Sinzige unabhängige Tageszeitung Veutschkands Nummer 23— 2. Jahrgang Saarbrücken, Sonntag Montag, 28. 29. Jan. 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Ans dem Inhalt 9CUlet und JUtsudski Seite 2 Qeistig.ee Jeccot oh dec Saat Seite 3 7 TJlUlionen icuxeebstosc Seite 4 tia Jahc„deittes Reich" Seite 5 Japans AnqeiUsahsichten Seite 7 Ruf zur Revo lution! Nie wieder 19181- Das Ende des sozialistischen Reformismus- Der revolutionäre sozialistische Kampf StnS Anlaß des Jahrestages der Ernennung Hitlers zum Rcichskauzler veröffentlicht der.Neue Vorwärts", Karlsbad, eine programmatische Erklärung des Borstandes der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Titz Prag. Er spricht sich darin für einen kompromißlosen revolutionären Kampf gegen die Diktatur an», der die Bildung de- sonderer revolutionärer Organisationen erfordert. Die Er- tlärung legt dar, daß die Arbeiter im Kampf um eine Bes- scrung ihrer Lebenshaltung notwendigerweise sür die Wiedcreroberung demokratischer Rechte kämpfe» müssen. Diese Kämpfe miisscn mit dem Sturz des gegenwärtigen Regimes enden. Für den Augenblick des Zusammenbruchs der Diktatur wird die Bildung einer revolutionären Re- gierung gefordert. Sie muß durch politisch« und ökonomische Maßnahmen, insbesondere durch entschädigungslos« Entcig- nung des Großgrundbesitzes, d«r Schwerindustrie und der Großbanken die Grundlagen der konterrevolutionären Dil- talur zerstören. Es wird sür den größten Jehler erklärt, daß»m Jahre*918 der alt« Staatsapparat fast unverändert übernommen wurde. Die gegenwärtige Situation schließt rede WiederHolnng dieses Jehlers aus. Zur Wirtschaftspolitik wird ausgeführt, daß außer der Schwerindustrie und dem Kreditwesen auch das Ber- sicher«ugowesen, die chemische Großindustrie, der Gstter. und Personenmassenverkehr und die«rastversorgnng unter einheitlicher Leitung vergesellschastet werden müssen. Es wird die Schaffung einer obersten Planstelle gefordert, der die Lenkung der gesamten Wirtschaft zukommt und die einen GcsamtwirtschaftSplan auszustellen hat, der die Beziehungen zwischen dem vergesellschafteten Teil der Wirtschaft«nd der Marktwirtschaft regelt und die weitere Sozialifierung dazu geeigneter Wirtschaftszweige vorsteht..Die sozialistische lScsellschast", heißt es weiter,.stellt die Freiheit des Geistes und der Wissenschaft wieder her... An die Stelle des Jüh- rcrpriuzips und der Parteihierarchie, die Willkür«nd Ber- antwortungslostgkeit bedenten, tritt die Verantwortung freier Menschen sür die Erfüllung gesellschaftlicher Aus- gaben." Ausführlich wird die auswärtige Politik behau- dclt.„Die deutsche Demokratie," heißt es da,.hat die Jor- dcrung der Gleichberechtigung erhoben als ein Mittel zur Organisation und Sicherung des Friedens. Die Diktatur hat diese Forderung verfälscht, um fie sür ihre kriegerischen Abstchten zu mißbrauchen. Die Diktatur... bietet keine Gewähr sür die Jnnehaltung internationaler Verträge. Sie wird sie brechen, soweit sie einen Bruch sür nützlich hält. Es ist nicht die Aufgabe der Sozialdemokratie, aus den Sturz der Despotie durch den Krieg zu hoffen. Es ist vielmehr ihre Ausgabe, den Krieg zu verhindern. Deshalb verwirft fie alle militärischen Konzessionen an Hitlerdeutschland. Sie warnt die Arbeiterparteien aller Länder, die Gefahr z» unterschätzen. Gleichberechtigung der Demokratien, aber keinerlei Ausrüstung sür eine kriegslüsterne Diktatur." Für den Fall eines Krieges wird den gegenwärtigen dent- scheu Machthaber» die unveränderte und unversöhnliche Feindschaft der Sozialdemokratie angekündigt, denn nnr durch Ueberwindung des deutschen Faschismus können Ein- heit und Freiheit der deutschen Ration gerettet werde». Einen nenen Frieden, der zur Zerreißung Deutschlands füh- rcn. seine freiheitlichen und wirtschaftlichen Entwicklnngs- Möglichkeiten hemmen würde, wird die Sozialdemokratie niemals anerkennen. Ein Schlußkapitcl beschäftigt sich mit der Einheit»- s r o n t. Die durch die nationalsozialistischen Versprechungen betrogenen Schichten der Landwirtschast, des Mittelstandes und der Intellektuelle»,.die unter dem gegenwärtigen Re- gime ein bisher unvorstellbares Maß der Unterdrückung und Entwürdigung erleiden", werden zum gemeinsame» Kamps mit den Arbeitern gegen die Diktatur ausgerusen. Da die- ser Kamps nicht anders als revolutionär gestthrt werden kann, sind alle Gründe der Spaltung nichtig geworden..Die Führung der Sozialdemokratie", wird wörtlich ausgeführt, .weiß sich frei von jeder sektenhasten Abschließung. Wie sie die illegale Arbeit aller Gruppen, die den Kamps gegen die Diktatur und nicht gegen andere Parteien der Arbeiter- klasse sühren, zu unterstützen bereit ist, so öffnet sie ihre Zeitungen, Zeitschristen and Publikationen allen Diskul- sione» über die Probleme des revolutionären Sozialismus.- Wir werden die sehr ausführliche programmatische Er- klärung noch im Wortlaut veröffentlichen. Tic schließt: Deutsche Arbeiter, Ihr habt nur die Ketten Eurer Knechtschaft zu verlieren, aber die Welt der Freiheit und des Sozialismus z» gewinnen! Deutsche Arbeiter, einigt Ench im revolutio- nären Kamps zur Vernichtung der natio- n a l s o z i a l i st i s ch e n Diktatur! Durch Freiheit zum Sozialismus, durch Sozialismus zur Freiheit! Es lebe die deutsche revolutionäre So- zialdemokratie, es lebe die Juternatio- »alel Göring will Sie Todesslrale andi Illr versuchten Landesverrat Gester» ist vom Ersten Strafsenat ein Angestellter der Geheime« Staatspolizei wegen angeblicher Spionage zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Am 18. ist der Angestellte festgenommen worden, am 26. war bereits das Urteil da. Göring kündigt in diesem Zusammenhang sür alle kom« menden Prozesse dieses Tempo an und erklärt«, daß er nun- mehr auch für versuchten Landesverrat die Todesstrafe ein- sühren werde. Versuchter Landesverrat, das ist die Formel, mit der Göring jeden politischen Gegner mit einer Hand» bewegung auss Schafott bringen kann. Heraus mit DlmlkroHt Andre Gide und Aldre Malraux schreiben an Josef Göbbels Zu Beginn dieses Monats fuhren Andre Gide und Andrö Malraux nach Berlin, um beim Propaganda- minister Göbbels zugunsten Dimitrofss, Popoffs und Taneffs eine Intervention einzuleiten. Da sich das Kabinett einige Tage zuvor in München versammelt hatte, fanden sie den Propagandaminister nicht persönlich vor und ersetzten ihre Unterhaltung mit ihm durch folgenden Brief, den sie am gleichen Tage in der Wilhelmstratze abgaben: Donnerstag, den 4. Januar 1934. Herr Minister! Als Delegierter des Dimitross-Komitees, dessen Präsiden- tenschaft wir angenommen haben, sind wir heute aus PariS eingetroffen, um eine Audienz bei Ihnen zu erbitten. Da wir im Ministerium die Umstände erfuhren, die Sic ab- berufen und in München festgehalten haben, erlauben Sie uns, Ihnen schriftlich das auseinanderzusetzen, was wir Ihnen gerne mündlich mitgeteilt hätten. Das Dimitrosf-Komitee wurde kürzlich in verschiedenen Ländern geschaffen. Es konstituierte sich nach dem Leipziger Urteilsspruch und beruht in seiner Grundlage auf den Spruch des Obersten Deutschen Gerichtes selbst. Es liegt uns daran, in aller Klarheit auszusprechen, daß mir diese Mission, die wir heute erfüllen, nur angenommen haben, nachdem wir uns vergewisserten, aus diese Weise weder eine Nation noch eine politische Partei zu vertreten. Die große Anzahl von Briefen, die unser Komitee in allen Ländern erhielt, läßt von Tag zu Tag immer deutlicher t»is Mißbehagen hervortreten, das in ganz Europa durch das Warten auf Ihre Entscheidung ausgelöst wird. Abgesehen von allen polltischen Fragen, glauben wir dieses Gefihl, das in diesen Briese» ausgesprochen wirb, teilen zu müssen. Wir hätten daher gewünscht, denen, die uns diese Reise auf- getragen haben, eine Antwort von Ihnen bezüglich der Eni- scheidung Deutschlands über Dimitrosf, Popvsf und kaaekf überbringen zu können, die dazu angetan wäre, ihre ängst- ticke Unruhe zu beruhigen. In dieser Hoffnung wollen Tie, bitte, Herr Minister, de» Ausdruck unserer vorzüglichen Hochachtung entgegen- nehmen. Andre Gide und Andre Malraux. Da Sie Situation der drei freigesprochenen Bulgaren noch immer ungewiß geblieben ist, autorisieren uns du Unterzeichneten, den Wortlaut ihres Briefes zu veröfsent- lichen. Die Tal D. F. Die sehr ausführliche programmatische Erklärung der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands ist uns erst kurz vor Redaktionsschluß zugegangen, so daß die wört- liche Wiedergabe aus technischen Gründen in dieser Aus- gäbe nicht mehr möglich ist. Es ist ein revolutio- näres Dokument, wie es in der Geschichte der Sozialdemokratie bisher nicht vor- handen war. Die reformistischen Programme der Nachkriegszeit find vollkommen verlassen. An Ziel und Willen stoßen die programmatischen Forderungen auch weit über das Programm von Erfurt aus dem Jahre 1891 hinaus. Den Hauptunterschied zwischen jenem klassischen Parteiprogramm des Marxismus und seiner jetzigen Kundgebung erblicken wir in einer vie? stärkeren An- spanuung der Willenssaktoren. Das Erfurter Programm sprach von der„naturnotwendigen Entwicklung". Tie Kundgebung von Prag ruft zur Revolution. Auch dieses Dokument analysiert mit der Tiefe und der Gedanken- schärfe marxistischen Denkens die ökonomischen und ge- sellschaftlichen Zustände, aber es appelliert zugleich un- geduldig und unmittelbar an das ganze unterdrückte Volk zur revolutionären Erhebung gegen die faschistische und kapitalistische Diktatur. Ueberließ man früher in fatalistischer Selbstsicherheit die Geschehnisse nach der Machtergreifung späterer Sorge, so wird nun klar gesagt, was die sozialistische Umwälzung am Tage ihres Sieges zu tun hat: Einsetzung eines Revolntionstribunals. Aburteilung der Staatsverbrecher, ihrer Mitschuldigen und Helfer in der Politik, der Bürokratie und Justiz wegen Verfassungsbruches, Mordes und Frei- heitsberaubung unter Aberkennung der staatsbürgerlichen Rechte. Aushebung der Unabsetzbarkeit der Rich- t e r. Besetzung aller entscheidenden Stellen der Justiz durch Vertrauensmänner der- revolutionären Regierung. Reinigung der Bürokratie. Sofortige Um» besetzung aller leitenden Stellen. Organisierung einer zuverlässigen Mili» tär- und Polizei macht. Völlige Erneuerung des Ossizierkorps. Trennung der Kirche vom Staat. Unterbindung jeder konterrevolutionären Organisation. Sofortige» Erlaß der notwendigen sozio- len, wirtschaftlichen und finanzielle« Ge- setze durch die revolutionäre Regierung. Das ist das eindeutige Bekenntnis zu einer revolutio- nären sozialistischen Diktatur, deren Dauer sich lediglich nach dem Tempo und den Erfolgen der Umwälzung zu richten hat. Die Zerschlagung des alten politischen Appa- rates muß gesichert werden gegen seine bisherigen gesell- schaftlichen Träger! Daß dies 1918 nicht geschehen ist, bleibt die große unsühnbare. Schuld der für jene Ereig- nisse Verantwortlichen. Es ist das Größte an dem neuen Kampfprogramm der Sozialdemokratie, daß der größte Fehler des Jahres 1918 offen eingestanden wird. Darauf haben viele im Lande, insbesondere junge Mitkämpfer, seit langem gewartet. Es wäre oberflächlich und unrichtig, das Versagen von 1918 lediglich führenden Personen zuzuschieben. Die Ur- fachen liegen viel tiefer. Wir erblicken sie darin, daß die geistige Grundhaltung und die Organisation der Sozial- demokratie aus den langen evolutionären Friedensjahren vor 1914 kriegerischen und revolutionären Ereignissen, wie sie nun seit Jahrzehnten Welt und Menschen erschüt- kern, nicht gewachsen war. Die so viel gerühmte und in Friedenszeiten mit Recht bewunderte Organisation der Sozialdemokratie war die großartigste Wahlmaschine und die bedeutendste politische Erziehungsschule auf Erden. Das war gewiß Pel, aber es genügte bei weitem nicht für die Aufgaben, die ihr seit dem 1. August 1914 gestellt waren. Der gewaltige Apparat erwies sich schon im Kriege als zu schwerfällig, und er war in den Tagen der Revolution für die aktivistischen Aufgaben, die nun in dem neuen Programm aufgestellt werden, unbrauchbar. Viele hochverdiente Organisatoren, deren Stolz auf die Leistung ihres Lebens verständlich und berechtigt ist, hören es.I0t3) immer nicht gerne, aber die Zeitön sind zu hart, als daß wir irgendwelchen Illusionen nachhängen könnten. Die riesenhafte Apparatur der politischen, Wirtschaft» lichen und kulturellen Organisationen des Sozialismus in Deutschland hat hervorragende Verwaltungsmänner, besorgte, treue Sachwalter der BolKsrechte, hochgebildete Volkserzieher und viele, viele warmherzige und lebens- gläubige Menschenfreunde geschult. Bei ejnem friedlichen kultivierten Aufstieg zu sozialistischen Gemeinschafts- formen würde diese Elite des Arbeitsvolkes die Wirtschaft- lichen und sittlichen Werte des deutschen Volkes in wundervoller Weise bereichert haben. In den Blutströmen eines kriegerischen und revolutionären Zeitalters ohne- gleichen mußten diese Organisationen und ihre führenden Menschen aus ihrem Wesen versagen. Die rein demokra- tische und nur pazifistische Betätigung der deutschen Arbeiterbewegung hielt sich von der realen Einschätzung und dem Gebrauch der Waffengewalt, die sowohl Marx wie Lassalle in ihrer Geschichtsauffassung bejahten, in einer wahrhaft religiösen Scheu fern. Die Ersah- rung der letzten Jahre wird hier manchen zu den ehernen und heroischen Gedanken des Marxismus zurückgeführt haben. Rur aus solcher Umkehr können dem militanten Sozialismus, der nun seine größte geschichtliche Aufgabe antritt, die politischen, ökonomischen und soldatischen Energien erwachsen, die zum Durchkämpfen und Be- stäupten einer neuen Gesellschaftsordnung gegen eine Welt von inneren und äußeren Feinden notwendig sind. Die programmatisch« Erklärung der deutschen Sozial» demokratie schließt mit dem Ruf:„EslebedieInter- nationale!" Möge die Internationale zu internatio- naler Kampfkraft für die sozialistische Weltgestaltung emporwachsen. Die Ehrlichkeit aber und die politische Klarheit gebietet hinzuzusetzen, daß die sozialistischen Internationalen von einer wirklichen internationalen Schlagkraft weit entfernt sind. Die deutsche Sozialdemo- kratie hat jedenfalls zunächst und zuerst zum deutschen Volke zu sprechen. Unsere politische Wissenschaft hat zu- erst und zunächst die deutschen Verhältnisse zu erforschen und unser politischer Wille hat den deutschen Menschen zum Aufstand zu schulen. Unsere Ziele, unsere Kampf- mittel, unsere Sprache müssen das geknechtete Deutsch- land wachrufen. Jeder ist uns willkommen, der die faschistische Diktatur stistczen und mit uns ein sozialistisch organisiertes und regiertes Deutschland aufrichten will. Unser Kampfruf ist: Es lebe die deutsche sozia- l i st i s ch e Revolution! Kritiker wagt shh vor Eine saarländische katholische Stimme Am Kopse des früheren Zentrumsblattes, der.Goar- brück« LandeS-Zeitung", steht„Orgarr der Deutsche« Front". ES scheint nim, dast die harte Zucht, unter dir die saarländischen Nazis die Presse genommen haben, in katholischen Kreisen auf wachsenden Widerstand stößt. Denn das Blatt wagt es, in Nr. 26 eine recht unverblümte Kritik an dem Urteil gegen die Münchener Geistlichen, an ihrer Spitze der Stadtpfarrer Dr. Muhler, zu veröffentlichen, wo- bei in Erinnerung gebracht werden muß, daß diese Priester wegen eines Gesprächs im Pfarrhause zu mehrmonatigen Gefängnisstrafen verurteilt wurden. Die„Saarbrttcker Landeszcitung" sagt, baß die amtlichen Nachrichten anläßlich der Verhaftung der Geistlichen eine Reihe unwahrer und tendenziöser Meldungen über ihre Ursache veröffentlicht hätten. Der nunmehr vor Gericht festgestellte Tatbestand mache es unerfindlich, wieso überhaupt eine strafbare Handlung vorgelegen und zur Ver- urteilung geführt habe. Es sei nicht einzusehen, wie ein späterer von dem Angeklagten weder gewollter noch veran- laßter Tatbestand, nämlich die Weitererzählung der Ge- spräche, sein an und für sich korrektes Verhalten rückwirkend zu einem strafbaren machen konnte: „Für die ganze Art der Durchführung dieses Versahrens wird man iu den weitesten Kreisen des Volkes und auch innerhalb der deutschen Juristeuwelt nur weuig Ver- stLnduiS aufbringen." Diese katholische Stimme ist ein Gradmesser dafür, wie stark die Mißstimmung im Wachsen begriffen ist und selbst die Hürden der Gleichschaltung zu durchbrechen beginnt. 38 Jahre Zndiflians und 95 Jahre Gefängnis dnb. B erlin, 26. Jan. Um 11.43 Uhr verkündete im Maikowski-Prozeß Landgerichtsdirektor Ohnesorge das Urteil gegen die 33 kommunistischen Angeklagten. Insgesamt werden 38 Jahre Zuchthaus und rund 93 Jahre Gefängnis verhängt. Von den Hauptangeklaglen erhielten Möhler und Chorazy je acht Jahre Zuchthaus, Rossel un^ Leese je sechs Zahre Zuchthaus, Schuckar fünf Jahre Gefängnis. » verlin, den 26. Januar 1688. I» der Urteilsbegründung im Maikowski-Prozeh erzählt der Vorsitzende die bekannten Märchen von den Bürger- kriegsvorbereitungen bei der APD. Wie im Reichstagsbrand- prozeß wird auch hier behauptet, es sei damals bei den kom- munisttschen Organisationen allgemeine Mobilisierung ange- ordnet worden. Die Erforschung der Wahrheit sei in diesem Prozeß sehr schwer gewesen, weil die Angeklagten nur das zugaben, was ihnen restlos nachgewiesen wurde. Die Be- hauptunge« der Anklage konnten die Angeklagten selbstver- ständlich nicht zngebcn, da sie nur Fantasieprobukte der Nazis sind. Bei der Strafzumessung habe die Gefährlichkeit der durch die Tat zum Ausdruck gekommenen Gesinnung im Vorder- grund stehen müssen. Die Beweisaufnahme habe ergeben, daß sich besonders gefährliche Haupttäter durch die Flucht der Strafverfolgung entzogen haben. Hitler und Pilsudski Zwei treue Seelen und Ihr„Nichtangriffspakt ii Zwischen dem polnischen Gesandte« in Berlin, Josef Lipski, und dem deutschen Außenminister». Reurath hat am Freitagvormittag im Auswärtigen Amt die Unterzeichnung einer Erklärung stattgefunden, derzusolge zwischen Hitlerdentschlaud und Polen ein zehnjähriger Nicht, angrisfspakt abgeschloffen w»rd. Dabei stelle» allerdings die beiden Regierungen fest, daß die von ihnen bisher schon nach anderer Seite hiu übernommenen internationalen Ver, pslichtnngen die friedliche Entwicklung ihrer gegen- fettigen Beziehungen nicht hindern, der jetzigen Erklärung nicht widersprechen, und durch diese Erklärung nich berührt werden. * Jedem republikanischen deutschen Staatsmann, der ein solches Ostlocarno mit Polen unterzeichnet hätte, wäre ein Unflat von Verleumdungen aus dem wüsten Maul des Herrn Adolf Hitler und schließlich eine tödliche Kugel aus dem Revolver eines der vielen von Herrn Adolf Hitler auf- gehetzten jungen Leute sicher gewesen. Dieser Herr Adolf Hitler würde in seinen finanziell ertragreichen Zirkusver- sammlungen jeden sozialdemokratischen Reichskanzler, der eine solche Ostpolitik betrieben hätte, als von Warschau ge- kauft bezeichnet und ihm vorgerechnet haben, was die Ver- schacherung Deutschlands an Polen einbringt. Nun tut die- scr selbe Herr Adolf Hitler, was beispielsweise ein Strese- mann, besten letzte Lebensjahre von diesem verleumderischen Hitler ebenso vergiftet worden sind wie die Eberls und Hermann Müllers, nie dem deutschen Volke zuzumuten ge- wagt haben würde: Für zehn Jahr« verzichtet Deutschland auf alle die in so vielen ausgeregten nationalsozialistischen Maffenversammlungen erhobenen Forderungen an Polen. Zehn Jahre sollen die nationalsozialistischen Ueberpatrioten, die gen Ostland reiten wollten, nun nichts mehr hören von Korridor, Danzig und Ostobcrschlesien. Das alles wird für diese Zeit als unantastbare polnische Bilanz garantiert. Kelloggpakt und Locarno und alle schönen Friedensreden münden in diesen zehnjährigen Nichtangriffspakt mit dem „Saisonstaat" Polen. Ueberflüssig zu bemerken, baß man weder in Berlin noch in Warschau an die Ernsthaftigkeit dieses Paktes glaubt. Jeder der beiden Partner will Zeit gewinnen. Jeder glaubt, daß am Ende dieses Zeitgewinns Ereignisse eintreten, die seine Wünsche erfüllen: Polen hofft, nie eine Ouadratmeile Land an Deutschland zurückgeben zu müssen. Hitlerdeutsch- land erwartet, so stark zu werben, daß es einst unter ver- änderten politischen Konstellationen Europas mit Gewalt über Polen sich den Weg nach dem Osten bahnen kann. So wirb, davon sind wir überzeugt, dieser FriebenSpakt hinter den Kulissen den nationalsozialistischen Anhängern auch ge- deutet werden. Bon Polen her gesehen, liegt das Abkommen durchaus in der Linie der von Warschau seit Jahren betriebenen Poli- tik. Polen stand schon durch die Tatsache seines Wieder- crstehenS in einem konfliktreichen Gegensatz zu Rußland und Deutschland. Es mußte sich zu seinem Schutze in das fran- zösische Bündnissystem eingliedern, nicht als gleichwertiger Partner, sondern als Vasall. Seitdem Pilsudski diktatorisch Polen regiert, war zu erkennen, baß Polen eine größere Selbständigkeit gegenüber dem mächtigen Verbündeten Frankreich erstrebt. So setzte sich mehr und mehr in Polen die Tendenz durch, mit allen Nachbarstaaten auf dem Wege direkter Verhandlungen sich zu verständigen und sich von der Bevormundung durch Frankreich möglichst zu befreien. Mit dem wachsenden Selbstgefühl und der inneren Erstarkung Polens wuchs der Wunsch, auch die auswärtigen Beziehun- gen möglichst selbständig zu gestalten. Hinsichtlich des Ab- kommens mit Teutschland werden die Nattonaldemokraten zweifellos sich sehr mißtrauisch verhalten. Eine Abkühlung des Verhältnisses zn Frankreich und eine Lockerung des Bündnisses ist nicht z« erwarten. Polen kann, wie auch der Wortlaut des Abkommens andeutet, auf seine Bündnisse nicht verzichten, schon aus Sicherheitsgründen ist das ganz unmöglich. Der dcutsch-polnischc Nichtangriffs- pakt ist psychologisch interessant. Als politische Realität ist er nicht hoch anzuschlagen. Allein schon in der Rüstungsfrage sind die Gegensätze zwischen beiden Länder» unversöhnlich. Widerhall in Paris Der Berliner Korrespondent des„Journal" erklärt, die Unterzeichnung des deutsch-polnischen Vertrages habe in diplomatischen Kreisen einige Ueberraschung und bei der öffentlichen Meinung eine wahre Sensation hervorgerufen: aber sie sei doch nicht völlig unerwartet gekommen. Man hatte seit einiger Zeit geglaubt, daß diese deutsch-polnischen Pläne nicht ausreisen würben. Beiderseits blieb eine ziem- lief) große Anzahl von Schwierigkeiten bestehen. Der deutsch- polnische Himmel habe sich aber aufgeklärt und die Aktien Hitlers stiegen, als man erfuhr, daß die russischen Be- mühungen, gemeinsam mit Polen«inen Pakt der Rand- staaten zuftandezubringen, an dem Widerstand Litauens ge- scheitert waren und daß Frankreich einer nationalsozialisti- schen Anregung zum Abschluß eines zehnjährigen deutsch- französischen Paktes kein williges Ohr lieh. Der Berliner Berichterstatter des„M a t i n" bezeichnet den Vertragsabschluß als ein Ereignis von beträchtlicher Tragweite»nd hebt hervor, daß der Vertragstext klar be- weise, daß Deutschland einerseits die Bündnisse Polens mit Frankreich und Rumänien sowie die Beziehungen des War- schauer Kabinetts zum Völkerbund vorbehaltlos anerkenne und daß andererseits die Versicherung der Richteinmischung in innenpolitische Angelegenheiten als eine formelle Be- teuerung Deutschlands ausgelegt werden müsse, sich mit dem Sdiadif als Geslnnnngsreloriner So treibt er„nationalsozialistische Bankreform" Am Freitag sprach RcichSbankpräfident Dr. Schacht im Institut für Weltwirtschaft in Kiel über„national- sozialistische Bankresorm". Man erwartete den Vortrag mit großer Spannung, da seit längerer Zeit in der deutschen Bautwelt eine«roß« Debatte Über eine Umorgani- sation im Gange ist. Wer ans diesem Gebiete freilich von Herrn Schacht irgend eine» neuen und fruchtbaren Gedanken erwartet hatte, wurde lebhaft enttäuscht. Er wiederholte die alt« Leier, baß das frühere politische Snstem an der Bank- krise Schuld trage, zugleich aber verzichtete er darauf, die Frage der Verstaatlichung der Banken zur Erörterung z» Schicksal der deutschen Minderheit in Polen nur innerhalb des Rahmens des Versaillcr Vertrags zu beichastlgen.^ie Neuerung, die der Vertrag für den Fall eines Konslikes der vertragschließenden Teile vorsehe, sei nicht sehr lnhaltreim, denn in besonderen, vertraglich nicht vorgesehenen Fallen würden die beiden Regierungen später über die anzuweu- denden friedlichen Modalitäten verhandeln. Der„E x c e l s«o r" schreibt, der Quai d'Orsay scheine von der Unterzeichnung des deutsch-polnischen Abkommens nicht unterrichtet worden zu sein. Aber die Nachricht habe im «lußenministerium keineswegs überrascht. Denn man habe seit langem von Verhandlungen gewußt, die schon zu einer gemeinsamen Erklärung der beiden Regierungen geiuhrt hätten. Die französische öffentliche Meinung werde, ohne sich Illusionen zu inachen, dieses Abkommen günstig ausnehmen, das für die Gegenwart die an der Weichsel vorhandenen Sturmdrohungen zerstreue. Tie Verantwortung Frankrerchs werde dadurch in glücklicher Weise entlastet. Der„I o u r" warnt Polen. Bisher, so schreibt er. sei die Frage Korridor, Polen, Schlesien, Danzig international ge- wescn. Wenn die direkten deutsch-polnischen Verhandlungen einen Sinn haben, dann nehmen sie Europa das AuffichtS- recht und die Jnterventionspflicht in dieser Frage aus der Hand. Wenn das alte System auch der Geschmeidigkeit ent- Vehrte, so habe eS doch den Status guo mit starken Garantien verschen. Das neue System gebe Polen zwar seine Bewe- gungsireiheit wieder, aber es isoliere es auch. Die gewun- denen Paragrafen bewiesen, daß Außenminister Beck noch vor den Folgen seiner Rubikon-Ueberschrettung zögere. Sehr ausführlich analysiert„Echo de Paris" den deutsch-polnischen Vertrag, vor allem die Frage der Jnan- spruchnahme früher abgeschlossener Verträge bei der Lösung von Schwierigkeiten, falls direkte Verhandlungen erfolglos verlausen. Berlin verzichte durch den Vertrag, so hebt das Blatt hervor, auf feine Gedanken territorialer Revanche in Danzig, Obcrschlesien und anderswo. Es wäre unrichtig zu behaupten, daß die Herren Polens mit Pauken und Trom- peten in das mitteleuropäische„Lager" übergelaufen wären. In dem sübrigen ziemlich begrenzten! Maße, in dem Deutsch- land gegenüber Polen Verpflichtungen für eine Friedens- Politik eingebe, zolle eS sozusagen nur der Entschlossenheit und der Energie, die Polen seit einem Jahre beweise. Aner- kennung. Als solche Beweise der Energie zählt„Echo de Paris" die Besetzung der Westerplatte und die polnische An- frage wegen der Achtung der Polen betreffenden internatio- nalen Verträge durch Deutschland aus. Da Polen, so fährt eS fort, über 46 Divisionen und über 2666 Flugzeuge ver- füge, habe der Führer„eingeschüchtert" dem Ersuchen ent- sprachen. Wenn der französische Außenminister Paul-Bon- cvur sich gegenüber Berlin ebenso verhalten hätte wie Oberst Beck, dann wäre man nicht da angelangt, wo man jetzt stehe. Die„Journee Industrielle" schreibt: Was den Staviskismus von dem Kapitalismus unterscheide, ist, daß letzterer das Kapital in eine Produktionsarbeit einschalte, und zwar im Hinblick auf einen angemessenen Nutzen im Ergebnis. Der StaviskiSmus schalte gar nichts ein und er- zeuge Wind. Der„Quotidien" schreibt: ES gibt nur«in Heilmittel, das Erwachen der republikanischen Energien. Die„Bic- toire" schließt einen Artikel Gustav Hernes mit den Wor- ten: Frankreich, eS ist Zeit, daß du erwachst! Frankreich er« wache! Im engllsdien Urteil dnb. London, 27. Jan. Der Abschluß des deutsch-polnischen Verständigungsabkommens wird von der englischen Presse in großer Aufmachung gemeldet und, soweit aus den vor- liegenden Auslassungen ersichtlich ist, ohne Ausnahme be» grüßt. „Daily Mail' schreibt: Was Hitler und Pilsudski ge- tan haben, scheint beinahe ein Wunder zu sein. Das Ab- kommen ist der unmittelbaren Intervention Hitlers und Pilsudskis zuzuschreiben. In der Berliner Meldung der„Morning Post" beißt es, man hoffe, daß das Abkommen zu einer friedlichen Reg- luna der Korridorfrage führen werde. „Daily Telegraph" bezeichnet den Vertrag als den wichtigsten Beitrag de? nationalsozialistischen Deutschland zur Sicherung des Friedens in Europa. „Reuter" spricht von einer Entwicklupg, die weit- reichende Folgen für den europäischen Frieden haben könne. „Time s" sagt: Es ist das erstemal, daß die beiden Län- der ein politisches Abkommen in einem solchen Ton und guten Willens unterzeichnet haben. Obgleich niemand, der in Deutschland lebt, glaubt, daß die Korridorsragc durch das Abkommen beigelegt sei, so scheint es doch eine bessere Aus- sicht kür die künftigen deutsch-polnischen Beziehungen als jemals zuvor zu bieten. Hitlers Zcbnjahresvakt mit Polen, so schreibt„Daily Erpreß", ist von allererster Bedeutung. Er ist die Kon- solidierung der Gewinne einer einjährigen Diplomatie. Seit feiner Machtübernahme hat Hitler seine Aufmerksamkeit auf die Verbesserung der deutsch-polnischen Beziehungen gelegt. Im gegenwärtigen Augenblick wird die neue„dcutsch-pol- Nische Freundschaft" ungeheuer wirken. Sie wird Frankreich verdrießen, da Frankreich» Unvermögen, seinen östlichen Verbündeten zu halten, auch in Oesterreich eine Reaktion hervorrufen werde. Hitler zieht durch den Vertrag Frank- reich weiter von Polen ab und schwächt den„Ring von Stahl", mit dem die französischen Staatsmänner Deutschland umgeben hatten. Der sozialistische„Daily Herald" schreibt, daß die Unterzeichnung des Abkommens die ganze internationale Lage beträchtlich erleichtern sollte. Auch auf die Abrüstung»- läge werde das Abkommen günstig wirken, denn es sei so gut wie sicher, daß Polen jetzt der deutschen Forderung auf sofortige Gleichberechtigung sympathisch gegenüberstehen werde. Das Blatt meint, daß Deutschland jetzt ohne Zweifel sein Angebot für ein ähnliches Abkommen mit der Tschecho- slowakei wiederholen werde. Ebenfalls werde es wahrschein- lich erneut einen Nichtangriffspakt Frankreich anbieten. Jetzt würde es den Franzosen schwer ka^en. zu antworten: Jawohl, aber was geschieht mit Polen? stellen. Sie sei nicht von„aktuellem Interesse". Dieser Mann, der die kapitalistischen Zusammenhänge«nd ihre Gesetz« ge- nau kennt, hatte den Mut zu sagen, nich« die Organisations- form, sondern eine Resormierung der Gesinnung sei das Wesentliche. Mit dieser Phrase wollte er zugleich das Wesen der nationalsozialistischen Bankresorm kennzeichnen, und sie konnte in der Tat nicht besser gekennzeichnet werden. Der Appell an die Wandlung der Gesinnung bei den Herren Aantdirektoren wird bei ihnen wie bei den Herreu Aussichto« raten und Aktionären gewiß einen tiefen Eindruck macheu. ?ier hat man die Forderung aus„B r e ch u n g d e r Z i u S- n e ch t s ch a s t" am frühesten«nd am besten verstanden, und die Auguren lächeln, wenn sie bei ossiziellen Gelegenheiten einen der ihren davon reden hören, daß die„Irrlehren der liberalistischen Wirtschaftsepoche" glücklich hinter uns lägen... DK Ifinfergrande einer Saar-DenksdnlH»*«-"m»-»»-««! Terrorist Spanlol knebelt die Presse- Ein Exempel Vor uns liegt ein Schreiben, das zu den interessantesten und wichtigsten Exempeln des Terrors gehört, unter dem die Presse und die Parteien des Saargebietes durch nationalsozialistisches Kommando stehen. Ter Presse- referent der sogenannten„deutschen Front" und der Landesführer der nationalsozialistischen Partei des Saar- gebietes haben an die Redaktionen der gleichgeschalteten Zeitungen diesen Brief gerichtet: «An die Redaktionen! Ich habe mit Entrüstung festgestellt, daß einzelne Redaktionen dazu übergehen, in der Denkschrift der Deutschen Front des Landesrals gewisse Sätze, d i e den Präsidenten Knox betreffen, herauszustreichen. Diese mangelnde Zivilcourage steht den Kollegen, die das tun, zum Verzweifeln ähnlich. Leider bewahrheitet sich mit diesem Verhalten das Zitat: Deutsch die Saar immerdar— nur gegen bar! Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen, soll damit lediglich gesagt sein, daß entgegen den Bestimmungen des nun in Kraft tretenden Schrifllcitergesehes anscheinend die Kol- legen, statt dem Ethos ihres Berufes zu dienen, noch geschäftliche Interessen vertreten, die sie, was ich ausdrücklich betone, gar nichts angehen. Ich mache darauf aufmerksam, daß ich diese Methode mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln unterbinden werde. Ich ersuche die Redaktionen dringend, um die Einheitlichkeit der Berichterstattung zu gewährleisten, und der Regierungskommission keine Handhabe zu geben, gegen eine einzelne Zeitung vorzugehen, derartige Maßnahmen, sofern sie getroffen sind, sofort zu inhibieren. Ich werde mit Herrn Staatsrat Spaniol zusammen,der mit mir diese A u f la g e n a ch r i ch t ausdrücklich fest- gelegt hat, auf das strengste darauf sehen, daß die Kollegen Solidarität wahren. Ich gehe sogar so weit, jetzt schon den Ausschluß aus dem Verein der Saarpresse anzudrohen und darüber hinaus auch zu oersichern, daß ich bei dem Urteil über die Aufnahme in dieBerufsliste diejenigen Kollegen, die sich ein der- artig unkollegiales Benehmen zu- schulden kommen lassen, mit Eni- schieden heil ablehnen werde. Pressereferal der NSDAP. Saargebiet und der Deutschen Front. Die Ausführungen, die der Presse- referent in der vorliegenden Anord- nung macht, werden von mir restlos gebilligt und gedeckt. Spaniol, preuhischerStaatsrat." * Dieser Brief stellt folgendes unter Beweis: 1. Nach Staatsrat Spaniol gilt das hitlerdeutsche Schriftleitergesetz auch für das Saargebiet. Tie Neben- regierung des Herrn Spaniol schiebt die völkerrechtliche Struktur und die Gesetzeshoheit des Saargebietes mit einem Federstrich beiseite und unter- wirft die Saarländer einem ausländischen Gesetz. 2. Spaniol läßt Auflagenachrichten heraus- gehen wie eine Regierung von Gottes G n a d e n. Er übt unter Nachahmung öffentlich-rechtlicher Institutionen einen unzulässigen und unerhört scharfen Druck auf die gleichgeschaltete Presse aus. 3. Jeder Redakteur, der dem ungesetzlichen Drucke nicht nachgibt und seine Ueberzeugung nicht opfert, wird b r o t- l o s gemacht. Ter Ausschluß aus dem Verein der Saar« presse bedeutet die materielle Vernichtung. 4. Tie Vernichtung des Redakteurs wird für alle Zu« kunft festgelegte Jedem eigenwilligen und überzeugungs- treuen, tapferen und mutigen Redakteur wird angedroht, daß er im Falle einer eventuellen R ückgl ie de« rung in die Berufsliste nicht aufgenommen wird. Das bedeutet die Vernichtung für alle Zeit des Hitlerregimes. Das Schreiben zeigt darüber hinaus einen e r« schreckenden moralischen Tiefstand. Der furchtlose Redakteur eigener Meinung muß sich den Bor- wurf mangelnder Zivilcourage gefallen lassen. Niemals ist die abgrundtiefe Kulturlosigkeit und Barbarei des „dritten Reiches" deutlicher zum Ausdruck gekommen, als in diesem Dokument des führenden Nationalsozialisten des Saargebietes. England und die Saar Von Dr. G.(London) Die englische Presse beschäftigt sich zur Zeit recht eifrig mit der Saarfrage, angeregt durch die Völkerbunds- Verhandlungen. Keine der größeren Zeitungen, die dieser Frage nicht auch einen Leitartikel widmeten. Die beiden Blätter der beiden Presselords Rothermere und Beaverbrook plädierten für Englands Desinteresse- ment an der Saarfrage, England gehe der ganze Streit nichts an, Frankreich und Deutschland mögen das allein ausmachen. England solle sich nicht in kontinentale Fragen mischen, auch die Tatsache, daß ein Eng- länder die Regierungskommission führt, wurde von diesen beiden Zeitungen aus dem gleichen Grunde bedauert. Ganz anders die übrige Presse. Siealles childerten den Terror, den die Nazis ausüben. Der „Taily Telegraph" ist zwar überzeugt, daß auch ohne Terror eine große Mehrheit für den Anschluß an Nazideutschland vorhanden sei: die anderen Blätter wie „Times",„Manchester Guardian",„Dbserver",„Daily Herald",„Morningpost",„News-Chronicle", Zeitungen der verschiedensten politischen Richtungen, sind davon nicht so überzeugt und treten daher mit Entschiedenheit für eine absolute Sicherung der Abstimmenden vor allen Drohungen ein. Wenn auch keine dieser Zeitungen eine Hinausschiebung der Abstimmung um eine festgelegte Frist fordert, so äußerten sie sich doch alle dahin, d a ß d i e Abstimmung nur vorgenommen iv erben könne, wenn die Ehrlichkeit und Vertrauenswürdigkeit gewährleistet sei. Da- für aber habe der Völkerbund zu sorgen. Die„Frankfurter Zeitung" hat schon recht, die englische Presse ist in dieser Frage Nazidcutschland gegenüber nicht gerode freundlich DoyKoKierung der freien Presse Den folgenden Aufsalf entnehmen wir der ausgezeichneten, in Saarbrücken erscheinenden Wochenzeitschrift„W e s 11 a n d". Der vom Völkerbundsrat eingeseifte Ausschuß wird bei Aufnahme seiner Tätigkeit im Saargebiet bereits eine Reihe von Tatsachen antreffen, die überzeugende Beispiele für die Wirksamkeit des nationalsozialistischen Terrors darstellen. Am einfachsten ist die Terrorwirkung an der Unterdrückung der freien Presseerzeugnisse zu studieren, die in einem Maße betrieben wird, das die ungehinderte Propagierung anderer als nationalsozialistischer Ideengänge schon vor Monaten illusorisch gemacht hat. Eine scharfe, unzweifelhaft unter persönlichem Druck und der Furcht vor einer späteren Abredinung zustande gekommene Boykottbewegung hat es vermocht, die zum Nationalsozialismus in Opposition stehenden Zeitungen und Zeilschriften nahezu restlos aus dem Blickfeld der Oeffent- lichkeit zu verbannen. Danz besonders erstreckt sich der Boykott auf Erzeugnisse der von Hitler unabhängigen Saarpresse, die sich aktiv am bereits eingeleiteten Abstimmungskampf beteiligen und die nationalsozialistischen Parolen gefährden. An der Boykottbewegung nehmen nicht nur Private teil, sondern auch die öffentliche Hand. So hat die Verwaltung der Stadt Saarbrücken schon im Sommer des vorigen Jahres ihre Erlaubnis zum Anschlag von Plakaten verweigert, die das Erscheinen der„Deutschen Freiheit" ankündigen sollten. Die Entscheidung der Stadtverwaltung kann nicht grundsätzlicher Natur gewesen sein, denn gerade jeftt wurde die Erlaubnis zur Werbung für die nationalsozialistische „Saar-Front" durch Plakatanschlag erteilt. In derselben Linie liegt auch die Sperrung der amtlichen städtischen Bekanntmachungen für die sozialdemokratische ■-Volksstimme'' und die kommunistische ,, Arbeiter-Zeitung Die Boykottmaßnahme gegen das kommunistische Blatt wurde erst in diesen Tagen ergriffen. Aber nicht nur ausgesprochene P'—leiblätter haben unter dem Boykott zu leiden. Auch diese Zeitung, die keiner Partei verpflichtet ist, wird davon betroffen. In der Mehrzahl der auf öffentlichem Grund und Boden stehenden Zeitungskioske wird„Wettland" überhaupt nicht geführt, obwohl nachweislich lebhafte Nachfrage nach dem Blatt herrscht. Einige wenige Zeitungsverkäufer und Kioske führen zwar unsere Wochenzeitung, wagen aber mit geringen Ausnahmen nicht, sie sichtbar anzupreisen. Typisch für die Wirkung des Boykotts ist das Schicksal des Zeitungsstandes vor der alten Hauptpost an der Ecke Dudweiler Straße. Dieser Stand, der, wenn wir richtig informiert sind, von dem Zeitungsvertrieb Fröhlich gepachtet ist. wurde im vorigen Jahr von einer Frau betreut, die die ,.Deutsche Freiheit" gleich anderen Blättern sichtbar anbot und auch einen guten Verkaufserfolg damit erzielte. Der Schreiber dieser Zeilen konnte sich damals verschiedentlich durch Augenschein von der guten Nachfrage nach dieser unabhängigen Tageszeitung überzeugen. Seit einigen Monaten hat denselben Stand ein junger Mann mit schwarzer SS- Mütze inne, von der„Deutschen Freiheit" ist ebenso wenig etwas zu sehen wie von anderen unabhängigen, antifaschistisch eingestellten Zeitungen. Es wurde mehrmals in der letzten Zeit nach einem dieser Blätter gefragt, aber sie werden überhaupt nicht gehalten. Zur Wahrung eines Scheines von Neutralität zeigt der Inhaber des Standes unter der langen Reihe nationalsozialistischer Presseerzeugnisse lediglich das„Freie J/etzer Journal". Aber nicht nur der freie Verkauf leidet unter der nationalsozialistischen Boykottbewegung, sondern auch die Werbung für das Abonnement. Die Werber für„Westland" sind im Saargehiet überall dort auf begeisterte Zustimmung gestoßen, wo unsere Zeitung schon bekannt war. Wir müssen das hier bei aller Abneigung gegen ein Selbstlob feststellen, weil diese Tatsacke wichtig sur Beurteilung der Situation >t. Denn obwohl in allen Fällen restlose Zustimmung au Deutschlands Unglück 1914 Deutschlands Unglück 1934 der Haltung unserer Zeitung spontan bekundet wurde, war ein Abonnements-Auftrag nicht in allen Fällen zu erreichen. Warum nicht? Aus Angst— durch den Bezug von Wesl- land augenblicklich oder zu einem späteren Zeitpunkt Schaden zu erleiden. Wir wissen sehr genau, daß Leute, die aus diesem Grunde ein Abonnement nickt einzugehen wagten, regelmäßig unsere Zeitung lesen, die sie sich jedoch durch Hausangestellte oder andere Personen besorgen lassen, weil sie der Ansicht sind, sich schon durch den Erwerb der Zeitung verdächtig zu machen. Andere Leser wieder sind ein Abonnement nur unter Beobachtung erheblicher Vorsichtsmaßregeln eingegangen. Sie wünschten weder Eintragung in die Abonnenten- Karthotek noch die Zuteilung durch die Post. Sie zogen den beschwerlichen Weg vor, sich die Zeitung jede Woche gegen Vorzeigung einer Berechtigungskarte bei einem Händler, dem sie Vertrauen schenken können, abzuholen. Ein besonders krasser Fall wird uns in lebhafter Erinnerung bleiben. Einer unserer Werber hatte einen Abonnementsauftrag für einen jüdischen Kaufmann. Inhaber einer Großhandlung in Saarbrücken, erhalten. Der Vater des Kaufmanns hatte den Auftrag in dessen Abwesenheit erteilt. Noch am Abend desselben Tages suchte der Sohn, der inzwischen von dem Abschluß erfahren hatte, unseren Werber auf und bat ihn flehentlich, den Au/trag zu annullieren. Er könne als Geschäftsmann unmöglijt ein Blatt halten, das in Opposition zum Nationalsozialismus stehe. Man wird vielleicht sagen, daß alle diese Befürchtungen übertrieben seien, die nationalsozialistischen Zeitungen»erden über die„Aengstlichkeit" dieser Leute vielleicht Witze machen. Eine schwerwiegende Tatsache bleibt aber, daß sich in den Köpfen vieler Saarländer die nickt wegzuleugnende Ueberzeugung festigen konnte: der Bezug von hitler- feindlicken Zeitungen sei dazu angetan, ihnen bedeutende Schwierigkeiten zu bereiten. Diese Feststellung ist ein geradezu klassisches Beispiel für das Zusammenwirken von Beeinflussungsmomenten, die zum Teil jenseits der Grenzen des Dritten Reiches ihren Ursprung haben, zum anderen Teil in der persönlichen Einwirkung im Saargebiet. Das Faktum, daß nach Installation des Dritten Reiches Repressalien gegen viele Deutsche ergriffen wurden, die als Bezieher oder Inserenten linksgerichteter Blätter oder in Spendenlisten linksgerichteter Organisationen figurierten, wirkt als einschüchterndes Beispiel. Was danach noch zu tun bleibt, um die ehrliche Meinungsäußerung politischer Gegner zu unterdrücken, das besorgen die Drohungen und Boykottmaßnahmen der saarländischen Nationalsozialisten. Auch ein Blick in den Anzeigenteil nichtgleichgesrhalteter Blätter lehrt, daß der Boykott und die unzulässige Beeinflussung wirksam sind. Ist angesichts dieser Umstände— so fragen wir— die Sicherheil gegeben, daß die Volksabstimmung frei und unbeeinflußt vor sich gehen kann? Ist die Gewähr für die Ernsthaftigkeit des Plebiszits gegeben? Niemand wird diese Fragen guten Gewissens bejahen können. Wir stellen fest: ein Jahr vor Ablauf des seit 1920 gültigen Verwaltungszustandes des Saargebietes ist die Möglichkeit einer ungehinderten Meinungs- und Willensäußerung nickt mehr gegeben, weil die weitverbreitete begründete Ansicht herrscht, daß das mit gegenwärtigen oder zukünftigen Gefahren verbunden ist. Solange dieser Ansicht nicht fest umrittene Garantien für jefft. und später entgegengestellt werden, die alle damit verknüpften Befürchtungen gegenstandslos machen, solange ist an eine unbeeinflußte und freie Vorbereitung und Durchführung des Plebiszits nicht zu denken. Die Nationalsozialisten beklagen sich über die Verordnungen der Regierungskommission, die bemüht ist, den Terror zu unterbinden. Sie sollten ehrlich genug sein, sich einzugestehen daß sie nichts getan haben, sie überflüssig zu machen. 700000 Erwerbslose mehrt Die KOnsllcr der Staflstik können die neue llodiflu! der Erwerbs loslgkeiinldit mehr verbergen- insgesamt 7 Millionen Erwerbslose Gleichgeschaltete Zeitungen berichten kleinlaut und an ver sterfttr Stelle: Tie Arbeitslosenstatistik hatte für Tezember, wie erinnerlich. infolge der Einwirkung des starken Drostes einen Zu- wachs von 848 MI Arbeitslosen registriert. Die Beschäftigten- zifler nach der Krankenkaflenstatistik, die bekanntlich auch die Bewegungen im Bereiche der sogenannten„unsichtbaren Cr- werbstosigkeit" berücksichtigt, zeigt eine noch stärkere Wir- kung der ungiinstigen Witterung, denn die Abnahme der Beschäftigten im Dezember war um ctiva 8 9 0 0 0 0 höher a I s die Zunahme an Arbeits- losen. Tie Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeits- losenversicherung veröffentlicht die vorläufigen Ziffern der von den Krankenkassen erfaßten beschäftigten Arbeit- n c h m c r für Ende Dezember. Sie beträgt 43 287 120. Das bedeutet gegenüber dem 84. Januar 4938 einen Zuwachs von 4,8 Millionen(genau 4 70v»4,i>. Der Dezember 4933 brachte einen ungewöhnlich strengen Frost, wie er sonst nur im Januar eintritt. Daher ist die Zahl der beschäftigten Arbeit- nehme» durch die Stillegung der Au Heu- arbeiten erheblich vermindert worden. Der Rückgang betrug 73307 8. Im Tezember 493 2 machte er 745271 aus. Bis zum Herbit hatte sich die Zahl der beschäftigten Arbeit- nehmer noch weitaus günstiger entwickelt als die Zahl der registrierten Arbeitslosen. Das hing damit zusammen, das, nicht jeder Arbeitslose sich sofort oder überhaupt beim Arbeitsamt meldet und dort gezählt wird lsogenannte„un- sichtbare Arbeitslose" Tchriftleitung), da« dagegen die Krankentasien jeden beschäftigten Arbeitnehmer ersasien. Durch die Entwicklung im letzten Dezember sind die Ergeb- nisse der beiden Zählungen einander wieder angenähert worden. lieber 7 Millionen Nach der amtlichen Statistik betrug im Reiche am Ende des Jahres 1933 die Zahl der Beschäftigten 13 287 12k und die Zahl der Arbeitslosen„rund 4 058 900". Addieren wir diese beiden Zahlen, so kommen wir zur Summe von rund 17 365 000. Die Gesamtzahl der Arbeitnehmer beträgt aber nach den Berechnungen des Statistischen Reichsamtes 29 837 009. Wo bleiben nun die übrigen 3'/, Millionen Arbeitnehmer? Sind sie als die statistisch nicht erfaßten Beschäftigten oder Arbeitslosen zu betrachten? Man darf zwar annehmen, daß die beiden Statistiken nicht vollständig sind, es läßt sich aber nachweisen, daß die Arbeitslosen jetzt viel weniger genau erfaßt werden als die Beschäftigten. Sehr bezeichnend ist schon der Unterschied zwischen den Angaben der beiden Statistiken für Dezember 1983. Die Zahl der Arbeitslosen hat nämlich im Laufe de» Monats Tezember um 343 000 zugenommen, während die Zahl der Beschäftigten um 733 000 zurückgegangen ist. Dazu wird erklärt, daß die Beschäfligtenziffer„bekanntlich auch die Bewegungen im Bereiche der sogenannten„unsichtbaren Erwerbslosigkeit" berücksichtigt". Das ist klar: die Arbeitslosen, die nicht mehr als solche registriert werden, werden dadurch nicht„beschäftigt" und können deshalb nicht in der Beschäftigtenstatistik geführt werden. Die Zahl der Arbeitslosen läßt sich deshalb Verhältnis- mätzig am genauesten ermitteln, wenn man von der Gesamtzahl der Arbeitnehmer die Zahl der Beschäftigten abzieht. Ganz genau wird aber auch diese Berechnung nicht sein, erstens deshalb, iveil die Gesamtzahl der Arbeit- nehmer nicht ganz genau ermittelt wird und zweiten», weil die Statistik der Beschäftigten nach den Kranken- Kassenberichten wiederum die Beschäftigten nicht ganz vollständig erfaßt. Gehen wir nun von der Zahl der Arbeitslosen am Ende des Dezember 1933 aus, so ergibt sich folgendes: Diese Zahl betlägt, wie gesagt, rund 4 058 000, ist also fast genau so hoch wie im Mai 1931, als 4 053 000 Arbeitslose ange- geben wurden. Die Zahl der Beschäftigten betrug aber im Mai 1931 15 197 000 gegen 13 287 000 im Dezember 1933, war also um 1910 000 höher. Da in der Zwischenzeit die Gesamtzahl der Arbeit- nehmer nur um etwa 200 000 abgenommen hat, so wird offensichtlich, daß nicht weniger als 1700 000 Arbeitslose aus der Statistik feit Mai 1931 verschwunden sind. Nun war die„unsichtbare Erwerbslosigkeit" schon im Mai 1934 ziemlich stark: sie wurde schon damals auf mehr als eine Million geschätzt, im Laufe nur eines Jahres, seit Mai 1930 bis Mai 1931. hatte sie um etwa 650 000 zuge- nommen. Wir kommen auf diese Weise zum erschrecken- den Ergebnis, daß die„unsichtbare Erwerbslosigkeit" gegenwärtig auf etwa 3 Millionen und hiermit die Gesamtzahl der Arbeitslosen am Ende des Jahres auf über.7 Millionen geschätzt werden muß! Diese Schätzung wird durch die Gegenüberstellung der Zahlen der Beschäftigten und der Gesamtzahl der Arbeit- nehmer bekräftigt. Tie Gesamtzahl der Arbeitnehmer wird vom Statistischen Reichsamt für den Anfang dieses Jahres(also auch für das Ende Dezember 1933) auf 20 837 000 berechnet. Ziehen wir davon die Beschäftigten- zahl von 13 287 000 ab, so ergibt sich die Differenz van 7 550 090. Tie wirkliche Arbeitslosenzahl muß also zwischen 7 und 7'/- Millionen liegen. Kieler lungensbrlei Die revoltierende Hitlerjugend hb. Born Kieler Kriegsschauplatz, am dem die Hitlerjugend ihrer glorreichen Führung erbitterte Kämpfe liefert, er- fahren wir folgende Einzelheiten. Die Hitlerjugendftthrer Hempcl, Rühmann und Berdieck sollten ivegcn Meinungsverschiedenheiten mit vorgesetzten Dienststellen von ihren Posten enthoben merden. Die Abgehalfterten wurden von ihren Dienststellen in üblicher Weise diffamiert. Man bezichtigte sie der Unterschlagung, um ihren Einfluß auf die Hitlerjungcn zu unterbinde». Aber diese Be- schnlblgungcn wurden von den Jungen nicht geglaubt. Tie rebellierten gegen den««»eingesetzten Führer Boy Oven» und grüßten sich in den Schulen und aui der Straße nur»och mit„Heil Hempcl". Häuser wurden beschmiert mit Parolen wie„Gebt uns unsere Führer Hempel, Rühmann und Berdirk iviederl" Einige Tage vor Weihnachten kam es dann zu den bereits gemeldeten Demonstrationen. Tic ganze Stadt war in Auf- regnng. Die Jungen hatten große Sprechchöre gebildet, die mit wüstem Geschrei ihre Antipathie gegen den neuen Führer ausdrückten. Die Polizei griff ein und verhaftete 150 Jugendliche, so daß die„Blume" und die„Harmstraße" iGesänmnssei über- füllt waren. Tic Mütter der Jungen zogen in scharen vor das Polizeipräsidium und versuchten ihren Sprößlinge» Decke» und Lebensmittel zu bringen. Sie wurden»ich» vorgelassen. Daraufhin entstanden erneut große Tumulte. Bon feiten der erregten Mütter sielen Ruf« wie:„Gebt uns unsere Jungen ivieder! Rieder mit Hitler!" usiv. Zu gleicher Zeit wurde der gesamten Kieler Hitlerjugend das Tragen der Uniform verboten. Alle Jugendlichen, die ein Braunhemd trugen, wurden ebenfalls eingesperrt. Die Schulpflichtigen hat man dann später, als die Schule wieder begann, laufen lassen. Runmehr ist bis aui einige „ältere" Führer(47jährige!i alles wieder entlassen. Am 11. Januar kam dann der Gebietöführer der HJ., Keppel, im Austrage der Reichsjugendiührnng nach Kiel zuin Standortappell im Hause der Arbeit. Er ermahnte die Jugendlichen zur Disziplin. Ruhe und Unterordnung unter de» neuen Führer Boy Oven». Falls sich diese Unterordnung nicht erreichen lasse, habe er den Befehl dcS Reichsjugend- führerS mitzuteilen, in dem die Auflösung der Kieler Hitler- fugend angeordnet ivurde. Tic Jungen quittierten die Ausführungen deS Gebiets- siihrcrs Keppel mit den Rufen Heil Hempel" und„Gebt uns unsere allen Führer ivieder!" Es entstand ein riesiges Durch- einander, indem man sich sogar init brennenden Feuerwerks- körptrn bewarf, sich gegenseitig Armbinden abriß und anderes mehr. Schließlich kam dos Ueberfallkommando der Polizei, um die Ruhe ivieder herzustellen. Da schlugen die Jungen die Fenster des BersammlungsraumeS ein und drangen ins Freie. Im Hause der Arbeit wurde bei dieser Gelegenheit großer Materialschaden angerichtet. Nach der Auflösung des Sieler Standortes der HJ. wurde die hiesige TA. durch auswärtige ersetzt, da man die hiesige nicht mebr'üi zuverlässig hielt. Diese auswärtigen SA- leute gehen in den Straßen der Stadt Patrouille, um die Ordnuna wieder aufzurichten. Sie sind mit Pistolen und Seitengewehren ausgerüstet. Da sie im Dienst weiße Arm- binden tragen, werden sie von de» rebellierenden Hitler- jungen respektlos„Weiße Mäuse" genannt. Nunmehr soll der Standort Kiel der Hitlerjugend wieder vollständig neu ausgebaut werden. Zu diesem Zwecke wurde der Bannstthrcr Keilholz von Altona nach Kiel versetzt. Das Resultat seiner Bemühungen bleibt abzuwarten. AD nadi Koslar! Die neue Futterkrippe hl>. Die Organisation des neugegründeten Reichsnährsiandes. die demnächst ihre Uebersiedlung nach Goslar vornehmen wird, hat sich, trotzdem ihr Ausbau noch nicht vollendet ist, zu einer dicht besetzten Futterkrippe ausgewachsen. Ihr ge- hören außer den in den mit dem Reichsnährstand zusammen- hängenden Finanz- und BersicherungSinstituten beschäftigten Personen 800 Beamte und Angestellte an. Die Uebersiedlung nach Goslar wird dieser Stadt einen Zuwachs von rund dreitausend Einwohnern bringen. Der Bürgermeister der Stadt Goslar jubelt. Oberbürgermeister Dr. Sahm aber denkt resigniert, es geht der Stadt Berlin schon so schlecht, daß es ans den AnSzug dieser dreitausend gutbezahlten Einwohner auch nicht mehr ankommt. «dring weldgeredil „Schutzherr" der deutschen Wildsau Göring, der erbarmungslose, blutgierige Henker der deut- scheu Arbeiterschaft, dem täglich millionenfach die Flüche des gequälten und unterdrückten Mcnschentumes gelten, hat wie- der einmal sein zartempfindendes Herz sprechen lassen. Wer erinnert sich noch seines Erlasses gegen Tierquälereien, zu- sammensallend mit den grausamsten Menschcnmißhandlungen, die jemals die Geschichte der Menschheit verzeichnete? Aus Initiative GöringS hat die preußische Regierung ein Gesetz zum Schutze der Jagd— nicht des Mcnschenwildes— erlassen. Das neue Gesetz wurde in einer Pressekonferenz durch den Ministerpräsidenten persönlich erläutert.„... Die Jagd gilt als Recht des freien(!> deutschen ManneS... Das Wild muß gepflegt und gehegt werden, damit eS den in den großen Städten znsammcngepserchten Volksgenossen Stun- den der Erholung und Ausspannung bietet. Tie Erhaltung eines artenreinen, gesunden Äildstandes sei Ausgab« des neuen Staate». Da» gesamte Wild steht in Zukunft unter Oberaussicht des Staates." Bei der Jagd aus Wild(im Gegensatz zur Jagd aus Men- schen, für die alle Waffen und Tageszeiten zugelassen sind) darf nur die weidgerechte Waffe und Munition verwendet werden. Verboten wird für gewisse Wildarten die Jagd bei Nacht, bei künstlichem Licht, mit Fangeisen»sw. Die Ans- Übung der Jagd ist natürlich nur dem arischen Jäger vorbe- halten. Es wird eine Fachschast des Wildes— pardon— der Jäger geschaffen. Jagdchrengerichtc sind snr den Schutz des Wildes und der weidgerechten Ausübung der Jagd zu er- richten. Konzentrationslager für Wild sind selbstverständlich verboten. Freie Wildbahn der staatlich gehegten Wildsau. Der Erlaß deS Gesetze? erinnert an die Zeiten, in denen den„Edelsten der Nation" das Leben einer Wildsau wert- voller war als das Leben der leibeigenen deutschen Bauern. «orkl begeistert! Ueber Sowjetrußland Moskau, 27. Jan. sFSU.) Auf der eben abgehaltenen Kon- serenz des Moskauer Organisation der Kommunistischen Partei der Sowjetunion hielt Marim Gorki eine Rede, in der er den gegenwärtigen Zustand der Sowjetunion wie folgt charakterisierte: „Ich möchte einige Worte sagen über den Einfluß der ge- wältigen Energie auf die Menschen, die die Arbeiterklasse und Lenins Partei ohne Unterlaß bei dem Aufbau des Sozialismus entwickeln. Diese Energie, die in dem gran- Mosen Ausbau einer neuen Kultur Gestalt angenommen hat, ist die Erzieherin neucr Kräfte und schaist jene Atmosphäre, die die große Quantität schnell in hervorragende Qualität umzuwandeln weiß. Vor einigen Tagen nahm ich an einer Tagung von Wissenschaftler», Philosophen, Biologen und Schriftstellern teil. Das Besondere dieser Tagung war, daß mehr als ein Dutzend der Teilnehmer vor gar nicht langer Zeit Bauernknechle oder Fabrikarbeiter gewesen waren und daß die andere» Wissenschaftler sich vor gar nicht langer Zeit für die Fragen unserer politischen»nd revolutionären Philosophie„nicht interessierten". Aehnlick ist es auch mit der Befreiung der Frau. Ist es irgendwo in der Welt vorgc- kommen, daß man in zehn Jahren aus Baucrnmägden Philo- iophinnen, Dozenten der Philosophie gemacht hat? Wissen- schalt, Berwaltnng, Heer, Flotte— früher den Frauen ver- schlössen? Gebiete— stehen ihnen heute offen. Die Frauen beginnen heute eine immer größere Roll« zu spielen. Schreibt man mir nicht, daß heute manche Fra» nur einen Stoß- arbeitcr heiraten will? Das ist der Prozeß der Verjüngung, der Anhäufung neuer Energie in unserem Lande, einer Energie, die alles mit sich reißt. Je weiter er geht, um so klarer, sichtbarer wird er. Was können wir daraus folgern? Daß die Bourgeoisie Wissenschaft, Kunst und Technik geschaffen hat, ist heute nicht mehr richtig. Die bürgerliche Welt zeigt uns dies. Dem Händler aller Länder liegt nicht viel an Wissenschast, Kunst und Technik. Die Bourgeoisie ist bereit, aus alles zu verzichten, woran' Kultur und Wissenschast stolz waren, um ihre Macht und ihre Ruhe zu behalten. Unsere sozialistische Kultur hingegen ruht aus der Arbeiterklasse, sie wird organisch zu ibrer Angelegenheit, zur Verkörperung ihrer Energie, ihrer Gaben und Talente— oder sie wird nicht sein." Die Industrie im Dezember Verringerte Beschäftigung Das Arbeitsvolumen der Industrie hat sich im Dezember 1033 saisonmäßig vermindert. Nach der Jndustricbericht- erstattung de» Statistischen Rcichsamtes ist die Zahl der ge- leisteten A r b e i t e r st u n d e n von 40,0 v. H. auf 45,4 v. H. der Arbeiterstundenkapazität, die Zahl der beschäftigten Arbeiter von 51,2 v. H. aui 40,7 v. H. der Arbeitcrplatz- kapazität gesunken. Tie durchschnittliche tägliche Arbeits- zeit ist im ganzen unverändert geblieben und beträgt 7,35 Stunden. Der Rückgang der industriellen Tätigkeit im Dezember erstreckt sich vorzugsweise a u s dieBauivirt- schal t. Im Baugewerbe hat die Zahl der beschäftigten Arbeiter um 45 v. H. der Höchstbelegschalt gegenüber dem Vormonat abgenommen. Dieser Rückgang ist bedeutend stär- kcr alS in den letzten Jahren. Hierbei ist jedoch zu beachten, daß im Dezember 4033 im Gegensatz zu den Vorjahren ein starker Frost zur vorzeitigen Einschränkung der Außen arbeiten zwang. Hinzu kommt, daß im Jahre 1033 in der Banivirtschast bedeutend mehr Arbeiter beschäftigt waren als in den letzten Jahren. Damit ivar auch der Spielraum für die Saisonschwankungen in der Beschäftigung des Bau- gewerbes wieder größer. Tic starke Schrumpfung der Bautätigkeit hat auch zu einer weiteren Einschränkung in de» Baustoffindustrien geführt, in denen fast dnrchwg Arbeiter entlassen wurden. Eahirad-Honjunklar Angeblich steigender Absatz Die Beendigung des scharicn PreiSkampses innerhalb der Fahrradindustrie, die durch den Abschluß des Fahrradkartells mit Wirkung vom 4. Oktober 4033 erreicht wurde, hat sich, wie Fachkreise mitteilen, günstig ausgewirkt. Schon im Sommer 4033 machte sich ein steigender Bedarf an Fahr- rädern nicht nur in der billigsten Sorte bemerkbar, so daß die Händler ihre eigenen Lager fast ausnahmslos abbauen konnten und Rückkäufe in erheblichem Umfang bei den Werken vornehmen mußten. Auch in den zur Zeit saisonüblich nicht gerade günstigen Winlcrmonaten ist der Geschäfts- verkehr noch als rege anzusehen und die gegenwärtigen Um- sätzc liegen erheblich über denen des Vorjahres. Dabei kann beobachtet werden, daß neuerdings eine stärkere Abivande- rung von den billigste» Erzeugnissen zu der mittleren Markenware eingetreten ist, ivas fiir einzelne Werke im Rahmen der Preiskonvention auch eine finanzielle Ent- lastung bedeutet. Der Besserung deS Jnlandsgeschästc» hat sich auch eine be- friedigende Gestaltung der Erportverhältnissc angeschlossen. Nach de» jetzt vorliegenden Ziffern für die ersten elf Monate 1033 weist die deutsche Fahrradanssuhr in diesem Zeitraum eine wertmäßige Steigerung von 8 Prozent aus. Menge»- mäßig ergibt sich gegenüber der BerglcichSzeit deS Vorjahres sogar eine Erhöhung um 10 Prozent, ein Zeichen dafür, daß in der Fahrradindustric vor allem auch die Besserung als Mengcnkonjunktur zu charakterisieren ist. Der Wert des FahrradexporteS beläuft sich für Januar-November 4033 auf 48 ,0 Millionen RM. Insbesondere ist die Ausfuhr nach den Niederlanden, nach Dänemark und Belgien wieder bcdeu- tcnd gewesen. Deldmmerfe Dauern Die Rückseite des Erbhofs h. b. Nachdem sich der Erntedankrummeljubel vom Bückeberg ein wenig verflüchtigt hatte, begannen die nach dem neuen Erbhosgesetz ehrbaren bauernfähigen Land- wirte deutschen oder stammesgleichen Blutes etwas ge- nauer über die genialen Bestimmungen dieses Gesetzes nachzudenken. Und zu dem Jammer über ihre trostlose Lage gesellte sich bald der Kummer über die Erkenntnis, daß man sie eigentlich doch ganz anständig über» Ohr gehauen hat bei der ganzen Geschichte. Vielerorts gab es Unruhe, und die Gerüchte über die rigoros« Handhabung des neuen Gesetzes schwirren herum wie Fledermäuse. Nun wurde just in diesen Tagen folgendes interessante Dementi veröffentlicht, das die Lage schlagartig beleuchtet: bnv. Berlin, 10. Jan. In der Presse befindet sich eine von nicht festzustellender Seite snanu, bei der Gleich- schaltung!? Die Red.) gegebene Mitteilung, wonach der Landesbauernsührer der Provinz Hannover, von Rheden, sechs Bauern seiner Provinz wegen ehrlosen Perhaltens die Baucrnfähigkeit aberkannt und das Verfügungsrccht über ihren Hof teilweise den Ehefrauen für Ihre Kinder übertragen haben soll. Wie der Reichsbauernführer R. Walter Darre mitteile» läßt, entspricht diese Meldung nicht den Tatsache» und ist auch nicht von einer der zuständigen Stellen des Reichsnährstandes veröffentlicht worden." Was nicht ist, wird noch werden, Deutsch« Zukunft:: Kulturpolitische Beilege zur Deutschen Freiheit:: Blick über Zeitfragen und Bücher Ein Jahr„drittes Reich" Von Marius Alter B«i einem Rückblick auf das»rite Jahr de«»dritten Reichel" und auf eine» der bewegtesten Jahr« deutscher und europäischer Geichichte kenn nur durch die Bevoraugung eine» bestimmten Gesichtspunktes Ueberiieht über die verwirrende Fülle der Ereignisse gelingen. Vielleicht eignet«ich der geichichtiphilosophische Gesichtspunkt für«ine solche Vereinfachung am besten. Auch die wüsten, chaotischen Geschehnisse können nicht die Wahrheit des Hegelsehen Gedankens erschüttern:„Wer die Welt(und die Geschichte) vernünftig anschaut, den schaut sie auch vernünftig an." Der Nationalsozialismus ist die Kriegserklärung an die Vernunft, der bewußte Kult des Triebheft-Antihumanen, der triumphale Einbruch des Irrationalen. Aber seit es Menschen- geichichte gibt, ist die blinde menschliche Leidenschaft, ist menschliche Unvernunft Werkzeug einer historischen Vernunft gewesen, und die altberühmte„List der Vernunft"' dürfte sich auch der erst berühmt werdenden„nordischen List" gewachsen zeigen. Freilich dürfen wir uns nicht anmaßen, den Plan der historischen Vernunft mit unseren Denkmitteln restlos au durchdringen, ihn dogmatisch au bestimmen, ihn rechnerisch vorauszusagen, noch weniger können wir in religiöser Versuchung von ihm stammeln. Wir können ihn in Umrissen deuten, gemäß den Methoden, dir uns die Meister der historischen Dialektik Hegel und »ein Vollstrecker Karl Mar* geschaffen haben. Das Sfaatszuchthaus Bei einer Betrachtung der Innenpolitik kann uns folgender Gesichtspunkt als Leitfaden dienen« Der totale Staat bedeutet die Aulhebung jedei Gegensages von Staat und Gesellschaft, In der Epoche des bürgerlichen Liberalismus besteht der„RfchUsUat", die Rechtsordnung, die eine breite Sphäre des privaten, sozialen und auch dea politischen Lebens sich selbst überläßt.„Gesellschaft", das iat jene Sphäre des ungegängelten privaten, seaitlen, politischen Lebens, die Sphäre des freien Einielnen, der freien Gruppenbildung für den sosialen Zusammenhalt, für den wirtschaftlichen und politischen Interessenkampf. Die Berufsarbeit dea Einzelnen, wirtschaftlidie Verbände, Gewerkschaften, Partelen— alles das ist Gesellschaft. Der Faschismus hebt ein« solche Sphäre der Freiheit restlos auf, er schmilat die Gesellschaft in seinen Zwangsstaat ein. Er etabliert das allgemeine Staatszuchthau s, wie man karikierend je auch des sozialistische Ideal geseiehnet hat. Dies ist nicht Merkwürdig! hier wie überall ist der Faschismus die direkte Urokehrung des Sozialismus, und gerade deshalb ähnelt er ihm scheinbar durch seine pseudosozialistischen Züge. Auch der Sozialismus will letztlich den Gegensatz von Staat und Gesellschaft, des nur öffentlichen und des nur privaten, des rechtlich geregelten und des dem egoistischen Interessenkampfe überlessenen Lebens aufheben, aber nicht zugunsten der totalen Militarisierung und Kasernierung des Menschenmaterials, sondern zugunsten der totalen menschlichen Befreiung. Das»ozialistische Ideal ist da s der totalen Geteilschaft,— der Fatchismut hat ei raffiniert in da» Ideal des totalen Staates verfälteht• Unter falscher soaiali- stischcr Flagge hat er den Staat des Absolutismus— und auch ihn nur in allem Negativen— wiederhergestellt. Der Faschinnut in der Mörder det Liberalismus— der Sosialis- mus will der Testamentsvollstrecker des Liberalismus sein. Der Faschismus hat die deutsche Gesellschaft zerstört und annektiert, indem er Parteien, Länder, Kommunalverbände, unpolitische Beamtenschaft, wirtschaftliche Organisationen, Gewerkschaften, Presse, geistiges Leben, freie Berufe, Schule, Kunst, Wissenschaft, selbst Kirche wie ein Malstrom überflutet hat. Den staatlichen Machtappereti politische Beamte und Polizei, hat er sofort nach der Machtergreifung rücksichtslos in seinen Dienst gestellt. Schon vor der eigentlichen Revolution hört mit Görings Schießerlaß der Rechtsstaat auf. Ein besonderes Kapitel unter den staatlichen Machtmitteln bildet bis heute die Reichswehr. Sie nimmt nicht aktiv an der nationalen Revolution teil und ist bis jetzt nicht restlos gleichgeschaltet. Aber sie ermöglicht diese Revolution durch ihre Duldung im Einklang mit ihrem Oberbefehlshaber, dem Reichspräsidenten. In der halb staatlichen, halb gesellschaftlichen Sphäre werden die Parteien vom integralen Faschismus zermalmt, der durch seinen diktatorischen Einparteistaat den pluralistischen Partei«,istaat überwindet. Aus der Ueberfülle der Parteigehilde hatte sich gerade in der letzten vorfaschistischen Epoche durch die häufigen Wahlen ein Fünfparteiensystem herauskristallisiert, das aus zwei Rechtsparteien, den Nationalsozialisten und Deutschnationalen, zwei Linksparteien, Sozialdemokraten und Kommunisten, und dem Zentrum als Mittelgruppe bestand. Mit der ihm eigenen konsequenten und elastischen Strategie, die der Gegner bei ihm anerkennen muß, hat der Nationalsozialismus die anderen Parteigebilde vernichtet: Die Kommunisten mit einem Schlage durch den Reichstagsbrand, die Sozialdemokraten sukzessive durch Presseverbot- Verhaftung einzelner Führer, Absprengung der Gewerkschaften. Aus- einandermanövrierung und den Gnadenstoß des Veihots, Das Zentrum wird nach dem Konkordat, die Deutsch- nationalen nach dem Sturze Hilgenbergs zur 5e1H«tauflösung gezwungen. Länder- Gemainden- Kirche- Presse Ein Unterbau mit selbständigem Eigenleben, dessen organisches Gewachsensein und dessen historische Geborgenheit gerade das konservative Denken stets betont hatte, waren die Länder, die Bundesstaaten des kaiserlichen Deutschlands. Sie hören zu bestehen auf, werden in einer durchaus rationalistisch mechanischen Weise zu Departements herahgedrückt. Und ebenso wird das Werk der kommunalen Selbst ret waltung, in ihrer Mischung konservativer und liberaler Motive, wohl das charakteristische und einzige schöpferische politische Werk des deutschen Bürgertums, mit einem Federstriche beseitigt. Jeder Aufbau, der von unten nach eben zieht, muß also dem mechanischen Staatsabsolutismus Platz machen. In der Zerschlagung der Gewerkschaften wird denn der innerste Sinn des Faschismus als kapitalistischer Konterrevolution klar, es ist das wichtigste Stück Gesollschaft nach Selbstorganisation. das hiermit zerstört wird. Die vollständige Uniformierung der Presse, des Aufhören einer öffentlichen Meinung, die Zerstörung des letzten Eigenlebens der freien Berufe, die Zer- tramprlung alles dessen, was der leteiniiehe Ausdruck als „Libereies arte«" bezeichnet, der freien Künste und Wissenschaften, ergänzt das Bild des Zeitalters der gleichgeschalteten Bestialität. Mit der Vernichtung dea kulturellen Liberalismus in Presse, freien Berufen, Kunst und Wissenschaft verbindet sich die Entfesselung des völkischen Judenpogroms, In ihm werden Raasenmystik, Hexenwahn und zugleich der Postendrang stellungsloser Intellektueller zusammengemischt. Zugleich ist die Rückgängigmachung der Judenemanzipatien das lebendigste Symbol für die Aufhebung der Idee der Menschenrechte.»» Die äußerste Grenze im Kampfe gegen das llberelistitche Zeitalter stellt natürlich die Aufhebung der Glaubens• und Gewissensfreiheit dar. Die zwangsweise Konfessionalisierung von Freidenker- hindern nimmt die Kirche gerne eis Geschenk an. Aber die A*t wird auch an ihre eigenen Wurzeln gelegt. Bei der protestantischen Kirche spielt sich eine wahre Tragödie ab. Katholikenhaß großer protestantischer Kreise wer ein Faktor gewesen, der Hitler«ur Macht emporgetragen hatte. Aber seinem Wesen und seinem Italienischen Vorhilde nach ist der Faschismus viel eher ein entarteter Katholizismus, ein römisches Gewächs. So steht wider Erwarten neuer Protest im Schöße der Kirche gegen den Faschismus auf. Die politische Bedeutung dieses Kirchenstreite« darf nicht überschätzt werden- Die könnte sich erst einstellen, wenn die Nachfolge Luthers dessen altes Unrecht an Thomas MUnzer wieder gutmachen würde. Das liegt jenen deutsch- nationalen Kreisen fern. Kulturell aber bleibt jener Streit ein Symptom von Bedeutung, weil hier an der äußersten Grenze der Gesellschaft dem upaufhaltsamen Siegeszug des totale«, Staates ein Halt zugerufen worden Ist. Der Terror Die Mittel, mit denen der Faschismus seine Ziele erreicht hat, sind nach machiavellistjschem Rezept gestaltet. Jedes Mittel ist recht und es herrscht ein vollkommener Eklektizismus in ihrer Auswahl: Terror und Heuchelei, Schmeichelei und Drohung, ständiger Wechsel von Zuckerbrot und Peitsche, Geheimdiplomatie und Massenmobilisierung. Ueber die Schauerlichkeiten des Hitlerterrors braucht man bei einem Rückblick kein Wort zu verlieren. Sie sind uns allen bekannt. Sind nicht aber andere Revolutionen, die wir bejahen, auch terroristisch gewesen? Es ist jedoch die besondere Form des nationalsozialistischen Terrors, die jedes Rechtsgefühl empört und des Gewissen der Welt keine Minute zur Ruhe kommen lassen dürfte. Es ist der tückische, heuchlerische, barbarische Sadismus, der de« seit vielen Jahrhunderten nicht mehr Dagewesene bedeutet. Man bekennt sich nicht zur Tötung des Gegners, sondern„erschießt ihn auf der Flucht", man macht den Feind im einseitig geführten Bürgerkriege nicht zum Kriegsgefangenen, sondern demütigt, verhöhnt,„erzieht" ihn in der Strafkompagnie des Konzentrationslagers- Man erneuert die Prügel- und Foltermethoden, denen gegenüber die Schilderungen der Sklevenhalterei in„Onkel Toms Hütte" zum Idyll werden. Neben dem brutalen Terror und den Methoden der trockenen Gleichschaltung steht die Entfesselung des Messendeliriums. Bei der größten Gesinnungslosigkeit, die sich auch im ästhetischen Stile ausdrückt, liegen hier wie in aller Verbindung mit der Technik der Propaganda die stärksten Begabungen dea Nationalsoaialismus. Aus wilhelminischer Sedanfeier, Wagner-Oper, kultischem und zünftigem, mittelalterlichen Fest, italienischem und sowjetrussischem Propagandastil, wird die nationalsozialistisch» Festkultur zusammengebraut. Die Welt als Festwiese und Konzentrationslager— das ist die Grundkonzeption des deutschen Faschismus, das sind die Symbole, die das Jahr seiner Maehtergrei- fung trägt. Vom Endresultat der Entwicklung aus kann man auch ihre bestimmten Phasen gliedern. Das Endresultat ist eben der totale Staat, in dem Partei, Staat und Gesellschaft zu einer Einheit, nicht mehr unterschejdhar, verschmolzen sind. Ein Resultat, wie es in der sogenannten Reichstagswahl des 12. November und im Eintritt der zivilen und militärischen Parteispitzen als solche in die Regierung zum Ausdruck kommt. Dieses Resultat ist durch die Vernichtung der Gegner wie der ursprünglichen Bundesgenossen erreicht worden. Diese Vernichtung vollzieht sich nach einem Plan, dessen strategische Konsequenz auf die Mitarbeit früherer Generalstäbler hinweist. Jahrelange Propaganda hat die Artillerievorbereitung gegenüber den feindlichen Stellungen dargestellt. Dann setzt nach der Machtergreifung am-10. Januar im ersten Monat eine Bereinigung des Vorfeldei ein. Es sind die Wochen des Todeskampfes der Weimarer Republik, in denen die Ausrufung der bayerischen Monarchie zur— letzten Hoffnung der deutschen Republikaner wird, die Wochen, in denen die polizeiliche Unterstützung des Terrors beginnt, in denen die Zeitungsverbote immer häufiger werden, in denen der Wahlkampf bereits im Zeichen von Wahlen unter einer Diktatur steht. Die Reichstagsbrandstiftung ist dann der letzte schlagartige Feuerüberfall von ungeheurer Wucht, der die feindlichen Stellungen sturmreif macht. Mit den Reichstagswahlen des 5. März beginnt der große Hauptsturm, der sich in eine Reihe von Einaelputschen»erlegt, die durch die Slproaentige Majorität und den Besitz des Machtapparatet unterstützt werden. In einer für die Geschichte moderner Revolutionen ungewöhnlich lehrreichen Kombination einer von oben ausgebenden und von unten herkommenden Bewegung werden die Widerstände in den Ländern, Gemeinden, in der Presse, In den gegnerischen Parteiorganisationen niedergewalzt. Bis zum 21. Märt erfolgt die„nationale Revolution" in Aufrecht« erhaltnng der B«indesgenossenstpolitik Trumpf wurde und der All- deutsche Verband mit großem Lärm neben einer umfassenden Kolonial- und europäischen Eroberung»- Politik die Zusammenfassung des gesamten Deutschtums aller Staaten zum Herrenvolk mit Einschluß der nieder- ländischen Völker erstrebte. Diese Bestrebungen, denen sich nach anfänglichem Widerstreben die Reichsregierung auf dem Wege über Akademiker und Offizierkorps mehr und mehr anpatzte, waren es, die neben der Flotten- und allgemeinen Weltpolitik schließlich die ganze Welt gegen Deutschland einigte. Im Weltkrieg verbreitete England unter der Ueberschrift:„Was Deutschland haben muß" Weltkarten, auf denen die Länder, die von alldeutscher Seite für Deutschland beansprucht worden waren, mit ge- nauer Quellenangabe rot gefärbt waren. Es war fast die ganze Erde! So hatte es auch schon der Germanendichter Felix Dahn ausgesprochen, als er dichtete: Thor stand am Mitternachtsende der Welt. Die Streitaxt schwang er, die schwere: „So weit der sausende Hammer fällt, Ist m e i n das Land und die Meere!" Und es fuhr der Hammer aus seiner Hand, Flog über dieganzeErde, Fiel nieder an fernsten Südens Rand. Daß alles sein Eigen werde. Drum ist es freudig Germanenrecht, Mit dem Hammer Land zu erwerben. Wir sind von des Hammergottes Geschlecht Und wollen sein Weltreich erben! Schade nur, daß dieses Erbrecht nicht allerseits aner- kannt wird. IL Es begreift sich, wie eine so anmaßende, von Sieges- gewißheit trunkene Herrenschicht sdenn alle diese Herr- schaftsansprüche galten nur für die Herren, nicht für die Masse des deutschen Volke», die sie verachten und deren tiefste Knechtung, wie sie nun im Dritten Reich geglückt ist, sie immer erstrebten) von der N i e d e r I a g e betroffen werden mußte, die noch durch unnötige Härte des Siegers und durch manche Ungerechtigkeit verbittert wurde. Wenn die Entente darauf ausging, der schwachen deutschen Repu- blik jede Lebensmöglichkeit zu unterbinden und ihren geschworenen Feinden die Macht in die Hände zu spielen, dann ist ihr da» glänzend gelungen. Um so besser, da die Republik nicht den Mut fand, ihre Verständigungspolitik durch klaren Bruch mit dem reaktionären Nationatismus zu stärken und al» Vorkämpferin der europäischen Ein!« gung die Führung der nationalen Minderheiten und der neutralen Kleinstaaten zu übernehmen. Nun hat der zum Tode verurteilte Kapitalismus sich noch einmal in furchtbarem Fieberwahn aufgebäumt und alle Errungenschaften der Republik, ja aller aufstrebenden Generationen seit dem Mittelalter mit rohem Fuß zer- trampelt. Und sofort ist der nationale Größenwahn in alldeutscher Form giofelhoch angeschwollen. Keinen Ver- ständigen darf der Nebel des Friedensgeredes täuschen, hinter dem der„Hammer" der Eroberungspolitik ge- schmiedet wird. Bereits sind die Fäden über die ganze Erde, bis Buenos Aires und Kapstadt, gesponnen, werden die Wühlereien gegen die Sowjetunion wie gegen Polen, Frankreich, das britische Reich und alle germanischen Nach- barstaaten betrieben. Mit Vollgas hinein in die Kata- strophe! Wie aber wirkt das auf die Deutschen jenseits der Grenze? Ein großer Teil ist. dank der langen reaktionären Vor- arbeit und der Klassengemcinschaft mit der heimischen Herrenschicht, mit Pauken und Trompeten zu Hitler ge- stoßen. Die planvolle Propaganda- und Korruptions- arbeit der Göbbels-Agenten hat natürlich ihren Anteil an diesem Erfolg, den nur die„vaterlandslose" Arbeiterbe- wegung, die z. B. in Sudetendeutschland eine Macht ist. scharf bestreitet. Es ergibt sich auch hier die Folge, wenn die Pertreter des Deutschtum» sich in die fluchwürdige braune Front eingereiht haben, daß alle freiheitlich ge- sinnten Deutschen, vorweg alle Sozialisten, die Verbindung mit ihr lösen, um ihr Deutschtum besser zu wahren als durch Verstärkung der Verbrecherzunft. Ja, schon zeigt sich die verhängnisvolle Wirkung für das Deutschtum über- Haupt. Schon hat ein führendes Blatt der deutschen Schweiz erklärt, wenn das Deutschtum dieser Schweizer den Vor- wand abgeben solle, sie mit Gewalt ins Hitlerreich zu bringen, dann würden sie eher auf ihre deutsche Sprache verzichten, als ihre Freiheit und ihr Menschen- recht, ihre übernationale Staatlichkeit zu opfern. Den 16 Millionen O st j u d e n, die einen ererbten mittlhoch- deutschen Dialekt mit erstaunlicher Treue als Muttersprache bewahrt und eine Brücke für deutsche Bildung und Wirtschaft bis nach Asien gebildet haben, hat die kein Haar krümmende Nordrassenpolitik gewaltsam— soweit sie nicht al» Marxisten das deutsche Arbeitervolk von seinen Zwingherren zu unterscheiden wissen— die Deutschfreundlichkeit ausgetrieben. Und wer kann zweifeln, daß die Hitleritis, die nicht nur im Saarland die deutsche Front zerbrochen hat, die Nachbarstaaten noch ganz anders als früher die Bismarck- und Bülow-Politik zu einer Ab- wehrpolitik gegen die alldeutsche Maulaufreißerei treiben wird, die den innerlich gespaltenen deutschen Minder- heiten weitere Stücke ihrer deutschen Eigenart rauben wird? So ist die Politik der absoluten Bösartigkeit, die heute unter nationaler Verbrämung im Reiche getrieben wird, eine Totengräberei nicht nur für Menschlichkeit und Frei- heit, sondern auch für die Zukunft des deutschen Volkes innerhalb und jenseits der Reichsgrenzen. Wer Deutschtum will, ehrlich und auf die Dauer, muß die braune Pest ausrotten helfen. G. Japans Angriff sabslditen Und der friede im fernen Osten Moskau, 26. Januar.(FSU.) Das japanische Han- delsministerium und der Handelsminister Hirota haben in Erklärungen gegen die in der W>'tpresse verbreitete Be- hauptung protestiert, Japan bereite den Krieg vor. Japans Beschwerde richtet sich vor allem gegen das Auf- treten führender Sowjetpolitiker, die in ihren Reden von den kriegerischen Absichten Japans gesprochen haben. Tie friedliebenden Erklärungen der führenden japanischen Politiker stehen leider in einem zu krassen Gegensatz zur politischen Betätigung der japanischen Regierung und insbesondere der Militärkreise, als daß man an ihre Auf- richtigkeit glauben könnte. Die Erklärung des Außen- Ministeriums spricht von„Kriegsgeschwätz" und Minister Hirota unterstreicht, daß Japan ausschließlich den ge- schaffenen Zustand in der Mandschurei aufrechterhalten wolle. Dem müssen folgende Tatsachen entgegengehalten werden. Japan hat als einzige Großmacht die Unter- Zeichnung eines Nichtangriffspaktes mit der Sowjetunion verweigert. Japan hat den Versuch des Völkerbundes, die territoriale Integrität Chinas mit den ihm zur Ver- fügung stehenden Mitteln zu sichern, mit dem Austritt aus dem Bund beantwortet. Japan hat sich nicht darauf beschränkt, die„Selbständigkeit der Mandschurei" zu sichern, sondern hat mit Hilfe seiner Truppen diesen Jugoslawien Erneuerung des Sozialismus Für den 3. und 4. Februar ist der Parteitag der jugo- slawischen Sozialisten einberufen, der die Neugründung der sozialdemokratischen Partei Jugoslawiens zu be- schließen haben wird. Ein Aktionsausschuß, dem Ver- treter der Arbeiterbewegung aus allen Teilen des Landes angehören, erläßt zu diesem Kongreß einen Aufruf, in dem es heißt: „Nur die von jedem engstirnigen Nationalismus und Etiauvinismus freie Sozialdemokratie verfügt über ein po- sttiveS Programm für planmäßige ArbcttSverteilung zwi- schen den Völkern, Schaffung Internationaler Wirtschaft» lichcr Znsammenarbeit, Eindämmung des gegenwärtigen internationalen wirtschaftlichen Vernichtungotampfeß. Nur eine friedliebende Demokratie fener, welche von ihrer Arbeit leben und nicht nach der Ausraubung anderer ftrc- ben, hat ein positives Programm hinsichtlich der Durchfüh- rung internationaler Abrüstung, Schaffung einer großen Weltgcmeinschaft, welche aüe Kriege unmöglich machen, der Welt den Frieden, allen Völkern aber friedlichen Genuß nationaler Freiheit, ohne nationale Erniedrigung und Be- drückung sicher» wird. Von dieser Ucberzengung geleitet, dem Wunsche von Zehn- taufenden von Arbeitern und Angestellten in Jugoslawien entsprechend, haben wir mit Wisien der Sozialistischen Ar- beiter-Jnternationale Vorschläge für das Programm und Statut der Sozialdemokratischen Partei Jugoslawiens vor- bereitet. Tie Entscheidung über die Gründung der Partei sowie die Entscheidung über das Programm und Statut soll das kol- lektive Werk aller unserer Freunde, welche wir absolut in allen Gegenden unseres Landes haben, sein. Darum rufen wir alle unsere Freunde aus, daß sie sich in ihren Wohn- orten zu vertraulichen Besprechungen zusammenfinden solle», um die Vorlagen, die sie von uns bekommen werden, zu erörtern, dann aber auch um Delegierte zu bestimmen, welche sich am.3. Februar 1W4 in Veograd zu einer sreunbjchaft» lichen Zusammenkunft, in welcher über die Gründung der Sozialdemokratischen Partei Jugoslawiens, deren Pro- gramm und Statut Beschluß gefaßt wird, treffen werden. Selbstversorger in nerolsmns Skandinavier, schlechte nordische Rasse h. b. Die Skandinavier sind im„drittdn Reich" unten- durch. Sie haben den heutigen Machthaber« Deutschland», die sie als herrliche Vertreter der nordischen Edelrasse bezeichneten, eine Enttäuschung nach der anderen bereitet. Die vielen marxistischen Wahlerfolge der letzten Zeit haben nunmehr dem Faß endgültig den Boden aus- geschlagen. Man ist in Deutschland nicht mehr bereit, diese lächerlichen Dänen, Norweger und Schweden al» voll- wertige Angehörige der nordischen Edelrasse anzu- erkennen. Ter Nazigeheimrat Krumm hat es ihnen in einem Vor- trag, den er in den letzten Tagen im Schleswig-Holsteiner- Bund über das Thema„Nordischer und deutscher Heroi»- mns" hielt, deutlich gesagt; neuen Staat geschaffen, dessen bisheriger Präsident durch die Annahme des Kaisertitels feine Absicht kundgetau hat. seinen Herrschaftsbereich zumindest auf ganz Nord- china auszudehnen. Japan ermutigt die Loslösungsbestre- bungen der chinesischen Mongolei von China und unter- stützt die Propaganda des„Zusammenschlusses" der inne- ren Mongolei mit der Mongolischen Volksrepublik, die einer Eroberung dieses mit der Sowjetunion in freund- schaftlichen Beziehungen stehenden Staates durch einen japanischen Vasallenstaat bedeutet. Die Tatsache, daß am Vorabend der Erklärung Hirotas die japanischen Truppen ihren Vormarsch auf Tschahar begannen, wirft ein eigen- artiges Licht auf die Bedeutung dieser Erklärungen. Sie scheinen mehr dem Zweck zu dienen, die Tatsach« zu ver- bergen, daß japanische Truppen in Nordchina marschieren, als dem Frieden zu helfen. Der lokale Vormarsch japa- nischer Truppen in Tschahar im Augenblick der Kaiser- Proklamation in der Mandschurei und der Bildung eine» mongolischen Pufferstaates scheinen jeden Zweifel an den Angriffsabsichten Japans auszuschließen, wobei man gerne glauben kann, daß Japan nicht die Sowjetunion, sondern deren schivachen Verbündeten, die mongolische Volksrepublik, zuerst angreifen möchte. (Sonderinformation) „Das Schlagwort„Nordischer Heroismus", sagte er.„siebt im Zu-ammenbaug de» Rassepcdanken». nach dem Stand» navien die Heimat der an Körper und Geist ausgezeichneten nordischen Edelrasse ist. Hervismus aber ist hier weniger der Heldenmut des Kampfe», sondern vielmehr nach de», häufigen Ausspruch des Führers der sittliche Heroismus: Unterordnung, Öpsersreudigkeit, fa Enisagnng. Frage iir nun, ob dieser besonder» in Skandinavien vorbanden i,t und uns als Vorbild dienen könnte. Diese Frage ist nur bedingt zu bejahen. Einmal ist die rein« Rasse auch im N o r d e n st a r k gemischt, und trotz der heroischen Natur de» Lande» ist doch die vorherrschende LebenSstimmung mehr die deS Hcdo- niSmus als die des Heroismus. Das Gefühl der Rasiebrüderschait gegenüber den Deni- schen ist im Norden zur Zeit gar nicht io herzlich. Man ver- sieht uns da noch nicht, man will kein Pangermane sein, man redet von den„knrioien" Rasietheorien der Deutschen und spricht ihnen am liebsten die Zugehörigkeit zur germanlUbc» Rasie überhaupt ab, und die bestgemeinten Versuche der Ver- mittluna von unserer Seite schlagen noch sekl. «ei dieser S-ckla«, aber ist e» unser unwürdig um die Gunst, die mau»uS nicht schenkt. ,» buhlen. Entscheidend aber ist. daß wir, was wir suchen, selbst be- sitzen. Die Deutschen haben in Vergangenheit und Gegen- wart, in Leben und Dichtung genug an eigenem Herois- mns, so daß wir den fremden nickt brauchen. Gerade wir hier in unserem engeren Vaterlnnde haben, vor allem im Westen, eine heroische Natur. Die Deutschen haben in Vergangenheit und Geacnwart eine Geschickt,, die an heroischem Wert die der Skandina- vier weit übertrifft. Wir wollen den echten HerotSmu», der weniger«in Eigen- tum der Rasse als vielmehr der ewigen Aristokratie der Gesinnung in allen Völkern ist, i» wenn wir diesen in Skandinavien anträfen, gern anerkennen und nn» des Bundesgenossen im Kamps gegen den FudämoniSmns der De- mokratie freuen, aber wir wolle» daS Produkt, daS wir in der Heimat gut und besser haben, nicht erst ans der Fremde holen." Soweit der Herr Geheimral Krumm in Flensburg. Sollten seine autarkisch-heroistischen Grundsätze oll- gemeingültig werden, so wird man also in Zukunft die Skandinavier links liegen lassen. Sie werden darüber untröstlich sein. «rod gegen Wilhelm Die„monarchistischen Wühlmäuse" Bei einer zweitägigen Gautagung der NS.-Frauenschai- ten erklärte in einer Versammlung in der Stadthalle Mag>c- bürg Reichsstatthalter L o e p e r: Er nehme keinen Anstand, den monarchistischen Wühl- mausen zu sagen: Mein« Herren, erbeben Sie keinen Fi»- gcr für Ihre Ideen, wir schlagen Sie sonst, wie wir die Marxisten und die Kommunisten geschlagen haben. Komm»- niSmus und Untergang des Volke« drohten, wenn die Kluft wieder aufgerissen würde, die einst unter monarchistischer Führung im Staat geklafft habe. Deutschland sei Hitler- land! Nur wer dies« Tatsache anerkenne und sich rückhaltlos in den Dienst bei Ganzen stelle, sei ein wahrhafter deutscher Volksgenosse. 'Deutsche Stimmen•(Beilage zur Deutschen Freiheit"• Ereignisse und Geschichten Sonntag-Montag, den 28. und 29. lanuar 1934 „Adolf, Stülecs lütihnachtssiey tin Stück aus dec nationalen Volksbühne V Mut und JSoden Der Verlag G. Danner, Miihlhauscn i. Thür., gibt eine Reihe von Theaterslücken unter dem Sanimeltitel„N a t i o- n a 1 e Volksbühne" heraus. In ihr nimmt das einaktige Schauspiel„A dolf Hitlers Weih nachtssieg" von Heinrich Brand einen bevorzugten Platj ein. Es ist ein dramatisches Kunstwerk, das als Spiegelbild Deutschlands und seiner geistigen Verfassung um das Ende des Jahres 1933 immerhin dokumentarischen Wert besitzt. Der Verlag gibt folgende Inhaltsangahe des Stückes: „Heiligabend!— Doch in der Familie des Arbeiters Trachte darf es keinen Heiligen Abend und keinen Lichterbaum geben, denn Trachte ist Kommunist und fanatischer Hasser Adolf Hitlers. Vom Juden dafür bezahlt, geht er fort, um mit andern Kommunisten die zur SA.-Weihnachtsfeier eilenden Nationalsozialisten zu überfallen. Seinen Sohn Wilhelm hatte er schon vor längerer Zeit als Spitzel der SA. beitreten lassen, weill aber nicht, daß aus dem Saulus ein Paulus geworden ist. Wilhelm ist jetzt begeisterter Nationalsozialist. Trachtes Frau, Luise, ist echt deutsch und fest im Glauben. Sie ist glücklich, als sie aus ihres Sohnes Munde dessen Gesinnungsänderung erfährt. Ja. sogar ein Christbäumehen bringt er mit. das erste seit siechen Jahren Dann geht er zur SA.-Weihnachtsfeier, und Mutter schmückt inzwischen das Bäumchen. Trachte kehrt zurück Als er den Baum sieht, will er ihn mit seinem Stock vom Tisch schlagen. Luise fällt ihm in den Arm und sieht, daß Blut an dem Stock klebt. Sie ahnt Schreckliches, und schon bringen SA.-Kameraden ihren Sohn, der in der Dunkelheit vom eigenen Vater hinterrücks niedergeschlagen worden ist. Trachte packt die Reue. Und als er das vom felsenfesten Vertrauen zu Adolf Hitler erfüllte Bekenntnis seines Sohnes hört, kommt auch er zur Erkenntnis, daß er nur verhetzt und sein bisheriger Weg ein Irrtum war. Während der Lichterbaum brennt und die W eihnachtsglocken läuten, hängt er selbst das Bild Adolf Hitlers, welches Wilhelm mitgebracht hatte, an die Wand." Einzelne Dialogstellen aus dem unvergänglichen Werk mögen zur Illustration folgen: J ade: Recht so, Trachte!(zischend:) Genossen, es ist bald so weit. Ich rate euch, geht getrennt. Ihr geht vor und Trachte, du folgst ihnen unauffällig. An bestimmter Stelle verteilt ihr euch, und wenn ein Trupp Nazis kommt, dann Führung Adolf Hitlers dem deutschen Volk die Freiheit wiederbringen wird. Luise(beglückt): Junge, wie freue ich mich, daß du den finsteren Kommunisten den Rücken gekehrt hast! Wenn doch dein Vater auch endlich klug werden wollte! Wilhelm: Mutter, hah Geduld. Ich werde nachher V ater alle» erzählen und du sollst sehen, dann wird er auch andern Sinnes werden. Dem Lichterglanz des Weihnachtsbaumes wird er nicht widerstehen können. Trachte(zornig): Du weißt doch, Weihnachten gehört nicht zum kommunistischen Programm. W ir bekämpfen jeden Götzendienst. Ith genieße bei der Parteileitung das größte Vertrauen, und da wagst du es. gegen meinen Willen zu handeln? Denkst du nicht daran, daß ich verloren wäre, wenn die Kommunisten demnächst im Staate die Macht ergriffen haben? (Der Jude kommt zufrieden grinsend und Hände reihend von rechts. Beim Erblicken des Weihnachtsbaumes tritt er entsetzt zurück.) Wilhelm: Das ganze Volk liegt ihm(Adolf Hitler) am Herzen, aber niemand mehr als der notleidende Arbeitsmann. Unsern Stand will er der Nation zurückerobern. Uns will er mit eingliedern in das Fundament des„dritten Reiches". T rächte(begeistert): Wenn das wahr ist, dann ist Hitler der Mann, den ich schon lange gesucht habe!— Ja, dann——?(Er reißt das Bild Lenins von der Wand, wirft es krachend zur Erde und hängt das Bild Hitlers an die Stelle: Heil. Adolf Hitler!) Jude(indem er entsetzt, händeringend, unbemerkt fortschleicht): 0 Jehova! Mit unsrer Macht geht es zu Ende! Luise(streicht beglückt über die Häupter der Kinder): Kinder, vergeßt dieses W eihnachtsfest nicht, an dem euch das Christkind durch Adolf Hitler Vater und Bruder wiedergab! (Die Kinder schmiegen sich an ihre Mutter. Der Vorhang fällt langsam.) Nach dem Ausspruch eines anderen Deutschen— er hieß Ranke und war nur ein Geschichtsschreiber— ist auch das geringste Detail für die Historie von großer Bedeutung und so wird zweifellos auch dieses Bändchen Nummer 23 der Nationalen Volksbühne für den künftigen Kulturhistoriker schlagt sie nieder. Blut muß fließen.(Furchtbar gehässig:) interessant sein. Wer hätte es noch vor der Etablieruug des Blut!— Wißt ihr, Tote muß ihnen das Christkind bringen!„dritten Reichs" für möglich gehalten, daß in Deutschland (Alle lachen recht schmutzig.) solch ein Werk erscheinen könnte? Nun aber gibt es eine Jude: Nach getaner Arbeit geht jeder allein seinen Weg. Reichskulturkammer, eine Reichsschrifttumkammer, eine Reichstheaterkammer, und schon kündigt der gleiche Verlag Daß ihr mir aber nicht auffallt. Meine Zeitung wird den Fall dann schon rechtfertigen.(Er entnimmt seiner Geldtasche einen Geldschein und reicht diesen Trachte:) Hierein könnt ihr euch dann nachher teilen. Wilhelm: Mutter, ich sah Männer weinen, als über hunderttausend Kämpfer in einer Woge von Begeisterung ihr Treugelöhnis zu ihrem Führer erneuerten. Da wurde auch ich mitgerissen. Ich erlebte die unlösbare Schicksalsgemein- schaft mit diesen Menschen. So. Mutter, wurde auch ich ein Glied des braunes Heeres, welches, das glaube ich, unter der ,Auf dec Huckt erschossen" (Ein SA.-Roman 1933) Im Verlag Carrefour-Paris, Preis geheftet 15 Franken, gebunden 20 Franken. Walter Schönstedt, bekannt durch seine erfolgreichen Romane„Kämpfende Jugend" und„Motiv unbekannt" sowie durch seine in vielen deutschen Zeitungen erschienenen Novellen hat einen neuen Roman geschrieben. Es sind die Ereignisse in Deutschland von Januar bis Ende 1933, die in den Mittelpunkt dieser realistischen und doch so spannend geschriebenen Erzählung gestellt worden. Ein SA-Mann aus dem Proletarierviertel Berlins kämpft mit Ueherzeugung und Begeisterung für Hitler. Seine Zusammenstöße mit der..Kommune" werden geschildert. Er ist bei den Siegern nach dem 30. Januar 1933 und erfährt nun die folgen des Sieges für den einfachen SA.-Mann nach dieser „Machtergreifung". Langsam, aber stark wirken die neuen Eindrücke auf ihn. Er sieht nichts von der Beschlagnahmung der Großbanken, er sieht nichts von der Beschlagnahmung der großen Güter, von der Verstaatlichung der Riesenbetriebe, der Berg- und Eisenindustrie. Alles bleibt aus, was einstmals versprochen wurde als Taten, die nach der„nationalen Revolution" kommen würden. Nicht die Blutsauger am deutschen Volk, die Großkapitalisten, Krautjunker, Zinswucherer und Bankfürsten sieht der einfache SA.-Mann im Konzentrationslager, sondern nur Kommunisten, Sozialdemokraten und kleine. Juden. Die werden da geprügelt und gemartert, mit ihnen treibt der Sadismus anormaler Menschen sein grauenhaftes Spiel. Viele werden zu Tode gequält und„auf der Flucht erschossen". Der Vater unseres SA.-Mannes, ein Sozialdemokrat, setzt sich mit dem Sohn auseinander. Der SA-Mann schwankt wird unsicher und. erkennt zuletzt die Schurkerei, die man mit ihm und zehntausenden seiner Genossen und Kameraden getrieben hat. Unser SA.-Mann findet den Weg zu den Antifaschisten, die er vor einem Jahr noch auf Befehl des in Dienst des Kapitalismus stehenden Hitlerfaschismus hassen und bekämpfen mußte. Ueberzeugend und klar wirkt die psychologische Erfassung des Milieus, in dem sich SA.-Mann und Kommunist bewegen, auf den Leser. Walter Schönstedts Art der Darstellung, die knappe Zeichnung der jugendlichen Charaktere, der miteinander ringenden Gruppen wirkt bestrickend, zumal man doch immer wieder die Gestalten in ihrer Vielfältigkeit lebendig und echt vor sich sieht. Seite für Seite lernt der Leser begreifen, warum es so kommen mußte, warum es so wurde Der Dichter kennt diese Jugend, die aus der Wirtschaftsnot, ans der Erwerbslosigkeit unserer Zeit in das Geschehen der Gegenwart hineinge- „ImSoldedesVolksfeinde g", Spiel aus dem Leben in 1 Akt für 6 Herren und 1 Dame von Hermann Streiter, „Rettung!", drei Akte Gegenwart von Walter Therwall und „D eutschland erwache!", Schauspiel in 3 Akten für 12 Herren und 3 Damen von Hermann Streiter. Deutschland wird bestimmt erwachen. Wenn auch nicht bei diesem Stück! schlittert wurde. Für viele ist Schönfeldts Roman„Auf der Flucht erschossen" gleich einer Offenbarung über das Geschehen und neue Werden in Deutschland, dag Hitler und seine Trabanten dereinst von der Macht ablösen wird. Die gärenden Kräfte, das revolutionäre Wollen, das unter der Decke brodelt und schafft, werden jedem begreiflich und zeigen, von wo aus der Sozialismus und die Befreiung der Menschheit vom Barbarismus des Kapitals einsetzen wird. Es ist ein spannender, den Leser packender Roman, den Walter Schönstedt uns geschenkt hat. Sie brachten Lübbe dreifach zum Schweigen? erst töteten sie den Geist und das W ort, dann zwangen sie ihn. sich dem Richtbeil zu neigen, dann schleppten sie hastig den Leichnam fort Der vergiftete Körper des Toten wußte, warum der Lebende schweigen mußte. Doch unter der braunen Scholle verborgen— so meinen sie— liegt das Geheimnis gut, nie wieder— so scheucht jeder Mörder die Sorgen— erhebt sich zum Lichte, was drunten ruht. Seit die Hitler und Göring das Land beflecken, hat deutsche Erde viel Blut zu decken. Doch einst furcht eiserner Pflug den Boden und kräftige Fäuste gehen daran, Geheimnis und Blutschuld auszuroden, daß endlich die Wahrheit zutage kann. Auch van der Lübbes Grab wird zerbrechen— und dann wird der Schweigsame dennoch sprechen. H u gi n, Jiuchcektante mit JUicteistellen Eine durchsichtige Warnung In einer hitleramtlichen Verlautbarung heißt es: „In den letzten Monaten häufte sich im Buchhandel der Gehrauch von Dankes- und Anerkennungsschreiben zu Reklamezwecken. Nicht' nur Dankesschreiben von Privatpersonen, auch solche von Behörden und führenden Stellen der NSDAP, wurden auf Prospekten und Werbebriefen mit faksimilierten Unterschriften abgedruckt. Manche Verleger haben sogar planmäßig Büchergeschenke an Reichsstellen oder Parteistellen gemacht mit der Absicht, die einlaufenden Quitlungsschrciben, die naturgemäß stets ein Wort des Dankes enthalten, zu eigennützigen Werbezwecken zu verwenden. In diesem Augenblick wird aus dem G e brauch(der an sich schon wenig schön ist und an Reklame für pharmazeutische Präparate erinnert) ein M i ß- brauch. Der Stellvertreter des Führers hat schon vor einiger Zeit— in Erkenntnis dieses Mißstandes— angeordnet, daß die Reklame mit Parteistellen ganz allgemein zu unterbleiben habe. Einige Verleger, die sich durch diese Anordnung anscheinend nicht getroffen fühlten, sind in diesen Wochen nochmals einzeln vor dem'weiteren Mißbrauch gewarnt worden. Wir geben diese Warnung hierdurch allen Verlegern, Vertriebsstellen und Buchhändlern bekannt und bitten, die jetzt noch auftauchenden Prospekte und Werbebriefe, die Urteile und Danksagungen amtlicher oder halbamtlicher Stellen zur Unterstützung der Werbung anführen, der Reichsschrift um- kamraer, Berlin W 8, Mohrenstraße 9, IV., zuzuleiten." » Hinter dieser Warnung steckt mehr, als der naive Leser meint. Die„Deutsche Freiheit" veröffentlichte eine ganze Anzahl solcher Empfehlungsbriefe. Dabei handelt es sich immer um ganz bestimmte Bücher, nämlich um w e hr- wissenschaftliche und mi.litär i s c h c;. In den sogenannten Empfehlungsbriefen teilten die verschiedenen SA.- und SS.-Fiihrer ihre militärischen Erfahrungen mit den verschiedenen Handbüchern mit. Man erfuhr also aus diesen Briefen allerlei über die Tätigkeit von Arbeitslagern, Luft Schutzvereinigungen usw. Kenntnisse über diese Dinge will das Nazisystem nicht in die Oeffentlichkeit lassen und daher sollen von nun an die Briefe nicht mehr gedruckt werden dürfen. Man erwägt sehr lebhaft, die Anzeige militärischer Literatur im Buchhändlerbörsenblatt zu verbieten, es sollen in Zukunft solche wehrwissenschaftliche, luftschiitzerische und ähnliche Bücher nur noch in den nichtöffentlichen SA.-Be- fehlsblättern und anderen Mitteilungsschriften, die nicht öffentlich sind, angezeigt werden dürfen. Die ganze Literatur aber, von dehen die Nazi meinen, sie sei geheim, kommt natürlich ebenfalls in die Hände der antifaschistischen Kämpfer. Es wird also den Herren bestimmt nicht gelingen, ihre Tätigkeit zu tarnen. Immerhin sollen ihre Bemühungen als Beweis für die Naivität der Herren verzeichnet werden. Die loten von ffiasel Zwei Produkte des sturenirm««aaifl Za—naiaHivi, SaaSiiant,«aiaa mm» tltsn Hcoduits JWimid n, lodmrc B. t, r» H. Um« JUläS, Sei San«• rta« JsMws 4 Hut**«ancalft mmtme MTZStlt D-tc Doktor Wachtel ■n«f Doktor Axel Haren, Blut« uad Ha.tkrankb.itM 123, Bd. Sfbastopol.— Sprechstunden v. 9—12 u. 2—8 Uhr; Sonntags vormittags Naae, Hals, Ohren: Sprechstunden täglich von S— 7 Uhr. Bittgottesdienst für die Juden Am Sönntagvormittag fand im Münster ein feierlicher Bittgottesdienst für die verfolgten und vertriebenen Juden statt. Ein temperamentvoller Priester richtete seine Ausführungen gegen den Rassenwahnsinn und gegen die Judenhetze, die übrigens auch im Elsaß gelegentlich zu bemerken ist. Als der Gottesdienst beendet war, verteilte vor dem Münster die„Neue Front", eine Organisation, deren Ziele man bis jetzt noch nicht recht zu erkennen vermag, die aber gelegentlich schon antisemitische Töne angeschlagen hat, stillvergnügt ihre Flugblätter. Man haßt zwar das System der Demokratie, doch seine Freiheit nimmt man gerne in Anspruch. Gegen den Faschismus Im Zusammenhang mit den verschiedenen Skandalaffären richtet sich auch hier die Sehnsucht vereinzelter Staatsbürger nach dem„starken" Mann. Ein nüchternes Bild von den Möglichkeiten einer faschistischen Bewegung im Elsaß zeichnet Herr L. M i n c k, der Chefredakteur der„R e p u b 1 i- cj u e". Er schreibt u. a.:„Die Rheindepartements sind zweifellos die französischen Departements, in denen der Faschismus, in welcher Form er auch auftauchen mag, am wenigsten Aussicht hat, durchzudringen. Die ganze elsässische Tradition, die gesamte elsässische Geschichte legen davon Zeugnis ab, daß die elsässische Mentalität tief demokratisch und daher sozusagen ihrer Natur nach jeglichem Gedanken einer Diktatur feindlich ist. Der Elsässer hat einen angeborenen Freiheits- s i n n." 120 000 Franken geraubt In den Abendstunden Uberfielen am Taulerring mehrere Banditen, die in einem gestohlenen Auto angefahren kamen, einen älteren Herrn, dem sie die Aktentasche entrissen. Als der Herr ihnen nachstellen wollte, gaben sie einen Schuß auf ihn ab, schwangen sich ins Auto und verschwanden, ohne daß es der Polizei bis jetzt gelungen wäre, eine Spur von ihnen zu entdecken. In der Tasche befanden sich 120 000 Franken. Das wahrscheinlich gestohlene Auto wurde später am Universitätsplatz aufgefunden. Da« Vermächtnis eine« Pfründners Obwohl völlig verarmt, spendete ein Insasse des hiesigen Spitals, von dem er als Bürodiener ein bescheidenes Taschen- geld bezog, kurz vor seinem Ableben den Armen die beträchtliche Summe von rund 6000 Franken, die er sich im Laufe der Jahre von seinen bescheidenen Einkünften erspart hatte. Das Gaswerk überwies den städtischen Armen den Zinsertrag aus den Kautionsgeldern der Kunden. Die Summe ist 45 000 Franken. In der Woche mit 15. bis 20. Januar wurden auf der städtischen Sparkasse 6,5 Millionen Franken neue Spargelder eingezahlt. Der Mitgliederstand der Allgemeinen Ortskrankenkasse atieg bis zum 13. Januar von 71 371 auf 71 651, es wurden rund dreihunderttauaend Franken Krankengelder ausgezahlt. Drei bedeutsame Kunstausstellungen Nach der mit einem so großen Erfolg abgeschlossenen Leo- Schnug-Ausstellung im Elsässischen Kunstbaus lernt man jetzt in der„Galerie Aktuarius" Richard Brunck de Freundeck in seinen neuesten Schöpfungen kennen. Jacques G a c h o t gewährt im Elsässischen Kunstbaus einen tiefen Einblick in sein Schaffen, während in der„Librairie de la Mesange" Isabella Kummer ihre neuesten Werke zeigt. In allen drei Ausstellungen vermag man sich mit elsässischen Künstlern von Rang und bemerkenswertem Niveau bekannt zu machen. Internationales juristisches Büro Das hiesige„Comite d'Information et d'Aide", das vielen Flüchtlingen Auskünfte erteilte, hat seine Tätigkeit eingestellt. In diesem Zusammenhang ist es von Interesse, daß in Strasbourg. 8, rue des Francs-Bourgeois, Building, chambre 93, ein bekannter süddeutscher Rechtsanwalt ein„Internationales juristisches Büro"(„Gabinett Juridique International") eröffnet hat, das sich insbesondere befaßt mit Beratung und Bearbeitung von deutschen Rechtsangelegenheiten und Pro* Jack Hylton feiert Triumphe In einem stark besuchten Konzert brillierte am Donnerstagabend im Sängerhaus Jack Hylton, der bekannte Jazzmeister. Das Publikum feierte die sympathische Künstlerschar. dir den Straßburgern einen recht vergnüglichen Abend zu bereiten wußte. 20 Jahre Weltgeschichte in 700 Bildern■' Einleitung von Fr. Sieburg Gelegenheit*-Angebot statt 29.31) Fr.-et** nur 8,55 Fr. Sofort zu beziehen durch BUCHHANDLUNG de. „Volks stimme" Saarbrücken. Bjhobol.tr. Neaokircbrn, HatCenborc.tr Auch die„Kleine Anzeige" in de. „Deutschen Frei heit"orinqtErtoip Cablnet Juridique International International. Juristisches Büro ftras&ourg 8, rue des Francs«Bourgeois. Bullding, chambre 93. Beratung und Bearbeitung von deutschen Rechtiangelegenheiten und Prozessen- Wirtschafts- und Finanxberatung- Vermögensverwaltungen- Treuhandtätigkeit. Drei Betrüger—„Le credit pour tous" Obwohl sie gar nicht geschickt zu Werke gingen, verstanden es drei Betrüger, die unter der Firma„Le credit pour tous" Kunden anlockten, ihren Opfern mehrere tausend Franken abzuschwindeln mit dem Versprechen, daß sie ihnen darlehensweise Geld verschaffen könnten. Sie ließen sich dauernd Kostenvorschüsse bezahlen, verschafften ihren Kunden aber kein Geld. Jetzt sitzt das Kleeblatt in der Fadengasse. „Salome" und„Carmen" waren die Zugstücke des diesjährigen Programms'in Stadttheater. In den Kinos sah man einige gute Filme. Weiß F r e d 1 erfreut mit seinem„Schützenkönig" schon in der dritten Woche das Straßburger Publikum. Fußballsport Mit seinem außergewöhnlichen Sieg, den„Racing" am vergangenen Sonntag in Valenciennes erringen konnte, setzte sich dieser bekannte Berufsspielerverein unter die vier ersten Vereine im Wettbewerb der Gruppe Nord um die französische Meisterschaft. Am c onntag spielt„Racing zu Hause gegen A m i e u s. Im Vorspiel verloren die Straßburger 3:2. Sie werden vermutlich am Sonntag die Niederlage wettmachen! D. Pas Neueste Die Tiroler Rationalsozialisten Haben, wie der.Völkische Beobachter" meldet, wieder einmal ein Husarenstück geleistet, das an Kühnheit nicht viel hinter der Befreiung des Tiroler «Bauleiters Hoser zurücksteht. Es gelang ihnen, ans der von Gtarhembergs Leuten scharf bewachten Hanptkanzlei der Heimwehr-LandeSleitung in der WUHelm-Grell-Stratze in Innsbruck die Iturmsahne der Heimwehr- Gausturm- kompanie Hötting, die sogenannte.Penzplatte", z««nt- führen, lieber die Nordkette brachten sie diese über die Grenze. Bei der schwierigen Ueberqnernng der Gedirgd- ketten glitt der Fahnenträger kurz vor dem Atel and und stürzte so unglücklich, dah er fich am Knie erheblich»erletzte. Seine Kameraden mutzten ihn aus zusammengebundenen Skiern über die Schneeselder schleifen. Zu der britischen Flottenkonferenz im Hasen von Siaga, pore find sechd Bombenflugzeuge ans dem Irak eingetroffen, die einen Bersnchoflug ausführen. Die täglichen Hebungen zweier Torpedo-Bombenslngzeng-Geschwader znsamme« mit Flugzeugen des im Hasen liegenden Flugzeug-Mutterschiffes „Eagle" rufen bei der Bevölkerung lebhaftes Interesse hervor. Der Ministerrat Oesterreichs hat beschlossen, alle Be- amteu und im Staatsdienst Angestellten zu entlasten, salls ihre Bestrafung wegen bestimmter BerstStze gegen Regie- rungsverordnungen erfolgt. In der bulgarischen Hafenstadt Borna explodierte in der Nacht znm Freitag in der Adventistenkirche eine starke Sprengladung. ES wurde grober Sachschaden angerichtet. Menschen sind nicht z« Schaden gekommen, da die Kirche leer war. Der Täter konnte noch nicht geiaht werden. Der Reichsminister des Inner» hat die Unterrichts- minister der Länder gebeten, anzuordnen, datz am 39. Januar, an dem sich der Tag des Regierungsantritts des Bolls- kanzlers Adolf Hitler und damit der«Geburtstag des nationalsozialistischen Staates zum erstenmal jährt, in de» Schulen der Bedeutung dieses Tages in würdiger Weise ge« dacht wird. Expreß mit 150 Kilometer Der mit 80,4 km die Stunde die Strecke Paris— Biarritz(798 Kilometerl befahrende Snd-Erpretz hat auf der elektrifizier- ten Linie der P. O.-Bahn Monnerville-Botsseaur—Chateau— Gaillard— Artenay, das ist eine 9 Kilometer lange, schwie- rige Strecke, eine Geschwindigkeit von 150 km die Stunde erreicht. Sie betrug an anderen Stellen 133 km die Stunde, bei ansteigendem Gelände 125 km die Stunde. Strasbourg Der lDodeniste Salon de CoiHnre pour Dames cnez \m\m Unter den Gewerbslauben 75 (1. Stock Telefon Nr. 44.10 Oaierwellei nach neuest. Systea 50. 6 Monat. Garantie Haarfärbei mit Iserts SO.- Blsadmaclis der Haare 15. Sämtliche Arbeiten werden nur von ersten Spezialisten ausgeführt, da ich in meinem Salon nur erste Kräfte beschäftige. Mini de. gaste.Tag v. SUhr trlld bis 7 Uhr abaada REICHSTAGSBRAND Neues dokumentarisch. Material zum Prozeß ffr. S.BO VOLK IN KETTEN Deutschlands Weg ins Chaos v. M. Klinger ffr. V.» MARX-ENGELS-BRIEFE aus den Jahren 1870-1886, bisher unveröffentlicht ffr. 34«- DER KAMPF EINER REPULBLIK Die Affäre Dreifus/ v. Wilhelm Herzog Standartwerk 1 lOOO Seiten I Originalphotos ffr. 47.- Librairie Populaire- STRASBOURG 2, rue Sddillot 2 ♦ Bei der Börse Pariser Berichte Pariser Siraßenkalendcr Der Vcrwaltunpsrat der französischen Sozialistenpartei setzte die Tagesordnung des am 10. und 11. Februar in Lille, stattfindenden außerordentlichen Parteitages genauer fest. Her reguläre Parteitag wird voraussichtlich Pfingsten stattfinden; der Ort ist noch nicht bestimmt worden. * Die„bayerischen Schwestern" Schmidt sind von dem zum 1 ode verurteilten Versicherungsmörder Sarret bei seinen neuen Geständnissen, mit denen er die Aufschiebung der Hinrichtung zu erreichen sucht, auch der Spionage gegen Frankreich während des Krieges bezichtigt worden. Wie man sich aus dem Prozeß in Aix erinnert, waren die beiden Bayerinnen während des Krieges in Frankreich nicht in einem Lager interniert. • In der sogenannten solle des pas perdus des Bahnhofs St. Lazare wurde bei freiem Eintritt eine Ausstellung von Schiffsmodellen eröffnet, in der man u. a. Barken vom Nil aus dem 3. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung sieht, ferner eine phönizische Galeere, ein Segelschiff aus dem 5. Jahrhundert, und Modelle der neuesten Dampfer. * Dem Vernehmen nach wird Joseph Roth demnächst bei hohem Eintritt eine Wohltätigkeitsvorlesung für die jüdischen Emigranten in Paris halten. » In der Pariser Akademie der Medizin wurde die überraschende Mitteilung gemacht, daß die Propaganda für Wein- liauben in den Großstädten den Konsum dieser Früchte um 40 Prozent gehoben hat. Furtwängler in Paris In der ersten Pressenotiz über das bevorstehende europäische Konzerttoune des Berliner Philharmonischen Orchesters war der Plan Furtwänglers, auch in Paris wieder zu gastieren, zartfühlenderweise verschwiegen. Nun erfährt man, daß die Konzertdirektion Dandelot ein Konzert der Nazisendlinge in der Pariser Großen Oper veranstalten will. Fast gleichzeitig teilt der„Daily Herald" mit, daß in London anläßlich des Konzertes der Berliner Philharmoniker Demonstrationen geplant sind, die der allgemeinen Abneigung gegen künstlerische Sendboten des neudeutschen Nazisystems Ausdruck verleihen sollen. Und was glaubt der Herr Philharmonie- und Generalmusikdirektor, Staatskapellmeister, Ministerialrat, Operndirektor, Preußischer Staatsrat und Dr. h. e. Wilhelm Furtwängler, in Paris an Lorbeeren zu ernten? In der gastlichen französischen Kunstmetropole, deren Publikum er durch verlogene Interviews über seine Stellung zur Judenfrage irregeführt hat, die heute weiß, daß sein„mutiger" Briefwechsel mit Herrn Göbbels ein abgekartetes Spiel zum Betrug der Weltmeinung war? Wird er nicht lieber im letzten Augenblick noch dem Beispiel seines Kollegen- Kleiber folgen, der auf sein Pariser Konzert so großmütig aus Angst verzichtet Hat?— Es jst heute so weit, nach einem Jahr Naziherrschaft, daß unterlassene deutsche Gastspiele der Völkerverständigung mehr nützen als stattgehabte! TS!. 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Es ist nicht der heutige Chiappe, der Erfinder der Straßennägel für die Fußgänger, sondern Claude Chiappe, 1763 bis 1805, der eine Art Erfinder der Telegrafie war und die ersten Drahtnachrichten nach Paris brachte, und dem die Stadt dafür ein würdiges Denkmal gesetzt hat. Dort oben steht er und hat ein großes abgeklapptes trigonometrisches Zeichen neben sich, einen Telegrafenmast mit Leitung, das sieht sehr verwegen und seltsam aus. Aber wenn mich einer fragt, nachdem ich auf den cloutes-Wegen des neueren Chiappe hinübergegangen bin, so sage ich doch, daß die Gefahr, hier überfahren zu werden, größer ist als die der Unruhen. Baptiste. BP1EFKASTEM Pfälzer. Ja. Der soeben bei einem Uebungsflug über der Ostsee tödlich verunglückte Kölner Nationalsozialist Habs Miebach ist der gleiche, der in der westdeutschen Preise einen Aufsatz von unbeschreiblicher Roheit über seine Mordtat an dem pfälzischen Separatlstenführer Heinz-Orbis veröffentlichte. Miebachs Kölner Heimatblatt, der„Westdeutsche Beobachter", verösfentlicht nun anstatt eines NachrusS einen Artikel von Miebach, wie er am 17. Marz 1938 auch die Kölner Separatisten Smeets und Kaiser durch Revolverschüste niederstreckte. Zugleich erzahlt das Blatt: ..Hanne« Miebach war einxr der aktivsten deutschen Abwehrkampser. IIX7-2 geboren und streng national erzogen, meldete er sich bereit« mit l» Jahren kriegssreiwillig, jedoch ohne Srsolg. In seinem Versetzungszeugnis zn Ostern IBIS heißt es bezeichnend:„Der Schüler erhält einen Verweis, weil er sich von Hau« und Schule entfernt hat, um nach Belgien zn gehen." Der dreizehnjährige Aleiandre Ii. DamcnMftneid(s J. Masfchenko 7, Rue du March* S». HonorA ♦ Tai* Optra 77-79 Klaldar. Mftntal,« Umarboituag, Raparlarwag Porte Chomperrei llotel Grill-Boom Berliner 173, Bd. Berthtet. tri. Caroof 72-47. Möblierte Wohnungen. Aller Komfort Badezimmer. Küche o«w. Monatlich und wöchentlich. Nach Wunreh Pension Mäßige Preise, M4tro Chainperret. A«t SC B. 9-bu. CA. BY. 53 X. I Nodi ein zweiter Pariser Chiappe Gang durch das Unruhen-Viertel Der Gang beginnt oben am Montparnasse. Hinter den Vergnügungskneipen, in den Nebenstraßen stehen Büschel von Schutzleuten, Radfahrer und gewöhnliche Flies. Macht es einen sehr kriegerischen Eindruck? Eigentlich nicht. Mit Berlin überhaupt nicht zu vergleichen. In den Straßen von Paris zu schießen,— na, so weit reicht die kühnste Fantasie nicht. Jeder Pariser weiß, daß der Boulevard Raspail den Boulevard St. Germain schneidet. Den Raspail also herauf. Es ist Abend und starker Verkehr. Am Leihhaus wird die Gegend lebhafter, viele Autos stehen umher, an den Mauern klebt ein Plakat der französischen Gewerkschaften:„Stempelgeld ist gut, aber Arbeit tat besser", dann ein graues Arbeiterbild nach Art der Käthe Kollwitz und daneben ein Prospekt der Azurküste, halbe Preise zum Rosenkarneval.. Das Warenhaus Bon Marche in einem Meer von Licht, große Inschriften der weißen Woche. Dort drüben, huschen Gestalten. Sind das Aufständige? Ach nein, nur die weißbe- schiirzten Angestellten von„Tout pour la bonne table", die räumen die Tische zusammen. Ecke St. Germain beginnt das Geheimratsviertel. Alte Hotels mit Gärten, die mehr und mehr verschwinden. Eins der vornehmsten, die Abgeordnetenkammer, das Palais Bourbon, das nach der großen Revolution zum Nationaleigentum erklärt wurde. Viele Ministerien und Botschaften, in einer davon, in reinstem Empire, für den Vizekönig von Italien Eugene Beauharnais erbaut, hockt die deutsche Botschaft. „Wer demonstriert," frag ich zwei Schutzleute.„Ach," sagen sie höflich,„dieser und jener, neulich die Gewerkschaften oder die Kommunisten von der salle Brillier aus. aber die, die Schutzgitter abdecken, das sind immer die Camclots, die Studenten."„Was für Gitter decken sie dann ab?" frag ich. „Na. sahen Sie, um jeden Straßenbaum ist ein gelöcherter Eisenkreis, zum Begießen der Bäume, auf die haben sie'* abgesehen. Früher waren die Dinger aus Guß, aber Pari» ist eine lebhafte Stadt, jetzt sind sie aus Eisen."„Und die Bänke?"„Ja. die reißen sie aus und werfen sie über die Schienen, es ist aber sehr schwer, man muß eostaud sein." Ja. man muß wissen, daß Paris auf Zuwachs.gegen Straften- Kaum hat der erste Alexandre-Krach die Gemüter in Paris so erhitzt, daß im Justizpalast dem mitbeteiligten Anwalt Hesse die Robe von einem Kollegen zerrissen wurde. Ut der zweite Alexandre da. Diesmal handelt es sich um den Pariser Bankier Georges Alexandre, der sich selbst der Polizei gestellt hat, nachdem er Riesenschwindeleien mit seiner Beamtenbank verübte. Es dreht sich um einen ge- sinnungstüchtigen Darlehens- und Depotschwindel, bei dem fffiu c/p iüALarfiP SefrfltMltZHz und viele kleine und mittlere Leute mit insgesamt wohl über ÄmaejttaWÜUJJauiuiu«« 100 Mi n ionen_»„dere sprechen von annähernd 200 TI)i4M*r n\nrt>ort>i-Cif« jc rtn /ff» TUltis Millionen— bluteten. Der Skandal macht im jetzigen Moment, da er die bestehende Erregung noch schürt, ge- 58, AVENUE WAGRAM, T*l. Carnot 27-62 waltiges Aufsehen. Im Gegensatz zu den beiden Alexandres ist es um M. Louis Thoma, den stimmgewaltigen Vertreter der Hitler- Interessen in Frankreich und in dem von dem im a% r. o. c...im 1„ i mv t> CS'f ,ss Loch sitzenden Darios geleiteten„Midi", ganz still geworden. HerficRStcffiFigf die Jnseronfen der„Deutschen äpeineit e. scheint, es wird n>.» auch-..s der mit vi«, Tamtam beab .— sichtigten Propagandatour dieses Herrn zugunsten der Stimmungsmache mit Frankreich gar nichts. Wenigstens ein Gutes dieser Skandalprozesse.,. | PAHIS-ETOILE O, HLIE D-AOMAllLE CHEZ KORIILOFF Berühmt durch retee»ortrefflich« Küche o. teta» Spezialitäten. Stark berucht roo deutschen Gästen rutphoae Etoüe 52-49| 58, RUE DE PASSY, T«L AuWl 33-61 Hanne« Miebach wollte als Einzelgänger in den Krieg ziehen! Nach dem Kriege trat Miebach als Zeitfreiwilliger einer militärischen Formation bei und war als Abwehrkampser gegen den zweiten Polenaufstand an der schlesischen Grenze eingesetzt."— Soweit also der.„Westdeutsche Beobachter". In seiner Redaktion gibt es, nach seinen Artikeln zu urteilen, lauter religiös verschwärmte Leute, die fast täglich den Mythos der Vorsehung preisen. Gehört da? Schicksal des mehrfachen Mörders Miebach, der kurz« Zeit noch seinem öffentlichen Geständnis selber sterben mutzte, auch in jene irrationalen Bezirke strafender Gerechtigkeit nach GotieS oder Wotans Willen? Hatte sich in Miebachs Flugzeug ein Hagen ein- genistet, der Jung-Siegsrieb zwischen die Schulterblätter stach, um ihn in die. Reihe der Helden Walhalls zu befördern? Wir möchten nicht mißverstände» werden. Was mutz an diesem Menschen schon in frühester Jugend gesündigt worden sein, daß er Patriolismus mit feigem Meuchelmord, gedeckt und geborgen von gleichgestimmten Kameraden, verwechselte? Gedeckt und geborgen auch von seinem Papa, dem Kölner Zivilingenieur August Miebach, der mit dem Jungen im Bund war und ihm nach den Schüssen auf Smeets 50 000 Mark damaligen Kurses zu glücklicher Flucht nach München mitgab. Jetzt bekommt sein toter Hans mit Einwilligung GöringS sogar ein Staatsbegräbnis und belohnt ihn nachträglich für sein . Opfer. Banditen in der Essener Opei In der Essener Oper ereignete sich ein Raubüberfall, der an einen Kriminalroman von Wallace erinnert. Der Nachtwächter der Städtischen Oper wurde aus seinem Kontrolle gang in den Kellerräumen von drei Unbekannten überfallen. Die Täter nahmen dem Nachtwächter die Taschenlampe fort und zwangen ihn. sie zu dem Kaisenraum zu führen. Dann segelten sie den Wächter, banden ihm ein Tuch vor die Augen und versuchten, die Wandlresore in den beiden Kassenräumen auszubrechen. Da ihnen dies nach zweieinhalbstündiger Ar- beit nicht gelang, führten die Einbrecher den Wächter zur Pförtnerstube zurück und fesselten ihn dort an einen Stuhl, woraus sie flüchteten. Die drei Einbrecher hatten sich offenbar tagsüber durch einen Nebeneingang eingeschlichen und am Abend einschließen lassen, um den Einbruch in der Nacht durchzuführen. Für den Gesamtinholt verantwortlich: Johann Pitz in Dudweiler: sür Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Vertag der VotkSsttmta« GmbH„ Saarbrücken.«, Schützenstiaße 5. Berufsumschichfung Unter Siedlungrwerk hat auf der von uns erwor« benen Domäne ,.La Grande Canau" 500 ha groß an der Grronde hei Bordeaux begonnen. Siedlungen jeder Art und Größe. Ausbildung von Siedlern und Praktikanten in allen landwirtschaftlichen, gärtnerischen und handwerklichen Fächern und der Hauswirtschaft durch erste deutsche und französische Fachleute, Prospekte auf Wunsch durch uns oder unter Pariser Büro. Unser Pariser Büro gibt Interessenten alle näheren Auskünfte. Sprechstunden: täglich außer Samstag und Sonntag von 15 bis 17 Uhr Paria(16c),<13 bia, RUE DE LA TOUR, t. Stock link«. TELEFON NUMMER: Iroc. 60*6 E-G-A Exploitation* G6ner*le* Agricolea S. A „LA GRANDE CANAU" ST.VIVIEN.MEDOC(Depart. Gironde) I Französisch in 15 Stunden I ECOLE BENEDICT■ 13, Boulevard des Italiens.(Möfto Op6ra)| Umfassew'eflu$6i(dung Anschließende Spezialisierung in Land, und Viehwirtschaft, Hof« und Haushaltung, Gartenbau. Persönlichstes Eingehen auf körperliche und geistige Eignung. fefivguf Cfiäfeou de£efioil(e Im bevorzugten Teil der Nor. mandie, dicht am Meer gelegen! Petiville par Bavent(Calvados) Anfragen in Paris an Balzac 5&06 Einkauf, Vorkauf u. Beratung bei allen Juwelen und Goldwaren Wenden Sie sich an J" WILLK 4t, r. le Peletier, Ecke 41, r. Lafayette Troll. 67.77. Metro: Le Peletier a«BO0oo»oooo<.öoooooaaoo<»<(oc Einkauf und Auslösung renn Versatzamt P BRILLANTEN. GOLD£ SILBERWAREN. 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