Einzige unabhängige Tageszeitung Deuischkands Nummer 14— 2. Jahrgang Saarbrücken, Donnerstag, 18. Januar 1934 Chefredakteur: M. Braun Ans dem Inhalt Das deutsche Fragezeichen Seite 2 iucapa hoccht auf. Seite 3 Juden und JCathaliken im JCmzentcatianslagec Seite 4 Qöring an die. tmiqcanlen Seite 4 Flüchtlinge in den bayrischen Alpen Seite 7 Pins XI, an die bedrohten Bisdtöfe Erster Widerhall des dentsdien Kulturkampfes im Vatikan Das zwischen dem„dritten Reich" und dem Papst abge- schlösse»- Konkordat wird in Kürze ein halbes Jahr alt. Die hier sestgclegten Bestimmungen haben der katholischen Kirche weitgehende Rechte zur Erhaltung der katholischen Organi» sation gesichert. Heute weist jeder, dast Hitlerdeutschland die Vereinbarungen nicht gehalten hat. Das katholische Vereins- wesen wird sortlausend bedrängt und steht vor der Gefahr völliger Auflösung. Verzweifelte Ausruse der Bischöse wohnen die Gläubigen, ihren alten Verbänden treu zu bleiben. Aber der braune Terror ist stärker. Der Vernich- tuugsfcldzug gegen die katholische Presse, die immer zahl- reicheren Psarrervcrhaftungen, die offiziellen Kundgebungen, die dem totalen Staat alle Verfügungsgewalt über die gläubigen Gemeinschaften sichern wollen— fie haben eine Kulturkampf st im m ung erzeugt, die in der ganzen katholischen Welt mit wachsender Besorgnis beobachtet wird. Bis zur Stunde hat der Papst selber zu allen Verstössen argen das Konkordat geschwiegen. Er hat die deutschen Bischöse in seinem Einvernehmen reden lassen und den öfter- reichischen Bischösen in seinem von ihm ausdrücklich geueh- w igten Weihnachtshirtenschreiben erlaubt, noch einmal eine scharfe Grenze gegenüber den Irrlehren des Rational- sozialismus zu ziehen. Heute wird jedoch ein Schreiben bekannt, das Puis XI. am 28. Dezember an den Kardinal Bertramvon Breslau in dessen Eigenschaft als Leiter der Fuldaer Bischofskonserenz gerichtet hat. In diesem Schreiben heistt es wörtlich: „Da Wir also, geliebter Sohn» diese Huldigung Deiner Liebe und Hingabe mit wohlgesinntem Herzen ausnehmen, wünschen Wir gar sehr, dast der gütige Gott Deinen Bitten Erfüllung verleihe und in erwünschter Weise zur Vollen- dung bringe, was zum Heile der katholischen Sache in Deutschland dient, dast alle Rechte der Kirche und ihrer heiligen Hirten, die im neuen Konkordat von den Leukern des Staates so glücklich anerkannt und gebilligt wurden, frei und ohne Ab st rich zum Heile auch der bürgerlichen Gesellschaft ausgeübt werden können. Dies erflehen Wir von ganzem Herzen von der göttlichen Majestät." Der Kurialstil der päpstlichen Diplomatie ist durchfichtig genug, um die Auffassungen und die Sorgen des Heiligen Stuhls deutlich vernehmbar zu machen. Der Papst sagt, dast »war die Rechte der Kirche im Konkordat von den Lenkern des Hitlerreiches„glücklich anerkannt und gebilligt" worden feien. Der entscheidende Satz ist aber erst der solgende: Der Papst vereinigt die Bitten des Kardinals mit den seinen. dast die der Kirche eingeräumten Rechte auch wirklich frei und ohne Abstrich ausgeübt werden können. Mau kann, wenn man will, aus dem päpstlichen Schreiben auch noch mehr herauslesen. Der Hin- weis auf die„bürgerliche Gesellschaft" kann keinen anderen Sinn haben als den, dast der Papst die katholischen Forde- rungen nach politischer und sozialer Gerechtig- teit in der Gesellschaft verwirklicht sehen will— Forderungen die die Herren des„dritten Reiches" ablehnen oder mistbrauchen. Seine besondere aktuelle Bedeutung gewinnt der Brief des Papstes» wenn man ihn mit der jüngsten Rede des Herr« von P a p e n vergleicht. Dieser päpstliche Kammerherr, einer der Bäter des„dritten Reiches", bemüht sich unter dem Zwange seines schlechten Gewissens angestrengt um den Nachweis, dast Hitlerdeutschland die vollendest- Verwirk- lichung katholischer Forderungen darstellt, die es bisher gegeben habe. Der Papst ist gänzlich anderer Meinung. Für ihn ist in Deutschland nichts „verwirklicht". Er sieht Kirche und Glauben in Deutschland gefährdet und bittet Gott um seinen B e i st a n d. Vettere PfarrerverhaHungen Halle, 16. Jan. Am Samstag wurde der Pfarrer Gen- fischen in Halle-Trotha durch die Geheime Staatspolizei in Schutzhaft genommen. Der Verhaftung liegen schwere Be- leidigungen des Gauleiters und preustischen Staatsrats Jordan sowie„Aufwiegelung gegen führende Männer des Staates und der NSDAP." zugrunde. Am Montag wurde ein richterlicher Haftbefehl gegen Pfarrer Gensischen erlassen und dieser in das Untersuchungsgefängnis des Amtsgerichts überführt. Von anderer Seite wird dazu noch mitgeteilt, dast Gensischen auch Sabotage des Winterhilsswerks vorgeivorfen wird sowie„Verbreitung unwahrer Gerüchte" über führende Persönlichkeiten der NSDAP, des Gaues Halle-Merseburg, die zur Erbitterung einer Anzahl Parteigenossen geführt haben... Würzburg, 13. Jan. Pfarrer Stöger aus Waldbüttel- brunn bei Würzburg, der im vergangenen Sommer schon einmal in Schutzhaft genommen worden war, weil er die von der Hitlerjugend gehistte Hakenkreuzfahne heruntergeholt hatte, ist erneut in Schutzhaft genommen worden? desgleiche» Pfarrer R o st m a n n aus Saal a. d. Saale unter der Be- schuldigung der Verbreitung von Greuelnachrichten. „Hochverräter Ludwig nenn Ein aufrechter Mann Das Reichsgericht verurteilt ihn zu zwei fahren sechs Monaten Gefängnis Zu den bedeutendsten deutschen Schriftstellern der Kriegs- Generation gehört Ludwig Renn. Sein Buch„Krieg", tt°ch vor Remarques„Im Westen nichts Neues" erschiene», n>ar in der schlichten Darstellung des eigenen Erlebnisses ein geschichtliche' und menschliches Dokument von Gröste und Taucr. Ludwig Renn, Abkömmling einer alten sächsischen ^belssamilie, im Kriege aktiver Offizier und Bataillons- Kommandeur, wird bereits 1992 Kommunist. Später gehörte cr»um Aufbruchkreis, der von zehn Offizieren im März 1931 ^ulästlich des Uebertritts des Ulmer Reichswehrleutnants ^chcringer au- der NSDAP, in die KPD. gegründet wurde. Ludwig Renn wurde schon im November 1982 verhaftet. Zuletzt war er im Konzentrationslager Sonnenburg. Nun stand er wegen angeblicher Vorbereitung zum Hoch- verrat vor dem 5. Strafsenat des Reichsgerichts ,,, . Ss»<«»« Ludwig Renn" Die Verhandlung . Ausführlich kam zu vegrnn der Verhandlun« °*;• jetzt 45jährigen zur Darstellung.„Ludwig Renn" Aisst richtig Arnold Friedrich Vieth von Golhenau. Sein > ater ist Gnmnasiallehrer in Dresden. Er trat als Fahnen- iunker in das Sächsische Leibgrenadierregimnet Nr. 199 ein, wurde Leutnant und Regimentsadjutant. Er machte den "lieg mit, wurde zweimal verwundet und 1913 zum Ober- leutnant befördert. Nach dem Kriege wurde er Führer einer sozialdemokratischen Gruppe in Dresden, trat darauf der Schutzpolizei bei, aus der er 1922 wieder ausschied, und zwar weil er schon in dieser Zeit nicht mehr ganz mit dem da- maligcn Ttaatssystcm einverstanden gewesen sei. Er studierte dann Jura und versuchte sich auch als Kaps- mann, fand aber in diesem Beruf keine Befriedigung, so dast ihm nunmehr allein seine H a u p t m a n n S p c n s i o n als Existenzgrundlage dienen musttc. Sie war ausreichend, um Golstenan zunächst einmal Reisen zu ermöglichen. Seine Reisen erklärte er als notwendig, weil cr— damals noch nicht im marxistischen Sinne— keine Möglichkeit eines neuen Aufstieges der bürgerlichen Welt gesehen habe. Es sei ihm auch nicht gelungen, aus dieser geistigen Situation, die man „la Kulturnihilismus bezeichnen könne, einen Ausweg zu finden... Ats er aus dem Ausland zurückgekommen sei, hätte er seine Ansichten wesentlich geändert, denn es sei ihm klar ge- worden, dast der Deutsche doch etwaS Wertvolle» in sich targe. In die nächste« Jahre, in denen er auch sein i« Kriege be- gonnene» Such vollendete und veröffentlichte, fällt seine Sekanntschaft mit dem Marxismus, und seine eigentliche politische Wandlung, die ihn nach kunst- geschichtlichen Studien in Wien Anfang 1928 zur Ä o m m u- Fortsetzung fleh«». S»it« DoppciMnridituiHj Zwei Arbeiter mit Handbeil geköpft Dessau lAnhalt), 17. Jan. Am Mittwochmorgen 7.8» Uhr wurden im Hos des Dessauer Gerichtsgesängnisses der Böttcher Karl Hans und der Korbmacher Wilhelm Bieser, die durch Urteil des Dessauer Schwurgerichts vom 18. Juli 1983 wegen Ermordung des SA.-Mannes Eicolick in Heck- lingen sAnhaltj zum Tode verurteilt worden waren, mit Handbeil durch den Scharsrichter Engelhardt hingerichtet. Diese Hinrichtung ist die erste in Anhalt seit 1886. Sozialistische Revolution Ahnungen der NazifUhrer D. F. Der Reichsreklamechef Dr. G ö b b e l s hat am Sonntag im Lustgarten eine mißvergnügte Rede gehalten. Es muß viele, sehr viele geben, die trotz aller Propaganda mit den Erfolgen der nationalsozialistischen Revolution nicht zufrieden sind. Diese Nörgler und Miesmacher hören zwar die nationalen Phrasen, aber sie vermissen das, was sie sich unter Sozialismus vorgestellt haben. „Ueberall im Lande", so gibt der Herr Reichsminister zu, ist diese Stimmung der Kritik verbreitet. Er läßt alle Fanfaren der nationalsozialistischen Demagogie schmettern, um die Lebensgeister anzufachen. Dr. Göbbels, Minister- Kollege des hochkapitalistischen Reichswirtschastsministers Schmitt und des Großgrundbesitzers von Neurath, schwingt die rote Massenfahne des Umsturzes, so daß man bei flüchtigem Hinsehen das schwarze Hakenkreuz gar nicht mehr erkennt: Es war eine sozialistische Revolution, es war d i e Revolution einer Arbeiterbewegung, und die, die die Revolution gemacht haben, sollen auch heule ihr Träger sein. Die Revolution ist also vorüber!„Es war...", so hören die Arbeiter und wissen, daß sich im Gesellschafts- aufbau für die Millionen nichts geändert hat. Nur find die republikanischen und sozialistischen„Bonzen" durch die zehnfach größere und mit viel höheren Gehältern aus- gestattete Zahl von nationalsozialistischen Funktionären ersetzt worden. Herr Dr. Göbbels sucht solche Konzen- trationslagerreifen Gedanken hinwegzuzaubern: Wir tragen unseren Ehrentitel einer sozia- li st i sch e n und einer Arbeiterpartei zu recht, denn wir sind es gewesen, die die Arbeit von den Fesseln des internationalen Kapitalismus befreit haben. Wir wissen, dast es in Deutschland noch Millionen Menschen gibt, die dem schwersten sozialen Elend preisgegeben sind. Aber wir wissen auch, dast die Not nicht durch Phrasen beseitigt werden kann, sondern nurdurcheinesozialeOrdn ung,inder jeder in den Genuß seiner Arbeit und seines Fleistes kommt. „Nicht durch Phrasen, sondern nur durch eine soziale Ordnung." Wie richtig ist das. Man suche aber in samt- lichen Reden der Göbbels und Hitler und Ley und Kumpanen einen einzigen Gedanken oder gar einen Vorschlag für die neue, den Volksmassen gerecht werdende Gesell- schaft, und man wird keinen finden. Wir erleben mit dem Staunen des redlichen Mannes über die Erfolge von Hochstaplern, wie nun fast schon einIahr einem europäischen Kulturvolk mit allen Mitteln der Suggestion eingeredet wird, es hätten sich gewaltige Veränderungen zum Bessern im Gesellschaftskörper und im Wirtschaftsleben dieses Volkes vollzogen. Und doch steht vor jedem Urteils- fähigen die Tatsache: daß sich die Sklaverei der Massa Mensch im Produktionsprozeß, das Zittern um die un- sichere Existenz, die Sorge um Krankheit und Alter nur noch erhöht haben und die Schutzlosigkeit des einzelnen arbeitenden Menschen gegenüber der kapitalistischen und staatlichen Willkür seit einem halben Jahrhundert nicht mehr so groß war als jetzt. Das„liberalistische Zeitalter" wird zwar jeden Tag tot gesagt, aber dem Unternehmextum wixd eine so übex< ragende Stellung im Wirtschaftsleben zugestanden, wie es sie nur in fernen vorgewerkschaftlichen Manchester- lichen Zeiten gehabt hat. Man nannte das damals„Herr im Hause" sein. Jetzt ist es wirtschaftliches„Führertum". Herr Dr Ley. den grausame geschichtliche Satire an die Spitze der einst so vorbildlichen deutschen Arbeiter- bewegung gestellt, verglich am vergangenen Sonntag in einer seiner qualmigen Reden zu Köln den kapitalistischen Unternehmer mit dem Hauptmann einer Kompanie, dem die Arbeitssoldaten unbedingten Gehorsam schuldig seien. Die nationalsozialistischen Führer sprechen überhaupt jetzt sehr gerne von Gehorsam. Es zeigt das nur, daß viele da unten es allmählich an Gehorsam fehlen lassen. Man urteile über die nicht sehr übersichtlichen Volks- stimmungen in Deutschland wie immer, soviel lehren die Reden von Gobbels und Ley: die Massen fordern den Sozialismus! Für die nationalsozialistischen Führer ist der Sozialismus schon da. Was s i e unter Sozialismus zu verstehen vorgeben, ist die mit Tsching- derassassa hergestellte„Volksgemeinschaft", die mit SA.- Kapellen und allmählich dünner werdenden Fahnen- wäldern allwöchentlich mindestens einmal gefeiert wird. In der Tiefe aber sind zwei große Strömungen erkenn- bar, die sich nicht täuschen lassen: die alten National- sozialisten, die ohne klare Vorstellung doch gefühlsmäßig von ihrem nationalen Sozialismus nicht nur Arbeit und Brot für sich, sondern auch die Beseitigung der gröbsten Klassengegensätze erwartet haben: neben ihnen aber marschieren die geschulten Gewerkschafter, Sozialdemo- kraten und Kommunisten, die genau wissen, was Sozialismus ist: nicht durch Wortschwall, sondern durch eine wirkliche soziale Umwälzung herbeigeführte gemeinwirtschaftliche Organisation.—„Gemeinnutz geht vor Eigennutz" nicht durch wirkungslose, an den wirtschaftlichen Tatsachen scheiternde Predigten an die Aktionäre und General- direktoren, sondern durch eine Gesellschaftsordnung, die Bergwerke und Banken, Schwerindustrie und Chemie, große Landgüter und die entscheidenden Wirtschafts- Konzerne dem privaten Besitz, der privaten Spekulation, der privaten Geldmacherei entreißt. Diese geschulten Sozialisten wissen auch, daß das der einzige Weg ist, die immer noch anarchische und deshalb krisenhafte kapi- talistische Wirtschaft zu einer gemeinnützigen Ordnung umzugestalten. Tatsozialismus wird und muß sich in Deutschland er- heben gegen den Phrasensozialismus des Eintopfgerichts und der Sonntagsbettelei. Kampfgeist gegen die elende Bettegesinnung muß sich entwickeln. Rur dürfen sich die noch immer in die verschiedensten Gruppen gespaltenen Sozialisten diesen Kampf nicht leicht machen. Es ist eine dumme Spielerei anmaßender Phari- säer. sich ihre Weisheit für die kommende Revolution vorwiegend aus der Kritik an vergangenen Fehlern zu holen— der anderen nämlich. Auch neue Programme, die nicht schwer aus den vielen anderen alten zusammen- zustellen sind, tuen es nicht. Es liegt viel Wahrheit in dem. was Karl Kautsky, durch dessen Schule viele Sozialdemokraten und Kommunisten gegangen sind, jüngst im„Neuen Vorwärts" schrieb: WaS beute vor allem für die deutsche Partei not tut, ist der Aufbau einer neuen Organisation und die Ent- wicklung einer neuen Taktik, die den neuen Verhältnissen angepaßt sind. Dazu brauchen wir das Studium sowohl der Verhältnisse der Gegenwart, wie das der Gesetze der politischen Oekonomie und überdies das der Geschichte des Sozialismus und der Staaten mindestens des letzten Jahrhundert». Die Lösung aller dieser Ausgaben gibt uns reichlich genug zu tun. Ei» neues Programm, wenn ein solche» notwendig werden sollte, hat diese Parteitätig- keit nicht zu eröffnen, sondern abzuschließen. Auffallend oder bei der Generation Karl KautsKys vielleicht auch nicht auffallend ist, daß er noch immer nur das Studium der Oekonomie, des Sozialismus und der Staaten empfiehlt, statt den Sozialisten anzuraten, end- lich mehr als bisher auch den Menschen, und zwar gerade den unserer Taye zu studieren, dessen Seele Jahr um Jahr uns immer größere Rätsel aufgibt. Wir glauben, daß bei aller Wichtigkei der Oekonomie und der Soziologie nicht aus den Bibliotheken dieser Wissenschaft- lichen Disziplinen die kämpferischen Führer erwachsen, die im Ringen um die Massenseele Sieger bleiben sollen. Es geht uns hier zunächst um Deutschland.. Was uns für den von innen und außen zu führenden Kampf um Deutschland vielleicht am nötigsten zu sein scheint, ist die Erkenntnis und der Wille, die umfassenden sozialistischen Gedanken den aufnahmefähigen Teilen der deutschen Aolksmassen verständlich zu machen. Sicher wissen die marxistischen Sozialisten aller Richtungen unendlich viel mehr als ihre nationalsozialistischen Gegner. Die Marxisten haben jedoch bis in die Nähe der Katastrophe sich viel zu wenig Mühe mit der Psychologie der Massen gegeben, die schließlich Träger dieser sozialistischen Ideen sein sollen. Nichts lehrreicher, als daß Hendrik d e M a n. der jetzt geistiger Führer der belgischen Sozial- demokratie ist, in Deutschland ein kaum beachteter Ein- gänger war, dem man irgendwelchen nennenswerten Einfluß in der Sozialdemokratischen Partei schwerlich zu- gestanden haben würde. Wir wissen nicht, ob Hendrik de Mans belgisches Experi- ment voll zum Ziele führen wird. Welcher Reformer und welcher Revolutionär hätte je fein Ziel ganz erreicht? Wir sehen aber, daß die Ideen und der Wille dieses einen Mannes große aktivistische Kräfte entfesseln. Das ist beispielhaft. Diese Massenbelebung ist in Zeiten des Niederbruchs und Sinkens der Kampfmoral schon viel. Wöbbels, der immerhin eine Demagoge von Format ist. würde nicht soviel von sozialistischer Revolution reden, wenn er sie nicht ahnte und fürchtete. Seine Ahnungen werden ihn nicht trügen. Mit sozialistischen Redensarten hat er einen Sturm entfesseln helfen, der für national- sozialistische Außenpolitik und für ständisch-kapitalistische Politik im Innern eingefangen werden soll. Der Herren werden sich in der Entwicklung der Windstärke täuschen. Sie wird zum Orkan werden, und die Nationalsozialisten werden ihn nicht meistern, weil sie den Absprung vom Kapitalismus zur sozialistischen Erneuerung nicht wagen können. Der R.'lckspropagandamlnister verlegt die sozialistische Revolution in die Vergangenheit: ,.Cs war.. Nein: „Es wird...". In der kürzeren oder längeren Pause bi» dahin werden wir den Kampf um die volle und zu allem entschlossene Mr^' vorz' eiten haben Nicht nur durch Theorien und Lrganis« nen allein, sondern durch Männer, Männer. Männer! „Rodiverräfer" Ludwig Renn Fortsetzung von der 1. Seite nistischen Partei führte. Auch vor Gericht de- kennt er sich offen und rückhaltlos zur kom- munistischen Weltanschauung. Er wurde Mitglied zahlreicher kommunistischer Unterorganisationen, Sekretär des„Bundes politisch-revolutionärer Schriftsteller" und unternahm 1929 und 1930 Studienreisen nach Rußland. Wie die Verhandlung erkennen läßt, wird Vieth von Golßenau in der Anklage vor allem seine Lehrtätigkeit an der Berliner Marzistischen Arbeiterschul« zur Last gelegt. Er hat hier kriegStbeoretischeKurs« abgehalten, die Teilnehmer in die Waffenkunde eingeführt und sie mit taktischen Problemen vertraut gemacht. Es ent- spinnen sich zwischen dem GenatSprästdenten und dem Ange- klagten lange Auseinandersetzungen, in denen Vieth von Golßenau seine Anschauungen über die parteipolitische Taktik der KPD. und über den Zweck der militärwissenschaftlichen Jnstruktionskurse entwickelt. Der Angeklagte bestreitet immer wieder die Aktualität und die unmittelbare Zweck- besttmmung seiner KursuSdarlegungen für den bewasfneten Aufstand und den Bürgerkrieg. Bei einer polizeilichen Durchsuchung, an der ein anderer Angehöriger des„Aufbruch-Kreises" ebenfalls einen Militär- wissenschaftlichen Vortrag hielt» ist Vieth von Golßenau im November vorigen Jahres verhaftet worden. Darauf wurde auch die Wohnung des Angeklagten durchsucht und hier, wie der Vorsitzende mitteilt, umfangreiches Material über den bewaffneten Aufstand und den Bürgerkrieg gefunden, darunter auch Dispositionen über die Entwicklung der KriegStechnik. die an die Kursus- teilnehmer verteilt worden waren. In der Nachmittagsverhandlung wurde ein Poltzeiober- leutnant R. über den Charakter des„Aufbruch- k r e t s e S" vernommen. Er sagte auS, daß dieser Kreis daS Sammelbecken von Männern gewesen sei, die sich aus dem KriegSerlebnis heraus zur nationalen und sozialen Beirei- ung, weiter aber zu einem engen Zusammengehen mit S o w j e t r u ß l a n b bekannt hätten. Sie seien aber der Meinung gewesen, daß der nationalen und sozialen Be- freiung die Vernichtung des kapitalistischen SnstcmS voran- gehen müsse. Dadurch sei der Kreis in ein enge? Verhältnis zur KPD. gekommen, die auch durch einen Abgeordneten in der Gemeinschaft vertreten gewesen sei. Die Plädoyers Der Vertreter der Reichsanwaltschaft, Oberregierungsrat Sä m m le, hielt darauf sein Plädoyer. Er betonte, daß in diesem Prozeß weniger die Tat als solche, als vielmehr die Verlönlirbkeit des Täter» im Mittelpunkt stehe. Vieth von Golßenau habe nach Herkunft und Stand keine Beziehungen zur KPD. haben können. Er dabe den Krieg mit Auszeich- nung mitgemacht und seine Erlebnisse an der Front dann in einem Buche niedergelegt, in dem er keinen Gedanken äußere, der mit seiner späteren Einstellung im Zusammen- hang stünde. Oberregierungsrat Lämmle führt die politische Wandlung des Beschuldigten in ihrem entscheidenden Sta- bium vor allem auf den Einfluß der Berliner kulturbolsche- wistischen Kreise zurück. Er bezeichnet die Tätigkeit Vieth von Golßenaus in der .Masch", die Veranstaltung von sogenannten Bürgerkriegs- spielen und seine Veröffentlichungen im„Ausbruchkreis", der eine rein kommunistische Nebcnorganisation darstelle, als Vorbereitung zum Hochverrat. Die Anwendung des Amnestie- gesetzes sei deshalb ausgeschlossen, weil die hochverräterische Tätigkeit des Angeklagten auf die Zersetzung von Reichswehr und Polizei abgezielt habe, die ausdrücklich von der Amnestie ausgenommen worden seien. Der Vertreter der Reich»- anwaltschaft beantragte zwei Jahre neun Monate Gefängnis und volle Anrechnung der Untersuchungshaft. Die Abgrenzung des Begriffe» der Zersetzung und die An- Wendung der Amnestie bildete auch den Kernpunkt der Plä- doyerS der Verteidiger. Rechtsanwalt Dr. Hansen sprach sich dahin aus, daß ein bestimmtes, fest umrissenes Tun vorliegen müsse und nicht nur eine Erwähnung und theo- retische Erörterung der Zersetzung. Außerdem habe der An- geklagte niemand zur Zersetzung aufgefordert. Das Gesetz über die Straffreiheit vom Dezember 1932 müsse deshalb Platz greifen. Rechtsanwalt Dr. Ehlers sBerlin) schilderte vor allem die Persönlichkeit des Angeklagten. Er bezeichnete Vieth von Golßenau als einen durchaus ehrlichen und inner- lich vollkommen lauteren Menschen, der auch in seiner poli- tischen Entwicklung konsequent und ehrlich gewesen sei. Er, der Anwalt, sei überzeugt,„daß sich der Angeklagte noch von den falschen kommunistischen Ideologien abwenden und zur Volksgemeinschaft sich hinwenden werde". Dafür gebe es auch in seinen Büchern Anhaltspunkte. Da, Urteil Das Urteil gegen Vieth von Golßenau wurde kurz vor 20 Uhr verkündet. Es lautet: Der Angeklagte wird wegen der Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens zu zwei Jahren sechs Monaten Gefängnis ver- urteilt. Elf Monate eine Woche Untersuchungshaft gelten als verbüßt. Die Urteilsbegründung. Zur Begründung des Urteils führte Senatspräsident Li nz u. a. an: Es bedürfe nach dem Gang der Verhandlung keiner weiteren Darlegungen, daß die Tätigkeit des Beschul- bigten in der„Masch", bei den Bürgerkriegsspielen und die Artikel in der Zeitschrift„Aufbruch" als Hochverräte- risch anzusehen seien. In dem Hoc^errat selbst träte aber in allen drei Phasen das Moment der Zersetzung zutage. Der Angeklagte gebe die konkrete Bestimmung der Parole in seinen Auszeichnungen auch offen zu. Auch die Artikel de? Beschuldigten im„Ausbruch" beschäftigen sich mit der Zersetzung. Die Amnestie habe deshalb nicht angewendet werden können. Wegen der Offenheit und Ehrlich- keit des Beschuldigten sei die Untersuchungshaft in vollem Umfang angerechnet worden. Im übrigen habe er aber als OMzier mit vorzüglichen militärischen Kenntnissen Monde« jährlicher Hochverräter bestraft werben müssen. vas deutsche Fragezeichen Senatsrede Paul-Doncours In der Senatssitzung vom Dienstag führte der französische Außenminister Paul-Boncour u. a. auS: Man habe ihn auf- gefordert, klar zu sprechen. Frankreich habe bisher stets ein- deutig gesprochen. Man habe vielleicht nicht so viel Lärm ge- macht wie in gewisse» anderen Ländern. Man solle die gegen, wärtige« Schwierigkeiten nicht übersehen, aber die Regierung sei der Ansicht, daß sie keine Nervosität, noch Beunruhigung oder Mutlosigkeit rechtfertigten, besonder» im Hinblick aus die Unterstützung, die Frankreick von anderen Ländern zu er. warten habe und aus die McinungSübereinftimmung mit vielen Nachbarn. Die deutsche Revolution stellt Europa vor ein Fragezeichen» denn man sehe noch nicht klar, welches die wirklichen Ziele Deutschlands find.^ Es sei natürlich, wen« verschiedene Länder sich beunruhigt fühlten. Die nationalsozialistische Auffassung von der Nation gehe dahin, dieGrenzenzu überfluten, um bi« Böl. ker der gleiche« Rasse für sich zu gewinnen. Der Beweis sei das Problem deS SaargebieteS und das Problem Oester, reich». Zum Saarproblem sei zu sagen, daß Frankreich kein Recht habe, aus die BolkS. Abstimmung zu verzichten. Trotz vorteilhafter Auge» bote, die man Frankreich auf wirtschaftlichem Gebiet« ge» macht habe, könne Frankreich der Saarbevölkernng das Recht ans freie Abstimmung nicht nehmen. Ebenso wie Frankreich diese Rechte der Saarbevölkernng zu garantieren wünsche, wünsche es auch. Oesterreichs Unabhängigkeit ansrcchtzu. erhalten. Frankreich habe die Unabhängigkeit Oesterreichs immer als den Schlüssel zu« europäischen Gleichgewicht an. gesehen. Das glücklichste Ergebnis der französischen Politik in der österreichischen Frage sei die juristische Verhinderung des Anschlusses durch das Haager Schiedsgericht. Ueber die not» wendige Unabhängigkeit Oesterreichs bestehe zwischen Frank, reich und Italien vollkommene Meinnngöübereinstimmnng. Gerüchte von einer Lockerung der französischen Beziehungen zu Polen»nd der Kleinen Entente feien ein« Legende, denn die Uebereinftimmung mit diesen Ländern sei stärker denn je. Frankreich wünsch« nur nicht, diese Freundschaste« in Form eine» Blocke» einem anderen Block gegenüberzustellen, sondern versuche immer wieder, neue Freundschaften dazu z» gewinnen. Die franzSsisch.italienische» Beziehungen hätte« sich in den letzten Monaten sehr gebessert. Gegenüber Ruß. land betreibe Frankreich eine entschlossene Annähe, rnngspolitik, die im Abschluß des Nichtangriffspaktes «nd des franzöfisch-russtschen Wirtschaftsabkommens ihre ersten Ergebnisse gezeitigt habe. Die politisch« Bedeutung des Wirtschaftsabkommens sei größer als die wirtschaftliche, und zusammen mit den übrigen Nichtangriffspakten, die Rußland mit anderen Ländern adgeschlossen habe, sei es gelungen, im Osten ein Sicherheitsnetz zu spanneu. Paul-Boncour kündigte dann den bevorstehenden Abschluß eines Balkanpaktes an, dem Ro» mänien. Südllawieu, Griechenland«nd die Türkei bei» treten würden. ES bestehe die Hoffnung, meinte er, bah auch Bulgarien sich diesem Pakt anschlösse. Die italienische Regierung, die diesem Pakt zunächst skeptisch gegenübergestanden habe, stimme ihm letzt zn.£m üvrkgcn betreibe Frankreich eine entschlossene VölkerbundSpolMk. Im Zusammenhang mit den Forde- rungen nach einer Reform des Völkerbundes sei Frankreich zu gewissen Anpassungen(réadaptations! bereit, könne aber nicht zugeben, daß an die Großmächte des Völkerbundes ge- rührt werde. Der Senator Lemery habe behauptet, er, Paul- Boncour, hätte erklärt, daß man den Artikel 2l3 zum alten Eisen legen könne. Er, Paul-Boncour, habe jedoch nur ge- sagt, daß, wenn dieser Artikel angewandt werden sollte, Frankreich nicht allein zu sein wünsche. Wenn die französische Regierung zur Abrüstungskonferenz gegangen fei. so habe sie daS nicht getan, um den französischen Rüstungen einen Schlag zu versetzen, wie man in RechtSkretsen behaupte, son- dern weil Frankreich durch die Verträge dazu verpflichtet sei und weil die Abrüstung eine der höchsten Aufgaben deS Böl- kerbundes darstelle. Wenn die Abrüstungskonferenz mißlinge, so würde eS ein Wettrüsten geben. Frankreich werde dann alle Maßnahmen ergreifen, die die Umstände erforderten. Simon reist nndi Cenl Zur Vorbereitung der Abrüstungsverhandlungen London, 17. Jan. In einer Meldung der„Times" über die gestrige Kabinettssitzung heißt es, Sir John Simon wünsche dringend, nach Gens zu gehen, weil er der Meinung sei, daß er nur dort mit den Vertretern der kleineren Na- tionen wirklich in Fühlung kommen könne, was er für sehr notwendig halte. Der diplomatische Mitarbeiter des„News Chronicle schreibt, die Abreise Simons beute daraus hin, baß die Ansicht, die die britische Regierung sich nach seiner Rückkehr aus Rom etwa gebildet habe, den anderen Negierungen in der nächsten Zeit nicht bekanntgegeben wird. Andernfalls würde Simon feine Abreise wahrscheinlich bis zum Eingang der deutschen Antwort in Gens aufgeschoben haben. Der Korrespondent hat übrigens den Eindruck, daß im Großen und Ganzen mit der Methode direkter Verhandlungen ein Fortschritt erzielt worden ist. Die Bereitwilligkeit der schwerbewaffneten Länder, Gleichheit durch weitgehende Ab» rüstung herzustellen, set viel größer geworden alS früher. Pas Neueste Der italienische Staatssekretär Suvich ist am Mittwoch »ach Wie« abgereist. Ans der WirtschaftSkonferenz der Klein«» S n t e n t e soll es zu einer Einigung in allen noch strittigen Fragen gekommen sein. DaS Wirtschaftsabkommen wird der Genehmigung der politischen Tagung der Kleine» Entente in Agram vorgelegt werden. Der Heimwehrsührer Gtarhemberg hat einen Aufruf erlassen, in dem er erklärt, daß er nach dem Uebergang des Grafen Alberti zn den Nationalsozialisten die Führung der niederösterreichischen Heimwehren selbst über, nimmt. Der Kommandeur der politischen Polizei in München hat eine Anordnung erlassen, derzusolg« sämtliche öfter- r e ichi schen Staatsangehörigen sich bis spätestens Samstag bei den zuständigen BezirkSverwaltnngSdehörden zn melden haben. HavaS berichtet anS Toulon, daß bie Polizei dort unter dem Verdacht der Spionage einen ZZ Fahre alten itali. enischen Kaffeehauskellner«amené Dante Fancicari per. haftet hat. Eine HanSfuchnng habe zur Entdeckung von Dok». menten geführt, deren Bedeutung nachgeprüft werde. Fanei. eari sei seit vier Monaten von der Polizei überwacht worden. horcht auf Außenpolitischer Erfolg Oer deutschen Freiheitsfront an der Saar Widerhall In England— Vertagung der Saarabstimmung? Saarbrücken, 17. Januar. Die..Freiheitsfront des Saargebietes" darf heute für sich einen großen Erfolg buchen. Es ist dem mutigen Vorstoß der Freiheitsfront und ihrer unermüd- lichen Aufklärungsarbeit zu verdanken, wenn die euro- päifche Öffentlichkeit einzusehen beginnt, daß die Saar- frage nicht bloß eine von vielen Karten im diplomatischen opiel, sondern ein großes europäisches und ein mensch- liches Problem ist. Die europäische Oeffent- lichkeit sieht allmählich ein, daß es sich um eine der Schlüsselfragen des europäischen Friedens und um dasSchicksal von Hundert- taufenden Menschen, denen die Ausliefe- rungandieHitlerbarbareidroht.handelt. Wir stellen mit Befriedigung fest, daß unser Appell durch Wort und durch Tat an alle freiheitlich Gesinnten in der Welt einen mächtigen Anklang gefunden hat. Namentlich ist die englische Presse in den letzten Tagen voll von Nachrichten und Betrachtungen über die Saar- frage. So finden wir zum Beispiel am Montag fast in jedem englischen Blatt eine redaktionelle Stellungnahme zur Saarfrage im ersten Leitartikel, die Wiedergabe der Rede des Abgeordneten der Arbeiterpartei Cripps, und in mehreren Blättern die Korrespondenzen über die Zustände an der Saar. Wie der Gesamteindruck von diesen Aeußerungen der englischen Presse ist. können wir heute am besten mit den Worten eines gleichgeschalteten Journalisten wiedergeben. ..Unfreundlichkeit der englischen Presse" Unter dieser Ueberschrift bringt die„Frankfurter Zeitung" von Dienstag folgende Meldung ihres Londoner Korrespondenten: «Da die Frage des Saar-PlebifzitS auf dem Programm der heute begonnenen Ratstagung so ziemlich daS wichtigste Problem sein wird, so befaßt sich die englische Presse seit einigen Tagen mit ibr in recht intensiver Weise. Leider ist die Haltung, die sie einnimmt, fast durchweg unfreundlich für Deutschland. In einem der heutigen Leitartikel der„Times" wie auch in einem Kom- mentar des diplomatischen Korrespondenten des„Daily Telegraph" taucht sogar die höchst gefährliche Auffassung auf. der Vertrag lasse im Falle einer nicht ganz einheit- lichen Abstimmung eine Teilung des Saargebietes zu. Ob- wohl der Bertragstext in der Ausschließung dieser Möglich- keit äußerst klar ist, wirb den Deutschen in Privatge- sprächen mit englischen Politikern entgegnet, der Wortlaut des Annexes zu dem Saarkapitel mache, wie seinerzeit im Falle Oberschlesiens, eine derartige Lösungsmethode mög- lich. Wir halten diese Lösungsmethode auch für sehr ge- sährlich. Es sind aber die Nazis, die durch ihren Terror diese Gefahr herausbeschworen haben. D. Red.) Wie diese Stellungnahme der englischen Öffentlichkeit zeigt, hat die französische Propaganda(?!) tatsächlich in der Saarfrage in den vergangenen Monaten in England sehr viel Boden gewonnen, und ihr kommt neuerdings auch der Bericht der Saarkommisston über angeblichen„deutschen Terror" im Saargebiet zugute. Daß die deutsche Presse nur das Recht der nationalen Selbstverteidigung ausübt, wenn sie den derzeitigen Chef der Saarregierung, den Engländer Knox, wegen setner vom deutschen Standpunkt aus unver- ständlichen Stellungnahme einer starken Kritik unterzieht, will den Engländern nicht einleuchten. Im Gegenteil, diese Angriffe aus den an verantwortlicher Stelle stehenden Landsmann werden hier übelgenommen, und zwar, wie es scheint, nicht nur von der englischen Zeitungswelt, sonder» auch in amtlichen Kreisen." Vorschlag von Stafford Cripps Wenn wir uns nun zum Inhalt der englischen Aeuße» rungen wenden, so ist vor allem die Rede von Interesse, die der Abgeordnete der Arbeiterpartei, Stafford Cripps. am Sonntag in Glasgow gehalten hat. Cripps be- tonte, daß unter den gegenwärtigen Um» ständen von keiner freien Willensäuße- rung d e r S a a r b e vö l k e r u n g d i e R e d e fein kann. Er verlangte vom Völkerbund eine feste Haltung und eine Erklärung an die We l t, daß eine Volksabstimmung nur dann stattfinden wird, wenn es als völlig gesichert erscheint, daß mindestens für 12 Monate der geheime nationalsozialistische Terror völlig ausgeschlossen wird. Cripps hat also in seiner Rede einen klaren Weg vor- gezeichnet. Erst vollkommene Beseitigung jedes Terrors, und erst dann die Ab st im- mung, nachdem der wirklich freie Kampf der Mei- nungen nicht weniger als 12 Monate lang gedauert hat. Es erübrigt sich, alle einzelnen Stimmen der englischen Presse wiederzugeben. Wenn sie auch weniger konkret sind, als die Aeußerungen von Cripps. der einen be- stimmten Vorschlag macht, so bewegen sie sich alle in der gleichen Richtung, wie das die oben angeführten wut- erfüllten Aeußerungen der Gleichgeschalteten sehr über- zeugend bestätigen. Wir sagen offen: Wir sind mit dem bisher erzielten Er- folg zufrieden, sind aber uns dessen bewußt, daß dieser Erfolg nur ein Anfang ist. Wir werden nicht locker lassen. Wir werden kämpfen, bis wir der ganzen Welt die wahre Bedeutung der Saarfrage klarmachen und alle Kräfte der Freiheit und des Fortschrittes für uns gewinnen. Wir pierden nicht ruhen bis zu lg Sieg. Mir ftoßen vor! Das Saarproblem vor dem Völherbundsrat 5—10 Jahre Vertagung? Sehr bemerkenswert ist noch eine amerikanische Stimme. Tie„Neuyork Times" widmet ihren Leit- artikel dem Saarproblem. Da heißt es u. a., d a ß d i e besteLösungderSaarfragevorläufigwohl die sei, die Völkerbundskontrolle fort- bestehen zu lassen, mit anderen Worten: die Ab st im mung um 5— 1v Jahre zu ver- tagen. Die„Neuyork Times" erklärt ganz offen, daß von einer Abstimmung vor- läufig keine Rede sein könne. Die Saarfrage sei ein viel zu kompliziertes und schweres Problem. » Reservierte englische Stimme Der diplomatische Korrespondent des„Daily Tele» graph" schreibt, in britischen Kreisen würden drei Gesichts- punkte hervorgehoben: weder vom rechtmäßigen noch vom Zweckmäßigkeitsstandpunkt aus sei ein Auffchub der Volksabstimmung über die festgelegte Frist vom Januar nächsten Jahres hinaus gerechtfertigt: der Vorsitzende des Regierungs-Ausschusses Knox sei zwar britischer Staatsangehöriger, aber gegenwärtig Beamter des VölkerbundsrateS und diesem gegenüber für seine Handlungen verantwortlich. Es werde im übrigen daraus hingewiesen, daß nach den Klau- seln des Versailler Vertrags in der Saarsrage MehrheitS- beschlösse gesaßt werden könnten. * Gegen Verschiebung Paris, 17. Jan. Ter„Temps" tritt den englischen uno amerikanischen Empfehlungen entgegen, die Volksab- Das Gebäude der Taarregicrungskommission in Saarbrücken Oben links: Der Präsident der Kommission, der Engländer G. G. Knox. Oben rechts: Das Wappen des SaargebieteS. Unten links: Blick aus das Zentrum von Saarbrücken, der Hauptstadt des Saargebietes, stimmung im Saargebiet zu v e r, ch i e b e n. Tie â,e der Verschiebung müsse sich wenigstens dem äußeren Arkschein nach mit den Bestimmungen des Versailler Vertrages ver- e'nbaren lassen, die dem Völkerbund die Ausgaben über- tragen, das Datum der Abstimmung festzusetzen. Daneben tct im Versailler Bertrag aber ausdrücklich festgelegt, wie der „Temps" unterstreicht, daß die Bevölkerung des Saar- gebiets das Recht habe,„nach Ablauf von 15 Jahren vom Inkrafttreten des Versailler Vertrages an gerechnet, seine» Willen kundzugeben". Es hieße mit den Worten spielen, er klärt der„Temps" dann weiter, wollte man d i e i c Bevölkerung noch fünf oder zehn Jahre warten lassen, che man ihr die Erlaubnis gebe, ein Recht auszuüben, das ihr 1, lemand nehmen könne. Tie einfachste und loyalste Lösung sei diejenige, die die ehrliche Anwendung der Vertragsbestimmungen gewährleiste. Der Völkerbundsrat werde mit der notwendigen Sorge darüber wachen, daß die Freiheit, das Wahlgeheimnis und die A u s r i ch t i g k e i t'W Stimmabgabe voll gewährleistet werde. Im Sdimollwinkei Keine Teilnahme Deutschlands Berlin, 17. Januar. Die Antwort hinsichtlich der Beteiligung der Rcichsregiernng an den Beratungen des Bölkerbnudsrates über die Saarfrage ist abgegangen. Sic wird über den deutschen Konsul in Gens an den General- sekretär des BSlkerbnndes, Avcnol, geleitet.— Der Inhalt ist ablehnend. Hitler-Deutschland hat kein Interesse daran, bei Besprechungen«nd Entscheidungen über die Saarfrage in Gens zu sein. 1935 VOikerbundsgeist und Barbarei Zu den großen Sorgen der antifaschistischen Bevölke- rung an der Saar gehört die Frage, ob ein Schutz für diese Einwohner möglich ist, wenn das Saargebiet auf irgend einem Wege unter die Souveränität der Hitler- diktatur kommen sollte. Diese antifaschistischen Saar- einwohner befürchten mit Recht, daß die faschistische Diktatur die Verfolgungen, die sie im Reiche seit nun einem Jahre übt, doppelt und dreifach an der Saar de- treiben werde. Man denkt an die Mißhandlungen und an die Morde, an die Entziehung erworbener Rechte in der Sozialversicherung und im privaten Versicherungsgesetz, an die Wegnahme von Eigentum(Häuser. Ersparnisse usw.). In einer Zuschrift an uns wird nun angeregt. derVölkerbundsratmögeeinenneutralen Gerichtshof bilden, vor dem die Verfolg- ten und Geschädigten ihr Recht suchen können. Die Frage ist nur: Was geschieht unter der Rechtlosig- keit einer versuchten Diktatur mit den Saareinwohnern, die einen solchen Prozeß gegen Hitler-Deutschland an- strengen? Der Widerstand, auch wenn er nur rein juristisch ist. könnte ihnen teuer zu stehen kommen. Es ist lehrreich, daß in der„Frankfurter Zeitung" der unwürdig gleichgeschaltete Rudolf Kircher frech und frivol zugibt, daß keinerlei Sicherungen den Terror Hitler.Deutschlands an der Saar aufhalten können, wenn der deutschen Diktatur das Saargebiet er st ausgeliefert i st. Wir finden in dem zweiten Morgenblatt der„Frank- âàng" osm& Zmm lsÄmd» Säftii Es ist bezeichnend, ober man braucht es schwerlich ernst» zunehmen, wenn auf dem Umweg über gewisse englncne Zeitungen Stimmung für eine Vertagung der<->mr- entscheidung gemacht wird. An einer solchen Vertagung hätten nur die mit den zitierten Worten gekennzeichneten Elemente ein Interesse, seien sie französischer Herkunft, seien sie Emigranten oder Funk- tionäre der separatistischen Bewegung, die natürlich den jetzigen Zustand im Saargebiet verlängern möchten, weil sie ss e l b st i m F a l l e e t n e r A m ne st i e» nach der Wiedervereinigung des Saargebiets mit Deutsch- land keine Aussicht aus Schonung durch eine nationale Regierung haben könnten. Hier wird also klar und deutlich gesagt, daß, s e l b st im Falle einer Amnestie, die jetzigen Herrscher Deutschlands an ihren Gegnern im Saargebiet Rache nehmen wollen. Es ist illusionär zu glauben, daß irgend- welche gesetzgeberische Sicherungen, seien sie auch inter- national garantiert, Leben. Gesundheit und Eigentum der Antifaschisten schützen könnten. Es geht da aber nicht um einige Separatisten und Emigranten, wie selbst die „Frankfurter Zeitung" die Dinge darzustellen beliebt, oder um„wenige Verbrecher", wie das deutsche Nach- richtenbüro in der Sprache des Reichskanzlers sich aus- drückt, sondern um viele Zehntausende Saareinwohner, die furchtbaren Schicksalen ausgeliefert werden würden. Da» hat der Völkerbundsrat bei seinen Entscheidungen zu berücksichtigen. Der Völkerbund sündigt gegen seinen Geist und gegen alle seine Grundsätze, wenn er die Saar- bevölkerung in die Hitlerbarbarei stößt.£ie Saar einwohner sind und bleiben deutsch, àr sie wollen Staatsbürger in einem freien Deutschland werden»»h lud sW linfefiwin uni àMben lassen. Katholiken und Joden gemartert Der Flohnrof eines Dentsdien In der sozialdemokratischen„Berner Tagwacht" sNr. 6) lesen wir: Wir erhalten von einer hochangesehenen bürgerlichen Persönlichkeit in Teutschland den nachstehenden Gewissens- ruf. Der Verfasser muß aus naheliegenden Gründen seinen Namen verschweigen. Hiesige Bürger verbürgten sich für ihn bei unserer Redaktion. Aus ihren Wunsch hin und auf Wunsch des Verfassers ersuchen wir bürgerliche und sozio- listische Blatter um Nachdruck des Appells. Der Verfasser will nichts weniger alS Greuelmelbung-Propaganda, aber sein Gewissen läßt ihn-nicht schweigen angesichts der furcht- baren Zustände, die im Konzentrationslager Dachau Herr- schen und unter denen speziell Juden und Katho- liken leiben. So erfolge denn der Mahnruf an die Welt! Red. Während die deutsche Regierung die humane BeHand» lung der in Konzentrationslagern Gefangenen immer wieder zu beteuern und zu demonstrieren versucht, liegen doch die evidenten Beweise dafür vor. daß in einzelnen dieser Lager noch furchtbare Verhältnisse andauern. Es war unmittelbar nach dem Umsturz vielleicht zu verstehen, daß dort schwere Mißhandlungen und Tötungen vorge- kommen sind: aber jetzt, wo das Regime gefestigt ist, ist es unbegreiflich, dah immer noch Vorkommnisse sich ereignen, die den elementaisten Begriffen von Moral und Kultur ins Gesicht schlagen. Wir stehen dabei nicht an anzu- erkennen, daß in einigen dieser Konzentrationslager erträgliche Zustände herrschen. Hingegen ist Dachau immer noch eine Hölle, wo in nächster Nähe von München, dem häufigen Aufenthaltsort des deutschen Reichskanzlers, Verbrechen begangen werden, wie sie seit Jahrhunderten in Mitteleuropa nicht mehr erlebt wurden. Wir sind uns bemüht, was wir hiermit aussprechen und haben einwand- freie» Material in Händen, um diese Angaben aufs Genaueste zu belegen. Es ist jedoch nicht unsere vor- nehmste Aufgabe, heute schon Geschichte über das Dritte Reich zu dokumentieren. Dieser an und für sich begreif- liche Wunsch hat zu verstummen gegenüber der elemen- taren Pflicht der Menschlichkeit. Wir verzichten daher zu- nächst bewußt, schauerliche fragen der Vergangenheit aufzurollen, sondern wir möchten im Namen der Menschlichkeit der deutschen Regierung die Frage und Bitte vorlegen, den Mißhandlungen der Dunkelhaft und den entwürdigenden Behandlungen jetzt ein Ende zu setzen. Es ist nicht nur für jeden gläubigen Christen— ob Protestant oder Katholik—, sondern für jeden Menschen, der irgend eine Ordnung in der Kulturwelt aufrecht» erhalten sehen will, unerträglich, daß Katholiken als gläubige Katholiken Furchtbares zu erdulden haben. Die Verantwortlichen für Dachau täuschen sich aber auch darin, dah die Mißhandlungen der Juden in Dachau deshalb dem Weltgewissen nicht kund werden, weil anläßlich der letzten Entlassung im Gegen- satz zu dem einigermaßen gerechten Vorgehen bei den EntlassungKn aus anderen Konzentrationslagern aus Dachau kein einziger der gequälten Juden enthaftet wurde. Es gibt und gab vielmehr unter den Christen in Dachau selbstverständlich zahlreiche, die tatsächlich wahres Christentum in sich tragen und zu den furchtbaren Leiden andersgläubiger Menscbenbrüder nicht schweigen und selbst ihr Leben dafür zu opfern bereit sind, um die Wahrheit, die grausige Wahrheit der Kulturwelt kundzutun. Wir wiederholen, wir wollen mit Material zurückhalten, weil es heute nicht unsere erste Pflicht ist, Dokumente zu veröffentlichen. Es handelt sich für uns heute in erste: Linie darum, der deutschen Regierung zuzurufen, daß sie noch viel zu verlieren hat. Das deutsche Volk ist das Volk von Schiller und Kant, von Lessing und Klopstock, und der Herr Reichskanzler, der so oft in München weilt, soll in Dachau durchgreisen. Wir halten es für durchaus mög- lich und sogar für höchst wahrscheinlich, daß dem Reichs- Kanzler bis heute nicht bekannt geworden ist, welche Zu- stvnde in Dachau herrschen und in welch bestialischer Weis» daselbst Gefangene, besonders Katholiken und Juden, gemartert und gemordet werden. Es ist auch nicht anzunehmen, daß diejenigen, welche durch ihre Schandtaten dem deutschen Namen einen ewigen Makel anhaften. dem Reichskanzler wahrheitsgemäß über Dachau Bericht erstatten. Von jetzt an weiß der Reichs- Kanzler aber, daß in Dachau grauenhafte Dinge vor- kommen, schlimmer als sie das Mittelalter gesehen hat. und wir sind überzeugt, daß er. als Hüter alten deutschen Geistes, endlich Einhalt gebieten und die- jenigen, welche ihre Aemter in Dachau mißbraucht haben, zur Rechenschaft ziehen wird. Sollten wir un» jedoch in dieser Hinsicht im Reichskanzler geirrt haben, so darf die Auslandspresse nicht länger schweigen. Wir wissen, die deutsche Regierung kann ausländische Blätter wieder verbieten, aber materieller Schaden darf uns bei dem Wunsch auf Abstellung einer Kulturschande nicht abschrecken. Nicht durch Spekulieren auf einen erbärmlichen Krämerstondpunkt, sondern nur durch eine entschlossene Rückkehr zu den Grundsätzen der Mensch- lichkeit kann die Stimme des Weltgewissen« wieder be- ruhigt werden. Dem Wunsche unserer Freunde in Bern entsprechend bringen wir diesen Mahnruf. Aber nur. um ihn über viele Länder zu verbreiten, nicht weil wir glauben, daß er irgend- welchen Eindruck aus den haßerfüllten Fanatiker machen könnte, der Deutschland regiert. Seitdem im Reiche etwa? von der Wahrheit durchsickert, ist e» ein beliebter Trick der Nazi« geworden, soweit sie etwas aus bürgerliche Reputation und Kirchenmoral halten, de» Reichskanzler von den braunen Folterknechten z» distan- zieren. Er selber möchte daS wohl, seitdem er vor der Welt zivilisiert austreten muß. Wahrheit aber ist»nd bleibt, daß der Reichskanzler genau weiß, wieviele schändliche Verbreche» an wehrlos gemachten Gegnern verübt werden unddieseSchindcreienbilligt. Beweis: er hat nie ein Wort de» Bedauerns z» den zehntausendsachen Schandtaten gefunden. Die feigen Folterungen und Metze- leicn erwachsen aus Hitlers rohem Geist, wie er sich in seinem brutalen Schandbuch„Mein Kampf" und in zahllosen Haß- und Tchimpfrcden immer wieder offenbart hat. » Dieser Reichskanzler ist der Hauptschuldige und mit ihm haben die Göring, Göbbels, Frick, Heß, Streicher, Ley, und wie diese Sadisten alle heißen, die Verantwortung zu tragen. Ueber sie komme das Blut der Gefolterten und der Getöteten. Deutschland würde nie wieder sauber, wenn es nicht einmal die Kraft fände, die Schuldigen auszutilgen. Englischer Politiker Ober Konzentrationslager Hilfsaktion der Quäker abgelehnt Der englische Pazifist und Arbeiterparteiler R e n n i e Smith hat einen Besuch im Konzentrationslager Dachau gemacht. Smith ist nicht der erste Beste. Er war eine Reihe von Jahren Mitglied des englischen Parlaments und unter der ersten Arbeiferregierung hatte er einen wichtigen Posten im Auswärtigen Amt. Rennie Smith ist ein guter Kenjier Deutschlands. Er war als Kriegsgefangener in Deutschland und hat später noch oft Deutschland bereist und sich für die deutsche sozialistische Bewegung betätigt. Seine vollkommene Beherrschung der deutschen Sprache erleichtert ihm die Urteilsbildung. Smith gehört auch zu den führenden Mitgliedern der Interparlamentarischen Union, auf deren Kongressen er oft das^ ort genommen hat. Er hat nun das Konzentrationslager Dachau besucht, nicht zuletzt, um zu erfahren, ob eine Hilfsaktion der Quäker für die Gefangenen möglich ist. Die Ergebnisse seiner Reise schildert er in einer Zuschrift an den„Manchester Guardian* 4:. Ich zweifle nicht daran, baß der Bericht Ihres Sonder- korrespondenten in Ihrer Zeitung vom l. Januar über dte unmenschliche Behandlung der Gesangenen im Konzentra- tionSlager in Dachau im wesentlichen richtig ist. Vielleicht darf ich seine Beschreibung durch Aufzeichnungen der Ein- brücke ergänzen, die ich bei einem persönlichen Besuch an einem Samstagnachmittag vor wenigen Monäten erhielt. Es waren dort ungefähr 2000 Gefangene,?', Prozent Kom- mnntsten und 2b Prozent Sozialdemokraten. Während des dreistündigen Besuches ließ mich der offizielle Führer zwei- mal allein und ich geriet zwischen den Baracken unter die Gesangenen. Ich sprach deutsch, französisch und englisch mit ihnen,* sie schlugen auch esperanto, italienisch und eine oder zwei andere Sprachen vor. In dieser freien Zeit sagte man mir. ich sollte bitten, daß man mir die Rücken der „Patienten" im Lazarett zeige. Dann zeigte man mir die Tuberkulose-Abteilnng, wo mehr als dreißig Kranke in einem kleinen Raum in übereinanderstehenden Betten unter- gebracht waren, und wo ein jüdischer Arzt, selbst ein Ge- sangener. sie betreute: schließlich ließen mich mehrere Ge- sanaene ihren Rücken sehen, ans denen verharschte Striemen zu sehen ivaren, und ich hörte viel persönliches Klagen. Vor ollem aber beschwor nian mich, mir die Gefangenen im „Arrest" zeigen zu lassen. Als ich ein wenig später um die Besichtigung der„Arrestzellen" bat, erklärte man mir, da? könne nur aus besondere Erlaubnis geschehen. Zwei der in Arrest befindlichen Ge- iangenen, sagte man, seien einer bolschewistischen Ver- schwörung in Verbindung mit Moskau verdächtig. Der Kom- mandant des Konzentrationslagers erwartete, daß diese zwei bald erhängt würden. Der Lagersübrer gab zu, daß unter seinem Borgänger be- ziiglich des Prügelns manche Härte vorgekommen sei. ES sei, so erklärt er. wenn er eS auch nicht gerade rechtfertige, nach einem vierzehnjährigen revolutionären Kamvs bei einer Massenbewegung unvermeidlich, daß im ersten Siegesrausch Grausamkeiten und auch persönliche Racheakte vorkämen. Er leugnete iedoch. daß seit seinem Dortsein. d. h. seit Juni 1033, solche Bestreitungen verhängt worden seien. Ihm läge, so erklärte er. nicht daran, zu.bestrasen", sondern„die ver- gifteten Seelen zu heilen". Dann beschrieb er die„Heil"-Methode, zu der die Unter- bringung von Spitzeln in die Baracken gehörte, die die„Ge- sinnung" der Gefangenen feststellen sollten. Die Ergebnisse dieser Beobachtnngsmethoden waren un- ^ l" Füinundzwanzig Prozent waren nur verführt: leicht heilbar und zu guten Deutschen zn machen. 2. Fünfundzwanzig Prozent waren angefault, aver cv besteht Hoffnung auf eine schnelle Besserung. ll. Fünfundzwanzig Prozent brauchten eine eingehende Behandlung, ehe man mit einer Gesundung rechnen könne. 4. Zwanzig bis fünfundzwanzig Prozent waren in solchem Grade von kommunistischen und pazifistischen Lehren ver- giftet, baß sie als dauernd unheilbar zu betrachten waren— Ich zweifle nicht daran, daß zu der letzten Gruppe ein großer Teil derjenigen Männer gehört, die in der Kommunistischen und Sozialdemokratischen Partei und in der Friedensbewegung eine überragende Rolle gespielt haben, und daß ein großer Prozentsatz von diesen„auf der Flucht erschossen" wird. Zu dieser letzten Gruppe, das muß gesagt werden, gehören im wesentlichen die Menschen mit starkem Willen. Mut und Glauben und einer hohen Integrität des Charakters.„^ Die Mefanaenen wurden zu ihrer„Heilung" einer drei- monatlichen Behandlung unterzogen. Ich unterbreitete dem Lagerkommandanten im Austrage einer englischen religiösen Sekte folgende Vorschläge: aj jedem Gefangenen wöchentlich einmal eine besondere Mahlzeit oder eine besondere Diät zu verschaffen: 6) für die Tuberkulose-Kranken ein« besondere Nahrung zu besorgen:.„. es eine Bücherei anzuschaffen(es gab im ganzen Lager nicht ei» Buch!, die Auswahl der Bücher könne die Ge- fanaenenleitnna oder eine höhere deutsche Stelle bestimmen. Man versprach mir. daß die Vorschläge von den zustän- digen Stellen in Erwägung gezogen würden. Ich warte noch auf eine Antwort. Während des Weltkrieges war ick in Teutschland(Ruh- leben! in Zivilgeiangenschast und hatte das größte Interesse daran, die beiden Erfahrungen zu vergleichen. Ich zögere nicht, zu erklären, daß sogar zur Zeit des wildesten preußischen Chauvinismus in den ersten Kriegsmonaten die Menschlichkeit der deutschen Gesangenenwärter zu den eng- tischen Zivilgefangenen 1314 ganz unvergleichlich größer war als bei der Behandlung Deutscher durch Deutsche im Konzen- trationslager im Jahre lllllll. Die Nationalsozialisten rühmen sich ihrer hohen Kultur und bebanpten sogar, eine neue Religion geschaffen zu haben. Sie entschuldigen die Grausamkeiten der KonzentrationS- lager damit, daß sie den Bolschewismus bekämpfen müssen. Das mag wahr sein, und gewiß ist das ein Einwand, den kein Student der Geiellschastslebre unberücksichtigt lassen wird. Aber eS ist nicht die ganze Wahrheit. Noch Ist eS wahr, daß da? beste Mittel gegen die Barbarei eine?„proleta- rischen" Bolschewismus eine ähnliche Barbarei deS„mittel- ständischen" Bolschewismus ist. AlS ick da? KonceMrationslager verließ, kehrte ich mich um und sah die 2000 Gefanaenen vor den Baracken wie bei einer stummen Massenversammlung. Die stille Qual und der stumme Ruf dieser Menae schrie gegen den blauen Himmel dies«? souniaen TageS. Was am furchtbarsten fand bei dieser Entwürdigung des Menschen war nicht so kehr die einzelne grausame Wandlung wie die verrückte Tatsache, daß eine Gruppe Deutscher f! cfi das Reckt anmaßt, ans d'ele Art und Weile eine andere Gruove Teutich-r zu„heilen". Wenn man die innere Tragweite dieser Vorgänge ermißt, so ist zu bezweifeln, ob bei irgend einem Neaerstamm in Afrika je- mal? ein so furchtbarer Abstlea von der menschlichen Wörde erfolgte, wie Ilm d'e Nationalsozialisten in di-len Konzen- trationSlagern in Teutschland der Welt gezeigt haben. An die verlorenen Söhne Göring sdieldel öle Emigranten In Ummer und Hölle— Wer Uber seine roirerungen and Verfolgungen nldif sdiwelgl. wird amllldi Deswillen Berlin» 16. Jan. Ministerpräsident Göring hat als Chef der Geheimen Staatspolizei zu der Frage der Rückwände- rung deutscher Emigranten aus dem Auslände an die Ober- Präsidenten, Regierungspräsidenten und sämtliche Staats- polizeistellen einen Erlaß gerichtet, In dem u. a. gesagt wird, daß sich infolge der allmählichen Verschlechterung der wirt- schastlichen Lage der Mehrzahl der Emigranten schon jetzt eine zunächst noch langsame Rückwanderung nach Deutsch- land bemerkbar macht. Zur Gewährleistung einer einheit- lichen Behandlung dieser zurückkehrenden Emigranten er- sucht der preußische Ministerpräsident um sorgfältige Be- achtung besonderer Richtlinien, die er hierfür ausgestellt hat. In den Richtlinien werden die Emigranten in ver- schieden« Klassen eingeteilt und entsprechend einer unterschiedlichen Behandlung anempfohlen. Danach besteht» wie der Amtliche Preußische Pressedienst meldet, an der Rückkehr„krimineller Elemente", deren Zahl die der wirk- lichen politischen Flüchtlinge bei weitem übertreffen soll, keinerlei Interesse. Auch die Rückkehr der vielen Tausend« von Flüchtlingen nichtdeutscher Staatsangehörigkeit ldie Juden hat er hier eingeschlossen. D. R.i. ihre Zahl beläust sich nach Mitteilungen deâ Lausanne« Flüchtlingshilsswerks auf 10 000 von insgesamt 60000 Flüchtlingen— ist dem neue» Teutschland nicht erwünscht. Falls diese„meist aus dem Osten" eingewanderten Personen wieder in Deutschland aus- tauchen sollten, sind sie in polizeiliche Haft zu nehmen und btS zur endgültigen Ausweisung in ein Konzentrationslager zu bringen. Die„marrststtschen Zersetzer und Verbrecher", die sich früher in führenden Stellungen befunden haben, müssen gewärtig sein, daß auf jede Ihrer Niederträchtigkeiten hin alle möglichen Repressalien persönlicher nnd vermögensrechtlicher Art ergriffen»erben. Dagegen soll den grundlos ver- ängstigten Volksgenossen, die aus Glind gewissenloser Pro- paganda ins Ausland geflohen sind, die Heimkehr nicht ver- wehrt werden, wenn sie„vertrauensvoll" zurückkehren und „beweisen können", daß sie schon vor ihrer Rückkehr bemüht gewesen sind, gegen die Greuel- und Hetzpropaganda im Ausland Front, rrl versuchte sie I" dieser Zeit, sich das Leben zu»*'> der Nacht vom zum 3. Januar vergiftete sie sich in»In'm Anfall von Gei- 'wSgestörthcit mit GaS. 18. Januar 1871 Wie ein Kaiserreich entstand Der russische Anarchist Baßunin wußte, warum er das deutsche Kaiserreich, das am 18. Januar 1871 im Spiegel- saal des Schlosses zu Versailles proklamiert worden war, „das Knutogermanische Reich" nannte. Und halb er- heiternd ist es für den, der die wirklichen Tatsachen vom Werden dieses„Zweiten Reiches" kennt, wenn der be- kannte Historiker Schlosser darüber schreibt:„Am Tage vorher, den 18. Januar 1871, hatte sich zu Versailles ein bedeutungsvoller Akt begeben. Durch eine Proklamation an das deutsche Volk vom 17. Januar hatte König Wilhelm von Preußen für sich und seine Nachkommen den Kaiser- titel angenommen, und am folgenden Tage geschah im Schlosse zu Versailles die feierliche Verkündung dieses Entschlusses der Herstellung von Reich und Kaisertum in Gegenwart einer Versammlung, welche aus einer großen' Anzahl von Für st en, Prinzen, Generalen und sonstigen Vertretern der Armee bestand: eine solche Geburts- und Weihestunde hätte sich selbst in dem an patriotischen Fantasien, an Ausheckung aller möglichen Unmöglichkeiten so fruchtbaren Jahre 1848 niemand träumen lassen." Repräsentant des Volkes: ein Polizeispitzel Es war wirklich so. wie Schlosser schreibt: Fürsten, Generale und sonstiges Militär. Rur ganz im Hinter- grund, in eine Ecke gedrückt, stand ein Zivilist: der preußische Oberspitzel Stieb er, eine gemeine Kreatur, zusammengesetzt aus Provokation, Meineiden, Lügen und Haß gegen jedes Freiheitsstreben. Der sorgte in Versailles für die öffentliche Ordnung, und jeder, dessen Nase ihm nicht gefiel, wurde erbarmungslos in den überfüllten Arrest gesteckt.„Dabei wird ein und wieder einmal einer totgeschossen, auch einmal ein Dutzend zu Fuß(von Frank- reich!) in eine deutsche Festung geschickt." schreibt er, und: „Die Hof- und Militärpartei war ziemlich kühl, ich ver- trat hier die Zivilpartei und das deutsche Volk. Wunderbare Zeiten!" Ja, wunderbare Zeiten! Der nach dem Zaren reaktio- närste Fürst Europas wird zum deutschen Kaiser aus- gerufen und das deutsche Volk dabei von einem Spitzel und von Feldgendarmen vertreten! Der Raiser, der es nicht werden wollte Uebrigens wollte von Haus aus keiner der Beteiligten das Kaisereich: der König von Preußen leistete heftigen Widerstand. Er wollte nicht Scheinkaiser sein und ver- glich sich mit einem„Charaktermajor"(bei der k. u. k. Armee sagte man Titularcharge). Die Fürsten wollten nicht, der Kronprinz war nicht einverstanden gewesen, die Konservativen mit ihrem Erzjunker Bismarck hatten sich gesträubt, und nur die Liberalen entfachten eine gewaltige Presseschlacht! denn sie brauchten für Ihre Klasse, das auf- strebende kapitalistische Bürgertum, ein erweitertes Absatzgebiet. Erst Mitte Oktober 187t) gab Bismarck diesem Verlangen nach und versicherte dem Kronprinzen, daß er nun die Kaiserfrage ernstlich behandeln wolle. Er wollte dabei offenbar dem„Zivilpack" zuvorkommen und Wilhelm nicht durch die Bourgeoisie, fondern durch die Fürsten zum Kaiser machen lassen. Zahnschmerzen, Prinzipien und das Mittel gegen beide Das war aber nicht so einfach: die süddeutschen Fürsten waren nur schwer für den Plan zu gewinnen. Württem- berg und Bayern leisteten lange Widerstand und erst Ende November besserte sich der Stand der Unterhandlungen. Graf Holnstein, der Gesandte Bayerns in Versailles, einigte sich schließlich mit-Bismarck. Dieser sollte dem König Ludwig I l. von Bayern einen Brief schreiben und das Konzept der Antwort gleich beilegen. Als Holnstein mit seiner Botschaft in der königlich bayerischen Residenz erschien, wollte ihn Ludwig II. zuerst nicht empfangen und schützte Zahnschmerzen vor. Aber die drei- hunderttausend Mark Iahresrente— aus dem berüchtigten Welfenfonds stammend, den Preußen im Kriege von 1866 an sich gebracht hatte—, welche Holnstein mit Bismarck ausgehandelt hatte, stillten sehr rasch die königlichen Zahnschmerzen. Ludwig ließ sich im Bett den Brief Bismarcks vorlegen und schrieb dann dessen Konzept wörtlich ab. Diese„Antwort" Ludwigs an den König von Preußen übergab Holnstein In Versailles und — holte dann das Geld alljährlich persönlich bei Bismarck ob. Davon zog sich der gräfliche Vertreter immer gleich eine Provision von 10 Prozent ab— eine ganz lohnende Geschäftsreise! Bayern hatte aber auch noch andre Zugeständnisse erreicht. Es behielt seine militärischen Sonderrechte, eigene Diplomatie, Eisenbahn, Post und Telegraf. Das Allerwichtigste aber: die Bier- und Branntweinsteuer blieb im Lande! Die Raiserkrone: Muster ohne Wert Am 24. November war der norddeutsche Reichstag zusammengetreten, um einen neuen Kriegskredit von hundert Millionen Mark zu bewilligen. In der Thronrede wurde als Kriegsziel die Annexion von Elsaß-Lothringen angekündigt. Bebel und Liebknecht stellten den Antrag, den Kredit nicht zu bewilligen und forderten .Chronik" und„Vorposten" Das Verbot zweier Saarzeitungen, die zu Terror und Mord anreizen Saarbrücken, 16. Jan. Die Regierungslommission des »aargebietes hat ans Grund der W« und 8 der Verordnung nom 1». Inn! 1928 betreffend Maßnahme» zur Aufrecht- erhaltung der öffentlichen Ruhe und Sicherheit im Saar« gebiet die Verbreitung des Wochenblattes„Die Chronik" für die Dauer«ine» Monats im Saargehiet»er« boten. gleichzeitig sofortigen Frieden ohne Annexionen. Tie An- träge wurden niedergestimmt. Als die Mahl einer Deputation an den König zur Debatte stand, die diesen bitten sollte, um der deutschen Einheit willen die deutsche Kaiserkrone anzunehmen, bemerkte Liebknecht, diese Kaiserkrönung sollte auf dem Gendarmenmarkt seine, Straße in Berlin) vorgenommen werden, denn dieses Kaisertum der Hohenzollern sei nur mit Gendarmen aufrechtzuerhalten. Wahrhaft erheiternd spielte sich im norddeutschen Reichstag die Wiedergeburt des deutschen Reiches ab. Mehring berichtet darüber:„Delbrück sein Minister) legte die neugebackene Kaiserkrone auf den Tisch des Hauses wie eine unbekannte Warenprobe, von der er nicht recht im klaren war, in welche Rubrik des Zolltarifs sie eigentlich gehöre. Der Kronprinz grollte über dieses geschäftsmäßige Gebaren und auch Bismarck gab zu, daß Delbrück für eine bessere Inszenierung hätte sorgen sollen." In der Sitzung hatte ein Abgeordneter die vom Minister bestellte Anfrage in der Kaiserfrage vorzu- bringen. Delbrück stand schon auf der Rednertribüne, konnte aber den berühmten Brief König Ludwigs nicht finden. Er begann nun nervös in allen Taschen zu suchen, womit er schallende Heiterkeit erregte. Endlich hatte er ihn gefunden und las nun das Schriftstück in einem Tonfall vor. als ob es sich um irgendeine, langweilige Ver- ordnung handelte. Sang- und klanglos Am 16. Dezember traf die Deputation des Reichstags in Versailles ein. König Wilhelm war darüber nichts weniger als entzückt. Er wollte„diese Kerls" gar nicht empfangen: überhaupt war ihm die ganze Affäre derart zuwider, daß er nicht einmal seiner eigenen Frau über die Kaiserfrage berichtete. Diese erfuhr erst durch Ludwig II., daß sie Kaiserin geworden war. Am 18. Dezember, nach zwei- tägigem Antichambrieren, geruhte der König, die Depu- tation zu empfangen. In der überreichten Adresse hieß es: „Vereint mit den Fürsten Deutschlands naht der nord- deutsche Reichstag mit der Bitte, daß es Eurer Majestät gefallen möge, durch Annahme der deutschen Kaiserkrone das Einigungswerk zu erreichen." Am Tage vorher hatte man Bebel,Hep n er und Liebknecht wegen Vor- bereitung zum Hochverrat verhaftet. Damit war die deutsche Einigung gesichert... Am 1. Januar 1871 sollte die neue Reichsverfassung in Kraft treten. Die bayerische Regierung hatte aber neuer- liche Schwierigkeiten gemacht, Wilhelm war immer noch nicht ganz einverstanden, und so sah man von allen Feier- lichkeiten ab. Kaiser und Reich wurden ganz sang- und klanglos— wie etwa ein neuer Posttarif— eingeführt. Wappen, Flagge und Benennungen gaben in den nächsten Tagen neuen Anlaß zu kleinlichem Gezänk, und vor allem die T i t e l f r a g e führte noch am 17. Januar zu einer erbitterten Auseinandersetzung zwischen dem König und Bismarck. Wilhelm wurde schließlich wütend und ver- langte den Titel„Kaiser von Deutschland", dessen Berechtigung Bismarck jedoch bestritt. Nach der Verfassung be- sitze der König nicht die Territorialmacht, die der Titel bedeute. Der König protestierte wieder gegen das Schein- Kaisertum, das er nicht wolle, und als sich auch der Krön- prinz einmischte, erklärte er in hellem Zorn, daß er von der für den nächsten Tag angesetzten Feier nichts wissen wolle, blieb dem abendlichen Tee fern und schloß sich ein. Alles Wurst! Am nächsten Tage erschien er aber doch im Spiegelsaal, von der bereits geschilderten Versammlung erwartet. Nach einer Hetzrede auf Ludwig XIV., gehalten von einem Prediger, wird ein Tedeum gesungen. Der König besteigt eine Estrade und ordnet an, daß die Fahnen der Garde dicht hinter ihm Aufstellung nehmen. Dann verliest er eine Ansprache an die Fürsten. Bismarck, selbstverftänd- lich in Kürassieruniform, verliest in schlechter Stimmung einen Aufruf an das deutsche Volk. Einer der Fürsten bringt ein Hoch auf Kaiser Wilhelm aus,„Heil dir im Siegeskranz", der Kaiser schreitet die Fahnenfront ab, gibt Fürsten. Generalen und Offizieren die Hand— nur Bismarck nicht— und verläßt unter Marschklängen den Saal. Einige Tage später saß Bismarck an einer Tafel, bei der wieder über die Berechtigung der verschiedenen Kaisertitel debattiert wurde. Da stellt Bismarck die Frage:„Weiß einer von den Herren, was auf lateinisch Wurst heißt?" „Farciwen— Farcimenlum", schallen die Antworten von mehreren Seiten. Darauf Bismarck:„Farcimentum oder farciwen— einerlei. Ich weiß nicht, was mir mehr larcimentum wäre." So sah in Wirklichkeit die feierliche Geburt des deutschen Kaiserreiches aus— die dann in patriotischen Legenden und Lesebüchern als heilig-erhebendes Erlebnis der Nation geschildert wurde, für das 1914 Millionen der besten Söhne des deutschen Volkes in den Tod zogen. Wird die Geburt des„dritten Reiches" ausgeheckt von Großkapitalisten, die ihre Profite retten, und feisten Junkern, die ihre Osthilfekorruption vertuschen wollten — vor der unparteiischen Geschichte einmal besser bestehen? N u d o l f H a r a n d. Weiter hat die Regiernngôkommisfîon auf Grund der Ziff. 1 des Art. IS der Verordnung vom 28. 11. 1988 lAmtblatt 1988 Nr. KU«) enthaltenen Zusatzes zu Art. 12 Abs. 1, serner aus Grund der Abs. 2 und 8 des gleichen Artikels der Ver- ordnung vom 20. S. 1933 zur Ausrechterhaltung der öfsent- lichen Ruhe und Sicherheit in Erwägung, daß die Nr. 1 des 2. Jahrgangs des„B o r p o st e n", Blatt der saardeutschen Jugend» unter der Ueberschrist:„Saboteure" einen Artikel enthält, der den Tatbestand des 8 211 Abs. 8 StGB, ersüllt, die Wochenschrist„Der Vorposten" und sede angeblich neue Druckschrist, die sich sachlich als die von dem Verbot betroffene Wochenschrist„Der Vorposten" darstellt, für die Dauer von sechs Monate« oerboten, (Deutsche Stimmen•(Beilage zur„(Deutschen Freiheit"• Ereignisse und Geschichten 'V-,:!: itl- PonnTtfag, ömn 18, Januar 15Z4 „Sag des mtkamüen deutschen(Buches" Um ßeutschlaudl (Dec 10. Mai-(Das intecnationaie Aechiv empfängt In Paris hat sich unter dem„Internationalen Hilfskomitee für die Opfer des Hitlerfaschismus", dessen Präsident Lord M a r l e y ist, das„Internationale Antifaschistische Archiv" konstituiert, dessen Ziel es ist, eine vollkommene und geordnete Uebersicht über aller Erscheinungen des deutschen und des internationalen Faschismus zu geben. Darüber hinaus ist geplant, am„Tag des verbrannten deutschen Buche s", dem 10 Mai, dem Tage, an dem auf den Scheiterhaufen der Barbarei im vorigen Jahre in Deutschland die Hauptwerke der Literatur, Philosophie, Soziologie und Politik verbrannt wurden, eine große Bibliothek in Paris einzuweihen, die alle jene verbrannten, verbotenen, zensurierten Werke erneut sammeln will und die darüber hinaus alle die für das Studium des internationalen und insbesondere des deutschen Faschismus notwendigen Hauptwerke umfassen wird. Die Kampagne, die für diesen „Tag des verbrannten deutschen Buches" jetzt eingeleitet wird, soll mit brutaler Deutlichkeit aufzeigen, daß unter dem Regime des Faschismus die Güter der Kultur und Zivilisation verloren sind und verloren sein müssen, daß, wie gerade da« deutsche Beispiel erschreckend zeigt, der Faschismus die Barbarei bedeutet und daß wir also den Faschismus in allen seinen Formen bekämpfen müssen, wenn wir die Güter der Kultur umgewertet zu bewahren wünschen. Diese weitreichenden Absichten des Archivs wurden zum ersten Male vor einem engeren und besonders interessierten Kreise von deutschen, französischen und englischen Schriftstellern, Wissenschaftlern. Politikern entwickelt, die zu einem Empfang gekommen waren, den Herr Renaud de Jouvenel in seiner Wohnung für das Archiv gab. Unter den Anwesenden befanden sich die deutschen Schriftsteller Dr. Lion Feuchtwanger, Dr. Bruno Frank, Theodor P I i v i e r, Rudolf Leonhard^ von den französischen Freunden Prof. Le v y- B r ü h 1, Herr Sautreau, der Rechtsanwalt und Abgeordnete Gaston Bergerjr, Herr L e f a s und zahlreiche andere Schriftsteller, Industrielle, Gelehrte; von den englischen Freunden Herr Hamilton und Frau Sheridan, ferner Gräfin K a r o 1 y usw. Zahlreiche Gelehrte, Politiker, Schriftsteller aus England und Frankreich hatten schriftlich ihre Zustimmung.und ihre Erfolgswünsche gesandt. Der Leiter des Archivs, Dr. A. Kantorowiez, gab eine kurze Uebersicht über die bisher vorliegenden, sehr umfangreichen und zum Teil sehr wertvollen Materialsammlungen des Archivs und entwickelte die Pläne für den Ausbau und Aufbau des Archivs und der Bibliothek, die zu Zentren des aktiven kulturpolitischen Kampfes gegen die faschistische Barbarei werden sollen. Dr. Bruno Frank, Rudolf Leonhard(als Vorsitzender des Schugverbandes deutscher Schriftsteller), Herr de Jouvenel u. A. versicherten in kurzen Ansprachen ihre Sympathie und Hilfsbereitschaft für den notwendigen Kampf. Alle Anwesenden trugen sich in das Buch der Patenschaften ein, das im Laufe der weiteren Kampagne seinen Weg um die Welt machen wird und in das die Namen aller großen, freien und fortgeschrittenen Geister der Welt, die sich diesem Kampf zur Verfügung stellen wollen, eingetragen werden. * (Die„Säubecung" fängt ecst an... Der Führer der deutschen Bibliothekare verkündet sein Programm In einem Vortrag über die Reorganisation der deutschen Hochschulbibliotheken in der 29. Versammlung des Vereins deutscher Bibliothekare in Darmstadt führte Joachim Kirchner unter anderem folgendes aus; „Die Universitäten waren leider bisher von einem zunehmend rationalistischen Geiste durchdrungen, von falschverstandenen wissenschaftlichen Voraussetzungen des Wissenschafts- und Lehrbetriebes geleitet und so dem eigentlichen Leben des Volkes mehr und mehr entfremdet... Die wissenschaftlichen Bibliotheken haben unter der Zuchtrute des Uebermaßes an Gedrucktem zu leiden. Sie müssen den Götzendienst des liberalistisch rationalistischen Zeitalters, das sich dem Buchstaben mehr als dem Geiste verpflichtet fühlt, mitmachen... Wer die philologischen Wissenschaften und ihren Betrieb an den Hochschulen näber ansieht, muß mit Schrecken wahrnehmen, das Volksfremde zunehmend am Werke waren, in der Jugend den Sinn für die großen historischen Fakten der deutschen Geschichte zu verfälschen. Unter dem Deckmantel soziologischer Forschung wurden die Großtaten unserer deutschen Geschichtshelden verkleinert und verzerrt... Problemstellung, Methodik und Ziel sind nicht — wie man uns vorzuschwätjen suchte— international gleichgeschaltet, sondern wurzeln im geistigen Urboden der Heimat... Es ist als Sofortprogramm zu verlangen, das alle unnötigen Bücher(? d. Red.) und ferner solche Bücher, die die deutsche Kultur nicht fördern, sondern lediglich kompi- latorischer Art sind oder Schulzwecken dienen, nicht mehr aufgenommen werden... Damit ja kein Luftzug von außen in die neuen deutschen Bibliotheken eindringt, empfielt Kirchner: „Es wäre erfreulich, wenn die Bibliotheken möglichst bald ein Abkommen träfen, daß nur noch von bestimmten Bibliotheken teure Auslandswerke gekauft sowie Serien und periodische Schriften gehalten würden. Es ist vom Standpunkt der nationalsozialistischen Regierung keineswegs vertretbar, daß innerhalb Deutschlands ausländische Bücher und Zeitschriften in vielen Exemplaren gehalten werden." Und damit ja kein Zweifel entsteht, daß hier ganze Arbeit geleistet wird, führt Kirchner zum Schluß folgendes aus: „Ich halte es für notwendig, daß die Anwärter des höheren und mittleren Bibliothekdienstes vom nationalen Gedanken völlig durchdrungen werden, so daß sie später als Leiter oder Beamte unserer wissenschaftlichen Bibliotheken das wissenschaftliche Schrifttum im Sinne des nationalen Aufbaues unserer Wissenschaft verwalten. Auch ist es dringend erforderlich, daß diese jungen Beamten während ihres Volontär- und Praktikantenjahres in der staatsbürgerlichen Erziehung unterwiesen werden und sich den Wehr- verbänden anschließe n." Veeboten! Vecêoten! Laut Kriminalpolizeiblatt 1740 folgende Druckschriften: „Pariser Tageblatt"(Paris);„Der Judenstaat"(Wien); aus der langen Liste der Bücher, die wegen Unsittlichkeit verboten wurden, eine Auswahl: V. J. Calverton:„Der Bankrott der Ehe", Avalun-Verlag, Hellerau bei Dresden; Walter Serher:„Der Pfiff um die Ecke";„Die türkische Straße";„Der elfte Finger";„Zum blauen Affen", Verlag Paul Stegemann, Berlin; Arnold Ulitz:„Worbs", Propyläenverlag, Berlin; Max Hodann:„Geschlecht und Liebe", Büchergilde Gutenberg, Berlin; Rudolf Schlichter:„Das widerspenstige Fleisch",„Tönerne Füße", Rohwolt-Verlag, Berlin; H. O. Henel:„Eros im Stacheldraht", Fackelreiter- Verlag, Hamburg• Bergedorf; Alfred Schirokauer:„Messalina", Weichert, Berlin; Maurice Dekobra:„Ein Freudenmädchen gestorben", Neue Berliner Verlags-GmbH.; Victor Margueritte:„Die Junggesellin", Erich Reiß-Verlag, Berlin 1932(bisher war nur eine Wiener Ausgabe verboten, nun hat man auch die Berliner entdeckt); Titayna:„Rund um meinen Gelieh! L-ipzig, Weller u. Co. (Die CcstiUmung(Jcoia Cine nicht nuc griechische Sage In fernen Zeiten lebte der König Agamammon, ein mächtiger und unumschränkter Herrscher. Sein Land war reich und fruchtbar. Durch Goldzuflüsse bewässert, blühte das Wirtschaftsleben, trug der Boden der Verfassung goldgelben Weizen; wundervoll konstruierte Kapitalsanlagen versorgten die bessere Bevölkerung mit Zinsen und Profit. König Agamammon wurde mit Ruhm und Hetären überhäuft, die klügsten Philosophen, die erlesensten Dichter, die tapfersten Krieger waren um ihn versammelt und huldigten seiner olympgewollten Ordnung. Das Orakel zu Wallstreet prophezeite ihm Prosperity for ever und Gott Merkur besorgte persönlich seine Handelsgeschäfte. Der König ließ es sich Wohlergehen, veranstaltete glänzende Bacchusfeste, baute Schlösser und Paläste und gab seinen Kriegern prächtige Rüstungen. Agamammon wäre vollkommen zufrieden gewesen, wäre nicht das Gespenst des schleichenden Trojanis- mus aufgetaucht. Er hatte keine Ruhe mehr und fürchtete ständig um seine Herrschaft. Immer stürmischer drängten seine Ratgeber zu einem heiligen Feldzug gegen Troja, das von Tag zu Tax stärker wurde. Endlich raffte sich Agamammon auf. An der Spitze eines Söldnerheeres zog er vor die Mauern Trojas. Mit giftigen Pfeilen kämpfte das Heer des Königs gegen den hinter festen Mauern verschanzten inneren Feind. „Velki"-Zeitn«ge* wurden in die Stadt geschmuggelt, die für die Volksgemeinschaft mit Agamammon warben. Mit ein- grfs«"»*" T'-oisnern wurden hellenentreue Troja vereine pr—•'■—or vergebens. Die Trojaner hielten sie 1''' h durch kühne Ausfälle sogar Eroberungen. Jahrelang währte schon die Belagerung. NotS Ii hoffte Agamammon mit seinen alten M.hoden zu siegen. Da traf ihn ein tückischer Krisenpfeil. c.r erkrankte schwer. Heftiges Depressionsfieber fesselte ihn ans Lager, während sich die Disziplin seiner Mannschaften bedenklich lockerte. Streit und Zersetzungserscheinungen untergruben die Kampfmoral. Da griff er zu einer List. Er ließ ein großes hölzernes Pferd bauen, rot anstreichen und mit magisch gekrümmten Kreuzen verzieren. Im Bauch dieses Pferdes nahmen seine besten Krieger Platz. Dann gab er den Befehl, es unauffällig vor die Tore der Stadt zu bringen. Seine Truppen aber zogen zum Schein ab. Die von der langen Belagerung zermürbten und ge- schwächtne Trojaner strömten vor die Mauern und bestaunten arglos das schöne Pferd, das sie für ein wundertätiges Götterbild hielten. Vergeblich warnten Besonnene vor dem verführerischen Koloß; doch immer mehr Trojaner waren dafür, daß man es in die Stadt bringe. Denn sie versprachen sich davon Rettung aus ihrer Not. So schleppten sie das Holztier durch eine eigens herausgebrochene Mauerbresche in das Stadtinnere, jubelten, tanzten und riefen aus voller Kehle:„Heil Pferd!" Als der Tag des Siegestaumels vorbei war und die dunkle Nacht über Troja hereinbrach, krochen die Söldner Agamammons aus ihrer Tarnung, schlagen die Wächter nieder und mochten die Straße frei den hellenitchen Bataillonen. Die wehrlosen Trojaner wurden in einem fürchterlichen Gemetzel abgeschlachtet, auf der Flucht erschossen und in Konzentrationsschiffen au Tode gefoltert. Die Ueberlebenden mußten Agamammon, der nun wieder unumschränkter König war, schwere Sklavendienste leisten. So büßte seine Leichtgläubigkeit das Volk von— Troja. Bevor ihr durch Verrat die Macht erschlichen, Besaßen wir das schönste Vaterland. In allen Zonen, allen Erdenstrichen Ward Deutschlands Name ehrenvoll genannt; Denn leuchtend über seinen grünen Auen War tiefer Gottesfriede ausgebreitet. Zu allen Zeiten und in allen Gauen Hat Geist das Schaffen seines Volkes geleitet. Mit seinen weltumspannenden Gedanken Durchbrach es alle nationale Schranken.— Dies alles habt ihr unter Schmutz begraben. Denn Schmutz war alles, was ihr von euch gabt. Wir aber wollen Deutschland wieder haben. Das ihr Halunken uns gestohlen habt. * Uns, die wir Deutschland mit der Seele liebe» Als alte Heimstatt tiefster Menschlichkeit, Uns hab ihr in die Welt hinausgetrieben. Die Tempel nnsres Friedenswerks entweiht. Ihr habt die Heimat, die uns heilig ist, Durch Haß und Mord zertreten und geschändet, Sodaß die Welt, die nach dem Heute mißt. Sich voller Abscheu von ihr abgewendet. Der ärgste Feind das Land nicht so zerschlüge, Wie ihrs getan mit Tyrannei und Lüge. So mögt ihr euch an unsrem Fluche laben; Er treffe euch, wo ihr euch auch vergrabt. Wir aber werden Deutschland wieder haben. Das ihr Halunken uns gestohlen habt! Horatio- ihcenhandioecket Qoring Hermann Göring hat mit„schlichtem" Theaterdonner und„spontan" angeordneten Demonstrationen seinen ein* undvierzigsten Geburtstag gefeiert; da Hindenburg ib» keine neue Üniform und Hitler ihm kein neues Ministerium präsentierte, mußte der preußische Ministerpräsident- Reichsluftfahrtminister, Reichsinnenminister, Reichstag» Präsident, Ehrengeneral, Ehrenhenker usw. selber für einen neuen Titel sorgen. Nach einem schlichten Fackelzug der Stabswache und einem bescheidenen Großfeuerwerk wurde der große Mann zum„ Ehrenmei»ter de» deutithen Handwerk»" ernannt, die Feuerwehr hat es offenbar nicht ge" wagt, ihn als Ehrenmitglied in ihren Reihen aufzunehmen (Die Eiste dee Vecbote Verboten laut Kriminalpolizeiblatt 1740 44 folgende Druck" Schriften: Coudenhove-Kalergi,„Deutschlands europäische Sendung";„De Gelderlander"(Nymwegen);„Der christliche Ständestaat"(Katholisch, Wien);„Metallarbetaren"(Stockholm);„Werktätige von Osnabrück";„Die Wahrheit im 3 Reiche";„Rote Betriebspost";„Die Rote Fahne";„Illu* strierte Bauernzeitung";„Paris-Berlin"; Marx-Engels:„Da» kommunistische Manifest";„Arbeiter- und Bauernrepublik"! „15 Jahre Befreiung der Frau";„Sozialismus schafft Wohl" stand für alle";„Was will die KP?";„Die faschistische Entwicklung des ADGB"; Fritz Schulte:„Die RGO. im Angriff"! „Junge Garde" Nr. 18 und 19;„Arbeiter an die Macht!"! „Stürzt die Papen-Hitler-Hugenberg-Diktatur";„Für die Arbester- und Bauernrepublik";„Foenstret"(Stockholm)! „De nieuwe Koerier"(Roermond, Holland); Rudolf Kirsch: „Der wilde SA-Mann", Fünf-Türme-Verlag, Halle;„De* Angriff" Organ des RFB. Worte von Christian Ttloegensteen Man will die deutsche Volksseele erstarken sehen, indem sie sich mehr abschließen und begrenzen soll, und vergiß'- daß gerade das Unbegrenztsein wollen, das über engen Natio* nalitätsscbranken stehen wollen ihre Haupteigentümlichkei' ist. * Eure Todesstrafe, noch mehr Euer Kriegführen. Ihr Menschen, ist nicht mehr und nicht weniger als— Selbstmord * Organisation ist das große Wort, dem die Zukunft gehört- * Lehrer-Komödie: Die Armut der Lehrer, während die Staaten Unsummen für die Wehrmacht hinauswerfen. P® sie nun Lehrer für 600 Mark sich leisten können, bleiben di* Völker so dumm, daß sie sich Kriege für 60 Milliarden leisten müssen. * Die sozialistische Lehre— dat Brot der Armen. Zeü=7loti