ckinziae unabhSagigs Tageszeitung Veuischlank Kummer 19— 2. Jahrgang I Saarbrücken, Mittwoch, den 24. Januar 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Aus dem Inha lf Mottenhauten— Spannungen Seite 2 „deutsche Jxout" attackiect Völkec&und Siucmtage in Oestetceich Seite 3 Tlarifühcet- imiqcant spricht Seite 5 Jiasen&ecgs JiuUuckampf Seite 7 Berli n: Muslims Hoffnungslo s f Vor dem Ende der denfedi lranzöslsdien Gesprädie? ^ie nachfolgende aus Paris datierte Meldung stammt fn» dem halbamtlichen Deutschen Nachrichtenbüro. Es ist anzunehmen, daß sie recht bald französischen Widerhall in Paris finden wird. Vielleicht ist sie nur als Versuchsballon Zu bewerten. Sie bestätigt aber auf jeden Fall, daß eine fach- 'che Annäherung in der Abrüstungsirage zwischen Deutsch- fand und Frankreich nicht gelungen und auch noch nicht abzu- sehen ist, wie ste erfolgen kann. Die jetzige deutsche Reichs- Legierung genießt kein Vertrauen, iveil sie keines verdient. Wie der angekündigte englische Schritt und die von Italien und England geplante Biermächtekonferenz zu irgend einem positiven Ziele führen sollen, ist auch noch nicht sichtbar. Die ^iermächtekonserenz ist nur als eine Etappe zur Rückkehr Teutschlands nach Genf gedacht. Deutschland lehnt das aber lsüegorisch ab, wenn es nicht volle Genugtuung— in seinem Sinne— erhält. Zudem ist Frankreich bisher, schon mit Rücksicht auf seine östlichen Verbündeten, gegen Abrüstungs- Verhandlungen zu Vieren, wobei schließlich noch zu bemerken ist. daß es sich längst gar nicht mehr um Abrüstung handelt, sondern um die Frage, in welchem Maße man Deutschland eine Aufrüstung erlauben will. Ob die nachfolgende halbamtliche deutsche Meldung die Wtimmung in Paris richtig wiedergibt, steht dahin. Für die Auffassung in Berlin ist sie jedenfalls kennzeichnend Und läßt optimistische Deutungen nicht zu. Paris, 23. Januar. In gut unterrichteten sranzösisch'ii Kreisen erfährt man über den ersten Eindruck, de» die deutsche Antwort ans die französische Denkschrist in der Ab- rüstungssrage gemacht hat, zunächst, daß die Reichsregicrung »n der Forderung der unverzüglichen Gleich- berechtig«»« sowohl hinsichtlich der Effektiv de- stände wie hinsichtlich des Materials fest- stalte und sich nur für den Fall eines allgemeinen Abkam- nrens vorbehalte, gleichzeitig mit den nicht abgerüsteten Mächten diejenigen Offensivwaffen z« zerstören, die Deutsch- Ia»d jetzt für sich fordere. In französischen Kreisen urteilt «ran, daß die Reichorcgierung in ihrer Antwort nicht die gleichen für zweiseitige Verhandlungen ermutigenden Fak- lore» beibringe, die die französische Regierung beizubringen stch bemüht habe. Man führt als französischerseitö beige- brachte ermutigende Faktoren an: daS Angebot, die fran- zösischen L«f t st r e i t k r ä s t e aus die Hälfte herabzusetzen, und die Vermeidung des Wortes„Probezeit". Man betont in unterrichteten französischen Kreisen natürlich, daß der deutsche Te^t eingehend und verständigungsbereit geprüft werden würde. Die französisch« Antwort, über die der Mini, sterrat erst zu beschließen hätte, dürste vermutlich Ende die- ses Monats zu erwarten sein. Auch über den Ausfall dieser Antwort hört man schon die ersten Andeutungen. In poli- tischen Kreisen verlautet nämlich, daß die französische Regierung dem Vorsitzenden der Abrüstungs- konsercnz, Henderson, mitteilen würde, daß die vom Büro der Abrüstungskonferenz empfohlene Methode der direkten Berhand- langen leider nicht die erwarteten Ergeb» uisse gezeitigt habe. Aus Grund dieser Mitteilung könnte dann das kleine Büro in seiner Sitzung vom 10. Februar in London alle zweckmäßigen Entschlüsse hin- sichtlich der Fortsetzung der Abrüstungsarbeiten in Genf tref- feu. Außerdem könnte dann die von Sir John Simon ge- gebene Anregung einer Konferenz der vi er Groß- mächte, Deutschland, England, Frankreich und Italien, in Paris wieder in den Vordergrund treten, obwohl man ihr in französischen Kreise« gegenwärtig im allgemeinen nicht viel Sympathien entgegenbringe. Jedenfalls scheint sich jetzt jede Hoffnung aus eine wirklich greisbare Ab- rüstung— wenn nicht noch ein unvorhergesehener Um- fchwung eintritt— immermehrzuentserne«. Wenn überhaupt ein allgemeines Abrüstungsabkommen abgeschlos- ie» werden könnte, so würde es sich vermutlich daraus be» schränken, daß die Rüstungen aus ihrem gegenwärtigen Stand belassen werden sollen. Ein solches Rüstungsstill- ftaudsabkvmmen würde eine Sicherheitsklausel enthalten, wonach die Unterzeichner sich alle Handlnugs- freiheit wiedernehmen, falls einer der Unterzeichner auf- rüstet. All diese Gerüchte müßten übrigens, so fügt man in französischen Kreisen Hinz«, mit Vorsicht ausgenommen«er- de», aber man müsse sie immerhin verzeichnen und anführen wegen der Bedeutung ihrer eventuellen Folgen, im Falle sie sich bewahrheiten würden. Im übrigen erwartet»«an in srauzöfisihe« politischen Kreisen von der Stellungnahme der Londoner Regierung in de» nächsten Tagen wichtige Berän» derungen in der Lage. Diese Eindrücke in politischen Kreisen in Paris finden i n der fran zösischen Presse noch keinen eigenen Ans- drnck, mit Ausnahme des»Echo de Paris", das auch von dem Gedanke« einer Viererkonferenz in Paris oder anderswo spricht, aber hinzufügt, daß der französische Außenminister Paul-Boncour dieser Einladung schon aus- gewichen sei. Hossentlich halte er an seiner Absage fest, so«vllnscht das Blatt. Der Eindruck der deutschen Antwort sei so enttäuschend als nur denkbar. Es scheine, daß die deutsch-französische Aussprache nicht mehr mit Nutzen sortge- setzt werden könne. Aber die Londoner und die römische Regierung seien von der Zwecklostgkeit ihrer diploma- tischen Bemühungen noch immer nicht überzeugt. Daher der Gedanke einer Konferenz der vier Großmächte. I» wenig rorfsdiritt Times" über die deutsche Antwort « Die„ London, 28. Januar. Der englische Außenminister erstattete am Montagnachmittag dem Ministerpräsidenten Bericht über die Entwicklung der Abrüstungsfrage und über die Lage in Gens unter besonderer Berücksichtigung der beiden deutschen Antwortnoten. Ter Pariser Berichterstatter der„Time s" glaubt über den Inhalt der deutschen Antwort u. a. sagen zu können: Der Ton der deutschen Antwort sei verständig und versöhnlich, aber ihr praktischer Inhalt zeige ivenig Fortschritt gegenüber der Lage vom l 4. Oktober. Obwohl die Reichsregierung zugebe, daß endgültige Entscheidungen nicht ohne allgemeine Erörterung getroffen werden könnten, zeige sie doch keinerlei Be- reitschait, zum Maedonald-Plan in seiner jetzigen Gestalt zurückzukehren. Die Forderung nach sofortiger und prak- tischer Gleichheit werde aufrechterhalten. Die Reichsregie- rung bestreite, Ausrüstung um ihrer selbst willen zu fordern. Aber während die französische Regierung nach wie vor zugebe. daß Deutschland eine größere Menge an Kriegsmaterial haben müsse, die der in Aussicht genommenen Verstärkung der deutschen Mannschastszahl entspreche, argumentiere die ReichSregierung jetzt, daß die deutsche Sicherheit nicht nur eine nnvcrhältnismäßige Vermehrung der deutschen Rüstungen, sondern auch eine Besserung der Beschaffenheit der Waffen durch Hinzusügung von Verteidignngowassen wie leichter Tanks und von Geschützen, die Deutschland gegenwärtig »ersagt seien, brauch«. Diese Forderung nach qualitativer Aufrüstung werde be- gründet mit der Verminderung des militärischen Wertes der Reichswehr, wenn sie in eine Streitmacht mit kurzer Dienstzeit umgewandelt«verde. Die Forderung nach 300 Oltll Mann werde aufrechterhalten. Bezüglich d e r T T. u n d T A. wiederhole die deutsche Re- gierung, daß diese nicht als Soldaten betrachtet«verde» könn- ten. Tic lehne es nicht ab, sie einer Begrenzung und Kon- trolle zu unteriversen, falls ähnliche Organisationen in an- deren Ländern ebenso behandelt würden. In der Frage der internationalen Kontrolle soll die deutsche Regierung die Einwendung erheben, daß diese Maßnahme nur für Frankreich von Borteil sein könne und deshalb eine Zurücksetzung Deutschlands bedeuten würde. Der Gedanke einer Uebergangs- oder Probezeit stoße auf energischen Widerstand der deutschen Regierung, da dies auch eine Zurücksetzung Deutschlands bedeuten ivürde. Auf das französische Angebot, die französische L u f t m a ch t um 50 Prozent z u v e r n> i n d e r n, er- ividere Deutschland, daß es dann immer noch in einein Zu- stände hoffnungsloser Unterlegenbeit bleiben würde. Für diesen Vorschlag könne eS sich nur interessiere»,«venu eS die Möglichkeit habe, etne Luftmacht von gleichen Stärke ivie die französische zu enverben. In der Frage der Abschaffung der Bombenflugzeuge und der internationalen K o n- trolle der Zivilluftfahrt soll die deutsche Antwort etivaS unklar sein, aber den Grundsatz einer künftigen Erivägung annehmen. Ter Korrespondent schließt: Die fran- zösische Regierung«vird voaussichtlich sobald und so unzwei- deutig wie möglich aus die deutsche Mitteilung antivorten. Die Spradie des Kaiserreichs Papens Machtsprüche Der Vizekanzler Franz von Pape«« hat in Kottbus eine hochpolitische Rede gehalten. Merkivürdigeriveise hat der größte Teil der deutschen Presse diese Rede nur in sonder- baren Verstüminlungen und mit wichtigen Auslassungen ge- bracht. Man muß schon eine ganze Reihe von Zeitungen nebeneinander halten, um zu erfahre»,«vas der Vizekanzler eigentlich gesagt hat. lieber seine Verteidigung gegen die Nazis haben wir schon berichtet. Ter militärische Teil lautete nach einen« Bericht der«Ere nouvelle"«vir folgt: Ist es nicht ein glückhasteo Gefühl, ein Symbol der Freude, diese Fahnen zum erstenmal seit fünfzehn Jahren wieder flattern zu sehen? Diese Fahnen des zwei- ten Kaiserreichs, die erprobt sind in harten Kämpfen und die heute anfs neue zu Ehren gekommen sind an der Seite des Symbols des Wiederaufstiegs und des Kampfes für das„dritte Reich?l D e r G e i st der alten p r e u ß i j ch c n A r m c e im>v e i t e st e n S i n n e b c- seelt den Führer der nationalen und so- zialen Idee. Heute,« in geben von Gran und Braun, führt er seine Fahnen zum Sieg. Durch Kamps sind wir geworden,«vas«vir heute sind: eine vom Schicksal hart geformte Nation im Zentrum Europas. Wir haben gelernt, daß es allein die Macht ist, die dem Recht zum Siege verHilst. Wenn wir es nicht gewußt hätten, unsere Gegner hätten es Tag sttr Tag in de» letzten fünfzehn Jahren gelehrt. Ferner berichtigt„Times" eine Meldung aus Paris. Sie stellt fest, daß Deutschland keinesivegs sofortige Gleichheit, in der Luit mit Frankreich fordere. Deutschland verzichte ans Bombenflugzeuge, allerdings nur unter der Bedingung, daß die anderen Länder bereit seien, später auch'auf ihre Bom- benflngzeuge zu verzichten. Die beiden hauptsächlich- sten Schwierigkeiten zwischen Frankreich und Deutsch- land seien die Zahl der Soldaten, die Deutschland besitzen soll(300 000 oder 200 000), und Deutschlands Forderung nach Haubitzen, Flugabwehrgeschützen, leichten Tanks und Flug- zeugen mit beschränkter Flugweite. Ignotus: Europäische Gedanken Saarfrage in Genf— Wo steht England?— Hitlerismus und seine Feinde Der Völkerbundsrat hat eine Tagung abgehalten, die man mit vollem Recht als eine Saartagung bezeichnen darf. Auch in den Besprechungen außerhalb der offiziellen Sitzungen stand die Saarfrage so stark iin Vordergrund, daß sogar die Abriistungsfrage einige Tage lang völlig im Schatten blieb. Zum ersten Male«vurde das Saarproblein als ein bedeutsames europäisches Problein einpfunden und behandelt, mährend noch vor kurzem die meisten Mächte es als eine lediglich deutsch-französische Angelegen- heit betrachteten. Dementsprechend kam als Ergebnis der Tagung ein Beschluß des Völkerbundsrates zustande, der keinen bloß formellen Charakter hat, sondern sachlich inhaltsreich und politisch sehr bedeutsam ist. Was aber für die international gefaßten Beschlüsse am ungewöhn- lichsten ist. stellt dieser Beschluß über die Saarfrage kein Koinproiniß dar, sondern gibt einer völlig eindeutigen Auffassung Ausdruck. Es soll eine freie und u n b e e i n- flußte Abstiinmung gesichert werden! Die Saar- bevölkerung soll von dem Druck des auf ihr lastenden nationalsozialistischen Terrors befreit werden und soll die Gewißheit haben, daß den Gegnern des„dritten Reiches" nachträglich keine Vergeltung droht. Eine andere Frage ist, ob das erreicht werden kann. Wenn aber die Be> mühungen in der durch den Beschluß des Völkerbunds- rates vorgezeichneten Richtung nicht zum vollen Erfolg führen, dann«vird der Völkerbundsrat feststellen müssen, daß die unerläßlichen Voraussetzungen für die Durch- führung der Abstimmung nicht vorhanden sind. Soweit darf man mit den Ergebnissen der Völkerbunds- tagung voll befriedigt sein. Tagegen sind die Umstände, unter denen der Beschluß über die Saarfrage zustande kam,«nindestens in einer Hinsicht sehr betrüblich. Es ist nicht ohne Kampf gegangen und in diesem Kampfhat die Auffassung, die mit besonderein Nachdruck von Frankreich. Spanien und Tschechoslowakei vertreten wurde, den Sieg davon getragen. Der Beschluß selbst trägt, wie gesagt, den Charakter des Kompromisses nicht. Ein Kompromiß ist nur insofern zustande gekommen, daß auf eine öffentliche Anklagerede des Präsidenten der Regierungskommission Knox verzichtet wurde. Am Vor- abend der Schlußsitzung hat aber der englische Außen- Minister Simon Gens plötzlich oerlassen und hierdurch kundgetan, daß er der U n t e r l e g e n e im Kampfe war. Hierin, nämlich in einer völlig unklaren Haltung der offiziellen englischen Politik, liegt das betrübliche. Es ist über den Standpunkt des englischen Außen» Ministers leider offiziell gar nichts und nichtoffiziell nur sehr wenig bekannt geworden. Der Vorgang selbst hinter- ließ aber den Eindruck, daß Herr Simon in Genf einiger- maßen als Verteidiger des Angeklagten, d. h. des Hit- lerismus, auftrat. So wird es wohl nicht gewesen sein. Eher handelte es sich darum, daß Simon alles vermieden haben wollte, was die Hitlerregierung verletzen könnte. Die englische Presse behandelte bis jetzt den Norfall außer- ordentlich zurückhaltend. Die„Times".hätten z. B. nur die Tatsache der Abreise von Simon gemeldet. Der „Manchester Guardian" hat aber doch die Meldung seines Genfer Korrespondenten gebracht, daß Herr Simon, als er Freitags abends von der Sitzung kam,„nicht mit dem, was geschehen ist, völlig zufrieden zu sein schien". Nach einigen französischen Meldungen verlangte Simon, daß der Ausschuß aus drei Ratsmitgliedern nur mit der Organisierung der Abstimmung beauftragt.wird, ohne daß der Rat ein Wort über den Terror und über die Siche- rung der unbeeinflußten Austimmung- sagt. Es läßt sich vermuten, daß der englische Außenminister nicht nur mit den Vertretern anderer Mächte, sondern auch, mit seinem eigenen Kollegen Eden Auseinander- setzungen hatte. Gerüchtweise verlautet es, daß Füh- hing mit London genommen wurde, und daß London sich für Eden und gegen Simon entschieden hat, was den letzteren zur Abreise von Genf veranlaßt?. Genaues weiß man nicht. Deshalb weiß man aber auch nicht, was nun die englische Politik ist, worin ihre Linie besteht. Das Rätsel löst sich wahrscheinlich sehr einfach: die englische Außenpolitik hat eben heute keine bestimmte Linie. Sie weicht jeder klaren Entscheidung und jeder Klarstellung ihrer Haltung aus. Dieser Zustand stellt aber ein außer- ordentliches Hemmnis für die Klärung der europäischen Probleme, ja sogar eine außerordentliche Gefährdung des europäischen Friedens dar. Da wir keine Diplomaten sind, und keine Verhandlungen mit England zu fuhren haben, dürfen wir das mit aller Deutlichkeit aussprechen. Unklarheit und Unentschlossenst der englischen Politik sind heute die größten Trümpfe von Hitler. Sie ermög- lichen die Verschleppungstaktik, durch die das„dritte Reich" die Zeit für feine Aufrüstung gewinnt. Sie ver- sperren den einzigen Weg, auf dem man die effektive Abrüstung Deutschlands erzwingen und hierdurch den europäischen Frieden sichern könnte,— nämlich das solidarische Auftreten der europäischen Mächte gegen die deutschen Rüstungen und gegen die Durchmilitarisierung des ganzen Lebens im„dritten Reiche". Herr Simon scheint aber sogar bereit zu sein— offenbar um Hitler zu „beruhigen" und auf ihn„erzieherisch" zu wirken, der heutigen Reichsregierung große außenpolitische Erfolge zu gönnen. Welche Verkennung der nationalsozialistischen Mentalität, sowie der Dynamik, die dem diktatorischen Regime in Deutschland notwendigerweise innewohnt! Lesen wir folgenden Auszug aus der Wiedergabe eiger am 17. Januar(also während der VölKerhundÄäguüg) gehaltenen Rede des bayerischen Innenministers Wagner i„Frankfurter Zeitung" vom 19. Januar): „Minister Wagner richtete^a>,.hje veMinmetten Amts■. matter de» dringenden Appell, genau lv kachM^lrllg'iund. kampflustig zusaunncnzuWuen, wie in' den*flaiitpitiifjvcii der Bewegung. Solange auf der einen Seite Deutschlands der Bolschewismus sitze, auf der anderen die Demokratie, und solange 6 e t u n s im Innern noch so viele(Gegner der deutschen Erneuerung saßen, kämen wir nie zur Ruhe." Herr Wagner hat recht. Der Nationalsozialismus, einmal an die Macht gelangt. Kann nicht zur Ruhe Kommen, ohne entscheidende Auseinandersetzungen mit den Kräf- ten, die er als seine Feinde empfindet. Zu diesen Feinden, mit denen es keine Versöhnung geben kann, gehört, wie Herr Wagner ausdrücklich sagt, auch die Demokratie, die „auf der anderen", das heißt, auf der westlichen Seite Deutschlands„sitzt". Dem Nationalsozialismus die Zeit für die Vorbereitung zu der Auseinandersetzung mit seinen Feinden gewinnen zu lassen, heißt die Entwicklung zu fördern, an deren Ende unvermeidlich der neue Welt- krieg stehen wird. Nene flottenMen- Weltpolitische Spannungen Die sroflen inlernalionaten Sdiwierigheiten 120 neue liriegssdiliie 616 Millionen Dollar dub. London, 28 Jan. Nach einer Neuter-Mcldung aus Washington empfahl im Flottenausichuß des Repräsentanten- Hauses der stellvertretende Marineminister H. L. Roosevelt die baldige Inkraftsetzung einer Vorlage, die den Bau von 12U neuen Kriegsschiffen mit einem Kostenaufwand von rund t-tll Millionen Dollar vorsieht. Der Vorsitzende des Aus- jchusses. Vinson, sagte zu, die Vorlage sobald wie möglich zu behandeln. Von den Anhängern des Präsidenten Roosevelt wird be- tont, der Hauptgrund, weshalb das Weiße Haus die Flotte auf den vertraglich.zulässigen Höchststand ausbauen wolle, .ivpr^efe in dei^Ueberzeugung, daß Japan für das Jahr 1938, wenn der Flottcnvertrag erlischt, eine ebenso große Flotte erstrebe wie sie die Vereinigten Staaten oder Großbritannien besitzen. Tie Borlage findet, so wird weiter betont, die „uneingeschränkte" Billigung des Präsidenten Roosevelt. Ter Mariiicminister erklärte, die Bereinigten Staaten könnten der übrigen Welt nicht lcknger als„Abrüstungsbetspiel" dienen. * dnb. London, 23, Jan. In Tingapore sind gegenwärtig drei Kreuzer, ein Flugzeugmutterschiff, zwei Zerstörer, ein Hilföiährzcug und der Monitor„Terror" versammelt. Bei der Konferenz handelt es sich um eine ursprünglich für jedes Jahr geplante Zusammenkunft, die zum ersten Male im Jahre J921 abgehalten wurde. Seit sieben Jahren ist aber mit diesem Brauch gebrochen worden. australischer und neuseeländischer Admirale, aus der Fragen von gemeinsamem Interesse für die Seestreitkräfte des bri- tischen gleiches in Indien, Australien und Neuseeland be- sprachen werden sollen. Die Konserenz dürfte ein Woche dauern. Wie der Berichterstatter des„Daily Herald" in Singapore meldet, werden an der Besprechung der Kommandeur der malaiischen Halbinsel und der Befehlshaber der Truppen, die in Singapore liegen, teilnehmen, da besonders über die Befestigungen von Singapore verhandelt iveröen soll. Der Berichterstatter verzeichnet serner ein Gerücht, wonach Feld- Marschall Lord Allcnby an Bord des Kreuzers„Kent" ange- kommen sei, ivas jedoch geheimgehalten werde. Es gingen auch Gerüchte um, daß Großbritannien aus Sorge um einen japanischen Angriff mit Holland zu Zwecke» der Verteidigung zujaminenwirkcn wolle. Großbritannien soll planen, Holland den Besitz seiner ostindischen Gebiete zu garantieren. Anderer- seits«verde behauptet, daß die Frage der Verteidigung Australiens auf der Konferenz die meiste Zeit beanspruchen werde. Drohende Sprache im Fernen Osfen Konferenz der britischen Admirale dnb. London, 28. Jan. Heute vormittag beginnt in Singa- pore an Bord des Kreuzers„Kent" eine Konferenz britischer, Sicherungsverwahrung Zum ersten Male für eine Frau Würzburg, 28. Jan. Die erste Sicherungsverwahrung für eine Frau wurde vom T ch ö s s e n g e r i ch t in Würz- bürg ausgesprochen. Es handelte sich um eine Schwind- lex in, die sich als Krankenpflegerin ausgab und deren Straf- .lsste bereits eine große Reihe schwerer und leichterer Delikte enthielt. Zusetzt hielt die Verurteilte Vorträge über Frauen- krankhetten, hielt dann Sprechstunden ab, in denen sie fich für die Verordnung von Leibbinden, Nährfalzen und ähn- lichem g r o ß e A n z a h l n n g e n aus das Gesamthonorar machen ließ. Vor der Sicherungsverwahrung ivird die falsche Krankenpflegerin zunächst' ein Jahr vier Monate Zuchthaus zu verbüßen haben. hneriauhle Auslandsreise! Jähre* Gefängnis für einen Kommunisten .Mqlqz, Aap. Der MArfae L am b h ans Mä.i.iiz-Kaslek ivurde vom Bcz>rksschössengerichi zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, weil er im Sommer Vorigen Jahres tum in Paris an einem internationalen koininunistischeN JugcNdkongreß teilnehme» zu könnenj o hnV Ausreife geh ch m i g u n g auf Schleichwegen die Reichsgrenzc überschritten hatte. „Slaalsielnde" aushungern! Landgerichtsdirektor in Barbarien Berlin, 23. Jan. Ein Arbeitsgericht hatte kürzlich auf die Klage einer Arbeitnehmern entschieden, daß aus deren Zeugnis die Bemerkung zu entfernen sei. daß die Arbcitnehmerin wegen Staatsfeindlich- k ei t entlassen worden sei. Die Entlassung selbst hatte das Gericht gebilligt. Der Arbeitnehmerin waren vier Aeußerun- gen nachgewiesen worden, ans denen sich ein« seindlichc Ge- sinnung gegenüber dem neuen Staat ergab. Tie Streichung London, 23. Januar. In einem brieflich übersandten Aussatz bespricht der Berliner Vertreter der„Times" den „Vormarsch Deutschlands zur Gleichberechtigung". In einem Rückblick aus die neuere Entwicklung der Abrüftnngssragc betont er immer wieder, es könne nicht angenommen wer- den, daß die Reichsregirrung von ihrem Standpunkte der Gewährung einer sofortigen und bedingungslosen Rüstungs- gleichhcit abgehen werde. Alle Ausführungen der maßgebend- sten deutschen Staatsmänner zcngten von dem unbeugsamen Entschluß, sich nicht läikger hinhalten zu lassen. Deutschland beabsichtige, zu rüsten, wenn die anderen nicht abrüsten. Für letzteres sei aber keine Aussicht zu erkennen. Die Welt habe Deutschland nicht zwingen können, Reparationen zu bczah- lcn. Könne sie Deutschland zwingen, unbewaffnet zu bleiben? des Vorwurfs der Staatsfeindlichkcit hatte das Gericht u. a. damit begründet, daß es sich um ein junges Mädchen handle, dessen Verhalten sehr leicht weniger aus eine feindliche Ge- sinnung als aus ein loses Mundwerk zurückgeführt werden könne. Die sristloie Entlassung sei dafür eine ge»u- gende Strafe. Es würde nicht i m Sinne der V e r f ö h- n u n g sp o l i t i k des Führers liegen, ivollle mau darüber hinaus diese Arbeitnehmen» durch die Abfassung des Zeug- nisses für eivig zur staatsfeindlichen Persönlichkeit und ihre Bekehrung zum neuen Bvlksstaal bzw. jede neue Beschäftigung u n m ö s ch e C ou ran t" ferner noch: „Man hat in Teutschland die Decke gereckt, um sie größer zu machen: aber dadurch ist sie sehr dünn geworden. Die Zahl derer, die noch mehr als das Auerdringendste, das sie zum Leben brauchen kaufen konnten, hat sich dadurch wieder verkleinert. Es ist wie in Rußland: man erzwingt für die Propaganda schöne Ziffern auf Koste» der allgemeinen Wirt schastslage. Die Methoden, deren man sich in Deutschland zur Arbeitsbeichafsuua bedient, sind auch absolut nicht von den Rationalsozialiste» erfunden worden. Kein Geringerer als StinneS hat sich seinerzeit darüber ausgelassen und sie als verhängnisvoll verworfen. Auch andere haben die Schattenseiten. die Deutschland jetzt in stets zunehmendem Umfange fühlen muß. vorausgesehen. Aber die neue Regierung in Deutichland hatte keine Wahl: sie mußte Resultate er zwingen." Amüsanter Vergleich Wir entnehmen aus„Het Vaderland" lDen Haag!: „Es ist nicht unamüsank. einmal eine Parallele zu ziehen zwischen der gleichgeschalteten„Literarischen Weil"(Berlin! und der unabhängigen saber keineswegs unverträgliche»! Zeitschrift„Tie Welt im Wort", die von in Prag wohnenden Deutschen herausgegeben wird. Während das gleichgeschaltete Blatt beginnt mit einem süßlichen Artikel über„Tic Eni dcckung der deutschen Landschaft"(illustriert mit einer idnllischen Fotografie„Pappeln am Bach"! und außerdem un gefähr nichts enthält als eine- aller Gen'alität entbehrende Studie von irgendeinem Professor über deutsche Bäume, bringt„Tie Welt im Wort' u. a. eine» Artikel von«ldous Hullen über„Arbeit und Muüe", der von A bis 3 wirklich lesenswert ist, ferner einen Aussatz von Raoul Auernheimer über die Mutter von Cosima Wagner, ei» interessante* Dokument, ein spannendes Essau von Margareth Snsman über die neue angelsächsische Literatur, außerdem noch ein inter essantes Feuilleton über P. H. Lawrence und einen Nachruf für den kürzlich verstorbenen Schriftsteller LoenatSjaresk,. Ich zweifele keinen Augenblick an dem Wert der Land schaft und der Bäume. Aber ich möchte doch sagen, daß es Zeit wird, daß ein bißch-m europäische Luit weht in„Den Pappeln am Bach". Sonst zwingt man uns wörtlich, den deutschen Geist heimlich aus Prag zu beziehen." M. t. V. Aus der„Post Scripta" der H., a g s ch e n Po st" zitieren wir folgenden Abschnitt: Göring-Göbbels! „Wer auch in Deutschland Sorgen haben niag,' öring hat jedenfalls keine. Er glänzt aus jedem Gebiet.,und es kann immer noch etwas dazu kommen. Kürzlich ist er General geworden ein großer Sprung vom Kapitän. Er ha: sich auch schon seine Lorbeeren als Jurist verdient, als er im Prozeß van der Lübbe als Zeuge auftrat Die ganze Presse hat ihm zugejubelt. Als augenblicklicher Nero begehrt er aber auch Künstlerlorbeeren. So hat er ietzt die Leitung der beiden preußischen Staatslheaeer übernommen. So hat er nun alle Schauspieler, Schauspielerinnen und auch das andere Personal zusammengerufen und ihnen seinen überraschenden Eni- schlutz mitgeteilt. Er hat. wie er tagt, diese Ausgabe übernommen, um den beiden Theatern de» Platz zu gebe», der ihnen zukommt. Sie müßten sich nun in großzügiger Weise entwickeln Mit den hohen Gagen muß es aus sein. Das führt nur zu materialistischer Verslachung. Der Künstler hat im nationalsozialistischen Staat eine besondere Ausgabe zu erfüllen. Diese Ausgabe wird Göring ihm nun weisen. Es verlautet nun, daß Göbbels von dieser Tai seines Amtskollegen absolut nicht eingenommen ist und daß er am lieb sten die ganze Angelegenheit geheim gehalten hätte Wir würden darüber, wenn wir deutscher Propagandaministcr wären, natürlich ebenso'wenig beglückt fein: denn diese neue Liebhaberei von Göring lichtet ein wenig den Schleier, der über dem Geisteszustand von diese», Temperamentskrater liegt. Was haben wir nun noch mehr von Göring zu er- warten, ehe der Vulkanausbrucb kommt, von dem kein Ein- geweihter glaubt, daß er ausbleiben wirb? Es ist zweifellos außerordentlich interessant, daß die deutschen Blätter von noch höherer Instanz den Befehl erhielten, Görings Rede zu veröffentlichen. Eine neue Verschärfung der Gegenuber- stellung Göbbels- Göring?" tPost Scripta, Haagsche Post) Pr. law Severins Trübe Aussichten Die Schwere der deutschen Krise Mflsseneinhommen slnhf Auch der Zigarettenverbrauch beweist es »V« feiner jetzt um die Jahreswende veröffentlichten Bilanz für l933 zeig» das deutsche Konjunktur-Institut das Bestreben, den übermäßigen Optimism u s, der in feinen früheren Berichten vielfach zutage trat und der durch die Berhälini»? immer mehr ad absurdum geführt wurde, zu damvfen. Immerhin behauptet man noch, dast gegenüber dem auster- ordentlichen Tiefstande, den die deutsche Konjunktur 198'- verzeichnete, im Verlaufe des ganzen Jahres 1935 eine irr- höhung der Industrieproduktion um>2 Prozent erfolgt lft. selbst wen» man ganz davon absteht, da» das Jahr 1933 für die ganze W e 11 m i r t f di o i t deutliche A u>- f ch w u n g s f n in p t o m e zeigt, und da» in England, in den USA. usw. Produktionserhöhungen von 20 bis 50 Prozent gegenüber dem Tiefstände, der Mitte UM erreicht wurde, keine Seltenheiten darstellen, ja, selbst wenn man trotz zahl- reicher Gegenargumente, die hier von Zeit zu Zeit dargelegt lvurden, eine Erhöhung der Industrieproduktion von 12 Pro- zent des Tiefstandes von 1982 in Teutschland zugeben wollte, bleiben noch genügend wichtige Fragen konjunkturpolitifcher Natur übrig. Eine ProduktionSerhöhnng ist gewiß von grobem Wert besonders für den Befchäftignngsftand und im,nif für die Konsumkraft eines Landes. Notwendig ist aber ior allem, da» diese Produktion auch tatsächlich abgesetzt wird. Mit anderen Worten: Entweder durch Hebung der Umsätze im Einzelhandel am Inlandsmarkt oder durch entsprechende Vermehrung der Exporte muh die erhöhte Güterproduktion aufgenommen werden. Wie steht es nun in dieser Hinsicht in Teutschland? Nach den eigenen, also gewiß nicht ungünstig gefärbten Angaben des deutsche,, ttonjunktnrinstituteo sind die Umsätze im Einzelhandel 1938 mengenmäßig nicht gestiegen, fondern ste liege» sogar noch etwas unter der Umsatzhöhe des Jahres 1932. Wenn man demgegenüber betont, da» der Umsatz wert- mästig im September 1983 eine Kleinigkeit höher lag als im September des Vorjahres, so kommt dieser Tatsache im Hinblick auf die Preisverschiebungen, besonders auf die Er- höhung der Lebensmittelpreise usw., eine grundsätzliche Ve- deutung nicht zu. Tie mit vorwiegend künstlichen Mitteln betriebene und in dem behaupteten Umfange i bezweifelte Erhöhung der Industrieproduktion zent— bei den Verbrauchsaüter» beträgt ste übrigens nach Angabe des Aoninnktur-InstitutS nur 8 Prozent- hat also keineswegs in einer entsprechenden Erhöhung des Konsums die notwendige Ergänzung netiindeii Tie zusätzlich erzeugten Waren wurden, wenigstens soweit dies für den Inlands- markt festzustellen ist, dort nicht abgefetzt. Sie bleiben alfo in der Hauvtsgche»nOter auf Laaer und diele Tatsache dürfte die konjunkturellen Möglichkeiten für 11)34 nicht gerade verbessern. gleichgeschalteten deutschen Blättern, diese Kritik sei ganz unberechtigt, weil es sich nur um technische Umstellungen in der deutschen Statistik handle. Heute gibt das Konjunktur- iiistitut selbst einen eindeutigen Beweis dafür, dast sich die Kiitik des Auslandes auf der richtigen Bahn bewegte. Bei gestiegener Industrieproduktion und unveränderten oder gar noch weiter gesenktem Güterverbrauch deS Inlandes würde nur noch die Möglichkeit bestehen, daß die erhöhte Gütererzeugung Teutschlands durch eine entsprechend gesteigerte Warenausfuhr abgesetzt wurde. In diesem Zusam- menhang dürfte es interessieren, einmal eine genaue Zusammenstellung des deutschen Austenhandels während der Krisenjahre zu zeigen und auch die Ziffern für 1983 beizufügen, soweit sich der Monatsdurchschnitt für dieses Jahr aus den bisherigen Angaben errechnen lästt. 192728 1928'29 1930 31 1981 32 April bis November 1933 Deutschlands Außenhandel in der Krise in Millionen Reichsmark Mvnaio- durchschnitt Export Import Saldo Import von Lcbensm. 319 247 194 124 90 Import Import von von Rohstoffen Fertig». 600 819 45!) 753 290 615 201 374 201 310 Hinsicht bemerkenswert. 1929 1121 1124+ 3 1980 800 1003+ 187 1031 500 800+ 240 1982 380 478+ 89 1083 350 404+ 54 Diese Ziffern sind in doppelter E r st c n i nämlich ergibt sich aus ihnen, da» trotz des starken Rückganges der Ausfuhr von Fertigwaren, der auch durch alle Serips- und andere Dumping-Maßnahmen nicht aus- zuhalten war, die R o h st o f s e i n s u h r nicht die aller- geringste Verminderung aufweist. Man hat also die Rohstoffe nicht für einen erhöhten Export von Fertigwaren, sondern vielmehr zu ganz anderen Zwecken benötigt. Ein Blick auf die Einzelstatistikeu zeigt übrigens ganz deutlich, dast ganz bestimmte Rohstoffe sogar sehr bedeutende Ein- f u h r st e i g e r u n g e n erfahren haben. So erhöhte sich z. B. ^■■DWiwaMhdW' x-<— s 1933 An Zigaretten wurden abgefetzt: im Rechnungsjahre 1925 20 30,5 Milliarden Stück Zigaretten 32.8 nun 81,6 20,4 27.9„„„ 411 VIS* VIVVVIIIVV.»22,9„„ ff Ter Menge nach hat sich die Entwicklung des Absatzes für die Industrie und den Handel noch in erträglichen Grenzen gehalten. Ausschlaggebend sind aber die starke Preis- Verschiebung und die unaufhaltsame Abwanderung der Rancher von den teuer n zu den billigen und billigsten Zigaretten. Tiefe Umstellung und Preissenkung wurde von der Wirtschaftskrise bzw. der Schrumpfung der Masseneinkommen erzwungen. Wie stark die B e r b r a u ch s- u in I a g e r u n g war, geht daraus hervor, dast Mitte 1930 aus Zigaretten in der Preislage bis zu 3 Rps. nui ein win- ziger Bruchteil von 2,3 Prozent, auf solche zu 4 Rps ein An- teil von nur 25 Prozent des Gesamtabsatzes fielen, während die Fünfpfennigzigarette mit 56.5 Prozent des Gesamt- absatzes die ineistgerauchte Sorte war. Selbst die O-Rpf.- Zigarette hatte noch 15 Prozent des Gesamtverbrauchs. Mitte 1931 kamen aus die 5-Rps.-Zigarette immer noch etwas über 50 Prozent des gesamten Zigarettenabsatzes! Mitte 1932 war die 5-Rpi.-Zigarette dagegen nur noch mit 10 bis 15 Prozent am Gesamtabsab beteiligt, während die 8,5-Rpf-Z i a a- rette Im absatz wie folgt zusammen: Kleinverkaufspreis je Stück bis zu 2,5 Pf. bis zu bis zu bis zu bis zu bis zu bereits 50 b i s 60 P r° z e n t A n t e i l ha"«. 9) ii v e in b e r 1983 setzt sich der gesamte Zigaretten- 3,8 Pf. 4 Pf. 5 Pf. 6 Pf. 8 Pf. Prozent des Gesamtabsatzes 11,0 62,9 11,8 7,9 5,5 0,2 bis zu 10 Pf. 0,1 Auf die Preislagen über 4 Rps. das Stück entfielen also nur noch 13 Prozent des Gesamtabsatzes und auch die 4-Rps.- Zigarette war nur noch mit knapp 12 Prozent beteiligt. * Abwanderung zur billigeren Ware Aus Köln wird der„Frankfurter Zeitung- berichtet: Ter Absatz in der Schokoladen- und Süstwarenindustrie hat Tie Avwanoernng von vr»^uui,. lagen hat weiter angehalten: doch hat sich der Umsatz Haupt- sächlich tu den billigeren Qualitäten gegenüber dem Bor- jähr erheblich gesteigert. Tie wertmästige Unisatzsteigerung bleibt infolgedessen immer noch mengenmäßigen zurück. un»H v—->" erheblich hinter der Sehr interessant und sehr geeignet, das Rerständnis für diese ausgebliebene Berbrauckiserhöhuiia z« erleichtern, sind die Angaben, die daS Kaniunktnrinstitot jetzt an der Jahreswende über die Arbeitslosigkeit macht. Tie Gesamtzahl der Neneinstelliingen von Arbeitern und Angestellten beläuft sich nach diesen Feststellungen für Ende November 1033 im Vergleich zum Jahresanfang auf 1.4 Mil- lionen. Man wird zugeben, da» diese Ziffer im Vergleich mit dem starken Rückgang der Weliqrbeitslofigkeit und im Verhältnis zu den triumphierenden Kommuniques, die allmonatlich über das„Ende der Arbeitslosigkeit in Deutsch- lund" vom Prvpaganda-Ministerinm proklamiert wurden, nicht gerade erschütternd ist. Tie ist es um so weniger, als man in dem Konjunkturbericht vergeblich nach einer präzisen Angabe darüber sucht, ob in diesen 1,4 Millionen denn auch die 850 000 Menschen eingeschlossen sind, die man im„Ar- beitSdienst" und den verschiedenen Institutionen ähnlicher Art gegen verschwindend geringe Bezahlung beschäftigt hat. Tie eigentliche Zahl der Arbeitslosen. die ia, wie immer wieder festgestellt werden mußte, mit der Zahl der Nen- beichäitigten keineswegs gleichzusetzen ist. soll nach den An- gaben des Instituts im Laufe des Jahres 1933 um rund 2,8 Millionen verringert worden sein.- Tic Differenz von 909 06» Menschen stellt also die Zahl derjenigen Arbeitslosen dar, die, ohne Beschäftigung ge- fnnden zu hoben, von den Liften der UnterstütznngS- empsänger gestrichen wurden, weil sie in den Konzentra- tionolagern verschwanden, weil sie auswanderten, weil sie Marxisten oder Juden waren, kurz, weil die nendeutsche Wirtschaftspolitik sie nicht mehr weiter für würdig hielt, in den Liften der deutschen Arbeitslosen in Erscheinung zu treten und weil man offenbar hier ein besonders beanemes Mittel hatte, nm Unterstützungen zu sparen und die Arbeitslosenzisier zu vermindern, obwohl die betreffenden Menfchen ebenso ahne Ben» und tsrwerb dastanden, wie vor dem Beginn der„deutschen Gesundung". Als an der Hand der Lohnsteuerziffern und anderer ans Teutschland selbst stammender amtlicher Angaben die.nilch- ferne Wirtschaftskritik des Auslandes im Verlauf des IahreS 1988 besonders auch an dieser Stelle immer wieder darauf hinwies, da» die Zahl der N>'nbefchäftigten wesentlich ge- ringer war als diejenige, um die sich angeblich die deutsche Arbeitslosigkeit vermindert haben sollte, erklärte man in den künstlichen Mitteln..^WW^W^WW^WW- I■ fange übrigens stark mengenmäßig in den ersten zehn Monaten des Jahres 1933 stch während der Weihnachtsmonate befriedigend gestaltet duktion von 12 Pro-'ch Vergleich zu dem entsprechenden Zeitraum des Vorjahres Tie Abwanderung von den höheren zu den niedrigen Preis- int»Keinen» nnrii o>e Wolleinfuhr um 17 Prozent, der Banmwollimport lagen hatMdW a* Iii» int» bauot- iirn 18 Prozent, die Einfuhr von Eisenerz sogar um 35 sächlich iu Prozent und diejenige von Stab- und F o r m e i s e n sogar~'* um 40 Prozent. Nicht weniger als 120 Prozent betrug die Importsteigerung bei P a p i e r h o l z, dessen Verwendung für die Sprengstoff-Fabrikation bekannt ist. Kurz, der deutsche Außenhandel hat zwar in keiner Weise dazu beigetragen, um die angeblich erhöhte Industrie-Produktion, die am Inlands- markt unverkäuflich war, im Auslände abzusetzen, aber die 2Iunenbanbelszissern zeigen um so deutlicher. wie sehr der Import von Rohstoffen der Borverforgung Teutschlands für Kriegszwecke gedient hat. Zweitens ergibt sich ans den oben mitgeteilten Ziffern, daß der deutsche Ausfuhrüberschuß des Jahres 1033 die Grenze von 600 Millionen RM. kaum überschreiten dürfte. Für die Zinszahlungen ist bekanntlich nach den neuesten Be> lechiinngen ein Betrag von mindestens einer Milliarde not- wendig. Ten Gläubigern eröffnen sich hier für 1934 in der '""" T-r 9rf ,nrfil offenbar • V U WlUHVliHui. Tat recht trübe Aussichten, da.Herr Tr. Schacht auch in Zukunft nicht daran denken wird, von diesen»oo Millionen auch nur den größten Teil zur Abdeckung der Aus- lanbsverpflichtungen zu verwenden. Noch trüber werden diese Aussichten allerding» zu beur- teilen fein, wenn man daran denkt, was dem deutschen Außenhandel sonst noch für 1984 bevorsteht. R u» I a ii ft mußte nämlich im vergangenen Jahre Kredite in Höhe von 700 bis 800 Millionen RM. nach Teutschland zurückzahlen. Tie Sowjets sind hierzu nur in der Lage ge- wcscn, indem sie eine außerordentlich scharfe Trosielung ihrer Einfuhr vornahmen, indem sie nahezu ihre ganze eigene Golderzeugung erportierten und indem sie schließlich, mit gewiß nicht sehr freudigem Herzen, bei den Banken des„dritten Weiches" einen Ueberbrückungskredit von 140 Millionen nahmen. Im Jahre 1934 hat Rußland noch nicht einmal die Hälfte zu zahlen und der Zeitpunkt, an dem man sich in Moskau von allen deutschen Warenbezügen völlig unabhängig macht, rückt demnach um so näher, zumal den Rüsten bekannt- lich von den USA. beträchtliche andere Kredite zur Verfügung stehen. Man geht also nicht zu weit mit der Feststellung, da» dem deutschen Außenhandel nach Erledigung deS Rnsfen- gcschäftes, nach Beginn des Handelskrieges mit Frankreich usw. jetzt geradezu oas Rückgrat gebrochen worden ist. Ter letzte Bierteljahresbericht des deutschen Konjunktur» institutes zeigt eine Vorsicht. Bescheidenheit und Zurück- Haltung, die man im Lauf» des Jahres 1988 an den rein propagandistische,, Formulierungen deS Institutes nicht mehr gewöhnt war. Warum das der Fall ist, versteht man beim aufmerksamen Studium dieses Berichtes recht deutlich. Tie deutsche Wirt- schaft geht einem trüben 1934 entgegen. Tie harte Sprache der Tatsachen ist so klar geworden, daß man offenbar zu verstehen beginnt, wie wenig man auf die Tauer durch Beschönigung und Verschleierung erreichen kann. „Arbeifssdiladit'-Plianfasien Ueberschrift und Inhalt Das Arbeitsamt der Stadt Stuttgart versieht die Mel- dung, daß die.Zahl der Arbeitslosen von 31 332 am 30. November aus 32 405 am 31. Dezember gestiegen ist, m't der Ueberschrift:„Zuversicht in der Arbeitsschlacht". Weiter beißt es, da» Jugendliche unier 25 Iahren, ganz gleich, welchen Berufs—«ausleuic nickt ausgcichlossen—, nicht eingestellt werde» dürfen„Für die Junge» gibt es Arbeit, wenn sie nur zugreifen wollen." lautet daS weife Dekret wörtlich. Die Preise hodi! Anziehen der Preise Das Wirtichastsami des deutschen Buchdruckernereins macht daraus ausmcrksam, da» die eingetretene» Preiser- höhungen von 10 bis 20 Prozent für Zellstoff z» einer uoinnige»»»»->* vi»...„ Berussdiosselung führen könnten. Für Pack- und Einwickel- pnpiere, Maschiiieiilederpappcn, Sirvhpappen und Maschinen- graue Pappen seien die Preise teilweise um 80 bis 40 Prozent gestiegen. Ter Reichsverband des deutschen Handwerks berichtet über die Preissteigerungen im Baugewerbe:„Auch die Holzpreife zeigten ein unverkennbar starkes Ansteigen und zwar durch- iveg um 10 bis 20 Prozent, teilweise sogar b s zu 30 Prozent. Man müsse sogar mit einem weitere» Anziehen der Preise rechnen. Tie sächsische Wirkwarensabrikanteii beantragte» beim Reichswirtschaslsministersiim. die von ihnen erhöhten Preise für Strümpfe als Mindestpreise für verbindlich zu erklären. Sleaheii! „Vernunft und Vertrauen haben gesiegt" So überschreibt die„Pirmalenscr Zeitung" den Jahres- bercki der Industrie- und Handelskammer. Liest man den Bericht durch, so stößt man u. a. auf folgende Tatsachen von „Vernunft und Vertrauen": Tie Ausfuhr von Schuhwaren i st iv c i t e r stark zurückgegangen, namentlich auch nach d t m Saargebiet. Tie Zahl der RechnnngSbescheinigunge» für die Zollabfertigung betrug nur»ochl800gegen- über 2 9 00 im Jahre 1932 und 8000 im Jahre 1931. Gegen..marxistische Mißwirlsdiair Sozialpolitik wird abgebaut Aach der„Sozialen Präzis"(2) gehört eS zum Pro- N i a m m t!j nationalsozialistischer Wirtschaftsführung, die Persönlichkeit des freien Unternehmers mehr als bisher zur Entfaltung zu bringe». Ans diesem Grunde soll die Eigen- Wirtschaft bei den Krankenkassen eingestellt werden. Nach dem Jahrbuch der Krankenversicherung 1031 gab es an „Eigenwirtschaft":.6 Krankenhäuser, 4 Lungenheilstätten, 12 Kurheime. 97 Genesnngs- und Erholungsheime, 5 Tages- erholungSstätten, II Kinderheime, 126 Zahnkliniken. 136 Badeanstalten, 134 Röntgen- und Lichtbehandlung»- institute, 68 Krankentransportmagen. Tie Zahl der S.'lbft- abgabestelle» ist nicht angegeben, frühere Veröffentlichungen des Verbandes lassen aber darauf schließen, daß mindestens die Hälfte aller QrtSkrankenkassen Selbstabgabe in irgend einer Form betrieben hat. Tic Betriebs-, Innungs- und Landtrankenkaffen werden von diesen Statistiken nicht er- faßt..." TaS alles soll nun. damit sich die Persönlichkeit des freien Unternehmers entfalte, verschwinden. Ein Teil ist bereits zerstört:„Eine größere Anzahl von Eigenbetrieben wurde ohne arößerc R ii ff f i ch l ans etivaigc Verluste der Kassen g c s ck l o s s c n". Nun wird man die wilde Zerstörung durch eine systematische ersetzen Und das alles: im Namen des Bolks und der Volksgemeinschaft. Arbeiter unter Kontroll« Auf der füdwestdeutschen Kreisiachschastswarte-Tagung der Metzger in Stuttgart wurde beschlossen:„U m ö a s Heberstunden softem z u beseitige» und u m eine k o n.t rolle der tatsächlich g e l e i st e t e n A r b e i t s- zeit zu ermöglichen, wird das Arbeitszeit- s o n t r o l l b ii ch in jedem Betrieb ausgelegt werden. Jeder Arbeitnehmer hat die Pflicht, wahrheitsgemäß Bc- ginn und Ende seiner Arbeitszeit einzu- trage n." Worms man sieht, was die heutigen Gewerkschaften als ihre Aufgabe betrachten. Heroismus und Baumwolle Der Nazi-Oberschieber Bei Eröffnung der in Leipzig neugegriindettn Nazi- Pfründe, die sich Seminar für politische Erziehung nennt, donnerte Reichsstatthalter M u t s ch m a n n in seiner Rede: Es wird immer der de» Sieg davon tragen, der sich in seinem Gedanken selbst heroisch erhalten und sich nicht dem H ä n d l c r g c i st zugewandt hat. Zu heroischen Tiraden ist Keiner so berufen wie dieser geschäftstüchtige sächsische Fabrikant. Während des Krieges, als andere draußen heroisch verbluteten, machte dieser Obernazi auf Staatskosten Schiebungen in belgischem Garn, weshalb nach dem Kriege sein Plauener Textilbetrieb blühte und gedieh, während seine Arbeiter unter Tarif schuften mußten. Solche Leute machen im „dritten Reich" politische Erziehung und wettern, nachdem Jk ihr Schäfchen im Trockenen haben, gegen Händlergeist. „Diu! und Eisen" Erzförderung um 54 Prozent gestiegen lieber den Ticgerläiider Erzbergbau liegt folgender Nazi- bericht vor:„Durch b'e tatkräftige regicruiigsieittge Unterstützung ist dem zu Beginn de» Jahre» 1983 schwer danieder- liegenden Siegerländer Erzbergbau ein gewaltiger Austrieb verlieben worden. Während im Januar 1933 34 000 Tonnen gefördert wurden, stieg diese Zahl aus 58 0i>0 Tonnen im Mai und erreichte im Anguß 87 000 Tonnen. Tie Jahresgesamt- sörderung ist von 512 469 Tonnen in 1932 auf 789 737 Tonnen im vergangenen Jahr, also um 54 Prozent gestiegen... X:: Zukunft wird durchaus hossnungssreudig beurteilt." Nur nameludten Neue Gesellenausschüsse sind ans Grund des Führerprlnzips von den maßgebenden Vertretern der Fachschaften ernannt worden. Der„Deutsche Nahrungsmittclarbcitcr"(2/81 sagt hierzu:„Da die ver- ilossenen Gewerkschaften bei diesen(nun abgeschafften) Wahlen immer eine rege Propaganda entfalteten, so war es selbstverständlich, daß die G.-R. mit wenigen Ausnahmen eine marxistische Tendenz hatten". Tie neuen Gesellen- ausschüsse sind sorgfältig ausgewählt,- es kamen vorwiegend Leute der NSBQ. in Betracht.„Besonders sorgfältig hat man die Altgesellen ausgewählt. Für dieses Amt kommen nur Leute in Frage, die vorbehaltlos hinter unserem Führer stehen," MaxifUhrer-Emigrant spricht Uber das Hitler-Geheimnis 1(1 V. Das Wesen Hiflers In späteren Artikeln werde ich mich an dieser Stelle nicht nur mit den wichtigsten Grundfragen Hiter- scher Politik kritisch, sondern auch mit den internen Strömungen befassen, welche aus politischen Grundfragen hervorgingen und zu den Konflikten mit Ludendorsf. Aennes, Dr. Otto Strasser, Leutnant Scheringer sowie Tregor Strasser führten. Bei den Darlegungen wolle die Leserschaft aber bitte immer daran denken, daß uns der heutige klare Rückblick auf die Bewegung und ihre ntwicklung erst durch Lossagung von allen internen Bindungen und von allen Hemmungen durch die national- sozialistische Ideologie möglich wird. Wir versuchen zu einer Antwort auf die Frage zu kommen:„Wie Konme denn das alles überhaupt geschehen?" Ludendorsf anerkannte vor neun bis zehn Iahren und später wiederholt die Propagandaleistungen Hitlers, stellte ihm aber jede Eignung zum„deutsche n" Politiker in Abrede. Die Gruppen Stennes und Scheeinger sprachen Hitler Moral und Treue ab. Dr. Otto Strasser prägte das Wort:„M u st e r des Habsburgischen Lügner s". Einzelne Psychiater und darunter Frau Dr. von Kem- ssitz. jetzige Frau Ludendorsf. wiesen schon vor der Macht- Übernahme auf nicht normale geistige Qualitäten Hitlers und seiner beiden Hauptmitarbeiter Göbbels und Göring hin. Es liegt nahe und geschah auch tatsächlich ab Juni 1932, daß die Führer der sozialistischen Parteirichtung sdie erkannt hatten, dah das Großkapital nur im ersten Revolutionsanlauf genommen werden konnte und keine noch so kurze Ruhepause zur Wiedergewinnung des Ober- ivassers bekommen durfte) gleich zu Beginn der o f f e n e n a n t i f o z i a l i st i s ch e n Strömung die Person und das Wesen Hitlers kritisch zu betrachten begannen. Wäh- rend diese Gruppe— meist Leute, die der Bewegung Vermögen, Beruf, Arbeitskraft und Beziehungen geopfert hatten— bis Juni 1932 an allen Angriffen auf die Per- fon des Führers achtlos vorbeigegangen waren, fielen ihr jetzt drei Ereignisse in die geöffneten Augen: o) dah Hitler die Mißhandlung des SPD.-Abgeordneten Dr. Helmut Klotz durch einige RSDAP.-Leute im Landtage billigte, obfchon die Echtheit der von Klotz veröffentlichten homosexuellen Briefergüsse des Stabs-Chrfs Rühm feststand: b) der Ausspruch Hitlers, er stehe und falle mit Röhm: c) das zwar nicht zugestandene, aber deutlich erkennbare Widerstreben Hitlers gegen die von Gregor Strasser eingeleiteten Vorverhandlungen mit den Gewerkschaften und mit Dr. Brüning. Wir begannen mit einer Belegmaterialsammlung über Hitler, welche wir in der Folgezeit einem wahren Heere pon Aerzten und Fachärzten in Gesprächen und bei sonstigen Gelegenheiten zugängig machten. Hervorragend beteiligte sich daran ein in Mitteldeutschland wohnender Spezialarzt, der Hitler aus früherer Mitarbeit kannte. Aus allen diesen Erörterungen ziehen wir heute den Schluß, dah die Entwicklung des Hitlerbetruges an Deutschland der Abwicklung kranker Geisteskomplexe parallel lies. Ich will mich auf eine allgemein nachprüf- bare Begründung dafür beschränken. Damit auch die- jenigen, welche>ich nicht mit psychiatrischen Fragen be- saht haben, selber prüfen und urteilen können, schicke ich die nötigen Erklärungen allgemeiner Ratur voraus. * Der Psychiater urteilt von einer angenommenen Grenze aus: was diesseits von ihr liegt, ist„normal", was jenseits liegt...geisteskrank". Was an dieser Grenze ent- lang hin und her schwankt, bald normal, bald nicht normal handelt, ist„psychopathisch", das heißt: krank veranlagt, aber die Krankheil ist noch nicht zum Durchbruch ge- kommen(kommt es meist zeitlebens nicht). Der Psychiater greift auf Grund wissenschaftlicher Erfahrung aus Körper- bau, Bewegungen. Reden, Handlungen und Entgegnung?- Handlungen(„Reaktionen") des Patienten die bezeich- nendsten Momente heraus(Symptome), stellt sie zu einem Wesens- bzw. Charakterbilde zusammen und mißt den Wert von der gedachten Grenze aus am theoretischen ..Vollnormalen"(praktisch ist niemand..vollnormal"). Das Ergebnis wird als Beurteilung unter einem Fach- ausdruck(Diagnose) gebracht, welcher dann denjenigen Geisteszustand bezeichnet, der sich durch die festgestellte Symptomreihe kennzeichnet. Der mit seinem Wissen beobachtete Patient bemüht sich, durch entsprechendes Verhalten die seinem gerade an- gestrebten Zwecke am nutzlichsten erscheinende Beur- teilung(Diagnose) herbeizuführen. Dem Psychiater ist es daher um so schwerer, aus den Symptomen diejenigen maßgeblichen herauszuschälen, welche außerhalb der Nütz- lichkeiterrechnung de» Patienten spontan entstanden sind, je intelligenter, vorsichtiger und waghalsiger der Patient ist. * Beim Geisteskranken ist immer aus irgend einem Grunde(organischer Defekt des Zentralnervensystems von Geburt oder durch Unfall, Zentralnervenstörung durch abnormale Lebensumstände oder Lebensereignisse. Suggestion. Neurosen!) eine mehr oder weniger tief liegende Lostrennung des begreifenden Bewußt- seins vom Tun und Lassen des Patienten sowohl als auch von den tatsächlichen Gegebenheiten der Umwelt vor- Händen. Wissen und Bewußtsein sind verschieden: ich weiß immer, daß ich atme, aber ich atme nur sehr selten„mit Bewußtsein", nämlich nur dann, wenn ich darauf achte! Die„Behandlung" Geisteskranker erschöpft sich daher vornehmlich immer in neuem„zum Bewußtsein- bringen" durch Einschließung. Bettruhe usw.! Der Spaltlrrsinnige(Schizophrene) stellt das vollendete Bild des Geisteskranken dar: sein Denken. Fühlen und Wollen und dementsprechend auch sein Handeln („Reagieren") haben sich selbständig gemacht, jedes für sich: sie sind„voneinander abgespalten" aus ihrer vormals seelischen Ganzheit. Denken oder Fühlen weisen dem Wollen?'ndeln nicht i.'h. i i« richtige Bahn. Alle wechsi" H'gen de c».' rl s.e sind fort- gefall..- i i••-'- vv"'i!>..ir:rk'i«hen Welt, fühlt sich durch alles, was er nicht mehr begreift, irgendwie belästigt(beispielsweise durch„Fernhypnose", durch„Telepathie", durch„von den Lumpen unten im Keller der Anstalt verborgene elektrische Apparate", ja einer erklärte nächtliche Pollutionen durch die„Trance- zustände", die ihm eine Frau verursachte, mit der er früher zusammen war!), will Handlungen begehen ohne richtig zu wissen, warum und begeht sozusagen mechanisch Handlungen mit sehenden Augen, ohne daß ihm das Handeln zum Bewußtsein kommt. Meist wissen diese Leute, daß sie„krank" sind, aber sie alle bestreiten, daß diese„Belästigungen", dieses dauernde Anstoßen an ihre Umgebung, diese immer wieder unlogische Reaktion Folgen ihrer eignen Geistesverfassung sind! Sie halten sich nicht für verrückt, sondern für nur von diesem oder jenem der Umgebung in den ihnen unerklärlichen Zustand versetzt. Die G e i st e s k r a n k e n sind je nach Herkunft und Vorbildung intelligent und vielfach von r e i ch st e in allgemeinem Wissen. Man kann außerordentlich vcr- nünftig mit ihnen reden, wenn die Krankheit noch nicht zur völligen Auflösung des Denkvermögens überhaupt geführt hat,„noch nicht alles durcheinander geht". Per- sucht man aber inständig, ihnen den Unsinn ihrer eignen Auffassung über ihren Geisteszustand klarzumachen,— ihnen etwa beizubringen, daß es eine Fernhypnose gegen sie gar nicht gibt, sie 5as vielmehr bloß glauben, dann werden sie meist spontan gewalttätig. Den eigne» wunden Punkt, mit dem sie überall anstoßen, kennen sie ganz genau und deswegen bemühen sie sich, insbesondere im Anfangsstadium der Krankheit, mit niemanden näher darüber zu sprechen. Nichtsdestoweniger ist die große Intelligenz der Geistes- kranken eben doch eine kranke Intelligenz: sie wissen nicht, was sie rechtes damit anfangen sollen. Denken Sie sich einen sehr tüchtigen und erfahrenen Maurerpolier. Wenn Sie ihm die besten, teuersten und exaktest ge- arbeiteten Materialien zu einer schönen Villa, angefangen vom Zement und Kies für die Fundamente bis hinauf zum vergoldeten Fenstergriffe oder Kleiderhaken für die eingebaute Flurgarderobe, an einen noch so wunder- schönen Bauplatz zusammenfahren: er wird Ihnen über jedes einzelne Material, über jedes einzelne Beschlagstück einen vollendeten Vortrag halten, aber kein vernünftiges Haus bauen können! Es fehlt die die Materialien zum Bau verbindende wirkliche Geistesarbeit, die unendlich viel Einzelumsländen Rechnung tragen muß, und zwar im voraus! So ist es auch mit dem oft wahrhaft riesigen „Wissen" Geisteskranker, besonders schwach oder erst anfänglich Erkrankter! Sie vermögen mit ihrem Wissen nichts anderes anzufangen als aus ihm heraus zu reden! Vielleicht noch. Bruchstücke von Plänen nach irgend- welchen Mustern zusammen zu stellen, in denen sie Brocken dieses Wissens verwerten! Das gilt auch bt- sonders für Psychopathen. Es gibt nun sowohl Patienten jeden Krankheitsgrades als auch Geisteskrankheiten jeden möglichen Stärke- grades. Bleibt es dabei, daß sich das Denken nur an einem bestimmten Lebenspunkte von den Gegeben- heiten der Umwelt loslöst und dann an einem andern Punkte wieder eingesetzt(einen tatsächlich wesentlichen Punkt übersprungen) hat(„Ueberspannung"), dann er- wächst dem so Erkrankten eine bestimmte V o r st e l I u n g eines vermeintlich an der übersprungenen Stelle gelegenen Z u st a n d e s in diese Gedächtnis- bzw. Ver- standesliicke hinein, natürlich völlig krankhaft, ohne jede wahre Verbindung mit, und ohne jeden Wirklichkeit?- gemäßen Ausgang von den Gegebenheiten des Lebens oder der Tatsachen. Eine„fixe Idee" greift Platz. So trafen wir beispielsweise einen älteren, erwerbslosen, völlig verarmten Mann mit der festen Ueberzeugung, in Thüringen ein Schwerspatfeld zu besitzen, das man ihm vorenthalten wolle. Seine wirtschaftlichen Maßnahmen hatte er auf Versilberung des Schwerspatfeldes abgestellt und war dadurch wegen Betrugs vor den Strafrichter gekommen. Die Diagnose lautete:„Paranoia", d. h.: „weggerückt aus der Wirklichkei t". Und zwar ist„weggerückt"(verrückt) lediglich der Inhaltssatz der Paranoia, nicht etwa auch das sonstige Denken usw. de» Kranken! Der an einer Paranoia Erkrankte denkt grundsätzlich folgerichtig, aber von eine in in der Wirklichkeit nicht begründeten(eben „verrückten") Ausgangssatze aü« und kommt daher nicht durch falsches Denken, sondern durch falschen Ausgangssatz bei Beginn des Denkens zu einem falschen Ergebnisse. Will der Kranke dieses Endergebnis in die Tat umsetzen, so stößt er natürlich überall da hart an, wo von einem der wirk- lichen Sachlage entsprechenden(„objektiven") Ausgangs- satze aus über dieselbe Sache nachgedacht worden ist und er antwortet(„reagiert") dann genau so wie eben der Kranke, dem man seine fixe Idee inständig auszureden versucht: er wird gewalttätig und prägt sich einen Haß gegen„den Besserwisser" ein! Der Satz der geschilderten Paranoia war also:„Ich bin nicht arm, sondern besitze eine Schwerspatgrube". Logische Folge war der Versuch, diesen vermeintlichen Besitz nun auch zu verwerten. Das ergab natürlich einen Betrug, und zwar aus dem geisteskranken Satze geboren! Aehn- licher Fall: Ein Schizophrener war infolge der Krankheit in der Schule nicht mitgekommen und daher manchmal mit der Lehrerin aneinander geraten. Im Leben stand er natürlich an Können und Wissen zurück. Sein nicht mehr von den Gedanken kontrolliertes Gefühl schob jahrelang die Schuld an allem der Lehrerin zu: die Last des Lebens deuchte ihm eine„Belästigung" durch die Lehrerin und um„Schluß damit" zu haben, erstach er sie eines Tages! An diesen beiden Beispielen erkennen wir den geistes- kranken Satz der Paranoia als Antrieb zum Der- brechen! Wir haben es also mit verbrecherischen G e i st e s k r a n k e n zu tun! Das Gegenstück liefert uns der geisteskranke Verbrecher folgender Beispiele: Ein Fünfundvierzig- jähriger vernachlässigt Haus und Hof und nimmt jede Gelegenheit wahr, überschwänglich von Christus. Sitten und Moral zu predigen. Er stößt aus Widerspruch ejnxh Andersdenkenden, wird wütend und schlägt ihn tödlich nieder. Sein bibelweise», redseliges Gehaben erklärt er mit einem„inneren Antriebe", bestreitet aber, eine innere Stimme oder dergleichen gehört zu haben.„Es treibt mich so!" Hier führte nicht logische Verwertung der Wahnidee zu dem Verbrechen, sondern gelegentlich an sich harmloser Auslebung der Wahnidee traf er auf Widerspruch und schlug zu!— Ein an Ueberwertigkeitsideen erkrankter Gärt'nerssohn beteiligte sich auf Zureden einer berufsmäßigen Diebesbande führend an einem großen Ein- bruchsdiebstahl, um sich„mit einem Schlage" die Mittel zu einem Leben nach seinem„Sichselberfühlen" zu beschaffen. Nachher verraten, schauspielerte er den Idioten, der„nur eben mitgegangen" sei. verdeckte aber geschickt und harr- näckig seine inneren Beweggründe, durch die er den Zu- reden nachgegeben hatte! Im Grunde genommen ver- hielten beide Patienten sich nicht anders, als es unter ent- sprechenden Umständen auch Normale vielfach tun.— Die Verbrechen sind in diesen Fällen nicht logische Folge der kranken Ideen! >i- Jeder Geisteskranke denkt im letzten Ergeb- nifse materialistisch und— vor allen Dingen— egozentrisch, das heißt: seine Person bildet immer den Mittelpunkt! Dazu und auch, um diesen Umstand zu verdecken, wendet er alle mögliche Intelligenz aus. Zwei Beispiele: ein junger Kranker oersuchte bei jeder Gelegen- heit Schmähbriefe gegen die Anstaltsärzte loszulassen. Man entzog ihm den Bleistift. Ein Mitpatient ließ wäh- rend einer Untersuchung, die in einem andern Räume stattfand, seinen Bleistift auf dem Bette liegen. Der erst- erwähnte Kranke drückte von der Spitze aus die Bleimine zum Bleistiftende heraus, brach ein Stück für sich ad, drückte die Mine zurück und füllte das Stückchen leeren Minenkanal durch einen angeschwärzten Apfelftil auf?— Zwei Schwerkranke kamen frühmorgens zu einem Wort- wechsel über kranke Ideen des einen und wurden vom Pflegepersonal gewaltsam unterbrochen. Der eine blieb dabei, dah man ihm„sein Recht der Verteidigung" genom- men habe. Irgendwie und irgendwo verschaffte er sich einen starken Draht und zerstach damit gegen zwölf Uhr nachts Kopf und Gesicht des Streitgegners derart, daß derselbe alsbald starb. In beiden Fällen sehen wir eine große Intelligenz angewandt, und zwar im ersten Falle zur Besorgung eines Mittel» für die krankhafte Schmähsucht. im zweiten Falle zur Durchführung der Rache wegen des Widerspruches gegen die fixe Idee und damit ge- kränkter„Persönlichkeit". Führen wir uns nun noch einmal vor Augen: Es gibt geisteskranke Verbrecher und verbreche- rische Geisteskranke. Der geisteskranke Ausgangssatz treibt unmittelbar den verbrecherischen Geisteskranken zu seinem Verbrechen. Er baut sich von dem wirklichkeitwidrigen, daher„verrückten" Ausgangs- satze an sich von hier aus logisch eine„Welt- anschauung" auf und hält sich daher für besonders schlau. Entgegnungen beantwortet er mit Gewalt, weil er nicht die Sache, sondern seine höchsteigne persönliche Schlau- heit getroffen fühlt. Die krankhaft angetriebene Intelligenz gebietet ihm. unbewußt die Lücke zu verbergen. die in seinem„Wissen" mit dem kranken Aue- gangssatze angefüllt ist. Der Kranke baut an sich völlig logisch aus vielem Einzelwissen ein Gedankengebäude zusammen. dessen Einzelheiten er in immerwährendem Anstoßen an die Umgebung immer wieder auf seinen geheimnisvollen Ausgangspunkt zubiegt(darum kreisen läßt!). Im Mittelpunkte steht seine eigne Person alz alleinige Trägerin des„ver-rückten" Ausgangsjatzes. Diagnose: er leidet an einer Paranoia! Der Arzt muß ergründen, welcher kranke Ausgangssatz den Patienten beherrscht sowie wann, wo und wie die Lücke entstanden ist, die nun dieser Satz im Wesen des Patienten ausfüllt. Nicht immer liegt die Paranoia so offen wie bei dein erwähnten Betrugsfalle. » Au» der Reihe der Psychopathien ist die H y st e r i c zu erwähnen. Sie zeichnet sich diesseits der allgemeinen Krankheitsgrenze durch vielfach sogar große Intelligenz, gutes Gedächtnis sowie schmiegsames und doch abstoßende» Wesen aus, und jenseits der Krankheitsgrenze be- sonders durch ein von einem mehr oder weniger starken, unbewußten Willen angetriebene» übermäßiges Geltung»- bedürfnis, einen daraus entspringenden Rede- und Taten» drang sowie durch bald zu frühes, bald zu wätes Beenden der Gedankengänge und daraus entstehendes unrichtiges Handeln(„falsches Reagieren"). Man beachte de» Unter- schied zwischen bewußtem und unbewußtem Willen: ich atme dauernd, weil ich atmen will, ohne daß mir da» fort- wirkende Wollen zum Bewußtsein kommt, aber sobald ick Atemübungen mache, atme ich mit bewußtem Willen! Da» Reden und Handeln de» Hysterikers ist stet» von einer Art eindringlichen, aber doch sich verstecken wollen- den Hastigkeit, fast könnte man sagen„Sorglosigkeit und Oberflächlichkeit" überschattet. Dies hat seinen Ursprung in einer im Unterbewußtsein stets laut werdenden Angst, die jeweiligen wirklichen eignen Beweggründe und Ziele des Patienten möchten durchschaut werden. So hält sich denn der Hysteriker heimlich für besonders klug, weil er glaubt, seine internsten, ihm selbst zeitweise nicht klar bewußten Beweggründe durch sein Gehaben und seine „großartigen Leistungen" der Umwelt so geschickt varzu- enthalten! Erlebt er in der Beziehung eine Enttäuschung, so reagiert er unter Jammern und Klagen mit einem„Ich werde Euch schon kriegen!", genau so, wie er, auf der Grenze zwischen normal und krank wandelnd, bald von der natürlichen Niedergeschlagenheit des Gesunden nach einem Mißerfolge und bald von der Kraftreaktion des Geisteskranken geschüttelt wird! Die vermeintliche Schlauheit bei der Hysterie verrät uns auch, warum wir sie oft bei„schlauen" Frauen mehr als bei Männern finden! Natürlich tritt auch die Hysterie in allen Graden auf und sie ist von andern Geisteskrankheiten manchmal sehr schwer zu unterscheiden. ch Abschluß diese» Artikels folgt in der nächsten Nummecf Deutsche Stimmen•(Beilage xur..Deutstfken Freiheit"• Ereignisse und Qesthithien '•:'Hb!lllillv' Mit twoch i dan 24» Januar 1934 lüieaentied Von der Wiege bis zur Jiahrt £wi Dichtet sucht und Von Vheodor Baldauf Damals, als Max Soundso an seiner Feder verzweifelte, saß er noch im Berliner Literaturcafe und wartete auf die weiße 1»übe der Eingebung. Er hatte das rosige Kinn sorgenvoll in die Hand gestützt und schüttete mir sein zerfurchtes Herz aus. Schwer sei es mit dem Dichten jetzt, sehr schwer. Vor ihm lag ein Zeitungsausschnitt, ein Preisausschreiben für den besten Roman des„dritten Reiches". Völkisch heroisch sollte das Buch sein, erwachsen aus„Blut und Boden", das Hohelied des neuen, heldischen, nationalsozialistischen Menschen., Seit drei Wochen bebrütete Max sozusagen sich selbst. Er ist heute ein weitverbreiteter Typus in Mazedonien; seine Schmerzen sind die Schmerzen vieler freiwilliger oder unfreiwilliger brauner Groß- und Kleindichter, denn wie und was soll man, klagte er ganz folgerichtig, bei den neuartigen Ansprüchen eigentlich dichten? Einige braune Musterromane fehlten, hei denen das Heroische soundso lang liegt und das Nationale soundso breit. Jeder der neuen Literaturpäpste forderte etwas anderes. Göbbels möchte Soziales fürs Kind, aber das vertrug sich weder mit Thyssen, noch mit den Einkünften der neuen Bonzen. Kultusbe.amter Wilfried Bade verlangte in seiner Broschüre die„konservativ-revolutionäre Dichtung", als ob der Dichter aus jeder Konfusion ein Gebilde gestalten könnte. Durch Erhalten etwas umstürzen— erst können vor Lachen... Mein, so herum gings auch nicht. Und das Erotische? Etwa zum hundertsten Male den SA.- Jüngling beschreiben, der durch seinen erhebenden Heroismus, so im Maulhalten oder Judenvcrdreschen besteht, eine schon durch langes blondes Haar genügend deutsch veranlagte Marxistin bekehrt? Solcher Kitsch überschwemmte den Markt bereits hinreichend und Hans Grimm konnte den Schrine- mannpreis trotzdem nicht verteilen... Blut und Boden— wenn man nur wüßte, was das ist?? V ar es die frühere Heimatkunst mit einem Schuß Antisemitismus? Hat man von letzterem jedoch zuviel dran, so entstand unzulässiges Greuelmaterial für s Ausland, zu wenig Antisemitismus hinwiederum galt als Mangel au guter Gesinnung. Ein Elend wars! Vielleicht versuchte man s mit einem historischen Rassen- Roman t Wie aus deutschem Boden der deutschbürtige Arier erstand! Jedoch in der rassischen Vergangenheit herum wühlen, war zu gefährlich. Nichts als Mischrasse, soweit das blaue Auge zwischen Rhein und Oder reichte. Und wenn schon die Japaner arisch sein sollten, wer dann nicht? Vielleicht könnte man den ganz nordischen Menschen zum Epos verwalken! Aber die Kerle dachten demokratisch und ließen sich mit Vorliebe von marxistischen Ministern regieren... Ein Kreuz war das. ein Kreuz— von der Religion gar nicht zu reden. Wotan oder Christus— welcher braune Dichter konnte seine Leute noch richtig und preisgekrönt beten lassen? Da lag nun das Preisausschreiben und forderte den neuen Heldentyp! Schließlich konnte man, wenn maus recht he- In Wien erscheint seit Oktober die„W jener Illustriert e", die sich auch die Tschechoslowakei und wahrscheinlich ebenso andere Nachbarländer Deutschlands als Absatzgebiete zu erobern sucht. Die Mutmaßung, daß es sich bei diesem Blatt um einen getarnten Ersatz der sowohl in der Tschechoslowakei als auch in Oesterreich verbotenen, völlig im Dienste des Hakenkreuzes stehenden„Berliner fllustrirten" handelt, lag nahe für die, welche wußten, daß an der Wiener Druckerei Waldheim Eberle u. Co., in der die „Wiener Illustrierte" gedruckt wird, der Berliner Ullstein- Verlag mit beträchtlichem Kapital beteiligt ist und daß der Chef dieser Zeitschrift der frühere Redakteur der„Berliner Illustrirten", Herr Korff, ist. Diese Mutmaßung ist jetzt durch ein recht fatales Malheur ganz und gar unfreiwillig bestätigt worden. In einer der letzten Nummern der„Wiener Illustrierten" stand nämlich in der Rätselecke die Ueberschrift:„Lösung der Rätsel aus der Berliner Illustrirten vom vorigen Donnerstag". So hat ein Lapsus der Redaktion die bisher so gut sitzende Tarnkappe zerrissen und den Tatbestand eindeutig enthüllt, daß das Ullsteinkapital auf diese Weise das Verbot der„Berliner Illustrirten" wettzumachen sucht. Er ging dabei recht vorsichtig zu Werke und gab der„Wiener Illustrierten" ein harmlos neutrales Gesicht, das die Leser in den deutschsprachigen Auslandsgebieten darüber hinwegtäuschen sollte, daß sie mit dem Kauf der„Wiener Illustrierten" das Ullstein- Unternehmen und damit wider Willen die nationalsozialistischen Geschäftemacher füttern. Dieser Berliner Ullstein-Verlag ist nämlich nicht einfach der von früher, der nun etwa im Auslande Fuß zu fassen und sich damit der Gleichschaltung zu entziehen versuchte. Er ist vielmehr völlig gleichgeschaltet. Die Aktienmajorität ist auf dem Wege einer Verrechnungsschenkung an faschistische Treuhänder aus dem Bereiche der nationalsozialistischen Kulturorganisationen, des Propagandaministe, riums usw. übergegangen, die alten Besitzer sollen solange Dividende erhalten, bis die Neubesitzeranteile eingezahlt sind. Mögen sich dahinter vielleicht auch zum Teil die alten Besitzverhältnisse verstecken, so ist doch die ideologische Gleichschaltung des Ullstein-Verlages, der jetzt z. B. auch die „Sirene", die illustrierte Zeitschrift des Luftschutzbundes herausbringt, um so vollkommener. Die Redaktion der „Vossischen Zeitung" ist mit hundertprozentig sicheren Nationalsozialisten besetzt. Die geistige Uniformierung— soweit überhaupt von Geist noch die Rede sein kann— bat natürlich auch für die Ullsteinblätter wie für das gesamte reichsdeutsche Zeitungswesen einen empfindlichen Leser sehwund zur Folge, an dem z. B. das Ullsteinsche„Tempo" schon gestorben ist und den die..Vossische Zeitung" dadurch einzudämmen sucht, daß sie mit der Formel Reklame macht: „Alle Zeitungen schreiben gleich? Nein! Bitte lesen Sie die dachte, eigentlich kaum fehlgehen, wenn man einen Führet zum Helden des Romans erwählte. Aber wen? Hitler— der war etwas zu unbeweibt; da fehlte die Liebesgeschichte mit nachfolgenden Kindern... Untauglich. Und Göring? Zuviel Morphium dabei und die schwedische Etappe. Göbbels— zu schwach über die Brust; reden wir nicht davon! Böhm— das würde ein Buch für Lustknaben und solche, die es werden wollen... Frick konnte zwar— endlich einer—- mit Frau und Kindern protzen, aber dafür kannte er den großen Krieg nur von Pirmasens aus. Ist es dem Dichter zu verdenken, daß er stöhnte? In allen Konjunkturen hatte mau sich zurecht gefunden— in der Neuromantik, im Expressionismus, in der neuen Sachlichkeit, in der rasenden Reportage— und plötzlich konnte maus nicht mehr erdichten... Kein Zweifel, so hatten ihn, verdammt nochmal, der Marxismus und die alles verweichlichende Demokratie verdorben! Damals durfte einer dichten, wie er wollte, wie ihm der Schnabel gewachsen war. Infolgedessen versagte man jetzt vor der braunen Maßarbeit. Weil man nie gelernt hatte, auf höheres Kommando nach nationalen Richtlinien zu fabulieren. Das war es und das rächte sich jetzt... Eine Dichterschule mußte her, ein Arbeitslager aus Blut und Boden für nenhetoische Poeten Als ich den noch immer Rftigeuden das letztemal traf, hockte er im Cafe„Vaterland". Dort sammelte Max zwischen SA.-Uniformen heroische Inspirationen.„Jetzt habe ich meinen Stoff, bin schon feste drüber!" blitzte er mich triumphierend ab.„Denken Sie sich einen Dichter, der seinem Volke dienen und etwas Großes, Heroisches schreiben will. Aber er findet den Stoff nicht und findet ihn nicht, er hat die Verbindung mit Blut und Boden verloren, weiß nicht, was das ist. Gedankenfreiheit und Demokratie haben ihn bequem gemacht, er kapiert das neue Stichwort nicht. Doof sitzt er da. verzweifelt an sich, flucht der ehemaligen Freiheit, die jeden dichten ließ, wie er wollte, geht hin und erschießt sich.... Mit großem Blick belauerte er in meinem Gesicht die Wirkung seiner Konzeption.—„Was denn?" frug ich nicht ohne Tremolo in der Stimme.„Sie wollen sich erschießen?" „Iiich," machte er erstaunt,„wieso denn ich??" „Warum denn gerade Sie nicht?" gab ich roh zurück. Max sah mich teils erzürnt, teils bestürzt an, einige berufsmäßige Horcher machten bereits lange Ohren, und wer weiß, was geschehen wäre, wenn in der Nähe der Tür sich nicht ein Tumult erhoben hätte. SA.-Leute hatten einen alten Herrn, der grußlos eintrat, mit einem„Heil Hitler!" angedonnert.„Gott zum Gruß." antwortete der. Das wurde als Provokation betrachtet, und braune Uniformen bemächtigten sich des grauhaarigen Störenfrieds. Dieser Wirbel drehte auch mich unauffällig mit hinau:, während Max die Füllfeder zückte und heroisch vor sich hin dichtete. Vossische!"— womit sie nur verrät, wie langweilig die gleichgeschaltete Eintönigkeit der Zeitungen im„dritten Reiche" den Lesern schon geworden ist. Diesem tödlichen Blätterfall im reichsdeutschen Zeitungswalde sucht nun der gleichgeschaltete Ullstein-Verlag durch getarnte Unternehmungen im Auslande für seinen Teil zu begegnen. Er möchte sich damit auswärtige Positionen schaffen, die ihm die Existenz im Dienste des faschistischen Regimes erleichtern helfen. Eines dieser getarnten Ullsteinunternehmungen ist die„Wiener Illustrierte"— dieses süße Geheimnis hat die kleine Fehlleistung in der Rätselecke verräterisch enthüllt. Aus dem Schulaufsatz eines 13jährigen deutschen Jungen druckt die„Zeitung für Deutschkunde"(Verlag Teubner, Leipzig-Berlin) folgenden Passus nach— nicht ohne die Themenstellung aufs höchste zn loben—: „W as ich von meinen Vorfahren wei ß": Am Donnerstag fuhr ich mit dem Rade nach Sülbeck zum Pastor, um meine Vorfahren zu erkunden. Der Pastor war gerade dabei, seine Häckselkiste mit blauer Lackfarbe anzumalen. Als ich ihm dann sagte, was ich wollte, ging er mit mir auf sein Zimmer. Hier holte er die Kirchenbücher vom ältesten bis zum neuesten aus seinem Schrank. Dann fing er an zu suchen, und schließlich fand er: Friedrich Wilhelm Homburg, geboren am 26. März 1887. Er suchte weiter und fand einen Heinrich Wilhelm Homburg, geboren 15. März 1854 und noch einen Heinrich Wilhelm Homburg, geboren am 1. November 1827. Dann fand er noch einen Friedrich Wilhelm Homburg, geboren am 21. Oktober 1786. Dieser war als Dienstknecht aus Obernbeck nach Ehlen gekommen, hatte sich dann mit Sophie Eleonore Bolte aus Liekwegen verheiratet und ein Stück Land gekauft. Hier baute er ein Haus und ist so der Begründer unserer Familie in Wendthagen geworden. Der Pastor sagte nun, daß, wenn ich noch weiter zurückgehen wollte, ich nach Menighuffen— zu dieser Gemeinde gehörte Oberbeck— fahren müßte. Ich überlegte nicht lange und fuhr am nächsten Tage dorthin... Es geht nun im gleichen Stil weiter, es findet sich ein Heinrich Gottlieb und noch ein Friedrich Wilhelm, noch eine Urahne und noch eine. Dieser— als Muster angeführte— Aufsatz ist keine Einzelerscheinung, im Gegenteil! Die Großmutter ist eines der beliebtesten Aufsatzthemen für Tertianer. Das bedeutet praktisch: alle Monate fahren ein paar mit Rat u — daß der Himmel dich bewahre! unser guter Vater Staat. Eia popeia... schlaf ein, meine Maus, unten kommt ein SA-Mann nach Haus. Schlafe, schlafe, kleiner Hase, träume, liebes Kindel, denn sonst steckt er seine Nase noch in deine Windel. Eia popeia... schlaf ein, schlaf ein. niemand darf greinen und unartig»ein. Ach. schon früher, holder Kater, ehe dich der Storch gebracht, hat für dich der große Vater mich mit strengem Aug bewacht. Eia popeia... ich lache ganz leis: doch gibt es manches, was er nicht weif Aber du, der Süße, Gute, mit dem blonden Wuschelkopf, bist aus arisch-echtem Blute, war dein Vater auch ein Tropf. Eia popeia... mein Blauäugelein, du brauchst ja nicht klug und weise zu sein Von der Wiege bis zur Bahre führt dich ja der Vater Staat. und ich wüßt nicht— Gott bewahre!—• wer da was zu denken hat. Eia popeia... nun schläfst du wohl sacht. Eia popeia... Gutnacht, Gutnacht! M. I. Graut cKitlec- Qottes Jingec A. Männecke, dem wir bereits manchen Beitrag verdanken. begrüßt im„Deutschen Nahrungsmittelarbeiter" das neue Jahr so:„Während der 14 Jahre, wo Priester und Marxisten, politisch verbündet, unser Vaterland regierten und intellektuelle Wühlmäuse innerhalb und außerhalb der Universitäten den Gottesglauben zernagen durften, kehrten Millionen der Kirche den Rücken. Heute können wir mit tiefer innerer Befriedigung feststellen, daß Millionen und aber Millionen unseres Volkes dem christlichen Glauben wiedergewonnen wurden, und zwar weniger durch die Wirkung kirchlicher Dogmen und Lehrsätze als durch das weltwendende Geschehen, das sich in der göttlichen Sendung unseres Führers zur Rettung unseres Volkes und Vaterlandes in der höchsten Stunde der Not offenbarte und worin Millionen unseres Volkes, die Ohren hatten, zu hören, und die Augen hatten, zu sehen, den Finger Gottes erkannten..." Zeitsllotizm Kampf um ein Dach Das staatsgefährliche flache Dach des von Professor Gro- pius errichteten Bauhauses in Dessau bekommt nach vielen Angriffen im Dessauer Gemeinderat jetzt ein„solides Holzdach" aufgesetzt. Jüdisch infiziert Professor Dr. R i e t z 1 e r. der ehemalige Kurator der Frankfurter Universität, mußte sein Kolleg abbrechen, da die Studenten durch ununterbrochenes Scharren zum Ausdruck brachten, daß sie ihn nicht hören wollten. Die Ursache des Studententerrors liegt darin, daß Professor Rietzler während seiner Amtszeit jüdische Dozenten an die Frankfurter Universität gezogen habe. „Rassenausstellung" in München In München ist eine„Rassenausstellung" eröffnet worden. Man hat zahlreiche Fotos von Juden zusammengeholt, utn den Unterschied aufzuzeigen, der zwischen„Ariern" und „Nicht-Ariern" besteht. tausend deutsche Dreikösehoche mit Straßen- und Untergrundbahn von Großstadtteil zu Größstadtteil, um ihre Urahnen aus dem Grabe zu scheuchen. Das bedeutet weiter: eine Kinder- und eine Elterntragödio reiht sich an die andre. Da gibt es natürlich Uneheliche zu Dutzenden, die plötzlich— im ohnehin spannungsgeladeneu Entwicklungsalter—— fassungslos vor der Tatsache stehen, daß eine väterliche Ahnenreihe für sie nicht existiert, daß sie„keinen Vater haben"! Da gibt es Jugendliche zu Hunderten und aber Hunderten, die eine Großmutter etwa de» Namens Judith Rosenbaum aufstöberten und, da sie in der Schule bereit» genügend verbogen wurden, zeitlebens ein Minderwertigkeitsgefühl davontrugen. Da gibt es Eltern— Beamte. Staatsangestellte— die bisher einen„dunklen Punkt" oder vielmehr einen gelben Fleck in der Familienvergangenheit geschickt verschleiern konnten und nun durch den Schulaufsatz des ahnungslosen Söhnchens, der zwölfjährigen Tochter verraten werden. Ganz ohne Absicht werden ja die Kinder nicht auf die Spur der Großmutter gesetzt! Die Sünden der Väter des„dritten Reiches" rächen»ich bis in dritte und vierte Glied ihrer Untertanen! Ohas Durch Anschlag mach ich euch bekannt Heut ist kein Fest im deutschen Land. Drum sei der Tag für alle Zeit 2um Nichtfest-Feiertag geweiht. Au»„Alle Galgenlieder". Seite 289, von Chrutiun M» r.g e ritte t n, i—-.Verlag Bruno Castierer. Qeiacntec VMstem „£ösung dec Jlätsel" Zeig. Aec deine- ftosenbcrg proklamiert den Kulturkampf »Wenn wir das Braunhemd tragen.. dnb. Hannover, 22. Jan. Ans einer gemeinsamen Kundgebung des Kampsbundcs für deutsche Kultur und der NSDAP., Gau Südhannover-Braunschweig, sprach hier am Sonntag der Leiter des Außenpolitischen Amtes der NSDAP., Alfred Rosenberg, über den„Kamps der Welt- anschanungen". Ter Redner führte zur Frage„National- sozialismus und Kirchen" u. a. ans:„Wenn Kardinal Faul- Haber die kouuuuuistische Bewegung mit dem Germanentum vergleiche, so müsse an das deutsche Volk ein Appell gerichtet werden, ob es willens sei, derartige Redensarten zu bist gen. lZurusc: Nein, nein!) Tiefe Leute hätten alle Ursache, in die Reichskanzlei zu gehen, um ihren Tank dafür abzu- statten, was der Kanzler für das deutsche Volk und die beiden christlichen Kirchen geleistet hat und dast sie überhaupt noch predigen könnten." „Wenn wir das Brannhemd tragen," so erklärte der Red- ner,„so hören wir alle ans, Protestanten oder Katholiken zu sein, dann sind wir nur Deutsche! Wir haben erklärt, daß die nationalsozialistische Bewegung inmitten eines Chaos als ein Eigengewächs groß geworden ist, und daß dieses Eigen- gewächs auch heute nicht etwa der weltlich« Arm irgendeiner Konsession sein kann. Jede Kirche hat das Recht. Bedenke» zu äußern. Aber auch die andere Seite hat das Recht, zu sagen, was sie glaubt. Man kann solche Erklärungen im Namen der Kirche abgeben, aber nicht im Namen des natio- nalsozialistischen„dritten Reiches". Tie ganze Form der weltanschaulichen und politischen Kämpfe hat sich in ganz entscheiden«! Weise verschoben. Wir haben 14 Jahre lang nicht um Dogmen gestritten und werden uns auch nicht in einen Dogmenstreit hineinbegeben." ...» So meldet das amtliche Hitlerbüro. Authentischer kann niemand den Katholiken über den Kamps der Hillerregierung gegen die Kirche berichten. Niemals war die katholische wie die evangelische Kirche so schweren Angriffen ausgesetzt, wie unter dem Zepter Adolf Hitlers. Niemal» hat ein deutscher Politiker gewagt, eine solch brutale Sprache gegen die Bischöfe und Kardinäle zu führen. Bökenberg, der prominente nationalsozialistische Führer, appelliert ganz offen an die SA. zum gewaltsamen Vorgehen gegen Kardinal Faulhaber. Jeder deutsche Katholik dürfte sich über die wahre Frei- heit im„dritten Reich" im klaren sein, wenn der die For- tnnlicrung Alfred Rosenbergs liest: „... diese Leute sKardinal Fanlhabers sollten dankbar dafür sein, daß sie überhaupt noch predige» können". Das ist Nationalsozialismus in seiner ganzen Brutalität. Und in seiner offenen Kirchenfeindlichkeit! Rotenberg, der den Papst in seinem Buche mit einem„afrikanischen Medizinmann" verglich, dieser Kirchemeind ohne Hemmungen, ist nach wie vor der offizielle Kultur- und Außenminister in be- soliderer Vertraucnsnühc des Reichskanzlers. Generalpräses welker Ein vielsagender Aufruf In der katholischen Presse wird folgender Aufruf des kalho- tischen Jungmännerverbandcs veröffentlicht: An alle Präsides und Mitglieder des Kath. Jungmänner- Verbandes Deutschlands! Herr Generalpräses Wolker ist seit mehreren Wochen er- krankt. In den letzten Tagen hat sich jeiy Zustand verschllm- mert. Unter der großen Verantwortung und den Schwierig- leiten der letzten Monate hat seine Gesundheit gelitten. Mit fast übermenschlicher Kraft hat er sich immer wieder auf- gerafft obwohl er f e l b st spürte, daß die Anspan- n u n g z u g r o ß w a r. Er hat sich für die Jugend der Kirche bis zur Erschöpfung ausgegeben. Sein Leben liegt in Gottes Hand. Mit ganz besonderer Treue und Liebe sind wir ihm gerade jetzt verbunden und verpflichtet. Darum wollen wir im Glauben an Gottes Hilfe uns zu einer großen Gebets- gemeinichaft zusammenfinden. Tie Präsides und alle Priester- lichen Freunde bitten wir, das heilige Meßopfer für ihn dar- zubringen, und wir alle aus der großen Familie wollen uns mit um die Altäre scharen. Jeder Verein feiert einen beson- deren Bitt-Gottesd>enst und dem täglichen Bundesgebet fügen wir am Morgen und Abend ein„Bater unser" für unseren Generalpräses an. Orvmusl Lasset uns beten! Albert Steiner, Reichsobmann. Eure Jakob Clemens, Generalsekretär. Hinter diesen Sätzen verbirgt sich die Tragödie eines süh- renden deutschen Priesters. Präses Wolker, seit langen Jahren Leiter der katholischen Jugend, hat die härteste» Bc- leidigungen und schiversten Angrisse erleiden müssen. Sie begannen nach der Münchener Tagung der katholische» Gesellen und setzten sich fort, als die Nationalsozialisten die Gleichschaltung der katholischen Jugendbewegung verlangten. Ter Aufruf ist eine menschliche Solidaritätserklärnng, aber zugleich ein Bekenntnis des katholischen Widerstandswillens. Was uns 2000 Jahre fehlte Die neuen Uniformen der PO. Adolf Hitler hat unter dem 20. Januar eine Verfügung über den Dienstanzug und die Rangabzeichen der P O.»L e t t c r der NSDAP, erlassen. Der Dienst- anzug wird besonders verliehen. Nur PO.-Lciter, denen der Anzug verliehen wurde, sind berechtigt, ihn zu tragen. Tie Uniform besteht aus Dienstrock und Breccheshosc aus hellbraunem Stoff; es werden dazu getragen: schwarze Stiefel, braunes Hemd, schwarzer Binder, breites braunes Lcdcrkoppel, helle Mütze mit braunem Schirm, hellbraune Tienstbluse. Koppel übergeschnallt. Der Mantel ist zweireihig in brauner Mclangefarbe mit hellbraunem Kragen und Auf- schlügen in derselben Farbe wie der Dienstanzug. Der Slabsleitcr der obersten Leitung der PO-, Dr. Leu, hat aus Anlaß der Uniformverfüguug folgenden Ausruf er- lassen: „Durch vorstehende Verfügung hat der Führer endgültig den Dicnstanzug genehmigt, und damit zum Ausdruck ge- CHEZ GOSLAR Neueröffnung Sonntag, den 21. Januar rue du Faubourg Montmartre 21, Ile in gänzlich neu renovierten Räumen " Table d f höte v- Pf«*- Hxt vort 4, 5"Und 6 rranci öder k h«arte. Auf Wunich Diätküche In' einem der schönsten Vororte Londons mit aus« gezeichneter Verbindung zur City('/s Stunde zur Rank) ist eine gut besetzte deutsch« jUd. Ponsion unter besonders günstigen Bedingungen' sofort abzu» geben. Besitzerin erkrankt, jeht wenig Kapital er- 'ördeHicn. Güte- Existenz ; Ki* tüchtige Lrau. Eiliee Angebote erb. a d. .DeutscheFreiheit" unter Nr. IM bracht, daß es sei» Wille ist, daß der durch den Kamps heraus. ■ gebildete Top des politischen Leiters der NSDAP, nichts mlt den z i v i l e n P o l i t i k e r n früherer Parteien und Staaten zu tun hat, sondern daß in den politischen Lei- lern der NSDAP, dem deutschen Volk endlich Vertreter der politischen Führung entstanden sind, d i e u n s 2000 I a h r e lang fehlten. Wir sind Prediger und Soldaten zugleich. Das ist unser Stolz! DemsollderDtensianzugder PO. weithin sichtbar Ausdruck verleihen. Pariser StrüßcnKalcndcr Bruno Walter ist von Paris nach der Schweiz gefahren und dirigiert in Genf das romanische Orchester. Er wird in Wien gastieren, und es verlautet, daß Verhandlungen schweben, um ihn für die Wiener Slaatsoper zu gewinnen. ★ Yvette Guilbert ist nach Paris zurückgekehrt und filmt. Sie gab einen wunderbaren Abend mit alten französischen Liedern. * Die russischen Balletts geben diese Woche drei Tanzabende in den Champs Elvsees, den letzten am 25. mit dem Motto: In memoriam Pavlova. * Wie wir hören, erscheint von Helmut Klotz, dem V er» öffentlicher der Böhm Briefe und seinerzeit im Reichstage von den Nazis niedergeschlagenen früheren Offizier, in England ein Werk. From Weimar to chaos". Dies Buch des jetzt in Paris lebenden Verfassers enthält das politische Tagebuch eines Reichswehroffiziers von 1922 bis 1933. * Die beiden Seen im Bois de Boulogne werden gegenwärtig ausgebaggert, um 50 000 Kubikmeter Schlamm zu entfernen. Die Arbeiten, durch die die Wassertiefe auf 1.20 Meter gebracht werden soll, werden mehrere Monate dauern. it Zwischen der Brücke de la Concorde und der Brücke Alexander III. wird gegenwärtig ein Anlagehafen für den Wassersport mit einem Klubhause errichtet. * Ein Einbruch von Fachleuten mit modernstem Werkzeug in das Rathaus von Alfortville wurde durch die Wachsamkeit eines Wächters verhindert. Im Geldschrank waren 320 000 Franken für die Stempelnden. Die Verbrecher, die wahrscheinlich schon früher einmal den gleichen Einbruch versucht hatten, mußten ihre ausgezeichneten Bohrer usw. zurücklassen. Max-Reinhardt-Gastspiel durch Europa Dem Vernehmen nach befindet sich Max Reinhardt auf einer europäischen Gastspielreise. Er begann sie im Französischen Theater in Antwerpen mit Thimig und der Servaes in Goldonis„Diener zweier Herren" und bereist jetzt Holland. Wie weiter verlautet, soll er in Italien die„Fledermaus" und in Budapest und Bukarest das„Große Welt- theater." geben wollen. Es heißt, daß sein nächstes Stück in Paris der„Jedermann" sein wird. Lenin Aus den Erinnerungen von Wladimir Woitinsky „Die Jahre der Siege und der Niederlagen" Der Verfasser war während der ersten russischen Revolution in den Jahren 1905—1907 ein enger Mitarbeiter und Kampfgenosse Lenins. Im Jahre 1913 trat er zu den Sozialdemokraten Über(Menschewiki). I» der bolschewistischen Zentrale Herrschte Lenin mit un- geteilter Macht. Seine unbestrittene Autorität gründete sich nicht nur aus seine großen Fähigkeiten und seine außerge- wöhnliche Arbeitskraft, sondern auch hauptsächlich aus der un- gewöhnlichen Zuversicht, mit der er alle Fragen löste. Das war nicht das Selbstvertrauen eines Doktrinärs, es war et- was ganz anderes. Nie habe ich bei Lenin die Anzeichen eines Bonzentums bemerkt. Im Gegenteil. Im Verkehr mit den Genossen, ins- besondere mit Arbeitern, war er aufmerksam und einfach. Er hörte die Leute mit Geduld an. wie langweilig auch ihre Erzählungen sein mochten. Er hatte eine eigene Art zuzuhören: er hielt den Kopf zur Seite geneigt, das Ohr gespitzt, zwinkerte listig mit den Augen, aus feinem Gesicht lag der Ausdruck gespannter,geisti- ger Arbelt. Dieser Ausdruck wich auch dann nicht, wenn der andere Nnsinn redete und sich aus den Weitschweisigkeiten nicht herausfinden konnte. Es schien, als ob Lenin mil be- soliderer Gier die ungelernten, holprigen Redensarten hörte und aus ihnen herauszog, was für ihn Bedeutung hatte und .was er brauchte, während es die anderen garnichl merkten. Dgs war die charakteristische Art Lenins. Er glaubte in der Tat, daß der Revolutionär die Antwort aus alle auftauchen- den'Probleme bei den Durchschntttsproletariern suchen müsse. Niemdnb verstand es wie Lenin, die Strömungen in den Avbeitermassen zu erraten und diesen kurz, gedrängt und kühn Ausdruck zu verleihen. Die Neigung zu abstraktem, deduktivem, doktrinärem Denken lebte in ihm seltsamer Weise versint mit einem genialen Gefühl für das Elementare in der Arbettermasse. Fragte man ihn nach seiner Meinung in dieser oder jener Sache, so antwortet er zuweilen: „Ich weiß nicht... wie die Arbeitsgenossen entscheiden werden, sie können besser sehen.. Dabei lächelten seine Augen ganz schlau, und der Fragende fühlte, daß„Jlitsch" für sich schon die Frage gelöst hatte Im Jahre 1917 entstand unter den Petersburgern bolfche- wistischen Arbeitern Unzufriedenheit mit den Komitees und deren Mitgliedern und.mü der Parteipresse. Lenin schlug vor, daß auf den Parteikonferenzen jeder mit voller Offen- heil alles aussprechen könne, was er.ans dem Herzen habe. Es flössen Borwürfe und Anschuldigungen, manchmal sogar in schroffer und beleidigender Form: „Ihr seid Bonzen, ihr seid Generäle, ihr wißt keinen Teufel von dem Leben in den Fabriken..." Lenin hörte alles an, nahm alles an. erklärte sich mit allem einverstanden, und nach jeder Konserenz ivurde seine Autort- tat in den Augen der Arbeiter Immer größer. Lenin war von einer Atmosphäre bedingungsloser Unter- würsigkeit umgeben. Nicht nur ein Gfnowjew, sondern auch Ä. Bvgöauoiv und Golbenherg, ganz zu schweige« vvu de« Vertrauensleuten und den kleineren Berufsrevolutionären, sie alle betrachteten jede Frage mit den Augen von Jlitsch. Nur Roschkow bewahrte einen Teil seiner Selbständigkeit, und auch ich lehnte mich zuweilen gegen die Fraktionsdijziplin aus. Da weder Roschkow noch ich eine befondere politische Richtung darstellten, blieben unsere Versulln: zur Telbstän- digkeit ohne große Bedeutung aus den Gang der Dinge. Im allgemeinen waren die Beziehungen Lenins zu seinen engsten Mitarbeitern dergestalt, daß er von sich sagen konnte: der Bolschewismus—. das bin ich. Er hielt die Fraktion fest in Händen und regierte sie wie ein unbeschränkter Monarch, dabei wie ein Monarch, der „von seinen getreuen Untertanen angebetet wird". Zu den neuen Leuten, die in der bolschewistischen Organi- sation auftauchten, verhielt sich Lenin wie ein begabter Seelenfänger: er suchte neue Leute, beobachtete sie ichars- sinnig, gab ihnen die Möglichkeit emporzukommen, und ver- stand es auch, sie mit der Partei zu verbinden. Tie neuen Parteimitglieder, die Hoffnung erweckten, pflegte er aufzufordern Berufsrevolutionäre zu werden.„Man kann seine Kraft nicht zwischen der revolutionären Arbeit und den Sorgen um das tägliche Brot teilen," sagte er. „Verlaßt die Stellung, ihr werdet von unserer Kasse vekom- wen, was>hr zum Leben braucht." Für ihn war der Berufs- revolutionärismus nicht eine bittere Notwendigkeit, sondern die normale Ordnung, die am besten das richtige Funktio- nieren des Parteiapparates sickerte. Er forderte auch Rosch- koiv und mich aus, Geld von der bolscheiv'stischen Kasse zu nehmen, und war über unsere Ablehnung lehr unwillig. Lenins Einfluß aus die Jugend, die mit ihm in Berührung kam, war ungeheuer groß. Beim erste» Anhieb griff er in die Unabhängigkeit anderer nicht ein und war sehr duldsam gegenüber den kleinen Verstößen gegen die Parteidisziplin, doch in Wirklichkeit machte er systematisch mid folgerichtig aus seinen Schülern und Mitarbeitern ein« Armee ergebener und fanatisch zu ihm aufschauender Vollstrecker seines Willens. In Privatgesprächen mit jungen Genossen, sogar in Kuckola zu Hanse am Teeitsch hörte Lenin keinen Augenblick auf. Agitator und Organisator zu sein. Wenn der Besucher den Blick seiner verschlagenen und spöttischen Augen auf sich gerichtet fühlte, dann konnte er die Empfindung nicht los werden, daß Jlitsch alle seine Gedanken errat«. Ein beliebtes Thema der Agitation in dem engeren Kreis der Genossen war für Lenin der Kampf gegen die bürger- lichen Borurteile, die Ueberreste der„alten liberalen Dumm- heilen", die er bei Neulingen stets argwöhnte. Er hielt be- ständig geschickte und talentvoll^ Predigten des revolutio- nären Nihilismus. Das ist ja lächerlich! Wenn wir uns alle aus diesen Stand- punkt stellen, müssen wir'alle zur Polizei laufen und sagen: Wir sind die und die. verhaften Sie uns, geben Sie uns die Möglichkeit für die Sache des Volkes zu leiden!.... Die Revolution ist ein« sehr schwierige Sache, in weißen Handschühchen, mit reinen Händchen kann man sie nicht machen! Die Partei ist keine Pension für adelige Fräulein. Man kann nicht die Parteimitglieder mit der engen, spießbürgerlich»» Moral messen. Ein Schurke kann für uns eben deshalb nützlich sein, weil er ein Schurke ist.." Als man in Lenins Gegenwart davon sprach, daß sich ein gewisser Bolschewik unzulässig aufführe, bemerkte er ironisch: „Wir halben einen großen Betrieb und in einem großen Betrieb kann man jeden Schund gebrauchen." Roschkow erzählte nrr, daß er einmal die Aufmerksamkeit Lenins aus die„Heldentaten" eines Moskauer«olschewiks gelenkt habe, den er als einen abgefeimten Schurken charak- terisierie. Lenin antwortete lachend: „Das ist eben gut, daß er vor nichts zurückschreckt. Run. Sie zum Beispiel, sagen Te ausrichtig, könnten«ie nch um des Geldes willen von einer reichen Kausmanusfrau aushallen lassen Nein, ich auch nicht. Ich könnte meinen Widerwillen nicht bezwingen. Und Viktor hals getan. Der Men,ch ist un- erschlich.",„ Lenin war nachsichtig nicht nur gegen solche„schwäche, wie Trunksucht, Ausschweifung, sondern auch gegen Krimi- ualverbrechen. Er sah das revolutionäre Element nicht nur bei den„Erpropriatoren" um der„Idee willen", sondern auch bei den Gemeinverbrechern.«Wie man weiß, haben Bakunin und Nelschaew die Verbrecher ebenso angesehen. Aber Lenin bestritt ganz entschieden die Verbindung seiner Anschauung über die Verbrecher mit dem Bakunimus.s Unter den engeren Kampfgenossen Lenins nahm diese An- schauung manchmal ganz sonderbare Formen an. So sagte mir A. Bogdanoiv, einer der gebildetsten bolscheiviitticheu Schriftsteller:,. „Man schimpft auf die Erpropriatoren. aus dte Plunderer und auf die Gemeinverbrecher... Kommt aber die Zeit des Aufstandes dann werden sie ans unserer Seite stehen. Auf der Barrikade wird ein rückfälliger Einbrecher nützlicher sein als Plechanow"..... In der bolschewistischen Organisation spielte d'e Geldfrage eine große Rolle. Infolge der Entwicklung des Berufs- revolutionärismus ivar viel Geld erforderlich. Petersburg allein verlangte nicht weniger als zwei- bis dreitausend Rubel monatlich.^ Mitgliedsbeiträge gingen nicht ein. mit den Sammlungen in den Betrieben wollte man keinen„Mißbrauch treiben"— alle Gelder kamen aus der Zentrale, lieber die Herkunst der Gelber teilte man uns nichts mit: eS war nur bekannt, daß die Finanzangelegenheiten Nik'titfch anvertraut waren. Diesen Ntkititsch(Krassinl habe ick einige Male getroffen, doch immer nur flüchtig. Ich kannte ihn hauptsächlich aus den Reden Lenins und der Nadeschda Konstantinowas, LeninS Frau. Mir blieb der deutliche Eindruck, daß in der bolsche- wistischen Organisation Nikitiiich der einzige Mann war, zu dem Lenin vollste Verehrung fühlte und dem er vollstes Ver- krauen schenkte. Trotz der Geschicklichkeit und der Energie NikititschS fehlte es der bolschewistische» Zentrale oft an Geld. Deshalb er- örterte man in dem bolschewistischen Flügel des Petersburger Komitees sehr eifrig die Frage der Einrichtung einer Werk- statt zur Herstellung falschen Gelbes. Die Arbeiter oder die Angestellten der Expedition zur An- Fertigung der Ttaalspapiere(russische Staatsdruckereil versprachen der bolschewistischen Organisation die noch nicht fertigen Banknoten zu liefern. Die Papiere sollten vervoll- ständigt, hauptsächlich die Unterschriften und die Nummern hergestellt iverden. Man sprach in den Komitees darüber, wie die Klischees mit den Unterschriften angefertigt iverden soll- ten, wo der Numerator gekauft werden sollte und wieviel alles kosten werde. Zyletzt klappte die Tacke doch nicht: die Angestellten der Expedition nahmen ihren Vorschlag zurück. Schweizer SA. In Berlin Die Schweiz nimmt die Gründung ernst Zürich, 28. Ja». Beim Bundesrat ist heute ein Bericht des schweizerische« Gesandten in Berlin über die dort ertolgie Gründung einer schweizerischen SA.-Gruppc eingegangen. Wie halbamtlich verlautet, hat Bundesrat Motta mit dem Vorsteher des Justizdepartements und den höheren Beamte» der auswärtigen Abteilung über die Frage konferiert, Es sei eine sorgfältige Prüfung aller durch die Angelegenheit aufgerollten Fragen aufgenommen ivordeu. vie Baseler Bankräuber Nach sieben Todesopfern— Selbstmord dnb, Basel, 28. Jan. Wie über die Auffindung der beide« Bankräuber bekannt wird, ist die Polizei durch ein junges Mädchen aus die Spur au'merksam gemacht worden, mit dem die Räuber während ihres Baseler Ausenihaltes bekannt ge- worden waren. Tas Mädchen erhielt am Sonntag abend eilten telefonischen Anruf, wonach es Nahrungsmittel in den Margaretenpark bringen sollte. Tas Mädchen schöpfte Ber- dacht, erstattete der Polizei Meldung und erklärte sich bereit, die Ifahrungsmittel in den Park zu bringen, um bei dieser Gelcgenln'it festzustellen, ob es sich tatsächlich um die Gesuch- ten handele. Auf den Bericht des Mädchens hin wurde der Park von sämtlichen in Basel versipgbaren Mannschaften umstellt. Etwa um I Uhr Hörte« die Beamten neun Schufte lallen. Heute früh kurz vor 8 Uhr drangen die Polizeibeamten vorsichtig in den Park ein und fanden die Leichen der beiden Mörder. Bei dem einen der beiden Toten fand man noch acht, bei dem anderen sechs Patronen. Tie beiden jugendlichen Räuber haben insgesamt siebe» Todesopfer auf dem Gewissen. Nach- dem, wie kurz gemeldet, die beiden Banditen aus gestohlenen Jahrrädern auö Batel geflohen waren, hat man in Klein- Basel ihre Spur verloren. Sämtliche verfügbaren Polizei- kräfte wurden alarmiert, und sämtliche Grenzübergänge ver- ständigt Zahlreiche private Krasiwagenbesitzer stellten ihre Wagen der Polizei zur Verfügung. Am Samstag nachmittag um 3 Uhr wurden die flüchtenden beim Besteigen des „Blauen" gesichtet, doch gclana es ihnen, in der Tunkelheit wieder zu entkommen. Bei der Verfolgung wurde ein junger Bursche versehentlich von Polizeibeamten erschossen. Am Sonntag wurden Flieger, Polizeihunde und Motorräder ein- gesetzt, doch war es bis zum Abend nicht möglich, eine Snur der Verbrecher zu finden. Not der Reidishasse Die Entwicklung der Reichssteuern widerlegt die amtlichen Wirtschaftsberichte— Entscheidende Steigerung nur durch den Fettwucher Tie wesentlichen Veränderungen im bisher abgelaufenen Etatjahr gegen 11132 sind: E i n n a h m v e r m i n d c r u n g: Einkommensteuer 34,1 Millioneil, K r i s c n st euer 113,5 Millionen, Vermögenssteuer 25,1 Millionen, Aufbringungsumlage 68,9 Millionen Lotteriesteue r 8,4 Millionen, Personenbeförderung 5,9 Millionen. E i n n a h m efteigerung: K ö r p e r s ch a f l s st e u c r 90,3 Millionen. Erbschaftssteuer 11,6 Millionen, Umsatzsteuer 111,0 Millionen. K r a t t s a h r z e u g st e u e r 40,1 Millionen Wechselsteuer 7,6 Millionen, Güterbeförderung 5,2 Millionen, Reichssluchtsteuer 12,8 Millionen. •ier Rückgang der Etakommen st eue r entsälr»-«it 31,4 Millionen Reichsmark aus die veranlagte Ein- kommensteuer und mit 24,0 Millionen Reichsmark auf die L o h n st e u e r. Bei den Zöllen und Verbrauchssteuern ist die Entwicklung nicht so günstig wie bei den Besitz- und Verkehrssteuern, wenngleich die Einnahmen in den ersten neun Monaten des Rechnungsjahres 1933 gegenüber dem gleichen Zeitraum von 1932 ein Mehr von 83,2 Millionen Reichsmark ergeben haben. Tie wesentlichen Veränderunaen in dieser Zeit gegenüber 1932 sind die folgenden: Ein nahmeverminderung: Zölle 57,9 Millionen, Tabaksteuer 18,9 Millionen. Biersteuer 10,3 Millionen Einnahme st cigerung: Salzsteuer 25,7 Millionen, Tpiritusmonopol 6,4 Millionen, Mineralölsteuer 5,7 Millionen Fettsteuer 145,9 Millionen. Grobes Aufsehen hat das erneute Verschwinden von 159 Akten in einem Prostest gegen Stavifky, der am 39. Januar vor dem Pariser Strafgericht verhandelt werden sollte, hervorgerufen. Tie Gerichtsverhandlung kann daher nicht stattfinden. Unter den verschwundenen Akten befinden sich die Auszeichnungen über die Personalien der Angeklagten und die Anklagerede des Untersuchungsrichters. r«l. Trinilii 43-13 M6tro P i o a 11 e Deutsche Poliklinik Paris, 02, ßue de fca Rochefoucauld a) ADtemeinc Konraltarionen m« 9 SpmUHx«. d) Giüwfio«1 CJalmi liWfflfk« Klhft fl' innere Mtdizm, Augen., Ohren*. Nasen» and Kehlkoo'kranlc ZweistbckigeipanJiorinMlgeWnde. VtersÄckinee Gelände. Ziemer Ze^ md MnndAiuiJaie. G#Id, aeiten. Röntgen. Diathermie. Elektrotherapie. SperialbehatuL» Kleine, mittlere und gro&e Chinin» mit I bts 4 Batten. 3 Aerale, 3 Heb» i ma Por»D an crem en,»Bmaen, lune bei Blut«. Harn« u. Geschlechtskrankheiten gie. Die allermodernsteEinrichtung emmen«ad 2 Operationssäle. kaaBnamwArbethmi Ordination täglich von 9—12 und 2—Ä; Sonnlaos und Feierte» a* von 19—12 und*—4 Uhr »i Pas Neueste Am 22. Januar ist»n Berlin ein vorläufiges Abkomme« über den Handels- und Zahlungsverkehr zwischen dem Tentschen Reich und der Republik E h i l c unterzeichnet war- den. Das Abkommen regelt die Handels- und Sch'fsahrts- be.ziehnngen zwischen den beiden Staaten aus der Grund- läge der Meistbegünstigung. Nach Schlust der Kammcrfitzung kam es am Montag aus dem Boulcward Lt. Germain zwischen demonstrierenden An- hängcrn der Actio« Francaise und der Polizei zu schweren Schlägereien. Insgesamt wurden 29« Perionen sestgenom. men. Tie für Montagabend erwartete Fortsetzung der Aus- spräche über den Stavioky-Skandal ist j« der Kammer zu- nächst verschoben worden. Ter Kaiser von Japan hat das Rücktrittsgesuch des Kriegsminifters A r a t i„och nicht angenommen. Havas berichtet aus Rio de Janeiro, dast ein einer Handelsfirma gehöriges Tuna mitlager auf der Insel Governador explodiert sei. Tie Zahl der Qpser soll grast sein. Tie französische Regierung hat in der Kammer die er- gänzendcn Bestimmungen zum Ausgleich des Haushalt- Voranschlags für 1934 eingebracht. Es ist noch ein Jehlbetrag von rund 599 Millionen Franken abzudecken. Dies soll zu rund 49« Millionen durch Einsparungsmastnahmen und z» 125 Millionen Franken durch Erhöhung von Einnahmen ge- fchehcn. Tie Einsparungsmastnahmen bestehen vor allem in einer Reform der Sozialversicherung, und zwar solle die Kapitalbiidung für die Altersversorgung in einer für den Pelze-Kramer Q7 Grand'rue v V 9 nur I. Stock STRASBOURG Orot je Auswahl in Pelzkragen ab X Fr., Pelz- iaqueties ab 175 Fr., Pelzmantel ab 35C Fr., /sab.- und Skunksfüchsc ab 150 Fr., Skunks-Cot- liers und Echarpcs ab 200 Fr. Reparatur. S0°/< Ersparnisse 1421 JMsecateHcuwafuHe FÜR ST RAS B O U R G £i&caicie JkpuCaite 2, RUE SEDILLOT 2 HINTER DER BÖRSE Staat weniger belastenden Weise in die Wege geleitet wer- den. Tic Einnahmeerhöhungen verteilen sich aus eine Reihe von Steuern, die nur bestimmte Kreise treffen. Wie Havas aus Madrid berichtet, ist dort unter dem Borsist des Leiters der monarchistischen Jugendverbände der monarchistische Zirkel eingeweiht worden. Räch der Zeitung„Racion" wurde bei dieser Gelegenheit ein Brief des Exkönigs verlesen, in dem dieser die monarchistisch ge- sinntc spanische Jugend beglückwünscht und erklärt, sie bilde seine Hoffnung für das Heil des geliebten Spaniens. Tie Zahl der am Montag bei den Strastenkuudgcbungen in Paris vorgenommenen Verhaftungen gibt^Journal" mit 999 an. Räch dem„Excelsior" wurden 29 Polizeibeamte v e r l e st t. Ter wegen Rertrauensmistbrauchs verhaftete Pariser Bankier, dessen Name bisher noch nicht genannt worden war, hcistt Reuburger. Er leitete eine Rank mit einem Kapital von 799 Millionen Franken. Havas berichtet aus Madrid, dast in Nordspanien wie- der eine Kältewelle zu verspüren sei. Schneefälle find ebenfalls wieder häusiger. In den Dörfern 49 Kilometer von Madrid entfernt, richteten Wolfsrudel unter den Herden grohe Verwüstungen an. Am 29. Januar soll ein grosses Wolsstreiben veranstaltet werden, zu dem sich zahlreiche Jagdlustige aus Madrid einfinden werden. Tie grobe Zuckerfabrik von Konstanz« am Schwarzen Meer ist Dienstag nacht in Flamme« ausgegangen. Löschversuche waren vergeblich. Grosse Zuckcrvorrätc find vernichtet. Menschcnverluste sind nicht zn beklagen. Wahrscheinlich liegt Brandstiftung vor. Ter Direktor und mehrere Angestellte wurden verhaftet. HOilenmasdilne Segen Schnelling Wien—Agram Belgrad, 23. Jan. Aus den Schnellzug Wien—Agram wurde am Montag in den frühen Morgenstunden des Eröffnungstages der A g r a m e r K o n f e r e n z der Kleinen Entente zwischen den Stationen Rann und Gurkseld ein Bombenanschlag verübt, der verheerende Wirkungen anrichtete. Unter dem direkten Wagen Berlin—Suichak explodierte um 5.59 Uhr eine H ö l- l e n m a f ch i n e. Ter Wagen geriet in Brand und wurde nollständig vernichte!. Auch der hinter dem Wagen gekoppelte Schlafwagen wurde stark beschädigt. In dem Wagen befanden sich vier Reisende 2. Klasse, von denen drei in den Flammen den Tod fanden, während der vierte schwer verletzt ins Krankenhaus nach Renn ge- bracht wurde. Ter Schwerverletzte ist der Wiener Arzt Tr. Johann Fritsch. Tie drei verkohlten Leichen wurden aus den Dr. Specialfisfe 4»i, rue de Rlvoll— Meiio: Chaieic 1 RADIKALE HEILUNG von BLUT», HAUT, und FRAUENKRANKHEITEN Heilung von Krampfadern and offenen ßeiowanden Neueste Behandlungsmethoden Elektn« zitat Imptungsvertahren Trypafle ein» Einspritzungen Blut. on*1 Harn« Untersuchung«* Spcr» (Tukuliur. halvar&an. Wismut nie. Sprechstunden täglich von 10—12«nd *oo 4—& Uhr Sonntags von 9—12 Übt Konsultationen»ob 15 Fr. ab. Ms« spricht d•• t• c h xsasgHOHCB '..'in kam und Auslosung«on Versatzamt BRILLANTEN. GOLD SILBERWAREN. UHREN *i.hche G*le*«nh0t»»Verfcaat« I BETTE R, 4». EAIBOUBC. MONTMARTRE§ MAN SPRICH! DEUTSCH««»»»«US I LECONS DE FRANCAIS aoullick von 40 Fn. u, uebnism »,»>« Erfolg*. Mll. BATAGNE O. I. P. 105, Bd. Magert*. MMre G*r* da Nord I Werbt Ifir die„Deutsche Freiheit" Steuerfragen Gesellschaft gründungen Wenden Sie sich an F. BRIQUEU Krümmern des verbrannten Wagens geborgen. Nachdem der Schlafwagen und der vernichtete Wagen abgekotzpelt waren, konnte der Zug mit grosser Verspätung die Fahrt nach Ägra» fortsetzen. Die Untersuchung ist eingeleitet. * Tie Untersuchung des Eisenbahnattentats hat bisher er» geben, dast durch die Explosion der Höllenmaschine das Gas entzündet wurde, daS zur Beleuchtung des Wagens diente, dadurch breitete sich das Feuer mit so austerordentlicher Ge« fchwindigkeit aus. Todesurteil redifskrflfflg! Wieder«teht der Henker bereit TNB. Leipzig, 22. Jan. Tas Reichsgericht»erwarf die Revision des»Kjährigen mehrfach vorbestraften frühere« Lokomotivführers Paul Lestner aus Völpk« sProvioz Sachsens und bestätigte damit rechtskräftig das gegen ihn am 8. November v. I. ergangene, wegen Mordes aus ToieS- strafe und dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte lautende Urteil des Schwurgerichtes Magdeburg. Letzuer soll am I. Januar 1932 an einem kommunistische« Feuer- Überfall beteiligt gewesen sein, der den Tod des SA.-Ma«ne» Wietseld zur Folge hatte., BRIEFKASTEN 8-, Saarbrücken. Warum traue» Tie nnS so böse Dinge zu? Wir sind doch keine Zensurbehörde, sie in»er Zeitung weisse Ttellen schafft. Solche kleinen Nndeutlichkeite» kommen oor, wenn in den letzten Minute» vor dem pünktlichen Erscheinen des Blattes in der Gießerei, wo die Platten für die Rotationsmaschine hergestellt werden, mit besonderer Hast gearbeitet werde» mutz.— Ihre so listigen Bemerkungen wundern»»» bei einem geistig so entwickelten Menschen. Der AlkoholiSnins ist so wenig ein„Laster" wie irgend, eine andere Erkrankung. Lesen Sie darüber einmal bei Bunge, tsrubcr, Forel, Kritpeltn, Aschassenburg und anderen Phnsiologen und Psychiatern. Da ist weder mit Moralisieren noch mit Pranger- lügen etwa» getan, die zudem doch auch die unbeteiligten.Familienangehörigen verunehren. Und wie kann ein Sozialist faschistische» Banden ein solches Mittel in die Hand geben wollen? Glauben Sie. daß man etwa den Alkoholiker Leo durch die Strassen führen wird oder eine» anderen alkoholische» Pg? Oder auch einen allzu sekt- freudigen»ommerzienrat oder Junker? Solche Prangerzüge werhr» doch immer nur gegen arme Teufel veranstaltet, die man möglichst noch ala„Marxisten" zu bezeichnen weiss. Prangerzüge sind immer ein Greuel. Darüber sollten wir und doch einig sein. Uehrigens, warum sollte man, wenn man Ihren Standpunkt einnehmen wollte, nicht auch zur Abwechslung einen Tapbi.liSkranken durch die Stadt führen? Mit entsprechenden„moralischen" Aufschristen? 8ur„Ab- schreckung"? Sie werden und bei ruhigem Nachdenken recht gebe». — Erhalten Sie uns Ihre Sympathie. freund.>>st»en wie um ist Goethe oft ein Trost. Btele seiner Gedanken über die Deutschen sin» gerade jetzt- sehr»ktuell. Mir entsprechen gern Ihrem Wunsche und setzen die beiden von Ihnen eingesandten Zitate, von denen da» erste allerding» sehr bekannt ist. hierher: Zur Nation euch zu bilden, ihr Hosset ed, Deutsche, vergeben»! Bildet, ihr könnt es, dafür freier zu Menschen euch au». .!■.... ch. üf ,' sich habe oft einen bitteren Schmerz empfunden bei dem Gedanke« an das deutsche Volk, da» so achtbar im einzelnen und so miserabel im ganze» ist. An den Historiker Luden in Jena, Ron. 18t*. Davis. Ihnen hal man aus DavöS-Platz einen Bettelbrief zu- geschickt für die Sammlung.^kamps gegen Hunger und«ölte", Be« zirk Tavos. Gez. W. Gustlosf. Da können wir Ihnen nur raten: die Taschen zu! Fedem Nationalsozialisten ist bei seinen Berstche, rungen, dle Sammlungen würden unparteiisch verteilt, zu miß- trauen. Dazu ist der ParteisanatiömuS dieser Leute viel zu gross. 39er könnte denn von ihnen erwarten, daß sie beispielsweise Mar^ xisten und Juden Helsen, die von Ihnen täglich als Untermenschen, als Verbrecher, als niederrassig beschimpft werden, und deren Au».- rotinng von den Nazis immer'wieder verlangt wird. Und wer kontrolliert denn die Verteilung dieser Summen? Doch nur Nazi» oder ihnen Geistverwandte. Was dabei herauskommt, erlebte mg« laut amtlichem Untersuchungsergednis im Zaargebiet: tür die Armen wurde gesammelt, und aus dem Ergebnis schaffte man ein Personenauto für etwelchen Bonzen an.— Wenn Sie helfen wollen, schenken Sie etwas einer Emigrantensamilie, die durch den deutschen Reichskanzler um da» letzte Wäschestück bestohlen worden ist. Nazi» gegenüber aber: die Taschen»». Kommunist. Dilti geistesarmes und humorloses Blatt an der Saar stellt sich. immer wieder dadurch bloss, daß es ans ein»aar Zeilen liebenswürdiger Briefkasten von uns klobig durch einen zweispaltigen ,Hasten" mit Grobheiten antwortet. Daß wir ein gutes Bild von Lenin gebracht haben, hat die Redakteure, denen das kommunistische Blatt an dieser wichtigen Wetterecke Europas nutz- geliefert ist, sehr erbost, und sie fahren Leninsche Zitate gegen, uns aus. Da wir, im Gegensatz zu den Kommunisten an der Saar, ntchr nur die sehr zahlreichen AuSiprüche Lenins gegen die Sozialste«», krotie, sondern auch seine Reden und Niederschriften über«flge» meine marxistische Taktik und Strategie kenneu, antworten wir mit einem Worte Lenins, daS gerade in diesem Jahre den Kommunisten an der Saar zu denken geben sollte:„D«r Marxismus»erlangt von uns die genaueste, objektiv kontrollierbare Berück, sichtigung des Wechfelverhältniffes der Staffen und»er konkreten Eigentümlichkeiten jeder historischen Situation. Wir«olschewiki suchten stets dieser Forderung gerecht zu werden, die vom Stand, Punkt jeder wissenschaftlichen Begründung der Politik«&- folut notwendig ist.„Unsere Lehre ist kein Dogma, sondern eine Anleitung zum Handeln"— so sprachen stets Marx und Engel«, ■sie spottete» mit Recht über, da» Auswendiglernen und einfache Wiederholen von Formel», die bestenfalls bloss die allgemeinen Aufgaben vorzeichnen können, die in der konkreten ökonomischen und politischen Situation einer jeden besonderen Etappe des geschichtlichen Prozesses zu m oh i.f i zreren sind."— Daß sie nicht rechtzeitig zu.„modifizieren" verstanden, mar oft genug nicht nur da» Unglück der»önige, sondern auch der VolkSsührer. Noch die jüngste Vergangenheit bietet dafür hinreichend Beweise. Sie wäre es, wenn auch die Kommunisten an der Saar ein wenig LICENCIE EN DROIT rhemallger Kontrolleur der direkten Steuer# Behörden, um vom offiziellen Standpunkt aus beraten xu werden. 25, Bd. Bonne.Nouvelle, PARIS(2), Telefon Louvre 22.93 Nazi im«entur, Hatel Anpers Ds ist für uns ein»ompliment. daß die„Deutsche Freiheit" Sie zu«uiansallen reizt. Wir wollen von unseren Todfeinden nicht gelobt werden.„Ana Her» dxück' ich den Feind, doch um ibn zu ersticken!"— Sie kommen auch noch dran. Nur ein wenig Seduld und Ausdauer: wir habe« beide«. Für den Aesamtinhalt»erautwortlich: gotzaun Pitz i»»tzd- wetler: für Inserate: Qtto Kuhn in Saarbrücken. Ratati»n«druck und Verlag: Verla»»er«olktftiwNe»mbH.. Saaesspücka, ,,