Sinzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nummer 3— 2. Jahrgang Saarbrücken, Freitag, 5. Januar 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Aas dem Inhalt Tîlaçda Ç&e&beCs— JCem 1Hütchen Seite 3 Spielzeuytiic Staatsmännchen Seite 4 $üAcec-JCcise an dec Suae Seite 4 Jxaaen im 3. Reich Seite 5 3Cölle Jlempelhal Seite 5 Rüchhclir nadi Ocni unerläfllidi Die Versuche, Deutschland wieder in den Völkerbund zu Dringen— Mussolinis Reformvorschläge abgeschwächt Pari s, 4 Januar. Mehr und mehr tritt in Erscheinung, dag sowohl die sranzösisch-dcutschcn(bespräche wie die Ver- Handlungen zwischen Sir Simon und Mussolini in Vom nur insormatorischen Eharakter tragen. So beträchtlich drc Meinungsverschiedenheiten zwischen England, Krankreich und Italien hinsichtlich des Entgegenkommens in der Ab- rüstungsfrage an Deutschland noch sein mögen, so sehr ist ihr gemeinsames Bemühen erkennbar, Deutschland in den Völkerbund und an den lisch der Abrüstungskonferenz zu- rückzudringen. Auch die Vorschläge, die Frankreich in seiner Dentschrist in Verlin gemacht hat, haben den Nahmen des Völkerbundes nnd die gemeinsame Abrüstungskonvention aller an der sogenanntne Abrüstnngokonserenz beteiligten Staaten zur Voraussehung. Offensichtlich hat Sir Simon in Rom mindestens den eine» Erfolg erzielt, dag Mussolini seine entsprechend den saschi- ftischen Methoden mit grossem Reklamegeschrei angekündigte ultimative Forderung aus sosortige Reform des Völkerbun- des etwas in den Hintergrund rückt. Er versolgt zwar noch das Ziel, die Ueberlegenheit der Grossen im Völkerbund und die Trennung des Versailler Vertrages vom Völkerbunds- Pakt zu erreichen, aber er macht die Erfüllung dieser Korde- rangen anscheinend nicht mehr zur Voraussetzung der wei- teren Mitarbeit Italiens in Genf. Das Hauptverdienst an diesem Zurückweichen Italiens kommt Krankreich und dem tschechoslowakischen Austenminister Venesch zu, der sich in den letzten Woche wieder als eine der groste Figuren europäischer Politik erwiesen ha«, obwohl er keine Gross- macht vertritt. Venesch ha« gegenüber dem faschistischen Ulti- matnm aus Revifion der Völkrrbundssatzung zum Schaden der kleinen Mächte ruhig erklärt:„Solange ich Mit- glied des Rölkerbundsrates bin, wird eine Revision des Paktes in wesentliche» Pnnk- te» nicht ersolgen. da ich sie nicht ratisizie- re» würde." Dieler Mann, der wohl der dienstälteste -lustenminister Europas ist— er regiert feit der Gründung des tschechoslowakischen Staates—, ist einer der Veweise dafür, dast in der Demokratie bedeutende Ki^rergestalten nicht nur emporsteigen, sondern sich aus der Höhe anch be- danptcn können. Die Tschechoslowakei mit ihrem greisen Präsidenten Masarnk und ihrem Austenminister Vrnesch, der noch in, besten Mannesalter steht, sind neben Krankreich dir Garante» demokratischer Entwicklung in Europa und die Retter und Protektoren des Völkerbundes. Verlin wird binnen kurzem vor die schwere Entscheidung gestellt werde«,„ach Gens zurückzukehren und damit alle leine grasten austenpolitischen Gesten zu verleugnen oder d,e Verantwortung für die kommenden Konflikte zu über- nehmen. Simon-Mussolini >.Sonderkomitee" der vier Großmächte ^ Poris, 4. Jan. Zu der Aussprache zwischen Mussvkini nnd ■®' r John Simon ivill der römische.Korrespondent des „Petit Parisien" berichten können, dast beide Staats- wanner sich um das geeignetste Mittel für die Annäherung er vier westeuropäischen Hauptmächte bemühten. Die Ver- andlgungsbasis könnte der Abrüstungsplan Macdonalds tlden. Die italienische Regierung dürste dagegen keine Ein- Sendungen erheben. Jedenfalls aber halte man die Rückkehr ^tschlands in den Völkerbund deshalb für unerlählich, C«I ftit Lösung des Abrüstungsplanes nicht in Abwesenheit ct Frankreich befreundeten oder verbündeten Mächte ge- unden werden könne. Möglicherweise werde man auf einer ^vrbcreitungskonfcrenz die teilweise diametral entgegensetzten Thesen der Exalliierten und Deutschlands auszu- weiche,, versuchen. Der Korrespondent dementiert übrigens as Geruch«, dast Sir John Simon ans der Rückreise nach London in Paris Ausenthalt nehme» werde. Auch der römische Berichterstatter des„M a t i n" spricht von en, Wunsch Italiens, eine Zusammenkunft der vier Grost- wächtx zustandezubringen, aus der Italien und England die Schiedsrichter-und Vermittlerrolle übernehmen könnten. Der Korrespondent will bestätigen können, dast Mussolini Sir ckvh« Simon einen greiiba/en Plan für die Reform des ^^'kerbundes unterbreitet habe. Hiernach sollen die vier ^rostmàchte in Genf als„Sonderkomitee" zusammentreten. To oft ein wichtiges, vom Völkerbund zu behandelndes Problem vorliege, würde dieses Sonderkomitee jeweils die an der Krage interessierte Macht bzw. interessierten Mächte zu seinen Beratungen hinzuziehen und alsdann der Voll- Versammlung einen Bericht in Form einer„Empfehlung" vorlegen. Itcine Entscheidung! „Nur Klarstellung der Auffassungen" London, 4. Januar. Zur Zusammenkunft zwischen Mnsso- lint und Simon berichtet der Korrespondent des Reuter- büros in Rom, Simon habe gestern den ganzen Tag mit dem Studium von Depeschen aus London verbracht und die Prüfung der französischen Denkschrift fortgesetzt. Es verlau- tet. dast bei der Zusammenkunft am Abend die Ab- rüstungsfrage eingehend untersucht wurde, dast aber kein« Entscheidung getroffen wurde, da die Be- sprechungen nur der Klarstellung der Auffassungen beider Länder dienen nnd keinen festen unab- änderlichen Beschlust zeitigen sollen. Es wurde beschlossen, , e Frage einer Neugestaltung des Völkerbundes heute zu behandeln. In Roin besteht der Eindruck, io beistl es'.n der Meldung weiter, dast in der Frage der Nüstungsverin'v derung der britische und der iialienisö, e Standpunkt einander sehr nahe seien. Die Auffassung sei, dast es sich nicht darum handele, ob Deutichland.'100 000 Soldaten habe» solle oder nicht sondern darum, dast die von den Friedensverträgen gcschan'eiv'n künstlichen Ungleichheiten beseitigt werden solle». Rur Abrüstung ans Grund ehrlicher Uebereinstimmnng wird als der Müh« wert betrachtet. Der Korrespondent des„Daily Telegraph" in Rom weih zu berichten. Mussolini sei durchaus bereit, Anrequn- gen, von denen ein Komprouiih zwischen Paris und Berlin erhofft iverden könnte, aus halbem Wege eutaegcnznkominen. Er vermeide aber sorgfältig alles, was als U l t i m a t u ni a u s g e s a st t werden könnte. Wiederaufrüstung! Als Ziel der„Abrüstung" Rom, 4. Januar. Der„Lavoro Fascist«" schreibt: „Das Problem der Abrüstung dreht sich nicht mehr um die Verminderung der Rüstungen, sondern um ihre Revision. Die Ersahrungen der Abrüstungskonferenz haben gezeigt, dast es wenigstens für einige Zeit unmög- lich ist, die Rüstungen der am stärksten gewappneten Völker wesentlich herabzusetzen, und daraus ergibt sich logischer- weise das politische Problem der Wiederaus- r ü st u n g der Länder, die durch die militärischen Klauseln der Friedensverträge gebunden sind. Heute und in dieser Situation sollte das Wort Wiederaufrüstung nicht erschrecken, wenn das politische Problem gelöst wird, welches zugrunde liegt." ^ Diese Aeusterungen haben den Vorzug der Ehrlichkeit. Die Periode des verlogenen Abrüstungsgeredes ist vorüber. Die Wiederausrüstung der zwangsweise abgerüsteten Staaten ist im Gange, und die Hochgerüsteten werden trotz aller Konventionen und Pakte ihren Vorspruug auirechl- zuerhalten suchen. Moskau und Genf Zwischen Japan und Völkerbund Mo ö kan. 4. Januar 1984. sEig. Berichts Viel zn wenig beachtet worde« ist die Erklärung des russischen„Zaren" Stalin in einer Unterredung mit dem Vertreter der„Rewyork Times", Walter Durant», die jetzt im Wortlaut vorliegt:„Die Sowjetunion könnte den Völkerbund unter st sitzen, wenn dieser sich gege» den Krieg stellen und den Frieden unter st sitz en wollte." Stalin fügte hinzu:„Es besteh« ernste Gefahr durch die Kampsaktionen Japans und uns bleibt nichts anderes übrig, als uns vorzubereiten, um dieser Gefahr entgegenzutreten. Japan würde nicht klug handeln, wenn eS uns überfallen würde. Seine wirtschaftliche Situation ist keine allzu gesunde und es hat viele'schwache Punkte, z. B. Korea, die Mau- dschurei und in Ehina.", Dimllrofl Vor einer Entscheidung? V er lin, 4. Januar. sInprcstj. Die Entscheidung über das Schicksal von Dimitross, Torgler, Poposs und Tanesf wird bald erwartet. Das Leipziger Gesängnis, in dem die Freigesprochenen immer noch festgehalten werden, befindet sich nur einige hundert Kilometer entfernt von der tschechi, scheu Grenze. Diese Tatsache ist von der tickachischen Regierung zum Anlast genommen worden, der oeutschen Regie- rung nunmehr offiziell mitteilen zu lassen, dast sie b reit sei. Dimitross und seinen Kameraden die Einreise iu die Tlchccho- slowakei zu gestatten. Darüber hinaus hat der»lchechikme Gesandte i„ Verlin gebeten, ihn das genaue Datum der Ausweisung wissen zu lasse,,, damit die tschechiichey Vehör- den ersorderlicheusalls die notwendigen Massnahmen.reite« können. Deulsdic Kriegsfreiber Göring und Rose berg Moskau, 4. Januar. Die Sowjet-Regierang hat Doku- mente beschlagnahmt, die bestätigen, dast Verhandlungen zwischen offiziellen deutschen Regierung»- kreise» und nkrai nische» Separatisten geführt worden sind. Von deutscher Seite unterstanden die VerHand- lungen dem preussischen Ministerpräsidenten Göring? Ver- treter der ukrainischen Separatisten war«onowaltz. Als Ziel besteht die Schassung einer unabhängigen Grost-Ukraine. Deutschland verlangt unter seine,, Einsluss die ukrainische Metall- nnd Kriegsindustrie, die Kontrolle der Armee«ud Aussenpolitik. Dagegen verspricht Deutschland seine Unter- stützung bei der Schassung einer Gross-Ukraine, die alle von Ukrainern bewohnten Gebiet-- nmsasst. Die Haupttreiber sind„General" Göring und der aussen- politische Berater Hitlers Arthur Rosenberg. ver Aniftüo stockt? Zur ständischen Neugestaltung des„dritten Reiches" Von Peter G a rwy Die negativen Aufgaben der nationalsozialistischen „Revolution" sind so gut wie gelöst. Die Zerstörungs- arbeit war leicht zu verrichten. Der„liberalistische Staat" liegt in Trümmern, die Weimarer Verfassung ist mit dem Nazistiefel zertreten, die Bürgerrechte sind ausgehoben, die politischen Parteien ausgemerzt, die Arbeiterorgani- sationen vergewaltigt, gleichgeschaltet, in den national- sozialistischen Parteistaat eingegliedert. Vicht so leicht geht es mit den..positiven" Auf- gaben der Nazi-Revolution. Zwar sind alle ihre Wider- sacher unterdrückt, terrorisiert, gelähmt. Aber die Auf- bauarbeit stockt. Viele Spiele, wenig Brot. Viel Be° geisterung, wenig Arbeit. Das versprochene Wirtschafts- wunder bleibt aus. Die Arbeitslosigkeit wütet nach wie vor— trotz des Arbeitsdienstes. Das konfuse und wider- spruchsvolle Naziprogramm versagt beim ersten Verwirklichungsversuch. Auch die staatliche Neugestaltung des „dritten Reiches" geht langsam nnd wankend vor sich— trotz dem vorgefundenen Beispiel des italienischen„Kor- porativ-Staates". Die Demokratie ist als tot erklärt. Der Parlamentär!?- mus wird als„lleberbleibsel des liberalistischen Zeitalters" verschmäht. Die Bürgerrechte zum alten Eisen geworfen. Was ist aber an Stelle alles dessen zu stellen? Ein Durcheinander von Meinungen und Aeußerungen herrscht immer noch darüber— ein Jahr nach der Macht- ergreifung durch Hitler. Gewiß fehlt es bei den Nazis nicht an den Staats- gedauken und Auffassungen; Führeridee, Elitestaat, Ekândeskaat, Parteistaat. Rassenstaat usw. Gobbels er- Klarte vor seiner Abreise nach Genf, es sei ein Irrtum, zu glauben, datz bas Volk sich selbst regieren wolle. Und lein Gesinnungsgenosse Kube hat aber aus der kom- munalpo-tischen Tagung am 9. Dezember erklärt:„Wir Nationalsozialisten haben es als Opposition immer ab- gelehnt, Untertanen zu sein und wir lehnen es auch heute ebenso ab." Bald kokettiert man mit der Potsdamer ^.radltion und schickt den Kronprinz und den Nazi-Prinz Auw! voran. Bald erklärt jedoch der Wortführer Hitlers, Rosenberg, im„General-Anzeiger" vom 19. Dezember, der Nationalsozialismus sei„nicht ein Wiederaufrichter hingesunkener dynastischer Kabinettspolitik, sondern ist eine Neuformung deutscher Volksführung, geboren aus der alten germanischen Charaktergrundlage heraus, wie bec Herzog und seine Gefolgschaft darstellte". Bald sehnt man sich nach dem altgermanischen Zeitalter zurück, bald nach dem Mittelalter(Ständestaat). bald ver- deutscht man die ultramoderne faschistisch-bolschewistische Idee eines Parteistaates. Ein fieberhaftes Suchen nach Deckmänteln für die per- sonliche Diktatur Hitlers! In dieser Richtung bewegt sich die Verparteilichung des Staates, die mit der Verstaatlichung der Partei Hitlers Hand in Hand vor sich geht. Das jüngste Dezember-Gesetz spricht darüber offen aus:„Die NSDAP, ist die Trägerin des deutschen Staatsgedankens und mit dem Staat unlöslich verbunden." Gleichzeitig mit der Aufrichtung des Partei- staates wird die ständische Neugestaltung des„dritten Reiches" in Angriff genommen. Der Punkt 23 des Programms der NSDAP, fordert den ständischen Aufbau des Staates. Der Reichstag und da» allgemeine Wahlrecht werden zwar einstweilen— als Fassade für das Ausland— beibehalten. Aber das «dritte Reich" soll nunmehr als Ständestaat um- und aus- gebaut werden. Wozu? Gewiß ist dem kleinbürgerlichen Nationalsozialismus ein romantischer Zug eigen. Der Mittelstand, dies soziale Zwischending, steht mit einem Fuße in der Vergangen- heit. Seine völkische Einstellung riecht nur zu stark nach dem Mittelalter. Aber die„antikapitalistische Auf- lehnung" der Mittelschichten wird immer mehr von den Trägern der Wirtschaftsmacht zur Aufrechterhaltung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung ausgenutzt. Die stän- dische Neugestaltung des Staates ist romantisch seiner Form, sozial-reaktionär seinem Inhalt nach. Die Nazi-Fllhrer verraten selbst das Geheimnis der „ständischen Neugestaltung", die mit der Bildung der großangelegten„Arbeitsfront" in Angriff genommen ist. Dr. Max Frauendorfer, Leiter des Amtes für Ständischen Aufbau der NSDAP., betonte vor kurzem, daß„das System des überwundenen Liberalismus unfähig war. eine Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Gruppen der wirtschaftlich tätigen Menschen zu erzielen, wodurch die Zerspaltung des Volkes hervorgerufen und verewigt wurde". Also oie reinste patriotische Sorge um die Ein- heit des Volkes als Ganzes. Aber andere Nazi-Führer find in ihren Aeußerungen weniger vorsichtig. Ludwig Bruckner, Leiter des Aus- 'chusses für Sozialpolitik der Reichsleitung der NSBO. Nationalsozialistischen Betriebszellen- Organisationen), pricht zwar auch über die„Dienstbarmachung aller Deut- chen, Unternehmer und Arbeiter, am Volksganzen", aber gleichzeitig betont er, daß der Arbeitsvertrag im neuen Staat einen neuen Sinn erhalten habe. Nämlich es han- delt sich nunmehr beim Arbeitsvertrag„nicht um eine Urkunde über Kauf und Verkauf der Arbeitskraft, son- dern im weitaus höheren Maße um die Schaffung eines persönlichen, materiell zunächst nicht bewertbaren Ver- hältnisses der in gemeinsamer Arbeit verbundenen Menschen". Ganz so wie in den mittelalterlichen patriarchalischen Zukunftsorganisationen! Und dies im Alter des mono- poliftifchen Spätkapitalismus! Aber gerade im Interesse des wankenden Spätkapitalismus liegt die Wiederbele- bung auf einer erweiterten Basis des mittelalterlichen Ständegedankens. Es gilt den Klassenkampf abzuschaffen, indem man die Kampforganisationen der Arbeiterklasse in eine Stände- organisation hineinzwingt. Klaus Seiner, der Leiter des Organisationsamtes der„Deutschen Arbeitsfront", betont. „Der Unternehmer und seine Mitarbeiter(!) müssen zu einer einheitlichen Organisation zusammengefaßt werden". Dementsprechend„muß sich die waagrechte Gliederung der Verbände in senkrechte ver- wandeln". Der Betrieb habe die Grundlage zu bilden. Betriebsgemeinschaften entstehen und werden zu einem großen Block in der deutschen Volksgemeinschaft zu- sammengefaßt:„dann werden wir zwangsläufig eine nationalsozialistische Wirtschast haben"! Und was ist das„Endziel"? Was ist die„nationalsozia- listische Wirtschaft", die„zwangsläufig" aus der stän- dischen Neugestaltung hervorgehen soll? In der gleich- geschalteten„Vossischen Zeitung" vom 10. Dezember wird „die marxistische Auffassung des Sozialismus" grundsätz- lich verworfen:„Wir wissen, daß(nach dem Willen der Führung der NSDAP.) die private Initiative zur vollen Entfaltung kommen soll, daß das Privateigentum nicht nur negiert, sondern bewußt bejaht wird". Also kapita- listische Privatwirtschaft, die Klassengegensätze zwängs- läufig erzeugt, aber ohne Klassenkampf, ohne freie Klassenorganisationen, ohne Demokratie, in der der Klassenkampf zwischen den Ausbeutern und den Aus- gebeuteten ausgetragen werden könnte! Wahrhaftig ein „Mythos des 20. Jahrhunderts", um mit Rosenberg zu sprechen! Die ständische Neugestaltung entpuppt sich also als Mittel zur„Ueberwindung des Klassenkampfes", d. h. zur Entmachtung der Arbeiterklasse. Politisch gesehen wird der Ständestaat Hitlers ebensowenig eine neuerfun- dene Form des„richtigen Bolksstaates" sein wie der ..Korporativstaat" Mussolinis. Der einzige Staatsgedanke des deutschen wie des italienischen Faschismus ist die Führeridee, die persönliche Diktatur, die sich heuchlerisch mit der„Nation", mit der„Volksgemeinschaft" und mit dem Vaterland identifiziert, indem sie sich über Parteien und Klassen stellt. Der Ständestaat bleibt aber Klassen- jtaat und Diktatur bleibt Diktatur! Französische Stimmen „Gegen jede Antrüstnng" Paris, 4. Fan.„Was bereitet man in Rom vor?" lautet oie Frage fast sämtlicher Blätter, die zur Aussprache zwischen Mussolini und Sir John Simon Stellung nehmen.„Frankreich darf auf keinen Fall", so erklärt deshalb der& o m m e Libre",„von seinen bisherigen Richtlinien abgehen. Wir sind gegen jeden Versuch einer Vertragsrevision, wir ver- langen die Behandlung des Abrüstungsproblems im Nahmen des Völkerbundes, wir verlangen, baß alle Mächte, ob klein oder groß, die gleichen Rechte und Pflichten haben. Wir haben das Berlin zur Kenntnis gebracht, wir werden es den Abgeordneten Roms und Londons wiederholen. Mussolini und Sir John Simon können das nicht übersehen, aber werden sie dem Rechnung tragen?" Die„Ere Nou- v e l l e" hält jeden Versuch eines Ausgleichs zwischen dem internationalen Faschismus und der internationalen Demokratie kurzer- hand für utopisch und erklärt, daß man sich in Rom nicht an diese Aufgabe machen solle. Sir John Simon als Ber- treter ber großen englischen Demokratie müßte vielmehr den faschistischen Diktaturen klar machen, baß es verlorene Zeit sei, auf die Reform des Völkerbundes und die Abrüstung hinauszuwollen. Die Behauptung des„M a t i n". baß Italien sich der Schwierigkeiten klar zu werden beginne, England und Frankreich für die Aufrüstung Deutschlands zu gewinnen, wird von anderen Blättern nicht geteilt. Der „Excelsior" zieht das Sicherheitsventil:„Man muß auf eine englisch-italienische Vermittlungsaktion gefaßt sein." Es wäre nichtig, erklärt er, an der Komxromißsormel Kritik zu üben, ehe sie bekannt ist, doch darf man sagen, daß die französische Regierung, die zu einer von Italien, England und Deutschland lange befürworteten Abrüstung bereit ist. entschlossen bleibt, gegen jede Aufrüstung Front zu machen, die das Gleichgewicht der Landstreit- kräfte zerschlagen, Frankreich von seinen Freunden und Verbündeten trennen und zu einer den kleinen Mächten aufgezwungenen Revision der Verträge führen kann. Das„Echo de Paris" behauptet, daß man in London, da man sich von dem Fortgang eines direkten Meinungs- austausches zwischen Deutschland und Frankreich keine wei- teren Fortschritte verspricht, an folgende Möglichkeit denke: Anläßlich der Völkcrbunbsratstagung würden die Vertreter Englands, Italiens und Frankreichs die Lage an Hand der deutsch-französischen Besprechungen und des Ergebnisses von Rom prüfen. Dann würbe ein neuer letzter Versuch, Deutschland zur Rückkehr nach Genf zu be- wegen, unternommen werben in Form einer ge- metnsamen, dem deutschen Standpunkt weitgehend Rechnung tragenden Anregung der Großmächte. Was die Besprechung von Rom betreffe, so scheine England auf Mussolinis Reform- pläne eingehen zu wollen, wenigstens entspreche die italie- nische These, daß ber VölkerbundSpakt vom Versailler Ver- trag zu trennen sei, einer allgemein in England gebilligten Auffassung. Man glaube, daß auf diese Weise die Unter- schiede zwischen Sieger- und Bcsiegten-Ttaaten beseitigt wer- den könnten, und daß außerdem die Zusammenarbeit von Mächten wie die V^r-inigten Staaten und Sowjetrußlanb mit dem Völkerbund dadurch erleichtert würde. Part«. 4. Jan. In Erwartung der deutschen Antwort aus daS französische Memorandum schreibt die„République": Deutschland nnd rranhreldi Wiederaufnahme der Handelsvertragsverhandlungen Berlin, 4. Januar. Zu der Pariser Meldung, baß die Wie- derausnahme der deutsch-französischen Handelsvertragsver- Handlungen bevorstehe, wird amtlich mitgeteilt: „Entgegen anderslautenden Meldungen daß eine Wie- derausnahme der deutsch-französischen Handelsvertrags- Verhandlungen unmittelbar bevorstehe, muß mitgeteilt werden, daß sich durch die von französischer Seite fest- gesetzte Kontingentierung eine neue Lage ergeben hat. Im Verlauf der hierüber stattfindenden Verhandlungen>v'rö sich ergeben, ob wieder die direkten Handelsvertragsv'r- Handlungen beginnen können und ob die mit diesen Ver- Handlungen beauftragte Abordnung wieder adresse» kann." Die erwarteten Gegenmaßnahmen der deutschen Regie- rung gegenüber der verschärften französischen Kontingentie- rungspolttik dürsten übrigens bereits in Kürze begannt- gegeben werden. vorgezogen, jetzt müsse« wir kaltblütig verfolgen, was sich zwischen Mussolini und Sir John Simon abspielen wird. herrlots Nein! Völkerbund höchstens noch demokratischer Paris, 4. Januar 1984. Die Zeitschrift.Les Annales" veröffentlicht in der morgigen Freitagnummer einen Artikel H e r r i o t S über die italienische Anregung zur Reorganisierung deS Völkerbundes. Herriot sagt in diesem Artikel, daß sich die Lage all- mählich kläre. „Wir Franzosen." fährt Herriot fort,„stellen uns absolut und entschieden g e g e n die itali-uisch« Anregung und wir balte» es für unsere Pflicht, dies osse«»nd ansrichtig zu sagen, da der Welt gegenwärtig wenigstens klare Gedanken not tun. Der Versuch zur Schassung einer internat,ona- len Demokratie zeitigte schon so viele günstige Ergeb, nisse und es bestehen bereits so viele rechtliche und ver, tragliche Verpflichtungen, die aus dem Völkerbund ge- gründet find, daß durch ihre Zerreißung die Welt in ein völliges Chaos und sehr rasch i» eine» Krieg gerissen würde." Herriot führt das Beispiel der österreichischen Republik an, die bereits zweimal vom Völkerbunde gerettet wurde, ohne daß ihre politische Freiheit bedroht worden wäre, und die sich jetzt auf dem internationalen Forum ihren Verteidigern an- schließt. Weiter hebt Herriot die vollkommene Uebereinstim- n»ing Frankreichs mit Lord Cecil hervor, daß oligarchische Absichten als Versuch zur Rückkehr des Systems der Heiligen Alliance abgelehnt werden müssen. Wenn sich der Völkerbund ändern sollte, so nur in dem Sinne, daß ihm ein noch demokratischeres Statut gegeben wird, nicht aber in dem Sinne, daß er durch einen Rat der Großmächte ersetzt wird. In setner gegenwärtigen Form bringe der Völkerbund bereits den Grundsatz der Gleich- bercchtigung der Völker, der v«n rein französischer Grundsatz ist. mit der wahren Lage der Großmächte, die den Völker- bundsrat beherrschen, in Einklang. „Wenn jemand," erklärt Herriot,„unS Franzosen die Frage vorlegt, ob wir zu einer Aenderuna des Völkerbundes «ufere Einwilligung geben würden, die für die Autorität der Großmächte nach vorteilhafter wäre, dann darf nie, wand an unserer Antwort zweifeln. Sie wird kurz, aber klar lauten: Nein!" Im Monat Januar werden«nS kaum Mittel zur Verfügung stehen, um die fälligen Zah- lung en in voller Höhezu leisten. Es ist uns über- aus schmerzlich, den Geistlichen hiervon Kenntnis zu geben, glauben aber jetzt schon aus die beklagenswerte Tatsache hin- weisen zu sollen, damit der Ausfall an Gehalt am Fällig- kcitstermin nicht unvorbereitet kommt. Sollten wir wider Erwarten in den Besitz von Geld- Mitteln gelangen, dann werden wir selbstverständlich besorgt sein, der drückenden Not der Geistlichen, namentlich in dieser bitteren Winterzett, nach Möglichkeit zu steuern. Das Bischöfliche Ordinariat: gez. Dr. Mayer. Kardinal f au'iiaber Ober die Teutonen München, 8. Januar. Der München«? Kardinal Faul- Haber sprach in seiner Neujahrspredigt über den„christlichen Teutonismus". Tie Doktrin der„deutschen Christen" und anderer nationalsozialistischer„Theologien" wurden von ihm auf das heftigste kritisiert. Die alten Teutonen, erklärte Faulhaber, werden durch die Philosophen des Pan- gcrmanismus idealisiert: sie seien in Wahrheit ein Volt ge- wesen, dessen Zivilisation erheblich geringer als die der Hebräer war. Ihre Tugend und ihr Talent würden viel größer dargestellt, als sie waren. Kathollsdie Kirdie im Kamp! Auch in der Tschechoslowakei Prag, 4. Jan.(Sig. Bericht s Der Srzbischos von Prag, Carl Caspar, hat zu Neujahr an die katholischen Gl«»- bigen der Tschechoslowakei eine« Hirtenbrief erlassen, der in seinen eindringlichen und warmherzigen Worten, mit denen er zu den sozialen und moralischen Uebel« der Zeit Stellung nimmt, eine einzige große Vernrtet» lnngderJrrlehrendes Nationalsozialismus unddeovomNationalsozialis m nog e schützten Jndnstrieseudalismus darstellt. Ohne den G«a- ner zu nennen, ist der ganze Hirtenbrief so gehalten, daß er die schärfste Absage an die falschen Geste» und Irrlehre» des Renheidentnms der Nazis darstellt. Klrdienmlnlsfer Weber Schon wieder zurückgetreten Berlin,». Jan. Wie Kirchenminister Weber mitteilt, ist er am ti. Dezember von seinem Amte als Kirchenminifter zurückgetreten. » Seminardirektor Weber war als Vertreter der refor» inierten Kirchen in das am 2. Dezember neu gebildet« Kirchenmtnisterium berufen worden. Daß er schon wieder abdankt, beleuchtet die Zustände im Lager des Prot«- Kantismus,. Volkes Stimme- Sondergeridrisorfelle D. K. w.= Das Konzentrationslager wartet Die„Frmlkenthaler Zeitung" berichtet über einen SttzungS- tag des Sondcrgerichts für die Pfalz: Das Sondergericht für die Pfalz war am Mittwoch unter oem Vorsitz von Landgerichtsdtrektor K a st zu einer Sitzung zusammengetreten, in der 10 Fälle zur Verhandlung kamen. Im ersten Fall hatte sich der 51jährige Schreiner Emil Gieß aus Ludwlgsbafen zu verantworten, der am 8. No- ?«àr vor dem prot. Schwesternhaus in Ludwigshafen bà Abholen einer Unterstützung geäußert hatte, Hitler sei aus dem Völkerbund hinausgeworfen morden. In der Ber- Handlung bestritt der Angeklagte, diese Aeußerung gebraucht zu haben, wurde aber überführt und entsprechend dem Antrag des Staatsanwalts zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt. ic.?? 1 Métras die Anklage gegen die 31jährige Ehefrau Ätttta 3 1 1 i aus Ludwigsbaien, die im August ge- genuber Hausbewohnern die Aeußerung gebraucht haben ii't.Jts Kommunisten haben den Reichstag nicht ange- die Hitler selbst getan. Auch in diesem .bestritt die Angeklagte entschieden diese Aeußerung. Sie wurde ebenfalls überführt und zu 4 Monaten Ge- Staànwatt""^-ilt. entsprechend dem Antrag des _® e.! c"*? politisieren scheint trotz seines hohen Alters der ^>l aorigr verheiratete Nachtwächter David SS,*,'"/*^us Ludwigshafen, der am 4. November in einer t ,m. cr Wirtschaft gelegentlich einer politischen Unter- 'âsiie. es sei leicht möglich, die Arbeitslosigkeit zu «t*.P..£! t,? t' enn wan zwei Drittel in Konzentrationslager hPr?.<■£?îittel in die Uniform stecke, wie es Hitler getan ?P.«? Gericht verurteilte den Angeklagten, der sich an ?«. H n®"'Ht mehr erinnern will, zu 100 Mark nis beantragt' Staatsanwalt hatte 3 Monate Gefäng- Auf dem Nachhauseweg hatte der 32jährige Tagner JuliuS Seefried aus Ludwigshafen dem Propagandaleiter der NsDAP. gegenüber geäußert, die Wahl am 12. November fei unter dem Zwang der NTBO. vor sich gegangen. Der geständige Angeklagte wurde zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt. Der Staatsanwalt hatte 4 Monate beantragt. Gelegentlich einer Unterhaltung über die von der Regie- erzielte Verminderung der Arbeitslosigkeit hatte der 2ioii^gsàtt.^ Spielzeug für Staatsmânnchen in Deuts« ■— in Oesterreich rahrcrfrrisc an der Saar? Ministersohn verhaftet Wie die„Volksstimme" in Saarbrücken meldet, iverdcn die 'Auseinandersetzungen im Lager der sogenannten„deutschen Front"'.s Taargebietes immer schärfer. Vor kurzem sind bekanntlich vier Nationalsozialisten in Hitler-Deutschland verhaftet worden,' weil sie in Berlin an zuständiger Stelle Material über die Zustände unter den Nationalsozialist?« an der Saar nach Berlin bringen wollten. Nun stehe die Ab- bcrufung deS Landesführers, des 20jährigen Spaniol be- vor. Sein Nachfolger soll ein Rechtsanwalt Dr. Portz werden Soivcit die„Volksstimme". In der jüngsten Nummer der „Saarsront", des offiziellen Naziblattes an der Saar vcr- öffentlich» Spaniol freilich noch einen feierlichen Neujahrs- grüß„an sein Volk". » Wie wir erfahren, ist vor einiger Zeit der Sohn des saarländischen Ministers Koßmann, der in Freiburg studiert, dort verhastet morden. Die Geheime Staatspolizei hat in seiner Wohnung eine Haus- snchung vorgenommen, die aber ergebnislos verlausen sein soll. Inzwischen hat dann das A u s w ä r t i ge Amt wohl eingesehen, welch besonderen Missgriss eine solche Hand- lungswcise darstellt und die Freilassung erwirkt. Wahrscheinlich aber dürste es sich hier wieder«m einen der bekannten Drnunziationssälle handeln, bei denen sa a r- ländische Nationalsozialisten ,nm Zwecke einer Repressalienpolitik solche Saarbewohner, die ihnen aus irgendwelchen Gründen mißliebig erscheinen. » Schüsse In der Nacht von Samstag aus Sonntag wurde« aus das Schaufenster des Ze'iichristcngeschästes Philipp Frommer, Homburg, Marktplatz l, zwei Schüsse abgegeben. Die Scheibe ist zertrümmert. Die nationalsozialistischen Täter konnten nicht gefaßt werden.— Das Geschäft liegt in der Nähe der Polizeistatinn. Der betroffene Zeit- Buch-, Papier- und Zcitschristcnhändlcr Frommer sind nun insgesamt vier Anschläge verübt worden. Schon vor Monaten haben nationalsozialistische Schmierfinken das ganze Schaufenster mit roter Oelsarbe zugelchmiert, etwas später wnrde das Fenster mit„Wasserglas" verschmiert, so dast die Scheibe ruiniert war. Dann sind zwei Schüsse aus die Scheibe abgegeben worden. Und der letzte Anschlag war in der Nacht von Samstag ans Sonntag. Der Zeit- schristenhändler Frommer hängt trotz des Terrors nach wie vor die„Volksstimme" nnd die„Deutsche Freiheit" aus. Das versetzt die Homburger Nazis in ohnmächtige Wut. Was tun Tie? Sie zertrümmern die Schaufenster. Und die Nazrpresse meldet morgen ruhig weiter: An der Taar gibts keine» Terror. Große Uebe m Japan verrät das 12. Heft der„Zeitschrift siir Geopoliiik^ lHeranS- geber der bekannte Hanshoieri: ebenso ivie in seiner Schrift ,,-tcr nationalsozialistische Gedanke in der Welt", gehl der Haushoter von dein Grundsatz ans, Japan und Deutschland strebten dein gleichen Ziel zn. Mit aller Tentlichkcit ivird ans die- o iv s e t» n i o» verwiesen und L itw i now S Besuch in UTA. sowie die Zuspitzung des Verhältnisses zwischen den Sowjets nnd Japan au'nierksam gemacht. Grunde, warum Deutschland„weltüber Fcrnichau treiben" musse. Haushoter wittert Krieg und aus diesem Krieg Profit für Hitler. Eine Reminiszenz, die er anführt soll nicht unerwähnt bleiben, weil sie zeigt, welchen Gcdan- kengängen nnd Kombinationen von Japan, Towjetrustland «nd Abrüstungskonferenz die gcopolitisch getarnten Generäle nachhangen:„Dies ist keine Zeit für irgendeine Kultur- nation, mit ihrem Heer ein Possenspiel zu treiben, ober mit seinem Rivalen im Haag lAnm. des Haushoser: stimmt auch fur Geinli Taschensptelerkünste durch Vcrtrauenstricks zu treiben. Abrüstungsgeschwätz aus dcni Mund der Herren 'Usdiens wäre ii» höchsten Grad lächerlich, wenn eS nicht so gefährlich wäre. Mit diesen ehrlichen, harten metallenen Sätzen eines geraden Soldaten hat einst Jan Hamilton fein irtiu'biich über den Russisch-Japanischen Krieg eingelei- nJr Äfa'' Officiers scrap book, London, 1006, S. 7.s. ES ""d dort noch viele andere Kciilcnschläge klir daß Lügcnspicl in Gen, ansgezcichnet, kür solche, die ans Britenmiind Wahr- Heil darüber hören wollen. Aber diese ist die härteste unter ihnen!" Diese Lescfrucht des Generals ist tnvisch, diese Erneuerer Deutschlands sind ganz von den, Gefühl durchdrungen, nicht etwa in einer neuen Zeit zu leben, sondern in den Jahren 1906—1914. So etwa vor dem rnssisch-sapanischen Krieg, dem der Weltkrieg folgen wird. Andere der gelehrten Generäle ivicder vergleichen die heutigen Zeiten mit denen, vor dem Balkankrieg, dem ja auch die Schüsse von Sarajewo und der Weltkrieg folgten. Allen aber spricht HauShoker auS dem Herzen:„Die politische Erdoberfläche ist länast eine Ein- beit: keine Erschüttern»« die nicht wie ein Erdbeben, die Welle« anch an einen scheinbar gelchütztcn. sernablieqenden Strand wirkt und auch dort schwache Bauten zum Einsturz bringt, dem W'llenstarkc,, aber Möglichkeiten schafft, drücken- den Gefängnismancrn zu entrinnen!" Znnistficr ist noch nie eingestanden worden, dast Hitlerdl-nttchland das Erdbeben ersehnt. Bleibt nur die Frage: ist Hitlers Reich ein so fester Bau wie Haushoser meint? Russisdier Brief In Sibirien erfriert man nicht Eine Arbeiterfrau stellt uns folgenden Brief ihres Mauves, der in Sibirien arbeitet zur Verfügung: .... Mit diesen Schauermärchen in der„Saarbrücker Zeitung" ist es nichts. Gerade in diesem Jahre ist cS in Tibi- rien vcrhältnismästig warm, so warm, wie es die ältesten Eibiriake» noch nicht erlebt habe». Im vorigen Jahre hatten ivir im Dezember durchschnittliche Temperaturen von SO biS 40 Grad Kälte. Vor drei Jahren Ivar hier in unkerm Gebiet eine Ticftemperatur von etwa 70 Grad, und kein Mensch ist dabei erfroren In diesem Jahre mit Temperaturen von 5 bis 10 Grad sollten nun Taufende erfroren sein. Das Märchen von dem Hunger in Rußland zieht wohl nicht mehr, da sängt man jetzt mit Frost an. Ich habe davon einigen russischen Genosse« erzählt. Tie Leute wollten sich geradezu biegen vor Lachen. Einer von ihnen meinte, man konnte vielleicht er- frieren, wenn man sehr weit, etiva 80 bis 100 Kilometer durch die Steppe must und dabei vom Schneesturm überrascht ivird. Dann hat er eine» ihm bekannten Fall erzählt, wo ein Mann aus seiner He'mat Bijsk nach einem sehr weit entfernten Dorf(70 Kilometers gefahren ivar und im Schneesturm in der Steppe den Weg verlor. Dem Menschen wären Hände, Füstc, Ohren. Wangen und Nake erfroren, als er in ein Dorf kam. Anstatt ihn nun mit Schnee und Branntivein(Wodka! einzureiben, hat man ihn an eine» warmen Ose» gebracht, wo der arme Teniel nun natürlich vor Schmerzen bald den Verstand verlor. Im Krankenhaus, wo man ihm die erfröre- nen Glieder abnahm hat er dann Selbstmord verübt, we'l er glaubte, er wäre lo entstellt dast ihn niemand mehr lieben kann. Dies ist der einzige Fall, der bekannt ist. wo beinahe einer erfroren wäre. Dabei war das Ganze eine richtig zn- sammengemürfeltc Geiell'chait einer von Irkutsk, einer von B'jik ein anderer von der Wolga, der nächste von Sachalin. Also brauchst Du keine Anast haben gegen Kälte, und mag sie noch so grost werden. W!> könne» uns sehr ant schützen. So wie man sich hier im Win-er anzieht kann man ruhig »nd ohne zu frieren bei 00 Grad Kälte noch im Freien schlafen(?> Als wir das letzte Mal auf Jagd ivaren. ivurden wir ebenfalls von einem Schneesturm überrascht. Aber trotz- dem s'nd wir Beide volle acht Stunden in der Steppe rum- gclansen und haben dann noch etwa drei Stunden bei einem russischen Bauern In der Lehmhütte lSemltanka! gesessen nnd Schnavs getrunken. Wir mnstien allerdings auch nicht mehr wo ivir ivaren. aber das ist hier in unferm Verhältnis- inästia dichtbesiedelten Gebiet wc'tcr nicht schlimm kommt man doch fast alle 2 bis 8 Stunden wieder in ein Dorf. Du kannst beruhigt lein ich glc>"be In Rußland»nd speziell in Sibirien erfrieren weniger Menschen als in Teutschland. Oesterreich unter Bomben Ein Attentat folgt dem andern Wien, 8. Jan. sEig. Ber.j Eine neue Naziterrorwellc gegen Oester- reich hat eingesetzt. Die„Reichspoft", das offizielle Or- gan des Bundeskanzlers Dollsust meldet, dast die National- sozialisten in den letzten Wochen riesige Mengen von Kampf, nnd Propagandamaterial ans Deutsch- land erhalten haben, unte» anderem eine neue Form von Eierhandgranaten, die ein äusserst reizendes Gas von grosser Heftigkeit enthalten, und ausserdem Stinkpulver, das, in einen Saal verstreut, dort jeden Aufenthalt unmöglich macht, ausserdem Sprengkörper japanilche« sowie Nebelbomben deutschen U r- s v r n n g S! Der grösste Teil dieses Materials ist ans Bayern ein- geschmuggelt worden, zum Teil über den Inn, der für mehrere Kilometer die österreichisch-bayerische Grenze bildet. Zahlreiche Transporte dieser Art wurden von der Polizei angehalten, während ein anderer Teil aus dem Bahnweg unter falscher Deklaration hineingeschakst wurde. Einer dieser Transporte, der am öeiliacn Abend in Wien belchlagnahmt wnrde. enthielt nicht weniger als 26 Kisten mit Kampf- nnd Propagandamaterial. Das erste Ergebnis dieser neuen Nazi- ?>'tivit!>'t ist der-»'«« verzeichnen: Aul das Verwaltungsgebäude des Bregenzer Zier- falsungsministers wurden gestern von N az» s vier Romben geworfen, die einen grossen Sach- sck m Mittwoch nachmittag eine schwere Explosion, allem Anschein nach infolge der Entzündung von Grubengasen. Die Nachmittagsschicht war von 126, nach einer anderen Meldung sogar von 266 Bergarbeitern besetzt. Bis setzt konnten nur drei Tote geborgen werden. Ausgefahren ist noch niemand. Die Rcttungs- arbeiten sind im Gange. Der Förderturm wnrde durch die Explosion zerstört. Brüx, 8. Jan. Bei dem Unglück aus der Grube Nelson 8 bei Ossegg handelt es sich, soweit bisher festgestellt werden konnte, um eine de? grösste« Grubenkatastrophe», von denen Böhmen seit langem betroffen worden ist. Alle Anlagen über der Erde sind ver- nichtet. Die Fensterscheiben in den Häusern der ganzen Umgebung sind durch die Gewalt der Explosion eingedrückt worden. Der Fenerschein ist weithin sichtbar. Es besteht wenig Hoffnung, eine grössere Anzahl der noch unter Tage cingrschlossencn Bergleute zu retten. Die Vertreter des Ministeriums des Innern sind am Brand- platz eingetrossen, der von ungeheueren Menschcnmassen um- lagert wird. Die Grube gehört der Brüxer Kohlenbergwerks- gesellschaft und ist die zweitgrösste in ganz Böhmen. Brüx. Auf der Grube Nelson lll konnten bisher nur vier Mann aus über 300 Meter Tiefe lebend geborgen werden. Ausserdem wurden vier Leichen zutage gefördert, lieber daS Schicksal> çr übr igen M Mii« herrscht grösste.Besorgnis, Rumäniens Krise Tatarescu Ministerpräsident Bukarest, 8. Jan. Die politischen Ucberraschnngen jagen sich in Rumänien. Soeben ist an Stelle des bisherigen Mini- sterpräsidcnten Angelesen der Handelsminister Tatarescu znm Ministerpräsidenten ernannt worden. Tatarescu ist der Führer der politischen liberalen Jugend» nnd man scheint durch seine Ernennung den radikalen Jugendbewegungen der Opposition de» Wind aus ten Segeln nehmen zu wollen. Das Kabinett ist im übrigen un- verändert geblieben. Von Titulescu liegt immer noch keine Zusage vor, ob er als Aubenminister in das Kabinett ein- zutreten gedenkt. Gleichzeitig ist es nicht ausgeschlossen, bass Tatarescu, der selbst noch sehr jung ist, auch znm Führer der Liberalen Partei ernannt werden wird. Die Betranung Tatarcscus hat begreiflicherweise erheb- liche Ueberraschung hervorgernsen. Er entstammt einer alten Offiziersfamilie und ist ei» Brndcr des Stefan Tatarescu, der kürzlich in Rumänien den missglttckten Versuch unternommen hatte, eine rumänische nationalsozialistische Partei ins Leben zu ruscn. llniversltätsprofessor verhaftet Angebliche katholische Korruptionsaffäre In Köln sucht man weiter nach städtischen Korruption?- affärcn nnd findet'sie. In diesen Tagen lourde der Leiter der städtischen und Universitätsklinik, Professor Dr. Zillen verhaftet und ins Gefängnis eingeliefert. Man beschuldigt ihn mahrheitswidrigcr Angaben über die Privatprarie einiger seiner Mitarbeiter im Rahme» und mit de» Mittel» der Klinik. > Es besteht die Gefahr, daß wir uns an die„Greuelmärchen" au» dem„dritten Reich" immer mehr gewöhnen. Tie turcht- baren Veränderungen des Lebens von Millionen Menschen» die mit uns eine Sprache und eine Kultur haben, werden immer mehr alltäglich, sie beginnen ihre Wirkung zu vcr- licrcn— anderes bewegt die Menschen. Wir wollen uns hier nur mit Veränderungen beschästigen, die die Frau im„dritten Reich" zu ertragen hat. Ihre Stellung im öffentlichen Leben vor und nach der„nationa- lcn Erhebung" ist eine grundlegend andere und wenn wir die Führcrinnen der nationalsozialistischen Frauen-„Front" hören, hat erst seht die Frau ihre richtige Arbeil entdeckt, seitdem sie weder vom Liberalismus noch vom Marxismus ans Irrwege geführt werden kann. Wie sieht dieser„richtige Weg" aus? SFIL SlVAllj V VII» Schandtaten von SA-Leuten in den Columbia-Feststen- Strafmaß: Windstärke 1 bis 4— Der Herzschlag des Polizeibeamfensekretärs Winkler ■«piiinrfien ist, hat sich bis heute noch nicht feststellen >eg au».' Tic Frau wird zur Gebärmaschine gemacht, ausgeschaltet ans dem öffentlichen Leben, vertrieben aus ihrem Berus mit Brutalität oder durch schöne Phrasen. Tie Frau als„Magd und Dienerin", als„Hüterin des Blutes", als„Erzieherin der Nation", das ist der tägliche Wortspeisczettel für die Frauen in Teutschland. Und wer den Worten nicht glaubt, der kann sich in der modernsten Er- rungenschaft des„dritten Reiches"— in den KonzentrationS- lagern sür Frauen— noch einige Zeit der Ueberlegung vcr- schaffen. Eine Magd kann nicht Herrin sein, nicht einmal über ihr eigenes Leben. Man muh sie deshalb in Konteauenz der schönen Wortspiele aus dem öffentlichen Dienst fristlos ent- lassen und gewährt ihr vielfach nicht einmal die wohlerwor- bene Pension. Man ivcist ihr die angeborene Ausgabe der Mutterschaft zu und hilft nicht nur durch das Rassenamt, sonder» auch durch eine amtliche Aufforderung an alle ledigen öffentlichen Angestellten nach, den Grund sür ihre Nichtver- heiratung anzugeben. Dazu kommt ein Gesetz, das Hciratsprämicn vorsieht, die allerdings nur an vom Rassenamt überprüfte, seit längerer „seit der Nationalsozialistischen Partei angehörende Frauen ausbezahlt werden soll. Das ist letzten Endes nichts anderes, als wieder der Versuch, durch eine scheinbare Tat Frauen sür ihr ganzes Leben aus dem Berussleben auszuschalten, wozu sie bei Inanspruchnahme dieser Heiratsprämie insolge einer Vcrzichtserklärung gezwungen sind. Durch eine schein- bare Tat! Denn erstens: welche Ehe ist heute schon eine Ver- sorgung fürs Leben und zweitens wurde die Auszahlung der Prämien zu den bisherigen drei Punkten auch noch an eine Fülle anderer Klauseln gebunden, die verhindern werden, daß die Heiratsprämie zur Gänze ausbezahlt wird. Höchstens die junge Frau sorgt als Gebärmaschine dafür, dast sie nach jedem Kind wieder eine Rate dieser Heiratsprämie ausbe- zahlt erhält! Da Hitler scheinbar auch baS Wunder vollbringt — zumindest nach Zeitungsnachrichten—, vom Beginn seiner Herrschaft bis zum Frtthherbst die Zahl der Geburten gegen- liber früheren Zählungen zum Ansteigen zu bringen,(also lauter Siebenmonatskinder!), so ist auf dem Gebiete der Ueberführung der Frau zu ihren„wahren" Aufgaben dem Nationalsozialismus ein voller Erfolg beschieden. Was fragt schließlich eine solche deutsche Frau danach, die sich Führerin nennt und die zu und für Adols Hitler betet, wieviele?"en sie und ihre Schicksalsgefährtinncn im deutsch'» Reichstag vertreten und wieviele Frauen in den Landtagen und Gemeinbestubcn siir die'Befürwortung der werdenden Mütter und werdenden M'nschen eintreten? Der Nationalsozialismus kann wohl schwarz oder weiß vcr- sprechen— nn'i d? hat er reichlich besorgt—, aber auS dem Buch Rosenbergs„Ter Mythos des SN. Jahrhunderts" konnte er nur jenen Satz verwirklichen, der besagt:„Richter, p, Soldat und Staatslenker muß der Mann sein und bleiben". Und da kann doch nicht eine andere Stelle in dem gleichen Buch zur Tnrchsührung kommen, die besagt, daß die Frau un„dritten Reich" vollkommen gleichberechtigt ist. Es ist also kein Wunder, wenn nicht nur das gleiche Recht allgemein abgeschafft und jeder vogelfrei ist, der sich nicht zum„dritten Reich" bekennt, sondern wenn auch die Frauen— von den Jüdinnen müßte wieder gesondert geschrieben werden— aus ihrem Recht verstoßen werden, das ihnen die demokratische Republik gebracht hatte. Es ist deshalb auch kein Wunder, daß nach dem neuen Tarreschen Erbhofgcsetz keine Frau erbberechtigt ist, ja, die Frau des Bauern ist nicht einmal miterbbercchtigt und auch durch ein Testament kann ihr ihr Anteil am miterarbeiteten Besitz nicht gesichert werden! Verdrängt aus dem Bcruislcbcn durch Brutalität. auSgc- schloßen aus der Mitbestimmung ihres eigenen Lebens in den össeutlichen Körperschaften, die zur Gänze dem Mann über- antwortet werden und sogar in ihrer parteimäßigen Zu- sammensassung nicht von Gcschlechtsgenossinnen, sondern von Männern„geführt", erduldet die Frau die Taten des deutschen Nationalsozialismus. Wir glauben und können nicht daran glauben, daß mit solchen Handlungen die über- wiegende Mehrzahl der Frauen einverstanden ist. Aber, der Faschismus, einmal an der Macht, bricht, was sich 'hm nicht beugt. Gesetze und Menschen, Recht«nd ,rre>- heit werden zurechtgebogen und zurcchtgeh mmert, unter cm Diktat gepreßt und ihnen nicht einmal die Acftim- mung ihres eigenen Lebens Überlasten. Gerade jetzt ist ja der deutsche Faschismus daran, auch d« Freizeit des deutschen Arbeiters und Angestellten in natio- nalsozialistischem Sinne auszufüllen. In dieser Zeit deö Sturzes der Frauen aus ihren Post» l'onen im Beruf und in der Gesetzgebung hat man ihnen die »Betreuung des raßischcn Erbgutes" und auch noch andere «richtige" Aufgaben zugewiesen. Göbbcls hat sie einmal in den Satz geprägt:„Tie deutsche Frau wird wieber lernen Müssen. die Erbswurstsuppe ohne Speck zu kochen". Und das wußte die Arbeiter-»nd Angesielltenfrau in Teutjchland in rasender Schnelligkeit lernen. Verteuerung aller Lebensmittel, Rezugskarten für Margarine bei stets sinkenden Löhnen stellen an die Frauen große Anforderungen in bezug ans die.lusrcch- erhaltnng des Haushaltes. . Dazu kommen noch die ununterbrochenen Tammlungcn.-r d'e man geben muß. Turch diese Beschränkungen des Ein- kommens ist das Lebensniveau der Haushalte so tie' gesenk worden, daß die Frauen trotz allen Bemühens«nd trotz« Mütterlichkeit und Selbstaufopferung ihren Kindern ,.ch wehr soviel z„ essen geben können, dag sie nicht an^àr "nährung stärksten Grades leiden. Es mutzten selbst nat.o- Fast jeder in Berlin schaudert, wenn er hört, daß einer seiner Kameraden in die Eolumbia-Festsäle eingeliefert ivurde. Diese Schauder sind berechtigt, do die Nationalsozia- listen— trotz aller Anstrengungen— nicht verhindern konnten, daß die Wahrheit über die unerhörten Zustände in dieser Prügelanstalt nach und nach in die Oefsentlichkeit drin- haus gebracht. Ten Angehörigen gen konnte. Hier ivar es, Ivo der ehemalige Rundfunk- Sck'auhaus, in das gewöhnlich nur unbekannte Leichen ein- direktor Knöpfte angeblich Selbstmord beging, obwohl geliefert werden, nicht gestattet. Einem Angehörigen batic es— nicht von Strafgefangenen, sondern von dort als der Arzt des Staatskrankenhauses im versiegelten Heloten tätigen SA.-Leuten— als absolut glaubwürdig dar-^M'»-"-«icksin ansaeliändigt, der bei den For- s/.«. iiiintf f stck bereits bei seiner Einliefern»!"" lichen geworden ist, hat sich bis heute noch nicht feststellen lassen. Winkler mußte trotz der Anstrengungen der tüchtigsten Aerzte im Staats tränke»hau S nach wenigen Stunden aui- gegeben iverden. Seine Leiche ivurde in das Leichenichau- haus gebracht. Ten Angehörigen ivurde der Eintritt in das ltlll. unbekannte Leichen ei»- Heloten tätigen SA.-Leuten— aïs no ,v»»i gestellt wird, daß Knöpskc sich bereits bei seiner Einlieterung in einem Zustand besand, in dem er unmöglich noch Selbst- mord begehen konnte. Neben vielen„Fällen" ivird uns von einer Stelle, die selbst in den Eolumbia-Festlälcn„tätig" ivar und an deren Glaubwürdigkeit nicht im geringsten gezweifelt iverden kann, eine Schandtat berichtet, die sich bei ihrer Nachprüfung als vollkommen den Tatsachen entsprechend herausstellte. Es hau- delt sich um die Mordtat au dem Sekretär deS internatto- nalen Polizeibeamtcnvereius in Teutschland, W i n k l e r, der ain.3. September in die Eolumbia-Festsäle eingeliefert und sür den am 16. September vom Staatskrankenhans ein Totenschein ausgestellt ivurde. W. ivurde ohne kurzen Prozeß „aufgegriffen" und eingeliefert, und zwar auf ausdrückliche Anordnung deS Geheimen StaatspolizeiamtcS. Innerhalb von drei Tagen ivar Winkler mit Hilfe der vier verschiedenen Folterstuse» so weit hergerichtet, daß der Inspektor der Eolumbia-Festsäle den Mann— mit etwa 15 anderen— unbedingt loswerden wollte, da er nicht mußte, wie er die ord- uungsmäßigeN Totenscheine für die Mißhandelten bcschassen sollte. Er ließ einen Transport fertig machen, der am 1i>. September nach Oranienburg abging. Der Lagcrarzt des c^nicibn™ verweigerte die An- Konliarsjalir l95î der Arzt des Staatskranrenyaines........ D.... Umschlag einen Totenschein ausgehändigt, der bei den For- malitäten der Polizei zu übergeben ivar. Im Leichensckan- haus wurden einem Bekannten die Kleider ansgedäudigt. Das Hemd ivar im Rücken, die Hose ganz buchstäblich ge- tränkt von Blut. Ter vom Leichenschauhaus ausgestellte zweite Totenschein gab als Todesursache Herzschlag a»! Der versiegelte Totenschein deS Staats kranken Hauses enthielt»eben dieser Augabt»och den Vermerk, daß Wink- lcr an„inneren Verletzungen" gestorben sei. » Die Häftlinge„leben" in den Eolumbia-Festsäle», znsam» mengepfercht zu drei und vier, mit ein oder zwei Pritsche», die als Unterlage eine Holzplanke und als Zudecke die moderige Lust der enge» Räume haben,-- ohne Möglichkeit, ihre Bedüriniße an einem geeigneten Ort zu verrichten. Das geschieht in demselben Raum, in dem die Häftlinge vit wochenlang(!)„wohnen", ohne in dieser Zeit ein einziges Mal warme? Eilen bekommen zu haben. Warmes Esten be- kommen nur die, die zum erstenmal verhört wurde». Ein Verhör sieht in dieser Hölle so ans. dast der zu Verhörende in den Keller geführt, aus eine Holzpritsche aeschnallt und dann .W mit Peitschen bearbeitet wird. Die mitfühlenden Heloten des in. September nach Oranienburg abging,^er vagr.«..?.„dritten Reiches" sorgen daiür, daß ihren„Schiitzliäitlingen" Konzentrationslagers in Oranienburg verweigerte die An- da? Fleisch nicht ausplatzt, indem sie ab und zu kaltes Waster »ahme der schwer Mißhandelten, da er selbst in die Ver- über die Verprügelten gießen. Das nennt sich Windstärke l. legenhcit gekommen wäre, für einen großen Teil der Hält- Bei Windstärke S gibt es weniger Kühlungswasser und mehr linge innerhalb weniger Stunden Totenscheine ausstellen zu Prügel, und so fort, bis zur Windstärke 4. bei der es nur müssen. Er ließ den Transport zum Staatskrankenhans«»h ,„>ar so lanae, bis man bei nach Berlin zurückfahren. Der leitende Arzt des Staats- krankenhaufes nahm von diesem grausiqcn Transport nur etwa vier Mißhandelte ans. den Rest mußte er in die Eolnm- bia-Festsälc zurück'chicken. da sie sich in hoffnungslosem Zu- stand befanden. Was aus diesen zehn bis zwölf Unglück- nalsozialistische Aerzte zugeben, daß die Unterernährung der Jugend erschreckend sei. Unter diesen geänderte» Lebensvoraussetzungen wurde in Deutschland das erstemal das Weihnachtsfeft der Eut- rechtung der breiten Massen gefeiert. Und nur bei dieser flüchtigen Betrachtung der Tatsachen müssen wir erkennen, daß nicht Beseitigung, sondern Festi- gung und Vergrößerung des Unrechtes den„nationalen Wiederaufbau" kennzeichnet. Aus der Frau wird nicht die ohne Sorgen lebende Hausmutter, die„himmliche Rosen ins irdische Leben zu weben" hat, sondern die unter der Unfrei- heit unter der Entrechtung und wirklichen Entwürdigung durch den deutschen Faschismus lebende Proletariersrau, deren Sorgen ins riesengroße angewachsen sind, ohne daß sie etwas zu ihrer Beseitigung tun darf. Schon jetzt zeigt sich, baß die Nationalsozialisten ihrer Frauenbewegung nur ein Recht einräumen: für das „dritte Reich" Soldaten für kommende Kriege und den Gedanken der Verteidigung des Va terlanbes gegenüber dem inneren»nd äußeren Feind in den Kindern großzuziehen. Sonst hat die Frau nur Pflichten, sonst ist sie nur Magd und Dienerin! Man muß dem Faschismus d a tu r da n k- barsein, daßcrau seinen Beispielen den M en- scheu i il anderen Ländern einhämmert, iv a s sein Sieg bedeutet. Und wir müssen den Frauen ein- hämmern, daß Faschismus nicht Abwälzung der Berantwor» hing, nicht Wegschieben der grausamen Tatsachen für den Einzelmenschcn an einen„Führer" ist, sondern E n t r c ch- t u n g, Unfreiheit und t i e s st c körperliche und geistige Verelendung. ver neue Chef der Heeresleitung Berlin» 8. Jan. Der Herr Reichspräsident hat auf Bor- schlag des Rcichowehrministcrs de» Befehlshaber im Wehr- kreis 8 Generalleutnant Frhrn. v. Fritsch mit dem 1. Februar 1934 zum Ehes der Heeresleitung ernannt. Der neue Chef der Heeresleitung Generalleutnant Werner Frhr. v. Fritsch ivurde am 4. August>880 in Benrath(Rhein- landi geboren. Im Jahre 1980 zum Generalmajor besöraert, wurde er am 1. Oktober 1931 zum Kommandeur der 1. Ka- valleriebivistou in Frankfurt a. O. ernannt. AlS General- leulnant übernahm er schließlich am l. Oktober 1982 daö Kommando der Z. Division als Befehlshaber im Wehrkreis 3 Berlin. Paragraph-» Zivilistenpack hat sich der besoffenen SA. zu fügen Der SA Gruppenführer Westfalen, Polizeipräsident Schepmann, gibt bekannt: In letzter Zeit maßen sich Zivilisten, die vorwiegend»och im Januar 1988 gegen die nationalsozialistische Freiheitsbewegung im schärfsten Kampfe standen, die Frechheit und Unverfrorenheit an. uniformierten S A.- F ü h r e r n und S A.- M ä n- n c r n, die jahrelang unter Einsatz ihres Lebens für das Wicdererioachen der deutschen Ration kämpften, ungerecht- fertigt Vorschriften über den Besuch von Lokalen und à i e Besuchszeit zu machen, ièiie SA. bcdars dieser Pharisäer nicht! Ich mache daran» aufmerksam, daß die Aufsicht über den Besuch von Lokalen durch die TA. lediglich den SA.» Führern zusteht Verschlechterung der Quoten Von den im Jahre 1982 eröffneten 8584 Konkurs«, »erfahren mit angemeldeten Forderungen von 887 Mill, (darunter 89 Mill. Vorrecht»sorderungen> werden nach einer Uebersicht in„Wirtschast und Statistik" 8 Monate nach dem ersten Prüfungstermin nur 9,2 Prozent von der ge- samten Schuldenmasse gedeckt sein, und zwar von den bevorrechtigten Forderungen durchschnittlich 54; von den nicht bevorrechtigten 8,4 Prozent. Die Gläubiger haben danach allein bei diese» Konkursen 579 Mill. verloren. Dazu kom- men aber noch die Verluste bei mangels Masse abgelelinien Konkursen, die 1982 mit rund 49 Prozent aller neuen Kon- kurse besonders zahlreich gewesen sind.— Von 6180 eröffneten Vergleichsverfahren liegen Angaben erst für 4506 vor. Davon entfallen 844 mit einer Schuldenmasse von rund 48 Mill, auk Stundung s vergleiche, der Haupt- teil auf E r l a ß vergleiche mit Forderungen von 897 Mill. Für diese ist eine durchschnittliche Vergleiclwauvie von rund 4t Prozent vereinbart worden, so daß die Gläubiger ins- gesamt 288 Mill, verloren haben. Die Vergleichst»!»« hat sich also verschlechtert; sie ivar 1981 50,7 Prozent. Bei rund 17 Prozent der beendeten Vergleichsversahren betrug die Ouote sogar weniger als 30 Prozent, bei weiteren 87 Prozent lag sie zwischen 30 und 49 Prozent. Die gesamten Jnsolvenzverlustc aus 1982 betrugen danach 814 Mill, gegenüber 000 Mill, ans 1931. Die Besserung beträgt also nur 1» Prozent, obwohl die Zahl der gerichtlichen Insolvenzen um sogar 27 Prozent zurückgegangen ist. A der dabei sind noch die mangels Masse abgelehnten Konknrsanträge, die noch nicht abgeschlossenen Verfahre», die„unsichtbaren" Konkurse und die außergerichtlichen Nachlässe usw. noch nicht berücksichtigt. Die tatsächlichen Verluste liegen also noch erheblich höher. Ein Verbindungsmann Die sogenannte GewcrkschaftSpresse teilt mit:„Folgendes Schreiben würde vom Letter der NSBO., Staatsrat Schub- mann, an den vormaligen Schriftleiter des Informa- tionsdienstes, Pg. Wilhelm Reichart, gerichtet: Ich bcrnkc Sie hiermit als V e r b i n d n n g S ig a n n zwischen der NSBO. und den wirtschaftlichen Unternehmungen der„dent- scheu Arbeitsfront", gez.: W. Schuhmaiili, Staatsrat, Leiter der NSBO." Kein berufsständischer Aufbau sondern ein„wirtschaftsständischer" soll das„drille Reich" kennzeichnen. Darin stimmen die beiden bekannten National- ökonomen Feder und Ley überein. Feder bat seine These so begründet:„Der Tuchhändlcr»nd der Käjeliändier gehören durchaus nicht zu einem gemeinsamen Handelsstand, sondern der eine zum Bekleidungsstand, der andere zum Nährstand." Solchen Weisheiten jubeln die deutschen Universitäls- Professoren zu! „Neue Werke über die Führer der DAF." Unter diesem Titel berichtet der„Korrespondent für da? grafische Gewerbe Deutschlands" über Lobhudclbüchcr auf ten Ley und Schiihmann. Besonders wird Sen in Genf ge- rühmt:„Wir... machen die Tage in Gens mit, in denen er als erster nationalsozialistischer Vertreter in der Welt den Standpunkt deutscher Ehre vertritt." Nu» behaupten andere B«grasen anderer Helden, daß die von ihnen Dargestellten die„Ersten" gewesen seien. Tic armen Leser haben die Oual der Wahl. Von der Lohnsteuer „Nach einem Erlaß des NeichSsinanzmInistcrS sind einmalige Zuwendungen auch dann frei von der Lohnsteuer, ii h r e r n zusteht. Abgabe zur Arbeitslosenhilfe und Ehestandshilfe der Ledigen, Zukünftig werde ich die in Frage kommenden Zivilisten' l' c.." n^ im Einzelsalle Mark nicht erreichen und infolge- :r Polizei übergeben lassen, weil sie Rechte für sich in An- denen nicht in BedarfdcckungSscheinen, sondern in bar oder ißHOH nicht Aiiitebcn. in Sachen, SA.-Klelöung,«tiefeltt, Wäsche, Nalirutttiömittcln oder dergleichen gewährt werden. DaS Gleiche gilt von demjenigen Teil jeder einmaligen Zuwendung, der über 25 Mark oder ein Vielfaches davon Hinausgeht." der Polizei uverflcvcn spruch nehmen, die ihnen nicht zustehen. Sollte» Provokateure in TA.-Uniform gegen Austand und Titte verstoßen, so steht es jedem frei, bei der nächsten SA.- Dienststelle oder Polizeiwache Meldung zu erstatten. De.utstfke Stimmen•(Beilage zur..Deutschen Freiheit"• éteignisse und Geschichten Freitag, den S. Januar 1934. Judettszene uus£uthecs 10ic sie im$ahce 1890 und, wie sie 1933 çescAeieien wurde Hanns Joost, der Barde dea„dritten Reichs", hat sein Luther-Drama„Die Propheten" besonders eng der Gemütsverfassung der braunen Henkerswelt anpassen und hat au lesem Zweck die Aufhängung eines Juden auf die Bühne bringen wollen. Was bekanntlich Anstoß erregte— mit Rücksicht auf das Ausland... I^u' r® r'. nnern ,,n8 aug diesem Anlaß des gleichfalls zur Luther-Zeit spielenden Dramas eines jetzt gleichgeschalteten I ichters, der aber, als er dieses Werk schrieb, noch als Vorkämpfer der Freiheit und Menschlichkeit galt. Wir meinen Hauptmanns Drama des großen Bauernaufstandes von 1525, den..Florian Geyer". Auch in diesem Drama gibt es eine Judenszene. Im dritten Akt tritt ein jüdischer Geldverleiher auf, den Geyers Schwager, der Ritter v. Grumbach, an den Bauernführer sendet, um mit ihm einen Handel abzuschließen, Joslein, so heißt dieser alte Jude, ist von dem Realisten Hauptmann keineswegs idealisiert gezeichnet: gleich den Juden seiner Zeit ist er auf den Schacher als einzig erlaubte Profession angewiesen, entsprechend versteht er es, zu jammern. seine Geschäfte als verlustbringend hinzustellen, zu feilschen und zu handeln. Aber seine Profession hat ihn mit den Mächtigen, hat ihn mit den herrschenden Klassen seiner Zeit zusammengebracht, und er weiß daher, daß seine christliche Konkurrenz um kein Haar besser ist als er. Als von den Fuggrrn und Welsern. den großen Augsburger Kaufherren, die Rede ist, meint Jösletn: Mein!— Mein!— Bin ich gewest im Gewölb, was haben dir Welser und Fugger von Augsburg in Frankfurt. Haben SP mir stinkiger Jud geheißen und Wucherer angeschrieen, und rennen doch selber mit dem Judenspieß. Aber nit im Kleinen. Mein!— Mein!-— Betrügen Hunderte und Tausende armer Einleger um ihr saures Geld, fallieren und sind viel reicher dann zuvor. Aber ein armer Jud muß es ausbaden. Ich habe i ieinalen unter Safran Rindfleisch geharkt. Gaiskot in den Lorbeer getan, Lindenlaub in den Pfeffer, noch hab ich Fichtenspäne vor Zimmet verkauft. Aber ein armer Jud muß es ausbaden. Könnte das nicht auch heute gesagt sein, nur etwa statt der Namen..Fugger" und„Welser" die der allerchristlichsten Kaufleute Lahusen oder des blonden Schweden Ivar Kreuger gesetzt?! Die wahrhaft„nit im Kleinen" die Welt betrogen haben, deren kapitalistische Sünden aber(zusammen mit denen der gesamten Kapitalistenklasse) vom Hitler-System auf die Juden abgewälzt werden!— Freilich bei Hauptmann bekommt der Jude auch eine Antwort: der auf der Bauernseite fechtende Ritter Menzingen meint, halb spaßhaft, halb ernst: ..Was mauschelt das Jöslein? Wieviel verarmte Edelleut hast wieder gebraten an Deinem Spieß jüngst verwichene Zeit?" Aber der Wucherer verteidigt sich nicht ungeschickt: „Ei wei, Herr. Treibet doch keinen Schimpf, gestrenger Herr. Warum verarmt der Adel, Euer Ehrenfest? Ich hab eines Edelmannes Wittib gekennt, die hat mir ein Dorf verkauft um ein blau Sammtkleid, das sie hat müssen anziehn zum Turnier." Natürlich kann die Verschwendungssucht und Leichtsinn der Bewucherten nach unserer Anschauung den Wucherer, der daraus Nutzen zieht, niemals voll entschuldigen. Wir sehen hier aber, wie gerecht ein echter Dichter Licht und Schatten verteilt. Auch im Gespräch mit dem eintretenden Florian Geyer bleibt der alte Jude zunächst ein welterfahrener, aber keineswegs sonderlich sympathischer Mann. Er hat mit seinem nüchternen Verstände erkannt, wie unter der Flagge des Evangeliums tatsächlich der wirtschaftliche Klassenkampf zwischen Adel und Bauernschaft ausgefochten wird und macht zu Florian Geyer die scharfsinnige Bemerkung: Ist ein gut Geschäft für die Herren, oder ich will un- po'ischc Gulden fortan nit meh' zweimal zählen. Hiebevor haben die Bäurischen das Evangelium fürgewandt, itzt wenden es Fürsten und Herren für. Ist kein bess'rer Schuld> darunter sie mögen zu Gericht sitzen. Haben sie hiebevor Spinaza- ein Westgate tin Qcschichtsfälschee in einet SpinazastDenkstAciU Es gibt eine sehr vornehme internationale gelehrte Gesellschaft, die„Societas Spinoziana", die ihre Arbeit dem Geist und Andenken des Philosophen Baruch Spinoza widmen will. In ihrem Vorstand und unter ihren Mitgliedern gibt es die besten Namen der philosophischen Welt, Leute mit vornehmen erstrangigen Titeln. Nun hat ein führendes Mitglied dieser Gesellschaft, der Frankfurter Professor Carl Gebhardt in einer Festschrift zum 300. Geburtstag Spinozas einen Aufsatz veröffentlicht, der nicht übersehen werden darf, wenn man sich eine Meinung über das bilden will, was im heutigen Reich Wissenschaft zu sein vorgibt. In der„Spinoza-Festschrift", die Siegfried Hessing in Carl Winters Üniversitäts- biichhandlung, Heidelberg, herausgegeben hat, hebt Carl Gebhardt den wesenhaften Unterschied der Rasse Spinozas, die stark mit westgotischem Blut gemischt ist, gegenüber den anderen mit fränkischem oder slawischem Blute gemischten jüdischen Stämmen ab". Was wohl die nichtdeutschen Mitglieder der„Societas Spinoziana" zu dieser Art von Wissenschaft sagen? Unter eleu führenden Männern der Gesellschaft lesen wir Namen wie: Sir Frederick Pollock. Léon Brunschvicg, Adolfe Ravä, J. H. Carp. J. Clay, Graf Dunin Borkowski SJ.. S. Alexander. Cbarle« Appuhn, Irwin Edman, Mattos Romao, J. Segond it. a. Glauben alle diese Gelehrten, daß Spinozas Geist besser wird, wenn man sein Judentum leugnet und in ein West- gotentum uinfälscht? Werden alle diese Gelehrten, die zum Teil weltberühmt sind, die Ausführungen des Carl Gebhardt unterschreiben und wird sich niemand von ihnen gegen diese noc h nie dagewesene Art, Wissenschaft zu betreiben, wehren? Wenn sie zu Carl Gebhardts Geschichtsfälschung schweigen, haben sie das Recht verwirkt, im Namen Spinozas und zum Ruhm seines Andenkens weiter zu arbeiten. Es wäre die lïlotal den Mantel genommen, itzt nehmen sie dem Bauern das Haberstroh. Mußte der arme Mann hiebevor frohnen mit Karre, Karst, Haue und Pferden, itzt müssen seine Kinder die Egge ziehen. Wieder könnte man fast Wort für Wort anf das heutige Deutschland anwenden. Man setze statt„Evangelium" das Wort„Sozialismus" und alles stimmt: früher haben die Arbeiter Sozialismus gefordert, jetzt reden die Grafen und Schlotbarone von Sozialismus— und ist ein gut Geschäft für die Herren. Sie können sich„kein bessern Schild" wünschen als den„nationalen Sozialismus" Hitlers, um dem Arbeiter das letzte zu nehmen! Doch an dieser Stelle läßt Hauptmann seine Judenszene eine interessante Wandlung nehmen. Alle Bauernführer haben bisher den alten Jöslein nicht anders als mit„Jud" angesprochen, die unsympathischen Maulhelden unter ihnen, wie der versoffene Link, mit unverholener Verachtung. Aber selbst für den aufrecht-demokratischen Schreiber Löffelholz, der den Rittern die Anrede„Euer Gnaden" und„Herr" konsequent verweigert, auch für ihn ist Jöslein ganz selbstverständlich der„Jud". Aber Florian Geyer, der echte Freiheitskämpfer, er spricht den Juden als Gleichberechtigten, als Menschen an. Er sagt: Füg dich nachher in mein Quartier, Bruder! Ich hab ein Geschäft für dich. Und dies„Bruder" aus dem Munde des ritterlichen Bauernführers schlägt in die Seele des alten Wucherers und legt sein Menschliches bloß. Ganz verwirrt stammelt der bisher nur getretene und verachtete Jude: „Mein!— Mein!— Junker von Geyer! Ich bin nit meh als ein armer Jud, Euer Gestrengen. Ist ein mühselig Geschäft: darleihen, darleihen und schlechte Pfänder nehmen, Not, Mangel, Mühsal erleiden, sich treten und anspeien lassen lind krummer Hund heißen. Hat mir der Junker Grumbach gesagt, wär ein Geschäft zu machen mit Euer Gnaden. Hab ich bei mir gedacht: ich will das Geschäft nicht machen. Es ist ein gefährlicher Handel und kann dir kosten den besten Hals. Hab ich weiter bei mir gedrauscht und hab* mir gedacht: der Florian Geyer hat gemacht eine große Einung, sollte werden für alle im heiligen Reich gleiche Münze, gleiches Gewicht und gleiches Recht. Gleiches Recht vor uns alle, auch vor uns Juden. Bin ich von Stund an aufgewest, mich gen Schweinfurth getan. Bin ich bereit, Euer Gnaden zu machen das Geschäft." Diese Szene hat tiefen symbolischen Sinn: die großen revolutionären Menschheitsgedanken befreien sogar die Seele eines verstandesnüchternen Wucherers aus der Dürftigkeit und Enge ihres Denkens: um der Gleichheit aller Menschen willen, an der auch die Juden teilhaben sollen, für die Idee also, wagt der verachtete Schacherjude ein Geschäft, von dem ihm alle seine geschäftlichen Instinkte abraten und von dem er weiß, daß es ihm den Hals kosten wird. So zeichnete der Hauptmann von 1890 eine Judengestalt aus der Zeit Luthers. Und es gibt vielleicht keinen Augenblick im ganzen Drama, wo der Volksheld Florian Geyer größer erscheint, als dieser, da er auch den getretensten und verachtetsten aller Menschen in die große Brüderschaft der Fieien aufnimmt. Viel einprägsamer wird uns Heutigen der tiefe Sinn dieser Szene bewußt, als denen, die sie vor vierzig Jahren, ii^ einer gesättigten, toleranten Zeit auf der Bühne sahen. Heute werden auf deutschen Bühnen von den Joosten die Juden zur Gaudi des Publikums aufgehängt. Und sicher hätte Joost, würde er den Florian Geyer verfaßt haben, nicht diese Szene gegeben, dafür aber hätte er mit um so größerem Behagen jene andere breit ausgemalt, die Hauptmann nur ahnen läßt: wie der Jude von der siegreichen Gegenrevolution, von den triumphierenden Fürsten und Junkern aufgehangen wird, weil er für die„liheralistisch marxistischen" Menschheitsideen Florian Geyers sein Geld hingegeben hat. Justinian. Was ein Nazi werden will, Beugt sich schon beizeiten Unter den Kasernendrill Rauher Obrigkeiten. Was ein Nazi werden will, Lügt schon in den Windeln Und schweigt selbstverständlich still, Wenn die Führer schwindeln. Was ein Nazi werden will, Uebt sich jung im Prügeln, Und kein Schrei, gequält und schrill, Kann die Mordlust zügeln. Nazi und Kulturmensch sein, Läßt sich nicht vereinen. Heute wahrhaft Deutscher sein Heißt: Um Deutschland weinen! Horatio. tatst Qläsec Zu den Grüchten um eine Gleichschaltung des bekannten deutschen Schriftstellers Ernst Gläser erklärt der\ erlag des Europäischen Merkur in Paris, daß Gläser sich bis zum November 1933 in Deutschland aufhielt, um dort das Material für eine Roman-Trilogie zu sammlen, deren erster Band unter dem Titel„Der letzte Zivilist" gegen Februar 1934 im Merkur-Verlag erscheinen wird. Um alle Gerüchte zu zerstreuen, stellt der Merkur-Verlag, Paris, gleichzeitig Auszüge aus Briefen zur Verfügung, die Ernst Gläser vom Juli bis Dezember 1933 an seinen Verlag schrieb: „Der Kampf ging darum," schrieb Gläser,..sich so lange wie überhaupt möglich zu halten und Zeuge dessen zu sein, was in Deutschland wirklich geschieht. Warum? Weil Sachkenntnis immer noch die beste Waffe ist und weil ein leidendes Volk nur von dem begriffen wird, der seine Leiden teilt. Acht Monate habe ich das ausgehalten— fragen Sie mirh nicht, wie... Und heute, wo wir über die Grenze gegangen sind, weiß ich, daß es nicht umsonst war. Ich besitze die Atmosphäre Deutschlands, ich habe sie acht Monate in mich eingesogen— es waren wohl die schlimmsten acht Monate meines Lebens. Wer kennt das Leben der SA.? Wer kennt die Stimmung unter den Frauen. Wer kennt die knirschende Verzweiflung vieler Arbeiter, das Proselytentum des Haufens, wer die messianische Hysterie des Kleinbürgertums, das merkwürdige Schwanken der Bauern und die ersten unsichtbaren Kräfte, die sich zum ersten Widerstand langsam formieren?... Ich bin nach den Ereignissen der letzten Monate noch zu erregt, um Ihnen genau die Umstände schildern zu können, unter denen ich in Berlin arbeitete. Das Buch wird die genaue Darstellung der deutschen Tragödie. Zwei Monate, brauche ich noch. Zwei Monate nach der Hölle. Die Atmosphäre ist geladen, dauernd werden Schriftsteller verhaftet. Die wirkliche Literatur in Deutschland wird vernichtet. Beschlagnahme folgt auf Beschlagnahme. Verbot auf Verbot. Ich bin vom Untergang Deutschlands überzeugt.. ZeU:7lolizen Pflicht der Herren, sich über die wissenschaftlichen Methoden Gebhardt zu äußern! tine Serie von^fdiandtlecken Deutsche Kaiserkrone aus„nichlarischen" Händen Auf der Berliner Tagung des neugegründeten„Vereins deutscher christlicher Staatsbürger nichtarischer und nicht reinrassischer Abstammung" stellte sich heraus, daß die Mitgliederzahl schon in kürzester Frist eine in die Hunderttausende gehende Ziffer erreicht hat. Zu den Vereinsmitgliedern gehören laut den bekanntgegebenen Listen viele Mitglieder des höchsten Adels, so die Familien Wendel, Heuckel-Donnersmarrk usw. Weiterhin gehören dazu, was bisher unbekannt war, die Richthofens(denen der berühmte Kampfflieger Manfred von Richthofen entstammt, für dessen Gedenkbuch Göring das Vorwort geschrieben hat). Fernerhin die Barone von Hünefeld(ein Hünefeld war mit Köhl der erste deutsche Ozeanflieger), die Generale des Weltkriegs von Linsingen und von Moßler(letzter Militärgouverneur von Elsaß-Lothringen) sowie auch der General von Simson, dessen Großvater Wilhelm dem Ersten in Versailles 1870 im Auftrag der deutschen Länder die Kaiserkrone anbot. Der Verein hält sich zwar für..nichtarisch", aber nicht für„jüdisch", in seinem Aufruf heißt es:„Die ausgebürgerten deutschen Juden finden wenigstens wo anders eine gewisse Unterstützung Wer aber kümmert sich um die Hunderttausende deutscher Christen, die plötzlich von ihren Mitbürgern jeder Zukunft beraubt und in die Pestquarantäne gezwungen wurdenî* Mein Leipzig lob' ich mir.., Das bisherige Ethnologisch-anthropologische Institut unter Leitung von Prof. Dr. Otto Reche heißt nun:„Institut für Rassen- und Völkerkunde".— Ein neues Seminar für„politische Erziehung" wurde Ende November eröffnet. Der Leiter führt den germanischen Namen Studentkowski. Blut und Boden— patentiert Der„Völkische Beobachter" stellt fest, daß der Ausdruck „Blut und Boden" von dem aus der SPD. entfernten August W i n n i g georägt wurde. Bisher galt das Wort als eine Erfindung des Darre. Vielleicht einigen sich die feinen Leute. Verboten wurden laut Kriminalpolizeiblatt 1722/27 folgende Druckschriften:„Was will die NSBO.?"; Ernst Thälmann:„Im Kampf gegen die faschistische Diktatur"; Thälmann: „Kampfreden und Aufsätze"; das Flugblatt:„Ernst Thälmann an die Erwerbslosen";„Der Kampf für den Sturz der faschistischen Regierung Hitler-Papen-Hugenberg"; „Neue Zukunft"(Straßburg);„Der Zwiebelfisch"(früher München, jetzt in Wien(Oesterreich),(begr. von Hans von Weber);„Témoignages de notre temps"(Paris); Magnus Hirschfeld:„Sexualgeschichte der Menschheit", Berlin, Verlag P. Langenscheidt;„ Westland"(Saarbrücken);„Der Götz Von Berlichingen"(Wien);„Daily Mirror"(Neuyork);„Der Bauernbündler"(christlichsozial, Wien);„National Free Preß"(Chicago);„ Internationaler Sportpressediensl"(Außig) die Beschlagnahme der Broschüren:„Kämpfende Kirche", „Die Stunde der Entscheidung ist da",„Das wahre Christentum und die Frauen von Alix von Falkenhayn" ist aufgehoben.— Weiters werden interessanter Weise die Schriften des italienischen sehr erotischen Schriftstellers Pitigrilli: „Ein Mensch jagt nach Liebe" und„Yvette gibt französischen Unterricht", die verboten waren, wieder freigegeben. Hingegen wird verboten:„Adolf Hitlers Weg zu den feinen Leuten";„Ernst Thälmann an die Erwerbslosen"(wiederholtes Verbot!);„Nazis stecken den Reichstag in Brand": „The New Leader"(London);„De Maandagmorgen"(Amsterdam);„Grazer Volksblatt"(christlich sozial, Graz); „Mühlviertier Nachrichten"(christlichsozial, Rohrbach); „Kremser Zeitung"(christlichsozial, Krems);„St. Veiter Anzeiger"(christlichsozial, St. Veit);„Neue Warte am Inn" (christlichsozial, Braunau);„Salzkammergut-Zeitung"(christlichsozial, Gmunden). Wegen Unsittlichkeit wurden verboten: Annemarie von Nathusius, Eros, Verlag Bong unci Co., Berlin; Frank Harris, Mein Leben. S. Fischer Vlg., Berlin; Erich Ebermeyer, Nacht in Warschau, Philipp Redau» jun., Leipzig; Charles Lemonnier, Die Liebe im Menschen, Wigand, Leipzig; Peladan, Der Andogyn, Georg Müller, München; Arnold Zweig, Junge Frau 1914, Büchergilda Gutenberg; sonst diesmal nichts. Das Neueste "***' Korrespondent des.Daily Herald' weih «1*1 11 Lttwt»»» bade der polnische« Regierung vor« Ueschi«g<». d«d d»e Sowjetnolon und Polen gemeinsam die Unabdänglglei» und Unverletzlichkeit der»ie, Randstaaten »rmnland, Efttan». Lettland und Litauen garantiere» soll» te n. Ter Korrespondent hält es sür sicher, daß die polnisch« Regierung den Vorschlag annehmen werde. Bon amtliche, Seite wird mitgeteilt, dost die sinnische Re- g'erung das vorläufige deutsch-sinnische Handels- ab k o mm en gekündigt hat. Da außerdem deutsche Waren in Finnland nicht mehr meistbegünstigt behandelt werde«,»st zunächst anch Finnland von der deutschen Meist- begitnsttgungsliste gestrichen worden. In der Nacht zum Donnerstag ereignete sich in der Nähe von Spinal ein Eisenbahnunglück, durch das zwöls Soldaten mehr oder weniger schwer verletzt wurden. Eine Lokomotive, d»e zwei Eisenbahnwagen abschleppen sollte, in denen sich Soldaten eines Jägerregiments befanden, fuhr ans einen der ^bage» so stark ans, daß er aus den Schienen sprang und zum Teil zertrümmert wurde. 12 Soldaten erlitten dabei zum größten Teil Quetschungen und mußten ins Militär- kazarett von Gerardmer übergeführt werden. Der französische Flieger Bourdin, der vor zwei Tagen mit einem Wasserflugzeug mit 1000 Kilogramm Nutzlast einen Höhenrekord von 8864 Meter ausgestellt hatte, hat am Mittwoch mit dem gleichen Apparat und 2066 Kilogramm Nutzlast die Höhe von 8266 Meter erreicht. Der bisherige Weltrekord für diese Kategorie ist damit um 2666 Meter verbessert worden. Die Sportzeitung L'Auto kündigt an, daß die bekannten französischen Langstreckenflieger Codes und Rosii ihren eigenen Langstreckenrekord in gerader Richtung Ende des Monats zu verbessern beabsichtigen. Sie wollen in Jstres starten, und ihre Flngrichtnng wird Südamerika sein. Die Arbeitslosigkeit zeigt in Frankreich in de« letzten Wochen eine steigende Tendenz. Die amtlichen Zahlen stellen fest, daß die angemeldeten Arbeitslosen sich «m 25,. November ans 232 216 beliesen, am 2. Dezember aus 237 636, am 6. Dczcinber aus 266 618, am 16. Dezember aus 285 455 und am 28. Dezember auf 363 921. Das bedeutet eine Zunahme der amtlich angemeldeten Arbeitslosen um etwa 56 666 in den letzten vier Wochen. In der englischen Grafschaft Dorset nördlich von Dorceftcr sind in einem Umkreise von 36 Kilometer Tausende von Krähen tot aufgefunden»vordcn. Es besteht der Rerdacht. «aß irgend ei» Bauer ans seinem Feld Arsenik ausgestreut hat,»,n die Böget als Schädlinge zu vergiften. Eine amt- liche Untersuchung ist eingeleitet. L i m a, 4. Jan. 5666 Indianer befinden sich im Aufruhr. Ï««e haben die Kaserne von Guayaqui an der Grenze von eru und Bolivien in Besitz genommen. Die Stationen der isenbahn Goayaqui-La-Paz und Titicaca-See wurdet geplündert. Die Eisenbahn gehört einer britischen Gesellschaft. Die Eisenbahner setzten sich zur Wehr. Ans beiden Seiten »oll«s schwere Verluste gegeben haben. Die bolivianische Re- tzierung hat Truppen in das Ansrnhrgebiet entsandt. Eine Gruppe von Revolutionären, die in einem Motorboot von Trinidad nach Venezuela zu ge- langen suchte, ist iin Orinoco-Fluß verunglückt. Das Boot kenterte. Ztvölf Personen, darunter die Generale Flores und Ferrer. ertranken. Vier andere Insassen wurden gefangen genommen und ins Gefängnis gebracht. Eine andere Gruppe kreuzt noch in einem Motorboot im Golf von Paria, ist aber bisher von der venezuelanischen»Ästenwache a» der Lan- dung verhindert»vorden. »Daily Herald" meldet, daß der Sohn Gandhis, Dévidas Gandhi, nach Berbiißung seiner Gesängnisstrafe freigelassen worden sei. Er babe, wie oerlautet, aus die weitere Be- teiligung an dem Feldzug des bürgerlichen Ungehorsams verzichtet. Einer japanischen Agenturmeldnng zufolge wird erwartet, daß Peking am heutigen Donnerstag von den auf- ständischen Truppen besetzt wird, falls die Japaner fich nicht zu einem Eingreifen entschließen. vie Grubenkatasfrophe Klopfzeichen nicht mehr zu hören Brüx, 4. Jan. Aus dein Nelson-Tchacht 3, in den» 132 Bergleute durch die schivere Grubenexplosion eingeschlossen sind, konnten bisher 16 Tote geborgen werden. Klopfzeichen der Eingeschlossenen sind nicht mehr zu hören. Die Aussich- ten auf eine Bergung der Eingeschlossenen sind sehr gering. >»eil die riesigen Stichslainmen eine große Hitze entfalten. Alle Zugänge zum Unglücksschacht sind verschüttet. Aus den Schächten steigen giftige Gase auf, von denen einige am Aus- gang des Schachts arbeitende Rettungsmannschaften betäubt wurden. Die Ordnung»vird durch 160 Gendarmen aufrechterhalten, die Mühe haben, die vielen Hunderte von Angehörigen der Verunglückten vor den Eingangstoren zurückzuhalten. Ueber die Ursache des Unglücks bestehen nur Vermutungen. ES kann sich um eine Explosion brennbarer Gase, aber auch um eine Explosion des Dynainttlagers handeln. Die Fachleute erklären, daß im Nelson-Schacht schon seit einigen Tagen ein Grubenbrand»vütete, den man mit größter Mühe, aber vergeblich einzudämmen versuchte. Diesem Gruben- brand schreibt n»an die Explosion zu. Die vier geretteten Arbeiter haben sich soiveit erholt, daß sie ihre ersten Eindrücke von dem Unglück schildern können. Sie hatten plötzlich im Schacht einen dichten Qualm be- merkt und versucht, zum Förderschacht zu gelangen. Als sie aber infolge des Rauche? nicht welter konnten, kehrten sie um. ES gelang ihnen, durch den Notausgang des Schach- tes 7 auszufahren. Auf der Grube 7 inußten gegen 4 Uhr morgen« die Ret- tungsarbeiten eingestellt»verde»», da aus der Grube sich ein schivarzer Rauch wälzt. Die Grube wurde sofort abgc- schlössen.(Siehe auch Seite 3) Ausländsdeutsche werden gesucht Der„Reichssachschaftswart" für Gaststättenangestellte C. Sander verfügt:„Alle im Ausland»veilenden Gaststätten- angestellten, auch Köche. Konditoren. Bäcker und Metzger, sind zu veranlassen, ihre Anschrift dem Kreisleiter des Deutschen Arbeitervcrbaiidcs de? NabrnngSniittelgewerbes, Verbands- kreis Baden-Baden, Jnselstraße 2, Pg. Schweizer, bekannt- zugeben.. 5 OOO Nazis in Süd-Iütland (Jnpreß.) Das sozialdemokratische Mitglied deê dänischen Parlaments, I. P. Nielsen, verösfentlicht einen Artikel, in dem»nitgeteilt»vird, daß sich gegcnwärtig 5666 deutsche Nazis in Dänisch-Süd-Jlitland aufhalten. Sie haben See-Sturm- abteilnnqen gebildet, die ihre Befehle aus dem n der norddeutschen Stadt Flensburg gebildeten.Hauptquartier' er- halte». Allgemeine DEUTSCHE POLIKLINIK BsrnffiKS Chefarzt Professor WENSTEN I) ORDINATION DURCH SPEZIALARZTE fflr Innere, Chirurgische, Frauen* und Kinderkrankheiten. Haut» und Geschlechtskrankheiten. Augen», Ohren», Nasen» und Halskrankheiten. Geburtshilfe. 2) INNERE Klinik. 1) CHIRURGISCHE Klinik. 4) GEBURTSHILFLICHE und GYNXKOLOG1SCHE Klinik Sanatoriums»Gcb4ude mit der allermodernsten Einrichtung. 1 1■■■■■■■-■ ORDINATION:(auch Mr Privatkrank«) tüglich von 1 bis 8 Uhr. Sonn» und Feiertags von 10 bis 12 Uhr Pariser verteile Pariser StraflcnkakMer Am 8. Januar wird das 15-Centimee-Blatt ,,L'Ami du Peuple", nachdem Coty seine Hände herausgezogen hat, versteigert. Der Zuschlag soll bei 3,5 Millionen erteilt werden. » Zwei Gruppen spekulieren, wie Léon Blum meint, auf den nächste Woche unter den Hammer kommenden„Ami du Peuple": einerseits„Petit Parisien" mit Léon Bailbv vom „Jour", andererseits Henry Simond vom„Echo de Paris" und Guimier von der Agence Havas. • Die Zeitungen stellen anläßlich des französischen Rugby- Sieges von 12: 3 fest, daß die Leistungen des(übrigens ohne römischen Gruß aufgetretenen) deutschen Teams sich gebessert haben, daß ihm aber noch die Schnelligkeit der Zu- sammenarbeit fehlt. Die berühmte Ecole normale supérieure in der rue d'Uln» erhält einen modernen Neubau im Flächenstil, der u. a. chemisches und geologisches, botanisches und zoologisches Laboratorium umfaßt. In einem zweiten Keller liegen Elektrizitätsanlagen, im ersten ein Aquarium, auf dem platten Dache Gewächshäuser. Architekten sind A. und S. Guilbert, die u. a. die Neubauten in Deutschland vor Be- ginn ihrer Arbeit studiert haben. * Ein politisch tätiger deutscher Flüchtling, der dem republikanischen Polizeibeamten verbände nahestand, hatte auf der Fahrt von Saarbrücken nach Paris, wie wir erfahren, einen Autounfall und erlitt eine Beckenbruch. * Die Beisetzung der jungen deutschen Studentin Charlotte Wolff, die sich am Neujahrstage in Boulogne nach einem Zerwürfnis mit ihrem Freunde durch Ocffnen der Gashähne tötete, fand in der Stille statt. * Nachdem der„Club 33" in Paris seine Pforten endgültig geschlossen hat, ist. wie uns mitgeteilt wird, auch das„Foyer Henri Heine" vorübergehend geschlossen worden. Ein Anschlag besagt, daß die neue Adresse des Clubs beim Concierge zu erfahren ist. » Der irische Gesandte in Paris. Graf O'Krüy de Gallagh, hat die englische Version der Rubayyat von Omar Khcvyans (im Deutschen nennt man den großen persischen Dichter Omar Khayam) ins Französische Überträgen. » Professor Piccard ist zu einer Vortragsreise in das französische Nordafrika gefahren. ch Der Generlrat Seine kommt im neuen Jahre durch Abstriche am Gudget ohne neue Steuern aus. ♦ Eine Ausstellung von Steinlen, dem„Zille von Paris", wurde bei Pelletan eröffnet. Angekündigt wird, daß der Berliner Rechtsanwalt Feder am 5. Januar, nachmittags 136 Uhr, im großen Hörsaal X der Rechtsfakultät über das neue deutsche Presserecht spricht. * Die angekündigten Emigranten-Vorstellungen in Paris finden am 7. und 14 Januar im Theatre Albert I. statt. Gegeben wird der„Prozeß des Tisca Eszlar" von Arnold Zweig. Die Liga für Menschenrechte bat das Protektorat über die Aufführungen übernommen. Französisch-deutsche Freundschaftsstunde In den Räumen der Entr aide Européenne trafen sich viele französische, deutsche, englische Friedensfreunde zu einer wahren Freundschaftsstunde, deren Idee von der allzeit hilfsbereiten Gattin des Leiters der französischen Liga für Menschenrechte ausgegangen war. Victor Bäsch. Professor von der Sorbonne, einer der vollendesten Redner Frankreichs, entbot in deutscher Sprache den deutschen Flüchtlingen ein gastliches Willkommen.„Diese Einladung in der Fremde, in der harten Fremde, soll Euch zeigen, daß es noch Herzen gibt, die mit Euch fühlen, brüderlich und schwesterlich." Professor G u m b e 1, der vertriebene Dozent von Heidelberg, Professor am Institut Poiucaré, erwiderte in seiner Dankrede, daß die Deutschen alles tun würden, um die Vorurteile zu besiegen. Mme. M u 1 p u von der Entr'aide sprach von /1er Freude, die Küche, die in Berlin bestand, hier gewissermaßen wieder zu errichte Musik und Ter, Freundtchaftsgespräche und Abwesenheit aller Zeremonien zierten das in jeder Beziehung gelungene Fest. Vortragsabend Am Donnerstag, dein 4. Januar findet um 8.45 Uhr im Saal L der Mutualité Paris Ve., rue St. Victor(Metro Maubert- Mutualité) ein Vortragsabend aus unveröffentlichten Werken emigrierter deutscher Schriftsteller und aus den Manuskripten der kämpfenden, nicht gleichgeschalteten Schriftsteller in Deutschland statt. Bekannte deutsche und französische Schauspieler werden lesen; die anwesenden Autoren werden selbst Abschnitte aus entstehenden Büchern lesen. André Gide, I|!ja Ehrenburg, Aragon, Anna Segbers, Plivier und viele andere haben ihr Erscheinen und ihre Mitwirkung angesagt,- Die DesdtafUgung der Ausländer In rronhreldi Nach einer neuen Bekanntmachung im„Journal officiel" darf im Departement Seine die Beschäftigung von Ausländern 10 bis 15 Prozent des Personals nicht überschreiten. Eine weitere Verordnung regelt die Frage der Kellner usw. in der Hotelbranche. Auf diesem Gebiete besteht bekanntlich ein Austauschverkehr. Die neuen einschränkenden Bestimmungen gelten». a. für die Seine, die Rhone- Gegenden, Savoyen und die Kanallciiste. Im Baugewerbe für Seine und Seine-et-Oise ist als Höchstzahl 50 Prozent bei Zimmerleuten und Maurern, 60 Prozent bei Mosaiklegern und 90 Prozent bei Granitarbeitern zugelassen. Bei Spezialarbeitern, bei denen Frankreich vom Aus- land abhängig ist, gelten aber Sonderbestimmungen für die Dauer von drei Monaten. Deufsdic In Pariser Kliniken Beim gegenwärtigen Gesundheitsstande, der teils durch das nasse Winterwetter, teils durch die Not unter den Flüchtlingen bedingt ist, häufen sich die Fälle, in denen Deutsche französische Hospitäler aufsuchen. Daher interessieren besonders die Zahlen, die der Generaldirektor der Pariser A. P.(Assistance publique), M. Mourier, mitgeteilt hat. Danach zahlen nur 7 Prozent der Hospital-Kranken als Privat-Patienten ganz oder teilweise die Tagestaxe von 41 Franken. Fast die Hälfte der Hospitalfälle bezahlt die soziale Versicherung oder eine andere öffentliche Kasse. Die andere Hälfte sind arme und Unglückliche. Viele Geheilte, die ohne Bleibe. Arbeit und Familie sind, werden aus Mitleid nicht entlassen. Die Möglichkeit, daß ein Wohlhabender einen bedürftigen Kranken aus einem Hospitalbett verdrängen könne, bestreitet der öffentliche Hilfsdienst ganz entschieden. Dieser entschieden soziale Standpunkt des Leiters des Pariser Hospitalwesens wurde noch durch einen Beschluß des Pariser Stadtrats unterstrichen, daß die Hospitäler nicht für Arme und Reiche, sondern für Leidende allein vorhanden sind. An alle mnsikllebenden Emigranten Eine große Zahl der aus'Deutsch! and Ausgewanderten war mit dem deutschen Musikleben eng verbunden. Die Emigration hat die laienkünstlerische Tätigkeit, die einst in Oratorienchören, philharmonischen Gesellschaften, akademischen Orchestern usw. ausgeübt wurde, zunächst unmöglich gemacht, während ein regelmäßiger Besuch der Konzerte im Gastlande für die meisten schon aus wirtschaftlichen Gründen undurchführbar ist.— Andererseits ist das Kunst- und Musikbedürfnis gerade in Zeiten der Not besonders groß. Die Unterzeichneten haben deshalb Vorbereitungen getroffen, um auf diesem Gebiete eine Selbsthilfe zu ermöglichen. In kürzester Zelt sollen ein großer gemischter Chor und ein philharmonisches Orchester mit der Vorbereitung von regelmäßigen Oratorien- und Sinfonickonzerten beginnen. Es ergeht daher hiermit an alle musikliehenden Emigranten deutscher Sprache ohne Unterschied des Alters, des Berufs, der Nationalität, der religiösen und politischen Ueber- zeugung die Aufforderung, sich umgehend für die künstlerische Mitarbeit in der geplanten Kouzertgemeinschaft anzumelden. Die Aufforderung zur aktiven künstlerischen Mitarbeit richtet sich zunächst an alle diejenigen, die bereits in Oratorienchören, philharmonischen Gesellschaften, akademischen Orchestern und ähnlichen Vereinigungen mitgewirkt haben, darüber hinaus aber auch an stimmhegabte ohne Notenkenntnis und an Instrumentallsten ohne Erfahrung im Orchesterspiel, für deren Vorbereitung besondere Uebungsstunden vorgesehen sind. Die Aufforderung zur inaktiv en Mitgliedschaft richtet sich an alle Musikfreunde, die die Absicht haben, die geplanten Konzerte zu besuchen und ihre Vorbereitung und Durchführung durch sofortige Zahlung eines einmaligen oder regelmäßigen Beitrages zu erleichtern. Alle Anmeldungen und Anfragen sind h a I d- möglichst schriftlieh unter genauer Angabe der Adresse und gegebenenfalls der früher bereits ausgefüllten laienkünstlerischen Tätigkeit bzw. des gestielten Instrumentes zu richten an: Philharmonie, Paris XHe, 45 avenue du Général Michel Bozet. Walter Jacob und Friedrich Mayer, Fachberater im Service juridique der Liga für Menschenrechte. Franz Lande, Dirigent(zuletzt Düsseldorf). framöstsdi Iflr Ausländer Wir machen erneut darauf aufmerksam, daß Mittwoch, den 10. Januar, ein Mitglied der französischen Lehrergewerkschaft mit einem neuen Kursus für Ausländer in der Pariser Arbeiter-Hochschule beginnt. Einschreibungen vom 8. Januar ah im Pariser Geicerk- schaftshause. 211, rue Jafayette, 9 bis 11, 13.30 bis 15.30 und (außer Samstag) 20 bis 22 Uhr. Der Haupfspion von Montparnasse Im großen Pariser Spionagefall war von besonderem Interesse des serbischen Mitbeschuldigten Norandjies. Dieser politische Abenteurer war vor dem Kriege..Chefredakteur serbischer Blätter" in Amerika. 1915 stellte er sich als Kriegsfreiwilliger, wurde ein Jahr später wegen Krankheit zurückgestellt, ging nach Paris und Wien, heiratete in Wien eine Französin. Von 1924 war er Korrespondent serbischer Blätter in Paris, verlor diese Stellung aber 1929 infolge der Einführung der Diktatur Von da an verkaufte er B.lder, Norandjiez lernte a»f dem Montparnasse den russischen Hauptspion kennen. Er will aber mit diesem, dem gefluchteten Restcheski, nur Partien„Jacquet" gespielt haben, das ist die in Earis beliebte Art von Kegel-Billard TéL Trinité 43-13 Métro P i g a 11 e Deutsche Poliklinik Paris, ÖZ, Rue de la Rochefoucauld Kabhftett B'dû a) Allgemeine Konsultationen mit 9 Speriatintca. b) Chirurgie c) Geburtshilfliche Klinik d) Zahnarztlich innere Medizin, Augen». Ohren», Nasen» und Kehlkopfkrank- ZweistöcktgesJSanatoriumsgebaude. Vierstöckiges Gebäude. Zimmer Zahn, und Mundchirurgie, netten. Röntgen. Diathermie. Elektrotherapie Spczialbehand« Kleine, mittlere und große Chirur» mit 1 bis 4 Betten. 3 Aerzte, 3 Heb» und Porzellan kronen,»1 lung bei Blut». Harn» u. Geschlechtskrankheiten gie. Die aller modernste Einrichtung ammen und 2 Operationssäle. 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Anfr. anter H.J. m die ,,Deutsche Freiheit" ME; M«!»..^ Die mißliebigen Zeifungsmarder Man schreibt uns: In den wenigen Pariser Cafes, wo deutschsprachige Zeitungen aus dem Reiche und dem Auslande aulliegen, machen sieh einige Gaste— meist Berliner J" dadurch bemerkbar, daß sie immer gleich vier oder fünf c er besagten Blätter auf einmal für sich reservieren, lange darauf sitzen* oder, wenn endlich gelesen, bei sich liegen lassen und nicht an den Zeitungsstand zurückbringen. Es gab deswegen schon sehr unangenehme Auseinandersetzungen in bekannten Montparnasse-Cafés. Mehr wie zwei deutsche Blätter auf einmal sollte sich kein vernünftiger Caféhausleser nehmen und dabei Rücksicht gegenüber den vielen anderen Interessenten üben. Der„Zeitungsmarder" ist ein neuer höchst unbeliebter Caféhaustyp in Paris, seine Cnbescheidenheit, mit der er auftritt, trägt keinesfalls dazu hei, die deutschen Emigranten in Paris beliebter zu machen» Der Sehreiher dieser Zeilen hat am 16. und 23. Dezember drei deutsche Blätter in je zwei Exemplaren gekauft und sie vormittags in zwei bekannten Cafes mit Erlaubnis der Geschäftsführer deponiert, welche die Blätter auch mit dem Geschäftsstempel versahen. Am Nachmittag waren sämtliche Blätter verschwunden. Praktischer Kundendienst Die französische Staatsbahn hat in den Bahnhöfen Saint- I. azare, Montparnasse und Invalides ein P a- k e t d e p o t eingerichtet und mit den großen Warenhäusern und Spezialgeschäften von Paris das Abkommen getroffen, daß auf Wunsch des Käufers gekaufte Waren durch einen Botendienst, in eiligen Fällen sofort, nach dem Paketdepot des betreffenden Bahnhofs gesandt werden. Der Käufer erhält heim Einkauf einen Depotschein, den er am Bahnhof nur vorzuzeigen oder vorzeigen zu lassen braucht, um das Paket mit der eingekauften Ware ausgehändigt zu erhalten. Die Neunjährige als Verkäuferin AJir treten in ein Einheitsgeschäft in der Nähe der Porte de St. Cloud. An dem Spielwarentische arbeitet eine kleine Neunjährige, in der hellrosa Arbeitsbluse der Verkäuferin. Sie zieht gerade ein Häuschen auf, indem sie auf einen Knopf drückt, das Häusrhen springt durch die Mechanik in die Höhe. Drei Knaben schauen hochinteressant zu, fragen, drehen das Ding um. erhalten Auskunft. Die Kleine, altklug, zieht das Notizbuch, schreibt die Bestellung auf. Die Jungens. fachmännisch durch das Kind beraten. haben zu der Kleinen Vertrauen gefaßt. Sie können ihre Spielwünsche viel hesser anbringen, als hei Erwachsenen. Die Kleine lächelt glücklich und leer, redet und animiert eifrig, ist schon viel klüger als dfe gleichaltigen Jungen. Das Geschäft nimmt zu. Ein Stück Paris aus dem Lehen— soviel, antisozial?—, wie es im harten Deutschland unmöglich wäre!— Die Wunder von Diarritz und Bayonne Oder: Der schöne Alexander und sein Opfer Biarritz ist ein Ort der Wunder Der Stadtrat dieses Paradieses an den Pyrenäen hat soeben beschlossen, einen Tunnel unter dem Strande zu hauen. Eine Straße nach dem Golfplatz Chiherta, dem Treffpunkt der Millionäre, genügt nicht mehr, um die 500C Ins 6000 Automobile aufzunehmen, die in der blauen Hochsaison den Ort der Freuden fahren. Darum soll eine neue Straße und ein Tunnel unter der grande plage geschaffen werden, die die„Lambre d' Amour" mit Chiherta verbindet. Neben dem von Napoleon III. geschaffenen 70 Meter langen Tunnel zum Rocher de Vierge erhält die Wunderstadt also einen zweiten Tunnel. Im Bellevue-casino wird ein neuer Theatersaal gebaut, im Hotel du Palais ein Schwimmbad im Garten, das Miramar haut um Der Bürgermeister von Biarritz, ein Herr mit dem baskischen Namen Hirigoyen schaut zufrieden auf die Anhäufung des Reichtums in diesem vielleicht schönsten Domizil der Welt. Gegenwärtig ist in den Pyrenäen Winters/iort. Ein neuer Nachtschnellzug von Paris(Quai d'Orsay) nach den Pyrenäen (J.uchon-Siiperbagnères) verkehrt bis Ende Februar und bringt reiche Leute mit Rückfahrkarten erster Klasse, die um 20 bis 25 Prozent bei dreiwöchentlicher Reisedauer verbilligt sind, in die Kurorte des Luxus Im Januar sind bereits 500 bis 600 Familien von Ausländern in diesem Wunderlande am Gascogner Golf. Prachtvoll ist die Fahrt von Biarritz nach Bayonne über Anglet, die Zauberfahrt mit der elektrischen Schmalspurbahn der„BAB.", die nach Anfangsbuchstaben dieser drei Orten der Seligen genannt ist. Diese Bahn fährt durch die schönste Landschaft der Welt, die gewaltigen Kämme der Berge an der spanischen Grenze dunkeln, das Meer rauscht... Damit sind aber die Wunder von Bayonne oder Biarritz nicht erschöpft. Ein fast noch größeres Wunder aller vornehmen Hotels und Hochstaplerterrassen in Bayonne lind Paris ist der„schöne Alexandre"— Alexandre Stoeixky, der Rumäne, der den Riesenhetriig zu Bayonne verübt hat. Der„schöne Alexandre", eine in Paris, wo er sich zur Zeit noch verborgen hält, außerordentlich bekannte Erscheinung, ein Fürst der Diebe wie Manolescu, hat soeben in Rayonne den klassischen Coup von angeblich 200 Millionen branken Fälschungen gelandet, das sind immerhin 32 Millionen Mark. All das hat er durch falsche Bons, Begauuerung der Menschheit, Riesenverzehr an Gold- und Edelsteinen durch ein Geschäft des„Ersatzes" von Kriegsschäden gegen Ungarn usw. bequem ergattert. Sein getreues Werkzeug bei diesem echten Pyrenäen-Betrug war M. Tissier, der Leiter des Crédit municipal von Bayonne, 49 000 Franken Fixum im Jahre und freie Dienstwohnung. Der hat. ein großspuriger Mann und Großsprecher, mit dem König der Modebäder gemeinsame Partie gemacht. Tissier. im übrigen ein„korrekter" Herr, hätte leicht die nahe spanische Grenze überschreiten können, aber er zog es vor, zum Unter- präfekten zu gehen und ein Geständnis abzulegen. Auch die Freundin von Gustave Tissier, che auf den offiziellen Bällen als seine Ehefrau auftrat, die blonde Mine. M i m e k, wurde angetroffen. Sie war von Paris in die Wohnung Tissiers zurückgekommen. Stavisky. der fieberhaft gesucht wird, hat die Geschichte der großen Hochstapler wieder einmal durch einen rumänischen Kriminalroman von höchster Lehensechtheit bereichert. Und die Wunder der Pyrenäen dazu.— Deutscher Rechtsanwalt studiert in Paris Ich treffe den deutschen Rechtsanwalt in einem neuen deutschen Lokal in der rue Sainte-Anne, in der Nähe der Oper. Der Rechtsanwalt sieht sich die Figurinen in dem grauen Klubraum und die Bilder an, die der Berliner Maler H e r t o geschaffen hat. „Ja, man ist wieder Student, mein Lieber... Das ist eigenartig, wenn man als gereifter Mensch ins römische Recht steigt. Das Racealauerat. das Maturum, rechnen einem die Franzosen an. Die drei Studenten-Examen muß man nachmachen" „Sie gehen also auf neu in die Sorbonne?" „Das nicht.„Belegen" und Hörsal-Besuch wird nicht verlangt. Bloß die Examine seihst. In Frankreich dauert das juristische Studiuni drei Jahre, und nach jedem Jahre kommt ein Examen Das erste hat keinen Namen, das zweite ist das Baccalauréat du Droit, das dritte ist das Licentiat." „Und wie lange brauchen Sie dafür?" „Ich rechne: ein Jahr. Vor drei Monaten habe ich mit dem Zivilrecht angefangen. Dann kommt das Straf recht dran.." „Und was ist Ihnen bei Ihrem Studium im Vergleich zum deutschen besonders aufgefallen?" „Der andere Geist natürlich. Die Franzosen haben ganz andere Theorien. Das bürgerliche französische Recht, der Code civile, hat eine herrliche klare und volkstümliche Sprache Dichter sollen«ich daran gebildet haben, was man vom deutschen BGB., dem Bürgerlichen Gesetzbuch, immerhin nicht behaupten kann." ..Können Sie eine besonders bezeichnende Einzelheit der Reelitsuntrrschiede nennen?" „Na, zum Beispiel im Eherecht. Bis vor einiger Zeit gab es noch eine Scheidung, wenn beide Ehegatten damit einverstanden waren, wenigstens unter gewissen Kantelen. Der berühmte Grundsatz:„La recherche de la paternité est interdite" gilt schon lange nicht mehr, seit 1912 ist die Alimentenklage einer unehelichen Mutter in der größten Zahl der Fälle auch in Frankreich eingeführt. Interessant ist. daß es eine. Scheidung wegen Geisteskrankheit in I rankreich nicht gibt. Dann gibt es zweigetrennte Ehebruchsparagrafen für Frau und Mann." „Warum das?" „Aus historischen Gründen. Auf Seiten der Frau war der Ehebruch immer ein Scheidungsgrund. auf Seiten des M a ii- nes früher nur dann, wenn der Mann eine andere Frau in die eheliche Wohnung, die maison conjugale, aufgenommen hatte. Inzwischen sind die beiden Paragrafen einander textlich angeglichen worden, aber die Trennung in zwei Paragrafen ist stehn geblieben.— Dann gibt es natürlich eine Unzahl Unterschiede im ehelichen Güterrecht und u. a. auch im Mietwesen, wo das alte System des„b a i I", d. h. so etwa der„Miete des Mietrechts" noch neben der gewöhnlichen Miete fortbesteht." „Und was werden Sie, wenn Sie ihre drei Examina hinter sich haben?" „Zunächst stagiaire. Sie wissen übrigens doch, daß die Franzosen zweierlei Anwälte haben: die avocats, die vor Gericht auftreten, und die avoués(deren... auch noch wenige gibt), die den Schriftwechsel machen—, na, praktisch machen meistens ja auch die avocats den Schriftwechsel." Und nach dieser Rechtshelehrung gaben wir uns dem gemeinsamen deutschen Mittagessen hin, was rechtlieh als ein „Kaufvertrag" zu bezeichnen ist.— Baptist. BRIEFKASTEN Püttlingen. Sie wü»säten von uns. daß wir das kommunistischs Vlatt in Saarbrücken glossieren, weil es die kommunistischen und die christlichen Arbeiter aufgefordert hat, gegen den Terror anzu» kämpfen, den die nationalsozialistische Parteidikiatur gegen katho» lischt Priester verübt. Wir denken nicht daran, Ahrer Anregung zu einsprechen. Ter Aussatz in dem Kommuniftenbiatt war sehr per« nünftig, auch wenn er vielleicht nur taktisch gemeint war. Gerade an der Saar soll man die christlichen, die sozialdcmokraiischcn und die kommuiiistiichcii Arbeiter nicht auseinanderhetze», sondern sie möglichst zusammenlagen. „Köln bleibt ttälu." Wir freuen uns, daß Tie gelegentlich eines kurzen Ausflugs in die Schweiz an uns gedacht haben. Nie haben wir daran gezweifelt, daß zum Beispiel der Anliicmilismus in de» breiten Kölner Volksschichten höchstens vorübergehend stärkere Wirkungen ausüben kann. Ahr Blies, der uns das Abflauen dieser Hetze schildert, ist uns eine Bestätigung. Taß in den Kölner Elends» vierteln da und dort»Kommunisten".Hammer und Sichel aus den Svwsctfahncii mit dem Hakenkreuz verdecken, wundert uns nicht. Wir haben früher schon erlebt, daß ln etlichen solchen Straßen an dem einen Sonntag Transparente mit„Heil Moskau" über der Straße dingen und am nächsten Sonntag gelegentlich der Kirmeß die Muttergottesbilder vor den Häusern standen. Tas wollen wir der KPT>. nicht zur ilaft legen. Es mcnschclt überall. Ihre Schilde- lung, wie sehr gereifte Mölfrtte Madams als„Frauenschastcn" mit dem Hakenkreuzbanner watscheln stall marschieren, ist köstlich. Taß Abr so etwas„Krämpfadergcschwader" gelaust habt, ehrt den un» sterblichen Kölschen Witz. »Ausgerückt." Was Sic mit den uniformierten Nazis erlebten, ist ganz iniercgant, aber doch zuviel Wirisbausgeschichlc. Nach unseren — nur theoretischen Ersahruiigeu— läßt die Beobachtungsgabe in vorgerückten Stunden nach, und dieses optische Gesetz wirkt sich, wieder nach unseren theoretischen Erfahrungen, sowohl bei Faschisten wie bei Antifaschisten aus. Nichts für ungut. »Holland." Auch der neue Brics hat uns prompt wieder erreicht. Wir werden uns bemühen. Tr. F. W Denken Sie an das Wort von Raabe:„Alles Genieß» liche Hab' Ich genogen, alles Berdrießlichc hat mich verdrogen." Tes- wegen brauchen Sie so wenig zu resignieren, wie wir e« Inn. Das alles ist schließlich eine Frage der gesunden sceliichcn Struktur. Ein.zäher und enlschlostencr geistiger Kamps kann sich auch ohne großen\'ärm vollziehen, mindestens in seinen Anlangen. Tie „Tüllen im L'ande" sind Ott genug die Pfadfinder einer neuen.Feit geworden und haben koinmciiden Dingen vorgearbeitet, die von denen auch nicht entfernt geahnt wurden, denen das Getümmel den feinen Instinkt für leise herannahende große Entscheidungen ge- nvmmen hatte. Am Grundsätzlichen bleiben wir mit Ihnen treu verbunden. Machen Sie sich keine Skrupel: wer inmitten solcher Krise nicht sich und seine bisherigen Anschauungen kritisch prüft, ist viel mehr ein Dummkopf als ein Sozialist. „Westdeutscher Beobachter". Dieses Naziblatt, das nch auf den Nücken der„Kölnischen Zeitung" und ihres„Standanzcigers" zu schwindelhasten Abonnentcnhöhcn cmporcnlwickclt Hai, schreibt iNr. 1):»Die marxistische Emigrailicnpresjc, die in Paris, Zürich und Prag antideutsche Hctzvrgien feiert, registriert auf ibrc Art so ziemlich jedes Ereignis im neuen Teutschland. Da ist es umso vcr- ivundcrlichcr, daß sowohl die Saarbrückcr„Deutsche Freiheit" des Herrn Braun, wie die Blätter der Georg Bernhard. Tncholsk, Werth- »»er usw. vom Ergebnis eines der größten wirtschaftlichen Kor- riiptionsprozesse, dem Lahnsenurteil überhaupt keine Notiz genommen habe!"— Dies dürfte ein nicht unerheblicher Arrtum icin. Die„Deutsche Freilielt" bat(genau wie die„Vvlksstimmc" in Saarbrücken! nicht nur das Urteil gegen die Lahusen, die promi- »knien Geldgeber der Hiilerpariei, veröffentlicht. Sic hat auch etwas getan, was. ivic wir vermuten, die iahe Blindheit dieses Naziblattes verursacht hat: Sic hat gefragt, zu wieviel Prozenten die Karriere des deutschen Nationalsozialismus ans der Kasse der erbeuteten Dividenden und Tantiemen von Norbwolle stammt. Ter „Westdeutsche Beobachter" sucht außerdem den Herrn Ncichssustiz» kommifiar Dr. Frank beraustuvaukeii. An der Tatsache, daß die» sex Herr neben seinem Parteigenossen Tr.?uetqcbriine ursprünglich prominenter Verteidiger der Lahnsrns war, ist indes nicht zu an» dcrn. Erst als die Nasifübruna merkte, daß dieser fette Braten an» brennen könnte, wurde Dr. Frank öffentlich zurückgepfiffen. Und dann legte er sein Mandat nieder. -l- Die»Nene Weltbühne", Prag t, Mclanirichova 1, Nummer 52, ist soeben erschienen und bringt folgende Beiträge: Willi Schlamm: 'Blick in den Nebel: Frank Wcdckinb: Tilvéster: Was wird mit Dimitrofs?: Die Lüge an der Macht: W. S.: So wollen wirDcutsch» land 2; Gerald Hamilton: An der russisch-japanischcn Front: Kurt Wieland: Zoologisches Staatsrecht: Bemerkungen— Antworten. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Aohann P i tz in Dud- weiler: für Inserate: Dito K u h n In Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Bolksstttnme GmbH., Saarbrücken 3, Schützcnftraßc 5. Dr. Spécialiste M), rue de Rivoli— Métro: Chaiele RADIKALE HEILUNG von BLUT., HAUT, and FRAUENKRANKHEITEN Heilang von Krampfadern and offenen Reinwanden Neueste Behandlungsmethoden Elekiri. ntät. Imptungsvertahren Trypafle vine. 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