Sinzige ynadhLngige Tagesxe'iung Veuischiands Nimmer 26— 2. Jahrgang Saarbrücken, Donnerstag, den 1. Februar 1934 I Chefredakteur: M. B r a u n Ans dem Inhalt 9tecuntec mit^fchmacziueißcot Seite 2 JCaniieccede und Saax.kam.pf Seite 3 Rudolf.nem Einvernehmen mit Frankreich geebnet habe. Die inzlg mvg- liche Grundlage friedfertiger Beziehungen mit ir.i-:n>>nei.i Staat sei lue, mit ihm unter der Voraussetzung geien'? ttger Ehrlichkeit zu verkehren. Würden Hitlers Zusicherun ien» in Paris angenommen, dann werde die Möglichkeit einer Kxn- zösiich-deutschen Verständigung gegeben sein, die die L> r im Westen Europas erleichtern würde, wie es der oeuisch pol- uilcste Pakt im Osten Europas getan habe. In der..Daily Mail" liest man, Reichskanzler Hitler habe in einem Jahr zweifellos sehr große Dinge vollb'gcht. Er sei berechtigt gewesen, zu erklären, daß unter ,hm nnd setner Regierung eine neue deutsche Nation aufgeba it worden sei. Er hat Teutschland geeinigt in einer Weise, wie es nie zuvor, nicht einmal unter Bismarck, der Fall war. Die außenpolitischen Ausführungen de» Reichskanzlers bezeichne' das Blatt als ungemein interessant und wichtig. Hitler habe gut begonnen. Seine Worte hätten alle den Klang der Auf- richtigkeit. Der Berliner Berichterstatter des„Daily Expreß" nennt es ein erstaunliches Schauspiel, daß die deutschen Parla- mentsmitglieder den freundlichen Worten, die an Frank- reich gerichtet waren, stürmischen Beifall spendeten. Durch seine Kühle fällt ein kurzer Leitarikel auf, in dem „Times" die Kanzlerrede bespricht. Das Blatt nimmt An- stob daran, daß der Kanzler fälschlicherweise die Zustände in Deutschland nach dem Kriege auf den Versailler Bertrag und auf eine demokratische Verfassung zurückgeführt habe, anstatt auf die demoraltfierende Wirkung des Krieges. An der Feststellung des Kanzlers, daß jedes Volk über sein eigenes inneres Leben entscheiden müsse, wird von der„Times" die Bemerkung geknüpft, es sei sonderbar, daß in der Rede dieser Grundsatz auch auf die öfter- reichich-deutschen Beziehungen angewandt worden sei. Dagegen werden die freundlichen Worte an die Adresse der britischen Regierung getreulich registriert, ebenso die Tatsache, daß der Reichstag den Ausruf zur Verständi- gung, den der Kanzler an Frankreich richtete, mit Beifall aufgenommen hat. Die rechtskonservative„Morning Post" sagt, daß die Er- klärungen des Kanzlers vom Standpunkt staatsmännischer Mäßigung und Zurückhaltung erfüllt gewesen sind. Sogar eine freundliche Aeußerung über den Völkerbund habe sich darin gefunden. Nach dem, was man gehört habe, müsse man sich fragen, warum eigentlich Europa über den Hitlerismus beunruhigt gewesen sei. Aber Worte seien eben eine zweifel- haste Münze. Es komme auf die Politik an. Die national- sozialistische Politik bedrohe alle Nachbarn direkt und in- direkt mit Forderungen, die sie nicht bewilligen könntenunddteausdiesemGrundesehrleicht zum Kriege führen könnten. Das neue Kabinett Daladier Regierung der Mitte— Paul-Boncour nicht mehr Außenminister DNB. Paris, 90. Ja». Ministerpräsident Daladier hat folgende Ministerliste zusammengestellt und sich mit de« nachstehenden Mitgliedern setnes künftigen Kabinetts ins Elysee begeben, um sie dem Präsidenten der Republik vor, zustellen: Ministerpräsident und Auswärtige Angele, genheiten: Daladier, Abgeordneter, Radikal, sozialift? Justizministerium und Vizepräfidentschast: Penancier, Senator, sRadikalsozialist); Inneres: Frot, Abgeordneter sparteilosj; Finanzen und Hanshalt: Ptetri sLinksrepublikaner); Ministerium für nationale Verteidigung uud Krieg:? abry, Abgeordneter, sRepnbl. Mittel? Lustfahrt: Cot, Abgeordneter sRadikalsozialist); Kriegsmarine, de Chappedelaine, Abgeord« neter iRadikale Linke); Handelsmarine: Guy-la-Chambre, Abgeord» neter sllnabh. Linke): Landwirtschaft: W. Oueuille, Abgeordneter sRadikalsozialist); Oessentliche Arbeiten: Paganon, Abgeordneter sRadikalsozialist); Post: Bernier. Paul, Abgeordneter sRadikalsozialist); Handel: Miftlcr, Abgeordneter sRadikalsozialist)? Bolksgesundheit: Lisbonne, Senator sRadikal, sozialistj; Arbeitominifterium: Baladier, Senator sRadi, kalsozialiftj; Ministerium für überseeische Besitzungen und Kolonien sdieseö Ministerium tritt au Stelle des frühere» Kolonialministertums): Henry de Jouvenel; Pensionsministerium: Ducos, Abgeordnete« sRadikalsozialist). * Ablehnung der Nensozlallsten DNB. Paris, 31. Jan. Die neusozialistische Kammer- fraktion, die den Eintritt ihrer Mitglieder in die Regierung Daladier abgelehnt hat, zählt in einer Entschließung die Bedingungen auf, unter denen sie das Kabinett zu unter- stützen bereit sei: Moralische Säuberung des Regimes, Sichc- rung der republikanischen Ordnung, Sanierung der Finanz- und Währungslage. Festigung des Friedens im Rahmen des Völkerbundes. solle Kriegshetze In deutschen„Arbeiter"-Blättern Immer offener wird die sogenannte Gewerkschaftspresse in den Dienst einer skrupellosen Kriegshetze gestellt. Die neueste Nummer(8) der„Metallarbeiter-Zeitung" stellt einen Rekord dar. Ganz deutlich und offen sagt Werner Pingel im Leit- artikel:„Im NS. wurde das deutsche Volk einig. In der Einigkeit liegt eine unüberwindliche Macht. Die alten Macht- mittel anderer Staaten werden einst versagen, wenn die Völker dieser Staaten zu Unrecht von de» letzte» Resten einer kapitaliftisch-liberalistischen Welt zum Kamps gegen den RS. geführt würden." Und damit man ja misse, wie das recht zu verstehen sei, wird einem in der gleichen Nummer„Das Gebiet des Deutschen Reiches einst und jetzt" sowie„Das Gebiet de« Deutschen Ordens und der Hansa im Nordosten des Reiches von 1809 bis 1410" vorgeführt. Da mag der Nazi sehen, daß Holland und Elsaß-Lothringen, die Schweiz und die heutige Tschechoslowakei Reichsgebiet waren. Nur einen Fehler hat die Karte: Dcutsch-Tüdtirol gehört danach nicht zum Reich. So entgegenkommend behandelt ein Diktator den anderen. Weniger nett werden die Ungarn behandelt, ihnen sagt man, daß Ocdenburg sSopronj zum alten Deutschen Reich gehört habe. Vielleicht tröstet man sich in Budapest mit dem Ersatz, den die Karte den Ungarn für Oedenburg bietet, nämlich nichts weniger als die Slowakei ganz und gar. Dümmer wurde Kriegshetze noch nie betrieben als eS bisher geschieht. Das neueste Der parlamentarische Mitarbeiter der„TimeS" teilt«it, daß die Veröffentlichung der britischen Abrüstungsdenkschriii aller Voraussicht nach heute abend erfolgen werde,«nge- sichto der Länge des Schriftstückes wolle man aus die Ver- lesung seines Inhaltes im Unterhause verzichten. DaS Kabinett werde heute nachmittag zu seiner Wochensitzung zusammentreten. nenmler mit Sdiwarzweißrot! Görtng fordert Verbot der Monardilsfen-Organlsattonen Berlin, 80. Jan. Wie der Amtl. Preußische Pressedienst mitteilt, hat der preußisch« Ministerpräsident G ö r i n g in seiner Eigenschaft als Chef des Geheimen Staatspolizei- amtes an den Reichsinnenminister Dr. Fr ick folgendes Schreiben gerichtet: „In den letzte« Wochen mehren sich die Anzeichen einer unangebrachten monarchistischen Propaganda. Entgegen den Reichs- nnd Landesbeftimmungen werden monarchistische Verbände und Organisationen gegründet mit der anödrück- ltchen Maßgabe, Anhänger zu werben, insonderheit innerhalb der deutschen Jugend. Es hat sich weiter herausgestellt, daß diese Verbände gegen die nationalsozialistische Bewegung und somit gegen den heutigen Staat ei nge- stellt sind. Bor allem aber beginnen fich in diesen Ver- bänden wiederum Staatsfeind« zu tarnen und zu sammeln. Ich stelle daher den Antrag, sehr geehrter Herr Reichs- minister, sämtliche monarchistische« Verbände und Organisation«»«it sofortiger Wir» kong aufzulösen und vor weiteren derartige« Be» strebungen und Umtrieben zu warnen. Der neue Staat ist nicht geschassen wordeu in heftigem Kamps gegen links, damit jetzt wieder von anderer Seite neue Nutznießer sdie Nazis dulden keine andere Nutznießer neben fich- Red. d.„Fr.") eigene Interessen in den Vorder, grund stellen. Jeder, der am Reiche und Staat Adolf Hitlers rührt, muß unerbittlich bekämpft werden. So wie ich in Preußen den Kommunismus nieder, geschlagen habe, will ich mit gleicher Rttcksichtslosig, k e i t und gleicher Härte auch mit anderen mit der nationalsozialistischen Staatbsührung unzusriedeuen Ele- menten ausräumen, auch wenn sie sich mouarchi» ftisch verbrämt haben. Der neue Staat kennt keine» Streit der Staatsform. Monarchie nnd Republik lie» gen beide fern. Beide haben versagt. Die einen haben die Ausrichtung des neuen Staates zu verhindern getrachtet, die anderen haben nichts zu seiner Förderung getan. Die Achtung vor den Verdienste» großer preußischer Könige bleibt dadurch«»berührt." (Ml J* Kanzierrede und Saarfisampf Tägliche Zuspitzung- Wachsender Terror Hitler und die Saarfrage Er versucht nochmals die Abstimmung zu vermeiden Immer wieder versucht Herr Hitler an einer Ab- stimmung im Saargcbiet vorbeizukommen, weil er sie zu fürchten hat. Immer wieder bietet er Frank- reich an, sich vorher mit ihm zu„verständigen", damit er seiner Niederlage an der«aar entgeht. Eine schlappe an der Saar wäre für ihn ein c u r o- päischcs Fiasko. Darum bläst er seit einiger Zeit, und so auch i» seiner gestrigen Rcichstagsrede wiederum, die kleine liebliche Frle- densschalmei und hat sich längst die hohen Flötentöne seiner ersten Rcichstagsrede. in der er seine deutschen Gegner an der Saar als„Landesverräter" z« diffamieren wagte, voll- kommen abgewöhnt. Er ist klein und häßlich geworden und bietet den Franzosen bekanntlich an der Saar so große wirt- ichaftlichc„Vorteile" an, wie er sie seinem innerdeutschen Gegner stets als„pazifistische Schwäche" und„verräterischen .Internationalismus" angekreidet haben würde. Das große Lügen hatte gestern wieder einmal die Platte ausgewechselt und redete mit Engclszungcn, während es schon den Brow- uing entsicherte, der demnächst losgehen soll. Nachdem er für den innenpolitischen Gebrauch ivie- der einmal erklärt hat, daß„niemand in der Welt die Kraft haben wird. Deutschlands Gleichberechtigung flies: Aus- rüstung und Kriegsvorbereitung!) aus die Dauer zu ver- bindern." wiederholte er anfs neue den Schwindel, daß die Taart'rage die einzige sei, die territorial zwischen Fiankreich und Teutschland noch offenstehe. Dabei wissen wir ganz genau, daß der von ihm zum Präsidenten und obersten Lcster der Saarorganisationen ini Reiche berufene Staatsrat Simon in der bekannten vertraulichen Be- fprcchung der gleichgeschalteten politischen Saar-Funktionäre am Nicdcrivalddenkmal erklärt hat. daß die Saar für Hitler »nr das«prungbrett nach Elsaß-Lothringen sein würde und daß„die deutsche Zunge bis Meß und bis Mühlhausen reiche"! Aber das interessanteste Eingeständnis der H i t l e r s ch c n Schwäche in der Saarfragc liegt in dieser Formulierung: Er hat n u r d a» n Zutrauen zu einer Mcbr- heit für sich selbst, wenn vorher ein gemeinsamer Vertrags- cntwurk zwischen Frankreich und Deutschland der Bevölke- rung kaum noch eine andere Wahl ließe, alszu schlucken, was ihr von ihren beiden großen Nachbarn gemeinsam ser- viert würde. Hitler ist also nach den österreichischen und saar- ländischen Ersahrungen bereits zu der Auffassung bekehrt, daß ihm allein die Vergewaltigung noch freier Deutschen nicht gelingt: Er möchte dazu den mächtigen Bundes- genossen im Westen, von dessen maßgebendem Wirtschaft- lichem Einfluß die ökonomische Zukunftsexistenz des Ge- bietes entscheidend abhängig ist, gewinnen. Erst wenn er die deutsche Saarbevölkcrung in diese doppelte Zange nehmen kann, traut er sich an eine Abstimmung heranzugehen und schlägt deshalb Frankreich wörtlich vor: „Wir sind überzeugt, daß, wenn Frankreich und Deutsch- land diese Frage vorher in einem gemeinsamen Ver- tragsentwurf entschieden hätten, die gesamte Bevölkerung der Saar bei einer Abstimmung i» überwältigender Mehr- heit freudig für diese Reglnng abstimmen würde." Das ist die Politik des„Vogel friß oder stirb!" gegen die Saarbevölkerung. Und nur niit ihr traut sich Herr Hitler ciße Abstimmung zu, die ihm Erfolg bringen kann. Wir glauben, daß Herr B o n c o u r daraus in Gens bereits die ebenso klare iv i e entschiedene Antwort erteilt hat, die ein für allemal solche Verhandlungen und solchen Kuhhandel über das Geschick des Saargebictes gründlich und restlos abgelehnt hat. Wenn Herr Hitler trotzdem und nach seiner W c i- g e r u n g, der französischen Einladung aus Teilnahme an den T a a r v e r h a n d l u n g e n in Genf Folge z n l e i st e n, jetzt wiederum und den- noch au die gleiche Türe anklopft, die ihm soeben böslich, aber auch recht deutlich vor der Nase zugemacht worden ist, dann zeigt das besser alS alles andere die außerordentliche S ch w ä ch c seiner S a a r p o s i- t i o n! Was nicht erst niehr bewiesen zu werden brauchte, ist durch Herrn Hitler ganz übcrflüssigerwcise noch einmal bewiesen worden. Wir sind ausnahmsweise sehr zuirieden mit dem Herrn Kanzler von Gnaden des Reichstagsbrandes! dl.B. Täglicher Terror Sogar mit Hilfe von Regierungsbeamten... Tic„V o l k s st i m m c" berichtet: An der Saai steigt das Geschäft im Browningvcrkaus von Dag zu Tag. Wann diese Dinger zu knallen anfangen, wissen wir noch nicht. Es ist aber bestimmt damit zu rechnen, daß die nichtgleichzuschaltende» Funktionäre und Anhänger der Freiheitsfront mit diesen Dingern„überzeugt" werden sollen. Vorerst arbeiten die"Nazis, abgesehen von dem Bomben- atteutat aui unseren Führer sowie die Anrempelcicn hier und dort, noch nicht so^„massiv". Der Terror ist ein versteckter und verbissener. Den Haupt- wert legen die Nazis aus die Einengung der Agitation»er Frciheitssront. Wo nur das Wort„Versammlung" fällt, lausen sie von einem Völkerbnndsbeamten zum anderen, um die dem „dritten Reiche" treu ergebenen Völkerbundsbeamten in der unteren Verwaltung gegen etwaige Veranstaltungen zu mobilisieren. Soweit da die Bürokratie behilflich sein kauu, tut sie es. I» Güdingen war der Saal der Wirtschast Wölf- linger am Bahnhos sür eine Freiheitskundgebung fest vermietet. Kaum waren die de» Vertrag abschließenden Genosscn aus der Wirtschaft, erscheint de» Dorsgewaltige Glttse. Der Geburt nach Deutscher. sonst stark slawische, Typ. Wohlbestallter Beamter der Regie- rnngstommission. Gewesener Militärkapitulant. Er e r k l ä r t e dem Wirt, M. B r a u n dürfe in Güdingen nicht sprechen. Der Wirt habe den Saal nicht an die Marxisten zu vermieten, sonst würde der Wirt aus dem„Notring" ausgeschlossen» das Lokal würde boykottiert und 19 3 5 käme er fder Wirts nach Dachau. Es ist verständlich, wenn einem ein solches Bündel wunder- barer Repressalien angeboten wird, kann selbst ein Wirt nicht widerstehen. Allerdings wollte der Wirt wissen, ob ihm denn nicht die Konzession aus Grund der„Notverord- nung" entzogen werden könne. Zur Aufklärung diese? Falles wurde er an den zuständigen Sachbearbeiter der Gttdinger Gruppe, Herrn Polizei setretär Stumm verwiesen. Und alle Achtung, der Herr versteht Gesetze zu lesen. Daraus wurde der Saal abgesagt. Ein noch- maliges und abermaliges Verhandeln mit dem Wirt brachte eine nochmalige und abermalige Zu- sage und schließlich doch wieder Absage.„An mir liegts nicht," versicherte der glaubwürdige Wirt,„aber- i ch kann nicht, mag kommen, was wolle"(!?), erklärte er zum Schlüsse. Es muß sehr faul um die Sache der Nazis in Güdingen sowie allerorts stehen. Erklärten sie doch bei einem Friseur, „es bleibt so schon niemand mehr im„Notring", wenn jcßt der M. Braun noch hier reden kann, ist alles futsch". Alles hilft ihnen nichts. Die Versammlung»indet nnn im nahen Brebach statt... lecker, der im Jahre 195;... „Wer nicht für Hitler ist, begeht Verrat" Eine össcntlich« Stadtverordnetensißung der Stadt Saarbrücken war der Schauplatz einer ganz nner- hörtenDissamierung und A echt ung aller der Saaarbewohner, die nicht Hitleranhänger sind. Der Stadtverordnete Hillenbrand von der söge- nannten„deutschen Front" erklärte im Namen der gesamten Nazibewegnng und ohne jede Zurechtweisung durch den Ober- bürgermeifter, daß jder,dcrimIahret»»Z nicht für Hitler stimme, Berrat begehe. Es gebe sür die Saarländer nur die Wahl, entweder für Hitler zu stimmen»der abrrBerrat zu be- gehen! Er wiederholte diese schweren Aechtungs- und Diffamie- rnngserklärungen, di« ausdrücklich die Gesetze der Regie- rnngskommisfion ignorieren nnd das Saarftatnt des Ver- sailler Vertrags verleugnen, mehrfach unter der johlen- den Zustimmung seiner Gesinnungstumpane! Bekanntlich sieht der Bersaillcr Vertrag ausdrücklich vor, daß jeder Saarländer frei, unbeeinsl u ß t und g e- heim sür eine der drei im Vertrage vorgesehenen Mög- lichkeiten entscheiden könne. Der Bcrsailler Vertrag sichert jedem Saarbewohner das unbestreitbare Recht zu, sich nach eigenem Gewissen und ohne jede terroristische Ve-in- slussung von außen her selbst zu entscheiden. Der Völker» bundsrat hat in seiner letzten Sitzung zur Wahrung der Be- stimmungen dieses Bertroges eine besondere Kommission eingesetzt, und diese Kommission besonders beauftragt,»hm Maßnahmen zur Durchführung der Vertragsbestimmungen vorzuschlagen. Wir erwarten, daß der Gcneralstaatsanwalt des Saargebietes diesen Fall von unglaublicher Dreistigkeit und be- sonderer Schwere zum sofortigen Anlaß eines Einschreitens aus Grund der Verordnung der Regicrungskomm,s,,on macht. Sie laufen vor Max Braun davon! In dieser Sitzung wurde auch über eine Interpellation der Kommunisten, weil die Stadtverwaltung der kommunistischen „Arbeiter-Zeitung" die Anzeigen entzogen hatte „wegen ihrer politischen Haltung". Als sich M a X Braun zum Wort meldete, um gegen den Terror gegen die Blätter der Arbeiterschaft zu wenden, gc- schah folgendes. Ratlos sahen sich die Spicßerköp'e der sogenannten„deutschen Front" nach ihrem Lcit- Hammel um, was denn nun zu geschehen habe. Einige standen aui und letzten sich verwirrt wieder bin. Das vergnügte Gelächter der Tribünenbesucher und der Linken quittierte über dieses Benehmen, das dem einer Schafherde ohne Leithammel glich. Dann ermannten sie sich und stau- den schließlich alle ans und gingen hinaus. Jetzt unterbrach der Oberbürgermeister die Rede von Mar Braun mit den Worten, er wolle erst die Ruhe wieder herstellen. Als dann die ganze„deutsche Front" abgezogen war. erklärte er kurzerhand, obgleich er das Wort erteilt hatte und sich Map Braun bereits in seiner Rede befand, daß das Haus beschlußunfähig sei und er die Sitzung schließe, wogegen die Linke schärfsten» protestierte und Beschwerde bei der Aus- üchtsbebördc ankündigte. Im gleichen Augenblick rief ein Tribünenbeinchcr: „Vor Mar Braun läuft die ganze„deutsche Front" davon!" Der Oberbürgermeister von Saarbrücken hat mit dieser seiner Haltung erneut bewiesen, daß eine unparteiische und neutrale Geschäftsführung von ihm nicht mehr zu erwarten ist. Kotholisdie Arbeiter bekehre® Das wahre Oesidik der Cleidisdiallung Zu denen, die sich im Saargcbiet an den össentlichen Gleich- schaltungvübungcn eitrig beteiligen, gehören die ch r i st- l i ch e n G e w e r k s ch a s t s s ü h r e r. Die Herren Kiefer und Hillenbrand, die die christliche Gewerkschaftsbewegung an der Saar repräsentieren, bekennen sich mit einer an Selbstverleugnung grenzenden Leidenschaft zu Hitler nnd tun so, als ob es für die Arbeiterschaft an der Saar nur ein Heil gäbe: Die baldigste Betreuung durch das„dritte Reich". Jeder, der über die wirkliche Stimmung der katholischen Arbeiterschaft auch nur in bescheidenem Umfange unterrichtet ist, erkannte ohne Mühe, daß die Reden der christlichen Gc- werkschaitssührer nur Fassaden sind. Welche Sorgen um die Interessen der Arbeiterschaft im Saarkamet aus dem Spiele stehen, und in welch großem Umfange wen bereits das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands durchschaut hat, das bewies eine Generalversammlung des Christlichen Metall- arbeiterverbandes an der Saar, über die die„Saarbrücker Landcvzeitung" ausführlich berichtet. Hier brach eine Empörung gegen die aus Phrasen ausgcbante Gleichschaltung der Arbeiterschaft in so drastischer Weise durch, daß sie öfters vo i der Versammlungsleitling nur mit Mühe beschwichtigt we." den konnte. Eine ganze Reihe von Diskussion, ebner» wandle sich mit Schärte gegen die„politischen S ch l a g iv v r t- Methoden", niit denen heute gearbeitet werde. Andere sprachen erbittert über die ungerechte Behandlung, die den Führern der christlichen Arbeiterschaft, besonders auch des Metallarbeitervcrbandcs in Deutschland, zuteil geworden sei. Eine besondere Rolle spielte in der Aussprache der Raub des Berbandsvermögens in der Zentrale des Christlichen Metall- arbeiterverbandes in Duisburg, wobei auch Vermögensteile der saarländischen Arbeiterschaft in Verlust gerieten. Von welcher Stimmung die Teilnehmer der Generalversauiinfting der Christlichen Metallarbeiter beseelt waren, datür ererbt der folgende Say ein besonders anschauliches Beispiel Wenn ein Arbeiterführer einmal zur Regier ungs- kommission gehe, um Interessen der Arbeiterschaft dar, zu vertreten, dann rufe man in gewissen Kreisen immer: „Seht da, der Landesverräter". Wenn aber der S ch iv e r- industrielle mit den gleichen Herren der Regierung Tag für Tag zusammenkomme, dann finde man das durch- aus in der Ordnung, ja, das sei dann sogar eine besonders patriotische Tat. Die Arbeiterschaft, besonders die christ- liche Arbeiterschaft an der Saar, brauche keinen politischen Vormund. Das Deutsche sei bei ihr selbstverständlich. Aber die organisierte christliche Arbeiterschaft wolle auch bei der Gestaltung der Zukunft an der Saar mit gehört werden... Wer mit dem Schwerindustriellen, der seine Interessen so energisch bei der Regierungskommission vertritt und'ich da bei als besonderer Patriot preisen läßt, gemeint ist, ist nicht schwer zn raten. Es ist Herr Röchling, der Worlfüyrer der Delegation der„deutschen Front" an der Saar in Gens. Man sieht, wie es um die 98 Prozent der Bevölkerung, i\e er hinter sich zu haben vorgab, in Wahrheit best.'Ut'st. Denn in dieser Generalversammlung kamen nicht nur f r,irchc, sondern auch geradezu sozialrcvolutionäre Meinungen zum Ausdruck, die in Hitlerdeutschland sofort durch Kanzentra- tionslager gesühnt würden. In seinem Referat üb" Sozial Politik, Arbeitsrecht und Rcchtsschutztätigkeit erklärte der Redner Stein acker, daß der Grundsatz„Gemeinnutz geht vor Eigennutz" nicht nur sür die Arbeiterschaft da i n: öür>e. Schon jetzt sei eine wesentliche Verschlechterung der Sozialpolitik und des Ar» beitsrechts im„dritten Reiche" zu verzeichnen. Bei der Invaliden-, Angestellten und Knapp- schaftsversicherung sei der Reichszuschuß gestrichen worden, seien die Anteile sür Witwen und Waisen verringert worden und würden die Beiträge, die in der Zeit vom l. 10. 1921 bis 81. 12. 1988 geleistet worden seien, nicht mehr angerechnet werden. Ai,' h an der Regiernngskommiision des Saargebictes wurde in diesem Zusammenhang Kritik geübt. Es kani auch zu einer sehr lebhaften I u g e n d b e b a t t e. Ter Iugendt'ührer Kränzen führte Klage darüber,:.,ß die Hitlerjugend die ganze Jugend an sich reißen»nd so be schäftigen wolle, daß sie keine Zeit mehr habe sür andere Dinge. Damit werde die Jugendarbeit des Verbandes ans der ganzen Linie erschlagen. Die Iugenöfübrer firt" nun in einer.Konferenz einmütig beschlossen, diese Treibereien nicht mitzumachen nnd die Jugcnbarb:i> des Christlichen Metalls beiter- verbandcs fclbstänb.g z» erhalten. Plan forderte gleichzeitig, daß die Führer sich sofort mit den vera...wörtlichen S.elleu im Reich in Beroindnng setzen sollten, damit die an d'e Zentrale gegebenen Gelder wieder zurückgegeben werden. In einem Antrag wurde gefordert, daß alle Schritte unter- nomine» werden müßten, um den Verband jeden, Zugriff zu entziehen und das Berbandsvermögen den Mitgliedern zu sich. Ein Redner betonte, daß man bei Einstellungen aus den Hütten diejenigen Arbeiter, die den nötigen„politischen Klamauk" machten, bevorzuge. Noch deutlicher wurde ei» anderer. Er sagte, daß die gewerkschaftlichen Organisationen aus dem besten Wege seien, ihr eigentliches Auigabengcbict zu ver- lassen. Schon löse auch an der Saar eine politische Veraustal- lung die andere ab. Die Wirkung seien Maßreglung und Terror gegen christliche Arbeiter: Es hat Zeiten hier im Saargebiet gegeben, als gewisse Leute nicht zu sehr in den Vordergrund traten in der Ver- tcidtgung deutscher Interessen, und eS gibt auch Leute, die christlichnativnalc Metallarbeiter inner- und außerhalb des Betriebes zu denunzieren versuchen, weil sie nicht jeden politischen Kurs hundertprozentig mitmachen... Wir fordern Freiheit für die Mitglieder des Verbandes, nicht auf den Saargruben, sondern auch aus den Hütten, wo man sehr oit einzelne Arbeitnehmer zurücksetzte, entließ und nicht mehr einstellte, weil er Mitglied unseres Verbandes gewesen ist. Diese Zitate geben nur ein sehr gemäßigtes Vilb von der Stimmung der christlichen Metallarbeiter. Alle-, das, was hier gejagt wurde, steht in schreiendem Widerspruch zu der vielgcruhmten Saar-Eiuigkeit im Zeichen der Gleichschal- lung. Politischer Terror und wirtschaftlicher Druck mache» sich selbst den christlich organistorten Arbeitern in voller Schärfe fühlbar. Ihre Begeisterung sür Hitlerdeutschland Ist erheblich gedämpfter als diejenige ihrer Führer, die Gefolge Röchlings in der„deutschen Front" so schnell wie möglich „heim" ins„dritte bleich" uiöchteu..Kurz, diese sonntägliche Generalversammlung ist ein Stimmungsbarometer von größter Bedeutung. indische Siedlung An der Gironde-Mündung Unter Zustimmung der französischen Behörden ist eine Gesellschaft gegründet morden, deren Ziel es ist, Emigranten in Südirankreich anzusiedeln. Bei Zt. Bivien im Departement Gironde, 80 Kilometer von Bordeaux entfernt, besitzt die fExpvlitations Generalcs AgricoleS) eine Domäne, die unmittelbar an den Hafen von i'e Bcrdon grenzt, der jetzt als Teehasen für Bordeaux ausgebaut wird. Mit der Gründung der EGA. unö dem von ihr getätigten Kauf der -i omutie„La Grande Eanau" beginnt sich ein Projekt zu ver- wirklichen das seit Beginn der Emigration bestanden, jedoch bis heute zu keinem praktischen Schritt geführt hat. TaS Unternehmen, das unter dem Protektorat von Professor Franz Oppenheimer steht, wird 150-—200 Mensche» die Möglichkeit geben, sich eine neue Existenz zu verschossen. Tie Tomäiie Eanau ist 500 Hektar grost und besteht zu etwa zwei Tritte! aus Weideland und zu einen, Tritte! auS Acker. Neben dem Getreide werden Bohnen. Rüben, Artt- schocken und ähnliches angepflanzt. Tic lange BegetationS- Periode lästt de» Anbau von frischem Gemüse noch im Lauf« des Monats Tezember zu. Bemerkenswert sind auch elf Fischteiche, die künstlich abgelassen werden können. Tie Domäne, deren zentrales Gebäude ein Tchlosi ist, besitzt WirtschaftS- und Beamtenhäuscr soivic einen dorfartigen Gebäudekoinplex, der jahrelang leer stand und nun sünfund- zwanzig Familien beherberge» wird. Jede Familie wird drei bis vier Zimmer erhalten. Tie Flüchtlinge, die sich an der Siedlung beteiligen wollen, müssen natürlich über eine gewisse Geldsumme verfügen. Tie werden die Wahl haben zwischen einer Bauern- und einer Handwerkerstellung. Tie bisherigen, noch nicht endgültigen Schätzungen zeigen, da« der Preis einer Bauernstelle zwischen 16000 und 28 00 Praktikanten fassen kann. Ebenso eine Grongärtnerei mit Lehrbetrieb. Lehrwerkstätten kür die Er- lernung der Tischlerei, Schlosserei und aller sonst noch in „rage kommenden Handwerker. Für die praktische Beriver- "<«A der erzielten Produkte hat man mit der Einrichtung einer Molkerei, einer Käserei begonnen. Ein Werk ist im Entitebcn begriffen, daS vielen Familien die Möglichkeit geben wird, ihr letztes Geld das sie sonst in kurzer Zeit auf- gezehrt hätten, zum Aufbau einer neuen Existenz verwenden zu können. Erich Bcrgcr. Das„Sdiwarzl>udi' v Erste Jahresbilanz der Juden unter Hitler .® e jt einem Jahre leiden die Juden unter der Herrschast de» Nationalsozialismus. Genau auf den Tag ein Jahr nach »er Machtübernahme in Teutschland durch Adolf Hitler er- tchetut. vom Komitee deS Telegattons Juives in Paris berMUSgegeben. eine Denkschrift, welche das gesamte Material zur^ lüdischen Lage in Teutschland zusammenfaßt. - deutscher Sprache erscheinende Schrift, der eine iranzösiiche und englische llcbersctzung folgen werden, führt den Namen„Das Schwarzbuch. Tatsachen u n d T o k u- ?' e*• f i e Lage der Jude» in Teutschland 19 8 8. Tie Tenkschrikt, ein stattlicher Band von zirka 540 »eilen Grostnktav. ist mit peinlicher Gewissenhaftigkeit durch- gearbeitet. Sie gliedert sich in zehn Kapitel. I» der Ein- leitung wird ausgehend vom nationalsozialistischen Partei- Programm und von den Reden und Schriften der Führer ge- zeigt, was der Nationalsozialismus für den Fall der Macht- ergreifung bezüalich der Entrechtung der Juden geplant hat. Tie weiteren Kapitel behandeln die Diskrimination der Inden in Teutschland seit Beginn der Kanzlerschait Adol» Hitlers. Hierauf werden die Gewalttaten geschildert, die gegen Inden wegen ihrer Eigenschaft als Juden begangen wurden, schließlich werden die Wirkungen der gewaltsamen Ber- ä-^erungen ans die deutschen Jude» dargestellt. Wer auS politischen, historischen, so»rtesU«and»nnkte darstellen, kann er nicht «ipareifen.. Auch diele Entscheidung ist als Entlarvung wicht'»- In das Leben und in die Rechte de? Arbeiters und AnaelteN»-« kann ieder der llch Führer v-nnt sch-'anken^'-^„« Ma gm Juter-U-N d-A Geld sackS um Jnterest'en. um die Erdaltuna von„Sanderrechten »»e'-kstzandpunkte", dann ist dem Herrn Führer der Ein- griff verboten! Die betrogenen AuslanilsiPubliler Und die klärdien des Herrn Sdiadif In einem Expose vom 2. Januar d. I. versucht Hjalmar Schacht, des„dritten Reiches" Reichsbankpräsident, den Nachweis zu erbringen, daß Deutschland nicht in der Lag? sei, die volle Zinszahlung an seine Auslandsgläubiger zz leisten. Deutschland sei bereit, 3t) Prozent der Zinsen zu transferieren, den Rest in Scrips zu zahlen, die mit etwa 50 Prozent eingelöst wurden. Im Expose wird festgestellt, daß die Außenhandelsbilanz Deutschlands nur einen monatlichen Zinstransser von 11 Millionen Reichsmark zulasse. Bei den Herbstoerhandlungen über die Transfer- frage hatte Schacht auf das Entschiedenste bestritten, daß Deutschland außerordentliche Rückkäufe seiner Auslands- anleihen vornehme. Wie das„dritte Reich" in allen seinen Lebensäußerungen auf Lug und Trug ausgeht, so auch bei der Behandlung dieser Fragen. Die für Milte Januar in Berlin angesetzte Transfer- Konferenz mußte vertagt werden, weil verschiedene Regie- rungen das ihnen von der Deutschen Reichsbank vorge- legte Zahlenmaterial über Deutschlands Zahlungsunfähig- keit einer eingehenden Prüfung unterziehen wollten. Unter dem 25. Januar wird nun aus Washington berichtet, „die Regierung habe eine Untersuchung über den Rückkauf von deutschen Dollar- bonds durch die Reichsbank eingeleitet. DiesorgfältigdurchgeführteUnter. suchung habe ergeben, daß die deutsche Regierung im vergangenen Jahr in ehr Geld für den Rückkauf dieser Papiere verwendete, als notwendig gewesen wäre, um den voll- ständigen Zinsendienst zu erfülle n". Daß der Reichsbankpräsident niemals daran dachte, seine Zusagen einzuhalten, beweisen Berichte deutscher Unternehmungen über den Rückkauf von Auslands- anleihen in den letzten Wochen. Es sind das keine stesl- stellungen eines mißgünstigen Auslandes, sondern Berichte von Behörden und Unternehmungen des„dritten Reiches" Tcutsche Rentenbankkreditanstalt vom 20. Tezember 1983: Das Institut gibt bekannt, daß die zur Verrechnung gegen spätere nominelle Tilgungen verfügbaren 486000 Dollar der 7% garantierten Goldanleihe vom 15. sep- tember 1950 zu außerordentlichen Tilgungen verwendet werden Ein Gleiches ist mit 862 00t» Dollar der 6 h garantierten Goldanleihe per 15. Juli i960 und 826000 Dollar oer 6"<» Goldanleihe per 15. Oktober i960 geschehen. Am 29. Tezember teilte das Unternehmungen mit, daß erst in den letzten Tagen Rückkäufe im Betrage von 1,5 Millionen Dollar getätigt wurde». Phönix A.-G. für Bergbau-Düsseldorf vom 80. Tezember 1983: Ter Treuhänder für die im Jahre 1980 emittierte 6•/« Goldanleihe von 20 Millionen holländischen Gulden teilt mit, daß vom holländischen Teil von 10 Millionen Gulden 8,29 Millionen Gulden zurückgekauft wurden, trotz- dem Tilgung erst ab 1. Mai 1941 zu erfolgen brauchte. Rheinisch-Westsälische Elektrizitätswerke vom 27. Tezem- ber 1938. 5,0 Millionen Dollar— 24.8 Millionen Reichs- mark sind im Hinblick ans künftige Tilgungskäufe bereits erworben. Norddeutsche Kraftwerke A.-G. Hamburg vom 18. Tezember 1988: Diese Anleiben— Schweizer Franken— konnten weiter auf>6.64 Millionen Schweizer Franken verringert werden, Borjahr 19,34 Millionen Schweizer Franken. Also in einem Jahr Rückkauf von 2,5 Millionen Schweizer Franken. Feiten und Gnillaume vom 21. Dezember 1933: Bon der Schweizer Anleihe von 4 Millionen Franken wurde» 600 000 Franken zurückgekauft. Diese kleine Blütenlese aus fünf Unternehmungen er- gibt einen Rückkauf von nominell 44 Millionen Reichs- mark. Tobel umfassen sie nur einen verschwindenden Bruchteil der tatsächlich getätigten Rückkäufe. Daß die Rückkäufe zur Hälfte bis zum dritten Teil der voin Aus- land geliehenen Summen erfolgten, nur nebenbei. Das„dritte Reich" kassiert Reparationen. Jenseits des Ozeans Keine Gegenliebe fürs Hakenkreuz AuS Nordamerika wird uns geschrieben: Wer als Auslandsdeutscher Gelegenheit hat, die gleich- geschaltete Reichsprcsie zu lesen, ist immer w.cder überrascht von dem gleichiörmigen Inhalt aller Zeitungen. Man merkt hier die geschickte Hand des deutschen Lügenministeliums. Wenn gelegentlich Berichte aus anderen Ländern erscheinen, in welchen von angeblichen Erfolgen der Nazi» geschrieben wird, ist man beinahe geneigt, diesen Meldungen Glauben zu schenken, so überzeugend sind sie frisiert. Doch wenn besagte Meldungen ans einem Lande kommen, in dem man selbst ansässig ist. merkt man erst, welch ein Schwarzkünstler der deutsche Lügenchef ist. Tie Begeisterung sür den„Führer" und seine Trabanten ninst wohl im eigenen Lande nicht so groß sein, wie man das Ausland gern glauben machen möchte. In der deutsche» Presse erschienen kürzlich spalteil- lange Artikel mit beigefügten Bildern, in denen von einer hitlcrfrenndlichcn Stimmung in Amerika gefaselt wird. Ter deutsche Lügcnchcs mag sich beruhigen. Wen» es wirklich Länder gibt, in den»- ziellen Unterstützung durch Göbbels erlauben können. Hill<- zeitnngen in deutscher und englischer Sprache erscheinen in.er verschiedenen Namen und weil die Abonnenten fehle», werden die Zeitungen alS Flugblätter verteilt, nicht etwa indem man von Haus zu Haus geht oder an der Straßenecke°eu Vaganten das Blatt in die Hand drückt. TaS i>» bei der Un- bcliebtheit der Hitlerianer, gefährlich. Tie Naziotcn sind in dieser Hinsicht sehr vorsichtig geworden, man lästt die Blä.cer nur den«itzcn t» der Untergrund- oder Straßenbahn, im Omnibus und anderen Behikeln liegen und ist froh, wenn man nicht dabei enviicht wird. In jedem Jahre veranstalten die Deutschen Amerikas eine» sogenannten deutschen Tag. Dieser Tag ist dem Andenke» der ersten Deutschen, welche vor 250 Jahren hier einwanderten, geweiht. Tie Feier SeS TaqeS war in dieiem Jakre mit Schwierigkeiten verknllo't weil Lügen-Joseob seine starken Männer nach hier gesandt hatte mit dem Befehl, den deutschen Tag unter das Zeiche» des Hakenkreuzes zu stellen. Tie teutsche» Mannen'ka nen mit gespickter Bön'e und geöltem Man'werk hier an und vr- aannen ibre Arbeit. Bald waren sie Mitglieder verichied-ner Bereine und versuchten durch Uebcrrednnaskünsie»nd Ter- ror die Bereine unter das Hakenkreuz zu bringen? Erfolg? Tie Beretne. welche alle der..German?aelety" an- gestörten,«nd dentsche Getelligket««nd deutsche ,ltnr pllegt»«. wnrde« in»tele kfeW Grnvpe««etnalt»,,. I« .»«« Frgnfiseo waren die Reibereien wegen der Haken- krenUahne so groß dast der Maoor dieser Stadt den dentschen Tag einfach verbot. begriffen, nahmen eine drohende Haltung an, weil»e in dieser Feier eine Kundgebung für Hitler vermuteten. Eine große Polizeimacht wurde aufgeboten, um Ruhe und Ord- nung aufrechtzuerhalten. Mehrere Strastcnblocks wurden polizeilich abgesperrt, nm die nach Tausenden zählenden T:- monstrantcn zurückzuhalten. Tie Feier war nicht eine»o große Kundgebung kür Hitler, wie GöbbelS den Leiern feiner Lügcnprcfic erzählt. Als Luther im Madiion Square Garden erschien, erhoben die 400 SA.-Lcute, weiche eigens zu diesem Zweck importiert und geschickt im Garden verteilt ivaren, ein fürchterliches Geschrei lHeil Hitler»nd Heil Deutsch- land). Eingeschüchtert»nd ängstlich streckte Dr. Haus Luther gehorsam seinen Arm zum Mullolini-Gruß auS. Seine Rede wurde oit von Zwischenrufen unterbrochen und erst, nachdem man eine beträchtliche Anzahl Ruhestörer hinausbegleitet hatte, konnte er seine Festansprache halten. Doch von dielen Tatsachen wird der brave deutsche Leser nichlS gewahr. Soaar die Geqendemonstranten bat man sotograsiert, fie erscheinen in der„Berliner Illustrierten" alS begeisterte Hitlerianer. Jeder Ausländsdeutsche sollte gelegentlich eine gleich- geschaltete deutsche Zeitung in die Hgnd nehmen, auch wenn ihn die unterwürfige Hundedemnt der Schreibcrknechte an- ekelt. Er wird»icllcicht Berichte aus seinem Gastlande ent- decken, welche ihn In Erstaunen versetzen. AIS seine Pflicht muh er eS betrachten, die Lüaenberichte sofort zu korrigieren. Es gibt genua TentG'c. antifaschistische Zeitungen, die gern Kenntnis von seiner Berichtigung nehme». Jede Berichtigung muß ein Schlag aus daS freche GöbbclSsche Lügenmaul sein. Stiele nadi Amerika 1 Jahr 8 Monate Gefängnis Biete kleinere weit- und mittelamerikantschc Städte folgte» seinem Beispiel, so daß die TcuUchev»m ihren deutschen Tag kamen. welches tedes Jahr in vollem Harmonie gefeiert mnehe. In Philadelobia«oote man die Sivnichasi mit ihren Zehnen vom F'st»ifck. AlS Tr. Ln'ber erschien und kein o>g»enkrritt vorkand. ,»aate er. onS Angst vor Hitler und Görina zu In Nenvnrk mitrk« der deutsche Vga nom^tgnar dieser Stadt, weil seit Wochen dauernd Kroch und Schlägereien in den d<>„tsch-n Vereinen war, eben- ''gva«erstgten und konnte erst Güter astg-stalten werden, ^«stände>9 er erst aeknmmen dnrch die vermittln»» der tnet^e et-'-'-ne-e mos n-tastt-eks Agenten »«rxstistf» statten Es ist allo nicht die Schuld der Nazi- avostel. wenn Neitnark seinen deutschen Tao qestabt bat. Große Teile der Nenyorker Bevölkerung, Teutsche ein- Bor dem Tondergericht in Köln stand der Erwerbslose Bagnc ans Trier. Er wandte sich in verschiedenen Briefen an einen früheren Freund in Amerika. So schrieb er Im Mai 1933, die p c r s ö n l i ch e F r c i h c i t d c r B tt r g e r s e i u n- gehcnerlich beschnitten, und überall herrsche Postjensur. Allenthalben sei ein Kontroll- und Spitzel- wese» eingerichtet, und unberechtigt flögen die Leute nur so ins Konzentrationslager. Natürlich habe man auch ihn zu Unrecht in Schutzhaft genommen, aber leider habe er lchwei- gen müssen, weil ia die lltedeireiheit überhaupt verboten sei. In andern Briefen schrieb er von der berühmten Einigkeit in Teutschland, über die so viel gefaselt würde, aber nichts sei damit los. Tie Gegensätze zwischen Ost und West, Norden »nd Süden beständen nach wie vor. Tie Kleinstaaterei mit ihren Länbergrenzen habe sich noch in keiner Weise geändert, daS nur alles etwas verkleistert aussehe, weil ja die Zei- tnngen darüber nicht berichten dürften. Eine Kritik zu üben, sei gänzlich verboten. Auch bestehe die frühere allgemeine Wehrpflicht. Tie SA.. TS. und Ttaklhelmverbände würden von ehemalige» Offizieren mit Maschinengewehren und Minenwerkern ansgebiidet. In einem ander» Briefe schrieb er:„Blelleicht interessiert es dich auch, daß schon in ver- stärkten! Nkaüe eine kraftvolle Gegenbewegiing gegen den Nationalsozialismus sich bemerkbar macht, und zwar beson- derS auch in den Zlcihen der Nazis selbst!" Aber der„Freund" in Amerika packte die„FreundeSbricie" zusammen und schickte sie an die Geheime Staatspolizei ln Teutschland. Lediglich mit Rücklicht daraus, daß der Auge- klagte längere Zeit in Schutzhaft gesellen hatte, die ibm a»l seine Strafe nicht angerechnet würde, beantragte der Staats- anwalt aeaen ibn eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren. TaS Gericht milderte den Antrag„och und kam zu einer Ber- nrteilung von 1 Jahr 8 Monaten Gefängnis. Oesterrtidi'sdic: nobUmotfiung Heimwehr und Sturmscharen Innsbruck, 31. Januar. Tie Landesleitung der Tiroler Helmatwchre» hat gestern überraschend die Mobilmachung sämtlicher Formationen der Heimatwehr für das Land Tirol »»geordnet. Außerdem wurden in ganz Tirol am Dienstag auch die katholischen Tturmscharen ausgeboten Statt offener Gewalt- legales Verbrechen Der neue deutsche Rechtsprecher Ter Ausgang des Prozesses um den Reichstagsbrand bat die Nationalsozialisten— nicht die offiziellen, aber die Masse ihrer Anhänger— in peinlichem Unverständnis gefunden. Daß angeklagten Kommunisten auch nur der Schein eines RechtSvcrfahrens gewährt wurde, während in den Nazi- kafcrncn, in den Konzentrationslagern und„auf der Flucht" mit weit weniger bedeutfamern Partcigegnern kurzer Prozeß gemacht ivird, konnte das unkomplizierte Hirn des mordgc- wohnten SA-Mannes nie erfassen. Ter preußische Minister- Präsident Göring war der Sprecher dieser Nachsahren der Helden von Potempa, als er dem Gericht seine Verachtung der juristischen Formalitäten bekundete. Was er in der ihm eigentümlichen Sprache sagte, versucht nun im„Völkischen Beobachter" ein Amtsgerichtsrat H a s p e r in ncudcutsche Rechtsiormen zu gießen. TaS sieht so aus: „Als Ursache der Rcchtsnot— und das bestätigt nur der Reichstagsbrandprozeß— können wir imnicr ivicder und auch sonst buchen: Ter Jurist erlaßt nicht den Zusammen- hang des Prozesses mit dem Leben, zerlegt darum den Prozeß in zu kleinliche logische„Bewcissragen" und vcr- licrt darüber den für den instinktmachen Laien zielsicheren Uebcrblick über das notwendige, natürliche und selbstvcr- stündliche Ergebnis dieses Lebcnsvorganges. Ties gilt an sich schon für jeden Prozeß. Erst recht muß es gelten für einen Prozeß, in dem es sich um ganz andere Tinge handelte als eine» Rechtsfall gewöhnlicher Art. Wenn der Jurist in einem Prozeß Fragen zu entscheiden hat, die an das letzte im Menschen oder, wie hier, in Staat und Volk rühren, dann muß er Meister großen, hier: größten Stils «verde«, der von höchster menschlicher Warte a«S nicht mehr über einen„Tatbestand", sondern über ein Lebensgeschehen »rteilt. Gerade hier spielte ja das„Juristische" eine neben- sächliche Rolle, es ging um Zusammenhänge." Wohingegen aber daS Reichsgericht entschieden habe, als ginge es um„die für die Oeffentlichkeit dcS ganzen Volkes uninteressante Frage, ob der polnische Landarbeiter X die Scheune deS Landioirtes N in Klein-Mochlowitz in Brand gc- steckt habe". Anders ausgedrückt: Rechtsgarantien bestehen solange und insoweit, als eS sich um Bagatellsachen handelt,' dort aber, Ivo das Interesse der Nationalsozialistischen Partei in Frage steht, sind Rechtsgaianticn unzulässig. Ter Herr Amtsgerichtsrat wehrt sich insbesondere dagegen, daß„dem Angeklagten seine Schuld b c>v i t f t«t werden mu ß". nicht er seine Unschuld zu beivciscn braucht TiescS neue„Rcchtsvcrsahren". das sich aus zivei wirklich neuartige Grundsätze stützt, nämlich den Fortsall der Rechts- garantien in Kapitalprozessen und Verschiebung der Ve- «veislast auf den Angeklagten, praktiziert der Herr Am.s- gerichtsrat sofort gegenüber dem Leipziger Prozeß. Worant er unverzüglich zu folgenden vier«chlußsolgerungeu gelangt: „t. Der Kommunist Lübbe hat das Reichstagsgebände in Brand gesteckt.. i. Nach Lage der Dinge kann er dies n»cht alle«« gemacht haben, er hat Helfer gehabt«wobei hier gleich- gültig, ob im gewollten oder znsälligcn Zusammen- wirken)... z. Helfer können nnr— auch w'eder Kam- munisten gewesen sein, als Gesinnung»ge- nossen—«nd zwar in der KPD. Deutsch- l a n d S. 4. Brandstistnngen sind der erwiesene Austakt für kom- munistische Revolutionen sRußland, Spanien, das jetzt bc- kannte Material der KPD. über die geplanten Aktionen)." Tiefe vier Schlußfolgerungen, die nicht nur unbewiesen, sondern auch unbciveisbar, weil den gerichtlich festgestellte» Tatsachen«vidersprechend sind, nehmen sich allerdings ganz anders aus als das„anälende Tuchen und Ringen nach Er- kenntnis, dieses abmühende Zusammentragen von Kleinig- keilen,«vie eS dieser Prozeß brachte". Tie U»schuld Torglers?„Kein i m L e b e n st e h e n d e r Pt a n» glaubt das. kann das glauben. Nur der I u r i st glaubt das und forderte S ch u l d b c iv e i s c." Erstaunlich, daß ein Amtsgericht rat so etivas schreibt'? 0 nein, unendlich erstaunlicher«väre es, ivenn sich kein deutscher Amtsgerichtsrat gefunden hätte, der der Willkür die— mit Verlaub zu sagen— theoretische Begründung lieferte. Ter Mann hat erkannt, waS die sich stabilisierende Konterrevolution braucht: statt der chaotischen Recht- 1 o s i g k e i t d i e s y st e m a t i s ch e. statt der offenen Geivalt daS legale Verbrechen. Tainit ist er dem Reichsgericht zivciselloS um einen Schritt voraus. Aber diesen Abstand zn korrigieren, schickt sich Herr Göring eben an: Torglcr ist nach Berlin überführt worden! Vikar Holtermann Weshalb ein Priester swei Mannte Cefänpnis erhielt Ein vielsagender Bericht der„Dortmunder Gene- Aus Tortmund berichtet ral-Anzeiger": „Vor der Dortmunder Großen Strafkammer hatte sich der 47 Jahre alte, aus Geldern gebürtige Vikar Alex Maria Holtermann— einst Eastrop. heute Bochum— zn verantworten, iveil er von der Kanzel herab als Geistlicher in Castrop am I'.'. Februar 1933 Angelegenheiten des Staates in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise erörtert hatte und damit gegen den Kanzclparagraphen 139 St. G. B. verstieß. Nach Verlesung des ErösfnungsbcschlusseS fragte der Vor- sitzende, ob er zugebe, in der Predigt vom 12 Februar 1933 sich in abfälliger Weise über das Staatsbegräbnis geäußert zu haben, das dem in der Nacht vom 29. zum 39. Januar 1933 in Berlin gefallenen Sturmführer Matkowski als hohe Ehrung geivährt«vorden»var. Der Angeklagte ver- suchte abzubiegen. Vorsitzender: Haben Sie sich zur damaligen Predigt Notizen gemacht? Angeklagter: Ja. Vorsitzender: ES«varen in dem GntteSdienst auch SA-Männer in Uniform und viele Nationalsozialisten Ihrer Gemeinde anwesend. Ter Angeklagte ging nun breit auf seine Predigt ein und versicherte, keine Maßnahme der Regierung kritisiert zu habe». Er habe nnr Frieden und Liebe unter den Brüdern au«' allen Gebieten des Lebens, in der Wirt- schalt, der Politik und der Gesellschaft gepredigt, s!!) DaS größte menschliche Verbrechen sei die Tötung eincS Mit- inenschcn. Wenn er dann auf das Staatsbegräbnis hinge- wiesen habe, so sei eS nur geschehen,»m an diesem gerade akuten Fall zu illustrieren, daß die allgemeine Sündhaktig- feit der Menschheit im Sinne des katholischen Glaubens und der ganzen Christenlehre nicht durch Aeußerlichteiten weg- geivischt«verde«« könne. Nicht durch ein StaatSbegräb- nis, sondern einzig und allein durch die Liebe könne auch der Mord auf der Straße «vicberg» tgc macht«verde»!!! Vorsitzender: Das haben Sie bei Ihrer polizeilichen Vernehmung nicht gesagt. Ter Angeklagte erividerte. der Sinn seiner Worte sei geivese», daß die Totenklage nicht übertönt«verde» könne durch alle Ehrungen der Toten. Vorsitzender: Sie haben aber auch in früheren Iah- re« scharf den Nationalsozialismus bekämpft. Der Anaeklaate gab es zu. berief sich aber aus seine damalige» bischöfliche» Instruktionen, die den antivationalsozialistischen Surs einschlugen. Zur Beleuchtung dieses Punktes ließ der Borsitzende einige Briese des Angeklagten verlese«, in denen er im Fahre 198t Angehörige der ihm nnterftellten Jugrnd. verbände zum sofortigen Anstritt ans der NSDAP, aus- forderte, da der Nationalsozialismus sich nickt mit der chr'st- ltcheu Lehre des katholischen Glaubens vertrüge. Dazu be- merkte der Borsitzende, daß der Borgänger des Angeklagten derartige Schreiben nicht für notwendig befunden habe. Das Gericht hielt dem Augeklagten noch eine Aeußernng vom Mai 1933 vor.«>» Muttertage«var ein junges Mädchen mit der Sammelbüchse au de» Geistlichen herangetreten und hatte von ihm zur Antwort erhalten:„T ch ä in st Du Dich nicht, mit einer B ii ch s e z u mir z n kommen!? Ter Geistliche»,einte, das Mädchen habe ihn»nr provo- zieren«vollen. l?!t Als Zeugen dieser„denkivürdlgen" Predigt voin 12. Februar 1933 wurden 12 Genieindemitglieder gehört, von denen teue Nationalsozialisten hervorgehoben«verde« sollen, die ganz bestimmte Aussagen mache» konnten. Sie hatten gehört, daß Bikar Holtermann gesagt hatte: Nicht diejenigen find die Mörder, die mit Messer und Re- volvcr aus die Straße gehen, sondern jene, die das Boll verhetzen und auswiegeln. Diese wahren Schul- dige» können auch nickt durch silberbcschlageue Särge und Staatsbegräbnisse die Tat wiedergutmachen." Ter Staatsanwalt hielt den Angeklagten im Sinne der Anklage sür schuldig. Er hätte abfällig über einen Staats- akt, wie es das Staatsbegräbnis sei, von der Kanzel he^ab zur Gemeinde in einer Weise gesprochen, die««»bedingt lln- ruhe hervorrufen mußte, den» mehrere Personen hätten die Kirche verlassen, und die gegenseitigen Erörterungen wären soweit gegangen, daß sich die NSDAP, veranlaßt sah, bei dem Regierunaspräsidenten über den Geistlichen Beschwerde einzureichen. Unverantivortlich sei es, wenn ein Geistlicher sein Amt dazu mißbrauche, die soeben erst hergestellte Einheit der Volksgemeinschaft z« gefährden. Ter Tod des Stnrmlübrers M a i k o w s k i sei besonders tragisch gewesen? dieser Rationalsozialift sei gefallen, als der Führer die Macht übernahm. Er beantrage daher eine GesängniSstrase von t> Monaten. Festungshaft könne angesichts der Schwere der Tat nicht in Frage kommen. Nach längerer Beratung verurteilte das Gericht den Vikar zu»»v e i Monaten G e f ä n a n i S. Strafmildernd lalle ins Gewicht, daß die Aeußernng kckon ein Jahr zurück- liege. Außerdem aber wolle man den Vikar anck nickt allein für alle? das hiitVn lassen. waS die Viscköke einst«nit ib'er ontinationalsoiialistiichcn Einstellung verschuldet hätten. Ter Staat«niisse sick aber e«era!i>z, a»<>en derartige Anariiie «oehren. denn Politik und R-"'-« hätten nichts miteinander zu tun." »ndoll ließ Der Stellvertreter des„Führers" „(rin psnchologischcr Fehler, den ich in der Abwehr eines Zwischenrufes beging... gab das Signal zum Losschlage»... dazivischcn das Krachen von Stuhlbei- iicii, das Zerplatzen der Krüge, Grölen, Johlen und Aufschreien... Es war ein blödsinniger Spektakel. Der Tanz hatte noch nicht begonnen, als meine Tturmtruppler, denn so hieven sie von jenem Tage an. angriffen. Wie Wölfe Nürzten sie in Rudeln von acht bis zehn aus ihre Gegner los und begannen sie nach und nach tatsächlich aus dem <^aal? zu dreschen... Wie viele Hab ich damals erst so recht kennen gelernt: an der Spitze meinen braven Mau- nee, meinen heutigen Privatsekrclär Heß..." ^ Adolf Hitler:„Mein Kamps". Seite 506(1938). Durch diese Schilderung von der Saalschlacht 1921 ist Ungefähr die Stellung von Heß gekennzeichnet: er ist der Schildknappe des Ritters Adolf geblieben bis auf den heutigen Tag; heute stellvertretender Parteiführer. Per- treter Hitlers in allen internen Parteiangelegenheiten, Mitglied des preußischen Staatsrates. Seit kurzem auch Reichsminister. Heß gehörte zu den ersten Studenten, die zum National- sozialismus stießen. Schüler Otmar Spanns, kam er oi^j!L Ä* ,0nn. S^kiiversalismus zu den Anschauungen der NsTAP. Nicht nur in der Presse— da er als erster im ..Volkischen Beobachter" für Adolf Hitlers Obergeivalt über die SA. eintrat—, auch im nationalökonomischen Seminar des Professors oon Zwiedinek-Südenhorst ver- focht er fanatisch die Theorien seiner Götter Spann und Hitler. Diese Kreise sind bis jetzt in engster Fühlung mit ihm. Heß, an Bildung und Umgangsformen allen Personen des Hitlerkreises überlegen, verdankt es einzig seiner unterwürfigen, völlig bedingungslosen Hitlertreue, daß er an des Führers Seite verblieb. Was Hitler auch tat, Heß stand an seiner Seite und deckte ihn. Esser. Streicher. Göbbels, Frick und Göring, alle SA.-Führer und Gau- leiter haben den Führer irgendwann einmal bekämpft: niemals Heß. In seinem Hosstaat, den er ganz dem Vorbilde Wil- Helms l I. nachgebaut hat. hat sich Adolf Hitler einen Chef des Militär- und einen Chef des Zivilkabinetts geschaffen. Chef des Militärkabinetts sReglung aller SA.-Ängelegen- beiten) wurde der Oberleutnant Brückner. Zivilkabinett- ckef ist der treue„Privatsekretär" Heß. Dort hat Heß alle Unannehmlichkeiten, alle Korruptionsoerfahren abgc- wehrt wie einst in der Münchener Saalschlacht die Gegner, als„Hitler auf seinem Platze stehen blieb und beob- achtete". Von dort hat er„bis auf weiteres alle Aktionen gegen Warenhäuser und warenhausähnliche Betriebe ver- boten"." Von Heß. der 1894 in Alexandrien geboren ist. der mit dem Führer 7'/, Monate auf einer Festung verbrachte, ist sonst kaum mehr in die Oeffentlichkeit gedrungen, a's seine unentwegte Freundsämft zu Hitler, und die Tatsache, daß er manche Rede Hitlers entwerfen durfte. Auch ein Gedicht hat er der Nachwelt übergeben, dessen Endzeilen lauten: „He, Franzmann, das ist böser Morgengruß! Ihr dort müßt sterben, daß wir leben können. Wir selbst und unser ganzes, armes Volk." Es wurde 1824 geschrieben— 1933 parteiamtlich dem erwachten Deutschland übermittelt. ch Wir entnctjnien diesen Aussatz dem soeben bei Ebitions du Earreiour. Paris, erschienene» Vuckc„Nazitührcr sehen -lief« an". Es enthält 33 Biographie» aus den«..dritten Reich" und'ist illustriert. Staatsfeindlicher Shathruder Aus der deutschen Kinderstube h. b. Der neue Bürgermeister von Rendsburg de Haan wurde in diesen Tagen seines Amtes enthoben, da er gegen die noch iminer geltende» Bestimmungen verstoßen hat, die ..zum Schutz- von Volk und Staat", zur„Ucbcrivindung der Not von Volk und Reich" und dergleichen aufgestellt«vur- de», verstoßen hat. Dieser Mann schämte sich nicht, mit dem ehemaligen Poll- zcikominisiar Ziems, der gleich zu Beginn der„nationalen Erbebuna" aus dem Amte gejagt«vorden war. weil er sich nicht qleichschaltcn lassen«vollte, und dem ehemaligen Land- rat Stelzer— Skat zu spielen. Dieses Verbrechen konnte nur mit Abbaliteruna gciühnt«verde». Sein vorläufiger Nachkolger wiirde der in Rendsburg nnter dem Namen..der kleine Osaf" bekannte Sattler Krab- bes. der das nerwaiste Amt koinmickarskch verwaltet. Krabbcs ist 29 Jahre alt»nd hat die schützenden Mauern der guten Stadt Rendsburg bis aus den heutigen Tag noch niemals verlassen. Seine Heimattreue«vurbc also tresslich belohnt. Moses »Den Juden geschieht nichts" u Man schreibt uns aus dem Reiche: In Wesseling bei Bonn starb am>9. Januar unter groben Oualen der 49 Jahre alte Viehhändler Moses, verheiratet, Familienvater, ei» allgemein beliebter Mann. Er«var kern- gesund, biS iin September 1933 der Kölner Schlachthof- dtrektor einigen SA.-Lcuren die Weisung erteilte:„Nehmt öoch mal den Moses mit zur Behandlung in die Schweiz!" Die Tchivciz— das ist eine Mülgrube hinter dem Schlackt- hos. Dort wurde das Opfer hingesührt und befehlsgemäß -behandelt". Man fand ihn bcivnßtlos: das Nasenbein zer- trümmert. Abdrücke von cisenbeschtagenen Stiefelabsätzen in Gesicht und Stirn, den Brustkasten eingetreten, Rippen ge- krochen usiv. Tie besten Aerzte Kölns versuchten zu retten,«vas nicht wehr zu retten war: innere Zerreißungen, Leberverletzungen und chronische Blutungen machten alle Hoffnungen zuschan- den. Am 19. Januar ist Moses unter grausamen Schmerzen uach viermonatigem Siechtum der berühmten deutschen Hitler-Kultur erlegen. Im katholischen Wesseling trauert fast die ganze Bevölkerung um den allgemein beliebten prächtigen Mann und stillen Wohltäter. Selbst die lokalen SA.-Größen kondolierten tiestraurig den Angehörigen, nicht ohne die dringende Bitte, nichts von der Todesursache und über die Ausivüchse der Roivdys verlauten zu lassen. Der Herr Schlachthokdirektor und seine braune Schlachthofgarde stnd uach«pie vor in Amt und Würden.— Die Polizei des be- rühmten Staates, in dem keinen« Juden ein Haar gekrümmt wird, hat in dieser Sache bisher nichts getan. Heute, am 23. Januar 1984, wurde Moses unter großer Anteilnahme Su Grabe getragen. Der vermöbelte Popen Das Blatt des Vizekanzlers treibt„Hochverrat" Die von Popen ausgehaltene„Gerinania" hatte in einem Anflug von Selbständigkeitsgelüsten die Rede des Vizekanzlers von Papen in Gleiivitz gewürdigt. Was sollen die armen Redakteure auch tun? Papen ist doch ihr Brotgeber. Die nationalsozialistische„B o d e n s e e- R u n d s ch a u" vom 25. Januar schiinpft Popens Leibblatt„ewig gestrig" und„reaktionär", schreibt, das vizekanzlerliche Blatt er- scheine unter Ausschluß der Oeffentlichkeit und pfeffert dann los: Man muß sich angesichts dieser Ausfälle, die im übrige» vor historischen Unrichtigkeiten strotzen, nur fragen, ob cä eine grenzenlose politische Naivität ist oderaberobhiermiteinerdann allerdings nicht zu überbietenden Dreist i g k e i t einer gefährlichen Hetze Vorschub geleistet wird. Tic Borgänge der letzten Zeit bürsten zur Genüge be- wiesen haben daß die politischen Sabotagcversuchc gewisser klerikaler Kreise heute nicht verfange». Die Zeit dürste sogar dafür reif sein, baß sehr bald entscheidende Worte gesprochen«verde». Der neue Staat ist nickt gc- «villi, irgendwelche unbefugten Einmiichversnche in Rechte, die ihn« allein gebühre», zu dulden. Wenn man beute den Versuch z» unternebmcn«vagt. ans llniivegen eine gegen die Gesamtheit gerichtete und abgetane» Partei»nd Einzel- interesscn dienende oppositionelle Strömung vorivarts- zutreiben,«oeil„Kampf die Kräfte rege hält.. so kann dazu nur gesagt«verde««, baß derartige Scherze Hoch- verrat sind nnd entsprechend geivürdigt werden. Man wirb ihnen in Zukunft etivas mehr auf die Finger klopfen müssen. Wie lange wird der Klebstoff auf Popens Ministersessel das arme Fränzchen wohl noch vor dem Absturz retten? ^Deutsche Stimmen• töeiiage xur„^Deutschen&reifkeit"• Ereignisse und Geschichten Donnerstag, den 1. Februar 193» WWWWWWkMWM! i Deutschet!Bachhandei ■h.r Die„Literarische V eit(Neue Folge)"—• ein ganz herziges Blatt!— hat an deutsche Buchhändler folgende drei Fragen ergehen lassen:..1. V eiche Bücher empfehlen Sie persönlich während des Weihnachtsgeschäftes Ihren Kunden besonders? 2 Welche Bücher werden besonders von Ihren Kunden verlangt.' 3. VI eiche soziologischen W andlungen innerhalb Ihres Kundenkreises beobachteten Sie in diesem Jahre gegenüber dem vorigen?"— 1 Und nun wehe dem Buchhändler, der sich zu unpassenden Antworten hinreißen läßt!— Nur selbstverständlich. daß in den Beantwortungen der Fragen Eins und Zwei Adolf Hitlers..Mein Kampf" fast überall vertreten ist, meistens au erster Stelle. Beinah ebenso beliebt scheint Dietrich..Mit|liller an die Macht": dann kommt Hosenbergs „Mythos des zwanzigsten Jahrhunderts". Ungerechterweise finde ich nirgends die Werke des Doktor Gübbels..Michael". „Knorke".„Das Buch Isidor".„Der Nazisozi" erwähnt: es sieht so aus. als wollten die Juden ihn immer noch nicht hochkommen lassen. Die Bismarck-Buchhandlung Otto Schulze, Berlin, empfiehlt auch noch herzlich Fritsch..Handbuch dei Judenfrage": es scheint aber trotzdem nicht so besonders glänzend gegangen zu sein, wenigstens nennt Otto Schulze unter den bevorzugt verlangten Büchern au erster Stelle: Spengler..Jahre der Entscheidung"— was dort drüben do< Ii wohl als ein oppositionelle» Buch gilt. Hingegen Gottfried Henns..Der neue Staat und die Intellektuellen" ist kein Best-Seller, ich hatte mir das anders gedacht. Dieses amüsante kleine Buch finde ich unter den bevorzugt verlangten überhaupt gar nicht, und unter den empfohlenen nur einmal: hei Storni in Bremen, bei dem aber dann, statt des empfohlenen Beim, bevorzugt verlangt wurde: Barth„Theologische Existenz"— was erfreulich ist. Das Feinsinnige wird immer noch protegiert und. wie es scheint, gelegentlich verlangt: vor allein Mechows„Vorsommer"; dann Carossas „Führung und Geleit" oder Hans Friedrich ßliincks Trilogie „Werdendes Volk", die ein Buchhändler in Charlottenburg — der übrigens seine Kunden„meine guten Freunde" nennt 1loch immet Zecsetzer' £inec, dec den Jfytcdefuf) meckt Im Blatt der Deutschen Arbeitsfront„Der Deutsche" wendet sich der Hauptsrhriftlriter des Deutschen Nachrichtenbüros. Alfred Ingein in B e r n d t, gegen wesensfremdes Literatur!um und sagt:..Fort mit dem geistigen Seziermrssrr von der nationalsozialistischen V eltanscbauung." In dem Artikel heißt es dann weiter: „Noch ist der Kampf um Keiiiigung und Neuaufbau des deutschen Schrifttums nicht zu Ende. N o eh sitzen hier und da die Vertreter des verflossenen libe- ralistisch-marxistise heu Systems. Einen offenen Widerstand wagen sie beule nicht mehr. Sie haben zu raffinierteren Methoden gegriffen und schießen jetzt ihre Pfeile geistiger Zersetzung aus dem Hinterhalt ab. Es ist gar nicht schwer, in irgendeinen Bericht einen Nebensatz jriuein- zumogeln, der bewußte Ablehnung des neuen Reiches und seiner Ideen zeigt, der zum geistigen Widerstand aufstachelt und ganz klar beweist, daß die Mächte der Zersetzung den Kampf noch nicht ganz aufgegeben haben. Wenn sie aber den Kampf wollen, dann sollen sie ihn haben. Der Nationalsozialismus bat deutlich gezeigt, daß er nicht» fürchtet. und daß er insbesondere mit denen fertig zn werden versteht. dir eine mehr oder minder versteckte Obstruktion im neuen Deutschland zu treiben versuchen. Man macht heute in Weltanschauung; denn da» ist das Gebiet, auf dem am leichtesten mit hochtrabenden Worten Zweifel ausgelöst werden können, weil der unbefangene.*eistig nicht vorgebildete Leser nur allzu leicht uiif fdiilosofisrh verbrämte Auslassungen hereinfällt. Die Titel dieser Bücher und Artikel sind natürlich meist recht harmlos,..staatsbejahend", sie passen »ich durchaus nach außen hin in die Zeit ein. Dringt man jedoch tiefer in diese Erzeugnisse der Druckpresse ein, dann merkt man bald den Pferdefuß. Was jedoch über den Nationalsozialismus im Jahre 1933 geschrieben wurde, füllt so viel Bände und ist so umfangreich, daß es schier unmöglich erscheint, es so zu überwachen, daß kein Falschgeld zwischen die echten Münzen gemischt werden kann. Darauf aber haben die Zersetzungsliteraten gebaut. Im neuen Deutschland kann nur der über Fragen vom Wesen und Werden des neuen Reiches und»einer Grundanschauungen mitreden. der die hlulsmäßigen Voraussetzungen dafür mitbringt und»iih diese Weltanschauung erkämpft und erobert hat." Da» hitleramtliche Nachrichtenbüro heißt jetzt Deutsches Nachrichtenbüro, abgekürzt DNB. Der Mann, der die vorstehenden Zeilen geschrieben hat. ist sein Chefredakteur, Wer also die Meldungen aus dieser Küche liest, der muß sich darüber klar sein, daß hier alles nach diesem Begriff von Freiheit ausgewählt worden ist. Das gilt für Inlandsnachrich- ten wie für Zitate aus der Ausland,ore»se. Iiu übrigen muß man die amtlichen braunen Publizisten aus menschlichen Gründen tief bedauern. Die herausgewor- nen. gequälten, gemordeten, gefangenen marxistisih-lihera- II,tischen Zersetzet-, Falschmünzer und Pferdefüße schleichen sich nachts wieder in die Zimmer der Sieger, setzen sich auf ihre Bettdecken und bereiten ihnen Angstträume. ts iaat nichts las! Durch die späte Abendstunde gellen die Signale der Feuerwehr. Ein l.iisch/ug rast heran. Winker und Lichter glühen rot. Vier I ah, zeuge jagen heran, biegen ein, halten au der letzten Straßenecke. Radfahrer schwärmen hinterdrein. Die einsame Straße wird lebendig, büße trappeln im Laufschritt. Schuhe an, Mantel an. Hut auf—- hin! Kipling hat schon recht:„Einmal ein Journalist, immer ein Journalist!" Als wir vor dem Hause ankommen, rückt die Feuerwehr schon wieder ab. Ein Mannschaftswagen stellt noch da. Das Haus sieht aus wie immer. Leute schauen aus den Fenstern. Das I reppeuhaus ist erleuchtet: Hausbewohner stehen drinnen beisammen. In einem Koblenkrller hat es ein wenig gebrannt; es ist schon vorbei. Die Feuerwehrleute kommen heraus, klopfen sieh die geschwärzten Hände ab. sitzen auf. Der Magen fährt ab; rot glühen die Lichter— um die Ecke — aus. Die Neugierigen gehen davon, sprechend, lachend und sichtlich enttäuscht: es war nichts los. Ks gab kein prasselndes Feuer, keine Flammengliit in der Nacht, keine bände- ringenden Leute, keinen in den Straßeuscbinntz gesclielppten Hausrat. Es war nichts los— es gab kein Schauspiel! Denn das Unglück der anderen ist immer eiu Schauspiel! Ein Bild in einer Zeitschrift aus den Berliner Revolutions- fagen nach dem Kriege bleibt unvergeßlich: Ein Mann wird standrechtlich erschossen— er siebt an der Wand, furchtbar allein in einem leeren Kaum. Gewehre sind auf ihn gerich tet. Zuschauer stehen im Kreis um den Schreckensort— sie müssen dabei sein und sehen, wie ein Mann erschossen wird! L nd ein Reporter bat die Szene fotografiert, bat sorglich Belichtungszeit und Blende eingestellt, hat durch den Sucher geblinzelt und geknipst, eine Sekunde vorm Kommando „Feuer!" Nie vergißt man diese vier Meter leeren Raum zwischen dem Fotografen und dein Mann an der Wand Flintenläufe. Zuschauer und ein Reporter, der ihn fotografiert— das war sein letzter Anblick, eine Sekunde vorm Sterben. Kein Schrei, der ihm half, kein empörter Retter— nur Zuschauer. Ein Schauspiel sein Tod. Als nach Hitlers Gewaltstreich die Gewerkscliaftshäuser, die Arbeitersport bei me, die sozialdemokratischen Zeitungen gestürmt und besetzt wurden waren, halte sieb in einer Stadt das Gerücht verbreitet, daß am nächsten Tage auch dir Ortskraukenkassr und die Konsuuisvereiusgebäude besetzt und dir„Bonzen" heraus gesell missen werden würden. Stundenlang wartete eine viel hundert köpf ige Menge auf das Erscheinen der S.A., auf das Schauspiel. Leute darunter, die bestimmt schon einmal Krankengeld von der Kasse, Ihrer Kasse, empfangen dir bestimmt häufig in diesem Warenhaus des Konsumvereins, ihres Vereins, Einkäufe gemacht hatten. Sie waren wehrlos— ja. aber sie blieben diesem schmachvollen Schauspiel nicht fern— sie standen da, wie sie bei einein Schadenfeuer, einem gestürzten Gaul, einer Hochzeitskutsche vor der Kirche— und auch bei einer öffentlichen Hinrichtung stehen würden, neugierig und schaulustig: sie standen da und warteten auf das Schauspiel. Es fand an diesem Tage nicht statt, und enttäuscht nach stundenlangem Warten gingen die Leute schließlich davon— es war nichts los! Und nun stehen sie im„dritten Reich" und schauen zu Fackelzüge. Aufmärsche, Gefangenentransporte, Luftsrhutz- iibungen, Judenniädchen am Pranger. Massentrauungen in SA.-Uniform, Verhaftungen, Fahnenweihen ziehen vorüber — es ist viel los! Es ist die alte Geschichte; Panem et circenses— Brot und Spiele! Nein— ein Wunder hat Hitler doch vollbracht. Er ist das Brot schuldig geblieben und hat nur die Spiele, Schauspiele geboten. Und dir Menschen sind geduldig; sie laufen den Spielen nach und glauben, daß Hitler auch noch das Brot dazu geben wird. Einmal aber wird den geduldigen Menschen der Betrug nicht länger mehr verborgen bleiben können. Einmal wird Deutschland wirklich erwachen und erkennen: Trotz aller Schaupiele— es war nichts los! Manfred, 1Bäc^eanaat —„jedem guten Deutschen"(also doch hoffentlich allen seinen Freundeskreisen) herzlich anpreist. Durchaus nicht unbeliebt ist ein Geschöpf namens Rumpelstilzchen, dessen neues Buch„Mang uns mang" heißt.— Für den Manfred Hausmann hatte ich mir ja in meinem Optimismus eine sehr viel bessere Konjunktur erhofft: dieser routinierte Vagabund und gntverdieneDde Stromer— Liebling der Damen und Kinder aus jener Zeit, da die Republik von Tag zu Tag reifer wurde für»„dritte Reich"— ist ein wenig in den Hintergrund getreten. Der neue Roman von Werfe! ist nirgends erwähnt. Thomas Mann„Die Geschichten Jaakobs" ein einziges Mal— und dort unter den„verlangten", nicht unter den „empfohlenen" Büchern-—; die Kühnheit zu gestehen, daß dies Buch von seinem Publikum verlangt wurde, bat Karl Buehholz. Berlin, dessen Liste überhaupt die anständigste ist. Zu der E rage nach den„soziologischen Veränderungen des Publikums" äußert dieser Buchhändler sich nur betrübt: ..Meine Kunden sind zum größten Teil der alte Kreis, allerdings recht vermindert durch die großen Umwälzungen." Und ein anderer— Hans Höynck. Charlottenburg—, geheimnisvoll:„3. Alles in Fluß, alles in Fluß." H. Linde- manu. Stuttgart, meint schüchtern:„Daß Liebe zum Buch im M achsrn ist. hoffen wir. möchten es aber noch nicht als Tatsache behaupten wagen." Eine nur„selbstverständliche" Tatsache hingegen ist die. die Chr. Kaiser in München kurz erwähnt: nämlich, daß von den Käufern„nahezu alle Nicht- alier" ausgefallen sind. Am interessantesten war mir der Bericht der Schrobsdorffsehen Buchhandlung, Düsseldorf:„Eine Umschichtung des Käuferkreises haben wir bisher noch nicht feststellen können. Lediglich die Käufer der Wehrsport- literatur haben wir sonst nicht unter unseren Käufern feststellen können." Das glaube ich wohl. Und gerade diese neue Leserachicht. die nie andere Bücher gelesen hat und nie andre lesen wird, als„wehrsportliche", dürfte ja wohl die ausschlaggebende sein. Klaus Mann Jens Steffen, der Bauer, hat einen Knecht. Henner, Piter, so hieß er. und der w ar schlecht.— Betrat er den Stall, so zittert das Vieh. • Dem Kalb in der Ecke schlottern die Knie. Mit Peitsche und Stecken, mit Fluchen und Tritt teilt er dem Vieh seinen Willen mit... Der Bauer Jens Steffen steht auf der Tcnn. und schüttelt den Kopf, da kommt mit Geflenn die Magd gerannt: Sieh. Bauer, das Kalb, ich kann nichts dafür. Jetzt liegt es schon halb, das Vieh ist hin. Da hilft kein Beten, Henner Piter hats in den Leib getreten... Henner Piter muß gehn. Sein Abschied-gruß ein Fluchen nur. dann führt ihn sein Fuß zur Stadt und lang blieb er unbekannt. Da plötzlich wird Henners Namen genannt. In der Heide, drüben in Börgermoor, ein Lager. Da steht Henner Piter vor 1200 Menschen, die dort in Haft... Mas meint ihr. wies Henner Piter schafft? Sozialisten und Juden, alles gleich. Henner Piter erzieht sie fürs„dritte Reich".— Jens Steffen, der Bauer, kratzt sich am Ohr: „Gott behüte uns alle vor Börgermoor" A r c h i b a 1 d. iMlothek lüac&ucq zieht nach£ondan Deutschland verliert, so berichtet die„Neue Züricher Zeitung", eine seiner kostbarsten Bibliotheken: die Hamburger Bibliothek W a r b u r g, deren Gründer und großzügiger Betreuer, Aby Marburg, aus der jüdischen Bankiersfamilie dieses Namens in Hamburg und Neuyork stammend, 1929 gestoiben ist. Man hörte vor einiger Zeit, daß englische Kreise diesem wertvollen Institut unbehelligten Aufenthalt angeboten halten. Vorerst soll dieser auf drei Jahre bemessen sein. Man wird ja sehen. Manche Deutsche, die über den Wert dieses kulturellen Juwels ein Urteil haben, hofften noch, die Nachricht über das englische Angebot sei eine See- ichlange, oder man werde in Hamburg alles tun, um diesen Kulturbesitz im Lande zu halten. Jetzt melden englische Blätter, die Bibliothek und die Schätze der Kartothek seien unterwegs. Sie sollen in der Londoner Universität gastliche Unterkunft finden. Diese hat sich damit eine starke, international wirkende Anziehungskraft mehr gesichert. Diese erstaunliche Privatbibliothek ist ein Sanktuarium der Europäistik. der Erforschung europäischer Geistes- und Vorstelliiugsübcrlieferungen geweiht. Dieser Gedanke lag dem Aufhau der Bibliothek zugrunde. Sie hat einen bestimmten Stil, sie ist zugleich persönlich und umfassend. Esoterische Traditionen sind als Forschungsgebiete sorgsam miteinbezogen: in diesem Milieu erschließt sich aus ihnen eine ungeahnte Sinnfülle für die Erkenntnis geschichtlicher Zusammenhänge. £u kämpft „L u im Lebenska in p f e" mit dem Untertitel„Roman eines berufstätigen Mädchens" heißt das Gewäsch, das der„Westdeutsche Beobachter", Kölns großes Naziblatt, seinen Lesern nun schon in achtzehn Folgen vorsetzen und immer noch nicht zum Schluß kommen läßt. Aber A. Mente.r. der Verfasser, hat die Eignungsprüfung als Romanschreiber in Hitlerien bestanden, sogar sehr gut bestanden. So schreibt Meiner in Folge 1K: „Schon am nächsten Morgen, nach einer elend, verbrachten Nacht, fand Lu auf ihrem Tische im Sekretariate ihren Kündigungsbrief vor...„So nobel, unsere Direktion," sagte Ertz von der Devisen-Abteilung, der auch seinen blauen Brief in der Tasche hatte.„Was sagen Sie, Fräulein Valley?" Lu sagte gar nichts. Schweigen mußte man. wie zu jeder Ungerechtigkeit des Lebens. M er weder Geld noch Macht hatte, mußte schtceigen. Es war das Beste." Ja: sie werden erzogen, die Hitlerianrr und die Hitleriken- Zu Heldentum werden sie erzogen! Nämlich im Schweigen! Also bestand der deutsche Roinaniliihter A. Menter sein Ziilassiings-Exauieu in Hitlerien. Zeit=7lati. Dezember zustande, als die Bauernliberalen einer Verständigung zustimmten. Die parlamentarische Bestätigung dieses Abkommens er- folgte erst knapp vor den Weihnachtsferien. Unter dem Namen„Weihnachtsvereinbarung" ist dann auch dieses, das vierte größte politische Abkommen in der dän'schen Politik seit dem Beginn der Weltkrise, bekanntgeworden. Die dänische Regierung hat damit neuerdings bewiesen, daß eine unter der Führung der Arbeiterbewegung stehende Regierung imstande ist, mit der Bauernschaft ans der Grund- läge der Interessengemeinschaft zwischen Bauer» und Ar- bettern zusammenzuarbeiten. Dieser Zusammenarbeit stehen nur die Konservativen, eine kleine stockreaktionäre Gruppe der Banernschast und die Kommunisten fern, deren zwei Ver- treter im dän'ftfien Unterhaus mit den Konservativen zu- sammen die Anträge der Stauning-Regierung bekämpften. «eine Lüge in groß Wir lesen u. a. in„H e t V o l k": „Ziemlich schnell, nachdem die deutsche Regierung fast alle Sportvereinigungen gezwungen hatte, den berüchtigten Arierparagraphen in ihre Statuten auszunehmen und damit die Juden aus ihren Reihen zu stoßen, war sie gezwungen, hastig zurück zu krabbeln. Sie konnte aber nicht zurück und mußte darum— was wahrlich nicht so schwer für sie war— ihre Zuflucht zu einer Lüge nehmen. Dr. Lewald, der Vor- sitzende des deutschen Olympischen Komitees, dem man schmählich den Laufpaß gegeben hatte, weil seine Großmutter eine Jüdin war, wurde plötzlich, wenn auch nur dem Namen nach, wieder in Amt und Würden eingesetzt und mußte Deutschland auf dem Internationalen Olympischen Kongreß in Wien vertreten, und er. der den Terror am eigenen Leibe gespürt hatte, mußte die ausländischen Abgeordneten über den Kongreß beruhigen und ihnen mitteilen, daß die ausländischen Juden ebenso ruhig bei den Olympischen Spie- len erscheinen könnten, wie... die deutschen Juden selbst. Niemand kam auf die schlaue Idee, daß der Arierparagraf dies schon im voraus unmöglich gemacht hatte... Man steht, Dr. Lewald war sein Gewicht in Goldwert für die deutschen Sportführer, die vorläufig beruhigt sein können. Wenn die Zeit der Spiele gekommen sein wirb, werden sie schon eine andere Ausrede gesunden haben. Und inzwischen gehen sie ruhig ihren eigenen Weg, halten den Arierparagrafen auf- recht und machen es den Juden unmöglich, auf eine Weise Sport zu treiben, wie es für ein Training zu den Olym- pischen Spielen nötig ist. Aber Boykott von Juden? Ach geh, so etwas besteht doch nicht.,. I* Pariser BerMMe Pariser SfraßcnKalartcr ie uns vom Cercle Villon, dem bekannten Unterstützungs- beim liir Künstler und Schriftsteller auf dem Montparnasse niitgcteilt wird, sind dort zur Zeit 500 Mitglieder eingeschrieben, davon die Mehrzahl Ausländer und etwa 15 Deutsche. -» Die Einheitsgewerkschaft der Buchdrucker(typos unitaires) hat nach lebhafter Debatte in der Pariser Arbeitsbörse mit III gegen 111 Stimmen im Prinzip die Vereinigung ihrer Organisation mit der freien Gewerkschaft(svndicats con- federcs) beschlossen. Im Pariser Deutschen Klub bildet am Samstag der von uns angekündigte Abend„Verbotene Musik*' statt(64, rue du Kocher, 21 Uhr), an der unser Musikberichterstatter Paul V. alter beteiligt ist. Zur Aufführung gelangen ausschließlich Musikstücke deutscher Tondichter, die im„dritten Reich" verstummt sind. Die Pariser Concicrges. die„wichtigsten Personen" de* französischen Weltstadt, haben einen, Krieg" angefangen. Ihr Syndikat, das 20 000„Pipelets" umfaßt, hat in einer Versammlung in der Mairie des 11. Arrondissements beschlossen den 80 000 Groß-Pariser Concierges vorzuschlagen, daß si der Steuer keine Auskünfte mehr über die Mieter liefern. -!- Die Fliichtlingskascrne an der porte d'Orleans ist mit Ende Januar geschlossen worden, da das Gebäude abgerissen wird. Die Einwohner sind teils vom Coinite National abgefunden, teils in Hotels untergebracht worden, einige gingen auch mit einem neuen Palästina-Transport in See. Jeinste f üdUche. Setdiuxacen- tute lüienec 3&äckecei Qescfiäfte%ncii 58. AVENUE WAGRAM, f.l. Com») 27-63 58. RUE DE PA55Y. Tal. Au.euil 33-61 Emigrant Kaufmann, tüchtiger Verkäufer, vielseitig, sucht m. einigen tausend Fr. tätige Beteiligung oder Einlage gegen feste Bezüge. Angebote unter F. W. Nr. 1123 an die DEUTSCHE FREIHEIT Deutsche Po li kl inik' a) Allgemeine Konsultationen mit 9 Spezialisten. b) Chirurgie c) lebortshilfliehe Klinik d) Zahnärztliches Kabinett Innere Medizin, Augen», Ohren», Nasen» und Kehlkopfkrank» ZweistöckigesJSanatoriumsgebäude. Vierstöckiges Gebäude. Zimmer Zahn und Mundchirurgie. Gold» aeiten. Röntgen, Diathermie. Elektrotherapie. Spezialbehand» Kleine, mittlere und große Chirur. mit 1 bis ♦ Betten. 3 Aerzte, 3 Heb» und Porzellan krönen.»Brücken. iung bei Blut», Harn» u. Geschlechtskrankheiten gie. Oie aller modernste Einrichtung ammen und 2 Operationssäle. Kautschuk-Arbeiten Ordination täglich von 9—12 und 2— 3; Sonntags und Feiertags von 10_12 und 2—4 Uhi zm Sorrcf bekommt Gesellschaft Sarret, der Grieche und Marseiller Rechtsberater, der den furchtbaren Versicherungsraord durch Schwefelbad auf dem Gewissen hat, bekam in der Mörderzelle wieder Gesellschaft. Der;um Tode Verurteilte, der einst mit den jetzt aufs neue von ihm belasteten„bayerischen Schwestern" Schmidt ein Komplott schmiedete, hat jetzt aufs neue ein„höllisches Trio' gebildet: In einer Zelle mit ihm sitzen die in Aix zum Tode verurteilten Mörder Miucuer und J o u 1 i a, die Hauptangeklagten im Prozeß wegen des blutigen Handstreichs auf das Postamt Saint-Barnabe. Diese beiden sind gefesselt. Sarret schaut sie aber nicht an, er als Lizentiat der Rechte will mit einem„gemeinen Mörder" wie Maucuer nichts zu tun haben, obwohl Maucuer mit seinen vielen Abenteuern und Metamorphosen ein sehr interessanter Verbrecher ist. Vor Gericht machte er auch in seiner sorgfältigen Kleidung mit der goldenen Brille den Eindruck eines intelligenten Menschen. Allerdings trägt er jetzt die braune Zuchthaustracht und Eisen.— Der Vlcfor-nngo-riiin Die„M i s e r a b I e s", die Tragödie der Unglücklichen von Paris, ist das gewaltige Werk des klassizistischen Dichters von Paris, Victor Hugo. In diesem dreiteiligen Roman, der am 3. Februar in einer mehrstündigen Nachtvorstellung über die Leinwand des Marignan geht(und der dann in drei Filmen in die Kinos geht), steht das ganze Volk von Paris und die Insurrektion von 1832 auf, der Barrikadenbau bei der Beerdigung des Generals Lamarque. Dieser Maximilieu Lamarque war ein großer französischer General und Politiker, der als Redner der Linken im Parlament unter Louis Philippe auftrat. Seine Beerdigung bildete den Anlaß zu einer Erneute. Auch Victor Hugo war bekanntlich ein entschiedener Linker. Victor Hugo, berühmt durch den Wortreichtum seiner Sprache, ist der hervorragendste Neuromantiker des neunzehnten Jahrhunderts, der vor etwa hundert Jahren, 1830, bei einer berühmten Aufführung seines Werks„Hernani" mit der üblichen Tradition des französischen Theaters brach. Er nahm aktiv an der Revolution von 1848 teil und trat nach deren Siege in die Parlamente ein, verließ aber seine Heimat nach dem Staatsstreiche des dritten Napoleon vom 2. Dezember 1851 und lebte lange als Emigrant. Erst nach der Gefangennahme des Kaisers bei Sedan und der Ausrufung der dritten Republik am 4. September 1870 im Rathaus zu Paris kehrte er nach Frankreich zurück, dessen Schicksale im Schreckensjahre„L'annee terrible" er ergreifend schilderte. Einer der berühmtesten Romane von Victor Hugo, der den „Miserables" voranging, ist„Notre Dame de Paris". Unter seinen Gedichtssammlungen ist die wunderbare„Legende des siecles", Freiheitsbekenntnisse höchsten Ausmaßes, Werke, in denen er ausruft, daß die ewigen Wahrheiten der Freiheit und der Gerechtigkeit mit goldenen Ketten an den Himmel geschlossen sind. Die idyllische„L'art d'etre grand' pere", sein Greisenwerk, zeigt den heute im Pantheon Ruhenden noch auf der höchsten Stufe der menschlichen Zärtlichkeit und künstlerischen Vollendung. Der Pariser Film„Les Miserables" ist von Fritz Lang und Raymond Bernard gedreht. Der erste Teil geht von der Entlassung des Sträflings Jean Valjean bis zu der Hauptepisode seiner Adoptivtochter C o s e t t e. Der zweite Teil ist die Liebe von C o s e t t e und Marius in der rue Plumet. Der dritte Teil behandelt das politische Hauptmilieu des damaligen Paris und den Tod des verfolgten Sträflings Jean Valjean, in dessen gedrückten Zügen die Charaktermaske des großen französischen Filmdarstellers Harry Baur sich abzeichnet. Im ganzen sind die„Miserables" als monumentalste Anstrengung der gesamten neueren französischen Filmarbeit zu werten. iB'IFKflSIEM W. D. Stvofibiirfl. Wenden Sie sich an den Vorstand der Sozial» demokraiie Deutschlands, Prag-Karlin, PalakeHo hida 173. Rundschau, Deutsches Tchneidersachblatt. Wir erhalten durch einen Freund Ihr elegantes Musterblait:„Deutsche Herrenmode 1988 84." Entzückt haben wir diese Sinfonie in braun betrachtet. Zwei arische, schlanke Kavaliere, braun der Frack, braun der Smoking: braun selbst da» Haupthaar der im Hintergrund lassig an die Treppe gc- lehnten reizenden jungen Dame, deren Busenausschnitt durchaus moralinfrei a la Göbbcls ist. Wir haben mit dem durchbohrenden Gefühl des NUdes das Bild betrachtet. Nie ist uns so deutlich zum Bewußtsein gekommen, welche Verluste mit der Ferne des„dritten Reichs" für uns verbunden sind. Denn ein Blick auf die Frack- und Smolingaufschläge beweist uns, datz die neue braune Tracht nur den eingeschriebenen Pg.s zugedacht ist: Hier prangt rotumranlxt und kriegerisch das amtliche Parteiabzeichen. Dillingcn. Sie müpen das„Wintcrhilfswerk" auf seine wahr« Bedeutung zurüclführcn. Nach den hitleraintlichcn Mitteilungen, die gewiß nicht nach unten retuschieren, sind 309 Millionen Mark ge» sammelt worden. Eine schöne runde Zahl. Aber kg Millionen Menschen— jeder vierte Deutsche— sind nach denselben hitleramtlichcn Mitteilungen zu unterstützen. Mithin kommen auf jeden Unterstützungsbedürftigen 19 Mark im ganzen Winter oder, wenn wir nur Dezember, Januar und Februar als„Winter" rechnen, pro Monat etwas über 9 Mark! Und was machen die armen Leute in den übrigen Monaten? Unter der„marxistischen Wirtschaft" hatten die Bedürftigen gesetzliche Ansprüche: jetzt wird unzulänglich für sie gebettelt. T. F. Basel. Salandcr schreibt In der„National-Zeitung": „Der mit hochgemuten Reden jüngst gegründete Gaustur« Bcrlin-Bran den bürg Schweizerischer SA. hat mit der Person seiner Gründungspaten nicht viel Glück gehabt. Der eine dieser wackeren Weckrufer. die von Berlin aus die Schweiz zu ihrem wahren Selbst ivachstürmcn möchten, hat sich bei näherer Besichtigung als braver Italiener erwiesen, und der andere, der eigentliche Führer, ist laut behördlichen Berichten nicht ganz bei Trost. Daß die muntere Unternehmung ein saftiges Narren- stücklein sei, war dem mittlerweile» erwachten Schweizer Volk gleich bei ihrer Ankündigung ziemlich klar, aber datz eS^ sich geradezu um die Wahnidee eines versorgungsreifen Kranken handelt, ist trotzdem beruhigend zu erfahren." Diese Beruhigung kann Salander nur haben, well die Schweiz, die von den Kriegs- und Nachkriegsstllrmen unberührt blieb, ein geistig gesundes Boll hat. Es gibt andere Länder, deren Führertum um so mehr bejubelt wird, je notwendiger eine psychiatrische Ver- sorgiing der„Führer" wäre. „Der Eidgenosse Zürich," lieber die Person des Führers der Schweizerischen Nationalsozialistischen Sturmabteilung in Berlin wird mitgeteilt:„Tie Bormundschastsbehörden hatten sich seit 1927 mit Erich Maey, geboren 17. Juli 1999, z» besagen. Maey wurde im Jahre 1927 wegen leichtsinnigen Lebenswandels, BcrschwendungS- sucht und Psvchopathic bevormundet und war, im Anschluß an einen Beobachtungsaiitenthalt in der Irrenanstalt Burghölzli, während eines Jahres, 1928,29, in der ArbeitserziehungSanstalt Uitikon am Aldis versorgt," Daß Ihr Schweizer Nazi? einen solchen Mann in Deutschland laßt, wo er gegen Görinn und andere Irrenhäusler nur schwer auf. kommen kann! In der Schmelz ist für solche„Führeraualitäten" die Konkurrenz doch viel geringer. Holt euch den„Führer" heim! Pariser llicalcrbrid In der Spanne vom 22 bis zum 26. Januar ist die Pariser Kritik nicht weniger a(s viermal zu Darbietungen geladen worden, an denen deutsche Bühnen- und Tanzregie zur Diskussion geteilt worden ist. Die Bilanz dieser Vorstellungen ist leider alles andere als erfreulich und wären sie nicht durch einen neuen Musiktriumph Hermann Scher chcns, der nicht in mein Ressort fällt, kompensiert worden, so wäre das Gesaratbild noch deprimierender. Es kann nicht oft und nachdrücklich genug betont werden, daß in Paris nur für Spitzenleistungen ausländischer Kunst der geeignete Boden gesucht werden darf. Tanzregisseure wie Hans Weidt und Spielleiter wie Karl Bleich. Rudolf Weil, ja selbst Francesco von Mendelssohn, über deren Qualifikation man sich in Deutschland— soweit man sie nicht als völlig unbekannt bezeichnen kann — zumindest nur bedingt klar war, können vor dem Auslande dem Ruf des deutschen Theaters meist eher schaden als nützen, es sei denn, daß sie sich die gebotene Zurückhaltung auferlegen, iu der sie bisher jedoch nicht ihre Stärke gezeigt haben. Es lag an sieb schon keinerlei ersichtlicher Grund vor, das Andenken Jacob Wassermanns durch eine Inszenierung seiner„I. u k a r d i s" zu belasl.> und damit den Franzosen zu beweisen, daß der hervorragende Romancier kein gleichwertiger Dramatiker gewesen ist. Es war ein recht bedenkliche* Unterfangen eines Herrn Karl Bleich, der schon den Mißerfolg von Arnold Zweigs..Prozeß von Tisza-Eszlar" auf dem Gewissen hat. den toten Dichter seihst zum Protektor seines ersten französischen Regieversuches zu erheben, indem er durch einen im Programm reproduzierten Brief zu beweisen suchte, iß Wassermann selbst die Aufführung Sanktioniert hafte. Es unterliegt nämlich wohl kaum einem Zweifel, daß Was ermann dci Bleichsehen Einstudierung der ..Lükgrdis" kaum seine Billigung erteilt haben würde, wenn sich sein Plan einer Pariser Reise im Jahre 1934 noch verwirklicht hätte. Die schwache Uehertragung seines Werkes litt nämlich, außer ihren eigenen Schwächen, noch unter der armseligen Regie des Herrn Bleich und unter dessen Gattin, Margarete Roma, selbstkritiklosen Bemidien, in französischer Swraebr die Hauptrolle her sagen Von den führenden Theaterleuten Frankreichs, die Wassermanns ruhmvoller Name iu das„Theatre du Vieux-Colombier" gezogen hatte, wohnteil mehrere der kläglichen Kundgebung nicht bis ans Ende bei. Die außerordentliche Gelegenheit, sich durch die Einstudier lng einer der geistvollsten Komödien der letzten Jahre mit einem Schlage in die erste Reihe der Pariser Regisseure zu stellen wurde durch Francesco von Mendelssohn leider ungenützt gelassen..Parole d'Honneur"(Ehrenwort) von Henri Jeanson ist ein Werk, von außerleseuer gesellschaftkritischer und sprachlicher Qualität. Mit Ausnahme des filmberühmten Fernand Gravey ließ das Ensemble des „Theatre Muchal" in seiner Zusammenstellung zwar viel zu wünschen übrig, doch hätte die Hand eines stärkeren Spielleiters das Werk trotzdem weit zielsicherer zu führen gewußt und das Hinabgleiten in allzu billige Possentricks vermieden. Die französische Bühnenfassung von Erich Kästners „F. m i 1 und die Detektive" hätte ein Meisterwerk sein müssen und hätte zudem eines vorzüglichen Regisseurs bedurft, wenn eine erfolgreiche Konkurrenz mit dem Triumph des gleichnamigen Films gewagt werden sollte. Der Text Madeleine de Zoghebs war jedoch leider an sich«chon äußerst dürftig, und Rudolf Weil aus Frankfurt ließ alle Qualitäten vermissen, die hierfür den regielichen Ausgleich hätten schaffen können. Es blieb daher der Spielfreude einiger kindlicher Darsteller überlassen, mit ihrem eigenen Charme den sympathischen Ersatz für das zu liefern, was ihre Inspiratoren zu geben versäumt hatten. Die Pariser Debüts RudolfWeils, Francescovon Mendelssohns und Karl Bleichs müssen unter diesen Umständen als warnendes Beispiel für weitere erfolgs- Berufsumschichfung Unser Siedlungswerk hat auf der von uns erwordenen Domäne ,.La Grande Canau" 500 ha groß an der Gironde bei Bordeaux begonnen. Siedlungen jeder Art und Größe. Ausbildung von Siedlern und Praktikanten in allen landwirtschaftlichen, gärtnerischen und handwerklichen Fächern und der Hauswirtschaft durch erste deutsche und französische Fachleute. Prospekte auf Wunsch durch uns oder unser Pariser Biiro. Unser Pariser Büro gibt Interessenten alle näheren Auskünfte. Sprechstunden; täglich außer Samstag und Sonntag von 15 bis 17 Uhr Paris(I6e),>3 bis, RÜG DE LA TOUR, 1. Stock links. TELEFON NUMMER: Troc. 6046 E-G-A Exploitation« Generales Agricole* S. A „LA GRANDE CANAU" ST.VIV1EN.MEDOC(Depart. Gironde) Werbt liir die„Deuisehe Freiheit" und sensationslustige Neulinge und Nichtkönner gekennzeichnet werden. Ob ein Appell an das Verantwortungsbewußtsein der Interessierten genügen wird, um weitere Belastungen des'deutschen Bahnenansehens und der Ausbreitungsmöglichkeit für emigrierte deutsche Regie k u n s t zu vermeiden, muß abgewartet werden. Als feststehend darf aber heute schon gelten, daß die französische Oeffentlichkeit die harte Geduldsprobe, auf die sie durch ausländische Dilettanten zur Zeit allzu häufig gestellt wird, nicht auf die Dauer bestehen kann. Der Schaden, der dem Deutschtum, das es heute außerhalb des Hitlerreiches hochzuhalten gilt, erwachsen muß, ist aber unabsehbar; es wäre daher nicht zu rechtfertigen, wenn man es gestern meist noch anonymen Emigrationsprofiteuren gestatten wollte, ihn durch Urteilslosigkeit. durch Vorteilssucht oder Eitelkeit heraufzubeschwören. Hans-Adalbert v. Mnltzahn. Für den Gesanninhalt verantwortlich: Johann P i tz in Tud- weiler: für Inserate; Ctto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Berlag: Verlag der Volksstimme GmbH., Saarbrücken 8, Schlltzenstratze ö. &r. S$*&«ialiste rue de ttivoli— M6Iro; Chaielei RADIKALE HEILUNG von RLCJT«, HAUT» und FRAUENKRANKHEITEN Heilung von Krampfadern and offenen Beio wanden Neueste Behandlungsmetboden Elektn» zität. Impfungsvertahrcn. Trypaflc vmo Einspritzungen Blut» und Harn*Untersuchungen. Sper» makultur, Salvarsan. Wismut usw. Sprechstunden täglich vo* 10—12 und von 4—8 Uhr Sonntags von 9—12 Uhr Konsultationen von 25 Fr. ah. Mao i p r i c h I deif icl Doktor Wachtel und Doktor Axel Harn,, Blut. and Hautkrankheiten 123, Bd. S6bastopol.— Sprechstunden v. 9—12 u. 2—8 Uhr, Sonntags vormittags Nase, Hals, Ohren. Sprechstunden täglich von 5— 7 Uhr. Porte Ctiomperrei floici Grill-Boom Berliner 173, ßd, Berthicr, rtL Carnot 72-47. Möblierte Wohnungen. Aller Komfort Badezimmer. Küche usw. Monatlich und wöchentlich. Nach Wunsch Pension Maßige Preise. Metro Champerret. Aut. S C B. 9- bis. CA. BY. 53 X. 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