Sîuzîge unabhSngîge Tageszeîiung Veuischlauds Nummer 157— 1. Jahrgang| Saarbrücken, Samstag, den 23. Dezember 1933| Chefredakteur: M.Braun Ans dem Inhalt Jxankreichs SCaltunq. versteift Seite 2 JlUt gen OstlcuuL Seite 3 Jxiumph der arischen JConkuecenz Seite 4 Unmoralische Qceuetgeschichte Seite 6 Zweikamp! Hitler-Göring Länderkrise in Deutschland— Warum der Reichskanzler n.cht im Reichstag sprach Die Einkreisung Görings 5 1r Die hastigen Bemühungen Hitlers um eine Reichs- reform haben zu einer Krise in der nationalsozialistischen Leitung geführt, über die uns von bestinformierter Seite aus dem Reich folgende Mitteilungen zugegangen sind: Das Projekt einer Reichsreform ist bereits soweit fertig- gestellt, bah es im Aalle seiner Genehmigung durch die de- teiligten Instanzen sosort durchgeführt werden kann. Es steht die gleichmäßige Aufteilung des Reiches in eine An- zahl von trauen sman spricht von 18} vor. Ein politischer Hauptzweck dieses Projektes scheint es zu sein, die Macht Preußens zu brechen und damit Göring mattzusetzen, der sich in den letzten Monaten immer mehr zum Gegenspieler Hitlers entwickelt hat. In dieser Richtung wird zur Zeit bereits Borarbeit geleistet. So ist zum Beispiel der Reichs- führer der TS. Himmler in fast allen austerpreustischen Ländern zum Kommandeur der politischen Polizei ernannt worden, die damit außerhalb Preußens dem zwar nicht ver- «altungsrechtlich festgelegten, aber tatsächlich bisher be- stehenden Einflust der Göringschen Geheimen Staatspolizei entzogen wird. Auf diese kleineren Borftöße sollte nach de»«rsprüng- lichen Plänen die eigentliche Reichsresorm beschleunigt folgen. Räch der Absicht Hitlers sollte der Plan der Reichsreform feierlich am 18. Januar, dem Tage der Reichsgründung von 1871 zu Bersailles, verkündet werden. Unterstütz« wurde dieser Borschlag Hitlers von dem Reichspropagandaminister Dr. Wöbbels. Gegen ihn richtete sich jedoch der geschlossene Widerstand der zwei größten Länder. Sowohl der preußische Ministerpräsident Göring wie der bayerische Reichsstatt- Halter von Epp widersetzten sich der geplanten Aufteilung ihrer Länder. Die bayerischen Nationalsozialisten brachten ihren Willen zum Festhalten an einem ungeteilten Bayern dadurch zum Ausdruck, daß sich ihre Abgeordneten zu einer eigenen bayerischen Fraktion im Reichstag zusammenschlössen. Diese Borgänge verstimmten Hitler derart, daß er der Reichstagserösfnnng am lî. Dezember demonstrativ fernblieb und statt dessen vor der Mannschaft des heimgekehrten Kreuzers„Köln" in Bremerhaven eine inhaltlose Rede hielt. So erklärt sich die ausfallende Nüchternheit und Kürze der Reichstagseröss- nung, die ursprünglich als großer staatspolitischer Akt ge- dacht war. Wir find daraus gefaßt, daß man in Berlin versuchen wird, diese absolut verbürgten Mitteilungen zu demen- tieren. Darum machen wir von vornherein daraus ausmerk- sam, daß die erwähnten Borgänge teilweise auch ans einer Pressekonferenz besprochen wurden, die am ll. Dezember in München stattfand. Dort verbot der bayerische Staatsminister Esser der bayerischen Presse, das Thema Reichsreform künftig noch zu be- handeln. Es lägen noch keinerlei feste Pläne vor, keine klaren Absichten über die Ziele der Reichsresorm. Esser kam auf Borschläge zu sprechen, die der hessische Reichsstatt- Halter Sprenger über eine Neugliederung im hessisch-badisch- pfälzischen Raum gemacht hatte und die unter anderem aus eine Abtrennung der Pfalz von Bayern hinzielten. Diese Borschläge, so sagte Esser, seien des Herrn ReichSftatthalters reines Privatvergnügen. D«e Reichsresorm, von der man nicht wisse, wann sie überhaupt komme, werde jedenfalls Bayern mit den heutigen Grenzen unverändert als Ber- waltungseinheit bestehen lassen. Soweit die uns zugegangenen Mitteilungen. Sie be- ftätigen die Beobachtung, die man feit mehr als einem halben Jahr in der Frage der.von Hitler so groß am gekündigten Reichsreform machen konnte. Die^ unablässigen Vorstöße des bayerischen Ministerpräsidenten Siebert gegen die Reform dienten dem gleichen Zweck, wie die Umorganisation des preußischen Staatsapparates durch Döring. Sowohl die Schaffung des preußischen Staatsrates, bei dessen Eröffnung im Berline? Schloß Hitler gleichfalls durch demonstrative Abwesenheit glänzte, wie auch neuerdings die Machterweiterung de. preußischen Oberpräsidenten und damit die Ranß. erhöhuna der Provinzen sind Störungsfeuer gegen die Reichsreform. Bereits zur Zeit der Weimarer Republik befanden sich die preußische Regierung Braun und die bayerische Regierung Held in einer stillen Einheitsfront gegen eine allzu radikale Reichsreform. Man sprach nicht viel von ihr, aber sie war da. An dieser Einheitsfront hat sich unter Adolf Hitler nichts geändert. Der Unter- schied ist nur, daß die Weimarer Republik solche Gegen- säße ertragen und dank ihrer Elastizität in sich aus- gleichen konnte. Im„dritten Reich" dagegen, das nach außen hin nur Hitlers Willen als alleiniges Gesetz kennt, zerbricht mit jedem derzeitigen Zwist ein Stüch Staats- autorität. Und die ungeschriebene Verfassung des Nazi- Staates lautet, wie die geschilderten Vorgänge zeigen, immer noch: Hitler kann alles machen— was Göring will. Am Biscliofsitz Fulda „Nieder mit den schwarzen Halunken!"— Sturm auf katholisches Blatt— Den Katholiken an der Saar zur Warnung Man schreibt uns: Es fällt mir schwer, als katholischer Ehrist und Zentrums- mann, der seit 40 Jahren dieser Partei angehört, mich an ein freigeistiges Blatt, wie das Ihrige, zu wenden, da eö aber leider Gottes die einzige Stelle ist im deutschsprachigen Blätterwald, wo man die Wahrheit erfährt, und ich nicht sicher sein kann, ob in meiner Presse mein Name nicht den Machthaber» in Deutschland bekannt gegeben wird, muß ich Ihre Gastfreundschaft in Anspruch nehmen. Sie haben sicher vor einigen Tagen die Nachricht im Luxemburger Sender gehört, daß die„Fuldaer Zei- tung" bis»um 20. Dezember verboten worden ist. Wie und warum das geschah, will ich Ihnen erzählen. Ich weilte als Saarländer vorige Woche zu Besuch eines Geschäftsfreundes in Fulda. Wir kamen beim Spaziergang an dem Gebäude der„Fuldaer Zettung" vorbei, wo sich ein Haufen Nazisünglinge zusammengerottet hatte. Die Bande brüllte wie die Wahnsinnigen: „Rieder mit der schwarzen Tante!"„Rieder mit den schwor- zen Halunken!"„Rieder mit den Jesuiten!" Empörte herbeigeeilte Fuldaer Bürger schrien: Pfui! Pfui! Wie mir mein Freund, der die Demonstranten persönlich kannte, versicherte, waren die Schreier meistens Söhne der evangelischen Beamtenschaft. Angehörige der Hautevolee, der sogenannten besseren Stände. Wir wurden Zeuge, wie das Gebäude gestürmt, die Maschinen mit Aezte» zer- schlagen wurden. Wie die Bandalen hat die Bande gehaust. Hierauf mußte das Blatt ein Flugblatt veröffentlichen, daß es wegen technischer Schwierigkeiten nicht erscheinen könne. Dann kam das Verbot. Die„Fuldaer Zeitung" ist dasOrgan des bischöflichen Stuhles, ein durchaus anständiges, gleichgeschaltetes Blatt. Im gleichen Verlag erschient der mediferNazi Der Borstand der Sozialdemokratischen Partei Deutsch- lands, Sitz Prag, schreibt: „Die Polizeibehörde in Essen hat kürzlich der Presse zwei Briefe eines angeblichen früheren Essener marxistischen Schriftstellers Kuper zur Verfügung gestellt, die dieser an den Borstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Sitz Prag, gerichtet hat. Kuper erklärt in diesen Briefen, ihm sei im Konzentrationslager nichts passiert. Er bittet seine früheren Parteifreunde, ihre Arbeit im Ausland ein- zustellen, nach Deutschland zurückzukehren und die Folgen für ihre Handlungen auf sich zu nehmen. Zur Beurteilung der Glaubwürdigkeit des Kuper und sei- ner Absichten mit der Veröffentlichung des Brieses genügen folgende Feststellungen: Kuper ist schon 1930 zum ziveiten Male aus der Partei ausgeschlossen worden. Im Jahre 1924 war er Arbeitersekretär in Osnabrück. Da er für die zu erteilenden Auskünfte von den Besuchern Geld verlangte, und weiblichen Besuchern gegen ihren Willen zur Erduldung von Intimitäten zwang, wurde er aus der Partei auSge- schlössen 1930 wurde er wegen Unterschlagungen im Bau- gewerkSbund in Osnabrück zu neun Monaten Gefängnis verurteilt, auch an der Taar viel gelesene„Bonifationsbote". Angerührt ist die Sache vom Naziorgan Fuldas, das fast unter Aus- schluß der Öffentlichkeit erscheint, und das Geschäfte durch den Tod des Konkurrenten zu machen hofft. „Gemeinnutz geht vor Eigennutz!" Die Regierung, die sich doch so um die katholischen Stimmen der Saarbewohner be- müht, möge doch einmal den Artikel veröffentlichen, der Anlaß zum Verbot gab, damit die Katholiken der Saar sich ein Urteil bilden können! Eine kochende Volksseele, die zur Rechtfertigung der Tat herangezogen werden kann, gibts hier in der Stadt, die bei der letzten richtigen Wahl 60 Prozent Zentrumsstimmen ausbrachte, nicht. TaS hier ist ganz gemeiner Kulturkampf! Wenn heute, wo die Regierung wegen der Saar noch ge- wisse Rücksicht auf den katholische» Bolksteil nehmen muß, so etwas möglich ist, wie wird es uns armen Saarländer Katholiken erst ergehen, wenn abgestimmt ist, wenn der Mohr seine Schuldigkeit getan hat und gehen kann. In GerSfeld bei Fulda wurden jüdische Häuser erstürmt, Männer und zwei alte Frauen schwer verprügelt. Ich werde, solange diese Mörderbande am Ruder ist, nur für eine freie Saar stimmen, wenn uns nicht ganz bestimmte Garantien gegeben werden, daß Recht und Gerechtigkeit an der Saar zu Hause bleiben werden. Wenn das nicht der Fall ist, dann werden wir erleben, daß eines TageS der Dank Hitlers an seine katholischen Trabanten an der Saar er- stattet wird und Genugtuung wird mich erfüllen, wenn die Herren gleichgeschalteten Redakteure im Sargebiet ihre ge- hörige Tracht Prügel von ihren braunen Bundesgenossen be- ziehen und au^i ihren Redaktionsstuben hinausfliegen. Sie haben es für ihren Verrat an der deutschen und der katbo- tischen Sache an der Saar tausendfach verdient! Amerikas Wirtschaftsdiktator zurückgetreten General Johnson, Der Rücktritt Johnsons wird darauf zurückgeführt, daß sich zwischen mehreren amtlichen Stellen und dem sehr eigen- willigen General Differenzen ergeben hatten Die Frage bleibt offen, ob die Ausschaltung»on General poönfott, bttin Europa als einer der wichtigste,. Exponenten der Polttik Rooseoelts betrachtet wurde, einen Wandel in de» wirtschaftspolitischen Auffassungen bedeutet. Pas neueste Der französische Senat hat das Rckrntiernngs- gesell, das in der Kammer zn leidenschaftlichen Auseinandersetzungen Anlaß gab. ohne Debatte angenommen. Gleichzeitig mit der Einbringung des Gesetzentwurfes zur Auslegung einer lO-Milliardcn-Franlen-Anleihe hat die srai zi tische Regierung i>> de, K>,'>>,!cr à» Ant-aq eingc- bracht, vom l. Juli 1934 ab die Höchstgrenze der auszugeben- den Schatzbonds von lä aus l» Milliarden herabzusetzen. Der neu ernannte amerikanische Botschafter in M o s k a u, B n l l i t, ist nach Amerika abgereist. Es fährt im Februar wieder nach Moskau zurück. HavaS berichtet aus Washington, zwischen den sran- zösischen und den amerikanischen Sachverständigen ies eine Einigung dahin erzielt worden, daß Frankreich sich ver- pflichte, 209 00(1 Doppelzentner Birnen und Aepsel vor dem März 1084 in Amerika zu kaufen, wogegen Amerika das bis zum t. März vorgesehene sranzösische Weinkontingcnt ver- doppelt. Die ansänglich Frankreich eingeräumte»ontingcnto- grenze war bereits gestern erschöpft. Die HavaSagcntur»erbreitet eine„Privatmeldung", die die aus ncglitcher Quelle stammende Nachricht, General W e y g a n d habe seine Demission als Chef des General- stades eingereicht, als jeder Begrün du ng entbeh» rend bezeichnet. Austenminifter Sir John Simon ist nach Paris abgereist. Die französische Kammer hat den Gesetzentwurf be- treffend Ratifizierung des Abkommnes über die Berkür- zung der Arbeitszeit in den Kohlengruben angenommen. Der Grönlandsorscher Dr. Knud R a S m« s s e n ist gestern morgen gestorben. Der österreichische Bondeskanzler hat den in München er- scheinenden Oesterrcichischcn Pressedienst für ein Jahr in Oesterreich verboten. Die Theaterdirektion in Memel des städtischen Schauspiel« Hauses Memel ist durch den Kommandanten des Memel- gebiets angewiesen worden, fortan alle Theaterstücke der litauischen politischen Polizei zn unterbreiten. Amsterdam, ZI. Dez. Der niederländische Gesandte in Ber- lin hat im Austrage der niederländischen Regierung an zu- ständiger Stelle die ernsten Bedenken dargelegt, welche hier gegen die angckiindigte Senkung der Transfer-Ouotc erhoben werben. Der Untersuchungsrichter beim Obersten Gerichtshof in Dublin hat die Freilassung O'DussyS nnd seines Partei» gangers Sullivan angeordnet, da ihre Festnahme zu Unrecht erfolgt sei. Räch einer Bersttgung des Korpssübrers des RSKK wird sitr das Jahr 1084 die Stärke des RSKK. auf lOOOOO Mann beschränkt.— Es handelt sich um das Krastfahrerkorps. Der Reichsminister des Innern hat den am 4. April 1983 eingeführten AuSreisesichtvcrmcrk für Reichöangehörige mit Wirkung vom l. Januar 1934 aufgehoben. Bolivien hat die Wasfenstillstandsvorschläge im Gran- Ehaco-Streit angenommen. Im Bahnhos Freising wurden zwei Arbeiter von einem Güterzug überfahren und getötet. Der kanadische Dompter.Prince George" hat ans funken» telegrafischem Wege Hilf« angefordert. Das Sckiss ist in den Gewässern von Britisch-Eolnmbien ans da« Badlo-Riss ausgelaufen. M befinden sich, nur wenige Reisend« an Bord. §8» Ohne Dienstanzu& Die Oberste SA-Führung hat folgende Beiordnung er- lassen:„Vom 31. Dezember 1033 32 Uhr. bis U Januar 1934, 8 Uhr. ist das Tragen des DienstaiizugeS außerhalb der Prtvatwdhnilngen fiir sämtliche Angehörigen aller der Ober- sten TA.-Führung unterstellten Gliederungen verboten. Ausgenommen sind Wachen und Posten kow'e die zum Dienst eingesetzten Ttrastenpatrouillen, Feldjäger, HilfS- Polizei und dergleichen." Tic SA.-Führung scheint den Stlvester-Punsch zu jürchtcn. Frauenmord im Konzentrationslager (Jnprest.) Aus dem Konzentrationslager Brandenburg wird ein neuer Mord gemeldet. Die Arbeiterin Gertrud Pieper soll sich in ihrer Zelle erhängt haben: die Wahrheit ist. das, sie zu Tode geprügelt und dann ausgehängt worden ist. Tag und Stunde der Beisetzung mutzten streng geheim ge- halten ivcrdcn. Hunderttausende bedroht! Hamburg, 21. Dez. lJnpretzl. Der„Rcichsverband der Tabakhändler" erhebt einen Rotrus an die Oeffcntlichkelt. in dem er erklärt, datz Hunderttausende von Kleinhändlern vor dem Untergang stehen. In den Großstädten vollzogen sich täglich Hunderte von Tragödien. Allein in Hamburg- Altona seien mehr als 30 000 Kleinhändler dem Untergang geweiht. .Gilt mir, Gcirosse,..." Ein Begleitbrief im Lebensmittelpaket Kameradi Tas Comité Matteotti Francais möchte Dir zu Weih- nachten eine kleine Freunde in der Emigration machen, die Dir zugleich helfen soll. Deine Lage zu verbessern, und kann Dir ein L c b c n s m i t t e i p a k e t geben, für dessen An- schäm,ng Arbeiter und Arbeiterinnen vieler Länder ihre Lohngroschen gegeben haben als lebendigen Ausdruck der internationalen Solidarität und der kameradschaftlichen Verbundenheit mit den Opfern des Hitler-Faschismus. Für daS zweite Jahr de, Emigration, das in wenigen Tagen beginnt, geben wir Dir die Worte mit au, den Weg die der gleich Dir aus Deutschland vertriebene Dichter Oskar Maria Graf geschrieben hat: Gib mir, Genosse. Deine schwere Hand. in deren Zittern noch die Arbeit bebt. Uns eint ein unsichtbares Band. das nur der Gleiche gleich erlebt. Wir sind vielleicht vom Kämpfen müd, doch nicht besiegt. Und jeder Schritt von un» geht mit den Tausend mit. Was sind da Mühen, die mißraten! Wir dürfe» nur nicht voneinander gehen. In jeder Stadt und jedem Land sind Kameraden. d,e wir beim Stege wiedersehen. Paris, den 24. Dezember 1988. Tas Comité exécutif. England für den Völkerbund Nur ein„zwisdienstadium"- Alle Wege innren nadi Genf »* London» 21. Dezember. Im Unterhaus sagte der Außenminister Sir John Simon kurz vor seiner Abreise nach Paris». a.: Die britische Regierung halte es sür notivendig, ihr Acußersles zu tun, um die Lage zu klären. Hitler habe Bor- schlage geinacht, die sicher den Zweck verfolgten, eine An- rcgung für Nichtangriffspakte mit seinen Nachbarn darzu- stellen. Diese Borschläge beschränkten sich nicht auf einen besonderen Nachbarn. Die britische Regierung habe sehr vorsichtig zum Aus- druck gebracht, daß Re nicht die Rerpslichtnngeu vergessen habe, die aus den Mitgliedern des Völkerbundes ruhten. Angesichts der gegenwärtigen Lage müsse jeder vernünftige Mensch besorgt sein. Simon teilte mit, er werde heute nachmittag mit dem französischen Außenminister zusammentreffen. Es sei äußerst wichtig, daß England und Frankreich so eng wie möglich zu- sammenkämen, uin die Frage zu kläre», ivie sich der von der deutschen Regierung unterbreitete Borschlag zur Politik und zu den Anforderungen der Nachbarn Deutschlands verhält. Tie Ergebnisse der verschiedenen Nachforschungen müßten gesammelt werden Auf eine vorher geäußerte Kritik des Parlamentsmitaliedes Boothbu au seinem römischen Besuch antwortend, hob Simon hervor, daß dieser Besuch ihm die Gelegenheit geben»verde, die Stärke der britischen össcnt- lichen Meinung und der britischen Politik in dieser ver- wickelten kontinentalen Lage in die Waagschale z» werfen. Die britische Regierung wolle von dem Snstcm internatio- naler Berbandlunaen nicht rnaun^en einer Erörterung zwischen zwei Mächten abweichen. Er habe das Stadiuni eines Gedankenaustausches zwischen zwei Mächten nie anders angesehen, denn als ein primäres oder Zwischen- stadium. Außerdem bestünde Grund zu der Annahme, daß die Mit- teilung des Reichskanzlers nicht nur an den britischen Bor- schaitcr, sondern auch an die französische Regierung und sicherlich auch an andere Regierungen gerichtet gewesen sei. Er habe keine übertriebenen Hoffnungen, aber er hone doch, daß bis zu», Wiederzusammentritt des Unterhauses die britische Regierung in der Lage sei, dem Haiise bestimmtere Informationen über das Ergebnis des Meinungsaustausches zu geben. Der Reichskanzler habe soviel Stach- druck aus Vereinbarungen gelegt, die die Sicherheit fördern sollten, daß die Annahme gestattet sei, die Sicherheitssrage schwebe nicht nur England, sondern auch anderen verant- wörtlichen Ländern vor. Die deutsche Reigerung sei. wie er annebme. entschlossen, von ihrem allgemeinen Standpunkt aus die Schaffung einer allgemeinen Inspektion und Kontrolle mit Berna au f die Rüstungen aller Länder anznchmen. Bei den Erörterungen sei eine Art automatischer und periodischer Kontrolle, die allgemein zur Anwendung ge- bracht werden würde, in Aussicht genommen worden. Man müsse sich leider kragen, ob der Plan allgemein an- O'nommcn totrbt, wenn man an Java», und andere Länder denke. Man müsse der Tatsache Rechnung tragen, daß eine Grenze vorhanden let, bis zu der En-land höchste nsgehen könne. Das Endergebnis sei nicht durch individuelle oder einseitige Erklärungen, sondern nur durch Vereinbarungen zu erreichen. Mau dürfe den Völkerbund nicht In Stück« reißen, wenn man nickt sicher sei, datz man etwas Bessere? an seine Stelle zu setzen habe. Positive Abänderungsvorschläge zur Völker- l'nndskahnng seien von keiner Seite gemacht worden. Die britische Regierung fei dem Frieden aufrichtig ergeben, unterstütze lest den Völkerbund und wünsche dringend, internationale Vereinbarungen zu fördern. Die Verhandlungen mit Rußland seien endgültig ermutigend. Die Politik der britischen Regierung bleibe daraus gerichtet, die Integrität und Unabhängigkeit Oesterreichs zu stützen. Frankreichs Haltung versteift Schwierige Verhandlungen zwischen John Simon und Paul-Boncour London, 22. Dez. Der diplomatische Korrespondent des sozialistischen„Daily Herald" sagt zu den bevorstehenden Ve- sprechungen zwischen Sir John Simon und Paul Voncou,. daß sie krittscher sein würden, als er iv artet worden sein möge. Unter politischem Druck hat sich die Haltung der französischen Regternng versteift. Zwischen den Ansichten der französischen und der britischen Regierung be- steht jetzt ein scharfer Gegensatz. Die Franzosen sind nicht nur geneigt, zu erklären, daß die letzten deutschen Bor schlage n>, a n n e h m bar sind, sondern auch, daß direkte Verhandlungen mit der deutschen Regierung ü b e r l, a u p l zwecklos find. Ende voriger Woche war dies noch nicht die Auslassung Paul-Voncours: aber der Kammerausschuß üir Auswärtige Angelegenheiten und die sozialistische Kummer- »raktion haben sich während dieser Woche gegen wci.ere direkte Verhandlungen niit Deutschland er- klärt. Die sranzösische Regierung hat anscheinend nachge- geben und ist jetzt selbst>'ür Abbruch der Besprechungen. Die britische Regierung ist aber nicht nur für Fortgang der Ve- sprechiiiigen, sondern auch für eine entsprechende Prüfung der deutschen Vorschläge. Gegen Gespräche mil liftier Angriffe auf François-Poncet Paris, 22. Dez. Die Presse, die gestern das Stichwort„nicht Ausrüstung, sondern Abrüstung" variiert hat, geht heute einen Schritt iveitcr, indem sie sich mehr vdc» weniger entschieden gegen die Fortsetzung des deutsch-kranzö- ischeu Meinungsaustausches wendet. Das drut- fche Defensivprogramm wird allgemein als ein Programm der A u f r ii st n n g und des W c t t r ü st e n s bezeichnet. Der„Petit Parisien" erklärt kategorisch, hinsichtlich der deut- »che« Ausrüstung könnten direkte deutsch-lranzösisrh« Ber- Handlungen aui Grund der letzten deutschen Vorschläge nicht stattfinden, denn keine einzige französische Partei würde der- artige Verhandlungen, die die Verleugnung der ganzen bis- bertgcn Politik Frankreichs bilden würben, zulassen. Di» „E r e R o» v e l l e" appelliert an England und Amerika und verlanat. daß diese Länder mit Frankreich eine Einheitsfront bilden, um sich der Autrüstung Deutschlands. in welchem Ausmaße diese auch immer erfolge, zu widersetzen. Frankreich müsse seinen Freundschaften aus dem Kontinent treu bleiben und sie nach Rußland und der Tür- fet hin ausbauen. In einem gewissen Gegensatz zu dem Blatt Herriots tritt die dem Kriegsminister Daladier nahe- stehende„Republique" sür eine Verständigung mit Deutschland in der Rüstungssragc ein. Diese Verständigung sei vom französischen wie vom allgemein menschlichen Stand- punkt sehr wünschenswert, da Frankreich bei einem Wettrüsten bald von Deutschland über- slügelt würde, das zahlenmäßig stärker und Wirtschaft- lich bcssre ausgerüstet sei. Einige Blätter verbinden die Ab- lchnung der deutschen Anregungen mit einer Kampagne gegen den französischen Botschaft er in Ber- l i n. Das„E ch o de Paris" erklärt, nach den Beratungen des Auswärtigen Ausschusses der Kammer ständen die besten Beurteiler der Lage aus dem Standpunkt, daß die Verwerfung der deutschen Vorschläge durch die französische Regierung sicher kommende Woche erfolgen werde. Ehau- temps und Paul-Boncour hätten schon am». Dezember entsprechende Weisungen nach Berlin ergehen lassen; aber die persönliche Politik des französischen Botschafter» habe das Spiel in die Länge gezogen. Aehnliche Angriffe wie in dem Blatt des Generalstabs finden sich heute auch in dem links- stehenden„Quotidien". Auch der sozialistische«Populaire" meint, wen« man die deutsch-französischen Berhandlungen sür aussichtslos halte, ober glaube, daß sie dem Frieden schaden, unisse man sie unverzüglich und vorbehaltlos ein- stellen. * Sozialisten gegen Sonderverhandlungen Paris, 21. De,. lWolis.l Die sozialistische Kammeriraktion hat beschlossen, bei ber Aussprache über die noch vor dem Ende der Parlamentsscssion zu bewilligenden provisorischen Budgetzwölftel eine außenpolitische Debatte, die sich namentlich aus die deutsch-tranzösischen Besprechungen bezichen soll, herbeizuführen. Die Fraktion hat ihren Vor- sitzenden Leon B l u ni beauftragt, sich bei dieser Debatte gegen Sonderverhandlungen mit Deutschland auszu- sprechen. Simon In Paris Pessimismus über das Ergebnis London, 22. Dez. In einer Meldung des Pariser Renter- Vertreters wird darauf hingewiesen, daß man von der Unterredung, die heute zwischen dem englischen und dem französischen Außen,„inister stattfinden werde, keinerlei sensationelles Ergebnis erwarte. Man ist der Ansicht, da» dir beiden Minister bereits heute eine neue Zusammenkunft verabreden dürften, die im Januar vor sich gehen solle, wenn Sir John Simon von Italien nach England zurück- reiie. Nach Ansicht des Pariser Korrespondenten der„Times dürfte der größte Teil der französischen Oeiscntlichkeit«nt- täuscht sein, wenn der heutige Besuch Simons lediglich dar» aui hinauslaufe, in Pari? neue Informationen zu sammeln. In Paris setze sich überhaupt mehr und mehr die Ansicht durch. daß man nun endlich mit den direkten Be- sprcchungen Schluß mache» und an die Ausarbeitung des Entwurfs zu einem llebereinkommen in Gen» gehen solle. In der Zwischenzeit werde man in Paris alle Hebel in Be- ivegung setzen, um die Bande zwischen Frankreich und de« ihm befreundeten Mächten im Osten und Südosten Europas so fest wie möglich zu knüpfen. Dies werde durch den Be- such von Dr. Bencsch und durch den bevorstehenden Besuch TitulcScus bewiesen. „rimes" ftir Revision Unter Vorbehalt Die„Times" schreibt u. a.: Wenn Simon von seiner Auslandsreise zurückkehre, werde er voraussichtlich eher in der Lage sein, der englischen Ocfsentlichkclt eine Vorstellung davon zu geben, wie es wirk- lich mit den Aussichren iür eine Verminderung der Rüstungen der am schwersten bewaffneten Mächte stehe. In Paris bestehe offenbar die Tendenz, eine Rüstungsverminde« rung von weiteren Friedensgarantien der britischen Rc- gtcrung abhängig zu machen. Es mache sich gegenwärtig in der Welt eine ziemlich starke Neigung bemerkbar, den Kellogg-Pakt, der universellen Eharakter babe, zur Grund- laae eines Friedensstiftern» zu machen, anstatt der Völker- buudssatzuug. Dies sei daraus zurückzuführen, daß bereits so viele Großmächte den Völkerbund verlassen hätten, wo- durch auch die durch die Völkerbundssatzung gebotenen FriedenSsicherungen an Bedeutung eingebüßt hätten. Gegen dieses neue Projekt nimmt„Times" jedoch in entschiedener Form Stellung. Zum Schluß ihrer Ausführungen geht„Times" noch auf die gestern von einem Redner ausgeworfene Frage der ill e o i s i o» der Friedensverträge ein. Sie schließt»ich der Forderung»ach Revision in vollem Umfange an. Es wird, so beißt es in dem Artikel u. a, in Europa keine wirkliche Ruhe geben, solange nicht die Frage der Revision energisch in Angriff genommen Und in der einen oder anderen Richtung geregelt worden ist. Es wird gefordert, daß an die Stelle eines Diktatsricbens ein aus dem Wege der V e r b a n d l u n g e n zustandegekom- mener Friede tritt. Nach allen früheren Kriegen, so nach den Navvleonischen Kriegen, nach dem Krimkricg und nach dem iranzösisch-deutschen Kriege haben Vertreter der besiegten Länder mit a». Tisch der Friedenskonferenz gesessen und haben den zn schafsenden Friedensvertrag Punkt si'ir Punkt mit den Siegern durchverbandelt. Den Mächten, die den letzten Krieg verloren habe», ist dieses Recht verweigert ivorden. In der gestrigen Debatte bat auch Sir Austen Chamberlain anerkannt, daß eine Révision der Frie- densverträae mit gewissen Einschränkungen al? wünschenS- ivcrt bezeichnet werden müsse. Er bat nur einen Vorbehalt aemacht. er bat erklärt, die Mächte, die kür eine Revision der Verträge plädierten, dürften dabei nicht den Versuch machen, die tatsäcblirbe Lage förmlich a»s den Kopf zn stellen. Mit dieiem Vorbehalt könne ieder vernünftige Anhänger der Revision einverstanden sein. Betrug— die Frucht des Terrors Kiel, 21. Dez. sJnpreßl. Ein Schwindler, der zahlreiche Radiogekchäste»m wertvolle Avoarate betrog, erklärte vor Gericht, daß er bei leinen..Geschäften" die TS.-Uniform an- aezogen babe, weil erstens in ihr größere Geschalte zu machen seien und zweitens die Betrogenen Angst hätten, Anzeige zu erstatten. Nodi OsJIand wollen sic reuen Görina beim«clins» Skoropadshi- Vorbereitungen zur..moralischen Eroberung* London, 21. Dez. Der frühere Führer der Kadetten- Partei im zaristischen Rußland, Miljnkow, hielt in London vor einem geschlossenen Kreis eine Rede, in der er er- klärte, daß Deutschland für einen großen Krieg gegen Sowsetrußland rüstet. Die Hitler-Regierung erhält jetzt, sagte Miljnkow, eine spezielle Organisation russischer Emigrauten, die mit reichen Geld- mittel« ausgestattet ist und mobilisiert alle anti- sowjetistischen Kräfte. Die ganze europäische Politik drehe sich um die„Sättigung des h itl e r i st i sch e u Molochs durch russische Bissen-. Aktiver Mit- Helfer Deutschlands werde Japan sein. Als Sowjetrnßland von Amerika anerkannt wurde, habe sich die Lage zu- gunsten des Sowjetregimes geändert. Aber wenn Deutsch- land zu einem Krieg gegen Rußland bereit sei, werde auch Japan marschieren. Gegenwärtig würden ge- Heime Verhandlungen zwischen Deutsch- land und Japan geführt, und es sei sogar schon der Termin des Krieges festgesetzt. Er lautet: 1935! Am 16 Januar waren es IS Jahre, seit die H e t-- manSherrschaft in der Ukraine zusammenbrach. Ge- stützt wurde diese Herrschast von den deutschen und öfter- reichischen Truppen. Die Pläne der Ludendorss, Hindcnburg, Hofsmann und vor allem von IHM. Wilhelm, dem nachmali- gen Ausreißer, gingen dahin, das revolutionäre Rußland auf- zulösen. Im Süden sollte die Kornkammer Ukraine hin- weggerissen werden. In den Ostseeprovinzen sollte ein deutsches Herzogtum für das neue„deutsche Ost- land- errichtet werden. Man konnte sich damals nicht dar- über einig werden, ob ein hohenzollernscher oder ein bayerischer Prinz Herzog werden sollte. Polen wollte man den Habsburger» überlassen. Von dem groben Rußland ivar man bereit, wieder sowas wie ei» Herzogtum Moskau bestehen zu lassen. Das waren so die Pläne, die die politischen Phantasten um den„großen" Wil- helm II. im Ostland vorhatten und die 1916 und 1017 die deutsche Presse diskutieren durften. Die Nazis scheine» nicht nur diese Politik erneut aufzugreifen, sondern auch schon durch Handlungen zu unterstützen. Wie soll es anders erklärlich sein, daß sich nun ausgerechnet der Hetman Skoropadski iu Berlin aushält. Um ihn gruppierten sich die Elemente, die zugunsten einer„unabhängigen" Ukraine, unter freundschaftlicher Kontrolle des Deutsche« Reiches, intri- gnieren. Bor der Villa Skoropadskis. die sich im Berliner Gruncwaldviertel befindet, ist nicht selten der Wagen des preußischen Ministerpräsidenten Göring zu sehen. Die beiden techtel-mcchteln also schon zusammen. Zugleich werben aber auch die weiß-russischen Kreise mehr oder weniger unterstützt. Das muß vorläufig nur verdeckt vor sich gehen. Man darf eS vorerst mit der großen Sowjet- union nicht ganz verderben. Wenn man aber die deutsche Presse verfolgt, stößt man hier und da doch auf Meldungen, die beweisen, daß unter der Decke die„Eroberung des Ost- landes" mit den russischen Verbündeten, mit denen man offiziell kein Bündnis haben darf, bearbeitet wird. Zum Beispiel schreibt in der„Deutschen Metallarbeiter-Zeitung" der Nazischrtftleiter Dr v. L e e r s über die Tätigkeit weiß- russischer Kreise. Sein Artikel soll anscheinend die Zusammenarbeit der Nazis mit den Weißrussen verschleiern Leers schreibt, daß„ernst zu nehmende und einsichtige Beobachter des deutsch-russischen Verhältnisses die Störungs- Politik gegen dieses, wie sie von einem Teil der„gleichgeschal- teten" bürgerlichen Presse und gar von den„ russischen Emigrantenorganisationen im Stil der glücklicherweise ver- botenen„Rond" betrieben wurden, stets auf daö ernsteste verurteilt Haben- Herr v Leers gibt zu, daß„Rond" gegen Sowjet-Ruß- land gearbeitet hat. aber er sagt, die Organisation sei ver- boten. Das erste ist bekannt, das zweite Täuschung. Noch am Sonntag. 10. Dezember, fand in Dresden eine große Kundgebung der.,Russisch-nationalsozialistischen Bewegung Deutschlands" statt? die RR SB. kündigte dazu an, daß sie mit dieser Veranstaltung eine Werbe» a k t i o n einleiten wolle, die ganz Sachsen umfassen »erde. Der Propagaudaleiter ter R N S B. »erde von Berlin nach Dresden kommen, nm hier zu sprechen. Ramhaste Künstler der Dresdener Staatsoper hätten ihre Mitwirkung zugesagt. So also wird schon ganz Sachsen von dieser Propaganda mit Naziunterstützung bearbeitet. Daß die Göring. Hitler und Genossen die weiß-russische Propaganda großzügig ge- währen lassen, die, nebenbei bemerkt, auch über erhebliche Geldmittel verfügen muß>wo kommen sie her?), kann nur bestätigen, daß die Herrschasten ihre Pläne mit dem Ostland allmäh- lich zur Ausführung reis zu machen versuchen. Man ist natürlich auch schon dabei, die„moralische und geistige Eroberung" zu propagieren. Wie das geschehen soll, darüber gibt der nationalsozialistische „Fränkische Kurier" Ausschluß, indem er schreibt: „Denke mau doch auch hier lbeim Schulunterricht iu fremden Sprachen) immer mehr daran, daß uns da» morsche Abendland mit seiner VcrsallStultur und setu.m sauligen Blnt nimmer helfen kann. Sehen wir, wie unsere Ahnen im Dentschritter, stets nach Osten und sorgen wir beizeiten, daß unsere Nachkommen gut Russisch können. Denn ein aus bolschewistischer Schande befreites, wieder national regiertes Rußland muß zu nnserm besten Bundesgenossen werden." Die verstärkte Naziagitation in den Randstaaten liegt natürlich auch in dieser Linie. In E st l a n d sah sich die Regierung veranlaßt. Maßnahmen gegen die Nazipropa- ganda zu treffen. In Litauen und Lettland liegen die Dinge nicht anders. Die Nazipropaganda arbeitet im ganzen Osten mit ver- stärkter Aktivität. Man muß alles zusammenfassend beob- achten und man wird erkennen, daß die Besuche GöringS beim ehemaligen ukrainischen Hetman. die politische Betä- tigung der reaktionären russischen Emigrantenorganisation in Deutschland, die Propaganda zum Studium der russischen Sprache, wie sie zum Beispiel oben der„Fränkische Kurier" beschreibt, nur dem einen Zweck dienen, den Ritt nach Ost land gründlich aber auch unauffällig, damit die Sowjetunion nicht dazwischen spukt, vorzubereiten. Erfolgreidic Arbefterregieruiig Das dänlsdie Kabinen Sfaunlng Nach wochenlangen Verhandlungen, die die Regierung >i in manchen Augenblicken hart an den Abgrund einer Krise brachten, wurde durch Uebereinkommen zwischen den beiden Regierungsparteien, den Sozialdemokraten und den Radikalen einerseits, der bürgerlichen Linken anderseits der K r i s e n h i l f s p l a n der Arbejterregie- rung unter Dach und Fach gebracht. Der nunmehr ge- nehmigte Krisenhilfsplan sieht vor allem Hilfe für die Landwirtschaft und für die Arbeitslosen vor. Durch eine Reihe von Maßnahmen, von denen die Er- höhung der direkten Steuern um zehn Prozent die meist umstrittene war. werden etwa 37 Millionen Kronen der Krisenhilfe zur Verfügung gestellt. Davon sollen 11 Mil- lionen Kronen für die Arbeitslosenhilfe aufgewendet werden: das sind zwei Drittel des Betrages, der insge- samt für die Arbeitslosenhilfe vorgesehen ist. Das letzte Drittel zu decken, wird Aufgabe der Gemeinden sein. Für die Verteilung von Fleich und Margarine an die Arbeits- losen, durch die gleichzeitig den an einer schweren Absatzkrise leidenden Bauern Hilfe gebracht werden soll, werden 9 Millionen Kronen ausgegeben werden, ferner 2 Millionen Kronen für notleidende Gemeinden. Die reft- lichen 15 Millionen Kronen sollen der Landwirtschast zu- gute kommen. Außerdem wird das für die Landwirtschaft geltende Zahlungsmoratorium, das mit Ende dieses Jahres abgelaufen wäre, neuerlich um ein Jahr ver- längert. Die aus der Erhöhung der Abgaben auf Ge- treide, Vieh. Butter und Margarine sowie der direkten Steuern stammenden Beträge sollen so verteilt werden, daß der Landwirtschaft die Einkünfte aus Getreide und Butter, den Arbeitslosen die Einkünfte aus der Marga- rineabgabe zukommen sollen. Für Butter wurde eine gleitende Abgabe eingeführt, die den Butterpreis unter allen Umständen auf 2 Kronen 15 Oere halten soll, das ist noch immer rund um die Hälfte weniger als der öfter- reichische Butterpreis. Die Annahme der Regierungsvorlage durch die beiden Kammern des Reichstages bedeutet einen großen E r folg der Regierung Stauning. Es war ja der offen eingestandene Plan der Konservativen, gerade in der Frage der Krisenhilfe für die Arbeitslosen die Regie- rung zu Fall zu bringen. Die Bauern sollten für diesen Plan durch dag Versprechen gewonnen werden, daß ihnen allein geholfen werden würde. An der politischen Reife und dem wirtschaftlichen Verständnis der dänischen Bauern ist der Plan der Konservativen, von denen manche mit faschistischen Gedankengängen kokettieren, gescheitert. Nazllietze In f rankreltii lJnprcß.) Im Auftrag des Göbbelssche» Propaganda- Ministeriums legen die deutschen Exporteure ihren Briese» nach Frankreich Zettel bei, die— in einem furchtbaren Französisch— n. a. folgende Texte tragen: „Wer hat den Krieg gewonnen? Wer hat das Blut der Tapferen aus den Schlachtfeldern zu Geld umzumünzen ver- standen? Immer dieselben— die Juden! Wer ist die Ursache der Inflation und Deflation und wer hat sich gleichzeitig die Taschen gefüllt? Die Juden und nochmals die Jud." Oder:„Die Juden sind nie Franzosen oder Engländer gewesen! Sie sind nur Juden und kennen kein Vaterland. So ist es seit tausend Jahren, und so wird es immer bleiben! Wollen mir weiter der Gegenstand ihrer"us- beutung bleiben?" Oder:„Alle Völker sollten endlich erkennen, daß die Juden ernten, wo sie nicht gesät haben. Wie lange wvlli Ihr daö noch ertragen?" Oder:„Um gut zu kochen, braucht man keine faulen Eier, mit Petroleum macht man keinen Salat an. Sich zum Knecht der Juden machen, die die anderen für sich--rbeiten lassen, das tun nur völlige Idioten!" Ein Ucöcr-flKIcr Der Negerjunge, der es noch besser kann In der Basler„Nattonal-Zcitung" lesen wir vom„Neger- jungen zum Millionär": Im Auftrag der Kulturbchörden in Washington ist gegen den Negerprophcten und Scktengründcr George Baker eine Untersuchung cigeleitet worden, die sich vor allem auf die Herkunft des Millionenreichtums des Negers erstreckt. Damit wird zum ersten Mal hinter die Kulisse eines phan- tasttschen Werdeganges geleuchtet, eines Lebens, wie man es sich verworrener nicht auszudenken vermag. In diesem Amerika, wo man es mit der Meldepflicht nicht so genau nimmt, wo die Sekten heimlich blühen und mit gröbstem Unfug ihre Anhänger fesseln dürfen, wo die bitterste Unkultur und haarsträubendste Unwissenheit neben den mo- dernsten Forschungsinstituten der Erde emporwuchern, ent- ging den Behörden, daß ein kleiner Neger ein Königreich gründete. Eins? Heute sind es 17 oder 18. vielleicht sind morgen schon wieder neue entstanden. Königreich des Fana- tismus religiös untermauert geschickt ausgewertet von einem gerissenen Bollneger, der von der Reklamckunst die- ser Erde nur lernte, wie man mit ihrer Hilse die Menschen betrügen kann Man merkte erst etwas davon in Washington und New- nork. nachdem dieser Neger M Millionen lzehn Millionen!) Anhänger geworben und eisern fest um sich geschart hat. Aus einem kleinen zerrissenen und verlumpten Burschen wurde ein Millionär. Aller verschwundenen Prosperity zum Trotz. Er faßte die Menschen da. wo er sie am leichtesten weich werden sah und nahm ihnen das Letzte aus der Tasche. So wie er hat es nicht einmal ein Ford verstanden, mit seinen besten Reklamen auch die Parfümsirmen und Seifen- fabrikanten, die den Broadway mit ihren grünen und gelben, roten und blauen Leuchtschriften erschütterten, hatten nicht diesen Schnellerfolg wie er- der kleine Neger aus Harlem. Wir brauchen«ich, zu erklären, daß Harlem die Neger- stadt von Newnork ist. daß hier die gesamte Welt«ich in schwarz abrollt, amerikanisch in schwarzer Hautfarbe. Pro- fessoren, Friseure, Zeitungshändler, Straßenkehrer und Rentner— alle in schwarzer Haut. Seit die Prosperity starb und außerdem drunten in den Südstaaten ein paar Neger gelyncht wurden, ist das Treiben nicht mehr ganz so laut in Harlem. Oder wenigsten? hal sich der Eifer des Vergnügens in andere Richtung umleiten lassen. Zum Beispiel in den Divine Power Spiritual Temple des„Geistlichen Vaters" Da drängen sich die Menschen Kopf an Kopf. Einer so schwarz wie der andcre. Die Misch- linge und etwas helleren bleiben unter sich, fühlen sich als etwas besseres. Erst nur hier in Harlem, heute auch in Newark, in Was- hington unter der Nase der Regierung, in Baltimore und an der ganzen pazifischen Küste entlang. Ueberall das gleiche Schauspiel: in den Tenweln des„Geistlichen Vaters" drängen sich die Neger. Dieser„Geistliche Vater" sFalher Divine— nennen sie ihn» ist niemand anders als George Baker. Einst Auswäscher in einer Broadway-Kneipe. Dann Besitzer einer trockenen Schankstube in Harlem, endlich Volksredner, dann religiöser „Wegweiser". Und heute„Dektenchef". 1,50 Meter groß, also unbestreitbar ein kleiner Mann. Sehr schwarz in der Haut- färbe, aber mit einem Schädel und Gesichtsschnitt, der auf eine Mischung schließen läßt. Mit einem Europäer. Jedoch in der Farbe sieht man nichts davon. Ganz wolliges Haar, so daß man den Scheitel mit dem Rasiermesser hineinziehen mußte. Elegant mit jenem Negereifer, die Minderwertig- keitskomplexe der dunklen Farbe durch ausfallende Kleidung auszumerzen. George Baker bleibt nur in seinen Kreisen. Immer unter Negern Aber zehn Millionen schwören auf ihn. Er reist durch die Lande— entweder nur mit einer Karawane elegan- tester Automobil«, in denen seine„Engel" und seine Sekre- täre mitfahren, oder aber im eigenen Großflugzeug. Die Gebäude und Tempel die er errichten läßt, sind nach Negerbegrifsen wunderbar. Die Innenausstattung prunkt in Gold und Flitter. Daö kostet doch alles Geld, viel Geld. Und dafür interessiert sich nun die Polizei in Newyork und Washington, in Baltimore und an der ganzen Pazifischen Küste. Man we'ß daß der„Geistliche Vater" heute ein vielfacher Millionär ist Denn auch alle Tempel sind auf seinen Namen eingetragen. So lud man denn den kleinen George Baker zu einer Ver- nehmung- Er kam lächelnd, mit einem kleine» Schwärm niedlicher, sehr schwarzer Negerinnen, welche daraus bestan- den, um den„Geistlichen Bater" zu sein, wenn man ihn ver- höre. George Baker lächelte sehr höflich. Woher sein Reichtum komme? Nun. wenn er seine Anhänger zu einer Zusammen- kunft bitte, dann serviere er ihnen ein großes Hühneressen. Die Hühner stammten aus einer eigene» Farm. sErstc Ver- dienst,panne.) Ferner nehme er uril Zust'mmung seiner Ge- solgschaft einen Ausschlag von lö Cents für jedes Hühner- gericht. sZweite Verdienstspanne.) Schließlich könne jeder zur inneren Ausstattung der Kirche geben was er wolle. sDritte Verdienstspanne.) Zehn Millionen Anhänger, zehn Millionen Hühneressen mit all diesen Gewinnchancen... Den vernehmenden Beamten wurde ganz seltsam zu Mute. Und lächelnd ging der Neger wieder von bannen. Und mit ihm sein Damenflor. Noch bot man ihn nicht„festnageln" können. Aber man schaut ihm aus die Finger Denn man weiß, daß das Hauptthema der Predigten des kleinen Negers immer w'eder sol- gendeS ist:„Denk nicht an das Morgen!" Und er wußte die Zwccklosigkeit einer solchen Sorge um das Morgen so plastisch zu schildern, daß sie ihm»ach der Predigt ihr ganzes Vermögen verschrieben Auch zahllose Frauen bewog er. ihm ihre Vermögensanteile aus den Geschäften ihrer Gatten zu ziehen und ihm zu bringen. Aber wer will das beweisen? Die vier Engel, die er dauernd um sich hat, schweigen? Engel? Nun, George Baker versicherte er fühle sich berufen, immer vier Engel um sich zu haben, Negerinnen denen er die bezeichnenden Namen „Wahrheitsliebe"„Friedfertigkeit"."Glauben" und„Blume" gab. Außerdem zog er zu seinem Stab hinzu„Maria, die Gläubige" und einen Neger Selridge. den er zum Bischof er- nannte. Karriere— unbestreitbar. Wo hätte man je gehört, baß in acht Monaten ein Mensch einen solchen Aufstieg machte. Denn das ließ sich noch aus den Registern der Polizeistation von Long Island feststellen: vor 18 Monaten wurde dieser gleiche George Baker toO Zentimeter bo» kohls-bwarz, mit krausem Haar aus Lina Island wegen groben Unfugs für eingesperrt. Heute: 10 Millionen Anhänger»nd in Bälde ebensoviel Dollar. So etwas ist doch nur in Ame» rika möglich... I. W. 66 Millionen Reichsdeutsche Aus den Ergebnissen der großen Volks z ä h l n n g j 1 um 1(1. Juni liegt jetzt die Uebersicht liber die Wohnbevölkerung vor. Gezählt ivnrden tiö885s"!) Personen gegen ji- 410(il!) Personen a in Iii. Juni ülii. Die Steigerung betrugt 4,4.i Prozent, und zivnr 4,85 Prozent bei den Männern» 4,07 Prozent bei den Fronen, so dag sich der licberschnn des iveibliechn(Geschlechts etwas'crmtndcrt l>.u und unter die Zivci-Millioncii-Grenze gesunken ist. An weiblchen Personen ivnrden nämlich am 10. Juni dieses 5alires rund 045 Millionen gegen 82,2 Millionen vor acht Jahren gezählt, a» männlichen Perkoncn sast 81,7 Millionen gegen 80,2 Millionen im Jahre 1925. Als Holge der Binnenwanderungen hat sich im Gesamt- crgcbnis der Anteil der ländlichen Bevölkerung weiter von 35,0 ans S3 Prozent vermindert, während in Ge- meinden liber 2000 Einwohner seht 07 gegen 04,4 Prozent'in Jahre 1925 leben, Hätte man 1980 gezählt, so sähe das Er- grbnis iiir das Land wahrscheinlich noch ungünstiger aus, da inzwischen die bekannte starke Stadtslucht eingetreten'st. An der Ziffer von 5 1 Großstädten hat sich nichts gc- ändert. Die kleinsten unter ihnen und Wiirzbnrg mit 100 987 Einwohnern und Remscheid niit Ii» ,07 Einwohnern. Berlin zählte am 10. Juni 4 280 110 Bewohner. Einen Bevölkerungszuwachs über 8 Prozent haben hauptsächlich in- tolge der Wanberbeweanngen der Freie Sraat Bremen so- ivie die Regierungsbezirke.Potsdam, Osnabrück, Aachen und Alinden zu verzeichnen. Am geringsten ist irr Zuwachs mit 0,39 Prozent im Regierungsbezirk Magdeburg, mit 0,71 Pro- zent im Regierungsbezirk Müsli» und mit 0,91 Prozent im Württembergischen Jaastkreis. Rechnet man zur Gesamtzisser der im Deutsch'» Reich wohnenden Bevölkerung die rund 800 009 Menschen in, Saargcbiet, wo diesmal eine Zählung noch nicht statt- finden konnte, hinzu, so stellt sich das Geiamt- crgcbnis auf über 00 Millionen. Soargebief: 823444 Einwohner Saarbrücken: 131 607 Am 1. Haimar 1933 betrug der svrtgeschricbenc Vcvvk- kern ngs stand 823 444 gegen 815 907 gm 1. Januar 1932. Die Bevölkerungszunahme errechnet sich durch einen natlit- lichen Zuwachs lmchr Geborene als Gestorbene von 6804 und einen Wanderungsgewinn von 048 Personen). Die Gesamtergebnisse des Jahres sind folgende(die entsprechenden Zahle» des Vorjahres stud in Klammern beigefügt): Todesfälle 1932 1931 1930 Eheschließungen 7 190 7 478 7 593 Lebendgeburten 14 910(18 ,1) 10 095(19,0) 10 701(20,7) Totgeburten(% von lOOPcbendgcbvrencn) 391(2,02) 395(2,40) 511(3,05) (ohne Totgeborene) 8 022(o,74|£849(10,2) 7 957(9,881 Geburtenüberschuß 0 894(8,371 7 050(9,88) 8 744(10,8) Die ständigen R ii ck iv ä r t ö b e w c g u n g c n in der G c- b n r t e n z a l> I nahmen auch 1932 ihren Hortgang. Es wur- den 14 910(10005) Lebendgeburten verzeichnet. Das heißt auf 1900 Einwohner kommen 18,i(19,0),(20,?). Im Jahre 1920 betrug die G e b n r t e n z i f f c r noch 25,5. Die Todesfälle waren im Jahre 1932 um 327 geringer als im Borjahre, und zivar 8022(8849) Personen Auf 1900 Einwohner kamen 9,74 Gestorbene, im Vorjahre(10,2), 1930(9.88). Die Eh c s ch I i e ß n n g e n iveiscn dem Borjahr gegenüber einen leichten Rückgang auf, den man wohl der allgemeinen schlechten Wirtschaftslage zuschreiben kann. Hingegen zog die Zahl der Ehescheidungen a». Sie betrug im Jahre 1932:: 389 gegen 819 im Jahre 1931 und 3)7 im Jahre 1939. Ehe- schcidungsprvzesse waren noch 815(899) anhängig. S a a r b r ü ck c n- S t a d t zeigt folgende Einwohner-. zahlen: 1932= 131 007, 1931— 131 408, 1930= 180 827. Ab I Januar... Nur noch Göbbeis-Trabanten Schriftleiter Berlin, 21. Dezember. Die Durchführungsverordnung zum Schriftlcitergese)? vom 19.. Dezember 1933 ist soeben veröffentlicht worden. Tic bestimmt u. a., daß das Tchristleitergesch am 1. Januar 1934 in Kraft tritt. Wer»ach dein 31. Dezember 1933 de» Schriftleiterbcrns ausüben will, muß, wenn er es nicht schon getan hat,» n v e r z ii g4>i ch bei dein für ihn zu- ständigen Landesverband des Rsi ch s verba»de s der deutschen Presse einen Antrag auf E i n t r a g u n g in die Be- r» s S l i st c si e l l e n Unter de» Begriff der Tchriitleiterarbeiten fällt jede un- mittelbare oder mittelbare Tcxtgcstaltung durch Wort, Nachricht oder Bild, nicht aber die Tätigkeit für den An- zeigenteil einer Zeitung oder einer politischen Zeitschrift. Wer seine Tätigkeit bei einer Zeitung oder einer Zeitschrift ausübt, die in amtlichem, anch kirchenamtlichcm Auftrag herausgegeben wird, gilt nicht alS Schriftleiter. Tie Eig- innig für den Schriftleitcrberuf im Sinne des 8 5 Nr. 7 des Gesetzes besitzen solche Personen nicht, die sich in ihrer beruf- lichen oder politischen Betätigung als Schädlinge an Staat und Volk erwiesen haben. Mit dem Inkrafttreten des Gesetzes erlischt die Mit-, gliedschaft zum Rcichsverband der deutschen Presse für alle Personen, die nicht zu diesem Zeitpunkt in die Berufsliste eingetragen sind. Antragen Das Maschinengeschäft Wie vom Berein Deutscher Maschiuenbauanstalten, dem Spitzenverband der deutschen Mafchincnindustrie. berichtet wird, hat sich der Eingang von Anfragen der In- landkundschaft in diesem Monat in einem erheblich über die Zunahme der vorhergehenden Monglc hinaus- gehenden Ausmaß verstärkt. Wenn auch ans technischen Gründen mehrere Wochen vergehen müssen, bis ein größerer Teil dieser neuen Antrage» zu festen Abschlüssen führt, so schöpft die Maschinenindustric, deren Beschäitigungsgrad bis- her nur 38 Prozent der Norinalbcschäfttgung beträgt, ans dieser Zunahme der Anfragen doch die Hoffnung, daß d-r so lange aufgestaute Bedarf an Maschinen zu Beginn des neuen Jahres eine allgemeine Aiiitragsstetgernng bringen w>rd. Eine kleine Zunahme haben die I» l a n d a u s t r ä g e anch bereits im November erfahren. Dagegen zeigte sich in dem außerordentlich stark daniederliegenden Ausland- geschält weder in Anfragen noch in Aufträgen eine nennenswert? Veränderung. Ein gewisser saisonmäßiger Auftragsrückgang machte sich im November in der Nahrungs- und Ge n u ß m i t t e l m a s ist i n e n Industrie bemerkbar, so daß hier nur eine verhältnismäßig geringe Zunahme der Be- schäftigten zu verzeichne» war. Wenig einheitlich ivar das Novembergcschäfl in Zerkleinerungs- und Auf- Abbruch deutsch* französischer Wirtschaftsverhandlungen Streit um das Kontingentierungssystem Halbamtlich wird von deutscher Seite der Streit so dar- gestellt: Die deutsch-französischen Wirtschaftsbeziehungen wurden durch das.Handelsabkommen vom 89. August l»27 geregelt, das inzwischen durch eine Reihe von Zusatz«dkommcii er- gänzt und abgeändert worden ist. Das Handelsabkommen von 1927 ist auf der Grundlage der gegenseitigen Meistbegünstigung aufgebaut. Hrankreich ist nun'n den letzten beiden Jahren zu einer immer mehr(ortschreiten- den Anwendung des Snstems der E i n i u h r k a n 11 n- g e n t i e r u n g c n übergegangen. Da in dem Handelsab- kommen von 1927 Einiiihrverbote und Einsiihrkoittingentic- rungen nichi ausgeschlossen wäre», konnte vom vertragsrccht- liöicii Standpunkt und grundsätzlich gegen Kontiiigcntic- rnngcn nichts eingewendet werden, solange Deutschland bci der Bemessung der Kontingente mit anderen Ländern gleich behandelt lourde. Im September 1933 hat die französische Regierung jedoch angekündigt, daß sie beabsichtige, die Ein- luhrkontingentierungen in Zukunft von der Klausel der Meistbegünstigung loszulösen. Das Koiitingentiernngssystcm werde in Zukunft so gehandhabt werden, daß von den ein- zcliie Eiiisiihrkoiitingentcii immer»nr 25 Prozent»ach der stiege! der Meistbegünstigung gewährt werden. Hür die Verteilung der übrigen 75 Prozent behalte Frankreich sich freie Hand vor. Die deutsche Regierung hat damals eingewandt, daß es un- »erweislich zu ausgleichenden deutschen Maßnahmen aus Grund des deutsche» Aussuhrschußgesetzes führen müsse, falls durch die angekündigte zukünftige Handhabung der französische» Einfuhrloutingenticruug die deutsche Aussuhr »ach Frankreich gegenüber dritten Ländern benachteiligt würde. Es war der hauptsächliche Zweck und Gegenstand der den.jäi- französischen Verhandlungen, die am 31. Oktober 1933 begonnen haben, auf gütlichem Weg das angekündigte französische Kontingentierungssystem so zu gestalten, daß aus- gleichende deutsche Maßnahmen des Ausfuhrschntzgesetzes nach Möglichkeit vermieden werde» können. Diese Versuche haben zu einem Erfolg nicht geführt. Die Verhandlung«» sind, abgesehen von Einzelheiten, über die man sich schließlich hätte einigen können, hauptsächlich an zwei franzö- fischen Forderungen gescheitert. Es ist von'ran- zösischer Seite ein so starker Abstrich an dem deutsch•» Ausfuhrüberschuß verlangt morden, daß die Geiabr bestand, daß der sodann noch verbleibende Rest nicht einmal mehr ausreichte, um dcviienmäßig den T r a n s s c x J> e r Zahlungen z u decken, die nnter dem Regime der Stillhalteabkommen und der gegenwärsiaen Handhabungen des deutschen Transferinoratorttims, noch ans der demichen Volkswirtschaft aus die französische Volkswirtschaft zu über- tragen sind. Ein solches Ergebnis konnte die dcnische Regierung o,vohl im Hinblick auf die eigene Devisenlagc wie auch mit Rück- ficht'auf die Lage Deutschlands gegenüber der Gesamtheit der privaten Auslandsgläubiger nicht annehmen. Außerdem wollte Frankreich den in Aussicht genommenen ?»bstrich am deutschen Ausfuhrüberschuß ans einen G kleinen Ausschnitt ans der gesamten deutschen Wa enausf.hr konzentrieren, daß den davon betroffenen deutschen Waren ter französische Markt kür die Zukunft in einer unerträglichen Weise zerschlagen morde» wäre. Es wären davon to gut iv i e alle deutschen l a n d>v i r t s ch a s t l i ch e n Ans- s u h r e r z e u g n i s s e betroffen worden, sowie eine An- zahl i n d n st r i e l l er E r z r n g» i s s e, für die der franzö- fische Markt von besonderer Bedeutung ist. „Den Jaden geschieht nichts!" Die arische Honkurrenz triumphiert Man schreibt niiS: Eine Tatsache, die in der deutschen Preise und in den Getreidezcitnngen überhaupt noch nicht erwähnt worden ist: Tic Industrie- und Handelskammer Köln hat durch Rundschreiben vom 17. 19. bekanntgegeben, daß mit dem 89. 11. sämtliche Zulassungen zur Kölner Produktenbörse sGetreidebörse usw.) erlöschen, und zwar aus Veranlassung des preußischen Ministers sür Wirtschast und Arbeit. Wieder- Zulassung kann nur auf Grund neuer Anträge erfolgen, für die ein Vordruck beilag. Darunter waren auch die Fragen zu beantivorien, ob der Antragsteller A r' e r sei, ob er sich u m die nationale Bewegung verdient g e- dacht habe usw. Eine Kopie des erhaltenen Bescheides siige ich Ihnen bei. Ein gleicher Bescheid ans verviel- 'ältigtcm Formular ist an.üb er 8 9 durchweg„nicht- arische" Kölner B ö r s e n m i t g l i* h c r ergangen, darunter nachweislich auch an Schwerkriegsbeschädigte und an Leute, die länger als 25 Jahre Börscnbesucher waren. Dieses als Beitrag der immer wiederholten amtlichen Bekanntmachung, daß im„dritten Reiche" jüdische.Kaiittent: in der Ausübung ihres Berufes in keiner Weise gehindert würden. Köln, de» 25. November l'133. Betr. Amtlicher Getreidemarkt Aus Ihren Antrag aus 2" ederzulassung zum Besuch deS Kölner Gctreidegroßmarktes ab l. Dezember 1S3S teilen wir Ihnen nach Anhörung des bestimmungsgemäß mit der Ueberprüsnng der'" ans Wiederzolassung bc- trauten Ausschusses mit. daß Ihr Antrag ab- gelehnt ni o r h<•» i st. Nach dem Erlaß des Herrn Preußischen Ministers sür Wirtschast und Arbeit vom 111. Oktober 193.) ist die Ab- lehnung endgültig, eine Beschwerdemöglichkeit ist also nicht gegeben. Wir weisen darauf hin, daß auch ei« B"'"ch ans Tageskarte durch die Ablehnung Ihres Antrags nicht mehr möglich ist. Die Jnd-"-'—>" d Handelskammer, gez. Unterschristen. bereit ungSma s ch i n e n, Kraftmaschinen und Pumpen. Dementsprechend hielt sich auch hier der Zuwachs an Be- jchäftgiten in engen Grenzen. Dagegen ivnrden vom Apparatebnii AuftragSznnahmen gemeldet. Ventscher Derghan Deicht steigende Förderungsziffer In den Hauptsächlichsten deutschen SteinkoHleiigebieten lstluhr, Aachen. Westoberschlesieii, Niederschießen und Freistaat Sachsen» betrug im Nov. 1938 Okt. 1933 Nov. 1932 die Kohlenförderung insgesamt 9 855 348 t 9 005 322 t 9 618 939 t arbeilsiäglich 902 871 t 372 148 t 898 250 t die K o k s e r z e U g II II g. 1 672 198 t 1 720 095 t 1 623 662 t die B r i k e 11 h e: sl e l l u n g 362 363 t 347 548 t 836 417 t In Mitteldeutschland und im Rheinland wurden ge- woiinen im Nov. 1933 Okt. 1933 Nov. 1933 Rohbraunkohle n insgesamt 11 882 477 t 10 566 529 1 11 292 810 t arbeitstägllch.... 481 393 t 406 405 t 457 701 t Braunkohlenbriketts insgesamt 2 743 412 t 2 410 700 t 2 079 290 t arbeitstägllch.... 111109 t 92 953 t 108157 t Der Eisenerzbergbau des Siegerlandes setzte seine Ausivärtsbcwegung fort. Im M c t a l l c r z b e r g b a n wirkte sich die rückläufige Bewegung der Mctallpreise in einer weiteren Verschlechterung aus. Die Zeitungen in Breslau melden: Tie Zulassungen sür folgende Firmen bzw. Einzelpersonen zum amtlichen Groß- inarki sür Getreide und Futtermittel in Breslau sind er- loschen lSitz der betreffenden Firmen in Breslau, loweit nicht besonders etwas anderes angegeben ist: Auerbach& Co., Fritz Bender Benichcr& Eo., Martin Berliner Georg Bloch, Glogau, I. Brieger, Leo Dawidvw, Joses Deutsch. Max Dienstag. Emil Ehrlich Jnh. Richard«chittan. Jesim Garbunn. Siegmiiiid Gerstmann, S Gotthilf. Hirschfeld& Bcttsak, Arnold Jasse, Herta Landsbcrg, Gebrüder Lemberg. Militsch, Karl Lemberg, Trachcnbcrg, Georg Lesser. Walter Lewin, Willi Leivin Lippmann à Eo., Lipschütz à Peiser, Ernst Löbcl. Erich Mannheim, Julius Mannheim. Breslau-Earlowitz. Kurt Mecca. Earl Oppeiiheiiner. Hermann Ormianer, Hans Paneth, Emil Rosenberg, Hirsch Rosenberg. Rotenberg& Co., Scholz<5 Co., Paul Sonncnseld, Berlin, Oskar Strauchmann. Zarkau bci Glogau, Jacob Unger, Glettvitz, Arthur Vulkan. Salo Wagner. Th Wagner. Militsch. Es wird darauf ansincrkiain gemacht, daß mit Maklern und Agenten bzw. F'rmen. deren Zulassung erloschen ist. Geschäfte weder mittelbar noch unmittelbar getätigt werden dürfen. CharlottenhOfte und Mittelstahl Für 2000 RM. Charlottenhütteaktien 4700 RM. Mittelstahlaktien Die Verwaltung der Interessengemeinschaft Charlotten- Hütte—Maxhütte—Mittelstahl gibt folgendes bekannt: Nacbdcm vor einiger Zeit die Eliarlottenhüttc die restliche Beteiligung der Ber Stahlwerke an der Mitteldeutsche Stahlwerke AG. gekauft hat. gelangt nunmehr fast das gesamte Aktienkapital dieser Gesellschaft in den Besitz der Gruppe Charlottenhüttc—Maxhütte. Nach dem FusionSplan ivird die Eharlottenhütte auch die im Besitz der Maxhüttc befindlichen Mittelstahlakticn zu den damaligen Anschaffungspreisen erwerben, so daß sie alsdann über etwa nom. 47 M ll. Mark Mittelstahlaktien verfügen wird. Tie Verschmelzung kann daher ohne Kapitalerhöhung vorgenommen werden und zwar in der Weise, daß für ie 2099 Mark Aktien der Eharlotlenhütte 4799 Mark Aktien der Mitteldeutschen Stahlwerke gewährt werden. „Absatzkrise" Die Tuchfabrik Aachen vorm. Süskind u. Sternau berichten daß das Geschäftsjahr 1932-33 in der Tuchindustrie im all- gemeinen eine ungewöhnliche Abintzkrise gebracht habe. Der Export ging mehr und mehr zurück. Die Umsätze konnten nicht voll gehalten werden. Die Nachaufträge sür den Winter seien nur spärlich eingegangen. Durch das llnifornitragen habe der Verbrauch an Zivlltuchcn nachgelassen. deutsche Stimmen•(fteitaée zur..^Deutschen Freiheit"• freiignisse und Gestfitithien MHWWWWWI « Kills!: LE'?: à^à» Seimtaq, den 23. Dezember 1933 *> r$••■I Sâîtà»?, Jtächef Das neue J$uch von SiCane~ Dec Jxischisatus Wir leben in einer Zeit, in der der Nationalismus wahre Orgien feiert. In Deutschland, Oesterreich, Ungarn wird diktatorisch regiert, in Spanien ist jetzt gerade wieder das Regime auf die rechte Seite gewechselt, in den Vereinigten Staaten befiehlt Herr Roosevelt der Wirtschaft, merkwürdige Experimente zu machen, es brodelt in der ganzen Welt. Und ist nicht uninteressant, daß zwei Faktoren die Welt derart 'n Unordnung gebracht haben, zwei Länder, die denkbar verschieden von einander sind: Rußland und Italien, die Idee des radikalen Internationalismus und die des extremen Nationalismus. Wie ähnlich sich sämtliche Faschismen in ihren Methoden sind, wie gleich in innerer Entstehung und Entwicklung, das ®eigt die Geschichte des ersten Faschismus, die Ignazio Si Ion e "i seinem Buch„ Der Faschismus" eindringlich in allen ihren Teilen klarlegt. Es ist ein Verdienst des Europa-Verlags in Zürich, dieses erste, einwandfreie Buch über die faschistische Bewegung und ihre Gehurt in Italien herausgebracht zu Haben. Zugegeben, daß Silone eine etwas lange Einleitung macht. Aber gerade diese Einleitung ist es, die das Verständnis da- lür, daß überhaupt so etwas wie Faschismus entstehen konnte, erst richtig ermöglicht. Des Weiteren zerschlägt diese Einführung alle die zahlreichen Legenden über die Person des italienischen„Führers", Duce genannt: Benito Mussolini. Der aufmerksame Leser sieht, daß in Italien genau so ein kleiner, geltungsbedürftiger Bürger des unteren Mittelstandes mit genau denselben demagogischen, unqualifizierbaren Methoden ein Volk dem extremen Kapitalismus der Hochfinanz zugeführt hat, wie das jetzt in Deutschland von einem Manne noch kleineren Kalibers geschieht. Man sieht die Vorgänger der Freikorps Roßbach, Ehrhardt usw. in den Räuberbanden der Arditi, man sieht— wie jetzt in Deutschland— die Studenten in ihrer überheblichen Unreife, ja sogar die Differenzen innerhalb des Landes zwischen Norden und Süden treten auch hier schon in Erscheinung, von der Farce des Marsches auf Rom, den brutalen Greueln und der Korruption, die überall herrschen muß, wo der Nationalismus seine herrschsüchtige Fratze offen aufsetzt, soll gar nicht erst gesprochen werden. Was aber das Vorwort, das etwa ein Drittel des 280 Seiten starken Buches einnimmt, dem Leser noch verrät, das ist das Moment, das überhaupt erst den Faschismus ermöglicht hat: Die allzu große Schwäche der sozialistischen Parteien. Der Arbeiter, jetzt noch genau so wenig gleichgeschaltet wie etwa sein Bruder in Deutschland, vollbringt heute..!e damals manches Heldenstück im Kampfe gegen das faschistische System, aber die Leitung weiß nicht, was sie mit den wunderbaren Kräften, die ihr zur Verfügung stehen, anfangen soll. Es ist nicht zuletzt die Schuld der Sozialisten selbst, daß der Faschismus entstand. Nichts kann den. der die Zeit mit wachen Augen verfolgt, darin erschüttern, daß der Weg des Faschismus vorgezeichnet ist. Nichts kann ihn, ob er Ignazio Silone oder sonstwie heißt, davon abbringen, daß es sich bei dem Faschismus um die letzten Zuckungen eines rasend gewordenen, und daher zum Untergang verurteilten Hochkapitalismus handelt. W. II. C, „Det vedotme Roman eines geistigen Rebellen Es ist nicht nur der Kampf der Freidenker gegen die Einrichtungen der katholischen Kirche, der in dem Lebensromau „Der verlorene Sohn" von Gustav Regler(Querido-Verlag, Amsterdam) behandelt wird, sondern der Gegensatz der Denkungsart verschiedener Menschen, die sich in allen geistigen I ähigkeiten his zur höchsten Reife aufgebildet haben. Leon, dei Held dieses Buches, ist zuerst ein schwärmerisch- religiöser, fast mystisch veranlagter Knabe, der seit seiner Jugend unablässig darauf gestoßen wird, daß sich der Kult de, Katholizismus vom wahren Glauben entfernt. Er wird im Kloster erzogen und lernt schon dort seinen Gegenspieler, Anatole, einen späteren fanatischen Priester, kennen, der ihn zunächst aus kirchenpolitischen Gründen verrät und ihm ein unglückliches Schicksal bereitet, den er aber doch als geistig ebenbürtig anerkennt. Schilderungen des Klosterlehens, mit seinen oft grausamen Strafen, wechseln später mit solchen des Lehens in den Kolonien. Dort wird Leon, der Kämpfer um die Freiheit der Religion. auch zum politischen Rebellen, indem er in eine Negerhinrichtung einzugreifen versucht. Seinem Gegner dankt er dafür Cayenne. Er kommt nach Verbüßung der Haft nach Avignon, seine Heimat, zurück und benützt den Tod eines Priesters in einem Bordell zur Agitation. Ein Höhepunkt des Buches ist die Szene, wo er selbst als der vermeintliche lote beim Stiergefecht aus dem Sarge aufsteht und das Volk aufzurütteln versucht. Aber gerade in diesem Moment befällt ihn eine Art Verzückung, die von religiöser gar nicht weit ist. Man bietet dem vermeintlichen wundertätigen Mönch alle Möglichkeiten der Kirche, doch erst recht will Leon gegen sie kämpfen. Die Freidenker Südfrankreichs sind uneinig, auch dort gibt es für ihn nur Schwierigkeiten, aber er erlebt den Triumph, in den Augen seines Feindes Anatole die Bekehrung und das Einverständnis zu lesen, als er in einer Versammlung spricht. Leon fällt durch Mord, aber er stirbt im glücklichen Gefühl, seine Lebensaufgabe vollbracht zu haben. Der Roman, der in gewissem Sinne an„Lourdes" von Zola anknüpft und übrigens auch eine Schilderung von Lourdes enthält, ist nicht nur durch die aufregend spannende Handlung, sondern auch durch prachtvolle Landschafts- und Städteschilderungen bemerkenswert. Ein gutes Buch, das den Leser nachdenklich stimmt. jfeank cKateis und Jiöfm Schmutz und Schund im„dritten Reich" Aus Berlin wird amtlich gemeldet: ..Auf einer neuen umfangreichen Liste der deutschen Zentralstelle zur Bekämpfung unsittlicher Bücher sind, wie die..Börsenzeitung" berichtet, auch„Mein Leben" von Frank Harris und„Junge Frau von 1914" von Arnold Zweig ver? lehnet. In der gleichen Bekanntmachung wird dagegen mitgeteilt, daß die Beschlagnahme der„ Pittigrilli- Bücher aufgehoben worden ist." Langsam formt sieh also das Bild der neuen faschistischen Sittlichkeit. Die Sclhsthiografie des englischen Aestheten Frank Harris wird offenbar verboten, weil die Homosexualität dieses wehleidigen und zimperlichen Aristokraten nicht an die derbe und verniggerte Homosexualität des Herrn Böhm heranreicht; die Selbsthiografie des Herrn Böhm bleibt konkurrenzlos, die Autarkie gilt auch für sexuelle Angelegenheiten. Das schöne, im tiefsten Sinne keusche Kunstwerk ..Junge Frau von 1914" wird offenbar verboten, weil Arnold Zweig ein Jude ist und schon durch seine Existens die deutsche Sittlichkeit gröblich verletzt; die Bücher des Herrn Pittigrilli hingegen gefährden diese Sittlichkeit keineswegs. Diese Bücher strotzen zwar von schleimigen Schweinereien, von kitschigen Obszönitäten und kleinbürgerlichen Wunschträumen. aber Pittigrilli hat eine unschätzbare Eigenschaft: er ist ein Bekenner des italienischen Faschismus. Jieichstay im£mtop4 Die 661 (Sitzung der neuen deutschen„Volksvertretung". 661 Mäuler und kein Gedanke sitzen in Reih und Glied und Braunhemd. Auf einer nationalen Erhebung thront der Dritte Reichstagspräsident. Ein Hornsignal ertönt.) Der Rcichstagspräsident: Höchster Führer! Hohes Haus! Ich eröffne die beutige Sitzung der in freier Wahl ernannten Herolde der deutschen Gaue. Heil Hitler! Die Versammelten erheben sich zu minutenlangen Sturmi- s dien Heil-Iii lier I-Rufen. Ich brauche wohl uicht zu betonen, daß wir mit der marxistisch demokratischen Parlamentarität ein für allemal gebrochen haben. Hier gilt nicht das Diskutier- Schutzgesetz, hier gilt der Wille des Führers.(Erneute Heil- Rufe links, rechts und im Zentrum.) Auf der deutschen Tagesordnung steht die Reform der fluchwürdigen Weimarer Verfassung. Der Herr Reichskanzler hat das Wort.(Die Abgeordneten der Rechten, der Linken, des Zentrums und der Notsitze springen wie elektrisiert auf und verharren mit erhobener Seele und ebensolchem'Arm drei Minuten in frenetischem Begeisterungstaumel. Dann kommen sie langsam zu sich) Der Reichskanzler: Stillgestanden! Meine Abgeordneten! Vierzehn Jahre hat das System von Weimar über lins geherrscht. Nim ist es Schluß damit; ich schlage Ihnen eine Verfassung vor, die nach kurzer Aussprache in bewährter SA.-Manneszucht anzunehmen ist. Rührt euch!(Beifall wie vorhin.) Der Reichstagspräsident: Sie haben den An- tragbefehl vernommen; wir schreiten nunmehr zur Dehatte. Das Wort hat der Abgeordnete Femcmaicr, dann Posten- jägerle Maulhalter des Reichstages(M. d. R.), Fememaier(Nat.-Soz.): Wie die kommende Verfassung audi immer aussehen mag, sie wird eine Großtat deutschen Geistes sein. Dies ist meine Meinung.(Erregte Zurufe links, redits und im Zentrum: Auch die unsere!) Postenjäger!«(Nat.-Soz.): Im Gegensatz zu meinem Vorredner hin ich der nationalen Anschauung, daß die neue Verfassung ein wahres Meisterstück deutscher Gesinnung darstellen wird.(Bravorufe.) Der Rcichstagspräsident: Das Wort hat der Abgeordnete Killer. Killer(Nat.-Soz.): Ich spreche der Rcidisregierung mein Vertrauen aus. melde gehorsamst. Die neue Verfassung wird uns beweisen, daß es noch einen deutschen Gott im Himmel und einen Führer auf Erden gibt.(Beifall und Zwischenrufe: Umgekehrt!) Der Rcichstagspräsident: Zur Geschäftsordnung hat sich noch der Abgeordnete Schwärmer gemeldet. Schwärmer(Nat.-Soz.): Es ist mir ein Herzensbedürfnis, meine Gefühle zur Geschäftsordnung in dem Ruf zusammenzufassen: Heil Hitler!(Alle Anwesenden erheben sich und den redeten Arm.) Der Reichstagspräsident: Sie haben durch Erheben des Armes die einstimmige Annahme der Regierungsvorlage bekundet. Die Sitzung war ein Beweis dafür, daß man auch die schwerste Materie in kürzester Zeit zum Wohle des ganzen Volkes bewältigen kann, wenn Adolf Hitler unser Führer ist.— Die nächste Tagung findet vielleicht in einem Jahre statt. Die Diäten sind für die Abgeordneten A bis L an der Kasse I und für die Abgeordneten M bis Z an der Kasse II.zu beheben. Hiermit sind Sie entlassen. Heil Hitler! Horst-Wessel-Lied, Deutschlandlied. Begeisterungstauiuel zu den Kassen.) Karo. Äie neue Etikette Man schlägt an die Gläser und ruft:„Siegheil!" Der Oberbürgermeister der Stadt Köln, der Nazi-Doktor Riesen, schickt der„Kölnischen Zeitung" stirnrunzelud diese Berichtigung: ,.In der Ausgabe Nr. 677 Ihres Blattes vom 16. d. M. ist ein Artikel„Staatssekretär Suvich in Köln" erschienen, in dem in bezug auf den Empfang im Rathaus ausgeführt wird:„Das Stadtoberhaupt trank auf<1 e i Wohl der beiden Staatsmänner Mussolini und Hitler." Diese Darstellung steht in krassem Widerspruch zu den Tatsachen. Ich bitte davon Vormerkung zn nehmen, daß es hei Nationalsozialisten nicht Brauch ist, auf das Wohl unsers Volhskanzlers Adolf llitler zu trinken. Ich habe am Schluß meiner Rede, der ständigen Ueltung folgend, ein„Siegheil!" auf die Staatsmänner der beiden Nationen ausgebracht. Da die Darstellung in Ihrem Blatt zu Mißdeutungen Anlaß gehen wird, ersuche ich auf Grund Paragraf 11 des Pressegesetzes um Veröffentlichung einer entsprechenden Berichtigung." Was sofort geschah. Versteht sich, daß die geängstigte „Kölnische Zeitung" einen Kommentar nicht wagte; Vicht einmal die Feststellung eines Druckfehlers. Was ihr passiert, wenn sie bei festlichen Empfängen im Rathaus noch einmal nicht genau hinhört und ein„Siegheil" mit einem I rink- spruch verwechselt, kann man sich unschwer vorstellen. Schon jetzt sind ihrem Verlag die städtischen Drucksachen to gut wie vollständig entzogen worden. lüas ist Qcöfie? Das Inseratengeschäft! Ein ganzseitiges Selbstinserat bringt die Berliner Ausgabe des„Völkischen Beobachters" mit der Ueberschrift: Was ist Größe?— In wahrhaft klassischer Bescheidenheit beantwortet das Naziblatt diese Frage mit„Ich!". Nämlich in dreizölligen Lettern schreit das Inserat: Was ist Größe? Wir sagen: Der„Völkische Beobachter", die größte Zeitung Deutschlands! Groß an Gesinnung! Groß an Charakter! Groß an Treue! Nun, über die Düfte solchen Eigenlobs gibt es eine kernige deutsche Redensart. Aber die wirkliche Größe, die der „Beobachter" meint, kommt erst ganz am Schluß des Inserats zum Vorschein: Der Anzeigenteil der Berliner Ausgabe hat sich seit Januar 1933 um das Fünf zehnfache vermehrt. Sehn Sie, das ist die wahre Größe! Allerdings könnte ein Skeptiker noch hinzusetzen: Kunststück— hei den Werbemethoden! Das Qetäadespoct-Staatsexamen Neue Habilitations-Ordnung in Preußen Nach Rusts Verfügung kann nur der Dozent werden,„wer sich der deutschen Volksgemeinschaft innerlich verbunden fühlt und diese Verbundenheit auch durch die Tat bekennt. Voraussetzung der Genehmigung des Fakultätsbeschlusses auf Habilitation ist daher der Nachweis des Dienstes von mehreren Monaten in einem Gcländesport- oder Arbeitslager. Der Habilitant soll sich nicht nur in seinem Fachgebiet hinreichend bewähren, sondern darüber hinaus auch mit den anderen Fakultäten in Fühlung sein. Die Habiiitanten aller Fakultäten werden deshalb einen mehrmonatigen Kursus in der demnächst zu gründenden Dozentenakademie zu durchlaufen haben, in der sie»in strenger Lebensgemeinschaft sich audi charakterlich bewähren werden müssen. Der Kultusminister empfiehlt, daß jeder Habilitant vor einer Habilitation alle Examina ablegt, die zur Uebernabme eines anderen Berufes erforderlich sind, also etwa in der philosophischen Fakultät nicht.nur den Doktorgrad erwirbt, sondern auch das Staatsexamen ablegt, damit denjenigen, die den Anforderungen des Hodischiillehrerherufes später doch nicht in genügendem Umfange gewachsen sein würden, der Uebergang in eine Beamtenlaufbahn oder einen praktischen Beruf erleichtert wird. An die Geländesport- und Arbeitslager und die Dozentenakademie schließt sist nicht bekannt geworden. Jedenfalls kann«ich das..dritte Reich" zu solchen „Kämpfern" beasuckwüntchen. besonders wenn sie-rst AZ Jahre alt i?nd und noch ein langes Leben vor sich haben. 111 Jabr° MImik lJnpreß.i Das Hamburger Tonbergericht verurteilte acht junge Arbeiter, die an einem Zusammenstoß mit Nazis im März dieses Jahres beteiligt waren, bei dem kein einziger der Nazis verletzt worden war, zu insgesamt 40 Jahren Zuchthaus. Eine zim'ite Gruppe von 19 Angeklagten Arbeitern ist wegen eines gleichen Deliktes zu 73 Jahren Zuchthaus vcr- urteilt worden auch bei diesem Zusammenstoß wurde kein Nazi verwundet. .Mr gegm feomimm'sfeo .Die„Jran'urter Zeiiuna" meldet:..Die im Taargebiel erscheinende„Deutsche Freiheit" hat berichtet, daß im Ostbarz SA.-Revolten ausgebrochen seien. Gerichtsverhandlungen gegen die Meuterer hätten rn insgesamt 193 Jahren Zucht- hausstrafe aelührt. Hierzu stellt der preußische Justizministei fest, daß diele Meldungen vollkommen aus der Lust gegriffen seien. Im Regierungsbezirl Magdeburg seien in ber letzten Zeit nnr Aktionen gegen Kommunisten vorgenommen und auch Zuchthansstrafen nur gegen Kommunisten erkann« worden." * Aber selbstverständlich, Herr Minister, die verurteilten SA.-Leute sind stets„Kommunisren", wie ja auch bekannt- l,ch die„Exzesse" nnr von„verkleideten Kommunisten" ver- übt werden. Reden Kopfe gefordert! Hamburg, 21. Dez. In der Verhandlung des hanseatischen Sondergerichtes wegen aer Ermordung des Polizeihaupt- Wachtmeisters Knies im Dezember 1939 wurde heute die Be- weisausnahine gcschlossen.Dcr Staatsanwalt beantragte gegen sieben Angeklagte wegen gemeinschaftlichen Mordes die Todesstrafe, gegen einen achten wegen schweren Aufruhrs zweieinhalb Jahre Gefängnis. Der Polizeihauptwachtmeistcr Knies wurde anläßlich einer Demonstration des Roten Jrontkämplerbundes, den er mit einem Kommando zer- streuen sollte, am 3. Dezember 1939 am Großneumarkt über- fallen und durch einen tiefen Stich in den Hals getötet. Opfer de» Abiturs Detmold, 21. Dez. In der Nähe des Hermann-Denkmals hat sich eine erschütternde Schülcrtragödic abgespielt. In den Mittagsstunden wurde in einem Waldgebiet der Oberpri- inaner R i ch t s aus Lage mit einem Schläfenschuß tat a u f- g e s u n d e u. Neben ihm lag sein Mitschüler Beckmann, der einen Schuß in den Hinterkopf aufwies und noch schwache Lebenszeichen von sich gab. Er wurde sofort ins Landes- krankenhaus gebracht. Nach den polizeilichen Ermittlungen hat Nichts Selbstmord verübt, nachdem er davon Kenntnis erlangt hatte, daß er nicht zur Reifeprüfung zugelassen wer- den könnte. Der zweite Fall ist um so tragischer, als Beck- manu der irrigen Meinung war. daß er auch nicht zugelassen würde, ivas iedoch nicht zutraf. Unmoralische Grenclgesdiidife Wie man sicher, hcquem und ohne Ahiindong seine fron loswerden Kann Die folgende unmoralische Greuelgeschichte ist nicht etwa von Emigranten und andern deutschfeindlichen „Halunken" erfunden, sondern steht als neudeutscher Gerichtsbericht in der„Vosischen Zeitung"(Nr. 562). Volkstums nur einem verschwindend kleinen Kreise in seiner ganzen Wichtigkeit klar geworden ist. In dem Rechtsstreit spielte nun weiter eine Rolle, ob^cr Ehemann die Auflösung der Ehe noch verlangen konnte. D>e Anfechtung der Ehen muß innerhalb einer Frist von sechs Monaten nach Kenntnisnahme von dem Ansechtungsgrund erfolgen. Das Gericht sagt, diese Sechsmonatssrig wäre gewahrt, denn bei der nur durchschnittlichen Allgemein- bildung des Ehemanns könne man ohne weiteres annehmen, daß ihm die volle Erkenntnis ber Sachlage erst im Lause des Sommers 1933 gekommen sei. erst zu dieser Zeit also die sechsmonatige Fri stzu laufen begonnen habe. Die Auflösung von Ehen zwischen Ariern und Nicht- a r i e r n hat jetzt in einem Einzelfalle zu einer erfolgreichen Eheanfechtung wegen Irrtums geführt, und zwar handelt es sich um eine Ehe, die zu einer Zeit geschlossen war, als die R a s s e n s r a g e noch nicht im Vordergrund des Interesses stand. Der Ehemann, der seine lange vor dem Regierungsantritt Adolf Hitlers geschlossene Ehe gerichtlich angefochten hat, war Arier und mindestens seit den März- mahlen 1933 Nationalsoziali st. Seine Ehefrau da- gegen gehörte der jüdischen Rasse und Religion an. Der Ehe- mann beantragte die Auflösung der Ehe mit der Begrün- dung, zu den persönlichen Eigenschaften eines Menschen ge- höre auch seine Rasscnzugehörigkeit. Er habe zwar gewußt, daß seine Frau Jüdin sei, aber die Bedeutung dieser Tat- sache sei ihm nicht bekannt gewesen. Die Ehefrau hatte der Auflösung der Ehe widersprochen. In der Gerichts- entschcidung, die von größter grundsätzlicher Bedeutung ist. heißt es: Daß zu den persönlichen Eigenschaften eines Menschen seine Rassenzugehörigkeit in erster Linie gehört, ist eine Frage, die endlich in bejahendem Sinne zur allgemeinen Erkenntnis gekommen ist. Das neue Recht baut sich wesent- lich aus der Zusammengehörigkeit des Volkes als Träger gemeinsamen Blutes auf. Es ist slebstverstäudlich, daß bei verständiger Würdigung des Wesens der Ehe als einer in erster Linie sittlichen, dem Fortbestand des Volkes dienenden Einrichtung ein arischer Ehegatte die Ehe mit einem Angehörigen einer volksfremden— ja volksfeindlichen Rasse— nicht abgeschlossen haben würde, wenn ihm die Sach- läge zur Erkenntnis gekommen wäre. Dem Ehegatten war zwar bekannt, daß seine Ehefrau Jüdin ist, aber das bedutete kür ihn etwas rein Aeußer- liches. Die Erkenntnis des Wesentlichen fehlte ihm zu einer Zeit, in ber die Bedeutung der Rasse, des Blutes und des Gerade dieser mstand ist für all eähnlich liegenden Fälle von größter Bedeutung für die Auflösung von A l t- E h c». Im allgemeinen wird man nämlich sagen müssen, daß die Erkenntnis über die Bedeutung des Judentums als fremde Rasse mit dem Erlaß der Beamtengesetze im Frühjahr dieses Jahres allen zum Bewußtsein gekommen ist. Rechnet man die sechsmonatge Frist von dieser Zeit, so muß man die Meinung vertretne, daß eine Anfechtung von Alt-Ehen bis Anfang Oktober 1933 im allgemeinen wird erfolgt sei» müssen. Später ist die Frist nicht mehr gewahrt. Diese An- schauung wird auch von dem Kommentar des Urteils in de« amtlichen Organ des Reichs, des preußischen und des bao- rischen Justizministers, der„Deutschen Justiz" vertreten. Es heißt dort:„Spätestens Anfang April hatte die Erkenntnis von der Bedcutng der Raffensrage sich im ganzen Volk durchgesetzt. Von diesem Zeitpunkt an wird die AnsechtungS- frist zu rechnen sein." Die Folge dieser juristischen An' schauung ist, daß eine Anfechtung von Mischehen in Zukunft schon deshalb nicht mehr möglich sein wird, weil die An* fechtungsfrist abgelaufen ist.— Schreibt die»Voss." Ende der Evangelischen lugend Sdilradi kommandiert:„Idi entziehe Ihnen sofort das Amt.. Verrat des Reidisbisdiofs Mit dem gestrigen Tage ist die evangelische Jugend aui- gelöst worden. Zu gleicher Zeit werden die Mitglieder der evangelischen Jugend in die Hitler-Jugcnd übergeführt. Aus diesem Anlaß hat der Rcichsbischof Ludwig Müller an Reichskanzler Adolf Hitler folgendes Telegramm ge- sandt: „Ich habe soeben durch Vereinbarung mit dem von Ihnen bevollmächtigten Reichsjugendkührer die Eingliederung deS Evangelischen Jugendwerkcs in die Hitler-Jugend voll- zogen. Die dem Evangelischen Jugendwerk anvertraute besondere Ausgabe ist damit>'ür das große Ziel einer ein heitlichen Erziehung der gesamten deutschen Jugend ein- gesetzt Gott segne diese Stunde kür unser Volk und unsere Kirche. Gott lasse sein heiliges Wort mächtig werden in der nationalsozialistischen Erziehung der kommenden Ge schlechter." Der Reichsjugendsührer hat in einem Telegramm an den Reichskanzler die Eingliederung der evangelischen Jugend gemeldet. Das Telegramm lautet: „Melde im Rahmen des mir gewordenen Auftrages, die Einigung der deutschen Jugend zu vollziehen, die Einglie- derung der evangelischen Jugend in die Hitler-Jugend. gez.: Schirach, Jugendsührer des Deutschen Reiches." Schließlich hat der Reichsjugendsührer an den bisherigen Leiter des evangelischen Jugendwcrkes, Stange, folgendes Telegramm gerichtet: Die Sfertlisierungsbehhrden 84„Erbgesundheitsgerichte" in Preußen Verlin, 21. Dez. Durch eine Verordnung des preußischen Justizministers sind nunmehr in Durchführung des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses in Preußen die Erb- gesundheitsgerichte und Erbgesundhcitsobergerichte eingesetzt worden. Erbgesundheitsgerichte wurden errichtet bei jenen Amtsgerichten, die am Sitze eines Landgerichts bestehen. Es sind dies in Preußen 84, Für die Fälle, in denen mehrere Amtsgerichte in einer Stadt sind, sind besondere Bcstim mungen getroffen worden. Erbgesundheitsober- g e r i ch t e werden bei den 13 preußischen Oberlandcsgerichten errichtet. Cmldranlcnpfisse hcsdilagnahmi (Jnpreß.l Aus verbürgter Quelle erfahren wir, daß sich die Fälle, in denen sich das deutsche Konsulat in Paris durch Vorspiegelungen in den Besitz von Pässen der Emi- grauten zu setzen gewußt hat, mehren. Anträge auf Erneue- „Mit sofortiger Wirkung entziehe ich Ihnen A m t im Jugendsührerring. Habe Ihren sofortige» Ausschluß aus der NSDAP, im Schnellverfahren de- antragt." Dieses Telegramm ist dadurch veranlaßt worden, daß Stange, der erst seit kurzem der NSDAP, angehört, ver- sucht hat. die vom Reichskanzler Adolf Hitler gewünschte Einigung der deutschen Jugend zu sabotieren. Mit Hilfe des evangelischen Rcichsbischofs ist damit de» Evangelischen Jugendverbändcn Deutschlands der Todes- stoß versetzt worden. Die Methode war die gleiche wie be. den Arbcitcrgewerkschaften: Uebcrrumplung und hinterher die Behauptung ber„Sabotage". Da hinter den Verbänden, die so schmählich verraten wurden, weite Kreise der eva»- gelischen Geistlichkeit stehen, so ist ein neuer Zank- apfel in°e ohnehin schon erschütterte Evangelische Kirche ge- worsen morden. Der„Jugendsührer des Deutschen Reichs". Baldur von Schirach, macht ivahr, was er bei jeder Gelegen- heit ankünl t: Es gibt nur eine Jugend, nur eine Reli- gion, und die kommt von Hitler. Und der Herr Reichs- bischof steht ihm in deutscher Treue zur Seite. Wie lange noch— und die katholischen Irgend- verbände werde dem Zugriff Balburs ebenso ausgesetzt sein. Trotz des Konkordats, das ihre Selbständigkeit:,aran- tiert. Es sei denn, daß die deutschen Bischöse ich da^ bieten lassen. Ihr Schweigen ermutig nur die brauen Gleich- schaltet. rung oder Verlängerung des Passes, die z. B. bei eine« Polizeipräsidium innerhalb Deutschlands eingereicht worden sind, iverden durch das deutsche Konsulat in Paris mit eine« höflichen Schreiben beantwortet. Man bittet den Antrag- stellet, mit dem alten Paß und neuen Fotos auf dem Kon- sulat zwecks Ausstellung eines neuen Passes zu erscheinen. Man nimmt Paß und Fotos entgegen, die Beamtin des Konsulats verschwindet und kehrt nach einiger Zeit mit der Erklärung zurück, daß auf Grund neuer Weisung die Paß- erneuerung nicht vorgenommen werden könne. Die Heraus- gäbe des alten Passes wirb ebenfalls verweigert. Unaufhörliche Judenhetze Die Essener„National-Zeitung" schreibt über den„Um- gang mit Juden":„Wir dürfen nicht dulden, daß einzelne die Haltung der Nation in der Judenfrage bewußt oder unbewußt sabotieren. Kein Mensch verlangt iund keiner ver- hindert es. D. R.l, daß die Juden mißhandelt werden sollen. Wir gehen mit Juden korrekt(!), aber ohne jedes Interesse und ohne jede Wärme gegenüber einer Rasse um. dt« namenloses Unglück über nnser Volk brachte. NEU ERÖFFNET! Metzaerti». Wurstlerei» le Frenefort Feine Wurst und Fleischvareu STRENG koscher unter Aufsicht von Consistoire u. s. 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Tie schreiben und:„Ich bin sehr znsrieden. daß Sie nun Ihrer Zeitung einen so reichhaltigen Inhal» geben, dag im nicht mehr gezwungen bin. mir eine andere deutichc Zeitung zu kaufen, um über die Dinge au« Teutschland aui dem kaufenden zu iein Tic„Teittichc Freiheit" ist für mich täglich eine neue Duelle des Trostes und der Freude. Minwoch Ist ein Trauertag, an diesem Tag« gibt cS hier keine.Teutiche Freiheit" Wir wurde» unsere Zeitung noch viel reichhaltiger gestalten,»renn wir die Mit- tot hätten, die Teutschlands Lügenpropaganda»ns andichlci.«cbr ilitcre„ant ist die Bemerkung der^Indépendance Roumaine. daft die vielen Tppositionsstimmcn bei den Rcichstagswabl n wohl ge- sälsch, seien. Das rumänische Regierungsblatt kann st"»<1)» vorstellen daß Millionen den ersten Protest gegen die Tiilatur wag-, icn. Trotz aller damit verbundenen Gefahren. Wenn unsere Freunde in, Reiche das erführen, würde das manchen Enttäuschten aus- richten. Berliner in Paris. Meckern Tic doch nicht, wenn in unserem Blatte gelegentlich in einem Aussatz einmal ein französisches Wort i»„deutscher" Tchriit erscheint, statt in lateinischer. Tie sranzö- fischen Zeitungen drucken deutsche Zitate auch nichl in„deutscher" Schrift, sondern in den in Frankreich üblichen lateinischen Lettern. «. A. M. Johannesburg. Ihrem Briese entnehme» wir'„Tie „Teutschc Freiheit" wird in Südafrika gern gelesen Bor kurzem sand hier eine Bersammlung gegen das Hitlcrrcgimc statt die von Tauicndrn besucht war. Tie Entschließungen wurden einstimmig angenommen ES sprachen auch mit großem Erfolg der Bilchoi von Johannesburg und der Hon. Maddeley Parlamcnisabgeordnctcr. Ter Bonkotl dcnilchcr Waren geh« mit aller Schart« weiter. ES machten sich vor kurzem in Südafrika aniilcmitische Bestrebungen bemerkbar, welche jedoch anscheinend unterdrückt sind, nachdem der Fnstizministcr Tmitts dringend gewarnt Hai und mit Gcgeninaß- nahmev drohte" Grüßen Sic alle Freunde. Ihnen danken wir und hoffen, gelegentlich wieder einen Brief von Ihnen zu erhallen. I. Belgrad. Jede crmiiittcrndc Zuschrift von Ausländsdeutschen ist uns eine besondere Gcnngluung. Wir wigcn. daß viele Bolls- gcno»en im Auslände z» unserem BInltc greifen, um sich über die wirklichen Borgänge im Reich zu unterrichten. ES freut uns, daß Sie unsere Berbundcnhci» mir dem deutschen Bolle und«einer Ouitnr Gören. Tanon gebe» wir auch nichl» preis, linier»ampf richlei sich unversöhnlich gegen das Tikiaturspstem und die Herr- schenden stliaucn drüben Tentschiaiid bleib! uns unverlorcn. und wir find auch in der Emigration leine treuen Söhne. Sriegsbeschadigter Emigrant Paris Mit einiger Bitterkeit haben Sie im.Matin" eine rührende Geschichte gelesen von einem iran- zösischen Artillcrichanplmanii und einem dculichc» Artillertcgeneral. Ter Hauptmann bai im Weltkriege den General gefangen genommen und den Tcgc» des deutschen Generals ein Prüfen! des deutschen Kronprinzen als Andenken behalten Ter alte deutsche General Hai sich»nn das lange Mener aus Nauen zurückgeholt. Hoffen wir. daß er keine» Schade» mehr damtt anrichten kann Ihr Brief schließt:„Nun haben sich die beiden Herren Tftiziere bc- »tätigt, wie seine Gegner sie doch waren und dann haben stc sich kräftig die Hand geschüttelt Tic sranzösischen und die deutschen Soldaten in den Manengräbcrn würden stch gerne umarmen, wenn sie es noch könnicn. AIS man sie gcgcnciiianderhcyte, ivar von Ritter- (ichfeit nicht viel die Red«. Ta bicß es ans der einen Seile„Bcr- dämmte Boches" und auf der andern:„Immer feste druff". Manchester. Nicht nur in Ihrer Sladl, sondern auch anderwärts in England haben Führer der christlichen Bckenittnigc zu einer WeihnachtShilie für die denischcn Emigranten aufgerufen. Tie Emigranten, auch die nicht kirchlichen, werden diese Tat nicht ver« gegen. „Stammrolle und Stammbaum" Sie teilen nn« mit:„AuS dem Bescheid eine» Berliner Ministeriums an einen südische»«ka- d-mikcr:„Ihre Teilnahme am Weltkriege und Ihre Tätigkeit im Freikorps... können nach meinen Erkundigungen Ihre nicht- arische Abstämmling nicht aufwiegen.. Ihrem Antrage kann da- her nicht üattgcgcbtn werden." Im Inreregc des Betrcsicnden ist es leider nicht möglich, Ihnen den Name» des Ministeriums und das Aktenzeichen mitzuteilen.— Aber e» genügt auch so!" Ach. es geht den gcsckläsistüchtigen Rageschnüsflern sa nur um die Beseitigung der jüdischen»Tonkurrenz. Der jüdische Weltkriegs- und Freikorpskämpicr hätte sich rechtzeitig für„sein" Baierland totichicßcn lassen.sollen. Tann wäre er»nbehellios geblieben nor- ausgesetzt, daß er ans einem jüdischen Friedhof bestattet worden iväre M. R. L NnS ist in dieser Angelegenheit nur diese eine Meldung zugegangen. Näheres Ist uns nicht bekannt. I ernfiir (flaire Göll:„Arsenik", iBergiS-Berlag Paris und Wien. Tic Geschichte einervleinstadttragödie. Tas Schicksal einer Frau, deren Leidenschaftlichkeit und deren Lebrnodrang, in der Enge der »Icinstadl zur brütenden Tumpfheil verurteilt, sie mit unentrinn- barer»tonscqucnz in Schuld und Verbrechen verstrickt. Diese Sn- ianne Amiel hätte das Zeug zu einem Talmenichcn:— die drückende Atmosphäre der Glockcnallcc ranbi ihr die Schwungkraft der Seele und verschüttet den Rcichium ihres Gefühls Ans der schönen, tat- kräftigen und lebensvollen Frau wird die ciskaltbcrcchnrnde. von blindwütendem Haß gesagte und vom Bernichlungswillen besessene Mörderin Ter Schuld folgt die Pein. Und erst das aufwühlende, alle Blößen osfciibarendc«ekeiintnis wird zur Sühne und Er- löiung. Elairc Göll zeichne, diese irrende Seele mit klarer Unbestechlich- keil, cchi weiblicher Intuition und mit der versöhnenden Güte, die nm das Irren alles Menschlichen weiß. Ein Buch, daS nachdenklich macht. g. js Pariser Berichte Pariser Straftenhalender Ein Interview im„Petit Journal" mit Dr. Breitsdieid über den Kampf gegen den Hitlerismus wird in Pariser Kreisen stark beachtet. » Unter abenteuerlichen Umständen flog eine, wie es heißt, bolschewistische Spionagesache auf, deren Hauptpersonen Bercovitj(Rumäne) und Switj(später Russe, naturalisierter Amerikaner) nebst ihren Frauen waren. Diese beiden und acht Mittäter, Polen, Serben, Russen, ein französischer Dolmetscher im Marineministerium und eine französische Lehrerin wurden verhaftet. Ein Teil der Gehilfen floh ins Ausland. * Der Gewinner des 5-Millionen-Loses der dritten Ziehung ist ein 47jähriger Müller namens Rochetaillade in Chéniers in Mittelfrankreich. Der neue Kollege des Friseurs aus Tar- tarin und des Kohlenhändlers aus Avignon gehört also demselben Milieu an. » Während der„falsche Große Los-Gewinner" Cornebois in Untersuchung sitzt, versuchte ein Nachahmer sich einen Gewinn von 200 Franken zu erlisten. Der Vorzeiger des gefälschten Loses und ein Aufpasser wurden verhaftet. * Einer der bei einer Großrazzia verhafteten Italiener, der sich Marquis von Priola und Ceva nannte, stellte sich als ein wirklicher Marquis heraus. Der Abenteurer, der drei Revolver hatte, wurde zu zwei Tagen Haft verurteilt, die als verbüßt erachtet wurden, und aus Frankreich sofort ausgewiesen. » Vom 7. bis 14. Januar spielt eine Emigrantentruppe im Theatre Albert I'" den„Prozeß des Tisza Eszlar" von Arnold Zweig. * Bernard de Jouvenel, der Sohn des bekannten Botschafter», Herausgeber des„Cahier bleu", hielt einen sehr interessanten Heule Neueröffnung Damen-Konfektion Kleider von 95,— Fr. an HUle von 25,— Fr. an Allerneuste Modesctiöptungen GroSe Aua-vahi Btabl. TRUC Méiro: Cnouaée d'Aniin. ZO rue de Mogodor.—— Jeder Kunde ernäu •wärvend der Eröffn jr-gawodie ein GeachenK und ßei Vorzeigen diesea naereiea 5»/» Rodoii 20 fahre Weltgeschichte in 700 Bildern I Einleitung you Fr. Sieburg Gelegenheit«« Angebot statt 29,30 Fr etzt nur 8.55 Fr. Solort tu beziehen durch: BUCHHANDLUNG der „Volksstimme" SurkrScSM, 8A.bol.Cr. 32 Achtung, Elfernf Mein lugendheim bedeut. vergrößert, befindet sich letzt in MARNES.LA COQUETTE. 3" Grande Roe 20 Minuten Bahn'ahrt vom Bahnhol St Lazare, farts Telefon Garches Nr. 629. Große Villa mit riesigem Park, fließende» Wasser in ledern Zimmer, Zentralheizung usw Uberleitung in die tranz. Schulen Gymnastik, Sport. FRAU DR. BERG 52t. Vortrag über den„gegenwärtigen Stand einer französisch* deutschen Annäherungspolitik". * Die Pariser Börse stellt angesichts der Bankrottrede Schachts fest, daß der Platz Paris, außer mit den französischen Anteilen der Dawes- und Young-Anleihe. in Deutschland nicht engagiert ist. Man stellt die Tatsachen gegenüber: a) angebliche Prosperität unter Hitler, angebliche Verminderung der Arbeitslosigkeit und b) Verringerung des Zinsendienstes— und schüttelt den Kopf. * Wie amtlich bekannt gemacht wird, zahlt die nationale Sparkasse vom neuen Jahre an 3 Prozent Zinsen auf die Spareinlagen. Mttro-DHleti und„Deofsdie Frclheir Wir machen darauf aufmerksam, daß man in Paris an den Zeitungsständen, die sich in der Métro befinden, gleichzeitig mit einer Zeitung ein Billett erwerben kann. Man braucht also in diesem Fall nicht zur Kasse zu gehen. Wir empfehlen allen unseren Freunden, die„D e u t-s c h e h reihe i t" überall bei der Métro und auch an den kleineren Kiosken und in Papiergeschäften unser Blatt zu verlangen. Gerade mehrere kleinere Geschäfte haben in letzter Zeit die „Deutsche Freiheit" auf Verlangen unserer Leser zubestellt. Bruckners„Die Bussen in Poris Wie wir erfahren, wird Bruckners Erfolgstück-,D i e Rasse n", das in Zürich in deutscher Sprache uraufgeführt wurde, in Paris voraussichtlich bereits im Januar gegeben werden. Die Annahme erfolgte durch das Theater „L' O e u v r e". Das Schauspiel Bruckners spielt bekanntlich im Hitler- Deutschland, im März und April an einer westdeutschen Universitätsstadt. Einer weiteren Information zufolge ist das fertige Schauspiel Bruckner» auch in Neuyork in der berühmten Theatre Guild, der modernsten amerikanischen Bühne angenommen worden. Ein Welterfolg des Vierkes scheint danach gesichert. T6i Trinllé 43-13 Méiro P i g a 11 e Deutsche Poliklinik Paris, 02, Pue de la Rochefoucauld «I Allgemeine Konsultationen»it 9 Spezialisten. h) Chirurgie cl Gebartshiltliehe Klinik d) Zahnärztliches Kabinett Innere Medizin, Augen., Ohren-, Nasen- und Kehlkopfkrank. ZweistöckigeslSanatoriumsgebäude. Vierstöckige- Gebäude. Zimmer Zahn und Mundchirurgie. Gold, .leiten. Röntgen Diathermie. Elektrotherapie Spezialbehand' Kleine, mittlere und große Chirur. mit 1 bis 4 Betten. 3 Aerrte, 3 Heb- und Porzellankronen«Brucken lung bei Blut». Harn« u. Geschlechtskrankheiten gie. Die aller modernste Einrichtung ammen und 2 Operationssäle. Kautschuk-Arbeiten Ordination täglich von 9—12 und 2—8; Sonntags und Feiertags von lO—12 und 2—4 Uhi Doktor Wachtel Harai, Blut, aad Baatkraahtaeitaa 123, Bd. Sébastopol.— Sprechstunden v. 9—12 u. 2—8 Unr; Sonntags vormittags Nase, Hals, Ohren: Sprechstunden täglich von 5— 7 Uhr SEROKLINIK VON PARIS 71, Boulevard de ClieViv* Metro Blanche Harnleiden, chronische! und irischer Tripper, Militärpicht, Cystitis, Prostata. FRAUENLEIDEN litftnii Blutkrankheiten, Venenentzündung Hämorrhoiden Svphilis, Haut- Ausschlag. Psoriasis.— Neue Behandlungsmethode auf elektrischem V7ege Strahlen Serotherapie und Neue Behandlungsmethode aut elektrischem w d Auto« Hemo- Uterapie— Massiges Honorar, und 14—20 Uhr. Sonntags von 9—12 Uhr. und Kop durch ultraviol« Konsultationen von 9—12 Der neue GroßRaDDlner von Paris Am 8. Chanuka-Tage betritt feierlich der Großrabbiner von Frankreich, Israel L é v y, umgeben von Orgelklang und einem schönen Chor, die Synagoge in der rue de la Victoire, die sogenannte Rothschild-Synagoge. Der neue Großrabbiner von Paris Julien Weill, Sohn eines früheren Großrabhiners der Hauptstadt, wird feierlich in sein Amt eingesetzt. Der Großrabbiner des Landes, der ein Schwager des neuen Pariser Großrabbiners ist, bezeichnet ihn als neuen geistigen Führer der Judenheit in entscheidender Stunde. Der Geehrte antwortet mit klugen Worten. Vor dem Altar, dem Ohren Kodesch sitzen die Vorstände der Gemeinde mit dem Präsidenten Léon Eding'er. Links das Konsistorium von Paris mit Baron Robert de Rothschild, rechts das Konsistorium von Frankreich mit Edouard de Rothschild. Der Großrabbiner trägt den platten Hut der französischen Geistlichen. Er entstammt der großen Tradition der gelehrten Rabbiner. Seine Vorgänger waren Zadoc-Kahn, Emanuell Weill(der Vater des Neugewählten) und Dreyfus Der Feier, die im Zeichen der furchtbaren Judenverfolgungen in Deutschland unter besonderem Ernst stattfand, gesellen sich die Glückwünsche der deutschen jüdischen Flüchtlinge an den Großrabbiner, der jetzt auch ihr geistiges Oberhaupt ist. Französische Trachtenausstellung Wir machen unsere Leser auf eine sehr interessante Ausstellung normannischer, bretonischer und südwestfranzösischer Volkssitten, insbesondere Volkstrachten, im Gebäude des Bahnhofs St. Lazare aufmerksam. Der Besuch kostet nichts. Mau lernt dort nicht nur ein wenig französische Geografie und Dialekt, sondern audi Humor und Frohmut des Volkes. Allein die Hochzeitskleider der Fischerinnen und die Holzschuhe aus den Dörfern, dieser malerischen Länder sind sehenswert. Und was den Holzschuh-Dialekt im Südwesten anbelangt: Les bots dés Chérentes savant faire don chemin d sns le» routes das bringt man zur Not noch zusammen. Auch das Mädchen mit dem wohlgeschraückten Blondhaar aus der Normandie steht uns noch nahe— denn dort ist ja das Blondhaar- und Blauaugenreich, das der„Führer" in Kratepellen vergebens sucht. Also: Si la fill à Jean Pierre a mint sa bel' coeffe pour s'en alla ou marchi vend' ses oués et son burre... Da begreifen wir also, daß das Eier- und Butterverkauf heißt oder eigentlich„Eir un Botta"— denn dies ist ja das französische Platt von der Waterkant. Wenn aber das Breton ische kommt, da reißen wir aus, denn dies ist Keltisch— da müßten wir schon vorher bei den Leuten um Morbihan und Finistère in die Schule gehen oder noch besser bei Henri Martin, dem Vater der vor fünfzig Baptiste. keltischen Geschichtsschreibung, der gerade Jahren gestorben ist. Ludla. die Spionin Die Geschichte der vermeintlich bolschewistischen Spionagefalle in aPris liest sieh wie ein amerikanischer Hotel- Film. Das Personen Verzeichnis ist nach den Eigenschaften Abenteuer, Liebe, Exotik, Romantik, Geld, Deklassiertheit völlig gedeckt. Da ist zunächst die Hauptperson Bereowitz, fantastischer Gehirnarbeitre, Rumäne aus Jassy. mit 33 Mille Bargeld in den Taschen verstreut. Weibliche Hauptrolle: dessen Freundin Sclara Ghana, Malerin, naturilisierte Kanadierin, hatte 12 Tausender in ein elegantes nterkleid eingenäht. Das Kapitel Intrige und Faden-Ziehung betrieb der Agent S w i t c, mit amerikanischem Fliegerpatent von 1930 ausgerüstet, geboren in Madison, häufiger Gast in Finnland, wo die Fäden zusammenliefen, kam mit Frau aus Berlin. Die Charge: Intellektuellentum bekleidete der Pole Salzmann, Assistent der Gynäkologie an der Pariser Klinik Saint-Antione mit einer Medizinerin als Frau. Als Debütantin für weibliche Pensionatsrollen war die bodenständige Französin Melle M e r m e t tätig, Lehrerin im Arbeiterviertel St. Ouen und Inhaberin akademischer Weihen. Marke Luxus, gepaart mit Schuld und Sühne vertrat das Paar Duschan Harenjitsch: er Serbe, angeblich Journalist und Inhaber einer weitläufigen V ohnung, sie, ohne Kenntnis des Métier ihres Gattin. Bildhauerin und Tochter eines französischen pensionierten Polizeibeamten. Endlich die weibliche Vollrolle: Lydia Stahl, geb. Tschekalova aus Rostow am Don. Sie ist eine elegante Frau, beherrscht viele Sprachen, sogar das Chinesische, hat eine große Wohnung inne, die sie vor Jahren bei einer längeren Amer.ka-Reise behielt, und wußte auch in Finnland Bescheid. Sie war die Geliebte des korrekten Beamten des Films, eines Junggesellen und bescheiden wohnenden Ueher- setzers im Marineministerinm namens Martin. In den Taschne dieses bescheideneu Junggesellen fand man links 15 500 und rechts 12 000 Franken, in seinem Schreibtisch Belege ausländischer Konten, u. a. von Frankfurt am Main. Damit bei diesem Film auch die Kritik nicht fehlt, bezweifelt der sozialistische„Populaire", daß man es mjt einer richtigen Spionageaffäre zu tun habe. Eine spanische Enklave in Frankreich Es ist wenig bekannt, daß sich in den Pyrrhenäen eine spanische Enklave im französischen Gebiet befindet. Der Ort heißt Llivia und besitzt tausend Einwohner. Es wird natürlich eifrig geschmuggelt. Ein pariser Korrespondet hat in dem Orte zwei echte Nurillos festgestellt. Für btn fflclainttnfioli verantwortlich:(Johann P I y in Duü» reeller; für(Jnfcratc: Ctto ffuön tn Soatbrücfcn Rotationsdruck und Belag:«erlag der volfssttmme Saarbrücken& Schützenltrav« 5. Aelteste Deutsche Klinik 52, R. de Bortdy, Paris TAI. Boa. 29-69 Harn», Blut» und Haut» krankheiten. Frauenleiden Ultra-Violette Strahlen. Serotherapie, Diathermie. Höhensonne etc Unterzeichnen Sie nichts! 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