Linzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nummer 7— 2. Jahrgang Saarbrücken, Mittwoch, den 10. Januar 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Ans dem Inha lt Deutschland weicht aus Seite 2 Dollfuß im JCampf Seite 2 Qoldlestände und Schulden dec Welt Seite 4 Dec zweite Jänffahtesplan Seite 5 Qik es See&chlançen? Seite 8 6 Milliarden ungedeckte Schulden Dnnftroftpolitih des„dritten Reutles" ^ Die Berichte des„dritten Reiches" über die öffentlichen Finanzen find von einem Optimismus erfüllt, der in den tat- fächlichen Verhältnissen keinerlei Grundlage hat. Die«teuer- einnahmen reichen gerade ans, um die ordentlichen Ausgaben zn decken. Die Ausgaben für Arbeitsbeschaffung, für müi- »ärische Rüstungen, für die Sanierung der Landwirtschaft, der Großindustrie und der Banken aber werden alle durch Schuldenmachen gedeckt. Die im„Finanziellen Ueberblick über den Reichshanshalts- plan für 1983", herausgegeben vom Rcichsfinauzministerium, nachgewiesenen Schulden des Reiches betragen» wie die „Sopadeinfor motion" mitteilt, 6186 Millionen Mark. Davon entfallen 2416 Millionen auf die Ausgabe von Steuer- gotfcheinen, 870 Millionen auf die Arbeitsbefchaffnngs- programme des Jahres 1982, 1880 Millionen auf die Fehl- betrüge früherer Jahre und 1000 Millionen auf die Durch- führung des Arbeitsbefchaffungsprogramms vom Juni 1988. Dieser gewaltige Betrag ist nur kurzfristig gedeckt. Gr wird in den Jahren 1984 bis 1988 fällig. Allein im Jahre 1931 find 917 Millionen aufzubringen. Eine solche leichtfertige Finanzpolitik, die täglich neue Schulden macht, führt ans der einen Seite zu rücksichtsloser Einschränkung der sozialen Aus- gaben, aus der anderen Seite aber auch zu einer Inflation. Scbacbf wadielf Seit einiger Zeit ist bekannt, daß der Rcichsbankpräsident Dr. Schacht trotz aller Bemühungen, sich den nationalsozia- listischen Herren angenehm zn machen, sich nicht mehr ihrer Gunst erfreut. Seine plötzlichen und diktatorische» Beschlüsse haben in führenden Berliner Finanzkrctscn den letzten Rest des Vertrauens verschüttet, das Schacht von früher her noch hatte. Die Proteste des Auslandes gegen die von Schacht durchgeführte Transfcrpolitik bedrohen ihn heute jedoch ernster als je. Man macht ihm zum Vorwurf, daß diese Beschlüsse ohne jede Fühlungnahme mit massgebenden Stellen des Auslandes gefaßt worden seien, und daß jetzt die Gefahr bestehe, die schmale Basis des deutschen Außenhandels infolge der Abwehrmaßregeln des Auslandes werde noch eine iveitere Einengung erfahren. Zroei einflußreiche Gruppen in Deutschland stehen in Gegnerschaft zu Schacht. Zu der einen gehören bekannt« Bankleute, die Schacht gerne stürzen möch- ten, um die deutsche Finanzpolitik„beweglicher" zu mache». Darunter befinden sich einige Herren, die gerne selbst an die Stelle Schachts treten möchten. Tie zweite Gruppe setzt sich aus nationalsozialistischen WirtschastStheorerikern zu- fammen, unter Führung des Herrn Dr. Feder, die gegen Schacht den Vorwurf erheben, daß er sich aus dem Banne des liberalistischen Wirtschastsdenkens nicht loslösen könne. Hier scheut man auch vor einer offenen Jnslationspolitik nicht zurück, gegen die sich Schacht bis zur Stunde noch auf- lehnt. Es ist bekannt, daß gegen den ReichswirtschaftSminister Dr. Schmitt, den früheren Generaldirektor des Allianz- Kon- zerns, ungefähr die gleichen Vorwürfe erhoben werden. Ganz offen ivird er in nationalsozialistischen Mittelstandskreisen als Warenhansbcschützer bezeichnet. Gleichzeitig beschuldigt man ihn, dàtz er einer weiteren Ausmerzung der Juden aus dem Wirtschaftsleben widerstrebe. Alle diese Strömungen und Intrigen kennzeichnen die Ver- worrenheit in allen wirischafts- und finanzpolitischen Fragen im„dritten Reiche". Vorläufig fühlt sich das Schwerkapiral vollkommen geborgen. Auch über das Schicksal Schachts hat Thnssen zu entscheiden. Schacht wird fallen, wen» ihn Herr Thyssen fallen läßt. vc«t§Äer Riindfunhsdwindel Der Generalsekretär des Intern. Gewerksdiaitshundes fiQr Max Braun Vor kurzem wurde der Führer der saarländischen Sozial- demokratic über alle deutschen Sender beschuldigt, Monat- lich 20 OfK) Franken, die seit dem Juni v. I. für die„Volksstimme" G. m. b. H. an ihn gezahlt ivorden sein sollten, unterschlagen zu haben. Die„Deutsche Freiheit" hat schon am nächsten Tage eine Gegenerklärung May Brauns verössent- licht, die den Verbreitern solcher Vorwürfe, soiveit fie außer- halb der Grenzen^cs„dritten Reichs" gemacht werden, mit Klage drohte. Es schien zunächst, dies sei der Grund, daß die Presse des Saargebietes, mit einer einzigen Ausnahme, von den Beschuldigungen überhaupt nicht Notiz nahm. Darin haben wir uns getäuscht. Tie Schweigcmethodc im Saar- gebiet hat eine tiefere und sehr überzeugende Ursache. Un- mittelbar, nachdem der deutsche Rundfunk seine ungeheuer- liche Beschuldigung an die ganze Welt gegeben hatte, ist von dem halbamtlichen Deutschen Nachrichtenbüro folgende W>r- nnng an die Zeitungen der„Deutschen Front" im Saar- gebiet ergangen: Die Zeitungen werden gewarnt, die gestern vom Rundfunk verbreiteten und offenbar auch in Korrespondenzen übergegangenen Nachrichten über den Führer der saarländischen Sozialdemokratie MaxBraun abzudrucken, da es auf der Hand liegt, daß jede Zei- tung eventuell vor Gericht selbst dafür ein« zustehen hat, falls Brau» einen Belei« digungsprozcß anstrengen sollte. „Aus der Hand liegt", daß der deutsche Rundfunk durch diese Warnung halbamtlich der Verleumdung überführt wird. Da der Internationale G e w e r k s ch a s t s b u n d als Geldgeber öffentlich genannt worden ist, hat nunmehr dessen Generalsekretär Scheu enelS selbst das Wort ge- Nammen. Er stellt uns den folgenden Brief Mr Betfügung: Paris, den 8. Januar 1984. An die Gesellschafter des Verlages„Voltsstimme" ». m. b. H. Saarbrücken Schttstenstraste S Werte Genossen! Von meinem N»u»a>.>ub zurückgekehrt, finde ich eine Reihe vou Zeitungsausschnitten über die angcvlimen Unterschlagungen Max Brauns vor. Ich will keine Stunde länger warten, um meine Meinung über die von den Nazis im Saargcbiet und in Deutschland ausgeblasenen Sensationen zn äußern. Ich möchte hierbei an meinen Brief vom 28. November und au u-'?r Gespräch anknüpfen, das wir nachher über die damals noch ungeklärte Angelegenheit der Gelder, die durch meine Vermittlung dem Verlag der„Volksstimme" zur Verfügung gestellt wurden, hatten. Wie ich auch be- reits mitteilte, hat die Gesellschaft, bei der ich inter- veniert habe, eine Summe von 830 000,— französischen Fr. gezahlt» für die, wie Sie wissen, eine Hypothek seitens des Verlages eingetragen werde,, sollte. Ich habe jetzt ein- wandfrei festgestellt, daß diese Stelle, bei der ich außer- dem wegen einer monatlichen Unterstützung interveniert hatte, diese Zahlungen nicht geleistet hat,>« Gegensatzzn der uns damalsgegebenen Versichern» g, die, wie sich später herausgestellt hat, auf einem Irrtum beruhte, d. h. die oberste Instanz hatte die Zusage gemacht, die Instruktionen weitergegeben, und war infolgedessen der festen Ueberzengung, daß die Zahlunuen auch erfolgt feien. Bei näherer Prüfung stellte sich heraus, daß finanzielle Bedenken bestanden, wodurch die Unter- ftützung nicht gezahlt wurde. Ans dem Vorangehenden geht also unzweideutig hervor, daß Max Braun weder für die„V o l k s st i m m e" nochsürandercZweckevomJnternationalen Gewerkfchaftsbnnd oder irgendeiner a»de- ren Stelle, bei der der Internationale Ge- iverkschastsbund oder ich persönlich inter- veniert haben könnte, monatliche Zuschüsse erhalten hat. Es kann infolgedessen vou Unterschlagungen überhaupt keine Red« fein. Mit besten Grüßen! gez. Scheveuels, Generalsekretär. Man darf dem deutschen Rundfunk wohl zu diesem Ende seiner Aktion kondolieren. Alle Welt weiß nun, daß diese Per- lenmderzentrale i i einer Art arbeitet, die an Verworfenheit im Nachrichtendienst nicht ihresgleichen ha» Verbotene Kardinalspredigten Der mißliebige Faulhaber Die Adventspredigten und die Silvcsterpredigt des Mün- chencr Kardinals Dr. Faulhaber haben gewaltiges Aufsehen ercgt und werde,, überall im Reiche als ein Kampfruf der katholischen«irche besprochen. Der deutsche» Presse ist nun- mehr verböte», worden, diese Predigten des Kardinals weiter zu verbreiten. # Pfarrer verhaftet D o r t m u nd, 9. Januar. Auf Anordnung des Geheime» Staatspolizei wurde Pfarrer Bueltemcier wegen Sabotage de» Eiuigungswerkes der Jugend usw. verhaftet. » Z w e i b r ü ck e ,», 9. Januar. In Hornbach ist der Pfarrer Tch. wegen„unzulässiger politischer Betätigung" verhaftet worden. Thüringer Landeshlsdiol tritt zurück Der thüringische Laubesbischof D. Reichardt hat zum i. März 1984 seine Versetzung in den Ruhestand be antragt. Als im Jahre 1919 die Zersplitterung der Thüringer Einzelkirchen durch die Begründung einer einheitlichen Landeskirche überwunden war, wurde D. Reichardt ein stimmig zum erstenLandesoberpfarrcr Thüringens gewählt. In diesem Amt hat er mehr als 14 Jahre an der Spitze der Thüringer Kirche gestanden. Im Sommer vorigen Jahres wurde er zum Landesbischof von Thüringen berufen. Via isoliert wen? Vor der Antwort Berlins Pa r i s, 9 Januar. A. Sch. Der Kampf um die Waffe ist noch nicht am Ende, aber er ist in feine Endphase eingetreten. Die ent- nervenden, ermüdenden, verworrenen Verhandlungen der letzten Monate und Wochen nähern sich ihrer letzten Etappe. Alle Kombinationen sind schon überprüft worden, es gibt kein Terrain mehr für Rückzugsgefechte und Umgruppierungen. Bereits der Januar kann die Entscheidung bringen, vielleicht sogar die endgültige Entscheidung. Wieder wird die Aussprache direkt zwischen Berlin und Paris geführt, aber diesmal anders als vor sechs Wochen, als Berlin durch die direkten deutsch-franzöfifchen Verhandlungen das Verfailler Staatssystem auflockern und die Verhandlungen in Genf verhindern wollte. Die jetzigen Verhandlungen find durch die Initiative Berlins zustande gekommen, heute, vor ihrem Abschluß, hat Frankreich die Initiative an sich gerissen. Frankreich stellt Fragen und legt Bedingungen vor. Berlin mutz Antwort geben. Die Partner messen die Kräfte und berechnen ihre Chancen. Die französische Initiative beruht auf drei wichtigen Fak- toren: dem Bündnissystem, der starken diplomatischen Position, der günstigen innenpolitischen Lage. Der Kampf um die Waffe ist ein ganz besonderer Kamps. Er enthüllt auf die gröbste Weise die gewaltsamen Konse^ quenzen und Hintergründe der faschistischen Autzenpolitik. Die Waffen sind die letzten Mittel der Autzenpolitik, aber wir sind schon so weit, datz der Kampf um die Waffe zur Voraussetzung und treibender Kraft der faschisti- schen Autzenpolitik geworden ist. Der Faschismus brauch! die Waffe zunächst, um den autzenpolitischen Druck, den er ausüben kann, zu steigern! wenn das nicht genügt, direkt sie anzuwenden. Aber ob ihm die Waffe gestattet wird, ist wiederum eine außenpolitische Frage, die Frage nach der Unterstützung durch Verbündete und Gönner. In der Zeit der Krise, wie der jetzigen, ist Autzenpolitik in erster Linie Bündnispolitik. Die Frage steht brutal und offen: Wer isoliert wen? Hitler will Frankreich durch die direkten Verhandlungen mit Polen, durch die Fühlung- nähme mit Italien und England isolieren. Frankreich will die Kräftelagerung vom 15. Oktober, einen Tag nach Hitlers Bruch in Genf, herstellen, als. allerdings nur wenige Tage, gegen deutsche Aufiusnmgssordcrung und außenpolitische Methoden die geschlossene Weltfront stand. Die Bestätigung der Unterstützung durch Belgien und dig Kleine Entente liegt bereits vor. Inzwischen haben auch Roosevelt und L i t w i n o w gesprochen. R o o s e» velt hat unmihoerständlich von kriegslüsternen Stören- frieden gesprochen und von den durch die„Führer" ver- führten Nationen. L i t w i n o w war noch deutlicher. Er hat Hitler und Neurath das unarische Verhalten vorge- warfen und Stellung gegen die Revision der Verträge genommen: „Es sind auch solche Entwürfe einer„gerechten" Revision bekannt, die die Befriedigung der territorialen Appetite der besiegten Staaten auf Kosten solcher Länder voraus» sehen, die wie z. B. die Baltischen Länder oder die Sowjet- union mit dem Versailler Vertrag nichts zu tun haben und niemanden Ungerechtigkeiten angetan haben. Ich weiß nicht, ob diese Vorstellung von Gerechtigkeit und Moral nicht vielleicht von Hottentotten stammt, arischer Herkunft ist sie jedenfalls nicht." Der„Petit Parisien", der dem Austenministerium sehr nahe steht, berichtete in diesen Tagen, datz die Be- dingungen, die Frankreich in der Abrüstungsfrage Hitler vorschlägt, im Einvernehmen mit der Stellungnahme nicht allein der Tschechoslowakei, Belgiens und Polens, sondern auch der Sowjetunion formuliert wurden. Nach der Rede Roosevelt und Litwinows schrieb das führende radikale Blatt das„Oeuvre":„Wir werden gegen Deutschland durch die Sowjetunion und Amerika unterstützt." Inzwischen ist ein großer Erfolg der französischen Diplomatie auch aus dem Balkan zu erwarten, wo der Beitritt Bulgariens zum Balkanpakt bevorsteht, wodurch sein Austritt aus dem revisionistischen Block besiegelt wird. Ungarn und Italien verlieren dann den eventuellen Verbündeten im Rücken des jugoslawischen Gegners, und dem Herrn Rosenberg, der noch vor kurzem an die Treue der bulgarischen Waffenbrüder appellierte, wird der mit deutschem Blut ge- tränkte Weg nach Stambul und Bagdad versperrt bleiben. Das große Ungewisse für die französische Politik bleibt England. Aber Englands Haltung wird nicht zuletzt durch den Standpunkt der französischen Diplomatie bestimmt werden. Die Position der französischen Diplomatie ist sehr vor- teilhaft. Sie wird durch die Parole bestimmt: Genf und Abrüstung! Das heißt: Verständigung im Rahmen der Abrüstungskonferenz und des Völkerbundes auf Grund der Nichtzulassung der deutschen Aufrüstung. Indem Frankreich sich mit den Friedensinstitutionen von Genf gleichsetzt, diese in Bewegung bringen will und sie gegen den deutsch-italienischen Sturm und die englische Lauheit verteidigt, gewinnt es für sie die entscheidenden Faktoren der öffentlichen Meinung. Noch günstiger ist die Position Frankreichs in der Frage der Nichtzulassung der deutschen Aufrüstung. Der deutsche Faschismus versuchte zunächst die Sache so vorzustellen, daß er für die Abrüstung und Frankreich für die Ausrüstung auftritt. Indessen hat der Aufrüstungsvorschlag Hitlers gezeigt, daß das„dritte Reich" sich mit der schweren Rüstung Frankreichs abzu- finden bereit ist, wenn es selbst zusätzliche Aufrüstung er- hält. Purch diese Selbstentlarvung hat es sich in eine sehr peinliche Lage versetzt. Frankreichs Gegenvorschlag war ebenso geschickt wie wirksam: Bereitschaft zur zusätzlichen Abrüstung bei der Garantie der Nichtaufrüstung Deutsch- lands. In den französischen Bedingungen, die Francois- Poncet Hitler überbrachte, erscheint wiederum die Auf- lösung der SA. im Vordergrunde und daneben die Inter- Nationalisierung der Luftfahrt. Hier liegt der springende Punkt. Die große militärische Hoffnung und Chance des deutschen Faschismus ist die Luftwaffe. Nach Görings Auffassung liegt Deutschlands Zukunft In der Luft. Frank- reich will dagegen die Luftentmilitarisierung und ist bereit, wie die gut informierten Quellen versichern, die Hälfte seiner Luftflotte abzubauen, falls Deutschland die Inter- Nationalisierung der Luftfahrt akzeptiert. Diese Ab- rüstungspolitik bietet Frankreich drei wichtige Vorteile: Sie ist am besten geeignet, als Prüfstein der wahren Ab- sichten des deutschen Faschismus zu dienen; sie bietet die besten Chancen auf die breiteste internationale Unter- stützung: die außenpolitisch bestinformierte publizistische Kraft der französischen Publizistik Genevievè Tabouis von „Oeuvre" teilt mit. daß sie die Unterstützung Englands bereits gefunden hat; schließlich wird eine solche Ab- rüstungspolitik auch im Innern des Landes am besten ver- standen werden. Dieser innenpolitische Faktor darf nicht unterschätzt werden. Eine Regierung der bürgerlichen Linken^ wie sie heute Frankreich hat. ist imstande, eine Sicherheits- Politik im Rahmen der Friedens- und Abrüstungspolitik, nicht der Aufrüstungspohtik zu treiben. In dem Augen- blick, wo der deutsche Faschismus feine Aufrüstung der Abrüstung Frankreichs vorzieht, wird er auch die pazi- 'istischsten und verständigungsbereitesten Radikalen gegen ich haben. Die Forderung nach den direkten VerHand- ungen mit Deutschland ist von jenem Teil der Radikalen unterstützt worden, der alle Möglichkeiten der Berständi- gung ausschöpfen wollte. Heute erklärt Jacques Kayser. der Führer der Iungradikalen, der aus pazifistischen Gründen am energischsten für Verhandlungen und Ver- ständigung eintritt, daß auch die beschränkte und Kon- trollierte Ausrüstung Deutschlands nur die verkappte Form des Kurses auf die allgemeine Rüstung sein wird. Gegen diesen bewaffneten und präventiven Frieden, den Hitler vorschlägt, den befristeten Frieden in Waffen, der nur so lange dauert, bis man mit der Aufrüstung fertig wird, wird sich Frankreich mit allen Mitteln wehren. Schon im Januar kann die Entscheidung fallen. Wird es zu keinem Kompromiß kommen, dann bleiben nur zwei Wege möglich: Entweder Sanktionen gegen Deutschland, wenn England mitmacht; oder allgemeiner Kurs auf die Aufrüstung mit allen sich daraus ergebenden Folgen. DOHMS Ml Kampf Freiwillige Sdmfzhorps llcgen die Nationalsozialisten Wie«, 9. Jan. Das Kabinett Dollsnß ist am Mittwoch, nachmittag zu einem außerordentlichen Kabinettsrat zu» sammengetreten, in dem ausschließlich neue scharfe Abwehr» maßnahmen gegen die anwachsende uationalsozialistische Bewegung in Oesterreich beschloffen wnrben. Es sollen starke Abteilunge« des sreiwillige« SchutzkorpS aufgeboten werden, um die nationalsozialistische Bewegung zu bekämpsen.— In einem Ausruf der Bundesregierung wirb eine Dar» ftelluug gegeben, die das heutige Verhältnis zwischen der Regierung und der österreichischen Bevölkerung besonders eindringlich und klar beleuchtet. « vie Presse geknebelt Wien, 9. Jan. Jede Gegenäußerung zu dem Beschluß des Ministerrates zur Abwehr der nationalistischen Tätigkeit ist der Presse strengstens verboten. Dei Zeitungen sind sogar nochmals daraus aufmerksam gemacht worden, daß die Aus- lagenachricht über den Aufruf der Bundesregierung an das österreichische Volk nicht als solche gekennzeichnet werden darf. Wiewohl die Auslegung der Bestimmungen ausdrücklich dahin geht, daß zustimmende Acußerungen nicht als ver- botene Zusätze zu dieser Nachricht aufgefaßt werben, haben nicht einmal alle dem Regime Dollfuß nahestehenden Blätter davon Gebrauch gemacht. Die christlich-soziale„ReichSpost" glaubt von dem Ende des Nationalsozialismus in Oesterreich sprechen zu können. Die amtliche„Wiener Zeitung« billigt den öfter- reichischen Nationalsozialisten einen Fanatismus zu, der nach ihrer Meinung einer besseren Sache würdig wäre. Sie ruft zu einem Art Heiligem Krieg aus und erklärt, wer sich in diesem heiligen Feldzug abseits stelle, der erkommuniziere sich selbst aus dem österreichischen StaatSgerbanb. Die„Neue Freie Presse" meint, es zeige sich, daß nicht einmal das Standrecht, das doch auch für Sachbeschädi- gung angewandt werden solle, daß nicht einmal diese Waffe, die härteste und unerbittlichste, die eine Negierung zu ge- brauchen vermöge, imstande sei, die Nationalsozialisten von ihrem Tun abzuhalten. Diese neue große Aktton, deren Umfang und Bedeutung auS den kurzen Meldungen noch nicht klar ersichtlich ist, rich»» sich anscheinend nur gegen die Nationalsozialisten. Es ist de Wille, zunächst die extreme Rechte kampfunfähig zu machen, um dann auch die Sozialdemokratie schachmatt zu setzen. Zier ist der klerikale Austrosaschismus. Ans dem Aufnil: Der vom außerordentlichen österreichischen Ministerrat beschlossene Ausruf an da» österreichische Volk kündigt eine Art Alarmzustand, nämlich militärische» Vorgehen gegen Unruhestifter und nationalsozialistische Pro- pagandeure, an. Dabei wird zum erstenmal von der Regierung Dollfuß offen eine Berufung aus militante Macht- mittel ausgesprochen. Diese sollen, wenn wir den Aufruf richtig interpretieren, von jetzt ab sofort in aller Scharfe uuo Rücksichtslosigkeit eingesetzt werben. In dem Aufruf selbst wird einleitend auf die„bisher maß- volle Abwehr" nationalsozialistischer Anschläge, ferner auf die in den Weihnachts- und Neujahrstagen erfolgten Gnadenakte hingewiesen und erklärt, daß sich die daran ge- knüpften Hoffnungen nicht erfüllt hätten. Im Gegenteil. seit Beginn des neuen Jahres habe eine Welle neuer Terrorakte eingesetzt. Es feien nickt weniger als 140 Sprengstosfanschläge in allen Teilen des Bundesgebietes verübt worden, durch die„Fremdenverkehr und allgemeine Wirtschaft" geschädigt werden sollten. Die Bundesregierung sei daher entschlossen, nunmehr mit allen, anch den schärfsten Mitteln diesen Akten des Terrors und der Demonstrationen ein für allemal ein Ende zu setzen. Es heißt dann wörtlich:„Mit heutigem Tage wurden daher starke Abteilungen deS Freiwilligen«chutz- korps aufgeboten, die gemeinsam mit Polizei und Gendarmerie alle Versuche, dieses verbrecherische Treiben fortzusetzen, zunichte machen werden. Jeder Oesterreicher, der diese Abwehr mittätig zu unterstützen bereit ist. arbeitet damit zum Besten des allgemeinen Wohles. Terrorakte, Demonstrationen und Einfchüchternngsversuche gegen den friedlichen Teil der Bevölkerung werden nicht zum Ziele führen!" Deutschland weicht ans Derlln verlangt weitere Auskünfte von Paris Paris, 9. Jan. Die Aeußerungen der Deutschen Diplo- matischpolitischen Korrespondenz zur französischen Denkschrift werden von der gesamten französischen Presse als richlung- gebend für die deutsche Antwort geweitet und demgemäß stark beachtet. Man folgert daraus, daß Deutschland das Angebot Frankreichs für unzulänglich hält, aber vor einer endgültigen Stellungnahme um weiteren Ausschluß über diese und jene Frage ersuchen wird.„Journal" sagt, man sehe, wohin die deutschen Gedankengänge führten, und knüpft daran die Behauptung, Deutschland erstrebe eine Luftflotte, die ebenso stark sei wie die aller seiner Nachbarn zusammen. Trotz der höflichen Formeln und tröstlichen Versicherungen der offiziellen Auslassung in der deutsche» Korrespondenz, fährt das Blatt dann fort, trete deutlich zutage, daß Deutsch- laud sich nicht den Anregungen der französischen Denkschrift anschließen werde. Sehr klar bringe dies auch die„Kölnische Zeitung" zum Ausbruck, wenn sie schreibe, daß die französischen Vorschläge alles in allem für Deutschland unannehmbar seien. Andererseits unterstreicht„Volon t e" in ihrem Kommen- tar, daß Deutschland offenbar die Fortsetzung der Verhand- lungen wünsche. Zwischen Deutschland und Frankreich gebe es also gegenwärtig keine Schwierigkeiten hinsichtlich des Verfahrens, wenn auch hinsichtlich der Kernfrage noch längst keine Einigung in Aussicht stehen. Aber man habe aus beiden Seiten den Wunsch nach Verständigung, und dieser Wille sei in einem solchen Falle das Entscheidende. „Figaro" fordert den Abbruch der diplomatischen VerHand- lungen. Man müßte darauf gesaßt sein, erklärt das Blatt, baß Deutschland neue Zugeständnisse fordere. Die von der französischen Regierung gemachten Zugeständnisse gingen be- reits über den Rahmen des Zulässigen hinaus. Cbaatemps vor der Kammer Paris, 9. Januar. Ministerpräsident ChautempS wird be- reits in der Donnerstag-Sitzung der Kammer die Inter- pellationsbebatte über den Stavisky-Skandal annehmen, ßo erklärt Havas in einer Auslassung zum gestrigen Kabinette- rat. Ehautcmps wird die schleunige Einbringung einer Reihe von Gesetzentwürfen zur Verbesserung und Ergänzung der Gerichtsbarkeit, die sich bei den letzten Ereignissen als un- zulänglich erwiesen habe, ankündigen. Das Parlament werde neue Schutzmaßnahmen für die Sparer zu verabschieden haben. Auch das Gerichtsverfahren soll einer eingehenden Reform unterzogen werden, damit die andauernde Ver- tagung von Prozessen vermieden wird. Schließlich soll die Leitung der Polizei in ganz Frankreich künstig in der Hand des Direktors der allgemeinen Sicherheitspolizei zcntrali- siert werden. Doch Kabinettsumbildung? Paris, 9. Januar. Ter durch den Rücktritt Dalirnersfrei gewordene Posten des Kolonialministers wird nach all- gemeiner Auffassung Arbeitsminister Lamoureux über- tragen werden, während der Minister für die Handels- marine, Frot, das Arbeitsministerium übernehmen und selbst durch den Unterstaatssekretär im Innenministerium, Bertrand, ersetzt werden würde. Nichtsdestoweniger will der offiziöse„Petit Parisien" die Möglichkeit einer großen Kabinettsumbildung nicht völlig ausschalten und spricht in diesem Zusammenhang von der Möglichkeit, daß Herriot da» Allbenministerium übernehmen könnte. Professor vessauer Der verfemte Katholik wird Ehrenmitglied eines internationalen Kongresses Der italienische Staatsminister und Reichssenator Gras B o l p i d i M i s u r a t a bat in seiner Eigenschaft als Präsi- dent des ersten internationalen Kongresses für Elektro- Radiobiologie ProfessorDr. FriedrichDessauer, Frankfurt, zur Teilnahme an dem Kongreß eingeladen und ihn zum Ehrenmitglied des Kongresses ernannt. Der Kon- greß, der die Forschungen über Strahlungswirkungen auf organische Materie fördern will, findet auf Veranlassung der Internationalen Gesellschaft für Radiobiologie im September dieses Jahres in Venedig statt. Dem Ehrenkomitee gehören außer Professor Dessauer folgende Reichsdeutsche an: Pro- fcssor Dr. Emil Abderhalden, Berlin, Professor Dr. A. Behnken, Direktor de» Physikalifch-Chemifchen Reichs- instituts Berlin, und Professor Dr. Lichtwitz, Direktor des Rudolf-Birchow-Krankenhause» Berlin. Prälat lesta Grausige Lawine Einsturz einer Friedhofsmauer London, 9. Jan. In Londonderry iNordirlandj ereignete fich gestern ein unheimlicher Gorsalt. Tie seitliche Stützmauer eine« an die katholische Kirche Long Tower grenzenden Fried-> Hofs, der sich neun Meter über dem Niveau einer anliegen- Ä. den Straße befindet, brach plötzlich in einer Breite von tö K TOlP Meter ein. Dabei stürzten mit lautem Getöse große Mengen v nviw» von Erbmassen wie eine Lawine herab, vermischt mit mensch, lichen Schädeln und Gebeinen, gebotenen Särgen und zcr- brochene» Grabsteinen. Ein Passant wurde durch einen herab- stürzenden Grabstein am Kopf verletzt. Aus dem Friedhof sind mehrere irische Heilige bestattet- Bor vierzehn Tagen hat ein politischer SonderstaatSanwalt den der Korruption beschuldigten Professor Dr. Dessauer als Schädling des Vaterlandes und als Landesverräter hingestellt, der von dem ganzen Volke verurteilt sei. Sein Freispruch wurde vom Skandal der nationalsozialistischen Presse, die diesen prominenten katholischen Führer im Zuchthaus sehen wollte, begleitet. Heute wird Professor Dessauer Ebrenmit- glied einer hochangesehenen internationalen Gesellschaft, präsentiert und präsidiert von einem italienischen Minister. Rom, 9. Januar. Bei der Stadt Segns hat sich ein folgen- schweres Kraftwagenunglück ereignet, bei dem sechs Arbeiter ums Leben kamen und 14 verletzt wurden. Ter Kraftwagen hatte sich überschlagen und war in ein« tiefe Schlucht gestürzt, .versagt« der Bremse» soll stfc Ursache des UsalMft fci b Er kommt wieder ins Saargebiet Paris, 9. Jan. Havas meldet auS Rom: Mfgr. Testa, der mit einer Mission im Saargebiet betraut war, wurde am Montag vom Papst empfangen, dem er eingehend Bericht er- stattete. Die Misston Testa» ist anscheinend noch nicht beendet. Er dürfte nach kurzem Ausenthalt in Rom erneut ins Saar- gebiet zurückkehren. Unverbesserliche Selbst das Konzentrationslager hat sie nicht geheilt Weimar, 8. Jan. Vor dem OberlandeSgericht in Jena hatten sich vier Kommunisten aus Waltershausen wegen Borbereitung zum Hochverrat zu verantworten. Der Haupt- angeklagte war im Mai 1988 aus dem Souzeutratiouslager entlassen worden, nachdem er«inen entsprechenden RcverS unterzeichnet hatte. Das hielt ihn aber nicht ab, schon im folgenden Monat wieber Flugblätter herzustellen, die Be- schimpsnugen deS Reichskanzlers und der Reichsregierung enthielten. Auch später betätigte er sich noch weiter durch Ver- breitung von Flugblättern, alS Mitglied einer Schmier- kolonne und als Anführer von Jungkommunisten seine» Wohnortes. Er wurde jetzt zu 2 Jahren Zuchthaus und 3 Jahren Ehrverlust verurteilt. Seine drei Mit- angeklagten kamen mit Gefängnisstrafen davon. ver verantwortliche Er begeht Selbstmord Paris, 9. Jan. Der Unterstaatssekretär im Mlnifterpräße» dium ist, wie der„Petit Parisien" meldet, davon benachrich- tigt worden, daß der Ingenieur Schmer, der die Pläne des Wasserkraftwerks von Urbeis entworfen hatte, in Mül- hausen Selbstmord begangen hat. Scherrer stand, im 8Ut daö Gold, der trotz weitgehenden Hemmungen des freien GolbverkehrS in neuen umfang- reichen internalionalcn Goldwanderungen einen deutlich sichtbaren Niederschlag gefunden hat. Während der ersten Hälfte des Jahres 11)33 mußten Teutschland, die Schweiz, Holland und bis zu der Einsiihrnna des Goldcmbargos auch die Vereinigten Staaten einem starken Ansturm aus ihre Goldreserven standhalten. In der Folge ist dann injo- fern eine Wendung eingetreten, als hauptsächlich Holland und d e Schweiz sowie in bescheidenem Umfang auch Teutschland einen Teil der erlittenen Goldverluste in den letzten Mo- naten durch Rückgriffe auf die in Frankreich angesammelten enormen Goldvorräch auszugleichen vermochten. Eine Sonderstellung im internationale» Goldverkehr nahmen int letzten Jahre Großbritannien und Italien ei», die ein stetig fortschreitendes Anwachsen ihrer Goldbestände zu verzeichnen hatten Die im einzelnen im Jahre 1333 eingetretenen Verschiebungen in der Verteilung der monetären Goldreserven sind aud nachstehender Tabelle ersichtlich, die die Entwicklung der zentralisierten europäischen Länder veranschaulicht. Goldbestände in Millionen schweizer Iranien am Jahresende vi« Schulden der Welt U~9f • I| 4« I I Jrankre'ch England Spanien Schweiz Belgien Italien Holland Teutschland Schweden Rumänien Polen Tschechoslowakei..... Dänemark Norwegen Jugoslawien....... Portugal Oesterreich Ungarn Lettland, Finnland, Tanzig und Litauen 1930 '.'1 200 10 879 3 723 2 439 713 939 1 445 888 2817 334 288 327 237 239 208 99 48 156 148 83 1931 21 688 13 982 3 045 2 246 2 347 1837 1 535 1 848 1 302 280 300 349 253 200 104 100 60 138 92 120 1932 20 901 10 857 3 021 2258 2 471 1 871 1 593 2 151 1 083 286 295 292 262 185 164 161 120 109 88 123 1933 20 799 15 027 4811 2 261 1 998 1 966 1 938 1918 483 301 305 270 202 185 104 164 161 138 71 145 Summe 47 261 51 958 54 851 54 028 Die zentralisierten Goldbestände der Vereinigten Staaten haben im letzten Jahre eine Abnahme»m 162 Mill, schiv. Jr. erfahren. Dabei muß berücksichtigt werden, daß diesen Gold- beständen infolge der im März angeordneten Ablieferung der im Inland im Verkehr befindlichen Goldmünzen 810 Mill. Jr. zugeflossen sind, so daß Amerikas Goldabgabcn an das Ausland tatsächlich 972 Mill. Jranken betrugen. Jrank- reich hatte 1933 infolge der großen Abzüge der letzten Bio- natc einen Goldvcrlust von nahezu 1", Milliarden Jr. zu verzeichnen. Ter Goldbestand Teutschlands hat tm letzten Jahre per Saldo eine iveitere Abnahme um 600 Mill. Jr. erfahren. Tie S ch m e t z verzeichnet für das abaclaufene Jahr trotz den in letzter Zeit beobachteten Rückflüsse» einen Goldverlust von fast einer halben Milliarde Jr. und auch die Niederlande verlassen das Jahr 1933 mit einem um fast eine Viertclmilliarde Jr. verminderten Goldbeitand. Tem- gegenüber hat Großbritannien die Goldreserven seines No- tenbankiiistitutS um annähernd 1'/« Milliarden Jr. vermehrt. Namhaste Goldzugänae batten im letzten Jahre außerdem noch Italien mit rund 340 Will. 7tr„ Belgien mit 95 Mill. Jranken und Schweden mit 75 Will. Jr. zu verzeichnen. Besondere Erwähnung verdient noch die Tatsache, daß die Goldbestände der in der Tabelle aufgeführten Länder im letzten Jabre trotz der Neuproduktion eine Abnahme um über 300 Milliarden Jranken, und, ivcnii man dazu noch die In Amerika a»S dem Verkehr gezoaenen Goldmünzen mit- bernckstchtiak, loaar um rund 1,1 Milliarde Jr. erfahren haben, Tieie Abnahme ist, soiveit sie nicht ans Goldkäuie deS englischen W ä h r u n a s a» s g l e i ch> o n b S und in letzter Zeit auch, der amerikanischen Reeonstruction Finance Corp. zurückzuführen ist. eine Jolae des durch die Wäh- rungsunstcherbeit namentlich in den westeuropäischen Län- dcrn ausgelöste» privaten Goldbam sterns. (bleue Züricher Zeitung.) Die Bayerische Handelsbank hotte im letzten Berichtsjahr 7. Prozent ZinSauSfall. Aufge- teilt nach Art der belichcncn Objekte ergibt sich: bei gewerblichen Objekten ein Rückstand von 18 Prozent, bei Althäuiern ein Rückstand von 12 Prozent bei Etnsamilicnhäuscrn ein Rückstand von 2 Prozent Ter amerikanische Gelehrte Professor Butler, Rektor an der Columbia-Universität in Neuyork, hat auSaercchnct, daß die Gesamt-Vcrschnldung der Welt 60 Milliarden"fund beträgt. Dieser Schuldsumme steht eine Golddeckung von nur 1.6 Milliarden gegenüber. Butler schlägt deshalb vor, ci» internationales Jinanziiisti'vt zn aründcn, in das die gei.imtcn Goldvorräte der Welt eingebracht werden sollen, wodurch dieses Institut in de» S'aud gesetzt würde wirklich voll gc» deckte Kredite zu erteilen Die Dörsenbllanz 1933 Durchschnittliches Kursniveau Sl.Tcz. I.April S.Juli 21. Okt. 2â.îcz. DO.Îcj. 1932 28,5 57,2 04,2 82,0 80,2 10.8 41.0 35,r 54.1 85.9 1933 31,4 55,7 54.7 20,7 28,7 9.5 41,0 34.3 51,2 82.4 1933 30,3 09.6 69.7 34.3 30.0 11.4 48,3 35,2 56.1 05,9 1933 25,3 70,0 59.7 28,9 81.0 11.1 44.8 27,3 55,0 50,8 1933 28,8 71.0 01.2 29,8 33,5 19.3 43.1 26,7 53,3 58,1 1933 28,7 72,2 00,9 29,4 34,2 10/) 48/) 26.7 53.8 57.9 Ende 1927= 100"/» Berlin London Paris Brüssel Amsterdam Stockholm Zürich Wien Prag Neuyork Durchschnitt: 39,0 30,0 45,7 40,5 41,6 41,7 Vergleicht man den Stand vom 30. Dezember 1933 mit dem Jahresende 1932, so hält sich im Gesamtdurchschnitt gesehen, die Besserung in relativ bescheidenen Grenzen. 499999 Mensdien versdi wunden Im Statistischen Jahrbuch für das Deutsche Reich, Jahr- gang 1933, wird die Bevölkcrungsstärke Teutschlands wie folgt angegeben: 1922: 62 035 090: 1928: 01 367 000,- 1931: 65 441 000, 1932: 65 733 000. Das Ergebnis der Volkszählung vom>0 Juni 1933 nennt das Statistische Jahrbuch mit 05 335 879 Personen. Tie Bevölkerung des Deutschen Reiches zeigte bis zum Jahre 1932 eine forlgcietzt steigende Tendenz. Zum ersten Mal seit 1922 zeigt sich im ersten Halbjahr des Jahres 1983 eine Abnahme der Bevölkerung um 397 900 Peisonen. Dnaus ergibt sich, daß die Gesamtzahl der Emigranten, der in Deutschland illegal Lebenden und der von Nazis ermordeten oder in den Selbst.-ord getriebenen Menschen rund 4M090 beträgt. Dabei ist der seit 1922 ersichtliche ununterbrochene Bevölkerungszuwachs nicht einmal eingerechnet. „Ausrottung der Juden" Ter berüchtigte Antisemit Julius Streicher, Jreund Hit- lcrs und Führer deS JudenbopkottS, hat zu Neujahr 1934 ein Manifest veröffentlicht. Im Jahre 1933. erklärt Streicher, fei die Vorherrschaft der Juden zerstört worden. Im Joo re 1934 müßten Gesetze herauskommen, die die restloie Ver- nichtung der Juden in Teutschland brächte». Wenn man ans halbem Wege stehen bleibe, seien die Resultate, die im Jähre 1933 erzielt wurden, für nichts gewesen. Lehrllngsaufnahmc 1934 In.Jugend und Berus" IV stellt Dr. M. Thienemaun- Berlin fest» da» das Handwerk bei den Vehrling»auînahmen Zurückhaltung geübt habe.„Wenn auch auf daS Konto der allgemeinen Trostlosigkeit in den Berufsaussichten einzelner Handwerkszweigc ein gut Teil der Zurück- Haltung zu setze» ist, so ist es richtig, daß sie nicht allein den Anlaß dazu geboten hat." Die iveitere» Anlässe sind:„die starke Verhetzung der Lehrlinge durch Funktionäre der>o» zialdemokratischeii und kommunistischen Anhängerschaft, 5-e „sonstige Einflußnahme der Gewerkschaften", die„rücksichrs- losen Forderungen der Arbeitnehmerschaft" und„Entschw- diinaeii der Arbeitsgerichte". Ta der Jugendliche.'»n den Ausbeuter» wieder hilflos ausgeliefert ist, wird das Hand- werk gern leine Hand bieten,„der schulentlassenen Jugend Beschäftigung zn gewähren," wenn nur die„allgemeine Trostlosigkeit nach der siegreichen Arbcits-Marne-Schlachr nicht wäre! Die Polizei sdiröpil Neue Gebühren Auf Grund des PolizeiverivaltungSgesctzes können die Polizeibehörden ivegen der in ihrem Bezirk verübten, unter ihren Zuständ'gkeitsbereich fallenden Ilebcrtretungen die Strafe durch p o l i z c i I i ch e S I r a s v c r f ü g» n g e n festsetzen, suivie eine etwa verwirkte Einziehung verhängen. Statt oder nebe» einer polizeiliche» Strasversügung kann eine polizeil'che Verfügung erlassen oder eine polizeiliche Verwarnung erieilt werden, die b i s her gebühren- frei war. Tas preußische TtaatSministerium bat setzt ein Gesetz zur Aeiidrriing des PolizeiverivaltnngSgcietzeS be- schlösse», das mit sofortiger Wirkung d-c Gebührenfrei- h e i t für polizeiliche Verwarnungen beseitigt. Das hebräische Theater Von Erich Gottgetreu Abends am Strand von Tel-Aviv. Durch die er- leuchtete» Jenstcr einer Baracke sieht man ekstatisch in die Höhe geworfene Arme. Und wilde Schreie hört man: „Anachnu rozim lechem!": Wir wollen Brot... Allmählich formt sich die Ekstase zu einer der stärksten Szenen aus Büchners„Danton". Jetzt erinnere ich mich, in dieser Ba- racke bin ich doch schon mal gewesen. 1927, damals hat hier das„Obel", das hebräische Theater der palästinensischen Arbeiterschaft, gleichfalls geprobt für eine Aufführung, mit der es dann durchs ganze Land zog, aber ein jüdisches, ein biblisches Stück:„Jakob und Rahel". Nun wohne ich alio wieder einer Probe bei, diesmal nur von außen, durchs Fenster. Schauspieler soll man nicht bet der Arbeit stören, auch nicht durch die bloße Anwesenheit. Selbst durchs Jen- ster wird deutlich, wie die künstlerische Intensität der„Ohcl"° Leute inzwischen gewachsen ist. Tie„H a b i m a h", die bekanntere Bühne des Landes, spielt, sosern sie nicht aus gleisen ist. in der„Mograbi Hall", einem Kammerspielraum im Kellergeschoß eines großen Kinos. To ziemlich jede Vorstellung ist oiisverkanft, bei einem durchschnittliche» Platzpreis von 0 Piaster, also 90 Pfennig. Und jede Vorstellung ist eine Erplosion an Kunsttrast. Wie- viel seelisches und körperliches Temperament bildet hier im besten Sinne des Wortes ein Ensemble, ein Zusammen, eine Gcmemschast! Man denke an den Alltag dieser Schauspieler, um ihre feierliche Leistung zu ermessen. Das Habimah-Kollek- tiv kennt weder S:ars noch Stargagen, man spielt aus Tei- lung. Seit Jahren bekommen die Mitglieder des Kollektivs kaum mehr als monatlich 6 Pfund, also ungefähr das palästi- ncnstsche Lebensmin-mum ausgezahlt.(Kürzlich wurde zur Stärtniia des Bandes Theater— Publikum ein„Hablmah- Kreis" der Jreunde des Theaters ins Leben gerufen: die Beitrage der Mitglieder, bis jetzt sind es 8000, sollen zur Inszenierung»euer Stücke verwandt werden.) Tic Künstler des„Ohe!" spielen überhaupi umsonst, bekommen aber vom Kollektiv nach den gewerkschaftlichen Tarifsätzen diejenige Tätigkeit bezahl,.' e sie im Zusammenhang mit dem Theater als zweiten Berus ausüben: der Eine malt Dekorationen, der Zweite ist Kassierer der Tritte Z-ttelankleber. der Vierte Jnspiz-ent 1927 waren sie noch Amawnre, hatten offiziell wenigstens, außerhalb des Theaters"oa. einen Brotberuf, wenn auch, praktisch, keine Arbeit in ihm. Tas schlechte S tick Wirtschaftskrise" wurde damals auch in Palästina gespielt. ""Man sieht also, wie sie ökvtiomisch dastehen. Ihr r!ohn liegt in dem Glück, das sie verbreiten. Dieses Publikum! Es gibt woht kein theaierireudigeres unter der Sonne, auch nicht unter der südlichen. Ter richtige Palästinenser sieht sich ein Stück, das ihm gefällt nicht zivei- und dreimal a», sondern fünfzehn», zwanzig- und fünfundzwanzig»»«!, immer wieder, wieder, wie ein Bild. Er ist enorm kritisch, gar nicht leicht zu begeistern, er bekommt es fertig, nach einem Abend vcr- strömten Herzblutes ein Urteil abzugeben, das nur ein jüdisch-skeptisches„Jaja und Neinein" bedeutet.„Nicht schlecht" ist schon ein hohes Lob. Aber für wirklich große Lei- stung ist er doch von rührender Dankbarkeit, von tiefstem Verständnis. Dabei macht eS ihm nichts aus, daß er auf nn- bequemen, tehnenlojen Bänke» sitzen oder auch stehen muß. Immer wieder führt die„Habimah" ihre Glanzsttickc, ihre Nationalslücke vor. Wie erschüttert„Ter Tvbuk"! Wie packt „Ter Golem"! Wie schreit ein Volk, wenn hier einer schreit! Wie vermengt sich h'er Leben und Bühne! Dies ist wehr als Wirklichkeit und Dichtung! Ties ist verdichtete Wirklich- keit. Ties ist Kultus. Indes will das hebräische Theater nicht nur Spiegel der Gesch-chle»nd konservativer Empsin- düngen, nicht nur Volkshochschule»nd Snnagogc sein. TaS hebräische Theater will vielmehr, wie jedes Theater von Bedeutung. K a m p s t r i b ü ne aller G e g e n>v a r t s- problème sein, moralisches Jnstiiut, Wegweiser in die Zukunft, Jahnenträger deS Geistes. Doch was wird außer der geistigen oder historischen Vergangenheit der Juden gc- spielt? Da»„Obel" übt augenblicklich den„Danton" ein; Regisseur ist Friedrich Lebe, zuletzt Direktor des Hamburger Thalia-Theaters. Früher spielte man„Tie Treigroschenoper" von Brccht-Weill. ferner Karel Capck. Stefan Zweig, Jr'cd- rich Wolf. Tie„Habimah" brachte„Jud Süß" nach Jeucht- wanger. früher Shakespeare. Moliere, Shaw, Maugham, neuerdings, sehr lustig übrigens, den Italiener Rotari mit seinen„Drei Dieben". Die nur sporadisch auftretende Klein- kunstbühne„Matatei" machte das Land der Verheißung mit dem„Land des Lächelns" bekannt. Also man adoptiert. Man adoptiert auf anderen Bühnen anderer Länder tausend- fach bewährte Stücke, und man adoptiert sie mit der zweisel- los vorhandene» Pflicht, eben auch gutes llnterhaltungs- theater machen zu müssen. Man adoptiert Altes»nd Neues — kommt aber damit der Hauptaufgabe, Herold des jüdischen Ge'stes und Propagandist eigener Ideen zu sein, um keinen Schritt näher. Es ist richtig, daß die„Habimah" Stücke wie mit Lichtern sucht. Stücke, die die deutsch-jüdiiche Tragödie behandeln: Stücke die de» gegenwärtige» Ausbau Palästinas zun, Gegenstand haben. Frau Klanßncr, die umsichtige, energische Leiterin de? Theaters animiert jeden, der eine Schreib- Maschine leidlich literarisch zn bearbeiten versteht. Aber die meisten Palästina-Bedichler werden vom zweiten Akr an ien- timenral, das haben sie anscheinend von de» auf einer pathe- tischen Prosa herumreitenden landesüblichen Reisebeschrei- bern gelernt. Jetzt lockt ein Preisausschreiben die in Palä- stina noch erbärmlicher als andersivo bezahlten Poeten» hundert Pfund sich zu vcrd-encn. Das heilige Land hat schon mancherlei Wunder erlebt, beglaubigte und»»beglaubigte, aber ob sich die Dichtungen aus seinem Boden stampfen lassen? Dichtung erfordert Abstand Waö man erlebt, läßt sich im Augenblick des Erlebens nur erzählen. Es ist Stöfs zur Reportage. Tamil ist aber auch schon gesagt, daß das hebräische Theater in Palästina jetzt nur eins tun kann: die äußeren Tnmtome der jüdischen Renaissance in Palästina sammeln und herausstellen. Dazu ist nichts weiter nötig, als alle die tnpifchen Erscheinungen des jüdischen Leben» im Lande auszuzeichnen: die Erörterungen in den Kwuzzoth, die Gespräche i» den Mittagspausen der Fabriken, Streite- rcien, Festlichkeiten. Tie'c Ausgabe, in Lehrstücken, wie sie in Deutschland Brecht, Wolfs, Staemmle und Döbli» gc- schriebe» habe», das Lebe» abzusienografieren, muß die „Habimah" selbst lösen. Sie verlangt nicht nur kollektiv zu spielen, sondern auch kollektiv zu schassen. Sie verlangt auch die Mitwirkung seines überragenden Regisseurs, demnächst kommt vermutl-ch Granoivski, man wird sehen, was er leistet: und vielleicht ist es auch möglich, Leopold Jeßner zu gewinnen. Ja. man hat so Pläne. Ein anderer wichtiger: der Bau eines 2000 Zuschauer fassenden ThcatergebäudeS an repräsen- tativer Stelle Tel-Aoivs. Bisher wohnte die„Habimah" nur gemietet, das kostete>090 Pnnd jälirl-ch. Ter Platz des neuen Theaters ist schon bestimmt, der Boden steht zur Verfügung, die Pläne des Architekten Professor Oökar Kaufmann, der in Berlin die Volksbühne, die Krolloper, den Sportpalast und das Stadion schuf, sind fertig, man rechnet mit 30 000 Psund Baukosten. Borgesehen sind eine Dreh-, Seiten-, Wagen- und Hinterbühne zugleich. Es wird eine Pracht werden— für das Publikum, das zum erstenmal in Palä- stina aus gepolsterten Plätzen sitzen wird, und für die Schau» spieler, von denen die ältesten in ihrer Moskauer Zeit in heimlichen Höfen und Kellern»nd unter ständiger Gefahr, nach Sibirien verbannt zu werde», das vom Staat verpönte und verfolgte Hebräisch zelebriert haben. Das Geld für den Bau wird im Lande gesammelt werden. ver zweite Fünf jahresplan Rußlands gewaltige Kraftanstrengung Die Sowjetpresse hat den zweiten Fünfjahresplar veröffentlicht. Am binde der ersten Fünfjahrperiode, Ende 1932, befand sich die Volkswirtschaft der Sowjetunion nach den grandiosen Anstrengungen von vier Aufbaujahren unzweifelhaft in einem krisenhaften Zustand. Die neuen bäuerlichen Kollektivwirtschaften hatten noch keine Arbeitsorganisation und Arbeitsdisziplin. Die neuen Leitungen und neuen Arbeiter der in vier Jahren neuerstandenen Industriebetriebe mußten sich„die neue Technik erst an- eignen". Das Jahr 1933 war daher ein Jahr ruhigerer, langsamerer Entwicklung. Immerhin ist es In diesem Jahre gelungen, die neuen Kollektivwirtschaften einigermaßen zu organisieren; wenn die Sowjetunion heuer eine Ernte eingebracht hat, die größer ist als alle Ernten dieses Gebietes vor und nach dem Kriege, so ist das nicht nur der günstigen Witterung dieses Jahres zu danken, sondern auch dem unzweifelhaften organisatorischen Fortschritt der neuen Kollektivwirtschaften. Zugleich ist es auch in der Industrie gelungen, die Produktivität der Arbeit im Verlauf dieses Jahres um durchschnittlich zehn Prozent zu heben. Die Gesamtproduktion der Industrie ist in diesem Jahre um neun Prozent gewachsen. Auf diese Ergebnisse, gestützt, geht die Sowjetunion nunmehr zu einem beschleunigten Aufbau über. Der zweite Fünfjahrplan ist ein Plan des wirtschaftlichen Aufbaues der Sowjetunion bis zum Ende des Jahres 1937. Es ist ein gewaltiger Aufbauplan, der in seinen Dimen- ionen und im Tempo seiner Durchführung den ersten Fünfjahrplan noch bei weitem übertrifft. Ausbau des Verkehrswesens Am auffälligsten ist in dem zweiten Fünfjahrplan das Programm des Ausbaues des Verkehrswesens. Wurden in der ersten Fünfjahrperiode 8,9 Milliarden Rubel dem Ausbau des Transportwesens gewidmet, so lollen bis Ende 1937 nicht weniger als 26,3 Milliarden Rubel diesem Zwecke zugeführt werden. Eine Reihe neuer Eisenbahnlinien soll errichtet werden: das russische Eisenbahnnetz soll binnen vier Iahren van 83 000 auf 94 000 Kilometer gebracht werden. Unter den neuen Eisenbahnlinien, die gebaut werden sollen, befindet sich neben einer neuen Linie van Moskau ins Tonezgebiet auch eine Linie vom Baikal- zum Amurgebiet, die für die strategische Verteidigung der Sowjetunion gegen einen Angriff im Fernen Osten die größte Bedeutung hat. Außerdem sollen Eisenbahnlinien in der Länge von 9500 Kilometer, die bisher noch eingleisig waren, ein zwei- t e s G e I e i s e bekommen, darunter die gleichfalls strate- gisch überaus wichtige Linie im Transbaikalgebiet. Linien in der Länge von 500 Kilometer sollen zur e l e k t r i- schen Zugförderung übergeführt werden. Ter Lokomotivenpark soll von 19 500 auf 24 000, der Waggonpark von 552 000 auf nicht weniger als 803 000 gebracht werden. Eine Reihe neuer Wasser- straßen soll gebaut werden: die schiffbaren Ströme Rußlands sollen durch künstliche Wasserstraßen so rer- banden werden, daß vom Weißen bis zum Kaspischen Meer der Wassertransport möglich wird. Der Auto- park der Sowjetunion soll von 75 000 auf nicht weniger als 580 à gebracht werden, das Netz der Autostraßen Um 210 000 Kilometer verlängert werden. Die Flug- Zeuglinien sollen von 32 000 Kilometer auf 85 000 Kilometer gebracht werden. All das in einer Fünfjahr- Periode! vie indusfrieironl Tie J n d u st r i a l i f i e r u n g Rußlands soll in der Zweiten Fünfjahrperiode noch schneller fortgesetzt werden »>s in der ersten. Ter ungeheuer große Betrag von 69,5 Milliarden Rubel soll bis 1937 zur Vergrößerung der In- dustrie aufgewendet werden, während in der ersten Fünf- jahrperiode immerhin nur 25 Milliarden für die Errich- tung von Industriebetrieben verwendet worden sind. Tie industrielle Produktion soll Ende 1937 einen Wert von 103 Milliarden Rubel, in den Preisen des Jahres 1927 Neuordnung der Well Der nationalsozialistische Austenpolitiker R o s e n h Ii g c l wurde von der Reichsrcgierung beauftragt, ein Expose liber die Neuordnung der Welt nach rassischen Gesichtspunkten auszuarbeiten. Roienhügcl hat seineu Entwurf in außer- o> deutlich rohen Umrissen bereits fertiggestellt, lieber das umfastende außenpolitische Programm ist einiges in die Oes- lentlichkeit gedrungen. Unter allen Staaten der Erde gibt es derzeit nur drei, die aus Grund ihrer inneren Zucht und ihres nationalen Wehr- willens beiähigt sind, die Träger der künftigen Weiche zu werden: Deutschland. Italien und Japan. Das ist kein Zu- 'all. denn diese Länder stud nur deshalb auf eine derart hohe Kulturstufe heruntergekommen, weil sie die ausgeprägten Vertreter der aermaiii'ch-arischen. der romanischen und der Mongolischen Raste stud, die zusammen die Herrenraiie er- neb™. Der Erdball wird alio in drei große Ranenkontinente d<"-sallen, die Germanien, Romanic» und Mongolien heißen werden. Daß alle deutschen Gebiete zu Germanien gehören, ist selbstverständlich. Aber auch alle slawischen Länder stnd mit bie?em Dritten Weltreich durch die Bande der Namen öfter- keichjscher Nazikuhrcr verbunden. Germanische Länder, die llch. wie England durch welschen Einkluß. oder wie Skandinavien durch uiarristischcn, vom Deutschtum abgesondert daben. mlisten wieder mit dem Mutterland vereinigt werden. Dies rechtfertigt auch die Einbeziehung Nordamerika? In den deutschen Komvler. Schließlich dark man die Heimat- länder de? Ariertum«. Indien und Persten. nicht veraesten, welche stch ihren Blutsverwandten freudig anschließen werden. Romanlen. da? neue römische Weltreich, unifaßt Italien, Frankreich, Spanien, Südamerika, Rumänien, Albanien, Südtirol und die Helmwehr. Strittig ist noch die Zugehörig» «it der im Norden Italiens gelegenen Provinz Totalien. gerechnet, erreichen— neunmal soviel als vor dem Kriege und 2 4 m a l soviel als im Jahre 1332. Ein immer noch sehr großer Teil dieser Industrieneubauten soll auf die Produktions- und Transportmittel- industrie entfallen: die elektrische Energiegewinnung soll gegenüber dem Jahre 1932 um 183 Prozent ver- größer! werden, die Steinkohlenproduktion um 135 Prozent, die Stahlproduktion um 125 Prozent, der Ma- schinenbau um 127 Prozent, der Lokomotivbau um 250 Prozent, der Waggonbau gar um 476 Prozent, der Auto- mobilbau sogar um 737 Prozent— an sich Produktions- fteigerungcn von phantastischer Größe, die um so ein- drucksvoller wirken, wenn man sich erinnert, wie in dieser Zeit der Weltkrise die industrielle Produktion aller dieser Güter in der kapitalistischen Welt zurückgeht! Be- sonders schnell soll in der zweiten Fünfjahrperiode die chemische Indu st rie entwickelt werden. Die Erzeu- gung künstlicher Düngemittel soll bis Ende 1937 ver- zehnfacht werden— eine überaus wichtige Voraussetzung der Hebung der russischen Landwirtschaft. Dabei weist das Programm aber auch darauf hin, welche Bedeutung die schnelle Entwicklung der chemischen Industrie auch für die Stärkung der Verteidigungsfähigkeit der Sowjet- union hat. Im Gegensatz zum ersten Fünfjahrplan nimmt der zweite aber auch eine sehr schnelle Entwicklung der K o n s u m g ii t e r i n d u st r i e n in Aussicht. So sollen insbesondere fünfzehn neue riesige Baumwollspinnereien und Bauiiiwollwebereien, zwölf sehr große Schafwoll- spinnereien und Webereien, viele neue Zucker-, Seifen-, Konserven-, Zuckerwarenfabriken errichtet, es soll die Kleidungs- und Wäschekonfektion und die Schuherzeu- gung wesentlich vergrößert und mechanisiert werden. Be- merkenswert ist, daß die neuen Industrien vor allem in den für sie wichtigen Rohstofsgebieten gegründet wer- den sollen, so zum Beispiel die neue Baumwollindustrie vor allem in Mittelasien, wie überhaupt ein sehr großer Teil der neuen Industriebetriebe in West- und Ostsibirien, in der Baschkirenrepublik, in Kasakstan und in Mittel- asien errichtet werden soll: ungefähr die Hälfte der neuen industriellen Kapitalinvesti- tionen soll in dem asiatischen Teil der Sowjetunion angelegt werden. Tie Industrialisie- rung des Ostens hat auch eine nicht geringe strategische Bedeutung zur Verteidigung der Sowjetunion«»«-n Japan. Facharbeiter, Akademiker Selbstverständlich bedarf es ungeheurer Anstrengungen, um die neue Industrie mit Facharbeitern und In- genieuren und Chemikern zu versorgen: in der zweiten Fünfsahrperiode sollen zweieinhalb Millionen Facharbeiter und 340 000„Spezialisten" mit mittlerer, und höherer technischer Bildung ausgebildet werden! Solcher Bedarf in einer Zeit, in der in der kapitalistischen Welt die Facharbeiter arbeitslos sind und die Absolventen der tech- nischen Schulen keine Arbeit finden? Tie neue technische Ausstattung und die Verbesserung der Arbeitsdisziplin sollen es ermöglichen, die Produktivität der Arbeit bis 1937 um nicht weniger als 63 Prozent zu heben und die Produktionskosten um 26 Prozent herab- zusetzen. vle Agrarironl Nicht weniger kühn ist das Programm des Aufbaues der Landwirtschaft. Die Kollektivisierung der Landwirtschaft soll restlos abgeschlossen werden. Tie Zahl der Maschinen- und Traktorenstationen, die den Kollek- tivwirtschaften die Anbau- und Erntemaschinen beistellen, soll in vier Jahren von 2446 aus 6000 gebracht, der Trak- torenpark von 2,2 Millionen Pferdekräften im Jahre 1932 auf nicht weniger als 8,2 Millionen Pferdekräfte im Jahre 1937 gebracht werden. Zugleich soll durch Verbesserung des Fruchtwechsels, durch Versorgung von 90 Prozent der Anbaufläche mit hochgezüchtetem Saatgut und durch reichlichere Versorgung mit Kunstdünger die Ernteergiebigkeit bedeutend vergrößert werden. Man hofft, den Hektar- ertrag bei mittleren Ernten auf diese Weise auf 10,6 ZentAlle gelben Völker und deren Ableger in Europa bilden das Weltreich Mongolien unter dem Protektorat Japans. Ihm gehören an: Ehtna, die mongolischen Teile Rußland?, der Malaiische Archipel, Finnland, Ungarn, Lappland und die gelben Gewerkschaften. Alle diese Gebiete soll eine japa- niiche Mauer umgeben. Die übrigen Teile der Welt, die von Untermenschen und Minderraßlern. Negern und Semiten, bewohnt sind, finden als Kolonisationsgebicte Verwendung. Die Frage der Auf- teilung bildet den moralischen Kern kommender Stadlbädcr. Karo. Unlrudilbarmadiung Rundschreiben an die Länder Der Reichsjustizminister hat ein Rundschreiben an die L a n d e s j u st t z v c r w a l t u n g gerichtet, das sich mit dem S^erilisierungsgesetz beschäftigt. Er betont darin, daß die Maßregeln der Sicherung und Besserung, die das Gesetz gegen gefährliche Geivohnheitsvcrbrecher eingeführt ha', dem Schutze der Allgemeinheit gegen den Rechtsbrecher dienen. Ein großer Teil der Personen, aus den diese Bestimmungen angewendet wird, stelle aber eine Gefahr für die Volks- gcmeinschast auch durch die Belastung des Volke? mit minderwertiger Nachkommenschaft dar. Sofern Verbrecher erbkrank im Sinne des Sterilisierungsgesetzcs sind stelle dieses Gesetz die nötigen Handhaben zur Ver- fügung. Die Justizbehörden würben bei Ausübung der Strafrechtspflege häufig mit Personen befaßt werden, auf die auch das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses Il n w e n d u n g finde. Es müsse ihre Aufgabe sein, in solchen Fällen das Eingreifen der Stellen zu veranlassen, die die il n f r uchtba r m a ch n ng beantragen und anordnen können. Der Rcichsjiistizmtnister bittet die Laudesiustiz- Verwaltungen in diesem Sinne um Zusammenarbeit mit den Erbgcsuiidhcitsgerichten und übrigen Behörde», ner zu erhöhen— immer noch sehr wenig, an wtsteuro» putschen Hektarerträgen gemessen, aber für die Sowjet- union doch schon ein bedeutender Fortschritt. Frhöhnng der Reallöhne Die Hebung der Landwirtschaft und die Vergrößerung der KônsumgUterindustlie sollen es ermöglichen, den Reallohn der Arbeiter im Verlauf der Fünfjahr- Periode auf das Doppelle zu e r h ö he n. Zugleich sollen die Ausgaben des Staates für die Sozial- Versicherung von 4,3 auf 9,3 Millionen Rubel erhöht werden— eine sehr eindrucksvolle Tatsache in einer Zeit, in der die ganze kapitalistische Welt ihr Heil im Abbau der„sozialen Lasten" sieht Tie Durchführung der all- gemeinen Schulpflicht soll beendet, das Mittel- schulsystem weiter ausgebaut werden: die- Zahl der Schüler an den unteren und höheren Bildungsanstaltcn soll von 1932 bis 1937 v o n 2 4.2 M i I l i o n e n a u f 3 6- Millionen gebracht werden! Zugleich soll die Zahl der ' S p i t a l b e t t e n in den Städten um 44 Prozent, in den Landbezirken um 98 Prozent erhöht werden, die Zahl der Städte mit Wasserleitung von 366 auf 440. der Städte mit Kanalisation von 55 auf 125, der Städte mit Straßenbahnen von 50 auf 70 gebracht werden! Die absoluten Zahlen zeigen, wie rückständig die hizgienischen Einrichtungen der Städte der Sowjetunion bisher noch waren, aber auch, wie schnell das in früheren Zeiten Versäumte jetzt nachgeholt wird. Für den W'h- nungsbau sollen in der Fünfjahrsperiode 13,4 Mil- Harden Rubel aufgewendet werden— in einer Zeit, in der in der kapitalistischen Welt der private Wohnungsbau stockt und der öffentliche eingestellt wird. vas rassische Beispiel Wird dieses gewaltige Programm, sicherlich das gewal- tigste Wirtschaftsprogramm, das je aufgestellt worden ist. durchgeführt werden? Wir haben die Erfahrungen des ersten Fünfjahrplanes. Als er veröffentlicht wurde, hielt man ihn für phantastisch und utopisch. In Wirklichkeit ist er zwar keineswegs dem Buchstaben nach durch- geführt worden, er muhte— das Leben korrigiert alle Pläne— in der Durchführung immer wieder abgeändert werden, aber im großen und ganzen ist er doch wenigstens hinsichtlich der Vergrößerung der Produktion, freilich nicht hinsichtlich der Arbeitsproduktivität, der Produk- tionskoften und der Hebung der Lebenshaltung der Massen, durchgeführt worden. In den zweiten Fünsjahr» plan tritt die Sowjetunion schon mit viel größeren Auf- bauerfahrungen und mit der im Verlauf der ersten Fünf- jahrperiode erreichten viel stärkeren wirtschaftlichen Basis ein. So gewiß auch der zweite Fünfjahrplan nur mit den ungeheuersten Anstrengungen und Opfern wird durchgeführt werden können, so gewiß auch er im Verlauf seiner Durchführung so manche Korrektur erheischen wird — als eine Utopie wird man feine Durchführung nicht au- sehen können, vorausgesetzt allerdings, daß der Sowjet- union der Friede erhalten bleibt und nicht ein Angriff des Imperialismus bom Osten oder vom Westen her ihr Auf- bauwerk stört. Die Philister verkünden jetzt überall, der„Marxismus" fei tot. Man vergleiche dieses wirtschaftliche, soziale und kulturelle Aufbauwerk im Osten mit der Stagnation und der Schrumpfung in der kapitalistischen Welt— ist der „Marxismus" wirklich tot? Die kapitalistische Reaktion glaubs überall, die Zeit sei sehr günstig, die Arbeiter poli- tisch zu entrechten, sozial niederzudrücken, den Arbeitern den Weg zum Aufstieg auf dem Boden der Demokratie, mit den Mitteln der Demokratie zu versperren. Machen sich die Mächtigen der kapitalistischen Welt gar keine Ge- danken darüber, welchen Einfluß es ganz unvermeidlich auf die Denkweise der Arbeitermassen der kapitalistischen Länder üben müßte, wenn man ihnen jede Hoffnung auf den Aufstieg mit demokratischen Mitteln auf demokra- tischem Boden in derselben Zeit nähme, in der drüben auf einem Sechstel der Erdoberfläche, in einem Lande mit hundertsiebzig Millionen Einwohnern eine so beispiellose wirtschaftliche und soziale Entwicklung vor sich geht? Straften der Welt Von Kerl Ootoeror Zwischen Tokio, Neuyork und Berlin, zwischen Kairo, Stamlml und Wien: an allen Straßen, auf allen Gassen, im Rinnstein der Welt, strecken sich Arme, krümmen sich Hände, bettelnd um Geld. An gleichen Straßen und dunklen Gassen, die jeder kennt, tanzen die Scheine, fließen die Weine, die satter Reichtum verschlcmmt. Nacht in Tokio. Nennork und Berlin, Tag in Kairo, Stambul und Wien: Gehsteig und Rinnstein, Herr sein und Knecht sein, schlendern und prassen, betteln und lassen, aus allen Straßen der Welt. Mann von Tokio, Rein,ort und Ber/lzi,. Mann von Kairo, Stambul und Wien: Du schaffst den Reichtum, dich trifft die Armut, du drehst da? Rad um, du gibst dein Herzblut: " Wann kchrà du die Strafen der Welt?. Deutsche Stimmen•(Oeil age xur..Deutschen Freiheit"• Ereignisse und Geschichten Mittwoch, den 10. Januar 1 934 |qp;rr m 1}om.tâfimecz und von dec l}ecnunit Qenecaüotten Die Bücher der ersten Autoren Deutschlands erscheinen »uweist nicht mehr in dem Lande ihrer Heimat. Ihrer Heimat, deren Kulturkreis sie bildete, deren Sprache sie zur Vollendung führten, aus der sie die Wurzeln ihres Schaffens »ogen,— ihrer Heimat, die sie verstieß. Die Bücher, die ich heute bespreche, sind nicht in Deutschland erschienen. Kein deutscher Buchhändler darf wagen, sie in seinem Laden zu führen. Keine Ankündigung wird ihnen zuteil in jenen deutschen Zeitungen, deren literarischer Teil hei jeder Neuerscheinung ihnen einstmals lange und erschöpfende Besprechungen eintrug. In diesen beiden Büchern spiegelt sich die Sehnsucht zweier Generationen deutscher Jugend. Toi- 1er ging durch den Krieg, Bruckner zeichnet die jungen Menschen„nachher". So verschieden Werden und Erlebnis sind: es geht allen, allen um das Deutschland von Morgen, für das sie atmen und leben und fast mehr noch als ehedem lieben, wenn es sie enttäuscht und ausstößt aus dem Reiche der Menschlichkeit und der Güte. /. JCcieçsçenecation Ernst Toller: Eine Jugend in Deutschland Der einstige Vorsitzende des Zentralrats der bayrischen Räterepublik von 1919, der deutsche Dichter Ernst Toller, bat die Autobiografie seiner Jugend(Querido-Verlag, Amsterdam) geschrieben. Er sagt in seinem Vorwort:„Wer den Zusammenbruch von 1933 begreifen will, muß die Ereignisse der Jahre 1918 und 1919 in Deutschland kennen, von denen ich hier erzähle." Toller, der Dichter der viel aufgeführten Dramen des längst verklungenen Expressionismus,„Die Wandlung",„Masse Mensch",„Hinkemann", der eine der schönsten lyrischen Gedichtsammlungen der letzten fünfzehn Jahre,„Das Schwalbenbuch", wie seine Dramen im Gefängnis schrieb; er ist über das Erlebnis des Kriegsfreiwilligen au der Front zum glühenden Pazifisten, zum kämpfenden Politiker geworden. Im Gefängnis las er zum ersten Mal die Schriften der großen Sozialisten. Aus der Liebe mit der von der Internationale der Rüstungsindustrie und des Großkapitals geknechteten„Masse Mensch" kam er zum Sozialismus, dessen glühender Vorkämpfer er wurde. Fünf Jahre hat Ernst Toller in der Festungshaft Niederschönenfeld verbracht, Festungsjahre, die anders ausschauten als die des Kurt Eisner Mörders Graf A r c o, der ausgebet konnte und Nachbargüter besuchen durfte, wie es ihm be- hagte., Noch ein Festungsgefangener saß in jenen Jahren irgendwo in Bayern. Der ehemalige Anstreicher Adolf Hitler. Toller berichtet von ihm:„Ein Gefangener erzählt mir, er sei dem österreichischen Anstreicher Adolf Hitler in den ersten Monaten der Republik in einer Münchener Kaserne begegnet Damals hätte Hitler erklärt, er sei Sozialdemokrat. Der Mann sei ihm aufgefallen, weil er„so gebildet und geschwollen" dahergeredet hatte, wie einer, der viel Bücher liest und sie nicht verdaut. Doch habe er ihn nicht ernst genommen, weil der Sanitätsunteroffizier verraten hatte, im Krieg sei der Hitler, als er von der Front zurückkam, schwer nervenkrank in einem Lazarett gelegen, blind, plötzlich habe er wieder sehen können. Diese nervöse Erblindung machte mich nachdenklich. Welche Kraft muß ein Mensch haben, daß er blind werden kann vor einer Zeit, die er nicht sehen will." Toller erzählt eingangs, daß sein Urgroßvater Schutzjude des Großen Friedrich zu Samotschin, einer kleinen Stadt im Netzebruch, war. Es ist seltsam, daß die Juden sich so gern ihrer Ahnen erinnern.„Vor 150 Jahren saßen meine Voreltern schon in dieser oder jener Stadt am Rhein, am Main. Ist es der Fluch, der ewigen Heimatlosigkeit im Grunde, des Verfluchtseins, immer wieder den Wanderstab ergreifen zu müssen, der sie sich so an die Heimat der Kindheit, der Eltern und Ureltern klammern läßt? Ist es nicht auch über allem Rufen des„Jüdd hepp hepp" beim Spiel und in der Schule das Deutschsein, das ihnen eingeboren wurde, ein doppeltes Schicksal, deutschsein und Jude sein, dem sie auch im fremden Land nicht mehr entrinnen?" Während des Kriegs, in den erbarmungslos geschilderten Schrecken der Front, in den ersten Jahren der Revolution, sogar vor einem versuchten Fememord im Gefängnis hat der Tod nach Ernst Toller gegriffen. Aber der Dichter fühlte nur die Beklemmung des eisigen Hauchs. Wie durch ein Wunder ist er erst den Granaten des Feindes, dann den Gewehrläufen der Weißen und Freischärler entgangen. Die „legale Machtübernahme" durch Reaktion und Hakenkreuz erlebte der Vierzigjährige in der Schweiz. Er ist nicht mehr in das Land seiner Väter und seiner Jugend zurückgekehrt. Dies Buch hat er in der Fremde geschrieben. Knapp und sicher im Ausdruck, beherrscht in den Gefühlen. Es ist große Kunst in dieser Einfachheit. Sie macht Wunden strömen, Herzen erbangen, Fäuste trommeln gegen die Wände des Hasses und der seelischen Trägheit. Es ist das schönste, was wir von Toller besitzen. 2. TUuhkcieqsqenetatioH „Die Rassen", eine deutsche Tragödie von Ferdinand Bruckner „Die Rasse n", Schauspiel von Ferdinand Bruckner (erschienen im Verlag Oprecht und Helbling zu Zürich), ist im Züricher Stadttheater unter der Regie des ehemaligen Intendanten von Darmstadt Gustav Härtung uraufgeführt worden. „Dell' Dolor et della Regione"— so schließt eines der bekanntesten Schauspiele Bruckners:„Vom Schmerz und von der Vernunft". Diese Worte, mit denen Elisabeth von England sich entsagend und erkennend wendet, ehe der zufallende Vorhang die Zuschauer in ihre Gegenwart entläßt, sie könnten das Motto sein zu diesem Schauspiel.„Dell' Dolor et della Ragione"—- wir erleben im Geschick einiger Studenten einer rheinischen Universitätsstadt das Ereignis des fünften März 1933. Auch die bisher Abseitsstehenden werden in den allgemeinen Taumel der„Erneuerung" gerissen, gepackt vom„Untertauchen des eigenen Ichs" in das Irrationale, das vor ihnen als„Nation" aufflackert. Ueber Denunziationen, Verhaftungen und Mißhandlungen jüdischer Kollegen geht „die nationale Aktion" weiter bis zum Judenboykott. Da ist ein jüdischer Student, dem Schläfenlöckchen angeklebt werden, dem man die Hosen an den Knien abschneidet; und mit einem Plakat„Ich bin Jude" durch die Straßen der Universitätsstadt führt. Da ist Helene, die jüdische Studentin aus reichem Haus, die jahrelang in äußerem Verzicht auf Luxus und Wohlleben mit dem geliebten christlichen Stu- denten zusammenhauste. Sie werden sich auf einmal ihres Judentums ebenso bewußt, wie die anderen ihrer arischen Sendung. Aber— so sagt einer der jungen SA-Akademiker zum andern:„Auch ich kann nicht schlafen. Auch ich warte. Daß dieses Chaos endlich aufhört, Ich weiß, es sin die Wehen der Geburt. Aber endlich muß es doch geboren werden.„Was muß geboren werden?"„Das Reich. Beten wir zu Gott, daß die Tatenstrotzerei nie aufhört. Nur das haben wir zu fürchten." Aber aus der„Tatenstrotzerei", aus unzähligen Verhaftungen und Mißhandlungen wächst die Erkenntnis. Der große Rausch verfliegt. Was übrig bleibt, ist dies:„Mir macht es sogar immer mehr Spaß, wie sie vor mir zittern. Wie sie»ich drängen, wenn ich meine Macht spielen lasse, und, was e« einträgt, frag erst gar nicht. Daß die Welt mir gehört, wer schon schenkt mir sonst dieses Gefühl als der Revolver in meiner Tasche. Unmoralisch ist nur eines: das\ crrecken- Ich, der es nicht erwarten konnte, weiß heute:„das» Strecken kommt zuletzt". Der andere, jener, der seine beiden arbeits- und erfolgreichsten Jahre mit der„Artfremden", der Jüdin, verbracht hat, und sie nun auf Geheiß des studentischen Truppführers verhaften soll, wie vordem seinen jüdischen Kommilitonen; er warnt die noch immer Geliebte, nachdem das neue Deutschland ihn wirklich erwachen ließ. Er sucht um die Befreiung seines im Rassenwahn verlorenen Ichs:„E i n ungenügender Deutscher. Ein ungeuügen- derChrist, dassebonga r." „Die Generalversammlung dieser Erdkugel möge beschließen, daß jeder von den Milliarden als Mensch zu respektieren sei. Das große Herz, der große Geist, die Schöpfer unseres Lebens: halte ihnen eine Kugel vor, schon sind sie nichts. Wir haben das Nichts aus ihnen gemacht. Wir haben damit das Nichts aus uns gemacht." Wie endet es? Der„Verräter" wird abgeholt. Doch vorher sagt er dies:„Vielleicht haben wir uns selbst um die Ecke gebracht? Wir waren eine schwache und hilflose Demokratie. Wir hätten eine starke aus ihr machen sollen. Das war die große Aufgabe der deutschen Jugend. Wir haben sie versäumt. Ich jedenfalls habe mein Deutschland versäumt. Aber an seiner Ewigkeit ändert das nichts." Der Vorhang fällt über den Verzweifelten einer untergehenden Welt. Neun Szenen— ein deutsches Trauerspiel. Ein deutsches Trauerspiel. Die. um die es geschrieben wurde, tief im Schmerz und fern der Vernunft, sie wissen es nicht. Wenn wir heut, fern von Deutschland, diese Bücher gelesen haben und aus der Hand legen, dann faßt uns die Sehnsucht nach jenem Deutschland, das einst das unsrige war. Es lebt in den Blättern, die seine Söhne in der Fremde geschrieben haben. Es ist das Deutschland, für das der kleine SA.-Student in Bruckners Drama gefallen ist: Das Deutschland von Morgen! EllinorWerrer, tuet AeqiiptiscfiQebocen! Zu der Anschrift„Euer Deutschgeboren!", die die Hitler- Jugend sich für ihre Schnorrbriefe erfunden hat, bringt Jakobi in der Nummer vom 12. allerlei Bedenken vor, philologische, staatspolitische usw. Man könnte auch finden, daß in einem Land, in dem Millionen von Menschen sinnlos von Amt zu Amt gehetzt werden, um nachzuweisen, daß sie nicht bloß geboren, sondern einwandfrei geboren sind, solche Anschrift durchaus zu dem übrigen paßt. Ich bin für Firmenwahrheit; insoweit, die Leser der„Freiheit" mögen es verzeihen, fühle ich mich gleichgeschaltet. Die Schwierigkeiten, vor denen Jakobi in treuer Anhänglichkeit an die deutsche Heimat die Volksgenossen warnen zu müssen glaubt, erscheinen mir ganz anderer Art. Wie sag ichs meinem Führer? Wie hat in Briefen an ihn die Anschrift wahrheitsgemäß zu lauten? Euer Grenzlanddeutschgeboren? Oder gar Euer Oesterreichischgeboren? Bei Herrn Heß, Stellvertreter des Führers, müßte man wohl schreiben Euer Aegyptisch- geboren oder Euer Levantinischgeboren. Bei Herrn Darre, Ernährungsminister des„dritten Reichs", Euer Argentinisch geboren, bei Herren Rosenberg Euer Russisch- oder Estländischgeboren usw. Auf welche Weise dem deutschen Volk jedesmal auch wieder zum Bewußtsein käme, woher die deutschen Männer gekommen, angefahren oder angelaufen sind, von denen es zur Zeit beherrscht wird und die»ich anmaßen, tausende gut Deutsch- geborener wie z. B. den lübedcischgeborenen Heinrich Mann ihre» angestammten Vaterlandes zu berauben. Uebrigens, geboren ist man ja nur»um Zwedce des Lebens, müßte die Anschrift in den Schnorrbriefen der Hitler- Jugend daher nicht richtiger heißen: Euer Deutsch leben?!' Horst Priepel. ÎUAcich statt Jobst Die Staatstheaterkrise Der preußische Ministerpräsident hat anstelle de» ausgeschiedenen Hanns Johst den Intendanten Ulbrich vom Staatstheater mit allen Vollmachten»>, den einzigen verantwortlichen Leiter des staatlichen Schauspielhauses ausgestattet Die Frage, ob die einstweilige Beurlaubung des Dramaturgen Jobst sein Ausscheiden aus dem Staatstheater nach sich ziehe, ist noch nicht entschieden. Aber man rechnet damit Dec Acanke Aac Am dürren Baum, im fetten Wiesengras Ein Stier behaglich wiederkäut den Fraß; Auf niederen Ast ein Adler saß, Ein kranker Adler mit gebrochnen Schwingen. „Steig auf, mein Vogel, in die blaue Luft, Ich schau dir nach aus meinem Kräuterduft!"— „Weh, weh, umsonst die Sonne ruft Den kranken Adler mit gebrochnen Schwingen!"— „0 Vogel, warst so stolz und freventlich Und keine Fessel wolltest ewiglich!"— „Weh, weh, zu viele über mich. Und Adler all,— sie brachen mir die Schwingen!" So flattre in dein Nest, vom Aste fort, Drin Aechzen schier die Kräuter mir verdorrt!"— „Weh, weh, kein Nest hab ich hinfort, Verbannter Adler mit gebrochnen Schwingen!" „0 Vogel, wärst du eine Henne doch. Dein Nestchen hättest du im Ofenloch!"— „Weh, weh, viel lieber Adler noch, Viel lieber Adler mit gebrochnen Schwingen!" Annette von Droste-Hülshoff. Mondée abec schCecfitec Der„deutsche" Film „Observer" schreibt über den deutschen Film: Nach der Machtergreifung Hitlers hat Göbbels versucht, aus der deutschen Filmindustrie eine mächtige Waffe der Propaganda zu machen. Inzwischen sind„SA.-Mann Brand" und ,J)er Hitler junge Quex" erschienen. Aber schon beim Horst-Wessel- Film gab es Krach: Göbbels verbot ihn und ließ ihn später unter anderem Namen wieder zu. Heute ist die Nazi- Propaganda im Film nur noch auf einem schöpferischen Gebiet erkennbar: in der blonden Haarfarbe der Filmschauspielerinnen. Allenfalls noch durch eine andere Tatsache unterscheidet sich der heutige deutsche Film von dem früheren: er ist künstlerisch erheblich schlechter geworden. Die fähigsten Künstler sind emigriert« 7 teuee£eninsJ(ult Anläßlich des 10. Todestages von Lenin, am 21. Januar, soll in der Leningrader Philharmonie ein Lenin-Oratorium zur Aufführung gelangen. Gleichzeitig wird ein Lenin- Film vorbereitet, der das Leben und Wirken des Sowjetführers darstellen wird. 2est steht und teeu du Qcenadiu Das neue Pausenzeichen Das neue Pausenzeichen des Danziger Rundfunksenders ertönt nach der Melodie des Soldatenliedes:„An der Weichsel gegen Osten, stand ein Grenadier auf Posten"... ZeU=7htizen Die SA. rennt die Bude ein... Ein Kitschverfasser, W Glaser, schreibt über ein Buch, das er der SA. gewidmet hat: „Ich hatte das Werk nicht geschrieben, damit es als Buch erscheinen sollte. Ich bin zu dem Roman gedrängt worden, weil dieSA. mir buchstäblich die Bude einrennt..." Die Wesenszüge des Führers. Eine Liegnitjer Papierhandlung inseriert ein Porträt des Potempa- Freundes, es kostet 6 Mark, was nicht viel ist, wenn man bedenkt, was das Bild kann:„Willenskraft und Energie, Ehrlichkeit und Güte sprechen aus diesem Bildnis und vermitteln uns in seltener Weise die Wesenszüge des Führer»"- Natürlich: in seltener Weise! Max Sauerlandt. In Hamburg ist der ehemalige Direktor des Hamburger Museums für Kunst und Gewerbe, Max Sauerlandt, nach kurzer Krankheit im 54. Lebensjahr gestorben. In ihm verliert die deutsche Museumswelt eine markante Erscheinung. Als Schüler Wölfflins promovierte Sauerlandt an der Berliner Universität mit einer Arbeit über den italienischen gotischen Bildhauer Giovanni Pisano. Seine Laufbahn als Museumsdirektor begann Sauerlandt in H a 11 e, wo er als Verteidiger und Ankäufer der„Brücke Leute"(er schrieb eine Biographie über Nolde) kurz vor dem Kriege bei den Stadtvätern Anstoß erregte, was jene mutige Kunstred« dei damaligen Oberbürgermeistera Rive veranlaßt«^ Pariser Berldife Pariser Straßenhalender Wie wir hören, findet demnächst eine Ausstellung des Bühnenmalers des Joos-Balletts, Heckroth, im Lateinischen Viertel zu Paris statt. Dem Vernehmen nach steht die Veröffentlichung eines Buches von Rudolf Olden über den Militarismus bevor. Der frühere Berliner Journalist Dr. Ernst Feder sprach im Institut für Rechtsvergleichung der Sorbonne über das Göbbelssche Pressegesetz. Dem Vortrag wohnten mehrere bedeutende französische Rechtsgelehrte und der Professor für französisches Recht in Tokio, der Japaner Sugiyama bei, der Ehrendoktor der Sorbonne ist. Die französische Regierung beabsichtigt einer Information der„Comoedia" zufolge in zwei Monaten die Ausgabe von acht neuen Marken, die von hervorragenden modernen Künstlern graviert sind. Der Neffe Aristide Briands, M. Charles Billan, verehrte dem Palais des Beaux Arts der Stadt Paris ein Porträt Briands aus dem Jahre 1917 von Backet. Am Freitag, 12. Januar, wird 6, rue Vital eine bis 18. Februar dauernde Anna-Pavlova-Ausstellung eröffnet, die u. a. eine Reproduktion des„Sterbenden Schwans" zeigt. ■ Im Hotel des Sociétés savantes findet am Dienstag, 9. Januar, 21 Uhr, ein Vortrag von Georges Lefranc über Henri de Man: Cahier de Révolution constructive, Nr. 1, chapitre III(Les classes moyennes) statt. Der„Temps" stellt fest, daß aus dem„Knaur", dem bekannten deutschen„Volkslexikon", die Franzosen Jaurès, Romain Rolland und Zola neben zahlreichen großen Deutschen vertrieben sind, während Adolf Hitler vom Dekorationsmaler zum„Kunstmaler" befördert wurde. Slavlshv und Darios Vom Hintergrunde des„schönen Alexander" Politische Riesenkrachs kommen grundsätzlich über Nacht, wir Vielgeprüfte wissen das vom Pelz des Ober Büß. Der Pelz ist diesmal die kleine Verhaftung des Sparkassendirektors von Rayonne, und schon wackeln in Paris manche Sessel, und etliche Ordnungsherren, die mit dem vielgewandten Rumänen und seiner ungarischen Freundin Emmy von Nagy in der schönen Gegend der Madeleine gespeist haben, bangen um ihre Pensionen. Doch das mögen an anderer Stelle die Politiker mit den Fachleuten ausmachen; uns interessiert hier mehr das„Gastliche" des Falls: gewissermaßen der Hintergrund des Pariser Skandals, bei dem die Hitler-Leute übrigens die Hauptleidtragenden sind. Tatsache ist, daß Stavisky, der bei'Alexandre, zunächst ein guter Gast war. In Budapest, wo er für die feudalen Optanten den Mittelsmann spielte, gab er nie unter 500 bis 600 Pengö, das sind immerhin 2000 bis 2500 Franken, für Mittagessen und Champagnerfeste aus. Die dafür auch im faschistischen Lande erforderlichen Fonds lieferten die Ansprüche der von Ungarn getrennten Optanten aus den abgetretenen Gebieten, die der Geriebene für 20 Prozent ihres Wertes bei 10 Prozent Anzahlung, also für 2 Prozent aufkaufte. Teilnehmer dieser Festgelage waren sein Pariser Revuedirektor Hayotte, der übrigens wieder aufgetaucht ist und vernommen wurde, wie ein Pariser Abgeordneter Bonnaure, der dabei immer eleganter wurde und die Kokette Emmy von Nagy mit ihrem roten Haar. Einer der vornehmen Leute, deren Titel er erwarb, war der GroßAllgemeine METRO: ClICHY UND TRINITE ua ,!S ,ra DEUTSCHE POLIKLINIK Chefarzt Professor WENSTEN 1) ORDINATION DURCH SPEZIALARZTE für Innere, Chirurgische, Frauen, und Kinderkrankheiten. Haut» und Geschiechfsk:nkheiten. Augen-, Ohren-. Nasen, und Halskrankheiten. Geburtshilfe. 2) INNERE Klinik. 3) CHIRURGISCHE Klinik. 4) GEBURTSHILFLICHE und GYNÄKOLOGISCHE Klinik Sanatoriums»Gebäude mit der allermodernsten Einrichtung.* m meister des Maltheserordens, ein anderer der Graf Julius Karolyi. Haussuchungen und Polizeigänge haben inzwischen genug stattgefunden. Da war die schöne Gattin des Schwindlers, die mit ihren zwei hübschen Kindern überall abgebildet ist— freilich sind das die Nebenbuhlerinnen in Gesellschaft des Gatten auch. Diese Dame, gegen die die Polizei galant war, hat die 50 Mille behalten, die die Polizei in ihrem Retire fand. Dann ist da der Revnemann Hayotte, der inzwischen die Pleite des mit nominell 100 000 Franken zu Buch stehenden Nachtlokals angesagt hat. Der Bürgermeister-Abgeordnete Garat aus dem schönen Pyrenäenort, der ein wenig die Bonität der Stavisky-Bons nach der Höhe seiner Berge streckte, erscheint schwer bedroht. Dann der Kolonialminister, der zu einer Zeit, wo Stavisky noch der große Mann war, zwei Empfehlungsbriefe für das städtische Unternehmen unterzeichnete. Eigentlich pikant für uns wird dieser Fall aber erst durch die Haussuchung bei der„Volonté" und die Rolle, die dabei M. Pierre Darius, der Chefredakteur des hitlerfreundlichen Mittagblattes, spielt. Der Herausgeber der „Volonté" ist M. D u b a r r y; dieser Mann verkaufte die „Volonté" im Jahre 1932 an die Gesellschaft SAPIENS., deren Oberhaupt der vielseitige Stavisky war. Am 18. August 1933 ging die Sapiens(Sapiens heißt„weise") aber pleite, und nun durchsuchten die Krimmer den ganzen Laden teils der Sapiens, teils der„Volonté", worüber der ergraute Dularry mit sauersüßem Lächeln berichtet. Hierbei kommt nun die Geschichte, um die es uus geht, zum Klappen. Wir erfahren, daß im November ein Blatt, das „Bec et Ongles"(also etwa:„Zähne und Klauen" heißt und auch danach ist), dessen damaliger Leiter der heute hitlerfreundliche Darius war, mehrere Artikel gegen den Stadt- Das Frankfurter Konto Ueber dem„großen" Spionageprozeß des Meisters Stavisky von Rayonne ist der„kleine" der sowjetrussischen Dokumentenschmuggelei aus dem Marineministerium fast in Vergessenheit geraten. Dabei ist doch auch diese Atmosphäre abenteuerlich genug. Jetzt hat Martin, der Uehersetzer aus dem Marineministerium, der Geliebte der Spionin Lydia Stahl, allerhand Aufklärung über sein Konto in Frankfurt am Main gegeben. Dort war er nach dem Waffenstillstand als Uehersetzer der Kommission N o 11 e t, der Kontrollkommission für die neutrale Zone, beschäftigt. Sein Konto auf einer Frankfurter Bank, sagte Martin, sei die Frucht seiner Sparsamkeit. Er habe das Geld dort mehrere Jahre stehen gehabt und jetzt wegen der politischen Agitation in Deutschland beschlossen, den Betrag nach Frankreich zu überführen. Er habe sich an einen Fachmann(lieserhalb gewendet, namens P u m b u s, dessen Bekanntschaft ihm Lydia Stahl vermittelt habe. Die daraus ausgestellte\ oll» macht sei die, die die Kommissare bei ihm gefunden hätten. Wenn das keine Ausrede ist über die wahre Herkunft der deutschen Gelder, so scheint es zum mindesten zu beweisen, daß das Vertrauen in die Sicherheit des Landes der„gefrorenen Gelder" nirgendwo mehr sehr groß ist. Der deutsch-französische Fußballkrieg Durch die Maßreglung des Karlsruher Fußballvereins, der auf Bitten der französischen Sportfreunde kredit von Rayonne brachte unter Überschriften wie: „Meine Tante im Südwesten" und„Meine Tante in Rayonne'. Garat, der heute viel beschuldigte Bürgermeister, klagte. Pierre Darius, damals Direktor von„Zähne und Klauen", heute Chefredakteur des göbbelsfreundlichen„Midi", machte Ausflüchte. Und was geschah? Garat zog— etwa infolge einer„freundschaftlichen" Transaktion?, fragt der„Populaire"— die Klage zurück. Kein Artikel erschien mehr. „Garat hatte", sagte der„Populaire",„das Stillschweigen zu erkaufen gewußt". Ein reines Vergnügen ist es daraufhin, den„Midi"»u lesen, nachdem in der früheren Arbeitsstätte des Herrn Darius, in„Zähne und Klauen", jetzt ebenfalls eine Haussuchung stattgefunden hat. Das treffliche Mittagblatt zerbricht sich in einem gut aufgemachten Artikel fortgesetzt den Kopf über Herrn Hitler:„Mau hat nur eins vergessen, Hitler zu fragen"—„Er spielt seine Rolle, dieser Mann. Er spielt sie gut", so geht das in einem fort. Dazu muß man noch wissen, daß ein anderer hitlerfreundlicher Mann der Feder, der brave Jean Luchaire, in dem umgewandelten Blatte„N o t r e-Temps" den Einfluß der Affäre Stavisky— auf den französischen Franken beweint. Vermerken wir hierzu noch, daß der Bürgermeister von Biarritz, M. Irrigoyen, wie wir bereits meldeten, direkt gesagt hat, daß Stavisky auf deutsche V ermittlung gearbeitet hat—- und lesen wir nach, was die„Freie Presse" in Straßburg als abweisende Aeußerung Herrioti über den Wanderredner Louis Thoma, den Mitarbeiter des Darius, wiedergegeben hat— dann sind wir im Bilde über die wunderbaren Hilfsgestalten, deren sich der„nachgedunkelte Schrumpfarier" G ö b b e 1 s in seinem Verkehr mit der — französischen Oeffentlichkeit bedient. Wir gratulieren unserem Propagandaminister zu diesen Erfolgen in Gallien! den Heil-Hitler-Gruß mit erhobenem Arm bei dem Match in Nancy und dem in Metz u nterlassen hatte, ist eine sehr ernste Situation im internationalen Sportwesen entstanden. Die Weisung an alle badischen Vereine, nicht mehr in Frankreich zu spielen, so lange der„römische Gruß" nicht zugelassen wird, ist eine ausgesprochene Provokation. Erinnern wir uns, daß der„römische Gruß", weit davon entfernt, eine deutsche vaterländische oder gar staatliche Angelegenheit zu sein, als eine durchaus„undeutsche" Einführung eines außerhalb des Deutschen Reiches geborenen Parteiführers zu bezeichnen ist. Bei dem letzten Rugby-Match ist das deutsche Team ebenfalls ohne Hitler-Gruß erschienen. Soll diese Rugby-Mannschaft nun gleichfalls gemaßregelt werden? Nicht die Bitte an die Deutschen, im Ausland die Hände wie die Sportler aller anderen Länder geschlossen zu halten, ist eine Provokation— sondern die Ausführung des Hitler-Grußes vor einem Gastlande ist als Provokation zu beiféichrifeu."*''" l'"*•~' Die geplante Weltolympiade in Deutschland, für die bereits mehrere Absagen vorliegen und gegen die insbesondere von amerikanischer Seite propagiert wird, wird unter diesen Umständen sicher nicht gefördert werden. Uebrigens machen wir darauf aufmerksam, daß sie eine Weltpropaganda des Antisemitismus zu werden droht, wenn man dem nicht beizeiten entgegentritt.— Wie lebl die arbeitende Iran in Paris? Was Bett FremBen In Paris am meisten fesselt, ist zweifetsyhne Bas Tempo Bieser Stobt. UnermiiBlich flitzen Bie Autos durch Gassen und Straßen. Man steht auf Ben Seinebrücken und ist von ihnen begeistert, man führt auf Ben Eiffelturm und gewahrt unten die Raupen der Untergrund- bahn, die Eisenbahnlinie, die nach Versailles führt. Man ist nachmittags am Ben Boulevards und sucht vergeblich nach einer Möglichfeit, über die Straße zu kommen. Und hält man sich gar eines Tages gegen sieben Uhr früh in einer Halle des Gare Saint-Lazare oder irgendeines andern Pari- fer Bahnhofes auf, so ist man überwältigt von den unge- Heuren Menschenmassen, die Bie einfahrenden Züge In die Stadt auSspeien Gleich am ersten Tag frappieren den fremden auch die vielen geschminkten und angestrichenen grauen. Vielleicht bilden Schminke und Puderdose unentbehrliche Bestandteile der französtschen Anmut? Und wer kurz nach Geschäftsschluß durch das Textilviertel bei der Rue Reaumur eilt, ist jedes- mal neu von der Grazie der Pariserinnen, die von ihren Arbeitsstätten kommen, entzückt, den vielen Midinettes, Cou- turieres(Schneiderinnen!, Mnstermädel, Verkäuferinnen und kleinen Angestellten, die nicht nur Zauberkünstler der Nadel, sondern auch des Lebens zu sein scheinen, das sie — so denkt der Fremde— in klingende Fröhlichkeit ver- wandeln. Und wenn ich nun komme und behaupte, daß Lippenstift und Schminke wenig mit der französtschen Anmut, mehr mit der Pariümindustrie. am meisten aber mit dem Tempo von Paris zu tun haben, so erscheint das wohl, milde ausge- drückt, an den Haaren herbeigezogen. Ich will mich daher der Beweisführung nicht entziehen: Wenn Paris noch schläft und nur die Lumpensammler einen Abkallkübel nach dem andern umstürzen und nach sei- n«m Inhalt durchwühlen, setzt in. einem Umkreis von zehn, zwanzig Kilometer eine gigantische Völkerwanderung aeaen das Zentrum ein. Hunderttausende von Menschen er- heben sich dransten in der Bannmeile, um nach Parts an ihre Arbeitsstätten zu fahren. Ter geringste Teil wohnt in der Stadt selbst. Je mebr Pari? Menschen anzog, desto höher wurden die Grundpreise. desto mehr wurden die Arbeiter an die Peripherie, in die Tarier abgetrieben, wo die Woss- nungen noch billiger, die Luit besser ist Sie alle verbringen durchschnittlich jeden Tag drei, vier Stunden aus irgend- einem Verkehrsmittel, jene, die aus vierzig Kilometer Ent- seem,»* nach Paris hineinfahren, noch sänaer. Und fahren die Vorortzüge in die Bahnhöfe in Paris ein, so ist die Reise noch lange nicht zu Ende. Alle? drängt auS den Wagen rennt in fliegender Eile die Treppen zur Unter- grnndbobn hinunter. Zu den starken VerkehrSzeiten lind die aroßen Verbindungsgänge aber nicht selten verstopft. Man steht zu Hunderten, aneinanderaeprekt wie Heringe, geduldig wie Schafe, und wartet, zehn Minuten, oit länger, l>iS die automatische Tür neue Menschenmassen auf den Bahn- steig der Untergrundbahn hinansläßt. Endlich kommt die „Metro" Herangebraust, die um diese Zeit alle halben Minn- ten fährt. Nun beginnt der Kampf ums Dasein erst recht. Ein Raulen um die Plätze setzt ein, das in seiner brutalen Rück- sichtslostgkett seinesgleichen sucht. Wer die stärksten Ellbogen und rohesten Manieren hat, kommt noch mit. Der andre kann aui die nächste vollbesetzte Metro warten. Vielleicht hat er dort mehr Glück. Und hat man sich endlich hinein- gezwängt, kann man sich auch schon nicht mehr rühren. Man steht wie Sardinen in einer Schachtel. Die wohlriechenden Düfte, die aufsteigen, lassen sich schwer beschreiben, noch we- niger die erotische Atmosphäre, die in diesem Gedränge ent- steht und zum Ekelhaftesten gehört, das ich je erlebte. Zu dieser Hast, bie die Nerven untergräbt, zu diesem Kampf ums Dasein, der schon vor dem Tagwerk beginnt und in den widerlichsten Formen ausgeiochten wird, zu dieser Völkerwanderung, die sich jeden Morgen nach Parts ergießt, kommt ein zweites Problem der Pariser arbeitenden Frauen, das die Widerstandsfähigkeit der Börsen und Körper er- schöpft: das Mittagessen. Die Völkerwanderung gestattet es den wenigsten, ihr Mit- tagessen zu Hause einzunehmen Die weitaus größte Zahl ist gezwungen, irgendwo in der Stadt zu essen. Ja, wenn es in Parts Institutionen ähnlich unserer„Wök" gäbe, dann sähe manches anders ans! Sie eristiert aber leider nur in Embrüoiorm in den„Foyers féminins" und nur für Frauen. Die zwei oder drei Filialen, die bestehen, sind nur ein Tropfen auf einem heißen Stein. Alan steht eine halbe Stunde und mehr aui der Straße Schlange, im Sommer in der unerträglichen Hitze, im Winter in Regen und Kälte. So sind die meisten Arbeiterinnen auf die Restaurants a prix fixe angewiesen, die überall aus dem Boden geschossen sind, garantieren sie doch ihren Besitzern eine gute. Kapitals- anlaae. Man ißt dort zu fünf bis sechs Franken. Das erste- mal ist man begeistert, das zweitemal beginnt einem schon vor den in Soda gekochten Gemüsen zu grausen, und nach einer Woche bat man so über und über genug von dem gan- zen Betrieb, daß man am liebsten auf das ganze Essen ver- zichten würde. Aber nicht nur gewissenlose Restauranteure, auch Unter- nehmer wollen aus dem Essen ihrer Arbeiter noch einen Ge- wtnn berausschlaaen. In vielen Großbetrieben wird den Anaestellien am Monatsende ein aewisser, verhältnismäßig viel zn ßofter Betrag stir das Mittagessen zurückgehalten. Dastir bekommt man ieden Tag eine Mahlzeit serviert. Wohlverstanden, man bat nicht etwa die Wahl, der Abzug findet ans ieden Fall statt, ob man nun im Hanse ißt oder nicht. Man erlasse mir die Beschreibung einer solchen Mahl- zeit, die ch ibei einer aroßen Autoreifenstrma in den ChampS- ElyfeeS täglich vorgesetzt bekam. Mir wird noch übet, wenn ich an den kleinen Speisesaal mit den blinden Spiegeln denke. Hier lieat ein inpiiches Beispiel vor, wie die vairi- archalischen Sitten, die wir noch häutig in Frankreich vor- i finden, sich im kapitalistischen System in gröbste Ausbeutung verwandeln. f Kein Wunder, daß viele arbeitende Frauen froh sind, ihr fertig gekochtes Mittagessen, das sie von zu Hause m«»' gen, auf irgendeinem Rechaud im Büro warmen zu können. Manche schlingen ihr Mittagmahl bastig in einem obskuren Kaffeehaus zu einem„Schwarzen" hinunter, andre setzen sich im Sommer in die Parks. Doch muß man im letzteren Falle behende oder ein besonderes Glückskind jein. Parks sind m Parts nicht so häufig wie in Wien zu finden. Am Abend, nach sechs Uhr, beginnt die Völkerwanderung von neuem, diesmal in umgekehrter Richtung. Und da sich alles in die eine Stunde zwischen sechs und sieben zusammen- drängt, mit noch viel größerer Intensität. To werden zum Beispiel vom Bahnhof Saint-Lazare in dieser eine» stunde 120 000 Menschen in 150 Zügen abgefertigt, das heißt mehr als zwei Züge in der Minute. Trotz dieser gewaltigen Ver- kehrslcistung gelingt es dem einzelnen in der Regel nicht, seine Wohnung im Werkalltag bei Tageslicht zu genienen. Außer dem eigentlichen Tagewerk haben diese arbeitenden Mädel und Frauen noch ein zweites, drittes und viertes zu leisten. Tie unendliche Reite, die Arbeit im Betrieb, zu Hanse die Besorgung des Essens und der Wäsche, der Woh- nung und oit noch der Kinder. Wer wundert sich unter sol» chen Umständen noch, daß die Pariserinnen oit mit dreißig Iahren schon, sicher aber mit vierzig, verbraucht sind, aus- gelaugt und. fertig wie ein ausgewundenes Tuch? Wer ver- argt es ihnen, daß sie die»atürlickien gesunden Gesichtslar- beii. die ihnen die Hast und das Tempo der Stadt jeden Tag neu rauben, durch Lippenstift und Schminke ersetzen wollen? Schminke und Puderdose sind wohl auch Kokettier- mittel. In erster Linie aber wollen sie Gesundheit» n d Frische vortäuschen die länast verloren sind. Der Fremde versteht es am Ansang nicht. Erst wenn er selbst einige Iabre in diesem Betrieb eingespannt war, spürt auch er seine Widerstandskraft erlahmen.„Mademoiselle Agnes, vous perdez noö couleurs!"(Fräulein Agnes, sie verlieren Ihre Farben!! vftegte mir mein Hausbesorger nach zwei Iahren Aufenthalts in Paris zu saaen. Die Ueberlastung der meisten arbeitenden Frauen in Pa- ris, lange noch bevor ihre eigentliche Arbeit beginnt, er- klärt manches, was ionst unverständlich bleibt, ifire Flucht ins Kino, in den Flirt und die Koketterie, ihre Abneigung gegen Politik. Mau ist viel zu müde, viel zn sehr vom Kamps ums Dasein in Anspruch genommen, um sich am Abend noch mit ernsthaften Tinaen z,i beftfiäftiaen. Tie Pariser Gewerkschaft der weiblichen Biiroanaestellten nmkaßte beHpiels- weise aanze zweihundert Mitglieder, bei einer Gesamtzahl von vielen Zehntansenden, die in diesem Berns beschäftigt sind. Aber wenn die Pariser Arbeiterin auch noch nicht zur Besinnung kommt, diese» Leben bringt ihr doch eines. daS vom sozialistischen Standpunkt ans nicht zu vernachlässigen ist. Diese Frauen, wie schwere Lasten auch auf ihnen Heaen, sie lieben alle ihren Bêrul. weniger um seiner selbst willen, als weil er sie ans der Enae d»s Hauses herausführt und sie dem Manne gegenüber unabhängig macht. Agnes Deutsch. Selbstmord Sfavishys Sein Zustand hoffnungslos Paris, 8. Jan. Ter Riesenbetrüger Siavisky hat am Montags in einer von ihm gemieteten Villa in Chamontx einen Selbstmordversuch unlernonimc», indem er sich eine Kmzcl durch den Kops jagle Sein Zustand ist hoffnungslos. siavisky, dessen Spur am Sonntag in der Gegend von Chamontx aufgenommen wurde, hatte sich in dem Winter- Morton eine Villa gemietet, die am Montag von den Pariser Polizeikommissaren ausfindig gemacht werden konnte. Am Montaq mittag stellten sick Beamten in der Villa ein und versuchten vergebens, sich Einlaß zu verslliafsen. Aus mehr- maliges Klopfen hörten sie plötzlich in einem der Zimmer einen Schuß fallen. Als sie die Tür aufbrachen, fanden sie «tavisky mit einer Kopfwunde bewußtlos auf dem Fuß- boden liegen. Kolonialminister Dalimier zurückgetreten Ter Kolonialminister Talimier ist gestern zurückgetreten, so daß damit ein Rücktritt des Gesamtministeriums ver- mieden ist. Paris, g. Januar. Ter in die Affaire Stavtskn verwickelte Direktor der politisch-satirischen Wochenschrist„Bec et Ongles", Tarius, ist auf Grund des Verhörs durch den Untersuchungsrichter gestern abend verhaftet worden. Paris, i>. Januar. Havas meldet aus Ehamonix, baß der Betrüger Stavisky heute früh, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, gestorben ist. Um Frankreichs Wirtschaft Ein englischer Protest London, 9. Jan.„Tail y Telegraph" meldet, die britische Regierung werde bei der französischen Regierung im Laufe dieser Woche einen nachdrücklichen Protest gegen die Verminderung der Einsuhrkontingente für britische Waren und gegen die Verdoppelung der Einfuhrzölle aus britische Kohlen erheben. Tas Blatt glaubt, daß die neuen französt- scheu Maßnahmen dem Wunsche entspringen, bei den ge- planten Wirtjchastsverhandlungen mil Großbritannien eine Waffe in der Hand zu haben.„Taily Telegraph" fugt hinzu, es sei aber möglich, daß die Verminderung der Kontingente die Abhaltung der Besprechungen überhaupt in Frage stellen werde. Es verlautet, daß der britische Botschafter in Paris Weisung habe, zu erklären, daß nach Ansicht seiner Regie- rung die beabsichtigen Verhandlungen unter den neuen Be- dingungen keine Aussicht aui Erfolg habe». In einem Leitaufsatz des„Tailn Telegraph" heißt es: Der britische Protest könne gar nicht scharf genug ausfallen, denn die französische Regierung habe diesen überraschenden Schlag mit ihrer linken Hand geführt, während sie ihre rechte Hand freundschaftlich ausstreckte. Krlegszone In raarohho Kommunistische Fragen Paris, 9. Jan. Tie kommunistische„H u m a n i t e" fordert von der Regierung Antivort auf folgende Fragen: 1. Trifft es zu, daß der Krieg in T ü d m a r o k k o, der vom Generalstab für Ansang Januar angekündigt war, seit vier Klagen im Gange ist? 2. Trifft es zu.-daß die ersten Operationen regelrechte M a s s a k r e s waren? 3. Trifft es zu, daß der A u ß e n m i n i st e r don Zeilungs- direktionen mitgeteilt bat, daß keine Journalisten in die K r i e g s z o n e hineingelassen werden würden und daß die Preste zu schweigen habe? 4. Trifft es zu, daß die marokkanische Presse und die großen Nachrichtenagenturen Anweisung erhalten haben, keine M e l d un g über den Krieg zu bringen? Isolierung ist Freiheit Für die USA. Reuyork, 9. Januar liHcuicr). In einer Rede vor dem Senatsausschuß für Auswärtige Angelegenheiten sagte Sena- tor Borah, die Isolierung bedeute in Wahrheit Freiheit des Handelns und der Unabhängigkeit des Urteils. Sie bc- deute nicht Vereinsamung für eine freie Regierung. Tie Ver- einigten Staaten seien niemals Anhänger der Isolierung in Hanbelsangelegenheiten gewesen und leider auch nicht auf finanziellem oder Humanitären Gebiet. Aber in allen politi- scheu Dingen seien die Amerikaner Anhänger der Isolierung und würden es hoffentlich auch immer bleiben. Tie Führer der Nation sollten sich abseits von europäischen Streitigkeiten halten. Tie Vaterlandsliebe müsse so angefeuert werden, daß dem aus mannigfaltigen Teilen gemischten amerikanischen Volke ei nedler Stolz auf ihr Land eingeflößt iverde. Pas Meueita Eine Segelfliegerschule wird— wie„Petit Parisien" meldet— im Frühjahr auf dem Flugplast Ronchim bei Lille in Betrieb genommen mit der Aufgabe, die Segelfliegere' in Frankreich volkstümlich zu machen. * Ter französische Botschafter in London hatte am Montagnochmitta« eine Unterredung mit Außen mini- st e r S i m o n, der sich ans dierömischen Besprechun- gen bezog. * Aus der Generalversammluna der deutschen Gruppe des P e n- K l u b s wurde am Montag die„Union nationaler Schriftsteller" gegründet. Zum Präsidenten wurde Hanns Johst gewählt. * Nach einer Meldung des„Petit Parisien" aus Moskau haben die Wissenschaftler des Bakteriologischen Instituts von Charkow ein Serum gegen Flecktyphus entdeckt, das sich nach mehrmonatlichen Versuchen als sehr wirksam erwiesen haben soll. Tél. Trinité 43-13 Méiro P i g a 11 e Deutsche Poliklinik Paris,©2., Rue de la Rochefoucauld ai Allgemeine Konsultationen mi» 9 Spezialist™. h) Chirurgie e) GelmrtshfltHche Klinik fi) Zahnärztliches Kabinett innere Median, Augen». Ohren», Nasen» und Kehlkoptkrank» ZwetstöckigealSanatoriufnsgebätKle. Vieritöckigea Gebäude. Zimmer Zahn, und Mundchirurg*. Gold, aeiten. Röntgen, Diathermie. Elektrotherapie. Spezialbehand* Kleine, mittlere und große Chirur» mit 1 bis 4 Betten. 3 Aerzte, 3 Heb« und Porzellankronen.»Brücken, lung bei Blut*, Harn* u. Geschlechtskrankheiten gie. Die aller modernste Einrichtung ammen und 2 Operationssäle. Kautschuk»Arbeiten Ordination täglich von 9—12 und 2—8; Sonntags und Feiertags von lO—12 und 2— 4 UHr 303 tili»! es Sceschlangen? Tie meisten Zeitungslcser sind ziemlich überrascht, daß man solch eine Frage überhaupt stellen kann! Lächelt doch jeder, der über die glücklichen Knabenjahre hinaus ist, da er mit wonnigem Schauer Seeräubergeschichten las, in denen die Begegnung mit einer fürchterlichen, unheilbringenden Seeschlange zu den alltäglichsten Tingen gehörte, nachsichtig, wenn er später diese sagenhafte Kreatur erwähnen hört. Und wenn er jetzt aus den Zeitungen erfährt, in Schottland sei „plötzlich" und noch dazu„bloß in einem See" ein derartiges Fabeltier gesichtet worden, so ist er geneigt, die Sache von der komischen Sekte zu nehmen und sie als läppisches Ammenmärchen abzutun. Als man gar hörte, daß ein Ingenieur die Theorie aufstellte, das angebliche Seewunder wäre nichts anderes als ein alter, versunken gewesener Kran, der nun, mit Schlinggewächsen und Moder bedeckt, itt die Höhe getrieben worden sei und einfältigen oder kurz- sichtigen Leuten ein vorsintflutliches«Geschöpf vorzaubere, da atmeten jene Leser ordentlich aus. Denn, nicht wahr, ein Tier, das nicht einmal im Brehm amtlich eingetragen wurde, hat doch kein Recht, zu existieren— oder zumindest darf man es entrüstet ablehnen, einen solchen Spuk zu glauben! Aber diese Angelegenheit kann trotzdem nicht gar so einfach erledigt werden. Erstens ist die schottische Seeschlange nämlich nicht„Plötz- lieh" aufgetaucht und hat sich keineswegs„vorsichtig" allein dunkle Wintertage ausgesucht, um die Einwohner von In- verneß zu soppen. Vielmehr erfuhr die englische Meinung bereits seit zwei Jahren immer wieder von neuem, daß in „Loch Ncß" ein enormes, schlangcnähnlichcs Wesen von Zeit zu Zeit wahrgenommen iverde, Mitteilungen, die besonders häufig letzten Sommer und Herbst austraten. Ferner handelt es sich ja nicht um ein simples Binnengewässer, das einem als Versteck unbekannter Untiere recht unglaubhaft scheinen müßte. Ist der See von Loch Netz doch durch je einen Kanal aus der einen Seite mit dem Ozean, aus der anderen mit der Nordsee verbunden. Theoretisch ist also die Möglichkeit nicht von der Hand zn weisen, daß ssch ein wissen- schaitlich noch nicht registrierter Riescnbewohncr der Meere in jenen schottischen Hochlandsee verirrt hätte. So meinen nicht nur die Scharen von Neugierigen, die von nah und Dr. Spécialiste 4Ö, rue de Rivoli— Méiro Chaieie RADIKALE HEILUNG voo BLUT., HAUT, uud FRAUENKRANKHEITEN Heilung von Krampfadern und offenen ßeiowunden Neueste Behandlungsmethoden Elektri« zttät 1 o»phingsverfahren IrypaHe vine- Einspritzungen Blut* und Harn»Untersuchungtm Sper» ruaku!fur. Salvarsan Wismut usv» NprechstuDden täglich eo» 10— 12 und von 4—8 Ubr Sonntags von 9—12 Ubr Konsultationen von 15 Fr. ah. Mit spricht deutsch Q"7 Grand'rue vif nur I. Stock STRASBOURG Grone Auswahl In Pelzkragen ab 20 Pl., Pelz- iaquettes ab F7i Fr_ Pelzmäntel ab 350 Fr., hab.- und SkunksfUdtse ab 150 Fr., Skunks-Colliers und Ediarpes ab 200 Fr. Reparatur. 5001t Ersparnisse 1421 fern an die Ufer des geheimnisvollen Tees kommen, UNI vielleicht eines Zeugen ausgestorbener Urzeit ansichtig wer- den zu dürfen. So dachte vor allein auch der„Fachmann in See- schlangen" R. T. Gould, der dorthinreiste, um an Ort und Stelle Untersuchungen vorzunehmen. Dieser frühere Seeoffizier hat nämlich vor einigen Jahren durch ein interessantes Buch über Seeschlange» Aussehen er- regt. In diesem Werk waren eine Menge beglaubigter Be- lege und Aussagen zusammengefaßt, die von Leuten her- rührten, welche steif und fest behaupteten, solche See- ungeheuer deutlich gesehen zu haben, und zwar waren es Zeugenaussagen von Persönlichkeiten, deren Zuverlässigkeit und wissenschaftliche Schulung schwerlich in Zweifel gezogen iverden kann. Gould, der selbst kein Scharlatan ist. hatte während der drei Wochen, in deren Verlauf er den See absuchte, nicht das Glück, daß sich ihm der vielbesprochene Gast aus prä- historischen Tagen vorgestellt hätte. Er sprach aber ein halbes Hundert von Einheimischen, die alle lieber getrennt, z» verschiedenen Zeiten, auch am hellichten Tag und aus der Nähej das sonderbare Geschöpf beobachtet haben wollen. Ihre genauen Angaben betreffs seines Körperbaues, seiner Farbe und Hautbeschaffenheit und die von ihnen gelieferten Zeich- nungen bestärken Gould in der Ansicht, daß man es bei diesem 15 bis 20 Meter langen Exemplar mit einem Mit- glied der schon anderwärts erspähten„Seeschlangennalion" zu tun hab e, das am Halse mit kleinen Fortsätzen aus- gexüstet ist, die als Kiemen zu deuten wären, und ver- inutlich über zwei bis vier Ruderfüße verfügt. Das immer wieder betonte harmlose, scheue Verhalten, das das Riesen- tier dem Menschen gegenüber bezeigt, stimmt völlig mit den Aeußerungen überein, die in anderen Gegenden bei solcher Gelegenheit ausgezeichnet wurden, und dürfte wohl auch der Grund sein, warum sich das beunruhigte Ungeheuer jetzt nicht anstaunen läßt und überhaupt so selten in das menschliche Gesichtsfeld tritt. Wer hat nun recht? Skeptiker, wie jener Ingenieur, welche die Seeschlange als Schwindlerin entlarvt glauben und dadurch die Personen, die schwören, sie erschaut zu haben, als phantastische Toren, Narren oder Hysteriker brandmarken? Oder Gould und sein Anhang, die erklären, man könne klare Beobachtungen so vieler jetziger und srü- herer Angenzeugen nicht durch verächtliches Achselzucken ans der Welt schassen? Neben den vielen Gelehrten, die von der Existenz solcher Meeresungeheuer nichts wissen wollen, befinden sich auch andere, die annehmen, daß in den gewaltigen Tiefen und Weiten der Ozeane sehr wohl Ungeheuer hausen könnten, wie es deren ja einstens genug auf dem Festland gegeben hat. Diese wandelnden Burgen erschrecken uns noch in ihren Ueberresten durch ihre unheimlichen Dimensionen. Warum sollte es da unmöglich sein, dag in deft Fluten Lebewesen erhalten geblieben wären, die angeblich achtzig Meter und darüber messen? Hatten doch die verhängnisvollen Kata- strophen, welche die Riesen auf dem festen Lande vernichtet haben, die Meere viel weniger heimgesucht, so daß es keines- wegs ausgeschlossen märe, daß Geschöpfe vorzeitlicher Größe dort noch heute daheim wären. Jedenfalls haben bis in un- sere Tage hunderte„normale" Menschen, unter ihnen Wissen- schaftler, berichtet, daß sie unbekannten Seeungetümen be- gegnet seien. Einige Male gelang es, nicht nur die unbekannten Geschöpfe längere Zeit zu beobachten, sondern sie auch zu beschießen oder zu harpunieren. Ja, ihre Kadaver sind sogar schon ans Land gespült worden. Tas letzte Mal geschah dies 1021 bei Kap May, wo ein Säugetier an den Strand geworfen wurde, das fotografiert ward und in der Größe iünf erwachsener Elefanten gleichkam, denen es auch im Aussehen glich. Tie gesichteten Tiere werden nicht immer in gleicher Weise beschrieben, sondern bald als Fischechsen, bald als Robben, Schildkröten, Schlangen usw. Ein Wider- spruch, der leicht zu erklären ist, weil es sich eben um Ver- treter verschiedener Tierklassen handeln dürste, denen nur die enormen Ausmaße gemeinsam sind und die man mit dem Sammelnamen„Seeschlange" zu bezeichnen gewohnt ist. Die meisten werden als friedfertig beschrieben und etwas Un- glückverkündendes, Unnatürliches hastet ihnen nicht an. Sie find uns einlach unbekannt, wie vermutlich noch so manches absonderliche Tier in entlegenen tropischen Gegenden, von dem mir uns nichts träumen lassen. Aber wer weiß, viel- leicht ivird es bald keine Utopie mehr sein, AuSsichtsiahrten in die Tiesjee zu unternehmen und unterwegs enorme Flosiensttßler, Riesenbandfische und andere Seeschlangen mit dem sotvgrasischen Apparat zu knipsen. H. Schmied!. »RIEFKASTEW E. Bukarest. Tie schreiben uns:„Jüngst haben Tie eine Bekannt- machung des Deutschen Auslandsinstituts in Stuttgart zitiert, wonach ein rumänischer Richter in einer Urteilsbegründung Adolf Hitler in den Himmel hob. Die gleiche Nachricht sand sich bereits vor Wochen in der gesamten deutsche» Presse Rumäniens, soweit sie nationalsozialistisch ist. Das gilt heute mehr oder weniger für die gesamte Presse Rumäniens mit Ausnahme der jüdischen Blätter in Ezernowitz. Tie konnten natürlich nicht wissen, dah die gesamte rumänische Presse den angeblichen Richteranaspruch vrompr demen tierte und feststellte, dah niemals ein rumänischer Richter eine ähn- liche Aeutzerung zum Lob« Hitlers getan hat. teilt großer Teil der in Bukarest lebenden Reichsdeutschen hat sich im übrigen prompt zum Nationalsozialismus bekehrt. Der Borstand des Vereins der Reichsdeutschen wurde vor kurzem gleichgeschaltet. Der bisherige gewählte Borstand mutzte zurücktreten und die Leitung der NTTAP.-Ortsgruppe ernannte sich nach dem Führerprinzip sofort zum Borstand des Vereins der Reichsdeutschen. Reichsdeutsche, die es ablehnten, in die NSDAP.'einzutreten, haben von ihren Lands- leuten verschiedenes zu erdulden. Wie„segensreich" der National- sozialiSmus für das Dentschlnm wirkt, kann man am Balkan be- sonders gut sehen. Hier waren die Juden bisher die Träger de» Deutschtums. Die Juden sprechen auch in Allrumänien in der Familie deutsch. Tie kaufen deutsche Bücher, sie gehen in den deutschen Film. Das heitzt: To war es! Heute ist es anders ge- worden. Der Absatz des deutschen Büches in Rumänien geht kata- strophal zurück. Der deutsche Film wird durch den amerikanischen und französischen verdrängt. Sine deutsche Wochenschau gibt eS im Kino überhaupt nicht mehr. Wer deutsche Zeitungen lesen will, kauft nicht mehr die deutsche gleichgeschaltete Presse."— Das ist ein lupisches Bild aus dem Auslände, wo sich deutsche Kultur und Tprachinieln erhalten haben. Der gleichgeschaltete Verein für das Deutschtum im Auslände erläßt durch seinen„Führer" Dr. Steinacher(der beule befehlsgemäß hitlerfromm ist, aber einmal, in den Tagen des Ruhrkampfes und später, genau gewußt hat, was die deutsche Republik für die Erhaltung des Deutschtums geleistet hatj bombastische Erklärungen über den Ausbruch des Deutschtum? in aller Welt. Bukarest ist nur ein Beispiel unter vielen, wie es um die Praxis bestellt ist. Paris 54. Auch dieser Angriff wird uns nicht veranlassen, aus unsrer Reserve herauszutreten. Gewäsch bleibt Gewäsch/ auch wenn es politisch etikettiert wird. G. H. Tie schicken uns einen Zeitungsausschnitt mit dieser An- zeige:„Auslandsdeutsche, hart an der Reichsgrenze lebend, sucht interessanten Briefwechsel mit einem geistig hochstehenden Herrn, zwischen 4-l und 50 Jahren. Der Wunsch ist, daran? eine Über dem Alltag stehende Kameradschaft zu entwickeln, wozu eine berufliche und pekuniäre Beweglichkeit erwünscht ist." lAnzeige in der „Deutschen Allgemeinen Zeitung", Berlin, Nr. 570—571.)— Das ist wirklich hart an der Grenze. T. R., London. Tie Erörterung dieser Fragen müssen wir vor- wiegend den Zeitschriften überlassen. B., Stiering-Wendel Das ist eine rein private Streitfrage, die sich nicht zur Veröffentlichung eignet. E. B., Zürich, lieber den Präsidentenwechsel im Senat de« Reichs- gerichts zu Leipzig haben wir schon berichtet. Für den Gesamttnhalt verantwortlich: Johann P i tz in Dud- weiler: für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH., Saarbrücken 8, Schützenftratze 5. Achtung, Eltern! Mein lugcndhcirn Dedeui veigrohert, betindei sich letzt in MARNES.LA COQUETTE, 3~ Grande Rae 20 Minuten Bahntahrt»orn Bahnhol St Lazare. Bari» Telefon Garches Nr. 629. Große Villa rnn riesigem Park, fliehendes Wasser la jedem Zimmer, Zentralheizung usw Uberleitung in d e tranz Schulen Gymnastik. Sport FRAU DR. BERG J9U 1 Einkaut und Auslösung vorn Versatzamt A BRILLANTEN. GOLD I % SILBERWAREN. UHREN t $-gliche Gelegenheit.. Verkäme^ F BETTER, 49, FAUBOURG MONTMARTRE A SHÖSHaieiSK! man SPRICHT DEUTSCH WWKiSSKA Steuerträger» Gesellschaftsgründungen Wenden Sie eich an F. 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