Sinzigs unabhängige Tageszeiiung Veuischiands Nummer 24— 2. Jahrgang Saarbrücken, Dienstag, den 30. Januar 1934 Chefredakteur: M. B r a u n n Ans dem Inhalt „£etzte Oelung" dec Ttlanacchisien Schwatze Jahne" an dec Saat Seite 3 tnqtischec!Bcief< Seite 4 Cin kleinqtäuAiqec Cczbi&chof. Seite 5 Daladiec xxdet JCecciot? Seite 7 Jjtsecatented beachten! Gesdiansbcridit Ein Jahr des Wortbruchs! D. F. Der Reichstag ist zu einer seier- lichen Lob- und Danksitzung einberufen. Die Kirchenglocken läuten, Millionen Dahnen werden auf Befehl gehißt. Das „Bild des Flthrers"' in tausendfachen Variationen steht in den Schaufenstern. Die Schulen feiern. SA. und ST. para- dicren. Die„Deutschen Christen" beten und Millionen aufrechter Deutscher fluchen: Adolf Hitler ist ein Jahr Reichs- lanzler. Wir werden eine phrasenhafte Bilanz seiner Taten von ihm selbst vernehmen und daraus antworten. Zur Borfeier tiberreichen wir dem Herrn Reichskanzler eine kleine Auslese der von ihm geleisteten großen Wort- brüche. Wir beginnen mit dem neben- stehend genau nach dem Original wieder- gegebenen, auf Hitlers Befehl am lt. Ol- tober 1830 im Reichstag eingebrachten Cntcignungsantrag. Ein Jahr halten nun die Nationalsozialisten alle Macht in Händen, aber kein Kriegs-, Revolu- tions- oder Deflationsgcwinnler ist ent- eignet worden. Bcstohlen wurden dafür jüdische und arische Arbeiter der Stirn und der Faust. Bcstohlen wurden ihre Frauen und ihre Kinder und bettelarm über die Grenzen gejagt. Bcstohlen wurden Künstler, Gelehrte, sozialistische Führer und sozialistische Massen. Ge- raubt wurde ehrlich erworbenes Arbeits- cigentum und geschäht wurden das Aus- beutungseigcntum und die Spekulations- gewinne aller Art. Ermordet, geschunden, gefoltert, geköpft, eingekerkert, verfolgt, exiliert wurden die Borkämpfer sozia- listischer Ordnung und Rettung. Der deutsche„Sozialismus" verschwand im Nebel der Weihrauchwolken, die über dem hungernden deutschen Arbeitsvolk den korrumpierten, reichgewordenen nationalsozialistischen Führern gespendet werden. Das Programm der NSDAP, besteht aus 23 Punkten, die unabänder- lich sind und für deren Durchführung„die Führer der Par- tet versprechen, wenn nötig, unter Einsatz beS eigenen Lebens rücksichtslos einzutreten". Wir anerkennen, daß diese 23 Punkte noch immer unabänderlich feststehen. So lest aus dem Papier, daß sich nicht einmal das kleinste Partikelchen eines Programmpttnktchens in die Verwirklichung vor- wagen konnte. Trotzdem erfreuen sich die Nazibonzen bester Gesundheit, wenn sie nicht zufällig, wie jener große Führer der Arbeitsfront durch Revolverschüsse gefallen sind, jener Muchow, nicht jedoch weil er sein Leben rücksichtslos für die Verwirklichung des Parteiprogramms einsetzte, sondern weil er bei einem der vielen Weingclage des Präsidenten der„deutschen Arbeitsfront", Dr. Robert Ley, um einer Huldin willen niedergeknallt wurde. Aber lassen wir einmal das vergilbte Parteiprogramm beiseite. Seien wir gerecht, denn der große Osaf hat be. seinem Einzug in die Wilhelmstraße plötzlich gefunden und verkündet, daß er vier Jahre brauche, um das Allernot- wendigste aus seinem Programm zu verwirklichen. Jedoch es gab neben den heiligen Sehrsätzen des ewigen Partei- M 66 Reichstag V. Wahlperiode 103O Antrag V». J«M und Genossen. Der Reichstag wolle beschließen: Da» gesamt« Vermögen der Dank- und Börsenjürslen, der seit 1. August 1914 zugezogenen Vstjuben und sonstigen Frembstämmigen, ihrer Familien und Familienangehörigen, serner der seit diesem Tag« durch Krieg»-, Revolution»-, Inflation»- ober Deflationsgewinne erworbenen D«rmögen»zuwachs wird zum Wohl« der Allgemeinheit de» deutschen Volte» entschädigungslos enteignet. All« Großbanken, einschließlich der sogenannten Reichsbant, sind ungesäumt in staatlichen Besih zu nehmen. Berlin, den 14. Vttober 1930. Dr. Frick Buch Dreher Ritter von Epp Feder(Sachsen) Dr. Frant II Dr. Goebbels Göring Megsr-Guads Gras zu Reventlow Gtöhr Kfraßer Gturh Wagner Williten« Reichstag V. 19*0 Drucks. Ar M. Ausgegeben a« 18. Oktober 1W0. üw Orud achev dos N-> chstag» si.id fori laus» nd und swzeln durch Carl Ha^mauu» V»rla^i, Berlin W 8. zu bezieh«». Programms ein„Wirtschaftliches Sofortprogramm der NSDA P." Ein Sofort- Programm, das sofort nach der Machtergreifung durch- geführt werden sollte. Dieses Versprechen wurde im Juli 1832 in 008 000 Exemplaren von der Reichsorganisation der NSDAP, verbreitet. Das Programm versprach„Verstaatlichung aller Trusts. Die Rationalsozialisten haben statt dessen die in der Verfügungsgewalt des Reiches befind- liche Ruhrindnftrie dem Großindustriellen Thyssen ans- geliefert und sind dabei, die wirtschaftlichen Betriebe der Gemeinden zn verschleudern. Die im wirtschaftlichen Sosortprogramm gefordert., „Verstaatlichung der Banken" wurde von Staatssekretär und Verfasser des nationalsozialistischen Programms, Gottsried Feder, frech verleugnet, der im Bankenquete-AoSschuß unverfroren erklärte, daß Fortsetzung siehe 2. Seite Das erste Geschäftsjahr der neuen Epoche Rahm einen lukrativen Verlauf. Wir hatten das ganze Jahr Braune Woche, Das ganze Jahr Inventurausverkauf. Die Kundschaft der neuen Geisteshaltuug, Die finanzierte reichlich und gern Die Deutschigkeitsmonopolverwaltung, Den nationalen Befreiungskonzern. Wir verhökerten dreihunderttausend Posten Mit aricrparagräflichem Krampf, Dazu ohne große Betriebsunkosteu Fünf Millionen Exemplare„Mein Kampf". Einige Transmanipulationcn Stärkten uns angenehm die Solvenz Wir zogen zirka fünfzig Millionen Bar aus den Kassen der Konkurrenz. Dann nahmen wir die Gewerkschaftskontore Ohne Bezahlung auf Abbruch in Kauf. Teviscnstrotzende Konsumtresore Bekamen wir als Rabatt obendrauf. Unser neuer Hotelbetrieb, der florierte Besser als irgendwo in der Welt. Zweihunderttausend und mehr Konzentrierte Blechten beträchtliches Lagergeld. Auch unsere Branche: Freiwillige Spende Hat sich ganz ausgezeichnet rentiert. Wir zahlten cin Zehntel Prozent Dividende An jeden Deutschen, der hungert und friert. Nur unsere Schlagerabteilung, die funkte Verhältnismäßig lustlos und flau. Der Umsatz der Fünfundzwanzig Punkte War beispielsweise überaus mau. Das Versagen in Punkten, das ist ein Zeiche», Als würden die Zukunftsaussichten klamm. Wir können auch diesen Artikel schlecht streichen, Er ist doch schließlich unser Programm! Wirb dieses Dilemma nicht bald behoben, Dann geht die Firma zu Bruch und Schrott. Drum laßt uns den Tag vor dem Abend loben Und das Geschäft vor dem Riesenbankrott. Der Rote Ha»S. Ißnotu«? Europäische Gedanken Gefährlicher Optimismus— Politik der Resigna- tion— England und österreichische Frage— Europa am Scheidewege Es sei mir gestattet, hier eine Bemerkung persönlicher Art zu machen. Ich möchte nämlich einmal den Lesern mitteilen, daß ich gar nicht zu den pessimistisch veran- lagten Mxnschen gehöre und keine Neigung habe, in jeder Lage und unter allen Umständen die Rolle von Kassandra zu spielen. Ich glaube aber, daß es Zeiten geben kann, wo man nicht stark genug vor einer optimistischen Per- anlagung warnen kann, und daß wir momentan in einer solchen Zeit leben. Heute kann der unberechtigte Opti- mismus zu einer großen Gefahr werden. Freilich ist es sehr tröstlich, wenn man fast jeden Tag irgendwelche neue „Niederlage" der hitlerschen Politik feststellen zu dürfen glaubt. Es ist auch sehr beruhigend, an die Aufrichtigkeit der Friedenserklärungen von Hitler und an die Möglich- keit, die nationalsozialistische Diktatur auf eine friedliche Politik festzulegen, zu glauben. In beiden Fällen handelt es sich jedoch um einen sehr gefährlichen Optimismus. Es kann nicht bestritten werden, daß die hitlersche Außenpolitik manche empfindliche Niederlage erlitten hat. Die wichtigste war ihre Niederlage in Genf in der Saarfrage. Die nationalsozialistische Außenpolitik hat aber auch bedeutsame Erfolge gezeitigt, und der bisherige Verlauf der Diskussion über die Abrüstungsfrage stellt für sie einen sehr wichtigen Erfolg dar. Die Reichs- regierung wollte vor allem Zeit gewin- n e n. Das ist ihr auch gelungen. Mehr als drei Monate sind seit dem 14. Oktober verflossen, und es ist immer noch unbekannt, wann die Klärung der Lage auf der Abrüstungskonferenz erfolgt. Das heißt aber, daß Hitler-Deutschland mehrere Monate Zeit für völlig un- behinderte und sehr intensiv getriebene Aufrüstung er- langt hat. In diesen Tagen erschienen in der„Times" zwei lange Artikel ihres Berliner Korrespondenten über die deutschen Rüstungen. Der ausgezeichnet unterrie,tete Verfasser stellt zum Schluß seiner Ausführungen fest, daß sich die deutschen Forderungen schon aus eine betrachtet. Macht stützen. Europa stehe schon vor vollen- d e t e n T a t s a ch e n, und es bleibe nur eine politische Linie möglich, nämlich:„die aufrichtige Mitarbeit Deutsch- lands an der Verteidigung des europäischen Friedens zu erstreben". Der Nebensatz, der das Ganze abschließt, Klingt aber ziemlich resigniert:„wenn diese Mitarbeit erreicht werden kann". Die Optimisten(namentlich in England) betonten mit Befriedigung, daß die deutsche Antwort an Frankreich „in einem höflichen Tone" gehalten ist. Pflegen denn die diplomatischen Schriftstücke ander» als höflich zu sein? Nicht einmal von den Kriegserklärungen darf man sagen, daß sie„unhöflich" seien. Wenn man der Höflichkeit der deutschen Antwort irgendwelche Bedeutung beimessen will, so ist das schon«in Optimismus, der an das Patho- logische grenzt. Es istnatürlich sehr erfreuglich, wenn Paul- Boncour als„Sehr verehrter Herr Minister" und nicht als„Du gemeiner Lump" angeredet wird, und am Schlüsse„mit vorzüglicher Hochachtung" und nicht„mit treudeutschem Haß" steht. Was ändert das aber an der Sache selbst? Bor allem wird dadurch nichts an der Tat- fache geändert, daß Hitler-Deutschland schon heute seine Forderungen auf eine„beträchtliche Macht" stutzen kann, und daß diese Macht ununterbrochen verstärkt wird. ^ Dir Klarheit, mit der der Völkerbund Stellung zur Saarfrage genommen hat, war sehr erfreulich: sie unter- strich aber zugleich als eine erfreuliche Ausnahme die ganze gefährliche Verwobenheit der heutigen europäischen Politik dem Hitler-Deutschland gegenüber. Nicht nur wird die Klärung der Abrüstungsfrage oder eigent- lich: die Stellungnahme zu der deutschen Aufrüstung, immer wieder verschonen. Jetzt wird es versucht, auch den Konflikt zwischen Deutschland und Oester- reich mit den notorisch unwirksamen Mitteln zu be- handeln, um einer klaren Entscheidung auszuweichen. Die Dollfuß-Regierung beabsichtigt, den Völkerbund anzu- rufen, und es wird von keiner Seite bestritten, daß sie dafür genügend Anlaß und Recht hat. Scheinbar eine Ge- legenheit für ein wirklich solidarisches Auftreten aller im Völkerbund vertretenen Mächte. Ein italienisches Blatt,„Stampa", versuchte die Hitler-Regierung zu über- reden, indem es aufzeigte, daß Deutschland durch seine Haltung Oesterreich gegenüber die Mächte mit sonst abweichenden und widerstrebenden Interessen, wie Italien, Frankreich. England und die Kleine Entente, zu einer Einheitsfront gegen Deutschland zwingt. Das italienische Blatt hat insofern Recht, daß eine gleiche Einstellung der genannten Mächte zu dieser Frage vorhanden ist. Das beleuchtet aber noch nicht den Willen zum gemeinsamen wirksamen Handeln. Es ist schon bekannt, daß Oesterreich von englischer Seite den Rat erhalten hat. von der Anrufung des Völkerbundes Abstand zu nehmen. England will noch einmal mit freundlichen Vorstellungen in Berlin es versuchen und hofft, daß es von Frankreich und Italien unterstützt wird. Dieser Weg aber war schon gegangen und ohne jeden Erfolg. Oder nur mit dem wirklichen Erfolg für die nationalsozialistische Diktatur, daß sie für ihre Offensive gegen Oesterreich ein halbes Jahr Zeit gewonnen hatte. Ihre Haltung wurde durch die Vorstellungen der Mächte, auch durch die besonder« freundlichen. Ratschläge Italiens, nicht im geringsten beeinflußt. Jetzt erklärt man auch in England, daß an der Verantwortung der Hitler-Regie- rung für die nationalsozialistischen Angriste gegen die österreichische Regierung— die Angriffe, die mit deut- schem Geld und mit deutschen Sprengkörpern ausgeführt werden— kein Zweifel bestehen kann. Was aber nützt diese Einsicht, wenn keine Konsequenzen gezogen werden? In England wird die resignierte Frage gestellt: was kann der Völkerbund machen? Die Frage ist berechtigt. Es läßt sich nicht bestreiten, daß der Schritt Oesterreichs den Völkerbund vor sehr schwierige Entscheidungen stellen würde. Der Völkerbund wird, wenn nicht sofort, so nach dem Ablauf einer bestimmten. Deutschland gestellten Frist irgendwelche Sanktionen beschliehen oder sie den Mitgliedern des Völkerbundes empfehlen müssen. Will man eine solche Entscheidung um jeden Preis vermeiden, um einem akuten Konflikt aus dem Wege zu gehen, so bleibt wirklich nicht viel anderes iibrist. als vor Hitler-Deutschland zu kapitulieren. Od diest Kapitulation dann durch irgendwelche„freundschaftliche Vorstellungen" begleitet wird oder nicht, ist an sich ziemlich gleichgültig. Jeder Tag bringt jetzt neue Informationen und die Informationen, die wir heut« haben, sind vielleicht schon veraltet, wenn dieser Artikel gelesen wird. Heute hört man. daß Dvllfuß nicht gewillt ist. dem englischen Rate zu folgen, und daß er trotz dieses Rates den Völkerbund anrufen wird, wenn feine Forderungen von Deutschland nicht erfüllt werden. Bestätigen sich diese Meldungen, so wird vvr dem Bölkerbundsrat im Grunde das ganze Problem Deutschland und Europa auf- gerollt. Der erste Anlauf wurde schon gemacht, als die letzte Völkrtbundsratstaaung über die Saarfrage beriet. Im Falle Oesterreich wurde das noch viel klarer ge- schehen. Es handelt sich aber um die gleiche Alternative: schließen stch die Mächte zum gemeinsamen Widerstand oder offnen sie den Weg für den siegreichen Vormarsch de» nationastozialistischen Imperialismus. Und das ist die Alternative, in der das Schi«*'" 1 Europas geschloffen ist: Friede oder Krieg. Oesterreich Vor dem Völkerbundsret? dnb. Varls. 29. Hon. Der offiziöse„Petit Paristen" will erfahren haben, baß nunmehr auch die englische Regierung sich von der Zwecklosigkeit eine» gemeinsamen Schrittet' der Mächte in Berti« in der österreichischen Angelegenheit über- zeugt und deshalb sich für die von Frankreich befürwortete Anrufung des Bölterbundsrgtes ausgesprochen habe, falls dl« Reichsregiernng sich«vetgern sollte, die von Bundes- tatzzler Dslliuß geforderten Versicherungen zu geben. Wien sei bereits entsprechend benachrichtigt worden Bundeskanzler Ddllfuß kenne somit dt« Auffassung der Hauptmächte und werde zweifellos unverzüglich beim Generalsekretär des Völkerbundes höchst wahrscheinlich unter Berufung aus Artikel 11 Abs.> des BölkcrbundSpakteS die Einberufung drS VölkerbundörateS beantragen. Ein Jahr des Wortbrodis Fortsetzung von der t Seite niemals ein Nationalsozialist die Verstaatlichung der Banken gefordert habet Die Warenhäuser» die sofort kommunalisiert«er» den sollten, wurden nicht nur nicht kommunalisiert, son- der« erhielten noch StaatSsabventtonen, vornehmlich zur Sicherung der in ihnen steckenden einen Milliarde Bank- gelber. Die„Brechung der Zinsknechtschaft" ist von der Tagesordnung abgesetzt, die Kapital- und Steuer, schiebe», denen das Sosortprogramm Todcsftrasr an» drohte, erhielten im erste» Jahre nationalsozialistischer Regierangstätigteit nicht weniger als drei Amnestien. DaS Sofortprogramm versprach:.AnfsichtSrats» tantieme««erden überhaupt nicht mehr gezahlt". Di» Tantiemen werden in Wirklichkeit wie in der kapita- listischen Republik weitergezahlt; damit ihre Höhe aber schwerer, nachgeprüft werden kann, wurden hie Ber- treter d«r Belegschaften durch Reichsgesetz ans den Aus- stchtsräten herausgeworfen. Statt de?„Abschaffung des ardeits- und mühelosen Ein- kommen»" wurde es geschützt. Ein Heer von Parteiduchbeamten amüsiert stch über den Kampf gegen„eine Stellenbesetznng nur nach Parteigesichtspunkten", den das Sosortprogramm ver- sprach. Das Sosortprogramm wollte als Höchsteinkommens» grenze 12 0 0 0 R M. im Jahr, also rnnd 2 3 9 pro Woche, festsetzen. Die Reichsstatthalter beziehen wöchentlich bis zu 830 RM„ Höring 1800 RM. Das Sosortprogramm versprach den hungernden Massen: „Solange die Städte nicht anSreichcnd für ihre Wohl- sahrtsunterstützten sorgen können, haben sie keinen Pfennig für Festlichkeiten anSzugrben". Doch die nationalsozialistischen Gemeindeverwaltungen plüo- derten die Kassen für Fackelzüge und Feuerwerke und kürzten dafür die Hnngersätze der Arbeitslose». Am 8. Dezember 108t versprach der„Angrifs" drS Herrn Dr. Göbbels" sofortige Beseitigung der Arbeitslosigkeit bis zum letzten Mann anter gleichzeitiger Verbesserung der Lebensbedingungen für daS ganze Bolk". Bereits ein Jahr regiert das Hitlcrkabinett, in dem der Herausgeber des„Angriff" hochbezahlter Propagandaminister wurde: 7 Millionen Erwerbslose hungern, davon 4 Millionen ohne einen Pfennig Unterstütz»««, die Löhne wurden ge- senkt, neue Steuern unter dem Decknamen„sreiwillige" Spenden diktiert, die Lebenshaltung für das ganze Boll wurde noch weiter verschlechtert. Der gleiche Dr. Leq, der(im„Arbeiterin«" vom 15, Mai 1988) geschworen hatte:„Arbeiter, ich schwöre Dir, wir werden nicht nur alles erhalten, das stch vorfindet, wir werde» Schutz und Rechte des Arbeiters weiter aufbauen", hat die Auslösung der Arbeiterorganisationen eingeleitet und das neue Ge- setz zur Versklavung der deutschen Arbeiter jubelnd be, grüßt. Und außenpolitisch? Kein Widerruf der Kriegsschuldlüge, kein Zerreißen de? Bersailler Vertrages, kein Ueberrenncn der„Pollacken", kein österreichischer Anschluß, keine Rück- gliedcrung des Saargebtetes. kein Gedanke mehr an Eupen- Malmcdy. Taiür ein Geflenne um Nichtangriffspakte bei allen Nachbarn und Erbfeinden ringsum. Dahinter freilich die abgrundtiefe Heuchelei und die Auf- rüstung mit allen Mitteln und somit die Gefahr der außen- politischen Katastrophe. Im Innern Deutschlands nur scheinbar Ruhe. Die Span- nung zwischen Staat und Kirchen wächst. Sie ist aber bei aller Bedeutung nur ein Nebrngebiet. Entscheidend stnd die ungelösten Wirtschafts- und Ftnanzproblcme, entscheidend ist der große Gegensatz ziotschcn dem wirklichen Sozialismus, den die Massen wollen, gefühlsmäßig auch die Kaders der SA. und der ST., und dem Phrasensozialismus, durch den Hitler und die Seinen die gewaltige Bewegung in der Tief« deruhigen möchten. Ein Jahr hat das deutsche Volk nun gewartet und gehofft. Es wartet noch, aber es hofft nicht mehr so sehr. Die Marxisten haben nichts anderes als Wortbrüche erwartet und wundern sich deshalb nicht. Das Wundern und die Ent- täuschung dringen längst in die Garden des Nationalsozia- lismus vor. Der Sturm gegen die„Reaktion", gegen die Schwarzweißroten, gegen die junkerlichen Großgrundbesitzer ist ein ernstes Anzeichen, bei weitem nicht nur der propa- gandistischen Ablenkung, sondern auch des wachsenden Masscnwillens, trotz aller Beschwörungen Hitlers die Revo- lution vorwärts zu treiben. Das Jahr Wortbruch ist nur der Anfang dessen, was unter der Fantare„Nationale Revolution" in Szene gesetzt wurde. Die Bewegung marschiert. Noch glauben antisozialistische Führer st« kapitalistisch dirigieren zu können. Der Sozialis- mus aber ist kein Spielzeug für wortbrüchige Demagogen. Er ist die epochale Kraft de» Jahrhunderts, die stch in der Organisation der Wirtschast und im Aufbau der menschlichen Gesellschaft durchsetzen muß. Deutschland ist in Europa der sozialistischen Revolution am nächsten. Trotz Thyssen und trotz Hitler bereiten sich dir Kräfte vor und sammeln sich, die Deutschland in einer Erhebung und einer Umwälzung von unabsehbaren Ausmaßen erneuern und sozialistisch ge- stalten werben. Slallll gegen Japan „Sdiweinesdinanie im Sowjelgernüsegarien Moskau, 28. Jan. Ans der 17. Tagung der kommunistischen Partei der Sowictunion hielt Stalin als Generalsekretär her Partei eine mehrstündige Rede über die gesamte innen- und außenpvsttischc Lage. Nach einem Nei'crblick über die Entwicklung her Weltwirt- schaftSkrtsr, entwickelte Stalin bis ins Einzelne die bekann- ten sowjctrusfischen WirlichaitStheorien. Die gesamte Welt- Wirtschaftskrise in Europa. Asien und den Vereinigten Staaten habe gezeigt, wie krank die kapitalistische Wirtschaft sei. Die Belebung, die man in der zweiten Hälfte des Jahres 10:13 habe feststellen können, sei. so behauptet Stalin, auf eine Steigerung der Rüstungen znrstckznsubren. Im wetteren Verlauf seiner Ausführungen betonte Stalin . den Wunsch der Sowjetregierung, unbedingt die Friedens- beziehungen zu der ganzen Welt aufrechtzuerhalten, obwohl es Mächte gebe, die einen Konflikt mit der Sowjetunion herausfordern wollten. Die Wiederausnahme der Bczie- Hungen zu Amerika bezeichnete Stalin als eine wichtige inter- nationale Aktton. Es sei dadurch für eine fruchtbringende Zusammenarbeit die Grundlage geschaffen worden. Die Beziehungen zu Japan verdienten die größte Aufmerksamkeit. Die javanische Ablehnung, mit der Sowjetunion einen Nichtangriffspakt abzuschließen, sei«in tcind- seliger Akt gewesen. Das gleiche gelte von den Ver- Handlungen über die chinesische Oftbahn. Japanische Agenten Oege« fflndenbnrg gehöpl< Lübbe begnadigt— Trotzdem hingerichtet Dem„N e» en V o r w ä r t s", Karlsbad, wird von gut unterrichteter Seite mitgeteilt: „Das vom Reichsgericht gefällte Todesurteil gegen van der Lübbe bedurfte der Bestätigung de» Reichspräsidenten, dem nach der alteu Verfassung und dem bisherigen Brauch auch das Begnadigungsrecht zustand. Der Reichspräsident hat das Urteil nicht bestätigt. Hitler und Güring erblickten darin eine Durchkreuzung ihrer Pläne und eine schwere Be- einträchtigung ihres Prestiges gegenüber der Nationalsozia- listischen Partei und vor allem gegenüber der SA. Nach län- geren Beratungen hat Hitler sich entschlossen, über das Be- gnadigungsrecht des Reichspräsidenten hinwegzugehen. Seine staatsrechtlichen Berater haben ihn, willfährig wie immer, belehrt, daß ber Rahmen der ihm durch das Ermächtigung«- gesetz gegebenen Vollmachten so weit gezogen ist, daß er ohne weiteres eine Entscheidung darüber treffen könne, wem das Bestätlgungsrech« und da» Begnadigungsrecht gegenüber einem Urteil de» Reichsgericht» zusteh«. Damit ist nun schon die zweite Lex Lübbe geschaffen wor- den. Hitler hat demnach zwei Speztalgeirtze gebraucht, um de« Kopf van der Lübbe« zu erhalten. Pas Neueste Ans der Tagung der Kommunistische'» Partei hielt Stall» nie Genrralirkretär der Partei eine mehrstündige Rede, über die innen- und außenpolitische Lage, In der er ans die Be- ziehungen Sowietrußlando zu den einzelnen Sündern ein- ging und u.>. de»»«»«, daß die Sowjetunion für die Aufrechterhält» na der srcuudschastiichen Verhältnisse zu Deutschland eintrete. In der a» Wochenende ans der Rießersee-Bahn bei Garmisch zum Anstra« gelangten Biererbvbwelt- Meisterschaft brachte der deutsche Bad„Olympia" Deutschland den Weltmeiftertitel«in. begingen unglaubliche Dinge gegenüber sowjetrussischen An» gestellten und verletzten dauernd die Gesetze aus der chinesi- sehen Ostbahn. Ein Teil ber japanische« Militärpaktes rufe often zur Besitzergreifung der russischen Küsirngcbskte aus. und dir japanische Regierung halte eö nicht rtnmal für not- wendig, sie zur Ordnung zu rufen. Wir wollen den Frieden, betonte Stalin,»nd»tr sind ,« allen Maßnahmen bereit,«m eine normale Lage herbei,«» führen. Wir können aber in dieser Richtung nicht»«ehr tnn. Wir müssen das Land vor Ueberraschnngen schützen und auf eine« Angriff gefaßt l«in. Wir fürchten uns nicht vor Drohungen, und wir find bereit, jeden Schlag mit einem Gegenschlag z« beantworte«. Wer den Frieden will und Gcschästsbczichungen mit»nS anzubahnen sucht, wird stets bei unS Unterstützung finden Diejenigen aber, die es versuche««allen,»«» z« Über» fallen, werden einen Denkzettel bekomme«, daß sie jede Lust verlieren werden, ihre Schweineschnanz« noch einmal in de« Sowjetgemüsegarte« zu stecke». Stalin streifte dann noch kurz die Beziehungen zu Dentlch- land, wobei er behauptete, baß in Deutschland angeblich sowjetfeindliche Kräfte am Werke seien. Die Svwieiuniv, jedoch, üikr Stalin iort. trete dennoch issr die«usrechterhal- tung der freundschasklichen Beziehungen zu Deutschland ein. Durch den plötzliche« Eintritt warmer Witterung sind 4» Mitglieder der Südpolexpedition d«S«dmlral» Bord, wie aus der Walsischducht durch Funkspruch mit» geteilt wird, in größte Gefahr geraten. Aus»ummer darüber, bei der letzten Ziehung der französischen Nationallotterie eine Niete ge- >ogen zu haben, beging ein in der Nähe von RimeS wohnen» der Pole S e l b st m o rd. In Marseille begoß sich aus einem Kinderspielplatz ein Unbekannter mit Spiritus, zündete seine Kleider an»nd verbrannte vor den Anaen der entsetzten Kinder bei leben- digem Leib«. Man weiß nicht, was den Lebensmüden zu der Tat veranlaßt hat, noch wer er ist. Der franGsische Flngzengkonstrnktenr Ren« C o u z i n a t bat den Entwurf für ein StratofphÜrenflng- zeug dem französischen Lustsahrtministerinm nnierbreitet and hofft, demnächst mit dem Bau beginnen zu könne«, tkonzinet glaubt nickt an die Zukunft de» Raketenftugzenaes. sondern an da? Stratolobärenflugzeng mit Komvressor» motoren. Dieser Apvarat soll feiner Berechnung nach 14 000 bis 15 000 Meter bock steigen uns eine Geschwindigkeit von 100 big 800 Kilometer l« der Stunde erzielen können, l» daß die Strecke Pariss- Ncnyork in 15 biS 17 Stunden rückgelegt werden könnte. Ganz Süd,»nd Mittelmertko wurde a« Sonntagabend von einem Erdbeben erschüttert. Die mexikanische Hgsenstadt Acapulco am Stillen Ozean hat schwere« Schaben erlitten. Biel« Häuser weisen große Sprünge auf. Angabe« Über Tot« und Verletzte liegen noch nicht vvr. Man nimmt jedoch an, daß dir Brrlnftlistr recht umfangreich sein werde. Nach einer Meldung aus Tokio wnrde die Nein« kore«nische Insel Ntsnrjo durch einen Wirbelsturm ver- wüstet. An? viele« Dörfern dieser von etwa 14 000 Mensche« bewohnten Insel fehlt jede Nachricht. Ans der Insel Dagelet a« der Ostküste vva Korea wurde« 41 erfrorene Eingeborene anfgesunden. Die Insel war durch einen schweren Schneesturm von der Verbind»»« mit der Außenwelt abgeschnitten worden. Am Sonntagabend gelang e» einer RetwngSabteilung,»i< Insel ,« erreiche«. Ed wird befürchtet,»aß auf der Inf«!«och viel»ehr Renschen»ms Leben gekommen stnd. „letzte OcloDf der Monarchisten*"»>*«* Audi eine Kalsersgebnrlstagsrede Zur Vorfeier des„Saisergeburtstages" veranstaltete am 2S. Januar die Frankfurter Studentenschaft vor der Untver- s'tät ein« antimonarchistische Kundgebung. Ter Füh- rer der Frankfurter Studentenschast, Referendar Müller, sagte u. a.: Tie Frage Monarchie oder Republik sei uninteressant, der Führer Teutschlands heihe Hitler, und eine Diskussion über die Staatsform zu beginnen, sei Sabotage am Staat und An mastun g. Die deutsche Jugend lehne eine Geburtstagsfeier zu Ehre« des Mannes ab, der iu Teutschlands tiefster Rot über die deut« lchen Grenzen gegangen sei. Es gelte auch auszusprechen, dast die deutsche Jugend nichts mit den Ueberbleibseln eines vergangenen Jahrhunderts zu tun habe. Wer sich aber zu diesen verstaubten Ideen bekenne, der müsse sich gesagt sein lassen, dast das deutsche Volk„nicht mehr d a S feige bürgerliche Gesindel vom ll. November ist, sondern eine festentschlossene K ä m p f e r s ch a f t". Ter Leiter der LandessteUe für Volksaufklärung und Pro- paganda M ü l l e r- S ch e l d knüpfte in seiner Ansprache an einen im„Gross-Hessischen Stahlhelm" erschienenen Ar- tikel an. in dem davon die Rede ist, dast„die Kronen nicht mit Not und Elend belastet" werden dürften. Es frage sich nur, über was man sich mehr wundern solle, über die Dummheit oder über die Frechheit, aus der heraus so etwas geschrieben wurde. Tie heutige Kundgebung trage mit Absicht den Titel„Deutscher Sozialismus". Dieser deutsche Sozialismus sei in der bitteren Not des Krie- ges geboren morden. Ter Mann aber, der das Wort ge- sprachen habe,„wir wollen kämpfen bis zum letzten Hauch von Mann und Roh", der sei, als der letzte Hauch geatmet »vurde, weil das Volk erschöpft war. im Ertrazug nach Hol- land gefahren. Jeder Versuch einer Wiedererrichtung des alten Staates und der alten Ordnung werde von dem National- tozialismus in rücksichtsloser Weise im Keime erstickt. Dazu habe das Volk die Kraft. Man spreche von dem Wunder von Langemarck, aber es müsse auch von dem Mord von L a n g c m a r ck, von dem Mord an unseren Kriegssreiwil- ligen gesprochen werde», die von unsinnigen Mcn- schen wahnsinnig in den Tod geschickt»vor- den seien. Unter dem Oberbefehl dieses einen Mannes habe sich das deutsche Volk an der stärksten Festung der Welt vor Verdun nutzlos verblutet. Zwei Millionen Menschen habe das deutsche Volk unter deren Führung verloren, die letzt warten wollen, bis der Nationalsozialismus den Stall ausgeträumt habe, um sich dann»vieder ihre Krönchcn aufzu- letzen. Draustcn in der Front, als sich die Kameraden im Blute walzten, da sei der deutsche Sozialismus« ge- boren worden, da habe Hitler, der dies alles ja miterlebt habe, den Willen zur Sainmlung der Volksgemeinschaft ge- »astt. In diesem Sinne sei deutscher Sozialismus keine öde Gleichmacherei, sondern die Gemeinschaft aller wirklich Schafsenden, die sich zur Kameradschaft zusammenschliesten. Ter grösste Feind aber sei der Standesdünkel, wie er i» den »reisen der Borkriegsakademiker, der Offiziere des Abels, der Fürsten lebendig fei. In diesen Kreisen wird noch niit dem Gedanken gespielt, dem neuen Deutschland die„letzte Ortung" zu geben. Diese Kreise aber sollten daraus achten, dast sie„ch nicht selbst bei dieser letzten Oelnng die Finger verbrennen. DaS deutsche Volk wolle keine Bankrotteure mehr, dir ebenso bankrott gemacht hätten ivic die Männer des Systems. Es fei eine Unverschämtheit, wenn diese» eine Mann sage, das Boll habe ihn im Stich gelassen. Tic aka- demische Jugend dürfe auch nicht wieder in die früheren Irrtümer zurückfallen, sie müsse sich volksverbunden fühlen, und es müsse vorbei sein init jenen Mützen ans dem Kopi und den Stulpenhandschuhen. die aus die»ungen Menschen unserer Zeit nur wirken wie ein F a st- nachlsaufzug. Wenn sich so das deutsche Volk aus sich selbst besinnt, wenn so wie in der TA. und der SS. die Männer aus allen Schichten in treuer Kameradschaft zusammenstehen würden, bann werde das deutsche Volk auch wieder Einklust gewinnen aus der Welt, nicht mit dem Schwert, sondern durch die Kraft seiner Idee»verde es zum Mittelpunkt der Welt»verde,», werde von ihm au? der Ein- flu« auf die anderen Völker ausgehen. * Kradi! „Starke Empörung" gegen die Kaiserlichen Am Freitagabend veranstalteten die Offiziersver- bände in Berlin anlästlich des Geburtstages des früheren Kaisers einen Feslabend in den gesamten Räumen des Zoo. Bei der Anfahrt der Teilnehmer kam es verschieden«- lich zu Zurufen,»veil entgegen dem erlassenen Verbot verschiedene Teilnehmer in Stahlhelm-Uniform und mit Hakcnkreuzbinden erschienen waren. Im Verlauf der Festrede des Grafen von der Goltz entstand unter einem Teil der Zuhörer eine starke Empörung. Als von der im Taal herrschenden Empörung Nachricht zu der vor den Festsälen stehenden Menschenmenge gelangte, versuchte diese in den Saal einzudringen. Die eingedrungenen 50 bis 00 Personen wurden gemeinsam durch SA. und Polizei auS dem Saale gedrängt. Ter Versammlungsleiter schloh in- folge der herrschenden Unruhe vorzeitig die Versammlung. * Eine Wühlmaus Stahlhelmführer verhaftet Die Pressestelle des Gaues Halle-Merseburg der NSDAP. teilt mit: „Der Truppführer des Wehrstahlhelms, Architekt Georg Schmidt aus Halle, wurde am Nachmittag beS Mittwoch durch die Geheime Staatspolizei festgenommen. Die Verhaftung erfolgte wegen schwerer Beleidigung des Gau- leiterS und preustischen Staatsrats Jordan und Wühlarbeit gegen andere führende Persönlichkeiten der NSDAP." „Kernsfahlhelms'" Ende Die grauen Felduniformen werden ausgezogen Die Oberste TA.-Führung gibt im„Völkischen Be- obachter" bekannt, dast der bisher noch in der SA. R. l wei- terbestehende„K e r n stah lh e l m" mit der SA. v ö l- lig»erschmolzen wirb und unter den Befehl des SA.-Gruppenführers tritt, in dessen Bereich dt« SA. R. I- Einheiten liegen. Hand in Hand mit dieser orga- nisatorischen Massnahme legt der bisherige Kern- stahlhetm den feldgraue« Rock ab. Sämtliche SA.-Gliederungen tragen nunmehr künftig einheitlich da« braune Ehrenkleid. Der wackere kerntreue Hindenburg war mal Ehrenmit- glied im„Stahlhelm". Ob er von dem schmählichen Unter- gang etwas erfährt? General Horn abgesägt Auch der Kyffhüuserbund unter Naziführung Berlin, S7. Ja«. Reichspräsident». Hindenburg, der Schirmherr beb Deutschen ReichSkriegerbuudes Lysshäuser» hat den Rücktritt deS Sysshäuser-Bnudessührer, G-«eral der Artillerie a. D.». Horn genehmigt. Die heut« in Berlin zu- sammengekommene« LaudeSsührer d«S K»ffhäuserb««bes haben einstimmig den Oberftlandesführer der SA. R. II. Oberst a. D. Reinhard, gebeten, die Führung des Kyfshäuserbundes zu übernehmen. Der Oberstlandesführer erklärte sich bereit, die Führung ,n übernehmen, und sicherte zu, de« Kyffhäuserbund in seinem Bestände z« erhalten. „KraH und Freude" Auf monatliche Abzahlung sJnpreß.j Die Führung der Deutschen Arbeitsfront hat für die Belegschaft der„Magirus" in Ulm bereits 200„Fest- anzüge der Arbeit" bestellt. Sie kosten pro Stück 75 Mark, während ein Anzug guter Qualität heute schon für 10 Mark überall erhältlich ist. Tie Werksleitung der„Magirus" schiestt den Betrag von 15 000 Mark vor,' die Abzahlung hat Berlin, 28. Jan. lJnprest.» Nachdem Dimitroff von den in der Nozipresse erschienenen Berichten Kenntnis genommen hat, die den Aufenthalt der drei Bulgaren als das Angenehmste von der Welt schildern, hat er einen entrüsteten Protestbries an das Reichsinnenministerium gerichtet. Er ersucht, die Erlaubnis zu erhalten, einen ausländischen Korrespondenten zu sprechen, dem er über die Art seiner Ein- kerkerung exakten Bericht erstatten will. innerhalb eines zu erfolgen. Jahres in Wochenraten von 1.45 Mark Abgeknallt Der Täter auf freiem Fuß tJnpreß.i Die ganze Nazipresse schweigt über eisten Mord, der in der Nacht vom 21. zum 22. Dezember be- gangen wurde und über den»vir folgende Einzelheiten sr- fahren. Der kommunistische Arbeiter August Thiele, Duisburg- Wanheimerort, Knlinerstraste 3, wurde in der Nacht von» 21. zum 22. Dezember von 9 SA.-Leuten aus seiner Wohnung„zur Vernehmung" abgeholt. Aus der Strasse stand eine Limousine. Alle stiegen ein und fuhren fort. In den frühen Morgenstunden fanden Strassenpassanten den leb- losen Körper Thieles aus: der Tote wies Einschüsse in Kopf und Rücken auf, das Gcbiss war mit einem stumpfen Gegen- stand eingeschlagen oder eingetreten. Der Erinordete hinter- läßt eine schivangcre Frau und ein Kind. Der Haupttäter. der SA.-Bandit Hardt, befindet sich nach wie vor au»' freiem Fuss. Sturm im saarländischen Landesrat Kommunistischer Abgeordneter durch Pulliel enllerni- Der Präsiden! bricht die Gesdidllsordnung Am Samstag war der saarländische Landesrat ein- berufen worden, um zu den Verordnungen der Regie- rungsssommission über die Ersatzsteuer für die ausfallende Autosteuer auf Benzin, Benzol und Mineralöle Stellung zu nehmen. Tie Regierungskommission hatte den Landes- rat aufgefordert, bis spätestens 27. Januar diese Borlagen zu verabschieden. Das ist auch geschehen. A b e r w i e? Seitdem die„deutsche Front" im Landesrat gebildet wurde, herrscht hier der unbedingte Nazikurs. Präsident Scheuer bemüht sich zwar, den Anschein, als ob man nach parlamentarischen Regeln handle, zu wahren. Jedoch der Aeltestenrat— und in diesem Aeltestenrat herrscht die „deutsche Front" unbeschränkt—, also die„deutsche Fron t", legt die RegeIn fest, wie die G e- schäftsordnung durch den Präsidenten ge- handhabt werden mutz. Das führt natürlich zu Auftritten, wie in der gestrigen Sitzung. Man beachte: Bei Beginn der Sitzung erhält der koin- munistischc Abgeordnete Detjen das Wort. Dieser gibt seinem Protest Ausdruck, datz in dieser Sitzung auf Be- schlutz des Aeltestenrates(„deutsche Front") nicht über den Terror im Saargebiet geredet werden dürfe, und datz die kommunistischen Anträge nicht beraten werden sollten. Der Präsident lätzt den Redner nicht aussprechen, unter- bricht ihn mit Verweisungen und dann init Ordnungs- rufen, schließt ihn nach dem dritten Ordnungsruf auf drei Monate von den Sitzungen aus und lätzt Detjen. der weiter spricht, durch die Polizei aus dem Saal entfernen. Dem sozialdemokratischen Abgeordneten P e t r i wurde das Wort entzogen mit der Begründung:„Der Aeltestenrat hat beschlossen, keine Ge° schäftsordnungsdebatte zuzulassen." Das ließen sich natürlich die Sozialdemokraten nicht bieten und verließen unter Protest den Sitzungssaal. Durch dieses Vorgehen der„deutschen Front" im Landesrat ist bewiesen, datz diese den Landesrat nur noch zur Tribüne für ihre verleumderische Nazi-Agitation ver- wenden will und datz alle Antifaschisten im Landesrat mundtot gemacht werden sollen. So arbeitet die„deutsche Front" im Saargebiet gegen das wahre Deutschtum an der Saar. So versucht sie die letzte Position für dieses Deutsch- tum zu untergraben und macht sich zur Kreatur und den Landesrat zum Werkzeug der Göbbels-Propaganda und des Deutschland schändenden Hitlerismus. das deutsche Saarvolk!" eine scharfe Abrechnung mit dem Hitlersystem und seinem Betrug am deutschen Balte vornimmt. Wir werden diesen Aufrus noch im Wortlaut ver» össeutlichen, aber auch er klingt in die Forderung aus: „Als Ausdruck seines schärfste« Miss- trauens und seines entschlossenen Kamps- willens gegen das heute in Deutschland herrschende System, gleichzeitig aber auch alS Ausdruck»er schärfsten Ablehnung einer anderen Lösung der„Saarsrage", fordert da» deutsche Saaroolk:«erschie- bung der Abstimmung bis zu dem Zeit- punkt, wo die heutige Regierung abgelöst sein wird durch eine Regierung der Ge- rechtigkeit nnd Freiheit." Damit ist die Bombe im nationalsozialistischen Lager des Saargebietes zum Platzen gekomme«. Bis weit iu die Reihen der ehemaligen Deutschnationalen hinein ist eine starte Unzufriedenheit rechtsstehender Elemente mit dem sluch- würdigen System der Hitler und Konsorten vorhanden, die jetzt in offen« Rebellion geführt hat. Schon immer hoffte» diese Elemente daraus, dass ihnen eine Berschiebung der Saar-Abstimmung die Qual einer Rückkehr in die Konzen- trationslager Hitlers erspart werde. Auch sür diese Leute dürste diese neue Oppositionspartei hinter der„Schwarzen Fahne" eine« Sammelpunkt abgeben. Es dämmert! Selbst in den Kreisen, die sich immer als die„national- sten" zu bezeichnen pflegten und gerne so taten, als hätten sie den Patriotismus in Erbpacht genommen! Die Front der Rückgliedernngsgegner zu Hitler ver« breitert sich immer mehr und die Götzen« dämmerung der Gleichschaltung und der Gleichgeschaltete« bricht an! Auch in anderen bisher gleichgeschaltete« Lagern ausserhalb des eigent« lichen Nationalsozialismus! m. b. Kundgebungen der Erelhelfsfron! „Sdiwarzc Fahne" an der Saar Otto-Strasser-Richtung mit eigener Wochenschrift! Im Saargebiet erscheint in Kürz««ine nichtgleich- geschaltete antihitlerische Opposition«»Wocheuschrist „Die schwarze Fahne". Sie bezeichnet sich selbst als eine„unabhängige, nationale, deutsche Wvchenzeit'-na" be« tont, dass sie„nichtgleichgeschaltet" ist und bezeichnet als ihre Sufgabe, aus„nationaler Basis den Kamp, gegen das Hitlersyftem" z« führe«. Dies« nationalsozialistisch« und anscheinen» auch andere Rechtskräfte umfassende Opposition stellt ihre Forderung in der Saarsrage wörtlich wie folgt: „Verschiebung der für dasJahr tvtö fest« gesetzte« Saar-Abstim m nng bis z« de« Zeitpunkt, wo die jetzige Reichs»,giernng und daS durch sie verkörperte System ab» gelöst sei» wir» durch«ine Regierung»er Gerechtigkeit nnd Freiheit." Biö jetzt ist diese Gruppe, die ans der Nationalsozialifti- lchen Partei selbst hervorgegangen ist, lediglich mit einem Ausrnf au die Oefsentlichkeit getreten, der unter der Neberschrift„Wir»ringen«Msern L-ntlag«»vr In den saarländischen Orten Püttlingen und M e r ch- »v e i l e r, die in jüngster Zeit durch zahlreiche national- sozialistische Terroraktionen bekannt wurden, fanden überfüllte Kundgebungen der saardeutschen Freiheitstront mit Hermann P e t r y und Max Braun als Redner statt. Viele hunderte von Personen hörten unter grosser Spannung und stürmischen Beifallskundgebungen die Berichte über die augenblickliche Situation an der Saar und die Politik der Freiheitssront. Oer Nazi-Lüge anl der Spur Nachher Angst vor den Folgen Wir berichteten am Samstag über die Auslagenachricht des nationalsozialistischen Pressesuhrers an der Saar, der alle diejenigen gleichgeschalteten Redakteure, die es noch ein- mal wagen würden, eine Kundgebung der„deutschen Front" nicht im vollen Wortlaut zu bringen, mit dauernder Brot- losmachung bedrohte. Wer sich nicht den Anordnungen des Pressebüros der Nationalsozialistischen Partei des Taar- gebietes füge, das war die Quintessenz des Schreibens, »verde nach l 9S5 rücksichtslos aus dem Schrift- leiterberuf entfernt. In der sogenannten„deutsche» Front" war eS nicht mütv lich. die Echtheit des Dokuments abzuleugnen. Um diesen Beiveis des Terrorrcgiments abzuschwächen, hat man zu einem alten Trick gegriffen. Uin den sogenannten Landes- führer Tpaniol zu decken, erklärt fetzt der Pressereferent, Spaniol habe das Dokument nicht gekannt und e s nachträglich missbilligt! Er, der Pressereferent nehme alle Folgen auf sich. Diese heroische Geste steht im Widerspruch mit dem klaren und eindeutigen Inhalt deS Terrordokuments, in dem eS wörtlich heisst. dass die Auf- lagenachricht mit Staatsrat Svaniol aus- drücklich festgelegt worden sei! To dreist sind sie unter einander und nach aussen hin»in- wahr! Englischer Brief Dr. 0. G. London, 27. Januar 1934. Ter Faschismus in England macht von sich reden. Nicht, daß die faschistische Gefahr im Augenblick besonders akut sei. Aber die Zeitungen schreiben darüber im Anschluß an zwei Ereignisse. Das erste davon ist freilich nur humori- stifch zu nehmen. Di« Streiche de* Mister Serocold Skeels T« sprach jüngst in Nürnberg neben dem berüchtigten Streicher ein waschechter Engländer. Mister Serocold Skeels? er pries Hitler, er verfluchte die Juden-- kuxz eine Rede nach Streichers Herzen. Endlich ein Engländer, der die Iudenfrag« erkennt. Tiefes war der erste Streich, doch der zweite folgte sogleich. Kurz danach erschien in Streichers Schmutzblatt, dem „Stürmer", ein Brief dieses Serocold Skeels. Wieder ein Lobgesang auf Hitler und seine antisemitische Politik. Skeels versprach das gleiche in England zu vollbringen. Ja er sei schon dicht am Ziel, wenn er nur zuschlagen wolle, dann würde das alte System rasch zusammenbrechen und der„verjudete Scheinfaschist" Mosley mit ihm. Einige englische Zeitungen berichteten über den kuriosen Brief des in England bisher unbekannten Herrn? aber niemand regte sich weiter darüber auf. Tiests war der zweite Streich. Toch der dritte folgte sogleich. In der englischen Universitätsstadt Cambridge ist durch den Uebertritt des bisher konservativen Abgeordneten dieses Wahlkreises ins Oberhaus eine Nachwahl nötig geworden. Ein Konservativer, ein Liberaler, ein Labour- mann bewerben sich um den Sitz? da tauchte plötzlich als vierter Herr Serocold Skeels als Kandidat der United British Party(Bereinigte Britische Partei) auf. Ein- stimmig aufgestellt, so hieß es. Tiefes war der dritte Streich. Toch der vierte folgte sogleich. Ein liberales Blatt interviewte den neuen Kandidaten, insbesondere über seine Stellung gegenüber dem Juden- tum. Und siehe da. aus dem großmächtigen Helden, der noch soeben unter dem Schutze des Hakenkreuzbonners mit Streicher um die Wette gebrüllt hatte, wurde ein vorsichtiger Diplomat. Er bewundere Hitler, so erklärte Skeels dem Interviewer, er billige auch dessen Juden- Politik für Teutschland. Aber in England lägen die Tinge anders. Tie deutschen Juden seien Ashkenasim und böse, aber die englischen Juden seien aus Spanien ein- gewanderte Sephardim und gut. Sie mischten sich nicht mit anderen Rassen und mengten sich nicht in die Politik (was wohl der jephardische Jude Tisraeli, der einer der größten Ministerpräsidenten Englands war. dazu sagen würde?). Gegen die englischen Juden habe er nichts. Armer Streicher, er hotte sich doch schon so über seinen englischen Kollegen gefreut. Und nun diese Enttäuschung. Dieses war der vierte Streich, doch der fünfte folgte sogleich. Am nächsten Morgen verkündete die Presse, Serocold Skeels sei als Kandidat der United British Party wieder abgesetzt, ebenfalls einstimniig. Grund: er habe sich ent- gegen seinem Versprechen zur Iudenfrag« geäußert. Die Partei wolle diese Frage völlig aus der Debatte heraus- lassen. Dieses war der fünfte Streich(und er traf den armen Skeels selber), doch der sechste folgte sogleich. Bevor Serocold Skeels bei der mysteriösen United British Party auftauchte, war er ein führendes Mitglied der Imperial Fashists gewesen, einer nurantisemitischen, strikt mosleyfeindlichen faschistischen Gruppe. Run wurde er aus dieser Partei in großem Bogen herausgesetzt, weil er ihnen wieder nicht antisemitisch genug ist. Dieses war der sechste Streich, doch der siebente folgt sogleich. Serocold Skeels gründet eine neue— die vierte faschistische Partei? Symbol— das Grauhemd, bestickt mit der Union Jack. Heil Skeels! Heil oder Unheil für Mosley? Sir Oswald Mosley, ehemaliger Minister im Labouc- Kabinett Macdonald, heutigem Führer der stärksten, schwarzbehemdeten Faschistengruppe, ist Heil wieder- fahren— oder auch Unheil. Ter Prcsfelord Rothermere, der schon seit geraumer Zeit das Lob Mussolinis und Hit- lers singt, hat sich jetzt auch für England offen zum Faschismus bekannt.„Hurra, die Schwarzhemden", so trompetete er vor einer Woche in seiner„Daily Mail^ über 4 Spalten. Ter Jugend gebührt die Führung? sie will Aktion und nicht das ewige Treibenlassen? sie will nichts mit der alten Politikerbande zu tun haben, die stets nur an eigne oder Parteiinteressen denkt? sie will sich für die Größe Britanniens und des Weltreichs einsetzen, selbst- los, idealistisch: Italien und Teutschland sind heute die bestregierten Länder der Welt? England muß ihnen folgen. Tie alten Führer müssen weggefegt werden? sie verstehen die Zeit nicht und sind vor allem zu alt. Mi: 60 Jahren, so proklamiert Lord Rothermere. friert der Verstand ein, das Gehirn wird steif(wofür freilich dieser Artikel des ööjährigen Lords ein zwingender Beweis zu sein scheint). Also alle hinein in Mosleys Schwarzhemdenheer? es ist schon stark, es wird bald stärker sein? in zwei Iahren spätestens, bei der nächsten Wahl, wird die Entscheidung fallen: England wird Mosley die Führung geben, dessen sei er gewiß. So der prächtige Presselord, der von Hugen- bergs Schicksal wahrhaftig nichts gelernt hat. Wird Mosley froh sein Uber diese Unterstützung? Gewiß, er hat jetzt die Publizität, nach der er sich so lange sehnte. Tagtäglich folgt der ganze Pressekonzern der neuen Parole. Rothermeres„Daily Mail" allein hat eine Auf- läge von 1,7 Millionen täglich, dazu kommen die gleich- falls vielgelesenen Abendblätter und Sonntagsblätter. Tie„Taily Mail" ist der Auflage nach die drittgrößte Zeitung Englands, sie folgt dem Labourblatt„Taily Herald" mit über 2 Millionen und dem„Daily Expreß" des anderen Preffelords Beaverbrook mit fast 2 Millionen dicht auf dem Fuß. Und dennoch, ob es eine reine Freude für Mosley sein wird? Alle Politiker Englands, gleich welcher Richtung, schätzen die politische Bedeutung der„Daily Mail" und ihresgleichen stets gering ein, da fast nur ihr Sport- und Klatschteil gelesen wird. Aber wichtiger noch ist die Tat- fache, daß bisher jedes politische Unternehmen Rothermeres ein klägliches Fiasko war, das nach kurzer Zeit in Lächerlichkeit endete. Ter„Manchester Guardian" machte sich das Vergnügen, die verschiedenen Unternehmungen des Lords noch einmal Revue passieren zu lassen. Da hat er einmal eine Partei gegen Absalloerschwendung(!) ge- gründet— vergessen. Da hat er eine spezielle Hutmode in genau solchen Leitartikeln propagiert, wie er heute Mosley anpreist— vergessen. Da hat er sich mit Feuer- eifer für die sofortige Revision des Friedensvertroges von Trianon(Ungarn)«ingesetzt und für die Wiederherstellung eines großen Königreiche Ungarn— wobei er ernstlich hoffte, daß. sein Kohn, den er bereits nach Ungarn schickte, König werden solle-- vergessen. Da hat er vor wenigen Iahren sich mit großem Getöse dem Empirekreuzzug seines Kollegen Beaverbrook angeschlossen.„Manchester Guardian" ist sogar so boshaft. Rothermere» Artikel zu dieser Frage zu zitieren— und siehe da, auch dort die Worte von der idealistischen Jugend, die Aktion fordere, von der alten Politikerbande, die nur an sich und ihre Partei denke. Dann ein Loblied auf Beaverbrook. der eine wahre Führernatur sei. England werde ihm binnen kurzem die Führung geben, dessen sei er gewiß. Also der edle Lord Rothermere hat sein altes Manuskript hervor- geholt, einige Sätze etwas geändert, für Beaverbrook Mosley eingesetzt, für Empirefeldzug Faschismus— und fertig war die Sache. Ob wohl die Prophezeiung ebenso in Erfüllung gehen wird wie damals, wo nach ein paar gescheiterten Versuchen, ein Unterhausmandat zu erobern, das Ganze rasch wieder einschlief? Nun, Beaverbrook traut dem Frieden nicht. Er rückt offen von seinem Kollegen ab und schreibt flugs einen Artikel„Empire ever! — Naizism never!"(Das Weltreich immer, Nazilum nie). Und de? liberale„News-Chronicle" veröffentlicht eine feine Enthüllung aus Mosleys schwarzem Haus, wodurch bekannt wurde, daß die Mosleyfaschisten einen Begeisterungsbriefsturm aus dem Publikum an die„Daily Mail" organisiert haben. Und doch, so humoristisch heute noch vieles erscheinen mag, so wäre es doch falsch, den Kopf in den Sand zu stecken und jede faschistische Gefahr zu leugnen. Die Ideen- losigkeit der gegenwärtigen Regierung treibt Mosley allerdings Wähler zu. Cripps und der König Sir Stafforb Cripps ist einer der jüngeren Führer der Labour Party. Er ist ungewöhnlich rasch in den Vorder- grund getreten, was er nicht zuletzt der Tatsache verdankt, daß er bei der großen Wahlkatastrophe 1931 sein Mandat behielt. Er ist zweifellos einer der besten Köpfe der Partei. Er ist der geistige Führer des linken Flügels, der rasche Umwandlung zum Sozialismus unter rücksichts- loser Unterdrückung aller undemokratischen Widerstände fordert. Aber er ist taktisch nicht gerade geschickt. Er wird so oft mißverstanden. So kam er in den Ruf eines An- Hängers der Diktatur, die Rechte benutzt ihn geradezu als schwarzer Mann. Das hatte ihm bisher nicht viel geschadet. Aber jetzt hat er sich selber einen schweren Schlag versetzt. Vor einigen Tage nannte er unter den undemokratischen Kräften, deren Widerstand eventuell überwunden werden müsse, auch„Buckingham Palace". Buckingham Palacc ist das Schloß des Königs. Wer die eigenartige, moralisch ungeheuer starke Stellung der Krone und vor allem ihres jetzigen Trägers kennt, kann ermessen, wie verheerend diese Anspielung wirkte. Cripps merkte es auch rasch, anstatt nun aber die Anspielung in geschickter Form offen zurückzunehmen, versuchte er es mit Auslegungen. Er habe, so erklärte er schon am nächsten Tag, gar nicht den König gemeint, an dessen Loyalität er unbedingt glaube, er habe noch weniger die Institutionen der Monarchie an- greisen wollen, deren Anhänger er sei, er habe nur die Hosbeamten gemeint und die Einflüsse, die auf den König ausgeübt würden. Run erividerten die Gegner, ja, wenn der König loyal ist, dann hört er doch nur auf die Minister und nicht auf irgendwelche Einflüsse, dann sind also auch die Hofbeamten usw. keine Gefahr. Cripps suchte dann den schlechten Eindruck seiner Rede dadurch wieder gut- zumachen, daß er einen besonders herzlichen Trinkspruch auf den König ausbrachte. Aber seine Position ist durch diese eine ungeschickte Rede, die von allen Antisozialisten gewaltig ausgeschlachtet wird, sehr gefährdet. Schon manche Laufbahn ist in England durch eine ungeschickte Rede oder Handlung jäh abgebrochen worden. Cripps Hoffnungen auf die Führerschaft der Labour Party haben jedenfalls heute keine große Aussicht mehr. Freilich, man soll nicht prophezeien— auch Macdonaid war einmal geächtet, während des Krieges wegen seiner pazifistischen Haltung und doch wurde er Ministerpräsident. * I» englischen Pressekommentaren wird da« deutsch-pol» nifche Abkommen als ein Pakt des Friedens und der Frenndfchaft bezeichnet, der— wie der„Obser» er" sagt — als ein diplomatisches Wunder angesehen werbe» könne. nicht, sie putzt sich nicht und macht sich nicht schön, kurz und gur, sie tut alles, um die böte Begehrlichkeit des Mannes in ihre Schranken zuriickzniveiscn. Soungesährstellt der kleine Mvralin MoriY sich die dcut- schc Frau vor. Und wehe, wenn so ein arme«, iveib- liches Wesen, das vor lauter Schicklichkeitsgcsctzcn nicht aus noch ein weiß, das Unglück hat, aus Unkenntnis oder sündiger Lust eines davon zu übertreten. Es versteht sich am Rande, daß die deutsche Frau keinen Bubikopi trägt? das tun nur Jüdinnen und sonstiges verächtliche« Gezcug. Leben»vir nun in einem P i e t i st c n st a a t, oder im Zeitalter des daseiusbejahenden Nationalsozialismus!' Wir find erhaben über den Verdacht, dag wir einen öden Prunk und aufreize»- den Luxus das Wort reden wollten. Ter Füher und viele seiner engeren Mitarbeiter trinken und rauchen nicht und huldigen auch nicht den Genüssen des Lukullus? aber ver- ächtlich sind die. die in einem öU-Millionen-Bolk jede Freude und jeden Optimismus abtüten möchten, ganz ab- gesehen davon, bast ihr albernes Treibe» unzählige» Menschen nur Armut und Unglück bringt. Eine trostlose Verarmung unseres öffentlichen und privaten Lcdens ivürde die Folge sein. Und dagegen mache» wir Front! Also: Mehr Lebensbesahung und weniger Muckertum? Ate b r M o r a l, a b e r weniger Moralin!" Das liest sich vortrefflich. Ei» geschickter Journalist und Propagandist findet sichere Formulierungen. Ihnen werden viele zustimmen, die den Faschismus hassen. Trotzdem hau- delt es sich um ein beispielloses Dokument der h i t l e r a m t l i ch c Ii Heuchelei, die nur möglich ist an- gestchtS der Vergeßlichkeit des deutschen Volkes. Denn die Naziagitation hat zum Teil von der Ausstreuung solchen „Moralins" gelebt und auf dieser Basis ihren größten agita- torischen und demagogischen Erfolg erzielt. Er hat den ,ntim- sten Privatgefchichten und Bcttgchcimniiien republikanischer Repräsentanten zur Massenverbreitung verholfen. Er hat mit diesen Mitteln den früheren Polizeipräsidenten Weiß und den Innenminister Grcezinski beschmutzt und verleumdet und hat dabei auch bei i^cn Frauen nicht Halt gemacht. Nicht genug damit! Herr Nreicher, der„Führer" in Fran- ken, holt in seinem„Stürmer" mit der Spachtel heute nvch jedes Dreckklümpchen an« Tageslicht, das irgendwo auizu- treiben ist. Freilich— vor allem bei Juden und bei Inden- genossen. Da ist es nicht nur erlaubt, sondern politisch er- wünscht. Wenn die Sittenrichteret nationalsozialistische Führer trifft, ist fte von»verächtlicher Heuchelei und lügnerifchcr Prüderie." In allen anderen Fällen bleibt sie ein Mittel zur Erhaltung der deutschen Sittenreinheit vor vergiftenden rassefrcmden Einflüssen, gegen die der„deutsche Aufbruch" nach wie vor eingesetzt werden mutz. Göbbels ntoralinfrel Eine Rede mit Hintergründen «it lleberraschniigcn läßt es der Faschismus nicht fehlen. Auf keinem Gebiet ist er jedoch von solcher Wandlung«- fähigkeit wie auf dem der sogenannten„Moral". Der deutsche Spießbürger, die muffige Eulalia mit dem wilhel- minischen Knoten, die Jazzbandfeinde, gaben sich auf der braunen Ebene ein undurchdringliches Stelldichein, dessen Hintergrund die hemmungslose homosexuelle Aktivität ge- wisser Führer war. Nun aber liegt eine ueue Situation vor. Das kritisch ge- wordene Volk begnügt sich nicht mehr mit der bloßen Ve- urteilung der Zustände im„dritten Reich". Es ficht sich, im wahrste» Sinne des Wortes, diese feine Führer an. Fast täglich liefert die gleichgeschaltete Presse Prozeßbericht« über schwere Verurteilungen, die wegen gewisser Gespräche über das Privatleben der Prominenten erfolgten. Da wittert der scharfäugigste unter den Führern, Herr Göbbels, mit Recht eine große Gefahr: den drohenden Verlust des Glanbens an die große Sache, wenn ihre Repräsentanten sich so be- nehmen, Kurz,«r sucht und er findet ein« neue Parole, die er in die Frag«„Moral oder Moralin?" verkleidet. Tie er- folgt durch einen Artikel in der gesamte» gleichgeschalteten Presse, in dein es heißt: „Jede Revolution bat ihre Unarte», auch die unsere. Dos ist an sich nicht schlimm? denn die gleichen sich mei- sttns von selbst aus oder iverden von der.Zeit wieder ausgeglichen. Entscheidend bleibt nur, daß die Bcrant- wörtliche» eiu wachsames Auge darüber halten und aus Furcht vor der Lefsentlichkeit nicht schweigen, iv? Reden am Platze wäre. Es ist heute an der Zeit, ein paar dieser Unarten, die auch beim nationalsozialistischen Umbruch in die Erschei- nung getreten sind, in da« helle Licht der öffentlichen Bc- ach nnq hineinznrücken und mitleidlos unter die Lupe einer krstnchen Betrachtung zu nehmen. 1. Es bat sich im öffentlichen Leben vielfach der Unfug h»iausgebildet, durch öfiemliches Reglement nicht nur, wie es richtig und geboten erscheint, die großen, wichtigst«» Gr»ndges«tze unseres nationalen Lebens zu bestimmen und festzulegen. sondern darüber hinaus auch nvch im einzelnen I* v"rsvatev Mensch-« den Köder seiner rein persönlichen Aunaü'ungri' vorzuschreiben. Das(ührt out die Dauer z n einer Sitten riecherei, dt« alles ander« als nationalsozialistisch ist. Naturiremd« Men- schen, die entweder ein Leben schon hinter sich, oder nicht verdienen, daß sie noch«inS vor sich haben, machen im Namen unserer Revolution in Moral. Diese Art von Moral hat oft mit wahrer Sittlichkeit nicht viel zn tun. Sic stellt ethische Gesetze auf, die vielleicht daß Gemein- schaktsleben in einem Nonnenkloster zur Not regeln könnten, die aber in einem modernen Kulturstaat voll- kommen fehl am Ort sind. Das i st M o i o l t« statt Moral, und die dafür eintreten, sind von a l l e» gutenGcisteru verlassen. Aber sie sollen sich wenigstens nicht vor die Oeffentlichkeit hinstellen unter Berufung auf uuö? denn wir wollen mit ihnen und ihrer muffigen Lebensauffassung nicht» zu tun haben DaS geht so weit, daß diese Kumpanei von Sittenrichtern nicht einmal vor den Bezirken desrein Privaten Halt macht. Sie möchten am liebsten in Stadt und Land Keuschheitskommiisionen einsetzen, die die Aufgabe hätten, das Ehe- und Liebesleben von Müller und Schulze zn überwachen. Tie würden zwar, wie es in der bekannte»! Operette heißt, das Küssen nicht abschaffen, well das eine viel zu beliebte Beschäftigung ist? aber sie würden immer- hin, wenn es nach ihnen ginge, da« uationaliozialiftiiche Deutschland in eine Einöde von Mun und Muckertum verwandeln, in der Denunziation, Bettschnüfsclei nnd Er- Pressung an der Tagesordnung wären. Dieselben Moralpächter treten häufig an die vorgesetzte» Behörden mit dem Ansinnen heran, Filme, Theater- stücke, Opern nnd Operetten zu verbieten, weil darin Tänzerinnen, Bühnenstars usw. austreten, die anqeblich die schlimmste Gefährdung der öffentlichen Sitt- lichtest darstellen. Gäbe man ihrem Verlangen nach, dann sähen wir bald nur noch alte Jungsern nnd Dilettanten weiblichen nnd männlichen Geschlechtes über die Leinwand und über die Bretter schreiten. Di« Theater ständen leer, weil»a das Publikum in ihnen im allgemeinen nicht das zu linden hofft, was«S in den Kirchen oder Bethänsern sucht. Man verschone nnS deshalb mit diesem heuchlerischen Getue, hinter dem keine echte, starke Lebensauffassung nnd auch keine ehrliche Moral sieht. Es ist meistens nur der Widerstand der im Leben zu kurz Gekommenen gegen das Leben. Er wird das ewige Leben und seine Gesetze nicht aufheben, höchsten» sie hinter eine Breiwand von verächt- lieber Heuchelei und lügnerischer Prüderie zurücktreten lassen. 3.? i e d c u t I ck e F x a n geht nicht allein du6, sie sitzt nicht allein im Restaurant, sie fährt nicht ohne Anstgnds- dame mit einem Jüngling oder gar mit einem TA.-Wann auf die Tanntagnachmsttaglour, sie raucht nicht, sie trinkt Es ist ein Skandal.. SA."Ninister Bayerns und Anarchisten gegen Faulhaber, Marxisten München. 29. Januar. Ter Ton der nationalsozialistischen Machthaber gegen alles, was ihnen einer eigenen Meinung verdächtig und nicht absolut innerlich ergeben ist, wird immer schöner. Am Freitag sprach der bayerische Staatsministcr E i s e r in der Amts- anwalterschulc des Gaues Schwaben in Blcirach zunächst sehr deutlich gegen die sogenannten Gleichgeschalteten. Viele heben heute, so sagte er wörtlich, die Hand zum Hitler- grüß, ohne endgültig Abschied genommen zu haben von ihren sriihercn politischen Ucbcrzengnngcn. V o r a l l e m müsse die Ministcrialbürokratie langsam aber stetig n> i t absolut zuverlässigen nationalsozialistischen K r ä fi c u d u r ch s e tz t werden. Aber auch die Kreise der ehemaligen Schwarzen in Bayern durften nicht ans dem Auge gelassen werden. Traurig gc- nug, das, sich die Männer der Kirche heute bei jeder Gelegenheit hinter Konkordate und Verträge verschanzen und scheinbar ernstlich daran denken, snr alle Zeit in Teutschland ein Staat im Staate bleiben z» wollen. Es sei nachgerade ein Skandal, das, sich Kardinal Faul- Haber immer noch nicht zu einem rückhaltlosen ossenen Bc- kenntnis zum neuen Staat ansgeschwnngen habe. Tasür halte er Predigten, die Gewissenskonflikte aller Art Hervorriesen und die kaum gewonnene innere Einheit des Volkes gefährdeten. Ter Kardinal und seine Mit- arbeiter würden besser daran tun, Predigten über das Kapitel des von Gott angeordneten Gehorsams gegenüber der rechtmästigeu staatlichen Obrigkeit zu halten. Die sollten lieber den Versuch machen, dasschlechte Renommee, i« das die Kirche durch ihre politisierenden Exponenten gc- kommen sei, zu verbessern und dafür zu sorgen, daß die Menschen wieder ohne innere Vorbehalte in glänbigem Vertrauen zu den kirchlichen Autoritäten auszublicken in der Lage sind Tos waren aber noch nicht alle Gefahren, die Esser aus- zeigte. Neben der in artistisch?» Wühlarbeit gäbe es noch daö scheinheilige Getue gewisser Kreise, die die uatio- nalc Erhebung in die A u f e r st c h u n g der Monarchie auslaufen lassen möchten. Tie Monarchie und ihre Monarchen hätten in Jahrhunderten bewiesen, tast sie nicht imstande seien, eine deutsche Nation zu schatten. Sie hätten daher keine Existenzberechtigung mehr.„TaS deutsche Volk ist sroh, diese Tinge überwunden zu haben."... Man kann sich danach die Stimmung der bayerischen Monar- chistenkrcise, die immer noch und jetzt erst recht nach ihrem „Kim" verlange», ungefähr vorstelle». Ein kleingläubiger Iribischoi Walholisdie Gewissenskämpfe und nationalsozialistische Brutalität, Hinter dem nclchsblschoi Wieder ein katholischer Pfarrer Memmingen lAllgäns 28. Jan. Ans Veranlassung dcS Sonderkommisiars für Schwaben und Nenburg, Brigade- führers Ritter von Schöpf, wurde am Freitag der Stadt- kaplan Prim von Memmingen in Schutzhaft genommen. Er hatte gegen Einrichtungen des nationalsozialistischen Staates „in ungebührlicher und gehässiger Weise Stellung" ge- uommcn. Niemöller abgesetzt Ueberwachtes Telefon Berlin, 28. Fan. Wie kirchenamtlich mitgeteilt wird, ist Pfarrer Niemöller-Tahlcm von seiner vorgesetzten Behörde am 2K. Januar beurlaubt worden. Pfarrer Riemvller war der Führer der kirchenpolittschen Opposition in Berlin. Pfarrer Niemöller, im Kriege Nnterseebootskommandant, hatte im Namen des P s a r r e r n o t b u n d e» die Gläubigen zu gewaltigen Kundgebungen«m sich gesammelt. Fetzt man- regelt ihn die oberste Sircheugewalt, mit Hitler und CMriug im Bund. Göriug hat sich, wie aus Berlin berichtet wird, aus Telefongespräche Niemöllers gestützt und behauptet, dast Niemöller e>ue ungünstige Bemerkung über Hitler gemacht habe. Trotzdem Göring offen die Partei der„Teutschen Ehristen" ergreist, scheint die Opposition von ihrem Äampswilleu nichts eingebüßt zu haben. * Braunschweig, 28. Nov. Ter Pfarrer von Schwartz, bis- her am Tom zu Braunschweig, und Pfarrer Polmer von der Bartholomäuskirche in Blankenburg wurden ihres A m t c s mit sofortiger Wirkung enthoben. Gegen den Pfarrer Lachmnnd in Blankenburg wurde ein Disziplinarverfahren mit dem Ziele der Dienstentlassung er- öffnet. Tie Gemafiregelten sind Angehörige des Pfarre r- notbunbcs. In einer Besprechung zwischen dem Frcibnrger Erzbischof Dr. G r o e b c r und einem Vertreter der b a d i s ch c n R c- g t r r u n g, über die der in Karlsruhe erscheinende„Führer" berichtet, erklarte der Erzbischof, er müsse die Gläubigen dar- aus ausnierksam machen, das, es einem Katholiken nicht erlaubt sei, die T t c r t l i s i e r u n g snr seine eigene Person oder für einen anderen Menschen zu b e a n- trage n. Dagegen erkannte der Erzbischof ausdrucklich an, daß die den Merzten, Heilkundigen und Anstaltsleitern auf- erlegte Anzcigepflicht in keiner Weise den kathv- tischen Glanbensgriindsätze» widerstreite und von den gläubigen Katholiken ohne Gewissenskonflikt erfüllt werden könne. Ter Erzbischof bat nnr darum, daß katholische Or- densschivestern in den öffentlichen Anstalten zu den für die Durchführung des Gesetzes notwendigen Verrichtungen nicht herangezogen werden möchten. In der Besprechung wurden anch zahlreiche Beschwerden über das Verhalten katholischer Geistlicher erörtert: der Erz- bischos sagte in verschiedenen Füllen die baldige V c r- s e tz u n g der belasteten G c i st l i ch c n zu. „Staatsfeindliche" Pfarrer Glimpflich davongekommen Tic„P irmascnser Zeitung" meldet: Vor dem Schöffengericht Kaiserslautern hatte sich heute der katholische Pfarrer Karl M a t h e i s von Fehrbach bei Pirmasens we- gen politischer Vergehen zu verantworten. Ter Angeklagte mußte am 16. Juni vorigen Jahres, da seine Sicherheit wegen seines regierungsfeindlichen Verhaltens gefährdet er- schien, in Schutzhaft genommen werden. Während dieser Zeit hat Pfarrer Matheis, der früher ZentrumSredner war, in äußerst abfälliger Weise zur nationalen Regierung Stellung genommen. So erklärte er. diese Regierung sei nichts als Kommunismus, beschimpfte die Imsweiler Hilfepolizei und SA. ii. a. m. Da» Gericht erkannte an Stelle einer verwirk- ten GeiängniSstrafe von zwei Monaten auf eine Geldstrafe von 200 Mark. »t Die sogenannten Kirchenführer angeblich solidarisch Ter Reichsbischos hatte, wie vom Büro des RcichöbischviS gemeldet wird, heute lSamstagi die gesamten Kirchensührer der Deutschen Evangelischen Kirche zu einer Besprechung ein- geladen. Als Ergebnis wird eine Erklärung veröffentlicht, in der es heißt:„Wir bekräftigen einmütig unbedingte Treue zum Tritten Reich und seinem Führer. Wir vernrieilen ansS schärfste alle Machenschaften der Kritik an Staat, Volk und Bewegung, die geeignet sind, das Dritte Reich zu gefährden. Insbesondere verurteilen wir es. wenn die ausländische Presse dazu benutzt wird, die Auseinander- setzung in der Kirche fälschlich als Kampf gegen den Staat darzustellen. Die versammelten Kirchensühier stellen sich ge- schlössen hinter den Reichsbischof lind sind gewillt, mit allen ihnen verfassungsmäßig zustehenden Mitteln die Autorität des Reichsbischofes zu festigen." Aal den Straßen von Paris... ii Ungehorsame Kanzelredner" Amtliche Drohungen TNB. teilt mit: In letzter Zeit find durch katholische K a n ze l a b kü n d i g u ii g e n Zweifel erweckt worden, ob das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses gemäß den eindeutigen Erklärungen der Reichdregiernng durch- geführt wird. Bei diesen Abkündigungen handelt es sich lediglich um eine lehrmäßige Stellungnahme der katholischen Kirch«, die den Staat nitch hindern wird, das von ihm ttir notwendig erkannte Gesetz in vollem Umiangc aus- zuttihren. Kundgebungen. die einer Aufforderung zum U n- gehorsam gegen das Reichsgesetz gleichkommen, iverden unterbunden. * Görings Wahlspruch: Nehmen ist seliger als Geben Durch Verfügung des Ncaicruilgspräsidciitcn in Düffel- dors vom 21. Januar 1031 ist daö gesamte bewegliche und unbewegliche Vermöge» des Volksvercins sür das katholische T e u t s ch l a n d. des Volksveieinsverlags und der Rheinischen Druckerei AG. i» M.-Gladbach mit sämtlichen Gebändelt, BetriebSeinrichtnngcn, Maschine», Bibliotheken und allem sonstigen Inventar sowie Bargelb, Postscheck- und Bankguthaben und sonstigen Forderungen zugunsten des preußischen Staates eingezogen worden. Dieie Eiuziehnilg, gegen die eö ein Rechtsmittel nicht gibt, ist geschehen aus Grnnd des Gesetzes über die Einziehung volkS- und staatsfeindlicher Vermögen. -» 2 Monate Gefängnis Mir Vikar Die Wahrheit darf nicht gepredigt werden Ter Vikar Aler Maria Holtermann von der Tt.-Lam- bertus-Kirche in Kastrop-Ranrcl wurde von der Tortmun- der Strafkammer zn zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Vikar Holtcrmann hatte iu einer Predigt aus der Kanzel u. a> gesagt:.Nicht die, die ans der Straße Dolch« und Mc- voloer führe», sind die wirklichen Mörder, sondern die Füll- rer, die die Menschen geqeneinanderhetzen. Das kann auch nicht dadurch gutgemacht werden, daß man Staatsbegräbnisse veraustaliet und mit Silber beschlagene Särge aus Staats- kosten anfertige» läßt." Während Vikar Holtcrmann in der heutigen Verhandlung bestritt, Redewendungen in diesem Sinne gebraucht zu haben, behauptete eine Anzahl von Zeugen, daß Holtcrmann die vorerwähnten Ausführungen gemacht habe. * Geistlicher grausam mißhandelt Wie man erfährt, wurde vor zwei Tagen der Pastor Gerhard I a c v b i, der Hauptgeistliche an der Saiser-Wil- helm-Gedächtniskirche in Verlin. au» dem Nachhauseweg von Nazi, die ihm aufgelauert hatten, überfallen und f ü r ch t e r l i ch m i ß h a n d e l t. Er befindet sich mit erheb- lißen Verletzungen in häuslicher Pflege Pastor^aeobi ist einer der Führer des Psarrernotbunbes. das heißt der Oppo- sition gegen die Raziübergrittc innerhalb der protestantischen Kirche. Tie Kaiser Wilhelm GedächtniSkirche ist eine der größten und bekanntesten in Berlin. In Paris ist es am Samstag zu erneuten Straßen- kund g eb ungen gekommen. Sie sind keineswegs nur politischer Natur und nicht nur Ausstrahlung» der Stavisky-Atiäre. Alle möglichen sozialen Ventile wer- den hier geöffnet bei nicht immer klar durchschaubaren Teilkräftcn. Aus den großen Boulevard? begann eS. Offensichtlich wnr- den die Kundgebungen geleitet von Stroßtruppftthrern der Aktion Francaisc und der patriotischen Jugcnbvcrbände. Tie Polizei nahm zahlreiche Personen in Halt. Zunächst waren die Manifestanten mit Neugterigen gemischt, die besonders zahlreich waren, da es ja ein SamStag abend war. Tas erste Eingreifen der Polizei schuf eine unbeschreibliche Verwirrung. Tie Loyalisten ließen F c» e r w c r k S k ö r p e r und Raketen los, hielten den Verkehr auf und zogen sich, wenn sie angegriffen wurden, in die Eases und Kinos zurück. Die Polizei hatte am Opcrnplatz 60 Riesenschcinwerser ans- gestellt. Die Demonstranten hatte zwei Ziele, nämlich die Abgeordnetenkammer und das Palais des Präsidenten der Republik. Sie konnten jedoch in beiden Fälle» frühzeitig zurückgedrängt werden, wobei es allerdings zu blutigen Schlägereien kam. Gegen 8 Uhr wurde die Revolte abgebrochen, da ihre Ber- anstalter den Wunsch äußerten, zum Abendessen zu gehen. Sobald jedoch die Esseiisstund« vorbei war, begannen die Auftritte von neuem. Es wurden durch das Auihe'ien von Fahrzeugen und insbefondere durch das Verstreue» vo» auf Korkstückchen aitfgespießten Nägeln, welche die Autoreifen aufstachen und die Wagen unbeweglich machte», Verkehrssperren gebildet. Tie berittene Polizei griff, soweit die Furcht vor den Nägeln dies erlaubte, wiederholt an, ohne sich indessen richtig entfalten zn können. Größeres Glück hatten die Polizeiinannschaften z» Fuß, welche den flüchtenden Demonstranten in die Eafes, darunter in daß besonders den ausländischen Reisenden bekannte Cafe de laPatx folgten, in denen alle« kurz und klein geschlagen wurde. Ein Feuerwehrzug, der sich zufällig in dr Nähe befand, wurde zerstört und die Schläuche in Stücke geschnitten. Mehrere Zeitungskioske und Bänke wurden auseinander ge- schichtet und n Brand gesteckt. Zahlreiche Laternen ivurden umgestürzt und die Gasleitungen ausgerissen, so daß die Gasgesellschasten sofort Mechaniker zur Behebung der gefährlichen Schäden entsenden mußten. Tie Austritte erreichten ihren Höhe- punkt, als gegen Mitternacht einige hundert Kommunisten, die au» einer Verfammluug kamen, sich einmischten. Tie Polizei hatte sich bis dahin bedeutend ruhiger als in den letzten Tagen verhalten. Erst bei dem Eintreffen der Arbeiter gewann sie ihr altes Temperament zurück. An die 80 ve r- mundete P o l ize i be a m te— die Verletzungen nicht uniformierter Personen werden nicht gezählt— bezeichneten die Strecke. Einige hundert Verhaftungen wurde» vorgenommen, von denen jedoch»ur 21 aufrecht er- halte» wurden. TaS Glanzstück ds Abends bildete ein französischer Bür- ger, welcher gegen 7 Uhr abends aus dem Platz an der Kirche Madeleine erschien, und zwar in völlig nacktem Zustande. Er rechtfertigte diese» Aufzug dadurch, daß er unaushörlich schrie:„Ich bin ei» unglücklicher Steuerzahler, den man völlig ausgezogen h at." Der Mann war keineswegs ein Wahnsinniger, sondern lediglich ein origi- neller Kops, der trotz der herrschende» Kälte Wert darauf legte, eine nicht zu übersehende Kundgebung gegen die Finanzpolitik des„System" zu liefern. Ter nackie Steuer- zahler wurde von einigen Polizeibeamten ergrifen, ivelche ihn voll Nächstenliebe in einen ihrer Mäntel hüllten, die be- kanntlich sehr kurz sind und nur bis zur Hälfte des Gelöstes herabreiche». Auf dem nächsten Polizeirevier fand der Steuerzahler Gelegenheit, sich die«»bedeckt gebliebenen Körperteil« zu würme». Englische Rüshingserhlärungen London, 29. Jan. In einem Aufsatz des parlamentarischen Berichterstatters ber„Times" heißt eS: Tie Abrüstnngs- frage hat ein endgültiges Stadium erreicht, mit dem die bri- tische Politik direkt z» tun hat. Unerfreulich ist eS, daß Frankreich wieder einmal in einem kritischen Augenblick ohne Führer ist. Tie Hauptsache für England ist jedoch, daß sich die britischen Minister auf eine unabhängige Erklärung geeinigt haben, in der sie ihre Haltung zur Abrüstungsfrage umreiße», und zwar in einer Form, die dem Urteil der Welt unterbreitet iverden kann. Tie Erklärung wird am Montag nicht veröffentlicht werden. Man ist sich klar darüber,. daß sie eigentlich eine Antwort aiif Fragen' der deutschen Regierung darstellt. Tie Höflichkeit erfordert eS deshalb, der deutschen Regierung Zeit zur Prüfung des Schriftstückes zu lassen. Anch den anderen Mächten, die an den letzten diplv- malischen Besprechungen über die Abrüftnngsfrage beteiligt waren, also Frankreich und Italien, wird natürlich das Dokument bekanntgegeben werden. ♦ TNB. Paris, 29. Jan. Ter Londoner Korrespondent ftcS „Echo de Paris" erklärt, baß die englische Regierung den zwischen Frankreich und Teutschland in der Abrüstnngs srage bestehenden Konflikt schlichten wolle. In den englischen Gegenvorschlägen sei von einer auf Teutschland anznmen- denden Probezeit keine Rede. Deutschland ivürde grnnd- sätzlich den Anspruch auf den sofortigen Besitz sämtlicher von den übrigen Mächten gebrauchten Tefensivwasfe» er- halte», deren Menge durch besondere Vereinbar»!!,i festgelegt werben solle. England denke ferner daran, das Min- destkaliber der Tefensivartillerie von 0 Zoll auf"> oder 1,7 Zoll herabzusetzen. Endlich würbe die englische Regierung die binnen einigen Jahren vorzunehmende allmähliche Wer- nichtiing derjenigen Tesensivwatten wie TankS, schwere Artillerie, Bombenflugzeuge vorschlagen, die die Sieger- mächte besäßen und die Teutschland nicht beanspruche. Außerdem würde festgelegt iverden, dast. wenn die Kontrolle ernst- liche Verstöße durch eine Macht feststellen sollte, die übrigen Mächte antomatisch von ihren Verpflichtungen entbunden seien. Tie Frage der Kontrolle der halbmilitärischen Ber- fand? dürfte wahrscheinlich durch spätere Vereinbarungen geregelt werden. Deutsd ic Stimmen•{Beilage cur..Deutschen 9weitkeit"• Ereignisse und Sesdkidkten Dienstag, den 3Q. Januar 193» „5o*t JCoh" Die Aufnocdung det SchundCiteeatue Balzac, Maupassant, Pittigrilli, Baudelaire und Zola sind im„dritten Reich" verbrannt und verboten. Verbrannt und verboten sind auch Ludwig Renn, Irmgard Keun, Erich Kästner und Erich Maria Remarque. Nicht verbrannt und verboten ist die Schundliteratur. Und der Führer liest nach wie vor allabendlich seinen geliebten Karl May. Oder doch. Verboten ist die Schundroman-Serie von Frank Allan. Frank Allan ist der„Rächer der Enterbten", und das ist Marxismus. Verboten ist auch die Schundroraan-Groschenserie• on John Kling. John Kling, der Gentleman-Verbrecher, stiehlt nur, um das Gestohlene den Armen zu geben. Und das ist Bolschewismus. Nicht verboten ist aber die 20-Pfennig-Schundserie„S u n Koh, der Erbe von Atlanti s". Man soll sie nicht gering schätzen. Rund 50 Bände liegen bisher vor, und rund 400 000 Hefte hat der Verlag A. Bergmann in Leipzig bisher ins„dritte Reich" hinauswandern lassen. Und doch ist„Sun Koh" bisher nicht verboten worden. Das hat seinen Grund. „Sun Koh" ist nämlich ein staatserhaltender Faktor des „dritten Reiches"; die Schundliteratur hat hier ihre ganz regelrechte, vorschriftsmäßige Aufnordung erfahren. Ein paar kurze Stichproben mögen das beweisen. Band 38, Seite 16:„Die französischen Soldaten, die ein verfluchtes Schicksal für ein oder zwei Jahre nach Gochin- ehina verbannt, wissen zu erzählen, wieviele ihrer Kameraden dort starben, wie Unzählige zwar in die Heimat kamen, aber ihr Lebtag nicht wieder recht gesund wurden."— Geht also nicht in die französische Fremdenlegion; in den Konzentrationslagern des„dritten Reiches" könnt ihr den Tod ja hilliger und bequemer haben! Band 38, Seite 44:„Großartig; da hätte ich um ein Haar drei Mann erledigt, weil sie sich nicht deutlich genug ausdrückten."— So was kann natürlich nur in Französischindochina vorkommen. Band 38, Seite 51:„Zieh ihn lang", befahl Hai kurz. Der Mi-chliug brüllte unter dem brutalen Ruck auf."— Instruktion für die SA.! Band 39, Seite 5:„Hm. demnach gibts Rassen, die in ganz kurzer Zeit hochkommen können?"„Gewiß, nur mit der kleinen Aenderung, daß es sich eigentlich nur um eine einzige Rasse handelt, nämlich um die arische."— Und das freut Göbbrls denn auch! Band 39, Seite 6:„Es gibt eine Rasse, die arische, die alle Kultur auf Erde erzeugt. Außerdem gibt es Rassen, die imstande sind, die arische Kultur zu ihrer eigenen zu machen, ferner solche, die immer halbe Tiere bleiben." — Und die müssen natürlich sanft ausgerottet werden. Band 39, Seite 7:„Es ist die alte Tragödie der Arier, die sich in allen Ueberlirferungen vom menschgewordenen Gott widerspiegelt. Die Blutmischung mit den kulturlosen oder kulturtragenden Völkern, die sich beherrschten, vernichteten, ausnahmslos die bisherigen arischen Stämme." -— Ein paar sind aber noch übrig geblieben und von denen ist nun jeder sein eigener Christus Band 39, Seite 7—8:„Deine Vorfahren, die Angelsachsen, töteten vor 1500 Jahren jedes Kind, das schwächlich und gebrechlich zur Welt kam und ließen nur die wieder Kinder zeugen, die selbst reinblütig und gesund waren. Aber dann kam die artfremde christliche Lehre und brandmarkte diese herbe Auslese als Verbrechen. Ihre Prieser begriffen nie. daß sie... einen ganz arischen Stamm auf den Weg des Verderbens schickten."— Dagegen muß etwas getan werden. Also ran an die Sterilisierung! Band 39, Seite 22:„Die Geschichte der Khmer, soweit sie bekannt ist, ist das typische Beispiel für die Wirkung eines arischen Stammes. Die Khmer waren ohne Zweifel arischer Herkunft, hochgewachsen, hellhäutig und mit leuchtenden Augen, gebietend und königlich in ihrer ganzen Erscheinung."— In Wirklichkeit waren nun allerdings diese alten Khmer in Indochina rassereine Mongolen: da sie aber bekanntlich allerhand Kulturwerte geschaffen haben, macht sie der Lok Mvler. der den„Sun Koh" verbrochen hat und wahrscheinlich Müller heißt, genau so zu Ariern wie Hitler die Japaner und die Neger von Liberia. Band 39. Seite 9—10:„Hast schon recht, mein Junge. Sieh nach Deutschland. Dort haben sie die Gefahr erkannt und züchten durch eine planmäßige Rassenpolitik ihren nordischen Stamm wieder hoch." Und das ist ja denn auch die Hauptsache. Darum fallen die paar Dutzend Morde, Folterungen und ähnlichen Lieblichkeiten des„Sun Koh" nicht weiter ins Gewicht, und der „Sun Koh" wird auch nicht verboten. Jedem das Seine: dem Führer seinen Karl May, und der Hitler-Jugend ihren„Sun Koh". Und nun soll noch einer behaupten, daß die Herrscher des„dritten Reiches" nicht tolerant sind. 5. Die£ücke 9tanns lohst n 1lwweqe" ..Vaterlandsliebe kann Beschränktheit sein, gewöhnlich ist sie gesetzliche Vorschrift."(Hanns Johst: ..Morgenröte") Vor einiger Zeit veröffentlichte eine gleichgeschaltete Literaturzeitschrift eine Lebensbeschreibung von Hanns Johst.(„Weltstimmen", Heft VII.) Der Verfasser bemerkt einleitend: „Es wird niemand als fertiger Dichter geboren. Das Lehen bringt die Anlage zum Dichter zur Entfaltung. Da ist es nun merkwürdig, welche Umwege nötig waren, bis Hanns Johst zu seiner eigentlichen Bestimmung durchdrang." Hanns Johst wollte Missionar werden. Als Pfleger bei Bodelschwingh stirbt ihm eines Nachts ein Mensch unter den Händen. Da gibt er die Mission auf, entschließt sich, Arzt zu werden. Auch hier hält er es nicht lange aus. weil — wie er selbst sagt— er„seelisch zu weich" für diese Berufe sei. Versuche mit wissenschaftlicher Betätigung schlagen ebenfalls fehl, weil er„zu unruhig" ist. Und dann——— „überfiel mich der Dienst am Wort: die Schauspielkunst". Dann kam der Krieg. Merkwürdigerweise macht der Chronist hier einen großen Sprung und berichtet nur von Jobsts Werken, die nach 1918 erschienen sind. Er zitiert lediglich einen Ausspruch Jobsts als Stellungnahme zum Krieg:„Frei war in ihm nur der Mensch, der das Schwert als Weltanschauung wählte." Zu welcher Anschauung der Dichter seiht sich bekannte, bleibt höflich verschwiegen. Und offenbar ist nur die Tatsache, daß er— neudeutsch ausgedrückt— nicht zu den„Besten" gehörte, die sich„fürs Vaterland opferten". Er blieb der Nachwelt erhalten. • Die ausführliche Würdigung der Jobst sehen Werke, die sich der Lebensbeschreibung anschließt, beginnt mit der Verherrlichung seiner lyrisch-epischen Dichtung, bespricht sehr eingehend seine Romane, um abschließend den Dramatiker und Entdecker des neuen„nationalen Dramas" zu feiern. Auch hier fällt auf, daß alle Werke mit Ausnahme des Jugendromans„Anfang" aus der Zeit„nach dem Niederbruch von 1918" datierten. Auch hier fehlt jegliche Auskunft darüber, wo der Verherrlicher des Krieges, der Mann, der„nach Priestern schreit, die den Mut haben, Blut, Blut zu vergießen, nach Priestern, die schlachten"— in der Zeit des großen Schlachtens gestanden hat. Die Frage bleibt offen, wo der Mann 1914 bis 1917 war, der seine Helden ausbrechen läßt in den ekstatischen Ruf:„Wo ist die Be- fehlstelle, wo in aller Welt, die mir meinen Posten gibt, die zwei Meter Wirklichkeit, die zwei Meter Pflicht, die zwei Meter Front!" Offenbar hat der gleichgeschaltete Biograf hier etwas nachzuholen. In Hanns Jobsts Biografie klafft eine Lücke. * Diese Lücke scheint ein dunkler Punkt zu sein. Vielleicht auch ist das Wort von den„Umwegen" symbolisch zu werten. Es werden Stimmen laut, die da behaupten, daß Hanns Jobst, der blutrünstige Barde und Verherrlicher des„heldischen Ja bis zur letzten Passion" sich während des Krieges zu diesem„Ja" nicht aufraffen konnte. Daß er als redikaler Pazifist, der er damals war, lieber Wahnsinn simulierte, als sich zum Kriegsdienst zu stellen. Und daß es ihm tatsächlich gelang, seine„zwei Meter Pflicht" in einer Irrenhauszelle abzuleisten. Es taucht weiter aus der„Lücke" ein Theaterstück auf, symbolisch„Morgenröte" genannt, das in der Zeit des Krieges entstanden ist und das man vergeblich in der gleichgeschalteten Liste der„unvergänglichen Werke" sucht. Darin philosofierte Hanns Johst: „Krieg ist für die Aristokraten Ehrensache. Für den Handel ein Geschäft und für das Proletariat eine Dezi- mierungsangelegenheit." Damit noch nicht genug, nahm er auch Stellung zur Vaterlandsliebe: „Vaterlandsliebe kann Beschränktheit sein. Gewöhnlich ist sie gesetzliche Vorschrift."» Hanns Johst fühlte sich nicht beschränkt genue sein kostbares Ich aus Vaterlandsliebe aufs Spiel zu setzen. * Zugegeben: jeder suchende Mensch muß seine Erkenntnisse umformen nach seinen Erfahrungen.• Die Urteile des Jünglings werden oft überholt durch die des Mannes. Und mancher gelangt auf Umwegen zu seiner Ueberzeugung. Man wird ihn deshalb nicht durch«eine eigene Vergangenheit belasten können, sondern zunächst untersuchen müssen, ob die Beweggründe seiner Wandlung sauber und echt waren. Diese Sauberkeit ist aber dann in Frage gestellt, wenn der „Umweg" sich an den vorhandenen Gewinnaussichten orientierte. Hanns Johst gehört nach seinem eigenen Ausspruch zu der Kategorie des„Handelns, der aus dem Krieg ein Geschäft macht". Er handelt zwar nicht mit Bomben und Maschinengewehren, sondern mit geistigem Sprengstoff. Er hat mit sicherem Instinkt„in richtiger Stunde den richten Stoff" gepackt und sehreit nach„Blut, Blut, Blut" und„explodierten Seelen", weil seine Auftraggeber es so wünschen. Und weil er— wiederum nach seiner eigenen Charakteristik —„seelisch zu weich" war. um den schillernden Lockungen der Konjunktur widerstehen zu können. L. K. Schnett abgesetzt Der„nationale" Film 7 lern SA.-lüri{ocni Ade. du braunes Ehrenkleid, du Kleid wie Schokolade; stolz trug ich dich in Stunk und Streit und kühn bei der Parade. Zwar mußte ich die Garnitur mir einst vom Juden pumpen, doch immerhin— warum denn nur? jetzt fliegst du in die Lumpen. Mich packt— dran hing doch unser Traum— ob des Befehls der Führung teil« Groll, ich fasse dies ja kaum, teils Bitternis und Rührung. Olivgrün malt man jetzt uns an. mein Herz siehts kühl und eisig. denn schließlich ist der SA.-Manu kein Papagei und Zeisig. Keine schönre Farbe ist doch, als die uns den Sieg errungen. Nun würgts in Magen mir und Hals und kratzt mir in den Lungen. Warum, he. Adolf, sag. warum/ Es gärt in unserm Trosse. Was wirfst das Braun du jetzt wie dumm verächtlich in die Gosse? Warum?! Ich frag es schroff und hohl, daß es dich packt und reiße: War dieses Braunkleid nur Symbol? Dann war dein Sieg auch... Sehade! M. I. Gr« h t. Die Besucherzahl der Berliner Lichtspieltheater geht ständig weiter zurück. Die Einkünfte aus der Lustbarkeitssteuer betrugen von April bis Oktober 1932 noch 2 179 000 Reichsmark, in der gleichen Berichtszeit des Jahres 1933 jedoch nur 1 822 000 Reichsmark. Dabei ist die„nationale Kinokunst" offenbar wenig beliebt, da der Anteil ausländischer Filme in den Programmen der deutschen Kinos ungleich höher als früher ist. Hinzu kommt, daß die Laufzeit m m jy- t der Auslands Filme durchweg größer ist als die der neuen l li\tt(7PtA Nazifilme.„SA-Mann Brand",„Hitlerjunge Quex",„Haus Westmar" usw. mußten in den großen Uraufführungs-Kinos sämtlich nach längstens zwei Wochen Laufzeit abgesetzt werden. Selbst diese Laufzeit ist nur dadurch erreicht worden, daß ganze SA.-Abteilungen und NSBO.-Gruppen geschlossen und zu ermäßigten Preisen in die Kinos kommandiert wurden. iin Jbauet übet JMut und JiodeH „Maulwürfe" von Adam Scharrer Der neue deutsche Literaturkitsch stellt sich als bodenständig vor, auch wenn er von Hamsun abgeschrieben ist, wie die sanft-faden Bücher von Waggerl, der seit Neuestem von den bekannten 14 Jahren großmäulig schwätzt; alle die Herren von der Dichterakademie, die die Getreidearten kaum von einander unterscheiden können und die vor dem Geruch der dörflichen Mistgruben die Nasen zuhalten, die Stegu- weit, Brües, Scholz, Beumelburg und wie der ganze neu- deutsche Helikon sonst noch heißt, sie alle sind bodenständig und reden von Scholle, Blut. Boden, völkischer Ehre. Da gibts schon ein Schema für den neuen deutschen Bauernroman: den biederen Landmann, dem der bösartige natürlich jüdische Viehhändler das Fell über die Ohren zieht und der so nebenbei die blondhaarigen Bauernmägde verführt und vergewaltigt, bis der Osaf das Bauernvolk aufweckt und der argentinische Darre, der seinen Akzent nicht für Gold hergibt, die Bauern aus Zinsknechtschaft und Judenketten befreit. Hitlerfahnen sind auch im Bauernroman da« happy end, das die Reichsschrifttumskammer vorschreibt. Der Bauernroman dieser Zeit wird nicht im Reich gedruckt werden, er ist konfiskabel. Er muß im Ausland erscheinen und er kann ins Reich nur eingeschmuggelt werden. Dfr fränkische Bauer Adam Scharrer hat den Bauernroman dieser Zeit geschrieben; das Buch heißt„Maulwürfe und ist im Malik-Verlag zur Zeit: Prag, erschienen. Wir lesen die Geschichte eines Dorfes, die Geschichte der bäuerlichen Klassen dargetan an den Verhältnissen eines Dorfes, Ein armer Hund erzählt das Leben, Hungern und Sterben von armen Hunden, von Dorfproleten, die aufmucken, die sich organisieren wollen, die sich zur Wehr setzen wollen, gegen die Herrenkaste des Dorfs. Scharrers Buch ist die Geschichte einer Niederlage; die Dorfproleten werden geschlagen, die Herrenkaste bleibt Sieger, denn sie weiß sich die SA. genau so dienstbar zu machen wie der Thyssen. Ganz klar und deutlich macht dieses Buch den bäuerlichen Klassenkampf, die Idylle der zugelassenen Dichter stimmt nicht, heute ebensowenig wie jemals. Der Bauernroman Adam Seharrers entlarvt die bodenständige Literatur des„dritten Reichs". Deutlicher als eine wissenschaftliche Abhandlung das vermöchte, zeigt dieses Buch die offiziellen Phrasen eben als Phrasen. Dieses sehr wortkarge und ohne jede Aufdringlichkeit geschriebene Buch wird als eines der stärksten antifaschistischen Bücher bestehen bleiben, wenn die Maulwürfe ihre Arbeit vollendet haben werden; denn wenn dieses Buch auch eine Niederlage erzählt, es erzählt sie so, daß jeder Leser genau weiß, das letzte Wort dieses Buches ist nicht das letzte Wort der deutschen Geschichte. Wenzel S 1 a d e k. „Deutsch die Hhc- deutsch du Jttanq .. Bewußt oder gefühlsmäßig unbewußt hat sich schon längst ein gewisser Widerstand gegen dieses fremde hohle Bim-Bam in uns herausgebildet. Da haben sich nun in Schwenningen bei Kienzle Männer hingesetzt, um der deutschen Uhr die neue deutsche Stimme zu geben. Der deutsche Gong schlägt jede halbe Stunde die Eingangstakte des Horst-Wessel-Liedes, der Potsdamer Gong die Melodie des Glockenspiels der Garnisonskirche in Potsdam. So wird von nun an unsere Uhr deutsch zu uns sprechen."(„Die neue Linie", Novemberheft.) In einem Vortrag zur Begründung der preußischen Dozentenschaft an der Universität Köln wurde nadi einem Bericht der„Kölnischen Zeitung" erklärt:„Die Freiheit des Forschers im nationalsozialistischen Staat besteht nicht für jeden... Der Forscher muß Nationalsozialist«ein,,« und den Führern unbedingt Gefolgschaft leisten."* Pariser Deridite Daladier oder nerriot? Poriser Stroßenhalender Die schwierige Lösung der französischen Kabinettskrise Das Tagesheim des Matteotti-Komitees erfreut sieh, wie wir feststellen konnten, eines regen Zuspruchs. Die in dem Heim vorhandenen Einrichtungen, n. a. die Zeitungen, werden stark benutat. Die Bank von Frankreich hielt ihre Generalversammlung der Aktionäre ab. Die Dividende beträgt wieder 200 Franken auf die Aktie, wie im Vorjahr. Als„regents" wurden wieder gewählt MM. Felix Vernes, der Baron Hotlinguer und Camilie Poulenc. Ein Antrag des Sozialisten Jardel in der Kammer fordert, daß die Mieten in Frankreich, die nach dem Gesetz von 1929 im Juni um 15 Prozent über den Stand von 1914 erhöht werden würden, auf der bisherigen Basis bleiben. Dasselbe Resultat wurde auch im Vorjahre erreicht. Das Pariser Theater Antoine sollte versteigert werden, fand aber kein Angebot. ♦ Nach der Statistik vom 20. Januar beträgt die amtliche Zahl der Arbeitslosen in Frankreich 330 000, davon etwa 65 000 Frauen. Der Zuwachs ist 1700 Köpfe. In Paris werden 92 000 Stempelnde gezählt, davon 26 000 weibliche. Zweifel In der Affäre Stavisky sind bekanntlich bereits 1200 Aktenstücke verschwunden, eine schöne und ruhige Zahl. Wo sie geblieben sind, weiß niemand. Aber es werden in Paris gegenwärtig viele Artikel Uber die neue Riesenschlange und ihre Vorgänger gehalten, daher kann es nicht verwundern, wenn vermutet wird, das Ungeheuer von Loch N e•« habe auch dies verschlungen. So wenigstens deutet ein gelehrter ,.JournaI"-Artikel an, und da kürzlich auch an der Sorbonne ein Vortrag Uber die Wunder der schottischen Küste von Loch Neß gehalten wurde, ist dieses Thema sehr aktuell. Die nächste Wirkung, die das Auftreten des Wundertiers gehabt hat, ist also die gewesen, daß man zunächst einmal alle die Ehrenmänner einsperrte, die noch etwas Knast wegen unehrlicher Manöver abzumachen hatten. Die„Maitres Chanteurs", Erpresser und Schieber hoher Grade, werden dem Vater Oustric und dem edlen Alexandre II. nachfolgen Dagegen bleibt von dem ganzen Stavisky-Prozeß nichts übrig als ein— Zweifel. So lautet der Name des letzten der Angeschuldigten. Die andern sind alle tot oder verschwunden, nur Zweifel ist geblieben. Nur schade, daß die nicht des Deutschen Kündigen, die Ironie dieses'Namens des Monsieur Zweifel nur schlecht verstehen. ► ttr- iikfedkr „tiufeu Tai», meine Herren Kollegen WS Mit diesen Worten begrüßte freudig«u Bayonne der Preis- Schätzer der Sparkasse, M. Henri Cohen, die Ankunft der Experten aus Paris. Diese Zuversicht nützte ihm aber nicht' viel, denn es wurde festgestellt, daß Edelsteine, die der Sckätaer mit 500 000 Franken hatte beleihen lassen, nur 1500 Franken wert waren. Auch die Ausrede, die Kästen seien nach der Schätzung vertauscht, nütate nichts, da sie durch den Mann, der die Siegel angebracht hatte, widerlegt wurde. Was also Wunder, daß die„Villa Chagrin", das Gefängnis „heilig groß," auch diesem Manne sich öffnete? Auch zahlreiche andere hohe und höchste Gäste wie der Hitlerfreund Darios, der übrigens Mulatte ist, sind bekanntlich bereits, in Bayonne und Pau.— Es besteht alle Aussicht, daß.d^r Fasching in den Pyrrlienäen dies Jahf belebter wird. Daher ist denn auch im Frühling von B i a r r i tz in aller Freiheit die Geliebte Tissiers, des stellvertretenden Direktor vom Bayonner Stadtkredit eingekehrt und hat und zwar, ganz ohne falsche Bons, eine schöne Wohnung in Erwartung der Ereignisse gemietet. I« d«n Nachmittagsstnnden M 27. Januar Ist daß Iran» zösische Kabinett CHautemps zurückgetreten. Ueber die Sitzung des Kabinettsrates, in deren Verlauf der Rücktritt der Regierung beschlossen wurde, wird ein« Verlautbarung veröffentlicht, in der ei heißt: Der Ministerpräsident erläuterte seinen Kollegen die Bedingun» gen, unter denen sich der Rücktritt des Justizministers voll» zogen hat. Der Justizminister, der in Zusammenhang mit der Affäre Saeazan, die fünf Jahre zurückliegt, und dt« fei» ntrlei Beziehungen beim Ttavisky-Skandal hat. beschuldigt worden sei, habe es in Uebereinstimmung mit dem Minister- Präsidenten für seine Pflicht gehalten, seine volle Handlungsfreiheit wieder zu gewinnen, um seine Verteidigung zu sichern und die Feststellung der Wahrheit zu fördern. Der Ministerpräsident hat infolgedessen den Rücktritt ange- nommen. -Int Zusammenhang mit der durch diesen Rücktritt geschas» feuen politischen Lage erklärte CHautemps. daß seine Re» gierungsführung in den letzten Tagen mehrere Male von der großen Mehrheit der beiden Kammern gutge- heißen worden sei. Die Regierung bleibe deshalb Herr ihrer Beschlüsse. Das öffentliche Leben stehe jedoch im Augenblick unter dem Einfluß der Wirren, die der Finanz- skandal in der Oesfentlichkeit hervorgerufen habe, und der außerdem als Vorwand für etne politische Propaganda aus- genutzt werde. Der Rücktritt de» Justizministers mache der Regierung die Erfüllung ihrer Pflicht in einer ruhigen Atmosphäre noch schwieriger. Ministerpräsident CHautemps hat deshalb dem KabinettSrat den Rücktritt der gan- ze n Regierungvorgefchlagen, um einem neuen Kabinett die Fortführung der bisherigen Polt- t i k zu ermöglichen. Der Kabinettsrat hat diesen Vorschlag angenommen. Beim Verlassen deS Slyfee erklärte CHautemps:„Der Präsident der Republik hat der Regierung für ihre Be- mühungen namentlich bei Beratung des Staatshaushalts seine Anerkennung ausgesprochen. Unter Hinweis ans die Mehrheit, die mein Kabinett stets im Se«at und in der Kammer erhielt, hat der Präsident mich gebeten, die neue Regierung zu bilden. Ich konnte seinem Wunsch aber nicht nachkommen. Der Präsident der Republik wird unverzüg- lich die Besprechungen zur Lösung der Krise beginnen." CHautemps hatte am 27. November 1033 als Nachfolger des UebergangSkabinetts Sarraut die Regierung übernom- inen. Er versuchte zunächst, die Grundlage seiner Regierung durch Hineinnahme von Vertretern des Zentrums und der sogenannten Neusozialisten zu erweitern. Das scheiterte an grundsätzlichen Gegensätzen zwischen beiden Flügeln. So stellte sich CHautemps am 2. Dezember mit einem fast rein radikal-sozialistischen Kabinett der Kammer vor. Gleichzei- tig brachte er eine neue Finanzvorlage ein. Es war ihm be- schieden, im Lause der Verhandlungswochen in Kammer und Senat einen Erfolg zu erzielen, der seinen Vorgängern ver- sagt geblieben war. Die Regierung konnte Frankreich eine von beiden Kammern verabschiedete Finanzvvktage am den Weihnachtstisch legen, die den Boranschlag um 4 Milliarden Franken verringerte. In diesem Zusammenhang erhielt die Regierung CHautemps dt« Ermächtigung für eine 10 Mil- liardeuanleihe. Ein entscheidender Schritt war getan. Aber noch stand die Verabschiedung des Haushaltsplanes 1034 be- vor. Die Regierung CHautemps hätte also im Januar auch ohne den Stavisfyskandal eine neue Kraftprobe bestehen müssen. Daladier Favorit? Herriot hat angeblich geringere Chancen Paris, 29. Jan. Die Presse neigt allgemein der Auffassung zu, daß weder Senatspräsident Jeanneney. noch Kammerpräsident B v u t s so n für die Bildung des neuen Kabinetts in Fragt kommen: Jeanneneu sei zu alt und Bouillon ein eingefleischter Sozialist, so daß durch seine Be- traunng wieder parteipolitische Fragen, die man doch gerade ausschalten wolle, ausgeworfen werden könnlen, um so mehr als bann die Frage der Beteiligung der Sozialisten an der Regierung akut werden würde. Aus diesen und anderen Gründe n hält man die Berufung Herriots oder Daladiers sür wahrscheinlich. Der„Matin" behauptet, daß Daladiers Chancen am Sonntag gestiegen seien, weil Herriot bei dem letzten Wahl- kämpf eine zu einflußreiche Rolle gespielt habe, der neu« Mann aber nach dieser Richtung völlig unbelastet sein soll«. Diese Voraussetzung erfülle Daladier, der überdies allcnt» halben Sympathien genieße, energisch sei und sich schon bereit erklärt habe, ohne Rücksicht ans parteipolitische Erwägungen eine bis weit nach rechts ausgreifende Regierung zu bilden. Daladier soll auch nach einer anderen Version auch bereit sein, einen parlamentarischen Untcrsuchnngsansichuß der seinen Bericht über den Stavisky-Skandal binnen einem Monat vorzulegen hätte, anzunehmen, während Herriot nur sür das von CHautemps vorgeschlagene„nationale Ehren- geeicht" sei, und seine etwaige Mehrheit von den Radikal- soziälisten bis zu den Linksrepublikanern ausdehne, das heißt eine Regierung der republikanischen Union bilden würde. Erwähnt sei noch, daß ein Blatt wie der„Petit Parisien" sogar Leon Blum als möglichen Kandidaten nennt. CHautemps soll jedes Portefeuille im künftigen Kabinett bereits nbgelchnt haben. Parteipolitische Kombinationen scheinen, wenn man die verschiedenen Voraussetzungen für die Regierungsmöglich- leiten in Betracht zieht, immer noch eine große Rolle zu spjelen, obwohl die Forderung des Landes auf etwaS ganz anderes lautet. Unter diesen Umständen sind Mahnungen der Blätter, die vor einer Krise des Regimes warnen und deshalb die Hintanstcllnng aller fleinlichen Bedenken fordern, nicht ganz unberechtigt. Tardlen und Renandel Rechts und Links AndreTardieuhat den Journalisten erklärt: „Ich glaube, daß man bei der gegenwärtigen Krise unr ein möglichst breites Kabinett der nationalen Union bilden kann unter Führung eines neuen ManneS, weil man erstens unmöglich auf die Dauer das neue Ministerium aus den Besiegten des Vor- tages bilden kann, zweitens, weil der Ursprung und die Art der Krise sowie das offensichtliche Bedürfnis der Unparteilichkeit für baS Land ein Partei- Ministerium ausschließen und insbesondere«in Ministerium aus den Parteien, die das Ministerium Chautcmpv gebildet haben." Renaudel sagte den Vertretern der Presse: „In erster Linie muß gesäubert und er bar- mungSlos zugeschlagen werden. Es ist Sache d e r L i n k c n, die nötige Säuberung vorzunehmen." Ei« feines Kleeblatt Stavisky-Darius-Göbbels Paris, 29. Jan. Das Pariser Wochenblatt ,,J« sui» partout" befaßt siiHmlt den Zusammenhängen zwischen den Fälschungen von BayoUne uüd dem Berliner Pro- pagandaministerium. Herr Darius, erzählt das Blatt, dem im Anschluß an eine Kampagne seiner Zeitschrift„Brc et Vngles" 15 000 Franken Mouatssubvention von Stavisky bewilligt worden waren, hatte die Situation noch gründlicher ausnutzen wollen und auch Gelder zur Gründung einer Tageszeitung gefordert. Aber Stavtskys Mittel waren be- reits erschöpft, und der Betrüger erklärte, zu einer so gro- ßen Ausgabe nicht in der Lage zu sein. Daraufhin machte Darius den Vorschlag, Stavisky möge ihm Bons der„Cre- dit Municipal von Bayonne" anvertrauen, er wolle sie zu seinen Gunsten placieren. Darius bekam ein Paket mit BonS, reiste nach Deutschland und konnte dort in der Tat seine BonS verkaufen,— allerdings unter der Bedingung, daß der zu gründende„Midi" entsprechend den Intentionen der deutschen Propaganda redigiert werden müsse. Nach Pa- ris zurückgekehrt, teilte Herr Darius seinem Partner mit, er habe Bons im Betraae von 2» Millionen Franken unter- gebracht: aber anstatt sich, wie Staviskv ihm vorschlug, mit einer Provision von 39 Prozent zu begnügen, behielt er den ganzen Erl»» kür sich selber— und stellte Stavisky anheim. er möge ihn verklagen. pariser Theaterbrief Der Januar ist, wie gewöhnlich, nicht arm an Pariser Premieren. Im..Theatre de I'Oeuvre" wurde soeben die jüngste Komödie Fernand C r o m m e 1 c k s aus der Taufe geliehen. das„Tbeatre Saint Georges" präsentiert in diesen Tagen ein wen«« Stück von D e n y s A m i e 1, das ,.L H o m- mw" heilten wird und einer Serie von über vierhundert Vorstellungen de» banalen Dreiakters„Trois et Une" folgt,«ler allenfalls Herrn Amiel zum Verfasser hatte. Im„TheatrS de la MiehodiFre", wo zwei kleine Werk« von Sacha G u i t r y nur recht beschränkten Zulauf gefunden hatten, aeigt man demnächst das jüngste Stück Edouard Bourdets,„Les Temps Difficiles", das schon durch seinen erneuten Beweis für dieses erfolgreichen Autors fast schon beängstigenden Aktualitätsinn bildet. Im„Theaträ Michel" wird fast zu gleicher Zeit„Parole d'Honneur" von Henri Yeanson zur Uraufführung gelangen und das Pariset Regiedebut FrancescdvonMendel»- lohzt bilden, der einen TeH«eines Berliner Rufe« auf einer gelungenen Einstudierung von Achards..Jean de la Luae" begründete.„Petrus", das legte Werk Achards. hat in der„Com£die-Champs-Elysees" weit minder vorteilhaft abgeschnitten als seine früheren Biibnendirfitungen. und Louis Jbuvet hat«ich daher entschließen müssen, der„Höllenmaschine". einer Paraphrase über den Oedipusstoff von Jean Cocteau, noch eine Wiedereiustudierung' von Simon V a n e s..Ueberfahrt" vorausgehen zu lasse«. Während die Aufführungen der Reinliardtschen Fledermaus- iaszenierung sich ihrem Ende nähern, hat Charrella „Weißes Rößl" die Ziffer„600" inzwischen Mit ungeminder- t«r Anziehungskraft überschritten„Tovaritsth von Jacue 0 8 va 1,„Le Massager" von Bernstein,„Coriolsn' und„Richard der Dritte" sind nach wie vor die bester Kassenerfolge der Pariser Saison. Victor B a r n o w- s k y hat unter diesen fernständen gewiß nicht unrecht, wenn •r sich entschließt in Paris„Wie's Euch gefällt", seinen Berliner und Bukarester Triumph, in französischer Sprache zu einer Neuauflage zu führen. Was die jüngste Crommelynck-Premiere im„Theatre de I'Oeuvre" betrifft, so muß ich bekennen, daß„Une Femmo qu a le coeur trop petit" unter den Bühnenwerken des belgischen Dramatikers wohl schwerlich die erste Stelle einnehmen dürften. Die Tragödie„Garine" bleibt für mein Empfinden ein Meisterwerk, während diese jüngste Dichtung nur in Einzelheiten— in einer Unzahl von Einzelheiten allerdings— die große Künstlerschaft ihres Verfassers verrät. Einer erlesen schönen und dichterische» Sprache sowie einem seltenen Reichtum an unübertrefflichen Charakterisierungsdetails steht eine gewisse Unsicherheit in der Gesarat- stilgebung gegenüber, die den Zuschauer befremdet und auf die Dauer— die allzu lange Dauer dieser drei Akte—• ermüden muß. Es kommt hinzu, daß das„Oeuvre" in der Wahl einer Reihe von Hauptdarstellern keine übermäßig glückliche Hand bewiesen hat. obwohl es sonst gerade das besondere Verdienst seiner heutigen Leiterin, P a u 1 e 11 e Pix, gewesen ist, Talente zu entdecken und mit bewundernswertem Mut in den Vordergrund de« künstlerischen Bühnenlebens der Hauptstadt zu geleiten. Immerhin und allen Einwänden zum Trotz bleibt die Uraufführung einea Werke« von Fernand Crommelynck«in ebenso seltenes wie markantes Ereignis im Pariser Theaterbetriebe, da dieser Autor— wie nur ganz wenige noch neben ihm— eine geradezu vorbildliche Selbstkritik besitzt. Der Stilbruch in dieser, seiner jüngsten Dichtung ist vielleicht in eriter Linie daraus erklärbar, daß er in„Une ferame qu a le coeur trop petit" den Versuch zum Uebergang in ein heitereres Genre gewagt hat. das sein Temperament hei näherer Prüfling grundsätzlich widerspricht. E« war unter den gegebenen Umständen kein Wunder, daB der Autor am Schluß der Vorstellung durch das geladene Uraufführungspublikum begeistert gefeiert wurde, obwohl die Aussichten auf einen Serienerfolg seiner Dichtung mir nicht besonders groß erscheinen. Im Falle, daß in absehbarer Zeit im„Oeuvre" «in neuer Programmwechsel erforderlich wird, sollen„D i e Rasse n" von Ferdinand Bruckner hier die Pariaor Uraufführung erleben, für die die Direktion des„Oeuvre" anderenfalls eine zweite Bühne pachten wird. Hans-Adalbert v. Maitzahn. nvm Paris Der Film..B r e n o e n d e s G e h e i m n i s" mit. Willy Forst und Hilde Wagener ist nach Paris gekommen. Man sieht die verfilmte Novelle Stefan Zweigs von der Liebe einer Mutter zu ihrem Sohn unter dem Titel ,.Fin de Saison", im Pau- thcon-Kiuo. Ein heuer Maurice-Chevalier-Film. Erlebnisse des„komme — Sandwich" wird als„L' A m o u r g u i d e" im Pari- raount gegeben. „The Mnquersdo r"(Lord Byron). Regie Richard Wallace, handelt von einem amerikanischen Abgeordneten, der sich von einem Doppelgänger im Parlament und(nach seinem Tode) bei seiner Frau vertreten läßt. Der große Pariser Film„Las Miserable«" nach Victor Hugo wird mit seinen drei Teilen„Une tempete sous une crane",„les Thenardier" und„Liberts, Liberte cherie" am 3. Februar im Marignan von 20.30 bis 2 Uhr gegeben. In nächster Zeit erscheinen die drei Filme einzeln auf der Leinwand. Der dramatische Autor und Abgeordnete von Hochsavoyen Henri Giere hat die Schaffung eines Credit cinemzto- grapliique zur Stützung der französischen Filmindustrie im Sinne. Man will eine direkte Abgabe von den töelicjirn Einnahmen der Kino« schaffen. Die Filmkammer ist dafür, die Kinodirektoren dagegen. Demnächst wird nach Europa und Paris ein in Amerika gedrehter Russenfihn komineu. in dem Rudolf S.child- kraut einen Sowjetrussen spielt. Der Film heißt„Square rouge". Er ist nach dem Roman„Leben und Tod de« Nikolai Kurbow" von Ilja Ehrenburg gearbeitet, dem in Pari« lebenden russischen Schriftsteller, der«war offisiell mit den Sowjets zerfallen ist, ober noch für«owjctrussischc Zeitungen schreibt. Ein Jahr„drittes keim V ortrag Professor Mareks in Paris. Im Saale der Liga für Menschenrechte in Paris sprach l'niversitätsprofessor Dr. Marek(früher Breslau) über „Ein Jahr„drittes Reich". Innenpolitisch hat der deutsche Faschismus in einem Jahre den Totalen Staat geschaffen. Das allgemeine große Staatszuchthaus ist geschaffen. Man hat in früherer Zeit oft auch gegen den Sozialismus den Vorwurf erhoben, daß er den Gegensatz zwischen Staat und Gesellschaft aufheben wolle( z. B. Bismarck und Eugen Richter von sehr verschiedenem Standpunkte aus). Und in der Tat will auch der Marxismus die Verschmelzung von Staat und Gesellschaft, aber im Gegensatz zum Faschismus zugunsten der Gesellschaft. Der Sozialismus will die totale Gesellschaft schaffen, die schließlich den Staat als reines Organisationsgebilde überflüssig macht. Der Faschismus, der in allem die Kehrseite des Sozialismus in einen) pseudosozialistischem Gewände darstellt, schafft den totalen Staat auf Kosten der Gesellschaft, des Lebens der einzelnen und der Gruppen. So ist der Sozialismus der Testamentsvollstrecker des Liberalismus. während der Faschismus nur sein Mörder ist. Er hat in Deutschland binnen Jahresfrist alles, was innenpolitisch Erbe einer liheralistischen Epoche genannt werden kann, restlos zerstört: Parteien, Länder, Kommunalverwaltungen. Gewerkschaften und wirtschaftliche Verbände, fre-„ Berufe. Kunst und Wissenschaften, unpolitisches Beamtentum, Judenemanzipation und schließlich die Kirche. Die Mittel, deren sich die deutsche Konterrevolution hierbei bedient, sind Terror, und zwar eine typisch konterrevolutionäre Terrorart, die nicht den Mut zu sich selbst hat, sondern im Rahmen einer bestehenden und zu schützenden Ordnung aufzutreten vorgibt, trockene. Gleichschaltung, wobei man der deutschen Konterrevolution einen Rekord der Gründlichkeit zuerkennen muß. schließlich die Erzeugung eines Massenrausches, für den die Feste des neuen Deutschland, diese Mischungen aus Wagneropern, wilhelminischer Sedansfeier, zünitlerischen Mittelalter und Nachahmung italienischer oder sowjetrussischer Propagandamethoden (..Die Welt als Festwiese und Konzentrationslager") typisch sind. Aus der Strategie des Nationalsozialismus werden alle zukünftigen Revolutionen lernen können. Nach der schweren Artillerie-Vorbereitung der Wahlkämpfe setzte mit dem Göringschen Schießerlaß, den Presseverboten, der Aufhebung eines wirksamen Schutzes gegen Wahlterror, eine„militärische Vorfeldbereinigung" ein. Hauptschlag wird Reichstagsbrand und Reichstagswahl: mit einer Parlamentsmehrheit von 51 Prozent, mit einem blindzuverlässigen Staatsapparat und einer„Volksbewegung", die sich in einer großen Reihe von Einzelputscheu(Länder-, Kommunal-, Warenhäuser-, Krankenkassen-. Gewerkschafts- bis zum Theaterputsch) unter Führung der Prätorianergarden äußert, wird die nationale Revolution nach dem 31. März als nationalsozialistische Revolution weitergetrieben. Nachdem mit der Entmachtung des Reichspräsidenten und dem Rücktritt Hugenbergs die ehemaligen Verbündeten erledigt sind, wird das„Ende der Revolution" dekretiert. Was weiter folgt, ist Ausbau, Betonierung der errungenen Stellungen. Auf diesem Wege stellte der 12. November 1933 eine wichtige Etappe dar. Der Jahrestag der Machtergreifung wird einen vorläufigen Abschluß bedeuten: der faschistische Staat ist vollendet. Ist innenpolitisch ein— zumindest äußerlich— völliger Erfolg der Herrscher des„dritten Reiches" festzustellen, so liegen außenpolitisch die Dinge nach einem Jahre schon anders. Hier ist eine große Unsicherheit der„Führer", vor allem in der Wahl der außenpolitischen Mittel zu beobachten. Diese Unsicherheit ist Folge des im Wesen des Faschismus begründeten Widerspruchs: er muß nach innen zu immer stärkcrem Drucke fortschreiten, er kann seinen Theorien nur treu bleiben, wenn seine Dvnamik die Landesgrenzen springt. Theorien nur treu bleiben, wenn seine Dynamik die Landesgreuzen sprengt. Wirtschafts- und sozialpolitisch ist ein Versagen des Nationalsozialismus auf der ganzen Linie festzustellen. Hier sind alle Aktionen an kapitalistische Experten ausgeliefert, die ihre Position über alles Erwarten(auch der Antifaschisten) hinaus gefestigt haben. Hier feiert der zerstörte Liberalismus in Form des Wirtschaft»liberal! mus, eines Manchestertums allersrhlimmster Sorte fröhliche Umstände. Der Palästinafilm Den Palästinafilm haben wir in Alt-Paris in einein neueren deutsehen Restaurant gesehen. Die Mienen der geflüchteten deutschen Juden zu beobachten, die diesen Film betrachten und daran wieder Hoffnung gewinnen, das Gefühl einer Heimat in sich aufsteigen sehen, ist sehr eigen- artig. Die sonst oft so spöttischen und skeptischen Mienen der Besucher werden fast feierlich. Man gewinnt, auf die kurze Spanne von 725 Filmmetern zusammengedrängt, einen Begriff, was die nationale Heimat für ein Volk bedeuten kann. Der begleitende Vortrag wird mit brennenden Augen beachtet. Die Araber ziehen auf, primitive, patriarchalische Feudalherren gegenüber den europäischen Fahrikationszu- ständen der Juden. Klima. Entsumpfung, Transjordanien mit nur 300 000 Einwohnern ziehen vorüber, dann fallen die Zahlen des Landes der Ralfour-Deklaration: 300 000 luden, 7—800 000 Araber...Wir haben ein Recht auf dieses Land durch den Vertrag mit der Türkei zu San Remo 1920." sagt der Vortragende. Es ballen sich Fäuste, in ernster Zustimmung. Jetzt sehen wir das Land der Verheißung, die wunderbaren neuen„Grunwald-Kolonien" von T e I- A v i v, die prachtvolle Gegend um die Technische Hochschule zu Haifa, die jüdischen Handwerker, die Genossenschaften, die Fabrikbetriebe das weite Land. Nazareth. den See Tiberias. jüdische Polizei bei Uehiingeii. den Boulevard Rothschild, das ganze weitverzweigte Leben des Landes. Wir sehen vielleicht nicht das ganze, weil es eben ein Propagandafilm ist, der vor allem paradiesische Landschaften malt, und man sagt uns vielleicht auch nicht deutlich genug, daß im wesentlichen dies Land heute nur für Geldbesitzer oder für Handwerker mit Fachkenntnissen zugänglich ist. Aber es bleibt der Eindruck' ier großartigen produktiven jüdischen Leistung in dem Lan 1- dl- berufen-ch n int statt einer, zwei M lonen Menschen in der Zukunft cu ernähren— und damit der Lösung der jüdischen Frage in Ost- und Zentraleuropa ganz jcesentliehe Dienste zu tun. T61. Triniie 43-13 M6iro P I o o 11 e Deutsche Poliklinik Paria, OZ, Rue de la Rochefoucauld a) Allgemeine Konsultationen mit 9 SpezizUura. b) Chirurgie c) Geburtshilfliche Klinik<0 Zahnärztliche» Kabinett Innere Medizin. Augen-, Ohren-, Nsren-trnd Kehlkopftcrsak. Zweistöcki£es|Saiutonnm5gebände. Vierstöckiges Gebäude. Zimmer Zehn- und Mundchiruzgie. Gold- aeiten. Röntgen, Diathermie. Elektrotherapie. Spezialbehand. Kieme, mittler» and große Chirur. mit I bis 4 Betten. 3' Aerxte, 3 Heb» und Porzellankronen.«Bracken, lung bei Blut«, Harn« u. Geschlechtskrankheiten pe. Die aller modernste Einrichtung»mmeti tt tyj 2 Operationssäle. Kautschuk« Arbeiten Ordination täglich von 9—12 und 2—8; Sonntags und Feiertags von tO—12 und 2—4 llhx Schlagworte ersetzen auf diesem Gebiete jede konstruktive Tat. Die Phrasen vom Vierjahres-Plan, Arbeitsschlacht, Winterhilfe, Eintopfgericht zeigen die Hilflosigkeit gerade auf sozialpolitischem Gebiet, der das Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit traurigsten Ausdruck verleiht. Der Faschismus bedeutet Höhepunkt und Ende einer Krise, Ende der bürgerlichen Zivilisationsepoche. Ende jener bis jetzt„Neuzeit" genannten geschichtlichen Epoche, die bisher als allzu endgültig angesehen worden ist. Mit dem Liberalismus ist auch der libera- listischeSozialis raustot. Er war nur Diagnostiker, nicht Therapeut der Krise, darum lief das Volk zum Wunderdoktor des Faschismus. In einer neuen sozialistischen Revolution werden rasche Entscheidungsschlachten zu schlagen sein. Und der totale Staat kann zum Wegbereiter der totalen sozialistischen Gesellschaft werden. Dr. Oskar Cohn machte sich in der Diskussion zum Sprecher des allgemeinen Dankes. an den Referenten. Er regte eine Reihe weiterer Vorträge an und dankte dem Vorsitzenden. Prof. Gumbel, der sich jetzt zum Antritt seines Professorenamtes nach Lyon begeben wird. Gumbel schloß mit der Versicherung, auch an seinem neuen Wirkungskreis die alte Arbeit weiterführen zu wollen, diesen wertvollen Abend der Deutschen Liga für Menschenrechte in Paris. Absdiied von Wassermann Der Pariser„Deutsche Klub" veranstaltete eine Wassermann-Gedächtnis-Feier. Hans Jacob, der den Dichter persönlich gut kannte, sprach über Leben und Werk von Jakob Wassermann. Zweifellos hat Wassermann Selbstmord begangen. Die schlechte Laune war das ständige Thermometer Wassermanns seihst vor seinem Werk. In verschiedenen seiner Werke erkannte man mit Recht Menschen der Zeitgeschichte. Wassermann hat die Geschichte verfolgt und aufnotiert. Einzelne seiner Gesalten sind auch ein Spiegelbild von sich selbst. Immer wieder fanden gerade junge Menschen zu Wassermann. Denn der Dichter gab ihnen jenen Trost, der eine Stärke bedeutet. Sein letzter Roman schildert seine erste Ehe. In diesem Roman verurteilt der Dichter sich seihst. Im Anschluß an den Vortrag von Hans Jacob, der reichen Beifall fand, las Herr C. Mayer aus Wassermanns Werken vor. Dcutsdi-französisdie Jugend Franzosen bei der Hitlerjugend Die Jugendgruppe für französisch-deutsche Verständigung hatte in Paris in der Societe des Savonts zu einem Abend eingeladen, an dem die französischen Jugendvertreter Bericht erstatteten, die in Berlin vor kurzem dem Internationalen Jugendtreffen beigewohnt hatten. Unsere Leser erinnern sich wohl noch, daß de Jouvenel sich damals in Berlin sehr überschwenglich mit den Nazis angebiedert hatte, was triumphierend in aller Welt verbreitet wurde. Durch Jean Luchaire. der an dem Besuch nicht teilgenommen hatte, wurde der Abend in sehr vorsichtiger Weise eingeleitet. Die eigentlichen Berichterstatter erzählten von dem liebenswürdigen Empfang, der Aufmerksamkeit, mit der sie von der Hitlerjugend in Berlin umgeben wurden, den zahllosen Uniformen, der gewaltigen Begeisterung, die anscheinend die deutsche Jugend bewegt. Niemand, der die deutschen Verhältnisse kennt, wird sich darüber wundern. War doch schon immer ein deutsches Jugendtreffen durch seine Massen, seine Frische und Begeisterungsfähigkeit ein starker Anreiz für alle anderen Länder, in denen keine eigentliche Jugendbewegung entstanden war. Aber die klugen französischen Delegierten, die nicht mehr sehr jugendlich waren, haben offenbar nicht einmal bemerkt, daß die heutige strammstehende, militärisch gedrillte Hitlerjugend wenig oder nichts mehr mit der freien„nach eigener Verantwortung" strebenden deutschen Jugend zu tun hat. Ihnen allen hat die Massenbegeisterung, die„Einheitlichkeit". die Straffheit ungeheuer imponiert, mehr noch das Gefühl des Fanatismus, das in ihnen steckt. Aber einer der französischen Besucher hat doch feststellen können, daß es der Hitlerjugend an„Intelligenz" fehlt und daß man doch darauf hoffen müsse, diese später aufklären zu können. Eine heftige Diskussion entspann sich über die Frage, oh eine Verständigung mit einer Jugend überhaupt möglich sei. die in dem Wahnglauben der Rassenreinheit und der Idea- logie eines Riesendeutschlands aller Deutschsprachigen erzogen wird. Sehr befremdlich war der Bericht eines französischen Studenten, der davon sprach, er habe viel deutsche Freunde aus den linken Parteien besuchen können: er wußte nichts über ihr Denken und Empfinden zu berichten, sondern hat als eiqzige Heldentat geschildert, daß er zu den Hitler- hursehen, die ihm auch sehr sympathisch waren, sein Bedauern darüber erwähnte, daß so viele alte Freunde aus der Jugend fehlten. Alle Deutschen, die an der Versammlung teilnahmen, haben mit tiefem Bedauern festgestellt, wie wenig diese..JugendVertreter" hinter die Kulisse haben sehen können und wie ratlos sie vor den eigentlichen Problemen stehen, die der Welt durch die heutige Vergiftung der deutschen Jugend gestellt werden. A. K. Die Kathedrale von Reims Aus einer Information von Jacques Ploncard erfährt man, daß die Wiederherstellung der im Kriege zerschossenen Kathedrale von Reims noch lange nicht vollendet ist. Der Architekt teilt mit. daß im Juli des letzten Jahres erst die Staatsgelder für 1932 in Höhe von zwei Millionen Franken augezahlt wurden. Rockefeller hat allerdings 25 Millionen für die Wiederherstellung des wunderbaren Bauwerks gestiftet, aber nur unter der Bedingung, daß der französische Staat den gleichen Betrag aufbringt. Wie viel Geld das neue Budget für Reims auswerfen wird, steht noch nicht fest. Man muß weiter berücksichtigen, sagte der Baumeister, daß die Beträge auch für die Kirche Saint Jacques und für Saint-Remi gelten, die älteste Basilika von Reims, die im Jahre 1918 bis auf die zwei Türme, das Portal und die Umfassungsmauern zerstört wurde. Von der Kathedrale ist jetzt das Schiff vollendet, ferner die Decke und der Dachstuhl, Die Apsis, der Chor und der Lettner sind noch längst nicht fertig. Die Apsis und der Lettner können wahrscheinlich erst im Jahre 1936 den» Gottesdienst zurückgegeben werden. Ein französisdies Duell Der Altbayer Ludwig Thoma hat vor langen Jahren einmal ingrimmig den Abgeordneten Josef Filser in die Geheimnisse des Duells eingeführt.„Unten" im Volke, mit den „Proleten" durfte sich Filser nicht schlagen, die waren nicht satisfaktionsfähig.„Oben." mit den geborenen Prinzen, durfte er sich aber auch nicht schlagen.„Solchene" standen zu hoch und waren von dem besonderen Ehrencodex ausgenommen. An diese alten Schmöker wird man erinnert, jetzt, wo man erfährt, daß in Paris am hellichten Morgen im Parc de* Princes, dort, wo sonst immer modernster Volkssport getrieben wird, ein Kampf mit Schießprügeln unter politischen Gegnern stattgefunden hat Der Abgeordnete Andre Hesse, der neulich im Justizpalast Löcher in der Rohe davongetragen hatte, weil er mit Stavisky getechtelt-mecbtelt hatte, schoß sich mit einem Gegner, aber nicht mit seinem Angreifer, sondern mit einem Journalisten. B e n e i x, der den Fall beschrieben hatt. Die Zeitungsleute warteten verabredungsgemäß vor der Wohnung Hesses, in der avenue Victor Hugo. Auf dem Kampfplatz schoß Beneix frierend, ohne Mantel und mit hochgeschlagenem Kragen, während Hesse, wie Augenzeugen bemerken, vernünftigerweise seinen Mantel anbehielt. Es war„wolfskalt", wie die Franzosen sagen. Nach dem ersten Kugelwechsel klapperte Beneix nervös mit dem Absatz, Hesse schaute an seinem zugeknöpften Ueberzieher herunter. Dann ging auch der zweite Kelch ohne Blutstropfen vorüber. Französische Duelle enden immer blutlos. „Die Gegner schieden unversöhnt," setzten sich jeder in ihr Auto, bezahlten den Arzt, und die Ehre war wieder hergestellt. Es ist leicht über diese Ehrenpässe eine Satire schreiben. Immerhin muß man sich erinnern, daß selbst Ferdinand Lassalle, der Gründer des einen Zweiges der deutschen Arbeiterbewegung, um eine Frau im Duell fiel.— BRIEFKASTEN It.(£. P., Basel. Auch uns fehlen diese Zahlen noch. Wir»et« suchen, sie zu beschassen. Die neue Weltbühne, Prag t, Melantrichova 1, Heft 4 be8 neuen Jahrgangs ist soeben erschienen u»d enthält folgende Beiträge: Willi Schlamm„Nach einem Jahr": Werner Hegemann„Die neu- deutsche Reformation": Mar Rudert„Muholini addiert": Heinrich Mann„Die Diktatoren": Peicr Rodin„Ter WirischastSfaldo des ersten Jahres": Louis Fischer„Der zweite Fünfjahrplan": Be» merkungen: Antworten. Für den Gesamtinholt verantwortlich: Johann P! tz in Dud« weiler: für Inserate: Otto Sühn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH., Saarbrücken S, Tchüyeiistratze 5. Alle Sendungen für Verlag u. Redaktion der Deutschen Freiheit" sind zu adressieren: Saarbrücken 3 SchUtzenstr. S:i Postschließfach 776 ff 20|ahre Weltgeschichte in 700 Bildern! Einlei+ung von Fr. Sieburg Gelegenheits»Angebot statt 29,30 Fr. letzt nur 8,55 Fr Sofort zu beziehen durch BUCHHANDLUNG dei „Volksstimme" Szjrbriicken, Bzlmbolitr. 32 Vetuklrchon, HüHenberzstr Auch die„Kleine Anzeige" In de „Deutschen Frei- heit"bringtErfolo BEK NNTESTE t deutscher Fachmann sucht 50000 Fr. auf Beteiligung, zum Kauf einer BAR, im besten Viertel von BRÜSSEL. Seltenste Gelegenheit. Antwort an: 1633 Ag. 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