\ k Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands krummer 22— 2. Jahrgang J Saarbrücken, Samstag, den 27. Januar 1934 I Chefredakteur: M. B r a u n Aas dem Inha lt Jxankceich und tnqland Seite 2 JUicAsutehcnünistu gegen Tlazisßeticien Seite 3 £euna uxaciet auf den Jicieg Seite 4 Silicat ü&ec Asien Seite 5 Tleue Jagdgcünde du SA. Seite 7 Macdonalds Versagen Die Entsdilußlosigkett der brlfisdicn Regierung gefährdet Europa Die englisdie„Drütte" Ein schwankender Steg London, 21». Jan. Zu der bevorstehenden Erklärung der englischen Regierung über die Abrüstungssrage meldet der politische Berichterstatter des„Daily Telegraph", dast Sir o h n Simon nächste Woche im Unterhaus mitteilen werde, z» welchen Schlustfolgerungen der Abrüstnngsausschuss des Kabinetts auf Grund des diplomatischen Gedanken- austausches der letzten Zeit gekommen ist. Es wird aber, so betont der Korrespondent, nichts darüber gesagt werden, dast ei« neuer Plan ausgearbeitet worden sei. Der Kabinettsausschust habe bereits vor zwei Wochen dahin entschieden, dast es keinen Zweck habe, wenn Grostbritannien im gegenwärtigen Stadium ins einzelne gehende Vorschläge machen wollte, selbst wenn sie nur allge- meinen Eharakter hätten. Der diplomatische Berichterstatter des„Daily Tele- g r a p h" schreibt, der Macdonald-Plan blcibedie Grundlage jeder Abrüstungserörterung. Von einem neuen britischen Plan sei keine Rede. Zweifellos wür- den schließlich neue britische Borschläge gemacht werden, um die wesentlichsten deutsch-französischen Mei- nungoverschicdnheitcn zu versöhnen. Diese Vorschläge wür- den eine wesentliche Umschmelzung des ursprünglichen Mac- donald-Planes einschlichen. Es sei aber unwahrscheinlich, dast sie schon in der nächsten Zeit feste Gestalt erhalten. Vielmehr würden zunächst die britischen Botschafter inBerlin, Rom und Paris in u» formellen Besprechungen bei den Regierungen Sondierungen vornehmen. Aus Grund der Ergebnisse dieser Besprechungen werde der Kabinettsausschuft nächste Woche Anregungen formulieren, die eine Brücke zwi- schen dem deutschen und dem französtschcn Standpunkt bilden könnten. * D. F. Der englische Premierminister Macdonald ist vor einigen Wochen in seinem Wahlkreis ausgepfiffen worden und konnte nur mühsam seine Rede zu Ende bringen. Die Gegner waren ivohl vorwiegend über innerpolitische Ber- sager empört, aber der Zwischenfall, der noch vor einem Jahre ganz undenkbar gewesen wäre, ist ein Anzeichen deS grostcn Prestigeverluftes, den Macdonald erlitten hat. Seine Autorität und die seiner Regierung sinken von Tag zu Tag. Nicht nur in England, sondern in der ganzen Welt, denn nichts ist seit Monaten unzuverlässiger, unübersichtlicher und haltloser als die englische Politik. In vollendeter Unent- schlosienheit will sie unüberbrückbare Gegensätze ausgleichen und erreicht damit nur, dast die Abgründe sich vertiefen und die Gefahren in Europa sich vermehren. Durch dieses ewige Zandern und kavieren ist es nun dahin gekommen, dast die ohnehin schon beinahe hoffnungslos verwickelte Abrüstungö- frage, die längst ein Aufrüstungsproblem geworden ist, auch noch durch die österreichischen Tchivierigkeiten iveitcr kom- pliziert worden ist. Das englische Kabinett sieht sich nun nicht nur von Deutsch- lnnd zur Vermittlung in den Hccresgcsprächen zwischen Deutschland und Frankreich angerufen, die an einem sehr kritischen Punkte angelangt sind, sondern wird auch von der österreichischen Bundesregierung gebeten, mit verstärktem Druck auf die Reichsregierung einzuwirken, diese möge die nationalsozialistischen Äusstandsvcrsuche in Oesterreich ab- blasen. Auch damit wird die englische Regierung nicht zum ersten Male beiastt. Sie hat auf die österreichischen Hilferufe hin schon wiederholt in Berlin interveniert, aber sich jedes- mal beruhigen lassen, obwohl doch auch Macdonald und die Seinen kaum noch glauben dürsten, dast die österreichischen Nationalsozialisten ihr Treiben ohne Rückendeckung im Reiche wagen. Ihr wirklicher Führer Habicht ist deutscher RcichstagSabgeordneter. Er dirigiert die nationalsozialistische Aufstandsbeivegung von Deutschland her und beliefert sie mit Walsen und Munition. Tie österreichischen Behörden haben hänsig schon solche Transporte aus dem Reiche ange- halten. Hätte sich die englische Regierung nicht monatelang durch die Versprechungen der Reichsrcgicrung belügen las- scn, wäre die östcreichiiche Krise längst vorüber. Run windet sich die englische Regierung wieder einmal um einen AuS» weg, der die österreichische Selbständigkeit' rettet, ohne der deutschen RelchSregierung den Weg nach Genf zu versperre.., den ihr die englische Regierung offen halten möchte. So läßt denn die englische Regierung einerseits in ihrer Presie verkünden, dast eine„Razifizierung Oesterreichs" zu ^rwicklnngcn in Zcntralcnropa führen müsse und andererseits fürchtet sie sich, dast Oesterreich die Bedrohung seiner Selbständigkeit durch die deutsche nationalsozialistische Par- teiregierung vor den Völkerbund bringe. Tic englische Re- gierung gibt zu, dast die österreichischen Nationalsozialisten ihre„Uebeltaten" nicht ohne Billigung des Hauptquartiers der Partei ausführen, wie es in einem Aufsatz der„Times" heistt, aber sie hält die Illusion aufrecht, dast gütliches Zu- reden in Berlin helfen könnte. Niemand glaubt daran. Weder Macdonald noch irgend, sonstwer in Europa, aber die allgemeine Verlogenheit wird fortgesetzt, bis die Anhäufung der Zündstoffe die Explosion erzwingt. An dieser Entwick- lung tragen dann die ewige» Versöhnungsprediger wie Mac- donald mindestens dieselbe Schuld wie die Militärs und die Bandensührer, die andere als kriegerische Lösungen sich nicht denken können. Den Kräften, die in Berlin mit allen Mit- teln eines brutalen Regimes sich am Ruder halte», sind die Regierungskünste Macdonalds mestlich-llbcralistisckc Schwach- Herzigkeiten, über die sich lustig machen, wie Kannibalen über Vegetarier. Wenn Macdonald nicht wagt, das Rüstungsproblem wirk- lich resolut anzupacken, so könnte er wenigstens in der öfter- reichischeu Frage, die eine Einheitsfront zwischen England, Frankreich und Italien ohne Schivierigkeit ermöglicht, Ener- gie entwickeln. Er und sein Kabinett scheinen auch davor zu- rückzuschreckcn und sie werden damit erreichen, dast England die Entscheidungen nur erschwert. Schon jetzt hat es sich so sehr in die kontinentalen Probleme hineinmanövriert, das sein Wunsch, sich zu distanzieren, nicht mehr zu verwirk- lichen ist. Das österreichische Problem lästt keine langen VerHand- lnngen mehr zu. ES erfordert rasches und lautes Auftreten der Mächte, die von der Bundesregierung angerufen wor- den sind, oder eine Demonstration des Völkerbundörates, die klar die Folgen eines nationalsozialistischen Umsturzes in Oesterreich ausspricht. Wenn Macdonald und Sir John Simon das österreichische Problem aus der Verbindung mit der Abrüstungskonferenz, in die sie es haben hineintreiben lassen, nicht schleunigst lösen, sind die Folgen unabsehbar. Der nationalsozialistische Terror in Oesterreich ist eine der Schwächen nationalsozialistischer Außenpolitik, und die bri- tische Regierung begeht ein Verbrechen an der friedlichen Entwicklung Europas und an der Lokalisierung der national- sozialistischen Barbarei, wenn sie diese Schwäche nicht aus- nutzt. Man sollte doch wissen, daß die in Genf zur Verhandlung stehenden RüstungSfragcn nicht technischer, sondern polt- t i s ch e r Natur sind. Frankreich, Polen und die Kleine Entente folgen der englischen Vermittlnngspolitik nicht, weil sie sich in ihrer Sicherheit bedroht fühlen. ES wäre närrisch zu glauben. TicherheitSgcsühl könne dadurch hervorgerufen werden, dah England ruhig zusieht, wie der nationalsoziali- stische Erpansionsdrang sich Oesterreich unterwirft. Wenn Europa Oesterreich nicht retten kann, ist Europa selbst ver- loren. „Sttlagbereit" Zur Motorisierung Deutschlands In einer Versammlung des Deutschen Automobilklubs zu Köln führte Hauptschriftleiter Martin Schwabe u. a. aus, es gehörten politische Führer an die Spitze der Motorisierung Deutschlands: Wenn wir nun die dcutsche Krastsahrt zusammcnsaffen und wenn nun der Bau der grossen Uraftsahrftrasscn in Angriff genommen ist, wie es dem Willen des»Führers entspricht, so stellen wir ihm mit der Bereinigung der Kraftfahrer im DDAE. eine Macht znr Verfügung, die uns kein Bersailler Vertrag und keine andere Bestimmung beeinträchtigen können. Es gilt noch viel grössere Ziele zu verteidigen nnd zu erringen. Die gewaltigsten Ausgaben sind die, stets schlagbereit zu sein für das deutsche Vaterland. IlnamieNmdar Steuerfrei! Die deutsche Miliz Der Rcichssinauzminister hat in einem Runderlass daraus hingewiesen, dass Zuwendungen jeder Art an die SA. von der Erbschaftssteuer und der Schenknngsstener de« freit feien. Voraussetzung fei dabei, dass der einzelnen Zu- weudnng keine belondere Zweckbestimmung oder nur solche Zweckbestimmungen beigefügt seien, die die ausschliessliche Verwendung des zugewendeten Vermögens zu Zwecken der SA. sicherstellten. Vor dem Drudi der dcuisdi-lraniöslsdicn Verhandlungen? Paris, 25. Januar. A. Sch. Die Verhandlungsmöglichkeiten in der RUstungsfrage werden allmählich erschöpft. Hitlers Ant- wort auf die französische Abrüstungsnote liegt vor, und die Stellungnahme des französischen Kabinetts zur deutschen Antwort ist auch bereits bekannt geworden. In keiner einzigen Frage ist m a n einem Kompromiß näher gekommen. Hitler hat in:t einem verklausulierten„Nein" geantwortet. Der deutsche Faschismus verlangt die Waffe— gleich, er verlangt die Abrüstung Frankreichs— sofort. Er will die restlose An- gleichung der Kriegsmittel erreichen. Die Prüfungs- Periode wird abgelehnt, ebenso die InterNationalisierung der Luftfahrt. Von der französischen Seite wird festgestellt, daß kein einziger Anspruch Hitlers salleti g e l a s s e n w ur d e. Damit wird auch die Haltung Frankreichs bestimmt. Ter Boden eines Kompromisses ist überhaupt nicht ficht- bar. Versuche, die von manchen englischen Kreisen unter- nomine» werden. Deutschlands verklausuliertes„Rein!" r'« p!" b->k>inates„Ja!" auszudeuten, finden in Paris keine Anerkennung. Die Lage bleibt ebenso gespannt und UN«»Dieven wie zuvor, der Monat Januar verlaust wiederum ergebnislos. Wenn Berlin auf französische Gegenvorschläge mit„Rein!" antwortet, so wird die Anr- wort Paris auf Hitlers Ansprüche„Unannehmbar!" lauten. Der französische Kabinettsrat vom 22. Januar hat keine direkte Entscheidung getroffen, wie überhaupt diese Verhandlungen im Halbdunkel geführt werden. Aber es steht fest, daß Frankreichs Antwort noch im Laufe der letzten Januarwoche zugestellt werden wird. Und darüber, wie sie aussehen wird, kann es auch keinen Zweifel gehen. Von einer Seite, die Herriot, dem mächtigsten Außen- Politiker Frankreichs nahesteht, wird in der Presse er- klärt, daß das französische Kabinett die Lage pessimistisch beurteilt, und die beiden Standpunkte unvereinbar sind. In seiner Rede vor dem Senat, die in Berlin mit Unwillen und Unruhe empfangen wurde, erklärte Chautemps offen, daß ohne Verhinderung der deutschen Aufrüstung keine Abrüstung Frankreichs möglich sei. Das führende radikale Blatt„L'Oeuvre" zieht das Fazit der deutsch-französischen Verhandlungen mit der Feststellung, daß sie mehrUnheil.alsHeilgebrachthaben. Hitlers Taktik ist durchsichtig- es ist die Ver- s ch'l e p p u n g s t a k t i k. Die höfliche Form der Roten und Denkschriften, der Anschein, daß man trotz aller litt-, Nachgiebigkeiten in der Sache doch bereit ist. die Tür für die weiteren Verhandlungen offen zu halten, soll diese Verschleppungstaktik ermöglichen. Demselben Ziel soll auch der Appell an England dienen, als Schiedsrichter im Streite um die Waffe aufzutreten. Aber wie lange wird man die Verhandlungen in die Länge ziehen können? Sicher nicht solange, bis man mit der Auf" rüstung fertig wird. Man erfährt jetzt von bei Entscheidung Hendersons, die Hinausschiebung der Ab- rüslungskonferenz nicht mehr lange dulden zu wollen, wie die deutsch-französischen Verhandlungen auch ausgehen mögen. Wird man zur Verständigung kommen, was niemand annehmen darf, dann soll die Abrüstungs- Konferenz diese Verständigung besiegeln. Kommt es zum Bruch, dann soll die Abrüstungskonferenz das Scheitern der Verhandlungen feststellen und von sich aus die Initiative zum Abschluß der Abrüstungskonvention er- greifen. Das ist auch der Standpunkt Frankreichs, im Falle des Bruches direkt und sofort an die Abrüstungs- Konferenz zu appellieren. Wird kein englisch-italienischer Beschwichtigungsversuch erfolgen, dann wird Genf bereits im Februar vor die Frage gestellt werden: was soll prak- tisch geschehen, wenn Deutschland seine Geheimrüstung fortsetzt? Tie Verschleppungstaktik führt nur zur Hinaus- schiebung, nicht zur Verhinderung des Bruchs. Aber auch bei dieser Hinausschiebung kann es jetzt eher um die Woche, als um die Monate gehen. Bei der Labilität der europäischen Politik ist das An-der-Ttelle-Treten in der Sackgasse aus die Dauer unmöglich. Wird aber dex Trumpf der deutsch-französischen Verhandlungen einmal ausgespielt, dann wird es sich erweisen, daß jene kühne Gegenoffensive, die Hitler nach dem Oktober-Faustschlag in Genf begonnen hat, zusammengebrochen i st. Hitler hat damals sich an Paris gewandt, um die An- Wendung der Sanktionen zu vermeiden, er hat bei Warschau angeklopft, um Polen von Frankreich fortzu- locken und die Möglichkeiten der gemeinsamen Hand- lungen gegen die Sowjetunion zu prüfen. Nichts davon ist gelungen. Tie deutsch-französischen Verhandlungen ver- laufen ergebnislos, die deutsch-polnischen werden nicht weitergeführt. Wiederum überhäuft-die deutsch- faschistische Presse Warschau mit Vorwürfen und Ver« dächtigungen, wiederum sind die deutsch-polnischen Be- Ziehungen gespannt und wiederum greift man in Polnisch- Oberschlesien zur EntdeutschungspolitiK. Auf Berlins Intrigen antwortet die Sowjetunion sehr deutlich mit der diesmal schon offenen Unterstützung des Versailler Blocks, der Annäherung an den Völkerbund und der Bereitschaft, wenn notwendig, zu Kraftdemonstrationen gegen das Hitler-Deutschland überzugehen. Italien vertreibt den deutschen Faschismus aus Oesterreich und erklärt, daß seine Interessensphäre, die unantastbar bleiben soll, nicht am Brenner endet, sondern bis nach Innsbruck und Salz- bürg reicht. Auf dem Balkan werden die letzten revisioni- siischen Ansprüche liquidiert, Bulgarien söhnt. sich mit Cüdslawien aus, der Balkanblock mit der aktiven Be- teiligung der Kleinen Entente ist im Entstehen: die Kleine Entente wird weiter ausgebaut und kann sich gesichert an Polen anlehnen: für die baltischen Staaten werden neue Sicherheitsgarantien erörtert— und schon erklärt der „Temps" triumphierend, daß im Osten Europas vom Baltischen bis zum Aegäischen Meer ein Block zusammen- geschweißt wird, der bereit ist, den Frieden in Mittel- und Osteuropa zu schützen. Ter diplomatischen Niederlage im Kampfe um die Waffe kann die zweite Einkreisungswelle folgen. Chaufempslfrlse? AU Folge des Stavisky-Skandals Paris, 26. Jan. Innerhalb des französischen Kabinett» soll es im Zusammenhang mit dem Ttavisky-Skandal zu Mei- nungsverschiedenheiten gekommen sein, die möglicherweise den Rücktritt mehrerer Minister und den Sturz der Gesamt- rcgierung zur Folge haben können. Bor dem Geschäfts- ordnungsansschuß der Kammer erklärte Ehautcmps, daß die Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses seitens der Kammer einem Mißtrauensvotum gegen die Re- gierung gleichkommen und den Rücktritt des Kabinetts nach sich ziehen würde. krank mr Ituikurhampf Augsburg, 25. Jon. Reichssustizkommissar StaatS- minister Tr. Frank stattete am Donnerstag der Stadt Augs- bürg einen Besuch ab. Bor den richterlichen Beamten hielt der Sraatsminister eine bemerkenswerte Rede. Der Minister erinnerte an das am Bortag vom Miinchener Sondergericht gegen drei katholische Geistlicheansgesprochcne Urteil. Auch die katholischen Priester seien oerpslichtet, von srtih bis spät ausschließlich Diener dieler nenen Volks» acmeinschast zn sein. An die richterlichen Beamten gewandt, betonte der Minister, daß die Justiz auch vor dem Priester- gewand nicht haltmachen dttrse. Es gehe nicht an, daß die Justiz sich bengen lasse nur deshalb, weil irgendeiner eine» Sonderberus im Leben habe. Weiter führte Staatsminister Dr. Frank ans: Es sollte sich ieder Politiker darauf be- sinnen, daß die Zeit vorbei sei, die einmal in Bauern triumphiert habe. Die christliche Kirche genieße den Schuß des Staates und des deutschen Rechts in höchstem Maße. Wir verwahren unS aber dagegen, daß dieser Schuß miß» brancht wird ,« Angriffen gegen unsere Kirche und gegen unseren Staat. * Also auch der Reichsjustizminister Frank erklärt sich für den Kulturkampf. Er billigt die Schandurteile gegen die drei katholischen Geistlichen in München vollauf und kündigt schärfstes Vorgehen gegen alle katholischen Geistlichen an, die sich der Meinung und dem Willen Adolf Hitlers nicht rückhaltlos beugen. Ein„Bekehrter" Aber Strafe muß sein! Waldenburg, 25. Jan. Der Polizeipräsident hat, wie die Polizei mitteilt, im Einverständnis mit dem Ober- Präsidenten in Breslau den evangelischen Pfarrer Otto W e i ch e n h a n aus der Schutzhast entlassen, nachdem sich Wetchenhan schriftlich verpflichtet hatte,„in Zukunft einen Anlaß zu politischem Einschreiten nicht mehr zu geben". Das Strafversahren schwebt bei der Staatsanwaltschaft in Waldenburg. Hitler hat am Tonnerstag den ReichSbischos und die Landesbischöfe der Deutschen Evangelischen Kirche zum Bor- trag empfangen. Uebcr das Ergebnis der Unterhaltung ist noch nichts bekannt. Geburtstagsfeiern für Ex-Wilhelm verboten! « erlin, 25. Jan. Bon Hitler und Göbb-ls werden alle Maßnahmen getroffen, daß der 75. Geburtstag des Ex- Kaisers ohne viel Aushebens vorübergeht. Der Polizei- Präsident von Berlin hat verboten, daß in den großen Sälen der Rcichshauptstadt Geburtstagsfeiern veranstaltet werden. Die Mitglieder der SA. erhielten den Befehl, sich jeder Teilnahme an Veranstaltungen, die zu Ehren Wilhelm des Zweiten organisiert werden, zn enthalten. Wer den Be- fehl verletzt, wird bestraft. Studium des kasdilsmus Ein internationales Institut Wie wir erfahren, wurde in Paris unter Führung von namhaften Wissenichastlern, Schriftstellern und Künstlern eni Institut zum Studium des Faschismus begründet. Dieses Institut das in Bibliothek und«rchw die wichtigste faschistische Dokumentation aus allen Ländern vereinigt, be- «backtet und analysiert alle Bewegungen des Faschismus, um sie zu bekämpfen Die Arbeit der wissenschaftliche» Fach arbeiter des Instituts wird in einem mehrsprachigen Bulletin und in sonstigen Publikationen der Oesfcntlichkcit übergeben. Wir nennen aus der Leitung des Instituts, das sich in Paris V°. 22 rue des Fosscs Saint«ernard befindet, die Professoren der Sorbonne:: Langevin Levn-Brühl. Wallon. Prenant, den Rechtsanwalt Marcel Willard und den Maler Frans Masereel. Frankreich und England rranzdsisdie Pressesflmmen Paris, 26. Jan. Die abwartende Haltung, die man eng- lischerseits in der österreichischen Frage einzunehmen scheint, wird in Paris lebhaft erörtert.„Echo de Paris" macht seine Leser darauf aufmerksam, daß England eine übereilte Einberufung des Völkerbundsrates vermeiden wolle, damit Hitler eine solche nicht als persönliche Beleidigung oder als Versuch, über Teutschland ein Urteil zu sprechen, aufnehmen könne und dadurch nur noch unzugänglicher werde. Der eng» lische Botschafter in Berlin, Sir Eric Phippps, bemühe sich um eine zweideutige Erklärung, die es Dollfuß erlauben werde, den Schein zu wahren, und die im übrigen die Mög- lichkeit gebe, daß sich die Hitleroffensive wie in der Bergan- genhcit abwickele. Man glaube zu erkennen, daß der Wider- stand Oesterreichs unter dem Hitlerangriff allmählich nach- lasse.„Echo de Paris" bedauert das alles, glaubt aber nicht, daß der französische Außenminister für eine Völkerbunds- aktion gemäß Art. lt sich einsetzen werde. Allerdings ivürbe die französische Enthaltung unentschuldbar sein, wenn es den Tatsachen entspreche, daß Mussolini für eine Jnanspruch- nähme des Völkerbundes sei. Die außenpolitische Korrespondentin des„Oeuvre" be- gründet die englische Zurückhaltung damit, daß man in Lon- don befürchte, im Falle der Anwendung von Bölkcrbunds- sanktionen wegen Oesterreich gegen Deutschland in einem Kamps in Mitteleuropa hineingezogen zu werden. Die Korrespondentin will von Oesterreichern in Paris er- fahren haben, daß diese hinsichtlich einer Erklärung der Groß- mächte fFrankreich, England, Italiens bezüglich der Unab- hängigkeit Oesterreichs der Ansicht feien, daß eine solche Er- klärung nichts Neues brächte und mehr schaden als nutzen würde, denn Deutschland würde darauf doch nicht Rücksicht nehmen. Bundeskanzler Dollfuß würde noch drei Tage aus die Ber- liner Antwort aus sein Ultimatum warten und sich dann an den Völkerbund wenden. Die Korrespondentin rollt bann die Frage der Anlehnung der österreichischen Politik an die Mussolinis als Auswir- kung der Begegnung Dollfuß-Mussolini auf und behauptet, damals sei italienischerseits das Versprechen gegeben wor- den, daß Italien eingreifen würde, wenn die Nationalsozia- listen jemals Herren der Lage in Oesterreich werden wür- den. Schließlich erklärt„Oeuvre", daß cS wenig wahrschein- lich sei. für den M. Januar irgend ein Ereignis wie die Ver- wirklich»»» des Anschlüsse? zu„befürchten". Die„Journee Industrielle" entwickelt folgende Bedenken: Wenn die Großmächte nicht eindeutig Oesterreich unterstützen, müsse man damit rechnen, daß die innerpoli- tischen Schwierigkeiten Dollfuß immer größer werden. Die öffentliche Meinung in Oesterreich, die sehr geteilt sei, würde dann keinen anderen praktischen AuSweg mehr febcn, als die Aussöhnung mit Deutschland, also unter den gegebenen Um- ständen die Kapituliernng vor Hitler. Möge England seine große Verantwortung bedenken, ehe es zu spät sei. Das„Journal" stellt fest, daß England zur Borsicht neige und den Ocsterreichern davon abrate, sich an den Böl- kerbund zu wenden. DaS sei vernünftig, denn wozu solle man sich einer neuen Offenbarung der Ohnmacht des Völker- bundes aussetzen? Die wahre Griabr liege in der inneren Schwäch? Oesterreichs, das der Anziebunaskraft mächtiger Nachbarn ausgesetzt sei, und als Gcwinneinfatz für Rivali- täten diene. Parts, 26. Jan. Der englische Journalist Wigham Steed ..Selbstmord" eines Kommunisten Dunkle Polizeigeschichten Der in Neumünster in Schußhaft befindliche Kommunisten- sichrer Timm sollte am Mittwochabend von zwei Polizei« beamten vom Rathaus zum Polizeigesängnis transportiert werden. Plößlich sielen aus dem Hinterhalt mehrere Schüsse. Timm wand sich schreiend am Erdboden und erklärte, ver- mundet zn sein. Die Beamten erwiderten die Schüsse. Timm wurde ins Krankenhaus gebracht, wo jedoch festgestellt wurde, daß er keinerlei Verleßnngen erlitten hatte. Bon den Tätern fehlt jede Spur.— Soweit die dentsche Polizeimeldnng, die recht sonderbar klingt. Eine spätere Polizeimeldnng sagt: „Der Kommnnistensllhrer Timm sollte am Donnerstag nach fehlgeschlagenem Fluchtversuch mit fünf anderen Schutzhaft- lingen dem Papenburger Konzentrationslager zugeführt werden. Als die Zelle geöffnet wurde, fand der Verwalter des Polizeigefängnisses Timm tot aus. Er hatte von seinem Bettlaken einen Streifen abgerissen und sich damit am Ofen- gitter erhängt. Timm galt allgemein als der Schrecken Reumünfters. Er hielt fast täglich ans Plätzen und Straßen Heßreden und trat in den Bersammlnngen fast aller Parteien als Gegner auf. Wiederholt gelang es ihm mit Hilfe anderer Elemente, Ber- sammlungen zu sprengen. Auch Uebcrsälle ans National- sozialisten find nachweislich von ihm vorbereitet und organi- siert worden. Timm war auch in zahlreiche Strafprozesse verwickelt. Seine letzte Strafe von 2'/, Jahren erhielt er wegen schweren Landsriedensbruchs. Bei dem Borsall, der diesem Urteil zugrunde lag, waren der SS.-Man» Martens ge- tötet und zwei Nationalsozialisten lebensgesährlich verletzt worden." Man lügt vergeben?, um zu verbergen, daß Timm er« mordet worden ist. Strafe anl dem Fuße" W Das Ende gewissenhafter Untersuchung Der preußische Justizminister Kerrl hat. wie der..Amtl. Preuß. Pressedienst" mitteilt, im Interesse einer schnellen StrafrechtSpslege eine bedeutsame Verfügung erlassen, in der es u. a. heißt: Unbedingtes Erfordernis einer guten Ttrafrechlspflcge ist. daß der Tat die Aburteilung auf dem Fuße folgt. Die Aufklärung der für die UrteilSfindnng wesentlichen Um- stände muß deshalb, ohne daß darunter die Gründlichkeit leiden darf, mit ieder erdenklichen Beschleunigung er- folgen. Die Erfahrung hat gelehrt, daß die Bor unter- svchnng häufig zn einer mehr oder weniger empfindlichen Verzögerung des Abschlusses des Vorverfahrens ftibri. Sie ist deshalb einer beschleunigten Aburteilung im allgemeinen nicht förderlich. Daber hat sich bereits der Gesetzgeber in neuester Zeit veranlaßt gesehen, die bisher zwingend vor- geschriebene Bornntersuchung in einzelnen VerfghrenSarten unter gewissen Voraussetzungen fttr entbehrlich zu erklären So ist insbesondere ftir SonderaerichtSsachen die Voruntersuchung gän»ftch beseitigt worden. ES ist Ausgabe der Strasverfolgungsbebörden. dieser gesetzlichen Entwick- lung Rechnung zu tragen und dahin zu wirken, daß jede hat in Paris einen Vortrag über das Thema„Kann Eng» land neutral bleiben?" gehalten. Er machte der sranzösichen Nachkriegspolitik zum Borwurf, Frankreich habe der Welt nicht deutlich genug zu verstehen gegeben, daß es die Zivilisation verteidige. Frankreich schien sich oft zu sehr um seine Reparationen und seine zu sehr lokalisierte militärische Sicherheit zu sorgen. Es hätte sagen sollen: Mein Heer ist das Heer des Rechts. Um den Frieden zu gewinnen, müsse man Risiken auf sich nehmen. Frankreich und England würden den Frieden nicht gewinnen, wenn sie an die Feigheit appellieren, son- dern nur, wenn sie an heldenhafte Gesinnung appellieren. Zur englisdien Vermittlung Paris, 26. Jan. Der Berliner Korrespondent des „Matin" übt Kritik an der englischen Stellungnahme in der englischen Bermittlungsstellungnahmc in der Ab- riistungsfrage. Er erklärt zunächst, daß die deutsch-sranzösi- sche Verhandlungen nunmehr auf dem toten Punkt angelangt seien und nur die englische Vermittlung sie wieder in Gang bringen könnten. Ueber die Tendenz will der Korrespondent eine Aufklärung ans den letzten beiden Artikeln der„Times" schöpfen können, die nach seiner Ansicht die beunruhigendste bisher überhaupt erschienene Darstellung der geheimen Rüstungen Deutschlands brachten und trotzdem seien die in der„Times" gemachten Angaben in Teutschland ohne Pro- test und»hne in Adrede gestellt worden zu sein, Hingenom- men worden. Nur die Schlußfolgerung interessiere in Berlin. Fraglich sei nur, ob die Stimme der„Times" die Stimme Deutschlands sei und ob die Resignation der„Times" in Frankreich Nachahmung finde. Man müsse in Berlin leben, um die aufreizende Wirkung abzuschätzen, die Urteile, wie das der„Times", auf den Geist des jungen Teutschland aus- üben. Wenn Deutschland schon mit der Drohung einer teilweisen Ausrüstung seine mächtigen Nachbarländer einschüchtere, wie könne man dann hoffen, Deutschland in Zukunft von einer völligen Aufrüstung abbringen zu können. Deutschland habe nur allzu sehr die Neigung, an die Souveränität der Macht zu glauben. DaS Interesse der gegenwärtigen Verhandlungen wäre, ihm be- greiflich zu machen, daß die Völker nicht wieder die Lage von 1913 erleben wollen, d. h. ein Europa, in dessen Mittelpunkt sich ein militarisiertes, ungeheuer große? Bolk befinde. Wir, so schließt der Korrespondent, sagen nicht: Gar keine Ber- ständigung. aber wir sagen, keine Verständigung, die dorthin fübrt. Gar nicht zufrieden mit England ist die„Erc Nouvelle". Sie schreibt, England werde das Ende der direkten Ber- Handlungen abwarten, aber während dieser Zeit setze Deutschland seine Aufrüstung fort. Die englische Haltung in der Abriistunpssrage sei kaum glaublich. Das Ergebnis wäre, daß die Vermittln,igs- bemühungen des Kabinetts Macdonald schließlich dazu führen, die gesamte Politik des Hitlerdeutschland z>v.bU» ligen und in der beunruhigendsten Weise zu ermutigen. Sei man in London wirklich soweit gekommen? Die„Actio» F r a n c a i s e" stellt fest, die Deutschen hätten gesagt: Wenn ihr unser Geld wollt, so kommt und holt es euch. Jetzt sagten sie: Wenn ihr unsere Waisen wollt, so kommt und holt sie euch. nicht unbedingt gebotene Voruntersuchung unterbleibt. Soweit daher die Voruntersuchung nicht zwin- gcnd vorgeschrieben ist. muß es sich die Staatsanwaltschaft angelegen sein lassen, selbst zielbewußt und mit größter Be- schlcunigung den Sachverhalt aufzuklären, indem sie von Anfang an die Ermittlungen— gegebenenfalls im Beneh- men mit den beteiligten Polizeibeamten— s e l b st betreibt. Bei Verbrechen, deren Aburteilung zur Zuständigkeit der Schwurgerichte gestört, soll sie die Ermittlungen so uunas- send führen, daß dft Voruntersuchung aus den geringst mög- lichen Zeitraum beschränkt werden kann. Pag Neueste Bei dem Großfener auf Schloß FriedenSbnra bei Saalselb wurde der große nordöstliche Teil des Schlosses mit einer großen Menge von Biedcrmeiermöbeln, Oelgcmälden, einer Privatbibliothek und wertvollen Sammlerstücken aus der napoleonischen Zeit vernichtet. Reichskanzler Adolf Hitler empfing den polnischenGe» sandten H e r rn? i p s k i. Ferner empfing der Reichs» kanzler den Präsidenten der Gemischten Kom» Mission für Oberschlesien Herrn Felix Ealonder, den früheren Bundespräsidenten der schweizerische« Eidgenossenschast. Ein neuer Kraftwagen stieß in der Nähe von Sellingen in voller Fahrt gegen einen Baum und wurde vollkommen zertrümmert. Bon den vier Insassen starben zwei knrz nach dein Anprall. Die übrige» Insassen wurden mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert. Wie die Polizei mitteilt, wnrden am Donnerstag in einem abseits gelegenen Häuschen in der Nähe von Bayreuth der restliche Teil einer Druckereieinrichtung aufgefunden, nach der die Polizei schon seit längerer Zeit suchte. Ein Teil dieser Drnckcreieinrichtnng war im Herbst des vergangenen JahreS in einem Gartenhaus am Oschenberg gesunden worden. Meh- rere Personen wurden in Schutzhaft genommen. Wir hibcn z. Zt. zu veriuufeu: trtva&sftüuser und Jtof&Ütev Schuhfabriken Sägewerke, Möbelfabriken, Wein» großhandlungren, Eitenhandlungen. Drogerien. Such, und Steindruckereien. Gießereien mit Herdfabriken, Induitriegelände mit Bahnanschluß. Teilhaberschaft geboten in den verschied, obenangeführten Branchen. Stets Ladenlokale vorrätig. 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Wir bedauern tief, daß der Völkerbundsrat oder die von ihm gewählte Kommission nicht Gelegenheit hatte, dieser ganz gewaltigen und imposanten Kundgebung beizuwohnen. Wer diesen Geist, diese Begeisterung, diese Entslammtheit für die Freiheit an der Saar, für Gesittung gegen Barbarei miterleben durfte, nahm Unvergeßliches mit sich fort. Man kann es nicht fassen, daß in der heutigen Zeit soviel elemcn- tarer Schwung, soviel begeisterte Freude, soviel tief- empfundenes Mitklingen in einem Kampf um Recht und Freiheit überhaupt noch möglich ist. Tausende und aber Taufende strömten gegen Abend zu den Räumen der Arbciterwohlsahrt. Auf 8 Uhr war der Beginn der großen Kundgebung angesetzt, um 7.13 Uhr wurde bereits der Festsaal der Arbciterwohlsahrt polizeilich geschlossen. Viele Hunderte drängten weiter in die übrigen Räume hinein, hunderte mußten unverrichtetcr Tinge wieder zurück- lehren. An drei Stellen des umfangreichen Hauses war durch Lautsprecheranlage die Uebertragung der Kundgebung sichergestellt. Tic Treppen, Fluren, die Gänge, die Rcstau- rationsräume, alles war schwarz besät mit Freiheitskämpfern und Freihe^Skämpferinnen, die herbeigeströmt waren, aus dem Munde ihrer Führer Lebenswahres und Lebensnahes aus Gens zu hören. Mit ungeheurer Begeisterung und mit nicht endenwollendem Beifall wurden die Feststellungen der Redner von der ticfgepackten Zuhörermenge ausgenommen und weitergegeben. Ein unvergeßlicher Eindruck! Es zitterten Wellen von ungeheurem Schwung und höchster Er- grifsenheit durch die gesamten Räume. Wer noch niemals vom Geiste der großen deutschen Freihcitssront gepackt wor- den ist, Tonnerstag abend nahm dieser ivundcrbarc Schwung jeden gefangen, der ein Teil dieser brausen- den und b c g c i st c r t e n Menge war. Entschließung Tie große Freihcitskundgebung der deutschen Laar- bevölkcrung in Saarbrücken dankt den Telcgierten der Freiheitssront Max Braun und Hermann Petri für ihre iu Gens geleistete erfolgreiche Arbeit. Sie begrüßt den Beschloß des Bölkcrbundsrates in der Laarfragc. Sie begrüßt es ganz besonders, daß der Völterbundsrat eine Kommission ernannt hat, die die Bedingungen einer freien, unbeeinflußten und geheimen Abstimmung überprüfen nnd dem Bölkerbundsrat in der nächsten Tagung entsprechende Vorschläge nnterbreitcn soll. Sie ist fest davon überzeugt, daß sowohl die Mitglieder des Rates wie die seiner Uom- Mission getreu den hohen Idealen des Völkerbundes ihres Amtes walten und keinerlei Gewissenszwang, Terror oder Repressalien gegen die sreiheitliebende Bevölkerung dulden werden. Sie macht die hohe Kommission des Völkerbundes ganz bc- sonders ansmertsam auf die vielfältigen und zum Teil sorgsam getarnten Terrormaßnahmen des Rational- Sozialismus, die in Bedrohung der materiellen und physischen Existenz, in Androhung von Repressalien für die Zeit nach einer Tifsamicrungs-, Aechtungs-, Verleum- dongs- und Boykottmaßnahmen aller Art und in anderen vielgestaltigsten seelischen Truckmaßuahmen bestehen. Zie bekundet erneut ihren Willen, krei•»"'ben von jeglichem Hitlerterror und bekenn l."' nnd- säßen des Völkerbundes. Tagesbericht vom SaarTerror Wer geglaubt hat, daß die Verhandlung in Genf und die Einsetzung einer Kommission, die die erforderlichen Unter- lagen zur Abstimmung herbeischaffen sollte, auf die Lage im Saargebiet beruhigend wirken würde, sieht sich gründlich ge- täuscht. Ter nationalsozialistische Terror geht in verschärfter Form und mit immer neuen Mitteln weiter. ❖ Ein altes und immer noch wirksames Mittel gegen politisch Andersdenkende wird jetzt mobilisiert: Die Saalabtrei- b u n g. In Homburg sollten am Samstag die beiden Genier Delegierte» der Freiheitssront, Braun und Petri, spre- chen. Plötzlich wurde ihnen das Lokal verweigert, Terror- androhungen an die Lokalinhaberin, an die Karlsberg- Brauerei als Besitzerin des Lokals nnd das seltsame Ver- halten der Polizei, die sich über die Freiheitsfront merk- würdig schlecht unterrichtet zeigte, haben zu diesem Erfolg der sogenannten„deutschen Front" beigetragen. Wie die „Bolksstimme" mitteilt, wurde nach der mündlichen Absage mit der Brauerei verhandelt. Ter Brauereidirektor Weber erklärte, daß die Brauerei nicht dafür einstehen könne, wenn eine Schädigung der Lokalinhaberin eintrete. Tie Brauerei müsse sich eben der Allgemeinheit lügen. Wie sehr die Wirtin einen gewalttätigen Angriff fürchten mußte, geht aus einem Briefe hervor, worin sie ausdrücklich ihre Zusage kür die Versammlung mit dem Hinweis auf die ihr entstehenden Schäden zurückzieht. Von welcher Seite diese Schäden droh- tc». braucht nicht erwähnt zu werden. Wie sagte doch Herr Röchling in Genf?„Im Saargebiet gibt es gegen Andersgerichtete keinen Terror." » Mit welchen Mitteln die Hitlerpresie des Saargebietes Agitation gegen Emigranten betreibt und sie durch Mordhetze würzt, dafür gab es gleichialls in diesen Tagen ein inter- eisautes Beispiel. In Merchweiler wurde der Landjäger Weißgerber von dem Schwerverbrecher Zwinger, wie wir gestern schon kurz berichteten, erschossen. Es bandelt sich um einen steckbrieflich gesuchten Mann, den die Kriminalpolizei Karlsruhe wegen Mordes und Mordversuchs verfolgt. Ohne den geringsten Beweis, einfach aus Grund eines einheitlich ausgegebenen Zeichens, wurde dieser Zwinger als politischer Emigrant bezeichnet und die Regierungs- kommission des Saargebiets für die„Untaten" der„verbre- cherischen Emigranten" verantwortlich gemacht. Fetzt hat die Regierungskommission von sich aus in einer Erklärung die wahre Sachlage dargestellt. Es heißt darin ausdrücklich. Zwinger ist kein politischer Flüchtling und auch nicht als solcher polizeilich gemeldet. Tas alles ivar der gleichgeschal- teten Presse des Saargebiets genau bekannt. Tie beuützte den Fall zur infamen Hetze und Aufputschung der Bevölk»- rung zu Gewalttätigkeiten gegen die Emigranten. -» Tie Regierungskommission hat das„S a a r b r ü ck e r Abendblatt" iür drei Tage verboten, weil es unwahre Angriffe gegen einen Beamten der Polizeidirektion Saar- brücken erhoben hatte. Rationalsozialistische Kreise geben sich gleichzeitig große Mühe, die Wiederzulassung des„Völkischen Beobachters" au der Saar zu erreichen. Nach einer Miltei- lung der Regierungskommission ist der sogenannte„d e u t- s ch e Gruß" zwischen Lehrern und Schülern, unter sich, wie gegenseitig zwischen Lehrern und Schülern unzulässig. Es heißt in der Verfügung an den Direktor einer höhereu Schule in Reunkirchen:„Diesen Gruß empfin- den Lehrer Ihres Kollegiums als parteipolitischen Druck, der sie in ihrer politischen Freiheit beeinträchtigt. Der Gruß führt, wie die vorliegenden konkreten Fälle beweisen, z« Reibereien nnd zur Aechtung der ihn ablehnenden Lehrer nnd Schüler." Hangelnde Autorität Was der Regierungskommission geboten wird Aus der ersten Seite ihrer Ausgabe vom Freitag muß die nationalsozialistische„Saarfront" das Berichtigungsschreiben der Regierungsrommission abdrucken Aul einer Innenseite des Blattes wiederholt das Blatt aber alle seine verleumde- tischen Behauptungen und wirkt erneut den Behörden vor. daß sie die Landjäger an der Ausübung ihrer Berusspflichten hindern: Bereits im'November vergangenen Jahres versuchten Marxisten und Emigranten die deutsche Bevölke- rung des Ortes zu terrorisieren, National s o z i a l i st e n n i e d e r z u s ch i e ß e n. Damals wurde die Polizei um zwei Landjäger verstärkt. Aber auch die sechs Landjäger waren in ihrem Vorgehen gegen das Emigrantenwesen gehemmt und durften nicht rücksichtslos und energisch vorgehen und säubern, wie die» notwendig gewesen wäre. Tas Blatt pfeift also aus die amtliche Feststellung, daß der Mörder kein Emigrant ist und erneuert den Vorwurf, daß im Saargebiet Mörder behördlich geschützt werden An einer anderen Stelle wird auch die französische Bergwerksdirektion beschuldigt, Verbrechern Unterschlupf und Schutz zu ge- währen. Man ermene aus solchen Vorwürfen, welche Preßsreiheit unter dem Völkerbundsregime Elementen gewährt wird, die ihren Gegnern keinerlejt Freiheit zugestehen. Zustände! SA.— als Militärvereine getarnt Im Saargebiet sind die Organisationen der SA. und ST. sowie sämtliche militärischen Uniformen verboten. Das hindert aber die Nationalsozialisten an der Saar nicht, ihre verbotene Tätigkeit unter anderer Flagge fortzusetzen. Sie finden Mittel und Wege, die Verordnungen der Regierung»- kommission zu umgehen. Gelangt etyias von dem ausgesprochen militärischen Treiben der getarnten SA. und SS. iu die Oessentlichkeit, so geben die maßgebenden Stellen Er- lasse heraus, in denen von„rein privaten Aktionen" gesprochen und die betroffenen Funktionäre„gemäß- reget t", sogar ausgeschlossen werden. In Wirklichkeit handelt es sich hier nur um einen Bluff, denn die„Gemäß- regelten" bleiben inoffiziell im gleichen Verhältnis zur Par- teileitung wie vorher. In offiziellen Rundschreiben wird strengste Legalität be- schworen, während die internen„Erlasse" ein ganz andere» Gesicht haben. So heißt eS zum Beispiel in einem Rund- schreiben der jüngsten Zeit: „Tie Parteigenossen, die Mitglieder der aufgelösten SA-Formationen sind, haben nach wie vor ihre Pflicht im Dienste der Propaganda für die Bewegung zu tun. Es geziemt den ehemaligen SA.-Kameraden, ausrecht d festen Schritte-' die Straßen zu ge''"■•••»»'"V*• ans dem gemeinsamen Heimwege usw. ist die Zusammengehörigkeit durch Gleichschritt auszudrücken. Die Saarbevölke- rung soll wissen, daß man uns zwar Abzeichen und Kokarden, aber nicht Marschstiefel und Sturmmütze» ver- bieten kann..." Zu den Tarnungsmaßnahmen gehört aber ins- besondere die kräftig geförderte Wiederansrichtung von Militärvereinen. So sind jetzt allerorts angebliche Vereine der ehemaligen 26er gegründet worden, die nie an der Saar stationiert waren und lediglich dazu dienen sollen, in Militärvereinen die verbotenen militärähnlichen Formationen der Ratio- na lsozia listen fortzusetzen. Sie sollen im Saargebiet die Stammtruppe abgeben, die von außen her unter- stützt wird durch die sogenannten S a a r a b st i m m u n g s- truppen, die in verschiedenen Lagern Teutschlands genau so ausgebildet werden, wie die österreichische Legion des bayerischen Lechfeldes gegen das deutsche Volk an der nntt- leren Tonau. Die Regierungskommission des Saargebietes wird dalür sorgen müssen, daß ihre Verordnungen sinngemäß durch- geführt und nicht nazigemäß umgangen werde». Ehr alles„Schutzhaft" Im deutschen Maulkorbstaat Ter ehemalige kommunistische Siadirai Christian Schwarz in Zweibrücken verklagte die Stadl aus Auszah- lung seiner ihm zustehenden Aufwandsentschädigung. Ter Stadtrat und das Gericht lehnten seine Forderung ab. Tie „RSZ." vom 2. l. 84 schließt ihren Bericht hierüber mit folgenden Worten:„Es wurde zum Ausdruck gebracht, daß bei einer steigenden Erregung in der Oeiientlich- keit die zuständige Stelle gegebenenfalls den Kläger z n seiner eigenen Sicherheit in Schutzhaft neh- men müsse bzw. in die Lage versetzt werden könnte, i h n in ein Konzentrationslager zu schicke n". Zwar kann es auch in der Pfalz unter der Herrschaft des Manlkorbstaates weder öffentliche Versammlungen noch De- monstrationen geben, zwar ist angeblich jetzt die beste Ord- nung und die Sicherheit jedes Bürgers in den Berichten an leichtgläubige Engländer und Chinesen aufs höchste gewähr leistet, aber Befehl ist Befehl. Wenn der SA. besohlen wird sich zu erregen, dann erregt sie sich eben und das Opfer der Erregung kommt ins Konzentrationslager. Ein solches Opfer ist auch der P karr e r v o n H o r n bach geworden. Soweit wir unterrichtet sind, wurde dieser Pfarrer denunziert von einem Manne, der durch die ver- meintliche Schuld des Pfarrers einen Prozeß verloren hat. Fn einem auf der„Volksgemeinschaft" aufgebauten Staat, kann natürlich ein Pfarrer genau so wie jeder andere vogel- ireie Richtnazi von irgendeinem Lausbube» verhaftet wer- den. Der hochwürdige Herr wurde also verhaftet und derart zugerichtet, daß er heute in Zweibrücken im katholischen Krankenhaus liegt. Nach dieser„Schutzmaßnahme" hat er nun Zeit, einmal darüber nachzudenken, ob sich auch die angeblich unchristlichen Marxisten schon jemals solche Gemein- heilen gegen einen Pfarrer erlaubt haben. In Pirmasens wurde ein armer Pflichtarbeiter in Schutzhaft genommen, weil er unangemeldet Schnaps verkauft haben soll. Daran knüpft die„NSZ." vom 10. 1. 84 folgende Bemerkung:„Vielleicht dämmert ihm inzwischen, daß zwar Marxismus und Schnaps wesensverwandt waren, im neuen Teutschland dieses VolkSglkt aber verschwinden muß." Vielleicht war der Schreiber dieser Zeilen infolge per- namenten Schnapsdufels nicht in der Lage, sich früher etwas über das Wesen des Marxismus zu informieren, sonst müßte er wissen, daß nur die größten Schnapslumpen als RTBO. Leute und Unternehmerlieblinge gegen den soliden und den- kenden marxistischen Arbeiter standen. Ueber Reujahr machten etwa l3 junge Leute, angeregt durch die ständigen Ausrufe in der Nazipresse,„besucht das Saargebiet" einen Ausflug dorthin. Als sie zurückkehr- ten, wurden sie in Zweibrückeu in Schutzhaft genommen, wo sie sich noch heute befinden. Ten Angehörigen wurde gesagt, sie hätten sich durch„kommunistische Kleidung" verdächtig ge macht und seien beschuldigt worden, das Naturireundehaiis bei Kirkel besucht zu haben. Taraus müsse am Umgang mit <«'••• geschlossen i"-'den. To bleiben die Konzentra- mmer sie"llt. ßcldiswchrmlnlsfer gegen Nozi-Dellren Die narnesdiladit ein Ereimanrerverrat" dnb. Berlin, 25. Jan. Fn der Oessentlichkeit sind in letzter Zeit wiederholt Behauptungen über den verstorbenen Oberst Hentsch und seine Tätigkeit als Beauftragter des Chefs des Generalstabes des Feldheeres und über den Generalobersten v. Moltke selbst aufgetaucht, die geeignet sind, nicht nur die Ehre dieser beiden Männer, sondern auch das Ansehen der alten Armee und ihrer Leitung aus das schwerste zu schädigen. To wird in einem Aufsatz im„Deutschen T e x t i l- arbeiter" Nr. 50 vom 15. 12. 1088 unter der Ueberschrist „Die Marneschlacht, ein Freimanrer-Verrat" u. a. behauptet, dem Anthroposophen Steiner hätten im deutschen Haupt- gnartier in Koblenz alle Türen offen gestanden, er habe Ende August im Großen Hauptquartier in Koblenz einen Vortrag über Anthroposophie vor Offizieren gehalten. Generaloberst v. Moltke sei— offenbar durch Steiner— in den Znstand stärkster Benommenheit versetzt und ihm die Ausübung der Kommandogewalt unmöglich gemacht worden. „Ter Hauptverräter, Freimaurer Oberstleutnant He.usch", habe als„Meldeosfizier"— gemeint ist Chef der Nachrichten abteilung- versagt nnd eigenmächtige Befehle an die im Kamp' stehenden Armeen geleitet. Ten Höhepunkt seiner unheilvollen Rolle habe Hentsch erreicht, als er unter Be- runing aus seine Vollmacht die Sieger— 1. bis 3. Armee- im Augenblick eines durchschlagenden Erfolges veranlaßt habe, das Schlachtfeld zu räumen. Ferner wird behauptet, Hentsch sei in Paris als Sohn eines französischen Bankiers geboren nnd habe erst 1888 die deutsche Reichsangehörigkeit erworben, als fein Vater nach Köln zog. Auch wird in Zweifel gezogen, daß Hentsch im Fahre 1318 in Bukarest eines natürlichen Todes ge- starben sei. Reuerdings ist an anderer Stelle sogar die Be« hauptung aufgestellt worden, Hentsch sei Besitzer der Aktienmehrheit der Banqne de France gewesen? Ter Aussatz im„Teutschen Textilarbeiter" schließt inii den fettgedruckten Sätzen:„Volksgenossen! Das Ungeheuerliche ist Tatsache: Ein Franzose kommandierte den Rückzug an der Marne! Dieser Franzose Hentsch war Freimaurer"! und „Tas Wunder an der Marne war ein schurkenhafter Frei- maurerverrat!" Gegenüber diesen aus fragwürdigen Quellen stammenden leichtfertigen Behauptungen stellt das Reichswehr- in inisteriu m aus Grund authentischer Unterlagen und Erhebungen fest: 1. Generaloberst v. M o l I k e hat S t e i n e r i n K o b l e n z überhaupt nichi gesehen Daß Steiner im Großen Hauptquartier alle Türen offengestanden hätten, ist unwahr Niemals hat der behauptete Vortrag im Großen Hauptauartier stattgefunden. Ter körperliche und seelische Zustand des Generalobersten v. Moltke während des Sommerfeld- zuges 1014. der auch der Grund für seine alsbaldige Abbe- ruiung aus seiner Stellung war, erklärt sich daraus, daß Moltkes Natur sich nichl als widerstandsfähig genug erwies, die aus ihm lastende ungeheure Verantwortung zu tragen, verstärkt durch seinen ungünstigen Gesundheitszustand und die in den vorhergehenden Monaten gerade überstandene an greifende Kur. Daß Tr. Steiner jemals als„behandelnder Arzt" des Generalobersten v. Moltke ausgetreten sein soll, ist schon deswegen ansgeschlosfen, weil Steiner, soweit bekannt, gar nicht Arzt, sondern von Hanse aus Literarhistoriker war. 2. Daß Hentsch eigenmächtige Beichte an die Armee geleitet hätte, ist unwahr. Seine Tätigkeit als Beauftragter der Obersten Heeresleitung am 8. und 0. September 1014 ist bc reit» 1JI17 aus Veranlassung des General Ludeudori'f unter- sucht worden. Im Anschluß an diese Untersuchung hat General Ludendorsf dem damaligen Obersten Hentsch in einer dienst- lichen Zuschrift bescheinigt, daß„den Obersten Hentsch ein persönlicher Vorwurf, über seine Befugnisse hinausgegangen zu sein, nicht trifft. Er hat lediglich nach der ihm von dem damaligen Chef des Generalstalies des Feldheeres erteilten Weisung gehandelt." Seine Einwirkung auf die Entschlüsse der Oberkommandos I und 2 erklärt sich aus der einseitigen Ausfassung seines Austrages und seiner pessimistischen Be- iirteilung der Lage. Für eine verräterische Absicht auf leiten Hrntschs fehlt es an jedem Anhaltspunkt, geschweige denn Beweis und auch an jeder psychologischen Erklärung. 3. Tie Unsinnigkeit der Behauptungen bezüglich Geburt nnd Abstammung Hentschs widerlegt am besten sein Personal- bericht, aus dem hervorgeht, daß Hentsch am 18. 12. 18K0 zu Köln sRheinl als Sohn des Fortikikationssekretärs Fritz Hentsch geboren wurde und evangelischer Religion war. Zeutsch trat am 1. 10. 1888 als Avantagcur in das Infanterie- Regiment 103 ein. Er starb am 13. 2. 1018 jn Bukarest infolge Magenblntunq nach Entfernung der Gallenblase. Tie Familie ist rein deutschen nnd arischen Ursprungs. Tie Behauptung, der Vater sei Pariser Bankier gewesen, ist vollkommen aus der Luft gegriffen. Der Vater ivar 1886 in Ostrau geboren, diente als Drei- jährig-Freiwilliger beim Pionier-Bataillon 4 und nahm am Feldzug 1864 mit Auszeichnung teil. Er heiratete am 25. 10. 1866 in Magdeburg Emma Pipo und war dann in Köln bei der Forlifikation. Er starb als Festungsoberbaurat und char. Rechnnngsrat in Gautich bei Leipzig am 10. 12. i960. 4. Daß Hentsch der Freimaurerloge angehörte, wird von seinen Angehörigen für ganz ausgeschlossen gehalten. Leuna im„driften Heidi" Es warfei auf den Krieg WaS ist mit Leuna? Was geschieht mit den JG.-Farben im »dritten gleich", das doch den groben Konzernen, de» Mam- mutunternehmuiige», dem anonymen Kapital den Krieg bis ans Mester angesagt hat? Wie brachen die Nationalsozia- listen, diese erklärten Feinde der Kartelle, die ungeheure Macht der größten deutschen Gesellschaft? Keine Singst. Leuna, die JG.-Farben sind mächtiger denn je. Ja, erst jetzt können sie, mit Hilfe riesiger staatlichen Subventionen, ihr Wesen voll entfalten. Unter dem Schutz der nationalsozialistischen Regierung und der proklamierten Volksgemeinschaft. sind sie unbeschränkte Herren der Slr- beiter. Doch darüber, über das Leben der Arbeiter in dieser Stadt der„Eisernen Ferse", die so viel Aehnlichkeit mit der schrecklichen Aiston Jack Londons hat, soll noch gesprochen werten. Wersen wir erst einen Blick in das meist streng ver- schlössen? Gebiet dieser fantastischen Produktionsstätte Ein nationales Heiligtum Sie ist, wie es sich für eine wissenschaftliche Hexenküche ziemt, geheimnisvoll von dicken Mauern, von dichten Sperr- ketten umgeben. Aufseher' und Torwächter versperren den Unbefugten jeden Schritt in das Allerheiligste. Manchmal nur, wenn es das Propagandainteresfr erfordert, werden Bertreter der Oeffentlichkeit, die man für vollkommen verläßlich hält, zugelassen. So sollten die Teilnehmer des zeitungsfachlichen Fortbil- dungskurfcS des Deutschen Instituts für Zeitungskunde, in dem die Gehirne mit viel Geschick nationalsozialistisch ver- nebelt werden, und einige ausländische Journalisten, ersah- ren. daß die JG.-Farben seit Antritt der nationalsoziali- stischen Regierung aufgehört habe», ei» kapitalistisches Unter- nehmen zu sein. Das Aktienkapital von mehr als einer Mil- liarde, die auch in diesen, ach so schlechten Zeiten, reichlich Zin- seit trägt, ist nur ei» Teil der deutschen Arbelt. Leuna ist jetzt eine nationale Produktionsstättc,»ein mehr— ein nationales Heiligtum. Wer erschauert nicht, wenn er die dreizehn ungeheuren Schornsteine, die mehr als Hundertbreibig Meter in die Höhe ragen, wen» er diese himmelstürmenden Türme der Großtndustrit, zum erstenmal erblickt? Bäterlich darf ein Herr Professor, ein deutscher Wissen- schaster, den gläubig lauschenden nationalsoziälistischcn Jour- »allsten erklären, wieso die JG.-Farben aufgehört haben, ein kapitalistisches Unternehmen zu sein: Deutsche Männer haben das grobe Werk gegründet und geleitet, deutsche Männer arbeiten in den Betrieben, For- schnngSlaboratorien und Büros, und deutsche Männer bil- den den Borstand. Ter Herr Professor überging die Frage, ob deutsche Aktionäre deutsche Dividenden erhalten. Er ver- gab auch zu erwähnen, daß deutsche Steuerzahler die beut- schen Subventionen bezahlen. Ja. man Ist deutsch und national bis in die Knochen. So sehr, daß man sich nur im alleräußerste« Fall entschließt, Fabriken im Ausland zu errichten oder sich an ihnen zu be- teiligen. Soviel gab die Leitung zu? sonst glitt man diskret über die internationalen Berbindungen hinweg. Man sprach nicht von der internationalen Gesellschaft für chemische Unternehmungen, die mit einem Kapital von WO Millionen gegründet wurde, kein Wort siel über die American JG. Chemical Eorporation oder über die Convention de l'Jndu- strie de l'Azote, die der Reglung des Weltstickstofimarktes dient. Und doch brauchen die JG.-Farben nicht zu befürchten, daß man sie deswegen— wegen ihrer internationalen Ber- bindungen— im nationalen Deutschland angreifen könnte. Tie sind geheiligter als selbst die Person Hitlers. Geheimnisse Diese Fabrikgelände, die sich viele Kilometer weit aus» dehnen, die vv» eigenen Bahne» befahren werden, find Tabu. Hier herrscht man über Tod und Leben. Tie größten Leuch- ten der Wissenschaft, kleine, unbekannte Chemiker, Inge- nienre, Erfinder. Mediziner und Mineralogen arbeiten fahr- zehnte», mtnschenlang in wissenschaftlichen Forschungsinsti- tuten, in Geheimlaboratorien an Erfindungen, die sich hier zur Ware wandeln werden, ob sie Tod spenden oder Leben. Tie neuesten, noch unbekannten Giftgase haben ebenso ihren PreiS wie Fischra 805. das eben entdeckte, noch nicht auf den Markt geworfene Heilmittel gegen Krebs. So vielfältig ist die Produktion der JG.-Farben in Leuna, wie daS moderne kapitalistische Leben. Durch Düngstofse be- fehligen sie die Fruchtbarkeit der Erde, entlocken ihr un- geahnt reiche Ernte, sie liesern aber auch die Mittel, diese Ernte und diese Erde zu zerstören. Hier werden Medikamente gegen Kopfschmerzen wie gegen Syphilis, gegen die Schlafkrankheit wie gegen harmlose Häutunreinlichkeitcn hergestellt und das Geheimnis ihrer „Arische Feuerwehr" Der preußische Minister des Innern weist in einem Erlab über die Bildung freiwilliger Feuerwehren vom 18. Januar 1984 daraus hin, daß in die Freiwilligen Feuerwehren mög- lichst alle geeigneten Männer eintreten sollen. Bedingung ist: arische Abstammung. „Kündigungsschutz" Als großer sozialpolitischer Erfolg wird von der Preise der DAF. gemeldet, daß die Arbeiter der Maschinenwerte lvorm. Kolb, Rieber u. Co.» Frankfurt am Main, einen Kün- digungsschuv von 7 Kalendertagen genießen, wenn sie min- bestens ein Jahr lang angestellt sind. Ja. werden die Arbeiter denn nach ber siegreichen Ar- beitSschlacht entlassen? Kinnen als Parteilokale Nazi-,.Gottesdienst" am 30. Januar Der Reichsbischof hat. wie der Evangelische Pressedienst mitteilt, an die L a n d e s k i r ch e n r e g i e r n n g c n folgen- den Erlaß gerichtet:„Am 80. Januar 1084 ist der Jahrestag der Berufung unseres Führers zum Kanzler des Deutsche» Reiches. In Dankbarkeit gegen Gott gedenkt das deutsche Bolt an diesem Tage ganz besonders der Rettertat Adolf Hitler». Ich rege deshalb an. daß am Dienstag, dem 80. Januar 1984, in den Kirchen Abcndgottesdienste stattfinden, die der Bedeutung diese» Rechnung tragen." Herstellung genau so gehütet wie jener Giftgase, die die letz- tc» Tage der Menschheit in ihre Wolken einhüllen werden. Fünf Berkaufszentralen der fünf Betriebsgemeinschaiten sorgen dafür, daß die Teerfarbstoffe, die pharmazeutischen Produkte, die organischen und anorganischen Chemikalien, die Kunstseide und Rohfilme, die Sprengstoffe wie die syn- thetischen Farben, die Lösungsmittel, die komprimierten Gase, die Stickstossdüngeiniltcl. da» Dynamit, die Leicht- metallc, die synthetischen Edelsteine ihren Markt finden. Die Regierung aber hat dafür zu sorge», daß die Geschäfte de» Konzerns lohnend und einträglich seien. Wenn cS nicht anders geht, um den Preis dcS Krieges. Wenn der Krieg kommt... Hier in dieser Hexenküche werden alle Vorbereitungen für ihn getroffen, die auch die größten, vor kurzem noch nnüber- windlich scheinenden Schwierigkeiten in Betracht ziehen. In Leuna, bei de» JG.-Farben, wird die vollständigste Autar- kic Deutschlands vorbereitet. Sie ist allerdings eine ungc- heuer kostspielige Angelegenheit, kostspielig für den iveitauS größeren Teil der deutschen Bolksgemeinschast, aber um so einträglicher für die Führerschicht. Ter interessanteste und schon jetzt in seinen Umrissen er- kennbare Versuch ist jener, Deutschland vom»flüssigen Gold" unabhängig zu machen. Deutschland muß sein Petroleum selbst herstellen. Tie Petrolcumielder von Celle sind, verglichen mit dem Bedarf Teutschlands, bedeutungslos. Im verflossenen Krieg spielte daS Erdöl noch nicht die entschei- dcnde Rolle, die ihm in Zukunft zweifellos zustehen ivird. Damals aber standen Teutschland noch die Oelfelder von Galizien zur Beifügung, e» war Sorg« des Generalstabes, auch die Rumäniens zu gewinnen. In einem neuen Krieg könnte Deutschland isoliert und blockiert werden. Die moto- risterte» Kriegsschiffe, die Lustschisse unb Autos aber wltr- de» gebieterisch ihre Nahrung fordern. Und nun beginnt in den Laboratorien ei» atemraubender Kamps voll Spannung mit der Natur selbst. Man zerlegt tm» Petroleum in seine Elemente. Man versucht, die Arbeit der Elemenlarkräftc nachzuahmen, die Atome zu zwingen. In alle» Teilen Deutschlands sitzen Gelehrte und suchen den Weg, der der Natur ihre Geheimnisse entlockt. Erfolgreich gestalteten sich die Versuche Franz Fischers, der am Kaiscr-Wilhelm-Jnstitut für Kohlensorschung experi- mentierte. Konnte man früher die Verflüssigung der Kohle erst durch Hochdruck vou mehr als 100 Atmosphäre erreichen, gelang dies jetzt schon bei einer Temperatur von 200 bis 800 Grad. Aber den großen geschäftlichen Erfolg heimste Bcrgiuo ein. Er kombinierte die verschiedenen Versuche, gründete eine Aktiengesellschaft für Steinkohlcnverflüssigung und fusionierte sie später mit den JG.-Farben. Man hatte einen Sieg Uber die Natur errungen. Das Schlimme war nur: sie produzierte billiger als die Gelehrten. ES wurde zum Ztaatsinteressc erklärt, ihrem Dumping entgegenzutreten. Die Führer des»dritten Reiches" begriffen ihre- vater- ländische Pflicht: den JG.-Farben muß geholfen iverden. Der Staat muß sie tatkräftig unterstützen, damit im Kriegs- fall der ganze Benzinbedark in Deutschland produziert wer- den kann. Eine solche Umstellung wäre natürlich nicht von heute auf morgen möglich, deshalb muß schon jetzt beschleu- «Igt die Produktion gesteigert iverden. Nach den Plänen der JG.-Farben-Leitung soll schon in diesem Jahr dreimal so- viel Leuna-Benzi» als bisher aus den Markt gebracht iver- den, nämlich statt 120 000 Millionen Tonnen 400 000 Millionen. Wer aber soll die Kosten trage»? Die Arbeiter und die Verbraucher natürlich. Tic JG.-Farben verspricht, zehn- tausend Arbeiter einzustellen— zu welchen Bedingungen, das schreibt sie vor. Die Regierung garantier« t>n JG.- Farben für das Leuna-Bcnzin einen entsprechend hohen Preis. Das bedeutet noch viel höhere Zölle kür Petroleum und Benzin, das bedeutet, daß jeder Äraftradsahrcr, jeder Automobilist kür Benzin viel mehr wird zahlen müssen. Es werden also aller Wahrscheinlichkeit nach weniger Autos ge- kauft werden und man wird in der Automobilindustrie mehr als zehntausend Arbeiter abbauen. Aber waS tut daS? Den JG.-Farben wird geholfen. Aber man braucht auch andre Rohstoff«, über die Deutsch- land nicht verlügt. Um ihre künstliche Herstellung ringen andre Gelehrte. Kommt der Krieg, wird es bestimmt ein gutes Geschäft für die Industrie. Schon ist es gelungen, künstlichen Gummi herzustellen. Nicht sogenannten Kr cgs- giimmi, sondern beste Qualität, die sich in nichts vom echte» unterscheidet. Nur im Preis: er ist zehnmal so hogj wie ter gewöhnliche Naturgummi. Aber ivenn der Kn»i lemmt, wird der PreiS keine Roll" lvielen. In Leuna> vk*«:.»i auf ihn. inlfverkelir Kommt ein Außenhandelsmonopol? Eigennutz vor Gemeinnutz Ter RegierungSdircktor Dr. Gustav Schlutter er, Hamburg, untersucht(in der„Deutschen Volkswirtschaft" Nr. 1„Der Weg des deutsche» Außenhandels"« die Exportmöglichkeiten der„Nationatwirtschait". So phrasenhaft und verwaschen die Sätze des Schlottcrer sind, dennoch zeigt sich in ihnen, daß die harte Realität die Nazis zum Nachdenken zwingt: da sie aber weder eine Wirtfchaftsbetrachtung noch ■»——.13 i F Tagesdurchschnitt der beförderten Personen Die amerikanische Transcontinental and Western Air Company veröffentlichte eine Statistik, ivonach in den ver- schicdenen Ländern der Welt im Tagesdurchschnitt folgende Anzahl Personen befördert iverden: Bereinigte Staaten: l 882, Dcnlschland 270, England 139, Italic» Iis, Frankreich 101, Soivjetrubland 77 und Japan 22. Au Post soll im Durch- schnitt täglich befördert«verde»: fl Pfund— 453 Gramms BereinigteStaateu 210-10 Pfund, Soivjetrubland 2946Piuitft, Teutschland 2 072 Pfund. England 1824 Pfund, Frankreich 082 Pfund, Italien 281 Pfund und Japan 28V Pfund. 2000 neue Flughäfen in USA. Zur Förderung der privaten Lustfahrt sollen i» den Ber- einigten Staaten 2000 neue Flughäfen gebaut iverden. wozu lO Millionen Dollar erforderlich sind. Der Plan wird von feiten ber Regierung sCivil Works Administration) finanziert. Flugzeugfabrik in China Die„CurtiS-Wright Aircrait Corporation of U. T. A." plant die Errichtung einer Flugzeugfabrik. Die chinesische Regierung hat ihre Hilfe bei der Finanzierung des Werkes, das ö Millionen Dollar kosten soll, zugesagt. Im ersten Tta- diun« der Ausführung des Projektes wird daS Material von den Vereinigten Staaten aus verschifft werden, doch später soll die Lieferung von Flugzeugmotoren von Patterson i t t e r ii b c r dem Hochlande Innrrasicns zn- sammen, dam sich zwischen dem«rosten Schingangebirge der Mandschurei, dem Baikalsee, dem Großen Altai, dem Hoch- land von Pamir und dem Himalanagebirge zu entladen drolit. Bon drei Seiten stoßen die Kräfte, denen an der Be- herrschung dem inongolisch-tibetanischen Hochlandes gelegen ist. in dam Innere des Wüsten»»nd Steppengebietes vor: im Nordosten Japan. das über den Grasten Schingan hinweg durch die Provinz Tjchachar den östlichen Teil der Mongolei mit der alten Hauptstadt Ulan-Bator unter seine Bor- Herrschast zn bringen und damit die Sowjetprovinzen Ostasiens von Wladiivostok bis Ochotsk strategisch und ökonomisch unhaltbar zu machen sucht. Bon Westen Rußland, dam vom Großen Altai und vom Hochland von Pamir den ivest- lichen Teil der Mongolei, Ost-Turkestan. auch Provinz Sin- kiang genannt.»» durchdringen bestrebt ist. Schließlich von Süden ans England mit seiner indischen Kolonialmacht, das seine Einslustsphäre in Tibet nach dem Tode des Talai- Lama zn einer Tchutzherrichait auszubauen sucht. In allen Fällen ist das eigentliche„Große Reich der Milte". Chi» a. der leidende Teil, da es durch den ewig sprtivechielnden Bürgerkrieg und die augenblickliche Unfähigkeit, eine militärisch wertvolle Armee im Kampfe um den allen Besitzstand des Reiches einzusetzen, militärpolitisch außer Kurs gesetzt wor- den ist. Wladiwostok Tie letzten Tcpcschcn aus Ostasien,..d von einem Bor- marsch japanischer Truppen aus der Linie Tolonor-Kalgan entlang der großen Karawanenstraße nach Ulan-Bator, der mongolischen Hauptstadt, zn melden wissen sind vor allem in Rußland als Alarmschüsie empiunden worden, da ein Bordringen japanischer Okkupationmtruppc» aus der Man- dschurci in die innere und äußere Mongolei die operative Lage am unteren Amur vollkommen verändern würde, Japa- Nische Truppenteile in Ulan-Bator ivärcn sehr wohl in der Lage, durch Flugzeuge und Ferngeschütze die ostsibirischc Bah» an ihrer heikelsten Stelle, in der Gegend von Jrkutsk zu beherrschen, ivo sie durch schwieriges Gcbirgsland einen Bogen um den Baikalsee schlägt und durch uuwegsame Step- pengcländc über Berichcn-Udinjl die Gegend von Tschita zu erreiche» sucht, ,1m Besitze der äußeren Mongolei mit dein Tchangaigcbirge könnten japanische Truppenteile mit Leich- tigkeit durch ein Vorgehen gegen den Baikalsec die russischen Amurprovinzen vom Mutlerlande abschneiden. Tamit iväre allein schon der russische ostasiatische Kolonialbesitz, der seit dem 16. Jahrhundert politisch und ökonomisch mit Moskau verbünde» ist, strategisch mattgcjctzt und praktisch in die Hände Japans übergegangen. Nachdem bereits Iwan der Schreckliche durch den Kosaken- Häuptling stsermak die Grenzen seines Reiches über den Ural nach Westsibirien hatte vortragen lasten, gelang eS den Rüsten ini Jahre 1689, chinesische Truppen hinter den Bai- kalsee zurückzuwerfen»nd im Jahre 184Ö die ostasiatische Küste zu erreichen. Unter Leitung des Admirals Revelsk» wurde der untere Amur strategisch erkundet und die Tee- Provinz von der koreanische» Grenze bis zur llda-Bai bc- festigt. Um einen möglichst eisfreien Halen zu erhalten, wurde in de» liOcr Jahren Wladiwostok zur russischen Flottenbasis am Javanischen Meer ausgebaut. Zeit dem Weltkrieg macht sich jedoch ein unaufhörliches Bordringen Japans am asiatischen Kontinent b e- m c r k b a r, das zunächst friedlich das Reich der Mitte und dir Mandschurei durchdring und dann auch das Gesetz bei militärischen Handelns vor allem im Norden EhinaS an sich riß. Mit der handelspolitischen Invasion Japans in der Mandschurei, in Icbol und in der Mongolei konnte Russisch- Sibirien keineswegs Schritt halten. Ter einzige Schienen- sträng der transsibirischen Bahn war natürlich nicht in der Lage, den handelspolitischen Kamps mit Japan auszuneh» mcn, das sich südlich von Wladiwostok drei neue völlig eis- freie Häfen schuf, deren wichtigster Raschin, durch einen Bahnbau mit dem mandschurische» Eisenbahnnetz direkt oer- blinde» wurde. Nun entscheidet sich zweifellos der ostasiatische russische Besitz im Steppengebiet der Mongolei. Mongolei Japanische'Truppen haben in Gujuan, einem Torfe zivi- schen Tolonor und Kalgan, einen Flugplatz angelegt, der mit dem javanischen Fluggeländc in der Konzession von Tientsin Verbindung ausgenommen hat und mit allen wichtigen man- dschurischcn und japanischen Flugplätzen in Verbindung steht. Weiter hat der japanische Truppenkommandeur, der den chinesischen General Linkivaitang, der in die entmilitarisierte Zone zwischen Peking und Kalgan eingebrochen ivar, zurück- werfen sollte, einige Tetachcmcnts gegen die große Kara- wancnstraße von Kalgan nach Ulan-Bator vorgeschickt, die sich dort festgesetzt und häuslich niedergelassen haben. Tie Straße ist die»sichtigste Verbindungslinie von Nordchina nach der mongolischen Hauptstadt und nach dem Baikalsec und ist seit einigen Jahren auch ssir Automobile befahrbar. Vermutlich wird sich das iapanlsche Kriegsministerium die Herr- lichc Gelegenheit nicht entgehen lasten, aus diesem Anlaß japanische Kavallerie in die äußere Mongolei, und zwar so- wohl in die Gegend von Ulan-Bator wie auch in Richtung des Großen Altai vorzuschicken. Seit Monaten ist dieser Schritt von Tokio vorbereitet worden. Man hat dort ganz betont das Protektorat über die innere und äußere Mon- avlci kür sich in Anspruch genommen und den mongolischen Fürsten Tebivanq. einen gebildeten, jungen Mann von»6 .siabren.»ach Japan einaeladen. Tehwang aehört zu der Strömung in der Mongolei, die eine Verlsindung mit der japanisierten Mandschurei und mit Japan erstrebt. Tas wich- tiefte Motiv dieser Bewegung ist zweifellos die Angst vor Rußland und den Toivlet-Kollektiviernngsmethodcn. mit denen in der äußeren Mongolei der Großbcsitz an Land und Herde», die sogenannten Bannerstirsten, enteignet wurde». Ter Widerstand gegen das Sonsietregimc ist znsische» Ulan-Bator und dem Großen Altai ständig im Wachsen, so daß zweifellos ein japanischer Einmarsch aus einen wich- tigen Teil der Bevölkerung den besten Eindruck machen würde Japan hat dazu alles getan, um von der Mandschurei aus eine mongplenfrennblichc Politik zn treiben und der kommunistischen Agitation im Innern Asiens die Stirne zu bieten. OstlurKesian Etwas anders liegen die Tinge in der Provinz Tsingtiang. dem chinesischen Turkestan, das zwischen Himalajagebirge, Hochland von Pamir und dem Großen Altai gelegen ist und dem Eindringen deS Sowietrcgimes wenig Widerstand entgegenzusetzen vermag. Es ist dort den Sowjetcmtssärcn auS den benachbarten sibirischen Provinzen bis zu einem gewissen Grad gelungen,„Sichel und Hammer" über Turkestan aus- Brie! aas der Tschechoslowakei Die anferirdische nallonalsozlallsllsche Bewegung Es iväre falsch zu meinen, daß das Verbot der fudeten- deutschen Nazibeivegung dieser tatsächlich ein Ende ge- macht habe. Wer Land und Leute wirklich kennt und mit ihnen zu sprechen weiß, der ist bald daraus ge- kommen, daß die Nazianhänger ihre Meinung nicht geändert haben; sie warten, sie warten stumm, und nur die Mutigsten von ihnen, nicht eben allzuviel?, finden sich in etlichen getarnten Vereinen zusammen, um ihre Hoff- nungen und Wünsche zu besprechen. Aus dem Reich her erhalten sie ihre Nachrichten, die immer für einen nahen Zeitpunkt einö große politische Wendung prophezeien. Da heißt es:„Noch drei Wochen Mut. dann ist Oesterreich unser und dann werden wir unsere ganze Kraft auf Eudetendeutschland werfen!" Und ähnlicher Prophe- gelungen gibts mehr. Das Seltsame ist. daß die Sudetendeutschen immer wieder seit mehreren Monaten diesen Botschaften trauen und daß sie vorläufig einfach nicht zu enttäuschen sind. Macht der Psychose! Ihre Nachrichten aus dem Reich be- kommt die unterirdische Bewegung auf mehrere Art. Für «udetendeutschland hat die Hitlerei im Reich eine eigene tentrale in München. Bon drei Stellen aus werden ropagandamaterial, Befehle usw. in die Republik ge- kracht: von der bayerisch-tschechischen Grenze aus München direkt: eine Zeitlang gingen die Kuriere von München zunächst nach Salzburg und Linz und dann über die oberösterreichisch-tschechische Grenze nach Budweis. doch jst dieser Weg aus der Mode gekommen: der zweite Weg geht nun von Dresden nach Prag. In Prag haben die Razi eine Art Zentrale. Das sieht auf den ersten Blich wahnsinnig aus: um das zu verstehen, muß man sich in Erinnerung rufen, daß die Sudetendeutschen ja kein geographisches Zentrum haben und daß es natürlich viel schwerer ist, in den kleinen, wenn auch reiudeutschen Ttädtcn illegale Organisalionen aufzuziehen, als etwa in der. wenn auch tschechischen. Großstadt Prag: außer- dem hat man an der Gesandtschast des Reiches eine Heini- üche Stütze. Man erinnere sich, daß ein Legationsrat der Wiener deutschen Gesandtschaft aktive österreichische Politik macht und daß er hierbei der Polizei in die Hände fiel. Man wird hiernach unsere Behauptung für durch- aus möglich finden. Der dritte Weg. auf dem die Nazi ihre Verbindung zu Sudetendeutschland aufrecht erhalten, geht von Wien aus. In Wien gibt es feit einigen Blochen Naziemigranten aus der Tschechoslowakei, die von Wien aus entweder über Prag oder über Preßburg 'hre Fäden in die Heimat spinnen. Die Aufgabe der Nazi- Agitation ist es, die Bewegung In Sudetendeutschland nicht einschläfern zu lassen. Große Massen kann sie durch dag Parteiverbot natürlich nicht an sich binden, aber es gelingt, den Funktionärapparat ausrecht zu halten, in einzelnen Orten sogar ihn auszubauen und dieser Funk- tionärapparat trägt nun in die Symphathisanten und von früher als parteigenössisch bekannten Kreise die Stim- mung des Wartens auf die große Wendung, auf das un- geheure Ereignis, auf Krieg oder Umsturz in Oesterreich und was immer sich Bierbankpolitiker unter dieser Wen- dung vorstellen mögen. Unter den heutigen Verhält- nissen und bei dem starken Druck, unter dem die Nazi in der Tschechoslowakei stehen, ist dieser Stand ihrer Be- wegung ein großer Erfolg, den man nicht unterschätzen soll. Denn dadurch ist es ihnen möglich, in dem Augen- blick, in dem die österreichischen Kräfte und Gegenkräfte in Bewegung kommen, mit einem Schlag eine starke Aktivität zn entfalten. Auch die vollständige Heimwehr- faschisierung Oesterreichs gibt ihnen diese Chance, denn auch dieser Faschismus isoliert die Tschechoslowakei und kommt einer erheblichen Schwächung der kleinen Entente überhaupt gleich. Nun fassen die Nazi natürlich diese mög- liche Entwicklung in Oesterreich nur als Vorspiel zu einem braunen Oesterreich aus. Dessen Schwierigkeiten, hauptsächlich den Widerstand Italiens und Frankreichs, kennen die Nazi sehr gut, aber sie überschätzen sie nicht: sie sagen, vor vollendeten Tatsachen habe sich Europa noch immer gebeugt. Wenn es ihnen gelingt, diese Tat- fachen zu schaffen, haben sie eine weitere Etappe auf ihrem Weg zurückgelegt. Die ganze Entwicklung des Nazi- systems seit der Machtergreifung gibt diesem Grundsatz recht: vor vollendeten Tatsachen beugt sich Europa und die Nazi nehmen an, man wird sich vor den Tatsachen, die sie in Oesterreich mit bewußter oder unbewußter Hilfe der Heimwehr ebenso wie in Sudeten- deutschland setzen wollen, genau so beugen. Alle diese Dinge sind von unheimlichster Gefahr, aus ihnen kann über Nacht die große europäische Katastrophe steigen, die es den Nazi ermöglichen soll, eine neue euro- päische„Ordnung" zu schassen, die den Plänen der All- deutschen aus der Wellkriegszeit entspricht. Wer die tschechische Presse durchsieht, wird finden, daß die Tschechen der großen Gefahr, in der ihr Staat und ihre Freiheit sich befinden, nicht unvorbereitet gegenüber- stehe»: ihr Nationalismus ist im Wachsen und bald wird er die Intensität von 1918 erreicht haben. Vor Anbruch der Hitlerei sah es so aus, als werde es den Tschechen ge- liitgen, Grundlagen zu schassen, die es allen National!- täten der Republik ermöglichen werde, friedlich zusammen- zuleben; diese Möglichkeiten sind im Schwinden: denn nicht nur die Nazitätigkeit selbst, auch deren Zusammen- spiel mit den Madjaren und der Revisionspolitik hat die friedlichen Zukunftsaussichten verschüttet. Es ist kaum anzunehmen, daß sie vor Hitlers Ende wieder aufleben werden. So warten denn nicht nur die Nazi in der Tschechoslowakei, es warten auch die Tschechen. Dieses Warten ist eine Nervenprobe und-belastung, von der für Europa sehr viel abhängt. zupslanzeu und die chinesischen Ortsbehördcn und Gen- darmeriestationen aus dem Lande zu treiben. Tas wichtigste Kampsmittel war dabei der mohammedanische Glaube der Bevölkerung im Tarimbcckcn und im Große» Himmeis- gcbirge, der von den Russen snstematilch zum Kamps gegen den buddhistischen Bevölkcrungsteil ausgenutzt wurde. Mehr als sechsmal wurde in den leyle» Jahrzehnten Turkestan von chinesischen Truppen znnickerobert. Zeit der militärischen Lähmung der Zentralregiernng in Nanking^gelang es icdoch Rußland, sowohl die Tiungarci»sie das Tarinibecken mit seiner Hauptstadt Kaschgar z» durchdringen und durch Karaivanenivege und einen Schienenstrang an West- sidirien anzuschließen, so daß man heute Turkestan als eine soivjctrussischc Militärprovinz betrachte» muß. Tibet Auch im Süden des mongolisch-tibetanischen Hochplateaus brauen sich Wetterwolken zusammen, um an dem drohenden »ieivitter Anteil zn nehmen. Ter britische Bizekönig in Indien ist nach dem Tode des Dalai-Lama dazu überge- gangen, das britische Einilußgebiet über Tibet, das oiiiziell immer noch der chinesische» Zentralregiernng untersteht, zu einer englischen Schutzherrschait auszubauen. England sieht zivtisellos hinter dem kürzlich in Fluß gekommene» Bor- marich tibetanischer Truppen gegen die chinesischen Grenz- Provinzen Szetschuang und Mnnau. Weiters ist die eng- lische Militärmission und Garnison in der tibetanischen Hauptstadt Lbaiia erheblich verstärkt worden, eine Maß- »ahme, die man in Eliina sicherlich nicht mißverstehen wird. — Britisch Indien betrachtet ja das nördlich des Hima- laia gelegene Tibet seit der Expedition des Obersten Ivung- busband als sein Einilußgebiet, das sich jederzeit den» indischen Handel und Berkehr zu offnen hat. Englische Ingenieure baute» die ersten Telegrafen!!»!«» und Autostraßen, die, allerdings in cineui ielir dünnen Netz, heute das Gebiet von Tibet durchziehen. Wen» der britisch-indische Bizekönig heute den englischen Einfluß aus Tibet z» verstärken sucht, dann geschieht dies zweifellos ans der Erkenntnis heraus, daß im innerasiatischen Hochland eine gcmaltiame Ansein- andersetznng zwischen Japan und Sowietrußland i» Fluß gekommen ist, bei der sich auch Brituch-Indien eine Art„Gla- cis" durch die Beherrschung von Tibet zu schatten sucht. Letzten Endes wird der Kamps im mongolisch-tibetanischc» Hochland um zwei wichtige Tinge ausgrsochten werde»: um die japanische Parole„Asien den Asiaten!" und um den Znsammcnprall zwischen dem Lowjettommu- nismus und dem betont nationali st ischeit und s a s ch i st i s ch e n japanischen R c g i m e. Taß die Zentralregiernng in Nanking und ihr militärischer Führer Tichiangkaischek hier zwischen zwei Feuer» neben, ist das tragische Moment des Reiches der Mitte.— Im Nor- den von Japan, im Süden, in der Provinz Fukien und in Kanton von den komnlnnistischcn Revolten bedroht, steht die- ser Mann zwischen den Fronten, die im Nordoste» und im Nordwesten des großen Reiches i» Bewegung geraten. Tas Schlacktteld. aus dem sich aller Voraussicht nach japanische und russische Truppe» trettcn, ist aber gleichzeitig die große Länderbrückc^zwischeu Indien, Ebina und Innerasien, eine strategische Schlüsselstellung, die dem japanischen Traum- land die fernsten Ziikunftsinöglichtcitcn zu erschließen per- mag. Balkan Paris, AI Jan. Tas wichtigste Ergebnis der Konferenz der Kleine» Entente ist, wie aus Konserenzlreisen verlautet, die Genehmigung des Entwurfs eines Baltan-Patts, de» die Außenminister der Kleinen Entente in der vcrgan- ge»c» Woche in Paris besprochen hatten. Tic vertrag- schließende» Parteien übernehmen die Verpflichtung, sich die Sicherung der Grenzen gegenseitig zu garantieren. Tic Agentur Radio meldet ans Athen folgende Einzel- heiten über den Balkanvakt: 1. R i ch t a n g r i s s s p a t t unter den vertragschließenden Staaten. 2. Rcglung aller Streitigkeiten durch Schiedsgericht außer in den Fällen, ivo es sich um legale Verteidigung handelt oder wo der Artikel 16 des Bölkcrbnndspakts über die Anwendung von Sanktionen eintritt. !i. Tie vertragschließenden Parteien bilde» ein permanen- tes Schiedsgericht. 4. Im Falle dieses Schiedsgericht zu keinem llrtril kommt, «verde der Internationale H a a g e r S ch i c d s- g c r i ch t s h o» oder der BölkcrbundSrat angerufen. •">. Tic vertragschließende» Staate» verpflichten sich, jede»i Staat m i t H i l s e gegen eine» andern S'aat bei»» stehe», der vom Völkerbund als Angreifer bezeichnet wird. 6. Tie vertragschließenden Staaten stehen sich gegenseitig bei, um am Balkan den politischen und territorialen status quo ausrecht zu erhalten. Bulgarien nicht Nach Erklärungen an gutunterrichteter Stelle soll der bulgarische Gesandte Ministerpräsident Tsaldaris davon in Kenntnis gesetzt haben, daß Bulgarien mit ollen Nachbar staaten gute Beziehungen zu unterhalten miinsche, daß es sich jedoch a in B a l k a n- P a k t nicht beteiligen werde. Ble Schweiz Verstärkter Grenzschutz Im Zusammenhang mit dem von den deutschen Nazi-Ban- diten verursachten Blutbad hat die basclstädtische Regierung an den Bundesrat das Begehren um Verstärkung des Grenzschutzes gestellt. Ter Bundesrat ha« sich gestern mit dem Gesuch befaßt und die Oberzolldirettion mit der Be- antwortung desselben beaustragt. Grundsätzlich stell« der Bundesrat fest, daß der Grenzschutz Sache der Kantons- Polizeibehörden sei und das eidgenössische Grenzschutztorpa die ausschließliche Ausgabe des Zolldienstes habe. Turch die Angelegenheit der beiden Berbrecher ist man im Bundesrat erneut aus die Frage der Schassung einer eidgenössischen Polizei zn sprechen gekommen. Tlcscs Problem soll weiter geprüft werden. Rebellion in Nordschleswig In einer parteiamtlichen Mitteilung wird die Aus- lösung der SA., des Motor,«nd Marinesturmea in Nord- schlcswig bekanntgegeben. Offiziell wird die Maßnahme da- mit begründet, daß man dem„Führer" keine„oußenpoli- tischen Schwierigkeiten" machen wolle. Tabci ist es ein offenes Geheimnis, daß die in die Hitler-Armee eingereihte» Jungbauern in Nordschleswig den ganzen Hakenkreuz, schwinde! entdeck« und offen rebelliert haben. 3)euistfte Stimmen» fßeilaäetut..Deutschen• freigniss« und Geschichten Samitw. d.n 27. J»nu.T?Ö3ä——— HatchaUa in JMüte Jiünchenec Fasching uniet Tla<ü*Rcotektocat 5. Ä,* i;. V»,---• /-x..; Man hat häufig versucht, den Fasching an die Ufer der Deisse zu verpflanzen. Vergebliches Bemühen! Trott gewisser verwandtschaftlicher Verbindungslinien zwischen den Rundschädlern dinarischer Rasse gelang es nie, Miitichenrr Hamur nach Leipzig zu bringen. Die Leipziger reagieren sich ihre Minderwertigkeitskomplexe dadurch ah, daß sie begeisterte Berichte aus München in ihrer Presse finden. So die altberühmten„Leipziger Neuesten Nachrichten": N&orin im einzelnen die Eigentümlichkeit des Müniheiier F aschings bestellt, läßt sich nicht mit wenigen Worten definieren und abstrahieren, denn hier handelt es sich um stammesmäßige, allbayerische„Imponderabilien", um schönste Offenharungen einer eigenwilligen, starken Volksseele, um den Ausdruck einer ganz bestimmten Lebenshaltung. Auch am Rhein wird Fasching gefeiert, auch dort herrscht Wochen hindurch Ausgelassenheit und Uehermut; doch wird man niemals den Münchener Fasching mit dem rheinischen Karneval vergleichen können. Der Münchener nimmt den Fasching ernster und seine Ausdauer im Feiern der Feste ist nicht zu übertreffen. Mehr als sonstwo erfaßt der Fasching in München alle Schichten der Bevölkerung und nicht zumindest die ärmeren Volkskreise. Die Statistik des Leihhauses verzeichnet alljährlich während der I' aschingswochen ein gewaltiges Ansteigen der beliehenen Pfänder, denn die Zahl derer ist groß, die unter allen Umständen dabei sein wollen, seihst wenn sie sich für einige Zeit von den notwendigsten Gebrauchsgegenständen des täglichen Lebens trennen müssen. Böse Zungen behaupten, daß sich viele Miinchener in dieser Hinsicht mit dem Känguruh vergleichen la°sen, das ja auch gerade mit leerem Beutel die größten Sprünge zu machen in der Lage sei. Die bayerische Regierung ordnete diesen ersten Fasching im neuen Bayern der höhe- renldeeselhstloserOpferhereitschaftund volksverbundener Herzensgüte unter, und in schöner Weise dient heuer die Festesfreude und Lebensbejahung dem Winterhilfswerk und der Arbeitsbeschaffung. Auch ein Faschings orden wurde geschaffen, der gestaffelt in drei Klassen erworben werden muß und dessen Erlös ausschließlich den von Not und Krankheit Bedrängten zugute kommt. Mit vollen Segeln ist München am 7. Januar, dem Tage nach dem Dreikönigsfeste, in den Fasching eingelaufen, und diese lustige Fahrt endigt erst nach sechs Wochen in der "Nacht zum Aschermittwoch. Noch niemals wurden die Säle der Stadt, in denen Prinz Karneval sein Zepter führt, so prächtig ausgestattet wie heuer. Die ersten Künstler und die tüchtigsten Dekorateure standen hier in edlem Wettbewerb miteinander und Tausende von Handwerkern und Arbeitern fanden überdies lohnende Beschäftigung. In der Jahrhunderte alten Tradition des Münchener Faschings spielt auch die Karnevalsgesellschaft N a r r h a I I a eine besondere Rolle. Sie pflegt diese Tradition, sie hält streng auf die Einhaltung eines künstlerischen Niveaus, zudem von jeher der Münchener Fasching sehr viele Fremde aus dem ganzen Reich und auch aus dem Ausland hierherführte. Der Narrhalla fällt aber auch die ehrenvolle Aufgabe zu, alljährlich den Prinzen Karneval zu wählen und diesem die Autorität für die Ausübung seines wichtigen Amtes zu übertragen. Mit großem Pomp hielt dieser bereits Da saß ich neulich am Radio und suchte irgendwo in der Welt ein annehmbares Programm. Plötzlich höre ich eine Stimme, deutsch. Ich halte einen Moment an. Der jetzt im deutschen Rundfunk übliche schleimige Ton„und das ist das Große an Adolf Hitler".... Fort, fort, weiterdrehen. W ieder eine Stimme, wieder deutsch. Schnarrende Kommandos.„Rechtsum, ganze Abteilung kehrt. Brust raus, ihr Schweinebande..." Natürlich Deutschland, offenbar ein Militärlustspicl oder so etwas Aehnliches.... Fort, fort. W ieder Stimmen, diesmal englisch. Ein Dreigespräch über Luftfahrt. Man unterhält sich darüber, oh man besser alle Flugzeuge in der Welt vernichten solle, oder ob Internatio- nalisierung zweckmäßig sei. Kazideutschland und England. Eine Welt liegt dazwischen. Lnd Wehmut packt jeden, der das wahre Deutschland lieht. * Nazideutschland hat auch Kultur. Jeden Tag gab es Beethoven. Einmal eine Woche mit Hitler-, Göbbels- und Ley-Reden, dann eine Woche Marschmusik, dann eine. Woche Beethoven, fein säuberlich, alle Werke im Parademarsch. Jetzt wird mal Beethoven gehört, Ihr Kerls, verstanden. Ihr müßt doch wissen, daß Deutschland ein Kulturvolk ist Ja. Beethoven, nur wir können so einen Komponisten(Verzeihung: Tondichter) hervorbringen. Den deutschen Hitler, den deutschen Leutnant und den deutschen Beethoven macht uns doch keiner nach. Eine Woche Beethoven. nur Beethoven, dann wieder Badenweilermarsrh usw. Nur hereinspaziert, Ihr Herrschaften, garantiert echte germanische Kultur. Und das tut mau Beethoven an, das tut mau Deutschland an. * Ja es kam noch schlimmer. Die Beethoven-Woche wurde durch eine Nazirede eingeleitet. Wer dieses Zeug hören mußte, schämt sich heute noch. Beethoven und Hitler, so hieß es etwa, sie sind Brüder gleichen Geistes(Hitler ist seinen Einzug in der Hochburg des Münchener Faschings, im „Deutschen Theater". Staatsminister Esser und Oberbürgermeister Fiehlerempfingen den neuen Prinzen in feierlicher Audienz, und die Worte, die dieser an die Oeffentlichkeit richtete, zeugten von dem tiefen Ernst, mit welchem er sein Amt des Frohsinns mit einer hohen sozialen Aufgabe zu vereinen bemüht ist, die ihm in diesem Jahre des Kampfes gegen Arbeitslosigkeit und Not ganz besonders gestellt ist. Allein in den fünfzehn größten Sälen der Stadt werden in diesen sechs Wochen rund 500 Faschingsfeste abgehalten! Den Höhepunkt des diesjährigen Müurhener Faschings aber bildet schließlich der große Fasrhingszug am Faschings- sonutag. Dreißig Sonderziige der Reichsbahn werden au diesem Tage die Zuschauer nach München bringen. Hier sollen sich in sellener Harmonie Kunst und Heiterkeit vereinen. Noch einmal werden an diesem Tage Münchener Gemütlichkeil, altbayerischer Frohsinn und Schwabinger Humor an uns vorüber rauschen, und da der ganze Festzug einer einheitlichen künstlerischen Leitung unterstellt ist, wurde N orsorge getroffen, daß er keine schwachen Stellen aufweist. Und wenn dann am Faschingsdienstag die letzten Stunden für den Prinzen Karneval schlagen, so wird man in den grauen Aschermittwoch das Bewußtsein hiniiberretteii. daß heuer der Münchener Fasching seine alte Tradition bewahrt hat und daß er darüber hinaus all denen Gutes tat, denen es nicht nach ausgelassener Freude ums Herz gewesen ist. -tc Da blüht eitlem das Herz auf Denn das ist nun kein gewöhnlicher Fasching mehr. Jeder, der in diesem Jahr in München närrisch ist, darf das stolze Bewußtsein in jede Maß und in jedes Glas Schainpus mischen, in diesem „neuen" Bayern den Idealen selbstloser Opferhereitschaft und volksverbundener Herzensgüte, wie sie im Land Dachaus überall praktiziert werden, dienstbar zu sein. Jeder Kuß dient dem Winterhilfswerk und der Arbeitsbeschaffung... Wer auf diesem Gebiet besonders opferreiche Arbeit leistet, ist Anwärter auf einen der neu geschaffenen Orden. „Tiefer Ernst" und Frohsinn zugleich: wahrhaftig, wie begreifen die guten Leipziger, wenn auch sie sehnsuchtsvoll in Narrhalla einziehen möchten. Sie sind dabei freilich etwas durch Sprachschwierigkeiten behindert. Aber sie ersetzen diesen Mangel durch den angeborenen Humor, der ihrer Sprache entströmt. * tgid I. Malt ducch Jteude Die„Frankfurter Zeitung" berichtet noch: Prinz Karneval 1934, vom„Elferrat" der Narrhalla, Münchens ältester und einziger Faschingsgesellschaft erkoren, heißt Egid I von Narra-Monachia; in Zivil ist er 33 Jahre alt. Diplom- katifmann. Ski- und Faithootfahrer, preisgekrönter Ziehharmonikaspieler und Sohn des Präsidenten der Naarhalla. Hans Sollfrank. Zum ersten Male wurde der Prinz aus dem Kreise der„Jungelfer" gewählt;„er wolle," weiß ein Interviewer von ihm zu berichten,„seine Verpflichtung, der Welt den Humor zu bringen, sehr ernst nehmen... und seine Tätigkeit mit dem Motto der nationalen F'eierstunde in Einklang bringen: Nach der Arbeit Kraft durch Freude." Sei Wahlspruch lautet:„Einig, gesellig, innig, deutsch!" natürlich der Größere).„Warum jetzt eine Beethovenwoche? Nun, das„dritte Reich" hat— die ganze Welt erkennt es an— wieder die Brücke zu dem Deutschland der Denker und Dichter geschlagen, nachdem das liberalistische Deutschland alles verschüttet hatte. Deutschland ist wieder Kulturvolk, dank Hitler— die Welt erkennt es an. Jetzt können wir wieder Beethoven spielen, denn Hitler ist da. Beethoven war eigentlich ein Nazi(ausgerechnet dieser freiheitliebendc Individualist, der die französische Revolution bewunderte und Napoleon haßte, als er sich zum Kaiser krönen ließ). Das liberalistische Zeitalter hat Beethoven verfälscht, es hat seine Neunte in den Himmel gehoben, weil er dort sang„Seid umschlungen, Millionen, diesen Kuß der ganzen Welt". Aber die Neunte ist nicht der Höhepunkt, sondern die Missa solemnis. Fremde mögen Beethoven achten, nur wir Deutsche(arische Deutsche wohlverstanden, ohne jüdische Großmütter) können ihn verstehen." So schwätzte dieser dreiste Bursche. Und dann gab es ..Fidelio", ausgerechnet„Fidelio". Das hohe Lied der Freiheit. Die Nazis spotten ihrer selbst und wissen nicht wie.„Fidelio" ist heute aktuell, aktuell wie keine zweite Oper. Da hält ein sadistischer Tyrann seinen persönlichen Feind in Ketten„Wahrheit wagte ich zu sagen, und der Kerker ist mein Lohn". Da heißt es über den Gefangenen „Er muß ein großer Verbrecher sein oder mächtige Feinde haben". Da singen die Gefangenen auf ihrem Gang durch den Hof des Konzentrationslagers, Verzeihung Gefängnisses: „Seid ruhig, haltet Euch zurück, wir sind belauscht mit Wort und Blick." Da tobt Pizarro, der sadistische Tyrann vor seinem wehrlosen, gefesselten Opfer— nun wie Göring vor Dimitroff. Wirklich, diese Oper ist von unerhörter Aktualität, aber Beethoven steht bei der Freiheit, oder ist das auch wieder eine liberalistische Auslegung? Ja. ja die Herren spotten ihrer selbst. Am Rundfunk saßen aber an diesem Tage Tausende und aber Tausende, die den wahren Sinn des W erkes spürten. Sie waren in dieser Stunde eine Gemeinde, die gleichen Gedanken beseelten sie alle. fteichsschcifttumkammec* W ir leben in piner praktischen Zeit Und alles treibt sich gewerblich: Vermittelst Gegenseitigkeit Wird jeder Lump unsterblich. Drum, wenn Du meinem Stern vertraust So wollen wir uns vereinen: L'nd wenn Du meinen Juden haust, So hau ich Dir den Deinen.' Wofern Du recht emsig darüber streichst, So ähnelt dem Golde das Messing: L'nd wenn Du mich mit Goethe vergleichst. Vergleich ich Dich mit Lessing. Heinrich Leuthold. 1&56- Raus aus dem Qothaee! Die nächste Ausgabe des berühmten„Gothaer Almanarhs' dürfte an Volumen hinter ihren Vorgängern arg zurückbleiben: es sollen nämlich Adelsgeschlechter, in deren Adern jüdisches Blut rollt, in diesem Almanach künftig keine Auf nähme mehr finden. O, das wird ein großes Sterben werden. Bismarck, der ja auch keine Scheu trug, sich mit dem jüdischen Bankier Bleichröder geschäftlich zu liieren, war kein Anhänger der Rassentheorie: Geldheiraten verarmter Adliger in die jüdische Geldbourgeoisie begünstigte er und raeinte einmal in seiner derben Junkerart: Arischer Hengst und jüdische Stute, das gäbe keine schlechte Kreuzung! Die Erfahrung scheint Bismarck recht zu geben. Es waren nicht die schlechtesten Köpfe des Adels, die solchen Verbindungen entsprossen: der langjährige Führer der preußischen Konservativen, Herr von Heydebrand und von der I.asa. war ein solches Kreuzungsprodukt. Der einzige bildende Künstler von Format, den der deutsche Adel hervorgebracht hat, der monumentale Maler Hans von Marees, entstammte der Ehe des Kammergerichtspräsidenten v. Marees mit der Jüdin Sussmann. Halbjude war auch Marees Knust und Kampfgefährte, der von Wilhelm II. in den Adelsstand erhobene Bildhauer von Hildebrand. Halbjude war der vor wenigen Jahren überschwenglich gefeierte Ozeanflieger von Hühnefeld, jüdisches Blut kreist in der Familie des Kampffliegers v. Richthofen. Der preußische Adel rühmt sich gern seiner Blutopfer, die er in jedem Kriege für das Vaterland gebracht habe. Die Opfer des Rasseparagrafen werden noch die des siebenjährigen Krieges und des Weltkrieges an Zahl übertreffen. „Die Sehe" „In dieser Erkenntnis kann der völkisch bewegte Akademiker nicht nur verantworten, daß er, unter Beherrschung der ganzen Gegenständlichkeit seiner Wissenschaft, sich innerhalb derselben Einzelfragen zuwendet, die den geistigen Bedürfnissen der völkischen Bewegung Rechnung tragen, sondern es wird ihn innigst drängen, völkische Sehe in sein Wissenschaftsgebiet hineinzutragen und die bisher verschlossenen Augen seiner Wissenschaft auch für die Sach- heziige zu öffnen, die von.dieser Sehe um rissen werde n." „Forschungen und Fortschritt", Nachrichtenblatt der deutschen Wissenschaft und Technik, Januar 1934 Meidehceis„genehmigt" Die vor wenigen Tagen in Stettin uraufgeführte Opernfassung von Klahunds„Kreidekreis"(Musik von Zemlinskyl wurde bekanntlich schon in der Nacht nach der Uraufführung vom Polizeipräsidenten in Stettin verboten. Auf Grund der einschlägigen Bestimmungen mußte das Stadttheater Stettin nunmehr die Angelegenheit dem Reichsdramaturgen zur Entscheidung vorlegen. Dieser hat jetzt den„Kreidekreis" unter der Voraussetzung leichter Striche und einiger Ahmilderungen im Text für unbedenklich erklärt. Jxichgcuppe dec Mixet „Hierdurch geben wir nochmals bekannt, daß alle Mixer bis zum 1. Februar 1934 im Besitz ihres Berufsausweises sein müssen und haben diejenigen Mitglieder, die noch nicht im Besitz der Karte sind, an den Unterzeichneten. Berlin NW. 40, Reichstagsufer 3. umgehend zwei Paßfotos und 25 Pfennig Unkostenbeitrag in Briefmarken zwecks Ausstellung der Karte einzusenden. Infolge des bestehenden Ausweises für die Mitglieder der Fachgruppe Mixer ist eine weitere Beschaffung der Berufsausweiskarte nicht erforderlich." gez. L. M e tj I e r, Obmann der Fachgruppe der Mixer- Meine Qöeings In Gößweinstein in der Fränkischen Schweiz brannten die Gebäude des Gasthausbesitzers Georg Wülfel und des Kaffeehausbesitzers Hans Wülfel ab. Bei den Aufräumungsarheiteit wurde ein Zettel gefunden mit den Worten:„Brennen schafft Brot und Arbeit! Wir brennen noch mehr!" Der„Völkische Beobachter" schreit sofort: kommunistisch«' Brandstiftung. Danach scheinen in der Fränkischen Schweiz kleine Görings am Werke zu sein! Mies vechoten Verboten laut Kriminalpolizeiblatt 1749 50 folgende Druckschriften: die Flugblätter:„Der Weg aus Knechtschaft und Not",„Sorgt für Familie und Wirtschaft",„Her mit der Einheitsfront",„Roter Pfeffer vom 10. Februar 1933". ,.A» alle Agitpropfunktionäre",-..Achtung, hei allen Diskussionen beachten!",„Für Stuben Versammlungen mit christlichen Arbeitern".— Wegen Unsittlichkeit u. a.:„Le Sourire"(Paris)' „La vie Parisienne"(Paris).— Auf Grund des§ 7 der Verordnung vom 4. Februar 1933 die Druckschrift:„Die Lösung der Fachzeitschriftenfrage im Malerhandwerk".—„Die rote Volkswacht Nr 2",„Der Spruch von London"(Prag)- ..Blätter für die jüdische Fi au"(Prag); Georg Bernhard- „Die deutsche Tragödie. Der Selbstmord einer Republik" (Prag). ^Beethoven im JUuademacsch Das oechitlecte Radio Beginnt die jlänsejagd"? Bilde auf neue Jagdgrande der SA. Das deutsche Boll ist in acht Monaten zu einer unlös- baren Gemeinschaft zusammengewachsen, es ist nach zwölf Monaten gehärtet nnd gestählt im gemeinsamen Kamps gegen Hunger und Rot und auch gegen Hetze. Es wird nach Iahren, Jahrzehnten und Jahrhunderten eine ebenso stahl- harte Einheit in Leid und Frend darstellen, wie am ersten Jahrestage der nationalsozialistischen Revolution. Der Geist der Kameradschaft erfüllt das»dritte Reich"! Auf dem Boden zur Wirklichkeit werdender Volksgemeinschaft baut der Führer sein großes Werk. So steht dick und fett auf der ersten Seite des national- sozialistischen„Dortmunder General-Anzeigers" vom 23. Januar. Aus der zweiten Seite derselben Ausgabe schil- dert ein Mann mit Namen H e l m u t h Koschorke die brüderliche Einigkeit unter der Ueberschrift„Die Mäuse- jagd" so: Während sie bisher nur am Stammtisch hinter ver- schlossenen Türen von dem„Recht der Kritik", wie sie es auf- fassen, Gebrauch machten, wagen sse sich jetzt schon o s»' e n hervor und wärmen die alten Redensarten und Frechheiten wieder auf, die wir im nationalsozialistischen Staat fdjon längst abgetan glaubten. In Pommern aus der Insel Rügen mußte ein Reaktionär, der sich als Stahlhelmcr auszugeben wußte, Herr von Plathen-Poggenhof, nebst mehreren Gleichgesinnten von der Staatspolizei in Schutzhaft genommen werden, weil sse derartige Beschimpfungen der nationalsozialistischen Bewegung, vor allem der SA. und des Reichsministers Dr. GöbbelS, sich geleistet hatten, daß dies das einzige Mittel war. um sie vor Tätlichkeiten der empörten Bevölkerung zu bewahren. Wir glaubten bisher, daß diese Herren von und zu mehr Taktgefühl besitzen, um sich zu lagen, daß stch der Staat von heute etwas Derartiges nicht mehr bieten läßt. Ans einem Stahlhelmappell konnte man von diesem Reaktionär folgendes hören:„Die NSDAP, sei die Bewegung der verkrachten Existenzen. Hitler sei zwar Idealist and seine Ziele im allgemeinen gut, aber die Unterführer seien schlecht. Bei Unruhen könne sich Hitler nur aus den Stahl- Helm verlassen, die SA. sei nicht zuverlässig."(!) Haben die reaktionären Wühlmäuse nun auf den Speck ange- bissen oder nicht? Es ist natürlich klar, daß diese Gesellschaft heute schon Gelegenheit hat. über ihre unverschämten Frech- heilen hinter Schloß und Riegel nachzudenken. Pomnmrn scheint überhaupt von der Reaktion als Ausgangsstellung ihrer gemeinen Angriffe gegen die Männer des nationalso- zialistischen Staates auserwählt zu sein. Bei einer Treibt rqd erlaubten ssch mehrere Großgrundbesitzer einen Spaß, der ihnen teuer genug zu stehen kommen foll. Tie bezeichneten die Hasen im Kessel mit Namen von ssfüh- rcrn der Bewegung nnd amüsierten sich köstlich über ihre gemeinen Witze. Selbstverständlich haben die zuständigen Stellen der SA. die Spaßmacher bereits einer nützlicheren Beschäftigung zugeführt. Das sind Fälle, in denen man sich daraus beschiätkt, mit Beschimpfungen und Verleumdungen die Aufban.irl.eit d's Staates zu sabotieren. Tatkräftiges Einschreiten der'in Frage kommenden Stellen wird solche Hetze rasch in ihre Schranken weisen. Ernster wird jedoch die Gefahr, wenn die Reaktion dazu übergeht, aus ihren Machtpositionen heraus bewußt die Arbeit der nationalsozialistischen! Regtetitng zu sabotieren. Die kronprinzliche Verwaltung von Primkenau am Sckle- fischen Sprottebrnch hat gegen das großzügige Arbeits- Projekt des schlestschen Arbeitsdienstes Einspruch erhoben, weil fie aus ihre Jagdgründe nicht verzichten will. Wenige tausend Mark Einnahmen aus der Jagdpacht sind ihnen mehr wert als hunderte neuer Bauernhöfe! Daß man heute mit derartigen Begründungen zu kommen wagt, ist ein Beweis, daß sie sich zu sicher fühlen, diese Herren von geste:n. die allzugern wieder das große Wort führen möchten. Tie sagen sich: Es geschieht uns ja nichts! Also versuchen wir es wieder mit der alten Methode... Jetzt soll ihnen der 27. Januar willkommener Anlaß sein, ihre alten Parolen und Tchlagworte aus der Vergangenheit hervorzuholen. Von hervorragenden Männern unserer Bewegung ist wiederholt eindeutig genug gegen reaktionär- monarchistische Umtriebe Stellung genommen worden, Ivo- mit kein Urteil an sich über diese oder jene Ttaatsform ge- fällt werden soll. Veranlassung dazu gab, daß man es hier bereits mit Auswüchsen zu tun halte, denen die Bewegung nicht länger zusehen konnte. Der Staat ist wahrhaftig gkoß- zügig genug gewesen, um es zu solchen Uebergriffen über- Haupt kommen zu lassen. Wenn die Zeitschrift eines ehemaligen Jnsanterie-Regi- mcnts es wagt, den Führer selbst als Kronzeugen für die Berechtigung ihrer monarchistischen Propaganda anzuftth- reu, so ist die Grenze der Disziplin und der Zurückhaltung, die wir befehlsgemäß üben müssen, bereits Überschritten. Aber sie gehen noch weiter und versteigen sich dazu, ihre Pa- rolcn dazu zu benutzen, um gegen das Winterhilfswerk der Reichsrcgierung zu intrigieren. Der Geschäftsführer der „Kaiscrdank-Tpende", ein Berliner„Hofjuwelier", erklärte sogar öffentlich: „Durch vi« Winterhilfe sei die Rückkehr des Kaisers aus Doorn verhindert worden. Denn, wenn diese nicht da sein würde, wäre Wilhelm>1. schon vom Volke zurückgerufen worden." Das ist nur eine Blütenauslese aus dem übel duftenden Erinnerungskranz der Elemente, die Stabschef Röhm als politische Eunuchen bezeichnete. Sie soll viele Vek'saen-ssen davor warnen, das Treiben der Reaktion etwa nicht ernst zu nehmen. Sie sind zur Zeit aktiver denn je! Man steht sie in den Vorzimmern der Ministerien, wo sie geheimnisvoll mit wichtigtuender Gebärde herumgeistern und, wenn sie durch die Vordertür h-nauskliegen. durch den Hinteraufgang wie- der erscheinen. Sie sind zäh wie Leder, und was sie ans ge- radem Wege nicht erreichen, versuchen sie„hintenherum". Wenn man ihnen in den Amtsstellen die kalte Schulter zeigt, wo überzeugte Nationalsozialisten sitzen. so versuchen sie eben Einfluß aus die Gefolgschaft, aus das Heer der Namenlosen zu gewinnen. Sie erscheinen in nagelneuen Uniformen mit geschwellter Brust in den Sturmlokalen der TA. und lassen„etwas springen". Sie wenden bisweilen wohl auch mehrere braune Lappen und glauben damit, wunder was getan zu haben. Tie haben überall hin die besten Beziehungen, kennen den und jenen schon„von früher her" und bringen dies bei jeder Ge- legenheit bescheiden zur Geltung. Sie gehörten schon immer zur„alten Garde des NS.-GedankenS".... Doch nun ist es an der Zeit, daß endlich zugegriffen wird! Wir sehen nicht ein. weshalb man Unterschiede macht, die im Grunde genommen gar nicht bestehen. Jede Propaganda, Im ansländisdien Urteil Hitler ist nicht Luther Ordre: Vor drei Monaten konnte Hitler sich rühmen, die Einigkeit Deutschlands geschaffen zu haben; heute muß er deu Spaltungen des deutschen Protestantismus machtlos zuschauen. Er hat die Hand in das berühmte Wespennest gestecht, als er mit Unterstützung der liberalen Theologen eine Staatsreligion, die auf einem Christus-Begriff gegründet war, anordnen wollte. Das empörte religiöse Gewissen und der alte lutherische Sauerteig haben ein formelles non possumus den Anmaßungen des Führers und seines Bischofs Müller entgegen- gesetzt. Man hat es mit Drohungen versucht! Man hat versucht, evangelischen Theologen und Pastoren zu kaufen! Verlorene Liebesmüh... Die Krise hat sich gründlich verschlimmert. Die..Deutschen Christen"' sind wehrlos; Hitler kann nichts für sie tun.... Dies sind.die letzten Nachrichten: Der Bischof Müller, der sich der drohenden Gefahr bewußt ist, hat versucht, sich mit seinem Vorgänger von Bodelschwingh zu versöhnen! Ein ergebnisloser Versuch. Andererseits gibt man bekannt, daß die Wahl des Ministeriums der protestantischen Kirchen, die auf den 13. Januar festgesetzt war, nicht stattfinden konnte, da der Gegensatz zwischen den„Deutschen Christen" und den alten Piotestanten immer noch sehr heftig ist. Die„Deutschen Christen" haben eine Erklärung abgegeben. in der sie versprechen, sich ausschließlich auf das politische Gebiet zurückziehen, darauf verzichten, eine religiöse Bewegung zu bilden und daß sie nur die Vertreter des Nationalsozialismus im Schöße der deutsch-evangelischen Kirche sein wollen., Diese Kundgebung, mit der die Urheber den Konflikt beruhigen wollten, hat ihn nur verschlimmert. In Wirklichkeit ist die Krise sehr ernst! Das persönliche Einschreiten des Marschalls v. Hindenhurg hat sich noch mehr zugespitzt Das Staatsoberhaupt hat als alter treuer Protestant den Bischof Müller zu sich bestellt, um ihn zu bitten, recht gläubig zu bleiben und die Unversehrtheit der Heiligen Schrift zu verteidigen. Das ist eine strenge Ableugnung der religiösen Politik Hitler! Uebrigens wissen wir aus guter Quelle, daß der Marschall, beunruhigt und empört, sich mehr und mehr vom Kanzler trennt. Man kann also sagen, daß der Führer in eine gefährliche Sackgasse geraten ist. Demnächst wird sein Freund Müller, von den evangelischen Christen im Stich gelassen, seinen Bischofssitz verlieren. Hitler ist kein Luther... ♦ Ein Beobachter Deutschlands. Manchester Guardian: Nazi-Deutschland denkt an den Krieg. Von Leland-Stoiot, London. Faber u. Faber. %. Es ist eine vollkommene Aufrichtigkeit in diesem Buch, die einen tiefen Eindruck macht. Stowe verbrachte zwei Monate in Hitlers Drittem Reich, und war durch die militärischen Vorbereitungen, die er überall sah, aufs tiefste beunruhigt. Er betrieb eingehende Studien und erkannte, daß über das Sichtbare hinaus noch vieles geschah. Er folgert daraus, daß das Dritte Reich sich auf den Krieg vorbereitet— er kommt nicht gerne zu diesem Schluß, im Gegenteil, er sträubt sich, diese Folgerung zu ziehen, aber er findet die Beweise überwältigend. Sein Buch— das mit äußerster Zurückhaltung und Mäßigung geschrieben ist,— ist ein brauchbarer und zuverlässiger Bericht über den gewaltigen Prozeß, durch den das deutsche Volk in eine „Nation in Waffen" umgewandelt wird. Es beschreibt die militärische Organisation— oder wie die Deutschen sagen „Gliederung"— der SA., die Entwicklung des deutschen Militärflugwesens, die Herstellung strategischer Autostraßen und die allgemeine moralische und materielle- Aufrüstung Deutschlands(von der gegenwärtigen Herstellung von schweren Geschützen und Munition wird wenig berichtet, weil wenig bekannt ist). Stowe enthält sich in weiser Beschränkung der Behauptung, daß Deutschland in den Krieg ziehen will, er erklärt nur, daß es sich für eine solche Möglichkeit vorbereitet, die seiner Meinung nach, verhütet werden kann. Nur in einem Punkte irrt er sich— die gegenwärtige Herrschaft in Deutschland gleicht nicht— wie er annimmt— der der Hohenzollern. Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, zu glauben, daß das Dritte Reich eine Art Rückfall ist. eine Rückkehr zum sogenannten„Preußentum". Das Preußen der Hohenzollern war bei weitem liberaler, es stand in seiner Kultur den westlichen Mächten weit näher, als das Dritte Reich. F. A. V. * „La Republique": Das Schivein als Rassenmerkmal „Das Schwein dient als Kennzeichen, um die nordischen Völker von den Semiten zu unterscheiden." Das ist die These des Landwirtschaftsministers und Führers der Bauernschaft des Reichs, Darre, die er in einem, im Verlag Lehmann, München, erschienenen Werk entwickelt. „Es scheint", erklärt Herr Darre— daß die Semiten einerseits alles, was das Schwein betrifft, verwerfen, daß aber im Gegenteil die nordischen Völker dem Schwein die größte Ehre erweisen. Das Schwein ist das heilige Tier des nordischen Sonnenkultes... In der germanischen Mythologie wird der Sonnenwagen von zwei Ebern gezogen. In der Walhalla essen die Helden den heiligen Eber, der dabei nicht aufgezehrt wird. In der Religion der Germanen nimmt das Schwein die erste Stellung ein. und es ist das erste unter den Haustieren. Diese Vorherrschaft des Schweins, des heiligen Tieres, das bei den nordischen Völkern zum Opfer bestimmt ist. erlaubt die Schlußfolgerung, daß die Religion dieser Völker seine Ursprünglichkeit aus den alten Bäumen des germanischen Waldes gezogen hat.. „So erheben sich", schließt der Landwirtschaftsminister, „aus dem Dunkel der ältesten Geschichte, zwei Menschenrassen, deren Haltung gegenüber dem Schwein in absolutem di« an den Grundlagen des nationalsozialistischen Staates zu rütteln wagt, ganz gleich ob sie marxistische oder reaktiv- Näre Schlagwort? benutzt, richtet sich g e g e u^ben National« sozialismns als den ideellen Grundstein des Staates. Ihre Träger gehören ohne Unterschied dorthin, wo sie keine Gelegenheit haben, ihr staatsfeindliches Treiben»ei- ter fortzusetzen. Millionen unentwegter Kämpfer im Braunhemd, die dem alten Kampfgeist die Treue halten. Millionen.der Stillen im Lande, die unauffällig nach wie vor ihre Pflicht tm Dienste der Bewegung versehen, warten auf das Zeiche« zur bevor» stehenden Mäusejagd. Es soll ein fröhliches Jagen werde«... „lelesralenslange 56" Illegale Arbeit der KPD. Kassel, 23. Jan. Unter der Leitung des schon vor Monaten abgeurtetlten kommunistischen Funktionärs Friedrich H e u ß- n e r hatten der 28jährige Schlosser Willi Haas, der 24- jährige Arbeiter Joseph Fritz, die 27jährige ledige Grete! G u t m a n n, der 25jährige Arbeiter Joseph Hart m a n n, der 64jährige Schreiner Joseph WingenIeld, der Arbei- ter Franz Lutz, der Schreiner Erich Händler nnd der 36jährige Schriftsetzer Johannes Sturm(sämtlich aus Frankiurtl im Lauke des vergangenen Jahres in Frankfurt eine kommunistische Zelle gebildet, deren Ziel die Wiederausrichtung des Roten Frontkämpferbundes bildete. Der Nachrichtenavparat dieser Zelle war exakt militärisch aufgezogen und funktionierte bis zu dem Augenblick, in dem Heußner verhastet wurde. Heußner hatte nun schon vor sei- ner Festnahme im Frankt'urter Stadtwalb. univeit der Tele- graphenstange 56, im Dickicht ein Versteck errichtet, das später zum Mittelpunkt der kommunistischen Nachrichten- Übermittlung werden sollte. In dem Versteck wurden Manu- skripte. eine Schreibmaschine und ein Vervielfältiqunas- apparat aufbewahrt. Wenn zwei der Anaeklagten mit Mo- torrädern zur„Telearavhenstanae BfP r fuhren, täuschten sie aut der Straße eine Ranne an ihren Rädern vor: während der eine Fahrer die Reparatur vornahm, schlich der andere sich ins Versteck. Die Polizei wurde durch wichtiatuerische Erväblnnaen der Frau des Angeklagten W'Ngenield auf die Sache aufmerksam uns griki zu. Das geschah in dem Auaen- blick, at.z m-brere der Auaeklaaten überein gekommen waren, zur Beschaffung de« Betriebsstoffes für die Motorräder einen arößeren Diebstahl zu begehen. Der Strafsenat des Kasseler Dberlandesaerichts erkannte au»»aloende Strafen: aegen Haas und Händler auf k Jahr 6 Monate Gefänanis. aeaen Lutz auf 1 Jahr 6 Mo- nate Gefängnis, aegen Wingenield k Jahr 4 Monate Get'nanis. aeaen Fritz. Hartman» und Sturm je 1 Jahr 3 Monate Gekängnis und gegen Grete! Gutmann auf 1 I a h r Gefängnis. Zinn kür Humor nicht verlieren „Unzählige unehrerbietiae Witze kommen aus Deutschland über die Grenze zu uns. Das läßt uns an die Periode der ärgsten Zustände in Rußland denken. Damals rächte man sich snr Leid und Sorgen in Ermangelung eines Besseren auch auf diese Weise. Was jagt der Leser zu der folgenden Geschichte: Zwei Arbeitslose stehen in Köln am Rhein.„Es ich doch ein Wunder." sagt der eine,„wie alles wieder auf- geblüht ist. S'eh mal den Fluß an, die vielen Boote, die Schiffe und die Krane, alles in Tätigkeit. Was für ein Glück, daß es wieder io weit ist!" Der andere betrachtet Ihn beunruhigt«:„Sag. was fehlt dir. wo sieht du das alles? Ich sebe nämlich nicht." Nummer eins antwortet daraus ent- rüstet-„Sag, liest'du denn keine Zeitungen?" Aus„Het Vaderland". Kontrast steht. Die Semiten kennen das Schwein nicht, sie erkennen es nicht an. sie verwerfen es mit allen ihrer nationalen Gemeinschaft möglichen Mitteln, während dieses Tier die erste Stelle im Gottesdienst der nor>li«- weiier: für Inserate: Cito Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck »nd Perlag: Berlag der Volksstimme GmbH., Saarbrücken 3^ Schiiycnftrajj« 5. Nftdiflidie„Straßensdiladil" in Paris Trümmer von Schutzgittern der Stratzenbäume, die von den„Demonstranten" heraus- gerissen und aus die Schienen der Tramdahn geworfen wurden. Tie französische Hauptstadt hat einige unruhige Nächte hinter sich, in denen Demonnra- tionen und Krawalle stattfanden, wie sie seit Jahren nicht mehr zu verzeichnen gewesen waren. Man sieht es au! dem Bilde, welche Kreise der Bevölkerung diese„Straßen- schlachten" machen. Db nicht da die Göbbels-Propaganda mitarbeitet. SEROKLINIK VON PARIS 7t, Boulevard de Clictiv— Metro Blanche Harnleiden, chronischer und frischer Tripper, Militärgicht, Cystitis, Prosuta. FRAUENLEIDEN BlutkrankhdTten, Venenentzündung Hämorrhoiden. Syphilis, Haut» und Kopfhauterkrankungen: Ausschlag, Psoriasis.— Neue Behandlungsmethode auf elektrischem Wege und durc h ultraviolette Kopthauterkrankungci _ und durch ultraviolet Strahlen. Serotherapi# und Auto»Hemo» Therapie— Massiges Honorar. Konsultationen von 9—12 und 14—20 Uhr. Sonntags von 9—12 Uhr. förfissef 69, Boulevard Adolph Max Zahnärztliches Kabinett u. zahn» technisches Laboratorium. Sprechstunden von 10 bis 1 Uhr und von l /*4 bis 7 Uhr. 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