Sinzigs unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nummer 11— 2. Jahrgang Saarbrücken, Sonntag Montag, 14. 15. Jan. 1934 Chefredakteur: M. B r a u n SS Aas dem Inhalt JComplatt in Oestecceicf: Um tucopas Schicksal Seite 2 Tlaztfiificec=imiqcant spricht Seite 3 fiofimateciat fiie JUistungen Seite 5 Dee saarländische cJioc&i Wessel Seite 8 Geheimnis um Lobbes Leichnam Die Reidisregierung weigert sich, die leldie nadi Holland herauszugeben Paris, 13. Januar 1934. Havas meldet: Die Verwaltung des Leichenbestattungsinstituts, die mit der Ucberführung der Leiche van der Lübbes nach Holland beaustragt worden ist, hat folgende Depesche vom Reichsgericht erhalten: „Die Leiche van der Lübbes kann bis zum lS. mittags aus dem Anatomischen Institut in Leipzig abgeholt werden, n m ohne Zeremonien in Leipzig bestattet zu werden. Die Hebers il h rung der Leiche nach Ley den wird nicht gestattet." Man weist nicht, ob die holländische Rcgicrunp in dieser Angelegenheit in Berlin Schritte unternehmen wird. D. F. Dieser Bescheid des Reichsgerichts kann bei dem hoch- politischen Charakter der Angelegenheit nicht ohne Wissen der Reichsregierung crsolgt sein. Da die holländische Regte- rung in einem amtlichen Schritt der deutschen Regierung die Begnadigung van der Lübbes nahegelegt hatte, war die Frage seiner Hinrichtung z- einer Angelegenheit der holländisch- deutschen Beziehungen geworden. Das'Reichsgericht wird die neue Provokation der öffentlichen Meinung in Holland, die in der Verweigerung der Ueberführung des Leichnams in die Heimat van der Lübbes liegt, nicht ohne Rückfrage bei der Reichsregierung gewagt haben. Das groste Geheimnis um van der Lübbe, das die Unter- suchung und den Prozeß beherrschte, hat sich in den Woche» nach dem Urteil bis zur Hinrichtung fortgesetzt. Geheimnis- voll wurden alle Vorbereitungen getroffen. Geheimnisvoll wurde der holländische Schritt zur Rettung des Lebens van der Lübbes behandelt. Geheimnisvoll blieb die Entscheidung des Reichspräsidenten über Leben und Tod des Herostraten. Geheimnisvoll war die Umwandlung des Todes durch den Galgen in den Tod aui dem Schafott. Geheimnisvoll die Schnelligkeit, mit der zur Hinrichtung getrieben wurde, und geheimnisvoll soll nun der Leichnam van der Lübbes in Leipzig der Erde übergeben werden. Oder ist das Geheimnis gar nicht so groß? Uns scheint, dast gerade diese Geheimnistuerei eine ntue schwere Be- lastung für die wirklichen Brandstifter, für die deutschen Regierungsorgane und für das Reichsgericht ist. Man must sich erinnern: in der Kriminalgeschichte gibt es keinen zweiten Angeklagten wie diesen van der Lübbe. Räch den Behauptungen der Anklage must er am Tage des Reichs- tagsbrandes von einer bewundernswerten Vitalität ge- wesen sein. Nach tagelangem Herumirren, nach vielen Ttrastendiskussionen, nach großen Märschen bei schlechter Ernährung, soll er am späten Abend die Fassade des Reichs- loges erstiegen und innerhalb lö—20 Minuten mit größter Willensanspannung und Geistesgegenwart zahllose Brand- Herde gelegt haben. Er soll in der Voruntersuchung, obwohl er die deutsche Sprache nur kümmerlich beherrschte, klare Vorträge über seine koinmnnistischc Ueberzeugung gehalten haben, und derselbe Angeklagte kam dann, geknickt und zu- sannnengesunken, fahlen Gesichtes und verivorrencn Geistes, ein Häuflein von Schwäche und Unglück, in den Gerichtssaal. Monatelang ivar er apathisch. Rur eine Frage interessierte ihn: Wann geht es zu Ende? Plötzlich wachte er für zwei Tage auf, redete und diskutierte, um dann wieder in sein willenloses Dämmern zu versinken. Ein Simulant? Alle Wissenschaftler, die sich mit dem Problem beschäftigten, verneinen es. Immer wieder wurde verlangt, van der Lübbe solle durch unabhängige und a u s l ä n d i s ch e G e l e h r t e untersucht werden. Das Reichsgericht verweigerte die Genehmigung. Es geschah aber etwas anderes. Irgendein schwedischer Scharlatan, ein kriini- nalistischer Schriftsteller namens Tödmnann, durste den Angeklagten„untersuchen". Das Ergebnis wurde grost aufge- macht in die Presse gegeben. Erst allmählich stellte sich heraus, dast dieser Söderman» überhaupt kein Mediziner ist. Es ivar also eine Täuschung der Weltöffentlichkeit versucht worden.', Von diesen Tatsachen aus must die Frage gestellt iverden, warum den holländischen Familienangehörigen die Uebcr- führung des Leichnams verweigert wird. Im allgemeinen wird den Familien der Hingerichteten die Bestattung dort erlaubt, wo sie es wünschen. Warum nicht in diesem Falle? Offenbar fürchtet das Reichsgericht, dast an dem toten van der Lübbe in Holland noch die genaue ärztliche Unter- suchung vorgenommen wird, die man an dem lebenden van der Lübbe verboten hat. Wir vermuten, dast es möglich wäre auch noch an dem ausgebluteten und inzwischen in der Leipziger Anatomie behandelten Leichnam, dem wahrschein- lich nun wichtige Organe fehlen, Untersuchungen vorzu- nehmen, die erkennen lassen, ob mit irgendwelchen Drogen der rätselhaste Zustand herbeigeführt und aufrechterhalte« worden ist, in dem sich Lübbe während des Prozesses de» fand. Diese Untersuchung soll verhindert und muß nun erst recht erzwungen werden. Reben die Forderung der Freiheit für die Freigesprochenen, die unter schamloser Rechts Verletzung eingesperrt bleiben, must nun die Forderung nach der Auslieferung des Leichnams von van der Lübbe treten. Es geht hier nicht um Familiensentimentalität, nicht um Sensation und nicht um Interessen für einen Verbrecher, sondern um die Erforschung der Wahrheit. Van der Lnbbe ist der eigentliche Gründer des„dritten Reichs". Dieser arme, stromernde, holländische Junge ist von raffinierten und verbrecherischen politischen Macht- strebern mißbraucht worden, um durch die Brandstiftung im Reichstagsgcbäude ein Fanal sür den nationalsozialistische» Terror gegen alle Sozialisten, Republikaner und Kommunisten zu entfachen. Man hat die eigentlichen Täter entwischen lassen und nur den harmlosen Narren gefaßt. Man hat diesen kläglichen Land- streichet dann durch irgendwelche Arzneien für de» Prozeß präpariert, hat den willenlos Geständigen verurteilt, hat ihn schließlich legal ermordet und hat nun Furcht, daß noch der tote van der Lübbe eine» Zipfel des großen Geheim- nisies um das Verbrechen am deutscheu Volke lüften konnte. Die amtlichen Meldungen über die Vorgänge bei Lübbes Ermordung haben verbreitet, dast er keinerlei Briese gc schrieben und abgelehnt habe. Besuche zu empsangen. Das wird von Eingeweihten bestritten. Es wirb behauptet, van der Lübbe habe Briese hinterlassen, die unterschlagen worden seien. Ferner wird behauptet, er sei gar nicht be fragt worden, ob er einen Geistlichen empsangen wolle. Auch hätte es wohl nahegelegen, dast man einen Vertreter dre bol lönbischen Gesandtschaft in den letzten Stunden zu dem An geklagten gelassen hätte, da doch die holländische Regierung sich für seine Begnadigung eingesetzt hatte. Van der Lübbe soll, wie an den meisten Prozesttagen, willenlos und betäubt gewesen sein, als er seinen letzten„Gang" antrat. Man hat einen unliebsamen Zeugen des Reichstagsbrandes gewaltsam beseitigt. Es muß verhindert werden, dast nun auch noch der Leichnam verscharrt wird. Die Weltöffentlichkeit must die Ueberführung der Leiche van der Lübbes nach Hol- land fordern und von der holländischen Wissenschaft ver- langen, daß sie den Körper dieses rätselhaften Menschen untersucht. Tie Reichsregierung fürchtet die Wahrheit. Umso energischer muß der Kampf für die Enthüllung der Ver- brecherbanben geführt werden, die de» Reichstag angezündet haben Ein Drittel aller Piarrer gegen Müller Kirdienspallung kaum nodi zo vermeiden Mit der Herrlichkeit des Reichsbischofs Müller geht es lapide zu Ende. Man rechnet mit seinem Rücktritt. Von Hitler wird er nicht mehr empfangen^ sein Glaubcnsfrcund Hindenburg will nichts mehr von ihm wissen. Ein Ge- Icheitertcr zwischen mehreren Stühlen, verlassen von denen, auf deren Beistand er noch vor kurzem rechnete. Sein Versuch, durch eine zum Gesetz erhobene Verordnung die unbotmäßigen Pfarrer niederzuzwingen, hat den Kon- flikt aus die Spitze getrieben. Heute haben wir den Wortlaut der Erklärung in Händen, die am vergangenen Sonntag von zahlreichen Kanzeln gegen de» Reichsbischos verlesen wurde. Sic lautet: „Eine Verordnung von weittragenden Folgen, die soeben der Rcichsbischof erlassen hat, nötigt uns im Blick ans die Wahrhaftigkeit und den echten Frieden in unserer Kirche àu einer Erklärung vor Gott uud dieser christlichen Gc- meinde. Seitdem die Kirchenwahlen im Sommer des vergangenen Jahres eine neue kirchliche Führung gebracht haben, herrscht in unserer Kirche Unfrieden und eine immer größere Zer- spaltung und Zerrissenheit. Selbst treue Glieder der Kirche kühlen sich heimatlos in ihr und gehen mit dem Gedanken »m. unserer Kirche den Rücken z» kehren. Zur Zeit gibt es in der Deutschen Evangelischen Kirche kci„ geordnetes Geistliches Ministerium. Ein großer Teil der Führer der Deutsche» Landeskirchen hat erklärt, dast auch b>e gegenwärtige Rationalsynode das Vertrauen des Kirchen- Volkes nicht besitze. So ist nur noch der Reichsbischos ver- fassungsmästig zur Führung der deutschen Evangelischen Kirche imstande. Innerhalb der Kirche hat eine große Be- ivegung öffentlich Daseinsrecht gefordert, die unevangelische, ja, heidnische Glaubensmeinungen zur Grundlage der Kirche machen will. Tie biblische Grund- läge und die Bekenntnisse unserer Väter, obwohl immer wie- der in Worten anerkannt, drohen unter dieser äußeren und inneren Verwirrung unserer Kirche verloren zu geben. Ein großer Teil der Führer der außerpreußischen Kirchen, ein sehr großer Teil der evangelischen Pfarrcrschaft Deutsch- lands, eine ungezählte Menge gläubiger und treuer Kirchen- glieder fordern mit wachsendein Ernst und Nachdruck dazu aus, Lehre, Leben und Führung der Kirche wieder den Be- kenntnisseil gemäß zu gestalten. An durchgreifenden Taten und Mastnahmen zur Erfüllung dieser Forderungen hat eS der Reichsbischos fehlen lassen. Die Vorschläge der Landes- kirchenführer, an die er sür die Berufung des Geistlichen Ministeriums durch die Kirchenverfassung gebunden ist, hat er übergangen. In den letzten Tagen hat er zwar, wie seit Wochen, er- neut die Zusage gegeben, die Ernennungen zum Geistlichen Ministerium vorzunehmen. Es schien, dast eine Lösung dieser Frage nahe bevorstände. Die Reichskirchenregierung hat am tJ. Dezember geschrieben, dast eine Aussprache mit führenden Männern der Kirche stattgefunden hat, in welcher Einmütig- keit darüber herrschte, daß„UMliM bald ei» volljähligeH und schlagkräftiges Geistliches Ministerium hergestellt würde mit dem Ziel einer wirklichen llebcrwindung der gegenwär- tigen Röte in unserer Kirche", und daß mit den von den Landeskirchenführern vorgeschlagenen Männer» über ihren Eintritt in das Geistliche Ministerium verhandelt werden würde. Trotz dieser Mitteilung wurde ei» weiteres Bemühen des Reichsbischoss um die Befriedung der Kirche nicht erkennbar. Daher traten auch am 4. Januar dieses Jahres die nicht dcnrschchristlichen Führer der Landes kirchen in Halle zusammen, um zu beraten, was zu tun sei. Ter Reichsbischos liest ihnen durch seine Berater kundgeben, daß er zwar schwerkrank, aber bereit sei, in Kürze entschei dcnde Beschlüsse zu treffen. Dadurch verzögerte er die Eni scheidung der Landeskirchenführer,°bis er ihnen gegen 1 1 Uhr abends ein Telegramm übersandte, in welchem er sie zum Abwarten seiner weiteren Maßnahmen veranlassen wollte und ihnen und ihren Freunden gegenüber seine innere Glau- bensverbundenheit betonte. Das alles aber hat ihn nicht gehindert, am gleiche» Tage folgende Verordnung zu er lassen. Mit dieser Verordnung nimmt das gegenwärtige »irchenregiment von Amts wegen den Kampf gegen alle diejenigen auf, die eine Befriedung der Kirche nur in der Rückkehr zur biblischen Grundlage unserer Kirche erblicken und in schwere, Sorge um Wesen, Bestand und Einheit der Kirch« nicht schweigen könne,,. Wir stellen fest: Schrift und Bekenntnis de»- Kirche sind nach wie vor aufs Ernsteste bedroht. Bischöfe und Träger hoher Aemter in unserer Kirche, die im Widerstand gegen das in die Kirche eindringende Heidentum offenkundig ver- sagt haben, Bischöse, die von ihren Pfarrern und Kirchenglie- dorn öffentlich der Irrlehre angeklagt worden sind, find»n- verändert iz iKrem Amt. Bedrohung und Bedrückung derer. He eine Befriedung der Kirche auf der Grundlage des Be- kenntnisses fordern, schreiten fort und nehmen in der ver- lesen«» Verordnung schärfste Formen an. . Wir erheben vor Gott und dieser christ lichen Gemeinde Klage und Anklage dahin, daß der Reichsbischof' mit seiner Verordnung ernstlich denen Gewalt androht, die um ihres Gewiffens und der Gemeinden willen zu der gegenwärtigen Not der Kirche nicht schweigen können, und zum anderen bekanntntswidrige Gesetze von neuem in Kraft setzt, die er selbst um der Befriedung der Kirche willen aufgehoben hatte. Wir erklären, daß sein widerspruchsvolles Verhalten eS uns unmöglich macht, ihm das Vertrauen entgegenzubringen, dessen er in seinem Amet bedarf. Wenn wir uns seiner Ver» ordnung widersetzen, so handeln wir dem Augsburgischen Bekenntnis gemäß, welches in dem Artikel von der Bischöfe Gewalt folgendes ausspricht: ,Wo die Bischöfe etwas dem Evangelio entgegenlehren, setzen ober aufrichten, haben w>r Gottes Befehl in solchem Fall, daß wir nicht sollen gehorsam sein. Man soll auch den Bischöfen, die ordentlich gewählt, nicht folgen, wo sie irren.' Wir müssen uns auch dem ReichSbischof gegenüber nach dem Wort verhalten: ,Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen.'" Eine solche Sprache gegen den Bischof ist offene Rebellion Ter Pfarrer-Notbnnd ist jetzt auf 7000 Mitglieder angewachsen. In voller Opposition zu Müller stehen mit AuS- nähme der altpreußischen Union und drei weiteren eben dahin gehörigen norddeutschen Kirchen sämtliche übrigen Landeskirchen, darunter alle drei süddeutschen, der ganze Westen, im ganzen über ein Drittel aller evangelischen Geist- lichen und hinter ihnen die starke Mehrheit des KircheuvolkeS im ganzen Reich. Die Evangelische Kirche steht unmittelbar vor der Gefahr des Zerfalls und des Schismas. Aber nicht nur Müller ist mit Niederlage und Verabschiedung bedroht. Hier ist viel- mehr der„totale Staat" geschlagen worden— durch uner- wartete Widerstände aus den Bezirken des Glaubens. Geistige Kräfte lassen sich, bei aller Unterdrückung und Ver- räterei einzelner, nicht gleischalten. Der Kamps ist schon entschieden. Will die Deutsche Evangelische Kirche noch etwas retten, dann muß sie sich ganz von der Diktatur der„Deut- schen Christen" lösen und wieder werden, was sie war: eine mit Politik»»vermengte Gemeinschaft des Glaubens. Pfarrer In Sdinlzliaft „Weil er seine Meinung verteidigte" Schneidemühl,12. Ja«. Wie der Regierungspräsident mitteilt, ist Pfarrer Rzadtki aus Schneidemühl im Einver- nehmen mit dem Geheimen Staatspolizeiamt in Berlin gestern in Schufthaft genommen worden, weil er seine freie Meinung verteidigte. Ilm Europas Schicksal Französischer Senat und englisdier Abrüstungsausschuß Paris, 12. Jan. Im Senat gab es heute eine außenpolitische Debatte. U. a. tadelte der Senator Semen, der in der Be- urteUung der deutsch-französischen Frage als Spezialist gilt, die Wendung, die die deutsch-französische Abrüstungs- Politik in der letzten Zeit genominen habe. Paul-Boneour babe dem Lande versprochen, sich auf keinerlei unmittelbare Verhandlungen mit Deutschland einzulassen, und habe immer gesagt, daß solche Verhandlungen in Gegenwart der andern Mächte und in voller Oeffentlichkeit geführt werden müßten. Nun sei eine solche direkte Aussprache im vollen Gange. Diese französische Außenpolitik habe dahin geführt, baß sich heute die Abrüstuugösrage in der Weise stelle, in welchem Maße man Deutschland eine Wiederaufrüstung erlauben und Frankreich zu einer Abrüstung zwingen soll?, um die Gleichheit herzustellen. «eine deutsche Aufrüstung? Der angebliche englische Standpunkt London, 13. Jan. Die liberale Wochenzeitschrift„Spectator" veröffentlicht folgenden Bericht über die Sitzung deS inter- ministeriellen Abrüstungsausschusses. „Nach sicheren Informationen est der Abrüstungsausschuß des Kabinetts in seiner Sitzung am Mittwoch aus dem Wege ganz bestimmter Schlußfolgerungen weitergegangen als bei irgendeiner früheren Besprechung. Im Abrüstungsausschuß war man der Meinung, daß die deutsch-französischcn Verhandlungen augenblicklich günstig ständen, und bah ihre Wetterführung von Vorteil sein könnte,' es wurde aber auch einstimmig anerkannt, daß die Beschuldigung, Deutschland rüste a»f, durchaus begründet sei. Weiterhin wurde beschloffen, daß weder die letzten deutschen Borschläge, noch irgend ein anderer Borschlag aus Ber- mehrung der deutschen Rüstungen annehmbar seien; daß die britische Politik klar und deutlich sich für Abrüstung im Rahmen des Völkerbundes einsetzen müsse: daß die neuesten französischen Vorschläge in ihren wichtigsten Punkten so gestaltet sind, daß fie von Großbritannien unterstützt wer- den müssen; und daß im Falle eines Mißerfolges der deutsch- französischen Besprechungen die englische Regierung ihren Standpunkt kategorisch darlegen müsse." Jrzlelrangsstattc" Dachau Und Ihre„pädagogischen" Grundsätze London, 12. Jan. sJnpreß.j Die„Münchener Illustrierte" bezeichnete das Konzentrationslager Dachau als eine Jnsti- tulion, wo Menschen mit falschen politischen Ideen zu Staats- bürgern erzogen würden. Dazu bringt der„Manchester Guardian" folgenden Tatsachenbericht über Dachau; Die Zahl der Internierten set 2200 bis 2400, davon ungefähr 50 Intellektuelle einige Angehörige der Mittelschichten, oO oder 60 Nazis, etwa 500 Sozialdemokraten, 2 Offiziere, mehrere Kriminelle. 15 Ausländer; alle andern seien Kom- mnnisten. Die weitaus größte Zahl der Gefangenen besteht aus Arbeitern. Die Internierten seien in zehn Kompagnien zu maximal .<0 Personen gegliedert Jede Kompagnie umfaßt fünf Grup- pen. Die siebte Kompagnie ist die„Disziplin-Kvmpagnie", die erste ist gebildet aus sozialdemokratischen und kommunistischen Arbeitern, die zweite aus Inden. Alle Inhaftierten sind in zebu Baracken untergebracht Tie kommunistischen Funktionäre, die sich weigern, den Nazis polltische Informationen zu liefern, werden in Zellen eingeschlossen. Die Zellen sind feucht, dunkel und nicht ge- hetzt. Die Ketten, an denen die Strafgefangenen gefesselt sind, sind eingemauert Das Nachtlager besteht aus einfachen Holzbrettern. Im September wurden die Internierten ge- zwungen, 21 neue Zellen zu bauen In Dachau wird die Strafe der körperlichen Züchtigung angewandt. Tie Gefangenen werden mit Ochsenziemern ge- schlagen, die Drahtumwicklung tragen und die durch die Ge- fangeneu selbst hergestellt werden müssen. Die Nazis erteilen mit diesen Instrumenten 25 bis 75 schwere Schläge.„Kom- munisten und Sozialdemokraten werden— ohne irgend einen besonderen Grund— bei Ankunft im Lager geschlagen." Man schlägt die Gefangenen ebenso mit feuchten Handtüchern. Sieben SA.-Männer, die am 1. August ins Lager eingelie- fert wurden, sind derart mißhandelt worden, daß zwei von ihnen. Amuschel und Handschnck, starben. Der Kommunist Fritz Schaper wurde so zugerichtet, daß er, bettlägrig, zwei Monate lang sich nicht bewegen konnte. Am 2. September zerschlug ein Naziwächter einem Gefangenen mit einem Faustschlag den Unterkiefer. Die Inhaftierten werden mtt brennenden Zigaretten verbrannt. Unter den am furcht- barsten Mißhandelten besinden sich L. Buchmann, Georg Freischütz und der Journalist Ewald Thunig. Der Münchner Kominunist Tepp Götz wurde ermordet, nachdem er so miß- handelt worden war, daß er sich nicht mehr aufrichten konnte. Der Student Wickelmeier wurde durch einen Schuß gelötet. Der Kommunist Fritz Dresse! wurde zu Tode mißhandelt. Ge- tötet wurden der Stadtrat Hausmann, Lehrburger, der Reichsbannermann Aron, Willy Franz, Bürk, ein kommu- nistischer Funktionär aus Memmingen— insgesamt fast 50 Männer. Ter Korrespondent des„Manchester Guardian ist im Besitz der„Namen von neun Personen, die augenblick- lich die Gefangenen mißhandeln und morden." Ganz Deutschland„Geheimgebiet" Jnpreß. Das in Teutschland bestehende Verbot, Normal- oder Tchmalfilmaufnahmen von„Aufzügen der TA., SS., des Stahlhelms und anderer Formationen oder Unter- gliederungen der Partei oder Umzüge staatspolitischen Cha- rakters" zu machen, wird nunmehr durch die Landesfilm- stelle West dadurch verschärft, daß die Ablieferung sämtlicher eventuell gemachter Filmausnahmen angeordnet worden ist. Verstöße werden durch Beschlagnahme nicht nur der Filme, sondern auch der Apparate geahndet, da vor dem Ausland so viel wie möglich die Militarisierung des gesamten Nazi- Deutschland verheimlicht werben soll. Weiblicher„Sfavlshy" Vor dem Schöffengericht in Mosbach in Baden fand jetzt eine Tragikomödie ihren Abschluß, die die Bevölkerung des Taubertales lange beschäftigt hat. Angeklagt war die 42 Jahre alte Witwe eines Bahnarbeiters, die den Schwin- del mit der 72-M>llionen-Erbfchaft in Szene gesetzt hatte und damit eine Reihe von leichtgläubigen Leuten um ihre Er- sparnisse betrog. Tie Angeklagte Margarete Hossmann hatte eines Tages einen alten Zeitungsausschnitt aus der Vvrtriegszeit ge- funben in dem von der Erbschaft eines in Kanada verstor- benen Mannes namens Holler die Rede war. Da dieser Name auch unter ihren Verwandten vorkam, kleinen Land- leuten des TaubertaleS, so redete sie diesen ein, baß die Erb- schast für sie deponiert sei, und daß man sie beauftragen möge, alle erforderlichen Schritte zur Auszahlung der Erb- schast zu unternehmen. Im Laufe der Zeit erhielt die Hoff- mann angeblich eine Reihe von Briefen von einem Dr. Pauli jn Berlin, seinem Sekretär Gibson und einem Außizrat Thomsen in Neuyork mit erfolgverheißenden Nachrichten und dem Endergebnis, daß das Geld im Mai 1933 aus der Baseler Bank eingezahlt werde. Ihren Verwandten zeigte die Hoffmann aber nur Abschriften, die sie meist selber angefertigt hatte, indem sie vorgab, die Originale müß- ten bei Dr. Pauli in Berlin bleiben. ""«te forderte nun zur Unkostendeckung von ihren Ver- wandten Geld und entlockte ihnen über 7000 Mark, die zum Teil die letzten Spargroschen bildeten und sogar ge- liehen oder auf Hypothek aufgenommen werden mußten. Ganz romanhaft wurde die Sache, als im badischen Hinter- land und dem angrenzenden bayrischen Gebiet die Geschichte von der unermeßlichen Erbschaft immer mehr unter die Leute kam. So bot eines Tages ein Gütermakler, der die Geschichte glaubte, der Hoffmann und ihrem damals noch lebenden Mann eine Villa für 65 000 Mark in Würzburg an. Der Kauf wurde protokolliert und die Zahlung sollte erst erfol- gen, wenn das Geld da sei. Die Eheleute Hofsmann zogen bald daraus in die Villa ein und führten ein Leben in Taus und Braus, dg sie überall in Erwartung des kommenden Mammons Kredit bekamen. Sogar zwei Autos für 33 000 Mark kauften sie sich, von denen sie eines verschenkten. 'Nachdem die Herrlichkeit kurze Zeit gedauert hatte, kam die Polizei hinter den Tchwindel und nahm das Ehepaar fest. Jn der jetzigen Gerichtsverhandlung gab dt, Angeklagte, eine unscheinbar armselige Person, der man den Riesen- schwinde! kaum zutraut«, den Betrug zu. Der Staatsanwalt beantragte 3 Jahre Zuchthaus. DaS Gericht erkannt« auf 2 Jahre 8 Monate Zuchthans und S Jahre Ehrverlust. Nebenbei: es ist dieselbe Strafe, die in Frankenthal für den Schmuggel von sozialdemokratischen Schriften verhangt worden ist. Hindenbnrg rührt sich Preußen muß bleiben Der reichsdeutscheu Presse ist vor einiger Zeit eiy Verbot zugegangen, über die Frage der Reichseinheit etwas z« veröffentlichen. Dieses Verbot hat, wie der in Karlsbad er- scheinende„Reue Vorwärts" mitteilt, eine interessante Vorgeschichte. Für den 18. Januar, den Tag ber ReichsgründuugSfeier, an dem auch der neue Reichstag wieder tagen soll, war eine Pro» klamation in Aussicht genommen, die praktisch da» Eud« der Länder und die volle R-ichs-inheit bedeutet hätte. Gegen diese« Plan erhob fich jedoch mit ungewöhnlicher Heftigkeit der alte Hindenbnrg. Er erklärte, das würde die Zer- schlaguug Preußens bedeuten, und damit wolle er nicht auch noch sein Gewisse« belasten. Der entschiedene Einspruch des Reichspräsidenten zwang Hitler, das Projekt zurückzustellen. Der Presse wirb Schweigen geboten. Sie darf natürlich auch nicht mitteilen, daß Hitler von Hindenbnrg die Ersetzung des Reichswehr- ministers Blomberg durch Röhm gefordert hat»nd damit ab« gefallen ist. Die neue Spannung zwischen Hitler und Hindenbnrg hat u. a. auch die Folge, daß die Frage der Nachfolgerschaft Hindenborgs in engeren Kreisen wieder lebhafter besprochen wird. Dabei steht die Kandidatur des bayerischen Generals von Epp im Vordergrund. An die Stelle der„Bolkswahl" soll die Wahl durch den Reichstag treten. Chantemps siegt Abschluß der Stavisky-Debatte Paris. 18. Jan. Ministerpräsident Chautemps stellte gegen den Antrag aus Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses zum Fall Stavisky in der Kammer die Vertrauensfrage»nd blieb mit 388 gegen 229 Stimmen siegreich. * bnb. Paris, 18. Jan. Zum Abschluß der Interpellation?- aussprach« über den Stavisky-Skandal schreibt der„Matin": Wir haben keine neuen Tatsachen erfahren, keinen Finger- zeig erhalten und keine neuen Namen gehört. Auf Grund einer stillschweigenden Vereinbarung scheinen die Redner aller Richtungen sich in Allgemeinheiten bewegt und auf ein rein politisches Hin und Her beschränkt zu haben. Damit war der Ausgang der Aussprache gesichert. Ehautemps hat sein Vertrauensvotum erhalten. Die Angelegenheit Stavisky wird von der politischen Hypothek befreit und auf juristisches und verwaltungstechnisches Gebiet hinübergeleitet. Die radikalsozialistische und links st ehende Presse betont, daß das Vertrauensvotum der Regierung auch die Verpflichtung auferlegt,' jetzt energisch durchzugreifen. Die Angelegenheit dürfe nicht vertuscht werden. Die Oppo- sitionsblätter sind der gleichen Auffassung. Sie bedauern den Ausgang der Aussprache, weil sie mit dem Sturz der Re- gieruna gerechnet hatten, und sind besonders unwillig bar- über, daß die Sozialisten für die Regierung stimmten. Sie wollen darin ein Anzeichen für die Wiederlehr des Kartells der Linken erblicken. Komplott In Oesterreich Heimwehrführer konspiriert mit Nazis„ Von amtlicher Seite wird In den Abendstunden mitgeteilt, daß die Verhaftung der nationalsozialistischen Führer Frauenseld und Tchattenfroh wegen offenkundiger Fort- setzung der Arbeit für die verbotene Nationalsozialistische Partei erfolgt sei. Erhebungen gegen die beiden Verhafteten wurden eingeleitet. Wien, 13. Jan. Die Führung der Heim wehr hat der Presse mitgeteilt, baß der Landesführer des niederöster- reichischen Heimatschuyes Graf Alberts in Gesellschaft FraucnfeldS und anderer nationalsozialistischer Personen angetroffen wurde. Alberti habe darauf seine Landesführer- stelle niedergelegt. BundeSführer Starhemberg habe sofort eine Untersuchung angeordnet. Offenbar ist Alberti anläßlich der Verhaftung Frauenfelds in dessen Wohnung bei einer geheimen Zusammenkunft über- rascht worden. Diese Tatsache ist symptomatisch dafür, baß es den Nationalsozialisten in Oesterreich bereits gelungen ist, bis weit in früher gegnerische«reise einzudringen. Es ist bezeichnend, daß dieses Komplott ausgerechnet an dem Tage aufgedeckt wird, an dem der Heimwehrftthrer Fey zum schärfsten Kampf gegen die Nationalsozialisten aufruft. Es mehren sich die Gerüchte, baß an eine Auflösung sämtlicher Parteien in Oesterreich zugunsten einer „Konzentrierung in der Vaterländischen Front" gedacht werde, während man auch dem schwierigen Problem einer Auflösung der Sozialdemokratischen Partei auk den Leib zu rücken hofft. Der ßöllerkrieg Innsbruck, 13. Jan. Wie amtlich gemeldet wird, sind am Mittwoch in mehreren Orten Tirols Papierböler zur Er' plosion gebracht worden. Dadurch ist in einigen Fällen größerer Sachichaden entstanden. Der Sicherheitsdirektor kür das Bundesland Tirol hat die Einlieserung von mehreren Nationalsozialisten in das Konzentrationslager Wölkersdorf angeordnet. Unter den Eingelieferten befinden sich fünf Rechtsanwälte. Schlachtfeld der Arbeit Kesselexplosion in einer Lodzer Gummifabrik Warschan. 18. Jan. Jn der Gummifabrik„Gentleman" in Lodz wurden durch eine Kesselexplosion drei Arbeiter ge- tötet und acht z. T. schwer verletzt. Der Kesselraum wurde vollständig zerstört. Der Teckel des Kessels durchschlug das Dach und stürzte auf den Fabrtkhof. Slttlldihelfsverbrecher werden entmannt Urteile in Dessau Dessau, 9. Jan. Auf Grund des neuen ReichsgesetzeS, das unter den Sicherungsmaßnahmen gegen gefährliche Ver- breche? auch die Entmannung vorschreibt, sind am! Dienstag in Anhalt die ersten Urteile ergangen. Die Erst« Große Strafkammer des Landgerichts Dessau ordnete die Entmannung des Hilssaufsehers Friedrich K. aus Neundors und des Arbeiters Bruno R. aus Dessau an. K. hatte sich an zahlreichen Schuljungen vergangen. R., ber wegen Notzucht« Verbrechens schon mit 8 Jahren Zuchthaus vorbestraft war, hatte in den Anlagen der Stadt Dessau eine 53jährige Fra» zu vergewaltigen versucht. Für ihre letzten Straftaten er- hielten die beiden Sittlichkeitsverbrecher 8 bzw.& Jährt Zuchthaus neben den üblichen Ehrenstrasen. Ein Naiifiihrer- Emigrant spricht liber das Httlergeheimnis Die Redaktion der.,Deutschen Freiheit", die in sieben Monaten ihres Bestehens viele Besuche empfangen hat, begrüßte in diesen Tagen einen Emigranten besonderer Art. Es war ein Nationalsozialist aus der vordersten Linie, wovon wir uns aus seinen Papieren überzeugen konnten; ein Mann, der über zwölf Jahre lang seiner Idee und seiner Bewegung als Schriftsteller wie als Redner die größten Opfer gebracht hat. In zahllosen Versammlungen, In vielen Schriften und Zeitungs-AufSätzen hat er mit großem Erfolge für die nationalsozialistische Sache Menschen gewonnen, die den nationalsozialistischen Gedanken keineswegs leicht zugängig waren. Dieser Mann mußte fliehen. Keinesivegs deshalb, weil er sich vom Nationalsozialismus abgewandt hat. Im Gegenteil! Er erblickt, wie er uns klarmachte, im herrschenden Hitlerregime einen schimpflichen und heuchlerischen Verrat an allem, was ihn einstmals zum begeisterten Herold des nationalen Sozialismus machte. Nach langen Unterhaltungen haben wir ihn gebeten, seine Auffassung in einer Reihe von Artikeln zu begründen, nachdem bereits in unserer Ausgabe vom 12. Januar ein Aufsatz aus seiner Feder erschien. Der erste dieser Artikel liegt jetzt vor. Wir sind davon überzeugt, daß es darin vieles gibt, was unsere Leser befremden und abstoßen wird. Uns selbst ist es nicht anders ergangen. Es versteht sich von selbst, daß die Meinung dieses Mannes— das gilt keineswegs nur von seinem grundsätzlichen Antisemitismus— tri vielen wesentlichen Fragen nicht die unsrige ist. Wir haben uns dennoch entschlossen, ihn zu dieser Arbeit aufzufordern— in der einfachen Ueberlegung, daß es für niemanden unwichtig und uninteressant sein kann, einen Blick tn die Ideenwelt eines bis zum Bunde Hitter-Hugenberg-Papen führenden Nationalsozialisten zu tun. Seine nötig gewordene Flucht ist nichts anderes, als das Resultat aus der in Deutschland unterdrückten und verfolgten zweifachen Erkenntnis, daß politisches Ideal und seine Realisation verschiedene Dinge sind, und daß Hitler die Verwirklichung der sozialistischen Forderungen seiner Bewegung an den ,Jiesitz der Macht" verraten, um dieses Besitzes willen völlig aufgegeben hat. Indem sich der Schreiber Rechenschaft darüber ablegt, vermittelt er uns zugleich Wege zum tieferen Verständnisse der Ereignisse im„dritten Reiche". Wir begnügen uns allerdings nicht damit, redaktionelle Distanz zu diesem Manne und seinen Anschauungen zu halten. Wir werden vielmehr nach Beendigung seiner Aufsatzreihe einen hervorragenden sozialistischen Gelehrten, der das Wissen um die Theorie mit genauer Kenntnis der politischen und gesellschaftlichen Praxis in Deutschland vereinigt, das Wort zur Antwort und Auseinandersetzung geben. Zur Vorbereitung dieser Auseinandersetzung wären uns auch briefliche Aeußerungen unserer Leser sehr erwünscht. Wir werden diese Zuschriften in dieser Debatte als Material für beide Teile verwerten können. Die Schriftleitung der„Deutschen Freiheit". 1. Antisemitismus Bevor ich mit meinen Darlegungen beginne, möchte ich die Grundsätze aussprechen, welche mich vor mehr als einem Jahrzehnte bewogen haben, mich neben andere in den Dienst der deutschvölkischen Bewegung zu stellen: kerndeutsche Gesinnung, sozialistisches Wollen und Anti- semitismus! Schutzhaft und Konzentrationslager können uns höchstens den Aufenthalt in unserem Heimatlande vorübergehend unmöglich machen, aber niemals unsere Gesinnung ändern. Indem ich den Antisemitismus er- wähne, setze auch ich mich den scharfen Angriffen aus, welchen Hitlerdeutschland zur Zeit ausgesetzt ist und gerade deshalb wolle man mir gestatten, meine Dar- legungen mit diesem Alpha und Omega der derzeitigen reichsdeutschen Politik zu beginnen. Wir werden die Betrachtungen demnächst auch wieder an diesem Punkte beenden müssen! Je mehr man die Geschichte der Völker dieser Erde *•> ruhig studiert, desto mehr erlangt man die tiefe Ueber- zeugung, daß es zu allen Zeiten und in allen Völkern bestimmte Menschengruppen gegeben hat, die aus irgend- welchen Gründen eine Vorzugs- und Herr» s ch a s t s st e l l u n g im Volke für sich in Anspruch ge- nommen haben. Als sich kürzlich, wie die Zeitungen be- richteten, das japanische Volk über die Geburt seines Thronfolgers ausgelassen freute, bewies es damit nur. daß der Mythos des dynastischen Herrschaftsanspruchs des Mitzado im japanischen Volke noch fest verwurzelt ist. Ter Mikado ist seinem Volke noch der„gottgesandte Herrscher". Viel anders kann auch nicht der Versuch aus- gesprochen werden, den jüngst ein Iesuitenpater in„Stim- men der Zeit" unternahm, mit jeder„legal" eroberten Staatsmacht ein Gottesgnadentum darzustellen. Damit treffen wir schon den Kern, von welchem aus wir das politische Weltgeschehen untersucht haben, nämlich das zunächst nur religiöse Dogma über.all dort, wo eine Men- schengruppe für sich eine Vorzugsstellung zwischen Gott und der Menschheit verkündete. So hat uns beispiels- weise der junge Katholik Mirgeler in seiner kleinen Schrift„Dogma und Geschichte" nachgewiesen, daß wenigstens die europäische Geschichte der letzten zwei- tausend Jahre gar nicht als Geschichte selbständig, sondern am römischen Dogma, als dessen Nebenprodukt, empor- gewachsen ist. Wir gelangten somit zu der Einsicht, daß kleine Menschengruppen vornehmlich unter Berufung auf göttlichbevorzugte Sendung die politische Gewalt über ein Volk, und vermöge des Dienstes dieses Volkes dann die politische Gewalt über ganze Völkergruppen an sich gerissen haben(russischer Zarismus, Mohammed, Dalai- Lama usw.). Sehen wir genauer hin, so können wir sagen, daß die Herrschaftsansprüche dieser Gruppe von Emporkömmlingen auf ein religiös-politisches Dogma zurückzuführen sind. Versagt ein religiöses Dogma, so bringt es notwendig den Gottglauben und das religiöse Leben des betroffenen Volkes in Gefahr. Ver- sagt ein politisches Dogma, so bringt es das politische und wirtschaftliche Dasein des Volkes in Gefahr. Diese Gefahren sind jedenfalls um so größer, je weiter das Dogma zur Herrschaft gelangt war oder sie erlangen will. Herrscht ein religiös-politisches Dogma total und versagt sein politischer Satz, so kommt dadurch auch der vor- gesetzte religiöse Dogmasatz ins Wanken(siehe antichrist- liche Bewegung nach dem Zusammenbruche der christlich- kapitalistischen Wirtschaftsordnung). * Das antisemitische Bekenntnis, welches meine Freunde aus diesen Erwägungen abgeleitet haben, lautet: Wie in allen Völkern, so gelangte auch in Israel eine kleine Gruppe eines religiös-politischen Dogmas zur Herrschast. und. zurückgehend auf Moses und die Propheten, leitet diese Gruppe aus eben jenem Dogma überdies den An- fpruch auf die Weltherrschaft ab. im Gegensatze zu dem in anderen Völkern herrschenden religiös-politischen Dogma, aus dem Kur der Anspruch auf die Herrschaft über das eigene Volk abgeleitet wird(Staatskirchen, Kirchenstaat). Der mit religiös-politischem Dogma de- gründete Weltherrschaftsanspruch des alten Testamentes zwang natürlich auch diejenigen Israeliten in seinen Bann, die der bevorzugten Herrschaftsgruppe nicht an- gehörten, und ganz genau fo, wie beisp.ielsweife Nagoleon sich das französische Volk zur Erlangung der Herrschaft über Europa dienstbar machte, so benutzte jene Herr- schaftsgruppe in Israel auch die einzelnen Glieder dieses Volkes zur Erreichung ihrer Ziele. Man darf eben nicht vergessen, daß Israel nach der Ehegeschichte Jakobs aus zwölf von Geburt aus untereinander vierfach verschie- denen Stämmen entstand, und daß im sogenannten. „Segen Jakob" nur einem dieser Stämme, und zwar dem Stamme Judo, die Herrschaft, sogar die Gewaltherrschaft über seine„Volksgenossen" verheißen worden ist! * Mit vorstehenden Sätzen habe i* eigentlich schon umrissen. was wir, die wir seit einiger Zeit als„Oppofitio- nette" bezeichnet und verfolgt werden, mit unserem Anli- semitismus treffen wollen, nämlich das Juden tum als eine überlebte Weltanschauung, als ein über- lebtes religiös-politisches Dogma. Keineswegs aber wollen und dürfen wir die israelitischen Menschen treffen, die. genau betrachtet, unter der Auswirkung des religiös- politischen Togmas der Herrschergruppe ihres eigenen Volkes seit Jahrhunderten schwerer gelitten haben und heute noch leiden als irgendein anderes Volk dieser Erde. Die Schlußfolgerung aus diesem Antisemitismus ist, daß dem Juden t u m e durch Entfernung aus der politischen Macht die Erreichung seiner religiös-politischen Ziele un- möglich gemacht werden muß. Allerdings kamen wir mit dieser Auffassung der Stellungnahme Karl Marx' zur Iudenfrage nahe, was uns, neben anderen Gründen, letzthin das Prädikat„Nationalmarxisten" in Hitler- deutschland eingebracht hat. * Wer mit offenen Augen durch die Welt geht, sieht, daß die israelitischen Menschen sich schon seit Jahrzehnten, insbesondere seit dem Fronterlebnisse, immer mehr dem Gastvolke, in dem sie vielfach seit Jahrhunderten leben (die Osteinwanderer kommen nicht in Betracht), anzu- gleichen bemüht haben(Assimilierung). Die mosaischen Ritualvorschriften legten sie immer mehr ab. Die Sabbat- Heiligung war meist in Sonntagsheiligung übergegangen. Der Uebertritt zum Christentums und die dem mosaischen Gesetze widersprechenden Misckehen nahmen immer mehr zu. In ungezählten Fällen konnte ich als Ursache dieser Vorgänge nicht äußere, materielle Gründe, sondern ein Suchen nach innerem Gleichgewichte feststellen. Es ist tatsächlich so. daß auch in Israel die religiöse Sehnsucht groß geworden war; man vergleiche hierzu die vielfach erschütternden Aussprüche inIosefKaêein:„Eine Ge- schichte der Juden" oder Schöps:„Jüdischer Glaube in dieser Zeit". Besonders kraß ist mir in dieser Beziehung das Bekenntnis eines jüdischen Rechtsanwaltes aus Köln in Erinnerung, das mit den Worten schloß:„Ueber den toten Punkt für den lebenden Menschen komme ich im alten Testament nicht mehr hinweg!" Der arme Mann wurde am 31. März 1933 beim Vor- trage einer Armensache vor dem Richtertische von dem Gebrüll„Juden heraus" überrascht, das eine wildgewor- dene SS.-Truppe im Landgerichtsgebäude schon einen Tag vor dem amtlichen Boykott veranstaltete, derweil sie Saaltüre auf Saaltüre aufriß, die jüdischen Richter und Anwälte herausholte und sie draußen auf Müllabfuhr- wagen verlud(die berühmte Streicher-Aktion). Ich be- reue nicht, daß ich dem zu Tode erschrockenen Anwalte die Robe ausgerissen, sie mir angelegt, seinen Mandanten neben mich gezerrt und ihn selber mit meiner Aktentasche aus dem Saale geschickt und so vor dem Müllabfuhrwagen bewahrt habe, während der inzwischen auch schon zur Ruhe gesetzte Landgerichtsdirektor Dr. Phillips zu civer Vertagung der Sache die Hand bot mit dem Bemerken: „Ich freue mich, daß mir nicht nach dreißigjähriger Amts- praxis ein Anwalt, den wir alle schätzten, auf so schimpf- liche Weise aus einer Beweisaufnahme fortgezerrt wor- den ist." Unser erster politischer und seelischer Konflikt mit Hitler betraf die Iudenhetze. Da niemand leugnen kann, daß viele deutsche Werte von Juden zutagegefördert worden sind, ahnten wir zunächst und erkannten später die mit der hitlerschen Maßlosigkeit in der Hetze verbun dene Gefahr, daß einmal alles, was je mit Israeliten Be- rührung hatte, für„jüdisch" erklärt, verfemt und verfolgt «erden würde- SÄon«an» Blühet- dex doch äM öl* sturer Antisemit anerkannt wird, hat davor gewarnt, Blutschuld am todwunden Israel aus deutsche Menschen zu laden. Auch Herr von Baven erklärte noch im Oktober 1931 in Köln in einer Versammlung des von ihm vor Iahren mitgegründeten Bundes zum Schutze der abendländischen Kultur dem Rabbiner Dr. R o s e n t h a l auf dessen Frage nach der Ansicht des Herrn von Papen über den Radauantisemitismus der NSDAP.:„Ich möchte das christliche und das jüdische Glaubensbekenntnis zu einer gemeinsamen Front gegen den Bolschewismus zusammen- schweißen!" Der Kommunistenschreck, den Hitler an die Wand malte, hatte Herrn von Papen diese seine Auf- fassung vergessen lassen, so daß er schwieg, als mit dem 28. März 1933 in Deutschland das seelische und leibliche Massenmorden der Israeliten einsetzte. Bezeichnend ist. daß sogar ein so ausgesprochener Iudenhasser wie General Ludendorff sich damals sehr scharf gegen diese Kampfesweise gewandt hat, bis auch ihm die Zeitung verboten wurde! *" Zu den unermüdlichen Warnern auf diesem Gebiete gehörte vor allem Gregor Strasser. bekanntlich bis Oktober 1932 noch Reichsleiter 11 der NSDAP, und ihr Wirtschaflsführer, der, wie wir anderen, gegangen ist, weil seine Treue zum Sozialismus die Hand zu einem Pakte mit Hugenberg-Schacht und anderen nicht bieten konnte, selbst dann nicht, als ihm versichert wurde, daß dieser Pakt nur aus„taktischen Gründen" abgeschlossen weroe, um schneller„an die Macht" zu kommen, als es mit Hilfe der Arbeiterschaft möglich sein werde. Noch in jenen letzten Tagen hat Gregor Strasser prophezeit, daß die N«DAP. aus puren Neidgründen zu einer bloßen anti semitischen Wirtschaftspartei herabsinken werde, wenn der Kurs weiter verfolgt werden würde, welcher in jenen Tagen das Oberwasser der Partei erreicht hatte Was schafft nun der Antisemitismus Hitler-GOhbels? G r e g o r S t r a s s e r hat die Entwicklung, die mittler- weile eingetreten ist. völlig richtig vorausgesehen. Hitler hat den Nutzen seines„Antisemitismus" und damit seiner „Deutschen Revolution" längst nicht mehr in seiner Hand. Auch dies sagte Hans Blüher schon 1931 in seiner „Secessio Judaica" mit dem Bemerken voraus, daß von solchem„Antisemismus" lediglich das großjüdische Herr- schaftskapital Vorteil haben würde. Hitlers Verlag (Franz Eher GmbH. Nachf., München) gibt eine sonder- bare kleine Schrift heraus, deren Inhalt..den Juden" zugeschoben wird, obwohl man höchstens darüber sprechen könnte, inwieweit Alttestaments-Fanatiker bei diesen so- genannten Protokollen der Weisen von Zion die Hand mit im Spiele gehabt haben könnten. Wo ich aus dieser Schrift zitiere, setze ich kurz„WvZ." und füge die Seitenzahlen yrabisch sowie die Abschnittzahlen römilck bei. In dieser Schrift nun heißt es 38. II: „Wir brauchen ihren Antisemitismus, um rnsere Brüder aus den unteren Schichten zusammenzuhalten." Betrachten Sie eine Schürze mit allerlei bunten Fäden, roten, grünen, gelben, blauen usw. Entfernen(vertreiben) Sie daraus einmal alle roten Fäden! Wen haben Sie nun gereinigt? Tie Schürze bleibt nach wie vor bunt; nur die roten Fäden sind nicht mehr darin vertreten. Diese aber liegen nun schön alleine sortiert, gereinigt, bei Seite zusammen. Ehra, der Priester und Prophet, gab Juda Vorbild und Weisung, seine Geschlcchtsregister(Ehe- register. Familienverzeichnisse) von Zeit zu Zeit zu rei- nigen. Daß nun das. was das Judentum in Deutschland selber nicht mehr durchführen konnte, weil es über die dazu nötige Macht in Israel gar nicht mehr verfügte, jetzt doch an den deutschen Juden geschehen ist, das ist die erste Folge hitlerschen Antisemitismus und Massenkultes. Dementsprechend brennt denn auch nach wie vor in Deutschland die ungelöste und vollkommen ungeklärte Frage:„Was und wer ist arisch?" Man lese nur die wie Pilze aus der Erde schießenden rassentheoretischen „Werke", um zu begreifen, daß so bald niemand aus diesem Chaos der Meinungen und„Forschungen" zu einem klaren Gedanken kommen wird. Kein Volk kann die Jahrtausende seiner Familienbildung zurückleben oder zurückkontrollieren! Die Angleichung der Israeliten in Deutschland an ihre Volksumgebung ist gewaltsam unterbrochen und sie sind von Hitler gewaltsam(gleich den roten Fäden) gereinigt, gesammelt und der Herrschaft des Judentums wieder voll zugeführt worden. Tie Theorie des Rabbinates, weil die deutschen Juden ihren Glauben verlassen hätten, darum hätte Gott ihnen seine schützende Hand entzogen, findet einen von Hitler geebneten Boden. <- Dementsprechend sind denn nun auch die Wir- Kungendes hitlerschen Radauantisemitis- mus ganz verheerend. Zehntausende abgehetzte, an Seele und Leib geschundene Menschen wurden zwangs- läufig in aller Herren Länder Propagandaredncr gegen Hitlerdeutschland. Es verlor rasch und fast völlig seinen Export und der gebliebene Geschäftsrest schwindet von Tag zu Tag mehr(siehe„Saarbrücker Zeitung" vom 6. 1. 1934,„Deutsche Ausfuhr um MO Millionen vermindert."). Das internationale Hochkapital konnle von ausländischen Betriebsstätten aus den Markt versorgen, von dem vorher hunderttausende deutsche Arbeiter Brot hatten, so daß also die Hochfinanz gar keinen Schaden erlitt(vergl. Be- richte über Arbeitslosenabnahme in England usw.). Die Kriegsgreuelberichte und damit die Weltfront gegen Deutschland entstanden neu, aber diesmal leider mit stich- haltigen Unterlagen. In Deutschland selbst wurden die sozialistischen Lehren, weil sie teilweise auf Karl Marx zurückgeführt werden, als„jüdische Lehren" verfemt. Das war das Signal zum „Aufbruche der Nation". Aus purem Brotneide traten dit NÄDM'Mdtti|ur Bö stch eniaad widerlichster Art und als bte zwangsverwalsten ungezählten Posten in Wirtschaft und Staatsverwaltung nicht mehr genügten, wurden neue in ungezählter Menge geschaffen(Staats- rate, Propagandaministerium, Universitätslehrstuhle, Erb- Hofgerichte. Sterilisierungsgerichte und wie sie alle heißen). Minder leistungsfähige Freiwissenschaftler rissen sich um die nunmehr den Verfolgten abgehenden Aufträge. Mit antisemitischen Insignien und Schildern für.die Ge- schäflslöden:„Deutsche, kauft nur bei Deutschen",„Deut- sches Geschäft" usw. erzielten die immer leeren Partei- Kassen flotte Einnahmen. Nicht viel, nämlich nur Geld zur Bezahlung des be- troffenen deutschen Personals, hätte den biederen Nazi- Mittelständler» gefehlt, und sie hätten in blinder Zerstörungswut den früheren Rat des frischgebackenen Kölner Nazi-Sozialprosefsors Börger befolgt und wären mit Zu- schlaghämmern gegen die Gebäude der Warenhäuser, Ein- heitspreisgeschäfte usw. losgezogen, doch hier blies der große Taktiker und Führer das große antisemitische Schauspiel ab, das er seinem Volke gegeben halte, getreu WvZ. 49. Ill: „Damit die Massen nicht von selbst den Dingen aus die Tpur kommen, lenken wir sie noch durch aUerband Vergnügungen, Spiele, Leidenschaften und Volkshäuser ab. Bald werde» wir in unserer Presse Preisausschreiben aui den verschiedensten Gebieten der Kunst und der Kraft- spiele, des Sportes erscheinen lassen. Solche Fülle von Zerstreuungen wird die Gedanken der Masse endgültig von den Kragen ablenken, für deren Verwirklichung wir sonst hart mit ihr kämpfen müßten." Hitler war eben, und das erkannten wir ab September 1932 immer mehr und ab Februar unwiderlegbar deutlich, nur darum zu tun, treuer und angebeteter Diener des Großkapitales zu werden und daher machte er keine „Revolution", sondern nur eine„Gleichschaltungsaktion", die das internationale, allerdings vielfach vom Juden- tume geführte Hochkapital vollkommen nachteilfrei ließ. Dieses internationale hochkapitalistische Juden tum. dem. von uns aus gesehen, sein Kapital nur Mittel zur Erlangung der Universalherrschaft ist. diese Herrscher- gruppe hätte in Deutschland durch Ausschaltung seiner dreißig-vierzig Vertreter kaltgesetzt werden können. * Diese aber wurden nur getarnt und herrschen weiter! Sie sitzen in gleichgeschalteten Industriekonzernen teils als Aktienbesitzer und teils als Besitzer bzw. Gläubiger des Auslandskapitals, für das der deutsche Arbeiter heute viel, viel mehr denn je zuvor ausgebeutel wird. Die kleinen Israeliten aber, die da. und dort ihrem Gewerbe und, wo man sie dazu hatte kommen lassen, ihrer Arbeit oder ihrem Handwerke ob- lagen, die meist weniger Wirtschaften und Frauenhäuser aufsuchten als manche Nazigrößen und die vielen dadurch in ihren Geiverben bankrottierten heutigen Naziführer,— diese kleinen Leute, die meist nicht einmal so viel ver- dienten, daß sie Personal halten und„ausbeuten" konnten, irren innerhalb oder außerhalb ihres Heimatlandes, für dessen Kriegsinteressen auch sie ihr Blutkontingent stellten, wie zu Tode gehetzte Rehe umher, heute nicht wissend, was das Morgen ihnen bringen wird. Sonach fehlt dem hitlerschen Antisemit!?- mus jede religiöse und sachliche Tiefe lind erbasiert au fpurerSpekulation. Hitler selber macht damit für seine Partei und für seine Bücher platte Reklame, worauf ich später noch mit Belegen zurück- komme. Der hitlerhörige Mittelstand verspricht sich Ge- schäftsprofit von den Boykottmaßnahmen gegen die Kon- kurrenz und stellt daher alle menschlichen Gefühle zurück. Nur auf dem flachen Lande schaut man noch mit Mitleid- voller Scheu auf. wenn man einen der abgehetzten Juden sieht. Es fehlt diesem hitlerschen Antisemitismus aber auch jedes Blaß und so artete er natürlich infolge der Propagandaphrasen. Maxismus-Sozialismus sei Juden« lehre, längst von der Rassenhetze gegen die Israeliten aus zur Bluthetze gegen die eigenen„Volksgenossen", wo immer man nur findet, daß jemand etwas von Sozialis- mus versiebt, die Werke Karl Marx' gelesen hat und nicht deren Inhalt in Bausch und Bogen verleugnet oder verwirft. ♦ Wir werden begreifen lernen müssen, daß das heutige Geschehen in Teutschland ein solches mit religiösem An- strich ist und selbst in erster Linie ein religiös-politisches Geschehen sein will. Von hier aus wird es auch begreiflich, daß sich die christlichen Konfessionen mit immer deutlicher werdender Schürfe und Offenheit gegen diesen Radau- antisemitismu» aussprechen svergl. Schreiner- Kllnneth: „Tie Station vor Gott" und die Neujahrspredigten der Kardinäle von Faulhaber und Bertram). Die Kirchen er- blicken im Juden tume nur eine Lehre, welche den An- rui Christi an die Nienschen verleugne und darum vom Gesichtsfelde der Kirchen her eine überwundene, eine Irr- lehre sei. Darüber entnehmen die Kirchen noch der Bibel die Weisung, die Israeliten vom Mosaismus zu befreien. Mit Recht sehen die Kirchen die ihnen für Richtjuden und Juden gestellten Aufgaben in größerer Gefahr als es der Laie annimmt und die Kirchen wissen, daß beide Streit- teile hierbei schon Kulturkampfgelände betreten haben(siehe inlerne Kämpfe unter den„Deutschen Christen"). In einem selbst- und ehrbewußten Volke, wie es das Deutsche sein will und sein muß. ist für eine mit bloßen Phrasen gespeiste Rassen- und Menschenhetze kein Raum; solches Gebaren ist nicht antisemitisch, nicht deutsch, sondern eben unmenschlich und da noch welter mitzumachen, mußten wir ablehnen. Der arnflidie Diebstahl Klara Zetkins Haus beschlagnahmt Birken werder, 12. Jan. Aus Grund des Gesetzes über die Einziehung kommunistischen Vermögens ist das Hau» der Kommunistin Klara Zetkin in der Bahnhossallee beschlagnahmt worden. Eigentümer war zuletzt der Cohn von Klara Zetkin, der Arzt Konstantin Zetkin. Weiter wurde das Grundstück der bekannten Kommunistin Frieda Winkel- mann, trübe» Mitglied des Thüringer Landtags, beschlag- nahmt. Frieda Winkclmann besindet sich znr Zeit in Hast. Schließlich ist das Hans des Kommunisten Lüdtke beschlag- »ghmt worden. Bettelei statt Sozialismus Winterhilfe— ein Propaganclatrick Alles, Iva s der Nationalsozialismus tut, geschieht aus Pro- paganda. Tie„Nationalsozialistische Parteikorrcspondenz" bezeichnet selbst die Winterhilfe als eine„unerhörte P r o p a g a n d a l c i st u n g". Nicht Hunger und Kälte zu bekämpfen, sondern neue Anhänger zu gewinnen, ist alio ihr Sinn! Nach einer offiziellen Meldung haben die Samm- Inngen bisher insgesamt 125 Millionen Mark erbracht, und zwar Ai Millionen Sachwerte und 29 Millionen Bargeld. Zum Schutz von là Millionen Menschen gegen Hunger und Kälte ein bißchen wenig! Niemand weiß, ob diese Angaben stimmen. Nationalsozia- listen pflegen es bei der Propaganda nicht sehr genau mit der Wahrheit zu nehmen. Daß sie davon bei der Winterhilfe abweichen sollten, ist unwahrscheinlich. Es liegen sowohl Tat- fachen vor. die das Ergebnis der Sammlung größer erschei- neu lassen als es ist. aber auch Gründe für niedrigere An- gaben. Ausfällig ist aus jeden Fall, daß„D«r Deutsche Unter- nehmer", ein amtliches Organ der deutschen Wirtschast, das Ergebnis der Sammlung aus 250 Millionen Mark be- zisfert» doppelt soviel als die Winterhilfe. L est man die Meldungen über die hohen Summen, die als „freiwillige Spenden" gezeichnet wurden, so spricht manches für die sehr auffällige Tarsache, daß für die Winterhilfe mehr Geld eingegangen i st als man zugibt. Man scheint Angst davor zu haben, daß zu hohe Auforderun- gen an die Winterhilfe durch die Notleidenden gestellt wer- den könnten, die vor Hunger und Kälte geschützt werden wollen! Anderseits aber scheinen auch Uebertre'bungen beliebt zu sein. Ter Wert der gespendeten Naturalien wird aus A> Millionen Mark angegeben, für 20 Millionen Mark Kar- tosseln, für 52 Millionen Mark Brotgetreide, für 24 Millio- neu Mark Kohle. Zu gleicher Zeit teilt b'e Reichsbauern- schaft mit, daß fünf Millionen Zentner Kartoffeln abgeliefert worden seien. Hier hat man die Hcrrichaften schon auf einer Unwahrheit ertappt. Die Reichsbahn liefert frachtfrei. Da die Reichsbaucrnschaft die Spenden an Kartoffeln sicherlich nicht zu niedrig angegeben hat. so hat die Winterhilfe einen Wert von 4 Mark je Zentner eingesetzt, während er in Wirk- lichkeit höchstens 1,50 Mark betrügt. Aehnlich dürfte es bei de» Angaben wegen Kohle und Getreide sein. Mehr genommen, als gegeben wird! Legt man die Angaben der nationalsozialistischen Winter- Hilfe zugrunde, so werden an 15 Millionen Menschen rund 120Millionen verteilt.Im Durchschnitt kommen auf jeden Hilfsbedürftigen für den g a nz e n Win- l e r 8 M a r k. Und damit will man erreichen, daß in diesem Winter in Deutschland„niemand hungern und frieren" wird, wie Herr Göbbels verkündete? Das wäre schon dann eine lächerliche Uebertreibung. wenn die Winterhilfe eine z u s ä tz- liche Leistung zu den bisherigen Unterstützungen darstellte. Tatsächlich aber sind die Unterstützungen für Arbeitslose, sür Wohlfahrtsempsängcr aus der ganzen Linie, erheblich gesenkt worden. Die Reichskasse allein erspart Im Jahre 1983 487 Millionen an Arbeitslosenunterstützung. Aehnliche Beträge haben Län- der und Gemc'nden den Arbeitslosen abgezwackt. Diese Kürzung steht in keinem Verhältnis zu der Abnahme der Arbeitslosigkeit. Sie ist im wesentlichen auf den Aubbau der Einzelunterstützung zurückzuführen, die 19.">3 durchschnittlich um mindestens 1 Mark pro Woche und Unierstützungs- berechtigten gesenkt wurde. Das Resultat deß Rechencxempels ist also folgendes: Dem Unterstützten wurden durchschnittlich im Jahre 52 Mark ab- genommen und dafür von der Winterhilfe 8 Mark„ge- schenkt". Aber selbst dieser Vergleich ist noch zu günstig. Ob die Winterhilfe>25 oder 250 Millionen eingenommen hat — fest steht auf alle Fälle, daß der größte Teil des Bargeldes, aber auch der wert- vollste Teil der Naturalien in die Taschen der SA. und sonstiger„verdienstvoller" Pg. geslosscn sind. Nicht der SA. angehörende Bedürftige erhalten Bargeld überhaupt nicht, und von den Naturalien nur diejenigen, die die SA übrig gelassen hat. Auf alle Fälle ist Arbeitslosen und WohlfahrtScmpsängern an Unterstützung mehr gcnvm- men worden als man ihnen als Spende schenkte. Wer kontrolliert? Die Winterhilfe ist keine Erfindung des„dritten Reichs". Wie alles bei den Nazis, so haben sie auch die Winterhilfe dem verhaßten„System" abgeguckt. Allerdings wurden in den früheren Jahren die Mittel für die Winterhilfe nicht zu- s a m m c n g e b e t t e l t, sonder» von Reich, Ländern und Gemeinden aus allgemeine» Stcuermittelu finanziert. Das Reich allein beteiligte sich mit mehr als 30 Millionen jährlich an der Aktion. Dazu traten die Leistungen der Reichsbahn, der Länder und Gemeinden. Tic Gesamtsumme, die verteilt wurde, war sicherlich nicht geringer als jetzt. Dafür aber ging die Verteilung gerecht vor sich, wurde nach der Bedürftigkeit bemessen und nicht nach der pol t>- scheu Gesinnung. Bor allem aber hatte jeder Bedürftige einen Rechtsanspruch, r» war weder Gnade noch Bettelei! Ebenso wichtig ist ein anderer Unterschied. Der größte Teil der Mittel der Winterhilfe wird jetzt aus den unteren, m't- tellose» Schichten des Voltes herausgepreßt. Das gilt nicht nur von den„freiwilligen Spenden", die an der Arbens- statte bei Strafe der Entlassung gezahlt werden müssen. Das gilt auch von den Sammlungen sür das Eintopfgericht und ähnlichen. Was die Kapitalisten und Schwerverdiener jetzt zur Winterhilfe beisteuern, mag im Einzelsall noch so hoch sein, die Gesamtsumme ist viel weniger, als diese Herrschasten zu zahlen Hütten, wenn die Abgabe nach der Lcistungssähig- keit bemessen wäre. Ter wirkliche Charakter der Winterhilfe wirb aber erst klar, wenn man bedenkt, baß die von der Regierung de- schlösse ne Hilfsaktion von der nationalsozialistischen Partei durchgeführt wird. Die„Nationalsozialistische Volkswohl- fahrt" mit ihren 20 000 Ortsgruppen sammelt die Gelder und verteilt die Spenden. Niemand kontrolliert diese Organisation, der nicht von ihr selber abhängig ist. Ungezählte Korrnntjonssälle ereignen sich täglich in allen Gegenden des Reiches. Nie ist so viel Betrug und Veruntreuung vorgekommen, als hier. Diese Mißstände werde» von oben gedeckt und ver- tuscht, weil die„NatGnalsozialisti.'che Bolkswohlfahrt" in erster Linie die Aufgabe hat. mit ihren Geldern den unzu- frieden?» Pg. zu helfen und vor allem die Mittel für die Besoldung der SA. zu liefern. Die Winterhilfe der Nazis ist also weder ein großes Werk noch eine sozialistische Tat. Die mit ungeheuerem agitalori- scheu Pomp durchgeführte Aktton soll die Miliioncnschar der Bedürftigen nicht zur Erkenntnis kommen lassen, daß das „dritte Reich" sie ichlcchtcr stellt als früher und ihnen Gnade statt Recht gibt. Die Winterhilfe ist nichts anderes als eine Bettelei, sie hat mit Sozialismus nicht das geringste zu tun. Der„deutsche Sozialismus" des Herrn Göbbels, sein„ge- waltigcs Werk gegen Hunger und Kälte" ist nur ein ge- wöhnlichcr Propagandatrick, mit dem die Armen des Volkes eingeseift werde». Hefter seine Krall Der Scharfrichter legt sein Amt nieder Seitdem Göring Polizeiminister ist, sind allein in Preußen mehr als 50 Todesurteile mit dem Handbeil vollstreckt worden. Als Scharfrichter fungiert der in Magdeburg wohnende Wäschereibefitzer Gröppler, der diese Funk- tion im Nebenamt ausübt. Wie der„Sopade-Jnfor- m a t i o n" aus Magdeburg mitgeteilt wird, hat Gröppler sein blutiges Amt niedergelegt. Gröpplcrs letzte„Be- tätigung" galt drei jungen Arbeitern. Bei ihrer Hinrichtung, die mit dem Handbeil vollzogen wurde, spielten sich grauen- erregende Szenen ab. Gröppler erlitt einen Nerven- Zusammenbruch. Vielen Gefangenen, die von ihren Zellen aus die vom Jnnenplatz des Gerichtsgefängnisses zu ihnen dringenden furchtbaren Schreie der zum Richtklotz ge- schleppten Arbeiterjungcn anhören mußten, ging es ebenso. Gröppler erklärte seinen Vorgesetzten, zn weiterer Amtierung als Scharfrichter seelisch nicht mehr IN der z.'age zu sein. An seiner Stelle übernahm der Roßschlächter Boll- mann jr. ans Magdeburg das jetzt so ertragreich ge- wordene Blutamt. Proiif an Gefangenen Hitlers Gefängnisse wollen verdienen Den politischen Gefangenen in Breslau war Weihnachten der Empfang von Paketen verboten worden. Nicht verboten war die Zusendung von Bargeld. Die Ursache sür diese Maß- nähme ist. wie die..Sopaöc-Jnformation" mitteilt, die Tat- jache, daß man die Gefangenen zwingen wollte, Lebensmittel und Bedarfsgegenstände im Gefängnis zu lausen. Dort ot alles erhältlich. Allerdings zu Preisen, die 5 0 bis 100 Prozent höher sind als im freien Handel. Man begnügt sich also nicht damit, den politischen Gegnern die Freiheit zu rauben. Man raubt auch ihren Angehörigen den letzten Bissen Brot, um sich selber zu bereichern. „Der größte Lump.. Stoßseufzer einer unglücklich Cleichgeschalteten ftfc In der„Kölnischen Zeitung" liest man folgende herzbewegende Klage. Das Blatt wagt aber nicht die Ursache der Massendenunziation zu denunzieren. Durch die Parteidiktatur, die alle Ventile der Opposition schließt, werden Massen von Deutschen zu Heuchlern und Lügnern. Aus dieser üblen Atmosphäre wächst das Denunziantentuni. „Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant!" Ter wackere Hoffmann von Fallersleben hat allen Grund gehabt, diesen kräftigen Spruch uiederzuschrei- beu, denn er hat manches Beispiel Übeln Angebertums ken- nengelernt und am eignen Leibe erfahren müssen, was es anrichten kann. Leider handelt« es sich nicht um eine Erschei- nung, die aus die Zeit vor hundert Jahren beschränkt war. Alle politisch bewegten Epoche» sind Eharakterproben, die nicht jeder besteht, und es muß einmal offen gesagt werben, daß man diesen Erfahrungssatz auch heute in einer unersreu- lichen Weise bestätigt findet. Die ärgsten Auswüchse, die sich während und unmittelbar nach der nationalen Revolution zeigten, mögen verschwunden sein, aber noch ist dt- Lust von dem üblen Geruch des Angebertoms nicht völlig ge» reinigt. Statt vieler Beispiele sei hier nur ein bezeichnender Vorgang erwähnt: der hessische TtaatSniiuiftcr nahm vor kurzem einen Fall, der sich in der hsssischen Dozentenschaft zugetragen hatte, zum Anlaß einer scharfen öffentlichen Abwehr des AngebertumS. Bald daraus iiutjsic das he ssisch e TtaatSpresseamt erklären, diese Erscheinung habe sich In letzter Zeit wieder so breit gemacht, daß sich die Dozenten der Landesnniversität Gießen und der Technischen Hochschule in Darmstadt durch die Anprangerung jenes Falles nicht besonders betroffen zu fijhlen brauchten. Leider gilt dieie Feststellung auch für andre Teile des Reichs, ivie jeder zu- geben muß. der das öffentliche Leben beobachtet. Was ist da- gegen zu tun? An entschiedenen Warnungen und Verurteilungen von feiten der verantwortlichen Männer des Staates fehlt es nicht. Der hessische Staatsminister hat bei dem er- wähnten Fall an den eingangs zitierten Spruch erinnert, und andre haben sich in schlichter Prosa, aber nicht minder beut- lich, dagegen gewandt, daß Anstand und Ehre der Nation durch Angeber befleckt werden. Aber das hat offen- sichtlich nicht die gen ii gen de Wirkung getan. Man sollte also noch energischer vorgehen. In einer Zuschrift an die„Kölnische Zeitung" wurde der Vorschlag gemacht, einen Denunzianten, der jemand durch haltlose Verdäch- tigungen in Haft gebracht hat, selbst in Haft zu nehmen. Wennman bedenkt. daßAn gebe ran sRachsu cht, Minderwertigkeitsgefühlen oder über- holten parteipolitischen Motiven Ansehen und Existenzen ganzer Familien vernichte n können, so i st in der Tat der Bergeltungs- st a n d p n n k t d u r ch a u s a m Platz, und es würde dein gesunden Empfinden des Volkes entsprechen, wenn das neue Ktrafrecht hier strenge Maßstäbe anlegen würde. Der arose wirfschattssdiwiiidel Auch die Reichspost bringt ihn an den lag Weniger Einnahmen als 1932 Tie deutsche Presse bringt einen Bericht über die Reichs- post im Jahre 1933, den wir in seiner verklausulierten Formulierung wiedergeben, weil sich so am besten zeigt, wie die klaren Tatsachen vertuscht werden sollen! Tie Verkehrsentwicklung bei der Tcutschen Reichspost zeigt im Kalenderjahr 1983 unter der nationalen Regierung zum srften Male nach langer Zeit ein günstigeres Bild. Wenn sich die Einwirkungen der schweren Wirtschaftskrise auch noch immer bemerkbar machten, ist doch, besonders in den letzten Monaten, ein Steige,, säst aller Bcrkchrszahlen festzustellen. Ter Gesamtverkehr in der Zeit vom Januar bis November Iwiz— für Dezember lieg, das Ergebnis noch nicht vor— blieb zwar gegenüber dem gleichen Zeitraum des Borjahres noch größtenteils zurück, doch sind die Rückgänge allgemein wesentlich niedriger als im Jahre 1981 Eine erfreuliche Zunahme(+ 0,5 Prozent» ist beim P a k e» v e r k e h r zu ver- zeichnen, schwächer gegen das Vorjahr war u. a. der Verkehr bei den Wertbriefen(— 7,2 Prozents, de» Briefsendungen(— 8.9 Prozents, den Wertpaketen(— 8,4 Prozents, den Zählkarten und Postanweisungen lSiückzahl— 3,t Pro- zcnt. Beirag— 8,7 Prozents, den Nachnahmen s— 8,l Pro- acut), den Gesprächen(— 2,9 Prozents und den Telegrammen (— 2,7 Prozents. Auch der Verkehr bei den Pvstaufträgen lag niedriger t— 17,1 Prozents. Ter Postschcckverkehr hat mit dem Jahre 1933 sein 25. Ge- schäftsjahr vollendet. Ter durch die allgemeine Wirtschafts- krise hervorgerufene B e r k e h r s r ü ck g a n g ist in der zweiten Hälfte>988 z u m S t i l l st a n d gekommen. Die Zahl der Postscheckkonten ist von 1921819 Ende 1932 auf 1929 274 Ende 1988 gestiegen Bei 797,2 Millionen Buchungen(+ 9,5 Prozents ist aus diesen Konten im Kalenderlahr 1933 ein Umsatz von 191,4 Milliarden Rc'chsmark l—1.9 Prozents er- zielt worden. Das Durchschnittsguthaben auf den Konten hat im Kalenderjahr 1983 101,0 Mill. Mark betragen, d. s. 9,0 Prozent mehr als im Jahre 1932. Im Telegrafenver- kehr wurde der unmittelbare Fernschreibverkehr und damit eine neue Betriebsart eingeführt, die eine Entwicklungsstufe ?n der Geschichte der Telegrafle barstellt. Die Finanzlage der Deutschen Rcichspoft muß uoch als gespannt bezeichnet werden. In allen Betriebszweigen wur- den die zu Beginn des Rechnungsjahres<1. Aprils eingesetzten Beträge zunächst nicht erreicht. Die Verwaltung war daher im November 1933 genötigt, durch einen Nachtrag zum Bor- anschlag den ursprünglichen Einnahmcsass um 100 Mill. Mark zn kürzen. Tie Ausgaben finden, wie es das Rcichspoft- finanzgesctz vorschreibt, in den Betriebseinnahmen Deckung. Rohmaterial Ihr Rösing Hochkonjunktur in Schrott, Roheisen, norschstiefeln In der Entwicklung des deutschen SchrottanßcnHandelS hat im letzten Jahre eine vollkommene Wandlung Platz ge- griffen. Tie Schrotteinsuhr, die während der ganzen Tauer der Wirtschaftskrise insolge fortschreitender Produk- tionsdrossclung in der deutschen Schwerindustrie eine scharf rückläufige Entwicklung auszuweisen halte, ist 1988 fast aus das Fünffache des Borjahrsumfangs empor- geschnellt, während die deutsche s ch r o t t a u s s n h e»ach vorher stetigem Anstieg im letzten Jahr um rund 49 Prozent zurückgegangen ist. Einfuhr Ausfuhr 11 Monate in Tonnen 1929 342 055 217822 1930 148 791 280 320 1931 87 973 299 202 1932 71 259 274 714 1938 835 277 105 992 Von dem starken Wiederansticg der deutschen schrott- einfuhr hat hauptsächlich Holland gewonnen, das seine Ausfuhr nach Teutschland in den ersten elf Monaten 1983 gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahrs von rund 29999 ans 154 999 Tonnen sGußbrnch ist in diesen Mengen im Gegensatz zu der.Gesamteinfuhr und-anssuhr«ich, ei»-, begriffen) steigern konnte Zugleich haben sich auch die Importe aus Belgien von 15 999 aus 94 999 Tonnen und aus Großbritannien von 7999 aus 20 à Tonnen erhöht. Mit der nunmehr vorliegenden Dezember-Statistik läßt nch das Jahres-Ergcbu'ö 1983 der deutschen Roheisen- g e w i u u u n g überblicken, s i e z e i g t g c g e n ü b e r d c m V v r j a h r. eine Z u n a h me von annähernd 8 o p E t. narschstieiel gefragt Knappheit des Leders Tie Offenbacher Lederindustrie berichtet: Schwierigkeiten, besonders im Auslandsgeschäft, haben sich durch die Beschränkungen im Zusatzausfuhrverfahren weiter verschärft. Infolge der Tvllarentwcriiing macht sich der Weil- bcwcrb der Vereinigten Staaten von Nordamerika überall außerordentlich stark fühlbar! selbst nach Teutschland kommt amerikanisches Leder herein, und zwar zum allergrößten Teil unter den Gestehungskosten der deutschen Lederindustrie Im Ausland ist ein lebhaftes Geschäft in den für Marsch- sticfel geeigneten Ledern zu verzeichnen. Die rege Nachfrage nach diesem Artikel hat bereits eine Knappheit des hierfür in Betracht kommenden Rohmaterials zur Folge, so daß dessen Beschaffung neuerdings auf Schwierigkeiten stößt. In leichtern Ledern und Lackleder ist die Nachfrage bei im allgemeinen gedrückten Preisen sehr schwach gewesen. Schutz den Chinesen! Wenn Juden und Pianisten im„dritten Reich" so geschützt würden Aus Düsseldorf berichtet die Nazipresse: Schärfer als jede frühere Regierung hat sich die völkische Regierung dafür eingesetzt, daß jedem Ausländer im Weiche bei Schutz und die Achtung erwiesen werden, aus die er als Gast des Landes Anspruch hat. Selten sind glücklicherweise jene Fälle, in denen ein Deutscher dieses felbstveLständliche Gebot in derart grober Form verletzt, wie der Jngen'eur î vor einigen Wochen. In einem Restaurant an der Horst- Wessel-Straße mißfiel ihm die Anwesenheit eines Chinesen, der am Nebentisch ruhig sein Bier trank. Er belegte den ^hinesen m'l Kosenamen wie„Koffer" und„dreckiger Japs". Ter Chinese, der nur gebrochen Deutsch spricht, erwiderte ruhig. er sei ivcit herumgekommen in Teutschland, überall sei er mit der größten Höflichkeit behandelt worden: ein Mann, der grundlos so über Ausländer schimpfe, könne sei- »es Erachtend kein Deutscher sein. T'ese verdiente Zurcchi- Weisung, die eine hohe Anerkennung für das deutsche Volk enthielt, erregte den Ingenieur so daß er. ein hünenhaft ge- bautet Mensch sich nicht schämte, über den schmächtigen klei- »en Chinesen herzufallen, dem bei der Rauferei der Anzug zerrissen wurde. Andere Gäste rissen die Streitenden aus- einander und alarmierten das Ueberfallkommaudo. Noch auf Grnndsfückspehulanten im„dritten Reich" Der Senator C. Stöltje-Wefermünde, Kre'Sabteilungs- leitet für Kommunalpolitik wendet sich in der«National- wzialiftjschen Gemeinde" gegen die Bauspekulanten:„Die kolossale Bautätigkeit ist ein Verdienst unserer heut'gen Regierung die den Bauherren günstige Tarlehen und Zu- 'chüsse gewährt, überhaupt alles Menschenmögliche unter- »unmt, um Arbeit zu tchassen und auch dem Arbeiter zu einem Eigenheim zu verhelfen. Tie erhöhte Bautätigkeit hat Naturgemäß auch eine erhöhte Nachfrage nach Baugelände nach sich gezogen. Das haben die Grundstücksspekulanten er- kannt. Nach ihrem Grundsatz„Eigennutz geht vor Gemein- nutz" kaufen sie größere Flächen von Grundbesitz von Leuten, insbesondere Landwirten, die sich in Not befinden, zu einem billigen Preise: denn Grundstücksspekulanten können bar be- Zahlen und Barzahlung drückt den Preis. Die Flächen wer- den parzelliert und nun mit einem nicht unerheblichen Ge- »sinn weiterverkauft. Im Stadtbezirk Wesermünde haben d'ese Spekulanten in zahlreichen Fällen einen Gewinn bis z» 399 Prozent zu verzeichnen. Käufer sind Siedler usw., also "Ute. die, um sich ein Eigenheim zu schassen, von der Regie- 'ung„„s sei, Kommunen unterstützt, aber vorweg von .^rundstückespekulauten übelster Art ausgezogen werden, wird höchste Zeit sei», daß diesen Spekulanten unser der Wache führte der Ingenieur das große Wor! und drohte, er werde den Beamten schon das„Deiitschdcnken" beibringen. Wegen Körperverletzung vor das Schöffengericht zittert, erzielte der Angeklagte mit setner Behauptung, der kleine Chinese, der neben ihm fast verschwand, habe ihn zuerst angegriffen, nur einen HciterkeitSersolg. Auch die Zeugen widerlegten diese Ausrede. Der Chinese, der keinen Straf» antrag wegen der Beleidigungen gestellt hatte, erklärte an- ständigerweise. er habe auch an der Bestrafung wegen der Körperverletzung kein Interesse. Das konnte den Angeklag- ten nicht retten. Der Staat hat ein sehr starkes Interesse daran, daß Ausländer in Deutschland genau so behandelt werden, wie wir Deutsche im Auslände behandelt zu sehen wünschen, wie liebe Gäste nämlich. * Der Vorsitzende geißelte scharf das unglaubliche Verhalten des Angeklagten, der Deutschlands Ansehen im Auslande schwer geschädigt habe. Einem solchen Verhalten könne nur eine ganz exemplarische Sühne gerecht werden: der Ange- klagte wurde zu nenn Monaten Gefängnis verurteilt und im Saale sofort verhastet.— Ter Staatsanwalt hatte ein Jahr Gefängnis beantragt. Grundsatz„Gemeinnutz geht vor Eigennutz" in allen Punk- ien beigebracht wirb. Der uiiberechligie Gewinn muß der Regierung für die Allgemeinheit zufließen, und zwar rück- wirkend vom Tage der Machtergreifung ab. Vorzuschlagen wäre, den Gewinn für die weitere Velebung der Bautätig- keit zu verwenden. Unsere Grundstückspekulanten könnten dann wenigstens für sich in Anspruch nehmen, durch ihre Ge- schälte zur Arbeitsbeschaffung beigetragen zu haben, wie sich das von einem anständigen deutschen Volksgenossen gehört!" Noch ein Rat In dem Bestreben, das deutsche Handwerk als einen un- entbehrlichen Träger deutschen Volkstums in Wirtschast und Kultur zu erhalten und zu fördern, wird der Reichswirt- schaftstnintster einen ans zehn Mitgliedern bestehenden Handwerkerbelrat von Meistern und Gesellen einberufen. Dieser soll die Aufgabe haben, den ReichswirtschastSmintster in handwerklichen Fragen von grundsätzlicher Bedeutvug zu beraten.— Diese Meldung ist typisch, denn in Wirklich- keit hat der Reichswirtschaftö-Schmitt beratende Körpcrschaf- ten, den Wirtschastsrat, die Handelskammern und die Hand- werkskammern zur Genüge. Die neue Körperschait bat dem- nach nur die Ausgabe, dem Handwerk die Aug:u auszu- wischen. Amerika rüstet aal 54 neue Kriegsschiffe Die amerikanische Fachzeitschrist„Marine Enginerring and Shiping Age" berichtet, daß die Produktion der amerika- nischen Werften 1933 den tiefsten Stand der letzten 25 Jahre erreicht hat. Gegen Ende des Jahres 1988 hat, hauptsächlich infolge der Vergebung großer Austräge der Admiralität, eine durchgreifende Besserung Platz gegrifsen, di'e die Aussichten der Werftindustric für das neue Jahr in durchaus günstigem Licht erscheinen läßt. Im vergangenen Jahre wurden auf amerikanischen Wersten 291 Handelsschiffe mit zusammen 188 999 Tonnen und e i n K r i e g s s ch i s s von 10 999 Tonnen hergestellt. Ter in das neue Jahr übernommene unerledigte Auftragsbestand der Werften umfaßt demgegenüber 44 Handelsschiffe mit 00(MM) Tonnen und 5 4 Kriegsschiffe mit 287909 Tonnen und hat im Vergleich zu den Auftragsbeständen vom Jahresanfang 1988 eine Zunahme um 89 Prozent aufzuweisen. Wer ist Rechtsnachfolger der Gewerkschaften? lieber diese Frage streiten die Herren, die sich in Deutsch- land Juristen nennen; das letzte Wort ergreift Herr Borstel- tnann-Hainburg. Die TAF. ist nach seiner Auffassung nicht Rechtsnachfolgen», denn: die Ausgaben der DA F. sind an- dcre als die der Gewerkschaften.„Wirtschaftliche Machtkämpfe zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber ivird es in Zukunft nicht mehr geben. Damit ist der Hauptdaseinszweck der freien Gewerkschaften, nämlich der Kamps um bessere Lebensbcdin- gungen der arbeitenden Masse gegenüber den Arbeitgebern, in Fortfall gekommen." Die TAF. hat, meint der Borstel- mann, das Vermögen der Gewerkschaften gar nicht übernommen, sondern es sei zugunsten der Länder enteignet wor- den.„Wenn die Ucbernahme der Gewerkschasten und die Be- setznng der Häuser auch ohne Gewaltanwendung vor sich ging, so kann von einer vertraglichen Vertnögcnsübernahuie und damit einer Schuldübernahme seitens der DA F. doch nicht die Rede sein."— Sowas heißt deutsches Recht! Tie Leute find zu feig, die Wahrheit zu sagen, nämlich, daß sie gestohlen haben, Und: wenn es gilt, irgend einen Vermö- gensivert zu nehmen, dann behaupten sie, Rechtsnachfolger zu sein, und wenn sie irgend etwas bezahlen sollen, dann leng- nen sie die Rechtsnachfolge. Es sind nicht nur Feiglinge, die nicht den Mut haben zu ihrem Diebstahl zu stehen, es sind auch Lumpen. 40 Standen! Oie Gewerkschaftsinternationale im Kampf Unter diesem Titel verötscntlicht„Le Mouvement «nndical Belge", das Organ des Belgischen Gciverkschails- blindes, nit erster Stelle einen Kampfruf für die vom IItter- nationalen Gewerkschaftsbund für die Zeit vom 14. bis 21. Janitar anberaumte internationale Kampagne zur Eroberung der 40 Stu»den-Woche, deren Los in diesem Jahre aus der Internationalen Arbeitskonserenz.entschieden wird. In dem Aufruf heißt es it. a.: „Es ist unerträglich geworden, daß der noch in Arbeit stehende Teil der Werktätigen 48 stunden in der Woche arbeitet, während Millionen von Arbeitern erwerbslos sind. Die organisierte Arbeiterschaft ist fest entschlossen, diesen Zustand nicht länger zu dulden. Wenn die Arbeitszeit nicht verkürzt wird, wird die Arbeitslosigkeit zn einer Dauererscheinung. Die Forderung der 40-Stuttden-Woche ist für die Arbeiterschaft eine Lebensfrage. Wir wollen alle unsere Kräfte einsessen, um sie zu erobern. „Die Propagandawoche soll eine Massenbewegung wer- den. Sie soll den Regierungen zeigen, daß die Arbeits- zeitvertürzung dem Willen aller Werktätigen aller sozialen Schichten entspricht. Sie soll den Delegierten des Inter- nationalen Arbeitsamtes Mut und Kraft geben in ihrem Kamps zur Verwirklichung dieser Forderung. Durch eine große Massenaktion soll dem Arbcitgebertum gezeigt werde», daß nichts unsere Bewegung aufzuhalten imstande ist. 133l muß znm Jahre der Eroberung der 40-Sinnden- Koche werden!" Das AsQlrecht gefährdet Verhaftung in der Schweiz Der jetzt in Brüssel erscheinende„Freidenker", der uns übrigens inhaltlich besser gefällt als in seiner legalen deutschen Zeit, berichtet: Am 28. November sprach Max Sievcrs ldcr Führer des FreidcnkerverbandeS. Red. d.„D. F."> in einer öffentlichen, sehr stark besuchten Versammlung der Frctgcistigen Vereinigung in Winterthur. Zwc.i Tage später wurde er in Zürich, vermutlich aus Betreiben faschistischer Denunzianten• mit der Begründung verhaftet, daß ein Ansliesernnas- begehren der deutschen Behörde» vorliege. Dieses bezieht sich auf die verleumderische, und schon oft in dieser Zeitung be- handelte Behauptung, daß S. im DFB. Unterschlagungen großen Stiles verübt habe. Nach siebentägiger Halt eriolgte die Freilassung, weil sich die Bnndesanwallschatt inzwischen davon überzeugt batte, daß ein politischer Fall vorliegt und kein kriminelles Vergeben. Die Herbeiführung dieser Entscheidung wurde ganz zweifellos dadurch beschleunigt, daß der Präsident der Juternatig- nalcn Frcidcukcr-lluiou, Dr. Terivagnc, sowrt sebr energisch protestierte und die Presse für den Vorfall zn interessieren verstand. Ebenso trat die Freigeistiae Vereinlaung der Schweiz In"Aktion, deren Sekretär, Genosse Staiger. eine Unterredung mit dem Buudesanwalt durchsetzte. Ihnen allen sei hiermit aus das herzlichste gedankt. Damit könnten wir über dielen Zwischenfall die Akten schließen, wenn nicht einige Begleitumstände, die hierbei mit- spielten, noch eine besondere Erwähnung verdienten. Daß eine faschistische Denunziation vorlag, war daran zu erkennen, daß die mit der Verhaftung und der Einlicserung betrauten Beamten eine durch nichts gerechtfertigte Gehässig- keit an den Tag legten. Während sie einerseits bemüht waren, eine kriminelle Grundlage zu konstruieren, versuchten sie andererseits Sievers als Kommunisten abzustempeln. Während der Halt aing eS nicht besser. Die bescheidensten und berechtigsten Wünsche wurden unter Berufung aui die Haus- ordnung abgelehnt, gleichzeitig aber Einsichtnahme in diese verweigert. Zugeständnisse, die von übeigevrdnetcii Stelle» gemacht wurden, ianoricrten die unteren Organe aus eigener Machtvollkommenheit. Als bereit» der Frellassnngsbesehl vorlag, wurde noch die nur bei kriminellen Vergehen zu- lässige„Erkennnngsdienstliche Bebandlung" vorgenommen. Unseren Schweizer Freunde» ist in ihrem eigenen Inter- esse anzuraten, sich ihre Beamte» im Polizeikvrver reck» ge- nau anzusehen. Es scheint dort bereits mehr Faschisten zu geben als sie ahnen. Deutsche stimmen• Beilage zur..Deutschen Freiheit"• Iweignisse und beschichten Sonntag-Mônttg, dwi 14. und 15. Januar 1934 >- fma■:&-■ MW MW m î--.L-sii 9iaas cfCadmaan Apostata Çtofies Hiee E» wir nach dem Umsturz von 1918. In Weitdeutschland ▼erbreitete sich die Kunde von einem jungen protestantischen Pfarrer Dr. Hani Hartmann, der mitten im Solinger Industriegebiet durch seine Reden eine magische Anziehungskraft auf die sehr radikalen sozialistischen Arbeitermassen seines Bezirkes ausübte. Er sprach von der Kanzel, am Vortragspult, in politischen Versammlungen. Elegant und kühn zugleich, leidenschaftlicher Pazifist und Ankläger gegen das Kanonenchristentum, Sozialist aus religiösem Ethos, um den sich bald eine Bewegung sammelte. Er redete nicht nur: er schrieb auch in flüssig bekennerischer Haltung. Der Name des Lizentiaten Dr. Hans Hartmann tauchte in vielen sozialdemokratischen Zeitungen und Zeitschriften auf. Es gab keine„Frage", zu der er nichts zu sagen wußte. Er schrieb mit schillernder, leicht verschwommener Dialektik und betätigte sich in der sozialistischen Kulturbewegung als Lebensgestalter. Schließlich wurde er von der Kirchenbehörde von seinem Posten enthoben. Zugegeben, daß für Dr. Hans Hartmann nun eine harte wirtschaftliche Notzeit begann. Aber was tat er nun? Er antichambrierte in allen sozialdemokratischen Zeitungsredaktionen und überschüttete sie mit Aufsätzen, die zu Rundfunkvorträgen verarbeitet wurden. Er erbat die Hilfe des sozialdemokratischen Parteivorstandes, bewegte sich mit der Sicherheit eines Voltigeurs in der Welt der parlamentarischen Beziehungen und ließ sich von den einflußreichen sozialdemokratischen Abgeordneten Empfehlungen ausstellen, die ihm ausgedehnte Reisen und Informationen ermöglichten. Er schrieb Buch um Buch, zuletzt interessiert für die internationale Jugendbewegung, immer leidenschaftlicher Sozialist mit den Flammenzeichen der demokratischen Auslese im Herzen. Bisher ist dieser Bericht nicht interessant. Er wird es erst im Vergleich zu dem Hans Hartmann nach dem 30. Januar 1933. Denn dieser ehemalige Kriegsdienstverweigerer marschiert seither festlich im gleichen Schritt und Tritt zur Pauke der Macht. Sein Ethos schwört nicht mehr zum Land Orplid der sozialistischen Lebensgestaltung, sondern er hält sich an die griffigen Realitäten gegenwärtiger Erwerbsquellen. Der einstige hellstimmige Freiheitsheld, bewegt von der persönlichen Verantwortung derer um Kant und Fichte— wir sehen ihn versunken auf den Gebetsteppichen des„totalen Staates". In Saarbrücken hat er in diesen Tagen wieder gesprochen. Im Kaufmännischen Verein. Sein reicher Schatz an Klingelphrasen bekennt sich zur„unaufhaltsamen Dynamik der Frontgeneration". Er hat den Duce in Natura gesprochen, hingerissen vom Führergedanken, nun mit blautreuem Auge Adolf Hitler zugewandt, der die Welt regeneriert. Zufällig lasen wir in diesen Tagen eine Rede Hartmanns, gehalten zu Pfingsten 1928 auf einer sozialistischen Tagung zu Heppenheim. Hier sagte er(„Sozialismus aus dem Glauben", Rotapfelverlag Zürich, Seite 105) unter anderem wörtlich: „Wir hören vielmehr im Sozialismus eine Frage Gottes an uns, die lautet: was ist damit gemeint, daß sich im Klassenkampf so schreckliche Dinge offenbaren? Wir können sie von uns aus nicht beantworten, nichts Endgültiges sagen. Wir können nur tagen, daß dat Schreck• liehe, das im Menschen ist, offenbar ist, ebenso aber auch die Hoffnung, die in ihm ist, und zu der er aufgerufen wird, und von da aus tasten wir uns dann weiter..." Nein, das Schreckliche im Menschen hat sich Dr. Hans Hartmann nicht offenbart. Nur das Niedrige. Und von da aus tasten wir uns dann weiter— wahrhaftig, auch er hat neues Terrain gewonnen. Nicht nur ein Typus des Verrats und der 1 erleugnung, sondern der schlimmeren und verächtlicheren des Miterfinders von Ideologien, die ihre Inhaber öffentlich zur Rede- und Schrifterlaubnis legitimieren sollen, daß sie schon immer heimlich Adolf Hitlern verschworen gewesen seien. Der Teufel kann einen Pfarrer lehren. Und so spricht denn dieser Hartmann, der einstige Rebell wider die Herzensträgheit des offiziellen Protestantentums, heute mit der gleichen schmiegsamen und öligen Stimme jedes aktuell erforderliche Lob eines Staates aus, das seine Freunde und Helfer von früher ausstößt, verfemt, fängt und verhaftet. Einst träge Herzen— heut fleißige Peitschen! Ein aktiv!» sticher Lizentiat sieht die Welt endlich voller Aktivität und Jugendkraft und hat heimgefunden zu seinem Gott. Andreas Howald. dtauptmami sah den JUttec Qedenkwoete tines deutschen Dichtees an Stiedcich C&eet Wenn ich über den ersten deutschen Reichspräsidenten sprechen soll, so kann es nur unzulänglich sein. Es sind Männer genug da, welche seine Verdienste kennen, in ausführlicher Weise darzustellen tüchtiger sind. Aber auch eine Menge Menschen sind vorhanden, die solche Verdienste recht gut kennen, aber verschweigen und, schweigend, verunglimpfen lassen.— Für mich ist Friedrich Ebert ein warmherziger, ganzer Mann, ein ebenso warmherziger, ganzer Deutscher und ganzer Mensch! Herkunft, Kenntnis eines Handwerks oder Unkenntnis eines Handwerks sind dabei, trotzdem Kenntnis immer vor Unkenntnis steht, Nebensache. Die Aufgaben, welche Friedrich Ebert beim Antritt seines hohen Amtes fand, naheliegende, unabweisliche, gewaltige, furchtbare Aufgaben, hat er mit breiter Kraft, breiter Güte und fester Entschlossenheit, als großer Staatsmann, gelöst und ist dadurch zum Retter Deutschlands in schwerer Not geworden. Fem sei es mir, mich den unsterblichen Mächten des finsteren Undankes anzuschließen! Lieber will ich mitsamt meinem Dank sterblich sein. Friedrich Ebert, bei dem man tief erschüttert an die Baracke denken muß, in welcher der große Lincoln das Licht der Welt erblickte, hatte nicht nur die Führereigenschaften des Verstandes, sondern ebenso die des Herzens. Mit dem Herzen umfaßte er Volk und Vaterland: beide haben sein Opfer gefordert. Ehre deshalb für immer seinem Andenken in jedem wahrhaft deutschen Herzen! Gerhart Hauptmann. « Diese Worte stehen in„Friedrich Ebert und seine Zeit. Ein Gedenkwerk über den ersten Präsidenten der deutschen Republik", Dr. Wilhelm Glaß u. Vo., Verlag Charlottenburg, Seite 71. Geschrieben wurden sie vor acht Jahren, damals, als Friedrich Ebert von der nationalistischen Meute niedergehetzt worden war. Eine heroische Szene kommt uns in Erinnerung. Im Herbst 1922 feierte Gerhart Hauptmann seinen 60. Geburtstag. In Breslau waren die Hauptmann-Festspiele. Im alten Rathause wurde der Dichter von Friedrich Ebert in den Saal geführt, der aus Berlin zu diesen Veranstaltungen gekommen war. Beide standen lange beieinander im festem Händedruck. Derselbe Hauptmann hat kürzlich ebenso fest und ebenso lange diejenige Adolf Hitlers gedrückt. Stände der Dichter heute vor der Bahre seines neuen Führers, forderte man ihn auf, einen Nachruf zu schreiben: er könnte das Manuskript von 1925 für Friedrich Ebert verwenden, ohne viel zu ändern. Es soll der Dichter mit den Rettern gehen. Immer mit dem Herzen! Die sanften Augen Gerhart Hauptmanns blicken bereits wie diejenigen von Lynkeus, des Türmers, in die Ferne: bitte, der Nächste! Zucke zackig, deutschet Mann! Marschmusik zur Arbeitsschlacht Welches die Aufgaben der„Deutschen Arbeitsfront" sind, ist hinlänglich bekannt. Für ihre bekannten Schlachten hat nun ein Genie namens Piegner-Clausen einen„M a r s ch der deutschen Arbeitsfront" komponiert und widmete ihn dem Dr. Ley. Mit Recht, denn— wie es im Waschzettel dazu heißt—„die Musik ist zackig, aber so leicht zu singen, daß sie jedem im Ohr haften bleibt". Sie enthält „schraissige Marsehteile, anfeuernd, wuchtig und hinreißend, die das bekannte Zucken hervorrufen". Zwischen Arbeitsschlacht und Zacken und Zucken, zwischen A bis Z und den Ansichten des Herrn. Röhm bis zu den Zentnerladungen des Herrn Ley geht dieses Analphabet neudeutscher Kunst ,triumphal und hymnusartig" seinen Weg des Abfalls von menschlicher Gesittung und es geht in im Marschtakt der Trommeln und Festgesänge der Zulukaffern. Deutsches£c" hl. 12 Uhr sich die schlechten Sitten nicht darauf, die Stadt zu verderben, sie entwaffnen sie auch." Diese Klage über das Spitzelwesen ist sehr deutlich, und in der Woche der Stavisky Enthüllungen, bei denen auch gewisse Umtriebe aufgedeckt wurden, kommt sie auch zu rechter Zeit. Man weiß ja, wer gemeint ist. Große Konzerte rfonntag. 1%. Januar I®3* 17 h Théâtre des Champs-Elysées Concerts Pas de- loup. Dirigent: P. Coppola. Solistin Margarete Lawrence (SQngerin). Programm: Werke von Lalo, Aubert, Chausson, Gaubert. Roussel, Bruneau, Strauß. 17 h 15 Théâtre du Chûtelet Concerts Colonne. Dirigent: Paul Porag. Solist: Georg Kulenkampff(Violine). Werke von: Bach, Beethoven, Chabrler, Ravel, Glaronnov, Rimsky-Korsokov. 15 h Aue. Conservative Société des Concerts. Dirigent: Ph. Gaubert. Solisten: Marg. Soyer(Sängerin), Jaques Février(Planist). Werke von: Mozart, Beethoven, Weber, Wagner. 15 h Salle Gavean Concerts Lamoureux. Dirigent: Albert Wolff. Solisten: Elisabeth Schumann(Sängerin), Firmin Touche(Violine). Werke von Bach, Beelhoven, Schubert, Brahms, d'Indy, Lalo, Marellier. 17 h 15'Salle Plexel Orchestre Symphonique de Paris. Dirigent: Pierre Monteux. Solisten: Moxtelli& de Trévi(Gesang). Richard-Wagner-Programm. Ii h 45 Ecole Normale(78, rue Cordinet) Concerts Dubruille. Dirigent: E. Dubruille. Solisten: Monique Deshays& J. J. Hinter(beide Pianos). Werke von: Bach Haydn, Mozart, Schubert, Grieg, Plerné, S.-Saens, Debussy. Spitzel in Paris! Die französische Oeffentlichkeit ist stark beunruhigt, weil abermals eine Spionage-Affäre vorgefallen ist. Diesmal ist T h i o n v i II e(Diedenhofen) in Lothringen der Schauplatz. Sehr interessant ist, was M. de La Palisse in der Pariser Zeitung„Le Journal" dazu bemerkt: „Die Spionage an der örenze ist sicher nicht die einzige, nicht einmal die gefährlichste In den zweifelhaften Kreisen von Paris sind Agenten ties.Auslandes auf Horchposten, und die Sittenverwilderung ist ihr Pfand. So beschränken Pelze-Krämer Q7 Grand'rue w■ y nur t. Stock STRASBOURG Grosse Auswahl in Pelzkragen ab 2C fr.. Pelz- iaquettes ab 175 Fr.. Pelzmäntel ab 5SC Fr. Isab.- und Skunksflidise ab I5C Fr., Skunks-Colliers und Ediarpes ab 20C Fr. Reparatur. 50"i< Ersparnisse 1421 Auch dl*„Kleine Anzeige" In dei „Deutschen Frei- heit"bringt Erlolg Emigrant Kaufmann, tüchtiger Verkäufer, vielseitig, sucht m. einigen tausend Fr. tatige Beteiligung oder Einlage gegen feste Bezüge. Angebote unter E. W. 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Das Verbot gilt aooh für R e k 1 à m e* Schilder obszöner oder zweideutiger Art. Die Verordnung soll dem Schutz des Publikums und der heranwachsenden Jugend dienen. Nazimann erschießt sich auf der Rheinbrücke 1 Vor einigen Tagen spielte sich auf der Rheinbrücke nach Kehl ein aufregender Vorfall ab. Der Naziführer Sprintai a n n aus Kehl erschoß sich mit seinem Dienstrevolver auf der Brücke, etwa 20 Meter vom deutschen Zollhaus entfernt. Springmann soll in Kehl einer der Hauptakteure in der NSBO. gewesen-sein. Den Grund für seinen Selbstmord. für dessen VerÜbung er sieh nicht nur rein zufällig auf die Rheiuhrücke begehen bähen dürfte, soll einerseits iii der Uebergeliung Spriugmanns bei der allgemeinen Pöst- chenverteilnng zir suchen sein, andererseits aber auch in gewissen Verfehlungen, die er sich mit Geldern der NSBO. habe zuschulden kommen lassen. Gewollt oder ungewollt hat Spriugmaun mit seiner Tat einen Beweis mehr für die wunderbare Ordnung im„dritten Reich" geliefert, für das sich die Elsässer absolut nicht begeistern können. Strasbourg ire CHEZ ARMAND Unter den Gewerbslauben 75 (1. Stock:: Telefon Nr. 44.10 Dauerwellen nach neuest. System SO.- 6 Monate Garantie Haarfärben mit Inecto...... 30.- Biondmaclien der Haare 15.- Sämtliche Arbeiten werden nur von ersten Spezia. listen ausgeführt, da ich in meinem Salon nur erste Kräfte beschäftige lienffnet den aa.se. Ta* v. 8 Uhr frSh bis 7 Uhr abeads IM Vorxcii«»( B»mt Aasonce«rhSt l«dor Koni«« Im Friktion fratU Kali, Erdöl und Tabak Die elsässischen Kaligruben haben zwar ihren Jahresabschlußbericht für 1933 noch nicht veröffentlicht, doch läßt sich jetzt schon überblicken, daß die Produktion gegenüber dem Vorjahr um geringe Mengen gesunken ist. Die Ausbeute an reinem Kali dagegen ist gestiegen. Der Verkauf überstieg sogar den vorjährigen um 45 Prozent, so daß die großen Lagerbestände beinahe restlos umgesetzt werden konnten. In der Kaliindustrie finden jetzt noch rund 7000 Arbeiter Beschäftigung, die Feierschichten konnten verringert werden. Bleibt der Absatz auch in diesem Jahr dem vorjährigen nur gleich, so wird er eine wesentliche Steigerung der Produktion im Gefolge haben. Man beurteilt in Fachkreisen die Lage als durchaus günstig. Die Nachrichten über bedeutende Petroleumlager im Sundgau, vom Rhein bis in die Belforter Gegend, nehmen gegenwärtig ernsteren Charakter an. Man schätzt die Ergiebigkeit der Lager für ebenso groß, wje die der Lager in der Pechelbronner Gegend, in der bekanntlich schon ganz erhebliche Mengen Petroleum zutage, gefördert werden. Ob die Ausbeute der Suudgauer Vorräte bald beginnen wird, stellt noch nicht fest. Die Delegierten der elsässischen und lothringischen Tabakpflanzer diskutierten dieser Tage in Straßburg die Kontingentierung des Tabakbaues. Nach langwierigen, oft sehr erregten Debatten, in denen die verschiedenen Wünsche vorgetragen wurden, einigte man sich darauf, die Kontingentierung nach dem Prinzip der Qualität vorzunehmen, überließ aber dem Vorstand die Ausarbeitung der einzelnen Vorschriften. 13 000 Franken auf dem Zentralfriedhof verloren Eine ehrliche Finderin Ein hiesiger Geschäftsvertreter verlor kürzlich«uf dem Zentralfriedhof 13 000 Franken. Er bemerkte seinen Verlust erst vier Tage später. Wie groß war seine Ueber- raschung. als er bei seinem Besuch auf dem Fundbüro in der Blauwolkengasse die 13 000 Franken wieder erhielt. Ein Ißjähriges Fräulein Rosenfelder aus Neudorf war die ehrliche Finderin, die von dein Verlierer mit einem ordentlichen Fiuderlohu bedacht wurde. Der verhinderte„Globetrotter" Die Polizei nahm einen 32 Jahre alten Deutschen fest, der,»ich als„Globetrotter" ausgab und durch den Verkauf von Ansichtskarten, auf denen Leistungen verzeichnet waren, die er nie vollbracht hatte, tägliche Einnahmen von über hundert Franken verschaffte. Nun sitzt er in Haft und begegnet damit vielleicht seinem ersten größeren Erlebnis. Eine Abtreibungaaffäre Vor einigen Tagen wurde ein hiesiger Arzt verhaf- I e t, dem verschiedene Fälle von Abtreibungen nachgewiesen werden konnten. Die Affäre, die bis jetzt drei Verhaftungen nach sich zog, hat allgemeines Aufsehen erregt. Kleintierausstellung Das Syndikat des Sociétés d'Avicultures du Bas-Rhin veranstaltet vom 13. bis 15. Januar seine VII. nationale und internationale Ausstellung für Geflügel, Kaninchen und Tauben zu Straßburg auf dem Wackeil. Pris d'Armes Auf dem Place Broglie findet am 18. Januar, vormittags 10 Uhr, eine Truppenparade statt. Eine Greisin beinahe verbrannt In der rue Vauban kam eine 84 Jahre alte Frau mit ihren Kleidern dem Ofen zu nahe. Im Nu stand sie in hellen Hammen Dem Umstand, daß sofort Nachharn herbeieilten, die die Flammen erstickten, verdankt die Greisin ihr Leben. Sie wurde mit nicht allzu schweren Brandwunden ins Kraukenhaus eingeliefert. „Volksfront" nicht mehr ganz solide Die eigenartige kommunalpolitische Koalition, die— aus oppositionellen Kommunisten, Autonomisten und Katholiken besteht— hier seit Jahren an der Macht ist, scheint einen Knax bekommen zu sollen. Im kommunistischen Oppositionsorgan wird in mehreren Aufsätzen die neue Richtung der KPO. begründet Dabei kommen die Koalitionspartner arg in die Enge und es scheint so, als wollte die KPO. in Zukunft ihren kommunistischen Prinzipien leben, was natürlich die Sprengung der„Volksfront" bedeuten würde. Sparen ist Trumpf In der Woche vom 2. bis 6. Januar leisteten 5524 Sparer bei der städtischen Sparkasse Gesamteinlagen in Höhe von rund 7 Millionen Franken. Allein 307 neue Sparer legten in dieser Woche den Grundstock zur Schaffung eine» kleinen Kapitals. Frage: Welche Sparkasse aus dem„dritten Reich" vermag ein ähnlich günstiges Resultat zu melden? Hier„verlotterte Demokratie", dort„neudeutscher Aufbau". Theater, Kinos, Konzerte Das Programm im Theater municipal wies in dieser Woche neben dem musikalischen Drama„La Danseuse de Tanagra", den deutschsprachigen Lustspielen„Weh dem, der lügt", sowie„1, 2, 3— Souper", dem„Land des Lächelns" und einer elsässischen Darbietung eine Galavorstellung des Ensembles Karscnty von der Comédie Française, Paria, mit„L e b o n h e u r" auf.— In den Kinos wird man in der kommenden Woche zwei gute deutsche Filme mit den aus Deutschland verbannten Elisabeth B e r g n e r und Siegfried Arno sehen. Der Meistergeiger Adolf Busch aus Basel und der berühmte Pianist Rudolf S e r k i n bestritten das dritte Konzert der Société de Musique de Chambre Strasbourg. Während am Freitag.. J9..Jaguar ÇJisglietb Scjjuh mann und Magda X a g L i a f e r,o iig.3,£vu^rGWJS««\ philharmonique Paris auftreten. Mit einer umtangreiejien A u s s tel- de lung .....„ setner Arbeiten, die einen Uebcrhlick über sein geniales Schaffen geben, ehrt man gegenwärtig im elsässiehen Kunstbaus den jüngst vcistorbenen Strasböurgef Maler Leo S c h n u g. E. D. BRIEFKASTEN Dr. M., Bafel. Den„Wrütltotict" leiten»wir nnî zurück. Wir werden gelegentlich auf da» Material zurückgreifen. Berliner. Ei« teilen un» mit, da» der protestantische Bischof in der Kirch« silr den Reichspräsidenten, den Reichskanzler und die Sohenzollern Velen lägt. Warum nicht? Weint ist» doch der Geist Gölte», wie er ilin fühlt, dazu treibt? Wilhelm traut aber anscheiiieud dem deutsche» Gott noch nicht recht und bleibt ira» der Bischofsgebete in Sollend. Gr war immer ei» vorsichtiger Mann, trog feiner unvorsichtige» Reden. „Saar-Aront". Ta» Eaarbrücker Naziblatt beschwert sich, well die Regierungskommlsflo» des Taargebielea einige unbequeme, aber keineswegs die Zeitungen in ihrer Gçistenz bedrohende Einschränkungen der Preßsreiheii getroffen hat. Uebrigeu» provoziert durch maßlose journalistische Ausschreiiuirgen der Ngzi». Nun schreibt die braune„Zaar-Kronf: Ter Bericht der Regieriingskomiiilsston. dèr un» non dieser gestern zur Zwangsanslage gemachl wurde, verstaue! zunächst einmal die grundsätzliche Erwägung, ob es für eine Regierung, die doch nur auf den befristeten Abruf von 1.1 Zähren bestellt ist, überhaupt mit derartigen Zwangsmitteln arbeiie» darf. Als An- Hänger. einer Pr.estesreihelt, wie sie zum t'obe und Wohle de» deutschen Zchriftleiierstandes nun endlich im mite«' deutschen Echrlftleilergesetz verankert ist, mitnen wir der Regierungskom- misflon diese» Recht, da« st« seit Zahl und Tag für sich in Anspruch nimmt, bestreiten,- Wenn nun die Regierungskommisston die Kililersche„Preßfrribeit" im Eaargebiet einführte? Tann wäre es über Nacht mil der Nazi» presse vorbei. Genau wie früher im Reich, so sind jetzt im Eaar- gebiet die Nazi» Nutznießer der angepöbelten Temokratie. AGENCE LIBERTÉ 2, petite rue d'Austerlitz STRASBOURG Generalvertretung der „Deutsche Freiheit" für Elsass-Lothringen Annahme von Abonnements und Inseraten: LIBRAIRIE POPULAIRE, 2. rue Sédillot Strasbourg (Hinter dci Börse) ABONNENTENWERBER in allen Orten des BAS. RHIN und HAUT-RHIN sotort gesucht. Das Neueste dnb. Stettin, 18. Jan. Hu dem Mord in der Saunier- ftraße erfahren wir noch, daß der in das ttrantenhaus de- finnungslos eingelieferte jüngere Bruder des getöteten Hugo Frost eine große Menge Veronal genommen hat. Außerdem hat er eine tiefe Schnittwunde in der rechten Hand. Er ist immer noch besinnungslos, so daß an seinem Auskommen ge- zweifelt wird. Es dürfte demnach die Vermutung zutreffen, daß der jüngere Bruder den älteren erschlagen Hai. 91m Geburtshaus des Ministerpräsidenten und Reichs- ministers Hermann Görina wird am Sonntag eine Gedenktafel enthüllt. Was soll dieser Unfug? Das Volk wird diesen blutigen Verbrecher gut im Gedächtnis behalten. Biel, viel länger als diese Gedenktafel das Haus verunzieren wird. In Feldmoching bei München wurde am Donnerstag in ihrer Wohnung die Ehefrau?lnna Wagner mit Gas vergiftet tot aufgefunden. Im Nebenzimmer lag gleichfalls tot ihr Bater vor dem Bett. Neben der Iran lag verendet ein Schäferhund. Der Greis hat offenbar versucht, ins Freie zu gelangen, ist aber dann kraftlos zu Boden gesunken. Ein M i l i t ä r a u t o aus Eafablanca wurde auf der Strecke Eafablanca— M azagan infolge Reifcnbruchs gegen einen Perfonenautobus geschleudert. Bei dem Hu- sammcnprall sind die Insassen des verunglückten Wagens, ein Oberst, ein Hauptmann und die am Steuer sitzende Ordon- nanz, schwer verletzt worden. In?k u ch lDepartement Gerss wurde bei Tagesanbruch der Ruffe Iurufcheff durch Fallbeil hingerichtet, der von dem Geschworenengericht von Gers im Oktober 1833 wegen Mordes an einem Dienstboten und wegen zweier Brandstiftungen zum Tode verurteilt worden war. Auf dem Pariser Nordbahnhof kam es Freitag früh zu Ausschreitungen von Reisenden, die über die starke Verspätung eines Vorortzuges erzürnt, eine stürmische Kundgebung veranstalteten. Der Vorortzug ans Beaumont, der vornehmlich von Büroangestellten benutzt wird, hatte 14 Minuten Verspätung, bei einer Fahrzeit für die Gcsamtstrecke von eineinhalb Stunden. Die sechs an- wefenden Polizisten, die den Verkehr in der großen Halle aufrechterhalten wollten, wurden abgedrängt und dann miß- Tél. Trinité 43-13 Méiro P i g a 11 e Deutsche Poliklinik Paris, 62., ßue de ia Rochefoucauld a) Allgemeine Konsultationen mit 9 SpozMiste». b) Chirurgie e) Geburtshilfliche Klinik 4) Zahnärztliche» Kabinett Innere Medizin, Augen-, Ohren-, Nairn- und Kehtkopftrznk. ZweistöcktgesjSznatonnmsgebände. Vierstöckige« Gebäude. Zimmer Zahn- und Mundcfairurgie. Gold- hetten. Röntgen. Diathermie. Elektrotherapie. Spezialbehand« Kleine, mittlere und große Chirur. mit I bis 4 Betten. 3 Aerzte, 3 Heb- und Porzellan kronen.-Brücken, lung bei Blut». Harn» o, Geschlechtskrankheiten fie. Die alleimodernsteEinrichtung ammen und 2 Operationssäle. 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In Calais fanden erneut Arbeitslosenkund- gedungen statt, die zu Husammenstößen mit der Polizei führten. Hwei Demonstranten find festgenommen worden. Der Pariser Gcmeinderat hat beschlosien, den verstorbenen Staatsmann und Wisienfchaftler Paul Pninleve dadurch zu ehren, daß der Platz vor der Sorbonne künftig den Namen „Square Paul P a i nleve" tragen wird. In der Gegend von Nancy sind Wölfe anfgetancht. Am Freitag wurde ein Radfahrer, als er eine Schonung passierte, von zwei dieser Bestien eine Strecke weit verfolgt. Die Ehefrau des Hoch staplers Stavisky wurde gestern einem vierstündigen polizeilichen Verhör unterzogen. „Echo de Paris" gibt das Gerücht wieder, daß Krau Stavisky ver saarländische„Horst Wessel" Nazi-fflßbrandi mit einem loten Das Sdiwurgeridit bringt die Wahrheit an den Tag Saarbrücken, den 13. Januar 1984. Es war am'25. September 1983. Auf Befehl der Nazi- Oberleitung wurde alles, was im näheren und weiteren Um- kreise zur. braunen Armee des Saargebietes gehörte, nach Neunkirchen beordert. Spaniol gab de» diktatorischen Befehl an alle Bürgermeistereien des Saargebietes, halbmast zu flaggen. In Neunkirchen formierte sich ein riesiger Demonstrationszug zu einem Grabe. Was mar geschehen?„Der Besten einer" der Saar nazis, wie Spaniol sagte, war einem„feigen und heimtückischen Ueberiall roter, marxistischer Untermenschen zum Opfer gefallen". Alle Zeitungen waren voll davon. Durch die ganze Welt gingen Sensationsmeldungen von einem Morde. Der Tozialdemo- krat Lang in Neunkirchen soll es gewesen sein, der zu nacht- licher Stunde den tapferen braunen Kämpen Hemmer durch einen Schuß meuchlerisch niederstreckte. Lang selber sei an Ort und Stelle bereits durch Schüsse von Landjägern be- straft worden, die ihn schwer verwundeten. Jetzt wurde dieser Kall, der von einer maßlosen Hctzdema- gogic ausgebeutet wurde, vor dem Taarbrücker Schwurgericht verhandelt. Lang stand unter der Anklage des Totschlags. Schon der erste Tag führte zum Zusammenbruch des ganzen nationalsozialistischen Rummels, der mit einem Toten ge- trieben wurde. Tie Zeugen schilderten den„Horst Wessel" des Taargebiets, der vor einem halben Jahre nvch im kom- munistischcn Lager stand, als einen üblen und schlecht be- lenmdeten Trunkenbold. Seiner Frau wollte er die Möbel- stücke verkaufen, um sie in Schnaps umzusetzen. Lang erfuhr demgegenüber eine gänzlich andere Bcurteilung durch die Zengen. Ein anständiger Mensch, im Kriege schwer ver- wundet, für sein ganzes Leben zum Krüppel gemacht. „Wer mit ihm Streit bekommt, muß eine Bestie von einem Menschen sein," hat ein Zeuge von ihm gesagt. Wie wenig streitsüchtig Lang war, bezeugt ein Vorfall aus dem Beginn des Abends. Er schlug den Gesang eines gemeinsamen Liedes vor und man einigte sich darauf, um politischen Händeln zu entgehen, das alte Volkslied„In einem schönen Wiesengrunde" anzustimmen... Die Beweisaufnahme enthüllte mit aller Deutlichkeit, daß es sich um eine der vielen Wirtshausstreitigkeiten han- delte, die im Saargebiet infolge der dauernde» Heraussorde- rangen der Nationalsozialisten an der Tagesordnung sind. Sie ergab unzweideutig, daß Lang zuerst gereizt worden war, und daß sich eine Schlägerei angeschlossen hatte, die durch den verhängnisvollen Schuß beendet wurde. Die große Sensation des Tages aber war die Verneh- mung eines bisher überhaupt nicht gehörten Augenzeugen, eines parteilosen Invaliden. Er sagte unter Eid aus, Lang mit feinem Humpelbein sei von einem größeren schlankeren Manne von hinten überfallen worden. Das konnte kein anderer alsHcmmcr sein. Diese überraschende Aussage führte dazu, daß der Gerichtshof abends gegen 6 Uhr die Verhandlung plötzlich abbrach und eine Ortsbesichtigung beschloß. Der ganze Ge- richtshof mit den in Frage kommenden Zeugen und mit dem Augeklagten sowie seinem Verteidiger Dr. Sender fuhren nach Neunkirchen. Wir wollen der Entscheidung der Geschworenen und des Gerichts nicht vorgreifen. Sie werden auch darüber zu be- finden haben, ob sich Lang in Notwehr befand. Aber schon heute ist enthüllt, daß die saarländischen Nationalsozialisten unter Führung ihres Herrn Spaniol ihre große Reklame mit einem gänzlich untauglichen Objekt inszeniert haben. » Der Lokaltermin in Neunkirchen hat die Vermutung eines Notwehroktes auf Grund der Aussagen des einzigen Augenzeugen durchaus bestätigt. Selbstverständlich war die Sicht in dem regnerischen Januar- wetter nicht die gleiche wie an jenem hellen Teptewberabcnd. Man konnte aber vom Schlafzimmerfenster des Zeugen die Umgebung beobachten und menschliche Gestalten genau er- kennen' i SEROKLINIK VON PARIS Tl. Boulevard do Clichy- Metro Blanche Harnleiden, chronischer und irischer Tripper, Militärgicht, Cystitis, Prostata. FRAUENLEIDEN Blutkrankheiten. Venenentzündung, Hämorrhoiden Syphilis, Haut- und Kopfhauterkrankungen \usschlag, Psoriasis.—■ Neue Behandlungsmethode aui elektrischem Wege und durch ultraviolette Strahlen« Sérothérapie end Auto»Hemo»Therapie— Massiges Honorar. Konsultationen von 9—12 und 14—20 Uhr. Sonntags von 9—12 Uh*. Deutsches Zahnärztliches Institut U, Kit Ofc OOLAt Metro: Blanche, Pi(«lli teL Trinité W«27^»rechetuuiea*12, M Uhr lahn»u. Mundkrankh.. Röntgen Elektrotherapie, Prothesen. Kronen. Brücken in Gold. Platin n. Porzellan NE LH KIT: PORZELLAN,KRONEN UND.BRUCKEN Umarbeitung ichlechtiitzender Gebisse mit»oller Garantie für guten Sita. 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Argentinien werde diese Bemühungen mit voller Unparteilichkeit durchführen. In einer Sitzung des christlich-sozialcn Partei- v o r st a n d c s in Wien herrschte allgemein der Eindruck, daß die letzte Entwicklung die gesamte christlich- soziale Bewegung gefährdet habe. Der rumänische Ministerpräsident Tatarescn erklärte einem Sonderberichterstatter des„Petit Parisien", daß er gegen die Eiserne Garde mit aller Strenge vorgehen werde. Der studentischen Jugend werde künstig die Zugehörigkeit zu politischen Bereinigungen untersagt werden. Daß das Bündnis mit Frankreich das A und O der rumänischen Außenpolitik bleibe, bekräftigte der Minister- Präsident anss neue. Aus Anlaß des Wicdererschcinens einer faschistischen Zeitschrift, die gestern abend in Madrid ans der Straße verkauft wurde, gab es zahlreiche Zusammenstöße zwischen Faschisten und Marxisten. Ein Student wurde erschossen, mehrere Personen verletzt. OFFERIERT SOGARRiN naefi deutschem Sescfimocß Ambassadeurs... 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Nach der Ueberwindung des„Parteibuchbeamtentums", das angeblich früher bestanden haben soll, müssen nun zur Bekräftigung der neuen Sparmethode gleich 3 Pgs. zu be- amteten Bürgermeistern gemacht werden. Hoch die Pöstchenrevolution! vas explodiert I Wohnhaus begräbt vier Personen dnb. Esse», 12. Jan. Am Freitag, kurz vor 9 Uhr, er- eignete sich i» der tlönigstraßc in Plettenberg eine Gas- explosion, die so heftig war, daß ein Wohnhaus zusammen- stürzte und sofort in Flammen ausging. Vier Hausbewohner wnrden unter den Trümmern begraben. An den Bergungs- arbeiten beteiligen sich neben der Feuerwehr auch SA., und SS.-Abtcilungen. Bisher ist es gelungen, eine schwerverletzte Frau zu bergen und ins Krankenhaus zu bringen. Die drei übrigen Personen befinden sich noch unter den Trümmern. Die Erplosion dürste, soweit sich bisher übersehen läßt, aus das Undichtwerden der in unmittelbarer Nähe an dem Hause vorbeisührenden Ferngasleitung zurückzuführen sein. Das Gas scheint durch die Erde in das Haus gedrungen zu sein und sich dann entzündet zu haben. Eine Erplosion der Ferngasleitung selbst ist nicht erfolgt und, wie versichert wird, auch technisch unmöglich. .* Zwei Tode geborgen Plettenberg, 12: Jan. Bei dem Hauseinsturz infolge dee Gasexplosion wurden außer der schwer verletzt geborgenen Frau Hoyer nun auch die Frau Selle und der Invalide Heese tot aus den Trümmern hervorgezogen. Vermißt wird noch die Tochter der Frau Selle. Für den tzdesanuinhalt verantwortlich: Johann P i? in?»-" tocilcr; für Inserate: Luv Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksftimme GmdH„ Saarbrücken 3. Schützenstrahe 5,