Sinzigs unabhängige Tageszeiiuug Veuischiauds Nummer 21— 2. Jahrgang Saarbrücken, Freitag, den 26. Januar 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Ans dem Inhalt tnde dec deutsch- französischen Untechatiung. Seite 2 thceucühciqec JieichsstatthaÜee Seite 3 JUesenpteite im TJtUteCstand Seite 4 Dee Jud' ist Schuld Seite 7 Flucht aus Oranienburg Abenteuerlicher Ausbruch des soslaldemokratlschen Abgeordneten Seger aus der HOIIe des Konsentratlonslagers Bericht des Augenzeugen Ober die Untaten der Kansler-Schandbuben /- > abenteuerlicher Flucht aus dem Konzentrationslager Oranienburg ist der langjährige Generalsekretär der Deut- icheu Friedensgesellschast und sozialdemokratische Reichstags- abgeordnete Gcrhart Seger- Dessau ins Ausland entkam- men. Leger war neun Monate in Schutzhast; drei Monate in Einzelhast im Gerichtogesängnis in Dessau und sechs Mo- nate im Konzentrationslager Oranienburg. Der Abgeordnete Segcr war Augenzeuge des Empfangs, der in Oranienburg den zur gleichen Zeit eingelieserten Ab- geordneten E b e r t und Heitmann und den ehemaligen Veitern des deutschen Rundfunks Dr. Magnus. Gie- f e i e, Flesch und Braun bereitet wurde. Diese sechs Männer wurden vor der gesam- ten SA. entkleidet, ihrer Anzüge beraubt und in alte abgelegte Lumpen gehüllt. Es wurden ihnen dieHaare geschoren,sie wur- den vor der Front der Gefangenen be- schimpft und mißhandelt, am schlimm st e n H e i l m a n n. Ausser diesen sechs waren an bekannteren Personen im Lager Oranienburg die Abgg. Künstler und Szillat sOber- bürgcrmcistcr von Brandenburg), die Oberstaatsanwälte Rinder und Köhler. Dem Abgeordneten K ü nstler wurden drei Pfeile in die Haare hineinrasiert. Die beide» Oberstaatsanwälte hatten unter früheren Regierungen als Vertreter politischer De- zcrnate Strafprozesse gegen Nationalsozialisten, darunter auch gegen Göbbcls, durchzuführen. Im Konzentrations- lager nahm jetzt die SA. dafür Rache an ihnen. Die Nach- richt, dass das Lager Oranienburg nur noch für meuternde SA. und SS. diene, erklärt Seger für unrichtig. Es waren zwar solche Gefangenen aus der SA. im La- ger, aber sie bildeten nur einen sehr serin- gen Prozentsatz der Belegschaft. Ein wahrheitsgetreuer Bericht der grauenvollen Miss- Handlungen, die Seger in sechs Monaten Oranienburg er- lebt und gesehen hat— Seger beginnt ihn mit der Eides- formet deutscher Gerichte:„Ich schwöre, dass ich nach bestem Wissen und Gewissen die reine Wahr- heit sagen, nichts oerschweigen und nichts hinzusetzen werde!"— wird als Buch erscheinen sbei der Berlagsanstalt Graphia in Karlsbad, mit einem Geleit- wort, das der frühere Präsident der preussischen Dichteraka- drmie Heinrich Mann schrieb). In diesem Buch wird Seger den Versuch unternehmen, neben einer der strengsten Nachprüfung standhaltenden objektiven Darstellung das bis« her völlig unbekannte Milieu des Lagerlebens zu schildern. Die Grausamkeiten, die in den Konzentrationslagern täg- lich vorkommen— und in vielen Preffenachrichtcu über die deutschen Grenzen gedrungen sind—, stehen nicht im Bor- dergrund der Mitteilungen Segers. Fürchterlich sind neben körperlichen die seelische» Mißhandlungen, denen die Häft- linge täglich ausgesetzt find. Seger berichtet, dass es in Oranienburg ausser den üblichen Arrestzellen besondere Dunkelzellen gibt, die dem darin Eingeschlossenen nur das Stehen, nicht einmal das Niederhocken ermöglichen. In die- sen Steinsärgen wurden Gefangene bis zu acht Tagen und Nächten stehend lebendig begraben! Es ist im vollen Sinne des Wortes eine Hölle, aus der Seger trotz der Gesahr, aus der Flucht erschossen zu werden, in verwegener Flucht ent- komme« ist. Görtng sfiehlf und plündert Die nationalsozialistische Regierung stiehlt zugunsten des nationalsozialistischen Parteiapparats ■— Wie Magnus Hirschfeld beraubt wurde Das Geheime Staatspolizeiamt Berlin hat folgende Vcr- sugung erlassen:„Auf Grund des 8 1 des Gesetzes über Ein- zichung kommunistischen Vermögens vom 31. Mai 1038 tRGBl. 1 T. 298) in Verbindung mit dem Gesetz über die Einziehung staats- und volksfeindlichen Vermögens vom 14. Juli 1933 tRGBl. 1 T. 479) und der preußischen Ausführungsverordnung vom 31. Mai 1933 '-"■ DNB. London, 25. Jan. Der Pariser Vertreter der „Times" meldet: Die amtlichen und nichtamtlichen Kreise in Paris scheinen überzeugt zu sein, baß durch eine Fort- setzung der unmittelbaren deutsch-sranzösischen Besprechun- geü nichts gewonnen, aber viel verloren werden könnte. Das Interesse ist jetzt beinahe vollständig aus die Möglich- keit eines britischen Eingreifens gerichtet und auf die Form, in der es erfolgen könnte. Man befürchtet, daß Frankreich aitfgsfvebert.w«rden-»vüede<- vi»l weitergehende Zugcftänd» nlfle zu machen, als es-schon bisher zu machen bereit war. I-leber die gestrige Erörterung der Abrüstungsfrage durch das Kabinett berichtet die„Times" lediglich, es sei be° schloffen worden, die Angelegenheit in den Händen des Ab- rüstungsaueschusses des Kabinetts zu lassen, da die Be- sprechungen auf diplomatischem Wege weitergingen. Politischer Bankrott Fiasko des Abrüstungsgeredes DNB. Paris, 25. Jan. Die auS London vorliegenden halbamtlichen Meldungen über eine Vermittlung in der Abrüstungsfrage, die die britische Regierung in Berlin und Paris beabsichtige, befriedigen die französische Presse keines- weg».;. London, 25. Jan. fHavaS.) Außenminister Simon empfing den österreichischen Gesandten in London, der vom Schritt der österreichischen Regierung in Berlin Kenntnis gab. Der österreichische Gesandte fügte bei. daß die Regierun« die Absicht habe. bis Angelegenheit vor den Völkerbund zu bringen, fall» Berlin keine günstige Antwort erteile. Die Regierung Hofs« unter diejeu Bedingungen ans die Unterstützung Großbritanniens. Vom radieizng zum Bettel Der 30. Januar Am Abend des 80„ Igmiar. 1038, als der Reichspräsident in der Verzweiflung Über einen Durcheinander von milt- tärisch-kapitalistisch.junkerlichen Intrigen Adolf Hitler zum Reichskanzler machte, waren die Massen im Reiche, um mit Göbbels zu reden, von einem sinnlosen Taumel erfaßt. DaS„dritte Reich" war da, der Himmel auf Erben begann. Ist nun dieser Taumel, ist auch nur Begeisterung nach einem Jahre noch vorhanden? Der gute Kenner der Massen- stimmung, Göbbels, verneint es. Er bittet in einem Aufruf die Bevölkerung, von äußeren pomphaften Festen. Fackel- zügen und ähnlichen, abzusehen und wünscht statt dessen Spenden für die vielen Millionen, die daß„dritte Reich" trotz aller Versprechungen hungern und friere n läßt. Ter Bettelaufrus setzt sich ein recht bescheidenes Ziel. Di« 15 Millionen UnterstützungSbedürf- ligen sollen als Festgabe des„dritten Reiches" je eine Reichsmark in Lebens in ittelgutscheinen erhalten. Außerdem sollen 6,3 Millionen Gutscheine über je einen Zentner Steinkohle oder Braunkohlenbriketts gegeben werden. So sieht das.chritte Reich" nach einem Jahre aus! Alle Fackelzüge und alle.Feste und alle Fahnenräusche enden in dem„Sozialismus" eines Bettels für Lebensmittel u»d Kohle, eines Bettels, der, so groß und mit Zwang er auch ausgeübt wird, jedem Hungernden und Frierenden nur un- zulänglich Hilst. Eine Theatersitzung des Scheinparlaments Wie das Deutsche Nachrichtenbüro mitteilt, ist der Reichs- tag.für Dienstag, den 80. Januar zu einer Sitzung«tnge- laden worden. Auf der Tagesordnung steht als einziger Punkt: Entgegennahme einer Erklärung durch die Reichs- regierung. Der„E i; c e I? i o r" bezeichnet die Ersolgsaussichten der britischen Vermittlung als mittelmäßig. Zweifellos uiome sich Macdonald selbst gar keine Illusionen über sein Vcr- mittlungsanerbicten. Er würde-wohl in große Verlegen heit geraten, und die Beunruhigung der öffentlichen Meinung in England würde wohl noch größer sein, wem Frankreich diese Anregung unter der Bedingung annehme' würde, daß England schwarz auf weiß die Veranttvor- tung für alle möglichen Folgen übernehmen würde. Achnlich skeptisch äußert stch„Figaro", der schreibt, der englifche Vermittlungövorschlag laufe darauf hinaus, eine Reihe der deutschen Verteidigungsmaßnahmen ohne die ge- ringste Gegenleistung nur um der Liebe zur Freiheit willen zu erlauben.^.... „Le Jour" bringt einen mit drei Sternen gezeichneten Artikel, der vermutlich von einer hohen militärischen Persönlichkeit geschrieben ist. Eingangs wird darin bemerkt, daß der oberste Kriegsrat und der oberste Verteidigungsrat nicht um die neuen Abrüstungspläne um Rat gefragt wvr- den seien. Die genannten Stellen hätten im vorigen Jahre doch einen MtndestrttstungS- plan ausgestellt, unter den Frankreich unter den gegebenen Sicherheitsbedingungen nicht hinuntergehen dürfe. Dieser Mindestplan sollte ohne die Zustimmung der beiden erwähnten Räte keine Veränderung erfahren. „I o u r n a l" sucht an Hand des Beispiels der Flotte»- rüftungen die Haltlosigkeit von Abrüstungsabmachungen zu beweisen. Kein Land habe die ihm zugeteilte Höchstgrenze der ihm zugebilligten Flottenrüstung überschritten, und dennoch habe sich das Mißverhältnis der Bedürfnisse der einzelnen Länder deutlich gezeigt. Auch der politische Bankrott der Flottenabrüstungsabmachungen sei ganz offen- kundig. Zwischen Frankreich»nb Italien sei eine Rivalität entstanden, die früher nicht vorhanden gewesen sei. In Eng- land sei ein Gefühl der Unsicherheit aufgekommen, wie man es nicht einmal in den schlimmsten Tagen des französisch- englischen Wettlaufs gekannt habe. Amerika und'Japan seien so argwöhnisch gegeneinander geworden, daß die ernstesten Besorgnisse berechtigt seien. Nie sei dentltcher der absurde Charakter der Theorie beivorgetreten, baß man die Sicherheit durch Rüstungsvorschristen gewährleisten könnte. Was die Beziehungen der Völker störe, das seien die Leidenschaften, die der Kontrolle entgehen, ferner die Reste politischer Streitigkeiten, die sich auf dem Papier nicht regeln ließen, und vor allem daS gestörte wirtschaftliche Gleichgewicht. Ble gewaltigen Ostbeiesflgnngen 700 Millionen Franken Kreditüberschreitungen Paris. 25. Jan. Nach dem„Petit Parisien" soll Kriegs- minister Daladier gestern vor dem Finanzausschuß der Kammer die Höhe der Kreditüberschreitungen bei den Be- sscstigungSwerken an der französischen Ostgrenze ziffernmäßig mit 700 Millionen Franken angegeben haben. Geheimversammlung mit Papen fJnpreß.) Der Vizekanzler von Papen sprach vor den Mitgliedern deS„Hamburger Nationalklubs von 1010" im Hotel Atlantik. Der Vorsitzende des Klubs, der frühere Senator von Bercnberg, verweigerte allen Berichterstattern, einschließlich dem des nationalsozialistischen Parteiblattes, den Zutritt zu der Veranstaltung. StaflskB-Nachsplele Paris, 26. Jan. Der gestern verhastete Taxator, des Bayonncr Leihhauses, Henry Cohen, soll Schmucksachen, die höchstens 30 500 Franken Wert hatten, zur Beleihung mit 1800000 Franken eingeschätzt haben. Cohen verteidigt sich damit, daß er erklärt, die ihm jetzt vorgelegten Schmucksachen seien nicht mit denen identisch, die ihm seinerzeit zur Abschätzung vorgelegt worden waren und die er damals wertentfprcchend eingeschätzt habe. * Paris, 25. Jan. Dem„Journal" wird ans Bayonne ge- meldet, daß der verhaltete Direktor der Bersicherungsgesell- schalt La Confiance. Guebin, nicht nur mit Stavifky unter einer Decke gesteckt habe, sondern sogar einer der Anstifter der Belrngsasfäre gewesen sein soll. Gnebin soll Weisung gegeben haben, daß man in Bayonne für mehrere Millionen Franken falsche Kassengutscheine ausstellen möge, die er, Guebin, dann bei Banken und Versicherungsgesellschaften untergebracht habe. Guebin habe jährlich 6ii0000 Franken als Direktor seiner Versichernngsgesellschast verdient, aber monatlich 120 000 Franken ausgegeben. Erdbeben in China Kaserne stürzt ein— Hunderte Tote Peiping, 25. Jan. Ein schweres Erdbeben hat, wie erst jetzt bekannt wird, am Sonntag die Provinz Schaust und Kansu sowie die innere Monglei. insbesondere den Bezirk Suijuau heimgesucht. Nach den bisher vorliegenden Berichten sind die Städte Kweihn und Kaiinan zum größten Teil zerstört wor- den. In Wutuan, wo eine starke Garnison steht, sind durch den Einsturz von Kaserne« Hunderte von Soldaten um» Leben gekommen, und auch unter der Zivilbevölkerung sind »ahlreiche Opfer zu verzeichnen. Dentsdier ReKhsslalflialler Dokumente ans dem Leben eines Naztfbhrers: ReichMtatthalter für Hamburg ist Pg. Kaufmann. In«einem Gebiete werden»eit einiger Zeit unter der Hand Fotografien von nationiliotialialiichen Dokumenten verteilt, die den Herrn Reidxatattbalter einer Reihe von ehrenrührigen Handlungen beschuldigen, u. a. de» Ordenaachwindel» und der LIr kundenfälaehung. Die Schriftstücke haben folgenden Wortlaut: Nationalsozialistische Deutsche Arbeiter-Partei U.S.A.- Bezirk Bergisch Land/Niederrhein Dostscbedc-Konto K8In 67734 Pfltjf Ovcrdiedc, Düsseldorf Fernruf 60928 22.Juli 19 29 Remscheid, Düsseldorf; den Lidrtstrasse 30(Gartenheim) Haltestelle Linie 14 Ahornstrasse 1. b etrifft: Sa che Giinthe rfK a uf m ann. 1. Vorgang: Als im Frühjahr 1928 Pg. Koch gegen den Gauleiter Kaufmann heftige Angriffe wegen der Geschäftsführung und Pflichtauffassung(Kassenführung etc.) erheben mußte, hatte Pg. Günther in Elberfeld eine Unterredung mit Kaufmann, in welcher Kaufmann, um Günther für sich zu stimmen, iP>n Vorwurf des Ehebruchs gegen die Gattin Kochs erhob.— Günther machte Koch pflichtgemäß davon Mitteilung. Koch stellte Kaufmann zur Rede. Kaufmann stritt unter Ehrenwort ab, irgend eine Aeutterung über die Gattin Kochs getan zu haben. Vielmehr beauftragte er sogar Koch, Günther mitzuteilen:„Er sei wegen dieser aus der Luft gegriffenen Behauptung ein Lump." Günther forderte Kaufmann. Kartellträger cand. jur. Windgassen. Kaufmann nahm Forderung an. Ein gemischtes Ehrengericht(Dtsch. Burschenschafter und Mitglieder der NSDAP.), welches am 23. Dezember 1928 zusammentrat, konnte, da von Seiten des Pg. Günther ein Beisitzer entschuldigt am Erscheinen verhindert war, nicht zum Spruche schreiten. Einen nochmaligen Zusammentritt des Ehrengerichts verhindert" Kaufmann mit der bequemen Bemerkung:„Er könne nicht nochmal seine Beisitzer auffordern, zum Ehrengerichte zu kommen. Für ihn sei die Sache erledigt, und er weigere sich, sich zu irgendeiner Genugtuung bereit zu finden." Abgesehen davon, daß dieses Verhalten Kaufmanns nach dem Ehrenkodex sämtlicher nationalen Bewegungen eine totale Unmöglichkeit darstellt, daß weiterhin seitens der Beisitzer des Pg. Günther durch deren Organ, der Deutschen Burschenschaft, eine Reichsinfamierung Kaufmanns(Schwarze Liste der Infamierten) bei fortgesetzter Weigerung sofort und einfach durchgeführt werden konnte, legte jedoch der Pg. Günther vor einem Ehrengerichte nicht so großen Wert auf Erreichung der Genugtuung, als vielmehr auf endgültige Feststellung der Tatsache: der Satisfaktionsunfähigkeit, d. h. der Unhonorigkeit Kaufmanns. Pg. Günther spricht Kaufmann aus folgenden Gründen die Honorigkeit, die man einem jedem dtsch. Manne zu zollen hat, ab. 1. Kaufmann hat 8 Jahre lang seinem großen politischen Bekanntenkreis wahrheitswidrig vorgelogen, er sei alter Frontsoldat. 2. Um diese Lüge glaubhaft zu machen, hat er sowohl mit dem EK. II. als auch mit dem Ofrizierflieger-Be- obachtungsabzeichen Ordensschwindel getrieben und diese Auszeichnungen, deren letzteres nur für Tapfer, keit vor dem Feinde verliehen wurde, getragen. Dieses bis in die letzten Jahre hinein.(Anlage-Urkunde.) z. pg. Kaufmann nahm anläßlich der Wahlen Nov.-Dez. 1924 in seinem Familienstammbuch eine Urkunden- fälschung vor, um dadurch ein Jahr älter zu sein und sich dadurch das passive Wahlrecht zu erschleichen Zeuge hierfür: Der Bruder Alfred Kaufmann, z. Zt. Miinchen-Hohenzollernstraße. Es liegt hier schwere Urkundenfälschung nach§ 267 Abs. 2 BGB. vor. Dieser§ besagt: Wer in rechtswidriger Absicht zum Zwecke der Täuschung inländische offentl. Urk. verfälscht und von derselben zum Zwecke der Täuschung Gebrauch macht, wird mit Gefängnis bis zu 5 Jahren bestraft. 4. Kaufmann gab sowohl dem Pg. Voller wie auch dem Pg. Koch eine ehrenwörtliche Versicherung ab, die sich späterhin als unwahr herausstellte.(Aussagen, Urkunden wie Feststellungen seitens Major Buch selbst.) 5. Kaufmann hat in unverantwortlicher Weise die Gattin des PS Lutze wie die des Koch verleumdet und ihnen dadurch die-Jire abgeschnitten. Der Vorsitzende des U. S. A.: gez. Kratz. Nationalsozialistische Deutsche Arbeiter-Partei, U.S.A.- Bezirk Bergisch Land /Niederrhein Postsdiedc- Konto Köln 67734 Fritz Overdledc, Düsselr'.k Fernruf 60928 22.Juli 19 29 Remscheid, düsseldorf, den Llc&tstraße 30(Gartenhelm) Haltestelle Linie 14 Ahornstrasse 1. Betrifft: S s i_che Günther/Kaufmann. II. Ergebnis der Untersuchung: Nach Durchsicht und Kenntnisnahme beigefügter Urkunden kommt der Ü. S. A. des Bezirks Bergisch Land Niederrhein in Sachen Günther/Kaufmann zu folgendem Urteil: 1. Pg. Günther hat sich in der Kontroverse Koch/Kaufmann, veranlaßt durch Kaufmanns Aeußerungen über Kochs Gattin, durchaus loyal und korrekt benommen. 2. Die Aussage des Pg. Günther, daß Kaufmann die Gattin Kochs des Ehebruchs bezichtigt hat, ist durch die Unterlagen(Brief Essen-Veller) als richtig erwiesen. 3. Die Behauptung Kaufmains über die Ehefrau Koch jedoch durch die Tatsache als Verleumdung entlarvt, daß Kaufmann selbts Koch gegenüber bei Zuredestellung seinen Vorwurf gegen die Frau Koch nicht nur nicht aufrecht erhielt, sondern sogar ehrenwörtlich abstritt, diesen Vorwurf jemals gemacht zu haben. 4. Es liegt so auf Grund der Unterlagen in dieser speziellen Angelegenheit„Frau Koch" ein Ehrenwortbruch des Parteigenossen Kaufmann vor. 5. Die Beleidigung Kaufmanns. Günther sei ein Lump, ist auf Grund der Unterlagen zu Unrecht erfolgt. 6. Ordensschwindel, Urkundenfälschung, doppelter Ehrenwortbruch, a) Brief Veller— b) Angelegenheit Frau Koch, Tatsachen, die durch die Unterlagen für den U. S. A. als erwiesen gelten, zwingen letzteren dazu, Kaufmann die Honorigkeit abzusprechen. 7. Auf Grund der Richtlinien der U. S. A.— R. L. vom Oktober 1928 hat der U. S. A. des Bezirks Bergisch Land/Niederrhein es nicht mehr für nötig erachtet, in Anbetracht der lückenlos vorliegenden Unterlagen und Urkunden den Pg. Kaufmann zu vernehmen und somit von dem ihm lt. U. S. A.— R. Ls. Richtlinien— Oktober 1928— zustehenden Recht der Nichtvernehmung Gebrauch gemacht. Der Vorsitzende des U S. A.'. gez. Kratz. Gefängnis! Gefängnis! Wenn man die Wahrheit sagt Ans©leben wird gemeldet: Wegen Beleidigung der Reichsregierung. deren Ulfa«- »ahmen er in einer©ieftetter Gastwirtschaft abfällig kritisierte, erhielt der frühere Privatdozent an der Universität Gießen Dr. Georg Maye r vom Schöffengericht drei Monate Gefängnis zudiktiert. Tie Verurteilung er- folgte aus Grund der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze der Reichsregierung gegen heimtückische An- griffe. Kerner verurteilte das Gießener Schöffengericht den Dachdecker Theodor R u ck st u h l aus Gießen zu vier M o- naten Gefängnis, weil er in einer Wirtichast in Zaubach erklärt hatte, die Reichsregierung habe den früheren Kvmmunistensührer Thälmann unschuldig ins Gefängnis gesperrt. Aus Kranksurl a. M. wird berichtet: Ein 82jährigrr Milchausträger aus Reuwied besuchte iu» vergangenen Herbst die Kirmes in Mockendors. In ange trunkenem Zustand milchte er sich in eine Debatte und äußerte einem Nationalsozialisten gegenüber, daß bei der Winterhilfe Schiebungen vorkämen: auch machte er noch andere gewagte Bemerkungen. Das Sondergericht verurteilte jetzt de» damals inhaftierten Milchausträger wegen Vergehens gegen die Verordnung zur Abwehr heimtückischer Angrisse gegen die Regierung der nationalen Erhebung zu drei Monaten Gefängnis. Es könne keinem Zweifel unterliege», daß die Behauptungen von außerordentlichem Ausmaß gewesen seien, aber das Gericht konnte den Fall milder ansehen, weil einmal die Behauptung gegenüber einem N a t i o na l so z i a I i st« n a u f g e st e 11 t wurde und so keinen Schaden bringen konnte und weil die Angetrunken heit des Angeklagten bei ihm gewisse Hemmungen beseitigt hatte. Kanaille! Zustand der deutschen Presse IJnpreß.) Das Organ des Herrenklubs,„Der Ring", schreibt in seiner letzten Nummer unter dem Titel:„Um Hermann Göring":„Der preußische Ministerpräsident ist in vielen Geburtstagsartikeln der deutschen Presse gefeiert worden. Davon, daß diese markante Persönlichkeit des Nationalsozialismus nicht nur im Brennpunkt der Verehrung, sondern auch der Kritik steht, war in diesen Artikeln nichts zu lesen. Nur ein nationalsozialistisches Blatt, die Essener„National-Zeitung", die Göring besonders verbunden ist, sprach die Dinge aus, von denen man doch weiß, daß sie nicht unbekannt bleiben.„Göring kennt seine menschlichen Schwächen, ebenso wie jeder uon uns die eigenen Schwächen normalerweise kennt, und er witzelt sogar gern selbst darüber," so liest man in diesem Blatt.„Wenn in dessen alles, was heute morgen an Lobpreisungen über Hermann Göring in der deutschen Presse erscheint, ernjtge meint wäre, so müßte das deutsche Volk wahrscheinlich glauben, der preußische Ministerpräsident sei schon so etwas wie ein Gott aus Erden. So schmählich ist es leider um die innere Wahrheit und Aufrichtigkeit der deutschen Presse hente bestellt, daß man so etwas ohne weiteres voraussetze» kann."" solle Gerlditsurfellr Schande der deutschen Justiz Berlin, 25. Fan. Bom Berliner Sondergericht wurde eine Sprachlehrerin zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt, weil sie abfällige Aeußerungen über den Luftschutz gemacht und behauptet hatte, die Mittel der Win terhilse würden nicht bestimmungsgemäß verwendet. Der Staatsanwalt erklärte, eä wäre höchste Zeit, daß sich die Ge richte etwas energischer mit den reaktionären K r e i s e n, zu denen die Angeklagte dieses Prozesses gehöre, be schäftigten. Die Reaktion müsse erkennen, daß sie vom einem Gericht des neuen deutschen Staates ebenso wie Marxisten oder gar Kommunisten«ine^Milde nicht erwarte» könne. p In einem anderen Falle verhängte das Sondergericht gegen eine Lagerarbetterin aus Grund des Gesetzes zur Ab wehr heimtückischer Angriffe gegen die Regierung eine Strafe von l Fahr 8 Monaten Gefängnis. Die An- geklagte hatte in Briefen an ihre Schwester in Neuyvrk unwahre Behauptungen aufgestellt, die nach Ansicht des Gerichts geeignet waren, das Ansehen des nativ ualsozialisttschen Staates zu gefährden. Bei der Devisenkon- trolle waren diese Briese zuriickgehalten worden. „nodiferräler" Viele Jahre Zuchthaus und Gefängnis Lüneburg, 24. Jan. Im 4. Lüneburger Hochverralsprozeß wurde am 24. Januar das Urteil gefällt. Es lautete gegen den Lüneburger Steinmetz, der den Bestand der KPD. in Lüneburg neu gründen wollte, aus drei Jahre Zucht- haus, drei Jahre Ehrverlust, gegen den Harburger Verbindungsmann Bormann aus zwei Jahre sechs M o- »täte Zuchthaus und drei Jahre Ehrverlust, gegen den Harburger Nollmeyer, der nach BormannS Verhaftung die Arbeit fortsetzte, aus zrvei Jahre Zuchthaus und drei Jahre Ehrverlust. Die übrigen Angeklagten erhielten Gefängnisstrafen von zwei Wochen bis zwei Jahren sechs Monate. Ein Angeklagter wurde freigesprochen. Der Präsi dent faßt« zusammen, daß der Lüneburger Hochverratsprozeß gezeigt habe, wie die KPD. bemüht gewesen sei, in der Umgebung von Lüneburg den bewaffneten Ausstand durch Beschaffung von Waffen und Munition vorzubereiten und wie sie durch Aufbau des Parteiapparates und durch Ver- teilung ihrer verbotenen Hetzpresse versucht habe, die Mas- sen für ihre hochverräterischen Ziele zu gewinnen. Tie Taten der verurteilten Angeklagten seien um so verwerflicher, als sie den beginnenden Gesundungsprozeß zu stören geeignet und damit gegen das Reich und seinen Bestand gerichtet„e- wesen seien. WelflldMx CM zulässig Religiöser Eid die Regel Aus dem Wortlaut des Gesetzes zur Einschränkung der Eide im Strafverfahren war der Schluß gezogen worden, daß das bisher bestehende Recht, zwischen der religiösen und der sogenannte» weltlichen Eidessorm zu wählen, be seitigt sei. Die Reichsregierung bat sich, wie ein Nach richtenbüro meldet, mit der Frage besaßt und sich dahin schlüssig gemacht, daß eine Beseitigung der Wahlmöglichkeit nicht in ihrem Sinne liege. Die Reichsregierung geht jedoch davon aus, daß der religiöse Eid in einem Staat von betont christlicher Prägung durchaus dt« Regel sein solle. Wir vermuten in diesem„Entgegenkommen" nur eine Falle. Wer den weltlichen Eid schwört, ist Kandidat inr ein Kuahentrationslager. Riesenpleite des Mittelstandes ■ine Handwerkskammer plaudert aus der Schule mv'® mn"^ eu' e den wahren Zustand der deutschen Wirtschaft untersuchen und die grotze Spanne, die zwischen den himmelstürinenden Versprechungen der National- soziaiisten und ihren tatsächlichen Erfolgen besteht, messen, so ist man in den meisten Fällen darauf angewiesen, Kunst- gerechte, komplizierte Berechnungen und Betrachtungen anzustellen, die dem Laien oftmals nicht leicht eingehen. Dc> ist es gut. daß die gleichgeschalteten Wirtschaftsstellen des„dritten Reiches" hin und wieder ein wenig Hilss- stellung geben, indem sie populäres, allgemeinverständ- liches Material über die wahre Wirtschaftslage von sich geben. Diesmal hat sich die Flensburger Handwerkskammer bewogen gefühlt, das Triumphgeschrei der neuen Macht- Haber über die ökonomischen Erfolge des neuen Deutsch- land auf das richtige Maß zurückzuführen. Sie hat am Jahresende einen offiziellen Bericht herausgehen lassen, der an Deutlichkeit nichts zu wünschen llbriq lätzt. Tie „Flensbnrger Nachrichten" haben ihn in ihren letzten Iahresausgaben ausführlich abgedruckt. Hoffentlich ist es den Herren dieser Zeitung angenehm, wenn wir ihre Aus- lassungen einer wetteren Oeffentlichkert mitteilen. Vorerst wird in der Nr. 300 das Weihnachtsgeschäft behandelt. Das sieht so aus: »Nicht überall sind unsere Geschäftsleute nach dem, waS man so hört, mit dem Weihnachtsgeschäft zufrieden gcivejcn. Vor allem dort, Ivo es sich um mehr oder weniger ausgesprochene Luxusartikel handelt, ist die Höhe des Vorjahres Umsatzes nicht oder doch nur knapp erreicht. A b( x a n ch in den a n s g c- > P r o ch e n e» G c b r a u ch s a r t i k e l n i st der Ab- sa tz teilweise nicht so rege gewesen, iv i e man e a sonst in der Weihnachtszeit b e ob- achten konnte. Diese Tatjache ist nun für manche Grund genug gewesen,»m der Reichsregierung den Vor- wnrf zu machen, d a st sie sich und die Wirtschaft um die Früchte der Belebung in dieser wich- tigen Saison zeit gebracht habe durch die großen Anforderungen, die die Winter- b i l s c an die in Lohn und Brot Stehenden stellte. Die Richtigkeit dieser« n s s a s s u n g wird niemand b e st r e i t c n.... Jeder, der im Wirtschaftsleben unserer Stadt und nn- L erc O I c n s c tz c r h a n d iv e r k hat die saisonmähige Beschäftigung ihren Höchststand erreicht und zelgt im allgemeinen schon wieder rückläufige Tendenz. ES wird mit Bedauern festgestellt, dast die Hausbesitzer noch immer zögern, die notwendig- st e n Reparaturen ausführen zu lassen, waS eine w c i t ere Verschlechterung der Verkält- uisse zur Folge ha». In den meisten Landkreisen ist noch immer die Neigung vorhanden, an den billigsten Anbieter die Arbeit zu vergeben sso eine Gemeinheit! die Red.i, was einerseits zu einer bedenklichen PreiSdrückerei führt und andererseits die Qualitätsarbeit beeinträchtigt. In dieser Hinsicht eine erzieherische Abhilfe zu schaffen, ist ein Gebot der Zeit." Wie wäre es. wenn in Zukunft bei Geschäftsabschlüssen die SA. und SS. eingeschaltet würde? Die hat doch in bezug auf„erziehliche Abhilfe" allerlei gelernt! „Im B ä cl e r h a n d w e r k haben die Umsätze zum größten Teil die weitmästigc Höhe im Vergleich zur gleichen Zeit des Vorjahres nicht erreicht. Man hat in den letzten Wochen vor Weihnachten die Beobachtung ge- macht, dast mehr als früher verschiedene Backwaren im eigenen Haushalt hergestellt werden. Das ländliche Bäckerhandwerk hat durch daS Umtauschgefchaft von Brot gegen Getreide erhebliche Schwierigkeiten zu ertragen. Die PreiSer liöhnngen für Butter, Mar- g a r i n c und Einführung der Fcttsteuer wirken sich st a r k nachteilig aus die verblei- bende an sich behördlich begrenzte Ver- d i e n st s p a n ti e a n ö. D ie Beschäftigung im st v n d i t o r h a n d iv e r k l ä st t s c h r z u w ii n s ch e n übrig. Die wcrtmästige Höhe des U ni s a tz e S konnte im Vergleich zum Vor- jähre nicht erreicht werden." „Im S ch l a ch t e r h a n d w e r k ist der B c s ch ä t t i- g u n g S g r a d gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres gleichbleibend schlecht." „Im M ii l l e r h a n d w e r k ist die B e s ch ä f t i g u n g im Vergleich zum vorhergehenden Viertrlsahr in ge- ringem Maße zurückgegangen. Der Muller- innungsverband gibt darüber nachstehende Aufklärung: Sehr flau liegt fast überall der Handel mit Kraftfutter- Mitteln. Namentlich im Kuchenverbrauch macht sich die Voreindeckung bemerkbar. Auch die verminderte Ver- wendung der sogenannten fremden Futtermittel drückt ans den Absatz. In der Fntterschrotmühlerei ist die Schrotarbeit durch die landwirtschaftlichen Schrotmühlen drückender denn je ES ist scheinbar auster Brach- tung geblieben, dast gerade der bodenständige Kleinmüller durch die Wirtschaft der Grostmühlen, ZransitmüHleu, die, nachdem sie ihre Erzeugung i in Auslande nicht mehr absetzen konnten, diese im In- land vertreiben, um seine E x i st e n z als Hersteller von Mehl für menschliche Ernährung gekom- m e n i st Eine Mehrbeschäftigung von Personal würde in schlcS- wig-holsteinischen Mühlen in grösterem Umfange.in dem Augenblick eintreten, wo der Landwirtschaft die übertriebene Selbsthilfe, daS Schroten und M a l) l c ii v o» Brot- und F u t t e r g c t r c i d e, untersagt w ä r e Es hat unter den heutigen Umständen keine Berech- tign»ig, dast der Landwirt das in seiner Wirtschast ver- brauchte Getreide selbst verarbeitet." „Im Schlosser-, Schmiede- und Maschinen- bau et Hand werk hat sich die Beschäftigung im Ver- hältnis zum vorhergehenden Vierteljahr nicht wesentlich geändert. Eine Verbesserung trat in den Monaten Juli, August und September ein, einmal war das Maschinen- geschäst besser als im Vorjahr, weiter brachte die Trocken- heit erhöhte Wagenreparatur, Nachbinden und dergleichen mit sich. Ebenso sind nie so viele Pflugschare geschärft worden, wie in den Sommermonaten dieses Jahres. Diese Arbeiten sind jetzt schon längere Zeit vorbei. Immerhin must betont werden, dast das gegenseitige Vertrauen gefestigt wird leine gute— wenn auch wenig einträgliche Arbeit siir das Metallhandwerk, will uns dünken! die Red.i und Platz greift. Tariflöhne sind in unserem Innung»- bezirk bis jetzt nicht e i n g e f ii h r t. Die Löhne betrage» durchweg in den meisten B e t r i e- b c n 0, 6 0 R M. pro Stund e. Allerdings i st auch i n einzelnen B e t r i e- den geringere Arbeitszeit eingeführt, die Gesellen aber dafür nicht entlassen. In einer neulich stattgeiuiidcnen Besprechung über Tariflöhne, die man auch fürs Land einführen wollte, haben wir gebeten, davon Abstand zu nehmen, da dann die A r b e i t S a u f t r ä g e in unserem Ge- schäkt aufhören würden. Denn unbedingt notwendige Arbeiten hat der Landmann heute nicht." „Im E l e k t r o- I i> st a l l a t c n r- H a n d iv e r k ist eine wesentliche wirtschaftliche Besserung zu verzeichnen. Die Tariflöhne wurden im großen und ganzen j!j eingehalten. „Im S ch u h m a ch e r h a n d w e r k setzte stellenweise eine starke Nachfrage nach SA.-Ttieseln ein. Die Zah- l u n g s w e i s c i st durchschnittlich recht z ö- g e r n d, die alten Forderungen sind zum g r ö st t e n Teil uneinbringlich, was eine starke Beschränkung des Betriebskapitals zur Folge hat. Die Materialpreisc weisen eine steigende Tendenz in Hohe von 5 bis Ist Prozent aus." Schneider Hand werk:„Tic starke Nachfrage nach SA.-Mänteln hat den Beschäftigungsgrad erheblich erhöht. In vielen Gebieten sind starke Preis- unterbietungcn festzustellen, was häufig zu einem erbit- tertcn Konkurrenzkampf zwischen dem regulären Geschäft und der Tchinutzkonknrrenz führt." „Im Sattler-, Tapezier- und Polsterer- Handwerk ist der A u f t r a g s b e st a n d und B e- s ch ä s t i g u n g s g r a d gegenüber dem vorhergehe! Vierteljahr erheblich zurückgegangen, I o kaum noch a n ö r c t ch c n d c Beschäftig» n fl'. Lehrlinge undMetster vorhattde n i st.-r a den Einkäufen mittels EhestandSdarlehensscheinen Mvbelhandlungcn bevorzugt werden, ivird auch diesem Grunde eine M e h r b e s ch ä f t i g u n g»- gejch loJsc it.". „Im Tischlerl, andwcrk> ist die w i r t ich« 1 liche Lage gegenüber dem vorhergehenden Vieri jähre gleichbleibend schlecht. Während in Möbeltischlerei die Beschäftigung infolge oes Kapitalmangels in den letzten M o n ß< c sogar gesunken i st. war der Beschäftigungsgrad i der Bautischlerei derselbe. Tie V e r d i e n stsp a n n e läßt sehr zu w ii»' scheu übrig, da die M ö b e l i n d u st r i c m i ihren billigen Serien möbeln den Weil- b e w e r b s k n m p s in ungesunde Bahnen l e n lt. Die Materialpreisc sind im V e r g l e i m zum vorigen Jahre teilweise erheblich g r- st i e g e n." „Im S t e l l»i a ch c r h a n d w e r k hat die geringe Beschäftigung einen saisonmästigen Charakter, so dast d>e w i r t s ch a s t l i ch e Abwärtsentwicklung>>» Verhältnis zum vorigen Vierteljahr keinen Ausnahme- zustand darstellt. i?j Es wird in den ländlichen Gebieten der Eindriick erweckt» als ob der Landwirt von dem Erlast der Steuer- rückstände Gebrauch macht und deshalb zu Austrage- erteilnngen schreitet. Allerdings sind zur Zeit endgültige Auswirkungen noch nicht zu übersehen." iWie mag der arme Innungsmcister geschwitzt haben, als er den letzten Satz auf das Papier brachte. Er ist fast so klassisch wie der bekannte Silberstreifcn am Horizont! D. Rcd.t „Das G I a s c r h a n d w c r k leidet unter der schleppen- den Neubautätigkeit, auch die Rcparaiurarbeitcn werden mit Rücksicht auf die schwierigen Wirtichastsverhältnuie der Hausbesitzer nur in geringem Umfange ausgeführt. Die Zahlungsabwicklung bereitet infolge der allgemeine» Geldknappheit der Auftraggeber immer noch erhebliche Schwierigkeiten." Steinsetzer- und P f l a st c r c r h a n d w e r k: „Im allgemeinen läßt die Mehrbeschäitignng im Ver- gleich zur selben Zeit des Vorjahres ani eine geringe Besserung schlichen(!i, wenn auch zur Zeit auS saisonmästigen Gründen ein gewisser Rückgang nicht zu ver- kennen ist. l!!> Bei den behördlichen Aufträgen handelte eS sich im wesentlichen um sogenannte S! o t st a n d s a r b c i t e n, während wirkliche Pflasterarbciten nur in geringem Mäste vorlagen." „Im Klempner- und Dachdecker Hand werk haben sich die Reichszuschttsse günstig ausgewirkt. Tic Zunahme der Austräge reichte aber in den meisten Fälle» nicht dazu aus, zu N e u c t n st e l l u» g c n von Gesellen zu schreite n." „Im T a in c n s ch n c i d e r h a n d w c r k ivird die A b- nähme d e r B e s ch ä f t i g u n g im Vergleich zur selben Zeit des Vorjahres auf 10 Prozent geschätzt." „Das Putz macherhandwerk steht außerhalb einer gefunden Aufwärtsbeivcgnng, dessen Beschäftigung im Vergleich zu dem Vorjahre z u r ü ck- gegangen ist." „Das F r i i e nrhandwcrk klagt noch immer über eine starke Bcichäitigungslosigkeit und führt als Begrün- dung an, dast größtenteils Zelbstbedienen die trostlose Lage herbeikührt.»Nicht mit Unrecht"— sagt der Bericht —„muß deshalb an das soziale BcrnsSgefiihl aller der- jenigcn BcvölkcrungSkreise appelliert werden, die durch das Selbstbcdiencn die Eristenzgrundlagcn des Friseur- Handwerks allmählich vernichten." „Dem F o t o g r a f c n h a n d w c r k ergeht es nicht besser. Auftragsbestand und Beschäftigung haben zwar infolge der saisonmästigen Einflüsse des Weihnachtsgeschäftes gegenivärtig zugenommen, wenn auch i in Vergleich zum Vorjahre ein gewisser R ti ck- gang eingetreten ist." Damit schliefen die trübseligen Betrachtungen der Flensburger Handwerkskammer. Man mich schon sagen: ein trostloses Bild ist es. das sich da dem Auge entrollt. Es wird Hitler und seinen Paladinen auf die Dauer unmöglich sein, die Ergebnisse ihrer glorreichen Wirt- schaftspolitik hinweg zu eskamotieren. Denn dieses ist ja erst der Beginn einer unheilvollen und unaufhaltbaren Entwicklung, die von den Gegnern der natlonalsozia- listischen Diktatur oft und eindringlich vorausgesagt wurde. Leider hat sich der deutsche Mittelstand nicht be- lehren lassen. Ob er aus der kommenden bitteren Lehr- zeit seine Schlüsse ziehen wird, ist vorläufig fraglich. Nur eines dürfte in Zukunft nicht leicht sein: die Marxisten für die Entwicklung des letzten Jahres verantwortlich zu machen. Und das ist schon viel wert! Rnfliands Handelsbilanz in den ersten elf Monaten 1933 aktiv Der Gesamtbetrag des russischen Austenhandels stellte sich in ben ersten elf Monaten 1033 ans 778 Millionen Rubel gegenüber 1150 Millionen im entsprechende» Zeitabschnitt des Jahre» 193:?. Dabei betrug die russische Ausfuhr 4M,7 Millionen Rubel gegenüber 911,2 Millionen und die Einsuhr 817,3 Millionen gegenüber 647,8 Millionen. Die Handelsbilanz war mit 143,4 Millionen Rubel aktiv gegenüber einer Passivität von 136,6 Millionen Rubel im gleichen Zeitabschnitt de» Jahres 1333. Arn' die iv i ch t i g st c n Lände r verteilte sich die russische Aus und Einfuhr in der Berichtszeit wie folgt: Au Stuhr Einfuhr elf Monate elf Monate 1933 198:? 1988 1982 Deutschland 82,4 91,2 144,8 808,6- England 88,0 120,8 28,9 88,1 Italien 21,9 28,5 14,5 25,8 Mongolei 85,2 38,9 18,5 15,0 China 15,8 20,7 15,1 14.9 USA. 13/» 14,2 15,8 28,0 8 rankreich 21,2 25,8 5,0 8/ elgien 25,0 14,9 1.2 0,6 Holland 25,0 18,7 4,7 3,8 Persien 9.9 28,3 7,2 48.7 Polen 4,0 3,0 12,4 4,6 Deutschland stand danach in den ersten elf Monaten 1938 in der russischen Einsuhr nach wie vor an erster Stelle, während eS in der Ausfuhr den ersten Platz wiederum an England abgetreten hat. Die russische Einfuhr aus Deutschland ist um 158 ,8 Millionen Rubel, b. h. aus weniger als die Hülste, gesunken. Einen sehr starken Rückgang weist auch der Soivietimport ans England, Italien, den Bereinigten Staaten und Pcrsien ank, während die russische Etniuhr aus Polen, Belgien, Hol- land und China gestiegen ist. In der russischen Ausfuhr weist der Export nach Deutschland nur einen Rückgang um 8/Mil- lionen Rubel aus, dagegen ist der Sowjeterport nach England um 87,8 Millionen und nach Pcrsien um 18,4 Millionen Rubel gesunken. Auffallend ist die starke Zunahme des Sowjetexports nach Belgien und Holland. Jugend in Massen erwerbslos! Der Arbeitsdienst nimmt sie nicht auf Berlin, 24. Jan. Infolge der zahlreichen Meldungen zum Arbeitsdienst ist in den letzten Tagen eine derartige Ueber- süllung eingetreten, dast die Ausnahmen in den Arbeitsdienst vom 25. Januar bis 25. Februar gesperrt werden müssen. Wir erfahren dazu von unterrichteter Seite, dast der Ar- beitSdienst in den letzten Tagen über 16 000 Anmeldungen hat ablehnen müssen, weil cinsach keine Stellen für die jun- gen Leute vorhanden sind. Tie jungen Leute, bi« sich bis jetzt bereits angemeldet haben, sind vornotiert und werden höchst- wahrscheinlich zum 25. Februar einberufen. * Au» dieser Meldung geht hervor: Jugendliche suchen massenhaft nach Arbeit, ohne welche finden zu können. Ter vielgepriesene Arbeitsdienst kann nur einen beschränkten Teil der jungen Erwerbslosen übernehme». Die anderen werden ihrem traurigen Schicksal überlassen. Surup In der„Arbeifssdiiadif In einem Aufsatz im„Wirtschasts-Ring" sagt der Präsi- dcnt Syrup, dast von dem Gesamtrüctgang der Arbcitslosig- keit rund eine Million ans die S a i s o n g r u p p e n,>,25 Millionen dagegen aus diejenigen WirtschattSkrcise eniiällt, die von der Witterung unabhängig sind. Tie Arbeitsschlacht des nächsten Sommers werde sich in erster Linie gegen die Hochburgen der Arbeitslosigkeit, die Groststädlc und Indu- ftriebezirke. richten müssen. Als Beispiel hierfür iverden die Berliner Metallindustrie mit rund 100 000 und die Textil- Industrie Sachsens mit 88 000 gelernten Arbeitslosen iEnde Oktober!» genannt. Syrup regt sich über die Zweifel in die deutsche Statistik aus und sagt, dast die Rcichsanstqlt für ihre Zahlen die volle Gewähr übernimmt. Wie könnte sie auch anders. Immerhin, die Fanfaren tragen bereits Dämpfer, Das rerMäfödtie Pförrhaasgesprädi Dcr NUndiener Priesterprozeß- Hohe Gefängnisstrafen Wir berichteten gestern den Beginn des Prozesses in München gegen die drei vor längerer^Jeit verhafteten Geistlichen Ztadtpfarrer Emil Muhl er»aplan CeUr Thaler und»stechet Sollacher. Dr. Muhler soll Ende September oder Ansang Oktober beim A bei, dessen im Pfarrhaus eine "G r e u e l n a ch r i ch t" verbreitet haben, die von»ap- lan Thaler an den dritten Angeklagten weitergegeben ninrdc. Dieser hat stc dann wiederum an zwei Lch- rcrinne» weitergegeben. Bei der Vernehmung der Angeklagten erklärte der Hanpt- ^»geklagte Ttadtpsarrer Nlublcr, er sei als Kriegsjrc i- >o l l l i g e r vier Jahre i m c l i> c gewesen, vcr- w u ndct n n d z n m L e» l n a» t befördert worden. Ohne sein Zutun sei er zum Stadtrat in München gewählt worden. Er habe gegen den Marxismus Stellung genom- n>cn. Zlach der Machtübernahme der NSDAP. habe er sich von der Politik ferngehalten. ^>e„Katholische Aktion", der er vorübergehend aufhörte. habe mit Politik nichts zu tu n. Nach sei- »er Einstellung zur Regierung befragt, erklärte Muhler, ea« er sich verpflichtet fühle, mitzuarbeiten in einer Regie- >ung, die sich durchgesetzt habe und die man daher auch an- s>kennen müsse. Zu den einzelne« Anklagepunkte» selbst ""Berte sich Muhler dahin, daß er d i e N a ch r i ch i e n, deren Weiterverbreitung ihm zur Last gelegt wird, von Kommunisten erfahren habe. -rcre» Namen müsse er aber unter Berufung aus sein Bc- rinSgeheimnis verschweigen, da ihm die Nachrichten bei sei- üer scelsorgcrischen Tätigkeit mitgeteilt worden seien. Ter Angeklagte gibt zu, daß er die Nachrichten, die er nicht sur wahr gehalten habe, bei einem Abendessen im kleinsten Kreise seinen K a p l ä n c n iv e i t e r- Begeben habe, aber nur als Beweis für die Stimmung, we in den kommiinistischcn Kreisen herrschte. Er habe hinzu- gefügt, wenn das wahr wäre, dann iväre die erbitterte ^ t i in m u ii(i der Kommunisten wohl begreif- k'ch. Er habe zwar seinen Zuhörern nicht verboten, darüber 'veitcrznsprechen. sei aber doch überrascht gewesen, als er später von der Wciternerbreitnng erfahren habe. Bei dem gelegentlich der Haussuchung gefundenen Material habe cS sich nur um Studienmaterial gehandelt. Tic gefundenen Mitgliedskarten der Roten Hilst stammten t'vn Kommunisten, die wieder zur Kirche zurückgebracht, auS der Partei ausgetreten waren und ihm als Beweis dafür dlesx Bücher übergeben hatten. Auch die beiden Mitangeklagten T Haler und Tos- kacher geben bei ihrer Vernehmung den ihnen zurLast ge- legten Tatbestand zu. Auch sie wollen diese Erzählungen nur weitergegeben haben als Beispiel für den Ernst ihrer Unter- Haltung. Tollacher bedauerte, dast er durch seine Schwatz- hastigkeit seine beiden Amtsbrüdcr in Mitleidenschaft Bezogen habe. Zeugen aus der Haft Als erster Zeuge ivnrdc daraufhin ein Kommunist, der sich ebenfalls in Hakt befindet, vernommen, dessen Erzählungen an den Ttadtpsarrer Muhler den Grund zu dieser Anklage bilden. Ter Zeuge erklärt, dast er seine Wissenschast auS einer Broschüre des Kommunisten Beimler über dessen Flucht ans dem Konzentrationslager in Dachau bezogen habe. Er sei seinerzeit von Pfarrer Muhler ausgesucht wor- den, wobei dieser versucht habe, ihn iv i c d c r der Kirche z u z u f ii h r e n. Nach der Vernehmung weiterer Zeuge» wurde im wesentlichen der Tatbestand im Sinne der Anklage festgestellt, je- doch mit der Einschränkung, dast sowohl Muhler wie seine Amtsbrüder die Erzählung gewissermasteu nur als Beispiel für die in kommunistischen »reisen herrschende Erbitterung und deren Ursache hin- stellen wollten. Ein Landgerichtsrat, ein Kriegskamerad Muhlers, stellte Muhler da? beste Zeugnis aus. Er erklärte, er traue Muh- ler nicht zu, dast dieser in hetzerischer Weise irgendeine Greuclnachricht weitergebe. Tarauf wurde die Bewctsauf- nähme geschlossen. Acht Monate Gefängnis beantragt Nach einer Panie beantraate der Staatsanwalt gegen jeden der drei angeklagten Geistlichen eine Gefängnis- ftraie von acht M o n a t e n. Räch dem Straiantraa dcS Staatsanwaltes beantragte der Verteidiger iiir alle Anaeklaaten F r e i s p r n ch. da seiner Meinung nach Tr. Muhler sich vcrvilichtet gehalten habe, derartige Informationen an seine Kapläne weiterzugeben. Das Urteil Tas Tvndcrgcricht verkündete am Mittwochabend folgendes Urteil: Tie Angeklagten Tr. Muhler, Thaler und Sol- lacher sind schuldig je eines Vergehens aeacn§ 3 der Verordnung des Reichspräsidenten vom St. März 1933. ES wer- den verurteilt: Ttadtpsarrer Tr. Muhler zu vier Monaten Gesängnis, Kaplan Thal er zu drei Monaten Getänanis und der Katechet Sollacher zu süns Monaten Gefängnis. Austerdem haben alle drei die Kosten zu tragen. Zu der Urteilsbegründung heistt cS u. a.: Es wurde fest- gestellt, dast Muhler die Behauptungen über Vorsänge in Tachau.„die er, wie nicht widerlegt werden konnte, von einem K o m m u n i st e n erfahren hatte, an seine Kapläne ivcitergcgcbcn bat. Thalcr hat diese Mitteilungen an seinen Kolleaeu Sollacher weitcrgetraaeu, der sie weitererzählte. Tie Behauptungen waren nicht wahr und infolge- dessen geeignet, das A u i e h e n der Regierung schwer z» schädige n. Tr. Muhler gibt zu, die Behauv- tunacn selbst für univalir gebalten zu haben. DaS Gericht verkennt nicht, da» es im, dienstlichen Zntercne wesentlich sein kann, dast der Pfarrer und seine Kavläne über die Stirn- in n n g in Kommunisten kreisen unterrichtet, doch brauchte er nicht E'nrelheiteu wiederzugeben s!t Auch hätte er den K""lauen ein Schmeigeverbat auferlegen und stx davon unterrichten müssen, dast er selbst d>e ibm mitgeteil- ten Behauvtiinoon fii<- unwahr kalte. Das Gericht bat ange- nom"'en. dast Tr. Mubfer nicht a IIs sch lt est li ch auS s e c l f o r a e r i s ch c m Interesse a c h a n d c I t habe, und deshalb stehe ihm eine überaefetzljche Rechtfertigung nicht zur Seite. Strafmildernd wurde bei Tr. Muhler be- rückffchtiot einmal fein Geständnis d-"-„ die Tatsache, dast er als Krieasteflo-bmer voll feine Pff'»fif getan hat und in- nerhalb feines NUichtenkreUes dem Morrismus entaeaen- aetret.',, sei cs r s ch in e r e n d dagegen wirke die Ungeheuer- lichkeit der Behauptungen»nd die Tatsache, daß Muhler in seinem Amt zu einer besonderen Zurückhaltung vurpslichick gewesen wäre. z- Tie Ungeheuerlichkeit dieses Urteils ist aufschlußreich. Geistliche sprechen unter sich Im Psarrhause über die Untaten in Gefängnissen, in Konzentrationslagern. Tas Material darüber ist, von Tachau ganz abgesehen, bergehoch. Tie an- geklagten Geistlichen dürfen nicht einmal wagen, diese Tatsachen unter Beweis zu stellen, sondern sie müssen zu ihrem Schutze erklären, dast sie die Erzählungen des Kvmmnnisten für unwahr gehalten hatte«. Tas kennzeichne! die Recht- losigkeii in Teutschland, aber zugleich auch dieO h n m a ch t und die Trostlosigkeit der Lage des deutschen » a t b o l i z i S in n s. Es ist ein amtlicher Bericht, den wir verössentlichen. Man sieht, dast es nicht nötig ist. Greuclmeldungc» zu„iabrizie- ren". TaS geschieht viel wirksamer durch zuständige Stellen. Professor Adam supendierf Stuttgart, 24. Jan. Tie Vorgänge bei der Heiligjahr- seier der Stuttgarter Katholitcn, insbesondere einige Wen- düngen in der Rede von Uuiversitätsprosessor Adam haben, wie von zuständiger Seite mitgeteilt wird, auch in der Stn- dentenschast der Universität Tübingen„groste Erregung" heroorgerusen. Ter württembergische Kultusminister hat da- her angeordnet, dast bis zu einer endgültigen Entscheidung die Vorlesungen von Professor Adam zu unterbleibe» haben. # Professor Ada m Halle bei der Kundgebung in Stuttgart die religiöse katholische Jugend znsammcngcrusen und in seiner Rebe unter anderm gesagt, dast die Bewegung der „Deutschen Christen" mit dem Christentum unvereinbar sei. Tie Versammlung wurde ausgelöst und Adam verhaftet. Wie In Deutschland Aus dem Gefängnis verschleppt und erschossen London, 25. Jan. Nach einer Reuter Meldung ans Hazard t.Keiituckut brachen 30 bis 4o bewaffnete und maskierte Männer am späten Abend des Mittwoch in das hiesige Perm- Eounty-Gesängnis ein, bemächtigten fidj eines Wjährigcn Negers namens Rex Scott, schleppten ihn in eine» Kraft- wagen und fuhren davon. Ungefähr 800 Personen, die sich vor dem Gefängnis angesammelt hatten, sahen zu. Eine An- zahl Kraftwagen folgte. Als die Grenze der Stadt erreicht ivar, wurden Hunderte von Frendenschitsscn abgegeben. Ter Shcriss nahm mit 50 Mann die Verfolgung der Menschen- räuber auf. Sie konnten aber nur die Leiche des Negers, die an einem Baum hing, finden. Sic war von 40 Schüssen durch- bohrt. Scott war beschuldigt, einen Bergmann lebensgefährlich verletzt zu haben. Tas Lunchen in den Vereinigten Staaten hat beträchtlich zugenommen. Im Jahre 1033 waren im ganzen nur sechs Lunchmordc zu verzeichnen. Im Jahre l983 dagegen wurden 42 Neger und fünf Weiße gelyncht. Flugzeuge im Dienste der Goldgräberei>ö Gin 6870 Pfund schwerer, aus leichtem Nickelstahl gebauter Bagger ist in Ne»-G»inea von der Lüste»ach den Goldfeldern.- über ein 1500 Meter hohes Gebirge und dichten Busch hinweg— mit einem grosten Flugzeug, dessen äußerste Tragfähigkeit damit ausgenutzt war, befördert werde« Wunderkind wird gesucht Der alte und der neue Dalai-Lama Nach Meldungen ans Lhasa ist für den am 17. Te- zcinber verstorbenen T a l a i- L a in a ti u 11 in ehr ein Nachfolger gewählt worden. Ter neue Talai-Lama ist erst wenige Wochen alt. Er wurde nämlich in einer Vorstadt von Lhasa zur selben Zeit geboren, als der frühere Talai-Lama starb, ivvmit nach Auffassung der Tibetaner der Beweis erbracht ist. dast die Seele des Verstorbenen in den Körper des Neu- geborenen gewandert ist. Bis zur Polljährigkeil dcS jungen Talai-Lama wird Tibet von Regenten vcr- waltet werde». ^ Ter Dalai-Lama Ist gestorben. Tibet muß sich einen neuen Herrscher suchen, Millionen Buddhisten brauchen ein ncueS geistliches Haupt. Nicht ein Mensch, ein Gott hat sie verlassen. In den Häusern der Wolgakalmüken und in den Tempeln von Peking, in den Jurten am Baikalsce und in den Stein- Hütten von Tikkim und Ladakh, von Astrachan bis zum Stillen Ozean und vom Himalaja bis Sibirien treiben jetzt die Dämonen ihr Spiel mit den schutzlosen Menschen. So- lange, bis der wiederverkörperte Gott wieder im heiligen Lhassa thront. ES heißt, der Talai-Lama sei von seinen Feinden vergiftet ivorden. Ein dunkler Tod nach, einem trüben Leben. Leicht hat es der arme Nga Wang Lobzang nicht gehabt. Nicht einmal mehr der ibetanische Papst lebt herrlich in der Welt. Zweimal hat er aus seinem Reich fliehen müssen, daS erste- mal 1904, als die englischen Truppen unter Noiinghnsband, der nicht den mindesten Respekt vor göttlicher Würde hatte, bis nach Lhassa vordrangen, und das ziveitemal, da 1910 die Chinesen in Tibet Ordnung machten. Ter Gott hat viel wandern müssen, er war in Indien und in der Mongolei, hat vieles gesehen und vieles gelernt, nicht?, was ihm Freude gemacht hätte, manches, was ihn im Innersten traf. Tas letzte Jahr soll er mit niemandem mehr gesprochen haben, verfolgt von düsteren Ahnungen, nicht so sehr bangend für sein Leben, an dem ihm kaum noch clwaS lag, als für die Zukunft Tibets und seiner Kirche. Das verschlossene Fand— von gestern Man spricht von Tibet alS von dem„verschlosseyen Land", dem„geheimnisvollen Herzen Asiens", der„Wnndcrwelt". Tas hatte noch vor zwanzig Jahren seine Berechtigung. Heute hat sich alles recht gewandelt. In Tibet fahren Auto- mobile— sie sind noch nicht gerade zahlreich, aber eS gibt sie eben doch schon—, in Tibet klingeln Telefone, lärmen Laut- sprecher. surren Flugzeuge. Tie kleine tibetische Armee führt nicht mehr die malerischen Gabelflinlen, sondern Maschinen- gewehre und Gebirgsgeschütze. In ihren Stahlhelmen sehen die neuen Mustertruppen mordsmodern aus. Bor einigen Monaten haben sie sich in den üblichen Kleinkämpien mit chinesischem Militär gar nicht übel geschlagen. Freilich, zu einem ernsten Widersland sind sie nicht fähig. Wenn Tibet heute noch selbständig ist sdem Namen nach gehört eS z» China), so verdankt es das nicht der Kraft seiner Arme« und auch nicht mehr allein der Gunst der Natur, die ihm schwer zu überwindende Grenzen gab, sondern der augenscheinlichen Schwäche Chinas und der Rivalität seiner Nachbarkolosse: Englands in Indien, Rußlands und EHinas. Tibets Unabhängigkeit ist mit jedem Jahr stärker bedroht. Tibet, das Land der Mönche, wandelt sich durch daS Eindringen der modernen Technik. Je lauter die Stimme des Ansagers vom Sender in Tschengtusn klingt, desto stiller wird die des Gott- königs. Ter Traktor rammt die dicksten Klostermauern. Wo die Lampe mit dein Petroleum der Asiatie Oil Company brennt, erlöschen die Opserschalen mit der Schmelzbutter. Ter nächste Talai-Lama wirb der vierzehnte sein. Ob ihm noch viele svlgen werden, ist ungewiß. In der Sowjetunion und in der Mongolei verfällt der LaniaiSmuS. Tie chinesische Regierung hat dort, wo sie die Macht hat, dem Privileg der Mönche, die Laien für sie Stenern zahlen zu lassen, ein Ende gemacht. To bleibt als unumschränktes Hoheitsgebiet dem buddhistischen Klerus allein noch Tibet. Und das nicht mehr für allzu lange. Natürlich bedeutet daS nicht, daß die geistige Herrschaft der lamaistischen Kirche nun im Handumdrehen gebrochen sein wird. Selbst In der Bnrjatcnrepublik in Sibirien, wo die Towjetbehörden den Kampf gegen sie äußerst heftig führen, wo die Lainapriester als nichtwerktätige Elemente nichts zn lachen haben, wo die Klvsterschnlen feit zehn Jahren gesperrt sind, selbst dort lebt die„gelbe Lehre" noch ziemlich kräftig. Ihre äußere Macht ist gebrochen, ihre Macht über>'ie Geister dürfte immerhin noch geraume Zeit bleiben. Wer»n Lhassa Talai-Lama ist, kann keinem der Staaten, der unter seinen Bürgern Lamaisten hat, gleichgültig sein. Ein wiedergeborener Gott Vermutlich ist, da diese Zeilen gedruckt iverden, der»tue Talai-Lama bereits bestimmt. In ihm ist die Seele des toten wiederverkörpert. Ter Körper ist der eines Säuglings. Wenn Theosophen und andre Starren etwas besonders Un- finniges verkünden, beteuern sie meist, daS sei uralte WeiS- heit des Ostens und jahrtausenblang von den Tlbetern alS Geheimnis gehütet worden. Tie Schwindlerin Blavatsky gab vor, mit einem Talai-Lama. der vor mehr als tausend Jahren in Lhassa residiert habe, in mystischer Veibiudung zu stehen. Bor tausend Jahren gab es noch gar'ri im Tal.'I- Lania. Ter erste, der dieses Amt schuf, war ein schlauer'tama- abt, der berühmte Lobzang Gyamtso. Er lebte u.n die Mite des siebzehnten Jahrhunderts. Der Führer der Sekte der Gelbniützen gab sich für de» wiedergeborenen Trongtsan Gampo aus- einen alten und volkstümlichen König von Tibet. Dieser König verkörperte aber einen mächtigen Gott. In ihm hatte jener Berggeist Menschengestalt angenommen, dem die Tibeter verdanken, daß sie keine Assen sind. Am Ansang der Welt nämlich, fo lautet die Sage, gab eS gar keine Tibeter In den Berge» triebe» sich bloß große Affen herum. Erst durch den Genuß des Zanberkrautes, das der Berggeist den Affen zu essen gab, wurden sie Menschen, da.> heißt Tibeler. Wie man sieht, verkörpern sich im Talai-Lama überaus verdienstliche Persönlichkeiten. Nun ist dieser Berggeist— es geht immer weiter— gar kein richtiger Geist, sondern viel mehr. Er ist ein ganz großer Golt. der Gott der Gnade, mit seinem indischen Namen Avalokita, mit dem tibetischen Tschänräzi. Tschänräzi, heißt wörtlich„der mii Augen Be- kleidete". Er ist, weil er alles sieht, allwissend, er herrscht über die Seelenivanderung, er ist es, der ins Paradies führt und auS der Hölle beirrten kann. Seine Gunst erwirbt man durch das Hersagen der Formel:„Um muni p»ckine hnra" sO du Kleinod im LotuSj. Ein Wunderkind wird gesucht Ter Talai-Lama ist also wirklich und wahrhaftig ein Gott, ein Gott, der iiber Leben und Tod, Herrlichkeit»nd Verdam- niiing entscheidet. Er kann nicht sterben. Was stirbt, ist einer der vielen Leiber, deren er sich bedient. In dein gleichen Augenblick, in dem er den alten Leib verläßt, hat er schon einen neuen angenommen. Es gilt nur. Herauszufinden, welchen. In jedem Kind, daS nach dem Tode des Talai-Lama ge- boren wurde, kann sich der Gott verkörpert haben. Plan nnist also sorgfältig Umschau halten..Man erkundigt sich nach Kindern, die unter auffallenden Wnndererscheliiniigen geboren sind oder die»ach der Geburt seltsame Stellungen ein» genommen haben, etwa, daß sie mit gekreuzten Beinen saßen wie Buddha im Zustand der Versenkung. Nun ist allerdings die Suche nach dem Wunderkind nicht ganz iv einlach. Wunderkinder werden nach dem Tode eines Dalai-Lama In Massen geboren. X« q Sucher halle» sich jedoch bei vielen Familien erst gar nicht mit einer Prüfung der angeblichen göttlichen Zeichen auf. Seit langem stamme» die Talai-Lama aus winzigen Dörfern von geringen Eltern. Und zwar, weil die rivalisierenden Priestereliqnen einander nicht stören wollen. BIS zu seinem achtzehnten Lebensjahr ist der Dalai- Lama nicht voll souverän. Für ihn regiert ei» Mönchs kollegium. ES gilt als unfair, sich bereits durch die Wahl eine? Kindes aus einflußreicher Familie ei» Ucbergewicht im Ringen um die Macht zu verschaffen. Wer den erwachsenen Dalai-Lama gewinnt, der hat ihn. Aber bereits bei der Wahl betrügen— nein, das erlaubt die tibetanische Ehre nicht. Nun gibt eS aber natürlich selbst nach der Ausscheidung der nicht ganz neutralen Wunderkinder verkörperte Götier genug. Also muß eine Probe entscheiden, welches das richtige ist. Die Kinder werden nach Lhassa gebracht. Man'egi vor sie allerlei Gegenstände, Glocken, Trommel», Bnddh-bildcr, ie eilt Paar. Das eine Stück hat dem verstorbenen Dalai Lama gehört, daS andre ist eine genaue Nachbildung. Wohn' in mit Kind die Seele des Gottes, dann ergreift es das emie-nick. ES erkennt sein Eigentum wieder. Tie Kirche ha» e>>: UenoS' Haupt. Abonniert die„Deutsche Freiheit" Deutsche stimmen• Helta^e cur..Deutfsiften?reiAcU"• Ereignisse und Geschichten J(öwgqcät< Ii o n in den 70er Jahren de» vorigen Jahrhunderts von der Sprachwissenschaft als solche erkannt und nachgewiesen sei. Dieser Pressenotiz von Prof. Bremer schließt sich nun, gleicherweise übereilig, die Kundgebung jener Breslauer Kollegen an. Meine Neuübersetzung des friesischen Originales. die in strengster Anlehnung an dessen Wortlaut und mit kritischer Stellungnahme zu der niederländischen Ueber- se.tzung Ottemas von 1870 erfolgte, wird alt nichtselbständige Urhertragung verdächtigt. Und weiter wird verschwiegen, dal.) auch ich völlig auf dem Boden jener philologischen Bedenken der Gegner stehe, aber dennoch auf Grund der archäologischen Untersuchung des Inhaltes der Chronik für die Qurllenechtheit ihrer älteren Vorlagen eintrete. Eine archäologische quellenkritische Untersuchung des Inhaltes der Chronik hat nämlich noch nie stattgefunden. Diese meine erstmalige Untersuchung, da» von mir vorgelegte umfangreiche Material, wird in der Kundgebung einfach als „unberechtigt" beiseile geschoben. Ich habe zu dieser Kundgebung meinerseits nichts mehr zu bemerken. Sie ist kein Gericht über mich, sondern ein Selbsturteil der Verkünder geworden. In diesem Sinne äußern sich bereits mir zugegangene Zustimmungen der letzten Tage. Eine in ihrer Erbmasse erwachte geistige „Uaienschafl", ein erwachendes Volk kehrt zu Heimat und Ahnenerbe zurück. Es läßt sich durch keine Autorität»' erklärung ez cathedra einer akademischen Zunft mehr abfertigen. Der geistige„Laie" und ein junger akademischer Nachwuchs beginnt die schweren Unterlassungen der Fachwissenschaft, Germanistik wie Vorgeschichte, zu sehen, sieht die seelischen Hemmungen, welche jene Unterlassungen, jenes Unvermögen zu gewissen Erkenntnissen bedingten. Diese grundsätzlichen Fragen aber sollen gerade durch die Diskussion über die Ura-Linda-Chronik klargestellt werden. Michendorf(Mark) gez. Prof. Dr. Hermann Wirth." • Der Verlag des Schwindelbuchs setzt hinzu:„Da die Nachfrage nach der Ura-Linda-Chronik»ehr stark ist, empfehlen wir diese Erklärung Wirths zu lesen und Sonderdrucke zur Unterrichtung der Käufer anzufordern."— Die„Deutsche Freiheit" war eines der ersten Blätter, das auf den Schwindel hingewiesen hat. Nicht uninteressant mag es sein, an eine vergangene Affäre zu erinnern, an die„Königinhofer Handschrift", deren Verfasser turmhoch über dem Hermann Wirth steht. Das ganze tschechische Volk war im Kampf um Echtheit oder Falschheit der„Königinhofer Handschrift" gespalten; aus eigener Kraft haben die Tschechen und ihre Gelehrten die Falschheit der Dokumente erkannt und ihre Nationalkränkung über die Fälschung überwunden. Allerdings; auf beiden Seiten kämpften damals andere Menschen, Menschen anderen Formates und die Freiheit der öffentlichen Meinung ermöglichte et. den gelehrten halb- politischen Streit bei den Tschechen auf einer Ebene auszu- fechten, die dem„dritten Reich" unerreichbar ist. Es gehört zu den Verdiensten Masaryka, daß er an der Entlarvung der Dokumente mitgewirkt hat. Im heutigen Deutschland können auch philologische Fragen nicht ausgetragen werden; wo die Argumente fehlen, da spricht der„erwachte geistige Laie" und so wird auch diese ganze Angelegenheit einmal zu dem Material des Psychiaters gehören, der die sogenannte Weltanschauung des „dritten Reiches" untersuchen wird. „Speachliche Vechiiczung" Die Sprache der Gegenwart ist durchgreifend. Der Begriff des totalen Staates zeigt, wie eine in sich vielfach gegliederte und komplizierte Gedankenreihe: der Totalitätsanspruch des Staates—, übergreifend auf die bisher dem Individuum vorbehaltenen Gebiete, durch die politische Atmosphäre eine sprachliche Verkürzung erfährt, die alt stenografisches Siegel bereits anerkannt worden ist, die Sprache „unterliegt" der Politik, und diese bestimmt über die Sprache hinweg.- jf, Haut Bußmann in der„Neuen Rundschau", Emigeant an seine Mattet Und es kam die Nacht; der Sterne weißer Schimmel Ueberfloß die fernen, dunklen Wolkenmassen, Und ich saß in meinem kalten Zimmer Und ich dacht an die, die ich zurückgelassen. Und da» Bild der Mutter kam mir ins Gedächtnis Ihre großen grauen Augen schauten Voller Tränen, Kummer und Besorgnis In die Welt, die nie ein Gott erbaute. Not und Elend und Enttäuschung nur und Jammw Sahen diese großen Mutteraugen. Alle Tränen halten sie umklammert. Und die Hände sind jetzt rot vom Wäschelaugen. Grausam war das Schicksal mit uns beiden. Mit der Mutter und mit ihrem Sohn. Beide überhäufte es mit seinen Leiden Und es schenkt zum Elend stets den Hohn. Und dann kam die braune Pest ans Ruder Und ich mußte flüchten über Nacht. Ich, ich ärmstes aller armen Luder, Mutter, oft hab ich an Dich gedacht. Fern nun bin ich. Mutter, in Pari», Und das Leben singt sein hartes Lied. Doch auch einmal wendet sich der Spieß. Denn der Funke in der Asche glüht! Und wir werden in der Reihe sein. Wenn der Tag der großen Flamme naht! Hart noch, Mutter, mußt Du werden, hart wie Stein! Hart, so wie Dein Junge wurde. Deine Saat! Mutter, es ist Nacht ringsum geworden,— Und es ist ein kaltes Winterwehn. Doch die Nacht hat stets den neuen Tag geboren. Bis zu untrem Tag, Auf Wiedersehn! Paul S e h o U- Jm den Steenen sollst das lesen... „Aberglaube und Reaktion sind Zwillinge" Es erschien: Hamburger Uranus-Kalender- Deutseher Astrologischer Kalender 193 4. 154 Seiten. Uranus-Verlag Max Duphorn, Hamburg. Darüber schreibt„Die Bildungsarbeit", das Organ der österreichischen sozialistischen Kulturbewegung, Heft 12, Seite 33: „Was steht in den deutschen Sternen eines faschistischen Kalenders für 1934?„Es bedarf der äußersten Kraftanstrengung von Führer und Volk, um endlich Herr zu werden auf deutscher Scholle, ohne internationale Bindungen, Zinsknechtschaft und Arbeitsnot." Das klingt nicht ganz siegesgewiß. Auch sonst gibt es allerlei dunkle Mitteilungen. Auf Seite 64:„Baidur wird zum Christus-Arahari." Auf der nächsten Seite:„Das Hakenkreuz ist ein echt germanisches Runenzeichen. Wir finden es im hohen Norden, in Europa, im Osten, bei den Indern, Chinesen und Japanern, ja sogar in Afrika." Seite 79 fragt:„Was schadet Pilsudski der Saturn im 10. Hause ganz nahe dem Meridian? Er macht ihn zu einem ersten Brummbär, mit dem nicht gut Kirschen essen ist." Seite 82 stellt fest:„Was Rom in der Fischzeit, wird Deutschland in der Wassermannzeit sein." Ein Aufsatz „Völkischer Okkultismus" besagt, daß die Kabbala nicht etwa jüdischer Okkultismus sei, sondern ein Buch armanischer Weisheit.(Seite 85). Hören die SA.-Männer den Befehl „Stillgestanden", so sind sie nach Seite 93„in dieser Stellung eine auf bestimmte radioartige Gedankenwellen-Willenskräfte eingestellte Antenne der Natur, die nur den Willen des Führers aufnimmt". Viele Zeilen beschäftigt die Saturn- Achse im Horoskop des Prinzen Wilhelm von Preußen. Vier Spalten über Weltwirtschaft empfehlen„geozentrische Planetenperiodenforschungen, denn sie liefern die Angleichung an die naturgegebenen Kräfte, welche aus erster Quelle die Schwankungen der Konjunktur beeinflussen".(Seite 114.) Seite 118 macht jeden zum eigenen Nostradamus. Kurz: Aberglaube und Reaktion sind Zwillinge." Bas Wichtigste In der Eröffnungssitzung de» 1. hessischen Juristentage» am 6. Januar hielt Oberregierungsrat im Reichsjustizministerium Schraut einen Vortrag über„Blutverbundenes Rech t". Im Bericht der„Frankfurter Zeitung" heißt es darüber:„Er(Schraut) gründet da» Rechtsempfinden auf den blutmäßigen Zusammenhang eine» Volkes. Am wichtigsten sei es, daß die Menschen, die an der Rechtspflege teilnehmen, nationalsozialistisches Denken erlernten". Womit sie der Pflicht, irgend etwas anderes zu lernen, enthoben sind und in den Referendarlagern beruhigt Soldat spielen dürfen. Zeü=7loti••-: l-t:■ Nene antisemitische Verfolgungen?— Ein Oberpräsident ruft zu Pogromen auf Zur Ablenkung von den wachsenden Schwierigkeiten Wir drucken nachstehend einen Aufsatz des Gauleiters Oberpräsidenten Kube aus der nationalsozialistischen Presse im vollen Wortldut ab. Es märe schade, auch nur ein Wort fori zu streichen. „Dieses wfldwütlge Haßgeschrei muß in der ganzen Welt verbreitet werden. Wir bitten unsere Freunde in allen Ländern, dafür zu sorgen, daß dieser Aufsatz weit über unseren Gesinnungskreis hinaus beachtet wird. Kube ist Oberpräsident der Provinz Brandenburg und gehört zum engsten Führer- stab der Nationalsozialisten. Persönlich ist über den Mann zu sagen, daß er eine der üblichen nationalsozialistischen Nummern ist. Während des ganzen Krieges reklamierter Drückeberger. Dann als Völkischer Gegner der Nazis, gegen die er Schutz— briefliche Dokumente liegen vor— bei „Jüdischen Lumpen wie Weiß und Grzesinski" suchte. Schließlich Konjunkturnazi und Jetzt mit einem Jahreseinkommen zwischen 30 000 upd 4 0 000 Mark einer der Konjunkturgewinner. Hören wir, wie einer der höchsten Beamten Preußens das Wort des Reichskanzlers,„Den Juden geschieht nichts", zu interpretieren weiß: Das Judentum in Deutschland ist die frechste Gesell- schast der Welt. Als die deutsche' Revolution das System der Pest und der Schande von Weimar beiseite fegte, glaubte die ßflnje Welt, das vom Judentum bis zur Weißglut bei Manneszorns gereizte deutsche Boll würde blutige Vergeltung üben. Darum fanden die marxistischen Greuellügen ja über- all so bereitwillig Glauben. Man konnte es sich in der Welt einfach nicht vorstellen, daß das deutsche Volk mit fast mädchenhafter Zartheit auch unter dem Hakenkreuz die Judensrage behandelte, daß es jüdische Lumpen wie Knttner, Isidor Weiß, Grzcsinsky und tausend andere einfach lausen ließ. Zum Dank für diese Milde speit das Gesindel mit dem kongenialen relativen Ginstein seit fast einem Jahre Unrat gegen Deutschland und hetzt alle Welt zum Kriege aus. Dabeb müssen wir uns immer wieder die verderbliche Rolle des Judentums in Deutschland vorstellen. Vom Mittelalter Mld seinen jüdischen Wuchergreueln wollen wir hier schivei- ssen: Aber m it der Jydcnemanzipation im H a r b e n b e r g s ch c n Geiste beginnt Deutsch- lands.Unglück. Der sinnlose Märzaufruhr von 1848 in Berlin ist das Werk von Polen und verbrecherischen Juden. Keine große Idee, am allerwenigsten die der deutschen Freiheit, stayd hinter dieser Revolte schlechten Gesindels. Der Geist der frankfurter Paulskirche hatte nichts damit zu tun. Schon unter dem ersten Hohenzollcrnkaiser wuchs die Macht deSJudentumS inSGrenzcnlose. B l e i ch r ö d c r b es I e g ttz A d o l f. 3 M!» d er- fort d aiftr b c 8 Kaisertums^ wuchs d»e M acht des JildentumS meit er. Börse, Banken, Theater, Kunst. Presse, Wirtschaft, Justiz, Wissenschaft, Parteion und Politik waren in tüdi- s ch e n Sünden. Die tapfere antisemitische Bewegung der Vorkriegszeit wurde von den Dynastien geächtet. Kein deut- scher Fürst stand in ihren Reihen. Aber der deutsche Kaiser war bei Einweihungen von Syna- gogon zugegen. Der Billenbesitzer und Rentier August Bebel, der zu Lümmeleien als respektloser marristischer Bube neigte, nannte den Antisemitismus„den Sozialis- mus der dummen Kerle". Dieser Bursche vergaß dabei, daß der Marxismus der Sozialismus der Gauner, Landesver- räter» Schieber und Bolksbctrüger war und ist. Die Rolle der Juden im Weltkriege ist bekannt. Die Be- trttgcreien der Kriegsgesellschaften kommen überwiegend aus Judas Schnldkonto. Der 9. November 1918 spülte den i i!- d i s ch e n Kehricht an die Oberfläche. Frech forderten die Provokateure den Generalfeldmarschall von Hindenburg und den General Ludendorsf vor den sogenannten„Unter- suchungsausschuß" ihres ehriurchtslosen Schandparlaments. Die Sinzheimer, Landsberg, Levi und Cohn beherrschten die Situation. Frech und respektlos wurde der greise General- seldmarschall von Hindenburg von diesen jüdischen Ver- brechern augepöbelt. Das sollte das d e u t s ch e B o l k nie vergessen! Die Ehre der toten Königin Luise und der damals noch lebenden edlen Kaiserin Auguste Viktoria wurde von der jüdischen Journaille roh verunglimpft. Der Kaiser, der weiß Gott während seiner Regicrungszeit den Juden Verständnis und Freundschaft iB a l l i n!j entgegengebracht halle, wurde nun als Größe von gestern von der ge- jamten jüdischen Prcsscmcutc begeifert und besudelt. Der damalige preußische Justizminister am Zehnhos vom Zen- trum erließ seine berüchtigte Verordnung, wonach die Staatsanivaltschast gegen Vergehen von Antisemiten beson- ders scharf vorgehen durste. Die seit Jahrzehnten pexjudetc preußische Justiz folgte diesem Winke bis 1982 mit Wonne. Die Rechtsprechung stand in Deutschland bis zum Jahre 1982 völlig unter.jüdischem Einfluß. Die Justizdeoatten des Reichstages, des Preußischen Landtages und der meisten übrigen deutschen Länderparlamentc geben hierüber er- schöpfendes Quellenmaterial. Erst die nächste Richtergeueration wird ganz begreisen können, wie tief das Rcchtsbewußtsein des schassenden deut- scheu Menschen in der Judenrcpnblik von Weimar immer wieder zynisch und bewußt verletzt wurde. Man sollte alle Urteilsbegründungen von 1919 bis 1982 ge- gen Nationalsozialisten, Stahlhelmer, Völkische, Deutsch- nationale usw. einmal wissenschastlich bearbeiten. Die Reden der Herren Staatsanwälte würden freilich die Urteils- Begründungen noch in den Schatten stellen. Herakles im Stalle des Augias war ei» kleiner Mann gegenüber den Aufgaben, die die Nationalsozialisten Hanns Kerrl. Dr. Frank II und Roland Freister in der Justiz durch- zuführen und zu bewältigen hatten. Wenn heute jüdischer Anmaßung und Ilebcrheblichkeit von untergeordneter nationalsozialistischer Seite entgegengetreten wird, wie kürzlich in Ebcrswalde, dann bezeichnet das jüdische Frechheit als„Eingriff in die Wirtschast". W i r wollen nicht vergessen, daß die VolkSverderbcr R a t h e n a u und Hilserding jüdische„Wirt- k ch a f t l e x" wäre n. Auch Kntisker, die B a r in a t s und die s k l a r e k s waren typische Vertreter jüdischer Wirk- schaitsmoral. Man komme uns nicht mit solchem fanlcn Zauber!' Es gibt für den noch in Deutschland geduldeten Inden keine Hintertür, um wieder Verwirrung in deutschen Rei- hen zu stiften oder gar Einfluß zu gewinnen. Gerade wir im deutschen Osten kennen die südlichen Methoden; Bietet man dieser geschmeidigen, frechen Gesellichast den kleinen Finger, dann hat man im Handumdrehen die Pest wieder im Hause. Und das Judentum soll nicht vergessen, daß sein Echo in der Welt geringer geworden ist. Den» seit dem 1. April 1983 haben die anderen Völker die köstlichen Gastgeschenke der verendeten Republik von Weimar, die ausDeutschland ans- gerissenen marxistischen, pazifistischen und.liberalen. Juden, Zivilisten usw.'peMulich'keniiengelcrni. In Frankreich, Po- len und' Nordamerika ist' deL Amisem i tis rtj.u f, mi(.der Äff hl der aus Deutschland eingewanderten Judich gewachsen. Der Jude soll nicht glamben, daß er im Hitler-Deutschland d i eaite Rolle spielen k a n n. Ritterlich ist ihm die Rcichsregicrnng beim Beamten- gesetz entgegengekommen. Ritterlich wurde er in seinem wirtschaftlichen Erwerbssinn in seiner nun einmal vorhandc- neu Eigenart respektiert. Im Verlaus der deutschen Revo- lution hat Adolf Hitler von uns Nationalsozialisten größere Opier gefordert als von unseren überwundenen Gegnern und Feinden. Von Uns kann der geliebte Führer alles verlangen! denn ihm sind wir verschiboren. Mit citer- ner Diszivlin hat sich unsere SA. am Zügel. Aber sie kann, ivird und darf es nie vergessen, daß das sadistische Gummiknüppelregiment der Grze- sinsky, Abegg und Weiß eben von Judenhaß geleitet wurde und daß des Führers Ehtc immer wieder von denselben Subjekten durch den Dreck gezogen wurde. Als- der L u m p und Judenba st ard Grzesinskn in Leipzig nach der Hunde- peitsche gegen den deutschen Frontsoldaten Adolf Hitler schrie, der damals zur ReichSpräsidentenwabl kandidierte, fand sich in ganz Preußen kein Staatsanwalt, der den Mut gehabt hätte, den keifenden Grzesinskn anzuklagen. Kein ein. ztger S t a a t s a n w a l t> n g a n z P r c u ß« n! Unseres Führers Ehre war noch 1932 in Preußen vogelsrci! Den Retter Teutschlands vor dem Bolschewismus durfte ein Jude Mit der Hundepeitsche.- aus der Ferne natürlich!- be- drohen, und kein Staatsanwalt erregte sich darüber. Aber man soll sich die Reden dieser Herren gegen Heines und Ober- leutnant Schulz einmal durchlesen! Das alles haben wir nicht vergehen, und mir werden e s auch nicht vergessen. Um aber Judas Wirken den Geschlechtern lebendig z« er- halten, die nach uns kommen und die aus eigener Ersah- rnng nicht wissen, was Judenherrschast und Judenwirt- schast sast ein Jahrhundert hindurch in Deutschland bedeu- tet haben, sollte die deutsche Wissenschaft daran gehen. Mo- numcntalwerte aus Grund der Akten und der Archive mit deutscher Gründlichkeit zu schassen, die«nangrcisbares und unantastbares Material geben. Besonders die preiiischcn Staatsministcr für Justiz und für Unterricht, Kunst und Volksbildung sollten Akten und Archive sicherstellen und nationalsozialistischen Juristen, Volkswirtschaftlern und Historikern zur Verfügung stellen. Nur Nationalsozialisten, die vor dem 89. Januar 1888 schon Mitglieder der Partei waren, dürfen mit diesen Ausgaben betraut werden. Denn antisemitisch in ihrer Gesamtheit war nur die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei. Heißt es doch im Punkt 4 des Programms der Nationalsoziali- stischen Deutschen Arbeiterpartei: „Staatsbürger kann nur fein, wer Volksgenosse ist. Volks- genösse kann nur sei», wer deutschen BlutcS ist, ohne Rück- fichtnahme auf Konfession. Kein'Jude kann daher Volks- genösse sein." T in n g e m ä ß auch nicht Staatsbürger! Im Punkt 5 des Parteiprogramms heißt es: „Wer nicht Staatsbürger ist, soll nur als G a st in Deutsch- land leben können und muß unter Fremden-Gesetzgebung stehen." Und Punkt 6: „Das Recht, über Führung und Gesetze des Staats zu be- stimmen, darf nnr dem Staatsbürger zustehen. Daher fordern wir, daß jedes öffentliche Amt, gleichgültig welcher Art, gleich ob im Reich, Land oder Gemeinde, nur durch Staatsbürger bekleidet werden darf. Noch deutlicher wird Punkt 7: „Wir fordern, daß sich der Staat verpflichtet, für die Er- werbs- und Lebensmöglichkeit der Staatsbürger zu sorgen. Wenn es nicht möglich ist, die Gesamtbevölkerung des Staates zu ernähren, so sind die Angehörigen fremder Nationen lNicht-Staatsbürgcrj aus dem Reiche auszuweisen." Den Punkt wollen wir kühl aus Eis legen. Aber wir bit- ten die jüdischen Zeitgenossen, ihn nicht zu vergessen. Das Eis unseres Wohlwollens wird sie abkühlen, damit sie nicht .schon jetzt wieder aus der Rolle fallen! Interessant für die . Inden.sind auch, die Punkte 8, 1«, 17, 28, 24«ud vor allem 18 hes Parteiprogramms. Dieser lautet: „Wir fordern den rücksichtslosen Kamps gegen diejenigen, die durch ihre Tätigkeit das Geineininteresse schädigen. Geweine Bokksverbrdcher, Wucherer. Schieber usw. sind mit dem Tode zu bestrafen, ohne Rücksichtnahme auf Konses- sio» und Raffe." Bisher wurde bekanntlich auf die jüdische„Konfession" und Rasse immer ausschließlich Rücksicht genommen! Wenn wir also ehrlich bleiben wollen als Nationalsozialisten— und das wollen wir bei Deutschland und Adolf Hitler—, dann Müssen wir Antisemiten bleiben! Den neuen Parteigenossen aber, die unseren Kampf ge- gen das: Judentum vor der Machtübernahme noch aus der Etavne des Nurwählers beobachtet haben, sei der letzte Satz im Punkt 23 des Parteiprogramms ehern ins Hirn gc- schrieben: „Die Führer der Partei versprechen, wenn nötia unter Einsatz des eigenen LebenS, für die Durchführung der vorstehenden Punkte rücksichtslos einintreten." Daaege« gibt es keine Versichernng! Und die Rücksicht», losiakeit gegen uns und unsere Gegner, unter denen der Jude immer bleiben wird, wollen wir uns bewahren! GibUdS fälscht den„Petit Parteien" .Von Arthur Seehof Tie lügen nicht nur erbarmungslos, sie fälschen auch. Wer? Die Herrschaften, die von Herrn Göbbels geleitet werden und sich Provagandaiiiinistcriui» nennen. Seltsamerweise ist die Fälschung diesmal nicht von einem offiziellen Organ der NSDAP, publiziert worden, sonder» von einem Blatt, das nnr zu gern immer offizieller und offizieller werden möchte. Bon der„Kölnischen Illustrierten Zeitung". Dieses Blatt bringt es in seiner Nummer vom 39. Dezember 1933 tat- sächlich fertig, ein Exemplar des„Petit Perisien" zu repro- duzieren, photographisch zu reproduzieren, das in Wirklich- keit niemals erschienen ist. Der„Petit Parisien" vom 16. Dezember 1938 erschien— wie auch sonst— in der gewohnten Form. Nun, an der Form haben die Göbbels und Genossen natürlich nichts geändert, aber am Inhalt. Tie haben.Meldungen über das Geschwader Vuillemin. das ge- rode in Tunis angekommen war. und andere einlach etwas tieisr gerückt und über die halbe Seite hinweg dieses gesetzt: „Cessons de mentirl Notie dorument„allemand"»n fatix? Oui, un fauxl" Und dann wird in einem Französisch, von dem man merkt,,daß es in Deutschland fabriziert worden ist, erzählt, daß die Redakiion nicht umhin kann zu erklären, daß sie bei der Veröffentlichung ihrer bekannten Dokument« politischen Hochstaplern zum Opfer gefallen ist usf. ES ver- lyhstj wirklich nicht, den ganzen verlogene» Text bierherzu- sehen oder in lleberietzung zu bringen. Tatsächlich hat der „Petit Parisien" an diesem Tag— am 19, Dezember 1933— und auch sonst nicht eilt Wort von dem veröffentlicht, von dem die Reproduktion der„Kölnischen Illustrierten Zei- tung" zu erzählen wagt. Im Gegenteil, der„Petit Parisien" Hai immer wieder betont, daß seine Dokumente echt seien, und daß die deutschen Dementi? keineswegs den Tatsachen entspräche». Aber was macht sowas schon einem Göbbels und seiner gleichgeschalteten Presse auS? Sie, wie die natio- nalkozialistischc Partei und Regierung haben das deutsche Volk schon io ost und lo gründlich belogen und betrogen, daß ei bei dielen Herrschakten auf eine Lüge mehr ober weniger schön gar nicht mehr ankommt. Worauf es diesen Herrschaf» ten ankommt, ist. dem deutschen Volk zu erzählen, daß eine ganze Welt immer mehr Achtung vor dem„Führer" und sei- neu Banden bekomme, waS ja dann auch durch den Text, den die„Kölnische Illustrierte Zeitung" der Fälschung beifügt, zum Ausdruck gebracht wird. Als wir diese grobe und gemeine Fälschung bemerkten, eine Fälschung, gegen die sich das deutsche Volk nur äußerst schwer wehren kann, stellten wir allen Ernstes die Frage: Sind das noch Methoden zwischen zwei Staaten, von denen der eine immer wieder vorgibt, die Verständigung mit dem anderen, der eine wirkliche Verständigung will, zu nwllen? Nein. Sowas sind sdion keine friedlichen, auch keine diplo- matischen Mittel mehr, mit einem anderen Staat zü debat- tieren. Sowas ist Haß, ist Kriegsrwrbereitung. Eine intellek- tuelle Krtegsvorbereitung, die außerdem vorzüglich zu der materiellen der Hitlermacht paßt. Die Nummer des„Petit Parisien" vom Isi. Dezember 1933 ist in der Ausmachung, wie sie die„Kölnische Illustrierte Zeitung" wiedergibt, wohl insofern dem Original genau Frieden und Verständigung reden, schüren sie— mit den gemeinsten, mebr mit den verbrcchcrichsten Mitteln— eine Hetze, von der jeder denkende Politiker heute weiß oder doch wissen sollte/ wohin sie führt, ja führen muß. kauft schöne Diamanten, Perlen, Silber, Gold vinKimri Paris, 43, rue Lafavette. Expertise nachgebildet, als Kopf, Format und die ersten drei Spalten richtig reproduziert sind. Die Fälschung besteht darin, daß ein Artikel in das Blatt hineingebracht worden ist, der.nie- m a I s in ihm enthalten war. Weder in der dritten Ausgabe, wie das Kölner Blatt ängibt, noch in einer anderen. Die. die von Berlin aus nicht laut genug über Falschmeldungen und Greuellügen schreien können, hier— beim„Petit Part»> sien"— sind sie selbst als die Fabrikanten von Falschmel», düngen, von Lüge und von Niedertracht angeprangert. Wäh- rend sie— scheinheilig und verlogen— immer wieder von Rettet ossietzhg! Ein Hilferuf in der„Times" (Jnpreß.j Die„Times" veröffentlicht einen an sie ge- richteten Brief ihres früheren Chefredakteurs Wickhain Stced, der die Aufmerksamkeit der englischen ökkentlichen Meinung aus das Schicksal des früheren Herausgebers der „Weltbühne", Karl v. Ossietzky, hinlenkt. Ossietzky befindet sich bekanntlich seit der Nacht des Reichstagsbrandes in Haft und feit Monaten im Konzentrationslager Sonncnburg. Wickham Steed beruft sich auf zuverlässige Zeugen, die ihm mitteilten, daß Ossietzky die Leiden, die ihm auserlegt sind, nicht lange mehr zu ertragen vermag. Die schlechte Behand- lung, die Unterernährung ein rücksichtsloser militärischer Drill und wiederholter Aufenthalt in Dunkelarrest haben seine Gesundheit, wenn nicht seinen Geist, gebrochen. Steed erinnert an die Lau'babn OistetzknS, an seinen überzeugten Pazifismus und an den großen Wert seiner Publizistik. Er habe zwei Feinde gehabt: die Sozialdemokratie und die Reichswehr: man habe ihn Zu 18 Monaten Gefängnis ver» urteilt, von denen er bis zur Amnestie durä, die Regierung Schleicher 9 Monate abgejesse» habe.!rov des Rats seiner Freunde, zu fliehen, sei Ossietzky in Deutschland geblieben. Heute befinde er fidj an der Grenze des Todes. Steed schließt mit einem Appell an die zivilisierte Welt, der nicht ungehört verhallen dürfe. Holland und van der Lübbe Am Tage der Hinrichtung van der Lübbes hatte die sozial» demokratische Rundfunkorgauisation gegen die Nazt-Blut- justiz dadurch protestiert, daß sie ihre Sendung um fünf Mt? nuten unterbrach.— Zur Strafe für diesen Protest gegen einen Mord hat der holländische Innenminister für den hol» ländischen ArbeUerradiobund ein ganztägiges Sendeverbot erlassen^ das am 27. Januar zur Anweubung kommt. Pariser Deridtfe Pariser SlraOenhalender Dem\ ernehmen nach haben sich die deutschen Abteilungen beim jüdischen Comite National in Paris zu eigener Initiative vereinigt. ♦ Am 5. Februar soll in Paris die erste Generalversammlung de» neugegründeten Verbandes deutscher Journalisten in der Emigration stattfinden. In dieser Versammlung»oll auch die Stelle eines Vertreters der Journalisten in der Lisa für Menschenrechte neu beseht werden. ♦ Rudolf Serbin, der Begleiter Adolf Büschs und Baseler Pianist, gab mit Erfolg seinen ersten Pariser Klavierabend der Saison mit\Ierken voB Bach, Beethoven. Schubert und Chopin. * Die Pariser Zeitschrift„Das blaue Heft" ist eingegangen. » Eine Pariser Stenotypistin, die als ihr(jetjt von ihr geschiedener) Mann arbeitslos war, ihrem Chef etwa 27 000 Fr. durch Ausradierungen unterschlagen und den Betrag bis auf 800 Fr. zurückgegeben hatte, erhielt ein Jahr Gefängnis mit Bewährungsfrist. ♦ Christine Papin. die ältere der beiden Dienstmädchen, die in der Gegend der Sarthe ihrer Dienstherrin die Augen ausgerissen hatten, wurde von der Todesstrafe zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt. Sie war zuletzt in den Hungerstreik getreten. * Paris erhielt eine Schuberts!raße in der Gegend des Boulevard Davout. * Die Ankunft des ersten Transports von hundert deutschen Flüchtlingen aus Paris in Palästina steht bevor. Ein abgesagtes Kleiber-Gaslsplel In Paris Die„Emigranten" sind„schuld" au diesem auffälligen Schritt Durch die musikalische Fachpresse geht eine Notiz, die nicht im Dunkel bleiben darf:„Erich Kleiber, der frühere Generalmusikdirektor und jetzige Staatskapellmeister der Berliner Oper, sollte im Laufe dieser Woche das Orchestre Symphonique de Paris dirigieren. Er verzichtete aber, da er sich keinen„Unfreundlichkeiten" von Seiten der in Paris befindlichen deutschen Flüchtlinge aussetzen wollte."' Ein interessanter Fall— aus mehr als einem Grunde. Zunächst der Mann selbst. Ein Musiker, der seinen beispiellos schnellen Aufstieg im Deutschland der„Novemberverbrecher" begonnen und mit gutem Erfolge durchgeführt hat. Vor genau zehn Jahren wird der junge Mannheimer Kapellmeister von den sozialdemokratischen Referenten Seelig und Kestenberg in das Amt des eben ausgeschiedenen Leo Blech eingesetzt. Er wird bald ein kleiner, aber schlauer„Eroberer". Nach oben geschickt verhandelnd, Intendanten stürzend. Minister überzeugend, nach unten tretend, ein Tyrann vor allem wehrlosen Opernmitgliedern zweiter Ordnung gegenüber. Eine eminente technische Musikantenbegabung zweifellos; aber ein Mensch ohne jede Reife, mit schlimm fühlbaren Bildungslücken und infantilen Tyrann!»- Komplexen. Eitelkeit und Laune beherrschen ihn bis zum Exzeß.„Die Staatsoper, die diesen Mann als Generalmusikdirektor hat, besitzt in ihm zwar eine ungewöhnliche Kraft, muß aber auch die Erfahrung machen, daß sie dem maßlosen Ehrgeiz eines Halbreifen, innerlich ganz Unausgeglichenen, im allerhöchsten Sinne Kleinen, preisgegeben ist." So Adolf Weißmann in seinem Buch„Der Dirigent". Er gibt damit nur konzentriert die Meinung aller Musiksachverständigen wieder von ganz rechts bis ganz links. Trotzdem: Kleiber hält sich ein Jahrzehnt an leitender Stelle. Berlin, das über Furtwängler, Klemperer. Walter, Blech und Stiedry verfügt, sieht auf dem repräsentativsten Opernposten des Reiches einen„chaotischen Menschen, der vielleicht nur höchste- Selbstüberschätzung selbstherrlichen Dirigententums darstellt". Die Diplomatie dieses„Wiener Musikanten" versagt auch nicht bei dem politischen Szenenwechsel ins„dritte Reich". Bis heute weiß man nicht einwandfrei, ob Kleiber als gleichgeschalteter Ausländer oder rassereiner Deutscher auf seinem Posten belassen worden ist. Er tut alles, um im Halbdunkel zu bleiben. Zwar ist es in den Berliner Musikzirkeln— soweit es das in der braunen Metropole noch gibt— offenes Geheimnis, daß Kleiber die treibende Kraft bei der Vertreibung Bruno Walters aus Deutschland gewesen ist. Ob es die Kühlung alter Rachegefühle oder nur neudeutsches Geschäftsinteresse für die frei werdenden Abende der Berliner Philharmoniker gewesen ist, sei dahingestellt, ist auch angesichts der Tatsache unwichtig, daß er sich mit Herrn Staatsrat und Operndirektor Furtwängler als Chef im Hause nun stärker als früher seiner Haut wehren muß. Die Maske des modernen Kulturbolschewisten, der— mit dem Reichspräsidenten Ebert in der Loge— einst Krepeks„Zwingburg"' kreierte, ist ja längst abgelegt. Aber auf Auslandsruhm will man nun doch nicht so ohne weiteres verzichten. So weit ist das autarke Erwachen der von Göbbels zugelassenen Taktstockhelden noch nicht gediehen. Au» Brüssel und Antwerpen liegen Gastangebote für Kleiber vor, und der Pariser Triumph de» Rivalen Furtwängler(im vorigen Frühjahr noch) läßt den kleineren Pultdespoten nicht ruhen. W'a» tun, da gerade in Belgien die Stimmung gegen alle», was aus dem erwachten Nachbarlande kommt, nicht gerade freundlich ist? Da das ausländische Publikum noch immer mit unzuverlässigen jüdischen und marxistischen Elementen durchsetzt ist?— Der Diplomat Kleiber und seine tüchtigen Manager finden den Ausweg: für außerdeutsche Konzertsäle ist der Berliner Staatskapellmeister ein Wiener Juden- stämmling, der von den deutschen Stellen nur geduldet wird. Der Trick gelingt, das ausländische Publikum glaubt auch diesem Schwindel. Und ein paar Wochen später— der Brüsseler Gastzyklus ist noch nicht beendet— sagt der gleicht„geduldete Juden- stämmling" ein Pariser Konzert ab, aus..Angst vor feindlichen Emigranten Kundgebungen". r, Stunden wurde er wieder flott, als die Flut eingesetzt hatte und sechs Schlepper ihn ins Schlepptau genommen hatten. Tie„Aquitania" konnte ihre Reise nach Cherbourg und von dort nach Reuyork fortsetzen. TNB. B e r l i n, 24. Jan. Nach den ans Grund der Rolks» zählung am lS. Januar 1983 vom preustischen Statistischen Landesamt getroffenen Feststellungen gibt es in Preusten zur Zeit 80 488 Gemeinden. Wie die Wandelhalle meldet, hat demnach seit der vorletzten Volks- zählung im Jahre 1925 die Zahl der preustischen Gemeinden um 12 289 abgenommen. Diese ansterordentliche Berminde- rung ist eine Folge von Eingemeindungen und der Ans- teilung von Gutsbezirten, die zwischen den beiden Bolls« zählnngen in austerordentlich starkem Umfange stattgefunden haben. Bon den gegenwärtig in Preusten vorhandenen 477 Kreisen sind 118 Stadt- und 88t Landkreise. In den Stadt- kreisen lebten 17 558 035 Personen— 48,99 Prozent, in den Landkreisen 22 850 894 Personen— 58,01 Prozent. Nach dem„Excelfior" soll ein Parlamentarier, und zwar der derzeitige Unterftaatssetretär im Anstenministcrinm, Ab- geordneter Francoi» de Tessan, zum Nachfolger des bei dem Absturz des Flugzeugs„Smaragd" ums Leben ge« kommenen Generalgouverneurs Pasquier zum General- gonverneur von Jndochina ernannt werden. Die Regierung würde einen Staatsminister oder Tberkommistar nach den französischen Besitzungen im Stillen Tzean eut« senden, dem cm Gouverneur beigegeben würde, den mau unter den hohen Beamten in Jndochina auswählen w ürde. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann P i y In Imsweiler; für Inserate: Cito Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Perlag: Verlag der Polksftimm« GmbH.. Saarbrücken?, Schützenstraße ü. Dr. Sp6clallste 90, rue d« Rlvoli— Metro: Chalelei RADIKALE HEILUNG von BLUT., HAUT, aad FRAUENKRANKHEITEN Heilung kraa»lidar» aad«H«»t» Beiaoaadea Neueste BehandlungCMetaodeu Elektn. zitlt lmphingtvcrtahfcu Irr peile eine» Einspritzungen Blut, und Hern-Uatenndhenfen.-Spei. Unkultur. Saivarsan. Wiiwi usw. Sprechstunden tlglicb et» 10—12«nil tos 4—8 Ulu Sonatags tos 9—12 Übt Konsultationen wm IS Fr. ah. Man»gelabt duliib 20 fahre Weltgeschichte in 700 Bildern I Einleitung von Ft. Siebtrrg Gelegenhdts« Angebot statt 29,30 Fr. ietz* nur M-l Fr# Sofort tu beziehen dar du BUCHHANDLUNG der „Volksstimme" Saartrikkn», Sahahotae.U