Sinzigs unabhängige Tageszeitung Veuiichlauds Nummer 162— 1. Jahrgang Saarbrücken, Samstag, 30. Dezember 1933 Chefredakteur: M. B r a u n Ans dem Inhalt Schlechtes Weihnachtsgeschäft Seite 2 JleoaluUoHäee Saiialdemakcatie Seite 3 Deutsch* lcanzösischec lOietschaftsheieg Seite 4 Haù als Emigranten Seite 7 Das geaf>e Zeitungssteclen Seite 8 Deutschlands„Unannehmbar Neue Isolierung Deutschlands in der Abriistungsfrage 44 In den erste» Tagen des Januar wird der französisch« Botichafter in Berlin, Francois-Poncet, die Antwort Frank- reichs gegen die deutschen Ausrsistungsvorschläge überreichen. Wir haben gestern schon dargelegt, daß die französische Ant- wort die deutschen Ansprüche nicht als BerhandlungSgrund- läge behandeln wird. Während die deutsche Presse bis vor enugen Tagen erklärte, dast Deutschland in Einzelheiten werde mrt sich reden lassen, wird nun mitgeteilt, dast die französischen Gegenvorschläge für Deutsch- )land ebenso unannehmbar seien wie am 11. C 11 o b e t, dem Tag des Austritts aus dem Völkerbund. Insbesondere richte» sich die Ab- lehnung Deutschlands dagegen, dast es erst nach Verlauf von 8 Jahren in den Genuß der wirtlichen Gleichberechtigung kommen soll. Ferner unterstreichen die Berliner Meldungen, dast die Reichorcgierung unter kein«,, Umständen nach Genf zurückkehren werde.„Unter keinen Umständen!" Es ist mithin nicht abzusehen, wie die Verhandlungen über den toten Punkt, den sie in einigen Tagen erreichen dürsten, hinüberkommen sollen. Gelegentlich des Besuches des bel- gischen Austenministers H y m a n s in Paris hat die sran- zösische Presse einmütig erklärt, Belgien und Frankreich seien sich darin einig, dast vom Völkerbundspakt nicht abgewichen werden könne. Viel wichtiger als die Tatsache der sran- zöfisch-belgischen Entente ist die neue Schwenkung Englands an die Seite Frankreichs. Der britische Botschafter Lord Tyrrell in Paris hat den belgischen Austenminister empfangen und ihm u. a. den Inhalt eine» Denkschrift mit- geteilt, die England aus die deutschen Aufrüstungs- sorderungen in Berlin überreichte. Dieses Schriftstück lehnt mit Entschiedenheit Sondervereinbarungen in der Ab- rttstungssrage zwischen einzelnen Staate« ab und betont, die englische Regierung wünsche nach wie vor, dast die Ab- ^ rüstungsverhandlungen im Rahmen des Völkerbundes fort- v geführt werden müstten. Die Fordcrunaen Dentkchlanbs ans Erhöhung der Rcichswehrbestände bis zu 8(H) 01)0 Mann werde« von England klar abgelehnt. Die deutsche Ausrüstung müsse, so sagt die englische Denkschrift, im Rahme« der Borschläge Macdonalds bleiben. Die Frage der Anrechnung der militärähnlichen Organisationen bleibt offen und ist ein wichtiger Bcrhandlungsgegenstaud. Es scheint als», dast die in den letzten Wochen erschütterte sranzösisch-englische Einheitsfront in der Abrüstungsfrage wiederhergestellt ist. Das würde bedeuten, dast England zu den Grundlinien der Simonschen Erklärung vom 14. Oktober zurückkehrt. Damals wurde vorgeschlagen, die Zu- bllligung der Gleichberechtigung an Deutschland in zwei Zeit- abschnitten zu ermöglichen. In den ersten vier Jahren sollte die Reichswehr in eine Miliz von Z»0 000 Manu mit achtmonatiger Dienstzeit umgewandelt werden. Frankreich sollte dieselbe Heeresstärke und Dienstzeit er- halten, aber mit dem zusätzlichen Vorteil von ZOO 000 Mann Loloinalarmee. Während dieser vier Jahre sollte die inter- nationale Rüstungskontrolle sich einarbeiten. In den folgenden vier Jahren sollte dann die Gleichberechtigung aus dem Gebiete des Kriegsmaterials durchgeführt werden, wobei Frankreich feine schwere Artil- lerie(über 15,5 Zentimeters, sein« schweren Taut»(über 16 Tonnens und feine Bombenflugzeuge abschaffen sollte. Deutschland sollte während dieser Zeit das Recht haben, sich mit allen„Desensivwafscn" zu versehen, die ihm bisher durch den Versailler Vertrag verboten waren. Welche Modifikationen die französischen und die englischen Gegenvorschläge bringen werden, um Deutschland ein Ein- lenken zu erleichtern, ist noch nicht ersichtlich. An ein Eni- gcgenkommen aus dem Grundsatz der sofortigen Gleich- bcrcchtigung und an den Verzicht aus de« Völkerbund ist nicht zu denken. Die bevorstehende Unterhaltung des briti- schen Außenministers Sir Simon mit Mussolini wird Klarheit darüber bringen, unter welchen Bedingungen sich Italien dem starken westeuropäischen Druck aus Deutschland anschliestt. Führer und Sklaven Das Ende deutscher Staatsbürgerrechte Dem preußischen Landtag wurde die letzte Drucksache zu- gestellt. Er ist mit dem„alten" Reichstag ausgelöst und nicht wieder gewählt worden. Das Land Preußen besteht noch, aber irgendwelchen Einfluß aus seine Regierung, irgend- welche Kontrollrechte über die Verwaltung haben die Preußen nicht mehr. Sie werden wieder wie unter dem Krückstock Friedrichs des Großen regiert, nur mit dem Unterschied, daß die SS.- und TA.-Leute, über das ganze Land verteilt, Vor- gesetzte der durchschnittlichen Einwohner sind. Das neue Gemeindcverfassungsgescb macht zum erstenmal einen Unterschied zwischen Einwohnern und Bürgern der Gemeinden. E i n w o h n c r der Ge- mcinde ist, wer in ihr nach den Vorschriften des bürgerlichen Gesetzbuches seinen Wohnsitz hat. Bürger der Gemeinde ist„bis zur endgültigen Reglung" jeder reichsdeutsche Ein- wohner, der über 25 Jahre alt ist und seit dem l. Juli 1038 in der Gemeinde ununterbrochen ivohnt.„Bis zur endgül- tigen Reglung"^ das ist der Vorbehalt für die kommende Zieichsversassung, die das Bürgerrecht auch in den Ländern und im Reiche an bestimmte Voraussetzungen, insbesondere an die Unterwürfigkeit gegenüber den herrschenden national- sozialistischen Eliquen bindet. Schon das GemeiudenerkaHnngsgesetz bringt den national- sozialistischen Fübrergru bis in das letzte Dort' die ersten Vorrechte. Bürger der Gemeinde sind» ä m l i ch ohne Rücksicht auf die Dauer des Wohnsitze» in der Gemeinde nicht nur aktive Reichs- und Staatsbeamte und Beamte der Gemeinde, sondern auch die obersten ört- lichen Leiter der NSDAP, und die rangältesten Führer der Sturmabteilungen oder der Schutzstaffeln der NSDAP. Das zeigt die Entwicklungslinie an. Das gesamte Staats- und Gemetndeleben wird daran' augeschn'Urn. diese Führer gruppen mir besonderen Rech cu auszustatten und das Volk ihrem Gehorsam zu unterwerfen. Auch die neuen Bestimmungen über die Zulassung zum Abiturientenexamen für die Hochschulreife zeigen, daß alle Schüler und Schülerinnen, die irgendwie verdächtig er- scheinen, nicht mehr zum Studium zugelassen werden. Die Zahl der Abiturienten, denen im Jahre 1034 die Hochschulreife zuerkannt werden soll, wird auf 15 000 begrenzt, und zwl^r für das ganze Reich. Der Anteil von Abi tu rien- l i n n e n an der Gesamtzahl der Hochschulberechtigten darf zehn Prozent nicht überschreiten. Die Hochschulreife soll nur denjenigen Abiturienten zu- gesprochen werden, die geeignet erscheinen, de» besondren durch die Hochschule gestellten Anforderungen nach ihrer geistigen und körperlichen Reise, nach ihrem E h a r a k t e r- wert und ihrer nationalen Zuverlässigkeit zu genügen. Das besagt deutlich, daß die nationalsozialistische!,»ud gleichgeschalteten Schulleiter auch die befähigten Schüler zurückweisen können, wenn diese aus marxistischen ober sonstwie„national unzuverlässigen" Familien stammen, denn diesen Schülern wird der nötige„Charaktcrwert" nicht zugesprochen werden. Die nationalsozialistische Partei herrscht. Sie stellt die Führer, und die anderen sind die Sklaven. Parfeibudi Aber Deamfenredif Berlin, ZU. Dez. Beamte der Deutschen Reichspost, die sich nm die nationale Volkserhebung außergewöhnlich verdient gemacht haben, sollen nach einer Verfügung des Reichspoftministers außer der Reihe befördert werden. Es handelt sich dabei vorwiegend um Beamte, die sich vor dem 80. Jannar 198» al« Mitglieder von nationale« Verbänden (SA., SS., Stahlhelms oder als Amtswalter oder Redner der Natsevalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei besonders tatkräftig gezeigt, im Dienste bewährt haben und im übrigen nach ihre« Fähigkeiten und Leistungen den Anforderungen ÜorlieStUM«cite Genf und Versailles (Von unserem Genfer Vertreter) Der verwirrte Zeitgenosse sieht im wesentlichen ZOiei Gruppen, die angreifenden faschistischen Diktaturen und die verteidigenden Demokratien. Hitzige Argumente, hin- ter denen kühlere Köpfe gewohnheitsmäßig die Soldaten und Bombenflugzeuge zählen, werden von beiden Grup- pen der öffentlichen Meinung eingehämmert, wobei die Angreifer unstreitig den gefühlsmäßigen Vorteil der allge- meinen Unbeliebtheit des Völkerbundes haben. Der ganze Kampf geht nicht um Einführung oder Slblehnung einer wirklichen Reform, die aus dem Völkerbund eine wir- kungsvolle Garantie für die Erhaltung des Friedens, die Ausschaltung des Krieges und die auf Rechtsgleichheit auf- gebaute Sicherung des internationalen Lebens machen soll. Er geht vielmehr einzig um die Frage, welche Gruppe den Völkerbund in seiner seitherigen oder einer veränderten Form besser als Mittel ihrer Machtpolitik wird miß- bräuchen können. Die Entwirrung der durcheinander- klingenden Parolen ist deshalb so schwer, weil Angreiser und Verteidiger zum Teile unumstößliche Wahrheiten für sich ins Feld führen, um hinter ihre nationalistischen Ab- sichten besser verbergen zu können. Wieder sind auch hier- bei die Faschisten besonders skrupellos und laut, denn nach ihrer bescheidenen Ansicht verdankt die Menschheit ihnen ja überhaupt erst alle Wahrheiten. Deshalb können auch bei dieser Betrachtung gar nicht die Argumente der Angreifer von denen der Verteidiger getrennt behandelt, es muß vielmehr ein Ueberblick auf Grund der gesamten internationalen Lage zu schaffen versucht werden. Der äußerlich sichtbare Gipfelpunkt der Krise des Völkerbundes ist dadurch erreicht worden, daß Deutsch- land und Japan, weil die übrige Welt gegen ihre An- sprüche entschied, ihren Austritt erklärten, und daß Italien unter Drohung mit dem gleichen Schritt radikale Reformen der Verfassung verlangte. Von vornherein be- zeichnend ist dabei die Tatsache, daß der angreifende Faschismus bis jetzt nur zwei Grundgedanken prokla- miert hat, ohne anzugeben, wie nach seiner Auffassung deren Durchführung praktisch erfolgen soll: Trennung des Völkerbundspaktes vom Versailler Vertrag und Einführung eines Direkto- riums der Großmächte. Mit dem ersten trifft der Angriff trotz der durchsichtigen imperialistischen Absichten, die seine Väter dahinter ver- stecken, ins Schwarze, nicht weil, sondern trotzdem er vom Schwarzhemd kommt. Wie oft ist die Loslösung des Paktes vom Versailler Vertrag von allen besiegten Völ- kern vor Mussolinis Schwenkung zum Frieden gefordert worden. In der Tat ist der Völkerbundspakt wortwört- lich nur einer der Anhänger des Versailler Vertrages, ohne dessen Ratifizierung kein Land Mitglied werden kann: enthält der Pakt eine Fülle von Bestimmungen, die sich direkt auf Paragrafen des Versailler Vertrages beziehen und ohne ihn gegenstandslos wären: ist endlich der ganze Völkerbund in Ursprung und Zielsetzung über- haupl nur eine einseitige Machtschöpfung der Siegerregie- rungen. neben unwesentlichem Beiwerk dazu bestimmt. Ausführungsorgan des Versailler Vertrages zu sein. Das gab dem Bund schon bei seiner Geburt einen tödlichen Stoß, da die Vereinigten Staaten mit dem Versailler Vertrag auch den Völkerbund ablehnten. Es mußte im europäischen Blickfeld die Genfer Institution immer stär- ker zertrümmern und schließlich vollkommen lahmlegen, da der Kampf um die Abschüttclung unhaltbarer Sieger» entscheidungen wegen der absoluten Unmöglichkeit eines Erfolges in Genf die Besiegten des Weltkrieges von Genf weg und in die Verzweiflung treiben mußte. Es geht um die Sprengung des Versailler Ver- träges, wenn von„Reform des Völker- bundes" geredet wird! Es geht um die Er- Haltung der S i e g e r e n t s ch e i d u n g e n. wenn ihre Nutznießer gegen Reformen reden! Zertrümmert sind 6e facto die finanziellen Klauseln von Versailles, umgangen und durchbrochen die militari- schen Bestimmungen, in beiden Fällen begingen die Sie- ger den ungeheuerlichen Fehler, sich starr hinter Para- tv-rf+mi*«» f-;<* c« zu spät und die lebendige Euumck.'ung duiftuer hiiuo„«»ioaa»gen war. leider dann ober in einer Richtung auf die Gewalt und den Krieg. Was jetzt in das Endstadium tritt, ist die unumgänglich notwendige Korrektur der territorialen Klauseln samt- licher Friedensverträge, wobei die Reformparolen und die konservativen Reden für die Paragrafen schon aufdringlich von Pulvergeruch umwittert sind. Die Positionen sind zwangsläufig, die Entscheidung ist tragisch, der Völker- bund selbst ist nur der Sündenbock, auf den alle Prügel niederhageln. Nie war der Völkerbund ein Bund der Völker, sondern von vornherein nur eine feste Abmachung von Siegerregierungen mit geduldetem Anschluß der Be- siegten, wobei alle jene Selbständigkeit behielten, die ihnen die Friedensverträge bestimmt hatten. Das Schei- tern jeder Verständigung der Großmächte über die Lebensfragen in Politik und Wirtschaft ist schuld am Miß- Kredit des Völkerbundes, auf dessen imaginäre Existenz alle Schuld abgeladen wird Nie ist es notwendiger, auszusprechen, was ist, als in Zeiten höchster Not und Gefahr. Der zweite Grund- gedanke der Angreifer ist eben so scharf abzulehnen, wie man den ersten bei aller Danaerfurcht anerkennen muß. Die faschistische Vorstellung, daß man die Welt durch das juristische Gebäude einer Diktatur weniger Großmächte beherrschen könne, widerspricht völlig dem Lebensinteresse des gewaltigen Restes der Welt. Gerade die Vorrang- stellung der Großmächte in der Zusammensetzung des Rates und aller entscheidenden Körperschaften hat doch den zweiten großen Impuls zur Mißkreditierung Genfs und zur praktischen Abkehr vieler der Benachteiligten ge- geben. Hier haben die Verteidiger recht, wenn sie jede „Reform" in dieser Richtung ablehnen. Ganz im Gegen- teil, müßte gerade ein unabhängig von Krieasentfchei- düngen und Siegerpsychose aufzustellender Völkerbunds- pakt vor allem das wirkliche gleiche Lebensrecht sämt- licher Mitglieder statuieren. Die Realpolitik hat sich noch alle Male in vernünftigen Verhandlungen von selbst durchgesetzt— auch in Genf. Nun hat gerade das Ende der vergangenen Woche den Kampf um die Reform des Völkerbundes deutlich in sein rechtes Licht gestellt. Hitlers brutaler Stiefeltritt stieß scheinbar zunächst auf unbegreifliche Weichheit. Musso- linis Trompetenstoß rief zuerst nur Herrn Josef Avenol. Generalsekretär des Völkerbundes, in die Schranken, der am 11. Dezember vor dem englischen Unterhause eine brave Beamtenrede für die Paragrafen hielt, die ja. wie hier vorher gezeigt wurde, nur die Atrappe der wahren Machtkämpfe sind. Avenol darf natürlich nicht verstehen, daß jene Gleichheit der Rechte, die keineswegs der Stel- lung der Staaten in der Welt entspricht, von imperialisti- schen Diktatoren angegriffen werde, da ja bisher noch niemand weder im Rat noch in der Vollversammlung irgend einen Antrag zu den Akten gegeben habe. Daß niemand freiwillig sich als minderwertig dekretieren werde mit einer Zustimmung zur Abdankung vor den Großmächten, ist doch der Grund, weshalb ein so aus- sichtsloser Antrag überhaupt nicht eingebracht wird. Ge- schichtliche Bewegunyskräfte handeln, auch wenn sie widersinnig und faschistisch smb. niemals innerhalb einer Abstimmungsmaschinerie, was ja ein Versuch mit untaug- lichen Mitteln am untauglichen Objekt wäre. Auch kann Herr Avenol gegen den Vorwurf, daß die Möglichkeiten der Revision der Verträge ungenügend seien, nur den aus dem gleichen, oben gesagten Grunde nie angewandten Artikel 19 des Paktes anführen.„Der Völkerbund stellt die erste und einzige Maßnahme dar. die von der mensch- lichen Rasse ergriffen wurde mit dem Ziele der Einfüh- rung von Rechtsgrundsätzen in den Beziehungen zwischen Ländern," sagt Herr Avenol, und er stellt der Welt die Alternative, zu wählen zwischen dem Völkerbund und einer fast völligen Anarchie. Hier haben wir wieder eine Wahrheit und eine graue Theorie, die sich blind und taub vor der real vorhandenen Anarchie der Tatsachen stellt, um einem Trugbild die Rolle des wirksamen Heilmittels zuzuschreiben. Ganz deutlich wurden diejenigen Verteidiger des Völkerbundes, die alle ihre Kanonen gegen die territoriale Revision der Verträge einzusetzen haben. Am Abschlüsse der Pariser Zusammenkunft Ende voriger Woche erklärte der tschecho- slowakische Außenminister Benesch, Deutschlands An- spräche auf Vertragsrevision und Aufrüstung würden im Ernstfalle selbst mit den Waffen zurückgewiesen. Wie üb- lich erklärte er aber das neue Bündnis zwischen Frank- reich und der Kleinen Entente als„gegen niemanden ge- richtet". Und der französische Außenminister Paul-Bon- cour verkündete, das„gebrechliche Gebäude des Frie- dens" werde verschwinden, wenn man den Völkerbund in seiner jetzigen Form aufgebe. Anpassen könne man ihn schon, aber das Prinzip, auf dem er gegründet wurde, müsse respektiert werden. Nur in den Arbeitsmethoden könne die Aenderung gesucht werden. Also: die Zer- reißung Europas darf nicht angetastet werden, sonst wer- den ihre Nutznießer schießen: über Aenderung von so- wieso wirkungslosen Paragrafen läßt sich vielleicht reden. Das Ist die einfache Formel auch dieses Kampfes um eine vorgeschobene Völkerbundsreform, wie sie es gegen die Abrüstung, für die Erwürgung der Weltwirtschaft und aller anderen„Mißerfolge des Völkerbundes" war. Starr wollen die Sieger ihren Schein behaupten, gewaltsam die Besiegten ihn zerreißen. Italien bläßt nur in die Glut, um eventuell aus dem Brande neue Beute zu holen, einerlei auf wessen Kosten. Kühl hält sich die ewig gleiche Taktik der Tories im Hintergrunde, um wieder einmal den Ausschlag zugunsten der englischen Vorherrschaft geben zu können. England ist ja vorläufig noch aus dem unmittelbaren Schußfeld heraus, es hat die größte Kriegsbeute geschluckt und kann abwarten, wie es sie am sichersten bewahren kann. So gesehen, ist die neue Auseinandersetzung um den Völkerbund nur eine andere Nüance des alten Kampfes, der feit den Friedensscklüssen nach dem Weltkriege tobt. Niemand darf sich einreden lassen, der Friede könne ledig- lich durch Beibehaltung des jetzigen Völkerbundes oder durch seine Aenderung in faschistischem Sinne erhalten werden. Hart muß man den harten Sachen ins Gesicht blicken: Sturz der Diktaturen und gemeinwirtschaftlicher Aufbau freier Volksherrschaft ist der erste, gerechte Re vision ohne Gewalt mit Lebensraum für die europäisch, Gemeinschaft der zweite notwendige Schritt, der über Haupt nur zu einem wirklichen Bunde der Völker führen kann. Alles andere bedeutet neuen Massenmord, tiefere Verelendung, noch ungerechteres Siegerdiktat, gleich- gültig ob bald oder später. Führer und Sklaven Fortsetzung von Seite 1 entsprechen, die mit der Beförderung verbunden sind. Wenn für das Ausrücken in die höhere Besoldungsgruppe das Be- stehen einer Aussticgsprüfnng vorgeschrieben ist, müssen die Beamte« diese Bedingung erfüllen. » Soweit die Meldung des nationalsozialistischen Wolff- Telegrafenbllros. Diese offizielle Meldung bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als die absolute Herrschast des Partei- buches auch auf dem Gebiet des Beamtenrechts. Diese Maß- nähme bedeutet ein ungeheuerliches Unrecht gegen die Zehn- tausendc von deutschen Postbeamten, die all die Jahre hin- durch ihr Amt mit Treue und Pflichteifer ausgeübt haben und politische Neutralität wahrten. Und sie bedeutet die offi- zielle Anerkennung der Parteibuchbeamten auch bei der Deutschen Reichspost. In der Verordnung wird zwar auch von den notwendigen Fähigkeiten und Leistungen gesprochen, aber wer den Betrieb kennt, der weiß diese Zweckformu- lierung richtig einzuschätzen. Die neueste Verordnung ist kür uns um so wichtiger, als damit ganz offiziell das Partei- buchbeamientum unterstrichen wird. Wie hießen doch noch die Wahltexte der NSDAP, aus den vergangenen Jahren! Hat Hitler nicht selbst in diesem Jahre in all seinen Reden gegen die Weimarer Parteien immer und immer wieder den Vorwurf erhoben, daß in den letzen 14 Jahren das Partei- buch geherrscht habe und daß nunmehr endlich die wahre Freiheit einziehe, das Berussbeamtentum geschützt werde und einzig und allein Leistung und Befähigung ausschlaggebend seien?! Wie wenig genau auch der Reichskanzler es mit der Wahrheit meint, das zeigt dieser Fall in ganzer Größe. Die Beamtenschaft des Saargebietes wird keine Bogel-Strauß- Politik betreiben, wird nicht mit offenen Augen ins Vcr- derben rennen, denn im Vergleich mit den Zuständen im „dritten Reich" kann die Rückkehr des Saargebietes zu Hitler-Deutschland nur Knechtung und geistige Unfreiheit bedeuten. Was wird aos den Lreigesprodienen von Leipzig? Wie daS BerteidigungSkomitee anS Leipzig erfährt, ist eine neue Verschärfung in Leipzig für Dimttroff nnd seine Käme- raden eingetreten. Die Familie DimitrofsS und feine Käme- raden hat!?n bekanntlich zunächst das Recht, ihre Ange- hörigen nach dem Urteil täglich eine Viertelstunde ohne Kontrolle zu sprechen. Zunächst trat insosern eine Berschär- sung ein, als bereits am zweiten Tag nach dem Urteil die Sprecherlaubnis nur in Gegenwart des Dolmetschers gegeben wnrde. Die letzte Nachricht, die dem BerteidigungSkomitee heute aus Leipzig zugegangen ist, besagt, daß die Ange- hörigen vom 27. Dezember ab keine Sprecherlaubnis mehr erhalten werden, da die Freigesprochenen mit bis jetzt noch unbekanntem Ziel abtransportiert werden. Eine genaue Nachricht darüber, ob der Abtransport sich auf die Aus- Weisung bezieht, war nicht zu erhalten. Es ist also nach den Worten Körings das Schlimmste für Dimitross und seine Kameraden zu befürchten. Auch die Sprache der deutschen Presse gibt zu den höchsten Benornhigungen Anlaß, da selbst die regierungsossiziöse nationalsozialistische Pressekorre» spondenz Sturm gegen das Freispruchurteil läuft. Diese Nachrichten sind anss Höchste bennruhigenb. Die öffentliche Meinung der Welt wird sich nicht dabei beruhigen, daß Dimi.ross und seine Kameraden freigesprochen wurden. Sie verlangt volle Garantien, daß die Freigesprochenen nun endlich unverzüglich das Recht erhalten, Deutschland z» ver- lassen. Roch einmal sei es gesagt, die Hitlcr-Regierung ist voll verantwortlich für Leben»nd Sicherheit der Frei- gesprochenen. ArnUldier Nöheldlebstahl Auch eine Greuelmeldung Nach dem Gesetz über die Einziehung kommunistischen Der- mögens in Verbindung mit dem Gesetz über die Einziehung staatS- und volksfeindlichen Vermögens werben die bei einer Möbeltransportsirma untergestellten EinrichrungSgegen- stände und sonstigen beweglichen Dachen auö der Wohnung des früheren Staatssekretärs Dr. A b e g g, jetzt im Aus- lande, zugunsten des preußischen Staates eingezogen. Wahrheit über die Arbeitsschlacht In Krefeld ergab eine Mitgliederversammlung der Litho- rrafen-Fachschaft ein katastrophales Bild. Der gleich- eschaltete Bericht sagt:„Besonders im Formstechergewerbe ind die Arbeitskameraden schon vier volle Jahre von der Produktion ausgeschlossen.. Fast 00 Prozent der Arbeits- kameraden wurden von der Geißel der Arbeitslosigkeit er- faßt. Den Tapeten-Jndustriellen und-Händlern muß einmal gesagt werden, daß die Formstccher ein Recht zur Arbeit haben." Was sich die Herren eben gesagt jei» lassen! Stresemann-Denhmai geschändet Ein Täter verhaftet Mainz» 28. Dez. Am Stresemann-Denkmal machten sich nachts mehrere junge Burschen zu schaffen. Sie rissen von einer Tür das Schutzgitter ab und zertrümmerten die Scheibe. Sie scheinen wohl die Absicht gehabt zu haben, in den Innen- räum des Denkmals einzudringen, wahrscheinlich um die Stresemann-Büste zu beschädigen oder zu entwenden. Als die Täter von der Polizei überrascht wurden, flüchteten sie. Einer, der ein Auto in einer benachbarten Straße abgestellt hatte, konnte settaenomme» werden. Es wird ihm schwerlich viel passieren. Professoren im Konzentrationslager Als„Gerüchtemacher" Der Polizeipräsident in Essen hat im Laufe fem« Maßnahmen gegen Gerüchtemacher u. a. auch die beiden Pro- fessoren Dr.©offert und Dr. Wemmeshetmer vou den Essener städtischen Krankenanstalten in Schutzhaft genommen. Sie hatten das Gerücht verbreitet, bewährte und verdiente SA.-Führer seien an in der letzten Zeit vor- gekommenen Unterschlagungen beteiligt gewesen. Die Be- schuldigten wurden ins Konzentrationslager gebracht, da der- artige„jeder Grundlage entbehrenden Beschuldigungen" geeignet seien, Ehre und Ansehen verdienter Führer der nationalsozialistischen Bewegung sowie diese selbst zu schädigen und damit Unruhe in die Bevölkerung zu tragen. vas weihnaditsgesdienh Bei J. G. Farben Die I. G. Farben. Werk LudwigShafen-Oppau. hat ihre Belegschaft mit einer Weihnachtsgabe erfreut. Es war der Wunsch des„Führers", daß die Arbeiter dieses Jahr eine Weihnachtsgratifikation erhalten. Der Betriesleiter und Ortsgruppenstthrer Pg. Dr. Witwer. Ludwigshasen, sorgte für die Erfüllung des Führerwunsches. 25 ssttnsundzwanzig) Reichsmark pro Kopf brachte man zur Auszahlung. Jedoch nicht in Bargeld, sondern in Gutscheinen, und diese müssen bis 31. Dezember umgesetzt sein. Entweder in Textilwaren oder in Haushaltungsgegenständcn, nicht aber in LcbenS- Mitteln. Sollte da nicht das Weihnachtsgeschäft blühen? Doch zeigten sich die Arbeiter wenig dankbar: sie murren sogar und lassen ihren Unwillen in Gesprächen erkennen. Warum? In diesem Werk gibt eS das Prämiensystem. Danach wirb jedem Arbeiter im Laufe der Sommermonate seine Prämie ausgezahlt, mit der jeder immer für bestimmte Zwecke rechnet. Davon bringt man diese Weihnachts- g r a t i s i k a t t o n n ä ch st e s Jahr in Abzug. Sie ist also nichts weiter als ein Vorschuß aus die nächstjährige Prämie, die ohnedies nie groß aussiel und im kommenden Jahr nun noch kleiner sein wird. So betrügt man den Ar- beiter und nennt es Geschenk, nennt es eine vom„Führer gewünschte soziale Tat". K. W. 50 Jahre Vnchhlndergewerhschait Die Gewcrkschaftsglcichschalter schämten sich nicht, in Hamburg das Svjährige Jubiläum der Buchbindergewerk- schaft zu feiern. Der„Verbandsfachschastswart" Kloth, in dem die Buchbinder befehlsgemäß ihren Vertrauensmann zu erblicken haben, hielt eine Rede, in der er vor allem ans den„Marxismus" schimpfte.„Der Besuch der Jubiläums- seier," meint der Kloth,„hätte besser sein können. Zu berück- sichtigen ist allerdings dabei, daß Weihnachten kurz vor der Tür steht, und daß es leider in Hamburg auch noch viele Arbeitslose und Kurzarbeiter gibt." Die Weihnacht- feiernden, Arbeitslosen und Kurzarbeiter ist der Kloth zu entschuldigen bereit. Aber:„um so weniger ist eS jedoch zu entschuldigen, wenn die Arbeitskameraden ans der Ver- lagSanstalt der Verbrauchergenossenschaften, die volle 48 Stunden arbeiten, so spärlich vertreten waren." Sehr nach Arbeitsschlachttriumph sieht dieser Bericht nicht aus. Immer mehr Zwangsinnungen Die„HandwerkSzettung" Magdeburg teilt abermals die Errichtung von vier neuen Zwangsinnungen mit. Ebenso geht es in den Gebieten anderer Handwerkskammern zu. Da sich die Industriellen zu Kartellen vereinigen, wollen die Handwerker bei der^reisgejtettung nicht zurückbleiben. Sdiledties Weihnadilsgesdiätt Nodi geringer als Im Vorjahre Laut einem Ber'cht der„Frankfurter Zeitung" Großgegenständen Bedarssdeckungsscheine tu Zahlung gegcbeu»Verden konnten. Aber in allem: trotz„siegreicher Arbeitsschlacht" flaues Geschäft Die Kaufkraft ist nicht höher als aus dem Tief- stand der Krise 1032. Aber Feldstecher und Marschkompasse sind lebhast gefragt. Revolutionäre Sozialdemokratie Gibt es eine Auferstehung der großen deutschen Arbeiterpartei? Die emigrierten Parteiführer erfreuen sich nicht gerade allgemeiner Vertrauenskundgebung. Weder im Reiche noch draußen. Besonders kritisch werden die ,./ rager eut teilt. In Prag sitft der Vorstand der Sozialdemokratie Deutschlands und, was man auch immer gegen ihn einwenden mag, arbeitet. Wöchentlich gibt er en Vorwärts heraus. Regelmäßig sorgt er für Kampf material in das Reich. Eine wertvolle Broschürenreihe sucht neue Grundlinien der sozialistischen Politik erar eiten. >ie nun in der dritten Nummer vorliegende„Zeitschrift für Sozialismus"(Druck und Verlag: Graphia. Karlsbad, Kantstraße) klärt die sozialistische Gedan cen- elt und die theoretischen Grundlagen eines neuen sozialistischen Aktivismus. Allen diesen Veröffentlichungen ist eins gemeinsam, was sie vorbildlich macht: sie sind von honungsloser Selbstkritik der Sozialdemokratie erfüllt. Da der Parteivorstand diese Kritik nicht hindert, sondern fördert, zeigt er, daß er begreift, worauf es zunai ist ikommt: Neu beginnen. Wir bringen nachstehend den Hauptteil eines Aufsaßet von Alexander S c h i f r i n in der Nr. 3 der Zeitschrift für Sozialismus". Die Arbeit trägt den Titel:„Reco- utionäre Sozialdemokratie". Wir schicken voraus, daß wir nicht m allem mit unserem verehrten Mitarbeiter Schifrin einverstanden sind. Die„nationale Bindung ist teineswegs gefallen, wenn auch der Reformismus tot ist. Wir beginnen mit neuen unheilvollen Fehlern, wenn wir nur„das Proletariat" sehen und glauben, daß die Kräf te, die um die sozialistische Eroberung der Nation ringen, samt und sondeis„außerhalb der gegenrevolutionären Nation" stehen könnten. Mindestens sind die Forma ic- rungen Schifrins sehr mißverständlich. In der von ihm gewählten Form können sie von der nationalistischen Demagogie allzuleicht gegen uns mißbraucht werden um Kräfte abstoßen, ohne die jede kommende deutsche Revolution unmöglich ist. Redaktion der„Deutschen l reiheit. Die Auferstehung der Sozialdemokratie Auch nach der Niederlage, auch entrechtet und geknechtet, bildet das deutsche Proletariat eine gewaltige soziale Macht. Es stellt zahlenmäßig nicht einen Splitter der Nation dar, wie das russische Proletariat nach der Niederlage von 1907, nicht die schwache Minderheit der Nation, wie das italienische Proletariat nach der Machteroberung durch den Faschismus. Tie deutsche Arbeiterklasse umsaßt die Hälfte der Nation, sie ist das größte proletarische Massiv Europas und der Welt. Auch als gegenrcvolutionäre Nation bleibt das deutsche Volk doch eine proletarische Nation. Die deutsche Arbeiter- klaffe ist nicht eine geschichtslose Klasse, wie das zahlenmäßig ebenso mächtige Proletariat Amerikas, sondern eine Klasse mit einer ruhmreichen sozialistischen Geschichte und mit einem wachen Klaffenbewußtsein. Die proletarischen Maffen, die heute das Objekt der nationalsozialistischen Diktatur bilden, sind kein unbeschriebenes Blatt. Es ist das organi- sationssähigste, organisationstreueste. sozialistisch durch- gebildetste Proletariat der Welt. Diese Massen sind schon einmal an der Schwelle der Macht gestanden, sie sind schon einmal durch eine, wenn auch unvollendete, Revolution ge- gangen, sie haben Generationen lang die Freiheit genossen, sie waren 14 Jahre Träger einer Demokratie. In Deutsch- land ist ein gigantisches antifaschistisches KricgSpotentiol vor- banden, eine soziale, politische und psychologische Grundlage mr die sozialistische Arbeit und den revolutionären Kampf. Wenn dieses Potential jetzt nicht mobil gemacht werden kann, so ist das einmal durch die Ursachen der Niederlage und dann durch die fortdauernde Krise der gesamten deutschen Arbeiter- bcwegung bedingt. Was diese Maffen nach der Niederlage lahmgelegt hat, war nicht allein die Brutalität der Gegner, der fürchterliche Druck der totalen Diktatur, sondern auch die passive Ergebung, die Kapitulation, die Vertrauenskrise gegenüber der eigenen Organisation. Die Maffen haben keine «Feit zur Umstellung erhalten, und es war keine Führung da, die diese Umstellung mit Entschiedenheit und Kraft durch- führen konnte. Die innere Krise der deutschen Arbeiter- bewcgung, die mindestens seit dem 4. August 1014 datiert, kam unter den Schlägen des Gegners plötzlich zum Durchbruch und ihr tragisches Ergebnis hat den Sicgeszug der faschistischen Diktatur erleichtert. Eine reformistische Arbeiterbewegung konnte dem Faschis- mus nicht erfolgreichen Widerstand leisten, als dieser noch nicht an der Macht war, eine reformistische Bekämpfung der faschistischen Diktatur ist erst recht eine völlige Unmöglichkeit. Der deutsche Reformismus war nicht imstande, den von ihm geführten Massen revolutionäre Erziehung zu geben, er war nicht einmal imstande, sie wehrhaft zu machen, um sein eigenes großes Aufbauwerk zu verteidigen. Er ist daran zu- gründe gegangen, baß er eS nicht vermochte, die kriegerischen Tugenden der deutschen Arbeiterschaft zur Geltung zu bringen. Man ließ gewaltige revolutionäre Abwehr- und Angriffsenergien brachliegen, obwohl die Sozialdemokratie den großen organisatorischen Mobil»,achnngSapparat der Be- wegung in der Hand hatte. Man behaupte nicht, daß die Massen versagt haben, man hat sie überhaupt nicht in den Kamps hineingeführt. Im heutigen Klassenkampf mit seiner .Zentralisierung und moderner politischer Technik fällt der Führung eine entscheidende strategische Funktion und auch eine gewaltige Verantwortung zu. Nicht der deutsche Soldat bat bei der Marncichlacht versagt, sondern der Generalstab, die Generäle Moltke und Bülow, der Oberstleutnant Hentsch. Bei der vernichtenden Sedan-Niederlage des deutschen Pro- lctariatS in den Jahren 1080—1033 haben die Stäbe der Ar- beiterbeweaung versagt, auch die der KPD., ja in erster Reihe die der KPD. Daß die Kommunistische Internationale heute der KPD Absolutionen ans lautendem Band erteilt, ist der beste Beweis dafür, daß die KPD. aus einem verlorenen Posten steht. Vielleicht werden wir noch hören, daß Thal- mann und Heckert revolutionäre Helden und siegreiche Feld- Herren waren. Wir brauchen einen solchen Trost und solche Absolutionen nicht. Nicht die Parteien geben zugrunde, die Niederlagen er- leiden, sondern die, die nicht imstande sind, aus ihrer Nieder- läge die Konseguenzen zu ziehen. Der deutsche Reformismus ist unter den Drümmcrn der Weimarer Republik begraben worden. Die organisatorische und politische Grundlage des Reformismus bilden der demokratische Staat mit seinem Parlament und den Organen der Selbstverwaltung, die Ge- wcrkschaften, die Genossenschaften. Diese Grundlagen sind durch die Gegenrevolution zerschlagen oder besetzt worden. Die letzten Zuckungen des absterbenden Reformismus waren furchtbar: die Abstimmung der Fraktion am 17. Mai, die Kapitulation der Gewerkschaften, die Versuche eines Teils des alten ParteiavparateS, die Umstellung der Partei auf die Illegalität zu sabotieren. Wir wissen, daß diese.Zuckungen nickt zufällig waren, daß in ihnen cine Epoche ihren end- gültigen Abschluß gefunden hat. Aber der Tod beS Reformismus bebeutet nicht das Ende deS Befreiungskampfes des Proletariats und er bedeutet nicht da? Ende der Sozialdemokratie. Die deutsche«ozial- demokratie ist älter als der Reformismus. Ihre Grundlage bilden nicht der Partei- und GewerkschaftSapvarat, nicht die parlamentarische Vertretung, sondern die Massen, die Kader» der Partei. Tie deutsche Sozialdemokratie ist keine historische Erinnerung, kein Humus, aus dem andere Bewegungen ein- mal wachsen werden. Eine bestimmte Kontinuität der pol,- tischen Bewegung muß auch nach bleiben. Aber die Kontinuität der sozialdemokratlichen Be- weauna kann und wird nicht« anderes darstellen, als b,f Uebersübrnng ihrer KaderS in e'ne neue Organisationssoru, sür die neuen gewaltigen Kamvse. Nicht die alte PrapiS, nicht die alte Ideologie, nicht der alte Avvarat der Parte, werden in die neue historische Epoche iib-rMbrt werden sondern d.e kampffähigen Kader? der Partei mit neuer Ideologie, neuem Apparat, neuer, revolutionärer PrariS. Voraussetzung der Kontinuität der Sozialdemo, kratie ist der Bruch, der bewußte, offene und ruckstchtSloie Bruck mit eigener Vergangenheit und der alten Form der Organisation. Ein Versuch, die Partei nach der erlittenen Katastrophe durch die bloße Uebernahme eineS Restes des zusammengebrochenen Parteiapparats in der Emigration und im Reiche, durch die mechanische Uebernahme eines Restes des alten Funktionärkörpers im Reiche wieder aufzurichten, ohne Erneuerung der Spitze der Partei, ohne Umschichtung und Umstellung ihrer Kaders, ohne deren innere Revolutio- nierung, würde den politischen Selbstmord nach der Nieder- läge, die endgültige politische Selbstliquibierung der Sozial- demokratie bedeuten. Die Kontinuität der Sozialdemokratie kann nur durch die Anpassung ihrer Kaders an die neuen Kämpfe gesichert werden. Diese Kaders bilden die wichtigste und entscheidende Grundlage für die Auferstehung jeder Klasscnbewcgung, jeder revolutionären Bcwegung in Teutschland. Es sind die stabilsten, widerstandsfähigsten, ge- schultesten Kaders der deutschen Arbeiterbewegung. Jeder Versuch, der diesen erstklassigen Menschenstofs nicht zur Grundlage des Aufbaues der neuen Organisation und zum Ausgangspunkt des neuen Kampfes nimmt, ist zum Hofs- nungsloscn Sektierertum verurteilt. Hunderttausende sozial- demokratischer Arbeiter, die rücksichtslos und schonungslos ihre eigene Vergangenheit durchprüfen, sind Garanten und Träger der künftigen antifaschistischen proletarischen Revolution. Je stärker der Druck der faschistischen Diktatur, se weiter die Faschisierung der Nation vor sich gehen wird, desto ent- scheidender muß die Zusammenhaltung und die Umstellung der revolutionär-sozialistischen Kaders durchgeführt werden, die bereit sind, wenn die Stunde schlägt, die Massenarbeit aufzunehmen. Die nationalsozialistische Diktatur ist die mächtigste, die geschlossenste Gegenrevolution in der Welt- geschickte. Das denkende Proletariat ist nicht imstande, die Phasen der Gegenrevolution zu überspringen. Aber der sozialistische Vortrupp des Proletariats kann seine Bereit- schalt steigern, und die Gegenrevolution selbst, die die Krise der Nation auf die Spitze treibt, Europa sprengt»nd den politischen Gesamtkörper deS europäischen Kapitalismus mit dem Durchbruch der Gewalt bedroht, kann ihren eigenen Ab- lauf beschleunigen. Tic sozialistischen Tugenden von heute heißen für Deutschland Jllusionslosigkeit und Kühnheit. 'Tradition und Ausgangspunkt der Bewegung Zur Sicherung der revolutionären Zukunft der deutschen Sozialdemokratie gehört die b e iv n ß t e politische Liquidierung der Epoche, die zwischen dem 4. August 1014 und dem 5. März 1033 liegt. Nicht die Erfahrung, nicht die Schulung, nicht der Wille zu den Errungenschaften, die man in dieser«Feit erkämpfte, müssen liquidiert werden, son- dern die politische Methode und die politische Ideologie der Epoche. Die deutsche Sozialdemokratie hat zwischen ihrer Vergangenheit und ihrer«Zukunft zu wählen. Daö Fest- halten an dieser Vergangenheit bedeutet den Verzicht auf hie Zukunft. Das heißt nickt, daß die Partei aus ihre Ver- gangcnhcit schlechthin verzichtet. Es geht darum, an welche Tradition ihrer Vergangenheit sie ihren Kamps anknüpfen will. Denn die deutsche Sozialdemokratie hat zwei Tradi- tionen: die eine geht von Marx und Engels über Wilhelm Liebknecht und August Bebel zu Luxemburg und den Hilfer- ding des„Finanzkapitals" zur UTP. Die andere geht von Lassalle und Schweizer über Vellmar und David zu Ebert und Leipart. Die erste Tradition ist lebensfähig, die zweite ist erledigt. Die Parteien können ihre eigene Geschichte re- konstruieren, das heißt sie können selbst bestimmen, welchen Stützpunkt sie in ihrer Geschichte wählen: sie prüfen und bewerten ihre Geschichte durch die Gegenwart. Es ist kein«Zu- fall, daß die Geschichte des Bolschewismus, ihre Beleuchtung und Deutung, den Gegenstand der erbitterten inncrpartci- lichen Kämpfe bildete. Die geistige Kontinuität der Sozialdemokratie bedeutet nichts anderes, als daß sie in einer beispiellosen schweren und tragischen Lage zu ihrer eigenen rcvolutionär-marxistischcn Tradition zurückkehrt. Der Sieg der Gegenrevolution hat das Werk und die Tradition des deutschen Reformismus zer- schlagen, aber den deutschen Marxismus konnte er nicht aus- tilgen. Aus den Schultern dieses deutschen Marxismus ist vor 3d Jahren die revolutionäre russische Sozialdemokratie aus- gebaut worden, auf ihn stützte sich damals auch die Linke des französischen Sozialismus. Der Marxismus in der deutschen Arbeiterbewegung ist eine revolutionäre Ideologie ohne re- volutionärc Praxis gewesen. Er wird jetzt zu einer révolu- tionären Ideologie, die, gestählt unter den Schlägen der Gegenrevolution, von der revolutionären Praxis getragen wird. Diese Auffassung ist berechtigt, weil die Sozialdemokratie nie, auch in der Nachkriegszeit nicht, einen geschlossenen re- formistischcn Block darstellte. Aus dem Höhepunkt der Krise, unmittelbar vor der Katastrophe, war im deutschen Prole- tariat eine ausgesprochene antireformistische Mehrheit vorhanden, die aus der KPD. und dem linken Flügel der SPD. bestand. Diese antireformistische Mehrheit war aber aktions- unfähig, der eine Teil war durch den Apparat und die Tra- ditton der SPD. gehemmt, der andere durch die KPD. zer- setzt und kanipsnnfäftig gemacht. Der Drang nach der Her- stellung der Einheit hat spontan die Massen der beiden Ar- beiterparteicn ergriffen. Stampfer und Torglcr sind gleich- zeitig zu seinem Sprachrohr geworden. Im letzten tragischen Wahlkamps bat der Parteivorstand der SPD. die Agitations- broschüre„SPD. oder KPD." herausgegeben, deren Bcr- 'asser der Schreiber dieser«Zeilen war. die die Frage nach der Liquidierung der Spaltung mit aller Offenheit aufrollte. Aus dem Höhepunkt der Krise und unmittelbar vor der Macht« eroberung durch Hitler hat die Sehnsucht nach dem sozia- listiscken AuSweg aus der Krise sich der proletarischen Massen bemächtigt. Die hat ihren Ausdruck unter anderem in den SozialisierungSprogrammen der SPD. und der freien Ge- werkschaften gesunden. Wenn der Staatsstreich vom 30. Januar diese vielversprechende Entwicklung nicht ab- gebrochen hätte, so hätte die deutsche Arbeiterbewegung aus ihrer Erfahrung heraus die erste Etappe des Aufstieg« er- reichen können, so wäre die Liquidierung der reformistischen Epoche freiwillig und organisch erfolgt. Vielleicht hatte Herr von Pape», Deutschlands Verderber, der Hitler die^.ore zur Macht geöffnet hat. eine dunkle Ahnung davon, was im deutsche» Proletariat vor sich ging und vor welchen Gefahren die deutsche Gegenrevolution und der deutsche Kapitalismus standen, als er die Hitlerschen Banden gegen das Proletariat zu Hilfe rief. Wir müssen dort ansangen, wo im Winter 1982=1983 im Kampfe um die proletarische Einheit und um den Tozialis mus die ersten Ansätze eine« Ausstiegs gewaltsam unter- brocken wurden. Deutschland, das klassische Land der prole- tarischen Spaltung, muß zum Lande werden, von dem die Initiative zur Sammlung und Ein i g u n g des Proletariats ausgeht. Die deutsche«ozialdcmokratie, deren Praris Jahrzehnte im Zeichen der Formel stand: Die Bewegung ist alles, das«Ziel ist nichts, muß aus der politischen und moralischen Anziehungskraft des revolutionären Ziels die zerbrochene Bewegung wiederherstellen. Die Bewegung, die keine revolutionäre Tradition kennt, die„iciit einmal den Kult ihrer eigenen Revolution vom 0. Novem- der betrieb, wird ihre revolutionäre Tradition ans der furchtbarste» Erfahrung herausbilden. Die Sozialdemokratie muß ihre Kraft aus der Größe ihrer Ausgaben schöpsen. Der Faschismus hat das Poletariat nicht allein gewaltsam nieder- geschlagen, er will es auch politisch deformieren. Er wirkt marxistische Arbeiter aus den Betrieben heraus, er versucht, das Proletariat im gegenrevolutionären Staat politisch aui- zulösen, seine politische Eristenz als Klasse zu beenden. Ilm so entschiedener muß die Umstellung der sozialdemokratischen Kaders durchgeführt werden, desto stärker soll die 9>n- ziehungskraft der sozialistischen Idee wirken. Der Faschis- mus rühmt sich, die Nation geeinigt zu haben. In Wirklich- kcit hat er sie bis in die letzten Wurzeln gespalten. D i e nationale Bindung ist gefallen, die jahrzehnte- lang die Grundlage des deutschen Reformismus bildete und seine Ideologie bestimmte. Das Proletariat steht heute außerhalb der gegenrevoln tionären Nation, lein Kampf gegen die nationale Gegenrevolution ist der Ausgangspunkt seines Kampfes um die sozialistische Erobc- rung der Nation. Demokratischer und revolutionärer Sozialismus DaS Ende des Reformismus bedeutet nicht das Ende der Sozialdemokratie, cS bedeutet auch nicht das Ende des demo- kratischcn Sozialismus schlechthin. Tie Art des Niederganges der Weimarer Republik hat in Deutschland die Gedanken der Demokratie und des demokratischen Sozialismus in den Augen von Millionen sozialistischer Proletarier stark kom- promittiert. Nichts konnte der«Zukunft deS demokratischen Sozialismus in Deutschland so schaden, wie der Satz eines gewesenen sozialdemokratischen Reichskanzler«:„Die Sozial- emokratie ist die nationalliberale Partei des Weimarer Staates". Wenn es so wäre, dann müßte die Zozialdemo- kratie mit dem Weimarer Staat zugrunde gehen, aber sie wird ihn überleben. Ter Gedanke des demokratischen Sozia- liSmus muß von den Schlacken der vergangenen resor mistischcn Epoche gereinigt werden. Der demokratische Sozialismus ist nicht der Gegensatz zum revolutionären marxistischen Sozialismus, sondern sein Bestandteil. Der demokratische Sozialismus widerspricht auch nicht dem revolutionären Befreiungskampf, sondern er ist erst recht seine spezifische politische Ideologie. Die revolutionäre Demokratie schließt die Konzentration der Macht und die machtpolitische Untermauerung der revolutionären Gewalt nicht aus. Die französischen Jakobiner waren ausgezeichnete Demokraten. Auch der bolschewistische Flügel der russischen Sozialdenio- kratie war bis zur Oktoberrevolution 1017 demokratisch. Der sozialistische Befreiungskamps setzt den demokratischen Sozialismus voraus. Die antifaschistische proletarische Revo- lution kann nur siegen, wenn sie die Führung aller Frei- beitsbcwegungen im Volke übernimmt, wenn sie für die Mehrheit des Volkes zum Inbegriff der Befreiung vom faschistischen Joch wird. Den politischen Gegenpol zum Faschismus bildet nicht der Bolschewismus, von dem ia der Faschismus seine Staatstechnik und seine Mißachtung der persönlichen Rechte und der geistige» Freiheit iibernvinmcn bat, sondern der revolutionäre demokratische Sozialismus. Die deutsche Revolution kann den Faschismus nur im Namen der sozialistisch gewandelten westlichen Kultur geaen die borussische Barbarei, im Namen eines revolutionären Humanismus gegen die faschistische Sklaverei besiegen. Sic wird nur als proletarisches 1703 siegen können, im Sinne der jakobinischen Konsequenz, aber auch im Sinne der Freiheit«- und Gleichheitsideologie. Ter demokratische Sozialismus ha« als bewegende Krait der antifaschistischen Revolution kür D«n'schland z,vei voli- tische Ausgabe» zu erfüllen das Bündnis des Proletariats mit der Mittelklasse zu ermöglichen und Deutschland nach Europa zurückzuführen. Dem Faschismus ist es gelungen, die Mittelklassen zu einer einheitlichen reaktionären Masse zusammenzuschweißen, ihre gegenrcvolntionäre Konzentration zu verwirklichen und da- durch das Proletariat sozial zu isolieren. Aber der Faschismus hat die Mittelklassen ivirtschastspolitisch betrogen, er bat sie an daS Großkapital verraten, er bat sie auch der beru'S- ständischen Selbstbestimmung durch die Gleichschaltung be- raubt. Er hat die antikapitalistische Rebellion der Mittel- klaffen verzerrt und unterbunden: die nationalsozialistische Diktatur unterdrückt jede gegen den Großgrundbesitz gerich- tete antifeudale Bewegung des Bauerntums, verbietet den Kampf der Angestellten gegen die Unternehmer, verhindert jede Opposition des Handwerks und des Kleinhandels gegen das Bank- und Handelskapital, zerschlägt das Koalitionsrecht der Beamten. Nur der demokratische Sozialismus kann diesen Mittelklassen ihre Bewegungsfreiheit zurückgaben, iftre wirkliche antikapitalistische Rebellion entfachen und sie in das fstr daS Proletariat günstige Fahrwasser lenken. Nie kann diese Aufgabe dem Kommunismus gelingen. Die komm»- niftifche Politik bedeutet die Fortsetzung der sozialen Jsolie- rung und deshalb der faschistischen Knechtung des Proleta- riats. Tic Demokratie ist die günstigste Form, für dos Bündnis des Prolétariats mit den Mittelklassen. Ter demokratische Sozialismus hat siir Teutschland auch eine außenpolitische Sendung zu verivirklichcn. Tie faichistischc Tiktatur liât Teutschland von Europa iveggesührr, hat Teutschland gegen Osten, gegen Westen und gegen Süden isoliert. Tie faschistische Tikiatnr in Teutschland bedeutet Spaltung und Sprengung Europas. Europa bat zwischen dem sozialistischen Teutschland, dag zum mitteleuropäischen Pfeie r des geetnigtcn Europa ivird, und dem deutsch- faschistischen Krieg gegen Europa zu ivählcn. Tic Tragödie von 1918, als die sozialistische Revolution in Teutschland durch den demokratischen Westen erivürgt lourde, darf sich nicht mehr wiedcrbolcn. Nur der dcinokratischc Sozialismus isr imstande, diese Aufgabe zu lösen. Ter deutsche Communis- mus bat kein europäisches Programm, er will keine Brucken nach dem Westen und er kanir keine Brücke nach dein Osten schlagen. Die international«» Aufgaben des deutschen Antifaschismus Ter Tieg des deutschen Faschismus hat eine aegenrevolu- tivnäre Welle in Europa entfacht. Ter Nationalsozialismus saht Fuji überall, Ivo die deutsche Sprache kl.ngt, vom Bal- tikum bis Eupen-Malmedyt in allen Grcnzländern züchtet er eine deutfch-saschistische Jrredenia. Aber er fördert die Gegenrevolution nicht allein unter den deutschen Minder- Helten, die den Anschluß an das Reich suchen. Ter Sieg Hitlers in Teutschland führte zur furchtbaren Erschütterung d>'r österreichischen Demokratie und zur Tiktatur TolliuiV Er bat bereits die wankende Tiktatur von Horthy-Gombös in Ungarn neu gefestigt, Zwei Drittel Europas befinde» sich heute infolge der faschistischen Ausdehnung im Zustande des latente» Bürgerkrieges. In dieser Vage erhält Teutschland eine Schlüsselstellung, die das politische Schicksal Europas bestimmt. Tie dauerbaste Stabilisierung der Hitler-Diktatur muß die Sache des Sozia- lismus und der Temokratie in ganz Europa gefährden. Mit Ausnahme Englands sind in Europa leine großen Offensiv- kämpfe des Proletariats möglich, so lange das deutsche Proletariat der Gefangene der faschistischen Tiktatur bleibt. Aber die Erschütterung der faschistischen Tiktatur in Teutschland ivird Europa zu 1918, zum Sturz der mitteleuropäischen Diktaturen, zur Entfesselung der mitteleuropäischen Revo- lution zurückführen und einen gewaltigen Ansporn für den westlichen Sozialismus geben. Ter deutsche Faschismus ist heute zwischen zwei ihm feindlichen politischen Systeme ein- geklemmt, die er beide haßt: der westlichen Demokratie und dem revolutionären Diktatnrstaal der Sowjetunion. Tie westliche Temokratie wird eine große politische Ausgabe er- füllen, ivenn sie, solange dos deutsche Proletariat gefesselt bleibt, den Aufmarschplag für die Mobilmachung nnd de» Ausstieg der sozialistischen Kräfte bereit hält. Tic Sowjet- union bat zwei mächtige Mittel im Kampfe um das sozial!- stiiche Europa: die Politik der ehrliche» proletarische» Ein- hcit, die die Krait des europäischen Proletariats geivaltig steigern würde, und eine bewußte und prinzipielle anti-deutsch- faschistische Außenpolitik, die den Ring um den deutschen Faschismus vom Osten her schließen würde. Ter russische Bolschewismus hat von den, ersten dieser Mittel keinen h'ebraiich gemach': die Tvaltuug wütet wie früher, sie bat die Kräfte des europäischen Sozialismus ge>'chn>ächt. die .Kräfte des europäischen Kommunismus, nach dem Zusàm- menbruch der KPD. zur vollen Bedeutungslosigkeit, zu ein-r politischen Null herabgedrückt. Lebt noch die Konununistifaie Internationale? Nach ihrer deutschen Niederlage scheint sie aus den Kämpfen des europäischen Proletariats verschwun- den zu sein. Außenpolitisch steht die Sowjetunion zwar in einer Kampfstellung geneniiber dem Hitler-Teutschland aber dieie Außenpolitik erfolgt allein aus der nationalen Sicher- hcitsvolitik der Sowjetunion nnd nicht im Rahmen einer arundlätzlichcn antifaschistischen politischen Haltung, eines Kampfplans auf lange Sicht Im Ringen um das sozialistische Europa. Das sozialistische Proletariat Europas ist in seinem Kampf auf keine eigenen Kräfte angewiesen. Deutschland bleibt auch nach deni faschistischen Tieg der Haup'kgmpkpti-t, des internationalen Sozialismus. Deutsch» französischer Wirtschaftskrieg? Von Paul E 1 b e 1 Abgeordneter und ehemaliger Chef des Wirtschaftsamtes im französischen Außenministerium Paul El bel, einer der besten Kenner der europäischen Wirtschastsverhältnisse und Mitglied zahlreicher offizieller Wirtschaftskommissionen, in welcher Eigcnschast er auch an der Ausarbeitung des letzten Handelsvertrages zwischen Teutschland und Frankreich einen bedeutsamen Anteil hatte nnd de» uns Saarländern besonders bekannt ist aus seiner führenden Rolle, die er bei den dratsch-sranzösischen Saar- Verhandlungen des Jahres 1929 30 eingenommen hat, gab sreuiidlicherweise unserem Pariser Korrespondenten die folgenden-Erklärungen über die drohende Gefahr eines Abbruchs der deutsch-französischen Wirtschaftsbeziehungen ab l. Januar 1934 ab, Es ist gerade ein Jahr her, daß ich als Führer einer osfi- ziellcn Wirtschastsdelegation gewisse Modifikationen an dem laufenden deutsch.französischen Handelsvertrag in mühe- vollen, mehr als einen Monat dauernden Verhandlungen durchzusetzen hatte. Das in Frage stehende Wirtschafte- abkommen war im Jahre 1927 zur Zeit der höchsten Nach- kriegsprosperität unterzeichnet worden und hatte für beide Länder ei» annehmbares Kompromiß dargestellt, wobei Deutschland mit Rücksicht a u s die noch be- stehenden Reparationsverpslichtungen Frankreich gegenüber ein bedeutender Bor- teil eingeräumt worden war. Nachdem im Lau- sanner Abkommen Deutschland der Reparationszahlungen entledigt worden war, erwies sich der Handelsvertrag inso- fern als abänderungsbedürstig, als der Grund für die Be- günstigung Deutschlands hinfällig geworden war. In den Verhandlungen vor einem Jahre, die zu leiten ich Gelegen- heit hatte, mußte auch noch der Umstand Berücksichtigung sin- den, daß Deutschlands Wirtschast sich damals schon in hohem Maße antarlisch orientierte. Immerhin ließ sich durch das verständnisvolle Entgegen- kommen der deutschen Verhandlungspartner eine annehmbare Lösung erzielen, die eine Verringerung des Passivumo für Frankreich zur Folge hatte. Die Ereignisse, die die politische Struktur Deutschlands im Verlans dieses Jahres grundlegend verändert haben, haben sich aus die wirtschaftlichen Verhältnisse ans- gewirkt. Deutschland nahm eine Reihe von exportbesch-änkenden Maßnahmen vor, die dem Geist der Bcrträge von 1927 und 19 3 2 widersprechen. Darum wurden neue Verhandlungen nötig. Frankreichs Wirtschast konnte sich nicht mehr länger mit dem immer größer werdenden Passivposten seiner Handelsbilanz be- lasten. D!c Verhandlungen, die mehrere Wochen lang in PariS geführt wurden, sind zu einem vorzeitigen Abbruch gelangt. Die unnachgiebige Haltung der beut- schen Delegation führte zu diesem beklagenswerten Ergebnis, obwohl Frankreich in seinen Zugeständnissen lehr weit gegangen war und von vornherein ein bedeutendes Passivum ans sich nehmen wollte. Der augenblickliche Still- stand in den Berhandlnngen, die die dentsche Dele- gation mit einer alle überraschenden Plötz- lichkeit verlassen hat, läßt es zweckmäßig erscheinen, sich mit den Hanptschwierigkeiten auseinanderzusetzen. Was haben wir von Deutschland verlangt? Eigentlich nur den Verzicht ansdic unsschä- digende Scrips-Wirtschast. Wie man allgemein weiß, gibt eS ein deutsches Gesetz vom 9. Juni 1933, das Ke Transferiernng von Auslandsschulden verbietet. Falls aber die Gläubiger, um wenigstens einen Teil ihres Guthabens zu retten, sich zu einem Arrangement bereitcrklären, so zahlt Deutschland 30 Prozent der Guthaben in Devise» rnd 30 Prozent in Wechseln, sogenannten Scrips, auf die Uonversionskasse. Deutschland läßt nun die Scrips zur Hälfte des Preises auskaufen und überweist sie an die Reichobank. Diese teilt sie dann den deutschen Exporteuren zu, die sie wieder der ttonvcrsionskassc zuführen. To erhält der ausländische Importeur in Deutschland nur drei Viertel des Fakturenwertes ausbezahlt. Das letzte Viertel kommt den dentschen Exporteuren zugute, die so eine Exportprämie erhalten nnd ein Balntendnmping treiben können, das einer Markentwertnng ohne Inflation gleichkommt. Die deutsche Scripswirtschast hat in allen davon bctros- fenen Ländern einen lebhasten Widerstand ausgelöst, nament- lich in Holland und in der Schweiz, mit denen Deutsch- land schließlich Seperatabmachungen treffen mußte. Frenkreich stellte gelegentlich der gegenwärtigen Wirt- schaftsverhandlungen die Forderung, die Scrips nicht zu 30, sondern zu 100 Prozent einzulösen. Dies ist eine Mindest- sordernng sdie Forderung nämlich, ein nicht tragbares Dum- ping zu«nterlasscns, wenn man bedenkt, daß Deutschland ohnedies wieder ein großer Borsprung im künstigcn Han- delsvcrtrag zugedacht war. Zusammenhängend damit vcr- langte man auch noch, daß Deutschland aus dem französischen Markt aus die Verwendung von Scrips nichtsranzösischcr Provenienz verzichte. Deutscherseits brachte man anfänglich znm Ausdruck, daß man diese Bedingung annehmen wollte, aber ordnete sie einer Bedingung unter: Die Scrips sollten auf dem französischen Markt zur Bekämpfung der Konkurrenz anderer Länder zugelassen sein, das heißt, Deutschland beabsichtigte somit, seine Dum- pingpraktikcn gegenüber seinen großen Schuldnerländern ans französischem Gc- biet durchzuführen. Es war für Frankreich von vornherein unmöglich, eine derartige Bedingung zur Basis der Verhandlungen zumachen. Da nun Deutschland die Verhandlungstische verlassen hat, stehe» wir vor einer außerordentlich schwierigen Situation, die sich im Wirtschaftsleben Europas bemerk- bar machen wird. Es ist bedauerlich, daß die deutsch-sran- zöfischen Handelsbeziehungen augenblicklich eine für beide Länder ungünstige Wendung genommen haben. Wir wollen hoffen, daß in nächster Zeit Verhandlungen anberaumt wer- den, die doch noch eine gütliche Einigung ermöglichen werden. Was sind Hoffnungen? Die Enttäuschung folgt ^Jch verbiete hiermit a licit in der Sozialvvl'tik tätigen stellen der dentichcn Arbeitsfront in Reden. Vorträgen. Artikeln uiw. irgendwelche Erklärungen zu machen ivic: Wir Nationalsozialisten werden die Wvchcnlöhnc einfiih- reu wir werden die UrlaubSzeit verlängern wir werden für höhere Löhne ioracn und ähnliches. Durch iolch un- verantwortliches Treiben ivcrden Hoffnungen erweckt, die zur Verwirrung und Unruhe führen. Ter politische Gcg- ner ivird solche Versprechungen sehr sorgfältig notieren und wird die ArbeitSkaineraden höhnisch danach frage», wann diese Versprechungen nun endlich vcrwlrkl'cht wer- den... gez. P e p p l c r." Daß die nationalsozialistische» Versprechungen den Ar- beiiern den Kleingewerbetreibenden und den Bauern gegen- über Schwindel waren, haben ivir immer gewußt DaS Bc- kenntnis dieser Lügen durch die Leitung der Arbeitsfront ist allerdings mehr als wir erwartet haben. Reben der„Erziehung" der Marxisten>n den SA Käser- neu und in den Konzentrationslagern tollten die deutschen Arbeiter durch weitgehende Verbesserungen ihrer Arbeits- bedingungen zum Nationalsozialismus bekehrt werden. Was wurde nicht alles versprochen: bessere Löhne. M'ndcstwochen- löhne. Urlaub im weitesten Ausmaß Kündigungsfristen von mindestens 14 Tage»». a in. Noch kürzlich ha: der Führer der Arbeitsfront?i Leu in einer Ansprache in Königs- l»'rg die Einitihruna des Wochenlohnes zugesagt. Alles Schw'ndel Ter Wirtschaftsminister Schmitt nnd der Ar- bettsminister Seldtc haben inzwischen angeordnet, daß Wochenlöhne und verlängerte Kündigungsfristen für die Wirtschaft nich' iraabar>cien daher nicht aefordert und nicht eingefühlt werden dürien Jetzt deck» der Le'ter de? Amtes für Sozialpolitik der deutschen Arbeitsfront den ganzen Schwindel auf. Er ver- fügt: 319 Missionen RH. Osfliilfe Stand der Entschuldung Von den insgesamt im Osthilfegebiet einschließlich der bäuerischen Ostmark anhängig gewordenen rd. 82»»I Eni schuldungsiällen wurden bis l Dezember 1933 rd. 29100 abgelehnt oder zurückgezogen Nach dem Berich! der Bank für deutsche Jndustrieobliga tonen iind außerdem bisher in rd. 20 00. Fällen rd 319 Millionen Reichsmark Entichul- dvnasdarlehen bewilligt, die aui eine Gesamtfläche von rd. 1279 000 hg entiallen. Tie Anzahl der am 1. Dezember 1930 noch im Arbeitsbereiche der Landstellen befindlichen Eni- schuldungsversabren beläuit sich einschließlich der Pachtbe- triebe a»' rd. 20 700 von denen unaelahr 20 000 Verfahren Betriebe betreffen d>e aui Grund des Reichserbbofgeietzes E'bbö'e Und bzw.»verde» In den letzten Monaten konnte die Durchführung der Verfahren in den einfach gelagerten Fällen beschleunigt und vereinsacht werden. lismdnrg und Bremen Die Denadiieiligung der deuksdien SeesdiiHahrt Hamburg Nach dem Bericht der Handelskammer S a m b u r g haben die deutschen Transattantik-Reedercicn einen mengenmäßigen R ii ck g a n g der Ladung von rund 2 0 Prozent gegenüber dem schon s ch l e ch- ten Jahr 1 932 erlitten. Die ausgehende Ladung war zwar etwas größer: die Zunahme wurde aber durch das stärkere Absinken der heimkehrenden Ladnngsmcnge mehrmals ausgehoben. Die im E u r o p a v e r k e h r tätigen Reedereien haben dagegen einen Ladungsrückgang in beiden Richtungen zu verzeichnen. Wenn auch dieser Ladnngsfchwund die internationale Schiffahrt mehr oder iveniger gleichmäßig trifft, so ist die durch die Entwertung von Piund und Dollar eingetretene Diskriminierung der deutschen Schisfahrt derart verschärft worden, daß die heutige Wettbewerbs- läge der dentschen S ch i s s a h r t als sehr stark beeinträchtigt bezeichnet werden muß. Aus der Er- kenntnis dieser bedrohlichen Situation, die durch die weitere Sperrung der amerikanischen Freigabegelder noch an Schärte gewann, wurde die R c i ch s h i l f e» ü r unsere Schilf- fahrt bis zu einem Gesamtbetrag von 20 Millionen RM erstmalig»str die Zeit vom 1. Mai bis 81. Oktober 1983 ge- schaisen. Angesichts der großen direkten»nd indirekten Tub- v-vtion.'n, die staatlicherscits last allen wichtigen auslän- dilchen Handelsflotten gewährt werden und der vielseitigen iniernatioualcn Sch'kfahrtShemmnisse kommt dieser Hille bei weiten! nicht iene Bedeutung zu. wie sie vo» der Presse der .Konkurrenzländer dargestellt wird. Jmmerbin hat sie zur Erleichterung der Lage soweit beitragen können, daß an- näb->rnd 8 0 0 0 0 0 B r n t t o- R c g i st e r- T o n» e n der ausgelegte» Handelsflotte»nieder in Fabrt aeketzt»nd damit auch wieder Arbeit für zahlreiche See- lente ackchasken werden konnte. 1982 balte die deutsch- Schiklahi s noch eine Devisen einnähme von 273 M'llionen RM t» ve-zeichnen, ei» Betrag. der in diesem Jabr anch nich' ann»beend erreich« merd-v dürste. In gleichem llmtana ist die?»ördennna des deutschen W^-enve-kehrs über die deutschen tsätru»ov anßerorden'llch vokkSmirtschastklch-r Beden'una. da die lim »chkaaSkosten in anßerden'lchen Hg ten nicht nur eine Be- 'astnna nnkerer Devisenbilanz sind, sondern auch einen Arbeitsverkust für die deutsche» Hüten v"d ihre Arbel'e- bedeuten Diele Jordernna ist»m so w'chtiaer. als» B " o t t e rda m und A» k ,ve r v e n. s n denen deutsche Waren in erheblichem Nmkana»maeschlagen werden, in ihrem gesamten seewärtigen Warenverkehr In den ersten 9 Monaten 1938 gegenüber 1982 eineZunahme von aiitzähernd je 1^3 Millionen Tonnen zu verzeichne» haben, während sie in Hamburg und Bremen kaum mehr als IOoooo Tonnen betrug. Es genügt nicht, daß der Förderung des Verkehrs über die deutschen «echäfen nur von der Reichsbahn in der Gestaltung ihrer Scchafcntarise Rechnung getragen wird. Bremen «chiffstonnage ging zwar um einen ganz geringen Teil zurück. Der seewärtige Güterverkehr, der im Jahre 1932 um 11,8 Prozent gegen 1931 zurückgegangen war. hob sich im ganzen»m 3,4 Prozent. Einer Abnahme in der Ein- iuhr um 2,9 Prozent stand eine Zunahme in der Ausfuhr um 8,4 Prozent gegenüber. Ter Rückgang in der Einfuhr ivurdc hauptsächlich hervorgerufen durch den Wegfall der Getreidetransporte. der jedoch last ganz durch Mchrverkebr anderer Güter, wie Baumwolle, Holz. Mineralöl und Stück- gut, ausgeglichen wurde. Die Steigerung der AuSiuhr lourde hauptsächlich durch vermehrte» Verkehr von RnSsuhrkohle bedingt. Es muß hierzu jedoch bemerkt werden, daß in R o t t e r d a m und A u» iv e r p e» die G e- samtzunahme des Verkehrs g r ü ß e r war. Bei aller Anerkennung der Bcdeuiung des Rheines müsse noch weit mehr von seile» der deutschen Verlader zugunsten der deutsche» Häicn geschehen. Was die eigentlich^ geschäftliche Lage anbelangt, so lassen ssch manche Anzeichen erkennen, die. wenn ihnen nicht andere nachteilige Verändcrnnacn gegenüber- stehen würden, eine etwa S günstigere Venrteilunq als Ende 1932 erlauben würden. Auf ein.elnen VcrkebrS- acbletcn ist auch eine leichte mengenmäßige Belebung des Frach'enqcscbästs»estiilstellen. während auf anderen Ge- 'chäftsgebieken die Bedingungen noch e r b e b l i cb s ch l e ch- 1er geworden sind als im Vorjahr. Vor allen Dingen bat sich aber das kür die deutsche Schiffahrt ganz besonders verhängnisvolle W ä h r u n g S ck> a o s während des Jahres 1933 in erheblichem Ausmaß verstärkt. Diese an sich schon nnaiinstige Lage, die auch noch durch die Auswirkung der in vieken Staaken durcbgestibrken Te>' » i s c n b e n> i r t s ch a t t„ n g und durch die Einstibrbeschrän. klingen im Frachtncrkehr beider Richtungen nerschärkt wird, wird noch weiter durch das Anwachsen des Protektionismus in zahlreichen Ländern beeinflußt. ^Deutsche Stimmen• Beilage zur.,£)ei tischen&reifteit"• Ereignisse und 9cs«fiicfi.kr^kk-à.^u«-n^ Okr-n.. Na,en. und Hai,krankheilen. Geburt«h.lfe. 2) INNERE Klinik. 3) CHIRURGISCHE Klinik 4) GEBURTSHILFLICHE und GYNÄKOLOGISCHE Klinik Sanatoriums'Gebäude mit der allermodernsten Einrichtung. ORDINATION(auch-Gr Pnvatkranke, täglich von 1 bis 8 Uhr. Sonn- und Feiertags von«» bis 12 Uhr Nazis als Emigranten Ole enttäuschten ösrerreidiisdien politischen Flüchtlinge in Deutschland Ein junger Boralberger, der kürzlich noch in Süd- deutschland war, schreibt uns: Seit den durchgreifenden Maßnahmen der Dollfuß- Regierung in Oesterreich, insbesondere seit dein Verbot der politischen Betätigung der NSDAP., sind aus Oester- reich gegen 35 000 Personen geflüchtet. Sehr viele davon waren wegen politischer Betätigung bestraft worden und entzogen sich durch die Flucht dem Strafvollzug: zahlreiche reichsdeutsche Staatsangehörige, die in Oesterreich wohnten, wurden ausgewiesen, weil sie das Gastrecht als Ausländer mißbrauchten, indem sie sich in die politischen Verhältnisse Oesterreichs einmischten. Es geht diesen Flüchtlingen im allgemeinen nicht sehr gut. Sie sind sehr enttäuscht. Die Fürsorge- Einrichtungen sind äußerst mangelhaft. Die Organisation ist derart ausgebaut, daß ein Flüchtling von morgens früh bis spät in den Nach- mittag hinein andauernd auf den Beinen sein muß, bis er für sein Mittagessen und sein Nachtquartier gesorgt hat. Die Nachtquartiere sind meist außerhalb der Städte in zweifelhaften Gasthäusern. Die meisten Flüchtlinge halten sich in München auf. Für eine Ersatz-Leibwäsche wird nicht gesorgt. Die Unterstützung mit Geldmitteln ist sehr unzureichend. Viele Flüchtlinge besitzen nicht einmal soviel Geld, daß sie ihren Angehörigen Nachricht geben können.— Um die Betreuung der Flüchtlinge zu ver- billigen, wurde außerhalb der Stadt München ein söge- nannte?„Heim der Oesterreicher" geschaffen. Es ist eine Kaserne, wo die Flüchtlinge in engen Räumen zusammen- gepfercht dahinvegetieren. Das Leben ist überaus ein- tönig. Der Tag beginnt mit militärischen Uebungen, an denen sich ausnahmslos alle Insassen des Heimes zu beteiligen haben. Schreiber dieses Berichtes hatte Ge- legenheit, mit zahlreichen Flüchtlingen Rücksprache zu nehmen. Es wurde ihm erklärt, daß ein Aufenthalt in österreichischen Gefängnissen ebenso angenehm sei, denn Freiheit haben diese Flüchtlinge ebenfalls keine. Zum allermindesten haben sie bei eventuellem Ausgang späte- stens abends 7 Uhr wieder im Heim zu sein. Die Reise- dokumente sind allen abgenommen worden, damit sie keine Fluchtversuche machen können. Es sind Fälle be- kannt, wo Flüchtlinge aus geringfügigen Ursachen ver- prügelt wurden. Die österreichischen Flüchtlinge sind im „dritten Reich" macht- und rechtlos. Beschwerdeführung ist vollkommen aussichtslos und kann das Los nur noch verschlechtern. Wer sich den Anordnungen der Landes- ceitung nicht fügt, wird schonungslos nach Oesterreich zurückbefördert. Wer gute Beziehungen zu den Führern hat, der wird mit genügend Geldmitteln ausgestattet und kann ein behagliches Leben führen.— Um die Ausgaben, die die Flüchtlingsfürsorge verursacht, einzuschränken, wurde beschlossen, sämtliche Flüchtlinge, die weniger als 4 Monate Kerker für politische Vergehen in Oesterreich abzubüßen haben, schonungslos an die Grenze zu schubieren: das ist nationalsozialistisch gehandelt. Als neueste Schöpfung, die dem Erobern Oesterreichs dienen sollte, wurde der„Kampfbund der Deutsch- Österreicher im Reich" ins Leben gerufen. Dieser Bund vriel ans Südflrol Einer unserer ständigen Mitarbeiter erhält aus absolut verläßlicher Quelle folgenden StiminungSbericht aus dem deutschen Teil Südtirols: Im Lause des letzten halben Jahres ist hierzulande ein Stimmungsumschwung zu ver- zeichnen: bis zu diesem Zeitpunkt sah es durchaus so ans, als hätten sich breite Teile der Bevölkerung mit der Ab- tretung ihres Landes an Italien abgefunden. Nun aber, da ja auch die italienisch-faschistische Presse Deutschlands Politik zum größten Teil billigend behandelt, beginnen die Menschen aus ihrer politischen Lethargie zu erwachen: sie erwarten— den Anschluß Südttrols ans Reich. In Bozen sBolzanos kursierte durch Wochen folgendes seltsame Gerücht: aus einer Geheimkonferenz Italiens mit der kleinen Entente sei die Austeilung Oesterreichs beschlossen worden: das Burgenland werde an Ungarn gegeben werden, Kärnten und Steiermark werde an Jugoslawien fallen, Wien und Nieberösterreich sollen die Tschcchoslowakcn bekommen und— daS ist für die deutschen Südttroler das Interessanteste— Nord- und S ll d t i r o l werde mit Salzburg und Oberösterreich vereint an Bayern fallen. Das unsinnige Gerücht fand überall Glauben, und als ich in Trient zu tun hatte, konnte ich mich überzeugen, daß selbst in dieser Jtaliauissima-Stadt Süd- tirols das Gerücht in Umlauf war. Von Hitlers Verzicht aus„seine" Südtiroler weiß niemand etwas, ebensowenig wie von den wirklichen Vorgängen im Reich. Da die italienische Presse getreulich alle Arbeitsschlachtmeldung.cn bringt, glauben alle Leute, es gehe wirtschaftlich in Deutsch- land besser als in Südtirol. dessen Fremdenverkehr, dessen Obst- und Weinhandel schlecht steht. Die italienische Berwal- tung erweist sich zudem als überaus kostspielig. Die meisten Gemeinden leben im Konkurs: sie müssen den Podesta (Bürgermeisters und seinen Apparat zahlen, ebenso wie die nieist italienischen Lehrer. So fühlen sich Bauern und Klein- bürge? von einer Bande fremder Schmarotzer ausgesaugt und erbosten die Hilfe vom 3. Reich, von dem sie ja ständig in der faschistischen Presse Gutes lesen. So gibts denn bereits in Bozen und Meran geheime Ansätze zu einer Nazi- bewegung: Bald da, bald dort werden Hakenkreuzsahnen entrollt, um von der faschistischen Miliz wieder eingeholt zu werden. Diese Dinge sind symptomatisch zu werten, wenn auch gewiß nicht zu überschätzen. Von unterrichteten Per- ionen höre ich, daß die Grenze, namentlich im Raum nördlich von Meran. stark militärisch besetzt ist: Gerüchte erzählen sogar von neuen Befestigungen, die nur einen Sinn gegen Hitler-Deutschland haben könnten. Naziliteratur läuft reich- lich hier um: die wenigen Exemplare der„Deutschen Frei- hcit", der„Freien Presse", des Prager„Vorwärts", die ich erhalten konnte, haben viele Leser gefunden. Es wäre sehr wichtig. Material über Hitlers Reich, wie es wirklich ist, zu erhalten. In Südttral wird der Duee die Geister, die Hitler gerufen hat, nicht la leicht las Werden. hat vor kurzem im„Völkischen Beobachter", dem be- kannten Katechismus der Nationalsozialisten, einen Aus- ruf erlassen, in dem den Deutschösterreichern zur Pflicht gemacht wird, für die Flüchtlinge wenigstens vier Liebes- gabenpakete herzugeben. Das einzelne Paket mutz ent- halten(so heißt es in dem Aufruf): eine Garnitur warme Winterwüsche oder einzelne Wäschestücke, eine Dauer- wurst oder eine haltbare Fleischkonserve, ein Päckchen haltbares Konfekt oder Zwieback und eine 25 Stück enthaltende Zigarettenschachtel.— Dieser öffentliche Bettel beweist, wie es um die Flüchtlinge bestellt ist. Die österreichischen Führer des Nationalsozialismus, die sich ziemlich vollzählig in Deutschland aufhalten, haben den Kampf um Oesterreich aufgegeben. Nachdem sie mit ihrer bodenlos unfähigen Diplomatie seinerzeit das Ver- bot der politischen Betätigung der NSDAP, herauf- beschworen hatten, organisierten sie von Deutschland aus die Bildung der sogenannten„O e st e r r e i ch i s ch c n L e g i o n". Von jugendlicher Abenteuerlust und politi- schein Fanatismus beseelt, verließen Tausende von öfter- reichischen SA.-, SS.-Männern und Parteigenossen auf verschiedenen Schleichwegen ihre österreichische Heimat und traten in die österreichische Legion ein. Dieses braune Parteiheer hat seinen Sitz in Klosterlechfeld bei Augsburg, wo gegen 8000 Mann kaserniert sind. Unter Führung von reichsdeutschen Offizieren und Reichswehrangehörigen werden die Legionäre nach allen Regeln militärischen Drills geschliffen und in der Handhabung sämtlicher Waffen ausgebildet. Ein reichsdeutscher Offizier erklärte vor kurzem, daß die„Legionäre" fast besser als seine Soldaten seien.— Da sich das Einmarschieren in Oester- reich immer mehr hinauszögerte, bemächtigte sich der Legionäre eine gewisse Unzufriedenheit: sie begannen zu revolutionieren, bekamen dafür schwere Korrektions- strafen. Die Rädelsführer wurden in die Konzentrations- lager gesteckt. Vor einigen Monaten wurden 3000 Legionäre von Klosterlechfeld nach Grafenwörth bei Weiden in der Oberpfalz abtransportiert. Grafenwörth ist der größte Truppenübungsplatz der deutschen Reichs- wehr. Da das Klima in Klosterlechfeld unerträglich ist, die Unterkunftsmöglichkeiten für eine Ueberwinterung der Legion zudem völlig unzureichend waren, sah man sich zu dieser Maßnahme gezwungen. Hunderte von den Legionären sind krank und wurden deshalb ausgeschieden. Man"'uberließ sie ohne die geringsten Barmittel dem Schicksal. Es blieb ihnen freigestellt, irgendwö hinzureisen. Anfangs waren die Legionäre fanatisch begeistert, da ihnen die schönsten Hoffnungen gemacht wurden, daß sie in Bälde wieder in ihrer Heimat sein können, wo sie für ihre Dienste, die sie um die Befreiung Oesterreichs geleistet, als bevorzugte Anwärter bei Besetzung von Staatsposten seien. Es bleibt alles bei den leren Versprechungen. Zu Dutzenden haben sich Flüchtlinge, die wegen politischer Vergehen aus Oestereich weggingen, in der Legion ihren Dienst taten und von dort ausgeschieden wurden, wieder nach Oesterreich zurückbegeben. Saliho statt Eradf Die Kellner werden demokratisiert Die Zentralvcrwaltung des Reichscinhcitsvcrbanbes des Gaststüttcngewerbes hat der Einführung des E i n h e i t s- Kellneranzugcs zugestimmt, der spätestens am 1. Oktober nächsten Jahres allgemein eingeführt sein und auch den Kellncrfrack ablösen wird. Es handelt sich um einen Sakko, dessen Aussehen, wie von zuständiger Seite drin- gend gefordert wird, nicht durch Anbringen von farbigen Kragen, Goldschnüren oder ähnlichem beeinträchtigt werden soll. Eine schmale Tuchbinde mit Aufschrift, am linken Aermel zu tragen, werde zur Kenntlichmachung des Bc- dienungspcrsonals genügen. Ans tooo macht 10000! Wie die Nazis schwindeln Die Leuna-Werke haben kürzlich mitgeteilt, daß sie ihre Benzin-Produktion durch Hydrierung von Braun- kohle steigern wollen. Dadurch würden mehr als 1000(eintausend) Arbeitskräfte mehr beschäftigt. Die Naziprcsse macht aus 10 0 0 flugs 10000(zehntausend». Selbstverständlich lachen darüber nicht nur die Arbeiter und Ange- stellten im Leuna-Werk, sondern alle Menschen, die wissen, daß im Leuna-Werk seit Jahr und Tag überhaupt nicht mehr als zehntausend Menschen beschäftigt werden. Der aller' größte Teil ist mit der Produktion von Stickstoff beschäftigt. Wollte man bei der Hydrierung von Benzin 10 000 Menschen neu beschäftigen, so müßten die gegenwärtigen Anlagen mit einem Schlage um ein Vielfaches erweitert werden. Noch stärker als in den meisten chemischen Prozessen ist nämlich bei der Hydrierung von Kohle zu Benzin die menschliche Ar- beitskraft weitgehend durch die Tätigkeit von Apparaten er- setzt. Wilhelm hehre zurlhh! Wenn es nichts kostet Nachdem das preußische Staatsministerium am 10. Juni 103.! beschlossen hat, daß die seit 1020 aus den Amtsräumcn entfernten.Kaiserbilder und monarchischen Hoheitszeichen wieder angebracht werden können, hat nunmehr der p r c u- ßische Wirtschaftsmini st er die gleiche Anordnung auch für seinen Amtsbereich getroffen. Wie das vdz.-Büro meldet, können etwa noch vorhandene Bilder. Büsten usw. wieder angebracht oder aufgestellt werden, soweit Koste» dadurch nicht entstehen. Das groDe Zeltungssterben Mehr als die'Hälfte aller deutschen Tageszeitungen eingegangen— Dreiviertel aller Redakteure abgebaut— Dem geistigen Tod folgt der wirtschaftliche— aber die Korruption blüht! «aarbrücken. 29. Dezember 1938. Xaä gleichgeschaltete deutsche Institut für Zeitungskunde >iat ein paar sehr lehrreiche Zahlen über das Pressewesen des „dritten Reiches" veröfscntlicht. Danach erscheinen von den ehemals 2799 reichsdeutschen Tageszeitungen heute noch 1299. -t-ie Zahl der reichsdeutschen Redakteure ist von 19 299 aus ->399 zurückgegangen. Der Berliner„Lokal-Anzeiger", das Blatt Hilgenbergs, hat die Hälfte, die Berliner„Morgenpost" Zweidrittel, die„Grüne Post" Dreiviertel und das„Ber- liner Tageblatt" sogar Neunzehnte! öer Leser eingebüsit. Millionen deutscher Volksgenossen lesen leine gleichgeschaltete Zeitung. Der Rückgang im ZeitunnSnaivi-"-"••••>» die in den letzten neun Monaten der Hitlerregierung erfolg- ten Zeltungsbankrotle vervollständigen o a a jouu u, s ZeitungSverfallS im„dritten Reich"— das übrigens von ähnlichen Erscheinungen aus den übrigen Gebieten nationalsozialistischer„Kulturpolitik begleitet wird. Ter Nationalsozialismus hat mit Vehemenz und im «turmschritt eine uniformierende Organisation der ganzen öffentlichen Meinung aufgezogen, bei deren radikalem Zugriff sich ein B e r l u st an g e i st i g e r Substanz ergeben muhte, der nicht wieder auszuholen ist. Man kann den Nationalsozialisten nicht den Vorwurf machen, der die Weimarer Republik mit Recht trifft: Das? sie die Be- deutung des Besitzes bzw. der Kontrolle der Institutionen, die die öffentliche Meinung und den a 11 g e- meinen Willen des Volkes formen, nicht erkannt hätten. Aber ihre Geistseindlichkeit. die den Revolver ent- sichert, wen» sie das Wort Kultur hört, hat die keinen In- strumente zerstört, als die neuen Barbaren darauf zu spielen versuchten obgleich sie diese«cite ihrer Glcichschaltcrei Tél. Trinité 43-13 Méiro P i g a 11 e Deutsche PoliRlîniR Allgemeine Konsultationen mit 9 Spezialisten. Innere Medizin, Augen», Ohren», Nasen» und Kehlkopikrank netten. Röntgen. Diathermie. 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In diesen Korruptionsskandal der dreisten, plumpen, ge- wissen losen und schmutzigen Geschäftemacher hat die neue Beiordnung nur ichmach hineingeleuchtet— aber doch aus- reichend, um den Blick aus jenen Sumpf zu lenken, der unter der Diktatur des„dritten Reiches" im hitlerdeutschen Pressewesen zum Himmel stinkt, und um erneut darzutun, daß hier mit Phrasen,«chlagworten und großen Verspre- chungen eine der skandalösesten Betrügereien der Weltgeschichte unternommen worden ist. Sie sprachen davon, daß fie den Geist durch„Blut und Boden" ersetzen wollten, aber gemeint war nur in diesem ivie in allen anderen Fällen das eklige profitgierige Geschäft hemmungsloser Beutelschneider. M. B. Aelteste Deutsche Klinik 52, R. de Bondv. Perls ret. Bot. 29-69 Harn» Blut« und Haut« krankheiten. Frauenleiden Ultra«Violette Strahlen, Serotherapie Diathermie. Höhensonne etc Or. 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Wie sehr er gescheitert ist, zeigt die lüngst ergan- gene Verordnung des ReichSpresseivarts, des Herrn Verlags àirekiors A m m a n n, die sich ichari gegen die„eingetretenen Mißstände auk dem Gebiet der Presse" wendet. Sie ist ein Notschrei gegenüber dem großen Friedhof von bereits mehr als 1.399 Presseleichen, gegenüber dem Wirtschaitselend im Zeitungsgewerbe und— gegenüber der umso kräftiger blühenden nationalsozialistischen Korrup- t i 0 n i m Geschäft mit b e d r it ck t e w Papier! Herr Ammann spricht mit Herrn Göbbels von der„gleich mäßigen Langweiligkeit" der reichsdeutschen Preste, von der Postenjägerei der Pgs.. die bewährte Journalisten durch gesinnungstüchlige Nazioten ersetzt, und verbietet bis aus weiteres gegenüber z» der einem stinkenden Sump» an gewachsenen Korruption die nationalsozialistischen, rein aui Betrug itnd Beutelschneiderei ausgebauten Neugründungen von Zeitungen und Zeitschriften, die nn März dieses zsahreS noch nicht existiert haben, und obendrein die nationaffozia- listische Zeitungswerbung durch nationalsozialistische Orga- nisationen, die ihre Mitglieder zum Zivangsabonne- ment bestimmter Presteerzeugniste verpflichten. Zugleich ergebt der Hilferuf an bewährte Journalisten, sich zur Ab- ivendung der gleichgeschalteten Pressepleite zur Verfügung zu stellen. Aber das Problem liegt tiefer: Seitdem s elbst K r iv Klein von der„Deutschen Allgemeinen Z e t t u n g" Abschied nehmen mußte hat die deutsche Presse ihren letzten Publizisten ut i t eigenem Gesicht verloren— aber K on- junkturhascherei, Gesinnungslumperei, Charakterlosigkeit u n d Schmocktum seiern unter Verzicht aus alle Grundsätze, aus Ehr- l i ch k e i t. M u t und Kritik, unter a b g r u n d- tiefster Heuchelei und hemmungsloser Luge Orgien! Millionen deuN'cher Volksgenossen haben seg lichen Glauben und seden Geichmack an der ihnen täglic servierten Göbbels-Kost verloren- und Tänschungsmanöve des bedenkenlosen Herrn Göbbels zur Einfangung de» Arbeiterschaft, so der Versuch, die früher kominunistische „Welt an» Abend"»vieder erscheinen zu lasten, sind in einem großen Mifteriolg elend geendet: Herr Göbbels batte den Horizont des deutschen Arbeiters nach der Dummheit de> eigenen Nackiiänier allzutie» eingeschätzt! Da infolge der il n i s o v m i e r n n g d e s d»Halts die nicht nur die Freiheit der Kritik, sondern auch die Frei heit in der Anordnung der Nachrichten beseitigt hat, eii großer Teil deö deutschen Volkes keine Zeitung mehr liest haben die sturen Nazibonzen zu ihrem primitiven Milte gegriffen, mit dem sie bis aus den heutigen Tag einzig unk allein alle Probleme der Wirklichkeit zu lösen versuchten den Tesror haben steh niefit nur al? bedenkenlo' und tuû:'i i cmachci unter der Devise der Gleis schaltung auf alle populären und geschäftlich gut fundierte' Berlage gestürzt, sondern haben dieses Geschäft auch durch kommandierte Abnehmer zu retten versucht. Mar „Westdeutsche Zeitung" Zusammenlegung aus Not Krefeld, 28. Dez. Die niederrheinischcn Tageszeitungen .Generalanzeiger für den Niederrhein". Kreield,„Kreieider Zeitung", Krefeld,„Niederrheinisches Cche".„Linksrheinische Rundichau des Kreises Moers".„Viersener Zeitung" in Viersen und„Wacht am Rhein" in Dülken, Süchteln und Geldern haben sich unter dem Titel„Weitdeutsche Zeitung" zu einer großen Tageszeitung vereinigt mit dem Verlagsort Krefeld. Die Zeitung erscheint in vier Ausgaben, die textlich aui die Verbreitungöbezirke der verschiedenen vereinigten Zeitungen abgestellt sind. Cine Aendcrung in der Verlags- leitung und in den Schristleiterrestorts tritt nicht ein. Nein Nutz gehl vor dein Nutz! à» der guten alten Zeit der Monarchie, in der das Volk nur dazu da ivar. den Monarchen ein angenehines Leben zu ermöglichen, standen den Monarchen selbstverständlich auch alle Cinrichtungen des Staates unentgeltlich zur Ver ftigung. Die Republik hat diese Vorrechte abgeschafft. Im „dritten Reich" aber werden sie»vieder eingeführt. Zunächst hat der Verwaltungsrat der Rcichspost beschlosten, daß für i^ernsprechanschüsse, Gespräche und Tele- gramme des Reichspräsidenten und des Reichs- k a n z l e r s von jetzt ab keine Gebühren mehr erhoben »verde». In kurzer Zeit wird man einen Veschluß au» völlige Portofreiheit folgen lasten. Dann bleibt nur noch übrig, daß auch dem Reichspräsidenten und dein Reichs- kanzler das lästige Steuerzahlen durch völlige Steuerfreiheit abgenoinmen wird. Der Anfang dazu ist ja bei Herrn Hindcnburg schon gemacht worden! An- und Verkauf zentraleuropA'achei unci sildamertkam scher Devisen EHekten uns REICHSMARK lurch dee Bankhaus Georges Perles ft P. Michel 34 RUE LAFFITTE PARIS IX ICIE'ON T A> T 8 O U 1 98-40 BIS 46 BRIEFKASTEN Mar P.. Paris. Gerne geben wir Ihre Anekdote an»njere Leser weiter. Also: Ein bekannter Porträtmaler erhielt von«Höring den Auftrag, den Allmächtigen Preußens im vollen Schmuck seiner Uni- sonn zu malen. Zehn Tage lang saß«Höring dem Künstler, nur mühselig seine Ungeduld bcmcisternd. Als das Bild scrtig war, fuhr der Porträtierte den Maler an:„Das soll ich sein?«eine Spur von Ähnlichkeit! Ich nehme das Bild nicht ob," Ter eingeschüchterte Maler verbeugte sich und sagte:„Ich nehme das Bild gerne zurück. Dars ich Herr» Ministerpräsidenten um eine Bescheinigung bitten, daß Tic nicht der von mir Porträtierte sind?" Zornbcbend setzte sich«Höring an seinen düsteren Schreibtisch in der Nähe dcS funkeln- de» Nichtichwerts:„3ch bescheinige hiermit, daß usw... Wenige Wochen später hing das Bild in einer Berliner Kunstausstellung mit der ttnterschrist:„Ter RcichSiagSbrandftifier." Aber nicht lange. Es war plötzlich verschwunden. An der Stelle des Bildes hing ein Zettel:„Berkanfi. Bezahlt." Jürges, Sic schreiben unS:„Ich schreibe Ihnen, obwohl ich nicht weiß, ob diese Karte Sie jemals erreicht. Aber ich muß Ihrem Briefkasten ein Erlebnis vom Weihnachtsabend weitergeben. Ick stellte am 27>. einen Augenblick meinen.Radio-Apparat auf den für mich zuständigen Westdeutschen Rlindsnnk ein. Nur ein paar Sätze, herausgcrilscii aus irgendeiner Hörfolge, waren mir vergönnt. Da schrie ein Schauspieler mit einer grellen und peitschenden Stiinme aus meinem Lautsprecher: „Da haben die Mütter von ihren Tränen gclasjcn. Und lernten zu segnen unser Hassen." Ich habe gleich wieder ausgeschaltet. Diese Haßprcdigt am Weih» nachtsabend, hier gerichtet gegen den„inneren" Feind, war für mich viel lehrreicher als alle Schriften und Reden des National- sozialismuS. Ich schreibe Ihnen dies anläßlich eines Weihnachts- besuchs a»S Belgien, erfreut darüber, dem Regiment der hcigenden Mütter für ein paar kurze Tage entronnen zu sein."— Diese Karte ehrt Tie. Tie werden sich freilich nicht im Zweifel darüber sein dürfen, daß solche Töne genau der Sinnesart unserer braune» s>itlerike» entsprechen. Tic hören seelenruhig einen derartige» Spruch und sollen hinterher die Hände zur stillen und heiligen Nacht. Grete R.,?el-Aviw. Sie ivünschen von uns die Angabe von Büchern, die das Ragcnproblcm in jüngster Zeit von der mensch- lichen Seite her behandeln und sich zu«Heschcnkcn eignen. Eine solche Empfehlung lst eigentlich nicht unsere Sache. Dort gibt es Buchhändler, die Ihnen in kürzester Zelt das Erwünschte beschossen können. Auf«Hrnnd unserer eigenen Lektüre nennen wir Ihne» zivei Bücher, die die Tragödie des Juden mit überragender geistiger «HeftaUungSkraft bezeugen. Das erste kommt aus den deutschen Be- zirkcn:„Die Geschwister Appenheim" von L i o u Feuchlwanger, da» im regsamen Querido-Berlag in Amster- dam erschienen ist. Das zweite, ebenso wichtige ist„Die Mag- noltenstraßc" von Louis«Holding lBcrlag„Europäischer Merkur", Paris»— ein Buch, das das Nebeneinander von Juden Achtung, Eltern! Mein lugendhetm. bedeut vergröbert, befindet sich jetzt in MARNES.LA COQUETTE, 3" Grande Rae 20 Minuten ttahn'ahrt vom Bahnhol St Lazare. Faris Telefon Garche« Nr. 629. Grolle Villa mil riesigem Park, fliehendes Wasser in ledern Zimmer. Zentralheizung usw Überleitung in die kränz Schulen Gymnastik. Sport FRAU DR. BERG « und Ebristen in einer Straße einer englischen Stadt mit UN- vcrglcichlichcr Lebendigkeit schildert. In beiden Büchern schwebt der Leser in srnen Reichen zwischen Mitleid und Furcht, die ihn ab- kits von allen persönlichen Erlebnigen erfüllen und begnadigen. In jüngster Zeit ist in einem Wiener Verlag noch ei» Buch von Liln Körbcr erschienen:„Eine Jüdin erlebt Deutschland", Wir kennen es freilich noch nicht. Ehnr, Die Nachricht bestätigt sich leider. Der jüdische Schauspieler Siegfried Aron, vom Theater und vom Film her als Siegfried Arno weithin bekannt, ist vor kurzem, ohne viel Aufbeben» davon z» machen und Abschiedsbriefe zu schreiben, freiwillig aus dem Leben geschieden. Warum? Das ist hier nicht die forage. Seine stark »isgeprägte semitische Nase, die bis in den Jebruar d, I, hinein unzähligen, von Raßen-Regcntigemcnts»nbeschwertern Ariern »bändige» Vergnügen gemacht hat. durste fortan nirgendwo mebr ichtbar werden. Die angestachelte Meute der Teutonen hätte das fallen jeden Vorhangs erzwungen und jede Ailmleinwaiid zerstört, wenn ihr Besitzer leibhastig oder im Bilde weiter gewagt hätte, seine munteren Künste zu zeigen. Allgemein geächtet und ausgestoßen von 'einet ihm bis dahin brüderlich verbundenen Kollegcnschask, Hai der schöne Sigismund" aus der Berliner Aufführung des Weißen Riss!" im«Hroßcn Schauspielhause mit seinem selbst in Varls weithin gelungenen Schlager:„Was kann der Sigismund afiir, daß er so icbön ist?"— die Schönheit und die Würde dieser Pelt in aller Stille preisgegeben. Er folgte dem kleinen Siegfried sicrisch, dem ebenso seriösen wie eleganten Mar Landa. dem alcnticrten Cperettcnrcgisseur Kcul Reiher. Wir sind gewiß, daß Siegfried Arno wiederum ein Vorgänger von andern Selbst- mörbcrn sein wird. Denn die in ein System gebrachte Aechtung hat ktzt Krast der Satzungen der Reichstheakr» und der Reichsftlm- «immer überhaupt erst richtig begonnen. Jrüt den«Hesamtinhall verantwortlich: Johann Pitz in Dud- eiler: für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken, Rotationsdruck und Verlag: Verlag»er Bolksftimme GmbH., Saarbrücken». Schützcnftraße» i