Einzige unabhängige Tageszeîiung Veuischkands Nummer 13— 2. Jahrgang Saarbrücken, Mittwoch, 17. Januar 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Ans dem Inhalt JCechec und DecBannung Seite 2 ïBcaune QaUtasenbeuiequnq. Seite 3 Deutsches 7 Tlassenelend Seite 4 Slaoistufs tätseihaftec lod Seite 4 7lazi=£uägcant spricht Seite 7 J-Hsecatenteii Beachten! Keine Rückkehr nach fient Hitierdeufsdiiand setzt seine den frieden gefährdenden Provokationen fort Berlin berät Aber ablehnende Antwort nach Genf zweifellos Merlin, 16. Jan. Die Rcichsreqierung hat eine Eni- ichcidung über die Einladung des Völkerbundes zur Teil- "ahme an den Saarvcrhandtungcn noch nicht getroffen. Wie die Morgcnblätter jedoch übereinstimmend berichten, dürfte die deutsche Antwort negativ aussallen, da seit dem deutschen Austritt aus dem Völkerbund eine grundsätzliche Vende- rung in dessen Haltung nicht eingetreten ist, durch die etwaige deutsche Teilnahme aber ein gefährlicher Präzedenz- fall geschaffen worden wäre. Die Reichsregierung hat keinen Anlaß, dem Völkerbund die Verantwortung für die Reglung der Saarsrage abzunehmen. * DF. Eine dramatische Außenpolitik, wie sie Deutschland »in 14. Oktober in Genf eingeleitet hat, als es mit einem Faustschlag aus den Tisch den Völkerbund verließ, trägt ihre unausbleiblichen Konsequenzen in sich. Selbst wen« die NeichSregierung damals noch die Absicht gehabt haben sollte, gelegentlich einzulenken, wird sie inzwischen begriffen haben, daß die Abreise leichter war als die Rückkehr in daS inter- nationale Genf. Gewiß sind andere Staaten, wie Japan, schon vor Deutschland aus dem Völkerbund ausgeschieden, ' aber für die expansive Großmacht im Fernen Osten sind die Verlegenheiten geringer. Tie liegt weit außerhalb der «lropäischcn Interessensphären, während Deutschland auf schritt und Tritt in die europäischen Probleme hinein- gezogen wird. ES kann den Verhandlungen einfach nicht ausweichen. Wenn es sich in Genf ivic ein ungezogener Junge weigert, muß es sich anderwärts mit den Ttaats- iührern seiner Nachbarn unter ungünstigeren Bedingungen zusammensetze» oder es muß seine eigenen Interessen preis- geben. Ein solcher Verrat nationaler Interessen durch die "aiionalc Reichsregierung liegt nun evident für alle in Teutschland noch Denksähigen vor. Die Taarfrage ist »ach des Reichskanzlers wiederholter mit Herztönen vor- getragener Ueberzeugung der einzige Tifferenzpunkt zwischen Frankreich und Deutschland. Wenn man von den kleinen Meinungsverschiedenheiten in der Abrüstung»- und Ticherheitssrage absieht, die der Herr Reichskanzler wahr- ichcinlich im Kener seiner glühenden Beredtsamkeit ein- schmelzen will. Die Rückgliederung der Saar wird tagtäglich Mit allen Mitteln der Propaganda dem deutschen Volke als das nächste nationale Hochziel dargestellt. Aller politischen Voraussicht nach, ist dieses Ziel früher oder später nur durch eine Volksabstimmung zu erreichen. Zeitpunkt und Einzel- heilen dieser Abstimmung werden im Völkerbundsrat festgesetzt, wo später auch die letzte Entscheidung über die Er- lüllung der von der Bevölkerung geäußerten Wünsche fallen wird. Es ist auch für den Einfältigsten klar, daß Deutsch- lands Interesse» und das Schicksal der Deutschen an der èaar eine wirklich nationale Regierung verpflichten müßten, aus diese Entschlüsse Einfluß'zu gewinnen. DaS ist natürlich "»r im Völkerbunbsrat möglich, in dem frühere repnblika- Nische Regierungen nach vielen Jahren endlich einen Sitz für Deutschland erkämpft haben. Diese Position ist leichtfertig ausgegeben worden, und es offenbart sich nun, wie schwer sie wieder einzunehmen sein wird. Frankreich hat am Montag in der geheimen Sitzung des Völkerbundsrates durch seinen Vertreter Massigli vor- geschlagen, das stark interessierte Deutsche Reich sofort zu der Ratstagung einzuladen, die sich mit der Vorbereitung der Taarabstimmung besaßt. Mit ausgesuchter Höflichkeit stellte der Franzose seinen Antrag. In einmütiger Zustimmung "ahm ihn der Rat auf. und nun sitzen die Herren i» Berlin "»d sitzen und beraten. Nicht ob sie die freundliche Ein- ladung annehmen sollen. Das i st für sie nach dem Eklat vom 14. Oktober unmöglich. Nur w i e >>e die ihnen von Gens her beigebrachte diplomatische Nieder läge mit einigem Geschick verschleiern können und zugleich "'cht jetzt schon europäische Verantwortungen übernehmen, die ihnen am Ende des berühmten deutsch-sranzösischeu Ge- 'vräches drohen. DaS allein ist die Regierungssorge. To hat denn die deutsche Reichsregierung glücklich sich aus den Vorfragen zur Taarabstimmung ausgeschaltet, und die Saar- bevölkerung sieht mit etlichem Erstannen, wie seit der Gleichschaltung Deutschland zwar die lärmende Agitation, die anderen aber die entscheidende Politik Zachen. Es ist kindlich, wenn jetzt die deutsche Presse nach den un- lauteren Gründen sucht, die angeblich den bösen Nachbarn Frankreich zu seiner liebenswürdigen Geste an das Deutsche Reich veranlaßt haben Die Franzosen sind nicht verpflichtet, deutsche Politik zu machen. Deutsche Politik sollte die Haupt- ausgabt der deutschen Reichsregierung sein, und wenn diese nicht die Hoffnung haben sollte, das Saargebiet militärisch zurückzuerobern, kann sie es nur über die Volksabstimmung und durch den unvermeidlichen Weg über den Völkerbund erreichen. Daran unter anderm mußte sie am 14. Oktober denken, und darum trägt sie die Verantwortung für alles, was nun in Gens etwa ohne sie geschehen sollte. Ueber die Saarfrage hinaus lehrt die geschmeidige sranzö- fische Einladung und die kategorische Ablehnung, die aus Berlin bevorsteht, wie verzweifelt gering die Aussichten sind, Deutschland nach Genf zurückzubringen. Es sei denn, daß Frankreich die Absicht hätte, seinen diplomatischen Gesten eine.Kapitulation vor dem Hitlertum folgen zu lassen. Auch das gehört zu den unausweichlichen Konsegnenzen der am 14. Oktober demaskierten Außenpolitik der deutscheu Reichs- regierung, daß sie kleine Konzessionen nicht mehr akzeptieren kann. Tie ist in ihren eigenen Entschlüssen gesangen, die durch das schwindelhafte aber großartig aufgemachte Plebiszit vom 12. November noch gefestigt sind. Diese Entschlüsse gelten, da eine rasche Abrüstung der anderen nicht zu erwarten ist, der deutschen Gleichberechtigung durch gewaltige Ausrüstung. Die starke Dynamik dieser deutschen Außenpolitik, die durch eine unvergleichliche nationalistische Massenpsychose im Tempo gesteigert wird, stellt Europa vor unausweichliche Entscheidungen. Noch amüsiert sich die Diplomatie an ver- kindlichen Finessen Frankreichs und an dem schlecht ver- hehlten Acrger, mit dem die plumpen deutschen Nationalisten sie ablehnen. Aber auch dieses ebenso unterhaltsame wie gefährliche Spiel nähert sich seinem Ende. Europa wird für seine Tchicksalsstunden reif. vie internationale Saarirage Französische Stimmen Paris. 16. Jan. Tie Berliner Korrespondenten der großen französischen Nachrichtenblätter kundigen an, daß Deutschland die Aufforderung zur Teilnahme an einer Taaröcbartc in Genf zurückweisen, sich vielleicht aber nach der Schaffung eines BolkSabstimmungSausschusses für sie wieder in- tereffieren könnte. Die République hofft, daß der Völkerbund dafür sorge, daß die Volksabstimmung nicht zu einer lächerliche» Sache herabgewürdigt werde. Wenn das. Saargebiet vom „Hitlerterror" erobert iverde. dann werde auch Oesterreich gewonnen werden, und bald nach ihm ganz Mitteleuropa. Bisher habe sich Genf nicht sehr entschieden gezeigt, das könne es jetzt noch wiedergutmachen, wenn cS den Frieden rette. La Jour spricht von einem deutschen und einem fran- zöstschen Paradoxon. Hitler widerstrebe es, in der Saarsrage im Rahmen des Versailler Vertrages zn triumphieren. Er wolle einen weniger internationalen Erfolg und würde sich freuen, wenn Frankreich dem Versailler Diktat den ersten Messerstich beibrächte. Ter Quai d'Orsay halte nun an der internationalen Behandlung der Saarirage fest und wolle in diesem Falle keine direkte deutsch-französische Verstän- digung selbst wenn eine solche an sich unmittelbar wünschens- wert wäre. rreiheifsfronf nach Gern Saarbrücken, 16. Januar. Die„Freiheitsfront des Saargebietes" und die sozialdemo- Irakische Landcsratssraktion haben zur diesmaligen Völker- bundsratstagung wiederum eine Delegation nach Gens entsandt, nnd zwar den Führer der saarländischen Freiheitsbewegung Max Braun, Saarbrücken, und den Landesratsabgeordneten Hermann Petri, Rennkirchcn. Sie werden in der Bölkerbnndsstadt insbesondere das Recht der Saarbevölkerunq auf eine freie, unbeeinflußt« und geheime Abstimmung vertreten und verlangen, daß nicht nur die Antifaschisten der Saar gemäß ihrem ver- briesten und vertraglich gesicherten unveräußerlichen Rechten geschützt, sondern auch die AbstimmnngSoorbereitungen und die Datumscstsetznng erst dann erfolgen, wenn diese n n- abänderlichen und unabdingbaren Beftim- mutigen des Vertrages erfüllt Kud Oberst Beck, der polnische Außenminister, l.eitet als Präsident die Tagung des Völkerbundsrats. Hitlers Nein Die Abrüstungskonferenz in der Sackgasse A. Sch. Wie verworren die heutige außenpolitische Lage auch ist. in einer Frage kann es keinen Zweifel geben: eine außenpolitische Stabilisierung des deutschen Faschis- mus ist nur auf dem Wege einer Verständigung mit Frankreich möglich. Diese Verständigung würde heute allerdings einen ganz anderen Sinn und auch einen an- deren politischen Inhalt lsaben, als wenn das andere Deutschland, das nichtfaschistische, das republikanische Deutschland Frankreich die Hand zur europäischen Zu- sammenarbeit reichen würde. Denn es geht jetzt nicht mehr um die deutsch-französische Zusammenarbeit, um den Neuaufbau Europas, um die Lösung des kontinental-euro- päischen Problems. Der deutsche Faschismus hat alle diese Möglichkeiten zerschlagen. Es geht heute nur noch um die Verständigung in der Waffenfrage, die den Krieg verhindern könnte. Die Grenzen dieser deutsch-fran- zösischen Verständigung sind nun sehr eng geworden, aber auch diese einzige Frage scheint heute unlösbar zu sein. Das deutsch-franzöfische Kompromiß in der Rüstungsfrage ist entweder auf Grund einer englisch-italienischen Vermittlung, oder auf dem Wege der direkten Verein- barung möglich. Die englisch-italienische Vermittlung kann nicht einmal als gescheitert angesehen werden, ein solcher Versuch ist überhaupt nicht unternommen worden. Es ist kein Geheimnis mehr, daß die Verhandlungen zwischen Simon und Mussolini ganz ergebnislos verlaufen sind. In seiner Tagung vom 10. Januar hat der Abrüstung»- ausschuß des englischen Kabinetts davon Kenntnis genommen. Es gibt keinen Mussolini-Plan, der Frankreich und Deutschland vorgeschlagen oder der Abrüstungs- Konferenz angeboten werden könnte. Es gibt auch kein Mussolini-Simon-Kompromiß. Die Vermittler, die Schiedsrichter stehen mit leeren Händen da. Es bleibt also nur noch der Weg der direkten deutsch-' französischen Aussprache gangbar, und auch dieser Weg ist durch die Taktik Hitlers aussichtslos geworden. Hitlers Antwort auf den französischen Gegenvorschlag ist noch nicht überreicht worden, aber in Paris weiß man bei den zuständigen Stellen schon ganz genau, wie sie aussehen ivird. Hitlers Parole heißt zunächst ausweichen und die Verhandlungen möglichst in die Länge ziehen. Unter keinen Umständen darf die deutsche Antwort bei dem Zu sammentritt der Hauptkommission der Abrüstungs- Konferenz durch diese geprüft oder diskutiert werden können: so beurteilt die Pariser Presse die Taktik der Wilhelmstraße. Aber dieses Manöver wird illusorisch bleiben, weil die deutsche Presse bereits ausgeplaudert hat, was nach allem äußeren Zögern die deutsche Antwort doch enthalten wird: das Verlangen nach der restlosen und sofortigen Rüstungs- angleichung. Das wird aber das glatte Nein, die Ablehnung des französischen Gegenvor jKtag« dedeuten. Hitlers. Verhandlungstaktik ist auf einem Bluff und einem Trick aufgebaut: Bietet Frankreich seine Abrüstung in Etappen, dann gibt Hitler zu ver- stehen, daß er gar nicht darauf besteht und bereit wäre, Frankreichs Rüstung zu schonen, wenn Deutschland zusätz- uche Ausrüstung erhält. Wird aber von der französischen Seite erklärt, daß diese zusätzliche Aufrüstung nicht zuge- lassen werden darf, dann wird von Deutschland plötzlich die restlose und sofortige Abrüstung Frankreichs verlangt. Frankreichs Angebot, auf 50 Prozent seiner Kriegsluft- îjoite zu verzichten, falls Deutschland der Internationali- sterung der zivilen Luftfahrt zustimmt, kann jetzt schon als durch Hitler abgelehnt gelten. Die bequemste Möglich- keit, der unangenehmen Frage nach der Internationalisie- rung der zivilen Luftfahrt aus dem Wege zu gehen, be- steht eben darin, daß man die sofortige Vernichtung der g e s a m t e n französischen Kriegsluftflotte verlangt. Der bisherige Verlauf der Abrüstungskonferenz hat es bestätigt: Hitler bleibt seiner Taktik treu, nach der die Aussprache über die Rüstungsfragen kein anderes Ziel verfolgen darf, als Frankreich mit dem Bruch der Ver- Handlungen zu belasten und für Deutschland den Vor- wand für die unbeschränkte Aufrüstung zu finden. Dieses Ziel hat Hitler im November 1932 im offenen Brief an von Papen formuliert, heute, an die Macht gelangt, handelt der„Friedenskanzler" danach. Hitler sucht nicht das günstigste Kompromiß, sondern den passendsten Borwand zum Bruch, nur will er den àuch möglichst hinausschieben. Das einzig mögliche „Kompromiß" wäre für ihn nicht die Gleichberechtigung in der Friedenssicherheit, sondern die Angleichung der Kriegschancen: d. h. Deutschlands Aufrüstung. Darauf antwortete in diesen Tagen der vom Außenministermm inspirierte Aufsatz in einem Pariser Blatt, daß Frankreichs Gegenvorschlag ein geschlossenes Ganze darstellt, näin- lieh die Nichtzulassung der deutschen Aufrüstung bei der etappenweisen Abrüstung Frankreichs. Solange dieses Auseinandergehen der Ausgangspunkt fortbesteht, ist kein Kompromiß möglich, um so mehr als man in Frankreich sich über den Sinn der deutschen Per- Ichleppungstaktik keine Illusionen macht: „In Wirklichkeit darf man nicht vergessen, baß Deutsch- land immer Interesse am Zeitgewinn bat. Daß wahrend wir diskutieren Deutschland ruhig aufrüstet, indem die ganze Welt zusieht und das weiß,' daß wir ziemlich rasch gegenüber dieser famosen„Aufwertung der Hitlerschen Diplomatie" gestellt werben können, was in der Sprache der Führer des Drittens Reiches die Möglichkeit bedeutet, dem Faustschlag auf den diplomatischen Tisch irgendeine Angrisfsmaßnahmc folgen zu lassen," schrieb vor Kurzem ,.L'Oeuvre", das große radikale Blatt, das sich um die deutsch-französische Verständigung verdient gemacht hat. So gerät die Abrüstungskonferenz und mit ihr die Sache der Abrüstung in die Sackgasse. Aber das end- gültige Scheitern der Abrüstungskonferenz wird nicht das Ende der Krise bedeuten, sondern erst den Anfang ihrer gefährlichsten Etappe. In der Sitzung des Auswärtigen Ausschusses der Kammer vorn 10. Januar ist mitgeteilt worden, daß England sich kategorisch weigert, den Grundsatz der Sanktionen anzunehmen, selbst dann, wenn die Verfehlungen auch durch irgendeine Form der Kontrolle festgestellt werden. Wenn also die Abrüstungs- Konferenz unwiderruflich zum Scheitern gebracht wird, so wird danach nicht der organisierte internationale Druck auf Deutschland zwecks Verhinderung seiner Aufrüstung ausgeübt werden, sondern der allgemeine und offene Kurs auf die Aufrüstung wird beschritten werden. Ohne Ab- rüstung, ohne Entwaffnung des deutschen Faschismus kommt die Entfesselung der Kriegsgewalten. Rußlands Völsterbundspollllh Paris, 16. Jan. Tie außenpolitische Korresponbenttn des „Oeuvre" bezeichnet in ihrem heute erschienenen ersten Tele- gramm auS Genf die Möglichkeit des Eintritts Rußlands in den Völkerbund als„im gegenwärtigen Augenblick geschicht- lich gesehen unrichtig", aber psychologisch für richtig, denn die diplomatischen Aktionen Rußlands in Europa seien seit den letzten acht Monaten so intensiv, daß man logischerweise bei- nahe damit rechnen könne, daß Rußland bei der Herbstvoll- sitzung 1934 zum mindesten Vorschläge hinsichtlich eines Ein- tritts in den Völkerbund machen werde.— Die„Oeuvre"- Korrespondentin behauptet außerdem, daß die deutsch-pol- nischen Beziehungen ziemlich erkaltet seien und daß Frank- reich mit Polen als Verbündetem rechnen könne. Pelze-Kramer Q1 GrandVue wl| nur L Stock STRASBOURG Orosse Auswahl m Pelzkragen ab IC Fr., Pelz- laqnettes ab-175 Fr.. Pelzmäntel ab 350 Fr.. Izab.- und Skunksflldise ab ISO Fr., Skunks-Colliers und Ediarpes ab 20C Fr. Reparatur. 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Gleichzeitig schrieb er Essays über alle Zeitfragen kulturpolitischer Natur, verfaßte amüsante Theaterstücke, von denen sich„Das Konzert" und„Der Meister" biS heute auf den deutschen Bühnen erhalten haben, und wurde mit ergrauendem Apostelbart eine sagenumwobene Gestalt überall, wo Papier rauschte. Schon vor dem Kriege begann Hermann Bahrs Wandlung. Der einstige Freigeist suchte mystische Bezirke aus und be- kannte stch offen zu seinem Kinberglauben, dem KatholtziS» mus Man nahm ihn aber hier mit einigem Mißtrauen aus, aus Furcht vor der nächsten Wandlung. Inzwischen war Hermann Bahr freilich alt und krank geworden. Die letzten Monate waren nur noch ein Verlöschen und Verdämmern des einst so regsamen Geistes. a. 6- Rache am Katholiken Weil Professor Dessauer nicht zu vernichten war München-Gladbach, 16. Jan. Die Untersuchung gegen den Frankfurter Rechtsanwalt Dr. Thormann lden Haupt- verteidige? von Professor Dessauer) wegen der Beziehungen Thormanns zu dem Pazifisten Friedrich Wilhelm Förster in Paris ist— wie mitgeteilt wird— jetzt ab- geschlossen. Sie habe dazu geführt, daß beim preußischen Innenministerium auf Grund der Verordnung zum Schutze von Volk und Staat beantragt worden sei, Dr. Thormann ider kurz vor Weihnachten in Schutzhaft genommen wurde) in ein K o n z e n t r a t i o n s l a g e r zu bringen. In seinem Büro sei eine Reihe von Stengrammblocks aufgefunden worden, die übersetzt worden seien und in denen man einen Briefwechsel mit Förster und einem Kartellbruder Thor- manns in Oesterreich gefunden habe. Hierin habe Dr. Thor- mann in überaus abfälliger Weise sich über den National- sozialismus und die Reichswehr geäußert und sich im wesent- lichen vollkommen aus den Boden der pazifistischen An- schanung Försters gestellt. Das aufgefundene Material falle unter die große W e i h n a ch t s a m n e st i e des Jahres 1932, so baß eine Strafverfolgung deswegen nicht meh' möglich sei. » Pin Dekan verhaftet Frankfurt a. M., 16. Jan. Wie die„Hessische Lande?- zettung" meldet, tst der Geistliche Rat Dekan H c i m st a d t in Lorsch wegen verletzender Aeußerungen gegenüber Staatsorganen vom Standpunkt vom Staatspolizetamt in Hast genommen und in das Gefängnis in Darmstadt gebracht worden. Karl Dartti vom AmI enthoben Nach einer auS Köln stammenden Nachricht tst der Bonner Theologieprofessor Dr. Karl Ba r t h, der führende Theore- tiker der Opposition innerhalb der evangelischen Kirche seines Amts enihoben worden. Dr. Karl Barth, Schweizer von Geburt, ist in einer Reihe von Schriften, die in der protestantischen Welt großes Aufsehen erregten, scharf gegen die„Deutschen Christen" ausgetreten. Er wandte sich unaufhörlich gegen die Verwendung von Politik und Glauben, die die Kirche zum Machtwerkzeug des „dritten Reiches" erniedrigen wollten. Schon lange stand er auf der Feineliste des preußischen Kultusministeriums. Ein „Burgfrieden" oder Klrdihofstrleden? anderes Mitglied der Bonner theologischen Fakultät, Pro- fessor Dr. Lieb, ist schon vor einigen Monaten entlassen worden. Um beide Persönlichketten hatten sich in den ver- gangenen Monaten ein großer Anhüngerkreis gebildet, der auch zahlreiche Studenten umfaßte. Was der Pfarrernotbund, der sich weitgehend auf die Anschauungen des Professors Barth stützte, gegen diese neue Herausforderung unternehmen wird, mutz man abwarten. 32 Monate Gefängnis Für zwei Nummern der„Humanité"! Der 36 Jahre alte Lorenz Vogt auS Oberkirch hatte feine Eltern in Straßburg besucht. Er brachte zwei Nummern der„Humanité" mit, die er angeblich bei der Rückkehr in der Straßenbahn geschenkt erhielt. Eine dieser Nummern gab er seinem Freund Johann Schorr,' dieser gab sie seinem Freund Karl Golbreich und dieser wieder seinem Freunde Franz Benz, der sie verbrannt haben will. Das Sondergericht in Mannheim verurteilte Vogt zu zehn Monaten, Schorr und Goldreich zu je acht Monaten, Benz zu sechs Monaten Gefängnis.— Der 31 Jahre alte Bankangestellte Karl S ch r e m p f aus Karlsruhe stellte über führende Per- sonen der NSDAP. Behauptungen auf, die nach Ansicht des Gerichts unsinnig sind. Schrempf wurde zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Renher In krönt Wieder zwei Opfer bereit gemacht Leipzig, 16. Jan. Das Reichsgericht hat die Revision der beiden 1« und IS Jahre alten Kommunisten Willi R o ch o w und Otto Woithe verworfen. Damit ist das gegen sie ergangene Urteil des Schwurgerichts in Berlin rechtskräftig geworden, durch das sie wegen g«- meinschaftlichen Mordes an dem Hitlerjungen Schmitz- berg verurteilt worden waren. * „Erhängt" Dortmund. 16. Jan. Wie die Justizpressestelle mitteilt, hat sich der K o m m u n i st S t e p h a n K a p t u r, der wegen Er- mordung des SS.-Mannes Adolf Hoch am 6. Dezember 1933 zum Tode verurteilt worden war, am Sonnabend i n s e i n e r Zelle erhängt. Wien, 16. Jan. DaS vom 1. Dezember 1933 bis IS. Januar 1934 durch Mintsterratsbcschlnß angeordnete allgemeine Bersammlungs- und Aufmarschverbot spolt- tischer Weihnachtsfriede) ist bis»um 31. Januar 1934 verlängert worden. ver Elntoplsdi wlndel Der Beginn der leipziger Frühmesse fällt mit dem Ein- topf-Sonntag vom 4. März zusammen. Mit Rücksicht auf die nach Leipzig zur Messe kommenden Ausländer hat die Kreisleitung des Reichsarbeitsverbanbes der Gastwirte eine Eingabe an die Regierung gerichtet, den Eintopstag um acht Tage zu verschieben oder diese Verfügung für den 4. März für Leipzig aufzuheben. Dieser Wunsch wird auch vom Leipziger Meßamt- unterstützt. Sollte besonderer Wert darauf gelegt werden, die Eintopfspende an diesem Tonntag flüssig zu machen, so ließe sich bieg auch durch eine Samm- lung in den Gastwirtschaften tun. in klammen abgestürzt Flugzeug mit hohen Gästen Paris, 16. Jan. Das französische Großflugzeug„Smaragd" ist auf dem Rückflug von Jndo-China abgestürzt und ver- brannt. Das Flugzeug war am Montagnachmittag um 18 Uhr in Lyon gestartet. Kurz nach 21 Uhr beobachteten Einwoh- ner der Ortschaft Corbigny im Departement Nivre, wie ein Flugzeug in Flammen abstürzte. Da die Maschine vollständig ausgebrannt war, wußte man zunächst nicht, daß e? sich um den„Smaragd" handelte. An Bord der Maschine befanden sich der französische General-Gouverneur von Jndo-China, Pasquier, der Direktor der französischen Handelsluftsahrt, Chaumier. der französische Konsul von Damaskus, Larryeneu und vier hohe Beamte In seinem letzten Funkspruch teilte die Flugzeugführung mit. daß sie in einen Schneesturm ge- raten sei. ■ Paris, 16. Jan. Die Besatzung— Pilot, Bordmonteur und Funker—, die gestern abend mit ihrem Flugzeug Smaragd verbrannte, hatte an Bord dieses dreimotorigen Apparates, der der Verkehrslinie Frankreich—Indochina zugeteilt war, im ganzen schon 236 Flugstunden hinter sich, darunter die Probeflüge Pari»—Dakar—Paris und PartS—Algier- Paris. Der Pilot selbst war ein erprobter Flieger, der 7809 Flugstunden nachweisen konnte und den Typ deS von ihm ge- steuerten Flugzeuges von den Probeflügen her genau kannte. Aus dem Flugplatz Le Bourget hatten sich Angehörig« und Freunde der Insassen des Smaragd gegen Abend versammelt, um zur Begrüßung zur Stelle zu sein. Da sich die Ankunft verzögerte, setzte man sich fröhlich zum Abendessen zu Tisch. Plötzlich traf die Nachricht ein, daß das Flugzeug heute nicht mehr erwartet werde und bei Corbignn gelandet" sei. Kur» darauf wurden die tragischen Begleitumstände dieser „Landung" bekannt. Ueber die eigentlichen Gründe des Unfalls hat man natür- lich zur Stunde noch keine bestimmten Anhaltspunkt«. Immerhin ist eine Meldung des Matin bezeichnend, derzu- folge der Apparat bei niedrigem Fliegen gegen eine Hoch- spannungsleitung geflogen sein könnte, denn im Augenblick des Unglücks sei in Corbigny plötzlich das elek- irische Licht ausgegangen. krdbeben in Indien Erderschütterung von 3 Minuten— Viele Tote und Verletzte— 300 Häuser eingestürtzt Kalkutta. 16. Jon Ein außerordentlich heftiges Erbbeben, das zahlreiche Menschenopfer forderte und großen Schaben an Gebäuden anrichtete, suchte am Montag Indien heim. Das Beben dauerte ungefähr drei Minuten. Nach den bisher vorliegenden Nachrichten wurden in P a t n a und in Gay» neun Personen getötet. I n A amalpnrstürzte Achtung, Eltern! Mein lugendhcim, bedeut. vergrößert, befindet sich jetzt in MARNES.LA COQUETTE, Z" Grande Rae 20 Minuten Bahnfahrt vom Bahnhot St Lazare. Paris Xthton Girche» Nt. 62S Große Villa mit riesigem Park, fließendes Wasser in jedem Zimmer. Zentralheizung usw Uberleitung in die franz. Schulen. Gymnastik, Sport FRAU DR. BERG 310 der Bahnhos ein. wobei eine noch nicht ermittelte An- zahl von Menschen ums Leben kam, darunter zwei Frauen und mehrere Kinder der englischen Eisenbahnbeamten. Auch in L u ck n o w sind zahlreiche Gebäude eingestürzt. Kalkutta, 16. Jan. Stündlich laufen neue ernste Nachrichten über das große Erdbeben ein. das Montagnachmittag wette Teile Indiens schwer heimgesucht hat. Die Eingeborenen be- haupten. noch keinen so lanaen Erdstoß erlebt zu haben. D t e Zahl der Toten ist noch nicht abzusehen, da die Berichte aus den abgelegenen Landestèilen nur langsam ein« lausen. Der angerichtete Sachschaden ist sehr groß. In K a l k u t t a selbst brach eine große Panik aus. als der erste Erdstob verspürt wurde Tie Arbeiter und Angestellten flüchteten aus den Fabrik- und Büroräumen auf die Straße, um sich in Sicherheit zu bringen. ES kam zu einem wilden Gedränge, bei dem Hunderte von Personen verletzt wurden. Die Leute sammelten sich in den Parks und auf den Plätzen. Starke Polizeikräfte mußten die Ruhe aufrecht erhalten. Die Telegrafen- und Fernsprechleitungen wurden teilweise unterbrochen. Mehrere Bauten, darunter die Türme der katholischen Kirche und das Gebäude des Obergertchis, wurden beschädigt. Ein soeben in dem Obergericht eröffnetes B e r u f u n g s v e r f a h r e n über ein Todesurteil gegen den Terroristen Maiumbar mutzte unterbrochen werden. Erst als das Erbeben vorüber war. wurde dt« Sitzung wieber aufgenommen, woraus das Todesurteil be- stätigt wurde. Auch die Jmperial-Bank und das Hauptpostamt erlitten Risse. Durch das Erdbeben sind in Gawnpur 366Häuser e in- gestürzt. 700» andere Häuser bekamen Risse. Pas Neueste Nordwestlich von Calcntta hat stch ein schweres Erdbeben ereignet, dessen voller Umfang sich zur Zeit noch nicht über« sehen läßt. Bisher wurden 2» Todesopfer gezählt. Nach einer Havasmeldnng ans Lille ist Montag abend ein großes Warenhaus niedergebrannt. Sämtliche vorhandenen Waren wurden ein Raub der Flammen. Der Sachschaden wird auf fünf Millionen geschätzt. Das Feuer dürste daraus zurückzuführen sein, daß ein Arbeiter bei Ausbesserungsarbeitrn am Dach versehentlich mit der Stich» flamme eine unter der Rcparaturstelle befindliche Plan« in Brand setzte. Die»99 Angestellten deS Warenhauses«erde» nunmehr arbeitslos. In einem de? schönsten Vororte Londons mit aus« gezeichneter Verbindung zur City(*/• Stunde zur Bank) ist eine gut besetzte deutsche jüd. Pension unter besonders günstigen Bedingungen sofort abzu» geben. Besitzerin erkrankt. Sehr wenig Kapital er» forderlich. 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So eigentartig mischt der Weltengang Ver- schiedenartigstes untereinander. Sind es hier Unkraut- somen, die dem Weizen beigemischt sind, so kann umge- kehrt anderen Orts unter gesammeltem Unkraut sich auch einmal etwas nahrhafte Frucht finden. Diesen letzteren Fall erleben wir jetzt in der Glaubens- bewegung, die in Deutschland im Anschluß an den großen Umsturz des letzten Jahres hervorgetreten ist und sich mit erstaunlicher Raschheit ausbreitet. Wenn, um das voraus- zuschicken, in dem Kampfe, den heute die christlichen Kirchen gegen die unchristliche Staatsvergötzung der Er- obererdande führen, unsere Sympathie mehr auf der Seite dieser Vertreter einer immerhin geistigen alten Kultur ist als auf der einer rohen Gewaltbewegung, die das deutsche Volk auf die Stufe der Sleinzeitkultur zurückzuwerfen sucht, so darf doch nicht verkannt werden, daß unter der Schar irregeleiteter Idealisten, die heute noch in dem Zuge des neuen Hunnenführers mitlaufen, manche eine Welt- Auffassung vertreten, die nur von den fantastischen Schnörkeln der alten Wotansromantik und den brutalen Zutaten einer unwissenschaftlichen Rassenselbstvergötte- rung gereinigt werden mutz, um mit den Erkenntnissen moderner Wissenschaft und geläuterter Lebensanschauung zusammenzustimmen. Die„Saarbrücker Landeszeitung", die zwischen ihrer sehr materiell begründeten„nationalen" Gleichschaltung und ihrer alten katholischen Weltanschauung mit tragi- komischer Akrobatenkunst pendelt und als einziges noch eine gewisse Redefreiheit genießendes ehemaliges Zentrumsblatt immer öfter gegen die kirchenfeindlichen Gewalttaten ihrer neuen Herren Stellung zu nehmen ge- nötigt ist, behandelt in einer Abhandlung:„Religiöse Ge- fahren" die Gedankengänge der neuen, antichristlichen ..Deutschen Christen", von denen sie eigenartige Proben mitteilt. War die Reformation auf der einen Seite der Protest innerlicher Religiosität gegen die kirchliche Beräußer- lichung des Heiligen, so leitet sie mit ihrer Kritik an der Ueberlieferung zugleich eine Befreiungsbewegung ein, die über Reimarus und Strauß schließlich zu Feuerbach, zur vollen Preisgabe der religiösen Offenbarung mit all ihrer altorientalischen Mystik führen mußte. Diese Un- gläubigkeit, die den heutigen gebildeten Protestanten weit von der alten Kirchenlehre weggeführt hat, wurde bisher durch eine äußerliche Scheinreligiosität verdeckt. Die Ehrlichkeit der Leugnung, die bisher fast nur in der Arbeiterbewegung Boden gefaßt hatte, kommt nun in der neuheidnischen deutschen Glaubensbewegung zu stür- mischem Ausdruck. Da hören wir aus einem Buche des Philosophen Bergmann:„Die deutsche Nationalkirche",„daß wir Deutschen... einen trügerischenFremdgott... von uns stoßen samt der ihm anhängenden Lehre von einer Scheinerlösung". Weiter:„Der Gott, der in einem Volksindividuum lebt, ist ein wirklicher Gott, und man kann diesen Gott säubern und züchten durch Erb- gesundheitspflege. durch Volkshygiene und Volks- ausbildung." Abgesehen von der Rückkehr zu dem Nationalgott der Urvölker und der etwas täppischen Ausdrucksweise, ist das nichts anderes, als was. in vor- nehmerer Form und schärfer durchdacht allerdings, unsere Freidenker-Philosophie immer gelehrt hat. Zum Täp- pischen, d. h. durch unklare Gedanken und agitatorische Rücksichten Verirrten gehört auch die Verwendung und Umdeutung der überlieferten religiösen Begriffe und Namen, wie wir das aus der Kinderzeit der alten Frei- denkerbewgung auch kennen. So, wenn dem Manne die Pflicht auferlegt wird, selbst heiliger Geist und Christus zu sein und seinem Volke(der Mutter Maria) zu helfen — Geschmacklosigkeiten, wie sie keinem geschulten Frei- denker unterlaufen würden, aber vielleicht in das Gewirre undurchdachter Freiheitssehnsüchte einer religions- philosophisch ungeschulten Gruppe, wie das deutsche „gebildete Bürgertum" sie darstellt, passen mögen. Daß von diesen rassisch besessenen Neureligiösen der ..Wanderprediger Jesus" als syrischer Semit abgelehnt wird(R a s ch k e:„Revolution um Got t") begreift sich danach von selbst. Wie könnte die wilde Brutalität, der unter sozialistischem Namen sich beugende rohe Eigen- nutz der neuen Herren sich mit der Dulderlehre, dem mammonfeindlichen Gefühlssozialismus des Urchristen- tum? vertragen. Im übrigen ist die kritische Einstellung zu der alten Lehre seit Strauß Gemeingut aller Frei- denker. Nicht minder die Ablehnung der ganzen Jenseits- religion. Wir zitieren nach der„S. L. Z." noch einen Satz Berg- manns:„Längst ist nach einem Wort Schillers die Gott- heit von ihrem Weltenthron herabgestiegen, und der schöpferische Menschengeist hat sie in seinem Willen auf- genommen und steht Achtung gebietend und Ehrfurcht heischend durch seine Leistungen in Wissenschaft, Kunst und Technik vor uns da. Begibt man sich aber in die Atmosphäre der Kirche, so gilt dort noch immer der Mensch als ein armes und ohnmächtiges Sündenwesen, welches Buße tun und auf die Gnade warten muß. die ihm durch eine transzendente Heilzurüstung zuteil wird... Welch ein Petrefakt ist doch diese Kirche mit diesem Gott im Leben der heutigen Menschheit!" Besser kann das kein Freidenker sagen. Es fehlt nur die ethische, d. h. sozialistische, und die allgemein mensch- liche, d. h. internationale Folgerung aus diesen Erkennt- nissen. Schärfstens abzulehnen aber ist die geforderte neue, alleinberechtigte Staatskirche, wie Bergmann sie verfassungsmäßig so festlegen will:„Die Kirche ist Staatskirche. Ihr Oberhaupt ist der Reichspräsident. Die Geistlichen haben die Rechte und Pflichten der Staatsbeamten und können nur vom Staat Brnnt ls Hftw — So, jetzt kannst du nicht mehr reden! Enthüllungen Uber van der Lübbe Zwingende Gründe zum Verbergen Aus Amsterdam wird uns geschrieben: Die Erregung der niederländischen Bevölkerung über dt« Hinrichtung van der Lübbes ist noch verstärkt worden durch die Weigerung der deutschen Regierung, die Leiche dieses gerichtlich Ermordeten nach Holland überführen zu lassen. Wer»och gezweifelt hat, daß an dem rätselhasten Verhalten van der Lübbes in der Verhandlung ein körperlicher Moment die Ursache bildete, der ist sept davon überzeugt worden, daß eine unparteiische Untersuchung der Ueberreste van der Lübbes eine moralische K a t a st r o p h e der braunen Gewalthaber bedeuten würde. Die Erregung der Arbeiterschaft kam zum Ausdruck in drei mächtigen P r o t e sr v c r s a m m l» n g e n, die am Tonntag in Amsterdam stattfanden, zwei davon einberufen von dem Strutkomite der Sozialdemokratie gegen de» Faschismus, die dritte vom Metallarbeiterverband. Fünf- tausend Personen nahmen an den Versammlungen teil. Die Sensation bildete in der Hauptversammlung im Carre das Austreten des ehemaligen Jugendrichters De I o u g h, der einem großen Teil der Verhandlungen in Leipzig persönlich beigewohnt hat. Dieser teilte mit: Er habe vielfach versucht, mit van der Lübbe in Berührung zu kommen, aber stets sei ihm jede Unterhaltung abgelehnt morden. Der amtliche deutsche Psychiater habe zu ihm, dem Richter De Jongh, ge- sagt:»Man muß van der Lübbe nicht den Ein- druck geben, daß man sich um ihn bekümmert." Dabei, so meinte Herr De Jough, habe sich doch ganz Deutsch- land, ja die ganze Welt, um van der Lübbe gekümmert, und man habe selbst Minister seinetwegen auftreten lallen! Völlig unbegreiflich ist es auch gewesen, daß der Gerichtsvorsitzende, als van der Lübbe endlich zu reden anfing, die Sitzung sofort ernannt werden.— Die deutsche Religion ist Staats- religion. Private Religionsgesellschaften bestehen nicht. Der Austritt aus der Staatskirche ist für einen deutschen Staatsbürger unmöglich."— Das ist das Gegenteil vom Freidenkertum, ist brutale Geiftesknechtunß. die zum Zarismus zurück und schließlich— wofür ja schon An- zeichen vorliegen— zur Vergottung des„Führers" kom- men muß. Eine Frau erzählte mir, sie hörte vor zwei Iahren zwei Frauen reden:„Ich meine, man übertreibt es doch mit dem Hitler. Er ist doch auch kein Gott."— „Ter ist mehr als ein Gott!"— Man hat ja auch schon Hitler-Hausaltäre. ein Hitler-Vaterunser. Die „Glaubens- und Gewissensfreiheit", die in diesem Rahmen verheißen wird, dürfte mit dem Gummiknüppel gesichert werden. Hören wir doch schon, daß der Reichsbischof mit Prügeln auf den Magen: Amtsenthebung und Gehalts- Kürzung, gegen die Pfarrer-Rebellen vorgeht. Selbst die Schutzhaft wird angewendet. So landen wir wieder in der brutalen Gegenwart des Hitlerreichs. Aber darüber wollen wir nicht vergessen, wie das Erdbeben, das die bürgerliche Gesellschaft durch- cinanderschüttelt. nicht nur die Parteien aufgelöst hat. sondern mit wuchtigem Druck auch an den Säulen der Kirchen rüttelt. Wenn die Gewaltherrschaft der Söldner des Großkapitals fällt, wird die Welt nicht mehr die alte fein. Bergmann spricht von dem„trügerischen Fremd- gott, der uns vor dem Zusammenbruch von 1918 nicht bewahrte". Haben wir das nicht schon vordem gehört? „Es rettet uns kein höhres Wesen, kein Gott"... Es fehlt nur noch, daß die irregeleiteten braunen Massen die Verse der Internationale zu Ende singen:„kein Kaiser, kein Tribun. Aus unserm Elend uns erlösen, das können wir nurselbertun!" So wird auch hier die faschistische Gewalt zerstörend auf das Ueberlieferte wie der Wintersturm, der mit den morschen Bäumen aufräumt. Dem Winter aber folgt der Frühling. Er zerschmilzt auch die Eisdecke, mit der die Gewaltherrschaft alles Lebendige zum Stillstand zu bringen gedachte. Braune f rledenstöubchen Mit den Palmzweigen der Hitlerjugend London, 18. Jan. Obergebietsführer Karl Rabersberg, Leiter der Abteilung„Ausland" in der Reichsjugendiührung. der sich— wie gemeldet— zur privaten Fühlungnahme mit den englischen Jugendorganisationen hier aufhält, hat mit dem internationalen Kommissar der Psadsinderbewegung. unterbrochen habe? Diese Mitteilungen erregten große Sensation in der Versammlung. Noch eine zweite Erklärung, die Herr De Jongh gegen Schluß seiner Ausführungen tat, zog die Aufmerksamkeit ans sich. Er habe, so teilte Herr De Jongh mit, Vorschläge ge macht, wie er van der Lübbe zum Rede» veranlassen könne. Aber sie werden abgewiesen und eine offizielle Persönlichkeit habe ihm gesagt:„Sie würden den Prozeß n u r i n verkehrte Bahnen lenken." Die Mitteilungen dieses ehemaligen Jugendrichters, eines betagten, objektiv seine Worte wägenden Mannes, werfen neue Lichter auf das Geheimnis um van der Lübbe und tragen dazu bei, die mit diesem Opfer ausgeführte gerichtliche Tragikomödie weiter zu entschleiern. Aber noch ein weiterer Umstand verdient Beachtung. Nach der Hinrichtung van der Lübbes bedeutet die Verweigerung seiner Leiche die z w e i t e B r ü S k i e r u n g der h o l l ä n- d i s ch e n Regierung, deren offizielles Ersuchen um Ans- lieserung des Leichnams wiederum rücksichtslos a d acta gelegt worden ist. Glaubt jemand, daß die seit dem Austritt aus dem Völkerbund so geschmeidig und süß- lispelnd austretende Hitlerregierung einem, wenn auch kleinen Nachbarstaat diesen Affront gerade setzt angetan hätte,— es sei denn, daß die wichtigste» Gründe sie dazu zwängen?! * Leipzig, 15. Jam Die Leiche des am ill. Januar hin- gerichteten Reichstagsbrandstisters Marinas van der Lübbe wnrdc am Montagmorgen in aller Stille unauffällig ans dem Südfricdhos beigesetzt. Zugegen waren außer Amtspersonen nur einige Anverwandte. Hubert Martin, und dem Oberkommissar der Bewegung, Lord Hampton, Unterredungen über die Förderung der Be Ziehungen zwischen den Jugendorganisationen Deutschlands und Großbritanniens geführt. Die Erörterungen waren an, beiden Seiten von dem Wunsche beseelt, ein gedeihliches Verhältnis anzubahnen. Zu diesem Zweck sind Besuche von Vertretern der Psadsinderbewegung in Deutschland sowie die Beteiligung von Vertretern der HJ. an Führerlagern in Großbritannien in Aussicht genommen. Der Besuch Nabers- bergö in London dient außerdem der Berichtigung irrtüm- licher Auffassungen über die Ausbildung und Ziele der HJ. Pg. Rabersberg und sein Stab beabsichtigen, morgen die Heimfahrt nach Deutschland anzutreten. „Ben Inden geschieht nidits" Edle Gedanken einer deutschen Frauenseele Im Dortmunder„General-Anzeiger" schreibt eine deutsche Hausfrau: Als deutsche Hausfrau kaufe ich selbstverständlich nur in deutschen Geschäften und habe aus einem persönlichen Gefühl heraus jüdische Geschäfte gemiede». Gerader» als Belästigung empfinde ich es in letzter Zeit, daß die jüdische» Geschalte- wacher, denen die anständigen Tageszeitungen ihre Spalten für die marktschreierischen Inserate verschlossen haben, sei es als Wurfsendung durch die Post oder durch besondere Boten die Reklamen besonders ins Haus schicke». Selbst Posifen düngen im Umschlag, allerdings ohne Absender-Adresse, kom- men von Zeit zu Zeit als Drucksache ins Haus geflogen. Auch die Automobile der jüdischen Geschäfte sind in letzter Zeit neutralisiert worden, und die Reklamebepinielung ist einem gewöhnlichen Anstrich ohne jegliche Firmenangabc gewichen. Begrüßenswert ist es, daß sehr viele größere Geschäfte auch hier in Dortmund sich dem jüdischen Einfluß entzogen haben und sowohl durch entsprechende Zeitungsinserate als auch durch Aushang einer meterlangen Hakenkreuzfahnc»ach außen hin dokumentieren, daß nunmehr die Gleichschaltung vollzogen ist und baß der Verbraucher hier nunmehr wieder ruhig kaufen kann. Recht eigenartig mutet es dabei aller- dings an, wenn in einem solch gleichgeschaltete» größeren Geschäft das Publikum nach wie vor von waschechten Inden sich bedienen lassen muß. Eine deutsche Haussra» muß es sich schon ganz energisch ver- bitten, in eine solche Situation gebracht zu werden, und ich habe in diesem Falle die Konsequenzen gezogen und habe ohne Kauf das Geschäft wieder verlasse». Es drängt sich dabei aber ganz spontan die Frage auf, ob die nach außen gezeigte Gleichschaltung auch wirklich ernstlich durchgeführt ist? Wenn „ja", dann wäre von der Geschästsleitung doch wohl zu er- warten, das jüdische Personal, soweit es aus einmal nicht an die Luft gesetzt werden kann, nicht mehr auf die deutschden- kende Kundschaft loszulassen, sondern dieses im internen Betrieb zu verwenden. Mit Deutschem Gruß! Unterschrist. Korruption und Demokratie Frankreich steht unter dem Eindruck der Enthüllungen über die großen Betrügereien Staviskys. Ein Minister hat demissionieren müssen. Hohe Beamte sind kompromittiert und suspendiert. Abgeordnete wurden von der Kammer den Ge- richten ausgeliefert. Im Parlament gab es leidenschaftliche Kämpfe. Tie Faschisten aller Länder aber zeigen mit Fingern aus Frankreich:„Da seht ihr es! So geht es zu. wo Demo- kratie und Parlamente regieren. Die Demokratie ist die Quelle der Korruption. Ter Parlamentarismus dient nur der Bereicherung der Parlamentarier. Nieder mit der Demo- kratie!" Ist es wirklich so? Betrüger gibt es überall. Und daß die Gier nach dem Golde StaatSwürdenträger und Staatsdiener verleitet. Betrüger zu begünstigen und sich dafür Anteil an ihrer Beute zu sichern, kann unter jeder Staatsverfassung vorkommen. Wer ivollte ernsthaft z» behaupten wagen, daß es im demokratischen England oder in den demokratischen Ländern Skandinaviens mehr Korruption gebe als unter den autoritären Diktaturen Polens, Rumäniens. Ungarns? Der Unterschied zwischen Demokratie und Diktatur ist ein andrer: Wo es Prcsnrciheit und öffentliche ParlamenkSverhand- lungc» gibt, dort kann man jede Korruption ausdecken. Dort trifft die Korruptionisten, sobald ihre Daten bekannt werten, das Strafgericht der Qeffentlichkcit. Und die Angst vor diesen« Strafgericht dämmt die Korruption ein. Iii diktatorisch re- gierten Ländern dagegen, Ivo es«veder Preßfreiheit noch Parlamente gibt, gibt es gar keine Möglichkeit, die Korrup- tton zu enthüllen und die Korruptionisten zur Berant- ivortung zu ziehen, ivenn ihre Enthüllung und Verfolgung den Mächtigen iin Staate unerivünscht ist. Dort kann sich da- her die Korruption viel ungehemmter entwickeln. Der Fall Staviskn hätte sich auch in jedem der Länder der Diktatur zu- tiagen können: nur hätte dann die Qeffentlichkcit von ihm nichts erfahren. Unentbehrlich sind die Gegenmittel, die allein der Korrup- tion Schranken sehen können. Preftsreiheit und öffentliche parlamentarische Verhandlungen— das allein bietet Mög- lichkett, Korruptionsfälle aufzudecken und die Korruptio- nisten zur Verantivortung zu ziehen. Das allein kann die Korruption eindämmen, soiveit ste in dieser Zeit des nieder- gehenden Kapitalismus überhaupt cindämmbar ist. Deshalb hassen alle Korruptionisten die Prestsreiheit und den Parlamentarismus. Wie schön ist es doch bort, Ivo die Zensur dafür sorgt, bast das Volk nicht erfahren darf, ivenn es unter dem Schuhe mächtiger Männer in« Staate bestohlen und bc- trogen ivird, und kein Parlament von den Mächtigen im Staate Rechenschaft verlangen kann! Es sind unter denen, die die Demokratie bekämpfen, nicht«venige Korruptionisten: sie klagen die Demokratie der Korruption an.«veil sie ihre Kor- ruptton vor der Enthüllung durch die Demokratie schützen «vollen. Deutschlands Massenelend In arntlidien Zahlen zugegeben 15 400 Bergarbeiter der Anthrazitgruben in Wilkesbarre sPensyloanicn) sind in den Ausstand getreten. Roosevelfe Flnaiuhainpl Neue Vorschläge Washington. 15. Jan. Präsident Roosevelt und Finanzminister Morgenitz«» verhandelten am Sonntagabend zwei Stunden lang mit den demokratischen und rcpubli- konischen Mitgliedern der Aueschüsse für Bank- und Währungssragen. Gegenstatid dieser Beratungen ivar 1. die Uebersührung des säintlichen in der Union besind- lichen gemünzten Goldes in das Eigentum der Bundes- k a s s c. 2. die Umwertung d e s Goldgehalts des T o l l a r s. Präsident Roosevelt»vird dem Kongreß am' Montag eine Botschaft vorlegen, die sich intt diesen beiden Fragen ein- gehend besaßt. Wie verlautet haben sich Maßnahmen zur Dévalua- tion des Dollars erforderlich erwiese», um der Bundes- lasse, die innerhalb der nächsten fünf Monate einen Fehl- betraf von lieben Milliarden Dollar decken muß, einen größeren Getvinn durch Beschlagnahme der 3'/, Milliarden gemünzten Goldes aus den Kassen der Reservebanken zuzu- führe», nm ferner den Kredit der Bundesregierung für die kommenden Anleibeoperatione» zu stärken und schließlich um den Banken und Privatsinnen, die sich an kurz- und lang- fristtgen Anleihen beteiligen möchte»» eine gewisse Sicherheit hinsichtlich der Stabilität des Dollars zu gewährleisten. Tic Bundesregierung wird den Reservcbanken die oben erwähnten 3'/, Milliarden Dollar zum Parikurs abkaufen, um sodann durch Devalvation des Dollars einen großen Gc- winn machen zu können. Gleichzeitig w'rb der Dollar damit die Normalkaufkraft von 1036 ungesähr erreicht haben und künstia nur noch wenig schwanke», so daß Banken und Publikum über den Wert der ihnen später zum Kails angebotenen Regierungsobligationen ein ziemlich sicheres B'Id haben. Man nimmt an daß der Kongreß diese Pläne des Prä- sidcntcn Roosevelt billigen wird. Deufediland gegen Franhreidi Die teilweise Einfuhrsperre b. Paris, 15. Januar. Der neue Anschlag Hitlcrdeutschlands gegen die sranzösi- scheu Waren hat in Paris peinlich überrascht. Ter„Temps" gibt offiziös oem Erstaunen über die„zum mindesten hastige" Entscheidung Ausdruck. Es handelt sich darum, daß vor Weihnachten Frankreich darauf bestand, daß die Handelsbilanz, die in letzter Zeit für Frankreich passiv geworden war. nicht 300 Millionen Franken zugunsten Teutschlands überschreiten dürfe. Daraus ließ Deutschland die Verhandlungen ausfliegen. Tie jetzige Entscheidung Hitlers, der die französische Ein- fuhr nach Deutschland willkürlich um 100 Millionen ver- ringrrt, trifft besonders die französische» Weine und Kognaks, die von insgesamt 18 ooo Zentnern aus 7800 verringert wurden, dann Parfüms(14 statt 34 Zentners, ferner allerhand Seidenstoffe und Tuche sowie T h o m a s> ch l a cke, die um fast die Hälfte herabgesetzt wurde, Kolontalhölzer usw. Nach einer ergänzenden Meldung des„Journal" will Hitltr die 200-Mark-Grenze pro Mark und Monat durch Ver- längerung der bisherigen Konvention von 500 Mark auf Akkreditiv ergänzen, aber nur unter der Voraussetzung, daß Frankreich zu Kompensationen bereit ist. Die Pariser Blätter bemerken zu diese» Manövern, daß man nicht vergessen solle, daß„Frankreich der beste Kunde Teutschlands" sei. Sozialist sein heißt, sein Blut sprechen lassen, etwas was man nicht in Worte kleiden kann, wo der Verstand aufhört, wo das Göttliche im Menschen ansängt. Robert Ley. Wenn die Jugend eins nicht will, dann ist es, daß die Zeiten des alten zusammengebrochenen marxistischen Novemberstaates wiederkehren, in denen jeder einzelne glaubte, daß Staat und öffentliche Qr- ganisation nur zu seiner persönlichen Ausnutzung da wären. Dieser mißbrauchte Wohlsahrts- staat erzog schwächliche und kranke Naturen. Nationalsozialistische Presse. Borreiter im Kampfe des deutschen Hochkapitalismus war Herr Franz von Pape». Ein Geldmacher und Genießer, der seinen irdischen Materialismus mit den Wcihrauchwolken katholischen Christentums zu verbergen sucht, ein llntcr- fangen, über das alle ivirklichen Katholiken bitter lächeln. Ein Mann, der immer gerade an das glaubt, was er im Augenblick für sich und sein kapitalistisches Streben vorteil- hast hält. Man darf es nie vergessen: er hat die letzten Hindernisse beiseite geräumt, die die Ausrichtung einer ver- brccherische» Diktatur über Deutschland verhinderten. Er hat die Bank- und Börscnfürsten, die Schwerindustrie und das Junkertum mit den braunen Bandenführern zusammen- gebracht. Er hat den Hungerkricg gegen die arbeitenden Massen Deutschlands begonnen, der seit Monaten von der Regierung Hitler fortgeführt wird. Dieser Herr von Pape» hat freilich noch nicht mit dem Begriff„Sozialismus" jongliert. Er hatte noch zuviel Scheu vor diesem Worte jahrzehntelangen Kampfes der Arbeiter aller Länder, vor diesem Inhalte großer kommender Révolu- tionen, um seine kapitalistische Offensive gegen den Lebens- standard der unteren Volksschichten damit zu drapieren. Hitler und die Seinen haben diese Hemmungen nicht. Von Anfang an waren sie gewohnt, mit kapitalistischen Subventionen zu arbeiten und sich dennoch demagogisch„Sozialisten" zu nennen. Diese große Lüge ihres politischen Charakters haben sie in mehr als einem Jahrzehnt zu einer unerhörten Virtuosität des Volksbetrugs entwickelt. To nennen sie denn ihren Lohnabbau und ihre Preissteigerungen, ihre Kürzung der Sozialrente» und ihre erhöhte Massenbelastung, ihren Schutz für Hochkapitalismus und Großgrundbesitz und ihre gigantische Bettelei, ihre Herabwürdigung von 15 Millionen Deutschen zu Almoscnempsängern—„Sozialismus". Und Leu in seinem ewigen Alkokoldunst formuliert, sein Sozia- lismas beginne, wo der Verstand aushört. In der Tat muß jedem an Denken gewöhnten Menschen der Verstand stille stehen, wenn er erlebt, was im„dritten Reiche" den Deutschen als„Sozialismus" aufgeschwärzt werden soll: Die Verwüstung der deutschen Wirtschast und die Verarmung des deutschen Volkes. Zwar soll das immer wieder statistisch hinwegdebattlcrt werden, manchmal aber dringt doch auch amtlich die Wahrheit durch. So geht aus den folgende» amtlichen Feststellungen bervor, daß der Ge«nnd- heitszustand der deutschen Jugend unter dem Fluch des Hitler-Regimcnts katastrophal geworden ist. Die Heil- fürsorge hat nur noch ein Drittel des Umfanges aus dem Jahre 193». als wirkliche Sozialisten mit dem Sozialdemo- kratcn Hermann Müller als Reichskanzler an der Reichs- rcgierung beteiligt waren. Tie Hitler-Diktatur erweist sich als unfähig gerade auch auf dem Gebiete, das sie. besonders zu pflegen sich vorgenommen hat: der nationalen Wehrkraft. Zum Prosit der Rüstungsindustrie werden gewaltige Kriegsmaterialien hergestellt und aufgehäuft und gleichzeitig läßt man die Jugend verelenden, deren Kraft den Krieg führen soll: * Im„Zcntralblatt für Reichsvcrsicherung und Reichsvcr- sorgung" wird festgestellt, baß die Zahl der Anträge aus Heilbehandlung gegenüber 1930 u», 00 zwei Drittel v. H. zu- rückgegangen sei. Es wäre abe rein Trugschluß, wen» man gen Versicherten geringer geworden sei. Lediglich die Angst, ihre Arbeitsstelle durch ein Heilverfahren zu verlieren, veranlaßte Taufende und Abertausende» den Antrag zurück- zustellen, abgesehen davon, daß auch die LaiideSversicherungs- anstalten tn ihrer Fürsorge sich nur aus einige wenige Krank- hciisarten beschränken mußten. Heilsürsorgc wurde im ganzen 137 290 Personen zuteil einschließlich der in Wald- erholungsstätten und der in BewahrnngSsürsorge Aufgenom- mencn. Im Jahre 1030 waren es 425 603 Personen. Ter katastrophale Rückgang der Heilfürsorge bei Jugend- lichen hat zur Folge, daß der Gesundheitszustand unserer berufstätigen Jugend recht ungünstig ist. Bon dem beratenden Arzt beim Jugendamt der Deutschen Ar- beitsfront, Dr. Hoske. liegt eine gutachtliche Acußcrung vor, nach der im allgemeinen damit zu rechnen ist, daß ungesähr ein Drittel der Jugendlichen nicht voll leistungs- fähig sei. Das Zahlenmaterial des Jahres 1932 zeigt klar und deutlich, welchen Grad die Notlage der In va Ii- denversicherung erreicht hat. Es ist deshalb notwendig, daß bald Mittel und Wege gefunden werden, den Kampf gegen Volksscuchcn und Krankheiten sowie die Gcsundheits- fürsorge überhaupt wieder mit verstärkter Kraft au'» zunehmen. Das Schicksal der deutschen Jugend ist feit Hitler? Regiment nur noch furchtbarer geworden. Die Berichte der BerufSbcratungsämter usw. sind bereits seit Woche» undurchsichtig geworden: dennoch zerbricht von Zeit zu Zeit der befohlene Optimismus, um durch ein paar Worte die Wahrheit ahnen zu lassen. Zum Beispiel:„Der Arbcitsmarkt kür ungelernte Jugendliche ist auch weiterhin für die weiblichen Jugendlichen günstiger als für die niänn- lichen. Das Nahrnngsmittelgemerbe stellt jugendliche Ar- Heilerinnen für die Vorarbeiten zum Weihnachtssest ein. Die Landvermittlungen sind der Jahreszeit entsprechend stark zurückgegangen: es kehrten auch schon Landhelfcr und Landhelferinncn wieder zurück, zum Teil mit wenig erfreulichen Erfahrungen. Der Bestand an eingetragene» arbeitS- losen Jugendlichen hat sich infolgedessen nur wenig gc- ändert." Staviskys rätselhafter Ted Erklärunsen der Frau Stavisky Frau StaviSky, die nach ihrer Rückkehr auS Chamonix in der Rue Obligado einstweilen Unterkunft gesunden hat, emp- sing einen Mitarbeiter des„Petit Parisien" und gab ihm erschütternde Schilderung der Vorgänge. Die unglückliche Frau Stavisky beschwor die Tragödie von Ehamonix wieder heraus und erzählte unter anderm: „Sehen Tie. ich zweifele daran, daß er Selbstmord be- gangen hat. Ich weiß wohl, daß er Briefe hinterließ. Aber man kann ichreiben, man wolle Selbstmord begehen und hat nur die Abficht, zu verschwinden... Man kann es sich auch im letzten Augenblick anders überlegen. Man hat mir in- zwischen erklärt, daß Saschas Fall wegen der bedeutenden Mitschuldigen nicht so schwer wäre. ES mußte also ein Moment der Mutlosigkeit kommen, damit er sich den Tot^ gab." „So sind Sie, gnädige Frau, über die Begleitumstände beim Tode Ihres Gatten vollkommen beruhigt?" Die junge Frau zögert diesmal noch länger als vorher. Ihre Tränen fließen reichlicher. „Weib ich es?" antwortet sie.„ES sind da noch viele Dinge, die mich beunruhige». Denken Tie, als ich in das Zimmer kam, in dem Sascha verwundet ausgesunden wurde, stellte ich zu meinem Erstaunen fest, daß der Revolver auf dem Bett lag. Ich äußerte mich darüber, und ein Polizist ant- ivortete mir: Im Augenblick, als wir Ins Zimmer kamen, wollte Ihr Gatte ein zweites Mal auk sich anlegen. Da habe ich ihm die Waffe entrissen und sie auf das Bett geworfen." Und die sM'ae Frau fragt mich: ~®[»»ben Tie. baß er nach dieser furchtbaren Verivundung überhaupt In der Lage war. noch einmal die Waffe gegen sich zu richten?" „lind sonst haben Tic nichts bemerkt, gnädige Frau?" „Oh. doch..." Tie Antwort erfolgte spontan, aber dann schwieg sie. „Hören Sie. mein Herr, warum soll ich es Ihnen nicht sagen. Plan hatte die Patrone der Kugel, die meinen Mann verwundete, ausgehoben. Nun, ich habe noch eine ziveite eut- deckt. Man hat mir erklärt, daß das ins Protokoll auf- genommen würde. Hat man Wort gehalten?" Jetzt spricht Frau StaviSky erregt: sie sieht daS furchtbare Bild ivieder vor sich, das ihre Worts heraufbeschwören. „Und dann waren in der Wand, gegenüber der Tür, Löcher. Man sagte mir, man habe dort kurz vorher Nägel heraus- gezogen." „Kannten Sic den Revolver, gnädige Frau?" „Nein, mein Mann hat aus einem Grunde, den Tie bc- greisen werden niemals einen besessen... Ich fragte Voir: Haben Sie meinem Mann nicht die Waffe gegeben? Er bc- gann zu weinen und protestierte: Wie können Sie das nur glauben!" Ich unterbrach die junge Frau mit folgender Frage: „Trauen Sic Voix?" Sie schweigt erneut. Der blonde Kopf sinkt herab. „Dann verlangen wir den Revolver?" „Ja, ich möchte gerne wissen, woher er kommt..." Einem Redakteur des„Daily Erpreß", dep gestern seine Gespräche veröffentlichte, hat Frau Stavisky ebenfalls erklärt: „Sie ließen ihn zwei Stunden lang aus dem Boden röcheln, während sie nach Paris telegrafierten und nach Befehlen fragten, Maßnahmen trafen und Fotografien herstellten, um zu heweisen, daß ste ihn nicht getötet hatten. Als die Aerzte Knochensplitter entfernte», die auf das Gehirn drückten, schien es eine» Augenblick, daß er wieder zu Bewußtsein kommen würde. Aber er hatte zuviel Blut verloren." Sieg der Kapitalisten Ständischer Aufbau„nicht spruchreif" Die„Deutsche Volkswirtschaft"(18» schreibt über Leys „Kraft durch Freude" und den ständischen Ausbau:„Durch diese Entwicklung ist die Frage des ständischen AufbauS der Wirtschaft, die Mitte 1933 vorläufig vertagt worden war. neu auiaerollt worden. Die Initiative liegt»uninehr bei dem ReichswirtschaftSminister und bei de» von ihm beauftragten Stellen. Bereits am 23. November, also gleichzeitig mit der neuen Gesellschaftsordnung durch die DAF., hat Dr. Schmitt eine grundsätzliche erste Aussprache mit der Industrie über diese Fragen durchgeführt. Die Schwierigkeiten, die den neuen Zielsetzungen entgegenstehen, sind bekannt. Als im ^uli dieses JahrcS die Frage» zum ersten Mal zur Debatte standen, verwechselten viele Unternehmer, die von dem neuen Wirtschaftsdenken noch keinen Hauch verspürten, den ständischen Ausbau mit preispolitischen und sonstigen eigennützigen Bestrebungen Sie glaubte» unter den« Deckmantel eines nationalsozialistischen ständischen Ausbaues ihre pri- vaten Wünsche ebenso hemmungslos durchsetzen zu können, wie ehedem im liberalifttsch marxistischen Staate. Ihren Irr- tum haben diese Herren mittlerweile wohl selbst eingesehen. Die nationalsozialistische Wirtschaftsführung hat derartige Preisschaften, die sich als Fachschakten auszugeben pflegten, zu verhindern gewußt. Vor wenigen Tagen hat Reichswirt- schaftsmiilifter Dr. Schmitt noch einmal aus diese unheilvollen Bestrebungen hingewiesen und keinen Zweifel darüber gelassen, daß der ständische Aufbau mit Preisbindungen und mit einer Beseitigung gesunden Wettbewerbes nichts zu tun haben wird. Im übrige» ist das ganze Thema nicht dis- kufsionsreif. Pian darf die parteiamtliche Verfügung be- grüßen, die eine undisziplinierte und für eine ruhige Eut- Wicklung störende Behandlung dieses Gegenstandes in der Oeffeutlichkeit untersagt." Man bewundere die Frechheit dieser Glosse, die in der zweiten Hälfte den Sieg der Kapitalisten zugibt, den sie in der ersten leugnet. 20 Millionen neue Münzen IJupreß.s Seit November 1983 sind von den 5- und 2-Marr- münzen sowie den I-Mark-Nickelmünzen. die einer Devisendeckung nicht bedürfen, insgesamt rund 20 Millionen in Um- lauf gebracht worden. Die Verfassungsreform in Polen Das FUI :ip in polnischen Formen ..Polen macht heute eine Entwicklung durch, die in starkem Maße durch nationalsozialistisches Denken beeinflußt wird." Hitlers„Völkischer Beobachter". tlm IL Januar hat Im polnischen Selm der parlamen- 'arische Endkampf um die seit Jahren betriebene, oft stecken gebliebene, seit einigen Monaten jedoch außerordentlich for- eierte Verfassungsreform begonnen. Welcher Art ist diese Verfassungsreform? Ein bemerkenswertes Urteil darüber liegt bereits vor. Es ist Hitlers„Völkischer Beobachter«, dessen Warschauer Korrespondent, den wir schon eingangs Silierten, die Dezemberthcsen dcS RegierungSblocks folgen- dermaßen kennzeichnet: „Die Erkenntnisse, die in Polen aus dem Sieg der nationalsozialistischen Revolution in Teutschland geivvunen wurden, waren letzten Endes ausschlaggebend dafür, daß der besondere VersassungSauSschuß die seit dem Jahr 103» unterbrochenen Arbeiten wieder ausnahm und nunmehr dem Vcrfassungsausschuß des Sejm seine Thesen zur Be- gutachtung vorlegte... Tic Befruchtung ist eine indirekte, -lie vollständige Uebcrwindung des Liberalismus und des Parlamentarismus im Reich hat die Autoren des pol- Nischen Verfassungsentwurfs ermutigt, diesen Weg mit ge- wissen Einschränkungen, auch in Polen zu beschreiten." Ein solches Urteil des Regierungsblattes des Reichs ist signalisierend. Ueberprüft man die Reformthesen im Ver- hältnis zur Verfassung von 1921, so drängen sich zweifellos Vergleiche mit den letzten Phasen der deutschen Entwick- lung auf, wenn auch nicht gesagt werden kann, daß es sich um einfache Kopien handelt. Der Faschismus entwickelt sich >n jedem Land durchaus eigenartig, entsprechend der je- weiligen soziologischen Struktur. Was jetzt in Polen vol- lendet werden soll, ist sicherlich noch nicht der endgültige Ab- schluß, sondern vielmehr eine Brücke zu noch weitergehenden Maßnahmen in der Richtung eines vollendeten autoritären faschistischen Staates. DI« Wahl des Präsidenten Am 15. Dezember 1933 wurde sehr überraschend eine îitzung des Regierungsblocks einberufen, in der der Vize- Marschall Car auf die letzten Ereignisse in Europa hin- weisend, neue Thesen vorlegte, die eine Reihe von Artikeln des ersten Bersassungsprozektes stark ändern, die Macht des Präsidenten der Republik bebeutend er- höhen, die Befugnisse des Senates erweitern und den Typus von privilegierten Bürgern schassen, denen bestimmte Rechte zustehen, die der Allgemein- beit der Bürger nicht zuerkannt werden. Das Verfassungs- vrojekt soll in dieser neuen Form schnellstens zum Gesetz er- hoben werben. TaS Hauptpostulat der neuen Verfassung besteht in der Ausstattung des Präsidenten der Republik mit größter Machtfilllc. Nach den neuen Thesen bekleidet der Präsident der Republik daS höchste Amt im Staate und ist den anderen obersten Aemtern übergeordnet. Tie Wahl des Präsidenten der Republik er- folgt nach der bisher gültigen Märzverfassung durch die Nationalversammlung, die sich ans dem Sejm und dem Senat zusammensetzt. In Zukunft wird der Präsident von einer Versammlung der Elektoren, die aus dem Sejm- und Senatsmarschall, dem Premierminister, dem ersten Borsitzen- den des obersten Gerichtshofes und 75 Elektoren bestehen soll, gewählt, die unter den würdigsten Bürgern zu diesem Zweck ausgewählt werben, 5» Elektoren wählt der Sejm, 25 der Senat. Dem abtretenden Präsidenten steht das Recht zu, für diese Wahl einen Kandidaten zu bestimmen. Wenn der abtretende Präsident von diesem Recht Gebrauch macht, findet die Wahl zwischen zwei Kandidaten, zwischen dem von dem Präsidenten bestimmten und dem der Elektorenver- sammlung statt. So wird eine sehr begrenzte Elite von Staatsbürgern berufen, den Willen des Staates zu rcprä- sentieren. Im Kriegsfall wird die Amtspertobc des Prä- sidenten der Republik für die Dauer des Krieges verlängert. Sie erlisch? drei Monate nach Friedensschluß. Dl« Macht des Präsidenten Tie außerordentliche Gewalt des Präsidenten findet ihren Ausdruck in dem ihm zustehenden Recht, eine ganze Reihe von Rcgieruugsakten ohne Gegenzeichnung eines Ministers, also im eigenen Namen zu vollziehen,' so die Ernennung und Entlassung des Premierministers, des Vorsitzenden des Obersten Gerichtshofs, des Vorsitzenden der Obersten Kon- trollkammcr, des Chefs der Zivilkanzlei, deS General- inspektors der Truppen, des Obersten Befehlshabers und schließlich die Ernennung eines Drittels der SenatSmit- glieder und die Auflösung von Tejm und Senat. Der Präsident der Republik ist berechtigt, Dekrete im Hoheitsbcreich der Truppen zu erlassen und im Wege eines Dekrets die Organisation der Obersten Militärbehörden zu bestimmen. Ter Präsident entscheidet über den Einsatz der Armee zur Verteidigung des Staates. Der Befehlshaber der Armee trägt die Verantwortung vor dem Präsidenten als dem Vorgesetzten der Armee. Im Kriegsfall hat der Präsident der Republik das Recht, ohne Ermächtigung der gesetzgebenden Kammern Dekrete im Bereich der Staats- gesctzgebung zu erlassen, soweit sie nicht verfassungsändernd sind. Der Präsident hat im Kriegsfall das Recht, die Sitzungsperiode des Sejms bis zum Friedensschluß zu ver- längern, die Sejm- und Tenatssession zu eröffnen, zu ver- tagen oder zu schließen. Ter Präsident kann Sejm und Se- uat in Angelegenheiten, die zum Bereich der gesetzgebenden Körperschaften gehören, in verringerter Zusammensetzung berufen. Der Vizemarschall Car begründete diese Ausstattung des Präsidenten der Republik mit so gewaltigen Machtmitteln mit folgenden Worten:„Der Mittelpunkt muß in einem Menschen konzentriert sein, den» nur dann ist die Gewähr dafür vorhanden, baß schwere Probleme in entschiedener ein- hcitlichcr Weise gelöst werben." Das Parlament Die neue Verfassung behält das Parlament mit dem allgemeinen gleichen Wahlrecht bei, setzt aber daS Alter des Wählers von 21 auf 24 Jahre herauf, das Alter der Abgeordneten von 24 auf 8» Jahre. Wenn schon dadurch die Zahl der Wähler vermindert wird, so erfährt sie eine weitere Verminderung durch die Bestimmung, nach der Bürger des Wahlrechts verlustig gehen können, wenn sie durch ein endgültiges oder nicht endgültiges Gerichtsurteil bestraft wurden. Es bleibt dabei jeweils der Wahlordnung überlassen, welche Vergehen einen zeitweilige» oder dauern- den Verlust des Wahlrechts oder der Wählbarkeit als Abge- ordnete» zur Folge haben. Die Rechte der Abgeordneten werden wesentlich ein- geschränkt. Bei Aeußerungen im Tejm, die mit dem Inhalt des Gelöbnisses eines Abgeordneten in Widerspruch stehen oder die Autorität und das Ansehen des Sejm verletzen, kann der Abgeordnete auf Verlangen des Sejmmarschalls oder des Justizministers vor den Staatsgcrichtshof gestellt und auf Grund des Urteils dieses Gerichts des Mandates verlustig erklärt werden. Bemerkenswert ist eine neue Bestimmung, die den Sejm dem Einfluß der politischen Parteien entziehen soll:„Die Abgeordneten müssen bei der Ausübung des Man- dats zum Wohle des Staates arbeiten und sind durch keine Instruktion der Wähler gebunden." lArtikel 33.1 Nach Artikel 45 müssen Interpellationen schriftlich einge- reicht und durch ein Sechstel der gesetzlichen Zahl der Ab- geordneten unterschrieben werden. Aus diese Wiese wird es den kleinen Gruppen im Tejm unmöglich gemacht, eigene Interpellationen einzureichen. Eine Einschränkung der Rechte des Sejm enthält auch die neue Bestimmung, nach der Aendcrungcn, die der Senat an vom Sejm beschlossenen Gesetzen vornimmt, ange- nommen sind, wenn der Sejm sie nicht mit einer Majorität von drei Fünfteln verwirst. Der Senat T i e Zahl der Senatoren wird auf 12» se st- gesetzt. Das Wahlrecht für den Senat besitzen nur Bürger, die nach dem gesetzlich vorgesehenen Verfahren„als führend in der Arbeit für das kollektive Wohl anerkannt werben". Diese Bestimmung, die daS Wahlrecht für den Senat auf einen ganz kleinen Kreis von Wählern beschränkt, kennt bisher keine einzige Verfassung. Bizemarschall Car kommentiert das mit folgenden Worten:„Mitglieder des Senats müssen eine entsprechende moralische und intellektuelle Vorbcrci- tung haben."„Ten ersten aus dieser Basis sich stützenden Senat." so führte Car weiter auS,„werben Bürger wählen, die mit dem Orden„Virtrni militari" oder mit dem Kreuz der Unabhängigkeit ausgezeichnet wurden, und zwar ans der Grundlage einer besonderen Wahlordnung für den Senat." Es muß hierbei bemerkt werden, daß der Titel dcS Senators lebenslänglich gilt. Auf diese Weise schalst sich die Regierung im Senat, den sie mit gesetzgebenden Gewalten ausstattet, ein Gegengewicht gegen den Sejm. Neben Sejm und Senat soll eine dritte Körperschaft für Polen entstehen, eine Oberste Wirtschastökammer, die eine Vertretung der ivirtschaftlichen und sozialen Interessen der Republik bilden wird. Besondere Gesetze werden Verfassung, Wirkungskreis und Rechte dieser beratenden, nicht gcsctzgeben- den Körperschaft, ähnlich dem Gcneralrat der Wirtschaft in Deutschland, bestimmen. Diese Verfassung soll im Sinn eine? ihrer Schöpfer, Pro- fessor Markowsky, die Grundlage schassen, aus welche sich der Inhalt„des neuen Lebens der solidaristischcn(!) Demokratie entwickeln soll". Wirkung nadi außen Der Kampf der deutschen Minderheiten Die Aktivität der auslanddeurschcn Agitation, die von Stuttgart, angeblich im Interesse der deutschen Minderheiten lteführl wird, die aber in Wahrheit darauf zielt, aus den Minderheiten Agitationsbrigaden für das Razilum zu Machen, beginnt allmählich Abwehr zu finden. Die„Deutsche Freiheit" reproduzierte kürzlich eine Aeußerung des deutsch- kölnischen Senators Pant gegen den HitleriSmns. Nun Meldet sich in der klerikosaschistischen Wiener„Reichspost" ein anonymer auslanddeutschcr Politiker zu Wort, um den schweren Schaden darzustellen, der den Ausländsdeutschen aus der Nazipolitik erwächst. Ter Aufsatz verrät die Informiert- beit seines Verfassers, darf aber auch schon deshab nicht llberjehcn werden, weil das Blatt in dem er erscheint, im Prinzip durchaus der Theorie des„totalen Staates" znzu- stimmen bereit ist, natürlich nur dann, wenn dieser Staat »icht nach Hitlers Muster, sondern nach Mussolinis Beispiel --total" ist. Um so mehr Gewicht haben die Ausführungen des anonymen Auslanddeutschen, der seinen Namen wohl aus Angst vor der Naziseme verbirgt. . Er führt u. a. aus:„Durch zwei Ereignisse wurde dieser in der Nachkriegszeit durchgeführte konsequente Ausbau einer kesicherten Existenz des Minderheitendentschtums gefährdet, G sogar ernsthaft in Frage gestellt. Zuerst durch die im Ausland allznfchnell in ihrer Verwendbarkeit gegen die deutschen Interessen erkannte und übernommene national- i.vzialistische These der z ivansweisen Gleich- ' ch a l t ti n g zum„totalen Staat", die in b i r e k- i e m W i d-e r s p r n ch zu d e m bisher anerkannten Grundsatz jedes M i n d e r h e i t e n r e ch t c s trat. iAlle Sperrungen im Originall. Tie Folgen dieser rein vinnendeutschcn und allenfalls innerpolitisch noch verständlichen Maßnahmen tratei? schnell genug ein, gefördert von emer geradezu pathologischen Angst vor dem Wtedererwachen î'nes deutschen Imperialismus, für dessen Annahme unbe- dachte Worte und Handlungen deutscher nationalsozialistischer Führer leider sehr willkommene Unterlagen lieferten. Eine Welle von Verboten. Enteignungen. Maßregelungen usw. »ing durch alle osteuropäischen Staaten von der Ostsee h!S Schwarzen Meer. In dem nun einsetzenden verzweifelten Kampf um Selbsterhaltung und Schutz des in mühevoller 'lrbcit der Nachkriegsjahre durchgeführten Ausbaus eigener Kultur- und WirtschaftSeinrichtungcn erfolgte durch den Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund eine weitere «chivächunp der Position der deutschen Minderheiten, denen dadurch die„offizielle" Abwehrwasse im Kampf um ihre Selbstbehauptung entzogen wurde. Denn das Ausscheiden des Mächtigen und verständnisvollen Anwalts für Minderheiten- Eagen aus dem Vvlkerbundrat erschwerte, ja verhinderte die Anwendung des derzeit allein im Völkerbund verankerten Persahrens zum Schutze der international gewährleisteten Minderheitenrechte. Daß der Völkerbund auch in dieser Hin- licht oit versagt haï. ist bekannt, allein eine Reihe von Bei- vielen wiesen bereits einen Weg zur wirksamen Jnanspruch- bahnie des Völkerbundes, um Minderheiten vor willkürlichen Kebergrissen ihrer TtaalSvölter zu schützen. Erinnerlich ist wohl als sehr bezeichnender Fall die vor zwei Jahren er- folgte Maßregelung Litauens wegen deutschfeindlichen Terrors im Memclgcbiet durch eine auf deutschen Antraa ein- berufene außerordentliche Session des BölkcrbundrateS.... Auf jeden Fall find die deutschen Minderheiten gezwungen, die neuen Voraussetzungen für ihre Selbstbehauptung zu berücksichtigen— so schwer es auch fallen mag und so be- dauerlich eS ist—bereits gewonnene Positionen wieder auf- zugeben und sich auf die bloße Verteidigung ihrer unerläß- lichen Existenzgrundlagen zu beschränken, bis eine Hassent- lich in absehbarer Zeit wieder eintretende allgemeine poli- tische Beruhigung die voller- und staatcnverbinbcude Funk- tion der deutschen Minderheiten wieber loyal werten und in Anspruch nehmen wird."— Man sieht, baß der anonyme Verfasser durchaus reaktionär und bereit ist, alle innen- politischen Gemeinheiten deS Hitler-Systcms zu schlucken, hätten sie nicht Abwehrmaßnahmen gegen die Ausland- deutschen zur Folge? aber um so ernster ist eine Ablehnung der Hillcrpolitik zu nehmen und daher seien seine Ans- sührungen registriert und im Gedächtnis aufbewahrt. Partei Wer alles Auch über die Wirtschaftsverbände München, 16. Jan. Der Stellvertreter des Führers erläßt laut Völkischer Beobachter folgende Anordnung:„ES ist in letzter Zeit wiederholt vorgekommen, daß Verbände, I n n u Ii q e il, W i r t s ch a s t s k a m m e r und ähnliche Organisationen umgebildet oder neu errichtet wurden, ohne vorhergehende Benachrichtigung der zuständigen Partei- dtenststellen. Ilni die gerade auf diesem Gebiet unbedingt nötige Zusammenarbeit von Partei und Staat und vor- bezeichnete Stellen zu gewährleisten, dürfen in Zukunft organisatorische Veränderungen der genannten Art von allen Parteidtenststellen und Staats- behörden nur mit meinem Einverständnis vorgenommen werden. Freie WirtschaftSgebilde werden davon nicht berührt. Rudolf Heß. schwarzweißrot verboten! Einstweilen nur bei den Bauern Berlin, 16. Jan. Reichsbauernführer R. Walter Darre hat folgende Anordnung an sämtliche Gliederungen des Reichsnährstandes erlassen: Soweit in den Nntergliedernngen dcS Reichsnährstandes Fahnen oder fahnenähnliche Symbole gewünscht werden, dürfen diese nur die Fahne der deutschen Freiheitsbewegung, das Hakenkrcuzbanner der NSDAP, sein. Als äußeres Zeichen der Zugehörigkeit zum Reichsnährstand erhalten diese Fahnen die Fahnenspitze des R e 1 ch s n ä h r- st a n d c s. Damit ivird das öffentliche Zeigen von an- deren Fahnen odct Symbolen von feiten der Untergliederunq des Reichsnährstandes mit Wirkung vom 14. Januar 1934 hiermit verboten. immer mehr Wehrsport Soeben ist wieder ein neues Handbuch für den militärischen Unterricht erschienen: Heinz Mägerlein: Wehrerziehung, Schulungsbuch für die Wehrverbände. Inhalt: Wehrwille und Wehrhaftizkeit, Deutsche Geschichte, Lebensbilder(Armin der Cherusker, Karl der Große, Barbarossa, Friedrich der Große, Bismarck, Hitlers, Deutschlands Lage, Deutschland» Grenzen, Kleinkaliberschießen, Unterricht am Sandkasten, Kartenkunde. Gesundheitspflege. Das Buch erschien bei Hochmeister und Thal, wo unter dem Motto„Wehrsport im Sommer— Wehrerziehung im Winter" u. a. noch erschienen sind: Heinz Mägerlein, Wehrsport, Hänsch, Kartenlesen(daS Büchlein ist nicht iiir touristische, sondern für militärische Zwecke), Lust- schutz-ABE. Ueber nationalen Takt im Geschäftsleben gibt Dr. Paul K c u t h- T a a r b r ü ck e n im„Prcßdicnst des Einzelhandels' Aphorismen von sich. Er wendet sich gegen die Verwendung„nationaler" Symbole und Fahnen als Ge- schäftsreklame und sagt:„Auch daS Wort Parteigenosse oder die abgekürzte Form Pg. sollte in der geschäftlichen Werbung nach Möglichkeit vermieden werden, weil man seine Partei- Mitgliedschaft, die ein Ehrentitel ist. nicht zu geschäftlichen Zwecken hervorkehren soll. Noch weniger kann es gutgeheißen werben, wenn jemand seine Parteimitgliedschaft dazu ge- braucht, auf irgendeinen Vertragspartner sz. B. auf seinen Hausbesitzer) einen unzulässigen Druck auszuüben." Drama Im Nebel Wettlauf mit dem Tod Jüngst lag wieder einmal der gcfttrchlelr„.m.. u-iutft- ncbel über London. Der Londoner Wundarzt Gordon Tay- l o r wurde telefonisch aufgefordert, ohne den geringsten Ver- zug zu einem Knaben nach Jersey zu kommen, der sich bei einem Motorradunfall einen Schädelbruch zugezogen hatte. Jede Minute Verzögerung konnte den Tod des Kin- des bedeuten, und ohne die sofortige Durchführung der Ope- ration war der Knabe sicher verloren. Dr. Gordon Taylor entschloß sich also, den Kampf mit dem Nebel auszunehmen und einen Durchbruch mit dem Flugzeug zu versuchen. Aber keine von den Flngzeuggesellschaften war bereit, einen Appa- rat für das gefährliche Abenteuer zur Verfügung zu stellen. Gordon Taylor blieb darum nichts übrig, als mit dem Er- preßzug nach Southampton zu fahren und bort aus» neue sein Flugglück zu versuchen. Die Wetterverhältniffe hatten sich dort wirklich um eine Kleinigkeit gebessert und dem energischen Doktor gelang eS. nun doch einen Aeroplan auszutreiben, der ihn über daS Nebelmeer hinweg nach Jersey führte. Es war wirtlich die letzte Minute in zwölfter Stunde, daß Gordon Taylor noch das Schmerzcnslagcr des Buben erreichte. Ohne Rast nahm er die Operation vor und daS Kind war- gerettet! deutsche Stimmen•(Beilage zur..Deutscfken freifkeit"• Ereignisse und Sesdkidkten llll'üiiii'ii./!:!:' i;!! iiliiii'ii!;!.â WmWMMî!»i!ii!UU>!iWlW '"'wmr'.Tar Mittwoch, dan 17. Januar 1934 Tüo steht JJhoma „3xh, Deutschet, dec sein Vatectand oectocen hat".., Es hat vor einigen Wochen nicht wenig Befremden erregt, daß Thomas Mann seine Bereitwilligkeit, an einer antifaschistischen Zeitschrift mitzuwirken zurückzog. Mochte nun die Begründung für dieses Verhalten dem ehrlichen, empörten Gegner des„dritten Reiches" unverständlich und nicht stichhaltig erscheinen: für Thomas Mann jedenfalls streifte sie in höchstem Maße sein künstlerisches Schaffen überhaupt. Denn trotz der kaum faßbaren Ueberwucherung des Ungeistes in Deutschland ist die große Gemeinde jener Deutschen, die in Thomas Mann einen festen Halt, einen geistigen I öhrer finden, nicht untergegangen und verschwunden. Im Gegenteil: Gerade in dieser Zeit des geistigen Chaos und der geistigen Primitivität klammern sich viele, die in dem Gedanken an den Sozialismus noch nicht den Ausweg, die Stütze, erkennen können, an das Werk Thomas Manns. Wenn Ihomas Mann nun jede polemische Wirkung gegen das„dritte Reich" hinter seine Verpflichtung stellt, sich und sein Werk, besonders sein jüngstes Werk, seinen heißhungrigen Anhängern in Hitler-Deutschland zu erhalten, so muß mau das verstehen, auch wenn man es nicht unbedingt einzusehen vermag. Daß Thomas Mann trotz dieser Einstellung aber keineswegs die geringsten Sympathien für die neue Entwicklung in Deutschland empfindet, ja, daß sie ihm in höchstem Grade widerwärtig und abstoßend sein müssen, geht schon aus der Tatsache hervor, daß er gleich nach dem Umschwung Deutschland verlassen und aus seiner Abneigung auch sonst keinerlei Hehl gemacht hat. Umso erfreulicher ist es, wenn Thomas Mann, allen seinen gewichtigen Gründen entgegen und mitten im eigenen, intensiven Schaffen, sich bei gegebener Gelegenheit nicht scheut, seine Meinung zu aktuellen Fragen zu äußern und damit auch die befriedigt, die in letzter Zeit so unzufrieden mit ihm waren. Eine solche Gelegenheit bot ihm kürzlich die große französische Zeitung„I n t r a n s i g e a n t", die namhafte deutsche Schriftsteller, von denen sich viele im Süden Frankreichs aufhalten, fragte, wie sie über Frankreich denken. Thomas Mann antwortete, daß ihm sein natürliches Gefühl der Dankbarkeit Frankreich gegenüber verpflichte, auf die Frage zu antworten. „Ich will mich also nicht lange bitten lassen", fährt Thomas Mann fort,„und sage Ihnen gerade heraus, daß ich für Ihr Land die größte Sympathie und Bewunderung empfinde, und zwar nicht erst seit gestern, sondern von jeher. Ich bin der Gast Frankreichs, das mir im Laufe der letzten schwierigen Monate ein Asyl geboten hat. Ich. Deutscher, der sein Vaterland verloren hat, habe seit meinem Eintritt auf das französische Gebiet nicht ein einziges Mal irgendein Papier vorweisen müssen, und da spricht man von der französischen Bürokratie! Ich kann mich persönlich wirklich nicht beklagen. Man kennt mich als Schriftsteller, und das hat genügt, mir die Grenze zu öffnen. Das zeigt, daß die Literatur, die Kunst der Empfindung und der Wortprägung, in diesem Lande etwas bedeutet. Die Kunst des Schriftstellers genießt in Frankreich eine ähnliche Sympathie wie die des Musikers in Deutschland. Goethe hat einmal gesagt:„Ich verdanke Frankreich einen großen Teil meiner Bildung. Wie könnte ich es hassen?" Mir persönlich ist es unmöglich, aus meiner literarischen Bildung Balzac, Flaubert, die Goncourts und Maupassant wegzustreichen. Nietzsche war es, der mich auf Stendhal hinleitete und auf Pascat, den Meister der Religionsphilosophie und auf Ihre Moralisten des 18. Jahrhunderts. Ich fand in Montaigne den herrlichsten der europäischen Essayisten. Und das epische Phänomen, das sich Marcel Proust nennt, setzte mich immer wieder durch sein Riesenwerk in Erstaunen, das auf unendlich vielem Kleinen mit außergewöhnlicher Zartheit aufgebaut ist. Inmitten des Zusammensturzes einer Welt, gibt die französische gesunde Geistesart Trost und Erquickung. Sie scheint mir ein wirklicher Schutz gegen die Gefahren zu sein, die in unserer Zeit Seele und Geist der Völker bedrohen. Die politische Reife, die auf einer langen Erfahrung beruht, und Frankreich eigen ist, schützt es gegen die schreckliche Infektion des Fanatismus, die anderen Völkern droht. In der jetzigen Zeit wird Frankreich Zuflucht und Hilfe für alle bedeuten, die Mäßigung und den gesunden Menschenverstand lieben und für alle, die Barbarei, Unwissenheit und Grausamkeit verdammen." ,M"-„Ulk"-„Wich" te eäuspeet sich und spricht wie tx=V}ithelm Der„Führer" schreibt An den Geschäftsführer des Eher Verlages: „Mein lieber Amann! Der Sieg der nationalsozialistischen Idee war entscheidend abhängig von der Möglichkeit, das Gedankengut unserer Bewegung durch ein zentral geleitetes Schrifttum einer großen Zahl von Parteigenossen zu vermitteln. Sie, mein lieher Parteigenosse Amann, haben sich als einer der ersten meiner ehemaligen Kriegskameraden m i r zur Verfügung gestellt. Der organisatorische Aufbau der Bewegung im Jahre 1923 war Ihr Verdienst. Der Aufbau unseres gewaltigen Zentralverlages aber ist ausschließlich Ihr Werk. Sie haben m i r damit die Voraussetzung geschaffen, für die Durchführung einer Schriftpropaganda, die eine ausschlaggebende Bedeutung erhielt, nicht nur in der Zeit unseres Angriffs in der Bewegung, sondern heute nach dem errungenen Sieg. Am Abschluß des Jahres der nationalsozialistischen Revolution freut es m i c h daher, Ihnen, mein lieber Parteigenosse Amann, aus ganzem Herzen für die wahrhaft großen Verdienste zu danken, die Sie sich um die nationalsozialistische Bewegung und damit um das deutsche Volk erworben haben. In herzlicher Freundschaft und dankbarer Würdigung Ihr Adolf Hitler." Wir hören, daß dieser Brief eines Firmenchefs an seinen Verlagsleiter in das goldene Musterbuch kaufmännischer Korrespondenz aufgenommen werden soll. JlaumhiinstCet ist et auch schon Dilettant in allen Gassen In der„Deutschen Metallarbeiter Zeitung" wird, von oben bis unten in Fettdruck, das braune Htui in München beschrieben; der„Führer" hat einiges an dieser Kitschsammlung selbst„entworfen". Dei beschreibende Lyriker sagt das so:„Durch eine große schwere Tür treten wir in den Senatorensaal. Es ist Adolf Hitlers ureigenster Entwurf. Hier sollen einst alle die großen Entschlüsse gefaßt werden, die mit über Deutschlands Schicksal entscheiden. Wir fühlen die Verbindung einer großen Linie mit voller Wärme des Materials und der Farbe. In Zinnoberrot ist dieser Raum gehalten. Der Gedanke wird in einem wach: Alle die besten Mitkämpfer für die Sache des deutschen Volkes sollen Platz finden bei ihrem Führer, im Herzen ihres Führers. Der größte deutsche Politiker ist zugleich als schal fender Künstler ein vollendeter Könner, der in seinem Werk sein Innerstes wiedergibt. Hier gibt es nicht den sonst üblichen großen Titzungstisch, und wir glauben, daß des Führers Absicht diese gewesen ist: Hier soll nicht mehr geschrieben und gedeutelt werden, hier sind die Leitsätze des Handelns in jeden Kopf, in jedes Herz gehämmert! Au» der Bürokratie der Vergangenheit ist die Tat der Gegenwart geworden. Die ist der tiefinnerste Eindruck lebendigen Erlebens in diesem Raum, der die Kraft und Geschlossenheit des Führers atmet."— Wer das Bild de» Raums betrachtet, dem fällt auf: der „Künstler" hat besonders breite Stühle entworfen. Er hat auf„Senatoren" mit breitesten Sitzflächen gerechnet. Das qto\5e XeCdeatheatec Das Jlecht auf arischen Uebecschwanq In den„Nationalsozialistischen Monatsheften veröffentlicht eine Schauspielerin des Staatstheaters in München, H e d d a Lambach, einen Aufsatz über artgemäße und artfremde Kunstauffassung an der deutschen Bühne, in dem es heißt: „Die deutsche Bühne im Dritten Reich muß wieder den Mut finden zu dem heldischen Klang hinreißender Leidenschaft der Seele... Es ist höchste Zeit, daß man auch dort, wo wahrhaft germanische Leidenschaft am vollsten zum Ausdruck kommt, nämlich in der heldischen Hingabe, dem Darsteller wieder Ueberschwang zugesteht. Denn wenn auch nordischer Geist und Ueberschwang so hoch zu fliegen vermag, daß ihm die Erde auf seinem eigenen Weg für immer entschwinden kann, so lange er auf der Erde ist, bleibt er unbeirrbar in seinem Sinn für unverfälschte Wirklichkeit, nüchtern und sachlich, freilich nicht mit der Sachlichkeit dessen, der nie überfliegen kann. Daher ist auch keine Gefahr, daß neue Wege in der deutschen Bühnenkunst, trotz aller Bejahung des Rechtes auf arischen Ueberschwang, sich in deklamatorischen Sackgassen verrennen werden." In der Tat, es ist höchste Zeit, daß man auch der deutschen Riihne wieder etwa heidi che» Nibelungenpathos zugesteht. Denn«h i- Utirrenz, da» große N'theater, ist von Kopf bis Fuß i ci f Heldentum'»gestellt Hitler tritt als Front- held auf der ein Dutz»-.. tnvn i«. muten hat, und die ganze Partei betreibt vor den notdürftigen sozialen Kulissen Heroenkult. Germanische Leidenschaft aber betätigt sich im Konzentrationslager mit arischem Ueberschwang und Ueberscbwung... Antceten: Jheatec! Zur Unterstützung des Theaters in seinen Bestrebungen auf dem Wege zum Volkstheater, bat der Gauleiter und Reichsstatthalter Karl Rover für Oldenburg den Entschluß gefaßt, den Theaterbesuch durch besondere Maßnahmen im ganzen Lande zu fördern. Die ersten Vorbereitungen für diese Maßnahmen sind in einer Besprechung der Kreisleitung der NSDAP der Landeshauptstadt selbst durchberaten worden. An der Sitzung nahmen der Kreisleiter Pape, der Gaupropagandaleiter Schulze, der Intendant des Landestbeaters Dr. Roennecke und Vertreter sämtlicher Untergliederungen der NSDAP teil. Ala Ergebnisse wurden beschlossen, für alle diejenigen Volksgenossen, die Mitglieder der NSDAP., SA. und der Arbeitsfront sind, besondere Veranstaltungen einzulegen. Die Eintrittspreise werden so gestaltet, daß jedem Volksgenossen, gleich welchen Standes, die Möglichkeit gegeben wird, zumindest einmal im Monat eine Vorstellung des Landestheaters zu besuchen. Für arbeitslose Volksgenossen wird« sm besondere Reglung getroffen SteiheU, die ich meine Greuellügner wagten das Geschrei, Daß in Deutschland keine Freiheit sei; Dabei gibt es auf der ganzen Welt Nicht ein Land, das so auf Freiheit hält. Frei ist jede Red in Stadt und Land, Die sich froh zu Hitler hat bekannt. Frei ist unsre Presse und ihr Rat, Die gehorsam schreibet nach Diktat. Frei ist alles, was der Pfarrer lehrt, Der sich fromm zum„dritten Reich" bekehrt, Frei vom Ehejoch ist jederzeit, Der im Wahn ein Judenweib gefreit, Und der Kommunist und Pazifist, Selbst der Jude und noch andrer Mist, Ist, wann, wo und wie es immer sei. Wie der Vogel in der Luft, so frei! Frei ist jeder, Strafe trifft ihn nicht, Der ein Kommunistenschwein absticht, Frei im Lager der Konzentration Steht es jeglichem Marxistensohn, Sei's an Pfosten oder an Gestängen, Ganz nach eig ner Wahl sieh aufzuhängen. Wie einst Hitlerahnen, unentwegt, Jenes weltberühmte Wort geprägt: „Unser König bleibe absolut. Wenn er willig unsern Willen tut", Also frei sind Mann und Frau und Kind, So sie völlig gleichgeschaltet sind. Animale ZCakenhceuz und Windet Wirklich: Windel, niAt etwa Wimpel! Ei lebt da uämli*' in Dresden der Asienforscher Stötjner, der siA wahr' scheinlich in der Nordmandschurei besser auskennt als i" politischen Regionen. Seine Verdienste um die Erforschung gewisser heute noch auf der Kulturstufe der Steinzeitinen sehen lebenden nordmongolischen Stämme soll nicht geschmälert werden. Aber Stötzner scheint ähnliche primitive Kulturbegriffe für Deutschland zu wünschen. Jedenfalls hat er sich aus seinem ethographischen Fach in die Politik verirrt, und ähnlich wie der Tibetforscher und Kaiser-Wilhelm- Schwärmer Sven Hedin hat sich audi Stötzner für Hitler' Nationalsozialismus begeistert. Und dieser Begeisterung h»' er letzthin in einem im Dresdner Rathause vor geladenem Publikum gehaltenen Vortrag Ausdruck gegeben. Dresdner Zeitungen haben darüber ausführlich berichtet und mit besonderer Genugtuung vermerkt, daß Stötzner bei dieser Gelegenheit für eine aus militaristischen Gründen ersehnte Geburtenvermehrung Propaganda gemacht hat. Dieses Verlangen hat Stötzner auf die schöne und unbestreitbar anschauliche Formel gebracht, daß künftig in Deutschland neben jeder Hakenkreuzfahne eine V indel wehen müsse! Das kann wundervoll aussehen. Man kann es sich audi umgekehrt denken: neben jede Windel eine Hakenkreuz- fahne. Dann werden in Deutschland die Flaggenparaden überhaupt kein Ende nehmen, wenn jede Mutter ihre Windelwäsche dermaßen beflaggt. Und sinnfälliger als durch da» Hissen von Hakenkreuzfahnen zusammen mit Kinderwindeln kann man überhaupt nicht ausdrücken, wie es um da' deutsche Volk im„dritten Reich" bestellt ist— nämlich beschissen! Spotten iheet selbst „Schwere Lücken" Die gleiche Sammelarbeit sollte der Auffüllung unsere' Volksbücherei gelten, besonders solchen, denen durch die Säuberung von zersetzenden Schriften schwere Lücke" geschlagen sind. Nazibibliothekar Joachim Kirchner auf der 29- Versammlung de» Vereins Deutscher Bibliothekare in Darm; Stadt. Versüßt die Pille Es liegt Veranlassung vor. darauf hinzuweisen, daß keinen Fall bei der Verpflegung im freiwilligen Arbeit»' dienst Sacharin zu verwenden ist. Zum Süßen von Speise" und Getränken ist ausschließlich deutscher Zucker r" verwenden.— Arbeitsdienstbefehl. „Ehrung der Arbeit" Zu II. Wandbild: Es wird auf Grund zahlloser Anfrag'" notwendig, zu betonen, daß der Gedanke„Ehrung un" Arbeit" nicht eng gefaßt and nicht immer unmittelbar>«" Motiv begriffen zu werden braucht. Entscheidend i* 1 allein die künstlerische Qualität.— Aus dem großen Wet'* bewerb der deutschen Arbeitsfront, Zeit=7loti, r<.Ii!> riser Rathaus eine natio- ci sl. che Vieh,'i- t;''!>»s vermochte es als gewandter Diplomat un l>»'er aufgeregten Rechten auszukommen. Er ein;», i i->h de Präsidenten Krüger von Transvaal, den Wilhelm II. als stamno«wandten„Ohm" in germanischer Treue nicht ins Land lassen wollte. Ferner vollendete er den Bau der Métro und führte zali'c lie andere Verkehrsverbesserungen durch. Seit 1927, im Senat durch c_"nen Radikalsozialisten verdrängt, lebte er in der vurii"!i>«ei Ecke an der Seine in Zurück gezogenheit einer derer. il: di große Entente gegen Deutschland unter„Onkel Eduard* n Paris kommen sahen. Ein Tunnel unter dem Mont Blanc Die Generalversammlung der Provinz A o s t a behandelt gegenwärtig, wie aus Italien gemeldet wird, das Projekt eines Tunnels unter dem Mont Blanc. Ein solcher Tunnel, der das italienische Turin und das französische C h a m o n i x direkt verbinden würde, wäre natürlich von außerordentlicher verkehrspolitischer und zugleich auch strategischer Bedeutung. Der Entwurf wird von maßgebender französischer Seite günstig im Interesse der Annäherung der Völker Europas aufgenommen. Sarret vor dem Schafott Nach Nachrichten aus Marseille ist die Revision von Sarret. dem lührer des„höllischen Trios", der zusammen mit den bayerischen Schwestern Schmidt mehrere Versicherungsmorde in der Provence begangen hatte, verworfen worden. Vi ährend des Prozesses war angenommen worden, daß der finster schweigende ehemalige Rechtsberater vor der Exekution der Strafe sprechen werde und vielleicht neue Verbrechen aufdecke, um die Arbeit der Guillotine hinauszuzögern. Die beiden Schwestern verbüßen bereits, wie wie mitteilten, jede ihre zehnjährige Zuchthausstrafe. Pariser Thealerbrief Das Joos-Gastspiel. Eine Emigrantentruppe muß künste- risch sein. Die premierenfreien Wochen um Weihnachten und Neujahr haben dieses Mal zwei deutsche Veranstaltungen in den Vordergrund der Diskussion treten lassen: das berühmte Joos-Ballett, das sich das„Théâtre des Champ6-Elysees" für vierzehn Tage gemietet hatte und das„Gastspiel der Pariser Gruppe emigrierter Schauspieler" im„Théâtre Albert I", das Arnold Zweigs„Prozeß von Tisza-Eszlar" zu seinem Debut in der französischen Hauptstadt gewählt hatte. Es läßt sich leider nicht bestreiten, daß das Joos-Ballett dieses Mal in seinen materiellen Erwartungen erheblich enttäuscht worden ist, dagegen darf mit Genugtuung festgestellt werden, daß Joos sich im Pariser Bühnenlehen einen dauernden Platz geschaffen hat, und daß sein Wirken in grundlegenden Auseinandersetzungen mit seiner Kunst durch Männer von der Bedeutung Jacques Copeaus sowie in verschiedenen Neuengageraents im Rahmen anderweitiger Projekte einen bleibenden Niederschlag gefunden hat. Ob die Bestrebungen des Joos-Ballelts allerdings für die Tanzkunst im allgemeinen als richtungweisend betrachtet werden dürfen oder ob hier mit hohem künstlerischem Ernst ein Irrweg verfolgt wird, wie die Verteidiger der Pariser Ballettkunst es teilweise behaupten, bedürfte einer sachverständigen Detailuntersuchung, die über den Rahmen dieses Briefes hinausgeht. Nicht ohne Belustigung darf allerdings das Faktum hier notiert werden, daß die gleichgeschaltete Presse von der berühmten Völkerbundspantomime„Der grüne Tisch"' jüngst Bilder mit anerkennender Beschriftung publiziert hat, indem sie deren Realisation jedoch nicht dem Deutschen Kurt Joos, sondern einem Neuyorker Brodway- Theater in die Schuhe schob. Das mag natürlich einfach auf einer falschen Information beruhen, wie jüngst auch ein deutschsprachiges Organ in Paris uns den Dramatiker Henry René Lenormaud als Hausdichter des„Grand-Guignol" zu präsentieren suchte, obwohl noch keines seiner Werke an dieser Stätte der Unkunst je gegeben worden ist. doch darf man immerhin gespannt sein, in welcher VS eise der mutige Joos bei seinen bevorstehenden Gastspielen in Deutschland aufgenommen werden wird, nachdem er es abgelehnt hat, sein Ensemble und seine Kunst den Erfordernissen des Arierparagrafen zu unterwerfen. Was nun das„Gastspiel der Pariser Gruppe emigrierter Schauspieler" betrifft, so muß. im Interesse dieser Gruppe selbst wie im Interesse des deutschen Kunstansehens vor dem Auslande gegen derartige Veranstaltungen nachdrücklicher Einspruch erhoben werden. Durch alle Rücksichten auf die materielle Notlage emigrierter deutscher Künstler und alle Empfindungen moralischer Solidarität, die mich mit ihnen verbinden, vermöchte ich mich niemals zur Milderung meiner Ablehnung gegen unzulängliche Versuche.dieser Art zu bestimmen. Wenn in Paris deutsches Theater gespielt werden soll, so müssen sich die Veranstalter derartiger Kundgebungen der schweren Verantwortung voll bewußt sein, die sie damit übernehmen. Diesen Sinn für Verantwortung habe ich in der Aufführung des„Prozesses von Tisza-Eszlar" leider vermißt; unter den zahlreichen Darstellern, die gezeigt wurden. waren nur wenige, größeren Aufgaben überhaupt gewachsen; daß diese meist auch noch an falscher Stelle verwandt worden sind, beweist, daß Organisation und Regie die eigenen Kräfte nicht einmal zu verwenden wußten. Oh ein Theater deutscher Zqnge in Paris zu einer ständigen Einrichtung zu werden vermag, ist eine Frage, über die Erfahrungen noch erst zu sammeln sind; die bisherigen V ersuche in dieser Richtung lagen einmal vor der Hitlerzeit und waren auch durchweg nur auf kurze Dauer befristet. Wenn aber etwas Dauerndes und Vertretbares dieser Art geschaffen werden soll, so ist das nur möglich, wenn alle wertvollen Kräfte in verantwortungsfreudiger, selbstloser und zielbewußter Arbeit zusammengefaßt werden. Hans-Adalbert v. Maitzahn. BRIEFKASTEN „Internationale Märchenerzähler". Was..Politiken", die große Kopenhagener Heilung, von zwei in die Hände der Sieltiner Üle- Heimen Staatspolizei gefallenen Heizern sich erzählen lieg, stimm: genau so wie die Berichte der„Deutschen Freiheit", gegen die (Dörings Kreaturen pflichtgemäß ab und zu etwas Tinrengift verspritzen mügen. Bis heute hat uns die Nestapo noch nicht in einem einzige» Falle wirklich widerlegen können. Enpen. Vir sind sehr geschmeichelt, daß Sie uns auch für Bäckerei- fachleute halten, aber Sie überschätzen uns. Das Rezept für Frei- burger Salzbrezeln kennen wir leider nicht. Wir würden es gern cm schönen Freiburg holen, an das wir die angenehmsten Er- innerungen haben, aber wir fürchten, die Staatspolizei betrachtet die Aussuhr dieses Rezepts als Landesverrat und hält uns in irgend einem der idullischen Koiczeniraiionslager fest. Da halte» evir uns doch lieber an Saarbrücker Salzbrezeln. Kölner in der Schweiz. Sie schreiben uns: Ich fand in meinem geliebten Ort in diesem Fahre eine besonders angenehme Schnee- läge vor. In diesem Jahre kam ledoch eine gänzlich unerhofste Ileberraichung hinzu. Ich kauft« mir am Kiosk die„Deutsche Frei- heil", und nun hole ich sie mir jeden Abend und lese sie, während drüben in der Diele getanzt wird. Dazu ist mir die linst vergangen. Ich mache mir den Bortvurs, durch meine eigene Heimat wie im Traum gewandelt zu sein. Jetzt weiß ich, daß ich die Fasiade für die Wirklichkeit genommen habe. Freilich, an jenem Tage, an dem ganz Köln von der Hinrichtung der sechs Kommunisten sprach, ging mir eine Ahnung aus. daß die Hohe Straße, in der man ruhig und angenehm lustwandeln kann, nicht Köln ist. Reulich hörte ich, wie man andere Straßen im«ölner Bvlksmunde benennt.„Auf dem Brand"— diese Straße beißt jetzt Göringstraße,^jm Ferku- lum"— das ist beute die Röhmstraße, und endlich„Krummer Büchel" - die lyöbbelsstraße. Aber Sie dürfen mir glauben, daß es mir schwer fällt, Ihnen diese Kölner Scherze zu erzählen. Wenn ich täglich lese, wie sich unsere braune Bonzokrati« in den Sitzungen der Karnevalsgesellichaiten beweihräuchern läßt, dann steigt mir der Ekel aus."— Wir würden es bedauern, wenn wir Ihnen durch unsere bloße Existenz die Freude am unbeschwerten Wintersport in diesem Jahre genommen haben sollten. Aber Sie haben dort einen Ausgleich. Jeder Ansenthalt in eiciem freien Lande im- vrägneert gegen politisât« Tenkträgheit und stärkt den geistigen Widerstand. Berg. Sie sind der erste, der uns zu unserm Wagnis, einen Nazi- Emigranten zum Wort kommen z» lassen, einige Zeilen geschrieben hat. Sie als Jude und Vorsitzender einer bedeutenden jüdischen Organisation sind der Aussaisung, daß es notwendig sei, auch Menschen aus dem andern Lager anzuhören. Sie sehen zwar in de» Betrachtungen jenes Autors viel Unklarheit und Verworrenheit. Auch darin möchten mir Ihnen zustimmen, mit einer Einschränkung freilich: Es sind die Eigenschasten der nationalsozialistischen Ideen selber, die hier zur Anschauung gelangen. Hinter ihnen stehen heute Millionen von Menschen. Ihnen, nicht uns zuliebe machen wir den Versuch einer Auseinandersetzung. Es gebt nicht um die„Deutsche Freiheit", sondern um die deutsche Freiheit und ihre Rück- eroberung. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann P i tz In Dud- wecler; für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsbruck und Verlag: Verlag der Bolksstimme GmbH„ Saarbrücken S, Schützenstraße 5. Dr. Spécialiste rue de Rivoli- Metro. Choreic RADIKALE HEILUNG voo 8LUT S HAUT, aad FRAUENKRANKHEITEN Heilung reo Krimpladern and ofleoen Bein« anden Neueste Behandlungsmethoden Elektn» 2ität 1 m pfungs verfahren Trypafle vine. Einspritzungen Blut» and Hara»Untrrs«chungcs Sper» makultur. Salvarsan. Wismut usw -»preebstuoden täglich vom 10—12 ud von 4—8 Uhr Sonntags ron 9—12 Uhr Konsultationen»•» LS Fr. ab. Man«prinbf daiticb Jzisecatmannahme FÜR STRASBOURG £i&caiüe JlapuCaice 2 p r F s F n! t. r. o r? Aelteste Deutsche Klinik 52, R. de Bond y, Paris r*l BOL 29-69 Harn- Blut* und Haut- krankheiten. Frauenleiden Ultra-Violette Strahlen, Serotherapie, Diathermie, Höhensonne etc sp»»»»«»»»«»»»»»»»»»»»»»»»» î Einkauf und Auslösung Vmjtm: % BRILLANTEN. GOLD « SILBERWAREN. 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