Sînzîge unabhängige Tageszeiiuug Veuischlands Nummer 4— 2. Jahrgang Saarbrücken, Samstag, 6. Januar 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Ans dem Inha lt tnçlisch- amerikanische Jxoteste Seite 2 Die diplomatische^Bilanz Seite 3 Deutschland und die ÎOeltioictschalt Seite 4 Opecndicektoc JacUoänqlec Seite 4 Jnsecatenteil leuchten! Diniilroii in Lcftcnsüclalirt Heimlicher Abtransport geplant Unglaublich, aber wahr! Ueber das Schicksal Dimitroffs und seiner Kameraden schwebt immer noch das Damokles- schmert der Göringschen Morbdrohnngen. Die letzten Nach- richten, die dem Verteidigungskomitee für den Reichstags- brandprozeb bekannt wurden, sind nur zu sehr geeignet, die tiefe Beunruhigung um das Schicksal der freigesprochenen Bulgaren weiter zn steigern. Der Frau des Bulgaren Ta- nefs ist gestern der Besuch ihres Mannes verweigert wor- den. Der Mutter Dimitroffs und seiner Schwester hat der Leipziger Polizeipräsident bekanntgegeben, daß sie ab heute keinerlei Recht mehr haben, Dimitrosf zu sehen. Begründet wurde diese rigorose Maßnahme überhaupt nicht. Ebenso- wenig wurde mitgeteilt, auf wie lange sich dieses Sprech- »erbot ausdehnen soll. Der amerikanische Advokat Gallagher hat folgenden Brief au den Leipziger Polizeipräsidenten gerichtet:„Als Beauf- tragte der Familie und der zahllosen Freunde der drei Bul- garen bitten wir um Erlaubnis, die Freigesprochenen ge- mcinsam mit dem englischen Schriftsteller Montague und den Angehörigen an die Grenze begleiten zu dürfen. Wir bitten Sie, uns soiort von der Abreise zu benachrichtigen, da die Familie befürchtet, daß der Transport plötzlich und heimlich geschehen soll. Nachdem Sie selbst geäußert haben, daß die drei Bulgaren die schlimmsten Verbrecher sind, die man sich vorstellen kann, müssen Sie wissen, daß die Aus- merksamkeit der ganzen Welt daraus gerichtet ist, wa» mit den drei Bulgaren geschieht und daß man Sie weitgehend für ihr Schicksal verantwortlich macht." Nach diesen Nachrichten ist es klar, daß neue unbekannte Gefahren für die Freigesprochenen drohen. Die Weltöffent- lichkeit, die unermüdlich in einem lange hingeschleppten Verfahren aus der Wacht war, muß jetzt verstärkt auf den Plan gerufen werden, um den Freigesprochenen das so selbstverständliche Recht zu verschaffen, endlich Deutschland verlassen zu können. ES ist notwendig, daß überall Dele- galionen auf den deutschen Gesandtschaften sowie Tele- gramme an das Reichsinnenministerium gesandt werden, um Leben und Freiheit der Freigesprochenen wirklich zu retten. âiarait Professor Prenant, der sich im Austrag einer Gruppe von Professoren der Sorbonne nach Leipzig begeben hatte, hat einem Vertreter des Comité de defense pour le Procès du Reichstag ein Interview über seine Ein- drücke in Leipzig gegeben. Haben Sie Dimitrosf sehen dürfen?— „Nein." Warum nicht?— „Nur seine Familie durfte ihn unter strenger Kontrolle in Anwesenheil eines Dolmetschers sehen, und auch das ist jetzt völlig unterbunden." .Haben Tie etwas gehört über die Stimmung Dimi- troffs?— „Cr ist völlig ungebrochen und mutig wie immer. Cr ist natürlich voller Ungeduld über die Verschleppung seiner Freilassung." Haben Sie bei amtlichen Stelleu interveniert?— »Zuerst war ich beim Leipziger Polizeipräsidenten E b- b c ck e, den ich nach dem Termin der Freilassung der Frei- gesprochenen kragte, wobei ich betonte, daß ich keineswegs als Einzelperson, sondern im Auftrag einer großen Zahl von Professoren aller Länder nach Leipzig gekommen bin. Cr antwortete mir, daß er Befehle nur von B e r- lin erhalte und iv e i t e r nichts wisse. Seine Ant- worten waren mir gegenüber sehr höflich, aber völlig un- bestimmt." Wie erklären Sie sich die Tatsache, daß jetzt, fast 2 Wochen nach dem Freispruch noch keine Freilassung erfolgt ist?— „Ich glaube— sagt Professor Prenant—, daß in dieser Frage unter den Nazi-Ministern keine Einigkeit besteht, und daß die Hitler-Regierung immer noch nach Mitteln und Wegen sucht, um sich in irgend einer Form an den Frei- gesprochene» zu rächen." Glauben Sie, daß Lebensgefahr für die drei Bulgaren besteht?— „Unbedingt! Jede Kontrolle der Oesientlichkeit kehlt jetzt. Das Gekängnisregime ist völlig undurchsichtig. Eine Information der öffentlichen Meinung in Teutschland giÛt es nicht. Täglich kann man lese», daß Gegner des Regimes „ans der Flucht" erschossen werden... Wer garantiert, daß der freigesprochene Dimitrosf nicht plötzlich auch flieht?"— Welche Gefahren bedrohen die Bulgaren außerdem nach Ihrer Meinung?— „Es ist durchaus möglich, daß die Regierung beabsichtigt, die drei Bulgaren in einen neuen Prozeß zu verwickeln. Eine andere Möglichkeit ist die, daß die Hitlerregierung die drei Bulgaren an die bulgarische Regierung ausliefert, was ebenfalls einem Todesurteil gleichkäme." Was soll man Ihres Erachtens nach tun, um alle diese Pläne zu verhindern?— „Die öffentliche Meinung darf nicht einen Moment ruhen. Presse, bekannte Persönlichkeiten des öffentlichen, wissen- schaftlichen und kulturellen Lebens und die berufenen Dr- ganisatioNen müssen verstärkt Alarm schlagen. Dimitrosf und seine Kameraden werden erst gerettet sein, wenn sie über eine Grenze ihrer freien Wahl Deutschland verlassen haben." Vi er m Mit(Konferenz? Der englisdi-italienische Drakh anf rranhrcidi und Deutschland Italien und rranhrcidi Die amtliche Erklärung Rom, 5. Fan. Die Agcnzia Stesani meldet: Fn zwei lan- gen, herzlichen Unterredungen, die gestern und heute zwi- schen Mussolini und SirFohnSimonim Palazzo Bcnezia stattfanden, wurden die wichtigsten Fragen der allgemeinen Politik erörtert, insbesondere die Frage der Herabsetzung und Beschränkung der Rü- st u n g e u und die Frage der B ö l k e r b u n d s r e s o r m. Hinsichtlich der ersterwähnten Frage stellten Mussolini und Simon in voller Uebercinstimmung sest, daß es unumgänglich notwendig ist, daß die Erörterungen sobald wie möglich z« einem Abschluß gelangen, indem man aus jeden Gedanken oder jeden Vorschlag verzichtet, der nicht in sich selbst Elemente einer praktischen und schnellen Ver- wirklich««» enthält und indem man diejenigen PunktezumZielenimmt, welchen, derinter- nationalen össentlichen Meinung als be- reits geklärt betrachtet werden müssen und welche d i e Zustimmung der beteiligten S t a a t e n s i u d e n k ö n» e n. Fn der Frage der Völker- buudsresorm zeigte Mussolini die Kriterien aus. nach denen die Reform durchgeführt werde« sollte, um dem Völker- bund ein besseres Arbeite» z« sichern und es ihm zu er- möglichen, seinen Zwecken besser zu entsprechen. Simon wird am Freitag die Rückreise nach London antreten, wo er seiner Regierung über seine Besprechungen berichten wird. * Wie vorauszusehen war, hat Mussolini seine ultimative Form der Forderung einer Reform des Völkerbundes aufgegeben. Es ist nur noch von einer„Frage" dieser Reform die Rede und von den Zielen, die Italien zur Reorganisation des Völkerbundes verfolgt. Damit steht fest, daß Italien sich an den weiteren Arbeiten in Genf beteiligen wird, auch wenn seine Reformpläne zunächst nicht verwirklicht werden. Die italienisch-französischen Bemühungen wären sinnlos, wenn sie davon abhängig gemacht würden, daß die von Italien verlangte Reform des Völkerbundes allem anderen vorausgehen müsse. Man kann demnach als gewiß annehmen, daß Italien und England gemeinsam sich bemühen, einen Weg für die Rückkehr Deutschlands an den Tisch der Abrüstungs- Konferenz und in den Völkerbund zu finden. Was das Kommunique zur Abrüstungsfrage„in voller Einmütigkeit" feststellt, ist, auch wenn man die Divlo- lFortjetznug siehe» Seite!) Ein Kesseltreiben Unbegründete Beschuldigung gegen Max Braun In den vielen deutschen Zeitungen, die sich zu den Anwürfen gegen den Führer der deutschen Freiheitsfront an der Saar. Max Braun, hergeben, gehörte leider auch die„Frankfurter Zeitung". Während sowohl der deutsche Rundfunk wie die gesamte deutsche Presse jede Richtigstellung und Erwiderung verschweigen, ist die „Frankfurter' Zeitung" immerhin noch so anständig, am 4. Januar folgende Notiz zu bringen: Frankfurt, den 8. Fanwar Ein großes Nachrichtenbüro verbreitete am Samstag eine Meldung, in der in der bestimmtesten Form behauptet wurde, daß dem Führer der saarländischen SP. Max Braun umfangreiche Unterschlagungen nachgewiesen wor- den seien. Wir setzten unsere Leser davon in Kenntnis, daß Beschuldigungen dieser Art gegen Max Braun im Saar- gebiet kursierten. Jetzt wird uns aus diesem Ge- bietmitgeteil«, daßderVorwursun begrün- det ist und daß eine Sitzung der saarläu- dischen Sozialisten eine Bertrauenskund- gebnng für Max Braunangcnommcuhat. Kennzeichnend ist, daß die gesamte Presse der Deutschen Front im Saargebiet von der Riesenaktion des deutschen Rundfunks und der ganzen deutschen Presse gegen Max Braun überhaupt nicht Notiz nimmt. Nur eine nicht eben angesehene Zeitung, das„Abendblatt" in Saarbrücken, macht sich zum Sprachrohr der Treibereien. Diesem Skandalblatt antwortet die„V o l k s st i m m e" in Saar- brücken in gebührender Schürfe: „Bekanntlich hatte das berüchtigte„Saarbrücker Abendblatt" unter doppelter und dreifacher Sicherung und Rückendeckung für sich selbst die„Frankfurter Zeitung" vorgeschickt, um Max Braun zu diffamieren und, s i ch salvierend, hinzugefügt:„Für die Wahrheit müssenwirdemBlatt sder„Frankfurter Zeitung"! in vollem Umfange die Verantwortung überlasse n." Statt nun, wie es die einfachste journalistische Anstands- Pflicht des„Abendblattes" gewesen wäre, auch diese Richtigstellung der„Frankfurter Zeitung" abzudrucken, verschweigt es sie nicht nur. sondern verschanzt sich jetzt dahinter, daß wir noch keine Erklärung von Wels, von Scheven els usw. veröffentlicht hätten. Wenn es dabei auch saarländische Instanzen erwähnt, so war es wahrscheinlich wieder einmal auf beiden Augen blind, als wir groß und deutlich die Erklärung der h ö ch st e n saar- ländischen Instanz, nämlich die unserer Parteikonferenz. ,ieben anderen Feststellungen veröffentlichten. Außerdem aber hat uns der Genosse Julius Schwarz, der Vor- sitzende des Verbandes der Bergbauindustriearbeiter im Saargebiet. Vorsitzender der Pressekommission und Gesellschafter der„Volksstimme", nochmals feine wört- I i ch e Erklärung auf der Parteikonferenz zur Verfügvng gestellt. Sie lautet: „Als Mitglied der Gesellschafter des Verlags der „Völksstimme" erkläre ich die Meldung des deutschen Rundfunks, Braun habe 470 000 Franken unterschlagen, für unwahr!" Im übrigen mag sich das„Abendblatt" nur beruhigen: Die Erklärung des Internationalen Gewerkschaftsbundes, ebenso wie die des Sozialdemokratischen Parteivorstandes in Prag werden wir ihm so gründlich ser- vieren, daß es feine helle Freude daran haben wird. Selbst dem nicht gerade sehr großen politischen und journalistischen Verständnis des„Saar- brücker Abendblattes" dürfte ja nicht entgangen fein, daß man die Verleumdungen gegen Max Braun geschickt zwischen den Weihnachts- und Neujahrsfeiertagen lanciert hatte, also in einer Zeit, in der es nicht gerade leicht ist, Gremien, wie die des Internationalen Gewerkschaftsbundes. bzw. die leitenden Leute zu erreichen oder zusammenzubekommen. Wir versprechen ihm. daß das in ein paar Tagen g r ü n d 1 1 ch st nachgeholt sein wird— nur glauben wir nicht daran, daß dann das „Abendblatt" in echt naziotifcher Auf- richtigkeit diese Erklärungen seinen Lesern zur Kenntnis bringen wird. Es wird vorziehen, sie ebenso zu unter- schlagen, wie die obige Feststellung der „Frankfurter Zeitung". Aber wen wundert das?! Es sind doch nur die schon ein Jahrzehnt lang geübten Niethoden des Nationalsozia. l I ïtsmus, mit denen er die verdientesten Männer der Repu- Ik angegeifert hat und sie heute, soweit sie sich noch in leiner Gewalt befinden oder nicht bereits totgeschlagen sind, langsam aber sicher zu Tode hetzt. So war es bei E b e r t. bei Otto Braun, bei Karl Severing, be, Rathenau, bei Stresemann,— so i st es bei Brüning, bei Dessauer, bei Mönnig,— und so hätte mans jetzt gerne auch bei Max Braun. Aber es wird nicht gelingen. Ueber die größte Lüge der Weltgeschichte, der Göringschen von der kommunistischen Reichstagsbrandstiftung, sind die Schwindler und Demagogen vom Hakenkreuz in die Macht gestiegen— aber 0n>hren Lügen werden sie, eher als sie denken, e r st i ck e n I Wir wissen auch, daß der Abstimmungskampf an der Saar in diesem Jahre noch eine Hochflut von gleich- geschalteten Lügen, niederträchtigen Ehrabschneidungen und infamen Verleumdungen der notorischen Kriminellen aus der„Kameradschaft Hitlers" bringen wird. Aber es wird sich auch erweisen, daß man auf krummen Wegen erst recht nicht erreichen wird, was man auf graben und offenen bereits verloren hat: Die Unter» werfung der freien deutschen Saar unter das verlogene und undeutsche Haken» kreuz!" Viermächte-KonFerens? Sfnrmfage in Griechenland Diktatur- und Putschgerüchte Nach Meldungen aus Athen scheint sich Griechenland in schweren inueren Krisen befinden: Nachdem bereits Lustfahrtminister R ally s demissionierte, erwarte, man nunmehr auch die Demission des Finanz- Ministers Lovardos Jedenfalls herrscht allgemein eine Kroge Erregung. Die abenteuerlichsten Gerüchte ichwirren durch das Land. So behaupten die einen, daß ein Putsch so- wohl von links als auch von rechts vorbereitet werde, with- rend andere mit der Proklamierimg einer Kabinetts- diktat»? TialdariS ober ein erDiktatur Kon- l u l j s r e i e n. Da Tsaldaris jedoch als ein Freund demokratischer und parlamentarischer Methoden gilt, dürfte er sich einer Diktatur entgegenstellen und vermutlich, um die gegen- wältigen inneren Spannungen zu beseitigen. Neuwahlen ausschreiben. Wie a»ß Athen ferner gemeldet wird, hat die Kammer eine Vorlage angenommen, durch die die Regierung ermächtigt wird, die Generäle und höheren Ossiziere, die mit der Aufstandsbewegung des Generals Plastiras vom 3. März v I. sympathisiert haben, in den Ruhestand zu versetzen. Man erinnert sich, daß Ministerpräsident Tsaldaris durch die Amncsticrung aller am Putsch beteiligten Persönlichkeiten seinerzeit einen großen politischen Erfolg errungen hatte, der sogar die Opposition rvieder ins Parla- ment, aus dem sie unter Protest ausgezogen war, zurück- führte. Sfudienrat als Mörder In der Augustastraße 49 in Berlin-Wilmersdorf wurde «in Doppclmord entdeckt. Entgegen den ersten Meldungen ist inzwischen einwandfrei ermittelt worden, daß der 45 ^a^re alte Stubienrat Eduard Wittenburg seine 32 ?re alte Frau und seine etwa 94 Jahre alt« Mutter mit einem bisher noch nicht festgestellten scharf wirkenden Gift getötet hat. Ueber die Beweggründe, die Wittenburg zu der Tat ver- anlaßten. ist bisher nicht bekannt geworden. Die Fahndungsaktion der Polizei ist durch drei Briefe des Täters in bestimmte Bahnen geleitet worden. Der Täter hat durch diese Schreiben den Weg seiner Flucht klar ge- zeichnet. Bei Bekannten der Familie Wittenburg trafen Mittwoch- morgen drei Briefe ein, aus denen hervorgeht, daß er in Richtung Hannover, also der Heimat seiner Mutter geflohen ist. Aus der Art von Briefen, die aus Magdeburg geschrie- den ivurden. geht hervor, daß Wittenburg sich das Leben nehmen will. Da» Zeitungssterben Die in Hannover erscheinende..Niederdeutsche Zeitung' hat mit dem 31 Dezember ihr Erscheinen eingestellt, ebenso das Kopfblatt der Zeitung, das»Hildesheimer Abendblatt". Tie „Niederdeutsche Zeitung" war 1921 gegründet worden und stand früher den Deutschnattonalen'nahe. (Fortsetzung von de, 1 Seite.) matensprache berücksichtigt, außergewöhnlich verklausu» liert. Man scheint den Wunsch zu haben, vorerst nur an die Teile der„Abrüstung" herangehen zu wollen, in denen man grundsätzlich einig ist. Aber welche sind das? Wir sehen bisher eine Einigung weder in der Heeresstärke, noch in den militärähnlichen Organisationen, noch im Flugwesen, noch in der Kontrolle, noch in der Bewäh- rungsfrist, noch in irgend einem anderen entscheidenden Gebiete. Die Formulierung scheint uns dafür zu sprechen, daß Italien und England versuchen wollen, die deutsch- französischen Vorgespräche zunächst in eine italienisch-eng- lisch-französisch-deutsche Verhandlung münden zu lassen und so allmählich die Einigung für eine Weiterberatung in Genf zu finden. Es ist zrveifelhaft, ob Frankreich mit Rücksicht auf feine Verbündeten, insbesondere auf die sehr aktive Tschechoslowakei, diesen Weg zu Vieren gehen kann, auch wenn er nur ein Umweg nach Genf sein soll. Die italienische Presse erkennt diese Schwierigkeit und sucht Frankreich mit dem Hinweis zu schrecken, daß es in Gefahr fei, sich zu isolieren und der Basall der Kleinen Entente zu werden statt ihr Führer. Das sind natürlich nur leere Floskeln. Frankreich wird sowohl auf feine Beziehungen zu England wie auf seine Bündnisse die Rücksicht nehmen, die in seinem Interesse liegt. Es wird vermutlich der französischen Politik nicht allzu schwer fasten, die Verantwortung nach Berlin zu schieben, wenn man dort grundsätzlich in der Ablehnung einer weiteren Mitarbeit im Völkerbund und an der Abrüstungskonfe- renz verharrt. Das diplomatische Hin und Her kann nicht darüber hin- wegtäuschen, daß nach wie vor unversöhnliche Gegensätze in der Abrllstungsfrage klaffen, die in Wahrheit längst eine Aufrüstungsfrage ist. Aste Deklamationen, daß man die Aufrüstung nicht wolle, schaffen den Tatbestand nicht aus der Welt. S. Da diese Gleichberechtigung augenblicklich nkcht unten möglich sei, müsse man die beschränkt« Auf- rüstung des Reiches alS eine vollendete Tatsache hinnehmen, weil dies besser sei, als einer unbegrenz- ten Ausrüstung ohne Kontrolle und ohne Sanktionen zuzu- sehen.., 3. Deutschland habe nur aufgerüstet, weil es eine Einrieb- sung der stärker gerüsteten Mächte befürchte. 4. Aus leicht verständlichen Prestigegründen könne Deutsch, land, das im Innern geeint sei. keine Unterlegenheit auf internationalem Gebiet annehmen. 5. Das neue deutsche Regime brauche eine Militär- oder eine andere Macht, um die politischen Res or- men und den Kampf gegen den Kommunismus durchführen zu können. Sir John Simon Hab« auf diese Vorstellungen wie folgt geantivortet: 1. Steht nicht zu befürchten, daß eine erste Etappe der Ausrüstung Deutschlands dazu ermutigen könnte, auch eine ziveite und dritte Etappe zu überschreiten? 3. Ist es möglich, alle auf der Abrüstungskonferenz ver- tretencn Mächte dazu zu bewegen, ein Abkommen zu unter- zeichnen, das auf der Aufrüstung Deutschlands begründet sei? 3. Die Einkreisung Deutschlands, die vorläufig nur eine Hypothese ist. würde sie nicht Wirklichkeit werden, ivenn das Reich aufrüstet?^ ,. 4. Kann man die Abrüstung nach besonderen Prestige- kragen beurteilen und begründen? 5. Haben die Wortführer des Reiches nicht immer wieder erklärt, daß der Kommunismus endgültig besiegt fei? Der„Ercelsior" weist abschließend darauf hin, baß Musso» lini und Sir John Simon wahrscheinlich versuchen würden, die Vermittlerrolle zu spielen. Sie müßten dabei aber der absoluten Entschlossenheit der französischen Regierung Rech- nung tragen, die an den Vorschlägen festhalte, die sie am 1. Januar der Reichsregierung unterbreiten ließ. englische Meinung französische Stimmen Mussolini und Simon Der sozialistische„Populaire" stellt einen Um- schivung in der italienischen Presse gegenüber Frankerich fest, die nach den letzten Ausfällen nunmehr?vte- der einen versönhlicheren Ton einnehme. Frankreich dürfe sich jedoch durch solche Schmeicheleien nicht übertölpeln lassen, sondern müsse nach wie vor an dem Standpunkt fest- halten, daß jedes Zugeständnis an Deutschland ein unver- zeihlicher Fehler iväre und daß man unbedingt nach Gens zurückkehren müsse. Der»Excelsior" faßt die angeblichen Forderungen Musso- linis in nachstehenden fünf Punkten zusammen und weist sodann auf die angeblichen Antworten hin, die ihm der eng- lischt Außenminister erteilt habe, bei denen aber der Wunsch Vater des Gedankens zu sein scheint. 1. Den deutschen Forderungen nach Gleichberechti- g u n g. so habe Mussolini betont. Nlüssc Rechnunggetra- gen werben. London, 5. Jan.„Morning Post" und„Daily Telegraph" versuchen heute für das in Berlin überreichte Aide Memoire der französischen Regierung Stimmung zu machen. Die „M o r n i n g P o st" glaubt bereits berichten zu können, daß die Vorschläge des Quai d'Orsay in diplomatischen Kreisen als„großzügig" cmpfungen werde und auch„Daily Telegraph" erklärt, daß das französische Schriftstück als befriedigend betrachtet»verde» müsse... Beide Blätter ver- ztchtcn jedoch darauf, eine ausführliche Inhaltsangabe des Aide Memoire zu geben. Sie»vollen lediglich wissen, daß Frankreich bereit sei, unter der Bedingung der Bildung einer internationalen Lustpolizei, die ein alter französischer LieblingSgcdanke ist, seine eigene Luststreitmacht um die Hälfte zu vermindern, und zivar wie„Daily Telegraph" meint, ausschließlich der Bombenflugzeuge und überhaupt von Kalnpsflugzeugen. Wetter finde sich Frankreich auch zur Abschaffung der sch?veren Artillerie— Kaliber über 15 Zcnii- meter— bereit, und ebenso wolle es auf die Probezeit ver- À' zichten. „News Chronicle' will ebenfalls wissen, daß Frank- reich mit einem sofortigen Beginn der Verminderung der Mannschaften und des Materials einverstanden sei und auf die Hälfte seiner Luststreitmacht verzichten»volle. Das Blatt deutet aber an, daß diese Vereitschaft an gewisse Vor- aussetzungen gebunden sei, von der es allerdings nichts Näheres berichtet. Es begnügt sich mit der allge- meinen Wendung, daß eine Nüstungskonvention mit aewis- sen Bedingungen und Sicherungen allgemein angenommen -verde» müsse. Englistii-amerihonisclBe Proteste Drohung mit Repressalien Berlin, 5. Jan. Den wiederholten Protesten Englands gegen die deutschen Transfcrvorschläge ist nun, ivie schon gemeldet, ein sehr entschiedener Schritt des Botschafters der Vereinigten Staaten gefolgt. Er hat bei der ReichSregte- rung Vorstellungen gegen die Absicht der Retchsbank er- hoben, die Zinsenzahlung der ausländischen Anleihen mit Ausnahme der DaioeS- und Aonng-Anlcthe herabzusetzen. Ferner hat der amerikanische Botschafter verlangt, deiail- licrtc Jnsorlnationcn über Sie Summen zu erhalten, die in den beiden letzten Jahren für den Rüßkaus der deutschen Wertpapiere in den Vereinigten Staaten verwendet»vor- den sind. Daß sowohl England wie Nordamerika, wie»vir gestern schon melden konnten, wirtschaftliche und finanzielle Repressalien planen, geht aus folgender offiziösen deutschen Mel- dung hervor: „In Berliner Blättern werden die Ausführungen der Note zurückgewiesen, in der England gegen die Herabsetzung de« Transfers Einspruch erhebt. Die Engländer»vollen die deutschen Transferschivierigkeiten dazu benutzen. Deutsch- land auf dein amerikanischcn Markt Schwierigkeiten zu bereiten. Insbesondere ist der englische Hinivcis aus die Haltung Teutschlands gegenüber Holland und der Schweiz unberechtigt,»veil diese beiden Staaten in Deutschland mehr Waren kaufen, also auch stärker berücksichtigt»verde» müssen.' 138 Opfer in Dux Keine Hoffnung mehr... In der Reih« der großen Grubenkatastrophen wird das Unglück aus den Nelsonschächten der Brüxcr KohlenwerkS- gesellschaft als eins der schwersten verzeichnet werden müssen. ES besteht jetzt völlig Gewißheit, daß außer den vier lebend Geborgenen kein einziger»on den 14» Mann, die sich zur Zeit der Erplosion unter der Erde befanden,»och unter den Lebenden weilt. Ans den Grnben schlage» die hellen Flam- men heraus. Auch in den Stollen, die noch nicht ganz vom Feuer ergrissen sind, ist die Lust von gistigen Gasen so ge- schwängert, daß darin niemand zu atmen vermag. Schon die letzten Toten, die man noch bergen konnte, waren io ver- kvhlt, daß sich jeder JdenttsizlernngSverinch als nnmSglich er,vies. 18 8 Tot«— daS ist die entsetzliche Bilanz dieser Katastrophe, die im böhmischen Braunkohlenbergbau bei. spiellos ist. Es handelt sich bei den Eingeschlossenen und nun schon Toten fast ausschließlich um Familienväter. Auf der Grube waren in der'-tztcn Zeit starke Abbaumaßnahmrn durch- gesührt worden, wobei fast sämtliche ledigen Arbeiter ent- lassen worden waren. Etwa 4» Prozent der verschütteten Arbeiter find Dentsch-Böhmen. während sich der Rest ans Tschechen, Slowaken und Ruthenen zusainmensetzt. An der Statte des Sdirediens Brüx, 4. Jan. Noch immer steigen aus den Oeffnungk des Nelsonschachts schwarze Rauchwolken hervor. Wo der Förderturm einstürzte, türinen sich Steine. Schuttgervll, ge- borstene Eisenstangen. Aus dein Chaos ragen die ge- schwärzten Reste der Eisenkonstruktion des eingestürzten Fördertnrmes in den Nebel. Vor dem Zechentor haben sich schon seit frühmorgens Taufende von Menschen angcsaminelt. Aus allen Straßen der Umgebung ziehen»ahllose Menschen der Unglücksgrube zu. Eine Frau ist bis auf den Förderhof vorgedrungen und lehnt laut klagend und schreiend an einer geschwärzten Mauer. In dem Orte Ossegg sind die ersten Trauerfahnen ausgezogen. An allen Ecken stehen erregte Menschengruppcn. Ueberall sieht man weinende und klagende Frauen. In einer kleinen Zechenstnbe liegen die vier geborgenen Leichen nebeneinander an der Bank. Kohleugeschwärzte Gesichter, die Hände vor dem Körper verkrampst, als wollten sie ihn schützen. Die Haut schält sich von den Gesichtern. Es»verden einfache Holzsärge herbeigeschafft, die Toten hineingelegt. Ein Betriebsleiter ruft die Namen, eine schreibt sie auf die Holzsärge, dann schlägt man die Nägel in den Sarg. Dumpf hallen die Hammerschläge durch den hohlen Raum. Ein Atemzug lang Schiveigcn. Die Gendarmen und Feuerwehrleute nehme» den Helm vom Kops. Der Leiter der Osseggcr Feuerwehr, Stadtrat Trcnker, schilderte den Vorgang der Katastrophe folgender- maßen: Um 10.45 Uhr gab es eine Explosion und einen gcivaltigen Knall. Er»vor, wie ich ersuhr, bis an die 30 Kilometer ent- lernte sächsische Grenze zu hören. Durch den mit der Explo- sion verbundenen Feuerschein— ich sah eine Stichflamme, die höher»var als der Schlot des Schachtes, also etiva 100 Meter — wurden die Feuerivehren der gesainten Umgebung alarmiert, Wir waren wenige Minuten nach der Explosion mit etwa 30 Mann als die Ersten an der Stelle. Zuerst galt es das sehr erschütterte Gebäude der Sortierungsanlage abzustützen. Es brannte an einzelnen Stellen und eine Helfer- gruppe versuchte dort zu löschen. Tie anderen»nachten sich zunächst an die Bergung der Verunglückten, die unter dem eingestürzten Turin lagen. Nach kurzer Zeit trafen die andcrc» Feuerwehren ein. Drei Stunden später gelang die erste Rettüng. Wir befreiten den Werkschmied Ferdinand Linke. Er harte einen Oberschrnkelbruch erlitten. Linke be- richtete uns, daß der Werkmeister Schinidt in seiner Nähe liegen müsse. Tatsächlich war Schmidt gesunden ivorbcn, aber er war völlig ,inkenntlich. Zentnerschwere eiserne Konstruk- tionstctle wärest aus ihn herabgestürzt. Daneben stießen wir aus die Leiche einer Frau, die beim Reinigen der Schachtstube beschäftigt gewesen»var. verlmk Oer Her Geretteten B r ü x, 4 Jan. Die vier Bergleute, denen eS gelang, flch Mftl-tt'■• M.*-.--f. ±-~-i k» S. I»...■ à._.— w durch einen Notausgang des Schachtes Nelson 7 durchzu- arbeiten und sich zu retten, hatten sich Donnerstag vormittag soweit erholt, daß sie ihren Eindruck von der Katastrophe schildern konnten. Was sie berichten können, trägt aber zur Aufklärung der Ursache der Katastrophe nicht bei. An ihrer Arbeitsstelle verbreitet« sich plötzlich dichter Qualm. Die vier Hgner»vurden dadnrch so beunruhigt, daß sie sofort»er- suchten, zum Förderschacht zu gelangen. Sic konnten aber in- folge des Rauches nicht weiter und kehrten zunächst«m. Es gelang ihnen dann, durch den nicht weit cntsernten Not- auSqang des Schall,teS 7 herauszukommen Aber auch auf dieser kurzen Strecke lagen bereits überall Tote, über die die Flüchtling, stolperten. Die Geretteten sind dnrch die grau- sigen Eindrücke seelisch ans das Schwerste erschüttert. MlttelstandsMhrer In Sdmffliait Würzburg, Ansang Januar. Der bisherige Vorsitzende der Würzburger HandiverkSkammer Färbereibesitzer Heinrich Störrlein wurde seiner sämtlichen«erntet enthoben und in Schutzhaft genommen. Nutter und Kind im Europa des Jahres 1934 „Die diplomatische Bilanz' Kifleramdi die Kinkerllfzdicn Saarbrücken, 5. Januar 1934. Daß neugebildete„Deutsche Nachrichtenbüro' muh im Aus- trage der Hitler-Regierung eine Meldung über angebliche Zusammenarbeit der„führenden Sozialdemokraten des Saargebietes mit den Franzosen' an Hand sogenannter „unwiderleglicher Beweise' verbreiten. Selbstverständlich handelt es sich nicht um wirkliche Beweise oder handfeste Schlußfolgerungen, sondern lediglich um Göbbelspro- p a g a n d a. Immerhin ist interessant, an einigen Beispielen aufzuzeigen, wie Zusammenhänge konstruiert und für alle Unannehmlichkeiten, die sich der Nationalsozialismus im Saarge^iet durch sein Wüten im Porzellanladen selber zu- zieht, die Marxisten unter Max Braun verantwortlich ge- macht werden. Wenn zum Beispiel die Nationalsozialisten entgegen den klaren Bestimmungen des Saarstatuts und entgegen den nicht minder deutlichen Verordnungen der Regierungskom- mission gesetzwidrige und mit schärfstem Terror erfolgende öffentliche Unterschristensammlungen vornehmen und dabei zum Beispiel Kriegsbeschädigten mit dem Fortsall der Renten, Beamten mit dem Fortfall der Pension nach 193S drohen, falls sie nicht unterschreiben, so nimmt natür- lich die sozialdemokratische„Volksstimme' mit Recht dagegen Stellung. Die Regierungskommifiion des Völkerbundes aber erfüllt nur ihre Pflicht, wenn sie dieses terroristische Sammeln von Unterschristen zur Abstimmung, das ganz offen und deutlich den Abstimmungsbestimmungen wider- spricht,»erbietet. Was aber macht das„Deutsche Nachrichten- büro' daraus?!—:„Die Franzosen(gemeint ist die Regie- rungskommission, in der nur e i n Franzose neben einem Vertrauensmann des Hitlerschen Auswärtigen Amtes und drei anderen nicht französischen und nicht deutschen Mit- gliedern amtiert!) und die führenden Sozialdemokraten arbeiten Hand in Hand." Auf ein paar grobe Lügen mehr oder weniger kommt eS dabei nicht an, nebenher wird gründlich verdächtigt:„Max Braun, der gerade eben wieder in Paris weilt'... oder ähnliche Wendungen. Dabei ist Max Braun heute und seit Wochen ununterbrochen im Saargebiet und bestimmt weit weniger in Parié al? die Naztbönzchen des Saargebiets und des Reiches, die dort die Treppen des Quai d'Orsay abrutschen, um gut Wetter für Herrn Hitler zu erbitten,— genau so. wie sie es bei der von ihnen vixlgeschmähten Regierungskommisiion des Völkerbundes in Saarbrücken getan haben und tun und bei der sie dauernd die Antifaschisten des Saargebtetes d e n u n- zieren. Aber noch ein Beispiel, das für sich selbst spricht, wollen wir herausheben: Das Hitlersche amtliche Nachrichtenbüro schreibt: „Die„Volksstimme' Max Brauns hat sich am 29. Dezem- ber über den deutschen Film vom Stuttgarter Turntest ent- rüstet. Eine Stunde nach Erscheinen dieser Nummer des sozialdemokratischen Hetzblattes war schon das Verbot des Filmes für das Saargebiet erreicht.' Was ist daran Wahrheit und was nur Göbbelspropaganda? Wahrheit ist, daß die vernaziten Schulen des Saar- gebietes mit ihren zum großen Teile gleichgeschalteten Lehr- krästcn von den Schulkindern ohne Unterschied der Gesin- nung ihrer Eltern und ohne Rücksicht auf deren Partei- zugehörigkcit den Pslichtbesuch des Hitlerschen Propaganda- Films vom Stuttgarter Turntest mit seiner scharten S tel- lu ngnahmegegcndieRegierungsko m mission des Völkerbundes im Saargebiet verlangten, und von den Kindern dafür Geld abholten, daß diese sich im Film die Beschimpfung ihrer marxistischen Eltern ansehen mußten. Die Sozialdemokraten machten dagegen mit vollem Recht Front. Die Regierungskommission aber mußte feststellen, daß die Veranstalter dieser FumvorfttHrungen sie wieder einmal getäuscht und hinters Licht geführt hatten, und daß es sich um nichts anderes als um eine getarnte Zwangs- p r o p a g a n d a auf hitleramtliche Anordnung und mit einem hitleramtlichen Film handelte. Ihr Verbot der weiteren Aufführungen war daher von mehr als einem Gesichtspunkt aus durchaus gerechtfertigt. To steht es aber mit allen„unwiderleglichen Beweisen' des neuen Hitlerschen Propagandabüros, genannt„Deut- sches Nachrichtenbüro'. Wenn die Regierungskommission ihre Pflicht tut, wenn die Sozialdemokraten des Saar- gebietes für die Freiheit des deutschen Saarvolkes kämpfen, wenn die Franzosen sich nicht jede gleichgeschaltete Frechheit gefallen lassen dann ist daS nach den Meldungen des hitleramtlichen Büros„Verrat ber Sozialdemokraten an der Saar'! Zuviel der Ehre, meine Herren! f Uhrerhrise an der Saar Wir nahmen gestern kurz Kenntnis von einigen Meldun- gen der„Bolksstimme' in Saarbrücken, daß im Lager der „deutschen Front" des Saargebietes eine Führerkrtse einge- treten sei. Unter anderm wurde in dem Artikel gesagt, daß der Landeslührer der NSDAP, des Saargebietes Spa- niol das Vertrauen seiner Untertanen verloren habe und in kurzer Zeit kraft höheren Befehls abdanken werde. Gleichzeitig behauptete die„Volksstimtite", baß in Rechts- anwalt Portz in Saarbrücken bereits ein Nachfolger für Spaniol gefunden sei. Dr. Portz erklärt nun in einem Brief an uns, daß diese Angaben— soweit sie seine Person beträfen,— aus der Luft gegriffen seien und der Wahrheit nicht entsprächen. Herr Dr. Portz ist wohl kaum imstande, die Existenz der Krise selber zu leugnen. Das weiß allmählich jedermann im Saargebiet. Wiederholt hat Herr Spaniol Reisen zu seinem obersten Borgesetzten im Reich machen müffen. um sich gegen die gegen ihn gerichteten Vorwürfe zu verteidigen. In der groben braunen Mutterpartei ist freilich auch nicht alles in Ordnung. Am Donnerstag trat in München eine Arbeitstagung der Reichsleitung der der vorläufigen Mitgliedersperre vorerst nicht zu rechnen NSDAP, zusammen. Dabei traten nach den vorliegenden Berichten deutlich die schweren Differenzen in der Partei über grundlegende Fragen zutage. Der Reichsschatzmeister Schwarz teilte unter anderem mit. daß mit einer Aushebung sei da zunächst insolge des Millionrnzuwachses«ine„Sich- tungs- und Säuberungsaktion' in Aussicht genommen sei. Wird diese Aktion mit der gebotenen Gründlichkeit vor- genommen, dann dürften die Millionenzissern der NSDAP, nicht unwesentlich zusammenschrumpfe». Jeder w««ß, wieviel »Journal des Débat*" schreibt unter der Ueber- schrift„Die diplomatische Bilanz": Der Minister des Aeußeren wollte nicht, daß wir das Jahr beendigen und über die Irrtümer, die er seit zehn Jahren angehäuft hat, nachdenken. Es lag ihm am Herzen, uns zu trösten. Paul-Boncour hat selbst mit den Vertretern der Presse gesprochen; er hat mit Befriedigung die feste Haltung der Regierung unterstrichen und der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die Arbeiten in Genf einen neuen Aufschwung nehmen würden. Man findet das gleiche in den Worten, die der Präsident der Republik mit dem Dogen des diplomatischen Corps, Mgr. Maglione, im Elysée ausgetauscht hat: Wünsche für den Frieden und die internationale Zusammenarbeit. Und Herr von Papen, der Vizekanzler des Reiches, hat persönlich zu diesem besonderen Zwecke die Feder ergriffen, um einige Wünsche auszusprechen, die in der Form milde sind, deren Kern aber sehr nachdenklich stimmen muß. In Wirklichkeit empfinden alle Regierungen und Völker sehr wohl, daß die Sprache, die sie noch gebrauchen und an die sie sich seit zehn Jahren gewöhnt haben, den Tatsachen nicht mehr entspricht. Die Worte decken sich nicht mit den Dingen. Die Wahrheit unter den schönen Floskeln ist, daß die Anstrengungen für die Besänftigung und Zusammenarbeit, die seit 1924 gemacht werden, vollständig versagt haben. Der gute Wille der früheren Verbündeten ist gewiß; sie haben vielfache und sogar ungewöhnliche Zugeständnisse gemacht. Das Ergebnis? Inmitten Europas ein Deutschland, das wieder zu Kräften gekommen ist, und das ein Europa, so wie es jetzt ist, nicht hinnimmt. In seiner Rede, in der vieles anfechtbar ist, hat der Präsident Roosevelt eine richtige Bemerkung gemacht. Er sagt, daß es auf der Welt 90 Prozent Erdenbewohner gibt, die sich gerne einem friedlichen Einverständnis fügen würden und einer diplomatischen Ordnung, die jeden Umsturz ausschließt. Aber es gibt 10 Prozent, die anderer Ansicht sind. Diese kräftige und ehrgeizige Minderheit, die es danach verlangt sir. PrSts Martens i DaHsfhidMi rh«e worwinsARH Deutsche Ausfuhr Jede Betrachtung über die Wirtschaftslage und die wirt- schaftlichen Probleme des„dritten Reiches" müßte eigentlich nnt dein Eingeständnis beginnen, daß sie im starken Mäste einen Versuch mit untauglichen Mitteln darstellt. Die offi- iiclUtt Angaben, aus die man angewiesen ist, taugen zum großen Teil nichts und das schlimme dabei ist, daß man nicht weist, zu welchem Teil das der Fall ist und ln welchem Mäste man sich doch aus diese Angaben verlassen darf. Streng genommen ist die Statistik überhaupt nur dort zu gebrauche», ivo sie der vfsentlichen Kontrolle unterliegt. Man überlege sich, ivaS alles mit der Statistik gemacht wer- den kann, wenn keine Möglichkeit besteht zu kontrollieren, ob die angegebenen Zahlen richtig sind. Wer weist, wie viele „Nein"-stii»mcn bei dem Volksentscheid am 12. November abgegeben wurden? Niemand. Auch die Rcichsregicrung iveid das nicht, da keine Möglichkeit vorhanden ivar. auch wenn der Wunsch vorhanden wäre— alle unzähligen Fälschungen zu registrieren. In solchem Mäste werden die wirtschaftlichen Statistiken zwar nicht gefälscht, die Uniauber- kcit der statistischen Berichterstattung von»»ten biS nach oben geht aber schon so weit, dast nicht einmal daS statistische Neichsaint imstande wäre, die Wahrheit festzustellen. Jede Diktatur verdirbt die statistischen Titten, so ivar eS in soiv- jctrustland, so ivar es im faschistischen Italien und so geschieht es jetzt im Deutschen Reiche. Also müssen wir immer im Auge behalten, dast die deutschen statistischen Angaben gegen- württg einen sehr ziveifelhaitcn Wert haben, diirkcn aber zugleich annehmen, dast die„Fehler" so gemacht werde», dast sie die Dinge nicht ungünstig e r, sondern eher viel günstiger, als sie sind, erscheinen lassen. Bei der Eröffnung der Sitzung des„AustenhandclSratcs" hat der Reichswirtschaslsininister Dr. Schmitt mit groster Sorge über die Entwicklung des deutschen AustenhandclS gc- sprachen.„Der Außenhandel— führte er aus— hat den Wiederaufstieg der Wirtschaft bisher noch nicht mitgemacht. Diese Erscheinung steht aber nicht nur im Gegensatz zu der günstigen Entivicklnng Unserer Binncnwirtschast, sondern auch zu dem Außenhandel anderer gröstcrer Länder, der sich in den letzten Monaten bereits zu bessern beginnt." Lasten wir hier dahingestellt, inwiefern von dem„Wiederaufstieg" der deutschen Wirtschast überhaupt die Rede sein kann. In seiner Beurteilung der Entwicklung des deutschen Austen- Handels hat Her.r Schmitt auf jeden Fall recht- Seinem Werte nach bewegt sich setzt der Welthandel schon am eine Kleinigkeit über dem Niveau des Vorjahres, lind das be- deutet, da die Preise durchschnittlich biS jetzt nicht vnwcsent- lich unter den vorjährigen liegen, eine ziemlich starte m c n g e n m ä h i g e Steigerung. Dagegen liegt der Wert des d e u t s ch c n Außenhandels unter dem des Bor- jahres. In ll Monaten, von Januar bis November, gcstal- lctc sich nämlich der deutsche Außenhandel solgenderinasten sin Millionen Reichsmark): Januar November 1039 l'.Kl.'J Einfuhr Ausfuhr 4235 5248 8829 4147 deutsche Ausfuhr in den beiden letzten Iahren»ach den Vierteljahren, so ergibt sich folgendes: die Ausfuhr lag in diesem Jahre unter der Ausfuhr im Vorjahre, und zwar im ersten Bierteljahr(Januar bis März) um 29 v.. H., im zweiten Vierteljahr lApril bis Juni) um 14 v. H. und im dritten Vierteljahr jJuli bis September) um 5,9 v. H. BiS zum September läßt sich also eine wesentliche Besserung feststellen. In einzelnen Monaten, vom 3. Vierteljahr, also vom Juli angefangen bis zum November, gestaltete sich die Entwicklung so, dast die Steigerung(wiederum nicht in ab- soluten Zahlen, sondern im Vergleich zu entsprechenden Monaten des Vorjahres) bis September anhielt, dann aber trat ein empfindlicher Rückschlag ein. Die Aussuhr war in einzelnen Monaten geringer, als in entsprechenden Mo- natcn des Vorjahres: im Juli um 11 v. H. im August um 3,5 v. H. im September um 2,5 v. H. > im Oktober um 8 v. H. und im November um 17 v. H. Bergleichen wir nun die Entwicklung dcS deutsche n und der englischen Aussuhr in den gleichen Monaten. Wir behalten die gleiche Vergleichsgrundlage, d. h. geben für jeden Monat an, um wieviel die deutsche bzw. die eng- tische Aussuhr in diesem Jahre wertmäßig niedriger bzw. höher, als im entsprechenden Monat des Vorjahres war. tin v. H.j: Juli August September Oktober November Deutschland — 11 — 3,5 — 2,5 — 8 — 17 England + 2 + 8 + 18,5 + 11 + 10,5 Die Einfuhr Ivar also in diesem Jahre, Ihrem Werte nach, lim!),5 vom Hundert und die A»Stuhr sogar um 15 vom Hundert geringer als im Vorjahre. Im gleichen Zeitraum war aber die e n g l i s ch e Einfuhr zwar um 4.5 v.£>. geringer, die englische Ausfuhr aber schon etwas größer als j», Vorjahre. Noch viel wichtiger ist, dast sich die englische Austnhr ständig sehr günstig entwickelte und die vorjährige Höhe allmählich überschritten hat, während die Entwicklung der deutschen Ausfuhr trotz aller Sorten von Regjstcrmark, Bonds, Scrips nsip. immer noch ungünstig bleibt. Nicht einmal Im September, der verhältnismäßig sehr günstig mar, erreichte der Wert der dentschen Austnhr die Höhe vom September 1932. Im November laq die deutsche Ausfuhr»m ganze 17 v. ,H. unter dem November bed Vor- jahres, während die englische Aussuhr im November um 19,5 v. H. höher als Im Vorjahre war. Das Bild ist recht ungünstig, wird aber durch den starken Ruckschlag im November vielleicht zu stark beeinflußt. Um irgendwelche Schlußfolgerungen über die E n twickl u n g der deutschen Aussuhr ziehen z» können, bedarf es einer näheren Betrachtung der Entwicklung. Vergleichen wir die In allen Monaten war die englische Aus'uhr höher, als im Vorjahre. England hat also von der wirtschaftlichen Bei- ierung in der Welt viel mehr Nutzen gezogen als Deutsch- lgnd. Es ist ober der P a r a l l e l t s m u s der Entwicklung biß zum Oktober unverkennbar. In beiden Ländern ver- besserte sich bis zum September das Verhältnis zum Vor- iabre, um sich dann tm Oktober zwar aui einem verschiedenen Niveau, aber ungefähr im gleichen Maße zu verschlechtern. Dann aber im November blieben die Ergebnisse in England ungefähr ebenso günstig im Vergleich zum Vorjahre, wie im November, während die deutsche Auskuhr«inen neuen star- ken Rückschlag erlitten hat. In absoluten Zahlen ging die deutsche AnSsnbr im November im Vergleich zum Oktober von 4(5 aus 39-1, d. b- um 51 Millionen Mark zurück, wäh- rend die englische sogar etivaS, nämlich von 34,1 aus 84,4 Millionen Pfund gestiegen ist. vie preise Siedl! Für Unterbietung Konzentrationslager Weimar, 4. Januar. Wie von der Pressestelle des thüringischen«taatsministeriums mitgeteilt wird, hat das thüringische Innenministerium,»m den dauernden Sci>ä digungen der Wirtschaft im thüringischen Notstandsgebiet durch Unterbietung der festgesetzte» Preis« für Fieber- thermometer usw. entgegenzutreten,«inen Fieber- thermomererherstcller in Geschwenda ibei Arnstadt) in polizeiliche Sicherungsverwahrung nehmen und in das Konzentrationslager in Bad Sulza überführen lassen, „Stillstand im Rückgang 4' Die Dortmunder Aktien Brauerei betont km Geschäfts- bericht 1932 33. dast die Steiierhelastnng immer noch den Vierkonsum bedrückte und dqmit eine Gefährdung der Eristcnzmöglichkeit der Abnehmer der Gesellschaft bedeutete. Erst in allerletzter Zeit sei in Versolg der Regternngsmaß nahmen ein Stillstand im Rückgang des BierverkanfS, der nur noch 49 Prozent des Ausstoßes von 1929-30 betrug, eingetreten. Arbeitsschutz gleichgeschaltet Sc Ute hat den Betrat des ArbettsichutzinnseumS auf- gelöst und die Ernennung eine» neuen angekündigt. ES liegen offenbar zweierlei Gründe für den Rückschlag in der Entwicklung der deutschen Aussuhr vor, auf einer Seite die Gründe, die auch die Entwicklung der englischen Aussuhr beeinflußten und die in der Gesamtentwicklung des Welthandels zu suchen sind und aus der anderen Seite die Einflüsse, die nur auf die Entwicklung der deutschen Aus- fuhr einwirkten. Wenn aber festgestellt wird, dast sich im Welthandel sowie insbesondere im Außenhandel Deutschlands seit Oktober, irgendwelche neuen Störungen fühlbar machen, so sind die Quellen dieser Störungen nicht in Ereig- nisten von Oktober oder September, sondern in denen vor drei oder vier Monate», also im Juni oder Juli zu suchen. Es wird zu häufig übersehen, dast der Außenhandel zu jedem Zeitpunkt durch di« Aufträge bestimmt ivird, die schon vor einigen Monaten abgeschlossen waren. Sogar solches Ereig- nis. wie die Aufhebung des Goldstandardcs in England mit der darnach folgenden Entwertung des Pfundes, hat den englische» Jlustenhandel in den ersten drei Monate» nur wenig beeinflußt. Und wenn in diesem Jahre etwa seit Oktober gewisse Störungen und Verschiebungen im Welt- Handel zu beobachten sind, so sind das die Auswirkungen der Entwicklung, die a» dem Tage eingesetzt hat, an dem das Scheitern der Weltwlrtschaftskonfcrenz offenkundig wurde. Das bedeutet nichts anderes, als dast seit jenem Tage der Welthandel in verstärktem Maße unter dem Druck der von Amerika koinmenden Ungewißheit und Unsicherheit stand und dast die Entwertung des Dollars wiederum im vcr- stärktcm Maße bei dem Abschluß der Geschäfte einkalkuliert wurde. Während die Unsicherheit überhaupt zur Zurückhal- tung bei den Einkäufen und der Erteilung der Aufträge zwar, verstärkte die Entwertung dcS Dollars, als eine Dauererscheinung angesehen, die amerikanische Konkurrenz. Es spricht schon für eine sehr stark gestiegene Widerstands- iübigkeit in der Weltwirtschaft, wenn die UnsicherheitSiak- teren. die durch das amerikanische Erpcriinent entstanden sind, nicht noch viel stärker gewirkt und den Welthandel nicht vollkommen zerstört haben. Im großen ganzen haben sich biS letzt die AuistiegStenden- zen im Weithandel als stärker erwiesen. Für den deutschen Austenhandel trifft das nicht zu. Und daS hängt nicht nur mit der Tatsache zusammen, daß Deutschland überhaupt an der Belebung de? Welthandels weniger stark, als die mci- sten anderen Länder beteiligt ivar. sondern Ist für die letzte Zeit auch ans einige speziell für Deutschland neuentstandc- neu Hemmungen znrNckzusühren. Im nächsten Artikel wer- den mir die beiden Erscheinungen zu untersuchen haben: die oerhästnismästia schwache Beteiligung Deutschlands an der Belebung deS Welthandels, die ans den» oben durch- geführten Vergleich mit England klar zu erleben ist sowie das Entstehen der neuen Hemmungen, aui deren Wirkung der erneute starke Rückschlag im November zurückgeht. Neue Gewerkschaftstätigkeit Ter VerbandskreiSlsitcr der Gaststätten ange stellte» Ber- lin, Kutzschbqnch teilt mit, dast der Kassier Willi Henichel, Berlin-Grunewald. Lrherstraste 3,«größere Summen" unterschlagen hat. Es wird nach ihm gefahndet. Zwangsversteigerungen Die christlichsoziale Wiener„Rcichspost" meldet, daß in dee Zeit von Januar bis September 75 00t» Zivangsverstctgerun- gen von Wohnungseinrichtungen stattgefunden haben. Neugestaltung des Vereinsrechts In der„Deutschen Inristenzeitnng" 124), deren Heraus» geber Liebmann übrigens durch Senotspräsidenten Baum- bach ersetzt»pjrd, ivird eine grundlegende Aenderung des deutschen Bereinsrechts angekündigt. Auch in den Vereine» wird das„Führerprinzip" konseauent durchgeführt werden müssen und was noch nicht gleichgeschaltet sein sollte, wird nun gleichgeschaltet»verde» müssen." Autorität von oben nach unten, Verantwortlichkeit von unten»ach oben: das ist die Leitlinie der Neuordnung auch auf diclein Gebiete".— Jeder zweite Deutsche wird bald ein„Führer" sein. Operndirektor Furtwänaler Echef der^ Philharmonie, städtischer Generalmusikdircktor, Dr. l>. c., StaatskapeUmeister, Preudisther Staatsrat, Mini- st rialdirektor und nun also Operndirektor— es ist erreicht. Auch zu Wilhelms Zeiten hätte dieser Musikteutone nicht mehr strahlendes Titelgold aus sein Haupt vereinigen kön- neu, und der Klempnerladen am Ordensband ivird nun»vohl nicht mehr langt auf sich Ivarten lassen. Ein sinniges Weihnachtsgeschenk, das der Zar aller Preu- sten, Herr Gbring, sich da fitr seinen wackeren Hosmusikanten ausgedacht hat: Fast gleichzeitig mit der Leipziger Schlappe emcn neuen Berliner Opernchef zu küren, das Göbbelssche Geschrei von einem Reichs-Klalsiker-Theater— origineller Weife für dg s von dem Schädling Reinhard geschaffene Groste Schauspielhaus vorgesehen- mit der Ankündigung einer»euprenstische» Opernära zu übertrumpfe». Und eine kongeniale Beschäftigung für d»e von der Weimarer Re publik so Iiiircchtmästla(mit Ehningen)„verfolgten" Mo siker von„Weltfvrmqt". die Herren Richard Siranst und Wilhelm Fnriiuänglcr, die Fangbälle in dem Kultur- Minister Spiel der Herrn Göbbels und Gbring abzugeben. Noch ist in den„diesbezüglichen" Erlassen des preußische» Polizeiqeivaltigrn nichts über das zukünftig« Schicksal der bisherigen Berliner Opernleiter enthalten, und es soll njcht unsere Sorae sei», welcher Skandal- oder Unter schlagungsvrozest die ehemaligen„Führer", iglls sie einer Einengung ihrer Machtbefugnisse sich widersetzen sollten, ins Konz.'ntrativnslag'er bringe» wird. Die Wetterfahne Tietjen der einstige KuEnrbolschcivist Kleiber, die beide mit hoch- geschwungenen Ahnentafel» ihre in der schmachvolle» Wej? »narer Zeit ergatterte» Posten ins„dritte Reich" hinüber- retteten, können ups herzlich gleichgültig sein. Aber aus Furtivänglcr haben»vir noch in diesem Früh- jähr Hoffnungen gesetzt. Er hat, als alles vor dein braunen Terror verstummte, als einziger siir die Kunst, kür die ver- folgten Künstler seine Stimme erhoben. Man erinnert sich noch teuer Konzerte, die er mit den Berliner Phjlharmo- ntker» im Mai b. I. In Parts gab. Das internationale Publikum jubelte mehr noch dem für tapser gehaltenen Men- tchen als dem Musiker zu. In der Großen Oper schivirrten Flugzeit«! durch die Luit: in Furtivänglers Orchester sei bisher lein Jude entlassen, in einem offenen Briei an Göb- dels habe der Dirigent auis schärfste gegen Zwischenfälle ivie etivg den mit Bruno Walter protestiert. Ein Pariser Inter- vieiv schien die gute Ansicht noch zu bekräftigen:„Rassen- »rage in der Kunst?— Ich kenne n»r gute und schlechte Musiker."— DaS»vor tm Mal. Wenige Tage später schon erzählte man sich vo„ den ersten Beamtengesetz-Kündigunge» tm Berliner Philharmonischen Orchester. Kurze Zeit darauf»vuhte jeder, dast der Briefwechsel Furtivängler- Göbbels ein abgekartetes Spiel zur Rettung der Ruslgndstournee Furtivänglers war. Noch einmal machte der inzwischen zum Staatskavellmeister der Berliner Over Ernannte von sich reden, als er eine Reihe prominenter jüdischer Künstler als Solisten für die Phil- Harinoutr-Konzerle dieses Winters einlud. Er erhielt Ablagen von alle» Selten: er niustte einsehen, dast eine rein liche Scheidung auch sür ihn notwendig ivar. Wenn nichts andere». Hubcrmanns herrlicher, bestimmte« und doch vo» künstlerischer Kameradschaft getragener Absagebrief niustte es ihm endgültig klar machen. Und Furtmänaler. der eben noch aui einer Tournee die Sonipatbie der Welt gesunden hatte, einer der wenigen, die nicht äußere Stellung und Er- folg hätten einbüßen müssen, hätte er seinen Berliner Wir- kungskreis freiwillig ausgegeben, er entschied sich sür ds« braune Barbarei. Der Lohn ist ihm geivorden,»vi, haben die Titel aufgezählt. Im Berliner Philharmonischen Orchester sitzen noch einige ausländische südische Musiker, bereu Ber- träge unkündbar waren. Ihr Dirigent, Mitglied und Wür- denträger jener Partei, die das kalte Program zum Gesetz und den Mord des Gesiniiungsgcgners zum Verdienst erhob, wird sich zum uächstmöglichcn Termin»ach geeignetem— wenn vielleicht auch nicht künstlerisch vollwertigem— Ersah Umsehen. Wir haben nie an daS Märchen von der„Unabhängigkeit der Kunst" geglaubt. Sie ist immer und überall abhängig von den gesellschaftlichen, von dx» ökonomische» Ärgsten, denen sie entspringt, und denen sie dient. Aber was einige hosftsn, daS ivgr, es könne doch eimer wie eben dieser Fnrtwängler. den die Welj kannte, und der die Welt kannte, den kein Hunger und kein Berntsverlnst bedrohte, die Zivilcourage finden, das Deutschland der Henker und Mörder z» verlassen. Er land sie nicht, im Gegenteil, er fügte zu Feigheit und Unter- tanengeist noch die Scharlatanerie, die Propaganbalüge. Und wer den Weg und dte Art dieses wen» auch nicht „größten" so doch zugestandenermaßen sehr bedeutenden deutschen Dirigenten kennt, den wird seine Entscheid»»»»ich, einmal in Erstaunen setzen. Dicier Universitätsprofesioren- sobn war— oh in Lübeck oder Mannheim, ob in München. Berlin oder Wien, ob als Student ober geleierter Dirigent — Erponent. Geschöpf und Nutznießer jener sterbenden -chicht, zu deren Rettung das„dritte Reich" erkunden und ins Werk geletzt wurde: ein Bürgersohn, vollgepackt mit Bildung, Enrgeiz und Ressentiment,»veltcniveit von allem „Proletarischen" entfernt, Salonlöwe von jener besonders ge- «chätzten, ertravaganten„künstlerischen" Art, eine» ge- dämpften, gebildeten Antisemitismus stets leicht durchblicken lassend dieser Wilhelm Fnrtwängler war prädestiniert, einer der Mnsikpäpste Hitler-Dcutschlgiids zu werbe». Den» es soll der Sänger mit dem König und der Operndiktator mit dem Polizeiminjster gehen. Paul Walter. TS Wo steht England? Dr. 0. G. 2 o n b o n, 4. Januar. In ber englischen Politik herrscht Ruhe. Sowohl außen- politisch wie innenpolitisch ist eine fast beängstigende Passivität festzustellen. Während sich in der Außenpolitik Europas Um- wälzungen vollziehen, deren Ergebnis noch völlig im dunkel liegt, bewahrt die englische Außenpolitik ihre passive, abwartende Haltung. Sie redet allen Beteiligten gut zu, aber denkt nicht daran, in irgendeiner Richtung die Führung zu ubernehmen. Hinter der überlegenen Geste der Regierung verbirgt sich Ratlosigkeit. Das wurde dem Außenminister Simon im Parlament und in der Presse, auch in der Regierungspresse, deutlich gesagt. Man ist mit der Regierung in dieser Frage nicht zufrieden, nur vergessen die Kritiker anzudeuten, wie die Regierung denn nach ihrer Ansicht handeln sollte. Die Linksopposition, in erster Linie die Labour Party, begnügt sich mit durch- aus unrealen pazifistischen Deklamationen, die Regie- rungsgruppe tut furchtbar realistisch, mit dem Ergebnis, daß ihre einzige Parole im Grunde besagt: die Dinge laufen lassen. Selbst der bisher so klarsichtige konserva- live Journalist Garvin vom„Observer" ist neuerdings in diese sich selbst belügende Front eingeschwenkt. Die Rechts- opposition arbeitet auch mit reichlich negativen Formeln: Lord Rothermcre in seiner„Daily Mail" predigt täglich die Aufrüstung Englands— daneben empfiehlt er ein Bündnis mit Frankreich und zugleich enge Freundschaft mit Hitler-Deutschland: Lord Beaverbrook in seinem „Daily Expreß" predigt die Isolierung Englands, die völlige Loslösung von Europa und die Kündigung des Locarnopaktes. Die englische Regierung und die große Mehrheit aller englischen Politiker lassen sich von einem ausgesprochenen Ruhebedürfnis lenken. Rur kein Abenteuer, nur keine akuten Konflikte, immer den Weg des geringsten Widsr- standes gehen und alle Gegensätze mit einer Formel ver- kleistern— das ist heute die Parole der englischen Politik. Als mit dem Hitler-Regime ein Element der ärgsten Un- ruhe sich zeigte, reagierte England zunächst mit empörter Abwehr. Die Scheußlichkeiten der Nazibarbarei empörten zwar das englische Gewissen, aber die ursprüngliche Hitlerfeindlichkeit ganz Englands ist nicht nur aus dieser sittlichen Empörung zu erklären, sondern vielleicht mehr noch aus verletztem Ruhebedürfnie. Noch jede der Friedensproklamationen des Nazikanzlers, die man in England so krampfhaft glauben möchte, hat die Bericht- erstattung Uber die Nazigreuel gedämpft. ♦ Al» man in England sah. daß das Hitlerregime durch Empörung nicht ohne weiteres zu beseitigen sei, versuchte man eine andere Methode. Man will die Bestie durch gutes Zureden zähmen. Man versucht sich einzureden, daß Hitler» Friedensworte ehrlich gemeint seien(im Grunde glaubt kein Engländer außer einigen Ueber- Pazifisten der Labour Party und einigen liberalen Schwächlingen an Hitlers Ehrlichkeit), und man versucht vor allem— mit reichlich schlechtem Gewissen--- den Franzosen dasselbe einzureden. Dann wäre vielleicht die Ruhe für ein— zwei Jahre gerettet. Und nachher ließe sich vielleicht wieder ein Ausweg finden. Illusionisten glauben, durch freundliche Worte die erhitzten Gemüter in Deutschland besänftigen zu können. Plan redet viel von Revision von Versailles, ohne damit konkrete Vor- stellungen zu verbinden: aber man hofft allein durch das Won Revision den deutschen Rationalismus ablenken zu können. Man freut sich über die Leipziger Freisprüche, weil man der deutschen Justiz nun anerkennend auf die Schulter klopfen kann, obwohl dieselben Leute, die das Lob aussprechen, die Iustizfarce von Leipzig klar durchschauen. Man sieht in England wohl die Gefahren dieser Politik (in Privatgesvrächen gibt wohl jeder englische Politiker und Journalist das zu), aber man spielt Bogel Strauß-- aus Ruhebedürfnis. Und wenn nun Frankreich durch alles gute Zureden sich nicht auf die gleiche Bahn lenken läßt? Nun, dann wird England eben wieder etwas näher an Frankreich Heranrüche»— diesmal um die Franzosen zu beruhigen: denn beruhigt muß nun einmal werden. Daß im Ernstfall, von dem mon heute auch m England immer mehr spricht, England bei Frankreich gegen Deutschland stehen wird, ist sür fast alle Engländer eine Selbstverständlichkeit. Aber zunächst wünscht man Ruhe und'äßt die Dinge gleiten. Wohin? Wie lange? Bis es zu spät ist. wie 1914? * In der englischen Innenpolitik herrscht nicht viel mehr Aktivität. Die Debatten im Parlament finden im all- gemeinen nur wenia Beachtung. Das liegt nicht daran, daß zur Zeit keine die Oeffentljchkeit erregenden Dinge behandelt werden. Es liegt auch an der Zusammensetzung des gegenwärtigen Parlaments. Die Opposition ist nicht nur zahlenmäßig zu schwach(Knopp 80, wenn man die halboppositionellen Liberalen hinzurechnet, gegen über 500), e» fehlen ihr auch die markanten politischen Persönlichkeiten. Die meisten Labourführer sind 1931 durch- gefallen: fast nur die Bergarbeiterwahlkreise wurden ge- halten. So besteht die halbe Labourfraktign aus Berg- axbeiterfunktionären— tüchtige Gewerkschaftler, aber keine politischen Führer. So mangelt es in der Labour- Fraktion- im Gegensatz zu der Partei im Lande— an Führern. Henderson hält sich als Präsident der Abrüstungskonferenz sehr zurück: so bleiben als Führer- Persönlichkeiten in der Fraktion der prächtige, oft aller- dings all.ru sentimentale alte Lansbury. und der jung: scharfsinnige Jurist Sir Stafford Eripps. Lansburys Stellvertreter Anlee ist zwar ein guter Redner, aber als Persönlichkeit doch etwas farblos. Zur Zeit fällt auch noch Lansbury fort, da er sich durck einen Fall einen schweren Obersck-nkelbruch zugezogen hat. bei einem 75jährigen immerhin eine bedenkliche Sacke. In diesem Zusammenhang sei wieder einmal die Menschlichkeit der englischen Politik erwähnt. Alle Blätter drückten dem alten Arbeiterführer in Leitartikeln ihr« Sympathie aus. sie betonten, wie beliebt dieser grund- ehrliche Idealist bei allen Menschen sei. die mit ihm in Berührung kämen, und Lei£S auch nux a\p Gegner. Ter Wünsche der„Deutschen Christen tfe nd die Bilder des Dreiecks zierten natürlich die Presse. Die dritte Sensation ist eine Brandstiftung»- und Korruptionsaffäre. Korruption ist In England Verhältnis- mäßig selten. Die geschäftlich« Ehrlichkeit ist hier noch nicht so untergraben wie auf dem Kontinent oder gar in Amerika. Auch der jetzt aufgedeckte Korruptionsfall be- rührt die staatlichen Behörden nicht. Im Sommer wurde eine Maßt. AngMene MMlelsute, Nun, Sir John Simon traf mit dem Schiff auf Capri ein. Der faschistische Kommandant der kloinen, schönen Insel begrüßte ihn, und— durch Zufall natürlich 1— standen auch Röhm und Heines an der Landungsbrücke. Der faschistische Kommandant stellte sie dem englischen Außenminister vor und der konnte einen Händedruck nicht vermeiden. Aber dann wurde der Faschist deutlicher. Er lud Sir John zum Frühstück ein und betonte, daß Röhm und Heines auch kommen würden. Sir John Simon lehnre aber höflich ab. Er sei nur zur Ausspan- nung nach Capri gekommen und bitte, von allen Mühen um seine Person abzusehen. Ob wohl Röhm und der Fememörder das verstanden haben? In England brachte nur ein Blatt die Mitteilung von diesem Zwischenfall, denn man ist höflich und will die Bestie nicht reizen. sogenannte Feuerassessoren. Das sind Männer, die bei Feuerausbruch den Schaden abschätzen und der Ber- sicherungsgesellschaft gegenüber durchkämpfen. Sie er- halten dann eine Provision von der ausgezahlten Ber- sicherungssumme. Der Feuerassessor, der zuerst an der Brandstelle ist, hat die größte Aussicht, den Fall zu de- kommen. Nun hat die von einem gewissen Harri» geführte Bande selber Brände gelegt, war dann rasch zur Stell« und hat Riesensummen eingestrichen— bis sie gefaßt wurde und ins Zuchthaus wanderte. Das war im Sommer. Jetzt trat Harris mit Enthüllungen hervor. Er gab be- Kaimt, daß Beamte des sogenannten Rettung»korp»-* einer von den Persicherungsgesellschaften geschossenen und finanzierten Organisation, die bei Bränden soviel wie möglich retten soll und etwaige Brandstiftungsspuren ver- folgen soll— van ihm und anderen Feuerassessoren bestochen worden seien und Brnndstistungsspuren nicht verfolgten, darunter einer der angesehensten Direktoren, ein Hauptmann Miles. Abenteuerliche Dinge kamen ans Licht: nächtliche Zusammenkünfte im Hydepark, wo bei Mondschein Pfundbündel den Besitzer wechselten. Mord- pläne. Erpresseraktionen. Biel Schmutz wurde auf- gewirbelt. Aber niemand versucht, aus der üblen Ange- legenheit ein politisches Geschäft zu machen. So hat die englische Presse also immer genug Stoff, um ihre umfangreichen Spalten zu fülle», auch wenn es sich bei diesem Stoff nur um Monstren, Revuestars und Brandstifterbanden handelt. Revision im lahosenproicO Bremen, 4. Jan. Die Vcrtcidignna ber Briiber Lahusen hat unter dem 3. slanuar 1934 gegen das Bremtr Straf» iammexnrteil vom SU. Dezember UM beim Reichsgericht daß Rechtsmittel der Revision eingelegt. Diesem formellen Akt folgt die Begründung der Revision, wenn die schriftliche Urteilsqusfertignng zugestellt ist. Die Zustellung dürft« etwa in zwei Monaten zn erwarten fein. Das Reichsgericht wird in dieser Sache nicht selbst erkennen, sonder» entweder hl« Revision verwerfen, ober das Urteil aufheben und di» Sache zu erneuter Verhandlung zurückverweisen. 34 Todesurteile in Kabul London, 4. Jan. Wie Reuter ans Kabul meldet, hat et» Sondergericht, dem auch einige Mitglieder des aiahanifchen Kabinetts anaedörten. 14 Personen wegen Beteiligung an dem Mordanschlag gegen Nadir Khan zum Tode verurteilt. Unter den Verurteilt«» befinden sich der Vater, der Onkel und einige Freunde des Mörders Abdul Khalit. ferner»in OMzi« des Heeres n»d ein Lehrer der Schule, wo Abdul Kaftlik und seine Mittäter studiert batten. Der König bat di« Todesurteile bereit» bestätigt. v'"" ■ÛCMlsdie Stimmen• Beilage zur..Qeutsificn&reifkeit'• Ereignisse und QesthifAten^ Samstag, den 6. Januar 1934. Spaten- kuschen- Jtuudfuuk hüten! Bec neue JCucs im deutschen Rundfunk- Çoêhels hcaucht Qeld as Spatsi/stem: nut noch dcei Sendetetuppen- Die allgemeine JUeite »esteben- haben à v'°°l»ck-n° SiAallplcUte lis«ac Reumftlosigkeit Das ist der eigentliche Grund, weshalb man plötzlich eine neue, sehr straffe und rigoros einengende Organisation der deutschen Sendebezirke einführte. Drei große Sendergruppen wurden zusammengeschlossen: die Westdeutsche Gruppe, umfassend die Sender Köln, Frankfurt und Stuttgart, die schon seit etwa zwei Monaten arbeitet— dann die Gruppe Süd mit Leipzig, München-Breslau— und schließlich die Gruppe Nord, die jetzt zu arbeiten beginnt, mit dem Sender Berlin, Hamburg, Königsberg. Das heißt: dieses„Arbeiten" bedeutet Gleichschaltung im wahrsten Sinne und vor allem: rigoroseste Einsparung! Musik. Musik und nochmals Musik— dabei möglichst ausgedehnte Schallplattenwiedergabe. Vor etwa drei Jahren, da konnten die großen Schallplattenkonzerne noch erfolgreich gegen die übermäßige Uebertragung der Plattenmusik protestieren, und man erinnert sich, daß der Boykott, den die Firmen damals über die deutschen Sendegesellschaften verhängten, länger als ein Vierteljahr dauerte, ehe er durch eine Konvention beigelegt wurde. Heute haben die Konzerne nicht mehr aufzumucken— Herr Göbbels befiehlt: Schallplatte bis zur Bewußtlosigkeit, weil die mechanische Musik doch die billigste ist— und SA. steht bereit, seinem Befehl Nachdruck zu geben. Bei den Sendegesellschaften selbst hat man außerordentliche Gehaltskürzungen vorgenommen— der Intendant eines der bedeutendsten deutschen Sender soll auf ein Gehalt von 700 Mark gesetzt sein... Dabei hat der Herr, der von Anfang an betonte: er sei in erster Linie Nationalsozialist, und dann erst Intendant!— bei Amtsantritt sich eine feudale 8-Zimmerwohnnng gemietet und auf Rundfunkkosten einen fabelhaften Mercedes-Wagen angeschafft! Aber die kleinen Angestellten, die Ressortleiter und vor allem die freien Mitarbeiter— die müssen am ärgsten unter den Sparmaßnahmen leiden— was Wunder also, wenn in den deutschen Funkhäusern eine Stimmung herrscht, die dem„großen Aufbruch" der Nation im allgemeinen und des Radios im besonderen durchaus nicht würdig ist.— ———».c.U.W. mi■ um Rundfunk, den sie verdienen! Wo alles in„Totalität" gesteigert und überspitzt ist, darf keineswegs der deutsche Rundfunk fehlen. Was von einem freien, sehr beweglichen, individualistischen, sehr überlegen gehandhabten, von Persönlichkeiten geführten Rundfunk noch übrig blieb— diese acht Monate haben genügt, aus ihm ein willfähriges, stures Instrument, gespeist aus den Quellen eines hilflos mißverstandenen „Führer"-Gedankens, zu machen. Die fassungslosen cKütet Man blättere nur die Programme durch, von frühmorgens bis in die Nacht, von Köln bis Königsberg, von München über Berlin bis Hamburg! Die Herren in den Bezirken des Propaganda-Ministeriums haben ihr Metier verstanden— das kann man wohl sagen! Trommelei und Wehrkunde und SA.-Lyrik und Marxisten- hatz und Wotanskult und Badenweiler Marsch und Revanchegelüst und Rassenwahn und gequetschter Humor und Lands» kncchtsfanfare und Kulturkammerkunst— aus ungezählten Schlünden prasselt täglich, stündlich, minütlich dieser Wust in die Ohren der bejammernswerten Hörer, die fassungslos vor dem tollgewordenen Lautsprecher hocken und, als folgsame Besitzer eines„Volksempfängers", nicht mal die Möglichkeit haken, sich anderswo, auf ausländischen Wellen, umzuhören. Sie sind nicht nur folgsam, sie sind auch geduldig, wie die Schate, und drängen sich, in immer ärgerer Fülle, zu den Segnungen des neudeutschen Rundfunks hin...? Die Statistik weiß zu berichten, daß die Zahl der Radiohörer in Deutschland um etliche fünfzigtausende wieder gestiegen sei— was man, von Propaganda wegen, als einen Beweis zu buchen versteht, wie einig dieses Volk jetzt auch in seinen Rund funk-Ansprüchen sei, stramm die Hände an die Hosennaht.„Heil Hitler" brüllend, wenn wieder mal des „Führers" oder Görings oder des Göbbels Stimme im Lautsprecher zu hören ist... Gemach: die Sache verhält sich etwas anders! Es ist genau so wie mit der Présse: bist du nicht willig, dann brauch ich Gewalt! Es ist heute durchaus staatsfeindlich in Deutschland. n i ch t Rundfunk zu hören, nicht die ewigen Ergüsse aus den Regionen der obersten Bonzokratie, still und ergeben, über sich herrauschen zu lassen— ebenso wie es Verrat an der„Volksgemeinschaft" ist, auf eine bürgerliche (gleichgeschaltete) Zeitung, und nicht auf ein handfestes Nazi-Blatt abonniert zu sein. Qü&lels oeclangt Qeld Ein Führer, ein Wille, eine Reitpeitsche, eine Kriecherei — und demzufolge auch: ei n Rundfunk! Der nationalsozia- listi-che Staatsbürger hat nicht das Recht, sich von den Segnungen auszuschließen, die von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt über die willfährigen Wellen ausgestrahlt werden. Herr Göbbels hat befohlen— also sollen die Deutschen ihn haben, den Rundfunk, den sie verdienen. Aber noch etwas anderes haben die tüchtigen Herren vom Propaganda Ministerium begriffen: daß am Rundfunk immens viel Geld verdient wird! Das ist immer Alle fteien 77litacùeUec ausgeschaltet Weniger Geld— und dafür mehr Arbeit! Alle freien Mitarbeiter sind zunächst bis zum I. April 1934 ausgeschaltet: alles muß in den Abteilungen, von den beamteten Herren selbst gemacht werden. Mögen die freien Mitarbeiter, die früher doch durch einen Vortrag, eine Hörfolge u. a. beim Rundfunk noch einiges verdienen konnten, meinetwegen, d. h. von Göbbelswegen, verhungern— was kümmert das die Bonzen, wenn nur durch die sagenhafte„Arbeitsschlacht" immer weiter geschlagen und gewonnen wird. Ein namhafter Hörspielautor, von dem der Rundfunk manches eindrucksvolle und richtungweisende Werk aufgeführt hat, erklärte: es lohnt sich überhaupt nicht mehr, für den Rundfunk zu arbeiten, denn durch die Zusammenfassung der Sendegemeinschaften wird die wirtschaftliche Ausnutzung eines Hörspielerfolgs maßlos eingeschränkt und fast illusorisch gemacht. Das Existenzminimum wird durch die miserable Honorierung nicht mehr erreicht. Einem andern Autor, bei dem man eine als Abendunterhaltung auf l'/> bis 2 Stunden berechnete Hörfolge bestellt und auch angenommen hatte, zahlte eine große deutsche Sendegesellschaft, noch vor der Zusammenlegung, für dieses Hörwerk, an das er drei Wochen Mühe und Arbeit gewandt hatte, ein Honorar von 40 Mark! schon so gewesen— und darum erhoben ja die Proletarier auch stets die berechtigte Forderung, die monatliche Rund-'7L l(.A^«| UlnrSth lOehcSPOCt funkgebühr von 2 Mark müsse erheblich herabgesetzt werden.'' herabgesetzt Das hat ihnen, schon in den republikanischen Zeitläufen, die deutsche Reichspost immer abgelehnt; denn sie wußte, mit 60 Prozent an der Brutto-Einnahme beteiligt, wieviel sie am Rundfunk verdiente und wie sehr diese Einkünfte ihrem hohen Defizit zustatten kamen. Was hat sich denn inzwischen geändert? Nichts hat sich geändert. Line Partei, eine Staatspartei, die sich anmaßend noch immer„Arbeiterpartei" nennt, denkt nicht daran, etwa die Gebühren um die Hälfte herabzusetzen. Sie denkt nur daran, wie sie das ungeheure Geld, das beim deutschen Rundfunk einkommt, auf ebenso geschickte wie skandalöse Art ihrem eigenen Parteisäckel, der jetzt ja ein Staatssäckel ist. dienstbar machen kann. Sie haben ja ungeheuer viel Geld nötig, sie wissen gar nicht mehr, wo sie das Geld hernehmen sollen. Und es ist so wie früher: wenn die Reichspost von 2 Mark, die jeder Hörer zu zahlen hat, 1,10 Mark für sich einkassierte,— dann war das beileibe kein Skandal! Nein, ein Skandal war nur. wenn die Intendanten und Direktoren zu hohe Gehälter ausbezahlt bekamen, oder wenn den Mitarbeitern anständige Honorare angewiesen wurden. Das war unerhört! Das war Korruption der schlimmsten Art— Strafverfahren mußten eingeleitet werden. Heute ist nicht nur die Reichspost, sondern der ganze Staatsfiskus, von den Ministerien über die Arbeitsfront bis zu den Gauleitungen, in der drückendsten Geldmisere. Und ■las Propaganda-Ministerium des Herrn Göbbels hängt gewissermaßen in der Luft. Dieser maßlos und bombastisch aufgezogene parteipolitische Propaganda-Apparat weiß nicht, woher er das Geld nehmen, wo er sich einen„Etat" herholen soll, für den einfach keine Deckung da ist! Herr Göbbels, der sonst von Ideen geradezu überquillt, rauft sieh die Haare und macht dem Osaf die hysterischsten Szenen:„Herr Führer, wo bleibt mein Etat? Die Richtlinien, die der..Petit Parisien" so überzeugend aufgezeigt hat, sind nicht durchzuführen, wenn ich kein Geld sehe! Was ist ein Propaganda- Ministerium, wenn es sich jeden lag vor der bedrohlichen Pleite sieht?" Und der Osaf klopfte dem kleinen, nervös zappelnden Schrumpfarier jovial auf die Schultern:„Bürger Göbbels — l. i' ein Wort: der deutsche Rundfunk!" Göbbels wußte, woran er war. Er schickte umgebend einen Tagesbefehl an alle Rundfunk-Intendanten: Sparen— sparen bis zum Exzeß! Und alles Geld, das übrig bleibt, ist an das Propaganda-Ministerium abzuführenl So stehen die Chancen heute beim deutschen Rundfunk! Und dementsprechend ist auch das Programm, das den Hörern für 2 Mark Monatsgebühr ins Haus geschmettert wird— eine schauerliche Oede gähnt einem entgegen, wenn man nur einmal eins der Ansageblätter überfliegt: Pauken und Trompeten, Marsch und Wehrsport, aufgemuntert durch ein paar regelmäßige Sendungen mit geheimnisvoll lockenden Titeln. Z. B:„Morgenruf"— und der lautet denn so: „Volk in deinen Nöten lerne. Nichts von Fremden zu erwarten. Also mahnen deine Sterne: Baue selber deinen Garten!" (so orakelt der Nazi-Dichter Heinz Steguweit). Oder eine Sendung:„Griff ins heute"— so wie etwa heute der Bonner Philosophie-Professor Job M. Verweyen sich den„Führer" greift: „... Abzeichen als werbende Symbole... neue Fahne in alten Farben... Tragen eines neuen Gewandes, im geordneten Aufmarsch der Getreuen, in dem Einheit schaffenden und ausdrückenden Singen neuer Lieder... so bewundert man das Erfolgsvorbild des deutschen Führers..." Oder die Darbietung:„Stimme der Bewegung", die sich so vernehmen läßt: „... nein, heute gibt es keine politischen Feinde mehr, heute sind wir zu einer Not- und Trutzgemeinschaft verschmolzen. Einer trage des andern Last, stehe jeder für die Gesamtheit, esse jeder am ersten Monatssonntag sein Eintopfgericht— das ist praktischer Sozialismus!" Uns schließlich:„Du mußt wissen." Was muß ein deutscher Rundfunkhörer wissen? Daß: „Was ein jeder hat und kann. Türmt er zur deutschen Ernte an!" Abgesehen von dieser herrlichen, durchaus neudeutschen Poesie, hat der Rundfunkhörer still zu schweigen und seine monatlichen 2 Mark prompt zu zahlen, damit das Göbbels- ministerium„arbeiten" kann. Im Ernst denkt man auch immer noch daran, eine Reichsrundfunk-Zeitschrift herauszugeben, als Einnahmequelle für das Propagandaministc- I. Das w'le den /■>.- nbruch aller deutschen„und- funk-Zeitschriften bedeuten, denen es ja heute schon, bei der Konkurrenz der Naziblätter„NS.-Funk" und„Der deutsche Sender", so schlecht geht, daß sie. nur kümmerlich noch vegetieren. Die sogen, offiziellen Programmzeitschriften leiden an chronischem Leserschwund; erst kürzlich hat die„NORAG", das Hamburger Rundfunkblatt, ihr Erscheinen eingestellt und Konkurs angemeldet.(Wie einen das freut: daß wieder eins der von jeher rechtsnationalen, stramm bismärckischen Journale dran glauben mußte!) Und die,.Schlesische Funkstunde", das Breslauer Programmblatt, stellt am 1. Januar d. J. ihr Erscheinen ein. Das£nde Es geht demnach aufwärts, unentwegt! Mit den Geldern, um die der deutsche Rundfunk von der obersten Führung geschröpft wird, und mit der indirekten Steuer, durch die jeder Rundfunkhörer zugunsten der nationalsozialistischen Propaganda-Aktion beizutragen hat! Von dem stolzen Werk, das der deutsche Rundfunk in den ersten sieben Jahren seines Bestehens aufgerichtet hat, ist übriggeblieben ein Wust von Nichtskönnen, von pseudowissenschaftlicher Anmaßung, von Dilettantismus, der sich als neudeutsche„Kultur" ausgibt, von einer Selbstbeweihräucherung der„Führer-Elite", die kaum ihresgleichen kennt! lind selbst nicht mal abbestellen dürfen sie den Rundfunk — die Armen, die daran gekettet sind wie an ihr Verhängnis! Sie haben Angst, den wahren Grund zu nennen— wie überhaupt die Wahrheit in der„Nazi-Totalität" staatsgefähr- Itch ist. Benito. Bas tele dec Tzont Hitler schreibt ein Vorwort zu Hans Zöberlein,„Der Glaube an Deutschland" wörtlich so: „Auf den Weg! Hier ist das Vermächtnis der Front niedergelegt! Ein einfacher Soldat, der nicht beabsichtigte, die Kriegsliteratur zu vermehren, hat sich in jahrelanger, mühevoller Arbeit neben seinem Beruf eine Last von der Seele geschrieben. Kämpfe und Schlachten stehen in historischer Treue mit Tag und Stunde, Ort und Gelände wieder auf. Nicht so, wie man vielleicht die Ereignisse heute nach Jahren erst sieht. Gipfel und Abgründe stehen nebeneinander und immer die sturmfeste Treue der Kameradschaft dabei. Man hört das Herz der Front schlagen, den Quell seiner Kraft, die unsere unvergänglichen Siege schuf. Und ungewollt greift die soziale Frage ins Geschehen ein, das Denken der„vaterlandslosen Gesellen". Das Buch hat allen etwas zu sagen: Dem Soldaten, dem Politiker, den schaffenden Deutschen aller Stände. Der heranwachsenden Jugend ist es das Erbe der Front! Adolf Hitler." Zöberlein hat den Literaturpreis der Stadt München bekommen. Nach dem Vorwort kein Wunder. Man wird zugeben müssen, daß Hitlers Prosa einen die Schwierigkeiten der deutschen Sprache von Grund auf lehrt. Die&stahl schÜmmec als Raulmocd „Ethik der Germanen" ist folgender Aphorismus, der von einer Korrespondenz an Leys Gewerkschaftspresse geht, überschrieben:„Namentlich in den nordischen Ländern Europas wurde ehemals der Diebstahl weit strenger bestraft als Raub oder Mord. Man sagte sich nämlich, Diebstahl und Raub sind eigentlich dasselbe, und da das erstere Verbrechen mit Hinterlist und Tücke verbunden ist, so war es dem geraden und offenen Sinn der Germanen verdammenswerter als der Raub..." Man soll doch wirklich nicht sagen, Hitler täte nichts für die Aufklärung der Deutsche«, tui indisches 3Jfecd dcänqt sich voc Der Rassenhygiene Nazideutschlands ist schon wieder ein Betriebsunfall zugestoßen. Nachdem mit schwerer Mühe herausgeklügelt worden war, daß nur die kleinen jüdischen Bankangestellten Untermenschen sind und aufs Pflaster geworfen werden müssen, während jüdische Bankdirektoren und Industriemagnaten„nicht genieret werden sollen", ergab sich ein ähnlicher Konflikt in der Tierwelt. Die bekannte Anekdote von dem jüdischen Pferd, das sich vordrängt, wurde im„dritten Reith" plötzlich zu einem sehr ernsten Problem, das die Herren Rassentheoretiker zu angestrengtem Nachdenken zwang. Das Resultat dieser geistigen Bemühungen liegt nun in den„Richtlinien" vor, die das preußische Ministerium des Innern für das kommende Pferderennjahr herausgegeben hat. In diesen Richtlinien heißt es: Nichtarier dürfen künftig nicht mehr als Reiter oder Herrenreiter zugelassen werden. Dagegen sind nichtarische Besitzer von Rennpferden in keiner Weise zu beschränken. So, jetzt ist das freche jüdische Pferd, das sieh so unverschämt vorgedrängt hat, in seine Schranken gewiesen worden. Zwar könnte man einwenden, daß doch gerade die Nazitheorie lautet: In der Rasse liegt die Schweinerei, und daß infolgedessen zwischen dem jüdischen Jockei und dem jüdischen Rennstallbesitzer keinerlei Unterschied bestehe als höchstens der, daß der Jockei durch seine Reitkunst etwas leistet, der Rennstallbesitzer hingegen eben nur besitzt— aber just dieser letztere Umstand hat sich als der stärkere erwiesen, stärker sogar als alle Rassentheorien. Gerade weil der Rennstallbesitzer ein Besißer ist, bricht sein Besitzrecht, das Rassenrecht, und die Rassenprüfung findet demgemäß nur bei dem besitzlosen Jockei statt, bei dem arbeitenden Menschen. Und allenfalls noch beim Pferd... Es ist zu hoffen, daß die jeßige große Gärung den Abschaum auswirft und abwirft und die Selbständigen fördert, g e u m e. Rußlands Optimismus r*sr zweite Fünf jahresplan und sein Aufstiegswille î'e Telegrafen-Agenkur der Sowjetunion veröffentlich! die Grundzüge des zweiten Fünfjahres Planes, der auf den Ergebnissen des ersten KünijahreS- Plane» gegründet ist Der jetzt aufgestellte Plan sieht eine Stetgerung des R e a l l o h n e s und eine Hebung »es Konsum-Niveaus um das 2'/,. bi»»fache vor Am Ende des zweiten Fünsjahresplanes soll der Wtedcrautbau der sowjctrussischen Volkswirtschaft durch, geführt sein. . 5^"^.îlbschnitt der Grundsätze befaßt sich mit dem technischen Wiederaufbau der russischen Volkswirtschaft. Am Ende de? zweiten Fünsjahresplanes soll die Erzeugung der G e s a m t i n d u st r i e einen Wert von 108 Milliarden Rubel haben lPreise von 1920 bis 1937); am Ende des ersten Fünsjahresplanes betrug er 48 Milliarden. Im Vergleich zur Vorkriegshöhe bedeute das eine Steigerung um das Steuntache. Um ein solches Programm durchzuführen, sei natürlich, so heißt es weiter, eie Neuausrüstung aller Zweige der Volks- wittschaft notwendig. Man habe sich das Ziel gesteckt, daß im Jahre 1987 ungefähr 80 Prozent der gesamten In- dustriecrzcugung aus Neubetriebcn stammen, die während des elften und zweiten Fünsjahresplanes erbaut oder voll- ständig überholt worden seien. Während des zweiten Fünf- jahresplanes soll die Erzeugung der Landwirt- schüft um ein Zweifaches im Verhältnis zum er ft en Fünfjahresplan gesteigert werden. Das Ergebnis der Viehzucht soll um 22l> Prozent gesteigert werden. Auch die Aerkehrsverhältnisse sollen iväh- Ailge rend deS kommenden Wirtschaftsabschnitts bebeutend ver- bessert werden. Der Lokomottv und Waggonpark wird be- deutend vergrößert. Neue Eisenbahnlinien und neue Wasserstraßen werden gebaut bzw. bestehende verlängert. Der zweite Abschnitt der Grundsätze befaßt sich mit den Neubauten im zweiten Fünsjahresplan. Die großen Industriezentren sollen in wohlorganisierte Städte um- gcivandelt werden. In dem letzten Teil der Grundsätze wird daraus hin- gewiesen, daß am Ende des zweiten Fünsjahresplanes der Kapitalismus in Sowjetrußland gänzlich beseitigt sein soll. Von dem Bericht über den VolkSmirtschaftsplan 1984 ist jetzt eine ausführliche Fassung veröffentlicht worden. Im Volkdivirtschaitsplan 1934 sei vorgesehen, daß die Produk- tion der Großindustrie um weitere 21 Prozent gesteigert werde. Die Stromerzeugung werde auf 19 Milliarden Kilo Wattstunden gesteigert werden. Auf dem Gebiete der Land- Wirtschaft werde man sowohl den Ertrag an Getreide als auch den der Jndustriepflanzen-Kulturen, vor allem Baum wolle, Flachs und Zuckerrüben, steigern. Man werde 640 neue Traktorenstationen schaffen; der Traktorenpark werde um 43 Prozent vergröbert werde». Eine Entöechnng f>at der Privatdozent Held- Kiel gemacht. Er hat nämlich gesunden, daß der Versailler Vertrag gar kein Vertrag ist. Er meint,„daß der Friede von Versailles ein Vertrag zwi- schen den Alliierten, Deutschland gegenüber jedoch kein Ver- trag, sondern eine durch einen Gesamtakt, Diktat- und Unter- merfungsakt, geschaffene Rechtsorganisation ist, aus der sich, besonders infolge ihrer innerstaatlichen Geltung, Rechte und Pflichten ergeben, die aber nicht kontraktlicher Natur sind... Unter dem Formalfrieden von Versailles verbirgt sich der zweite Abschnitt des Weltkrieges." Held ist stolz darauf, daß er diese Meinung schon vor ein paar Jahren vertreten habe Er wiederholt sie nun, wahrscheinlich, um auf sich aufmerk- sam zu machen, damit er endlich Ordinarius werde. Ueber die persönliche Seite hinaus aber ist die Sache sehr interessant, denn— andere Gelehrte schlössen sich setner Meinung an— HeldS Standpunkt ist der der deutschen Regierung, zwar nicht offiziell, aber tatsächlich. Alle ihre Handlungen sind von da aus verständlich. Man fühlt sich im Kriegszustand, im zweiten Abschnitt des Weltkriegs. «>»« Dodelstiiwingh erneut Reidisblsdioi? Berlin, 4. Jan. jJnpreß.j Der Konflikt in der evange- tische» Kirche rückt in sein entscheidendes Stadium. Die Op- position verlangt den Rücktritt des Reichobischos» Müller. An seine Stelle soll der Pastor Dr. Friedrich von Bodelschwingh treten, der bekanntlich Mitte dieses Jahres als erster Reichsbischof gewählt war und ans Nazi« druck znrücktrat. Weigert Müller sich, zurückzutreten, so tancht die Möglichkeit ans, daß die Opposition in der Person Bodel- schwinghS einen zweiten Reichsbischos bestimmt. * In die evangelische Kirchcnregierung sind als Spezial» reserenten Pfarrer Krumm acher aus Esicn-Wcrden und der rheinische Landespfarrer D. Overheid berufen wor» den. D. Krummacher ist der Ausländsabteilung zugeteilt ivorden. An die Stelle des von seiner bisherigen Tätigkeit einstweilig beurlaubten D. Overhcid wurde der Koblenzer Generalsuperintendent Stoltcnhoff zur Führung der Geschäfte im Rheinland bestellt. Rücktritt der Bischöfe! Die„Tat" schreibt:„Nachdem das katholische Volk über die Vorbehalte seiner Bischöse zur Tagesordnung übergegangen ist, wäre es an der Zeit die Frage zu stellen, wann die nicht mehr zeitgemäßen Bischöse sich endlich zurückziehen und die Führung einem geeigneteren Koadjutor anvertrauen. Vom katholischen Volk und vom deutschen Klerus her wäre diese Frage zur Entscheidung und zur rechten Lösung reif. Aber der Einfluß der römischen Kurie macht sich bereits jetzt hemmend bemerkbar. Im italienischen Rom hat man die Wahl vom 12. November besser verstanden als im päpstlichen Rom. Die römischen Diplomaten sollten sich indes darüber klar sein, daß die Alternative, ob das katholische deutsche Volk in öffentlichen Angelegenheiten lieber dem Führer Adolf Hitler als dem Papst vertraut, z» verheerenden Folgen für die moralische Autorität der Kurie in Deutschland führen müßte. Und diese Alternative ist nicht mehr fern." Es ist wie wir sagten: nach den Judenverfolgungen— die Katholikenvcrsvlgungcn. Achiung, Eifern! Mein lugend heim, bedeui. vergrößert, be Un del sick jetzt in MARNES-LA COQUETTE, 3Grande Roe 20 Minuten Bahn'abrt vom Bahnhot St Lazare. Baris Telefon: Garche* Nr. 629. Große Villa mit riesigem Park, fließendes Wasser In ledern Zimmer, Zentralheizung usw Uberleitung In die kränz. Schulen. Gymnastik, Sport „ FRAU DR. BERG DKUTSCHE POLIKLINIK CheGrrt Prolet,o, WHN S TE N h ORDINATION DURCH SPBZIALXRZTE Mt lw>«re. ChtmrgHthr, Trauen, und Kinderkrankheiten. Haut, und Geschleehtikrankheiten. Augei». Ohreiw, Nasen, und Halskrankheiten. Geburtshilfe. 2) INNERE Klinik. ,» CHIRURGISCHE Klinik. 4) GEBURTSHILFLICHE und GYNÄKOLOGISCHE KLnik SanatoriuoM'GebJudc mit der allermodemsten Einrichtung. Womit beschäftigen sldi die rifldif linge in Paris? Reportage von J. Mssblsi An- und Verkauf zentraieuropäischer und südamerikanischer Devisen Effekten und REICHSMARK durch das Bankhaus Georges Perles ft P. Michel 34. RUE LAFFITTE PARIS IX TELEFON TAITBOUT»8-40 BIS 45 In den folgenden kleinen Berichten wird nicht die Rede sein von denjenigen Flüchtlingen, denen es gelungen ist, einen Teil ihres größeren oder kleineren Vermögens aus Deutschland zu retten. Man braucht nur die Cafés in der Gegend der Champs Elysées aufzusuchen, um dort diese Glücklicheren der Menschen anzutreffen. Wenn man da einen Augenblick vergißt, daß man in Paris ist, so fühlt man sich in die Atmosphäre von Häßler. Dobrin, Kempinski usw. versetzt. Dieselben Menschen. Natürlich fehlen da nicht die sattsam bekannten Wendriners. Man muß das alte lateinische Sprichwort etwas variieren: Die Zeiten ändern sich, aber nicht die Menschen. Es wäre auch ein sinnloses Unterfangen, wollte ich über die Beschäftigung dieses Teiles der deutschen Emigranten eine Reportage schreiben. Mit einem Satz würde alles gesagt sein: Die reicheren Emigranten leben von ihrem Kapital oder sie bemühen sich, ihr Vermögen sinsbringend anzulegen. Anders aber sieht es ans bei den Emigranten, besser gesagt. Flüchtlingen, die schon in Deutschland nicht zu der besitzenden Klasse gehört haben. Sie wohnen in kleinen, oft nicht allzu sauberen Hotels in den Gegenden von Bastille, Place de la Republique und Belleville. Der größte Teil der Flüchtlinge gehört längst nicht mehr zu den Kostkindern des„Nationalen Komitees". Sie sind gezwungen, irgendetwas zu beginnen, um nicht glatt zu verhungern. Also was fängt ein deutscher Flüchtling ohne Kapital, ohne Sprachkenntnisse im schönen Paris an? In einem kleinen Hotel bei Bastille wohnen fünf Flüchtlinge: vier Junggesellen und eine junge Dame. Ich klopfe im Zimmer Nr. 5 an. Ein blasser junger Mann mit etwas unbeholfenen Manieren empfängt mich. Er ist anfangs etwas mißtrauisch. Gewinnt aber langsam wieder Vertrauen und ich erfahre einiges aus seinem Leben. Student der Medizin. Stammt aus dem Osten. In Deutschland 10 Semester studiert und stand unmittelbar vor dem Examen. Dann kam Hitler. Flucht. Paris. Komitee. Müßiggang. Aussichtslosigkeit. Seit zwei Monaten keine Unterstützung mehr. Heute sitzt er 12 Stunden im kleinen Zimmer seines drittranglgen Hotels und packt Rasierklingen ein. Ein Gross Rasierklingen 2 Fr. Am Tage, d. h. in Inständiger Arbeit bringt man ei auf einen Verdienst von 10 Fr. Es ist sehr wenig, aber es schützt vor dem Verhungern. Im Zimmer Nr. 8 wohnt die junge Dame. War Stenotypistin und Korrespondent in bei einem jüdischen Rechtsanwalt einer deutschen Großstadt. Hitlerregime vertrieb ihren Chef. 20 Jahre lang hatte dieser Rechtsanwalt seine Praxis ausüben dürfen, war beliebt und geachtet in der ganzen Stadt. Und auf einmal verlor er alles. Er beging Selbstmord. Seilte Mitarbeiterin aber floh nach Paris, um hier ein neues Leben aufzubauen. Aber leicht gesagt. In der heutigen Zeit neu aufzubauen. Sie sitzt da und schreibt Adressen, von früh bis spät Adressen, Adressen. 1000 Adressen 20 Fr. Wenn man 1000 Stück fertig hat, ist man kein Mensch mehr, sondern ein Adressen-Automat. Aber nach der zehntausendsten glaubt die junge Dame reif zu sein für ein Sanatorium, pardon Irrenhaus. Man dürfe jedoch nicht ganz den Mut verlieren, tröstet sie mich noch, der ich von den ersten 2 Bege gnungen sehr niedergeschlagen zu sein schien. Im Zimmer Nr. 12 wohnt ein ehemaliger Direktor. Jawohl, er war Direktor einer angesehenen Versicherungsgesellschaft. Er beging aber ein großes Verbrechen and wurde entlassen. Er rettete etwas Geld und kam nach Paris. Wollte mit 5000 Fr., das war die große Summe, die er durch den Erlös seiner Möbel, die ein Nazi für ein Zehntel de« nominellen Werte« gekauft, erzielt hatte, in Pari« einen kleinen Laden aufmachen. Aber die 5000 Fr. sind langsam aufgezehrt und nun ist er Hausierer geworden. Geht von Haus zu Haus und bietet ein Stückchen Seife an. Wenn er Glück hat. das heißt, wenn von 100 aufgesuchten Kunden 10 je ein Stückchen Seife kaufen, hat er 5 Fr. verdient. Und dieser Mann hat vor 8 Monaten noch 1200 Mark, sprich 7200 Fr. monatlich verdient. Ja, Sie wollen wissen, was für ein Verbrechen dieser Mensch beging? Er wurde als Jude geboren. Im heutigen Deutschland ein größeres Verbrechen als Mord und Brandstiftung und Meineid. * In einem andern Hotel in der Nähe von Belleville erfahre ich, daß hier sechs„allemands" wohnen: zwei Ehepaare und vier Junggesellen. Ich treffe nur die Ehepaare zu Hause an. In Zimmer Nr. 34 wohnt ein Ehepaar mit vier Kindern. Ein unsagbares Elendsbild tut sich vor meinen Augen auf. Der Vater, ein Mann in den Vierzigern mit einem typischen Gelehrtenkopf— ich erfuhr später, daß er in Deutschland Dozent war und nahe davor stand, zum ordentlichen Professor ernannt zu werden— saß da und schälte Kartoffeln! Seine Frau, eine hübsche Frau in den Dreißigern, die jedoch durch die Geschehnisse der letzten Monate sehr gelitten hat und älter aussieht, sitzt bei der Maschine und näht Kinderschiirzen. Für ein Dutzend solcher Schürzen zahlt man 9 Fr. Bei 12stiindiger Arbeit kann man es auf iwei Dutzend bringen— 18 Fr. Das ist das Miniraum, das die sechsköpfige Gelehrtenfamilie braucht, um nicht Hungers zu sterben. Die Frau, die die Tochter eines bekannten Münchener Sanitätsrates ist, der übrigens audi seine Kassenpraxis verloren hat und somit die Existenz, hat in ihrem ganzen Leben keine Schürzen genäht. In diesem dunklen Hotelzimmer mit den verrußten Wänden, die mit ekelhaften Tapeten bespannt sind— exotische Vögel mit Nymphen sind da herrlich kitschig gemalt—, herrscht stille Not, unsagbare Resignation. Man hat sich zum Schein ins Unvermeidliche gefügt. Aber das Elend frißt und nagt an dem Leben solcher Menschen und vernichtet es vor der Zelt. Ich war derart entmutigt, daß ich an diesem Tage keine weiteren Besuche machen konnte. Der Concierge erzählte mir, daß der Patron ihm Verboten habe, in Zukunft Zimmer an„allemands" zu vermieten. Weil sie so schlecht zahlen. Er selbst könne aber die„allemands" gut leiden. Es seien stille, ruhige und anständige Menschen. Zwei junge Leute, meinte der gutmütige Hausmeister, hätten sich letztens gut herausgemacht. Sie gingen hausieren mit Strümpfen und Krawatten. Mit Freude zeigte er mir 2 wunderschöne kunst- seidene Selbstbinder, die er bei ihnen für sehr billiges Geld erstanden hätte. 10 Fr. das Stück.„Fies bon-marché, pure soi«." * Tags darauf besuchte ich ein Hotel in der Gegend von place d'Italie. Sieben deutsche Flüchtlinge wohnen da. Ith klopfe beim ersten an. Ein ungefähr SOjähriger öffnete mir und erteilte mir in einem gewählten Deutsch gern Auskunft. Er war in Haniburg Abteilungschef in einem Warenhaus. Hitler ließ das Warenhaus bestehen. Die jüdischen Großaktionäre blieben weiter Aktionäre. Aber die jüdischen Angestellten duldete er als Sozialist nicht. Die wurden entlassen. Da er eine christliche Freundin hatte, ein sehr schönes Mädchen, um die ihn seine nichtjüdischen Kollegen sehr beneideten, genoß er die Hiebe der SA. im braunen Hanse.„Hier in Paris lebt man wohl in dieser Beziehung ruhig. Das nackte Leben hat man gerettet. Aber bei diesem Vegetieren geht man langsam xu Grunde." Ich erfahre, daß er auch zu den Krawatten-Hausierern zählt. Ein Hausierer- gewerbe, das hier nicht viel einbringt. In Zimmer Nr. 12 wohnt ein jüdischer Kapellmeister. Stammt aus Ungarn. War 20 Jahre in Deutschland tätig. Ist hier mit seiner ököpfigen Familie. Nach langen Hungertagen haben die Söhne, die auch Musiker sind, endlich ein wenig Beschäftigung gefunden. Sie gehen Klavier* und Geigen-Unterricht. Man hat jetzt ein Stück dien Brot. Aber die Not ist nach wie vor groß. Im Zimmer 16 wohnt eine junge Tänzerin. War Mitglied eines großen Opernhauses. Sie gibt jetzt bei einigen Familien Gymnastik-Unterricht. Bekommt dafür Mittagbrot und ein paar Franken. Am Abend treffe ich einige Leute in einem Café auf place de la République, wo vornehmlich Flüchtlinge aus Deutschland und die jüdischen Artisten der hiesigen jüdischen Theater verkehren. Dort sehe ich die bekannte Type der Berliner Theater- und Konzertsäle: Leibele. Der blinde Bürstenmacher, den der Blinden-Verein wegen seiner Rasse ausgestoßen hat. ist auch in Paris. Leibele nennt stell selbst Kunstenthusiast. Die größten Künstler der Welt, er nennt mir mit Genugtuung die Namen von Toscanini. Hubermann, Ebnann. Salvatini, Janings, Bruno Walter, haben seinen Enthusiasmus zu schätzen gewußt und sorgten dafür, daß der blinde Leo in der ersten Reihe bei ihren Vorstellungen saß. Nun ist er ein Opfer des Hitlerregimes und quält sich hier ab. Vielen Flüchtlingen ist es gelungen, als Handwerker einen Unterschlupf zu finden. Studenten sind als Geschirrwäscher in den Restaurants tätig. Ehemalige Akademiker haben Beschäftigung gefunden als Buchhalter, als Hauslehier. Einem Schauspieler ist es sogar gelungen, ein festes Engagement bei einem Theater zu finden. Ein anderer wieder, der in Deutschland auf der jüdischen Böhne tätig war, hausiert liier mit Tee und Kaffee und verdient sich schlecht und gerecht seinen Lebensunterhalt. Im großen und ganzen jedoch ist das Elend der Emigranten groß und ihre Zukunft sehr trübe und aussichtslos. Die Weltkrise hat auch Frankreich nicht verschont. Es ist sehr schwer, sich hier einzuordnen. Aber die Flüchtlinge wollen nicht untergehen. Sie kämpfen. Es ist der unheroische Daseinskampf, der hier zuweilen zum Martyrium wird, das Martyrium schuldloser Menschen, die Willkür und Barbarei ini .Unglück gestoßen hat. BWW.îïS Deuisclxe Poliklinik:£?&&£££ i) Allgemeine Konsultationen mit 9 SpetUUnm. b) Chirurgie c) GebnrtshilHichc Klinik d) ZaknarxtUdMS Kabinett Innere Medizin, Augen-, Ohren», Nasen» und Kehlkopfkrank» ZwdstöckigesJSatiatoriamsgebäude. Vierstöckiges Gebäude. Zimmer Zahn> und Mundchirurg»«. Gold» .leiten. Röntgen. Diathermie. Elektrotherapie Speziaibeband» Kleine, mittlere und große Chinir. mi* 1 bis ♦ Betten. 3 Aerzte, 3 Heb- und Porzellankronen.»Brücken, lung bei Blut». Harn» u. Geschlechtskrankheiten gie. Die aller modernste Einrichtung ammen und 2 Operationssäle. Kautschuk» Arbeiten Ordination täglich von 9—12 und 2—8; Sonntags und Feiertags von 10—12 und 2— 4 Uhr m Pas Neueste I» not unterrichteten politischen Kreisen erklärte man, daß b te russisch,französische u HandelSver- ■ r a ß®" c r 6 a«t i> 1 u t fl e it. die nach einer Unterbrechung am 2». Dezember wieder ausgenommen worden waren, kurz f.®* de«. Abschluß stehen und daß ein Abkommen Voraussicht- tich schon am kommenden Montag im französischen Handels- muttstcnum unterzeichnet werde. Gelegentlich einer Ve- sprcchnng am vergangenen Tamstag wurde bereits eine ganze .lnzahl v t Artikeln von Seit Verhandlungspartnern angenommen. Man betont jedoch, daß zwei wichtige fragen noch einer Ncglung bedürfen. Aus Beranlasiong des Pariser Untersuchungsrichters ist der Direktor des OfficeNational de Tourisme, Paul ?î.â 1 1.°ö. h eines vom französischen Ministerium für ^ öffentliche Arbeiten unterstützten Unternehmens zum Aus- bau des Fremdenverkehrs und der Verwalter der Hotel- gesellschast von Albe wegen Veamtenbestcchung unter An- klage gestellt worden, Im Verlaus einer Untersuchung über dte Baukosten des netten Gebäudes des Office National de Tourisme wurde festgestellt, dast der Direktor Vallat von dem Verwalter der Hotelgesellschaft von Albe einen Scheck in Höhe von 281)'Hill Franken entgegengenommen hatte und dafür ein Hotel von Albe im Namen des Office für einen unangemessen hohen Preis mietete. Auf der Strecke Fnsiesto- Oviedo in Spanien explodierte der Kessel der Lokomotive? er wurde etwa 80 Meter weit fortgeschleudert. Der Lokomotivführer war aus der Stelle tot, während der Heizer und der Zugführer lebensgefährliche Verletzungen erlitten, t0 Reisende wurden ebenfalls mehr oder weniger schwer verletzt. pariser verkkte pariser StraSenkalcnklcr Ein Parisrr Theater, das Empire, das dem Meister- scbwindler von Bayonne, dem Rumänen Stavisky gehörte, wurde infolge des Versehwindens seines Prinzipals geschlossen. Der Statthalter des Rumänen M. Hayolte, ein junger Herr von 32 Jahren, versehwand gleichfalls. * Es stellt sieh heraus, daß der rumänische Schwindler Stavisky immer mit mehreren hocheleganten Frauen, darunter aueh seiner legitimen, in den Luxuslokalen verkehrte und gewöhnlich 100 Fr. Trinkgelder gab. * Die Avenue de Neuilly wird gegenwärtig durch Umpflanzen der Bäume erheblich verbreitert. * Die französische Kammer trat am 4. Januar wieder zusammen. Durch den Tantenmord in Boulogne hat sich ein wahres Strindberg-Drama ereignet. Ein alterndes Mädchen aus sehr vornehmer und wohlhabender Familie Constance Pierrot, eine Komponistin. tötete die 67jährige Frau, weil sie ,.ihr ganzes Lehen verdorben hatte" durch Schläge mit einer Marmorvase infolge eines Streits. Dann führte sie den Hund hinaus und machte Einkäufe. Als die Tante viel Blut verlor, gab sie ihr noch zwei Morphiumspritzen. ♦ Bruno Waller ist in Paris aus Amerika eingetroffen. Et wird bekanntlich in der Pariser Oper(am 26. April) die ^ iener Philharmoniker dirigieren, was eins der größten Musikereignisse des Jahres wird. * In Frankreich haben vom 1. Januar bis 1. Oktober 1933 die Ehen um 3200 zugenommen, die Scheidungen um 800 abgenommen. Aber auch die Geburten haben um 33 000 abgenommen. Die Bevölkerung nahm um 27 400 zu(i. V. 4.3 000). Pelze-Iraner Q7 Grand'rue v ff y nur I. Stock STRASBOURG Grosse Auswahl In Pelz- kragen ab 20 Fr., Pelz- jaquettes ab 175 Fr., Pelzmäntel ab 350 Fr., Isab.- und Skunksfüchse ab 150 Fr., Skunks-Colliers und Echarpes ab 200 Fr. Reparatur. SfPh Ersparnisse 1421 Sine der stärksten Seefnnkstationen der Welt, Radio St. R a z a i r e, soll gegen Ostern in Betrieb ge- setzt werden. Der neue Sender wird mit allen aus dem Ozean verkehrenden Schiffen und mit allen amerikanischen Sendern in unmittelbare Verbindung treten können, ohne daß es wie bisher notwendig fein wird, die Hilfe der mäch- tigen englischen Sender in Anspruch zu nehmen. Der neue französische Sender wird für Frankreich dieselbe Aufgabe zu erfülle« haben wie die deutsche Seesunkwarte Norddeich. Nachdem Finnland es abgelehnt hat, eine Uebergangs- reglung für die Zwischenzeit bis zum Ablauf des deutsch- finnischen Handelsabkommens zu schaffen, ist oo» deutscher amtlicher Seite dieSinstellungderButtereinsuhr ans Finnland angeordnet worden. In der Frage der Wiedereinsetzung der aktivistischen Veamten ist es im belgischen M i n i st e r r a t zu einer Einigung gekommen, so daß eine Kabinettskrise oer- mieden wurde. Wußte» Sie.... .... daß das einzige Pferdemuseum der Welt sielt in S a u m u r befindet, der Stadt an der Loire, die ebenso be- tühmt ist durch ihren Anjou-Wein wie durch ihre Reitschule? .... daß auf der Insel Mont Saint-Mi eh e I, die das„Wunder des Occidents" genannt wird, ausschließlich der Fischfang zu Fuß betrieben wird? Bei Ebbe zieht der Fischer aus, um seine Netze auszulegen, bei Eintritt der nächsten Ebbe holt er die gefüllten Netze heim. .... daß der echte Baske nicht nur dir Baskenmütze trägt, die ihm die ganze Welt nachgemacht hat, sondern audi seine „Makhila" mit sich führt? Das ist ein kunstvoll gearbeiteter und zum Teil mit Metall beschlagener Holzstock, dessen schönste Exemplare man u. a. im Baskischen Museum in Bayonne sieht. .... daß Henri IV., ebenso berühmt durch seinen Bart wie durch seine Lettres d'amour, im Sdtloß in P a u geboren ist, wo jetzt der Boulevard der Pyrenäen beginnt? Noch heut befindet sich in diesem Schlosse seine Wiege, die aus einer riesigen Sdiildkrötenschale geformt ist. .... daß die ersten Christen in Frankreich in Poitiers gebetet haben, im Baptisterium St. Jean aus dem 4. Jahrhundert, das noch heut in seiner Architektur erhalten ist und eine der Hauptsehenswürdigkeiten dieser Stadt der romanischen Kirchen darstellt? .... daß es in Frankreich einen„Jahrmarkt der Diebe" gibt? Alljährlich einmal, am 8. Dezember, darf jeder von den Auslagen der Stände stehlen, was ihm behagt. Nur darf er steh dabei nicht ertappen lassen, sonst muß er bezahlen. Dieses Fest der Diebe ist eine alte Tradition von Sables d' O I o n n e am Ozean, das wegen seines feinsandigen Strandes„das Paradies der Kinder" heißt. Verbrannte ßQdier Dr. Klaus Berger, früherer Stadtbibliothekar in Berlin, spricht am Samstag, dem 6. Januar, um 21 Uhr im Deutschen Klub zu Paris über„Verbrannte Bücher". Dr. Berger wird erklären: 1. welche Werke durch die Aktion des Börsenbuchhändlervereins verfemt wurden; 2. welche Bücher auf den Scheiterhaufen kamen; 3. welche Bücher aus den Bibliotheken verbannt wurden; 4. welche Werke heute noch zugelassen sind. Anschließend trägt die Schauspielerin Gerda Redlich, die früher in Berlin in den„Katakomben" auftrat, aus verbrannten Büchern vor. Im zweiten Teil des Abends: Geselliges Beisammensein mit Tanz. Gäste sehr gern willkommen. Es wird um 5 Franken zur Deckung der Unkosten gebeten(von Stellungslosen 2 Fr.). Die Adresse des Deutschen Klubs lautet: 64. Rue du Rocher(Sondereingang: Université du Parthenon), Paris 8" (am Bahnhof St. Lazare). Anmeldungen oder Auskünfte nur mündlich Samstag abends oder schriftlich, nie im Laufe der Woche und nie telefonisch. Ein Ritualmord-Drama in Paris Im Theater Albert I.(Rue du Rocher) wird, wie gemeldet, eine Gruppe deutscher Schauspieler am 7. Januar Arnold Zweigs Ritualmord-Drama„D ie Sendung Semaels in einer dramaturgischen Neubearbeitung erstaufführen. Die Darsteller, die sämtlich Flüchtlinge sind, haben unter größten persönlichen Opfern die Probenarbeit durchgeführt. Sie hoffen, daß Zweigs heute wieder und gerade heute aktuelles Stück sowohl in den befreundeten französischen wie in den Kreisen der deutschen Réfugiés großes Interesse finden wird. Das Tanzdrama gegen den Krieg Kurt Jooß mit seiner Tanzgruppe hat mit der Premiere seines neuen Programms im Théâtre des Champs- Elysées einen sensationellen Erfolg gehabt. Dafl Programm., das vor allem Jooß' Hauptwerk, das Anti-Kriegs*! anzdrama „Der grüne Tisch" enthä't, wird bis zum 7. Januar weitergespielt(allabendlich 21 Uhr). Am 8. Januar beginnt das zweite Programm, das u. a. die Erstaufführung des „V erlorenen Sohnes" von Prokoffief enthält. Wie werden über beide Programme berichten. W assermann-Premiere Es ist erwähnenswert, daß das Schauspiel des toten Caspar Hauser-Dichters Jacob Wassermann„Lukardis demnächst iin Theatre du Vieux-Colombier zu Paris gespielt wird. Diese Premiere, in der Hebersetzung von Helene Chaudoir, war schon vor dem Tode des großen Meisters des Seelenromatif angesetzt. BRIEFKASTEN Pilse«. Tank! Alles wird verwandt. Ter Expedition habe» wir ein« entsprechende Anweisung gegeben. Ihre Glückwünsche erwidern wir herzlich. Maastricht. Mit Tank erhalten. Es war Uns schon durch ein« Bert sssentlichung der Staatspolizei bekannt geworden, daß am Riedel- rhein Hltlerbilder von Hand zu Hand gehen, auf denen das Haupthaar de»„Führers" durch die Köpfe von Lenin, Zentkin und Stalin bedeckt ist. Es ist unerfindlich, was die kommunistischen Heroen mit Hitlers Kops zn tun haben. Tie Staatspolizei tut recht daran, wenn sie gegen die Verunzierung der großen Revolutionäre ein» schreitet. Wilhelm oo« Scholz. ES tut uns leid: wir haben diesen Maint, der bis zum 40. Januar noch nichts von seinem hellodernden Be- kenntnis zum„dritten Reich" wußte, jüngst im Briefkasten zu sanft behandelt. Er schreibt jetzt unter anderem im Buchhändler-Börsen- blatt zur Rettung des versinkenden deutschen Buchhandels:.„In der Hauptsache haben es die Buchhändler mit In der Hand, dafür zu wirken, daß auch das Ausland Teutschland richtig sehe, sich nicht von internationalen Emigranten das alte falsche Bild weiter ans- nötigen läge." Wir begnügen uns mit der Wiedergabe einer alten Anekdote: Ein sehr literarischer Spezialarzt, der als waschechter Arier immer noch im Reich Profegor sein dars, sagte einmal über den Scholz: Eine Reihe von Spezialisten der Troventrankheiten ist der Ueberzeugung, daß die Schlafkrankheit nach Afrika durch ein paar Romane des W. von Scholz eingeführt wurde. Wenn es ge- singt, diese Romane zu entfernen, dann habe man auch die Bazillen der Schlafkrankheit entfernt.— In der gleichen Rundfrage plädiert Herr Steguweit für Milde:„Laßt uns verzeihen!" und„Seien wir deutsch und mithin gnädig und gütig: Nie viele Schupomänner haben SA.-Männer arretieren nsiigen, obzivar das Herz ein andres Urteil sprach! Will sagen: Wieviele Buchhändler legten Jobst Blunck, Hiller, Jünger, Vesper oder auch mich nicht ins Fenster, weil die Scheibe bei keiner Glasversicherung angemeldet war!"— Ter gute Steguweit, einst am.Stadt-Anzeiger" zur.^kölnische« Zeitung", heut Razl-Feuilletonchef des„Westdeutschen Beobachter«", überschätzt sich. Tie Buchhändler, die seine Bücher ausstellten, waren keine Verkausspsnchologen. Von der modernen Oualitätswerbung wußten sie jedenfalls nichts. Für den Gesamiinhalt verantwortlich: Johann P i tz in Dud- iveiler: für Inserate: Otto S n I> n in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH., Saarbrücken 3, Schützenstraße S. 50000 9v. zwecks Beteiligung zn der Ausbeutung von Vertretungen in der Elektroindustrie gesucht. Detaillierte Offerten an: PUBL. 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