Ans dem Inhalt ïBccuut und Röchling ut Qenf. Seite 2 Rapens neuet Qlaule Seite 3 Vernichtung, des deutschen Acbeitsccchts Seite 4 Cutgs Qliich und Ende Deutsche Jeuecung Seite 5 Sinzigs unabhängige Tageszeiiung Veuischiands Kummer IL— 2. Jahrgang j Saarbrücken, Freitag, 19. Januar 1934\ Chefredakteur: M. B raun Reichsrcform: Ende Prcoßens Niederlage Hindenburgs and Cörings— Einheitsstaat unter nationalsozialistischer Parteidihtatur- Proklamation bevorstehend D. F. Am 18. Januar 1871 ist in Versailles Wilhelm I. von vlcußcn gegen seinen Willen und nach vielen und schweren intriganten Künsten Bismarcks zum deutschen Kaiser aus- gerufen worden. Der Tag war außerhalb der offiziellen Feiern und der patriotischen Schullesebücher nie irgendwie volkstümlich. Die altpreußischen Junker haben ihn nicht ge- »>ebt. Ihnen war die schwarzweiße Preußensahne Symbol einer durch Jahrhunderte geübten Herrschaft. Schwarzweib- gewann aus den preußischen Herrensitzen erst Sympa- th«en, als es die deutschnationale Partcifahne gegen das ^.chwarzrotgold der Republik geworden war. Die Jahne der Kämpfer für die Einheit des Reichs nach den Befreiung«» kriegen, die Fahne, die aus den Barrikaden und den Gefechts- scldern der revolutionären Bewegung von 1818 geflattert hat, fand den einmütigen Haß aller Feinde der Volts» souveranität. Aus diesem Gegensatz erwuchs die bentschnationale For- oerung, den 18. Januar zum Rationalsest zu erheben. Auch sie wurde nie populär, und selbst im„dritten Reich" ist der Tag nicht zu einem großen Fest zu steigern. Anscheinend wollen es die neuen Machthaber auch gar nicht, denn sie möchten nicht, daß ihr eigener Glanz durch die Tradition der prcußisch-deutschen Dynastien beeinträchtigt wird. So sind denn wohl Schulseiern und Flaggen besohlen, aber die Fahnen hängen nicht sehr zahlreich und recht trübe in den regnerischen Januartag. Für diesen 18. Januar 1934 wurde von vielen die An» kündig»«« der großen Reichsreform vom Länderstaat zum Einheitsstaat erwartet. Auch diese Proklamation scheint man nicht mit dem monarchistischen Erinnerungstage verbinden zu wollen, den» bis zur Stunde liegen fie nicht vor. So ist. denn wohl am 80. Januar, dem Jahrestage der Bernsung Hitlers zum Reichskanzler, mit der Veröffentlichung der großen Reichsreformpläne zu rechnen, die nach allem, was wan hört, einen wirklichen Fortschritt aus dem Wege zur Vereinheitlichung des Reiches bringen. Es kommt freilich daraus an, ob und wie sie durchgeführt werden. Es war nnzweiselhast eine Unterlassung der Revolution von 1018, daß sie die dynastischen Ländergrenzen bestehen ließ. Bei der Kritik dieses Versagens vergißt man aver sehr vit die gewaltigen Hindernisse, die sich entgegentürmten. Die «ouveränität der Bolksbeaustragten und dann der Rational« Versammlung war ständig von außen und von innen bedroht: durch einen Wassenstillstand und einen Diktatsrieden mit unerhört schweren Bedingungen, durch die fremde militärische Besetzung großer und entscheidender Reichsgebiete, durch sehr starke separatistische Bewegungen und Abstimmungskämpsc >n den Grenzgebieten, durch linksradikale Ausstände und gegenrevolutionäre Treibereien. Bei solcher Gefährdung des Reiches konnte ein Schlag gegen die Länder für das Reichs- gcsüge vernichtend werden. Tie Reichsversassung von Weimar hat in ihrem Artikel 18 die Neugliederung des Reiches dem deutschen Volke als Ausgabe gestellt. Diese Aufgabe ist unter den großen wirt- schaftlichen Sorgen der Nachkriegszeit vernachlässigt worden. Richt in dem Sinne, daß nicht viele Berufene und Unberufene zahlreiche Pläne ausgestellt hätten, sondern der Vorwurs geht dahin, daß die wirklich Berufenen es an der entschlaf» scnen Energie haben fehlen lassen. Man glaubte, daß die Reugestaltung des Reiches aus dem Wege langwieriger Ver- Handlungen zwischen denen erreicht werden könne, die an dem bisherigen Zustand politisch oder persönlich interessiert waren. So wurden denn Beratungen über Beratungen ge- iührt, die schließlich in eine Ländertonferenz mündeten. Das Ergebnis war eiu dicker Band von Protokollen, aus denen endlich ein einziger brauchbar scheinender Borschlag erwuchs: Teutschland in Länder alter und neuer Art auszuteilen. Länder neuer Art sollten die bisherigen preußische,, Pro- vinzen werden, in die die Hansastädte und die kleineren norddeutschen Staaten ausgehen sollten, Länder alter Art aber sollten Bayern, Württemberg, Baden und Sachsen sein. Gegen diesen Vorschlag erhob sich sowohl die preußische Regierung wie die Regierun« Bayerns. So stand wan wieder am toten Punkt. Auch die nationalsozialistische Partei, diktatur hat die Schwierigkeiten dieser Probleme zu spüren bekommen und sie sind noch nicht überwunden. Ein Schlag gegen die Reichsresorm wa> die Gründung des preußischen Staatsrates und seiner pomphaften erste« Sitzung im Sommer 1088. Der preußische Ministerpräsident Göring hoffte, sich in diesem Staatsrat mit den Feldmar» schöllen und Generalen, den Industrie- und Banksürsten, de» Exellenzen und Größen der Kunst und Wissenschast einen Schutzwall gegen die Zertrümmerung Preußens geschassen zu haben. Er glaubte serner, dnrch die gewaltige preußische Figur des Generalseldmarschalls aus dem Reichspräsidenten- stuhle eine große Sicherung gegen die den Bestand Preußens bedrohende Reichsrcform zu haben. Unter dem Zwang der zentralistisch organisierten nationalsozialistischen Bewegung scheinen alle diese Widerstände zusammenzubrechen. Paul von Hindenburg muß für immer von seinem alten Preuße» und seinen Hohen- zollern» soweit sie Preußens Könige oder Preußens Kronprätendenten waren, Ab- schied nehmen. Göring aber dürste sich mit einer gehobenen Rei ch s m inisterstellung oder einen, Botschas ter poste»— ma» spricht von Rom— zufrieden geben. Mit der Verkündigung des Einheitsstaates zum 80. Januar wird bestimmt gerechnet. Die noch bestehenden 18 Länder und 8 Hansastädte sollen in etwa gleich große Gaue umgeschmolzcn werden und zwar solle« die Grenzen dieser Gaue möglichst nach der Stammeszugehörigkeit und den wirtschaftlichen Notwendigkeiten gezogen werden. Das ist übrigens auch das Ziel, das sich die Reichsverfassung von Weimar gesteckt hatte. Jeder Gau soll durch einen Reichs st atthalter im Range eines Ministers geführt werden. Alle wichtigen Kom- petenzen gehen ans das Reich über: Justiz, Polizei, Kultur. Daß das Reich dank Mathias Erzberger, dem dafür durch Revolverkngeln gedankt worden ist, die Gewalt über die Finanzen schon seit vierzehn Jahren hat und dadurch einen bedeutenden Schritt zur Vereinheitlichung machte, ist bekannt. Daß Bayern als B e r w a l t« n g se i n h e i t bc- stehen bleiben wird, ist sicher. Sowohl der bayerische Ministerpräsident Siebert, wie die„Bayerische Staatszeitung" und der bayerische Juftizminister Dr. Frank haben dem„Führer" öffentlich, wenn auch in er» gebener Form, diese Bediugong gestellt, und sie wird erfüllt werden. Zu erwähnen bleibt noch, daß beabsichtigt ist, die Reichs« statthalter zu einem„S e n a t", also einer Art Reichsober- Haus zusammenzufassen. Da sie alle Vertrauensmänner der NSDAP, sind, wird dadurch die Parteidiktatur noch mehr und sicherer ausgebaut. Der noch im Laufe dieses Monats zu erwartend« Erlaß wird mit der Neuordnung des Reichs die Grundzttge der werdenden Reichsversassung bringen. Dem Untergang der Länder trauern wir nicht nach. Ihre Grenzen werden auch unter einer sozialistischen Herrschast nie wieder ausgerichtet werden. Verwaltungsorganisatorisch kann also die bevorstehende Reichsresorm einen bedeutenden Fortschritt bringen. Er ist aber verbunden mit einer Stärkung und weiteren Korrumpier»«« der nationasoziali» frischen Eliquenwirtschast. In immer weniger und nicht gerade saubere Hände wird das Schicksal der Nation gelegt. Ein oder zwei Dutzend Parteibeamte, die durch übelste Dema- gogie zu Macht und persönlicher Bereicherung emporgestiegen sind, regieren das Reich ohne jede öffentliche Kontrolle und ohne jede öffentliche Kritik. Rie Reichsreform, die Reichs- einheit, der Einheitsstaat werden so zur Mache einer nationalsozialistischen Parteiclique, die durch daS Wissen um zahllose Verbrechen mit einander verbunden ist und in Wahr- heit nur ein Ziel kennt: sich vor der Vernichtung durch einen freien Voltsspruch zu retten. Immer mehr konzentriert sich die diktatorische Macht. Die Reichsorganisatton wird einheit- licher, aber die Kluft zwischen Diktatoren und Volk wird größer. mmlerilàMadnsnMsten lJnpreß.i Der Preußische Justizminister Kerrl erklärt« auf der Tagung der OberlandeSgerichtspräsidcnten und General- staatsanwälte Preußens: Er verlange von jedem unbedingte Disziplin gsgWMx« s«S Kuprdnuuge» H» Führ«,«.,., Am 21. Januar vollenden sich 10 Jahre seit dem Tode Lenins. Es ist beschlossen worden, die drei Tage, vom 20. bis 22. Januar, als Trauertage dem Andenken an Lenin zu widmen. In Moskau werden in 73 größeren Fabriken und in 23 Hochschulen und technischen Lehranstalten Vorträge gehalten werden. Aehnliche Veranstaltungen finden in Fa- brtken des Moskauer Gebiets statt. In sämtlichen Schulen werden am 21. Januar zwei Stunden Vorträge über Lenin, Borlesungen aus seinen Werken usw. gewidmet werden. Zehntausend Tote Das große Erdbeben in Indien London, 18. Jan. Das Erdbeben, das zu Beginn dieser Woche ganz Nordindien heimgesucht hat, ist eine der größten Katastrophen in der indischen Geschichte. Obwohl noch Einzel» Helten und genaue Angaben über die Zahl der Opfer nicht vorliegen, schätzt man bei den Behörden die Zahl der Tote» aus etwa 10 000. Nach Berichten von Angenzeugen ans dem Katastrophengebiet ist diese Zahl bestimmt nicht zu hoch ge» griffen. Aus Grund von Berichten aus dem Gebiet des Hima- laya» wo das Erdbeben die größten Schäden anrichtete, und alle Ortschaften in Schutt und Asche gelegt hat, nehmen die indischen Behörden eine Schätzung an, wonach allein in Rettiah sich die Zahl der Toten aus 1000 beläust und in Darbhanga aus mehr als 800. Bis zum Augenblick liegen noch keine Nachrichten vor, daß auch Europäer unter den Opfern zu beklagen find. In amtlichen indischen Kreisen ist man der Meinung, daß es noch Wochen dauern wird, ehe Einzelheiten aus den betroffenen Gebieten, besonders auS den weiter abgelegenen Gebieten Borderindiens, bekannt sein werden. Allein in der Stadt Muzassapur in der Provinz Bibar wurden über 300 Menschen durch das Erdbeben getötet. Starke Polizeikräste, die in das Erdbebengebiet entsandt wurden, bemühten sich, die Verwundeten zu bergen und den Müttern bei der Suche nach ihren unter den Trümmern ihrer Wohnstätten verschwundenen Kindern zu Helsen. Die Krankenhäuser sind mit Verletzten und Sterbenden überfüllt. Nach dem„Matin" wird sich der Ministerrat am Montag mit den Maßreglungen beschästigen, die gegen eine Reihe hoher Beamten wegen Nachlässigkeit bei der Behandlung der Stavisky'Afsäre ergriffen werden. Eingeschritten werden soll gegen einen Staatsanwalt, gegen den Präsekten des Te» partements Untere Pyrenäen lLitz Rayonnes, gegen einen hohen Beamten des Handelsministeriums, gegen einen Direktor des Arbeitsministeriums und gegen mehrere V«smtß der Polizeiprgjejtnr und dxr Sicherheitspolizei. Erste Saar-Entsdieidong Regierongshommlssion wiedergewählt A. H. Seit vielen Monaten hat die sogenannte„deutsche Front" des Saargebietes Protestschreiben nach Genf ge- sandt. Mit Worten, die kaum noch einer Steigerung fähig waren, wurde die Regierungskommission des Völker- bundes angeschuldigt, ihr Amt parteiisch auszuüben und die Anhänger der Rückgliederung an Hitlerdeutschland zu benachteiligen. Mit einer Geste, die in ganz Europa ihren Eindruck nicht verfehlen wird, ist jetzt der Völkerbundsrat in geheimer Sitzung über diese Beschwerden hinweg- gegangen. Einstimmig beschloß er, alle fünf Mit- glieder der R e gi e r u n g s k o m m i s si o n mit dem Engländer Knox als Präsidenten wiederzuwählen. Dieses Mal erfolgt? die Neuwahl nicht auf ein Jahr. Die Vollmachten der Regierungs- Kommission sollen erst ablaufen, sobald ein.neues Regime im Saargebiet m Kraft tritt Mit nicht weniger als sieben Mann waren die Delegier- ten der„deutschen Front", mit Herrn Röchling als Führer und dem Nazistaatsrat Spartiol als Anhängsel, in Genf erschienen. Sie kommen mit einer harten Niederlage nach Hause zurück. Ihre Position war schon deshalb sehr schwach, weil Hitlerdeutschland die Teilnahme an den Be- ratungen des Völkerbundsrates in der Saarfrage ab- gelehnt hatte. Aber nicht genug damit! Der Saarreferent, der Italiener Aloysi, machte durch seinen Bericht über die Saarfrage alle Hoffnungen auf faschistische Solidarität zuschanden. Noch niemals hat eine Regierungs- Kommission seit Inkrafttreten des Saar- statuts eine so warmherzige Vertrauens- Kundgebung empfangen, wie sie diesmal von dem Abgesandten Mussolinis aus- gesprochen wurde. Mit dieser Kundgebung hat sich der Pölkerbundsrat auch hinter alle Verordnungen der Regierungskommission gestellt, die gegen den wachsenden Naziterror gerichtet sind. Die Kommission, die nach Genfer Meldungen bis zum Mai einen Bericht über die Lage und die Vor- bedingungen einer freien Abstimmung geben soll, wird reichliches Material vorfinden. Zur Stunde kann also niemand sagen, welcher Termin für die Abstimmung in Frage kommt. Wir müssen uns darauf gefaßt Machen, daß diesesganzeIahr1934durchtobtseinwird von schweren Abstimmungskämpfen, von neuem politischen Druck auf alle, die nicht zur Gleich- schaltung bereit sind, von womöglich noch wilderem Ver- leumdungsfeldzug als bisher gegen alle, deren Bekennt- nis zu Deutschland vereint ist mit dem Kampfe gegen seine gegenwärtigen braunen Machthaber. Dieses Bekenntnis zu Deutschland schließt zugleich jedes Mißverständnis über unsere Haltung zur Regierungskommission aus. Wag früher von sozialistischer Seite oft ausgesprochen wurde, bleibt auch heute wahr: Diese Regierungskommission ist und kann keine Vertretung des saarländischen Volkes sein. Sie hat nach dem Versailler Vertrag nur die Aufgaben eines Treuhänders, der das Land zu verwalten hat, bis das end- gültige Regime festgesetzt ist. Pet Landesryk'dè's Saar- gebietes hat keine gesetzgeberischen, sondern nur beratende Befugnisse— ein Zustand, der keinen grundsätzlichen An- Hänger der politischen Freiheit und Gleichberechtigung be- friedigen kann. Vermutlich auch nicht die Mitglieder der Regierungskommission selbst, die sich zum Teil im Bereich des politischen Parlamentarismus geschult haben. Diese Sachlage ist aber das Resultat des Versailler Vertrages, den wir immer bekämpft haben. Es besteht für uns nicht der mindeste Anlaß, eine Regierung grundsätzlich zu be- kämpfen, die für die ihr erteilten Befugnisse und Der- pflichtungen gar nicht selbst verantwortlich ist. Ihre viel- umstrittenen Verordnungen gegen den Naziterror sind eine erzwungene Schutzmaßnahme zur Wahrung der Freiheitsrechte der Saarbevölkerung und ein Kinderspiel gegen die Unterdrückungsmaximen des„dritten Reichs". Nur ein Zipfel der Pressefreiheit, den die Saarbewohner unter der Herrschaft der Völkerbundsregierung genießen, würde im Hitlerlande gewaltige Veränderungen hervor- rufen. Niemand kann in dieser Stunde sagen, zu welchem Termin die Abstimmung selber festgelegt werden wird. Der Ausschuß, dem nach Genfer Meldungen Vertreter Italiens, Argentiniens, Dänemarks. Spaniens und Australiens angehören werden, hat eine viel schwierigere Arbeit zu leisten, als ihm heute gegenwärtig ist. Es gibt politische Führer im Saargebiet, die selber noch nicht wissen, wie ungeheuer schwierig und kompliziert a lein diejenigen Vorarbeiten sind, die die einfache Feststellung der Abstimmungsberechtigten. betreffen. Die großen Entscheidungen des Völkerbundsrats, ob die Abstimmung zu Beginn des nächsten Jahres erfolgen soll, oder ob eine Verschiebung um Jahre eintritt, liegen nach wie vor Im Schöße der Zeit. Für uns war das Saargebiet niemals abgesondert von den großen europäischen Schicksalsfragen. Es steht mitten in ihnen und wird seine Lösung finden imZusammen- hang mit den europäischen Gesamt- lösungen. mit Dens oder abseits von Genf. So wird zum nord gehetzt Ein Exempel von der Saar Saarbrücken, de« 18. Januar 1988. Wir finde« in der amtlichen Hitlerpresse,«. a. im„Mainzer Anzeiger" vom 18. Januar 1934, einen Leitartikel mit der Ueberfchrift„Verräter". Dieser Artikel stell» eine einzig« große Mordhetze gegen den Völkerbunds- beamten nnd Direktor des Innern der Re» giernngskommission Heimburger wie gegen die Führer der deutschen FrciheitSsront an der«aar dar. Direktor Heimburger wie die Führer der Freihcitösront werden mit den bekannten rheinischen Separatisten Smecto, Maitheo«nd Dorten veralichen. Es heißt in dem Artikel wörtlich:„Die SmetS, Matthe»«nd Dorten von damals heißen heute Ritzel, Heimburgcr und Bernhard. Diese Ver» räter haben, w'e die Separatisten vor 10 und 15 Jahre«, ebenfalls eine«nd verabscheuungswiiedige ttliqne um sich gesammelt, die den Hochverrat fich zum Berns gemacht hat. Emigranten, marxistisch« Ueberläuser und jüdische Greuelpropagandisten inszenieren zur Zeit im Saar» gebiet denselben Spuk, bringen iE-er eine friedliche, dcntsch- gesinnte Bevölkern,ig dasselbe maßlos« Leid, da» die Röchling nnd Nai Braun Das Ringen in Gcni• zwei deutsche Fronten an der Saar• Itochkaplfalist Röchling nnd Arbeiter- (Mirer Draun- Vor dramatischen Endkämpfen PariS, 18. Jan. Die Genfer Behandlung der Taarfrage interessiert die französische Presse in starkem Maße. Der Haoasberichtersiatter in Genf hebt in einer Meldung hervor, daß der Völkerbundsrat währeno seiner jetzigen Sitzung überhaupt nicht über die Sicherheits- -maßnähmet, zu befinden haben werde, dt« vor und wahrend der Volksabstimmung von 1935 ergriffen werden müßten. Die Haltung der Rcgierungskommission könne im übrigen nur nach den Dokumenten beurteilt werden, die in den letzten Tagen veröffentlicht wurden. Keines dieser Dokumente enthalte de« Vorschlag einer Besetzung des Saargebietes Die ablehnende deutsche Antwort, sich in Genf auf eine Saardiskussion einzulassen,'kam der französischen Oeffcnt- lichkeit nicht unerwartet. Die Presse kritisiert diese deutsche Haltung. Der Matin-Berichierstatter in Genf er- klart, Deutschland bringe sich absichtlich wieder in die Lage, in der es sich z. B. 1921 befunden habe, als ohne Beisein Deutschlands die Ausführungsbestimmungen für die Ab- stimmung in Oberschlesien festgesetzt wurden. Das Saar- drama selbst, so fährt der Berichterstatter fort, spiele sich in den Wandelgängen in Genf ab wo die beiden wilden Gegner Röchling und Max Braun sich immer begegneten. Von Braun behaupte man, daß er ein Todgeweihter sei. Er(?) sei überzeugt, daß er nicht mehr lange zu leben habe, wenn er so offen wie bisher sein« Propaganda fortsetze. Der Matiu- redakteur hat von Max Braun gehört, eine Volksab- stimmung. die morgen stattfinde, würde eine flagrante Ber- letzung des Versailler Vertrages sein, der der Saar- bevölkerung ihre Abstimmnngsfreiheit ga- ran tier«. Wir. so habe Braun hinzugefügt, sind ebenso Deutsche wie die anderen, aber wir wollen nicht unter einem Terrorregime abstimmen. Ein Polizeischntz wäre kein Ab- Hilfsmittel, denn dem unerträglichen psnchologischen Druck stehe nichts entsprechendes entgegen. Die Verdächtigten hätten nur die Möglichkeit, nach Frankreich überzusiedeln. Frank- reich würde wohl, so habe Vraun zum Schluß erklärt, keinen großen Wert darauf legen für 80 000 Saarfamilien sorgen zu müssen— Röchling habe dem Berichterstatter erklärt, daß sich die Saarbevölkerung nicht für Deutschland, sondern für Hitler aussprechen müsse. Da 99 Prozent der Saarbevölkerung für Hitler seien, wäre die Volksabstimmung absurd und. international gesehen, eine Gefahr.— Beide Richtungen, so solgert auß diesen Erklä- rungcn der Mafinredakteur, wollten also von der Volks- abstimmung nichts wissen, die in Ungnade Gefallenen wollten eine Verschiebung der Volksabstimmung auf bessere Zeiten, und die Bevorzugten de» Regimes in Berlin wollten sie ganz ausschalten. > Auch die Korrespondeutin des„Oeuvre" zitier! ähnlich »i« der Matiu Aenßerunaen Brauns und erklärt, daß die Kreise, die für eine Verschiebung der Volksabstimmung aus später seien, atauben, daß sich eine solche Maßnahme aus Art. 84 deS Versailler Vertrags herleite« lasse, und zwar wenn man für die Verschiebung die Annahme zugrunde- l«g«, daß die AbstimmnugSlreiheit unter d«n gegenwär- «igen Umständen nicht gesichert w«rd«n könne. Fran- zösischerkcits betrachte man den Gedanke« einer Berschie« bung allerdings als unmöglich. Das„Journal" bezweifelt, daß der Völkerbund die Kräfte habe, um nicht nur die Freiheit der Volksabstimmung im Saargebiet zu gewährleisten, sondern auch für Ordnung vor den Wahlen und für oie Sicherheit nach den Wahlen zu sorgen. Der Schatten von Pirmasens schwebe über der Saar- abstimmung. Die Saarländer wüßten, wie die Deutschen. wen« sie siegen, diejenigen bestrafen würden, die nicht für das Reich gestimmt haben..^...^ „Ordre" vertritt den Standkunkt, daß Deutschland seine Auffassung in der Saarfrag« nicht in Genf verteidige, daß eS sie aber auf andere Weise durchsetzen wolle, nämlich durch direkte Aktion. Man könnte also mit einer verschärften deutschen Propaganda im Saargebiet rechnen. Braun nnd Petri empfangen Genf, 17. Jan. Die Delegation der saarländischen Freiheits- front wurde heute vom argentinischen Ratsmitglied, vom römischen Botschafter Eampilo, vom dänischen Ratsmitglicd, dem Minister Scavelius und dem französischen Ratsmitglied und Direktor der Völkerbundsabteilung am Quai d'Orsay, Massigli, empfangen. Unsere bekannten politischen und wtrt- schaftlichcn Forderungen fanden größtes Interesse und die Zusage, sich ihrer nach besten Kräften anzunehmen. vie isige geht um Die„Frankfurter Zeitung" meldete kürzlich, daß die „Arbeiter-WoHliaHrt" Saarbrücken sich für zahlungsunfähig erklärt hätte. Diese Meldung ist glatt erfunden. Es handelt sich offenbar wieder einmal um eine Zweckmelbung. welche dazu bestimmt ist. die Arbeiterschaft des SaargebieteS köpf- scheu zu machen. „Ans fünfter Rand" Sir Simon weiß nicht« über die Saarfrage London, 18. Jan. Der Pariser Reutervertreter befragte Sir John Simon während seines kurzen Aufenthaktes in Paris über das Saarproblem Der britische Unterstaats- sekretär des Aeußeren erwiderte:„Ich bedauere sehr, aber ich kann nichts sagen. Ich habe darüber nur aus fünfter Hand erfahren und bin jetzt im Begriff, mir einiges aus erster Hand zu verschaffen. Gute Nacht!". Eine engllsdie Stimme Gegen Verschiebung der Abstimmung London, 18. Jan.„Daily Telegraph" beschäftigt sich in einem Leitaussatz mit der Saarsrage. Das Blatt gibt zu» daß über das Ergebnis der Volksabstimmung im Saargebiet lein Zweifel besteht. Es sei sicher, daß sich, wie auch die Ab- stimmung geregelt werbe, eine überwältigende Mehrheit für die Rückkehr zu Deutschland ergeben werde. Dies werde nirgendwo bestritten, und da die Saar die einzige unerledigte territoriale Frage zwischen Frankreich und Deutschland bilde, sei es ein Gebot der Klugheit, sie so bald wie möglich auS dem Wege zu. schufien.„Daily Telegraph" hält es deshalb auch für ausgeschlossen, daß der Völkerbunds» rat dem Ersuchen marxistischer und sépara- tisti scher Kreise um Aufschub der Volks- abstimmung stattgeben werde. Die Frage der Durchführung der Volksabstimmung und der Aufrechterhal- tung der Ordnung würden mit angemessener Uebsrlegung von dem Ausschuß entschieden werden, den der Völkerbunds- rat ernennen werde: das Gerede über die Entsendung fremder Truppen sei nicht nur verfrüht, sondern auch höchst tadelnswert. FranzöSlinge im Rheinland über uns deutsche Menschen haben kommen lassen." ES solgen dann Sätze wie diese: „Nun ist die Maske gesallen, nun haben die„feineren" Sub- jette sich als das entpuppt, was sie ihr Leben lang waren: Verräter." Im Saargebiet nnd in Paris treiben sie das allerschmutzigste Handwerk, den Hoch- nnd Landesverrat, liefern sie deutsche Arbeiter an die Messer der Volksnnter, drücken„Die Zeichen enrer Arbeitsehre, die Hämmer und Räder werden über de« Unrat in Menschengestalt ntedersausen und zer, malmend vorwärtsrolleu.„Ist ,n vernichten" lautet eure Forderung gegenüber diesem Verrätergesindel." Im Vergleich mit den rheinischen Separatisten heißt eS in dem Artikel:„Keiner von den Landesverrätern, der Herren Matthes, Dorten und anderen Spießgesellen, wäre der gerechten Volksjustiz entgangen, wenn sie nicht bei Nacht und Nebel in seiger Maske das Weite gesucht»nd jenseits der Grenzen ihre Zuflucht gesunden hätten." In diesem Ton ist der ganze Artikel geschrieben. Er stellt eine einzige große Mordhetze dar und es wird der NSDAP, nichts nützen, wenn sie von diesem Artikel ab- rückt mit dem Hinweis, daß das nur irgendwelche Presse- stimmen seien. Es bandelt sich wohlqemerkt um die Hetz- kampagne der amtlichen Hitlervrcsse. Nach den neuen Presse- geletzen in Nitlerdeuti^land kann keine Zeitung eS wagen, gegen den Willen der NSDAP, zu schreiben Der vorliegende Fall ist so eindeutig, daß er keiner besonderen Erklärung mehr bedarf. Der Artikel ist in er st er Linie gegen den VölkcrbundSbeamten und Direk- tor deS Innern ber Regier» ngSkommission Herrn Heimburger gerichtet. Er stellt ein« klare Aufforderung zum politischen Mord dar und gebt zweifellos von führenden Kreisen der NSDAP des Saargebietes auS, Hier hat der„Vorposten" vor einigen Tagen eine offen« Mordbetze entfaltet. Jetzt folgt die große Hitlerpresse mit der Aufsorderung zum Mord an Vslkerbnnssbeamten im Saaraebiet. an Herrn^ir-etor Heimbnrger. Trotzdem erklären die Vertreter der„deutschen Front", im Saargebiet gäbe eS keinen Terror. England zur Abrüstung Ein neuer Vorstoß? London, 18. Januar 1984. Die Regierung bat einen neuen Plan für die AbrüstungS- Verhandlungen ausgearbeitet, mit dem sie vor die Ocffent- sichkeit trete» will, falls die deutsch-französischen Verband- lungen ins Stocken geraten sollten. In diesem Plan wird festgestellt, welche Fortschritte nach englischer Aufiasiunq durch di- dxuifch-frqnzösiicken Gekvräche erzielt worden sind. In einem Lrltanfiatz beschäftigt sich die„Times" mit der Abrüstungsfrage und nimmt, wie schon so oft Partei kür Frankreich, besten schwer- Abrüstungösorgen" bei dem eng- tischen Blatt„volle? Verständnis finden". Nach Ansicht der „Times"»erlangen die Führer Frankreich» nicht für sich selbst ober ihre eigenen Grenzen neue Garantien, sondern für ein neues KollekttvfriedenSsystem. Zugleich aber verlangten sie, daß alle Staaten, auch Großbritannien, dte Verantwortung für die Aufrechterhal- tung einer Abrüstungskonvention über- nehmen, da andernfalls die Atmosphäre des Mißtrauens und der Ungewißheit nicht beseitigt werden könne. Frank- reich verlange also für seine unmittelbaren Opfer eine Kollektivgarantie, deren Grundsatz übrigens bereits im bri- tischen Konventionsentwurf enthalten sei, wo gesagt werde, daß die treue Durchführung der Konvention eine Angelegen- heit gemeinsamen Interesses für all« vertragschließenden Teile sA. Die britische öffentliche Meinung, so schließt „Times", t.iub unbedingt sorgfältig prüfen, welche praktische Auslegung sie den Worten„Angelegenheit des gemeinsamen Interesses" zu geben bereit ist. Pas Neueste Am Freitag tritt in Gens daS engere Präsidium der A b- rüftungskonfereaz zusammen, um den Termin für den Zusammentritt des Büros festzusetzen. Man spricht jetzt vom 7. Februar. Der französische Außenminister Panl-Boncour ist gestern abend nach Genf abgereist. In demselben Zug« hat auch der englische Außenminister Six John Simon seine Reise nach Gens fortgesetzt. Nach der Pariser„Journee Industrielle" hat H a n d e t»* minister Laurent Ennae ans einem Bankett der Bereinigung der französischen Exportindnstrie erklärt, er würde am 19. Januar den deutsch-sranzöfische» Handelsvertrag kündigen, wenn Dentfchland an seinen neuen AuSqleichSmaßnabmen gegenüber de» fran« zösischen Exporterzeugnissen festhalte« würde. Bei der Aufführung von Shakespeares„Eoriolan" in der E o m e d i e Française ist eS neuerdings wieder zn aktuellen politischen Kundaebunaen gekommen. Einig« Theaterbesucher benutzten Tertstellen dieses Drama»,«m eine Parallele mit dem politischen Niedergang der Jetztzeit herzustellen nnd äußerten ihre Ansichten während der Bor« ftellnng durch Zwischenrufe. Andere Zuschauer antworteten. Die Nebertragnna der 8. Svmvbonie Beethovens tEroicaj anS dem Berliner FnnkhanS durch die Briodcasting(So nach Amerika hatte ein sehr gutes Ergebnis. Im ganzen Laude war die Uebertragnng klar z« hören. DaS Strafgericht in Metz hatte kürzlich einen aewissea Rot>ert Jacques zu vier Jabren Getön«»>s und<00 Iranien (prit-tulll. der als«h-o-osio»» Mnro-t>-iter bei den Befestigungsarbeiten an ber sranziist'chen Ostqren,e zu- gnnsten einer anSlöndischen Soionaae betrieben haben soll. Das Appellationsgericht hat das erstinstanzliche Urteil nnnmehr, soweit eS die Gefängnisstrafe betrifft, bestätigt, die Geldstrafe dagegen ans 1909 Franken erhöht. Vizekanzler und neuer Glauben Der Verrat am Katholizismus durch Herrn von Danen Mau schreibt uns von katholischer Seite: Die„Arbeitsgemeinschaft katholischer Deutscher"(AKT.) ist nicht die erste Gründung des Herrn Franz v. Papen, seines Zeichens Vizekanzler des„dritten Reiches"! Bor Jahren war er Mitbegründer des Bundes zum Schutze abendländischer Kultur, und von Pape» hat inzwischen die seinerzeit von ihm selber noch erläuterten Grundsätze der abendländischen Kultur ebenso gründlich dem„dritten Reich" geopfert, wie er die katholische Sache dem„dritten Reich" opfern wird. Warum auch nicht?„Opfern" ist Trumps im „dritten Reich"! Mit„Spenden" fängts an und mit der per- sönlichen Freiheit hörts auf. Was sagte Herr von Pape« noch im Oktober 1980 aus der Herbsttagung des Kulturbundes? •a amals, wo er sich gegen den Antisemitismus der NSDAP, ausgesprochen hat? Damals, wo der Rabbiner Dr. Rosenthal aus Köln ihn fragte, was seine Absichten in dieser Beziehung seien? „Ich«erde das christliche und das jüdische Glaubensbekenntnis zu einer gemeinsamen Front gegen den Bolsche» wismus zasammcnschweisten!" Also sprach von Papen! Doch als der Hilterismus eben dieses jüdische Glaubensbekenntnis für die Grundlage beS „Marxismus" erklärte und im„dritten Reich" dieIu d en- und Menschenhetzc begann, da hielt eben jener Herr von Papen zündende Reden für den »Führer" und sein„drittes Reich"! Sowas streicht sich nun heute katholisch an und macht Propaganda für Hitler! Ja: hier im Saargebiet wird zu einer katho- tischen Arbeitsgemeinschaft für Hitler auf. gerufen, derweil im Reiche Pfarrer aus Pfarrer eingesperrt wird und auf dem Kölner NSDAP.-Kaukongreh vom IS. Januar 1084 von den Nazigrösten lant und feierlich der religiöse Krieg der NSDAP, gegen jeden andern Glauben in Hitlérien ausgerufen worden ist! Ter„W e st d e u t s ch e Beobachter" schreibt in Nr. 14 vom 15. Januar 1984 in riesiger Ausmachung, be- ginnend gleich auf der ersten Seite, zunächst in einem Redaktionsberichte über den Nazi- Gaukongreß vom 14. Januar 1934 in Köln: „Rur Narren und Toren können behaupten, der Nationalsozialismus erschöpfe sich im Politischen. Wirt, fchaftliche«, im Sozialen. Nein, dieser Kongreß und be. fonders die Reden Dr. Leys und«rohes... waren ein unerhört kühner, leidenschaftlicher Borstost ins Weltanschauliche, ins Seelische, ins Religiöse... Weltanschauungen kennen keine Kompro» misse? im Kriege der Weltanschauungen gibt es nur Sieg oder Vernichtung! Mit leidenschast- licher Inbrunst ries Dr. Ley in den Saal:„Meine Partei, genosien! Unser Kamps ist ein heiliger, ein reli, giöserKamps und darum verlangen wir auch den An- sprach auf Totalität!" Wir geben eS also Herrn von Pape» so wieder, wie es die Zeitungen aussprechen, für deren„Führer" Herr von Papen„kämpft": nur Narren und Toren können von religiöser Duldsamkeit der Nationalsozialisten sprechen' Niemand kann annehmen, baß Herr von Papen die» nicht weih! Hören wir, was da? eigentliche Arbeitsprogramm der NSDAP., das wir jetzt kennen, dazu sagt s„W«isen von Zion" 39, s und III? 49-V): „Auf unser Betreiben hin wurde die Geistlichkeit in den Augen des Volkes herabgesetzt und jeden Einflusses ans die Massen beraubt. Wenn sie die Masten noch hinter sich hätte, so läge darin sür die Verwirklichung unserer Pläne ein ernstes Hinder, nis. Aber ihr Einfluß aus das Volk geht ersichtlich mit jedem Tage mehr zurück. Wenu die Zeit reis ist, die Macht des Papstes endgültig zu zerstören, wird der Finger einer unsichtbaren Hand die Völker aus den päpstlichen Stuhl hinweisen. Wenn sie dahin stürzen, wollen wir als angebliche Beschützer des Papstes austreten und ei« gröberes Blutvergießen ver, hindern. Durch diesen Kunstgriff werden wir in seine innersten Gemächer gelangen und diese nicht verlassen, bis wir die Macht des Papsttums völlig untergraben haben. Sobald wir die Herrschast erlangt haben, werden wir keinen andern Glauben dulden als allein»usern Glauben..." Werden nicht von den Leuten, sür die Herr von Papen eintritt. Geistliche tagtäglich dem Volke als„Bei« brechet an der Nation" hingestellt? Führt man sie nicht ab in schmähliche, rechtlose Schutzhaft und betont in der Nazipreste sogar noch, daß darin kein Verstoß gegen das von Herrn von Papen gütigst vermittelte sogenannte Konkordat läge? Bezweckt die Hitlerbande damit nicht genau das, was oben im ersten Absätze zitiert ist, wie eS denn auch die„Weisen von Zion" 62, ll weiter heißt: „Um den politischen Verbrechern den Schein des Helden zu nehmen, der sich sür andere ausopsert, werde« wir ihn aus dieselbe Bauk mit gewöhnlichen Dieben, Mördern und andern gemeinen Verbrechern setzen. Dann wird die össentliche Meinung beide Arte« von Verbrechern in einen Tops werfen und den politischen Verbrecher mit derselben Ber, achtung strafen, die sie vor dem gemeine» Verbrecher schon jetzt empfindet." Was haben die Nazianhänger vom letzten Reichsparteitage erwartet? Was haben sie vom Kölner Gaukongreß erwartet? Zweifellos Pläne für die kommende„Arbeits- s ch l a ch t"! Doch was hörten sie? Salbadereien über Kulturpolitik und über einen neuen Glauben! Wen wunderts denn da, daß der„Westdeutsche Beobachter" in Fettdruck von Dr. Lev und Grohê schreibt: „Das sind keine Politiker mehr, keine Parteiführer, nicht mehr Staatsmänner: Das sind Prediger einer erhobenen Weltanschauung, einer göttlichen Idee, des neuen Glaubens!" Werden denn diese Schmierfinken nicht schamrot, kie sich da noch mit langen Artikeln an die katholische Saarbevölke- rung wenden und sie zur„Mitarbeit am dritten Reiche" ausfordern, derweil weinduselige Auchpolitiker und berufsmäßige Schwätzer sich offiziell als Prediger des neuen teutschen Glaubens ausrufen lasten? Und was erst haben diese„Prediger" gesagt? Zunächst Groht: „Die Kraft des Geistes hört da ans, wo dem Geiste mit Gewalt entgegen getreten wird." Da haben wirs, worauf ganz Hitlérien abgestellt ist: blinde Brutalität! Und wie züchtet Hitlerien die»Prediger des neuen Glaubens" zu dieser Brutalität? Dr. Ley hats uns folgendermaßen gesagt: „Jeder von Such ist ein eigenartiger Mensch geworden, ein eigener Typ, den es bisher nicht gegeben hat, de« es nur in der NSDAP, gibt, de« die Welt nicht kennt, den «nr wir kenne«.... Politischer Leiter, Rationalsozialift: das A und O, Anfang und Ende Deines Denken« ist nnr Gehorsam. D« hast z« gehorchen, blind zu gehorchen, nicht zu fragen, weshalb und wofür wird das»ud jenes besohlen! Du hast zu gehorchen! Soldat sein heißt: Ge- horsam! Willst Du ein revolutionärer Typ sein, der diese Revolution zum Ziele führt, dann mußt Du zuerst gehorchen gelernt haben und Prediger z», g l e i ch s e i n! Dich muß ein heiliges Fener ersaht haben, das Dich reden läßt, Dein Herz bewegt. In Deiner Gemeinde mnstt Du der Mittelpunkt aller Begeisterung sein!" Ja: wo die heiligsten Gefühle der Menschheit so schamlos und so planmäßig und so zielbewußt zur Vernichtung aller christlichen Kultur mißbraucht werden, wer wundert sich denn darüber, daß das neue deutsche Arbeitsrecht Knechtschaft und Schmach für die Arbeiter gebracht hat? Aber wundern sollte man sich, daß dieser Herr von Papen immer noch den Mut findet, katholisches Volk „zur Mitarbeit" auszurufen, zur Mitarbeit nicht nur dort, wo niemand mitarbeiten, sondern bloß blind ge» horchen darf, sondern sogar dort, wo, wie Herr von Papen propagiert,„katholische Werte" nach den Grundsätzen besonders der Rerum novarum eingebaut werden sollen? Schames- und Zornesröte zugleich steigen dem hoch, der da liest, was die„Rerum novarum" verlangt, und dann bedenkt, für was dieser Herr von Papen den katholischen Bevölkerungsteil mißbrauchen will! Man sollte das Buch nehmen und diese ganze gleichgeschaltete Presse damit um die Ohr hauen: so deutlich steht die absolute Absage an den Hitlerismus in der Enzyklika. Greifen wir nur folgende Kernsätze heraus: „... das gegenseitige Verhältnis der besitzenden Klasse und der Arbeiter hat sich wesentlich umgestaltet? daS Kapital ist in den Händen einer geringen Zahl angehäuft, während die große Menge verarmt? es wächst in den Arbeitern das Selbstbewußtsein, ihre Organisation er- stärkt. Dazu gesellt sich der Niedergang der Sitten. Da» alles hat den sozialen Konflikt wachgerufen, vor dem wir stehen.... Die Arbeiterfrage ist geradezu in den Border- grund der ganzen Zeitbewegung getreten..., Indessen, es liegt nun einmal zutage und es wird von allen Seiten anerkannt, daß geHolsen werden muß, und zwar baldige ernste HHse nottut, weil Unzählige ein wahrhast gedrücktes und unwürdiges Dasei» führen. Gn der Umwälzung des vorigen Jahrhunderts wurden die alten Genossenschaften der arbeitenden Klasse zerstört, keine neuen Einrichtungen traten zum Ersätze ein, das ötfent- liche und staatliche Leben entkleidete sich zudem immer mehr der christlichen Titte und Anschauung, und so geschal, es. daß die Arbeiter allmählich der Herzlosigkeit reicher Be- sitzer und ber ungezügelten Habgier der Konkurrenz isoliert und schutzlos überantwortet wurden.... Produktion und Handel sind fast zum Monopol von wenigen geworden, und so konnten wenige übermäßig Reiche einer Masse von Besitzlosen ein nahezu sklavisches Joch auferlegen. Im allgemeinen ist i« bezng aus den Lohn wohl zu beachten, daß es wider göttliches und menschliches liefet? geht. Notleidende zn drücken und auszubeuten um des eigene« Borteiles willen. Dem Arbeiter den ihm gebührenden Loh» vorenthalten ist eine Sünde, die zum Himmel schreit.„Siehe," sagte der heilige Geist,„der Lohn der Arbeiter, den ihr unterschlägt, schreit zu Gott, und ihre Stimmen dringen zum Herrn Sabaoth." Da der Lohnsatz vom Arbeiter angenommen wird, so könnte es scheinen, als sei der Arbeitgeber nach crsolgicr Lohnauszahlung aller weiteren Verbindlichkeiten eut- hoben. Man könnte meinen, ein Unrecht läge nur vor, wenn entweder der Lohnhcrr einen Teil der Zahlung zurückbehalte oder der Arbeiter nicht die vollständige Leistung verrichte, und einzig in diesen Fällen sei sür die Staatsgewalt ein Grund zum Einschreiten vorhanden, damit nämlich jedem das Seme werde. Indes: diese Schlußsolgerung kann nicht vollständigen Beifall finden... Wenn also auch immerhin die Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, insbesondere hinsichtlich des Lohnes, beiderseits frei geschieht, so bleibt dennoch eine Forderung der natürlichen Gerechtigkeit bestehen, die nämlich, daß der Lohn nicht etwa so niedrig sei, daß er einem genügsamen und rechtschaffenen Arbeiter den Lebensunterhalt nicht abwirft. Diese schwerwiegende Forderung ist unabhängig vom freien Willen der Vereinbarenden. Gesetzt, der Arbeiter beugt sich aus reiner Not oder um einem schlimmeren Zustande zn entgehen, den harten Bedingungen.... so heißt das Gewalt leiden, und die Gerechtigkeit erhebt gege« einen solchen Zwang Einspruch! „Obgleich wir schon wiederholt von den Arbeiter- vereinen gesprochen haben, wollen wir doch an dieser Stelle eingehender ihre Zeitgemäßheit und Berechtigung darlegen... Wehe dem Vereinzelten! Wenn er fällt, so hat er niemand, der ihn aufrichtet!... Sie beruhen aus der Grundlage des Naiurrechtes: das Naturrecht aber kann der Staat nicht vernichten, fein Beruf ist vielmehr, dasselbe zu schützen. Verbietet ein Staat dennoch die Bildung solcher Vereinigungen, so handelt er gegen sein eignes Prinzip....! Denn staatliche Gesetze und An- ordnungen besitzen inneren Anspruch auf Gehorsam nur, insofern sie der richtigen Vernunft und damit dem ewigen Gesetze Gottes entsprechen! ... Hierbei ist insbesondere dies ein betrüblicher Umstand, daß den friedlichen und allseitig nützlichen Ber- einigungen von Katholiken der Weg verlegt wird zu gleicher Zeit, wo man verkündet, daß Vereinssreiheit ein allgemeines gesetzliches Gut sei...! ES ist unmöglich, die Einrichtung der gedachten Vereine in einer für alle gedachten Form vorzuzeichnen? dazu hängen sie zu sehr vom Volkscharakter, von den Erfahrungen, von der wirtschaftlichen Entwicklung, von der Art und Ein- träglichkeit der verschiedenen Arbeiten, endlich von manchen Umständen ab, die in Erwägung zu ziehe» sind." Der regierende Papst Pius XI. hat diese Grundsätze seines Vorgängers bestätigt, und zwar in der„Quadragcsimo anno". Wo war denn der„Katholikcnsührer" Herr Franz von Papen, als Hitler mit allen diesen päpstlichen Grundsätzen „kraftvoll" aufräumte? Wo war Herr von Pape«, der Vizekanzler, als Hitler: Den Arbeitern das Gewerkschaftsvermögen stahl? Die Betriebe unter Spitzeldien st und Terror setzte? Die Überzeugung St reuen Leute in Schutzhaft schickte?! Allen Arbeiter vereinen ein jähes Ende bereitete? Das ge- samte arbeitende Volk der Diktatur des Hochkapitales auslieferte, sie als Fron- arbeitet für die Lebensnotdurft in de» Straßenbau steckte, damit internationale Auto- und Benzintrusts ihre Beutel iveiter füllen könne»? Da die gleichgeschaltete Zcntrumspresse zur Minnesängerin des„Ritters ohne Furcht und Tadel" geworden ist. wollen wir und müssen wir die Lücke ausfüllen: und es wird richtig geschehen! vie Kathollhcnverfolgung Mehr Priester eingesperrt als während des ganzen Kulturkampfes Der„Christliche Ständestaat" bringt eine aus- sührliche Schilderung der verschiedenen Ehrenwortbrüche, die zur Besetzung Bayerns führten. Der Darstellung läßt er einen aktuellen Bericht folgen dem wir das Folgende ent- nehmen:„Angesichts unserer traurigen Lage dem Auslände gegenüber und angesichts unserer trostlosen wirtschaftlichen Verhältnisse wünschen jetzt alle Vernünftigen, daß eine Be- sriedung im Innern eintreten möge, damit die kommu- nisttschen Elemente innerhalb und außerhalb der nationalsozialistischen Partei nicht die Oberhand gewinnen. An einen gewaltsamen Sturz der gegenwärtigen Regierung denkt daher, von den Bolschewisten abgesehen, niemand. Aber menschenwürdig regiert möchten w>r werden. Statt dessen wird uns in Bayern die Retchskreudigkeit durch die politische Polizei gründlich verleidet, in der ein 28jähriger Nord- deutscher der entlassene Marineoffizier Heiderich, den Ton angibt. Er hat nicht das geringste Verständnis für das bayerisch Volk und behandelt eS schlechter als einst die Preußen die Polen und Elsässer behandelt haben. Seine RegierungsweiSheit heißt: Einsperren und wieder ein- sperren! Nnd da" wendet er nicht bloß gegen die Kommu- nisten an»«der-■<•'•-tu?" die Bayerische Volks-Partei, die ja zweifellos die Trägerin des bayerischen Gedankens war, die sogar durch die Annahme deS Ermächtigungsgesetzes ihr das Vertrauen ausgesprochen hatte. Fast alle Wortführer der BVP. wurden wochen- monatelang in Schutzhast ge- halten. Selbst vor dem Max-Josef-Ritter von Lex machte er nicht halt, weil er Führer der Bayernwacht war. Seine be- sondere Spezialität ist die Jagd auf katholische Geist« liche. von denen in den letzten neun Monate weit mehr eingesperrt wurden, als während des ganzen Kulturkampfes. Die Zeit wird kommen, wo all bieS der Oeffentlichkeit bekannt werden wird. Indes, vielleicht ist es gut so. Das Volk erwacht allmählich sDeutschland er- wache!!) und wird Rechenschaft fordern. Bis dahin freilich bleiben wir ein Sklavenvolk, ohne Meinungsfreiheit, ohne Personenfreiheit, ohne Versammlungsfreiheit, ohne Recht und ohne Wahrheit. Was in den Veröffentlichungen der Tscheka— so heißt bei uns die politische Polizei— gelogen und verleumdet wird, ist haarsträubend, oft sogar unerlaubt dumm..." Ter„Christliche Ständestaat" sagt über da» Verhältnis Deutschlands zum Vatikan:„Auch aus Luther folgte da» Konzil von Trient, aus Bismarcks Kulturkampf die Herr« schaft des Zentrum». Auch da» Reichskonkordat ist nicht ber Weisheit letzter Schluß und seine Verfälschung und Nicht- innehaltung durch den Nationalsozialismus gewißlich keine Heldentat der alten Germanen. Hitler ist nicht Bismarck, nicht einmal Widukind. und immer hat die Kirche den .ängeren Atem, weil sie von göttlichem Odem beseelt ist, während der Nationalsozialist Hitler, wenigstens in religiös- kulturellen Fragen, nur Pech und Schwefel verbrettet."... Zuspitzung Iii OeslerreMi Wie«, 18. Jan. Der ehemalige Gauleiter der österreichische» Nationalsozialisten Alfred E. Frauen selb und der frühere Bundesrat Schattenfroh wurden,-wie amilich gemeldet wird, wegen fortgesetzter verb teuer national sozialistischer Parteibetätigungen mit sechs Wochen bzw. mit drei Wochen Arrest bestraft. Weiter wuräea ri)»asivnai- sozialisrische Partnangehörige. darunter die früheren Ge- meindcräte Mühl"'-"'q-r, Ingenieur Hölzl»nd ein ehe- maliger Bezirksrat in das Anhaltelager Wölkersdorf übergeführt. Der Bundessührcr der österreichischen He-wehr Star- Hemberg hat den neuen Landessührer der niederöster- reichischen Hcimwehr Äubacsek, der die Stelle des Grafen Alberti übernommen hatte, seiner Führerstellc enthoben, weil er ebenso wie Alberts Stimmung dafür gemacht habe, mit den Nationalsozialisten Verhandlungen aufzunehmen. Starhemberg, der abermals einen Ausruf an den Heimat- schütz erläßt, in dem er wieder den Nationalsozialismus in der schärfsten Weise angreift, teilt mit, daß er bis auf weitere» die Führung des niederöstcrreichischen Heimatschutzes selbst übernehme. Er kündigt gleichzeitig u n e r b! f 11 1 Beschäftigten treten ans der Gefolgschaft Vertrauensmänner deratend zur Seite. Sie bilden mit ihm und unter seiner Leitung den Bertranensrat des Be- triebe». Der Vertrauensrat hat die Pflicht, daS gegenseitige Ver- trauen innerhalb der B e t r i e b S g e m e i n s ch a s t zu ver- tiefen. Im übrigen hat er die Ausgabe, alle Mahnahmen zu beraten, die der Verbesserung der Arbeitsleistung, der Ge- staliung und Durchführung der allgemeinen ArbeitSbedin- gungen. insbesondere der Betriebsordnung, der Stärkung der Verbundenheit aller Betriebsangehörigen untereinander und mit dem Betriebe und dem Wohle aller Glieder der Gemeinschaft dienen. Er hat ferner aus eine Beilegung aller Streitigkeiten innerhalb der Betriebs- gemeinschait hinzuwirken. Er ist vor der Festsetzung von Buhen auf Grund der Betriebsordnung zu hören. Der Be r traue nsrat kann einzelne seiner Ausgaben bestimmten Vertrauensmännern zur Wahrnehmung über- tragen. Vertrauensmann soll nur sein, iver das 25. Lebensjahr vollendet hat, mindestens ein Fahr dem Betriebe oder dem Unternehmen angehört und mindestens zwei Fahre im gleichen oder verwandten Berufs- oder Gewerbezweige tätig gewesen ist. Er muh die bürgerlichen Ehrenrechte besitzen, der Deutschen Arbeitsfront angehören, durch vor- bildliche menschliche Eigenschaften ausgezeichnet sein und die Gewähr bieten, dah er jederzeit rückhaltlos für den natio- nalen Staat eintritt. Der Führer des Betriebes stellt im Einvernehmen mit de« Obmann der Nationalsozialistischen Betriebszellen- organisation im März jeden Fahre» eine Lift« der Ber- tranensmänner und deren Stellvertreter auf. Die Gefolgschaft hat zu der Liste alsbald durch geheime A b- st i m m u n g Stellung zu nehmen, Kommt auf diesem Wege ein Vertrauensmann nicht zustande, so kann der Treu- händer der Arbeit Vertrauensmänner in der erforderlichen Anzahl berufen. Der Vertrauensrat ist nach Bedarf von dem Führer de? Betriebes einzuberufen. Die Elnbe- rufung muh erfolgen, wenn die Hälfte der Vertrauens- manner es beantragt. DaS Amt ber Vertrauensmänner ist ein Ehrenamt, für desten Wahrnehmung ein Entgelt nicht gewährt werden darf. Für den durch die Erfüllung der Ausgaben notwen- digen Ausfall von Arbeitszeit ist der übliche Lohn zu zahlen. Notwendige Ausgaben sind von der Betriebsleitung zu er- statten. Der Treuhänder der Arbeit kann eine» Vertrauensmann wegen sachlicher und persönlicher NngeeignetHeit abberufen. Gegen Entscheidungen des Führer» deS Betriebes und die Gestaltung ber allgemeinen Arbeitsbedingungen, insbesondere der Betriebsordnung, kann die Mehrheit des VertrauenSrateS des Betriebes den Treuhänder ber Arbeit unverzüglich schriftlich anrufen, wenn die Entscheidungen mit den wirtschaftlichen oder sozialen Verhältnissen deS Be- triebeS nicht vereinbar erscheinen. Die Wirksamkeit der von dem Führer des Betriebes gctros- fenen Entscheidung wird durch die Anrufung nicht gehemmt. Der Treuhänder kann unter Auf- Hebung der Entscheidung des Führers deS Betriebs die er- forderliche Reglung selbst treffen. Zweiter Abschnitt Treuhänder der Arbeit Für größere Wirifchastsbetriebe werde» Treuhänder der Arbeit ernannt. Sie haben für die Erhaltung des ArbeitSiriebens zu iorgen. Zur Erfüllung dieser Aufgabe haben sie: L über die Bildung und Geschäftssüh- rung der Bertrauensleute zu wachen und in Streit- fällen zu entscheiden: 2. in den vom Gesetz näher bezeich- neten Fällen Vertrauensmänner der Betriebe zu berufen und abzuberufen: 3. auf Anrufung der Mehrheit des Ber- trauenSrates Entscheidungen des Führers des Betriebes über die Gistaltung ber allgemeinen Arbeits- btdingungen, insbesondere der Betriebsordnung nachzuprüfen und gegebenenfalls die erforderliche Reglung selbst zu treffen: 4. bei größeren Eni- lassungen die bisher dem Demobilmachungskommisiar nach der Ztillegungsverdrdnung zustehenden Rechte wahr- zunehmen: 5. die Durchführung der Bestimmungen über die Betriebsordnung zu überwachen: ». Richtlinien und Tarifordnungen festzusetzen und ihre Durchführung zu überwachen? 7. bei der Durchführung der sozialen Ehrengerichts- barkeit mitzuwirken:«. dir Reichsregierung nach näherer Anweisung des Reichsarbeitsministers und des ReichSwirt- fchaitsministers ständig über die sozialpolitische Entwicklung zu uiiierrichleii. Der Reichsarbeitsminiiter und ber ReichSwirtschasts- minister können im Rahinen der Gesetze den Treuhändern der Arbeit weitere Anigabrn Ubertragen. Die SttllrgungSvrrordnung wird'aufge- hoben. Es ist ieboch vorgesehen, daß vor größeren Eni- loisiiv^en b r— nhä,,S<-r Anzeige zu erstatten ist und die guila»•'•••••vor Ablauf einer Sperrfrist von vier Woche... m wet u Die Sperrsrist kann vom Treu- ständet°'" zw»''.ift'fh verlängert werden. Ent- .n..v»«lillegiingsverorbnung kann der Treuhänder auch bis zum Ablauf der Sperrsrist eine Streckung der Arbeit zulasse». Der Reichsarbeits- minister kann dem Treuhänder der Arbeit, sofern es die Größe und die besonderen wirtschaftlichen Verhältnisse sei- tteo Wirtschaftsgebietes erfordern, Beauftragte unter- stellen, denen vom RcichsarbettSminister oder vom Treu- hänber der Arbeit die diesem obliegenden Ausgaben für einen bestimmten Bezirk oder hinsichtlich bestimmter Ge- werbezweige oder bestimmter Ausgaben ganz oder teilweise übertragen werden können. Wer schriftlichen allgemeinen Anordnungen des Treuhän- ders der Arbeit, die dieser in Erfüllung der ihm obliegenden Ausgaben erläßt, wiederholt vorsätzlich zuwiderhan- delt, wird mit Geldstrafe bestrast: in besonders schweren Fällen kann an die Stelle der Geldstrafe oder neben si« Gefängnisstrafe treten. Die Strasversolgung tritt nur aus Antrag des Treuhänders der Arbeit ein. Die Treuhänder der Arbeit berufen zu Ihrer Beratung in allgemeinen ober grundsätzlichen Fragen ihre« Aufgabengebietes einen Tachverständigcnbeirat aus den verschiedenen Wirtschaftszweigen ihres Gebietes. Die Treuhänder der Arbeit können ferner zu ihrer Be- ratting im Einzelfalle, insbesondere vor Erlaß von Taris- Ordnungen einen Sachverständigenausschuß berufen. Dritter Abschnitt Durchführung und Verbesierttng des BetriebSschntzes, der tkiing der~ Betriebsordnung und Tarifordnung F» jedem Betriebe, in dem in der Regel mindestens 29 Angestellte und Arbeiter beschäftigt sind, ist vom F ü h- r e r des Betriebes eine Betriebsordnung für die Gefolgschaft deS Betriebes ljj 1> schriftlich zu erlassen. Fn die Be- triebsordnung sind folgende Arbeitslied« n g u n g e» aufzunehmen: 1. Ansang und Ende der regelmäßigen täg- lichen Arbeitszeit und der Pausen: 2. Zeit und Art der Gewährung des Arbeitsentgelt: 8. die Grundsätze für die Berechnung der A k l o r d- ober Gedingearbeit, soweit im Betriebe im Akkord oder Gedinge gearbeitet wird: 4. Bestimmungen über die Art, Höhe und Einziehung von Bußen, wenn solche vorgesehen werden: 5. die Gründe, aus denen die Kündigung des Arbeitsverhältnisses ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist erfolgen dar?: si. die Ver- wendung der durch rechtswidrige Auflösung des ArbettSver- hältnisieS verwirkten Entgeltbeträge, soweit die Ver- ivirkung im Rahinen der gesetzlichen Bestimmungen in der Betriebsordnung oder im Arbeitsvertrag vorgesehen ist. Fn die Betriebsordnung können»eben den gesetzlich vor- geschriebenen Bestimmungen auch Bestimmungen über die Höhe des Arbeitsentgelts und über sonstige ArbeitSbedin- gungen aufgenommen iverden, ferner weitere Bestimmungen über die Ordnung des Betriebes, daS Verhalten der Befchäf- tigten Im Betriebe und über die Verhütung von Unfäl- l e n. Soiveit in der Betriebsordnung der Arbeitsentgelt für Arbeiter oder Angestellte festgesetzt wird, sind Mindest- s ä tz e mit der Maßgabe aniznuchmen, daß für die feinen Leistungen entsprechende Vergütung deS einzelnen Betriebs- angehörigen Raum bleibt. Auch im übrigen ist auf die Mög- lichkelt einer angemessenen Belohnung besonderer Lei- stungen Bedacht zu nehmen. Die Bestimmungen der Be- triebsordnung sind für die Betriebsangehörigen als Min- destbedinguugen rechtsverbindlich. Der Treuhänder Arbeit kann nach Beratung in einem TackverftändigenanSschnß Richtlinien für den Inhalt von Betriebsordnungen und Einzelarbeitsverträgen festsetzen. Ist zum Schutze der Beschäftigten einer Gruppe von Be- trieben innerhalb deS dem Treuhänder der Arbeit znge- miesenen Bezirks die Festsetzung von M i n d e st b e d i n- gungen zur Reglung ber Arbeitsverhältnisse zwingend geboten io kann der Treuhänder nach Beratuna in einem Sachverständ'gcnauSichuß eine Tarifordnung schriftlich er- lassen. Die Bestimmungen der Tarifordnung sind für die von ihr erfaßten Arbeitsverhältnisse als Mindestbedingungen rechtsverbindlich. Entgegenstehende Bestimmungen in Betriebsordnungen sind nichtig. Der Treuhänder ber Ar- beit kann in der Tarifordnung die ArbeitSgerichisbarkeit für bürgerliche Rechtsstreitigkeiten aus einem Arbeits- oder Lehrverhältnis, das sich nach der Tarifordnung bestimmt, durch die ausdrückliche Bestimmung ausschließen, daß die Entscheidung durch ein Schiedsgericht erfolgen soll. Für Hausgewerbetreibende kann gleichfalls zur Reglung ihrer Arbeitsbeziehungen mit ihren Auftraggebern vom Treuhänder eine Tarifordnung erlassen werden. Diesen Hausgewerbetreibenden kann der Rcichsarbeitsminister oder der Treuhänder der Arbeit sonstige HauSgewerbe- treibende. Zwischenmeister und andere arbeiinebmerähnliche Personen ihrèr wirtschaftlichen Unselbständigkeit wegen gleichstellen. Vierter Abschnitt Soziale Ehrengerichtsbarkeit Feder Angehörige einer BetriebSgemeinfchaii trägt die Berantmoriung für die gewissenhafte Erfüllung der ihm nach seiner Stellung innerhalb der BetriebSgemein- fchatt obliegenden Pflichten. Er bat ssch durch fein Ver- hglten der Achtung würdig zu erweisen, die sich aus seiner Stellung in der Betriebsgemelnschast ergibt. Fnsbesondere hat er im steten Bewußtsein seiner Verantwortung seine volle Krait dem Dienst des Betriebes»u widmen und sich dem gemeinen Wohl« unterzuordnen. Gröbliche Ver- letzungen der durch die Betriebsgemeinschaft begründeten sozialen Pflichten werden als Verstöße gegen die soziale Ehre von den Ehrengerichten gesühnt. Ter- artige Verstöße liegen vor, wenn Unternehmer, Führer des Betriebes oder sonstige Aufsichtspersonen unter Mißbrauch ihrer Machtstellung im Betriebe böswillig die Arbeits- krast der Angehörtgen der Gefolgschaft ausnutzen oder ihre Ehre kränken: Angehörige der Gefolgschaft den Arbeitssrieden im Be- triebe durch böswillige Verhetzung der Gesolgschaft gefährden. sich insbesondere als Vertrauensmänner bewußt «nzaläsfiae Eingriffe in die BetriebSsiihrung anmaßen oder den Gemeinschaftsgeist innerhalb der vetriebsgemein- schalt sortgesetzt böswillig stören: Angehörige der Betriebs- gemeinfchast wiederholt leichtfertig unbegründete Beschwerde« oder Anträge an den Treuhänder ber Arbeit richten oder feinen schriftlichen Anordnungen hartnäckig zuwiderhandeln: Mitglieder de» Vertrauensrates vertrauliche Angaben, Be- triebt- oder Geschäftsgeheimnisse, die ihnen bei Erfüllung ihrer Ausgaben bekannt geworben und als solche bezeichnet worden sind, unbefugt offenbaren. Die ehrengerichtlichen Strafen sind: Warnung, Verweis, Ordnungsstrafe in Geld bis zu zehntausend Reichs- mark, Aberkennung der Befähigung, Führer des Betriebes zu sein oder das Amt eines Vertrauensmannes auszuüben, Entfernung vom bisherigen Arbeitsplatz. Auk das ehrengerichtliche Verfahren finden im wesentlichen die Vorschriften der Strafprozeßordnung über das Ver- fahren in den zur Zuständigkeit der Landgerichte gehörigen Strafsachen entsprechende Anwendung, ohne Mitwirkung der Staatsanwaltschaft. Ueber Verletzungen der sozialen Ehre entscheidet auf Antraa des Treuhänders der Arbeit ein Ehrengericht, das für jeden Bezirk eines Treuhänders der Arbeit zu errichten ist. Das Ehrengericht besteht aus einem richterliche» Beamten als Vorsitzenden und einem Führer eineS Betriebes und einem Vertrauensmann als Beisitzern. Führer des Betriebes und Verirauensmänner sind durch den Vorsitzenden des Ehrengerichts aus Vorschlagslisten zu entnehmen, die die Deutsche Arbeitsfront aufstellt. Anzeigen wegen Verletzung der sozialen Ehre sind beim Treu- händer der Arbeit anzubringen, der den Sachverhalt er- forscht. Hält ber Vorsitzende des Ehrengerichts, der selbst weitere Ermittlungen vornehmen kann, den Antrag des Treuhänders für begründet, so kann er auch Warnung, Ver- weis oder Ordnungsstrafe in Geld bis zu einhundert Reichsmark erkennen. Gegen diese Entscheidung können der Beschuldigte und der Treuhänder Einspruch erheben. Entscheidet der Vorsitzende des Ehrengerichts nicht selbst, dann erfolgt Verhdiidlung vor dem Ehrengericht. Der Treuhänder der Arbeit kann der Hauptverhandlunq bei- wohnen und Anträge stellen. Gegen Urteile des Ehren- gertchts ist die Berufung zulässig, liber die der Reichs- ehrengerichtshof entscheidet, der mit zwei höheren richter- lichen Beamten sowie mit sc einem Führer des Betriebes und einem Vertrauensmann besetzt Ist. Fünfter Abschnitt Kündigungsschutz Wird einem Angestellte» oder Arbeiter nach einjähriger Beschäftigung gekündigt, so kann er. wenn es sich um einen Betrieb mit in der Regel mindestens zehn Beschäftigten handelt, beim Arbeitsgericht mit dem Antrag auf Widerruf der Kündigung klagen, wenn biete unbillig hart und nicht durch die Verhältnisse deS Betriebes bedingt ist. Die Klage ist ausgeschlossen, wenn die Kündigung auf Ge- setz oder Tarifordnung beruht. Der Klaae ist eine Beschei- nigung des Vertrauensrates beizufügen, aus der sich ergibt, daß die Frage der Wciterbefchäftigung im Vertrauensrat erfolglos beraten worden ist. Erkennt das Gericht auf Widerruf der Kündigung, so wird gleichzeitig im Urteil eine Entschädigung für den Fall den Widerruf ablehnt. Der festgesetzt, daß der Unternehmer Unternehmer hat bann zu erklären, ob er den Widerruf der Kündigung oder die Entschädigung wählt. Tic Entschädigung, die sich nach der Dauer deS Arbeitsverhältnisses bennßt, darf vier Zwölftel des letztest FaHreSarbcitsver- diensteS nicht Übersteige». Sechster Abschnitt Arbeit im öffentlichen Dienst Der Dienst von Angestellten und Arbeitern bei den Ver» waltungen und Betrieben des Reichs, der Länder, der Reichs- bank, der Deutschen ReichsbaHn-Gesellschast und deS Unter- neHmens.RetchKautobahnen". ferner bei den Verwaltungen der Gemeinden fGemeindeverbändei und anderer Körper- schaften, Stiftungen und Anstalten des öffentlichen Rechts wird durch ein iu Vorbereitung befindliches Sonder- gesetz geregelt. Siebenter Abschnitt SchluL- und Uebergangsvorschriften Das Gesetz tritt mit einigen Ausnahmen mit dem t. Mai 1984 in Kraft. Folgende Gesetze sind außer Krait gesetzt: das Betrtrbsrätegeietz mit Nebengeietzen. die Tarifvertrag»- Verordnung, die Verordnung über das Schlichtungswesen, da» Gesetz über Treuhänder der Arbeit, die Verordnung be- treffend Maßnahmen gegenüber Vetriebsabbruchen und -stillegungen u. a. m. Ferner sind verschiedene arbeitSrecht- liche Gesetze im Hinblick ans daS Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit abgeändert worden. Davon sei nur er- wähnt, daß künstig vor den ArbettSgertchten als Prozeß- bevollmächtigte Leiter und Angestellte der von der Deutschen Arbeitsfront eingerichteten Rechtsberatungsstellen soivie Rechtsanwälte zugelassen sind, die im Einzelfall von der Deutschen Arbeitsfront zur Vertretung einer Partei ermäch- tigt sind. Fm stbriaen ist der RelchsarbeltSminlster ermäch- tiat, weitere Durchführung»- und Srgänzungsvorschriften zu erlassen. Schließlich ist vorgeschrieben, daß die am 1, Dezember 198.8 aeltenden oder nach diesem Taa in Kraft getretenen Tarifverträge bis zum 89. Avril 1984 in Krait bleiben, soweit nicht der Treubänder der Arbeit Aenderungen vor- nimmt oder ihren früheren Ablauf anordnet. vas Geld der Krankenkassen? Was geschieht damit? Ursprünglich war der Rcichsarbeitsminister, wie ans dem Erlaß U a Nr. 12 479 S3 hervorgeht, ber RechtSauffassung, daß aus den Mitteln der Krankenkassen keine.Spenden für die nationale Arbeit" genommen iverden dürsten: nun kor- »Igiert er sich selbst»nd stellt seine Bedenken zurück. Auch für das Winterhilsswerk sollen die Versicherungsträger bei- steuern. Diese merkwürdige Art, öffentliche Gelder zu verwalten. erfolgt nach dem Satz, daß man ein Loch ausreißt, um so ein andere? zuzustopfen. Die Versicherten haben aus bi» Verwaltung der Gelder überhaupt keinen Einfluß. Hilfsbedürftige Personen Von der verlorenen Arbeitsschlacht Mi*- SS Aus Alsfeld berichten hessische Zeitungen: Fm Hinblick auf verstärkten planlosen Zuzug vom Lande nach Alsfeld, insbesondere von hilfsbedürftige» Personen, hat der hiesige Stabtvorstand beschlossen, zur Abwehr des unerwünschten Zuzug» die Richtsätze der UnterstützungSsürsorge für von auswärts zuziehende Personen aus zehn Mark vro Monat festzusetzen. t. I ) nerrlldie Zellen,., Kr ah dorm rreode? Man schreibt uns aus dem Reiche: Endlich hat der Führer der Deutschen Arbeitsfront das Mittel gefunden, wie man die Arbeiter satt macht. Man höre und staune. Kraft durch Freude, also durch Freude. Ihr Mediziner oder Wissenschaftler, was seid ihr doch -lümper, daß ihr behauptet, der Mensch brauche so viele Fettstoffe, so viel Vitamine usw. Im„dritten Reich" werden sie einfach durch Freude satt gemacht. Es wird kommandiert: Stillgestanden. Maul auf(sonst muß es ge- halten werden), und jeder bekommt seine Portion Freude. Wie dieselbe verpackt ist, wird noch bekanntgegeben. Wie ist es auch anders möglich. Die folgende Auf- stellung der notwendigsten Lebensmittel, die auch von dem verbohrtesten Hitleranhänger für richtig anerkannt werden muß. besagt alles. Art dir Lebensmittel Einkauf Verkauf Teuerung Tezember Dezember in 1832 10») 1942 19:33 »II. Mk. Prozent holländisches Schmalz pro Pfund 0,44 0,82 0,33 1,— 83 Margarine pro Pfund 0,24 0,81 0,80 0,90 200 Talatöl pro Liter 0,30 1,05 0,00 1,25 108 ^kossett pro Pfund 0,42 0,53 0,38 0,05 71 Nicrenfett pro Pfund 0,40 0,35 0,38 0,65 71 Erbsen pro Pfund 0 ,16 0 ,28 0,20 0,35 75 lohnen pro Pfund 0,09 0,1-2 0,12 0,17 41 Zinsen pro Pfund 0,12 0,17 0,16 0.22 37 Tauerkraut pro Pfund 0,07 0,14 0,12 0,18 50 Chesterkäse. 30•/, Fett, p Pfd. 0,60 0,73 0,80 1.— 25 Emmentaler Stift pro Pfund 0,90 1,20 1,20 1,40 17 Holländer käse, 45»/» Fett.p. Pfd. 0,78 0.92 1,— 1,20 20 Limburger«äse pro Pfund 0,38 0,45 0,30 0.60 20 «chmierseise pro Pfund 0,11 0,16 0,15 0,20 33 Kartoffel, Industrie, 10 Pfund 0,21 0,32 OL? 0,40 30 «•et pro Stück 0,083 0,11 0,10 0 ,13 38 fPttf, mager, pro Pfund 0,90 1,16 27,7 fett, pro Pfund 0,80 1.05 81 Molkereibutter pro Pfund 1,40 1,70 80,8 . Alle sonstigen Fleisch- und Wurstwaren sind um 20 Proz. 'm^ise gestiegen. Zum besseren Verständnis des Margarinepreises sei gesagt, daß es drei Sorten gibt, und «Pvar zu 0,6g, zu 0,98 und 1,10 MK. Wir haben nur den Durchschnittspreis genommen, und das sind 0.90 MK. Wenn man bedenkt, daß seit Dezember 1932 die Löhne niedriger wurden und die sonstigen Einkommen ebenfalls gekürzt wurden, dann sieht man, daß e» wirtschaftlich ..besser" geworden ist. Auf die Frage, wie es den Mittel- nândlern und dem Bauer„besser" geht, kommen wir noch zurück. 22 v. H. Sozlalbeifräge Und die Steuer kommt noch dazu Von dem Verlag Reimar Robbing wird ein Buch an- gekündigt„Sozialpolitik im Neuen Staat". Ali Verfasser zeichnen Walter Schuhmann, der Führer der I fl|l|tflriif|df l*f*l NSBO. und des Gesamtverbandes der deutschen Arhei-*•«*■■■■*■■ USUVI 1,1 ter, und Ludwig Brucker, sein Stellvertreter im Gesamt verband. ein in schriftlicher Urkunde feierlich einzugehendes gegen» seitiges Treueverhältnis, das durch den Handschlag zu bekräftigen ist.«ei der Einstellung seien in der Gegenwart Nationalsozialisten zu bevorzugen. Ja, es wird sogar eine Umgruppierung in der Stellen- hcsctzung innerhalb der Betriebe verlangt zum Ausgleich der Fälle, in denen Nationalsozialisten sich früher nicht hoch- arbeiten konnten. Für verheiratete Arbeitnehmer, Arbeit- nehmer über 30 Jahre ober mit einer BeschäftignngSzeit von S Fahren in demselben Betriebe wird eine Kündigungsfrist von 8 Monaten gefordert, wobei die Kündigung von einer Genehmigung eines Gewerberates abhängig gemacht wer- den soll. Gegen die Entscheidung des Gewerberates soll die Anrufung des Arbeitsgerichtes zulässig sein. Ucber die Sin- Haltung des Arbeitsvertrages als Treuverhältnis sollen ArbeitSehrcngerichtc wachen, die Geldstrafen bis zu 1000 RM. und Eintragungen in den für alle Arbeiter zn schassenden Arbeitspaß verhängen bzw. verfügen können. Tchuhmann und Brucker wollen eine Zusammensetzung des Lohnes aus G r u n d l o h n, L e i st n n g S z u s ch l a g und Gewinnanteil. Der Grundlohn soll durch staatliche, d. h. öffentlich-rechtliche Tarife festgelegt werden, wobei ein Reichstarif für jeden Bcrusszweig diesen staatlichen Tarif darzustellen hätte. Wenn notwendig, sollen örtliche bzw. be- triebliche Tarife durch die Arbeitsämter unter Anhörung der Verbände festgesetzt werden. Die Arbeitsfront-Ftthrcr be» merken hier selbst, daß es verfrüht wäre, die Tariffest- setzungSbchörde schon jetzt endgültig bestimmen zu wollen, da die künftige berufsständische Ordnung der Wirtschaft noch nicht in allen Einzelheiten klar vorliege. Für die Sozialversicherung wird der Borschlag der Vereinheitlichung und Ucbertragnng an die Arbeits- klont wiederaufgenommen, der vor einiger Zeit in der Oes- fentlichkeit stark diskutiert wurde. Durch die Sanierung der Invalidenversicherung, mit der zugleich eine Entscheidung gegen die Zusammenfassung der Sozialversicherung in einer Hand gefällt wurde, ist dieser Vorschlag überholt. Dennoch interessieren einige Einzelheiten: Die Reichszuschttssc sotten wegfallen. Der Arbeitgcberbeitrag soll durch eine einmalige Lohnerhöhung von 8 v. H. seine Ablösung für immer finden. Der Arbeitnehmer soll an die Deutsche Arbeitsfront etwa 20 v. H. seines Lohnes als Beitrag zahlen, womit der Bei- trag für die Rentenversicherung, die Krankenversicherung, die Arbeitslosenversicherung und für die Arbeitnehmerverbände bzw. die Arbeitsfront einheitlich verwaltet werden. Neben sie wollen Schuhmann und Brnckcr noch eine allgemeine Altersversorgung stellen, zn der jeder Tteuerpslich- tige 2 v. H. seines Einkommens zahlen soll, von der aber nur im Falle der Bedürftigkeit im Alter eine laufende Unter- stützung etwa in Höhe des doppelten Richtsatzes der össent- lichen Fürsorge zur Auszahlung kommen soll. Aus dem reichen Material sei noch die Stellungnahme zu der Lehrlingsfrage hervorgehoben. Das Buch'fordert ein„allumfassendes und in sich geschlossenes Reichsgcsetz", das„schützend und betreuend da? ganze Leben des KindeS von der Geburt bis zur Reiseerklärung(Volljährigkeit) überwacht." Es soll erstrebt werden, daß in Zukunft jeder Deutsche eine Lehrzeit durchlaufe. Auch die Tätigkeit des Landarbeiters, auch die der Hausangestellten soll arundsätz- lich gelernte Arbeit werden. Grundlage des Lehrverhält- nines soll der Lehrbrief sein. Das Lehrverhältnis wird als ein Erzichungsverhältnis bezeichnet. Die Lehrstellen- Vermittlung— nur in anerkannte Lehrbetriebe— soll be- sonders geregelt werden, wobei die Vermittlungsstellen an Bedari'szahlen gebunden sein sollen, die von den berufs- ständischen Stelle» zu errechnen und festzulegen wären. wird, ist in zahlreichen Großbetrieben des Westens, die Ä eingeführt hatten, wieder fallen gelassen worden. Die Ge- werbeaussichtsbeamten müssen zugeben, daß„die Mitteilung ans Düsseldorf, wonach in einem Falle das Einkommen der Arbeiter unter die Sätze der Erwerbslosen-Unterstützung ge- sollen waren, auch für andere Gebiete zutreffen dürfte". Neue Wohlfahrtspflege Aus der Zeitschrift„Freie Wohlfahrtspflege" sieht.man, wie nun die Fürsorge durchgeführt wird. Der Ausspruch Nietzsches„Was fällt, soll man auch noch stoßen" ist sozusagen das Motto der„Fürsorge", wie sie das„dritte Reich" versteht, geworden. Eine Dr. Emmy Wagner beginnt mit diesem Satz Nietzsches ihre nazische Fürsorgetheorie und der Pfarrer Dicing ruft freudig aus:„Die Begriffe würdig und un- würdig gelten wieder in der Fürsorge." Würdig ist der Pg. und derjenige, der Nazismus heuchelt. Die anderen sind unwürdige Untermenschen. Ruin der Sozialversicherung Nicht der Oeffentlichkeit übergeben Aus einem Artikel von W. Tobbernack„geht hervor, da» das Reichsarbeitsministcrium eine der O e s s c n t l i ch k c i t nicht übergebene v c r s i ch c r u n g s m a t h e m a- tische Bilanz über die Invaliden- und sonstigen Renten- Versicherungen unter Berücksichtigung der derzeitigen Lage als Grundlage für seine Maßnahmen Hai anfertigen lassen". Was gehts schließlich die Versicherte» auch an, was man mit ihrem Geld eigentlich anfängt. Aber es muß bei den Reuten- Versicherungen sehr gut aussehen, wenn man die Bilanzen nicht vorzulegen wagt. In den berühmten Iahren der Tchmach und Schande war jede„Korruption" aus den Bi- lauzen zu ersehen: da nun Bilanzen„nicht der Oeffentlichkeit übergeben" werden, ist keine Korruption zu finden, und da keine Korruption zu finden ist, gibts natürlich keine Korrnp- tton. Klar wie das Sodawasser des Herrn Reichsarbeits- Ministers. Donkrott Die Sozialpolitik, so schreiben Schuhmann und Brucker, wll ein Teil der nationalsozialistischen Staatspolitik sein, öin engeren Sinne bezieht sich für sie die Sozialpolitik »praktisch nuraufden inabhängigerwirt- 'chaftlicher Lohnarbeit stehenden Volks- öen.issen, damit auf den Arbeiter und An- l> e s.. l l t e n". Betont wird besonders, daß„mit dem Unfug, körperliche Tätigkeit zu mißachten", unbedingt gebrochen werden muß. Für das Volk sei die Arbeit des Fensterputzer» ebenso notwendig wie die des Staats- •Hanne». Deshalb dürfe die Bewertung der Arbeit und damit des einzelnen Menschen nur die Art und Weise Zum Maßstab nehmen,„in der der Mensch seiner Ausgabe entspricht". Wie soll daS ArbeitSvcrtragsrccht gestaltet wer- °en? Für den Nationalsozialismus ist der Arbeitsvertrag Frauentarif für Textilarbeiter (Jnprcß.) Ter Treuhänder der Arbeit für Westfalen,__. Dr. Klein, hat einen Zusatz zu dem Manteltarif für die f||lQr|$|nO Textilindustrie, Bezirksgruppe Münster, erlassen, der mit^ sofortiger Wirkung in Kraft gesetzt ist:„Treten in Abtei- lungen, die bisher nur mit weiblichen Arbeitern besetzt waren, infolge der Notmaßnahmen zur Behebung der Arbeitslosigkeit anstelle von ausgeschiedenen weiblichen Arbeitskräften Männer ein, so gilt als Bcrcchnungs- grundlage der Frauen akkordrichlsatz." Tie Männer können einen prozentualen Zuschlag erhalten. Die„Soziale Zukunft", Berlin, beschäftigt sich ausführlich mit der wirtschaftlichen Lage der Apotheker:„Selbst wenn man den durchschnittlichen Zinssatz für das Betriebskapital auf nur v v. H. festlegen und als Durchschnittsvergütung für die eigene Tätigkeit eines Apothekers monatlich 200 Reichs- mark zu Grunde legen wollte, müßte der Nettoertrag einer Apotheke bei einem durchschnittlichen Betriebskapital von nur 40 000 Reichsmark jährlich 0000 Reichsmark persönliche Vergütung und 2000 Reichsmark Zinsertrag ici». Solange«ine große Zahl, wenn nicht gar die Mehrzahl von Apoihcken hinter diesem Turchjchnittscrtraa wesentlich zu- rückbleibt, kann man die wirtschaftliche» Verhältnisse des Standes der Apotheker als nicht gesund aussprechen. Es ist auf die Dauer unmöglich, daß eine Helferin mehr verdient als der Inhaber. Wenn bereits im Jahre 1027 rund 10 v. H. der Apotheken einen Umsatz von weniger alS 20 000 Reichs- mark hatten, ist eS wohl kaum zu hoch gegriffen, wenn man den Prozentsatz dieser Apotheken heute auf 20 v. H. der Gesamtheit ansetzt. Die oben wiedergcgebencn Feststellungen der Apothckenbuchstelle zeigen aber auch, daß die Erträge der Apotheken mit Umsätzen von 20 000 bis 80 000 Reichsmark noch völlig ungenügend sind. Man wird daher kaum übertreiben, wenn man annimmt, daß etwa ein Drittel der Apotheker unter den heutigen Verhältnissen w i r t- s ch a j l l ich nicht lebensfähig ist." Elend Lohn geringer als Erwerbslosenunterstützung (Jnprcß.) Das sogenannte„Krümpersystem", bei dem die Arbeit eines Vollbeschäftigten aus zwei Kurzarbeiter verteilt Auf der Generalversammlung des Vereins deutscher Lebensvcrsicherungsgesellschaftcn gab es eine lauge Ans- spräche über das Flugrisito in der Lebensversicherung.„In der Erörterung kam zum Ausdruck, daß die Gcselljchafien bereit sind, in der Gestaltung ihrer allgemeinen Ver- sichcrungsbedingungen für die Lebensversicherung dem Bedürfnis nach Deckung des FlugrisikoS in möglichst weit- gehendem Maße entgegenzukommen." Tie„Deutsche Freiheit" hat bereits darauf hingewiesen, daß jeder Offizier des HeerS und der Marine zu einer Lebensversicherung verpflichtet ist. Die meisten dieser Bcr- sichernngen laufen bei der Bcamtcnversicherungsgesellschaft. Für die Flieger hat man nun die privaten Gesellschaften ein- gespannt. Ans der Formulierung dcS Protokolls ficht man, daß der Verein deutscher Versicherungsgesellschaften sich mit dem Flugrisiko auf Wunsch eines Anbcnstehenben befaßt hat. Cotys Glück und Ende ^übelriechender Ausgang einer wohlriechender Karrlere Von Paul Szende Wie wir berichtet haben, ist„L'Ami du Peuple", das Tageblatt deö Pariser Parsümsabrikanten C o t y, gerichtlich versteigert worden. In dem Lärm des Sensationsskandals Ttavisky soll der typisch« Fall des politischen Finanziers Eoty nicht untergehen. Alexander Pope, der große englische Dichter, schrieb ein- ?al.-„Der Schurke, der um seine Einkünfte kam, wurde Patriot"— was zweifellos zeigt, daß der Patriotismus als -Attisches Geschäft schon im England des achtzehnten Jahr- -underts eine marktgängige Ware war. Wir wollen nun eine Karriere besprechen, die in der entgegengesetzten Richtung .Erlief: der Schurke erwarb zuerst ein großes Vermögen und an« wurde er ein lauter Patriot, lrin französischer Parsümfabrikant, der, aus Korsika stam- ? a'd, in seiner Jugend noch den italienischen Namen ? v o t u r n o trug, brachte ein großes Vermögen zusammen. H faut aus den Niederungen des Lebens, auch mit der Justiz ^atte er gelegentlich zu tun: allerdings sind die betreffenden z?skichtsakten später, als er schon ein reicher Mann war. auf Z'mmerwiedersehen verschwunden. Er legte sich gebührenfrei î» aristokratisch klingenden Namen Eoty bei und cnt- Wickelte den Ehrgeiz, eine politische Rolle zu spielen. In der i/fegszeit und noch mehr in der InflationSpertodc verviel- ."wie er seinen Besitz durch allerlei unsaubere Spekulationen, ^üptsächlich durch umfangreiche Valutaschtebungcn zur Zeit Frankensturzes: man schätzte damals sein Vermögen auf Zehrere hundert Millionen. Mit dieser mächtigen Rüstung V er in die politische Arena. «.pH den Legenden, die die kapitalistische Presse in der ^'kntlichen Meinung zäh und zielbewußt zn verbreiten sucht h und gewöhnlich mit Erfolg— gehört auch das Märchen ,°u der U neigen» il tzigkeit des retchenMannes z,. der Politik. Der Mann ohne Vermögen— so lautet ., Lea-nde— kann immer Versuchungen des Reichwerden« ^"kgen. Reichtum hingegen sichert Unabhängigkeit und schützt im! Bsrlockiinqen. denn der reiche Mann i>> schon gesättigt â Segen den Reiz des Gelderwerbes abgestumpft. Tic z>. de Milliarde, die Tpoturno-Coty besaß, schien solch eine 'isensumme, die den höchsten Anforderungen der Legende zu entsprechen vermochte, und so war der Weg für die poli- tische Führerroll« Cotys freigemacht. Ein moderner Führer ist ohne eine große politische Tages- zeitung undenkbar. Zuerst erwarb Spoturno-Coty die alte Zeitung„Figaro", die einmal das führende französische Lite- raturblatt gewesen, und alS erstes für die Revision deS Drey- fuS-ProzcsseS eingetreten war. Infolge ständiger Geldnöte gelangte die Zeitung später in die Hände übelster Geschäfts- leute, die sie dann an Cot» verschacherten. DaS Blatt erschien aber mit Ausschluß der Oeffentlichkeit und konnte daher den unbändigen Ehrgeiz de» Herrn Eoty nicht befriedigen. Ihm schwebte eine Diktatur vor, mit seiner höchsteigenen Person an der Spitze: beschloß daher, ein« eigene Zeitung zu grün- den. die dem Volk die froh« Botschaft einer neuen politischen Ordnung verkünden sollte. Schon bei der Wahl des Titels beging er eine arge Unkorrckthcit, er gab ihm den Namen ..L'Arni du Peuple"(Der Freund de» Volke?). So hieß die Zeitung M a rat», des großen VolkStribunen der franzv- fischen Revolution, in der dieser Tag für Tag für die Hin- richtung der Monarchisten, Aristokraten, der großen Schieber und Kriegsgewinner eintrat. Spoturno-Cotn, selbst Kriegs- gewinner und Schieber, enteignete diesen Namen und gab ihn einem Blatte, das der monarchistischen und antisozia- listischen Propaganda dienen sollte: die faschistische Reaktion entweiht das revolutionäre Gewand. Um eine Äicsenauflage zu erreichen, warf er sein Blatt spottbillig auf den Markt, er verlangte für die Nummer 10 Centimes. Das Syndikat der Pariser großen Presse, die sich vor der Konkurrenz fürchtete, setzte zuerst da? Blatt unter Boykott, mußte aber den Kampf aufgeben, denn Eoty brachte in da? Geschäft nicht nur die eigenen fünfhundert Millionen mit, er verfügte, als Freund deö Faschismus, außerdem über namhafte italienische Subventionen, deren Höhe ansangs gleichfalls in die Millionen ging. Der Besitz eines großen Blattes war für ihn auch auS andern Gründen eine Lebensnotwendigkeit. Es gab kaum ein Gebiet der Strafgesetze, mit dem seine Geschäftsführung nicht in peinliche Berührung gekommen wäre, namentlich liefen gegen ihn Strafverfahren wegen vielfacher Steuerhinter- ziehungen. Valutenschiebungen und anderer Betrügereien. Ein solcher Mann kann eine einflußreiche und verbreitete Zeitung sehr wohl brauchen: sie ist die beste Waffe, Staats- anwälte, Richter und Regierung einzuschüchtern, und una»- genehm gewordene Geschäftspartner zum Schweigen zu bringen..^ Im übrigen verfolgte der„Ami bu Peuple" die übelste nationalistische Hetzpolitik. Sein Chefredakteur war ein ge- wescner revolutionärer Sozialist und wütender Antimilt- tarist, der zur Zeit des DreyfuS-ProzesseS alle Offiziere des Gencralstabes an die Laternenpfähle bringen wollte: dreißig Jahre später verlangte der Renegat dieselbe Todesstrafe(ür alle Gegner, die nach seiner Behauptung nicht die echten und rechten Patrioten waren. Alle diele Tatsachen waren allgemein bekannt: solange aber Eoty noch über die fünfhundert Millionen verfügte, blieb er der große Mann in der Politik, dessen Acußerungen rechts- stehende Blätter als übernatürliche Offenbarungen ver- össentlichten. Er verhandelte mit Regierungen von gleich zu gleich, die Behörden wagten es nicht, rechtskräftige Urteile in Steuer- und WährungSbetrugSsachen gegen ihn zu voll- strecken. Sein Blatt war schlecht redigiert, langweilig, sogar lächerlich. Lächerlichkeit tötet gewöhnlich— aber tiner halben Milliarde gegenüber versagt selbst der Tod. Cotn organisierte faschistische Gruppen und umgab seine Person mit einer Leib- garde: Spoturno nahm Hcrrscherallürcn an. Die Weltwirtschaftskrise bat neben anderen unangeuhcmen Wirkungen doch auch den Cbarkater eines großen Enthül- lungsprozesseS: alle Größen der herrschenden Ordnnna wer- den gewogen und die meisten leicht befunden. Diesem Schick- sal konnte auch Spoturno nicht entrinnen. Sein Vermögen begann zusammenzuschrumpfen. Zuerst stieß er die kleineren Zeitungen und politischen Unternehmungen ab, bann mußte er den Preis seines Blattes auf fünfzehn Centimes erhöhen, später stellte er die Abendausgabe des Blattes ein. Nun kommt die letzte Szene des politischen Abenteuers, das sich historisch geschminkt, als politisches Drama auszutun gewagt hatte und jetzt wie eine Ichmierenposse endet: mit bcr Ver- steigerung eines übelbelenmundeten Blattes. Der Entwick- lnngsprozeß TpoturnoS kehrt zu feinen Anfängen zurück: Schieber— reicher Mann— großer Patriot— Pleite— Schieber. Doch es kann eine Auferstehung für ihn geben. Wenn eS ihm gelingt, aus der großen Insolvenz beträchtliche Vermögensteile ins Trockene zu bringen, und wenn er wie- der bereit fein wirb, wesentliche Teile diese? den Gläubigern entzogenen Vermögens für die Zwecke einer nationalistischen Verhetzungspolitik zur Verfügung zu stellen: dann kann Spoturno noch einmal als Francois Coto in die Ehrenhalle der großen französischen Politiker aufgenommen werden,_ Deutsche Stimmen•(Beilage zur Deutschen Freiheit"• Ereignisse und Geschichten W«»!M IlllllliliililllillllllllllililllllW Freitag, don 1>. Januar 1934 lüas dU deutsche JUuila Siber von Qroote will eine„neue"(hauenbewequnq schatten Viel Gutes hat der Nationalsozialismus bis jetzt den Frauen nicht gebracht. So haben seine Wortführerinnen genug zu tun, immer wieder Entschuldigungen bei der Gefolgschaft vorzubringen, wegen der Verdrängung der Frauen aus dem Berufsleben, ihrem Ausschluß aus der Politik und manchem andern. Es könnte auch gescheite Frauen nachdenklich oder stutzig machen, daß zur Führung der nationalsozialistischen Frauenschaft und des„Deutschen Frauenwerks" die Reichsregierung nicht eine einsichtsvolle Frau berufen bat. sondern einen schneidigen Landrat. Um solche rebellischen Gedanken abzulenken, mußte ein Ventil gefunden werden, etwas wie ein Sündenbock, der fand sich ziemlich mühelos in der ohnehin mundtot gemachten Frauenbewegung. Vor allem ist es Paula Siber von Groote, Referentin für Irauenfragen im Innenministerium, die immer wieder auf diesen Gegensatz zwischen der alten und der„neuen" Frauenbewegung zurückkommt, in einer besonderen Schrift, in einem Aufsatz:..Frauenbildung im neuen Deutschland" (erschienen in der Zeitschrift: Die Erziehung) und in einem Rund funk Vortrag:„Die Frauenfrage und ihre Lösung durch den Nationalsozialismus". Hier werden der Frauenbewegung Fehler in die Schuhe geschoben, gegen die sie selbst stets heftig gekämpft hat wie das mangelnde politische Interesse der bürgerlichen Frauenkreise oder die sexuelle Verantwortungslosigkeit der berufstätigen Frau. Andererseits werden als neue Aufgaben des Nationalsozialismus Forderungen aufgestellt, für die die Frauenbewegung sich schon immer eingesetzt hatte, wie u. a. das Frauendienstjahr und die sie zum Teil sogar längst durchgesetzt hat, wie die Müttererholungsfürsorge. Es berührt eigenartig, in Paula Libers Ausführungen u. a. den Latz zu lesen: „In einem nationalsozialistischen Deutschland ist das Gebiet der Volksfürsorge vernehmlichste Aufgabe der Frau." Man muß bedenken, daß an mehreren von hervorragenden ! rauen geleiteten Wohlfahrts- und Frauenschulen neuerdings die Führung in männliche und keineswegs besondere qualifizierte Hände übergegangen ist oder wenn man aus einem neuen Erlaß des preußischen Innenministers herausliest, daß viele Bezirksverbände die Fürsorgerinnen und Wohlfahrtspflegerinnen nur ihres Geschlechtes wegen aus dem öffentlichen Dienst entfernten und durch mangelhaft vorgebildete, ehrenamtliche Kräfte ersetzten. Und ebenso bedenklich wird der Latz: „Die große Volkserneuerungslehre des Nationalsozialismus fußt auf dem Organischen als dem für jede Erneuerung und jedes Wachsen notwendig Vorausgesetzten und Bedingten", wenn man gleichzeitig feststellen muß, daß sieh gegen die Sterilisierung der Minderwertigen, die doch gewiß eine I erhnifikation organischer Vorgänge bedeutet, kein einziger iderspruch aus Frauenkreisen erhoben hat. Diese Ausführungen von Paula Siber übersehen eine wichtige 1 atsarhe, daß nämlich die„neue Frauenbewegung" überhaupt nicht möglich sein würde, hätte ihr nicht die„alte" in langen Jahrzehnten die Wege bereitst und die Kräfte vorgeschult. Als vor etwa fünfzig Jahren die ursprüngliche deutsche Frauenbewegung einsetzte, hatte sie alles zu tun, alles neu aufzubauen. „Uns hat dabei niemand geholfen. Wir mußten aus uns selbst die Kräfte dafür bereitstellen: der Stoff, mit dem man die breiten Frauenkreise hätte vertraut machen sollen, damit sie ihre Lage begriffen, war ja noch gar nicht vorhanden, er mußte erst erarbeitet werden. Wir hatten uns nicht einer vorhandenen Bewegung, die alle diese Aufgaben seihst gelöst hätte, einfach anzuschließen. Wir mußten alles Erforderliche selbst schaffen und vor allem: Frauen, die den Zusammenhang des modernen Lebens beherrschten, erziehen. Die Fragen und die Lösungen waren nicht so, daß man sie einfach nur in gebrauchsfertigen Schlagworten in die Massen hätten werfen können. Unsere Führerinnen wußten, daß eine Arbeit für Generationen vor ihnen lag. und sie fühlten die ganze Schwere der Verantwortung. Hatten wir denn, als der Ruf zur gestaltenden Mitwirkung an uns kam, erst im Krieg und dann nach dem Kriege genug geschulte Frauen für alle Stadien der Führung? Eine Bewegung kann in den Massen noch so leidenschaftlich und lebendig gefühlt werden; wenn sie nicht geistig beherrscht und geformt wird, bleibt sie dennoch ohne endgültige Wirkungen." Gertrud Bäumer, eine der aktivsten Führerinnen der deutschen Frauenbewegung erwidert so auf Paula Libers Ausführungen im Dezemberheft der Zeitschrift„Die Frau" unter dem Titel:„Frauenbewegung und Mütterschaft". Zweierlei an diesem Antwortartikel ist bemerkenswert: zunächst die Tatsache, daß er überhaupt erscheinen konnte, denn er stellt eine eindeutige, wenn auch vorsichtig formulierte Kritik nationalsozialistischer Ideen dar. Dann aber ist neben den sachlichen Widerlegungen zu beachten die schöne und vornehme Offenheit, mit der hier eine Frau, die im früheren Deutschland jahrelang als Ministerialrätin und als Reichstagsabgeordnete in der vordersten Linie des politischen Lebens gestanden hat, manche Mißerfolge und Irr- Ici mer der Frauenbewegung zugibt und ihre Ursachen festzustellen sucht. Wesentlich für manches Mißlingen der Wirkung in breitere Kreise scheint ihr vor allem die parteiische Zersplitterung, sowohl auf dem weltanschaulichen wie dem eigentlich politischen Boden. Und sie stellt sachlich fest: ..Wenn heute eine solche durchgreifende wirkliche Erfassung der Frauen möglich ist, so ist es, weil der einheitliche weltanschauliche und politische Untergrund dafür geschaffen werden konnte." Welcher Unterschied im Ton, wenn Paula Siber gehässig bemerkt: ..Die Frauenbewegung machte eine Frau zur Ministerial- r a tin und hunderttausende zu Lohnsklaven einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung", {übrigens vollständig falsch in der Kausalitätsbeziehung) und wenn dagegen Gertrud Bäumer, von der Entwicklung abseits gedrängt, resigniert ausruft: „... Es muß sehr schön sein, in einer Atmosphäre zu arbeiten, die nicht von all den Spannungen des bisherigen parteiistischen Deutschland geladen ist und in der man nicht auf Schritt und Tritt von dem Atem solcher Kämpfe abgeweht wird, der so viel mögliche Gemeinschaft von vornherein erstickte!" Aber über einen wichtigen Punkt ist Gertrud Bäumer allzu zart hinweggegangen: Jede gesunde Frau in jeder Volksschicht, sei sie nun Intellektuelle, Bürgersfrau oder Proletarierin, hat sich so viel natürlichen Instinkt bewahrt, daß sie lieber ihre natürlichen Funktionen als Hausfrau und Mutter erfüllt, als die Forderung, sich für einen bitteren Lebenskampf vorzubereiten. Versprechungen zu machen ist aber bekanntlich sehr viel leichter als sie zu halten. Die Frauenbewegung ist hier zu ehrlich gewesen; auch sie hat die naturgegebene Form des Frauenlebens stets als die wünschenswerteste angesehen und keineswegs aus sträflichem Leichtsinn eine größere geistige und politische Freiheit für die Frau gefordert, sondern nur deshalb, weil sie einsah, daß unter den schwierigen Zeitumständen viele Frauen zu einer Leistung gezwungen werden, die ihre Kräfte weit übersteigt und für die sie durch Erziehung geschult, durch Gesetze geschützt werden müssen. Der Nationalsozialismus ist in diesem Punkt skrupelloser und geschickter. Aber so einfach, wie er möchte, liegen auch im„dritten Reich" die Dinge nicht; und auch der größte Optimist kann es sich durch ein einfaches Rechenexempel klarmachen, daß selbst auf lange Sicht die Ueberführung all* Frauen in die Ehe und die haus wirtschaftlichen oder pädagogischen Berufe undurchführbar sein muß. Inzwischen gehen zahllose mühsam erkämpfte Errungenschaften verloren, viele sinnvoll angespannten Kräfte werden lahmgelegt.— Aber ebenso wie die Masse der deutschen Frauen, vom Gewinn des Wahlrechts 1919 überrascht, nichts Rechtes damit anzufangen wußte, so werden sie auch jetzt den Verlust als selbstverständlich empfundener Rechte erst erkennen und bedauern, wenn es zu spät ist. L. A. Stotzec!Bacbat Der Trommler des Ruhrgebiets nennt sich ein Rudolf Zilkens, der soeben seine Nazigedichte publiziert. Er verkündet seine Biographie:„Einer der alten Gardisten und Vorkämpfer der Bewegung. Er war Ortsgruppenleiter, Kreisleiter, Gaupropagandaleiter und hat in fünf Jahren 1500ma! gesprochen. Unzählige Saalschlachten und Ueberfälle durch kommunistische Mordbanditen kennzeichnen seinen Weg. Neben dem Gauleiter Terboven zwang er die rote Pest in Essen in die Knie. Seine größte Saal- schlacht erlebte er Anfang 1932 als Diskussionsredner in einer Duisburger KPD.-Versammlung, in der er niedergeschlagen und mehrfach gestochen wurde. So nennt ihn das Volk seiner Heimat nicht mit Unrecht den„Trommler des Ruhrgebiets" Wie seine Kämpfe aussahen, sagt der Bursche selbst:„Wir stürmten singend in die Schlacht als wilde trotzige Barbare n." Uebrigens ist es beliebt, seinen Büchern solche Biographien voranzuschicken. Ein anderer Kandidat der Deutschen Dichterakademie läßt von sich feststellen:„Patrouillenführer unseres 452. Infanterieregiments, früher im Infanterieregiment 64." AufschwuHç Von Karl Schneller Will das Alltägliche dampf dich erdrücken, beugt unerträgliche Last dir den Rücken: da nur, Geschundener, bist es, der schafft. Unüberwundener! Dein ist die Kraft. Fühle vom brausenden Strom dich getragen! Bruder von tansenden, wag' es, zu wagen! Für das Vernünftige ringender Held, du bist der Künftige, dein ist die Welt. Jmmer wieder: Verbotenl „Unsittliche Bücher" wurden laut Kriminalpolizeiblatt 1737/38 39 folgende Drude* Schriften: Nr. 3 des 15. Jahrganges der„Roten Sturmfahne; „Volkswille"(Kattowitz);„Frihet"(Stockholm);„Le III« Reich et les Juifs"(Antwerpen);„Le Rempart"(Paris);"Di* Rote Volkswacht" Nr. 1 und 2(Bielefeld);„Was will die NSBO?";„Die Rote Fahne" Nr. 19, 3. Juniwoche, Ausgabe B;„Ernst Thälmann an die Erwerbslosen";„Stalin an die deutschen Bauern";„Antifaschisten stärkt die Kampfkraft eurer Partei";„Nicht Burgfrieden, sondern Einheitsfront der Tat";„Siedem groszy"(Kattowitz);„De Joodsche Pers"(La Presse Juive, Antwerpen);„Deutsche Freiheit", nationale Dichtungen von Klaus von Groeben, Verleger Willi Trubach, Berlin.— Ferner wurde eine Liste von Rekordlänge von unsittlichen Büchern verboten; darunter ernsthafte sexualwissenschaftliche Literatur und die noch nicht verbotenen Bücher von Magnus Hirschfeld. Insbesondere Schriften für, gegen und über Homosexualität(die röhmische Liebe) wurden verboten. Unter diesen„unsittlichen" Büchern finden wir außerdem noch: Alfred Döblin:„Die beiden Freundinnen und ihr Giftmord", Verlag Die Schmiede, Berlin; Erich Mühsam:„Die Homosexualität", Verlag J. Singer u. Co., Berlin; Dr. Placzek,„Homosexualität und Recht". Thieme, Leipzig, 1925!— Erich Ebermayer:„Dr. Angelo'• 3 Novellen, Verlag Oldenburg, Leipzig; Mertens:„Der Emigrant", Paul Stegmann-Verlag. Hannover; Walter Benjamin: „Pfingstnacht", eine Novelle, Wilhelmshagen, 19141; Ludwig Winder:„Hugo", Rikola-Verlag, Wien. Ztit:7loti Bedingungen sofort abzu- geben. Betitxerin erkrank'. Sehr wenig Kapital erforderlich. Gute triften t für tüchtige Frau. Eilige Angebote erb. a d. ,, Deutsche Freiheit" unter Nr.«45 kauft schöne Diamanten, Perlen, Silber, Gold »IBKAUri Paris, 43, rue Lafayette. Expertise h. b. Die freiwillige Winterhilfe hat in dem KretSbauera» führer Wiersdorfs in Sangershausen einen besonder»«ner- gischen Vertreter. Er erließ eine Bekanntmachung an die Landwirte seines Tätigkeitsgebietes, in der es heißt, daß gegen diejenigen Bauern, die den Versuch unternommen hätten, sich durch Kneifen auS der Opsergemeinschaft des deutschen Volkes auszuschalten, vorgegangen werden würde. Man könne nickt das Preußentum im Munde führen, die Tat aber unterlassen. Die Säumigen würden auf diesem Wege noch einmal an ihre moralische deutsche Pflicht erinnert. Wer von den Drückebergern nicht mindestens eine Reichsmark für je tausend Mark Einheitswert zeichne, und zwar in Form von Kartoffeln, der müsse damit rechnen, daß erösfentltch gebrandmarkt würde. Es spukt Im Hafen von W. A Scheid- Diesmal war es leicht gewesen, die Dokker für den "fienen Widerstand gegen das verbaßl« Hakenkreuz zu ge- Winnen. Der deutsche Kapitän war unfreiwilliger Helfer. Er ?"lte eine so plumpe Reklame für Terror-Deutschland ^hszeniert, daß sich die ganze Stadt, mitsamt der bürgerlichen Dresse, dem Protest der Hafenarbeiter anschloß. Die Antwer- iwiier Bürgersleute waren den Deutschen an und für sich "'cht grün, aber es war ein ganz seltener Fall, daß sie sich "us die Seite der Arbetterbevölkerung stellten. Was war Geschehen? Der Kapitän hatte einen Offizier und drei„besonders zu» "erlässige" Obermatrosen beauftragt. Werbematerial für da» Dritte Reich" unter die belgischen Hafenarbeiter zu verteilen, .^wiß steckte das Retchslügenministerinm dahinter, und die "eilloss HeilSidet stammte vielleicht von dem Mahatma ^rop„gha„dhj persönlich. "Hier Kamerad, scharfe Sache!" sagte der eine besonder» Zuverlässige" Maat und reichte einem Dokker. der ihn schon wngere Zeit mißtrauisch beobachtete, eins von den Trak- wichen., »Laß mich mit dem Dreck zufrieden!" schnauzte der Arbeiter "us g», deutsch. Der Malrote grinste verständnisinnig und knurrte freund» """f'itdj:„Na. nimm mir schon eins ab. damit ich sie loS erdy'" Er zwinkerte mit einem Auge und setzte hinzu: »"rauch,-,^«'ch' zu leien. Mensch!" .De-- n:f;m den Wi-'ch nnd blätterte unwillig darin ï t|"n„Woduerdomme! Ihr wollt Euch bei uns anbiedern? ^an« mjjh, früher aulstehen, Jongens! Nichts zu wachen! Bel un» habt Ihr keine Chancen, verstanden? Da« "ust D>« Deinem Herrn Göbbel» von mir ausrichtenI Der nachgedunkelte Dchrumpsarier soll sich seine Aufklärung«- schritten in den Hintern stecken! JawollI Wenn ich etwa» über Deutschland wissen will, dann lese ich den„Gegenangriff" oder die„Freiheit"! „Na, ich doch auch, Mensch!" ch Die Hafenarbeiter streikten. Aus Protest gegen den lächer- lichen Versuch, sie mit HItlerbaztllen zu infizieren. Heimlich spielte wohl auch ibr« Sympathie für Dimitroff— den sie Dnnamitroff nannten— mit. Kein« Hand war bereit, sich für den faschistischen Kapitän zu rühren. Mochte er sehen, wie er die Lädung Eifenstangen aus dem Kasten heraus- und dt« 200 Ballen Wolle hineinbekam. Mochte er schimpfen, toben, drohen? selbst Verhandeln und Bitten nützten ihm nichts. Die Forderung der Arbeiter stand fest und ließ sich durch kein Versprechen und süße Worte erschüttern. Es gab nur ein»: Einziehen der Hakenkreuzfahne! „Da» geht gegen meine Ehre!" schrie der Schiff»gewgltig«. Aber eS half ihm nicht?. Und da Warten bares Geld kostete, mußte die Ehre dran glauben. Unter dem Gelächter einer großen Zufchanermenge holt« der Flaggenmaat da» HoheitS- zeichen de» Dritten Reiche»" ein. « Kaum war die Lösch- und Ladearbeit beendet, als auch schon die Hakenkreuzsahnc wieder gehißt wurde. Aber eS war bereit« dunkel, und niemand genoß den ieterlichen Moment. Am nächsten Morgen hatten sich die Kleinbürger und Arbeitslosen, die den mannigfaltigen Hafenschausplelen bei- zuwohnen pflegten, besonders zahlreich eingefunden. Der deutsch« Dampfer blökt« dumpf« Abfahrtstgnal« tn die Lust. Der Kapitän hatte sich in Begleitung einiger Herren auf dem Oberbeck ausgepflanzt und stierte in trotziger Wut aus daS versammelt« Publikum, zu dem auch eine groß« Schar Hafen- arbeite? gehörte. Jetzt setzte sich der Kasten in Bewegung. Der Wind fuhr in die Fahnen.. Eine Unruhe ging durch die Meng«. Verhaltenes Kichern stieg auf? hier nnd da brach Helles Lachen au»; schließlich erscholl allgemeines fröhliches Gejohle. Der Kapitän hielt ee für Hohn, drohte mit der Faust und beulete triumphierend zu der entfalteten Hakenlrcuzflagge hinauf. Seht Ihr, sie ist wieder da! Stolz flattert sie—— Aber was ist das? Wie? Was? Wieso? Festgenagelt stand er da und stiert««n die Höhe. Wo— wo war denn das Hakenkreuz geblieben? Zum Donnerwetter nochmal! Da» war fa eine einfach« blut- rote Fahne... ohne weißen Kreis... ohne Kreuz— eine rote Fahne, eine Marxiftenfahneil Erstarrt war dir drohend erhobene Faust des Kapitäns in der Luft hängen geblieben. ES sah auS, als ob da einer die rote Dozialistenfahne mit„Rot Front!" begrüßt«. » Der Schuldige war nicht zu finden. Der Flaggenmaat war ein alter, verdienter Seebär, national bis in die Knochen, politisch über jeden Verdacht erhaben. Außerdem bezengten ein paar„besonders zuverlässige" Obermatrosen, daß am Abend ordnungsgemäß die Hakenkreuz flagg« gehtß, worden ivar. Die Geschichte blieb ein Rätsel, ein Spuk. Schwamm drüber! Aber ganz Antiverpcn sprach davon. Und die„mvsteriöse Affäre" wurde mil Windeseile nach Rotterdam, Amster- dam. Le Havre, Brest, Bremen, Hamburg, Danzig kolportiert und drang mit der Zeit bis in dt« entferntesten Hafen. Ueberall löste sie Schmunzeln und Genugtuung au». Ueber» all erkannten die Arbeiter, baß ihre Genossen am Werk waren und jeden Anlaß ausnutzten, um gegen das Haken- kreuz und für die international« rot« Fahne wirksame Pro» paganda zu mache». a f!" Deu15. Januar):„So ist eigentlich seder Kommentar darüber überflüssig, ob eine nationale Staatsobrigkeit nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht hat, dieses Geschmeiß Und seine Helfershelfer mit Stumpf und Stiel auszurotten. Tas Konzentrationslager dürste in dieser Beziehung der beste Tri für die Sicherheitsverwahrung professioneller Landesverräter sein." Diese Auskunft dürste Ihnen genügen. Vir fügen hinzu, baß die nationalsozialistischen Rechtsauioritäien tief bekümmert darüber sind, dast die Amnestie von ISSZ ihnen die Strafverfolgung Tr. Thormanns unmöglich mache. Aber: Konzen- »rationslager genügt. V. I. Zürich. Sie fragen uns, ob die angeblich von der„Kölnischen .Teilung" angegebene Auslage von>91090 Gpemplaren stimme. Nein, sie stimmt nicht. Auch nicht annähernd. Das Blatt hat nie eine solche Auslage gehabt. Wahrscheinlich bat der Verlag die Auslagen .^kölnische Zeltung" und ihres..Stadt-Anzeigers", einer lokalen Jnseraienplantage, zusammengezählt. Dieses Lokalblatt hatte vor den Segnungen der nationalen Erhebung allein 139 999 Auslage. Venn die.^Kölnische" und ihr„Stadt-Anzeiger" nun zusammen 191 990 Auflage angeben, ist leicht zu erkennen, daß sie Zehn» tausende Bezieher verloren haben müssen. Für den Gesamlinhait verantwortlich: Johann P i tz in Dud- wetler: für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH., Saarbrücken 9, Schützenstratze 5. Lznslenz fur Ilkrmaeker! Umständehalber verkaufe ich mein Engros»Geschäft in Paris Fornitnren und Werkzeuge for Uhrmacher and Go darbeiler, mit an- geschlossener Reparatur nabieilung zu außerord. günst. Ked. Zentral geleg. Mod. Organis, und Einricht. Kl. Miete. Vertr. 9 Jahre. Franz. Sprachk. nicht unbed. erfbrd.. da eingearb. 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