I Sinzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Kummer 17— 2. Jahrgang[Saarbrücken, Sonntag'Montag, 21.'22. Jan. 1934 Chefredakteur: M. Braun Ans dem Inhalt TLaiis qeqen 3CahemoUecn Seite 2 Qenf. und die Saac Seite 3 Dec Jeccoc mächst Seite 4 %xm dec deutschen Ausruhe Seite 4 QUnUcoffs Vluttec 9 Deulschlaitds„Unannehmbar Aussichten der Abrüstungskonferenz verschlechtert I V Berlin, 20. Januar. Arn Kreitagnachmittag hat der Rcichsminister des Aus» tvärtigcu dem französischen Botschafter François Poncet die deutsche Antwort aus das französische Aide mémoire in der AbriiftungSsrage überreicht. Der Reichs» minister fügte eine mündliche Erläuterung hinzu. Kurz Saraus übergab der Reichsmtnister dem englischen Botschafter C i r Eric Philipps die deutsche Antwort auf daS britische Memorandum vom 20. Dezember vorigen Jahres. Die deutsche Antwort ist in demselben sehr höflichen Tone gehalten, den das französische Aide memoire angeschlagen hat. Auch die deutsche Rcichsregierung gibt sich alle Mühe, das birekte deutsch-französische Gespräch fortzusetzen. Das vier. Seh» Schreibmaschinenseiten umlassende deutsche Schriftstück und seine Ergänzung durch den deutschen ReichSministcr des Aeuhern beteuern den Wunsch nach einer Verständigung und find in einer Form gehalten, die eigentlich nur Bitten um Aufklärung an die französische Regierung richtet. Sachlich aber bringt die deutsche Autwort keinerlei Annäherung zwischen den beiderseitigen Anschauungen. Im Grund« sind die Meinungen über bi« Abrüstnngssrage zwischen Deutschland und Frankreich genau noch so tief geschieden, wie am 14. Oktober, dem Tage bes Austritts Deutschlands auS dem Völkerbund. Die deutsche Antwort geht noch einmal von der Forderung aus Abrüstung der hochgerüsteten Mächte aus und legt dar. auf welchem Wege Deutschlands Gleich- berechtignng und Sicherheit gewährleistet werden kann. Die deutsche Antwort wendet sich gegen die mehrjährige Bewäh- »nngssrist, für die Frankreich bekanntlich vier Jahre vor- geschlagen hat. Während dieser vier Jahre würde Deutsch- land nach der deutschen Anssasinng ohne genügende Bcwass- nung bleiben, da es sich erst nach diesem Kontrollabschnitt mit gewissen Arten von Waffen versehen dürste. Deutschland könne in der von Frankreich vorgeschlagenen Lösung eine genügende Sicherheit nicht erblicken, daß in der ersten Etappe von mehreren Jahren die schwierige Umwandlung der zwölf Jahre dienenden deutschen Reichswehr in eine kurzdienende Miliz vorgenommen und diesem Milizheer erst in der zweiten Etappe die ausreichende Defensivbewasfnung gestattet werden soll. Die deutsche Reichsregierung lehnt also bie im französischen Memorandum vor» geschlagene Probezeit grundsätzlich ab. AuS Sicherheitsgründen erklärt die Reichsregierung die Zeit von vier Jahren für die Umbildung der Reichswehr in eine Milizarmee von 200 000 Mann sür zu kurz, denn sie müsse zuerst genügend Zeit haben, aus, gebildete Reserven heranzuziehen. Außerdem hätten die Reichswehrsoldaten Anspruch ans eine zwölfjährige Dienst- zeit, mühten also bei vorzeitiger Entlassung entsprechend ent- schädigt werden, was den Reichshaushalt zu sehr belasten würde. Ferner wird der französischen Anssassnng entgegengehalten, daß Frankreich zwar seine kontinentale Armee nach und noch aus 200 000 Mann herabsetzen wolle, dagegen die französische koloniale Armee von einer Abrüstung in keiner Weise berührt werde. Auch wird daraus hingewiesen, daß Deutschlands Sicherheit gefährdet sei, einerseits durch die groben französischen Grenzbefestigungen, während die neutral« Rheinlandzone weiterbestehe, in der weder Be- seftigungen angelegt, noch irgendwelche Garnisonen sein dürfen. Deutschland wünscht die Beseitigung der Artikel 42 und 48 des Bersailler Vertrages, die einseitig für Deutsch- land dieEntmilitarisierungdeSlinkenRhein, users festlegen. Deutschland wäre geneigt, eine Kontrolle der «ilitärähnlichen Organisation en auzuneh» men, wenn die gleiche Kontrolle in andern Ländern milttär« ähnlicher Organisationen ausgeübt wird. Hinsichtlich des französischen Vorschlages aus die Ver- Minderung der französischen Luftstreitkräfte um die Hälfte möchte Deutschland wissen, was mit den auher Dienst ge« nommenen Flugzeugen geschehen soll. Es müsse dafür gesorgt werden, dah diese Flugzeuge nicht etwa doch gegen Deutsch, land verwendet werden könnten. Wenn Deutschland zu seinem Schutze nicht Militärslugzeuge anschassen würde, Hab« der französisch« Vorschlag keinerlei Wert. Die deutsch« Antwort hält also den Grundsatz ans de» schleunigte R ü st-« g S« l- i chh« i t für Deutsch, land ausrecht und läht bei aller Verbindlichkeit in der Form keinen Zweifel dar«b-r, dahdiesranzösi scheu Vorschläge sür die nationalsozialistische Diktatur unannehmbar sind. „Auf allen Selten" Das ist Hitlers wahre Außenpolitik In dem in Mannheim erscheinenden„Hakenkreuz- banner" ist am 6. Januar zu lesen: „Deutschland hat bei seiner hohen Bevölkerungszahl zu wenig Raum. Dieses Mißverhältnis führt zwangsläufig zu Krisen und zum Kampfe um den Ausgleich... Unser Ziel ist, möglichst viele Volksgenossen, möglichst viele Deutsche in unser Staatsgebiet einzubeziehen. D i e Staatsgrenze soll mit der Bolksgrenze zusammenfallen. Aus allen Seiten Deutsch- lands warten deutsche Menschen aus die Heimkehr ins Baterland. An allen Grenzen stöhnen deutsche Menschen unter den Terrormahnahmen einer fremden Regierung und hassen aus die Zukunft, blicken vertrauend aus Deutschland." Das bedeutet, von einem Hitlerblatt ausgesprochen: Der Verzicht Hitlers auf Elsaß-Lothringen ist Schwindel. Die Bescheidenheit gilt nur, bis die Aufrüstung Hitler- Deutschlands weit genug ist. Dann, wehe den Nachbarn! Simon etil nach London Er will bei der Prüfung der deutschen Antwort dabei sein London, 20. Jan. Zur Abreise des englischen Außen- ministers aus Genf nach London meldet Reuter aus Genf, es verlaute, Simons Abreise sei teilweise durch die Bcnach- richtigung beeinflußt worden, daß die deutsche Antwort auf das französische Aide mémoire überreicht worden ist. Simon wünsche in London zu sein, um sich mit den anderen Kabinett- Mitgliedern über den Text der deutschen Antwort zu be- raten. * London, 20. Jan. Auf die englische Regierung haben so» wohl die deutsche Antwort nach Paris wie die gegenüber Sir Eric Philipps abgegebenen deutschen Erklärungen einen so beunruhigenden Eindruck gemacht, dah der englische Anhcn- minister Sir John Simon ans Genf abberufen worden ist. Mau erblickt in dieser überstürzten Abreise deS englischen Ministers, der in Genf mit der Führung der englischen Politik in der AbrüstongSsrage betraut war, ein Anzeichen dafür, dah eine Einigung in der Abrüstnngssrage noch schwie- riger geworden ist als bisher, wenn man nicht schon»»« einer Aussichtslosigkeit spreche» will. Widerhall in Frankreich Paris, 20. Jan. Tie Morgenziresse begnügt sich heute im großen und ganzen damit, die Ueberreichung der deutschen Antwort auf die letzte französische Denkschrift über die Ab- rüstungssrage zu verzeichnen und kennzeichnet ihren Inhalt — mit oder ohne Quellenangabe— etwa in der gleichen Weise, wie dies der Berliner Havasvertreter getan hat. An Einzelheiten, die von der erwähnten Havasauslassung abweichen sei erwähnt, daß nach dem Petit Parisien Deutschland in der Antwort die völlige allmähliche Abschaffung der Militärflugzeuge der Nach- Vorländer fordert und in diesem Falle auch bereit wäre, einige Jahre zu warten, bis diese Zer- störung verbürgt wäre. Redaktionell bemerkt Petit Parisien, erst nach genauer Prüfung werde man feststellen können, ob es eine Möglichkeit gebe, zu einer Schlußfolgerung zu ge- langen und ob der deutsch-französische Notenaustausch einen Fortschritt auf dem Wege der Befriedung Europas oder den Verlust einer Zeit bedeute, die nicht gegen Deutschland ar- beite. Der in Gens weilende Außenpolitik« des Petit Parisien will aus der Tatsache der gestrigen Ueberreichung der deutschen Antwort schließen können, daß eine Vertagung des HauptauSschusseS der Abrüstungskonferenz nur um einen Monat, bis zum 10. Februar, ausreichen würde. Er fügt allerdings hinzu, daß man sich fragen müsse, ob sich das alles so verwirklichen lasse, angesichts gewisser englischer Einwendungen und angesichts der verschieden- artigen Erwägungen, auf die das Büro der Abrüstungs- konferenz Rücksicht zu nehmen hätte. Journal berichtet, dah der im Laufe der Nacht in Paris etng?gangene Text der deutschen Antwort sofort dem fron- zösismen Außenminister Paul-Boncour nach Genf übermittelt wnrSe Im übrigen begnügt sich daS Journal mit dem Ab- druck einer Meldung seines Berliner Korrespondenten, der Fortsetzung siehe 2. Seite §0 sieht er ans! Der Dolch für SA. und SS. Geilen Berlin Genf, Osteuropa und Deutschland von Alexander Schifrin(Paris) Die Aussprache und der Zweikampf zwischen Paris und Berlin stehen zwar im Zentrum der europäischen Politik, und Genf ist in diesen Tagen vor allem die entscheidende Instanz für die Abrüstung und das hohe Gericht in der Saar-Frage: aber gleichzeitig, wenn auch weniger sichtbar, wird die Auseinandersetzung zwischen Paris und Berlin in Osteuropa fortgesetzt und parallel damit wird Genf zum Ausgangspunkt eines Vorstotzes von Osteuropa her, der gegen Berlin gerichtet wird. Hier hat die Sowjetunion die Initiative. Nach den Er- Klärungen von Molotow und Litwinow. die die Zusammenarbeit der Sowjetunion mit dem Völkerbund ankündigten, hat sich nun Stalin selbst zum Wort ge- meldet. In seinem Interview mit dem Vertreter von „Neuyork Times" Duranti erklärt er mit allem Nach- druck, datz die Sowjetunion die Friedensarbeit des Völker- bundes direkt unterstützen wird. Nunmehr kann die Frage nach dem Eintritt der Sowjetunion in den Völker- bund als grundsätzlich entschieden gelten. Es geht nur noch um den Termin und die Form dieses Eintritts. Allerdings Sowjetrutzlands Gang nach Genf ist ohne vorhergehende Reform des Völkerbundspaktes kaum möglich. Aber das sind nur noch technische Details. Der Anschluß der Sowjetunion an den Völkerbund, in welcher Form er sich auch vollzieht, ist ein b e w u tz t g e f ü h r t e r und weit ausholender Schlag gegen das Hitler-Deutschland. Der Völkerbund wird durch die Sowjetunion zu einer zusätzlichen Sicherheitsgarantie gegen die interventionistischen Gelüste der Hitlerschen Außenpolitik, da er die Unverletzbarkeit der Grenzen seiner Mitglieder verspricht und ihnen die kollektive Hilfe in Aussicht stellt. Aber der Völkerbund kann für die Sowjetunion auch zum Druckmittel und selbst zum Macht- mittel gegen das Hitler-Deutschland werden, da er über Kontrollapparat und Sanktionsmöglichkeiten bei der Aus- führung des Bersailler Vertrags verfügt. Die europäische Sicherheitspolitik der Sowjetunion wird durch die oft- europäischen Expansionspläne des deutschen Faschismus bestimmt. Die Sowjetunion hält jede Aufrüstung des deutschen Faschismus für in erster Linie gegen sich ge- richtet: sie vertritt ferner mit Zähigkeit die These, daß die Revision des Bersailler Vertrags nur auf russische Kosten erreicht werden kann. Genf ist für die Sowjetunion jene internationale Institution, in deren Rahmen man die deutsch-faschistische Abrüstungs- und Reoisionsanfprüche am wirksamsten bekämpfen und abwehren kann. Sowjetrußlands Völkerbundspolitik ist ein großer Er- folg Frankreichs. Jede Stärkung des Völkerbunds be- deutet auch die Stärkung der außenpolitischen Lage Frankreichs und die Befestigung seines Bündnissystems, das in den Völkerbund fest eingebaut ist. Der Völkerbund wird zum zusätzlichen Bindeglied zwischen der Sowjet- union und Frankreich mit seinen Verbündeten. Keine Großmacht unterstützt die französische Politik gegenüber Teutschland so konsequent und so vorbehaltlos wie die Sowjetunion, selbstverständlich nicht Italien und auch nicht England. Die rufsisch-sranzösische Interessengemeinschaft ist heute in mehreren Fragen enger als die anglo- französische. In dem Augenblick, wo die Sowjetunion als europäische Großmacht im Völkerbund erscheint, wird der Vierer-Pakt endgültig begraben werden und mit ihm der Gedanke eines europäischen Direktoriums, in dem Frank- reich überstimmt oder isoliert werden kann. Der europäische Osten weiß sich zu wehren. Der Gegen- schlag, den die Sowjetunion gegen das Hitler-Deutschland zu führen beabsichtigt, ist viel wuchtiger als jene Aktion des deutschen Faschismus, die er gegen die Sowjetunion etwa im Baltikum vorbereitet. Nicht weniger empfindlich ist indessen der Mißerfolg, der Hitler in P o l e n erwartet. Durch die direkte Verständigung mit Polen wollte Hitler seine beiden Hauptgegner treffen- Frankreich und die Sowjetunion. Polen bildet den Eckstein des Versailler Staatensystems- es ist der Hauptverbündete Frankreichs im Osten, die Flankendeckung für die Kleine Entente und das Bindeglied zwischen dem Versailler Block und der Sowjetunion. Polen sollte von Frankreich fortgelockt und zum Aufmarschplatz gegen die Sowjetunion gemacht werden. Ein großartiger kombinierter Schlag gegen Ver- failles und Moskau ist geplant worden. Der Schlag ist ausgeblieben. ^ Die deutsch-polnischen Verhandlungen, soweit sie den Offensivplänen des deutschen Faschismus dienen konnten, sind ergebnislos verlaufen. Polen hat sich weder von Frankreich, noch von der Sowjetunion abgewandt. Die außenpolitisch bestinformierte publizistische Kraft der Pariser Zeitungswelt Genevieve Tabouis vom„Oeuvre" berichtet in ihrem Blatt vom 16. Januar: „Entsprechend unserer sehr ernsten und gründlichen In- formation können mir ohne Uebertreibung behaupten, daß das, was manche„deutsch-polnische Annäherung" nennen, in eine sehr schlechte Situation geraten ist. Deutschland weiß nunmehr ganz sicher, daß Polen ihre militärische Macht aus- baut, daß es nicht abriisten wirb und daß es sich in die Hirn- gespinste der Rosenbergschen Pläne nicht einspannen lassen ivird. Hitler hat begriffen, daß er hier auf nichts mehr rechnen darf, und so weisen die deutsch-polnischen Be- ziehungen, die noch vor kurzem mit außerordentlichen Höflichkeiten gepflegt wurden, eine bedeutende Ab- k ü h l» u g aus." Diese Information kann durch die Haltung der deutsch- faschistischen Presse bestätigt werden, die plötzlich auf- gehört hat. Polen als den künftigen Verbündeten zu preisen und das Werk der deutsch-polnischen Annäherung als bereits gelungen hinzustellen. Selbst der Herr S i e b u r g. der mit der Sondermission nach Warschau ging, warnt heute in seiner gleichgeschalteten„Frankfurter Zeitung" vor Hoffnungen und Illusionen. Warschau hat seinerzeit eine Aussprache mit Berlin eingeleitet, um auf Paris einen Druck auszuüben und Frankreich vor den weitgehenden Zugeständnissen an das Hitler-Deutschland zu warnen. Ueber die heutige Haltung Polens sagt „Oeuvres «Wir wissen, daß Polen mit Leidenschaft auf die Stunde wartet, in der Frankreich es rufen wird, um sich an seine Politik aus das engste anzuschließen. Polen weiß, daß das deutsch-französische Kompromiß überhaupt n i ch t z u finden ist und es nimmt an. daß England lebten Endes sich in allen Fragen unserem französischen Standpunkt anschließen wird." Das Osteuropa orientiert sich auf Genf und Paris— gegen Berlin. »le engilsdie Nolle Acht neue Zerstörer London, 20. Jan. Die Admiralität hat acht Zerstörer des Flottenbanprogramms von 1038 beträchtlich früher, als er» wartet worden war, bei vier Privatfirmen in Auftrag gc- geben. Die Fahrzeuge werden te 1373 Donnen Wasserver- drängung haben. Der Antrieb erfolgt durch Turbinen von je 36 000 PT., die den Fahrzeugen eine Geschwindigkeit von 33,ö Knoten geben sollen. Jeder Zerstörer wirb annähernd 288 000 Pfund Sterling kosten. Die noch zu vergebenden Aus- träge für zwei Kreuzer von je 8000 Tonnen, einen Kreuzer von 5200 Tonnen, einen Flotttllcnführer, zwei Untersee- boote und drei Schaluppen werden, vielleicht mit Ausnahme der Unterseeboote, ebenfalls an Privatreedereien gehen. Fortsetzung von der 1. Seite behauptet, Deutschland nehme nicht klar Stellung, weil es durch die französischen Anregungen in Verlegenheit gebracht worden sei und weil es in seinem Interesse liege, die Ver- Handlungen nicht nur nicht abreißen zu lassen, sondern sie sogar fortzusetzen. Die Deutschen, die Zeit hätten, wollten die praktische Gleichheit ohne Umschweife, weil sie allein es ihnen ermögliche, ihre Diplomatie auszuwerten. Der Berliner Korrespondent des Matin berichtet, daß der französiische und englische Botschafter in Berlin noch am gestrigen Abend ihre Eindrücke über die deutsch« Antwort ausgetauscht hätten. Der„Excelsior" schreibt, die deutsche Antwort schließe die Fortsetzung der Verhandlungen nicht aus, aber diese Ver- Handlungen dürften nicht ewig andauern. Der höfliche Ton der Antwort sei ein wenig in Widerspruch zu den offiziösen Kommentaren der deutschen Presse, die gegen die außen- politischen Erklärungen Ehautemps und BoncourS im sran- zösischen Parlament Stellung nehmen. Wenn die französische Politik, so erklärt das Blatt, in ihren Grundsätzen fest sei, so blieben doch ihre Methoden geschmeidig und in ihren Zielen entgegenkommend. Man könne der Regierung auf dem Gebiet der Abrüstung gewiß keine unannehmbaren Forderungen vorwerfen. Im„Matin" findet sich übrigens noch folgendes Urteil: Die Rückfragen der Reichsregierung seien ein dilatorisches Mittel der Berliner Regierung, die auf dem Standpunkt stehe, daß eine endgültige Stellungnahme für Deutschland gefährlich wäre. Statt in Genf eine Aussprache über die Opportunität herbeizuführen, wäre Deutschland das Recht zuzugestehen, in dem von ihm gewünschten Maße aufzurüsten. Aher... Die„Times" zur deutschen Antwort London, 20. Jan. Zu der deutschen Antwortnote auf die französische Denkschrift sagt der Berliner Berichterstatter der „Times": Man könne annehmen, daß Deutschland seine hauptsächliche Forderung, den sofortigen Besitz von Defensiv- waffen, aufrechterhalte. Der Weg für weitere Verhandlungen bleibe offen, aber, so betont der Korrespondent nochmals, Deutschland verlange die praktische Anerkennung seines Rechts auf Rüstungsgleichheit jetzt und in späteren Jahren. lldflicli und versöhnlich Eis wird weiter verhandelt London, 20. Jan. Die Ueberreichung der deutschen Antwort- note aus das französische Aide mémoire wird von der-ng- tischen Presse in großer Ausmachung gemeldet. Die Berliner Vertreter der englischen Blätter berichten llbereinst'mmeiid, daß die Note in böslichem Ton gehalten sei, und heben insbesondere hervor, daß sie den Wunsch Deutschands nach einer Fortsetzung der deut s ch-sran zösischen Besprechungen zum Ausdruck bringe. Ueber den Inhalt der Rote berichten die Blätter in ähnlicher Weise wie die bereits gemeldete Mitteilung des Berliner Havas» Vertreter. News Chroncle meldet, daß auch die Antwort auf das englische Momorandum vom 10. 12. versöhnlich gehalten sei. „Erhebliche Meinungsverschiedenheiten" Amtliche deutsche Nachrichten London, 20. Jan. Zu der geheimen Ratssitzung am Freitag, auf der die Beschlußfassung über die Saarsrage aufgeschoben wurde, meldet der Genfer Berichterstatter des„Daily Tele- graph", baß erhebliche Meinungsverschieden- h e i t e n darüber entstanden seien, ob die Abstimmung im nächsten Jahre oder zu einem späteren Zeitpunkt vorgenom- men werden soll. Reuter teilt über den Verlauf der Tagung u. a. mit: Der Oberkommissar Knox beschrieb zunächst kurz die Lage im Taargebiet und beantwortete dann eine ganze Reihe von Fragen, die hauptsächlich von dem italienischen Vertreter Aloisi gestellt wurden. Paul-Boncour schlug dann vor, der Völkerbundsrat solle eine Erklärung entwerfen, daß er für eine gerechte und faire Behandlung der Taarbevölkerung und für die Garantierung eines völligen Schutzes bei der Ausübung ihres Wahlrechtes sorgen wolle sowie dafür, daß die Saarbevölkerung nicht„verlassen" werde, Auch im„Daily Herald" werden die Versuche Paul-Boncours bestätigt, eine Veröffentlichung über die nationalsozialistische Propaganda mit einer Erklärung des OberkommiflarS Knox über die gegenwärtige Lage herauszugeben. Simon und Aloisi, die sich dem widersetzten, hätten ihrerseits die Abhaltung einer öffentlichen Sitzung vorgeschlagen, in der die Frage einfach einem Ausschuß überwiesen würde. Einer der Gründe für diese Stellungnahme sei die gegenwärtige Abrüstungs- läge, denn man sei der Ansicht, daß jede weitere Beröffent- lichung über die„organisierte nationalsozialistische Propa- ganba" nur zu einer Erschwerung der gegenwärtigen Gegen- sätze zwischen Deutschland und Frankreich führen würde. Sfllrzl Chanlemps? Doch noch über Stavisky-Skandal London, 20. Jan. Perttuax meldet dem Daily Telegraph, in französischen parlamentarischen Kreisen glaube man, daß das Kabinett Ehautemps möglicherweis« am kommenden Dienstag gestürzt werbe, wenn der Abgeordnete sybar egaran den Vorschlag für die Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses über den Stavisky-Skandal er- neuere. Die Erklärung für diese pessimistische Annahme sei, daß die Sozialisten das Kabinett wahrscheinlich nicht mehr unterstützen würden. üolicnzollcrn im IHnfergrnndc Die Nazi-Führer wittern Gefahr— Einschreiten gegen die„Kaiserbewegung" Köln, 10. Jan. Der Kölner Nazi-Gauleiter, Staatsrat Grob?, veröffentlicht folgende Erklärung:„In Bonn hat sich eine Ortsgruppe der sogenannten„Kaiser- bewegung" tHohenzollernvundj ausqetan, die in Ausrufen und Werbeschriften behauptet, die Wiederherstellung der Monarchie sei das„letzte Ziel unseres Führers und Kanzlers Adolf Hitler". Es wirb weiter behauptet, die Gründung der„Kaiserbewegung" sei„von der Führung der NSDAP, gutgeheißen". Die Verbrettung solcher u n- wahren Behauptungen kann nicht geduldet werden. Der Führer hat niemals erklärt, die Monarchie wieder her- stellen zu wollen, sondern in seiner programmatischen Rede am 23,. März 1033 im Reichstag ausdrücklich erklärt, daß die Frage„Republik oder Monarchie" undisku- ta bel sei. Die NSDAP, hat auch niemals ihr Etnver- ständnis mit der Gründung einer„Kailerbewcgnng" gegeben. Abgesehen von den angeführten unwahren Behauptuncn, gegen die schärfsten» vrotest'ert werden muß, muß den Be- strebungen der„Kaiserbewegung" an sich entgegengetreten werde«. Dabei bleibt die Frage, was da» deutsche Volk dem Hohen- zollernhaus zu danken hat, völlig außer Betracht. Ausschlag- gebend ist. baß alle Tinge von nicht grundsätzlicher Bedeutung — zu denen auch die StaatSform gehört—, wenn sie die not- wcudige Einigkeit des deutschen Volkes beeinträchtigt. auS der öffentlichen Diskussion auszuschalten sind. DaS deutsche Volk will als Nation leben, und es weiß, daß es in der Welt schon gute Republiken und gute Monarchien gegeben hat. so daß also eine erfolgreiche Staatssührung unter beiden Formen denkbar ist... Der Führer des deutschen Volkes ist Adolf Hitler. So Gott will, wird er un? noch mehrere Jahrzehnte erhalten bleiben. Seine Nachfolgeschaft wirb nach den Prinzipien bestimmt, die der Führer selbst festlegt. Die Einigkeit der Nation ist aber auch kein Spielzeug für Leute, die für ein besseres Betätigungsfeld offenbar unfähig sind. Wir werde u deShalbnichtnurdieweitcreVer- breitung der unwahren Behauptung unter- binden sondern auch gegen jede Betätigung dieser„K a i s e r b e w c g u n g" einschreiten." En-Wilhelm» artfremd Was sagt Auwi dazu? Berlin, 19. Jan. Reichsbauernführer und Rc chSminister Dar ré vcrösfcntlicht in der„Nationalsozialistischen Land- post" zum ersten Reichsbauerntag einen Artikel, in dem er auSsührt daß der Tag von Weimar nicht nur der Tag der deutschen Bauernbefreiung, sondern auch der Tag der Eini» gung des gesamten deutschen Bauerntums fei. Noch zu keiner Zeit der deutschen Geschichte sei es gelungen, das gesamte deutsche Bauerntum zu einer machtvollen Einheit zusammen- zuschmeißen. Zweimal in der Geschichte sei unser Bauerntum von deutschen Kaisern verraten worden. Zum ersten hätten die Hohenstaufen-Katser die Lebensgejetze ihrer Bauern mißachtet und den deutschen Bauern ihrem Expansionswahn geopfert. Zum andern trage der letzte H o h e n z o l l e r n- K a i se r Schuld am Niedergang der völkischen Grundlagen un- sereö Vaterlandes. Ebenso wie die Ttaufer habe die liberale WeltschaftSpolitik d'eses Hoheuzollcrn außerhalb der deutschen Grenzen in einer„imaginären Weltwirtschaft" Glück und Heil gesucht... Stahlhelmer verhaltet Die Staatspollzeistelle Stettin teilt mit, daß der OrtS- gruppenführer des Stahlhelms von Plathen-Poggendorf und der Stahlhelmredner VolkSmann-Ttreu auf Rügen in Schutzhaft genommen worden sind. Stach den bisherigen Mitteilungen wird ihnen zum Vorwurf gemacht, führende Nationalsozialisten b e l e i d i g t zu haben. Eine Untersuchung ist eingeleitet. MeScr kafholisdier Priester verhaftet... Aalruhr au! dem lande Im WOrltemherglsdien... Ins hitleramtliche deutsche Nachrichtenbüro berichtet auS Stuttgart: Wie vor kurzem gemeldet, entschloß sich die württember- gische politisch« Polizei aus Grund eines mit aller Sorgfalt durchgeführten Untersuchungsverfahrens zu der Maßnahme, den katholischen Pfarrer Sturm auS Waldhausen und den Stadtpfarrer Dangelmaier auS Mctzingen in Tchutzhakt zu nehmen. Trotz eindringlicher Verwarnung wagen eö einzelne Personen nun, wie die württembergische politische Polizei weiterhin mitteilt, ihre Maßnahmen zum Anlaß zu nehmen, weiterhin eine lebhafte gegnerische Tätig- keit zu entfalten. So wurde der Versuch gemacht, die beiden in Verwahrung genommenen Geistlichen als die unschuldigen Opser einer bösartigen Verleumdung hinzustellen. Diese Ab- ficht kann nur als eine bewußte Untergrabung der staatlichen Autorität angesehen werden und muß entsprechend geahndet werden. So wurden der Metzger Nikolaus Funk aus Waldhausen und der Sckr-iner Anton Kaufmann au? Affalterwang in Schutzhaft genommen, die sic' in abfälligen Aeußerungen gegen die Jnschutzhaftnahme de? Pfarrers Sturm gewandt haben. Eine von den beiden ein- berufen« Protestoersammlung gegen die Jnschutzhaftnahme wurde von der politischen Polizei verboten. Der Gasthof des MetzaerS und Landwirts Nikolaus Funk wurde: i so jorttger LStrknna biö auf weiteres geschlossen. Die Nachforschungen ergaben weiter, baß als geistiges Haupt dieses Treibens der Pfarrer Leißle au S Elchingen anzusehen ist. In einem Schreiben an den KreiSleiter des Oberamts drohte er, die Angelegenheit auch ln Rom vorzulegen. Infolge dieser Umtriebe des PfarrerS hat sick die Lage in der von ihm beeinflußten Gegend in besorgniserregender Weife zugespitzt. Zur Wiederherstellung ordentlicher öffentlicher Verhältnisse und zur Befriedung de» Innenpolitischen und kirchcnpolitischen Leben», sah sich daher die politische Polizei veranlaßt, den Pfarrer Leißle in Schutzhaft zu nehmen. Dresden, 8. Jan. Wie die„Dresdner Nachrichten" melden, ist der Psarrer Hager in Roseiithal-Schwcizcrmühle bei Königstein in der Sächsischen Schweiz in Schutzhaft ge- nominen worden, da er eines Verstoßes gegen die Verorb- -rung des Reichspräsidenten zur Abwehr heimtückischer An griffe gegen die Regierung der nationalen Bewegung be> schuldigt wirb.^ Dieke Melk"?**-ntlich?--<0"chrschtenbsiroa lassen erktimen, oai,.->? Il"''.'U g-nonn»en»'Uritembergffchen Dörfern wegen der Verhaftung der katholischen Priester nahezu zum Aufruhr gekommen sein muß. Es gab regel- rechte Demonstrationen mit schärfsten Aeußerungen gegen die Nationalsozialisten. Mit Gewalt werden von ausgesuchten SA.-Leuten alle Demonstrationen unterdrückt. Die Kultur- kampfsttmmung breitet sich in dem Maße aus, wie sich herausstellt, daß der deutsche Katholizismus nahezu schutzlo» dem Naziterror ausgeliefert ist. Pastor Niemüller wird„verhört" Berlin, 19. Jan. Die Frist des Ultimatum», das die Bischöfe der Opposition dem Reichsbischoi gestellt hatten, ist abgelaufen, ohne daß inzwischen von der einen ober anderen Seite Schritte unternommen worden sind. Tic Aussprache zwischen Hitler und Müller wurde vertagt. Die Gegner warten ab. um die Haltung der Regierung kennen zu lernen. Immerhin ist bezeichnend, daß der Chef der politischen Polt- zei~ die Görtng untersteht—, ein geheimes Rundschreiben erlassen hat, tu dem die Polizeiorgane angewiesen werbe», o-e io»i.tt-ieoer des Psarrnocbundes zu überwachen. Di« Folge dieser Verfügung ist bereits sichtbar. Zahlreich« Haussuchungen fanden statt! der Führer de» P s a r r n o t d n n d e»' Niemöller, ist anläß- lich einer Durchsuch..^:inem langen V e r- hör unterzogen nwv.Vn Genfer Saar-Debatte wird lebhaft Taè nach seinem Verbot wieder erschienene„Saarbrücker Abendblatt" stellt sest:„Mar Braun klagt nicht!" Demgegenüber erklären wir» daß Max Braun bereits von Gens aus den zuständigen Schiedsmann nm Einleitung des gerichtlichen Schiedsver, s a h r e n s gebeten hat und insbesondere versucht hat. den Termin zur Sühneverhandlung sosort nach seiner Rück- kehr ans Gens anzuberaumen, damit das gerichtliche Ber- sahren durchgeführt werden kann. Wir wissen schon heute, daß das„Abendblatt", besten Redakteur Hochgrebe in diesen Tagen die Zustellung zum Schiedsmann erhalten wird, weder dies seinen Lesern mitteilen wird, noch seinen Lesern etwas davon sagen wird, wenn die gerichtliche Klage dem verantwortlichen Redakteur zugestellt wird. Bradie in der..denisdien Front" im Saargettel Aus verschiedenen Ortschaften des Saargebietes kommen Nachrichten, nach denen die eben erst gegründete„deutsche ^ront" von schweren inneren Gegensätzen bedroht ist. In Wiebelskirchen kam es im Turnerheim zwischen Stahl- helmern und Nazis zu heftigen Auseinandersetzungen. Die Nazileitung gibt vertrauliche Rundschreiben heraus, von denen den ehemaligen Parteien der jetzigen„deutschen Front" keine Kenntnis gegeben werden darf. Die gestern bereits gemeldeten Entlastungen von maßgebenden naiional- iozialistischen Iugendsllhrern durch den Nazileiter Spaniol hat die Verwirrung noch gesteigert. Besonders in katho- lifchen Kreisen wächst die Neigung, sich von der „deutschen Front" zu distanzieren. Dazu tragen die Nack- richten über die sich täglich vermehrenden Pfarrerverhas- tungen in Hitlerdeutschland sehr wesentlich bei. Pappenheim „Auf der Flucht erschossen" Der frühere Redakteur der sozialdemokratischen„VolkS- stimme" in Schmalkalden, P a p p e n h e i m, ist bei einem Fluchtversuch aus dem Lager Börgermoor erschossen worden. Mit der Ermordung wehrloser Gefangener macht man heute nicht mehr viel Aushebens, sie gehört zu den ständigen Ge- pilogenheiten des„dritten Reichs". Niemand wirkt die Frage aus, mit welchem Recht Menschen erschossen werden, die sich einer willkürlich über sie verhängten Gefangenschaft durch die Flucht zu entziehen versuchen. Man weiß überdies, daß der sogenannte„Fluchtversuch" nichts als eine Redensart ist, um einen verübten Mord nicht eingestehen zu müssen. Der erschossene Redakteur Pappenheim war, wie der „Neue Vorwärts" f.Karlsbads mitteilt, einer der reinsten Idealisten, die je einer politischen Bewegung ge- dient haben. Im engen Wirkungskreise, im Stillen zu arbeiten, alles für die Sache zu tun und nichts für sich zu verlangen, war seine Art. Eine Augenschwäche, die sich in den letzten Jahren immer stärker bemerkbar machte, hatte ihn in einen fast rührend wirkenden Zustand körperlicher Hilf- lostgkeit versetzt. Trotzdem hat es denen, die als Herren über ihn gesetzt waren, gefallen, ihn zu töten. Sie haben den Hilf- losen„auf der Flucht erschossen"— krakt jener Art von „Legalität", die das Reichsgericht in Leipzig gegen uns ver- teidigt. „Spanische Phalanx" Besessene der Gewalt• Paris, 20. Jan. Havas berichtet aus Madrid, o> Teil der Geheiminstruktionen enthüllt worden sei, oie die faschistische Bereinigung„Spanische Phalanx" an ihre Ver- trauensmänner gerichtet habe. Darin werden die spanischen Phalanxen als eine militarisierte Bereinigung mit einer Disziplin bezeichnet. Heute sei. so werde hinsichtlich der Aktion der Vereinigung erklärt, die Gewaltanwendung die Bor- »angsweise, die jede Vereinigung wählen müsse, die sich der Regierungsmachi bemächtigen wolle. Drei oder vier Gewalt- akte, die unter guten Umständen ausgeführt würden, seien wirksamer und werben mehr Anhänger unter Männern der Tat als 50 Reden. Die Gewaltanwendung in den Städten lasse sich auf zweierlei Arten ausführen. Entweder durch Handstreiche, die überraschend von kleinen TruppS durchgeführt werden sollten, und wobei persönliche Erfolge möglich seien, die aus die Spanier Eindruck machen und werbend wirken. Solche Handstreiche könnten beispielswetie Zerstörung eines Zeitungskiosks Ueberfall aus ein Büro zwecks Erlangung von Dokumenten. Ueberfall aus Personen, Sprengung von Versammlungen usw. zum Gegenstand haben. Zur Durchführung des Handstreichs selbst müssen sechs Mann genügen, der Rest der Trupps müsse in Bereitschaft gehalten werden, um den Rückzug zu decken. Die andere Möglichkeit der Gewalranwendnng in den Städten sei der„Massenkampf. — Soweit gehen die enthüllten Stellen dieser Richtlinien ber Spanischen Phalanx. Im Völhcrbundsral hinter den verschlossenen Türen Zwei Stunden lang e e M. B.© e n f, 19. Jan.(Eig. Drahtber.) Der Aal hat in seiner heutigen öffentlichen Sitzung die Saarfrage in die geheime Sitzung ver- wiesen, in der er sich über zwei Stunden lang mit dem Saarproblem befaßte. Im wesentlichen besteht Einmütigkeit über die Beschlüsse, die gefaßt werden sollen, nur über die öffentliche Ratsprozedur herrschen noch Meinungsverschiedenheiten. PaulBoncour wünscht eine deutliche und klare gemeinsame Erklärung des Rates an die Saarbevölkerung zu deren Beruhigung unter Zusicherung des vollen Bölkerbundsschutzes, während Sir John Simon die Annahme der Beschlüsse möglichst ohne Debatte und ohne entschiedene Erklärung haben möchte. Der Ratsberichterstattcr in der Saarfrage, der Italiener A l o i s i, teilte im wesentlichen die Auffassung Frankreichs, und sein Bericht ist loyal. Die morgige Ratssitzung um 4 Ilhr nachmittags wird die Saarfrage erneut behandeln, falls bis dahin eine Einigung erfolgt sein sollte. Andernfalls muß Ber- lagung auf Montag erfolgen. 42 Journalisten hörten Max Braun G. Genf, 19. Jan.(Drahtm. unseres ständigen Genfer Korrespondenten). Der Vertreter des mittelamerikanischen Staates Panima, Minister A m a d o r, der Ratsvertreter Chinas, Wellington K o o und der tschechoslowakische Außenminister B e n e s ch hoben heute die Vertreter der saarländischen Freiheilsfront, den Landesratsabgeordneten Hermann P etr y und Max Braun empfangen. Auch bei diesen Besprechungen ergab sich genau wie bei den früheren Besuchen bei anderen Ratsmitgliedern, daß der Völkerbundsrat nicht daran denke, ein Datum der Abstimmung festzusetzen, bevor er die unerläßlichen Bedingungen des Versailler Vertrages für eine Abstimmung: frei, unbeeinflußt und geheim, für gesichert und erfüllt ansieht. Für nachmittags 3 Uhr hatte Herr Röchling die Bölkerbundsjournalisten im Namen der sogenannten«deutschen Front" ins Hotel Richmond eingeladen, um sie, wie es auf dem Anschlag am schwarzen Brett des Pressesaales zu sehen war, über die«Lage an der Saar zu informieren", wobei jich Hermann Röchling in teils kindlichen, teils drohenden Aeußerungen gegen Max Braun(«Max Braun wird 1935 zu Dorlen nach Nizza gehen müssen!") erging. Wäre die Versammlung nicht in der Mehrheit von deutschen Journalisten und Vertretern der deutschen Kolonie besucht worden, hätte sie legen der sehr schlechten Beteiligung der maßgebenden internationalen Presse abgesagt werden müssen. Die Delegation der„Freiheitsfront" beantragte daraufhin einen gleichen Anschlag am schwarzen Brett mit der Einladung an die Bölkerbundsjournalisten für die Zeil direkt nach Ratsschluß. Obgleich diese Veranstaltung wegen der langen Dauer der geheimen Sitzung noch während der Beratungen des Rates stattfinden mußte, wodurch eine Reihe von Journalisten am Erscheinen verhindert war, beteiligten sich 47 Journalisten aus insgesamt 21 europäischen und außereuropäischen Staaten, die die Rede Brauns mit Beifall und Zustimmung(mit Ausnahme natürlich der hier nirgend?«>- feb'endei? Hitlerspitzel) aufnahmen. „Das Ganze Hai fefe Eine Aufnahme vom letzten Kaiser-Manöver im Jahre 1913, das in Schlesien stattfand. Diese Manöver, an denen der Kaiser stets persönlich teilnahm, boten jedesmal glanzvolle militärische Schauspiele. Daö Signal„Das Ganze Halt! beendete die Manöver. Am 0. November 1918 hat das Weltgericht für die Hohenzollcrn„Das Ganze Halt!" geblafen In Doorn feiert Wilhelm II. am 27. Januar seinen 75. Geburtstag. 1300 vemafttHiHen in Wien Der Kampf zwischen den feindlichen Drüdern Wien. 19. Jan.(Insa.) Am Donnerstagvormittag war der italienische Unterstaatssekretär sür auswärtige Ange» legenheiten. Suvich, zu seinem angekündigten Besuch einge» trossen. Trotzdem die Polizei vom srühen Morgen an Ab» lperrungsmaßnahmen traf, gelang es einigen tausend Ratio» «alsozialifteu, in die Umgebung des Südbahnhoses zu ge» langen, wo sie einen Spektal losließen, wie man ihn selten erlebt hat. Der Zug, in dem Suvich eintraf, wurde in einem Borort geteilt,- der erste Teil mit den„gewöhnlichen" Reisenden snhr dann voraus, während der zweite Teil mit den italienischen Sonderwagen im Lüdbahnhos eintraf, als das Bahnhofs- gebände vollständig geräumt war. Als Suvich den Bahnhof verließ, veranstalteten die Nazis einen Höllenspektakel, wie ihnen dieS von der Leitung der Hitlerpartei in München anempfohlen worden war. Böller krachten und Gasbomben wurden geworfen, welche die Um» gebung deS Bahnhofs vollständig vernebelte«. Dazwischen wurde im Chor„Heil Hitler".„Dollsuß verrecke".„Anschluß »n Hit!- TciiiWnt»'.'t»i nolchrten Es en»stoni> eine all- gemeir.i; t» v z t r■- NajU.1; go uze Pakete von papie.., ift> uzen zv streue« Aehnliche Szenen ereigneten sich i« de» Straßen, die de» italienische Diplomat auf der Fahrt i»S Hotel Imperial zu durch» sahren hatte. Im Berlanfe deS Tages wurden 919 Berhastunge««orge» nomme«» wozu 199 weitere kommen, die in der Rächt zum Donnerstag bei Polizeirazzien vorgenommen worden waren. In den Abendstunden, als Suvich im Hotel Imperial eine« Smpsang gab, gelang es abermals etwa 9999 Nazis, sich in der Rähe des Hotels, aus der Ringstraße, zu sammeln. Plötzlich erlosch infolge eines Sabotageaktes der Hitlerianer das Licht im gesamten Stadtteil, in dem sich das Hotel de- findet und erst nach einer Stunde konnte der Strom wieder eingeschaltet werden. Die Ringstraße wurde anschließend an diesen Zwischenfall vollständig abgesperrt. Auch an andern Stellen der Stadt demonstrierten die Nazis und hielte« Autos von Persönlichkeiten an, die fich zum Empfang i« Hotel Imperial begaben. Erst gegen 19 Uhr abends nahmen die Nazi,Demonstrationen ab. Sie haben angekündigt, daß st« a« Freitag mit verstärkter Wucht demonstriere« würden. stsrnemderS wußte... Der Hetmwehrführer Graf Alberti, de» noch vergangene Woche Justizminister werden sollte, und einige andere He'm» wehrsührer, die in das Komplott mit den Nazis»erwickelt waren, find gestern verhastet worden und sollen ins Konzen- tratiouslager von Röllersdorf eingeliefert werden. Sic solle» wegen„Borbereitung staatsgesährlicher Untcrnch- mungen" unter Anklage gestellt werden. Der gesamten öfter- reichischen Presse war untersagt worden, die Erklärungen Albertis, wonach Bnndeoführer Starhcmberg von den Bc- lprechungen mit den Nazis gewußt habe, zu veröffentlichen. Alle Blätter, die trotzdem Anspielungen aus die Mitwisser, fchaft Ltarhembergs machten, wurden beschlagnahmt. Da- durch wurde der allgemeine Eindruck, daß außer Alberti andere Persönlichkeiten, nebst Starhemberg auch Leute, die der Regierung sehr nahe stehen, in die Angelegenheit ver- wickelt find. I» der gestrigen Sitzung des Bundesrates wurde diese Affäre von verschiedener Seite zur Sprache gebracht und offen die Vermutung ausgesprochen, daß die A n s ch u l d i- gangen AlbertiS gegen Starhemberg be- gründet find. Nach dem Ausgang der Sitzung des Bundesrates hat die Regierung dann auch noch verboten, Berhandlungsberichte aus dem Bundesrat zu veröffentliche» Allen Zeitungen wurde sür den Uebertretnngssall die Konfiskation angedroht. In Saloniki drangen Mitglieder der Naziorganisation HHH. in einen kleinen jüdischen Buchladen, in dem das Braunbuch verkauft wurde. Sie mißhandelten den Inhaber, zerstörten viele Bücher und zerrissen vor allem sämtliche vor- ^andcnen Er-mn'are d-^ Rraunü»-''-- ■ Ii,-., v.»- Ii«ni Mitglieder zählt, hat beschlossen, den Kamps sin de» Bovkvlt ionischer Waren in Polen zu verstärken. Der Terror steigt! Enthauptungen- Verhaftungen- Konzentrationslager- Mißhandlung der Gefangenen Manchester Guardian": (Von einem Sonderberichterstatter.) Es herrscht allgemein die Anrieht, daß der braune Terror nachgelassen hat oder sogar verschwunden ist. Diese Ansicht ist falsch. An der Oberfläche erscheint alles friedlich; die SA. steht unter strengerer Konirolle als vorher, Nichtdeutsche werden nicht geschlagen, und etwas Aehnliches wie Oesetz und Ordnung ist wiederhergestellt. Aber wenn man diesem „Gesetz und dieser Ordnung" auf den Grund geht, so wird man finden, daß es sich um Terrorhandlungen handelt und daß die Schreckensherrschaft noch offen und insgeheim fortbesteht. Noch niemals haben seit Beginn der Neuzeit so viele Hinrichtungen in Deutschland stattgefunden wie jetzt. Diesen Hinrichtungen wird nicht genügend Beachtung geschenkt, weil sie auf Grund eines Urteilsspruchs nach einem ordentlichen Prozeß vollstreckt werden Es handelt sich deshalb nicht weniger um Terrorhandlungen, denn das Gesetz ist rückwirkend(viele der angeblichen Verbrechen wurden im Jahre 1932 begangen, während das Gesetz, nach dem sie abgeurteilt werden, im vorigen Jahr in Kraft trat). Am 30. November wurden in Köln sechs Arbeiter wegen der angeblichen Ermordung eines SA.-Mannes im Jahre 1932 enthauptet. Gegen einen Teil der Gefangenen waren keine Beweise irgendwelcher Art zu erbringen, und den anderen war nicht nachzuweisen, daß sie nicht in Notwehr gehandelt hatten, denn in den politischen Wirren jener Zeit war die SA. mindestens so oft der Angreifer wie umgekehrt. Die sechs Männer wurden roh mit dein Beil enthauptet. Eine Beschreibung der Szene durch einen Augenzeugen— die Gefangenen wurden nacheinander in kurzer Zeit hingerichtet— befindet sich in unserem Besitze, aber sie ist zu furchtbar als daß man sie wiedergeben könnte. Alles was gesagt werden kauu ist, daß die Verurteilten mutig starben. Es wird kein Geheimnis daraus gemacht, daß diese Prozesse stattfinden und diese Hinrichtungen ausgeführt werden. Beides wird in der nationalsozialistischen Presse unter auffallenden Ueberschriften veröffentlicht, mit einer Zustimmung. die fast einem schadenfrohen Triumph gleichkommt. Die Hingerichteten sind übrigens nicht die einzigen Opfer des offenen Terrors, denn zahllose politische Gefangene werden nach terroristischen Verhören oft für Jahre ins Zuchthaus geschickt. Der geheime Terror Und während der offene oder„legale" Terror fich ausbreitet, hört der geheime Terror nicht auf. Seit Monaten schon haben in Berlin nicht mehr so viele Verhaftungen stattgefunden wie seit dem 12. November, dem Tage der Wahlen und der Volksabstimmung. Die meisten dieser Verhaftungen sind bei einem erneuten Vorgehen gegen die Reste der sozialdemokratischen und kommunistischen Partei vorgenommen worden. Sje. wurden durch Agenten der Gestapo(der geheimen Staatspolizei unter Führung des Generals Göring). unter Mithilfe der SA. ausgeführt— die beiden Organisationen arbeiten Hand in Hand. Die Folterung politisch Verdächtiger ist nichts Außergewöhnliches. Verschiedene Gefangene wurden, nachdem ihr Widerstand durch die Folter gebrochen war, gezwungen, von der Terrorzentrale aus in Gegenwart eines SA.-Mannes einen Genossen anzurufen und'hm zu sagen, er sei verhaftet gewesen, sei aber nun wieder frei, und mit ihm eine Verabredung zu treffen Auf diese Art und Vi eise wurde dann dieser Genosse in eine Falle gelockt und seinerseits verhaftet. Die Folterungen dieser SA Banden sind so furchtbar, daß die Gèfangeneti häufig vor Schmerzen die Besinnung verlieren. Es ist da ein SA-Arzt, der Kampferspritzen verabreicht Ein jüdischer Gefangener machte einen Selbstmordversuch. indem er mit einem Splitter seiner zerbrochenen Brille die Pulsader durchschnitt. Er befindet si dt jetzt im Krankenhaus, sein Zustand ist kritisch. Weibliche Gefangene werden durchaus nicht von diesen Folterungen verschont. Die Bedingungen in den Konzentrationslagern sind je nach dem Lager verschieden. Im allgemeinen ist keine Besserung eingetreten. Einige I.ager,— Fuhlsbüttel, Dachau, Brandenburg und andere— sind Stätten von dauerndem Schrecken und Grausamkeiten. Fremde Besucher werden gewöhnlich getäuscht' man gibt sich den Anschein, als sei wohl die Disziplin streng, als kämen aber keine wirklichen Unmenschlichkeiten vor. Der bekannte Schauspieler Heinz Otto starb an den Folgen der Mißhandlungen durch die geheime Staatspolizei. Fr war Mitglied des Berliner„Staatslheaters" und gehörte einer Gruppe tadikaler Schauspieler an. Er wurde zusammen mit einem Freund vor etwa einem Monat in einem Café verhaftet, ins Gefängnis gebracht und dort geschlagen. Eine Zeitlang hörte man nichts von ihm, bis seine Frau zum Berliner „Staatskrankenhaus" gerufen wurde, wo sie ihn in hoffnungslose m Zustand fand. Er starb kurz nach ihrer Ankunft an «einen Verletzungen. Als Todesursache wurde Schädelbruch angegeben. Zwei Tage nach seinem Tode erhielten seine Verwandten eine Aufforderung, die Transportkosten vom Gefängnis zum Krankenhaus zu bezahlen Seine Freunde hatten versucht, einflußreiche Persönlichkeiten zu bestimmen, sich für ihn zu verwenden, aber es scheint nicht, als ob irgend ein Versuch gemacht worden wäre, ihn zu retten. Die Verhältnisse in einem Gefängnis Die folgenden Einzelheiten über die Verhältnisse in einem der Gefängnisse der Geheimen Staatspolizei wurden uns übermittelt(es handelt sich um Schilderungen von Ende November und Anfang Dezember). Der„Frühsport" beginnt um acht Uhr morgen«. Die Gefangeneu müssen sich niederlegen, aufspringen und laufen oder andere Uebungen machen. Für diejenigen Gefangenen, die durch die SA. oder SS. oder Angehörige der Gestapo mißhandelt worden sind, bedeutet der Drill und vor allem die„Kniebeugen" eine furchtbare Qual. Denn viele von ihnen haben noch eiternde oder nur halbverheilte Wunden. Es ist da ein Arzt- ein SS Mann— der dort von Zeit zu Zeit Dienst tut. Wenn er fragt, wodurch ein Gefangener ver- letzt ist. so wird der Gefangene gezwungen, zu antworten: „Ich hin gefallen." Die Nahrung ist folgende: morgens ein trocknes Stück Brot, mittags ein Teller Suppe, abends ein Stück trockenes Brot. Einige Gefangene werden zur Strafe auf halbe Ration gesetzt und auf die Türen einiger Zellen sind die Worte geschrieben;„Zwei Tage keine Nahrung". Wenn die Gefangenen zu den Uebungen ziehen, müssen sie singen:„Karl Liehknecht hängt am Baume, Rosa Luxemburg schwimmt im Kanal"— eine Anspielung auf die beiden deutschen Revolutionäre, die vpn den Vorgängern der Nationalsozialisten im Jahre 1919 ermordet worden sind und deren Leithen in den Kanal geworfen wurden. Innerhalb und außerhalb von Deutschland ist die Ansicht verbreitet, daß der Terror nur eine Begleiterscheinung der frühen„revolutionären" Erhebung war und daß er jetzt verschwunden ist. Das Gegenteil ist wahr. Der Terror ist organischer Bestandteil der Hitlerherrschuft: er ist systematisch geworden, so wie die Herrschaft selbst systematischer geworden ist. „Das gute Deutschland und Paul-Boncour** Unter dieser Spitze schreibt der„Figaro" vom 18. Januar: Der„Manchester Guardian" veröffentlicht einen Brief seines deutschen Korrespondenten über die Behandlung der politischen Gefangenen in Hit 1er-Deutschland. Voraus ist zu bemerken, daß der„Manchester Guardian" nicht nur als eine bürgerliche, sondern darüber hinaus als eine Zeitung mit religiöser Haltung anzusprechen ist. Seit Ende des Krieges war sie das Hauptorgan des deutsch freundlichen England. Und sie war es vor allem, weil sie die Forderun en de« Evangeliums nach der Vergebung der Sünden zu ihren eigenen machte. Sie beachtete die Gebote der Kirche auch einem Reiche gegenüber, das weder gebeichtet noch wieder gutgemacht hatte. Eine solche Haltung bürgt dafür, daß die Opposition gegen den Hitlerterror sich auf absolut einwandfreie Nachrichten stützt. Nach diesen Meldungen ist die Behandlung der politischen Gefangenen in der"Çat eine Marterhölle(jardin des supplices). Die Gefangenen werden„bearbeitet" durch Spezial- agenten der Geheimen Staatspolizei. Die Prozedur dauert Wochen. Wenn ein Bekenntnis durch Torturen erpreßt ist, wird der Gefangene durch neue Mißhandlungen zur Treue gegenüber dem Nationalsozialismus„erzogen".(Man weiß von der letcten Volksabstimmung her, daß Hitler fast sämtliche Stimmen in den Konzentrationslagern erhielt.) Zahlreiche Gefangene sterben an den Folgen dieser Behandlung. Die Frauen sind nicht weniger zahlreich als die Männer. Die Opfer sind meistens einfache Arbeiter oder Intellektuelle, deren einziges Verbrechen darin besteht, daß sie dem Nationalsozialismus gegenüber standhaft geblieben sind. Solche Methoden, die uns in die Zeit der schlimmsten Barbarei versetzen, sind eine Schande für die Zivilisation, ein Hohn auf die Menschlichkeit und eine Warnung für alle Völker, die in gleicher Weise vom Pangermanismus bedroht sind. Wir bedauern, daß uns Paul Boncour in der außenpolitischen Debatte im Senat nicht erklärt hat, wie er diese Tatsachen in Einklang bringen will mit seinem unbegreiflichen Optimismus, der eineVertrauenskundgebunggegenüberdem „guten Deutsch lau d" Hitlers bedeutet. Ein Katastrophen-Optimismus, ähnlich dem der Jahre 1869 und 1913, aber weniger zu entschuldigen und zu begreifen angesichts dieser beiden geschichtlichen Erfahrungen und gegenüber dem Hitlerschen Paroxismus. Man sagt, daß Chautemps heute der Fortsetzung der Debatte beiwohnen werde. Wir wünschten, daß ein Abgeordneter ihm eine Uehersicht über die deutschen Gefängnisse unterbreiten würde. Der Präsident des Senats würde hier eine günstige Vergleichsmöglichkeit zu seinem eigenen System finden, wo die Freiheit der Bürger nod, nicht bestimmt wird durch die Gewehrkolben der Polizisten... Wir hoffen, daß Herr Boncour, der vornehme Jurist und Apostel der Abrüstung, in Genf erklären wird, wie an der Seite eines Deutschland, in dem sich der Durchbruch von der Hysterie zur Brutalität vollzieht, das Recht bestehen soll, ohne sofort mit Füßen getreten zu werden. Ohne diese Erklärung befürchten wir, daß der Richterspruch hinfällig gemacht wird in dem Augenblick, wo er sich nicht mehr auf ein Schwert stützen kann, denn das Reich wird die Gelegenheit nützen, das seine in eine der Wagschalen zu werfen. «.Kraftprobe** oder die deutsthe Methode« gute Geschäfte su machen „La Liberté(Paris) schreibt: Frankreich ist unzufrieden, und Deutschland ist nicht befriedigt. Wenn Frankreich allerdings seine schlechte Laune zum Ausdruck bringt, so äußert Deutschland sich nicht, es beobachtet aufmerksam. Wie man im Hitlerland sagt: das Reich macht eine„Kraftprobe". Aber wie stets ist die deutsche Kraftprobe allzu roh. Da hat Frankreich geschrien. « Frankreich hat geschrien, weil es der Ansicht war. es habe der deutschen Industrie und dem deutschen Handel genügend Zugeständnisse gemacht. Nachdem es der deutschen Industrie durch die Lieferung von Naturalien erlaubt hatte, ihr ganzes Material zu erneuern, mußte Frankreich es hinnehmen, daß seine Handelsbilanz als Hebel für die deutsche Wirtschaft dient. So ungewöhnlich das auch erscheinen mag, ist es doch eine Tatsache, daß Frankreich iu seiner Handelsbilanz mit Deutschland unter einem ständigen Defizit leidet, um es Deutschland zu ermöglichen, durch den französischen Handel die 750 Millionen wiedereinzubringen, die es unserem Lande jährlich schuldet. Zum Unglück für Deutschland oder zum Glück für Frankreich war der Handel Hitler Deutschlands allzu stark. Das Defizit unserer Handelsbilanz hinsichtlich Deutschlands ist von den erwähnten 750 Millionen auf 1930 Millionen im Jahre 1932 und auf einige 1300 Millionen im Jahre 1933 gestiegen. Da hat Frankreich geschrien! Es wollte zunächst die deutsche Einfuhr beschränken, um das Handelsdefizit auf die vorgesehenen 750 Millionen zurückzuschrauben. Dann ließ es sich besänftigen und willigte darin ein, die deutsche Einfuhr nur um 300 Millionen herabzusetzen. Schalung für Spione Auslandsarbeit der Nazis (Fnprcß.) In Riga wurde kürzlich eine Anzahl von Na- rionaliozialisten wegen staatsfeindlicher Umtriebe verhaftet. Bor der Hastentlassung legte einer der Verhafteten, Harold Busch, der Sohn eines öeutsch-baltischen Pastors und Enkel des früheren Rektors der Universität Torpat, da» Gestand- nis ab, dan er bei seinen Vorgesetzten in Ungnade gefallen sei und den Tod erwarte, wenn er ihnen ausgeliefert werde. Tas Rigaer Abendblatt„Sevodnta" bringt nun den ersten Teil der Geständnisse, die der Slsährige Nazi gemacht hat: „AlS ich in die nationalsozialistische Partei eintrat, hatte ich die ehrliche Absicht, Teutschland zu dienen, aber bald merkte ich, daß man mich in eine Falle gelockt hatte, und daß ich Dreihundert Millionen? Welche Kühnheit! Die„Kraftprobe" ist wieder in Aktion getreten, und Frankreich willigte noch darin ein, Deutschland mehr als ein Viertel dieser Summe von 300 Millionen durch Bewilligung zusätzlicher Kontingente zurückzuerstatten. Warum sollte sich das Reich durch dieses neue Zugeständnis befriedigt erklären? In einer Verordnung vom 13. Januar setzt die Berliner Regierung die französische Einfuhr offiziell um 160 Millionen herab. Nach diesem neuen Vorstoß zu einer„Kraftprobe" hat Frankreich noch einmal aufgeschrien, und Deutschland legte sich auf die Lauer und wartet auf ein neues Zeichen. So stehen die Dinge. Sie sollen, wie es scheint, am 19. Januar eine endgültige Lösung finden. Was für eine Lösung? « Wir erlauben uns, an einen früheren Artikel zu erinnern, den wir der„wirtschaftlichen Kehrseite der direkten politischen Verhandlungen zwischen Paris und Berlin" widmeten. („Liberté" vom 3. Januar.) Wir führten damals aus, daß das Problem, das gegenwärtig die gesamte Politik des„Führers" beherrscht, eine Politik des deutschen Hungers ist, und daß es mit Deutschland in kurzer Zeit so gehen würde wie mit Rußland.» Die Tatsachen scheinen diese logische Ansicht zu bestätigen. Was wird Frankreich tun? Der Einfall deutscher Waren beginnt sowohl wieder im Mutterlande wie in den Kolonien, während sein Geld jenseits des Rheines„wirkt". Ohne Beunruhigung stiften zu wollen, muß man doch über eine solche Lage sehr Erstaunen zeigen, die der Versailler Vertrag nicht vorgesehen hat. In einem nächsten Artikel werden wir Zahlen anführen, die Bände reden. Leider! P.-A Girard. nur die Wahl hatte, mich bedingungslos zu unterwerfen oder zu sterben. Ich war Angestellter der Paßabieilnng des eng- tischen Konsulats In Riga und erhielt den Be'ehl, die Endes 'der geheimen diplomatischen Papiere zu fotografieren und die Fotos der Tpionageabteilung der NSDAP, auszuhan- dtgen. Außerdem hatte ich in der nationalsozialistischen Presseabteilung zu arbeiten. Hier mußlx ich nicht nur die lettischen und russischen Zeitungen, die in Riga erscheinen, übersetzen, sonder» hatte den Stoff aus den Redaktionen zu entwenden, bevor die Artikel veröffentlicht wurden. Mit meinen Mitarbeitern gemeinsam mußte ich unter Vor- wänden mit den Redaktionsangestellten in Verbindung treten und unbemerkt Abschriften herstellen. Das gelamte Material wurde ins Braune Hans nach Königsberg geichailt. Schließlich wurde von mir verlangt, daß ich meine Stellung im englischen Konsulat ausgebe und einen Kursus in ausländischer Spionage in Teutschland mitmache." > ifc! 03 î t>':'«* t a■! ft£) O 6 t 4 S 1£ S.1 P ï »7»*•>„"WV f Deutsche Zukunft:: Kulturpolitische Beilage zur Deutschen Freiheit T; Blick über Zeltfragen und Bücher| Psychologie des deutschen Antisemitismus Die fortschrittlich gesinnte Presse der Veit bezeichnet den gegenwärtig in Deutschland herrschenden Antisemitismus allgemein als einen„Rückfall" im Mittelalter. So unzutreffend diese Formulierung als Werturteil auch ist, so muß man ®'o müssen dieser Erscheinung tief e Wandlungen des deutschen Volksbewußtseins vorausgegangen sein, die nicht andere als durch soeiologische Betrachtungsweise erfaßt werden können. Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts wer das National- Erfühl der Deutschen verhältnismäßig noch schwach entwickelt. Der klägliche Verlauf der März-Revolution von 1848 hatte weder eine Vereinigung der Kleinstaaten, noch eine Demokratisierung des politischen Lebens erreicht und hinterließ daher in der Seele des deutschen Volkes ein eher niederdrückendes, als erhebendes Gefühl. Die Entfaltung eines nationalen Selbstbewußtseins wurde durch die ökonomische Rückständigkeit gegenüber England und Frankreich ebenfalls empfindlich gehemmt. Nach 1850 allerdings setzte in Deutschland der Aufbau einer modernen Industrie sehr lebhaft ein. Mit Hilfe der vorher akkumulierten Goldvorräte wurde die Organisation einer hochkapitalistischen Volkswirtschaft in Angriff genommen. Der Aufschwung der Industrie, speziell der Mon- •an- und Textilindustrie, unter gleichzeitigem Aushau des deutschen Eisenbahnnetzes, brachte es mit sich, daß die Grenzen der deutschen Kleinstaaten bald als Hindernisse der Weltwirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung empfunden wurden. Es entstand das Bedürfnis nach Ueberwindung der Rinnenzölle, nach„Gleichschaltung" des Rechtes, der Maße Und Münzen, kurz nach Verwandlung Deutschlands in ein einheitliches Wirtschaftsgebiet, In einen einheitlichen Lebensbaum. Diesem Bedürfnis erst entspreng die neuseitliche Prägung des deutschen Nationalismus. Die siegreichen Kriege gegen Oesterreich(1866) und gegen Frankreich (1870-71) führten denn auch îur Aufrichtung eines dent- ,( hen Kaiserreiches, und aus diesem Ereignis schöpfte des deutsche Volk ein erhebendes Selbstgefühl, wie es ihm auvor •eit Jahrhunderten nicht mehr vergönnt gewesen war. Der gewaltige Ausbau der industriellen Produktionsmittel Deutschlands(die von Frankreich beaahlten fünf Milliarden Uoldfranken fanden je euch Verwendung dabei) hatte, im Weiteren Verlaufe der Entwicklung das Auftreten des deut- "jhen Exportes auf dem Weltmarkte zur Folge.„Made in 'fermany" ergoß sich über den Erdball. Die früher so demii- ''Sende Rückständigkeit gegenüber andern Großmächten war e'n für allemal überwunden. Der Konkurrenzkampf um auswärtigen Warenabsatz und um auswärtige Kapitalanlage- Möglichkeiten wurde mit umso größerer Zuversicht auf- Benommen, als manche Zweige der deutschen Technik eine "^bestreitbare Ueherlegenheit gegenüber dem Ausland er Deicht hatten. In dieser Zeit ging der deutsche Nationalismus 'n einen ausgesprochenen Imperialismus Uber. Gerade der Urnstand, daß das deutsche Volk seine Ansprüche auf Be- 'eiligung an der Weltwirtschaft später geltend machte, all »ndere Nationen, zu einer Zeit, da die Welt sozusagen schon "aufgeteilt" au sein schien, hatte zur Folge, daß das Aufboten Deutschlands als„Störung" eines schon vorhandenen „Gleichgewichts" wirken mußte. Das Deutsche Reich ließ "'•h daher, um seinen Forderungen besonderen Nachdruck verleihen, zur See und zu Lande auf einen gewaltigen «»ungswetllauf ein"e' nrcle»^slionaliltüns Imperialis- ni'*T"',— v ,iti..bcn M-rk- Von Valentin GHermann{Zürich) malen der deutschen Mentalität. Zusammenwirkend, erzeugten diese Momente ein übersteigertes Selbstbewußtsein, das mit Verachtung änderet Nationen sich paarte. ErnstGlaeser hat in seinem Roman„Jahrgang 1902" dem„größenwahnsinnig gewordenen Bürgertum" Deutschlands einige gewiß nicht gina aus der Luft gegriffene Bemerkungen gewidmet:„In den einflußreichen Kreisen von dem Niveau des Dr. Brosius wurde französisch mit degeneriert, syphilitisch und pervers gleichgesetzt"(S. 27).„In den Familien, Gesellschaften, Versammlungen, in den Straßen, Zeitungen, Eisenbahnooupös. in den Reden des Parlaments — überall tönte es dem Major entgegen: unsere Armee, unsere Industrie, unsere Wissenschaft, unsere Kunst, unsere Frauen, unser Charakter, unlere Kinder, unser Gemüt,—- alles was wir haben, ist des Beste auf der Welt!" Die isolierte Situation des Weltkrieges vollends steigerte das aus den Leistungen der Technik, der Wissenschaft und der Kriegskunst hervorgegangene deutsche Selbstgefühl zu wahrhaften Paroxysmen. Werner Sombart, den man gewiß ala repräsentativen Deutschen bezeichnen kann, achrieb in seinem Buche„Händler und Helden" u.». wts folgt: „Die Idee der Menschheit, also die Humanitätsidee in ihrem tiefsten Sinn, kann nicht anders verstanden werden als dahin, daß sie in einzelnen EdelvÖlkern au ihrer höchsten und reinsten Auswirkung gelangt. Das sind dann jeweils die Vertreter des Gottesgedenken auf Erden: dal sind die auserwählten Völker. Das waren die Griechen, das waren die Juden. Und das auserwählte Volk dieser Jahrhundert« ist das deutsche Volk.,. Wir müssen eis tief unter uns Stehend erkennen, was nach westeuropäischen Ideen ausschaut, was mit Komraerzialismus euch nur entfernt verwandt ist. So sollen auch wir Deutsche in unserer Zeit durch die Welt gehen, Stola, erhobenen Hauptes, in dem sicheren Gefühl, das Gottesvolk zu sein. So wie der deutsche Vogel, der Air, hoch über allem Getier dieser Erde schwebt, so toll der Deutsche sich erhaben fühlen über alles Cevolk, das ihn umgibt und das er unter sich in gransenloser Tiefe erblicht." Man wende nicht ein, daß es sich um eine Aeußerung einer längst überwundenen Kriegsstimmung handle, denn diese Stimmung ist wieder da. Sie ist aus vorübergehend zugedeckten Schichten des deutschen Seelenlebens wieder aufgestiegen, und die Worte Sombarts könnten(abgesehen natürlich von der Bezeichnung der Juden eis eines einst„aulerwählten Volkes") heute oder gestern geschrieben worden sein. Dabei ist Sombart nur einer von Hunderten, die In diesem Zusammenhang zitiert zu werden verdienten. Es unterliegt absolut keinem Zweifel, daß das deutsche Volk im Zeltalter des Imperialismus und während del Weltkrieges von einem„Hochgefühl" durchdrungen worden Ist, dessen Intensität mehr eis ausreichend war, die frühere nationale„Bescheidenheit" tu kompensieren. Nun geriet dieses in der wilhelminischen Aera förmlich gezüchtete Imperialistische Selbstbewußtsein 1918 und in den folgenden Jahren in eine unausweichliche seelische Krise. Der Zusammenbruch der deutschen Armee, des deutschen Kaiserreiches, des demütigende Frledensdlktat, der klägliche Verlauf der republikanisch-demokratischen„Revolution", die Aushöhlung das Volkswohlstandes in der Inflation, der Ruin der Wirtschaft durch die ökonomische Weltkrise,— all dies zusammengenommen bildete für die an stolze, selbstbewußte Haltung gewöhnte Psyche des Deutschen eine geradezu unerträgliche Belastung, und angesichts dieses Druckes war die Flucht in eine Psychose unvermeidlich. Vernichtet wer Je, woraus man zuvor die Berechtigung abgeleitet hatte, alles „Gevölk" dieser Erde„unter sieh in grenzenloser Tiefe zu erblichen". Die Seele des Deutschen brauchte, um sieh vor jähem Absture in der eigenen Wertschätzung zu retten, eine neue Rechtfertigung ihres„Hochgefühls" eine neue„Distan- gierung nach uftten'', und sie fand, was Sie suchte, In der Rzssentheörie. Am Idealbild des„nordischen Menschen' konnte eich die imperialistische Megalomanie notdiirftig festhalten, nachdem auch der letzte Funke sachlicher Besinnung im Rausch der Selbstverherrlichung erstickt worden war. Auf diese Weise konnte das Bewußtsein, ein„Edelvolk" ZU sein, mit etwes veränderter Begründung beibehalten werden. Der verloren gegangene Stola auf die„Leistung" wurde ersetzt durch den Stolz auf ein angeblich hochqualifiziertes„biologisches Erbgut". Der deutsche Jude ist heute das Opfer dieser komplex- haften Konstruktion.- ihm fiel die Aufgabe au, die dunkle Folie zu bilden, von der sich der hellblonde„Arier" umso strahlender abheben sollte. Die Erniedrigung des Juden diente— als letztes, veraweifeltes Mittel— für die Selbsterhöhung des Deutschen. Das Ist die eine, die wichtigste massenpsychologische Wup tel des gegenwärtigen deutschen Antisemitismus. Eine aweite steht mit dein Bedürfnis politischer Gleichschaltung in engstem Zusammenhang. Der Nationalsozialismus ging in der Hauptsache von der Stimmung des verarmten deutschen Mittelstandes aus. Diese exiitenzlos gewordene Bevölkerungsschicht sträubte sich da- Segen, mit dem wirklichen Proletariat identifiziert«u waren, und lehnte daher die marxistische Kritik der heutigen Wirtschaftsverhältnisse ab. Andererseits mußte aber dieser durch Inflation und Wirtschaftskrise ruinierte Mittelstand seiner Unzufriedenheit mit den aktuellen ökonomischen Zu ständen doch Ausdrude geben. Und hier bot der Antisemitismus ein ausreichendes Ventil für seelische Spannungen: er erlaubte, gewisse Energien des Klassen Gegensatzes In Kanäle des Rassen basses abzuleiten. Gegen den„jüdischen" und den„verjudeten" Kapitalismus rief man sum Kampfe auf, und für eine„antikapiUlistisdie" Einstellung in diesem Sinne Heß sich(nebst einer Quote des Proletariates) bald auch ein beträchtlicher Teil des national- gesinnten ruinierten Mittelstandes gewinnen. Damit aber waren nationaler„Antimarxismus" und judenfeindlich gefärbter„Antikapitalismns"(soweit man einen solchen in Beginn der Hitler-Revolution noch nötig hatte) auf gemeinsamen Nenner gebracht. So wurde die Zwitter-Ideologie des „National-Soaialismus" geschaffen; der Antisemitismus bildete dabei den gleichschaltenden Bindestrich- Der Führerbazillus Von Jan Severin In der Politik, in der Kultur und in der Wirtschaft sieht man Führer und Diktatoren,„Meister" und „Heilig e", wohin man immer blickt. Es scheint, als ob eine große Epidemie über die Völker gekommen ist, daß die Massen da» Vertrauen in ihre eigene Denkfähigkeit vollkommen verloren haben und daß lie nur noch von einem Wunder die Hilfe aus tiefsiter Krisennot erhoffen. In Italien fing es an, in Hitler-Deutschland treibt dieae Entwicklung immer sonderbarere Blüten, so daß man von einer der größten Grotesken der Weltgeschichte sprechen müßte, wenn die Angelegenheit nicht für 65 Millionen Menschen so unsagbar traurig wäre. Manche! deutet darauf hin. daß die Welt müde am Denken geworden ist. Das Danken war niemals eine Angelegenheit der großen Messen, aber man hat doch ein gewisses Vertrauen in diejenigen, von denen man wußte, daß sie sich nicht durch Gefühle, wie Nationalioeialismus, Religion und ähnliche Dinge treiben lassen, sondern die man für nüchtern und sachlich genug hielt, um von ihnen Handlungen au erwarten, die nur vernünftiger Erwägung entsprangen. Man würde einen großen Fehler begehen, wenn man auch heute noch behaupten wolle, daß dieses rationelle Handeln der auf politischem und wirtschaftlichem Gebiete maßgebenden Persönlichkeiten keine großen Schlappen erlitten habe. Aber diese oft— keineswegs immer— negativen Ergebnisse ihrer Arbeit sind keineswegs auf die Fehler ihrer Arbeitsmethoden zurückzuführen, sondern vielmehr auf gewisse Strukturfehler der politischen und wirtschaftlichen Systeme unserer Zeit, die genau so verbesserungsbedürftig ist, wie andere frühere Zeiten es auch waren. Materielle Not und Verzweiflung, Differenaaffekte und gewisse, von beutelustigen Abenteurern mit gefährlicher Geschicklichkeit ausgebeutete Herdeninstinkte haben diejenigen, die diese Probleme in vernünftiger und sachlicher Arbeit mit sicherer Erfahrung und positiven Kenntnissen lösen konnten, ihre Werkzeuge aus der Hand geschlagen. Die Erfolge der Pferdekuren, die man heute an einem Volke nach dem andern ausprobiert, sind in der Tat erschreckend, um nicht zu sagen phantastisch. Immer kleiner wird die Anaahl der Völker und der Menschen, die sich der Wirkung dieser, dem Denkunfähigen so überaus einleuchtenden Parolen noch au entziehen vermögen. Man empfindet eine wahre Freude an dem Spiel mit großen Worten und an der Abschiebung allerVerantwortung an den oder jenen„Führer", dessen Kenntnisse man nicht nachzuprüfen braucht, weil es ja auf Kenntnisse nicht ankommt, wenn man nur von seinem guten Willen, seiner Ueberaeugungstreue, seinem Opfermut und ähnlichen schönen Dingen überzeugt ist. In den erkorenen Führern selbst geben„n—i«b'»iblich große Verwandlungen vor, soweit OS sich nicht von vornherein um ausgesprochene Scharlatane gehandelt hat. Während man bei ihnen, zumeist wenigstens, bis an einem Zeitpunkt, an dem ihnen Millionen an folgen begannen, eine gewisse Demut und eine Kenntnis der eigene« Grenzen ihrer Fähigkeit feststellen konnte, stürmt jetzt die Massensuggestion über sie hinweg. Sie glauben tatsächlich, daß man nicht nur ein bescheidenes Haus, sondern ganz gewaltige Gebäude ohne Fundamente aufbauen kann und selbst ohne daß es notwendig sei, auch nur die einfachsten Regeln dar Baukunst au beherrschen. Muß man noch im einzelnen darlegen, daß diese Luftschlösser und Kartenhäuser'zusammenbrechen werden, weil man den ungeheuer komplizierten wirtschaftlichen und sozialen Aufbau unserer modernen Welt nicht mehr dadurch vereinfachen kann, daß man von den zahllosen feinen Verknüpfungen und Verästelungen, die hier bestehen, einfach keine Kenntnis nimmt? Muß man hinzufügen, daß es nichts nützen wird, wenn man aus der Weltwirtschaft Nationalwirtschaft herausschneidet, um später die Schnittstellen mit dem Blute kommender Kriege unkenntlich au machen? Das Erwachen der Völker aus ihren religiösnationalistischen und mystischen Wahnvorstellungen, aus ihrem Glauben und ihrem fast rührenden Vertrauen zu „Führern" und anderen Wunderheilkundigen wird entsetzlich sein. Aber es ist schwer, bei alledem an Rache oder gar nur an Rache zu denken. Für diejenigen, die sich den Glauben an die menschliche Vernunft in allem Phrasenwirrwarr unserer Tage nicht rauben lassen, wird alles darauf ankommen, daran mitzuhelfen, daß die schwärenden Krankheitsherde des Fuhrerbazillus so weit als irgend möglich beschränkt werden, damit die Epidemie nicht weiter um sich greift. Es gibt innerlich gesunde und widerstandsfähige Völker. von denen man überieugt sein darf, daß sie sich gegen das Eindringen des Führerbazillul bis zum letzten zur Wehr setzen werden. Ihre gesunden Instinkte immer wieder aufzurufen, ihre Widerstandskräfte zu ztählen ist nicht nur Aufgabe eines echten und richtig verstandenen Nationalismus, sondern es ist eine Menschheitsaufgabe von entscheidender Bedeutung. Die Zeit, wo diejenigen, die an Verstand und Fortschritt glauben, von der Abwehr zum Angriff gegen den gefährlichen Bazillus übergehen werden, wird kommen, wenn der mystische Wahn, der in gewissen Völkern wachgerufen und immer aufs neue geschürt worden ist, den Zusammenbruch auslöst. Auch wenn es nicht schnell und nicht schmerzlos abgehen wird, tollte man heute schon sicher sein, daß die Menschheit einst auf die Epoche des Führerirrsinnt zurückblicken wird, als auf eine der grausigsten und • inoloneatfio Beiladen IhrerGsscbidue. Deutsche Stimmen•'Beilage zur„Deutschen Freiheit"• éteignisse und Geschichten tonntnq-Monfaq, d«n Zi. und M. limwf 1W4 Dec éaume lîlâccheupdHi Wie et das schwatz:xueiß:tote ïfchneewittchm erlöste Da sagten die Kinder: Die Geschichte war fein, Erzähl uns noch eine, Lieb Großmütterlein. Der große Osaf. Er hält«ehr viel vom Kinde. Man lese Seite 21 in«einem..Kampf"; -Ich glaube heute fest daran, daß im allgemeinen«amtliche schöpferischen Gedanken schon in der Jugend grundsätzlich erscheinen, sofern welche überhaupt vorhanden sind. Ich unterscheide zwischen der Weisheit des Alters, die nur in einer größeren Gründlichkeit und Vorsicht als Ergebnis der Erfahrungen eines langen Lehens gelten kann, und der Genialität der Jugend, die in unerschöpflicher Fruchtbarkeit Gedanken und Ideen ausschüttet, ohne sie zunächst auch nur verarbeiten zu können, infolge der Fülle ihrer Zahl. Sie liefert die Baustoffe und Zukunftspläne, aus denen das weisser Alter die Steine nimmt, behaut und den Bau aufführt, soweit nicht die sogenannte Weisheit des Alters die Genialität der Jugend ersticht hat." Die weiseren Alten sollen nur mit größerer Gründlichkeit und Vorsicht ausführen, was sie sich in der Jugend überlegt oder wozu sie sich entschlossen haben. Das deutsche Kindervolk muß darum täglich neuen Anlaß zum staunenden Augen aufreißen erhalten. Sein körperlich erwachsener Teil bricht andauernd auf, macht Gepäckmärsche und hört Rundfunk. Aber die Kleinen unter den deutschen Kindern haben es noch schöner. Die alten Geschichten von Grimm, die Märchen von 1001 Nacht, die ohnehin nichtarisch und infolge ihrer humanitär-liberalistisch-marxistischrn Tendenz für das..dritte Reich" ungeeignet geworden waren, werden abgelöst von Erzählungen voll höchster Gegenwartstreue. „K inder, was wißt Ihr vom Führer?" So heißt ein reizendes Geschenkbuch für deutsche Jungens und Mädels. Geschrieben haben es die Herren Morgenrotb und M. Schmidt und der Franz-Schneider-Verlag. GmbH, zu Leipzig, W 31, hat es herausgegeben, schon in fünfzehn tausend Exemplaren! Auf dem bunten Umschlagbilde hebt„der Führer" lachenden Antlitzes ein Mädel in die Höhe. Ein Bild vor dem Texte zeigt den Buben und Mädels in Hitlerien, wie der greise Hindenburg, linke Hand am Säbel, Pickelhaube auf dem Kopfe, dem großen„Führer" die Hand drückte, bevor die beiden mit der„Befreiung der Nation" anfingen! Wie nun die Befreiung der Nation weitergemacht werden soll, das kann man sich leicht aus folgenden Textstellen der Fibel selber zusammenreimen: „Kurz, jeder Junge und jedes Mädel sind das geworden, wozu sie eine besondere Veranlagung, wozu sie der liebe Gott bestimmt hat. Manche sind etwas ganz Großes geworden. Die hat die liebe Gott auserwählt zu diesem ganz besonderen Berufe."(S. 9 unten und 10 oben.) ..Heute lebt nun auch ein Mensch unter uns, dem Gott eine ganz besonders schwere Aufgabe gestellt hat, und weil er sie lösen will und lösen wird, deshalb nennen wir ihn einen großen Mann. Ihr kennt alle diesen Mann. Er heißt Adolf Hitler. Aber wißt Ihr denn eigentlich, wer da« ist und was für eine Aufgabe er zu lösen hat?"(S. 11.) „In der Zeit, von der ich Euch erzählen will, in der in Deutschland alles gut und recht war, da haben die Franzosen Angst vor uns bekommen und sind neidisch auf uns geworden. Auch die Engländer und Russen sind neidisch geworden. Oft stand damals in der Zeitung:„Ein Deutscher hat eine Maschine erfunden, die geht besonder« gut", oder „Ein Deutscher hat eine Fabrik gebaut, die Sachen, die da gemacht werden, sind besonders schön und genau gearbeitet." fS. 13)., „... deshalb wurden die andern Länder rings herum unruhig und sagten:„Wir wollen es nicht leiden, daß Deutschland schöner ist als wir. Wir wollen es nicht leiden, daß Deutschland reicher wird und größer und glücklicher als wir. Wir wqllen es umbringen!"(S. 15). „Von Schneeivittchen wißt Ihr, daß es weiß tear wie Schnee und rot wie Blut und schwarz wie Ebenholz. Schwarz, weiß, rot sind auch unsere Farben."(S. 14). „In Deutschland ging ein böser Geizt um. Er flüsterte den Menschen ins Ohr:„Wollt Ihr denn immer noch Krieg führen? Ihr könnt unmöglich die vielen Feinde besiegen! Wollt Ihr immer weiter hungern und immer weiter Euere Männer, Söhne, Väter und Brüder opfern? Hört doch endlich auf zu schießen, dann machen die Feinde auch Schluß!" (S. 18). „Und als die dummen Geislein dem Wolfe die Türe auf- machten, da stürzte der böse Wolf herein und fraß sie auf. Ihr wißt auch, wie es Hänsel und Grete! erging..."(S. 20). „Ein Soldat aber war da, der sagte:„Nein, so darf es nicht weitergehen!"... Er weinte, er warf sich auf sein Lager und wollte tagelang mit keinem Menschen reden. Aber mit einem andern redete er: Mit dem lieben Gott.„Lieber Gott", betete er,„erbarm Dich doch über unser armes deutsches Volk! Sie vergessen ja ganz, daß sie Deutsche sind! Es ist eine Schande, daß sie sich alles gefallen lassen! Und wenn es so weitergeht, wie es jetzt ist, dann werden wir ein ganz armes Volk un dhaben in unserem eignen Lande überhaupt nichts mehr zu sagen. Die Fremden werden Herren über uns, und wir müssen ihre Knechte sein!" Der arme Soldat war empört und verzweifelt... ... da hörte er mit einem Male ganz leise eine Stimme in seinem Herzen. Er hörte, wie der liebe Gott selber zu ihm sagte:„Du sollst die Deutschen aus ihrem Unglück erretten und ich will Dir helfen!" Da stand der Soldat auf, streckte beide Arme zum Himmel und rief:„Ich will Deutschland erlösen von seinen Feinden; ich weiß: Gott selber hift mir!" (S. 24). „... Das war der große Tag. an dem Gott selber ihn zum Helfer für sein Volk berief."(S. 37). „Und Adolf Hitler schenkte seinen Kameraden eine rote Fahne mit einem runden weißen„Spiegel" und dem schwarzen Hakenkreuz darauf. Und weiter sagte er:„Wenn wir uns auf der Straße fr'-n, V o"*>n uir UN» mit erhobener Hand Heil zuiufen. Denn' 1er- UV„nd Hei) wollen wir dem deutschen Vaterlande wieder erkämpfen!" (S. 43). „Da lauerte der böse Feind an allen Ecken. Mit seinen Lügen vergiftete er die Männer, die Adolf Hitler helfen sollten. In der Nacht rannte er ihnen zu:„Laßt Hitler nur erst machen, und wenn er glaubt„ daß ihr zu ihm haltet, dann geht auf ihn los und packet ihn." Und so kam es auch. Als Hitler mit seinen treuen Kameraden durch die Straßen zog, voran die Hakenkrenzfahne, da fuhren plötzlich Maschinengewehre auf und schössen auf die Hitlerleute!"(S. 46). ,Als er endlich aus der Festung entlassen wurde, macht« er sich sofort an sein Werk."(S. 48). „Damals war er allein, aber jetzt kennt ihn die ganze Welt. Seine Deutschen lieben ihn; seine Feinde fürchten ihn. Alle Welt weiß, daß er in Gottes Hand steht and mit seiner Hilfe Deutschland erretten wird."(S. 25). * Also haben wir nun doch den Messias unter uns und den braunen Märchenweisen zugleich. Wahrscheinlich hat er vom lieben Gott auch schon die Flammensäulen zugesagt bekommen, die dereinst seinem natürlich siegreichen Heere gegen die ganze Welt vorausziehen wird! Schneewittchen hat lange geschlafen und ist schwarz-weiß-rot erwacht! Und dem bösen Geiste, ja den bösen Geistern, als da waren: Hungersnot, Unterernährung. Brotmarken. Fettkarten, Lebensmittel- Schieber, Handgranaten, Minen. Gasbomben und Marxisten, denen hat der große Osgf befohlen, künftig nicht mehr Schrecken, sondern schöne Lieblinge des„heroischen" Volkes zu sein. Bloß die Marxisten, die sind noch böse Geister geblieben und die wollen dem Osaf gar nicht glauben und nicht gehorche»; darum müssen sie„mit Stumpf und Stiel" ausgerottet werden! Das hat Göbbels gesagt und darum ist es wahr. Ja, und da es in Deutschland keine brennenden und nicht verbrennenden Dornbüsche gab, woraus der liebe Gott zu Hitler sprechen konnte, wie es in der Bibel steht, darum hat Gott selber mit seinem großen Adolf gesprochen, und da haben denn die beiden schon die Sache miteinander abgemacht. Darum darf dem großen Adolf auch keiner widersprechen und die Kinder müssen alles schön glauben; sonst kommt nämlich der eiserne Hermann, und dann gibt« Keller,- und viele, viele Schläge und gar kein Essen mehr. Tagelang. Und nachher lange, sehr lange Konzertlager! Bloß natürlich für die bösen Kinder, die nicht glauben wollen, daß Granaten so schön und heroisch sind. Die braven Kinder aber, die kriegen kleine, braune Röckchen und Hös chen, wenn s Jungens sind, und einstweilen bloß bräune Jäckchen,„Hitlerjäckchen", wenn'« Mädchen sind. Später, wenn„Der Allmächtige" anfängt, die Waffen zu segnen, dann kriegen die Mädchen vielleicht auch Hös chen an, vielleicht sogar braune, wenigstens, wenn« knallt und sie laufen müssen und dann helfen sie den Jungens, daß sie „retten" können. Vielleicht bloß noch grad sich selber. Wenn s nämlich Bomben und Granaten und Giftgas und Feuer vom Himmel regnet anstatt Wasser? Und dann werden die Jungens Kanonenfutter und die Mädchen müssen alle in« Kloster gehen, wenn sie grad' nod, lebendig bleiben, weil sie nämlich nachher keinen Mann mehr kriegen. Denn bloß die Kastrierten und die Sterilisierten, die werden dann nod, da sein und damit kann der große Osaf ja doch nicht anfangen, für die„Neue Größe" des Hitlériens zu sorgen. Das wird dann sehr, sehr böse sein und die Menschen werden wieder viel zu schimpfen haben, besonders alle die rund um Deutschland herum. Aber der Osaf fängt dann bestimmt schon was richtiges neues an! Drei Lehren faß ein Herrscher wohl ins Herz: Die eine: daß er über Mensehen herrscht. Die andere: daß er nach Gesetzen herrscht. Die dritte: daß er nicht auf immer herrscht. Job Heinrich Voss(1796). eKeldeasaqz jqleidiqesdialiet Deutschland baut unterirdische Flugreughäfen. Der alte Barbarossa, Der Kaiser Friederich, Im unterirdischen Schlosse Hält er, verzaubert, sich. Sein Bart ist fegt von Flachse, Er bleicht ihn täglich frisch, Und läßt ihn nicht mehr wachsen Um Genfs Verhandlungstisch. Von Stahl ist Helm und Krame, Der Reichsapfel brisant, Die Panzerplatten am Throne» Auch die sind allerhand. Sein Speer ist dreizehnschiissig. Im Fliegeroverall Nährt er sein Schlachtroß flüssig Mit Shell-Oel und Benzol. Sprich: bleibt der alte Kaiser Dort bis zum jüngsten Tag? Nein! Ihn hält im Ky ff hau ter Nur der Versailler Vertrag. Er schickt einen Hitler-Knaben Wohl aus. auf daß er merk', Ob schon genügend Raben Umkreisen seinen Berg. Und sind genügend Raben In Deutschland einst gebaut. Steigt er aus seinem Grabe Und bläst ins Hifthorn laut. Wenn Barbaro-SA. dann marschiert Gen Ost oder zum Rhein, Heiho und horridoh. das wird Ein Hakenkreuzzug sein! Jur 3Codisduil=!Be(eMsü&etqa&e „Die Zeit ist nimmer fern",«» Der Reichsführer der Deutschen Studentenschaft und de« Nationalsozialistischen Studentenbundes, Standartenführer Dr. St übel, hat folgende Verfügung an die geaamte Studentenschaft erlassen: „Mit sofortiger Wirkung ersuche ich sämtliche Dienst* stellen der DSt. und des NSDStB., auf straffeste SA.mäßig« Diensteinteilung und Dienstauffassung hinan wirken und ihre gesamte Organisation nach diesem Gesichtspunkte nachsu- prüfen. Nicht große Stäbe, Mitarbeiterkreise und Diskussionen entscheiden den Wert der studentischen Arbeit, sondern die zielklare, zähe und soldatisch« Haltung, die wir in der Schule der SA. gelernt haben. Ich verweise nochmals aufs nachdrücklichste auf meine Verfügung vom 5. Mära 1933, nach der jedes Mitglied de* NSDStB. SA.-Dienst zu tun hat. Ich mache die Hochschul* gruppenfnhrer und Kreisführer des NSDStB. für die restlose Durchführung dieser Verfügung verantwortlich. Di« Zeit ist nimmer fern, wo auf deutschen Hochschulen heb* Plag mehr ist für Leute, die zu vornehm sind, sich in dir Gemeinschaft der SA. einzuordnen. Ith werde in Zukunft keinen Führer einer Studentenschaft oder eines Kreises mehr bestätigen, der nicht eine länger« SA Dienstzeit hinter sich hat und sich in dieser als Kämpf«' bewärt hat. Ich werde darauf hinwirken, daß sämtlich« höheren Dienststellen der Studentenschaft nur noch mit SA.- Führern besetzt werden, und erwarte von diesen eine vertrauensvolle und reibungslose Zusammenarbeit mit den örtlichen SA.-Dienststellen und SA.-Hochschulämtern- Durch diese straffe Gliederung im Sinne des Organisators der braunen Armee, unseres Stabschefs, garantieren wir dem Führer die stetige Schlagkraft und Einsatzbereit* s ch a f t der jungen Generation, die das deutsche Schicks«! trägt." Qestapa qeqeft Hkicher' Jietischmiäq.ec und Qeisliäqec £w£ ü 4 Geheimes Staatspolizeiamt II D. 1863/33. Berlin SW. 11, 2. Januar 1934 Prinz-AIbrecht-Str. 8 An den Rowohlt-Verlag*» Berlin W. 50 Passauerstr. 8 9 Das in Ihrem Verlag erschienene und in der Leipziger Ver- lagsdrnckerei hergestellte Bach„Der Beginn der Barbarei in Deutschland" von Bernard von Brentano wird gemäß§ 7 der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze des deutschen Volkes vom 4. 2. 1933 (RGBl. I. S. 35 ff.) für den Bereich des Freistaates Preußen beschlagnahmt und eingezogen, weil der Inhalt geeignet ist, die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährden. In Vertretung; gez. Volk. Stempel de« Geheimen Staatspoliaelamte*. Beglaubigt: Hasler, Kanzleiangestellte. Hs— • Das Geheime Staatspolizeiamt ist auf dem Posten. Längst hatten viele Exemplar« des Brentanoseben Boche««uf Scheiterhaufen gebrannt. Längst war ea offiziell verboten Aber alles das genügt noch nicht. Der Verlag Rowohlt bekommt noch eine besondere Verfügung, obwohl er überhaupt kein Exemplar des Buches mehr auf Lager hat. Freilich, das Buch heißt:„Beginn der Barbarei in Deutsch- land". Dieses Thema ist nicht mehr ganz aktuell. Wir sin» schon seit langem mitten drin. « Im Verlag Opr e ch t n. H e I b 1 i n g, Zürich, erschein' soeben das neueste Buch von Bernard von Brentano„B e r- liner Novellen" mit Holzschnitten von Cl. Moreao« 5,50 Fr. in Leinen. „ JUeidekeeis" mdoim Irrläufer der Theaterzensur In Stettin sind die weiteren Aufführungen der Oper Ale«- v. Zemlinskys„Der Kreidekreis" verboten worden- Der nationalsozialistische Ganleiter habe weitere Aufführungen nicht für tnnlich gehalten,„da der Inhalt des Stück«' dem sittlichen Denken des deutschen Volkes widerspreche'* Die„Berliner Börsenzeitung" fügt ihrer Meldung hinan, man dürfe gespannt«ein, ob und wie sich diese Stellung* nähme einflußreicher Stettiner Kreise auf die bereit« sei' langem vorbereiten und für die nächste Woche angesetzt« Aufführung in der Berliner Stsslsspsr ans wirk«« werd«. Die Preise hodi! Tas Wirtschaftsamt dcS deutschen Buchdrucker-Vereines wendet sich erneut gegen die Steigerung der Papierpreise. Tas Wirtschaitsann behauptet, da« die Erhöhung der Zell- stofspreise auf das fertige Papier, das Zellstoff entHalle.- ata 2L Reichspscniiig je Kilogramm ausmache. In keinem Aalle dürften die Preiserhöhungen dazu führen, dan der Bedarf gedrosselt und der wirtschaftliche Aufstieg gehemmt werde. Preiserhöhungen, die IN. 20 ober für kleinere Tiengen gar noch mehr Prozente ausmachten, feien völlig indiskutabel. Bei(fiiuu'cfcl- und Packpapieren gehen die Preissteigerungen über 80 Prozent hinaus. Bei Maichincn» Icderlappcn, Strohpappen und maschinengrauen Pappen liegen die Preise bis zu 30 und 40 Prozent höher als bisher. 77 Im..dritten Reich" ist bekanntlich der Klassenkamps durch l>>e Volksgemeinschaft ersetzt.^ Um die Preise hoch zu halten, hat der deutsche Buch- dructcrverein beim Neichswirtschaftsmiuistcriiim beantragt, die Errichtung neuer Druckercibctriebe zu verbieten. An die Neuansstellung von Druckmaschinen soll die Bedingung der Verschrottung einer ähnlichen Maschine geknüpft werden. Klägiidi besudif Gewerkschaftsversammlung . T i e Dresdner Buchbind er hatten am 0. Januar un Paradiesgarteu in Zschertnitz dem Verbandsachschafts- wart Kloth über das Thema„Wie es im Verband der Buch- binder und Papierveraibetter vor der Gleichschaltung aus- iah" zuzuhören. Der Kloth erzählte von Riescngchältern, drohendem Finauzzusainmenbruch usw., ohne auch nur eine konkrete Zahl oder Tatsache anzuführen,«eine Rede gipfelte in Beschimpfungen des Marxismus und der Sozial- demokraten. Die Versammlung war elend besucht,- so dan bur wenige Buchbinder von dem Geschimpfe ans die„jü- disch«, und sonstigen verbonzten Führer" profitieren konnten. Selbst der offizielle Bericht gibt das zu:„Verbands- bezirksleiter Dip pel las denjenigen Mitgliedern, die nicht dur Versammlung gekommen waren, ganz gehörig den Text." KgzernenkowlMen-Nsnonenluller Weihnachten im„dritten Reich" wurde bei den Berliner Lcbeiismittelarbcitern so gefeiert: zuerst hielt Pg. Wolkersdörfcr eine Rede, die auch nicht einen ein- zigcn sachlichen und sinnvollen Satz enthielt. Dann wurde ein Drama„Bouzcntnm und Arbeitssrontgcist" von Alfred Racschke aufgeführt! ein Stück, in dem die Korruptionslüge mit der Fudcnhetze dumm verbunden war. Dem Lügen- und Hetzkitsch folgte der Hurrah-Kitjch:„Der Stolz des Regiments". Wolkcrsdörfers Blatt sagt hierüber:„Art und Wirkung des Stückes kann man vergleichen mit einer hoch- vrozcntig konzentrierten Lösung in Büchsen konservierter Kasernenhofblüten und Jnstruklioiisstunden-Witze, die nun >n unverdünnter Form von der Bühne in die Ohren der Hörer gespritzt wurden und Lachsalven entfesselten." Spotten ihrer selbst und wissen nicht wie. Dieses„dritte Reich" hat das Motto:„Bon der Kasernenhofblüte zum Kanonenfutter!" ver Douhott Ein amerikanisches Rundschreiben Der nationalsozialistische„Mainzer Anzeiger" fRr. 7) veröffentlicht folgenden Briest-«*•.,- r r,... Frauenvcrcinigung des Amerikanischen jüdischen Kongresses. Vertrauliche Mitteilung., Sehr geehrtes Mitglied? Vertrauliche Nachsorschcr unseres Bonkottausschnsses be- richten das Fortdauern eines verhältnismäßig großen Handelsverkehrs zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten. Nach der Statistik, die für die erste» 8 Monate dieses^ghres.errechnet wurde, gehen 10 Prozent des 1 eutschen Aussuhrhandeles nach den Vereinigten Staaten, w a s eine leichte Vermehrung gegenüber dcui H a il d e l s u m f a n g e zwischen den beiden L ä n- dern während des gleichen Abschnittes des vorigen Jahres bedeutet. Wir wünschen, Sie daran zu erinnern, daß der Erfolg der Bemühungen der zivilisierten Nationen der Welt, die W i c d e r h e r st c l l n n g der Rechte der„a n t i- Sst a z i"- F u d c n in Teutschland zu bewerkstelligen, zu einem beträchtlichen Grade aus dem Eriolg oder dem Fehl- ichlag des Gcgenboykotts gegen die deutschen Erzeugnisse beruht. Da die Sprache der Wirtschaft wahrscheinlich der ausschlaggebendste Faktor ist, um das deutsche Volk zum Verständnis der Falschheit der Versprechungen, mit denen es durch à i e H i t l c r r e g i e r u n g g e- füttert wurde, zu bringen, lastet die Verantwortung lür den Eriolg des Boukotts unmittelbar aus den Frauen, welche, wie es tatsächlich der Fall ist, den größten Teil der Kaufkraft des Volkes ausmachen. Wir bitten jedes Mitglied der Franenvereinlgnug des Amerikanischen jüdischen Kongresses, sich selbst als ein Einer- ausschuß auszutun, um den anti-Nazi-Gegcnbvnkott gegen deutsche Waren zu propagieren. Denkt daran! Filme, die in Deutschland hergestellt sind und in Amerika unter der Schirmherrschaft von Amerikanern gezeigt werden, Helsen, die Hitlerregierung an der Macht zu erhalten! Denkt daran! Rohstoffe sowohl als auch Fertigwaren komme» aus Deutschland in dieses Land. Seht nach den Ware»zeichen: „Hrgcstcllt in Deutschland." „Hergestellt in Sachsen." „Hergestellt in Bayern." „Hergestellt in Thüringen." Bitte, melden Tic uns die Namen der Geschäfte, wo Sie solche Güter ausgelegt finden mit oder ohiie Warenzeichen und die Art der Ware». Zu Ihrem Weg- weiser beim Einkauf fügen wir hier eine Liste der Waren bei, die kürzlich aus Deutschland in Amerika eingeführt wurden. Meidet diese Waren! Mi: aHfr!* 1'^'»» Gruß: gez. Louise W. Wise Mrs. Stephen S. Wise Präsidentin. Tic ii» Rohs,one und Fertigwaren wurden in den berslv.iineu Monaten von Teutschland in Amerika ein- Gerührt: Fertigwaren: Spitzen, Stickereien, Strumpfwaren, Baumwolle und Lcderhandschuhe, Haarnetze, Wolle und Wollwaren, Seide und Rayon, Druckpapier, Felle, irdene Waren, Porzellan, Glas und Glaswarcn, Kupfer-, Messing- Und Bronzcgegcnstänbe, Musikinstrumente, Uhren und Wanduhren, Spielwaren, Stahlwaren. Rohstoffe: Chemikalien und verwandte Erzeugnisse, *oh? Kalisalze, saure Kalisalze und Sulfat, Farbstoffe, Halben und Firnisse, Kohlentecrsarben, Flachs. Hani und Bute, chemischer Holzbrei und Papicrgrundstosf, Vichhäutc und Kalbfelle, Ziegen- und Zickcnleder, Rohalnminiirm und Ziün,<■<■».»,.<*»'*■- FiTme. Lustgarten Berlin 1934 Dr. Goebbels spricht Ober Gas„Gesetz zum Schutz der nationalen Arbeit", das eine reine Unternehmerdiktatur einfahrt, vor Berliner Arbeitern, ehe der Inhalt des Gesetzes bekanntgegeben ist „Die Regierung hat ein neues Arbeitsgesetz beschlossen."(„H»; i Hitler!")„Was drin steht, braucht Ihr nicht zu wissen!"(„Heil Hittler!"„So, und''■''- jeder nach Hause gehen!" („Heil Hitler!") ßoin der äentsdien Ausfuhr Die letzte sozialdemokratische beeinflußte Reichsrepierunj gab es vom Jahre 1928 bis 19.10. Damals halle Deutschland einen Außenhandel zwischen 22 und 27 Milliarden Mark. Nach drei Jahren marxistenreiner Regie- rerei, davon ein Jahr drittes Reich, ist der Außenhandel auf unter 9 Milliarden zusammengestürzt. Ein gleichgeschalteter Bericht lautet: Fin Fahre 19.38 hat der deutsche Außenhandel gegenüber dem Vorjahr, wie schon seit Monaten zu erkennen war, eine weitere erhebliche Einbuße erlitten. Seit 1929 ist er um rund 13 Milliarden, also um zwei Drittel ge- sunken. Darin spiegelt sich die Unordnung an den Welt- Märkten wider, die den gesamten Welthandel in gleicher Weise zerstört hat. Von 1929 bis 1982 ist der Welthandel von 290 auk 110 Milliarden NM., also ebenfalls um rund zwei Drittel gefallen. Mengenmäßig war der Rückgang allerdings bei weitem nicht so stark, da ein erheblicher Teil dcS wert- mäßigen Niedergangs auf das Konto des Preisrückgangs kommt. Davon war der Verlauf des Fahre» 1 933, da die Preise einigermaßen stabil blieben, jedoch bedeutend weniger beeinflußt. Wenn auch das vergangene Fahr noch eine erhebliche Ab- nähme im gesamten deutschen Wdrenvcrkehr gegenüber 1982 zeigt, so geht aus den einzelnen Monatsergebnisien von 1938 doch hervor, daß dicier Rückgang im Verlauf des letzten FahreS ins Stocken geraten ist. Der deutsche Außen- Handel, der im Fanuar v. F. 757 Mill. RM. betrug, stellte sich im Dezember 1933 annähernd aus 800 Mill. Mk. Er hat sich im Fahre 1933 also einigermaßen als stetig erwiesen. Diese Entwicklung stimmt ziemlich genau überein mit der Bewegung dcS Welthandels, dessen Umsätze, wie vor kurzem mitgeteilt, ans tiefem Stand stagnieren. Tie deutsche Einfuhr hat sich 1983 auf 1.20(i. Ii. 4.00), also um 10 Prozent, die Ausfuhr ans 1.37(5,741 Milliarden ld. h. um 15 Prozent verringert. Die Ausinhr ist alio stärker als die Einfuhr zurückgegangen. Tie Gründe dafür sind oft genannt worden: erschwerter Wettbewerb auf dem Weltmarkt, Zollerhöhunaen, Einsuhrkontinaenticrungen, Einfuhrverbote, deni'rntechniiche Schwierigkeiten. Valuta- abwertungen und WährunaSschwankunaen. DaS schärfere Sinken der Aussuhr batte den starken Rückgang des Aus- subrüberschusses von 1980 aus«67 Mill. RM. zur Folge. Er war im letzten Fahr um mehr als ein Drittel niedriger als 1932 und um rund drei Viertel niedriger als 1931, dem Fabr des größten Ausfuhrüberschusses. Die Abnahme deS Aktivsaldos der deutschen Handelsbilanz be- ruht zum Teil auk einer unterschiedlichen Entwicklung des Preisstandes von Ein- und Aussuhr. Von Fanuar bis De- zember 1988 sind die Einfuhrpreise nach einem Rück- aang um die FabreSmitte wieber gestiegen und haben sich schließlich von Oktober an etwas über dem Stand von An- saug dcS Fahres gehalten, während die Ausfuhrpreise unaufhaltsam weiter gefallen sind. Die E i n s u h r, die sich im Lause des vergangenen Fahres und:ri(•;. R. 831 und 410) Mill. RM bewegte, schritten, dagegen lagen die FahrcsdurchschnittSprcise trotz der Erholung ab Fahrcsmitte wie bei der Ausfuhr noch unter den vorjährigen. Von dem E i n s u h r r ü ck g a n g von 1932 ans 1988 in Höhe von 408 Mill. RM. entfiel der weitaus größte Teil aui die Einsuhr von Lebens- Mitteln und Getränken, die von 1,493 Mill, ini Fahre 1932 auf 4,082 Mill. RM. 1933 zurückgingen. Eben- falls rückläufig war die Einfuhr von Fertigwaren l— 57,2 Mill. SUM.). Roh stos se und halbfertige Waren überschritten mit 2,42» Mill. RM. de» Vorjahrsstand in» 8,7 Mill. RM. Es ist dies der einzige Posten in der getarnten letztjäbrigen Handelsbilanz, der gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung aufweist.„ Die Abnahme der A u s s u h r gegenüber dem Voriahr war absolut und relativ bei der F e r t i g w a r c n a n_3= fuhr am größten. Tie verminderte sich von 4,489 aus 3,780 Millionen RM. Relativ erheblich hat auch die Ausfuhr von Lebensmitteln und Getränken abgenommen. Rohstoffe und halbfertige Waren sind um 128 ans 908 Millionen RM. zurückgegangen. Die nachstehende Zusammenstellung gibt die hauptsächlichen Ergebnisse des deutschen Außenhandels seit 1929 wieder: sin Milliarden SUM.) 1929 1980 1981 1982 1933 Gesamter Warenverkehr 26,9 22,4 16.3 10.4 9,0 Einfuhr Ausfuhr 18,4 10.4 6,7 4.7 4,2 18,5 12,0 9,0 5.7 4.8 Ausfuhrüberschuß 0,04 1.04 2,87 1,08 0,67 zwischen 321 has tN'".5'v .,ïs- drn '6 nur wenig unter- Aus der Entwicklung, die aus dieser Tabelle deutlich spricht, hat Deutschland bereits die nötigen Lehren gezogen. Zur Erfüllung deS Zinsendienstes unserer A u s l a n d s sch n l- den— wohlgemerkt: an eine Tilgung dieser Schulden oder an eine Stärkung unserer W ä h r u n g s r ü ck l a g e ist dabei nicht c i n m a l g c- dacht— müßte der deutsche Außenhandel, wie Dr. Schacht kürzlich mitteilte, monatlich 74 Millionen NM. aufbringen. F m Durchschnitt dcS Fahres 1983 betrug der monatliche Außenhandelsüberschuß jedoch nur 50 Millionen RM. Dieser lleberschuß wird aber nicht einmal ganz in Devisen bezahlt, denn bekanntlich erfolgt die Abgeltung eines erheblichen Teils des Ausfuhrüberschusses durch Verrechnung von ausländischen Forderungen tSvcrrmark und Auslandbonds). Im letzten Halbjahr stellte sich die tatsächliche Devisen- einnähme monatlich nur ungefähr a u s 25 Mil- lion en 31 M. An eine volle Bezahlung bzw. Tran?- fericruna d-v dem Av'la'-d schuldigen Zinsen in bar. also in D>-•"" n er diesen Umständen nicht gedacht werden. Sfraßbnrger Wochenbericht Straßburg, den 19. Januar 1934. Steigerung des Straßburger Hafenverkehrs Der Straßburger Rheinhafen. der heute schon zu den bedeutendsten Europas gerechnet werden kann und der die in der Nähe vorhandenen deutschen Rheinhäfen bereits weit überflügelt hat, brachte es im abgelaufenen Jahr auf einen Gesamtumschlag von 5 191 481 Tonn en gegen 4 902 41 1 I onnen im Jahre 1932. Eingeführt wurden 3■'H 117 Tonnen, die Ausfuhr betrug 1618 064 Tonnen. Insgesamt liefen 5023 Schleppschiffe ein. Das Verhältnis zwischen Aus- und Einfuhr glich dem im vergangenen Jahr, gestaltete sich jedoch nicht so günstig wie in den Jahren der Hochkonjunktur. Den größten Anteil am Umschlag hatte die Kohle mit 2 Millionen Tonnen, die Kali ausfuhr war weiter rückgängig, während die Ausfuhr von Eisenerzen das Vorjahrsergebnis erreichte. Die allgemeine Krise machte sich auch im Hafenverkehr bemerkbar, konnte aber durch stärkere Bevorzugung des Verkehrs mit der Schweiz in erträglichen Grenzen gehalten werden. Die KPO. bleibt hei der„Volksfront" Eine für das kommunalpolitische Leben der Stadt bedeutsame Entschließung faßte die vor einigen Tagen durchgeführte Mitgliederversammlung der KPO. Gegen eine nur geringe Minderheit billigte die Versammlung den von der Führung gesteuerten kommunalpolitischen Kurs und verwarf die Diskussionen, die in letzter Zeit im Zentralorgan„Neue Welt" gegen die Volksfrontpolitik aufgetaucht waren. Den Gerüchten über ein Auseinanderbrechen der„Volksfront", die sich bekanntlich aus kommunistischer Oppostion, Autonomiste» und Klerikalen zusammensetzt, ist damit der Boden entzogen. Sie will keine Millionärin sein Bei der letzten Ziehung der Nationallotterie, die trotz Stavisky-Skandal die Gemüter immer wieder in Erregung versetzt, soll auch eine Million nach Straßburg gefallen sein. Bis jetzt war für diese Nachricht nur eine vage Bestätigung zu erhalten. Doch der findige Reporter einer hiesigen Zei- Sfrasbourg CVfCZ ARMAND 4,»-Stundenwoche und freier Samstagnachmittag In seiner zweiten Sitzung im neuen Jahr beschloß der Gemeinderat mit großer Mehrheit für die städtischen Arbeiter die 45-Stundenwoche und den freien Samstagnachmittag einzuführen. Hoher Besuch Am Dienstag stattete der Unterstaatssekretär im Kriegsministerium, Herr Guy La Chambre, von einer Inspektionsreise aus Lothringen und Unterelsaß kommend, auch Strasbourg einen Besuch ab. Der Zweck seiner Reise war, sich über die Verhältnisse bei den Truppen zu orientieren. Der Minister versicherte, daß er die besten Eindrücke mit nach Paris nehme. Er erklärte den Pressevertretern:„Der Wert des Schildes, das die Grenze schützt, liegt nicht nur in der materiellen Widerstandsfähigkeit, sondern auch in der moralischen Kraft. Und wenn diese beiden Elemente zusammentreffen, kann nichts den Zement der Fortifikationen angreifen!" Forderungen der Arbeitsinvaliden Die in Strasbourg zusammengetretene Exekutive der Arbeitsinvaliden unterbreitete der Regierung verschiedene Wünsche, die sich auf die Invaliden-, Alters-, Hinterbliebenen-, Unfall- und Knappschaftsversicherung sowie auf das Gesetz Lambert beziehen. Zusammenlegung von Gerichten Im Departement Bas-Rhin werden die Kantonalgerichte von Schirmeck mit dem von M o I s h e i m und von Erstein mit dem von B e n f e I d zusammengelegt. Straßburger Index 596 Die Indexziffer-Kommission hat unter Zustimmung der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen den Detailpreisindex der wichtigsten Lebensbedürfnisse auf 596 wie im Vormonat einstimmig festgelegt. Noch ein ehrlicher Finder Eine Brieftasche mit 2000 Fr. fand dieser Tage Hèrr Schell am Faubourg National. Er lieferte sie dem Verlierer wieder ab. Nur nicht so stürmisch! Ein Auto rannte auf der Schirmecker Straße eine Benzinpumpe glatt über den Haufen. Die Pumpe wurde abgeknickt, an dem Auto entstand erheblicher Sachschaden. Preisfrage: Hatte das Auto ro großen Durst nach Benzin, daß es im Sturm die Pumpe nahm, oder hatte der Besitzer schon so viel Durst gelöscht, daß.., Unter den Gewerbslauben 75 (1. Stock Telefon Nr. 44.16 Dauerwellen nach neuest. Syste« 50.- 6 Monate Garantie Haarfärbei mit liecta 30.- Blondmacben der Haare 15.- Sämtliche Arbeiten werden nur von ersten Spezia, listen ausgeführt, da ich in meinem Salon nur erste Kräfte beschäftige. Geöffnet den ganzen Tag v. 8 Uhr früh bin 7 Uhr abends Bei Vorsei so, dieser Aeeeecr erlitte ieder Sende eise PrikHee ,reCie Die„Deutsche Freiheit" Einzige unabhängige Tegosxeitung Deutschlands mufj man regelmäßig lesen Bestellschein Ich ersuche um regelmäßige Zusendung der„Deutschen Freiheit" Name:— tung hat das Glückskind gefunden. Es ist eine verwitwete Wirtin von 36 Jahren, die in einem Vorort ein gut gehendes sauberes Wirtschäftchen betreibt. Die Millionärin wurde am Radio von der Nachricht überrascht, daß sie die Million gewonnen hat. Aber sie möchte ihren Namen nicht in der Zeitung haben. Die leuchtenden Augen und die roten Backen der jungen Wirtin, auch das Geraune der Nachbarn sind vollgültige Beweise. 100 Frauen gehen in Ferien Der Konsumverein Strasbourg teilt mit, daB er auch dieses Jahr wieder hundert Frauen aus dem Kreise seiner Mitgliedschaft einen kostenlosen achttägigen Ferienaufenthalt im Hotel„C o o p«" in den Vogesen gewährt. Außerdem schickt der Konsumverein dreißig Kinder von Mitgliedern zu einem vierwöchigen Ferienaufenthalt auf die Insel Oleron im Atlantischen Ozean. Von dieser Gunst werden natürlich nur die treuesten Mitglieder des Vereins betroffen. Ein Ansporn mehr, dem Verein die Treue zu bewahren! Acht Diebe gefaßt Eine achtköpfige Diebesbande, deren ältestes Mitglied 27 Jahre zählt, während das jüngste kaum 16 Lenze hinter sich gebracht hat, wurde von der Polizei festgenommen. Spezialität: Autodiebstähle. Der treudeutsche Saarländer Aus Homburg in der schönen Saarpfalz stammt der Held. Heinrich S a h n e r heißt er, seines Zeichens Handelsvertreter. Als er in Straßhurg die nötigen Mengen des guten elsässisehen Bieres genossen hatte, erwachte seine teutonische Kraft. Er stieg auf den Tisch, hielt an„sein Volk" eine Rede und verlangte dann von der Kapelle, daß sie das„D e u t s c h- 1 a n d 1 i e d" spiele. Dafür hatte aber weder der Kapellmeister, noch das Publikum Verständnis. Doch unser kraftstrotzender Teutone aus Homburg— vielleicht liegt seine Wohnung dort in der Nähe des Irrenhauses— wurde nun erst recht stark. Mit lautem Geschimpfe und Ge.brülle suchte er den Widerstand zu brechen, der ihm hier in Form von passiver Resistenz entgegentrat- Als er gar zu tollwütig wurde, nahm ihn die Polizei in ihre sanften Arme und verbrachte ihn auf die Wache, wo er dann seinen Rausch aus schlafen konnte. Am nächsten Morgen zog er betrübt wie ein Lohgerber wieder ab. Sonst geschah ihm nidita. Leider! Straße i Orb... den Verlag der„Deutschen Freiheit" Saarbrücken 3• Scbüfzentfraße 5• Postschließfach 776 Der blutige Finge- auf der Straße In der Rue du Faubourg de Saverne stieß in den Abendstunden ein dort spielender Knabe auf einen blutigen Finger. Er lieferte den sonderbaren Fund auf der Polizeiwache ab, die feststellte, daß sich ein Bewohner einer angrenzenden Straße diesen Finger ausgerissen hatte, als er mit seinem Ring an einem scharfen Gegenstand hängen blieb. Der Unglückliche wollte eine Katze einfangen und zog sich dabei die Verletzung zu. Die Steuermarkendiebe gefaßt Für fast 2 5 Millionen Fr. Wechselstempelmarken wurden im März vergangenen Jahres in Strasbourg aus dem Direktionsgebäude des Enregistrement des Domaines et du Timbre gestohlen. Nun gelang es, in Paris zwei Russen festzunehmen, die Marken im Werte von einer Million Fr. bei sich trugen. Es scheint, daß es sich bei den Dieben um eine weit verzweigte, meistens aus Ausländern bestehende Bande handelt, die das Gewerbe des Steuermarkendiebstahls berufsmäßig betrieben haben. A. K. 17. 9. 25 Am Altenheimer Hof wurde aus dem Rhein die L e i dl e einer noch unbekannten dreißig Jahre alten Frau geländet, die einen Ehering mit der Inschrift trug: A. K. 17. Oktober 25. Die fleißigen Schweizer und die„faulen" Franzosen Im Schnellzug Basel—Strasbourg schimpften dieser Tage zwei Herren ganz gehörig auf die„französische Schlamperei". Der eine meinte sogar, nachdem er wieder einmal den„rein deutschen Charakter" des Elsaß festgestellt hatte, die französische Bevölkerung arbeite nicht, sie schlafe am Tage und nachts treibe sie sich in Vergnügungslokalen herum. Der Herr mag nicht wenig erstaunt gewesen sein, als am nächsten Morgen so gegen zehn Uhr ein Beamter der Fremdenpolizei an seine Zimmertür klopfte und bei dem Kritiker der „faulen und vergnügungssüchtigen Franzosen" Einlaß begehrte. Unser Schweizer aalte sich um diese Stunde noch im Bett. Der Beamte hatte Humor und meinte, daß Herr Nationalrat Otto Walter ans Ölten, Generaldirektor der gleichnamigen Verlagsanstalt— um diesen handelte es sich nämlich— schon einiges von den„schlechten Eigenschaften" der Franzosen angenommen habe. Nachdem der Herr sich genügend legitimiert hatte. ließ die Fremdenpolizei den Franzosenfresser wieder in Ruhe,„denn wir sind ja nich» in Hitler-Deutschland, sondern in Frankreich," meint ein hiesiges Blatt, das den Vorfall zum Ergötzen seiner Leser einer breiteren Oeffentlichkeit zur Kenntnis brachte. Immer wieder„siegreich wollen wir.. In Friedlingen an der Rheinbrücke gegenüber von H ü n i n g e n spielte am Sonntag eine Musikkapelle aus Weil das bekannte Revanchelied„Siegreich wollen wir Frankreich schlagen". Man kann der„tapferen" Kapelle für diese Illustration der Hitlerschen Friedensreden nur dankbar Jack Hylton in Strasbourg Am 25. Januar gastiert Jack Hylton mit seinen berühmten Musikern im Sängerhaus. Vorverkauf S. Wolf in der Meisengasse. Brauerei-Abschlüsse Die Grande Brasserie Alsacienne d'Adelshoffen in Schiltigheim weist im Jahresabschluß einen Reingewinn von 1,47(1,43) Millionen Fr. aus und verteilt eine Dividende von 20 Prozent. Bei der Brasserie de l'Esperance in Schiltigheim lauten die Zahlen 1 883 373(1 879 298) Reingewinn und ebenfalls 20 Prozent Dividende. E. D. Cabinet Juridique Intern. Juristisch« Interna ional tflro ftrasbourit S, rue des Francs»Bourgeois, Building, chambre 93. Beratung und Baarbaltung van deutschen Rechttangelegenheiten und Presesien• Wirtschafts- und Finansberatung- Vermögensver. waltungen• Treuhandtätigkeit. Q"V Grand'rue v ff nur(.Stock STRASBOURG Orosse Auswahl In Pelw kragen ah X Fr,Pelz- jaquettes ab 175 Fr, Pelzmäntel ab 3SL Fr, /sab.- und Skunksfüdtu ab IX Fr, Skanks-Col• lien and Ediarpei ab X0 Fr. Reparatur. 5CFh Ersparnisse 1421 Auch dla„Klaina Anzeige" in dar „Dautschan Frai- halt"bringi Erlolg Ausländer Im„drlflen Reich" Die Frage, wie Kellner die Ausländer im dritten Reich de» handeln sollen, untersucht ein Mann namens Voecks aus- siihrlich im Nahrungsmittelarbeiter,' vor allem haben sich die Kellner so zu benehmen:„Jeder Ausländer, der Teutschland besucht, soll erkennen, daß unsere Weltanschauung im ganzen deutschen Volk ihre Verankerung gesunden hat... Die Gatt- stätten-Angestellten, die zum übergroßen Teile treue An- Hänger des Nationalsozialismus sind, müssen es sich als ihre Ehrenpflicht betrachten, den ausländischen Gast, er möge sich so hoch dünken wie er wolle, zu überzeugen, daß mir selbst- bewußte deutsche Nationalsozialisten geworden sind, die wohl den Ausländer achten und es im Beruf niemals an Höflich- feit und Zuvorkommenheit fehlen lassen werden sowie die bisherigen anerkannten guten Eigenschaften auch weiter zu beherzigen wissen, aber demütige Unterordnungen und Liebedienerei mit all ihren üblen Folgen ablehnen. Schikanen, Uebergrikse, Anmaßungen oder gar Verächtlich- machung unserer Staatsform und Staatseinrichtungen seitens ausländischer Gäste weise man höflich, aber mit Be- stimmtheit zurück. Die bestehende entwürdigende Entlohnung der Kellner lehnen wir Nationalsozialisten ab. Solange sedoch dieses verwerfliche Gnstem noch besteht, möge der Ausländer erfahren, daß auch das beste Trinkgelb nicht imstande ist. einen deutschen nationalsozialistischen Gaststätten-Angestellten zu beeinflussen. Auch jenen Kollegen, die im Ausland ihr Brot suchen, wird ans Herz gelegt, stch mit Stolz deutscher Nationalsozialist zu nennen... Gleichzeitig muß sich bei den ausländischen Gästen die Ueberzeugung durchsetzen, daß wir deutsche Gaststätten-Angestellte keine kriechenden, um Trinkgeld bettelnden Lakaienseelen sind... Die Jahre der Schmach und Schande, hervorgerufen durch einen mahn- witzigen, lächerlichen Siegesdüntel unserer Feinde und die uns bis an den Abgrund gebrachte(!) Irrlehre der ver- sloffenen Regierung, ließen uns hart und verschlossen werden. Auch wird sich heute wohl kaum noch ein deutscher Ar- beitgeber finden, der einen pflichttreuen nationalsozialistischen Angestellten wegen der Launen eines fremdländischen Gastes auf die Straße setzt. Wir alle wissen, daß der Deutschland besuchende Ausländer nicht kommt, um uns armen Deutschen zu Helsen, sondern einzig und allein darum, aus seinem Ausenthalt die größtmöglichen Borteil« zu ziehe«... Seit euch eurer Bedeutung... dem Ausländer gegenüber im In» und Auslände bewußt und seid überzeugt, daß man mit eisernem Willen und ausrechtem Charakter mehr schafft, als mit einem gebeugten Lakaieurffcken." nensdienränber Amerikanischer Bankier entführt St. Paul sMiuuesotaj, 10. Jan. Der«ßjährig, Bankier Edward Bremer, Sohn eines wohlbekannten Brauers, ist von Menschenräubern entführt worden. Die Verbrecher oer- langen ein Lösegeld von 200 000 Dollar. Die Familie oer- weigert der Polizei gegenüber jede Auskunft, um das Leben des Entführten nicht in Gefahr zu bringen. Van der Lübbes Leichnam Die gefürchtete Obduktion lInpreß.s Dänemarks größte Tageszeitung„Politiken" weidet aus Amsterdam, daß der Stiefbruder van der Lübbes beim Oberreichsanwalt vorsprach, damit Werner die von der Reichsregierung zunächst genehmigte Auslieferung der Leiche veranlasse. Der Oberreichsanwalt erklärte, dies sei nicht möglich. Nach einem heftigen Wort- Wechsel zwischen Werner und Lübbes Stiefbruder telefonierte Werner an die Reichsregieruug und gab dann dem Sties- bruder die Erlaubnis, beim Begräbnis anwesend zu sein, falls er eine Erklärung unterschreibe, daß er auf eine Obduktion der Leiche verzichte. » , lJnpreß.) Unser Londoner Sonderkorrespondent hatte eine Reihe von Interviews mit hervorragendsten englischen Aerzten, u. a. mit dem früheren Parlamentsmitglied, dem -wndoner Stadtrat Somerville Hastings, dem Mitglied des Unterhauses Dr. Salter und Dr. Jane Walker. Die Aerzte, die über das Verhalten der deutschen Regierung empört waren, gaben folgende Erklärung ab: „Ich protestiere auf das entschiedenste dagegen, daß die deutsche Regierung die Erlaubnis verweigert hat, die Leiche van der Lübbes von Deutschland nach seinem Geburtsland? Holland zu überweisen. Ich bin überzeugt, daß wllein eine solche Ueberführung und die Obduktion in der Lage gewesen wären, den bei vielen Menschen in allen Ländern be- stehenden Verdacht zu widerlegen, daß van der ^ubbe aus Befehl der deutschen Regierung Medikamente «»geführt worden sind, damit seine geistige Aufnahmefähig- kcit vermindert werde." Einer alien notier Kreuzweg nm ihren Sohn DimitrofFs Mutter verlangt im Innenministerium die Freilassung ihres Sohnes kauft schöne Diamanten, Perlen, Silber, Gold VERKAUF! Paris, 43, rue Lafayette. Expertise none Champerrei Botel Grill-Boom Berliner j73. ßd. Berthier. tél. Carnot 72-47 Möblierte Wohnungen. Aller Komfort Badezimmer Küche Monatlich und wöchentlich. 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Dimitroff kommt wahrsdbeinlich in ein Konzentrationslager Am 16. Januar erhielt die betagte Mutter Dimitrofss die Genehmigung, ihren Sohn im Leipziger Gefängnis zu be- suchen. Die kurze Unterhaltung zwischen der alten Frau und ihrem Sohn fand unter strenger Bewachung durch die Nazis statt. Am gleichen Tage noch fuhr Frau Dimitroff nach Berlin und es gelang ihr, eine Besprechung mit einem Ver- treter des Innenministeriums zu erreichen, um sich persön- lich für die Freilassung Dimitrofss einzusehen. Ministerialrat Erber empfing Frau Dimitroff, die von einem bulgarischen Dolmetscher begleitet war. Das Ergeb- nis dieses Interviews kann schwerlich als beruhigend an- gesehen werden, obwohl versprochen wurde, innerhalb einer Woche eine Entscheidung über das Schicksal Dimitrofss und der übrigen Bulgaren zu treffen. Frau Dimitroff sagte Herrn Erber. daß sie die entsetzliche Spannung nicht länger ertragen könne. Seit seiner Frei- sprechnng habe sie nicht aufgehört, Briefe und Telegramme mit dem Angebot jeder nur möglichen Garantie für seine sichere Ausreise aus Deutschland an die maßgebenden Stellen zu richten. Keiner dieser Vorschläge sei angenommen worden. „Wann wird er endlich, entsprechend dem Gerichtsurteil, in Freiheit gesetzt werden?" Ministerialrat Erb er erklärte, Dimitrofss Benehmen vor Gericht sei so ungehörig gewesen und seine politischen Ansichten seien so gefährlich, daß die deutsche Regierung daS Recht und sogar die Pflicht habe, seine Freilassung und AuS- reife aus Deutschland sich sehr zu überlegen.„Denn er wird, daS wissen wir, seine Kampagne gegen den Nationalsozialismus fortsetzen." „Aber das Gericht hat ihn doch des Verbrechens, dessen er angeklagt war, nicht für schuldig befunden," sagte Frau Dimitroff,„und Tie haben kein Recht, ihn in Schutzhaft zu behalten. Sie behalten ihn ja in Wirklichkeit nicht zu seinem Schutz,, sondern seiner politischen Ansichten wegen im Ge- fängnts." Erber antwortete, daß eine große Anzahl Deutscher ihrer politischen Ansichten wegen in Schutzhaft j„Sch utz"- hast!") gehalten würden. Die deutschen Behörden seien sehr ungehalten wegen der Propaganda, die vor, während und nach dem Prozeß im Auslande gemacht worden sei. Hätte Dimitroff sich anders benommen, so wäre eine Entscheidung über seine Zukunft früher gefallen. Aber sie würde in dieser Woche getroffen werden. „Es gibt dasür zwei Möglichkeiten," erklärte Herr Erber. „Entweder werden die Bulgaren weiter in Schutzhaft ge- halten, oder sie werden ans Deutschland ausgewiesen wer» den. Eine andere Lösung gibt es nicht. Man wird sie nicht schlecht behandeln, aber der Dauer ihrer Ge, s a» g e n s ch a s t ist keine Grenze gesetzt." Frau Dimitroff, deren innere Erregung während der Übersetzung der Antwort Erbers begreiflicherweise immer größer geworden war, konnte angesichts dieser Erklärungen nicht mehr an sich halten. Mit vor seelischer Erschütterung zitternder Stimme fragte sie: „Was kann ich für meinen Sohn tun? Ich kann doch nicht ewig hier bleiben?" Herr Erber antwortete, daß sie weiter in Teutschlano bleiben könne oder auch nach Bulgarien zurückgehen könne. Er empfehle ihr das letztere. * Nach ihrer Rückkehr ins Hotel wurde Frau Dimitroff von dem Vertreter einer führenden englischen Zeitung inter- viewt. Er fragte Frau Dimitroff, was sie nun zu tun ge- denke. „Ich habe nur noch einen Lebenszweck." antwortete die alte Frau,„nämlich Georgis Freilassung zu erwirken und zu sichern. Ich werde durchhalten bis zum Ende. Wenn er frei ist, kann ich irgendwo sonst hingehen, oder auch hier- bleiben. Dann kann ich ruhig sterben." Ans die Frage des Journalisten, ob sie glaube, daß ihr Sohn seine außerordentlich tapfere Haltung weiter be- wahren werbe, antwortete sie: „Dessen bin ich ganz sicher. Es kann gar nicht anders sein. Er lebt ja nicht für sich selbst. Er hat immer gekämpft und wird immer für seine Mitmenschen kämpfen." * Im Leipziger Gefängnis sind die bulgarischen Ge- faugenen in Einzclzellen auf verschiedenen Stockwerken untergebracht. Sie haben pro Tag zu verschiedenen Zeit- punkte» zirka zwanzig Minuten körperliche Bewegung. Sie dürfen Besuche empfangen, aber es besteht dauernde Uu- sichcrheit, ob man ihnen diese Vergünstigung weiter zu- billigen wird. Wenn Frau Dimitroff und Frau Baramova, die Schwester Dimitrofss eine Besuchserlaubnis bekomme», dann findet der Besuch stets in Gegenwart eines Wärters und eines Dolmetschers statt und jeder Satz muß, damit der Wärter ihn vorher hört übersetzt werben. Ifampl Im Kabinett? London. 20. Jan.„Daily Herald" meldet aus Berlin, daß im ReichSkabinett ein Kampf um Dimitroff, Popoff und Tanefs entbrannt sei. GöbbelS und Neurath seien für die Freilassung, die sie mit außenpolitischen Rücksichten be- gründen Göring erklärt, die Freilassung sei Verrat gegen den Staat. Erfolge sie. so werde er mit seinen Freunden, die seine Auffassung teilen, Protestkundgebungen organisieren. Hitler hat einen Entschluß noch nicht gefaßt. Leipzig, 20. Jan. jInpreß.s Die Verwaltung des Leipziger Gefängnisses hat der Mutter Dimitrofss alle Gegenstände, über die ihr Sohn verfügte, übergeben, mit Ausnahme der- jcnigen, die er lausend braucht. Danach wird an eine Frei- lassung nicht mehr gedacht. foisfen* für Mkmaekev? Umständehalber verkaufe ich mein Engros«Geschätt in Paris Farnitaren and Werkzeuge tfir Uhr mâcher and Go darbeher, mit an, geschlossener Reparatur nabtellang zu außerord. günst."ed. Zentral^eieg. Mod. Organis, und Einriebt. Ki Miete. Vertr. 9 Jahre. Franz. 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Ter Minister betont u. a.. daß die in der Heiratsurkunde der Eltern vermerkte Fest» »cllung ihrer christlichen Konfession die nichtarische Abstam- iniing des einen oder beider Elternteile nicht ausschließe. Eine Nachprüfung und ein Zurückgehen auf die Urgroßeltern werde insbesondere dann erforderlich sein, wenn der Name jüdisch klingt oder sonstige Umstände vorliegen, die darauf schließen lassen, daß die Großeltern ursprünglich Juden waren. Ein G r o ß e l t e r n t e i l sei aber nur bann als nicht»— oriidj anzusehen, wenn seine beiden Eltern nichtarisch waren. Jos von den Flucti- und Rodiclicderni" wen» fein Vater oder dessen Vater oder Mutter nichtarisch'«à-VS» VRR Ubjll■ lUUI Uli Ii\MW\ßU U\ß*■■• war. Wenn standesamtliche Register, Gerichtsakten usw. keinen Aufschluß geben können und auch sonst nicht nachzu- weisen ist wer der Bater war werde es dabei sein Bewenden haben müssen. Ein uneheliches Kind soll bei arischer Her- kunst mütterlicherseits bis zum Beweise des Gegenteils als arisch angesehen werde». I Kardinal raolhabcr Uber das Alle Testament „Geföhrlldie Psijdiose" Amtlich wird mitgeteilt: In der lebten Zeit gehen bei den Behörden vielfach Postkarten. Bilder und Plakate ein, in denen eine versteckte kommunistische Propaganda gewittert wird. In den Haaren eines KvpsbildeS will man, obwohl es sich nm eine Photographic handelt, das Gesicht Lenins erkannt haben, in der Ohrmuschel gar ein unzüchtiges Bild. Auf einem Plakat hat man einen eingeschlagenen Schädel und Bezirk Temple gegen Barzahlung billig abzugeben i Restaurant 'Plcerie, schönes Qt- "hdft, Wohnung im L flock. Zuschriften an Publicité Metel. 51. Rue 'urbigo, Nr»77. 4 Simmer lh altem Gebäude, jeg- •'her Komfort HfjOU dhriieh Opéra 71-66 Werbt tue die „Deutsche Jceiheit" bintcjui und Auslösung voon Versatzamt BRILLANTEN. GOLD SILBERWAREN. UHREN ^gliche(ielegenheitS' Verkauf ! BETTER, 41. FALBOUR(. 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Er hat dem sittlichen Streben höhere Ziele gesteckt, den Bau der sittlichen Ordnung höher geführt, den ringenden Seelen reichere Gnade gegeben.„Wo die Sünde in Fülle war, flutet die Gnade in noch größerer Fülle." sRöm. 6, Sll.s Christus hat im besonderen die zehn Gebote auch weiterhin gelten lassen als Unterbau der christlichen Sittenordnung und sie dadurch ausgewertet, daß er die mosaischen Gebote als seine Gebote neu verkündete.„Willst du zum Leben eingehen, halte die Gebote," sMath. 19, 17.) Christus hat das Vielerlei der alttestamentltchen Gebote in dem einen Gebot der Liebe zusammengefaßt und damit, wie sein Jünger sagt sRöm. 13, 10), das ganze Gesetz der Vorzeit erfüllt. Wir haben kein Recht, für unrein zu erklären, was Christus für rein erklärt und in sein Evangelium übernommen hat. Wohl aber dürfen wir und müssen wir von den Schatten der alttestanientlichen Sittenlehre uns frei machen. Die Losung unserer Tage'„Los vou den Schatten des Alten Testamentes! Los von allem, was Cham und Onari und Tbamar ist!"„Brüder, ihr seit zur Freiheit der Kinder Gottes berufen," schreibt der Apostel, ihr habt da» Joch der allen Gesetze abgeworfen,„ihr dürft aber diese Freiheit nicht gebrauchen, um dem Fleische nachzugehen." sGal. 13, 19.) Los vom Alten Testament kann für uns nur bedeuten: Los von dem Pharisäiomus, der so wenig von den vielen Lichtern des Alten Bundes spricht und so viel von seinen wenigen Schatten! Der am eigenen Volk nichts als Lichter und an anderen Raffen nichts als Schatten findet! Los von den Fluch- und Räch"- l i e d e r n des Alten T e st a m c n t e s! Der Haß: st keine ch r i st l i ch e Tugend, gleichviel gegen wen er sich richtet. Rachsucht ist Rückfall in die jüdische Vorzeit. Los von der Lügenhaftigkeit Jakobs und von der Genußsucht eines Ecelesiastes! Wir müssen uns von den Schatten der altjüdischen Sittenlehre freimachen. * Diese Rede hörten auch Tausende von gläubigen Katho- Iihen. Liest man sie, dann begreift man nicht nur ihre außerordentliche Wirkung, sondern auch den maßlosen Zorn der bayerischen Nationalsozialisten wider den baye- rischen Kirchenfürsten. Die täglichen Fluch- und Rache- lieber, aus dem Mund von Führern, praktiziert von den unteren Instanzen in den Gefängnissen u. Konzentrations- lagern, werden hier nicht als heiliger Wotanszorn, sondern als alttestamentarische Erbschaft gekennzeichnet. Die An- klage gegen das herrschende System wird zugleich in eine unfaßbare Form gekleidet und eingebettet in die christliche Sittenlehre... Man begreift die täglichen braunen Gebete, daß eine glückliche Vorsehung Kardinal Faulhaber zu Konzen- lrationslager verhelfen möge. Gebete, die bis zur Stunde trotz Anrufung mächtiger Leute keine Erhörung gefunden haben. inen Kommunistenkops verborgen gefüNben. Freilich müßten sich die Beschauer dieses Plakats, das üblicherweise angeklebt oder ausgehängt ist, ans den Kops stellen, um in den Genuß dieser Vexierbilder zu gelangen. Von zuständiger Stelle wird solchem politisch»» Ueberetfer entgegengetreten, durch den eine unnötige Bennrnhigvng der Bevölkerung heroorgeruien und berechtigte Interessen geschädigt werden. Die Dienst- stellen werden angewie>». diesem sinnlosen Treiben, das leicht zu einer gefährlichen Psychose ausarten kann, mit allem Nach- druck Einhalt zu gebieten. Japans neuer Raubzug Ultimatum an Tschachar Pelina, Ist. Jan. Einer Meldung der Zeitung„Sunbao" zufolge haben die japanischen Militärbehörden der chinesischen Provinzregierung in Tschachar folgendes Ultimatum über- reicht: l. Die chinesischen Truppen räumen sofort alle von ihnen besetzten Stellungen an der Großen Mauer bei Liminzu. 1 Die chinesischen Truppen werden in eine entmilitari- sierte Zone übergeführt, die aus Grund des in Tanlu abgeschlossenen chinesisch- japanischen Waffenstillstands- abtommens erweitert wird. 8. Die chinesischen Behörden heben alle Verbote ans, die die Verbreitung von mandschurischen Flugblättern in dieser Gegend untersagten. 4. Sollten die chinesischen Behörden diese Bedingungen nicht erfüllen, werden die japanischen Truppen zu mili- tärischen Operationen übergehen. Nachspiele zu Stavishu Paris, 10. Jan. In den Wandelgängen der Kammer kam es Freitagvormittag zn einem tätlichen Angriff des Abge- ordneten Lagrosilliers von der sozialistischen Partei mit dem Abgeordneten Desire Ferry, dem Direktor der nationalistischen„Liberie", wegen eines Donnerstag in diesem Blatt erschienenen beleidigenden Artikels gegen Lagrosilliers. verabreichte seinem Gegner eine Reihe von Ohrseigen. Ferry konnte nicht entsprechend antworten, weil sofort Angestellte der Kammer die Gegner trennten. Ferry ist auch Vorsitzender der Vereinigung französischer Reserve- Offiziere. Ferry hat seinem Gegner eine Ducllsorderung überbringen lassen. Die im Anschlug an die Kammersitzung vom Donnerstag erfolgten Zusammenstöße zwischen dem Interpellanten Henriot und Unterrichtsminijter de Monze bilden das Tagesgespräch von Paris. Der Abg. Henriot hatte bei der Begründung seiner Interpellation u. a. behauptet, daß 19-20 eine Bande von Betrügern verhastet worden war, unter denen sich ein gewisser Eomby und ein Frl. Simon befanden, die später Frau Ttavisky wurde. Frl. Simon sei seinerzeit im Gefängnis von zwei Rechtsanwälten besucht worden. die heute aus der Rcgierungsbank säßen. Der Abgeordnete ließ ironisch durchblicken, daß die Betreffenden— es handelt sich um Anatole de Monzie und Paul-Boncour— vielleicht nicht nur in ihrer Eigenschaft als Rechtsanwälte den fraglichen Besuch tm Gefängnis abgestattet hätten. Unterrichtsminister de Monzie, der mit einer schweren Grippe zu Bett lag und der Sitzung nicht beiwohnte, wurde von dieser Aeußerung des Interpellanten verständigt. Er machte sich eiligst trotz seiner Erkrankung zur Kammer aus, wo er in den Wandel- gängen mit seinem Widersacher zusammenstieß. Die Gegner sollen sich zu Aeußerungen haben hinreißen lassen, deren Wiedergabe kaum möglich ist. Tie Angelegenheit endete da- mit, daß Unterrichtsminister de Monzie dem Abg. Henriot eine Duelliorderung zugehen ließ. Die Zeugen werden am Montag über die Folgen, die dieser Angelegenheit zu geben sind, beraten. „Noch fiele Tote' Das Erdbebenunglück in Indien Kalkutta,-20. Januar. Der indische Vizekönig hat eine Unterstützungskasse für die Opfer des Erdbebens eröffnet. Eine völlige Uebersicht über die Verheerungen des Erd- bebens ist noch immer unmöglich, da die Verbindungen zum großen Teil noch gestört sind. In der Stadt Muzasfarzur, die am schwersten heimgesucht worden ist, sind immer noch weite Teile infolge der riesigen Trümmerhaufen unzugäng- lich. Man rechnet damit, daß noch viele Tote unter den Trümmern gesunden werde». Tic Aufräumungsarbeiten be- anspruchen noch mehrere Tage, vielleicht sogar noch Wochen. In Monghyr hört man immer noch aus den Trümmerhaufen die Schreie von Verwundeten, von denen manche noch lebend aus den Trümmern geborgen wurden. Der Verwalter des Maharadschas von Darchanga berichtet, daß sich die Zahl der Toten auch in Darchanga und in de» umliegenden Ge- bieten auf rund 1000 beläuft. Von Katmanda, der Hauptstadt von Rcpgi, ist noch immer keine Nachricht eingelaufen. Die Verbindungen mit dieser Stadt sind völlig unterbrochen. Voraussichtlich ivird das Unglück starke Abänderungen des diesjährigen indischen Haushalts zur Folge haben, da die Wiederherstellungsarbeiten Ricsensummen verschlingen wer- den. Die Hoffnung aus eine Steuerherabsetzung ist so gut wie vernichtet. /tum schwedischer Protest Aus Stockholm berichten englische Blätter, daß der schwedische diplomatische Vertreter in Berlin Einspruch gegen die deutschen Entscheidungen in der Transferfrage erhoben habe, ähnlich im Prinzip wie Großbritannien und die Ver- einigten Staaten. Nun liegt auch eine deutsche Agentur- Meldung aus Stockholm vor, die anzudeuten scheint, daß Schweden den Gedanken der Einführung eines Clearing- verkehrs ausgeworfen hat. Aber die letztere Meldung, durchDNB. verbreitet, schränkt sich selbst aus die Mutmaßung ein, daß in der Hauptsache die schwedische Regierung sich eine Ermächtigung geben lassen wolle, ein System für Zwangsclearing einzuführen. Tünschütz die grove Node Die Mir und Genest AG. behandelt in einem„Werbebell" s!| die Themen des Lustschutzes, der Fernmeldetechnik und neue Ersahrungen sowie Vorschläge aller Art. Aus Grund bisheriger Erfahrungen werden Verlegungen von Kabel- leitungen, Fernsprechzentralen in gas- und splittersichere Lellerräume und Einrichtungen von Ausweichzentralen vor- geschlagen. Auf den Dachböden und Dachbeobachtungsstellen sollen Fernsprechmöglichkeiten eingerichtet werden. Ter AuS- ban des Fernsprechnebenstellennetzes wirb erörtert. Es wer- den Vorschläge einer möglichst geschützten Verlegung, dabei aber guten Zugänglichkeit der Leitung und Leitungskanäle gemacht. Die Mir und Genest AG. bat eine» Verbund-Fern- sprechapparat entwickelt, der speziell für Zwecke des Luftschutzes geeignet ist und der sowohl nach dem Zentralbatterie- wie nach dem OrtSbatteriesysiem arbeiten kann. Die Firma hat einen„Fernsprechapparat mit Kehlkopfmikrophon" her- gestellt, der es gestattet, die Ferniprechverständigung auch mit aufgesetzten Gasmasken ausreichend zu gestalten. Weiter erzeugt die Firma einlache tragbare Fernsprechapparate, Kobestram^esn die an Gürteln zu befestigen sind'owie gaS- und ma'tprd'-^--?s„ngrgte Tsr^'rma verweis» aus die Mög- v„„< r n-•in- Feueralarm- einrich'»'«n du'-ch leGM» npr Signalgeber» in den Luit- schutz. Vorhandene Wachkr rolls'''gen und Svezialsignale in industriellen Betrieben können ebenfalls in das NachÄWW.SK Deutsche Poliklinik££&£££ ,» Allgemeine Konsultationen„it 9 5 perlai.«an. b) Chirurgie c) Gebnrtshfliliche Klinik 4) Zahnärediche» Kabive« Innere Medizin, Augen», Ohren-, Na*en« and KehlkopfVrank» ZweistöckigeslSanatoriumsgeblnile. Vierstöckiges Gebäude. Zimm«" Zaho^uoà Mundeh'rurgic. Gokk netten. Röntgen. Diathermie. Elektrotherapie Spezialbehand« Kleine, mittlere and große Chirur. mit 1 bis 4 Betten. 3 Aercte,, 3 Heb. tmd PorreUankroneis.-brücken, lung bei Blut«, Harn« u. Geschlechtskrankheiten pe, Die aller modernste Einrichtung immer) und 2 Operationssäle. Kautschuk» Ar boten Ordination täglich von O—12 und 2-6; Sonntags und Feiertags von lO—12 und 2—4 Uhr rm.- richtennetz einbezogen werden.— Der Reichslustgöring hat Anordnungen über den Luftschutz in Waren- und Büro- Häusern und Gaststätten sowie für alle nichtindustriellen Unternehmungen erlassen, die nichî in das Ausgabengebiet des Reichslustschutzbundes gehören.— Der Reichsinnen- minister hat durch Erlaß die technische Nothilfe„den Be- langen des neuen Staates angepaßt". In Zukunft gliedert sich die technische Nothilfe in den„Technischen Dienst" zur Beseitigung von Notständen in lebenswichtigen Betrieben, und den„Gas- und Luftschutzdienst". Bei den Besprechungen über die Technische Nothilie„bestand Einverständnis, daß der Fortbestand der Technischen Nothilfe als Machtmittel des Staates erforderlich ist". lusi am Horden Zu dem in Nr. 8 der„D. F." mitgeteilten Dokument, in dem das Attentat auf Heinz-Orbis und die andern Pfälzer Separatisten geschildert wird, ist eine zweite Schilderung dieser Tat zum Vergleich gegenüberzuhalten. Sie stammt von dem„Times"-Korrespondenten Gedne und sie findet sich in seinem Buch:„Tie Revolver-Repnblik", Gilde-Verlag, Köln. AuS der Gegenüberstellung der beiden Berichte geht hervor, daß der Nazi sich z. B. die Episode mit dem fran- zösischen Offizier erfunden hat. Der„Westdeutsche Be- obachter" schildert die Episode so:„Ein französischer Offizier mußte erst mit der Pistole unter einem Tisch hervorgeholt werden, und er stammelte mehrmals„nicht schießen, nicht schießen"... Von dieser Episode weiß Gedne, der sehr objek- tiv und mit großer Sympathie für Deutschland belichtet, nichts. Aber er erzählt d i e Anekdote, aus der der Nazibericht den stammelnden Franzosen gemacht hat:„Der Deckungs- trupp, der im Speisezimmer zerstreut saß, sollte im Not- fall gegen eventuell anwesende französische Offiziere vor- gehen, die versuchen würden, einzuschreiten. Zufällig nahm dort Oberst Richier, der Leiter des französischen Geheim- dienstes, in Zivilkleidung sein Esien ein. Er war klug genug, keinen Krach zu machen. Einer meiner Freunde in der Hohen Kommission in Koblenz bemerkte einige Tage später lachend zu dem Obersten:„Wissen Sie, wir müßten Ihnen eigentlich einen Streifen zu Ihrer Medaille verleihen, weil Tie in der Schlacht des Wittelsbacher Hofes dabei waren; als aber Tirard vernahm, daß der abscheuliche Gedye eben- falls dort gewesen sei, ließ xr den Plan fallen, damit Gedye nicht ebenfalls eine Auszeichnung beanspruchen könnte. Ich nehme an, daß Gedne feige genug war, seine Hände hochzu- heben, als die Schießerei losging?"„Ich kann Ihnen das leider nicht sagen," erwiderte Oberst Richier.„denn ich war selber.unter dem Tisch".— Aus diesem Witz Richiers macht der Nazi-Berichterstatter seine Episode zurecht. Es ist über- Haupt nicht ausgeschlossen, daß die Nazi-Erinnerung ans Gednes Buch zusammengebraut und aufs Hakenkreuzlerische hin frisiert ist. Aus der Darstellung des Engländers geht der Riesenanteil der roten Arbeiter und' von Zentrnmskreisen an der Teparatistenabwehr klar hervor. Wenn die Nazis kon- sequent wären, müßten sie Gedyes Buch verbieten. Das Neueste Von französischer amtlicher Seite wird erklärt, daß Frankreich nach der Kündigung des Abkommens über die Zollbindungen mit Italien zunächst keine weiteren Maßnahmen plane, sondern deren Auswirkung abwarten wolle. Die am Donnerstag begonnenen vertraulichen Bespre- chungen zwischen Dollsnß und S u v i ch sind am Freitag sortgestthrt worden. Dabei soll die Ausweitung der Handels- beziehungen zwischen Italien, Oesterreich und Ungarn ein- gehend zur Aussprache gekommen sein. Einwandfreie Feststellungen bestätigen die zunächst ganz unglaubwürdig erscheinende Mitteilung, daß während der Kundgebungen, die sich Freitag abend in der Nähe des Burg- theaters Wien ereigneten, ein Hakenkreuzseuer abgebrannt wurde. Das zwei Meter hohe Hakenkreuzseuer wurde in unmittelbarer Nähe der dort gelegenen Kaserne des Schutzkorps abgebrannt. BUEFKASTEN Dr. M., M. Sie machen uns auf den Bericht in der national- sozialistischen Prege über eine Kundgebung der„Deutschen Christen" im alten Gürzenich zu Köln aufmerksam. Da wurde das wahre Ehristentum gepredigt. Ein Superintendent Veep aus Wetzlar legte die Bibel aus:„Nicht um eine interuatiouale Verkündigung handele es sich, sondern um eine deutsch«.- Jesus von Nazareth hat aller- dingS nach seiner Auserstehung gesagt:„Gehet hin in alle Welt und lehret alle Völker!" Aber der gehörte ossenknndig auch zu den„wurzellosen Elementen", die unstet durchs Land ziehen und nirgends seßhaft und bodenständig werden. Genau besehen, war- er auch nur ein Emigrant, einer von den„staatsfeindlichen Elementen", die Greuelmärchen über die damaligen nationalen Oberbonzen verbreiteten und illegale Versammlungen abhielten. Außerdem ist dieser Jesus schon dadurch verdächtig, daß er, statt das „dritte Reich" zu propagieren, das Reich Gottes aus Erden predigte. Ueberhaupt waren die religiösen Anschauungen des Herrn Jesus sehr bedenklicher Natur. Superintendent Heev erklärt:„Eine rein theologische Existenz, losgelöst von Volkstum und Boden gibt es nicht." Das ist rassisch und völkisch klar. Was aber lehrte Jesus in seinem Evangelium?:„Mein Reich ist nicht von dieser Welt!" Kein Wunder, daß ihn die Superintendenten von Jerusalem kreuzigen ließen! Zu der Humanität„auf der Flucht erschossen" war man in jenen heidnisch-jüdtsche» Zeilen noch nicht empor- gestiegen. K. T., Saarbrück««. Der Brief Ihrer Freundin— einer Guts- besitzerssrau— aus dem Reiche ist recht lehrreich. Vor knapp zwei Monaten noch hitlerbegeiftert und nun tief gedrückt. ES ist schon möglich, daß die Enttäuschung über die Rüpeleien der„Deutschen Christen" auf diese feine Frau sehr abstoßend gewirkt haben. Mehr aber anscheinend noch materielle Enttäuschungen. Die gute Frau scheint eingesehen haben, daß mit Phrasen und dem Schwingen deS Bettelsacks keine Volksgemeinschaft herzustellen ist. „Nach Luxemburg". Gut gemeint, aber für uns nicht geeignet. Man muß nicht alles können wollen. Auch zum Schriftstellern gehört Begabuna und Erfahrung. H. Brüssel. Unser Mitarbeiter schreiben, von wenigen Ausnahmen abgesehen, unter Decknamen. Tie betreffenden Aufsätze stammen von einem sehr bekannten Finanzpolitik«, der auch wissenschaftlich Be- deutendes geleistet hat. Unter seinem wirklichen Namen ist er jedem politisch Interessierten bekannt. Frau B., Taarlouis. Die frühere sozialdemokratische Abgeordnete Mathilde Wurm, der die Geheime Staatspolizei zugunsten des preußischen Staates die Möbel, Wäsche uiw. geraubt hat, ist eine Witwe von«1 Jahren. Es gibt keine Schamlosigkeit, die braunen Banditen nicht zuzutrauen iväre. Der alte Kato wußte zwar noch nicht» von preußischen Ministerpräsidenten, aber er hatte bis auf diesen Dag recht, wenn er sagte:„Privatdiebe fesselt man auf Lebenszeit im Kerker, öffentlich« Diebe gehen in Gold und Purpur." Neuvark. Wir danken für die Zeilungsausschnitte. Einer der Aus- sähe wird verwertet. Straßbnrg. Aber wie können Sie auf den Gedanken kommen, die Naziregierung hätte die„Fürsl-npensioncii" aligeschafft? Keineswegs! Die Millioncnvcrmöaen der cbemaligen Fürsten, die bei Wilhelm ll. in die hunderte Millionen Reichsmark gehen, sind heiliges Privat- eigentum. Nur Marxisten und mitielständlerischen oder proleta- tischen Juden(nicht etwa den Bank- und Börsensürsteni wird der Besitz enteignet, Ten Frauen dieser Emigrierten stehlen Hitler und Göring buchstäblich das letzte Bett. Dafür wurden die Offiziers- Pensionen, die um das Mehrsache höher sind als in Frankreich, weiter gezahlt. A propos: al» die Marxisten vor Jahren ein« legal« Volksabstimmung zur Enteignung der staatsfeindlichen Fürsten- somilien machten, erhoben die katholischen Bischöfe und die evan« gclischen'Kirchenbebörden feierlich Protest. Privateigentum sei heilig. Anscheinend nur bei den Fürsten, denn gegen die Enteignung der «-Qt noch kein Bischof und kein Superintendent den Mund aufgetan. Der'l»o:<>i« aus Wie»: Solche Adressen sind uns nicht bc- kannt. Wenden Sic sich doch einmal an den Vorstand der Sozial- demokratischen Partei Deutschlands, Prag-Karlin, Palackebo trida I7S. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann P i tz in Dud- weiter: für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH., Saarbrücken l!, Schützenstraße Z. Druck arai, Vorlag und Radaklion dar „Deutschen Freiheit Saarbrücken, Poslschliatj(«cL 776 ' Aelteste Deutsche Klinik ■UillllllllllllllllllllltllllllllillillNIilHlllllllllllllllillllllllll'illlllllllllllillllH 52, R. de Bondy, Paris rai sot 19-ea Harn- Blut- and Haut» krankhetten. Frauenleiden Ultra»\siolette Strahlen, Serotherapie. Diathermie. Höhensonne etc Doktor Wachtel und Doktor Axel Harn«, 01»«-»ad Hantkrankheiten li3. Bd. Sébastopol.— Sprechstunden V. 9—12 u. 2—S Unr; Sonmags vormittags Nase, Hals. Ohren Sprechstunden taglich von 5—7 Uhr, Einkauf, Varkauf u. Beratung bei allen Juwelen und Geldwaren Wenden Sie sieb an J- WILLK 4t, r. le Peletier. Ecke 41, r. 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