Böhm kommandiert die Reitiiswchr Starz des Generals von nammerstein— Der letzte Freund Schleidlers T). F. Amtlich wird ans Berlin gemeldet, da» der Ehef der Heeresleitung, General der Infanterie Freiherr von Ham- m e r st e i n- E q« o r d t am t. Februar unter Beförderung zum Generaloberst aus feinem Amte scheiden wird.„Im volle,, Einvernehmen mit der Reichsregierung." Daran zweifeln wir nicht. General von Hammerftein, ein kluger und wohl iiberlegender Mann, wird längst eingesehen haben, daß seine Zeit ebenso vorüber ist wie die seines langjährigen Freundes, des General«! und kurzlebige« Reichskanzlers von Schleicher. Gesundheitliche Gründe können den rüstigen General nicht zum Rücktritt veranlasst haben. Die amtliche Meldung macht auch nicht den Versuch, die sonst so beliebte erschütterte Ge- sundheit anzuführen. Freiherr von Hammerftein ist erst 55 Jahre alt. Er hat eine graste und rasch aussteigende Laus- bahn hinter sich, deren entscheidender Teil in die Geschichte der Republik fällt. Zu Beginn des Krieges war er Adjutant des GeneralqnartiermeisterS beim Ehef des Generalstabes. Er verfastte die ersten Kriegsberichte des Grasten Haupt- quartiers. Ihre knappe, prägnante Kürze entsprach seinem militärischen Lebensstil. Ueberflüssige Worte wird mau selten aus dem Munde dieses Generals gehört haben, wohl aber manchmal sehr derbe, von kräftiger Plastik. Auch wenn er vor sogenannten Gebildeten sprach, verleugnete er seine Vorliebe für Uasernenhosblüten nicht. Er war aber keines- wegS so einseitig, wie man aus mancher feiner Redcwendun- gen hätte schliesten können. Insbesondere wustte er sehr wohl, dah die Reichswehr, so sehr er parteipolitischen Eha- rakter des Heeres vermeiden wollte, tief im Volke, auch in der sozialistische» Arbeiterklasse, verwurzelt sein must, wenn sie ihre Ausgabe in Frieden und Krieg erfülle« soll. Ehes der Heeresleitung war er seit dem 18. Oktober 19811. Er gehörte zu den Generalen, die in eiserner Treue neben General von Schleicher standen. Er war an dessen ver- wegene» Plänen vor jetzt einem Jahre beteiligt. Das unter den gegebenen Verhältnissen nun einmal fantastische Ziel einer Front von Gregor Strasser bis Leipart fand seine Unterstützung. Er war einer der Verschworenen, die kurz vor der Machtergreifung Hitlers die Verhaftung des geschäftigen Intriganten von Papen und die Entmachtung des Reichspräsidenten erwogen, um dem nationalsoziali- ftischen Regime durch ein konservativ-militärisches Direk- torium zuvorzukommen. Die Nationalsozialiften tonnten bei der Rücksichtnahme, die gegenüber der Reichswehr geboten war, nicht sosort den sroiidierendep General beseitigen. Dennoch wustten sie die Reichswehr mehr und mehr um dessen Einstuft zu bringen. Der Reichspräsident hatte sich zwar vorbehalten, dast das Auswärtige Amt in den Händen des konservativen Freiherrn von Venrath verblieb und die Reichswehr wieder einem bewährten Offizier anvertraut wurde, dem General von Blomberg ans Königsberg. Diese» aber brachte sich einen nationalsozialistischen Ehef des Ministeramts aus Königs- berg mit, den Obersten von Reichenau. Der fast nun in der wichtigen politischen Schlüsselstellung im Reichswehrministe- rium, von der aus Herr von Schleicher so lange Jahre hinter den Kulissen Politik zn machen verstand. So wurde denn erst vorsiäitiq und dann in rascherem, sichtbarem Tempo die Gleichschaltung der Reichswehr betrieben. Ein General von der Vergangenheit und dem militärischen Eigenwillen von Hammcrftcins wurde unmöglich, als der Höchstkommandierende der nationalsozialistischen Milizen, Ernst Röhm, Reichsminister wurde und die SA. und die ST. auch durch Reichsgesetz ftaatsossiziellc« Eharakter erhielten. Männer wie Schleicher und Hammerftein wollten zwar durchaus die körperliche Vorbereitung der gesamten wassen- fähigen Jugend für den Kriegsdienst, aber sie waren niemals Freunde von militärähnlichen Jugendorganisationen, wen» diese nicht ihrer eigenen Kontrolle, ja ihrem Kommando unterstanden. Nun wurden zwar unter de» nationalsoziali- stischen Regierung die Milizen Hitlers, in Wahrheit die Milizen Röhms, mehr und mehr an die Reichswehr heran- gebracht und in den Staat eingebaut, aber ihr Organisator nnd Führer Röhm kann keine andere Besehlsgewalt neben sich dulden. Ob er nun nach der Beseitigung Hammersteins unmittelbar das Kommando über Reichswehr und Milizen erhält oder einen ihm hörigen General vorschiebt, ändert nichts an der Tatsache, dast von nun an dix gesamte Militärmacht Deutschland», sowohl das Berufsheer wie die unübersehbaren Mili- zen, dem soldatisch«,, Wille,, Ernst Röhn,« unterstehen. Wir habe» oft schon aus die graste und wachsende Bedeutung dieses Mannes hingewiesen. Seine homosexuelle Ver- anlagung und Betätigung hat viel« Vorbilde» in den Biograsien von Heerführern. Als sie öffentlich bekannt wurde, war Röhms Stellung in der NSDAP, schon viel zu mächtig, als dast er hätte beseitigt werden können. So haben sich denn mehr und mehr leine Gegner, schließlich auch der alte, in seinen eigenen„«würdigen Fehlern gesangenc Hindenburg, dem ihm persönlich widerwärtigen Röhm beugen müssen. Röhm ist nie etwas anderes gewesen als Soldat und nur Soldat. Seine Entlassung aus dem Heeres- dienst trieb ihn in die illegale militärähnliche Organisation. Sein? Natur zwing« ihn, militärisch zu denken, militärisch zu handeln und militärisch zu drillen. Längst steh« Europa mit Staunen, wie dieser Mann unter den Ketten des Ver- sailler Vertrages und unter den Augen der hochgerüfteten Militärmächte in Deutichland die gewaltigste kriegerische Jugendorganisation geschasscn hat, die je militärische Fan- taste sich erdachte. Er reist und redet nicht wie Hitler. Er baut unermüdlich Deutschlands militärische Reserven auf. Seine soldatische Kampsnatur lästt es auch nicht zu, dast er sein Machtinstrument lediglich als Waffe gegen den inneren Feind kennzeichnet. Wo er das einmal tun must, wie neulich vor der ausländischen Presse, fühlt man deutlich, dast andere ihn zn diesem politischen Spiel vorgetrieben haben. Ihm selbst ist das zuwider. In London, in Paris und in Rom überlegt man, wie man Deutschland an die friedlichen Völkerbundsgestade von Gens zurückführen könne. Ob es gelingt, bleibt dahingestellt. Berlin verlästt sich jedenfalls weder aus Genf noch anf direkte Gespräche. Die alten, konservativen, jedem Abenteuer widerstrebenden Generale verschwinden. Röhms unbedenk» liche, alles auf eine Karte setzende Soldatenenergi« beherrscht die Stunde. Zwischen de,, Kabinetten wandern hin und hör die Note« für Abrüstung nnd Frieden. In Deutschland aber und im Grunde in der ganze« Welt stehen längst die Mili- tärs im Vordergründe, und sie rechnen mit dem Krieg. Amerika erwartet Krieg Vielleicht srtion in ein paar lionalen- sidier in zwei Jahren Der grossen amerikanischen Tageszeitung „Neiv Z)ork American" schreibt ihr Londoner Korrespondent William H i l l m a n am 4. Dezember: Weihnachten kommt in den nächsten Tagen:„Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen"— Der nächste Krieg, der neue Weltkrieg, kann eine Angelegenheit der nächsten Monate werden. Für Europa ist der Krieg wieder nah! Die Staats- kanzleien verhehlen nicht ihre Furcht, daß der Krieg, den sie erwarten, nahe bevorsteht: in privaten Unterhaltungen schätzen sie das Datum seines Ausbruchs. Eine fieberhafte Atmosphäre liegt über den europäische« Hauptstädten, erschreckend in ihrer Aehnlichkeit mit der elektrischen Spannung des Frühjahrs 1914. Nüchternes Urteil mag sagen, dast die grasten Völker, die vor ungeheueren wirtschaftlichen Schwierigkeiten stehen, zum Krieg nicht bereit sind. Aber dem nüchternen Urteil kann man kein Vertrauen schenken... Ganz offenbar ist Deutschland, um das sich die Stnrmwolken sammeln, zum Schlagen nicht bereit. Wenn eS zum Schlag ausholt, wie Frankreich, England, Belgien und die kleine Entente er- warten, so wird»s das erst tun, wenn es sich stark genug fühlt, den Spruch von 1919 umzustürzen. I hm fehlen die ä»r«j«Äu»g Saue J Zwisdien Paris und London Paris, 28. Dezember. A. Seh. Tie englisch-französische Aussprache, die in diesen Tagen von. Simon, Chautemps und Poul-Boncour geführt, in Paris stattgefunden hat, bildet zweifellos eine wichtige Etappe in jenem so komplizierten außen» politischen Spiel, in dem jetzt um die Kräftelagerung in Europa und um die Entscheidung, ob Krieg oder Frieden, gewürfelt wird. Die Bedeutung der Pariser Aussprache besteht nicht allein darin, daß zum erstenmal seit Wochen wiederum die Ansätze einer englisch-französischen An- Näherung angedeutet wurden. Noch wichtiger war es, daß in Paris der Standpunkt Frankreichs präzisiert und er- härtet wurde. Es war in den letzten Wochen unklar, ob und in welchem Maße Frankreich bereit wäre, den Hitler- scheu Forderungen nachzugeben. Die Verhandlung?- bereitsclfaft Frankreichs wurde von vielen als Kompromißbereitfchaft ausgedeutet. In den Tagen, die nach der englisch-französischen Aussprache vergangen sind, war es indessen möglich, wichtige Einzelheiten über die Haltung der beiden Partner festzustellen. Der Nebel um die Position Frankreichs ist nunmehr gewichen. Chautemps und Paul-Boncour haben dem eng- tischen Außenminister mit aller Bestimmtheit erklärt, daß Frankreich gegen jede Aufrüstung des Hitler-Deutschlands ist und unter allen Umständen an Genf festhält. Damit wurde ein schwerer Schlag gegen Berlin geführt, denn Hitler hat die deutsch-französischen Verhandlungen von vorneherein in die Gleise seiner Aufrüstungsforderungen geschoben. Statt die Möglichkeit der direkten Fühlungnahme zum Zweck der generellen Verhandlungen mit einem breiten Wirtschafts- und politischem Programm auf Grundlage der gegenseitigen Kompensationen auszu- nützen, und ein solches Programm würde in Frankreich zweifellos eine allgemeine Beachtung finden, hat der deutsche Faschismus einzig und allein— die Waffe ver- langt. Frankreichs entschiedenes„Nein!" bedeutet nun- mehr, daß die direkten Verhandlungen gegenstandslos geworden sind, da Hitler sie allein auf seine Aufrüstungsforderungen beschränkte. So muß der Trumpf der Ver- Handlungen zu zwei, ein sehr starker und vielversprechen- der Trumpf, Hitlers Händen entgleiten. Auch Frankreichs Parole„zurück zu Genf!" ist eine starke Enttäuschung für die Hitlersche Diplomatie. Hitler ivollte direkte Verhandlungen mit Paris, um Genf meiden zu können, sowohl den Völkerbund, als auch die Ab- rüstungskonferenz. Frankreich will das nicht zulassen. Mussolini wollte Anfang Dezember durch seine„Reform- vorschlüge" den Völkerbund mitten ins Herz treffen, um Hitlers Stellung zu entlasten, um Italiens Gewicht als Großmacht zu steigern und um die Revision der Verträge aufrollen zu können. In Paris erklärten Chautemps und Paul-Boncour, daß Frankreich den italienisch-deutschen Vorstoß gegen den Völkerbund mit allen Mitteln ab- wehren wird. Es ist England zu verstehen gegeben worden, daß Frankreich unter allen Umständen dem Völkerbund treu bleiben wird, auch wenn Italien und selbst England ihn verlassen werden. Aber auch die Abrüstungskonferenz ist von Frankreich in Schutz genommen worden. Frankreichs Parole lautet: Fortsetzung und Abschluß der Abrüstungsverhandlungen nur in Genf, bei der unbedingten Beibehaltung des verein- karten Termins. Am 21. Januar soll die Hauptkommission ihre Arbeit anfangen Es geht nicht allein um den Grund- satz, ob die Verhandlungen allein im Rahmen der Ab- rüstungskonferenz geführt werden, es ist auch eine prak- tische Frage von außerordentlicher Bedeutung. Frankreich ivill die Abrüstungsverhandlungen vor dem Forum der Weltöffentlichkeit führen, sich auf die beiden Genfer Ein- richtungen. auf die Abrüstungskonferenz und auf den Völkerbund stützend. Das maßgebende Organ der Radikalen Partei, das Pariser„Oeuvre", das noch vor kurzem selbst für die Verhandlungen mit dem Hitler- Deutschland war. hat in diesen Tagen sehr deutlich auf- gezeigt, zu welchen Mitteln Frankreich zu greifen beab- sichtigt. wenn der deutsche Faschismus feine Aufrüstungs- forderungen nickt aufgibt und seine Ausrüstung fortsetzt. Dann wird Frankreich sich an den Völkerbund wenden, Aas dem Inhalt JxancoissXancet hei 9Cälcc Seite 2 Jietcachaft dec zentcaCen ßüco&caiic Jüdische lOeihttacfUsqceuel Seite 3 lüahce TtleUimq desVaiifums Seite 4 Jjinete JCcise Japans Seite 6 Sinzigs unabhängige Tageszeitung Veuifchiauds Nummer 161— 1. Jahrgang Saarbrücken, Freitag, 29. Dezember 1933 Chefredakteur: M. B r a u n •°f 5 Ussier über deutsche Geheimrüstungen ver- öffentlich?» und Sanktionen verlangen. Hitler weiß, warum er Genf unbedingt meiden will: weil der deutsche Faschismus keine offene Diskussion über seine Auf- ruftungsforderungen und Geheimrüstungen ertragen kann, weil Genf ohne Deutschland allzuleicht zu einem Tribunal über Deutschland werden kann. u® 5!?eht sest. daß Simon in einem Punkte der französi- sehen Position zustimmen mußte: in der Frage des Völker- bundes und der Abrüstungskonferenz. England kann nicht, auch in milderer Form, eine Absage an den Völker- bund erteilen. Macdonalds pazifistische Phraseologie kommt dem italienischen und dem deutschen Faschismus zugute. Aber dieselbe pazifistische Phraseologie macht ihm eine gegen den Völkerbund gerichtete Politik unmöglich. Der„Petit Parisien" schrieb in diesen Tagen, daß der deulsch-italienische Sturm gegen den Völkerbund die Autorität Genfs in England sogar gesteigert hat. Darüber spricht auch der Saß Lord Cecils: Entweder Völkerbund oder Krieg. Außerdem weiß Macdoifald. daß Englands Absage an Genf Frankreich zur absolut führenden Mach! ini Völkerbund erheben und die französische Hegemonie in Europa zur Folge haben wird. Ein führendes Nazi» Vlatt schrieb vor kurzem:„Der Feind von gestern hieß das System von Weimar, der Feind von heute heißt das System von Genf." Nun. es wird Hitler nicht gelingen, Englands Unterstützung im Kampfe gegen das System von Gens zu erhalten. Worauf dagegen Hitler bisweilen rech- nen kann, woraus auch Simon kein Hehl in Paris gemacht hat. ist die teilweise Unterstützung in der Rüstungsfrage' In dieser Frage klafft heute der entscheidende englisch- französische Gegensatz. Simon hat Hitlers Forderung noch 300 000 Mann Reichswehr nicht unterstützt. Er geht über die Genfer Hahl von 200 000 Mann nicht hinaus. Aber er ist geneigt, für die zusätzliche Bewaffnung der Reichswehr einzutreten. England verlangt nicht mehr die Auflösung der SA., sondern zur Zeit ist es bereit, mit einer inter- nationalen Kontrolle der SA. sich abzufinden. Englands Formel in der Rüstungsfrage lautet: für die Zulassung der beschränkten und kontrollierten Aufrüstung Deutschlands. Darum geht der Streit: England muß zwischen dem Aufrllstungsprogramm Hitlers und dessen Ablehnung durch Frankreich optieren. Wie dem auch sei: das Schwergewicht der inter- nationalen Verhandlungen liegt heute nicht mehr zwischen Paris und Berlin, es liegt nunmehr zwischen Paris und London. Dessaaer enthaltet Dafür sitzt sein Verteidiger Frankfurt, 28. Dez. Professor Dess auer, der im Zusam- menhaug mit dem ersten VolkSvereiusprozeß verbastet und dann nach Aufhebung des richterlichen Haftbefehls in Schutz- hast genommen worden war, ist nach Beendigung des Straf- Verfahrens<üas, wie erinnerlich, mit seiner Freisprechung geendet hattei am Samstag, dem 28. Dezember, vom Polizei- Präsidium Gladbach-Rheydt auö der Schutzhaft wieber eut- lassen ivorden. Sein Verteidiger Rechtsanwalt Dr. T h o r m a n n bleibt in Halt. Angeblich soll sich das„landesverräterische" Material gegen ihn mehr und mehr verdichten. Amerika erwartet Krieg Fortsetzung v»n Seite 1 Lnnafsdiarski In Mentone an der französischen Riviera ist nach langer Krankheit der frühere sowjetrussische Volkskommissar L u n a t s ch a r s k i gestorben. Lunatscharski gehörte zu den interessantesten, wenn auch nicht ganz linientreuen Repräsen- tanten deâ neuen Rußland, für denen Bildungswesen er längere Jahre hindurch verantwortlich war. Für die Um- steüung der Hochschulen nach sozialistischen Prinzipien, für die Durchsetzung der bolschewistischen Thcarerkultur und iür die Neuorganisation des gesamten BildungswesenS hat Lunatscharski sehr viel geleistet. Er verstand eS auch, im sowjetfeindlichen Auslände weitgehendes Interesse sür die sowjetrnssischcn Knlturbestrebungen zn erwecken. Er hielt in Berlin und in anderen Großstädten viel beachtete Vorträge, die ihn in vielen Punkten als Vermittler europäischer Kulturgedanken offenbarten. Vor einigen Jahren ivurde auch ein Theaterstück Lunatscharskis ausgeführt:»Don Ouichote". Er selber hatte freilich etwas von der Gestalt eines drama- tischen Helden. Er paßte nicht recht in die geistige Enge deS stalinistischcn Rußland, zumal seine äußerst elegante Frau, eine frühere Schauspielerin, viel Angriffsflächen iür hämische Spötter bot. Ende August 1929 wurde er von seinem Posten als Volkskommissar für das BildungSweien nach heftigen Konflikten mit Stalin abberufen. Dabei spielte auch Lunatscharskis Stellung gegen eine allzu radikale Gottlosen propaganda in Rußland eine gewisse Rolle. Sein Nachfolger wurde Bubnow. Das Neueita Der„Mornig Post" zufolge erklärte der Präsident der Abrüstungskonferenz Henderson, daß Gerüchte, nach denen er vor dem 21. Januar zurücktreten werde, jeder Grundlage entbehrten. Bei einem Zusammenstoß zwischen natipnal-zaranistischen Wählern und Anhängern der rumänischen Regierung wurden in C r ajo v a drei Nationalzaranisten durch Schütze schwer verletzt und einer getötet. In Targovikte in Rumänien verbrannte nachts eine vier» köpsigc Familie dadurch, daß die Kleider eines Arbeiter, der offenbar mit Benzin Flecken reinigen wollte, in Brand gerieten. A«S den nördlichen Gebieten der Bereinigten Staaten werden 44 Grad Celsius Kälte gemeldet. Im Gebiet von Eataguazes in Brasilien gingen überaus schwere Wolkcnbrüche nieder. Zahlreiche Tote, Verletzte und Vermißte find zu verzeichnen. Eine Anordnung der Obersten Leitung der PO. besagt, daß die Leiter der politischen Organisationen der RSDAP. in Zukunft nicht mehr AmtSwaltcr, sondern politische Leiter heißen. Dagegen heißen alle, die mit einem Amt in den gleichgeschalteten Verbänden, wie Deutsche Front usw. be» traut sind, Amtswalter. Diese Trennung wird deshalb durch- geführt, um jede Verwechslung zu vermeiden, und um den Charakter des politischen Führers der NSDAP, klar zu« Ausdruck zn bringen. wichtigsten Angriffswaffen, die ihm durch den Vertrag von Versailles genommen sind, doch wer kann sagen, ob der nächste Krieg mit denselben Waffen ausgefochten werden wird, ivie man sie vor anderthalb Jahrzehnten brauchte. Der wissenschaftliche geschulte Erfindergeist ist nicht unfruchtbar geblieben. Man spricht geheimnisvoll von neuen Wafken und Wegen der Kriegführung, die das gegenwärtige Verhältnis von Materialstärke und Militärkrait vollständig verändern könnten. Es trifft sich nicht zufällig, daß die Zivilbevölkerung Deutschlands, Eng- lands, Frankreichs, und der anderen Länder jetzt im Schutz gegen Lustangriffe geübt wird. Niemand kann sagen, wann der neue Brand ausbrechen ivird. Ein einziger, vereinzelter Akt eines Verrückten, der mit größerer Genauigkeit schießt als jener junger Burich. der seine Pistole gegen Dolliuß allzu eilfertig abfeuerte, kann den Kontinent ebenso schnell und sicher in den Krieg stürzen, wie der Schuß von Sarajewo im Jahre 1914. Die erhöhte Tätigkeit der Spione widerspiegelt sich in immer neuen Verhaftungen. Könige halten in entlegenen Schlössern des Balkans Konferenzen. Botschafter und Spczialgcsandtc versuchen die magische Formel zu finden, um zu verhindern, baß sich, um ein Wort Stanley Bald- wins zu brauchen, Europa wieder in einen Schlächterladen verwandelt. Sir Austen Chamberlain, der von Natur nicht dazu neigt, grundlos Lärm zu schlagen, erklärte im Unterhaus: „Ich betrachte die gegenwärtige Situation mit schwerer Besorgnis. Ich meine, die Lage in Europa, der Stand der öffentlichen Meinung und die Handlungen der Regie- rungen sind beute kritischer und bedrohen den Frieden un- mittelbarer, als irgend etwas, was wir seit dem Ende des großen Krieges erlebt haben." In Frankreich und Belgien lmit einigen seltenen Aus- nahmen auf belgischer Seite) erwarten die Minister und hohen Beamten den Krieg spätestens bis 193 6. Mussolini hat. wie ein belgischer Staatsmann erklärt, seine Mei ung dahin offenbart, daß der Krieg in den nächsten zwei Jahren ausbrechen werde. In allen verantwortlichen Kreisen ist man der Uebcr- zeugung, daß das Bersten der Todeswolke ganz plötzlich ein- setzen und der angreifende Staat rasch zuschlagen wird. Die furchtbare Kra't der Waffe«, wie sie seit 1914 entwickelt wor- den ist, ermöglicht und verlangt das. rrancois Ponccl bei inner Vor dem neuen Desndi des französlsdien Dofsdiaifers Pari», 28. Dezember. Der„Populaire" weiß über die Sitzung der LandcsverteldigungSmtntstcr, die den Minister- rat vorbereitete, mitzuteilen: „Einer der Landesvcrtcidigungsminister war Anhänger der Aufrüstung Deutschlands unter gewissen Bc- dingungen. Er trat ebenfalls energisch kür die direkten sranzösisch-deutichen Verhandlungen ein. Er sprach, wie es scheint, im Namen des General stabs. Aber schließlich siegte ein anderer Standpunkt: Ablehnung eines außerordentlichen Borgehens und An- nähme einer normalen Prozedur. In diesem Sinne wird der heutige Ministerrat beschließen. Frau- coiS-Poncet werden diesbezügliche Instruktionen erteilt werden. Vielleicht wirb sogar ein M c m o r a n d u m aus- gearbeitet, das vom französischen Botschafter in Berlin Reichskanzler Hitler übergeben werden soll." In der Tat war das Ergebnis des Ministerräte? vom Mittwoch die Billigung einer von Paul-Boncour vor- gelegten Denkschrift, die die Stellungnahme der französischen Regierung zu den Forderungen der Rcichsregierung eut- hält und dem Reichskanzler persönlich durch den sranzö- sischen Botschafter überreicht werden soll. Tie Denkschrift wird eine Fortsetzung der deutsch-französischen Gespräche nicht grundsätzlich ablehnen, aber gleichzeitig sehr deutlich zum Ausdruck bringen, daß die deutschen Bor- schlüge ungeeignet sind, um die Grundlage fiir Verhandlungen zu bilden. Man nimmt an, baß der Reichskanzler darauf erwidern wird, Deutschland sei durchaus bereit, über Einzelheiten der deutschen Bor- schlüge mit sich reden zu lassen. Frankreich wird ziemlich genau präzisierte Gegenvorschläge machen. Ziel der Gespräche bleibt, worauf der französische Bot- schaster neuerdings mit Nachdruck hinweisen wird, eine Abrüstungskonvention im Rahmen des Völkerbundes. Frankreich lehnt Gespräche mit ein- zelneu Regierungen nicht ab. aber es betrachtet diese Unter- redungen immer nur als Vorbesprechungen sür die Ver- Handlungen der Abrüstungskonferenz. Die Reise des französischen Außenministers Paul Bon- cour in die Hauptstädte der östlichen Verbündeten ist bis Anfang Februar verschoben ivorden. Man erblickt barin einen Beweis dafür, daß die Einigung zwischen Frankreich und den Oslstaaten vollkommen ist. Tie spätere Reise Paul- Boncours habe nur noch den Charakter, diese Einigung demonstrativ zu unterstreichen. Eine Zusammenkunft zwischen dem polnischen Außenminister Oberst Beck und Paul-Boncour wird schon Anfang Januar stattfinden, da Oberst Beck diesmal der Genfer Ratstagung präsidieren dürste. Die iranzOslsdien vors® lüge Zurück zur früheren Grundlage Paris, 28. Dezember. Die französische Denkschrift er- ncucrt die konkreten Abrüstungsvorschläge, die im Lause der s r a n z ö s i s ch- b r i t i s ch c n Unterredungen vom 23. und 24. September festgelegt wurden. Diese Vor- schlage umfassen eine er st« Periode von 4Jahren, Die Spier von logng Die große Trauerfeier Nach den jüngsten Ermittlungen soll sich die Gesamtzahl der Todesopfer der furchtbaren Eisenbahnkatastrophe von Lagny auf 199 belaufen. 92 Verletzte befinden sich in verschiedenen Krankenanstalten in ärztlicher Behandlung. Einige sind so schwer verletzt, daß sie nach wie vor in Lebens- gefahr schweben. Am Mittwochvormittag fand auf dem Pariser Ostbahnhoi die angesagte staatliche Trauerfeier statt. Unter Führung des Präsidenten der Republik nahmen an ihr zahl- reiche Würdenträger der Regierung teil. Den Angehörigen der Verunglückten hatte man Ehrenplätze zugewiesen. Die Musik der republikanischen Garde spielte zur Eröffnung der Feier einen Satz aus Beethovens„Eroica". Ter Vorsitzende des Aufsichlsrates der^Ostbahngesellschast und der Minister sür öffentliche Arbeiten, Paganon, hielten Ansprachen. Ter Minister versprach, daß die Regierung alles tun werde, uni die technische Sicherheit des öffentlichen Verkehrslebcns zu erhöhen. Man werde die Untersuchung über die Ursachen der Katastrophe ohne Ansehen der Person und ohne vor- gefaßte Meinungen durchführen. Am Schlüsse der Kundgebung sprach der Präsident der Republik den Hinter- bliebeneu mit warmherzigen Worten sein Beileid im Namen bei ganzen französischen Volkes aus. während der die europäischen Armeen auf einen einheitlichen Typ umgestellt werden sollen. Deutschland würde für diese Zeit ein Hcer von 269 999 Mann unter Ausschluß der militärähnlichcn Formationen erhalten, mit einem diesen Beständen entsprechenden leichten Vertei- digungsmaterial tMaschinengewehre, 19L-Ztm.-Geschütze>. Frankreich würde 299 999 Mann Soldaten im Mutterland und 299 999 Mann in den Kolonien behalten, mit sämtlichem zur Zeit vorhandenen Material. Während der vier ersten Jahre würde eine gegen- seitige ständigeKontrolle eingerichtet, und, falls diese gute Resultate zeitigt, wurde in einer zweiten Periode von 4 Jahren Deutschland ermächtigt werben, s ä m t l i ch c D e f e n s i v w a s s c n zu besitzen, ein- schließlich der Tanks und Jagdflugzeuge, während die ge- rüsteten Staaten ihre Offensivwaffen vernichten müßten, vor allem alle Geschütze über 19,5 Zentimeter und Tanks über 15 Tonnen. Um seinem Abrüstungsangebot noch mehr Nachdruck zu verleihen, würde Frankreich bereit sein, sofort nach Unterzeichnung der Konvention und vor- behaltlich der Zustimmung der anderen Staaten die Hälfte seiner Bombcnslug- zeuge abzuschaffen. „Abrüstung im Kreise" Ungünstige Aussichten Halbamtlich wirb aus Berlin gemeldet: In französischen Kreisen gibt man sich über die Erfolgsaussichten dieser Vorschläge, die die ganze Entwick- lung seit der Genfer Krise zu ignorieren suchen, offenbar keinen Illusionen hin. Es kommt in der Presse deutlich zum Ausdruck, daß es sich vorwiegend um ein taktisches Manöver zur Verschiebung der Schuldfrage und zur Vor- bcrcitung eventueller Aktionen im Völkerbnndsrat handelt. An diesem Zweck gemessen, wirkt die angewandte Methode aber ebenso plump wie hinsichtlich der Abrüstungsfragcn selbst. Entweder- oder Leon Blum Paris, 28. Dez. Leon Blum vertritt im.Populaire" wieder die These von der Ausarbeitung eines allgemeinen Abrüstungsplancs, den die Rcichsregierung entweder an- nehmen könne, oder den man ihr einlach aufzwingen müßte. Frankreich habe nur die Wahl zwischen dieser Methode oder einem allgemeinen Rüstungswettlauf. « Paris, 27. Dez. Der Schnellzug BauueS— Paris ist am Mtttwochmorgen in eine Gruppe.von Strecken» arbeitern gefahren, von denen drei getötet und einer schwer verletzt wurde. Der dichte Nebel, der immer noch in ganz Frankreich herrscht, hatte es dem Rottenführer nn» möglich gemacht, den Schnellzug herankommen z« sehen. Der Führer und der Heizer der Lokomotive des Straß- burger Schnellzuges find, wie wir schon meldeten, aus Ver- anlassung des Untersuchungsrichters wieder freigelassen worden. Vor dem Untersuchungsgefängnis in Meaur wurden die beiden Entlassenen von zahlreichen Eifenbahnerkollegen mit großem Jubel empfangen. Neue Meldungen über die Ursachen der Katastrophe weichen außerordentlich vonein- ander ab. Man muß abwarten, welche Ergebnisse die amt- lichen Untersuchungen haben werden. Paris, 28. 12. Die Zahl der Todesopfer der schweren Eisenbahnkatastrophe bei Lagny hat sich im Laufe des Mitt, woch aus 263 erhöht. Zwei Schwerverletzte, die i» Pariser Krankenhäusern gepflegt wnrden, find ihren Ver- letzungen erlegen. Inzwischen ist eS gelungen, sämtliche Opfer zn identifizieren. 82 Särge haben bereits die Totenhalle des Ostbahnhofs verlassen. 68 Verletzte liegen noch in verschiedenen Pariser Krankenhäusern. Eine Reihe anderer wird in Lagny gepflegt. Holland für van der Lübbe Um mildere Strafe Verlin, 28. Dez. Im Auftrag seiner Regierung hat der niederländische Gesandte, von Limburg-Stirum. an den Rcichsaußcnminister Frhrn. v. Neurath ein Schreiben gerichtet, in dem er die Reichsrcgierung bittet, die gegen van der Lübbe erkannte Todesstrafe in eine mildere Strafe umzuwandeln. Herrschaft der zentralen Bürokratie Zur Vernichtung aller Rechte des deutschen Staats; und Gemeindebürgers Der Nationalsozialismus ist nicht nur in seinem Namen, sondern auch in seinem Wesen und all seinen Forderungen widerspruchsvoll wie nie ein politisches Gebilde vor ihm. Das hat er jetzt erneut auf einem der wichtig- st en Gebiete deutscher Staatsgestaltung, näm- lich dem der kommunalen Selb st Verwaltung, be- wiesen. Bereits Mitte August hat der westfälische Gauletter Flo- r i a n angekündigt, die Burgermeister würden in Zukunft nach dem Führcrprinzip ernannt werden— was dann den bayerischen Ministerpräsidenten Siebert veranlagte, sich ebenso lebhaft für den Schutz der Selbstverwaltung ein- zusetzen. Die Gleichschaltung in den Kommunen beschränkte sich zunächst darauf, in allen Gemeindevertretungen nur mehr zuverlässige Nationalsozialisten und zwar möglichst»alte Kämpfer" als Gemcindeoberhäupter einzusetzen. Es gibt heute fast keine grössere Stadt in Deutschland mehr, deren Bürgermeister nicht von der nationalsozialistischen Partei und aus ihren älteren Mitgliedern(die deshalb trotzdem an Lebensjahren oit noch in jenem Zeitabschnitt unseres kurzen Erdendaseins hineingchören, in dem die»Lehr- und Wan- derjahre" noch nicht abgeschlossen sind! gestellt worden wären. Ausserdem wurden die verschiedenen Spitzenverbände der Gemeinden, darunter als wichtigster der Deutsche Städtetag, am 22. Mai von der Parteileitung der NSDAP, unter der Führung Leys gezwungen, sich zu einem»Deutschen Ge- meindetag" zusammenzuschließen, dessen Leitung der Münche- uer Nationalsozialist Karl Fi eh 1er, der zugleich zum Oberbürgermeister von München gemacht wurde, übernahm — ein Mann von Unter-M ittelmaß. Und der dritte Zug der Gleichschaltung bestand darin, daß eine Reihe großer Städte, darunter Berlin, unter Hitlers Katastrophen- Politik den verschämten Bankerott ansagen mutz- ten, dieselben Gemeinden, die einst auch dem kritischsten Auslande als sehr kreditwürdig erschienen waren. Im ttbri- gen aber hatte man sich damit begnügt, nach Entfernung der Sozialisten. Kommunisten. Juden, Pazifisten und Demo- kraten aus den Gemeindcparlamenten die übrigen schwan- kenden Charaktere unter dem Hakenkreuz zusammenzufassen und aus ihnen eine Farce der ehemaligen Bürgerschafts- Vertretung zu machen, die nach den Direktiven des braunen Parteihauses am Orte Ja und Amen zu nicken hatte. Nunmehr aber ist die Gleichschaltung nach dem Führer, prinzip lückenlos durchgeführt und eine der stärksten Stütze» des heutigen Staates seit mehr als hundert Jahren, die Selbstverwaltung, restlos ausgehoben worden. Die national- sozialistische Staatsregierung Preußens hat 6 Gesetze er- lassen, durch die die Gemeindeordnungen, die bisher in Preußen gegolten haben, ausgehoben und die letzten Reste der Selbstverwaltung beseitigt werden. Nach diesen neuen Gesetzen wird es in den preußischen Gemeinden nunmehr keine gewählten Stadtverordnete»»«»- sammlungc» oder Gemeinderäte, keine gewählten Bürger- meister oder Gemeindevorsteher mehr geben. Die Berwal- tung aller Gemeinden von der kleinsten bis zur größten ist nunmehr ausschließlich Bürgermeistern oder Schulzen über- tragen» die von der nationalsozialistischen Regierung er- nannt werden. Auch ihnen evtl. beigegebene Stadträte, Käm- merer oder Schulzen gehen nicht aus Wahlen hervor, son- dern werden von der gleichen Stelle ernannt. Die schrankenlose Herrschaft einer zentra- listischen Bürokratie ernennt nunmehr nicht nur die Oberpräsidenteu. Regie- rungspräsidcnten und Landräte, sonder» anch die Bürgermeister und Dorfschulzen bis zum letzten Beigeordneten! Die Verwaltung jeder Gemeinde hat nach den Weisungen der Zentralregierung zu erfolgen, die neben sich keinen anderen Willen duldet, und ein ungeheurer büro- kratischer Apparat verwirklicht diese neue Besehlsgewalt. Es gibt keine Selbstverwaltung mehr in Hitlerdeutschland! Hier offenbart sich einer der paradoxesten Widersprüche zwischen Theorie und Praxis des Nationalsozialismus: Der Nationalsozialismus hat immer wieder behauptet, daß er seinen Grundgedanken aus»germanische Wurzeln" zurückführen könne— aber diese Beseitigung der Selbst- Verwaltung und die dazu von ihm verlautbarten Gedanken über die Staatsgestaltung sind ausschließlich romanische Gedankengänge ohne jedes Verständnis für jene Idee der Selbstverwaltung, die das germanische Wesen der Welt geschenkt hat. Hitlers Kapitel„Persönlichkeit und völ- kischer Staaisgedanke" in seinem Buche„Mein Kampf" ist, auch wenn er es selbst nicht wahrhaben möchte, genau so un germanisch wie die Gedankengänge des italienischen Faschistensührers P c s e n t i, der 1926 in der italienischen Deputiertenkammer erklärte:„Es gilt für immer die germanische Idee zu beseitigen, welche eine Verteilung der Macht zwischen Staat und Selb st Verwaltung wollte: es gilt zu neuer Kraft und neuem Ansehen zu bringen eine andere ältere, furcht- barere..., die echt römische Idee!" Diese echt„römische Idee" hat der National- sozialismus im St amen„urgermanischen Wesens" jetzt im totalen Staat bis zum letzten Winkel staatlichen Lebens lückenlos verwirklicht. Der Nationalsozialismus hat Deutschland e n t d e u t s ch t, aber dafür um so kräftiger romanisiert— welche Feststellung die Romanen uns hoffentlich nicht als eine Beleidigung ankreiden! Mit diesen neuen Dekreten des Nationaliaschismus ist die große ruhmreiche Geschichte der deutschen Selbstverwaltung vorläufig beendet. Was Stein und Harden- berg vor mehr als hundert Jahren in der Zeit der tieften Not unseres Vaterlandes als einen der stärksten Pfeiler zum Wiederaufbau in den Staat einbauten: die S e l b st- Verwaltung, deren Leistungen trotz mancher Schatten- und Entartungsseiten unbestritten sind, ist dem Moloch des „totalitären" Staates, der seinen Untertanen weder indivi- duelle noch kollektive Freiheit läßt und dem faschistischen »Führer"prinzip, das im Gottesgnadentum der Hohenzollern schon einmal an Deutschlands schwerstem Zusammenbruch schuld war, geopfert worden. Der Vernichtung aller per- sön lichen Freiheit, der Freiheit der Gesinnung und des Wortes, ist die Vernichtung jeder kollektiven Freiheit, jeder Selbstverwaltung gefolgt. Eine schrankenlose Despotie und Willkürherrschast thront aus den Spitzen ihrerBajonetteund eines Büro- kratie-Polypen! Für die Saar hat diese Angelegenheit ihr besonders pikantes Gesicht: Während der ganzen Jahre des Völker- bundsregiments an der Saar galt die Behauptung der beut- scheu kommunalen Selbstverwaltung als einer der wesentlichen Stützpunkte für die Erhaltung des Deutschtums. Inzwischen ha: sich ein Teil der Leute, die früher mit uns diese These hochhielten, gleich- und u n t c r geschaltet und muß nun zu seinem nicht geringen Schrecken erleben, daß der autoritäre Staat seiner Sehnsucht ihm und allem Grenz-, Minderheiten- und Auslandsdeutschtum selbst diesen Stützbalken absägt. Daß der faschistische Schlag j en die Selbstverwaltung im Grunde ein Schlag gegen da S Deutschtum ist, davon haben wir an der Saar durch^dic Schuld der Gleichschalter schon einige Beispiele erlebt. Sic werden sich hier und anderswo schon bald vermehren. Die»antideutschen Röhmlinge", die augenblicklich in Deutschland Politik mit den Mitteln der Despotie maö.n, werden zwar nicht aufhören, die Welt um Selbstbestimmung, Gleichberechtigung, Freiheit(zur Aufrüstung) und Selbst- Verwaltung zu interpellieren— aber nach der Zerstörung der deutschen Selbstverwaltung, die der gleiche Mund diktierte, der über die Grenzen die Friedensschalmei bläst, wird die Welt noch besser als bisher wissen, daß es der Wolf ist. der sich da über die L ä m mer. die ihm den Fluß trüben, beschwert! M.B. Dr. Sdiadti und ran der Lübbe Holldndisdie Stimmen Nach deutschem Rezept! Wir entnehmen aus der„Post Scripta" der»Haagschen Post" die folgenden Abschnitte: „Dr. Schacht befindet sich in keiner angenehmen Position als der Präsident von der nationalen Bank eines Landes, das seine Gläubiger schon wiederholt so heftig getäuscht hat! Dr. Schacht sieht aber nach altem deutschen Rezept in dem Angriff die beste Verteidigung. Ehe die Gläubiger ihm Vor- würfe machen, macht er ihnen welche. Und in welchem Ton? Eine Rede, die er in Basel vor der deutschen Handels- kammer gehalten hat, hat mit Recht in der Schweiz einen Sturm der Entrüstung entfacht. Nicht daß Deutschland im Rückstand blieb, sondern daß die Gläubiger auf ihrem guten Recht bestanden, Zinsen von dem Geld zu sehen, daß sie zu Deutschlands Wiederaufbau geliehen hatten, konnte nicht scharf genug gerügt werden. Außerdem hatte Dr. Schacht die Stellvertreter der Gläubiger nach Berlin entboten, wo er ihnen in seiner„liebenswürdigsten" Form eine Rede ge- halten hat, mit der sich seine Zuhörer aber nicht einver- standen erklären konnten. Argument auf Argument konnten sie widerlegen. Aber Dr. Schacht nahm davon keine Notiz, ja, in dem Bericht über die Zusammenkunft hat er ihre Ein- wände selbst streichen lassen. Danach hat er ihnen sein Dekret zugesandt." Holland verlangt Gesetzesschutz „Uns Holländer beschäftigt noch insbesondere das Schick- fal des Psychopathen van der Lübbe. An seiner Schuld kann kein Zweifel bestehen, wohl aber an der Strafbarkeit und der Verantwortlichkeit, die die Anklage ihm zuerkannte. Sollte er in Uebercinstimmung mit dem Antrag zum Tode verurteilt werde», dann würde die holländische Regierung sich veranlaßt fühlen, in Berlin Schritte zu unternehmen. Ja, sie hat in ihrer Antwortnote an die Kammer bereits mitgeteilt, daß sie nicht geduldig zusehen würde, wenn gegen- über van der Lübbe die Gesetzesbestimmung verletzt wird, die besagt, daß keine Strafe diktiert werden kann, die nicht vor der Tat gesetzlich festgelegt war. Das ganze holländische Volk, soweit es noch holländisches Rechtsgefühl besitzt, wird dabei hinter der Regierung stehen, nicht wegen der wenig anziehenden, sei es auch bedauernswerten. Figur des Lei- dcner Jungens, aber»,egen des Gesetzesschutzes. Diese schuldet jeder Staat jedem seiner Untertanen in der Fremde, auch wenn er ein Verbrecher ist und gleichfalls ist er dies seiner eigenen Ehre schuldig." Industrie gegen Autarkie Aus der Rubrik„Hier in Holland' der Haagschen Post" zitieren wir folgende Sätze: „Die deutsche Regierung sieht nun ein, daß ein GüterauS- tausch mit dem Auslande unvermeidlich ift.&te scheint nicht länger geneigt zu sein, ihre eigene Industrie den Hirn- aespinsten der Autarkie zu opfern, und jeder, der die Wieber- kehr von normalen Zuständen ersehnt, kann sich darüber nur freuen. Es wäre zu wünschen, daß die Auffassungen Dr. Schachts hinsichtlich der sinanziellen Verpflichtungen dieselbe K»r durchmachten wie die von Minister«chmitt betresfs der wirtschaftlichen Nöte. Leider aber ist es noch nicht so. Das Ausland muß die Waffen bezahlen Wir lesen n. a. in»H e t V o l k": „Die ausländischen Sparer, die deutsche Obligationen be- sitzen, sind aus Rationen gesetzt. Das deutsche Reich aber kassiert durch eine besondere Einrichtung, die Konversions- lasse, die ungekürzten Markbeträge der deutschen Schuldner. Schacht hat erklärt, daß diese Beträge das Eigentum der ausländischen Anrechthaber bleiben sollten. Deutschland hat aber viel Geld nötig für seine Aufrüstung und für die Finanzierung der Arbeitsbeschaffung. Wir bleiben also der Meinung, daß die Hitler-Regicrung diese Marken für die Aufrüstung gebraucht. Das heißt: Deutschland wafsnet sich mit dem Geld der ausländischen Gläubiger und damit also auch der holländischen Sparer." Deutschlands zwei Gesichter Wir entnehmen a»S„De Nieuwe Rotterdamsche Courant" folgende Sätze: .„Deutschland zeigt im Augenblick zwei Gesichter. TaS eine davon hat verständige und in gewissem Grade sogar freund- liche Züge. Das andere Gesicht wird uns durch Dr. Schacht gezeigt: es ist diktatorisch, spottet Aber die finanzielle Moral und ist erfinderisch im Ausdenken in Dumpingsmitteln und zum Aufdringen von Ausfuhr auf unsere Kosten. Es ist schade, daß der Eindruck der Handelsübereinkunst so ver- dorben wird." Van der Lübbe kein Simulant D r. G. I. T. de I o n g h, der Ex-Kinderrichter deS Amsterdamschen Gerichtshofes schreibt u. a.: „Die Auffassung der deutschen Psychiater, daß van der Lübbe ein Simulant ist, ein gewichster Bursche, der sich dumm stellt und verteufelt gut weiß, was um ihn hin passiert, und der mit seiner ganzen Haltung während der Gerichtssitzungen nur auf eine Abwehr aus ist, so baß man ihn im Auge behalten muß, ist durch seine Haltung während des Plädoyers, in dem es um sein Leben ging, wohl gründ- lich lttgengestraft. Hat man es jemals hören singen, daß der Mann, der sich ein paar Monate lang aus eine schlaue und tückische Manier zur Wehr setzt, im entscheidenden Augen- blick, als der Schlag geschlagen werden soll, in tiefen Schlaf versunken ist? Welche Erklärung geben nun die gelehrten Herren siir diese sonderliche— sicher nicht simulierte— Haltung?! Die Karten auf, und zn>ar bald: denn gleich wird das Objekt eurer gelehrten Betrachtungen vielleicht nicht mehr im Lande der Lebenden weilen, und dann fehlt jede Kontrollmöglich- keit und die Gelegenheit zur näheren Untersuchung!" Furcht vor der Wahrheit Eine in der Schweiz geborene Ehefrau aus Dresden hatte am 23. September einen Brief an ihr« Mutter in Brunnen fTchweiz) geschrieben. Der Brief wurde be- bördlich geöffnet, er enthielt angeblich Greuelnachrichten. Die Brie'^reiberin wurde vor Gericht gestellt und zu einer Gefängnis st rase von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt. Der skandalöse Vorfall hat i» de» Schweiz das größte Aussehen erregt. JOdisdie Wcihnadifsgreuel Kauft nur arisches Kuhfleisch! Im»Dortmunder General-Anzeiger" lNr. 352) liest man: Aus unserem Leserkreise wird uns geschrieben:„Die Weihnachtsseiertage sind vorüber. Aus den Kreisen des gewerblichen Mittelstandes erfuhr man, daß diesmal vor dem Christfest, im Gegensatz zu den Vorjahren, besonders die kleineren und mittleren Geschäftsleute gut abgeschnit- ten haben und durchweg zufrieden sind. Darüber wird sich jeder ehrliche deutsche Volksgenosse freuen. Besonders an- genehm berührt dabei die Feststellung, daß gerade in den dichtbevölkerten Arbeitervierteln jüdische Geschäfte gemieden und zum Einkauf nur christliche Gewerbe- treibende ausgesucht wurden. Der Nationalsozialismus Hot also aus die armen und ärmsten Volksgenossen erzieherisch gewirkt und gute Früchte getragen.— Um so bedauerlicher ist aus der anderen Seite die Feststellung, daß Familien aus den besseren Wohnvierteln, z. B. aus der Kleinen Bcurhauöftraße, zu dieser Erkenntnis anscheinend immer noch nicht gekominen sind. Obwohl in dieser Gegend u. a. sehr viele Beamte wohnen, konnte die Beobachtung gemacht werden, daß der Laden eines jüdische» Fleischer- meisters vor dem christlichen Weihnachtsiestc immer überfüllt, dagegen der gegenüberliegende Lade» eines christlichen Metzgermeisters fast stets leer war! Das mag heute beinahe unglaublich klingen, aber dennoch ist es leider so. Die Bewohner dieser Gegend, die heute immer noch jüdischen Geschäfte» gegenüber christlichen den Vorzug geben, haben, das muß hier einmal offen gesagt werde», aus der nationalsozialistischen Revolution noch gar nichts, oder aber nur sehr wenig gelernt. Das ändert auch an der Tatsache nichts, daß die in Frage kommenden Frauen oder Männer meistens nicht selbst in das jüdische Geschäft laufen, sondern ihre Einkäufe durch ihr Dienstpersonal besorgen lassen. Wir wollen hoffen, daß dieser kurze Hinweis genügen möge, um die Zeitgenossen, die im vorliegenden Falle gemeint sind, endlich zur Besinnung zu bringen." * Soweit die Ausführungen des Briesschreibers.— Wir haben dazu von uns aus nur zu iagcn: es gehört an sieb schon eine ungeheure Geschmacklosigkeit dazu, um uns gelinde auszudrücken, wenn christliche Familien dazu übergehen, ihre Einkäufe ausgerechnet zum Weihnachtsfcst in einem jüdischen Laden zu tätigen." Soweit der„General-Anzeiger". Tie Gedankenlosigkeit der Dienstmädchen ist beklagenswert. Noch schlimmer wird die Sache, wenn man bedenkt, daß auch der Einkauf bei christlichen Metzgern noch keine Garantie für arische Rasse und ckiristlichen Charakter des Fleisches und der Wurst zu bieten vermag. Die Schlachttiere können mit Futter aus jüdischen Groß Handlungen gemästet und von jüdischen Viehhändlern gekauft und verkauft worden sein. Hier erwächst sowohl den Rasseämtern wie de»„deutschen Christen" eine wichtige Forschungsausgabe. Zuchthaus für SAP-Propaganda Wegen illegaler Propaganda zugunsten der Sozialistischen Arbeiter-Partei verurteilte das Sondergericht zu Freiberg die Angeklagten Reich zu drei Jahren Zuchthaus, Berthold zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus, Lißner zu fünf Monaten Gefängnis. Fritz Rehwagen zu zweieinhalb Jahren Gesang- ms, Richard Rehwagen zu fünf Monaten Gefängnis, Quell- matz zu einem Jahr vier Monaten Gefängnis, Werner zu zehn Monaten Gesängnis, Menzel zu einem Jahr Geiäva- S* und Laube zu zehn Monaten Gefängnis J Die wahre Mcinunil des Vatikans^ÏSSÂ*" 1 Die dsterreidiisdien Sisdiöfe erlassen einen sdiarien Hirfenbriei Lesen die Irrlehren des Nationalsozialismus teilt hochbedcutsamcs Dokument über die wahre Lage zwischen Vatikan und Nationalsozialismus liegt vor, wich- tiger als alles, was in jüngster Zeit an katholischen Gleich- schaltungsiibungrn ofsenbart wurde, Frei von dem Druck des Terrors, in offenem Einverständnis mit Rom haben die katholischen Bischöfe Oesterreichs einen so scharfen Hirtenbrief gegen die Irrlehren des Naiivnal- sozialismnS erlassen, daß er au die Kundgebungen der deutschen Bischöfe ans der Zeit vor dem braunen Terror- regiment in Deutschland erinnert. » Der Hirtenbrief nimmt sehr eingehend gegen die Gewalt- akte der Nazis Stellung und erklärt: „Tarum ist die N c v o l» i i o 11 auf das entschiedenste z u v e r it r I« 11 c tt, aber auch jede öffentliche Gewalttätigkeit, die durch Niieniai« und politische Mord« die Träger der Staat»» »utorität und ihre rechtmästigen L'rganc zu beiritige» trachtet. Bomben und Granaten, Böller und Spreng, hoffe sind keine erlaubten Waffe» des Prioatrech- «es, sondern nur des Lricgsrcchtes. Die staatliche tbrigkcit hat darum das Recht, ungerecht« Gewalt mit gerechter Straf- gemalt, nötigenfalls auch mit Todesstrafe zn ahn- den, um ifebcn und Sicherheit der friedlichen Bevölkerung wirk» fam zu schützen. Der Hirtenbrief verurteilt auch„den hartnäckig fortgesetzte» Ungehorsam und Widerstand gegen die gesetzmäßige Negie- rung, wodurch das öffentliche Leben nur ständig der Brun- ruhigung und Bedrohung ausgesetzt ist". Sehr eingehend nimmt dann der Hirtenbrief zn dem Kon- flitt zwischen Oesterreich undDeutschland Stellung. Dieser Teil des Hirtenbriefes ist wohl nicht nur als Mei- »nngoauodruck der österreichischen Bischöfe, sondern als Stellungnahme der Kirche zu dem in Deutschland herrschen- den Regime von Bedeutung. Es heißt da: Nicht wir Oesterreich«« haben den Zwist her. a u s b e s ch w o r e n, der Bruderkrieg wurde uns aufgedrängt, wir haben wiederhol« die Hand zum frieden geboten und wir werde» fie bereithalten, bis fie in versöhnlichem Geiste angcuom- men wird. Allerdings kann wahrer Tancrfrlede nur ans der«Grundlage des Rechtes beruhen; und wenn unser« Regierung die volle staatliche>1 u a b h ä» g i g k e i t Oesterreichs und die ungestörte Selbstverwaltung verlangt, so fordert sie hiermit nur Rechte, die jeder souveräne Staat for- drrn must. Allerdings trägt dieser Zwist nicht nur einen poli- tischen(kharaktrr, fondern ist in seinem tiefsten Wesen im religiösen Gedankenkreis des National- fozialismnö begründet. Der Hirtenbrief wendet sich im Anschluß daran gegen die Lehren des Nationalsozialismus und stellt ihnen vier Grundwahrheiten entgegen. Erste Grundwahrheit: Tie Menschlichkeit ist eine ein- heitliche Familie, aufgebaut auf Gerechtigkeit und Liebe. Tarnm verurteilen wir den Nationalsozialist!» scheu Rassenwahn, der zum Rafienhast und zn Bölkerkon. flitten führt, ja führen must: desgleichen verurteilen wir das«n- cht istliche Sterilifationsgefetz, das MI« dem Raturrecht und dem katholischen Ehriftentum in unversöhnlichem Widerspruch steht. Zweite Grundwahrheit: Ter wahre christliche Nationa» li s m» s ist von Gott gewollt und wird von der Kirche gebilligt: denn die Bebe zum eigenen Bolke»nd die Anhäng, lichkci« an das B a t e r l a n d find in der Naiur des Menschen be- glündct. Tarnm predigen wir die Tugend de» christlichen Patriot!»- ■in«, verurteilen den Bcrrat am Vaterland»nd verurteilen den radikalen RassenantisemitismuS. Dritte Grundwahrheit: Nation«nd Staat find verschieden»nd der Staa, i st über der Nation. Darum verurteilen wir das extreme Nationalitätrnprinzip, verteidigen die geschicht- liche» Rechte unseres Vaterlandes und begrüßen die Pflege des österreichischen Gedankens. Viert« Grundivahrhei«: lieber allem Nationalismus steh« die Religion, die nicht international, sonder« über» national ist. Darum verurteilen wir alle Fdeen und Be- strebungen, die folgerichtig zn einer Nationalkirchr und letzten Endes zum offenen Bruch mit der katholischen Kirche führen müftten." * Mit dieser Kundgebung stellen sich die österreichischen Bischöfe mit der ganzen Autorität der Kirche hinter das gegenwärtige Regime. Bon den Bischöfen wird nicht nur das geistige Programm des Nationalsozialismus verworfen, sondern im besonderen auch die Art der Taktik und Agitation der Nationalsozialisten auf österreichischem Boden. Damit sind manche Bermntungen^.die man an die vor einigen Wochen erfolgte ZuriickzielMng der katholischen Geistlichen ans der politischen Kampffront geknüpft hat, widerlegt: Die katholischen Kirchenfürstcn stützen durch ihre Autorität die Autorität der Dollfuß-Regierung. Doch damit nicht genug! Die österreichischen Bischöfe sprechen alles d«& mit vollkommener Offenheit und Eni- schiedenhcit aus, was die deutschen Kirchenfiirsten heute nicht mehr wagen dürfen. Ueber der katholischen Hierarchie in O c st erreich und in Deutschland aber ivölbt sich das gleiche Dach des Batikans. Darum beweist der österreichische Hirtenbrief, baß der innere Gegensatz zivischcn Nationalsozialismus und Katholizismus in allen grundsätzlichen Fragen, dem extremen Nationalitätenprinzip, den Rasselchrc», ben Sterilisations- gcsctzen und allen„totalen" Ansprüchen des„totalen" Staates in voller Schärfe fortbesteht. Es geht um Grundgedanken der katholischen Kirche. Darum bleibt, von der evangelischen Kirche ganz abgesehen, hi-."••*,.np 0(i«if(••'••'~'•••- und Gefängnis bedroht. Auch die ideologische Berdum- lining dei Lagerinsaiieu ivuise.uu Täglich wurden uns von Obertrupplührern Vorträge gc halte», wie„Denlichc U Boote im Weltkrieg oder„Hitler als Arbeiter in Wien" usw. Trotzdem war die Unzufriedenheit bei einigen Freiwilligen sowie Truppführern groß. Bezeichnend dafür ist. daß gerade Truppsührer von Frei» willigen dabei überiaschi wurden, als sie am Radio Straß- bürg und Moskau hörten. So wird fieberhaft und systematisch die materielle und maralische Aufrüstung vorwärts getrieben. Je mehr ge- rüstet wird, desto größer und schwungvoller werden Hitlers Friedensbeteuerungen. Lin neuer Göbbels-Schwindel aufgedeckt G. Genf, 27. Dezember. Lbfchou die Regierung des„dritten Reiches" es zur Erreichung ihrer dunklen Ziele für notwendig erachtet hat, die von ihren Vorgängern in Genf erkämpfte Stellung mit großer Geste preiszugeben, ist sich der Reichsminister G ö b b e l s doch nach ivie vor der Bedeutung dieses Zen- trums des internationalen Lebens bewußt geblieben. Für diesen Meister der Heuchelei ivar es auch nach dem Rückzug unerträglich, auf den Einfluß zu verzichten, der durch die An- Wesenheit so vieler Journalisten aller Weltteile aus die öfsenr» liche Meinung in allen Ländern ausgeübt werden kann. Deshalb hat er aus seinem Ministerium einen Mann nach Gens delegiert, der des äußeren Scheines wegen als Bize- konful des deutschen Konsulats getarnt worden ist. Der Herr mit dem arroganten Austreten trägt den klangvollen Namen Edler von P u t t l i tz. Seine Aufgabe besteht darin, in deutschen Kreisen für die iciveils linientreue Politik seines Herrn und Meisters das nötige Verständnis zn verbreiten, vor allem aber Bc- Ziehungen zu den nichldeiitschen Journalisten zu pflegen, die im Bedarfsfälle, nach dem bekannten Korruptioiisprogramm der Zö-Millioncii-Propagaiida auch mit diskret verteilten Banknoten„ermutigt" werden sollen. Tas„dritte Reich" hat eö ja dazu. Um von vornherein etwaigem Mißtrauen zu begegnen, gibt er sich bei den Journalisten außerdeutscher Nationalität als Gegner des gegenwärtige» Regimes in Deutschland aus und ist lehr besorgt, zu verbergen, daß er, der Edle von Puttlitz, Mitglied der natioualsaschistischcn deutschen Ar- beitcrpartci und der SS. ist. Er ist sich in echter Nazivcrblendung offenbar gar nicht bewußt, welche Zu- mutung er damit an die Höflichkeit der Journalisten stellt, die genau wisien, daß im heutigen Deutschland jeder, der nicht verhungern will, der regierenden Gangstergefellschost angehören muß. Das kalte Mißtrauen, mit dem man Herrn Puttlitz in Journalijtcnkrciscn begegnete, wurde aber von einem anderen Ereignis in höhnische Verachtung verwandelt. In den Genfer Kinos lies vor kurzer Zeit ein deutscher Pro- pagandafilm, der Herrn Dr. Göbbels zeigte, wie er von einem a m e r t k a u i s ch e n Journalisten interviewt wurde. Die in englischer Sprache gestellten Fragen dieses Journa- listen wurden dabei von dem bekannten Dolinctfchcr Stresc- manns, Dr. Schmitt, übersetzt. Tiefer amerikanische Journalist, mit dem sich Herr Dr. Göbbels auf seinem Pro- pagandabildstreisen vor dem deutschen und internationalen Kinopublikum dicke tut, war bis dahin in Gens gänzlich un- bekannt. Erst neuerdings hatte man das zweifelhafte Vergnügen, seine verblüffende Bekanntschaft zu machen. Er ist nämlich niemand anderes als der Edle von Puttlitz, jetzt deutscher Bizekonsul in Genf! Dieser schwere Rcgiefchler wirft ein grelles Licht auf den Schwindel der gesamten Göbbelspropaganda für das Ausland, das der Berliner Größenwahn für zu dumm verkaufen möchte. Ihm verdankt auch der Edle von Puttlitz den geradezu landesverräterifchen„Erfolg" seiner Propagaildabemiihungeu in Genf, wo man über gewiss« private Sitten dieses Herrn genau so verständnisvoll hinweg- sieht, wie das im„dritten Reiche" in der unmittelbaren Um» gebuiig des„Führers" geschieht. loebe enthaltet Nur wegen schwerer Krankheit Der Prager„Sozialdemokrat" schreibt: Bon Mitgefangenen unseres alten Freundes Paul Löbe, die als Ausländer das Glück hatten, nach ihrer Freilassung aus diesem Deutschland ausgewiesen und abgeschoben zu werden, erhalten wir die Nachricht, daß der langjährige Prä- sident des Deutschen Reichstages. Mitbegründer des Reichs- banners Sck»varz-Rot-Gold, Vorsitzender des Ocsterrcichifch- Deutschen Bolksbundcs, im Ausland vielfach bekannt als Teilnehmer interparlamentarischer Tagungen und von Vortragsreisen, mit Rücksicht ans einen neuen Anfall seines überaus schmerzkiasteii Gallcnleidens ans der Hait entlassen worden ist. die ihn fast ein halbes Jahr gefangen gehalten hat. Er war nicht ins Ausland gegangen und vertrat die Meinung auch persönlich, die Partei müsse sich dein Druck fügen. Das hat ihn nicht davvr bewahrt, zuerst ins Bres- lauer Konzentrationslager gesperrt zu iverden. Als man sich genötigt sah, wenigstens einem Heines die Macht über politische Gefangene aus ganz Preußen abzunehmen, wurde. Löbe nach Osnabrück gebracht. Seine Fran appellierte an Hindenbnrg, dieser wandle sich an Hitler und schließlich wurde Löbe ins Polizeigciängnis Spandau überführt. Von da gings ins Polizeipräsidium Berlin, wo sich— nach den uns gewordenen Berichten ehemaliger Mitgefangener Lobes— SS.-Beamte daran erlustigten, diesem rcpubli- kanischen Führer höhnisch zuzurufen, jetzt habe nicht mehr . e r, sondern sie hätten nun zu befehlen. Einige Tage war Löbe auch in dem ncncrrichteten Gefängnis der Gestapo iGehelmen Staatspolizei! in der ehemaligen Kunstgewerbe- schule an der Prinz-Albrecht-Straße gegenüber dem Land- tag. Dort wurde er— vernommen. Soviel wir wissen, ist zwar an Löbe nicht direkt Hand an- gelegt worden, aber dieses ganze Leben voll Bitterkeit und Entbehrungen hat gewiß stark dazu beigetragen, daß schwere Krankheit den boch in den Fiiinziaerjahren siebenden Mann aufs Lager geworfen hat. Von dem gleichfalls neu einge- richteten Gefängnis in Schöiicbcrg. Gothacr Straße, ist nun Löbe entlassen morden. Nullit durch Amnestie, nicht wegen Weihnachten, nicht auf Hindenbnras Verwendung— man entlaßt ihn nur, damit er nicht noch im Gefängnis ganz zugruiidegeht." 4 Das Gallischen Was jetzt Gewerkschaften machen Zeigt typisch ein Verfammlnnqsberich! verbot». Zuerst teilt der ernannte r«?.,^llenburg- (Cgrufl mit. welche Veranden,:,.,' Luippen,»luei walterichaft anordne. Die Mitgsj.?,,.»Ab^er Amts- zuhören, ivem sie von„m, ab beieblaiewA Aweigend an- zuzuwenden haben. Tann erklärt d.?»? ê IÖr Acriraue» daß die Mitglieder an.Schuluiia^h«.^^"^streisleiter, teil zunehmen haben und verkündet"^cr NSDAP- gruppe in Hinkunft solche Abende»ä l"* in bet Ct' 9' Gewerkichastsangelegenheiten ist.-. finden würden.?on oder doch:„Nach dem Hinweis nicht die Rede, sei, alte ehrwürdige Handwerkà» 1* Aille de» Führer» wurde das Gautschen der oui SlSi"* wieder zu pflegen. angeordnet, das dann mit alle» àchdrnckerlcbrlii'ge «o ist als etnziae Tätiat,:, a'eremonien vor sich ging lüä„Gautschen" geblieben." Buchdruckcrgcwerlschaft ^eulstfte Stimmen• fôeilage zur..^Deutschen Freiheit"• frei^nissc und Qcstfiitfticn «ràVi««s kb Ûllâ Freitag, den 29. Oezember 1933 lüeihnachtm im JConzmtcatio Hermann Grote und der junge Karl sdiliefen nun schon lange Monate nebeneinander. In vielen Nächten, wenn die Schreie der\ erhörten sie geweckt und den Schlaf vertrieben hatten, war ihr Flüstern zu hören gewesen. Sie hatten sich ordentlich aneinander gewöhnt. Früher, im Sommer 1932 noch, als sie ihre Zelte am Müggelsee wieder bezogen hatten, gings oft schwer mit der Verständigung. Hermann Grote, schon hoch in den Sechzigern, lebte zurückgezogen und interessierte sich nicht viel für Politik. Seine Frau war schon lange tot, Kinder hatte er keine mehr, seit sie den einzigen Sohn im letzten Krieg irgendwo in Frankreich verscharrt hatten. Als er auch den V, eg in die AEG. nicht mehr zu machen brauchte, der durch Jahrzehnte zu ihm gehört hatte wie ein lieher Mensch, war er noch stiller geworden. Natürlich hatte er nie einen Hehl daraus gemacht, immer rot gewählt zu haben. Auch am 1. Mai und hei mancher Demonstration fehlte er nicht. An manchem Abend aber saß Karl hei ihm, dann diskutierten sie, oft bis in die Nacht. Mehr als einmal war Karl, der schon seit Jahren aktiver Funktionär der Arbeiterbewegung war, wütend losgerannt, weil er nicht hegreifen konnte, daß Hermann Grote Stunde um Stunde seine Pfeife raucht und zuschaute, wie die Genossen den schwersten Kampf um ihre Freiheit und Rechte zu bestehen hatten. * Es war im letzten Sommer. Eigentlich hatte sich kaum s-twas in ihrer Zeltstadt verändert. Nur so eigentümlich still war es jetzt überall geworden. Franz Schubert, ihr Zeltstadt- obmann, war schon lange fort. Viele Wochen hatten sie nicht gewußt, wo er steckte, bis eines Tages in den Berliner Zeitungen stand: Beim Fluchtversuch aus dem Konzentrationslager Oranienburg wurde der Arbeiter Franz Schubert erschossen! Ja, da wußten sie wieder, wo ihr Franz immer zu finden sein wird... Bei einer erneuten„Reinigungsaktion der SA. zur Säuberung der Zeltstädte von marxistischen Elementen, die dort noch immer ihr Unwesen treiben",— wurden audi Hermann Grote und der junge Karl verhaftet. So kam es, daß sie viele Monate nebeneinander lagen. * Inzwischen ist es Winter geworden. Unerwartet früh hat er sich an einem Morgen mit schneidend-kaltem Ostwind beim Rundgang im Hof des Konzentrationslagers angekündigt Und als zwei Tage drauf gleich nach dem Wecken vier Mann zum Schneefegen heraus mußten, da wußte es jeder: jetzt ist der Winter da. Jetzt quält uns nicht nur der Hunger, und nicht nur Stahlrute und Peitsche werden unsere zerschundenen, ausgehungerten Leiher mißhandeln,— nun auch noch die Kälte. „Verflucht," sagte mittags einer,„wie soll das nur werden. Frost, nicht genügend Decken. Kein warmes Zeug. Dabei dieses kleine Heizungsrohr, das kaum eine Hundehütte warm kriegt. Da krepieren wir ja alle!" „Sag mal, Karl," meinte eines Tages Hermann Grote,— „bald ist doch Weihnachten, da können die Angehörigen besondere Pakete schicken, mit Lebensmitteln und Zeug. Das war doch immer so, was?... Paß auf. da kann es doch noch sein, daß sie uns was Richtiges einpacken. Was die Minna ist, meine Schwester, hei der meine Sachen jetzt sind, die denkt gewiß daran.— Ja, bestimmt wird sie mir das dicke Unterzeug mitschicken. Und auch etwas Gutes zum Essen. Was meinst Du, Karl.'"' — Aber niemand antwortet. Wieder ist es still in dem Raum. Mehr als dreißig Männer hängen ihren Gedanken nach. Die meisten hocken auf den Pritschen. Hin und wieder steht jemand auf und geht ein paar Schritte. Karl steht in der Nähe des Fensters, dem einzigen in dem Loch, das mehr eine Dachluke ist. Herausschauen ist zwar verboten und Zuwiderhandeln mit Erschießen bedroht, seit im Herbst der Leichenwagen von vielen Gefangenen im Hof gesehen worden war. Aber manchmal muß man hinausschauen. Die Dächer des nahen Dorfes sind weiß, und dahinter steigt weißer Rauch einer Lokomotive in den grauen Winterhimmel. Redits ragt der Kirchturm aus dem Geäst kahler, schneebedeckter Bäume. Zur linken Hand dehnt sich weit das winterliche Land. •„Bald ist Weihnachten. Wie sagt man doch, was es für ein Fest ist?" Karl dreht sich herum, man weiß nicht genau, hat er gefragt oder redet er mit sich selbst. Aber da sagt er schon:„Fest der Liebe"— ja, so nennen sie es. Und wie oft schon haben sie erzählt, daß„Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen" werden soll. Zum wieviel tausendsten Male schon—," er hält inne. Draußen im Gang nähert sich der Schritt der SS.-Wache. In die dunkle Fläche der Tür fällt ein Loch, ein schmaler Lichtstreifen steht für Minuten im Rahmen. Die Tage gehen hin. Immer wieder ist die Hoffnung auf den Weihnachtstag mit Paketempfang Gesprächsstoff gewesen, zumal die Kälte schärfer geworden ist. * Am Weihnachtsmorgen standen heim Frühappell die Gefangenen in langer Front auf dem Hof. Der Lagerkommandant begann mit der unvermeidlichen Morgen anspräche heute so:„Das nationalsozialistische Deutschland hat mit aller Humanitätsduselei ein für allemal Schluß gemacht. Jetzt wird Strafe wieder Strafe sein. Ich habe deshalb folgende Verfügung vorzulesen: Zum diesjährigen Weihnachtsfest dürfen den Gefangenen in Deutschland keine Weihnachtspakete mit Lebensmitteln und sonstigen Dingen übersandt werden!"... „Abtreten!",,, Klaus Platter. „Die Tllätcesse des Scfuaactzea" Dec£ump, dec Sultan, das Mädchen und die„Jiölnische JMustciecte" Jüngst machte eine Straßburger Verkäuferin auf unangenehmste Weise die Bekanntschaft des„dritten Reiches". Sie kam nicht gerade ins Konzentrationslager oder in die SA.- Kaserne— aber in die gleichgeschaltete Presse, und oh jemand in eine Nazizeitung oder in die Jauchegrube fällt, das kommt ungefähr auf eins heraus: Die kleine Verkäuferin aus dem großen Warenhaus dachte nicht im Traum an das„dritte Reich", sie dachte an den Sultan von Marokko, dem vorgestellt zu werden sie berechtigte Hoffnung zu haben glaubte. Da wohnte nämlich auf dem gleichen Flur, auf dem ihr möbliertes Stübcheu liegt, ein Ehepaar, ein besseres Ehepaar sozusagen. Der Herr war immer sehr freundlich und machte auf das Mädchen einen so vertrauenerweckenden Eindruck, daß sie ihm ohne weiteres Glauben schenkte, als er ihr eines Tages erzählte, der Sultan von Marokko werde demnächst das Elsaß bereisen, wünsche jedoch zuvor einen Beweis dafür zu erhalten, wie freundlich seine Landsleute in Frankreich aufgenommen werden. Er, der Nachbar unserer Verkäuferin, sei dazu auserwählt, ein so!dies Dokument zu beschaffen. Wenn sie sich das Wohlwollen des Sultans zu erwerben wünsche, so brauche sie sich nur mit einem farbigen Soldaten fotografieren zu lassen— weiter nichts. Das Bild solle dann dem Sultan mit Flugzeug übersandt werden. Vor dem Mädchen tat sich im Handumdrehen eine leuchtende Filmkarriere auf. Nicht mehr mit müden Füßen hinterm Ladentisch stehen und ein freundliches Gesicht schneiden, wenn einen die nörgelnden, ewig unzufriedenen Kundinnen stundenlang plagen, um am Ende mit einem Bandrest oder einem Knopfdutzend abzuziehen! Nicht mehr vor der Entlassung bangen— das wäre ein Leben! Der Preis: eine Fotografie! Was gabs da lange zu überlegen? Als die Ehefrau de» Nachbarn eine* Sonntagsinorgens erschien, um das Mädchen abzuholen, hing das beste Kleid schon frisch- bügelt am Nethen. I)fr Fotograf wartete, der farbige, gewartete die AufniW« WUfd« W V'•»' à dis"iv-,'h' ,,lrnrun n'H'Vädclirn schlug sie auf. V"ntsche Illustrierte. 1. ,. r j e Dokumente an de s P| lr blaß. Mitten in einer..Und dies - Urteil gefällt: die einst hochangesehene deutsche Presse ist nach der„nationalen Erhebung" auf das Niveau schmutzigster Skandal- und Erpresserblätter herabgesunken, zur Schürung des Rassewahns und Völkerhasses ist ihr jedes, audi das übelste Mittel recht. Saubere Journalisten verbitten es sich, von gleichgeschalteten Zeitungsschreibern mit„Kollege" angesprochen zu werden, ein neudeutscher Presseausweis öffnet seinem Inhaber jede Tür— nach außen. Von Fri( J Brägel Wo lag Bethlehem? Wo stand Nazareth? Wo der Stern, von dem Die Verheißung weht? Wo lag Golgatha, da der Herr verging? Er, an dem geschah Kreuz und Dornenring? Wo die Büßerin, die im Tränen tau seine Spur ging hin in dem Kleide blau? Wo erscholl das Wort hell vom Bergeshang? Ist es uns verdorrt? Blühts noch im Gesang? Keltert man die Frucht? Erntet man sie ein? Wieder auf der Flucht, müd bei Brot und Wein? Wieder Gottes Sohn jagt man durch die Welt. Kreuz und Schächerhohn sind schon aufgestellt. Hört! Sie sagen laut: Erntet Gottes Lohn! Liebt die Gottesbraut! Preist den Gottessohn! Eh der Hahn nicht kräht dreimal in das Lichts der Verräter gellt, der die Lüge spricht. Täglich kräht der Hahn dreimal in das Licht und der Natternzahn des Verrates sticht. Die Verheißung ward Formel, Spiel und Fluch. Eine Faust schloß hart Gottes heiliges Buch. Tlichl mehc ooc„Qfott dem Qetec /Uen" Das„jüdische" Dankgebet Die sächsische Kirchenregierung hat folgende Verordnung erlassen:„Der Wortlaut des Niederländischen Dankgebets, der schon seit langem durch den unchristlichen Geist, den er atmet, Anstoß erregt hat. wird immer untragbarer als das Geistesprodukt eines jüdischen Verfassers. Die Ersatztexte, die hier und da aufgetaucht sind, befriedigen jedoch nicht ganz. Es ist deshalb wünschenswert, daß ein neuer Text gefunden werde, der sich zur allgemeinen Einführung eignet. Nachrichten über etwa vorhandene bessere Texte oder Einsendungen neuer Vorschläge werden an das Evangelischlutherische Landeskirchenamt erbeten." Bei den Nazi-,,Siegesfeierlichkeiten" des 30. Januar war das„jüdische" Niederländische Dankgebet offizielles Schlußlied. Dec jfkauœ Jùmstùesm !Beuclault, pensioniert, entlassen-Dec Aufmac&ch dec Miadewertigen nachdem JCehcaus Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der Herr Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, Rust, im Laufe der Neuorganisation der preußischen Kunstverwaltung bisher folgende personelle Aenderungen verfügt: Es werden beurlaubt, pensioniert und entlassen: An den Meisterateliers bei der Preußischen Akademie der Künste: Direktor Professor Bruno Paul; an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst Berlin: der Direktor Professor Poelzig, die Professoren Schlemmer, Weiß, Hofer und Reger, die Lehrer Kaiser und Täuber, Professor Edwin Scharff wurde als Lehrer an die Kunstakademie in Düsseldorf, der Kustos Professor Sörrensen an die staatlichen Museen in Berlin versetzt; an der Kunstakademie Düsseldorf: der Direktor Dr. Kaes- buch, die Professoren Aufseeser, Moll, Heuser, Campen- dotick, Malaré, Holzmeister und Alb redit; an den Meislerateliers in Breslau: die Professoren Molzahn, Rading, Scharon«. Mudie und Bednorz; an det Kunstschule Berlin: Professor Laß, die Lehrer Frau Leipziger-Heuschner. Professor Dr. Fischel, Dr. Hilker. in der Naliorialgalerie: der Direktor Geh.-Rat Professor Professor Grund, die Professoren Kersting, Radziwill, Ilumer und Peiner, der Lehrer Schwarzkopff; an die Meisteratelicrs Breslau: Professor Zimbal als Leiter. Professor Merz; an die Meisterateliers Königsberg: Professor Frick als Leiter, Professor Wissel; an die Kunstschule. Berlin: Direktor Professor Kanoldt, die Professoren Schorling und Schrimpf, die Lehrer Dr. Biedrzynski und Higgemann; an die Staatlichen Museen: der komm. Generaldirektor Professor Dr. Kümmel und die komm. Direktoren Professor Dr. Koetschau und Prof. Dr. Hermann Schmitz, ferner Dr. Wiihr und der Dr. Trautwein; an die Nationalgalerie.: Direktor Dr. Hanfstängel; an die Musikhochschule Berlin: der Direktor Professor Dr. Stein, die Professoren Lohnt a un. Griimtner, Dr. Bieder, Strub, Mahlke, Schmalstich und Vollerthun; an die Musikhochschule Köln: der Direktor Professor Abendroth. * Es ist, mit geringen Abwandlungen, immer da» gleiche Bild. Dr Justi der Kustos Professor Dr. Thormaelen wurde an das Die Tüchtigen und die Könner werden verjagt, teils, weil sie nicht die vorgeschriebene Basse besitzen, teils, veil sie den neuen Kunstpäpsten nicht in die Linie ihrer nationalsozia- c-h ,,,!,,,„,„d, iiciAe-J'.''"" Cr»*»«""'-tr.1." ,Z!>° F-ll. H-r»d, c»>»"TJ ji, U",_ ,ld> a" r' ntm"Y l*J r"bie*{(eUtl j At t l A,,S' .^"rn,nächst damit befa»»«-" leut»" 1*:u. Landesmuseum in Kassel versegt; an der Musikhochschule Berlin: die Professoren Pruwer von Hornbostel. Feuermann. Dr. Daniel Kreutzer, Dr. Sachs md Frau Pfeffer, die Lehrer Frau Löbenstein, Dr. Strelitzer. ilorrisZutkermanu, Frau Waburg, Eisner, Je idels und Mcsinger. der Direktor Professor Dr. Sdiünemaim wurde in ine Lehrerstelle der Anstalt übernommen; an der Musikhochschule Köln: Direktor Professor Braun fit die Professoren Jolle», Vitteis und Hofmüller.-,,-,....„..,.„ v,»,„ wurden An die Vereinigten Staat.sdiulen für gesetzten entbrannte. Wer den kräftigsten Schnabel besaß, Neu Kim(t Berlin; die Professoren von bekam den fettesten Bissen, der jetzt seinen Mann uahrt. e^s TE*» u" k' z""""" d v«*- d" ""J!""Äc«»» 1« k°—' c'" k"" listischen Aesthetik passen. Darunter sind Architekten wie Pölzig, Maler wie Weiß, Hofer und Schlemmer. Justi und Thormaelen von der Nationalgalerie werden in die Provinz verbannt, um Hitlers Günstling Hanfstängel Plaff zu machen. Wer das Intrigenspiel hinter der Fassade von Museen, Kunstakademien und Musikhochschulen kennt, der weiß, welch ein Postenkampf auf dein großen Schlachtfelde der Absetzten entbrannte, bekam den fettesten.. Für die Kunst beginnen im Zeichen der braunen\elterles- Wirtschaft die mageren Jahre, gemildert durch arische Aeols- harfe*. Die entsetzliche Eisenbahnkatastrophe in Frankreich » AufräumungSarbeiten au der Trümmerstätte bei Lagny, 20 Kilometer von Paris Abtransport der Opfer dieser schwersten Katastrophe, die die Geschichte des Eisen- bahnwesens zu verzeichnen hat DaS Trümmerfeld der ineinandergefahrenen Wage» Die Lokomotive des Parts—Stratzburger Schnellzuges Die Innere Krise in Japan Und der Wahn seiner asiaflsdien Mission Die innere Lag« Japans kompliziert sich immer mehr. Di« lehren Monate brachten eine weitere Verschlechterung der Wirtschaftslage. Im August fielen die ReiSpreise erneut und erreichten ihren niedrigsten Stand von 17 Yen für 1 Koku list 180 Kilogramm) im Großhandel, während die Ge- stehungSkosten sich auf 21 Den belaufen. Di« Gutsbesitzer, die Großhändler und die Banken, kurz alle Besitzer großer Reis- narrate bestürmten die Regierung um Hilfe. Aber auch sonst hat sich ine Wirtschaftslage weiter verschlechtert. Die Aktien- kurse sind an der Börse gefallen. DaS Defizit des Budgets ist für das nächste Jahr noch größer, alS eS schon in diesem Jahre war, und man beabsichtigt, eS durch neue Anleihen zu decken, doch find an sich schon all« Anleihemöglichkeiten er- schöpft. Besonders katastrophal ist die Lag« der japanischen Bauern. Bon insgesamt 5576 000 Bauernhöfen haben 1 487 000 keinen eigenen Grund und Boden, sondern stehen im Pachtverhältnis, 2 500 000 Bauernivirtschasten besitzen weniger als einen halben Hektar, und 1240 000 zwar mehr als einen halben Hektar, aber unter einem Hektar. Bon die- sen Kategorien sind 2 300 000 Höfe gezwungen, Boden hinzu- zupachten. Der hohe Pachtzins und die schweren Steuerlasten brücken auf dag Niveau der japanischen Bauern. Der Boden ist nur bei gründlicher Düngung fruchtbar. Die Produktion der Düngemittel liegt in den Händen der Riesenkonzerne Mitsui und Mitsubishi, die zusammen mit einem Kapital von über 5 Milliarden?1«n zirka 250 Gesellschaften kontrollieren, ein« ganz unvorstellbare Macht haben und zugleich die Ein- kauf« der wichtigsten Produkte d«S Dorfes, der Seiden- tokon» und de? Reis, find. Di« Schulden der Bauern erreichten ich»» vor einem Jahr die phantastische Summe von acht Milliarde» Jen, und mit Recht schrieb die Zeitschrift„Trans- pacific", daß die Bauern den Boden für die Schulden be- bauen, daß sie für die Schulden arbeiten und leben. D'ese Zustände habe» zu einem latenten Bürgerkrieg auf dem Lande geführt. Die Pächter haben Verbände zur Austragung ihrer Konflikte mit den Pachtherre« geschaffen, die auch den Kampf gegen Polizei und Gendarmerie führen. Die Pacht» Herren und die Großbauern schufen zum Schutz dagegen auch ihrerseits Verbände, deren größter der„Airod Tsjuku" ist. Diese Verbände liesern sich regelrechte Kämpfe, so daß man stellenweise von anarchistischen Verhältnissen aus dem japa- nischcn Dorfe sprechen kann. Hand in Hand mit diesen wirtschaftlichen Krisenericheinun- gen geht der Ruf nach einerAenderungdcr innen- politischen Verhältnisse, nach der Errichtung einer Diktatur, nach der Liquidierung des Parteiwesens, das in den Augen besonders des Mittelstandes an allem schuld sei, nach der Abschaffung des parlamentarischen Systems. Die faschistischen Verbände schießen wie Pilze aus der Erde, ohne daß aber einer bis jetzt sich durchsetzen konnte. ES gibt die verschiedensten Kategorien, 1. solche, die sich auf Industrie- arbeiter stützen, wie die„StaatSsozialisten" und der„Bund der neuen japanischen Nation", 2. Gruppen, die sich mehr an den städtischen Mittelstand wenden, wie der„Bund der Pro- duzenten", 3. Organisationen aus kleinen Grundbesitzern und Großbauern, wie Kodokai, 4. Kriegervereine und Reservisten- verbände, wie Meirinkai. Allen ist die Propaganda für den Krieg gemeinsam. Im allgemeinen konnten sie jedoch in der Arbeiterschaft noch nicht so sehr Juß fassen, bei der die Sozial- demokraten mit 350 000 Mitgliedern noch am stärksten sind. Aehnlich der Propaganda der NSDAP, vor der Machtüber- »ahme werden teilweise antikapitalistischc Losungen aus- gegeben, was verschiedentlich Attentate auf Jinanzleute zur Jolge halte, wie auf Dan und Jnduye. Den Bauern werben ein dreijähriges Moratorium und Hilfe beim Einkauf von Düngemitteln versprochen. Der Anhang der faschistischen Or- aanisationen ist unter der Intelligenz, besonders den Stu- denten, aber auch unter den Arbeitslosen ziemlich groß. Ihnen sagt man, die Notlage rühre nur von dem engen Ab- satzmarkt her, und deshalb sei ein Krieg gegen Amerika und Rußland nötig. Auch wird gesagt, daß Japan die Mission habe, Asien von dem Joch der Weißen zu befreien. Natürlich hat die Besetzung der Mandschurei Japans Krise nicht ge- lindert. Auch das Dumping, über das in Kürze weitere Be- richte gegeben«verden sollen, hilft nichts, denn eS wird ja nur ermöglicht durch Hungerlöhne, die die Kaufkraft noch weiter schmäler» und de» inneren Markt zerstören. Die Nazlhelze im Ausland Die Pressekorrespondenz deS Deutschen Ausland-Instituts berichtet von einer friedlichen Kundgebung anläßlich der Uebernahme der Geschäfte deS Auslandinstituts durch den Stuttgarter Oberbürgermeister Strölin. Er proklamierte die Verbundenheit der Auslanddeutschen mit dem Reich, das er üblicher Weise mit dem Nazitum gleichsetzte:„Volkstum darf Volkstum niemals im Stich lassen. Mit dieser klaren Erkenntnis und Zielsetzung ist auch die praktische Tätigkeit de? DAJ. gewiesen. Sie besteht darin, unseren Brüdern draußen in aller Welt das g e i st i g e und sittliche Rü st zeug zu geben, mit dem sie der systematischen Lügenpropaganda ent- gegentreten können." Der Leiter des Instituts, der Urgermane C s a k i überbrachte die Grüße der deutschen Volksgruppen in Europa:„Wir sind uns der Verpflichtung, die in diesem Gruße liegt, bewußt..." Dann sprach,„nach der Verpflichtung des gesamten Personals"(worauf es verpflichtet wurde, wird verschwiegen), noch.Reichsstatthalter" Murr u. a. folgende Aphorismen:„Der Deutsche im Ausland soll wissen, daß das Mutterland seine Sorgen mit ihm teilt und ihm zu Helsen wünscht, wo eS irgend möglich ist. Der Deutsche hat dafür die Genugtuung, ein im NS.-Staat vereinigtes und einiges Volk zu sehen..." Die Nazihetze macht sich jetzt bereits im Ausland geltend, nach der systematischen Zusammenfassung wird die Hetzarbeit noch planvoller vor sich gehen. Gaskrieg „Jetzt wieder lieserbar: GiftgaSI Und wir? Die Welt der Giftgase... In der Dienstvorschrift, der SA. der NSDAP, wird„GistagS! Und wir?" als einziges Buch ana-ksthrt und„ausgezeichnet" genannt. Ambrosius Barth (!) Verlag Leipzig." Der Verlag dieses Buche? muß den ivtiiVujchasUichen»t reisen der ganzen Welt besagen, wie tief die Hetze in den VolkSkörper eingedrungen zu fein scheint: denn bis zum März war Barth ein rein wissenschaftlicher und ganz sauberer Verlag. Hat man ihn zu dieser Publst- kation gezwungen? Hat er sie freuvilig begangen 2 Pariser Berichte Pariser Siraßenhalender In ier rue de Lille wurde als einziges Mitglied einer Delegation, die die Hitler-Gesandtschaft wegen des Leipziger Prozesses sprechen wollte, der Professor Prenant von erst oineni. dann einem zweiten Beamten empfangen, der sich hinter formellen Ausflüchten versteckte. Der Pariser Milchpreis(1.60 Fr.) setzt sich nach Mitteilung des Polizeipräfekten Chiappc im Stadtrat folgendermaßen zusammen: 87 Centimes Erzeuger, 53 Handel, Transport, Verteiler, 20 Kleinhändler. Die Spanne zwischen Er» zeuger und Kleinhändler ist um 6 Centimes herabgesetzt. Das Fleisch in Paris soll, wie im Stadtrat mitgeteilt wurde, um 20 Prozent billiger als in den letzten Jahren sein Der Stadtrat Fiancette verwies darauf, daß ein starker Preisunterschied besteht zwischen den sehr teuren besseren Stücken und den sehr billigeren schlechteren. Der bekannte Montmartre-Sänger Jean Marsac hat in Orly sein Fliegerexamen bestanden. Er will jetzt auf dem Montmartre seine Lufteindrücke unter Accordeon-Begleilung besingen. Die amtlich registrierte Arbeitslosigkeit in Frankreich hat nach der letzten Zählung vom 16. Dezember abermals um 15 800 zugenommen(Vorwoche über 5000). Gezählt wurden 235 400 Stempelnde, davon 56 400 Frauen. Es fällt auf, daß der„Temps", das maßgebende Blatt Frankreichs, ein ziemlich ungünstiges Urteil über Georg Bernhards Buch Der Selbstmord einer Republik" abgibt. Der„Temps" bezeichnet dieses Buch als„touffu", d. h. etwa „vollgepfropft". Beileid an den Seine-Präfekten Die„Deutsche Freiheit" spricht im Namen der deutschen 1 lüchtlings-Kolonie, der Gäste des französischen Volkes, dem Seinepräfekten M. Renard ihre aufrichtige Trauer und ihr tiefes Mitgefühl zu dem jähen Tode seines neunzehnjährigen Sohne Jean aus. Der junge Renard ist als Flugschüler von der Fliegerschule Aulnat im Nehel getötet worden bei einem Uebungs- flug, den sie zu vier Flugzeugen angetreten hatten. Er war einer der besten Flugschüler des Landes und bei der Prüfung erster. Der Präfekt ist zur Leiche seines Sohnes gefahren. Der Sarg wurde von Clermont nach Vimes übergeführt und in aller Stille beigesetzt. Die deutschen Flüchtlinge bitten den Präfekten, dessen tiefes Mitgefühl sich auch ihnen gegenüber wiederholt in der Verwaltung des Seine Departements gezeigt hat, ihr Beileid zu dem Tode dieses besonders Hoffnungsvollen seiner Kinder entgegenzunehmen. Die Deutsche unter den Opfern der Eisenbahnkatastrophe Die junge deutsche Frau mit ihrem schwarzen Haar liegt in der weißen Eisenbettstelle im Hospital des heiligen Ludwig zu Paris. Das Hospital ist ein gewaltiges ehemaliges Kloster am Ostbahnhof. Sie verbringt dort das erste Weihnachten ihrer Emigration. Am Tage, wo in Deutschland„Stille Nacht" gesungen wird, bringt man die Verstümmelten des großen Eisenbahnunglücks herein. Einer nach dem andern, sie sterben wie die Fliegen. Neben ihr liegt eine junge französische Frau, vielleicht 35jährig, der ist der rechte Arm im Ellbogen abgeschnitten. Die Frau schreit immer:„Mein rechter Arm tut so weh," sie weiß noch nicht, daß sie keinen mehr hat... Im Saale sitzt auch eine Mutter am Bett des Kindes. Sie erkennt die Kleine nicht. Das Gesicht ist verquollen, völlig verschnitten, die Mutter schreit und weint fassungslos:„Ma cherie..." Ein zwölfjähriges Mädel hat völlig zerschnittene Hände. Die Augenhöhlen sind blau aufgequollen. Sie haben ihm eine Puppe ins Bett gelegt. Mit einer Hand kann sie noch ein bißchen spielen. Es ist ein hübsches Kind, hat schwarze Augen und lacht manchmal schmerzvoll. Sie weiß nicht, wo ihre Eltern sind. Am Weibnachtstage kommt der Präsident der Republik und geht freundlich durch die Säle, tröstend, ein grauer Herr. Die Schwestern des Hospitals huschen und schreiben die Fieberkurven auf. Die Amputierten schreien. Die junge Deutsche schließt die Augen und wartet auf eine schwere Operation— am ersten Weihnachten nach der Flucht... Der Bürgermeister der Totenstadt Unter den Toten sind zwei französische Abgeordnete, einer der Bürgermeister von Verdun, der Totenstadt. Er hieß Victor Schleifer, stammte aus einer lothringer Familie aus Metz, die nach dem Bismarck-Frieden nach Verdun zog. Er war lange Jahre Notar, dann Bürgermeister und nationaler Abgeordneter, Organisator des großen Totenkults um Verdun. Aufbauer der Stadt, Pfleger der Heldenfriedhöfe, Herleuker des Fremdenstroms und der Fremdenautos. Nun hat ihn der Tod von Douaumont, den er so oft gezeigt hat, der Tod der Grabkammern in veränderter Gestalt der Technik verschlungen. Verdun, die Totenstadt, fitzt an seiner Bahre. Die„bayerischen Schwestern" im Zuchthaus Nach einer Meldung aus Aix-en Provence wurden die „bayerischen Schwestern" Philomène und Catherine Schmidt, die Gehilfinnen des Versicherungsmörders Strret- vom Untersuchungsgefängnis in Aix nach dem Zucht- haus Montpellier gebracht, um jede ihre zehnjährige Zuchthausstrafe zu verbüßen. Anfangs hatte man damit gerechnet. daß Catherine, die jüngere, weniger als ihre stark belastete Schwester erhalten würde, aber das Gericht ent schied im Sinne der Rede von Moro-Giafferi auf gleiche Strafen 57 RUE DE CLiCHY TEL. TRINITE 15-75 | All gemeine DEUTSCHE POLIKLINIK Chefarzt Proteeeor WENSTEN I) ORDINATION DURCH SPEZIALÄRZrp rtir Innere Chirurguche. Krauen- und Kinderkrankheiten Haut, und Geschlecht, krankhritrn^Ugen^. Owen. Sa.eo' und Halikrankhctten. Geburtshilfe l) INNERE Klinik. 5) CHIRURGISCHE Klinik, t) GEBURTSHILELICHE und liYNXKOLOGISCHr. Klink Sanatonums'Gebäude mit der allermodernsten Einrichtung ORDINATION jauch ür Pnvaikrinke> täglich von l bis H Uhr. Sonn» und Feiertag? von bis 12 Uhr Die Not unter den Studenten in Paris Der Student Jean Dabin, der Geliebte der Violette Nozières, war gewiß kein typischer Fall für die Sorbonne, die vom Hofkaplan Sorbon des heiligen Ludwig gegründete alte Schule der Weisheit. Aber die Tatsache, daß dieser verunglückte Rechtsstudent, der jetzt in Algier Dienst tut, von seinem Vater, einem Bahnhofsvorsteher, ganze 170 Franken Monatswechsel erhielt, zu denen die Mutter noch 80 aus Erspartem heimlich zulegte, gibt zu denken. Sicher ist, daß ein großer Teil der französischen Studenten mit ganz unwahrscheinlichen Notgroschen auskommt. Die Ueberfüllung der Universitäten und Hochschulen in Frankreich ist schlimm, wenn auch nicht ganz so gefährlich wie in Deutschland. Im Vorjahre wurden in Frankreich 83 000, in Deutschland 138 000 Studenten gezählt. Dazu strömt eine jährliche Zunahme um 3 Prozent, während allerdings von 1935 an ein Nachlassen infolge Anrückcns der spärlichen Kriegskinder zu erwarten ist. Vergleichsweise gab es in Deutschland im Vorjahre 40 000 Abiturienten, von denen die meisten, hoffnungslos, ohne Aussicht auf ein Amt, in den| irsälen drauf los studierten. Als Jurist, Lehrer, Ingenieur, Chemiker, Architekt kam kaum einer unter, und der Anwalt- und Arztberuf war erstens gewissermaßen kontingentiert, zweitens zu teuer. Das so entstandene akademische Lumpenproletariat war das Hauptreservoir der Führer des Hakenkreuzes. Ganz so schlimm ist es in Frankreich nicht. Zunächst muß man das verschiedene Alter berücksichtigen, da die französischer Hochschüler im allgemeinen bereits als Sechzehnjährige das„Baccalauréat"(die Reifeprüfung) bestehen, also jünger in den Entwicklungsjahren stehen, in denen normaler Weise die Jugend nichts oder nur Lehr- und Taschen- gelder verdient. Zweitens sind von den 83 000 Studenten, darunter 20 000 Frauen, nicht weniger als 17 000 Ausländer, die in Würdigung der französischen Kultur und ihrer Hochsitze sowie der Sitten des Landes nach Gallien zogen. Ein großer Teil dieser Amerikaner, Balkanstudenten, Chinesen usw. sind reiche Leute. Aber der Prozentsatz der Cerpowerten nimmt auch im relativ glücklichsten Lande Europas zu. Ein neugeschaffenes akademisch statistisches Büro, das auf Veranlassung des Unterrichtsministers de M o n c i e errichtet wurde, ver- öffentlich! soeben die von seinem Leiter M. Rosier gesammelten Ziffern, die ziemlich beunruhigend sind. Die Arbeitsämter der Seine, die Handarbeiter oder kaufmännisch- technische Angestellte für die Wirtschaft vermitteln, haben nach Art der schwachen Salben auf schwere Wunden. Da aber die akademische Teilkrise in allen Ländern besonders sichtbar ist, verdienen die französischen Vi abrheiten vom„heiteren Völkchen" um den Luxembourg Garten und den Boulevard Saint-Michel bekannt zu werden. Baptiste, Der Korsar des Kaisers Der„Temps", das angesehenste Weltblatt Frankreichs, hat kürzlich in dem„literarischen" Restaurant Drouant das ist dasselbe, in dem auch der Goncourt-Preis das Licht der Welt erblickt— den Preis für den besten Roman verteilen lassen. Den Preis des„Temp" erhielt Paul Jolidan für den Roinan„Die Korsaren des Kaisers", der zur Zeit im „Temps" erscheint. Die Jury bemerkte dazu, Jolidan sei Zollbeamter und Kriegsteilnehmer. Wie aber jetzt durch die„Nouvelles Littéraires bekannt wird, ist Jolidan Elsässer, zur Zeit S a a r b e w o h n e r. Er hat den Krieg auf Vorpostenschiffen und Minensuchbooten der deutschen Marine in der Nord- und Ostsee mitgemacht und kannte 1918 noch kein Wort Französisch. Er hat Französisch durch eigenen Unterricht in Büchern und Zeitungen gelernt, indem er unaufhörlich das Wörterbuch befragte. Deutsche Aerzte in Frankreich Von ärztlicher Seite erfahreil wir, daß die Not bei den deutscheu Aerzten in Frankreich besonders groß ist. Während beim Anwalt die in Deutschland abgelegten Examina zum Teil anerkannt werden, wird vom Arzt sogar verlangt, daß er die Reifeprüfung(Baccalauréat) nachmacht, so daß er erst nach vier Jahren die französische Sehlußpriifung bestehen kann. Erst danach könnte er eine Praxis ausüben— allerdings erfordert das, abgesehen vom Lebensunterhalt der vier Jahre, die Investierung eines erheblichen Vermögens für Praxis-Kauf oder Instrumentarium. Die deutschen geflüchteten Aerzte haben eine N o t g e• meinschaft gegründet, die in Paris in deV ruc Bassano im lea Hause besteht, mit Hilfe, Beratung und Auskunftei. Es besteht die Absicht, eine eigene Küche für Aerzte zu gründen. Eine eigene Vereinigung sozialistischer Aerzte ist ebenfalls tätig, wohl mit starkem Einschlag nach links. Dem Vernehmen nach sind einige deutsche Aerzte nach Umarbeitungen, Reparaturen und Neu» anfertigungen zu billigsten Preisen. Ge« legenheiten in Persianer, Silberfüchsen FOURRURES„ELITE* 320, rue St.-Honoré, PARIS Telefon Opéra 87-71 Ein---*1 juipjjgu guigehendes Kino in einer aufblühenden Lothringer Stadt ist wegen besonderen Umständen preiswert zu verkaufen. Angebote an die „Deutsche Freiheit" unter K. M. Herrenkonfektion Guter Laden zu verkaufen oder zu verpachten. Naher gut» bewohnter Vorort Paris. Gutes Geschäft. Verl. Preis 70000 Fr. Wenden an: Afr. A/bett, 69, rue St-Martin, Paris(4) nicht weniger als 1000 Gesuche von Akademikern empfangen, die zu- jeder Arbeit bereit waren. Nach Ausweis der Stempelkassen sind von den Jungingenieuren bereits 10 Prozent arbeitslos, und die Hälfte davon ist bereits deklassiert. Ganz schlimm sind die Zustände natürlich unter den akademischen Künstlern: die Pariser Hilfswerke für diese Berufe teilen bereits 1400 Beihilfen an Hungernde aus. Abweichend von den deutschen Verhältnissen gibt es in Frankreich bekanntlich ein Sonderstudium der„lettres" und der„sciences", die beide in Deutschland in der„philosophischen Fakultät" vereinigt sind. In der eigentlichen Philologie(„lettres") gab es in einer ungeheuer gestiegenen Zahl 19 300 Studierende und davon wieder gegen 1300, die die akademische Würde des„Licentiaten" davon trugen, eine gern gesehene und wissenschaftlich schwierige Auszeichnung— aber 767 Licentiaten lagen auf der Straße, der Schulunterricht verschloß sich ihnen. In der mathematischnaturwissenschaftlichen Fakultät(„sciences") gab es 15 000 junge Leute in den Hörsälen und Laboratorien, und davon 1100„Licentiaten", aber 491 Licentiaten konnten weder Schulprofessor noch„Repetitor" werden(der„Repetitor" ist bekanntlich ein besonderer Pauker der französischen Schule, man nennt ihn scherzhaft auch„piou".). Die erhabene Rechtsfakultät in diesem großen Lande der Advokaten zählte 23 000 junge Justiniane, von denen 2100 das Licentiat und bloß 400 den Doktor„machten",— der im Gegensatz zu dem Zustand in Deutschland, wo er hauptsächlich eine besondere Einnahmequelle der Professoren bildete und eine wissenschaftliche Spielerei ist—, ungewöhnliches Wissen und Denken verlangt. Selbst von den 10 200 jungen Medizinern, deren weitere Ausbildung im„Internat" auch von der deutscheu Verarztung verschieden ist, brachten es nur 1300 zum Doktorat. In Deutschland gilt gegenwärtig der„Exameneinser" wahrscheinlich nicht so viel wie die Auszeichnung in der Felddienst Übung und im parteipolitischen Gewehrdienst. In Frankreich ist das anders: da soll, nachdem bereits bisher schon ungeheuer„gebüffelt" wird, das Niveau jetzt noch weiter gehoben und das System noch verschärft werden, um dem Andrang zu steuern. In der Geschichte und in der Philosophie ist das bereits durch einen Erlaß des Vorjahres geschehen. Rosier schlägt jetzt weitere Vorrechte für die Diplomierten vor, u. a. auch für die Juristen, während die zwei- oder dreimal hintereinander Durchgefallenen ausgemerzt werden sollen. Für die Mediziner wird ein Ausgleich auch nach regionalen Gesichtspunkten vorgeschlagen, für die Vpotbeker ein zweites Gehilfenjahr, ferner erörtert man '••riv-men der akademischen Lehrer Ausbildung überzähliger Schulen»u l erlebt>e einen zweit'' Sozialp-' der Türkei, nach C h i n a, T u n i» gegangen, wo die deutschen Diplome anerkannt werden. Mit anderen Ländern bestehen Unterhandlungen. Man hofft auf Oeffnting einiger Kolonien für die deutschen Aerzte, wo insbesondere für Aerztinnen Aussichten zu sein scheinen in den Gebieten, in denen die Religion es den eingeborenen Frauen verbietet, einen männlichen Arzt aufzusuchen. In Frankreich selbst sind alle Verhandluhgen mit dem Aerzte-Syndicat erfolglos geblieben, da der ärztliche Beruf und die medizinische Fakultät außerordentlich überfüllt sind. Immerhin wurden einige deutsche Mediziner von Bang, hauptsächlich Wissenschaftler für das Institut Pasteur und für einige Universität«--Kliniken, z. B. in Lyon verpflichtet. Die Napoleon-Andenken im Invalidendom Der französische General Mari aux hielt am Sarge Napoléons im Invalidendom eine Ansprache über die Napoleon-Andenken, den Hut von Eylau, den Degen von Marengo— diesen sollte der Solin, der König von Rom erben, und Joseph Napoléon verhinderte nach dem Tode, daß ihn Marie-Louise- erhielt. General Mariaux führte dann durch das Armeemuseum und zu den 139 Schwerverletzten, die das Invalidenbotel noch birgt... Es ist bekannt, daß Gölibels die Geschmacklosigkeit besessen hat, einen deutschen Nazi namens FranzMariaux als Ullstein-Vertreter nach Paris zu senden, um die Franzosen durch den in Frankreich gut klingenden Namen Mariaux zu täuschen, was insbesondere dem General Mariaux als Gouverneur des Invalidendoms peinlich sein dürfte. Achtung, Eltern? Mein lugendheim. bedeut veigroßert, beiludet sieh letzt in MARNES.LA COQUETTE, 3' Grande Rae 20 Minuten Bahntahrt vom Bahnhol St. Lazare. Paris Telefon: Garches Nr. 62V. Große Villa mit riesigem Park, fließendes Wasser in jedem Zimmer. Zentralheizung usw Überleitung in die franz Schu'en Gvmna,tik. Sport. Marokkanische Hodiieil Von Ernst Toller Hamid Ben Hadj war in die Jahre gekommen, in denen der Mann, des Alleinseins müde, eine Ehefrau kanft. Ter Sech- zehnjährige ging zu seiner Mutter, sie möge sich umschauen unter den Schönen Ternans und eine ihm zur Gattin aus- suchen, ihre Augen sollen schwärzer sein als die«chatten der Mitternacht, ihre Haut soll dusten nach Ambra und Rosen, ihr Körper test und mollig sich runden. Die Mutter beriet sich mit ihren Schwestern, die Schive- stern mit ihrem Manne, der Mann mit seinem Vater, der kannte den Schuhmacher Mohamed Ven Sal im in der Sakia el Fokla, einen fleißigen Arbeiter, er liest den Koran wie ein Marabu, jeden Morgen betet er in der Moschee, betrunken hat ihn noch niemand gesehen, seine elfjährige Tochter Fatmc wird die rechte Iran sür Hamid sein. Am nächsten Tage besucht Hamids Mutter Fatines Mutler.Man trinkt Tee und ißt süßen Kuchen, man erzählt sich den letzten Klatsch, man be- wundert de» neuen Regulator, sechs hängen schon an den Wänden und alle gehen falsch aber viel Wanduhren besitzen, zeugt in Marokko von gutem Geschmack und Sinn für Vor- nehmheit— indessen beäugt Hamids Mutter die junge Fatme, die still auf einem Kissen sitzt kein Jehl ist an ihr, ihre Augen sind schwärzer als die Schatten der Mitternacht, ihre Haut duftet nach Ambra und Rosen fest und mollig ist sie ge- wachsen, die Houris im Paradies könnten nicht schöner sein. Gin paar Tage später fragt Hamids Vater den Schuh- macher, ivelchen Preis er siir seine Tochter fordere. Zwei- hnndcrtzivanzig Duros ivill er haben, aber nach einigem Handel» begnügt er sich mit ziveihundert, und der Ver- lobungskontrakt ivird ausgesetzt. Tarin sind neben dem Kaufpreis alle Kleider und Hemden, alle Schuhe, alle Schmuckstück» verzeichnet, die Fatme in die Ehe bringen ivird, denn käme die Stunde, in der Hamid Fatmes überdrüssig ivüröe und sie fortschickte, müßte er ihr alle Habe wiedergeben. Und wen» was Allah verhüten möge— in der Hochzeitsnacht zur Schande der Eltern sich erwiese, daß die Elfjährige nicht.sündenrein mehr wäre, dürfte er sie ans dem Haus jagen und bekäme noch ein Straf- geld dazu dessen Höhe vorsorglich der Kontrakt bestimmt. Beide Bäter gehen zum Kadi, der bestätigt den Kontrakt, ein Ochse wird geschlachtet zur Fe'er der Verlobung und Hamid schenkt seiner Braut, ihrer Mutter und allen Schwe- stern Hemde» und Tücher aus weißer Wolle, und ihrem Vater, ihren Brüdern und allen männlichen Verwandten feine gelbe Pantoffeln. Zur Hochzeit bin ich auch eingeladen. Alle Freunde des Hauses sind versammelt, wir s Yen ans Teppichen in der Stube, die Hamids Eltern für das junge Paar eingerichtet haben, über dem Brautbett türmen sich hoch die Kissen, die Musiker siedeln auf ihren einsaitigen Violinen und trommeln auf hölzernen Gongs, und sie singe» dazu Suren des Korans und alte arabische Liebesgesänge. Wir trinken Tee und essen Znckerwerk. Der Bräutigam, ein Knabe dem der Flaum noch nicht sproßt, geht von Gast zu Gast und tragt ihn. ob er glücklich wäre heute abend, er muß doch glücklich sein, viele Duros hat er geborgt, um dieses Fest wie der Kalis selbst zu seiern. lieber dem offenen Jnncnhof dunkelt blauichivarz der marokkanische Himmel, groß und feierlich strahlen in der warmen Novembernachl die südlichen Gestirne. Aus dem Dach eng aneinandergekauert, sitzen die Frauen, wie seltsame weiße Vögel hocken sie und'zwitschern und lachen leise mit gurren den Vokalen, und die glühenden schwarzen Manbelauge» phosphoresziere» im osfene» Spalt der mit dichten weißen Tüchern verbundenen Gesichter. Unten^im Hof versammeln sich die frommen Männer der Aisanta-Tekte, und sie beginnen zu tanzen. Allah il Allah wiederholen sie unaufhörlich im chorischen Sprechgesang. Tie Füße haften sest am Boden, aus de» Knien schwingen die Körper, nach vorn, nach links, nach rechts, sie kreisen in Achterfiguren, immer schneller wird das Tempo, immer wilder der Tanz. Tie Dienerinnen, die hinter der Küchentür iich drängen, begleiten mit entzücktem trillern- den Pfeifen die rhythmisch ächzenden, stöhnenden Männer Jetzt löst sich einer aus dem Ehor. springt in die Mitte und im Furioio dreht sich der Körper bis er zusammenbricht. U» heimlich wirkt dieser Tanz, nie entspannen sich die Glieder, jede Bewegung steigert den Krampf, die einzelnen löschen sich aus entselbsten sich gleich am in einer Art von Trance bilden eine einzige gepeitschte Masse, die, und das ist das Telt fame, ja Drohende, w'e durch magische Uebertragung dem Priester gehorcht, der mit leisem Klatschen die mathematische» Figuren lenkt Dieser magische Wirbelsturm, wendete er sich gegen einen Feind, fegte,mit der blinden Kraft eines Natur- elementes über alles, ivas sich ihm in den Weg stellte. Plötzlich, aus ein Zeichen des Priesters, endet der Tanz und die Männer erwache» zu sich und setzen sich stumm und erschöpft zum Hochzeiismahl. Diener schleppen ganze Hammel herbei, am Spieß ge- braten. Reis und Kuskns, Znckerwerk und Kuchen, sie füllen die Tassen mit Tee, der mit frischen grünen Minzblättcrn gewürzt ist. Die jungen Freunde nehmen den Bräutigam in ihre Mitte. „Hamid Ben Hadj ist unser Sultan," schreien sie,„und wir find seine Minister." Hamid lächelt verlegen Da meldet ein Wächter, daß die Musiker zum Einholen der Braut gekommen seien Alle Gäste erheben sich, vier Männer leiden aus ihre Schulter», die mi« Teppichen verhangene Nrautkiste. in die man einen kleinen Knaben setzt, meterhohe, faustdicke Kerzen werden angezündet, die die Männer gleich Fackeln vor sich hertragen und voran die blasenden und flötenden Musikanten, zieht der Zug durch die stillen, nächt- lichen, von tausend Vogen überwölbten Gassen Tetuans zum Hause der Braut. Nur dei Bräutigam ist zurückgeblieben, lln Haus des Nach- barn wird\ i weißc ei de in Gewänder gekleidet. Unterdessen Hai die Braut bei ihren Eltern die Hochzeit liche Nacht gefeiert. Frauen sind die Gäste, kein fremder Mann darf das Haus betreten. Man hat sie in parfümiertem Téi Trinué 43-13 Métro P i g a I) e Deutsche Pollklinik Paris, 02., Pue de la Rochefoucauld il Allgemeine Konsultationen„n 9 Spezialisten. t>) Chirurgie c) Geburtshilfliche Klinik d) Zahnärztliches Kabine» innere Medizin. Augen.. Ohren., Nasen, und Kehlkoplkrank. Zweistöckiges Sanatonumsgebäude. Vierstöckige. Gebäude. Zimmer^*hn unj Mundchimrgie. Goid- .leiten. Röntgen Diathermie. Elektrotherapie Spezialbehand» Kleine, mittlere und große Chirur- mit 1 bis 4 BetteD. 3 Aerzte,. 3 Heb» und Porzellankronen lung bei Blut». Harn» u. Geschlechtskrankheiten gie. Die aller modernste Einrichtung ammen und 2 Operationssäle. Kautschuk»Arbeiten Ordination täglich von 9—12 und 2—8; Sonntags und Feiertags von iO—12 und 2 4 Chi Wasser gebadet, alle Körperhaare entfernt, Füße und Hände mit Henna gefärbt und sie mit kostbaren Gewändern umhüllt. Tie laute eintönige Musik unseres Zuges meldet' die Stunde des Abschieds. Die Türe des Brauthauses wird ge- öffnet. Braut und Eltern und Gäste ziehen sich in die Zimmer zurück, der Hos bleibt leer. Unser Zug hält vor dem Haus, die Musik verstummt, die Träger treten ein, setzen die Brautkiste, die der Knabe ver- lassen hat, in die Mitte des Hofs und gehen hinaus. Nun öffnen sich die Zimmertüren, die Braut nimmt Ab- schied von Bater und Mutter, man setzt sie in die niedrige enge Kiste und drückt der Hingekanerten ein Brot in die Hände, in das ein Duro hineingcbackcn ward. Die Frauen eilen in ihre Zimmer zurück, der Vater geht zum Tor, öffnet es, und wie er„Dochlo!", verein, gerufen hat, kommen die Träger, heben die Brautkiste wieder auf ihre Schultern, die Musik beginnt zu spielen, der Zug formiert sich und zieht zum Haus des Bräutigams Tie Kiste mit der Braut wird dort in den Hof gesetzt, alle haben das Haus verlassen, bis aus den Priester und zwei Freunde, die ihre Kerze» zu einem Lichtbogen neigen, unter den'der Bräutigam tritt. Der Mos- lcm segnet ihn, er geht in iein Zimmer und betet zu Allah, die Freunde verlassen mit dem Priester den Hos und schließen die Haustür. Nun tritt die alte Dienerin, die als einzige Frau den Hochzeitszug begleitet hat, zur Brautkiste, hebt den Teppich auf und trägt die Braut huckepack ins Zimmer des Bräutigams, als Lohn empfängt sie das Hochzeitsbrot, dann gebt auch sie. Mit geschlossenen Augen bleibt die Braut auf einem Kissen sitzen. Zw« mal betet der Bräutigam, das Gesicht gen Mekka ge- wendet dann hebl er von ihrem Gesicht den Schleier, und sieht zum erstenmal die Braut. Sie dar> die Augen nicht öts- nen, erst beim dritten Stückchen Brot, das ihr der Bräuti- gam in den Mund steckt, schlägt sie die Augen aus und sieht zum erstenmal den Bräutigam. Kurz währt die erste Umarmung, das arme Wesen weiß kaum, was ihm geschieht, da erhebt sich der Mann und gehl ins Badchans um nach den Vorschriften des Korans die vor- geschriebene» Waschungen zu vollziehen Nach dem Bad kehrt der Bräutigam z» seiner Braut zu- rück. Drei Tage bleiben die beiden in ihrem Zimmer, die BRilFKASTEN An- und Verkauf tanlralsui opä»cne> ana tüdamarikam •char Devisen Effekten und REICHSMARK duren da« Bankhaus Georges Perles& P. Miche j 4 RUE lAFFITTE PARIS IX TELEFON T* TBOUT 9Ä-40 BIS*5 Mutter des Bräutigams bedient sie und bringt ihnen Esten morgens erscheinen d:e Musikanten im Hof und spielen dem Hingen Paar zu Ehren und Freuden. Als wir im fahlen Licht in der Morgendämmerung zum Hotel zurückkehren, ruft die Moschee Sidi Abdalla el Hach der Muezzin die Gläubigen zum Gebet. Als ich am Abend das Hochzellshaus gesucht hatte, ivar ich an Häusern vorbeigegangen, aus denen Radiomusik tönle. Die Jazzband des Pariser Ritz-Hotels drang von Europa herüber lv dieic undurchdringliche Welt Wir gingen ivener. In einer Nebengasse arbeiteten beim Schein von Azetylenlamven iveiße»nd braune Proleten, schwitzend standen sie in den Kanaliiationsgräben und legte» Röhren. Mein Führer blickte, ohne hinüberzusehen, nachdenklich vor sich hin. „Ich will Dir eine Geschichte erzählen, die sich in Arcila zugetragen f>at. Eine Frau wollte nicht länger mit ihrem Mann zusammenleben, er war reich, aber er schlug sie, und er glaubte nicht an Allah, da ging sie zum Pascha und der schied die Ehe. Der Mann bereute, was er getan, und er wollte die Frau in sein Haus wieder zurücknehmen, aber nach den Vorschriften des Korans darf sie das nicht, es fei denn, sie habe eine Nacht mit einem andern geschlafen. Da bat der Ehemann einen Fremde» aus dem Dorf Telata, er möge für e'nc Nacht einen Ehekontrakt mit seinem geschiedenen Weib schließen,»nd er gab ihm fünfzig Duros, auf daß er es in der Hochzeilsnachl nicht berühre. Doch die Frau blieb bei dem Fremden. In der Nacht, als die beiden sich von An- gesicht zu Angesicht sahen, verliebte sich der Mann in die Frau, und die Frau verliebte sich in den Mann,»nd der Mann vergaß sein Versprechen. Am nächsten Morgen ging er nach Areila zu ihrem ersten Mann, und er legte ihm die fünfzig Duros auf den Tisch. „Hier hast Du Dein Geld." sagte er.„ich habe mein Ver- brechen gebrochen, aber ich weiß, daß Allah mir verzeihe» ivird." Und er wandte sich fort und ging heim zu der Frau, die er liebte." Alle diejenigen deutschen Flüchtlinge«nd E m i g ra u te n. die noch im Fahre l»83 in Deutschland Mitglieder der Deutschen Liga sür Menschenrechte waren, werden gebeten, so- weit sie in«der bei Paris wohnen, ihre jetzige Adresse mitzuteilen an: Ligne allemande des droits de l'homme, section de Paris, 27, rue Jean Dolent, Paris XIV. „Die neue Weltbühne", Prag 1, Melantrichova 1. Heft 51 1st soeben erschienen und enthalt folgende Beiträge: Ein Jurist: Bor dem Urteil: Ein übergangener Zeuge: Jack London: Das Bomben- attentat im Kongreß. Gregor Bienitock: Bardamu und die vierte Republik: Kurt Grogmann: Dreigig Emigranten Helsen sich selbst: Felicicn Challeye: Tie Peinigung der Kolonien: Justin stein- seid: Cnfel Toms Hutte: Louis Fischer: Ein Ratschlag für Roose- veil: Robert Larus: Der streit der Jugend— Bemerkungen— Antworten. „Zweifler". Aus einem von Ihnen eingesandten Zeiiungs- ausschnitt erfahren wir, daß der Reichskanzler seine beiden Mantel aus dem Auto heran? an zwei Arbeitsdienstlcr verschenkt hat. Das ist allerhand. Seihst der heilige Martin»?— der war es doch'?— hat untre? Wigens nur einen halben Mantel abgegeben. Er hat allerdings auch nur einen Mantel gehabt. Die srouimc Tat»es heiligen Adolf ist um so größer, als er, wie bescheiden aller Weil verkündet wurde, auch schon seinen ganzen Reichskanzlerlohn ver- schenkt hat und sozusagen daraus angewiesen ist, daß die öffentliche Mildtätigkeit ihn und seinen Auto- und Flugzeugpark erhält. Und nun regiert er ohne Wintermantel. Wenn das nur ohne schnupfen abgeht. Bei der Zugluft auf steiler Höh des Kanzleramts! Glück- licherweise gibt es die Winterhilfe: 8,30 Mark pro Kopf. Wenn der Vizekanzler Herr von Pape», der neulich noch eine» Hundertmark- schein gewechselt haben soll, ein paar Mark zulegt, wird sich Sankt Adolf hoffentlich wieder einen Mantel anschaffen können. Wir wünschen es von Herzen, denn wir sind jooo gerührt! Dr.«. R. Ihrem Briese entnehmen wir die Mitteilung, daß die Kleine Strafkammer in Braunichweig einen Händler wegen Miß- Handlung von Hunden zu drei Monaten Gefängnis verurteilt hat. Recht io! Leider ist bisher nicht ein einziger Fall bekannt, daß Pg. des Reichskanzlers wegen Mißhandlung von Menschen ver- urteilt worden wären. Lehrer W. Sie machen uns darauf aufmerksam, daß der Reichs- bischos Müller in seiner Weihnachlsboischast verkündet hat, das ..Friede auf Erden" bedeutet nicht„Nie wieder Krieg!" Die Schar der himmlischen Heerscharen auf dem Felde bei Bethlehem hätte sich geiviß klarer ausgedrückt, wenn sie von einem deutschen Wehr- kreispsarrer statt von dein jüdischen Gotle Jchova inspiriert loordcn iväre.„Friede auf Erden?" Das bedeutet, wie der Reichs- bischof es aufsaht: Reichstagsbrandstiftung und BoljchcwiftenHctze, schutzhaft und Konzentrationslager, Gasmaske» und sechsfache Hinrichtung mit Handbeil, Aufrüstung und Wehrgeist und somit: „den Menschen ein Wohlgefallen". Metz. Ihre Anfrage beweist, daß selbst kluge Leute noch immer Illusionen über die Beschaffenheit der GöbbelS-Prtge haben. Kein einziges deutsches Blatt hat gewagt, über die grqße Schlußrede Dlmitroffs etwas andere? zu bringen als dcst Bericht des bitler- offiziösen Wolsf-Büros. Hier war von„endlosen Ausführungen" die Rede. Alles Wesentliche wurde teils verschivommcn, teils ver- fälscht wiedergegeben. Ebenso versteht sich, daß es leine deutsche Zeitung über sich gewann, ein einziges Wort über den persönlichen Mut des Bulgaren zu schreiben, der stch non der durch roic Roben repräsentierten Staatsallmacht nicht einschüchtern ließ. Heldenmut und Tapferkeit gibt es nur im Bereich der braunen Uniformen. Billigen Sie den armen Pregeschachern mildernde Umstände zu! Die bescheidenste Anerkennung sür einen Gegner des National- iozialismus ist mit Existenzlosigkeit und Lebensgefahr verbunden. Tag manch einer unter den Herren Schriftleitern mit schwermütigen Seufzern im stillen die Widerstandskraft de? viele Monate ge- segelten Bulgaren bewunderte, ist möglich, aber keineswegs sicher. Denn die Herren Schriftleiter sind jetzt vor Jahresschluß mil der Ausfüllung der Fragebogen beschäftigt, die über das Sein oder Nichtsein aller deutschen Schriftleiter entscheiden. Da bleibt für heroische Empfindungen keine Zeit mehr übrig. Die deutsch- sprachigen ausländischen Biälter, die die Rede Dimitroffs im Wort- laut abdruckten, gehen inzwischen in Deutschland von Hand zu Hand. In nicht wenigen Exemplaren auch die„Deutsche Freiheit", trotz der Mühe der Gestap, sie zu erwischen. Walter von Mol» Waren Tic nicht einmal einer von den rcprä- scntatiucn Gesinnungsdichtern der Weimarer Acra? Haben Sie nicht die frühere preußische Dichter-Akademie geleitet und in Wort und in Schrift den Adel der geistigen Freiheit gepriesen, der Ihnen, zum Borteil Ihrer Bücher, vielseitige Anerkennungen repnbli- konischer Staatsmänner einbrachte? Tie sonnte» sich in der Freude, den Beweis liefern z» dürfen, daß da? beste deutsche Schrifttum organisierbar sei. Heute? Heute lieft man im„Dortmunder Gene- ral-Anzeigcr" folgendes Bekenntnis von Ihnen:„Der Künstler ist der Künder von der Notwendigkeit des Selbstbescheidens Ich habe mich vor dem 3t>. Januar unfrei gefühlt." Einer frei- licki übertrifft Tic noch an Gradhcit der Ueberzeugung, nämlich Wilhelm von Scholz. Er rechtfertigt nach dem gleichen„Dort- munder Gcneral-Anzeigcr" seine«niebcngc vor dem Propaganda- Ministerium mit diesem Satz:„Ter Zuchtlosigkeit, dem Snobismus uni dem läppischen Ge schwätz Halbwüchsiger mußte ein Zaum gelegt werden." Ein Halbwüchsiger ist Herr Wilhelm von Scholz allerdings nick» mehr. Aus dem Reich des Phantoms hat er letzt»» feiner' wahren Bestimmung zurückgefunden: den Sinn für die Realitäten des Zaumes. Für den Gcsamtinhalt verantwortlich: Johann P i tz in Dud- weilet; für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Perlag: Verlag der Volksstimuic GmbH., Saarbrücken 3, Tchützenstraße 5. Dr. Spécialiste »ö, rue cicUivoi— Métro Chaie e RADIKAL*. HEILUNG von BLUT», HAUT, und FRAUENKRANKHEITEN Heilung von Krampfadern und offenen Beinwunden Neueste Behandlungsmethoden Elektn» zität. Impfungsverfahren Trypafle vine» Einspritzungen Blut» und Harn#Untersuchungen Sper» makultur Salvarsan Wismut usw Sprechstunden täglich von 10-12 und von 4—8 Uhr Nonntags von 9— 12 Uhi Konsultationen von 25 Fr. ab. Man spricht deutsch BRÜSSEL rue i. Enseignement 15-17 Dp. lur. K. Goldman früh. deutsch. Rcchtsanw. Eorderungseinziehung in Deutschland Handelsver» tretung. Daselbst franz. Sprachkurse. 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