Sinzigs unabhängige Tageszeitung Veutichiauds Nummer 1— 2. Jahrgang[Saarbrücken, Dienstag Mittwoch, 2. 3. Jan. 1934| Chefredakteur: M.Braun Ans dem Inhalt QimLtcaffs Schicksal Seite 2, Saatkampf 1934 Seite 2 Auf. dem(Kund, Seite 4 Auch die HtQtaßeitecH Seite 5 Und Oestecceich? Seite 7 Simon bei Mussolini Bse Besprechungen in Rem- Französische Note in Berlin- Nur geringe Aussichten auf Verständigung Lon don, 2. ftan. Wie Reuter ans Rom meldet, wird Sir John Simon heute abend in der italienischen Hauptstadt ein- tressen, und am Mittwoch dürste er mit Mussolini zusammen- tressen. Er beabsichtige, am Freitag die Heimreise anzutreten. In Rom zeige sich die Neigung, so Heisst eo in der Meldung weiter» dem Besuch keine übertriebene Wichtigkeit beizu- messen. Dieses Zusammentressen mit Mussolini werde vor allem der Klärung der beiderseitigen Auslassungen über die Stockung der Abrüstungsverhandlungen und wahrscheinlich auch übex den Völkerbund dienen, Gerüchte über das Be- vorstehen einer Bicrmächtekonscrenz seien haltlos. „Grelfftare Vorsddäge" wenig Hoffnung Rom, 2. Jan. Die italienische Presse übt, wie während des mehrtägigen Ausenthaltes von Sir John Simon aus Eapri Zurückhaltung in der Beurteilung der Gespräche, die morgen zwischen Simon und Mussolini beginnen sollen. Man unter- streicht stark den informatorischen Charakter des englischen Besuches. Sowohl Italien wie England komme eine gewisse Vermittlerrolle zu, und man könne damit rechnen, dag die Unterhaltung der beide» Staatsmänner einige Klärung bringen werde. Wie aber die entschiedene Forderung Jta- liens ans baldige Reform des Völkerbundes mit der ebenso entschieden ablehnenden Haltung Frankreichs in Einklang gebracht werden soll, ivird nirgends angedeutet. Die über- raschend schnelle Ueberreichung der französischen Note in Berlin führt man vielfach daraus zurück, dag Paris von de» Gesprächen zwischen Simon und Mussolini eine Störung seiner diplomatischen Aktion in Berlin befürchtete und daher eine vollzogene Tatsache schaffen wolle. Von einem Optimis- mus über die Ergebnisse der Unterhaltungen in Rom und das Schicksal der Abrüstungskonferenz ist jedenfalls kaum etwas zu spüren. rrancois-Poncet eilig Frankreichs feste Haltung »erlin, 2. Jan. Die Reichsrcgierung hatte damit gerech- net. daß der französische Botichaster Francois- Poncet erst am 5. oder«. Januar die ihm von Paul-Boncour über- «ebenen schriftlichen Instruktionen überreichen werde. Daß er schon slir den l Januar nach den Neujahrsscierlichkeiten »m einen Empfang nachsuchte, entsprach einer Anweisung, die ihm von Paris gegeben worden ist und für die Reichs- regier«»« überraschend kam Das von Francois-Poncet über- «ebene Aide Memoire legt die Haltung Frankreichs in der Abrllstungssrage genau fest und lästt keinen Zweisel darüber, dast Frankreich»ur gewillt ist, im Rahmen von Gens und sachlich dor> wo a«r 11. Oktober durch den Austritt Deutsch- lands die Beratungen abgebrochen worden sind, die Vcr- Handlungen wieder auszunehmen. Zur Vorgesdildife Tn'iln'jelsar?.?"''. 1" Der diplomalUche Mitorbeiler des druck dast-in A^t.^"ngt heute die Auffassung zu.» Aus- SmmLri«? des für den 21. d. M. vorgesehenen f s( î t îîr s!,V i A.f Abruft,,ngsbürvs wahrscheinlich sei, es Berlin oder bei der Zusammenkunft des erreicht werde 15, in Genf ein wesentlicher Fortschritt Zu einer französische,, Information, dast die britische Re- gierung am«-amstag den Quai d'Orsan gebeten habe, die Ueberreichung der Denkschrift in Berlin um einige Tage zu verzögern und da« dieses Ersuche» abgelehnt worden sei, be- Merkt der Mitarbeiter: Der Grund der Anregung war, dast scr brauche Bot.chaster in Berlin Gelegenheit erhallen sollte, x àipi'echungen mit der deutschen Regierung den Weg fur deniranzösi sehen Schritt zu ebnen und es zu- gleich sir John«tknon zu ermöglichen, mit Mussolini den wesentlichen Inhalt des Schriftstücks z» besprechen, bevor es m Berlin überreicht werde. Die ablehnende Haltung des vuai d'Orsan ist wahrscheinlich solgendermasten begründet: Tie französische Regierung hatte vorige Woche erwogen, daS Dokument vor seiner Absendung nach Berlin Grostbritan- Uten, Italien, Belgien und den osteuropäischen Verbündeten Frankreichs zur Zustimmung zu unterbreiten. Dieser Ge- danke fand aber in London und Rom keine Billigung, da möglicherweise Berlin darin ein Zeichen für das Vorhanden- lein einer englisch-französisch-italienischen Einheitsfront ge- gen Deutschland hätte erblicken können. Oie französische Presse Paris, 2. Jan. Räch der Ueberreichung der französischen Antivvrtnote in Berlin verhält sich die Pariser Presse noch stark zurückhaltend. Von den grossen Informationsblättern nimmt nur der„P c t i t Parisien" Stellung und setzt sich niit der Aufnahme auseinander, die die französischen Vor- schlage, soweit sie bisher bekannt sind, in der deutschen Oesfentlichkeit gefunden haben. Die Reichsregierung, so betont das Blatt, werde bei der Feststellung ihrer endgültigen Hallung davon Abstand neh- men müssen, die Angelegenheit mit der Erklärung abzutun, Frankreich verfolge lediglich ein taktisches Manöver. Die französische Regierung habe greifbare Vor- schlüge, die einen von der bisherigen deutschen A u s s a s s u n g abweichenden Grund- s a tz aufrechterhalten. Frankreich sei im Gegensatz zu Deutschland der Ansicht, dast die Abrüstungsbestrebungen nicht zum Scheitern verurteilt feie... Es halte eine'Rückkehr zur Vorkriegspolttik des„bewaffneten Friedens" für gefähr- lich, weil sie zum Kriege führen müsse. Deutschland sei der Ansicht, dast man niemanden mehr auffordern solle, abzu- rüsten, sondern die Rü'tungsglcichheit nach oben herstellen solle, während Frankre.ch sie nach unten wünsche. Da d>e «ranzösische Note den befreundeten Negierungen zur Kenn.- nisnahme übermittelt worden fei,.verde die endgültige Hal- tung der ReickSregieruna wesentlich durch die Berichte be- einilustt werden, die ihr von ihren diplomatische» Vertretern über die Ausnahme der Denkschrift zugingen. Die verschie- denen Grostmächte hätten nunmehr die Pflicht, ihr Teil per Verantwortung z» übernehmen. Deutschland stehe nicht vor einer gemeinsamen Front, die ihr eine Lösung'us.w'Ngc» .volle, sondern befinde sich inmitten von internationalen Verhandlungen. Die Reichsregieruug habe nunmehr Gelegen- heit, ihre Ausrichtigkeit zu beweisen, indem sie an der Auf« stellung neuer europäischer Militärsatzungen mitarbeite. Wenn sie sich weigere, so übernehme sie damit allein die Verantwortung für die Rückkehr zum bewaffneten Frieden. Das„O e« v r e" greift das Gerttöst aus, wonach die so plötzlich erfolgte Ueberreichung der Rote auf einen ge- wissen Druck verschiedener M ä ch t e z u r ü ck z u- führen sei, die noch in letzter Stunde hätten Abändcrun- gen anbringen wollen. Wenn dies zutreffe, so betont das Blatt, so habe die französische Regierung sehr richtig gehan- dclt. Ebenso wenig wie Frankreich einer Politik zustimmen dürfe, die den kleinen Mächten durch die Grostmächte diktiert sei. ebenso wenig könne es zugeben, dast man ihm seine eigene Politik vorschreibe. „Figaro" unterstreicht, dast die französische Regierung keine negative Haltung einnehme, sondern in ihrer Rote einer gewissen Erhöhung der beuU-ben Streitkräfte zustimme, während Frankreich bereit sei, in gewissem Rahmen abzu- rüsten. Es sei verfrüht, sich schon jetzt über die Ausnahme zu äussern, die die Denkschrift in amtlichen deutschen Kreis«u finde» werde. E s sei aber wahrscheinlich, dast auf die R e i ch s r e g i c r u n g von Rom und London a u s D r u ck a» s g e ü b t m e r d e, d a m i t s i e i h r e F v r- d e r»» g e n herunterschraube. Hitler werde sich auf alle Fälle Zeit zur Neberlegung lassen und erst daS Ergebnis der Unterredung zwischen dem englischen Außenminister Sir John Simon und Mussolini abwarten. Der sozialistische„Populaire" fordert die sofortige Ver- öffentlich»»« der Denkschrift. Man dürfe keine Geheimdiplo- inatie betreiben, sondern die Oeffentlichkeit wolle wissen, wie der Wille des Volkes befolgt und durchgeführt werde. Wie das„Echo de Paris" behauptet, hatte die britische Regierung den Wunsch ausgesprochen, die Ueberreichung deS Memorandums um einige Tage zu verzögern, um dem b r i- tische». Botschafter in Berlin noch die M ö g- l i ch k e i t z u l a s s e n, m i t H i. l e r w e i t e r zu ver- handeln. Diese Weiterverhandlung sollte die Hindernisse wegräumen, die nach Ansicht des britischen Botschafters die Fortführung deS deutsch-französischen Meinungsaustanschs stören könnten. Die französische Regierung habe aber eine derartige Verzögerung nicht für opportun gehalten. Einer- setts könnte die Meinung der Regierung und des Parlamentes nicht m e h r geändert wer- den und andererseits sei die französische These in so mastvoller und höflicher Form ausgedrückt worden, daß niemand sich b e l e i- '.igt fühlen könnte. Der„Jour" will im Zusammenhang mit der Ueber etchung der französischen Rote in Berlin erfahren haben, dast die Unterredung zwischen dem französischen Botschafter einerseits und dem Führer und dem Reichsanstenminister v. Neurath andererseits in Deutschland einen ungünstige» Ein- druck hinterlassen habe. ver KaltniDolstiiewis! A. Lunatscharski. der zwölf Jahre lang als Volks- Kommissar für Unterricht der Sowjetregierung angehört hat, ist auf fremdem Boden, wo er Heilung seiner Krank- heit gesucht hat, gestorben. Mit seinem Rainen ist die gewaltige Kulturelle Umwälzung verknüpft, die Rußland seit der Revolution von 1917 durchgemacht hat— eine Kulturumwälzung, die mit der Philisterphrase vom „Kulturbolschewismus" nicht abzutun ist. Jede große Revolution ist von der Gefahr der Bilder- stürmerei bedroht— der blindwütigen Zerstörung alter Kulturgüter aus dem Glauben, daß alles Alte vernichtet werden müsse, damit die Revolution eine neue Kultur schaffen könne. Die große russische Revolution ist von dieser Gefahr so wenig verschont geblieben wie die große englische Revolution des siebzehnten, die große franzö- fische des achtzehnten Jahrhunderts. Der Mann aber, der sich dieser Gefahr vom ersten Tage an entgegengeworfcn hat, war Lunatscharski. Er hat einmal in einer Abhand- lung über Dostojeivskij geschrieben, daß die Revolution mit all den großen Dichtern des alten, des zarischen Rußland auch den Dichter der gegenreoolutionären„Dämonen" zwinge, ihren Pfad zu segnen. Selbst Kulturhistoriker und Dichter, hat er es als seine erste Aufgabe begriffen, die überlieferten Kulturwerte durch die soziale Revolution hindurchzuretten und sie, deren Genuß vordem ein Privileg Weniger gewesen war, dem ganzen Volke als sein Erbe zu vermitteln. In der Zeit des Bürgerkrieges war er es. der die großen Kunstschätze Rußlands vor der Zer- störung gerettet, große Dichter und Gelehrte in der Zeit der Hungersnot vor dem Hungertod bewahrt hat. Und was er gerettet hatte, das wurde wirklich zum Erbe des Volkes. Er hat die Kunstschätze aus den kaiserlichen Sammlungen und aus den Schlössern der Aristokraten in neugeordneten Museen vereinigt und es verstanden, das Interesse der Arbeiter, selbst der Bauern für seine Samm- lungen zu wecken: nirgends in der Welt sind die Schätze der Museen so volkstümlich geworden wie in Rußland. Er hat die russischen Theater- und Konzertsäle den Arbeitern geöffnet: nirgends in der Welt sind Theater- und Konzertsäle so von Arbeitern und Arbeiterfrauen gefüllt wie in Moskau, in Leningrad, in Charkow. Das italienische Dopa Lavoro und seine Nachahmung, die jetzt in Deutschland versucht wird, sind armselige Kopien seines großen Versuches, dem Arbeiter am Feierabend die höch- sten Kunstschütze zu erschließen. Aber wenn er Altüberliefertes dem neuen Rußland ge- rettet und den Massen zugeeignet hat, so lag seine eigent- liche Leistung doch in der schöpferischen Arbeit an neuem Kulturgut. In Rußland galt es zuerst, den Analphabetis- mus zu liquidieren. Das erforderte nicht nur die Ein- führung der allgemeinen Schulpflicht, die das zarische Ruß- land nicht gekannt hatte: an sich schon eine Leistung von unermeßlicher Schwere, da es vorerst galt. Tausende neuer Schulgebäude zu bauen. Zehntausende junger Lehrer heranzubilden. Aber damit nicht genug, stürzte er sich in den Kampf gegen den Analphabetismus der Erwachsenen. Es ist einer kunstvollen Propaganda gelungen, nicht nur in jede Fabrik, sondern auch, was ungleich schwieriger war, in jedes Dorf die Ueberzeugung zu bringen, daß es jetzt, in dem neuen Rußland, unerlaubte Schande sei, nicht lesen und schreiben zu können, und dank dieser Propaganda Millionen Männer und Frauen, jüngere und ältere, am Feierabend in die Volksbildungskurse zu führen, die ihnen die elementarste Bildung vermittelten. In keinem Lande der Welt ist jemals der Mastenanalphabetismus in so wenigen Iahren überwunden worden, wie in dem revo- lutionären Rußland. Und über dieses Gebäude der Elementarbildung wurde nun ein ganz neues System des mittleren und höheren Bildungswesens aufgebaut. Das Reue daran ist vor allem, daß das alte Bildungsprivileg der besitzenden Klassen völlig zerbrochen worden ist, der Nachwuchs an Mittelschülern und Studenten zu mehr als neun Zehnteln aus Arbeiter- und Bauernsöhnen rekrutiert wurde. Kein Zweifel, dieses ganze neue System des russischen Schulwesens hat seine empfindlichen Mängel. Man hat im revolutionären Sturn; allzu kühne Sinzigs unabhängige Tageszeîiung VeuischSands Nummer 1— 2. Jahrgang[Saarbrücken, Dienstag Mittwoch, 2. 3. Jan. 1934 1-, Chefredakteur: M.Braun Aus dem Inhalt ßimitcoffs Schicksal Seite 2, Saatkampf 1934 Seite 2 Auf. demc französische Note den befreundeten Regierungen zur Kennt- niSnahme übermittelt worden fei, iverde die endgültige Hal- tung der Reicksregicruna wesentlich durch die Berichte beeinflußt werden, die ihr von ihren diplomatischen Vertretern über die Aufnahme der Denkschrift zugingen. Die verschie- denen Großmächte Hütten nunmehr die Pflicht, ihr Teil ver Verantwortung zu übernehmen. Deutschland stehe nicht vor einer gemeinsamen Front, die ihr eine Lösung-ufjw'nge» ivolle, sondern befinde sich inmitten von internationalen Verhandlungen. Die Reichsregierung habe nunmehr Gelegen- heit, ihre Ausrichtigkeit zu beweisen, indem sie an der Auf- stellung neuer europäischer Militärsatzungen mitarbeite. Wenn sie sich iveigere, so übernehme sie damit allein die Verantwortung für die Rückkehr zum beivaffneten Frieden. Das„O e u v r e" greift das Berückst auf, wonach die so plötzlich erfolgte Ueberreichung der Rote auf einen g c- wissen Druck verschiedener Mächte» u r ii ck z u- führen sei, die noch in letzter Stunde hätten Abändcrun- gen anbringen wollen. Wenn dies zutreffe, so betont das Blatt, so habe die französische Regierung sehr richtig gehan- dclt. Ebenso wenig wie Frankreich einer Politik zustimmen dürfe, die den kleinen Mächten durch die Großmächte diktiert sei, ebenso wenig könne es zugeben, daß man ihm seine eigene Politik vorschreibe. „Figaro" unterstreicht, daß die französische Regierung keine negative Haltung einnehme, sondern in ihrer Rote einer gewissen Erhöhung der de tischen Streitkräfte zustimme, während Frankreich bereit sei, in aeivissem Rahmen abzu- rüsten. Es sei verfrüht, sich schon jetzt über die Ausnahme zu äußern, die die Denkschrift in amtlichen deutschen Kreisui finden iverde. E s sei aber wahrscheinlich, daß auf die R e i ch s r e g i c r u n g von Rom und London ver Kaltnrbolstiiewist A. Lunatscharski. der zwölf Jahre lang als Volks- Kommissar für Unterricht der Sowjetregierung angehört hat, ist auf fremdem Boden, wo er Heilung seiner Krank- heit gesucht hat, gestorben. Mit seinem Namen ist die gewaltige Kulturelle Umwälzung verknüpft, die Rußland seit der Revolution von 1917 durchgemacht hat— eine Kulturumwälzung, die mit der Philisterphrase vom „Kulturbolschewismus" nicht abzutun ist. Jede große Revolution ist von der Gefahr der Bilder- stürmerei bedroht— der blindwütigen Zerstörung alter Kulturgüter aus dem Glauben, daß alles Alte vernichtet werden müsse, damit die Revolution eine neue Kultur schaffen könne. Die große russische Revolution ist von dieser Gefahr so wenig verschont geblieben wie die große englische Revolution des siebzehnten, die große franzö- fische des achtzehnten Jahrhunderts. Der Mann aber, der sich dieser Gefahr vom ersten Tage an entgegengcworfcn hat, war Lunatscharski. Er hat einmal in einer Abhand- lung über Dostojewskis geschrieben, daß die Revolution mit all den großen Dichtern des alten, des zarischen Rußland auch den Dichter der gcgenrevolutionären„Dämonen" zwinge, ihren Pfad zu segnen. Selbst Kulturhistoriker und Dichter, hat er es als seine erste Aufgabe begriffen, die überlieferten Kulturwerte durch die soziale Revolution hindurchzuretlen und sie, deren Genuß vordem ein Privileg Weniger gewesen war, dem ganzen Volke als sein Erbe zu vermitteln. In der Zeit des Bürgerkrieges war er es. der die großen Kunslschätze Rußlands vor der Zer- störung gerettet, große Dichter und Gelehrte in der Zeit der Hungersnot vor dem Hungertod bewahrt hat. Und was er gerettet hatte, das wurde wirklich zum Erbe des Volkes. Er hat die Kunstschätze aus den kaiserlichen Sammlungen und aus den Schlössern der Aristokraten in neugeordneten Museen vereinigt und es verstanden, das Interesse der Arbeiter, selbst der Bauern für seine Samm- lungen zu wecken! nirgends in der Welt sind die Schätze der Museen so volkstümlich geworden wie in Rußland. Er hat die russischen Theater- und Konzertsäle den Arbeitern geöffnet: nirgends in der Welt sind Theater- und Konzertsäle so von Arbeitern und Arbeiterfrauen gefüllt wie in Moskau, in Leningrad, in Charkow. Das italienische Dopa Lavoro und seine Nachahmung, die jetzt in Deutschland versucht wird, sind armselige Kopien seines großen Versuches, dem Arbeiter am Feierabend die höch- sten Kunstschütze zu erschließen. Aber wenn er Altüberliefertes dem neuen Rußland ge- rettet und den Massen zugeeignet hat, so lag seine eigent- liche Leistung doch in der schöpferischen Arbeit an neuem pädagogisch-didaktische Neuerungen versucht, von denen manche wieder rückgängig gemacht werden muhten; aber das Prinzip der Arbeitsschule, der fruchtbaren Verknüpfung geistiger und manueller Arbeit ist dort vollkommener durchgeführt als sonst in aller Welt. Man hat insbesondere seit der Inangriffnahme des ersten Fünfjahresplanes die Dauer der Ausbildungszeit von Ingenieuren und Chemikern, Landwirtschaftsfachmännern, Aerzten und Lehrern überaus verkürzt, um den drängenden Bedarf nach qualifizierten„Spezialisten" befriedigen zu können, und hat darum die theoretische Ausbildung zugunsten des praktisch unmittelbar Anwendbaren, die allgemeine Bil- dung zugunsten des Spezialwissens allzusehr zurückgedrängt— Mängel, die sich auch in der Praxis sehr fühl- bar machen und, wenn das Entwicklungstempo erst weniger fieberhaft sein wird, zu berichtigen sein werden. Aber alles in allem, ist es doch eine gewaltige Leistung, die der Sowjetrepublik in erstaunlich kurzer Zeit eine neue, aus den Volksmassen hervorgegangene Intelligenz heran- gebildet hat. Zugleich ist aber unter LunatfcharfKis Führung das ganze Schulwesen der Sowjetunion auch national difseren- ziert worden. Lenins Nationalitätenpolitik hatte ja mit der alten Russifizierungspolitik des Zarismus völlig ge- krochen, jedem der hundert Völker der Sowjetunion freie Entwicklung seines Schulwesens und seiner Kultur in ihrer Volkssprache verbürgt. Da galt es nun, nicht nur für Ukrainer und Weihrussen, für Deutsche und Tataren, für Geogier und Armenier, für unzählige kleinere Volks- stämme nationale Schulen zu errichten, Lehrer in der Volkssprache heranzubilden. Da galt es vielmehr, ganzen Völkern ein Alphabet, das sie noch nicht gehabt, Anfänge einer nationalen Kultur erst zu schaffen. Auf der Grund- läge des lateinischen Alphabets, nicht des russischen, sind für Dutzende Völker die ersten Schulbücher geschrieben und gedruckt, die ersten Zeitungen geschaffen, die ersten literarischen Werke in Druck gelegt worden. Und mit diesem gewaltigen.Aufbau des Volksbildungs- wesens verknüpfte Lunatscharfki seine Sorge um die Eni- Wicklung der wissenschaftlichen Forschung, der er in Akademien und Instituten neue wichtige Stätten schuf, und, was ihm noch mehr am Herzen lag. um die Kunst. Hier freilich waren die Hemmungen, die aus der Diktatur hervorgingen, am gröhten. Denn Wissenschaft und Kunst gedeihen nur in Freiheit. Und es liegt im Wesen jeder Diktatur, ihre Freiheit zu beschränken. Da hat auch Lunatscharfki zeitweise gesündigt. So hat er anfangs hypermoderne Kunstrichtungen protegiert und beinahe monopolisiert, die dem übersättigten Geschmack von Literaten, nicht dem Geschmack aufsteigender Volksmassen entsprachen. Aber er war allzusehr Kulturmensch, um jene Exzesse, die von andern begangen worden sind, zu be- günstigen. Gegen die Versuche, den Philosophen der russischen Universitäten eine förmliche Staatsphilosophie vorzuschreiben und von oben her Aenderungen der zu lehrenden Philosophie zu dekretieren, sobald die Macht- Haber um der Agrarpolitik willen Bucharin verstoßen hatten und deswegen mit einmal auch seine Philosophie für ketzerisch erklärten, gegen den Rückfall in scholastische Methoden, die experimentell zu entscheidende Fragen der Naturwissenschaft mit der Berufung auf Engels-Zitate aus den achtziger Iahren entscheiden zu können glaubten, gegen ein Banausentum. das den Dichtern die geistige Förderung des Fünfjahresplanes vorschrieb und die Be- schäftigung mit allen andern Menschheitsproblemen als Kleinbürgern verfemte— gegen all das hat sich sein Kulturgewissen gewehrt. Das war es zum Teil, was ihn zeitweilig mit der stählernen Diktatur Stalins, die das geistige Leben ebenso beherrschen zu können glaubte, wie Industrieaufbau und Getreideaufbringung, in Konflikt brachte. Der demokratische Sozialismus ist für die Gebrechen und Gefahren der russischen Kulturentwicklung nicht blind. Wir. deren Ziel, um mit Marx zu reden, die Verwand- lung jeder Gesellschaft in einen„Verein freier Menschen" ist, wissen sehr wohl, wie gefährlich es ist, das Geistige, das Weltanschauliche, das die Sphäre der Freiheit des einzel- neu bleiben mutz, in die Fesseln einer Diktatur zu pressen. Aber will sich der Bürger in Mitteleuropa über all das in der russischen Kulturumwälzung, was durch die Diktatur bestimmt ist, in einer Zeit entrüsten, in der von Hamburg und Kiel bis Neapel und Palermo alles Geistige, alles Weltanschauliche in die Fesseln faschistischer Diktaturen geschlagen ist? Ach ja. wir kennen alle die Verirrungen einer Kulturentwicklung, die in der Fieberhitze einer revolutionären Diktatur rückständige Analphabetenvolkec in wenigen Iahren zu europäischer Technik und europäi- scher Bildung zu führen versucht; aber ist es nicht doch etwas Gewaltiges, daß dort die ganze Jugend eines Landes mit hundertsechzig Millionen Einwohnern mit unerhörtem Lerneifer, unerhörtem Heißhunger nach der Wissenschaft, höchstem Respekt vor der Wissenschaft erfüllt worden ist in einer Zeit, in der man die Jugend des „Volkes der Dichter und Denker" lehrt,„Vernunft und Wissenschaft" zu mitzachten und nur dem Instinkt, dem Blut, dem Mythos zu vertrauen?„Kulturbolschewismus"? Ach ja, aber was hat die kulturmüde kapitalistische Welt der Nachkriegszeit der Liquidierung des Analphabetentums binnen wenigen Iahren, der Oessnung der mittleren und hohen Schulen für die Söhne der Arbeiter und Bauern, der Theater-, Konzertsäle und Museen für das Volk, der Schaffung junger nationaler Kulturen fur Dutzende bisher geschichtsloser Völker entgegenzusetzen? (Wiener„Arbeiter-Zeitung' j Kaiser der Mandschurei? Ein Anwärter auf den Drachenthron Paris. 2. Jan. Nach einer Meldung der„Chikagocr Tri- büne" aus Dairen wird der frühere Kaiser von China und jetzige Präsident der Mandschurei Pu-Ar am 1. Marz zum Kaiser der Mandschurei gekrönt werden. Pu-Ai. der mt 27. Lebensjahre steht, soll, der gleichen Meldung zufolge, seine Herrschaft über Nordchina ausdehnen und, wenn möglich, den Drachenthron von Peking besteigen. Er war im Alter von drei Jahren, im Jahre 190«. Kaiser von China gewor- den mutzte aber 1911 abdanken. 1927 wieder auf den Thron erhoben, trat er neun Tage später zurück. Seit 1992 ,» der KaUer Präsident der Mandschurei. Die Regle rung soll die Einzelheiten der Krönung geheimhalten und die Presse ange- iviesen haben, jede Anspielung aus die Wiederherstellung der Monarchie zu unterlassen. lim Vlmllrvlk SdiKksal Die vier rrelgesprodienen in Lehensgeiahr— Internationale Befrelnngsah iion— zweideutige Haltung der deutsdien Behörden Wie wir erfahren, werden die bekannten Persönlichkeiten E n g l a n d s, die in Berlin zu Gunsten Dimitrosfs, Popoffs und Taneffs tätig sind, bei den deutschen zuständigen Stellen erneut vorstellig werden. « Paris, Zt. Dez. sJnpretz.j Der berühmteste französische Schriftsteller Andre Gide und der hervorragendste Romancier der französischen Rachkriegsgeneration. Andre Malranx— Träger des Goncourt-Preises von 1933—, begebe« sich im Flugzeug nach Berlin, nm von der deutschen Regierung die unverzügliche Freilassung der im Reichstagsbrandprozeß Freigesprochenen Dimitross, Torgler, Popoff und Tancss zu fordern. * Die deutschen Behörden weigern sich beharrlich, präzise In- formation«» darüber zu geben, welche Absichten bezüglich der weiteren Behandlung der Freigesprochenen bestehen. * Anläßlich einer Intervention hat der Leipziger Polizei- Präsident L n o s e erklärt, daß er keinerlei Instruktionen sei- tens der vorgesetzten Behörde habe, datz aber seiner Mei- nung nach nickt solche Instruktionen zu erwarten seien, datz die freigesprochenen Bulgaren Dimitross, Popofs und Taness abgeschoben würden. Bielmehr würden sie seiner Meinung nach einer anderen Behörde zur Weiterbehandlung des Fal- les übergeben werde«. In diesen wenig verhüllten Worten kündigt der Leipziger Polizeipräsident neue Maßnahmen gegen die Freigesprochenen an, die befürchten lassen, datz die Hitlerregierung und bc- sonders Göringl— die unschuldigen und freigesprochenen Antifaschisten in ihren Klauen behalten und doch noch er- morden lassen will. Der Münchcncr Berichterstatter beS„Dailn Tele- graph" teilt seinem Blatte mit, datz ihm im München« Braunen Haus folgendes erklärt wurde:„Um Fehlurteile (wie das im Reichstagsbrandprozetzj in Zukunft zu vcrmci- den, hat der Reichsjustizkommissar Frank Schritte eingeleitet, das Justizverfahren zu reorganisieren." Es sei, berichtet der Korrespondent auS seiner Besprechung im Braunen Haus weiter, unmöglich, zu einem„korrekten Urteil" ohne autzergeschliche Hilfe zu kommen. Dem neuen Gericht werde ein Beirat von Nazi-Juristen beigegeben, des- sen Vorsitzender ernannt werbe. Der Beirat habe nicht das Recht, zu intervenieren. Ihm stehe die Aufgabe zn, den Prä- sidenten des Gerichtshofs vor Fällung des Urteils zu„be- raten". Mussolinis Neujahrsgedanken Schicksal des Völkerbundes dnb. Mailand, 2. Jan. Der„Popolo b'Jtalia" veröfsent- licht einen„Das Jahr 1934" überschriebenen Aufsatz Mussv- liniS. 10 Jahre nach dem Weltkriege, so schreibt der italic- ntfche Staatschef, müsse nun endlich die Erbschaft des Krieges liquidiert und das Werk des Aufbaues begonnen werden. Aber die internationale Lage sei dem Aufbau nicht günstig. Der Völkerbund st ehe auf dem Spiele. Ent- iveder werde er reformiert, oder er gehe un- ter. Italien wolle eine ständige Zusammenarbeit der Grotz- mächte, damit auch eine friedliche Entwicklung der kleineren Staaten garantiert sei. Denn diese mühten nicht die Ein- tracht, sondern die Zwietracht unter den Großmächten sürch- ten. Zur AbrüstnngSfrage schreibt Mussolini, bah die Anstren- gungen der Abrüstungskonferenz bisher vergeblich gewesen seien. Europa und die ganze übrige Welt müßten von vorn an- fangen, wenn sie zu bestimmten Ergebnissen kommen wollten. Solle der Völkerbund wirksam werden, dann müßten zwischen den Ländern mit widerstreitenden Interessen Ab- kommen geschlossen werden. Bringe das Jahr 1934 diese Ab- kommen nicht, so werde man höchstwahrscheinlich zu dem alten Softem des Gleichgewichts unter den Mächten zurückkehren. Schon bildeten sich heute Allianzen für den Fall, datz der Völkerbund eingehe. Englischer Protest Schacht schädigt Deutschlands Interessen Berlin, 2. Januar. Nachdem die englische Regierung in den letzten Wochen schon zweimal wegen der betrügerischen Finanzpolitik der Reichsbank zum Schaden der britischen Gläubiger Einspruch erhoben hatte, ist der britische Botschaf- ter nun noch einmal, und zwar sehr energisch, bei der Reichs- regierung vorstellig geworden. Er hat angekündigt, datz die britische Regierung Vcrgeltungsmatzuahmeu finanzieller und wirtschaftlicher Natur erwäge. lakob Wassermann Auf seiner Besitzung in Alt-Auflee in Steiermark ist am Samstag Jakob Wassermann an einem Herzschlag plötzlich gestorben Mit diesem Manne starb mehr als ein deutscher Dichter und ein deutscher Jude. Seine großen Romane, immer mit Spannung erwartet, in gewaltigen Auflagen gelesen, bargen daS geistige Erlebnis einer Epoche. Im Zauber der Ver- gangenheit und in den gesellschaftlichen Tatsachen von heute, die Wassermann mit unvergleichlicher seelischer Einsüh- lungskraft gestaltete, lebten die Humanitären Ideale, die bis zur Schwelle bei„dritten Reiches" ein Wesensinhalt dcut- scher Bildung waren. Durch die Biclsalt ihrer Figuren und durch die Summe ihrer Erlebnisse zeugen seine Bücher für den deutschen Geist noch in dem Augenblick, wo sie auf dem Scheiterhaufen verbrennen oder kraft des arischen Index aus allen öffentlichen Bibliotheken entfernt werde». » Schon im März hat Wassermann, der aus Franken stammte, seine deutsche Heimat verlassen. Er hat die Tragik der Emigration stärker erlebt, als andere deutsche Schrist- steller jüdischer Abkunft. Aus seinen Büchern ivar zu er- 'ennen, wie stark dieser Dichter von der Verantwortlichkeit :rgrisfen wurde, die ihm vom deutschen Kulturbesitz auferlegt worden war. Er war Deutscher im Geist und im Wissen um deutsche Geschichtlichkeit, aber aus der Schwelle des Alters wurde er belehrt, daß es die Güte und Versöhn- lichkeit im menschlichen Lebenskreise nicht gab, au die er Wohin? „Times" schreibt über die Frage, in welche Lander Dimi- troff, Popoff und Taness etwaigensalls abgeschoben werden könnten:„Die polnische Regierung wird wahrscheinlich ote Durchreise nach Rußland gestatten. Es ist ebenfalls möglich, daß Frankreich die Einreise erlaubt." * Die tschechische Regierung hat erklärt, datz sie weder Dimk- troff, noch Popoff und Taness das Betreten tschechoslowaki- schen Gebietes gestatten würbe. « Neuqork, 1. Januar. Die Civil Liberties Union hat in einem Telegramm an den Reichsminister Frick die sofortige Freilassung von Dimitross, Poposf und Taness sowie Garan- tien für die Sicherheit ihres Lebens bis zum Verlassen Deutschlands über eine Grenze nach ihrer Wahl verlangt. Mutter und Braut Keine Antwort! Die Mutter Dimitrosfs und die Braut Taneffs haben das Reichsinnenministcrium telegrafisch gebeten, den Tag der Freilassung der drei Bulgaren bekanntzugeben. Eine Ant- wort erhielten die beiden Frauen bisher nicht. Wie lange noch? Van der Lübbe fragt Leipzig, 81. Dez.(Jnpreß.j Van der Lübbe, in der Zelle des PolizeigefängnisseS in Leipzig, spricht nur mit seinem Wärter. Ein Stück Weihnachtskuchen, das ihm der Wärter brachte, weigerte er sich anzunehmen mit der Bemerkung: „W ie lange soll das noch dauern?" Der Wärter informierte ihn über die Schritte der holländischen Regie- rung, die zu seinen Gunsten unternommen worden sind. « In regierungsösfiziösen Kreisen ist die Ansicht geäußert worden, es sei nicht ausgeschlossen, daß ein neuer Prozeß ge- gen die Vulgaren angestrengt werde. Hitler selbst soll ent- scheiden, was gegen die Freigesprochenen unternommen wer- den soll. unverrückt glaubte. Er starb als ein tief Enttäuschter, zn- letzt gänzlich Schweigender, trauernd um die Schöpfung seines Lebens und die Vernichtung der Ideen, denen seine unermüdlich fleißige und zugleich schwere Feder diente. » Vor wenigen Wochen starb der um fünf Jahre ältere Stefan George. Es gibt keinen größeren Gegensatz als den zwischen diesen beiden Toten. Stefan George fühlte sich auf seinem erhabenen Throne im Reiche der dichterischen Ver- zauberung weitab vom Getriebe der bunten und verworre- nen Wirklichkeit. Jakob Wassermann entnahm gerade i h r seine Probleme und Gestalten, besessen von Rechtsgeftthlen und vom Glauben an die Menschen. Menschenwürde und Rechtsibee: diese Inbegriffe deutscher Humanität haben mit diesem Dichter und Romanschreiber sehr viel verloren. Sie atmeten in jeder Zeile, die er schrieb; sie bleiben lebendig und fördernd, auch an seiner Bahre. Jenes Deutschland, das wir zu lieben nicht aufhören, trauert um Jakob Wassermann. a. h. » Jakob Wassermanns bekanntesten Romane:„Die Juden von Zirnbors",„Das Gänsemännchen",„Christian Wahn- schaffe".„Der Fall Mauritius",„Etzel Andergast",„Christof Columbus". Kl»» Mewestn Am Sonntag brach in einem Lichtspieltheater von Bitte- j n i f in Frankreich während einer Kindervorstellung in der Kabine des Operateurs Feuer aus. Die 290 Kinder im Saal versuchten, von Panik ergriffen, die Ausgänge zu ge- winnen. Der Brand konnte mühelos gelöscht werden. Bei dem Gedränge wurden drei Kinder schwer verletzt. Bon der sowjetamtlichen Telegrasen-Agentnr werden nun» uiehr die Grundzüge des zweiten Fünfjahres- planes veröffentlicht. Der Jagdpächter Josef Grabnitzer und sein Bruder Anton Gradnitzer aus Sogritz in Oesterreich werden seit Samstag in der Kluidneralp vermißt. Eine RettungSexpedition Ist am Renjahrstag abgegangen. Man nimmt an, daß die beiden Vermißten durch eine Lawine tödlich verunglückt sind. In der Nähe von Lublin in Polen gerieten drei betrnn- kene Musikanten unter einen fahrenden Zug. Zwei von ihnen wurden getötet, der dritte erlitt schwere Verletzungen. „Havas" meldet aus Bukarest, gestern abend sei das Gerücht verbreitet gewesen, daß derrnmänischeAußen- minister Titulesen zurückgetreten sei. Bon ,n- ständiger Seite war weder eine Bestätigung noch ein Dementi zu erlangen. Im Zusammenhang mit der Nerhängung des Be- lagerungsznstandes in Rumänien ist ein allge- meines Massen- und Unisormverbvt erlassen worden. GroBe Uehersdiwernrnnngen 175 Todesopfer Schätzungsweise haben etwa 178 Personen bei den Ueberschwemmungen in Kalifornien und bei Nenjahröseieru den Tod gefunden. dnb. Los Angeles, 2. Jan. Ungewöhnlich starke Regensälle haben mehrere Ortschaften in Kalifornien von jeglichem Berkehr abgeschnitten. Eisenbahnlinien, Straßen und elel- trische Kabel wurden durch die Fluten zerrissen und zerstört. Nach bisher auS den Bezirken Montrose und Laereseenta vorliegenden Meldungen beträgt die Zahl der Toten und Vermißten bort 39. Hunderte sind obdachlos. Viele Personen find verletzt worden. Saarkampf 19341 Das entscheidende Jahr im Vöikerbundsgeblet besinnt- Vertrauenskiindgebuns für den Führer der deutschen Freiheitsfront Nax Braun- Richtlinien deutscher und europaischer Politik- Saarländische Wirtschaftsfragen n»d in f. Ehe noch baS denkwürdige Jahr 1988 zu Ende ging, trafen sich die Delegierten der Sozialdemokratischen Landespartei des Saargebietes am Sonntag zu Saarbrücken zu einer Konferenz. Es fehlte kaum einer der treuen Funktionäre der Partei. Obwohl es nicht in ihrer Absicht lag. wurde die Konferenz zu einer bedeutsamen politischen Kundgebung an- gesichts der Kämpfe und der Entscheidungen des kommenden Jahres. l'errer und kein Ende Ehe noch die Verhandlungen begannen, teilte der Vor- sitzende M axB r a un mit. dasi der Sekretär des Verbandes der Bergbau- und Industriearbeiter Paul Hoffmann, St. Wendel, am 2 7. Dezember in B i rke n s eld verhaftet worden sei. Er wollte hier einige wirt- schaftliche Angelegenheiten der Verbandsmitglieder erledigen. Wie der ihn vernehmende Assessor selber zugab, lag nicht das geringste Material gegen ihn vor. Der Verdacht, dab Hoff- mann Marxist und ein Gegner des„dritten Reichs"' sei, genügte vollkommen, um den aus dem Saargebict stammen- den und ansässigen Freund ins Gefängnis zu bringen. Mit heller Empörung nahmen die Delegierten Kenntnis von diesem neuen Beweis des braunen Terrors. Ein Protest ge en die Verhaftung ist bereits der Regicrungskommission zugeleitet worden.' Die braune Schlammflut Die dreisten Behauptungen de? deutschen Rund- funks gegen Max Braun, die von einem Teil der deutschen Presse mit grober Aufmachung wiedergegeben worden sind, waren dann Gegenstand einer längeren Aussprache. Max Braun selber bekräftigte noch einmal seine bereits vcröffcnt- lichte Erklärung, dab die Behauptung, er habe 470 000 Fr., die für die.Volksstimme" bestimmt gewesen seien, in die eigene Tasche gesteckt, eine niederträchtige Verleumdung sei. sie gebe uns einen Vorgeschmack, welchen Schmutz unsere Gegner für die kommenden Kämpfe bereithielten. Es liege Methode darin: von der Acchtung und Veriemung zum Attentat und dann zur Behauptung, man habe sich persönlich bereichert, führe eine Linie. Auch eine geringere Summe als die genannte, wie in verschiedenen deutschen Zeitungen be- hauotet wird, komme selbstverständlich nicht in Frage. Welche Geiühlc die Rundsunkangrifse gegen Mar Braun ausgelöst haben, bewies eine längere, sehr leiden- schaftlich geführte Debatte. Jeder der Redner er- klärte, dab man sich nur mit Ekel und Abscheu von der- artigem Schmutz abwenden könne. Solche Lügenmeldungen würden nur dazu führen, dab sick die Reihen der Freiheits- front enger als bisher schliche» würden. Der Geschäftsführer Klopfer erklärte, bah die Behauptungen des deutschen Rundfunks und der Hitler-Presie unwahr und glatt erfunden sind und dah sowohl die Berichte über die Gesellschastersitznng vom 11.<2. wie die von den Pariser Kreisen haltlose Erfindungen seien. Einmütig wurde folgen- der Entschließung zugestimmt: »Die Konserenz der Sozialdemokratischen Landespartei des Saorgebietes hat mit grober Entrüstung Stellung genommen zn den niederträchtigen Tisfamiernngsversnchen des hitleramtliche« Rundfunks und der Hitlcrpreffe gegen den Vorsitzenden der Partei Max Braun. Der Kongreß weift die Ver- leumdungen in heller Empörung zurück und spricht Max Braun sein uneingeschränktes Vertrauen und seinen Dank für die bisher geleistete vorbildliche und opferreiche Arbeit a n S. Im übrigen aber geht er über die schmutzigen Anwürfe gegen seinen Führer zur Tages- ordnung über." Die Delegierten nahmen dann unter gespanntester Aus- mcrksamkeit ein Referat vom Genoffen Georg Stein über die weltpolitische Situation unter besonderer Berück- sichtigung der Saarprobleme entgegen. Es ist schwer, mit einigen Sätzen eine Anschauung von der Weite des Gesichts- selves zu geben, womit sich die Ausführungen Steins hoch erhoben über den Begriff und den Inhalt eines bloßen Referats. Denn Stein zeigte die Problematik des Bersailler Vertrags unter dem Gesichtspunkt, daß all die Staaten, die er dauernd oder vorübergehend geschaffen habe, durch ihn keine Garantien für ihre bisherigen wirtschaftlichen Ver- bindungen und Verflechtungen erhalten hätten. Stein machte nun deutlich, daß hier auch für das Saar- gebiet eine entscheidende Frage entstehe, die bisher viel zu wenig erörtert worden fei. Unzweifelhaft fühlten sich die Bewohner als Deutsche. Sie sind sprachlich und kulturell mit Teutschland verbunden und blieben es. Es könne, so sagt« Stein, auch für das Taargebiet wie für alle Grenzgebiete nur eine Lösung geben: bei Erhaltung ihrer kulturellen Lebensformen gleichzeitig ihre bisherigen wirtschaftlichen Verflechtungen zu sichern und einen Ausgleich zu schassen. Die Statistik erweise, daß durch die beiderseitige Begttnsti- gung, die das Saargebiel erfahre, vergleichsweise die wirt- schastlichc und soziale Situation an der Saar heute nicht unerheblich besser sei als in Deutschland. Ein solcher Ausgleich aber, der zugleich dem europäischen Frieden diene, sei mit dem „dritten Reich" nicht zu schaffen. Sein Verlangen nach Gleichberechtigung in der Abrüstunqsfrage wie dem Willen.zur eigenen Ausrüstung sei nichts anderes als die Verwirklichung des Faustrechts unter den Völkern. Gleich- bcrechtigung habe nur dann einen Sinn, wenn alle M ä ch t e in einer bestimmten Rechtsordnung gleich seien. In bezug auf Deutschland aber sei das nicht der Fall. Unser Kamvf gegen das„dritte Reich" sei keine Franzosenfreundlichkeit, sondern er diene der Erhaltung deS europäischen Friedens und zugleich der Sache der Kultur, der Freiheit, des Sozialismus für das eigene Volk. Lebhafter Beifall dankte Stein für seinen Vortrag. Max Braun über Saarpolitik Ihm folgte Mar Braun mit einem längeren Bericht über die aktuelle politische Lage, die für das Saargebict durch die B ö l k e r b u n d s t a'g u n g am 1 5. Januar gegeben ist. Hier steht die Vorbereitung der Abstimmung und die Neuwahl der Regierungskommission zur Erörterung. Durch seinen Austritt aus dem Völkerbund habe sich Deutschland zum Nachteil seiner selbst an der Saar um jeden Etniluh gebracht. Sehr anschaulich, unter Beibringung vielseitigen Materials, schilderte Max Braun die außerordentlichen Schwierigkeiten, die der loyalen Erfüllung der Bedingungen der Abstimmung gemäß dem Taarstatut entgegenständen. Wie sei eine freie, unabhängige und geheime Abstimmung möglich in einem Lende, in den, der ossci«, der unterirdische und der unsichtbare Terror mit«llin Mitteln des Wirtschaft lichen und sozialen Drucks durch die Nationalsozialisten so herrsche wie hier? Der Vorstand der soziilbemokratischen Landespartei des Saargcbietes habt darübei eine Denk- s ch r i f t versaßt, die in nächster Zeit zur Biröfsentlichung kommen werde. Brauns Mahnung zur Geschlossenheit, Einigkeit, zum Kampfesmut in den bevorstetenden Aus- einandersetzungcn fand stürmischen Wie,erhall. Eine lange Aussprache schloß sich an. Ihr lag eine Eni- ich lie ßung zugrunde, die wir nachstehend im Äortlaut wiedergeben. Einmütig kam der Wille d-r Delegierten zum Ausdruck, stärker als bisher die wirtschaftlichen und sozialen Probleme deS Saargcbietes im Zusammenhang mit der späteren Abstimmung zu untersuchen u,d zur Erörterung zu stellen. Kurz vor 1 Uhr trennten sich die Delcgerten mit einem begeisterten„Freiheit". Wegweisende Entschließung Die Sozialdemokratische Landespartei des Saargcbietes bekennt sich als ein treues Glied der internatiowlen sozial,- stischen Bewegung und als eine Kampsorganisaiion für die Freiheit des deutschen Voltes. Sic steht ans dem am stärksten gefährdeten Vorposten des internationalen Kampfes gegen die faschistische Diktatur und weiß sich mit ihrcn um die Frei- heit ringenden Brüdern im Reich aus da« innnigste verbunden. Unzerreibbar ist die SchicksalSgcmeinIchast der Saar- bevölkcrnng mit dem deutschen Volke. Der Freiheitskemps an der Saar ist mit dem Freiheitskampf im Reihe untren»- bar verknüpft. Der deutsche Boden, aus dem die SLS. ihren Freiheitskampf führt, darf nicht dem nationalstzialistifchcn Terror ausgeliefert werden. Deshalb ist die SLS. fest cnt. schloffen, den nationalsozialistischen Terror unter allen Um- ständen abzuwehren. Sie fordert die gesamte freiheits- liebende Bevölkerung auf, sich der Freiheitsfroot des Saar- gebietes anzuschließen und ihre Tätigkeit zu unterstützen. Sie verlangt zugleich vom Völkerbund die unbedingte Sicherung der freien Willens, bildung deS Saarvolles. Zugleich weist die Sozialdemokratische Partei erneut ans die Notwendigkeit hin. die bisher auch von allen übrigen Bevölkerungskrcifen unterstützt»nrh,, nümlirf, bin, Saargebiet eine Anleihe zur Erleichterung der Wirtschaftskrise zu ermöglichen und im Jntereffc der gesamten öffentlichen und privaten Wirtschaf« des Saargebtetcs, der Kapitalnot durch Sicherung von fremden Kapltaliuvrstierungen unabhängig vom Abstimmungsergebnis zu gewährleisten. Nur so wird es möglich sein, im Jntereffe notleidender Schichten des Saarvolkes wenigstens einen Teil d<-r Wirkungen einzuschränken. Vdlkerbund und riiidillinge Jnpreß. Norman Bentvich, einer der engeren Mitarbeiter des vom Völkerbund eingesetzten Flüchtlingskommissars Macdonald, befindet sich gegenwärtig in Paris, um die Hilfsorganisation für die in Frankreich befindlichen Flücht- linge aus Deutschland kennen zu lernen. Bentvich erklärte, daß es augenblicklich vor allem darauf.ankomme, festzustellen, wie weit einzelne Länder, in denen nur wenige oder gar keine Flüchtlinge leben, bereit seien, einen Teil der zum Beispiel in Frankreich befindlichen aufzunehmen. Mit der P a ß s r a g e, die für viele Flüchtlinge ein Anlaß der Beunruhigung ist, werde sich der Völkerbundskommissar Mae- donald nach seiner im Januar erwarteten Rückkehr aus Amerika befassen. Bentvich besichtigte zwei der Pariser Flüchtlingskasernen, wobei ihm die in St. Maur, über die verschiedentlich Klagen laut geworden sind, leider nicht gezeigt wurde. Dennodi! Dortmund, L Jan. Nach Mitteilung der Justizpresiestelle des Oberlandesgerichtsbczirks Hamm in Tortmund sind in der Zeit von Mitte Oktober bis Mitte Dezember 1083 verurteilt worden: 124 Personen wegen Herstellung. Verbreitung oder Ausbe- Währung marxistischer Flugblätter und Handzettel; Iii Personen wegen Errichtung einer Keheimdruckerei; g Personen wegen Erteilung von Schießunterrichr oder wegen Teilnahme an einem solche« Unterricht; etwa ölt Personen wegen Errichtung eines Wassenlagers, Verstecken von Waffen, Herstellung von Sprengkörpern; 7 Personen wegen Verkaufs von illegalen Beitragsmarken; 8 Personen wegen Bemalen» von Zäunen mit oppositio- nellen Inschriften; 4 Personen wegen Berheimlichung von Eigentum der KPD., um den Fortbestand der KPD. zu sichern: î Personen wegen Teilnahme am„Antifaschistischen Kon- greß" in Paris Ansang Juni 1933; 46 Personen, die sich für das Wiederausleben der RGO. sRevolutionäre Gewerkschasto-Opposttious oder als Funktionäre der KPD. für die Vorbereitung und Herbei- sührung eines kommunistische» Umsturzes betätigt haben; eine Person, die Arbeitskameradc» des freiwilligen Arbeits- dienstes für illegale Arbeit z« gewinnen versucht hat. Hessische Verwaltung ganz arisch Darmstadt. 80. De,. Beamte. Angestellte und Arbeiter im Staatsdienst sowie im Dienst von Gemeinden und Körper- schaften de? öffentlichen RechtS haben nach einem Ausschreiben deS Heffischen TtaatSministers vor der Eheschließung die arische Abstammung deS zukünftigen Ehegatten der vorgesetzten Dienststelle nachzuweisen. Prozcü der zz AihMsAe» Rache gegen die Arbeifer Nachdem der alle« in de» Schatten stellende Reichstags- brandprozeß beendet ist, kann und muß sich endlich das Im leresse der Allgemeinheit dem größten der zur Zeit im laschislischen Deutschland durchgeführten Prozeffe, dem Mai- kowski-Prozcß zuwenden. Ebenso wie der Reichstagsbrand- Prozeß, ebenso soll auch mit diesem Verfahren die Kommu- nistischc Partei als eine Partei von Verbrechern und Unter- menschen bekämpft werden. AlS am 30. Januar Adolf Hitler zum Reichskanzler er- nannt wurde und als der Fackelzug der TA., dem die Nationalsozialisten gern die Bedeutung des Mussolintschcn Marsches aus Rom beilegen möchten, durch das Branden burger Tor und zum Reichspräsidenten-Palais macichiert war. da setzte sich ein Teil dieses Zuges kort durch das Ar- beitervicrtel Ebarlottcnburgs.„In der Wallftraßc wohnten iast nur Kommunisten," stellt der Staatsanwalt fest. Sic zu provozieren, war offensichtlich der einzige Zweck des Durch- zuges durch diese Ttadtgegcnd. Der SA.-Sturm 33 war den Proletariern nur zu gut bekannt. Bewaffneter Ueberfall auf Arbeiter, die nur mit Mühe ihr Leben vor den haßerfüllten gut bewaffneten SA.-Lcuten zu schützen vermochten, geschah fast immer, wo der Sturm 33 austrat. To auch am 30. Januar 1938. Im Augenblick entspann sich ein Handgemenge in der schlecht erleuchteten Wallstraße. Schüffe sielen. Arbeiter wur- den schwer verletzt von ihren Kollegen davongetragen. Nie- mand hat die Schützen versogt. Der Trurmiithrer Maikowski und der Polizeiossizier Zauritz blieben tot aus dem Pflaster. 3 3 Arbeiter ha» die Rache der SA. aus die Anklagebank geschleppt. 13 von ihnen sind minderjährig. Seit dem 16. Oktober wird gegen sie verhandelt. Von einem Gericht, das mit jedem Wort seine Voreingenommen- heit erkennen läßt. Reben jedem der 53 Angeklagten sitzt ein Volkes Stimme... Sondergerichte unterdrücken sie sJnpreß.j Die nationalsozialistische„Rheinsront" oerösfent- licht einen Bericht über die Tagung des Sondergerichts Frankenthal, aus dem wir entnehmen: Der Schreiner Emil Gieß aus LudwigShafen hatte vor dem protestantischen Schwesternhaus geäußert: Hitler haben sie au? dem Völkerbund herausgeworfen und Dimitroff fei der gescheiteste Mensch in Deutschland. Urteil: 8 Monate Gefäng- niS. Frau Anna Zill auS LudwigShafen, 3S Jahre alt, hat zu den Hausbewohnern gesagt: Der Reichstag ist nicht von den SA.-Mann. Sollen sie die Angeklagten überwachen oder das Gericht? Die Angeklagten sind zum Teil aktive Kommu nisten, in der Mehrzahl unbekannte Proletarier, die nur ihre Ablehnung des faschistischen Systems, ihre bekanntlich bis zum 27. Februar— dem Tag des Reiäistagsbrandes— voll kommen legale marxistische Ueberzenguiig aus die Anklage bank gebracht hat. Und dann vor allem Spitzel, P r v v o kateure. Ihre Acußcrnngcn kommen der Regierung so gelegen, daß sie ihrcn Abdruck in jeder einzigen Zeit» eg Deutschlands bis ins kleinste Prooinznest hinein, anordnete So haben die zum Schein mstangcklagten Provokateure Tteindamm und Schnckar ihre Ausgabe erfüllt. Der Staats- anwalt stellt noch vor Beginn der Beweisaufnahme mit Be- fricdigung fest, daß die Angeklagten schon durch ihre gegen- seitige Belastung überführt seien. Die Beweisaufnahme ver läuft ergebnislos. Ter einzige der Angeklagten, der beim Schieben beobachtet wurde, ist— der Provokateur Scbuckar. Trotzdem besteht die höchste Gefahr für alle Angeklagten. Die deutsche Presse hetzt gegen„das rote M or dgcsrndc l, die Bau ditcn" usw. Zeugen, die zur Entlastung der Angeklagten ans- zusagen wagen, werden unter dem Verdacht der Mittäter- schalt verhaftet. Eine wirksame Verteidigung gibt es nickst. Jeden Tag schon kann der Staatsanwalt seine Strafanträgc gegen die Angeklagten stelle». Es gilt, einen Druck u erzeugen, der ebenso wie im Reichstagsbrandprozeß die An- klagcbehörde und das Gericht hindert, den deutlich ausgesprochenen Wünschen der SA. und der deutschen Regierung nachzugeben. Diese 53 Arbeiter, die völlig unschuldig den Rachegelüsten der SA. geopfert werden sollen, verdienen ebenso die allgemeine Anteilnahme und die Einsetzung aller Kräfte zu ihrer Rettung, wie die Angeklagten des Reichs lagsbrand-Prozesses. Kommunisten angezündet worden, sondern das hat Hitler selbst getan. Urteil: 4 Monate Gefängnis. Der Dachdecker Johann Oeck aus Landau hat den Hausbewohnern erklärt: Es ist nicht bewiesen, daß die Kommu- nisten den Reichstag angesteckt haben. Wenn Ausländer das gemacht haben, dann sind sie von Nazis dazu bestochen wor- den. Die Verhandlung wurde zwecks Zeugenladung ver- schoben. Der 71jährige Nachtwächter Kettner auS LudwigShafen hat gesagt, die Abnahme der Arbeitslosigkeit sei nur dadurch möglich gewesen, daß Hitler zwei Drittel in die Konzentrn tionSlager und ein Drittel in Uniform gesteckt hat. Urteil: IW Mark Geldstrafe. Jahreswende? liralte Leaende Die Menschheit sah: ihr altes Jahr War schäbig und war dreckige Tic Menschheit sah: vom Blute war, Bon» Schweiße war eif fleckig. Tie Abbau trifft i>n Jaiuiar, Tic fanden es zu kurz, lind bang Schwor ihr die Arbeitslosenschar, Es sei zu lang! Es sei zu lang! Tic Menschheit sah, dag ihr Geivand Mehr feinem wollte passen. Weshalb sie eZ itir gut befand. Ein neues sich»HH'n zu lassen Tie A acht war talt. Tic Menschheit stand Halb hossnungsgllihend und halb nackt. Es flog des Meislers flinke Hand Im Uhrcntakt, im Uhreirtakc. Tic Uhr schlug zwölf. Ter Meister rief, Zur Erde t-'ef sich blickend: Tas Jahr— ich spreche objektiv— Steht ihnen ganz entzückend.' Tie Menschheit lachte, trank und schlief Und schief die Stacht ganz wunderbar. In ih»cn Trarincn iroh sie lief Im neuen Jasr! Im neuen Jahr!... Tie Menschhnt fühlte sich sehr krank, Al>> Frühfrqt ivach sie rüttelte, sind als sie»o» der Stadtparkbank Ein Mann, der's durfte, knütteltc. Sie sagte ijm gleich frei und irank, Tag sie fem Bettelweib doch sei! Ob er»ich sah': ihr Jahr sei blank Und frisch nnd neu! Ganz frisch und neu! Ter Man' verzog zum Spott den Mund. Tie Me/ichheit aber blickte Aufs neue Jahr. Erhob sich nnd— TaS J«l>r, das neue, drückte! Es dptckte Hals und Schultern wund! Es hng herab, ein Lumpcnschurz! Es nar zu lang oder im Grund Bivleicht zu kurz? Vielleicht zu kurz? E/ trug sich schwer! Ein»rcier Schritt Ju ihm hies; Weh nnd Wimmern! Turch seinen Tiosf von schlechtem Schnitt Sah btoft man Flecke schimmern! Ja, brauner Schimmer Blutes glitt Turch sein Gewebe, dünn und glatt. Es krackte dumps wie Dnnamit Des Jahres Naht, des Jahres Naht... Ein neues Jahr? Nein, daS ivar's nicht. Tie Menschheit war verblendet: Ma/l hatte ihr bei Sternenlicht Ten alten Nock gewendet! Ten alten Nock, dr würgt und sticht, Sic wenden ihn ohne Ende. Tie Menschheit aber sah es nicht. Sic schleicht mit gläübigem Gesicht Zur nächsten Jahreswende. Jura. Wlrfsdiaf f sbclebung? Nur eine irrige Auffassung— sagi Köttgen In der Generalversammlung der Wcstwaggon-AG. zn Köln führte der Vorsitzende Tr. K ö t t g e n s». n. aus: das? iii der Oesfentlichkeit eine irrige Auffassung bestehe über die Hage in der Waggonindnstric. Man sei in der Vesienttlchfett der Ansicht, das? die Wagaonindustrie gröbere Aus t.r ii g e erhalten babe. T a sirefse nicht z u. Die in Vr Hindels- pressc erschienenen Mitteilungen seien lediglich ein Weder- aufgreifen von Bestellungen, die vor längerer Zeit erteilt worden seien. Tie Bestellungen der Deutschen î.e-chSbohn während der letzten Jahren und bis in die neueste Zeit brach- ten nur 20 und 30 Prozent des sogenannten M lnimalproara m m s. das man im ersten Jahre des Bestehens des fünfjährigen Vertrages mit der Deutschen Waggonbanvcreinigung ans l',0 Millionen RM. vernn- schlagie. Auch das sogenannte ireie l^eschak«-nil anderen Abnehmern des In- nnd Auslandes ist mindestens>m glei- che» Maße arlunkeii. Tie Auswirknnaeu a»>?ie einzelnen Waggvnbanbetrlrl.e sind sehr verschieden. Tie Gesellichift habe sich noch einiaermas?en durchaernngen. Aber die Lage sei doch in der Gesainlindnstrie so ernst, dak? eine Verhandlung zwischen lbr und der Reichsbahn un- bedingt notivendtg erscheint, um an? der Nnacw>i?he»t erans- zukommen. Ten» nur, i» e n» nian über die künftigen Aus- träge einigermaßen Gewißbeit bgbc, könne>"°ch auch die von der Negierung gewünschte Privatinitiative durch entsprechende Maßregeln betätigen. Weitere vaiibensdirumplnng Abnahme der Kreditoren Tie Novemberbilanzen der Banken zeigen, baß sich die st rebitoren ivieder etivas stärker vermindert haben. Wäh» rend im Oktober nur noch eine kleine Verminderung um 3 Mill. RM. einnetreten ivar, sind diesmal die Kreditoren bei den G r o ß b a» k e» um rund l4 Mill. RM. gesunken. Dieser ulückaang bleibt allerdings unter den Zahlen von September und August. Infolge von neuen K il II d i g u» a e n n v n R e- g i st e r m a r k g n t h a b e n sind die Knndschaitsk-/ditc bei den Großbanken erneut um 23 Mill. RM. zurückgegangen. Zum Teil dürkte damit nncl, der Rnckgana der konstian K>e- diioreu um rund 3d Mill. NM. zusammenhängen. Beträchtlich sind dagegen die Guthaben der Banken und Sv'"-''* u gestiegen und zwar um etwa 43 Mill. NM. Dafür hat das ßeidt Geld Bremen, 2. Jan. fJnpreß.i An dem Aufkauf des..Nord- wollhanses" in Bremen idem Palast des Herrn Lahusen«, dessen Errichtung 15 Millionen Mark gekostet hatte, nahm die „stürmisch belebte deutsche Industrie" nicht das geringste Interesse. Selbst Rocke?ellerS gigantischer Oelkonzern. d'e „Teutsch-Amerikanische Petroleumaesellschatt", die»ach dem Zusammenbruch Lakuiens einen teil der Räume gemietet hatte, zeigte die kalte Schulter. Nur ein Unternehmen hau? an dem Bau»och Interesse: die Verstcherunasgesellichasi „Allianz" die ihn mit vier Millionen hnvothekarilch beliehen hatte. G-Kauit aber bat da? HauS- nicht die Allianz sondern das deutsche Reich, nnd zwa-' g?»"" îiir icne vier Millionen die notwendig waren,»in die„Allianz" auszuzahlen. WaS das Reick mit dem Palast anfangen will, meist jtt.iifi>r mit der RcichSwirtschastsminister Tr. Schmitt, der G-neraldirek- tor der„Allianz" war, ehe er Reichsminister wurde.. Qu? dem Hund! Zwei Drittel der deutschen Arbeiter und Angestellten unter dem Existenzminimum Monat für Monat begibt sich an den siegreichen Fronten der deutschen Arbeitsschlachl eine betrübliche Erscheinung. Millionen werden angeblich wieder in Arbeit gebracht, aber die L o h n st c u e r bleibt hartnäckig noch unter dem Aufkommen des schon trostlosen Jahres 1932. Zur Erklä- rung dieses Widerspruches kommt nun halbamtlich aus Berlin eine Verlautbarung, die man im Wortlaut ge- motzen mutz: „Tie Lohnsteuer bringt heute nicht mehr ein als vor einem Jahre: wie reimt sich das zusammen mit den großen Erfolgen in der Arbeitsbeschaffung, die die deutsche Sla- tistik meldet? Das ist der Gedankengang, mit dem das Ausland vielfach deutsche Ziffern der Arbeitslosen und Beschäftigren in Ziveiicl zieht. Dieser Gedankengang ist falsch. Er enthält n>cht weniger als drei grund- legende Jehler. Erstens wird bei der Lohnsteuer Unvergleichbares verglichen' Tic Lohnsteuer von heule ist etwas anderes als die Lohnsteuer von früher/ weil die gesetzlichen Be- stimnlllngen sich geändert haben. Zweitens ist das Lohustcueraufkommen überhaupt kein Maßstab für das Lohneinkommen der Bevölkerung und erst recht nicht für die Zahl der Beschäftigten, denn etwa zwei Drittel der deutschen Arbeitnehmer zahlen über- Haupt keine oder keine nennenswerte Lohnsteuer. Drittens ist aus verschiedenen Gründen das Lohn- einkomwcn des Volkes gegenüber dem Borjahr ivenigcr gestiegen als die Zahl der Beschäftigten. Zu 1.: A ende run gen der L o h n st c u c r g c s e tz- g e b n» g. Die gesetzlichen Aenderungen vermindern den Ertrag der Lohnsteuer um mehrere Millionen monatlich. ES sind gegenwärtig 5 bis 0 Millionen. Im letzten Monat, über den eine Statistik vorliegt, nämlich im Oktober 1031. betrug das Lohnstcueranikommen 60,0 Millionen, das sind 4,8 Millionen weniger als im Oktober 1032. Ohne die gesetzlichen Aenderungen wiirde dagegen der Oktober 1033 etwa 06 Millionen erbracht haben, also c t w a 7 At i l- l t o n c n m e h r als mi B o r j a h r. Zu 2.: Soziale Gestaltung d e r? o h n st e n c r. Ties ist der entscheidende Punkt. Tie Lohnsteuer eriaßt nicht alle Arbeitnehmer mit ihrem vollen Einkommen und mit gleichen Prozentsätzen, sondern schont die Minder- bemittelten und auch, allerdings noch ungenügend, die Fa- milien Praktisch fällt fast die Hälfte der Arbeitnehmer bei der Lohnsteuer aus. Etwa ein Drittel zahlen keine oder keine erhebliche Lohnsteuer. Man kann also diese breite Schicht durch Arbeits- befchasinng stark vermehren, ohne daß darum die Lohn- stenereinnahme erheblich steigt. Langer Rede Kurzes Eingeständnis ist: die grotze Mehr- heit der deutschen Arbeitnehmer verdient weniger als das Existenzminimum, das von der Lohnsteuer freigelassen wird. Soweit überhaupt Arbeiter neu eingestellt werden, ge- schieht es zu Hungerlöhnen, wie hier amtlich zugegeben wird.„Im Ausland" wird man die Köpfe schütteln über die Berliner Weisheilssprüche. Altcrsvertellaiul der Erwerbslosen Am meisten Erwerbslose zwisdien 23 und 40 fahren Zusammen mit der Volks-, Betriebs- und BerusSzählung vom IS. In ni 0. I. hat die Rcichsanstalt für Arbettsvcrimtt- lung und Arbeitslosenversicherung eine nmsangreiche Er- Hebung tibcr den Stand der Arbeitslosigkeit an dem ge- nannten Tage veranstaltet. Ter Zweck der Erhebung war, nach einer fast vier Jahre andauernden schwere» WirtzchastS- Friîe einen tieferen E'nblick in die berusliche Gliederung, das Alter nnd zum Teil in die soziale Stellung der Arbeit- nehmerkretsc zu gewinnen de von der Arbeitslosigkeit bc- troffen sind. Das Ergebnis dieser Erhebung liegt jetzt vor, und man kann sagen, daß sie ihren Ziveck erstillt bat. Bor allem bedeutsam ist daS Ergebnis der Feststellung, in welchem Atter sich die Arbeitslose» befinden. Folgerungen aus einer solchen Aufgliederung lassen sich allerdings erst ziehen, wenn man weiß, wie hoch der Anteil der einzelnen Altersklassen an der Gesamtzahl der Arbeitnehmer über- Haupt ist. Bon der Volkszählung vom 10. Juni liegt eine entsprechende Auswertung»och nicht vor. Man muß sich noch begnügen mit dem Ergebnis der BerusSzählung aus dem Jahr>035, das freilich unbedenklich zum Bergle'ch heran- gezogen werden kann, weil wahrscheinlich die Abweichung des Ergebnisses von 1033 nur sehr gering sein kann. Man rechnet damit, daß die Zahl der Arbeitnehmer 1033 gegen- über 1036 um etwa 200 00«> insgesamt niedriger sein wird. Diese 200 000 würden in erster Linie bei den jugendliche» Arbeitnehmern in Abzug zu bringen sein, da infolge des Geburtenrückganges in de» Kricgsiahren 101? bis 1018 der Zugang an jugendlichen Arbetlnchmcrn nach 1026 vachge- lassen ha? Bei einer Gesamtzahl von über 21 Millionen Arbeitnehmern, darunter über 3 Millionen Jugendlichen, spielt aber diese Abweichung keine besondere Rolle. Wir stellen daher die Zahl der Arbeitnehmer nach der Berufs- zählung von 1026 und d'e Arbeitslosen tArbciter und Anae- stellte!! nach der Erhebung vom 10. Juni 1033 neben- einander. Arbeitslose Männer Altersgruppen Arbeitnehmer davon arbeitslos überh. in'/» überh. in"/<> Bis zu 18 Jahren.. 1 857 130 13,0 88 007 2,2 18 b-S 25 Jahre... 3 530 308 23,0 853 832 21,2 26 bis 40 Jahre... 4 723 600»2.0 1 823'333 46.3 40 bis 00 Jahre... 3 016 100 20,6 1 107 813 27,5 00 bis 06 Jahre... 43«) 774 2.9 125 830 3,1 05 und mehr Jahre. 136 083 2.1 33 860 0,8 Bei den Männern in der Altersgruppe bis unter 18 Jahren war nur etwa jeder 20. arbeitslos, während i» den Altersgruppen 18 bis 25 40 bis 00 und 00 b'S 05 Jahren etwa jeder 4., in der Altersgruppe von 25 bis 40 Jahren jeder 3 Arbeitnehmer vhne Arbeit ivar. Für diejenigen Arbeitnehmer, die im Jahre 1014 geboren morden sind, ist eine besondere Zählung veranstaltet worden. S'e ergab für männliche Arbeitslose einen Anteil von 3.2 Prozent, iür weibliche Arbeitslose von 3,0 Prozent der Ge- samtarbeitslosigkett. Alio auch für die Neunzehnjährigen ivar die Arbeitsmarktlage»och verhältnismäßig günstig. Diese Erscheinung erklärt sich wohl daraus, daß gerade i» Neues Aktienrecht Tie„Deutsche Juristen-Zeitung" weist aus die Tiskuinou ilbcv eine Aenderung des Aktienrechtes hin. In dieser Tis- kuffton scheint der wesentlichste Gedanke der zu sein: der bisherige Aufbau des Aktienrechtes ist liberal und iornial. demokratisch. Tie Herab»,tnderung der Rechte der Aktionäre ist im Interesse des Führerprinzips notwendig. Bei kleine- reu Aktiengesellschaften will man das„alte RechtSinstitut" der Einzelunternehmung und der offenen HandelSgesellschait durch den Konzesstonszwang wieder herstellen.—Dt«„DJZ." bemerkt warnend:„Man hat dem geltenden Rechte vorgcwor- sen, daß es politische Ideen ans ein wirtschaftliches Gebilde übertrage. Tie Erfahrungen sollten auch jetzt vor dem glei- che» Versuche zurückhalten." „Neue Konkurrenten für Deutschland" Unter diesem Titel schreibt die„Deutsche BergwerkSzei- i'-ng", daß die österreichische Ausfuhr von Metallkurzwaren. Messingnägeln. kleinen Armaturen, Schnappverschlüllen für Köster und Metallwaren tür den Bürobedars aegenüber 1032 merklich aestiegen sei.„Es ist den Oesterreichern gelungen, den reichsbeutschen Herstellern in den Lenanteländer». zumal in der Türkei, aber auch in den Niederlanden, Belgien, Frankreich und Italien große Absatzgebiete streitig zu machen bzw. vollständig fortzunehmen." der Wirtschaftskrise die Betriebe vielfach zu villi- g e r e n i u g e n d l i ch e>i Kräften Zuflucht g e- n o in m e n haben. So sehr man es begrüße» ivird, wenn die Jugendlichen„von der Straße" genommen werden.>o bedenklich muß doch die Tatsache stimmen, daß die Erwerbs- loitgkeit gerade die Altersgruppe von 25 bis 40 Jahren am stärksten, und zwar weit stärker, als es dem Anteil dieser Gruppe an der Geiamtwirtfchast entsprechen würde, von der Arbeitslosigkeit betroffen wurde. Es handelt sich hier gerade um die Kreise, die Faiililienveipftichtunge» zu tragen haben. Für die Aufgaben der Arbeitsvermittlung erwächst aus der Erhebung vom 10. Juni die schwierige Frage, ob und in welcher Weise vermittelnd eingegriffen werden kann, um bei der Arbeitsbeschafsuna gerade die bisher vernach- läffigte« Altersgruppen mehr z» berücksichtigen. Arbeitslose Frauen Altersgruppe« Bis zu 18 Jahren 18 bis 26 Jahre. 25 bis 40 Jahre. 40 bis 60 Jahre. (ii) bis 05 Jahre Arbeltnelimerinnen davon arbeitslos überh. in"» überh. in"/» . 1 188141 10.0 78 400 7.7 . 2 310 488.87,0 297 134 29,0 . 1 730 803 27,8 405 666 80,0 848 603 18,5 225 742 22,0 98 511 1,5 14 005 1.4 05 und mehr Jahre.. 70 224 1,1 3124■ 0,8 Bei den weiblichen Arbeitslosen ergibt sich ei» anderes Bild. Wir finden zwar auch h'er, daß die jugendlichen Ar- beitnehmerinnen lbiö unter 18 Jahrenj verhältnismäßig gut abschneiden. Während aber bei den männlichen Arbeit- nehmern schon die Gruppe von 18 bis 25 Jahren etwa in dem gleiche» Ausmaß von der Arbeitslosigkeit betroffen wird, wie es. der Zahl der Arbeitnehmer in dieser Alters- gruppe entspricht, ist bei den weiblichen Arbeitnehmern diese Altersklasse noch stark begünstigt. Ter Anteil der Alters- flösse 18 bis 2.6 Jahre bei den weiblichen Arbeitnehmern be- trägt 37,0 v. H. Der entsprechende Anteil bei den weiblichen Arbeitsloien aber nur 20 0 v. H. Auch diele Erscheinung wird ausreichend damit zu erkläre» fein, daß von den Betrieben jüngere, bill'gere Arbeitskräfte t» der Krise vor älteren, teueren, wenn auch vielleicht zuverlässigeren vorgezogen werden. Die am 16. Juni diirchaeitihrte Erhebung weist die An- teilzahlen auch bei allen Einzelgeiverben auf. Wir finden, daß bei fast allen Berufen, de eine Lehrzeit vorsehen, die Altersgruppe von 18 bis 25 Jahren be- sonderS stark, wenn nicht am stärksten, unter den Arbeitslosen vertreten ist. Bei den Bäckern beispielsweise machen die Achtzehn- bis Fiinfnndzwanziq- jährigen 48,1 v. H. aller Arbeitslosen in diesem Gewerbe aus. bei den Friseuren 43.4 v. H., bei den Buch« d r u ck e r u 35 v. H., bei den Mechanikern für Fein- Mechanik und Optik 30,8 v. H.. usw. Auch hier scheint die Erklärung ziemlich einfach. Tie Handwerksbe» triebe nehmen z iv a r noch Lehrlinge an, so- bald biete aber die Lehrzeit vollendet habe n, werden sie entlassen und finden auch anderwärts keine Unterkunft als Geselle. Ein Notschrei „Einer von der alten Garde" beschwert sich darüber, daß man die„alten Partei-Lokale" z.B. die Pallage-Bierhallen i» der Behrenstraße 51/62 vergessen habe. Ten Kaschemmen- Wirten, die einst den Nazistürmen Unterschlupf boten. gehtS schlecht, den» die Herren von heule gehen eben in die»einen Lokale der seinen Leute. Es wird nichts helfen, ivenn der „eine von der alten Garbe" schreit:„Daher aus zu Pg. Auer. Wir werden dort Erinnerungen austauschen und den erhe- benden Gedanken alter kampferprobter Kameradschaft von neuem bekräftigen können." Judenboykott geht fort In Nr 52 setzt die„Deutsche Metallarbeiter-Zettung" ihren Kamps gegen die Inden»ort. Tori schreibt E. Ring:„Immer noch macht man sasr täglich die Erfahrung, baß eine große Zahl deutscher Volksgenossen de» Juden unterstützt, indem sie bei ihm kaust... Wer heute noch beim Juden kaust, schä- digt uns, schädigt den Ausbau der nationalsozialistischen Wirt- schalt, schädigt besonders diejenigen christlichen Geschäftsleute, die sich bedingungslos hinter unseren Führer nnd seine Be- ivegnng gestellt haben. Wir appelliere» an die Anständigkeit unserer Metallarbeiter..., besonders aber bitten ivir um Berücksichtigung der Inserenten unserer Metallarbeiter- Zeitung." Br. Sigmund Rubinstein Der jüdische Großvater der nationalsozialistischen Sozialtheorie lieber die leiblichen Ahnen Adolf Hitler? und ihre rassische Zugehörigkeit geht mancherlei Gerede. Deswegen herrscht in jüdischen Kreisen nicht geringe Unruhe: denn das fehlte den armen geplagten Juden gerade noch, daß man die Hitlcrei auch noch aus ihr Konto setzen könnte! Wer sollte dann nicht Antisemit werde«? Tuch wie immer c« mit der phiisischc» Abstammung des ! braunen Heilands auch bestellt sei» mag, nicht langer lagt sich die Tatsache verschweigen, daß die nationalsozialistischen Theoretiker allesamt den grünte» Teil ihrer Weisheit aus dem Buch eines Jude» geschöpft haben. Die geistige Deszen- denz der nationalsozialistischen Theorie von einem jüdischen Soziologen ist keine leere Behauptung, sie läßt sich durch cinivandfreie Dokumente belegen. Wenn»ich, der national- sozialistische Führer— die nationalsozialistische Theorie hat bestimmt und nachweisbar einen jüdischen Großvater! Im Jahre 1021 erschien im Drei-Masken verlang in Mün- che» das Buch„Romantischer Sozialismus". Der Verfasser ! hieß Dr. Sigmund Rubinstcl« und war Redakteur ain „Neuen Wiener Tagblatt", ivas er heute noch ist. Das Buch j erregte in soziologisch und politisch interessierten Kreisen 1 einiges Aussehen: bei der Sozialdemokratie stieß es auf scharfe Ablehnung. Ein marxistischer Theoretiker sprach da- mals von einem„gefährlichen" Buch. Er hatte mehr recht, als er ahnte. Denn dieses Buch ist geradezu zum leben- spendenden Urgucl' der ganzen romantisch überhitzten und mittelalterlich vermufften Nazibcivcgnng geworden. Die Masse mag diese Zusammenhänge nicht ahnen. Den nationalsozialistischen Buchschreibcrn sind sie natürlich be- kannt. Denn wenn sie auch noch so unwissend sind, das l wenigstens müssen sie wissen, wo sie abgeschrieben haben. Uebrigcns ist von der Umgebung Hitlers gelegentlich behauptet worden, daß neben dem„Weisen von Zion" und den Werken von Karl Mays„Ter romantische Sozialismus" Nnbinstelns eines der wenigen Bücher sei, das der Führer wirklich zu lesen versucht habe. Machen wir einen kleinen Spaziergang durch das inter- essante Werk! Das Programm Hitlers ) I Bekanntlich schwebt Hitler die Beseitigung deS Klassen- f kampseS, der eine„Erfindung" der bösen Marxisten ist, und die Erziehung deS betriebsscindlicheit Proletariers in einen mitschasfcnden Arbeitnehmer vor. Die Lehre vom milschas- senden Arbeiter, der aus seiner„Betriebsselndlichkeit" zu befreien sei, ist ein Gedanke Rubinsteins, den die Rational- sozialisten von ihm Übernommen habe». Im genannten Buche heißt cS wörtlich: „Der Arbeiter als Mitschaffer, wie ihn die Betrieb?- und Wirtschastsräteordnungen vorausdenkcn, ist ein anderer ! Typus als der Lohnarbeiter. Der Lohnempfänger mag dem Lohngebcr kalt und feindlich gegenüberstehen. Der Mit- schasscr, der Produzent steht sich in eine Gemeinschaft mit dem Produzenten gedrängt." sS. 7'.'—73.) Der Nationalsozialismus will die Kluft, die die Arbelt- nehmer vom Arbeitgeber trennt, überbrücken, die Klagen- kämpfe und die Klassen schlechthin beseitigen und eine neue Volksgemeinschaft schaffen. Sagt doch Hitler, daß der Ratio- nalsozialismus„wirtschastssrieblich" sei und daß Arbeit- nehmer und Arbeitgeber Sachwalter und Beauftragte der gesamten Volksgemeinschaft sind. Klaggcs und Feder be- Haupte» allen Ernstes, daß der Nationalsozialismus einen Ausgleich zwischen Kapital und Arbeit durch gerechte Wert- Verteilung erstrebt und daß Arbeitnehmer und Arbeitgeber ans? innigste in der Arbeit zusammengehören. Wenn wir die angeführten Theorien mit den Ansichten Rubinsteins ver- gleichen, so ergibt sich eine geradezu frappante Konformität. Bei Rubinstein finden wir nämlich folgende Stelle:. „Eine Gesellschaft, die Unternehmer und Arbeiter als Teil- Haber an einem der nationalen Produktionszweige organi- stert, ist anders als eine Gesellschaft, die beide als gegensätz- liche Klassen in sich faßt. Ist diese Gesellschaft gleichgültig dagegen, eine Gehäuse von einzelnen darzustellen, so ist jene Gesellschaftsform bedacht, sich im Schwung« der beruflich Zusammenarbeitenden eine Gliederung zu geben. Dort scheidet das blind tätige Ferment der kapitalistischen Wirt- schast die rechtlich gleichgestellten Einzelmenschen in übereinander gelagerten Schichten von Atenschen ungleicher fak- tischer Macht- und Wirtschaftskreise aus, hier werden durch die Rechtsordnung alle im selben Betrieb und Beruf Schaffenden als sormalrcchtlich gleiche, aber auch faktisch glcichgewcrtetc Mitarbeiter zu wirtschaftlichen Korporationen zusammengefaßt, die in der Volkswirtschaft nebeneinander stehen. D>e Gesellschaft, die sich in der Linie der Räteidee entivickelt, tilgt die Klaffen aus. Sie ivtrd anstatt durch Kampf und Haß der Arbeiter- gegen die Unternchmerklasse durch das Wettspiel von BerufSkörpcrschasten bewegt, in denen Arbeiter und Unternehmer Korporationsgenosscn sind. Der Besitz an Produktionsmitteln entscheidet nicht mehr das Maß an wirklicher Gewalt über das Maß an Einfluß aus die nationale Wirtschaft. Der Anteil am gemeinsamen Arbeits- ergebnis wird nicht mehr vom Unternehmer dem Arbeiter aus seinem Privatvermögen zugeteilt, sondern fließt für beide ans einer gemeinsamen Betriebsfondsmasie,- deren Aus- teilung von allen Betriebsgenossen paritätisch geregelt wird." n e Rasse ausschließlich verkörpert wäre, lieber unseren alten Erdteil Europa seien so viele Völkerstürme weggebraust. daß nur wenig ganz reinrassiges Volkstum vorhanden sei. Wohl aber überwiege im deutschen Volk der Einschlag der nordischen und der säliichcn Rasse so stark, daß das deutsche Volk, obwohl in ihm auch die dinarische, oft- baltische, ostische und iveftifche Raffe vertreten seien, als „nordisch bestimmt" angesehen werden dürie. Eine Gefahr für das deutsche Volk bedeuteten aber die von allen diesen Rassen sich scharf abhebenden Juden. Ob- wohl sie nur 1,7. Prozent der deutschen Bevölkerung aus- machten, hätten sie in den letzten Jahrzehnten, besonders aber-seit 1018, durch den Zustrom von Juden ans den, nahen Osten in Deutschland einen unverhältnismäßig großen Einfluß ans wirtschaftlichem, finanziellem und poli- tischen, Gebiet erlangt. Die dadurch gegebene Gefahr habe der Nationalsozialismus von Anfang an erkannt. Auf dem völkische» Gedanken beruhe der Nationalsozialismus^ mit ihn, stehe und falle die Partei, die Bewegung und der Staat, die mit ihm eins geworden sind. Der Minister bezeichnet es als selbstverständlich, daß die rassischen Grundsätze sich auch in der Gesetzgebung äugern mußten, und verweist insbesondere aus das Geietz zur Wiederherstellung des Beruisbsamtentnms. Wegen des A r i c r p a r a g r a p h e n im K i r ch e n g c s e tz hätten sich bald schiveriviegcnde Bedenken dogmatischer Art ergeben. In der katholischen Kirche sxien derartige Versuche über- Haupt nie unternommen worden. Auch internationale Abmachungen könnten der Durchführung der Arier- Gesetzgebung entgegenstehen, wie z. B. das deutsch-polnijche Abkommen über Obcrschlesicn von, 11. Juni 102:?. Andererseits werbe e? eine besondere wichtige Aufgabe deS künftigen Staatsbürgerrechts sein, sich mit der R a s s e n s r a g e auseinanderzusetzen. Im folgenden werden dann Grundsätze und Einzelheiten der neuen Arier-Gesetzgebung besprochen, wie sie meist schon bekanni sind. An Einzelheiten ist hervorzuheben, daß Dr. Frick die Bestimmung der Abstammung durch Prüfung der Eltern und Großeltern begründet, begründet auch gegenüber Meinungen, man müffe bei der Prüfung»och weiter oder man dürfe nicht soweit zurückgehen. Er sagt dabei, daß sich die Untersuchung auch aui die Urgroßeltern ausdehnen könne, jedoch nur dann, wenn dies für die Beurteilung der Großeltern nötig sei. vor allem, wenn ein Name südlich klinge. Doch sei ein Großelternteil nur dann als»ichtariich anzusehen, wenn seine beiden Urgroßeltern, all» Urgrvtz- vater und Urgroßmutter, nichtarisch seien.—-ratlache, daß in dein Gesetz gegen die Ueberfüllung deutscher Schulen und Hochschulen der Arierbegriss weniger streng gefaßt ist, wird damit erklärt, daß es sich hier um eine Ueber- g a n g S m a ß» a h m e handle. Sehr deutlich ivendet sich der Reichvinnenmtnifter am Schlüsse seiner Ausführungen nochmals gegen eine n f erlöse A u s d e h n n n g der A r> c r g e s e tz g e b u n a aus Gebiete, für die gar keine Vorschriitc» erlasse» sind. Es heißt da:„Spielte bei de» Gesetzen und Verordnungen ein starkes öffentliche» Interesse an der Ausschaltung nicht- arischer Einflüsse mit, so schießt es doch über das Ziel hin- aus, wenn, wie es manchmal geschehen ist, die Grundsätze des Paragraicn 3 fdcs Beruisbeamtengesetzes) ivahl- und kritiklos aui Gebiete übertrage» worden, für die sie nicht bestimmt sind, und wenn dabei womöglich noch nicht nassenmbmcruao einmal die Ausnahmen zugelaffen werden, die Paragras 3 und die hierzu crlaffencn Durchführungsbestimmungen vorsehen. Mag insbesondere noch ein öffentliches Interesse für die deutsche Aerzteschast bestehen, die auch, noch der Durch- führnng der SäubernngSaktion bei de» Krankenkaffen»och sehr stark von jüdischen Elemente» durchsetzt ist tin Berlin z. B. beute noch 00 Prozent), io läßt es sich doch kaum recht- fertigen, wen» jüdifche Angestellte eines Warenhauses in nichtleitender Stellung entlayen werden, selbst wenn sie Frontkämpfer sind. Derartige Bestrebungen»erkennen, daß es auch in der Ariergcsetzgebung Grenzen gibt, die beachtet werden müsse», und sind deshalb auch von der Rc- gierung schon wiederholt mit Nachdruck abgelehnt iv o r d e n." Andererseits, so betont der RcichSinnenminister,»verde rS eine besonders wichtige Ausgabe des künftigen Staats- bürgcrrcchis sein, sich mit der Rasscnsrage auseinander- zusetzen. Dr. Frick ivendet sich endlich gegen ausländische Kritik an der deutsche» Rassengcseygebung und meint, die Zeit sei nicht mehr fern,>vo auch fremde Bölker diese Maßnahmen ver- stehen und begreife», ja schließlich selbst übernehmen würden. Ii» Dritten Reich sollen 400.000 Personen sterilisiert werben. SSce dem Hitler-Terror widersteht, wird entmannt. Die andern haben t» nicht nötig. Deutsche Stimmen• föeilage zur Deutschen Freiheit"• freiénisse und Geschichten Mittwoch, den 3. Januar 1934 Dec JleichsaétUMemact Dec CAefsJietceuec dec Rassehunde gegen die Antipeitschen Ein Herr K. Most ist mm„Reichsabrichtewart für das Deutsche Hundewesen" ernannt worden. Um diese neue Würde zu rechtfertigen, hat er mit Unterstützung von S. Böttger, Leiter der Diensthundeabteilang der Kriminalpolizei Berlin, ein Buch„Leitfaden für die Abrichtung des Hundes"(Verlag Kameradschaft, Berlin W 35) veröffentlicht. Auch in der Hunde-Erziehung ist es mit dem Pazifismus im Zeichen der nationalen Erneuerung endgültig vorbei. Der Verlag sagt über seine Neuerscheinung: „Der Abschnitt„Die Verständigung zwischen Mensch und Hund" führt dem Leser das Wie und Warum der Behandlung und Abrichtung des Hundes so vollendet vor Aujen, wie dies bisher von keiner Seite auch nur annähernd erreicht wurde. Deshalb ist das Buch nicht nur unentbehrlich für diejenigen, die sich mit der Abrichtung oder Führung von Hunden befassen, sondern auch für jeden Hundefreund, insbesondere für jeden Hundebesitzer, der seinen Hund richtig behandeln und von ihm verstanden werden will. Man erhält so anschaulichen und einleuchtenden Aufschluß über die geistigen Fähigkeiten und das Auffassungsvermögen des Hundes sowie über die Art, wie er lernt, daß jedermann in allen Lagen die richtige Einwirkung auf den Hund ausüben kann. Zum erstenmal»ird der so oft hin und her gewälzten und bisher nicht zum Abschluß gebrachten Frage des Zwanges bei der Abrichtung gründlich zu Leibe gegangen, und sie wird in ein helles Licht gerückt. Dabei wird unterschieden zwisdien den allgemein gültigen Gesetzen des Zwanges und den Unterschieden seiner Anwendung je nach der Individualität des Hundes. Most und Böttger machen Front gegen die, man möchte sagen weichlich- pazifistische Strömung, die in dem Verlangen gipfelt, daß der Abrichter selbst keinen starken Zwang auf den Hund ausüben dürfe und die sogar so weit ging, zur Gründung einer„Antipeitschen-Liga" aufzufordern. Kristallklar weisen die Verfasser die Irrtümer dieser Auffassung nach und sogleich auch, welche schwerwiegenden nachteiligen Folgen sich aus diesen Irrtümern für die Leistungen des Hundes ergeben." Was den Menschen recht ist, ist den Hunden billig. Wenn die Liga für Menschenrechte in diesem neuen Deutschland keine Existenzberechtigung mehr hat, dann darf es für die Hunde auch keine Antipeitschen-Liga mehr geben. Denn die Peitsche ist zur hohen Ehre gelangt. Der Herr Reichskanzler hat sie höchstpersönlich in die Pädogik eingeführt. Ehe man ihm noch die Nilpferdpeitsche zum Geschenk überreichte, faßte er bereits mit festem Griff nach diesem Instrument in der Wahlagitation des Jahres 1932. Da sausten die Riemen schwungvoll in die Reihen von Pfeifern und Johlern hinein, die den Führer im Auto nicht respektierten. Hundedemütig will er sein Volk. Menschendemütig sollen die Hunde werden vor dem Herrn Reichsabrichtewart und seinen Amtswaltern. Um so forscher werden sie dann sein gegen den Feind! Kristallklar! • Eine Kritik des Buchs in einer gleichgeschalteten Zeitschrift betont, daß das Most-Verfahren besonders für die Abrichtung von Kriegshunden geeignet sei. Der Verfasser der Rezension ist der„einstige Führer der Kriegshundeschule im Weltkrieg". VeutscMand Mommt die casseceUtsfett 9CutuLc „Selbstverständlich"— sagt Präsident Schley Eine neue Zeitschrift„Der Berliner Tierfreund" veröffentlicht ein Gespräch mit dem„Präsidenten" Schley, dem sogenannten Hundevater Deutschlands.„In einer Nation," sagt der Präsident—,„die den Rassegrundsatz so betont wie das heutige Deutschland, ist es eine Selbstverständlichkeit, daß man die rassischen Forderungen auch auf den tierischen Begleiter des Menschen, deren treuester der Hund ist, ausdehnt... Es darf behauptet werden, daß die Arbeit des neuen Reichsverbandes für das deutsche Hundewesen es in verhältnismäßig kurzer Frist zuwege bringen wird, daß Deutschland das in aller Welt anerkannte Land der besten und reinsten Hunderassen wird." iOic sind JktcC acea! Und machen Deutschtand-miedet fcei Der Anekdote vom Stolz der Neger(„Ich bin stolz darauf, ein Neger zu sein, denn wäre ich nicht stolz, bliebe ich doch Neger) ist in der Kulturgeschichte der Gegenwart nur ein Gleichnis entgegenzustellen: der Stolz der neudeutschen a^if sein Barbarentum. Als er sich anfangs in tönenden Worten gegen die Greuelpropaganda zur Wehre zu setzen versuchte, mußte er die Erfahrung machen, daß dieser Versuch restlos mißlang. Also ist er auf sein Barbarentum stolz. Nun betont er es recht sehr, er macht es zum Motiv seiner Politik und seiner Handlungen. Allmählich bemächtigen sich auch die Dichter des„dritten Reichs" dieser dankbaren Parole, aber so ungeniert hat das noch keiner getan, wie ein Dichter, der sonst über bemerkenswerte Eigenschaften und Kräfte zu verfügen scheint und der sich Rudolf Zilkens nennt. In seinem Gedichtband „Freiheit, Liebe und Tod" steht ein„Die alte Garde" betiteltes Gedicht, das auch außerhalb Deutschlands wohlverdiente Aufmerksamkeit und Anerkennung finden dürfte. Es beginnt so: «Vir sind die ersten, die bei Hitler waren, Wir stürmten siegend in die Schlacht Als wilde, troßige Barbaren, Die Deutschland wieder frei gemacht!" Nach diesem Bekenntnis zum Barbarentum folgt noch ein verhältnismäßig leichteres Geständnis: „Und unser Blut wars, das zuerst geflossen, Wir mähten alles mit der blanken Faust." Was man allenthalben gewußt hatte, daß nämlich von dieser und den andern Garden alles mit der Faust hingemäht ■wurde, wird hier also sozusagen lyrisch bestätigt und besungen. Wer ist nun der Dichter, der solche freimütige und offene Bekenntnisse abzulegen wagt? Das muß wohl ein gar mächtiger und großer Herr sein? Ist er auch! Der Verleger(J. P. Bachem, GmbH. Köln a. Rh.) gibt bereitwillig und erschöpfend folgende Auskunft: Einer der alten Gardisten und Vorkämpfer der Bewegung. Er war Organisationsgruppenleiter, Kreisleiter, Gaupropagandaleiter und hat in fünf Jahren 1500 mal in nationalsozialistischen Versammlungen gesprochen. Unzählige Saalschlachten und Ueberfälle durch kommunistische Mordbanditen kennzeichnen seinen Weg. Neben dem Gauleiter Terboven zwang er die rote Pest in Essen in die Knie." Womit er wohl seine Befähigung zum neudeutschen Dichter einwandfrei erwiesen haben dürfte. Damit nicht aber etwa jeder Gardist, der ähnliche Verdienste aufzuweisen hat, auf die Idee käme, seine Gedichte zu publizieren,(denn auch das Land der Dichter und Denker könnte nicht von jedem der Braven, der da mit der Faust alles hingemäht hat, Gedichtbände drucken) muß der Verlag die Eignung seines Autors noch kräftiger erweisen: „Seine größte Saalschlacht erlebte er Anfang 1932 als Diskussionsredner in einer Duisburger KPD.-Versammlung, in der er niedergeschlagen und mehrfach gestochen wurde. So nennt ihn das Volk seiner Heimat nicht mit Unrecht den Trommler des Ruhrgebietes." Was wohl der andre Trommler dazu sagen wird? Aber dieser Trommler ist auch ein besonders freigebiger Dichter, denn, so sagt der Verlag:„In seinem Gedichtbuch schenkt er der deutschen Jugend und seinen Kampfgenossen eine Auswahl aus dem Schatz seiner Lieder." Nachdem er also alles mit der Faust hingemäht hat, was einem Teil der Jugend lebenswert erschien, schenkt er dem andern eine Auswahl aus dem Schatz seiner Lieder. Wahrlich, ein generöser Poet! Stefan Pollatschek ZeUsTloüzm Eine..Rüstungsfibel" hat der Oberstleutnant Benary, über dessen andere Wehrschrift die Deutsche Freiheit berichtet hat, soeben erscheinen lassen. Während er unlängst noch für Stärkung des„Wehrte illens und der Aufrüstung eingetreten ist, zeigt er nun in seiner„Riistungsfibel" Deutschlands Schwäche. Er ist bezeichnend für die Hitlersche Außenpolitik; denn der Oberstleutnant schreibt rechts für und links gegen Rüstungen, rechts für den Frieden, links für den Krieg. Benary ist ein Symbol. ,+Auseinanderseffung zwischen Medizin und Heilkunde" Dieses erlösende Wort prägt ein Mann namens Paul Julius Schott über sein Buch„Weltall und Menschenkörper". Was sagen die Nazi-Aerzte zu der guten Formulierung? Sie ist für den Geist dumpfen Aberglaubens, der das Hitlerreich kennzeichnet, eine überzeugende Gegenüberstellung. Kube über Erzberger Der preußische„Staatsrat" und Gauleiter der Kurmark schreibt in der Wochenschrift„Der märkische Adler"(3. 12.) über Erzberger:„Scham erfüllt uns, wenn wir in dem Trauerkapitel„Compiegne" lesen, daß sich Deutschland einmal von einer Kreatur vertreten ließ, die Erzberger hieß, anstatt sich Erzlump nennen zu lassen, wies ihm der Herrgott aufs Gesicht geschrieben hat." 200 Seiten voll„Führer" In Deutschland gibt es augenblicklich so viele Führer, daß es ein dringendes Bedürfnis ist, sie alle übersichtlich zusammenzustellen. Die Liste, die als„Führer-Kalender" erscheinen wird, wird an die 200 Seiten umfassen. Die Referenten des Frick, Dr. Fabricius und Dr. Stamm, haben die Liste zusammengestellt und der gute Frick empfiehlt das Werk seiner Kreaturen allen Deutschen. So wäscht eine Hand die andere. Max Reinhardt wird zitiert Ein Nazi, der E. J. Dörr heißt und mächtig auf die Republik schimpft, in der seine Werke nicht erscheinen konnten, sonst„wäre er in Schutzhaft genommen worden, wenn nicht verbrannt, geköpft und gehängt", vergißt nicht ein Loh Reinhardts vom 29. Februar 1932 über das Theaterstück Revolution im Himmel anzugeben; Reinhardt, behauptet Dörr, habe gesagt:„Ein Theater mit volkstümlichem Spielplan müßte hier unbedingt zugreifen." Ja, ein Nazi kann keinen Juden leiden, doch seine Protektion, die nimmt er gern! Iii»: 1« Die CuUgheU Von Franz Karl Ginzkey Ich lehne an einem alten Baum, Denk an die Zeit, schau in den Raum, Mir geht die Frage durch den Sinn: Wo komm ich her, wo geh ich hin? "s geht eine Sage: Im fernen Land : egt ein Gebirge aus Diamant, orthin fliegt alle hundert Jahr 'as Zaubervöglein Wunderbar. Es wetjt das Schnäblein am Gestein Zwei-, dreimal, läßt es wieder sein, Fliegt heimwärts, wo es früher war, Und kehrt erst wieder nach hundert Jahr. So tut es fort, bis guter Lefft Der ganze Berg ist fortgeweht. Verronnen ist nach dieser Zeit Die erste Sekunde der Ewigkeit. Dies geht mir eben durch den Sinn, Auch ich eine Flocke im Meere bin, Die nächste Welle spült sie fort, Und doch bleibt alles am selben Ort. Dec gereinigte Jntendant Erst Todfeind— jetzt amtlich anerkannt Vor dem Mannheimer Arbeitsgericht wurde die Klage des früheren Mannheimer Intendanten Herbert Maisch, der zur Zeit das Preußische Theater der Jugend leitet, gegen die Mannheimer Stadtverwaltung auf Erfüllung seines\ ertrages verhandelt. In dem Urteil des Mannheimer Arbeitsgerichts wurde dem früheren Intendanten zugesprochen, daß er seine vollen vertraglichen Bezüge beanspruchen könne und daß durch seine jetzige Berliner Anstellung der Vertrag mit der Mannheimer Stadtverwaltung, der bis zum 31. August 1935 Gültigkeit hat, nicht berührt werde. Maisch, der bei der Verhandlung selbst anwesend war, begründete seine Klage. Er habe bis 1935 einen Vertrag, der ihm ein Einkommen kl von 20 000 Mark im Jahr ohne Notverordnungsabzüge zubillige. Außerdem habe er nach Bühnenrecht Anspruch auf Beschäftigung. Er betrachte sich nicht als entlassen, sondern als beurlaubt. Der ehemalige Intendant wies darauf hin, daß. wenn man die Tätigkeit des Theaterleiters in der Vergangenheit als politische oder gesetzliche Verfehlung ansehen wolle, man sämtliche Theaterleiter entfernen müsse. Er bekennt sich zu dem Wort von Shakespeare, daß das Theater Spiegel der Zeit sein müsse. Wenn er in einer Zeit habe Theaterspielen müssen, in der der Spiegel nicht schön war, so sei das nicht seine Schuld. Die Stadtverwaltung wandte dagegen ein, daß Maisch's Beurlaubung erfolgt sei, weil er Vorstellungen im Sinn des bolschewistischen Theaters gegeben habe unçl als Feind jeder nationalen Kultur angesehen werden müsse. Das Urteil des Mannheimer Arbeitsgerichtes macht sich das Wort Shakespeares zu eigen und betont, daß der Kläger als schwerbeschädigter Frontoffizier Anspruch auf besondere Vergünstigung gehabt hätte. Außerdem sei Maisch's nationale Gesinnung durch seine Berufung durch führende Männer der neuen Regierung anerkannt worden. Maisch muß sich nach dem Urteil seine Berliner Bezüge von dem Mannheimer Ein-- künften in Abzug bringen lassen, wozu er sich in der Verhandlung ausdrücklich bereiterklärte. Die JiastcatixMS: Aevtie An der Schaffung des sogenannten Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses sind, wie man aus einer Anzeige des Verlages Lehmann ersieht, eine Reihe führender Mediziner beteiligt. Das widersinnige Gesetz ist also nicht auf dem Mist der augenblicklich regierenden Dilettanten und Romantiker gewachsen, Würdenträger der medizinischen Wissenschaft tragen dafür die Verantwortung. Es ist daher wichtig, die Namen der Herren festzuhalten, damit sie später einmal ihre Verantwortlichkeit nicht leugnen können. Die Namen der Gelehrten lauten: Ministerialrat Dr. med. Gütt, Referent im Reichsministerium des Innern; Professor Dr. med. R ü d i n, Direktor des Forschungsinstitutes für Psychiatrie, Genealogische Abteilung in München; Dr. jur. Ruttke, Geschäftsführer des Reichsausschusses für Volksgesundheitsdienst; Geh.-Rat Professor Dr. Lexer, München; Geh. Rat Professor Dr. D ö d e r I e i n, München. Daß es bei dem sogenannten Sterilisierungsgesetj auch um die Frage der Kastration geht, zeigt eine demnächst erscheinende Abhandlung Lexers:„Die Operationen zur Sterilisation und Kastration beim Manne." Jotenkopfciftg dec SS. An Stelle einer Kopfprämie Der Reichsführer der SS., Heinrich Himmler, hat, wie der„Angriff" meldet, für verdiente SS.-Führer- und-Männer den„Totenkopfring der SS." geschaffen. In der Ehrenurkunde, die anläßlich des Weihnachtsfestes zum ersten Male an die ältesten und verdientesten Mitglieder der SS. verliehen wurde, heißt es u. a.: Der Totenkopf ist die Mahnung, jederzeit bereit zu sein, das Leben unseres Ichs einzusetzen für das Leben der Gesamtheit. Die Runen, dem Totenkopf gegenüber, sind Heilszeichen unserer Vergangenheit, mit der wir durch die Weltanschauung des Nationalsozialismus erneut verbunden sind. Die beiden Siegrunen versinnbildlichen den Namen unserer Schutzstaffel. Hakenkreuz und Hagal- Rune sollen uns den nicht zu erschütternden Glauben an den Sieg unserer Weltanschauung vor Augen halten. * Die Tapferkeit der Indianer wird gemessen nach den Skalps, die sie am Gürtel tragen. Die Insulaner einiger Südseeinseln sammeln die Zähne ihrer Opfer und machen Schmuckstücke daraus. Unsere verdienten SS.-Leute, erprobt in Saalschlachten, Foltern und Erschießen, bekommen aus der Hand ihres Führers Toteukopfringe als Heilszeichen und Hagals-Runen, nir cht neues Programm Bemerkungen zu einer Drosdiüre von Karl Kautzhg Mit einer Broschüre„Neue Programme"(Verlag E. Prager, Wiens greift K a r l K a u t s k y in die Diskussion über die Aufstellung einer neuen programmatischen Platt- form für den sozialistischen Kamps ein. Er setzt sich darin insbesondere mit dem WirtschaftSprogramm der sozialistischen Revolution, der Idee der Diktatur und dem Problem der Sicherung der Teinokratie nach der revolutionären Um- wälzung auseinander. In Nummer S des„Neuen Vorwärts" war in dem Aussatz„Revolution gegen Hitler und was dann?" die For- derung erhoben worden, daß die Hauptpseiler des neuen sozialistischen Programms die Austeilung des Grobgrund- besitze« und die Sozialisierung der Schlüsselindustrien und der Banken sein müßten. Kautsky wendet dagegen ein, daß dies kein neues sozialistisches Programm sei, sondern daß dieselben Forderungen in besserer Formulierung schon im Erkürter Programm von 1891 gestanden hätten. Zugleich icyt er auseinander, warum nach dem Umsturz von 1918 die Enteignung des Großgrundbesitzes und der Schlüssel- industrien nicht durchgeführt werden konnte. Es ist sehr nützlich, die ungeheuren Schwierigkeiten wieder ins Gedächtnis zurückzurufen, mit denen die Volks- beauftragten 1918/19 zu kämpfen hatten: die Demobilisierung, die Umstellung der gesamten Produktion vom Kriegs- aus den Friedensbedari. die Fortdauer der Blockade, die entsetz- liche Lebensmitteln»», die inneren Kämpfe der Arbeiterschaft, die unsägliche Müdigkeit des ganzen Volkes— das alles waren Schwierigkeiten von so gewaltigem Ausmaß, dah es fast übermenschlicher Anstrengungen bedurfte, um sie zu meistern. Und dennoch— so gerne sich auch die Jungen über diese Schwierigkeiten belehren lassen wollen, wir fragen uns doch, ob man damals schon die volle politische Tragweite deS Ver- zichts auf die Enteignung de? GrobbesitzeS erkannt hat. Hat uns nicht erst die furchtbare Erfahrung der letzten Jahre die ganze Bedeutung der Enteignung für die Sicherung der De- mokratie und des sozialistischen Aufbaues enthüllt? Wir wollen uns gerne belehren lassen, daß diese Forderung altes sozialistisches Gedankengut ist, aber wir haben sie in ihrer grundlegenden politischen Bedeutung neu erlebt und— wie wir glauben— tiefer erlebt, als es vordem möglich war. Wir haben aus einer grausamen Erfahrung gelernt, wo die Aelteren früher nur aus einer, wenn auch noch so klaren Erkenntnis lernen konnten— und das ist schon ein Unterschied. Diese Erfahrung aber sagt uns: Wenn wir wieder an die Macht kommen, müssen wir die Enteignung des Grob- grundbesitzes, der Schwerindustrie und der Banken durch- führen, auch wenn sich dagegen dieselben Schwierigkeiten austürmen wie 1918. Denn wir müssen mit ähnlichen Schwierig- ketten rechnen. KautSky allerdings ist optimistisch und er- wartet,„daß uusere Kraft diesmal gröber sein wird und die Bedingungen günstiger kür die Durchführung einer weit- gehenden sofortigen Sozialisiernng". Wir alle wlinschen, dab es so wäre. Aber werden wir wirklich damit rechnen können? Vieles spricht dafür, dah wir die Macht wieder erst nach einem neuen Krieg übernehmen werden. Aber selbst, wenn eS nicht zum Kriege käme— müssen wir nicht damit rechnen, daß der Faschismus nur in einer furchtbaren Krise seiner Macht gestürzt werden und dah seine Herrschaft ungeheuer- liche wirtschaftliche, geistige und moralische Verwüstungen hinterlassen wird? Und weil wir damit rechnen müssen, wieder ans einem Trümmerfeld die sozialistische Ausbau- arbeit zu beginnen, müssen wir schon heute unseren Willen stählen mit unerbittlicher Folgerichtigkeit das zu tun, was man 1918 glaubte, nicht tun zu können. Denn dies ist das Entscheidende: Wir brauchen mehr willensmäbige und mehr geistige Vorbereitung auf unsere Aufgabe als vor 1918. Erziehung zum sozialistischen Wollen ist eine Unserer Hauptaufgaben. Kautskn meint, der Erkola der Toziali- sierung„wird ein Ergebnis der neuen Situation sein und nicht ein Ergebnis eines neuen Programm«..." und um da? wirtschaftliche Programm ienes Artikels im..Neuen Vorwärts" durchzuführen, brauchten wir„nur der Gesinnung treu zu bleiben, die unsere Partei seit den Tagen deS Kom- munistischen Manifests stetS beseelt babe— nein, wir wehren nnS dagegen, dab di-r sozialistische Aufbau mehr daS Ergeb- nis der neuen Situation als das Ergebnis unseres W o l l e n s sein wird. Wir wissen, daß wir heute nur versprengte Häuflein eines schwer geschlagenen Heeres sind und dab erst eine große Wende eintreten muh» ehe wir wieder erfolgreich vvranmarschicrcn können. Aber wir vertrauen auf unseren Willen und unsere Kraft, dah wir dann— gestützt auf unsere bitteren Erfahrungen— diese Wende mit mehr Erfolg ausnutzen können. Diesen Glauben an die eigene Kraft und den eigenen Willen zu stärken, ist unsere Ausgabe, und das erreichen wir nur, wenn wir uns immer aufs neue sagen: Wir müssen es besser machen, als es nach 1918 gemacht worden ist, wie es auch kommen mag, sonst ist alles vergeblich. Denn es gibt s ch ä b- liche und nützliche Selbstkritik. Ungerechte und oberflächliche Selbstkritik führt zur Selbsttäuschung und Selbstüberhebung, ehrliche und gründliche aber festigt das Selbstvertrauen und den Glauben an die Idee. Und die geistige Vorbereitung? Kautsky nimmt die Sozialdemokratie gegen den Vorwurf in Schutz, bah sie 1918 für ihre Aufgabe nicht genügend geistig gerüstet gewesen sei. Er verweist aus seine eigenen Arbeiten über unsere Aus- gaben nach der Machtergreifung und aus die Einsetzung der Tozialisierungskommission, die bereits im November 1918 erfolgte. Auch in diesem Punkte wollen wir uns gerne darüber be- lehren lassen, dah es 1918 an der wissenschaftlich-thevrettschen Vorbereitung der Tozialisierung nicht gefehlt hat. Wir wollen auch nicht darüber streiten, ob die Macht, die der Sozialdemokratie 1918 zugefallen war, ausreichte, um die Sozialisierung sofort in voller Breite durchzuführen. Aber genügt es andererseits, zu sagen: unsere Macht reichte eben nicht aus und deshalb muhten wir auf die Verwirklichung unserer Pläne verzichten? Hängt nicht die Grösse der Macht einer politischen Bewegung gerade davon ab, in welchem Maße und in welcher Art sie ihre Macht ausnutzt? Die Macht der Nationalsozialisten stand in ihren Anfängen keineswegs auf völlig sicherer Grundlage. Aber durch rücksichtslose und geschickte Ausnützung ihrer Macht verstanden sie es, sie fort- gesetzt zu steigern und erst richtig zu festigen. Bei allem Vor- bebalt gegen die Methoden, die die Nationalsozialist«!! dabei angewendet haben— w i r iverden daraus eins lernen müssen: den Kampf um die Macht gewinnen wir nur, wenn wir auch den Einsatz unseres Gedankenguts ivagen und das Gewicht unseres grundsätzlichen Wolleus im günstigen Augenblick in die Waagschale werten. Diese Erkenntnis zum Allgemeingui aller Sozialisten zn machen, ist auch ein Stück geistiger Vorbereitung. Um für diese geistige und ivillensiähige Vorbereitung eine Plattform zu schassen, dazu brauchen wir ein neues Programm: nicht, weil wir glauben, dah wir in einem solchen Programm absolut Neues sagen könnten, nicht, weil wir voraussehen können, wie es kommen wird. Wir brauchen ein neue-.- Pr»- g ramm, weil die Jugend die allen nicht uiehr kennt und weil sie erst wieder Denken lernen muh— mühselig von vorne an fangend. Kautsky spricht in anderem Zusammenhangetn Nationalitätenproblem befatzt und Verfassungs- formen und Programme für die Monarchie entworfen, deren Befolgung ein anderes Mitteleuropa zur Folge ge- habt hätten als das heutige: man sprach vor dem Krieg gern von der k. und k. Sozialdemokratie: das war un- sinnig, aber die österreichische Sozialdemokratie war österreichisch so gut wie irgend eine Partei dieses Landes— und sie ist das— trotz der Anfchlutzparole— geblieben! Die Wahl zwischen zwei Faschismen hat sie aber nicht gehabt: die Dummheit des Heimwehrfaschismus schildert Bauer so gut, datz er selbst seine Formulierung erledigt. Aber eine andere Chance gab es: die Christlichsozialen zu einer Koalition mit Links zu bringen, gegen beide Faschismen. Diese Chance, die Chance der Vernunft und des Verstandes, wird den Christlichsozialen täglich geboten — aber, und das sieht Bauer nicht, Dollfutz meinte, er müsie, um sich zu behaupten, eine Staats- und Gesell- chaftskonstruktion erfinden, die die österreichischen 9?-"! agen lasse: wozu erst den Hitlerismus importieren. Doll- utz macht ohnehin dasselbe. Es gab also z. B. nie eine K. P., die etwas bedeutet hätte, aber man verbot sie und war stolz darauf, datz man dieses Verbot ohne Reichstagsbrand zu Wege gebracht hätte: man führte das Stand- recht ein und erschrak vor dem ersten Todesurteil, so datz man es durch eine Begnadigung aufhob. Die Staats- Konstruktion Dollfutz' ist also ein gewissermaßen entgifteter Nationalsozialismus. Nur— der Bundeskanzler täuscht niemanden und diese Erfolglosigkeit treibt ihn dem Heimwehrfaschismus immer schneller zu. denn es gibt keinen ljalben Faschismus und keinen Faschismus, der nur aussieht, als wäre er einer, ohne es wirklich zu fein. Diese Konstruktion ist es. die Dollfutz daran hin- dert. zu stabilen Verhältnissen und zu irgend einer gesetz- lich formulierten Verfassung zu kommen: sie zwingt ihn, vom Wiener„Bolschewismus" zu sprechen, welcher Psychose auch Bauer zum Teil erliegt. Bauer stellt die Frage in bezug auf ganz Europa: aber noch wichtiger wäre es, sie für Mitteleuropa zu stellen: denn siegt in Oesterreich zunächst der Faschismus italienischer Prägung, der nur nach dem deutschen manchen Anli- faschisten annehmbar erscheint, namentlich den Juden, dann ist die Frage Oesterreich zwar zunächst beantwortet, aber es erhebt sich dann sofort das neue Problem: Tschechoslowakei. Ist die österreichische Vierteldemokratie, die es heute noch gibt, vollständig ausgelöscht, dann wer- den alle innen- und autzenpolitischcn Fragen der Tschecho- slowakischen Republik lebendig und niemand kann heute sagen, welche Antwort sie finden werden. Das Wichtigste an der Ludwig-Bauer-Schrift ist. datz er Oesterreich neuerlich zur europäischen Diskussion stellt. Er schlietzt mit dem Satz:..Schließlich: Wien kann gerettet werden. Wenn es ein Europa gibt und Vernunft in der Welt. Wenn..." Aber noch etwas mutz es geben, wenn Wien, wenn Oesterreich gerettet werden soll: die Kampf- entschlossene Minderheit in Oesterreich selbst, von der Ludwig Bauer spricht, die bereit ist, Oesterreich vor dem Faschismus zu retten. Tie österreichische Diskussion in Europa möge nicht vergessen, datz diese Minderheit da ist .und datz sie zu mehr imstande ist als zu einem„General- streik mit ein paar Toten", wie Bauer meint. Die Anti- faschisten haben aus Italien und Deutschland gelernt: sie werden nicht zu früh, sie werden nicht losschlagen, so lange andere Mittel möglich erscheinen, aber sie werden, wenn die Regierung den Weg des Friedens nicht gehen will, ihr auf dem von ihr befchrittenen Weg des Krieges mit den gleichen Mitteln antworten. Auch das mag in der Diskussion bedacht werden, die hoffentlich Ludwig Bauers geistvoller und prägnant formulierender Schrift folgen wird. Nur zum Dahnsdiutz Drill für 670 000 Eisenbahner Berlin, 2. Jan.(Jnpreh.) Die sollende Verfügung der Deutschen Reichsvahngesellschaft ersaht 679 999 Eisenbahner: „Ueber die bisherigen Anordnungen hinaus erwarten wir, daß 1. jeder Eisenbahner bis zum W. Lebensjahr einer Sport- organisation angehört. iZugebörigkeit zum Bahnschutz, zur SA., SS. und zum Stahlhelm befreit): 2. auch der ältere Arbeiter, soweit er nicht durch körper- liche Gebrechen behindert ist, sich einer Sportart anschließt, die seiner körperlichen Rüstigkeit angepaßt ist.(Gymnastik, Kleinkaliberschießen usw.): „Die körperlich Behinderten haben durch den Beitritt als förderndes Mitglied Gelegenheit, die vaterländischen Bestrebungen der Reichsbahn-Turn- und Sportvereine zu unterstützen." Die flerlieDe SA. In Dresden hat der Tierschuhverein SA-Männer und Stahlhelm-Leute ausgebildet, die im neuen Jahre ihren Dienst als Ticrschutzstreifen beginnen werden. Sie haben die Ausgabe. Kontroilbesuche bei den Tierhaltern zu machen und aufklärend und belehrend zu wirken. Bor allem werden diese Streifen in Kraftwagen das Land kontrollieren, weiter wer- und den Fuhrwcrksbetrieb überwachen,»m Tierquälereien den sie zur Anzeigenversolgung bei Tierquälereien eingesetzt bei Zugtiere» zu verhindern. » Zur Erholung von dem anstrengenden Tierschutz iverden die TA.-Leute in den dienstfreien Stunden sich in den Kon- zentrationslagern betätigen. Dies umso mehr, als die gcl'an- genen Menschen keinerlei Schutzbestimmungen genießen. „Stoßkraft nach außen" Ter„Erste Landes rat" Dr. Tchultze Plötzins(Stettin) gibt in Heft 12 von„:)icicl> und Ländern" höchst aufschlußreiche Gedanken über die„Neuordnung des Rcichsanfbaus" von sich. Sein Grundgedanke für diese sogenannte Neuordnung lautet kurz und bündig:„Je straffer die Organisation des Reiches im Innern ist, umso stärker wirb auch die Stoßkraft nach auben sein." Klarer und deutlicher kann man den Sinn der deutschen Ereignisse nichi formulieren: man wird die Neuordnung nach Meinung der Nazi selbst als eine Art Kriegsvorbereitung zu betrachten haben. Denn was könnte sonst„Stoßkraft nach außen" besagen wollen, wenn nicht das, was Hitler so fern liegt: der Krieg. Tél. Trïniié 43-13 Méiro P i g a 11 e Deutsche Poliklinik Paris, 02, Rue de la Rochefoucauld <1 Allgemeine Konsultationen mit 9 Spezialistn. b) Chirurgie c) Geburtshilfliche Klinik d) Zahnärztliche* Kabinett Innere Medizin. Augen-, Ohren*. Nasen- und Kehlkopfkrank. ZwcwtöckigegS-natorinmsgebäude. Vierstöckiges Gebinde. Zimmer Zahn, und Mundchirnsgie. Gold» •leiten. Röntgen Diathermie. 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Vierteljahr 1933 die Verlängerung ihrer Aufenthaltserlaubnis beantragt haben und deren Récépissé bis 31. Dezeinher 1933 giltig ist, vom 3. bis 15. Januar beim zuständigen Kommissariat vorstellen, damit der Ausweis Iiis 31. März 1934 verlängert wird. Bis zu diesem Datum soll die Verteilung der cartes d' identité (neues Muster), giltig für 1933 34 vollendet sein. Zuständig für das Erscheinen der Ausländer 3. bis 15. Januar sind: in Paris die commissariats de district, in den Vororten die commissariats de circonscription. * Die neuen cartes de travailleur zu 20 Francs, die direkt fn der Prefektur beantragt wurden(erste Karte. Austausch von Provinz-Karten. Sonderfälle) sind fertiggestellt und können abgeholt werden. Arbeitskarten zu 20 Francs, die hei den Kommissariaten beantragt wurden, gelangen im Laufe des Januar zur Ausgabe. Die cartes de travailleurs zu 100 Francs werden im Februar, März, April ausgegeben, und in derselben Zeit die cartes de non- travailleurs zu 20 sowohl wie zu 100 Francs!— Pariser Theaterbrief Man käme zu den merkwürdigsten Ergennissen, wenn man die Erfolge jedweder Werke auf dem Pariser Theater nach ihren Aufführungsziffern zu beurteilen versuchte. Seit ihrer Uraufführung zu Lebzeiten Racines hat ,.P h è d r e" im Repertoire des..Théâtre Français" die zweitausendste Aufführung noch nicht überschritten, die eine belanglose Operette wie„R ose-Maric im ,, 1 liéatre Moga- Die von der„DAZ." veröffentlichten Mitteilungen des .Korvetten-Kapitäns a. T. F r h r. o. F o r st n e r über seine Sichtung eines-eeungebeuers am 30. Juni 1015 von„U 2*" aus sind nach wie nor im Reich wie im Aus» land Gegenstand lebbufter Erörterungen und Mut- mahungen. Fe ,t ist durch eine Mitteilung des Korvetten-. Kapitäns Se ntt 2Öwisch, ,ur Zeit Ravigalions- i-f.yet an Boiö des Linienschiffe„Schleswig-Holstein", neues Licht in diese höchst interessante Angelegenheit ge- kommen. Korvettenkapitän Lömisch hat nämlich am 28. Juli 1018 als 1. Wachoffizier von„U 108", zusammen mit seinem Bootsmannsmaaten der Wache, auf 02 Grad 20 Minuten Nordbreite und dem ungefähren Längengrad von Muggle Flugga um 22 Uhr bei heller Nordnacht ein Tier gesichtet, das mit dem von Forstner geschilderten Seeungeheuer eine verblüffende Aehnlichkeit hat. Kapitän Löwisch, der seme Wahrnehmung dem Frhr. o. Forstner mitgeteilt hat. schreibt hierüber folgendes: „Als ich die Schilderung in der„DAZ." las, holte ich mein privates Kriegstagebuch von meiner Fernfahrt vom 4. Fuli bis 2. August vor, und da steht folgendes drin: einwandfrei zehn Uhr p. m. eine Seeschlaiige gesehen,' ich last mirs nicht abstreiten. Tas Tier hatte länglichen Kops, Zacken wie ein Krokodil und Beine mit richtigen Fitsten,' kam backbord achteraus in Sicht." Diese Notizen, so fährt Kapitän Lvwisch fort, habe ich damals nach meiner Abendwache und so für mich bestimmt hingeichriebcn S>e bildeten für eine wissenschaftliche Forschung keine Unterlage. Das-Ergebnis hat mich aber damals längere Zeit beschäftigt, und ich habe auch nach Rückkehr in die Heimat davon im Kaineradenkreis erzählt. Auch ausgezeichnet Hab icks ihnen. Darum weiß ich noch heute folgende Umstände genau: 1. Zch liest das Tier sowrt dem Kommandanten(Kor- nettenkapitän Nitzsche) melden. Als er aus den Turm kam, ivar es aber verschwunden. Ich wurde damit noch einige Zeit angeödet. Ich möchte aber betonen, dast ich i» meinem ganzen Leben niemals an Haluzinationen gelitten habe. Auch war der Bootsmannsmaat neben mir Zeuge des Gesehenen. 2. Das Tier hatte einen flachen k r o k o^d i l s ä h n ähnlichen K o v i. Aus dem Rücken und Schwanz(die ganze Länge des Tieres kam nicht aus dem Waffer her- aus: es war schlangcnähnlich gewunden! waren deutlich Zacken zu sehen, die sich nach hinten zu verjüngten. Ferner waren zu sehen die Ansätze des rechten Vorderbeines und meines Wissens auch des rechten Hinterbeines am Körper. (Wir sahen von uns aus die rechte Seite des Tieres, das parallelen Kurs mit uns hatte.) Der grösttc Teil beider Beine war unter Wasser. Dagegen sahen wir sowohl die rechten wie die linken Füste oder besser Floffcn. Tie be- standen aus dicken Zehen oder Fingern, die deutlich durch Schwimmer verbunden waren. Die Zehenspitzen waren dicker als die Zchenglieder. Die Länge des nur teilweise ans dem Wasser ragenden Tieres schätzte ich damals aus ein Drittel Bootslänge.(Tie Länge von„11 108" ist mir aus dem Gedächtnis nicht mehr bekannt. Tic wird aber rund 90 Meter oder etwas mehr beiragen haben. Die Länge des Tieres würde»ach der Schätzung dann etwa I dor" iin Zeiträume weniger Jahre erreicht hat. Im gleichen „Théâtre Mogador" wird heute Charreüs„W e i ß e s R ö ß'l" schon über die sechshundertste Wiederholung hinweggesteuert, während die Gesamtzahl der Werke Paul R a v- n a 1 s, die in Pariser Theatern im Laufe der Jahre erzielt wurde, sich schwerlich über 400 belaufen dürfte.(Zu einem der Vergleiche, auf die es mir im vorliegenden Zusammenhange ankommt, zitiere ich. daß das„Grabmal" Raynals in Deutschland mehr denn 3000 Wiederholungen gesehen hat.) Betrachtet man heute die nach mitteleuropäischen Begriffen enormen Vorstellungsziffern, zu denen selbst literarische Werke es im Laufe einer relativ kurzen Zeitspanne in Paris zu bringen vermochten, so ist dazu allerlei Erläuterndes zu bemerken. Einmal das: Paris ist das Zentrum der gesamten französischen Bühnenknnst. das die Provinz restlos versorgt und nur in Ausnahmefällen gestattet, daß Genf oder Brüssel— weit eher als Lyon oder Monte-Carlo— sich ganz gelegentlich zur Heimat einer schöpferischen Tat auf dem Gebiet des Theaters erheben. Zum zweiten, daß die Pariser Säle in ihrem Fassungsvermögen von etwa zwei- 30 Meter betragen Haben und mit den jetzt aus Schottland gemeldeten Längen des dort gesichteten Tieres genau über- einstimmen. Anmerkung des Herrn v. Forstner.) Die Entfernung, auf die wir es sichteten und durchs Glas beobachteten, ivar etwa 600 bis 800 Meter." * London, 20. Dez. Das Ungeheuer in dem schottischen Tee Loch Nest wurde am 28. Dezember ungefähr zu derselben Zeit an zwei über 30 Kilometer voneinander entfernten Stellen von Beobachtern gesichtet. Man zieht daher den Schluß, dast es sich unmöglich um dasselbe Tier handeln kann, sondern dast ein zweites Ungeheuer vorhan- den sein muffe Der englische Ministerpräsident Maedonald, der seine Weihnachtsserien in Schottland verbringt, soll„Daily Tele- graph" zufolge den Wunsch geäußert haben, Loch Nest zu besuchen, um womöglich mit eigenen Augen das Untier zu sehen, falls es nicht zu schüchtern ist, sich vor einem Ministerpräsidenten zu zeigen. An- und Verkauf zentralsuropOischer und sQdamarlkani- •eher Devisen Effekten und REICHSMARK lurch das Bankhaus Georges Perles 8 P. Michel 34. RUE LAFFITTE. PARIS IX TELEFON TAITBOUT BS-40 BIS 45 hundert bis rund dreitausend Personen gehen. Unter diesen Umständen bedeutet es natürlich rein quantitativ etwa« anderes,* wenn Gaston Baty mit etwa 1000 Aufführungen von Gantillons„M a j a" oder wenn Louis Jouvet mit einer entsprechenden Zahl von Wiederholungen des..Dr. Knock" von Jules Romains aufwarten kann, die im„Studio" resp. in der„Comédie-Champs-Elysées" vor einem Publikum von 200 bzw. 600 Personen bestenfalls gestartet worden sind— oder wenn das riesige„Théatre-Sarah-Bernhardt" uns heute die rund dreitausendste Wiederholung von Edmond Rostand« sechsaktiger Tragödie„L'Aiglon" beschert, deren Hauptrolle bis zum heutigen Tage in Frankreich wie in Wien das Interpretationsgut gereifterer Damen geblieben ist.(Ich wiederhole hier erneut einen Protest gegen die Tatsache, daß Jean Weber, der größte jugendliche Darsteller unserer Zeit, nur in der Provinz Mussets„Lorenzaccio" und Rostands„Herzog von Reichstädt" zu mittein vermag.) Daß Edmond Rostand— Mag man darüber denken, wie man will.— unter allen Bühnendichtern Frankreichs bei weitem der populärste gewesen und geblieben ist, wird, außer durch seine Aufführungsziffern in Hauptstadt und Provinz, audi durch das Faktum eindeutig beleuchtet, daß sein„Cyrano de Bergerac"(in einer bescheidenen Manuskriptausgabe des Verlages Fasquelle) das achthundertste Tausend schon erreicht hat, was wohl als einzig dastehender Budihandlungserfolg einer Bühnendichtung gebucht werden darf. Wenn aber etwa Herr Denys Amiel, der heute Vizepräsident der Gesellschaft französischer Bühnenautoren ist, aus dem Faktum, daß seine letzte Komödie„Trois et Une" im Théâtre Saint-Georges dank einer ungewöhnlich glücklichen Darstellung, mehr als vierhundertmal gegeben werden konnte im Vergleich zu den bisherigen Aufführungsziffern Claudels, Raynals, Roger Martin du Cards und Supervielle« irrtümliche Schlüsse zu ziehen geneigt wäre, so möge die Ewigkeitslaufbahn Racines darüber belehren, daß Tages- ehern Boden wachsen. erfolg und Jahrhundcrtsgültigkeit nicht unbedingt auf gleichem Boden wachsen. Hans Albert v. Maitzahn. BB^IPKflSIEN ©. 91., Rorschach. Wir danken für Sstftre Treue. SS ist un» immer wieder ein Ansporn, zu erfahren, wie sehr unsere Arbeit in der Schweiz Widerhall findet. Ten Aussatz werden wir nachdrucken. Vonbon. Ss freut un», daß Sie z» Weihnachten so herzlich an un« gedacht haben. Wir erwidern Ihre Grüße mit den herzlichsten Nrn- sahrswünschen. DaS Grölen im Radio gegen und wird uns so wrnig«schultern wie«ie. Unser Kamps wird fortgesetzt. Hern. Za. Smil Ludwig ist keineswegs stumm geblieben. JVn Kürze erscheinen in Suropa und Amerika iin deuticher spräche beim Querido-Verlag in Amsterdam!„Gespräche mit Masaryk", ein Gegenstück zu„Gespräche mit Mussolini". Ferner:„Führer Suropas, nach der Natur gezeichnet": Neun Porträts von Führern aus nenu Nationen nämlich: Mußolini, êlalin, Llond George, Rathcnau, Penizelos, Briand, Nansen, Masaryk, Motta. Sine neue Komödie, die„KönigS-Insel", ist noch für diesen Winter zur Aufführung be- stimmt. Zur Zeit arbeitet Ludwig an einem Buch über den Tessi» und einem zweiten Buch über den Ntt. Für den Geiamtinhait verantwortlich: Johann Pitz in Dud- weiter: für Inserate: Cito Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck »nd Bcrlag: Verlag der Völksstimme GmbH., Saarbrücken 3, Schüyeiiftraße 5. FRANZOSISCH KURSUS 1: Individuelle RAP!D-Ausbildung für die verschiedenen Bernte(50 Lekt). 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