Ans dem Inhalt Çe&l sie frei! Seite 3 TTlenschenôhonontie Seite 4 cKättschen£uthec spricht tBelyien auf neuen Weyen Seite 5 Weihnachten Un Chcistenkcunpf Seite 8 Sinzig«? unabhängige Tageszeitung ventfchiauds Nummer 160—1. Jahrgang Saarbrücken, Donnerstag, 28. Dezember 1933 Chefredakteur: M. B r a u n Polizei gegen Bischöfe Der verbotene Hirtenbrief Wir sind heute in der Lage, den Hirtenbrief der bayerischen Bischöfe in seiner ursprünglichen Fassung mitzuteilen! er ist in dem verbotenen Amtsblatt der Erzdiözese München-Freising vom 8. November enthalten und lautet: „Reichskanzler Adolf Hitler hat das dentsche Boll zn einer Abstimmung am 12. November ausgerufen, um vor »er ganzen Welt den Friedenswillen des deutschen Bolkes »nd seine Zustimmung zu den Kriedensreden des Reichs- kanzlers zn bekunden. Die deutschen Bischöse, die von jeher in ihren Predigten«nd Hirtenbriefen für den Bölker- frieden eingetreten sind, begrüßen dieses össentliche Re- keuutnis zum Friede». Darum werden die Katholiken aus vaterländischem und christlichem Geist ihre Stimme für den Bülkersrieden, für die Ehre«nd Gleichberechtigung des deutschen Nolles erheben. Bei der Abstimmung am 12. November handelt es sich nicht darum, ob wir alle jene Norkommnifle der Nerord« nungen der letzten Monate gutheißen, die nns mit Kummer und Sorge erfüllen? nicht darum, ob wir die gegen die katholischen Bereine«e richteten Maßnahme« iu Bayern und die Snt- Heiligung des Sonntag» billigen. Wir Bischöfe hegen das Vertrauen, daß das Reichdkonkordat auch in bezug aus den Schutz der Religion und öffentlichen Sittlich- keit» in bezug aus die Heiligung des Sonntags, in bezng aus die Bekenntnisschule, in bezug aus die Freiheit und das Eigenleben der katholischen Bereine durchgeführt werde, daß überhaupt die Belastungen des katholischen Gewissens aufhören«nd die Gleichberechtigung der Katholiken vor dem Gesetz«nd im Staatsleben anerkannt werde. Mit dem gleiche« Bertranen werden auch die Katholiken unserer Bistümer am 12. November sich an der Volksabstimmung beteiligen und mit ihrer Stimme für den Frieden unter den Böllern, sür die Ehre«nd die Gleichberechtigung des deutschen Bolkes eintrete«. Die Katholiken bekennen damit aufs«cue ihre Treue zu Volk und Baterland und ihr Einverständnis mit den weit- schauendcn und kraftvollen Bemühungen des Führers, de« deutschen Boll die Schrecken eines Krieges und die Greuel des Bolschewismus zu ersparen, die össentliche Ordnung zu sichern und de« Arbeitslosen Arbeit zu beschassen. Was dagegen die Abstimmung zur Reichstagswahl am 12. November betrifft, handelt eà sich dabei um eine parteipolitische Frag«, die wir mit Rücksicht ans Art.«2 des Reichskonkordats dem freien Ermessen und Gewissen der Wahlberechtigten über- lasse». Vorstehendes darf nur im vollen Wortlaut,«ich« ans- zugsweise nachgedruckt«erden. München, den 8. November 1938. Die bayerischen Rischöfe sür die Erzdiözese München und Freising: M. Card. Fanlhaber. Anmerkung: Obige Kundgebung ist nicht zum Bor- lesen auf der Kanzel bestimmt. Geistlich««nd Ordensleute«erden sich, wenn sie wieder mit Anfragen bestürmt«erde», strenge a» Art. 82 des ReichSkonkordats halten." Am 11. November wurde im bayerischen Rundfunk ver- kündet, die Bischöfe hätten aufgefordert, mit„Ja" zu stimmen. Gleichzeitig erschienen bei den Stadl- Pfarrämtern Polizisten, die den Befehl über- brachten, den Hirtenbrief in den Kirchen nicht zu verlesen, die Landpforreien wurden telegrafisch verständigt. Der Ministerpräsident sprach scharf gegen den Hirtenbrief, be- zeichnete ihn als„politische Tätigkeit" und erklärte, daß im nationalsozialistischen Staat derartige politische Heber- griffe der Kirche nicht mehr geduldet werden würden. Präiaf Bares Zu der Berufung des bisherigen Bischofs von Hildesheim BareS zum Bischof von Berlin wird uns von katholischer Seite aus dem Reich geschrieben: Die Berufung von Bischof Bares aus den zur Zeit wichtigsten politischen Bischofsstuhl, den Berliner, darf alê An- zeichen dafür gewertet werde.»,.daß dje katholische Kirche mit einer Verschärfung der kirchenpolitischen Lage rechnet und deshalb einen Mann mit besonderer Kampkersahrung an den Brennpunkt stellt. Bischof Bares genießt das besondere Ber- trauen der Diaspora in Norddeutschland. Die mehr oder minder vereinzelten und zahlenmäßig häufig sehr schwachen Gemeinden ber Diaspora wissen aus eigenem Erleben, daß in Nazi-Deutschland nicht um Einordnen der Kirche in eine neue Staatssorm gerungen wird, auch nicht nur um die Abwehr von Eingriffen in die Organisation der'Kirche, son- dern. baß eS darauf ankommt, einem allgemeinen geistigen AuflösungS- und Zersetzungsprozeß Widerstand zu leisten, der die Existenz der Kirche und den Bestand der christlichen Lehre insgesamt bedroht. In diesem Kamps ist Bischof Bares eine der wichtigsten Figuren der katholischen Kirche. Als Sekretär der Bischofskonserenz ist er ein hervorragender und geschulter Gegenspieler der Staatsgewalt, so gut wie gegen- über allen anderen Organisationen außerhalb der Kirche und auch sein Einfluß auf dir innerkirchlichen Organisationen darf nicht als gering gewcrtet werden.— Bischof Bares war es auch, der seiner Zeit sehr energisch eingriff, alS der Ber- such gemacht wurde, Brüning aus Berlin zu vertreiben. Er bot dem gehetzten Exkanzler ein sicheres Asyl an steine freistellen an nlditarisdie SdiOler Darmstadt, 22. Dez. Mit Wirkung vom neuen Schuljahr an dürfen nach einer Verfügung der hessischen Ministerial- abteilung für Bildungswesen unter keinen Umständen Frei- stellen an nichtarische Schüler und Schülerinnen verliehen werben. Es sei selbstverständlich, daß im nationalsozialiftt- ichen Ttaar öffentliche Mittel nur an BolkSgenosie» gegeben werden könnten, insbesondere, wenn es in öffentlichen Be langen wünschenswert erscheint, unbemittelten Schülern und Schülerinnen mit besonderer Begabung den Weg zu einer höheren Ausbildung zu bahnen. Die Katastrophe* on Lagny Heber 200 lote and mehrere verletzte Am Weihnachtsabend ging eine furchtbare Botschaft durch die Welt. Ein Eisenbahnunglück von einer Größe, wie.es sc! der Existenz des rollenden Schicnenrades sich noch niemal ereignet hat, ivar geschehen. Oestlich von Paris, in der Näh. der Kleinstadt Lagnn, noch in der Bannmeile von Paris, wa der Straßburger Schnellzug mit einer Geschwindigkeit vo. mehr als hundert Stundenkilometer aus den Expreßz» Paris—Nancy ausgefahren. Dieser Zug wurde nahezu ze> malmt Nur mit Grauen betrachtet man die ersten Bilder dr Katastrophe, ein Gewirr von Eisen und Holz, Koffern. Kle dungsftücken und den Spuren vernichteter Menschen M sträubt llch. Einzelheiten ,u schildern. Sie sind nickt imstan« die grauenhafte Wirklichkeit wiederzugeben. Nur et« e> schütterndes Beispiel von der Wucht des Zusammenpralls Man fand ein Her, und«ine Lunae. aber nicht«ehr den Menschen, dem sie gehörten.. Am Weihnachtsabend wurden bereits 18b T»te gemeldet. Inzwischen ist die Zahl»er Opfer a» s 291 ge- liegen. Wieviele von den furchtbar verstümmelten Opfern noch sterben werden, weiß niemand. Unter den tote» befinden sich einige Deputierte, ein früherer Mi- «ister, der Bürgermeister von Berdun,»ahlreiche Soldaten ind viele Kinder. Fn ganz Frankreich herrscht unsägliche Trauer. An der Un ickSstelle ist man unter Zuhilfenahme von Sranvorrtch ngen fieberhaft tätig, um baS Gewirr der»erstörten Sagen bebe«. Fmmer noch findet man Tote. Bi» auf 28 sind jetz « rekognosziert. Aut einer Länge von nahezu 200 Mete itsaltet sich bei TaaeSnebeln und unter nächtlichen Fackel« in schauerliche« und erdrückende» Bild der Zerstörung. Fortsetzung Seite 3 Gegen direkte Verhandlungen! Nur im Rahmen de» Völkerbundes Paris, 27. Dez. Die politische Arbeit ist in Frankreich auch an den Feiertagen nicht zur Ruhe gekommen. Zur Vor- bereitung des heute nachmittag stattfindende» Ministerrates, dem große Bedeutung für die außenpolitische Entwicklung bei- gemessen«vird, haben die an militärischen Fragen interessierten Minister gestern eine Beratung abgehalten, über die sich in der Morgenpresse ausführliche Angaben finden, lieber- einstimmend«vird erklärt, daß Frankreich die Fortsetzung des informatorische» Meinungsaustausches nicht ablehne, daß es aber gegen direkte deutsch-französische Verhandlungen sei. Alle Beschlüsse hinsichtlich des deutschen Programms könnten nur im Rahmen des Völkerbundes gefaßt«verde«. Das„Echo de Paris" will ankündigen könne», der heutige Ministerrat werde sich in seiner Gesamtheit in aller Form gegen die deutschen Anregungen als Allsgangspunkt für Verhandlungen aussprechen. Der sozialistische.Populaire" erklärt, daß die gekennzeichnete ablehnende Haltung, die der Auffassung Paul-BoncourS entspreche, nicht mühelos durch- drang, denn einer der Minister, der an der Besprechung teil- nahm, sei kür direkte Verhandlungen gewesen. Vielleicht werde der französische Botschafter in Berlin eine Denkschrift zur Uebermittlung an die deutsche Regierung erhalten. ignoras: Die NldtelmOnzen Ein englischer Historiker sagte, daß man den mora- tischen Zustand der Welt am besten nach dem Umfang des Handels mit Opium und mit Nickel beurteilen kann. Allerdings ist heute das Opium weniger kennzeichnend als das Nickel, und die Entwicklung des Nickelhandels spricht eine völlig eindeutige Sprache: Die Welt rüstet auf. Oder soll man wirklich glauben, daß die ganze enorme Steigerung der Nickelproduktion aus die Prägung von Nickelmllnzen in Deutschland zurück- zuführen ist? Aus Kanada wurde vor kurzem gemeldet, daß dort Herr Berg von der I. G. Farbenindustrie über den Ankauf von 10 000 Tonnen Nickelerz verhandelt, was der Menge von 5000 Tonnen reinen Nickels entspricht. Will die I. G. Farbenindustrie auch Nickelmllnzen prägen? Die Welt rüstet auf. Man weiß ganz genau, daß die Aufrüstung Deutschlands seine Nachbarn zu Gegen- maßnahmen veranlaßt. Man las die Berichte über Per- teidigungsmaßnahmen in Belgien, in der Schweiz, in der Tschechoslowakei. Es geschieht aber zweifellos noch vieles, wovon nicht berichtet wird. Atz Baldwin vor einigen Wochen im englischen Parlament davon sprach, daß ein neues Wettrüsten unbedingt verhindert werden soll, war dieses Wettrüsten schon da. Es ist kein Platz sür die Vogel-Strauß-Politik mehr. Die Lage muß so gesehen werden, wie sie in Wirklichkeit ist: die.Gefahr eines neuen Krieges ist ernsthaft und akut. Wenn gefragt wird: wer will denn den Krieg?, so ist die Frage selbst ganz falsch gestellt. Wer hat 1014 bewußt den Krieg gewollt? Von den verantwortlichen Leitern der Politik niemand Jeder wollte seine Ziele ohne den Krieg erreicht haben. Das Unglück bestand aber darin, daß manche von diesen Zielen ohne den Krieg nicht zu erreichen waren, so daß ihre Verfolgung zum Kriege führen mußte. Auch heute oersucht Japan sein impérialiste sches Programm, solange es geht, ohne den Krieg gegen Sowjetrußland zu verwirklichen. Wie lange wird es aber noch gehen? Nicht anders ist es mit den politischen Zielen, die von der Hitlerregierung verfolgt werden. Die Frage, ob Hitler den Krieg oder den Frieden will, ist eigentlich ohne jede Bedeutung. Selbstverständlich würde er am liebsten die Ziele seiner Politik ohne den Krieg er- reichen, und er will erst recht keinen Krieg, solange die anderen unzweifelhaft viel stärker sind als Deutschland. Für die Entwicklung ist aber die Gesamtheit der politi- schen Ziele des nationalsozialistischen Deutschland ent- scheidend und nicht seine laut verkündeten unmittelbaren Forderungen: die Gesamteinfuhr von Nickel und nicht die Nickelmünzen. Die außenpolitische Aktivität de» nationalsozialistischen Deutschland erzeugt, mit seiner Aufrüstung verbunden, die Spannungen, die einmal unerträglich werden müssen ,3 i|l die richtige Formel für die Lage. Es handelt sich even Datum, daß unter den Zielen dieser Aktivität, sei es oer Anschluß Oesterreichs oder eine andere Revision der Grenzen oder die Gewinnung für Deutschland' des be- Vjhmten„Raumes" im Osten, kein einziges ist, das nicht »it der Kriegsgefahr verbunden wäre. Und es darf wohl Kern Zweifel darüber bestehen, daß alle diese Ziele erst recht mit voller Energie verfolgt werden, wenn Deutsch lanos Aufrüstung weit genug vorgeschritten ist. Wenn heute in England und in Italien die Auffassung vertreten «ird, daß keine Wittel vorhanden seien, um die effektive B rüstung Deutschlands durchzusetzen, und daß darum um besten sei, die vorhandenen Rüstungen zu legalisieren, die weitere Aufrüstung aber durch die vereinbarte Kontrolle zu verhindern, so muß man die Frage stellen Und mit welchen Mitteln wird man dann die weitere Auf- rüstung verhindern können? Es werden dann noch iveniger Mittel dazu vorhanden fein als heute. Es war vor zwei Iahren nicht zuletzt die englische Politik, die echen energischen Druck auf Japan verhindert hat. Is: die Kriegsgefahr, im Fernen Osten dadurch geringer geworden? Dieser Hinipeis ist mehr als ein Beispiel. Die Lage im Ferstest Osten ist heute auch für das Schicksal Europas von allergrößter Bedeutung. Es werden für den Fall des russisch-japanifchen Krieges manche Pläne auch in Europa geschmiedet. Die Sowjetregierung mußte neulich zugeben, daß in der Ukraine eine starke nationalsozialistische Be- wegung entstanden ist. Es wird behauptet, daß dort auch die deutschen Agenten am Werke seien. Man hört von den Perhandlungen mit den ukrainischen Nationalisten in Berlin. Wag ist wahr an diesen Meldungen und Ge- rächten? Da solche Dinge zum Gebiete der geheimsten Div'omatie aehören, läßt sich die volle Wahrheit nicht fest- stellen. Es ist aber unzweifelhaft, daß zu den Zielen der nationalsozialistischen Politik eine(vorläufige!) Per- siändigung mit Polen auf Kosten Sowjetrußlands gehört. Polen soll für die Revision seiner Grenzen mit Deutsch- land(Korridor und Oberschlesien) gewonnen werden, indxm Deutschland ihm die Hilfe bei der Aufteilung der Ukraine leistet. Jeder vernünftige Mensch in Polen weiß, daß dies für Polen eine Selbstmordpolitik wäre. Die ukrainische Minderheit ist schon heute für Polen eine schwere Belastung. Eine beträchtliche Vermehrung dieser Minderheit durch die Eroberung noch eines Teils der Ukraine würde Polen nicht starken, sondern erheblich schwächen und dadurch erst recht dem nationalsozialisti- schen Deutschland ausliefern. Man darf aber nicht ver- gessen, dpß Polen auch seinen Diktator hat, von dem noch manches tolle Abenteuer zu erwarten ist. Pilsudski soll zwar vorläufig die deutschen„Arroganzen" abgelehnt haben und namentlich kommt der Verzicht auf den Korridor für Pplen unter gor keinen Umständen in Frage Wer weiß aber, was geschehen kann, wenn im Fernen Osten der Krieg und in der Ukraine dann eine noch viel stärkere nationalistische Bewegung ausbricht? Der Baden für die Abenteuer wird dann auf jeden Fall außerordent- lieh günstig sein. Die Zeit vergeht. Unheimlich ist der Gedanke, daß es vielleicht schon zu spät geworden und die zum Kriege treibende Entwicklung nicht mehr aufzuhalten ist. Es genügt aber, wenn sich eine solche Einstellung durchsetzt: dann wird der neue Krieg wirklich nicht mehr aufzuhalten sein. Der Fatalismus in dieser Beziehung: der Krieg ist: sowieso unvermeidlich, wäre schon an sich die allergrößte Gefahr. Der Wille zum Frieden muß da sein, aus dem der Wille zum Handeln entsteht, zum Handel», das jeden und also auch den sogenannten Präventivkrieg(waren nicht die meisten Kriege mehr oder weniger„präventiv"?) verhindern könnte. Es gibt aber nur einen einzigen Weg. Solange es noch nicht zu spät geworden ist. kann ein solidarisches und entschlossenes Borgehen der Mächte die deutsche Abrüstung durchsetzen und eine allgemeine(nicht für Deutschland allein) Rüstungskontrolle verwirklichen, hinter der eine effektive Macht stehen würde. Bor einigen Monaten konnte das sicherlich ohne die Kriegsgefahr ge- schehen, vielleicht ist dos auch heute möglich, aber nach einiger Zeit wird es sicher schon zu spät sein. . Immer noch leihet die Menschheit an den fürchterlichen Wirkungen der WeltKriese. In der Nickelproduktion ist aber schon eine Hochkonjunktur da. In vielen Ländern wird versucht, das Gold zu entthronen, die Nickelmünzen aber sind auf dem siegreichen Vormarsche. A «à Eigenartiger selbsfmor Lieferauto fährt in die Spree Berlin, 27. Dez. Passanten beobachteten heute früh gegen 8 Ubr in der Hermann Äöring-Straße, unweit des Reichs- lagsgebäliöes, wie ein kleines Lieserauto plötzlich in voller Fahrt von der Fahrbahn abwich und in die Spree hineinfuhr. Der Wagen versank sofort tn den Fluten. Eine Frau, die sich aus dem Wagen hatte befreien können und schwimmend im Wasser umhcrtrteb, wurde von der Feuerwehr gerettet. Erst nach längerer Zeit konnte das Auto gehoben iverdcn. Der Führer des Wagens, der ertrunken ivar, wurde geborgen. ES bandelt sich um einen 28 Jahre alten Gemüsehändler und seine H-J Fahre alte Ehcsrau. Die Frau ist kurz nach ihrer Einlicsernng in das Krankenhaus einem Herzschlag erlege». ES konnte weiter ermittelt werden, daß wahrscheinlich Selbst- mord vorliegt. Der Händler war in erhebliche geschäftliche Schwierigkeiten geraten und lebte mit seiner Frau in sehr zerklüfteter Ehe. Lin„heimtück'scher Angriff" Ein Kaufmann aus Kiel hatte sich das Abzeichen der Nazi- partei an den Rock geheftet und war so geschmückt aus die Straße gegangen Weil er es tat. ohne Mitglied der Nazi zu sein, ist er vom Gericht zu einem Monat Gefängnis vernr- teilt worden Worüber kein Wort z» verlieren wäre, im Gegen eik Aber die Begründung dco Urteils ist zu ichölt: Der Richter beschuldigte ihn, durch daS Anlegen des Ab- zeichens einen„heimtückischen Angriff" auf die Regierung Hitler unternommen zu haben. * Der Reichspräsident hat dem Altertumsforscher Pros. Dr Wilhelm DSrpseld. der zur Zeit auf der Insel SeocaS ln Griechenland wohnt, anläßlich seines 80. Geburtstages den Adlerschild des Reiches mit der Widmung„Dem Altvater der Forschung antiker Baukunst"»erliehen. Me Katastrophe von lagmj Fortsetzung von Seite 1 Sofort nach Bekanntwerden des Unglücks wurde die Schuldfragc aufgeworfen. Gegen die Direktion der Ostbahnen werden schivere Vorwürfe erhoben, daß sie aus Sparsamkeit und Gewinnsucht nicht die nötigen Vor- kehrungen zur Sicherung des Verkehrs getroffen habe. Der Lokomotivführer des Straßburger Unglückszuges und ein Heizer wurden verhaftet, aber ein SchuldbcweiS liegt keineswegs vor, so daß die Verhasteten inzwischen wieder freigelassen wurden. Die Signale funk- Monierten: es fragte sich nur, ob das alte Signalsystem den modernen Anforderungen des Verkehrs noch genügt. Schon wird in der Pariser Presse die Verhaftung des General- direktors der Ostbahn verlangt. Ihm macht man vor allem zum Vorwurf, dah er noch immer die alten Holzwageu im Betrieb lasse. Sie waren bei dem Zusammenstoß sofort zersplittert und eine der Ursachen des grauenhaften Menschenopfers. ES scheint uns» daß es auch hier wie bei früheren Unglücks- fällen nur einen einen einzigen Schuldigen gibt: das kapita- listische S y st e m. Sinter dem Direktor der Oftbahngesellschast stehen die drängelnden Aktionäre, die ihren regelmäßigen Tribut verlangen. Schon liegen Interpellationen in der Kammer vor, Ingenieure und Techniker suchen fieberhaft an der UnglückSstclle nach den Ursachen. Man bringt auch einen zweistündigen Streik ani dem Pariser Ostbahnhos mit der Katastrophe in Zusammenhang. DaS eine ist jedenfalls heute sicher: Der verstärkte WcihnachtSverkehr stand unter dem Zeichen einer vollkommenen Desorganisation. » Welches die Ursachen immer waren: keiner der Toten, die am heutigen Mittwoch in einer gewaltigen staatlichen Trauerfeier aufgebahrt und beigesetzt werden, wird dadurch wieder ins Leben zurückgerufen. Wir trauern mit dem ganzen französischen Volke. Es wäre vermessen, von Völker- Verständigung vor einer derartigen Katastrophe zu sprechen. Einhrelsnng Wrings Auch Thüringen! Der Reichs st atthalter in Thüringen hat auf Vor- ichlag der thüringischen Landesregierung den Rcichsiührer der TS, Heinrich Himmler, zum Kommandeur der Poli- tischen Polizei tn Thüringen ernannt. Nun untersteht die Polizei fast in allen außerpreußischen und außcrbaurischcn Ländern dem Retchsstthrcr der SS. Unverkennbar eilt man einer allgemeinen RetchSpolizci zu, was einer Entmachtung Görings gleichkommt. Es scheint, daß er bald ein toter Mann sein wird. Vielleicht sogar in wörtlichem Sinne. Wie wäre eS mit einem„Kommunistischen Attentat"? Rauhreif als Zerstörer Im vereisten Erzgebirge Chemnitz, 27. Dez. Die schweren Rauhreifschädcn im ae- samten Erzgebirge, die bereits vor dem WeihnachtSfeste ein- setztet» verstärkten sich infolge eines starken, langanhalienden Sprühregens während des ersten Feiertags zu einer fvrm- lichen Rauhreiskatastrophe. Viele Hunderte von Telegrafen st nngen und über hundert Eisenbeton mästen der Stark st romleit nngen find unter der La st der armstarkvereisten Drähte tote Streichhölzer umgeknickt. Seit Sonntag früh sind über IM Mann der Chemnitzer Technischen Nothilfc eingesetzt, die Tag und Nacht arbeiteten. Auch die Reichs- wehr hat eine starke Pionierabteilung entsandt, die in der Gegend von Fohstadt eingesetzt wurde und die Teile der umgeknickten Vetonmasien durch Holzmastcn ersetzt hat. Zur Errichtung der Hilfsmasten mußte das stark gefrorene Erdreich ausgesprengt iverdcn. Am Abend des S. Weihnachtstages konnte der Tclesonverkebr zum größten Teil durch llm- leitung wieder ausgenommen und die Lichtversorauug sicher- gestellt werden. An der Lorelei Durchfahrt geöffnet Die Eisbrecher der Rheinsirombauverwaltung haben am 2s. Dezember die untere Eisbarrc an der Lorelei geöffnet. In der Nacht zum 25. sind die Neste der oberen Barre ab getrieben. Seitdem besteht eine durchgehende Wasserrinnc im Standeise. Beiderseits der Rinne ragt das PackeiS drei Meter und mehr über den Wasserspiegel heraus und droht stellenweise abzustürzen. Da die Wasserrinne sich nicht überall mit dem eigentlichen Fahrwasser deckt, ist die D u r ch k a h r i nicht geiabrloS. Das Wasserbauamt Koblenz hat des halb oberhalb an der sogenannten Bank bei St. Goar zur Warnung der Tchiisalirt Sverrilagaen setzen lassen. A u> den Nebenflüssen t st der EiS stand noch u n- verändert. Bat Nouaita Reichspräsident v Hindcnbnrg hat dem vormaligen Ver- walter der Handzeichnnngen und Sticke des Britischen Mv- ieums, Campbell B o d g s o n, der ein besonrerer Kenner der Kunst Albrecht Dürers ist, die G o e t h e- M e d a i l l e für Kunst und Wissenschaft verliehen. Der Sowjetbotschaster T r o i a u owski ist«ach Washington abgereist. Während derWeihnachtSseiertage sind i« den Bereinigten Staaten ungefähr>00 Personen— vorwiegend durch AutounfSlle— tödlich»er- u n g l ü ck t. Ans S ch a« g h a i wirb gemeldet: Be! dee Beschießung >» 11 ch a n 8 durch Flieger der chinesischen Nanking-Armee sollen 1000 Personen den Tod gesunden habe». Die Philippin«« wurden am ersten Weihnachtsfeier- tag von einem heftigen Ausbruch des Vulkans Bulusa heim- gesucht. Man zählt bisher 1 9 Tote. Am Hl. Abend entstand in einet Kirche in Manila infolge falschen Feueralarms ein« Panik. Die Menge strömte tum Ausgang und in dem Gedräng« wurden s t c 1 1 n P 11- tonen totgetreten. AuS Rouen wird gemeldet: Der französisch« Schlepper „Athos" stieß infolge ungeschickte« Manövers mit de« Die Verständigung kommt nicht von den Toten, sondern sie muß das Werk der Lebendigen sein. In dieser verworrenen und gespaltenen Zeit ist schon viel gewonnen, wenn die Ge- bote der Menschlichkeit und des Mitgefühls mit den Leiden anderer wenigstens für eine kurze Weile wicdcrerwcat werden. LodiiQhrer and nelzer frei! Stürmische Begrüßung durch die Kollegen! Paris. 27. Dez. Ter Untersuchungsrichter in Meaux hat gestern abend ine Freilassung des Lokomotivführers und deS Heizers des verunglückten D-Zuges Paris— Straßburg an- geordnet. Die beiden Eisenbahner sind, als sie von Mcaur. aus nachts die Rückreise nach Paris antraten, von ihren aus dem Bahnhof in Meaux anwesenden Kameraden stürmisch begrüßt worden. Nach gewissen Zettungen ioll eine Probefahrt emes eigenS zusammengestellten Zuges den Eiienbahnsachverständtgen die Feststellung ermöglicht haben, daß die Signale aus der frag- lichen Strecke tatsächttch schleckt funktionierten. Zwei Frauen, die bei dem Eisenbahnunglück ums Leben gekommen sind, sind bis heute noch nicht identifiziert. vie Resettling Paris. 26. Dez Die Toten des furchtbaren Eisenbahn- «nglttckà sollen am morgigen Mittwoch beigesetzt werden. Unter d"n Toten befinden sich u. a. der Abgeordnete Schleifer, Rürgermeister von Nauen, der trübere Unter- staatssekretär Morel und Senator Hachette. Auch ist der schwerverletzte ehemalige Hondelsminiitcr Rolliitz heute vor- mittag seinen Verletzungen erlegen. Der deutle Botschafter bat heute vormittag der fron- zösischen Regiernna im Namen der Reichsreaterung und tu seinem eigenen Namen das Beileid ausgesprochen. Sndie nadi Antarktis Erfolglos Wellington(Neuseelands. 27. Dezember. Der amerikantsche Forscher Admiral Bord hat. wie Reuter meldet, das Land, das er in den antarktischen Gewässern zu finden ei wartete, nicht entdecken können. Er startete mit dem Flugzeug von seinem Erpeditionaschiif gestern um 10.53 Ufir und kcnrie zwischen 15 und 16 Nhr wieder zurück. Auf seinem Fluge folgte er dem 150. Längengrad bis zum 70. Breitengrad, vlber das tn der dortigen Gegend erwartete Festland wollte sick nicht zeigen. Erzhlsdiof ermordet Armenische Rache Reuyork, 26. Dezember.(Europapreß.) In der Neuyorker Oeffentlichkeit herrscht ungeheure Ausregung über d'e Ermordung deS armenischen Erzbischofs Leon Tnrain. der während einer kirchlichen Feier von mehreren Mördern« r- stocken wurde. Nur mit Mühe konnten die Täter vor der Lynchjustiz durch die ausgebrachte Ktrchengemeinde geschützt werden. Bisher gelang es, fünf Mitglieder der Mörderbandc zu verhaften, doch soll sich der eigentliche Mörder, der den tödlichen Dolchstoß geführt hat. tn Freiheit befinden. Die Täler gehören angeblich dem T a s ch n a g- K om i t e e an. dessen Leitung in Boston, nach einer anderen Verston in Parts, sich befinden soll. Die Mitglieder dieses Komitees bekämpften den Erzbtschof, weil er angeblich Anhänger des Sowjetsysiems war. Nicht weniger als 25 Mitglieder des Komitees haben dem Gottesdienst beigewohnt, währenddessen der Mord begangen wurde. vas Jülircrprlnzip" Die gelackmeierten Kreisausschüsse Die Lanöräte der hessischen Kreise Rotenburg und Ziegen- Hain, von Tombais und von Tteinrück haben Mißtrauens- votcn ihrer nationalsozialistischen KreiSäuSschüsse erhalten, die damit den Rücktritt der be'dcn Landräte erzwingen woll- ten. Beiden Laiidrälcn, die schon früher weit rechts eingestellt waren, wird zum Vorwurf gemacht, daß sie erst bann der Nationalsozialistisch?« Partei beigetreten seien, nachdem sich daS Regime stabilisiert habe. Zwar ist man reichlich spät zu diesen Feststellungen gekommen, wahrscheinlich Hot sich früher kein anderer für diese Posten acfnnde». Beide Land- rät« lehnen ab, zurückzutreten Tic haben tn der. wenn auch kurzen Zeit ihrer Mitgliedschaft bei der NSDAP., die Grundsätze der nalionaliozial sti chcn Ttaatssührung zu eigen gemacht. Sic erklären ihren KreiSparlamenlep, daß ihre Be- ichlüssc für die Katz feien. Nach dem Flihrcrprinzip lind Ab- stimmungen über Ein- oder Absetzung von Staatsbeamten vnzuläss'g. Das Nazi-Organ. die lurhcssilche»Landes- zeilung". is, über diese Antwort verlegen. Sie spricht von einem„sal'ch verstandenen Fübrerprinzip". Die Hessen sehen mit einer gewissen Heiterkc't der weiteren Entwicklung dieser Staats- und Führerafsär« entgegen. Dampfer, den er im Schlepp hall«, zusammen und sank. Zwei Mann der Besatzung des Schleppers ertranken. Im 55. Lebensjahr starb in Prag Alexander Prinz in Hohenlohe-Waldenburg-Schillingssürst. Laut„Matin" wird das südslawische KSnigSpaar im Januar zu einem offiziellen Besuch nach Paris kommen.— Auch König Carol von Rumänien nnd Außenminister Ttt», lcSc« werden hier im Januar zu einem Besuch der srau- zösischen Regierung erwartet. Ein mit SA.»Männer» besetzter Lastwage« stürzt« in«tuer Kurv« bei Weiden(Oberpfalz) eine hohe Böschung hinab. Fünf Insassen wurden verletzt, einer getötet. Der Direktor der städt. Krcditgesellschast in B a y o n« e lourde verhaftet, weil er gefälschte Wertpapiere von über 600 Millionen Franken anSgcgeben hatte. Eine Ausgabe des Pariser„Petit I« u t n a I" wurde ivegeu eines Artikels über den Reichstagsbrandprozeß sür daS dentsche Reichsgebiet beschlagnahmt. Paris, 27. Dez. Der starke Frost, der in de« letzte« Tagen iu ganz Frankreich herrschte und erst seit Dienstag einer allgemeinen Erwärmung Platz gemacht bat, hat tu der Gegend von Toulouse großen Schaden angerichtet Eine erst kürzlich angelegte Ueherlandleitnng für elektrischen Strom ist vollkommen zerstört worden. Di« Drähte sind infolge deS FrosteS gerissen«ud die Betonpfeiler geplatzt Der Bach» schade« wird ans»der fünf Missionen Frauke« geschützt. '*• 4., Kriegsfahr 1935? Saarbrücken. 27. Dezember. Zu den Propheten eines baldigen Krieges hat sich nun- mehr auch der frühere Führer der Kadettenpartei im zaristischen Rußland M iljukow gesellt. Er hat in einem geschlossenen Kre'se in London in einer Rede er- klärt, gegenwärtig würden geheime Verhandlungen zwischen Deutschland und Japan zur„S ä t t i g u n g d e s Hitleristischen Molochs durch russische Bissen" geführt. Der Termin des Krieges sei bereits festgesetzt und laute:— 19 35? Die Auffassung MiljuKows mag so richtig oder so falsch sein wie die anderer Kriegspropheten für die Jahre 1934. 35 und 36— eines an seinen Ausführungen ist zweifellos richtig: Der hitlerische und der ihm wesensverwandte japanische Imperialismus haben bereits eine d i p l o- matische Umwälzung von weltgeschicht- licher Bedeutung in einer vollkommenen Umkrempelung der politischen Lage und den Bezug neuer Positionen Rußlands gegenüber Deutschland und Japan ge- zeitigt. Es wiederholen sich in unheimlicher Parallele und mit düstersten Aspekten, aus deren Dunkel nur die grelle Brandflamme des kommenden Krieges aufzüngelt, d i e diplomatischen Vorgänge, die das letzte Jahrzehnt vor dem Kriege charakterisiert haben. Es war der Jude, Demokrat. Pazifist und Repu- blikaner R a t h e n a u.' der die von Bismarck über- kommene Politik der russischen Gegenoersicherung mit dem Vertrag von Rapallo wieder aufnahm. Und es war der liberale und in seiner nächsten Verwandtschaft nichtjudenreine Stresemann, der diese kluge Bis- marckpolitik durch den BerlinerVertrag mit Ruß- land weiter festigte. Aber wie auf Bismarck der größenwahnsinnige Wil- Helm II., so folgte auf Rathenau und Stresemann der psychopathische Hitler: Wie der große Dilettant Wil- helm II. die weitsichtige Bismarcksche Rückendeckung durch Rußland fahren ließ, so hat der noch größere Stümper Adolf Hitler in brutaler Sturheit die Verträge von Rapallo und Berlin zwar nicht faktisch, aber praktisch zer- rissen— und der VermittlungsversuchMusso- l i n i s beim Besuche Litwinows in Rom ist gänzlich ge- scheitert. Aber eine andere Parallele ist nicht minder auf- schlußreich und unheilverkündend für das Deutschland einer neuen Gloria- und Heldenpropaganda. Als Pendant zur verhängnisvollen Schwenkung der deutschen Außen- Politik unter Hitler, die den gleichen Vorgang unter Wilhelm II. kopiert, wiederholt sich im bolschewistischen Rußland jene Schwenkung des Zarismus nach dem eng- si- lisch-russischen Abkommen von 1997: Damals kehrte das .nc zaristische Rußland von seiner fernöstlichen und orientali- schen Politik zurück, und gab sich mit besonderem Eifer der Aufgabe des Beschützers und Vorkämpfers des Slawentums gegen Alldeutschland und seinen Pan- germanismus hin. Das bolschewistische Rußland hat seit der Aggressivität des Hitlerbarbarismus eine ähnliche Schwenkung in seiner Außenpolitik vollzogen: Die lange Reihe bilateraler Abkommen Moskaus seit Frühjahr dieses Jahres mit seinen gesamten westlichen Nachbarn vom nördischen Eis- meer bis zum Indischen Ozean, insbesondere seine starke Annäherung an P o l e n und Frankreich, gekrönt jetzt durch die Verhandlungen mit Mussolini und insbe- sondere durch die Wiederaufnahme der diplo- matischen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten von Nordamerika, kennzeichnen die russische Neuorientierung, die gleicherweise die Probleme des Stillen Ozeans wie die Europas in seiner Neu- gruppierung der Kräfte maßgebend beeinflußt hat. von der noch niemand zu sagen weiß, ob sie lediglich das neue Bündnissystem für eine unvermeidliche blutige Auseinandersetzung, oder aber eine Dämpfung bzw. Er- ledigung des hitlerischen wie des japanischen Militarismus mit anderen Mitteln als denen des Krieges bedeuten wird. Jedenfalls hat Hitler die e r st e Schlacht gegen Ruß- land und leinen„Marxismus" im Leipziger Reichstags- brandprozeß bereits verloren. Nicht nur. daß ein einziger D i m i t r o f f hunderttausend Hitler in die Tasche steckt—, nein, es ist ihm außerdem nicht gelungen, den Kommu- nismus an seiner Statt als den Weltbrand st ifter anzuprangern. Wo die gefährlichen Petroleure der Politik unserer Tage zu suchen sind, das ist seit dem Prozeßaus- gang von Leipzig noch klarer geworden: Sie tragen a u f oder unter dem Rockkragen ein Hakenkreuz! Diesen ersten fehlgegangenen Schlag Hitlers aber hat Rußland durch einen zweiten wirtschaftlichen beantwortet, der Rußlands Loslösung und Distanzierung von einem wahnsinnigen Gegner, dessen dritter Schlag die blutige Auseinandersetzung des Krieges sein wird, ganz wesentlich erleichtert. Noch im Jahre 1933 muhten die Russen zirka 799 bis 899 Millionen Kredite an Deutschland zurückzahlen und das amtliche Wolff-Büro selbst hat ja die ohn- mächtigen wutschnaubenden Ausführungen Dörings im Reichstagsbrandprozeß desavouiert, indem es feststellte, daß die Rüsten bisher allen Wechseloerpflichtungen pünkt- lich nachgekommen seien. Um das allerdings zu können, mußten sie ihre Einfuhr radikal einschränken, fast ihre ge- samte Goldproduktion ausführen und außerdem einen Überbrückungskredit hitlerdeutscher Banken in Höhe von 149 Millionen in Anspruch nehmen. 1934 ist nur etwa die Hälfte dieser Summe von früheren russischen Krediten her sällig. Und die politische und GeM sie frei! Stellt die Schuldigen fest und setzt die Opfer in Freiheit An alle! In Leipzig hat das Reichsgericht Dimitroff. Torgler, Popoff und Taneff freigesprochen. Der Freispruch ersolgte trotz der wiederholten Denunziationen der vier Anti- saschisten als Brandstifter durch die preußische Polizei, durch die Untersuchungsbehörden, durch den Oberreichsanwalt, durch die offizielle deutsche Presse, durch die Minister Göring, Wöbbels und Hitler. Der Freispruch wurde erkämpft durch das heroische Auftreten Dimitrosfs vor dem Gericht, durch die ständig anwachsende Massenbewegung, durch den Protest zahlreicher Intellektueller, besonders durch die Arbeit des Untersuchungsausschusses zur Aufklärung des Reichstags- blandes, durch die öffentliche Weltmeinung, die einstimmig Dimitroff, Torgler, Popoff und Taneff mit Recht als un- schuldig betrachtet. Vergeblich versucht die faschistische Presse diesen durch die Weltmeinung erkämpften Freispruch in Leipzig als einen Beweis sür die Objektivität des Rechts in Hitlerdeutschland hinzustellen.— Dieser demagogische Versuch wird nicht gelingen! Im Widerspruch dazu stehen zu viele der ganzen Welt bekannte Tatsachen: die Durchführung von Hunderten von Prozessen gegen Arbeiter, Pazifisten, Juden hinter verschlossenen Türen.- die Hinrichtung von zahlreichen Antifaschisten aus Grund von Prozessen, an denen keine objektiven Beobachte» teilgenommen haben, die Einkerkerung von AXIliM Unschuldigen in Zucht- Häusern und Konzentrationslagern und der Meuchelmord an 3MN Antifaschisten! Mit dem erkämpften Freispruch ist ein erster Erfolg von den Antifaschisten aller Länder, von der Einheitsfront zur Er- kämpfung der Wahrheit und zur Verteidigung des Rechts errungen worden. Aber dabei darf es nicht bleiben. Es gilt den Kamps in verbreitertem und verstärktem Maße weiter- zuführen! Noch sind die vier Freigesprochenen in den Händen der faschistischen Gewalthaber, die offen mit einer Lvnchjustiz gedroht haben. Es gilt deshalb die sofortige Haftentlassung für Dimitroff, Torgler, Popoff und Taneff und die Siche- rung ihres Lebens zu erkämpfen. Es gilt die Sicherung der freien Abfahrt und die freie Grenzwahl für die drei Buk- garen zu erringen. Darüber hinaus muß heute dafür gekämpft werden, bah die wahren Schuldigen an dem Verbrechen des Reichstags- braudes festgestellt werden Die erst« Voraussetzung dafür ist, daß der wichtigste Zeuge, van der Lübbe am Lebe« bleibt. — Van der Lübbe darf nicht, unter Verletzung sundamen- taler internationaler Rechtsgrundsätze, gehenkt werden! Van der Lübbe ist unentbehrlich in dem Wiederaufnahmeverfahren zur Feststellung der wahren Schuldigen am Reichstagsbrände. An seinem Leben haben alle diejenigen Interesse, die die wahren Schuldigen des Brandes feststellen wollen. An seinem Tode haben nur die Mit- t ä t e r Interesse, die in van der Lübbe einen der wich- tigsten Zeugen aus der Welt schaffen wollen.— Das unterzeichnete Komitee fordert deshalb, daß das Todesurteil an van der Lübbe nicht vollstreckt wird, und daß er zur Verfügung für das notwendige Wiederaufnahmeverfahren gehalten wird. Umsonst versucht das Reichsgericht durch die Urteil?- begründung erneut die Unwahrheit zu verbreiten, daß die Täter in den kommunistischen Kreisen zu suchen sind. Alle Tatsachen sprechen dagegen! Die Notwendigkeit der Freisprechung der vier an- geklagten Kommunisten, die Aussagen von van der Lübbe, der seinen Verkehr mit Nationalsozialisten zu- gegeben hat.- die Sachverständigengutachten, ja, Göring selbst, der vor Gericht ausgesagt hat, daß die Täter nur durch den bekannten unterirdischen Gang gekommen und durch ihn zurückgegangen sein können. Alle Feststellungen in dem Leipziger Prozeß, besonders auch in dem Gegcnprozeß in London haben zweifelsfrei ergeben, daß die Täter nicht aus kommunistischen, sondern aus nationalsozialistischen Kreisen stammen. Wenn trotzdem das Reichsgericht in der Begründung des freisprechenden Urteils erneut die falsche Behauptung auf- gestellt hat, daß die Täter aus kommunistischen Kreisen stammen, dann nur deshalb, um der Httlerregierung den Vorwand zur weiteren Einkerkerung von zehntausenden Menschen zu geben, die nichts weiter verbrochen haben, als gemäß der Wahrheit zu sagen: Nicht die Kommunisten haben den Reichstag in Brand ge- steckt, sondern die Nationalsozialisten! Wir fordern alle Frauen und Männer und Organisationen auf, mit uns gemeinsam den Kamps für die sofortige Frei- lassung dieser unschuldig eingekerkerten und aller politischen Gefangenen in Deutschland zu führen. Die Hitlerregierung versucht, sich für ihre entscheidende Niederlage im Leipziger Prozeß durch die Inszenierung neuer HochverratSprozesse gegen Dimitroff, Thälmann, Torgler und andere Antifaschisten zu rächen. Das gilt es zu»erhinderu! Eine gleiche Weltbewegung, wie ste sich zur Befreiung der vier Unschuldigen entwickelt hatte, muß setzt entstehen, um zu verhindern, daß der Plan der Hitlerregierung gelingt, sich durch neue HochverratSprozesse gegen Dimitroff, Thäl« mann, Torgler und andere Antifaschist«« der Opfer zu bemächtigen. Das unterzeichnete Komitee übermittelt den brüderlichen Dank der vier Freigesprochenen an alle Frauen und Männer, die in monatelanger unermüdlicher Arbeit für die Fest- stellung der Wahrheit mit dem Komitee gekämpft haben und wirtschaftliche Annäherung an die Dereinigten Staaten von Amerika(die bereits 1939 einmal die Rekordsumme von 479 Millionen Mark an Waren nach Rußland ausge- führt haben) wird die Russen unter Gewährung lang- fristiger amerikanischer Kredite vom hitlerdeutschen Be- zug unabhängig machen und ihre finanzielle und indu- strielle Bewegungsfreiheit verstärken. Die Amerikaner aber können für sich jene Produktionsbewegung und Aus- fuhrverftärkung einheimsen, um die Herr Hitler und sein wahnwitziges Regiment Deutschland gebrocht hat?— Das politische Fazit der Kriegtreiberischen Politik Hitlers aber dürfte für unser vergewaltigtes deutsche» Vaterland noch weit, weit katastrophaler aussehen, al» das seiner und der Schachtschen Schwarz- und Wirtschafte Künste... kl. L. ruft alle seine Mitarbeiter und Freunde, alle mit ihm ver- bundenen Organisationen aus, den Kamps in verstärktem Maße weiterzuführen für die folgenden Forderungen: Sofortige Freilassung von Dimitroff, Torgler, Popoff und Taneff! i Sicherheit ihres Lebens vor den Mordbuben Görings! Freie Abreise und freie Grenzwahl! Organisierung einer neuen Weltprotestbewcgung gegen die von den Nazis geforderten Hochverratsversahren gegen Dimitroff, Thälmann, Torgler und andere Antifaschisten! Sofortige Entlassung aller antifaschistischen Gefangenen i« Deutschland! Auflösung der Folter- und Konzentrationslager, der Ge- fängnisse der SA., SS. und der Geheimen Staatspolizei! Anklage wegen Brandstiftung, Folterungen und tausendfachem Meuchelmord gegen Göring, Wöbbels und Hitler! Antifaschisten aller Länder! Erweitert den ersten Sieg über die Hitlerdiktatur zu einer entscheidenden Niederlage der faschistischen Diktatur! Paris, den 24. Dezember 1938. Internationales Hilfskomitee sür die Opfer des Hitlersaschismus. Wldeirediflldi eingekerkert Was ein Engländer berichtet Ivor Montagu, der Bruder des Lord Swaithling, ist gestern aus Leipzig zurückgekehrt, wohin er sich begeben hatte, um der Mutter Dimitroffs zur Seite zu stehen. Auf der Durchreise durch Paris erklärte er unserem Mis- arbeiter folgendes: Räch Verkündigung des Urteils wurden die Freigesproche- nen in dasselbe Gefängnis zurückgebracht, in dem sie mäh- rend des ganzen Prozesses in Hast gehalten waren. Wir versuchten mehrere Male, über ihr Schicksal näheres zu erfahren. Man verwies uns zuerst an die Polizei, die Polizei schickte uns zum Reichsgericht, ein Beamter des Reichs- gerichts erklärte wiederum, daß die Polizei zuständig wäre. Dort erfuhren wir nach langem Bemühen, daß die Frage des weiteren Schicksals der vier Freigesprochenen vom Reichs- Innenminister abhänge. Ein englischer Rechtsanwalt begab sich darauf ins Reichs» innenministerium, wo ihm erklärt wurde, daß der zuständige Beamte erst nach den Weihnachtsfeiertagen seine Entscheidung fällen werde. Für unS Engländer war eS unverständlich, daß Angeklagte, die eine solche Leidenszeit hinter sich hatten, nunmehr noch weiter im Ungewissen gehalten werden sollen., Welche Absichten die Reichsregierung den vier Frei- gesprochenen gegenüber verfolgt, ist bis zu meiner Abreise aus Berlin und Leipzig nicht festzustellen gewesen. Ich lab« Leipzig mit dem Gefühl der größten Unruhe verlassen und man kann sich denken, wie die Ungewißheit des Schicksals ihres Sohnes auf die 72jährige Mutter Dimitrosfs wirkt..; Protesflelegramrne Reichskanzler Hitler, Berlin. Sekretariat des Untersuchungsausschusses zur Aufklärung des Reichstagsbrandes erhebt flammenden Protest gegen Bollstreckung Todesurteil an van der Lübbe, die aus rück- wirkendes Gesetz gestützt stop Überdies bedeutet Hinrichtung Lübbes, daß einziger Zeuge, der die wirklichen Brandstifter kennt, für immer verschwindet stop Gesamte Weltmeinung erblickt in eventueller Hinrichtung Lübbe» Absicht. AuS- findung wahrer Brandstifter für immer unmöglich zu machen. Sekretariat Untersuchungsausschuß. Reichsminister Frick, Berlin. Rechtsanwalt Senator Georg Branting beauftragt uns in seinem Namen entschieden gegen neue Verhaftung Dimitrosfs, Torglers, PopoffS, TaneffS zu protestieren, die von gesamter Weltmeinung als Versuch angesehen wird, völligen Zusammenbruch Anklage zu verschleiern stop Rechts- anmalt Branting fordert sofortige Freilassung, Bier Frei- gesprochener freie Abreise, freie Grenzwahl. Sekretariat Untersuchungsausschuß zur Aufklärung des Reichstagsbrandes. Reichsminister Frick, Berlin. Rechtsanwalt Vermeylen beauftrag? uns gegen erneute Verhaftung Dimitrosfs, Torglers, Taneff. Popoff stärksten Protest einzulegen. Sekretariat Untersuchungsausschuß zur Aufklärung des Reichstagsbrandes. Reichsminister Frick, Berlin. Aus Grund Freisprechungsurteil Reichsgericht verlangen sofortige Freilassung Dimitrosfs, Torglers, Popoff», Tanesfs sowie freie Abreise und freie Grenzwahl stop Protestieren energisch gegen durch nichts berechtigte weitere Hast, die von ganzer Welt als Racheakt gegen die Vier angesehen wird. Hilfskomitee für die Opfer des HitlerfaschismuS, Sekretariat. .Tin rehlnrteir Die enttäuschten Nazis Während die ganze sonstige deutsche Presse da» Leipziger Urteil als gerecht feiert, spricht der„Völkische Beobachter" von einem Fehlurteil, das das Volk nicht verstehen werde. Es müßten aus dem Prozeß gewisse Folgerungen gezogen werden Daö ist wohl als eine Drohung gegen die Unabhängigkeit der Richter, die ohnehin nur noch in sehr kümmerlichen Resten besteht, auszulassen. flalland Mr van der Lübbe? Gegen das rückwirkende Gesetz Haag, 25. Dez. Wie halbamtlich verlautet, wird wahrschein- lich der niederländische Gesandte in Berlin wegen des Todes- urteilS gegen van der Lübbe Borstellungen erheben mit der Begründung, daß da» Gesetz, auf Grund dessen van der Lübbe zum Tode verurteilt wurde, erst verkündet wurde, nachdem die Brandstiftung begangen war- Dazu ist zu be- merken, daß die Frage der rückwirkenden Erhöhung der gesetzlichen Strafe bereits von der Verteidigung aufgeworfen war und von dem erkennenden Gericht in feiner Entscheiduug eingehen» gewürdigt worden«st. Menschenökonomie andersrum Die braunen Maschinenstürmer des„dritten Reiches »fe Das Ei des Columbus ist zum Stehen gebracht, das Mittel zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit gefunden! Es ist so kindisch einfach, daß jeder hinterwäldlerische Bauernknecht es hätte ausdenken können. Aber wie es niemanden gelang, ein Ei aufrecht hinzustellen, bevor ein Columbus kam und die Spitze des Eies eindrückte, so mußte eben auch erst ein Adolf Hitler kommen und der Welt folgendes vordemonstrieren: Die Arbeitslosigkeit beseitigt man, indem man die Arbeit, die durch einen Menschen ausgeführt werden kann, durch zwei ausführen lab«. Punktum. Bei sich selbst fing der große Mann, wie sich? gehört, an—„charity begins at home"(Wohltun beginnt Zu Hause), sagt der Engländer. Seine Leibpresse bench- tete das grandiose Beispiel: ein Gästehaus sollte auf dem Sommersitz des klassenlosen Volkssührers errichtet wer- den. Ter Bcn!unterr.*.)iner rückte mit einer Beton- Maschine an. Aber der große Adolf winkte ab: fei n mit der Hand sollte der Beton gemischt werden, da- mit mehr Leute Arbeit davon hätten. Wundert man sich, daß diese Patentlösung— verblüffend einfach wie alles Geniale— allenthalben freudige Nachahmung fand? Bei Notstands- und Wegebauten gab es künftig keine Maschinen mehr. Dann kam der Statthalter von Thüringen auf die Idee, in der Glas- industrie die Flaschenmaschinc zu verbieten, ein Verbot für Maschinen in der T a b a k i n d u st r i e schloß sich an. Und wenn es so weiter geht, dann wird in einem Jahrzehnt der Wanderer durch dag Riesengebirge wieder die Handweber des Hauptmanndramas an ihren Webstühlen sitzen sehen, in jeder Hütte einen.... Es ist wirklich gut. daß Adolf Hitler die Werke von Karl M a r x hat oerbrennen lassen. Bekäme man sie nämlich in Teutschland noch zu lesen, so könnte der oder jener aus Karl Marx Zweifel an dem Wert dieser Art von Arbeitsbeschaffung schöpfen. Ta hat nämlich dieser Karl Marx schon im Jahre 1847 ein Buch geschrieben, worin er die Lehren des Franzosen P r o u d h o n grausam zerpflückte. Da wir gerade dabei sind, so wollen wir bemerken, daß dieser von Marx bekämpfte Proudhon der Schöpfer des berühmten paradoxen Wortspiels ist, das die Göbbels und Konsorten als die Quintessenz bes Marxismus hinzustellen belieben:„Eigentum i st T i e b st a h l." Marx schrieb scharf ablehnend zu diesem Text: „Im besten Fall kommt dabei heraus, bah die bürgerlich juristischen Vorstellungen von„Diebstahl" auch aus des Bürgers eigenen„redlichen" Erwerb nassen. Andererseits verwickelt sich Proudhon, da der„Diebstahl" als geivaltsamc Verlesung des Eigentums das Eigentum voraussetzt, in allerlei ihm selbst unklare Hirngespinste über das wahre bürgerliche Eigentum" Allerdings müssen wir zugunsten Proudhons hinzu- setzen, daß die Hitler. Göbbels und Genossen durch den Diebstahl des Eigentums der Arbeiter- Klasse alles getan haben, um Proudhon gegen Marx ins Recht zu setzen und zu beweisen, daß das Eigentum des„dritten Reiches" in der Tat— D i ebst a hl ist. Dranne Personalbriefe Wie ans Deutschland berichtet wurde, ist es unter- lagt worden, Kündigungsbriefe mit„Heil Hitler!" zu unterzeichnen, llnser Karo-Berichterstatter ist in der Lage, solche gleichgeschaltete Geschäftsbriefe mitzuteilen. Herrn Gotthold Schulze in» Hause. Zu unserem völkischen Bedauern sehen wir uns gezwungen, im Zuge der Arbeitsbeschaiiungsmaftnahmen der ReichSrcgicrung ab t. Januar 1084 auf Ihre Dienste als deutscher Buchhalter zu verzichten. Infolge des allgemeinen SSirtschaltsausschwungeS seit Hitlers Regierungsantritt ha', unser Geschält derart an Umkang zugenommen, dag bei unseren beschränkten Raumverhältnissen für Sie kein Pias mehr frei ich. Dabei dürfte es Ihnen aber als Trost zu Hilfe kommen, dan Tie nicht der einzige sind, dem auf diele Weise Gelegenheit geboten wird, seine ganze Zeit in den Dienst der nationaEn Tacke zu stellen. Indem wir Ihnen aul Ihrem ferneren Lebensweg sas bette Einvernehmen mit der Geheimen Staatspolizei wünschen, zeichnen wir mit Heil Hitler! Deutscher Ttahlwerksverband. » Während die einen vom Posten gejagt werden, gehen die andern aus Posteniagd: An die deutsche Firma Vereinigte Nilpscrdpeitsckenwerke AG. Pinne a. d. K n a t t e r. Bezugnehmend aus die Neugestaltung des Deutschen Reiches vom 5. März l. I. gestatte ick mir crgebcnst. mich um die in Ihrem braunen Hanse derzeit noch von einem natio- nal Unzuverlässigen besetzte Stelle zu bewerben. Der Genannte bekleidet>n Ihrer deutschen Firma den Posten eines'ranrösi'ch-n Brtelwechslers. Ick erlaube Mir untertänigst. Sie daraus au'merksam zu machen, das, dieser Herr— wie mir aus zuverlässiger Quelle mitgeteilt wurde — am 28. Januar lOl'.l bei einer marristilchcn Demonstrativ., als Zuschauer im Spalier band. Ferner babe ick in Er- iahruna gebracht, daft er in direkter Linie jüdischer Abstam- mung ist. da seine leibliche Sckwester einen Mann geheiratet hat. bellen Tante mit einem Iudenstämmling verehelicht ist. Dieser kleine Ausschnitt dürfte genügen, um Ihnen zu be- weise» daft dieser Herr'llr die verantwortungsvolle Stelle voll'o'-ime^ unge-lanet ist Was I'lirb batriM fn-lav!ü' ich all,',, si.>.,bezitalichen A> sorderunaen, h enllprechep. Ich bin 80 Ighre alt und habe nach Ali'ntilirrnna n,Volkskchiilstudien zum Schwert geqris'e« das mir erst durch den heimtückischen Dolcbstoft cntri'len wurde Später batte ick Gelegenheit, im Kapp ....»a„nlnille auszubauen und z» vertiefen. Im Frühiabr 1081 trat ich in die Sturmabteilung ein und i"*,--n der tr.gtge lamoS' i<« Kampf aeaen d-n Kom , 1ir r,„a-ianal-» w?r>,s,„na tgtia Nach der alor'.'tch'nffff'rer« wurde ich in die Konzentrationswerke versetzt, wo ich mich in Ihrer Branche weiter vervollkommnete. Doch nach dieser Abschweifung zurück zur Sache. In seiner Hauptschrift gegen Proudhon„Das Elend der Philosophie" kommt es Marx an einer Stelle darauf an, den falschen Gedankengang Proudhons zu widerlegen, wonach der Wert jeder Arbeit ohne Rücksicht auf ihre gesellschaftliche Notwendigkeit von vornherein etwas Gege- benos sei. Und da schreibt Marx— und er schreibt es nicht nur für Proudhon, sondern auch für die brau- nen Masch! nenzertrümmerer von 19ZZ fast ein Jahrhundert im voraus: „Es ist wichtig, den Umstand im Auge zu behalten, daß, was den Wer» bestimmt, nicht die Zeit ist, in welcher eine Sache produziert wurde, sondern das Minimum von Zeit, in welchem sie produziert werden kann, und dieses Minimum wird durch die Konkurrenz festgestellt. Man nehme für einen Augenblick an, das, es keine Konkurrenz mehr gebe und folglich kein Mittel, das zur Produktion einer Ware erforderliche Arbeilsminimuni zu konstatieren. Was wäre die Folge davon'? Es genügte, auf die Produktion eines Gegenstandes sechs Stunden Arbeit zu verwenden, um nach Herr» Proudhon berechtigt zu sein, beim Austausch sechsmalsovielzu verlangen als derjenige, der aus die Produttion desselben Gegen- standcs nur eine Stunde aufgewandt bat." Damit ist in der Tat alles gesagt. Ein Großverdiener des„dritten Reiches", wie Adolf Hitler, kann sich natür- lich bei seinem Villenbau den privaten Luxus leisten, eine Arbeit, für die unter normalen Verhältnissen nur eine Stunde erfordert wird, in sechsen verrichten zu lassen. Aber das bleibt die Marotte des reichen Sonder- lings, der ebensogut einen Arbeiter dafür besolden kann, daß dieser sechs Stunden lang Sand ins Meer schippt. Auch dos wäre„Arbeitsbeschaffung". Sobald aber die Wirtschast, d. h. die auf Profit ein- gestellte und angewiesene kapital! st ische Privat- Wirtschaft sich aus dies Gleis begibt, richtet sie sich notwendig zugrunde. Kein Mensch gibt dem Fabrikanten für seine Ware einen Pfennig mehr, weil er über- flüssige Arbeit darauf hat verwenden lassen. Nur die notwendige Arbeit erzeugt Wert, nur d i e Arbeit, die einen Wert, wie Marx sagt,„in dem Minimum von Zeit, in dem sie produziert werden kann" herstellt. Allerdings, dies Minimum wird nach Marx durch die Konkurrenz festgestellt. Wenn Hitler diese Konkur- renz ausschaltet, wenn er durch Gesetz sämtliche Kon- Kurrenten eines Berufszweiges zwingt, indem er ihnen die Maschinen wegnimmt, überflüssige Arbeitszeil auf eine Ware zu verwenden— eine Blödheit, die für das Jahr 1847 noch so undenkbar war. daß Marx sich mit dieser Möglichkeit nicht besaßt hat— so verwandelte Hitler zwar auf diese Weise nicht die überflüssige Arbeit in notwendige, aber er verhindert die Feststellung der überflüssigen Arbeit in den Grenzen seines Mackitbereiches. Aber nur in diesen Grenzen! Sobald die Ware, um die es sich handelt, in die freie Konkurrenz des Welt- inarktes gerät, sinkt ihr Preis automatisch auf die Höhe, die allein der notwendigen, nicht aber der über- flüssigen in ihr enthaltenen Arbeit entspricht. Allerdings, Hitler strebt ja zur Autarkie, zu einer von Ich bin perfekter Maschineugewchrschütze und trage bc- sonders in der Stenografie ein cinsilbioes Wesen leine Silbe in der Sekunde! zur Sckau. Französisch, dir Sprache des Erbfeindes, beherrsche ich nicht, doch kann ick mich auch nicht beherrschen, Ihnen zu sagen, daft lich die Welschen zu be- quemen haben, Deutsch zu lernen. Indem ick einer günstigen Erledigung meines Gesuches mit Bestimmtheit entgegensehe, erlaube ich mir noch, auf den Umstand hinzuweisen, daft ich unter der SA. genug Freunde habe, die nötigenfalls imstande wären, mein An- suchen mit den erforderlichen Referenzen zu unterstützen. Hochachtungsvoll Heil Hitler! Baldur Einschlcicher. ..sei seinen Arbelfern" Die kommandierten Zuhörer Zu der Radiorede Hitlers am Freitag vor her Wahl sind, wie wir auf Grund angefertigter Fotos erfahren, .geschlossene Nazizüge in das Siemenswerk kommandiert worden, die folgende Ausweise besahen: Vorderseite: Siemens, 10. 11.»8. Veranstaltung der Neichsregierung in Siemenöftadt Eintritt in das Donomowerk nur innerhalb eines ge- schlossenen Zuges, kür den gültig ist die Nr und nur im Arbeitsanzug lnicht Braunhemd!. Rückseite: Beim Einmarsch Vorderseite sichtbar tragen, innerhalb des Dynamowerkes wegsteckc». Der Platz wird zugewiesen und darf nicht vor völliger Beendigung der Veranstaltung verlasse» werden. Gelegenheit zur Abgabe von llebcrkleitcrn— ohne jede Haftung für Verwechslung. Diebstahl usw.— ist vor» banden. Rauchen strengstens verboten! Aus diesen Ausweisen ist nicht nur erkennbar, daß die Massen, die für den„begeisterten Beifall" sorgten, ge- schlössen in dos Siemenswerk hineingeführt worden sind, sondern auch, daß ihre wahre Herkunft durch Arbeits- Kleidung verdeckt worden ist. Vorsichtshalber mußten die Ausweise versteckt werden, damit die Auslandsvertreter. Journalisten und Fotografen keinen Verdacht schöpften! lind niemand durfte vor völliger Beendigung der Koni- mandierten Veranstaltung den ihm zugewiesenen Platz » rlassen! q wahrt ihre Memsen genügen^ Düsseldorf, 27. Dez. Der Arbeitgeberverband für den Be- jirt der nordivestlichen Gruppe des Vereins Deutscher Elsen- und Stahlindustrie lArbeit Nordwest! hat in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung beschlossen, sich auszulösen und in Liquidation zu treten. der Weltwirtschaft abgetrennten Binnenwirtschaft. Neh- men wir einen Augenblick an, eine solche wäre fur Deutschland wirklich möglich, so ließe sich für diesen Son- derfall allerdings nicht bestreiten, daß durch ein Verbot arbeitsparender Maschinen die Zahl der Arbeitsstunden künstlich gehoben werden kann, die zur Herstellung be- stimmter Produkte nötig sind. Nur tritt dann folgendes ein: dauert die Herstellung einer Sache statt bisher eine jetzt zwei Stunden, so halbiert sich entweder der Stundenlohn des Arbeiters oder der Preis der Ware verdoppelt sich. Das erste bedeutet Verelendung der Arbeiterklasse: statt beispielsweise tausend vollentlohnte beschäftigte• Arbeiter im Betriebszweig sind dann zweilausend Be- schäftigte, aber zu halben Löhnen da. Damit wäre nichts gewonnen, die zweitausend als Ganzes Konsumie- ren nicht für einen Pfennig mehr als vordem. Würde aber allen zweitausend der alte Lohn fortgezahlt, so muß sich der Preis der Ware, da ja die zweitausend infolge des Wegfalls der Maschinen nicht mehr produ- zieren als vordem die eintausend, genau verdoppeln. Jede derartige Preissteigerung einer einzelnen Ware bedeutet aber ihre Verdrängung vom Markt durch andere wohl- feilere Waren oder durch Einschränkung des Verbrauchs. Zum Beispiel gehen bei künstlicher Verteuerung von Zi- garren zahlreiche Raucher zur Pfeife über, bei künstlicher Verteuerung von Flaschen sieht sich die Hausfrau mit diesen mehr vor— man erinnere sich, wie in der„Sach- wertzeit" der Inflation Flaschen und Korken, die heute auf den Müll wandern, sorgfältig gesammelt wurden. In diesem Fall endet also das Experiment mit Rückgang der Produktion, d. h. mit erneuter Arbeitslosigkeit! In der Praxis werden sich beide Möglichkeiten mischen: es werden sowohl Löhne gesenkt als auch di.e Preise erhöht werden. Grundsätzlich ändert das nichts an der obigen Betrachtung: die planmäßige Ver- wendung überflüssiger Arbeit läßt sich in einer geschlos- senen Binnenwirtschaft wohl von der Staatsgewalt er- zwingen, aber da die Uberflüssige Arbeit keinerlei zu- sätzlichen Wert schafft, so kann sie die Gesamtlohnsumme nicht erhöhen, und da sie den Warenvorrat nicht ver- größert, kann sie den auf den einzelnen Arbeiter ent- fallenden Anteil an Gütern nicht vergrößern. Das ganze Experiment Hitlers erweist sich als barba- rischer Dilettantismus, es ist nichts als die Maschinensliirmerei der altenglischen Handwcber ins Gesetzgeberische übertragen. Und dies eine hat Karl Marx im Jahre 1847, soviel er auch sonst von der kapitalistischen Entwicklung voraussah, nicht vorausgesehen: daß die Verzweiflungstat ver- hungerter, unwissender Proletarier zu Beginn des neun- zehnten Jahrhunderts, daß sie im fortgeschrittenen zwanzig st en Jahrhundert der Weisheit letzter Schluß sein würde für den Diktator eines„totalen" Staats- wesens. Aber es scheint, daß die Totalität dieses Staats- gebildes sich in nichts mehr verkörpert wie in der totalen JJ; Unwissenheit seines Leiters über die volkswirtschaftlichen Grundgesetze! Russengcsdiäft rüdilänflg 260 Millionen Mark weniger In den ersten zehn Monate» 1033 stellten sich die russischen B c st e l» u n g e n in Deutschland aus insgesamt Rbl.«2,0 Mill,(rund 128 Mill. Mark!. Nach vorläufigen Angaben dürfte der Gesamt um fan g der Sowjctaufträge in Deutichland 1088 rund 140 Mill. Mark erreichen gegenüber rund 400 Mill. 198'2. Während somit die Towjetbestellungeu 1083 nut etwa 38 Prozent derjenigen d«s Vorjahres bctru- gen, beliefcn sich die russischen Verkäufe in Deutschland auf M Prozent von 1032. In den letzten Wochen haben in Mos- kau entscheidende Bcraiungen über das Bcstellprogramm für 1034 stattgefunden. D!c!e Beratungen werden fortgesetzt. Ter Leiter der Berliner SowjcthandelSvertretung. Weizer, begibt sich demnächst in diesem Zusammenhang nach Moskau. Tiefbau gut beschäftig! Aus öffentlichen Mitteln Der ProduktionSivert des Tiefbaus kann»ach Schätzungen des Koniunlturinstiluts vorläufig für 1088 am etwa 1,7 Milliarden Reichsmark gegenüber 0,0 i. V., also last auf das Doppelte bemessen»verde». Davon entlallen ctiva 0,8 Milliarden auf notwendige Aufwendungen, kür die auch in den vergangenen Iahren Mittel bereitgestellt iverden mußten. Hinzu kommen die durch die A r b e i t s b c s ch a s s u n g er- möglichten Bauausgabcn. Bis Mitte Oktober 1033 ivarc» für Arbeitsbeschassungszwcckc rund 600 Millionen verausgabt? der Betrag dürfte sich inzivischen um etiva 50 Millionen erhöht haben. Für den Tiefbau ergibt sich danach unter Ein- schluft von Reichsbahn und Reichspost eine Auitragsiumme von etwa*lt Milliarden. Damit erreicht die Produktions- lcistung des Tiefbaues ivicdcr den Stand von t030. Unter Berücksichtigung des Rückgangs der Baustoffpreise seither liegt das Bauvolumen sogar noch höher? es düritc den Stand von 1020 nur noch ivenig unterschreiten. Nach den gegenwärtig verfügbaren Unterlagen läftt sich der Gesamt- wert der bange werblichen Produktion 1083 auf etwa 8,1 Milliarden schätzen(1082: 2,3, 1031: 4,0 Milliarden». An der 40prozentigen Zunahme 1033 war der öffentliche Bau svorwiegend Tiefbau! mit rund•im, der Wohnungsbau mit nur etwa''»« beteiligt. Da die zur Verfügung stehenden Mittel lür iveiterc A r b e i t à b e s ch a»> u» g mehr als doppell so hoch sind»vie die bisherigen Ausgaben, ist damit zu rechnen, daft der veschäftigungSstand im Tiesbau nicht nur -rbalten bleibt, sondern soaar wächst. Me Lage der Prager Emigranten (Inpreft.! Die Lage der deutschen Emigranten in der T chechoilorvakei ist überaus trostlos. Tie demokratische Kllichtltnassürsorge in Prag kündigt nun noch an, baß sie Äre Fnrsorgctätigkeit einstellet} muß Hänsdien Luther spridit Uli einigen Hindernissen Man schreibt uns aus Neuyork: Nachdem die von Lügengöbbels nach hier gesandten Nazi- apvstcl überall auf Widerstand stießen und es oft wegen ihres herausfordernden Benehmens zu ernsten Aus chrci- tungen kam. fühlte die deutsche Regierung sich gezwungen zu erklären, daß dieie Apostel keine von ihr bezahlten Agenten we°en und kein Geld für Auslandspropaganda ausgegeben würde. Augenblicklich ist es wieder einmal ruhig. Tie Heils- Prediger treten nicht mehr öffentlich auf. Doch eine prominente Persönlichkeit fühlt das Bedürfnis, die Reklametrommel für Hitler und Göring zu rühren, näm- lich der deutsche Gesandte Dr. Hans Luther. Allerdings mutz er es sich gefallen lasten, nun auch als Nazihäupiling behandelt zu«verde». Bei dem am 6. Dezember in Neuyork veranstalteten„Deutschen Tag" waren nicht weniger als 200 Polizisten zu Fuß, IS Berittene und 80 Geheimpolizisten aufgeboten, um sein kostbares Leben zu schützen. Sine„Ehre", die bisher noch keinem Vertreter Deutschlands zuteil ivurde. Am 12. Dezember hielt er eine Ansprache in der Cylumba University Neuyork. Der Vortrag sollte um 8 Uhr beginnen, doch Dr. Luther war nicht imstande, die Plattforin vor 8.30 Uhr zu betreten. Eine große Menschenmenge hatte sich auf dem Broabivay zivischen 118. und 120. Strafte angesammelt. Der Verkehr stockte, die Polizei hatte alle Hände voll zn tun. um Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhalten. Warum waren dort so viele Menschen zusammen gelausen? Nun, sie«tollten dein Vertreter des neuen Deutschland einen„begeisterten Emp- fang" bereiten. Ihre„Begeisterung" machte sich Luft in den Stufen:„Nieder mit Hitler!"„Nieder mit der Naziregie- rung! Laßt keine Naziagenten in der Universität sprechen!" Ter deutsche Gesandte wurde auf Umwegen zur Eolumb'a University geleitet und betrat sie durch eine Hintertür. Aus dem Podium angelangt, schaute er verlegen lächelnd aus sein Manuskript und öffnete den Mund, um seinen Vor- trag zu beginnen. Vor Schreck blieb sein Mund geöffnet, als eine Studentin r'ei:„Warum werden die Bücher der im Exil lebenden Professoren»erbrannt?" Ein Polizist stürz c herbei und riß sie von ihrem Sitz. Als sie zur Tür geleitet wurde, rief sie„Propaganda!"„Warum«virb dies erlaubt?" Dr. Luther hüstelte verlegen und blätterte in seinem Manu- skript.„Lasten Sie mich beginnen," sagte er. Das n'ar das Signal.„Nieder mit Hitler!", rief eine Frau dicht zn seiner Rechten, und als sie sich erhob, sah man, daß es eine deutsche Sprachlehrerin von der Columbia University ivar.„Nieder mit den Nazis!", rief sie noch einmal. Dann legte ein Polizist seine Hand aus ihren Mund. Als aus dem Korridor ange- langt, der Polizist seine Hand zurückzog, ries sie wieder: „Nieder mit Hitler!" Wicderuin hustet Dr. Luther, lächelt verschämt mit gerötetem Antlitz und versucht, seinen Vortrag zu beginnen. Doch eine Studentin ruft:„Schämen Sie sich, hierher zu kommen,»in Hitler zu verteidigen!" Auch diese «vird von der Polizei hinausbegleitet. Nun sind 30 Poliz'stcn im Auditorium. Jede Tür, sogar die NotausgangS-tür durch den Keller, ist bewacht. Durch den unfreundlichen Empfang ist Dr. Luther etwas aus der Fassung gekommen, und so ivurde seine Rede keine hervor- ragende Werbearbeit für Hitler. Er hob vor allen Dingen den sehnlichen Wunsch des„Führers" hervor, mit der Welt in Frieden zu lebe» und sein Bestreben, die freundschaftlichen Handelsbeziehungen mit Amerika ausrecht zu erhalten. Doch als er die„Volksabstimmung" ermähnte, antwortete ihm ein nicht enden wollendes höhnisches Gelächter.„Volksabstimmung? Machen Tie uns nicht lacken!", rief ein Student. Als Dr. Luther seine Rede beendet hatte und auf die Straße hinaustrat, um seinen Kraftwagen zu besteigen, konnte er sich mit flüchtigem Blick überzeugen, was sich hier abspielte. 75 Polizisten hatte» einen härten Stand, um die „begeisterte Menge" in Schach zu halten. Alle Arten Banner ivurdcn auf und ab getragen. Eins trug die Aufschrift „Luther ist der Vertreter der Hitlcr-Rcgternng, der Morde and Verfolgungen". Ein anderes„Ter Faschismus gebiert Kriege" usw. Eine«« jungen Studenten war es gelungen, durch den Polizetkordon zu kommen, der um den Straßen- block gezogen«var. Er versuchte ein« Ansprache zu halten. Eine triumphierende, jauchzende Studentenschar folgte ihm. Desgleichen viele Zuschauer. Dann trat die Polizei in Ak- tio» und drängte die Menge zurück. Jetzt war die günstigste Gelegenheit für den Gesandten gekommen, vom Kriegsschauplatz zu verschwinden. Professor Nicholas Mur- ray Butler, President of the Columbia University, war nickt anwesend. Er hatte vorgezogen, einem Football Ban- guet beizuwohnen. * Walter Kauf, c stier der Leibgardisten des flüchtigen Nazi- Häuptlings Tpanknöbel, ivurde zu 8 Monate» Gefängnis «vegen unerlaubten Waifentragens verurteilt. Außerdem schivcbt ein TeporlatlvnSvcrsahrcn gegen ihn. Belgien ani neuen wegen Pollflsdie Demokratie und autoritäre Planwirtschaft »Je länger die Wirtschaftskrise dauert, um so mehr leiden wir darunter, daß wir nicht imstande sind, die Ziele unseres traditionellen Programms zu erreichen. Diese Ohnmacht rich- tet sich gegen uns,«veil sie uns zu einer dciensivcn Aktion verurteilt, die sich meistens darauf beschränken muß, mög- lichst wenige der erzielten Errungenschaften preiszugeben." Diese Feststellung war das Leitmotiv zahlreicher Be- sprcchungen, die in letzter Zeit innerhalb der belgischen Ar- betterbcwcgung stattfanden und die einem Plan zugrunde liegen, den Hendrik de Man für den Wirtschaftsrat des Belgische» Gciverkschastsbundcs ausgearbeitet hat. In die- sein Tatze kommen Erkenntnisse zum Ausdruck, die die Vor- aussetzung für die Wiedergutmachung von Untcrlaisungs- sünden sind, die man im Lame der Zeit in den Arbeiter- beivegungen der meisten Länder feststellen konnte und die sich besonders seit Beginn der Krise rächten. Zu diesen NnterlasiungssÜnden gehört vor allein auch der psychologische Fehler, sich in der praktischen Politik mit Din- gen zu b e g n ü g c n, die mit der Wcgbereitung für das„tra- ditionelle Programm" wenig zu tun haben, um dann bei der Propagandaarbcit unter den Massen ausschließlich den Nach- druck aus abstrakte Forderungen und aus ein fernes Zu- kunstsideal zu legen,— anstatt neben diesem Ideal, für das der Art der Sache nach nur immer ein Teil des Volke? ge- wonnen werden kann und baS einen anderen Teil sogar ab- stößt, konkrete und durchführbare sozialistische Sofortsorderungen zum Gegenstand des politischen TageSkampses zu machen. Der Plan von Hendrik de Man will solche psychologische Fehler, die schon schwer genug gebüßt worden sind, wieder gutmachen. Hendrik de Plan ist sich nicht erst heute über die Notwendigkeit der Berücksichtigung psychologischer Faktoren klar. Wenn deshalb Vondervelde im Generalrat der Partei und im Nationalrat des Belgischen GewerkichastS- bundes sagte, daß„der Sozialismus in Belgien auf einem Wendepunkt steh« und sich ein« neue Aera für ihn eröffne", so kann man den Wunsch hinzufügen, daß das Gedankengut von Hendrik de Man auch international jene Beachtung findet, die es verdient. Die belgische Arbeiterschaft begibt sich mit ihrem neuen Plan aui einen Weg. aus dem sie nicht allein steht. Dem vor- jährigen Kongreß des Britischen GewerktchaitSbnndes lag ein Bericht über die Uebergangsiormen zur Tozialisierung sontie die verschiedene» Formen der Gemeinwirtschait vor, der zu ähnlichen Schlüssen führte. Anch der diesjährige britische Ge- werkschastskongreh befaßte sich mit der Abgrenzung der ver- schiebenen Sektoren der Wirtschast, in denen heute schon- oder heute noch nicht— ein volles Mitspracherecht der Ar- beiterschai» gefordert werden kann. Bon ähnlichen Voraus- sctzungen geh, das kürzlich fertiggestellte..Arbeitsprogramm" des Tchiveizerischcn GewerkschaitSbundeS aus. Was will der belgische Plan? Vondervelde sagte bar- Über:„Es handelt sich nicht darum, unser Programm einer Revision zu unterziehen. sondern wir wollen einen Aktionsplan ausstellen weil gewisse Punkte unseres Programms Gefahr laufen reine Theorie zu bleiben." Hendrik de Man lcgie sich folgende Frage zugrunde. „Welches ist das Mindestmaß der Vorkehrungen, die ge- troffen werben müssen, um in Belgien ein wirtschaftliches Regime zu schasse», das gestattet, die Krise zu überwinden. die Arbeitslosigkeit zu beseitigen nnd der Bevölkerung eine gehobene Lebenshaltung z» sichern?" Aus politischem Gebiet heißt das: Bis zu welchem Grade gestatten die Interessen einer Mehrheit der Bevölkerung, die große Schichten außer- halb der Arbeiterschaft umfaßt, die Durchführung der Sozia- lisierung der größten Produktionsmittel im Sinne der vol- lcn Verwirklichung eines wirtschaftlichen Regime», das nicht aus den Prosit einer Minderheit, sondern auf den Bedarf der Konsnmenten aufgebaut Ist? Es Ist klar, daß der Plan daS Vorhandensein einer Partei oder einer Koalition voraussetzt, die ihn als sofort zu ver- wirtlichendes RegierungSprogramm angenommen hat. Die Partei soll sich an keiner Regierung beteiligen, die den Plan nicht annimmt Wirb er nicht angenommen, so soll sie in der Opposition bleiben, jedoch in einer Opposition, die von allem Ansang an ihre Bereitschaft zur Machtübernahme aus Grund des Planes erklärt, auf besten Durchführung sie sich festlegt. Die Partei soll sich dabei in viel höherem Maße als bisher auch an die Schichten außerhalb der Arbeiterklaste wenden. Dabei ioll klar zum Ausdruck kommen, daß dies nicht anS nationalistischen Gründen geschieht, sondern, daß die natio- nale Solidarität die natürliche Solidarität von Schiff- brüchigen ist, die das Schicksal aus dem gleichen Schiff ver- einigte und die sich nur in einer gemeinsamen Anstrengung retten können. Daß auf diesem Schiff politische Demokratie herrschen soll, unterstreicht de Man mit aller Deutlichkeit, wie er andererseits ebenso klar ausspricht, daß bei so entscheiden- den wirtschaftlichen Maßnahmen, wie sie die Sozialisierung ganzer Industrien vorsieht, ans diesem Gebiet Autorität und persönliche Verantwortung vorhanden sein muß: An die Stelle der langsamen Altion und der Verzettelung der Verantwortlichkeiten delibericrender Körper- schatten ioll schnelles Handeln und persönliche Verantwortung von Kommissare» treten. Was den Plan selber betrifft, so belaßt er sich in sieben Ab- schnitten hauptsächlich mit den wirtschaftlichen Voraussetzungen, das heißt: Er sieht die Errichtung eines ge- mischten Wirtschaftssystems vor. das neben dem privaten Sektor einen verstaatlichten Sektor umfaßt, zu dem der organisierte Kredit tKredttamt», die wichtigsten der be- reits monopolisierten Schlüsselindustrien lRohstofse und Krasterzeugnng» nnd das Transportwesen gehören, für die je ein Kommisiariat geschaffen und denen als beratende Körperschaft»in Initiativrecht ein WirtschaftSrat beigegeben wird. Im privatwirtschastlichen Sektor solle» die jetzigen Be- sitzverhältntffe und dit freie Konkurrenz, die nicht mehr weiter durch den monopolistischen Kapitalismus behindert werden soll, bestehen bleiben. Der Besitz soll sogar in allen stcwerbezweigen geschützt bleiben, wo die Produktionsmittel .'iner Besitzeinheit gleichkommen(.Handwerker, Kleinbauern usw.» Die individuelle Spariätigkei» soll al? eine legitime Form der Versicherung gegen wirtschaftliche Schläge be- trachtet werden. Die Inhaber von Sparkapitalien sind frei in irr Wahl ihrer Kapitalanlage: Diese private Wirtschaft wird nichtsdestoweniger eine Planwirtschast sein, da sie, wie der nationalisierte Sektor, von der wirtschaftlichen Gesamtlei- ung ersaßt wird. Dieser Leitung der Gesamtwirtschast, die«in Problem poli- tlscher Reformen ist, ist das letzte Kapitel gewitiNet: Die gejetzgebcnden und auSMrenden Behörden werde» aus Grund deS allgemeinen Stimmrechts gewählt werden, die staatsbürgerlichen Freiheiten in vollem Umfange garantiert. Das Parlament umfaßt eine einzige, au» Grund des a!lg<- meinen Wahlrechts gewählte Kammer. Um jedoch die Ge- fahren des Bürokratismus zu vermeiden, wird das Paria- ment den mit der Leitung der Wirtschaft betrauten Organe» jene exekutiven Befugnisse erteilen, die für das schnelle.'.'an- dein und die Konzentration der Verantwortungen unbedingt nötig sind. Mit diesem Plan, so will es de Man, wird Belgien zum Ausgangspunkt einer internationalen Welle, die dem saschi- stischen Kapitalismus die vorübergehend errungenen Vorteile entreißen und einen neuen Fortschritt der Menschheit auf dem Wege der Demokratie und Freiheit bedeuten wird. Wer treib! znrn Krieg? Antwort an Verleumder Ter Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutsch- lands, Titz Prag, schickt uns folgende Erklärung: Am 11. Dezember hat der Propagaiidaministcr deS „dritten Reiches". Göbbels, in einer Rede im Berliner Sportpalast ausgeführt: „Wenn beispielsiveise ans dem Kongreß der Zivciten Internationale Herr Wels oiie» zum Krieg gegen Deutschland aufruft, ivenn Herr Vreitscheid die Völker im Namen der Humanität auffordert, in Deutschland einzu- rücken, was ist denn das anderes als schmählichster Ver- rat an Deutschland, am eigenen Volk, am eigenen Blut? Wir stellen dazu»est, daß keiner der beiden genannten Parteimitglieder auf einem Internationalen Kongreß oder bei irgendeiner anderen Gelegenheit eine Aeußerung ge- tan hat, die mit den von Göbbels wiedergegebcncn anch r r die entfernteste Ähnlichkeit hätte. Wie die Lüge von der kommunistisch-sozialdemokratischen Einhcitstront zur An- stiftung des Reichstagsbrandes als Vorwand für den natio- nalsozialistischen Staatsstreich dienen mußte, so wird letzt die Verleumdung von einer angeblichen Kriegshetze dent- scher Sozialdemokraten verbreitet, um die Schuld der Hitler- regicrung an der drohenden Kriegsgefahr zn verbergen und für neue verbrecherische Gewalttaten gegen Andersgesinnte neue Vorwände zu schassen. Das deutsche Volk soll nicht merken, daß diejenigen, die sich heute als die allein berufenen Hüter deutscher Volksinteresicn ausspielen, in Wahrheit die gefährlichsten Feinde der Nation sind. Behauptungen eines Göbbels haben in der Welt keine Beweiskraft. Tie kennzeichnen nur das Stiftern des Verbrechens, da er verkörpert. Denlsdie Dementis Man muß sie zu lesen wissen Man schreibt uns ans Berl'n: Was sind deutsche Dementis wert?. Die Frage iiiidct leicht ihre Beantwortung, wenn ,olgende Tatsachen gegenüber gestellt werden: Die.Berner Tagwacht" hall« berichtet, da» weit über eine Million Mark Unterstützung von selten Teutschlands an die schweizerischen Nazis gezahlt morden sind. Aus-chweden m erst in den letzten Tagen eine ähnliche Mittcisunggckommen. Dagegen dementiert der Schatzmeister der N»DAP., dan solche Zahlungen geleistet wurden.„Parteiamtlich wird festgestellt. daß niemals auch nur ein Pfennig an«»swu,d,,che Nationalsozialisten gegeben worden sind." Nun hat aber der schivedische Führer der Nazi. Malte Wellin selber eingestanden, daß die schwedischen Nazi uOOUJ Mark erhalten haben. Und man muß deshalb a»S den Ge- ständnissen und dem Dementi schließen. daß zwar nicht die Partcikasie der Nazi, ivohl aber andere Instanzen, wen» nicht gar der Propagandam'nister Göbbels selbst die Geld- gcber waren. Denn daß«ehr erhebliche Summen über die Grenzen gegangen sind, bestreitet ia auch daS Dementi ni-M. Es sagt mir. daß ans der Parteikaste„kein Pfennig' sur nazistische Propaganda ausgegeben ivorden sind. England—Australien Die werdende Luftverbindung lJTF.j Ende September wurde eine neue Streck« aui der geplanten, etwa»5 000 Kilometer langen Luftlinie England —Australien eröffnet, und zivar die Linie Kalkutta- Rangoon. Es sei daran erinnert, baß der erste Schritt zu dieser Linie im Jahre 1027 durch Eröffnung der Strecke K a t r o— B a s r a durch die englische Luitsahrtgesellschait Imperial Airways, Limited, getan wurde. Zwei Jahre später wurde die Luttpostvcrbindung E n g l a n d— Indien geschaffen. Die Gesellschaft eröffnete dann 1031 eine Lustpostlinie nach Afrika und ein Jahr später, 1082, gab es be- reits eine Luitverbiiidung London— Cape Town. Seit Juli d. I. betreibt die englische Gesellschaft gemeinsam mit der Indian Trans-Continental Airivans die Linie K a r a ch t — Kalkutta und man trägt sich bereits mit dem Phu-, gegen Ende des JabreS eine wettere Strecke auf dem Lust- ivege nach Australien, K a l k u t t a— S i n g a p n r, zu er- öffnen. Wie in den maßgebenden Kreisen erwartet wird,»oll die Endstrecke bereits i. I. 1031 überflogen werden können. Papen kann„Defflner Tageblatt"? lJnpreß.» Zur Zeit finden Verhandlungen zwischen dem Verlag der Papenichen„Germania" und dein Mosse-Verlag statt, die die Uebernahme des Moste-Verlags durch den „Germania"-Verlag zum Gegenstand haben. Die„Germania" hat die Absicht, and dem„Berliner Tage- blatt" unter Ausnutzung seines frühere» Rutes eine Haupt- sächlich für das Ausland bestimmte Zeitung zn machen und damit zugleich die JnlandSkonkurreuz auszuschalten. Die Gelungenen frieren lJnpreß». Die„Nachrichtenstelle des Vierten Reiches" heißt eine Nachrichtenverbindung. die von ehemaligen Re- dakleuren und Schriftstellern der Linkspresse in Deutschland illegal gebildet worden ist. Sie teilt mit, daß von den An- gehörigen der Gefangenen in den Konzentrationslagern leb- hafte Klage über den mangelnden Schutz der Gefangene» vor der in Deutschland herrschenden strengen Kälte geführt ivird. Die Baracken sind Sommerbaracken, durch die die Kälte»»gehindert dringen kann. Die Heizung ist völlig un zureichend: der weitaus größte Teil der Gefangenen hat keine Wintertleidung Jeder hat nur eine Decke, die ihm des Nachts keinerlei Schutz gegen die Kälte bietet. Die Gefangenen leiden fürchterlich. Deutsche Stimmen• Beilage xur..Deutschen Freiheit"• fr eiénisse und Geschichten Mittwoch, den 27. Dezember 1933 jf-amilie Jjkst'Mess m tin JCapitel neudeutschec Volksgemeinschaft Die tcCösec Die Erlöser der Menschheit, das merke, mein Sohn, sitzen auf keinem güldenen Thron, I Einer der reichsten Männer Deutschlands ist der Fürst Pieß. Seine Hohe Gemahlin, die Fürstin Pieß, ist eine der bekanntesten Erscheinungen im internationalen Gesellschaftsleben. Sie besitzt in Eurem ein reizendes Sommerschloß und in Como ein entzückendes Chateau d'hiver. Fürst Pieß ist Nationalsozialist. Also Anhänger der Idee von der Volksgemeinschaft. Seine Gemahlin weiß, was sie dem Rufe ihres Gatten schuldig ist. So bemüht sie sich iu selbstloser und geradezu vorbildlicher Weise um die im Exil lebenden Prinzen deutschen Geblüts. Der Prinz von Hessen (dessen abgeblaßtes Wappen von einer Amerikanerin neu vergoldet wurde), die Prinzessin Stephanie von Hohenlohe, der Herzog von Oldenburg, Prinz Stephan von Schaumburg- Lippe u.». gehören zu den Armen, an die sie ihre Wohltätigkeit verschwendet. Baron von Schröder, der bekannte Gönner des Nationalsozialismus und Kölner Bankier, dankt ihr diesen Dienst an der Volksgemeinschaft durch seine persönliche Freundschaft. Einen Teil ihrer kurzen Tage verbringt die Fürstin Pieß in Monte Carlo. An den grünen Tischen der Spielsäle ist sie eine dominierende Erscheinung. Besonders erfreut sie sich der Verehrung durch die Croupiers. Selbstverständlich sind es auch hier die im Spielparadies Monte Carlo lebenden deutschen Prinzen, die für die notwendige Zerstreuung und Unterhaltung der fürstlichen Frau Sorge tragen. Darüber hinaus ist die Fürstin Pieß eine rührende Tierfreundin. Sie besitzt vier der entzückendsten Pekineserhündchen, die man je in Monte Carlo gesehen hat. Sie hat sie eigenhändig in Paris gekauft(tausend Mark das Stück) und wacht höchstpersönlich darüber, daß den lieben Tierchen Hermann Lepel, ein vortrefflicher Kenner der Theaterverhällnisse des„dritten Reichs"', schreibt in der „Basler National Zeitung"'(22. Dezember): Einer der neuen Theaterintendanten, Dr. Noboe in Weimar, hat sich in diesen Tagen entschieden geäußert: „Nach meinem Empfinden paßt das libera- listische System des Kritisierens nicht mehr in unsere Zeit der Aufbauarbeit— wie es ja auch keine politische Kritik mehr gibt. So bin ich letzten Endes überhaupt für die Abschaffung der Theaterkritik." Auf die schüchterne Frage des Dialogpartners: in welcher Form soll dann die Werbung der Presse für das Theater erfolgen?, erwiderte der Bühnenleiter:„Der Presse ist allenfalls eine Berichterstattung, ein möglichst sachliches Referieren über die Aufführung zuzugestehen. Dabei aber sollte nur das Positive zur Behandlung kommen, das Unbefriedigende soll te dann überhaupt nicht genannt werden, denn welchen Zweck könnte es haben, die schwache Leistung in aller Schärfe anzuprangern und damit dem Künstler allen Glauben an seine Berufung zn nehmen?" Drakonischer noch äußert sich Wilhelm v. Schramm in einer lesenswerten Broschüre(„Die Theaterkritik im neuen Deutschland"), die mit den Worten beginnt:„Das libera- listische Zeitalter, das am 30. Januar 1933 für die deutsche Nation und damit für die kommende Weltentwiek 1 il n g beendigt wurde, hat einen ebenso totalen Anspruch verwirklicht wie alle anderen Weltanschauungsperioden der Weltgeschichte." Schramm weist dem Theaterkritiker in einem„neuen Weltzeitalter mit neuen Lehens- gesetzen" eine völlig neue Rolle zu, er leugnet das Verdienst der bisherigen Kritik am Aufblühen der Theaterstadt Berlin radikal und verlangt von der Theaterkritik von heute, daß sie in„ihrer Gesamthaltung nationalpolitisch gerichtet" werde. Der Kritiker,,ist gebunden und ausgerichtet auf Staat und Nation, auf Gedeihen, Zukunft und neue Gemeinschaft des deutschen Volkes, die Aufteizendec Don Codas Das Wiener Straflandesgericht II hat die nachfolgende Szene aus dem Don Carlos wegen Aufreizung(§ 300) in der Gewerkschaftszeitung der Postler:„Post und Télégraphié" konfisziert: Don Carlos Infant von Spanien Ein Trauerspiel von Friedrich Schiller (Dritter Akt, zehnter Auftritt) König:.... Und mit diesem Spiel des Witzes, diesen künstlichen Sophismen, gedenken Sie die Pflichten zu he trügen, die Sie dem Staat schuldig sind? Marquis Posa: Der Staat. Dem ich sie schuldig war, ist nicht mehr. Ehemals Tabs einen Herrn, weil ihn Gesetze brauchten; letzt gibts Gesetze, weil der Herr sie braucht. Was ich dort meinesgleichen gab, bin ich Jetzt nicht gehalten, Königen zu geben— Dem Vaterlande?— Wo ist das? Ich weiß Von keinem- Vaterlande. Spanien Geht keinen Spanier mehr an..» König: ... Sehen Sie In meinem Spanien sieh um. Hier blüht ja nichts abgeht. Kleingehacktes Hühnerfleisch mit weichem Reis in Butter wird von ihren Lieblingen besonders bevorzugt. Und ihre Gäste geraten in helles Entzücken, wenn die klugen und kultivierten„süßen Pummelchen" mit vornehmer Blasiertheit an der für sie reservierten Hundetafel ihre Mahlzeit einnehmen. II Zu den Besitztümern des Fürsten Pieß in Deutschland gehört auch das Waldenburger Revier. Das Hungerrevier. Abgerissene Menschen hausen hier in engen Höhlen, dumpfen Kasernen. Kein Gebiet in Deutschland kennt so viel Arme und Elende wie Waldenburg. Wer regt sich noch groß darüber auf? Wir sind ein armes Volk. Ein Volk, das unter den Fesseln des Versailler Vertrages„schmachtet". Wir müssen uns wieder„großhungern"... Und so kriecht der Kumpel tagaus, tagein, ein ganzes Leben lang hinunter in den schwarzen Schlund. Bringt ers auf zwanzig Mark die Woche, dann fühlt er sich besonders gut behandelt— seinem Kollegen gegenüber, der es bei seiner Kurzarbeit auf höchstens 9 Mark die Woche bringt und sich und seinen Kindern mit Brot und Kartoffeln— Kartoffeln und Brot— den Magen füllt. Die Waldenburger Kumpels wissen, daß Fürst Pieß eifriger Nationalsozialist ist. Sie hören sich die Reden von der Volksgemeinschaft mit unbewegten Gesichtern an. Nur wenige wagen ein wissendes Lächeln. Und hören dabei schon im Geist die Knute sausen. Die Fürstin Pieß kommt nur ganz selten in ihr Schloß auf deutschem Boden. Meistens reist sie dann sehr bald wieder ab. Ihre zarten Hündchen können das rauhe Klima nicht vertragen. L. K. JCcitiâec am und um das Theater sichtbar zum Ausdruck" kommen soll.„Der Kritiker ist heute überhaupt kein Kritiker mehr, sondern ein schöpferischer Führer zum neuen Deutschland auf dem Gebiete des National theaters eingeordnet in seinen Aufbau und der deutschen Evolution verpflichtet." Das Mittelalter ist für Schramm bereits in ganzer Fülle angebrochen: die Kritiker schließen sich in Gilden zusammen, üben strenge Kontrolle über alle Standesgenossen und haben bei freiwerdenden Posten ein Vorschlagsrecht. Die Theaterstücke sind nidft nach ihrem ästhetischen oder theatralischen Wert, sondert na-Ii ihrer politischen Bedeutung, nach ihrer Rangordnung im Dienste der„Werte des eigenen Blutes" zu kritisieren. Der H manismus ist auch in der Kritik zu überwinden, auch die Klassiker vertreten keine absoluten, sondern nur an ihrer politischen Brauchbarkeit abzuschätzende Werte:„Es gibt vom völkischen Standpunkt aus eine Rangordnung der Stücke... dessen, was im geeigneten Augenblick wichtig und weniger wichtig ist, oder selbst wenn es zum klassischen Erbgut gehört, geradezu schädlich ist(der Teufel hole mich, wenn Schramm hier nicht an „Nathan d- Weisen" gedacht hat!): darüber muß der Kritiker Rechenschaft geben." * Man erkennt: der Prozeß der totalen Erfassung aller künstlerischen Arbeitsgebiete durch den Staat ist mit riesenhafter Geschwindigkeit fortgeschritten und hat heute das Theater restlos erfaßt. Man darf gespannt sein, ob der starke staatliche Druck auf die ohnehin stagnierende und in der Hauptsache nur in Konjunkturstücken sich erschöpfende dramatische Produktion in Deutschland völlig lähmend wirken wird oder ob aus dieser bisher in der Geschichte unerhörten Verbindung von Theater und Staat ein neuer Typus von Staatsdrama hervorgehen wird. Bisher allerdings ist die Bühne da, wo die Dramatik vom Staatsdogma beherrscht war, nur um Lehrstücke zweifelhaften künstlerischen Charakters bereichert worden. Des Bürgers Glück in nie bewölktem Frieden; Und diese Ruhe gönn' ich den Flamändern. Marquis(schnell): Die Ruhe eines Kirchhofs! Und Sie hoffen, Zu endigen, was Sie begonnen?, hoffen, Der Christenheit gezeitigte Verwandlung, Den allgemeinen Frühling aufzuhalten, Der die Gestalt der Welt verjüngt? Sie wollen Allein in ganz Europa— sich dem Rade Dem Weltverhängnisses, das unaufhaltsam In vollem Laufe rollt— entgegenwerfen? Mit Menschenarm in seine Speichen fallen? Sie werden nicht. Nein, wahrlich, nein! Bei Gott, nicht! Kraftvoller, unerschöpflicher stemmt sich Des Unterdrückers Riesenarm entgegen Begeisterung-.. Der Mensch ist mehr, als sie von ihm gehalten. Hier fehlten Sie— und hier allein—. Mit stolzem Hohngelächter wird er einst Auf des Gebäudes morschen Trümmern stehn, Das ihm zum Grabe zugedacht gewesen. Zu einem Nero und Busiris wirft Er ihren Namen und— das schmerzt mich, denn Sie waren gut. Das sind wahrhaftig aufwieglerische Worte—- daher Kon fiskation! Wann steht„Don Carlos" in Hitler-Deutschland •of dem Inden? tragen keinen zackigen Edelsteinhut, haben nicht Länder, nicht Geld und Gut und kein blaues Blut. Wohnen in der Höhe nicht, der eisigen, und von Rossen und Reisigen dient ihnen weder Huf noch Speer. Sie wandeln auch nicht in strömendem Kleid wie die Narren zur Fastnachtszeit mit Sporen und Ligen und Orden einher. Sie bellen nicht wie blutlechzende Hunde nach Krieg, Zerstörung, nach Tod und Wunde sind auch nicht pfiffige Rechtsverdreher, nicht Diplomaten, nicht Geisterseher... Die Erlöser der Menschheit, das sollst du wissen, schlafen meistens auf harten Kissen. Sie wandern auf steinigen Straßen dahin und haben die ganze Menschheit im Sinn. Und weil ihr Herz so groß und weit und voller Wahrheitsfreudigkeit, und weil sie ganz der Freiheit gehören und die alten sklavischen Lügen zerstören, und weil für dein Recht sie rebellieren, läßt man sie hungern, betteln und frieren. In Fron und Marter, in vergitterten Wänden, im Exil und unter den Henkershänden, verraten, bespien, geschmäht von den blinden Knechten,— so kannst du sie wiederfinden. Die Erlöser der Menschheit, das merke, mein Sohn, räkeln sich nicht auf Sessel und Thron. Soll dich ihr leuchtendes Auge erquicken, darfst du nicht in die Höhe blicken. Schau umher ein wenig in deinem Revier: v ielleicht werkt einer neben dir. Peter Labor. Dozentenschaft mit Stiefel&chaft Die Dozenterakademie der SA. In den nächsten Tagen, so wird amtlich gemeldet, werden an allen preußischen Universitäten in feierlichem Akt die neuen Dozentenschaf ten gegründet werden. Dadurch werden die Assistenten, Privatdozenten und außerordentlichen Professoren, also der gesamte wissenschaftliche Nachwuchs, zu einem geschlossenen ständischen Verband, der einen innungsmäßigen Zusammenhalt schaffen soll, in verschiedene Aufgabenbereiche bei gleicher Grundlage zusammengefaßt. Studentenschaft, SA.-Hochschulamt und Dozentenschaft bilden eine gemeinsame politische und geistige Front; entscheidendes Gewicht wird auf die Wehrsportausbildung aller Dozenten gelegt. Voraussetzung für jede Habilitation ist der Nachweis eines mehrmonatlichen Dienstes im Arbeitslager oder im Wehrsport, der auch im Semester auf besondere Erlaubnis abgedient werden kann. Die drei Grundpfeiler der neuen Organisation sind SA.-Wehrsport, Arbeitsdienst und Dozentenakademie; hinzu kommt die Pflege der Beziehungen zum Auslandsdeutsch tum und die Behandlung der Grenzprobleme. Die Dozentenakademie soll vor allem eine Isolierung des jungen Gelehrten als Spezialist seines Faches verhindern und seine Kräfte in den Staats, und Volksdienst einspannen. „Einspannen": Das ist das richtige Wort. Die neue„Dozentenschaft" ist die Kadettenanstalt, die Universität die Kaserne mit wehrsportwissenschaftlichen Instruktionsstunden. Das genügt für die Ertüchtigten des„dritten Reichs" Wilhelm Schälet s Wandecfahce Stolz auf den Rückfall ins Mittelalter Vor einiger Zeit hat Romain Rolland„als Sprecher der Weltmeinung" die Barbarei des„dritten Reiches" den „moralischen Rückfall in das Mittelalter" genannt. Ueber„den Rückfall in das Mittelalter" sprach in Anlehnung an das Wort Romain Hollands Wilhelm Schäfer vor der Berliner Fichtegesellschaft. Schäfer verteidigte sich nun nicht etwa gegen den erhobenen Vorwurf, sondern bemerkte, daß man ruhig zugeben soll, daß Deutschland zum Mittelalter zuriick'"-krhrt sei. Das neue Deutschland sei stolz darauf, seine Wurzeln im Mittelalter zu wissen. Denn:„Sobald der Deutsche von seiner ihm vorgezeichneten Bahn abwich, um sich dem sogenannten Fortschritt zu verschreiben, entartete er immer mehr. Der Fortschritt hatte lediglich Nütz- lichkeilszwrcke im Auge, um dem Menschen das größtmöglichste Maß an Wohlleben zu verschaffen. Erst der Weltkrieg brachte den Untergang dieser Nützlichkeitsepoche und falsche Fortschrittsanschauung...."„Auf diesem Wege (zum neuen Deutschland) muß uns das Mittelalter wieder Richtschnur werden und uns als Vorlage dienen..." Der Fortschritt: ist Entartung und bringt„nur Nützlichkeitswerte" hervor! Modernes, also humanistisches Denken: es hat„nur" im Auge, dem Menschen„das größtmögliche Maß an Wohlleben zu verschaffen"! Ganz anders das Mittelalter! Es ist das genaue Gegenteil von„falscher Fortschrittsanschauung" und von humanistischem Denken. Und da wir dieses Gegenteil wollen, wollen wir auch zurück zum Mittelalter! Solch einen barbarischen Unsinn darf in einer Gesellschaft von Wissenschaftern ein Redner sprechen! Noch dazu in der „Fichtegesellschaft", die doch das Andenken an jenen Mann ehren soll, der einmal in seinen„Reden an die deutsche Nation" in dem Vordergrund der Rufer für Freiheit, Gleichheit und Demokratie stand und keinen größeren Feind als die Despotie und geistige und politische Unterdrückung kannte! „Ich hin heruntergekommen, und weiß doch selber niche Goethe hat nieder reck Dec qeliuidcae und uusqeäJitete Das Vnhefciediqende nicht nennen... Pariser Berichte Pariser Straßenhalender Der Abbruch der deutsch-französischen Handelsvertrags- Verhandlungen und die Abreise der deutschen Delegation nach Berlin erregen in Paris großes Aufsehen. « Clement Vautel vergleicht im..Journal" die beabsichtigte 5terilisierung von 100 000 Deutschen(„Operationen am laufenden Band") mit den Geschichten von der Insel des Dr. Kaligari. Der bekannte Glossist spricht von einem„kolossalen Sparta" und sieht in den Rassenplanen Hitlers„die gefährlichste Aufrüstung". • Ein Nachkomme des ,.Mignon"-Komponisten Thomas erschien im Büro der großen Oper und legte geharnischten Protest ein gegen die Aufführung der Oper„Hamlet" seines Vorfahren, die eine Reihe(übrigens sehr wohltuender) Kürzungen aufweist. Ein neues Gerichts-Gefecht um„Hamlet" wurde durch das Eingreifen der von Thomas bestimmten musikalischen Sachverständigen und der anderen Erben noch verhindert. Ein neuer Pariser Straßenwitz nennt den Müller Roche- tallade, der das große Los gewonnen hat und einen überall im Kreise seiner alten Mutter, seiner Fran und seiner zwei Kinder Raoul und René anlächelt, den Müller von„Sanssouci", das heißt.Lorgenlos". Hierzu ist aber zu bemerken, daß die Geschichte von dem Potsdamer Müller von Sanssouci eine der frommen Sagen des preußischen Geschichtsunterrichts ist. • An der Porte de Versailles wurde der 1931 gegründete Salon des Echanges wieder eröffnet, in dem Bilder gegen Kleider und Lebensmittel verkauft werden. Der französische Unterrichtsminister de Moneie legte dem Verbände der Lebensmittelhändler diese Ausstellung„warm ans Herz". I Oamenscftneidet I. Masfchenko t. Ru« du Mwdté St. Honor*.• loi. Opiri 73-79 Ktftldor, Mintal.« Uaarbolhmç, Roparlomnq Film— Paris Neuheiten„Der ewige Jude" mit Conrad V e i d t demnächst im Studio.—„Don Quichott e", der vorletzte Pabst-Film mit dem berühmten S ch a 1 j a p i n in der Titelrolle und D o r v i 11 e als getreuer Sancho Pansa im R e x.—„C h a r I e m a g n e"(das ist aber nicht der Kaiser, sondern der Spitzname eines Marseillers, der eine '»'Lchiffsgesellschaft aüf einer einsamen Insel pflegt) mit ~R a i m u m der Titelrolle erschien in Marivaux. Bemerkenswert u.».: Pabst-Film„Du liant en Bas in Miracles.— Maternelle(der klassische französische Film) immer noch in Ciné-Opera. Marlene Dietrichs„Cantique d'Amour" in Max Linder- Pathé.—„Tonne 1"(nach Kellermann, mit Mad. Renaud) in Marignan. Der mit der gleichgeschalteten Ufa befreundete Auliert- Palast gibt zur Zeit den Ludwig-Berger-Film„W aller- k r i e g". An sonstigen deutschen usw. Filmen laufen der wunderbare Schubert-Film„Symphonie inachevée" im Etoile, der Abenteurer- und Uniformen-Film„Trenck" mit Dorothea Wieck im Dome, ferner„Paprika" und „Veronika" in mehreren Theatern. Beachtenswert sind immer die Aktualitäten- Kinos auf den großen Boulevards, auf denen nur Wochenschauen laufen. Felix von Weingartner dirigiert Wagner In der Reihe der Wagner-Konzerte, die uns dies doppelte Gedenkjahr überreichlich bescherte, hat auch Felix v. Weingartner zwei Wagner Programme des Orchestre Pasdeloup dirigiert Das verdient besondere Beachtung, weil dieser heute Siebzigjährige der erste war, der 1896(.'), als die erste Welle des Wagner-Taumels in Deutschland und der Welt begann. in einer beute und gerade heute wieder lesenswerten Streitschrift sich gegen Bayreuth bekannte. Ein im wilhelminischen Deutschland seltener Fall von Zivilkurage. Der klassische Beethoveninterpret hat ein neues Vi ag- n e r- I d e a 1 aufgestellt und als Dirigent, als Opernchef verfochten. In seiner Basler Schule sollte eine innge Dirigentengeneration lernen, wie man M agner für unsere Zeit neu schaffen kai. ohne Bayreuther Pathos, ohne Zcrdehnung der Tempi, klar, straff, ohne Ueberbetonung der theatralischen Geste. Die Erneuerung hat Sinn und Wert. Die Wiederholung de* ewig le'-igen, in diesem Falle das Bayrenther Schema, überlasse man jenen berufsmäßigen Festveranstaltern, die im„dritten Reiche" Kunst und Künstler kommandieren. -> vç Der Codex Sinaiticus verkauft! Aus London kommt die sensationelle Nachricht, daß die Sowjets den Codex Sinaitieus an das Britische Museum verkauft haben—- für 100 000 Pfund Sterling! Der Codex Sinaitieus ist das berühmteste Iiiich der VCelt. Es isc eine Bibel-Uebersrtzung aus dem 4. Jahrhundert, die durch Zufall 1841 von Tischendorf in einem russischen Kloster entdeckt wurde. Der Premier M a c d o n a I d. der wahrscheinlich audi aus religiösen Gründen an dem Codex interessiert war. teilte im Unterbanse mit. daß der Kauf mit Unterstützung der Regierung gemacht sei, die einen Teil dés Kaufgeldes zahle. Der Verkauf dieses berühmten Werkes bedeutet zweifel- los geradezu einen nationalen Verlast für Rußland.—o Der Reldilum Ciroens Die Dividende— 65 000 Auto« im Krisenjahre! Die Aktionärversammlung des Großunternehmens Citroen, des gewaltigen Autopalastes, einer wahren Fabrikstadt draußen an der Seine, hat gezeigt, daß die Marke Citroen auch in dem größten Krisenjahre nichts än Zugkraft verloren hat. Die Jahresproduktion des Berichtsjahres betrug nicht minder als 65 485 Wagen, 7000 mehr als im Vorjahre. Die Bilanz hob sich auf fast 2 Milliarden Franken, genau 1 197 817 747, das sind allerdings 11 Millionen weniger. Der lange Streik, der von den Kommunisten erklärt wurde und scheiterte, hat die Riesengewinne der Weltfirma nicht angezehrt. Neue Häuser wurden errichtet in Dieppe, in le Havre, in Cahors und in Clermont-Ferrand. Die Ausfuhrziffer stieg fantastischer Weise um mehr als ein Drittel, um 35 Prozent. Die Dividende erreicht den außerordentlichen Satz von 40 Franken für die B-Aktien und 35 Franken für die A Aktien. M. André Citroen hielt eine Rede, in der er das seit 1927 durchgeführte Reorganisations werk besprach. Er teilte mit, daß bis Ende November die Zahl der verkauften Wagen und die Einnahme schon wieder leicht gestiegen seien. Im Ausfuhrgeschäft sei der Umsatz mit den Filialen und Vertretern 20 Prozent höher als im letzten Jahre. Du kleine Zimmer in der rue Bonaparte Pariser Beobachter machten angesichta des Vorweihnachtsbesuchs von Beneich in Paris darauf aufmerksam, daß der tschechische Außenminister 1917 als Emigrant ein kleines Hotel in der rue Bonaparte bewohnte. Das war in der Zeit, in der ein Preis auf seinen Kopf gesetzt war. In dem historischen Hotelzimmer empfing Benesch einige Monate vor dem Waffenstillstand die Noten, durch die die franaösisdie und die englische Regierung sich zur Errichtung eines freien und unabhängigen tschechoslowakischen Staates verpflichteten. Die ersten Kabinettssitzungen der neuen Republik fanden ebenfalls vor dem Wasserhahn dieses Zimmers statt zn einer Zeit, wo der neue Staat nur auf dem Papier stand. Die rue Bonaparte ist uns sehr wohl bekannt. Sie geht von der ältesten Kirche von Paris ab, von St. Germain des Prés mit dem uralten romanischen viereckigen Turm und dem frühgotischen Schiff. In der rue Bonaparte, der Asylstraße von Benesch, haben auch jetzt manche deutsche Emigranten gewohnt, ein katholischer Friedensfreund darunter. Nach den Geschichten des kleinen Hotels zu urteilen, hat man also noch Hoffnung.— Großstädte als europäische Musikmetropole angetreten hat, diesen seit langem ständig in Basel wirkenden Geiger Adolf Busch als Beethovenspieler gefeiert. Ein Sonaten-Ahend— gemeinsam mit dem Pianisten Serkin, eine Aufführung des Violinkonzerts— mit dem Pariser Symphonie-Orchester unter Pierré Monteux— wurde zum Triumph dieses großen deutschen Künstlers, der sich auch menschlich in schwerer Zeit bewährte. Die Einlielfsprelsgesdiätfe and die Pariserin Die neue französische Steuer— und die Hintergründe Ein alter Einheitspreismann, dem sie den Laden in einer norddeutschen Großstadt gleichgeschaltet haben, erzählt mir, wie sich die 300 Verkäuferinnen sammelten und das Horst- M essel-Lied singen mußten. Als der nationale Erheber mit seiner Rede zu Ende war, war aber die Hälfte der Mädels weg, meistens, weil draußen ihr Bräutigam nicht länger warten wollte. Einige Zeit darauf fand große Weihe der neuen Hakenkreuzfahne mit Tombola und Ball statt. Die Firma mußte die Fahne bezahlen, die jüdischen Angestellten flogen raus, aber die Banken gaben das Geld nach wie vor, das Kapital war im wesentlichen das alte„Raffkapital" gehliehen,— und, was die Hauptsache ist, der Einheitsbetrieb besteht weiter. Ob es dem Kleinkrämer ein großer Trost ist, daß die 50 Pfennig Bazare nun„arisch" firmieren, wenn sie Stecknadeln, Gardinenstoff oder Schreibpapier verhökern? Prix Unique ist ein großes ModewoA geworden,— auch der französische Mittelstand redet heftig dagegen, aber die Frauen von der Seine, stets auf„occasions" bedacht, gehen hinein und kommen glücklich mit glitzernden Dingern, wie Broschen zu ein paar Franken, hauchdünner Wäsche, Puder, Hautcreme, Parfüm oder Seifen wieder,— und wenn ein deutscher Emigrant mal Löffel oder Teller braucht, schwebt er häufig audi mit der elektrischen Treppe in der Gegend am Montparnasse Bahnhof hoch oder stellt sich das schönste Service in dem Einheitsladen an der République zusammen. Angeblich stehen diese oder andere Häuser, wie uns der Einheitspreismann anvertraut, mit alteingesessenem Warenhauskapital in Verbindung, das von jeher eine Rolle im französischen Leben gespielt hat. Die Einheitspreisgeschäfte in der Modestadt Paris haben zweifellos etwas Einschmeichelndes, sie sind viel einladender als die Berliner, die Verkäuferinnen sind gleich auf Reklame mit den ausliegenden Waren zurechtgemacht, und die Auswahl geschieht nur zu praktischen Zwecken. Außerdem können die Frauen dort„naschen" und nette Geschenke kaufen, arbeitende Leute können dort für wenig Geld gut essen, und die Musik spielt den ganzen Tag. Das etwa sind die Gründe der Beliebtheit der Prix Uniques, die den in Paris noch immer sehr stark am Leben befindlichen Krämern, Drogisten, Käsehändlern, Gemiise- und Kurzwarenleuten viel Nüsse aufgeben. Obwohl zum Beispiel mancher französische Papierwarenhändler selbst TAYLOR HOTEL_ 6. K Li t 1 A Y LU h/ Ah i.1 1101 'Gart* Nora rt Est) Teleohone H< tzarn l't-iL Stfiönr f.tmmtt mannet Prent. Wenn Sit et- " wohi" ■nütlirti um raht S/t im Hitr„ T non wollen: to stHgrn V L Ö B• M. Inserieren bringt Gewinn! | PARIS-CTOIU o, RUE D'ARMAtLLE C1E2 K1BN-LIFF rVrühmi durch«eine vortreffliche KGche u.»eine rjttti'en Stark besucht von deutschen Gißten | Téléphone Etoile 52*49| Porte cnampenet note! Grill-Room Berliner '71 8d Rerthter.-«él. Camot 72*47 Möblierte Wohnungen. Aller Kom'ort Badezimmer Küche usw Monatlich und wActtentFchi Nach Wunsch Pension Mäßige Preise. Métro Champerret. Aut. 5. C B 9-bis. CA BY S\ X. Wie viel Pariser wohnen im Hotel? Das Knirschen der„Robinets" im Hotel ist für den„unechten Pariser', das heißt den zugereisten Ausländer, die gewohnte Morgenbeschäftigung. Aber auch eine Armee Franzosen und sogar richtige Faubourgiens wohnt im Hotel. Nach einer neueren Statistik gibt es in Paris nicht weniger als 19 431 Hotels— in mancher Straße stehen sie ja Haas bei Haus, und ein Heerlager von 269 000 Hotelzimmern steht zur Verfüorung— leer sind aber wohl die wenigsten. Von diesen 269 000 Zimmern sind 58 000 von Ausländern belegt— der reinste Turm zu Babel aller Völkerschaften von Chinesen, Negern, Marokkanern bis zu Amerikanern und Deutschen baut«ich hier auf. Im ganzen kann man wohl rechnen, daß sich weit über eine halbe Million Pariaer in der Obhut der Hotel« befindet, und darunter auch die Mehrzahl der Deutschen. 7200 deutsche Emigranten sind nach Angaben des Pariser Poliaeipräsidenten in Paris eingetroffen. Von diesen sind etwa 800 in den vier Flüchtlingskasernen ein Teil in anderen Heimen untergebracht, ein ganz kleiner Teil dürfte eigene Wohnung haben. Der größte Teil feiert Weihnachten mit kleinem Tannenbaum im Poriser Hotel. Adolf Busch spielt Beethoven Ueher all den auch künstlerisch«o„aufbauenden Taten der nationalen Erhebung" mochte man im Frühjahr eine kurze Meldung weniger beachten, die besagte, der Geiger Adolf Busch habe alle seine deutschen Verpflichtungen gelöst, er werde in Zukunft nicht mehr in Deutschland konaertieren. Und doch war dies eine jener wenigen Tatsachen, die die Geschichte einmal zur Ehrenrettung der deutschen Künstlerschaft dieser Zeit verzeichnen wird. Denn da hatte einer, der kein Jade, kein Marxist war, von seinem Vaterland, so wie e« jetzt aussah, genug. Während das Mittelmaß seine Zeit gekommen fühlte, verzichtete ein deutscher Musiker, der einer der größten Geiger dieser Zeit ist, freiwillig diranf. in jenem Land, das bis dahin seine Heimat war, » iterhiu sein Publikum zu finden. Die Herren Staatsräte der GöbbeUsiheu„Musikfront' möchten sich an diesem mutigen Künstler rächen, sie möchten ihn als Volkaverrätcr, vielleicht sogar— wie es schon in einem westdeutschen Heldenblatt ges-heben ist— als s blechten Künstler in ihrer Presse begeifern. Die Welt außerhalb der deutschen Gefängnismauern wird das wenig stören. Sie urteilt, was in Deutschland so selten geworden ist. n ch Leistung, nnd sie wertet, was im„dritten Reich" unmöglich ist, uach Charakter. Sa hat Paris, das längst das Erbe aller einstigen deutschen zu sein« wieder ein kleine* Warenhaus darstellt und Zwirn, Spitzen, Seife. Puder und sonst was führt. Immerhin war der Zorn des Mittelstandes so groß geworden, daß jetzt die Kammer ein übriges tat und zu den allgemeinen Warenhaussteuern, die natürlich auch die Prix Uniques tragen müssen, 1 Prozent auf den Umsatz daraufknallte Aber wohlbemerkt war das ein Beschluß der Linken, während die Maßnahme vom besitzenden Bürgertum als Maßnahme der Staatswirtschaft und des „Sozialismus" abgelehnt wird. Das kommt einem Menschen, der die deutschen Verhältnisse gewohnt ist, ungewöhnlich vor— man lese aber zum Beweis dessen einen Prix-Uniqnes-Artikel des„Temps", des Blatte* von Besitz und Bildung. Da wird in klarem Französisch die(offenbar von Hitler eingeschleppte) Behauptung abgestritten, daß die Einheitshäuser Waren ausländischer Herkunft auf den Markt werfen. Das Kapital ist nach diesen Feststellungen fast ganz französisch, und die Waren stammen nur zu 2 bis 3 Prozent aus fremden Zonen. Die Hauptursaihe des Erfolgs dieser Gattung von Geschäftsläden ist ihre Billig• keit. Auf die einfachste Weise verbilligen die Firmenleiter den Betrieb: vor allem durch wohlfeil eingekaufte Artikel, die sie nach Art von Massen- und Serienfabrikation in ganz wenigen Typen einer Art auf den Markt werfen. Das Personal wird eingeschränkt, die Kunden bedienen«ich seihst, Pakete, Einwickeln. Umtausch gibt es nicht, und besondere Spezialausbildung in Warenkunde ist auch nicht mehr erforderlich So ungefähr hat das Haupthlatt des französischen Bürgertum« das Geheimnis der Ueberlegenheit dieser Warenhäuser vor den andern herausgestoßen, zugleich aber auch die Grenze ihrer\l irksamkeit. Die Stärke der Einheitsläden, nämlich daß sie nur eine kleine Anzahl von Artikeln bis zu 15 oder 20 Franken im Preise abgeben, ist zugleich ihre Schwäche. Denn Dinge von auserlesenem Geschmack und höchster Qualität sind es natürlich nicht, die sie führen. Aber wenn der kleine Mann sich Qualitätswaren einkaufen will, so kann er das Geld dafür gerade durch den Einkauf billiger Markenartikel im täglichen Leben sparen. Und der Geschmack kommt auf diese Weise, nach Auffassung des großen Blattes, auf seinem eigensten Gebiet zu«einem Recht, während er sich in einem Kragenknopf odei einem Rasierzeug nicht mit Notwendigkeit auszusprechen brauche. Das Für und Wider einer neuen Mode-Einrichtung scheint uns hier vom liberalen Standpunkt aus klar und interessant dargelegt. Im übrigen aber scheint das Problem, daß Madame in den Champs Klysées(in denen früher überhaupt Läden verboten waren) sehr gerne im Grillroom sitzt und vorher eine Seidenbluse oder einen Stoff zu einem Rock, das Mete r zu 10 Franken, kauft... mit der allgemeinen Entwicklung vom laufendem Band, Stoppuhr. Standardisierung:id Weltkrise zusammenzuhängen und ein krp^üti, hos Problem BciptMfe. Deulsche Poliklinik «I Allgemeine Konsultationen mit 9 Spezialisten. ü) Chirurgie c| Geburtshilfliche Klinik d) Zahnärztliches Kabinett innere Medizin, Augen«, Ohren», Nasen* und Kehlkoplkrank- /weistöckiges.Sanatoriumsgebäude. Vierstöckiges Gebäude. Zimmer Zahn und Mundchirurgie. .leiten. Röntgen Diathermie Elektrotherapie Spezmlbchand» Kleine, mittlere und große Chirur» mit 1 bis 4 Betten. 3 Aerzte,,3 Heb» und Porzellankronen.»Brücken lung bei Blut.. Harn' u. Geschlechtskrankheiten gie. Die aller modernste Einrichtung ammen und 2 Operationssäle. Kautschuk»Arbeiten Ordination täglich von 9—12 und 2—8; Sonntags und Feiertags von 10—12 und 2—4 Uhr 10 s" Otto Schweitzer Freitod des Führers der Techniker Wie der„Neue Vorwärts", Karlsbad, mitteilt, hat in den ersten Tagen des Dezember der langjährige Führer des Bundes der Technischen Angestellten und Beamten, der Sozialdemokrat Otto Schweitzer mit 46 Jahren seinem i'cben ein Ende bereitet. Es war nicht die materielle Not, zu der heute tu Deutschland alle Marxisten verurteilt werden, die Otto Schweitzer lebensmüde gemacht hätte. Der auf- rechte, vorbildliche und uneigennützige Kämpfer konnte das Ausmaß an Demütigungen und Diffamierungen, denen die besten der deutschen Geiverkschastssührcr im Hitler-Deutsch- land ausgesetzt sind, nicht länger ertrage». Otto Schweitzer war als junger Maschinenbauingenieur turz nach der Gründung der Technikergewerkschast durch Hermann Lüdemann in die hauptamtliche Gewerkschaft^ arbeit berufen worden. Hier war Schweitzer mit der Auf- märtSentwicklung seines Bundes nach wenigen Jahren der anerkannte Führer der technischen Bewegung geworden. Noch in den letzten Jahren mutzte Schweitzer mit rastlosem Schaffen und mit grötzter Ilmsicht die von der Erwerbslosen- not hart bedrängte Organisation durch die Klippen der Krise Weihnachten Im Müller im Gewllterslurm Hossenfelder tritt zurück Tct ReichSbischos Müller findet auch in den Weihnachts- tagen keine Ruhe. Tie lutherischen Bischöfe hielten in Berlin eine Beratung ab, als deren Ergebnis ein Schreiben a» den Reichsbischof beschlossen wurde. I» diesem Schreiben wird der Reichsbischof noch einmal auf den Ernst der Lage hinge- wiesen und es wirb ihm zu verstehen gegeben, batz Gesetze eines Kirchenministeriums, das kein Bertrauen im Lande besitzt, bedeutungslos bleiben müssen sgemeint sind die zahlreichen in de» letzten Tage» von dem Rumpf- kirchenministcrium erlassenen Kirchengesetzei. Verlangt wird vvm ReichSbischos ein Kabinett mit klarer Linie und end- gültige Entscheidung bis Ende der Woche.„Wenn der Reichs- vischof." so schlief» das Schreiben,„sich zu einer Beilegung des gegenwärtige» untragbaren Zustandes nicht entschließen kann, so sehen wir uns außerstande, die Reichskirchen- regierung mit unserer landeskirchlichen Autorität weiter zu decken und müssen uns andere Schritte, die uns zur Er- Haltung der Deutschen Evangelischen Kirche notwendig er» scheinen, vorbehalten." Hossenfelder Der„Evangelische Kirchendienst" teilt m't:„Nachdem Bischof Hossenfelder schon vor einige» Tagen sein Ami als Geistlicher Vizepräsident des Evangelischen Ober- ktrchenraies und Stellvertreter des Landesbischofs der Alt- preußischen Union niedergelegt hat, ist er, wie verlautet. Wachtel H.ro., Blut, und Hautkrankheiten 12Ï, Bd. Sébastopol.- Sprechstunden v 9—)2 u. 2—8 Unr, Sonntags vormittags Nm, Hai., Ohren Sprechstunden täglich von 5— 7 Uhr nunmehr auch von seinem Amt als Bischof von Brandenburg zurückgetreten." » In Berlin tagten die Evangelischen Jugend- führ er tRiethmnllcr, Udo Tmidl. Erich Stange u. a.s. Als Ergebnis ihrer Beratungen überreichten sie dem Reichs bischof ein Schreiben, in dem sie die ihm am 17. November übertragene Besehlsgewalt über die Evangelische Jugend wieder zurücknehmen. In dieser Lage sah sich auch der Pfarrernotbund er- neut veranlaßt, in gleicher Weise wie die Bischöfe und die Jugendführer einen Brief an den Reichsb'schos zu richten und ihm für seine Entscheidung bis Ende der Woche Zeil zu lasten. In diesem Brief wird aus die große Erregung in den Gemeinden hingewiesen und abschließend folgendes ge- sagt:„DaSVertrauenzumReichsbischofistdem Mißtrauen gewichen dem entgegenzutreten wir weder bereit noch im stände sind." vie slaaCsgeFühriichen Jugendbündler Die Hintergründe Die„Deutsche Allgemeine Zeitung" teilt folgende in- terestante Einzelheiten mit:, „Die Nachricht über die Eingliederung des E v a n g e- lifchen Jugendwerles in die Hitlerjugend hat, wie von der Reichsjugcndiührung mitgeteilt wird, im Reiche zwar große Ueberrajchungen ausgelöst, weil man trotz der lang wierigen Verhandlungen noch nicht so rasch mit einem Ab schluß gerechnet hatte. Tie ist aber im allgemeinen lebhasi begrüßt worden, nicht zuletzt deshalb, weil stellenweise, wie beispielsweise im Berliner Wedding, die Gefahr eines politischen Mißbrauchs der konsestioncllcn Jugend- verbände bestandet' habe. Es'eien aus den trüberen sozio list it che n und kom«» ni st it che« Jugendverbänden viele Anmeldungen zu den konsestionellen Bünden erfolgt, weil diese politischen Organisationen die Hoffnung gehegt hätten mit ihren Tendenzen jetzt dort Eingang zu finden. Die Auslösung des Evangelischen Jugcndwerkes habe diese Geiahr stir die evanaeliiche Jnaend beseitigt" ,B»e' Führer der Evanaelischen Jugendverbänd« wurden lu•• A» h*»'*»enammen Montsl tu. df.t-^efährl» iJnpreß) Ter Deutsche MoêànS„«ru»d des Gesetzes„zum Schutze von Volk und Staat für das^,and Thüringen verboten worden. hindurchzusteuern, bis die Hitler-Katastrophe auch diese Gc- werkschast geraubt und vernichtet hatte. Die brutale Zerschlagung eines in fast 31t Jahren mühsam ausgebauten Werkes gewerkschaftlicher Selbstverwaltung durch die braunen Landsknechte hat Schweitzer nicht über- winden können. Für Männer mit der echt sozialistischen Ge- ünnung, dem Bekennermut, dem Freiheitsdnrst und dem lauteren Charakter eines Otto Schweitzer sollte im„dritten Reich" der Knechtschaft kein Raum mehr sein. Chrisienhampl Nicht mehr Glauhenshewegong Erklärung des neuen Reichsleiters der„Deutschen Christen" Der neue Reichsleiter der„Deutschen Christen", Dr. jur. C h r i st i a n Kinder, hat einer Erklärung über seine künftige Wirksamkeit veröffentlicht, in der es heißt:„Dieses nationalsozialistische Volk in seiner evangelischen Glaubens- Haltung in Einheit zusammenzufassen, war die ursprüngliche Aufgabe der Deutschen Chr'sten und wird ihre ausschließliche Aufgabe wieder sein. Die mancherlei Glaubenssragen. die die Menschen gestern und heute bewegt haben und auch in Zu- kunft wieder bewegen werden, sollen der Kirche selbst vorbe- halten bleiben. Zur Dokumentierung dessen wird die Be- zeichnnng„Glaubensbewegung" hinfort nicht mehr geführt werden. Unter der Bezeichnung „Deutsche Christen" wird das Ziel des Zusammenschlusses der Nationalsozialisten in der evangelischen Kirche durchgeführt werben. Damit kehrt die Bewegung zu ihren ursprünglichen Aufgaben zurück" Die umstrittene Rechtsnachfolge Arbeitsfront und frühere Gewerkschaften Kastel, 22. Dez. Der frühere Leiter der Kasseler Orts- gruppe des Christlichen R e i ch s v e r b a» d e s l ä n b- licher Arbeitervereine wurde nach der im Mai er folgten lieber» ahme der G e iv e r k s ch a s l c n durch die NSBO. zunächst bis zum 27. Juni weiterbeschäst-gt, ohne daß ihm von einer Aendcrnng feines Anstettungsverhältnisses Mitteilung gemacht wurde. Am 27. Juni wurde ihm von dem inzwischen gebildeten, in die„Deutsche A r b e i t S s r o it t" cingegticderten Deutichcn Landarbeiter-Verband mit Wir- kung zum 3l Juli gctündigt. Ans die Klage des Enuaß'enet hin, in der die tssehallszahlung bis zum 3l. Dezember 1933 gefordert wurde, erklärte das Arbeitsgericht zunächst die Maßnahme des neuen Verbandes für juristisch zulässig und lehnte die Forderung des K l ä g e r s ab. Das daraufhin angerufene Landcsarbeilsgcricht verhau deltc die Sache aufs neue. Während der Vertreter des Klägers geltend machte, daß die Uebernahme des Christlichen Verbandes ein All gewesen sei, durch den die bestehenden Verträge und Verpflichtungen nicht ausgehoben worden seien, machte der Vertreter des beklagten Verbandes geltend, daß es sich bei der Kündigung des Klägers um einen durch die Revolution bedingten Ausnahmefall gehandelt habe, dessen Einmal'gkeit durch die politischen Umstände gegeben gerne ten ici und dem man nicht mit privatrechtlichcn Maß- stäben nahekommen könne. Außerdem sei der neue Verband im Stadium der Kündigung des Klägers noch kein ausge- reiftcs Gebilde gewesen, könnte also auch zlvilrcchilich nicht in Anspruch genommen werden. Das Sandesarbeitsgerichtbataberim Sinne des Klägers entschieden und feine Ansprüche an den Deutschen Landarbeiter-Verband bis zum 31. Dezember 1033 anerkannt. Iii der Begründung wurde betont, daß m» der Uebernahme der Verwaltung des alten Verbandes durch die neue Organisation zugleich alle Erträge und Verpflichtungen übernommen worden seien. Der K lä ger sei seinerzeit ohne weiteres in seiner Tätigkeit belassen worden Ein großer Verband, so führte der Vorsitzende weiter ans könne sich niemals aus seine juristische Richtfaß- barkeil berufen. Gerade er sei mehr als der einzelne ver- yslichtet das Leben zu erfassen. BRIEFKASTEH j&. Luxemburg. Sie wünschen, daß wir einmal die»st in den außenpolitischen Diskussionen erwähnten„vierzehn Punkte Wilsons" abdrucken. Die vierzehn Programmpunkte des amerrka- «tischen Präsidenten Wilson als„das einzige Programm des Weltfriedens" lauten: „l. Offene und öffentlich zustande gekommene Friedensverträge, nach deren Znstandekommen es keine geheimen internationale» Abmachungen irgendwelcher Art mehr geben soll. 2. Vollkommene Freiheit der Schiffahrt aus dem Meere außer halb der territorialen Gewäger sowohl im Frieden wie im Krieg. 3. Die möglichste Beseitigung aller wirtschaftlichen Schranken und die Errichtung einer Gleichheit der Handelsbeziehungen unier allen Nationen. 1. Schaffung geeigneter Garantien, daß die nationalen Rüstungen an« das niedrigst« mit der inner« Sicherheit erträgliche Matz herab» gesetzt werden. ö. Freie, offenherzige nud unbedingt unparteiische Reglung aller kolonialen Ansprüche. 6. Räumung aller russischen Gebiet« und eine Reglung aller Rußland betreffenden Fragen, die Rußland die beste und freieste Mitwirkung aller andern Nationen an seinem Wiederaufbau gc- währleistet. 7. Räumung und Wiederherstellung Belgiens, ohne jeden Versuch der Beschränkung seiner Souveränität. 8. Befreiung des gesamten besetzten französischen Gebiets und Wiedereingliederung Elsaß-Lothringens. g Berichtigung der italienischen Grenzen nach den klar erkenn- baren Linien der Nationalität. 10. Autonome Entwicklung der Böller Oesterreich-» ngarns, arhen Platz unter den Nationen gewahrt und gesichert werden soll. It. Räumung von Rumänien, Serbien und Montenegro. 12. Gewährleistung der sichern Souveränität der türkischen Teile des gegenwärtigen oSmanischen Reichs. 18. Schaffung eines unabhängigen polnischen Staats, der die von einer unbestreitbar polnischen Bevölkerung bewohnten Gebiete ein schließt, mit einem freien und gesicherten Zugang zum Meere. 14. Gründung einer allgemeinen Bereinigung der Nationen unter bestimmten Vertragsbedingungen zum Zweck gegenseitiger Garantie politischer und territorialer Unabhängigkeit auch für klein« Staaten." Damit können Sie selbst beurteile», was von diesen„Punkten" erfüllt ist und was nicht. H. v. I. Das Einbrennen von Hakenkreuzen ist leider Tatsache, und es war nicht einmal ganz vereinzelt.— Selbstverständlich er- reichen uns solche Briese nicht aus dem normalen Postwege.— Ihre Beurteilung Brünings halten wir für falsch. K. M., Neunork. Ihr Brief erreichte uns am Weihnachtsabend. Er gehörte also sozusagen mit zur Bescherung. Wir danken Ihnen ttir Ihre Wünsche. Tie halten drüben im Kampfe für Deutschland gegen die Nazibarbaren aus und wir hier. Aus ein neues Kampf jähr! Freiheit! Wien. Brief aus Fr. ist da! Dank für alles. Wir schreiben Ihnen ausführlich. P. Zürich. Sie schreiben uns:„In den„Deutschen Stimmen" vom Mittwoch, dem 20. Dezember, bringen Sie eine„Kostprobe" auS einem Artikel eines Herrn Ungcr-Winkclricd über Henni non Wcstphalen im„Völkischen Beobachter". Tie bezeichnen S. linger- Winkelried als Psrudonpm. Sie irren: der Bursäte heiß! tatsächlich so. Den Beinamen Winkclricd Hai sich Unger selbst zugelegt. Emil linger ist den älteren Berliner Partcigenogcn kein Unbckannicr. Bor etwa 80 Jahren bis Mitte de» Weltkriege» zog Emil linger, geborener Elsäger, gelernter Sattler, in Berlin von Gewerkschaft»- büro zu Gewcrkschaftsbüro, um sich al» Referent sllr Bcrsamm- lungen anzubieten. Er war sehr radikal und daher sehr beliebt. Nebenbei versorgte er Paricizeitungcn mit kleinen Berichten usw. Während des Weltkrieges entdeckte er sei«„nationales" Her, und schrieb in allen möglichen rechtsstehenden Zeitungen.„Schrieb" ist 'uvicl gesagt. Sein Arbeitsgebiet war die Kloake. Seine Einnahmen bezog er au» den übelsten Beschimpfungen seiner ebemaligen Partei aenopen Unger war Herausgeber»nd Redakteur des„Deutschen Vorwärts". Daß der geistige Unral dieses ausgekochten Schmier- sinken in der„Deutschen Freiheit" erwähnt wird, ist eigentlich zuviel Ehre für diesen„Winkelried"."— Dank siir die Mitteilung. Sic sehen, daß wir die Neigung haben, selbst die charakterlosesten Burschen noch zu günstig zu beurteilen. Hier freilich aus Un- kcnntniS über das Vorleben des Angeprangerten. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann Pitz in Dud- weiler. für Fnseraie: Otto Kuhn In Saarbrücken Rotationsdruck und Vetlag: Verlag der BolkSstimme GmbH.. Saarbrücken s. Stbüpenstrage d GklfMILK? ZIGâlMM nach deutschem Sescfimacfe Ambassadeurs... 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