Nr. 80. Abonnements-Zedingungen: Abonnements-Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,S0 Ml., monatl. 1,10 wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags« Nummer mit illustrirter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3L0 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- ZettungS- Preisliste für 1S97 unter Nr. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für daS übrige Ausland 3 Marl pro Monat. 14. Jahrg. Die Inftrtwns- Gebühr beträgt für die fechSgefpaltene Kolonsl- »eile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und VerfammlungS-Anzeigen, foiote ArbeitSmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen biS 4 Uhr nachmittag« in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 2 Uhr vormittags geössnet. Erscheint täglich ausser Wonlag«. Vevliner VolksblÄkk. Fernsprecher: Nml l, Nr. Io08. Telegramm- Adresse: «Soiialdrinoltrat Berlin". Dentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Med,»d Ho»: SW. 19, Wenly-Straße 2. Sonntag, den 4. April 1897'. KjrpediHoit: SW. 19, Meuth-Straße 3. Bunt 1. Mni rüstet das klasseiibeivußte Proletariat der Kulturwelt, und darob empfinden die eugderzigen und hohlschädligen FkNldc der Arbeiter und der Arbeit— Feinde der Arbeit nieist im doppelteil Sinn— einen ähnlichen Zorn wie der Mops der Fabel beim Anblick des strahlenden Gestirns, das ohne seine Erlanbniß und unbekümmert um ihn majestätisch die Nacht erleuchtet und seine Bahn wandelt. Dem 1. April folgt naturgemäß der 1. Mai— dem Tag der Narren, Protzen und Blut- und Eisenmenschen der Tag des Volkes, das für seine und der Wienschheit Befreiung ringt. Den Narren, Protzen und Blut- und Eisenmenschen mißfällt das begreiflicherweise; sie wollen, daß der 1. April den 1. Mai auslösche, und daß das Volk das ganze Jahr hin- durch in den April geschickt werde. Um jeden Preis sollen die Arbeiter verhindert werden, das Fest der Arbeit zu feiern. Und heute erfahren wir— zittre Byzantium!— die fürchterliche Botschaft, daß die deutschen Arbeitgeber-Ver- bände beschlossen haben, am 1. Mai arbeiten zu lassen und jeden Arbeiter, der nicht arbeitet, anfs Pstaster zu setzen. Sehr schön das! Sehr schön, und— sehr gleichgiltig. Von den deutschen Arbeitgcber-Verbändeu haben wir nichts anderes erwartet, nichts anderes erwarten können. Seit Jahr- zehnten, das heißt seit es in Teutschland eine Großindustrie giebt, wissen wir, daß unter allen Arbeitgebern der Erde der deutsche— von zum Glück zahlreichen Ausnahmen abgesehen— politisch, intellektuell und in bezug auf Charakter den untersten Platz einnimmt. Es liegt das an der mangelhafteil Entwicklung und der ihr entsprechenden mangelhaften Bildung des deutscheu Bürgerthums. Das deutsche Bnrgerthnm hat — theils mit, theils ohne seine Schuld— im Staate niemals die entscheidende Rolle gespielt, wie das sranzösische und eng- liche Bürgerthum. Es hat nicht verstanden, die Herrschaft zu erobern, und es nie über die Bedientenstellung gebracht. Es nicht bringen wollen, denn das ist ja das Wesen der Be- dientenhaftigkeit, daß sie auf sich selbst stolz ist, init Wollust in ihrer eigenen Erniedrigung schwelgt. Diese Kuechtsseligkeit, die dem deutschen Bürgerthum innewohnt, ist in keinem anderen Lande zu fniden. Wohl hat es auch in andereil Ländern, z. B. in Frankreich, Zeiten gegeben, wo das Bürgerthum sich irgend einem roheil Patron in die Arme warf und ihm alle Staatsmacht zur Verfügung stellte, damit er es gegen die sozialistische Gefahr schütze. Allein, das war gewissermaßen eine geschäftliche Operation, ein auf Gegen- seitigkeit beruhendes Kans- und Handelsgeschäft:„Hier hast Du Soldaten, Polizei und Gold, soviel Dein Herz verlangt— dafür bist Du unser Gensdarm, unser bezahlter Gensdarm, der all unsere Schmutz- und Blutarbeit zu verrichten hat." So war's in Frankreich. Anders in Deiitschland. Hier wurde die Scrvilität in ein System gebracht. Aus den dunkelsten Tagen des griechischen Byzantinerreichs wurde das politische Ideal hergeholt, die Heuchelei zur Bürgertngend erhoben, und dem Moloch der Gewalt, dem die französische Bourgeoisie nur ans Noth und voll innerer Verachtung sich beugte, inbrünstige Verehrung gezollt. Was ein Theil des deutschen Bürgerthums an Speichelleckerei einem Bis- marck gegenüber jahrzehntelang, in jüngster Zeit ivieder zum Jubiläum des unheilvollen�Dynastenkricges von 1870/7 l, und vor wenigen Tagen noch zur Hundertjahrfeier eines Mannes, unter dessen Regierung die Mehrheit des deutschen Volkes schwer zu leiden hat— was ein Theil des deutschen Bttrgerlhums, bei diesen Gelegenheiten und wo immer sonst sich ihm eine Ge- legcnheit bot, an Schweifwedelei und Schmeichelei geleistet hat, das war so über- und so u n t c r menschlich, daß die virtuosesten Byzantiner des Original-Byzantinerreichs sich vor Neid werden im Grabe herumgedreht haben. Die Blüthe und Krone dieses Bürgerthums ist der deutsche Arbeitgeber im Sinne und Geiste des Herrn v. Stumm. Der Bedientenhaftigkeit nach oben entspricht stets die Brutalität nach unten. Und der bedientenhaft vor den Gewalt- habern katzbuckelnde Arbeitgeber, dem die ohne jegliches per- sönliche Verdienst seinerseits in ihm verkörperte Macht des Kapitals eine Anzahl seiner Mitmenschen zur Ausbeutung überliefert hat, sieht in diesen seinen Mitmenschen hülslose Opfer, an denen er sein Müthchen ungestraft kühlen kann. So dürfen wir uns über die Brutalität gewisser deutscher Arbeitgeber- kreise nicht wundern. Sie erklärt' sich ans ihrer Bedienten- haftigkeit und ihrem Mangel an politischer und sonstiger Bil- dung. Ter englische und französische Arbeitgeber, obgleich es auch Ressögniers und Lord Penrhyns giebt, betrachtet und be- handelt von Person zu Person den Arbeiter als seinesgleichen— verkehrt mit ihm im Geschäfts- wie im Privatleben ans gleichem Fuß, wird nie einer Handlung sich schuldig machen, aus ivelcher zu schließen wäre, daß er in dem Arbeiter ein untergeordnetes Wesen erblickt. Ein König Stunim— das sagten ivir schon wiederholt— wäre in keinem anderen Lande möglich. Daß ein Arbeitgeber sich herausnimmt,„seinen" Arbeitern, das ist den Mitmenschen, von welchen er lebt, vorzuschreiben, wie sie denken, was sie lesen, ivas sie thun sollen— kurz daß er sich Ende des 19. Jahrhunderts die Vorrechte eines Grand Seigneur des 14. Jahrhunderts anmaßt, das wäre in anderen Ländern ein Freibrief fürs Irrenhaus. Daß aber ein Mann mit solchen Anschauungen gar eine politische Rolle spielen, ja „König des sozialen Reichs" sein kann— das zeugt von einer, Engländern und Franzosen einfach unfaßbaren Tiefe des Bildungsniveaus unserer herrschenden Klassen, zu denen jene Herren Arbeitgeber in vorderster Reihe gehören. Unter den Auspizien des„Königs" Stumm und seines landesverräthcrischen Freundes im Sachsenwalde ist die Scharfmachcrpolitik zur leitenden Politik der Arbeit- gcber gegen die Arbeiter gemacht worden; und, nachdem der sauberen Sippschaft die Aushungerung der Hamburger Hafen- arbciter gelungen ist, will sie jetzt am 1. Mai neue Lorbeeren gewinnen, und durch frivole Anfstachelnng zu einem Konflikt oder einer„Machtprobe" sich einen ivohlfeilen Triumph über die gesamnite deutsche Arbeiterschaft bereiten. Selbst Blätter, die sich in der Regel nicht zu schmutzigen Ar- beiten hergeben, wie die„Vossische Zeitung", helfen dem Geld- protzenthum in diesem frevelhaften Beginnen, indem sie die tausendmal widerlegte Lüge von neuem verbreiten, daß der Gedanke, die allgemeine A r b e i t s r n h e für den 1. Mai zu erzwingen, der Maifeier zu gründe liege und von ihr nicht zu trennen sei. Thatsächlich ist der Gedanke der allgemeinen Arbeitsrnhe von dem internationalen Arbeiterkongreß zu Paris, der 1889 das Weltfest der Arbeiter schuf, ausdrücklich anfs entschiedenste und mit überwältigender Majorität im Prinzip zu- rückgewiesen worden. Und gerade der Unsinn, den die„Vossischc Zeitung" heute wieder der Sozialdemokratie unterschiebt: „alle Räder" auf Kommando„still stehen" zu lassen— ist damals sehr klar und sehr kräftig als Unsinn gekennzeichnet worden. Die„Vossische Zeitung" braucht sich nicht den Kopf der Sozialdemokratie zu zerbrechen. Sie braucht auch nicht vor den deutschen Arbeitern das Gespenst verlorener Streiks heraufzubeschwören, wobei ihr das Mißgeschick zuflößt, den Bicrboykott als von uns verlorene„Kraftprobe" hinzustellen. Sie frage einmal den Abgeordneten R ö s i ck e— er wird sie eines anderen belehren. Jndeß das nur nebenbei. Der Mond läßt sich durch kein Gebelle von seiner Bahn abbringen; und die deutsche Arbeiter- schaft verfolgt ihren Weg, ohne auf die Drohungen, Heraus- fordcrungen und Schimpfereien der Geldprotzenverbände zu acht«n. Sie feiert den 1. Mai genau so wie sie ihn seiern will. In dieser Frage ist unsere Taktik die nämliche wie in der allgemeinen Politik. Wir gehen unsere Wege— nicht die unserer Feinde. Wir fechten mit unseren Waffen, nicht mit denen unserer Feinde. Wir schlagen unsere Schlachten, nicht die unserer Feinde. Wir wählen unsere Schlachtfelder, nicht die, welche die Feinde uns anbieten. Das haben wir gegen den Fürsten Bismarck beobachtet. Wir stellten uns nicht vor seine Kanonen und Flinten; und ivir haben ihn überwunden. Er ist mit all seinen Macht- proben und Machtmitteln im Kampfe mit uns schmählich zn Fall gekommen. Die Herren der Arbeitgeber-Vcrbände mögen thun, was sie nicht lassen können. Die Aprilsnarren und Anbellcr des 1. Mai entgehen nicht dem Schicksal ihres Aprilhelden. polttifchv Avbevllchf. Berlin. 3. April 1897. Ans dem Reichstage. Die heutige Sitzung mußte sich mit sogenanntem parlamentarischen Kleinkram befassen, insofern nur Punkte auf der Tagesordnung standen, deren Schicksal bereits in früheren Sitzungen entschieden worden ist und welche nur mehr der formalen Eriedignng harren. Fast ohne Debatte wurden die beiden ersten Punkte der Tagesordnung— Rechnungen über den Hanshalt der Schutzgebiete und Rechnung über den Reichs- Haushalt 1893'94— erledigt. Hierauf kamen Wahlprüfnngen an die Reihe. Ohne Debatte fand der Antrag der Kommission, die Wahl des Zlbg. P e u s für giltig zn erklären, Annahme. lieber die Wahl des Abg. R e i ch in n t h beschloß die Kommission neue Erhebungen. Der Abg. G a m p wollte die- selben noch ans weitere Punkte ausdehnen, doch lehnte der Reichstag diesen Antrag ab, nachdem Singer das Neber- flüssige dieses Verlangens nachgewiesen. Der Autrag der Kommission wurde angenommen. Der Umstand, daß Anträge auf namentliche Abstimmungen, welche bv Unterschriften tragen müssen, ab und zu auch Unter- schriflen von Abgeordneten trugen, welche nicht im Hause an- wesend waren, hat zur Frage Anlaß gegeben, ob dieses Ver- fahren zulässig sei. Singer berichtete im Namen der Geschästsordnungs- Kommission, welche vorschlägt, daß„bei Anträgen auf Ver- tagung oder den Schluß der Debatte die Unterstützung nur durch Aufstehen geschehen darf". In einer längeren Debatte wetterten einige Abgeordnete, darunter besonders Dr. Bachem, gegen jene Kollegen, welche selbst dem Hause fern bleiben, aber durch schriftliche An- träge die Verhandlungen verzögern. Das Haus trat dem An- trage der Geschäftsordnungs-Kommission bei. Die hierauf vorgenommene namentliche Abstimmung über den§ 4 des Margarine-Gesetzentwnrfs ergab die Anwesenheit von 180 Abgeordneten, so daß auch heute das Hans nicht be- schlnßfähig war. Nächste Sitzung Montag 11 Uhr. Handels- gesetzbnch. Das preußische Abgcordnetenhans hat heute die Land- g e m e i ii d e- O r d ii u ii g für H e s s e n- N a s s a u in zweiter Berathung erledigt nnd ebenso wie bei der Stiidte-Ordiiuiig auch hier fast durchweg den reaktionären Koiimiissionsvorschlägeii zu- geftimiiit. Gegenüber der Regierungsvorlage wurde eine Besserung nur in s 45 eingeführt, welcher in seiner ursprünglichen Fassung bestimmte, daß ein kollegialischer Gemeiiidevorstand überhaupt nur in Landgemeinden mit mehr als 1200 Einwohueru durch Orts- statut eingesetzt werden kann. Nach den Koiniuissionsbeschlüssen mich ein kollegialischer Geiueiudevorstaud in Gsiiieiuden mit mehr als S00 Einwohner gebildet werden, außer wen» die Geiiieindevertretimg in zweimaliger Abstimmung mit Genehinigung des Krcisailsschusses davon Slbstaud nimmt. Außerdem soll auch in kleineren Landgemeinden durch Ortsstatnt ein kollegialischer Gemeiiidevorstand eingeführt werden kömieii. Gegen die Kommissionsforderuiig erhob der Minister des Innern Frhr. v. d. Recke lebhaften Widerspruch. Eine Annahme dieses Beschlusses, der das Prinzip der bureankratischen Verwaltung durch- breche, würde das Ziistandekouiine» der Vorlage gefährden. Während Abg. v. Pappen heiin(kons) Wiederherstellung der Regiernngs- vorläge beantragte, wandten sich die Älbgg. Wieterineycr(frs. Vg). Dr. L o t i ch i n s(natl.), Schaffner(natl.), H o f in a n n(natl), E» n e c c e r u s(natl.), K i r ch e r(Z.) und M e y e r(Riemsloh, Z.) gegen den Antrag v. Pappenheii», durch den die Bürgermeister in ein zu großes Abhängigkeitsverhältniß vom Landrath gebracht würden. Die Abstiminniig ergab schließlich die Annahme der Koiiiinisfloiis'fassnng, für die auch die Konservativen Dr. B e ck m a n n nnd v. Koller stiminteii. Falls nicht in der dritten Lesung noch einige Nationalliberale»mfaUen werden, so wird die Regierung entiveder auf die ganze Vorlage verzichten oder sie mit dieser ihr unangenehmen Bestiminung annehmen müssen. Nach Erledigung der hessischen Landgemeinde�Ordnung wurde der Gesetzentwurf betr. die 3! e i s e k o st e n und Tagegelder der Beamten zur nochmaligen Vorberathung au die Budget- koiinnission zurückverwiesen. Am Montag stehen kleinere Vorlagen und die dritte Lesung der hessischen Städte- und La»dge»>eindc-Ordu»iig zur Veralhung.— Auch nnf politischem Gebiet haben die Reaktionäre ihre„großen" und ihre„kleinen Mittel". Das„große Mittel" ist die Vcrnichtnng des allgemeinen Stiininrechts mit obligatem Staatsstreich. Der kleinen Mittel sind unzählige. Jeder Tag fördert neue ans Licht. So hat z. B. jetzt ein gewisser Dr. Hubrich den Vorschlag gemacht, die durch die R e i ch s v e r f a s s n n g g e w ä h r l e i st e t e Immunität der„wahrheitsgetreuen" Reichstags- und Kammer- berichte zwar formell bestehen zn lassen, hinter das Wort „wahrheitsgetreue" aber das Wort„gutgläubige" zn setzen. Dann würde jeder nicht wortgetreu,' Bericht— und keine Zeitung kann wortgetreue Berichte bringen— dem Strafrichter verfallen, wenn irgend eine nicht„gutgläubige" Färbung oder Spitze darin entdeckt wird. Und in welchem Bericht kann eine solche nicht entdeckt werden? Die An- »ahme des Hnbrich'schen Vorschlags, der die Billigung der „Kreuz-Zeitung" gefnnden hat, wäre das Ende der freien Parlaments- Berichterstattung. Und damit wäre die O e f f c u t l i ch k e i t der Parlamentsverhandlnngeu, in der ihre moralische Bedentung hauptsächlich liegt, so gut wie aus- gehoben. Es wird gut sein, auf diese neue Manlivurfsarbeit ein Auge zn haben.— Talmi-Proletarier. Die„Kreit,-Zeitung" thut so. als glaube sie, wir hätten mit diesem unsereui Wort in dem gestrigen Artikel über unseren verstorbeuen Freund Schulhe Genosse», die nicht Ar- beiter im engeren Sinne des Wortes sind, getroffen. Sie denkt jedenfalls an ein sozialistisches Pendant zu den Taluii-Chiisten und Talmi-Junker» nach ilirt des Freiherrn von und zu Haunnersteiii, dessen Geist noch iniiiier im Nedaklious-Oberstübchon der„Kreuz- Zeitung" spukt. Wer von uns gemeint war, das ist für jeden, der nicht Mißverstehen will, doch sehr deutlich gesagt.— Die Lage im Orient hat sich noch nicht geklärt. AnZ K o n st a II t i n o p e l meldet der Telegraph: Der Ministerrath beschäftigte sich heute mit dem Gerüchte, nach welchem angeblich für den 6. d. M. eine Aktion der Griechen bevor- stehen soll. Es winden außerordeniliche Militär- und Polizei- maßregeln beschlossen. Der Kommandireiide an der türkisch- griechischen Grenze, Edhem- Pascha, ist angewiesen worden, den Grenzdienst au diesem Tage zu verschärfen und kleine Heraus- forderungen nicht zu erwidern.— Iii Etwas und Bitlis, sowie im Vilajet Aleppo dauert die Bennruhigung sort. Ein Konstantinopcler Telegramm der Londoner„Morning Post" besagt: Vorgestern hat im Düdiz- Kiosk ein außerordentlicher Minister- rath über den Vorschlag des Sultans berathen, daß die 3!egieruiig die Autonomie Kreta's öffentlich verkünden nnd auch die Ernennung eines europäischen Gouverneurs genehmigen solle. Die Frage der Zurückziehung der türkischen Truppen von Kreta sei nicht zur Be« rathung gestände». Ans Athen liegen folgende Meldungen vor: Die Regierung dementirt die von den Blättern gebrachte Nachricht, daß die Blockade der griechischen Häfen in den nächsten Tagen begonnen werde. In derselben ossiziellen Note heißt es weiter, die Haltung der Regierung sei auch heute noch die gleiche, wie zn Beginn der Krise. Die Blätter fordern energisch die Regierung auf, der Türkei den Krieg zu erklären. Aus Kanea liegen die folgenden telegraphischen Nach- richten vor: Die Admirale einigten sich, die Vorschläge des Obersten Vassos, betreffend die Heransgabe der von ihm gefangen gehaltenen Türken anziiuehmen, einschließlich der Bedingung, daß denselben jede Theil» nähme an weiteren Kämpfen verboten sein soll. Als der russische Konsul Demerik mit den Aufständischen in3ie- timo unterhandeln wollte, ersuchte er den dortigen Untergouverneur,. acht Führer der Insurgenten nach Retimo koiiimen zn lassen. Der Untergouverneur gestattete darauf jedoch nur, daß die acht Führer' nach dem uahegelegeueu Dorfe Kube kämen. Als dieselben mit der Parlamentärflaggc daselbst erschienen, wurde ungeachtet der getroffenen Abmachung von Baschiboznks ans dieselben geschossen. Auf den energischen Protest des russischen Konsuls ließ der Untergouveriieur das Feuer einstellen. Heute Vormittag beschossen die Aufständischen, welche in be- trächilicher Zahl auf den Höhen Aufstellung genommen hatten, das Fort Butsunaria. Kapitän Perignon gab Befehl, gegen dieselbe» Geschützfeuer zu eröffnen. Nach dem achten Schusse zogen die Ans- ständischen sich zurück. Bei dem letzten Bombardement auf Jzzedin, welches 24 Stunden dauerte, wurde» durch die in der.Sndabai liegenden europäischen Schiffe ein Insurgent getödtct und vier leicht verwundet.— Chronik der Majestätsbcleidignngö-Prozesse. In Stettin wurde am I. April ivege» Majeftäcsbeteidigung der Eisenbahn- arbeiter Karl Uterhardt aus Pasewalk freigesprochen.— » ♦ * Deutsches Reich. — Ein„Preußischer Versicherungsbeirath" hat in de» letzten Tagen in Berlin eine Reihe von Sitzungen ab- gehalten. Es ist dies eine Körperschaft, die im Oktober v. I. durch Verfügung des Ministers des Innern, des Landwirthschasts- und des Handelsmiuisters errichtet worden ist. Die Mitglieder sind meistens Direktoren von Privat-Versicherungsgesellschaflen, die in diesem Beirath im Ehrenamt fuugire». Der Berstchernngsbeirath tritt nur auf Berufung durch den Minister zusammen, um in Ver- stcherungsangelegenheiten als Sachverständige zu dienen, Gutachten abzugeben. Anträge zil stellen zc. Bei der ersten Tagung dieser Körper- schafr, die vom LS. bis zun» 31. v. M. stattfand, wurden sieben A u s s ch ü s s e gebildet, und zwar: I. für Lebens-, Renten-, Militärdienst-, Aussteuer-, Arbeiter-, Volks- und Kautionsversicherung, sowie für Sterbe-, Pensious-, Unterstützungs-, Kranken- n. s. w Kassen mit elf Mitglieder»; 2. für Unfall- und Haftpflichtversicherung mit vier Mitgliedern; 3. für Feuerversicherung, sowie Versicherungen gegen Wasserschäden und Eindruchsdiebstahl mit sieben Mitgliedern; 4. für Transport-, Glas-, Valoren- und Fahrradversicheruug mit vier Mitgliedern; S. für Viehversicherung mit zwei Mitgliedern; 3. für Hagelversicherung mit sechs Mitgliedern; 7. für Rückversicherliug mit sechs Mitgliedern. Den zweiten und dritten Verhandlnngstag benutzten die an- ivesende» Lebensversicherungs-Direktoren zu Vorstößei» gegen mehrere in den Jahren 1332 und 1893 erlafsenen Ministerialverfügungen, die den Lebensversicherungs- Gesellschaften eine bestimmte, ausführliche Art der Rechnungslegung und die Aufstellung einer Reihe ausführ- licher statistischer Uebersichten vorschreiben. Es ist bekannt, daß niehrere in Preußen zugelassene ameri- ka irische LebenSversicherungs-Gesellschaften sich diesen Borschriften, die im Interesse der Versicherten nur zu billigen sind, nicht fügen»vollten oder konnten und sich deshalb Knall und all aus Preußen zurückziehen mußte». Nun haben auch die den ersicherungs- Beirath bildenden Direktoren sich gegen diese Statistiken»c., die ihnen unbequem sind, ausgesprochen. Wenn der Minister nachgeben»vürde,»väre das sehr zu bedauern.— — A n s dem Reiche T h i e l e n' s schreibt nian uns: Unterm 23. Avril 1393 Nr. IVb 3193 gab der Herr Minister der öffentlichen'Arbeiten einen Erlaß ai» die Eisenbahn- Direktionen Köln und Saarbrücken und auch zur»veiteren Kenntnißnahme sämmtlicher Direktionen heraus, daß es den Direktionen nach ihrem Ermessen frei stehe, den Statiousgehilfen eine Besoldung bis zur Höhe von 4,80 M. für den Tag zu gervähren. Infolge dieses Erlasses herrschte große Freude unter den Ge- Hilfen. Da nun seitens der betrefftndeu Direktionen frenvillig eine Aufbesserung der äußerst bescheidenen Tagesbesoldung nicht geschah, richteten die meisten Gehilfen Gesuche an die zu- stehenden Direktionen in den» guten Glauben, die vorgefetzte Behörde »vürde eine Aufbesserung der Tagesbesoldung von 23 Pf. pro Tag beivillige». Leider erhielte» die Bittsteller nach Wochen sage und schreibe zehn Pfennige Zulage. Die Statiousgehilfen sind Hilfsbeamte, müssen sich einer ein- gehenden Prüfung unterziehen, ehe sie im Eiseubahndienst beschäftigt »Verden und»verde» nach erfolgter Einstellung vereidigt. Dies« Gehilfen versehe»» fast ohne Ausnahme selbständigen Dienst,»vas aus folgendem Beispiele e>iti»ommen»verde» kann. I» einer Güter- abfertigungsstelle im Direktionsbezirk Magdeburg»verde» von zwölf Beamten,»velche in der Versandabtheilung arbeiten sollen, nur vier etatSmäßige Assistenten und acht Gehilfe» zur Beivältigung des großen Verkehrs herangezogen. Selbstredend giebt es für die Ueberstnuden,»velche geinachl»verde»»»üssen, für die Gehilsen keine Entschädigung. Aehnliche Verhältnisse bestehen auch bei anderen Dienststellen. Den Stations-Asststenten si>»d schon»vieder recht bedeutende Zulagen in Allssicht gestellt. Alle Jahre erhalten diese Beamten 10—14 Tage Urlaub zur Erholung. Während dieser Zeit müssen die Gehilfen die Arbeite»» mit verrichten, auch dann,»venn die Beamten erkraicken,»vas öfter vorkommt, da dieselben ihren Gehalt doch bekommen. Zu Weihnachten giebt es da»»»» für außerordentlich geleistete Dienste eine Belohnung in klingender Münze. Anders verhält es sich bei de» Gehilfen. Jfl der Gehilfe ge- zwungen, einige Tage Urlaub zu nehinen, so wird ihin die Tages- besoldung für diese Tage gestrichen. Wird der Gehilfe krank, so bekommt er für die ersten drei Tage nicht einmal Krankengeld. Kürzlich haben im Direktionsbezirk Magdeburg»vieder Lohn- aufbesseruugen stattgefunden, nachdem schon im Monat August 1393 »velche vorangegangen»varen. Säinmtliche Bedieiisteten haben etivas erhalten, nur die Gehilfen sind»vieder leer ausgegangen. Arbeiter,»velche nian»nit schriftlichen Arbeiten ii» den einzelnen Bureaus beschäftigt, und welche erst einige Jahre im Dienst sich be- finden, erhalten eine höhere Besoldung als»vie die Gehilfen,»velche zum größte» Theil eine Dienstzeit von 10—15 Jahren hinter sich haben. Ja, die Rangirarbeiter erhalten 8,60 M. und die Wagenputzer 2,90 M. Tagesbesolduug sogar. Muß dies>»icht für einen Stationsgehilfen, an dessen Arbeilen man doch eine» anderen Maß- stab legen»nuß, als an die eines Bahnhoss-ArbeiterS, nicht recht be- schämend sein? Ans der einen Seite ist der Gehilfe ein Beamter, auf der anderen Seite kommt er noch nicht einem Bahnhofsarbeiter gleich. Hier liegt eine Ztirttcksetzlnig vor, von der unmöglich der Herr Minister Wissen hat. Bei de» preußischen Staatsbahne» werden zirka 2000 Gehilfen beschäftigt»lnd 4500 Assistenten. Es»verde» 50pCt. mit einem Einkommen, das nicht der Hälfte des Einkoinmens eines Stations- assistenten gleichkoinmt, beschäftigt, und diese Hilfsbeamten erhalten nicht einmal»ach einer 10— 15 jährigen Dienstzeit den Satz von 4,30 M., »velchen der Herr Minister bewilligt hat. Man»vundert sich dann, daß solche Leute, die meistens ver- heirathet sind, unzufrieden werden. Es»väre nothwendig, daß die BesoldungSsätze für diese Gehilfen fest geregell»vürde», dainit sie nicht von der Laune eines Ober- beamten der betreffenden Direktion,»vo solche Mißstände herrschen, abhängig sind. Bei einigen Direktionen sind bereit? die Besoldungen erhöht. Persönliche Rücksprachen wegen Erhöhung der Besoldung werden mit den stereotypen Worten erledigt:„Wenn es ihnen zu»venig ist, dann können sie gehen". Recht nett! Abhilfe thut»oth.— — Ueber die Verabschiedung der Offiziere ver- öffentlicht das Militär-Wochenblatt einen Artikel, in dem bei Ver- theidigung des gegeilivärtige» Systems einige recht beachtenswerlhe Zugeständnisse gemacht»verde». Wir entnehmen dem Artikel die folgenden Stellen» Der Eingeweihte weiß, daß,>ve>»n auch hier und da Ungerech- tigkeiten vorkommen»nöge», in» allgemeinen dennoch in der Armee ein großes persönliches Wohlivollen die Regel ist und es dem betreffenden Vorgesetzten»ncistens recht schiver»vird, seinem ihm kameradschaftlich nahestehenden Untergebenen im Interesse des Dienstes die verhängnißvolle Eröffuung zu inachen, daß er für eine Höhere Stellung nicht geeignet erscheine. Daß recht häufig ein solcher Z>v a„ g ausgeübt»verde» muß, ist zu bekannt, um es zu l e u g» e n, doch kann daraus»veder der Leeres- ver>valtnng noch dem dadurch Betroffenen ein Borwurf gemacht »verde»». Man hat auch, wie ich schon eingangs erwähnt habe, den geiviß sehr gut gemeinten Vorschlag gemacht, Offiziere,»velche sich für ein« höhere Stellilng nicht eignen, in ihrer bisherigen Stellung zu belassen, hat aber»vohl die Konsequenzen nicht in betracht gezogen. Ganz abgesehen von sonstigen Unzuträglichkeitei», wäre in solchem Falle eben kein weiteres Nach- rücke» möglich, und»vir»vürden»vie im Jahre 1803»vieder Hauptleule mit 30 und Stabsoffiziere mit 30 und mehr Jahren erhallen. Ferner hat man getadelt, daß viele Offiziere in verhältnißniäßig jugendlichen» Alter verabschiedet»vürden. In der Regel»vird ein Lieutenant bei ernsterer Erkrankung durch längeren Urlaub oder schonende Kommandos dem Dienst zu erhalten gesucht und nur in den äußersten Fällen sein Abschied»veitergegeben. Andererseits ist aber aus A v a n c e m e n t s- R ü ck s i ch t e n e r»v ü» s ch t und ge- boten, daß schon aus derZahl derLieutenants ein geiv isser Bruchtheil ausscheidet. — Zum Vereinsprozeß Auer u. Gen. Die„Konser- vative Korrespondenz" schreibt:„Der„Vorivärts" beklagt sich dar- über, daß die von Herrn Bebel und anderen Sozialdemokraten angebrachten Denunziationen u.a. auch gegen die konservative Partei- Organisation unbeachtet geblieben seien. Wir können das sozial- demokratische Partei- Organ beruhigen. Die sozialdemokratischen Denunziationen haben viele unnütze Mühen und Scheerereien verursacht. Thalsache ist, daß die Erhebung der Anklage gegen die konservative Parteileitung zurückgelviesen»vorden ist. Es haben aber in dieser Sache sehr zahlreiche und langivierige Vernehmungen und sehr eingehende Prüfungen der Parteilisten und Skripturen stattgefunden. Wenn hierhei sich gleichivohl ergeben hat, daß für die Erhebung einer Anklage»vegen ungesetzlichen Vorgehens keinerlei Beiveise vorliegen, so zeigt das doch nur, daß die sozialdemokratischen Denunziationen unbegründet waren." Daß»vir anderer Ansicht sind, ist selbstverständlich. Die Sache ist nur die. daß man gegen Sozialdemokraten rascher zu einer Au- klage konimt, wie gegen die konservative Partei, auch»ven», wie sich das ja schließlich im Prozeß Auer». Ge». gezeigt hat, die Anklage sich auf ein Material stützt, das zur Verurtheilung in keiner Weise ausreicht.— — Die Börse»frage»vird von der Regierung aus wieder in Fluß gebracht. Auf Anregung des Oberpräsidenten der Provinz Brnndenbnrg»vählte das Aellesten-Kollegium eine Konimisfion, die über die Wiederherstellung der Berliner Produktenbörse berathen soll.— — D as B e sin d en des S ta a t s se k r e t är s v. S tepha», ist noch immer unbefriedigend. Die Aniputation des rechten Ober- schenkels von» Knie a» ist erforderlich geivesen. Wenn auch der Kräftezustand des bejahrten Staatsmannes für den Augenblick»»icht besorgnißerregend ist, so erscheint der langsame Heilungsprozeß und die Nothivendigkeit»viederholter chirurgischer Eingriffe desto bedenk- licher,»veil Herr von Stephan fchiver Zuckerkrank ist.j— — Eine S t a n t s a f f ä r e. Bekanntlich hat der Oberbürger- meister Hafftnann von Königsberg i. P r. bei dem Minister des Innern darüber Beschiverde geführt, daß Oberpräsident Graf von Bismarck beim Festakt am Kaiser Wilhelm- Denkmal bei der Zentcnarfeier ihn» auf sei» Entgegenkommen hin nicht die Hand gereicht habe. Die Antivort des Ministers des Innern soll nunmehr eingetroffen sein. Sie besagt im Kerne,»vie der„Ofipr. Ge».-Ai,z." erfährt, daß der Oberbürgermeister hätte warten müssen, bis der Oberpräsident ihn» die Hand zuerst reichte.— Osnabrück, I. April.(Rat.- Ztg.) Handelsminister Brefeld hat der hiesigen Genossenschaft der Tischler zur Einrichtung eines gemeinsamen Maschinenbetriebs 10 000 M. überiviesen. Kiel, 2. März.(Eig. Bericht.) Aus Hadcrslebe», nnvd unterm heutigen Tage der Nordostsee-Zeitung berichtet, daß dort jetzt der Bericht über den in Hclleivelt an» 21. März abgehaltenen„Fest- gottesdienst" cingetroffe» sei. Danach hat der Ortsgeistliche Pastor Paulsen seine in dänischer Sprache gehaltene Jestpredigt wie folgt eingeleitet:„Ans höhere Anvrdming ist mir auferlegt, in einigen Worten des verstorbenen Kaisers Wilheln» I. zu gedenken. Es ist jedoch nicht nach ineinen, Wunsch, politische Reden zu halten oder bei einen» Menschen Götzendienste zu verrichten; daher»vill ich auch iiicht der blutigen kriegerischen Thaten dieses Kaisers gedenken. Wohl manche iin Deutschen Reich, die sonst das Gotteshaics meide«, werden heute in die Kirche gehe»; es»väre aber für diese besser,»ven» sie auch heute der heiligen Stätte fernblieben, die sie sonst nicht betraten. Wie Kaiser Mlhel», I. zum Reich Gottes stand, »vissen»vir nicht, doch haben»vir einige recht hübsche christliche Worte von ihin."— Der Man», scheint ein Rückgrats» haben und da das ein Ding ist, welches die Nationalliberalen mcht kennen, so meint die „N. O. Ztg.", daß»nan eS hier„mit einem ganz»merhörten Vor- gehen des Geistlichen zu thun habe, das der schärfsten Ahndung von feiten der vorgesetzte» Behörde hoffentlich nicht entgehe»»vird." Diese Denunziation ist echt»ationalliberal; wundern ka»m man sich jedoch»icht darüber, den» darin haben die Nationalliberalen ja schon großes geleistet, von je her.— — Die sozialdemokratischen Abgeordneten in Allen bürg habe», durch Einbringung eines Antrages ans„Ein- sührung des allgemei»»«»», gleiche», direkte» und geheinren Wahl- rechts zum Landtage" diesem Gelegenheit gegeben, seine prinzipielle Stellung zu dieser Frage zu erklären. Wie kann, anders zu er- »varteu»var, lehnte die reaktionär« Mehrheit dieser Körperschaft den Antrag ab. Demselben Schicksal verfiel ein»veiterer Antrag unserer Fraktion. den Frauen das Wahlrecht einzuräumen. Immerhin aber erzielte», unsere Genossen»venigstens die Annahme eines Antrages,»vonach schon 1398 die Landtagswahlen für das ganze Herzogthun» an einen» Tage vorzunehinen»»nd in den Städten von den Sladträthen, in de» Landgeineinden von den Gemeinde- vorstände» zu leiten sind. Die Begründung des ersteren'Antrages hatte der Abg. Buchivald übernommen, der in fast einstündiger Rede unbarmherzige Kritik an den» Klassenivahlsysteu» übte und mit seinem Zitat einer Aeußerung Bismarck's über dasselbe den Gegnern des Antrages zeigte,»vie ganz anders doch ihr Abgott im Jahre 1837 schon über diese Frage urtheilte. Redner wieS nach,»vis im Jahre 1393 1903 Wähler der obersten Klasse 13 Abgeordnete»vählten, »vähreud die beiden untersten Klassen mit zusammen 27 872 Wählern ganze 14 Abgeordnete»vähle» durfte». Größer könne die Ungerechtig- keil nirgends zutage treten. Die Gegner wendete», ein, der Grundsatz: Skeiche Rechte, gleiche Pflichten, sei in der Praxis überhaupt nicht durch- ührbar, dc»n es müßten bei Bemessung staatsbürgerlicher Rechte ganz andere Faktoren, Erfahrung, Bildung. Befähigung:c. zur Geltung koinmen. Der Antrag sei, ideal gedacht,»vohl eine ganz schöne Sache, er führe aber zur Massenherrschaft, zur Diktatur der Massen und das müsse verhindert»verden. Bismarck»vürde sich»vohl hüten, iin Reichstage das bestehende Wahlrecht beizubehalten.(Sie!) Das beste sei ein Klassen-Wahlsystcn» nach sächsischem Muster(Ei. ja!). Selbstredend wurde diesen'Angstmeier», die der Meinung sind, der Staat könne nur von ihnen regiert werden, vo» unseren Genossen entsprechend gedient, aber die Angst vor der Massenherrschast über- »vog und so bleibt es im»vesentlichen beim alten. —„Bayerischer" grober Unfug. Einen neue» »vesentlichen Fortschritt in der juristischen Begriffsdeutung bildet der grobe Unfug, verübt durch„psychische Belästigung". Die Entdeckung desselben ist anläßlich der oberlandesgerichtlichen Revisionsverhaud- lung gegen de»» Redakteur Rost der„M. Fr. Presse" durch Herrn Staatsaiuvalt Straub erfolgt. Ob er sich»vohl ein Patent aus diese Erfindung nehmen wird?— — Das Go u verne»nent in Ostafrika hatte den Ober- arzt Dr. Gärtner nach dem Usambaragebict mit dem Auftrage e»t- sandt, sich an Ort und Stelle über die Arbeiterverhältnisse aus den Plantagen z>r informiren, nnd zumr sollte sich seine Revision ins- besondere aus folgende Fragen erstrecken: I. Sind die Arbeltsanforderungen, die an die Arbeiter gestellt werde»», übertrieben oder nicht? 2. In welcher Weife wird die Aufsicht Über die Arbeiter ausgeübt? 3. Deutet der Gesundheits- zustand der Arbeiter auf schlechte Behandlung(Mißhandlung) oder schlechte Ernährung hin? 4. In»velcher Weise ist dafür gesorgt, daß die Arbeiter gute und billige Lebensmittel einkaufen kimnen? 3. Wie sind die Arbeiter untergebracht? Genügen ihre Wohnräume und die ihnen etwa überlviesenen Bettgestelle und Decken,»»m sie gegen die Unbilden des den meiste» von ihnen(Javanen, Chinesen, Eingeborene der Ebene) ungewohnten Klimas zu schützen? 3. Ist im Falle der Erkrankung für sofortige Behandlung und Arzneihilfe gesorgt? In»velcher Weise geschieht dieselbe? Dr. Gärtner hat seine diesbezüglichen Beobachtungen nach dem „Deutschen Kol.-Bl." dahin zusamn, engefaßt, daß in» großen nnd ganzen als festgestellt gelten kann, daß man sich überall Mühe zu geben scheint, für das leibliche Wohl der Arbeiter gut zu sorgen. Sehr erfreulich klingt diese diplomatische Wendung mcht.— Oesterreich. — Die Ursachen der österreichischen Minister- krisis liege» i» den in unseren» Leitartikel von» 1. ds. Mts. klar gelegten Schivierigkeiten der Bildung einer sicheren Majorität fiir das Miiiisteriu», Badeni. Bezeichnend für die Charakterlosigkeit der österreichischen Liberalen ist die Erscheinung, daß dieselbe» Maiinesseelen, die gestern infolge ihres Widerspruches mit den Jilng« czechsn eine Regierungsmehrheit zu bilden, die Demission des Mini- sleriums veranlaßt haben, heute alles in Beivegung setzten, zu allen Zugeständnissen bereit sind,»venn Graf Badeni bereit sein sollte, seine Demission zurückzunehmen. Doch hierzu scheint es zu spät zu sein. Der Kaiser hat das klerikale Herrenhausmitglieo Prinzen Alfred Liechtenstein, den Binder des christlich-sozialen'Alois Liechtenstein zu sich berufe». Wird dieser niit der Kabinetsbildung betraut, so erhält Oesterreich ein»och weit reaktionäreres Regime, als es das Taaffe's»nid Badeni's»var; dieses Kabine!»vürde von de» Polen. Jungczechen, Südslaven. Klerikalen»nd Christlich-sozialen gestützt»verde». Die Politik des neuen Kabinets würde schul- feindlich, pfaffenfrenndlich, föderalistisch und innungsineierffch sein. Die Jungczechen»vürden durch Ueberlragung der Schnlgesetzgebung a» die Landtage die Möglichkeil erhalte», für Böhinen und Mähren reaktionäre Angriffe auf die Schule abzuivenden. Sollte die Lösung des Konflikts in den nächsten Tagen nicht möglich sein, so soll der Reichsrath, der noch nicht einmal sein Präsidium erivählt hat, vortagt»verde»».— Ungarn. Budapest. 2. April. Die Staatsanwaltschaft stellte heute den Antrag, die st r a f g e r i ch t l i ch e Untersuchung»vegen Betruges auch gegen den ehemaligen Abgeordneten Morzsanyi und den'Agenten Mandl auszudehnen. Wie verlautet,»vird keine der Parteien gegen diese» Antrag Berufung einlegen, um die An- gelegenheit so rasch wie möglich ins Klare zu bringen.— Budapest, 3. April. Der Vizepräsident des Abgeordneten. Hauses Ludwig Lang ist aus dem Verivaltungsrath der Nobel- Dynamit-Aktiengesellschaft ausgetreten, und der Abgeordnete Samuel Lazar ai»s dem Berivaltnngsrath der hiesigen Theresienstädter Spar- lasse,»velche das Klassenlotterie- Geschäft mit dein Finanz»ninister abschloß.— Frankreich. PariS, 2. April. Fabre interpellirt im Senat über Ilorikale Jntriguen. beklagt sich, daß zahlreiche Kundgebungen des Klerus nicht unterdrückt seien und erklärt, daß die Agitation der Geistlich- keit sich»„ehr nnd mehr ausdehne. Fabre bittet schließlich die Re- gierung, die Einmischung des Papstes in die französische Politik zu hindern, und bringt eine Tagesordnung in diesem Sinne ein. Jiistizinmister Darlan«»widert. daß die Vohanptungen Fabre's übertrieben seien; das Kabinet»verde stets das seinige dazu bei- tragen, daß die Rechte der bürgerliche» Behöben geachtet»verde».— Paris, 2. April. Unter der Ueberschrist„Eine»»othwendige Gründung" geißelte heute früh der„Figaro" die Pa„ama-Ver- sumpfung»»»trr besonderer Berücksichtigung des Falles B u r d e a u. Er empfahl die Gründung eines„provlsorischon PantheonS", wo die irdische Hülle der großen Männer Frankreichs so lange aufbewahrt »verde» solle, bis sich herausgestellt habe, daß sie in ihrem Leben nichts Ehrenrühriges begangen. Dann»rst sollten ihre G»bei>»e in das„definitive Pantheon" übersühK und ihre Besitzer als „definitiv große Männer" erklärt»verden. Man könne die Inschrift, »velche die Pantheons in» allgemeinen trügen, miter Einfügung ei>»«s kleinen Zusatzes ruhig beibehalte»»»»»d diejenige des Pariser Panthoons beispielsiveise»vie folgt verändern:„Aux grands hommos la Patrie provisoirement reconnaiasante"(den großen Mäimern das vockäustg dankbar« Vaterland)»c. je. PariS, 3. April. Die Frennde de? verstorbtnen Kammer« Präsidenten Burdeau beschlossen, einen Advokaten mit der Verthei- digung des Andenkens B»trdeau's zu betrauen, falls Arton vor dem Schwurgericht seine Ansch»ldig»l»ge>i aufrechi erhalten sollte. Waldeck- Rouffeau hat sich bereit erklärt, die Vercheidigung zu übernehmen. „La Lanterne" erklärt, gestern habe Ronvier sich für schuldig erklärt, mit Arton verhandelt zu haben. Die Aussage stehe in heftigem Widerspruch mit der Behauptung Ro>ivi«r's in der Kammer, daß er Arton nicht kenne. — A n t» d e B o y e r ist zit unrecht angeklagt worden. In einer Konfrontation mit ihm hat Arton selber dies zugegeben, und die Unters»lch«»ng gegeit ihn ist entgestellt worden.— England. London, 2. April. Unterhaus. Dilke glaubt,«S fei die Pflicht der lltegieruug, diejenigen europäischen Mächte,»velche Besitzungen in Afrika haben, zu befragen, ob fie eine Kon- f e r e n z zum Zivecke»veiterer Maßnahmen zilr Sicherung einer guten Behandlilng der Eingeborenen be- schicken, vürden. Parlaments-Untersekretär des Aenßeren C u r z o» erividert, der K«ge»»st«id sei höchst wichtig. Wenn die Bestimmungen der Brüsseler Konferenz vom Kongo-Staate verletzt»vürde», so trage England keine spezielle Verantivortung dafür; England trage nur einen Theil der Kollektiv- Verant»vortlichk«it der Vertragsmächte. Ziveifellos habe die V»r»valt»ng des Kongo st aates große Mißgriffe gemacht; aber sie habe eine große Aufgabe; das Ans- hören der Sllavenjagd in einem großen Theile des Gebiets des Kongostaates sei ihr zuzuschreiben. Was das Nigergebiet betreffe, »vo England die Verantivortung trage, so sei die Behauptung, daß England dort ein ungesetzliches Monopol besitze, ivelches die Beftimmilngen der Brüsseler Konzerenz verletzte, unbegründet. Be» treffend die Frage der geistige» Getränke sei«ine Revision der Steuer gemäß der Brüsseler Akte»»icht obligatorisch, sondern fakultativ. England habe kerne Befugniß, in der Sache allein vor- zugehen. Im»veiteren Verlaufe der Sitzung erklärte Curzon ferner, ein Dekret betreffend die Aufhebung der Sklaverei in Sansibar und Pemba erscheine in der nächsten Woche in Sansibar.--- Italien. — Crispi. Gleichzeitig mit dem französischen ist auch das italienische P a n a n» a- G e s ch>v ü r wieder ausgebrochen. Auch diesmal»vird der König und die andere» Mitschuldige» den Hauplverbrecher vor den, Zlichtha»>se beivahren. Man erinnert sich der Anklageschrist Cavallotli's gegen Crispi»»»d»vie Crispi nur mit knapper Roth, vermittelst schmntziger Praktiken und Schiebnngen der Anklagebank entging, daß cr»venigitenS nur moralisch auf ihr Platz zu nehmen hatte. In dem Rattenkönig von Schivindel-»»nd Bankprozessen, in die Crispi verivickelt»var, kan» ein geivisser Favilla vor, der Exdirektor eines Ziveigs der Bank vo» Neapel»var, nnd ivege» Unterschleife und sonstiger Be- trügereien verurtheilt»vard, nachde»» er»viederholt dainit ge- droht, eine sehr hochgestellte Person„»nit sich zu ziehen". Man dachte gleich, daß Crispi gemeint»var— die Richter gaben alz wohlgesinnt« Staatsbürger und gute Patrioten sich aber loyale Mühe, nicht zu verstehen, und so entwischte Crispi für den Moment. Jetzt hat nun FaviNa sein Schweigen gebrochen und Crispi aufs schwerste beschnli>igt. Er soll bei den vorletzten Wahlen, die er bekanntlich selbst vornehmen ließ, die Bank von Neapel um 250 000 Lire— nach anderen Berichten um 400 000—, beschwindelt, oder richtiger, mit Hilfe dieses Favilla, den Staat um diese Summe beschwindelt haben. Die Beweisstücke sind in den Händen des Staatsanwalts, bei dem Crispi am 25. März ein vierstündiges Verhör hatte. Er sei ganz gebrochen gewesen, als er von demselben kam, wird von Zeugen erzählt. Thatsache ist, daß Crispi sofort nach dem Verhör zu dem König eilte. Was die beiden miteinander verhandelt, wissen wir natürlich nicht. Zuvermuthen ist, daß Crispi seinen gewohnten Bismarck. Kniff wieder angewandt und seine Sache als die der Dynastie hin» gestellt hat. Ob und inwieweit ihm dies gelungen, können wir nicht sagen. Fell steht, daß der Vater des Königs sehr viel Schulden hinterließ und daß diese königlichen Schulden dnrch Crispi's Ver Mittelung von den Schwindelbanken gezahlt wurden. So verwickelte der„treue Vasall"— um Bismarckisch zu reden— den geliebten König in seine privaten Crispiucreien und Spitzbübereien. Was nun werden wird, müssen wir abwarten.— Portugal. — Die Wahlen finden am 25. d. M. statt.— Türkei. Konstaiitinopel. 2. April.(„Standard.") Der Sultan soll aus die ihm unterbreiteten Reformvorschläge der jungtttrkischen Partei Gegenvorschläge gemacht haben. Daraufhin habe der Aus- schuß der Partei erwidert, daß er das Volk befragen müsse und den Nieformplan des Sultans durch zahlreiche Maueranschläge in Stambul bekannt gegeben. Diese seien von der Polizei abgerissen und die Personen, die beim Lesen derselben betroffen mrdeii, verhaftet worden. Seit dem vorigen Montag seien so 108 Mohame- daner, 74 Armenier und 31 Griechen zur Haft gebracht worden.— Afrika. — Die Delagoa-Bai, die von England früher beansprucht war und im Jahre 1875 durch den Schiedsspruch des Prästdente» Mac Mahon in den unbestrittenen Besitz Portugal's kam, ist nach einer Meldung des„Daily Mail" aus Kapstadt auf 80 Jahre gegen eine jährliche Entschädigung von 10 Millionen Mark('( Red.) an England abgetreten worden. Nach einer Melduna des„Reuter'schen BureauS" aus Prätoria sind dort Geritchte von einer bevorstehenden britischen Mottendemonstration in der Delagoabai im Umlauf. Man betrachte die politische Lage indessen als gebessert. Bestätigt sich eine dieser Nachrichten, so ist die Umschnürung Transvaals durch britische Besitzungen bald eine vollendete Thalsache und die Handels- beziehungen der südafrikanischen Republiken völlig abhängig von der Gnade Englands. Der große Geldsack Englands ist dem Präsidenten Krüger gefährlicher als Jameson's Ritt.— Massauah, 2. April. Mit dem Dampfer„Washington" wurden heute ein Bataillon Alpenjäger, ein Bataillon Bersaglieri und eine Batterie Gebirgsartillerie sowie andere Truppen, im ganzen 1143 Mann, außer den Offizieren, in die Heimath zurückbefördert. Außerdem befinden sich an Bord des„Washington" 3 Offiziere und 279 Mann, welche aus der abessynischen Gefangenschaft in die Heimath zurückkehren.— Korrespondenzen siehe auch 3. Beilage. MeilZiskÄlg. 205. Sitzung vom 3. April 1837. 12 Uhr. Am Tische des Vundesraths: v. B ö t t i ch e r. Die Rechnung über den Haushalt der Schutzgebiete von Kamerun und Togo und des südweft-afrikanischen Schutzgebietes für die Etatsjahre 1392/33 und 1893/34, sowie die allgemeine Rechnung über de» Staatshaushalts-Etat für 1833/94 werden der Rechnungs- kommission überwiesen. Die Wahl des Abg. P» u s(Westhavelland-Brandenburg) wird für g i l t i g erklärt. Bezüglich der Wahl des Abg. R e i ch m u t h hatte die Kom- Mission zuerst Ungiltigkeit beantragt. Da weiteres Material einging, wurde die Sache nochmals der Wnhlprüsuugs. Kommission über- wiese», welche nunmehr die Anstellung von weiteren Erhebungen beantragt. Abg. Gamp(Rp.) schlägt vor. die Erhebungen»och auf andere Thatsachen auszudehue», als die Kommission vorgeschlagen,»ament- lich auch darauf, ob die Gemeindediener beim Vertheilen von Wahl» zetteln dienstliche Abzeiche» getragen haben. Abg. Singer(Soz.) hebt hervor, daß endlich Vorsorge getroffen werden inüsse, baß künstig die Wahlprüfungen in einer Session erledigt werden. Anträge wie der des Abg. Gamp erwecken den Verdacht, daß man die Sache verschleppen, de» Thatbestand verschleiern und so dem Reichstag die Möglichkeit nehmen wolle, sich ei» klares Bild zu verschaffen; die Folge sei dann, daß womöglich die ganz« Legislaturperiode vorübergehe, ehe den zu Unrecht im Reichstage verbliebenen Abgeordneten das verdiente Schicksal der Elimiimiuig treffe. Im vorliegenden Falle sei der Thalbestand vollkommen klar; er bitte jedenfalls den Antrag Gamp abzulehnen. Der Antrag Gamp wird abgelehnt und der Antrag der Kom» Mission angenommen. Bei der dritten Berathung des Bürgerlichen Gesetzbuches war angeregt worden, nach Erledigung der Generaldebatte und Spezial- debntte der dritten Lesungen vor der Abstimmung noch einmal eine Generaldebatte zu gestatten. Die Geschäflsordnungs-Kommission hat diese Frage beratheu und beantragt, dem betreffenden Z 20 der Geschäftsordnung folgenden Zusatz zu geben: „Nach Abschluß dieser Diskussion über die einzelne» Artikel hat auf Antrag von 15 Mitgliedern noch einmal eine Diskussion nach Maßgabe des ß 13(Generaldiskussion) stattzufinden." Abg. Gamp(Rp.) hält es nicht sür nöthig, die Möglichkeit zu schaffen, daß dem Hause eine weitere Debatte aufgezwungen werde» kann, wenn 15 Mitglieder es wünschen; mindestens müßte man für einen solchen Antrag dieselbe Unterstützung von 30 Mitgliedern forder», wie für jede» gewöhnlichen Antrag. Abg. v. Levetzow(t.): Wir haben jetzt schon die erste und die zweite Lesung, ferner die dritte Lesung mit General- und Spezial- debatte, also im ganzen vier Lesungen. Eine fünfte Lesung brauche» wir nicht. Höchstens könnte man nach Schluß der Verhandlungen Erklärungen zulassen, die aber der Präsident niemals verhindern wird auch ohne Aenderung der Geschäftsordnung. Abg. v. Marquardscu(natl.) schließt sich diesen Aus- führnugen an. Abg. Singer(Soz.): Der Abg. Gamp will verhindern, daß in der dritten Lesung nach Abschluß der Spezialdiskussson noch einmal in einer neuen Generaldiskussion Wahlrede» zum Fenster hinaus ge> hallen werden; ich weiß nicht, ob er selber überhaupt noch dazu kommen wird. Jedenfalls sehe ich es als eine Hauptausgabe des Parlaments an, dasjenige, was hier verhandelt wird, möglichst der Wählerschaft bekannt zu geben. Es sollte hier eigentlich nichts anderes gethan werden, als was die Leute draußen wollen; und dazu bedarf es der Kenntniß aller der Vorgänge, die sich hier er- eignen. Die Auffassung der Rechten über den Parlamentarismus führt dazu, daß überhaupt alles unter Ausschluß der Oeffentlichieit verhandelt wird, daß kein Bericht herausgegeben wird, damit ja niemand erfahre, was der Hochwohlweise Gesetzgeber hier im Hause gesprochen hat. Mit den Motiven der Abgeordnelen von Gamp, von Levetzow und Marquardsen kann man den Vorschlag der Gefchästsordnungs« Kommission nicht abthnn. Der Abg. Lieber hat nach der Berathung des Bürgerlichen Gesetz- buches die Nothwendigkeit erkannt, noch einmal die Meinung seiner Freunde zufammenzusassen und zwar als die Diskussion über Ein- leitnng uitd Ueberschrifl eröffnet war. Es liegt im Interesse des Hauses, an sich wichtige Erklärungen anch an der Stelle machen zu tonnen, wo sie logisch der Sache nach hingehören. Dazu eignet sich aber nicht die Diskussion über Einleitung und Ueberschrift. In der Konnnission hat sich nun herausgestellt, daß eine Generaldiskussion am Slnfange nicht zu entbehren sei, weil sie die Möglichkeit giebt, nachdem die Beschlüsse der zweiten Lesung festgestellt find, die grundsätzliche Stellung zu der ganzen Vorlage zum Ausdruck zu bringen. Dagegen konnte sie sich nicht der Meinung verschließen, daß es allerdings vor der entscheidenden Gesammt- abstinimung richtig und nothwendig sein könne, eine Erklärung über die Stellung der einzelnen Parteien zu der nunmehr so gestalteten Vorlage abzugeben. Diese Meinung theile ich auch heute noch. Das ist keine Parteifrage. Die Kommission ist der Meinung, daß, wenn nach der Geschäftsordnung die Unterstützung von 15 Mit- gliedern hinreicht, Anträge zu stellen, anch 15 Mitglieder hinreichen, um den Reichstag zu veranlassen, sie in der Generaldiskussion noch einmal zu erwäge». Wieviel Unterstützungsstimmen mau nimmt, ist eine Zweckmäßigkeitsfrage. Ich wäre dafür, eine mög- lichst geringe Zahl anzunehmen, weil man sonst ein Privilegium für die großen Parteien schaffen würde. Wenn die Herren eine Verlangsamung der Debatte befürchten, so brauchen sie nur eine Rede über sich ergehen zu lassen und können dann die General- diskussion schließen. Ich empfehle die Annahme des Kommissions- antrages.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Lieber(Z): Ich theile die Ansichten der Herren Gamp, v. Levetzow und v. Marquardsen nicht, kann mich aber auch mit dem Antrage der Kommission nicht befreunden. Bei der Debatte über die Einleitung, in welcher von der Zustimmung des Reichs- tages zu einem Gesetze die Rede ist, ist Gelegenheit gegeben, über die Gründe der Zustimmung oder Ablehnung sich zu äußer». Es braucht eine Aenderung der Geschäftsordnung nicht stattzufinden. Aber bei der hohen Achtung vor der Kommission will ich nicht die Ablehnung deS Antrages verlangen, sondern beantrage, denselben an die Geschäfisordnnngs-Kommisston zurückzuverweisen. Diesem Antrage stimmt das Hans zu. Die Geschästsordnungs-Kommission beantragt ferner, dem§57, welcher von de» namentliche» Abstimmungen handelt, einen Zusatz zu geben, wonach Anträge auf namentliche Abstimmung über die Ver- taaung oder den Schluß der Debatte nur durch Aufstehen unter- stützt werden können. Es handelt sich darum, daß solche Anträge über Geschäftsordnungs- Fragen nur von Anwesenden gestellt und unterstützt werden könne». Anträge auf namentliche Abstimmung über materielle Fragen sollen aber auch von Abwesenden schriftlich unterstützt werden können. Abg. Pieschel(natl.) vertritt den Standpunkt der Minderheit der Kommission, welcher der Antrag nicht weit genug gehe. Abg. Bachem(Z.) bestreitet, daß ein Recht der Abwesenden besteht, sich bei der Unterstützung von Anträgen durch andere, die anwesend sind, vertreten zu lassen. Abg. Gamp(Rp.) stimmt diesen Ausführungen durchaus bei. Abg. v. Lelictzotv(k) hält den Antrag der Kommisston für eine kleine Abschlagszahlung. Abg. v. Cuny(natl.) schließt sich den Ausführungen des Vor- redners vollständig an. Abg. Singer(Soz.): Der Abgeordnete v. Levetzow hat heute einen großen Abscheu vor der Betheiligung abwesender Mitglieder an der namentliche» Abstinimung ausgesprochen. Ich erinnere aber daran, daß der verehrte Herr auch in der Zeit, wo er auch zu unserer Genugthuung den Präsidentenstuhl emgeuommen hat, dieser An- schauung nicht Ausdruck gegeben hat, sondern ebenso wie der jetzige Präsident Blanketts angenommen hat. Es muß ein Unterschied zwischen formellen und materiellen Anträgen gemacht werden. Es giebt eine ganze Reihe von Mitgliedern, die gar nicht in der Lage sind, hier im Hause anwesend zu sein, die erkrankt sind und entschieden das parlamentarische Recht habe», mitzuwirken, daß wichtige Fragen durch den Namensaufruf entschieden iverden. In vielen wichtigen politischen Fragen ist es auch im Interesse der öffentlichen Wohl- fahrt nothwendig, die Name» derjenigen, welche an dieser Beschluß- fafsung mitwirken, festzunageln, um der Wählerschaft Gelegenheit zu geben, sich ein Urtheil darüber zu bilde», ob sie dem betreffenden Abgeordneten ihr Vertrauen weiter schenken soll oder nicht. Es handelt sich also nicht um eine interne Frage des Reichstags, sondern mich um eine Frage der Wählerschaft. Von de» namentlichen Abstimmungen wird ja auch nur bei wichtigen Angelegenheiten Gebrauch gemacht. Den Zweck, die Geschäfte des Reichstages aufzuhalten, den Berhand- limgen einen Knüppel zwischen die Beine zu werfen, kann man praktisch durch Anzweiflung der Beschlußfähigkeit des Hauses erreichen. Es ist charakteristisch, daß bei diesen reinen Geschästsfragen ein innerer Zwiespalt innerhalb der einzelnen Fraktionen zum Ausdruck kommt. Im Gegensatz zu anderen Parteien wollen wir die Rechte des Parlaments und jedes einzelnen Abgeordneten möglichst ausdehnen. Das Zentrum sollte sich fragen, ob es gut daran thut, einen ent- gegengesetzten Standpunkt einzunehmen. Die Konsequenz der Bachem'sche» Ausführungen führt zur Herabsetzung der Beschluß- fähigkeits-Ziffer, und ich lasse dahingestellt, ob das sür das Zentrum wünschenswerth ist. Der Reichstag ist der Wähler wegen da, nicht umgekehrt. Der Verlust einer Stunde infolge einer namentlichen Abstimmung fällt nicht so ins Gewicht, wie die Kontrolle der Wählerschaft über die Abstimmung ihrer Abgeordneten.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Richter(frs. Vp.): Ein Mißstand ist allerdings vor- Händen: die mangelhafte Präsenz infolge der Diätenlostgkeit. So lange dieser Mißstand bleiben wird, so lange wird es nicht besser werde». Bei materiellen Anträgen werden durch Vollmacht der Fraktionssührer die Namen aller Fraklionsmitglieder unterschrieben. Bei formellen Anträge», bei Anträge» auf namentliche Abstimmung sind niemals die Fraktionslisten unterschrieben, sondern die Unter- schrifte» sind im Saale gesammelt worden. Blanketts sind zu anderen Zeiten sehr gebräuchlich gewesen; ich erinnere nur a» die berüchtigte» gedruckten Schlußanträge. Das ist ein Mißbrauch der Blanketts. Die Sache geht zuletzt auf die Herabsetzung der Beschluß- fähigkeitsziffer des Reichstags hinaus. Das wäre sür das Zentrum bedenklich. Abg. Osann(natl.) beantragt die Zurückvcrweisung der ganzen Sache an die Kommissto». Abg. Bachein(Z): Diejenigen, welche das passive Wahlrecht schützen wollen, müssen dafür sorgen, daß die Verhandlungen des Reichstags nicht allzu lang ausgedehnt werden; denn es giebt nur ivenige Leute, welche 7 Monate hier i» Berlin anwesend sein könne». Die Zurückverweisung an die Geschästsordnungs-Kommission wird abgelehnt und der Antrag der letzteren e'-nstimmig genehmigt. Es folgt die dritte Berathung der Anträge wegen Aufhebung des Jesnitengesetzes beziv. wegen Aufhebung deS§ 2 dieses Gesetzes. Ohne Debatte wird der Antrag des Grafen Hompesch ans Auf- Hebung des Jesuitengesetzes gegen die Stimmen der Konservative», der Reichspartei, der Nationalliberalen und der Abgg. Richter, Pachnicke und Lessing genehmigt. Der Antrag Graf Limburg-Rickert wegen Aufhebung des ß 2 dieses Gesetzes wird gegen die Stimmen der Reichspartei und eines Theils der Konservativen angenommen. Es folgt die Forlsetzung der zweiten Berathung des Margarinegefetzes, welches vom Zentrum und den Kon- servativen beantragt ist. Die namentliche Abstimmung über§ 4(Gebot getrennter Ver- kaussräume) ergiebt die Beschlußunfähigkeit des Hauses; es be- theiligen sich an derselbe» nur 189 Mitglieder, wahrend 199 zur Beschlußfähigkeit erforderlich sind. Es stimmen mit ja 116, mit nein 73 Abgeordnete. Schluß 3"/4 Uhr. Nächste Sitzung Montag 11 Uhr.(An- trag wegen Aufhebung des Koinmnnalsteuer-Privikegs der Offiziere; zweite Lesung des Handelsgesetzbuches.) Unser»« verstorbenen Parteigenossen Karl Schnitze widmet die„Königsberger Volkstribüne" eine» Nachruf, worin eS heißt: Wir waren wohl jede Stunde auf die schmerzliche Nachricht gefaßt; doch n»», als sie da ist, als es unabänderlich feststeht, daß unser Freund, der unermüdliche Kämpfer für die Rechte des arbeitenden Volkes, nicht mehr unter de» Lebenden weilt, durchtobt nns herber Schmerz. Erst jetzt tvird uns im ganzen Umfange klar. was wir, was das klassenbewußte Proletariat verloren hat. Ein edles Reis vom mächtigen Stamme des Sozialismus ist geknickt und gefallen. Trauernd steht die klassenbewußte Arbeiter- schaft Königsbergs an der Bahre ihres verehrten Führers, der furchtlos und treu bis zum Tode sür ihre Rechte kämpfte und litt. Was er hier bei uns gewirkt, was er der arbeitenden Bevölke- rung Königsbergs ivar, das dürfen wir nicht erst verzeichnen, das ist unauslöschlich in die Herzen des überwiegenden Theils der Kbnigs- berger Bevölkerung eingegraben. Er war es, der durch seine un- ermüdliche, opferfreudige Thätigkeit die Saat aufgehen hieß, die fein Vorgänger, der auch in der Blüthe seines Lebens uns entvisseue Genosse Godau, dem Boden anvertraut hatte. Ihm war es be- schieden, das rothe Banner der Sozialdemokratie über der Zwing- bürg des Kapitals hier im äußersten Osten zu entfalten und Königs- berg zur äußersten Warte des Sozialismus im Osten' zu machen. Und mitten im harten Parteikampf verließ ihn keinen Augen- blick die Fürsorge für Weib und Kinder, mit denen ihn ein Band inniger Liebe verknüpfte. So bot er, der nach dem Vorurtheil weiter Kreise das Familienleben zu zerstören sich zur Aufgabe ge- macht habe» sollte, das leuchtende Vorbild eines opferfreudigen Vaters und liebenden Gatte». Schon vor einigen Jahren machten sich an ihm die ersten Anzeichen jener furchtbaren Krankheit bemerkbar,.die sich meist ihre Opfer in den Reihen des Proletariats sucht und zufolge der erbärmlichen«virthschaftlichcn Verhältnisse auch findet. Schonung wurde ihm angerathen, doch er stand im Kampfe, im Kampfe für das Wohl der Armen und Elenden, und da kannte er keine Rücksicht ans seine Person, er rieb sich auf in diesem Kampfe, im wüthenden Klassenkampf. Jetzt liegt er kalt und entseelt auf der Bahre, der im Leben Unermüdliche. Und trauernd steht das Proletariat an der Leiche seines treuen Führers, zwar schmerzdurchwühlt, aber aufgerichtet durch das Andenken an ihn, den rastlos Vorwärtsstrebenden. In ungebrochenem Kampfesmulh geloben wir Dir, Karl Schnitze, nachzueifern, einig und fest, Schulter an Schulter dem Ziele entgegenzustreben, für«velches Du gelebt und gekämpft hast, für«velches Du auch in den Tod gegangen bist, und ebenso wie am Grabe Godau's, schwören«vir an Deiner Bahre:„Wir verwirklichen was Du uns gelehrt hast, durch die That iverden wir beweisen, daß wir Deiner«vürdig sind." In de« Gemeinde- Anöschust des Dorfes Badenstedt bei annover wurde der Parteigenosse Kollmeier mit 25 gegen 17 timmen gewählt. I» Kottblis hielt am Freitag Abend Genosse Bebel eine Volksversammlung ab, die von 3—4000 Personen besucht war. Er sprach über die Stellung der Sozialdemokratie zur bürgerlichen Gesellschaft. Nach Beendigung des ungefähr zwei Stunden währen- den Vortrags nahm in der Diskussion ein Dr. B r o n i s ch, Kan- didat der Theologie und Sohn des Kottbnser Archidiakonns das Wort, der es durch sein provokatorisches Auftreten gegen die Arbeiter zur polizeiliche» Zluflösung brachte. Der Herr, der mit dem Benehmen eines Reservelieutenants auftrat und sich als ein entschiedener Anwalt der kapitalistischen Interessen geberdete, dürste sür seine künftigen Herren Konfratres noch ein wahres Schreckenskind werden. Sicher ist, daß er durch sein Auftreten in der Versammlung viele Gläubige seiner Kirche vor den Kopf gestoßen und verloren, aber kein einziges verirrtes Schaf gewonnen hat. Bewnnderns- werth«var die Ruhe, mit der die Masse der Arbeiter die beleidigen- de» Angriffe anhörte, die er ivegen des vorjährigen Streiks und wegen ihrer Zugehörigkeit zur Sozialdemokratie gegen sie richtete. Danach hätten die Arbeiter mit durchaus verwerflichen und unsitt- lichen Mitteln eine Verbesserung ihrer Lage erstrebt und die„sitt- liche Weltordnnng" bekämpft, als deren stttenreinen Vertreter die Fabrikanten erschienen. Fügen wir noch hinzu, daß das junge Herrlein der Theologie neben Luther und Goethe Kaiser Wilhelm I. als ein Genie pries und Bismarck als den größten Heros feierte, so haben die Leser des Vorwärts auch einen Begriff von seiner historischen Auffassung und sie können sich vorstellen. welche Heiterkeitserfolge er erzielte. Eine solche Lachsalve gab denn dem sehr nervös gewordenen Polizeikommffsar die auch Gelege««- heit, die Versammlung aufzulösen,»vodurch er den Schwadroneur vor einer gründlichen Abfertigung deirch Bebel rettete. Letzterer be- absichtigt später einmal hier eine» Vortrag über Christenthum und Sozialismus zu halten, um dem Dr. Bronisch und Koiisorteil«in Licht aufzustecken. PolizcilitheS, Gerichtliches»e. — Das Landgericht in P r e n z l a u hat den Parteigenossen V i e k von der Anklage kostenlos freigesprochen, durch Austragenlasfen des„Wahren Jakob" durch seinen Sohn„groben Unfug" begangen zu haben. Die Schöffen in Strasburg hatten ihn bekanntlich dieser Uebertretung für„schuldig" befunden und aus3M. Strafe und Bezahlung der Kosten erkannt. — Der Parteigenosse A. Hosfmann in Saalfeld hat sich bei seiner eifrigen Thätigkeit für die sozialdemokratische Pro- paganda ein nervöses Leiden zugezogen, das zur Zeil so bedenklich ist, daß ihn« die geringste seelische Aufreizung gefährlich norden kann. ZUlS diesem Grunde bat er i»n Vertagung des Termins einer Ge- richtsverhandlung, die gegen ihn ivegen Beleidigung des Magistrats von Pößneck augesetzt«var. Das Gesuch war dl»rch mehrere ärzt- liche Zeugnisse gestützt, dennoch wurde es abgeschlagen. Hoffmann mußte also i» seinem kranken Zustande zum Termin,>vo er zu 50 M. Geldstrafe verurtheilt»vurde.— Fiat justitia, et pereat rnundus! GemerkMÄftlirhvs. Berlin und Umgebung. Achtung Moabit, Hansdiener und Kutscher. Am Sonntag, de» 4. April, nachmittags 5 Uhr, findet bei Fischer, Moabiter Klub- haus, Beusselftr. 9, eine Versammlung mit nachfolgendem geselligen Beisammensein statt; und bitten wir die Genossen Moabits, sür diese Versammlung rege zu agitiren. Achtung! Schuhmacher SchöueberaS? Sonntag, 4. April, nachmittags 3 Uhr(nicht«vie i r r t H fi m Ii ch gemeldet«vurde vorinittags 10 Uhr): Oeffeutliche Schuh mache r-Ver- sammln ug hei Obst, Gruuewaldstr. 110. Vortrag des Kollegen Nauer-Bcrlin über de» Untergang des Kleingeiverbes. 2. Stellung- »ahme zum!. Mai. Zu zahlreichem Besuch ladet ein Die Kommission. Deutsches Reich. Au alle Lagerhalter Deutschlands. Die zweite ordentliche Ge»eralve«san»»lu»g des Verbandes der in Konsum- und ähnlichen Vereinen angestellten Lagerhalter wird zu Ostern in Chemnitz, Restaurant„Friedrichskron", Leipzigerstraße 3, abgehalten. Die Verhandlungen beginnen am 2. Osterfeiertage Mittag 1 Uhr. Die Kollegen«verde» ersucht, wenn«nöglich an» 1. Feiertage hier einzutreffen, da für den Nachmittag des 1. Feiertages ei» Ausflug geplant ist. Für«mentgeltliches Nachtquariier wird gesorgt. Das Enipfangskomitee tagt vo>«« 1. Feiertag, vormittags 10 Uhr, ab im Restaurant„Hoffnung", Untere Georgenstr. 1, fünf Minuten von» Hauplbahnhof entfernt. Die Kollege»«verde«« ersucht. sich nach ihrer Ankunft sofort dorthin zu begeben. Ferner ersuche» «vir diejenigen Kollege», die am 1. Feiertage hier dntreffen, Mit- theilniig bis spätestens de» 13. April an Kollegen W. Exuer, Zöllnerstraße 26 gelangen zu lassen. Straßenbah» zum Versammluiigs- lokal: Bahnhof- Markt- Altendorf. I. A. des Lokalkomitees: W. E x n e r. Ucbcr den Tischlerstrcik in Elberfeld-Barmen wird mit- getheilt, daß i» E l b e r f e l d 73 Man» zu den neuen Bedingungen arbeiten; Ueberlänfer sind im ganzen nur 9 zu verzeichne». In Barmen ist der Streik ziemlich beendet und zwar zu gunsten der Arbeiter. Die Stnckatcnre KölnS legten am Donnerstag mit«veuig Ausnahmen die Arbeit nieder, und zivar aus einem ganz eigeuthüm- kichen Grunde. Sie sind gut orgnuisirt und hnden fck)on seit Jahren einen Lohntcirif init den Unternehmern vereinbart. Dieses Jahr nun wollten sie eine schon voriges Jahr angeregte Verkürzung der Ar- beitszcit nm eine Stunde(nenn gegen zehn vorher) durchführen. Da erklärten bei der Verhandlung drei der größten Geschäfte, dann möge man lieber den Zl ch t st n n d e n t a g einführen; darauf wurde in einer Versaininlung der Stuckateure beschlossen, diesen Vorschlag zu akzeptiren. Nun stellte es sich heraus, daß die Mehrheil der Prinzipale nicht mit diesem Vorschlage einverstanden ist und init Ausnahme von sechs Geschäften den Tarif nicht unter- zeichne» will. Eine mit den Prinzipalen anberaumte Besprechung verlief resultatlos, da nur einige Meister anwesend waren. Daraus wurde die Arbeit niedergelegt. Die Stuckateure hoffen zu siege», wenn der Zuzug streng ferngehalten wird. Ju Bergedorf bei Hamburg stellten die für die Dampfmühle von Lütkens u. Zeimer mit dem Löschen von Korn beschäftigten Hafenarbeiter die Arbeit ein, weil sie für das Hinausschaffen der 200 Pfund schweren Säcke aus dem Fahrzeug in den Speicher nur 14 Pf. für den Sack erhalten sollte», während sie 17 Pf. vir- langten. Tags darauf wurde den Arbeitern diese Forderung be- willigt. Der Böttcherstreik i» Dresden zieht nun auch die Brauereien in Milleidenschaft. In den Brauereien Reisewitz, Ganibrinus und Hofbrauhaus habe» zusammen 38 Böttcher die Arbeit niedergelegt. Die Zahl der übrigen Streikenden hat sich auf 28 vermindert, da die anderen auswärts Arbeit gefunden haben. Die Steinarbcitcr des Gottlenbathalcs haben die Arbeit zu de» alten Bedingungen rvieder aufgenoniine». Sie forderten an stelle des Elfstundentages die zehnstündige Arbeitszeit. Dieses be- scheideno Verlangen war den ivohlhabendcit Steinbruchbesitzern zu hoch, sie sperrten die Steinarbeiter aus und ließe» sich mit schweren Kosten italienische Arbeiter komme», denen sie mehr Lohn gaben als den einheimischen Arbeitern. Die Schnhfabrikantcu in Offcnbach-Obcvrad haben ans de» Beschluß der streikenden Arbeiter, die zwecks Beilegung der Differenzen die Forderung des Neunstundentages auf die'Forderung der 0>/2 stündigen Arbeitszeit ermäßigt hatten, geantwortet, daß sie sich aus weitere Verhandlungen nicht uiehr eiulassen„könnten" und es den streikenden Arbeitern frei stellten, sich bei ihnen zur SIrbeit z» melden. Sie würden dieselben nach Möglichkeit„noch" berücksichtigen. Anslaud. A»S dcv Schweiz. Der schweizerische Friseur- g e h i l f e n- K o n g r e ß, der am 29. und 30. März in Zürich tagte, war von 13 Delegirten aus 10 Orten besucht. Nach den Situationsberichten werden Monatslöhue von 30 bis 5b Franks bei Kost und Logis bezahlt, das beiui Meister zu nehmen die Gehilfen gezwungen werden. Die tägliche Arbeitszeit währt von morgens 7 bis abends 9, 9� und 10 Uhr, die Sonntagsruhe beginnt an den verschiedenen Orten mittags 12 und nachmittags 1, 2, 3, 4 und 5 Uhr. Es ivurde sodann die Gründung eines Zentralverbandes und der Anschluß au den Schweizerischen Arbeiterbund beschlossen, während der an den Gewerkschaftsbund anS finauzicllen Gründen erst später erfolgen soll. Als Vorort wurde Zürich gewählt. Die Herausgabe eines Fachblattes wurde abgelehnt, dagegen das 'Abonnement der„Arbeiterstimme" empfohlen, und weiter beschloß man, daß ein zentrales Stellenvermittelungs- Bureau errichtet werden soll. Der S ch i f s l i st i ck e r- V e r e i n in St. Gallen entfaltet aufs neue eine Agitation für Einsührnng des Zehnstundentages. Im vorige» Jahre hatte er damit bei mehreren Fabrikanten Erfolg. Die Bern er Lithographie von Steiger u. S i e b e n- m a n n hat am 1. April die ll'/zsiündige Arbeitszeit eingejührt, die die Grütli-Druckerei in Zürich schon seit Jahren hat. Der Schweizerische Metallarbeiter-Verband hält an den Oster-Feiertagen in Basel seine Delegirten- V e r s a in in l u n g ab. Tischlcrstrcik in Esbjerg(Dänemark). Am 1. Januar kündigte der hiesige Bau- und Möbeltischler-Fachverein den bestehenden Akkord- und Lohntarif(Stundenlohn 30 Oere für Möbel- und 33 Oere für Bautischler) und forderte von den Unternehmern eine Erhöhung des Lohnes auf 35 und 40 Oere. Da es anfangs schien. als sei durch gemeinsame Unterhandlungen zwischen beiden Or- ganisatiouen eine Verständigung zu erzielen, rednzirten die Gehilfen ihre Forderung auf 32 und 36 Oere. Aber auch dieser Forderung widersetzte sich die Unternehmerorganisation, welche schließlich erklärte, nicht mehr als den alten Satz zahlen zu wollen. Daraufhin legten die Gehilfen am 1. April in allen Werkstätten die Arbeit nieder. Wir ersuchen alle deutschen Kollegen, de» Zuzug nach Esbjerg streng fernzuhalten. Das Streikkomitee. I. A.: H. G. M i ch e l s e n in Esbjerg, Dänemark. Zur Beendigung der Maschinenarbeitcr- AnSsPerrnug m Dänemark wird uns noch geschrieben: Der Bürgermeister und die beiden Vorsitzenden der Kopenhagencr Bürgervertretung hatten sich in einem Schreiben an die Fabrikanten gewandt, worauf sie darauf hinwiesen, welche großen Schäden die Arbeilsuutcrbrcchnug hervorrufe würden und daß die Unlösbarkeit des Konfliktes darin liege, daß zwei Streitpunkte auf einmal entschieden werden sollten. Sie riethen daher den Fabrikanten, die Lohufrage in Aalborg einem Schiedsgericht zu unterbreite», die Aufhängung der Werkstattsorduung aber vorläufig ganz bei Seite zu setzen.(Es ist dies dasselbe, was der Zentralverbaud der Maschinen- und Schmiedearbeiter vorgeschlagen hatte, was ihm gegenüber die Fabrikanten aber abgelehnt hatten.) Beide Fabrckantenvereine, der provinzielle und der Kopenhagens, nahmen diese Vorschläge an. Es ist durch die Vermittlung also erreicht worden, daß die Wünsche der Arbeiter erfüllt wurden. In den nächsten Tagen wird nun ein Schiedsgericht wegen der Lohnstreiiigkeite» in Aalborg und eine Kommission wegen der Werkstatts- Ordnung zusammentreten. Der achte Nationalkongreß der französischen Eisenbahn- angestellten trat am Donnerstag i» Paris zusammen. Vertreten sind 103 Gruppen durch 94 Dclegirte. Die Zahl der dem Verband angehörigcn Mitglieder beträgt 69 092. Die Tagesordnung des Kon- gresses umfaßt 16 Punkte. Sozisres. In keinem Industriezweige kommen, so dünkt un?, gegen- wärtig so viele und so schwere Betriebsunfälle vor. als im Kohlen-B erg bau. Vermuthlich hat diese Häufigkeit der Be- triebsnusälle in der Uebcrhastung der Produktion ihre Ursache. Das Kohlen- und Koksgeschäft geht außerordentlich flott, ja es ist zur ständigen Erscheinung geworden, daß die Zechen dem Bedarf an Kohlen und Koks nicht voll entspreche» können. Unter diesen Umständen wäre es in der Aera des Kapitalismus nur natürlich, wenn es ans den Zechen mit der Vorsorge für Leib und Leben der Arbeiter jetzt noch weniger genau genommen würde als sonst. Pein- liche Beachtung der Pflichten, die der Arbeiterschutz auserlegt, ist jedenfalls mit dem überhasteten Betriebe des Bergbaues nicht vereinbar. So wird wieder von einem schweren Unglück berichtet, das sich auf der Zeche Alma in U e ck e n- d o r s bei Gelsenkirchen in Westfalen zugetragen hat. Am Freitag Vormittag stürzte dort ein Schutzdach der neuen Koksöfen ei», wobei 37 Arbeiter verschüttet wurden. Von diesen erlitten sieben schwere Verletzungen und ein Arbeiter blieb so- fort t o d t. Hier handelt es sich um ein Unglück über Tage, das mit elementaren Ereignissen wohl nicht in Zusammenhang gebracht werden kann. Wir werden ja hören, was als Ursache des Unglücks ermittelt wird. Sicher scheint uns aber, daß zur Verminderung der Betriebsunfälle ans den Zechen endlich schärfere Maß- regeln getroffen werden müssen, als jetzt bestehen. Wenn die Inhaber der Privatzechen nicht einsehen wollen, daß der Verlust eines einzigen Arbeiters für das deutsche Volk mehr zu bedeuten hat, als ein Dividendeuverlust aller Aktionäre des ganzen Erdballs, so hat der Staat die Aufgabe, den Herren die erforderliche Einsicht beizubringen. Neber die Explosion in der Hcdwi(zwnttschgrube bei Borsig- werk im oberschlesischen Kreis Zabrze bringt das„Berliner Tage- blatt" folgendes Nähere: Bereits am 31. März fand auf Hedwigwnnschgrnbe eine Explosion von einem Gemisch von Grubengasen statt, die jedoch keinerlei Schaden anrichtete. Infolge frischer Wetterzuführung verzog sich der Schwaden rasch, und am Donnerstag, 1. April, nachmittags gegen 4 Uhr, begab sich Arnold Borsig, der Repräsentant der Grube, die im Eigenthum des Grafen Ballestrem steht, jedoch seit 40 Jahren an die Firma Borsig verpachtet ist, in Begleitung des Chefchemikers M a tz u r k e, des Obersteigers Bau mg ä r t n e r, des Steigers W i u k l e r und der Assistenten K n a p p i k und Hü ttemänn mit offenen Grubenlampe» so wird uns ans- d r ü ck l i ch mitgetheilt— in die Grube. Herr Borsig übernahm die Führung der Expedition, nachdem der Betriebsleiter Berg- inspeklor S ch e l l e r dies als allzu gefährlich abgelehnt hatte, weil er die Wahrscheinlichkeit einer N a ch e x p l o s i o n befürchtete, die erfahrungsgemäß sich häufig einstellt; deshalb pflegt man auch solche Strecken frühestens nach zwei bis drei Tagen wieder zu be- fahren. Es ist ferner Brauch, beim Betreten von Strecken, in denen schlechte Wetter vorhanden sind, sowohl Sicherheitslam pen (in neuerer Zeit elektrische) sowie eine Art von Taucheranzügen zu benutzen, die eine Vorrichtung zum Einalhmen von Sauerstoff enthalten. Alle diese Vorsichtsmaßregeln ließ Arnold Borsig außer Acht. Es wird uns berichtet, daß er stets sehr schnell seine Ent- schlüsse zu fassen und eben so schnell auszuführen pflegte, und in diesem Falle beeilte er die Angelegenheit um so mehr, als er an demselben Abend um 8 Uhr einem Bismarck-Kommers in Borsigwerk beizuwohnen gedachte.— Unmittelbar nachdem die genannten sechs Personen eingefahren waren, erfolgte nun die gefürchtete Nach- explosiou, deren Knall sofort die ganze Gesellschaft in Schrecken setzte, umsomehr, als man wußte, daß sich der Chef der Firma in der Grube befinde. Sofort begannen trotz der außer- ordentlichen Gefährlichkeit unter Leitung des Berg- Jnspektors Schellcr die Rettungsarbeiten, an denen sich später auch der Zabrzer Revierbeamte Bergrath Jokisch und Direktor Renn) von der Königin Louise-Grube bctheiligten. Nur sehr langsam gelang jedoch das Vordringen durch die von Schwaden und giftigen Gasen erfüllten Strecken, und die Belebungsversuche, welche die Zabrzer Kuappschastsärzte Hartmann, Bachmann, Silber und Grosse, nachdem sie bis zu den Vernuglückten vorgedrungen waren, anstellten, erwiese» sich als völlig resultatlos. Alle Leichen waren stark verbrannt, die meisten infolge der Explosion auch sonst arg verstümmelt. Nach der vom„Berliner Tageblatt" gebrachten Schilderung deS Grubenunglücks hat Borsig seinen Tod und den Tod der fünf Be- muten durch grobe Fahrlässigkeit verschuldet. Er führt den Titel Bergreferendar a. D., hat also das Bergfach theoretisch und praktisch studiren müssen. Wenn er nur der halbe Fachmann war, die Grube kurz nach einer Explosion mit offener Lampe, über- Haupt ohne Sicherhcitsvorkehrungcn betrat, und die fünf Beamten, die ebenfalls Fachleute sind, ihm dabei folgten, so ist das wohl der deutlichste Beweis dafür, wie leichtsinnig in Bergwerken gerade von leitenden Personen gewirthsch astet wird, während es sonst gewöhnlich beißt, die Bergleute verschul- deten durch eigene Unvorsichtigkeit die Explosionen. Ter diesjährige 8. Vcrbandstag deutscher Lohufuhr- Nuternehmcr wird i» B c r l i n vom 21. bis einschließlich 24. Juli in der Brauerei Friedrichshain abgehalten. Mit dem Verbandslage ist eine Ausstellung von Fuhr- und verkehrsgeiverblicheu Gegen- ständen verbunden._ MtevÄriMes. M. Pf. Eine neue Darstellung des Hamburger Streiks. Im Aprilheft von Schmollers Jahrbüchern, einer volkswirthschasl- liche» Vierteljahrsschrift, erscheint eine 34 Seiten lange anonyme Darstellung des Hamburger Haseuarbeiterstreiks. Wir vermuthen, daß der Verfasser Redakteur eine anständigeren bürgerlichen Zeitung, Haudelskninmersekrelär oder dergleichen und in Haniburg ansässig ist. Um die Gruudanschauuug des Aussatzes gleich einigermaßen zu zeichne», seien hier die Schlußsätze wiedergegeben: „Wären die sozialdemokralischen Führer und Abgeordneten nicht aus dem Plan i» vorderster Reihe gestanden, so wäre eine Ver- ständiguug der direkt bclheiligten Arbeitgeber und Arbeiter nach kurzer Zeil höchstwahrscheinlich erfolgt... Die starre Weigerung, irgend welcheVerhaudlunge» anzunehmen, sondern ans bedingungsloser Unterwerfung zu bestehen, ist dem Arbcitgeber-Vcrbaude ja von vielen Leuten und auch von sich selbst als Verdienst gutgeschrieben worden, da die Sozialdemokratie nnd die Lohnbeweguug eine» furchtbare» Schlag durch den Verlust des Streiks ersahren kälten. Aber wir fürchten, daß die dadurch in der Arbeiterbevölternng geiveckle und genährte Erbitterung noch sehr lange anhalten nnd die Folgen des Sieges überdauern ivird.... Ob der nunmehrige Zustand einen dauernden Frieden verbürgt, wird abzuwarten sein." Unserer Partei ist der Verfasser gar nicht hold. Besonders scheint es der Genosse vo» Eli» aus irgend einem Grunde bei ihm verdorben zu haben. Auch sonst wird au der Jnszcnesetzung und Leitung des Streiks vieles bekrittelt.„Nicht die Schauer- leute", heißt es beispielsweise,„die drei Woche» in Unter- Handlungen mit den Stauerbasen standen, wohl aber die Ewer- sührer-Tagelöhner, die Echiffsnialer, viele Spcicherarbeiler und andere haben Knall und Fall die Arbeit niedergelegt und in verletzender Form unter Anberaumung einer Frist von wenigen Stunde» kaum ernsthasl gemeinte Forderungen erhoben. Uns sind einige Fälle be- kanut, wo Kausleute. die von der Börse ins Kontor zurückkamen, auf ihrem Pulte Schreiben ihrer'Arbeiter fanden, sie mächte» sich in 1 bis 2 Stunden entscheiden.(Die Ewersührcr hätten den neuen Lohntarif vorgelegt mit der Ansforderung, die Antwort bis vier Uhr Nachmittags in einer Kellerwirthschaft abzugeben.) Diese Ungehörigkeiten haben dem Streik von vorn- herein eine ganz uunölhige Schärfe gegeben, da die Arbeitgeber sie als rücksichtslose Gewaltlhat empfanden." Ueber das Finale heißt es:„Die Führer, möge» sie in der Streik- Kommission, i» der sozialdemokratischen Partei oder in der Gewerkschafis- bewegungthätig sein, waren längst im Klaren, daß die Nieder- läge besiegelt sei. Aber sie besaßen nicht, oder doch nur vereinzelt den M»th, ihre ganze Autorität immer wieder für Beendigung des Streiks einzusetzen gegen die Erregung und die Zähigkeit der Masse». Die Sozialdemokraten mit bekannten Namen hatten sich ganz zurückgezogen, nur die Presse schürte noch das Feuer. Und die leitenden Männer in der Sireilkommission bliesen bald heiß, bald kalt." Am Tage nach Beendigung des Ausstandes habe das„Echo" einen„haß- und wutherfüllten Artikel gebracht, voll grober Beschimpfungen der Arbeitgeber, die bei Austern und Champagner die Arbeiter ausgehungert hätten". Als ob das nicht buchstäblich wahr gewesen wäre! Der Verfasser ist eben, seiner Klassenlage nach, wie mit seinen Sympathien auf Seite der Unternehmer. Aber andererseits ist er doch auch objektiv genug, da. wo es ihm die Gerechtigkeit zu ge- bieten scheint, die Forderungen der Arbeiter für berechtigt zu er- klären. Ueber die Arbeit der Schauerleute beißt es:„So wechselt eine stoßweise Arbeitshetze mit kürzeren oder längeren Pausen ab; ans 3 bis 4 Tage intensivster Anstrengung folgen Tage gänzlicher Verdienstlosigkeit." Den Jahreslobn schätzt er im Gegensatz zu den bekannten Lohnlisten ans 1000—1250 M.. den der Ewerführer ans 900—1000 M.— Der Verfasser weiß auch, daß es sich bei den Streikenden nicht nur nm eine Lohnerhöhung, sondern ebensosehr um eine bessere Regelung der Arbeitszeit gehandelt hat.„Man verlangle nicht eigentlich eine Verkürzung der Arbeitsdauer. Aber die Beschwerde» richteten sich ans bessere Einhaltung der Pansen oder Höhere Bezahlung, wenn durchgearbeitet werden sollte; genaue Abgrenzung der Ueberstunden, der Nacht und Halbnachtarbeit, gegen willkürliche Verschleppung der Arbeit; der Zeitverlust, der hsirch die Entfernung des Zahlungs- ortS(eineS Schanklokals) von der Arbeitsstätte entfieht, wird sehr beklagt, nicht minder die Versuchung zum Trunk." Und ferner:„Dieselben Jahresverdienste, die für manche anderen Gegenden Deutschlands recht hoch erscheinen, flehen hier in Hain- bürg bei der Thenernng aller Lebensbedürfnisse, der gewohnten Lebenshaltung und den durch die schwere Arbeit bedingten starken Anforderungen unter dem w i r t h s ch a s t l i ch und sozial w ü u s ch e n s w e r t h e n N i v e a u. Wir zweifeln nicht, daß aus der Staatsenquete sich Thatsachen ergeben, die als M i ß st ä n d e erkannt werden nnd dringend Abhilfe heischen." Wenn die Streikenden und die sozialdemokratische Presse der- artiges gesagt haben, so ist es als systematische Verhetzung ausgelegt worden. Jetzt wird es auch von einer Seite gesagt, die den Unter- nehmern jedenfalls näher steht, als den Arbeitern. Trotzdem hieße es wohl, die Hamburger Unternehmer, ihre Gönner nnd Interessen- Vertreter zu hoch einschätzen, wenn man glauben wollte, sie würden auf Zengenanssagen wie die obigen hin ihr früheres Unrecht ein- sehen und wieder gut zu machen suchen. Dem Jahresbericht über die Vcrhältniffe der Leipziger Notcustccher'Organisatiou entnimmt die„Leipziger Volkszeitung", daß dieser Beruf der Gesundheit sehr schädlich ist; beträgt doch das Durchschnittsalter der Nvtenstecher nur 2�l2 Jahre. Im Berichis- jahre 1896 waren unter etwa 340 Mitgliedern 114 Krankheitsfälle zu verzeichnen. An Bleivergiftung allein waren 14 Kassenangehörige schwer nnd dauernd erkrankt. Die meisten dieser Vergiftungen endeten mit vollständiger Berufsinvalidität. Berufsinvaliden kommen schon im Aller von 30 Jahren vor. Älber auch die sonstigen Ar- beitsbedingungen sind nicht die günstigsten, denn es sind im ver- gangenen Jahre an Arbeitslose 3964,80 M. gezahlt worden. ohne die Unterstützung an diejenigen Berufsgenoffen, die das 21. Lebens- jähr noch nicht erreicht haben und infolge des Vereinsgesetzes dem Verband nicht augehören können. Die Arbeitsgelegenheit in anderen Städten ist sehr gering, da überhaupt sehr wenig Notenstechereien existiren(in Deutschland außer Leipzig nur noch vier mit 23 Syrl)er>i)._ Jr Die Gesellschist für Erdkunde veranstaltete zu Ehren des kühnen Vtordpolforschers Nansen, der für wenige Tage nach Berlin gekommen ist, gestern Abend eine Festsitzung in Krolls großem Theatersaal. Eine dicht gedrängte Menge, die Mitglieder der Gesellschaft mit ihren Damen nnd geladenen Gästen, begrüßten den kühnen nor- wegischen Forschungsreiseuden mit lauten Beifallsbezengungcn. Der Vorsitzende der Gesellschaft, Prof. Freiherr v. Richthofen. be- grüßte Nansen mit freundlichen Worten, indem er besonders hervorhob, daß nicht sowohl die wissenschastlichen Argumente Nansen's, als vielmehr die Macht seiner Persönlichkeit es war, durch die es ihm gelang, die Mittel für seine geplante Reise ans- zubringen. Dann erhielt Nansen das Wort. Er ist eine mittelgroße, schlanke Erscheinung von angenehmen Gesichtszügen; in seinem Austreten liegt etwas Einfaches und Schlichtes. Man merkt, daß die außerordentlichen Ehrungen, die ihm seit seiner Rückkehr in reichstem Maße zu theil wurden, keineswegs zu Kopf gestiegen sind nnd etwas dem Größen- mahn Verwandtes bei ihm hervorgebracht haben. In einem für einen Ausländer überraschend fließenden Deutsch hielt er einen etwa ein- stündigen Vortrag über seine Reise, den er durch eine Reihe schöner Lichtbilder erläuterte. Die Zuhörer unterbrachen die interessante» Darlegungen mehrfach mit lautem Beifall. Nachdem Nansen geendet, begrüßte ihn der Kultusminister Bosse mit warmen Worten; er hob hervor, daß es ihm zu ganz besonderer Freude gereiche, ihm die große goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft überreichen zu können, die höchste Auszeichnung, die es in unserem Lande für Kunst und Wissenschaft gäbe. Nansen dankte sichtlich bewegt; doch eine größere Ehrung wartete seiner. Professor v. Richthofen erhob sich nnd erklärte, daß zwar Nansen's Ruhm schon dadurch fest begründet sei, daß er in höhere Breiten, als jemals ein Mensch, vorgedrungen sei. Aber seine Reise habe auch große wissenschastliche stlesnltate gebracht. Nausen sei nach dem Motto:„Erst wäg's, dann wag's", verfahre» und habe der Polarsorschung neue Wege gewiesen. Daher habe die Gesellschaft für Erdkunde nicht aNein in Anerkennung seiner großen Manueslhat, sondern besonders in Anbetracht seiner hervor- ragenden lvisiciischastlichen Bedeutung, ihn zu ihrem Ehrcumitgliede ernauut und ihm ihre goldene Humboldt.Medmlle verliehen, eine Auszeiehnuug, welche vor ihm erst zweimal einem Gelehrten zu theil geworden sei, dem russischen llieisenden Prschewalskij, der Mittelasien durchforschte, und dem Amerikaner M a u r y, dem Begründer der systematischen Tiefscelothungen. Sehr bewegt erwiderte Nausen, daß es ihm schwer werde, seine Gefühle in einer srenideu Sprache auszudrücken. Diese Medaille sei ihm doppell werlhvoll, weil sie den Namen Hnniboldt'S trage, des Schöpfers der wissenschastlichen Forschungsreisen, der ihm von jeher als leuchtendes Beispiel gegolten habe. Die Medaille rverde er als eine Anspornuiig zu weiteren Forschungen betrachten. Nachdem die Sitzung damit ihr Ende erreicht halte, blieb Nansen mit dem Vorstand und einigen Gästen noch zu einem Festbankett zusammcu._ Dopefifzen und letzte MAchvichten. Frankfurt a. M., 3. April.(B. H.) Die„Frankfurter Ztg." meldet aus London:„Daily Chrouicle" läßt sich aus Athen bestätigen, daß ein geheimer Verlrag zwischen der Türkei und Rußland bestehe, den Fürst Lobanow abgeschlossen habe. Frankfurt a. M.. 3. April.(B. H.) Aus Bern wird der „Franks. Zlg." lelegraphisch gemeldet: In Genf wurde ein ehemaliger Postkondukteur unter dem Verdacht verhaftet, den Ranbniord au dem Postkoudiilteur Angst verübt zu habe». Der Verhaftete ist wegen Postdiebstahls vorbestraft. Wien, 3. April.(B. H.) Graf Badeni wurde vom Kaiser mit der Neubildung des Kabinets betraut.— Die Audienz, die Graf Bad eu i heute Vormittag beim Kaiser Halle, währte l'.e Stunden. Wie verlautet, wird Badeni nochmals den Versuch machen, die deutsch- liberale Partei für die Parlamentsmajorilät zu gewinnen. Im anderen Falle soll ein slavisch-kierikales Kabiuet gebildet werden. Wien, 3. April.(B. H.) Ter Kaiser hat das bisherige Kabiuet mit der Weiterfübrung der Geschäfte beauslragt, bis ein neues Ministerium zusainmengestellt ist. Presibnrg, 3. April.(B. H.) Ein furchtbarer Sturm hat in der Stadt und in der Umgegend große Verwüstungen angerichtet. Zahlreiche Dächer wurden abgedeckt, darunter auch dasjenige der hiesigen Petroleuuirassiuerie. Die Telephon- und Telegraphen- leitungen sind vielfach zerstört; auch Personen wurden verletzt. PariS» 3. April.(B. H.) Der Abgeordnete Gauthier de Clagiiy richtete heute in der Kammer au de» Minister des Aeußere» Hauolaux die folgende» drei Fragen: 1. Welchcs sind die Resultate der militärischen Aktion auf Kreta? 2. Welches sind die Resullal« der Unterhandlungen zivischeu den Mächten einciseits und Griechen- laud und der Türkei andererseits'! 3. Welche Maßregeln wird die Regierung treffen, wenn die jetzigen Uiilerhaudlniigen scheitern? Hanotanx antwortete, er müsse zwei Frage» unbeaulwortct lassen, weil diesbezügliche Unterhandlungeu im Gange seien. Die Aulonoinie Kretas ist feierlichst proklanürt. man darf den Kriegszustand auf Kreta nicht übertreibe»-. Die griechische und die türkische Regierung haben verschiedentlich die Absicht geäußert, Feiudseligkcilc» au der iiiakedouischen Grenze zu verinciden. Die Mäcbt« würden nur gezwungen die Häfen GriccheulandS zu blockiren, aber in diesem Sinuc sei bisher»ichls geschehen; die Mächte studiren noch Mittel zur Ausrechterhaltung des Friedens. Nachdem der Jnter- pellant noch die kurze, rescrvirte Autivort Hauotanx' beklagt hatte, wurde die Debatte ohne Tagesorduuiig geschlossen. Mailand, 3 April.(B. H.) Ju San Giovanni Vakdarno bei Toskana ist eine Fabrik eingestürzt, wobei bisher vier Tobte und sieben schwer Verwundete aus de» Triimuier» helvorgezoge» wurde». Man befürchtet, daß noch weitere Opfer unter de» Trüinmeri, begraben liegen. Berantivortlicher Ncdalieur: August Jacobev in BS.'u. ÄC.t den Juseratcntheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verla« von Max Badiug in Berlin. Hierzu S Beilage» u. Nutcrhaltuugsblatt. Nr. 80. 14. ZchMg. 1, NosttmunAles. Die städtische Peekehrs-Deputatioil hielt gestern unter Vorsitz des Bürgermeisters Kirschner eine Sitzung ab, in ivelcher über mehrere vorliegende Angelegenheiten Beschlüsse gefasit morden sind. Bekanntlich war die a n d e r O b e r b a u m b r ü ck e errichtete Boots- An lege st elle für die Daner der Berliner Gewerbe- Ausstellung provisorisch zu einer Dampfer-Anlegestelle nmgeivandell und die Benutzung jedermann gegen Zahlung einer kleinen Gebühr frei- gegeben worden. Jedoch sind die Erwartungen, welche in bezug auf den Ilmfang der Benutzung geknüpft worden sind, nicht erfüllt. Als Kuriosum sei bemerkt, daß nun für diese Benutzung im ganzen an Gebühren etwa 17 M. eingegangen sind. Da die äußerst reizvolle Anlage- stelle architektonisch und künstlerisch sehr schön ausgestattet worden ist, ursprünglich auch für den Rudersport auf der Oberspree bestimmt war, so hat die Verkehrs-Deputation beschlossen, diese Boots-Anlegestelle ihrer ursprünglichen Bestimmung zurückzugeben und die zur Anlage von Dampfern bestimmten Vorrichtungen wieder zu beseitigen und event. eine Verpachtung an einen geeigneten Bootsverleiher ins Auge zu fassen. Ferner hat die Verkehrs-Deputation beschlossen, die öffentliche Dampferanlagestelle an die Waisenbrücke, welche bisher Jedermann gegen Zahlung einerGebühr frei stand, ebenfalls einheitlich zu verpachte». Zum Kanalprojekt Bevliu-Rostock. Die städtische Verkehrs- Deputation hielt gester» eine Sitzung ab, in der auch der Antrag des Kanalvereins zu Rostock um Unterstützung des schon aus dem Jahre 1S73 herrührenden Kanalprojekts Berlin- Rostock zur Be- rathung gelangte. Es wurde jedoch ein definitiver Beschluß nicht gefaßt, da noch verschiedene Erhebungen angestellt werden müssen. Indessen ist nicht anzunehmen, daß die Stadt Berlin sich finanziell an dem Unternehmen betheiligeu wird, da es ein Konknrrenzprojekt zu dem Kanal-Unternehmen Berlin-Stettin bilden würde. Frithjof Nansen wird heute Mittag 12 Uhr von der Ab- ordunng der Stadt Berlin, den Herren Bürgermeister Kirschner (nicht wie es in der gestrigen Meldung hieß, Stadlrath Tourbis) und Stadtrath Marggraff, in seiner Wohnung im Palasthotel begrüßt werden. Das„Rothbnch" des Magistrats, wie die Personal-Rach- Weisung der Berliner Gemeinde-Verwaltung kurz benannt wird, ist soeben in neuer Auflage erschienen; es hat gegen den Jahrgang 1396 wiederum im Verhält» iß des Wachsthums unserer Stadt zugenommen. Zu den drei Stadtältesten(Gescnius, Rospatt und Schreiner) ist als vierter der Geh. Baurath Blankenstein hinzugetreten, der neben dem verstorbenen Stadtrath de Neve nun im Verzeichniß der Magistrats- Mitglieder fehlt. Die Zahl der Stadtbezirke hat sich um eine» vermehrt, i»den> aus dem Bezirk 326 zwei(326a und b) geworden sind, deren Bevölkerung sich auf 3189 bezw. 2379 beziffert. Das Straßenvcrzeichniß ist erheblich erweitert worden; es nimmt jetzt sechs Seiten mehr als im Vorjahre ein. Auch die Zahl der Gemeindeschule» hat sich wieder vermehrt; es sind die 212. und 213. Gemeindeschule in der Siemens- beziv. Christburger- straße hinzugekommen. Ebenso läßt das Verzeichniß der Privatschulen mancherlei Veränderungen erkennen; es sind sortgefallen die Dr. Aßmann'sche Mädchenschule in der Pols- damerstraße, die Kuhnow'sche Knabenschule in der Brunnenstraße und die Schule der Erziehungsanstalt Am Urban. An die Stelle der Schillmann'schen Knabenschule, Lindenstrahe 103, ist die Dr. Braun'sche daselbst getreten und an die Stelle der Quade'schen (katholischen) Mädchenschule, Schönhauser Allee 132, die Heyer- mann'sche daselbst. Infolge der zahlreichen Betheiligung von Mitgliedern beider städtischen Körperschaften an de» Vorlesungen des Sub- direktors der ersten Handwerkerschule über Elektrotechnik hat die Anmeldung einer großen Anzahl städtischer akademisch gebildeter Techniker, ganz abgesehen von den bisher überhaupt nicht zu- gelassenen übrigen technischen Beamten, nicht berücksichtigt werden können, obgleich von vornherein zwei Zyklen mit je 70 Theilnehmern emgerichtet worden waren. Der Magistrat beabsichtigt daher noch einen dritten Zyklus den jetzt abschließenden beiden ersten folgen zu lassen und hat hierzu die Genehmigung der Stadtverordneten- Versammlung nachgesucht. Einer Geldbewilligung hierzu bedarf es nicht, da an den bereitgestellten 2000 M. für die beiden ersten Zyklen soviel erspart worden ist, daß die Mittel für den dritten Zyklus gerade noch vorhanden sind. Die Gerichtsaffefforen Dr. Bernhard Meyer und Dr. Gott- hold G e r t h sind vom Magistrat als Borsitzende des Gewerbe- g e r i ch t s einberufen worden. Der bisherige Rechtsanwalt Collatz ist zum juristischen Hilfsarbeiter ernannt und der Armendirektion überwiesen worden. Die Große Berliuer Pferde- Eisenbahn- Gesellschaft be- absichtigt, die elektrisch betriebene Linie Görlitzer Bahn— Zoologischer Garten unter Mitbenutzung der Geleise der Charlottenburger Straßen- bahn-Gesellschaft vom Zoologische» Garten bis zum Savigny- Platz iveiterzusühren. Zu der hierdurch erforderlich werdende» Veräude- rung, als Verlängerung der Haltestelle in der Nürnbergerstraße bis zum Kursürstendamm, sowie zur Mastenverstellung, hat die Direktion der Gesellschaft die Genehmigung der Verkehrs-Deputation bezw. des kgl. Polizeipräsidiums nachgesucht. Der Abgang des Stadtbauraths Geh. Bauraths Hobrecht aus der städtischen Verwaltung hat in der K a n a l i s a l i o» s- Verwaltung eine Neuorganisation zur Folge. Das Amt des Chefingenieurs für die Kanalisationswerke kommt in Wegfall und es soll anstelle dessen, ähnlich wie bei den Gas- und Wasser- werken ein Verwaltungsdirektor angestellt werden, welchem alle einzelnen Verwaltungen unierstehen solle». Man hofft dadurch eine wesentliche Vereinfachung der Verwaltung zu erzielen. Zum Ver- waltungs- Direktor ist der Stadt- Bauinspektor Adams vom Magistrat in seiner gestrigen Sitzung gewählt worden. Dia&etfeS. Das Leichenbrgängniß des Genosse» Schnlüc findet heute präzise 3 Uhr statt. Zur Aufrechterhaltung der Ordnung des Zuges sind Ordner thätig, welche durch rothe Schleifen kenntlich sind. Es ist Pflicht jedes Parteigenossen, den Weisungen dieser Ordner un- weigerlich Folge zu geben. Die Vertrauensperson. Diejenigen Genossen, welche gewillt sind, beim Leichenbegängnisse des Genoffen Schultze als Ordner zu fungiren, wollen sich heute Vormittag bei Genossen Erbe, Cuvrystr. 2S, einfinden zur Empfangnahme der Schleifen und zur Kenntnißnahme der An- ordn»ngen. Die Vertreter der Organisationen, welche sich an dem Leichen- begängniß betheiligen wollen, werden ersucht, sich um 1 Uhr eben- falls dort einzufinden. Im Interesse der Ordnung ist es nothwendig, daß von 2 Uhr an der Zulriit zum Trauerhause nur den näheren Angehörigen des Verstorbene» freisteht. Die Vertrau nsperso». Tie Mitglieder des Lese« und Diskntir- Klubs Süd-Ost, welche an der Beerdigung des Genossen Schnitze theilzunehmen gc- denke», werden ersucht, sich am Sonntag Nachmittag 2 Uhr im Ver- einslokal einzufinden. Der Vorstand. Die Mitglieder der Lokalkommissio» werden ersucht, die Lokalliste ihrer Kreise resp. Orte und ihre Adressen umgehend an mich einzusenden. Oskar Mahle, Prinzensir. 3 Sifl. I. Ks Jmiick" Die Oekonomie des Moabiter Nntcrsuchiiugs-Gefängnisses ist am 1. April anderweitig vergeben worden, nachdem der frühere Oekonom ein steinreicher Mann geworden ist und sich zur Ruhe gesetzt hat. Die Oekononiie des Gefängnisses ist eine sehr umfang- reiche. Die Gefangenen- und Krankenkost liefert die Anstalt aus eigener Regie, aber was darüber hinaus geht, hat ein privater Lieferant ans Koste» der Gefangenen zn besorgen. Der durch- schnittliche Personalbestand des Gefängnisses beläust sich auf 1200. Darunter giebt es auch Gefangene, die etwas zuzusetzen haben und für ihr gutes Geld jeden Wunsch ihres Magens mehr oder weniger befriedigen können. Die„Selbstbeköstiger" erhalten zu Mittag ei» Menü, bestehend aus Suppe, Gemüse, Braten und Compott, daneben außer Spirituosen alles, was sie bezahlen können. Die Kost- gänger der Justiz, d. h. diejenigen, welche sich in der Hauptsache mit der Gefängnißkost begnügen müssen, können sich innerhalb des Rahmens der für sie geleisteten Einzahlungen ebenfalls jeden zu- lässigen Wunsch erfüllen. Der Oekonom hat daher außer de» Speise» für die„Selbstbeköstiger" alle Genußniittel zu liefern, die sich denken lassen: Wei», Bier, Butter, Schmalz, Wurst, Fleisch, Höring, Weißbrot, Kuchen, Kaffee, Apfelsinen, Obst:c. Diese Lieferungen erfolgen tagtäglich, und da die Menge der Bestellungen stets eine sehr große ist, so lassen sich alle diese Slrtikel eu gros einkaufe», wodurch dem Oekonomen ei» glänzender Verdienst ge- sichert wird, zumal derselbe die Maaren außerordentlich thener verkauft und sie nur bis in den Gefäugnißhof zu befördern hal, von wo aus Aufseher und Kalfakter die Ablieferung und Ab- rechnung unentgeltlich besorgen. Unter diesen Umständen erscheint es wohl erklärlich, daß, als die beabsichtigte neue Vergebung der Oekononiie bekannt wurde, eine sehr große Menge von Restaurateuren in größerer oder geringerer Nähe des Kriminalgerichls ihre Be- Werbungen einreichten. Alle diese Bewerber haben eiue arge Eut- täuschung erlitten, die Oekonomie hat nicht ein Fachmann erhalten, sondern ein„Drogen-, Farben- und Parsümerie- Händler", Herr Herman Gornick, Rathen owerstraße 49 (Ecke der Perlebcrgerstraße). Befremdlich ist diese Vergebung immer- hin, denn der Bedarf der Gefangenen an„Drogen, Farben und Parsümerie" ist keinesivegs so groß, daß Suppe, Gemüse Braten, Wurst, Käse, Hering, Kuchen«. s. w. nur als Nebensächlich- ketten zu erachten wären. Der neue Direktor des Untcrsuchungs- Gefängnisses hat zwar das Interesse seiner Schutzbefohlenen insofern gewahrt, daß die Preise der meisten Artikel wesentlich herabgesetzt worden sind, z. B. Bier von 12l/2 aus 10 Pf. pro Flasche, Schmalz von 90 auf 70 Pf. pro Pfund, Heringe von 3 auf 0 Pf. u. f. w., aber auch bei diesen Preisen fino Profite von 33>/s bis 80 pCt. zu erzielen. Obendrein wohnt Herr Gornick so weil vom Gefänguiß entfernt, daß die„Selbstbeköstiger" sich oft an den auf dem Transport erkalteten Speisen den Magen erkälten dürfte». Unerklärlich ist, warum die Verwaltung ein Institut, das so fette Bissen abwirft. nicht i» eigene Verwaltung nimmt, unerklärlicher noch, warum sie duldet, daß die meistens doch nicht so sehr begüterten Gefangenen die Maare» so theuer bezahlen müsse». Tie Polizeistunde, deren fürsorglichen Bestimmungen sich vor allein die B e r l i n e r Arbeiterschaft zu fügen hat, soll eine Verschärfung erfahren. Der Polizeipräsident hat nämlich das Zu- gestäudniß seines Vorgängers, daß den Gästen nach Eintritt der Polizeistunde noch 15 Minuten Zeit zum Verlassen des Lokals ge- gegeben werden dürfe, zurückgezogen. Nach wie vor können aber die zahlungsfähigen Pflastertreter, die das schwer„erworbene" Geld ihrer Väter hier verbummeln, ihre Moneten bis zum frühe» Morgen in den Balllokalen und Nachlkaffee's an den Mann oder an die Fran bringen. So will es die Ordnung! Der Anschluß der Blitzableiter au die Gas-«nd Wasser- lcitnngen, eine seit Jahren zwischen der Sladt Berlin und den Staatsbehörden schwebende Frage, wird, ivie mau berichtet, nunmehr unter bestimmten Voraussetzungen zulässig sein, nachdem der Magistrat seinen bisherigen prinzipiellen Widerspruch gegen den Anschluß aufgegeben hat und nur gewisse Bedingungen geltend macht. Die Bedingungen werden zur Zeit ausgearbeitet. Achsclschnnre z» Ehre» Wilhelms I. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: In deutscheu und auch in aus- ländischen Blättern ist ein Vorgang vielfach falsch dargestellt worden, den die„Berl. Pol. Nachr." folgendermaßen richtig stellen könne»: „Sc. Majestät der Kaiser hatte am 22. März die General- adju tauten Sr. Majestät Kaiser Wilhelms des Große» in dem Sterbezimmer des Palais Unter de» Linden versammelt, ihnen mit einer von tiefer Bewegung zeugenden Siede das Recht ver- liehe», ans den Achselschniiren zur Erinnerung an den großen Kaiser dessen Nameuszeiche» zu führen und dabei mitgetheilt, er habe Anordnung getroffen, daß er selbst und der jeweilige erste Erbe der Krone Preußens zum ewigen Angedenken und zur leben- digen, aneifernden Erinnerung an die glorreiche Regierungszeil Sr. Majestät Kaiser Wilhelm I. dessen Namenszug mit den Schnüren der Geueraladjutanten zu tragen haben.— Einige Blätter hatten die Mittheilung gebracht, daß Kaiser Wilhelm II. sich selbst zum Geueraladjutanten des alten Kaisers ernannt hätte. Daher die Richtigstellung. Die Gastwirthe wollen eine Polizeiverordnung un- beachtet lassen, in welcher der Polizeipräsident zum Zwecke der Kontrolle über jede stattfindende gründliche Reinigung der Säle eine Anzeige fordert. Mag auch der Werth einer solchen Ver« ordnnng ein ziemlich zweifelhafter sein, so giebt es andererseits gewiß noch manche polizeiliche Verordnungen, von deren Nutze» wir noch weil weniger überzeugt sind. Ziiuftlerische Anwandlungen sind bei einem Theil der Gast- wirthe schon mehrfach hervorgelreten. So versucht der Berliner Gastwirlhe-Verein jetzt einen Kampf gegen de» S y p h o n- B i e r- k r n g. Diese Krüge, deren Konstruktion den Zusatz von Kohlen- säure zu dem darin enthaltenen Biere möglich machen und so das Getränk, auch wen» es glasweise verzapft wird, frisch erhält, sind bisher versuchsweise von der Schöneberger Schloßbrauerei eingeführt. Das Gommer-Programm für die Fachklassc der Typs- grapheu an der 1. Handwerkerschule zn Berlin ist soeben erschienen. Nach demselben bietet die Klosse Buchdrucker- Gehilfen Gelegenheit zu der für ihren Berus nothivendigen Ausbildung im Zeichnen, im Verständuiß mit Entwerfen von Drucksachen und zur Aneignung sonstiger Fachkenntnisse. Die Unterrichtsgegenstände in dem am 4. April beginnenden Sommer- talbjahr find: Sonntag von 8—12 Uhr vormittags in Klaffe A: »twerfen und Skizziren von Arbeiten für die Praxis; in Klasse B(für Setzer, Metteure und Maschinenmeister): von 3—10 Uhr Farbenlehre und Farbenanwendung(praktische Ans- gaben); von 10—12 Uhr Ausstattung von Büchern und Zeit- schrifteu. Dienstag und Freitag von 7—9 Uhr abends: Vorübungen zum Fachzeichnen; Fachzeichnen(Schriften, Ornamente) unb Entwerfe», verbunden mit Stillehre.— Außerdem giebt die Handwerkerschule in ihren Abendklaffen Gelegenheit zu einer umfassende» Ausbildung in den verschiedenen Zweigen des Freihandzeichnens, im Zirkel- und Projektionszeichuen, in der Schattenkoniiruklion und Perspektive, in der Mathematik, Physik, Mechanik, Chemie, im Rechnen und in der Buchführung. Das Schulgeld für den Besuch der Fachklasse für Typographen wie der Abendklassen der 1. Handwerkerschills ist im Voraus bei der An- Meldung zu entrichten; es beträgt für das Halbjahr: für 8 oder weniger als 3 wöchentliche Stunden 6 M., für 9 bis 12 wöchentliche Stunden 9 M., für 13 und»lehrwöchentliche Stunden 12 M.— An- »leldniigen werden im Schulhanse, Lindenstraße 97, von 6—8 Uhr abends eiitgegengeiiommen. Graf Engen Zichy, der Präsident des Landes-JndustrievereinS i» Budapest, ist vom Verein Berliner Kansleute und Industrieller MIR Soanfsj, 4. Iptil 1897, zum Ehrenmitglied ernannt worden. Grund: Die Berliner Kauf- leule und Industrielle haben sich voriges Jahr ans der Ausstellung in Budapest ausgezeichnet amüsirt. Rathhaus- Thurm. Vom 5. April an ist für den Sommer wieder die Besteigung des Rathhaus- Thurmes täglich von 10 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags gegen Zahlung eines Eintritts- gelbes von'20 Pf. gestattet. Den unentgeltlichen Zutritt zum Thurm hat die Mehrheit der Stadtverordneten- Versammlung bekanntlich unter wunderlich klingenden Gründen versagt. Eintrittskarten, nur für den Tag der Lösung giltig, sind bei dem Pförtner am Rathhaus- Portal in der Königstraße zu haben. Das Lehrprograim» der Volks- Hochschule Humboldt' Akademie für das am 22. April beginnende Frühjahrs- q u a r t a l enthält die ausführlichen Anzeigen von 40 Vortrags- zyklen und Unterrichtskursen aus fast allen Wissensgebieten, welche an den Wochenabenden in zwei Lehrstätten: dem Dorotheenstädtischen Realgymnastum im Nordwesten uiid dem Falk- Realgymnasium im Westen für Herren und Damen gehalten werden(in der Lehrstätte im Süden wird im Frühjahr nicht gelesen). Neben einer großen Anzahl von bewährten Lehrkräfte», die in den letzten Jahren thätig waren, worden auch die längere Zeit verhiiiderlen Dozenten Dr. H e i n r i ch L a n g e, für Meteorologie und Chemie; und Dr. G. Diercks, für Länder- und Völkerkunde, ihre Lehrthätigkeit wieder aufnehmen. Nach dem Bericht des General- sekretärs hat die Frequenz der Hmnboldt-Akademie im letzten Halbjahr wiederum stark zugenommen, es wurden zusammen 136 Zyklen nnd Kurse von 3844 eingeschriebeiien Hörern besucht, außerdem in der neuen Lehrstätte für die König- stadt 5 Vortragsreihen von 543 Hörern, größtenlheils den Arbeitnehmern in Gewerbe und Handel angehörend, und in der Lehrstätte Potsdam 2 Zyklen von 87 Hörern der ver- schiedenste» Klassen; letztere beiden Zweiganstalten wurden erst im Februar und März d. I. begründet.— Die neue» Programme werden zu 10 Pf. ausgegeben in einer Anzahl bekannter Buchhand- lnngen, im Jnvalidendank und in de» Bureaus der Akademie: Unler den Linden 47, Potsdamerstr. 116», Prinzenstr. 54 und Lands- bergerstr. 32. — Im Apollo-Theater stellten sich am Freitag die neuen Künstler vor. Das Hans war voll besetzt und folgte niit Ans- merksamkeit nnd Beifall den Darbielungen der Anftretenden. In der 1. Abtheilung gefielen besonders: Die Trapezkünstlerin Julie Karäu, das Mondain-Quartett und das Trio Decock; sauberer und legerer arbeiten, als es daS letztgenannte Akrobaten-Trio gethan, kann man wohl nimmer. Die Haupttrümpfe spielte die Theater- leitnng in der 2. Abtheilnng aus. Hier war jede Nummer ein Treffer. Die Reckturner Hugosset verblüffte». Meisterhaft spielte Ligs Del'Oro die Zugharmonika; aus dem ungesügen Ding tönten nach der Reihe alle Slimmen eines Orchesters, die fünf Lorrison nnd die französischen Tänzer konnten sich sehen lassen. Sehr ge-. fielen auch die inusikalischen Klowns Bibb und Bobb. In Fantaska Linda hat das Apollo-Theater eine wirkliche Soubrette. Die Vor« sührungen des Kinetograph entfeffelten Stürme der Heiterkeit. Ein junger, fetter, seiner Pflastertreter suchte durch unartikulirte Laute die'Vorstellung zu stören. Der Angesäuselte wurde unter allgemeiner Heiterkeit hinausbefördert. Die jüngsten Erwerbiinge» des Berliner Aquarium führten seine» Seewasserbecke» einige besonders seltene und schöne Thier- formen zu. Aus dem Mittelmeer kamen zwei Quallen, wie sie in solcher Größe und Pracht hier noch nicht gezeigt wurden, denn ihr hoher, glockensörmiger Schirm hat den Durchmesser einer kleinen Schüssel oder eines Hutes. Sie gehören zur Gattung der Wurzel- inundquallen, deren acht lange wurzelsörmige» Mundarme an der Basis und weiter unten zwei Kränze krausenartiger Wucherungen besitzen, welche zahlreiche kleine, zum Verdauen kleiner Fische und anderem dienende Taschen enthalten. Leider sind die durch- scheinend milchweißen, an den Randlappen blauvioletten, an den Saugkransen orangegelb oder violett abgetönten Lebe- wesen trotz ihrer ansehnlichen Größe nur zu hin- fällig. Von außerordentlicher Länge sind mehrere Serpeln (Sxirograxbis), die der Dampfer der Aquarium-Station Rovigno in einem Theile des adriatischen Meeres gefischt hat und die ohnehin schon durch ihre federartig gestalteten und verschiedenfarbig ge- ringelten Kiemenfäde» jeden Beschauer anziehen und entzücken; gegen >/l Meter lang sind die senkrecht oder schräg aufsteigeiiden Röhren dieser prächtigen Geschöpfe. Mit einer Sendung Adriafische langten auch einige Exemplare der ansprechend gefärbten und ob ihres feinen Fleisches schon im Alierthui» berühmten, im Aquarium leider nicht lange ausdauernden Meerbarbe hier an. In der Urania in der Taubenstraße wird der uene wissen- schafiliche Ansstactungsvortrag:„Der Kampf um den Nordpol" die ganze Woche das Repertoir beherrschen.— Das Repertoir der Urania in der Jnvalidenstraße lautet: Sonntag: Herr G. Witt: „lieber Himinelsphotographie"; Monntag und Freitag: Herr Dr. Spies:„Neue Versuche mit flüssiger Luft"; Dienstag: Herr Dr. Krön ecke r:„Neisebilder aus Kaschmir"; Mittwoch: Herr Professor Müller:„Bakterien und Sernmthcrapie"; Donnerstag: Herr Dr. S ch w a h u:„Die Erscheiiiungen der Gletscherwelt"; Sonnabend: Herr G. Witt:„Ueber den Bau des Weltsystems". Wie bnreankratische Umständlichkeit zur Höflichkeit ver- pflichten kann, ist sehr drollig in der„Nat.-Ztg." erzählt. Eine mittelalterliche, fein gekleidete Dame ruft aus dem Innern des Wagens mit nervöser Hast dem Schaffner zu, er solle in der Char- lottenstraße an der Ecke der Schützenstraße halten; der Wagen hält, pseilgeschwind springt die Dame vom Hinterperron nnd rennt in schnellstem Tempo um die Ecke. Da bemerkt der Schaffner, daß sie ans dem Trittbrett einen Handschuh verloren hat, er giebt noch einmal das Haltezeichen und läßt den Wagen allein, um der Dame spornstreichs iiachzulanfen.„Wirklich ein sehr höflicher Mensch", bemerkt ein Herr auf dem Hinterperron sei» Nachbar bejaht den Ausspruch und fügt hinzu,„alle die Pferde- bahnschaffner sind sehr zuvorkommend"... Da kommt der Schaffner angekeucht, die Herren hinten belobigen ihn in den schmeichelhaftesten Ausdrücken, zwei von ihnen geben ihm noch nachträglich eine» Nickel Trinkgeld, ein dritter beim Bezahlen gleichfalls, auch ein« Zigarre heimst er noch ein— bisher hat er noch keine Silbe ge- sprochen, nur die Hand dankend an die Miitze gelegt und pfiffig geschmunzelt.„Sehen Sie," sagte einer der Herren beim Abspringen, „so wird Höflichkeit immer belohnt..."„Nee," sagt nun endlich der Schaffner inr breitesten Berlinisch,„ans Höflichkeit Hab' ich's nicht gethan, daß ich der Dame den Handschuh gebracht habe, sondern nur aus Bequemlichkeit..." Fragende Mienen des Publikums auf dem Hinterperron.„Sehen Sie, wenn ich den Handschuh gefunden habe, dann muh ich ihn erst auss Bureau bringen, da wird ein Protokoll aufgenommen und dann habe ich noch mehr Laufereien davon. Da war der kleine rasche Sprung um die Ecke be- quemer.. Sprach's und kassirte im Wagen seine Villets. Die Filiale der Berliner Arbciterkolvnie ist in diesen Tagen von der Tegeler Landstraße nach der Berlincrstraße 59 in Reinickendorf verlegt worden. Vermißt wird seit dem I. April nachmittags der Hauptkassixer der Berliner Packetfahrt-Gesellschaft Kirschner. Er wollte angeblich zn einem Augenarzt in der Friedrichstraße gehen, ist aber dort»irtfß. eingetroffen und auch später nicht ins Bureau und nicht nach Hause zurückgekehrt. Da Gründe für sein Verschwinden nicht bekannt ge- worden sind und nach Mittheilung der Gesellschaft die Kasienbestäude in Ordnung befunden wurden, liegt die Vermnthniig nahe, daß dem Vermißten ein Unfall zugestoßen ist. Zweihundert Schutzleute sind gestern neu eingestellt worden. Lieb Vaterland, magst ruhig sein. Hamburgerstraße eine Durchsuchung abgehalle», bei welcher Männer und II weibliche Personen ansgegriffen und siftirt Durch eine brave That wurde gestern Vormittag gegen Zl) Uhr das vierjährige Töchterchen des in der Gollnowstraße 3la wohnende» Uhrniachers Haßler von dem Tode gerettet. Die Kleine spielte au dem offenen Fenster der in der zweiten Etage belegenen elterlichen Wohnung und blickte, den Vater, der aus- gegangen war, erwartend, auf die Straße hinunter. In dem Moment, als sich der Uhrmacher Haßler dem Hause näherte, bog sich die Kleine, dem Vater zujauchzend, weit zum Fenster hinaus, verlor das Gleichgewicht und stürzte in die Tiefe. In diesem Augenblick betrat der in demselben Hause wohnende Schlächternieister Rudolph den Biirgerstcig und sah das Kind her- unter stürzen. Mit einem Sprung war der Schlächtermeister an jener Stelle, wo der kleine Körper hernieder stürzen mußte und fing mit ausgebreiteten Armen das Kind auf. Zwar wurde der Schlächter- Meister durch die kolossale Wucht zu Boden gerissen, aber die Kleine war gerettet. Sie konnte dem vor Schreck fast sprachlos gewordenen Vater, der den Unfall in der Nähe mit ansehen mußte, heil und un- verfehlt in die Arme gelegt werden. In der Dergiftungsaffäre, über welche wir gestern berichtet haben, wird noch gemeldet: Der Student der Thierärztlichen Hoch- schicke, Jüterbock, der mit einem Supernumerar befreundet ivar, erhielt den Besuch des letzteren; man begab sich gemeinschafilich nach einem Lokal. Hier klagte der Supernumerar über Leib- schmerzen und I. gab ihm zum Zwecke der Beseitigung der Schmerzen ein Quantum Opiumtinetur, indem er ihm genau die Zahl der zu nehmenden Tropfen vorschrieb. Der Silpernumerar scheint nun die Anordnung des Freundes �übertreten zu haben, sodaß der Tod des zwanzigjährigen Mannes durch überinäßige» Genuß von Opium eintrat. Auf grund der gestern stattgehabte» Obduktion wurde I. gestern Nachmittag durch den Kriminalkonnnissar Veit verhaftet. Dnrch Schwindeleien eines hiesigen Schlächtermeisters ist eine Verstcherungsgesellschasl seit langem empfindlich geschädigt worden. Der Schlächter P. war bei einer hiesigen Vieh- Versicherungsgesellschaft gegen Ausfall für zu verwerfende Rinder versichert. Er stand in Geschäftsverbindung mit einem Kommissionär K., der für P. die zu schlachtenden Rinder ankaufte. P. soll»un vorwiegend tuberkulöses Vieh erworben und dieses der Versicherungsgesellschaft gegenüber mit einem viel zu hohen Ankaufs- werth angegeben haben, und zwar in betrügerischer Absicht, da die Krankheit der Rinder für Fachleute vielfach schon äußerlich wahr- nehmbar gewesen sein soll. Der Betrug wurde dadurch entdeckt, daß P. letzthin mehrere hochgradig tuberkulöse Rinder gekauft und diese mit einem mehr als doppelt hohen Werth angesetzt hatte. Die Versicherungsgesellschaft stellte daraufhin Nachforschungen bei den Kommissionären und de» ursprünglichen Besitzern der betr. Rinder an und klärte den Thatbestand auf. Ei» Diebstahl ist vor den Augen zweier Arbeiter von einem Wagen herunter ausgeführt worden. Der Fuhrmann Peters aus der Teltowerstraße ließ morgens um 7V2 Uhr auf einem Zlrbeils- wagen einen Flaschenzug im Werths von öS M.»ach der Groß- beerenstraße fahren. Außer dem Kutscher saßen zwei Arbeitsmänner ans dem Gefährt. Als man am Ziel anlangte, fehlte der Flaschenzng. Der unbemittelte Fuhrmann büßt, falls Diebe und Flaschenzng nicht ermittelt werden, nicht blos den Fuhrloh» ein, sondern muß»och für das ihm anvertraut gewesene Werthstück Ersatz leisten. Gestern früh um SVe Uhr wurde in den Lokalen von Davy in der Linienstraße, Reimer in der Elsafferstraße und Bellmann in der Kl. 26 wurden Gestern Mittag stürzte der dreijährige Sohn des im zweiten Stocke des Hauses Gerichtsslr. 4 wohnenden Schlossers Flachshaar aus dem Küchenfenster auf de» Hof hinab und zog sich eine Gehirnerschütterung zu. Die Mutter war zu der Zeit auf dem Hofe mit Aufhängen von Wäsche beschäftigt und hatte das Kind in der Wohnung zurückgelassen; dieses war auf das Fensterbrett geklettert und hatte sich selbst das Fenster geöffnet. Durch de» Hnffchlaa eines Pferdes ist vorgestern Abend nm K Uhr der 32 Jahre alte Arbeiter Wilhelm Barnelt ans der Tieck- ftraße 23 bei der Neuen Omnibus-Gesellschast am Unterleibe schwer verletzt worden. Richtigstellung. Unter den Firmen, die in unfern, Blatt als solche aufgezählt waren, welche ihren Arbeitern für die Zentenar- seier den Lohn schuldig bliebe», war auch die Lampenfabrik Holy, Oranienstr. 23a., genannt worden. Diese Meldung ist infoweit eine trrthümliche, als die Arbeiter der Fabrik am Montag einen halben Tag gearbeitet und nachmittags auf ihren Antrag und unter Zu- stimmung des Chefs„blau gemacht" haben. Wir bedauern um so mehr, daß wir betreffs des Herrn Holy eine unrichtige Mitlheilung gebracht haben, als seine Fabrik die einzige in unseren ausführlichen Verzeichnissen ist, über die wir falsch insormirt waren. NuglückSfülle im Strastcuverkehr. Vor dem Hause Lange- straße öl lief der 83jährige Tischler Julius Herrmann gegen einen Postwagen, fiel zu Boden und trug dabei schwere Verletzungen davon. Er wurde in das Krankenhaus am Friedrichshain gebracht.— Gestern Nachmittag wurde der Kutscher Friedrich Jahn in der Prenzlauer Allee beim Ueberschreiten des Fahrdammes von der Deichsel eines Kohlenwagens erfaßt, zu Boden geworfen und innerlich verletzt.— Aus dem Stadtbahnhof Jannowitzbrücke fiel abends der 29 Jahre alte Maschinenarbeiter Richard Schüttle anscheinend infolge eines Fehltritts von der Treppe und blieb bewußtlos liegen. Er wurde »ach dem Rrankenhause am Friedrichshain gebracht. Ans den Nachbarorten. Die Parteigenoffen von Rixdorf, welche heute am Be- gräbniß des Reichstagsabgeordneten Schultze theiluehmen wollen, werden ersucht, sich bei Klein, Restaurateur, Kaiser Friedrichstraße, einzufinden. Verhaftet wurde der Direktor der Berliner Zweigniederlassung einer Wiener Unfallversicherungs.Gesellschast, Robert Leonhardt in Schöneberg, Kranachstr. wohnhaft. Er steht unter dem Verdacht, Unterschlagungen begangen zu haben. Aus Rixdorf. I» dem neuerbauten Hanse Ringbahnstr. 16 hatte dieser Tage eine Familie Werner Wohnung genommen. Das l9jährige Dienstmädchen der Familie, Ludwina Kasperska, schlief in einem Zimmer ohne Ofen und da es in dem Neubau bitterkalt war. stellte das Mädchen am Freitag einen der zum schnellen Aus- trocknen des Neubaues aufgestellten Koakskörbe in ihr Zimmer aus. Infolge der giftigen Gase, welche dem Koakskorb entstrointen, fand man einige Stunden später das Mädchen bewußtlos und schwer krank auf. Die Unglückliche wurde schleunigst nach dem Britzer Kreis-Krankenhaus gebracht, verstarb aber daselbst kurze Zeit nach der Einlieferung an Kohlengas-Vergiftung. Weißcusee. Die Parteigenoffen, sowie die Gewerkschaften und Vereine macheu wir darauf aufmerksam, daß am Sonnabend, den 10. April, eine V o l k s v e r s a in m! u n g über die Stellung zur Maifeier beräth, sowie den Bericht der Gemeindevcrtreter entgegen- nimmt. Da die Tagesordnung für jeden Parteigenossen wichtig ist, ersuchen wir, an diesem Tage keine weitere Versammlung abhalten zu wolle». Zahlreiche Betheiligung ist unerläßlich. Der Ver- trauensmann. Näheres siehe die dieser Tage im„Vorwärts" ver- öffentlichte Annonce._ �7 Herker. Die Freie Volksbühne führt heute im Belle-Alliance-Theater Shakespeare's Drama„Der Kaufmann von Venedig" auf. Anfang 3 Uhr. Beginn der Verloosung der Plätze 2 Uhr. Uheater-zpochenchronik. Opernhaus. Sonntag, den t. April:„Nndtne". Montag, 5.: Letzter Gesellschaftsabend. Neu einstudtrl:„Der Maurer". „Phantasien im Bremer Naihsreller". Anfang s Uhr. Dienstag, 6.:„Der Freischütz". Max: Herr Emil Götze, lönlglicher Kan'.mersänger, als Gast. Mttt- looch, 7.:„Cavalferia nisiicana".„Der Maurer". Anfang 7 Uhr. Donnerstag, s.: „Nndine". Freitag, o.:„Figaros Hochzeil". Sonnabend, lv.:„Undine". Sonntag, n.:„Tannhänfer. Ansang 7 Uhr. Montag, 12.:„Tristan und Isolde", Ansang 7 Uhr.— Schauspiel Ij au 8. Sonntag,„Narziß". Montag, 5.:„Zopf und Schwert". Dienstag,«.:„DaS Wintermärchsn". Mittwoch, 7.:„«Sntg Heinrich IV." t. Theil. Donnerstag,„König Heinrich IV." -. Thetl. Freitag, s.:„Die Athenerin". Sonnabend, to.:„isis". Sonntag, ll.: „Othello". Montag, 12.:„Emtlia Galotti".— Neues lönigl. Opern- theater(Kroll). Sonntag, 4. April:„Der Bibliothekar". Sonntag, li. April: „Wohlthättge Frauen".— Der Spielplan des Deutschen Theaters weist sür diese Woche folgende Vorstellungen auf: Heute Abend:„Ein- jame Menschen". Montag:„Die versuntene Glocke". Dienstag:„Moriluri". Mittwoch:„Die versuntene Glocke". Donnerstag:„Einsame Menschen". Freitag:„John Gabriel Borkmau". Sonnabend und nächstfolgenden Sonntag Abend:„Die versunlene Glocke". Montag, den 12. April: „Einsame. Menschen". Als NachmillagZvorstellnng bringl der heutige lSonntag „Hanncle s Himnielfahri" in Verbindung mit„Blun": am nächstfolgenden Sonntag fällt die Nachmittagsvorstellung aus, da an diesem Tage eine Matinee der „Freien Bühne" stairfindet.— Im Berlin er-Theater geht in dieser Woche die Novität„Kinder der Bühne" heute, am Dienstag und Sonnabend in Szene.„Kaiser Heinrich" gelangt am Montag und„Renaissance" am Mittivoch und Montag, den 12. April, zur Aufführung. CS. von Wilden bruch'« Schauspiel „Das neue Gebot" wird mit Max Pohl al« Wtmar Knecht am Donnerstag zum ersten Mal gegeben und am Freilag(so. Abonneinenis-Borstellung) und nächsten Sonntag wiederholt. Als Nachmitlagsvorflellimg zu herabgesetzten Preisen(wird heut«„Uriel Acosla" und am nächste» Sonntag(zuin los. Male)„König Heinrich" aufgeführt.— Im Lesstng-Theater beginnt am Freitag dieser Woche Franz Teivele sein Gastspiel in Friedrich Erdmann Jeßnitzer'« Lustspiel„Seine offizielle Fran". Der Wiener Künstler wird in dieser Novität am Freitag, Sonnabend und Sonntag auftreten. Der wettere Spielplan der Woche ist folgendermaßen festgesetzt: Montag und Tonnerstag lvtmnen„Niobe" und„In Civil", am Dienstag„Madame SanS-Göne" mit Agnes Freund uns Gustav Kober als Gästen zur Aufführung, während ain Mittwoch Hermann Suder, naniVS Schauspiel„Die Ehre" mit Max Loewenseld al« Gras Traft wiederholt wird. In der gleichen Besetzung gelangt„Die Ehre" als Nachmittags- Borstellung sowohl am morgigen, wie am nächsten Sonntag zur Aufführung— Zm Schiller- Theater wlrd heute Nachmittag Krstzer'S Volksstück„Der Mtlltonenbauer"»och einmal gegeben, abend« lommi Nosegger'SPotkSschausptel„Arn Tage des SertchtS" zur Auffuhrung. Am Montag und Mittwoch studen Wiederholungen von Neichel's Schauspiel„Tie Btlhauer" statt. Am Dienstag geht Neultna's Tragi- lomödte„Tie gerechte Welt" in Szene. Am Donnerstag ist die erste Aufführung von G. von Moser'« dreialtigem Schivank„DaS SltstungSsest" angesetzt. Am Freitag und Sonnabend wird di-se Borstellung wiederholt.— Im Theater de« Westen« wird Gustav Kadelburg nur noch dreimal als Gast den„Reis- Reistingen" spielen, und zwar heute Abend, am Donnerstag und am nächsten Sonntag Nachmittag. Am Minwoch wird Jacobson'« bekannte Posse„Der Mann im Monde" zum ersten Mai gegeben und am Freitag, nächsten Sonntag Abend und nächsten Montag wiederholt. Ain Dienstag Abend wird Nuscha Butze nach Beendigung ihre« auswärtigen Gastspiels zum ersten Mal wieder anflreten und zwar in einer Wiederholung de« Phtlippi'ichen Schauspiel«„Der Dornenweg". Am Montag wird Max Mehner'« Schauspiel„Korpsgeist" zur Darstellung ge- langen.— Im Thalia-Theater bleibt auch in der nächsten Woche noch der Schwank„Frau Lieulenant" auf dem Repertoire, da wegen Erlranlung der Frau Bach-Bendei die bereits angesetzte Novtlät„Die Drtlltng«>nültcr" vom Spielplan wieder abgesetzt werden mußle. Am Ende der Woche geht dann zum ersten Male „Heirath auf Probe", Posse mit Gesang nach Buchbinder und Rainer von Jean Kren, Musik von Leopold Kuhn, in Szene.— Bon der burlesken Possenrevus de« Zentral-Thealer«„Gin fidslec Abend", in welcher jetzt Emil Thomas und Leopold Deutsch aufirelen, finde! die drittletzte SnuntagS-Vorstellung statt, da am is. April die diesjährige Posscnsaison ihren Abschluß findet.— Im O st e n d- Theater gelangt beute Nachmittag zu halben Kassenpreisen„Berlin wie es weint und lacht" zur Nussührung. Abend« g-chi die Posse„Kloin Geld" zum dritten Male in Szene.— Im Friedrich W i l h e l m st ä d t i s ch e n Theater findet heute eine Doppel-Vorstellung zu-infachen Preisen stait. Zur Aufführung gelang!„Eine Taffe Thee", Lustspiel in 1 Alt nach dem Französtschen von W. Trost. Hierauf: „Ein kleine« Mchvorsländntb", Lustspiel in 1 Alt. Hieraus:„Der Glöckner von Notre-Dame".— Im Alexanderplatz-Theater wird Nansen'«„Nord- polreife" gegeben.— Im Bolls-Theater lommt Dienstag„Hopsenralh« Erben", Lustspiel von Wille», zur Aufführung.— Belle-Alliance-Theater. Dienstag eröffnet der lönigl. Ivllrltcmdcrgtsche Hosschausptelcr Herr Emil Richard einen Nenter-Zullu« mit der Rolle„Onlel Brästg". Heule lommt zuin letztenmal „Die Echrimnisse von New-Iorl" und Montag„Trilby" zur Aufführung. Gevilszks al M Men * SPtC1. (tie Geschichte der„Ausstellung von K»»st- mid Jndustrie- Erzcngnisse» von Kausleute» und Gewerbelreibeuden", welche der Kaufmann Franz I u h a s z im Jahre 1S35 hier Unter den Linden veranstaltet halte, beschäftigte gestern zum zweite» Male die zweite Etraskammer hiesigen Landgerichls I. Juhasz hatte eine»„Verein zur Förderung von Kunst und Industrie" begründet und kündigte das Unter- nehmen der Ausstellung mit großer Reklame an. Die in alle Well ver- schickten Prospekte zeigie» die Namen hochachtbarer Männer als Unter- schriften und lockten die Industriellen und Handeltreibenden mit hochtönende» Worten zur Betheiligung an der Ausstellung, wobei gleichzeitig die Bereitschaft zur Vertretung der Aussteller gegen eine Pnuschalfitinme von 126 M. erklärt wurde; dieser Betrag sollte aber nur zahlbar sei»,„wenn die Aussteller Erfolge erringen, d. h. das Diplom der goldenen Medaille erhalten würden." Es hatte» stch etwa 126 Aussteller an diesem Unternehmen des Herrn Juhasz betheiligt, von denen nicht weniaer als IIS goldene Medaillen und Diplome erhielten. Die ziveite Strafkammer halte sich seinerzeit mit dem Slaatsamvalt auf de» Standpunkt gestellt, daß das ganze Ans- stelluugsunternehuie» ein Schivindel sei und die Beschicker der Aus- stellung durch falsche Vorspiegelungen zur Theiluahme geködert worden seien, wobei es dem Angeklagte» nur darauf angekommen sei. die Platzmiethe einzuheimsen und gegen Eiufackung der Vertretungsgebühren die Diplome und Medaillen zu verleihen. Juhasz wurde seinerzeit zu drei Monaten Gesa»gn iß ver- urtheilt, wobei der Gerichtshof annahm, daß Juhasz unter den Prospekt auch die Namen zweier Personen gegen deren Willen gesetzt habe.— Die Rechtsanwälte Dr. M e y e r st e i n und Leonh. Friedmann legten gegen das Urthcil die Revision ein und das Reichsgericht hob das Erkenntniß aus rechtlichen und thatsächlichen Gründen auf und so mußte die ganze merk- würdige Geschichte dieser Ausstellung durch eine umfangreiche Beweisanfiiahme noch einmal vor Gericht aufgerollt werden. Staatsanwalt L i e b e n 0 iv beantragte wiederum 3 Monate Gefänguiß. während die Rechtsanwälte Dr. Meyerstein und Leon- hard Friedmann die Freisprechung sür geboten erachteten, weil nun auch nicht mehr nachweisbar war, daß die Namen der betreffenden beiden Herren unbefugterweise unter den Prospekt gesetzt worden waren. Der Gerichtshof kam diesmal nach längerer Berathung auf grund der erneuten Beweisaufnahme und im Anschluß an die Ausführungen der Vertheidiger zur Freisprechung des An- geklagten. Eine Reihe von Hochstapeleien wurde gestern vor der 9. Strafkammer des hiesigen Landgerichts I der vcrwittweten Förster Fanny Wenzel geb. Gröschel zur Last gelegt. Sie befindet sich seit dem 21. November v. I. in Untersuchungshaft und ist bereit? wegen Urkundenfälschung und Betruges mit 2 Jahren Zuchthaus vorbestraft. Trotz dieser schweren Vorstrafe ist es ihr durch ihr gewandtes Benehmen unter der Maske der„Wittwe eines Oberförsters" gelungen, in gutsttuirte Kreise einzu- dringen. Sie hatte in Potsdam-Wildpark im Hause einer Frau v. Stechow eine Wohnung für ein„Damenpensioiiat" gemiether, sie fand aber keine Pensionärinnen und zog, ohne einen Pfennig Miethe bezahlt zu habe», nach Berlin. Sie wurde mit mehreren adeligen Personen und namentlich auch mit einem jungen Arzte bekannt, dem sie unter glänzende» Erzählungen über ihre Verbindungen, ihre Vermögenslage und die ihr angeblich von wohlhabenden Personen in Aussicht gestellten Mittel, ihren Plan entwickelte, eine große Penston für bleichsüchtige junge Damen zu errichten und zugleich die Gesichts- und Schönheitsmassage zu betreiben. Der junge Arzt wurde durch die Angeklagte so gefesselt, daß er ihr versprach, vou der für das Penffonat zu miethenden Wohnung m der Königgrätzerstraße zwei Zimmer abzumiethen und als Arzt für das Krankenpensionat thätig zu sein. Der junge Arzt unterzeichnete sogar den Miethsvertrag, den die An- geklagte abschloß. Als Frau Wenzel, die gänzlich mittellos war, die Miethe nicht zahlen konnte, wurde der Arzt in Anspruch genommen und zahlte vergleichsweise 1366 M. baar und 1606 M. in einem Akzept. Er hat, wie er behauptet, sich durch das Ver- trauen erweckende Auftreten der Angeklagten immer wieder täuschen lassen, sie auch in andere Familien eingeführt und erst zu spät ein- gesehen, daß sie eine unehrliche Person sei. Zur Ausmöbliruug der Wohnung in der Königgrätzerstraße trat die Angeklagte mit einer Möbelhaudlung zwecks Lieferung von Möbeln im Betrage von etwa 6000 M. in Verbindung. Sie hatte dabei erklärt, daß sie sofort nach Lieferung 1000 M. baar anzahlen werde und bat. das Geld von ihr abzuholen. Ein Angestellter der Firma ging aber wieder- holt zu der Angeklagten hin, wurde aber immer durch Ausflüchte hingehalten. Schließlich wurde der Kaufvertrag in einen L-ihvertrag umgewandelt, auf welchen die Angeklagte aber nur 200 M. zahlte. Es blieb der Firma nichts anderes übrig, als die Möbel wieder zurückzuholen. Ehe sie die Wohnung in der Königgrätzerstraße ge- miethet hatte, hatte sie längere Zeit bei einer Fra» in der Dessauer- straße gewohnt und dort ans Borg gelebt. Sie hatte dabei erzählt, daß ihr Mann Oberförster sei, daß sie von dem Sohne ihrer Schwester, der in Dresden auf dem Sterbebette liege, eine Erbschaft von mehreren tausend Mark ausgezahlt erhalte, daß ihr größere Summen zur Errichtung eines Dameupenstonats versprocke» seien-c.-c. Sie ist schließlich, als sie eine Schuld vou 500 bis 600 M. kontrahirt hatte, exmitirt worden, aber der junge Arzt, der Stein und Bein darauf schwor, daß die Angeklagte nur durch Verkettung un- günstiger Umstände in augenblickliche Verlegenheit gekommen sei. trug ihre Schuld aus eigene» Mitteln ratenweise ab und stürzte sich überhaupt infolge der engeren Verbindung mit der Angeklagten selbst in große Verbindlichkeiten.— I» einem andern Falle, der von der Verhandlung ausgeschlossen werden und einer späteren Verhandlung vorbehalten bleiben mußte, soll sie gleichfalls bei einer Bermietherin längere Zeit gewohnt und dann unter Hinterlassung von Schulden verschwunden sein.— Staatsanwalt Dr. Eger hielt die Angeklagte sür eine sehr verschmitzte Schwindlerin, die nicht nur den Arzt, sondern eine ganze Anzahl vou Personen in dreister Weise bcschivindelt habe; er beantragte drei Jahre Gefänguiß und süuf Jahre Ehrverlust. Rechtsanwalt Dr. C o ß in a n n erachtete die ganze Such- läge und namentlich das Verhältniß der Augeklagten zu dem jungen Arzte für so verschivommen und unklar, daß diesem gegenüber von falschen Vorspiegelungen gar keine Rede sein könne. Auch den übrigen in Frage kommenden Personen habe die Augeklagte keine falschen Angaben gemacht und müsse deshalb freigesprochen iverden. Der Gerichtshof vermißte in den zur Verhandlung gelangten Fällen den Nachweis, daß die Angeklagte den betreffenden Personen falsche Vorspiegelungen gemacht habe und müsse deshalb ein frei- sprechendes Urtheil erfolgen. Die noch ausstehenden Fälle sollen in einer späteren Verhandlung erledigt werden. Die Angeklagte wurde ans der Untersuchungshaft entlassen. Der am Dienstag beginnend« Senfationsprozest Kosche- maiin und Genosse» wegen des vereitelten Atlcntats gegen den Polizeiobersten Krause dürfte, wie es den Anschein hat, noch in letzter Stunde dem Schicksale der Vertagung verfallen. Es wird darüber berichtet? Dem Vernehmen nach glaubt die An- klagebchörde noch weiteres Material zur Ueberführung des An- geschuldigten Koscheman» sammeln zu müssen, während Rechtsauwalt Dr. Werthaner und Dr. Schöps so kurz vor Beginn des Termines nicht in der Lage sind, das neue Belastungsmaterial prüfen zu könne». Auffallend erscheint es, daß sich jetzt nach l3/4 Jahren ein Zeuge gemeldet haben soll, dem Koscheiuaun gelegentlich ein- geräumt habe, daß er der Absender der Spreugkiste gewesen sei.(?) Selbst für den Fall, daß die Verhandlung zu Ende geführt wird, bleibt Koschemaiiu dennoch in Hast, weil er wegen Verleitung zum Meineide, weshalb kürzlich der Genosse Warsönke inhaftirt wurde, besonders in Untersuchungshaft genommen ist. Für die Aufrecht- «Haltung der Ordnung im Gerichtsgebände, so heißt es weiter, sind während der 5 Verhaudlungstage die umfassendsten Sicherheits- ßregelu getroffen worden. Die Grostthat des Berliner MnckerS. Eine das Treiben „ewisser Sittlichkeitsapostel in drastischer Weise kenn- zeichnende und Geschäftsleute, besonders Buchhändler, zur Vorsicht vor A,Kvirts provocateurs mahnende Gerichtsvelhandlung ging am gestrigen Eonnabend(3. April) im Schöffengericht zu B r a u n s ch w e i g vor sich. Unter der Anklage ivegen Silk- lichkeitsvergehen hatte steh der bisherige Bahnhofsbuchhändler A. N o l t e zu verantworten. Das war wie folgt gekommen. Nolle hatte wie üblich so auch am 16. Oktober v. I. den Reisenden im Berliner II-Zuge, als dieser hier nachmittags 23/i Uhr, einige Minuten hielt. Zeitungen angeboten. Plötzlich ver- ließ ein anständig gekleideter Herr das Noupee, ging auf Nolle zu und befragte ihn, ob er nicht pikante Lektüre habe. Nolle machte darauf einige Bücher namhaft, jedoch erwiderte der Herr, das sei ihm alles nicht pikant genug; er wolle etwas habe», um sich zu amüsire». Daraufhin verkalifte ihm der Buchhändler für 8 M. die Geschichte der Dem. Brian. Mehrere Monate später erfuhr der Vertrauensselige, daß er in eine ihm arglistig gestellte Falle gegangen war. Der so sehr auf pikante Leltür« erpichte Herr war der in Berlin W., G e n t h i n e r st r. 38 wohnhafte Pastor Fritsch. Sekretär des Vorstandes des Berliner Männerbundes zur Bekänipfung der Unsittlich- k e i t. Am 12. Dezember, also fast zwei Monate nach dem Ankauf des Buches, denuuzirt« der Geistliche den Bahnhofs-Buch- Händler sowohl der königliche» Eiseubahndirektion Magdeburg so- wie der herzoglichen Slaalsanwaltschast in Braunschweig, und zwar mit dem Erfolge, daß Nolle nicht nur von Haussuchung u. f. w. betroffen, sondern daß ihm auch die 36 Jahre besessene Konzession sür den Bahnhofs-Buchhandelent- zogen wurde! Außerdem hatte sich Nolle, wie schon oben erwähnt, deshalb noch eine Anklage wegen Sittlichkeits- Vergehens zugezogen. Das Gericht erklärte in seinem auf 20 M. Geldstrafe event. 6 Tage Gefängniß lautenden Urtheil, die Strafe sei milde bemessen wegen der Art und Weise, wie der An- geklagte zur Begehung seiner Strafthat verlockt sei. Die dabei in Anwendung gebrachte Methode erachte daS Gericht für durchaus verwerflich und in keiner Weise billige ns werth. Ans Einziehung des Buches, dessen glücklicher Besitzer der Pastor Fritsch sei. könne nicht erkannt werden.— Für den letzteren dürfte die Sache»och ein unangenehmes Nachspiel haben, da der Vertheidiger Nolte's, Rechtsanwalt Dr. Robertin-Braun- schweig, gegen ih» wegen Anstiftung ein Strafverfahren ver- anlassen wird, dessen Ausgang nach dem Urtheil in Juristenkreisen � nicht zweifelhast sein kann.'j' Ein unverbesserlicher Milchplanscher scheint der Mit Händler Ernst Lehmann in Treploiv zu sein, der sich gestern vor der III. Strafkammer am Landgericht II gegen zwei verschiedene Anklagen wegen Vergehens gegen das Nahrungsmitlel-Gesetz zu ver- antworten hatte. Nachdem der Angeklagte im Herbste v. I. schon einmal wegen Milchfälschung vorbestraft worden war, wurde er häufiger kontrollirt.und Proben seiner„Vollmilch" wurden demChemiker Lehmann zur Analyse zugesandt. Dieser konstatirte in zwei Fällen, daß die zur Vollmilch gehörige Sahne dnrch Waffer ersetzt ivar. Tarauf folgte» zwei verschiedene Anklagen. In der einen Sache erkannte das Schöffengericht auf Freisprechung und in der anderen auf SO Mark Geldstrafe. Wegen der Freisprechung legte die Staats- anwaltschaft und wegen der Verurtheilung der Angeklagte Berufung ein. Nach erneuter Beweisaufnahme wurde die Berufung des An- geklagten verworfen, dagegen wurde aus die Berufung der Staats» anwaltschaft das freisprechende Urtheil in der zweiten Sache aus- gehoben und der Angeklagte zu 30 Mark Geldstrafe verurtheilt. Außerdem beschloß derGertchtshof.denUrt Heils- tenor durch Veröffentlichung in einer hiesigen Zeitung öffentlich bekannt zumachen, damit das Publikum gewarnt iv e r d e. Wege» Mißhandlung im Amte hatte sich gestern der Polizei- Wachtmeister Schmidt zum zweiten Mal vor dem Hamburger Landgericht zu verantworten. Schmidt ist im Jahre 1891 vom Militärgericht ivegen Mißhandlung von Untergebenen mit IS Tagen Mittelarrest und Anfang dieses Jahres von der Hamburger Straf- kammer IV. wegen Mißhandlung im Amte zu 5 Monate» Ge- fängniß verurtheilt worden. Die letztere Strafe hat Schmidt noch nicht verbüßt, und nach seiner Angabe ist er auch heute noch im Polizei- dienst thätig. Gestern wurde ihm ein weiterer Fall von Mißhandlung im Amte zur Last gelegt. In der Nacht zum 1. Sepleinber vorigen Jahres kam Schmidt auf einem Patrouillengange durch die„Kleine Drehbah»", wo der Schneider G. mit drei Postunterbeamten im Gespräch auf dem Trottoir stand. G. stand mit dem Rücken nach dein Fahrdanim hin, und zwischen ihm und dem Kantstein war noch so- viel Platz, daß ein Mann ganz gut hinter ihm auf dem Trottoir gehe» konnte. Schmidt, der hinter G. durchging, rannte letzteren jedoch heslig an und sagte dann, als er einige Schritte von der Gruppe eutfernl war: „Sie hätten auch Platz machen können." G. entgegnete hierauf etwas schroff:„Wenn Sie hier keinen Platz haben, so benutze» Sie doch den Fahrdanim." Nim drehte Schmidt sich um, ging auf G. zu, faßte ihn im Genick und schleuderte ihn gegen bie HauSwand, wobei er die Worte aussprach:„Gehen Sie. so machen wir das mit Ihnen, Sie F a tz k e." Dann schleuderte Schmidt ihn auf den Fahrdamm und schüttelte ihn mehrfach hin und her, um ihn dann nach der Polizeiwache in der Dainmthorftraße zu tranSportiren. Unterwegs drehte Schmidt dem G. dann noch so heftig den rechten Arm aus denRücken, daß G. noch heute Schmerzen im Schultergelenk ver- spürt. Gegen G. wurde dann noch obendrein eine Anklage erhoben, aber das Schöffengericht drehte die Sache um; es sprach G. frei, weil es in dem Vorgehen des Schmidt einen Akt polizeilicher Willkür sah. den» gegenüber sich G. in der Nothwehr befunden habe. Darauf leitete die Staatsanwaltschaft ein Versahren gegen Schmidt ivegen Mißhandlung im Amte ein; er wurde durch die eidlichen Aussage» der drei Zeugen trotz seines Bestreitens für schuldig befunden und zu weitere» fünf Mouatei» Gefängniff vcrurthrilt. Versa nrntlung-en. Die Franc» i» Reinickendorf hielten am Sonntag, den LS. März, eine von 100 Personen besuchte öffentliche Versaimnlung ab, in»velcher Genofü» Ottilie Baader einen interessanten Vortrag über Jugenderziehung hielt,»velcher mit sehr großem Juteresse auf- genommen»vurde. Au der Diskussion betheiligten sich inehrere Ge« »offen im Sinne der Referentin. Bei de» Ledergalanteriearbeiter» sprach am 29. v. Mis. Kollege S a i l e r über die kapitalistische Entivickelung in Deutsch» laud. Die Kollege»» von der Werkstatt Schreiber sind nicht er- schiene» und soll daher demnächst eine Werkstättenversamuiluug ab- gehalten»verde». An» 12. April»vird in einer öffentlichen Ber- fanimlung über die Ausdehnung ber Krankenversicherung auf die Heimarbeiter gesprochen»verde». In der Freien Bereinigung der Kanflente sprach an» Mittivoch, den 31. März, Schriftsteller I o h. G a»» l k e über die sozialistische Bewegung in Amerika. Der Redner schilderte arlsführlich die verwickelten sozialen Verhältnisse der Vereinigten Staate», die bedingt»verde» durch die Verschiede», arligkeit der eingewanderten Völkerschaften»ind die es verschuldet haben, daß i» Amerika von einer sozialistischen Beivegung »och herzlich»venig zu merken ist. Aber trotzden» ist eine solche da und ihre Vertreter sind äußerst rührig an der Arbeit,»veimgleich sie den sehr starken Trades-Unions gegenüber einen schiveren Stand haben. An der Diskussion betheiliglen sich die Kollegen H i n tz e, S w i e n t y und Fräulein Frisch. An» Mittwoch, den 14. April, spricht der Schriftsteller Heinrich Schulz über Fritz Reuter. Charloiteuburg. Eine öffentliche Versammlung der Maurer tagte am 30. März in» Lokale Bismarckshöhe. Kollege M e z k e hielt einen Vortrag über die Mißstände im Baugeiverbe, soivie über die Bausperren auf den verschiedenen Bauten. Er belcllchtete in eillgehender Weise die mangelhaften Schlltzvorrichtungen, Baududen, Aborte u. s.>v. Ferner unterzog Redner die Akkordarbeit beim Maurer soivie Putzer einer scharfen Kritik. Als Delegirte zur Manrer-Koilfmiiz der Provinz Brandenburg»vurden die Kollegen Schulze und B e r n s e e geivählt. Einstimmig wurde beschlossen, die Arbeit am 1. Mai rnhen zu lassen. In Rixdorf tagte am I. April in Kummers Salon eine öffentliche M au r e r v e r f a IN III l u n g, in»velcher Kollege Rabe über das Thema: Unsere wirthschaftliche Lage und»vie bessern »vir dieselbe an»»virksamsten auf?" referirte. Nach den» sehr bei« fällig aufgenommenen Vortrage wurde nach längerer Diskllssion von der Versammlung erklärt, daß sie ganz mit den Ausführungen des Referenten einverstanden sei. Die anivesenden unorgnnistrten Kollegen versprachen ebenfalls dem Verbailde beizutrete». Unter Punkt 2: Stellungnahme zu der am 19. und 20. April stattfindenden Kon- ferenz der Maurer der Provinz Brandenburg event. Wahl eines Delegirte»» zu derselben,»vnrde Kollege Wittig geivählt und erhalt derselbe pro Tag 3.50 Mk. Zun» Schluß»vurde eine Resolution angenoimnen,»vonach das Gelverkschaftskartell aufgefordert»verde» soll, bei der Behörde vorstellig zu»verde», damit dieselbe ihr Augen- merk auf die schlechte Beschaffenheit der Baubuden und Abort« richten soll. Arbeit»». Kltditugoschiil», Semester-Ferlen bl« Mitte April. ?>» A«r»I>i»lle der Arl>«>ter-Kild«»g»sch>>l», Brunnenstr. K, ist woiheu- tnflS uoii 6—0»Ihr, Sonntage von«— s Uhr, unentgeltlich für jedermann geöffnet! die Geschäftsstelle der Schule N., Brunnenftrab? 25, die den Vereins- vorständen zur Berniittelung von Vorträgen wissenschaftlichen Sharatter» zur Versügung sieht, ist ebenfalls von 6-0 Uhr»achmtNags geösfnel. Arb«>t«r-Kn,io»r»>n»d Berlins und»Mftigend. Vorsitzender Ad. Neuntann, Paseivalterstr.». Alle Aenderunge» in»«cretnSlalender stnd ,» richten an Friedrich st o r t u»», Mantenstelfir.«9, v. s Tr. Arbeiter- Pnucherbund Kerli»« und zimtzegend. Aenderunge» Im Beretuslaiender sind zu richten an Hermann B r a un sch w e ig, Dresdener- strabe 80, 9. Hos,« Dr. Kund der gesellige,, Arbeiterverein, Kertin» und Zlmgegend. Alle , den Bund betreff«»», find zu richten an H.» enbtr.«lerandrtnen- Iraße 100. »rrband der Graveure. Cisrleurr«tr. Dienstag, den«. April, abends Uhr, Oranienstr. 5»: Vortrag des Kollegen Sultmann über„Die sozial« Be- deutung des Darwinismus". Gäste wwroininsn. Zahlstelle FrtedrtchSberg bei Fuchs, iFranlfurter Allee t»..... Zrntralverbaiid der Konditoren(Lolalverein Berlin). Heute, nachmittags » Uhr, bei Babiel, Rosenthalcrstr. s?: Mitglieder- Versammlung. Gäste will- kommen._ Koomo«. Nerei» für»olksthiiniliche KUilsenschaft. Dienstag, den 6. April, abendS fso Uhr, bei vensei, Brunnenstr. 178: Vortrag über„Der soziale Roman". Dtslussion. Gäste jederzeit willlommen.... z»rwat-TH-at-r-GeseUschaft Montag, den 6. April, abends 9 Uhr, tm Restaurant Nowacl, Manteusfelstr. g: Sitzung... Moabit-,- Aatlrrheiiberein. Heute, abends 7 Uhr, im Vereiuslokal, Restaurant der Moabiter Marlihalle, am Armtniusplatz: Bortrag und Dtstusston über Hypnotismns. Gäste willlommen.... Nerein für Körper- und Naturhellbund«. Montag, den s. April, abends ssj Uhr: Herr Grundmann über„Rervenkrankhetten". Damen ,und Herren will- kommen._ Wittel»»igöiibersicht vom 3. April I8D7, Wetter-Plognofe fiic Sonntag, de» 4. April Etwas wärmer, zunächst vielfach heiter bei mäßigen südöstlichen Winden; nachher neue Trübung und geringe Niederschläge. Berliner Wetterbnream. l.otiis Keilers Festsäle, Sonntag, den 4. April 1807; Gr. Partei Vergnügen veranstaltet von den Weigenbisell des I. Verl. ReWG-MWeises(Sjt). Gr. Vekal- u. Instramental-Xonzert ausgeführt von der„Freien Vereinigung der Zivil- Bcmfsuuisiker" unter Mitwirkung der Gesailgvercine„Liedesfreiheti" und„Jhn'scher Männerchor" (M. d. A.-S.-B.). Auftr. der Gesellschaft„Strzeleivicz". Ganz neues Progr. Turnerische Aufführungen. Marmorgruppen. M Li»»«»«»' Tanx* Anfang 4 Uhr. Das Cowite. Stempel von M. 2,50 an Mk. 1,60 »tempeJ__ Kleine Dmckerelen, compl., von -----■""• No. r IT. Gnttnaann, Brunnen-Strasse Brenner& vie., • Alte Jakobstrasse No. 57—59.»- Verkaufspreise der Landvarst- Fabrik Damhussoen b. Valby Niederlage; Dresdenerstr. 67 n. Annenstr. 28. Speck la fetten, 60 Pf. per Pfd. „II„50 Pf.„ mager 65 Leberwurst la v. 45 Pf. an pr. Pfd. Blutwurst la v. 45 Pf.»u pr. Pfd. Mettwurst von 50 Pf. an„ Zervelatwurst v. 70 Pf. an„ Salami von 80 Pf. an nnr in ganze« Würsten, ausgewogen 15 Pf. per Pfd. thcurer. kisbein, Mnpiheil, KlikattßmrMtil, Bratwürste k. sind täglich zu haben. Kalte Braten stets vorrüthig. Geioerkvereine bezw. Fabrikkantinen erhalten Preisermäßigung. ES»vird garautirt, daß fSmmtliche Wurst-«ud Fleisch- waarein auS bestem gesuuden europäischen Schweine- bezw. Rind- fleisch hergestellt werden._[14171.* I S Achtnng I Mein Weißwaaren- Geschäft! befindet stch jetzt nicht mehr Oranienstr. 188, sondern »urZljS.Lranienft.sos.l Zwischen Heinrichsplatz und Manteuffelstraße. Die billigen Ausverkaufspreifc werden beibehalten. Nermnn Lambrechts, 205, Oranienstr. 265. Teppiche I i»Brüssrl-Jmit.,Axminster, Plüsch, Brüiffel, Snrvrna, verkaufe in Sophagröste k B, 7, 10, 14-30 Mk. Salongröste 10, 15, 20- 60 Mk. 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Für die Berliner Parteigenossen sei bekannt gegeben, daß die Beerdigung heute Sonntag, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause, Schlesischestr. 2, nach dem Begräbnißplatz der Freireligiösen Gemeinde(Pappel-Allee) stattfindet. Die Dertrauenspersonen. 215/17 Verbailli aller m der Metall- Wustrie beschilft. Arbeiter Berlins nnd Umgegend. Todes-Anzeige. Am 2. April starb unser Mitglied der Schraubendreher 112/18 frifc Schulz. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 4. April, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus-Fried- Hofs in Ripdorf aus statt. Um rege Betheiligung ersucht Der Borstand. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß unser lang- jähriges Mitglied, der Gürtler 1297b Emil Schulz am 1. April sanft entschlafen ist. Die Beerdigung findet Sonntag, den 4. April, nachmittags 1 Uhr, vom Trauerhause, Wienerstr. 13, aus statt. Musikvcrein„Hoffnung". Allen Freunden und Bekannten die traurige Mittheilung, daß am Freitag, den 2. April, mein lieber Mann und Vater, der Putzer Bernhard Rcinicke, Birkenstr. 24 ivohnhaft, im 52. Lebensjahrverstorben ist. DieBecrdigung findet Montag, nachm. 3 Uhr, vom Moabiter Krankenhaus aus, statt/ 1389b Die trauernde Wittwc n. Kindern. Die Beleidigung gegen Schröder nehme ich zurück. 1338k l?. Schreiber. Achtung, Patzer! Den Mitgliedem des Zentral- Verbandes deutscher Maurer (Filiale Berlin I, Putzer), sowie den Mitgliedem des Gesang- Vereins„Gemüthlichkeit" zur Nachricht, daß unser Mitglied Benihsni Reinicke am Freitag, den 2. April, vor- mittags 19 Uhr, verstorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 5. April, nachmittags 3 Uhr, vom Krankenhaus Moabit aus statt.— Um rege Betheiligung bittet die s134/1ö! D ertliche Verwaltung Pnnhsngung. Für die liebevolle herzliche Theil- nähme bei der Beerdigung meines liebenMannes, des Zeitimgsspediteurs Gustav Rosenthal sage ich allen Verwandten, Freunden und Genoffen, insbesondere den werthen Botenfrauen für die schonen Kranz- spenden meinen herzlichen Dank. Die trauernde Wittwe Marie Rosenthal, geb. Rasch. Die Aeußerungen vom 11. v. M., welche ich über den Schomsteinfcgcr Herrn W i n ck l e r zu seinem Meister gethan habe, nehme ich hicmiit zurück und erkläre Herm Wincklcr für einen Ehrenmann. 1374b Mende, Werneuchenerstr. 10. Anarchisten! Sozialisten! Märzfeier am Dienstag, den 6. April, abends'�9 Uhr, in Renz' Salon, Raunynstraße 27. Fortsetzung des Referats vom Genoffen Demptvolf über: Die Bedeutung des 18. u. ÄÄ. März. Arveiter und Genoffen! Abennals ist uns die Versammlung aufgelöst worden, es findet nunmehr die 5. Versammlung statt. Zahlreiches Erscheinen erwartet 1385K Der Einbcrnfcr. Dtrlimr Wettmerlreter-Umtn. Dienstag, den«. Zlpril, abends 8'� Uhr, im Lokale des Herrn Bnske, Grenadierstrafie 3Z: Uersammilmg. Tagcs-Ordnung: 1. Bericht aus den amtlichen Nachrichten(Rundschreiben). 3. Verschiedenes. Gäste haben Zutritt.'"•S Ilm pünktliches und zahlreiches Erscheinen ersucht 2. Diskussion. Der Vorstand. XB. Die Mitglieder werden dringend ersucht, ihren etwaigen Wohnungs- Wechsel anzuzeigen. 53/19 Mcfrtang, Kistenmacher! Montag, den 5. April, abends 81/, Uhr, bei Groffe, Annenstr. 19 Oessentliche Versammlung. Tagesordnung: 94/11 1. Abrechnung des Vertrauensmannes. 2. Stellungnahme zu de» neuen Aufgaben der Gewerkschaftökomnnssion, besonders bei Streiks. 3. Die Feier des 1. Mai. Der wichtigen Tagesordnung wegen ist es Pflicht eines jedes Kollegen, zu erscheinen. Qer Vertrauensmann,(f. Dschcrnig. Männer! MiJcviarf. Frauen! Montag, den 5. April, abends pünktlich 8 Uhr, in den„Viktoria- Sälen", Hcrmannstratze-18— 30: Uolks-Versammlung Tages-Ordnung: 1. Religion und Kirche. Referent: Reichstags-Abgeordneter Rein» rieh Pens. 2. Freie Diskussion. Die Herren Geistlichen sind brieflich hierzu eingeladen. Zur Deckung der Unkosten wird ein Entree von 19 Pf. erhoben. I. A.: Ad. Rnffiuann. Austrittserklärungen sind bei folgenden KommissionSmitgliedern zu haben und werden auf Wunsch ausgefüllt. Ad. Hoffmann, Blumenstraße 14; G. Lindemann, Moritzstraße 9; H. Jänsch, Weidenweg 77; I. Buckow, Münchebergerstr. 19; G. Bohne, Brunnenstr. 141. 13l)3K Achtung! Maurer Derlws. Achtung! Dienstag, den 6. April, abends 8 Uhr, im Louisenstädtischen Konzerthans, Alte Jakob-Stratze 37: Kr. öffentliche Maurer-Versammlung. Tages-Ordnung: Stellungnahme zu der am Iii. und 20. April in Berlin tagenden Konferenz der Maurer der Provinz Brandenburg event. Wahl von Delegirten zu derselben. Kollegen! In der Erwartung, daß die Nothwendigkeit der Beschickung der Konferenz von der hiesigen Kollegenfchaft voll gewürdigt wird, indem wir einsehen, daß genügende Propaganda für Lohnerhöhung, Verkürzung der Arbeitszeit, Abstellung der Mißstände in unserem Berufe u. s. w. in jedem größeren Orte der Provinz betrieben werden muß, wenn eine Besserstellung der Kollegenschaft erfolgen und der Jndifferentismus der aus der Provinz zuziehenden Kollegen möglichst verschwinden soll, erwarten wir, daß jeder Kollege, welcher ein Jntereffe an der Maurerbewegung hat, obige Versammlung besucht. 133/18 _ Der Vertrancnsmann deutscher Maurer. Karl Panser, Eisenacherstr. 67. 3. HVnhlkreis. Sonntag, den 4. April 1807. abends«V-«Hr. bei Unheil, Linden-Straffe 106; Geffenkl. Versammlung. Tages-Ordnung: Vortrag der Genossin Frau A. Mesch über:„Unsere Pflichten". Nachdem: Geselliges Beisammensein.— Eintritt 19 Pf. 211/19 Um regen Besuch bittet Die BertrauenSperson. 8oÄsIiIe»iM. Verein„Vorwärts" Berlin. DM- D i e n st a g, den 6. April 1807, abends 8Vz Uhr."VS in Bernhard Kaabe's Salon, Kolbcrgerstraffe 23: Genernl- Verfnmmlung. Tagesordnung: I. Bericht deS Vorstandes, des Kassirers und der Revisoren. 2. Neu- wähl des Vorstandes und der Revisoren. 3. Anträge. 4. Verschiedenes. BBBBBiBS Mitgliedsbuch legitimirt.■IHBHH Die Mitglieder werden ersucht, etwaigen Wohnungswechsel bei der nächsten Zahlstelle bekannt zu geben und die Abrechnung der entnommenen Einlaß- karten zum Stiftungsfest umgehend vorzunehmen. 274/29 Der Borstand. DkuWer DoArbeiter-UttbllNi». (Zahlstelle Berlin). VvÄncke ixer K>ArquetbodenleNev. Montag. 3. April, abends 8 Uhr, bei Zuhell, Lindenstr. 106: Sitzunq"WZ Her Wtrkstatt-Koiltrolttomil'.isiiöil mt den Bertranenslenten. Tagesordnung: 1. Wie gewinnen wir die uns fernstehenden Kollegen? 2. Verschiedenes._ Die Kommission. VvKnrhe der Valmmmoichivv. Montag, 5. April, abends 8 Uhr, bei Wilke, Andrcasstr. 26: USir Versammlung."WU Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Besprechung interner Branchcnangclegenheiten. Die Kollegen folgender Werfftätten sind besonders eingeladen: Streich, Blumenslr. 79; Thomas, Ackerstr. 133; Wolf, Krautstr. 14.___ 88/5 ü: Bildhauer Berlins! zs Mittwoch, den 7. April er., Präzise 8'/, Uhr, Annen- Strasse 16, Grosse öffentliche Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Stellungnahme zum I Mai. 2. Die Lehren des Hamburger Hafenarbeiter-Streiks und die Taktik der Berliner Gewerkschaften bei Lohnkämpfen. 3. Bericht des Delegirten zur Berliner Gewerkschafts- kommission und event. Neuwahl der Delegirten und Verschiedenes. 21/13 Der BertrauenSmann: G. Winkler. Deutsch. Metallarbeiter-Verband (Verwaltung Berlin). Bezirks-Versammlu«gen. iST Für Ripdorf:"NU An» Dienstag, den 6. April, abends SV- Pl»»% in den Viktoria- Sälen, Hermannstrasse Ao. 40. Tagcs-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Schlegel über:„Die Roth- wendigteit der Arbeitszeitverkürzung." 2. Diskussion. Ur Wedding und Lrllllienhmger Vorstadt am Mittwoch, de» 7. April, abends 8V- Uhr, im Kolberger Salon, Kolbergerstrafte 23. Tagesordnung: 1 Vortrag der Genossin Ottilie Baader über: „Klassenmvral". 2. Diskussion. Jür Südosten(Görlitzer Viertel) am Mittwoch, de» 7. April, abends 8Vz Uhr, bei Rautenberg. Oranieustraffe 180. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Dr. laut über:„Die Gewinnung der Metalle". 2. Diskussion. In allen Versamnilungen Vcrbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Gäste willkommen. Zahlreiches Erscheinen erwartet 121/13 Die Ortsverwaltnng. Kosiiim-Schnriiikr«.-Schlltidkrimikn IM- Blenstag, den 6. April er., abends Sy, Uhr,"TBE in den Arminhallen, Kommandantenstr. 20, ßcffeutlidjc Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Was haben wir zu thun, um unsere Forderungen aufrecht zu erhalten? 2. Diskussion. 164/6 Alle Berufsgeuoffen der Kostünibranchc werden ersucht, in dieser Ver- sammlung zahlreich zu erscheinen. Besonders eingeladen sind die Kollegen der Geschäfte, in welchen bisher die neunstündige Arbeitszeit noch nicht ein- geführt ist. Die Agitationskomi» isfion der Schneider u. Schneiderinnen Berlins. _ I. A.: I. T i m m, Vertrauensmann.___ jllg! Kackirer! _ Dienstag, den 6. April, abends 8 /, Phr, im Restaurant Schöning, KOpnlckcr- Strasse 68, General- Versammlung dev Jfilinle IV. 24/18 Tages- Ordnung: 1. Quartalsabrechnung. 2. Bericht des Vorstandes und Neuwahl desselben. 3. Verschiedenes. Der Borstand. Vei'lmnd der Graveure, Ciseleure etc. Dienstag, den 6. April, abends 8'/- Uhr, in den Oranicuhallen, Oranienstraffe 61: Die VevsÄmmlung. Tages-Ordnung: I. Geschäftliches. 2. Vortrag des Kollegen«ntmann über: soziale Bedeutung des Darwinismus." 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. Die Gcncral-Versammlung findet am Dienstag, den 27. April, in obigem Lokale statt. Am Eharfrcitag Herrenpartie nach Pichelsdorf. 74/15 Der Vorstand. Ich wohne vom 8. April d. I. ab Reinickendorferstr. 30. Dr. Utathanson, _ pr. Arzt. Sezillldemkretischer Lese- u. Disklltirklüd„Gr. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Sitzungen jetzt bei Schillinger, Tilsiterstr. 49, stattfindenjedenDonncrs- tag nach dem 1. u. 15. jeden Monats. Gäste haben Zutritt. Neue Mitglieder werden aufgenommen. 1332b ffcreiiisiimmer" 3*'"' Louisen-Ufer 22. zu vergeben 1375b NtskrsMW der Weber und mnmdter Gewerbe.' Sonntag, den 11. April, vormittags 19 Uhr, in Thiel's Salon, Frucht- Straße 36 a: Geiitml-Vnsamml«»g Tagesordnung: 1. Vorlage d. Jahresrechnung pro 1896. 2. Bericht der Revfforen und Antrag auf Ertheilung der Decharge. 3. Wahl eines Kaffenführers und deffen Stellvertreters. 4. Verschiedenes. 1351b Berlin, den 4. April 1897. Der Borstand. C. Spann, Vorsitzender. P. Stemmler, Schriftführer. eOI'!itefllUMl''8l!lK Sterbe-Kasse gegründet z« Berlin 1843, ladet hiennit zum Beitritt ein. Dieselbe zahlt ein Sterbegeld von 45—99 M. bei einem jährlichen Bei- trag von 3,29 M. Anmeldungen v. Personen, Männern und Frauen, welche gesund sind und das 45. Lebensjahr nicht überschritten haben, werden an jedem ersten Sonn- tag im Monat im Kassenlokal, Acker- Straße 13, nachmittags von 4— 7 Uhr, entgegengenommen. 1376b Der Vorstand. I.A.: C. Wünsche, X., Ackerstr. 65. Vereist äesttsvlivr Schuhmacher. VersÄmmlungen DV am Montag, den 5. d. Mts., abends 8Vi Uhr."VS Zahlstelle I bei Feind, Weinstr. 11: Vortrag. Zahlstelle 15 bei Lange, Dragonerstr. 15: Vortrag. Zahlstelle III bei Müller, Johannisstr. 20: Vortrag. Zahlstelle IV bei Boll, Adalbertstr. 21: Vortrag. Zahlstelle Friedrichsberg bei Fachs, Frankfurter Allee Nr. 49: Vorlesung. In sämmtlichen Versammlunaen: Abrechnung vom 1. Quartal. Um zahlreiche Betheiligung bitten 185/17 Die Bevollmächtigten. Nerdmd der in Holideardeitnngg-IadMe« «.aus Dollplähen desch. Ardeiter stentschiands (Ortsvernaltung Berlin I.). Montag, den 5. April 1807, abends SVs Uhr. bei BSilkc. Andrcasstr. 26: MtiKgüertei'mHfenssiHHmlTiiig. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom 1. Quartal 1897 und vom Maskenball. 2. Bericht des Vorstandes, der Arbeitsnachweis-Kommission, der Rechtsschutzkommission und des Bibliothekars. 3. Wahl des Vorstandes und der Kommissionen. 4. Gewerkschaftliches. Der Vorstand. NB. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung werden die Kollegen ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. 82/9' Kraulten- Unterstntznngs- Knud der Schneider. Das Bureau befindet sich seit dem 1. April Annenstr. v, pari. Ebendaselbst ist das AuSkunfts- und Arbeitsnachweise-Bureau der Schneider und Schneiderinnen Berlins. 166/6 Die Ortsverwaktung. Arbeiter- Bildungsverein Schöneberg. Montag, den 6. April, bei Obst, Brnnewaldstr. 110:' General- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom 2, Quartal. 2. Vortrag; Soziale Zustände auf den: Lande und wie agitiren wir am besten. 3 Tis- kussion. 4. Vereinsangclegenheiten. 15/2 Der Vorstand. Berl. Naturheilverein Vorwärts. Wnstag, 6. April, abends 8'!- Uhr. Alexander- straße 27 e bei Doffmann: Versammluii||. Vortrag des Derrn Müller über:..Massage" Verschiedenes. 1364k Gäste willkommen. Eintritt 10 Pf. Nervenkrankheiten zugleich Bin Blick in das Innere des Behlrns. Montag, den 5. April. abeudS SV.»Hr. im groffen Saale von Rieft, Weberftr. 17: prakt. jVaturhellk. Grundmann wird die Entstehungen u. Verhütungen, sowie Heilung dieser Leiden an zahlreichen Projekten erklären. Damen und Herren willkommen. Eintritt 29 Ps., dafür den„Naturarzt" frei. Verein für Körper- u. Vaturheiiknnde Alexunderstr. 8. Arbeiter Sängerbund Berlins and Umgegend. Sonntag, den 11. April, vorm. 11 Uhr, im Saale der Vvoluevei Frirdvichshain Uebungsstunde. Folgende Lieder werden geübt: 1. Festgesang von Uthmann, 2. Völker- frühlingslied von Thieme, 3. Gruß an den Mai von Voigt, 4. LiedeSlust! von Suchsdorf, 5. Frühlingsruf von Zöllner, 6. Wir glauben an der Freiheit! Sieg von Suchsdorf. Die Vereine werden dringend ersucht, pünktlich u. zahlreich zu erscheinen.� Bundeö-Mitgliedskarte legitiniirt. 16/16. 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Brüssel, den 30. März. Nicht weniger denn 11 Sitzungen brauchte die belgische Kammer, um das„Budget der Arbeit" unter Fach zu bekommen. Dem Arbeits- minister, dessen Nessort erst seit Eintritt der Sozialisten in die Kammer auf deren Anregung neu geschaffen ist, wurden eine ganze Sieche von Beschwerden und Wünsche in bezug auf die Arbeiter- gesetzgebung vorgetragen. Den Löwenantheil an den Debatten trugen natürlich unsere Genossen. Der Genosse Paqney lenkte die Aufmerksamkeit der Regierung auf die Ausbildung in den Kunstgewerben. Er verweist dabei auf die ökonomische Befferstelluug der englischen SIrbeiter in bezug aus Lohn, Arbeitszeit; alle Museen, Gemäldesammlungen n. s. iv. mühten den Arbeitern zugänglich gemacht werden und vor allem auch in den Tageszeiten geöffnet sein, wen» sie von Arbeitern auch besucht werden können. Der Genosse Mausert verlangt die sofortige Einführung der Sonntagsruhe in denjenigen Industrien, in denen die aus- ländische Konkurrenz garnicht zu befürchten ist. Vandervelde unternahm die Aufgabe, jene Legende zu zerstören, nach welcher man glauben machen will, daß man sich in Belgien seit der Herrschaft der Klerikalen mit der Lösung der sozialen Frage beschäftige und daß man das erst seit dem Erscheinen der bekannten päpstlichen E» c y k l i k a über die Arbeiterfrage auch in dem übrigen Europa thue. Er wies an der Hand der geschichtlichen Thatsachen die Entstehung der modernen sozialen Ideen in allen kapitalistischen Ländern nach. Die Siegiernngen entschließen sich nur unter dem Druck der öffentlichen Meinung zur Erlassung sozialpolitischer Gesetze; Belgien kann für sich höchstens den Nnhm in Anspruch nehmen, dabei in letzter Steihe zu marschireu. Lille Gesetze, die seit 1836, seit dem Beginne der Herrschast der Klerikalen, von diesen zu gunsten der Arbeiter eingebracht wurden, wie die Gesetze betreffend die Mineninspeklion, die Gewerbekammeru, die Regelung der Frauen- und Kinderarbeit in den Bergwerken u. s. w., sind nichts anderes als ungenügende Berivirklichungen alter sozialdemokratischer Forderungen und nur ans Furcht vor dem raschen Anwachsen unserer Partei Gesetz ge- worden. Ein christlich-sozialer Abgeordneter sprach sich des langen für Verkürzung der Arbeitszeil aus. Der Genosse Anseele erinnert de» Minister an das, was er nach den bereits bestehenden Gesehen schon für hies Arbeiter thun könne. Das Gesetz von 1891 verpflichte die Gemeindeu. de» ärzt- lichen Beistand zu organisiren; bis jetzt seien aber die königl. Dekrete, durch welche diese Materie zu regeln sei, noch nicht einmal ver- öffentlicht. Die Genossen Cavr ot und Maro ille(Bergleute) legten die wahren Verhältnisse der Bergarbeiter dar. Sie verlange» die Einrichtung von Bade- und Waschgelegenheiteu und die Einsetzung von Schieds- und Einigungsämleru. Im übrigen brachten sie eine Menge Mißstände zur Sprache und forderten die Abstellung derselbe». Der Abbs D a e n s, ein demokratischer Katholik, verlangt die Vermehrung der Fabrik- und Berginfpektorstelle» und ihre Besetzung ohne Ansehung der politische» Ueberzengung. Von unserem Genossen Professor Denis wurde darauf hingewiesen, daß das Ärbeitsmiuisterium der Statistik mehr Aus- merksamkeit zu schenke» hätte, er empfiehlt des weiteren die Grün- dn»g von Arbeitsbörsen und wendet sich gegen die Verwendung von Schulkiiidern in der Industrie. Der Minister versprach, alle Beschwerden untersuche» zu lassen und alle Vorschläge zu prüfen.'Er erklärte, der Betheiligung der Frauen bei der Besetzung der Gewerbe- und Jndustriekammern nicht feindlich gegenüberzustehen. Er stellt in Aussicht, daß während der Brüsseler Ausstellung sein Siessort die Fortschritte zeigen iverde, welche in Belgien das Unter- flützungs- und Versicherungswese» für die Arbeiter gemacht habe, imd ans Wunsch der Sozialisten»verde er dem beifügen die Eut- ivickelung der Kooperaliv-Genossenschaste».— Daß man sich des weiße» Phosphors bei der Herstellung der Zündhölzer ganz eut- schlagen könne, bestreitet der Minister.— Im Handels-Museum würden demnächst Säle eingerichtet werden zur Ausstellung von Gegenständen, die dem A r b e i t e r s ch u tz dienen. Der Minister versprach ferner, darüber zu wachen, daß in den Bergwerke» alle uölhige» Sicherheitsmaßregeln augebracht, daß Bade- und Wasch- gelegenheiten geschaffen werden: er spricht sich auch für eine Reor- ganisation der Knappschaftskassen der Bergleute aus. In die Spinnerei- und Webereidistrikte Englands und Deutsch- lands will der Minister Delegationen entsenden, um die besseren Arbeitsmethoden studiren zu lassen. Die von Anseele konstatirte große Kindersterblichkeit in Gent erkannte er als eine erschreckende an; er sprach de» Wlinsch ans, daß die Industrie- kammern die Verkürzung der Arbeitszeit in Erwägung ziehen; er tadelte das Verhalten eines G e n t e r Großindustriellen, der es ab- lehnte, mit Arbeitern zusammen im Einigungsamt zu sitzen. Herr Woeste, ein Reaktionär vom reinsten Wasser, glaubte den Finanzminister auf die„Gefahr" aufmerksam macheu zu müssen, welche für die Sparkassen bestehe durch die Verleihung von Gelder» an die sozialistischen Kooperativ- Genossenschaslen(so z. B. an das Brüsseler Maison du P-uple 500 000 Fr.). Der Arbeitsminister antwortet, daß die Sparkassen berechtigt sind, Kontrakte abzuschließen mit allen ihnen Sicherheit gewährenden Unternehmen. Der Abbö Daens gab bekannt, daß er einen Antrag auf Einführung des obligatorischen Schulunterrichts vom 7.-14. Jahre einbringen iverde. Ein Antrag, von drei katholischen Deputirten gestellt, 50 000 Franks als Preis auszusetzen für eine Er- findung, die den Gebrauch des Phosphor bei der Herstellung der Zündhölzer entbehrlich macht, wurde angenommen. Damit ivaren die Berathungen über das Budget der Arbeit zu Ende. Im belgischen Parlament sitzen nur 29 Sozialisten, dagegen zirka 100 Klerikale, aber die 29 Parteigenossen geben den Ver- Handlungen de» Geist, die Richtung. Die Vertreter der Arbeiterklasse setzten es bald nach ihrem Eintritt in die Kammer durch, daß ein besonderes Ressort gebildet wurde für die Interessen der Arbeit. Und so gewaltig schreiten die sozialen Ideen fort und durchdringen alle, auch die reaktionärsten Kreise, daß die Kammer 11 Sitzungen hindurch sich mit der Arbeiter- frage beschäftigte. Daß man sich mit diesen Fragen beschäftigt, sie ftudirt und sei es auch nur, um Waffen gegen die Sozialisten auf- zufinden, ist schon ein halber Sieg. Noch vor wenigen Jahren wären diese Debatte» über die Probleme der Arbeiterfrage unmöglich ge- wesen, man wäre über sie zur Tagesordnung übergegangen. Der Hauptwerth der parlamentarischen Diskussionen aber liegt in der Thatsache, daß die ganze arbeitende Bevölkerung sie hört, sich mit ihnen beschäftigt. Das Proletariat gewinnt dadurch an poli- tischer Einsicht, an Selbstbewußtsein. Man komme uns nicht mit dem Verlangen, die Arbeiter sollen sich nicht an der politischen Aktion betheiligen. Sollen wir unseren Gegnern das Feld überlassen, damit sie im Parlament und durch dasselbe desto leichter uns beherrschen und uns Gesetze diktiren? Nein, wir haben jede Gelegenheit zu benützen. um für unsere Ideen Propaganda zu machen und die öffentliche Meinung zu be- einfluffen. Novveftumdenzen. Zürich» 1. April.(Eig. Ber.) Im Lager der Börse herrscht Jammer und Wehklagen über das, was der schweizerische B n n d e s r a t h mit seiner E i s e» b a h» v e r st a a t- lichungs-Vorlage angerichtet hat. In wenige» Tagen sind Millionen weggeblasen worden, wie luftige Seifenblasen, freilich Millionen, die auch nur Luft, nur fiktive Börsenwerthe waren. Die von Guyer-Zeller und seinen Genossen an der Nordostbahn, von den Genfer und Lausanuer Bankiers an der Jura- Simplonbah», von den Basler Kapilalisten an der Zentralbahn ec. seit einigen Jahre» betriebene beulegierige Dividendenjagd halte den Erfolg, die Jahres- dividenden auf 6 bis 7 pCl. zu steigern, aber nur ans Kosten einer reellen Verwaltung, welche die Betriebserforderuisse vernachlässigte und einen unverhältnißmäßig großen Theil der Einnahmen als Gewinn auswarf und an die Aktionäre ver- theilte. Diese Dividendensteigernng führte zu entsprechender Steigerung des Börsenkurses der schweizerischen Bahnaktien, denen aber der adäquate reelle Werth fehlte. Dies stellte das e i d- g e» ö s s i s ch e E i s e n b a h n- D e p a r t e m e n t i n B e r n an der Hand der Rechnungs- und Betriebsausweise der letzten zehn Jahre, ivelche es auf grund des vorahnend von den Aktionären so heftig bekämpften, vom Volke aber mit beträchtlichem Mehr aiigenomnienen Rechnuugsgesetzes, von den Bahnverwaltungen einforderte, fest. Dieselben haben die Betriebsmittel(Lokomotiven, Waggons u. s. iv.) weit hinter den Bedürfnissen des gesteigerten Verkehrs zurückgelassen, dagegen aber die vermehrlen Einnahmen natürlich eingesteckt und so eine Raubwirthschaft getrieben, die sich einmal schwer rächen mußte. Die nüchterne Feststellung des wirklichen Werthes der Bahnen durch den Bundesrath zum Zweck« der Veröffentlichung war nun der Moment, da der Krach eintreten mußte und in der That auch eingetreten ist. Der vom Bnndesrathe für die Ver- staatlichnng der vier Hailptbahuen(ohne die Gotihardbahn) festge- setzte Preis bleibt um 50 Millionen Franken hinter dem Nominal- kapital und etwa 100 Millionen hinter dem Börsenwerth zurück. Diese enormen Differenzen bedeuten für die Aktionäre ebenso viele Verluste, wie für das Schweizervolk Gewinne. Bei sogenanntem freihändigen Rückkauf der Eisenbahnen ohne die scharfe Waffe des Rechnllngsgesetzes würden jedenfalls die Aktionäre noch einmal so viel gewonnen haben, als sie jetzt verlieren und würde das Schweizer- voll den in- und ausländischen Aktionären— Guyer-Zeller soll allein 40000 Nordostbahnaktien haben— 200 Mill. Franken haben schenken müssen. Eine feine Witterung verriethen seinerzeit die Berliner B ö r s e n l e n t e, als sie das Auswärtige Amt zum Einschreiten gegen den Entwurf des Rechnuugsgesetzes veranlassen wollten. Wenn aber heule die Berliner und übrige deutsche Börsenpresse in den schärfsten und beleidigendsten Worten von der schweizerischen Bahnverstaatlichungs-Politik zu reden sich erlaubt, so antwortet der schweizerische Vnndcsrath in seiner Botschaft au die Bundesversamm- lung darauf mit vollem Recht, daß die Schuld an den Verlusten nicht den Bund trifft, der keine Pflicht bat,„fiktive Werth« zu be- zahlen und eine ungesunde Spekulation für ihre Ansschreitiliigen zu belohnen", worin ihm nur alle anständigen, rechtdeukenden Menschen, welche nicht von Spekulation und Ausbeutung leben, zustimmen werden.— St. Petersburg, Ende März.(Eig. Ber.) Ueber die Ver- Handlungen der Koliimissione», welche die russische Regierung aus Anlaß des letzten Petersburger Streiks eingesetzt hatte, haben wir die Möglichkeit gehabt, einige Details zu erfahren. Nachdem am 14.(2.) Januar der Streik in zwei Baiimwoll- spinuereien von Maxwell ausgebrochen war, wurde, wie bekannt, schon am nächsten Tag, den 15.(3.) Januar im Finanzministerium eine berathende Kominission aus Fabrikinspektoren, anderen Beamten des Finanzministeriums, wie auch aus einigen Fabrikanten einberufen. Die anwesenden Fabrikanten erklärten, bei ihnen sei iiunmehr auch der Ausbruch eines Streikes zu er- warten. Der Finanzminister richtete an den in der Sitzung der Kommission auch anwesenden Stadlhauptmann Kleigels die Frage, ob er glaube, daß durch Anwendung von Gewaltmaßregeln gegen die Arbeiter die weitere Ausbreitung der Streikbewegung unter den Arbeitern zu verhüten sei. Kleigels antwortete, daß, wenn die Arbeiter sich in den Straßen herumtrieben und die Ruhe und Ordniiiig stören würden, er mit ihnen leicht fertig werden könne, da sie aber ruhig zu Hause sitzen, so könne die Ausbreitung der Bewegung durch Gewaltmaßregeln nicht ein- gedämmt werden. Nun ging man zur Erörterung der Frage über, ob es nicht rathsam sei, den Arbeitern Konzessionen zu machen. Der Oberfabrikinspektor Rykowsky suchte die Kommission zu überzeugen, daß keine Konzessionen gemacht werden sollen, die anderen Fabrik- inspektoren erklärten aber, daß ohne dieselben die Be- wegung nicht aufzuhalten sei. Auf Witte scheint der Streik einen großen Eindruck gemacht zu haben, denn er wollte offenbar den Beschluß durchsetzen, daß den Arbeitern Konzessionen gemacht werden dürfen. Als er sah, daß von den an- wesenden Fabrikanten der größte Theil, nämlich die Besitzer von kleineren Manufakturen, Gegner von Konzessionen waren, schlug er den Fabrikanten vor, über die Frage, ob K'oiizessionen erwünscht sind, nach der Anzahl der in der Fabrik eines jeden von ihnen beschäftigten Arbeiter abziistimmen. Somit kam der auf den Kongressen der englischen Trabes- Unions, wie auch auf internationalen Bergarbeiter-Kongresseu übliche Abstimmungs- modus auch in Rußland zur Anwendung mit der Modifikation, daß als Vertreter der Arbeiter ihre Fabrikanten figurirte». Nachdem sich in dieser Weise die„Vertreter" von gegen 12 000 Arbeitern gegen die „Vertreter" von ca. 11 000 Arbeitern für die Nothwendigkeit von Konzessionen ausgesprochen halten, beschloß die Kommission, daß den Fabrikanten, welche ihren Arbeitern solche machen wollen, diei nicht mehr wie früher verwehrt werden soll. Thatsächlich machten auch die Fabrikanten, bei denen in den nächsten Tagen der Streik ausbrach, ihren Arbeitern bekannt, daß sie vom 23.(16.) April, dem Tage, an welchem in den Petersburger Webereien und Spinnereien mit den Arbeitern neue Arbeitsverträg« abgeschlossen werden, den llVestündigeii Arbeitstag einführen werden. Die Regierung beschränkte sich aber nicht darauf, den Unter- nehmern zu" gestatten, den Arbeitern entgegenzukommen. Am 6. Februar(25. Januar) wurde der Fiiianzminister Witte durch einen„allerhöchsten Befehl" aufgefordert, sofort eine Kommifsion ein- zuberufen, welche einen Gesetzentwurf über die gesetzliche Ver- kürzung der Arbeitszeit ausarbeiten soll, und zivar sollte der Eni- wurf spätestens bis zum 27.(15.) März fertiggestellt werden und dem Staatsrathe in seiner Aprilsesston vorgelegt werden. En diese Kommission wurden die Fabrikinspektoren sämmtlicher reife und die Fabrikanten der Kreise St. Petersburg, Moskau, Wladimir und Warschau berufen. Der Finanzminister Witte. unter dessen Vorsitz die Kommission tagte, warf bei Beginn der Berathungen die Frage auf, welche Wirkung die Verkürzung der Arbeitszeit auf die„Agitation" unter den Arbeitern ausüben werde, ob nicht eine Verstärkung derselben als Folge der Steform zu erwarten fei. Diese Frage machte die Koniinissionsmitglieder stutzig, da sie sich wohl alle bewußt waren, daß es unmöglich ist, kein« Maßiiahmeu zu gunsten der Arbeiter zu ergreifen, daß diese aber allerdings das Selbstbewußtsein der Arbeiter beträchtlich steigern werden. Alle schwiegen. Schließlich ergriff der Fabrik-Jnspektor von Liiga das Wort. Wenn wir die Arbeitszeit verkürzen werden. führte er ans, so wird die Agitation erstarken, denn die Reform wird als ein Erfolg des Streiks bezeichnet; verkürzen wir aber die Arbeitszeit nicht, so wird die Unzufriedenheit der Arbeiter jedenfalls der Agi- tation in außerordentlichem Maße Vorschub leisten.„Ans diese Seite der Frage, meinte er schließlich, braucht die Regierung über- Haupt keine Rücksicht zu nehmen;— was wir für die Arbeiter auch thun mögen. Dank werden wir bei ihnen doch nicht ernten." Diese Ausführungen fanden in der Kommission Beifall und wurde be- schloffen, über die Verkürzung des Arbeitstages zu berathen, ohne Rücksichtnahme auf deren Einfluß auf die„Agitation." Mehr geneigt zu Koiizessionen waren die Petersburger und Warschauer Fabrikanten, weniger die Moskauer. Einige Fabri- kauten traten ein für Beschränkung des Arbeitstages auf 11 Stunden, dagegen sprach sich aber die Mehrzahl der Fabrikanten und mit ihnen Witte selbst aus. Beschlossen wurde, daß für die Baumwoll- indnstrie der Arbeitslag gesetzlich auf ll'/e Stunden, für die Metall- induftrie auf lO'/e Stunden verkürzt werden soll. Für den Fall, daß die Beschlüsse dieser Kommission bis zum 1. Mai d. I. keine Gesetzeskraft erhalten und daß die Fabrikanten, welche versprochen haben, den ll�/s stündigen Arbeitstag einzuführeii, auch ihr Versprechen nicht einlösen werden, wird in Petersburg allgemein der Ausbruch eines neuen Massenstreiks der Weber und Spinner erwartet. Kopenhagen, 2. April. Zu den Kommunalwahlcn in Kopenhagen, die, wie schon telegraphisch gemeldet wurde, mit einem Siege der Opposition endigten, wird uns geschrieben: Im Jahre 1394 hatte die Rechte gesiegt, aber schon 1895 verlor sie 1500 Stimmen, um welche die Oppositiousliste zunahm. Die Majorität von 1394 von 4000 Stimmen ging auf eine Mehrheil von 1000 Stimmen zurück. Im Jahre 1896 beging die Rechte dann den Pfiff, drei „Liberale" auf ihre Liste zu setzen und damit viele unsichere Kau» tonisten zu sich hinüberzuziehen. Sie erreichte hierdurch eine Majo- rität von 1600 Stimmen. Als nun die Wahlen von 1897 heran- nahten, dachte die Siechte einen neiien Kniff zu machen und bot den — Sozialdemokraten ein Kartell an. Aber die sozialdemokratisch« Partei war zu klug, um sich aus solchen Leim locken zu lassen und lehnte das Kartell ab. Interessant sind die DurchschnittsStimnienzahlen auf den beiden Listen in den letzten 7 Jahren: 1391 hatte die Siechte 6 231, die Opposition 2 302 Stimmen. 1892„„„ 4 262„„ 3 532 1893..... 5 567„.. 6 850 1894„„„ 11553..„ 7 357 1895„„„ 10 048, 8 941„ 1896„„„ 11331„„ 9 741 1897„„„ 10 642„„ 11238 Die Stimmen der Opposition befinden sich in einem ständigen Anwachsen, was eine gute Hoffnung für die Zukunft giebt und er- warten läßt, daß der d i e s in a l i g e Sieg der Opposition ein dauernder sein wird. I. Leste und billigste Bezugsquelle für Händler, Restaurateure und Wiederverkäufer! iO Sumatra-Decke mit gemischter, langer Einlage ohne Spitzeneinlage oder gar Rippen! Weiber Brand, tadellose Arbeit. 00 Beständiges Lager von über lOOOOOO gelagerter Cigarren in vorzüglicher Qualität und gediegener, solider Arbeit, sowie in allen Facons pro Äiiille von 22 Mark au.— Anstellungen, Preislisten gern zu Diensten. 132'Jb Fernsprecher: gT RGiClldt Cigarren-Fabrik-Lagei* u. Versand-Haus. 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Und leider finden sich auch immer wieder— Leute, die auf derartige schwindelhafte Anpreisungen hineinfallen, um allerdings nach kurzer Zeit die trübe Erfahrung zu machen, daß sie die nur aus Ramschwaare bestehenden Gegenstände mit dem so„fabelhaft billig" erscheinenden Schleuderpreis noch viel zu theuer bezahlt haben. Wer sich aber vor Schaden hüten will und auf wirklich reelle Bedienung Anspruch macht, meide solche Reklame- und Ausverkauf-Geschäfte und besorge seine Einkäufe bei soliden Firmen; die Preise find auch hier im eigenen Interesse so billig wie nur irgend möglich gestellt. Gestützt auf den langjährigen guten Ruf meines Hauses,— eine Folge der gewissenhaften Bedienung meiner weitverbreiteten Kundschaft— darf auch ich getrost mein Geschäft zu den bestrenommirtesten der Herren- und Knaben-Garderoben-Brauche am hiesigen Platze zählen. Die Besichtigung meines reichsortirten Lagers in fertigen Anzügen. 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