] Einzige unadhSugige Tageszeitung Veutfchiands Nummer 158— 1. Jahrgang I Saarbrücken, Sonntag, den 24. Dezember 1933 I Chefredakteur: M. B r a u n Eine Sonderausgabe mit der Urteilsbegründung und einer eingehen- denWürdigungdesLeip- ciger Prozesses wird am Sonntag, dem 24. Dezember, erscheinen. Die Ausgabe wird zahlreiche Bilder und wertvolle Beitrüge erhalten. Und den Menschen ein Wohlgefallen.... Von Andreas Howald Ein Zufall hat es gefügt, daß wir in diesen Tagen die Weihnachtsnummer einer deutschen sozialistischen Zeitung aus dem Jahre 1913 in Händen hielten. Eine Zeit ist seitdem vergangen, die nicht mehr als das Leben eines Jünglings umspannt. Aber man starrt dieses Blatt an. als komme es von einem andern Stern und nicht von dieser zerspaltenen und zerklüfteten Erde. Wahrhaftig, da ist ein Lichterbaum abgebildet, unter dessen^er- Zweigungen eine Arbeiterfamilie Platz genommen, mit friedvollen Gesichtern, als hätte man von Herzen Anlaß gehabt, sich einer verdienten Geborgenheit nach der Mühe harter Wochen zu freuen. Da liest man etwas vom Balkan- Krieg, von den sozialen Kämpfen des Jahres, von den Extratouren wilhelminischen Uebermuts. Es war keines- wegs etwa so, als ob dos besagte Jahr 1913 eine reine Idylle gewesen sei. Aber noch stand alles seltsam fest: die Bündnisse Europas, seine tragenden Ideen, das Wissen um ein unverlierbares Gut der Menschenwürde und des Aufstiegs. In welcher Sprache tönte das sozialistische Wollen damals aus einem sozialistischen Blatte wider! Man schrieb mit ruhigen Worten und mit ruhiger Gewiß- heil, daß man eines Tages den fern leuchtenden Gebirgs- Kamm der gesellschaftlichen Erneuerung erreichen würde, mit dem Fortschritt, der Vernunft und der höheren Sitt- lichkeit im Bunde. Eines Tages! Daß diese Welt feuerspeiende Krater birgt, das wußten wir alle aus der Geografie. Wir sahen auch die Heere und die Rüstungen, die Gefahren einer jähen Explosion befürchtend, ohne sie ganz ernst zu nehmen. Aber was wir nicht fühlten, das war die Möglichkeit eines Zurückflutens aller in Jahrhunderten erkämpften menschlichen Haltungen und Beziehungen, der Vernichtung der humanitären Standorte,.die von Eras- mus über Spinoza zu Kant reichten und,' wie es schien, die barbarischen menschlichen UrKräfte überwunden hatten. Neun Monate nach jenen Weihnachten 1913 war das Morden vierer Kriegsjahre im vollen Zuge. Aber gab es in diesem langen Kriege unter Kanonenddnner. Minenexplosionen und Gasschwaden nicht noch eine primi- tive Loyalität, der das Bedauern mit dem im Waffen- gange geschlagenen Feinde nicht gänzlich freind war? Als das Blut auf den Schlachtfeldern der Welt versickert war, glaubten wir Aelteren. daß vor den Schädelpyramiden die Menschheit„moralischer" werden und die rote Lehre der Geschichte beherzigen würde. Wir haben uns getäuscht, in jedem Betracht. Die Ge- schichte und vor allem die Geschichte männermordender Kriege ist nicht dazu da, daß man aus ihr etwas lernt, außer den Künsten der Taktik und der Strategie. Wir haben eine Geschichtsphilosophie in der Welt des Er Kennens gehabt im Geiste Hegels, daß die Geschichte der menschlichen Gesellschaft gleichlaufe mit ihrer Geschichte im Bewußtsein der Freiheit. Wir haben die Weimarer Verfassung mitoerantwortet in der Erwartung, daß die deutschen Menschen von der Möglichkeit, sich ihre freiheit- liche Zukunft selbst zu gestalten, den„richtigen" Gebrauch machen würden. Wir wußten, Sozialisten und Liberalen im Fortschrittsglauben, die wir waren, noch nicht, daß Demokratie gut ist für normale Zeiten. Wir sahen nicht deutlich genug, daß es nach Versailles in der Welt keine sichere Nietstelle mehr gab. So gerieten auch die Menschen aus den Fugen. Zu dem„Aufstand der Gescheiterten", wie jüngst ein sozialistischer Soziologe die eine Herkunft der nationalsozialistischen Bewegung bezeichnete, trat nach einem uralt-ewigen Gesetz die Flucht ins Irrationale, be- gleitet von Gewalt und Roheit, Flagellantentum und Geißel. Welch eine Walstatt in knapp einem Jahre! Welch eine Bilanz der Zerstörung! An Sachen und Seelen, an Materialien wie an Glaubenskräften! Au« der Asche eines großen Brandes erhob sich der Vogel Phönix und sah im Triumph über eine Leichenwüstenei. Die geschichts- und schicksalsbildende Kraft des Willens wurde miß- braucht von Usurpatoren, die zwei große Aktiva auf ihrer Seite hatten: eine Prätorianevgarde und den sicheren Anstinkt dafür, daß man selber niedrig sein muß, um ein Volk erniedrigen und unterwerfen zu können. Die deutsche Erde erbebt heute nicht nur unter den Stiefeln gegen- wärtiger und künftiger Soldaten. Sie wird zerwühlt von den metaphysischen Etikettierungen der Angst und des schlechten Gewissens. Die Nation wird zum„Aufbruch" angetrieben und sie zittert vor Furcht vor den Revolvern, den Konzentrationslagern und den Richtern. Von den alten Tafeln, die zu Weihnachten 1913 beschrie- den wurden, stehen keine mehr. Mensch zu Mensch: das ist heute nicht mehr Mensch zu Mensch von 1913, von 1893, von 1873. Heute strahlt in amtlicher Illumination ein Hakenkreuz an der Spitze des deutschen Baumes. Die Sterne zu Häupten der heiligen Familie erblassen, wenn wir an die ermatteten und erloschenen Augensterne unserer Brüder denken. Sie sitzen in den Gefängnissen und in den Lagern— wir können ihnen nicht helfen. Ihre Frauen und ihre Kinder— wir können sie nicht speisen. In der Fremde werden die Vertriebenen überströmt von Erinnerungen, die noch beißender sind als die materielle Not. Der deutsche immergrüne Tannenbaum kann nicht oerdorren in ihren Herzen,»venu sie ihn in diesem Jahre an den Straßenecken fremder Großstädte und nicht im ge- wohnten Glanz der Lichter erblicken. Denn es ist Trauer in ihnen um das geliebte und verlorene Deutschland. Sollen sie derer fluchen, die sie ausstießen aus der Heimat? Die Verwünschung hat keine befreiende Kraft, besonders nicht, wenn sie diejenigen nicht erreicht, die sie angeht. Es gibt ein größeres Gut, das in der Heimat der Leidenden so gut gedeiht wie im Exil. Es ist der Glaube an den endlichen Steg der besseren Idee und der höheren Gesittung. Es ist der Wille, an seinem Platze und mit den gegebenen Mitteln dafür zu kämpfen. Es ist ein einfaches Weihnachtsrezept, um so wirksamer, je mehr jeder einzelne die Reinigung in sich spürt, die ihn für immer trennt von den Illusionen der Vergangenheit und der Bequemlichkeit. Für alle, die dem Sozialismus dienen, ist die Sicherheit der Seele abgetan. Auch die Geborgenheit in geliebten alten Formeln, in denen oft das Denken noch weitergeht, obwohl sich die Wirklichkeit schon gewandelt hat. Es beginnt für jeden, sofern er die Kraft des Kämpfenkönnens noch in sich spürt, die Teil- nähme an einer heroischen Auseinandersetzung, die in der Welt ihresgleichen sucht. Wir stehen erst im Vorfeld. Aber die Mission, die uns die Geschichte aufgetragen, ist leuchtend sichtbar: Es geht um den unzerstörbaren Geist der Freiheit und der Gerech- tigkeit unter den Menschen. Christentum und Sozialis- mus sind nur verschiedene Wurzeln aus dem gleichen Mutterboden der Humanität. Es ist der Geist, von dem es im Ev Lucae l. heißt:„Auf daß er erscheine denen, die da sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens." Deutsche Weihnachten 1933 Wie jedes Jahr, To hat auch 1 983 feine Weihnacht.— Ruch in Dentfchtand Wie jedes Jahr? 50 000 Menschen schmachte« im Gefängnis. 50 000 hinter elektrisch geladenen Drähten.— Knecht Rnpprecht schleppt den schweren Sack Boll Handgranaten.— Und Messer mit de» Ansschrist Blut und Ehre Legt das Christkind aus den Tisch der dentschen Jugend. Die alte liebe Weihnachtsmär: Bom Stern zu Bethlehem. Bon Joseph und Maria Ist volkSsremd jüdisches Gewäsch. Die Freiheit bricht zusammen unter Gummiknüppel Eisblumen stud die Zier der Proletarierwohnungen. I« dunklen kalten Räume» koche« Rot, der Kummer und der Schmerz Di« Hungersupp«.— In Deutschland.— Friede au» Erde». Den Menschen allen Ei» Wohlgesalle« Auch i» Deutschte»Atä OMiilttia Per Sprudi von Leipzig Der vierte Strafsenat des Reichsgerichtes verurteilte heute den Reichstagsbrandstifter van der Lübbe zum Tode, alle übrigen Angeklagten wurden freigesprochen. Es gibt ein Weifgewissen Der Leipziger Prozeß, dessen drei Monate die Welt er- schüttelten, war mehr als ein einmaliges und einzigartiges Schauspiel. Es war auch mehr als eine grandiose politische Tragödie, hineingestellt in die Schicksale Europas und in die Entscheidungen über menschliches Leben. Von Leipzig ging ein Atem aus, der nicht nur die Interessen, sondern die Seelen aufrüttelte, stumpfe Herzen erschütterte und den unzerstörbaren Ethos zu strahlender Glut entfachte. Nicht alles war erhebend, was man in diesen Monaten als Weltecho gegen Leipzig erlebte. Nicht immer waren die An- Kläger wider die bedrohliche Henkerjustiz so schlangen- klug wie ihre Gegenspieler. Aber eins haben wir erlebt mit Millionen von Menschen: Es gibt ein Weltgewissen, das stärker ist als die Schande der Menschenvernichtung um der politischen Zvecke willen: das imstande ist die Iustizfassaden zu durchstoßen und das Blendwerk der hinter juristischen Formeln aufgerichteten Staatsräson noch flammender in Brand zu setzen, als es die Pyro- manen des 27. Februar vermochten. Nie ist ein politische Prozeß von Unbeteiligten mit solch atemraubender Teilnahme miterlebt und mitgefühlt worden! Die Gestalten der Angeklagten, an ihrer Spitze Dimitroff, wurden trotz ihrer täglichen Realität Figuren in einer unerhörten Fabelgeschichte. Strahlenkränze um- woben die Köpfe mutiger Männer, die trotz vielmonatiger Quälerei und Fesselung gegen übermächtige Gewalt eisern standen. Wer wird sie je vergessen, die Episoden zwischne Göring und Dimitroff: dort die aufgereckte Faust und der Dünkel der Macht, hier der Besitz der Unschuld, des Widerstandswillens aus der Gesinnung. Täusche sich indes keiner darüber: noch ist das Leben der Freigesprochenen nicht gerettet! Der Ablauf der Ge- schichte des deutschen Faschismus hat uns in diesen neun Monaten Proben genug gegeben, daß der primitive Straf- Vollzug des braunen Terrors auch ohne Urteil gut funktio- niert. Wer die Worte Görings noch im Gedächtnis hat, wer die unbezähmbare und künstlich angestochene Wildheit dieses sich in Ehrgeiz verzehrenden Mannes kennt, der wird um Torgler, Dimitroff, Taneff und Poppoff in ernst- licher Sorge bleiben In der Stunde, in der wir diese Zeilen schreiben, wissen wir noch nicht, ob das Leipziger Urteil ihnen überhaupt einen passierbaren Weg zur Frei- heit öffnet. Torgler kommt vermutlich in„Schutzhaft"— wie alle seine Freunde in der Führung der Kommunist!- sehen Partei, die sich nicht mehr in Sicherheit bringen konnten. Und Dimitroff und seine Landsleute? Sowjet- rußland hat sie zu Staatsangehörigen der Sowjetunion gemacht. Niemand weiß zur Stunde, ob sie die rettenden Grenzen erreichen werden... Das erwachte Weltgewissen hat keinen Grund zur Beruhigung. Es muß wachbleiben, seine Wortführer müssen unermüdlich weiterwirken, denn der deutsche Faschismus erträgt nichts schwerer als die De- Maskierung seiner Schande. Ein neuer Akt der großen Reichstagsbrandtragödie hat mit dem Leipziger Urteil be- gönnen. Die Millionen, die tagtäglich ihre Szenerien erlebten, bleiben im Parkett der Weltöffentlichkeit als Zuschauer sitzen! Neues verbrechen! „Schutzhaft" für die Freigesprochenen— Mithin Lebensgefahr! Nach Schluß der Verhandlungen im Reichstagsbrand- Prozeß wurden die vier freigesprochenen Angeklagten Torgler, Dimitroff. Popoff und Taneff von der Leipziger Polizei in Schutzhaft genommen. Wie wir weiter erfahren, wird der Verteidiger van der Lübbes voraussichtlich kein Gnadengesuch einreichen. vrel Jahre Zndiihans für sänke Die meineidigen Minister werden nicht verfolgt Berlin, 22. Dez. Im Prozeß Sönke wegen des am Ist. Oktober im Reichstagsbrandstifterprozeß geleistete« Mein, eides kam das Schwurgericht beim Landgericht Berlin ent, sprechend dem Antrag des Staatsanwaltes zu einer Berur« teilung des Angeklagte« wegc« Meineides zu drei Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust. Weiter wurde auf dauernde Eidepunsahigtest erkannt. Das Neueste Aus Süditalien und Sardinien werden Schnees fälle gemeldet. Bier Personen wurden Opfer der Kälte. Hitlers Forderungen abgelehnt Der Sicherheitsdirektor für Tirol, Dr. Steisle, i französisch- englische Einigung gegen die deutsche Aufrüstung in Durch einen Brand wurde der Hauptsaal der Amster= damer Telefonzentrale faft vollständig zerstört. In Groß- Wardein( Rumänien) verbrannten drei Kinder eines Arbeiters beim Spiel mit Papierfadeln. Die mit Beth: nachtspaketen heimfehrende Mutter versiel beim Anblick der verkohlten Leichen in Wahnsinn. Die allgemeinen Wahlen zum rumänischen Senat erfolgten im ganzen Lande ohne jede Störung. Ueberall siegten die Kandidaten der liberalen Regierungspartei, abgesehen von drei Bezirken in Siebenbürgen, wo brei Ungarn als Senatoren gewählt wurden. Der bolivianische Völkerbundsvertreter hat beim Völker: bundorat Protest eingelegt, daß troß dem abgeschlossenen Waffenstillstand die paraguayischen Truppen im Gran- ChacoGebiet weiter vorrüden. In den Konzentrationslagern Esterwegen, Borger Moor und Neu- Suchrum wurden etwa 1500 Schughäftlinge in die Heimat entlassen. Die japanische Kaiserin ist von einem Sohn entbunden Die bisherigen Kinder des Kaiserpaares find Mädchen, die na chjapanischem Geseß nicht erbfolgeberechtigt find. Gefängnis für Hirtsiefer Nazirache an dem Justizminister Bochum. 22. Dez. Die hiesige Große Straffammer ver: urteilte den früheren Minister Sirthiefer wegen einfacher Bestechung zur Höchststrafe von sechs Monaten Ges fängnis. Ihm wurde für die Dauer von drei Jahren die Befähigung abgesprochen, ein öffentliches Amt zu befleiden. Auch wurden 9000 RM. aus seiner Bestechungssache dem Staate für verfallen erklärt. Der Angeklagte Mock wurde wegen handelsrechtlicher Untreue zu zwei Monaten Gefäng nis und 1000 RM. Geldstrafe, der Angeflagte Bergmann wegen Beihilfe dazu zu einem Monat Gefängnis und 500 Reichsmart Geldstrafe, der Angeklagte Beder wegen Beihilfe zu einem Monat Gefängnis und 500 NM. Geldstrafe ver: urteilt, sim Zwei Brüder Auch eine ,, Weihnachtsüberraschung" In dem Konzentrationslager in Glückstadt befindet sich auch ein junger Arbeiter aus Kiel, von dem der Famil'e magent wurde, daß er infolge der„ Amnestie" Görings noch vor Weihnachten entlassen werden sollte. Der Vater des Gefangenen wollte Gewißheit über das Schicksal seines Jüngster und schickte deshalb den zweiten Sohn nach Glückstadt, um sich im Lager selbst Bescheid zu holen. Was sich in dem Konzentrationslager zugetragen hat, weiß niemand Aber der zweite Sohn ist nicht zurückgekehrt, sondern wird zusammen mit dem Bruder gefangen gehalten. Und die Familie wartet umsonst auf den seit Monaten Gefangenen jie wartet auch umsonst auf den Boten. In seiner Angst ist der alte Vater zu einem Rechtsanwalt gelaufen. um ihn um Rechtsschuß zu bitten. Selbstverständlich vergeblich; denn erstens gibt es gegen die Haft in den Konzentrationslagern feine Rechtsmittel, und zweitens möchten wir den Anwalt iehen der es wagt, gegen offenbares Unrecht einen Rechtsstreit zu beginnen wenn er weiß, daß er dabei als Gegner die Nazi vor sich hat! Für den Völkerbund! Die Pariser Besprechungen wtb. London, 28. Dez. Zu den gestrigen Pariser Besprechungen zwischen Sir John Simon und den französischen Staatsmännern berichtet der Pariser Reuterforrespondent, das„ greifbarste" Ergebnis dieser Besprechungen sei die Feststellung gewesen, daß Großbritannien und Frankreich über die Notwendigkeit des Bestandes des Völkerbundes einer Meinung seien. Sir John Simon habe sich mit der französischen Politik in folgenden zwei Punkten einverstanden erklärt: Die wesentlichen Grundsäße des Völkerbundes müßten unverändert belassen werden; der Völkerbund sei das Endziel, zu dem die jeßigen diplomatischen Verbanddas Endziel, zu dem die jetzigen diplomatischen Verbandlungen hinführen müßten. In der Darstellung des Reuterforrespondenten heißt es weiter, bedeutsam sei der Widerstand gegen den italienischen Gedanken einer durchgreifenden Reform des Völkerbundes und die Anerkennung der„ Tatsache", daß zwischen Frankreich und Deutschland in direkten Verhandlungen nicht sendgültig geregelt werden könne, da das Abrüstungsproblem und die Saarfrage Angelegenheiten seien, die die Mitglieder des Völkerbundes in ihrer Gesamtheit angingen. Chautemps und Paul- Boncour hätten dem britischen Minister auseinadergesetzt, daß nach ihrer Ansicht unter feinen Umständen eine Aufrüstung oder eine Abrüstung ohne entsprechende Sicherheiten erfolgen dürfe. Sir John Simon habe sich im wesentlichen auf die Rolle des Zuhörers beschränkt. ,, Herzliche Atmosphäre" Zwischen Frankreich und England wtb. Paris, 28. Dez. In einer langen Havas- Privatauslassung wird zu den gestrigen französisch- englischen Ministerbesprechungen erflärt, daß erst nach der Rückkehr Sir John Simons nach London die englische Regierung ihre Stellungnahme gegenüber den verschiedenen schwebenden internationalen Problemen, namentlich hinsichtlich der Frage einer deutschen Aufrüstung, festlegen könne. Man habe also nicht damit rechnen können, daß gestern wirkliche Entscheibungen getroffen wurden; immerhin habe die Aussprache eine völlige und vertiefte Prüfung des politischen Horizonts erlaubt. Die Aussprache habe in einer herzlichen Atmo= sphäre stattgefunden, und es sei ein offenfundiges Verständnis Englands für die französischen Ansichten festzustellen. Hervorzuheben sei eine Uebereinstimmung der englischen und französischen Ansichten hinsichtlich des Völkerbundes. Die englische Regierung stehe dankenswerterweise auf dem Standpunkt, daß die ins Auge gefaßten Reformen nicht die Grundlagen der Genfer Institution ändern dürften. Dieser Gedanke der Wahrung des Völkerbundes set das Rüstzeug der französischen Außenpolitik. Um zu vermeiden, daß das Völkerbundsstatut und der Kellogg- Paft geschwächt würden, habe Paul- Boncour, übrigens starf gestüßt durch die fürzliche Beratung des auswärtigen Ausschusses der Kammer, gestern, wie sicher anzunehmen sei, erklärt, daß die deutsche Anregung eines auf sehn Jahre beSimi ..Heil Hitler! Herr Lehrer!" Auch im katholischen Religionsunterricht. Die Leitgedanken des Reichsministers des Innern Dr. Frick zur Schulordnung besagen u. a., daß Lehrer und Schüler sich innerhalb und außerhalb der Schule den HitlerGruß erweisen. Ueber die Reglung in den Unterrichtsd feit Amen" begonnen und beendet wurde, ist der deutsche Gruß zu Beginn der Stunde vor, am Ende der Stunde nach dem Wechselspruch zu erweisen. ſtunden gibt der Wortlaut der Leitgedanken Auskunft, es Uniform in der Schule heißt da:„ Der Lehrer tritt zu Beginn jeder Unterrichtsstunde vor die stehende Klasse, grüßt als erster durch Erheben des rechten Armes und die Worte Heil Hitler"; die Klasse erwidert den Gruß durch Erheben des rechten Armes und die Worte Heil Hitler". Der Lehrer beendet die Schulstunde, nachdem sich die Schüler erhoben haben, durch Erheben des rechien Armes und die Worte„ Heil Hitler": die Schüler antworten in gleicher Weise. Sonst grüßen die Schüler die Mitglieder des Lehrkörpers im Schulbereich nur durch Erheben des rechten Armes in angemessener Haltung." . Wo bisher der katholische Religionsunterricht mit dem Wechselspruch„ Gelobt sei Jesus Christus"" In Ewig Brauner Koller Schüler, die der Hitler- Jugend oder der SA. angehören, dürfen deren Uniformen und Abzeichen in der Schule und bei Schulveranstaltungen tragen, außer ihnen schränkten Nichtangriffspattes für ihn nicht tragbar sei. Die Havasauslassung verweist in diesem Zusammenhang auf den Locarnopatt und geht dann auf die Abrüstungsfrage ein. Paul- Boncour habe gewiß, so heißt es in dem Artikel, gestern seine Opposition gegen eine Aufrüstung Deutschlands fundgetan. Die Ziele der Abrüstungskonferenz seien durch den Versailler Vertrag selbst festgelegt worden; sie habe die Herabsetzung und Beschrän= fung der Weltrüstungen zum Gegenstand. Es könne also nicht davon die Rede sein, zu einer erlaubten Erhöhung der militärischen Streitkräfte einer abgerüsteten Nation zu ge= langen. Ebenso werde es nicht möglich sein, dieses Problem innerhalb eines beschränkten Ausschusses zu regeln außerhalb des qualifizierten internationalen Organismus. Die Abrüstungskonferenz sei im Grunde genommen nur ein erweiterter Völkerbundsausschuß. Diese Achtung des Vorrechtes der Genfer Institution leite auch die französische Regierung in der Saarfrage. Frankreich stehe auf dem Standpunkt, daß das Saargebiet ein internationales Gebiet sei und der Verwaltung des Völker: bundes unterstehe und daß es mithin nicht von Frankreich und Deutschland abhänge, über dieses Gebiet zu verfügen. Nach Ansicht der französischen Regierung müsse jede internationale Reglung in Genf herbeigefüht werden. Diese Stellung set in sich geschlossen und logisch. Es scheine, daß Sir John Simon start dadurch beeindruckt worden set. „ Entschloss ,, Entschlossen!" Im Spiegel der französischen Presse Baris, 12. Dezember. Matin" behauptet, es habe den An chein. daß Sir John Simon die Stellungnahme Frankreichs vollkommen verstanden habe. Er habe seinem Verhandlungspartner in sehr beruhigender Art geantwortet. Journal" zeigt eine gewisse Stepsis und schreibt u. a., die Engländer hätten direkte Verhandlungen empfohlen. Paul Boncours Hauptsorge dürfte indessen gewesen sein, den Engländern flarzumachen wie bedenklich Deutschlands Hal tung in der Abrüstungsfrage se!. Petit Parifien äußert sich in ganz ähnlichem Sinne wie die Havasauslassung. Das Blatt glaubt von einer sehr bedeutsamen Annährung der französischen und englischen Auffassuna sprechen zu können. In der Verlautbarung würde wohl faum so flar auf eine Rückkehr nach Genf angespielt werden, wenn der englische Außenminister jetzt die Beibehaltung der militärähnlichen deutschen Verbände, eine mangelhafte Kontrolle und einen Nichtangriffspakt, der die englisch- italienische Garantie von Locarno sowie die entmilitarifierte Zone beiettigen würde, als für Frankreich annehm bares Sicherheitselement ansehen würde. Jm Echo de Paris" itellt Partinar feft die französi iche Regierung lei jetzt nach allem Anschein entschlossen, die Angebote abzulehnen, die Hitler dem franzöfifchen Botschaf fer gemacht habe. Chautemps und Paul Boncour seien wieber zum Genfer Verfahren zurückgekehrt. Sie John Simon habe gegenüber diefen französischen Soup ideen teine ganz dentliche Auffassung entwickelt. Es iei überhaupt unmöglich. die englische Politif au definieren. Sie bestehe nur in einem schmiegsamen Opportunismus". Sie John Simon empfehle Frankreich direkte Verhandlungen mit Deutschland und erkläre. daß eine Regelung, gleichviel wie teuer oder wie günftia fie zu stehen komme, besser sei als der Bruch. Wenn Frankreich nach Genf zurückgehe, würde Sir John Simon ihm folgen, schon weil er verhindern möchte, daß Frankreich dort irgendwelche Fensterscheiben einschlage. Das englische Kabinett tönne es sich leisten. die Genfer Ideale allzu often preiszugeben. Denn immerhin seien diese Ideale noch stark genug, um eines Tages bei Wahlkämpfen der englischen Regierung einen bösen Streich zu spielen. „ Oeuvre, erflärt, Sir John Simon sei etwas darüber erstaunt gewesen, daß die französischen Minister in ihren Ansichten über die Rüstungsforderungen Deutschlands und in ihrem Verlangen nach einer Rückkehr nach Genf so entschlossen gewesen seien In England und Frankreich sei man sich jetzt wohl einig darüber. daß jede Völkerbundsreform bis zu dem Zeitpunkt zurückgestellt werden müsse, an dem das Abkommen über die Abrüstung, das man in Genf am 21. Januar ausarbeiten wolle, zur Anwendung gebracht werbe. nur die Schulgruppen des Vereins für das Deutschtum im Berlin enttäuscht Ausland und die Sportjugend. Das Tragen sonstiger Abzeichen und Uniformen, namentlich von befenntnismäßig abgegrenzten Jugendbünden, in der Schule und bet Schulveranstaltungen ist verboten. Das deutsche Turnund Sportabzeichen und etwa eingeführte Klaffenmügen sind zugelassen. ..Deutsche Freiheit" in Bukarest Man schreibt aus Bukarest: Sonntag abend um 7 Uhr wurden hier einige und um 9 Uhr abends alle restlichen Fen ster im Barterre und ersten Stock des im Zentrum von Bufarest gelegenen Verlagshauses Ja. Sers ein geschlagen Herb vertreibt unter anderem auch Ihr Blatt und alle anderen der NEDAP. feindlichen Blätter. Auf Intervention der hiesigen deutschen Gesandschaft mußten alle deutschen Zeitungsverleger, zuerst Ulstein, der Firma Herz den Vertrieb ihrer Blätter wegnehmen. Zwischen Herz und Ullstein schwebt derzeit ein Prozeß Aus den eingeschlagenen Schaufenstern wurden die dort ausgestellten Braunbücher in deutscher, französiicher und englischer Sprache herausgenommen und auf einem kleinen Scheiterhaufen, der von der Feuerwehr gelöscht werden mußte, verbrannt. Außerdem wurden aus überquellender nationaler Begeiste rung 300 üllfederhalter, die in einem der Schaufenster ausgestellt waren, gestohlen. In der hiesigen Presse finden sich über den Borfall nur furae Notizen 3wei Schaufenster des Berlagshauses Herz eingeschlagen". Die Regierung will nämlich ihre Anleiheverhandlungen in Paris nicht durch 2801 bonds Meldungen über derartige Vorfälle stören lassen. Man ist hier in eingeweihten Kreisen davon überzeugt, daß der seit Kurzem als Kontroll- Organ der NSDAP. der hiesigen deutschen Gesandschaft augeteilte Konful 2 aus, vorber deutscher Konsul in Kronstadt( Brajow), mit dem Attentat auf die Herzichen Schaufenster irgendwie im Zusammenhang steht. Herrn Laus Aufgabe ist es die beiden nicht im Sinne der NSDAP. verläßlichen Herren der Gesandtschaft, den Gesandten Grafen Schulenberg und den ersten Gesandtschaftsrat Dr. Kirchholtes zu bespiteln. Herr Laut stellte Herrn Neri anläßlich der Differenzen, die zum Entzuge des Bertriebes der deutschen Blätter führten, üible Dinge in Aussicht, falls Herr Herz fortfahre, weiter antideutsche Blätter zu verkaufen. Diese Prophezeiung hat rasch thre Erfüllung gefunden. * Interessant ist auch, daß die deutsche Gesandschaft in letzter Zeit außer ihrer normalen Dotation burch die hiesige Niederlassung der Dresdner Bank 20 Millionen Lei erhielt, deren Verwendung man sich leicht benken tann. Keine Aenderung des französischen Standpunkts Berlin. 23. Dezember.( Eig. Meldg.) Die geitrige Aussprache zwischen dem englischen Außenminister und den französischen Kabinettsmitgliedern hat für die Entwicklung der Abrüstungsfrage zweifellos eine ähnliche Bedeutung gehabt wie die Zusammenkunft, die vor drei Monaten am gleichen Ort zwischen Sir John S'mon und den Mitgliedern des damaligen Kabinetts Daladier stattgefunden hat. In beiden Fällen hate Simon die Absicht die französische Regierung für eine maßvolle und alle Einigungsmöglichkeiten offen haltende Politik zu gewinnen. Es stellte sich aber im Laufe des September und Oktober heraus, daß er im Gegenteil für den französischen Gedanken einer achtiährigen Probezeit gewon: nen worden war. Was das gestrige Ergebnis betrifft, so fann im Augenblid nur mit Sicherheit gesagt werden, daß die Haltung, die Frankreich icbt in der Abrüftungsfrage einnimmt, durch den englischen Außenminister in feinem wesentlichen Punkt beeinflußt worden ist. Die Rücksicht auf die angefündigten Besuche Simons in Rom und Berlin verbieten es den Teilnehmern der gestrigen Aussprache, in der Deffentlichkeit von festen Bereinbarungen zu sprechen. Immerhin bedeutet die Betonung der Autorität des Bölkerbun des in der amtlichen Verlantbarung mehr als eine Verfahrensfrage Sie bedeutet auch nach Meinung der englischen und der französischen Blätter eine Anerkennung der französi ichen Saltung, wonach nur in Genf unter Beteiligung aller Bundesmitglieder d h unter maßgeblicher Mitwirkung der Verbündeten Frankreichs. Beschlüsse über die Abrüstung gefaßt werden können. Boncour scheint die Zustimmung Eng lands zu dieser Politik dadurch herbeigeführt zu haben, daß er wieder einmal mit einem selbständigen Vorgehen innerhalb des Bölkerbundes drohte wodurch England vor die Notwendigkeit einer Option awischen Deutschland und Frankreich gestellt worden wäre. Es bleibt abzuwarten, wie sich die anderen englischen Kabinettsmitglieder, die in letzter Zeit eine sehr selbständige Linie in der Abrüstungsfrage verfolgt haben, die offenbar von Simon gemachten Zugeständnißfe an Frankreich aufnehmen werden. Der Krach Hitler- Göring Esser verhöhnt den ,, Führer" Wir erhalten aus dem Reich folgende Zuschrift: ., 24. Dezember. Mit großem Interesse habe ich in Ihrem Blatte die aufsehenerregenden Mitteilungen über den Konflikt Hitler- Göring betreffend die Reichsreform gelesen. Wenn ich Ihnen auf Grund meiner Kenntnis der Zusammenhänge dazu etwas sagen darf, so möchte ich Ihnen zu nächst bestätigen, daß die von Ihnen mitgeteilten Tatſachen im vollen Umfang richtig sind. Doch liegt diesmal das Zentrum des Widerstandes noch stärker in Bayern, als Sie auf Grund Ihrer Information anzunehmen scheinen. Das geht ja auch aus den von Ihnen gleichfalls erwähnten Aeußerungen des Ministers Esser auf der Münchener Pressebesprechung hervor. Die Erklä rungen Effers lauteten noch bedeutend schärfer als in Ihrer Wiedergabe. So sagte er u. a. mörtlich: „ Der Führer kann beschließen was er will, Bayern bleibt trotzdem unter allen Umständen Verwaltungs: einheit." Hochachtungsvollm Unterschrift. Der Führer kann beschließen was er will.... Die Dinge in Deutschland entwickeln sich in letzter Zeit unheimlich schnell. Die Unterführer verhöhnen ihren Osaf bereits in aller Oeffentlichkeit. Die Freiheit, Entschlüsse zu fassen, scheint allmählich Hitlers einzige Freiheit zu werden, und die Unterführer behalten sich die Freiheit vor, sie nicht auszuführen. Der Austro- Faschismus Verbot der ,, Internationalen Information" in Oesterreich Amtlich wird aus Wien mitgeteilt: Das Bundeskanzleramt hat auf Grund des§ 2 der Verordnung vom 10. Juni 1988 die Verbreitung der Internationalen Information" Erscheinungsort Zürich, im Inland für die Dauer eines UeberJahres( Endtag 10. Dezember 1934) verboten. tretungen werden mit Verwaltungsstrafen bis 2000 Schilling oder drei Monaten Arrest geahndet. Die Internationale Information" ist eine vom Sekre tariat der Sozialistischen Arbeiter- Internationale herausgegebene hektografierte Pressekorrespondenz. Da sie nur an Redaktionen und Sekretariate geschickt wurde, liegt eine Verbreitung, wie sonst bei einer Druckschrift, überhaupt nicht vor. Wir haben schon bei früheren Gelegenheiten festgestellt. daß Desterreich neben Deutschland das einzige Land Mittel- und Westeuropas ist, in dem die Veröffent lichungen der Sozialistischen Internationale, die alle großen Arbeiterparteien und die bekanntesten sozialistischen Politiker der Weltländer umfaßt, jetzt nicht ers scheinen dürfen. Sie alle: Vandervelde, der frühere belgische Minister und Vorsitzende der Internationale, Louis de Brouckere, der belgische Senator und Völker bundsvertreter, Arthur Henderson, der Vorsitzende der Abrüstungskonferenz, Leon Blum, Stauning, der dänische Ministerpräsident, Gustav Moeller, der jetzige schwedische Sozialminister, und viele andere sind " Molis belus Der Charakter- Redakteur Das neue Schriftleitergesetz - Und die deutsche Presse stirbt Das neue Schriftleitergesetz tritt am 1. Januar in Kraft. Wir drucken kommentarlos folgende Leitsäge darans ab, die beweisen, daß die Raffe fortan ohne Einschränkung dem braunen Kommando untersteht. Wer diese bes Voraussetzungen erfüllt.. Die Frage der Reichsangehörigkeit Die Verordnung regelt die Frage der Befreiung von den im Gesez vorgeschriebenen Bedingungen. Aussicht auf Be= freiung vom Erfordernis der Reichsangehörigkeit haben Deutschstämmige, wenn gegen ihre Person teine Be= denken bestehen sowie Personen, die den Schriftleiter= beruf an einer Zeitung, einr nationalen Minderheit im Deutschen Reich ausüben wollen, wenn in dem Staat, dem sic angehören, Reichsdeutsche den Schriftleiterberuf an einer deutschen Zeitung ausüben und Personen, die im Ausland wohnen und an einer im Reichsgebiet herausgegebenen Zeitung auf Dienstvertrag angestellt sind. eſtellt find. Arische Abstammung und Ehe Aussicht auf Befreiung vom Erfordernis der arischen Abstammung haben Personen, die im Weltkrieg an der Front für das Deutsche Reich gekämpft haben oder deren Väter oder Söhne im Weltkrieg gefallen find sowie Verjonen, die den Schriftleiterberuf an einer jüdischen Zeitung ausüben wollen. Im übrigen sollen die Leiter der Landesverbände Anträge auf Befreiung vom Erfordernis der arischen Abstammuna nur in besonderen Fällen und nur für bestimmte Zweige der Tätigkeit eines Schriftleiters befürworten. Aussicht auf Befreiung vom Erfordernis der arischen Ehe haben Personen, die zum Zeitpunkt der Verkündung des Gesetzes bereits mit einer Person nicht arischer Abstammung verheiratet waren. Die charakterliche Eignung Die Eignung zum Schriftleiterberuf befißen solche Personen nicht, die bisher ständig und wesentlich gegen die Pflichten eines Schriftleiters verstoßen haben oder die fich in ihrer beruflichen oder politischen Betätigung als Schädlinge an Staat und Volk erwiesen haben. Für die Annahme dieser Voraussetzungen soll die frühere Zugehörigkeit zu einer polttischen Partei allein nicht genügen. Eine Ausnahme soll nur für solche Personen gelten, die bis zum 30. Januar 1983 für die marristische Presse tätig waren. Verantwortungsbewußtsein gegenüber Staat und Volt und persönliche Lauterfeit sollen über die Eignung zum Schriftleiterberuf entscheiben. Niemand braucht die Anwenduna der Vorschriften des Gesetzes oder dieser Verordnung zu befürchten, der bei der Ausübung des Schriftleiterberufs diefe Vorauslegungen erffitt. Eine darin einheitliche, sonst aber vielaestaltige deutsche Presse zu schaffen, ist der Wille des Schriftleitergesetzes... Und dann der Herre Hauptmann.. Er ,, erfaßt" seine Leute in Hauptmann a. D. Weiß der Führer des Reichsver bandes der Deutschen Presse, nimmt zu den jetzt veröffentlichten Durchführungsbestimmungen zum Schrift leitergefeß in der Nationalsozialistischen Partei- Korrespon denz Stellung. Er sagt u. a.: Mit den neuen Durchführungsbestimmungen sei der äußere Rahmen für die Neuordnung des deutschen Pressewesens fertiggestellt. Durch das Schrift leitergesetz und die nunmehr vorliegenden Durchführungs bestimmungen werde zum ersten Male der Begriff des deutschen Schriftleiters mit jeder unter den gegebenen Verhältnissen überhaupt möglichen Klarheit umschrieben. Der Uferlosigkeit der Zeitungsschreiberei in Zeiten der früheren Demokratie werde ein Ende gesetzt. Ab 1. Januar 1934 werde man genau wissen, wer die Leute seien, die in Deutschland, und zwar im ganzen Reich, in der Weltstadt Berlin ebenso wie im letzten Provinznest Zeitungen machten und Zeitungen schrieben. Der Kreis sei genau begrenzt, bis zu einem gewiffen Grade sogar eng begrenzt, aber er sei andererseite groß genug, um wirklich all jene Leute zu erfassen, von deren Zusammenwirken die Entstehung einer Zeitung abhänge. Jeder, der künftig die Redaktion einer Zeitung oder Zeit schrift übernehme, ohne in die Berufsliste eingetragen zu sein, mache sich strafbar. Der Stichtag sei der 1. Januar 1934. Der 31. Januar 1934 sei der äußerste Termin, bis zu dem provisorische Eintragungen auf Widerruf erfolgen könnten, d. h. diese Frist gebe jenen eine Chance, die sich jest erst unmittelbar vor dem 1. Januar anmelden. Er bewahre sie zunächst vor den strafrechtlichen Konsequenzen, die bei ihnen für den Fall der Aus übung des Schriftleiterberufs nach dem 1. Januar eintreten müßten Das zweite Gebiet, auf dem das Schriftleitergesetz radikalen Wandel schaffe, sei die Festlegung der Berufspflichten des deutschen Schriftleiters. Diese rest losnationalsozialistisches Gedankengut enthaltenden Bestimmungen würden von den Anhängern der ehemaligen Verwilderung im Pressewesen gerne als eine Verlegung der sogenannten Pressefreiheit angegriffen. Die Zeitung fönne nicht Selbstzweckt sein. sondern nur Mittel zum Zweck, und ihr 3wed liege genau so wie bei jedem anderen Instrument unseres Kulturlebens im verantwortungsbewußten Dienst am Volk... Berlin. 22. Dez. Die personellen Veränderungen in Hugenbergs Scherl- Verlag sind inzwischen vollzogen worden. Auch im Verlag UIIst ein steht ein großes Revirement bevor. Anstelle des Generaldirektors Richard A. Müller wird wahr scheinlich Dr. Eduard Stadler ein Stahlhelmführer die Chefleitung übernehmen, der bereits früher die Gleich schaltung des Verlags durchgeführt hat. Das Personal von Ullstein befindet sich in sehr gedrückter Stimmung, da mit zahlreichen Entlassungen gerechnet werden muß. Außerdem fallen in diesem Jahr wegen der katastrophalen geschäftlichen Lage des Berliner Zeitungsgewerbes die üblichen Weihnachtsgratifitationen für die Angestellten weg. Auch durch ben Anlauf des„ Berliner Börsen- Kurier". den die„ Berliner Börsen- Zeitung" vollzogen wurde, um den BBC. eingehen zu lassen, verlieren nicht wenige Berliner Journalisten ihre Stellung unter ihnen der einst mächtige und gefürchtete Theaterkritiker Herbert Jhering. Proteste nach Genf" regelmäßige Mitarbeiter der„ Internationalen Info Denunzianten der deutschen Front" mation ,,. Sie alle dürfen nun in Desterreich nicht mehrgelesen werden. Konzentrationslager ausgebaut! logqA ( P. G.) Das Wöllersdorfer Ronzentrationslager genügt den Bedürfnissen der Dollfuß- Diktatur noch nicht. Mehr Leute sollen eingesperrt werden. So wird in den Ministerien daran gearbeitet, neue Lokalitäten für Konzentrationslager ausfindig zu machen. In BlIumau wird jetzt mit einem Aufwand von 40 000 Schilling ein neues Konzen= trationslager gebaut. Während für die Arbeitslosen kein Geld da ist, fehlt es für solche Diktatur- Spielereien feineswegs. In Wöllersdorf wird derzeit an einer Er weiterung des Konzentrationslagers ge= arbeitet. Ein weiteres Gebäude wird als Konzentrationslager adoptiert. Daneben werden Räumlichkeiten für das Heimwehrschußkorps hergerichtet, das die Konzentrationshäftlinge bewachen soll. Rheinischer Bricf Saufgelage Massenverhaftungen in Aachen von Nazibonzen und Unterschlag ingen Der„ Volksfreund" Aachen vom 14. Dezember berichtet: Die SPD. regt sich wieder! Mehrere Verhaftunden! Den Beamten der Staatspolizei und des Polizeipräsidiums ist es nach langwiriger und mühevoller Ueberwachungstätigfeit gelungen, die in geschickter Tarnung angelegten Ansäte zu einer Organisation der SPD. im Regierungsbezirk Aachen zu erfassen. Mehrere Personen, früher tätig gewefene und auch verschiedene neue Funktionäre, wurden in Haft genommen. Im Interesse der weiteren Ermittlungen können weitere Einzelheiten vorerst nicht bekannt gegeben werden. * Zu dieser Meldung sagt unser Berichterstatter: Tatsächlich sind etwa 75 Leute verhaftet worden. Darunter einer unserer besten, der seit vielen Monaten sowohl in der Fürsorge für Flüchtlinge, als auch sonst sehr rührig war und viel Mut bewies. Glücklicherweise fand man nur bei einem und zwar einem der sogenannten Neuen, einige Exemplare„ Sozialistische Aktion". Die Aachener Aktion hat, soweit feststellbar, mit den Verhaftungen im Reichsgebiet keinen unmittelbaren Zusammen hang. Ste ist als örtliche Maßnahme, wahrscheinlich im Zusammenhang mit der nach der Ernennung Görings zum Chef der Geheimen Staatspolizei feststellbaren erhöhten AFtivität dieses Organs zu erklären. Aus Aachen wird noch berichtet: Am 27. Oktober, einige Tage nach einer großen Veranstaltung der nationalfoziaDrei saarländische Landesratsabgeordnete der sogenannten „ deutschen Front" haben eine Eingabe an den Völkerbundsrat gerichtet. Die Herren beschweren sich über die Verte ordnungen, die von der Regierungskommission zum Schuße des öffentlichen Friedens erlassen worden sind. Berordnungen, die für alle politischen Richtungen gelten und z. B. von den kommunisten in hohem Maße als gegen sich gerichtet emofunden werden. Die„ deutsche Front" aber tut so, als bandele es sich um Schikanen gegen das, was sie nationale Erhebung" nennt. Sie vergißt zu sagen, wie sehr befriedigt z. B. viele zehntausende Katholiken sind, daß sie im Gegensaße zu ihren verfolgten Glaubensgenossen im Reiche sich voller Freiheit in ihrer religiösen und faritativen Betätigung erfreuen. Die katholische Presse an der Saar kann doch Aufsätze zum Schuße der verfolgten fatholischen Priester bringen. Eine Bahnstunde weiter, in der Pfalz, wird die katholische Presse unterdrückt, wenn sie ihren katholischen Charakter wahren will. Eine Hauptsorge der deutschen Front" gilt der margilistischen Kriegsopferversorgung, wurde ein Pa. Frans Jakobs verhaftet. Er war Bezirksobmann der Kriegsopfer= versorgung und hat in dieser Eigenschaft die Kleinigkeit von 30 000 Mark unterschlagen. Diese Verhaftung ist in mehrfacher Beziehung sehr intereffant. Sie erfolgte am Schlusse eines großen Saufgelages in der„ Wartburg" in Aachen. Dort hatten sich die in der Kriegsopferversorgung tätigen Oberbonzen zu einer Nach feier eingefunden.de mist feier eingefunden. In der bekannten Göbbelsstadt Rheydt hat der Sturmführer Pelzer aus den Mitteln der Winternothilfe 26 000 Mark unterschlagen. * In der Festschrift aum Frontkämpfertag der nationalsozialistischen Kriegsopferversorgung" in Aachen lesen wir: ,, Nicht nur, daß man hiermit( der seitherigen Versorgungsgesetzgebung. D. Ber.) den Kriegsopfern die Möglich feit nahm, zu ihrem verbrieften Recht zu kommen, nein, das neue Versorgungsgesetz war ein Auftakt für diejent gen, die auf Grund ihrer Parteizugehörigkeit zu marrtstischen Parteien die Gelegenheit wahrenahmen, um die deutsche Kriegsopfer noch mehr auszubeuten. Diese Aasgeier an der deutschen Kriegsopferschaft, find also diejenigen gewesen, die gegen Entgeld die Interessen der Kriegsopfer vertreten haben usw. usw." Der Schreiber dieser Zeilen heißt: Pg. Franz Jakobs, bis zu seiner Verhaftung wegen Unterschlagung von 30 000 Mark Versorgungsgelder Bezirksobmann der nationalsozialistischen Arteg opferversorgung und außerdem einer von denen, die Aussicht haben, im dritten Reich" feelig gesprochen zu werden. stischen Preffe, insbesondere natürlich auch der Deutsche Freiheit". Zwar fann sie nicht leugnen, daß gerade wir wegen einer Staritatur gegen den deutschen Reichspräsidenten, die ungehindert durch das übrige Europa, Deutschland ausge nommen, verbreitet werden konnte, eine Woche verboten worden find, aber die deutsche Front" dankt das der Regierungskommission nicht. Schärfer, schärfer! Das ist die denun ziatorische Losung. Die ganze marristische Presse sol unterdrückt werden, weil wir die anderen Bevölkerungsteile aufreizen", und zwar durch Beschimpfungen des Herrn Reichsfonzlers un seiner Reichsminister. Wir haben gegen, diese Herren nie einen persönlichen, sondern stets nur einen politischen Kampf geführt. Jede Abwehr und jeder Angriff in unserem Blatte war mit Tatsachen belegt, und wir haben wiederholt angeboten, mit Beweismaterial vor Gericht antreten zu dürfen. So hätten wir mit Vergnügen gewisse Meineide vor dem Leipziger Gericht nachgewiesen. Die Deutsche Front" fann mit ihrem Reichsfanzler und ihren Reichsministern feinen Staat machen. Wir schreiben gegen diese Leute in einer Form, die nicht unserm, sondern ihrem Bildungsgrade entspricht. Ein Reichskanzler, der uns als Halunken, als Lumpen, als Landesverräter, als Verbrecher, als Untermenschen, als Gauner und in anderen Aeußerungen feiner Kaschemmensprache anspricht, kann nicht erwarten, daß wir ihm höflich antworten.„ Auf einen groben Kloß ein grober Keil, auf einen Schelmen anderthalben." So werden wir es auch in Zukunft halten. Wenn die ,, deutsche Front" ihren schönen Namen nicht zu Unrecht führte, müßte sie in Berlin vorstellig werden gegen die zerstörende Verhebung, die von dort aus in dem national bedrohten Saargebiet betrieben wird. Das wäre zweckmäßiger und würdiger als das Winseln und Denunzieren vor dem„ landfremden" Völkerbund. „ Juden raus!" Keine Rabbiner in den Schuldeputationen Das preußische Staatsministerium hat eine Novelle zum Volksschulunterhaltungs- Gesetz verabschiedet, wonach die Bertreter des Judentums aus der preußischen Volksschulverwaltung entfernt werden. Das Volksschulunterhaltungsgesez sah u. a. vor, daß, sofern sich in der Stadt mindestens 20 jüdische Volksschulkinder befinden, auch der dem Diensttang nach vorgehende bzw. der dem Dienstalter nach älteste Ortsrabbiner Siz und Stimme in der Schuldeputation haben müsse. Da die Schuldeputation die gesamte Volksschulverwaltung in den Gemeinden durchführt, hatte also in diesen Fällen auch ein Vertreter des Judentums die Möglichkeit, mitbestimmend am Volksschulwesen zu wirken. Diese Beteiligung des Judentums wurde noch ergänzt durch die Hin zuziehung des Rabibner auch zu den Schulvorständen beim Vorliegen entsprechender Voraussetzungen. Das neue preußische Gefeß, das bereits verkündet und in Kraft getreten ist, hebt nun alle die Vorschriften aus dem Volksschul unterhaltungs- Gesez ausdrücklich auf, die die Einbeziehung von Rabbinern in die preußische Volksschulverwaltung regelten. Deutsche Stimmen Beilage zur Deutschien Freiheit" Ereignisse und Geschichten Sonntag, den 24. Dezember 1933 Weihnachtspredigt für Emigranten Euch meine ich, ihr Vertriebenen dieser Erde, euch, die man hinausstieß aus so und soviel Vaterländern, weil ihr das Vaterland mehr im Herzen, als auf der Zunge tragt. Euch, die ihr alles hingabt, alles wagtet, Besitz und Ansehn oder auch den Nichtbesity, um nur eines zu behalten; die Freiheit. Euer Glaube, euer weihnachtlicher Glaube, ist es nicht eben der, welchen der Chor der Engel armen Hirten versang? ,, Selig die, die guten Willens sind!". Ihr glaubt an das Gute, und also glaubt ihr an Gott, auch die ihr nicht an ihn glaubt. Ihr glaubt an eine Erlösung zum Guten, auch die ihr jenes Gesicht für Sage haltet. Ihr glaubt an das Kind im Menschen, auch die ihr nicht mitanbetet in der Hütte. An die Bildungs- und Wandlungsfähigkeit, auch dieses verhärteten Geschlechts. das man mit ganz andern Fabeln füttert, als der weihnachtlichen- wofern sie Fabel wäre! Aber laßt uns auch derer gedenken, die zurück bleiben mußten in den Gefängnissen und in dem großen Gefängnis, das heute unser näheres Vaterland Deutschland ist und noch manches andere Land. Ja, auch die Länder, in denen ihr nun seid wie viel freier könnten sie dastehn mit ihren Staaten, wenn die Menschen es endlich begriffen: daß sie zur Bruderschaft miteinander da sind, zu gemeinsamer Arbeit. Wenn alles Streben von Men h gegen Mensch, Rasse gegen Rasse, Volk gegen Volk, Stand gegen Stand endlich verwandelt würde in ein gemeinsames Emporstreben! Ja, es gibt auch eine andere Politik, die der nicht kennt, der heute Deutschland in den Abgrund des Machtwahnes führt, noch irgend einer jener vermeintlichen Staatsmänner. die gleich ihm mit in der Tasche geballter Faust schöne Reden führen vom Frieden und der Solidarität und vom Christentum. Die über die Stärke ihrer stehenden Heere mit einander rechten, über Waffengattungen, erlaubte und unerlaubte Mordmittel, und doch von vornherein nur darauf sinnen, wie sie eine etwa abgeschlossene Konvention umgehen könnten, Nicht sie werden den Frieden wirken, den die Menschheit so dringend braucht nach den blutigen Jahrtausenden, noch werdens jene, die auf die Raubverträge vergangener Jahrhunderte und Jahrzehnte wie auf heilige Urkunden pochen. Aus den genarrten und miẞbrauchten Völkern selber muß der Aufstand werden, derer, die Schluß machen mit allem Hitlerismus, deutschem und undeutschem, mit aller Feldwebelpolitik. Die zur Menschheit streben über allen Vaterländern und in allen Vaterländern den Menschen bekennen. Wie nannte sich doch Christus? ,, Der Mensch" und„ Des Menschen Sohn", nicht,.Uebermensch", noch Uebertier. Vielleicht war auch er ein„ Liberaler", vielleicht gar ein ,, Sozialist" und kein ,, nationaler". Am Ende gar Kommunist" und ganz gewiß Jude! Er gehörte zwar augenscheinlich der hellen Rasse an, aber ein Arier" war er bestimmt nicht, sonst hätte er seinen Gott um die zwölf Legionen Engel" gebeten wider Juden und Römer und dem Petrus nicht befohlen, sein Schwert einzustecken. Mein Mitchrist Müller freilich widerspricht. Ich bin gekommen, das Schwert zu bringen, nicht den Frieden." Jawohl. Nur. daß das Schwert der Menschenliebe und des himmlichen Zornes über die Menschenmörder alle andern Schwerter verschlingen soll, wie Mosis Stab die Zauberstäbe der Aegypter. Und das Kreuz aller Hakenkreuze Herr werden. Vortrupp einer neuen Christenheit, das seid ihr, ihr Vertriebenen, und ihr, die man im Heimatland schmäht und mißhandelt, denen man Arbeit und Gesundheit raubt. So tatens die Vorfahren der Hitler den ersten Christen auch. Weihnacht Es ist das Gleiche jedes Jahr; Sobald die Glocken läuten, Da wird es allen Menschen klar, Daß Gott dereinst ihr Bruder war; Ein Wunder, nicht zu deuten. Es ist das Gleiche jedes Jahr: Die Menschen stehn und lauschen. Ein Lied fällt golden in die Schar Und macht sie edel, sanft und wahr; Und Gottes Harfen rauschen. Es ist das Gleiche jedes Jahr: Das Heil geht um auf Erden. Es hat die Liebe wunderbar Verwandelt. was sonst friedlos war. Der Hirt ist bei den Herden. Es hat die Welt in einer Nacht Ihr Angesicht erleuchtet. Wir steigen aus dem dunklen Schacht Der Mühsal auf zu einer Pracht, Die uns die Augen feuchtet. Dies Lied, ich sang es jedes Jahr Vor Hitlers feigen Morden. Doch heute ist es nicht mehr wahr. Jetzt ist durch eine Lumpenschar Friedlos die Welt geworden. Horatio, von Framan Gejagt durch die Straßen, gejagt durch die Länder, wie Verbrecher behandelt von den Anbetern der Lüge und des Machtgötzen, weil sie sich Bürger wußten eines andern ,, Reiso sehen wir die Menches" als des Staates der Cäsaren schenfreunde von ehedem vor uns, ein erschütternder und doch auch tröstender Anblick. Es ist der Genius der Weihnacht, der sie führt und noch vor den Richterstuhl und aufs Schafott geleitet, ja dessen Licht selbst von ihren entstellten, der Auferstehung in einer edleren Menschheit harrenden Leibern leuchtet. Es ist die Gewißheit, daß es eine Wahrheit gibt und ein Recht, wenn nicht auf der Erde, dann anderswo, aber auch daß Wahrheit und Recht auf der Erde werden sollen. Das ist die Hoffnung, die auch die heute verfehmten Richtungen beseelt, in denen sich jener Geist gleichsam nun aus der Erde heraufarbeitet. Dabei ging und geht es nicht ohne Fehde gegen das bisherige Macht- und Staatskirchentum, dessen legten Krampf wir eben erleben. Wie viel ehrlicher sind doch die Anhänger des Tannenbergbundes und verwandter Bünde, die sich wieder ums„ Julfeuer" scharen wollen, statt von Staatswegen Deutsche Weihnacht" zu feiern. Und wenn schon Köpfe rollen" sollen, der des Gentleman Kommunisten Torgler und des halbverrückten Lubbe, dann doch lieber zu Ehren Wotans als eines Christus genannten Staatsgötzen. Aber der Himmel erspare uns wenigstens diese Beschämung zu Weihnachten, uns anderen Deutschen, uns Bekennern des Menschen, uns ganz oder halb Heimatlosen in allen Ländern. Mögen die Hitlergenossen alles verkehren, auch die Weihnacht, wir schämen uns um unser Volk, daß in seiner Mitte ein solchre Greuel, wie der in Leipzig beabsichtigte, auch nur denkbar ist. Was uns trennt, das sind Meinungen über den Weg. Was uns vereint, das ist der Geit des Guten, den einige Gott nennen. Wir glauben, daß er die Natur trägt, jenseits aller schicksalshaft bestimmten Kämpfe. Wir glauben. daß sein der Sieg ist, auch in der Menschheit. Er wirkt in allen, die sich zur Botschaft der Engel und zur Bergpredigt, die ihre Weiterführung ist, irgendwie bekennen, auch wenn sie nie Jesu Namen hörten oder aussprechen. Es gibt eine Nachfolge weit hinaus über den Christennamen, Jesus selbst weiß davon. Im Gleichnis vom großen Abendmahl werden alle aufgefordert zu nahen, auch die, denen es nicht gesondert angesagt ward, auch mie Armen, di Krüppel, die Menschen., auf den Landstraßen und an den Zäunen", weil die Geladenen ausgeblieben sind. Wahrscheinlich haben eben diese jene auf die Straße geworfen! Die andern passen wohl eher ins Haus des Herodes als des Armen von Nazareth, des Verstoßenen von seinem Volke und dennoch seines Volkes Freund. Und es ist uns, als stünde um die Stätte seiner Geburt, den sternumfunkelten Stall, eine dunkle endlose Menge, alle, die sich die Hände geben mit dem Gelöbnis, das Werk des Menschen zu schützen und weiterzuführen, aller herodianischen Tyrannei entgegen. Judenwolf und arisches Geißlein Nazi- Pädagogik: ,, Hütet euch vor dem Mitleid, Kinder!" Im Mitteilungsblatt des nationalsozialistischen Lehrerbundes für den Bereich Norddeutschland"( Beilage für Oberschlesien) wird die bekannte Geschichte vom ,, Wolf und den sieben Geißlein" folgendermaßen gedeutet: 55 Wie im Rotkäppenmärchen verabschiedet sich auch hier eine Mutter von ihren Kindern, und wie dort, so auch hier das leicht gesprochene Wort: Hab' keine Bange, wir kennen ja den Bösewicht!"... Aber der Wolf ist ja zu schlau, zu gerissen, als daß er käme, wie er in Wirklichkeit ist. Und nun wollen wir im folgenden bei dem Worte ,, Wolf" immer an den Juden und bei dem Worte ,, Geißlein" ans deutsche Volk denken. Dann werden wir sehend werden. Also der Jude will ins deutsche Volk und Land einbrechen. Er will sich seiner Güter, seiner Seele, seines Leibes bemächtigen, wie es seiner Natur entspricht. Gott Jahve hat es ihm ja schon in seiner Urzeit verheißen: Du sollst alle Völker fressen, und du sollst Städte haben, die du nicht gebaut hast, und Weinberge, die du nicht gepflanzt hast, und Völker werden dir dienen! Er will herein, aber er wird erkannt.. Vor allem: Hütet euch vor dem Mitleid mit ihm! Ihr wärmt eine Schlange an eurem Busen, die euch dann aus ,, Dankbarkeit" beiẞt! Aber leider der Wolf ist ein Anpassungskünstler. Sich eine hohe Stimme, eine weiße Pfote anzulegen, ist ihm eine Leichtigkeit... Führer, ihr habt alle den Wolf weißfärben helfen, das ist eure Schuld! Nun schaut euch euer Werk an! Blickt hinein in die Geißenstube! Da ist alles umgestürzt, zerwühlt und zerrissen, und alles Leben ist vernichtet. In der Stube des Volkes zeigte sich dasselbe Grauen. Alle Türen, die ein stilles Heiligtum, alter Sitten und Gebräuche, alten Glanbens und Brauchtums hinter sich peinlich hüteten, sind gewaltsam aufgerissen und dem Spott preisgegeben. Alles war ins Gegenteil verkehrt, das Gute war zerpflückt und in den Dreck getreten...." Endlich wird aber der Wolf entlarvt, erschlagen. Das Prinzip des Guten triumphiert über das Böse: ,, Dann wird eine befreiende Fröhlich keit durchs Volk gehen, dann werden wir uns alle vor Freude die Hände reichen, tanzen und singen: Der Wolf ist tot! Der Wolf ist tot! Dies ist der neue Grundsats deutscher Erziehung: ,, Hütet euch vor dem Mitleid...!" Für den Judenwolf gilt kein Tierschng. Tanzt an seiner Leiche! Tot ist nicht der Wolf, sondern das Erbe eines Jahrhunderts menschlicher Erziehung, der Kinderliebe und der Wißt ihr, wie leicht es dem Juden ist, eure Muttersprache Kindererweckung, der Nachlaß Pestalozzis, verwüstet von Lehrern! zu lernen. Wenn er über die Grenze bei Nacht und Nebel schleicht, jiddelt er noch. Aber er guckt euch aufs Maul, und bald kann er's... Die Gettolocken fallen, die Kleidung ist gewechselt, und nun sind sie geschäftig, handeln, werfen euch billige Lumpenware auf den Hals, sie werden seẞhaft, und dann habt ihr sie als Besitzer von Kaufhäusern. Ihr helft ihnen, mit eurer Dummheit, aufwärts von Stufe zu Stufe.. So gleicht sich der Jude uns an. daß wir ihn äußerlich fast nicht erkennen, nur sein Wesen ist dasselbe geblieben. Und das ist das Gefährliche. Sein Wesen bleibt immer: vernichten, zerstören!... Da ist der Krämer. Warum gibt er einem Wolf die Kreide? Weiß er nicht, daß ein Wolf nur immer und immer böse Absichten damit hat? Da ist der Bäcker: müßte er nicht darüber nachdenken: Was bezweckt der Wolf damit, daß er sich Teig auf die Pfote streichen läßt? Der Bäcker ist zu dumm und zu faul, darüber nachzudenken... O ihr falschen Wenn um die Herrschaft ein Kampf entbrannt war, setten Lasset die Vöglein zu uns kommen Appell an das Herz Wir lesen im ,, Westdeutschen Beobachter"( 14. Dezember): ,, Gebt uns ein Stücklein Brot", so rufen es uns unsere gefiederten F.eunde vom Fenstersi ms zu, denn Hunger tut weh und ganz besonders dann, wenn es so bitter kalt ist. Welcher Mensch könnte den bittenden Blicken der Vögel widerstehen. Es ist gleich, ob Sperling oder Singvogel, ob groß oder klein, jeder bekommt aus mitfühlender Hand seine Krumen gestreut. Nicht wenige bauen dem Star sein Kästlein und jagen doch den Spatz nicht raus, wenn kein Star kommen will. Das geflügelte Wort: ,, Gedenket der hungernden Vögel im Winter" hat Wurzeln geschlagen in der Menschen Herz. Jeder, selbst der ärmste Volksgenosse, hat einige Brosamen übrig und gibt sie gern dem hilflosen Vöglein, dem der Frost die Futterquellen verschließt. Um wieviel mehr sollten wir nun den Armen und Aermsten geben, denen auch ein hartes Geschick die Quellen verschloß, aus denen sie sonst für sich und die Ihrigen das Brot auf den Tisch und dazu die warme Suppe beschafften. Auch die Glut in den Oefen der Stuben, wo die Not Einkehr hielt, muß durch uns wieder entfacht werden, damit keiner friere. Das Winterhilfswerk des deutschen Volkes ist ein großes und herrliches Werk." Der Westdeutsche Beobachter" darf in einigen westdeutschen Konzentrationslagern gelesen werden. Gefangene werden diese Notiz mit tiefer Rührung zu sich nehmen und sich überzeugen lassen, daß sie ihren Peinigern unrecht getan haben. Da klopft noch ein Herz in der Brust! Da denkt man an hungernde Vögel, gedeckte Tische und Glut in den Oefen! Was Menschenliebe betrifft, ist die nationale Revolution" ein einziges großes und herrliches Werk. Darum haben auch so viele Konzentrationaslagerinsassen am 14. November überzeugt mit Ja gestimmt. sich die Sieger in so ausschließlichen Besity aller staatlichen Was man sich zuflüstert Gewalt, daß sie den Besiegten auch nicht den mindesten Anteil an der Regierung gaben, weder ihnen selbst noch ihren Nachkommen, vielmehr wachen sie ihr lebelang mißtrauisch darker daß ja nicht irgendeiner der Gegner ein obrigkeitliches Amt erhalten und eingedenk des ihm widerfahrenen leinen Aufruhr anstifte. Diese Staaten nun lassen wir nicht für eigentliche Staaten und diejenigen Gesetze nicht für rechtmäßige Geseke gelten, die nicht um des allgemeinen rechtmäßige Geseke gelten, die nicht um des allgemeinen Besten willen für den Staat als Ganzes gegeben warden, vielmehr nennen wir eine Gesetzgebung, die nur den Interessen einer Cartei dient. Parteisache, nicht Staatssache, und dem durch sie bestimmten sogenannten Recht sprechen wir jeden Anspruch auf diesen Namen ab, Platos Gesegen" s Ein Mann steht vor dem Richter. Sagt der Vorsitzende:„ Angeklagter, sind Sie Jude oder sonst vorbestraft?" Professor O., Chefarzt eines großen Berliner Krankenhauses, ist jetzt auch abgebaut worden. Warum?" wurde er eines Tages von einem allzu naiven Bekannten gefragt. ,, Fragen Sie Ibsen!" erklärte O. lächelnd. ,, Wenn wir Großmütter erwachen... 66 DEUTSCHE ZUKUNFT KULTURPOLITISCHE BEILAGE ZUR DEUTSCHEN FREIHEIT Marxismus- Liberalismus Ein Stück Weges mit Tardieu Wo der Faschismus Geschichtsphilosophie treibt und sich drapiert als eine Lehre vom neuen tausendjährigen Reich, ist er getragen von seinem antiliberalistischen Pathos. Die Aufhebung der menschlichen Grundrechte, welche die Neuzeit als unveräußerliche Schranke der staatlichen Gewalt herausgearbeitet hatte, wird von ihm proklamiert. Jede selbständige Regung des Individuums soll im Rausch einer kollektivistischen Mystik untergehen, den widerstrebenden Ketzer soll der Segen des Scheiterhaufens zur Rettung seines besseren völkischen Selbst zum höheren Ruhme der neuen Götzen zuteil werden. Dostojewski hat in seinem Großinquisitor", der berühmten Erzählung aus den Brüdern Karamasov, die schaurige Dekadenz des Abendlandes im Faschismus vorausgeahnt. Dieser Großinquisitor scheut sich als ein Vorläufer der ,, Deutschen Christen" nicht vor der Kriegserklärung an Christus selbst, er bedroht den wiedererstandenen Christus mit erneuter Kreuzigung. Warum? Weil auch jener ein Freiheitsbringer sein wollte, auch er ein keterischer Prometheus mit dem gefährlichen Geschenk des Funkens für die befreite Menschenseele. Die Inquisition dagegen kennt das erbärmliche Ruhebedürfnis der Menschenherde und beherrscht sie mit Peitsche und Zuckerbrot, gängelt sie mit Brot und Spielen. Im totalen Staat des Faschismus hat diese Dostojewski- Vision eines entarteten, verweltlichten und materialistischen Katholizismus ihren leibhaften Ausdruck gefunden. In ihm ist wirklich der ,, Kains- Staat", das ,, Reich des Antichrist", wie die religiösen Denker sagen, aufgerichtet worden. BLICK ÜBER ZEITFRAGEN UND BUCHER Von Marius Alter die damit gestellt sind. Wir können sie gewiß nicht mehr in der Art mancher Sozialdemokraten vor 1933 beantworten. Aber auch nicht in der Art derjenigen, die nach dem Zusammenbruch der Demokratie die bolschewistische Diktatur mit Haut und Haar zu schlucken bereit sind. Wie es auch der klassische Leninismus selber will, kann die proletarische Diktatur wirklich immer nur ein revolutionäres Mittel und niemals Selbstzweck sein. Es darf nicht nur ein Lippenbekenntnis bleiben, daß der Unterdrückungsapparat der Gegenrevolution und des Kapitalismus einen vorübergehenden und keinen endgültigen Zustand bedeuten soll. Wir alle wissen, wie sich aus der Weltlage und aus der Tendenz der Apparate, sich als Selbstzweck zu setzen, die heutige Form der stalinistischen Bürokratie entwickelt hat. Aber es muß durchaus betont werden, daß sie die echte marxistischleninistische Freiheitsidee verdeckt. Gewiß ist auf der anderen Seite durch den Zusammenbruch der Demokratie als einer politischen Technik im Kampfe um die sozialistische Gesellschaft die Neigung zur Diktatur begreiflicherweise gewachsen. Aber hier wird alles darauf ankommen, die alte Jakobiner- Parole von der revolutionären Diktatur der Freiheit gegen die Tyrannei richtig zu erneuern. Die für das Denken wie für das Handeln gleich schwere Aufgabe muß doch angestrebt werden: die proletarische Diktatur als Uebergangsstaat zur sozialistischen Gesellschaft in klarer Abgrenzung gegen die bolschewistische Diktatur zu erfassen, Mittel und Wege ehrlich zu unterscheiden und die Idee nicht durch die Routine der Apparate verderben zu lassen. Der ehemals liberale Kapitalismus- heute Unentschlossen, in sich gespalten, zu einem verhängnis Kapitalismus heute faschistisch Es gibt Schulfüchse, die auch heute sagen: ,, Nicht der Faschismus ist der Feind, sondern der Kapitalismus. Für den marxistischen Klassenkämpfer darf es keinen Unterschied geben zwischen den imperialistischen Demokratien und den faschistischen Imperialismen." In solchen Ueberspitzungen bringt man es fertig, die einigermaßen aufdringliche Erscheinung des Faschismus durch Formeln wegzudeuten. Aber ebenso unzulänglich für den Kapitalismus in seiner heutigen Lage ist umgekehrt die Formel: liberale Zivilisation gegen faschistische Barbarei. In der Niedergangsperiode tragen die kapitalistischen Demokratien den Keim des Faschismus in sich. Die politische Diktatur des Faschismus ist durchaus verschieden von der ökonomischen Diktatur des Bürgertums in den kapitalistischen Demokratien. Aber der Faschismus ist aus der ökonomischen Vorherrschaft des Bürgertums als ein Versuch, sie durch extreme politische Mittel zu stützen, hervorgegangen. Er stellt ihre Entartung in der Niedergangskrise dar. In Tardieus Identifizierung des proletarischen Sozialismus mit der faschistischen Barbarei verrät sich der kapitalistische Untergrund seiner liberalen Ideologie. Sein Programm des autoritären Liberalismus: Rettung der Freiheit durch die Autorität ist Brüning- Politik, die einem bestimmten Stadium der Krise entspricht. Durch ihren antisozialistischen Charakter wendet sie den Faschismus nicht ab, sondern bereitet ihm den Weg. Seit einem halben Jahrhundert und im Zeitalter des Faschismus mehr denn je kann nur ein Bündnis mit dem proletarischen Sozialismus, ja, ein Aufgehen in ihm den Liberalismus vor Verrat seiner eigenen Prinzipien bewahren. Die Rettung der Welt von der faschistischen Barbarei hängt vielleicht in den nächsten Jahren von der Möglichkeit einer Verständigung des einzigen Arbeiterstaates mit den westlichen Demokratien ab. Aber die endgültige Abwehr und mit ihr eine kulturelle Zukunft des Abendlandes ist nur möglich, wenn die westlichen Demokratien das Joch des Kapitalismus abschütteln. Auch sie können auf die Dauer nicht der unerbittlichen Alternative: Sozialismus oder Faschismus entrinnen. Und in bezug auf ihre faschistische Gefährdnug kann man zu ihnen heute das Wort sagen, das der Philisoph Fichte einst glaubte den Deutschen sagen zu können: ,, Wenn Ihr versinkt, versinkt mit Euch die Menschheit, ohne Hoffnung auf eine dereinstige Wiederherstellung." voll egoistischen Sichabfinden bereit, wie die deutschen Republikaner und Sozialisten es leider gegenüber Italien zehn Jahre lang betätigten, betrachtet die nichtfaschistische Welt den Anbruch der Barbarei an ihren Grenzen. Jeden leidenschaftlichen Antifaschisten muß daher ein entschlossenes Bekenntnis zur Freiheitsidee, die Herausarbeitung der mit dem Faschismus unversöhnlichen Grundlagen der westlichen Demokratien mit Genugtuung erfüllen. Und wenn ein konservativer Politiker wie André Tardieu( vergl. seinen in der Deutschen Freiheit" vom 3. Dezember abgedruckten Artikel) mit solcher Entschiedenheit für den Liberalismus als Fundament der französischen Zivilisation kämpft, s0 scheint darin eine erfreuliche Gewähr für die Immunität des Westens gegen die neue Weltpest zu liegen. Wer von uns also wollte nicht gern ein Stück Weges mit diesem anti- Haben die Befürworter des ,, totalen Staates" eigentlich je faschistischen Liberalismus gehen und über Ungerechtig keiten hinwegsehen, mit denen der französische Politiker große deutsche Denker wie Fichte und Hegel( die beide 1789 gründlich in sich verarbeitet hatten) wieder einmal zu Vorläufern eines materialistischen Staatsgötentums stempelt. Der Marxismus- eine Der Staat als Schrittmacher der Anarchie Knechtschafts- oder Freiheitslehre Aber eine unüberbrückbare Kluft tut sich natürlich auf, wenn Tardieu den Marxismus zum Ahnherrn des Faschismus macht. Wenn er in ihm die gemeinsame Wurzel der Diktaturen von Moskau, Rom und Berlin erblickt, wenn er Faschismus und Bolschewismus unterschiedslos dem Liberalismus entgegensetzt. Der Faschismus selbst urteilt nicht so: für ihn ist die gemeinsame Herkunft des Marxismus und des Liberalismus evident, und beide will er zugleich ausrotten. Wirklich können einige aus dem Zusammenhang gerissene Marx- oder Lenin Zitate den Gesamtsinn des Marxismus nicht ändern: daß er nämlich ein großartiges System der Freiheit, nicht das einer kollektivistischen Versklavung darstellt. Die Gesellschaft, die sich um die Sonne der Arbeit drehen soll, die von der Tyrannei der ,, Verdinglichung" befreite menschliche Produktivität, die klassenlose Gesellschaft, in der die Freiheit eines jeden Bedingung der Freiheit des anderen ist hat nicht in alldem der Gedanke der menschlichen Selbstbestimmung seinen größten, weil seinen der Wirklichkeit nächsten Triumph errungen? Die proletarische Organisation in Partei und Gewerkschaft, die Eroberung der Staatsmacht, die Vergesellschaftung der Produktionsmittel, niemals sind sie Selbstzweck im Sinne einer das Individuum verneinenden Korporations- Mystik, einer die Macht des Verbandes um der Macht willen bejahenden und so recht eigentlich militaristischen Haltung. Sie sind Mittel des Kampfes, dessen Abschluß diese Mittel überwinden soll: die klassenlose Gesellschaft den Klassenkampf, die erreichte Vergesellschaftung den Staat als Hebel der Sozialisierung. Sie sind Mittel zur Hebung der Wohlfahrt und Freiheit des einzelnen. Von jeher hat der Marxismus nicht den liberalistischen Grundsatz bekämpft, sondern die Inkonsequenz seiner Durchführung, den Widerspruch politischer Befreiung und ökonomischer Unterdrückung in der klassenmäßigen Vertretung der liberalen Ideologie. Es ist merkwürdig kleinbürgerlich, im organisierten Befreiungskampf der Arbeiterklasse als solchem kollektivistische Barbarei zu sehen. Inmitten seiner schönen und tapferen Bekenntnisse wird ein Liberalismus reaktionärer, der, wie Tardieu es tut, Gewerkschaft, Korporation, Zelle einer altbarbarischen ,, Horde" und einer neubarbarischen ,, Front" gleichsetzen will. Aber die proletarische Diktatur!! Indessen der„ Bolschewismus"! Ist nicht wirklich auch er Sklaverei, Pseudo- Katholizismus, Bürokratie, Militarismus, Massen- Gängelung durch Propaganda, Reklame, Rausch, ein echter materialistischer Religions- Ersat? Ist all dies nicht ebenfalls Antiliberalismus und Antizivilisation? Und hat er nicht dem Faschismus ein hervorragendes Alibi verschafft? Es sind Schicksalsfragen des proletarischen Sozialismus, Augustinus: Wenn das Recht schwand, was sind dann die Staaten anders als große Räuberhöhlen? recht überlegt, was sie anrichten? Es wäre ja zuviel verlangt, von diesen meist recht jugendlichen Propagandisten eines angeblich neuen Staatsideals irgendwelche Kenntnis der dialektischen Gesetze der Geschichte zu fordern. Man braucht aber gar kein Hegelianer zu sein, um zu wissen, daß die Ueberspannung einer Theorie immer die Gegentheorie herausfordert. Die Gegentheorie gegen die faschistische Verknechtung des Menschen könnte nur heißen: ,, Fort mit dem Staat überhaupt!" Es ist das Verdienst des Sozialismus, die verelendeten Massen von anarchistischen Gedankengängen ferngehalten zu haben. Im Anarchismus und seiner Forderung der Abdankung des Staates zugunsten kleiner autonomer Genossenschaften sah er einen Rückfall in eine überwundene Stufe des gesellschaftlichen Daseins. Ebenso ist der„, Anarchismus der Tat" von ihm stets bekämpft worden. Daher die Ablehnung Bakunins durch den internationalen Sozialismus, daher der Ausschluß der Gruppe Most aus der deutschen Partei. Wie gern hätte die Bourgeoisie die Attentate Hödels und Nobilings auf Wilhelm I. der Sozialdemokratie in die Schuhe geschoben, aber es war dazu keine Möglichkeit. Der Sozialismus hat freilich immer betont, daß er in dem. gegenwärtigen Staate des Militarismus und Kapitalismus keinen wahren Rechtsstaat erkennen könne. Immerhin schien er ihm, soweit er die demokratischen Grundrechte anerkannte, wenigstens besser als der Staat ohne diese Grundrechte, der Staat des achtzehnten Jahrhunderts und früherer Zeiten. In der französischen Revolution, die diese Grundrechte zum erstenmal in Europa öffentlich festsette, sah er einen wesentlichen Fortschritt. Wie aber nun? Müssen sich nicht die Menschenrechte jede theoretische und praktische Verhöhnung gefallen lassen? Was hält den Arbeiter noch fest im Banne der Staatsidee, wenn nicht der Respekt, den ihm nicht der Faschismus, wohl aber der Sozialismus davor eingeflößt hat? Auch hier wie sonst pflügen die Faschisten mit fremdem Kalbe. Wie aber weiter? Wird dieser Respekt auch dauernd standhalten, auch im Falle anhaltender Not, Kriegsnot vor allem? Mögen die Führer sich vorsehen Sie tuns auch schon heute. Sie wissen, daß ohne ihre Prätorianergarden das namenlose Unrecht, das sie säen, sich längst wider sie selbst gewandt hätte. Der Staat, der das Recht beugt in solchem Ausmaß wie der heutige deutsche, ist der Schrittmacher der Anarchie, und die anderen Staaten, die zusehen und solches dulden, sind es mit. Was hindert sie, sich zusammenzuschließen wider die Verleugnung der Grundsätze, die ihnen angeblich heilig sind? Die Achtung der ,, Souveränität" des Nachbarstaates? Zum Teufel mit der Souveränität, die mich verpflichtet, den Brand in Nachbars Hause zu dulden! Hier geht es um gemeinsame Güter der Menschheit. Nicht einmal dazu aber rafft man sich auf, offenbare Aufforderung zum Mord fremder Flüchtlinge im eigenen Gebiet zu ahnden, wie eben im Fall der im Londoner Naziklub gefundenen fotografischen Steckbriefe wider Deutsche. Wir wissen nun, woran wir sind. Es soll uns nicht wundern, wenn im nächsten, schon sichtbaren Weltkrieg die kümmerliche Pflanze Völkerrecht gänzlich zertreten wird. Das internationale Verhältnis der Staaten zueinander ist ja, wie von pazifistischer Seite mit Recht betont, wurde, immer noch anarchisch, im vollen Sinn des Wortes. Der Völkerbund hat, wie praktische Beispiele, zuletzt der Chinakonflikt, zeigten, wenig daran geändert, so begrüßenswert auch der Wille ist, der sich in seiner Gründung ausspricht. Der Staat, der für sich das Recht der Waffen beansprucht, die meist mitverschuldeten politischen Konflikte zu lösen, wie dürfte er sich als Hüter des Rechtes nach innen aufspielen! Vollends aber, wenn er selbst das Recht beugt gegenüber bestimmten Kategorien seiner Bürger, deren ganzes Verbrechen eine eigene Meinung ist oder eine eigene Herkunft, hat er kein Recht mehr, auf seine göttliche Würde oder dergleichen zu pochen. Dann trifft ihn mit ganzer Wucht das Verdikt das Augustinus fällte, angesichts der römischen Despoten und ihrer blutsaugerischen Statthalter. Aber auch die übrigen Staaten, die solches schweigend mitansehn, dürfen sich nicht beklagen, wenn man in ihnen Komplicen sicht jenes„ Räuber" staates. Wir wollen jetzt nicht sprechen von der geistigen Anarchie, die in Deutschland herrscht, dem zuchtlosen Kultus eines angeblich ,, heroischen", in Wahrheit nur brutalen Ideals. Wir verstehen es ganz gut: eine Jugend, die der geistigen Führung und zum guten Teil der Arbeit entbehrte, mußte ja wohl dem Rattenfängersang von Gewalt und Blut verfallen, der seit zehn Jahren und länger umgeht. Auf der anderen Seite hören wir freilich auch, daß gerade unter der Arbeiterjugend da und dort ein wirklich heroischer Widerstand sich bemerkbar macht. Ist überhaupt zu erwarten, daß die Menschheit jemals ganz jene angeblich neuen antidemokra tischen Ideale sich zu eigen macht? Verbrennt immerhin und rottet aus, wie ihr wähnt: eurem angeblichen Adel wird sich der wahre Adel der Menschheit, der an keine Rasse, auch keine Klasse gebunden ist, stets entgegenstellen. Immer wieder wird sich lebendiges Rechtsbewußtsein auflehnen gegen Euer Staatsgötzentum. Als Folge jener vom Staat begünstigten Verrohung, namentlich der jüngeren Generation, muß man im nächsten Krieg und nach ihm Zustände erwarten, wie sie während und nach dem dreißigjährigen Krieg in Deutschland herrschten. Das Landsknechtswesen haben wir schon jetzt wieder eingeführt. Man lese über jene Zustände im Grimmelshausen oder bei Gustav Freytag. Oder meint man wirklich, wie 1914 den Krieg von den Grenzen fernhalten zu können? Ja, selbst wenn Deutschland sich eine Weile zum Diktator von Europa machte, muß nicht ein noch schrecklicherer Absturz als 1918 das Ende sein? Und damit die europäische Anarchie, die ganz anderen Rassen als der angeblich ,, arischen" das Tor öffnet? Wir wollen dafür sorgen, daß es nicht so kommt. Sagt nicht der deutsche Dichter von den Menschenrechten, daß sie ewig wie die Sterne" sind? Trägt nicht sein erstes Drama die Inschrift: In tyrannos"? Mögen die Staatsmänner, die den neuen Weltkrieg aktiv und passiv vorbereiten, sich vorsehen. Mögen es die sonstigen Kriegstreiber. Eine andere Jugend, mißbraucht von diesen Vorgestrigen, die sich die Morgigen dünken, verführt, aber doch nicht ganz besinnungslos gemacht, wird sich erheben von den Schlachtfeldern, den Fabriken, den Pflügen, die noch blieben, und Rechenschaft fordern für das Leben ihrer Kameraden. Sie wird der Anarchie wehren, in der eigenen Brust und draußen. Und aus dem„, anarchischen", dem zuchtlosen Staat wird der wahre, der„ euarchische", wohlgeordnete Volksstaat geboren werden. Vindex, Straßburger Wochenbericht Weihnachtsfrieden und Budgetdebatte Während auf dem Platz Broglie der Christkindelmarkt mit seinen vielen Buden und den harzduftenden Tannenbäumen, den tausenderlei Spielsachen und leckeren Lebkuchenbergen vom Weihnachtsfest kündet, trat in der Weihnachtswoche das Stadtparlament an zwei Tagen zur Beratung des Budgets zusammen. Die verschiedenen Gruppen schickten ihre besten Redner ins Treffen, die entweder in lauten Lobpreisungen oder in scharfen Worten der Kritik ihre Stellungnahme zur gegenwärtigen Gemeindeverwaltung bekundeten. Maire Huber, der gleichzeitige Führer der Oppositionskommunisten, hielt mit viel Geschick seine Volksfront" zusammen, in der sich zur Ausschaltung der Sozialisten aus der Gemeindeverwaltung Gruppen zusammengeschlossen haben, deren Prinzipien und politische Anschauungen im allgemeinen nicht auf einen Generalnenner zu bringen sind. Der Etat balanziert mit 128 568 600 Franken in Ausgaben und Einnahmen. Darin sind etwa 48 000 000 Franken Gemeindesteuern enthalten. Es wurde eine Herabsetzung der Steuerzuschläge von 181 auf 175 Cts. beschlossen. Maire Huber kündigte für das kommende Jahr die 45Stundenwoche in den Gemeindebetrieben und den freien Samstagnachmittag an. Der Schuldenstand hat sich gegenüber 1929 um 20 Millionen Franken erhöht und beträgt jetzt 158 Millionen Franken. U. a. faßte der Gemeinderat den Beschluß. an die Arbeitslosen eine Winterbeihilfe in Höhe von 20 bis 50 Franken für Kohlen und Lebensmittel zu gewähren außerdem wurde beschlossen. den verschiedenen Flüchtlingskomitees 20 000 Franken zu überweisen. In dieser Frage wurde der Maire von einem Teil seiner Koalitionsgenossen verlassen er fand dafür aber die Unterstützung der Sozialisten und linientreuen Kommunisten. Konjunktur in Weihnachtsfeiern Beinahe alle größeren Säle der Stadt und die meisten Wirtschaften sind in dieser Woche von den vielen Gesellig paar Emigranten, warum hat man nichts einzuwenden gegen die vielen anderen Deutschen, die mit dem Nazimitgliedsbuch in der Tasche entweder schon seit langem hier ihren festen Verdienst haben oder aber jeden Tag herüber kommen, um hier ihr Brot zu verdienen? Sollten bei den Verfassern des Aufrufs seelische und politische Schwingungen vorhanden sein, die die Nazientwicklung in Deutschland mit großer Genugtuung und schlecht verhehlter Sympathie empfinden? Mit Recht bemerkt Herr Hecker in der ,, Republique", daß es doch höchst sonderbar anmutet, wenn man ausgerechnet. die ihrer Ueberzeugung wegen in die Fremde gegangenen Emigranten dauernd angreift, während die Hitleremissäre wenigstens von der Seite, die das Plakat zu verantworten hat, völlig in Ruhe gelassen werden? Läßt sich aus dieser Erscheinung nicht auf eine Gleichheit der Gesinnung schließen? Aber wie gesagt, man miẞt hier in maßgebenden Kreisen dieser., Neuen Front" keine allzu große Bedeutung zu. So wollen auch wir es nicht tun und über den Inhalt des Plakates zur Tagesordnung übergehen, wobei wir nochmals betonen, daß wir nur sehr undie bisher von uns an den Tag gelegte Reserve aufgegeben haben, die wir im Prinzip. auch wenn sich die Angriffe mehren sollten, in Zukunft weiter bewahren werden. Mutige Schutzleute gern Zwei Straßburger Schutzleute machten dieser Tage von sich reden: der eine weil er ein wild gewordenes Pferd, das mit seinem Fuhrwerk in höllischem Tempo die Steinstraße hinuntersauste. nichtachtend der eigenen Gefahr, anhielt, der immerhin andere, weil er von einem Auto überfahren noch geistesgegenwärtig genug war, zuerst ein sorgfältiges Protokoll aufzunehmen. worauf er sich dann zur Behandlung seiner Wunden ins Krankenhaus begab Drei Einbrecher gefaßt Die drei Einbrecher, die am Abend des 11. November in Meinau eine Epicerie ausgeräumt hatten, von der Inhaberin aber überrascht wurden und unter Mitnahme wertvoller Vorräte flüchteten, konnten jetzt in Lingolsheim verhaftet werden. Sie waren unvorsichtig genug, das Auto, in dem sie damals die Flucht ergriffen, aus einer dortigen Garage holen zu wollen. Die Gendarmerie hatte aber das Auto unter Bewachung gestellt und konnte so die Täter fassen. Kanalisierung in Robertsau Der tiefgelegene Stadtteil Robertsau, der bisher immer unter vielen Ueberschwemmungen, vom nahen Rheinmund der Ill herrührend, zu leiden hatte, wird nun von dieser Plage durch eine großzügige Entwässerungsanlage befreit werden. Die Arbeiten sind in vollem Gang. Konzerte, Kinos Im Mittelpunkt der Konzertwoche stand der Klavierabend Paul Loyonnets, der vor einem zahlreichen Publikum dem Andenken Lucien Capets, dem hervorragenden Interpreten Beethovenscher Musik, seine feine Kunst widmete. Im Palais des Fetes fand das vierte A bonnements. konzert statt, das Ba ch sche und Kompositionen des Spaniers de Falla wiedergab. Im Konservatorium sprach Ernest Ansermet über den Sinn der modernen Musik. h ad zob Die Kinos warten mit mehreren deutschen Filmen auf, E. D. darunter einigen Militärschwänken. Keine Vertragserneuerung mit Direktor Pfrimmer Wie in der hiesigen Presse verlautet, wurde der Vertrag mit dem Direktor des Theaters municipal Pfrimmer, nicht erneuert. Wer der Nachfolger des Herrn Pfrimmer werden soll, ist noch nicht bekannt. AGENCE LIBERTÉ 2, petite rue d'Austerlitz STRASBOURG. Generalvertretung der Strasbourg Der moderuste Salon de o ffure rour Dames CHEZ ARMAND Deutsche Freiheit" Unter den Gewerbslauben 75 tür Elsass- Lothringen Annahme von Abonnements und Inseraten: LIBRAIRIE POPULAIRE, 2. rue Sédillot Strasbourg ABONNENTENWERBER in allen Orten des BAS RHIN und HAUT- RHIN sofort gesucht. keits- und sonstigen Vereinen, Gewerkschaften und anderen Organisationen zur Abhaltung von Weihnachtsfeiern in An spruch genommen. Die meisten Feiern sind mit den üblichen Kinderbescherungen verbunden, die natürlich besonders viel Zulauf finden. Eine ,, Warnung an politisierende Ausländer" Ein zwar recht marktschreierisches, aber doch nicht allzu sehr beachtetes Plakat prangt seit einigen Tagen an den ( 1. Stock: Telefon Nr. 44.16 Dauerweilen nach neuest. System 50. 6 Monate Garantie Haartär en mi inecto Blondmachen der Haare 30. 15. Sämtliche Arbeiten werden nur von ersten Spezia listen ausgeführt, da ich in meinem Salon nur erste Kräfte beschäftige Geoftne den ganzen Tag v. 8 Uhr früh bis 7 Uhr abends Bei Vorzeigen dieser Annonce erhält eder Kunde eine Friktion gratis. Druckerei, Verlag und Redaktion der ,, Deutschen Freiheit" Saarbrücken, Postschliestach 776 Säulen. Es wendet sich eine neue Bewegung, die sich Neue An alle! 39 Front" nennt, an die angeblich politisierenden Ausländer" und verbietet ihnen jede Einmischung in die inneren Verhältnisse des Landes. Die Warnung" macht kaum den Eindruck, als wäre sie ein Ausfluß der Sorge um das Wohl des Heimatlandes. Da sie den Chefredakteur unseres Blattes namentlich nennt, haben wir wohl das Recht, ohne dem von uns aufgestellten Grundsatz der striktesten Fernhaltung von innerpolitischen Diskussionen untreu zu werden, ein Wort der Gegenwehr zu verlieren. Dieser Aufruf, der politische und egoistisch- materielle Argumente bunt durcheinander wirft, richtet sich bezeichnenderweise nur gegen marxi stische Emigranten, die Hitlerdeutschland verlassen mußten, weil sie dort für den Frieden kämpften. Von diesen Menschen, sollten sie im Gastland weiter in Einzelfällen ihre Stimme für den Frieden und gegen Hitlerbarbarei erheben, ist wohl nicht anzunehmen, daß sie die Ruhe des Landes gefährden, das ihnen Gastfreundschaft gewährt. Warum aber, so fragen wir, reibt man sich immer an den Antifaschistisches Archiv Das Sekretariat des Weltkomitees für die Opfer des Hitlerfaschismus hat auf seiner in Paris durchgeführten Sigung u. a. auch die Schaffung eines internationalen antifaschistischen Archives beschlossen An der Schaffung der Grundlagen für dieses Archiv ist bereits seit Monaten gearbeitet worden. Unterstüßt von Hunderten von antifaschistischen Gruppen und Personen wurde systematisch Material über den Hitler- Faschismus auf politischem sozialem. kulturellem und wirtschaftlichem Gebiet zusammengetragen. FRANZÖSISCH KURSUS 1: Individuelle RAPID- Ausbildung für die verschiedenen Beruie( 50 Lekt.). KURSUS 2: Abt. a) Einführungslehre für Anfänger. Abt. b) Denken Reden u. Schreiben in 1r. Sprache Abt. c) Hochschul- und Parlaments- Perfektion literarischer Feinschliff. Prof. Spirgatis 7, rue Traversière BRUSSEL Tel. 17.98.30 An- und Verkauf zentraleur opå scher und südamerikanı scher Devisen Effekten und REICHSMARK durch das Bankhaus ondolatierio Georges Perles& P. Miche 34 RUE LAFFITTE PARIS IX TELEFON TATBOUT 98-40 BIS 45 der, seinen Ausbau zu unterstüßen und ihm Dokumente, Berichte, Photos, Zeitungen, Zeitschriften usw. zu übermitteln, bzw. sich wegen dieses Materials mit der Leitung des Archivs in Verbindung zu sehen. Das Internationale Antifaschistische Archiv benötigt besonders alle mit dem Faschismus zusammenhängenden Materialien für eine internationale antifaschistische Ausstellung, die von ihm vorbereitet wird. Alle für das Archiv bestimmten Sendungen, Anfragen usw. gehen ausschließlich an die nachstehende Adresse: Internationales Antifaschistisches Archiv, Placard Nr. 18, Rue St. Augustin 22, Paris 2. Das Archiv verfügt heute schon über zahlreiche Bücher, Heines Herrschaftsgebiet Zeitschriften. Dokumente usw., darunter besonders wertvolles Material, das tausend Morde in Hitlerdeutschland einwandfrei nachweist. Das Internationale Antifaschistische Archiv richtet eine Aufforderung an die antifaschistischen Gruppen und an alle Antifaschisten in Deutschland und allen außerdeutschen Län( Inpreß.) Von Januar bis Oktober 1933 find aus Breslau, dessen Polizeipräsident der Fememörder Heines ist, 2357 Juden geflüchtet. Fast 60 Prozent der Flüchtlinge haben Deutschland überhaupt verlassen, 378 Personen sind nach Palästina emigriert. Bedeutende Firma Ostfrankreichs, mit allen Verwaltungen in dauernder Geschäftsverbindung. bietet für 1. lanuar 1934 aktive Beteiligung Pelze- Kramer mit 500000,- Fr. und kaufmännische Leitung Angebote unter V. S. an die Geschäftsstelle der ,, Deutschen Freiheit". Saarbrücken Wo speist man gut und billig Brüssel Restaurant à la Fourchette 22, rue St. Michel, 22, 1. Querstraße rechts vom Pla Brouckère. Mittagessen von 6,- bis 10,- Fr. Abendessen von 18 bis 23 Uhr bestehend aus Suppe, Fleisch Gemüse und Bro. Preis nur 4.- Fr. 97, Grand'rue 9 nur L. Stock STRASBOURG Grosse Auswahl in Pelzkragen ab 20 Fr., Pelziaquettes ab 175 Fr., Pelzmäntel ab 350 Fr., Isab.- und Skunksfüchse ab 156 Fr., Skunks- Colliers und Echarpes ab 200 Fr. 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Aus dem Buche von Poincaré Sieg und Waffenstillstand" wird bekannt, daß der Tiger Clemenceau am 8. Oktober 1918 demissionieren wollte, um seine Forderungen durchzusetzen. *** M. Dangon, Präsident des Verbandes der Waldgemeinden Frankreichs, ist nach Wien zu Dollfuß zu Verhandlungen wegen des Holzvertrages gefahren. * Jean Longuet, der Enkel von Karl Marx und im Nebenamt Bürgermeister einer kleinen Gemeinde bei Paris, forderte im Generalrat bessere Verbindung mit den südlichen Gartenstädten, insbesondere durch eine elektrifizierte Schnellbahn und bis dahin mehr Autobusse und Verbesserung der Linie 88. Das Projekt wurde an den Verkehrsausschuß überwiesen. Im Radio L. L. fand eine Veranstaltung ,, Le Lied Français" statt, in der Volkslieder aus Burgund. der Bretagne, Ile de France vorgetragen wurden, darunter der, Roi Renaud", der als die Perle der französischen Volkspoesie bezeichnet wird. Eine seltsame Geschichte wird aus der Passage SaintSébastian berichtet. Dort soll eine 29jährige Nickelarbeiterin, die von dem Werkstattinhaber 2000 Franken Lohn nicht erSuche TEILHABER zur Entwicklung eines Ledertaschen- Geschäftes Schreiben an: PUBL. METZL. 51, rue Turbigo Nr. 515, Paris SIR CKERINNEN vollkommen perfekte, gesucht. 8, rue Jacques- Cartier, Zimmer 42 Nähe Montp. u. St. Michel sehr gr. sonn g., vornehm. möbl. 3immer mit Alkoven zu verm eten. Sehr ruhig für Geschäfts herrn Bad, Zentralh. Gar ten, separater Eingang. Ev. Brühstück, 500 Fr. monati. Métro Alésia. Autob. AL. AE. CC- 28 CB Tä leh von 11 bis 3 Uhr Fomine, 41 Villa d'Alésia( 14) Junge Dame gesucht zur Führung eines leichten Haushalts be 2 Herren in keiner mo tern. Wohnung. Evtl. Büro- Mitarbeit. Vor stellung erbeten, 10-12 am Sonntag von 2-3 Uhr. 21, Rue Buffault, Paris 9 Wiener Restauran che: Barna's Paris, 13, rue St- Séverin Métro St- Miche Deutsche u. ungarische Spezialitäten Man ift gut für 6 Fr.- Heute, Sonntag, 24. Dez.: Wiener Schnitzel, garniert 3,50 Fr. 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Wie wir hören, soll es der amtlichen Hitler- Kolonie besonders unangenehm sein, daß Erich Seelig, der neuerdings in Paris gegen den italienischen Champion im Mittelgewicht Tino Rolando antrat, sich noch als deutscher Champion im Mittelgewicht" bezeichnete. Die antihitlersche Kolonie nimmt lebhaften Anteil an Seelig, dessen Verwandte ebenfalls in Paris weilen. Das Gericht hat vier Prozesse wegen des vorjährigen Goncourt- Preises verhandelt. Eine Klage wurde als nichtfristgemäß begraben. die drei anderen wurden auf vierzehn Tage, zwecks brieflichen Vertragens der Parteien, vertagt. Im Pariser Rathaus fand eine Bescherung von Spielsachen nebst einem Essen unter dem Weihnachtsbaum gleichermaßen für bedürftige Katholiken-, Protestanten- und Judenkinder statt. Französische Weihnachten Der Deutsche, der das Weihnachtsfest zum erstenmal auf französischem Boden verlebt, trifft hier statt der ihm vertrauten Sitte die Nacht des Reveillons Reveillon ist ein mitternächtiges Essen und, vor allem wohl, Trinken von guten Sachen mit nachfolgendem Tanzen, alles unter dem Weihnachtsbaum. Während die Wirtschaften in Deutschland am Weihnachtsabend leer sind, geht es in manchen französischen Cafés und Lokalen zum Reveillon hoch her. Die Kinder werden in Frankreich am Weihnachtsabend beschenkt, wie bei uns. Geschenke an Erwachsene, die Etrennes für die Dienstboten, die Concierge, den Briefträger, gibt man dagegen zu Neujahr. Die Einrichtung des Reveillons stammt zweifellos aus mittelalterlich- katholischer Zeit. Das Essen fand statt, wenn die Familien aus den Mitternachtsmessen kamen. Dann wurde die Nacht gewacht und morgens die Frühmesse besucht. In Paris sind die Messen der Weihnachtsnacht musikalische Ereignisse, besonders in Notre Dame. Es werden 57, RUE DE CLICHY TEL. TRINITE 15-75 Allgemeine DEUTSCHE POLIKLINIK Chefarzt Professor WENSTEN METRO: CLICHY UND TRINITE 1) ORDINATION DURCH SPEZIALARZTE r Innere. Chirurgische, Frauen und Kinderkrankheiten. Haut- und Geschlechtskrankheiten. Augen, Ohren Nasen- und Halskrankheiten. Geburtshilfe 2) INNERE Klinik. 3) CHIRURGISCHE Klinik. 4) GEBURTSHILFLICHE und GYNAKOLOGISCHE Klinik Sanatoriums- Gebäude mit der allermodernsten Einrichtung ORDINATION auch ür Privatkranke, täglich von bis 8 Uhr. Sonn und Feiertags von 10 bis 12 Uhr Karten zum Besuche ausgegeben, für die teils nicht unbeträchtliche Beträge zu zahlen sind Im übrigen ist Weihnachten, im Gegensatz zu der deutschen Sitte, in Frankreich ein Fest, das nur einen Feiertag hat, den 25. Am Dienstag arbeiten in Paris die Fabriken. die Fabri Wohin zu Weihnachten? 12 Wir empfehlen einen Besuch der billigen Matineen in den Pariser Theatern. In der Comédie Française, dem berühmten Hause Molières, werden am Sonntag, 14 Uhr, z. B. die klassischen Stücke„ Femmes Savantes" und ,, Arzt wider Willen" gegeben, abends der neu inszenierte und übersetzte gewaltige Coriolan" Shakespeares. Die Oper, die festliches Kleid vorschreibt, gibt um 20 Uhr am 24. Traviata", am 25.„ Rigoletto". Bemerkenswert sind zur Zeit folgende Aufführungen: ,, Milmort" im Oeuvre( 21.15);„ Richard III. im Atelier( 20.45);„ Gebet für die Lebenden" im Athenée( 20.45); Reinhardts ,, Fledermaus" im Pigalle wird 20.45 gespielt; Charrels ,, Weißes Rößl" im Mogador 20.30. Weihnachtskonzerte Sonntag, 24 Dezember: Ane. Conservatoire. 15 Uhr. Société des Concerts. Dir.: Ph. Gaubert. Suzanne Balguerie( Sängerin). Théatre des Champs- Elysées. 16.30 Uhr. Pasdeloup. Dir.: D E. Ingelbrecht. Tagliafero( Pianistin). Salle Pleyel. 17 Uhr. Orchestre Symphonique de Paris. Dirigent: Alfred Cortot. Solist: W. Horowity( Pianistin). Salle Gaveau. 15 Uhr. Concerts Lamoureux. Dirigent: Albert Wolff. Solisten: Bovy- Fischer( Sängerin) und Gabriel Bouillon( Violinist). Théatre Sarah Bernhardt. 17.30 Uhr. Concerts Poulet. Dirigent: Henri Tomasi. Solistin: Wanda Landowska( Cembalistin). Die Pariser Museen sind am Sonntag( nicht dagegen am 25.) geöffnet. Wir empfehlen insbesondere einen Besuch des Louvre mit den großen Raffaels. Vincis, Tizians, Paolo Veroneses, Grecos. Murillos, Ribera, Rubens, Joerdans usw. Die Venus von Milo und die Mona Lisa sind weltbekannt. Sehenswert u. a. die prunk volle Apollo- Galerie mit den französischen Kronschätzen. Im Saal der antiken Bronzen u. a. ein bei Pompeji gefundener Silberschatz von 94 Teilen. Die modernen Franzosen sieht man u. a. im Musée du Luxembourg, so Matisse, Utrillo, Vlaminck, Dérain, van Dongen, Wandbilder von Toulouse Lautrec, Bildnis des André Gide von Laurens, Paul Valérys Römerkopf von Nidocussé, Bourdelles gewaltiger HeraklesBogenspanner. Im Cluny( Boulevard St. Michel) u. a. jüdische Grabsteine aus 13. Jahrhundert. Gotenkrone aus Toledo, 7. Jahrhundert. Taufmal aus Embsen bei Lüneburg, 14. Jahrhundert. Goldgewebter Mantel des Ordens vom HI. Geist. Goldener parement d'autel, den Heinrich II. der Kathedrale von Basel schenkte. Paß ab, nennt ihm den Termin der Aushändigung des Passes und des beantragten Schriftstückes. Am bestimmten Tage erhält er den Bescheid, daß man auf höhere Weisung hin den Paß eingezogen habe und ihm leider auch das gewünschte Schriftstück nicht aushändigen dürfe. Der zweite Fall betrifft einen erst nach 1919 eingebürgerten deutschen Flüchtling. Er braucht ein Beglaubigungsschreiben in einer deutschen Prozeßsache. Der Konsulatsbeamte läßt sich den deutschen Paß aushändigen. Statt der geforderten Urkunde legt man sodann dem Refugié einen Vordruck zur Unterschrift vor, auf dem er die Kenntnisnahme seiner Ausbürgerung mit dem soeben vollzogenen Paßentzuge bestätigen soll. Das Unerhörteste ereignete sich jedoch dieser Tage auf einer Pariser deutschen Vertretung. Eine junge Emigrantin hatte seit längerem die Verlängerung bzw. Erneuerung ihres ablaufenden Passes beantragt. Sie erhielt schriftlich die Aufforderung, den alten Paß gegen den bereits ausgefertigten neuen umzutauschen. Zum bestimmten Datum mußte sie zunächst den abgelaufenen Paẞ abliefern und wurde gebeten, kurze Zeit zu warten, da man den neuen Paß aus einem anderen Gebäudeteil holen müsse. Nach einigen Minuten erklärte man höflichst, laut ,, höherer Weisung" PARIS- ETOILE , RUE D'ARMAILLE CHEZ KORN LOFF derühm durch seine vortrefliche Küche u. se'ne Spezialitäten Stark besuch von deutschen Gästen Téléphone Etoile 52-49 OFFERIERT ZIGARREN nach deutschem Geschmach Ambassadeurs... Fr. 150,-, Kiste 25 Stück Patriotas Entr'acte . • • .. Fr. 56,25, Kiste 25 Stück • • Fr. 18,75, Kiste 25 Stück Obige mit feinem Sumatra und Brasil angefertigte edem Tabakbüro erhältlich Zigarren sind in dürfe keine neue Legitimation ausgestellt werden, und der alte Paẞ könne, da er abgelaufen, nicht zurückgegeben werden. Man muß nach diesen Erfahrungen immer wieder jeden deutschen Refugié vor Verhandlungen mit deutschen Auslandsstellen warnen. Nach Möglichkeit möge jeder versuchen, für Beglaubigungen usw. die allerdings höheren Kosten für den notariellen Weg aufzubringen, um auch schon das Betreten der deutschen Aemter zu vermeiden. Erfahrungsgemäß ist es im Verkehr mit den Behörden der Gastländer vorteilhafter, einen alten abgelaufenen, als gar keinen Paß zu besitzen. Wer aber einem Hitlerbeamten seinen Ausweis in lodbojW die Hand gibt, muß stets mit dem Verlust seines Legitimationspapiers rechnen! Im Carnavalet( Métro Saint Paul. Haus der berühmten Madame de Sévigné) Geschichte der Stadt Paris. Viele Revolutionssachen, u. a. letztes Schriftstück Ludwigs XVI. Warnende Beispiele für Emigranten Die Frage der Legitimationsansstellung und Paßverlänge: Französisch für Ausländer rung ist für alle Refugiés in dieser mit Grenzkontrollen und Visumzwang gesegneten Zeit von größter Bedeutung. Immer wieder begeben sich politische und andere Flüchtlinge auf die Auslandsvertretungen des dritten Reiches" in dem Glauben, auf den deutschen Konsulaten und Botschaften wie zu früherer Zeit nach den Gesegen internationalen Anstandes behandelt zu werden. Oft gelingt es auch. ein Schriftstück, einen Amtsstempel, eine Beglaubigung, ja sogar ein Einund Ausreisevisum zu erhalten. Aber diese Ausnahmen bestätigen nur die Regel, daß auf den ausländischen ebenso wie auf den inländischen Hitler- Aemtern das neudeutsche Spitzelund Denunzianten- System herrscht. In jüngster Zeit sind wieder drei verbürgte Fälle von Paẞraub auf deutschen Auslandsvertretungen bekannt geworden, die als warnende Beispiele für die täglich geübte Taktik der Konsulats- und Botschaftsbehörden des Hitlerstaates hier mitgeteilt seien: Ein junger deutscher Refugié benötigt ein besonderes Schriftstück seiner Heimatsbehörden, da er sich mit einer Staatenlosen verheiraten will. Man verlangt ihm zur Identifizierung seiner Person auf dem deutschen Amt den TAYLOR HOTEL. 6. RUE TAYLOR, PARIS( 10) ( Gares Nora et Esn Telephone Botzarts 17-83 Schöne Zimmer, mässige Pretse. Wenn Ste gemütlich und ruhig wohnen wollen, so steigen Ste im Hote TAYLOR" 19 b. Ein Gratiskursus für Ausländer zur Erlernung des Französischen findet vom 10. Januar an in der Pariser Arbeiter Hochschule statt. Die Kursusstunden sind jeden Mittwoch 20.30 bis 22 Uhr. Ein Mitglied der französischen Lehrergewerkschaft unterrichtet. Anmeldungen vom 8. Januar an im Gewerkschaftshaus; 211, rue Lafayette, täglich( außer Mittwochs) 9 bis 11 13.30 bis 15.30 und( außer Samstags) 20 bis 22 Uhr. Wir empfehlen einen Besuch dieser Kurse sehr im Interesse aller deutschen Flüchtlinge. Tragödie der Ausweisung Aus Caen( Calvados, Normandie) wird gemeldet. daß dort eine polnische Arbeiterin wegen Diebstahls aus Frankreich ausgewiesen wurde, mit Namen Anna Kubis. Ihr Kind, ein Junge von zwölf Jahren, nahm sich die Anweisung, Frankreich zu verlassen. so zu Herzen, daß er sich an seinem Bettpfosten erhängte. Man fand das Kind mit einem Halstach erdrosselt auf. Porte- Champerrei Hotel Grill- Room Berthier 173. Bd. Berthier. rél, Carnot 72-47 Möblierte Wohnungen. Aller Komfort Badezimmer Küche usw. Monatlich und wöchentlich. Nach Wunsch Pension Mäßige Preise, Métro Champerret. Aut. S. C B. 9- bis, CA. BY. 53 X. Koschere Margarine Gesucht Provisions Vertreter und Grofisten an allen bedeutenden Orten in ganz Frankreich zum Besuch von jüdischen Kolonial warengeschäften, Bäckereien, Fleischereien und Restaurants zwecks Verkauf von Kosch. Margarine, hergestellt in Frankreich und wesentlich billiger als bisher importierte Auslands ware. Errichtung von Lager gegen Kautionsstellung. Nur solvente bei genannten Abnehmerkreisen bestens eingeführte Herren bewerben sich unter genauer Angabe jetziger Tätigkeit und Beilage von Lichtbild an: Publ. 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Pariser Theaterbrief Marie Ventura als Phaedra- Die zweite Aufführung Reinhardt im ,, Oeuvre" Bruckners ,, Die Rassen" Was immer auch über die Pariser Theaterkrise an Richtigem und Falschem gesagt und geschrieben werden mag: es muß mit besonderer Freude und Genugtuung konstatiert werden, daß die wichtigsten und ernstesten Versuche, der Bühne wieder Wert und Gehalt zu verleihen, vom Publikum verstanden und gefördert werden.„ Milmort", die kostbare Dichtung von Paul Demasy, hat das Jubiläum ihrer hundertsten Aufführung im„ Théatre de l'Oeuvre" festlich begangen und hat den Glauben einer der kuragiertesten Pariser Direktionen an Werk und Autor aufs glänzendste gerechtfertigt. Charles Dullin hat mit seiner imponierenden Inszenierungsleistung an Shakespeares Richard III" die fünfzigste Vorstellung längst überschritten und volle Häuser scheinen ihm auf längere Zeit fest gesichert. Daß die ,, Comédie- Française", neben Shakespeare, im Abendspielplan Racine gibt und„ Phèdre" in Marie Marie Venturas genialer Verkörperung soeben wieder gezeigt hat, ist der Beweis, daß der Genius auf Frankreichs Bühnen sein Recht noch nicht verloren hat. Marie Ventura als Intrepretin Racines beweist zweierlei: die Ueberzeitlichkeit dieses größten französischen Klassikers und die Unüberbietbarkeit der Rumänin Ventura als Interpretin der modernen jawohl der modernen tragischen Dichtung. Nach dieser Prämisse lohnt es vielleicht zu fragen, in welcher Weise das ausgewanderte Deutschtum dem Bühnenleben Bereicherung zu bringen vermag. 99 Seit Locarno war Goethe, mit Faust I" und„, Clavigo" im staatlichen ,, Odéon" zur Inszenierung gelangt. Das ,, Oeuvre" spielte von Kaiser Kolportage" und„ Brand im Opernhaus". Bruckner erlebte im ,, Théatre des Arts". in dem damals das Ensemble Pitoeff spielte, mit seinen„ Verbrechern" und, dank der Truppe des Brüsseler ,, Théatre du Marais", im„ Oeuvre" mit Krankheit der Jugend" entscheidende Erfolge. Die Bearbeitung des Volpone" durch Stefan Zweig und Jules Romains wurde zu einem der größten Triumphe des Théatre de l'Atelier". Leonhards Franks ,, Karl und Anna" wurde durch Gaston Baty im„ Théatre de l'Avenue" beachtlich interpretiert. Unter Verzicht auf eine zu kostspielige Einstudierung des Gesamt- ,, Faust", hat Frankreichs Nationaltheater, die ,, Comédie- Française", sich durch eine würdige Morgenfeier an des Landes festlichen Kundgebungen zum Goethejahr 1932 beteiligt. Mit einem vorzüglich eintrainierten Ensemble spielte Doktor Wachtel dara, Blut, and Hautkrankheiten 123, Bd. Sébastopol.- Sprechstunden v. 9-12 u. 2-8 Uhr. Sonntags vormittags Nase, Hals, Ohren. 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Januar herauskommen soll, schon jetzt die Hoffnung auf ein ständiges Pariser Theater deutscher Zunge geschöpft werden darf, ist nicht ganz leicht zu sagen, nachdem selbst die ,, English Players" die Erfahrung haben machen. müssen, daß sie heute auf Tournee ein sichereres Einkommen finden als in Paris, wo sie vor einigen Jahren mit einer vielmonatlichen Spielzeit und starken Besuchsziffern zu rechnen hatten. Grundsätzlich ist heute schärfer denn je zu betonen, daß deutsche Sprache und deutsche Kunst in Frankreich nur aus Spitzenleistungen Erfolg und Ansehensmehrung zu erhoffen haben. Hans- Adalbert v. Maltzahn. Dr. Siegmund Hirschi Allg.prakt. Arzı Frauen- und Kinderkrankheiten Sprechstunden. leden Tag von 1-3 und 6-8 Uhr Sonntags 8-10 Uhr Baris( 20) 92. Rue Pellepori ( gegenüber n- ro Belleport) Ménilmontant 55-96.( Nachtvisiten). Damenscneider J. Mastchenko 1. Rue du Marché St. Honoré. Kleider, Mäntel, Moissi den Lebenden Leichnam" und..Hamlet" und erntete stürmischen Beifall bei Publikum und Presse. Die sich zu einem Gastspiel Eugen Roberts mit„ Erdgeist" und Schnitzlers Einsamem Weg", trots einer weit offiziöseren Protektion dieses zweiten Versuches, weit reservierter verhielten. Den Versuchen Pitoeffs an Schnitzler sowie den Bemühungen eines proletarischen Theaters um Toller, Friedrich Wolff und Chlumberg blieben die weitergreifenden Wirkungen ersagt. 99 Der erste deutsche Regisseur, von dem Paris einen unmittelbaren Eindruck gewonnen hat, war Erik Charell, der zweite Max Reinhardt, die beide mit dem ,, Weißen Rößl" und der Fledermaus" den irrigen Eindruck gefördert haben dürften, daß deutsche Bühnenkunst in erster Linie auf Schaustück und technische Leistung erpicht sie. Es wird unter diesen Umständen ein besonderes Interesse haben, wie die weiteren deutschen Regisseure ihre Sendung verstehen. Erscheint es doch leider schon als feststehend, daß Reinhardt sich, als zweite Leistung in Paris, die Inszenierung eines Stückes von Alfred Poznansky- Savoir und Prinzessin Bibesco vorgenommen habe. Bezeichnend ist es, daß für diese Aufführung schon wieder vom„, Théatre Pigalle die Rede ist, da ,, Die Fledermaus", nach ihrer meist recht negativen Aufnahme, wohl kaum mit den Charrellschen Erfolgsserien zu rechnen hat. Trotz aller sympathischen Zurückhaltung. die er in Paris an den Tagen legt, beginnen sich die Augen der Pariser Verehrer deutscher Inszenierungskunst auf Victor Barnowsky zu konzentrieren, der im ,, Théatre Ventura" zu Bukarest einen sensationellen Erfolg als Shakespeare- Regisseur gefeiert hat. Vorläufig verlautet jedoch noch nichts Positives über die Art, in der Barnowsky im Bühnenleben der französischen Hauptstadt seinen Platz zu übernehmen plant. Auch über die Pariser Projekte Francesco von Mendels sohns, der auf die Inszenierung französischer Konversationswerke hinzuzielen scheint und durch seine vorzügliche Beherrschung der Landessprache in dieser Hinsicht vielleicht eine Chance besitzt. sowie über die möglichen Pläne Alwin Kronachers, der in den Pariser Theaterkreisen als deutscher Goethe- und Raynal- Spielleiter einen begründeten Ruf genießt, scheint vorläufig noch nichts entschieden zu sein. Andererseits darf man wohl schon als feststehend ansehen, das Bruckners ,, Rassen" allernächstens auf einer französischen Bühne gezeigt werden, da sich die tatkräftige Leitung des Oeuvre" für diesen Zweck schon die französischen Rechte an dem Werk und den Regisseur Raimond Rouleau gesichert hat. In diesem Falle war zweifellos die Bestimmung eines französischen Spielleiters geboten, um gegen den künstlerischen Wert der geplanten Aufführungsserie nicht Einwände wie Emigrationskundgebung" usw. Tel. 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Wir, als gewitzte Theaterfreunde, wissen, was das bedeutet. Der Ausschuß erlebte ferner eine„ Coriolan"-Debatte, zu der sicher nicht Shakespeare, höchstens vereinzelte Rechtsdemonstrationen anläßlich der Aufführung des großartigen Werkes im Hause Molières Anlaß gegeben haben können. Einzelne Posten bei den Kunstakademien, die gestrichen waren, wurden wiederhergestellt. Von den 18 Millionen die für die Wiederherstellung historischer Monumente im ehemaligen Kriegsgebiet vorgesehen waren, fielen 1,5 Millionen dem Rotstift zum Opfer. Antragsteller zum Theateretat war Archimbaud, Abgeordneter des Kreises Drome in den Rhone- Alpen. Doktor. Wir hoffen, daß dieser Dant Sie noch vor der Rückkehr in unser Land der Freien und Frommen erreicht, da Ihnen dort schwerlich jeden Tag die„ Deutsche Freiheit" zugestellt werden kann. Daß man auch eine fast siebzigjährige Frau dauernd unter Polizeiaufsicht stellte, ist eine Schande für das herrschende System und eine Ehre für unsere greise Kämpferin. Den Hereinfall mehrerer allzu rasch Gleichgeschalteten haben wir mit Befriedigung zur Kenntnis genommen. Wenn wir mit einer Maßnahme der regierenden Barbaren einverstanden sind, so mit der, daß sie so viele Gleichgeschaltete trotzdem hinauswerfen. Daß man Ihnen und Ihren Freunden das Geld gestohlen hat, gehört nun einmal zu der neuen deutschen Staatsmoral. Von einem Räuberhauptmann tönnen Sie nichts anderes als Plünderung erwarten, und seine Spießgesellen eifern ihm nach. Treue Grüße. Pilsen. Wir bitten um weitere Berichte. Jeunesses Patriotes. Euer grünes Flugblatt sieht aus, als habe es das Reichspropagandaministerium bezahlt. Dafür spricht auch, daß Ihr es in Französisch und in Deutsch anbietet. Gut ist es aber nicht. Das kann man in Berlin bejjer. Laßt Euch doch Eure Flugblätter im Reichspropagandaministerium schreiben und holt Euch gelegentlich Euren Gesinnungsfreund Göbbels zu einem Instruktionskurs nach Paris. Preußischer Pressedienst. Ihr müßt eine„ Greuelnachricht" des " Manchester Guardian" dementieren; und zwar über Schulverhält nije in Oberschlesien. Den jüdischen Kindern, so schreibt ihr, geschehe nichts, Beschwerden sind nirgendwo erhoben worden". Ihr macht euch wieder einmal lächerlich. Was wäre wohl mit den Be schwerdeführern geschehen? Prangerzüge wären das mindeste, wenn sich die Eltern der geächteten jüdischen Kinder wehren würden. Katholik. Unserer Diskretion können Sie gewiß sein. Es ist gar nichts Besonderes, daß ein treuer Katholik und Zentrumsmann an uns schreibt. Wir haben immer gute Freunde in beiden Kirchen gehabt, und ebenso haben wir stets uns durch Parteizäune nicht hindern lassen, die Menschen auch in andern politischen Lagern richtig zu sehen. Das Leben wäre langweilig, wenn man immer nur Gleichgesinnte hörte. Der Gefahr, leichtfertig au urteilen, er liegen wir nicht. Das Leben lehrt uns, weniger mit uns und andern strenge zu sein." Ihre Gesinnungsfreunde an der Saar be urteilen Sie vielleicht zu streng. Ziehen Sie sich nicht verbittert zurück. Noch ist Hitler nicht an der Saar. Noch find viele tausende Ratholiten, genau wie wir, entschlossen, die barbarischen Verfol gungen alles Geistigen vom Saargebiet fernzuhalten. Kämpfen ist die Losung! Nur nicht resignieren! W. R, Berlin. Sie fenden uns einen Ausschnitt aus einer deutschen Zeitung, die in Erfurt erscheint und ihre Leser über eine merkwürdige Erscheinung informierte. Danach soll am 9 Of tober und an verschiedenen Tagen danach über dem Mond ein Tunstkreuz erschienen sein. Ein Mitarbeiter der Zeitung will westlich über dem Mond außer diesem Kreuz noch eine Erscheinung des bayerischen Kronprinzen gesehen haben. Ein weiterer Beobachter meldet, das Kreuz habe sich nach einer gewissen Zeit so verändert, daß ein Hakenkreuz daraus wurde.(„ Der Seher", Geistwigenschaft liche Rundschau Nr. 11 vom 30. 11. 1933). Sie fragen uns, ob auch wir dieses Kreuz im Mond gesehen haben. Leider miten wir Ihre Frage verneinen. Uns ist eine derartige Erscheinung nicht aufgefallen. Vielleicht liegt das daran, daß im Saargebiet der Mond noch nicht gleichgeschaltet ist oder aber daran, daß wir noch nicht den notwendigen Grad von Mondsucht erreicht haben. Darüber, wie die Erscheinung zu deuten ist, bestehen verschiedene Meinungen. Viele glauben an ein besonders glückhaftes Symbol ( etwa einen neuen Stern von Bethlehem), andere meinen, de Erscheinung sei der Beweis dafür, daß das„ himmelstürmende" Hakenkreuz nunmehr auch seine Herrschaft auf dem Mond ana getreten habe. Wir jedenfalls fühlen uns zur Deutung dieses Wunders nicht kompetent. Wie wäre es mit einer Frage an den Reichsbischof? Für den Gefamtinhalt verantwortlich: Johann Pts in Dubweiler: für Inferate: Ctto uhn in Saarbrücken Rotationsbrud und Verlag: Berlag der Volksstimme GmbH., Saarbrüden 3, Schüßenstraße 5. Umzüge und Stückgutverkehr Paris- Palästina verbilligte Frachtberechnung durch regelmäßige Wochen Sammelladung Verpackung- Lagerung- Versicherung Spezialer Dienst mit Abrute ab DEUTSCHLAND 1. FRANKREICH und PAL ASTINA Billigst und tachgemäß nur durch STERN- EXPRESS- PARIS 8 31, Rue de Petrograd( Nähe Place Clichy) Telefon: Europe 60.10.isteM.idug Mme JABAMIAH Lad weltberühmt, prophezeit nach dem uralten Ritus Tarot. Voraussagt Daten, konsultiert auch schriftlich. Seancen ab 15 Fr. Täglich von 11-7, Sonntag 3-7 Uhr, 16. Pl. Clichy. 3. Stock Schweizerisches und elsässisches Wurstwarengeschäft Kuchenbäckerei. Konditorei, Weine und Liköre Produits Schmid 76, Boulevard de Strasbourg, 8, rue St. Laurent Pacis, bei Gare de l'Est Telefon 4 Linien vereinigt unter BOTZARIS 61-10 ZAHNARZTIN LIGHTENSTEIN 85, Bd. Beaumarchais, Tel. Arch. 80-38, Métro Bastille Konsult. v. 2-7 u. auf Verabredung, Sonntags von 1-3 Uhr