vom christlichen Standpunkt aus ist der Eid nicht aufrecht zu erhalten; denn es heißt in der Bibel: Deine Rede sei ja, ja, nein, nein; was darüber ist, das ist vom Uebel. Wenn der Eid als Mittel zur Erforschung der Wahrheit wirksmu sein soll, dann muß es nicht dem Ungläubigen freigestellt werde», die kon- fessionelle Formel wegzulassen; es darf dem Juden nicht gestattet werden, bei Adonai zu schwören. Denn durch solche Abänderungen wird ei» Eid schließlich zu einem Nichteid. Es kann jemand behaupten, er sei Dissident oder Jude, um den Eid nicht in der kon- sessionellen Form schwören zu müssen, und sich dadurch vor einem Meineide hüten. Man schärst nur den Gegensatz zwischen den Konfessionen, und dadurch wird der Hochmuth der einzelnen Konfessionen gesteigert. Wenn der Freiherr v. Hainnierstein inib der Herr v. Tausch schwören mit dem Zusatz„Durch Christum Jesuni zur ewigen Seligkeit", so ekelt mich das einfach an. Es steckt ein Pharisäerhochmuth darin. Wir haben den einheitlichen Eid, mau freut sich, daß der Judeneid beseitigt ist. Die MmMe haben nicht zu-, sondern abgenommen. Die Novelle zur Straf- Prozeßordnung hätte die Eide vermindert, aber wer hat denn die- selbe zu Fall gebracht?(Zuruf des Abg. Schmidt- Warburg: Der Bnudesrath!). Der Reichstag kann nichts anderes thun, alS die Antisemilen mit ihrem Antrage allein zu lassen und dadurch zu manifeftiren, daß er den konfessionellen Eid nicht will.(Beifall links). Abg. Graf Berustorff(Rp.): Die EidesleistiUPen sollen möglichst vermindert und beseitigt werden, aber ein religionsloser Eid ist kein Eid mehr. Deshalb wollen wir dafür sorgen, daß der konfessionelle Eid wieder in seine Rechte eingesetzt wird.(Beifall rechts und im Zentrum.) Präsident v. Buol: Als ich den Abg. Gräfe wegen seine? Zurufes rektifizirte, hatte der Abg. Lenzmann nach dem mir vor- liegenden Stenogramm seinem Gegner bereits zugerufen, daß er sich einer parlamentarischen Flegelei schuldig gemacht habe. Ich glaube, der Abg. Lenzmaun hätte mir einigermaßen Zeit lassen sollen, meine Rüge auszusprechen und so lange seine Aeußerung zurückhalten müssen. Ich muß diese Art der Zurückweisung nachträglich ebenfalls ernstlich tadeln.(Zustimmung.) Abg. Osau»(uatl.): Die Eidesformeln sind nicht aus dem Be- kenntniß hervorgegangen. Wir können daher nicht für den Autrag stimmen. Abg. Schall(dk.): Wir billigen die Tendenz diese? Antrages, die für uns keine antisemitische ist, sondern der Antrag soll nur wieder das christliche Element betone».(Zustimmung rechts.) Wir theilen den Slandvunkl des Zentruins, daß der Eid ein eminenl religiöser Akt ist, ohne den die Justiz gar nicht auskommen kann. Ich hoffe, daß der Antrag von der Mehrheit angenommen werden wird. Abg. Nickert(srs. Vg.): Ich bedaure, daß die Herren vom Zentrum sich durch die Antisemiten haben verlocken lassen, trotzdem der Antrag nur gegen die Jude» gerichtet ist und in der Agitation verwerthet werden wird. WaS soll die Regierung mit einer Reso- lution ansangen, bei der die verschiedenen Theile des Hauses sich verschiedenes gedacht haben? Wir werden den Antrag wegen seiner antisemitischen Tendenz ablehnen.(Zustimmung links.) Abg. Liitgenau(Soz.): Es herrscht glücklicherweise lieber- eiustimmung bei allen Parteien darüber, daß die Häufung der Eide ein Mißstand ist. Hoffentlich trägt die Regierung dieser einmüthigen Ansicht des Hauses bei einer künftige» Neuregelung der Eidesgesetz- gebung Rechnung. Drei Richtungen giebt es in der Eidessrage: die etue» wollen allgemein den religiösen Eid, die andere» wollen nicht den dogmatischen oder religiösen Eid, für diese hat nur Vogtherr gesprochen, und die dritten wollen speziell vom konfessionelle» Standpunkt aus für jedes Bekenntniß eliie besondere Eidesformel angewendet wissen. Der Ab- geordnete Schall hat ganz offen ausgesprochen, daß die Minderheit keinen Anspruch auf eine Schonung ihres religiösen Standpunktes hat; also die Minorität soll gezwungen werden, wenn auch nur äußerlich, den kirchlichen Eid zu leisten. Das enthält entweder eine Bedrückung oder aber es sind Worte ohne Sinn. Läßt man es aber zu. so zeugt es von einem großen Mangel an Achtung vor der objektiven Eideseinrichtung. Man geht von der irrigen Auf- fassuug aus, daß das Christenlhum das Fundament der staatlichen Gesellschaftsordnung sei; das richtige kommt heraus, mmi man den Satz umkehrt. Das Christenthnm ist ein Produkt der»virthschaftlicheu Eafwickelung, wie jede Religio». Es ergiebt sich schon aus der Kircheugeschichte von dem heiligen .Hieronymus bis zu Thomas von Aquino. Alle diese Kirchenväter haben ihre wirthschaftlichen Forderungen sormulirt gemäß den Interessen der Mehrheit und der sozialen Zusammenfassung des Ehristenthums. Einzelne haben das Zinsennehmen für unzulässig erklärt; überhaupt ging durch die ganze Bewegung der Zug, den itaufinannssiand als unanständig anzusehen. Später hat sich mit der Nniwandelung der wirthschafllichen Ordnung auch eine Umwandeluna des Begriffs des Eigenthums vollzogen. Das Christenthuni ist erst allmälig von de» herrschenden Gesellschafts- klaffen llmgedeutet worden. Aber der modernen Empfindung entspricht die konfessionelle Eidesformel nicht. Abg. Lieber(Z) wendet sich gegen den Vorredner und sucht festzustellen, daß das Christenthuin die Grundlage der heutigen Kultur sei. Der Wortlaut des Antrages enthält keine Andeutung von Antisemitismus; über Motive wird auch nicht abgestimmt, des- halb kau» das Zentrum rudig für den Anlnag stiinine», denn ehe der erste Antisemit dem Reichstage angehörte, hatte Windthorst den konsejstonellen Eid beantragt. Nachdem Abg. Schall(dk.) sich dagegen verwahrt, daß er etwa Andersgläubigen die konfessionelle Eidesformel aufzwingen wolle, und nach mehr persönlichen Ausführungen des Abg. Lütgcnau(Soz.) schließt die Debatte. In seinein Schlußivort als Antragsteller führt Abg. Lieber»!«»» v. Sonnenberg aus: Die Hoffnung des Abg. Lenzmann, der Reichstag werde den Antrag einmüthig ablehnen, wird sich nicht erfüllen. Eine uferlose Antisemiten- debatte würde ich provoziren. wenn ich die Verwahrungen der einzelnen Parteien gegen den Antisemitismus kritisiren würde. Redner wendet sich gegen die Ansführnnge» einzelner Redner und stellt fest, daß der sozialdemokratische Wortführer festgestellt habe, daß die Häufung der Eide schädlich sei. Die Nationalliberalen verstehen den Geist der neuern Zeil nicht, und diese neue Zeit wird über sie zur Tagesordnung übergehen.(Zustimmung rechts und bei den Antisemiten.) Wir wollen den Juden den Eid, den sie sich erkämpft habe», lassen, und nur für die Christen eine» konfessionellen Eid erreichen. Ich verzehre nicht jede» Tag ein paar Juden, dazu habe ich einen viel zu guten Geschmack. (Heiterkeit). Früher sprach man immer davon, daß ein Antisemit ins Narrenhaus gehört. Aber von Herrn Lenzmaun sind doch einige antisemitische Aeußerungen bekannt geworden. Er hat einmal gesagt zu jemand: Wissen Sie, das habe ich Eugen immer gesagt, den Antisemitismus hätten wir eigentlich machen müssen!(Sturmisch wiederholte Heiterkeil). Wir sind also doch etwas früher auf- gestanden.(Heilerkeit.) Rehmen Sie unser» Antrag an in dem Sinne, in dem er gestellt ist. Sie werden sich dadurch ein Verdienst ums Vaterland erwerben. Persönlich bemerkt Abg. Leiiznianu: Der Abg. Lieberman» hat mir den Vorwurf gemacht, als ob ich ein verkappter Älnlisemit wäre(Heiterkeit) und dem Ausdruck gegeben hätte in einer Unter- redung mit Engen Richter. Er hat daffelbe schon vor fünf, sechs Jahren vorgebracht. Wenn er das heute wiederholt hat, kann ich nur sagen: ich habe eine derartige Aeußerung Herrn Engen Richter egenüber niemals gemacht.(Abg. Lieberman» v. Sonnenberg: Das abe ich auch garnicht behauptet. Sie haben diese Aeußerung einem anderen gegenüber gemacht!) Wenn Sie Ihre Informationen von Privatleuten einholen, deren Zuverlässigkeit schon dadurch charaklcrisirt wird, daß sie Privalgespräche Ihnen, meinem persön- lichen Gegner, zur Benutzung überlassen, so muß ich das für eine ganz unzuverlässige Quelle erklären.(Lachen rechts.) Mein Christen- lhum verbietet mir die größte christliche Sünde, die Ungerechtigkeit und die Lieblosigkeit. Mein Christenthnm verbietet mir, gegen Jude» unchristlich zu sein. Abg. Lieberman» V. Sonnenberg: Herr Lenzmaun hat mich mißverstanden. Ich habe gesagt, er habe einem Kollegen i» Biete- JAb f. Z. gesagt:„Das habe ich Eugen immer gesagt, den Anti- emilismus hätten wir machen müssen." Ob Herr Lenzmann das wirklich gesagt hat, bin ich außer stände zu beurtheilen; daß er aber das zu einem seiner Kollegen dort vor Jahren gesagt hat, da? steht für mich über jeden Zweifel erhaben da. Herr Lenz- mann irrt auch weiter, wenn er sich aus den spezifisch-christlichen Standpunkt uns gegenüber stell»» will. Es ist ei» weiteres Miß- verständniß von ihm,»venn er meint, daß ich und meine Partei nicht christlich dächten.(Große Heiterkeit.) Weise» Sie mir eine einzige Handlung nach, wo ich einem Juden gegenüber vergessen habe, daß er mein Mitmensch und mein Nächster ist! Abg. Richter(srs. Bp.): Ich stelle fest, daß weder der Abg. Lenzmann, noch irgend einer aus meiner Partei eine solche Aeußerung, wie sie Herr Liebermann anführt, mir gegenüber gelha» hat. Diese Reden scheinen mir passender zn sein für eine gewisse Klasse von alten Damen, als für Abgeordnete.(Große Heilerkeit.) Abg. Liebrrmau» V. Souueuberg: Dein Herrn Abg. Richter muß ich erwidern, daß für alte Damen genügend gesorgt ist durch die Lektüre der„Freisinnigen Zeitung".(Große Heiterkeit.) Der Antrag wird daraus gegen die Stimmen der Sozialdemo- kraten, der betden volksparte>en, der Freisinnigen Bereinigung, der Nationalliberalen und des Abgeordneten Nadbyl(Z.) an- g e n o nun e n. Es folgt die erste Berathung des von dem Abg. Grafen v. Hompesch eingebrachten Gesetzentwurses betreffend die Aus- ?(bu»g des Gesetzes über den Orden der Gesell- ch a f t Jesu vom 4. Juli 1S72. Der Antrag will das ganze Gesetz aufheben, während zwei An- träge der Abgg. Gras Limburg- Slirum(k.) und R i ck e r t(srs. Vg.) nur den§ 2 des Gesetzes aufheben wollen, welcher die Aus- Weisung der Jesuiten vorschreibt. Abg. Graf v. Hompesch(Z.): Nachdem der Bundesrath dem Beschlüsse des Reichstages nicht Folge gegeben hat, waren wir ge- uöthigt, unseren Antrag wieder einzubringen. Wir könne» dabei dem Bundesrath den Vorwurf nicht erspare», daß sein Verhalten gegenüber dem Reichstags im höchsten Grade eigenthümlich ist. Wir haben es schmerzlich empfunden, wahrnehmen zu müsse», daß der Bundesrath, während er früher andere Anträge des Reichstages mit erstaunlicher Schnelligkeit genehmigte, jetzt, wo es gilt, ein Unrecht wieder gut zu machen, sich gar nicht einmal zu einer Entscheldung aufgeschwungen hat, weder im bejahenden, noch im verneinende» Sinne. So ist die ganze Angelegenheit in der Schwebe geblieben, und das eine für Deutschland noch bestehende Ausnahmegesetz, ein Gesetz ungerechtester und schlimmster Art, ist bis heule noch in Wirksam- feit. In der Ueberzeuguug von seiner UnHaltbarkeit sind von zwei Seiten Anträge gestellt worden, die nur de»§ 2 des Gesetzes aus- heben wollen, wahrscheinlich in der Erwartung, daß der Bnudes- rath das so modisizirte Gesetz annehmen werde. Wir betrachten das als eine kleine Abschlagszahlung und können dafür stimmen. Ich muß aber erklären, daß uns diese Anträge keineswegs genügen und befriedigen und daß wir nach wie vor darauf sehen müssen, daß das Gesetz vom 4. Juli Iö72 ganz und voll aufgehoben wird. (Beifall im Zentrum.) Abg. Richert(srs. Vg.): Bereits 189S ist der jetzt von mir gestellte Antrag vorgebracht worden, ohne eine Mehrheil zu finden. Heute liegt die Sache anders. Für den Antrag des Grafen Hompesch könne» wir nicht stimme», aber wir hallen es für nothweudig, den verletzenden Ausweisungsparagraphen aus der. Welt zu schaffen. 1896 hat sowohl Graf Limburg- Stirum für einen Theil seiner Freunde, wie Herr v. Bennigsen eine Erklärung abgegeben, die sich gegen die Aufrechterhaltung der Ausweisung richtete. Wenn das Zentrum diese Aushebung als Abschlagszahlung hinnimmt, so werden hoffentlich die verbündeten Regierungen darauf Rücksicht Nehmen. Abg. Graf Liuibnrg-Stirum(k.): Die jetzt gestellten Anträge stellen in Aussicht, daß etwas Praktisches herauskommt, was früher nicht möglich war. Meine Freunde find nicht einig in der Frage. Einige nieiner Freunde werden für den Antrag des Zentrums stimmen, ein großer Theil für meinen Antrags ein Theil auch gegen weinen Antrag. Abg. p. Marquardse»(natl.): In bezug aus. das Verbot der Orden und Ordenstongregalione», welche den Jesuiten nahe stehen, bleiben meine Freunde auf dem früheren Standpunkte stehen. Ein Bundesstaat mit gemischter konfessioneller Bevölkerung kann Ordensniederlassungen nicht dulden. Das Gesetz, wie es bis- her gehandhabt ist, bat die Entfaltung des kirchlichen Lebens nicht gehindert, seine Aufhebung würde aber konfessionelle Gegensätze hervorrufen. Aber bezüglich der Aufhebung des§ 2 bestehen Meinnugsverschiedenheiteu unter meinen Freunden. Man kann darüber zweiselhast sein, ob der gegenwärtige Augenblick es an- gezeigt erscheinen läßt, ein Zugeständniß zu mache». Ich erkenne a», daß er eine Härle enthält und ich freue mich, daß von dem- selben so gut wie gar keine Anwendung gemacht ist. Die oberhirt- liche Kundgebung des Bischofs von Regensburg in Bayern zur Zentenarseier und die Aeußerung der Civiltä cattolica gegen den Dreibund sind die Früchte der Jesuiteu.(Widerspruch im Zentrum.) Wir werden der Aushebung des§ 2 zustimmen, damit ß 1 um so sicherer aufreckt erhalten wird. Abg. p. Pollmar: Ich hätte ja hier eine schöne Gelegenheit über Jesuiten und ihre Gegner, Kulturkampf, Zentrum und Sozial- demokratie zu sprechen, wie ich es in Bayern bisweilen recht gern thue. Ich widerstehe aber dieser Versuchung und erläutere nur die Abstimniuug meiner Partei. Sie hat vom Standpunkt der völligen Gleichheit der bürgerlichen Rechte, der Nichteinmischung in religiöse und kirchliche Angelegenheiten und unter Ablehnung der albernen Pfaffen- und Jesuitengesetze gegen das Jesuilengesetz gestimmt und sogar den ersten formalen Antrag auf seine Ab- schaffung gestellt, allerdings mit den übrigen Ausnahmegesetze». 1332/38 haben wir ihn wiederum gestellt und er ist unserem Willen durchaus zuwider verworfen worden. Wir haben dann sämmlliche» Anträgen des Zentrums auf Aufhebung des JesnitengesetzeS zu- gestimmt. Man hat diesen Antrag damit begründet, daß dann der Kamps gegen die Sozialdemokraten um so heftiger würde, weil die Jesuiten ein ganz besonderes Spezifikum gegen den Sozialismus seien. Derartige Dinge könnten andere Leute, die etwa schreckhafter sind als wir, gruselig machen. Wir sind nicht so jesuitenfürchtig als die Herren Nationalliberale»(Heiterkeil im Zentrum), wir sind unserer Sache viel zn sicher und wir kennen auch die stets bewährte Hilfe der Gegner von der Regierung und von den Parteien viel zn gut, als daß wir uns vor derartigen Drohungen fürchte»; im Gegentheil, wir wollen dem Zentrum gern behilflich sein. ihm eine neue Kämpferschaar gegen die Sozialdemokratie an die Seile zn stellen. Wir wisse», daß jene Angriffe an dem Kernpnukt des Sozialismits vorbeischieße». Unsere Stellung ist eine prinzipielle und von irgend ivelchen Neben- erwägungen und Nebenrücksichten aus augenblickliche Nützlichkeit oder Schädlichkeit unabhängig. Wir wollen freiheitliche Bestimmungen für alle habe», auch für unsere allerärgsten Feinde. Die tiefe Kluft zwischen unseren Weltanschauungen hindert u»S alle nicht, Herr Lieber, tolerant zu sei». Die Anträge Nickerl und Limburg ent- halten ja eine kleine Besserung gegen de» bisherigen Zustand, insofern sie die anstößige AuSnahmebehandlung der einzelne» Jesuiten, ob sie Ausländer oder Inländer sind, beseitigen. Das ändert aber au der Sache eigentlich nichts. Die Herren stehen»ach wie vor auf dem, entschuldigen Sie, kindlichen Standpunkte(Sehr richtig! im Zentrum), der Jesuitenfurcht, der sich einbildet, daß er dw Jesuiten los wird, wenn er ste aus dem Laude schafft. Wir stehen auch nicht auf dem kindlichen Staudpunkt, zwischen der katholischen Kirche und den Jesuiten einen grundlegenden Unter- schied machen zu wollen.(Zustimmung und Heiterkeit im Zentrum.) Der Abg. v. Marqnardfen hat eine Sache vorgebracht, die früher vielleicht eine große Rolle gespielt hätte. I» der Civiltü cattolica hat dieser oder jener Artikel gestanden; was beweist das? Die CiviM cattolica erscheint nicht in Deutschland. Sie sehen, daß trotz des Jesuitengesetzes derartige Dinge erscheinen könne»(Heilerkeit), daß Sie es durch dasGesetznicht verhindern können. De» oberhirtlichen Erlaß des Bischofs von Regensburg iubezug auf die Zentenarfeier haben Sie ivohl alle gelesen; ich habe schon viele oberhirtliche Erlasse ge- sehe», die mir weniger gefallen haben; er ist sehr klug und sehr gut geschrieben gewesen, und viele, die gar nicht auf seinem Stand- punkt stehen, werden damit, wenigstens zum großen Theile, sich zn- frieden gebe». Mit der vorliegenden Sache bat das absolut nichts zu thu». Der Bischof Senestrey hat gar nicht abgewartet, bis das Jesnileugesetz abgeschafft ist, er hat eben seine Meinung aus- gesprochen. In der Zeit des Buchdrucks und der Eisenbahnen sind alle derartigen Gesehe eben reine Kindereien, die gar nichts bedeuten und nur dem Zentrum eine willkommene Ursache geben, sich über Ungleichheit mit recht z>l beschweren.(Sehr richtig! im Zentrum.) Meine Partei theilt aber nicht de» Standpunkt jener Anträge. Wen» man endlich eingesehen hat, wie lhöricht die ganz« Gesetz- gebung ist, so soll man die ganze Gesetzgebung wegschaffen. Wir werden also, abgesehen von sonstigen Stellungen, die die rothe und die schwarze Internationale einnehme», auch diesmal für die Ab- schaffung des Jesuiteugesetzes eintreten.(Beifall links u»d im Zentrum.) Abg, p. Stumin(Rp.): Wir bleiben auf dem Standpunkt stehen, den wir früher eingenommen und stimmen gegen alle Anträge. Abg. Lieber(Z.): Also nur eine einzige Säule zeugt von ent- schwundener Pracht. Der Artikel der Civiltä cattolica ist von de»„Stimmen von Maria-Laach" desavouirt worden; er stellt nicht die Meinung der deutschen Jesuiten dar. Wer die Kundgebung des Bischofs Senestrey mißbilligt, der kann schließlich alle die- jenige», welche sich katholisch nennen, über die Grenze jagen. Ich bin erfreut, daß die Anträge Gelegenheit gebe», den Bundes- rath vor die Frage zu stelle», ob er auch dieses Mindestmaß von Ge�...igkeit nicht gewähre» will. Ich betrachte es als selbst- verständlich, daß, wenn auch der§2 des Jesnilengesetzes aufgehoben wird, der Bundesrath seine auf grund des§ 3 dieses Gesetzes er- lasseue» Anordnungen einer Durchsicht unterzieht. Besonders be- dauerlich ist, daß die Frauen noch nicht ans dem Gesetz heraus- genommen sind, daß die Frauen vom Herze» Jesu noch länger im Auslande das Brot des Elends essen müssen. Nach einer rein persönlichen Bemerkung deS Abg. Marqnardfen wird die erste Lesung geschlossen. In der zweiten Lesung ivird da? Wort nicht genommen. Der Autrag des Grafen Hompesch wird gegen die Stiinine» der Deutsch. Konservative», Nationalliberalen und eines Theils der freisittnigen Vereinigung a n g e n o m m e»; ebenso«verde» die übereinstimnienden Anträge der Abgg. Graf Limburg und Rickert gegen die Stimmen der Reichspartei und eines Theile? der Deutsch-Konservativen an- g e» o m in e n. Es folgt die zweite Berathung des von dem Zentrum und den Konservativen eingebrachten Gesetzentwurfs, betreffend den Ver- kehr>»it Butter, Käse, Schmalz und ihren Ersatz- mittel n. Die§8 1—3 werden ohne Debatte angenommen. Zu s 4 hat die Konimission beschlossen, zwar die Herstellung, Ausbewahrnng oder Verpackung von Margarine zu verbieten in den Räumen, in denen Butler gewerbsmäßig hergestellt, aufbewahrt oder verpackt wird; dagegen ist die Bestimmung, daß auch das Feilhalten der Margarine in den Räumen, in denen Butter feilgehalten wird, ver- boten sein soll mit Ausnahme der Orte mit weniger als 5000 Ein- wohner von der Konimission gestrichen. Abg. v. Plötz(k.) beantragt die Wiederherstellung des ursprüng- lichen Antrages. Abg. v. Grand-Ry(Z.) hält die Trennung der Verkaufsräume für nothwendig. Abg. v. Plötz: Meine Freunds haben den Wunsch, das Gesetz möglichst zu stände zu bringen, damit der Landwirlhschast durch ein kleines Mittel geholfen wird. Leider hat der Bundesrath im Vorjahre unser« mit großer Mehrheit gefaßten Beschlüsse abgelehnt. In der Kommission sind manche Verschlechterungen angenommen worden. Die bedenklichste ist die Streichung der getrennlen Berkaufs- räume. Die latente Färbung steht nicht so fest. daß man die Trennung der Verkauisräume entbehren könnte. Die Trennnng der Berkaufsräume könne nur entbehrt werden, wenn die Margarine recht lebhast gefärbt wäre; aber daS hat man nicht angenommen. Wenn die Kaufleute zum alleinigen Berkauf der Margarine übergehen, dann brauchen die Margarinefreuude sich doch nicht zn ereifern gegen die Trennung der Verkaufsräume. Wir haben aber nicht blos die Interessen der Kailfleute im Auge, sondern auch die der Konsumenten. Abg. Fritzen-Rees(Z.): Ich will ein möglichst scharfes Gesetz, welches durch Beseitignng« des unlautere» Wettbewerbes der Margarine den Konsum der Butter hebt. Die Trennung der Ver- kaufsräume würde de» Konsum der Butter aber nicht heben, sondern vermindern. Abg. Galler(Rp.): Der Z 4 kann nur von denen angenommen werden, die den Handel und namentlich die kleinen Kaufleute durch Polizeimaßregeln chikauiren wollen. Die Konsumenten würden sich schon gegen die Margarine schützen können. Abg. Kruse(natl.) erklärt sich gegen die Abänderung der Beschlüsse der Kommission. Abg. HemeS(srs. Vp.) verweist darauf, daß die Regierung er- hebliche Bedenken gegen die Trennung der Berkaussräume geltend gemacht hätte, daß eine solche Vorschrift aber auch überflüsstg sei, da die Verfälschungen sckon auf ein Minimum herabgegangen seien. Danach bedarf es also überhaupt des ganzen Gesetzes nicht, dessen Vorschriften schließlich nur die Landivirthschafl schädigen. Abg. Wurm(Soz.): Wenn nicht der Antrag Plötz vorläge, dann könnte man ohne weitere Verathungen die Vorlage erledigen. Die Behauptung von den großen Betrügereien ist durchaus falsch. Denn wenn die Privat-Unterftichungen 32 pCt. Fälschungen ergeben, während bei den Polizei- Untersuchungen nur 13 pCt. vorkommen, so liegt daS darin, daß die Privaileute nur in solche Geschäfte gehen, bei denen schon ein dringender Verdacht vorliegt. Die Bestimmung über die Trennung der Verkaufsränine wird namentlich den Mittelstand, die kleinen Kanfleuie auf dein Lande schädigen. Man will blas der Margarine einen Makel anhängen; nicht der Uebermuth, sondern die Roth zwingt die armen Leute, Margarine zu kaufen; und dem Gesinde ans dem Lande giebl man ja auch Margarine.(Sehr richtig! links.) Wir werden gegen das Gesetzftimmen, welches wir vielleicht akzeptlre» könnten, wenn diefe Bestimmung nicht vorhanden wäre. Abg. Bachem(Z.): Die Trennung der Verkaufsräume wird eine Wohlthat sein für die Konsumenten und auch für die Händler. die nur im Uebergangsznstande Unbequemlichkeiten zn ertragen haben werden. Staatssekretär v. Böttlcher: Ich habe mich schon früher da- hin geäußert, daß sich über die Trennung der Verkaufsräume werde reden lassen. Die Trennung der Verkaufsräume ist mindestens un- bequem für die Händler und dringt auch geringe Schädigungen mit sich. Als die Kommission das Gebot getreniiler Berkaussränme nicht akzeplirte, fiel uns»in Stein vom Herzen, weil wir damit der Ver- aiitivortimg überhoben wurden, uns ans die eine oder andere Seite zu stellen. Dieses Verhältniß ist durch den Antrag v. Plötz sehr erheblich verschoben. Wenn eine große Anzahl von Garantien gegen den unlautere» Wettbewerb zwischen Margarine und Butler in dem Entwürfe gegeben ist, dann wird man süglich nach weiteren Garantien nicht zu suchen brauchen. Der Zweck wird durch die Trennung der Berkaufs- räume nicht in wirksamerer Weise erreicht, alS durch die anderen vorhandenen Kautelen. Wenn das Gebot getrennter VerkanfSränine angenommen würde, müßten einige ergänzende Bestimmungen an- genommen werden. Der Bundesrath würde an der Annahme des Antrags v. Plötz die Borlage nicht scheitern lassen, aber Sie würden ihm eine größere Freude bereiten, wenn Sie den Antrag ablehnen wollten.(Heilerkeil). Abg. Miillcr-Waldeck(Reform-P.) tritt für die Anträge v. Plötz- und v. Grand-Ry ein, und Abg. Graf Kanitz(k.) sucht nach- zuweisen, daß die technischen und praktischen Bedenken des Staats« sekrelärs hinfällig sind, und freut sich der schließlichen beruhigenden Zusicherung desselben. Ueber de» Antrag der Abgg. v. Grand-Ry und v. Plötz wird namentlich abgestimmt. Für den Antrag werden 160 Stimmen abgegeben, gegen denselben 36 Stimmen, eine Stimme(v. Stumm) enthält sich. Das Haus ist somit des ch l u ß n n f ä h i g. Schluß gegen 6'/, Uhr. Nächste Sitzung Sonnabend 12 Uhr.(Rechnungssachen, Wahlprllfungen, Jesuilengesetz, Margarine- gesey.)_ Vslvlttmenksvifches« Der Bundesrath hat in seiner gestrigen Sitzung den Gesetz- entwürfen wegen Ausnahme einer Anleihe für Zwecke der Ber- walluug des Reichsheeres und außerdem einem Ausschußantrag betr. die i» Brennereien aufgestellten Meßapparate die Zustimmung erlheilt. Den zuständigen Ausschüssen überwiesen wurden die all- gemeine Rechnung über den Reichshaushalt für das Etats- fahr 1893/94, ein« Vorlage betr. Aenderungen der Zß 4L und 44 der Verk-Hrsoidnimg für die Eisenbahnen Deutschland?, sowie der Nummern Vl und XXI der hierzugehörigen Anlage B, ferner die Reichstagsbeschlüsse zu mehreren Petitionen. Der Reichstagsbeschluß zu Petilionen wegen Schließung der Land- Quarautänestatio» Widdiug und der See-Quaranlänestationen Kiel und Flensburg wurde dem Reichskanzler überwiesen und über eine Reihe von Eingaben Beschluß gesaßt. Die übrigen Beschlüsse haben wir in unserer letzten Nummer mitgei heilt. Der Teniorenkonveut d,S Reichstags beschloß in seiner letzten Sitzung am Freiiag, daß vor dem Beginn der Osterferien von größeren Vorlagen nur mehr das Handelsgesetzbuch erledigt werden soll.— Von einer abermaligen Vertagung d»S Reichstag»— anstatt SesfionsschlusseS— ist in verfchiedenen Zeilrnigen die Rede; wie Regieruugsorgane versichern, denkt man in maßgebenden Kreisen nicht daran, eine solche Maßnahme zu treffen. Der Nachtragsetat, der vom Bundesrath in seiner gestrigen Sitzung geuehmigt ist, beläusl sich ans 45 66BB38 M. Davon entfallen 96 796 M. auf sorldanernde Ausgaben, 1 136 ovo M. ans ein- nialige Ausgaben des ordentlichen EiatS und 44 372 742 M. auf einmalige Ausgaben des außerordentlichen EiatS. Bei den dauernden Ausgabe» fallen insolae der Konvertirnng I 125 609 M. für Verzinsung der Reichsschuld fort, denen aber in- folge der Besoldungsverbesserungen und der geplanten Erhöhung der Bezüge für die Hinterbliebenen Mehrausgaben de? allgemeinen Pensionssonds und des Reichs-Jnvalidenfonds um 1 221 796 M. gegenüberstehen, so daß sich eine dauernde Mehrausgabe von 96 796 M. ergiebt. Bon den einmaligen Ausgaben der ordentlichen Etats entfallen 146 090 M. auf den Etat des Auswärtigen Amts für Erweiterungsbauten der Gesandt- schaft in Peking, 1000000 M. auf den Etat deS ReichsamtS des Innern zum Griinderiverb sowie zu den Borarbeilen für die Herstellung eines Peäsidialgebäudes für den Reichstag, und 46000 M. auf den Etat der Marineverivaltuug zur Herstellinig von Anschluß- geleisen aus dem Gelände des Forts Bousmard bei Neufahrwaffer. Die einmaligen Mehrausgaben des außerordentlichen Etats be- treffe» die Verwaltung des Reichsheeres und bezwecken die Schaffung einer Reserve an Artilleriematerial. Das jetzige Material der Feld- artillerie ist feit 1874 in Gebrauch und hat sich bei dein Gebrauch von Schwarzpulver vorzüglich bewährt. Seit Einführung des rauch- schwachen Pulvers ist invessen der Verbrauch des Materials erheblich gestiegen, so daß ein erhöhter Ersatz nothwendig wird. Der Gesetzentwurf wegen anderweiter Bemessung de? Witt wen- und Waisengeldes für die Hinter- bliebenen von Angehörigen bei ReichsdiensteS. wie er in der gestrigen Sitzung des Bundesraths angenommen ist. regelt die staatliche Fürsorge für die Hinterbliebenen von Reichs- beamten in derselben Weise, wie dies durch den dem preußische» Landtage vorliegenden Gesetzentwurf für Preußen in Aussicht genommen ist. Das Wittwengeld, das nach geltendem Recht in dem dritten Theil der Pension des Verstorbenen besteht, wird darin auf<0 v. H. der Pension fest- gesetzt. Der Miudestbetrag des Wittwengeldes wird von 160 M. auf L16 M. ertzöht, der HLchstbeirag von 1600 M. auf 6000 M.(für Witliveii der Staaisiiiinistcr und Beamten der erste» Rangklasse) bezw. 2S00 M.(für Wittwen der Beamten der zweiten und dritten Rangklasse) und 2000 M.(für Wittwen der übrigen Beamten) festgesetzt. Das Wittwengeld dient auch der Berechnung des Wnisengeldes zur Grundlage und hat dessen entsprechende Er- höhung zur Folge. Für Wittwen und Waisen von Personen des Soldateustandes vom Feldivebel abwärts wird das Wiltweugeld einheitlich von 160 auf 216 M. erhöht, das Waisengcld von 32 auf 44 M.. für Doppel- waisen von 34 auf 72 M. festgesetzt. Für die Hinterbliebenen der- jenigen Mannschaften, denen eine mehr als fünfzehnjährige Dienst- zeit zur Seile steht, erhöht sich das Wittwen- und Waisengeld für jedes Jahr dieser weiteren Dienstzeit bis zum vollendeten vierzigsten Dienstjahr um 6 v. H. der angegebenen Sätze. Die in den gegenwärtig geltende» Gesetzen bei mehr als fünf- zehnjährigem Altersunterschied der Ehegatten vorgesehene Kürzung des Wittwengeldes wird dahin abgeändert, daß nach fünfjähriger Dauer der Ehe für jedes angefangene Jahr ihrer weitere» Daner dem gekürzten Betrage ein Zwanzigstel des berechneten Wittwen- gelbes so lange hinzngesetzt tvird.'bis der volle Betrag wieder er- reicht ist. �Älvtei »»Sozialdemokratischer Terrorismuö." Unter diesem Stich- wort veröffentlicht das Organ des Bundes der„Landivirthe" eine Zuschrift des antisemitischen Neichstags-Abgcordneteu Dr. Viel- habe», worin darüber Beschwerde geführt wird, daß beim Hafen- nrbeiterstreik in Hamburg der Vorsitzende des„Vereins der Händler mit Lebens- und Erfrischungsmitteln an und auf dem Wasser" au eine Brauerei das Ersuchen gerichtet hat, das Herum- fahren ihrer mit Bier beladencn Barkasse im Hafen solange zn unter- lassen, bis der Streik beendigt sei. Tie Brauerei lhat das und da- durch kam ein Händler, der auf der Barkasse dieser Brauerei de» anf den Schiffe» im Hafen arbeitenden Streikbrechern Bier zuführte, in die unangenehme Lage, auf diese vermuthlich recht geivinnbriugende Beschäftigung vorläufig verzichten zu müsse». Aus dem Gesagten geht hervor, daß der erwähnte Berein der Händler den streikenden Hafenarbeitern Solidarität erwies, indem er den auf den Schiffe» arbeitenden Streikbrechern keine Nahrungsmittel ec. zuführte. Der Verein hatte also ein begreifliches Interesse daran, daß andere Leute ebenso verfuhren wie seine Mitglieder. Das infolgedessen an die Bill-Brauerei gerichtete Gesuch dieser Händlervereinigung genügt nun den» Herrn Dr. Bielhabe», um von„sozialdemokratischem Tcrrörismus" zn reden, wofür seine Mähr auch»och ein„typischer Beweis" sein soll. Die„Deutsche Tageszeitung" war feinfühlig genug, die Vielhaben'sche Zuschrift i» der Nummer vom I. April abzudrucken. Da gehörte die Schreiberei des Herr» Dr. Bielhabe» denn auch allein hin. Ein Mann wie der Herr Dr. Vielhaben, der als Antisemit das„Kaust nicht bei Juden!" predigt und der daneben Anwalt des durch seinen Terrorismus berüchtigten Hamburger Arbeitgeber-Verbandes ist, ein solcher Mann hat überhaupt kein Recht, andere Leute des Terrorismus zn bezichtigen. Bci der GctvcrbcgcrichtS-Wahl in Heidelberg winde» i» der Klasse der Arbeiter-Vertreter dle von den Geiverkichafleu auf- gestellten Kandidaten einstimmig gewählt. Das itlmlsblalt, die nationalliberale„Heidclb. Ztg.", schreibt über das Wahlergebnis: „Wenn überhaupt kein Versuch gemacht worden ist, den von sozial- demokratischer Seite aufgestellten Kandidaturen entgegenzutreten, so kommt dies wohl daher, daß die bisherigen und jetzt zum größten Theil iviedergewählten Bertreter der Arbeitnehnier im Gewerbe- gerichte zu Klagen keinen Anlaß gegeben haben, vielmehr ihre» Pflichten durchaus gerecht geivordeu sind." Parteiprcssc. Der Stettin er„Volksbote" erscheint seit 1. April in vergrößertem Forma t. Das Partei-Organ in W ü r z bürg hat seinen bisherigen Titel in„F r ä n k i s ch e V o l ks t r i b ü u e" umgewandelt; als Neben- titcl führt es die Namen„Unterfränkische Volkstribüne" und„Bam- berger Bolkszeitung". Am 1. April waren es zehn Jahre, daß in Leipzig nach dem Erlaß des Ausnahmegesetzes das erste sozialdemokratische Blatt herausgegeben wurde. Es war das„Leipziger Volks- b l a t t", das wöchentlich zweimal erschien, aber bereits im Monat Juni dem Verbot verfiel. Der Redakteur Albert Schmidt und der Druüer Scebach wurden ausgewiesen. Schon am 3. Juni des- selben Jahres erschien ein zweites sozialdemokratisches Blatt, der „ B e o b a ll> t c r"; diesen erreichte das damals selbstverständliche Verbot bereits an» 18. Juli und»vieder ivurden zivei Genosse», die Buchdrucker Eduard Bauer' und Theodor Frey, aus- geiviesen. An» 30. Juli antivortele man den„Stnatserhalten- den" mit der Herausgabe des„ L a n d t a g s>v ä h l c r s", der seinen Ztveck, die Agitation für die damalige Land- tagsivahl zu erleichtern, so gut erfüllte, daß Bebel »nit großer Mehrheit gcivählt»vurde. Nach Beendigilng der Landtags-Wahl, von» November 1887 an, erschien das Blatt unter dem Titel„Der Wähler", unter»velchem Namen das Leipziger Partei-Organ die Stürme des Sozialistengesetzes glücklich überdauert hat. Anfangs erschien der„Wähler" ziveimal, während der 13g0er Reichstags- Wahl dreimal und seit 1. April 1830 sechsmal die Woche. Am 1. Oktober 1894»vurde das Blatt in ueiler Zlusstattiing unter dem Titel„Leipziger Bolkszeitung" herausgegeben. Möge das Leipziger Partei- Organ,»»in dessen Aufblühen sich insbesondere die Parteigenosse» Liebknecht, H e i n i s ch, Manfred W i t t i ch, Friedrich Geyer und zi»letzt Schoenlank»nit seinen Mitarbeitern Ber- dienste erivorbe» haben, kräftig gedeihen»vie bisher! Polizeiliches, Gerichtliches k. — Wegen Beleidigung des PolizeikommissarS Leder i» B r e S l a»»»vurde der Parteigenosse Zahn als verantivortlicher Redakteur der dortigen„ B o l k s>v a ch t" vom Landgericht zn zivei Monaten Gefängniß verurtheilt. Ein anderer Prozeß,»vobei es sich ebenfalls um Beleidigung dieses Koinmissars handelt,»vurde vertagt. — Der jetzige verantivortliche Redakteur des„Hamburger Echo", Genosse G n st. Wab ersky,»vurde»vegen Beleidigung von Be- amten der Hamburger Stadt-Wasserkunst vom Schöffengericht zu 30 M. Geldstrafe verurtheilt. In einen, Artikel des„Echo"»aar behauptet, der Aufseher der Stadt-Wasserkunst, P ü» y e r, habe Platzarbeitcr der Wasserkunst durch die Drohung, sie»vürden anderenfalls sofort entlassen, zu Streikbrecherarbeitcn genöthigl. In der Verhandlung beschivor Pünyer, er habe nicht init Eutlafsuug gedroht, sondern nur zn den sich nicht»veigern- den Arbeitern gesagt,»venu sie nicht die geheißene'Arbeit thun »vnrde»,>v ü ß t e n sie, ,v a s danach käme.— Von» Landgericht »vurde Genosse Wabersky zn 500 M. Geldstrafe verurtheilt,»veil er durch einen Sprechsaal-Artikel den Hamburger Börsenkonimissar, den Sohn eines frühereu Senators, beleidigt haben soll. Der Staats- ainvalt hatte drei Wochen Gefängniß beantragt. — Der frühere verantivortliche Redakteur M a»» i g e l vom „B o l k s b l a l t für Halle"»var von der Anklage der Beleidigung des ObervogtS Enke in Eisleben vom Schöffengericht freigesprochen »vordc». Das Landgericht erkannte anf 30 M. Geldstrafe. Der jetzige verantivortliche Redakteiir S a l o in o»»vnrde»vegen Be- leidigung des Hallische» Ober-Polizei-Jnspektors W e y d e n» a n n von» Landgericht zu 300 M. Geldstrafe verurtheilt. — AuS Bafel wird>l>»s geschrieben: Bon» hiesige» Straf- gericht»vurde an» 20. Februar d-r frühere Redakteur des„Vorwärts", Natioualrath Wulls chleger, und der frühere Präsident des Metallarbeiter-Fachvereius»uege» Beleidigung eines Fabrik- »verkineisters zu einer Woche Gefängniß, 30 Fr. Geldstrafe und 300 Fr. Entschädigung verurtheilt. Wnllschleger halte dagegen Be- rnfiing eingelegt, die jetzt vor dem Appellationsgericht zur Ber- Handlung kam. Das Appellationsgericht hat leider das erstinstanz- liche Urlheil in vollem Uiufauae bestätigt und dem Apellante» die ordentlichen und außerordentliche» Kosten beider Jnstanzei», soivie die Koste» des klägerischen Ainvalts auferlegt. Berlin und Umgebung. Achtung k Schiihmachcr Schöucbergs. Sonntag, 4. April, vormittags 10 Uhr: Oesfentliche S ch u h m a ch e r- V e r- s a»i» m 1 1»»1 g bei Obst, Grunewaldstr. 110. Vortrag des Kollegen Naner-Berlin über den Untergang des Kleingeiverbes. 2. Stellung- »ahme zum ersten Mai. Zu zahlreichem Besuch ladet ein Die K o n» m i s s i o n. Tie Stukkateure beschlossen in ihrer letzten öffentlichen Ber- saminlung, daß jeder am 1. Mai Arbeitende 1 Mark in die Partei- lasse(nicht in den Fonds der Stnckatenre»»vie es i» unsere»» vorgestrigen Berichte hieß) zn zahlen hat. Tie Maurer von Köpenick»ud der Umgegend haben in einer öffentlichen Versammlung am I. April beschlossen, die Arbeit an» 2. niederzulegen,»veil die Meister auf den ihnen zugestellten Lohntaris es nicht der Mühe»verth gehalten, zu antivorten. Sänimt- liche Kollegen und Parteigenosse»»verde»» hiermit dringend ausge- fordert, den Zuzug nach Köpenick fern zn hallen. Deutsches Reich. A» die Lederarbeiter aller Länder! Soll bei Lohn- differeuzen in irgend einen» Lande der Zuzug von de» übrige» Ländern ferngehalten und,»venu das nach Lage der Sache noth- »vendig, für materielle Unterstützung gesorgt»verde», so ist das internationale Sekretariat schnellstens davon in K e n n t n i ß z n setzen. Differenzen in einem Lande, die der Unterstützung der anderen Länder bedürfen und nicht den» inter- nationalen Sekretariat gemeldet»verde»», sollen für die Folge als nicht vorhanden betrachtet»verde». Die Adresse des internationale» Sekretariats ist: G. Kuske, Berlin 14., Lortzingstr. 34. GewcrkschaftS- Abrcchuuuge». Deutscher Metall- arbeite r- Verband. Abrechnung über das Jahr 1396. Ein- nahine(inkl. früheren Kassenbestandes 33943,10 M.) 331 331,03 M. Unter den Ausgaben befinde» sich: für Agitation 9330 M.. für das Fachblatt(„Deutsche Metallarbeiter-Zeitung") 46 923,99 M., Reise- geld 23 473.90 M., Streikunterstützung 94 575,61 M., Verivallnngs- kosteu 13 700,92 M. Veruiögensbestand am 31. Dezember 1396 (in Hauplkasse und Verivaltungsstcllen.zusammen) 63 662,37 M.— Der Verband hat 425 Zahlstelle» und 49 954 Mitglieder. Deutscher Sattler- und Tapezir er- Verband. Abrechnung über das Jahr 1896. Einnahnien 13 629,26 M. Aus- gaben: Fachzeitung 7209 M., Agitation 673,03 M.. General- versanimlungei» 915,70 M., Verivaltnngskosten 2293 M.— Die einzelnen Ausgabcposteu haben folgende Prozentsätze der Ein- nähme beansprucht: Zeitiingen 24 pCt., Generalversamuilungen und Kongresse?, Agitation 2, Streiks 1, Gerichtskosten 1, Koste» der Hauptkasse: persönliche 4,3, sächliche 7, Generalkomniissio» 1, Sterbe- Unterstützung 1,3, Reise- Unterstützung 10, Oertliche Vcr- »valtiinge» 27 pCt. Erübrigt ivurden 13 pCt.— Mitgliederbestand 2453(1394: 1306). Berivaltiingsstellen 35(1894: 42).— Für den Streikfonds gingen 13 860,36 M. ein; von anderen Geiverk- schaflen 2191,60 M.; ans dem Ausland 375 M.; durch Ortskartelle 2673.25 M. Ausgabe für Streiks in» deutschen Sattlergeiverbe 19 271,30 M.; für Streiks in» Auslände 400 M.; für Streiks anderer Geiverbe 700 M. Die„Deutsche Berg- und Hüttenarbeiter- Zeitung" theilt mit, daß ihr bisheriger Leiter Hue in Esse» am 1. April die Re- daklio» niedergelegt und an seiner Stelle Kamerad F r i e d r i ch T h i c m a u n in Bochum die Leitung des Blattes übernomnie» hat. Genosse Hue schied aus,»veil er demnächst eine Gesängnißstrase an- trcten muß. In Lübeck habe» die Arbeiter der Möbelfabriken von Gebr. Wasser st radt, W. S e n f f, A d. H e ß, H. M T h. B a h r d t, P a»i p e r i i», H i n tz e u. Stech) sowie L. D. I. Baugert die Arbeit eingestellt, um die mit der Innung ver- einbarle» Lohnsätze zur Gellung zu bringe». In Magdeburg haben,»vie die Maurer, so auch die Zimmerer den zivischen Lohnkoiinnission und Arbeitgeberverbnnd vereinbarte» Lohntarif anerkannt; beide Arbeiterkategorien haben nun denselben Lohn und dieselbe Arbeitszeit. Zivischen den» Arbeit- gebervcrband und den B a»- und Erdarbeitern ist es dagegen zu keiner Einigung gekonime-'; der Arbeilgeberverband lehnt »veilere Verhandlungen niit deren Lohnkommission ab und die Ar- beiter»vollen nun vom 18. April ab ihre Forderungen durch partielle Streiks durchzusetzen suchen. Tie Leipziger Banhandwcrker haben sich mit de» Unter- nehniern betreffs der Festsetzung der diesjährigen Arbeitsverhältnisse nicht geeinigt. Der Bnn-Arbeitgeber-Bund»vill in die Verkürzung der Arbeitszeit nicht»villigen. Die Z i»» n» e r e r beschlösse», an der Oh'eftüiidige» Arbeitszeil und einem Stundenlohn von 52 Pfennigen festzuhalten. Um zn«inen» Resullale ohne Arbeitseinstellimg zn ge- langen,»volle» sie das Geiverbegericht als Einigniigsamt an- rufe». In Zwickau beantragte die Sterbe! asse„Glückauf!" beim'Amtsgericht die Eintragung in das Geiiosseiischaslsregister. Obwohl im§ 2 des Statuts der Kasse ausdrücklich die Unterstützung beziehentlich Versichcrinig von Mitgliedern gegen Sterbefälle als Ziveck der Kasse verzeichnet ist. lehnle die Behörde das Gesuch im» Eintraguiig ab,»veil die Kasse als politischer Verein im Sinne des sächsischen Vcreinsgesctzes anzusehen»nid ihr Gesuch des- halb abzulehnen sei. Gegen diese sonderbare Ansicht Hut die Verivallnng der Kusse in einein nochinaligen Gesuch um Eintragung Einspruch erhoben, Antivort ist aber trotz langer Zeit bis jetzt nicht erfolgt, so daß es anscheinend bei dem ersten Bescheid sei» Beivenden habe» soll. Die Sterbekasse„Glück- ans"»st, wie inai»»ins schreibt, besonders in Bergarbeiterkreisen gut eingcsnhrt, nnd»virkt,»vie ihr 1396er Geschäftsabschluß zeigt, sehr segensreich. Sie hat gegen das Vorjahr eine» Vermögens- znivachs von 10 442,22 M. zn verzeichne» und zahlte für 136 an- gemeldete Sterbefälle 14 630 M. Vcrsicherniigssumnic. Ter Streik i» GcringSwalde i. S. betrifft nicht Schuh- fabriken,»vie in gestriger Nninmcr irrthümlich gedruckt steht, sonder» Stuhl fabriken. lieber de» Streik erfahre»»vir noch: Velheiligt sind 232 Stuhl- baner, Polirer, Drechsle»', Bildhauer und Maschineuarbeiter. Den Grund des Slreiks bilden vielfache Maßregelunge». Die 4 größten Fabrikanten haben sich bei 3000 M Konventionalstrafe gegenseitig verpflichtet, keinen Gemaßgelle»»vieder ciiiziistellen. Der»vegen dieses Punktes vorstellig geivordene» Kommission der Arbeiter»vurde schroff die Thür geivieseii. Die Gährnng niiler de» Arbeitern ist hierdurch bedeutend gesteigert»vorden. I» der Versauimlnng am Mittivoch Abend beschlossen die Ausständigen»veitere Forderungen zn stellen nnd zivar: Einnihrung der Ostündige» Arbeitszeit, 20 pCt. Lohnerhöhung. Beseitigung jeder Kmidignngssrist im Ar- beitsverhällniß, Schaffnng annehmbarer Fabrikordniingen, Entlassung der Streikbrecher, Freigabe des 1. Mai, Entschädigung für von de» Arbeitern z» liefernde Werkzeuge und Bermeidnng»veitercr Maß» regelnngeir. Die Arbeiter sind geivillt, auszuharren, auch sind 90 pCt. von ihnen schon seit längerer Zeit in der Organisation. Die Fabrikanten inachci» jedoch nur geringe Konzessionen, scheine» aber Unterhaiidlnngei» mit der Streilkoinniission nicht abgeneigt zu sei». Zuzug von i» der Stuhlbrauche beschäftigte» Arbeitern»volle man bis ans»veiteres fernhalten. Ii« Offenbach»ahm eine Versammlung der streikend«» S ch u h n» a ch e r iiiit großer Mehrheit eine Resolution an,»vorm erklärt»vird die Streikenden erachtete»„es für ihre Pflichl, im eigene» soivohl, als auch in» Interesse der gesainnite» Einivohner- fchast von Offenbach und Oberrnd, ihre zu Anfang aufgestellte Fordermig aus Ostündige Arbeitszeit, nach 3>/s»vöchentlicheni Kanipse, auf 9>/e Stunde» zu stelle,». Es geschieht dies mit Rück- ficht ans die heule»och herrschende Meinung der Fabrikanten, daß es bei der nennstüiidige» Arbeitszeit»»möglich sei, die Betriebe zn erhalten, ohne niit Verlust z» arbeiten. Durch diesen Beschluß glauben»vir nun aufs neue den Beweis erbracht zu haben, daß es nicht ilnsere Absicht ist, die»nit Hilfe der Arbeiter aufgebauten Nnternehiuungeu vernichten zu»vollen nnd rechnen auf einen be« stiinmt zusagenden Bescheid in dieser Frage seitens der Herren Fabri« kanten." Dieser Beschluß ist sofort dem Fabrikantenverein mitgetheilt »vorden. I» Maiitz hat sich die Lohnkommisüon der Z i n» in e r e r niit den Meistern über die gestellte» Forderungen auf folgender Grund- läge geeinigt: Der Lohn»vird von 33 anf 33 Pf. pro Stunde erhöht. Die Arbeitszeit dauert lO'/e Stunden, Ueberstunden»verde»» mit 40 Pf. bis 3 Uhr abends, Nacht-, Sonntags- nnd Wafferarbeit »vird mit 30 Pf. pro Stunde bezahlt. Die Lohnzahlung ist»vöchent- lich, eventuell Abschlag in der Höhe des verdienten Lohnes. Die Unternehmer erklärten sich bereit, über Verkürzung der Arbeitszeit und Erhöhung des Lohnes im künftigen Frühjahr mit sich rede» I» Seraing(Belgien) haben die Bergleute der Grube „Fanny"»vegen Lohiidiffercnzen die Arbeit eingestellt. Von 250 Mann sind nur 30 eingefahren. In einer Nachbargrnbe streiken 53. Aus Birkeuhead bei Glasgoiv»vird telegraphirt, daß am Frei-: tag aus der L a i r d' scheu S ch i f f s>v e r f t 1700 Arbeiter, darunter auch jugendliche, die Arbeit eingestellt haben. Soziales. Aus Bergarbeitcr-rrcise» wird uns geschrieben: Der„Reichs- Anzeiger" veröffenllichte die Summen der an die B e r g a r b e i t e r Preußens in den Jahren 1395�96 gezahlten Durchschnittslöhne. Mit recht»vies schon der„Vorivärts" darauf hin, daß die belreffenden Lohnzifferu ganz und gar nicht geeignet sind, die »v i rk liche Bezahlimg der Knappen erkenne» zn lassen. Man hütet sich sehr wohl zu sage», daß z. B. die S ch i ch t e n z a h l der Bergleute i» den einzelnen Revieren im Jahre 1896 ganz erheblich gegen 1895 zugenouimei» hat. So verfuhr z. B. der o b e r sch l e s i s ch e Bergmann im letzte» Jahr 5 Schichten mehr als»in Vorjahre; der»» i e d e r s ch l e s i s ch e verfuhr 2 mehr, der R n h r- B e r g m a n n 10, der S a a r- B e r g- »na»i» 9 u. f.>v. Es ist recht»»»»aufrichtig gehandelt, die Lohn- suinme der Knappen anzugeben, ohne dabei zu sagen, in»vie viel Zeit dieses Geld verdient»vnrde. Wie sich die Löhne der Bergleute in Wirklichkeit stellten, giebt das eben erschienene erste Heft der„Zeitschrift für Bergbau, Saliuen« und Hütteukuiide", Jahrgang 1397, a». Hier»vird mitgetheilt, daß der Loh»(T a g e I o h n) des oberschlestschen Bergmanns sich seit 1895 ui» 3(drei!) Pfennig„hob"! Der Niederschlesier erhielt eine Lohnzulage von 6(sechs) Pfennig, der Nuhr-Bergmann von II Pfennig; der„Vater Staat" an der Saar gab sogar n»;r I(eine») Pfennig Zulage an seine Steinkohlen-Berglente. Die Löhne der hall ische» Brannkohlen-Berglente stiegen pro Tag um 6 Pfennig »ud den Erz-Bergleuten in den verschiedenen Revieren »vnrde» 4—17 Pfennig zugelegt. Nur im Sie gen er Erz-Bergbau betrug die Lohnzulage 0,32 M.= 14 pCt. Aber auch diese„Lohnerhöhungen" v e r s ch»v i n d e n, wenn man die Steigerung der Arbeitsleistung pro Kops des Bergmaiiiis iu betracht zieht. Z. B. stieg im Oberbergamt Breslau die Arbeitsleistung des Kohleu-Berguiaiius um 8 pCt., die Erhöhung seines Lohnes aber»ur um 1,20 bis 2,40 pCt.! Der Ruhr- Berginanu erhöhte sein« Leistung Iii» 4,37 pCt., seinen Lohn um 3,14 pCt. Im Saarbergbau stieg die Leistung deS> 'Arbeiters um mehr als 0 pCt.(alles seit 1395 berechnet), da-, gegen stieg de r Lohn nur um 0,30 p C t.! Glückliche Berg- ieute, die unter der„Fürsorge" des Vaters Staat ihr Dasei» lebe»! Wir fügen»och hinzu, daß die amtlich angegebenen Durch« schnitts-Jahres- und Tagelöhue von nicht einmal einem Drittel der Bergleute verdient»verde»! Die Loh»«i klaffe A»»»»faßt in allen Revieren 50—59 pCt. der Belegschaft; in Lohnklnssc A»verde»» die höchsten Löhne bezahlt. Nun ronstatirten »vir aber aus amtlichen Lohnlisten, daß zum Beispiel im 3. Quartal 1396»ur l 0,22 pCt. der Ruhr-Bergleute den amtlich angegebenen Durch« schiiiltslohn derLohnklasse�. verdiente»! Alle anderen erhielten»veniger. Bedenke man noch, daß im Rnhrgebiet von den Bergleuten i» öffentlicher Versaiiimliing behauptet»vnrde:„M a>» schreibt uns die S ch i ch t z a h l nicht richtig an," dann hat nian es in der Hand, die niigenblicklich durch die Presse gehenden amtlichen Bergnianiislöhne nach ihrem vollen Werth zu»vürdigen. Diese von der Niiternehmerprcsse publizirteii Lohnsumme» der Knappen sind verivaudt in der Art ihrer Herstellung mit den berichtigten „Riesenlöhnei»" der Hamburger Hafenarbeiter. Depefckxeir imd letzte Vacheirhken. Schwei?, 2. April.(W. T. B.) Das„Schwetzer Kreisblatt" meldet: Bei der hiesigen llieichstags-Ersatzivahl erhielt Holtz-Parlin (Rp.) 6956 und v. Saß-Jaroivski(Pole) 7972 Stimmen. Letzterer ist demnach geivählt. Köli», 2. April.(B. H.) Der„Köln. Ztg." zilfolge ist eine Einigung über die Blockade des Meerbusens von Athen jetzt that- sächlich erzielt, nachdem Rußland dein Vorschlage Schivierigkeiten bereitet, schließlich aber durch die Neberredungen Englands sei» Ein« verständiiiß erklärt hat. Die»virkliche Blockade ist also heute in den Bereich der Möglichkeit gerückt. Thalsächlich haben sich Eng- land nnd Rußland durch Vorbehalte Hinterthüre» offen gehakte». Frankfurt a. M., 2. April.(B. H.) Der„Frankf. Ztg." »vird aus Konilaiitinopel telegraphirt: Den Bolschaslern ist eine aiithe'.itische Liste der bei den Metzeleien in Tokat Getödteten und Venmiiidetei» ziigegangei». Danach sind 339 Armenier getödtet»nid 163 verivtiiidel, 7 Miiselinanen getödtet und 3ver>v>lndet, 1 Grieche getödtet nnd 7 verivnndet. Wicil, 2. April.(B. H.) Das Befinde» Johannes Brahm's hat sich derart verschlimmert, daß in eiiicm heute Vormittag ab- gehaltenen Aerztekoiisilium Professor Nothnagel de» Zustand Brahm's als hosiniingslos bezeichnele. Paris, 2. April. ,(B. H.) In einem heutigen Verhör sagte der frühere Polizeipräfekt Zlndrieux vor den» Uiiiers»ichu>,gsrichter aus, daß er mit eine»» früheren Sekretär Arlons i» Verbindung ge- standeii habe. Der Sekretär habe ihm früher verschiedentlich er« klärt, er habe vo» Arlou Austrag, verschiedenen Abgeordnete» Briefe und Geld z» überbringen. Londo», 2. April. klärungen folgende den Verhandlungsbericht ergänzende Aus- führungen von Interesse sei». Pfahl stand bekanntlich unter der Anklage, durch die Vorspiegelung der falsche» Thatsache, er habe in Berlin Einfluß, er habe Verwandle und Bekannte, die maßgebenden Einfluß hätten, er allein könne eine Begnadigung er- wirken, das Vermöge» der Hosbesitzer Diers geschädigt zu haben. In der Gerichtsverhandlung vertheidigte sich der Angeklagte dadurch, daß er zunächst bestritt, den Landwirthen Diers Angaben, wie: er habe Einfluß und dergleichen, gemacht zu haben, daß er aber weiterhin behauptete, die Begnadigung der Diers thatsächlich durch seine Bemühungen erreicht zu haben. In dieser Beziehung führte er zunächst an, daß er in Gnaden- fachen stets große Erfolge gehabt habe, und nannte zum Beweise dafür als Z e u g en: 1. den Wirkl. Geheiuien und vortragenden Rath v. Lncanus, 2. den Vertreter desselben. Geh. Ober-Regiernngs- rath Scheller, 3. den Wirkl. Geh. Ober-Justizrath Horstmann, 4. den Reichsgerichtsrath und früheren vortragenden Rath im preußischen Jnstizininisterinm Planck, S. den früheren Justizniinister von Schelling. 6. den früheren Ober- Landesgcrichtsralh v. Holleben. Der Angeklagte beantragte aus drück- l i ch d i e L a d u n g und Vernehmung der genannten Zeugen. Er führte dann weiter aus, daß e r in der Sache gegei» Diers einmal bei Herrn v. L u c a n ll s» einmal b e i d e in G e h. t>i a t h v. S ch« l l e r und dreimal bei dem Geh. O b e r- I u st i z r a t h H o r st m a n n gewesen sei. Der letztere Herr habe ihn besonders sreundlich empfangen; er sei auch einmal des Abends in einer Gesellschaft mit ihm zusammengekommen. Er habe dann zu nächst für die Diers eine Beurlaubung aus der Strafhaft erivirkt, nnd zwar sei er dieserhalb bei Horstmann gewesen. Alsdann hätten die Diers ihn ersucht, ei» Gnadengesuch einzureichen; er habe aber davon abgeralhc», weil sie eben erst beurlaubt worden ivaren. Auf Drängen der Diers habe er dann das Gnadengesuch eingereicht. Er sei wiederholt bei H o r st m a n n g e>v e s e n, und dieser habe ihm gesagt, dieDiers seien auch zu aufdringlich; sie seien ja eben e r st beurlaubt. nnd nun wollten sie gleich begnadigt sein; das ginge nicht. Die DierS seien dann a b s ch l ä g l i ch b e s ch i e d e n w o r d e n. Bei d e m z iv e i t e n v o n i h m e i n- gereichten Gnadengesuche sei er w i e d e r u>» bei H o r st in a u n gewesen, ebenso bei L u c a n>l s und Scheller; und er habe nun trotz der schlechten Führung der Verurtheilten in der Straf Haft die Begnadigung durch seine Fürsprache erreicht. Der Angeklagte berief sich weiter darauf, daß er auch bei dem Liegierungs Präsidenten in Hannover und bei dem Oberstaalsanwalt in Celle für die DierS gewesen und von den genannten Herren in der huldvollsten Weise empfangen worden sei. Endlich nannte der Angeklagte eine Anzahl von Verurtheilten, die trotz der ans AblehnungderGnaden gesuchegerichtete»Berichte der Staatsanwaltschaft auf seine Gesuche hin b e g n a d i gt seien. Der Angeklagte bemerkte, es müsse ja ausfallen, daß er als Privatschreiber von so hohen Herren empfangen sei; dies komme aber daher, weil er seinen Bruder, der Geheimer Dbersinanzrath in Berlin sei, ersucht habe, ihn bei den genannten Herren zu empfehlen, und sein Bruder habe dieses auch gethan. Es wurde alsdann aus einer früheren, gegen den Angeklagten bei der Staatsanivaltschast in Hannover anhängig gewesenen Betrugssache, welcher ein ähnlicher That- bestand zu gründe lag. dem Augeklagten vorgehalten, daß er Angaben, wie„er habe großen Einfluß" ee.. auch anderen Verurtheilten gegenüber gemacht habe, worauf der Angeklagte jede Auskunft verweigerte. Es wurve dann seitens des Gerichts festgestellt, daß der Angellagte in dem damaligen Verfahren gesagt hätte; er sei im Interesse des verurtheilten Becker in Berlin gewesen nnd habe daselbst mit einem h o ch g e st e l l t e n Staatsbeamten gesprochen, dessen Namen er aber nicht nennen könne, weil er sich moralisch für verpflichtet halte, demselben irgend welche Unbequemlichkeiten zu ersparen. Er habe auch mit einem Herrn im Justizministerium über die Angelegenheit konferirt. Wer das geivesen sei, wisse er nicht. Seitens der Staatsanwalt- schaft waren ferner mehrere Akten herangezogen, aus denen hervorging, d a ß P f a h l ans die v o n i h in e i n g e r e i ch t e n Gnadengesuche stets Erfolg gehabt hat. Auf den Antrag des Staatsauwalts, aus den Akten gegen Diers festzustellen, ob sich dort ein von einem Lehrer Bödiker angefertigtes Gnadengesuch befinde, wurde mitgetheilt, daß ein solches Gnaden- gesnch bei den Akten nicht vorhanden sei. Der Staatsanwalt führte alsdann ans: Der Angeklagte sei. wie in seinen Personal- alten bemerkt sei, ein routinirter Geschäflsmann, der allerlei nicht ganz reinliche Geschäfte uuternehme; er sei aber so rontinirt, daß sich Beweise für schlechte Handlungeii nicht gefunden hätten. Es sei zu prüfen, ob der Angeklagte Einfluß besitze, und eventuell worin dieser Einfluß bestände, oder ob der Angeklagte den Diers mit dem behaupteten Einfluß falsche Angabe gemacht habe. Er sei der Meinung, daß der Angeklagte keinen Einfluß be- sitze, und daß die dem Angeklagten zur Seite stehcnden Erfolge lediglich auf Glück oder Zufall zurückzuführen seien. Auffallend sei allerdings, daß Angeklagter in Sachen gegen Diers anscheinend Er- folg gehabt habe. Die Diers seien mit Rücksicht auf die große Brutalität ihrer Handlungsweise und mit Rücksicht besonders auf die schweren Folge», welche die Mißhandlung sür den Verletzten gehabt habe nnd noch habe, zu der gewiß sehr gelinden Strafe von anderthalb Jahren Gesängniß verurtheilt worden. Das von den Diers eingereichte erste Gnadengesuch sei abschläglich beschieden mit der Maßgabe, daß die Staatsanwaltschaft Hildesheim an- gewiesen sei, anderweit über die Sachlage und über die Führung der verurtheilten Hofbesitzer Heinrich nnd Louis Diers zu berichten, sobald letztere je sechs Monate Gesängniß verbüßt hätten. In dem darauf erstatteten zweiten Berichte sei hervorgehoben, daß inzwischen in dem Zustande des verletzten Buchholz eine wesent- liche Besserung noch nicht eingetreten sei, sowie daß die Führung des Heinrich Diers in der Strafhaft genügend, die des Louis Diers nicht ohne Tadel gewesen sei. Darauf sei ein abschlägiger Bescheid erfolgt. Auf ein weiteres Gnadengesuch der Verurtheilten sei die Sache zur weiteren Beranlassung an die Staatsanivaltschast abgegeben mit dem tinzufüge», spätestens am 15. Juni 1896 unter Berücksichtigung des crhaltens der Verurtheilten in der Strashaft sich weiter zu äußern. In dem am 15. Juni erstatteten Bericht sei angegeben, daß die Hosbesitzer Heinrich und Louis Diers sich„nicht ohne Tadel", der Altentheiler Heinrich Diers sich„gut" geführt habe, daß besonders nach Auskunft des Gefängnißgeistlichen der Hof- besttzer Louis Diers eine Gefangeue unsittlich angefaßt habe, und daß er versucht habe,«inen Brief lügenhasten Inhalts durch einen zu eiillassenden Gefangenen aus der Anstalt zu schmuggeln. Auch in diesem Berichte sei hervorgehoben, daß der Zustand des Verletzte» im wesentlichen noch derselbe sei, und daß nach Meinung des den Bnchholz behandelnden Arztes in etwa ein bis zwei Jahren die Lähmungen des Buchholz sich soweit verloren haben würden, daß er dann wieder als annähernd normal arbeitsfähig gellen könne. In dem Berichte sei ferner erwähnt worden, daß nach Aus- kunft des Landrathsamts Burgdorf die Strasverbüßung sür die Verurtheilten einen w i r t h s ch a f t l i ch e n Ruin nicht zur Folge haben würde. Trotzdem sei die Begnadigung s ä m m t l i ch e r Verurtheilten erfolgt. Auch in anderen Straffällen habe der Augeklagte Erfolg gehabt; es müsse dieses allerdings frappiren. Der Staatsanwalt sei aber doch der Meinung, daß der Angeklagte irgend welchen Einfluß nicht habe. Soweit das Justizministerium in Frage komme, sei dieses durch die Er- klärung des Ministers, deren Verlesung der Staatsanwalt beantragte, klargestellt. In dieser Erklärung heiße es, daß der Angeklagte dem Minister völlig nnbekannt sei, und daß der Angeklagte auch von keinem der an der Bearbeitung der Strafsache wider Diers betheiligten Beamten des Justizministeriums in dieser Angelegenheit persönlich empfangen worden sei. Sollte das Gericht der Meinung sein, daß auch das geheime Zivilkabinet um Auskunft ersucht werde, so beantrage der Staatsanwalt Aussetzung der Verhandlung zwecks Einholung einer solchen Auskunft, eventuell beantrage er, wie der Angeklagte auch gethan, Vernehmung des Wirklichen Geheimraths v. Lucanus, dessen Vertreters, des Geh. Raths Scheller, und des Ober-Justizraths H o r st m a n n. Das Gericht lehnte bekanntlich die gestellten Beweisanträge ab und sprach den Angeklagten frei.> Mebev die Tage in Hanibtteg schreibt unser Korrespondent: Im Hamburger Hafen ist gegenwärtig sehr viel Arbeit, so daß ein gut Theil Hasenarbeiter, die noch keine Beschäftigung hatten, wenigstens für einige Zeil Älrbeit und Verl dienst finden konnten. Dieser Umstand ist vor allem den ausge- sperrten Kohlen-Schanerleuten zu gute gekommen, die man wegen ihrer besonderen Körperkraft nnd ihrer Gewandtheit überall gern einstellt. Es haben natürlich nicht alle Beschäftigung gesunden, denn es sind noch immer viele Streikbrecher in den verschiedensten Betrieben thätig. Der Vorsitzende des Vereins der I m p o r t e n r e eng lisch er Kohlen, Jonassohn, hat ans die Ausführnngen im „Vorwärts" und im„Hamb. Echo", daß es eitel Wortklauberei von den Importeuren wäre, wen» sie den von den Arbeitern auf- gestellten Gegenrevers eine neue Forderung der Arbeiter nennen, weil sie doch in der gemeiiischastlichen Sitzung vor der Senats kominission die Frage des Vertreters der Arbeiter, Schanermanns C. M o j e, ob auch sie gewillt seien, durch ihre Unterschrist den Schauerleutcn Garantien zu bieten, mit„Ja" beantwortet hätten in hiesigen Rhederblättern jetzt die Erklärung abgegeben, daß das „Ja" der Unterzeichnung des Lohntarises, aber nicht der Unterzeichnung eines GegeureverseS gegolten habe. Nach meinen Erkundigunaen bei den Vertretern der Kohlen- schanerlente— es sind deren vier— kann sich das„Ja" aber nur auf die Unterzeichnung eines Reverses bezogen haben, denn Moje stellte die Frage an die Vertreter der Importeure, als diese gerade die Forderung der Unterzeichnung ihres Reverses durch die Arbeiter stellten, wobei vom Lohntarif mit keiner Silbe die Rede war.— In der gemeinschaftlichen Sitzung vor der Senats- k o m m i ff' o n haben die Seeleute folgende Hauptforderungen aufgestellt: 1. Errichtung eines allgemeinen Heuerbureaus, dessen Einrichtung vollständig den Rheder» überlassen bleibe» soll. Stur verlangen die Seeleute, daß in dem Bureau nur frühere See- lente als Beamte angestellt werden, damit nur kundige Leute angeheuert werden können. 2. Kapitäne und Maschinisten sollen bei Aiimttfternng der Matrosen resp. Fenerleute gegenwärtig sein 3. Die Seelente verzichten unter der Bedingung der gänzlichen Ab- schaffnng der Heuerbaase aus die jetzige Einrichtung des Vorschusses auf die Heuer bei Aiimnsterung. Gegen sämmtliche drei Forderungen haben sich, wie das anders nicht zu erwarten war, die Rheder durchaus ablehnend verhalten. Besonders hartnäckig sträuben sich die Herren gegen die Abschaffung der Heuerbaase oder, wie sie im Seemaniis-Jargon heißen, der Landhaie, die sich im Interesse der Herren Rheder, während des Streiks nämlich, besonders gut bewährt haben, indem sie die Seeleute, die in ihrer Schuldknechtschast waren, einfach zum Anheuern zwangen. Von zwei Schutzleuten wurde am Donnerstag Morgen der Schanermann K., der am Streik theilgenoiumen halte, auf die An klagebank des Schwurgerichts geleitet, damit er sich hier als Rädels- sührer eines Ausruhrs verantworten sollte, der nach Ansicht der Polizei nnd der Staatsanwallschaft am Tage der Beendigung des großen Streiks, den 6. Februar, in der Hasenstraße vorgekommen sein soll. Der Staatsanwalt beantragte nach Schluß der Beweis- aufnahnie, den Sliigeklagten im vollen Umfange schuldig zu sprechen. Die Geschworenen sahen die Geschichte aber mit etwas anderen Augen an und sprachen den Angeklagten nur schuldig der— Uebertretniig der Straßenordnung, wofür ihm daS Gericht dann 14 Tage Haft gab, die durch die fast zweimonatliche Untersuchttngshasl verbüßt sind. So wanderte der Angeklagte dann statt ins Zuchthaus in die Arme seiner Familie und seiner Freunde. Bei den Arbeilgeber-Wahlen für den Vorstand der O r t S- k r a n k e n k a s s e des Hotelier- und G a st w i r t h s gewerbcs siegten die beiden sogenannten kleinen Wirthevereine, welche auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegnug stehen, über den alten staatserhaltenden Verein der Hamburger Gaslwirthe von 1871. Sämmtliche 32 Vertreter nnd 16 Ersatzmänner, welche von den sogenannlen kleinen Vereinen präseutirt waren, wurden gewählt. Mmmnimales. ans den B r ü ck e, und das g ä n g e r> empfiehlt Briilkcnbantcn. Der Ausschuß der Stadlverordnelen-Vev sammluiig zur Vorbcrathung der Magiftratsvorlage betreffend den Umbau der Möckern-, der R o ß st r a ß e n-, d e r i s e r n e n u n d d e r Sl l s e n- B r ü ck e, s o w i e d e r N e b e r- führung der verlängerten Putlitzstraße über den Bahnhof Moabit hat folgende Beschlüsse gefaßt: In beziig Entwnrs für den N m b a n der M ö ck e r n- den abgeänderten Entwurf der A l s e n- B r ü ck e Projekt der einstweilige» hölzernen Fuß- ■ Brücke nach dem neuen Bahnhos Atoabit der Ausschuß der Versammlung die Genehmigung der Magistratsvorschläge. Hinsichtlich des Ilmbaucs der Stoß- st r a ß e n- B r ü ck e empfiehlt der Ausschuß der Versammlung die Beschliißfassuiig auszusetzen nnd den Magistrat zu versuchen, ihr schleunigst eine Vorlage über eine später etwa nolh- ivendig werdende Verbreiterung der Stvßstraße und der Neuen Roßstraße zugehen zu lassen. Beireffend den vor- gelegten Entwurf für den Ausbau der„Eisernen Brücke", sowie den Abbruch der vorhandenen alten Brücke ein- pfiehlt der Ausschuß der Versanimliing, demselben mit den Maßregeln zuzustimmen, daß die Straßenbahugeleise in die Mitte der nenen Brücke eingelegt werden. Gleichzeitig solle sie den Magistrat ersuchen, dafür Sorge zn tragen, daß die Straßenbahn in der Straße„Hinter dem Gießhanse" unter keinen Umständen wieder entfernt werde. Im übrigen möge auch die Versammlung von den vorgesehenen Mitteln als erste Rate für die Bauausführung den Betrag von 89 060 M. im Etat pro 1897/93 zur Verfügung stellen.— Was die Ueberführung der Straßenbahugeleise Über die neue Brücke betrifft, erinnerte der Magistrat daran, daß nach der Genehmiguiigsurkiinde vom 8. Oktober 1394, betreffend die Ueberleituug der Pferdebahn über den Platz am Operuhause, nach§ 5 die Belriebsgesellschnft verpflichtet ist, die Geleise im Kastanieiiwäldcheii längs des Finanz- Ministeriums und in der Straße„Hinter dem Gießhanse" bis zur Eisernen Brücke nach Herstellung des Neubaues der letzteren zu be- seitigen und den Betrieb durch die Dorolheenstraße und die Straße „Am Kupfergraben" bis zur Eisernen Brücke und über die- selbe einzurichten. Dieser Bestimmung gemäß müßten also die Straßenbahn- Geleise nach dem Umbau der Eisernen Brücke in der Straße„Hinter dem Gießhause" entfernt werden nnd die Straßenbahn in einem Bogen durch durch die Dorolheenstraße, am Kupfergraben entlang über die Eiserne Brücke vermittelst einer Kurve geführt werden. Man war aber im Aus- schuß der Ansicht, daß die Stadtgemeinde, wenn sie mit einem Kostenaufwande von 452 099 M. einen Umbau der Brücke vornehme, sehr wohl auch eine kleine Entschädigung beanspruchen könne und faßt daher den angegebenen Be- schluß. Für die vorbezeichneten vier Brückenbauten Möckern-Brücke, Eiserne Brücke, Roßstraßen-Brücke und Alfen- Brücke— soll sich die Versammlung nach dem Beschlüsse des Ausschusses ihre Zustimmung vorbehalten für die architektonische Ausbildung der Brückenansichten, der Gelände und der Beleuchtungs- körper, bis der Magistrat ihr bezüglich dieser Bautheile Spezial- Projekte in angemessenem Maßstabe vorgelegt hat. Die alte Post. Das Magistralskollegium hat beschlossen, bei der Stadtverordneten- Versammlung die Genehmigung zum Verkauf des städtischen Grundstücks Königstr. 1—6(alte Post) für den Preis von 1 999 999 M. nachzusuchen. In ihrer geheimen Sitzung am Mittwoch hat sich die Stadt- verordneteii-Versammluug mit der P e n s i o n i r u n g des Professors Dr. Adolf Lasso», des Oberlehrers Ehrentreich und des Magistrats- Bureauvorstehers Ober-Stadtsekretär Reichelt, sowie der Anstellung des Stadt- Bauinspektors Slreichert zum Verwaltungsdirektor der städtischen Gaswerke einverstanden erklärt. UoKales. Nchtnug» Genosse»»nd Genossinnen! In der Versammlung, welche am 4. April, abends 6»/« Uhr. beim Genossen Z u b e i I. Lindenstr. 196, stattfindet, wird Genossin Frau Anna Mesch über„Unsere Pflichten" referiren. Um rege Betheiligung wird ge- beten. An die Gewerkschaftc» und Arbeiter-Veveinignuge» Berlins! Genossen! Eine Reihe betrübender Unglücksfälle bei den großen Festen, die das Proletariat zn feiern pflegt(Lassallefeier. Arbeiter-Sängerscst, Fest der Arbeiter-Bildungsschule n. s. w.) haben gezeigt, daß wie auf der Arbeitsstätte so auch auf dem Festplatz am wenigsten Sicherheit für Leben und Gesundheit des Proletariers gegeben ist. Bei den Menschenansainmlnngen der Bourgeoisie trete» wohlorganisirte Sanitätskolonnen in Aktion, denen außerdem der ganze öffentliche Sicherheitsdienst zur Verfügung steht. Nun, der Arbeiter begehrt ihrer nicht; aber umso mehr muß er aus eigener Kraft schaffen, was zn seiner und seiner Familie Erhaltung nolh? wendig ist.— Der letzte, durch das Umbrechen eines Klettermastes in Weißeusee herbeigeführte Unglücksfall, wo erst nach Stunden Hilfe zu erlangen war und ein blühendes Menschenleben deshalb zu gründe gehen mußte, zeigt deutlich, welch' eine Lücke hier in der Organisation des Proletariats vorhanden ist. Der seit 19 Jahren bestehende Samariterknrsus sür Arbeiter und Arbeiterinnen� hat nunmehr eine Kolonne, bestehend aus 59 in der ersten Hilfe unterrichteten Arbeitern und Arbeiterinnen gebildet, die unter Leitung mehrerer Aerzte bei jedem der obengenannten größeren Feste zu unentgeltlicher Hilfeleistung bereit sein werden. Vor allem erwartet die Samariterkolonne dabei die moralische Unterstützung der Organisalioncn, die zur gedeihlichen Entwickelung der so wich- tigen Einrichtung durchaus erforderlich ist. Anfragen bezw. Wünsche betreffs Theilnahine der Kolonne auch an anderen festlichen Ver- anstaltuiigeii der Arbeiterschaft Berlins sind an die Unterzeichnete» zu richten und werden nach Maßgabe der vorhandenen Kräfte, die deshalb in verschiedene Sektionen gelheilt sind, jederzeit Berück-? sichligung finden. Genossen! Aller Anfang ist schim?� Aber jede Bethätigung der Arbeiterschaft aus eigener Kraft ist werthvoll und wird wie' alle?, was das jugeudstarke Proletariat schafft, zu einem gedeihlichen Ende geführt werden. Schon bei der Maiseier soll der Beweis da- sür erbracht werden. i Die Sainaritcrkoloune des Saniariterkursus sür Arbeiter und Arbeiterinnen. Dr. F r i e d e b e r g, H. Raue, 80. Brückenstraße 19a. 8. Dieffenbachftraße 62, Tor preußische FiSkns und der Gesundhcitsznstand der Berliner Bevölkerung. Die Wasseroersorgungs- Station am Stralauer Platz, welche durch die Errichtung von Fabriken in dortiger Gegend verunreinigt worden war, so daß dieselbe schließlich für die Versorgung Verliiis mit Trinkwasser nicht mehr sich eignete, mußte mit Opfern von vielen Millionen Mark ausgegeben werden. Die gleiche Gefahr droht jetzt den Wasserwerken am Müggelsee. Der Fiskus hat nämlich zur Errichtung eines Eiswerkes bis zum Jahre 1993 unniiltelbar oberhalb der Schöpfstellen eine Uferparzelle � verpachtet, während er die wiederholten Anträge des Magistrats, ihm die an den Ufern des Müggelsees in der Nähe deS slädlischen Wasserwerkes belegenen Flächen zu verkaufen, um einer Verunreinigung des Sees durch Anlage von Privatelablissements vorzubeugen, ablehnte.— ES muß daher alles aufgeboten wer- den, die Etablirung weiterer derartiger Kolonie» zu verhindern, welche in ernsten Zeiten, z. B. bei Epidemien, Cholera oder Typhus leicht verhängnißvoll sür die Gesundheit unserer Mitbürger werden können. Der Magistrat hat auch beschlossen, bei dem Minister für die landivirthschastlichen Angelegonheilen vorstellig zu werden, zugleich. aber bei dem Minister v. Bötlicher den Antrag zu stellen, daS. Sieichs-Gesundheitsamt zur Abgabe eines Gutachtens über den schäd- lichcn Einfluß derartiger Anlagen zn ermächtigen. Zur Sprache kam auch im Magistratskollegiuni, daß der Regierungspräsident die Verwendiing des Wassers aus dem Nuinmelsburger See nicht allein zu Trink-, sondern auch zu Wirthschaftszwecken seinerzeit bei Eintritt der Choleragesahr verboten hat; die städtische Verwaltung hat auch bis zum Heuligen Tage im Interesse der Insassen des Arbeitshauses auf eine Benutzung des Wassers aus dem See verzichtet. Vom Polizeipräsidini» erhalten wir durch Vermitteliiug von Wolfis Telegrapheubureau folgende Mittheilung: Das Polizei- Präsidium theilt den verehrlichen Redaktionen der hiesigen Blätter mit, daß die zur Veröffentlichung durch die Presse beftiuinileii Mit» theilungen der hiesigen Kriminn'l-Polizei, soweit deren Verbreitung im dienstlichen Interesse deS Polizei-Präsidiums erfolgt, vom 5. d. Mts. an durch Vermittlung des„Wolfs'schen Telegrapheu-Bureaus" " ä in mtli ch e n hiesigen Blättern s o z e i t i g a l s möglich und völlig kostenfrei zugehen iverden. Die bei diesem Bureau nicht abonnirlen Zeitschriften, welche dies« Mitlheilung ebenfalls wünschen sollten. würden sich allerdings mit der Direktion des Wolff'schen Telegrapheu-Bureaus wegen der Art der Abholung ic. besonders in Verbindung setzen müssen. Die Mittheilungen selbst würden aber auch für sie kostenfrei erfolgen. In besonders begründeten Fällen wird der Presse auch fenier- bin auf direkte Anfrage direkte Auskunft vom Polizeipräsidium gegeben werden. Die Polizeibehörde scheint sich also endlich zu der Einsicht bekehrt zu haben, daß eine Aufnahme ihrer Mitlheilungeii weit weniger der Presse als dem Publikum von Nutzen ist, und der Be- Hörde selber zn statten kommen. Daß ei» bonrgcoiser Zentcnar- FcstschmanS zur Stärkung der Solidarität der Ausgebeuteten beitragen kann, hat wohl so leicht niemand erwartet. Und doch ist dieser Fall eingetreten. Aus dem Anhalter Bahnhof fand am Hauptjubeltage ein dem Kampf für Ordnung, Religion nnd Sitte außerordentlich zuträgliches Festessen statt. Zehn Kellner waren gegen ei» Entgelt von 4 M. pro Person engngirt worden. In Rücksicht auf die patriotische Feier und ans die aus- erlesene Gesellschaft hatten die Kellner begreiflicherweise neben ihrem Tagelohn auch ein nicht zu klein bemessenes Trinkgeld erwartet. Bevor zedoch das Diner seinen Anfang nahm, erhielten die Kellner tye strenge Weisung, dnß sie nichts kassiren dürften und auch an den Zu zahlenbeu beziv. zu erivartenden Trinkgeldern keine» Antheil dätte». Hiermit waren indessen die Kellner keineswegs einverstanden. Nachdem das Diner seine» Anfang genommen hatte und die Suppe fervirt worden war, proklamirtcn sammtliche zehn Kellner ein» müthig den Streik. Entweder 6 M. Lohn oder Arbeitseinstellung kantete ihre Parole. Der Oekonom, für den alles ans dem Spiele stand, mußte die Forderung bewilligen. Wohl niemand der Fest- esser ahnte es. von welchen Fährnissen sein opulentes Diner bedroht gewesen war und wie gerade die Zentenarfeier dazu herhalten mußte, um„Feinde der göttlichen Wellordnung" zur Solidarität anzuspornen. Charlottenburger HnfbcschlagS-Lchrschiniede. Das königliche Polizeipräsidium theilt mit: In der am 27. Februar d. I. an der Charlottenburger Husbeschlags-Lehrschmiede zu Charlotten« dnrg stattgehabten Priisung haben die Berechtigung zum Betriebe des Husbeschlaggewerbes erhalten: Der Schunedemeistcr Hermann Neumann aus Kgl. Reetz, Kreis Königsberg N./M.; die Schmiede« geselle» Friedrich Schuster aus Schlappe, Kreis Deutsch-Krone; Ernst Castner aus Kriescht, Kreis Oststernberg; Stanislaus Ciesiolka aus Josephomo, Kreis Wongrowitz; August Exler ans Falkenrhede, Kreis Ost- Havelland; Karl Holstein aus Groß- Giewitz in Mecklenburg- Schwerin; Karl Liebitz aus Groß- Schönebeck, Kreis Nieder- Barnim; Gerhard Lütters aus Schültorf, Kreis Bentheim; Wilhelm Pötsch ans Lübbe», Kreis Lübbe»; August Retlig aus Ulbersdorf, Kreis Züllichau-Schwiebus; Richard Schmidt aus Mitwalde, Kreis Züllichau-Schwiebus; Wilhelm Thinius aus Waltersdorf, Kreis Schweinitz; Wilhelm Wernicke aus Nedlitz, 5kreis Jerichow I. Es erhielten das Diplom als„geprüfter Husbeschlngs- Meister" die beide» Erstgenannten, während den übrigen das Diplom als„geprüfte Hufbeschlags-Schmiede" crtheilt wurde. An Prädikaten wurde vertheilt:„sehr gut" bei Nr. 1—2,„gut" bei 3—13. Der nächste Kursus an der genannten Lehranstalt beginnt Montag, d e n 8. M a i d. I., vormittags 3 11 h r. Meldungen zur Theilnahme sind an den Vorsteher, Over- Roßarzt a. D. Herrn Brandt zu Charlottenburg, Spreestr. 42, zu richten. Zur Ausnahine sind erforderlich: 1. der Nachweis über Erlernung des Schmiedehaudwerks, 2. ein polizeiliches Führungs- attest.(Wozu? D. 3t.) Unbemittelte erhalten freie Ausbildung und, haben keinerlei Prüfungsgebühren zu entrichten. J�Utbec Nausen'ö Ankunft in Berlin wird berichtet: Dr. Fritjof Nansen ist mit seiner Gemahlin Freitag früh kurz vor 73/i Uhr auf Bahnhos„Friedrichstraße" eingetroffen. Zu seinem Empfange hatten sich daselbst der erste und zweite stellvertreiende Vorsitzende der„Gesellschaft für Erdkunde", Geh. 3ieg.-3ialh Frhr. v. NichtHofen und Professor Hellmann, sowie der General-Sekretär der Gesellschaft, Kollm, eingesunde»; auch der schwedische Gesandte v. Lagerhelm war zur persönlichen Begrüßung seines Landsmannes erschiene». An Staufen schien die nächtliche Fahrt nicht so ganz spurlos vorübergegangen zu sein, trotzdem erwiderte er lebhaft die herzliche» Begrüßungsworte, welche die Erschienenen an ihn und seine Galtin richteten. Diese, eine sehr sympathische Erscheinung, mittelgroß und brünett, nahm mit verbindlichen Worten die ihr überreichten Blumenspende» entgegen. In den bereit stehenden Equipagen fuhr man nun nach dem Palast-Holel am Leipziger Platz, das beim Ein- treffen der fremden Gäste sofort die schwedische Nationalflagge hißte. Dort wurden die näheren Vereinbarungen über die abzuwickelnden Geschäfte getroffen. Nansen sowohl, ivie seine liebensivürdige Gattin, welche beide der deutschen Sprache mächtig sind, zeigten sich bei der Unterhaltung als geistreiche Gesellschafter. Im Laufe des Tages gedenkt Dr. Nansen Besuche abzustatten und wegen seines Vortrages am heutigen Sonnabend, dessen Dauer auf eine Stunde festgesetzt wurde, im Zkroll'schen Etablissement mit den Arrangeuren der großen Festveranstaltung zusammenzutreffen. Znr Begrüßung Nanscu's in» Namen der Stadt Berlin hat das Magistralskollegium eine Deputation, bestehend aus den Stad� rälhen Marggraff und Tourbiö, gewählt./ Das Aprilschickeu hat am Donnerstag eine ungewöhnliche Häufung der telcphonische» Gespräche hervorgerufen. Wegen der telephonischen Ulkereien waren die Fernsprechbeamten derartig in Anspruch genommen, daß die Herstellung der einzelnen Verbindungen erst nach ungewöhnlich langer Zeil herbeigeführt werde» konnte und im geschäftlichen Verkehr hierdurch unangenehme Störungen und Auf- enthalt veranlaßt wurden. Vielfach waren Verbindungen zwischen Theilnehmern herzustellen, die in benachbarten, ja selbst in denselben Häusern wohnte». Der Geschäftsbetrieb des kaiserliche» Gesundheitsamts ist in das neuerbaule Dienstgcbäude, Klopstockstraße No. 19/20 ver- legt worden. „Die Welt am Montag" ist einer Korrespondenz zufolge durch Kauf in den Besitz des Verlegers der„Zeit", Herrn Bousset, übergegangen. Am Dombau werden 14 Stnckateure mit Anfertigung des sogenannte» kleinen Dommodells beschäftigt. Ihren Lohn empfangen diese Arbeiter durch Vermittelung eines Meisters von der Ban- Verwaltung. Die 14 Stnckateure rechneten bestimmt darauf, daß im Gegensatz zu den Baumeistern wenigstens diese Behörde sich nach Gebühr benehmen und ihnen für die zwei Zentenar-Feiertage, die man ihnen aufgezwungen hatte, den schuldigen Loh» zahle» werde. Aber gefehlt. Als die Arbeiter von dem„Meister", der mit der Lohnanszahlnng beauftragt ist, daS zu beanspruchende Geld forderten, ineinte dieser Herr, die Sluckatenre sollten sich dock freuen, daß sie den ganzen Winter hindurch hätten arbeiten dürfen! Zcrstörnng von Bäumen in der SiegcSallee. Aus dem Rathhause wird berichtet:„Mit der Einrichtung von Nischen zur Aufnahme der Standbilder früherer Fürsten und Staatsmänner in der Siegesallee wird im Frühjahr der Anfang gemacht werden, und zwar zunächst auf der Strecke vom Königsplatz bis zur Charlotten- burger Chaussee. Es soll daher die nothivendige Entfernung der äußeren Baumreihe, welche sich hinter dem Promenadenwege, befindet, auf Kosten der Stadt erfolgen. Die Koste» belaufen sich hierfür aus 1030 M., sür deren Bewilligung die Zustiinninng der Stadt- verordueteu-Bersamiullmg vom Magistrat nachgesucht werden wird. — Warum geht denn das aus Kosten der Stadt vor sich? Mit der Abschaffung der Schiefertafel sollen von Oster» ab in Berlin und zum lheil auch in den Bororte». wie bc- fonders in Friedenau, einzelne Versuche angestellt»verde». Nach Ansicht maßgebender Lehrerkreise dürfte» jedoch diese Versuche, wie berichtet wird, nicht zu gunsten der neuen Schreibunterrichts-Methode ausfallen. Es wird sich ganz ziveifellos herausstellen, daß sich die neue Methode vielleicht im Einzelunterricht anivenden läßt, für den Unterricht größerer Schülermassen aber, wie sie in den Klassen der Berliner.Gemeindeschulen vorhanden sind, absolut nicht paßt. Steckbrieflich verfolgt wird, wie bereits kurz gemeldet, der in Hermsdorf wohnhaft gewesene Professor Dr. Waldemar Ortleb tvegen Urkundenfälschung. Der in Theater- und Schriststellerkreisen bekannte Professor kam vor einige» Jahren von Strelitz nach Berlin in der Hoffnung, au der hiesigen Universität angestellt zu werden und nahm in Hermsdorf Wohnung. Die Hoffnungen des Professors wurden jedoch getäuscht und derselbe mußte, von Hanse aus im- vermögend, durch schriftstellerische Thätigkeit sein Brot erwerben. i Der Gelehrte gerielh jedoch dadurch in eine bedeutende Schuldenlast, daß er für Freunde gutsagte. Dieselben erklärten sich aber später für insolvent und daher wurden Anfang d. I. bei Professor O. mehrfach Pfändungen vorgenommen. Dieser suchte seinen Verbind- ; lichkeiteu dadurch nachzukommen, daß er an die Gläubiger Wechsel � gab, ivelche mit dem Akzept Industrieller und Geschäftsleute ver- sehen waren und auf denen er selbst als Aussteller fuugirte. Kurze Zeit darauf zog Professor O. von Hermsdorf fort, angeblich nach Dresden, doch konnte sein Aufenthaltsort bisher nicht ermittelt werden. Wie sich nun nach den Fälligkeitsterminen herausgestellt hat, sollen die Akzeptunterschriflen auf den von Professor O. weiter- gegebenen Papieren gefälscht sein. Die gefälschten Wechsel lauten auf insgesammt 800 Mark, aus denen der steckbrieflich Verfolgte einen direkten pekuniären Vortheil jedoch nicht gehabt hat. Die Umgestaltuug der Straßenbeleuchtung Berlins durch Einführung des G a s g l ü h l i ch t e s ist in den 5 Monaten, die seit dem Beginn des planmäßigen Vorgehens der städtischen Gas- Verwaltung vergangen sind, ganz gewallig gefördert worden. Es brennen z. Z. schon in den Straßen Berlins 9000 Gasglühlicht- flammen in 5000 Laternen, weitere S000 Laternen sollen noch im Laufe dieses Jahres mit Gliihlicht arrnirt werden, so daß dann die Hälfte aller Berliner Straßenlaternen mit Gasglühlickt versehen sein iverden. Leider ist die verkehrsreiche Potsdamer Vorstadt in dem südlich vom Landivehrkanal belegenen Theile der Verbesserung der Straßenbeleuchtung»och»icbt in gleichen» Maße theilhaftig ge- ivorden. Dieser Stadtiheil gehört nämlich als ehemalig Schöne- berger Gebiet zu dem 3tayon, der ausschließlich von der Englischen Gasanstalt versorgt»vird, und diese hat vorläufig das Gasglühlicht noch nicht für die Straßenbeleuchtung eingeführt. Das Bcrgniigungslokal„Fccnpalast" ist von» 1. Mai ab von Herrn Oskar Stenz, dem Sohn des Direktors Franz Renz, ge- mielhet, vorden. Nutersuchnugeu in einer Mordangelegenheit»verde» äugen- blicklich i» Berlin angestellt, die Ende v. I. großes Aufsehe» erregte. Am 18. Dezember v. I. fuhren die Gutsbesitzer Heinrich B r ii u i g und Friedrich Bothe aus Badersleben bei Halber- stadt mit einem Einspänner Briinig's, einem Wagen, der bei dieser Gelegenheit zum eisten Male gebraucht»vurde, vom Hose Briinig's aus zur Jagd. Als dessen Leute an» anderen Morgen an ihr Tageiverk gingen, fanden sie ihren Dienstherrn auf dein Gehöft auf einer Bank sitze» und»reinen. Er»rar mehrfach verletzt und»nit Blut besudelt. Der Wagen, so erzählte er,»var mff dein Heimwege, als das Pferd durchging, um- geschlagen. Bothe hatte am Kopfe so schivere Verletzungen davon« getragen, daß der Unfall zu seinem Tode führte. Während nun Briinig's Leute um diesen beschäftigt»varei», um ihn zu Bett zu bringen, kamen auch Nachbar» dazngelanfen,». a. auch die Frau des Verunglückten Bothe. Von dieser will das Ziuinierinädchen Dube, das bei Briinig in Stellung»var und sich in diesem Augen- blick innerhalb des Hauses aushielt, durch eine Oefsnnng hindurch eine Aeußerung gehört haben, die sür Briinig und Frau Bothe ver- bängnißvoll geworden ist. Es finden hier bei dem Gerichtschemiker Dr. Jeserich Blutuntersuchungeu statt, zu welche»» Ziveck« blut- befleckte Gegenstände, die Verdacht erregten, hierher geschickt»vorden sind. Ein Duninierjuiigcnstrcich mit tödtlicheu Folgen. Das „Verl. Tagebl." berichtet: Von seinem Kommiliionen vergütet»vurde vorgestern ein Student der thierärztlichen Hochschule. Derselbe hatte bei einer Kneiperei so Übermäßig getrunken, daß er nicht nach seiner Wohnung geschafft»verde» konnte. 11», ihn einzuschläfern, goß ihm ei» Kommtlitone, der jedenfalls selbst schiver betrunken»var, Opium- tinktur(!) in das Bier und zivar ein Quantum von 30 Gran»»,, das ist das Zivanzigfache der zulässige» Maximaldosis. Das Betänbungs- mittel hatte den geiviiiischlen Erfolg, der Student schlief bald nach den» Genüsse de- Bieres ein und konnte da»»,»ach seiner Wohnung geschafft»verde». Als seine Freunde gestern Morgen nach ihn» sahen, sandeu sie ihn mit allen Zeichen der Vergiftung i»n Bette. Er»onrde fosort nach dem städtischen Krankenhause in Moabit gebracht, aber die angestrengteste» Vemühungen der Aerzte, ihn am Leben zu er- halte,», waren vergebens— gegen 4 Uhr nachmittags starb er. Wegen wiederholter schwerer Sittlichkeitsverbrcchen und Nothzuchl ist der Arbeiter August Salzma»»» aus der Ackerstraße 34 auf grund einer Anzeige des Gemeiude-Waisenraths 3t. verhastet »vorden. Letzterer hatte in Erfahrung gebracht, daß Salz»», an» sich gegen zwei dreizehnjährige Waisenmädchen vergangen habe. Ei» Eiiibrnchsdiebstahl»vurde in der Nacht zum Freitag bei den» 3iestaurateiir Busse, Wrangelstr. 105, verübt. Den Diebe» fielen 13 Kisten Zigarren, viele Lebensinittel und 4 M. Kupfergeld in die Hände. Es ist dies seit kurzem der dritte Einbruchsdiebftahl in der genannten Restauration. Mit de» Anzeichen einer Morphinmpergiftnng»vurde der Supernliinerar einer hiesigen Behörde in das städtische Krankenhaus Moabit eingeliefert. Er verstarb einige Stunde» später. Von dem Vorfall ist der Staatsanivaltschaft Anzeige erstattet und die Sektion der Leiche angeordnet worden. Sclbstniordticrsuch eines Kindes? Gestern sprang die neun- jährige Tochter des Arbeiters August G. aus Furcht vor einer ihr »vegeu Naschens angedrohten Züchtigung aus einem Fenster der im vierten Stock eines Hauses der Meinelerstraße gelegene» Wohnung ihrer Eltern auf den Hof hinab und zog sich schwere innere Ver- letzungen zu. Bor einem Berliner Kurpfuscher, einem gewissen O. Kaplick, der früher Kellner und Schankivirlh geivescn und sich jetzt Privat- gelehrter nennt,»vird behördlicherseits geivaml. Kaplick vertreibt ein angebliches Mittel gegen Migräne, das er in einer Spandauer Apotheke anfertige» läßt. Das Mittel besteht ans zusammengesetzter Chinatinktur, aromatischer Eisenlinktur und Schlüsselblumen- Thee, lauter unschädlichen, im beregten Falle aber völlig»virkungslosen Substauze». Während der»virkliche Verkaufstverlh des Gemenges 3.50 M. beträgt, läßt K. sich das doppelte bezahlen. Ein Schulkind nm fünf Uhr morgens durch Schuhleute aus dem Bette geholt. Die 13 Jahre alte Tochter der Hoff», ann- scheu Eheleute in der Pappclallee 32 hatte angeblich wegen Krankheit ihrer Mutter verschiedentlich die Schule versäumt. Den Eltern»var desivcgen mehrfach ei» Strafmandat zugestellt»vorden, das sie ihrer Angabe nach auch bezahlte». Ganz überraschend war sür sie daher ei» Ereigniß, das sich gestern Morgen in dieser Angelegenheit über sie entlud. Gleich»ach fünf Uhr klopfte es an der Thür«; zwei Schutzleute begehrten Einlaß, um das Kind abzuholen; es solle zunächst auf die Polizei- wache in der Stargarderstraße 76 gebracht und von dort aus der Schule zugeführt»verde»,. Und so geschah es. Die Eltern, welche sich durch Zeitungsanstragen ernähren, sind beide kränklich und »uißle die 13 Jahre alte Tochter hierbei helfend eingreise». Wege» des Borkoinmnisscs gerielh übrigens der Vater so in Aufregung, daß er gester» auf offener Straße von einem Lungenbluten befallen wurde.— Kannte»»an in der Schule die Gründe,»veshalb das Mädchen des öfteren der Schule fernblieb, so war es doch»vahrlich überflüssig, durch die Polizei ein derartig abschreckendes Exempel statniren zu lassen. Theater. Im Schill er-T he ater findet heute die letzte Wieder- Holling von Shakespeares„Ein Winterinärcheil" statt. Mitte der nächsten Woche kommt zum 1. Male Mosers 3aktiger Schwank„Das Stistungsfest" zur Aufführung.— Jin F riedrich-Wilhelu» st ädtischen Theater geht heute Abend zum ersten Male:„Ferdinand von Schill", vaterländisches Schauspiel in 5 Aufzügen von Herrmann Besten in Szene. Ans de» Nachbarorte». I» Wcißeusee steht das Lokal„Zum P r ä l a t e„" in der Lederstraße, welches vom„Katholische» Arbeiter-Verein" gemiethet ivordeu ist, der klasseiibewußte» Arbeiterschaft»»icht mehr zur Ver- sügiuiä. Die Parteigenossen wollen diese Mitlheiluug genau beachten. Die Lokal-Kommission. I. A.: Hermann Eichbach, Neu-Weißen- see, Pistoriusstraße 27. Au die Parteigeuosseu von Schöucberg. Am Sonntag, de» 4. April, findet eine Ftugblalt-Vertheilnng statt. Die Parteigenossen»Verden ersucht, sich morgens 7 Uhr in folgenden Lokale», zahlreich einzufinden: Obst, Gnmeivaldstr. 110; Klein, Merseburgerstraße; Piuser, Nollendorffftr. 16; H o s s m a n n, Sedanstr. 10; Schilling, Goltzstr. 44; H a» i s ch, Koburgstr. 5. Aus Rixdorf. Nachdem der bisherige Verwalter des Ge- meiiidc-3tieselgutes Waßmannsdorf, v. Grotthus, seinen Dienst quittirt hat, wohl»veil ihm die sozialdemokratische» Gemeinde- Verordneten zu sehr auf die Finger sahen, hat jetzt der Administrator Kauffmann, früher im Dienste der Stadt Berlin, die Berivaltimg des genannten Rieselgntes übernommen.— Die hiesige Gemeinde- Vertretung hielt am Donnerstag Abend eine Sitzung ab, in welcher zunächst beschlossen wurde, eine successive abzuhebende Gemeinde- Anleihe im Betrage von 5 Millionen Mark aufzunehinen. Davon sind bestimmt 500 000 M. znr Tilgung einer älteren Schuld bei der Kreissparkasse. 1 365 000 M. sür Erwerb von Schulgruudstücken. sür Gemeiudeschulbauteu und zum Bau einer Realschule, 1370000 M. zur Pflasterung und Verbreiterung von Straßen, 539 400 M. zur Erweiterung der Gemeinde-Gasanstalt, 700 000 M. zur Erweiterung des Amtshauses und des Amtsgerichlsgebäudes und 475 600 M. zur Vervollständigung der Schwemmkanaiisalion.— Die von dem Gemeinde-Verordnete» Schmidt beantragte Beschaffung eines neuen Leiche», sezirraumes»vurde abgelehnt, da die jetzige Halle auf dem alten Kirchhof ihre Zivecke erfülle.— Eine lebhafte' Debatte rief der Autrag unseres Genossen T h o»n a s, betr. die Aufstellung öffentlicher Anschlagsäuleu hervor. Schließlich»vurde von der Majorität das Bedürfniß hierfür anerkannt und beschlossen, ein öffentliches Ausschreiben zu erlassen, in»velchei» Unternehmer ans- gefordert»verde», Anschlagssäulen hier zu errichten. Unsere Genossen hatte» dagegen dafür gesprochen, daß die Gemeinde selbst die Säule» stellen und das Anschlagsivesen in die Hand nehmen»nöge. Bei der Bruuucuarbeit ertrunken. Ein schiverer Unglücks- fall, bei dem leider ein Menschenleben zu beklagen ist. und zivei dabei betheiligte Arbeiter mit knapper Roth dem Verschnttungstode entgangen sind, hat sich am Freitag früh auf dem an der Köpenicker Chaussee belegenen Terrain der Bertiner Mörteliverke„Adler" ereignet. Daselbst»vird seit Mittwoch ein großer Zieh- bruilne» zur Wasserbesörderiing an die Mörtelschächle ausgebohrt. Leider halten aber die dabei betheiligten Arbeiter trotz aller Warnung(von»velcher Seite?) es unterlasse», den Brunnen, der schon halb n»it Wasser gefüllt»var, abzusteifen, um dadurch das Abstürzen des durch de» anhaltenden Regen morsch gewordene» Erdreiches zu verhindern. Die Folgen dieser Un- achtsamkeit traten leider nur allzubald ei». D»rch die Er- schütterung der Bohrmaschine rutschte der 24jährige Arbeiter Lorenz aus Köpenick plötzlich von oben ab und stürzte kopfüber in den Brunnen, in welchem er ertrank. Z>vei andere Arbeiter »vurde» durch das nachgestürzte Erdreich verschüttet, konnte» aber noch rechtzeitig unter großen Ailstrcngnnge» aus ihrer gefährlichen Lage befreit und in Sicherheit gebracht werden. Nunpk unv AViflfcnfitzaft. — Die„Nene freie Volksbühne" veranstaltet Sonntag, den 4. April,»achmitlags 21/t Uhr, im Friedrich-Wilhelm- städtischen Theater«ine Ausführung von Anzengruber's Bauernkomödie„'s I u n g f e r» g i f t". Das Stück ist in Berlin noch nie aufgeführt»vorden.— Derselbe Verein veranstaltet am Montag, den 12. April, i» der„3tessource"(Kom»»a>»dantenstr. 57) einen L i l i e» c r o n- A b e n d.— Et. Neue Versuche mit flüssiger Luft»verde» in der Berliner Urania(Jnvalidenstraße) einen» größeren Publikum vorgeführt. Be- kanntlich ist die Methode,»ach»velcher die Luft dort verflüssigt»vird, die von Linde angegebene,»vobei die Luft, von hohem Druck aus niedrigen sinkend, sich stark abkühlt; gehc die Abkühlung bis ans 190 Grad Kalle heriliiter, so»vird idie Luft flüssig. Sie bildet eine klare, durchsichtige, unter dein geivöhulichen Atniosphäreudruck stark siedende Flüssigkeit. Wird durch«ine Luftpuinpe der Druck »och mehr erniedrigt, so»vird das Sieden heftiger, womit eine stärkere Abkühlung verbunden ist. Mau ka>»n so bis auf 214 Grad Kälte komme»», derjenigen Teinpe- ratnr, bei der der eine Hauptbestandtheü der Luft, der Stick- stoff, fest»vird. Er scheidet sich da»»» in der Form kleiner Krystalle ab, die in der klaren Flüssigkeit schivunmen. Interessant ist das Verhalte» der meisten Körper bei so tiefen Teuiperatnre». So gehen cheinische Reaktionen sehr i»»att und träge vor sich; Natriuin und Salzsäure z. B., die sich bei ge>vöh»licher Temperatur mit starker Flaminenerscheinung stürmisch zu Kochsalz unter Freisetzung des Wasserstoffes verbinde», liegen bei der liefen. durch die flüssige Lust hervorgerufenen Temperatur ganz ruhig„eben- einander, und erst bei zlmehrnender Temperatur tritt der chemische Prozeß langsam ei». Ueberhaupt deuten viele Erschemungen arif eine gewisse Trägheit und Unbeivegtichkeit der Molecüle der Körper, wenn sie so außer- ordentlich abgekühlt»verde». Taucht man z. B. einen»veichen Gummischlauch in flüssige Luft, so wird er hart und spröde, und schlägt man mit dem Hammer auf ihn, so zersplittert er, wie Glas, in tausend Scherbe». Magnetische und elektrische Eigenschaften verlieren sich in den tiefen Teinperaturen nicht; Metalle leiten die Elektrizität in dem stark abgekühlten Zustande sogar besser. Auch enveist sich die flüssige Lust selbst als stark»nagnetische Flüssigkeit, die ledhast zu den Polen eines Magneten hingezogen»vird. Eine»nerkivürdige Erscheinung ist es, daß bei den tiefen Temperaturen fast alle Körper außer den Metalle» deutlich phos- phorresziren, also nach einer Belichtung in eigenthüinliche» Farben nachleuchien. Weibe Bau»,»volle z. B., die durch Begießen»nit flüssiger Lust genügend abgekühlt»vird, schiinmert, nachdem ma» sie den hellen Strahlen einer elektrischen Lampe ausgesetzt hat, in eine»,, schönen bläulichen Lichte, das sich erst nach geraumer Zeit verliert.— „Weil sie nicht Sozialdemokratiu werde» wollte" ist die Näherin Frau Frey tag, wie sie gestern die VIII. Strafkaminer hiesige» Landgerichts I glauben mache» wollte, mit der Familie ihres Ehemannes entzweit. Sie behauptet, daß diese ganze Familie aus Sozialdemokraten bestehe und ihr deshalb gram sei,»veil sie alle Versuche, sie»nit in sozialdemokratische Versammlungen zu»ehineii oder sie zum Austritte au? der Kirche zu beivege», standhaft znrückgeiviesen habe. In wie weit diese schauerliche» Anklagen richtig sind, steht dahin; so viel ist sicher, daß Frau Freytag mit ihrer Schiviegermutter, der Witt»ve Freytag, in bitterer Feindschaft lebt,»veil ihrer Behauptung nach die letztere einen schlimme» Einfluß auf ihren Ehemann ausübe und auch ihre Kinder zu sich heranzuziehen trachte. Als Zeichen ihres nnverlöschlichen Hasses hat sie eines Tages der Schwiegermutter einen Brief geschrieben, dessen Inhalt sich auch nicht andeutungsweise»vieder- gebe» läßt, da sich die Beleidigungen allerschwersten Kalibers darin förmlich überstürzten. Die Empfängerin des„Liebesbriefes" glaubte es ihrer Würde schuldig zu sein, die schreibselige Schiviegertochter zuerst vor den Schiedsuianu und da»»n vor den Schöffenrichter zu forder». Letzlerer»var mit den Schöffen der Ansicht, daß sich gröblichere Beleidigungen eigentlich kann» denken lassen, und er verurtheilte deshalb die Augeklagt« zu drei Monaten G e f ä» g n i ß. Dieser Ausgang der Sache kam der Schiviegertochter höchst uiierwartet, sie legte Be- rufnng ein und stand nun gestern vor der 3. Straskammer noch einmal ihrer Schiviegermutter gegenüber. Sie ist inzivischen etivas kleinlauter geivorde» und gab sogar zu erkennen, daß ihr der Schreibe- brief, de» sie verfertigt, leid thue. Die Schiviegerimltter ließ sich aber»icht enveichen und wies auch die Anregungen des Vor- sitzenden, ei» Auge zuzudrücken und der Angeklagten zu verzeihe». »nit Entschiedenheit zurück. Der Gerichtshof»var der Ansicht, daß au sich die vom ersten Richter festgesetzt« Strafe nicht als zu hoch für die schiveren Beleidigungen zu erachte» sei, er de- riicksichtigte jedoch die völlige Uubescholtenheit der Angeklagten und de» hohen Grad der zwischen den Parteien herrschenden Feind- schaft und setzte deshalb die Strafe aus einen Monat Ge- s ä n g n i ß herab. Die Angeklagt« hat vielleicht davon läuten hören, daß Polizisten, Staatsanivälte und Gerichtshöfe sich hier und da ganz besonders»varm solcher Personen angenommen habe», die vorgaben, von-j-j-j- Sozialdemokraten vergeivaltigt worden zu sein. Zu den Moabiter Braudstiftuugeu. Zur Beobachtung auf seinen Geisteszustand soll der Zimmermann Galla? aus der Flens- burgerstraße Nr. 12, der beschuldigt wird, einen der Aufsehen und Bestürzung erregenden Brände in Moabit vorsätzlich angelegt inus ju haben, der Charitee überwiesen werden. Gallas wohnte auf dein genannten Grundstück im Keller des Seitenflügels. Im vergangenen Jahre machte seine Fran in Wittenberg einen Hebammenknrsns durch. Die Kinder, die im Alter von«inigen Monaten bis zu fünf Jahren stehen, befanden sich unterdessen bei der Mnttel.' der Fran, so daß Gallas sich allein in seiner Wohnung aufhielt. Im November war er eines Morgens früh weggegangen und befand sich auf seiner Arbeitsstelle am Marstall in der �Breitestraße, als»m U Uhr vormittags in seiner Wohnung ein Brand entdeckt wurde. Dort vermißte man gleich die Betten und die Wäsche. Einem Kriminalschutzmann, der ihn von der Arbeit zur Brandstelle holte, erklärte Gallas, vermuthlich hätten Einbrecher ihm Betten und Wäsche gestohlen und dann die Wohnung in Brand gesetzt. Da man zwei Brandherde fand, einen in der Küche und eine» im Flur, so wurde Gallas als muthmaßlicherBrandstister sofort verhaftet. Im ersten gerichtlichen Termine gab er im Gegensatz zu seiner früheren Aussage zu. daß er die Sachen selbst weggeschafft, die Betten auf den Speicher und die Wäsche zur Waschfrau gebracht habe. Im zweiten Termine, zu de», 23 Zeugen geladen waren, erklärte seine Fran, ihr Mann sei nicht zurechnungsfähig. Es wurde daher beschlossen, Gallas, der nach wie vor seine Schuld bestreitet, zunächst aus seine geistige Ver�tssung beobachten zu lassen. Klciderordnnng im Gcrichtssaale. Ein Zeuge, der gestern in einer dlauleinenen Arbeitsjacke vorder II. Strafkammer am Land- gerichl II erschienen war, wurde wegen dieser„Mißachtung des Ge- hts" in eine Ordnungsstrafe von 6 M. genommen! Ei» sauberer Aruleiikommissions- Vorsteher. Der frühere Znreanvorfteher Osch, Mitglied der Slrmenkommission in einem "Bezirk des Nordens, wurde am Lt. Februar d. I. von der vierte» Strafkammer wegen schwerer Sittlichkeitsverbrechen zu vier Jahren nenn Monaten Zuchthaus verurtheilt. Mit derselbe» Sache hing eine �Anklage wegen wissentlichen Meineids in zwei Fällen zusammen, welche gestern vor dem Schwurgericht des Landgerichts I gegen Osch zur Verhandlung gelangte. Er wurde zu einer Zusatzstrafe von einem Jahr sechs Monaten Zuchthaus verurtheilt, sodaß er insgesammt sechs Jahre drei Mona Zuchthaus zu verbüßen hat. Tie Frage, waS ein Privatkrankcuhauö sei, hatte» die Verw.'ltuugegerichte in einem Rechtsstreit z» entscheiden, dessen Aus- gang für die Inhaber von Polikliniken von sehr großer Bedeutung ist. Im vorliegenden Falle handelte es sich allerdings um die Be- rechtignng des polizeilichen Einschreitens gegen einen Mann, der die Heilkunst ausübt, ohne approbirt zu sei». Tie dabei berührten Frage» geben der Sache aber eine Wichtigkeit weit über die eigene Bedeutung hinaus. Der betreffende Heilkünstlcr, ein Herr Sandrowski, der sich Spezialist für Hanlkrankheiien nennt, ivill mit seinem Heißtrockenlufl-Verfahreii alle möglichen und nnmöglichen Krankheiten heilen können. Zu diesem Zwecke hat er i» einem Hanse der Rosenthalerstraße Badewannen und Jnhalalions- apparate aufgestellt. Die Leute, die kurirl sein, vollen, halten sich dort ein bis zwei Stunden auf und probiren das Ver- fahre. Hierin erblickte der Berliner Polizeipräsident den Betrieb eines Privat-Krankenhanses, der nach§ 30 der Gewerbe- Ordnung der polizeilichen Konzession bedürfe. Das aus niehrfaches Betreiben der Polizei von Sandrowski endlich ein- gereichte Genchmignngsgesuch wurde aus sanitätspolizeiliche» Gründen abgelehnt, und als S. darauf„sein" Aerfahren in der angegebenen Weise dennoch weiter anwandle, wurde ihm die zwangsweise Schließung der Anstalt angedroht. Dagegen beschritt S. den Rechtsweg, indem er bestritt, daß er eine Privat-Krankeuanstalt im Sinne des Z 30 der Gewerbe- Ordnung habe. Er gewann den Prozeß in beiden Instanzen. Die Auffassung des Polizeipräsideuten, daß Einrichtungen, wie sie S. besitzt, der Anstalt schon den Charakter eines Kraukenhauses geben, erklärte das O b e r- B e r iv a l t u n g s- gericht für falsch. Zum Begriffe des j?ranke»hauses gehöre, daß die Kranken in der Anstalt auch übernachtete» ' und daß die entsprechenden Einrichtungen vorhanden seien. Mißhandlung eines Lehrlings. Der Handwerksmeister Nodigkeil hat eine ausgesprochene Neigung zur Prügelpädagogik. Sein neuester Lehrling erhielt nicht nur„Katzenköpfe", sonder» Rodigkeit schlug ihn außerdem mit der Faust an den Kopf und stieß ihn gegen die Thür. Der Lehrherr, der wahrscheinlich auf diese Weise seine Tüchtigkeit als Meister beweisen wollte, wurde deswegen angezeigt, worauf die Staatsanwaltschaft gegen ihn vorging. Das Schöffengericht verurtheilte den Angeklagten zn fünfzig Mark eventuell zehn Tagen Haft; das Landgericht wies seine Berufung zurück. Das Nrtheil ging dahin, daß Meister Rodigkeit das Recht der„väterliche» Zucht", welches § 127 der Gewerbe- Ordnung auf den Lehrherrn überträgt, weit überschritten habe. Es sei eine strafbare Mißhandlung, wenn . der Lehrmeister den Lehrling mit der Faust gegen den Kopf schlage und ihn gegen die Thür schleudere. Bei Rodigkeit falle noch ins Gewicht, daß er es mit seinem früheren Lehrling schon ebenso ge- macht habe. Diese Lektion hielt aber den Vertreter des ehisamen Handwerks nicht ab, noch beim K a m m e r g e r i ch t Revision ein- zulegen. Doch auch der Strafsenat desselben wies ihn ab und er- klärte jene Prügelei für eine unberechtigte Mißhandlung, die straf- bar sei. Wege» Beleidigung des Fnßgendavmen Muökc in Britz hatte sich der Arbeiter Anton Braun aus Britz in der letzten Sitzung des Rixdorfer Schöffengerichts zu verantworten. Es wurde dem Angeklagten zur Last gelegt, zu mehreren Personen geäußert zu haben. Muske habe seine Frau beim„Kartoffelstoppeln" getroffen, jedoch keine Anzeige erstattet, weil man ihm 3 M. geboten habe. Der Angeklagte bestritt entschieden, jemals eine derartige Aeußerung gethan zu haben, obwohl der Arbeiter Krüger dies beschwor. Der Gerichtshof sprach den Angeklagten frei, da Frau Braun nie von dem genannten Gendarm bei einer strafbaren Handlung betroffen worden ist, und es daher unglaubhaft erscheine, daß ihr Mann sich in dem inkriminirten Sinne geäußert habe. Wozu brauche» Arbeitcrinne» sich nngenirt zn waschen? Einem Fabrikbesitzer war durch polizeilicheVerfügung ausgegeben worden, „binnen vier Wochen nach Empfang der Verfügung den Arbeiterinnen einen genügend großen und erhellten R a u nr zur Ver- fügung zu stellen, in dein sie sich nngenirt waschen und umkleiden könnten". Der Fabrikbesitzer kam dieser Verfügung nicht nach und wurde auf grund des§ 147 4 der Gewerbe- Ordnung verurtheilt. Seine hiergegen eingelegte Revision ist vom Kammergericht verworfen worden. Aus den vom Seuatspräsidenlen Groschnff in der„Deutschen Jnristen-Zeitung" mitgetheilten Gründen seien folgende hevorgehoben: Die gedachte Verfügung ist erlassen aus grund der den Polizeibehörden in ß 120ä der Gewerbe-Ordnung erlheilten Befugniß, im Wege der Verfügung sür einzelne Anlagen die Ausführung der- jenigen Maßnahmen anzuordnen, die zur Durchführung der im§ 120a,— o enthaltenen Grundsätze erforderlich er- scheine». Die Verfügung bewegt sich in den Grenzen des § 120b Absatz 3, wonach in Anlagen, deren Betrieb es mit sich bringt, daß die Arbeiter sich umkleide» und nach der Arbeit sich reinigen, ausreichende nach Geschlechtern getrennte 'Ankleide- und Wäschräume vorhanden sein müsse». Die Prüfung, ob die vorhandenen Einrichtungen für die Wohlfahrt der Arbeiter den gesetzlichen Erfordernissen entspreche», ist durch die an- geführten gesetzlichen Bestimmungen den Polizeibehörde» übertragen und die dem Angeklagten zugestellte Verfügung brachte ihm zun, Ausdruck, daß die den Arbeiterinnen zum Zwecke des Waschens und Ilmkleidens zur Verfügung gestellten Räume den Anforderungen, die a» solche Räume zu stellen sind, nicht genügte». Angesichts des jetzt sich vollziehende» Wohnungswechsels ist folgendes Erkenntniß des tlieichegerichls für weitere Kreile von Interesse: Die Keuntniß eines Micthers von Mängeln der gemielheten Sache beiAbschlub des Miethsvertrages schließt das Recht desMiethers. wegen Untüchtigkeit der Sache zn dem bestimmten Gebrauche vom Verlrage zurück zu treten, nicht unbedingt ans. Denn der Vermielher ist nach ß 270 des Allg. L.-R. Tbl. 1 Tit. 21 verpflichtet, dem Mielher den verabredeten, event. de» gewöhnliche» Gebrauch der Sache während der Mieihzeit zu gewähre». Es kommt deshalb darauf an, in welcher Beschaffenheit sich die Mielhsache nach der Absicht der Parteien dem Miether im konkreten Falle überlassen werden sollte. Sind Mängel vorhanden und diese dem Mielher bei Abschluß des Mieths- Vertrages bekannt, so muß auf grund der vorliegenden Umstände geprüft werden, ob die Beseitigung der Mängel durch den Vermiether bei Abschluß de? Vertrages, wenn auch sttUschweigend in Aussicht genommen ist. Ist dies auznuehmeu, so verliert der Miether die ihm ivegen llntüchligkeil der Sache zustehenden Rechte durch Kenntniß der Mängel nicht. Geben die Umstände dem Miether dagegen keinen Anlaß, die Ueberlassung der Sache in einem andern, als dem vorhandenen Znstand zu erwarten, so liegt in den, ohne Vor- behalt erfolgten Abschluß des Mielsvertraqes ein Verzicht auf die Geltendmachung der ihm in Folge jener Mängel sonst zustehenden Rechte. Nicht Hattmau», sondern Joseph Hellmann beißt der Schlächteruieister, dessen vtame in der gestern von uns veröfseut- lichte Zuschrift des Herrn Dr. Rosenberg, Schönebergerstr. 24, II rechts, ewähnt wird._ VersnnnnNtNigVN. Tie Färber tagten am 23. März bei Wille, Andreasstraße. Genosse Blau rock sprach über den Nutzen der Organisation. Angeregt wurde, in Znkunsl öfter Versammlungen abzuhalten. Ardrit«r.Kild»»g»sch,>Ie. Seinester-Ferien bis Mine April. ?>« Lrirhnlir der Avbeiter.z?iik»>»s«sch»l«, Brumienslr. 25, ist Ivochentags vo» 6— 9 Nbr, SoiunagS von 4-9 Uhr. unenlgeltlich für jedermann geöffnel: die ß> e f ch ä f I s il e II e der Schule N., Biunnenstrade 25. die den Aereins- vorstände» zur Lermittelung von Vorträgen wifseuschafliichen Tharatlers zur Verfügung fleht, Ist ebenfalls von«-» Uhr nachmittags geöffnet. Arbeiter Hi>»»«»»>,„l» Verllus und»mgegeuo.«orfiheuder«d. SI«uinann, Pafeivallerstr. 9. Alle Neuderuugeu im Verciuslaleuder sind zu richten a» Friedrich Karl um. Manteuffellir. 49, v. 2 Tr. Arbeiter. ztiiucherbunb Kerlin««lid Zl>ngeg,»d. Aendernuaeu im Vereinstatender sind zu richten an Hermann Braun fchweig, Dresdener- straße so, 2. Hof, 4 Tr. Knud der gesellig»,» Arbeitervereine Kerlin« und zlmgegend. Alle Zuschriften, den Bund betreffend, sind zu richten an H. V e n d i r, Aierandriuen- straße Ivo. Freireligiöse Gemeinde. Herrn E Vogiherr:. Tischler-Ftereiiü Sonntag, den 4. April, vormittags 9 Uhr, im Kommandanlenstr. 57: Verfamml vormittags ebendaselbst: Vortrag des großen Festsaal der Berliner Ressource,»onrmarwanlenstr. 57: Bersainrnlung. Freireligiöse Borlcfmis M----~ — Um n Uhr eisiige Sllavere." Heute Abend 9 Uhr, Melchtorstr. 15: Versammlung. Soiialdeniollratischrr Agitation«»-»-«!» sür den RetchStaos-WahltreiS Stralsund- Fronzburg- Rügen. Sonntag,".— tLeneratvertammtung. Zitherlliub..Karmonie". Heule Abend Platz 7: Sitzung und Uebung, „, P/rbaud der i» Aotzbearbeitung«- Fabriken«nd aus Pol, platzen beschäftigte,, Arbeiter pcntschland«. Ortsverwailung BerN» I. Montag, den de» 4. d. M.> bei Linie, Züdenstr. 3«: o Uhr,«aiser Franz-Srenadier- 5. April, abends Uhr, bei F. Wille, AndreaSstr. 25: Versammlung. STO» rechnung vom i. Quartal 1897 und Neuwahl des Vorstandes sowie sämiuilichcr «ommtssivnen._______ Vermifchkes Vom Wogv. — In O r a n i e n b u r g ist die Tochter eines Brettschneiders im Tanzsaal gestorben. Ursache: Zu enges Schnüren.— — Ein Agrarier witz. In der Sitzung des Provinzial- Landtages für Schlesien sagte der Abgeordnete von Gerlach, als über den Gesetzentwurf über die Entschädigung für Verluste durch Schweinekrankheiten berathen wurde: „Die eigentlichen Seuchenherde seien die Händler(Beifall) und eine richtige Desinfiziruna sei nur möglich, wenn die gesammten Bestände der Händler, Pferd und Wagen und der Händler dazu verbrannt würden."(Heiterkeit und Beifall.)— — In der„Hedwig Wunsch-Grube" in Z a b r z e(Oberschlesien) brach infolge einer Explosion schlagender Wetter am 1. April ein Grubenbrand aus. Um die Ursache zu ergründen, begaben sich einige Personen in die Grube hinab. Sechs Personen fanden hierbei den Tod. darunter der Besitzer der Grube, Borsig.— — Dr. M e r k, Kapellmeister am Hostheater in Wiesbaden, hat sich drei Revolverkugeln in den Kops gejagt. Er gilt als auf- gegeben.— — Auf dem Bahnhofe M a h l w i n k e l bei Tangermünde sind 3000 Kuvikmeler Grubenholz verbrannt.— — Bei der Haltestelle M Ü.H l e Schönau der Strecke Schwetz- Terespol ist die Leiche des Lehrers Gruetler ans Luschkowko auf dem Bahngeleise anfgesundc'i worden. Man nimmt an, Gruetter sei bei einem Streite erwürgt und aus dem Eisenbahnwagen ge- warfen worden.— — Cuxhaven, 2. März. Der dänische Dampfer„Riber- hnus", welcher den hiesigen Hafen passirte, berichtet, er habe zwischen Fanoe und Sylt das unt Holz beladene Wrack des schwedi- scheu Schooners„Betty Jensson", von Halmstad nach Bremen be- stimmt, angetroffen. Der Kapitän, der Steuer, nann und drei Malrosen wurden gerettet, das Wrack wurde»ach Gradyb bei Esbjerg geschleppt. Drei Mann waren vor Hunger und Kälte gestorben und� weggespült worden.— — Der Chefredakteur Stein von der in N ü r n b e r g er- scheinende»„Nordbayerischen Zeitung" ist nach der Schweiz entflohen. Es handelt sich»in ei» Vergehen gegen die Sittlichkeit.— ce. Der Pariser„Figaro" warf im Jahre 1387 2 23S 000 Frks. ab. Seitdem sind die Einnahmen vo» Jahr zu Jahr um 100 000 Frks. gesunken; im vorigen Jahre betrug der Reingewinn 1 494 000 FrkZ.— •— Das Dorf S t. P i e rr e- L i v r o n bei Montanban(Frank- reich), das auf eine», hohen Felsen an de», Bonnette-Flüßchen ge- lege» ist. droht vom Erdboden zu verschwinde». Seit einigen Tagen ist der Hügel, auf de», es liegt, im Abrutschen begriffen. Der Friedhof»»d 4 Häuser sind bereits verschwunden, die Kirche droht einzustürzen.— Stockholm, 2. April. Die Erben deS verstorbenen Ingenieurs Alfred v. Nobel haben vor Gericht Einspruch gegen seine testa- »lentarischen Verfügungen erhoben.— oo. Der Sultan mit dem l a n g e n N a m e n. Auf der Insel Java giebt es eine» Sultan von Djokjnkarla, Hamangkoe Boewono Senopati ing Ngalogo Ngabdosz Rahman Eajidi» Tanoto- Gomo Kalisatoellah VII.— Briefkasten der Redaktion. Tie juristische Sprechftnude findet Montags, Dienstag», Freitags und Sonnabends, abends von 7—8 Uhr statt. Tanz. Die von Ihnen ins Auge gefaßte Anstalt nimmt unseres Wissens nur Personen auf, welche der Unfallversicherung unterliegen. Hosfmann. 1. Wissen wir nicht, 2. Ersahren Sie in jeder größere» Buchhandlung._ _ W Itter, ingSiibersichi vom 3. April 1897. Stationen. u S S B B 5 O SS, ®l a.£ °lS a> l- a W vQ C tj Ol *t*"i4 «Ö iC r-e «L s»3 **(<$) letter «£ 2, glN g-e» Weiier-Prognose für Sonnabend, de» S. April 1897. Ziemlich kühl., vorwiegend trübe mit geringen Niederschlägen und mäßigen nordwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. §für den Inhalt der Inserate iiberiiimint die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Thentov. Sonnabend, den 3. April. OpernhanS. Die Afrikaiierin. Schauspielhans. Die Athenerin. Deutsches. Der Sohn des Kalifen, Berliner. Renaissance. Lessing. Aladamo Sans-G6ne. Neues. Trilby. Westen. Ncif-Reiflingen. Nachm. 4 Uhr: Häipel und Gretes. Residenz. Associös. Linde». Die Fledermaus. Thalia. Frau Lieutenant. Schiller. Ein Wintennärchen. Zentral. Ein fidelcr Abend. Volts. Voit Swfe zu Stufe, Friedrich» Wilhelmstädtifches. Ferdinand von Schill. Sltexanderplatz. Die Tanzflida. Ostend. Älein Geld. Apollo. Spezialitäten. Ainerieaai. Lumpe-Gastspiel: Ritter Benno von Schreckenstein. Passage-Panoptiknm. 32 Mädchen alls Samoa. Central-Theater. Alte Jalobstr. 30. Dir. Stich. Schultz, SBC'"* Borletzte Woche! Hiulk Xltomas a, Leopold Deutsch a, G. Ztun 58. Mate: fin ßdeler Abend. Burleske dramatische Revue in einem Vorspiel und 3 Bildern v. I. Freund und W, Mamistädt, Musik von Julius Einödshofer. Anfang'/e8 llhr. Morgen und die folgenden Tage: Gin sideler Abend. Schluß der diesjährigen Possen- Saison nnwiderruslich Sonntag, den 18. April. zriehrich Wilhelmsl. Theater, Chaussecstr. 2ö/2g. Zum ersten Male: Ferdinand von Schill. Vaterländisches Schau- spiel in ö Aufzügen von Hermann Besten. Sonntag, abends 8 Uhr: Große Doppelvörstelluiig zu gewöhnlichen Kasseupreisei,: Eine Tasse Thee. Lustspiel in 1 Akt n, d. Französische» von W. Drost. Hierauf: Ein kleines Mistverstäilduisj. Lustspiel in 1 Akt. Hierauf: Der Glöckner Pon Notre, Dame. Romant. Drama in sechs Tableaus v. Charlotte Birch-Pfeisser. Montag: Ferdinand von Schill. Vaterländisches Schauspiel in ö Auf- zügeu von Hermann Besten. Billets sind schon drei Tage vorher ohuo Vorbestellgebllhr an der Theater- lasse zu haben. Außerdem im In- valideudank, Unter de» Linden 24, bei Paul Nomeick, Leipzigerstraße«, und Julius Lengenfeld, Markgrafenstr. 50. Siszillov-ThrAkev (vVaUnvv-l'Iieatei-). Sonnabend, abends 8 Uhr: Ein Wintcrmärche». Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Der Millionenbauer., AbendS 8 Uhr: Am Tage des Gerichts. ApIIo-TIiestei*. Vollständig nenes Progranm und neue, unvergleichliche Bilder-Serie des und zwar: Pariser Karnevalzug. Der berühmte SchneNmalör Jtgg. Der Niagarafall im Winter(hoch- interessant), Russische National- tänzer. Ein Traum. Mist Eveline Ethardo. Station Warschauerstraste, �satensr-reier: 1. Fnrstenhalle. 2. Vorbeimarsch der Truppen. Das Sensattonsbitd: Endlich allein! und 1Ä neue Debüts. Kasseneröffnung G/, Uhr. Ans. 7l/t Uhr. ALv » 3« » Sa «■=•«. «■3g t" r a MWderM-Theater, Aleranderstr. 40. Heute und die folgenden Tage Gastspiel des urkomischen Bendix. Die Tanzfrida. Berliner Posse mit Gesang und Tanz in 3 Akten(4 Bildern) von Heinrich WUker. Musik von Albert Wicher, DM** Kleine Preise,-Wtzjj Anfang 8 Uhr. Säinmtliche ausgegebenen Bons be- halten ihre Giltigkcit. Billets stnd ohne Vorbestellgebühr schon drei Tage vorher an der Theater- lasse zn habe», Bormittags 11—1 Uhr und abends von V-I Uhr an. Sonntag, nachmittags 4 Uhr, zu kleinen Preisen: Genoveva. Märchen- drama in 5 Bildern v. Curt Maurice. IM-Restsunuit Variete- uiul Spezialitäten- Theater. Dresdenerstraste 97. Nord und Süd! Liederspiel von Richard Thiele. Hauptrollen: Kätke Rlonde.— Walter Kröning. Rudolf Schauss.— Max Röwer. Otto Wandt. Im vorderen Saal täglich! Grosses Künstler-Frei-Konzen. Eutree: Anfang heut. 8 SonntagS 6 Uhr.| Sonntags SO P Wochent.� 8_ Uhr.| Wochentags 20 Pf Ostend-Theater. Gr. Franlsurterstr. 132. Dir. E. Weist. Heute: Klein Geld. Posse mit Gesang in drei Akten von E. Pohl. Musik von Conrad!.— Anfang 8 Uhr. Sonntag, nachmittags 3 Uhr, halbe Preise: Berlin, wie es weint und lacht. Abends: Klein Geld. Volks-Theater 34. Reichenberger> Strasse 34. Pferdebahnstation: Kottbuser Thor. Von Stufe zu Stufe. Lebensbild in 4 Atten von Dr. Hugo Müller.— In Vorbereitung: Hopsen- raths Erbe». Volksstück mit Gesang in 5 Akten von H. Willens. Anfang 8 Uhr. Kasseneröffnung 7 Uhr. Thalia-Theater. (vormals Adolph Ernst-Theater). ..Fran Lieutenant." Vaudeville in drei Akten von Paul Ferrier»nd Antony Mars. Deutsch von Hermann Hirschel Musil von G. Serpctte und V. Roger. Anfang 7Va Uhr. Morgen und folgende Tage: Frau Lieutenant. vsstsn's kiluoptieuw. iiPypäen die kleinsten Menschen der Welt! Damen-Wettschivinnne». Fee,,- Palast,„«K,. Direktion Winklcr& Frtthel. W?" Neues"Mg Küu�tler- Personal Zum ersten Male: ün schwarzes Wiegenkind. Komische Operette, unter Mitwirkung des Dtrettors W i l h c l u, F r ö b e l. Verlängertes Gastspiel der lehenden Photographien mit dem Sensationsbilde: Endlich allein! Anfang 7l/j Uhr. Sonntags 7 Uhr. W* Entree 30 Pf."MA Passage- Panopticuni. Mädchen ans Samoa. Goncordia Varize-Theater Brunnenstr. 164. Täglich i Grosse Theater- und Spczlalitiiten- Vorsteliongr. Das beste Programm d. Nordens. Neu! Troupe R i ch a r d t(1 Herr, 1 Dame, i Kind) Akrobaten. Neu! Kathi Richter, Tyrolienne. Ne» I-ovs and little Adolfi, Tanzduetttsten. Ren! Ein geplagter Dichter. Posse. Anfang Wochentags 7V, Uhr. Donntags 6 Uhr. Umtausch- Billets haben Gilttj,keit. lipo II 1 9 Tauben- Strass* urama, xo. 48-4«. Naturkundliche Ausstellung täglich geöffnet von 10 Uhr vorm. ab. Eintritt 60 Pf. Wisfenfchaftl. Theater abendS 3 Uhr. SternWarteNrSÄdSn- Hof. Täglich von 7'/- Uhr abends ad 60 Pf. Im Theater- Saale täglich 8 Uhr abends Vorträge, mit Expert- menren». gr. Lichtbilder» ausgestattet. Näheres die Tagesanschläge. Nur noch kurze Zeit. lfrens Renz Karlstrasse. (JnbilänmS- Saison 1896/07.) Sonnabend, den 3. April 1897/ _ abends 71/2 Uhr: Galavorstellung;. IW Durchschlagender Erfolg. Aus der Mappe eines Außerdem: Der ostpreußische Hengst Blondel(Origwal-Dressur). Hierauf Monstrc-Tableau von 70 der edelsten Frelheitspferde, dreff. und vorgef. von Frau Robert Renz. Eine Schul- quadrille, geritten v. 8 Herren. Auf- treten der Schulreiterin Frau Rodert Renz mit dem Schulpferde Maestoso und dem Steiger Solo». Sonntag, den 4. April: L Tor- steilnngen. Nachmittags 4 Uhr (ermäßigte Preise und 1 Kind unter 10 Jahren frei): TJo Kl En mit den, beliebten Schellensptel. Abends 7>/, Uhr: AuS der Mappe eincS RiesengebirgS< Phantasten. Bahnhof Börse. Schluß der Saison am 15. April. Tonuabend. den Z. April 1897, abends 7l/z Uhr: Jubiläums- VorsieUnuq. 2 u m 100, Males Nach Sibirieu. DM- Zum I.Male: Die Todes- fahrt, ausgeführt in. e. Fünfgespann. Außerdem: Newsky Malorosiesky. gr. � Schulquadrille, ger. v. V Damen und lversaMlilng. TageS:- Ordnung: l. Stellungnahme zum 1. Mai. 2. Mitthcilungen des Vorstandes. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. DM- Ohne Hitglleds- kartc kein Zutritt. 112/16 Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Borstand. Deutscher Melltllarbetter-Verbilttd. Ortsvcrwaltnng Berlin. Heute Sonnabend, den 3. April, abends 8'/- Uhr, im Lokale des Herrn Ohst, Schönebcrg, Grunewaldstr. 110: ßlln Wesien und Schöneberg. T a g e s- O r d>t n n g: 1. Vortrag des Herrn Hr. Friedeberg über:„Der Einfluß der sogenannten sozialen Gesetzgebung auf' ogen lussion. 3. Verbandsangelegenheiten. Zahlreiches Erscheine» erwartet 121/12_ daS Leben des Arbeiters." Gäste willkommen 2. DiS- Die Ortsvcrwaltnng. A>lgtmti»e(Otts-itanliculialsf gewerblicher Arbeiter u. Arbeiterinnen. Die für die Wahlperiode 1800 und 1807 gewählten Delegirten. Arbeit- geber und Arbeitnehmer, werden hierdurch zu einer Ordentlichen General-Versammlung am Sonntag, den 11. April, vormittags 10 Uhr, in Oohn's Festsälen. Beuthstraste 21. 1 Tr., ergcbenst eingeladen. Tagcs-Ordnnng: 1. Bericht des Revisions-Ausschnsies zur Vorprüfung der JahreSrechnnng. 2. Ertheilung der Dccharge. 3. Antrag des Vorstandes: Aufhebung des Obcrpräsidial- Erlasses vom 10. Oktober 1804.(Zweiter Nachtrag des Statuts.) Abänderung des tz 13, iin 2. und 3. Satz, statt zweiundfünszigstcn Woche— zu setzen: sechsnndzwatizigstcn Woche. Im K 10 statt 52 Wochen — zu setzen: 20 Wochen. 4. Bericht des Vorsitzenden Herrn Haertel über den Stand der Zentralisationsfrage der Krankenkassen Berlins. Berlin, den 30. wiärz 1807. 205/0_ Der Borstand. A. Haertel, Vorsitzender. Achtung! Awdorf. Achtung! Sonntag, de» 4. April, mittags 12 Uhr. in den Biktoria-Sälen. Hermannstraste 49—50: Große öffentl. Volks-Dersamtulung t'iiv Frauen und Männer. Tagesordnung: I.Vortrag. Referent: Reichstags-Abgcordncter Frist Zubeil. 2. Bericht der Kommission betr. Statutcnbcrathnng des zu gründenden Bildungs-Vereins. 3. Wahl des Vorstandes. 203/13 Um recht zahlreichen Besuch bittet Die Einbernfcrln. Deutscher Noharbeiter-Verkand. Aehtnng Osten! Die Zahlstelle Langeftr. 05 ist verlegt nach der Kleinen Andrcasstraste 15 bei �lenmann(nicht 11, wie gestern irrthünilich angezeigt wurde).____ 88/4 Verband der Möbelpolirer. Bontag. den 5. April, abends S1/. Uhr, In Rixdorf, Knesebeckstrasse Vo. 118 bei Bock: WM" Versammlung."WU Tages-Ordnung: 1. Die Lage der Arbeiter vor und nach dem Streik. Referent: Kollege Blindel. 2. Diskusston. 3. Verschiedenes. 146/18 Die General- Versammlung findet am 10. April, abends 8V2 Uhr, bei Keller, Koppenstr. 29, statt. Tages-Ordnung; 1. Bericht des Vorstandes, Kassirers u. s. w. 2. Wahl. 3. Anträge betreffend 1. Mai u. s. w. 4. Verschiedenes.— Die Urania- Billcts, welche bis dahin nicht retour gegeben sind, gelten als verkaust.— Mitgliedsbuch ist an der Kontrolle vorzuzeigen. Der Vorstand. Achtung! Achtung! Uergolder! Hontag, 5. April, abends 8 I hr. Koniniandantenstr. 20 (Arminhallen): IWT Oeffentliche Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen IVagner über:„Streiflichter ans der Evolutions-THeorie". 2. Diskusston. 3. Bericht des Gewerkschafts-Delegitten und Neuwahl desselben. 4. Stellungnahme zum 1. Mai. 5. Verschiedenes. N.B. Die Kollegen von der Firma Huthenberg. Osk. Scholz und die Farbigmacher von Aug. Werkmeister find hiermit besonders eingeladen. 225/15_ Die Agitations- Kommission. Verein lier Maschinisten, Heizer und Berufsgen. Berlins und IJnlgcgend. Sonntag, den 4. April, nachmittags 5 Uhr, Ornnien- Strasse 51: Außerordentliche General- Versammlung. Tages-Ordnung 1. Antrag. 2. Vierteljährlicher Kassenbericht. Organisation des Kapitals und der Arbeit." Sekretär H. Hillarg. QuittnngSbuch legltimirt._ 3. Vortrag über:„Die Referent: Gewerkschafts- 138/14 Der Borstand. Verband der in Bnchbiudereien, der Pupier- und Leder-Galanteriewaaren-Jndustrie beschüft. Arbeiter und Arbeiterinnen Dentschlands. Zahlstelle Berlin. Montag, den 5. April 1897, abends S1/. Uhr, in Feuerstein s oberem Saal. Alte Jakobstrasse Nr. 75 t NHtglieder-Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Waldek Ilanasse. 2. Mitgliedschafts- Angelcgenheiten und Verschiedenes. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird dringend gebeten. 20/2 Der Vorstand. N.B. Den im Norden lvohnenden Mitgliedern zur Nachricht, dag die Zahlstelle bei Glcincrt aufgehoben und nach der Elsafserstr. Nr. 41. „Restauration zur Lokomotive", verlegt worden ist._ Fachv. der Musikinstruinenten-Arbeiter. Bontag, den 5. April 1807, abends 8V2 Ihr, im Lokal des Herrn J. Henke, Xaunynstrasse 27: Mitglieder- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung voin Maskenball. 2. Antrag betreffend Regelung des Unterstützungswesens. 3. Aufnahme neuer Mitglieder und Diverses. Um zahlreichen Besuch bittet Der Vorstand. Die Kollegen, welche noch Haskenball-Billets in Händen habe», werden ersucht, heute Abend 8 Uhr in: VercinSlokal, Naunynstraste 73, mit denselben abzurechnen. 142/8 Sonntag, den 4, April er., mittags 12 llhr. im Cöslinerstrasse 8: .Cösliner Hof". Große öffentliche Versammlnug sdnimtllchcr Arbeiter und Arbeiterinnen der Allgemeinen ElelttriMts- Gesellschaft unl) der Berliner ClektriMsmerke, Ackerstrassc. Brunnenstrasse. Dchlegelstrassc und Schiffbauerdamm. TagcS-Ordnung: Die gcgenwärtitie Lage der Metallarbeiter n«d die Arbeits- und Lolinverhältuisse in de» Werk- statte» der Allgettteitten Elektrizitäts- Gesellschaft «»d der Berliner Elektrizitätswerke. Referent: Faul liitfln. Allseitiges Erscheinen nothwmdig. Der Vertrauensmann der Berliner Metallarbeiter. _ Otto N a c t h e r, N., Auklamerstr. 44._ Achtnng! Achtung! JMr" Sf uckaieupe!"WW Kngarbciter. Am Sonntag, den 4. April, findet bei Werner, Bülowstr. 59, eine Morgcnsprache statt, zu welcher einladet 173/13__ Die Lohnkoinmlsslon. Einseguimgs-Anziige I in blau, schwarz, Eheviot-, Satin-, Kammgarn-:c. semsten Stoffen 1 | v. 10—30 M. Streng reelle Bedienung, auch n. Maas; i. eleg. Ausf. A. Wormann, DrMnerstr. I ������schäst: Skalisscrstraftc. Ecke Manteuffelstrasw. Wo machen wir unsere Herren- Parthie m hin? Znm alten 1077«- k'reunii ans Pichelswerder. Allen Freunden und Genossen empfehle bei Ausflügen und Besuch von Kirchhöfen mein"Weiss- und Bairisch-Bler-Iiokal. 1358C* Paul 8pindler, Schönstr. 10(letztes WirthshauS nm Pfcrdemarkt). Meine Gastwirthschaft mit Her- bergen, Verkchrölokal sammtl. Gelverl- schaften, will ich unter günstigen Be- dingungen Umstände halber verkaufen. Lübz fuT" H. Bäcker. Restaurant und Festsäle v. Julius Wernau Sohwedter- Str. 23—24. Empfehle meinen Saal, 500 Personen fassend, zn Versammlungen u. Festlich- kciten. Einige Sonnabende u. Sonntage (nach der 1. Mai), sind noch im kommenden Sommer zu vergeben. Albtim-u.l.etlei'mgi'kn-fgbi'ill Oskar Gundau, IM- Ecke Adalbertstrasse. Orts-Kraukenkaffe der Mechaniker, Optiker und verwandten Gewerbe. Ordentl. General- Versammlung sämmtlichcr Herren Vertreter aui Montag, 12.Aprtl, abends 8 Uhr, im Restaurant„Arinin-Hallen", Äouimandantenstr. 20. Tages- Ordnung: Für die Vertreter der Arbeitgeber: Wahl von einem Mitgliede zmn Vorstand. 1352b Für alle Vertteter: 1. Abnahme der Jahresrechnung pro 1800 und Decharge-Ertheilung. 2. An- trag des Vorstandes aus Abänderung der§§21 und 22 des Statuts. 3. Ver- schiedeues. Berlin, 3. April 1807. Der Vorstand. E. S ch I e n k e r, Vorsitzender. Ordentl. General- Versammlung der'Nts- Krankenkilsse der Mefferschmiede, Schwertseger und Arfertiger chirurgischer Justruiliente Sonnabend, 10. April, abends 8V2 Uhr, bei Bab icl, Roienthalerstr. 57. Tagesordnung: 1. Wahl eines Vorstandsmitgliedes (Arbeitnehmer). 2. Kassen- Bericht. 3. Bericht des Ausschusses über Ab- nähme der Jahresrechnung. 4. Er- Höhung der Beiträge ev. Herabsetzung der Kranken-Unterstütznng. 5. Lcr- schiedeues. Arbeitnehmer, sowie Arbeitgeber, die zuzahlen, sind eingeladen. 1350b Der Borstand. Bekanntmachung der Lrtskrllnkeukaffed.iselbgitßer Wir bringen hiermit die 7. Ab- änderung zu uniercm Statut:§ 13, Ziffer 3 wird folgcndermassen ab- geändert: „Im Falle der Erwerbsunsähigkeit vom ersten Tage der Erkrankung ab, einschliesslich der Festtage, welche aus einen Wochentag fallen, die Hälfte des durchschnittlichen Tagelohns,(§ 12) als Krankengeld." Diese Abänderung tritt am Montag, den 5. April er. in kraft. Berlin, den 2. April 1807. 1347b Der Vorstand Otts-Krankenkasse der Klempner. Zu der am Sonntag, den 11. d., vorm. lOU, Uhr, bei Stabernack, stattfindenden ordentlichen werden die Herren Vertreter d. Kassen- Mitglieder u. der Arbeitgeber hiermit ergebenst eingeladen. Tagesordnung: I. Verlesung der Protokolle. 2. Bericht des Ztechuungsausschusses und Dechargeertheilung. 3. Wahl eines Vorstandsmitgliedes der Arbeitnehmer. 4. Beschlusssassung über Abänderung der§§ 13, 17, 20, 23 u. 38 des Status. 5. Verschiedenes. 13546 Der Vorstand. Ordentliche Generalversammlnng der Delegirten der Orts- Kranken- kasse der Kürschner u. verw. Gewerbe zu Berlin am Montag, den 5. April er., abends 8 Uhr, im Restaur. I. Buske, Grenadierstr. 33. Tagesordnung: 1. Verlesung d. Delegirten-Präsenz- liste und des Protokolls der General- Versammlung vom 22.-November 1800. 2. Kassenbericht u. Bericht d. Revisoren. 3. Wahl des Nendanten u. Besoldung. 4. Wahl des Hilssarbeiters und Besol- dung. 5. Antrag:„Die Krankenunter- stützung auf 20 Woche» auszudehnen". 0. Kassenangelegenheiteu. 02/4 Delegirtenkarte legitimirt! Um pünktl. Erscheinen d. Delegirten ersucht Der Vorstand: W. Freyer, Vorsitzender, Heinersdorferstr. 0, I._ Ich wohne jetzt Jnvalidenstr. 118. doli. 8asscnbach. Allen meinen Korrespondenten theile ich hierdurch mit, dass ich von nun ab in Leipzig, Steinstr. 33, wohne. Wmfted WMlch. Franzose und Busse, 20 bis 25 Jahre, Osten wohnend, zum freundschaftlichen Verkehr gesucht. 1336b] Andrzejewski. Koppenstr. 03. Jetltslh. Porter Dessert- n. Malzkraftbier 1. Rang. Brauerei Burghalter, Potsdam. gegr. 1730, bes. s. Blutarme, Brustkranke, Bleichst, Wöchn., 0lekonv.?c.d. leicht bekömml., nahrh. krästtgste Bier:— Jstl>lutbild.,desh. bcsj. Gcsichtss. u. Gewichtszunahm. üverr. 14 Flasch. drei, 50 zehn M. er«. Jn Gcb.(-/„ Vb, Vis) 3. Sclbst- abz. wesentl. bill. Allein. Versandtst f. Berlin u.Prov. Portcrkellerei B i n g 1 e r, Berlin. Brunnenstrasse 152. NichtFlaschenzahl —Qual, entscheid. Empfehle mein Weiss- und Bayrischbier- I.okal allen meinen Freunden und Bekannten. August Bieberstein 1393S*) Lausisserplass 12a. Ecke EisenbaHnstr., fr. Lausitzer Platz 2. Landpartie nach kiclielzliei'ge „Rcichsgarien" bei Mutter Bausssch. Verband aller In drr§ Metallindustrie besch. Arb. Berlins und I'mg. Todes-Anzeige! Am Donnerstag, den 1. April, starb unser Kollege, der Reichs- tagS-Abgeordnete hfl Schültze. Ehre seinem Andenken! DerVerstorbene halfbereils vor seiner unfreiwilligen Abreise von Berlin, welche ihn: dasSozialisten- gesetz auferlegte, den Grund- stein legen zu der heutigen Organisatton der Metallarbeiter Berlins. Die Metallarbeiter Berlins werden ihrem Kollegen, der unentwegt für die Interessen des Proletariats eintrat, stets ein dauerndes Andenken bewahren. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 4. April, nach- mittags 3 Uhr, vom Trauer- Hause, Schlesischestr. 2, ans nach dem Friedhof der Freireligiösen Genieinde, Pappel-Allee. statt. 112/17 Der Borstand. Todes: e. Am 31. März starb unser Mit- glied, der Gürtler Emil Neumann. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag Nachmittag von der Leichenhalle des Thomas-Kirch- hoses in Ripdorf aus statt. Um rege Bethciligung bittet Der Vorstand. Kranketl- u. Vegräbnisjktlffe tl. Berl. Gürtler u. Bronceure. (E. H. OO.) Die Beerdigung des am 30. v. M. verstorbenen Mitgliedes, Gürtler ftnii Neumann findet am Sonntag, den 4. d. MtS., nachmittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des St. ThomaS-Kirchhofes aus statt. Um rege Bctheiligung bittet 205/10 Ter Vorstand. Für die vielen nb 5! Beweise der Liebe und Theilnahnie bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, sage ich allen Freunden und Bekannten, hauptsächlich d. Mitgliedern deS Berliner Raucherbundes und den Kollegen d. Werkstatt Dräsel meinen herzlichsten D a n k. 1357b Marie Zeschel nebst Kindern. Blousen, Jupons, fertige Wäsche, j Handschuhe, ISP Corsets, � Putzartikel, Gardinen, Portieren, i kauft man am billigsten im| Waarenhaus II. Bnaschy Brückenstr. 8. 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Welche» ZlnZgaug die Krelensische Empörimg nehme» wird, ist nicht voraiisziisehe». Soviel steht aber fest, daß die Jnsel, attch wenn es ihr nicht gelingt, die politische Vereinigung mit Orieche»- land j» erkämpfen, in keinem Falle mehr in das enge Vbhangigkeits- verhältniß von der Türkei, das früher bestand, zurückgezwnngen iverden kann. Das mindeste, was anch daS berühmte„europäische Konzert" zu garantircn sich bereit erklärt, ist die Autonomie, Selbst- gesetzgebmig und Berivaltung des Landes. Wie auch immer die Dinge sich wenden, jedenfalls geht das türkische Reich auch ans dieser Affäre wieder mit Verlust hervor. Unaufhaltsam zerbröckelt das lose Gefüge, Egypten nnd Tunis. Griechenland. Rumänien, Bosnien und die Herzegowina, Serbien, Bulgarien, Cypern, «in Gebiet nach dem anderen hat im Lause, meist in dem letzten Drittel dieses Jahrhunderts seine Un- abhängigkeit von der Türkei errungen, oder wurde der Machtsphäre europäischer Großmächte angegliedert. Nur zum Theile können die Ursachen dieses Dahinschwindens in den politischen und kriegerische» Wirre», in dem Andränge» fremder mächtigerer Staaten, vor allen Rußlands, gesucht werden. Die inneren politische» nnd w i r t h s ch a f t l i ch e n Verhältnisse sind es, die allem Anschein nach in erster Reihe hemmend wirken und in jenen fruchtbaren uralten Kullurgebieten Kleinasiens nnd der Balkanhalbinsel eine Lähmung erzeugen, die mit dem Niedergange der antiken Staaten manche Aehnlichkeitcn aufweist. Wir sind heute bei der Betrachtung der kapitalistisch prodnzirendcn Nationen so sehr gewöhnt an den Gedanken des ökonomischen Fortschrittes, daß uns der Anfstieg zu immer höher entwickelter Technik und damit zn immer größerem„Nationalreichthnm". der Grundlage, ans der politische Macht sich aufbaut, als etwas Selbst- verständliches erscheint; und die Entwickelung, deren Früchte von de» besitzenden Klassen vorläufig monopolisirt iverden, erscheint uns weiterhin als Vorbedingung und Triebkraft eines unendlich bedenk- sanieren Fortschrittes: als Mittel zu der Emanzipation der Arbeiter- klaffe, welche die anschwellende NeichthuiuSerzcugnng durch eine sozio- listische Organisation der Gesa>i»i>theit dienstbar zu machen strebt. Aber es ist nur ein kleiner Ausschnitt ans der gesammten Wirth- schaftsgcschichte, der dies rapide Fortschrittstempo aufiveist. Auf • wie viel Völker stoße» wir in der Vergangenheit, die in der überlieferten Produktionsweise, ohnmächtig, sie von sich aus zn eutwickel», Jahrhunderte, vielleicht Jahrtausende hin- durch stagniren! Und dann das andere Schauspiel, daß Gesellschaften, die lange Zeil hindurch alle Zeichen mächtigen ökouoniische» Ausschwungs zeigen, die bis an die Schwelle der kapitalistischen Produktionsweise und iveiler vielleicht vorgedrungen sind, in ihrem ivirthschafllichen Enlivickeliingsgang erlahmen, ökonomisch und politisch zerfalle»! Noch mehr, dieses Schau- spiel des Niederganges tritt nicht immer als ei» Resultat der nationalen Konkurrenz auf, derart, daß etwa die Handelswege sich verschiebe», und so das eine Volk ökonomisch gewinnl, was das andere verliert. Es giebt Epochen des Nieder« ganges, in denen die Entivickelung, ohne von einem Volk zum anderen überzuspringen, in dem G e f a m m t k u l t u r- gebiete unaufhallsain sinkt, um dann Jahrhunderte später, wenn andere Vorbedingungen geschaffen sind, auf einem sehr viel niedrigeren Niveau von neuem laiigsam zu beginnen. So ist die alte g r i e ch i s ch- r ö in i s ch e K u l t u r w e l t mit ihrer hoch- entivickelten Technik, mit ihrer ausgedehnte» Geldwirthschaft und blühendem Handel, lange bevor die Stürme der Völkerivanderuug über das Land brauste», von innen heraus im ivirthschastlichen Verfallsprozeß zu gründe gegangen, ohne daß das, was sie ökonomisch verlor, einem begünstigten stlivaleu zugefallen wäre. Ein außerordentlich wirkungsvolles, auf ausgedehnter Kenntuiß fußendes Bild der i» dieser versunkenen Welt bereits erreichten Wirlhschaftsstufe giebt ei» Vortrag von Prof. Eduard Meyer: „Die ivirthschastliche Entwickelung des Allerthums"(Leipzig 1895), der sich mit scharfer Polemik gegen alle Versuche wendet, «ine gradlinige ökonomische Entivickelungsreihc, die auf- steigend vom Alterthum zum Mittelalter und zur neuen Zeit fortläuft, zu konstruire». Dieser Glaube, meint er, sei„einem theo- logischen Bedürfnisse entsprungen" und werde durch die bekannte Dreitheiluug der Geschichte in Alterthum, Mittelalter und Neuzeit gestützt. Dem gegenüber könne„nicht energisch genug betont werden. daß die Entwickelung der Mittelmeervölker bis jetzt in zwei p a> rallelen Linien verlaufen ist. daß mit dem Nntergang des Alter- thums die Entivickelung von neuem anhebt, daß sie ivieder zurückkehrt zu primitiven Zuständen, die sie einmal schon längst über- wunden hatte." Die hellenistische Welt etwa vom 3. Jahrhundert vor Christus, deren Schivcrpnnkt bereits von Griechenland„ach dem schnell aufblühenden Osten unter der Führung Alexandrias ver- schoben ivar, kann seiner'Ansicht»ach„nicht modern genug gedacht iverden. Nur darf man nicht das neunzehnte Jahrhundert zum Vergleich heranziehen, sondern das siebzehnte und achtzehnte, wo auch der Seeverkehr durch Wind und Wetter vielfach gehemmt und nicht selten ganz unterbroche», die Landverbindnng häufig ganz miserabel, äußerst zeitraubend und durch Weggelder und Zölle, sowie durch das Paßivese» in weit höherem Grade erschwert und belästigt war als im Alterthume." Bildete auch die Produktion für den eigenen Bedarf, die kleinbäuerliche»»d die große, ost ganze Sklaven- beere zum Gütcranbau in kunstvoller Organisation verwendende Natilralwirthschast den allgemeinen Hintergrund der antike» Welt, so darf man über diesen Hintergrmid den bedeutende» Umsang wirklicher Waareuproduklion, den außerordentlich regen Exportverkehr und die große Zahl der gegen Lohn arbeitenden Freien und Hand- werker nicht übersehen. Das iväre ein ähnlicher Fehler, als>ve»n man de» ökonomischen Entwickelungsstaud der letzte» Jahrhunderte einseitig nach der oft weit zurückgebliebenen landivirthschaftlichen Pro- duktionsweise beurtheilen wollte! Der bloße Hinweis auf die Sklaverei erklärt es daher noch in keiner Weise, warum die eigentlich kapitalistische, mit juristisch freien Lohnarbeitern Waaren erzeugende Produktionsweise sich nicht»»mittelbar ans den ökonomischen Vorbediugiingen der antiken Kulturivelt heraus als herrschende entsalteu konnte, warum es da der Auflösung und der primitiven mittelalterliche» Neu- bildungen bedurft hat, ehe sie entstehen konnte. Damals bereits setzte sich ja nur ein T h e i l des arbeitenden Volkes ans Sklaven zu- sainine», und die Verwandlnng dieser in halbsreic und freie Lohnarbeiter hätte sicher(die vielen Freilassnilgen bezeugen es) an und sür sich keine nnüberwindliche Schwierigkeit geboten. V o r- b e d i n g u n g e n und E» t iv i ck e l n n g s t e n d e n z e n zu der modernen kapitalistische» Produktion waren allem An- scheine nach reichlich vorhanden. Aber das Spiel der ökonoi, lischest Kräste, das heute unsere ivirthschastliche Kultur zn scharfem Forlschriltstempo drängt, hat den Effekt, den wir nach Analogie unserer Ersahrungen zu erwarte» ge- neigt wären, damals nicht zn erreiche» vermocht. Warum es ihn nicht erreichen konnte, ivarnni diese ganze Kultur, wie der Versall der späteren römische» Kaiserzeit offen darthul, nicht nur in einzelucn Ländern, sonder» auf dem ganzen von ihr beherrschten Gebiete in eine Sackgasse verläuft, ist eine der ivichtigsten Fragen ökonomischer Geschichtsbetrachtung. Der Steuerdruck der römischen Regierung, auf den man biugewiesc», dürste doch höchstens einen Theil der Rnckgangserscheinungen erklären. Diese losen Bemerkungen haben ihren Ausgangspunkt: Die ivirthschastliche Stagnation des Türkenreiches nun allerdings gar sehr aus dem Auge verloren. Indessen hoffe ich. daß sie trotzdem den Eindruck ziellosen Umherirrens nicht machen. Das Allge- meine, auf welches wir von dem Besondere» ans lossteuerten, hat zu der materialistische G e s ch i ch t s a u s f a s s u n g, die doch als Grnndlage zum Berständniß aller besonderen Wirthschasts- Verhältnisse dienen soll, die allerengste Beziehung; und un- gezwungen bot sich hier die Gelegenheit, als Nachtrag unseres »euliche» Berichtes über die gcschichtsphilosophische Diskussion von Kaursky nnd Bax, auf einen in der Debatte noch nicht erwähnten kritischen Pnnkr: das Problem der ökonomischen Niedergangsepoche>i, hinzuweisen. M a r x erklärt de» Forlgang von einer zu der anderen Wirth- schastsweise(als Hauptstufe» erwähnt er die asiatische, die antike, die m i t r e l a l t e r l i ch e und bürgerlich-kapitalistische Produktion) durch den Druck, den eine steigende Entivickelung der produktive» Kräfte auf die altüberlieferten, einengende» Produklions- Verhältnisse ausübt, die dann im Klassenkampf gesprengt und durch neue, der fortgeschrittenen Technik angepaßte Gesellschastsforme» ersetzt werden. Der Fortgang erscheint so als Fortschritt. Aber eben darum scheint diese in der Einleitung„Zur Kritik der politische» Oekonomie" von Marx epigrammatisch formulirte Geschichtstheoric, die offenbar in erster Reibe an die Eni- stehung der bürgerlichen und a» die Triebkräfte einer werdenden sozialistischen Gesellschaft denkt, nicht für den allgemeinen Gang der ganzen Geschichte, vor allem nicht sür den Uebergang der hochentivickelten antiken zur mittel- alterlichen Wirthschaft zuzutreffen. Hier ist es nicht die iveitere Ent- fallung. vielmehr eine rälhsethafte Verkümmerung der produktiven Kräste, die als das umbildende Prinzip der ökonomischeu Ordnung sich bcthätigt. Eine aussührlichere Formulirung der materialistischen Geschichtsauffassung ivürde auch m. E. mit dieser hier nur flüchtig angedeutete» Thatsache zn rechnen uiid auf die Schranken der all- gemeinen ökonomischen Fortschrittsbewcgung, ans die Zickzacklinie der Entivickelung ausdrücklich hinzuweisen haben. Trotz seiner Flüchtigkeit hat unser Nachtrag sich zu bedenklicher Länge ausgesponnen. Es mag uns zur Entschuldigung dienen, daß die freilich sehr viel aktuellere Frage nach der b e- sonderen>v i r t h s ch a f t l i ch e n Stagnation der Türkei, nach de» Gründen nnd Wirkungen derselben, nach den Beziehungen, in denen sie zn der politischen Bewegung der Balkanvölker steht, von der einschlägige» Literatur in dichtestem Dunkel gelassen wird. Die abgerissenen Notizen, die»tan da nnd dorte» findet, schließen sich bei dem Mangel brauchbaren statistischen Materials zu keineui anschaulichen Gesammlbild der Volksgruppirung zusanimen und lohne» kaum die Reproduktion. Habsucht der Beamte», jämmerliches Transportivesen, das in neuester Zeit sich übrigens ctivas gehoben hat, eine verschivcuderische, unerschwingliche Schuldenlasten auf das Land häufende Regierung, Mißbrällche der Steuererhebung, hohe Naturalabgaben vom Bodenertrag, Binuen- zölle, die de» Handel im Lande erschweren, endlich auch eine ver- altete, de» freien Kails und Verkauf der Güter hindernde Organisation des Grnndeigenihitins, die de» größten Theil des Bodens»nter das Obereigenthuni des Sultans oder kirchlicher Stistilngen stellt, iverden abwechselnd als Ursache der ökouoinischen Misere angeführt. „Das reiche Land, erklärt ein guter Kenner der türkischen Verhält- nisse in de» 70er Jahren(Farley, dessen Schrift:„Der finanzielle und politische Verfall der Türkei", damals ein bedeutendes Auf- sehen machte), wird durch unfähige Berivaltung verwüstet. Die Haupt- sächlichsten Einuahmequellen, wie die Zehntpflicht, die Zolleinnahmen und Schastaxcu bringen nicht die Hälfte ihres richtigen Ertrages.. Was den Staat betrifft, so ist das ganze Finanzsystem desselben faktisch nichts anderes als ein gigantischer Betrug— ein Betrug bei welchem die Minister und lokale Mäkler Reichthümer ansammeln und der Bürger entsprechend geplündert wird... Weder die Staatseinkünfte noch die Ausgaben lassen sich bei dem fortgesetzten Borgsystem der einzelnen Deparlements mit Genauigkeit angeben". Seit dem Staatsbankrott der Türkei, die noch im Anfang der SOer Jahre kaum irgendwelche Schulden halte, wird der Steuerdruck sicherlich noch lastender geworden sein. Die Industrie ist fast durchweg im Handwerksbetriebe und Haus- fleiß stecke» geblieben, was exportirt wird, sind Produkte der Land- wirthschaft. Natürlich bieten die verschiedenen Provinzen auch wieder ein sehr verschiedenes Bild. Das aufständische Kreta, obwohl die Steuerlast hier nicht besonders hoch, gehört jedenfalls zu den Ge- biete», in denen die tiefe Depression mit am schärfsten hervortritt. Die österreichischen Kousulatsberichte der letzten Jahre bieten den besten Beleg dafür. Die Verhältnisse der Landwirthschaft, heißt es B. in den» 94 er Bericht aus Kanea, sind keine günstigen. Nur l» der Nähe der Städte bebaut der Kretenser seine Aecker und der Ertrag der letzten Ernte ivar höchst minimal. Die Olivenöl- Gewinnung, die»och einigermaßen die stillen Markiverhältnisse belebt, leidet unter der höchst primitive» Methode der Auspressung, durch welche das gewonnene Oel an Güte außerordentlich einbüßt. „Der Versuch, das hier gelvonnene Oel zu rasfinire», scheiterte an dein Widerstande der Olivenbesitzer, die sich gegen jede selbst in ihrem eigenen Interesse gelegene Neuerung sträuben." Der einst blühende Weinbau steht auf gleich niedriger Stufe, man begnügt sich mit dem einmaligen Ausscharren des Bodens und überläßt das übrige der Natur. Auch die Weinbereitung ließ, trotzdem die Re> gierung Fachleute entsandte und belehrende Publikationen heraus- gab, jeden Fortschritt zu rationelleren Methoden vermisse».„Die l a» d>v i r t h s ch a f t l i ch e T h ä t i g k e i t der Kretenser über- blickend, so resnmirt der Bericht die einzelnen Wahrnehmungen, gelangt man zn dem Schlüsse ,' daß, trotzdem durch Bodenreichthum, günstige klimatische Verhältnisse nnd ebenso günstige geographische Lage sännntliche Vorbedingungen sür eine hohe Entivickelung der Landivirthschast gegeben wären, letztere immer mehr in V e r f a l t geräth." Die Rindvieh- und Pferdezucht, ebenso wie die Zucht der Seidenraupe, alles früherblühendeZwetge, habenfast gänzlich ausgehört. Die Industrie steckt noch i» ganz primitive» Ansänge». Neben der Ledererzeugnug hatte vormals die Seifenproduktion eine geivisse Bedeutung. ja beherrschte sogar die orientalischen Märkte. Neuere Herstellungsinethoden im Auslände, denen die kretischen Produzenten sich nicht anbequemen wollten, haben aber diese» Industriezweig ails der Insel gänzlich untergraben. Die ganz geringe Metallindustrie des Laudes beschränkt sich darauf, billiges deutsches»»d englisches Eisen zu Pflugscharen und Olivenpressen, welche die heimische Land- ivirthschaft braucht, zu verarbeiten. Depression, wohin man immer blickt! Kein Zweifel auch, daß die Roth des Landes die Energie der nationalen Empörung mächtig geschürt hat. Eine Vereinigung mit Griechenland würde die Misere der Stagnation vielleicht in wenigen Jahrzehnten durch die doch immer- hin hoffnungsvollere Misere des beginnenden Kapitalismus ver- treiben. Die Griechen scheinen nämlich in der That unter ihrem alten Schutzgotl Merkur die großen Traditionen ihrer Väier, die sich bei allem ihrem Genie nicht übel aus de» Handel und industrielle Ausbeulung verstanden, höchst erfolgreich wieder ans- nehmen zu wollen. Ihr Staatsbankrott spricht nicht dagegen.„Es ist", so berichtet ein Athenischer Kousularbericht desselben Jahres, „eine unbestreitbare Thalsache, daß die Industrie in Griechen- l a!> d von Jahr zu Jahr neue Fortschritte anfzuweiseu hat. Sie konkurrirt durch ihre Billigkeit nicht nur im Inland, sonder» bereits in einzelnen Theilen des Orients mit dem europäischen Pro- tukt." 91» der Spitze marschirt die Baumwollindlistrie, die einen Tyeil ihres Rohuiaterials aus dem Inland beziehen kann.„In den Banliiwollspillnereien(des Piräus)", fügt der Bericht, die ganze Scheußlichkeit des jungen, noch durch keinen Arbeiterschutz gemilderten Kapitalismus mit einem Worte streifend, hinzu,„iverden viele Kinder zivischen 7(!) und 4l> Jahren beschäftigt, die für eine halbe Drachme und weniger täglich arbeite» und meistens dem Schulnuterricht entzogen werden." Doch Geld riecht nicht, auch ivenn das Blut verküinmerter Kinder an de» Goldstücken klebt! Der Lobgesang auf die Erfolge des griechische» Kapilalismus geht darum ungestört iveiter: In der Maschinenindustrie hat sich der Piräus, der Hafen Athens, zu einem der bedeutend st en Plätze aufgeschwunge»; die Kognak- Produktion kann einen enorme» 9lllfsch>vll»g verzeichnen, die Oel- destillalion ist e r f o l g r e i ch in Angriff genoininen; in der Hut- brauche, die früher nnr als Kleingewerbe belriebe» wurde, ist eine große Fabrik gegründet, in der Mühlenindustrie hat der Piräus alle anderen Plätze des Orients überflügelt ec. jc. Die eigentliche Grundlage der ökonomischen Existenz ist natürlich auch hier der Bodenanbau; Korinthen, Wein, Olivenöl(freilich auch Mineralien) bilden die Hauptartikel der ßlusfnhr. 9luch Kreta dürsten einst noch alle jene industriellen Herrlichkeiten blühen, wen» es das Ziel seiner nationalen Sehnsucht, die Vereinigung inil Griechenland erreicht. Und nicht nur Kreta! Die kapitalistische Erschließung des uralten orientalischen Kulturlandes, von der Zola seinen phantastischen Börsenhelden Saccard bereits unter dem zweiten Kaiserreiche träumen läßt, ist nur eine Frage der Zeit. Der alle» Slillstand aufrüttelnde Siegeszug des Kapitals wird durch keine Grenzpfähle einer vermorschten Regierung aufgehalten, unv ivenn er auch den Massen neues Elend bringt, so doch ein aufrüttelndes, vorwärtstreibendes,»ach Befreiung ringendes Elend, nicht das stumpfe, aussichtslose Elend der Stagnation. C. S. ionopol- Cheviot!! Ünsere bekannte Specialität SC»olld n. modern"WE ben iesen dnreh xalillosc Kinnrehlnngen, liefern wir in schwarz, blau oder braun S'/o Meter zum Anzüge für prima, 140 Centimeter breit, Extra zum Anzüge 12 Mark, reine Wolle, echte Maimarken Maikarten( uäÄ" in bekannter geschmackvoller Aus- führling wie bisher liefert 13440* Conrad Müller, Schkeudist-Leipzi«. Muster und Preislisten gratis. Zciuib' Festsäie.vonn. Paster Veno Kiinig- Strasse 7. 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