êînzlge unabhängige Tageszeiiung Deutschlands Nummer 8— 2. Jahrgang Saarbrücken, Donnerstag, den 11. Januar 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Ans dem Inhalt 476 Jahte Zuchthaus— 117 Juhce Qefängnis Seite 2 Jagd auf. Jtyaccec Seite 3 Deutschlands Sieueczettel Seite 4 Sicwishg im 3*>ild Seite 6 Demonstcationen gegen Jleichslischaf Seite 8 Abrüstungskonferenz wieder vertagt? Am Grabe noch pflanzt sie die Hoffnung auf London, 10. Jan. Der diplomatische Korrespondent des «Daily Telegraph" schreibt, in britischen Kreisen sei man der Meinung, daß der Zusammentritt des Slbrüstungsbüros z« dem vorgesehenen Zeitpunkt, dem ZI. Januar, zwecklos wäre »nd dag der ZS. Januar das früheste Datum wäre, an dem der Zusammentritt in Frage kommen sollte. In amtlichen Kreisen wird dementiert, daß die englische Regierung sich anschicke, in der deutsch-französischen Fühlung- »ahme eine neue Initiative in Zachen der Abrüstung zu er- greisen. Die Haltung Londons bleibt abwartend. Die britische Regierung nimmt Hitlcrdcntschland die Verant- wortung nicht ab. ja erleichtert nicht einmal die weitere Eni- wicklung. Paris, 10. Jan.„Matin" erklärt, dag für Ende des MonotS Norman Davis, der amerikanische Vertreter, in Europa er- wartet werde. Es sei nicht ausgeschlossen, daß der für den 21. Januar anberaumte Zusammentritt des Büros der Abrüstungskonferenz um einige Tage verschoben werde, um Norman Davis die Teilnahme an den Abrustungsverhanö- lungen zu ermöglichen. ..kl» Zwischenspiel' England unbedingt für den Völkerbund London, 10. Januar. Ter Lord-Siegelbewahrer Eden hielt in A l c e st e r kWarwickshire) eine Rede, die dadurch besondere Bedeu- tunH erhält, daß das Foreign Office einen Auszug daraus veröffentlicht hat. Eden sagte u. a.: Nach fast zweijährigen Bemühungen sei die AbrüstungS- konierenz zn keiner Vereinbarung gelangt, und es sei natürlich, daß die öffentliche Meinung in Eng- land diesen Mangel mit Besorgnis betrachte. Die Wochen seit Vertagung der Konferenz im November seien aber nicht vergeudet worden. Die Welt benötige vor allem eine Vereinbarung über die Abrüstung. Die Besprechungen durch diplomatische Kanäle sowie andere Besprechungen, die in der letzten Zeit im Gange gewesen seien, hätten nur diesen einen Zweck versolgt. Sie seien kein Ersatz für Genf, sie seien ein Zwischenspiel, u m der Arbeit in Genf zu g e st a t t e n, mit bessern Aussichten auf Erfolg fortzuschreiten. Wenn eine Vereinbarung über die Abrüstung erzielt sei, so könne man bestimmt hoffen, daß die internationale Atmosphäre sich so geklärt habe, um nun die zweite Aufgabe, die Reform des Völkerbundes, in Angriff zu nehmen. Der Völkerbund habe im letzten Jahr unter der Ankündigung des Austritts von zwei Großmächten, die ständige Sitze im Rat hatten, gelitten. Wie soll fich dann, so fragte Eden, die Zukunft dieser Körperschaft gestalten? E s s e i w e s e n t l i ch, d a ß imJabre 10 3 4 e i ne Zunahme der Mitglieder des Völkerbundes erfolge im Verein mit der A u s r e ch t e r h a l t u n g seiner vollen Autorität... Es fei daher klar, daß der gesamte Ein- iluß und die Autorität der britischen Regierung der Auf- rechterhaltung einer Einrichtung gewidmet werden müssen, die England sicher als das st L r k st e Bollwerk des Friedens ansehe. Diese Erklärung, die man als amtlich einschätzen kann, ist ein neues unzweideutiges Bekenntnis zum Völkerbund und macht es für Hitlerdeutschland unausweichlich, ent- weder nach Genf zurückzukehren, oder den Bruch mit ganz Europa herbeizuführen. Mussolini bescheiden Wenn es um Abrüstung geht Paris, 10. Jan. Mussolini hat den französischen Botschafter in Rom de C h a m b r u n empfangen, um, ivie der römische Korrespondent des„Matin" meldet, ihn über»eine Ans-- spräche mit Sir John Simon zu unterrichten. Der Türe habe erneut den Wunsch seiner Regierung betont, so schnell wie möglich z« einem, wenn anch bescheidenen, AbrüstungS- abkommen ans einer für alle Länder annehmbaren Grund- läge zu gelangen. England halte an der allgemeinen, fort- schreitenden, kontrollierten Abrüstung auf der Grundlage des Macdonaldschen Planes fest. Italien trete für die allgemeine Beibehaltung der Rüstungen ans ihrem gegenwärtigen Stand und die praktische Anwendung der militärischen Gleichberechtigung auf Deutschland ein. Die englische These habe sich also in Rom nicht durchsetzen können. Der Völker- bundreformplan trete gegenwärtig etwas in den Hinter- grnnd, wahrscheinlich werde Italien keine entsprechenden Vorschläge machen. Wenn diese Meldung den Standpunkt Mussolinis richtig gibt, treibt er der allgemeinen europäischen Aufrüstung, einem Wettrüsten zu, gegen dessen Wucht und Tempo alle papierenen Pakte lächerliche Fetzen wären. Radeh zur Lage „Wir können nicht vergessen..." Moskau, 10. Januar. fJnpreß.j Tie„Jswestija" veröfscnt- lichen einen großen Artikel von Karl Radek über die„Kampf- Vorbereitungen für eine neue Verteilung der Welt". Ter Verfasser stellt fest, daß zwei Mächte. Japan und Deutschland, gegenwärtig das unbeständige Gleichgewicht zu stören suchen, das nach dem Kriege in der Welt geschaffen worden sei. Deutschland versuche einen Bundesstaat zu schaffen, der iich von der französischen Grenze bis zur Beresina und von Memel bis zum Balkan erstrecke. Die baltischen Staaten, die Kleine Entente und der Balkan sollen eine Einheit mit dem Deutschen Reich bilden. Dieses Programm richte sich gleich- zeitig gegen Frankreich und gegen die USSR. Die deutschen Nazis hätten nicht die Absicht, Elsaß-Lothringen zu erobern, sie wollen Frankreich„nur" von seinen heutigen Verbün- dcten lösen, d. h. es ans seiner heutigen europäischen Situa- lion verdrängen, die die Grundlage seiner Wcltposition sei. Was Rußland betreffe, so könne eà gegenüber der Frage, ob an seinen Grenzen Polen, Litauen, Lettland und Estland existieren oder Dominions und Kolonien Deutschlands, in keinem Falle gleichgültig bleiben. Wir können nicht ver- gessen, schreibt Radek, daß die Politik des berühmten„Mittel- Europa" nichts anderes bedeutet, als daß Weißrußland und Ukraine sich in„Mittel-Europa" befinden. Radek erinnert weiter an den Offenen Brief, den Hitler im Oktober 1032 an Pape» richtete. In diesem Brief sei angekündigt worden, daß es sich für Deutschland darum handeln müsse, die Ver- antwortung für die Sprengung der Abrüstungskonferenz Frankreich zuzuschieben, damit Deutschland die Hände frei bekomme. Berlin läßt sich Seit iubbe bin£ericbt?t Der unbequeme Zeuge beseitigt Leipzig, 10. Januar. Die durch Urteil deS 1. Strafsenats des Reichsgerichts vom 28. Dezember 1933 gegen den Maurer MarinuS van der Lübbe aus Legden sHollandj verhängte Todesstrafe ist. da der Herr Reichspräsident von seinem BegnadigungS- recht keinen Gebrauch gemacht hat, heute morgen um 7.00 Uhr in einem Hose des Leipziger LandgerichtSgebäudeS mittels Fallbeil vollstreckt worden. Die sadistischen Fantasien, die der Reichskanzler Hitler und der preußische Ministerpräsident wiederholt öffentlich von sich gab--., als sie von einem Galgenschauspiel vor dem Rcichstagsgebände schwärmten, sind mit Rücksicht auf das Aus- land nicht verwirklicht worden. Man hat den van der Lübbe nicht öffentlich gehängt, sondern im Geheimen geköpft. Sogar mit derGuillotine und nicht mitdemHandbeil.Gleichgültigwic: der unbequeme Zeuge ist beseitigt, wie vorher Hanussen und Dr. Bell ihr Leben lassen mußten. Nur noch ganz wenigen einstweilen streng nationalsozialistischen Verbrechern ist der Ursprung des Reichstagsbrandes bekannt. Dennoch wird ein mal Klarheit geschaffen werden, und die wirklichen Brand stifter werden dann mit viel größerem Recht in den Hades geschickt werden als der im Grunde harmlose van der Lübbe. Wenn die deutsche Justiz durch das Leipziger Urteil einige günstige Auslandstimmen sammeln konnte, so wird dieser Eindruck durch die Hinrichtung wieder beseitigt werden. Van der Lübbe ist aus Grund eines Gesetzes enthauptet worden, das noch nicht bestand, als seine Tat begangen wurde. In- josern widerspricht die Verurteilung und die Hinrichtung den Rcchti'egrifsen aller zivilisierten Völker. Die freund schaftlichen Vorstellungen, die von der holländischen Regie rung in Berlin erhoben worden sind, wurden ebenso in oen Wind geschlagen wie die energischen Proteste angesehener Kulturträger aus vielen Ländern. Van der Lübbe ist geköpft. Tie Freigesprochenen sind noch im Kerker. Die Sorge um sie wird durch die Meldung aus Leipzig nicht geringer. Wir fordern sofortige Entlassung und Abreise unter sicherem Geleit für Timitroff, Torgler, Popofs und Taneff. » Noch eine Hinrichtung Hamburg, 10. Jan. Der Mörder des Polizeimeisters Pcrske, E r n st L i n d a u, der durch Urteil des hanseatischen Sondergerichts vom 80. Dezember v. I. zum Tode verurteilt worden war, ist am Mittwochmorgen durch Ent- Häuptling hingerichtet worden. ^aris, 10. Januar. Tie Berliner Korrespondenten des a t i n" bereiten die französische Oeisentlichkeit darauf £vr, daß man mit der deutschen Antwort aus die französische Denkschrift zur Gleichberechtigungsfrage nicht so bald rechnen ^önne. Vielleicht wolle Teutschland nicht allzu früh vor dem Zusammentritt des Völkerbundes antworten, vielleicht möchte es dix Einstellung der Engländer abwarten oder, ivie der Sonderkorrespondent des Blattes einen Kommentar des "Angriff" umschreibt, abwarten,„ob England sich zum Koni- bllecn des Nationalsozialismus für die Revision der Ver- machen werde".„Die Wilhelmstraße wolle bremsen", ?rkläri der ständige Berliner Vertreter des Blattes,„weil "e genau wisse, welchen Wert der Quai d'Orsay darauf lege, °>e Lage vor dem Zusammentritt des Völkerbundes und des ^auptausschusseö der Abrüstungskonferenz zu klären." Tie Antwort der Reichsregierung werde also nicht vor Ende der Woche oder wahrscheinlicher Anfang kommender Woche be- ?kit sein, also gerade bann, wenn Paul^Boncour sich bereits l« Gens befinden solle. Frankreich werde auf diese Weise in °>e Verlegenheit gebracht, die Stellungnahme vorzubereiten, me es im Einvernehnicn mit seinen Alliierten zu oer- leidigen gedenke Tie den>'che Antivori soll, schreibt der„Ereelfior", der Pliziöjen Berliner Presse zufolge ungünstig lauten. Teuttch- wni würde die sofortige, vorbehaltlose Anwendnikg hex grundsätzlichen Gleichberechtigung fordern. Wird aber diese Jntransigenz ebenso klar in der deutschen Note zum Ausdruck kommen? Daß Deutschland Zeit gewinnen möchte, ist anch die Auf- fassung des„O c u v r e", das die Ergebnislosigkeit der italienisch-englischen Aussprache feststellt und dagegen polemi- siert, daß Teutschland etwa ans den französischen Vorschlägen die ihm genehmen Punkte herausgreifen könnte.»„Unsere Regierung, die die deutsche Note geduldig abwartet, ist fest entschlossen, die in unserem Abkommcnsentwurs enthaltenen Fragen nicht auseinanderreißen zn lassen. Dieser Plan bildet ein Ganzes." Das Blatt hofft, daß die Besprechungen, die Sir John Simon mit Paul-Bonrour in Genf haben wird, die Lage klären, denn es sei wenig wahrscheinlich, daß die englische Regierung auch nur im geringsten vor der Kennt- nis der deutschen Antwort Stellung nehme. Im Grunde genommen beginne das alte Spiel: Frankreich habe Deutsch- land beinahe gezwungen, den Bankerott der AbrüstungS- konferenz zu„girieren". Jetzt versuche es, sich davon freizumachen durch ein letztes Manöver, das im Falle des Ge- lingens Frankreich die Verantwortung für dieses schlimme Ereignis aufbürden würde, indem man behaupten könnte, daß Frankreich M beharrlich»eiflfn« gbjurMth Außenpolitisches Tollhaus Alan stelle sich vor. jemand würde die englische Regierung beschuldigen, sie lasse öffentliche Gebäude an- zünden, um dann ihren politischen Gegnern wegen an- geblicher Brandstiftung den Prozeß zu machen, oder man stelle sich vor, jemand würde von der französisch»» Regierung behaupten, sie lasse durch ihre Meuchelmörder fremde Regierungschefs morden— welche Wirkung ivürde wohl eine solche Anklage in der Weltöffentlichkeit hervorrufen? Gewiß keine andere als die, daß man in den Zeitungen eine Notiz von einem armen Irrfinnigen lesen würde, der wirre Redensarten geführt habe und deshalb in eine Heilanstalt gebracht worden sei. Bon der gegenwärtigen deutschen Regierung hat man jedoch in einem großen Teil der Weltpresse lesen können, daß sie die eigentliche Urheberin des Reichstags- brandes sei, und jetzt nach der Ermordung des rumänischen Ministerpräsidenten durch Mitglieder einer rumänischen Faschistenorganisation versichern große ernsthafte Zeitun gen, die tödlichen Schüsse seien eigentlich deutsche Schüsse gewesen. Man erinnert in diesem Zusammenhang an das verunglückte Attentat auf den österreichischen Bundeskanzler D o l l f u ß. Dieser selbst hat in einer Auf- sehen erregenden Neujahrsrede freundschaftliche Beziehun- gen zu asten Nachbarländern festgestellt— ausgenom- men Deutschland, gegen das er die Anklage erhob, sich in die inneren Verhältnisse Oesterreichs eingemischt und Terrorakte in noch nicht dagewesener Weise unterstützt zu haben. Wie man sieht, steht das..dritte Reich" in einem guten êwâî àjns UntexlanM purjen aber nicht feinmal fragen, 476 Jahre Zuchthaus—117 Jahre Gefängnis Eine Monafsbllanz der politischen Straljnstiz Das Vcrteidigungskomitee hat ein« Zusammenstellung der Urteile gegen Antifaschisten fertiggestellt, und dies ist da« Fazit der deutschen politischen Straffustiz allein im Monat Dezember. Und eS ist bei weitem noch nicht vollständig: drei Todesurteile gegen die Arbeiter Sander und Lindau in Hamburg und gegen den Arbeiter Pischon in Kottbus kommen noch hinzu. SO politische Prozesse gegen die Gegner des Faschismus mit mehr als 800 Ange- klagten wurden ineinem Monat durchgeführt! In ganz Deutschland tobt die faschistische Justiz. Breslau und Ham- burg stehen an erster Stelle. In diesen beiden großen Arbeiterstädten fand allein ein Drittel sämtlicher Prozesse dieses MonatS statt. Aber auch Süd- und Westdeutschland, Mittel- und Kleinstädte fehlen nicht in dieser furchtbaren Statistik. Bon den Delikten, die abgeurteilt wurden, von den Straf- beftimmungen, mit deren Hilfe der politische Feind aufge- rieben und vertilgt werden soll, wird die der Borbereitung des Hochverrats am häusigsten angewandt. Begreift man doch hierunter nicht nur jede illegale politische Tätigkeit nach der Machtergreifung Hitlers, sondern auch die frühere, damals volle legale politische Arbeit in antifaschistischem Sinne. Hinzu kommen Sandfriedensbruch. Verbreitung von Greuel- Märchen, Totschlag und selbst Mord an SA.-Mitgliedern oder Polizeibeamten. Jahrelang zurückliegende politische Zu- sammenstöße werden von sämtlichen Staatsanwälten auf- gegriffen. Zeugen mit phantastischem Erinnerungsvermögen belasten die Angeklagten. Die Gerichte glauben diesen Zeugen alles und dcu Angeklagten nichts. Entlastungs- zeugen gibt es kaum noch. Alle hierfür möglicherweise in B.kracht kommenden Personen sind als Täter mit angeklagt. Prozesse mit 10 bis âv Angeklagten sind üblich lim Berliner Maikowski-Prozeß, in dem das Urteil in den nächsten Tagen bevorsteht, sitzen 58 Arbeiter aus der Anklagebank». Finden sich aber doch noch unbeteiligte Zeugen, die nicht in die Kerbe des Staatsanwalts hauen, so werden sie im GerichtSsaal selbst wegen Verdachts der Mittäterschaft verhaftet. Die SA. beherrscht die Gerichtsräume. Sie stellt nicht nur die Zuschauermenge, sondern vielfach selbst die Mannschaften zur Bewachung der Angeklagten. Sie verlangt Rache für jeden von ihr selbst provozierten Zusammenstoß. Und die Justiz gehorcht ihrem Befehl. Nichtbeachtung der primitivsten prozessualen Rechte ist an der Tagesordnung. Diese Justiz suhlt sich infolge der Gleichschaltung der deutschen und der bisherigen Uninteresstertheit der Auslandspresse vor An- griffen sicher: Rur wenn von außen eine ebensolche Kon- trolle und Anprangeruna durchgeführt wird, wie sie im Falle des Reichstagsbrandprozesses so erfolgreich geübt wurde, können die nur ihrer Gesinnung wegen Verfolgten und Angeklagten vor bewußten Fehlurteilen, vor mörde- rischcn Strafen, vor legalisiertem Mord bewahrt bleiben. 80 Terror-Urteile in 80 Tagen! Jeder Tag der Jnaktivität. seder Tag de» Schweigens bringt erneut Unschuldige auf das Schafott und ins Zucht- hdi:S! 65 Todesurteile! Rasendes Tempo für den nenher Durch den Freifpruch im Leipziger Reichstagsbrandprozeß glaubt die Hiclerregierung und ihre Justiz die Weltöffent- llchkeit genügend von ihren anderen Prozessen abgelenkt zu haben und gibt sich einer nie dagewesenen Hemmungslosigkeit des Terrors hin._^ Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht Todesurteile ge» fällt oder bestätigt werden. DaS„Fest der Liebe" und„Reu- jähr"' waren ihnen nur unliebsame Unterbrechungen. Am 28. Dezember wurde daS sünfunüsechzigste Todesurteil gefällt. Das Opfer diese» Jubiläum» der Bestialität ist der zwan- zigjährige Arbeiter Sander auS Hamburg, den daS Hanseatische Sondergericht wegen angeblicher Beteiligung an der Tötung eines Polizeibeamten im Jahr« 1030 zum Tode verurteilt«. Wenig« Tage später, am 81. Dezember, fällte das gleiche Gericht ein Todesurteil gegen den Arbeiter L i n- bau und verurteilte seinen Mitangeklagten Malachowskr und Winzer zu schweren Zuchthausstrafen. Kurze Zeit zuvor verurteilt« das Schwurgericht in Dort- mund den kommunistischen Arbeiter K a p t u r zum Tode. Der Prozeß will nachgewiesen haben, daß Kaptur an der 1080 erfolgten Tötung eines SS.-Mannes die Schuld trage. Dabei muß die nationalsozialistische Zeitung„Rote Erde" diesen tapferen Revolutionär folgendermaßen charakterisie- ren:„Kaptur hat bei dem Antrage des Staatsanwalts, der gegen ihn die schwerste Strafe vorsah, die das Gesetz kennt, nicht mit einer Miene gezuckt. Mit erstaunlicher Logik und einem bemerkenswerten Erinnerungsvermögen hat er alle jene Momente in seinem letzten Wort herausgeholt, die für ihn hätten sprechen können..." Und dennoch das Todes- urteil. Nein, gerade deswegen. Kaptur beantwortete es mit den Worten:„Ich habe als Revolutionär gelebt und bin auch bereit, als Revolutionär zu sterben." Am 10. Dezember verhandelt« der Dritt« Strafsenat in demselben Haus, in dem sich Timilrosf, Torgler, Popoff und Tanefs gegen meineidige Zeugen zur Wehr setzen und aus Angeklagten zu Anklägern werden, den Einspruch der neun zum Tode verurteilten Düsseldorfer Arbeiter. Das Reichs- gertcht lehnt« den Einspruch ab, die Todesurteile wurden damit rechtskräftig. Aber das genügte noch nicht. Ein zehnter Angeklagter des Prozesses, der Maurer Otto Lukat, war in Düffeldorf zu 1ö Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Das Reichsgericht wandelte auch dieses Urteil in Todeö- strafe um. weil ihm neun Menschen für einen SA.-Mann zu wenig zu sein schienen. Ein elftes Opfer dieses mit bei- spicllosem Zynismus geführten Prozesses wurde der Arbeiter W e i e r g r ä b e r, der als„eigentlicher Anführer dieser Tat" hingestellt wird. Die gleichgeschaltete Presse berichtet lakonisch baß Weiergrüber.„bevor er verurteilt werden konnte, verstorben ist". Sowohl in diesem Prozeß als auch bei dem sogenannten Hecklinger Prozeß, in dem dreizehn antifaschistische Arbeiter für den Tod eines SA.-Mannes mit dem Leben bezahlen müssen, begründet der Staatsanwalt seine Anträge auf den Tod durch das Henkerbeil mit der neuesten Grundregel faschistischer Rechtsprechung: es sei zur Verurteilung nicht erforderlich, daß jeder der Angeklagten geschossen habe: allein die Absicht, seinen politischen Gegner zu töten, genüge. Dieser kurze Ausschnitt aus der Just'zpraxis des„dritten Reiches" um die Jahreswende muß alle Antifaschisten auf» höchst« alarmieren, denn er beweist, daß die Arbeiter für den Henker in rasendem Tempo wächst. Der Faschismus rechnet damit, daß den Prozessen gegen unbekannte Arbeiter keine Aufmerksamkeit geschenkt wirb. Er wird sich damit ver- rechnen. Protestiert, duldet nicht, daß tapfer«, heldenhaft« Arbeiter wie Kaptur und seine Kameraden aus allen Orten Deutsch- lands dem Henkerbeil zum Opser lallen. wie es zu ihm gekommen ist. Ohne Frage wird ihnen die Auskunft gegeben, daß die Juden und die Emi- g r a n t e n daran schuld hätten. Es wird ihnen befohlen, iich zu entrüsten— über Juden und Emigranten. » Auch die Enthüllungen des alten Kadettenführets M i l j u k o w über gewisse antirussische Treibereien würde man allgemein in das Reich der Fabel verweisen, wenn nicht eben Berlin als ihr Mittelpunkt genannt wäre und wenn nicht Miljukow als ein Mann bekannt wäre, der alles andere ist als ein Märchenerzähler. Offen- bar haben die weißgardistischen Abenteurer, die mit deut- scher und japanischer Hilfe Rußland in Stücke reißen wollen, in ihrer Dummheit den sehr national ge- sinnten Miljukow für ihre Pläne miteinspannen wollen, und haben sich dabei eine Abfuhr geholt. Nach Miljukows Mitteilungen— die, wie Litwinows neueste Rede zeigt, in Moskau sehr ernst genommen werden— bereiten die Komplotteure einen deutsch-japanischen Koalitionskrieg gegen Rußland vor. Die Genialität dieses Planes kann durch nichts überboten werden, selbst nicht einmal durch die freundlichen Angebote, die die weiland kaiserliche Re- gierung während des Weltkrieges an Mexiko und Japan ergehen ließ, die Vereinigten Staaten von Amerika an- zugreifen und sich für diese Mühewaltung in Texas und Kalifornien schadlos zu halten. Man versteht übrigens jetzt auch, warum jüngst in einer grotesken Erklärung die Gleichwertigkeit der Söhne Nippons mit der nordisch- germanischen Edelrasse festgestellt wurde. Vielleicht konnte in manchen Kreisen des deutschen Volkes noch das Wort von den„gelben S t i n k a f f e n" lebendig sein, und man könnte Bedenken tragen, sich mit Ostasien gegen die Russen zu verbünden, die doch zweifellos Arier sind. Solche Bedenken wegzuräumen, ist der gelehrten Rassenforschung patriotische Pflicht. Darüber hinaus ist noch ein anderes bemerkenswert. Während die Hitlerregierung die sozialdemokratischen Emigranten verleumdet, sie hetzten zum Kriege gegen Deutschland, bereitet sie im Bunde mit reaktionären russischen Emigranten den Krieg gegen Ruß- land vor. ♦ Noch hat keine offizielle Persönlichkeit der Welt aus- zusprechen gewagt, um was es bei der Frage der'!b- r il st u n g eigentlich geht, und so kann die Hitlerregie- rung den großen Vorteil genießen, der ihr aus dieser Unklarheit entstanden ist. Es kann an sich keine gerech- tere Forderung geben als die nach Gleichberechtigung des deutschen Volkes mit allen anderen Völkern auf allen Gebieten. Aber es kann auch keine unmöglichere, keine gefährlichere Forderung geben, als die nach einer deut- scheu Aufrüstung unter dem gegenwärtigen System. Das Prinzip der Nichteinmischung in die inneren An- gelegenheiten eines fremden Staates zwingt die Diplo- matie, vor diesem realen Problem die Augen zu ver- schließen. Die Hitlerregierung kann daher als Vor- Kämpfer der deutschen Gleichberechtigung auftreten, nie- mand entgegnet ihr, daß diese Forderung keinen schlech- teren Vertreter finden kann als sie und daß sie selber für ihre Erfüllung das größte Hindernis ist. Gleictcherechtigung für alle, selbstverständlich, gewiß! Aber heißt das, daß man den Insassen eines Irrenhauses oder den Stammgästen einer Kaschemme Handgranaten geben muß. soviel, wie sie haben wollen? Den Leuten, die man beute an der Spitze des Deutschen Reiches stehen, würden die Polizeibehörden eines geordneten Staates die Ausstellung eines Waffenpasses pflichtgemäß verwei- gern. Ihnen, ausgerechnet ihnen, soll man ein Recht auf Mehrbewaffnung einräumen, das man allen früheren deutschen Regierungen versagt hat? Neben dem Recht auf gleiche Bewaffnung steht für alle Völker die Pflicht, sich selber so zu regieren, daß den anderen Völkern ein vertrauensvolles Zusammen- leben mit ihnen möglich ist. Niemals war man von diesem Zustand des allgemeinen Vertrauens gründlicher zerstört, als es die gegenwärtigen Machthaber Deutsch- lands getan haben. Ihr Ruf nach mehr Waffen wirkt darum schon wie eine halbe Kriegserklärung. * Je beharrlicher die Diplomaten über diesen Kern des Rüstungsproblems schweigen, desto lauter wollen wir von ihm reden. Es fällt uns nicht ein, den Anspruch des deutschen Bolkes auf Gleichberechtigung preiszugeben, aber wir haben Verständnis dafür, daß die Aufrüstung Hitler-Deutschlands von den Nachbarn ringsum als Gefahr empfunden wird und daß sie nach Mitteln sinnen, sie zu verhindern. Für die bedrohliche außenpolitische Lage, in der sich das deutsche Volk befindet, trügt der Tollhauskurs der gegenwärtigen Regierung die volle Ver> antwortung. Es gibt iveder im Frieden noch im Krieg eine Frage, in der wir uns mit dieser Regierung solidarisch erklären könnten: nicht sie zu unterstützen, sei es auch nur in einer einzigen Frage, sondern auf ihren Sturz hinzu- arbeiten, ist die wahrhast nationale Aufgabe. Strammgestanden! Eigene Meinung wird streng bestraft Berlin,». Januar. Der Stabsleiter der PO. Dr. Ley gibt folgende» bekannt: In der letzten Zeit laute» Mel, dntzgen ein, daß Parteigenossen, auch in führender Stellung, sich öffentlich in Wort und Schrift mit der zukünftigen Reichsreform beschäftige«. Der Stellvertreter des Führers Rudofs Heß hat«ich gebeten, mitzuteilen, daß jedem Pg. i« Zukunft bei strengster Strafe untersagt ist, sich in Wort und Schrift öffentlich mit Fragen de» Reichsreform zu be, fassen.^ Eine Verordnung Dr. Ley« München, 9. Januar. Der Slabsleiter der PO. Dr. Rob. Ley bat folgende Verordnung erlassen:„Ich mache hiermit entsprechend dem Willen des Führers erneut allen Gau- lcitern zur Pflicht, die N ubildung von angeblich ständischen Organisationen sowie Verlautbarungen schriftlicher oder mündlicher Art über ständischen Aufbau zu verhindern. Die Vorbereitung de» ständischen Ausbaues ist ausschließ- lich Sache des Amte» für ständischen Aufbau der NSDAP., dessen Verlautbarungen allein von Bedeutung sind. Gesetzlich verankert und parteiamtlich anerkannt sind nur Reichsnährstand und ReichSkulturkammer." SA.-Mann ermordet? Rätselhafte Geschichte Der„Völkische Beobachter" berichtet aus Grünberg in Schlesien: In den Abendstunden des Freitag wurde im Wald in einer Schonung in der Nähe des Dorfes Boyadel der 28 Jahre alte SA.-Mann Alfred TteSk« mit schweren Schußverletzungen sterbend aufgefunden. Er wurde in daS Neusalzer Krankenhaus transportiert, wo er jedoch gleich nach der Einlieserung seinen Verletzungen erlag. Die Todesursache ist noch in völliges Dunkel gehüllt. Tieske vermochte keine Angaben mehr zu machen. M dem Knüppel erschlagen Ein SA.-Scharführer Oppeln, 9. Jan. sDNB.f Bei einem Tanzvergnügen in Z e l a z n o entstand unter Gästen ein Streit, den der SA.» Scharführer Paul Wystub schlichtete. Nach Schluß der Tanz- sestlichkcit wurde Wystub vor einem Gehöft in seinem Blut liegend aufgefunden. Er wurde nach dem Gasthaus gebracht, wo ein Arzt nur noch den Tod feststellen konnte. Unter dringendem Tatverdacht wurde der Knecht Zeller ver- haftet und dem Oppelner Polizeigefängnis zugeführt. Der vorläufige Befund hat ergeben, daß Wnstub mit eine in Knüppel niedergeschlagen worden ist. Gemeinderat in Sdinfzhati ,,Unbotmäßigkeit" Das„Fränkische Volk— Bamberger Tagblatt" berichtete, daß in N e u b r u n n bei Ebern in Untersranken der 1. Bür- germeister Neuhäuser und das Gemeinderatsmitgltcd Gläus- ner in Schutzhaft genommen und die übrigen Gemeinderats- Mitglieder gewarnt und wieder entlassen wurden, nachdem sie ihre Aemter niedergelegt hatten. Die in Schutzhaft Ge- nommenen hatten durch Unbotmäßigkeit gegenüber dem Be- zirksamt und der Kreisleitung die öffentliche Ruhe und Ord- nung erheblich gestört. lEntnommen dem„Oberpfälzer Ku- rier" Nr. 287 vom 18. 12. 38.) vie bösen Lnifballon Darmstadt. Nach Mitteilung des Staatspresseamts sind in letzter Zeit verschiedentlich« i n d e r l u f t b a l l o n s mit angehängten Karten u. a. in der Gegend von Heppenheim gelandet Tie Finder, die die dem Ballon angehängte Karte an die darauf angegebene Adresse zurückschickten, erhielten zu ihrer großen Ueberraschung P o st s e n d u n g e n au» Südsrnnkreich mit deutschen und französischen Beglcit- schreiben. Wer einen derartigen ausländischen Kinderluft- Ballon fmdet. hat diesen sofort der zuständigen Polizeibehörde ibzuliesern. Stuttgart,». Jan. Nach Mitteilung von zuständiger Seite ist von der württembergiscken Politischen Polizei im Zuge der bereits getroffenen Maßnahmen gegen gewisse unbelehr- bare Gegner des heutigen Staate? am Tonntag Freiherr Mar von Gemmingen in Beihingen bei Ludwigsburg in Schutz hast genommen worden „Unbelehrbarer Gegner i Der Chirurg mit den unerbittlichen Instrumenten steht bereit... Die staatlich« Pressestell« Württembergs veröffent» licht eine„Warnung an Staatsfeinde" von zuständiger Stelle, die den Lesern mit überraschender Deutlichkeit Ausschluß gibt über die unterirdische» Strömungen gegen das braun« Terrorregimeut. Es heiß« darin: Gemäß dem Willen des Führer? sollen nach dem endgül- tigen Sieg der nationalsozialistischen Bewegung die Herzen der früheren Gegner gewonnen werden. Der nationalsozialistische Staat habe sich daher sorgfältig bemüht, die Emp- findungen der früheren Gegner nicht durch Anwendung un- nötig harter Maßnahmen zu verletzen. Es wäre an sich berechtigt gewesen, nach dem Sieg für die langen Zeiten der Unterdrückung und Verfolgung mit dem bezwungenen Gegner erbarmungslos abzurechnen. Die nationalsozia- listische Bewegung und ihr Staat hätten auf diese Abrechnung verzichtet im Vertrauen darauf, daß solche Großmut ver- standen, gewürdigt und vor allem nicht mißbraucht werden würde. Mit Genugtuung könne festgestellt werben, daß die höhere Führung der vormals gegnerischen Lager und die weitesten Kreise ihrer gutwilligen Anhänger dieses in sie gesetzt« Vertrauen«ich, enttäuscht hätten. Dafür gebühre auch ihnen der Dank des Siegers, um so mehr, als der ehrliche und anständige frühere Gegner oft erst nach schwersten inneren Kämpfen mit den ihm wert- vollen Anschauungen gebrochen habe. Als um so verabscheuungswürbiger werde daher von der deutschen Ocffentlichkeit ein Treiben empfunden, das in hinterlistiger Weise von kleinen Gruppen unbelehrbarer Gegner nach ivie vor gegen daS neue Deutschland betätigt werde. Dieie von Haß und blindem Fanatismus Besessenen wagten sich beute wieder frecher denn je in der allerdings trüge- ruchen Hoffnung zu regen, daß nationalsozialistische Groß- mut daS gleiche bedeute wie Blindheit und Schwäche. Tiefe Dtörer einer friedlichen Wetterentwicklung der innerdeutschen î'î.Mî.âlaubten sich berechtigt, noch immer Wortführer für politische Anschauungen»n sein, die am 12. November durch den Spruch beS Volke? ihre endgültige Erledigung gefunden hätten.„Diese unverbesserlichen Weimariancr," so heißt eS dann wörtlich weiter,„diese politischen Gernegroße, diese verhinderten BereinsvorstLnde und all die aalglatten Dunkelmänner feien noch einmal mit Nachdruck verwarnt. Ohne daß all diese Saboteure der staatlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Aufbauarbeit auch nur zu der leisesten Hoff- nung berechtigt wären, durch ihre Wühlarbeit das Gcfüge des „dritten Reiches" irgendwie zu gefährden, so wird es sich doch nach dem Grad ihrer Tätigkeit richten, welcher Art Maßnahmen von den dazu berufenen Stellen ergriffe» werden, um auch diese letzten Krankheitsherd« aus dem Körper der gesundenden deutschen Nation zu be- seitigen. Jeder Zweifel sei ausgeschlossen: Wenn eS dem Kliniker mit seinen Methoden nicht in Bälde gelingen sollte, die letzten Infektionsherde roter, blauer und schwarzer Bazillen abzuriegeln, dann steht der Ehirnrg mit feinen»n» «tätlichen Jntzrnmeute« noch immer in vereitschalt."... Die Jagd auf Pfarrer Paritätisch: Protestanten und Katholiken Im Konflrmandenun(crrl(ti( Die Staatspolizeistelle Dortmund teilt fol- gendes mit: Auf Anordnung beS Geheimen Staatspolizei- a m t s wurde der evangelische Pfarrer Bültemeier in Dort« mund-Marten in Schutzhast genommen. Pfarrer Bültemeier hatte sich schon im Sommer des vorigen Jahres durch be- lcidigenbe Aeußerungen gegen Kultusminister R u st recht unangenehm bemerkbar gemacht. Damals entging er nur deshalb einer empfindlichen Bestrafung, weil der Minister so großzügig war, keinen Strafantrag zu stellen. Diese Großzügigkeit hat Pfarrer Bültemeier schlecht belohnt. Schon während des ktrchenpolitischen Streites mit den Deutschen Christen gehörte er zu den Pfarrern, die durch die Art und Weise der Behandlung des Streites die mühsam geschaffene Willenseinheit des Volkes gefährdeten. Ein Einschreiten der Behörde ließ sich nicht mehr vermeiden, als der Genannte den ihm anvertrauten Konfirmanden die Anwendung des deutschen Grußes beim Betreten der Unter- richtsräume untersagte und durch Rundschreiben das zwischen dem Reichsbischof und dem Führer der Hitler-Jugend durch- geführte Einigungswerk der Jugend z« sabotieren versuchte. Di« Maßnahme der Behörde soll eine ernste Warnung sein. Wer da glaubt, die Lebensfragen des deutschen Volkes miß- achten zu können, darf sich nicht wundern, wenn die Sach- walter der Rechte des Volkes ihrem Treiben ein jähes Ende bereiten. Ein dunkler Fall Der Hauptbelastungszeug« im Prozeß gegen den katholischen Seminardirektor Roßberger, Präiekt Hartl, der nach der Verurteilung Roßbergers am 5. Januar wegen Greuelpropaganda verschwunden war, ist am Dienstag früh nach umfangreichen Ermittlungen von der Polizei gesunden worden. Präfekt Hartl befand sich in derartig zerrüttetem Nerven- und Gemütszustand, daß eine Vernehmung noch nicht möglich mar. Er wurde zu seiner persönlichen Sicher- deit in Schutzhast genommen, in der er jede Bequemlichkeit genießt und in feiner Bewegungsfreiheit nur soweit ein- geengt ist, als die Sorge für die Sicherheit seiner Person von Anschlägen auk Leben und Gesundheit erfordert. Der Grund für die Flucht Hartls ist darin zu suchen, daß Hartl nach der Verurteilung Roßbergers eine Flut anonymer Karten und Schmähbriefe erhalten hatte, die ihn zum Selbstmord treiben sollten ober ihm den gewaltsamen Tod androhten. Bäurische Politische Polizei Tie Bayerische Politische Polizei teilt mit: Die KreiS- leitung der NSDAP. Frei sing erstattete vor einigen Wochen Anzeige gegen den Seminardirektor deS bischöflichen Ordinariats Freising, Dr. R o ß b e r g e r, wegen Greuelpropaganda. Vor einigen Tagen fand in Mün- chen die Verhandlung vor dem Tondergericht statt, die eine Verurteilung Dr. Roßbergers zu acht Monaten Gefängnis zur Folge hatte. Der Seminarpräfekt Hartl, als Zeuge geladen, sagte in diesem Prozeß unter Eid aus und wurde Hauptbelairungszeuge gegen Roßberger. Freitag, den 5. Januar 1934 lief bei der Politischen Polizei die Nachricht ein. daß in extrem katholischen Kreisen diese Zeugenaussage des Prä selten Hartl als Verrat an der Katholischen Kirche angesehen würde, ferner die unwahrscheinlich klingende Meldung, daß man in diesen Kreisen der Ansicht sei, Hartl müsse wie ein Judas aus dem Leben scheiden. Die ab 6. Januar angeordnete Po st Überwachung ergab eine An- zahl anonymer Karten und Schmähbriefe, die alle die gleiche Tendenz zeigten, entweder Hartl zum Selbstmord zu treiben oder ihm den gewaltsamen Tod an- z u d r o h e n. Der mit der Behandlung dieses Falles be- austragte Beamte versuchte nunmehr, mit Hartl Kühlung zu bekommen, doch mußte er im Seminar Freising feststellen, daß Hartl nicht mehr anwesend wäre und sein Ausenthalt nicht bekannt sei. Tie Nachforschungen werden von der Polizei sortgesetzt. Noch eine Verhaftung! Die„empörte" Bevölkerung Traunstein, 9. Jan. sTNB.j Der Stadtpsarrer von Traun- stein, geistlicher Rat Joseph Stelzle, wurde auf Ver- anlassung der Politischen Polizei zu seiner persönlichen Sicherheit in Schutzhaft genommen, da er durch seine Predigt am Dreikönigstage eine tiefe Empörung in die Traunstein« Bevölkerung hervorgerufen hatte. vie Lust am norden Parteigenossen des deutschen Reichskanzlers 1er deutsche Reichskanzler und seine Partei beteuern gelegentlich, sie lehnten den politischen Mord ab. Daß sie damit lügen, weiß jeder Kundige. Selten aber ist der Beweis für die bestialische Lust der Nazis am Mord schamloser geliefert worden als durch die Schilderung, die einer der Mörder des Separatistenhäuptlings Heinz-Orbis in Speyer über seine Tat anläßlich vcm deren 10. Jahrestag gibt. Wir finden den Bericht in der Nr. 8 des„West- deutschen Beobachters". Er ist ein Dokument national- sozialistischer Weltanschauung: „10.32 Uhr betraten wir den Saal, ein Kellner wollte unS noch einen Platz aussuchen. Im Gegensatz zu den andern nahm ich sogar noch meinen Hut ab, und so gingen wir an den Tisch der Todeskandidaten. Ein Mann von dort stand auf und blieb dann unschlüssig, sich nach uns umsehend, an dem Tisch wieder stehen. Erwittertcetwas.aberes war zu spät. Ich stülpte noch ruhig meinen Hut wieber auf den Kopf und gleichzeitig setzte ich dem stehenden GenossendicPistoleandieSchläfeunddrückte ab. Nun war der Teufel los. Der Kerl fiel um und gleichzeitig schoß auch Muthmann zunächst auf Heinz-Orbis, und dann brachen auch die andern unter unseren Schüssen zusammen. Heinz-Orbis sprang auf und machte noch zwei Schritte in das Zimmer? dann schössen gleichzeitig mein Freund und ich hinter ihm her, und er fiel lang hin: erledigt. Mit den ersten Schüssen riefen wir immer laut:„Hände hoch, es geht nur gegen die Separatisten." Der Kellner trat von einem Fuß auf den andern, und erst, als ihm eine Waffe auf die Brust gesetzt wurde, nahm auch er endlich die Arme hoch. Ein französischer Offizier mußte erst mit der Pistole unter einem Tisch hervorgeholt werden, und er stammelte mehrmals„nicht schießen, nicht schießen", wir hatten ja auch gar nicht die Absicht., Nun wurde« 6Tc Taschen der toten Verräter durchsucht, uin belastendes Material zu finde». Ich erinnere mich noch heute an eine nette junge Dame, welche plötzlich in die Stille sagte:„Hoch, wie s ch r e ct l i ch", und das wird es ja auch gewesen sein. Am liebsten hätten ivir sie gleich mit über den Rheingenommen.umihrden furchtbaren An- blick zu ersparen. Hoffentlich ist sie uns heute nicht mehr böse. Die verschiedenen Kameraden verließen schon das Zimmer, und nur wir beiden Freunde waren noch da, als auch der Kamerad im Nebenzimmer verfrüht das Licht ausschaltete: unsere Taschenlampen blitzten aus und mit den Worten: „Wer vor einer Viertelstunde das Lokal verläßt, wird er- schössen" verlieben wir schließlich den Ort des Femegerichtö.. Inzwischen marschierten wir zu einem nahen GaMos und stärkten uns mit Kaffee und Alkohol und da erst sah man, wie diese zwei Tage die Nerven der Männer zermürbt halten? einige tranken den Schnaps aus Bier» gläsern, u in sich zu betäuben... Nun marschierte unser Stoßtrupp durch Nacht und Eis nach Heidelberg. Jetzt hatten wir wieder ein echt soldait- scheS Erlebnis, welches gezeigt hat. wie kaltblütig die ausgesuchte Mannschaft war. Unser Freund Lewis os Menar, der Sproß eines uralten baltischen Geschlechts, führte uns frierende» Schluckern einen fabelhaften Pelzmantel vor, den er von einem der Ge- richteten gegen seinen alten, fi'd?nl»-i"!->-n Mantel vertauscht hatte.—„Ter ewige Front- soldat."" Bleibt nur noch zu ergänzen, daß der ganzseitige Bericht triumphierend mit einem Bild der Mordstütte geschmückt ist. Man sieht, wie das hinterrücks niedergeschossene Opfer in großen Blutlachen zusammengebrochen ist. Das sind nun die Herren$?■' r"MaTi v-•'; Reichskanzler hält Friedensreden. Dlmitroff und Torgier Dm Schicksal der Freigesprochenen Die drei freigesprochenen Bulgaren befinden sich zur Zeit immer noch im Leipziger Polizeigefängnis. Tie Mutter Dimitrosss sowie eine ihrer Töchter erhielten heute— nach fast einer Woche— wieder die Genehmigung, Timitrofs zu sehen. Der Frau des freigesprochenen Tanesf wurde auch heute die Besuchserlaubnis bei ihrem Manne ohne Angabe von Gründen verweigert. Nach den letzten Meldungen scheint es, bah die internatio- nal« Protestbewegung, die durch das Verteidigungskomitee für den Reichstagsbrandprozeß geführt wurde, jetzt endlich zu einem Erfolg führt. Es wird allerdings aus nicht oisi- zieller Quelle gemeldet, daß Timitrofs mit seinen beiden Kameraden in zwei Tagen über die polnische Grenze nach der Sowjet-Union abgeschoben werden soll. Die öffentliche Meinung der Welt wird sich erst bann über dei. Fall Timitrofs beruhigen, wenn diese vorläufig noch nicht amtliche Meldung durch die Tatsachen selbst bestätigt wird. Die Nachrichten über Torgler zeigen, daß diesem letzten der vier Freigesprochenen ganz besondere Gefahren drohen. Er, der Reichsdeutscher ist. wirb nicht die Möglichkeit er- halten, sich außerhalb der Grenzen Deutschlands begeben zu dürfen. Es ist nach den Meldungen über den Abtransport Torgler» sehr für sein Leben zu fürchten. Tie Hitler-Regie- rung soll sich darüber klar sein. daß. so wenig die Millionen Werktätigen der Welt eS geduldet haben, daß Timitrofs und seinen Kameraden etwas zustößt, es so wenig geduldet wer- den wird, daß nunmehr Göring sich für den von den anti- faschistischen Mafien erkämpften Freispruch an Torgler rächt! Mörder als Ankläger lieber ein tolles Stück der parteiischen Justiz im „dritten Reich" berichtet die„Sopade-Information": Am 24. Februar 1933 ist in Neiße ein Reichsbanner- mann Georg Arbeiter getötet worden. Der Schuß wurde von einem SA.-Mann abgegeben, der wenige Monate vor- her noch Kommunist war und beschuldigt wurde, einen Fahnenträger der SA.. Edgar Müller, ermordet zu haben. Die„Reiher Zeitung", ein Zentrumsblatt, berichtete da- mals: „Der Vorfall ist um so empörender, als nach allem, was man hört, der Schütze weder in Notwehr gehandelt hat, noch überhaupt eine Prügelei vorausging. Wenn der Schütze oder die Schützen Leute gewesen sind, die früher bei den Kommunisten mitgelaufen und dann bei den'National- sozialistcn ausgenommen und in die SA. eingereiht wurden, so ist die Leitung der hiesigen NSDAP, bzw. der TA. von schwerer Schuld nicht freizusprechen." Vor dem Sondergericht in Neiße standen aber am 17. November als Angeklagte nicht die beiden National- sozialsten Iüttner und Schröter, die den Mord begangen haben, sondern sechs Reichsbannerleute, die bei der Er- mordung von Georg Arbeiter Zeuge waren. Unter hen 17 Zeugen befanden sich 14 Nationalsozialisten als Belastungszeugen. Die von dem Offizialverteidiger bean- tragte Vernehmung von drei weiteren unparteiischen Augenzeugen wurde vom Gericht abgelehnt. Die Verhandlung ergab keinerlei Anhalt, daß die Reichsbannerleute zuerst geschossen haben. Keiner von ihnen hatte eine Schuhwaffe bei sich. Trotzdem verur- teilte das Gericht den Bruder des Ermordeten zu 2'. Jahren Gefängnis. Ein Angeklagter erhielt 4 Jahre Zuchthaus und 5 Fahre Ehrverlust, einer 2 Jahre Zuchthaus. zwei Angeklagte je 1 Jahr Gefängnis und einer 9 Monate. Die Mörder stellten die Anklage, die Ueberfallenen sahen auf der Anklagebank und wurden verurteilt. Und das alles auf Grund von Aussagen einiger Halunken, die als frühere Kommunisten begeisterte Aufnahme in die SA. gefunden hatten. „Auf der Höcht erschossen" Noch immer! Kastel, 9. Jan. Der frühere Schriftleiter der iozialdemo- .kratischen„Äolksstimme" in Schmalkalden, Ludwig Pap- penheim, der sich seit dem Frühjahr 1933 im Konzen- trationslagcr Papenburg im Börger Moor an der Yollän- bischen Grenze befand, wurde jetzt, wie von der Polizei ge meldet wird, bei einem Fluchtversuch erschossen. Pappenheini ist früher durch seine Tätigkeit im kurhessischcn Kommunallandtag und im Provinziallandtag bekannt ge- worden. Rumänischer Faschismus Cornelius Eondreanu, der vauernführer der„Eisernen Garde", beim Abschrelten der Front aus einer Mafienkundgebung. Im Zusammenhalts mit der Ermordung des Ministerpräsidenten Dura hat in Rumä- inen eine große Aktion gegen die faschistische„Eiserne Garde" eiugeictzt, von bei bereits mehr als 400 Mitglieder verhaftet wurden. Die Regierung will beweisen, daß da» Alien- tat im Einverständui» mit der Leitung der„Eisernen Garde"verübt wurde. Hei un Et gönn spaziere Der ehemalige Kaiser mit seiner Gattin und seinen Stieftöchtern Sei einem Spaziergang in Doorn Man beachte den Mann mit dem Quetschklavier, daS den Marsch-Musik-Ersatz lieferte. Am 27. Januar wird Hei 7ö. Sfenericttel im„dritten ßeidi" Lange Oestöifer der Belämmerfen »et Ii II, 10. Januar 1994. sSigener Bericht.) Viele hatte« sich eingebildet, daß das Naziregime Steuer- senkung mit sich bringe, Sie wurden dabei noch in letzter Zeit durch eine Erklärung des Staatssekretärs im Re,chsfinanzministerium Dr. R e i n h a r d in ihrem Glaube« testant. Wie aus den Wolken gefallen müssen diese Vente sein, wenn sie nun im..Reichsanzeiger" ein„Gesetz«der«er- anlagung der Einkommensteuer für 1998" lesen, und in diesem sowie in der dazu gegebenen Begründung erkennen müssen, vast„vorläufig keine Steuersenkung" beabsichtigt ist. Man vertröstet die biederen Steuerzahler, die da glaubten, daß Hitler sie von dieser unangenehme« Staats- betätigung befreien oder auch nur etwas entlasten würde. Es wird da festgestellt, dast eine Senkung der Einkommensteuer „einerseits wegen dem Finanzbedars des Reiches und der Lander" und dann„wegen der schon erhobenen Vohnfteuer nicht möglich" sei. Die braven Steuerzahler werden aber weiter vertröstet und ihre Hoffnung soll erneut belebt werden mit der Erklärung, dast„die Irage der Steuersenkung im lausenden Jahre akut werden dürste", da ja dann eine neue „Steuerreform" herauskommen würde. Zu gegebener Zeit wolle die Regierung„prüfen", in welchem Ausmäste schon für das Jahr 1994 eine Steuersenkung vorgenommen werden könnte. Also bars sich alles aus die„Steuerresorm" freuen, die hoffentlich nicht aussehen wird wie die„Verbesserungen" im Gesetz für die Veranlagung 1999. Wenn man nämlich das Gesetz genauer nachprüft, kommt ma» aber auch zu der Erkenntnis, dast ein groster Zeil der Staatsbürger noch tiefer in den Säckel greisen darf, und den Hungerriemen noch enger schnalle» must, als es je in Deutsch- land der Iall war. Denn einstmals gab es keinen Ledigen st euerzuschlag, gab es auch keine Steuern, die den einzelnen Staatsbürger kopfsteuerlich delasteten, wie zum Beispiel die B ü r g e r st e u e r, die von der Regierung Brüning„ich« nur Ins„dritte Reich" mit übernommen wurde, sondern auch noch eine Er, h ö h n n g erfuhr. In der Begründung Heist» es dann wörtlich:„Es gibt nach dem Gesetz keine getrennte Fest- setzung mehr der Einkommen- und Urisensteuer. und für die verschiedenen Zuschläge für die Ledigen. Andererseits war es aber auch mit Rücksicht darauf, dast n. a. der Ehestands- darlehnszuschla» eingeführt worden ist, nicht möglich, einfach das für 1982 Gültige a u s das Jahr 198 8 zu übertragen." Das heistt also, dast die Ledigen i» Zukunft ihre Ein- kommensteuer und ihre Krisensteuer in einer Posi- tion lesen dürfen. Das sieht dann bestimmt nicht nach Er- leichterung aus, sondern dem ledigen Staatsbürger Hitler- Deutschlands wird der volle Betrag seiner Steuer rücksichtslos und u n v e r s ch l e i e r t in voller Höhe zu Gemüte geführt. Das kann nur erziehe, risch wirken und zu Vergleichen von jetzt gegen früher an- reizen. Das ist ganz gut so. Allerdings schein» die Göbbels- Propaganda sich nicht eingeschaltet zu haben. Und„anderer- seits"— wie es in der Begründung Heist»— war«S nicht möglich,„das für 1982 Gültige aus das Jahr 1988 zu übernehmen", ebeu weil diese neuen Gesetzesbestimmungen nur einer ver- schleierten Steuererhöhung gleichkommen. Wir erfahren wetter: In Zukunft haben die Si- jährigen nichts mehr aus der sogenannten Ehestandshilse z a erwarten. Auch hier wird „gespart", obgleich die Ledigensteuer zur She- st andsbeihilfe eingeführt wurde. Aber jetzt brauchen die zahlreichen Razibonzen in beamteten Stellungen so reichlich viel Gelb, dast langsam und sicher mit der Ehestands» Hilfe und mi« anderen Einrichtungen, die zur Begründung der neuen Steuerarteu erfunden wurden, abgebaut wird. So sieht also die Einkommensteuerveranlagung für 1988 aus: Weitere Steuerschröpsung aus der ganzen Linie ist dir Losung. Wie sich das bisher schon auswirkte, können wir an einem Beispiel erläutern. Beiträge und Steuerabzüge eines Arbeiters im .dritten Reich" Vor nns liegt die Lohnabrechnung eines Qualitäts» arbesters aus dem„dritten Reich". Uns interessieren hier diesmal nur die Abzüge. Es handelt sich um einen ver- heirateten Arbeiter. Er hat bei einem Einkommen von 98 Mk. folgende Beiträge zn leisten: Krankenversicherung 1,95 Arbeitslosenversicherung 8,19 Arbeitslosenhilfe 2,43 Invalidenversicherung 2,— Lohnsteuer 8,— Ehestandshilse— Bllrgersteuer 8,— Sterbegeld— Winterhilsswerk 1,02 Dieser Arbeiter hatte also für Steuer und Abgabe 18,01 Mk. — 17 Prozent seines Einkommens» zu leisten. Ueber die Art der offenen und verschleierten Versteuerung des Arbeiters geben obige angeführten Titel von der Krankenversicherung bis zum Winterhilsswerk genügend Auskunft. Der Mann ist verheiratet und hat Kinder, deshalb braucht er keine Ehe- standshilse zu zahlen. Als Lediger hätte er natürlich noch eine weit höhere Lohnsteuer zu zahlen. Da gibt es Beispiele von 80 Prozent vom verdienten und gegen früher bedeutend abgebauten Lohn. Obiges Beispiel ist daher noch alS befon- ders günstig anzusprechen. So sieht die Steuererhöhung, die das Hitler-Regime dem Arbeiter gebracht hat, praktisch aus. Handwerker, Händler nnd Bauern stöhne« ebenfalls unter der Mehrbelastung. Alle« zusammen must das neue Reichs- gesetz über Einkommensteuerveranlagung für 1988 wie eine Verhöhnung vorkommen. Das Elend der Sozialrentner Die Verminderung der Rentenbezüge Vor kurzem versprach Hitler einer Abordnung von er- grauten Arbeitsinvalide» die Gleichstellung mit den Kriegs- opfern, also die Erhöhung der Renten. Gleichzeitig aber wurde ein Gesetz zur„Erhaltung" der Sozialversiche- rung erlassen, das die Renten sehr erheblich vermindert. Die erste gesetzgeberische Tat des„dritten Reiches" auf dem Gebiet der Sozialversicherung ist also ein umfassender An- griff auf die Sozialrentner, die bedürftigste Schicht des merk- tätigen Volkes. Das Gesetz vermindert aber nicht nur die Renten, es erhöbt auch die Beiträge, während der Zuschuß des Reiches abgebaut wird. Als 1902 durch die Regierung von Pape» der Abbau der Sozialversicherung begonnen wurde, tobten Hitler und Göbbels deswegen gegen die Regierung der„feinen Herren". Will man sich ein Urteil bilden, in welch grauenvolles Elend- die Rentner jetzt gestürzt werden, so muß man die Reformen von Pape« und Hitler als ein Ganzes betrachten. Vor dem Erlaß der-Notverordnung Popens im Juni 1902 bestand die Rente eines Invaliden aus einem Reichszuschuß von 72 Mark jährlich und einem Grundbetrag von Mark Dazu kamen Steigerungssätze und AnswertnnaSsätze. Durch die Notverordnung von Pape» wurde der Grundbetrag von 108 ans 84 Mark gekürzt, der NeichSzuschuß aber blieb be- stehen. Die Regierung Hitler senkte den Grundbetrag von 84 aus 72 Mark und streicht den NeichSzuschuß vollständig. Das ergibt, wie auS der folgenden Aufstellung ersichtlich ist, die wir der„S o p a d e- I n s o r m a t i o n" entnehmen, einem Abbau der Grundbeträge der Renten auf weniger als ein Drittel ihrer u r s p r>i«glichen Höhe. B r ü n i n g Pape» Hitler NeichSzuschuß Mark 72 Mark 72 nichts Grundbetrag M ark 108 Mark 84 Mark 72 Zusammen: Mark 240 Mark 136 Mark 72 Die Grunbbeträge, die den Hauptbestandteil vor allem der niedrigen Renten darstellen, sind also im Verlaus von weniger als zwei Jahren um 108 Mark gekürzt worden. Der größte Teil dieser Kürzung entfällt aus das Konto Hitler. Die Durchschuittsrente eines Invaliden wird jetzt im günstigsten Jail 23 At a r k monatlich betragen. Im Juni 1902 war sie von 99 Mark aus 98 Mark monatlich gesenkt worden. Trotz dieses gewaltigen AbbauS der Leistungen werden die Beiträge um 80 Prozent erhöht. Gleichzeitig entlastet sich die Reichskaske.'Noch im Jahre 1988 zahlte das Reich an die Invalidenversicherung Zuschüsse von 480,3 Millionen Mark. Tie beruhten aus ganz alten gesetzlichen Verpflichtungen. Das„dritte Reich" hat diese Summe auf 209 Millionen Herabgesetz. Es läßt die Invaliden hungern, weil es sein Geld für die SA. und die Ausrüstung gebraucht. Notruf Bremens — Kritik am ständischen Aufbau Dem Bericht der Handelskammer in Bremen entnehmen wir: „Tie Augen vieler amtlicher und nichtamtlicher Stellen in Teutschland sind vor allem aus den europäischen Osten und Südosten gerichtet. Wenn wir diesen Plänen auch nicht grundsätzlich widersprechen wollen, so müssen wir doch an dieser Stelle, wie schon früher geschehen, betonen, daß über dem deutschen Interesse am Osten Euro- pas nicht her Blick für die überseeischen Export- Interessen Deutschlands verloren gehen darf. Das Netz unserer europäischen Handelsverträge ist leider seit dem Be- ginn der Weltkrise bereits an vielen Stellen zer- rissen und unsere Unterhändler haben vollauf zu tun, um in kurzen Zeitabstände» einige besonders wichtige Handels- abkvmmen mit europäischen Ländern immer wieder not- dürftig zu erneuern. Es müssen Mittel und Wege gesunden werden, um unsere» handelspolitiscken Interessen auch in der außereuropäischen Welt mehr PMege angebeihen zu lassen, als es bisher geschehen ist. Insbesondere in Außer eurnpa ist der Export aller Industrieländer durch das un- auihaltsame Vordringen Japans ohnehin schwer bedroht. Andere Länder bemühen sich, die eingefrorenen Ior. derungen ihrer Exporteure durch besondere Maßnahmen aufzutauen und sich durch neue Handelsverträge eine Vor- zitgsstellung au>' bestimmten Märkten zu sichern. Wir haben bei dieser Betrachtung insbesondere Südamerika im Auge,>vo uns eine größere handelspolitische Aktivität Teutschlands dringend notwendig erscheint, nicht nur im Interesse de? Exports, sondern auch vom Standpunkte der deutschen Schiffahrt aus. Den m e i st en s ü d a m e r i k a- n i s ch e u Staaten nimmt Deutschland mehr Waren ab. als es dorthin a u s s ii h r t: die deutsche Einfuhr wird sofort bezahlt, während der Eingang der Zah- hingen aus Südamerika sich immer mehr verzögert: zum Teil frieren die Iordernngen ganz ein. Mit Chile besteht nicht einmal mehr ein Handelsvertrag, deutsche Waren zah- len daher dort zur Zeit höhere Zölle als die Waren auS Kvnkurrenzländern. Man muß also deutscherseits versuchen, die Bedeutung, die unser Sand als Abnehmer von Landes- Produkten der betreffenden überseeischen Länder hat, stärker in die Waagschale zu werfen, vor allem, um uns dort die Meistbegünstigung unangetastet zu erhalten, sodann, um eine bessere Zahlungsweise bei deutschen Exportliesernngen, etwa im Wege von Berechnungsabkommen, zu erzielen." Zu Iragen des ständischen Ausbans bemerkt die Handelskammer Bremen:„ES handele sich nicht darum, dasjenige, was in der Wirtschast nun einmal zusam- mengehört nnd sich seit langem freiwillig zusammengeht«- den hat. auseinanderzureißen, sondern darum, die Gruppen- bildungen, die zumeist schon vorhanden sind, nach neuen Ge- sichtspunkten zusammenzufügen. Dadurch, daß in der ge- werblichen Wirtschaft der ständische Ausbau, um die Arbeits- bischafsung nicht zu stören, längere Zeit zurückgestellt wurde, während in der Laudivirtschait der vorläufige Ausbau des Reichsnährstandes seinen Fortgang genommen hat, seien Wirtschaftszweige, die unzweifelhaft zu Handel und Indu- strke, Schiffahrt und Handwerk gehören, Bestandteile deS Reichsnährstandes geworden. Hier fei zn fordern, daß die gewerbliche Wirtschaft Teutschlands in ihrer einheitlichen Zusammengehörigkeit erhalten bleibe. Tie Interessen der Landwirtschaft brauchten dadurch in keiner Weise beeinträch- tigt zu werden.,,, mr Im Sinne der von der Reichsregierung veriolgten Ab- sichten übt die Handelskammer an unzweckmäßigem Vor- gehen lokaler Stellen Kritik:„Ein besonderes Kapitel ist die sogenannte„Kaust am O r t"- B e w e g u n g, die auf eine Vernichtung des seit langem bestehenden Veriandhan- dels abzielt und dadurch an anderen Stellen neue Arbeits- losigkeit erzeugt. Schließlich ist in diesem Zusammenhange das vielfach zu beobachtende eigenmächtige Vorgehen lokaler Stellen gegen den Verkauf von A u s l a n d s w a r e n zu erwähnen. Unsere Beziehungen zum Auslande können durch solche unbedachten Eingriffe empsindlich gestört wer- den. Denn die Einsuhr von Auslandswaren steht oft durch Handelsverträge in direkter Wechselwirkung mit dem denk- schen Industrieexport und das Ausland verfolgt mit ge- spannter Aufmerksamkeit den Absatz seiner eigenen Erzeug- nisse in Teutschland. Es wird noch einige Zeit dauern. biS sich überall die Erkenntnis durchgesetzt hat, daß die Wirt- schaftspolitik nur von einer Zentralestelle aus geleitet wer- den failli und daß lokale Eingriffe nicht Nutzen bringen, sondern der Gesamtheit schaden." Ter allgemeine Teil des Berichts gibt dem Wunsch Aus- druck, daß eine koloniale Betätigung Teutschlands wieber ermöglicht werden möge. ver grove leiiungslod. Die Katastrophe des Abonnentenschwunds— aber sicher noch abgeschwächt Auf Grund der neuen Gesetze veröffentlichten die deutschen Zeitungen erstmalig ihre Auflagenzahlen. Daraus geht her- vor, daß die größte deutsche Zeitung die im U l l st e i n v e r- lag erscheinende„Berliner Morgenpost" ist mit einer Auf- lagenziffer von 842 880. An zweiter Stelle steht der„Bill- fische Beobachter" mit 342 384. Davon entfallen aus die norddeutsche Ausgabe 219 480, auf die süddeutsche Ausgabe 91 934. Tic im Verlag der M o s s e st i f t u n g erscheinende„Ber- liner Volkszeitung" verzeichnet eine Tezemberauflage von 109 749, das„Berliner Tageblatt" 74 784, für das Ttadtblatt werden gezählt 48 030 und für die Iernausgabe 18 924. Tie „BZ. am Mittag" meldet eine Auslage von 99 810, die „Vossische Zeitung" eine solche von 40 770, davon Reichsaus- gabe 10 810. Von weiteren Berliner Zeitungen verzeichnet die„Deutsche Allgemeine Zeitung" eine Auslagezisfer von 02 433, davon entfallen aus Berlin 82 407, auf das Reich 29 988. Von den Blättern des Verlags Scherl werden folgende Aus- lagenziffern mitgeteilt:„Berliner Lokalanzeiger" mit 109 800. Ter„Tag" mit 44 074, die„Nachtausgabe" mit 194 009. Weiter werden an Auflagenziffern mitgeteilt bei der„Kreuzzeitung" 22 000,„Berliner Börsenzeitung" einschließlich„Berliner Börsenkurier" 30 000,„Germania" 11000,„Märkische Volkszeitung" 19 300,„12-Uhr-Blatt" 50 570,„Teutsche Zeiying" 20 195, wovon rund die Hälfte auf das Reich und die Hälfte auf Berlin entfallen. Ter„Angriff" meldet eine Dezember- Turchjchnittsauflage von 94 200. Tie„Berliner Illustrirta", die ebenfalls im Ullsteinverlag erscheint, gibt ihre Auslagen- zisser mit 1 142 000 an. Sie hatte früher fast 2 Millionen. Sdiadrt-Poliflk Im Jahrbuch der Reichsbankbeamten für 1984 äußert sich Reichsbankpräsident Dr. Schacht über die Ausgaben der Reichsbauk im neuen Teutschland. Neue und außergewöhnliche Zeiten verlangen entsprechende Mittel. Das neue Deutschland und seine Notenbank lehnen aber jede Erschütte- rang der Währungsstabilität und jeden.Kreditmißbrauch auf das schärfste ab. Eine stabile Währung gehört zu den nötig- sten Grundlagen einer gesunden Wirtschaft, wie friedliche Zusammenarbeit und politisches Vertrauen unter den Völ- kern. Die deutsche Kreditpolitik ist und bleibt daher der Währungspolitik untergeordnet. Ein volles Jahrzehnt hat mau sich um die Wahrheit herum- zudrücken versucht, daß Auslandsschulden nur in Warenform bezahlt werden können. Heute sind wir und unsere Gläubiger vor die ganz klare Sachlage gestellt, daß Deutschland nur soweit zahlen kann, als das Ausland ihm Waren abnimmt. Das Transsermoratorium ist daraus die unvermeidliche Konseaneuz. Deutschland will nicht pumpen, sondern zahlen. Tie ehrliche Schuldnermoral muß freilich durch eine Gläubigermoral ergänzt werden, die d''e Durchführung der Zahlungen unterstützt. Tie Verschleierungsmethoden einer Aufnahme neuer Auslandskredite lehnt Teutschland ab. Es hilft sich statt dessen durch den restlosen Einsatz seiner eigenen Kräfte. Wenn es auch gelungen ist, mehr als zwei Millionen Menschen wieder in Arbe-t zu bringen, so be- droht eine Arbeitslosigkeit von fast vier Millionen immernoch den Bestand des Staates. ES ist aber ein Irrtum, ans der Mitwirkung der Reichsbank auf einen Inslationscharak- »er des ArbeitSbeschafsungsprogramms zu schließen. Unter den weiteren Aufgaben steht die Reorganisation des gesamte« Kreditapparates oben an. Tas deutsche Bankwesen ist über- setzt, ermangelt einer rationellen Arbeitsteilung und arbeitet deshalb zu teuer. Vor allem entbehrt es e'ner einheitlichen Leitung, weil die Einwirkungsmöglichkeiten der Reichsbank zu gering sind. Die Aufgaben einer modernen-Notenbank reichen über die nationale Sphäre hinaus. Währungen sind dazu da. den Welthandel zu fördern und nicht ihn zu rii'ni-ren. Tie Aufgabe, wieder geordnete Währungs- Verhältnisse und Tauichbeziehungen der Länder herzustellen, erfordert eine verständnisvolle, vom Gedanken gegenseitiger Gleichberechtigung getragene Arbeit der Notenbanken. Katastrophale Einkommensteuer I» der„Frankfurter Zeitung" liest man: „Es ist vielfach die irrige Meinung verbreitet, daß K i r ch e n s» e n e r r ü ck st ä n d e allgemein z>> erlaven seien, wenn sie der Arbeitsbeschaffung nutzbar gemacht werden. Hierzu wird von zuständiger kirchlicher Seite erklärt, daß Kirchensteuern n i ch t als Reichsiteuern angesprochen werden und deshalb die allgemeinen Besinn- mungen nicht ohne weiteres auf die Kirchensteuer ange- wandt werden können. Das katastrophale Absin- ken der E i n k o m ,a e n st e u e r als MaßstabSsteuer der Kirchensteuer habe fast überall eine außerordentliche finanzielle Bedrängnis der Kirche zur Iolge. Die Landeskirchen und Kirchengemeinde» seien demgegen- über aus sich selber angewiesen und hätten nicht, wie das Reich, die Möglichkeit, den EinnahmenauSsall an anderer Stelle oder durch Kreditaufnahme auszugleichen. Das schließe nicht aus, daß die Landeskirchen bestrebt seien, im Rahmen der verfügbaren Mittel ihre Gemeinden selbst zur Arbeitsbeschaffung sInstandsetzung der Kirchen und kirchlichen Gebäudei zu veranlassen." „Katastrophales Absinken der Einkommensteuer"— so erfährt man auf dem Umwege über die Kirchensteuer, wie es mit den„Siegen der Arbeitsschlacht" aussieht. Wo die Einkommensteuer katastrophal sinkt, können nur Idioten glauben, baß die Wirtschaft sich belebt. ■Deutsche Stimmen• Beilage*uir..^Deutschen&teiheit"• Ereignisse und Geschichten mm Donnerstag, den 11. Januar 1934 Vue ein Meinet £i* i Jqnocant und sein JCcitikus Aus Nummer 45 der„Medizinischen Welt" läßt sich einer Besprechung eines Werkes von Dr. Johannes H äd icke "Die physikalische Unhaltbarkeit der Relativitätstheorie Einsteins", Verlag Otto Hillenmann, Leipzig, folgendes Ergötzliches entnehmen: „Die Schrift bespricht der Hauptsache nach in erfreulich klarer Darstellung„den Zweck, die Anordnung und die Ergebnisse des Michelsonscben Versuches"... Verdienstlich bleibt dieser Versuch(d. h. die rezensierte Schrift) wie alle, die über„das Anerkannte und Vorhandene zu etwas neuem und besserem führen wollen, in jedem Falle". Aber nun höre und staune: „Für eine künftige Neuauflage wären einige Schönheitsfehler auszumerzen, die der Absicht und dem Wert der Schrift jedoch keinen Eintrag tun. So wird Seite 39 die Geschwindigkeit der Elektrizität von„einem Fachmann" auf 450 000 Kilometer-Sekunden angegeben, mit Bezug auf eine Behauptung in Meyers Konversationslexikon! Seite 72: Die Erkenntnis von Raum und Zeit ist— nach Karat wenigstens—„apriorisch". Seite 80: Das Gewicht eines l.uftwürfels von 57 Meter Kantenlänge soll ungefähr 230 000 kg sein—?— Seite 82: Die angezogene Atom- théorie stammt von Bohr. Nils ist sein Vorname, nicht ein Mitarbeiter. Seite 98: Die kürzesten Aetlierwellen sind nicht die Röntgenstrahlen, sondern die Gammastrahlen des Radiums und noch kürzer ist die sogenannte durchdringende Strahlung aus dem Weltenraum, ungefähr zehnmal so durchdringend wie die Gammastrahlen." Aber nein: „Wie gesagt, sollen diese kleinen Korrekturen den Wert dieses Versuches nicht herabsetzen, sondern nur für künftige Neuauflagen einen Verbesserungsvorschlag bringen. Also: Zwar ist dem Einsteintöter eine geradezu heroische Unwissenheit nachzuweisen, zwar ist ihm eine so grundlegende Größe, wie die Geschwindigkeit der Elektrizität unbekannt Zwar kennt er auch nicht den Namen N i I s B o h r, den Begründer der modernen Atomtheorie. Zwar fehlen ihm die primitivsten Kenntnisse über die Aetherstrahlen, vielleicht, weil er es unterlassen hat, die entsprechenden Schlagworte in Meyers Lexikon nachzuschlagen, aber dies alles sind— um mit dem Renzensenten zu reden— nur„S c h ö n- heitsfehle r", die den Wert des Versuches nicht herabsetzen." Offen bleibt nur die Frage: welchen Rang in der SA. oder SS. mag wohl der Verfasser einnehmen, der solches tat. Einstein wissenschaftlich umzulegen, da ihm eine so huldvolle Rezension trotz alledem zuteil wurde. Sie gestattet sich lediglich, den blamablen Schnitzern eines Ignoranten einen „Verbesserungsvorschlag" zu unterbreiten. Sitzt nicht vielleicht irgendwo auf einem Lehrstuhl der Physik noch ein Jude, der die Wissenschaft ebenso jüdischmarxistisch verseucht, wie jener berüchtigte Einstein? Runter mit ihm, habeinus Ilädicke! Proniotionsschrift lie-t bereits vor. Jig.. Qotslelen, dec Itmieuqec „Das Jus primae noctis diente dec Aufzucht dec J^eoölkecunq" Die Bücherproduktion im Reiche Hitlers zeigt wunderbare Blüten. Es kommen jetzt Autoren zu Wort, die überzeugt sind, daß, je größer der gedruckte Unsinn ist, desto mehr Abnehmer er finden wird. In einem Buch, das sich stolz„Hoch-Zeit der Menschheit" nennt, 700 (!) Seiten hat und von einem Pg. Rudolf John Gorsleben verfaßt ist, wird folgende Weisheit verzapft:„Wir Deutschen," betont Gorsleben,„stellen, trotz weitgehender Mischung nach unserer geistigen, seelischen und körperlichen Schichtung, ein arisches Volk dar, das, wie der Welt Dinge liegen, berufen ist, sein körperliches und geistiges Erbe gegen die ganze Welt und sogar gegen einen Teil seines eigenen Blutes zu verteidigen. Große Zeiten und Menschen erkannten, daß nicht alle Rassenmischungen harmlos sind. Rassen- Mischungen mit tieferstehenden Rassen—» selbst mit fast gleichwertigen— müssen einer höheren Rasse immer verderblich sein. Wie sich die Rassenmischung an einem einzelnen Menschenpaar auswirkt, sei an dem Gesetz der Eern/eugung nachgewiesen. Eine Frau wird wesentlich durch den Mann bestimmt, dem sie sich in jungfräulichem Zustande hingibt. Kinder aus zweiter Ehe sind im Wesen vom ersten Manne seelisch und körperlich bestimmt, beeindruckt, gestempelt, imprägniert ■— man nennt diese Tatsache Fernzeueung(Telegonie): die dauernde Beeinflussung aller späteren Geburten durch den ersten Mann, dem sich ein Weib jungfräulich hingab. Die Imprägnation des Weibes ist nicht etwa durch die moderne Wissenschaft entdeckt worden Auf der Kenntnis dieser Dinge beruht ja auch der uralte Brauch des„Jus I> r i m a c n o c t i s", dasRcchtaufdieersteNacht durch den Grundherrn oder Priester, das eine Art Aufzucht der Bevölkerung zum Ziele hatte und nicht nur eine Ausschreitung, einen Mißbrauch der Macht darstellte. Infolge dieser Maßnahme ist in vielen Gegenden der Menschenschlag durch die rassisch und geistig höherstehende Standesherrschaft veredelt worden. Im Mittelalter war es noch das Recht des Grundherrn, daß er, wenn ein Leibeigener eine Ehe einging, mit dessen Braut die erste Nacht nach der Trauung verbrachte. Das Recht wurde auch von den geistlichen Standelherren in Anspruch genommen, wie noch viele Urkunden beweisen. Heute findet durch die Imprägnation eher eine Auslese nach unten als nach oben statt, denn der Tschaudale, der Untermensch, beherrscht heute wirtschaftlich Stadt und Land lind nützt die Gelegenheit, seine Macht zu gebrauchen, mit Roheit und Rücksichtslosigkeit aus." Jede Zeile verrät, daß Pg. Gorsleben selbst ein Sprößling aus den Jus primae noctis ist. Leider vermissen wir in seinen an sich sehr geistreichen Ausführungen praktische Vorschläge, wie es möglich ist, unter den gegenwärtigen Hoheitsrechten dieses alte Prinzip der Bevölkerungsaufzucht wieder zur Geltung zu bringen. Dabei wäre die Reglung an sich sehr einfach. Man braucht das Jus primae noctis nur zu einem Gesetz des totalen Staates zu erheben und jedem nationalsozialistischen Amtswalter vom Sturmbannführer aufwärts die entsprechenden Rechte und Pflichten zu verleihen, sofern er in erotischer Hinsicht nicht anderweitig orientiert ist. und Jbanane Dec uechitlecte Wilhelm Jett im Schuteiiec ilcteil In den nächsten Wochen soll auch in der Schweiz der neue W ilhelm-Tell-Film laufen. Die Aufnahmen wurden letzten Sommer und Herbst gemacht von den Herren aus Berlin, die diesem Film zu Gevatter stehen. Gleichgeschaltete und unter einem Geßlerhut lebend, gegen den jener des österreichischen wie die sanfteste Idylle anmutet! Diese geschäftliche Nazischwefelbande verfilmte Freiheit und Freiheitskampf. Mitten in diese Arbeit hinein haben sie bekanntlich dem größten lebenden Geßler die Reverenz erwiesen und 'bm untertänig und bündisch die Peitsche geküßt. Da kann sich jeder vorstellen, was da herauskommen muß. 'ells Knabe wird durch den Berliner Hitlerjungen Ouex dargestellt, Teil selbst ist ein gleichgeschalteter Cäsa- fendiener, echt und unverfälscht kann nur der Geßler geraten sein. Sämtliche Rollenträger kommen aus dem großen Kanton und sind durch die Propagandaabteilung des Reichs- l'igenministers Göbbels bestimmt worden. Die edle Gattin dieses teutsclien Ariers Göbbels hat bekanntlich die Patronage über diesen Film übernommen Die Regierungen der E'rkantone gaben seltsamerweise die Bewilligung, unsere historischen Stätten für das Kostümfest der Nazi s mißbrauchen zu lassen.(Nicht zu vergessen das Landesmnseum. das glaubte, durch einige seiner „Waffenhelden" wissenschaftliche Beihilfe leisten zu Müssen!) Die Schwyzer und Urner allerdings durften Staffage "pielen und, um die Berliner Nazis versammelt, die alten Hirtenhemden zeigen. Sie waren zu stummen Rollen verurteilt, während die Berliner mit ihrem bessern Mundwerk den ^ ilhelm Teil, Stauffacher und Walter Fürst(die bekanntlich sämtliche aus der märkischen Sandwüste stammten, vorführten. Einige schweizerische Filmverleiher geben sich, wie verlautet, große Mühe, diesen Nazi Wilhelm-Teil besonders bei Uns laufen zu lassen. Es darf diesen unbedenklichen Geschäftemachern heute«chon prophezeit werden, daß ihre Spekulationen fehl gehen werden. Denn jene Schweizer Möchten wir zählen, die ihren Wilhelm Teil, an einer Berliner Hitlersauce angerichtet, noch genießen könnten. Und gar die Gattin Teils, dargestellt durch eine Filmkünstlerin, für die Schweizerdeutsch und schweizerisches Empfinden so fremd sind wie dem Igel eine Banane. Man muß ja staunen über das Toupet der Herren aus dem gleichgeschalteten Reiche, die es ausgerechnet als ihre besondere Berufung empfinden, den Freiheitskampf der Ur- schweizer gegen ihre Tyrannen darzustellen(oder besser in ein richtiges Nazistück umzuschwindeln). Aber noch größer muß das Befremden über schweizerische Behörden sein, die s o naiv sein konnten, in einem solchen Unternehmen, dem Frau Göbbels nahegestanden hat, eine Reklame für unsere Fremdenindustrie zu wittern, die mit allen verfügbaren Mitteln unterstützt werden müsse. Wenn etwas eine Sünde gegen Sinn und Geist der Schweizergeschichte und ihre Anfänge ist, so sicher die Tatsaehe, daß dieses nationale Epos verkitscht wird durch eine Hitler-Filmgesellschaft, daß die Helden der Schweizer» geschichte aus dem Reiche der schlimmsten und ärgsten Barbaren geholt werden. Der Hitlerjunge Quex aus Altdorf und sein Vater Wilhelm Marr aus Berlin! Höher gehts nimmer. Das ist der Terra- Film der Schweizer Freiheit! („Luzerner Arbeiterblatt.") Die koloniale Zahne mied entcolCt „Mädel im Dienst" heißt ein„Handbuch für die einheitliche Ausbildung der gesamten weiblichen Jugend". Danach muß ein Mädel u. a. lernen: Jiu-Jitsu, Fechten, Ordnungsübungen(Gruß, Kommando), Marschieren, Kartenlesen, Entfernungsschätzen, Geländekunde, Nachrichtendienst, Bogenschießen, Verwundetenpflege, Luft- und Gasschutz, Rassenpflege(Reihenuntersuchung). Für Knaben gibts den „Spurkalender 1934",(„K ampf der Jugend um unsere Kolonie n"). dem Ritter von Epp die Worte vorausschickt:„Die Stunde wird kommen, da wir die koloniale Fahne entrollen!" Hindenburg. Lettow-Vorbeck und Schnee haben Geleitworte gespendet. Eine„Jungen« Schaftsfahrt nach Süd w«it"»ird»ngekii».'igt. £in SA."Mann denkt nach Von Georg Wilman Zehn Jahre lang habe ich Hitler gewählt Und schenkte ihm blindes Vertrauen. Ich habe in keiner Versammlung gefehlt, Ich hab' zu den gläubigen Schafen gezählt, Um das neue Deutschland zu bauen. Er versprach uns Arbeit und Freiheit lind Brot. Er versprach uns auch höhere Löhne. Er sagte, er mache ein Ende der Not Und bringe den Ausbeutern Elend und Tod Und uns alles Edle und Schöne- Ich glaubte an alles, was er uns versprach, Ich glaubte an Deutschlands Erwachen. Ich wartete, daß er die Zinsknechtschaft brach. Ich kämpfte gegen die jüdische Schmach. Ich ließ den Revolver krachen. Nach zehn Jahren Kampf war es endlich geschafft Hielt der Führer, was er uns versprochen? Ging er an die Arbeit mit ganzer Kraft? Statt der vielgelästerten Zinsknechtschaft Hat er seine Versprechen gebrochen. Er brachte nicht Arbeit, nicht Brot und nicht Recht' Die Bonzen bekamen die Posten. Wir gingen für ihn in jedes Gefecht. Und heute, da sind für ihn zu schlecht Und bezahlen trotzdem die Kosten. Zehn Jahre versprach er uns Arbeit und Brot, Und doch ist der Hunger geblieben! Wir schlugen für ihn die Proleten tot. Und doch ist geblieben die gleiche Not Und wir müssen Kohldampf schieben. Jetzt dürfen wir Arbeitsdienstpflicht markiert! Für sieben Pfennig die Stunde! Wir wollten gegen die Herren marschiert». Jetzt sehn wir die Herrn mit dem Führer regiert» Die Herrn und den Führer im Bunde! Jetzt ist es genug! Jetzt weiß id, Bescheid! Der Führer— er hat uns verraten! Wir schweigen nicht mehr! Es kommt untre Zeit! Dann Kameraden, dann ist es soweit Schon gärt's bei den braunen Soldaten! Jetzt weiß ich endlich, um was es geht! Jetzt Schluß mit dem falschen Vertrauen! Mein Platz ist an deiner Seite, Prolet! Die rote Fahne der Zukunft, sie weht! W i r werden die Zukunft uns bauen! Zmei dieidelAetq.ee Zcofessotcn Radbruch Der Senat der litauischen Landesuniversität K o w n»>>»« den ehemaligen Heidelberger Strafrechtslehrer und Reichsjustizminister Professor Radbruch nach Kowno berufen. Ihm soll der Lehrstuhl für meiuelländisches Strafrecht übergeben werden. Gumbel Wie wir erfahren, ist Professor Gumbel, vertriebener Heidelberger Dozent und Inhaber eines Lehrauftrags am Institut Henri Poincaré zu Paris, soeben an die Universität L v o n als Gastprofessor für Versicherungsmathematik berufen worden. Professor Gumbel wird dein Rufe Ende Januar Folge leisten. « Mit Radbruch und Gumbel hat die Heidelberger Universität zwei ihrer hervorragendsten Gelehrten verloren. Rai- bruch gehörte zu den bedeutendsten deutschen Strafrechtslehrern. Bis vor einigen Jahren rissen sich die deutschen ni- versitäten um ihn. Nach Ausbruch der„nationalen Revolution" wurde er zuerst beurlaubt, dann entlassen. Den Vorwand bot seine Zugehörigkeit zur Sozialdemokratie, zu der er sich auf Grund einer tief sittlichen Gesinnungsentscheidung bekannte. Er war Reichsjustizminister im Kabinett Wirth; m Jahre 1922; später gehörte er den beiden Kabinetten Strcse- mann an. Einstimmig wählten ihn 1930 dieselben Juristen in das Präsidium des Deutschen Juristentages, die beute für seine brüske Verabschiedung kaum ein bedauerndes Achselzucken übrig haben... Außer zahlreichen wichtigen juristischen Schriften verfaßte er ein Buch:„Sozialistische Kulturlehre", in dem das Ethos eines menschheitsgläubigen Gelehrten überzeugenden Ausdruck fand. Jetzt geht er nach Kowno Junge Litauer werden Gustav Radbruch zu Füßen sitzen. Und junge Franzosen in Lyon zu Füßen des hervorragenden Mathematikers Professor Gumbel, den die deutscheu Nationalisten seit langem haßten ob les kämpferischen Mutes, mit dent er ihre Fememorde aufdeckte. Das geistige Deutschland kann kaum noch ärmer werden. Diese Autarkie ist bereits auf Leere und Armut begründet. Aber sie genügt für die Wehrsport-Wissenschaft. Spendet dec lüeltenschöne Oder: Der Denker im Goldhelm Im Verlag der Christengemeinschaft, Stuttgart, ist jüngst ein Buch erschienen„Christus bei den Germanen" von Dr. Friedrich D o 1 dinger, dessen Einleitungskapitel sich „Geistesführerschaft" betitelt. Wir entnehmen diesem Kapitel folgende Sätze: „Dann heißt: Sich der Erkenntnis befleißigen— Seinen Helm hämmern! Dann heißt: Heiligkeit und Weihe des Fühlens erflehen— Seine Brünne weben! Dann heißt: Segens- kraft erstreben im Wollen— Seinen Speer bauen! Speererbauer im Geisteswollen! Rüstungsfreudige, Menschheitschützende Sonnengetreue! Denker im Goldhelm, der Erkenntnis des höchsten euch erkühnend! Waffenfreudige Germanen! Dann seid ihr berufen, Offenbarer des Wellenlichts, Spender der Velten-Schöne, Mchrer. von Christi Aufer- IltbUDpkfilt tu werden]" Slavish!) Ein Dementi von Chautemps Parts, 10. Jan. Vom Ministerpräsidium wird die durch die „Liberie" verbreitete Nachricht, der Kabinettöchef Chautemps kabe dem Verwaltungsrat eines Stavisky-Unternchmen» angehört, dementiert. Der„Liberté scheine, so erklärt man, hier eine Verwechslung mit einem offiziellen Unternehmen zur Förderung großer öffentlicher Arbeiten, in dem Kabinettsches Dubois ehrenamtlich tätig war, unterlaufen zu sein. Noch ein Selbstmord? Paris, 10. Jan. Der Direktor des Operetten« theaters Empire, Nayotte. gegen den Haftbefehl erlassen worden ist, soll, wie„Journal" berichtet, einem Freunde erklärt haben, auch er wolle seinem Leben ein Ende machen. Der Selbstmord StaviSkys habe ihn völlig nieder« geschlagen und unfähig gemacht, den Kampf fortzusetzen. Er ist seit DienStagmittag spurlos verschwunden. ver MaikowshuProzeö Furchtbare Zuchthausstrafe beantragt Berlin, 10. Januqx 1034. Im Maikowski-Prozeß erklärte der Staatsanwalt, daß da» große Verbrechen der Reichstagsbrandstiftung die Maske de» Volk und Staat zerstörenden Bolschewismus gezeigt habe. Obwohl dieser nationalsozialistische Staatsanwalt das Urteil des Obersten deutschen Reichsgerichts im Reichstagsprozeß kennt, obwohl er genau weiß, daß Torgler wie die Bulgaren freigesprochen werben mußten, und ein Zusammenhang des Brandes mit der kommunistischen Partei in keiner Beziehung erwiesen werden konnte, erneuert dieser Staatsanwalt die ungeheuerlichen Verleumdungen gegen die Linke, diskreditiert glatt damit das Reichsgericht und liefert dem Ausland ein ^reues Bild der wahren Rechtsverhältnisse im„dritten Reich". * DNB. Berlin, 9. Jan. Im Maikowski-Prozeß stellte der Staatsanwalt heute nachmittag gegen die S3 kommunistischen Angeklagten die Straianträge. Er beantragte gegen die drei Haupträbelskjihrer die Höchststrafe von 15 Jahren Zuchthaus, gegen weitere Angeklagte 12, 11, 8 und 3 Jahre Zuchthau». Gegen sieben Angeklagte wurden je 10 Jahre Gefängnis beantragt. Die Strafanträge gegen die übrigen Angeklagten bewegen sich zwischen 6 Monaten und 9 Jahren Gefängnis. Rlchthofcn Ein deutscher Nationalheld— Halbjude Berlin, 9. Jan. In dem neugegründeten„Verein deut- scher christlicher Staatsbürger nichlartscher und nichtrein« rassiger Abstammung", der bereits kurz nach seiner Grün- dung hunderttausend Mitglieder umfaßte, hat sich zur allge- meinen Ueberraschung auch die Familie des berühmtesten deutschen Kampsfliegers Freiherr von Richthosen angemel- det. Sie ist ebenso wie die des Ozeanfliegers von Hühnefeld mit jüdischem Blut gemischt. Saar-Zwischenspiele Silberne Blume an der Mütze Saarbrücken, 8. Jan. Nach dem Verbot aller politischen Abzeichen und nachdem die Regierungskommiflion den saar- ländischen SA.- und SS.-Leuten selbst den beliebten silber« nen Eichenkranz von der SS.-Mütze genommen hat. sind diese Herrschasten aus eine neue Methode verfallen. Seit einigen Tagen tragen sie an der Mütze eine silberne Blume, die in der Mitte goldene Punkte aufweist. Zweifellos handelt e» sich hier um ein getarntes politisches Abzeichen, das unter die Bestimmungen der Abzeichenoerordnung fällt. Unzulässige Adoptionen Hinsichtlich der mißbräuchlichen Annahme an KindeS Statt hat der preußische Minister des Innern die Regierung»- Präsidenten angewiesen, der Bestätigung von Annahme- vertrügen im öffentlichen Interesse zu widersprechen, wenn der Bertrag zwischen einem arischen und einem nicht- arischen Vertragsteil geschlossen werden soll, des- gleichen dann, wenn der Anzunehmende einer körperlich, geistig ober moralisch minderwertigen Sippe entstammt. Pas Neueste Bon Tanchern wurde die Leiche einer dritten bei der Ueberschwemmungskatastrophe von Urbeis «ms Leben gekommenen Person geborgen. Es handelt sich um den schweizer Staatsangehörigen Beisbard. Die Arbeitslosen,isser in Frankreich steigt. Nach einer amtlichen Statistik vom«. Januar hat die Zahl der Arbeits» losen vom 2. Dezember bis Ende des Jahres 133! um 59 999 zugenommen. Der englische Botschafter hat laut Anweisung setner Re, gierung die französische Regierung aus die Benach. teiligung der englischen Industrie durch das neue sranzösische Kontingentierungssystem aufmerksam gemacht. Der Meinungsaustausch zwischen sranzöfischen und eng- lischen Sachverständigen sür Handelssragen wird heute am Quai d'Orsay beginnen. Aus der Prager Burg wurde die erste Vollsitzung des Wirtschaftsrates der Kleinen Entente von Außenminister Benesch erössuet. Präsident Roosevelt nimmt die Berichte über die amerikanische Zusammenarbeit mit Rußland für die Erhaltung des Weltsriedens zum Anlaß, zu betonen, daß Amerika nach wie vor gegen den Abschluß eines Deseufiv» paktes und aller solcher Verträge sei, die es zum Einsetzen der bewaffneten Macht verpflichten würde«. De? Straßbnrger Frauenarzt Dr. RedelS» p e r g e r wurde am Dienstag in seiner Straßbnrger Woh» nung verhastet. Ihm werden verschiedene Fälle von Ab« treibungen zur Last gelegt. Aus den bei Haussuchungen be, schlagnahmten Papiere« soll hervorgehen, daß die meisten Klienten des Berhasteten sich ans»er Pariser Gegend rekru» tieren. Man behauptet, daß die Angelegenheit ,» eine« großen Skandal führen werde. Nach einer Havasmeldung aus Barcelona ist dort eine Anarchiftenversammlung ausgehoben worden, in der anscheinend ei» neuer Berkehrsftreik ins Werk gesetzt werden sollte. 159 Versammlungsteilnehmer, darunter einige Ausländer, sind verhaftet worden. Außerdem ist es der Polizei gelungen, de« sei« 1929 gesuchte« Anarchisten Carba in seiner Wohnung festzunehmen und wichtiges Material«u beschlagnahmen, das über revolutionäre Bestrebungen i« Italien, Peru, Argentinien und besonders ans K«ba Ans« schloß geben soll. Aus Fes wird gemeldet, daß ein AutobuS bei Ain-Beida in eine 29» Meter tiefe Schlucht stürzte. Zwei Fahrgäste kamen ums Leben, vier wurden schwer, achtzehn leichter ver« letzt. Räch einer Meldung aus Ora« ist das Unglück durch Versage« der Steuerung in einer scharfe« Kurve geschehe«. Spezialarbeiter begeben sich in eines der Hänser S'it"'"--*. um mit Sauerstoffgeräten Geldschränke aufzuschneiden.— Unten links: Ter Mil ionenbetrüger Alexander Stavisky. Die Gattin Ttaviskys, dessen Finanzbetrügerecen ihm zu einer zweifelhaften „Weltberühmthcit" vcrhalfen, mit ihren Kindern beim letzten Blumenkorso in Cannes, als der Name ihre» Gatten noch von fast zauberhafter Wirkung umgeben war und seine Familie in Glanz und Wohlstand lebte. Oben: Frau Stavisky, die Gattin des einstigen französischen Finanzkönigs, vor ihrem bei einem Tchönhcits-Wettbewerb in Cannes preisgekrönten Wagens. Ter Polizei ist eS gelungen, den Aufenthalt der Gattin des flüchtigen Stavisky ausfindig zu machen. Die Un» tersuchung führte eine Unmenge elegantes Gepäck, eine riesige Garderobe und wertvollen Schmuck zutage, die aber allesamt nicht beschlagnahmt werden konnten, da Madame nach- wies, daß sie aus ihrem persönlichen Vermögen stammen. Unten: Die erregte Menge vor dem Leihhaus in Bayonne, dessen zu Hunderten von Milli» onen ausgegebenen Schuldverschreibungen sich jetzt als wertlos herausstellten. Peulsmer„Sozialismus" Sein Ideal ist der Privatkapitalismus Der ReichSwirtschaftsmtnister wendet sich in einem Rund- schreiben an die Landesregierungen entschieden gegen Be- ftrebungen, entbehrliche Regiebetriebe der öffentlichen Hand weiter aufrecht zu erhal- ten. ES sei ihm mitgeteilt worden, so heißt eS in dem Erlaß, daß Regiebetriebe Verträge wie Anstellungs-, Lieferung»- und Mietverträge auf lange Zeit verlängert haben. Ties fei offenbar geschehen, um einen Abbau solcher Unternehmungen ** erschweren oder gar unmöglich zu macheu. Ein derartiges Verhalten stehe im Widerspruch zu dem Willen der Reich»- regierung, die grade zur Erreichung eines Abbaus aller ent« behrlichen Regic-Betriebe die Vorschriften über die Revision der Regie-Betriebe erlassen und darüber hinaus wiederholt ausdrücklich erklärt habe, daß bei der Neugestaltung de» staatlichen und wirtschaftlichen Lebens für entbehrliche Regie« Betriebe grundsätzlich keinRaummehrset. Versuche, so schließt der Minister, aus dem angegebene« Wege den Abbau öffentlicher Regie-Betriebe zu erschwere« oder gar unmöglich zu machen,„stellen daher einen offen- baren Wider st and gegen den eindeutigen Willen der Reichsregierung dar". Der Minister bittet die Landesregie- rungen, mit aller Entschiedenheit gegen der« «rtjg« Odstrultionsversuch» gi»ftulchr«tt«» TW«, der Direktor des LeihamteS von Bayonne, einer der Hauptschuldigen an dem Skandal, wirb von« Bayonner Gefängnis zu einem Verhör in fein früheres Büro geführt. Pariser Berichte Pariser Straßcnkalcnder Dem Vernehmen nach wird da« Empire-Theater, dai 8t a» *''kjr gehörte nnd mit Rita Georg ala Vedette von seinem Freunde Hayotte geführt wurde, demnächst aus der Pleite als Kinotheater neu erstehen. * Wie wir hören, enthält sich die Nachfolgerin der Internationalen Artistenloge in Berlin im Verkehr mit Frankreich und dem Auslande jeder hitlerischen Attribute. * Das PTT»Ministerium(Poste, Télégraphié, Telephones) hat die Verbreitung von Tagesnachrichten durch das Radio neu geregelt. Zwischen Ministerium bzw. Kammer und Rundfunk ist eine direkte Verbindung hergestellt. Radio Paris beginnt mit den Tagesnachrichten von jetzt an um 7.15 Uhr. * Am Montag, dem 15., wird in der Comédie Française der 812. Geburtstag Molières mit dem ersten Akt des„Misanthrop" und dem ganzen„Tartuffe" gefeiert. Vorher wird das„Placet au Roi" von Molière und die Vorrede zum„Tartuffe" gelesen, gefolgt von dem traditionellen Défilé vor der Büste des genialen Lustspieldichters. Die Göbbels-Propaganda in Frankreich Aus der Stavisky-Affäre ist insbesondere der Fall Pierre Darius hervorzuheben, da die Beziehungen der Mittags- ceitung„Midi" ganz eindeutig sind. Darius, der Hauptschriftleiter des hitlerfreundlichen Blattes, in dessen Spalten LouisThoma seine Kampagne für Hitler führte, besitzt einen Landsitz in Théoule in der Gegend von Cannes, von dem er auf Einladung der Pariser Polizei nach der Hauptstadt eilends zurückfuhr. Der Bericht über diese Zitierung seines Chefs in dem Pariser hitlerfreundlichen Blatt liest sich sehr schön. Er nimmt in der libberschrift„Von der Konfusion zum Delirium" den Mund voll, ist aber sonst recht kleinlaut. Die Schäflein des„Midi" wußten nichts anderes anzufangen, als vieldeutig ihren Chef zu zitieren, der gemeint hat:„Das Publikum täuscht sich nicht. Es weiß sehr wohl, daß die Stavisky einen Fuß in allen Stiefeln haben. Es verallgemeinert schnell die Schuld. Und am Schluß'er Rechnung spritzen die Skandale bis zu den rechtschaffenen Leuten." Was man wohl als Geständnis auffassen darf. Die Tatsachen sprechen auch bereits zu deutlich.„Journal", das sehr ernst zu nehmende Blatt, erklärt, daß Darius, nach wischnuartigen Verwandlungen, nun als überführt gelten könne, Interessen mit Stavisky unterhalten zu haben.„Paris Soir" bemerkt:„Durch die Haussuchung ist mit unbestreitbarer Sicherheit festgestellt, daß Pierre Darius, nachdem er seine Angriffe gegen den Stadtkredit von Bayonne einstellte, geschäftliche Operationen für Rechnung desselben Unternehmens übernommen hatte. Man scheint unter diesen Umständen anzunehmen, daß sein böser Glaube sicher ist. In der Tat war sein Kampf in der Zeitschrift, Bee et Ongles" 57. RUE DE CLICHY TEL. TRINITE 15-75 METRO: GLICHT UND TRINITE ■ Allgemeine VW DEUTSCHE POLIKLINIK Chefarzt Protei», WENSTEN 1) ORDINATION DURCH SPEZ1ALXRZTE für Innere. Chirurgische, Frauen, und Kinderkrankheiten. Haut, und Geschlechtskrankheiten. Augen-. Ohrels-, Naeen. und Halskrankheiten. Geburtshilfe. 2) INNERE Klinik. 3) CHIRURGISCHE Klinik. 4) GEBURTSHILFLICHE und GYNÄKOLOGISCHE Klinik Senatoriums-Gebaude mit der allermodernsten Einrichtung. ORDINATION■ fauch für Privatkrankel tïglich von 1 bit 8 Uhr. Sonn, und Feiertags von iff bis 12 Uhr („Zähne und Klauen") sehr gut mit Belegen versehen, und •eine Aenderung der Haltung schließt die Annahme des guten Glaubens aus." Man kann hiernach wohl erwarten, daß der„Midi", das Pariser Hitler-Propagandablatt, und der Mann mit dem Namen des Perserkönigs, moralisch erledigt sind. Die Olympiade in Berlin und die Franzosen Der Pariser„Temps" stellt in einem Aufsatz von Paul Rousseau fest, daß das deutsche Organisationskomitee der olympischen Spiele, die 1936 in Berlin und in Garmisch-Partenkirchen stattfinden sollen, folgende Staaten einzuladen„vergessen" hat: Albanien, Costa Rika, Ekuador, Aethiopien, Honduras, Liberia, Litauen, Persien, Dominike, San Marino, Aegypten und Sowjetrußiand, außerdem den Kirchenstaat. „Die Gründe dieser Auslassung sind nicht bekannt", schreibt das französische Weltblatt höflich, indem es hervorhebt, daß insbesondere die Nichteinladung von Aegypten und Sowjetrußland in Sportkreisen überrascht hat: einerseits wegen der Bedeutung der russischen Körperkultur, dann weil die Aegypter an allen vorhergehenden olympischen Spielen teilgenommen haben und die Weltmeisterschaft im Hanteln besitzen. Die Nichteinladung würde also, wenn sie bestätigt wird, das Weltturnier in Gewichten und Hanteln eines großen Teils seines Interesses berauben. Schließlich hebt der Artikel hervor, daß der französische Unterstaatssekretär für die Körpererziehung bisher erst 100 000 Franken für das französische Olympiakomitee bewilligt hat. Das Schmeling-Match Die Meldung ans Chikago, daß Hitler das Schmeling-Match mit Levinsky verboten habe, weil dieser Jude sei. ist von der Hitler-Regierung dementiert worden. Das Match soll nach neuen Meldungen am 16. Februar in Chikago stattfinden. Bertrant de Jouvenel im Herrenklub zu Berlin Jean Lnchaire, der Leiter von„Notre Temps", dessen Mitdirektor Pfeiffer infolge des eingeführten Hitler-Kurses zurücktrat, veranstaltete im Frühjahr vergangenen Jahres eine erste französisch-hitlerdeutschejugend- konferenz zu Paris. Dieser ist jetzt die zweite gefolgt— nnd wo? Zu Berlin im Herrenklnb. Im Hause der Gardekavalleriedivision und der„Papen Barone", die jetzt wieder in die Aktion treten dürfen. An der Spitze der selbstverständlich inoffiziellen und kleinen französischen Delegation steht Bertrand de Jouvenel, der ältere Sohn des bekannten Diplomaten, nicht zu verwechseln mit seinem Bruder Renaud, der— übrigens unter Mitarbeit auch verschiedener deutscher Linksleute und sogar Kommunisten— die„Çgjbiçrs.Bjeu?" herausgibt. An diesen Heften arbeitet auch der Berlin-Fahrer mit. An dem guten Glauben des jungen de Jouvenel, der einer PARIS-ETOILE O. RUE D'ARMAILLt ciez ioiiuliff gerühmt durch«tat rortretMiche Küche«. tet» Spezialitäten. Stark beauchi eon deot«chei» Gastet | Téléphone Etoile S2#4V( Danaenadkneidn 1. Mastchenko I. Ree de Merché 5t. Honoré. ♦ Fei. Opéra 72-79 i Umarbeitung, Reparierung mmmmmmmmmimmmmmmmmmmJ| Kleider Mäntel, Porte- Clwmperrei flötet UriilRoom Berliner 173. 8d Berthiex, tél. Carnot 72-4? Möblierte Wohnungen. Aller Komfort Badezimmer Küche urw Monatlich und wöchentlich. Nach Wunsch Pension Mäßige Preise. Métro Champerret. Aut. S C B- 9-bis. CA. BY. 53 X. Öeriichsicfi tigt die Inserenten der„Deutschen Areiheit sehr alten französischen Familie entstammt, ist nicht za zweifeln. Ob aber er und der mitgefahrene Adlige Drieu la Rochelle wissen, was sie angerichtet haben? Wissen sie, daß Hitler sie wegen Mitarbeit an ihrem eigenen„Cahien Bleu" ins Konzentrationslager sperren würde, wenn sie Deutsche wären? Wir selbst enthalten uns jeden Urteils, stellen aber fest, daß der wichtige„T e m p»" nur in kleiner Schrift verlegen Über die Schlußsitzung und die Rede des Göbbelsschen Kulturmannes B 1 u n c k berichtet, während den nationalen „M a t i n" angesichts der Vorgänge im Hause de» Herrn von Gleichen ein gelindes Entsetzen packt. Der größte Teil der übrigen Pariser Presse schweigt betreten.., Noch ein saarländischer Spion Metz, den 9. Januar 1933. Die Spezialpotizei von Bonlay stellte fest, daß ein Saarländer, der im Jahre 1931 versucht hatte, sich Pläne der heuen Festungsanlagen zu besorgen, sich gegenwärtig im Metzer Gefängnis befindet, wo er eine Strafe wegen Schmuggels, Betrugs und Bannbruchs verbüßt. Die Staatsanwaltschaft wird Anklage wegen Spionage erheben. Der Name des Spions wird im Interesse der Untersuchung g e« heim gehalten. Die Rolle Friedrich Sieburgs Während unsere Meldung von einer Propagandatour de* „Midi"-Mitarbeiters Louis Thema durch ganz Frankreich in französischen und internationalen Kreisen starkes Aufsehen macht, erfahren wir von besonderer Seite, daß Friedrich Sieburg, der seltsame Prophet der„Frankfurter Zeitung" in Frankreich, besondere Propaganda im Geiste von Göhbels macht. Wir wollen uns auf diese Andeutung beschränken. „Verbrannte Bücher" Im Deutschen Klub sprach Dr. Klaus Berger über„Verbrannte Bücher". Er entwickelte die komplizierten Verhältnisse auf dem deutschen Büchermarkt: Man gibt einigen nicht gleichgeschalteten bürgerlichen Autoren(Jakob Wassermann, Thomas Mann) einen gewissen Spielraum, entfernt sie aber aus den öffentlichen Büchereien und übt auf den Buchhandel einen starken Druck aus. In der belehrenden Literatur müssen alle sozial gefärbten Reportagen(und handelten sie auch vom fernen Australien) verschwinden. An ihre Stelle treten Erbauungsund Bekenntnisbücher, deren Borniertheit mit heroischem Geschwafel verdeckt wird. Nach der„faustischen Seele■ der „Sendung der Jugend", dem„Neubau des Reiches", hat man zu erwarten den„Abbau der Kultur", den„Umbau der Rassenseele", die„Gesinnungsdämmernng" und vielleicht noch die ,;Sinndefltuug der arischen Aufgabe". Sein politisches Bekenntnis, die Nichtzugehörigkeit*or „jüdischen Rasse" und die Stoffwabl sind für das Vorwärtskommen eines Autors im heutigen Deutschland entscheidend. Es scheint fast, als ob die Leute sich das Lesen abgewöhnen sollten; jedenfalls sind die noch erscheinenden Bücher meist in sehr schlechtem Deutsch geschrieben. Nach der Rede trug Gerda Redlich, die früher in Berlin in der„Katakombe" auftrat, in ihrer reizenden und eindrucksvollen Art Heines..Nachtgedanken" vor ich an Deutschland in der Nacht, so bin ich um den Schlaf gebracht..."), einige Gedichte von Kaestner, Ringelnatz und Tucholsky. Das Jugendheim Peter Görlitz war zufrieden. Er überschaute die Schar der anwesenden Jugendgenossen. Ter Tchulraum konnte sie alle kaum fassen. Peter setzte sich nach vorn und begann:„Ich freue mich, Genossen, daß Ihr heute so pünktlich und voll- zählig erschienen seid." Aus dem Hintergrund rief Maria, die kleine Maria, die sonst immer so still und einsam in der Ecke saß:„Ja, heute steht auch was ganz Besonderes auf dem Programm...!" Tie anderen stimmten ihr be- geistert zu. Und dann begann die Debatte: Der Tugend- letter Peter befürwortete den Bau eines eigenen Jugend- Heimes. Sie sähen selbst, wie ei»g dieser ihnen zur Beringung gestellte Tchulraum set.„Und wir können uns hier nie frei bewegen!? warf Heinz dazwischen:„Richtig! Richtig!" er- scholl es von allen Seiten. Kurz und gut, es wurde schließ- lich einstimmig beschlossen, mit dem Bau eines Jugend- Heimes zu beginnen. Hermann schlug vor, man solle sich an das städtische Jugendamt halten und von diesem Geldzu- schüsse verlangen: dann könne man sich ein„sabelhasles Jugendheim ganz in neuestem Stil" errichten last?'' Da sprang aber Peter aus und meinte, so habe er es nicht ge- meint.„Zuschüsse von der Stadt? Erstens haben die Razis mit den Deutschnationalen schon die Mehrheit, und die werden uns feinen Pfennig schenken! Und zweitens brauchen wir sie nnr nicht. Wir machen alles ganz allein. Im kleinen Wald vor der Stadt bauen wir uns eine nette Holz- baracke. Holz werden wir schon irgendwie bekommen. Wir find Arbeiterjungs und werben doch wissen, wie man io eine Baracke aufbaut!" Aus aller Gestcht leuchtete belle Begeiste- rung. Sogar Hermann erklärte sich damit einverstanden. Maria subelte:„Das wäre doch gelacht, wenn uns dies nicht gelingen sollte!" Rasch wurde die Arbeit eingeteilt. Die erwerbslosen Jngendmitglieder werkten Tag iür Tag an dem Bau der Baracke. Die anderen kamen an ihren freien Sonntagen und baUen nach Kräften mit. Jeder wollte den andern an Fleiß und Ausdauer, übertreffen. Die Gruppe, sonst immer in einzelne kleine Grüppchen sich teilend, wurde nun plötzlich zn einer wahren G e m e i n s ck a s t. Das Gemeinichafts- werk ballte sie zusammen, brachte sie einander ganz nah.— Das Holz und notwendige Materialien hatte dir Partei ge- stiftet. Freunde brachten andere Hgben. Aeltere Genossen wollten am Bau mithelfen DaS verbaten sich aber die Jungen Sie allein wollte ihr Werk vollenden! Und eines Tages— sie strichen sick diesen Augusttag t98i iw Kalender rot an- stand die Baracke fertig da. versteckt »wischen Bäumen, vor der Stadt Eine rote Jahne wehte stolz vom Dach. In grünem Anstrich ließ ftch bte Baracke von vielen Parteigenossen bewundern. Sie umfaßte zwei große Räume, die voneinander getrennt waren, lieber der Itingangstür leuchtete in roten Buchstaben:.Jugendheim der SAJ.— Gemeinschaft" Ja, d i e s e r Name schien ihnen allen der einzig richtige! Zur Eröffnung sprach Peter einige Worte, und er schloß mit dem Bekenntnis:„Dies unser neues Jugendheim, von uns allen errichtet, gehört jedem von uns und uns allen. Es hat uns zur Gemeinschaft geschmiedet. Es ist unser Stolz! Zusammen, Hand in Hand, haben wir viele Wochen daran gearbeitet. Hand in Hand wollen wir weiter arbeiten an dem großen Werk, das unser harrt! Einer für alle! Alle für einen! So wollen mir vorwärtsschreiten, so wollen wir uns den Sozialismus erkämpfen!"— Mit der Zeit füllte sich das Jugendheim mit den ver- schiedensten Gegenständen. Schränke wurden notwendig. Es mangelte an Banken und Stühlen, Noch ein Tisch wurde ' herbeigeschafft. Man bastelte sich einen Radioapparat.— Die Jugcndgruppe wuchs Bisher indifferente Jugendarbener wutoen von ihrem Solidaritätsgeist angezogen nnd schlössen sich ihr an.— Das alles tvar der„Hitlerjugend" ein Dorn im Auge. Sie höhnten und spotteten. Sicher, s i e hatten es nicht nötig, in mühevoller Arbeit sich eine Baracke auszu- bauen. Sie bekamen Geld, sowiel sie wollten: ihnen wurden von Fabrikanten, von Großgrundbesitzern Räume nnd Heime zur Bersllgung gestellt. Tie wurden immer frecher. Tagtäglich mehrten sich die Klagen der Jugendgenossen, die von Nazis angerempelt und verprügelt worden waren. Eine Ueberzahl der feigen Gesellen stürzte sich gewöhnlich aus wenige Jugendgenossen. Wenn diese seboch in der Mehr- hett waren, ließen sich jene nicht sehen. Die sozialistische Jugendgruppc ließ sich nicht provozieren. Tie verrichtete un- beirrt ibre Arbeit weiter. Sie vereinigte sich zweimal in der Woche zu ernster»ursustätigkeit nnd liciterm Sviel. Sie beschäftigte sich mit den Kragen der Demokratie, des Sozia- liSmus, des Kaschismus. Es war, als ob das gemeinsam er- richtete Jugendheim jeden einzelnen neuen Antrieb habe. Ein jeder war seiner selbst und seines Zieles bewußter geworden: jedem war zum Bewußtsein gekommen oan er auf die Gruppe und die Gruppe aui ihn angewiesen war. Das stärkte alle, gab ihnen Zuversicht und Hoffnung. Peter bekam eines Taaes ein--« 3*»"t>bri?f s.** „die marxistischen Schweine" sollten sich sa nicht zu sicher füblen mit ihrer lächerlichen Holzbaracre, Sie wnioeu»ch nicht mehr lange ihres„dreckigen Juaendheimes" enrenen! Unterschrieben war diese Sudelei nicht: vielmehr, es stand darunter:«Hell Hitler!"— Peter beschloß, am nächsten Tag — da sollte Heimabend sein- der Gruppe diesen Drohbrief vorzulegen und zum Schutz des Heimes aus Jugendgenossen eine Wache.zu bilden. Folgenden Tags stand Peter wie immer um sechs Uhr auf. machte sich zur Fabrikarbeit fertig, trank etlig den Kaffee, den ihm die Mutter gemacht hatte— und wollte gehen. Da stürzte ein Jugendgenosse herein: Tränen standen ihm in den Augen. Er grüßte nicht, ließ sich auf einen Stuhl lallen. „Was ist?!" fragte Peter in großem Schreck. Wild sprangen Worte aus dem Mund des Jungen:„Unser Jugendheim!., Nichts!... Gar nichts!... Es ist ganz zerstört!... Peter konnte sich nicht halten:„Was ist passiert?! Jener brachte nun mühsam hervor:„Feuer, angesteckt... rang» sam beruhigte er sich und erzählte nun zusammenhangend. Zuiällig ivar er um halb sechs des Alorgens am Heim oor» beiaekommen. Er habe gedacht, er träume, als er die Baracke nicht mehr sah. Ein Aschenbausen war alles, was übrig ge- blieben war. Und raffiniert sei alles ausgetüitclt gewesen. Man habe es so„organisiert", daß ein größerer Waldbrand vermieden, daß nur das Jugendheim vernichtet wurde... Bald hatten ältere und hinge Genossen von dem Brand des Jugendheims erfahren. Peter veröffentlichte in der Parteizeiinng den Drohbrief und schrieb, nur Nazis könnten die Brandstiiter gewesen sein. Das Hitlerorgan antwortete mit einer höhnischen Glosse.... Der Jugendgenossen hatte sich Trauer und Haß bemächtigt. Es ging ja nicht um eine simple Holzbaracke: nein, es ging um ein kraftvolles Sombol der Gcmeinschail und ihres Wirkens. Sie mußten wieder den Schulraum benutzen. Niemals aber ließen sse sich auseinandcrreißen. Wie ein Mann stand auch t'nrderhin diese Jngendqrnppe. Wie ein Mann standen sie hinter ihrem Führer Peter Görlitz. Die Suche nach den Brandstiftern war vergeblich, üvnnte es in einem von Nazis regierten Städtchen anders sein...? Und erst im Februar dieses Jahres verkündeten zwei Mitglieder der Hitlerjugend stolz in der Nazizeitung, sie seien die Helden gewesen, sie hätten seinerzeit„die marxistische Höhle ausgeräuchert", sie hätten das Heim in Brand gesteckt. Ja, ja. so sehen die Helden de?„dritten Reiches" au», so wird sie'"che Jugend erzogen. So wird die Bestie in ihr großgezüchtet... Ihr wollt wissen, was au» Peter, was aus seiner Jugend» schar geworden ist?... Nun. ihr könnt euch denken, baß Hitlers Henker hinter Peter herheyen. Tie haben ihn nicht gesunden. Er hält sich irgendwo in einer deutschen Stadt »erborgen: auch jetzt, gerade jetzt kämpft er weiter, Hilst er bei illegaler Arbeit. Und von den andern, die vor zwei Jahren das Heim gebaut baben, ist keiner zum Verräter, ist keiner der sozialistischen Idee untren geworden Stumm stehen sse an ihrer Maschine oder im Kontor, an der Stempel» stelle oder jm Arbeitsdienstlager: einige müssen ihre Gesinnung im Konzenirationslager büßen. Was kümmert» die SA Schergen, daß die von ihnen Verschleppten jung, oit noch nicht zwanzig Jahre all sind...! Sie alle aus der sozialistischen Jugendgruppe tragen in sich starken Zukunitsglauben. Sie glauben an ihren endliche» Steg. Sie wissen: Brandstifter und Mörder mögen zer» stören und niederreißen, die Arbeiterschaft, voran die Jugend, wird einst in gemeinschaftlichem Werk wieber aufbauen, sie wird Stein auf Stein fügen. Diese jungen Genossen aus Peters Gruppe werden nicht müde, wie sie damals nicht müde geworden sind, beim Bau ihres Heim«! Heinz Wietel. Potsdam Der deutschnationale Oberbürgermeister wird zurücktreten, um einem Nazi-Parteibonzen Platz zu machen Halbamtlich wird gemeldet: „Oberbürgermeister Rauscher bat am Dienstag nach Rücksprache mit dein Regierungspräsidenten einen längeren llrlaub angetreten, nach dessen Ablauf er in den Ruhestand treten wird. Das am I. Januar in Kraft getretene neue(tte° meindeverfassungsgcsetz vom 1. Dezember 1083 bat bekanntlich das nationalsozialistische uneingeschränkte Führerprinzip auch für die Leitung der Stadtgemeinde eingeführt. Die Stelle des Oberbürgermeisters von Potsdam als der Stadt, in der an dem h i st o r i s ch e n 2 1. M ä r z in der Garnison- kirche die Männer des neuen Deutschland nach dem Sieg der nationalsozialistischen Revolution zum erstenmal seicr- lich zusammentraten, ist für den Nationalsozialismus be- greiflicherweise von einzigartiger Bedeutung. In Wür- digung dieser Bedeutung und in Anbetracht der neuen Gesetzeslage stellt Oberbürgermeister Rauscher sein Amt zur Verfügung, obwohl seine Wahlperiode erst 10 36 ab- läuit. Wie die Regierung mitteilt, wird sein Rücktritt von leiten der Regierung die loyal st e Behandlung er- fahren." Der Schlußsatz bedeutet in klarem Deutsch: Potsdam wird mindestens einige Jahre zwei Oberbürgermeister voll be- solden. Und die Bande ist ausgezogen, um die„Parteibuch- Wirtschaft" zu bekämpfen und Millionen Esel haben es ihnen geglaubt. Teutonisches, allzu Teutonisches Braunschweig, 0. Jan. Der im Lande Braunschweig be- stehende„Völkische Orden der Teutonen" und dessen Ersatz- und Nebcnorganisationen sind auf Grund der Verordnung zum Schutze von Volk und Staat aufgelöst und verboten worden. Tél. Trinité 43-13 Méiro Pigolle Deutsche Poliklinik Paris, 02, Rue de la Rochefoucauld <) Allgemeine Konsultationen mit 9 Spudalutra. b) Chirurgie e) GebnrtsUltliche Klinik d) Zahnärztliche« Kabinett innere Medizin, Augen,, Ohren», Nasen« und fCehlkopfkrank. ZweutockigeiiSanatomiHiigebäude. Vieretöcldge« Gebäude. Zimmer Zahn, und Mundehieutgie. Gold. '"**"'*-'—•-'------.... und Porzellankrom—— Kautschuk» Arbeite« netten. Röntgen, Diathermie. Elektrotherapie. Spezialbehaod« Kleine, mittlere und große Chirur- mit 1 bis 4 Betten. 3 Aerzte, 3 Heb» und Porzellankronen,»Brocken, lung bei Blut». Harn« u. Geschlechtskrankheiten gie. Die allemoderusteEinrichtung i und 2 Operationssäle. Ordination täglich von 9—12 und 2-d; Sonntags und Feiertags von iO—12 und 2—4 Uhr 30* Dreifacher Selbstmord Die das„dritte Reich" satt haben Der Reichskanzler pflegt ab und zu in seinen Reden zu erzählen, wie die Selbstmorde in seinem Reich zurückgehen. Zum Jahreswechsel haben die Leitartikler dasselbe hohe Lied auf die Lebensfreudigkeit im„dritten Reich" gesungen. Daß es aber unbegreifliche Ausnahmen gibt, zeigt fol- gende Meldung: Hausbewohner fanden am Montagabend in Berlin den ööjährigcn Apotheker Martin Stern, dessen böjährige Ehe- srau und deren S8jährige Schwester Emma Müller in ihrer Wohnung tot auf. Wie aus hinterlassenen Briefen hervor- geht, sind alle drei im gegenseitigen Einverständnis durch Einnehmen von Blausäure aus dem Leben ge- schieden. Eine neue Eachschule Um auch im Diamantenschleifergewerve auiart zu weroen. loll im Westrich dem westlichen Teile der Rheinpsalz, dieses Gewerbe durch eine Umschulung der Schleifer erweitert werden, so daß in Zukunft in Deutschland die Edelsteine nicht mehr geschliffen, sondern auch gerieben werden. In diesem Zusammenhang soll auch eine Fachschule für Diamanten- schleif« errichtet werden. KanzclprcdlUt gegen ßeidishisdiol Der Konflikt in der evangelischen Kirche spitzt sich zu Die Opposition jener sechstausend im Psarrernotbnnd vereinigten protestantischen Geistlichen nimmt immer schärfere Formen an und drängt zum Konflikt. Die jüngste Verordnung des Reichsbischoss zur„Wiederherstellung ge- ordneter Zustände in der evangelischen Kirche", wie sie so schön heißt, wird vom Psarrernotbnnd als unmittelbare Herausforderung zum Kampf betrachtet. Man beschloß, daß beim SonntagsgotteSdienst in denjenigen Kirchen, die den protestantischen Notbündlern zugänglich sind, eine Kund- gcbung verlesen werden soll, in der es u. a. heißt: „Seit der Zeit, da die Kirchenwahlen des vergangenen Jahres einen neuen Führer in unsere Kirche brachte, haben Zwietracht, ein immer wachsendes Schisma und Auf- lösung geherrscht. Selbst aufrichtige Mitglieder der Kirche fühlen sich heimatlos und tragen sich mit dem Gedanken, der Kirche den Rücken zu kehren. Innerhalb der Kirche will eine große Gruppe heidnische Lehren zur Grundlage der Kirche machen, Tie biblische Grundlage und die Glaubensartikel unserer Bätcr werben infolge der inneren und äußeren Unordnung unserer Kirche mit Zerstörung bedroht. Mit wachsendem Ernst und Nachdruck haben viele Führer und evangelische Pastoren sowohl als große Teile des gläubigen Volkes gefordert, daß die Lehren, das Leben und die Führung der Kirche wieder in Einklang mit den Glaubensartikeln gebracht werden. Beim Austritt aus der Kirche formierte sich ein Zug. Die Polizei trieb die Menge auseinander, entriß den Fahnen- träflern ihre Fahnen und verhaftete zwei Führer der Evan- gcllschen Jugend. * Selbst die„Kölnische Zeitung" s0. Januar» ist um die Zukunft der protestantischen Kirche sehr besorgt. Das Blatt schreibt:„Man fragt sich in evangelischen Kreisen sehr leb- hast, ivas werden soll. Daß der Reichsbischof, der bisher ver- mittelnd und schlichtend gewirkt hat, auf einmal der radikalen Richtung wieder freie Hand geben will, ist kaum anzu- nehmen: es würde in der Tat seiner ganzen bisherigen Amtsführung widersprechen, wenn er die Reglnng, die der erwähnte Beschluß der Altpreußischen Union anstrebte, für das Gesamtgebiet der Rcichskirche zulassen wollte. Damit die Zweifel, die hier entstanden sind, nicht die ohnehin schon starken Spannungen in der evangelischen Kirche weiter ver- mehren, wäre ein klärendes Wort des Reichs- bischofs zu wünschen.." Die Großmutter des Schriftleiters Augenblicklich wird die Presse gesäubert In der deutschen Presse wird in diesen Tagen die große Säuberungsaktion gegen alle Schriftleiter nichtarischer Ab- Dr. Spécialiste 96, rue de Rivoli— Métro: Choiclc RADIKALE HEILUNG von KLÜT., KAUT, and FRAUENKRANKHEITEN Heilang von Krampladern and offenen Beio« onden Neueste Behandlungsmethoden Kiekut- zitit Impfungsverfahren TrypaHe vine Einspritzungen Blut, und Harn»Untrrsachungett Spermakultur. Salvarsan. Wismut usw. "Sprechstunden täglich von 10— 12 und von 4—8 Uhr Sonntags von 9—12 Uhr Konsultationen von 23 fr. ab. Mas spricht deutsch PRBBI Deutsches Zahnärztliches Institut I II, RUE DE DOUAI Métro i Bljnch«, PI„II. là, Trinité(0.27. Spr.ciuln.dui 9.12, 2.3 Ukr B Zahn. u. Mundkrankh., Röntgen, Elektrotherapie, Prothe-en. Kronen. Brücken in Gold. Platin u. 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Der Angriff gegen den Reichsbischos stützt sich nicht mehr aus organisatortsdi« Fragen. Es wik^d gegen ihn der Vorwurf erhoben, daß er Gesetze erlasse, die un Widerspruch zu den Glaubensartikeln ständen. Es sei unmöglich, ihm weiter das Vertrauen zu schenken, das für sein Amt erforderlich sei. Man müsse den Reichsbischof an das Wort erinnern: Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen." Wie der Korrespondent des„Manchester Guardian" be- richtet, hat der Pkarrer der Tt.-Pauls-Kirche in Berlin- Dahlem Pastor N i e m ö l l e r, der während des Krieges Kommandant des U-Bootes war, die gegen den Reichsbisdiof gerichtete Kundgebung vor tausend Mitgliedern der Ge- meindc verlesen. Würde die neue Verordnung des Reichs- bischoss konscauent zur Durchführung gelangen, so müßte sie zur Absetzung aller sechstausend Mitglieder des Pfarrer- notbnndes führen. Der Reichsbischos ist icdoch längst nicht mehr stark genug, um einen solchen Schritt zu wagen. Man hält vielmehr seine nahe Demission für wahrscheinlich, nennt bereits den bekannten Pastor von Bodelschwingh, der vor Müller zum Reichsbischos gewählt worden war, als se'n Für i.i.iUtückgeiretenen Thüringer Landesbischof Dr. Reichard wählte der thüringische Landcskirchcnlag mit A gegen S Stimmen den Kirchenrat Sasse. stammung auf Grund des bekannten Tchriftleitergesetzes durchgeführt. Aus dem Redaktionsstabe der„Frankfurter Zeitung" wurden bereits drei Redakteure zur Entlassung g e st c l l t, von denen einer schon über 1ö Jahre im Hause tätig ist. Das geschieht unter der Ober- Herrschaft des H^rrn Rudolf Kircher und unter dem Druck der jungen Leute, die in den Gaupresscstellen der NSDAP, sitzen und ihr mangelndes Rönnen durch schöne Uniforme» ersetzen. Ter Redaktion der„Frankfurter Zeitung" wurde bereits bedeutet, daß die AuSmerzung dieser drei Kollegen erst ein Anfang sei. Aehnliches geht jetzt über- all auch in der Berliner Presse vor. Der gesamte Redaktionsstab des„Berliner Börsen- k u r i e r" wurde in Zusammenhang mit der Verschmelzung niit der„Berliner Börsenzeitung" entlassen. Uebcr jeden einzelnen Schriftleiter werden umfangreiche Ermittlungen angestellt, wobei die Muß-, Kann- und Soll-Vorschriften vielseitig angewandt werden. Die arische Großmutter Hai sich in die vorderste Reihe gedrängt und ist für viele wichtiger als publizistisches Können und die Redaktionserfahrung langer Jahre. Weimar, 10. Jan, Die fünf zum K-onzern der Mittel- deutschen Verlags AG gehörenden Blätter„Saale-Zeitung" in Halle,„Merseburger Tageblatt" in Merseburg,„Mittel- deutsche Zeitung" in Erfurt,„Weimarcrische Zeitung" in Weimar,„Eifcnacher Zeitung" in Eisenach erscheinen jetzt sämtlich unter dem gemeinsamen Titel„M i t t el d eu 1 s ch l a u d" und tragen nur noch im Untertitel ihren frühere» Name» BRIEFKASTEN «ommnnist M, G. Sie rügen uns, weil wir ntcht über den An irag beim Moskauer Stadtsowjet berichtet haben. Dtmiirosi zum Moskauer Ehrenbürger zu machen und eine Straße nach ihm„ benennen. Tiefe Meldung haben wir übersehen. Ob es»« i öem Beschluß gekommen ist. wigen wir nicht. Wenn>a,^ wird«» bestimmt in Moskau länger eine Timitroffstratze geben als in Berlin Hermann-Göring-Straß«. „Margot". In nationalsozialistischen Zeitungen fanden Tie einen langen Schmus über„Familienkunde". Tarin liest man u. a.: „Eine Beurteilung der einzelnen Menschen erlaube nicht In« Beschränkung aus äußere Erscheinungen, sondern fordere die««- achtung der F a m i l i- n g e s- tz m a ß i g k.. t e n und Er- f-hrung-n aus der Geschichte. Gerade für bit jungen Leute jet dies wichtig, denn bei der Gattenwahl se idi er ch- tig« Beurteilung maßgebend, und Gattenwahl uni Geburtenpolilik seien allein entscheidend Gr unseres Volke» Zu- kunft. Jeder verantwortungsbewußte Deutsche folle daher orami- SSSWSS"*.«s-"I Zigeunern stammt, fragt nicht nach Recht, Gesetz und Macht... So war es; so ist e»; so wird(4 sein. «ns Tortmund". Wie so viele bei einem vorübergehenden Aus- landSausenthalt, gedenken auch Sie unser mit Grützen. Tie Bro- schüre hallen wir in Ehren, Teil« Ihres Briefes werden wir mir der gebotenen Porsicht benützen. Euer Oberbonze hat fünf unehe- Iiche Kinder von fünf Frauen? Darüber sollten Sie sich nicht ans- halten. Er nimmt e» mil der Rassensorschung ernst, und er wird die reinrassige Partnerin noch nicht gesunden haben. Brllflel Rue de la Bictoire. Ihr Porschlag ist schon oft diskuiieri worden. Unsere» Wissen« wurde bisher nur in einem»alle«er Versuch zur Perwirklichnng gemacht. Kapitalisten sind tur solche Profekie bestimmt nicht zu erwärmen, cs sei denn, daß man gerade einen großen Menschenfreund fände. Sutern. Sie baben in Nazizeitnngen gelesen, die österreichische Regierung bcschästige hübsche Mädchen als Spitzel. die mit Nazis Liebschaften ansangen, um sie auszuholen. Nun haben sie die Be fürchtung, da« die Nazis diese geniale, aber etwas alte Pollzeiidec nachahmen. Wir werden auspassen.— Hübsche iunge Frauen, die sich mit Politik beschästigen, sind uns seit sefter verdächtig gewesen. Vorsichtshalber fügen wir hinzu: es mag Ausnahmen geben. Dr. Straßburg. Ihnen patzt es nicht, daß neuerdings für den höheren Schuldienst im Reiche auch die körperliche Eignung vor- geschrieben wird. Sie haben das„dritte Reich" noch nicht begriffen, wäre Immanuel Kant nicht körperlich ein so schlapper Kerl ge- wesen, hätte er das Traktat zum ewigen Frieden nicht geschrieben. „Gleiche Löhnung". Wir notieren gerne, daß Herr Tr. GöbbcIS jüngst verkündet hat:„Hätten wir ivährend des Krieges aus einem Topf gegessen, hätten wir den Krieg gewonnen." Ter Propaganda- minister Hai den Spruch nur halb zitiert. Er hieß:„Gleiche Löst nung, gleiche« Esten und der Krieg ivär längst vergestcn." Tic .gleiche Löhnung" paß» de» Herren io doch da droben nicht, und da» Einiopigericht mit Wildbret, Geflügel und anderen Elend»- geeichten markieren sie auch nur monatlich einmal. Katholik W. T. Sie schreiben uns:„Nationalsozialistische Zei- rungen behaupten, in dem Buche des Paters Anselm Sbott„Das Meßbuch der heiligen Kirche" befinde sich ein Auserftehungsbild de« Heilandes mit dein Hakenkreuz. Ein solches Buch ist in meinem Besitz, Das bctresscnde Bild zeigt auch ei» Hakenkreuz, j e d o äi nur aus dem Schilde eines der heidnischen röini- s ch e n» r i c g s k n e ch t e, die den Leichnam des Herrn bewachten. Es war also demnach ähnlich wie heute: die heidnischen Lands- knechte mit ihren Waisen trugen das Hakenkreuz, und wir wolle» hosfen, daß auch jetzt der unsterbliche Geist die Gräber sprengt, in die sie ihn eingesperrt haben. In diesem Sinne: Heil Teutschland!" Bon. Es freut uns, wieder einmal von Euch zu hören. Ter Aus- say ivar aus der„Zeitschrist für Sozialismus" entnommen, und die Erwiderung gehört eigentlich zunächst dahin. Natürlich lasten wir Euch aber gerne zu Wort kommen, wenn Ihr im Rahmen der fach- lichen Tiskustivn bleibt, woran wir nicht zweifeln. Alles Gute! „Welisroni". Soeben ist die erst« Nummer der„Wcltfront", des von Henri Barbusse herausgegebenen Organs des Wcliiomitee ge- gen Krieg und Faschismus, erschienen. Die„Wcltfront" bringt einen erschütternden und völlig unbekannten Bericht über die letz- ten Stunden der in Köln am 80. November 1988 hingerichteten fedvs Antifaschisten und die Schilderun« einer großen illegalen Berliner Trauerdemonstration zu den Gräbern der Revolutionsopfcrn. Ne- ben neuen Enthüllungen über die Geheimriistungen Teutschlands in- und außerhalb des Reiches enthält die„Welisroni" wichtige Origtnalberichte Über die Situation in den Betrieben des„dritten Reiches". An diese Meldung schließt sich eine Diskuffion über die aktuelle Frage der Landesverteidigung an, die besonders heute in der schweizer Arbeiterbewegung leidenschaftlich diskutiert wird. „Aus Darmstadt". Wenn Tie uns recht berichten, woran wir nicht zweifeln, fordert der Leiter der Reichspropagandastelle Heffen, T r e s z, sämtliche hessischen Vereine, die öffentliche Veranstaltungen durchführen>Borträge, Konzerte, Weihnachts- und andere Feiern, karnevalistische Sitzungen, Kurse, Sport- und andere Wettkämpse, Gesangs- oder Theaterdarbieiungen usw.f und die Oeffentlichkeit. zur Teilnahme einladen, auf, bei der Reich«- propagandastclle Heffen in Darmstadt, Staatsministcrium, Adolf- Hitler-Platz 8, folgende schriftlichen Angaben zn machen: Rain« des Bereins,'genaue Anschrift des Vereins, Zweck des Vereins. Zahl der Mitglieder. Varum? Wahrscheinlich will die SA. kontrollieren, ob die Leute sich auch gut amüsieren. Sonst wird sie nachhelfen. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Jobann P t tz In Dnd- wciler: für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Berlag der BolkSstimme GmbH., Saarbrücken 8, Schützenstraße v. Aellesfe Deutsch e Klinik 52, R. de Bondy, Paris Harn. Blut* and Haut* krankheiten. Frauenleiden Ultra-Violette Strahlen, Sérothérapie. Diathcraie, Höhensonne etc. Pariser Garage 50 Wagen, sucht selbständigen Geschäftsführer mit 30 000,-fr. Kaution. Schreiben 1t, rue Turbigo. Publ Metel, Paris, Nr. SM. Auch dis„Klein« Anzeige" In der „Deutschen Frei- neit' öi inoi Erfolg