Sinzige nnadhSngige Tageszeitung Deutschlands Nummer 18— 2. Jahrgang I Saarbrücken, Dienstag, den'23. Januar 1934 I Chefredakteur: M. B r a u n Ans dem Inhalt instand* Jxalien aktiv Seite 2 Q-enf fric Saacfceiheit Seite 3 Revolution dec Wirtschaft Seite 4 Die„Weisen von Zion" Seite 5 Dec reichste Deutsche: Wilhelm II. Seite 8 Sturm gegen Papen Der Vizekanzler als„Operetteneinlage"— Wieder einmal Kampt gegen die„feinen Leute"?— Zur Aufpulverung der ermüdeten Alten Garde— Papen in Sorge M Die Reden und Aufsätze der führenden Nationalsozialisten »gegen die Reaktion" häufen sich. Göbbcls und Röhm gaben das Signal, und im Lande beginnt nun die Jagd. Man tragt sich: gegen wen? Unmöglich kann man die paar Kaffeekränzchen ernst nehmen, die unbedingt irgend einen Wilhelm wieder haben wollen, weil ihnen auf die Dauer der«befreite des Weltkrieges und ehrenwerte Anstreicher- gehilse für tiefe Verbeugungen und Hofknickse nicht genügt. Der plötzlich aufbrausende«türm muh also andere Ziele haben, ernstere Gegner. Einer der nationalsozialistischen Reichstagsabgeordncten Westdeutschlands, Dr. Peter Win- kelnkempner, Kurator der Kölner Universität und auch sonst einer der Eingeweihten, wird deutlicher als die an- deren. Er schreibt in der nationalsozialistischen Presse: ES ist ja nicht das erstemal, daß wir mit dieser Reaktion z» tnn hatten. Als im Jahre 1982 Brüning gestürzt wurde, kam diese Reaktion ans Ruder, protzte hoch- mütig mit ihrer Macht, glaubte uns die Ideen stehlen zu dürfen und die Früchte einheimsen zu können, für die wir ein Jahrzehnt gekämpft hatten. Aber wir fragen die alten Parteigenossen: Was hat nns in jenen schweren Augenblicken wieder Mut gegeben, was hat unser altes Kämpscrtum wieder aufs Neue auslodern lassen und die Front der Treue fester und fester geschmiedet? ES war der herrliche Kampsrnf Hitlers: Gegen die Reak- tion! Als diese Parole durch die Lande brauste, da waren sofort wieder alle Mann an Bord, da gabs keine Müdigkeit, das machte uns Spaß, das war ein lustiges Jagen, da haben wir mit echter deutscher Kampfeslust drein- und drausgeschlagcn, bis diese„Operettcneinlage im Drama der deutschen Geschichte", wie Göbbels die Herrschast der Reaktion nannte, am 30. Januar ihr jähes Ende fand. Wenn heute, nach unsrcm glanzvollen Liege, mitten im grandiosen Aufbauwerk die kümmerlichen Reste dieser in offener Feldschlacht besiegten Reaktion nach der M e t h o- dik von Wühlmäusen an den Fundamenten unsrcs Baues zu nagen versuchen, dann werden wir sie auch wie Mäuse zu behandeln wissen. Wer dirigierte im Jahre 1932 die„Operetteneinlage im Drama der deutschen Geschichte"? Herr Reichskanzler Franz von Papen. Wer„protzte hochmütig" und stahl den Nazis die„Ideen"? Herr Reichskanzler Franz von Papen. Hat Fränzchen seine Finger nun auch in den Plänen, die eine monarchische Restauration im Reiche wollen? Ter Aufsatz Winkelnkempners jedenfalls zeigt, dast die Nazis ihrem Vizekanzler trotz seiner eifrigen„Heil-Hitler"-Reden nicht über den Weg trauen. Tie wittern den notorisch wortbrüchigen Verräter. To ist denn keineswegs aus- geschlossen, daß wir unser Fränzchen demnächst als erlauch- testen der Emigranten im Taargebiet begrüßen können. Einen roten Taarpaß hat er sich längst besorgt. Ter kluge Mann baut vor. Offensichtlich wirb die„reaktionäre Gefahr" sehr über- trieben, weil man ein neues»och nicht abgenutztes Mittel zur Aufmunterung der ermüdeten und zweifelnden Masten braucht. Man glaubt nicht mehr recht an den„glänzenden Ausstieg" und an den„grandiosen Ausbau". Es müssen Schuldige für die Hindernisse gesucht werden. Es ist un- gefährlicher, die Monarchisten und schwarzweißroten Reaktionäre vom Tchlage des Gauklers Papen anzugreisen, als die hochkapitalistischen Wirtschaftskräfte, denen die Führer des Nationalsozialismus verkaust und verschworen sind. To scheint man denn ein neues„Wcitertreiben" der Revolution versuchen zu wollen, und zwar an der schwächsten und un- gefährlichsten Ttelle. Das ist wirklich eine„Operetten- eiülage". Das Drama wird folgen, wenn sich mehr und mehr zeigt, daß politische Chansons die unerhörten wirt- schädlichen Tchwierigkeiten, die von Tag zu Tag wachsen, nicht lösen können. -i- Fränzchen nihil sich öelrollen (•Arbeit unsere» KaisergescHechts" Zur ReichsgründungSkeier hielt Vizekanzler v. Pape» in Kottbus vor den Bezirksorganisatioile» her »r NSDAP, und des Stahlhelms eine Rede, in der er die Eni- wicklung vom Reich Bismarcks zum nationalsozialistischen Staat darstellte. Unter anderem erklärt er:„Mit einer bewundernsivertcn Einmütigkeit, fast ohne- gleichen in der Geschichte, hat sich die Nation, geführt von des alten Reiches Roland, dem geliebten Feldmarschall, hinter Adolf Hitler g e st e l l t. Alles hat sich der großen Idee der Volkwerdung gebeugt und in die Bewegung eingegliedert, so der Stahlhelm in die SA., so der Frontkämpfer in den Dienst der großen Erneuerung. Wenn man im Lande hin und wieder Unkenrufe von Reak- tion u n ddergleichenhört.sodarkma n daranS sich nicht viel machen. Festhalten an Tradition und Geschichte, Würdigung der Arbeit NN» seres Kaiserge schlechtes sind nicht der schlechteste Dienst im Lande, das nur wieder groß wird, wenn es seine Vergangenheit ehrt." Papen schloß mit der Bitte um gut Wetter:„Und nun gilt es. Vertrauen mit Vertrauen auf allen Gebieten zu erwidern, damit das Anstand nicht, wie so oft, in den Zeiten unserer geschichtlichen Schwäche, a u S der U n- cinigkeit wieder Nutzen ziehen könnte." Außenpolitisch machte Papen sehr angriffssreudige Aus- sührungen, um sich ein nationalistisches Alibi gegenüber den Nazis zu schaffen. Böhm drohl Er will keine Lämmer und Spießer Auf der TA.-Fllhrer-Tagung in Friedrichroda donnerte Stabschef Röhm: Bor der Gefahr des Stagnierens und des geistigen Ber, fpicßcruS bewahre die Nation der revolutionäre Schwung der SA. als der Garantin der Revolution.„Wir find kein bürgerlicher Klub, sondern eine Bereinigung entschlossener politischer Kämpfer. In der SA. wird und muß diese revo- lutionäre Linie im Geiste der rückliegcudcn Zeit ein- gehalten werden. Ich will keine Lämmer führen, die den Spießern gefallen, sondern Revo- lutionäre» die ihr Vaterland vorwärts reißen." Das neue Deutschland müfie immer geistig jung bleiben und dürfe niemals ein bürokratischer Staat werden. Wenn Träumer und Reaktionäre, politische Eunuchen, das nicht begreifen sollten, so würden sie durch die SA. darüber eindeutig belehrt werden. Manismus der Hanpffelnd Und dann die katholischen Prieser München, 21. Jan. sDNB.» Der Reichösührer der ST. und Kommandeur der Politischen Polizei. Himmler, ge- währte einem Vertreter des„Völkischen Beobachters" eine Unterredung über die Aufgaben der Politischen Polizei. Nach wie vor richte sich die Haupttätigkeit ber Politischen Polizei, so erklärte der Kommandeur Himmler, gegen die marxistische» Verbände, die auch unter der Decke den Nationalsozialismus weiter bekämpften. Die Ä o m m u n i st e n hätten ohne Zioeisel eine neue illegale Führerschicht ausgestellt, die sehr vorsichtig und sehr schlau arbeite. Biel schwieriger aber sei die Tälig- feit, die sich damit befasse, alle Verstöße gegen das Konkordat zurückzuweisen und diese, wenn notwendig, der gerichtlichen Bestrafung zuzuführen. Bauems Widersland Die gehemmte Reichsreform Berlin, 22. Jan. Der bäuerische Ministerpräsident Tiebert hat in Berlin eingehende Verhandlungen über die Wahrung der bäuerischen Rechte in den Plänen zur Reichsrciorm ge- führt. Er ist insbesondere gegen die Absicht, die bayerische Psalz einem anderen deutschen Gau anzugliedern. Ebenso ist er gegen eine Trennung zwischen Altbayern und Franken. Ministerpräsident Siebert und mit ihm Reichsstatthalter von Epp wollen ein ungeteiltes bayerisches Verwaltungs- gebiet. Diese bayerischen Widerstände sind die größte Sorge der Reichsreformer. Man Hofft dennoch, am Jahrestage ber Ernennung Hitlers zum Reichskanzler die großen Pläne zur Reichsreform veröffentlichen zu können. Nutznießer und Mitläufer Reaktionäre in der Nazi-Bewegung An der Berliner Universität wurde eine Kampfwoche „Jugend für deutschen Sozialismus" veranstaltet. Bei der Eröffnungsfeier sprach der Führer der deutschen Studentenschaft an der Universität Berlin, von H a d e l n, und der nationalsozialistische deutsche Studentenbund be- richtet darüber: von Hadcln wandte sich gegen die in den Reihen des Nationalsozialismus mehr oder minder offene Reaktion. Die deutsche Jugend, der nationalsozialistische Student und Arbeiter werden nicht dulden, daß diese reaktionären Nutz- nießer und Mitläufer die deutsche nationalsozialistische Bewegung verwässern werden. Aber, aber! Diese„reaktionären Mitläufer" laufen ja, soweit sie prominent sind, gar nicht mit, sondern an der Spitze, ob sie nun Thyssen, Schmitt. Krupp von Bohlen-Halbach, von Strauß, Prinz August Wilhelm oder sonstwie heißen. Sollte einem Teil der deutschen Jugend langsam ein Licht aufgehen? Dann mögen die regierenden Schieber gut aufpassen— das Licht kann eines Tages leicht zur Brandfackel werden! ÖsterreldiisdiesKaleidoskop Wien, 20. Jänner. F. B.— Die vaterländische Regierung hat Oesterreich zu einem Objekt der Außenpolitik gemacht. Bor etlichen Tagen war der Vertrauensmann Sir John Simons, Mr. G r a n v i l l e. in Wien und hatte Unterredungen mit dem Bundeskanzler und dein Bürgermeister des rolen Wien. Die Wiener durften von der Anwesenheit dieses Ausländers nichts erfahren. Keine österreichische Zeitung durste so informiert sein wie das„Prager Tagblatt", das in aller Ausführlichkeit zu berichten in der Lage war. In die Zeit des englischen Besuches fiel die Festnahme des Nazi Frauenfeld und des Heimwehrgrafen A l b e r t i; wir berichteten unlängst von der Zersetzung der Heimwehren, nun ist sie offenkundig geworden. An der Konspiration Frauenfeld-Alberti, die zu gemeinsamen Richtlinien einer Nazi-Heimwehrpolitik führen sollte, nahm ein Legationsrat der deutschen Gesandtschaft, natürlich ein Prinz, teil. Alderti, der ein paar Stunden lang auf der Polizeidirektion festgehalten und dann frei- gelassen wurde, sandte am 17. Jänner allen Redaktionen eine Erklärung, daß er im vollen Ein- Verständnis mit seinem Bundesführec Starhemberg gehandelt habe. Von zuverlässiger Seite erfahren wir, daß auch im Nazilager eine Krise ausgebrochen ist. Mehreren Nazi- führern ist nämlich aufgefallen, daß regelmäßig dann, wenn man den sdes literarischen Diebstahls überführten) Frauenfeld aus seinem sehr netten Gefängnis ausläßt, nazische Parteigänger und Funktioäre verhaftet werden. bMan vermutet in Nazikreisen, daß dieser Führer des„dritten Reiches" einfach ein Spitzel und Provokateur sei, der je nach Bedarf aus seiner Haft entlassen wird. Nach der Vergangenheit des Mannes kann dieser Per- dacht durchaus begründet sein. Noch während Mr. Granville in Wien weilte, begann sich eine neue Erfindung der reichsdeutschen Nazi auszu- wirken: die„Infiltration". Man läßt nämlich einzelne CA.-Männer und Mitglieder der österreichischen Legion über die Grenze. Natürlich in Zivil und mit genauen Befehlen. Es sollen so 1000 Mann bereits die Grenze überschritten haben. Bei einer Pressekonferenz, die der Gesandte Ludwig im Bundeskanzleramt abhielt, leug- nete er die„Infiltration" an sich nicht: er erklärte nur, daß die Zahl 1000 übertrieben sei. So hat das Nazi-Unwesen einen starken Auftrieb er- halten. Zum Empfang des italienischen Unterstaatssekre- tärs Fulvio Suvich, während des Krieges Deserteur der alten österreichisch-ungarischen Armee, heute Gast der Kaiserjägeroffiziere, die die österreichische Republik regieren, arrangierten die Nazi überaus heftige anti- italienische Demonstrationen, die ihren besonderen Akzent durch„H o ch- S ü d t i r o l!"-Rufe erhielten. Vor dem Südbahnhof wurde eine Nebelbombe geworfen, die das• Aufziehen einer Hakenkreuzfahne ermöglichte. Tie Demonstration bewies, daß die Wiener SA. nicht zerstört worden ist; die Taktik der Regierung, gegen Nazi und Nazideutschland zu schreien, Aufrufe zu erlassen und dergleichen, praktisch aber nichts gegen das braune Pack zu tun, zeitigt ihre Früchte: zweitens bewies die Demonstration, daß bereits die„Infiltration" wirksam wird. Es wurde überaus exakt nach Methoden, die jur Wien neu find, einheitlich geleitet, demonstriert. Die nichtfaschistischen Wiener freuten sich der Demon- stration, die der braune Faschismus gegen den schwarzen aufspielte und lächelten vergnügt bei den„Südtirol"- Rufen und Verfluchungen Mussolinis, der ja trotz vieler kleinen Freundlichkeiten aus Berlin der Genfer Vertreter Hitlers bleiben wird. Was Suvich in Wien aushandeln soll und will, kann heute noch niemand sagen. Er wird—diese Version wird von„Eingeweihten" vertreten,— Oesterreich in ein näheres Verhältnis zu Ungarn bringen. Das heiht auf deutsch: aus dem Territorium Oesterreich soll ein Auf- marschgebiet gegen Jugoslawien und die Tschechoslowakei gemacht werden. Die ungarischen Levente-Organisationen, eine getarnte, gut gedrillte Armee, sollen so an der öfter- reichischen Grenze umpostiert worden sein, daß ein Vor- stoß durch die Steiermark sehr schnell vor sich gehen kann. Neben diesen politischen Dingen soll der Suvich auch über wirtschaftliche Fragen diskutieren und diktieren. Er hats leicht, denn unter der Regierung der Vaterländischen ist Osterreich eine italienische Kolonie geworden, deren Gouverneur der jeweilige italienische Gesandte ist. Die Lage ist undurchsichtig wie seit März überhaupt: nur das eine hat der Fall Alberti klar gemacht: die Zersetzung und Fäulnis im Regierungslager schreitet offen- sichtlich fort: um so gefährlicher ist das Spiel, das die Regierung spielt. Daß sie aus ihrer Lage die einzig mög- liche Konsequenz zieht, Bauern und Arbeiter zusammen- zubringen, ist nicht anzunehmen. Weit eher darf man von ihr den verzweifelten Versuch einer Totalfaschisierung erwarten, der auf jeden Fall mit der Niederlage der Re- gierung enden wird. Die Frage wird sein: Arbeiter und Bauern— oder Naziherrschast mit allenaußen- u n d innenpolitischen Konsequenzen. Die erste außenpolitische Konsequenz ist— das zeigt ein Blick auf die Karte— die Isolierung der Tschechoslowakei. Der erste Weltkrieg kam von Oesterreich. Und der zweite?... lZ« Jahre„riesho" Am 11. Januar 1784 wurde in Mannheim das Stück eines württembergischcn Emigranten—„Die Verschwörung des Fiesko zu Genuas eine republikanische Tragödie von Friedrich v. Schiller— uraufgeführt. Es war ein Mißerfolg. Begründet ebenso in der„Geistesschwäche seines Publikums", von der Schiller selbst in seiner Ankündigung der späteren Bühnenbearbeitung in der„Rheinischen Thalia" am Ende dcS Jahres 1784 spricht, wie in der verfehlten Anlage und Durchführung des Werkes selbst. Zwar das„in tyrannos" der Räuber lebt»och im Schöpser des„Fiesko", aber die Historie, das Staatsschauspiel mit allen Jntrigenkünsten und den psychologisch oft so falsch gezeichnete» Episoden verdirbt dem Republikaner, dem Fürstenfeind Schiller das Konzept. Und was hier noch im historischen Vorwurf begründet ist, das führt über die Zwielichtstimmung des„KarloS" zur Revolutionsverachtung des„reifen" Schiller. Ein böses Omen, diese Fiesko-Premicre des Jahres 1784, dieser Theaterdurchsall des späteren„Klassikers".— Und für uns nach 150 Jahren ein ernstes Sinnbild der eigenen Lage: Tie Fieskos, die Kronprätendenten unserer Zeit, sind nicht zum Ziele gekommen. Aber auch die VerinnaS des Weimarer Staates sind nicht mehr. Die Giancttinos die Bestien, die Verbrecher, die„Verkrachten", all jene dunklen Schatten aus der Bande des genuesischen Mohren, sie sind zu Macht»nd Ehren gelangt, sie haben das Volk vergewaltigt und Andreas, die alte schlafende Null, mit kostbaren Geschenken gefügig gemacht. „Ward alle Hoffnung verschlungen? Muh erst Nacht kom- men und daS apokalyptische Tier durch unsere Behausungen kriechen, ehe wir uns des LicktS erinnern? Waren all» Worte des Herzens umsonst? alle Töne der Freiheit?" So fragte Fritz von Unruh vor 5 Jahren bei der 150-Jahrfeier des gleichen Mannheimer Nationaltfteaters, in dem noch heute Teile der Uraussührungsdekoration des„Fiesko" verwahrt werden. Die Zeit hat ihm geantwortet. Nacht ist über Deutschland, über seine Republikaner hereingebrochen. Eine neue„republikanische Tragödie" hat sich vollendet. 150 Jahre nach dem Mißerfolg des Republikaners, des in seiner Heimat mit Gefangenschaft bedrohten Emigranten Schiller, sind alle deutschen Republikaner Gefangene oder Emigranten ge- worden. Aber wie der Misierkolg den Dichter nicht ver- stummen liest, so wird die Niederlage den Willen und die Kampsbereitschaft nicht töten. Geist und Wort der Wahrheit werden ein neues Reich schaffen helfen: das Reich einer Freiheit, das„FieSko" nur ahnte, um es im entscheidenden Augenblick aufzugeben, zu verraten und— wie sein Dichter — später zu beschimpfen. Paul Walter. England Mallen aktiv vier mächt ekonf er enz?— Energische Versuche, die Ahrhsfungs- honierenz wieder llolt zu machen Schrift Englands? Die Meinung der„Times" dnb. London, 22. Jan. In einem Leitaufsatz über die soeben zu Ende gegangene Tagung des Völkerbundrates kommt die „Times" auf die Abrüstungsfrage zu sprechen. Grohe Ge- heimhattung, so sagt das Blatt, werde bei den jetzigen diplo- matifchen Erörterungen geübt. Die britische Regierung weide sich in den nächsten Tagen entscheiden müssen, ob sie positiv in die Besprechungen zwischen Deutschland und Frankreich eingreifen solle. Voraussetzung sei dabei, dast sie amtlich Kenntnis von dem Inhalt der französischen und deutschen Mitteilungen erlange. Ohne genaue Kenntnis dieser Schrift- stücke könne sie weder die Aussichten aus einen Erfolg der Verhandlungen, noch die Frage beurteilen, ob und wie ein direktes Etngreiscn Englands förderlich wäre. Es könne an- genommen werden, dast weder die Pariser, noch die Berliner Regierung ihr letztes Wort gesprochen hätten. Die Erwäh- nung einer Bewährungsfrist, so sagt die„Times" weiter, soll aus den französischen Vorschlägen verschwunden sein. Es fei ganz klar, dast eine allgemeine und sofortige Verminderung der Rüstungen ans de» Stand Deutschlands gegenwärtig keine praktische Möglichkeil sei. Ermordet Im Polizeigesängnis Hannover wurde daS Mitglied der Bezirksleitung der KPD. Ntedersachsen, Kurt Willkomm, ermordet. „Obere Grenze" London, 22. Jan. Wie der diplomatische Korrespondent de? „Observer" meldet, wird England neue Vorschläge in der Ab- rüstungssrage machen, die in einer Anregung zu sofortigen Verhandlungen über die Festsetzung einer oberen Grenze für die Heeres-, Flotten- und Luststreitkräfte für Deutsch- l a n d, Frankreich und England bestehen soll. In den Kommentaren der führenden englischen Blätter zum deutsch- französischen'Meinungsaustausch kommt eine ziemlich opti- mistische Auffassung zum Ausdruck. Deutsch-französisches Problem Die wichtigste Voraussetzung dnb. London, 22. Jan. Unter der Ucberschrift„Neue Hoff- nungen aus eine Rüstungsvereinbarung" veröffentlicht „Daily Telegraph" einen Aufsatz seines diplomatischen Mitarbeiters. In dem Artikel heißt es u. a.: Der Ab- rttstnngsausschust des Kabinetts wird sich am Montag mit zwei wichtigen Dokumenten befasien, mit der deutschen Ant- worl ans das britische Ersuchen um Aufklärung gewisser Punkte in den ursprünglichen Vorschlägen des deutschen Reichskanzlers und mit der Antwort der deutschen Re- gierung auf die letzte französische Denkschrift. Die britische Regierung wird dann in Zusammenarbeit mit der italienischen Regierung den nächsten Schritt zu prüfen haben, der geeignet ist, die Beilegung der deutsch-fran» zösischen Meinungsverschiedenheiten zu fördern. Dies gilt als unentbehrliche Voraussetzung für die Wiederaufnahme der Abrüstungskonferenz. Ilm 18. Februar werden Hender- sv» und leine Mitarbeiter in London über he» Zeitpunkt des Zusammentritts des Büros beraten. Dringender aber ist die Frage, ob Ausficht auf eine deutsch-französtsche Rüstungs- Vereinbarung besteht. Amtliche Aeusterungen liegen britischer- seits noch nicht vor. Die Meinungsverschiedenheit in der Frage der Stärke der künftigen deutschen Armee<800 000 oder 200 000 Mann) hält der Korrespondent für lösbar. Die wichtigste Streitfrage aber bleibe die deutsche Forderung nach sofortiger Gleichheit, die in dem Besitz aller defensiven Wasfenarten in noch zu vereinbarender Menge Ausdruck finden soll. Diese deutsche Forderung werde noch immer von Frankreich abgelehnt. Italien Ihr Beschleunigung Und für Viermächtezusammenkunft dnb. London, 22. Jan. Zur Aufrüstungssrage schreibt der diplomatische Korrespondent der„M o r n i n g P o st", Groß- britannien sei immer der Meinung gewesen, dast eine deutsch- französische Vereinbarung die notwendige Voraussetzung für eine Abrüstungskonferenz bilde. Der Korrespondent der„Morning P o st" in Rom weist zu melden, nach italienischer Auffassung sollt« nicht zugelassen werden, baß die französischen Verhandlungen sich in die Läng« ziehe». Es sollte vielmehr eine Zusammenkunst der vier W e st m ä ch t e abgehalten werden, um die europäische Lag« „von einem höheren Gesichtspunkt au?" zu prüfen. Mussolini glaube, daß eine Rüstungspausc und eine Reglung europäischer Streitigkeiten notwendig seien, um Europa in den Stand zu setzen, in Einigkeit den von außen her drohen- den wirtschaftlichen und politischen Gefahren gegenüberzu- treten. Die unmittelbarste Gefahr für ein uneiniges Europa sei nach seiner Meinung„Japans Drang nach dem Westen". Auch der römische Korrespondent des„Daily Tele- graph" berichtet, daß nach italienischer Ansicht der Augenblick gekommen sei, die bisher zwischen Deutschland und Frankreich geführten Verhandlungen auf Italien und Groß- britannien auszudehnen und eine Rüstungspause zu ver- einbaren. Pessimistische französische Stimmen Paris, 22. Jan.„Deutschland will Zeit gewinnen, um aus- zurttsten", das ist auch Heute wieder das Wort, mit dem die französische Morgenpresse ihre Leser über das Abrüstungs- Problem unterrichtet. Man könne die deutsche Antwort, soweit man bisher über ihren Inhalt Bescheid wisse, als wenig zufriedenstellend be- zeichnen, schreibt das„Echo d e P a r i s". Die Hitlerreftie- rung weise das Angebot Frankreichs zurück, sie wolle die Gleichheit ohne vorherige Probezeit. Nachdem das Blatt fem Bedauern über den Mangel an Sicherheit für Frankreich ausgedrückt hat, schreibt es: Ist eS etwa angebracht, unter dem Vorwande die Aufrüstung Deutschlands zu begrenzen, dast Frankreich auf die Freiheit seiner Vorbereitungen ver- zichtet, die doch immerhin die militärische Auswirkung der ziffernmäßigen Unterlegenheit und der geringeren industrie- ellen Produktion Frankreichs mildern würden? Man könne keinen Grund zugunsten einer bejahenden Be- antwortung dieser Frage finden. Das„O cum e" verlangt, daß Frankreich d i e M i t t e l s- männer zwischen sich und Deutschland aus- f ch a l t e n soll. Entweder Frankreich könne das„dritte Reich" daran verhindern, aufzurüsten, und es wieder in die militärischen Bestimmungen des Versailler Vertrages pressen,' dann möge Frankreich die Verhandlungen nickt weiter verlängern. Wenn Frankreich aber nach mehreren formellen Protesten doch gezwungen sei, ein Kompromiß an- zunehmen, dann wäre es doch am besten, ein solches ohne Vermittler zu finden. Eine Entscheidung könnte Frankreich dann Sympathie und Achtung einbringen, während erzwun- gene Zugeständnisse nur die Verachtung des Gegners zur Folge hätten. Möge Frankreich entschieden nein sagen, wenn es das könne. Müsse Frankreich aber ja sagen, dann möge es dieses Ja ohne Mittelsmänner und ohne Umschweige '"Tie Zettung„Ordre" schreibt, das d e u t s ch- f r a n» ö° sische Bündnis ist wünschenswert, aber unmög- lich. Möge der französische Austenminister die Völker um Frankreich sammeln, die mit ihm militärische Bündniye unterzeichnet haben, aber ein deutsch-französisches■ Abrüstungsabkommen würde zum Schaden Frankreichs aus- laufen. Gewiß könnten zwischen Frankreich und Deutschland fruchtbare wirtschaftliche und Handelsabmachungen abge- schlössen werden, aber die Politik gehe eben vor, wie es schon das Schicksal des deuE-st-französischen Handelsvertrages be- weise.. Da?„I o u r n a l" bespricht die Abrüstnngsfrage unter Zu- grundelegung der Rede des Vizekanzlers v. Pape» in Kott- bus. Teutschland wolle unter Gew alt anwen- d n n g Europa nach seinem Belieben neu auf- teilen. Wozu wiederhole man immer, dast man den Krieg nicht wolle, wenn man die Lehren und die Politik wieder zum Leben erwecke, die 1914 den Konflikt entfesselt hätten? Tie Rede PavenS fei eine Herausforderung, die in entspre- chender Weise aufgenommen werden müßte. Sie sei ein amt- liches, öffentliches Dokument, das unverzüglich zu den Ab- rüstungsakten gegeben werden müsse, nicht, um dort in Vergessenheit zu geraten, sondern damit man daraus sofort die praktischen Folgerungen ziehe. Nach der Zeit der VerHand- hingen habe jetzt die Zeit der Entscheidungen geschlagen. Auch die„R e p u b l i q u e" hezieht sich aus die Rede des Vizekanzlers v. Paven, die die wabre Antwort sei. die Deutschland auf die französischen Vorschläge erteile. Die d e u t s ch e A n t w o r t sen ein Nein. Entgöttemng Von Adele Iellinek Daß der Vater der Mittelpunkt war, das Zentralgestirn der Familie, um das sich alles bewegte, das war feit eh und le so gewesen und niemand kvnnte es sich anders vorstellen, «ein Will« geschah in allen Dingen und die ganze Haus- ordnung war auf ihn abgestimmt. Selbst die heranwachsenden Töchter mußten sich noch manche Bevormundung von ihm gefallen lassen, und alle Versuche, sich dem zu entziehen, waren bisher fehlgegangen. Als die Aelteste, die einund- zwanzigjährige Stenotypistin, die sich schon sehr erwachsen vorkam, mehrere Male am Abend verspätet heikam und er sie deshalb böse zur Rede stellte, da hatte sie trotzig den Kopf in den Nacken geworfen und gesagt, wenn es dem Vater nicht recht ist, werde sie sich halt ein Zimmer mieten. Da war der Vater nur stumm auf sie zugetreten— das große, schlanke Mädchen hatte sich unwillkürlich geduckt.„Sag' das nimmer wieder!" hatte er zwischen den Zähnen hervor- gestoßen. Nichts weiter. Und sie hatte diese Drohung auch nicht wiederholt und war von da an immer pünktlich zu Hause gewesen. Einen gab eS, der sich dem Willen des Vaters vorbehält- los gefügt hätte, weil dieser Wille auch Kraft, Sicherheit und Bestimmtheit war: der zwölfjährige Junge. Aber auch er bekam es häufig zu spüren, dast der Vater ihm einen Strich durch seine Wünsche macht« mit einem kurzen despotischen Nein. Dieses herrischen Reine mußte er immer gewärtig sein. Und dennoch liebte er den Vater. Sein selbstsicheres Wesen imponierte ihm Und eS war ja auch schwer, sich etwas au? seinem Bilde wegzudenken, alles schien bei ihm immer in tätiger Bewegung zu sein. Der Bater war Monteur in einer Maschinenfabrik und verdiente hoch. Wenn der Knabe beim Frühausstehen mit dem Vater in der kleinen Küche zusammentraf, wie er sich für die Fabrik fertigmachte, dann lag schon etwas Zerstreutes, Ab- wesendes in seinen eilfertigen Bewegungen. Der Knabe hatte den Bater auch schon in der Fabrik gesehen, wo er io gut mit den stählernen Riefen umzugehen verstand. Er wußte viel von Technik, man konnte ihn fragen, und er hatte eine liebenswürdig« Art, daraus einzugehen. Von dort her. von dieser Welt der Arbeit, brachte der Vater wohl dieses Selbstsichere, Starke, Ueberlegene mit heim. Er konnte mit so feinem Spott über Familien- und Hausklatsch hinweg- gehen und er hatte auch nicht das Nachträgerische wie Mutter und Schwestern: nach einem Streit war immer er es, der die Hand zur Versöhnung bot. Ja, sein Wesen schien so fest ge- gitündet, es war unmöglich, sich vorzustellen, daß es jemals anders werden konnte.... Und dann kam auf einmal dieses Neue, Unerwartete, Er- schüttelnde. Als der Junge, eines Morgens von der Mutter geweckt wurde, da sah er zu ssiner größten Verwunderung den Vater noch im Veit liegen. Er schlief zwar nicht mehr, er wälzte sich hin und her und rauchte, aber er machte keine Miene, aufzustehen. Draußen fragte der Knabe die Mutter leise, ob der Vater denn krank sei, und erhielt die Antwort: Nein, nicht krank, sondern arbeitslos. Bon da an hatte er nun zur Genüge Gelegenheit, den Vater zu Hause zu geniesten, was er sich eigentlich immer heimlich gewünscht hatte. Doch verstand er diese Sehnsucht bald nicht mehr. Der Vater schlief bis in den späten Nachmittag, dann schlurfte er ungewaschen, unrasiert in Hemdsärmeln umher. Seine Augen, die unter den buschigen Brauen sonst io scharf zu- packten wie seine Hand«, hatten nicht mehr jenen konzen- trierten Ausbruck wie sonst, wenn sie sich schön aus ein Ziel richteten, sondern sie sahen müde, verdrossen, gelangweilt aus. Dann folgten sich langsam die Etappen mit sonderbaren, unbegreiflichen Verwandlungen. Der Vater lümmelte stun- benlang am Fenster und sah hinaus, er stopft« sich Zigaretten, er sah der Mutter beim Kochen zu, gab ihr Ratschläge und guckte in alle Töpfe. To verging sein Vormittag. Das Ge- straffte in seiner Gestalt war verschwunden und auch seine herrische Art. seinen Willen durchzusetzen, war seltsamer und künftiger geworden. Und wenn jetzt die Mutter gegen die lieben Verwandten oder Nachbarn loSzog, dann hatte es manchmal den Anschein als ob er nicht ohne Interesse zu- hörte. Dann kam einmal ein winziger Borsall. Die Mutter hatte eist Gericht gekocht, daS bisher niemals auf den Tisch gekom- men war, mit Rücksicht auf den Vater, der eö nicht wollte. Plötzlich war es da. Seine Wünsche hatten nicht mehr das- selbe Gewicht. Und dann ein anderer Vorfall. Die Zweitälteste. daS fech- zehnjährige Lehrmädel Gretel, war lang nach dem Sperren heimgekommen und der Vater hatte mit ihr gewettert. Da hatte sie schnippisch geantwortet:„Du kannst leicht reden, du kannst den ganzen Tag spazierengehen. aber ich muß maschin- radeln von früh bis abends in dem dumpfen Loch. Nachher möchte ich auch eiu bist! Luft schnappen und von meinem Leben was haben!" Er hatte es brummend eingesteckt. Es wird gekurbelt Der Strickstrumpf kehrt wieder In Ludwigshasen a. Rh. wurde ein Teil der Erwerbslysen an einem der letzten Stempeltage besonders erfreut. Der Schalterbeamte zog die Stempelkarte ein und gab dasür dem Erwerbslosen einige Knäuel Wolle mit dem Bemerken, daß innerhalb einer Woche ein Paar Strümpfe oder Socken ab- anliefern seien. Dann erfolge die Rückgahe der Stempelkarle und auch wieder die Unterstützungszahlung. Die Strümpfe mußten nach genauen Maßen, die auf einem Zettel ange- geben waren, gearbeitet werben. Die Wolle wurde nicht nur den weiblichen Erwerbslosen, sondern auch den männlichen mitgegeben, damit ihre Frauen die Strümpfe anfertigen. ES hat den Anschein, als ob hierbei besonders bekannte Sozial- demokraten ausgewählt worden seien. So mußte meine alte kranke Mutter innerhalb einer Woche ein Paar Damen- strümpfe stricken. Gleiches ist mir von anderen Freunden bekannt. Wenn die Strümpfe ausgegeben werden, treiben dann aber die Nazis die widerlichste Reklame, was der „Bund deutscher Mädchen" alles für die Armen tue, dabei zwingt man einen Teil der Armen unter Drohung des UnterstützungSentzugs, die Strümpfe selber herzustellen. Bei der unpolitischen und unmilitärischen Feuerwehr geht es heute ganz anders zu wie früher. Die Hebungen sind nichts anderes als militärischer Drill. In Speyer a. Rh. hatte die freiwillige Feuerwehr doppelt so viel Hebungen als früher. Geübt wird Strammstehen, Hände an die Hosennaht, Paradeschritt und ähnliches. Wer die Hebungen nicht erakt ausführt, wird vor der versammelten Mannschaft und den Zuschauern angebrüllt, muß vor die Front treten und hat die Uebungen nun allein so lange zu machen, bis sie dem Herrn Obmann gefallen. Die Leitern werden auf dem Fest- platz aufgefahren, die Mannschaft tritt in einiger Entfernung an und das Kommando lautet dann„Laufschritt bis zum Geschütz". Genf für Saarfreiheit Entscheidende Entschließung ..Der Rat billigt die Schlußfolgerungen dieses Berich es. versichert seinen Willen, alle Pflichten zu allen, die ihm bezüglich der Borbereitung und Durchführung der Volksbefragung im Saargebiet im Zahre 1933 obliegen, und zwar der Art. daß die F r e i- heit, das Geheimnis und die Unbeeinflußtheik der Stimmabgabe gesichert 'st: fordert besonders fein Komitee auf. im Hinblick auf den Bericht, den es ihm unterbreiten soll: a) diejenigen Maßnahmen zu prüfen, die darauf abzielen. mitallengeeignetenMitteln die Gesehmäßigkeit der Wahlhandlungen zu sichern? b) sich besonders das Studium derjenigen Mittel angelegen sein zu lassen, welche die Bevölkerung zu schützen geeignet sind gegen jede Pression und die AuS- führung jeglicherDrohung, die geeignet wären, die Unbeeinflußt- heit der Abstimmung zu stören? c) diejenigen Anregungen zu prüfen, die ihm die Regierungskommission für die Aufrechterhaltung der Ordnung während der Wahlzeit vorschlagen könnte. Der Rat beschließt, die durch die Beratung der Sachverständigen entstehenden Ausgaben bis zur Höhe von 20 00» Schweizerfranken unter Artikel 3 a des Haushalts für 1934..Unvorhergesehene Ausgaben unter Vorbehalt einer besonderen Bewilligung deS Rates(politische Ausgaben)" zu stellen." Die Bedeutung der Genfer Saarverhandlungen Von Max Braun ^ Wenn der Rat die Forderungen der„Freiheitsfront" des TaargebieteS restlos hätte erfüllen wollen, so hätte er nichts anderes zu beschließen brauchen, als was in der Gesamtheit von Ratsbeschluß, Ratsdiskussion und Komitcewahl faktisch beschlossen worden ist. Die Genfer Delegation der saarländischen„Freiheits- front" hat immer wieder und nichts anderes von allen Ratsmitglicdern gewünscht, als die restlose Durch führung der Vcrsailler Vertragsbestimmungen. Wenn vor allem die hitlerdeutsche und mit ihr die gleichgeschaltete Presse an der Saar meldete, ich hätte eine fünf- oder zehnjährige Verschiebung der Abstimmung verlangt, so ist das ebenso„Propaganda", wie eine angeblich von uns erhobene Forderung nach einer internationalen Polizeitruppe, und von mir bereits in meiner Genscr Meldung vom 18. sowohl wie in meinem Artikel über die ZcitungSdebatte vom gleichen Datum richtig gestellt. Allerdings habe ich die hundertprozentige Durch führung der Vertragsbestimmungen gefordert. Das heißt, daß es nicht nnr darauf ankommt, eine A b st i m m u n g an- zusetzen, sondern daß auch deren Bedingungen, wie sie der Vertrag vorsieht, absolut gewährleistet sein müssen: Frei, unbeeinflußt und geheim! Der Rat hat restlos diesen Standpunkt unterstrichen und in der Wechselbeziehung von AbstimmungSlermin und Abstimmungs- bedingungen die letzteren als eine conditio sine qua non anerkannt. Die interpretierenden sehr wichtigen RatSreden von Boncour und Bencsch haben das unter einmütiger Zustimmung des gesamten RateS, wie der Ratspräsidcnt Beck zum Schluß feststellte, ausdrücklich als den Sinn der Entschließung des Rats gekennzeichnet. Aus ebnem anderen Blatte steht allerdings die Frage, ob der Rat diesen seinen entschiedenen und pflichtbewußten Willen gegenüber den skrupellosen Methoden des National- sozialismuS restlos ivird durchführen können. Deshalb rich- teten sowohl amerikanische, wie englische, wie skandinavische und schweizerischen Journalisten an mich die Frage, ob es in einem solchen Falle nicht auch im deutschen Interesse besser sein würde, die Abstimmung um fünf oder zehn Jahre zu verschieben, als den Rat, der als letzte Instanz in Wirklich- keit freie Hand in der Endbestimmung hat, zu einer desini- tiven und endgültigen und voraussichtlich auf lange Zeit nicht reparablen Entscheidung zu nötigen, die an der Ber- sälschung des Abstimmungsergebnisses durch den Nazitcrror unmöglich vorbei gehen könnte. Ich habe darauf erwidert, daß man zunächst die Ratsentscheidung vom Mai abwarten müsse. Falle sie aber tatsächlich so aus, daß die Garantie einer unbeeinflußten Abstimmung durch das Komitee als unmöglich festgestellt werde, dann sei allerdings die fünf- btS zehnjährige Aufschiebung der Ab- stimmung nur eine der möglichen Konsequenzen. Ich bin in meinem Referat vor der internationalen BölkerbundSpresse den hitlerdeutschcn Tendenzgerttchten, die die eigene Meinung ausländischer Blätter als die m e i n i g e hinzustellen belieben, nochmals klar und scharf dadurch entgegengetreten, daß ich unsere Formel folgender- maßen präzisierte: Wir wollen den Vertrag und nichts als den Vertrag, diesen aber ganz und unter pcin- (ich stet Beobachtung der Wechselbeziehung von Terminansetzulig und Abstimmungs- bedingungen! Der BölkerbundSrat hat zunächst s o beschlossen, und wir sind wirklich nicht verantwortlich zu machen für die ver- nichtenden Niederlagen, die sich die Hitlersche Außenpolitik und die der von ihr diktierten sogenannten„deutschen Front" dabei in Gen! geholt haben. Die gemeinsamen Forderungen Hitlers und der sogenannten„deutschen Front" aus Wegfall der Abstimmung, nach ihrer möglichst frühen Borverlegung, nach Festsetzung des Datums, nach deutsch-französischen Ber- Handlungen unter Umgehung des Plebiszits, nach dem Aus- sdieiden des Präsidenten Knox und nach der Ignorierung des Terrors an der Saar sind r e st l o s hinten herunter gefallen. Nach dieser Ratstagung steht ein- deutig fest, daß es weder deutsch-französiiche Verhandlungen über die Saar unter Umgehung des Plebiszits, noch eine Borverlegung ihres Datums, noch daS Haupt deS Herrn Knox, noch eine Behandlung deS Terrors als einer seine Zuklucht zu einer gewalttätigen Agitation, die die gewöhnliche Waise der NaziS ist. S. de Givet. „Lei Journal": Was ist das wahre Saar-Problcm? Die Saarländer zu überzeugen, daß die Unabhängigkeit der Stimmzettel vor der Gefahr von Wiedervergeltungsmaßregeln geschützt ist. Ter Schatten von Pirmasens schwebt über der Abstimmung. Die Saarländer wissen, wie die Deutschen, als Sieger, diejenigen, die nicht für das Reich gestimmt haben, bestrafen würden. Haben die Deutschenfreunde die geringste Veranlassung zu denken, daß das siegreiche Frankreich ebenso handeln würde-' Nichts weniger als das würde dazu gehören, um das Herz der Zögernden in die Hosen fallen zu lassen. Aber Frankreich läßt keine andere Hypothese, als eine dem Völkerbund günstige Abstimmung zu. Als ob eine internationale Regierung dauern könnte, neben einem Herd von sttniund sechzig Millionen Deutscher! Um zu verstehen. waS der Völkerbund vermag, braucht man nur den Bericht des Herrn Knox zu lesen. Ter Prstsi dent der Regierungskommission erkennt an. Saß die Hitlerianer ungestraft die Autorität der Genfer Abordnung verhöhnen. Man müßte nicht nur die Freiheit der Ltiminc sichern, sondern auch die öffentliche Ordnung vor den Wahlen und besonders die Sicherheit hinterher. Geht das nickt über die Kräfte des Völrerbunbeö hinaus? De Saint Brice. „L'Ere Nouvelle": Die Reichsregierung ist also entschlossen, die Abstimmung zu vermeiden oder ihr Gewalt anzutun. Frqnkreich hat die Haltung der Vernunft, der Louali>:: und des Rechtes angenommen, von der sie nichts abvr.ngen kann. Das endgültige Statut des Saargebiets muß aus der Abstimmung hervorgehen. Die Bedingungen dieser Be sragung müssen entsprechend dem Vertrag vom Völkerbund festgelegt werden, mit oder ohne Deutschland. Aber die Rolle der Genfer Einrichtung wird'ich nicht dar auf beschränken. Tie hat die Pflicht,„die Sicherheit, die Ge- Heimhaltung und die Aufrichtigkeit der Stimmen' zu sichern. ES ist vorauszusehen, daß dieses nicht der leichteste Teil ihrer Ausgabe sein wird und sie wird viel Voraussicht, Vorsicht und Entschlossenheit nötig haben. Tie darf unter keinem Vorwand von den Uebereinkünften des Friedensvertrages il>- weichen, die das Statut des Taargebiets bis zum Tage der Abstimmung bestimmt, sonst kommt es zum lssenteuer der Revision. Gelegenheit de* Völkerbundes dnb. Paris, 22. Jan. Zwei Blätter,„Figaro" und„Hamme Lrbre" gehen heute am die Saariragc ein. Im„Figaro" wird erklärt, daß Deutschland und Frankreich im Saargebiet moralisch und materiell aufeinanderstoßen. DaS Rassen- dogma als Grundfeste des Alldeutschtums genüge übrigens, um die htntlerschen Erklärungen zu dementieren, wonach sich Deutschland für da» Elsaß nicht mehr interessiere. Das Blatt hofft, daß ber KammerauSjchuß für auswärtige Angelegen- heilen die französische Regierung in der Behandlung der Gaarfrage scharf mache. „Homme Libre" erklärt, in der Saarfrage hätte der Völkerbund eine unverhoffte schöne Gelegenheit, zu zeigen, was er könne. Di« Feigheit de» Völkerbundes werde Hitler nur Mut»scheu. Dr. Richard Kern: Revolution der wtrtsdiaff 1918 kehrt niemals wieder Wie ein Alpdruck lcistct auf vielen unserer Kampf- begeisterten und opferwilligsten Freunde die Furcht, daß die Fehler und Unterlassungen, die 1918 von der deutschen Arbeiterbewegung begangen wurden, sich in der ZuKunst noch einmal wiederholen könnten. Aus dieser sehr be- rechtigten Sorge erklärt sich das starke Bedürfnis nach radikaler Kritik und rücksichtsloser Selbstverständigung. Tie rasche und gründliche Herbeiführung der geistigen Neueinstellung isr eine wesentliche Boraussetzung nicht nur für die Führung des'Kampfes, sondern auch für die Vermeidung von Fehlern bei der Ausübung und Behaup- tung der eroberten Macht. Sie ist aber zugleich das Er- zeugnis der wahrhaft grundlegenden Aenderung, die sich in der Arbeiterbewegung infolge der nationalsozialisti- schen Machtergreifung vollziehen muh. Tie Ereignisse von 1918 trafen eine Arbeiterschaft, deren radikal-sozialistische Ideologie durch vier Jahre Kriegsführung, die von ihrem größten Teil bejaht worden war, schwer erschüttert war. Die Arbeiterschaft war an die Mitarbeit mit der Staatsführung und den politischen Parteien gewöhnt. Durch den plötzlichen Zusammenbruch des Systems wurde sie vollkommen überrascht. Ganz anders müssen sich die psychologischen Voraussetzungen gestalten nach einem Siege im revolutionären Kampfe und der Niederringung einer Staatsmacht, die von den Massen als Todfeind angesehen wird. Die rück- sichtslose Ausnutzung des Sieges, der sofortige Ausbau der eroberten Stellung und ihre Sicherung gegen alle Gegenangriffe erscheint dann dem Massenbewuhtsejn selbst als oberstes Gebot. Nicht minder wichtig ist die Tatsache, daß sich der sozia- listische Befreiungskamps unter wesentlich g e ä n- derten wirtschaftlichen und sozialen V e r- h ä l t n i s s e n vollziehen wird. Die Wirtschaftserschütte- rung, die mit dem Weltkrieg beginnt und seitdem sich in kurzwelligen Phasen fortsetzt, deren Ablauf sich ebenso ökonomisch wie politisch bestimmt zeigt, hat auch für die rein sozial! st ischen Aufgaben der Neu- organisationinderWirtschastganzandere Bedingungen geschaffen. * 1918 erschien das kapitalistische System zwar durch die Verwüstung des Krieges wirtschaftlich in scywere Mir- leidcnschaft gezogen, der Nationalreichtum oerwüstet, die Aufgabe des Wiederaufbaus gigantisch, aber der Kapita- lismus als solcher war auch für das Mafsenbewutztsein noch wenig erschüttert. Nicht grundlegende sozialistische Neuordnung, sondern Sozialreform, Verbesserung der Lebenshaltung war das dringendste Verlangen. Nah- rungsmittelzufuhr für das ausgehungerte Volk stand im Vordergrund. Sozialisierung der Banken, der Kohlen- bergwerke erschienen als spätere Sorge. Heute ist der Kapitalismus als System im Massen- bewußtsein weit über die Kreise der Arbeiterklasse hin- aus in einer Weife, die man sich 1918 noch gar nicht vor» stellen konnte, erschüttert. Dieses Bewußtsein spiegelt den tatsächlichen objektiven Verlauf wider. Denn bei den Wirkungen der Krise darf man nicht nur an das Elend der Arbeitslosen, an die Angst der Beschäftigten um die Erhaltung des Arbeitsplatzes, an die Furcht der Bauern und Mittelständler vor der Pauperisierung denken. Die Wirtschaftskrise hat in ihrem Verlauf gerade die Posi- tionen der bisher mächtigsten und einflußreichjien Kapila- listischen Schichten unterhöhlt, sie mit der DeKlassierung bedroht. * Dieser Prozeß vollzog sich und vollzieht sich in der ganzen kapitalistischen Welt. In Deutschland ist er am weitesten vorgeschritten. Der Großgrundbesitz bankrott, künstlich aufrechterhalten, durch wirtschaftlich ungerecht- fertigte, nur politisch erklärbare, verlorene Zuschüsse des Staates, die das nationalsozialistische Regime imnler noch vermehrt. Nicht nur die Einstellung dieser Zuschüsse, sondern die sofortige entschädigungslose Enteignung des Großgrundbesitzes ist heute für das Massenbewußtsein eine selbstverständliche Forde- rung. Und diele Forderung der Austilgung des Groß- cigentums an Grund und Boden drängt sich um so mehr auf, als ohnedies die deutsche Landwirtschaft im Laufe der Krise zu einem immer mehr staatlich geleiteten Wirt- schaftszweig geworden ist. Tie Grundlagen einer organisierten Landwirtschaft sind zu einem wesentlichen Teil geschaffen nicht nur in Deutsch- land. in dem größten Teil der Welt wird die Agrarwirt- schaft weitgehend vom Staate dirigiert. Preise, Absatz, aber auch Produktionsumsang und Anbauart direkt oder indirekt geregelt. Gerade das Gebiet des bäuerlichen Eigentumsfanatismus und Individualismus wird in den dieser Sphäre angemessenen Formen gesellschaftlicher Ein- flußnahme unterworfen. Es ist keine Frage, daß eine siegreiche Revolution diesen gesellschaftlichen Einfluß stei- gern, die Loslösung der Agrarwirtschaft aus der Kapita- listischen Marktwirtschaft vollenden, sie als wesent- liche Grundlage der s o z i a l i st i s ch e n Bedarfs- d e ck u n g s w i r t s ch a f t organisieren wird.^ Völlig erschüttert hat die Bänkenkrise die Stellung des privaten Bankkapitals und wieder nicht nur in Teutschland. In Deutschland selbst wäre heute die viel- berufene Sozialisierung der Banken kein Problem, denn der größte Teil des Kreditwesens ist ja verstaatlicht. Nur um die Vervollständigung des noch Fehlenden und um die Benutzung der ungeheuren Wirtschaftsmacht. die die Ver- fügung über das Kreditsystem bedeutet, zur Lenkung der Wirtschaft kann es sich noch handeln. Das gleiche gilt für die Montanindustrie. Bis zur nationalsozialistischen Herrschast hatte durch den Be- sitz von Gelsenkirchen und durch den Anteil an den Rhei- nisch-Westfälischen Elektrizitätswerken das Reich schon die Verfügungsmacht über einen wesentlichen Teil der Schwerindustrie. Hitler hat den Reichsanteil zwar dem Thyssen wieder ausgeliefert. Aber wer zweifelt daran, daß eine der ersten wieder ganz selbstverständlichen Ver- sügungen der Revolutionsregierung die sofortige ErpropriationdesThyssen und seiner Kumpane wäre, die Wiederherstellung des Reichseigentums und seiner notwendigen Vervollständigung. Ganz entscheidend ist aber, daß mit diesem objektiven Prozeß der wirtschaftlichen Erschütterung des Kapitalis- mus sich zugleich der psychologische seiner völligen Diskreditierung im Bewußtsein der Blassen vollzogen hat. Tie kapitalistischen Eigentumsgesetze, einst stark und un- zerreißbar wie Drahttaue, sind heute dünne Zwirnsfäden geworden. In einem großen Teil der kapitalistischen Welt— wieder in. größtem Umfange in Deutschland— hat der Staat radinal in die Gläubiger- und Schuldner- Verhältnisse eingegriffen und hat die Gläubiger zum Teil entschädigungslos expropriiert. Die Enteignung hört auf, etwas Ungewöhnliches zu sein, das kapitalistische Ausbeutungseigentum erscheint heute — man darf es ohne allzu große Uebcrtreibung sagen— dem Bewußtsein immer breiterer Massen als vogel- frei und der Staat zu den weitgehendsten Eingriffen berechtigt. Ein ungeheuer bezeichnendes Beispiel. Präsident R o o s e v e l t unterbreitet dem Kongreß ein merk- würdiges Gesetz, das kaum auf Widerspruch stoßen wird. Es ermächtigt den Präsidenten, das Gold des a in e r i k a n i s ch e n N o t e n b a n k s y st e m s zugunsten des Schatzamts einzuziehen? Es handelt sich um die Kleinigkeit von 3,6 Milliarde» Golddollar(fast 15 M>l« liarden Mark Gold), die bisher als Eigentum der Noten- danken galten. Ein Federstrich— sie sind Staatseigentum. Der Grund der Maßnahme— durch die Entwertung des Dollar ergibt sich in Papierdollar ein rein nomineller Buchgewinn, den Roosevelt zur Verringerung des Defizits im Budget irgendwie heranziehen will— interessiert uns hier weniger als die Widerslandslosigkeit. mit der sich der Zugriff auf das kapitalistische Allerheiligste, auf den Gold- besitz vollzieht! Welche Demütigung des einst so stolzen kapitalistischen Selbstbewußtseins. An dieser, notwendigerweise sehr fummarischen Schilderung ergibt sich aber doch schon die Gewißheit: nicht nur die politisch-subjektive Einstellung der Massen, sondern auch die objektiven Grundlagen des Kapitalist!- schen Systems haben sich seit 1911 grundsätzlich geändert. 1918 kehrt nicht wieder, die Geschichte wiederholt sich nicht. Politisch und wirtschaftlich ist die Aera der Kompromisse vorüber, die Revolution prägt der Zeit den Stempel auf. vSlscl»in die„Winterhilfe" Wo bleiben die„freiwillig" erpreßten Millionen Auf Bescheidenheit hat daS„dritte Reiche bisher keinen Anspruch erhoben. Seine Propagandisten haben im Gegen- teil stets erkennen lassen, da» sie die Bescheidenheit für eine Eigenschaft der Dummen u n d A n- ständigen halten. Um so ausfälliger ist cS, daß man plötzlich diese Eigenschaft bei den Nationalsozialisten entdeckt und vor allem, daß sie bei den Leistungen der Winter- Hilfe zutage tritt, einem Werk, das im wesentlichen Propagandazwecken dient. Als gegen Weihnachten amtlich mitgeteilt wurde, daß bei der Winterhilfe Spenden im Gesamtbetrag von 125 Millionen eingegangen seien, bezifferte man die Einnahmen auS Bargeld ans nur-1 Millionen Mark. Aufgefallen ist auch, daß die Veröffentlichungen über Spenden an Bar- geld sehr spärlich geworden sind, obwohl die allgemeinen Sammlungen aus den Straßen, in Häusern, Läden und Gast- statten, die Abzüge bei den Löhnen der Arbeiter und An- gestellte», die Spenden der Unternehmer sowie die Samm- hingen an den Eintopfgerichten regelmäßig weitergeführt worden find. Wie die„Topadc- Insormation" mitteilt, haben die Bareinnahmen der Winterhilfe in Württemberg 2 Millionen Mark betragen. Die Haussammlung am ersten Eintopfsonntag 1084 brachte in Berlin lohne die Einnahme aus den Gastwirtschaften! 883118 Mark, in Frankfurt a. M. 60 500, in Bielefeld 13 600, in Münster 12 383. Im Durchschnitt ergaben also die Sammlungen mindestens tO Pfennig pro Kopf der Bevölkerung. Legt man diese Durchschnittszahl zu- gründe, so hat jeder E i n t o p f s o n n t a g 6,3 Millionen Mark erbracht, die drei Sonntage zusammen fast 20 Mil- lionen. Tie Eingänge aus den Abzügen von Lohn und Gehalt ergeben selbst bei dem niedrigen Durch- schnittssatz von 0,3 Prozent eine monatliche Einnahme von 10 Millionen Mark, in drei Monaten also 3 0 M i l l i o n e n. Da angeblich die Unternehmer denselben Beitrag zur Winterhilfe leisten wie ihre Arbeiter, so kann mit einer Summe von 6» Millionen gerechnet werden. Die all- gemeinen S a m m l u n g e n aus der Straße, in Läden und in Gaststätten können ebenfalls mit einer Million int Monat angenommen werden, also mit insgesamt drei Millionen. Alles in allem müßte demnach die Winterhilfe über mehr als 8 0 M i l l i o n c n M a r k an barem Geld verfügen. Barunterstützungen an Bedürftige Iverden nicht ausgezahlt. Wo find diese großen Summen ge- blieben? Das ist die Frage, die im„dritten Reich" flüsternd von Mund zu Mund geht und aus die Antworten erteilt werden, die nicht gerade sehr schmeichelhaft ausfallen. Die allgemeine Auffassung ist, daß sie, soweit sie nicht zur persönlichen Bereicherung einzelner Bonzen dienen, die leeren Kassen der SA. und der NSDAP, füllen. Margarine vom Orot geraum Fettsteuer der Armen füllt die Reicbskasse Eine der ersten Taten der Hitlerregicrung war der tiefe Eingriff in die F« I t w i r t s ch a s t. Um die Erzeugung Deutschlands an Fetten zu fördern und ihre Preise zu heben, wurde die Produktion an Margarine und die Einsuhr aus- ländischer Fette eingeschränkt. Außerdem wurde eine Fett- steuer eingeführt, die jedes Pfund Margarine mit 25 Pfg. belastet. Die Preise stiegen aber im Kleinhandel um weit mehr als 23 Pfg., die billigsten Sorten kosten jetzt mehr als doppelt so viel wie früher. Diese brutale Verteuerung eines unent- behrlichen Nahrungsmittels, das nur von armen Leuten ge- kauft wird, wurde damit gerechtfertigt, daß die Erträge dieser Steuer zur Fettverbilligung für die minderbemittelte Bevöl- keruug verwendet iverden sollen. Dieses Versprechen i st sowenig gehalten worden wie die m c t st e n anderen. Aus den amtlichen Zahlen des„dritten Reichs" läßt sich daS einwandfrei nachweisen. Im Reichsetat für 1033-81 ist der Ertrag der Fettsteuer aus 130 Mil- lionen Mark veranschlagt. Obwohl die Steuer erst seit Juni 1033 besteht, hat sie in den sechs Monaten von Juni bis November bereits 123 Vi i l l i o n e n M o v f erbracht. I h r Ertrag für das g a n z e R c ch n u n g s- jähr wird also nicht 150, sondern etwa 210 Millionen betragen. Umgekehrt haben sich aber die Ausgaben für die Ver- billignng entwickelt. Bis November hat die Reichskaije nur .31 Millionen zur Verbillig»»» von Margarine für die minderbemittelte Bevölkerung ausgegeben. Am krassesten war das Mißverhältnis im November. Eingenommen wurden ans der Fettsieucr 24,3 Millionen, ausgegeben nur 0,3 Millionen, der Rest von fast 13 Millionen verschwand in der Reichskasie. Da die Reichskasse aus der Fettsteuer ins- gesamt 21» Millionen einnehmen wird, aber im Höchstfall 3» Millionen für die Verbillig»»» der Margarine ausgibt, so verbleibt ihr ein reiner Ucbcrschnß von 130 Millionen. Nichts kennzeichnet die Politik des„dritten Reiches" bester als dieser kleine Ausschnitt aus seiner Finanzpolitik. Nie hat ein Staat gewagt, die Margarine, das Nahrungsmittel der Acrmsten der Armen zu besteuern, den Preis mehr als zu verdoppeln und den größte» Teil dieser Preiserhöhung in die Tasche» des Fiskus zu stecken. Ernährung sdiledifer als 1932 Amtlich zugegeben lieber die Einzelhandelsumsätze im November 1032 be- richtet daS Institut für Konjunkturforschung». a.: Tie Dringlichkeit des BckleibungSbedarss wurde in weiten Kreisen jo stark spürbar, daß zu Ncuanschassungen geschritten iverden mußte. Daher lagen im November(ebenso wie in vorangegangenen Mvnatent die Umsätze in diesen Waren besonders günstig. Sie überschritten den Vorjahrs- stand um 3,3 Prozent. Tie Förderung der Haushalts- grün du» gen durch die Rcgierungsmaßnahmen führte zu steigenden Um,ätzen in Hausrat und Wohnbcdarf. Der Umsatz nimmt um so mehr zu, als die Voreindeckunge» früherer Jahre(vor allem bei der BankenkriiiS 1931) ständig an Bedeutung verlieren. Daher überschritten die Umsätze in Hausrat und Wohnbedarf im November die Vorjahrs- höhe um rund 23 Prozent. Demgegenüber lagen die Umsätze in andere» Gruppen des Einzelhandels weniger günstig. In N ahru» gs- und G e n n ß in i t t c l n blieb der Um- s a tz im R v v e m b e r noch n in 2.4 Prozent hinter dem dcS Vorjahrs zurück. So erklärt es sich, daß der U m i o tz des E i n z e I h a» ike l s im ganze» Im November 1 033 noch um etwa 1,5 Prozent unter dem d e s P o r j a h r s l a^. Haibverhnngerade Sdiuihinder Im schlesischen Grenzgebiet Gleiwitz, 19. Jan.(Inpreß.) AuS schulamtliche» Fest- stellungeu in Obcrschlesien geht hervor, daß 71,6 Prozent aller Volksschüler kein eigenes Bett haben und baß min» bestens 30 Prozent der Schüler Tchulzusatznahrnug erhalten müssen, da sie unterernährt sind. Die Hitler-Behörden geben zu,„nicht in der Lage zu sein, ausreichend zu helfen". Japans Volhshralt Die Bevölkerungsstatt st ik Japans für daS Jahr 1032 zeigt, daß dieses Land mit dem Wachstum seines Volkes an der Spitze aller Länder steht. Im Jahre 1032 hatte Japan einen Geburtcnzuwachs von 2182 743 Köpfen, d. h. 80 737 mehr als im Jahre 1031. „Aulsdiwung" Nur 39 v. H. der Normalbeschäftigung Das Inlandsgcschäst verlief laut Bericht des V. D. M. A. im Dezember 1933 nach Anfragen und Austrägen weiter in aussteigender Linie. Im Auslandsgeschäft ivar zwar eine kleine Zunahme der Anfrage» zu vcrzci^nen, die Aufträge blieben dagegen noch hinter dem tiefen November stand zur ü ck. Der Beschä'ti- gungsgrad im Dezember betrug aber trotz der anhaltenden leichten Besserung des Inland sgeschästes er st 3 9 Prozent der Normalbeschäftigung, obwohl im Dezember noch eine für den letzten Iahresmouat ganz un- gewöhnliche Zunahme der Beschäftigtenzahl um mehr alS 4000 Köpic zu verzeichnen war. Ein erheblicher Teil der Neueinstellungen im Dezember entfiel auf die W e r k z e u g- m a s ch i n e n i n d u st r i e, die unter besonders schlechtem Auslandsgeschäft zu leiden bat, aber stetig zunehmende In- landSauiträge aufweist. Weiter gebessertes InlandSgcschätt wurde ferner von Firmen der Textilmaschinen- i n d u st r i e, des Fördermittel- und Wagen- b a u e S, der Druck- und Papicrverarbeltungsmaschinen- industric, der Zerkleinerungs- und AusbercitungSmaschtnen- Industrie, der Armatureninbiistrie, dcS Apparatebaues und der Pumpen- und Kompressorcnindustric gemeldet. VerhehrsrOdigang In Berlin Stillegung von Verkehrslinien Berlin, 20. Jan.(Jnsa.s Die Berliner Vcrkehrsgescllschast teilt mit, daß die folgenden Straßenbahn- und OmnibuS- l'nien völlig eingestellt werden, 17, 13 und A 23 sowie A 26. Die Linien 43, 73, 148, 76, A 24, A 19. 97 A 16 und A 30 werde» verkürzt. Bei den Ttraßenlinie» 34, 134, 33, 73, und 73 wird statt je 13 Minuten nur noch alle 20 Minuten ei» Wagen verkehren. Es erübrigt sich zu verzeichnen, daß diese Verkehrsverschlcchterung als„Dienst am Volke" hingestellt wird. Ein seltsames Geschäft Der Deutsche Arbeiterverband des grafischen GewerbcS hat die Leipziger Großvuchdrnckcrcien I. B. Hirschfeld(Arno Pries und August Priest, Brüdcrstraßc 30, erworben. Die Nebernahme dieses Betriebes erfolgte aus besonderen Wunsch der sächsischen Regierung, um den Betrieb zu x r h a(t c n, Hilfspolizei verurteilt Erste« Urteil sesei» Hitlerbanditen 6.6. Vor dem Strafsenat des Obcrlandcsgcrichtes in Vrannschivcig spielte sich vor etnigen Tagen ein politischer Prozeß ab. der blitzlichtartig die Vernehmungsmethoden der braune» Hilfspolizei enthüllte u»d gerichtsnotorisch»est- stellte, daß es sich bei diesen Vernehmungen um Vorgänge bandelte, die man ruhig mit Nötigung und Erpressung bc- Zeichnen kann. Am Donnerstag, dem 11. Januar, hatte sich der 37 Jahre alte Schlosser Willi Dreycr. ein in Brannschweig alv ruhiger, sachlicher Arbeiter bekannter Anhänger der Kom- »»»nisten, zu verantworten. Drcucr, der nach seinen An- gaben der Kommunistischen Partei nur bis zum Oktober 1932 angehört hatte, war nach dem Siege der Nazis von den -Vörden der Hilfspolizei in eine Brannschwcigcr SA- Kaserne geschleppt und dort in üblicher Weise„verhört »Vörden. Die Hilfspolizisten warfen ihm vor, er sei der illegale Hauptkassierer der KPD. Sic„behandelten' ihn »vahrend des„Verhörs" so gründlich, daß er schlieiinch die Dichtigkeit dieser Anschuldigung zugab. CS handelte sich bei dem Vorgehen gegen Drener»m einen Einzelfall aus der liroßen Serie von Massaker», die in Braunschweig gegen Ar- bciterfunktionäre unter der Leitung des heutigen Juitiz- Ministers Alpcrs abgehalten wurden. Man wird sich er- iiuiern, daß bei einige» dieser bestialisch dnrchgctniiitcn »Verhöre" der GeivcrkschaftSführcr Matlns Theißen und öer Gewerkschaftssührer Hermann Vasse tvtflealiält wurven. An dieie Vorgänge erinnerte Drener seht vor Gericht und widerrief gleichzeitig sein vor den Hilfspolizisten gemachtes Geständnis mit der Begründung, wenn er nicht hatte da^ Schicksal anderer erleiden wollen, so hätte er dieses Gestand- u Dummes Gesdiwätt Aber 7 Monate Gefängnis ^Cin nationalsozialistischer Bericht über eine Sihung des Sondergerichts in Köln lautet: Bei der Städtischen Steuerverivaltung in Bonn»wurde '»» Oktober vorigen Jahres der 33jährige kaufmännische Angestellte Johann H intze n beschäftigt, der des öfteren »vegen seiner politischen Hetzreden mit seinen Kollegen an der Arbeitsstätte tn Meinungsverschiedenheiten geriet, die schließlich dazu führten, daß er zur Anzeige gebracht werden wußte. Der Angeklagte gab an, früher zwar nicht Kommunist gewesen zu sein, weil ihm der Terror und die Radaupolitik nicht gelegen haben, wohl aber die Ideen des Kom- »n» n i s m u S vertreten z n haben. Von der NSDAP, hatte er wiederholt behauptet, daß sie nicht eine Partei der Arbeiter sei, weil das Kapital die Führer gekaust habe, die ja auch gar nicht aus dem Arbeiterstande stammten. Für eine solche Partei könne er sich nicht begeistern. Sonst wäre er vielleicht mit Leib und Seele dabei, iveil er für Hitler persönlich eine große Hochachtung habe, aber diejenigen, Me »in ihn herum s. ien, nichts taugte». Dann hatte er sich auch über'den Ministerpräsidenten Göring wegen seiner zahl- reichen Orden in abfälliger Weise geäußert und das HoheitS- abzeiche» der Partei als K n h st e m p e l bezeichnet. Gerade für die letztere beleidigende Bezeichnung suchte sich der An- geklagte mit der gewundenen Ausrede zu entschuldigen, daß er damit nicht das Parteiabzeichen an sich gemeint habe. Inn, Ausdruck habe'er dadurch nur bringen wollen, daß die Träger des Hoheitsabzeichens früher bei den Komm»- nisten aus die Weide gegangen seien, während sie jetzt bei de» NaziS auf die Weide gingen, um Futter zu kriegen. Mit Rückficbt auf die Schwere der beleidigenden Aenße- rnngen und die verletzende Form, in der sie vorgebracht morden waren, beantragte Staatsanwalt Dr. R e b in a n n eine Gefängnisstrafe von nenn Monaten. Das Urteil erging aus sieben Monate Gefängnis, weil der Angeklagte noch nicht bestraft war und ange- nommen wurde, daß er als dummer Schwätzer weniger kommunistische Propaganda habe treiben wollen, als nur die Absicht zu hetze» gehabt habe. »t Schande deutscher Parlelrichler 3» unserer Notiz in Nr. 10 vom 13. Januar wird uns von besonderer Seite geschrieben: Es ist richtig, daß die gesamte kultivierte Welt es Hitlerien sHitlerdeutschland) vorbehalten hat, Menschen, die um der sozialen Zukunft ihrer Frauen und ihrer Kinder willen ihre sozialistischen Forderungen mit Zeitungen, Flugblättern und in Aussprachen vertreten, mit Zuchthaus und Ehrverlust bestrafen und es entspricht natürlich dem heuchlerischen Aufbau dieses Hitlerien, daß solches von dem Manne angeordnet worden ist, der selber Wert auf Festungshast anstatt auf das ihm eher zugekommene Gefängnis oder Zuchthaus legte. Aber das vielgeschmähte„System" hatte immerhin noch Respekt vor ehrlicher Ueberzeugung. Denn dieses„System" hatte nis ablege» müssen. Es sei unter Zwang und Druck entstan- den und daher ungültig. Das Oberlandesgericht sprach den Kommunisten Dreyer daraufhin frei, trotzdem sein vor der Hilfspolizei unter- zeichnetes Protokoll mit der Selbftbeschuldigung vorlag. In der Urteilsbegründung heißt es:„Das Gericht konnte die Möglichkeit, daß sich Dreyer bei der damaligen Berneh- mung in geivisser Weise eingeschüchtert gefühlt hat, nicht ans- schließen, zumal der Bernehmung durch die Hilfspolizei keine richterliche Vernehmung gefolgt»var. Die Schlußfolge- rangen aus vorliegendem Tatbestand waren nicht zwingend genug, eine Verurteilung Dreyers eintreten zu lasten, so daß er mangels Beweisen freigesprochen werden mußte." Das ist unseres Wissens der erste Fall, in dem sich ein deutsches Gericht bereitsand, das Wüten der braunen Hilfs- Polizisten öffentlich zu verurteilen. * Ein SA.-Mann in Berlin, der am Montag im Verlauf persönlicher Streitigkeiten mit einem amerikanischen Staats- antzehörigen verhastet worden war. ist am Mittwoch von dem Schnellgericht wegen Körperverletzung zu s t e b e n M o n a i e n Gefängnis verurteilt worden. Der arische Kämpfer hatte Pech. Er glaubte einen deutschen Volksgenossen zu verprügeln, aber es war ein Amerikaner. So mußte der ivackere SA.-Mann leider verurteilt»Verden. Es empfiehlt sich für die SA, von de» zu Behandelnden sich erst die Pässe zeigen zu lassen. Nur deutsche„S t a a t s f e i n d e" dürfen straflos ge- prügelt und ermordet»verde». wenigstens selbst seine eigne Ueberzeugung i»nd handelte nicht nach fremden Plänen, aus denen ich die Grundsäße für die oben erivähnten Anordnungen ivie folgt zitiere lWvZ. 25. I. 36- III, 38- III und IV, 39- IV, 43- l. 51- I, 52- II. 56- III und 62- II): „Nicht alleiue unseres Vorteiles wegen, sondern vor allem auch im Rainen der Pflicht, des Sieges halber, müssen wir festhalten an der Anwendung von Geivalt und Heuchelei. ... Was der Staatsmann sagt, braucht keinesivegS mit dem übereinzustimmen, ivas ei tut.... Wir verfügen über einen unbändigen Ehrgeiz, brennende Habgier, schonungslose Nach- sucht uiid unerbittliche» Haß. Von uns geht das Schreck- geipenst, der umfassende Terror aus.... Wir haben zwar die bestehenden Gesetze nicht plötzlich geändert, haben aber ihren Sinn durch widerspruchsvolle Deutungen vollkominen ent- stellt. Auf diesem Wege erzielten»vir über Erwarten große Erfolge.... Unmerklich werden die letzten Spure» jeden verfassungsmäßigen Rechtes verschwinden, bis schließlich die Zeit gekominen sein wird, in der»vir vifen jede Regiernngs- gemalt im Namen unserer Selbstherrschaft an uns reiße». Die Polizei ist vielfach nicht nur in der Lage, willkürlich gegen diejenigen vorzugehen, die sich uns nicht unterwerfen wollen, sie kann auch die Spuren unserer Handlungen ver- ivischen. Vorwände zur Unzufriedenheit bieten usw.... Wir sind verpflichtet, einzelne Persönlich- feiten, welche die sestgesevte Weltorbnung stören, unbedenklich zu opfern. In der vor- bildlichen Bestrafung des Bösen liegt eine große erzieherische Ausgabe, die wir u n b e- d i n g t e r s ü l l e n m n s s e n... Um dem politischen Ver- brecher den Schein des Helden zu nehmen, der sich für andere opfert, werden ivir ihn auf dieselbe Bank mit gewöhnlichen Dieben, Mördern und anderen gemeinen Verbrechern setzen. Dann wird die össentliche Meinung beide Arten von Ver- blechern in einen Topf»verseil und den politischen Ver- brecher mit derselben Verachtung strafen, die sie vor dem gemeinen Verbrecher schon jetzt empfindet.... Wir»verde» jede» unbarmherzig hinrichten lasse», der sich niit der Waffe in der Hand gegen unsere Herrschaft auflehnt." Nadigemadife Gandhis Spinnrad und Villa In London ist ein Buch erschienen:„Nazi German»»» Explained" sNaztdentschland erklärt). Der Verfasser, Vernon Barilett. schreibt darin: „Hitler will nämlich wie Gandhi die Rückkehr zum Spinnrad, nicht nur weil er ei» Wirtschaftsnationalist ist, sondern auch weil er an Einfachheit glaubt. Der wich- tigste Eharakterzng der deutschen Revolution ist, daß sie im wesentlichen eine Reaktion gegen den übertriebenen Materialismus bedeutet." lS. 173). Tie Rittergüter zu dem ersehnten Spinnrad hinzn haben die Hitler, Göring, Kube und Genossen sich schon schenken lassen! „Verräter verfallen der Feme" sInpreß.) Im Snhler Sinisonwerk, das Maschinengewehre erzengt und deshalb ausschließlich Nazis beschäftigt, ist ein Arbeiter wegen angebiicher Ausplauderung von Betriebs« angelegenheiten erschossen worden. Ter Tod fällt liiuer die Rubrik der„Unglücksfälle". Eine tolle Kiste Hirtsiefer und Staatssekretär Scheidt sollen zehn- tausende Mark im Jahr für Reisen liquidiert haben Aus Berlin wird berichtet: Nachdem der frühere Staatsminister Hirtsiefer vom Land- gericht Bochum vor kurzem wegen Untreue n einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten verurteilt worden-st. hat nunmehr die Staatsanivaltschait Berlin..neu: gegen Hin- siefer Anklage erhoben. Wie die Jnstizpressestelle Berlin mit- teilt, handelt es sich um geradezu unglaubliche Mißstände in dem früheren preußischen Ministerium fnr Voltswvhliahrt nid in dem mit ihm in enger Verbindung stehenden Verein „R e i ch s z e n t r a l e Land a u>' e n t h o l t für Stadtkinder und Erholungspflege deutscher Kinder im Ausland.'". Mitangeklagt sind der Staatssekretär a. D Professor Dr. Adolf Scheidt und mehrere hohe Minii.erialbeamte. Nach den Feststellungen der StaatSanivaltsch.'it sind»on der Reichszentrale allein für Reisekosten der Angeklagten jährlich Z e h n t a n s e n d e ausgegeben wo den Die Ver- ivaltungskvsten erreichte» eine geradezu phantastische Höbe. Die Anklage»virst u. a. Hirtsiefer und den Mitangeklagten Untreue bei der Beschaffung des dritten Ehrendoltoriitels für Hirtsiefer durch die Universität Graz vor. Diesen Titel mußte die Reichszentrale mit nicht weniger als Wag» Ma.k bezahlen. Für das Frühstück, in dem dieses Ebrevvrädikat gefeiert»vurde,»vurden allein über 1800 Mark ausgegeben. Ein Betrag von fast 35 000 Mark wurde vom Ministc-iiim widerrechtlich der Reichszentrale beim Jahresabschluß»!>er- lassen und unter„V e r iv a l t n n g s k o st e n" verbucht. Auf Wunsch des damaligen Ministerpräsidenien B ,:n war durch Vermittlung von Hirtsiefer die frühere sozial- demokratische Abgeordnete Paula Oe»erreiche r bei der Reichszentrale untergebracht worden. Sie bat bort insgesamt eine Einnahme von 12 000 bis 15 000 Mark gehabt. Als Gegenleistung hat sie während der Dienststnnden fast nur ihre persönlichen Angelegenheiten erledigt. Später ve- schränkte sie sich daraus, nur zu erscheine«, um ihr Gehalt ab- zuholen und schließlich nur noch telefonisch an dessen lieber- sendnng zu erinnern. Das Bild der Mißwirtschast wird da- durch abgerundet, daß ans der Kasse der Reichszentrale Fahrgelder und Unkosten für Parteibuchbeamte und deren Angehörige und Bekannte bestritten wurden. Hirtsiefer machte nicht den Eindruck eines mönchischen Asketen, aber daß in dieser Stimmungsmache gelogen wird, ist denn doch allzu stark zu fühlen. Der Ziveck„Parteibuch- beamle" zu verleumden, ist allzu deutlich. Bekanntlich gibt es im„dritten Reich" keine„Parteibuchbeamte". Soweit man Nazis als solche ansprechen könnte, arbeiten sie umsonst, und den Abgeordneten, Staatsräten»siv. muß man 12 000 Mark jährlich geradezu aufdrängen, obivohl nichts nolivendiger ist als dieses Schweigegeld. Polizei und Drleiverhehr Korrespondenz mit dem Saargebiet sehr verdächtig Tie Geheime Staats pvlizei gib: bekannt: Schon längere Zeit»var den Polizeibehörden ausgefallen, daß der Handlungsgehilfe Robert Schmitt aus Frank f u r t a. M. einen Schriftwechsel nach dem Saargebiet unterhalten hat. Nachdem Schinttt beobachtet worden war, »vurde er nunmehr festgenommen und seine Wohnung durch- sucht. Dabei fand man bei Schmitt, der früher in einer kommunistischen Druckerei beschäftigt war, schwer belastendes Material. Neben Schreiben an die Regiernngs- kvmuiissivu,»u denen er seine Dienste sür besondere mit der Abstimmung in Zusammenhang stehende Fragen anbot, wurde unter anderem auch ein Schreiben an den früheren französischen Major Lanrezae gesunden. Lanrezae sitzt getarnt in der Bergwerksdirektivn in Saarbrücken. Dort be- kleidet ei an sich einen Posten, in Wirklichkeit aber betreibt er von dort ans d'e franzöfikche Propaganda. So gibt er die „Eahiers Sarrois" heraus. Er leitete früher auch die Frau- zösische Gesellschaft der Saarsrennde und betätigt sich auch noch heute in der Association srancaise de la Sarre. An Lan- rezac hat Schmitt unter Hinweis auf seine durch die Revo- lntion herbe-gesührte StellnngSlosigkeit unter ander»» ge- schrieben, er stünde ihm auch sür andre Dinge, die sicher sein Interesse fänden, zur Verfügung. Lanrezae hat daraus Schmitt nach Saarbrücken gebeten. Ob Schmitt in Saar- brücken gewesen ist. konnte»och nicht festgestellt werden. Gegen Schinitt wird ein Verfahren wegen Laudesver- r a t s eingeleitet»verde». Außerdem»vurde gegen den frühern Kriminalkommissar Eppinger ans Berlin, der ebenfalls unter bedenklichen Umständen in den Dienst der Regierungskommiffion treten wollte, die Schutzhaft ver- hängt. Nieder mil den Doppelverdienern Nazibonzen ausgenommen Ein Acnitcrsammler ist der Oberbürgermeister Schwede- Koburg: er ist MdR. und wurde»in» auch zum Vorsitzenden des Verbandes öffentlicher LebeiisvcrsicherungSanstaltcn und des Verbandes öffentlicher Unfall-»nd Haftpflicht»'«- sicherungSaiistalten berufen. Schwede ist bisher nicht als Gegner der Toppelver- dienerverfolguiig hervorgetreten. Immer noch: Die Fälschung der„Weisen von Zion" Längst sind die Protokolle der Weisen von Zion als eine der blödesten und schädlichsten Fälschungen erkannt. Trotzöeui erleben sie augenblicklich in Deutschland Massenauflagen. Und überall, wo antisemitische Propaganda sich regt, erschei- neu Neuansgabcn und werden von den„Armen im Geiste" gierig verschlungen, berichten diese angeblichen Protokolle doch von ungeheuerlichen Anschlägen der Juden gegen die europäische Kultur. In der ersten deutsche» Ausgabe von 1020, die, wie das Reichsgericht in Leipzig feststellte, zur Bibel der Rathenan- Mörder geworden war. wird erzählt: Die russische Regierung hätte 1807 einen„Späher" nach Basel geschickt, der durch Be- stechung diese Protokolle als das Ergebnis von 23 Geheim- fitzungen erhalten habe die auf dem dortigen dreitägigen 1. Zionistenkongreß stattgefunden hätte», der einberufen ge- wefen fei von den„Vereinigten Zionisten und Freimaurern". In die Enge getrieben, behaupteten die deutschen Verbreiter dieses Schwindels, die Protokolle seien„R'chtlinien", die der Schriftsteller Uscher Ginzberg für den Zionistenkongreß ver- saßt habe Als Ginzberg daraufhin de» Grafen Reventloiv »vegen dieser Verleumdung verklagte, konnte vor dem Schöj- fengericht Berlin-Nkitte der Gras mit keinerlei Beweisen da- für dienen und mittue am 10 April 1023 weh- und dehmllttg Abbitte leisten. Schließlich wurde dann erzählt, die Proto- kolle seien Niederschriften von Konferenzen jüdischer Stu- deuten I» Paris und endlich gar gemunkelt, es wären uralte Parolen, die bisher nnanfgezeichnet von Mund zu Mund ge- gangen. Tatsächlich veröffentlicht sind die Protokolle zuerst 1902 in Rußland, und zwar von einem sonst»veit und bre't unbe- kannten„Gelehrten" S. Nilus in einer Schrift„Der Anti- christ als naheliegende Staatsniöglichkeii". Sie wurden sofort als Fälschung erkannt. Entstammt ihr Inhalt doch in allem Wesentlichen, größtenteils in wörtlicher Wiedergabe, einem Werk von Maurice I o l n, das dieser begabte Journalist gegen Napoleon III. und dessen diktatorische Regierung ge- richtet hat. Ein Exemplar dieser Broschüre, die den Titel „Zivtegeipräch in der Hölle zivischcn Montesquieu und Machiavclli" trägt, befindet sich in der Nationalbibliothck in Paris. Und hier in Paris aus eben diesem einen Exemplar, haben zwei russische Agenten die„Prolakolle" zu» sammengestellt. Der schon vom Beben der nahen Revolution zitternde Zarismus brauchte, um die unzufriedenen Massen von der wahren Ursache ihres Elends abzulenken, anttfemi- tische Pogromstimmung. So wurden all die finsteren Pläne und Anschläge Napoleons in., die fortschreitende Zentralisierung deö Staates, die wachsende Korrumpierung der Polizei und der Richter, die nichtswürdige Knust, das Volk zugleich zu knebeln und zu hätscheln, das teuflische Geschick, die Bvur- geoisie zugleich zu bereichern und zu plündern, kurz alles, Ivas Jvln seinen Unterivcltsmachiavcll als den Vertreter tückischer Gewalisaiiwendung empfehlen läßt, einfach de» Inden unterschoben. So entstanden die Protokolle der Weise» von Zion. Als nach dem Kriege in Amerika eine Ausgabe erschien, haben sich amerikanische Politiker und Gelehrte, als erste Wilson, Taft, Roosevelt. entrüstet gegen dieses»vidcrivärtige Pamphlet geivandt. Tie Prinzessin Katharina Radziivill nannte 1021 öffentlich die Namen der russischen Fälscher: GoloivinSk») und Manonyloff. Hatte fich ihr gegenüber doch in Paris GoloivinSky stolz»nit der vollendeten Teufelei ge briistet, von der er glaubte, daß sie eines Tages die Weit revolutionieren würde. Der ivackere Jolv hat den Mut, dem damaligen Machthaber in verschleierter Form die bittere Wahrheit zu sagen, mit 15 Monaten Gefängnis büßen müssen. Sein Werk wurde kon- fisziert. Doch das eine Exemplar, das in der Pariser Ratio- nalbibliothek verblieb, gab zwei elenden Kreaturen die un heilvvlle Macht, unsägliches Unglück über Hunderttausende unschuldiger Menschen zu bringen. Noch immer»vird es be- nutzt, um Bürger gegen Bürger z» hetzen. So ist es dankens- wert, daß der Pariser„Tempo" dieser Tage einer aussühr lichcn Zuschrift von Fernand Eorcus Rani» gab. Angeregt durch das Erscheine» einer Schweizer Ausgabe der Proto- kolle, erzählt Eorcos, ivie Joly dazu kam, seine» Montcs- quieu als Vertreter der Rechtdidcc Machiavclli als Ver- tretcr listig-brntaler Gewalt gegenüber zu stellen. Und da er auf de» Band 78 des KatalogeS der Pariser National- bibliothek hiniveist, der das Werkchen JoluS ausführlich ver zeichnet, ist zu wünschen, daß es sorgsam beivahrt bleibe. AI» cin Beweis dafür, ivie aus dem reinen Quell eines ircien Geistes dank perfider Fälscherarbeit ein Schlammstrom fließen kann: Tic«Protokolle der Weisen von Zion". * Der Nazissihrer-Emtgrant, der gegenwärtig in der„Deutschen Freiheit" mit einer Aufsatzreihe zum Wart kam, zitierte häufig die„Weisen von Zion", um zu bciveisen, ivie stark sich die nationalsozialistische Praxis an die An- Weisungen dieses Fälfchcriverkes hält. ES versteht sich van selbst, daß der Autor der Aufsätze von der Herkunft Meies Machwerkes n»Herrichtet ist. Dafür ist freilich seine Beweis führnng um so drastischer: cin Fälschcrstück als Leitfaden iür die nationalsozialistische Politik. deutsche Stimmen»(Beilageiin..©eulsdien Jrcifie»• frtlsnlsse und Senftliftten Dienstag, den 23. Januar 1934. 9icuts JUiteeCied Diesen offenen Brief erhielten die Mitglieder und Arbeiter des Staatstheaters Berlin sowie zahlreiche Persönlichkeiten des In- und Auslandes. Mir ersuchen die außerhalb Deutschlands Lebenden, zu dem Brief Stellung zu nehmen. Herr Staatsrat J o h s t! Hans Otto ist tot. Sie kannten ihn. Er spielte unter Ihrer Leitung den Kaiser in Faust II. Sie kannten ihn, den edlen Prinzen von Homburg Her ersten Bühne des Reiches, den sonnigen Max Picco- lomini, den klar-geistigen Freiheitshelden Egmont. Sie kannten ihn. Er wurde entlassen. Das bedeutete für ihn den Tod. Er wurde von Ihnen entlassen, Herr Johst! Sie führten als damaliger Vertreter der Intendanz mit Hans Otto eine letzte Unterredung. Erinnern Sie sich? Zwei Geistige der beiden Weltanschauungen standen sich gegenüber. Und dieses Gespräch war Ihnen unangenehm. Sie fanden nicht den Mut, Hans Otto zu sagen, daß seine Entlassung eine politische ist. Sie sagten, er ist nicht der Typ des jugendlichen Helden. Hans Otto lebte und starb wie ein wirklicher Held lebt, handelt und stirbt. Seines Egmonts letzte Worte: ..Fallt freudig, wie ich euch ein Beispiel gebe!" erhielten durch seinen Tod tiefere Bedeutung Der Tod vollendete die menschliche Größe, Sie, Hanns Johst, haben vom Helden nur einen Theaterbegriff. Hans Ottos Leben und Sterben triumphiert über Ihre UnWahrhaftigkeit. Wissen Sie, was mit Hans Otto geschah? Haben Sie nachgeforscht? Es waren doch Ihre Kameraden, unter deren Händen dieses grauenhafte Verbrechen geschah. Göbbels ließ der Delegation der um ihren Kollegen besorgten Mitglieder der Staatsbühne erklären:„Selbstmord im Gefängnis." Selbstmord, nicht wahr? Des Mörders feige Zuflucht ist die Lüge. Mit Todesstreichen sollte Hans Otto der Verrat an seinen Freunden und auch deren Tod erpreßt werden. Neuntägige Folter erreichte es nicht. Wie wollen Sie Ihre Kameraden, die einen Menschen und Künstler wie Hans Otto bestialisch ermordeten, bezeichnen? Finden Sie nicht, daß es dafür nur einen Ausdruck, Ihren Ausdruck, gibt, den Sie auf uns anwenden: Untermenschen? In jener Unterredung zwischen Ihnen und Elans Otto sprachen Sie, ohne sich dessen bewußt zu sein, Hans Otto als Kommunisten die höchste Anerkennung aus: daß er, Hans Otto, sich bei der gesamten Kollegenschaft des Staatstheaters größter Beliebtheit erfreut. Und das, weil er sich uneigennützig, tatkräftig und erfolgreich für die Interessen seiner Kollegen einsetzte. Er wurde 0 h m a n n des Ortsverbandes Staatstheater der Bühnengenossenschaft. Seine Kollegen übertrugen dem fähigen Hans Otto ihr Vertrauen an Stelle seines Vorgängers, der ihn später dafür kommissarisch absetzte! Dieser Mann ist heute als Präsident der Bühnengenossenschaft im Ministerium. Hans Otto, der begeistert verehrte und geliebte Führer der gesamten Schauspielerschaft wurde ermordet. Wissen Sie noch. Herr Staatsrat, wie Sie damals Hans Otto zu sagen wagten: Er sei so sympathisch, wenn er Ihnen gegenübersitzt, und doch könnten Sie sich vorstellen, daß er als Kommunist mit Leuten zusammenkommt, die die Ermordung Hitlers planen. Sie haben entrüstet von Mördern gesprochen. Sie suchen sie im falschen Lager. Wer wurde ermordet? Hitler? Göbbels? Oder ein Thyssen? Ermordet wurde Hans Otto, ermordet wurden und werden hunderte proletarischer Funktionäre, tausende wehrloser, ehrlicher Arbeiter, denen der Sozialismus keine demagogische Abstraktion ist, sondern heiligster Ideen- und Lebenskampf. „Die deutsche Revolution hat höchstens 50 Menschen das Leben gekostet, und das waren meist Halunken," so sprach Ihr Führer. Längst ist die Unwahrheit dieser grotesken Behauptung bewiesen. Sind Sie gleichfalls der Ansicht, daß diese Toten— auch Hans Otto— Halunken sind? Oder die. Millionen Gegner des Plebiszits Verbrecher? Diese Neinsager, das sind die stillen, namenlosen Helden des gegenwärtigen Deutschland, die täglich Leben und Freiheit einsetzen. Sie, Hanns Johst, haben„Ja" gesagt. Sie sprachen zu Hans Otto von Hitler als dem einzigen Mann, der das deutsche Volk retten kann. Ahnen Sie denn nicht, wie abgrundtief der Haß ist, den Ihr Führer ins Volk trug? Sie glauben, daß er die Nation einigt— die Wirklichkeit ist, daß er den grauenhaftesten Klassenkampf führt, den die deutsche Geschichte kennt. Hans Otto ist eines seiner vielen Opfer. Sie hängen kritiklos— gläubig am Mund Ihres Führers. Warum achten Sie nicht mehr auf das, was unter seiner Diktatur in Deutschland geschieht? Waren Sie schon in der SA.- Kaserne Voß- straße. in der Hans Otto zu Tode gemartert wurde? Waren Sie schon Augenzeuge eines der legalisierten Massenmorde an den Hinrichtungsstätten? Waren Sie im Konzentrationslager Dachau? Wissen Sie überhaupt, was dort vor sich geht? Hören Sie die Schmerzenssehreie deutscher Menschen, die sich unter den Hieben der Stahlruten winden und das tierische Freudengeheul ihrer Peiniger? Hören Sie denn das nicht, Sie Dichter der deutschen Seele? Der Gedanke an den Mord an Hans Otto, als an einem der Besten, Hoffnungsvollsten der jungen Künstlergeneration, soll Sie, Hanns Johst, verfolgen. Sooft Sie Egmont sehen, sooft Sie die Worte Don Carlos' an der Leiche Posas hören, sooft Sie vom„heroischen Gefühl" sprechen, sooft Sie die Vermessenheit haben, einen Klassiker des deutschen Humanismus zum Kronzeugen der Hitlerbarbarei umzu- fälschen. Hans Otto wurde ermordet. Sie sind mitschuldig! Sie sind Dichter und Funktionär dieses Menschenschlacht- hauses Deutschland und glauben vielleicht, sich für eine große Sache einzusetzen. Ihre Aufgabe ie nur, schönklingende Wortgewebe zusammenzudichten, um damit die Unsittlich- keit des Privatkapitals und das vergossene Blut der besten Kämpfer dem nüchternen Auge der Umwelt zu verbergen. Oft haben wir an Ihre bessere Erkenntnis appelliert. Jetzt tun wir es nicht mehr. Sie sind unser Feind, Herr Staatsrat! Die Revolution, an der die betrogenen Massen Ihrer heutigen Anhänger hervorragenden Anteil nehmen werden, wird keine Zeit haben, ihre Feinde durch raffinierte Folter- terhnik tage- und wochenlang zu quälen. Denn sie hat im Gegensatz zu Ihrer Scheinrevolution wahre revolutionäre Ziele zu verwirklichen: Den Massen des deutschen Volkes materielle und geistige Lebensbedingungen zu schaffen für eine höhere Kultur, für eine gerechte soziale Ordnung, für eine Höherentwicklung der menschlichen Beziehungen. Erst dann werden die werktätigen Massen aus ihrem heutigen tierischen Dasein befreit werden für ein wirklich menschliches. Es ist der Sprung aus dem Reich der Barbarei in das Reich der Verwirklichung der sozialistischen Ziele, für die auch Hans Otto lebte, litt und starb. Ein Genosse des Ermordeten. Pazihziert von Schiller-Mynona Wohl ab, Kameraden, vom Pferd vom Pferd, Aus dem Feld in die Freiheit gezogen. Im Frieden, da ist Uniform nichts mehr wert. Da wird das Herz nur gewogen, Da tritt keine Waffe mehr für dich ein, Auf dir selber stehst du,— doch nicht allein! Aus der Welt die Freiheit verschwunden ist. Man sieht nur Feldherrn und-knechte, Und Kadavergehorsam herrscht, Hinterlist Bei dem feigen Nazigeschlechte. Der dem Leben ins Antlitz schauen kann, Der Friedliche nur ist der freie Mann. Des Todes Aengste, er wirft sie weg. Hat sie nicht mehr zu fürchten, zu sorgen. Er reitet dem Leben entgegen keck, Glückts heute nicht, glückt es doch morgen, Und glückt es erst morgen, so laß uns schon heut Vorschlürfen die Blume der köstlichen Zeit! Aus der Erde quillt ihm sein lustig Los, Brauchts nur mit Fleiß zu erstreben, Der Papen, der suchts in des Himmels Schoß, Da wähnt er, den Schatz zu erheben. Auf dem Feld frei erschlagen, so lang er lebt, Er himmelt, bis er im Sterbebett bebt. Der Diktator und sein geschwindes Roß, Sie sind verächtliche Gäste, Es schimmern die Lampen im Lebensschloß, Nur der Friedliche kommt zum Feste. Der wirbt nicht lange, er zeigt sich hold. Und zart erringt er der Minne Sold. Warum juchzt die Dirn und zersehnt sich schier? Sie kann die Zeit kaum erwarten, Her Liebste entrann dem Göringstier, Sie harret seiner im Garten. Das milde Schicksal bracht ihn zurück. Verwandelt das Greuelunheil in Glück. Auf des Friedens Waage die Welt jetzt liegt, Verflucht, wer den Degen noch führet! So bleibt nur friedlich zusammengefügt, Ihr zwingt das Glück und regieret. Es sitzt kein Diktator so hoch, so fest, Der friedliche Springer gibt ihm den Rest. Drum frisch, Menschenkinder, den Rappen entzäumt, Die Brust vom Hitlern entlüftet! Die Jugend brauset, das Leben schäumt. Frisch auf, eh der Geist noch verdüftet! Und setzet ihr nicht den Frieden ein. Nie wird euch das Leben gewonnen sein. „Willst du eefaheen.. Ein neuer Knigge. Unter dem Titel:„Willst Du erfahren, was sich ziemt? Lustiges und lehrreiches Handbuch für die Jugend im„dritten Reich" hat ein Carl Schütte einen Knigge herausgegeben. Der Waschzettel sagt:„Das Büchlein soll der heranwachsenden Jugend die Grundforderungen der Gesittung vermitteln. Der Verfasser hat streng darauf geachtet, daß keine verspießerten und veralteten Lebensformen in neuer Aufmachung dargestellt werden. Vom Gedankenkreis des NS. ausgehend, betrachtete er j e d e Frage des täglichen Lebens und gibt Regel und Richtung für das Verhalten der Jugend. In humorvoller und unterhaltender Weise versteht es der Verfasser, Fragen des guten Benehmens an Jungen und Mädel heranzubringen, so daß sie es, wenn sie es erst aufgeschlagen haben, nicht wieder aus der Hand legen... Es wird zu dem erstaunlich billigen Preis von 65 Pfennige ordinär verkauft..." Ixicalet Sie Mieten einen Voäkut teagen Kuh, Hund und Esel An der deutsch holländischen Grenze stehen drei Tiere in tiefernstem Gespräch. Eine Kuh, ein Hund, ein Esel. Ihr 1 hema ist das„dritte Reich". Darum stehen sie vorsichtshalber auf holländischem Boden. Hin und her gehen Gründe und Gegengründe. „Ach was!"— brummte da schließlich gutmütig die Kuh. ich werde es riskieren. Will mich mal ein bißchen selber überzeugen. Wenn ich in acht Tagen nicht zuückbin, gefällt es mir drüben. Dann könnt ihr nachkommen." Sie winkte noih einmal mit der Quaste und verschwand über die Grenze. Hund und Esel warteten. Einen Tag, drei Tage, sieben Tage. Da, in letzter Minute kam die Kuh angekrochen: ..Gott sei Dank, daß ich es noch geschafft habe! Kinder, ihr ahnt es nicht! Wie die Wilden sind sie auf mich losgestürzt. Fünfmal jeden Tag wurde ich gemolken. Gott sei gelobt, daß ich wenigstens ein braunes Fell hatte. Die andern kommen noch öfter dran." Der Esel lachte aus vollem Halse und der Hund kratzte sich hinler den Ohren:„Na, liebe Kuh, vielleicht ein bißchen übertrieben, he? Bißchen gegreuelt, was? Ich werde mich doch mal seiher auf die Socken machen. Ihr könnt ja hier warten. Wenn ich bis übermorgen nicht zurück bin, so gefällt es mir gut dort, und ich komme nicht wieder." Damit haute er ab. Abends war er zurück und hielt den Kopf verschämt zn Boden gesenkt...Na," fragte die Kuh,„schon zurück"?" „Au wau weh!" schrie der Hund,—„den ganzen Tag Maulkorb aufhaben und Fußtritte kriegen. Nein, nein, das halte ich nicht aus. Und dann diese unzählig vielen Kläffer dach üben, w o man geht und steht. Dagegen kommt so ein richtiger Christenhund nicht an!" ..Hihihiaach!" schrie der Esel,—„Ihr Feiglinge! Ihr habt es nur nicht richtig angefangen da drüben. Jetzt gehe ich los. Wenn ich bis heute abend nicht zurück bin, so macht Euch keine Sorge um mich, dann bin ich nämlich Amts v alter." Fröhlich springend setzte er über die Grenze. Er kam nicht wieder..,' Zoe JUchttosiqkeit teilt dee 9iohn Von der Freiheit, die dem deutschen Volksgenossen im totalen Staate Hitlers und Görings übriggeblieben ist, gibt ein Zirkular Kunde, das von der Direktion eines großen deutschen Industriebetriebes den Arbeitern und Angestellten dieser Firma zur Unterschrift vorgelegt wurde. Es heißt in ihm: „Sie können zu uns in schwarzen oder braunen Schuhen kommen, glatt rasiert oder mit einem Voll» hart. Von uns aus können Sie ganz nach Belieben Ihre Beinkleider mit einem Gurt halten oder Hosenträger benutzen, Mitglied eines Kegelklubs sein oder eines Gesangvereines, zu Hause Briefmarken sammeln oder Tauben züchten, einen Onkel in Amerika haben oder eine gewesene Braut in Italien. Alles das interessiert uns nicht: das ist Ihre Privatsache, und wenn es. Ihnen Spaß macht, Ihr Privatvergnügen. Anders liegt der Fall aber heute hinsichtlich Ihrer politischen Haltung. Bedenken Sie folgendes: Wir sind als Wirtschaftsbetrieb Einzelglied unserer gesamten Volkswirtschaft. wenn Sie wollen, eine Arbeitszelle. Die Wirtschaft aber ist eine der Säulen innerhalb des Staates. Und dabei kann es uns nicht gleichgültig sein, wie Sie zum Staate stehen. Sind Sie Gegner des Staates in irgendeiner Form, dann sind Sie naturgemäß auch Gegner unserer Unternehmung. Das ist unabwendbar. Wir kennen keine Parteien mehr, keine Klassenunterschiede, keine andern Interessen als die, in vereinter Leistung daran zu arbeiten, daß es uns allen besser geht. Das ist auch das unserer Staatsmänner. Und dieses Ziel wollen wir durch gute Arbeit erreichen. Das ist für uns alle in unserer Unternehmung das Wichtigste. Denn von unserer Arbeit' leben wir alle zusammen. Sie wollen deshalb bis zum... die Erklärung abgeben(schriftlich), daß Sie den nationalsozialistischen Staat bejahen und den deutseben Gruß sich bereits zu eigen gemacht haben oder machen werden. Heil Hitler!(Zitiert in der„Neuen Weltbühne".)" Wenn es diese nationalsozialistischen Unternehmer geradezu darauf angelegt hätten, zum Haß gegen den neuen Staat aufzureizen, sie hätten es nicht besser machen können, als in diesem Dokument, das die Freiheiten, die der deutsche Arbeiter heute besitzt, aufzählt: die Freiheit, schwarze oder braune Schuhe zu tragen, das Recht, den Bart stehen zu lassen oder ihn zu rasieren, die Erlaubnis, Hosenriemen oder Hosenträger zu benutzen, die Berechtigung, Briefmarken zu sammeln oder Tauben zu züchten. An dieser Liste der Rechte, die ihnen geblieben sind, dürften die deutschen Arbeiter erkennen— was zurückzuholen ist. Tlue ein einziges Jxufi... Ausgeschieden aus ihrer Lehrtätigkeit an deutschen Hochschulen sind nach einer Mitteilung der„Zeitschrift für die gesamte Versicherungswissenschaft" folgende Professoren: Dr. Bernstein(Göttingen, jetzt in Nordamerika), Prof. Dr. Breuer(Karlsruhe und Frankfurt am Main), Prof. Dr. Ko- burger(Mannheim), Prof. Dr. Lorey(Leipzig), Prof. Dr. Loewy(Freiburg), Privatdozentin Dr. Pollaczek(Berlin, jetzt Brüssel), Prof. Dr. v. Mieses(Berlin, jetzt Istambul), Prof. Dr. Nußbäum(Berlin), Prof. Dr. Manes(Berlin). JCeieck geht nach 9Ceidellecg Der Rektor der Frankfurter Johann-Wolfgang-Goethe- Universität, der bekannte nationalsozialistische Vorkämpfer Prof. Dr. Krieck, hat einen Ruf nach Heidelberg auf den Lehrstuhl für Philosophie und Pädagogik zum 1. April 1934 erhalten, der durch die Entpflichtung des Geb. Hofrats Prof. Dr. Richert frei geworden ist. Kampf gegen die Kirchen pas NeBeste Dse Tatsachen sprechen 1. Verbote für katholische Jugendorganisationen! Anordnungen d«r Staatspolizeistelle Aachen: Mit Rück- ficht auf verschiedene Zusammenstöße zwischen den konsessio- netten Jugendorganisationen einerseits idieje Organisationen sind ausschließlich auf die restlos kirchliche Betätigung und Erziehung ihrer Mitglieder beschränkt! und der Hitlerjugend anderseits wird für den Bezirk der Staatspolizeistelle Aachen iRegierungsbezirk Aachens im Interesse.der öffentlichen Ordnung den Angehörigen der konsessionellen Jugendverbändc, insbesondere dem Jungmännerverband, der Jungschar, der Cturmschar, den St.-Georg-Psadfindern, der Werkjugend und dem Verbände Neudeutschland. bis auf weiteres unter- sagt: Das Tragen von Bundestrachten oder von Kleidungs- stücken, die sie als Angehörige der konfessionellen Jugend- vrganisationen in der Ocsfentlichkcit kenntlich machen: jede» geschlossene Austreten in der Oessentlichkeit: jede össent» lich« Kundgebung in Schrift oder Wort: das Mitführen von W'mpeln oder Fahnen: jede sportliche oder volkssportliche Betätigung. Der Hagener Polizeipräsident hat sämtlichen Jugend- vrganisationen beider Konfessionen bis auf weiteres össent- lichc Ausmärsche, Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen in Bundestracht, das Tragen von Uniformen, sowie das Mi»- führen von Wimpeln und Fahnen untersagt. 2. Gegen Faulhaber! Das Blatt der„Deutschen Glaubensbeivegung". der „Reichswart", richtet in seiner Nummer vom 14. Januar unter der Ueberschrist.„Kardinal probierts einmal" einen Angrifs aus Kardinal Faulhaber wegen dessen Silvester- predigt. Kardinal Faulbaber erklärte darin:„Das deutsche Boll wird entiveder christlich sein oder es wirb nicht sein: ein Abfall vom Christentum, ein Rückfall in das Heidentum wäre der Anfang vom Ende des deutschen Volkes." Der„Reichs- ivart" stellt nun die Behauptung aUs, es handele sich hier um einen klerikalen Uebcrgrisf in die Ange- legenheiten desStaates, eine Verletzung des Konkordates, eine politische, volkszersetzende Propa- ganda, die letzten Endes parteipolitischer Art sei." 3. Faulhabers Interdikt über Traunstein Wie der Wiener„Reichspost" in einem Eigenbericht mitge- teilt wird ist am 8 Januar der Pfarrer von Traunstein in Bayern. Geistlicher Rat Ttelzle verhaftet worden. Er wurde von Gemcindeangehörigen denunziatorisch beschuldigt, in einer Predigt eine Aeuhcrung gegen den nationalsozialifti- scheu Staat getan zu haben, obwohl einwandfreie Zeugen be- stätigtcn. daß solche Aeußerungen nie gefallen sind. Nun hat Kardinal Faul Haber über Traun st ein das Interdikt verhängt. Bis zur Freilassung des Psar- rers ist in Traunstein jeder feierliche Gottesdienst, das Glockengeläute, Orgelspiel usw. in der Kirche verboten. Die Verfügung des München« Oberhirten wird der Oesfent- lichkeit nicht mitgeteilt. 4. Konflikt um die Presse Im Kirchlichen Amtsblatt der Diözese Pa° d e r b o r n wurde eine Verfügung erlassen, wonach b:e kirch- lichen Anzeigen nur solchen Zeitungen zur Verfügung gestellt werden dürsten, die..„weder in ihrem redaktionelle» noch in ihrem Inseratenteile" etwas verösöfentlichen, was der katholischen Glanbens- und. Sittenlehre Widerstreitet oder Rechtsanwalt wird gefoltert Auswärtiges Amt zum Fall Litten lJnpreßj In einem für den internen Gebrauch bestimmten Zirkular des Auswärtigen Amtes ivird zu dem Fall des eingekerkerten und misshandelten Rechtsanwaltes Dr. Hans bitten Stellung genommen. Zunächst ist festgestellt, dass„das Wohlergehen Littcns immer wieder die Auslandspresse be- schäftigt": dann fährt die Information fort: „Rechtsanwalt Hans Litten ist nach dem Reichstagsbrand in Schutzhast genommen worden und befand sich im Straf- gesangnis Spandau. Seiste Jnschutzhaftnahme war nicht nur wegen seiner jahrelangen kommunistischen Tätigkeit eine Notwendigkeit, sondern auch deswegen, weil der berechtigte Verdacht bestand, und auch heute noch besteht, dass Litten seine Finger beim Reichstagsbrand mit im Spiel gehabt hat. Im Strafgefängnis Spandau hat Litten einen Selbst- Mordversuch unternommen, worauf er sosort durch die Spandauer Feuerwehr in das Staatskrankenhaus der Polizei in Berlin überführt wurde. Schon am folgenden Tage wurde der Mutter des Litten die Erlaubnis bewilligt, ihren Sohn zu sprechen Nach Beendigung des Besuches, der etwa eine halbe Stunde gedauert hatte, traf Frau Litten den ihren Sohn behandelnden Arzt, dem sie erregt zurief:„Es wäre besser für meinen Sohn, wenn er gestorben wäre." Woraus der Arzt Frau Litten erwiderte:„Es ist meine Pflicht, all meine Kraft daran zu setzen, Ihren Sohn wieder herzustellen. Warum sollte es besser sein, wenn er nicht mehr am Löben wäre? Er braucht doch nur seine Aus- sage zu machen: es wird niemand von ihm etwa Unmensch- licheS verlangen... „Dr. Hans Litten ist von seinem Selbstmordversuch völlig wieder hergestellt, bekindet sich in Schutzhaft, ohne dass ihm irgend etwas geschieht," meint das Auswärtige Amt, nachdem Litten so schwer misshandelt worden war, dass er durch einen Selbstmordversuch sich den unerträglichen Folterungen zu entziehen suchte. Aber dann stellt selbst das Amt fest:„Es liegt an ihm, sich durch Aussagen der Wahrheit von dem gegen ihn erhobenen Verdacht zu reinigen." Wozu nur noch zu ergänzen bleibt, dass die Aussagen, die von Litten verlangt werden, sich nicht auf seine Teil- nähme an der Reichstagsbrnndstiftung beziehen— die leicht widerlegt werden kann—, sondern auf Einzelheiten au« Prozessen, die Litten früher geführt hat. Schweizer SA. In Berlin Eidgenössische Blauhemden Unter der Ueberschrist„Spiel mit dem Landesverrat" wen- det sich dte neue„Züricher Zeitung" iNr. 112) gegen die Gründung einer schweizerischen SA. im Bunde der national- sozialistische» Eidgenossen zu Berlin. Dte neue SA. trägt blaues Hemd mit goldenen Achselklappen und glänzenden Mctallknöpsen. Der Führer Macy teilte mit, dass er vor 11 Tagen von Zürich aus über die deutsche Grenze flüchten mutzte, um nicht für' einige Jahre in eine VcrsorguNgsanstalt gesteckt zu werden Be' den Hemmungen, die den„National- sozialistischen Eidgenossen" im eigenen Laube auferlegt wer- den. sei es um so mehr geboten, nach Deutschland zu gehen und dort die Bewegung auszuziehen, um einen was als unfreundliche Haltung gegenüber der katholischen Kirch« anzusehen ist." Daraufhin hat der Borsitzend« des Verbandes der Rheinisch-Westfälischen Presse dem Gencralvikariate von Padcr- dorn ein Schreiben übermittelt, in dem es heitzt: Der S t a a t ist allein derjenige, welchem eine Massrcge- luiig eines deutschen Schriftleiters wegen Nichterfüllung seiner im Schristlcitergesctz festgelegten Pflichten zusteht. Infolgedessen halte ich es für unmöglich, datz eine andere Stelle als der Staat sich darüber zum Richter machen kann, ob eine Zeitung bzw. ein Schriftleiter etwas veröffentlicht, was der Glaubens- und Sittenlehre einer der vom Staat anerkannten Kirchen widerstreitet oder was als unfreund- liche Haltung gegenüber einer dieser Kirchen anzusehen wäre. Ein Erzbischöflichcs Gencralvikariat ist nach Erlass des Schriflleitergesetzes zweifelsohne nur noch in der Lage, beim Staat den Antrag auf Bestrafung eines Schriftleiters zu stellen, der sich in dem oben erörterten Sinn« vergangen hat."— Auf Grund dieser Ausführungen ersucht der Vorsitzende der Rheinisch-Westsälischcn Presse, dass die katholischen Psarr- ämter ohne weiteres ihre Gottesdienstordnung allen Z e i- tungcn zur Verfügung stellen, die einen aus der Be- russliste der Schriftleiter eingetragenen Hauptschriftleiter haben. 3. Hitler empfängt Reichsbischof nicht Der Reichsbischof hat im Reichskanzlerpalais vorgesprochen, ist jedoch von Hitler nicht empfangen worden. Müller hat im Reichskanzlerpalais während einer Stunde und Ist Minuten gewartet, ist jedoch zu Hitler nicht vorgelassen worden. Andererseits fordern die„Deutschen Christen" in einer Reihe von Telegrammen den Reichsbischof auf, den Psarrnot- bund zu verbieten. Man erwartet die Absetzung einer Reihe weiterer Pfarrer der Opposition. 6. Weltanschauliche Schulung— nur durch Partei Der Reichsschulungsleitcr der NSDAP, und der Deutscheu Arbeitsfront Vöhdes hat eine amtliche Bekanntmachung über die weltanschauliche Schulung erlassen. Darin wird festgestellt, dass aus Grund einer Verfügung des stellvertre- tendcn Führers die weltanschauliche Schulung nur Sache der politischen Parteiorganisation sPO.j sei. Daher sei es sämtlichen Verbänden verboten, weltanschauliche Schulung von sich aus zu treiben. Die Einrichtung von Lehr- gängen jeglicher Art dürfe nur vom Gauschulungöleiter der PO. vorgenommen werden. Handelsredakteur von unabhängiger Zeitschrift im Saargebiet gesucht. Verlangt wird wissenschaftliche Bildung, größere praktische Er'ahrung uud völlig« St bstandigkeit. Lebhafter und anschaulicher Stil ist Voraussetzung. Angebote unter ,,R. 1250" an die Geschäftsstelle der ,,Deutschen Freiheit", Saarbrücken Stützpunkt für die Rückwirkung nach der Schweiz zu gewinnen Uebci die nächsten Ziele teilt der Gauleiter Morganti mit, daß die S ch w e i z e r k o I o n i c n in Ostpreußen, Dan- zig, den Hansastädten, Schleswig-Holstein, Mecklenburg, Oldenburg und Hannover von Berlin aus bearbeitet wer- den. In Hamburg und einigen anderen Gebieten sind die Vorbereitungen bereits getroffen. In Berlin sind den Be- suchern des Tell-Films am Kinoausgang Werbeschriften in die Hand gedrückt worden. Dlmlteoff erkranhf! Leipzig, 22. Jan. Zu Gerüchten über eine ernste Er- krankung Dimitrosss wird von gcrichtSärztlichcr Seite auf Anfragen über den Gesundheitszustand des Häftlings hin die beschwichtigende Auskunst erteilt, dass es sich bloss um einen Vronchialkatarrh handelt, der aus übermässigen Zigarettengcnuss zurückzuführen sei. Von einer Ans- Weisung der drei vom Reichsgericht freigesprochenen Bulgaren aus Deutschland ist gegenwärtig nicht mehr die R e ö e. Torgier in Oranienburg? Kopenhagen, ZI. Jan.„Politiken" meldet, in Berlin verlaute, datz Dorglcr bereits ins Konzentrationslager Oranienburg überführt worden sei. Sie schänden die Gräber der Gemordeten Breslau, 21. Jan. In Breslau sind die Gräber des im vorigen Jahre im Konzentrationslager vom Fememörder und jetzigen Polizeiprästdenten Heines zur Strecke ge- brachten Rechtsanwalts Dr. Eckstein— des Breslauer Führers der Sozialtstischen Arbeiterpartei— und seiner vor einigen Jahren verstorbenen Frau, der sozialdemokra- tischen Stadtverordneten Clara Zülz-Eckstein, in geradezu vandalischer Weife von Nationalsozialisten verwüstet worden. höhte rollen Die Hitlerkonjunktur der Scharfrichter Die Todesurteile jagen sich im„dritten Reich". Durch- schnittlich alle fünf Tage wirb ein Arbeiter hingerichtet. Da- bei sind nicht gerechnet die von der SA. in eigener Regie abgeknallt und„aus der Flucht" erschossen wurden. Wie der „Rene Vorwärts" mitteilt, sind bis jetzt 87 politische Todes» urteile von den Gerichten ansgesprochen worden, Z S d a g e- gen sind bereit« vollstreckt. 41 Menschen warten täglich aus die Hinrichtung. Znsammen mit den 47 kriminel- len Todesurteilen überantworteten die Gerichte 4 0 4 Menschen dem Scharsrichter. Bei öS entledigte er sich bereits seiner Arbeit, also einschliesslich der Krimi- nellen. Diese grauenvolle?iste wirb sich vermutlich in aller- nächster Zeit weiter erheblich vergröbern. Jeden Tag werden neue Prozesse angedroht. Ihr Zweck ist, wie z. B. bei der Wiederanfrollung des Horst-Wessel-Prozesses, durch Todes- urteile die SA.-Anhänger von ihrer sonstigen Unzufrieden» hei« wegen des Versagen« des„dritten Reichs" abzubringen. Ministerpräsident Chautemps hatte am Sonntag mit verschiedenen politischen Persönlichkeiten Besprechungen über die S t a v i s k y- A s s L r e. ChautempS soll d»e Absicht haben, Massnahmen gegen eine Anzahl von Beamten vorzuschlagen, die in dieser Angelegenste» blossgestellt worden sind. Der Abgeordnete H e r r i o t dementiert nach einer Havas- meldung das Gerücht, datz er für sich oder für seine Partei jemals von Stavisky auch nur einen Centime erhalten habe oder datz er je mit Stavisky zusammengetroffen sei. Am Sonntag fanden drei parlamentarische Nackwahlen statt. Im Departement M a y e n n e wurde der Kandidat der Republikanischen Vereinigung Le Pelletier mit 433 Stimmen gegen 169 Stimmen, die aus den linksstehenden Kandidaten entfielen, zum Senator gewählt. In C a m b r a i wurde im zweiten Wahlgange der Sozialist Brodel mit knapper Mehr- heit vor dem rechtsstehenden Kandidaten zum Abgeordneten gewählt In N a n t» a fand die Nachwahl zur Kammer sür Paul Painleve statt. Gewählt wurde der Kandidat der Re- publikanifch-Demokratischen Bereinigung Mermond knapp vor dem radikalen Kandidaten. Abgeordneter Painleve, der diesen Wahlkreis bis zu seinem Tode vertrat, war Sozial- republikaner. Der Erzbischof von Paris hat beim Ministerpräsi- deuten gegen das seit 1. Januar erlassene Verbot der Rundfunkübertragung religiöser Borträge durch den Sender Paris-Radio protestiert und an das Ge- rechtigkeitsgesühl des Ministerpräsidenten appelliert, damit dieses Verbot wieder ausgehoben werde. Die erste Abteilung»er Teilnehmer an oem von Kom- munisten veranstalteten„nationalen Hungermarsch" ha« am Montag von Glasgow aus die Wanderung nach London an- getreten. Während der nächsten Wochen werden sich von nenn anderen Städten des Landes ans ähnliche Gruppen in Be- wegung setzen. Die Ausstellung„Die deutsche Saar" wnrde am Sonntagvormittag in Köln feierlich eröffne«. Von Köln ans wird die Ausstellung den Marsch du'ch die ganze Rhein- provinz antreten. Das Erpeditionskorps der N a n k i n g r e g i e r n n g hat die Besatzung der Stadt Tlckangtschau durch einen über- laschenden Handstreich zur Wassenstreckung gezwungen. Am 1. Februar wird in Kairo König Fuad de» Wrstpost- kongretz erössnen, z« dein man Delegierte ans 95 Ländern erwartet. Ziel des Kongresses ist die Revision des internatio- nalen Postabkominens. Die Beratungen werden Voraussicht- lich zwei Monate beanspruchen Während des Kongresses wird in Kairo ein Postmuseum eröffnet werden. Nach Meldungen aus London ist ein neues japanisches U-Boot mit seiner 2t Mann starken Be- satznng aus der Höhe von Sasebo bei einem heftige» Schnee» stürm gesunken. Wie die Schweizer Depeschen-Agentur mitteilt, haben die beiden Bankräuber im St-Margarethen-Park Selbstmord be- gangen. Am Sonntagabend in der elften Stunde wurde eine Spnr der Flüchtlinge gesunden, die nach dem Margarethen- park führte. Um Mitternacht war der Park von einem grossen Polizeiansgebot umstellt. Als die beiden Ränder feststellten» datz an ein Entweichen nicht mehr z« denken sei, richteten sie die Waffe gegen sich selbst. Wie Reuter aus Tokio meldet, hat der Kriegsmiuister General Araki aus gesundheitlichen Gründe» seinen Ab» schied eingereicht. Als Nachfolger hat er General Senjurjo Hayashi, den Generalinsprktor des militärischen Scknlnng»- wesens, in Vorschlag gebracht. Grenzzwischenfall Deutsche Nazis überfallen einen Musiker auf Luxemburger Gebiet Man schreibt uns auS Luxemburg: Nach der Gastspiel- vorstellnng des Luxemburger Stadttheaters in Remich lLuxemburg, an der deutschen Grenze) wurde ein Mitglied des Ensembles von einer deutschen Nazibande aus dem Hinterhalt überfallen und schwer misshandelt. Es wurde durch Zeugen festgestellt, dass die Täter schwarze Reithosen und schivarze hohe Schaftstiefel trugen und unter den Rufen „Saujuden" iiber die deutsche Grenze flohen. Die Gen- darmerie in Remich eilte den Tätern nach, konnte sie aber nicht einholen. Der Verletzte wurde bewußtlos unter dem Auto, das das Ensemble nach Luxemburg zurückbringen sollte, von Kollegen aufgefunden." Werden die Luxemburger Behörden sich zu einem energischen Schritt aufraffen? Iforsl-Vicssel-Sladl „Aufreizung gegen Winterhilfe" sJnpress.) Der nationalsozialistische Stadtverordnete Spie- wok teilte bei einer großangelegten Aktion gegen das Mies- machertum" mit, dass die Zahl der Unterstützungsbedürftigen in Berlin 1800 0(10 betrage. Trotzdem hätten sich bewußte Sabotage-Akte feststellen lassen. In der„Horst-Wessel-Stadt" seien auf fast allen Plakaten der Winterhilfe kleine Ueberklebe- Settel angebra'«t worden, die gegen den Opierwillen des Volkes aufreizten und die Vertreter und Verfechter des Opsergedankens beleidigten. Für tun(«cfamtlitlinif uernntruortttrfj: Johann P i y in Dud- wciler: für Jnieraie: Cito Kuhn in Taarbriicken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Sjolksiitmme GmbH„ Saarbrücken S, Schllvenstragc 5. 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Vor kurzem hat er al« Präsident der Kammer eine zornige antisemitische Rede gehalten. Au« müsse e« sein mit den jüdischen Führern der Wirtschaft! Ea müsse endlich wieder arische Treue und arischer Glauben in sie hinein! Gut hat er gesprochen. So gut. daß ihn seine eigene nichtarische Verwandt- s-hafl, unter der sich der mit jüdischen Eltern behaftete Kölner Van- kier Herstatt befindet, Bcisall gezollt hat. Es gibt Juden, die in hcllodernder Leidenschaft für das„dritte Reich" kleine antisemitische Dreingaben mühelos vertragen, wenn arischx Teile der Familie zu lichten Höhen des persönlichen und materiellen Einsluhe« ein- porsteigen. lemperamenlwlle Französin Wegen Beleidigung Deutschlands verurteilt Braunschwcig,>8. Jan. Vor dem Schöffengericht hatte sich die Besitzerin de« inzwischen geschlossenen„W jener li a s e s", Frau Cecilie M e y e r s f e l d, die französische Staatsangehörige ist, zu verantworten. Am!N. März, dem Tage von Potsdam, waren aus dem Caic eine schwarzweißrote und eine blaugclbe brannschweigische Fahne gehißt worden. Weil jedoch angenommen wurde, dasi die Beflaggung au« geschäftlichen Gründen erfolgt sei, wurde die Angeklagte ansgesordert, die Fahne wieder zu e n t f c r» e n. Als sie das a b l e h n t c, erschien die Hilfspolizei. Inzwischen hatte aber der Geschäftsführer die Fahnen einziehen lassen. Als die Angeklagte davon erfuhr, geriet sie in grosie Erregung und verwies darauf, dasi sie F r a n z ö s i n sei und dasi man ihren Stolz verletzt habe. Sie erging sich dann in Beleidigungen gegen Deutschland. Das Lokal wurde daraufhin geschlossen und Frau Meyersfeld in Schutzhaft genommen. Am ln. Juni wurde sie wieder entlassen. Ter Staatsanwalt beantragte jetzt gegen sie 5 Monate Gefängnis. Das Gericht verurteilte sie gcmäsi§ 185 des Strafgesetzbuches zu 8 Wochen Gefängnis, die durch die erlittene Haft als verbüßt gelten. Sperre der Arbeitslosenunterstützung ist nach Entlassung aus Grund des BeruiSbeamtengefetzeS wegen kommunistischer oder marxistischer Betätigung oder wegen mangelnder nationaler Zuverlässigkeit»ach einer Ent- scheidung des Spruchsenats für die Arbeitslosenversicherung vom S. November 1038,„Rechtsprechung" S. 541, im„Falle schuldhasten Verhaltens" bindend. Das Ganze heißt Volksgemeinschaft. 7«. Trinlt« 43-13 MtSiro P i o a 11 e Deutsche Poliklinik Paris,©2, Rue de la Rochefoucauld a) Allgemeine Konsultationen mit 9 Spezialist*«. b) Chirurg»« e) Geburtshilflich« Klinik i) Zahnärztliches Kabinett Innere Medizin. Augen», Ohren», Nasen» und Kehlkopfkrank» ZweistöckigeslSanatorimnsgeMude. Vierstöckiges Gebäude. Zimmer Zahn- und Mundchirurgie. Gold» heiten. Röntgen. Diathermie. Elektrotherapie. Spezialbehand» Kleine, mittlere und große Chirur» mit 1 bis 4 Betten. 3 Aerzte, 3 Heb» und Porzell an krönen,»Brücken, lung bei Blut», Harn» u. Geschlechtskrankheiten gie. Die aller modernste Einrichtung ammen und 2 Operationssäle. Kautschuk» Arbeiten Ordination täglich von 9—12 und 2—5; Sonntags und Feiertags von IQ—12 und 2—4 Uhr 303 Deutschlands reichster Mann Nodi immer Wilhelm II. Das deutscheVolk hat vieleIahre lang die Kriegsschulden für die Hohenzollern gezahlt, Wilhelm Hohenzollern aber hielt sein Vermögen zusammen. Was schert ihn die Inflation, die Wirtschaftskrise, die Massennot„seines" deutschen Volkes. Ihm gehts gut. Tie französischen Zeitungen haben in der letzten Zeit eine Ausstellung der wichtigsten Besitztümer des Exkaisers veröffentlicht, die wirklich lehrreich ist. Wilhelm Hohenzollern ist natürlich ein vielfacher Schloßbesitzer: außer der historischen Hohenzollernburg nennt er die Burg Rheinstein, f ü n s P a l ä st e in Berlin, einen Palast in Potsdam und einen im Rheingau sein eigen. Wilhelm ist einer dergrößtenGutsbesitzer, er verfügt über mehrere Rittergüter. Er besitzt vier Villen in Potsdam, eine in Homburg und einige in Süddeutsch- land. Ungeheuer ist sein Waldbesitz. Aber nicht nur in Deutschland, sondern auch in dem ehemaligen Deutsch- Südafrika hat er Grund und Boden, Wälder, Häuser. Ja der geschäftstüchtige Exkaiser hat sich sogar die Ver- sügung über mehrere— Geschäftshäuser gesichert. Das sind aber nur die Häuser und Grundstücke: Wilhelm Hohenzollern besitzt außerdem riesige Bankguthaben. Sein Gesamtvermögen wird von den französischen Zeitungen vorsichtig auf wenigstens 234 Millionen Dollar, also auf 3 Milliarden und 815 Millionen französische Franken geschätzt! Wie man sieht, nährt der allerhöchste Beruf seinen Mann auch dann noch, wenn der Mann längst„arbeitslos" ge- worden ist. Wilhelm II. ist im Herbst 1918 nach dem Zusammenbruch der Fronten feig nach Holland aus- gerissen, er hat es allergnädigst dem deutschen Volk über- lassen, für die Kosten des blutigen Hohenzollernkrieges aufzukommen. Kein kaiserliches Schloß und kein aller- höchstes Jagdrevier wurde zur Bezahlung der Kriegs- schulden verwendet! In Oesterreich hat die Republik die kaiserlichen Schlösser enteignet und den Kriegs' invaliden gegeben. So sollte wenigstens ein Teil des un- geheuren Habsburgervermögens dazu dienen, den Opfern des Habsburgerkrieges das Leben zu erleichtern. Aber wie in Deutschland die Faschisten sich schützend vor den großen Geldsack ihres Kaisers gestellt haben, so gibt es auch in Oesterreich kaisertreue Leute, die am liebsten die Habsburgergüter wieder zurückgeben würden— Der reichste Mann Deutschlands lebt seit der Desertion nach Holland im Schloß von Doorn, aber die Verbindung mit Deutschland hat er behalten. Als die Nazi im Sommer 1932 dringend Geld für ihre letzten Wahlschlachten brauch- ten und die SA. stürmisch ihren Sold forderte, griff Wil- Helm Hohenzollern tief in die Tasche und unter- stützte seine Hakenkreuzler mit einem großen Happen Geld. Ter reichste Mann Deutschlands kann schließlich, wenn sichs doch um seine eigensten Interessen handelt, auch einmal splendid sein. Mit Hohenzollerngeld hetzten die Nazi die deutsche Republik zu Tode, mit Spenden aus der kaiserlichen Schatulle wurde die SA. aufgeputscht zu Angriffen auf Arbeiterheime und Gewerkschaftshäuser. Ter reichste Mann Deutschlands stand Pate an der Wiege des„dritten Reiches"! Wilhelm hat dem deutschen Volk das Blutbad des Weltkrieges beschert, er hat sein Teil dazu beigetragen, um Deutschland in die Hände der Nazi- Horden zu bringen. Das„dritte Reich" hat die Arbeiter- s ch a f t enteignet, hat Zeitungsgebäude und Kinder- Heime gestohlen, aber kein einziges kaiserliches Schloß wurde der Allgemeinheit gewidmet. Heilig ist neben dem kapitalistischen vor allem das kaiserliche Eigen- tum im„dritten Reich". Und wenn auch Wilhelm 11. aus außenpolitischen Gründen, wenigstens vorläufig, nicht „auf den Thron seiner Väter" zurückkehren kann, er bleibt der reichste Mann des„dritten Reiches"! Kein Hitler und kein Göring wird ihm etwas wegnehmen. Dlilzlidilcr dnrdis deutsche Dschungel Imin Pasdia und andere Teutonen Auf einer Kundgebung der„Deutschen Arbeitsfront" in Halbcrstadt erklärte ein Redner:„Nationalsozialist ist einzig und allein der, der den Satz verstanden hat und nach dem Satz handelt, der da lautet:„Wir sind alle miteinander aus Tod und Leben verbunden!"- Völkisch ist der, dem das Blut ins Gesicht schießt in dem Augenblick, wo ein Jude es wagt, ihn aui der Straße anzusprechen!" Und da ihm das Blut ins Gesicht schießt, muß er es bei dem anderen fließen lassen! In der„Berliner Morgenpost"— jetzt mit Recht die „Berliner Mottenpost" zu nennen— wurde unlängst über eine Lebensbeschreibung des berühmten Sudan-ForscherS Emin Pascha gesagt, es sei in diesem Buche die Rede „von der Tragik der deutschen Seele, von dem Zwiespalt deutschen Kampfes und von dem künftigen Morgenrot end- lichc» deutschen Sieges." Es ist dem solches schreibenden Hüter deutscher Seelen- belange leider nur das kleine Malheur unterlaufen, daß Emin Pascha bedauerlicherweise der aus Oppeln stammende j ü d t s ch e A r z t Dr. Isaak Schnitzler— man bedenke: Jude und noch dazu Isaak mit Vornamen!— gewesen ist, der im Orient zum Islam übertrat. O welche nationale Schmach ist über das Haus Ullstein hereingebrochen! * Der„Reichsbauernstihrer" hat verfügt, daß nach dem Erbhosgescb künftig nur noch die Bezeichnung „Baue r" und„L a n d w i r t" zulässig sind. Andere Titel seien verboten. Adressen hätten künftig zu lauten:„An den Bauer Herrn" oder„An den Landwirt Herrn". „Rittergutsbesitzer",„Gutsbesitzer" usw. dürfe keiner sich mehr nennen. Da sagen die Leute noch immer, daß die Nationalsozialisten nicht ihr„Tozial-Programm" erfüllen! Aber eine bescheidene Frage drängt sich den Zeitgenossen auf: Wie hat man künstig an zwei der größten deutschen Grundbesitzer zu schreiben? Toll man adressieren:„An de» Bauer Herrn Paul von Hindcnburg" und„An den Bauer Herrn Wilhelm U...«? Steckbrief Gesuchs wird ein Herr mit folg. Per- sWälien: Aller: bis Mitte 10. Religion: Glaube an sich selbst, Geschlecht: durchaus männlich, Beruf: gesicherte Existenz, um Geld- interepen ausschalteu zu können, Erscheinung: kultiviert, Brsond. Kennzeichen: Eharakter. Bil- dung, inner» Krasi und Sinn für da« Lebendige und Schöne, Belohnung: Harmonische Ehe an der Seite einer gulaussehenden, ge- pflegten, schlanken Frau, freid. deutsche Jüdin, Ans. 80, weltgereist, lebenstüchtig, gute Hausfrau und wirkliche Gefährtin, niels. interejs., mediztn und kausmänn. gebildet— sGute Aussteuer.> Selbststcllung od. Hinweise aus eine Tpur de« Gesuchten in irgend einem Lande lev. Bildl werden streng vertrau- lich behandelt, daher genaue Adregen- Angabe erbeten unter Ehissre R 50497 C an den Berlag bei Blatte«. Deutsches Zahnärztliches Institut 12, RUE OE DO Li AI. Metro i Blaoche, Pljpllt TaL ItimiU 50.27. SprecfcstamUai 9.12, 2.8 Uhr Zahn» u. Mundkrankh., Röntgen. Elektrotherapie. Prothesen. Kronen. Brücken in Gold. Platin iu Porzellan Neu HE IT: PORZELLAN.KRONEN UND.BRUCKEN Umarbeitung ichlechtsitzender Gebisse mit voller Garantie für guten Sita. Reparaturen binnen 3 Stunden SCHONENDSTE BEHANDLUNG FÜR NERVÖSE UND HERZKRANKE MESSIGE PREISE. UNTERSUCHUNG U. 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Sie haben es- dank hoher Protektion- also entschieden weiter gebracht, als es Jesus heute vermöchte denn dieser würde nach den neuen deutschen Hochschulbestimmungen in Ermangelung der arische» Großmutter gar nicht erst»um Thevlogicstudium zugelassen werden! Noch dazu, wo er gar keine Protektion hat...^ Frau Helena Betivich, Gattin dcS früheren palästinensischen Eheisekretärs der Justiz und jetziger Mitarbeiter des Völkerbund-Flüchtlingskommissars Macdonald, weilte kurz- lich im Saargebiet, um dort die Lage der Flüchtlinge zu studieren. Als sie in Saarbrücken, eine Zigarette rauchend, an einer Straßenbahnhaltestelle wartete, rempelte sie ein Nazi-Gcntleman mit den Worten an:„Eine deutsche Frau raucht nicht!" Frau Bentmich verbat sich daö mit dem Hin- weise, daß sie Engländerin sei. Außerdem aber werde das Taarqebict noch nicht von Hitler und Göring regiert. Aber der Naziheld sorcht sich nit, schlug Frau Bentwich und bc- schimpfte sie._.. ,, Es ist unerhört, mit welchen Greuellugen die Nazis noch gegen sich selber arbeiten!^ Der mit allem erforderlichen braunen Oel gesalbte Oberbürgermeister der Stadt Köln, Dr. Riesen, sandte der „Kölnischen Zeitung" folgendes Schreiben:„In der Ausgabe., Nummer»77 Ihres Blattes ist ei» Artikel„Staatssekretär Suvich in Köln" erschienen, in dem inbezug aus den Empfang im Rathaus ausgeführt wird: Das Stadtoberhaupt trank auf das Wohl der beiden Staatsmänner Mussolini und Hitler. Diese Darstellung steht im krasien Widerspruch zu den Tatsachen. Ich bitte davon Vormerkung zu nehmen, da« es bei Nationalsozialisten nicht Brauch ist, auf das Wohl unseres Volkskanzlers Adolf Hitler zu trinken. Ich habe ani Schluß meiner Rede, der stündigen Hebung folgend, ein ,„S i e g h e i l" auf die Staatsmänner der beiden Nationen ausgebracht." Es ist„bei Nationalsozialisten" nicht üblich, zu trinken, sondern sich zum Wohle des Führers an dem Blute seiner Gegner zu berauschen! Waldemar Grimm. Die Auswahl Wer darf in Sachsen studieren? Diese Frage beantwortet das sächsische Ministerium kür , Volksbildung so:„Zum Hochschulstudium und zu Berufen, die berechtigterweise den Nachweis abgeschlossener Bildung auf einer neunstufigen höheren Schule als Voraussetzung fordern, können keinesfalls mehr als ein Viertel bis ein Drittel der im Lande vorhandenen Oberprimaner zugelassen werden, ohne daß für diese dadurch eine Gewähr sür einen wirklichen Bcrufseintritt gegeben werden kann. Im gleichen Verhältnis ist der Zugang zu der zur Hochschulreife führen- den Oberstufe einzuschränken. Um gcrechteriveise für jede Schule den ihr zukommenden Anteil der Abiturienten und der in den zur Hochschulreise führenden Oberbau aufzuneh- Menden Untersekundaner zu bestimmen, werden die Ober- primaner und Untersekundaner des Landes in den nächsten Monaten zu vom Ministerium noch festzusetzenden Zeiten je drei Arbeiten anzufertigen haben, die sür alle Schulen die gleichen sein werden und deren Auswertung der Ergebnisse durch das Ministerium erfolgt. Die Einzelauslese nimmt es nicht vor. Das ist vielmehr die Sache der Schule, die ihre Schüler kennt. Sie hat dabei auf Persönlichkeit, Leistungs- willen und Leistungsfähigkeit der Schüler Rücksicht zu nehmen«"