Linzige unabhängige Tageszeitung veutfchîands Nummer 156— 1. Jahrgang Saarbrücken, Freitag, den 22. Dezember 1933| Chefredakteur; M. B r a u n Ans dem Inhal! dominions gegen deutsche Aufrüstung Seite 2 Vue einet Ctkiäcung Jlaut^lBoncuucs Seite 2 JiustecgiiUiçec Jiaexismus Seite 4 JCathoUkenuecfolçunç Seite 7 Pie rote Notflagge Polizeijagd im Schweizer Schnellzug auf die„Deutsche f reilich Eine fran KIM an Unser Blatt macht der Geheimen Staatspolizei einige Sorge, obwohl es nicht zur Massenverbreitung im Reiche de- stimmt ist. Das ist schon wegen des Formates nicht möglich. (Sine Zeitung, die illegal von Hand zn Hand gehen soll, must auf dem leichtesten Papier und in sehr kleinem Format ge- druckt sein. Der Wunsch nach Ausklärung ist aber drüben so groß, daß trotzdem zahlreiche Exemplare der„Deutschen Freiheit" ins Reich gelangen. Ab und zu gehen uns zor- lesene Exemplare zu, die uns zeigen, dast sie solange die Runde machen, bis die Ruchstaben kaum mehr zu erkennen sind und die oft gefalteten Blätter zerfallen. Die meisten dieser Zeitungen gehen ans Wegen in das Reich, die den Zu- griffen der Polizei und ihrer Spitzel nicht ausgesetzt sind. Ab und zu freilich wird einmal ein Leser der„Deutschen Freiheit" im Eisenbahnzng gcfastt und zu schwerer Strafe verurteilt. Bis zu achtzehn Monaten Gesang- n i s sind schon für den Resist eines einzigen Blattes der „Deutschen Freiheit" verhängt worden. Die Bestraften waren durchweg harmlose Leute, die sich der Gröste ihres Bcr- brcchens nicht bewustt waren oder Auslandsdeutsche und Saarländer, die keine rechte Borstellung von den Gefahren des„dritten Reichs" hatten. Jedenfalls zeichnet uns die Ge- Heime Staatspolizei dadurch aus, dast sie ständig an allen Grenzstationen aus die„Deutsche Freiheit" fahnden lästt. Damit begnügt sich diese eifrige. Behörde sticht. Nunmehr hat sie uns eine Ehrung von geradezu internationaler Be- dentnng zuteil werden lassen, die wir nicht nnr aus Be- schcidenheit, sondern auch aus Rücksicht auf die deutschen Interessen ablehnen müssen. Zwei Beamte der Geheimen Staatspolizei haben auf offener Strecke einen Schweizer Schnellzug überfallen und die zahlreichen Schweizer Bürger in dem Zuge strengstens vernommen, ob sie nicht etwa die „Deutsche Freiheit" bei sich zu führen wagen. Ans der Strecke Zürich—Schafshausen durchfährt der Zug einen schmalen deutschen„Korridor", und zwar zwischen den Weltstädten Jestetten und Lottstetten. Die Geheime Staats- polizei kam auf die ihrer würdige Idee, aus diesem Fleckchen deutschen Hoheitsgebietes den Schweizern einmal einen kleinen Anschauungsunterricht von den Freiheiten im neuen Deutschland zu geben. Es tauchten plöstlich zwei Kerle zwischen den Schienen aus, schwangen die rote Notflagge und brachten so den Schnellzug zum Halten. Der Lokomotiv- fübrer must nach seinen Bestimmungen den Zug zum Halten bringen, wenn die rote Notflagge gezeigt wird. Die zwei Leute, der eine Zivilist, der andere>n einem ver- schliflenen Uniformmantel, gingen dnrch den Zug und ver- langten schnauzend, ohne sich zu legitimieren, von den Reisenden Pässe und Zeitungen. Sogar die„Nene Zürcher Zettung" kam ihnen verdächtig vor. Ein Schweizer, der es wagte, in diesem Schweizer Schnellzug, der im inneren Sckweizer Berkehr bleibt, auch wenn er ein paar Minuten deutsches Gebiet berührt, das Züricher Rlatt zu lesen, wurde hochnotpeinlich vernommen. Das Rlatt wurde ihm erst wieder zurückgegeben, als er sich als Schweizer Bürger aus- wies. Zahlreiche Reisende hatten keine Pässe bei sicki, da sie mit Recht glaubten, sich im internen Berkehr der Schweizer Bundesbahnen zu befinden. Mehrere Reisende wurde» mit der Verhaftung bedroht:„Sie befinden sich hier auf deutschem Boden. Wenn Sie sich nicht fügen wollen, werden Sie mit- genommen!" Der Reisenden bemächtigte sich wegen der Frechheit und Rücksichtslosigkeit der beiden Polizeibeamtcn groste Erregung. Als der Zug wieder ansuhr, verabschiedeten sie sich von den neben de» Schienen stehenden Störenfrieden mit kräftigen Schimpfworten. Die beiden ftaatspolizeilichen Beamten begründeten ihren Ucberfall damit, dast wiederholt die„Deutsche Frei- heit" vom Schnellzug Zürich—Schasshausen aus deutsches Gebiet abgeworfen worden sei. Die Aktion sollte nuu Pro- pagandisten unseres Blattes ermitteln. Es wurde aber bei keinem Reisenden ein Exemplar gesunden. Der staatspolizei- liche Schlag ist also daneben gegangen. Er hat nur für die „Deutsche Freiheit" Propaganda gemacht und den Schweizern, die ohnehin zu vielen Tausenden Freunde unseres Blattes sind, noch mehr bewiesen, wie sehr das groste mächtige„dritte Reich" nervös wird, wenn auch nur in dem kleinsten Winkel deutschen Gebietes die„Deutsche Freiheit" eindringt. Die Gencraldirektion der schweizerischen Bundesbahnen hat durch diesen Ueberfall eine Quittung dafür bekommen» dast sie jüngst unser Rlatt in den Personalräumen der Grenzstationen verboten hat. Je mehr die Schweiz Ent- gcgenkommen zeigt, umso nichtachtender wird sie vom„dritten Reich" behandelt. Ein Bericht der Generaldirektion der schweizerischen Bundesbahnen über die Durchsuchung des Schnellzuges Zürich—Schasfhausen durch deutsche Polizei- organe ist dem eidgenössischen Eisenbahndepartement zn- geleitet worden. Auch das politische Departement beschäftigt sich mit der Angelegenheit. Die Regierung in Bern ist der Meinung, dast ans Grund der bestehenden Staatsverträgc Deutschland zur Durchsuchung des Schnellzuges aus seinem Hoheitsgebiet berechtigt war. Man verhehlt aber auch nicht, dast man in der Art des Borgchens eine unfreundliche Mast- nähme und unerwünschte Härte empfindet. Die Schweizer Bevölkerung ist empört, weil sie nicht begreift, dast man nicht einmal mehr in einem Schweizer Zug vor der Geheimen Staatspolizei sicher lein soll. Beunruhigt ist auch das Bahn- und Postpersonal, das seine besondere Bespitzelung durch die Geheime Staatspolizei befürchtet. Nach einem Bericht der Basler„Nationalzeitung" haben die beiden deutschen Polizeibeamten zu ihrem Manöver eine Arbeiter- g r« p p e benutzt, die unter Leitung eines schweizerischen Borarbeiters auf deutschem Gebiet arbeitete. Die benachbarten Stationen sind durch die deutsche Polizei nicht benachrichtigt worden. Der von der vorhergehenden Station gemeldete Zug traf ans der nächsten Station nicht>-echt,eittg ein. ohne dast man bort den Grund erfahren konnte. Man erblickt in dem polizeiliche» Ueberfall auf de» Schnellzug eine Störung d-s Fohrplanes und eine ernstliche Gefährdung der Betriebssicherheit. Da es noch mehrere„Korridore" gibt, die man im Grenz- gebiet im internen Berkehr z« durchfahren hat, sind die Schweizer der Meinung, dast die Bundesbehörden schleunigst eine Klärung herbeiführen müssen, ob die Schweizer in ihrer eigenen Bundesbahn noch lesen dürfen, was ihnen beliebt, und ob sie von einer Schweizer Stadt zur andern eines Passes bedürfen, wenn die Geheime Staatspolizei des „dritten Reiches" ihnen das vorschreibt. JU*f\4Uf*.vWir J^.\'V^wYy.yi\Av. OUujwAt fj 33 4#- y»Mr ajv SIÎ mwi M-rfeZv lot Avw'pw ä»vi£^»|vri|wv. M»vr/Wv|V AJtAWrtvÇC,-Wtfu'jvw'frvv'üloh/ Avlj-yt-S&lAj IlWW, fuvYVWV.vUvf&VA%VYY, fat '• fa* ÎLwbw um 1 a*vV v-wU-, V 0\juvMvy»v\vv CVv*w-U*w&%<■' Hz, /Ml Afcvvl CirWMiV* ÄftAMvtr ÄWlhviT Am fyAw ■sJt ^rVvV'WVlAi«;, /Ml »VSVvW*.^ yvvvvw IW /vAivr— no*-» * 400000 werden sterilsiert 1700„Erbmesunciheitsmerichte" Am 1. Januar tritt das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses in Kraft. Wie verlautet, werde» im ganzen Reichsgebiet bis zum l. Januar annähernd 1700 Erbgesund- kicitsgerichte, davon allein rund 1000 in Preußen, ferner 27 ErbgesundheitSobergertchte entstehen, die sofort ihre Arbeit aufnehmen. Die Wissenschast hat sich bemüht, einen vor- läufigen Anhaltspunkt über die Zahl der Personen zu finden, die innerhalb kurzer Zeit einer Sterilisation unter- zogen werden müssen. Sie schätzt diese Zahl auf rund 400 000 Menschen. Sie verteilen sich auf alle neun Krankheiten, die das Gesetz als Erbkrankheiten aufzählt, der größte Teil jedoch, die Hälfte leidet an angeborenem Schwachsinn. Die rund 400 000 Kranken bestehen etwa je zur Hälfte aus Männern und brauen. Auch über die Kosten der Unfruchtbarmachung sind bereit? Erhebungen angestellt worden. Sie dürften im Laufe der Zeit eine nicht unerhebliche Minde- rung erleben, weil die Erfahrungen auf diesem Gebiete größer werden. Heute setzt man für die Operation eines Mannes etwa 20 Mark an. Sic ist so einfach durchzuführen, daß der Mann nur vier Tage zu liegen braucht. Auf 200 000 Männer gerechnet, würben die Gesamtausgaben also rund vier Millionen betragen. Etwas umständlicher ist der Eingriff bei Frauen. Sie bedürfen mindestens eines achttägigen Krankenlagers und eines Aufwandes pro Kopf von etwa 50 Mark, so daß die Sterilisation von 200 000 Frauen 10 Millionen Mark kosten würde. Diese 14 Millionen Mark bedeuten zunächst eine Sonderlast in den ersten Jahren. Pro- lessor Lenz hat den jährlichen Aufwand für die Erbkranken im geringsten Falle mit 350 Millionen berechnet. Friedrich Burgdörfer kommt sogar zu einem Betrag, der von einer Milliarde nicht weit entfernt ist. Gemessen an diesen Ziffern ist die Ausgabe von 14 Millionen gänzlich unbedeutend. Nach zehn, zwanzig oder dreißig Jahren wird man feststellen können, daß wir jährlich Hunderte von Millionen durch Minderaulwendungen für die Erbkranken sparen. Die Auf- bringung der Lasten geschieht zum größten Teil durch die Träger der Sozialversicherung, insbesondere also durch die Krankenkassen. Für nicht krankenversicherte Personen wer- den im allgemeinen die Fürsorgeverbände einzutreten haben. * So lautet die offiziöse Meldung. Hunderttausende zittern in Hitler-Deutschland vor einem gewaltsamen Eingriff mit für sie unübersehbaren Folgen. Wir veröffentlichen ein Bild der Familie Stenz er nebst einem Brief der Frau Stenzer. Das tragische Ge- schick der Familie und ihrer Kinder, deren Mann Reichs- tagsabgeordncter in Deutschland war und von den National- sozialistcn im Konzentrationslager Dachau ermordet wurde, ist erschütternd: Frau Stenzer selbst wurde im April d. I. in München als Geisel verhaftet und ins Gefängnis Stadclheim über- führt. Ihre drei unmündigen Kinder blieben schütz- und hilflos zurück. Nach sechs Wochen verhaftete man ihren Mann. Dieser wurde in das Konzentrationslager in Dachau eingeliefert, wo man ihn drei Monate lang,' dauernd ge- feßelt, im Arrestkeller des Konzentrationslagers gefangen hielt. Seine Nahrung, die ihm nur alle drei Tage ver- abfolgt wurde, bestand ans einem Krug Wasser und einem «tück Brot. Bei seiner Einlieserung wog er 87 Kilogramm, kurz von seinem Tode 53 Kilogramm. Während der Zeit semer Gesangenschast hielt man auch seine Frau weiterhin gefangen. Am 22. Angnft wurde der Reichstagsabgeordnete Stenzer nachts nm 12 Uhr ans dem Hof des Konzentrations- lagers Dachau füsiliert. Frau Stenzer wurde eine halbe Stunde vor seiner Beerdigung freigelassen. Frau Stenzer Iii" Entlassung in den schlimmsten Wirtschaft- lichen Verhältnissen, mußte sich tagtäglich bei der Polizei in..oeii und wenn nicht die Solidarität der Roten Hilfe ihr aus Deutschland herausgeholfen hätte, so wäre sie mit ihren drei Kindern der größten Nvt preisgegeben. ällC? Paris» im Dezember 1933. Mein Mann, Franz Stenzer. wurde am 22. August 1933 o°''.^'â"sten im Konzentrationslager Dachau ermordet, nachdem man ihn drei Monate lang auf bestialische Weise ^«iL^aemaiteri Satte. Seine Leiche war völlig un- kenntlich. Erst als ,ch an setner rechten Hand eine Narbe konnte ich glauben, daß es wirklich mein Mann war. Monate im Gefängnis und in dieler ganzen Zeit ohne Nachricht von meinem Mann. Denn es war ckhm verboten, mir zu schreiben. Unsere drei Kinder OÏL]!" l on fahren lebten inzwischen unbeauf- ftwA y tn«w Ä5 Verhältnissen und waren auf die Hilse fremder Menschen angewiesen. jch îch schließlich aus dem Gefängnis entlassen war ich von Nationalsozialisten überwacht und auch ge^ Ichlagen. Meine Kinder wurden in der Schule gezwungen à^^^^er ihres Baters mit„Heil Hitler" zu arüßen. Die Rote Hilfe hat uns nun geholfen aus faschistischen Mörderdentschland* wir wieder als Menschen hätte uns auch weiter ...W„JP diesem herauszukommen, so daß leben können. Ohne ihre Hilf- Verfolgung und Kerker bedroht. 4 % eotZuOU- \ Das Neueste Erklärung Pan! Doncour s? Rand am die deutsche Forderungen Paris, 21. Dez. Die Zeitung.Le Jour" glaubt zu wissen, dag der Vorsitzende des auswärtigen Ausschusses der Cammer, Herriot, bei dem Ministerpräsidenten und dem Außenminister einen Schritt unternehmen wird, um die Re- gierung zu einer«Geste, die eine Handlung darstellt", aut- zu fordern. Herriot würde anregen, baß der Außenminister vor Beginn der Parlamentsferien von der Kammertribüre eine austenpolitische Erklärung abgebe, möglicherweise erst »ach seiner Unterredung mit Sir John Simon, der heule abend in Paris erwartet wird. vie Vorverhandlungen Paris, 21. Dez. Mit den diplomatischen Vorverhandlungen beschäftigt sich auch heute ein grostcr Teil der Presse. „O e u v r?" erklärt, die französische Regierung bleibe dem Grundsatz der Abrüstung im Gegensatz zur Ausrüstung trcn. Die französtsch? Regierung scheine die Jnternationatislernng des deutschen Aufrüstungöproblems zu verfolgen, und sie scheine Wert darauf zu legen, dast alles in Gens zur Ver- Handlung gestellt werde. Sie wolle zu dem Abrüstungs- konventionsentwurf vom 2'1. n. zurückkommen, der bisher niemals ungekürzt veröffentlicht worden fei, und der aui die englisch-sranzöfisch-italienisch-amerikanischc Fühlungnahme in Paris zurückgehe. Danach sollte Deutschland alle seine politischen Truppen auslösen und die Gleichberechtigung erst nach einer Beivähruugszcit von acht Jahren erhalten können. Nielleicht werde Frankreich setzt hinsichtlich der Lust- fahrt und möglicherweise auch in anderen fragen Deutsch- land einige Erleichterungen bewilligen, wenn dieses sich niit den grundsätzlichen Bedingungen des französischen Ent- tvnrses einverstanden erkläre. Zum Schlust wird erklärt, ein Kompromist werde vielleicht gefunden werden können, aber nicht sehr bald. „République" meint, es gebe keinen Grund zu der Annabnie. dast die Aufrüstung Deutschlands eine nnvermeid- liche Tatsache sei, mit der stch Frankreich abfinden mttüe. Zur Reise Sir John Simons nach Paris schreibt der Lon- doner Korrespondent des..Matin": In gutunterrichtetcn Kreisen habe man erklärt, Sir John Simon begebe stch ohne formelle AnweKnngen nach Paris, denn das englische Kabinett habe sich noch nicht über den genauen Wert der deutschen Vorschläge ausgesprochen, soweit sie eine Grund- läge kür eine Wiederaufnahme der Genfer Debatte zwecks Abschlug eines AbrttstnngSabkommenS darstellen. Man ver- sichere, dast die Reiie Tir John Simons vorläufig bezwecke, den französischen und italienischen Standpunkt mit dem Ein- druck zu vergleichen, den die englischen Minister von der deutschen Initiative gewonnen hätten. „E ch v de Paris" ist auch gegenüber England mist- iranisch. Das Blatt meint, Simon werde Frankreich den Rat geben, den friedlichen Versprechungen Deutschlands zu ver- trauen und aus weitere militärische Vorbereitungsmast- nahmen zu verzichten. Leider sei Sir John Simon nicht er- »nächtigt, für den guten Ausgang des Unternehmens zu garantiereit. Laufe das Unternehmen schlecht aus. dann werde England Frankreich keinerlei Beistand leisten. Wenn Hitler morgen neue Ansprüche geltend mache, so habe^Frankreich nicht einmal die Gewißheit, dast England sie nicht stützen werde. Sir lohn Simon London, 21, Dez. Sir John Simon»vird seine Unterhaus- erklärung über die Abrüstungsfrage heute vormittag ab- geben. Am frühen Nachinittag will der Staatssekretär nach Paris abreisen. Für Freitagvormittag sind Besprechungen mit Paul-Boncour und Ministerpräsident Ehautcmps vor- gesehen Am Samstag gedenkt Simon nach Eapri abzu- reifen. Seine Zusammenkunst mit Musiolint wird wahr- scheinlich in Roin Anfang Januar erfolgen. Der diplomatische Korrespondent des„Daily Telegraph ineint, die Entscheidung darüber, ob Simon auch Berlin be- suchen werde, dürste sich aus dem Verlaus seiner Besprechung mit Mussolini ergeben Der politische Korrespondent der„Morning Post" führt aud, Sir John Simon»verde bei seinen Besprechungen in Paris und Ro,n einen Weg ausfindig zu mache» versuchen, uin einen endgültigen Zusammenbruch der Abrüstungs- konferenz bei Wicderzusaminentritt des Büros am 21. Januar zu verhindern. Titulescu Paris, 21. Dez. Das„Oeuvre" bringt eine Meldung aus Bukarest, wonach der rumänische Außenminister Titulescu von der französischen Regierung die Einladung erhalten habe, zu einem amtlichen Besuch nach Paris zu kommen. Titulescu habe diese Einladung angenommen, der Zeitpunkt seiner Pariser Reise werde später festgesetzt werden. Ilm die Saar Paris, 21. Dez. AuS einer offiziösen Information geht hervor, dast entgegen den ersten Meldungen in dein deut- schen Meinorandum in keiner Weise die Forderung nach einer Rückgabe des SaargebieteS ohne Abstimmung, die Hitler in setner ersten Unterredung mit Fra»,cois-Poncet ge- stellt hatte, er»vähnt worden ist« Dominions neuen Aufrüstung London, 20. Dezember. Ter Gesandte Grost-BritannienS in Verlin. der auf seinen Posten zurückgekehrt ist, überbringt nicht nur die Wünsche seiner Regierung für die Fortführung der Abrüstungsverhandlungen, sondern auch eine klare Stellungnahme der englischen Dominions gegenüber den jüngsten Forderungen Deutschlands. Die Londoner Vertrc- ter der DvininionS, die in einer gemeinsamen Sitzung be- fragt ivurden, haben entsprechende Kommuniques mit ihren Regierungen ausgetauscht. Man erklärt, dast M. Bruce, der Ministerpräsident Australiens und M. F e r g u s o n, der Hohe Komintssar von Kanada, mit allem Nachdruck ihren Befürchtungen dahin- gehend Ausdruck gegeben haben, dast selbst eine Teilans- rttstung Deutschlands«ine Bedrohung des europäischen und des Weltfriedens bedeute. Di« Anhänger einer„subftan- tiillcn" Aufrüstung Deutschlands sind ob dieser Nachrichten nicht wentg erschüttert. Jin Lande aber»vächst die Kritik gegen die passive Haltung der Regierung Macdonald. Die öffentliche Meinung zeigt immer stärker»verdenbe feindlich« Tendenzen gegenüber den deutschen Forderungen. Vor allem seit man weist, dast Deutschland die im Versailler Vertrag und im Locarnopakt vorgesehenen Artikel, die ent» militarisierte Zone betreffend, geändert haben will. Immer deutlicher setzt sich die Ausfassung durch, daß England»„wirk- licke Grenz« am Rhein" ist. Im übrigen hat da« teilweise Versagen der ReickSbank gegenüber privaten ausländischen Gläubigern de« Reiches den denkbar schlechtesten Eindruck gemacht. Die Schlange »o« Arthur Landsberger.») «I» ich mir endlich ganz klar über meine Gefühle für Hilde und entschlossen Ivar, sie zu heiraten, sagte ich zu ihr: „Da ich bei unserem Altersunterschied und meiner Ver- gangenheit nicht daran denke» darf, Tie zu heiraten, so wollen wir wenigstens gute Freunde sein." „Haben Tie einen Mord ans dem Gewissen?" fragte sie teil- nah»,«voll. „Wenn eS nur das wäre!" erwiderte ich. Sie erschrak. „Ja,»vas haben Sie denn verbrochen?" „Ich habe obschon ich seit zehn Jahren nur meiner Alben lebe, das. was»nan gemeinhin einen schlechten Ruf nennt." „Wodurch haben Sie den erworben?" fragte Hild«. „Ich habe von meinem zwanzigsten bis dreisttgstcn Lebens- fahre öffentlich getan, ivas alle anderen bis zu ihrem sech- zigsten heimlich tun. Ich habe gebummelt." „Ist denn, das so schlimm?" „Ich habe keine Rücksicht auf die Gesellschaft genommen! Schlimmere? gibt es nicht! Tie dürfen alles— nur eines dürfen Sie nicht: Anstoß erregen. Bei einem Diner iin Tier- garirn ablagen und ain selben Abend mit einer chöuen Schau- fpielerin in einer Loge gesehen»verde», ist schlimmer als ein gemeines Verbrechen, sofern es nicht an die große Glocke koinmt!" „Das ist doch ganz verrückt!" „Diese Mentalität ist ein notivendiaes llebel. ohne daö die Gesellschaft nicht bestehen kann" erwiderte ich. „Dann sollte man aus die Gesellschaft verzichten." erklär.« Hild« mit Nachdruck. ,.Um das zu können, must man ganz unabhängig sein. Und »ver ist das? Ich»oenigstens habe die Erfahrung gemacht, daß jeder Anarchist, der Einlast in die Gesellschaft sand, sich innerhalb sehr kurzer Zeit kapitaltstiich orientiert." Hilde die ganz auf Gefühl eingestellt»var, schien wenig erbaut, daß ich. statt von L'ebe. von Politik sprach. „Aber»venn zivei Menschen sich doch verstehen," sagte sie un- vermittelt „Freilich dann.." erwiderte ich, und bat sie. mit mir das Aquarium zu besuchen „A—qua—riun,?" wiederholte sie, und glaubte, falsch ver- standen zu haben. „Ja" sagte ich.„man plaudert da lo nett unter Tieren, die sämtl'ch keinen Laut von sich geben." „Sie lieben Tiere?" ») Ter RomansKrittftcller Arthur Landsberger wurde vor einigen Monaten in seiner Wohnung in Berlin, mit Veronal ver- giftet, tot aufgefunden. Er sah lm Hitler-Reich kein« Lebens- niSglichkcit mehr. ,Ha! Tie haben den großen Vorzug vor den Menschen, daß sie keine Konversation pflegen.— Wollen Tie?" fragte ich. Tie zog die Schultern hoch und sagte: „Meinetwegen." Als wir an den Aquarien der Seesterne. Schildkröten und Fitch« vorübergingen, und dos Gespräch trotz verschiedener Anregungen Hildes, auf die ich nicht einging, nicht tn Fluß kam, meinte sie: „Ich kann nicht finden, daß diese lautlose Umgebung be- sonders anregend aus Sie wirkt." „Da", sagte ich und wies aus eine Ntesenschlange, vor deren Käsig sich die Menschen lautlos drängten. Hilde verliest mich einen Augenblick, stellte sich auf die Zehen sah über die Menschen, durch die im selben Augenblick eine starke Erregung ging, hinweg, schnellte zurück, lief aus mich zu. sah mich aus angstvollen Augen an und sagte, ztt- tcrnd ain ganzen Körper: „Entsetzlich!" „Sie sind ja ganz blast!" sagte ich. „Koinmen Sie!" drängle Hilde, legte ihren Arm in ineinen und führte»nich dann zum Ausgang. Als»vir»vieder aus der Straße lvarcn. blieb sie stehen, holte tief Alcm und sagte: „Gott tei Dank!" „W'nen Sie", sagte ich nach einiger Zeit, eigentlich sollten z»vet Menschen sich nur dann heiraten,»venn sie sich liebhaben und zuiammensttmmen" .,V»ir kommen Tie plötzlich daraus?" „Es siel mir gerade ein. Die»neistrn Ehen scheitern daran, dast die Menichen vor lauter Verlieblhctt aar»» cht dazu kom- men. nachzuprüfen, ob sie denn auch wirklich zueinander passen." „Möglich!" erwiderte Hilde.„Es aibl aber auch Menichen die so gewissenhaft prüfen, dast darüber die Liebe erlischt." „Dann gehören sse eben nicht zusammen." Als ich am nächsten Nachmittag Hilde bat, mit mir inß Kino zu gehen fragte sie mich: „Ja, past! sich das denn?" „Ach sol" sagte ich und überlegte. Da siel mir ein ich hatte eine Eonsine, die Autorität in allen Fragen gesellschaftlichen Takle« ist Tie rufe ich an. Ich aina anö Telekon und l'est mich verbinden. „Liebste beste Eäcilie", ries ich in den Apparat,„pastt es sich, dast ick mit einem jungen Mädchen, bei deren Eltern ich verkehre nachinittagS InS Kino gehe?" „Wie.. ma...»vas sagst du?" rief ich aus deren Antwort in den Apparat hinein und»niederholte ihre Worte:„Nur. »venn ich mit ihr verlobt bin, ist eS»nögltch?"— Und zu Hilde geivandt, fragte ich:„Was sagen Tie dazu?" Hilde erwiderte: „Tie sind ganz sicher, daß diese Autorität sich nicht irrt?" Der SA.-Mann Ewald Zeitz in Geilenkirchen^ der auS dem Hinterhalt niedergeschossen worden war, ist seinen Ber» letzungen erlegen. Der Papst hat den bisherigen Bischof von Hildeshei«, Prälat Bares, zum Bischof von Berlin dernsen.— Der neue Bischof gehört zu den Freunden deS Kardinals Fanlhader in München. Die Handelsvertragsverhandlongen zwischen Deutsch» land und Finnland find unterbrochen worden. Damit tritt am 1. Januar«in vertragsloser Zustand ein. Die Wirtschastsverhandlungen zwischen Deutschland und der Schweiz sind mit der Unterzeichnung einer Znsatz- Vereinbarung zum Wirtschaftsabkommen vom S. 11. 1332 abgeschlossen worden. Der französische Senat verabschiedete mit 20k gegen 37 Stimmen die Finanzsaniernngsvorlage. Der UnterstaatssekretLr bei der französischen Minifterprö» sidentschast Patenotre, der mit der ReHandlung von Wirt» schastssragen beaustragt ist, hatte gestern eine Unterredung mit dem Leiter der iowjetrussischen Handelsvertretung in Paris Ostrowsky betreffend die Fortsetzung der französisch- sowjetrusfischen Handelsvertragsverhandlnngen. Havas berichtet aus Cherbourg, daß der deutsche Amerika- dumpfer„Europa" aus Neuyork kommend in Cherbourg 71 Barren Gold im Werte von 10(1 Millionen Franken, die von der Federal Reserve Rank stammen, gelöscht hat. 81 Gold- darren werden mit dem am Freitag in Cherbourg ankommen- de» Dampser„Berengaria" erwartet. DaS Gold ist für Paris bestimmt. 5\j r(fntieä nahmen mit 265 gegen 53 Stimmen ein Vertrauensvotum für die Regierung an. Die rumänischen Parlamentswahlen haben einen Sieg der nationalliberalen Regierung ergeben. Ein Mossenprozeß gegen Kommunisten in Korea endete mit der Verurteilung von 215 Kommunisten. Von ihnen wurden 22 zum Tode verurteilt, 20 ,n lebenslänglichem Ge- sängnis und 20» zu Gefängnisstrasen von einem b,s f5 Jahre. Die Verurteilten hatten an kommunistischen Revolte» in Korea im Jahre 133» teilgenommen. Mal was Vernflnfflgcs Ley wird mit dem Konzentrationslager bedroht Die Kreisleitung der NSDAP, in Ulm»sendet stch in einer Bekanntmachung gegen übermässigen Alkoholgenuß. Es gebe Fainiltenväter, die ihre Arbettslosen-Unterstützung oder den größten Teil davon alsbald nach der Zahlung tn Alkohol umsehen. Eine schivere Schuld bei diesen Mißständen treffe solche Wirte, die den Geivohnhettstrintern Alkohol bis zur völligen Trunkenheit verabreichen. Wenn Verivar- nungen nichts nützen, so müsse tin Interesse der betroffenen Familien und der Volksgesundhcit nötigenfalls die Ver- bringung der Trinker in Konzentrations- l a g e r erwogen werden. Den Wirten drohe letzten Endes die Entziehung der Konzession. ver japanische Luftverkehr Ein Zehnjahresprogramm Der japanischen LustverkebrSkommIssson ssnd vom Ber- kehrsministerium Pläne zur Ausgestaltung und Förderung des japanischen Luftverkehrs unterbreitet»vordem Es bandelt stch um ein Zehnjahresprogramm, das geineinsan» mit der Lufttransportgesellichait Japans durchgeführt»vcrdcn soll. Die Hauptstädte sollen durch leichte Flugzeuge untereinander verbunden und der regelmäßige Post- und Personen-Luft- verkchrsdicnst verbessert»verde». Es ist ein regelmäßiger Verkehr über die Straße von Fusan nach Thimonoseki mit 50sitzigen Flugzeugen geplant. Diese Strasse wird vom Flug' zeug in 2 Stunden überflogen,»vährend die Fähre zwölf Stunden braucht. Man rechnet mit voller Ausnutzung der Flugzeuge, da täglich etiva 2000 Reisende mit der Fähre be- fordert»verde». „Absolut!" versicherte ich. ,à. dann..". tagte Hilde zögernd. „Wie?" fragte ich gespannt. Hilde trai auf mich zu und sagte bestimmt: „Also gehen»vir!" „Hilde'" rtes ich, und breitete die Arme aus. Sie»vars sich mir an den Hals. Wir»varcu verlobt. „Hat es nun noch einen Sinn, dast»vir ins Kino gehen?" fragte ich„Ich glaube meine Cousine Eäcilie würde eS für schicklich halten, daß»v'r zunächst mal zu deinen Eltern fahren" Aus dem Wege dorthin drängte sie: „Und nun sage mir bitte, weshalb du durchaus wolltest, daß ich mit dir tn das Aauariuin gehe?" „Um deinen»vahren Eharakier kennen zu lernen." „Wie!" rief Hilde erstaunt.„Was haben Tintenfische. Kro-- todile und Giftschlangen mit einein Charakter zu tun?" „Mehr als du glaubst.— Ich interessierte mich vor Jahren eininal für eine junge Frau, m't ber ich mir. um nicht neu- gierigen Augen ausgesetzt zu sein, ein Rendez-vous im Aqua- rtum gab." Hilde fand sicherlich, dast diese Eröffnung siinf Minuten nach der Verlobung nicht gerade von Takt zeugte. „Ich verspätete inich", fuhr ich unbeküinmert fort,„und sand meine Freund'» mit geröteten Wangen vor de,n Käfig der Boo constrictor."„Sehen Sie nur", rief sie entzückt und dachte in ihrer Erregung gar nicht daran, mir die Hand zu retchen.„Was ist?" fragte ich und iah im selben Angcnblick auch schon tn einer Ecke regungslos,»n't vor Angst starren Augen ein Kaninchen hocken, dem in einiger Entfernung, träge und i-tt. die zusammengerollte Schlange gcgeniiberlag. „Sie hat schon eins non diesen Tieren verschlungen'" klärte mich die Holde aus.„Jetzt ist sie soft, und die Dame neben m't meint, es kann noch eine Stunde dauern, bis sie sich aus daS nächste stürzt." Ihre Augen glänzten vor Erregung. Und die Dam« neben (hr und noch ei» paar andere tn kostbare Pelze gehüllte Ver- tretcrinnen de« zarten Geschlecht? waren, wie sie. ganz dem Anblick dieses Schauspiel« b'ngegeben. „Und fic»vollen...", fragte ich entsetzt. Sie verstand mich iorort und sagte: „Aber ja!" und in ihrem Ton lag!o etivas»vi« ein Bor- wurk. dast ich auch nur einen Augenblick lang daran denken konnte, sie»verde sich dictes Schauspiel entgehen lassen.— „Denn viel Vergnügen!" sagte ich. ging, und sah sie nie wieder. Hilde senkte den Kopf und sagte: „Ich verstehe* „Da nahm ich mir sür den Fall, das ich mich mal wieder ernstlich für eine Frau interessieren tollte, vor. sie zu der Boa constrictor zu führen. Denn ein« bessere GemütS- und Cbaraktcrprobe gibt es nicht." SaarabsflmmunH vor dem Völkerbundsrat Im Januar 1934 sollen entscheidende Beschlüsse fallen Genfer Glatteis Herr Hitler hat wieder einmal die Rückgabe der Saar ohne Abstimmung gefordert— was nicht gerade be- weist, daß er der Abstimmung so 98prozentig sicher ist. wie es seine Fanfarenbläser an der Saar täglich in die Luft schmettern. Zur gleichen Stunde aber wird bekannt, daß die 78. Ratstagung am 15. Januar 1934, also im nächsten Monat, auf ihrer Tagesordnung auch einen Punkt verzeichnet, der sich mit vorbereitenden Untersuchungen bezüglich der im Versailler Vertrag vorgesehenen Saar- abstimmung befassen will. Allerdings gehört Herr Hitler diesem Völkerbundsrat nicht mehr an. was diesen seinen kleinen Betriebsunfall vielleicht verständlicher macht, wenn es auch seine„heiße Liebe" zum Völkerbund nicht vermehren wird. Aber geraoe die nächste Völkerbundsratssitzung wird aller Wahrscheinlichkeit dartun, wo Herrn Hitlers dop- p e l t e Schmerzen wegen der Abstimmung liegen: näm- lich einmal in der ständig wachsenden antifaschistischen Freiheitsfront an der Saar, die das wahre Deutschtum gegen Hitler vertritt, und ein zweites Mal in der unwider- leglichen und dokumentarischen Feststellung des Terrors seiner„Kameraden" an der Saar, deren nach jeder Rich- tung hin illegale Arbeit sich bis zu Sprengstoffatten- taten gesteigert hat. Run sieht aber der Versailler Vertrag vor. daß die Saar- abstimmung. falls sie angesetzt werden sollte, unter allen Umständen frei, unabhängig und g e h e i m vor sich zu gehen hat. Diese conäitio sine qua non steht in einem unlösbaren Widerspruch zu den Methoden und zum Wesen des Hitlerfaschismus, der sich s e l b st aufgäbe, wenn er auf seinen hundertprozentigen offenen und ver- steckten Terror verzichten wollte. Wenn man sich weiter darüber klar geworden ist, daß jene besonders entwickelte und spezifische Terrorart des Gewissenszivanges unter Schaffung und Nährung von Zwangsvorstellungen, die aus der Angst und der Furcht vor der gegenwärtigen und zukünftigen Gewaltandrohung geboren werden, überhaupt eine freie und unbeeinflußte Abstimmung unmöglich machen, was wiederum zur Folge haben muß. daß der Völkerbundsrat die Abstimmung b i s auf einen Termin hinausschiebt, an dem er die Bedingungen der Abstimmung rest- los gewährleisten kann— dann begreift'ran den anderen Teil der Eile des Herrn Hitler bezüglich der abstimmungslosen Rückgabe des Saargebietes in sein vergewaltigtes Land der Konzentrationslager und der großen Kaserne des Revanchekrieges. Auch dem Völkerbundsrat ist klar, daß selbst die besten Gesetze der Regierungskommission, die zuverlässigste und erfolgreichste Polizeiexekutive und die loyalste Militär- truppe zivor äußere Gewalttat, nicht aber die unter der Decke vor sich gehende und mit den schlimmsten und illoyalsten Mitteln betriebene, sorgfältig getarnte Terror- arbeit verhindern können Gewiß ist manches erreicht, wenn erst einmal die Zuverlässigkeit in Erziehung, Justiz, Verwaltung und Exekutive restlos durchgeführt wäre,— aber die Demokratie, auch die des Völkerbundes, darf nicht einen Augenblick übersehen, daß das demokratische Mittel einer Volksabstimmung nur zwischen Gegnern, die sich gegenseitig fair play garantieren und die selbst inner- halb der Demokratie stehen, möglich ist und nur dann ein untrügliches Barometer der wahren Meinung des Vol- kes darstellt,— daß aber der weder Demokratie noch Selbstbestimmung noch Gleichberechtigung anerkennende Faschismus sich des demokratischen Mittels der Abstimmung nur bedient, um seinen Sinn und seinen Vollzug zu verfälsche u. Das ist das zunächst entscheidende Pro- blem der Saar-Abstimmungsfrage. und man muß erwarten, daß die Vertragstreue und demokratische Weltöffentlichkeit vor allem über diese Frage sich schlüssig wird, ehe an Spezialsragen herangegangen werden kann. Deshalb glauben wir n i ch t. daß die nächste Ratstagung, wie das die gleichgeschaltete Presse meldet, sich mit dem Datum der Abstimmung, mit der gemeinde- oder be- zirksweisen Abstimmung usw. befassen wird. Es wird wohl vielmehr zu einer Ausschußwahl kommen, die der ein halbes Jahr später stattfindenden Ratstagung im Mai oder Juni das Ergebnis ihrer Untersuchungen oorzu- legen haben wird, während im übrigen schon jetzt auf den Terror des Hakenkreuzes an der Saar aus Genf jene unzweideutige Antwort erfolgen muß, die längst fällig ist und nachdrücklichst an jene oben bereits erwähnte conditio sine qua non erinnert, ohne die der Völkerbundsrat die Abstimmung nicht ansetzen wird und kann. Im übrigen wird die nächste Völkerbundsratstagung bereits überschattet sein von der großen diploma- tischen Krise, die für Ansang 1934 in Europa bevor- steht und die erneut dartun wird, wie sehr das Saar- problem erst im Hintergrunde des großen politischen Hör?- zontes. in dessen vorderster Linie die diplomatische Konzentration des Kontinents mit erneuter Isolierung Hitlers sich vollziehen dürfte, auftauchen kann. Solange die Auseinandersetzungen in der vordersten Front an- dauern, wird man für die in der dritten und vierten Etappe wenig Zeil übrig haben. Und im Grunde genom- men wird das an der Saar mit Einschluß der sogenannten „deutschen Front", abgesehen von den wilden und berufs- mäßigen Gleichschaltern, niemand tragisch nehmen— auch die meisten von denen nicht, die so tun zu müssen glauben, als würden sie krank vor Sehnsucht nach Hitlers Despotie. Sie haben immer auch anders ge- könnt! M. B. Täuschung und Tarnung Die„Bolksstimme" schreibt: Es steht schlecht um die Nazi-Sache an der Saar. Die von ihr gebildete sogenannte„deutsche Front" kann in einer ganzen Reihe vo„ Orten nicht zustandekommen, da ein Teil der Katholiken mit Recht Widerstand leistet und Gott mehr gehorcht als den Menschen. Einer der neuesten Tricks, mit dem die Nazis in den letzten Tagen hausieren gehen, ist das Unterschristsammeln für die sogenannte„deutsche Front". In den einzelnen Dörfern geht man von Haus zu Haus und versucht mit allen möglichen nnd unmöglichen Mitteln, die Lente zum Unter- schreiben eines Ansnahmescheines fiir die„deutsche Front" zu gewinnen. Mit dieser ans Tänschnng, Tarnung, Ränken, Schlichen. L ist e n und Lügen beruhenden Propa- gandaarbcit soll derNölkerbundsrat im Januar bombardiert werden,«m ihn für Hitlers Forderung anf sofortige abftimmungslose Rückgabe des Saargcbietes geneigter zu machen. Man möchte vor dem BölterbundSrat und der Weltöffentlichkeit den Eindruck erwecken, als gäbe es an der Saar nur Hitleriden nnd das gute, wahre, echte, sried- liebende Deutschtum sei dort überhaupt nicht vorhanden. Die gleichgeschalteten Herrschasten übersehen nur einS: das Ausland weist viel besser über die Saar und den Raziterror Bescheid, als sie glauben oder wahr haben wollen. Und w i r werden dafür sorgen, dast die Stimme des sreiheitlichcn Deutschtums an der Saar in Genf ebenso wie in allen Bölker- bundsratsstaatcn gehört werden wird. Das Recht must uns doch bleiben! Saar-Nazis verband Die Geheime Staatspolizei nimmt sie fest Es ist bekannt, dast die Nazi-Führnng an der Saar, die in den Händen des 2öjährigeu Spaniol liegt, keineswegs unbe- stritten ist. Eine heftige und wachsende Opposition ist am Gange, die sich auch an den obersten Naz,- stellen mit ihrer Aussasiung behaupten will. Freilich, einigen der Opponenten ist ihre Haltung schlecht bekommen. Als sie sich in den Zug setzten, um ihr Material an maßgebendem Ort zu unterbreiten, wurden sie in Neu- stadt von der Geheimen Staatspolizei ver- hastet und ihr Material über die Mistwirtschaft der Nazis an der Saar unter Spaniols Leitung beschlagnahmt. Es handelt sich um vier saarländische Mitglieder der NSDAP., die nach ihrer Entlassung aus dem Hitler- Kerker allerhand zu berichten haben werden. Das NilglledsDudi des Attentäters Verlegene Ausflüchte Ein gleichgeschaltete Saar-Korrespondenz schreibt gegen- über Meldungen der ausländischen Presse über das Saar- brücker Sprengstoff-Attentat: „Es ist unwahr, dast Schäfer jemals im Besitze eines Mitgliedsbuches der NSDAP. Saargebiet gewesen ist, aus dem einfachen Grunde, weil Schäker niemals Mitglied der NSDAP, mar und auch heute erst recht nicht ist. Wahr ist lediglich, dast Schäfer sich vor kurzem bei der Partei ange- meldet hat, eine Aufnahme aber nicht erfolgt ist. Im Be- sitze eines Mitgliedsbuches aber konnte er erst recht nicht sein, da ein solches erst ein Jahr nach erfolgter Ausnahme aus- gegeben wird. Was bei Schäfer gesunden wurde, ist nichts ni e h r u n d ni ch t s w e n i g e r a l s d i e g e l b e V e r s i ch e rungSkarteder„HilsskassederNSDA P.". einer Versicherungskasse gegen Unfälle, der jeder angehören must, der zum Eintritt angemeldet ist. Eine Anwartschaft aus Auf- nähme oder gar eine Bescheinigung der Zugehörigkeit zur Partei stellt diese Karte in keiner Weise dar." # Die Verlegenheit dieser Mitteilung liegt klar zu Tage. Der verhaftete Schäfer soll abgeschüttelt werden: nicht eine Mitaliedskarte, sondern eine V e r s i ch e r u n g s t a r t c der 21SDAP. hat er bei sich gehabt! Plumper und durchsichtiger kann man nicht sein, um sich von einem Menschen zu distan- zieren, der sich vorher der engsten Beziehungen zur Hitler- Partei erfreut. Wir erfahren noch, dast die Wirkung der Sprengmasse ungeheuerlich gewesen wäre, hätte ein glücklicher Znsall nicht die Explosion verhindert. Wäre sie im Eisenbahnzuge erfolgt, so hätte der ganze Zug zerstört werden können. Alles uclälsdil- alles erlogen! Der luxem Durger sender heridingl Noch immer hat die„Saarbrückcr Zeitung" ihren tollen Hereinfall mit dem„Geheiinprotokoll" über die Inter- nationale Soziali st enkonfercnz in Parts nicht zugegeben. Es ist inzwischen nachgewiesen worden, dast in dem „Protokoll" L zwei Redner ausgeführt sind, von denen der eine wäh- rend der Konferenz überhaupt nicht in Paris war und der andere als Gast nicht sprechen durfte und nicht ge- sprachen hat: 2. dast die Redifer und die antifaschistische Entschließung genau das Gegenteil eines Präventivkrieges und des , Einmarsches von ausländischen Legionen vertraten. Nun meldet sich auch noch der Luxemburger Sender zu Wort. In der„Kölnischen Zeitung", nicht in der„Saarbrückcr Zeitung" liest man: „Die„Saarbrücker Zeitung" hatte vor kurzem eine Nie- derschrift über die Ausschußsitzung der Ersten Internationalen Sozialistenkonferenz veröffentlicht, die vom 2l. biö 26. August in Paris abgehalten morden sei. In dieser Veröffentlichung der„Saarbrücker Zeitung", von der wir unfern Lesern im Morgenblatt vom 11. Dezember Kenntnis gaben, hieß es u. a., dast sich die Sozialisten iür ihre Werbung gegen Teutschland auch der a u Slän dischen Sender bedienen wollten. Mit den Sende leitungen Strastburg, Hilversum und Luxemburg sei man auf gutem Wege, Verträge abzuschließen. Die Leitung des Luxemburger Senders bittet uns nun, mitzuteilen, dast die in dem Schriftstück aufgc- st eilten Behauptungen jeder Begründung entbehrten. Radio Luxemburg, treu seinem Grundsap der Sachlichkeit und Neutralität, habe niemals auch nur die geringsten Beziehungen zu irgendeiner politischen Organisation oder Gruppe unterhalten." Drütte Spionageaffäre Verhaftungen in Paris Paris, 21. Dez. Die Morgenblätter bringen weitere Einzel- Heilen über die durch die Verhaftung von zehn Personen, meist Ausländern, in Paris aufgedeckte angebliche Spionage- angolegcnoeit. Nach dem„Journal" soll das gesamte mit der Untersuchung zusammenhängende Spionagenetz etwa 59 Personen umfassen, von den zehn verhaftet worden sind. Die Gruppe von 59 Per- sonen ihrerseits soll nur eine Art Unterabteilung einer Or- ganisation sein, die in allen Ländern Europas und vielleicht der Welt überhaupt Verästelungen besitze. Die Führer der Abteilung hätten in Frankreich gefaßt werden können. Unter den Verhafteten befinde sich, wie schon gemeldet, ein Ueber- setzer des französischen Marineministeriums, der, wie„Jour- nal" außerdem berichtet, dort im Ehiffrterdienst angestellt gewesen sei. Es handele sich bei der Organisation, deren Auf- deckung die Pariser Polizei bereits seit März verfolge, um Zuträger eines internationalen Büros, dessen Sitz an sich von einer Stadt in die andere verlegt werde, dessen Haupt- zentrale jedoch Moskau zu sein scheine. Die erworbenen Nachrichten seien dann an verschiedene fremde Regierungen verkauft worden. Der„Petit Parisien" will feststellen können, dast man bei den Haussuchungen zahlreiche Dokumente, geheime Funk- apparate und modernes Foto- und Filmmatcrial mit Ver- gröstcrungsapparaten usw. entdeckt habe. Das gleiche Blatt erklärt übrigens, dast ein französischer Polizeikommissar heute mit dem Flugzeug nach Warschau reisen und dort seine Unter- siichixna fortsetzen weed- Cm geheimnisvoller»paiensUdi Beinahe hätten wir folgende hochaktuelle Meldung beS MTB. aus Elbin g vom 19. 12. gebracht: „Au der Ehaussee zwischen Elbing und Pomehrendors, etwa neun Kilometer von Elbing entfernt, wurde heute vormittag der erste Spatenstich zum Bau der Rcichsauto- bahn Elbing—Königsberg durch den Oberpräsidenten Staatsrat Gauleiter Koch getan." Aber noch rechtzeitig erreicht uns folgende Retourkutsche des WTB.: „Notiz: Die Meldung„Der erste Spatenstich zum Bau der Reichsautobahn Elbing—Königsberg" wird zurück- gezmzen" Was ist nun da wieder los? Ist der Spaten beim ersten Spatenstich vielleicht abgebrochen oder hat ein Unwürdiger sich in die Spatenstecherei da eingemischt? ?» Jahre Zudifhaus! Wegen eines„Feuerüberfalles" In dem Prozeß wegen de? Feuerüberfalls um ein Altonaer SS.-Lokal fällte das Altonaer Tonbergericht das Urteil. Danach werden verurteilt wegen ver- suchten gemeinschaftlichen Mordes unter Auferlegung der entsprechenden Kosten des Verfahrens die Hauptangeklagten Reschke, Heinz und Mehnert zu je 7 Iahren Zuchthaus, ein Angeklagter zu 6 Iahren Zuchthaus, zwei zu 5 Jahren Zuchthaus, fünf zu 4 Iahren Zuchthaus, einer zu S Iahren Zuchthaus, ein jugendlicher Ange- klagter zu S Jahren Gefängnis, zwei weitere Angeklagte zu je 4 Jahren Zuchthaus. Wegen Beihilfe ssum versuchten Mord wurden zwei Angeklagte zu je 3 Iahren Zuchthaus verurteilt. Den zu Zuchthausstrafen verurteilten Ange klagten wurden die bürgerlichen Ehrenrechte auf die gleiche Dauer aberkannt. Zwei Angeklagte und die Mitangeklagten zwei Frauen wurden freigesprochen. Auch che Reichspost 1 Der Reichspostminister Hat angeordnet, daß auch im inner- deutschen Schriftverkehr der Postdienststellen künftig in allen mo^&. e, r 9yi Schluß besondere Höslichkcitssormen üblich waren, d,e Worte„Mit deutsche«, Gruß und Heil Hitler»»-.uwenden 9nd „Luftschutz" statt franzosioii. Badens wird vom nächsten Schul,ahr ab Pflichtfach eingeführt, der Unterricht der sran- vom Schulplan gestrichen. Die Sprache MttÄ"«'* -Tatsache ist ein weiteres Zeichen für Hitlers âicht mtt°Frankre?ch e6rIid,feit fcinet B-rständigungs, Mustergültiger Marxismus Keine Spar von Korruption, sondern tadellose Kaufmännische Ordnung Am Sonntag begann im Braunen Haus in Kaiserslautern ihrer Hilfe möglich gewesen. Auch Italien habe bei Neu- der Genossenschaftskursus, den das Institut für Genoffen- aufbau durch den Faschismus die Konsumgenossenschaften er- schaftsivesen an der Universität Frankfurt zusammen mit der halten. Die Versuche, kvnsumgenosienschaftliche Bertcllungs- pfälzischen und saarländischen Genossenschastspraxis veran- stellen Einzelhändlern zu übergeben, hätten bei den Einzel- staltet. Im Rahmen des Kurses hielt der Beauftragte für die Händlern, von denen der Plan ausgegangen sei, große BeVerbrauchergenossenschaften, Bankdirektor Müller denken ausgelöst. Die besondere politische Bedeutung der (Berlin), einen Vortrag. An sich seien die Einrichtungen Verbrauchergenossenschaften bestehe darin, daß sie als ein be- dir Verbrauchergenoffenschaften, besonders d«r GEG., bei dcutsames Instrument für die Wiedergewinnung des deut- der Machtübernahme durch de« NatioualsozialismnS gesund, scheu Arbeiters für den deutschen Nationalstaat benutzt wer- zum Teil mustergültig gewesen. Aus dem Programm deS den konnten. Nationalsozialismus und aus den Aeußerungen des Führers* könne in keiner Weise gefolgert werben, daß die Verbraucher- Pg. Müller gibt sa alles preis: die marxistische Korruption, genossenschaften zum Schutz irgendeiner Volksschicht zerstört den Dolchstoß in den Rücken des siegreichen Heeres und die werden müßten. Zum Teil sei die landwirtschaftliche Pro- angeblich ivirtschaslszerstörenden Einflüsse der Konsumgc- dnktion durch den Einfluß der Konsumgenossenschaften dem nossenschasten. Bedarf angepaßt worden. Den Verbrauchergenossenschaften Er hat recht: die Arbeiterorganisationen haben hervor- komme auch in Zukunft die Ausgabe zu prcisregulierend zu ragendes geleistet und nicht verdient, daß Tagediebe und wirken. Im Kriege sei die Versorgung des Heeres nur mit Spitzbuben sich ihrer bemächtigten. Ilmsalz halbier! Auch der Maschinenindustrie Nach dem Bericht der I. Pohlig AG. in Köln für 1932,33,^brachle oiese» Jahr dem Unternehmen große Ver» lnste. Der Umsatz ging ivciler zurück und blieb unter der ^-alfle des Borjahres. Zahlen werden nicht genannt. Am Rückgang war das Ausland, auf das die Gesellschaft beim Absatz der Erzeugnisse immer besonders angewiesen war, stark beteiligt. Währungsschwierigkcitcn, Autarkiebestrebun- gen, eigne, starke finanzielle Nöte des Auslandes usw. ließen den Auslandanteil am Gesamtumsatz von 76 Prozent b«s Geschäftsjahres 1901 82 auf 4« Prozeut des Berichtjahres zurücksinken Der Beschäsr'gnngSgrad der Fabrik ging daher noch weiter erheblich zurück. An der zweiten Hälfte des Ge- fchäftsjahrcs zeigte sich eine leichte Besserung des Auftrags- eingangs. Die Preise seien sehr gedrückt. Eine wesentliche Besserung sieht die Firma hauptsächlich in einer vermehrten Umsatzsteigerung durch Lieferungsmöglid,- leiten nach dein Ausland. Sie hofft, daß es der Tatkraft der deutschen Regierung bei der Wiederaufrichtung des Vertrau- cnö bei den Völkern gelingen wird, daß das Ringen um AuS- landsaufträgc in absehbarer Zukunft wieder von größerem Erfolg gekrönt sein werde. jHV. 23. Dezember.) Die„Arheiissthfadif' h. b. Tie Hamburger Hochbahn veröffentlichte am S. Dezember eine Verlautbarung, in der es heißt: In der letzten Zeit häufen sich dje Eingaben um Einstellung in unsere Betriebe derartig, daß es vorkommt, daß an einem Tage sich nicht weniger als 100 Personen persönlich melden, und eliva 200 bis 800 ichriftliche Bewerbungen eingehen. Es ist natürlich ein Ding der Unmöglichkeit, sämtliche Gesuche zu beantworten, geschweige denn, zu berücksichtigen. Da bei der HHA. der erforderliche Personalbestand in vollein Umfange vorhanden ist und vor März, April des nächsten Jahres keine Einstellungeil mehr vorgenommen werden, bittet die HHA., keine Gesuche mehr an sie zu richten, da dies zivecklos wäre und aui eingehende. Bewerbungen keine Antwort mehr er- teilt werden kann Na. da soll doch! Wo bleibt die Gestapo? Warum verhastet sie nicht die Generaldirektion der HHA. wegen Sabotage der Arbeitsjchlacht— propaganda?! ßeidismarh 8,30 Soviel beträgt die„Hilfe" für den ganzen Winter Im Rundfunk wurde bekanntgegeben, daß das Winter- Hilfswerk etwa 13 Millionen bedürftige Volksgenossen und deren Angehörige zu betreuen hat, und daß die bisherigen Leistungen nach dem Stand der letzten Meldung«»». a. folgende sind: Für 20 Millionen Mark Kartoffeln, für 52 Millionen Mark Brotgetreide, Mehl und andre Lebens- mittel und 20 Millionen Zentner Kohlen im Werte von 24 Millionen Mark— insgesamt mit den Bargeldspendcn rund 125 Millionen Mark. Bei 15 Millionen Unterstützungsbedürftigen und 125 Millionen gesammeltem Bargeld und Naturalien kommen auf den Kops 8.30 Reichsmark. Für 4 bis 5 Wintermonate! Und dafür das ganze Geschrei! Neodeutsche Urheberrechte Prinzipienerklärung der Arbeitsfront h. b.„Die Arbeiterverbände vertreten die Interessen ihrer Mitglieder nicht direkt, sondern,indirekt über das Ganze. Es ist nicht Aufgabe der Arbeiterverbände, den Arbeitern ein Höchstmaß von Genuß, sondern ein Höchstmaß von Leijningsfählgkeit zu ermöglichen." lPresseamt der deutschen Arbeitsfront. Deutsche Melallarbeitcr-Zeitung Nr. 45.) „Das ist das Wesen. daS unser Volk gesund macht,' ein Händedruck!"(Dr. Leu vor den Zeißarbeitern.) „Kein Feilschen, Kuhhandeln, Verträge schließen und ähn- liche Dinge."r Afrika znrückiaorendcn reg-tt- mäklige« Flugzeuge b!S Brindisi benutzen, non dort die Eiienbabn bis Nnris ,'"8 die letzte Strecke nach Lon"vv wieder in der Luit zurücklegen. Ans der Sowjetunion Aufschwung des Straßenbahnverkehrs In verschiedenen Städten der Sowjetrepublik ist eine beträchtliche Zunahme des SirakicnbabnverkebrS lestzuitellen. Dieser Ausschwung, der vor allem in NiaSlau zu verzeichnen ist. bat seme Ursache im ständigen Wachstum der städtischen Bevölkerung einerseits und in den durch kulturelle Hebung der Massen(Besuch von Abendschulen. Theatern. KinoS u. dgl.» gesteierten Bedürfnissen. Nachfolgend einige dies- bezügliche Zahlen: I Allgemeine■ DEUTSCHE POLIKLINIK Chefarzt Protewor WENSTEN I) ORDINATION DURCH SPEZIALXRZTE Wr Innere. Chirurgische. Freuen, und Kinderkrankheiten. Haut, und Geschlechtskrankheiten. Augen., Ohren. Naeea. and Hallkrankheiten. Geburt.hilte. 2) INNERE Klinik. 3) CHIRURGISCHE Klinik. 4) GEBURTSHILFLICHE und GYNÄKOLOGISCHE Klinik Sanatoriums'Gebäude mit der aüermodernsten Einrichtung ■ ORDINATION: fauch für Privatkranke; täglich von I bis S Uhr. Sonn» und Feiertags von 1f> bis 12 Uhr Die KathollKenverfolgung Zahireldie hafliollsdie Zeitungen in Dauern verboten Was ist hier los? Liegen Ohrfeigen in der Luit? Hat einer vor dem andern Angst, bettelt jeder:„Tu mir nichts, ich tu dir auch nichts!"? Nein! Das ist der„deutsche Grub"! Die „Süddeutsche Sonntagspost" veröffentlicht dieses Bild und klagt darüber, da» diese„lässige" Grußform lgngsam große Mode werbe. So gehe es nicht weiter, die Volksgenossen seien zu strnmmcr Haltung verpflichtet. „Eine Herabwürdigung und Bcrunglimpsung deS deutschen Grußes ist es auch, mit der erhobenen Rechten „Mahlzeit" oder gar„S e r v u S" zu lagen." Bild und Kommentar beweisen, dast die Begeisterung für die neue Einheitssorm des Männchenmachens sichtlich im Wachsen begrissen ist. Mahlzeit! Ein Gipfel Doktordiplome füt nichtarische Medizin-Studierende bei Verzicht auf deutsche Reichsangehörigkeit Vom Rektor der Universität Berlin wurde unlängst, wie setzt mitgeteilt wird, folgende Bekanntmachung vcrösfent- licht:„Das preußische Ministerium für Wissenschaft, Kunst vnd Volksbildung hat mitgeteilt, da» nichtarische Medizin- studierende mit der Erteilung der Approbation nicht rechnen können. Da das medizinische und zahnmedizinische Doktordiplom nach den bestehenden Vorschriften nur Reichs-Ausländcrn ohne Rücksicht daraus, ob und wann sie die deutsche Approbation als Arzt(Zahnarzt! erhallen, ausgehändigt wirb, bleibt reichsdentschen nichtarischen Kandidaten, die das Doktordiplom vor Erlangung der deutschen Approbation alS Arzt iZabnarzti haben wollen, nur übrig, auf die dentsche Reichsangehörigkeit zu verzichten und ihre Entlassung aus der Staatsangehörigkeit gemäß 88 18— 24 des Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetzcs vom 22. Juki 1918 zu beantragen." * Diese Verfügung Nüsts ist unter den gegen die jüdischen Akademiker gerichteten Verfügungen b e t s y t e t t o s. Sie ist zugleich ein Dokument der Lüge. Denn die Zulassung jüdischer Studenten erfolgt überhaupt nur, wenn der Vater Frontsoldat oder im Kriege gefallen war. Bisher schien ei, daß solchen nichtarischcn Studenten der Weg zur Vollendung des Studiums nicht verschlossen war. ES war ein Irrtum! Denn dieser Weg ist jetzt mit einer in der Geschichte der zivilisierten Völker einzigartigen E r- Pressung verbunden. Nur dann kann, wie man jetzt er- fährt, die Zulassung zum Examen erfolgen, wenn gleich- zettig der Verzicht auf die deutsche Reichs- an geHörigkeit erfolgt. Der nichtarilchc Doktor soll als„Reichs-Äusländer" von allen staatsbürgerlichen Rechten ausgeschlossen werden, womit jede ärztliche Tätigkeit in Deutschland praktisch in Fortsnil kommt. So halten sich die noblen arischen Akademiker jede Kon- kurrenz vom Leibe. Die deutschen Juden sollen, wie jüngst ein hervorragender englischer Gelehrter schrieb, wieder„An- alphabeten" werden, ausgeschlossen von den Rildungsgntern, nur auf den Handel beschränkt und im geistigen Ghetto. * Der Preußische Minister siir Wissenschaft, Kunst und Volksbildung hat in einem Erlast angeordnet. Säst das Gesetz gegen die UchersÜllnng deutscher Schulen und Hoch- schulen auch auf die Wohli'ahrtsschulcn, Landoklegeschulen sowie aus die sozialpäbagogiichen Seminare und Lehrgänge sinngemäß Anwendung findet. Die Entscheidung über die Aufnahme von Personen, die im Sinne des Gesetzes nicht- arischer A b st a m m«« g sind, behält sich der Minister künftig iiir jeden Einzelfall vor. Abweickmnaen von den Prüiunasvorschriiien werben iiir Perionen, die im Sinne deS 8'8 des Gesetzes zur Wiederherstellung de? BernlS- beamtenturns nichtarischer Abstammung sind, künftig nicht mehr zugelassen werden. Vor einigen Wochen sind 13 Führer katholischer Organisatio- neu in Bayern, darunter mehrere Geistliche, verhaf- tet morden. Der Schlag galt dem Kardinal Faulhaber. Auch ieine Verhaftung war geplant. Erst durch eine Reise des Reichsstalthalters von Epp nach Berlin konnte sie ver- hindert werden. Die offiziöse Meldung trug die llcberschrist „Festnahme von Hetzern im Pricsterrock". Einer der Verhafteten wurde geradezu als Kommunist be- zeichnet, weil in seiner.Bücherei, wie es bei einem gebildete» Menschen des öffentlichen Lebens selbstverständlich ist, auch marxistische Schriften waren, und weil bei ihm ein Mitglieds- buch irgendeines Kommunisten gefunden wurde, das dieser ihm be> ieiner Abkehr vom Kommunismus überlassen hatte. Diese Tatbestände wurden in einer sehr vorsichtig gehaltenen Verlautbarung in der katholischen Presse klargestellt. Die katholischen Zeitungen im Saargebiet konnten dank der „landfremden" Regierung die Ehrenrettung der katholischen Priester unbeanstandet veröffentlichen. In ganz Bayern aber sind die katholischen Zeitungen wegen derselben Notiz ver- boten worden. Die Wahrheit wird im„dritten Reiche" un- tcrdrückt, ob sie nun von Sozialdemokraten, von Katholiken oder von Protestanten verbreitet wird. Man stelle sich vor, mit welcher Begeisterung die denkenden Teile des Katholi- zismns noch in der sogenannten„deutschen Front" stehen, wenn sie sich überlegen, was ihnen nach der anacblich so he'st ersehnten Rückgliederung in das„dritte Reich" von ihren Kameraden der sogenannten„deutschen Front" droht. Die katholische Bevölkerung Bayerns ist über die Unter- drückung ihrer Presse empört. Ter Katholik von Pape» aber bezieht noch immer sein Gehalt als Vizekanzler. Wofür eigentlich? Sdiulzliaft Dessauer freigesprochen! Aber er bleibt in Schutzhaft, und auch sein Verteidiger wird in Schutzhaft genommen München-Gladbach. 21. 12. 1083. Der Versuch, im VolkSveretnsprozest den Katholikenfiihrcr Professor Dcssauer und Dr. Knecht zu diffamieren, ist gescheitert. Selbst der Staatsanwalt mutzte F r e i s p r n ch beantragen. Er leistete sich allerdings die Gemeinheit, zu sagen:„Vom deutschen Volke wird Dessauer nicht sreigc- sprachen werben." Das freisprechende Urteil beweist, dast nicht iL« geringsten Anhaltspunkte für eine Korruption vorhan- den sind Der Vorsitzende erklärte, das Gericht sehe eine Untreue und eine Anstiftung dazu nicht als erwiesen an. In dem Geschäft zwischen dem Volksvercinsverlag und Professor Dcssauer, der für 00000 Mark Earvlus-Anteile kaufte, sei nach Anficht des Gerichts ein angemessener Preis gezahlt worden. ES sei nach Ansicht des Gerichts auch nicht richtig, dast Dessauer in dem oit zitierten Schreiben an den Reichs- tagsabaeordneten Dr. Lammers die Unwahrheit gesagt habe. Das Gericht müsse feststellen, dast Deffaner das ganze Geschäft lediglich aus Hilfsbereitschaft für Hohn und den Bolksverein abschloß und dabei keiner- let persönliche Interessen verfolgt hat. Das Geschäft sei nicht nur juristisch, sondern auch kaufmännisch völlig ehren- Haft. Auch dem Angeklagte Dr. K n c ch t sei in k e i n c r Weise nachgewiesen. daß er auch nur kaufmännisch unanständig gchan- dclt hätte. Mit Bezug auf die politische Seite deS Prozesses betonte der Vorsitzende, es habe sich ergeben, daß Mühl on während des Krieges in der schwersten Weise durch Schrift, Wort oder sonstige Handlungen an seinem Vaterlande sich vergangen hätte. Sein verbrecherisches Treiben iei um so schlimmer, als er. der frühere Krupp-Direktor. vom Aus- land als Kronzeuge gegen Deutschland angeführt wurde. Di« Verhandlung habe aber ergeben, daß die Baterlands- liebe Dessauers im Rahmen setner Weltanschauung nicht in Zmeisel gezogen werden könne. Er habe sich auch während de? Krieges zur Verfügung gestellt und versucht, alles für sein Vaterland zu leisten, was ihm möglich war. Wenn ein solcher Mann in B ez i c- Hungen zu dem Landesverräter Mühion stand, so müsse man ihm glauben, daß er die Schwere der Verfehlungen Mühion» nicht gekann» habe und daß er in seiner tdea- Itsttschen Auffassung Müblons Beteuerungen geglaubt habe, dast dieser sein Vergehen bereue und wieder gutmachen wolle. Man müsse dabei auch bedenken, daß man heule im neuen Staat diese Tinge ganz anders ansehe als da- m a l s, DaS Gericht habe die Ueberzeugung gewonnen, daß nichts gegen die vaterlandsliebende Gesinnung der Ange- klagten spreche. Deshalb habe es auch n'cht nur die Kosten des Verfahrens, sondern auch die den Angeklagten entstan- denen notwendigen Aufwendungen der Staatskasse zur Last gelegt. 1014 hatten nur 35 russische Städte Straßenbahnen: 1982 betrug diese Zahl 59, die Zahl der beförderten Fahrgäste war von 915 aus 5299 Millionen gestiegen. Die Durchschnittszahl der pro Einwohner und Jahr gemastten Fahrten stieg von 194 im Jahre 1014 aus 320 im Jahre 1932. Die Zahl der der pro Einwohner und Jahr gemachten Fahrten stieg von 50 000 im Jahre 1928 auf 101000 im Jahre 1032. Die Mos- lauer Straßenbahnen beförderten 1913 282 Millionen Fahr- gaste, 1982 1900 Millionen! Die jährliche Anzahl Fahrten it Einwohner stieg von 150 auf b50. Der jetzige Personal- M.-Gladbach. 21. Dez. Im Anschluß an die Urteilsver- kündnng beriet der Gladbacher Polizeiprä side n t die Vertreter der Presse zusammen und machte ihnen aui- sehenerregcnde Mitteilungen, Er habe angeordnet, da» Rechtsanwalt Dr. T h o r m a n n(Frankfurts, der im Prozeß als Verteidiger ausgetreten war, wegen landcSverrätcrischcr Umtriebe im Verein mit Professor Friedrich W i l h e l m Förster(Paris», die bis in die jüngste Zeit hinein an- dauerten in S ch u tz h a i t genommen werden solle. ES bestehe der Verdacht, dast Dr. Thormann flüchtig sei(er batte sich beute wegen Krankheit entschuldigen lassen». Im Zusammenhang hiermit würden wahrscheinlich weitere M a st n a h m e n zur Inschutzhaftnahme anderer Persönlich- keilen erforderlich. Hierbei handele es sich um hochstehende intellektuelle Kreise. Der Polizeipräsident begründete die Notwendigkeit dieser Maßnahme mit der Abschrist von Briefen, die im Büro Dr. Thvrmaiins gefunden worden seien. Er betonte zum Schluß, die Untersuchung müstte auch ergeben, ob Professor D e! s a u c r in dieser Beziehung mit Dr. Thormann in Verbindung gestanden hätte. Also auch Professor Dcssauer bleibt trotz Freispruch tn Hast. Wie lange sieht die katholische Kirche diesen Rechts- brüchcn noch zu? Nach eine jKatholihen-Horrupiion" Der Prozeß gegen Hirtsiefer Monatelang hat die nationalsozialistische Presse den übrigens rein arischen„Zentruinsjiiden" Professor Dessauer als korrupt verleumdet. Dasselbe Schicksal ereilte den Zentrumsminister Hirtsiefer, Er wurde sogar im Pranger- zug unter Musikbegleitung durch die Stadt Essen geführt. Nun hat vvr der großen Strafkammer in Bochum der Prozeß begonnen. Angeklagt sind neben dem früheren preußischen Wohlsahrtsminister Hirtsiefer der Geschäits- sichrer Karl Mock, Berlin-Johannistal, der Architekt Franz Berg m unit, Bochum, Geschäftsführer Konrad Becker, Bochum, und Hietsiefer. Mock ist angeklagt der bandelsgesetzlichen Untreue. Bergmann. Becker und Hirt- sieser der Beihilse zur handelsgestblichen Untreue, Hirtsiefer noch in Tateinheit mit einfacher Bestechung. Es wird unter anderem behauptet, dast Hirtsiefer die von den Mitangekiagien vertretenen Baugenossenschaften bei der Vergebung von Mitteln aus dem HauSzinSsteuerabtommen des preußischen'Staates bevorzugt haben soll und sich dafür ein noch nicht bezahltes Wochenendhaus habe errichten lassen. In längeren Ausführungen erklärte Hiertsieser, daß in der Zeit seiner Ministcrtätigkcit 1,3 Millionen Woh- nungen größtenteils aus Mitteln des Hauozinostenerans- kommcns gebaut worden seien. Für die eine Milliarde betragenden HaiiSzinsstcnermittel des AusgleichSkonds habe den Regierungspräsidenten und dem Verbamdspräsidcnten des Ruhr-Siedlungsvcrbandes das Recht der Verteilung nach einem bestimmten Schlüssel zugestanden. Da der Ruhrverbanbspräsident bei der Zu- wendung der Mittel aus dem AuSgleichfonds zu kurz ge- kommen sei, habe er sich für höhere Zuwendungen an den Ruhrsiedinngsverbaiid eingesetzt, weil die Wohnungsnot im Ruhrkohlcnbezirk besonders groß gewesen sei. An der Gründung der Oeimbau und Genobau sei er weder beteiligt gewesen, noch habe er Aktien dieser Gesellschaft besessen. Ihre Gründung sei ihm erwünscht gewesen schon allein wegen des groben Einflusses der freien Gewerkschaften bei dein Bezug der HauSzinssteuermittel. Es sei ihm bekannt gewesen, dast christliche Gewerkschaftler in den Wohnungsbauten der freien Gewerkschaften keine Wohnungen erhalten konnte». Dann ivurde in die Beweisaufnahme eingetreten. Zeuge Bauführer Stamm hat de» Angeklagten Hirt- sieser a l S Bz»Herrn des Wochenendhauses angesehen. Von einer Aufstockung des Haines sei gesprochen worden. Der Zeuge hielt eine solche iiir ausführbar. Hirtsiefer habe einmal im Gespräch auf der Baustelle geraten, keine all- zu große» Aufwendungen am Bau zu machen, Zeuge Lohnbuchhaltcr Meise, der bei der Gcno bc- schäitigt mar und sich nach der„nationalen Revolution" eine gute Nummer bei den neuen Herren sicher» wollte, hat am 28. Jul! 1933 den Fall Heimbau-Hirtsieier zur Anzeige ge- bracht. Zu der am Vormittag schon kritisch behandelten Sitzung des A»ssichtsralcs der Geiiobau, in der der Fall Hirtsiefer verhandelt worden war, war der Zeuge, obgleich er Mitglied des AussichlsrateS war. nicht eingeladen worden. Im Neriaus der Verhandlung wurde zu beweisen versucht, dast der Angeklagte Mock einer Angestellten den Auftrag gegeben habe, den Baukostenvoranschlag des Hirtsiefer» schen Wochenendhauses in Höhe von 19 886 RM. in die Rechnung des Genobaueo einzuschachteln, was auch ge- schehen sei. Bei der Behandlung der Verrechnung der Baukosten bei dem Genobau kam zur Sprache, da» der Bezirkgleiter des Zentralverbandcs, der Bauarbeiter Koch, die Verrechnung der Baukosten des Wochenendhauses Hirtsiesers bemängelte mit der Erklärung, dast die Verrechnung entschieden unter die Lupe genommen werden müsse. ES wurde dann iestge- stellt, dast die Rechnung über den Bau des Wochenendhauses für Hirtsiefer wie auch für die Ballgesellschaft getrennt ge- tuhrt worden ist. Tie Kopie der Rechnung war jedoch nicht mehr auizuiindcn. bestand der Moskauer Straßenbahnen umfaßt 28 88g Köpfe, darunter 14 189 Frauen.* Druckarei, Vorlag und Radaktion da, „Deutschen Freiheit" Saa,b,üd..n, Co.i,d,i..h(ad, 776 Pariser Berichte Pariser Straßenkalender Infolge der Kälte ist die Zufuhr zu den Pariser Markthallen in den letzten Tasten von täglich 600 000 Kilo Gemüse und Früchte auf 200 000 zurückgegangen. * Der Direktor des Pariser Stadtlaboratoriums M. André Kling hat, wie er in einem Vortrage in der mathematisch- naturwissenschaftlichen Akademie mitteilte, die Art entdeckt, auf die die Giftgase die Lungen vergiften, so daß eine ärztliche Behandlung und wahrscheinlich auch Vorbeugung möglich erscheint. * Der Verlag des„Ami du Peuple", der bekannten billigen Pariser Rechtszeitung ist in gerichtliche Liquidation getreten. * Der große Sport-Preis Deutsch de la Meurthe wurde Citroens Innerasien-Mission, geführt von Haart und Audouin- Dubreuil, zuerkannt. * Ein Saarländer, der Dekorationsmaler Ruf, 42 Jahre alt, in der rue Sedaine zu Paris wohnhaft, wurde verhaftet, weil er durch Schläge den Tod eines aus der französischen Provinz stammenden Dieners namens Antoine Caitcha, 48jährig, hervorgerufen haben soll. * M. Herriot in der geistigen Internationale Dom Vernehmen nach ist M. Herriot. der Bürgermeister von Lyon und berühmte französische Politiker, zum Mitglied des Völkerbunds-Ausschusses für geistige Zusammenarbeit ernannt worden. Das Pariser Büro dieser geistigen Internationale der Völker befindet sich bekanntlich im Palais Royal, vor dem historischen, jetzt durch eine Aenderung im Säulengang wieder freigelegten Garten. Ein Teil dieser Internationale ist wieder die von M. Bourdon geleitete Journalisten-Internationale mit der der neugegründete Verband der emigrierten deutsc'.en Journalisten freundschaftliche Beziehungen unterhält. * Nach der letzten Zählung vom 9. Dezember waren in Groß- Paris 138 412 Arbeitslose eingeschrieben. 5600 mehr als in der Vorwoche Insgesamt waren 270 000 Stempelnde in Frankreich eingetragen, davon 55 000 Frauen. * Bei den Erben des berühmten Dichters Rimbaud(dessen Couplets in der„Dreigroschenoper" verwendet sind) ist ein Streit um die Autorrechte ausgebrochen. Die zwei Töchter des Bruders gingen gerichtlich gegen die Verwandten der Schwester, der durch Familien vergleich das Erbe des 1891 gestorbenen Dichters überlassen war, vor. Die 1. Instanz entschied gegen sie. * Zwei„Doubles", eine Schauspielerin vom Gymnase und ihr Mann, die in dem Film„Liliane" die Hauptrolle clou- blierten sowie die Autorin des französische» Prologs dieses Films, wurden bei einem Autounglück auf der Rückfahrt vom Studio Epiuay verletzt. Die Autorin erlitt.einen Schädelbruch. * In der Rothschild Schule wurde den Mädchen rote, den Knaben blaue Pullover zur Chanuka-Feier geschenkt, darunter auch manchen deutschen Kindern, ferner Schürzen, Taschentücher usw. Eine gemeinsame Schulfeier bei Kakao und Schnecken wurde abgehalten. Produktive Hilfe für Flüdifllnge In Paris Wie wir erfahr i, hat das Mateotti-Comité ein Kollektiv für produktive Arbeit der Flüchtlinge in einer Werkstatt des südlichen Paris errichtet. Dort werden Spielwaren, Radio- Gegenstände und Waren ähnlicher Art, die dem französischen Wirtschaftsleben keine Konkurrenz bieten, angefertigt. Zur Zeit sind bereits etwa ein Dutzend Flüchtlinge eingestellt. Nicht gelernte Arbeitskräfte sollen nach Möglichkeit ausgebildet werden. Eine zweite Leistung der sozialistischen Flüchtlingshilfe ist die Schaffung einer Gemeinschaftsküche im Mateotti-Heim zu Paris. Es gibt dort täglich für nur eineinhalb Franken kräftiges Essen nach deutscher Art. Heute wird bereits für etwa 50 Personen gekocht. Die sonstigen Leistungen des Mateotti-Comités: Zahlung einer gewissen Unterstiitjungssummc, Zuweisung von Wohnraum, Beratung und Vermittlung gehen weiter. Der produktiven Hilfe gilt aber die Hauptfürsorge des sozialistischen Pariser Ausschusses, der auf dem Boden der Kameradschaftlichkeit und der Weltanschauung aufgebaut ist. Dentsdie Verkeltrswerbung zu Purls In der Avenue de 1' Opéra zu Paris ist eine große Werbestelle der Reichsbahn Hitlers(— ein Ort, der sich übrigens von jeher dadurch auszeichnet, daß den dort betrachtenden Patrioten unsittliche Postkarten und Ausflüge in ein zweifelhaftes Vergnügungslokal vorgeschlagen werden). Dieses Jahr bringt Hitler:„Winter in Germany" nach Paris. Mau sieht den Schnee in den Alpen, die alten Häuser von Rothenburg ob der Tauber, Bilder von Burgen und Schlössern, im Hintergrunde das Modell eines strohbedeckten Bauernhauses, überlichtet von einem deutschen Weihnachtsbaum. Von Hitler sieht man nichts. Man erblickt wohl viele erhobene Hände auf einem Gruppenbilde, aber schaut man genau hin, so ist es nicht der Sportpalast, sondern Oberammergau. Nicht einmal Adolfs Bauernhaus in Berchtesgaden drängt sich vor. Und auf einem Werbeplakat der Weltolympiade Garmisch-Partenkirchen 1936 reckt sich wohl die redite Hand„römisch" hoch, aber der Arm endet oben in einem Stumpf, und man weiß nicht, ob die Geste in„Rotfront" oder„Heil" ausgeht. Tie deutsche Reichsbahn, im Rangieren erfahren, scheint sich darin auszukeimen, daß mit dem Werbeartikel„Nationalsozialismus" im Ausland nicht viel Freunde anzulocken sind.—> ÄS Deutschte Poliklinik SSÄ35 «I Allgemeine KoHsaltationeu ait 9 Spezialist». b) Qdmrgie c) Geburtshilfliche Klinik d) Zahnärztliches Kabinett Innere Medizin, Augen». Ohren-, Nasen» und Kehlkopf krank» ZweistöckigesSSanatoriumsgebäude. Vierstöckiges Gebäude. Zimmer Zahn* und Mundchirurgie. Gold» aeiten. Röntgen Diathermie. Elektrotherapie, Spezialbehand.- Kleine, mittlere und große Chirur. mi* 1 bis 4 Betten. 3 Aerzte, 3 Heb» und Porsellankronen.-Krücken lung bei Blut». Harn» u. Geschlechtskrankheiten gie. Die aller modernste Einrichtung ammen und 2 Operationssäle. Kautschuk-Arbeiten Ordination Ifigllch von 9—12 und 2—Ô; Sonntags und Feiertags von lO—12 und 2— 4 Uhf 40* Das leipziger lirfeil Ucber„Das Urteil im Reichstagsbrandprozeß" spricht am Samstag, dem 23. Dezember, um 21 Uhr, Rechtsanwalt Dr.. Arthur Wolfs im Deutschen Klnb, 64, rue du Rocher. Dr. Wolfs führte einst im Ruhrgebiet die großen politischen Prozesse, die den Ereignissen von 1923 folgten. Redner sind in Aussicht. Sollte der bulgarische Anwalt Grigoroff recht- zeitig das Einreisevisum erhalten, so wird er ebenfalls zu der Versammlung kommen.— Nach dem Vortrag: Debatte. Wäfte willkommen. Unkostenbeitrag 5 Franken(Stellungslose: 2 Franken). Voranzeige: Am 24. Dezember um 21.15 Uhr Weih- n a ch t s s e i e t im Deutschen Klub. Eine Sammlung der Hitler-Gesetze Wie wir erfahren, erscheint demnächst in Paris in mehreren Weltsprachen eine außerordentlich bedeutungsvolle Gesetzessammlung. Das Werk, dessen Aushängebogen uns vorgelegen haben, ist ein wissenschaftlich geschlossenes, in seiner strengen Korrektheit und Uebersichtlichkeit erschütterndes Buch der Dokumenten des Hitlerreichs. Aus Quellen sind nur die hitleramtlichen oder gleichgeschalteten Instanzen oder Zeitungen verwertet. Als Autor und Zusammensteller des Buchs, das selbst das Braunbuch in Schatten stellt, ist einer der bekanntesten jüngeren deutschen Publizisten, der sich in Tis befand und zur Zeit in London weilt, hervorzuheben. Film-Paris Der Film„Le Gendre de M. Poirier" wird von Marcel Pagnol im Kostüm von 1846 gegeben und ist die Uebernahme eines klassischen Theaterstücks. Das Spiel bekundet den Konflikt eines verschwenderischen Adligen, der durch seinen* bürgerlichen Schwiegervater gesühnt wird. Der Premiere im Rex ging die Sage voraus. Pagnol habe gewettet, man könne Schauspiele fast so wie sie sind verfilmen. * Alexis Granowskv. der frühere Moskauer Regisseur, liebt die Vermengung(frühere Berliner Gastspiele). Diesmal bringt er einen stark gemixten Film ,A>es Aventures du Roi Pausole" in französischer Sprache im Paramount heraus. Die Musik stammt von Karol Rathaus. U. a. sieht man 66 Königinnen am Hofe. Eg ist die Mondänisierung des bekannten Romans, mit Bildern von der Azurkiiste. 4- Ira Studio 28 sieht man einen interessanten Amerikaner ,Jnternational House", in dem ein chinesischer Weiser in Shanghei das Fernsehen erfindet. Ein abenteuerliches und amüsantes Hotel-Milieu. * Ein Vorkriegs-Wien amerikanischen Einschlags wird in den Champs Elyséejt aufgebaut. In„Reunion in Vienna" versammeln sich die„Vormaligen" zur Habsburg-Feier. John Barrimore als ehemaliger Exherzog und Taxi-Chauffenr. BttlEFKASTEK „Baby*. Sie teilen uns mit:„Durch Erlaß vom 1<1. November ms(2 A 204/89) hat das preußische Innenministerium den Veitrieb von Spielzeugsiguren der SA.. SS. usw. in llntsorm mit umgehängtem Karabiner verboten.*— Na, wenn dad die Franzosen nicht überzeugt! Nizza. Wir danken für die Richtigstellung. Das Versehen pas- sierte, weil eS so viele Schauspieler mit dem Nachnamen Otto gibt. Hans O. war es, den sie:n Berlin bestialisch mordeten: Paul O. Ist feit Jahren Nazi und Funktionär des„Kampfbunded sür deutsche Kultur*. In dem anderen Falle tun Sie uns unrecht. Außer Ihnen ist keiner unserer Leser auf den Gedanken gekommen, den Satz<„Er war Kommunist, jedoch ein ideal gesinnter Mensch"! al8 eine Herabwürdigung des Kommunismus wie des Ermordeten aufzusagen. Erinnern Sie sich unseres vielbeachteten Aussatzes über den Kommunisten Dimitross! Wir sind wirklich viel zu ersah- ren in der Welt der politischen GefinnungSbildung, um nicht zu wissen, wieviele Menschen zum Kommunismus gelangen— nicht, weil sie die materialistische GeschichlSaufsagung zur Weltanschauung erhoben haben, sondern einfach aus Idealismus mit dem Einsatz höchster Opserbereitschaft sür die Idee. Daß w i r keine Kommunisten sind, wissen Sie. Aber nach allem, was wir von.Hans Dito hörten, könnte der inkriminierte Satz auch lauten:„Er war Kom- munist und darum ein ideal gesinnter Mensch". Den Beweis da- füi lieferte er dadurch, daß er nach dem 5. März nicht'osott überlief, nach dem Beispiel seine« Kollegen Heinrich George. Dem pen- delte flüher ein Sowjetstern wild an der wogenden Brust, setzt schmettert er das Wagalaweia Wotans zu Füßen oou GöbdelS. Helene B., Zürich. Für Ihren Brief und Ihre Freundschaft»- erklärung sind wir Ihnen sehr verbunden. Sie und andere au»- ländische Freunde beachten zu wenig, daß unser Blatt„Deutsche Freiheit" heißt. Die Faschisten im Reiche möchten das erste Wort gerne streichen, aber eS ist für uns entscheidend. Unser Kamps gilt zunächst und zumeist der inneren Befreiung Deutschlands, die wir auch für die äußere Freiheit für notwendig halten. Um die innere Politik fremder Länder könne» wir uns nur gelegent- ltch kümmern. Man darf nicht alles wollen, wenn man elwaS erreichen will. In Ihrem Lande genießen Sie, an Deutschland ge- ■neuen, ein so hohes Maß von politischer Freiheit und Sie haben eine so tüchtige sozialistische Preise, daß Ihnen hinreichend Ge- legenheü zur Kritik im eigenen Lande geboten ist. Schöne Grütze. Zeitungsausschnitte. Wieder einmal allen Einsendern herzlichen Dank. Noch dankbarer wären wir, wenn alle Einsender stets den Namen, den Erscheinungsort, die Nummer und das Dalum auf jedem Ausschnitt vermerken würden. Louis K., Pari». Die Einladung Sowjet-Rußland» an jüdische Flüchtlinge i>t inzwischen auch in unserem Blatte erschienen. Bee- gegen Sie aber nicht, daß es sich einstweilen nur um eine Zeitungsmeldung handelt und nähere Angaben fehlen. Eftrategieo. Ihr Beitrag ist frisch geschrieben, enthält aber fach- ltch nichts Neues. Kathrin. Wir danken. Auf diesem Gebiete sind tote durch ein Abkommen intt einem befreundeten Verlag hinreichend bedient. D. Lands». Wenn Sie sich über die Saarfrage unterrichten wollen, empfehlen wir Ihnen die Broschüre von Wilhelm Stalten- kamp, Egen:„Was muß Du von der Volksabstimmung im Saar- gebiet wigen?" Sie können das billige Heft von der Buchhandlung der„BvlkSstimme* In Saarbrücken beziehen. Limoges. Für die wiederholte Uebersendung de»„Populaire du Centre" danken wie Ihnen. Für den Geiamtinhalt verantwortlich: Johann Pitz tn Dud- Weiler: für Inserate: Cttc Kuhn In Saarbrücken Rotationsdruck und Bei lag: Berlag der BolkSftimme GmbH» Saorbrücten L. Schützenftratze 6. Dr. Spécialiste 9«. rue«le Rivoli— Metro: Choiele RADIKALE HEILUNG von BLUT., HAUT, and FRAUENKRANKHEITEN Heil anx von Krarnptadero and offenen Beinwanden Neueste Behandlungsmethoden Elektrv rität Imphingsverlahren Trypafle vine» Einspritzungen Blut« und Hain«Untersuchungen. Spcr* makuitur Salvarsan Wismut usw. Sprechstunden täglich von 10—12 und von 4—8 Uhr sonntags.von 9—12 Uhr Konsultationen von 25 Fr. ab. 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