Einzige unabhängige Tageszeitung Veuifchlands Nummer 28— 2. Jahrgang Saarbrücken, Samstag, den 3. Februar 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Ans dem Inha lt Vöikecbund Aäce! Seite 3 Wintecfdife- Voiks&etcug. Seite 3 „Deutsche Qeqenceqiecunq" Seite 5 A 6e5 und Utalinda Seite 7 JjtsecatenteiC beachten! Ocslcrreldis ndmwchr marsdiiert Bewaffnete Aktien zur Umwälzung in Oesterreich? In usbruck, 2. Febr. Die Tiroler Heimwehr hat nach einem Bericht des„Tiroler Anzeigers" gestern schlagartig einen Vorstoß von noch nichi übersehbarer Tragweite unternommen. Auf ein überraschendes Ausgebot setzten sich e t w a 8 0 0 0 Mann a n zahlreichen Stellen Tirols in Marsch. Während des ganzen Tages besetzten die Heim- wehrsormationen Innsbruck und zahlreiche größere Orte und Märkte. Gleichzeitig begaben sich die Führer der Tiroler Heimwehr zum Landeshaupt, manu in'Innsbruck und überbrachte ihm folgende Forderungen: Dem Landeshauptmann ist ein Ausschuß zur Seite zu stellen, dem Mitglieder der Heimwehr, des Bauernbundes, des Fungbauernbundes und der Ostmärkischen Sturmscharen angehören. In unruhigen Gemeinden ist ein Regierungskom- m i s s a r einzusetzen. Jedem Bezirkshauptmann ist ei« Berbindungs- manu der Heimwehr beizugeben. In den Aemteru und den Gerichten ist eine r ü ck s i ch t s« lose Säuberungsaktion durchzuführen. Staatsseiudliche Verbände s-i»d sofort aufzulösen. Die Nationalsozialist«« habeu die Kosten für das Ausgebot der Heimwehr zu tragen. Unter dem Druck dieser Aktion sicherte der Tiroler Landeshauptmann nach tele- konischer Rücksprache mit Wien die Erfül» lung dieser Forderungen zu? die Durchführung wurde sofort eingeleitet. Nach einem Kommunique der Pressestelle der Tiroler Heimwehr wird zu diesen sensationellen Vorgängen erklärt, daß sich das Heimwehrausgebot nicht in einer rein defensiven Maßnahme zum Schutze des Staates er- scböpfe, sondern die nachdrückliche Forderung des wehrhasten Tirol nach einer grundlegenden positiven Neuordnung des öffentlichen Lebens bedeute. Es ist bemerkenswert, daß sich das Kommunique dabei ausdrücklich auf die Aufforderung des Bundes» kauzlers Dollfuß bezieht, gegen alle offenen und ver- steckten Feinde des Staates vorzugehen. Das Heimwehraus- gebot bleibe„bis zur Erledigung dieser Forderungen" auf- recht. Eine ähnliche Aktion plant man auch sür Oberöster- reich? sie soll dann später aus das ganze Land Salzburg aus- gedehnt werden. Wie verlautet, beabsichtigt die Regierung, Sicherheitskommissare bei allen Bezirkshaupt- Mannschaften zu ernennen. U. a. rechnet man mit der Ein- setzung eines Regierungskommissars sür Graz und mit der Auslösung des dortigen Gemeinderats. Für Gaste in ist von Vizekanzler Fey persönlich eine Aktion angeordnet worden. Zu diesem Zweck wurde die Gendarmerie in Gastein durch Truppen und Schutzkorps- abteiluugeu verstärkt. Als Vergeltungsmaßnahme sür die zahlreiche« Papierböllerexplosionen wurden 80 führende nationalsozialistische Persönlichkeiten in G a st e i n verhastet. Der Bundeskommissar sür Propaganda, Dr. S t e i d l e, ist, wie amtlich mitgeteilt wird, nach Innsbruck abgereist, um als Landessllhrer des Tiroler Heimatschutzes eine In- spektion der ausgebotenen Schutzsorma- tiouen des Tiroler Heimatschusses in ganz Tirol vorzunehmen. * Partelen-AuflOsung gefordert Wien, 2. Febr. Die in Innsbruck eingerückten Heim- wehrtruppen fordern u. a. auch die Auflösung der Sozialdemokratie und der Christlichsozialen Partei, serner die Entfernung aller marxistischen und sonstwie„unzuverlässigen" Bürger- meister. Die Seimwehrtruppen würden Innsbruck nicht eher verlassen als bis ihre Forderungen erfüllt sind. Brtlsklerung Oesterreichs Und des Völkerbundes Berlin, l. Febr. Der Reichsminister des Auswärtigen, Freiherr v. Neurath, hat heute nachmittag den österreichi- scheu Gesandten Herrn Tauschitz zu sich gebeten und ihm die Antwort der Retchsregterung auf die am 17. v. M. über- reichte Note ausgehändigt, worin die Beschwerden der öfter- reichischen Regierung über Einmischungen Deutschlands in die innerösterreichischen Angelegenheiten enthalten waren. Tie deutsche Antwort stellt noch einmal die grundsätzliche Haltung der Reichsregierung gegenüber dem österreichischen Problem fest und widerlegt auf Grund der angestellten Er- mittlungen Punkt für Punkt die einzelnen österreichischen Beschwerden. Zugleich bringt die Antwort zum Ausdruck, daß nach Ansicht der Reichsregierung das Problem einer inter- nationalen Behandlung nicht zugänglich ist und aus diesem Wege nicht gelöst werden kann. Diese Antwort ist also ein glattes Nein auf die Forde- rungen der österreichischen Regierung und die Behauptung, daß die Bedrohung der österreichischen Selbständigkeit den Völkerbund nichts angehe. ♦ Verschärfung! sJnpreß.) Das Zentralorgan ver Nazis, der„Völkische Beobachter", veröffentlicht ein Manifest, das sich an das österreichische Volk richtet. An die Nationalsozialisten Oester- rcichs wird die Aufforderung gerichtet, den Kampf gegen die Regierung Dollfuß zu verschärfen? die deutsche« Nazis würden sie unterstützen. Die österreichische Regierung, heißt es in dem Manifest, liegt im Sterben. Das Regime Dollfuß mutz mit allen Mitteln bekämpft werden— bis zum Sieg. Dollfuß und die Sozialdemokratie Die Haltung der österreidiisdien Marxisten Der Parteirat der Sozialdemokratischen Partei, dem bekanntlich weder Mandatare noch Angestellte der Partei oder der Gewerkschaften angehören, hat am 28. Januar zu dem„Appell" des Bundeskanzlers Dollfuß, dem alsbald das Kolportage-Verbot der„Arbeiter-Zeitung" folgte, Stellung genommen. Es ist bezeichnend, daß dieser Beschluß in der„Arbeiter-Zeitung" zu zwei Dritteln kon- f i s z i e r t wurde, und zwar an jenen Stellen, in denen erklärt wird, daß die Arbeiterschaft zur Mitarbeit nur unter der Zusicherung ihrer verfassungsmäßigen Freiheitsrechte bereit ist. Wir veröffentlichen nachfolgend die ganze Resolution. .Der Bundeskanzler hat am 18. Ja«-« einen Appell an .iene«krder Bevölkerung" gerichtet,„die aus klaffen- kämpferischen Gründen bisher noch abseits stehen. Er hat den W Ich ausgesprochen, daß seine Argumente von der Arbeiterschaft beachtet werden. Der Parteirat erinnert daran, daß die österreichische Sozialdemokratie, insbesondere auch in den Beschlüssen des Parteitages vom 8. Dezember 1988, ihre Bereitschaft erklärt hat, an-inet friedliche« und versassuncs- mästigen Entwirrung der politischen Krise mitzuwirken. Der Parteirat erklärt, daß die sozialdemo- kratischc Arbeiterschaft auch jetzt in jedem Augenblicke zn dieser Mitwirkung bereit ist. Der Parteirat stellt aber fest, daß sowohl der seit dem März planmäßig immer weiter geführte Abbau der Freiheitsrechte des Volkes und der sozialen Rechte der Arbeiter, Angestellten und Beamten, als auch vieles, was man bisher über die Ver- sassungspläne der Regierung gehört hat, jene„innere Be- reitschast" der Arbeiterschaft zur Mitarbeit, die der Bundes- kanzler in seiner Rede vom 18. Januar gefordert hat, nicht auskommen lassen. Die neue Notverordnung behält die Ar- (Fortsetzung stehe t. Seite!) Geschäfte mit dem Tod Von Arthur Seehof Die private Rüstungsindustrie ist in keinem Lande eine erfreuliche Erscheinung. Und wer sich einmal die Mühe gemacht hat, sich mit ihr und ihrer Politik zu beschäftigen, dem ist ein Krupp genau so—„lieb" wie ein Schneider od»r rr-ck ein Zabaroff. Für die Abrüstung ist weder der eine noch der andere, und Kriege sind ihnen allen das Ie ,--,-.,.^,-unolichile, das edelste, das„nationalste", das beste Geschäft. Gewiß liegt es nicht ausschließlich in den Händen der Rüstungsindustriellen wie ihrer Finanzier, die einzelnen Nationen in das große Geschäft, in den Krieg, zu treiben, es gibt andere, entscheidendere Fak- toren, aber immerhin— und das schrieb die unvergeß- liche Larissa Reißner in einer Reportage über Krupp— „man hat seinen eigenen Generalstab und seine eigene Diplomatie". Heute wie in der Vorkriegszeit. Nur daß heute beide weit erfahrener und besser ausgebildet sind als früher. Die Genfer Shearer-Affäre war gewiß ein Reinfall. Doch sind außer dieser einen Affäre noch andere an oie Oefsentlichkeit gekommen? Nein- Und das beweist lediglich, daß die Rüstungsindustrie sehr geschickt zu arbeiten gelernt hat Außerdem, was braucht sie heute noch viele und teuere Geheimagenten, wo sie doch ihren Hitler, ihren Eöring, ihren Rothermere usw. hat. Daß die Hitler und Göring von der Rüstungsindustrie bezahlt sind und zum Teil bewußt, zum Teil unbewußt für sie arbeiten, ist heute eine bewiesene Tatsache, daß ein Rothermere— wie übrigens Dutzende andere von Presse- „gewaltigen"— aus den verschiedensten und zum Teil allerdunkelsten Quälen finanziell gespeist werden— wir bitten die Rothermere-Presse, es zu bestreiten. Wir wür- den dann gern mit sehr genauen Angaben dienen. Nein, Stavisky war keineswegs der„raffinierteste Hochstapler aller Zeiten", er war lediglich un escroc de petit race im Verhältnis zu denen, die um ihrer Profite willen immer wieder versuchen, Millionen in den Tod. in das Elend oder auch in das langsame Verenden zu jagen. Doch hier ist nicht der Raum, über Stavisky und den Fall Presse zu schreiben. Aber diese wenigen einleiten- den Worte waren notwendig, bevor über ein Buch ge- sprachen werden kann, das einen der tollsten Skandale darstellt, den die deutsche Publizistik bis heute zu ver- zeichnen hat. Der Skandal heißt F. W. von Oertzen. Sein Buch trägt den Titel„Geschäfte mit dem Tod" und den Untertitel„Hinter den Kulissen der franzosischen Rüstungsindustrie". Einmal weiß von Oertzen sehr, sehr wenig. Und was er dann schließlich weiß, hat er in der Hauptsache bei Paul Faure— dem Sozialisten und un- ermüdlichen Ankläger von Schneider-Creuzot und Ge- nassen— abgeschrieben und nationalistisch verdreht. Außerdem lügt er, daß es nur so nach knisternden Reichs- tagsbalken stinkt. Was von Oertzen z. B. über das zur Zeit der Ministerpräsidentschaft Tardieus bereits vorhan- dene Dossier der deutschen Wiederaufrüstung sagt, ist eine einzige und noch dazu niederträchtige Lüge. Gewiß, Tar- dieu ist ein Mann des Comite des Farges und seine ge- samle europäische Politik war niemals die unsere. Die europäische Linke ist wohl berechtigt, Tardieu und seine Politik anzuklagen. Wird sie aber von einem von Oertzen angeklagt— scheinheilig und verlogen—, von einem Mann, der niemals fauch nicht in seinem Polenbuch) die ganze Wahrheit sagt, sondern stets nur ein solches Teilchen davon, daß es schon fast Lüge wird, dann wissen wir nur zu gut, warum das geschieht. Keineswegs, um hinter die Ku- listen der französischen Rüstungsindustrie zu leuchten, was auch tatsächlich nicht geschieht fWas von Oertzen an Tatsächlichem mitteilt, ist bekannt und zum Teil längst bekannt.), nein, um eine nationalistische, eine Kriegshetze zu betreiben, zu der die Krupp, die Rhein-Metall usw. nur freudig Beifall klatschen können. Wenn das wirklich das ganze Material ist. über das der„Fachmann" von Oertzen verfügt, dieses in den„Ge- schäften mit dem Tod" wiedergegebene, dann sind wir jederzeit in der Lage, noch sehr beträchtliche Mengen hin- zuzutun. Allerdings in etwas anderer Förch, als es einem von Oertzen lieb sein dürfte. Doch das Nichtwissen, das Abschreiben von Paul Faure usw., ist das noch nicht der Skandal, den das Buch tatsächlich darstellt, zum Skandal wird es wesentlich dadurch, daß es versucht, seinen Lesern weiszumachen, nur Frankreich habe seinen Schneider- Creuzot. Kein Wort von Vickers-Armstrong, kein Wort von Rheinmetall, kein Wort von Krupp usw. Und doch dürfte auch einem von Oertzen bekannt sein, daß sich z. B. in der Budapester Ungarischen Kredit-Anstalt deutsche Finanz- und Rüstungsinteressen zusammenfinden mit Schneider u. Co., Skoda,„Union Parisienne"(von der ja auch der deutsche„Fachmann" einiges, aber wie ten- denziös, zu erzählen weife). Natürlich teilt die Skandal- broschüre, trotzdem sie sich einen„wissenschaftlichen" An- hang von 5 Seiten gibt, mit keinem Wort mit, dafe auch Herr Baron von Neurath und der„reinrassige" Herr Max Warburg aus Hamburg ebenso Aufsichtsräte der ge- nannten Kreditanstalt sind bzw. waren, wie z. B. Herr Louis Lion von der„Union Parisienne" oder Le Comte de Saint-Sauveur von Schneider u. Co. Außerdem— auch das dürfte vielleicht Herrn von Oertzen interessieren — besteht durch die Waffenfabriken von Hirtenberg in Oesterreich und Maxfred Weife in Ungarn eine ziemlich enge Verbindung zwischen Krupp und Rhein-Metall einerseits und Schneider u. Co. andererseits. Diese Ver- bindung ist tatsächlich so eng, dafe 1932 ein ganz neuer Tanktyp der Skodawerke(die, wie bekannt, von Schnei- der u. Co. kontrolliert werden), statt nach Schweden zu gehen, wohin er bestimmt war, ohne viel Aufsehen zu erregen, in Teutschland„verschwinden" konnte , Wirklich, es liehen sich noch ganz andere Dinge zu einem Thema berichten, das hier ein Mann der deutschen Rechten(ein ehemaliger Deutschnationaler, soweit wir wissen) gar nicht erst versucht hat aufzuhellen, sondern ganz im Gegenteil zu verdunkeln, zu verschleiern. Aus einer angeblichen Arbeit gegen die französische Rüstungs- Industrie ist tatsächlich eine Hetzschrift gegen französische Regierungen wie gegen das französische Volk geworden. Von Oertzen hat also wohl die Arbeit geleistet, die er leisten wollte und— sollte. Noch einmal soll er angenagelt werden— es liefee sich das bald Seite für Seite tun—. Da ist irgendwo von der „Union Parisienne"(der Bank Schneiders) die Rede und im Zusammenhang damit auch von Kuhlmann(den fran- zösischen Chemiewerken). Natürlich wird an dieser Stelle auch nicht mit einer Silbe auf das enge Verhältnis von Kuhlmann zu den I.G.-Farben hingewiesen, noch auf den Patentverkauf der I.G.-Farben an Kuhlmann und an- dere französische Chemiewerke. Kurzum. Von Oertzen hat einen Hetzschmarren geschrieben. Und der Skandal ist. dafe er mit heiligem Augenaufschlag und drohendem Schulmeisterfinger auf die so furchtbar böse französische Rüstungsindustrie zeigt,„die verschwinden mufe, wenn Europa leben will", aber mit keinem Wort von dem Rüstungsgeschäft und der Hetze im eigenen Lande zu sprechen wagt, ja noch nicht einmal von dem, was vor Hitler oder von dem, was vor 1914 war. Es ist gewife tieftraurig festzustellen, dafe ein Mann wie Roland Dorgelös, der Verfasser von„Los Croix de Bois" sich von der Automobilabteilung der Wafsenwerke Hotchkife hat verlegen lassen— tief traurig, dafe Roland Torgelds„Ma grosse bete et les petits lapins" nunmehr von Hotchkife gratis und franko ausgegeben wirb; die Rüstungsindustrie weife, was sie tut, und Hotchkife wufete sehr wohl, warum er gerade eine Novelle von Dorgeles auswählte, um sie zu verschenken, alles das zugegeben— ja, Dörgens hat einen riesigen Fehler begangen, indem er ein Buch, mehr seinen Namen, an Hotchkife verkaufte, aber was will das besagen gegen das Verbrechen, dessen sich ein von Oertzen schuldig gemacht hat?! Sein Buch, wenn es noch nicht von der deutschen und englischen Rüstungsindustrie bezahlt ist— es ist wert, nicht nur von ihr, sondern auch von Schneider-Creusot bezahlt zu werden. Denn es ist ein Hitler-deutsches Buch. Und das helfet oerlogen und zum Kriege hetzend. Wenn schließlich Edouard Herriot gar als im Dienste der„Kanonenkönige" stehend von von Oertzen angelüm- melt wird— dann ist das eine Sache, die wohl Herriot selbst eines Tages erledigen wird, und gewife besser, als wir das hier vermöchten. Zum Hetzer gehört der Ver- leumder. Und beides trifft sich wunderbar vereint in Herrn F W. von Oertzen. dem Kuli einer deutschen Militärclique wie Metallurgie, die am 39. Januar 1933 ihren 9. Thermidor feiern durfte Gewife, was die internationale Rüstungsindustrie poli- tisch und sonstwie tut, es sind Geschäfte mit dem Tod. Doch auch das Schreiben dieses von Oertzen,"<* ist nichts anderes. Emigrant Haber Deutschlands berühmtester Chemiker stirbt als Emigrant Auf der Durchreise starb in Basel im Alter von 66 Iahren der bekannte deutsche Chemiker und Robelpreis» träger Professor Haber. „Aus der Durchreise in Basel" schreibt schamhaft die halb- amtliche Meldung. Wahrheit ist, das, der weltberühmte Gelehrte wegen seines Judentums durch die Hitler und Gvring in den Tod gehetzt worden ist. Fritz Haber, ein beschei- dener und vornehmer Mensch, war bis vir wenigen Mo- naten Ordinarius an der Berliner Universität und Leiter des Kaiser-Wilhelm-Instituts für physikalische Chemie. Nicht nur Deutschland, sondern die Welt erleidet mit dem Hin- scheiden dieses großen Gelehrten einen Verlust. Tic ganze Welt kennt Haber als den Entdecker des Verfahrens zur Ge- winnung von Stickstoff aus der Luft, ein« Entdeckung, die er gemeinsam mit Karl Bosch ausbaute und die es Deutsch- land ermöglichte, die Ende 1914 im Schwinden begriffenen Munitionsvorräte wieder zu ergänzen und die Munition»- erzeugung auf das gigantische Maß zu steigern, das uns überhaupt die KriegSjahre habe aushalten lassen. Auch die Gasangriffsversahren und die technische Erzeugung von Gas- Kampfstoffen sind von Haber zuerst in die Wege geleitet worden. ver russische Slralosphärenllug Der bekannte belgische Physiker und Ttratosphärenslieger. Professor Piccard, erklärte in einer Unterredung mit einem Vertreter der United Preß zu dem tragischen Tode der sowjetrussischen Stratosphärenilieger:„Wenn der Ballon infolge Richtsunttioniereas de» Gasablaß-Beutils explo- dierte, was durchaus denkbar ist, so muß das Richtmitstthren DOllfUß und die Sozialdemokratie Fortsetzung von der 1. Seite beitsstellen bei den Arbeiten für den Bund den Angehörigen der den Regierungsparteien parteimäßig zugehörenden Organisationen vor. Der Bundeskanzler kaun nicht die „innere Bereitschaft" zur Mitarbeit von Menschen fordern, die, seit Jahren arbeitslos, jetzt erfahren, daß sie ihrer Ge- stnnung, ihrer Ideale wegen von der Arbeit ausgeschlossen werden. Mitarbeiten, mitwirken können nur Gleichberechtigte. Der Bundeskanzler kann ferner die„innere Bereitschaft" der Arbeiterschaft zur Mitarbeit an der Durchführung von Plänen nicht erwarten, die der Arbeiterschaft noch nicht be« kannt stud. Wenn aber eine Bersassungsreform aus ver« fassungsmäßigem Boden geschaffen werden soll» wenn sie die Gesetzgebung durch auf Grund des allgemeinen und gleichen Wahlrechtes gewählte Körperschaften im Bunde und in den Ländern und das freie Koalitionsrecht der Arbeiter und Angestellten gewährleistet, dann wird die Arbeiter- und Angestelltenschast sicherlich zur Mitarbeit an der Schaffung einer solchen Bersassung bereit sein. Die sozialdemokratischen Arbeiter und Angestellten stehen zur Unabhängigkeit Oesterreichs und find bereit, sie mit allen Mitteln zu verteidigen. Sind doch die Ar- beiter und Angestellten die erbittertsten Feinde des Rational- saschismuS, der, wie Deutschland zeigt, die Arbeiter im Staat wie im Betrieb zu rechtlosen Sklaven erniedrigt. Aber der Kamps gegen den Rationalsaschismus, der die Unabhängig, keit Oesterreichs bedroht, kann nur dann wirksam geführt werden, wenn die Propaganda aller dem Rationalsaschismus feindlichen Parteien von beengenden Schranken befreit wird? wenn der Arbeiter- und Angestelltenschast die Gewähr ge- boten wird, daß sie ihre eigene Freiheit schützt, indem sie die Unabhängigkeit verteidigt, und wenn alle demokratischen Kräfte im Lande unbeschadet ihrer sonstige» Gegensätze, im Kampfe gegen jedweden Faschismus und zur planmäßigen Erneuerung der Wirtschaft, zur Eindämmung der Arbeits« losigkeit zusammenwirken. Der Parteirat hat überdies Weisungen für die Fortsetzung de» Abwehrkampses der Arbeiterklaffe gegen alle faschistischen Bestrebungen beschlossen» die unmittelbar den Organisa- tioncn übermittelt werden. * Sicher ist, daß die politische Lage in Oesterreich weiter höchst unklar und voller Spannungen und Gefahren bleibt. Der Austrofaschismus, dessen Organisation die Heimwehren sind, verkündet nach wie vor als sein Ziel die gänzliche Niederwerfung der„Marxisten". Tie Arbeiterschaft muß also weiter bcreit sein, fich und die Republik, wenn es not« wendig wird, mit alle» Mitteln zu verteidigen. Nidil Im Bilde" ** Regierung lehnt ab Wie zu erwarten war, wurde diese Auslegung der Auf- fordcrung bxs Bundeskanzlers an die Arbeiterschaft zur Unterstützung des autoritären Kurses von der Regierung strikte abgelehnt. Das maßgebende,Regierungsorgan, die„Reichspost", gewann den Eindruck, als ob die Sozial- demokratie nicht im Bilde sei? sie unterliege völlig der poli- tischen Dialektik des alten Parlamentarismus, mit dessen Tod sich jeder abfinden müsse, der an der Gestaltung der neuen Zeit und der neuen Einrichtungen ernsthaft mit- arbeiten wolle. Die Zweideutigkeit, die sich aus der Ver- wechslung zwischen Nationalsozialismus und National- saschismus ergebe, verrate den Einfluß Otto Bauers. Auch das christlichsoziale„Neuigketts-Weltblatt" spricht von einem Mißverständnis, weil die Sozialdemokratie, die einfach zum alten Kurs zurückkehren möchte, die Ereignisse der letzten Monate nicht begriffen habe. Der Beschluß des Parteirats sei für die weitere Entwicklung belanglos. Da Dollfub feine Worte nicht an die Sozialdemokratie, sondern an die Ar- beiterschaft gerichtet habe, handle es sich um eine Antwort von Personen, die gar nicht gefragt wurden. fraitftreidss rtlstongspolitisdic Antwort Die Kiuil der Gcgens&fze zwischen Paris und Berlin Paris, 2. Febr. Die französische Regierung hat nun die Denkschrift veröffentlicht, die der französische Botschafter Francois Poncet am 1. Januar i» Berlin Uberreicht hat. Tic Denkschrift bringt eine grundsätzliche Zustimmung zu Nichtangriffspakten, betont aber mit einem unausgesprochenen Hinweis auf Oesterreich, daß die vertragschließenden Mächte II»»»r^»»»Zll»,«ll^>i»d" gegen die Bedrohung ihrer Selbständigkeit und gegen jede„ R 1>» u£r dlltllXI Einmischung in ihre inneren Angelegenheiten geschlitzt wer den müßten. Der wesentliche Inhalt ist: Jahre der Durchführung der Konvention an eine Vermin« derung der französischen Esfektivbestände vorzunehmen in Uebereinstimmung mit der Umwandlung des heute be» stehenden deutschen Heere? Kontrollfrage Nachdem Frankreich ebenfalls davon Kenntnis genommen hat, daß Deutschland prinzipiell eine örtliche, auto- inatische und ständige Kontrolle annimmt, wirft es die Frage ob Deutschland beabsichtige, sich den Maß- nahmen praktischer Art anzuschließen, die im Laufe der letzten Arbeiten der Abrüstungskonferenz in Be- trachr g:zogcn worden sind. Im Widerspruch zu den Konferenzzielen Nach Betonung der Berständigungsmöglichkeiten erklärt die Denkschrift eiter, baß die von der Reichoregierung ausge- stellten Forderungen in direktem Widerspruch zu den eigentlichen Konferenzzielen chen, wie sie bis jetzt sogar mit Zustimmung der deutschen Delegation formuliert worden sind. Sie hebt hervor, daß Teutschland eine Erhöhung der Bestände seines Heeres auf 3000»0 Mann verlangt, zu denen noch die S ch u p o, deren unbestreitbar militärischer Charakter von der Konserenz anerkannt worden ist, und die militärähnlichen Verbände, die seit Errichtung des neuen Regimes in Deutschland eine beträchtliche Entwicklung genommen haben, hinzuzufügen seien. Tie französische Regierung erklärt ausdrücklich, baß jede»eon- vcntion, die diese Organisationen nicht berücksichtigt, ent- sprechend den früheren Entscheidungen der Konferenz einen gerechten Vergleich zwischen den Heeresstärken der ver- schiedenen Länder unmöglich macht. „Aufrüstungsprogramm" In bezug auf die Gleichberechtigung wirb bemrkt, daß die Reichsrcgierung eine sofortige qualitative und quantitative Aufrüstung verlangt, während doch die praktische und ge- rechte Durchführung dieser Gleichberechtigung eine vor- herige Vereinheitlichung der Hcerestypen voraussetzt. Nach dem Eingeständnis der Reichsregierung selbst seien für die Verwirklichung dieser Maßnahme mehrere Jahre erforder- lich. Die Denkschrift bebt schließlich noch hervor, daß die Reichsrcgierung sich den Zeitpunkt vorbehält, an dem die Kontrolle zu beginnen hat. Die ehrliche Anwendung der Konvention hänge aber von der Einrichtung und der Er- probung dieser Kontrolle ab. Deutschland formuliere aus diese Weise ein vollständiges AufrttftungSprogramm, welches, falls cS in der Konvention gutgeheißen würde, zweifellos zu einem Wettrüsten sühren würde, das die zivilisierten Ratio» neu mit allen Kräften zu verhindern suchen solle». Frankreichs Plan Die französische Regierung setzt diesem Programm einen Plan entgegen, zu dessen Annahme sie sich bereit erklärt, und der durch Anpassung des britischen Planes unter gleich- zeitiger Berücksichtigung des politischen Unbehagens in Europa und der praktischen Durchführungsmöglichkeiten es ermöglichen würde, eine beträchtliche Abrüstung und die vollständige Gleichberechtigung Teutschlands zu verivirk- l'chen. Zur Unterstützung dieser Grundsätze ivird hervor- gehoben, daß Frankreich geneigt ist, gleich von dem ersten Versöhnlich, aber energisch dnb. Paris» 2. Febr. Die Blätter beschränken sich im großen und ganzen auf die Wiedergabe kürzester Auszüge auS der gestern veröffentlichten französisch«» Dentschrist zur Rüstungssrage. Ter offiziöse„Petit Parisien" be- gründet oie Veröffentlichung damit, baß ein Gegengewicht gegen die Wirkung der englischen und italienischen Denk- -Ichrlst geschaffen und«in« augernejiene Beurteilung der Lage ermöglicht iverden sollte. Das französische Außenniinisterlum Habe aus dieser Erkenntnis Heraus die VeröfseMichung be- schlössen. Obwohl bereits durch die Ereignine überholt, prä- zisiere dieses Dokument, das in nichts die Entwicklung der im Gange befindlichen Verhandlungen präjudiziere, nichts- destoweniger die Haltung der französischen Regierung in den verschiedenen Punkten zu der Zeit, als sie zwischen Tir John Simon und M» s s o l i n i in Rom erörtert wurden. Die energische und gleichzeitig versöhnliche Haltung der sranzösischen Regierung habe sich zweifellos seither nicht geändert nnd werde dazu beitragen, die Oefsentlichkeit mit Ruften aufzuklären. Das„I o u r n a l" schreibt: Bei näherer Prüfung der französischen Denkschrift tritt— wie auch der Reichskanzler betonte— zutage, daß keine territoriale Kor- derung mehr zwischen Frankreich und Teutschland steht und daß die meisten aktuellen Probleme nicht eigentlich deutsch- französische, sondern europäische Probleme sind, deren Lölnna unmöglich ohne die Teilnahme der inter« essierten Länder nnd des Völkerbundes in Angriff genommen werden kann. Aus der Talsache der Veröffentlichung der französischen Denkschrift scheint bereits hervorzugehen, daß der französische Standpunkt sich seit dem 1. Januar nicht ge- ändert hat. Ueberdies wird man, da die Denkschriften Deutschlands. Englands und Italien? eine genaue Antwort erfordern, hierüber wahrscheinlich lehr bald Ausschluß be- sitzen. Die Antwort an Deutschland soll— dem„Oeuvre" zu- folge— in einer der nächsten Ministerbejprechungen fest- gelegt und bann sofort abgesandt werden. Das Blatt will den Eindruck gewonnen haben, daß die französische Regierung gern mit Italien ein Voravkommen finden möchte. Annäherung rranhreidillalien? Das Abrüstungsproblem nicht voran gekommen Paris, 2. Febr. Als mögliche politische Folge der eng- lischen und der italienischen Denkschrift läßt die Außen- Politikerin des„Oeuvre", die gute Beziehungen zu bestunter- richteten politischen Kreisen unterhält, einen Annäherungs- versuch zwischen Frankreich und Italien durchblicken, weil im Hinblick auf ein Kompromiß in der AbrüstungSsrage der Ab- schlug eines Vorabkommens mit Italien von unschätzbarem Werte sein würde. Bezüglich der Abrüstungskonferenz seien diese Kreise äußerst pessimistisch, dagegen ausge- sprachen optimistisch, waS die künftigen italienisch-französi- schen Beziehungen, unabhängig vom AbrüstungSprvblem. an- lange. Die Erennung de JouvenelS zum Ueberseeminister werde besonders begrüßt. Man hoffe jetzt, durch gegenseitige Konzessionen viele noch schwebende Kolonialfragen regeln zu können. Die„Ere Nouvelle" schreibt: Da weder die englische noch die Italienische Anregung dem Standpunkt entspricht, der nach reiflicher Ueberlegung von der sranzösischen Regie- rung eingenommen werden muß, so scheint das Abrüstnngs- Problem nicht vorangekommen sein. Dieses Urteil wird von der gesr'en französischen Presse geteilt. eines Fallschirms, der die Gondel in der Luft hätte halten können, für das Unglück verantwortlich gemacht werben. Ich habe auf meinem Fluge drei Fallschirme mit- geführt, und zwar einen für die Gondel für den Fall, daß sie sich von der Ballonhülle trennen sollte, und zwei andere für meinen Begleiter und mich. Die sowjetrussischen Flieger haben wahrscheinlich aus die Mitnahme von Fallschirmen verzichtet, um das Gewicht des Ballons zu erleichtern. Es würde einen großen Verlust für die Wissenschaft bedeuten, wenn die Aufzeichnungen der Stratosphärenilieger verloren gegangen sind, da sie sich lange in der Stratosphäre auf- hielten. Ich kenne persönlich die russischen Apparate und In- strumente, die für die Messung der kosmischen Strahlen Ver« wendung finden." loacsuricll-107 Jahre Zudifliaos Die Mordjustiz Hitler-Dev':''ands Hamburg, 1. Febr. In dem Prozeß wegen des kam- mnuistischeu Feoerübersalles am Lockstedter See am 26. Februar 1933 fällte das Hanseatische Sondergericht am Donnerstagnachmittag das Urteil. Der Angeklagte Retslag wurde wegen vollendeten Mordes au dem Hitlerjungen Blöcker sowie wegen»ersuchten Mordes in zwei Fälle» zum Tode»erurteilt, ferner unter Einbeziehung einer früher erkannten Zuchthausstrafe von drei Fahren zu einer Gesamtzuchthausstrafe vou 15 Jahren. Weiter wurden verurteilt: 12 Augeklagte wegen»er« suchten Mordes zu insgesamt 107 Jahren Zuchthaus, einer zu 11 Jahren Zuchthaus. Bier weitere Angeklagte wurden wegen Vergehens gegen das Schußwassengesetz oder wegen Begünstigung zu Gefängnisstrafen bis zu 18 Mo« nateu verurteilt. Zwei Angeklagte wnrden freigesprochen Görings naß Liste der Geächteten Berlin, 2. Febr. Zur Durchführung der vom preußischen Ministerpräsidenten als dem Chef der Geheimen Staats- polizei vor einiger Zeit erlassenen Richtlinien über die Be« bandlung zurückkehrender Emigranten hat der Minister- Präsident folgende Anordnungen getroffen: Es sind von allen Staatspolizeistellen beschleunigte Listen aufzustellen, die sämtliche Emigranten jedes Gebietes unter möglichst genauer Angabe der Personalien sowie des früheren und des jetzigen Ausenthalts enthalten. Diese Listen sind dem Geheimen Staatspolizeiamt bis Mitte Februar vorzulegen. Dabei ist anzugeben, zu welcherKategorie von Flücht- lingen der Emigrant gehört, zu kriminellen Elementen, zu Flüchtlingen nichtbeutscher Staatsangehörigkeit, zu führend gewesenen marxistischen Zersetzeru und Bcr» blechern ober zu grundlos verängstigten Volksgenossen, die auf Grund gewissenloser Propaganda der vergangenen System- Parteien über die Grenze geflohen sind, und deren Rück- kehr nichts in den Weg gelegt werden soll, wenn sie ausrichtig und ernstlich in die neue Volksgemeinschaft sich einzugliedern gewillt sind. Darüber hinaus ersucht der Ministerpräsident die G r e n z- ftaatspolizei stellen, in besonderen Listen die ihnen durch ihre Tätigkeit oder Anwesenheit im benachbarten Aus- lanb bekannten Emigranten zu erfassen, auch soweit sie nicht in ihrem Bezirke gewohnt haben. Alle deutschen Länder sind gebeten worden, sich diesem Verfahren zum Zwecke eines einheitlichen Borgehens gegen die Emigranten anzuschließen. ver Kaiser-Krieg Verbotene Wilhelminer Aus Berlin wird uns geschrieben: Der Kamps der Nazis gegen Reaktion, Monarchie unv Schwarzweißrot, der gerade in diesen Tagen seinen Höhe- punkt erreicht hat und aller Wahrscheinlichkeit nach mit dem Verbot der deutschen Trikolore gekrönt wird, halte wenige Tage vor dem Geburtstag deS Toorncr Emigranten mit aller Schärfe eingesetzt. Nicht zuletzt haben einige Hugen- bergblätter dazu beigetragen, daß dieser Kampf, der bereits seit längerer Zeit unter der Oberfläche schwelte, der Ocffenr- lichkeit mitgeteilt wurde. Hugenbergs Zeitschrift»Tie Woche" hatte auf ihren ersten drei Seiten einige Erinnerungsbilder für den SO. Januar,»m dann fast bis zum Schluß des Heltes IUI nur„in Wilhelm" zu machen. Ein Kurzroman trug die irre- führende Ueberschrift:„Die Versöhnung des Kaisers mit dem Kanzler". Gemeint war Bismarck! lind dann ging cö los. Wilhelm in allen Lebenslage». Bestimmt ein Nervenkitzel für viele Herren, die aus den Gedenkseiten znni 30. Januar vergessen worden waren. To war der Sturm aus die Ofsiziersseier keine spontane Volkswut Angelegenheit, sonder» eine Attacke aus höheren Befehl. Am Freitag, dem 26. Januar, wurde„aus dem Dienstwege" an alle SA.-Ttellen der Befehl herausgegeben, alle Hakcnkrenzsahnen zum 27. Januar einzuziehen, sie nicht vor Sonntagfrüh zu hissen und alle erreichbaren schwarz- weißroten Fahnen z« entfernen! Einige Bczirks-SA.-Stellen fertigten sogar Hauslisten an, um alle die zu notieren, die schwarzweißrote Fahnen herausgesteckt hatten. Und nicht umsonst hat man jetzt auch den sogenannten Kern-„Stahl- Helm" in die SA. eingegliedert. Die Hakenkrenzbiv.de auf dem„grauen Tuch deutscher Ehre" war schon längst zum roten Tuch für die Stiere des„dritten Reichs" geworden. lind wieder Geiseln! Die Methode von Schuften Die Polizeidirektion Freiburg teilt mit: Gestern abend während des Anmarsches zur machtvollen Kundgebung auf dem Münsterplatz zur Feier des 30. Januar hat die illegale KPD. wieder einmal Gelegenheit genommen, Flugblätter mit aufreizendem Inhalt zur Verteilung zu bringen. Die gewohnt versteckte Art der Verbreitung machte es unmöglich, die Täter zu fassen. Tie Polizeidircktion Freiburg sah sich deshalb veranlaßt, zur Unterbindung solcher Störungen der Staatsordnung zu einschneidenden Repressalien zu schreiten. Sämtliche aus Anlaß des Weihnachtsfestes zur vorläufige» Beurlaubung aus den Schuvhastlagern gelangten ehemaligen Angehörigen der KPD. wurden noch gestern abend wieder festgenommen. Heute morgen werden weitere Festnahmen erfolgen. * Dienheim(Rheinhessenl, 2, Febr. Im Hausbriefkasten eines hiesigen Handwerkers wurden kommunistische Flugschriften ausgesunden. Da die Verbreiter dieses Hetzmaterials nicht ausfindig gemacht werden konnte», wurden der hiesige frühere KPT.-Führer Heinrich Loh m a n n und zwei weitere ehemalige k o in- m u n i st i s ch c Funktionäre, der Arbeiter Jean Schenk und der Schreiner Hermann Krenzer, von der Gendarmeric festgenommen und ins Amtsgeiängnis eingeliefert, wo sie bis zur Feststellung der eigentlichen Täter verbleiben werden. ch Holle(Saales. Nachdem am Mittwoch der Truppführer des Wehrstahlhelms Architekt Georg T ch m i d t in Halle wegen icftVCtCr'SBcfciMöUllft&C&($Öill£ttCT$ 301*011 un5 Wühlarbeit gegen andere führende Persönlichkeiten der N*DAP von der Geheimen Staatspolizei festgenommen worden ist. wurde jetzt nach einer Mitteilung der Pressestelle Völkerblind höre! 5 Monate Gefängnis für eine Saarländerin wegen ein paar Worten Kritik im.«dritten Reich" Der„Westdeutsche Beobachter" in Köln veröffentlicht in seiner Nummer 43 vom 31. Januar den folgenden Gerichtsbericht. Er ist nicht nur wegen des brutalen Strafmaßes bedeutsam, sondern auch wegen der terroristischen Drohungen des Staatsanwalts gegen dag„G esindel an der Saar, das man leider nicht fassen könn e." Das ist das klare Eingeständnis eines Anwalts des nationalsozialistischen Staates, daß dieser an den Saarländern nach der etwaigen Rückgliederung Rache zu nehmen beabsichtigt, die unter dem V ölkerbundsregime im Saargebiet von ihrem Rechte freier Meinungsäußerung gegenüber Hitler-Deutschland Gebrauch gemacht haben. Ein gütiges Geschick hatte sie außerhalb der sie sonst schützenden Grenzpfähle des Saargebiets ge- bracht, damit ihr einmal das lose Maulwerk für einige Zeit gestopft werden konnte. Frau Lud- nt tIIa Edeltrud(!) Horbach aus Neunkirchen (Saar) war zu Besuch bei ihren Schwiegereltern in Kirn an der Nahe. Wenn sie auch mit ihren 24 Jahren noch nicht richtig trocken hinter den Ohren war, so war ihr aber der Kommunismus mehr als geläufig, den man ihr schon in früher Jugend eingehämmert hatte. To fühlte sie sich auch wohl als„M i s s i o n a r i n". als ein kleines Mädel v o m B D M. mit einem freundlichen„Heil Hitler" die Woh- nung ihrer Schwiegereltern betrat. Sie verwies dem jungen Mädchen diesen Gruß, und mit geballter Faust machte sie das Kind darauf aufmerksam, daß es„R o t f r o n t" zu heißen habe. Ein junger Mann vom Freiwilligen Arbeits- d i e n st, der dieses Zeichen auch an seiner Mütze stecken hatte, sollte ebenfalls ihre Bekehrungsversuche erfahren. Sie erklärte ihm, daß Hitler doch noch nichts geleistet habe. Das Werk der Winterhilfe tauge nichts, und nur die Arbeit bringe Rettung, die jeder Kommunist im Saarland finde. WteihrMannbeiderrotenHilfspolizei, so sei sie ebenfalls Führerin, und deswegen stehe auch ihr Mann in Arbeit. Hierbei nahm sie ein Uhrgehänge mit einem Sowjetstern und hielt„HammerundSichel" an die Mütze des jungen Mannes, wobei sie be- merkte, daß dieses Zeichen doch bedeutend schöner sei als sein„FAD". Wegen ihrer„Missionstätigkeit" stand sie jetzt vor G e- r i ch t. Im Abstreiten und Leugnen zeigte sich Edeltrud a ch als Ebelkommunistin. Sie verleugnete sogar ihr Heilszeich.n, indem sie erklärte, sie kenne gar keinen Sowjet- st e r n. Man sah, sie war bereits in der hohen Schule der Kommune gewesen. Staatsanwalt Winkler bedauerte, daß man leider nicht das Gesindel an der Saar fassen könnte, was solchen ein- fältigen und dummen Menschen, wie der Angeklagten, in übler und hetzerischer Weise die Köpfe verdrehe. Die Drahtzieher und Verantwortlichen hielten|tu) wohlweislich und geschützt n o ch da auf, wo sie seinem Z n- gr' sf bedauerlicherweise entzogen seien. Auf den Antrag des Staatsanwalts von acht Monaten setzte das Gericht aber eine Gefängnisstrafe von nur fünf Monaten fest, weil die Dummheit der Angeklagten mildernd in die Waagschale gefallen war. Tarnung des Saarferrors Verschleierung gegenüber dem Völkerbund Die zahlreichen Terrorfälle im Saargebiet, die immer wieder anständige Menschen beunruhigen und die Regie- rung veranlassen, gegenüber dem nazistischen Banditentum einzugreifen, werden nun von Berlin aus mit einem Ge- schimpfe über„Landesverräter" im Saargebiet„erledigt". Dabei bemühte man sich wieder einmal, alle Schuld der amt- lichen Naziorgane abzuleugnen und für die Fälle, wo ein Ableugnen nicht möglich ist, eine„Einmischung von Un- berufenen" zu konstruieren. Wie das gemacht wird, dafür wollen wir hier diese„amtliche Mitteilung" der obersten Propagandaleitung in Berlin unseren Lesern zur Beurtei- lung vorlegen: Amtlicherseits wird mitgeteilt:„Der„landesverräterische Teil der Presse" des Saargebietes weist immer wieder bar- auf hin, daß von deutscher Seite aus in unzulässiger Weise in den Saar-Abstimmungskamps eingegriffen werde. Es wird behauptet, daß zahlreiche Personen aus dem Reiche in das Saargebiet kämen, um dort Terror zu verüben und vor allem die Bevölkerung zu bespitzeln. Dieses Treiben gefährde die freie Abstimmung und die Sicherheit aller „Nichtgleichgeschalteten". Diese Klagen werden zum Anlaß genommen, in Eingaben an den Völkerbund und andere interessierte ausländische Stellen die Verschiebung der^Vahl für unbestimmte Zeit oder aber die Besetzung des Saar- gebietes durch internationale Polizei oder gar durch franzö- fische Truppen zu fordern. Um dem Treiben der„notorischen Landes- und Volksverräter" auch den geringsten Vorwand zu ent- ziehen, wird erneut darauf hingewiesen, daß die Führung des Abstimmungskampfes innerhalb des Saargebietes ledig- lich Ausgabe und Recht der Saarländer selbst ist. Jede Ein- Mischung von Unberufenen, seien es Amts- ober Partei- stellen oder Privatpersonen, in den Abstimmnngskamps im Saargebiet hat daher zu unterbleiben. Zukünftig wird un- nachsichtig gegen alle diejenigen vorgegangen werden, die sich im Saargebiet in die politischen Angelegenheiten der Saarbevölkerung einmischen, besonders, wenn sie, wie dies schon geschehen ist, unwahrerweise irgendwelche Beziehungen zu Amtsstellen oder Parteistellen vorspiegeln." Der schöne Ukas bedeutet, daß die Parteistellen vorsichtiger sein sollen als bisher und den unsichtbaren Wirtschaft- lichen und gesellschaftlichen Terror verschärsen sollen, der jetzt schon die gemeinste und gefährlichste Nazi- waffe an der Saar ist Z Tage verboten: Die„Saarbrücker Zeitung" Saarbrücken, 2. Febr. Die„Saarbrücker Zeitung" wurde für drei Tage verboten wegen eines Artikels„Sturmangriff am 30. Januar", der sich mit dem Borgehen der Polizei gegen diejenigen Mieter und Hausbesitzer befaßte, die ihre Häuser- fronten mit Bekenntnissen für Adolf Hitler geziert hatten. Volksbetrug„Winterhilfe Wie sie scheffeln- und wie sie vergeuden fet Was sich in den vergangenen Monaten in Hitlerdeutschland unter dem Deckmantel„Winterhilfe" ereignete, gehört zu den skrupellosesten Handlungen verschlagenster Bolksanssaugung. „Gib, damit auch Dir gegeben werden kann" ist zwar der Wahlspruch jener Herren, die um das Volksivohl— ach so sehr— bedacht sind. Aber es handelt sich bei der„Winterhilfe" uni eine jener indirekten Stenern, die man unbedingt erheben mußte, da man jahrelang gegen das bestehende Steuersystem gekämpft hatte, und da man schließlich doch zu der Ueberzeugnng gekommen ist, daß es ohne Steuern wirk- lich nicht geht. In welcher Art und Weise das Geld aus dem Volk gesaugt wird, wie die ärmsten Schichten, die man angeblich unter- stützen will, ausgeplündert werden, geht ans einer Mit- teilnng hervor, die wir aus Berlin erhalten haben. So hat man zum Beispiel die private Sparkasse der Straßenbahner, die in allen Ttraßenbahnhöfen' vorhanden war. kurz und bündig beschlagnahmt. Allein beim Straßen- bahnhos Müllerstraße im Berliner Norden hat man 2006 Mark— mit dem richtigen Worte- gestohlen! Das waren Gelder, die sich die Angestellten der BVG. vom Munde ab- gespart hatten,»in damit eigene private Veranstaltungen zu finanzieren.„Wir erwarten, daß Sie diesen Betrag freudig zur Verfügung stellen." Gezeichnet: Reichsleitnng der Winterhilfe. Mit Druck und Terror wurden bei den sogenannten Ein- t v p s t a g e n Beträge aus den ärmsten Schichten heraus- geholt, die in die Hunderttausende gehen. Ausvlünberunqs- inethoden. ivie sie nur von gemeinen Menschen erfunden werden können, wurden angewandt, um Geld zu scheffeln. Zu welchem Endzweck diese Millionensummen dienen, ist nur zu verständlich, wenn man weiß, daß die Winterhilfe ein einziger großer Organisations- und Verwaltung»- körper ist, eine Pöstchenorganisation, die vielen Gläubigen eine angenehm bezahlte Stellung und nicht besonders viel Arbeit verschalst hat. Obwohl der Berliner Stadtverordnetenvorsteber S v i e w o ck erst kürzlich vor aller Oelientlichkeit erklärte, baß die gesamte Arbeit in der Winterhilfe ehrenamtlich geleistet werde, des Gaues Halle-Merseburg der NSDAP, auch der Schatz- n> e i st e r des Stahlhelms Halle König wegen hetzerischer Reden gegen die Staatsregierung verhaftet. Chrisflidier Arbeiter verurteilt Mainz, 2. Febr. Der früher zum Zentrum und den christ- lichen Gewerkschaften gehörige 58jährige Schreiner Hein- pfeifen bereits die Spatzen von den Dächern, daß„o ben" die großen Gehälter und wenig Arbeit und„unten" die gesamten Arbeiten selbstverständlich ehrenamtlich!— ver- «eilt werden. In Räumen, die ungeheure Summen an Miete verschlingen, brennen 20 Lampen zu gleicher Zeit, und in den Verteilungsstellen der„Winterhilfe" müssen die Ehrenamt- lichen bei den ärmsten Leuten schnorren, um überhaupt die Lichtrechnung bezahlen zu können. Die Verteilungsstellen be- finden sich in leerstehenden Läden und Neubauwohnungen, die von den Hausbesitzern selbstverständlich kostenlos zur Verfügung gestellt werden müssen. Man steht: die Wirt- schalt wird angekurbelt. Interessant ist ferner, daß die Einrichtung der„Winter- Hilfe" ein willkommener Anlaß war, um„für die politische Linie" unbrauchbare Menschen abschieben zu können. Selbst vor Reichstagsabgeordneten, die ursprünglich für die höchsten politischen Posten vorgesehen waren, hat man keinen Re- spekt gezeigt. So wurde Herr Stöhr, einstmals eine an- gesehene„Kanone" in den Wandelgängen des Reichstags, stillschweigend aus der Politik herausgenommen und als Be- amter mit einem anständigen Gehalt auf einen leitenden Organisationsposten der Winterhilfe gesetzt. Nicht lange mehr und die lebenslängliche Pension wird auch ihn ereilt haben. Daß diese Betteilei und die ausgesprochene Korruption bei den weitesten Kreisen der Bevölkerung keine Begente- rung in Permanenz ausgelöst hat, sieht jeder, der in diesen Tagen durch die Straßen Berlins gehen konnte. Ging ein von der Winterhilfe beauftragter Bettler- in Gestalt eines Glückslottrrie-Mannes oder eines Büchsensammlers- aus der linken Seite der Straße, dann bogen die Passanten ans die rechte Seite. Der Volkswitz hat die grangekleideten Lotteriemänner bereits als„S v i tz m ä u s e" in den Sprach- gebrauch übernommen. Denn sie mausen, wo sie nur können, lind alles um des lieben und geeinten Volkes willen. Gib mir eine Mark, dann bekommst Du in einigen Wochen 50Pfg. zurück. Wir geben Dir den hohen Betraa von einer halben Mark, weil wir wissen, daß Du in Not bist. Die Augen aller sollen, wie man täglich hört, leuchten. Ist es wirklich nur das Leuchten, das einem Glücksgefühl entspringt...? rich Schneider aus Mainz wurde wegen Beleidigung der Regierung und des neuen Staats zu einer Gefängnis- strafe von drei Monaten verurteilt. Er hatte vor Zeugen die Mitteilung des Führers, die Zahl der Erwerbslosen habe im Jahre 1033 um mehrere Millionen abgenommen, als un- wahre Zeitnngsmache bezeichnet. Auch in anderen Aenße- rungen bekundete der Angeklagte seine Feindschaft gegen den neuen Staat. Wegen Fluchtverdachts wurde er sofort in Haft genommen. Nasifilhrer-Emigrant spricht über das Hltler-GeheimEiis VI. Alfred Rosenberg: der Programmaüher des organ sierfen Verbrechertums --T»rch diese Schlaiige wird das de»,sck>e Volk verführt, mehr sei» zu wölken wie Gott selbst, und dieser Telbstubcr- hcbiiiin wird eine Grniedrihiina folgen, wie noch kein Volk sie hat kosten müg«n. Nnr der C'wtge wcig, ob nicht das Tand- kor» a» den Bergen der ewige» Vergeltung sich schon gelöst hat, das, im Niedergange zum Vergiturzc anwachsend, in eini- gen.fahre» an die tönerne» Füge dieses Reiches anrennen und es in Trümmer wandeln wird,— dieses Reiches, das, wie der Turmbau zu Babel,„Gott zum Troy" errichtet wor- den ist, zur Verherrlichung Gottes vergeben wird."(Pius IX. am lg. Januar 1874, in der erste» xuliurkampfperiode, an eine Pilgerversammlung zu Rom». Ter Tieg der„Nationalen Erhebung" hat manche Namen an die Oberfläche gespült, die in der alten Organisation der NSDAP. weniger genannt wurden, ja deren Träger nicht einmal dieser alten Organisation als obere Funktionäre angehörten. Alfred R o s e n b e r g war nicht Mitglied des oberen Stabes der alten Partei- organisation, wurde vielmehr erst 1932 zum Reichsleiter des außenpolitischen Parteiamtes berufen, und zwar nach Gregor Straßers Abgang aus der Organisation, lieber niemanden aus der NSDAP, sind in der Volksmasse mehr völlig unrichtige Meinungen verbreitet als gerade über Rosenberg. Seinethalben sind daher ein- gehendere allgemeine und besondere Erörterungen nötig um die irrigen Ansichten von ihrer Wurzel aus zu beseitigen. 0 * Wicht von ungefähr, nicht aus eignen Ueberlegungen ist mir der erste Verbindungsgedanke zwischen Hitler und den„Weisen von Zion" gekommen. Vielmehr ist die erste Anregung dazu in einer ordnungsmäßig von mir unter- zeichneten eidesstattlichen Versicherung zu den Belegakten der„Deutsche Freiheit" klargestellt worden, und zwar mit folgendem Wortlaut(wobei einstweilen umständehalber die Namen nicht mitabgedruckt werden können): „3wt Borlage bei einem beliebige» Gericht und in voller Kenntnis der Strafandrohung des 8 156 StGB, versichere 'ch an Eideostatt, daß der... allerengste Mitarbeiter des Herrn Reichskanzlers Adolf Hitler, ein Mitarbeiter aus der allerersten Zeit, einer der ersten Rcichotagsabgcord- neten der NSDAP., der heute mit Aemtcr» und Würden tiberschüttet ist, mir Ende Juli t»3» im Beisein der Zeuge».. gelegentlich der Heimfahrt von einer Massen- Versammlung, wo er sowohl als ich gesprochen hatten, bei Erörterung der„Weisen von Zion" klar und eindringlich aelagt Hai,>ch könne mich daraus verlassen, daß Hitler die „Weisen von Zion" auswendig gelernt habe und nach drcsen für die NSDAP, so handeln würde, wie die Ur- Heber dieser Protokolle sllr die Juden gegen Deutschland vorgehen wollten." Seit Mai-Juni 1932 waren die gegensätzlichen Strömungen in der NSDAP, nicht nur in München, sondern auch bis in die Gauleitungen hinein deutlicher zutage getreten, als dies der Außenstehende annehmen Konnte. Zwar spitzten sich die wechselseitigen Meinungen immer mehr auf die Frage:, National Kapitalismus oder National s o z i a l i s m u s" zu, zwar spürten wir die Abspaltung täglich näherrücken, aber wir erkannten den inneren, auf die Geltung verlangenden besonderen Grundlehren zurückgehenden wahren Grund dieser Strö- mungen nicht. Auch als die Abspaltung eintrat, ja als sich die„Nationalsozialistische Opposition" im November 1932 fest gruppierte, war uns immer noch nicht klar, wo die Quelle der immer breiter gewordenen, anderslauten- den Ideologie zn suchen war. Aber die monatelange „Ruhe" uno„Behandlung" der„Abtrünnigen"(„Salon- Marxisten" sagte Göbbels) im Konzerte der Seufzerlägec in Hitler ien trug als Frucht erneuten, eingehenden Stu- diums der NSDAP.-Literatur die Entdeck,ung des wahren Spaltpilzes, der wahren Triebfeder des heutigen offenen Kurses der NSDAP. * Haben Sie sich schon einmal mit einem Geisteskranken abgegeben? Tun Sie es mal, wenn es Ihnen irgendwie möglich ist, damit Sie auch selber die Erfahrung machen können! Sie werden finden, daß der Patient sich geistig an alle diejenigen anklammert, daß er alle diejenigen seine Freunde nennt, die ihm irgend etwas zu seinem Wahnkomplexe beisteuern können,— die ihn also im Ausleben seiner Wahnkomplexe nicht nur nicht stören, sondern diese Wahnkomplexe irgendwie und irgendwo ergänzen, selbst wenn dies nur mit einer theoretischen „Begründung" der Wahnideen geschehen würde. Aller- ding folgt daraus, daß die„Freunde" eines solchen Geisteskranken ihrerseits an bestimmten Stellen ihres Geisteszustandes nicht vollwertig sein können; geisteskrank im Sinne des§ 51 StGB, brauchen diese Leute deswegen durchaus nicht zu sein, denn es genügt eine Verstehen?- und Willenslücke, die auf die freie Willensbestimmung durchaus ohne Einfluß sein kann. Zerlegen Sie nun einmal den Inhalt des kranken Komplexes des Patienten in die verschiedenen Einzel sähe, die als Summe den kranken Komplex ergeben, einzeln aber die verschiedensten inein- ander greifenden Wissens- und Lebensgebiete berühren, in welche die kranken Vorstellungen des Patienten hin- einreichen und auf denen er daher ver-rückt(von seiner Paranoia aus) reagiert, so oermögen Sie sich sehr leicht vorzustellen, daß dieser Patient auf einem jeden ein- z einen der von seiner irrigen Grundidee berührten Gebiete sehr leicht mit einein„Spezialisten" zu- sammentresfen kann, der irgend etwas zu seinem Komplexe beisteuert, denselben wenigstens anerkennt und so der Freund des Patienten,— mehr noch: sein „Mitstreiter" wird. Mit dem Borgesagten ist bereits haarscharf di' Grundlage des Entstehens des treu- geblieben.n^ührer Korps" d^r N"DAP. verständlich gemacht. Ich sage deswegen über dieses„Führer« Korps": „Die jeweilige» Wissens- und Urteilslücken der einzel- neu obere» RSDAP.-Führcr ergeben» zu einem Ganzen zusammengestellt, die„Persönlichkeit" Adols Hitlers? er ist daher die Personalunion aller Qualitäten seiner Unter- sührer." Es ist gleichsam so, als ob Hitlers Kranker Ideen- Komplex in seine einzelnen I d e e n- E I e m e n t e a u f g e l ö st und ein jedes Element durch einen der Unterführer dargestellt worden wäre. Wenn man daher irgend etwas über Meinungsverschiedenheiten zwischen Hitler und seinen unmittelbaren Unterführern, die sich in seine ausübende Macht teilen, liest, so bleibe man immer mißtrauisch und abermals mißtrauisch, denn eine so untereinander verschworene Verbrecherbande auf dem Boden der sogenannten„Weisen von Zion" kennt keine Meinungsverschiedenheiten mehr! Nennen wir da- her in Zukunft diese Protokolle richtig„Verbrecher- pläne". » Hitlers Weg zu diesen Verbrecherplänen führte nun über Alfred Rosenberg! Dieser Mann ist eben- sowenig Reichsdeutscher wie Hitler. Geboren am 12. Januar 1893 zu Reval in Estland(jetzt 41 Jahre alt), besuchte er die Oberrealschule in Reval, hörte an der technischen Hochschule zu Riga Architektur, siedelte in- folge des Kriegsausbruches mit der Hochschule nach Mos- kau über, bestand das Diplom-Examen als Ingenieur- Architekt und kehrte Ende Januar 1918 nach Reval zu- rück, kurz vor dem Einmärsche der Deutschen. Im Som- mer 1918 beschäftigte das Gustav-Adolf-Gymnasium zu Reval ihn als Zeichenlehrer: eine verkrachte bürgerliche Existenz im Strudel des Weltgeschehens! Nebenher hielt Rosenberg aus Neid und Unwissen geborene antisemi- tische Vorträge, den letzten am Tage vor der Ausrufung der estnischen Republik, und floh dann über Berlin nach München. Dort traf er mit Hitlers Freund Dietrich Eckart zusammen, schloß sich diesem an und lernte durch denselben anfangs 1919 Hitler kennen. Maßloser Judenhaß trieb Rosenberg dazu, am Tage vor der Ausrufung der Räterepublik zu München mitten auf dem Marktplatze eine zwanzig Minuten lange Hetz- rede gegen die Juden zu halten. .1921 berief Hitler seinen Freund Dietrich Eckart und neben diesem Rosenberg zu Schriftleitern des„Völ- Irischen Beobachters", dem vormals Bernhard Köhler sein Gepräge gegeben hatte. Im Februar 1923 wurde der bis dahin staatenlose Rosenberg eingebürgert. Nach dem mißlungenen Hitler- putsche vom 9. November 1923 führte Rosenberg vorüber- gehend die Geschäfte der versprengten Partei, bis sie 1924 von dem General H e i n e in a n n und im Januar 1927 von Gregor Straßer als Reichsorgan isa- t i o n s l e i t e r übernommen wurden. An Stelle des 1923 verbotenen„Völkischen Beobachters" gab Rosenberg bis 1939 den„Weltkampf" heraus. Ueber die Entstehung seines„Hauptwerkes".„Der Mythus des XX. Jahr- Hunderts", sagt Rosenberg im letzten Absätze der Ein- leitung: „Die Schrift, deren Grundgedanke ans 1917 zurückgeht, war bereits 1925 im wesentlichen abgeschlossen." # Ten Hauptsatz der Paranoia(Ver-rücktheit) Hitlers habe ich am Schlüsse des Artikels über fein Wesen wie folgt formuliert: „Ich(Hitler) bin der erste, der merkt, da« die„Weisen von Zion" tressliche Pläne sllr die Weltherrschaft auch der Deutschen sind, und wenn es mir gelingt, danach zu arbeiten und die an Zahl geringere,, Inden zu ver- nichtcn, so werde ich der Führer aller Deutschen zur Welt, Herrschast sein." Es liegt auf der Hand, daß Rosenberg seinen„Führer" Hitler alsbald nach der Bekanntschaft im Jahre 1919 nachdrücklichst mit den Verbrecherplänen bekannt ge- macht hat. Betrachten wir nun einmal aus den Ver» brecherplänen 23-III, IV, 36-III, 41-1, 43-1, 48- 1 1, 49-V. 53-V. 56-III, 33-Iii, 69-III, 71-11, III und IV die folgenden Stellen: 1. Unser Recht liegt i» der Stärke. Das„Recht" ist ein künstlich gebildeter und durch nichts bewiesener Be- griss. 2. Unsere Macht wird, da gegenwärtig alle Mächte i»S Wanke» geraten, unüberwindlicher sein als jede au- dere, incil sie so lauge unsichtbar sein wird, bis sie soweit gekräftigt ist, dag sie keine List mehr untergraben kann. 3. Ter oberste Grundsatz jeder erfolgreiche» Staatskunst ist die strengst« Geheimhaltung aller Unternehmungen. Was der Staatsmann sagt, braucht keineswegs mit dem übereinzustimmen, ivas er tut. 4. Der Plan unserer Leitung muß fertig aus einem Kopfe hervorgehen? denn er kann niemals feste Geivalt annehmen, wenn unzählige Köpfe daran arbeiten ivollen. Deshalb ist es unS zwar erlaubt, zn wissen, was ausgeführt werden soll, aber wir dürfen die Bor- schritten niemals einer Beurteilung unterziehen. 5. Unmerklich werden die letzten Spuren jede» ver- sassnngsinüßigcn Rechtes verschwinde», bis schließlich die Zeit gekomnien sei» wird, in der wir offen jede Regicrungsgewalt im Namen unserer Selbstherrschaft an uns reißen. 6. In dem Zeitabschnitte der neuen Herrichast, der unserer Krönung vorangeht, werden wir verhindern müssen, daß die Presse die Ehrlosigkeit im öffentlichen Dienste brandmarkt. Es soll vielmehr der Glaube erweckt wer- den, die neue Herrschast hätte alle derart befriedigt, daß keine Veranlassung zu neuen Verbrechen vorläge. Wo Verbrechen( Ahm.: gemeint sind politische) hervor- treten da sollen sie nur den Opfern und den zufälligen Zeugen bekannt werden, sonst aber niemanden. 7. Sobald wir die Weltherrschaft erlangt haben, iverden wir keinen anderen Glauben dulden, als alleine un- seren Glauben an den eigenen Gott, mit dem wir ver- bunden sind als sei» auserwähltes Volk, und durch den uniei Schicksal mit dem Schicksale der ganzen Welt ver- woben ist Wir werden unseren Erfolg auf die ge- heimnisvolle Kraft unserer Lehre zurücksühren von der, wie wir sage» werden, alle erzieherischen Wir- kungen aus die Menschheit ausgehen. 8. Die tiefgreifenden Unterschiede in der geistigen Beran- lagung der lich setze hier der Wirklichkeit gemäß:) Pazifisten und Faschisten zeigen deutlich, daß wir Faschisten das auscrivählte Volk und die wahren Menschen sind. Von unseren Stirnen strahlt hohe Geisteskraft, wäh- rend die Pazifisten nur einen triebmäbigen, tierischen Verstand haben, Sie können wohl sehen, aber nicht vorausschaue»? sie sind unfähig etwas zu erfinden, ausgenommen rein körperliche Dinge. Daraus geht klar hervor, daß die Natur selbst uns zur Herrschaft über die ganze Welt vorausbcstiinmt hat. 9. Alle Räder der Slaatsmaschine werden durch eine Krau getrieben, die ganz in unseren Händen ruht: das Gold! In unseren Händen befindet sich die größte Krast der Gegenwart: das Gold. 19. In erster Linie iverden wir uns desselben Mittels be- dienen, daß schon unseren Weisen die Leitung der Welt- geschickt verbürgt hat, nämlich der planmäßigen Er- ziehung der Menschheit in der von uns gewünschten Richtung. Tie Anscrwählten sollen in alle Geheimnisse der Slaatskunst und der Verwaltung eingeweiht iverden... Nur diese Auserwähltcn sollen»ufere Grundsätze ver- wirklichen. Unsere Weisen werden die Zügel der Regierung nur denjenigen anvcrtrauen, die unbedingt befähigt sind, eine tatkräftige und seste Herrschaft zu verkörpern, selbst auf die Gefahr hin, daß diese in Grausamkeit ausartet. Es ergibt sich unschwer aus diesen Sätzen, daß die Durchführung der Verbrecherpläne an eine Anzahl Voraussetzungen geknüpft ist, und zwar beson- ders an: a) eine in sich geschlossene Verschwörergesell« schaff(2, 4, 5, 6 und 8). die b) ein„a us erwäh lt es Volk"(8) dazu benutzen will, sich durch e) den Besitz des Goldes(Kapitales)(9) sowie ck) eine einseitige Erziehung der Jugend und M e n s ch e n(19) und e) einen neuen, allein erlaubten Staats- glauben(neue Religion)(7). um schließlich die ganze Welt in schrankenloser W i i l k ü r u n d G e w a l t(1, 5, 6 und 8) zu beherrschen. Rosenberg hat dem großen Osas(oberster SA-Führer) klargemacht, daß er sich aus unselbständigen, daher blind gehorchenden Elementen zunächst eine „Parteiorganisation" schassen müsse. Rosenberg hat dem Osas die„göttliche Sendung" der Arier, vertreten durch die Deutschen, diese vertreten durch die politischen Amtswalter der NSDAP-, klar- gemacht. Rosenberg und Feder haben dem großen Osas d i e Formel vom nationalen Kapitalismus geschenkt, die Gnade in den Augen des Kapitalismus fand. Was an r a s s e n z ü ch t e r i s ch e n Maßnahmen pro- pagiert und durchgeführt, was gegen Judentum und Marxismus an blutigen Verfolgungen an- 1 gezettelt worden ist: das alles'hat seinen Ursprung bei R o s e n b e r g und dient immer nur alleine dem Zwecke, alles auszumerzen, was sich dem Endziele„Welt- Herrschaft, der durch Hitier aus Knechtschaft erlösten Arier" irgendwann und irgendwo entgegenstellen könnte. R o s e n b e r g ist der Verkünder des neuen Glaubens, des Rasseglaubens, dem in Hitlerien tagtäglich Priester und Gläubige aller Konfessionen geopfert werden. Hier nur einiges aus dem„Bekenntnisse" dieser hergelaufenen baltischen verkrachten Existenz Alfred Rosenberg: „Das Leben einer Rasse, eines Voltes ist keine sich logisch entwickelnde Philosophie, auch kein sich naturgesetzlich abwickelnder Vorgang, sondern die Auebildung einer mnfti scheu Synthese, einer Seclenbetätigung, die weder durch Vernunft»- ichlüsIe erklärt, noch durch Darstellung von Ur« fache und Wirkung begreiflich gemacht werden kann (Mythus S. 117). Als Ausgabe wird plötzlsich von Millionen ersaß», was znm Teile vergessen, zum Teile vernachlässigt worden war: eine» Mythus zu er- leben und einen Typ zu schassen iebcnda S. 4SI). „Mit Schwert und Pflug sllr Ehre und Freiheit" laute» also notwendig der Schlachtruf eines neuen Geschlechtes! — Dieser R us ist nationalistisch! Und sozia- listisch!" iEbcnda Seite 584.) Als„Mythos"(aus dem Griechischen; Rosenberg schreibt fälschlich„Mythus") bezeichnet man die sagen- mäßige Wiedergabe geheimnisvoller Kräfte, die i< einem Volke auf irgend ein Ziel hin wirksam, treiben! waren oder sind. Rosenbergs Phantasie führt nun den „Aufbruch der Arier" im deutsche Volke auf die geheim- nisvolle Sehnsucht dieser„Edelrasse" zurück, eine neue Aristokratie zu bilden(„Führerschicht" nennts Dr. Ley). Im einzelnen komme ich darauf noch zurück Freilich wird niemand für die„Sehnsucht" von Millionen, einen neuen aristokratischen>.T y p" Mensch zu schaffen und dabei einen„Mythus zu erlebe«^ vernünftige Gründe angeben können! Denn die Auffassung Rosenbergs über die Bew» gnng der Menschen dieser unserer traurigen Zeit ist gat nichts weiter als ein plumper, pseudowissenschaftlicher, sentimentaler, wenn nicht zweckbewußter und dann ver- brecherischer Trugschluß.„Arbeit und B r o t", „Gesicherte Arbeitszukunft" ist der laute Schlachtruf, der seit über hundert Iahren die Menschheit in Bewegung gegen den Kapitalismus gesetzt hat, und nur, weii dik heuchlerische Gesellschaft Rosenberg-Feder es verstanden hat. der Masse vorzugaukeln, daß diese Sehnsucht der Massen nur auf dem Wege über eine„nationale Erhebung" dereinst gestillt werden könnte, zogen die Massen die braunen Uniformen an. bevor sie mit Brot- korb und Nilpferdpeitsche nach Januar 1933 dazu„Höf- lich" eingeladen wurden. » Erst seit einigen Wochen tritt dieser Rosenberg mehr in den öffentlichen Vordergrund; bemerkenswert war kürzlich seine offene Kulturkampshetze. Gewiß: man hält uns nun entgegen, daß wir die Augen nicht früh genug ausgemacht, uns nicht Klarheit verschafft und gegen diese Ein Dohument Preußen Volks- und Beruf*- Zählung 1939 Mittele für Juden Kreitz: Zählgcmeinde: Zählbczirk Nr. Grundstücksltste Nr.: HauShaltungsliste Nr.: Lfd. Nr. i. d. Haushltg. 1. Geschlecht: männlich, weiblich. 2. Geburtstag,-monat,-jähr: 3. Geburtsort: Bei Frauen mit ausländischer Staatsangehörigkeit, ob vorher Deutsche: ja, nein. S. Muttersprache: deutsch oder— 7. Bc.F: Stellung im Berus: Wo wird der Hauptberuf ausgeübt? 8. Bemerkungen(4. B. Nebenberuf): 1, An die luden" Eine beleidigende Briefadresse Ucbtt die Frage, ob da« Wort„Filde" unter bestimmten Umständen eine Beleidigung sein kann, hat da« Amtsgericht Schweinturt eine interessante Entscheidung gewillt. Ei» Schweinkurter Rechtsanwalt hatte gegen einen Zoll- obersekretär Ttrasantrag ivcgcn Beleidigung gestellt, weil der letztere den Umschlag eine» Schreibens an den Rechts- anmalt mit der Adresse„on bie Fuden. die Serren Rechts- anwälie" versehen hatte. Gegen eincn Stra'besehl in Höhe von 60 Mark hatte der Beklagte Einspruch erhoben. Der Ber- teidiger des Angeklagten stellte die Frage:„Sann man einem langjährigen Nationalsozialisten eine Beleidigung unterschieben, wenn er die vorgenannte Form gewählt hat?" Das Gericht verhängte eine Geldstrafe von 2 T> Mark mit der Begründung, daß das Wort„Fnde" zunächst an und kür sich keine Beleidigung darstelle. Eine Beleidigung sei aber dann gegeben, wenn mit dem Gebrauch dies»« Worte» die A b s i ch t der Beleidigung erkenntlich sei. Weiterbin beistt es in der Begründung, daß solange Fuden als Rechtsanwälte zügelnste» lind, jüdische Rechtsanwälte alS Sei Gericht tätige Personen eincn erhöhten Ehrenschntz geniesten. Beliebte SA.lente Schuß aus dem Hinterhalt ^Udln, 30. Fan. tDNB.) Der LA.-Man» Kneiß au» Köln- Dünnwald wurde am Montag gegen 14 Uhr, als er mit feinem Fahrrad den Birkenweg in Köln-Tnnnwald entlang- fuhr, von einem auf dem Wege stehenden Mann durch einen Rückenschnß schwer verletzt. Der Täter, so teilt die Polizei weiter mit, der angeblich einen dunklen Mantel und eine braune Manchesterhose trug, toll in den angrenzenden Wald geflohen sein. Er konnte bisher nicht gefastt iverden. Vorgänge nicht eingeschritten seien. Mit Unrecht! Wir haben, meist neben unseren Zioilberusen, unsere Ressort- pflichten in der sozialistischen Kampffront der Bewegung getreulich erfüllt und konnten»in» daneben schon rein zeittechnisch wenig und nur unzusammenhängend um Rosenberos Ideen und Wirken kümmern. Dazu lag aber auch um so weniger Anlaß vor. al» namentlich der katho- lische Universitätsprosessor Dr. Johanne» Stark Partei- amtlich in allerhöchstem Auftrage erklärt hatte: „Zunächst ist Rosenberg in dem hier fraglichen Sinne nicht führender Vertreter des Nationalsozialismus— Sein Buch hat er als einfacher Parteianhänger außer- halb der Parteiarbeit geschrieben, als welcher er das Recht hat. wie jeder Privatmann seine Ansicht über irgendeine Frage, also auch über Religion und Kirche, zu ändern. Sehr richtig muß die nationalsozialistische Partei mit dem stärksten Rachdrucke ablehnen, daß sie und ihre Führer verantwortlich gemacht werden für die Aeußerungen von Parteiangehörigen außerhalb der Parteiarbeit Rosenberg hat selber mehrfach erklärt, daß seine reliaionsphilosopbischen Ansichten völlig privater Natur seien und nicht mit der Partei in Zu- sammenhang gebracht werden dürfen." sVcrgl. Starker in amtlicher Broschüre:„Nationalsozialismus und katholische Kirche"). „Dentsdie oefienreüiernnö Ein Anirni der Sdiwanen Eronl Dr. OWo Slrassers t» Land(Provinz, Kreis): (Genau so übernehmen, wie in der HanshaltungSliste ein- getragen.) 4. Familienstand: ledig, verheiratet, verwitwet, geschieden, getrennt lebend. Bei verheirateten Frauen: 0) Religion des Ehemannes: b) EheschlicßungSjahr:„ c) Zahl der in dieser Ehe geborenen Kinder: 5. Staatsangehörigkeit: Deutsches Reich oder Am Jahrestag der Marfitergreifung Hitlers hat sich unter Führung von Dr. Otto Strasser— Schwarze Front— und unter Anteilnahme einer Anzahl sozial-, national- und kulturrevolutionärer Gruppen und Einzelpersonen das Aktionskomitee der Deutsehen Revolution gebildet, das sich mit einer Proklamation an das deutsche 1 olk wendet. Der AufruF, den wir rein informa- torisch abdrucken, lalltet: Ali das deutsche Volk! 1 Jahr Hitler-Regierung zeigt die ungeheure Geiahr auf, dast die Deutsche Revolution stecken bleibt im Sumpfe des Faschismus. Unter dem Deckmantel des„Kampfes gegen den Marxis- mus" haben Reaktion und Kapitalismus es verstanden, sich tu die Führung zu dränge», um damit die ohnehin unzu- reichende revolutionäre Energie der Hitler-Partei völlig zu brechen. To kam es, dast neben einigen UeberraschungSerfolgen auf dem staalllch-politischcn Gebiet das liberale Wirt- s ch a f i S s v st e m des Kapitalismus seine unheilvolle Macht- stellung behielt und die K l a s s e n h e r r s ch a s t des B e- sitzes über die Arbeit uneingeschränkt in Kraft blieb. Schliestlich wurde auch der hehre Gedanke der BolkSgemein- schalt in einer grauenvollen Parteidiktatur er- stickt, die alle Nebel der Parteienherrschaft in monopolistischer Ausprägung aufweist und sogar vor der Religion nicht halt- macht. Kapitalismus, P a r t e i h e r r s ch a i t und K ir- chcndiktatur aber verhindern ibrer Natur nach I e n e Reusormung d e S deutschen L e b e n s, die im Deutschen Sozialismus, in der st ä n- d i s ch e 11 T c l b st v e r iv a l t u n g und im arteigenen G 0 t t g l a u b c n zum Licht drängen. KavitaliSmns und Faschismus sind aber auch Todfeinde der deutschen Freiheit, die ohne wahre Volksgemeinschaft nie errungen, nie gesichert werden kann. Fn dieser Lage empfinden die unbeuaiantett Kämpfer der Teutschen Revolution es als ihr« historische Pflicht, mit allen Mitteln die Revolution voranzutreiben zum Auibau des Teutschen Sozialismus, zur Errichtung der ständischen Selbstverwaltung, und zur Gewährung völliger Unabhängigkeit de? Glaubens mit dem grasten Ziel echter BolkSgemeinsdiait und nationgler Freiheit. Zur Durchführung dieses Kampfes hat sich auS den Reihen verschiedener sozial-, national- und kulturrevolutionärer Gruvven das Aktious-Lomitee der Deutschen Revolution unter Führung von Dr. Otto Ttroster gebildet, das die Zusammenfassung und einheitliche Zielsetzung aller zukunitS- willigen Kräfte durchführen, den Kampf sisr den Teutschen Sozialismus organisieren und die Grundlagen ber poli- tis-ben Neubildung in Teutschland schaffen wirb. Das AküonS-Komilce der Deuischen Revoluiian ruft alle Aktivisten, vor allem die deutsche Fugend ans, den Angriff Brauner Bonzeniod Fn der Nacht ereignete sich zwischen Sirausberg und Prötzel bei Freien wald« ein furchtbares K r a f i w a g e n u n g l ü ck, dem der Führer deS Sturm- bannS IV/307, Sturmbannführer Kurt Hückcl au» Wriezen, und sein Adjutant, Sturmiührer Ernst Klee aus Wriezen, die sich aui einer Dieüstsahrt befanden, zum Opfer fielen. Sturmbannführer Höckel wurde schwerverletzt ins Straus- berger Krankenhaus gebracht, wo er bald daraus starb. Sturmsührer Klee war sofort tot. Ter dritte Insasse deS Im Eltelditeidien Man schreibt uns auS der EUel: Sonntagabend im Stiel- dort SA-Ball in einer Gastwirischasi. Eröffnung durch den Gruppenführer mit viel Gerede vom„dritten Reich usw., der Reaktion auf die deutsche Zukunft zurückzuschlagen, die Hitler-Epoche zu beenden und durchzustoßen in jenes gewaltige Neuland deutsch- europäischer Wieder- geburt, die der Sinn und die Erfüllung des Großen Kne- ges ist. So notwendig der Kamps gegen die Reaktion, gegen die Halbheit ber Hitlerei. gegen die römisch« Gefahr des FaichiS- muS und des KlerikaliSmus ist. so wenig würde solch nega- live Zielsetzung genügen, wenn nichi ein gewaltige?, mit- reißendes positives Ziel aufgezeigt und erkämpft wird: DaS freie sozialistische Deutschland innerhalb ber durch wahre Gerechtigkeit befriedeten europäischen Föderation! Der Auöbeutungsivirtschast des internationalen Kapital!?- muS setzen wir die BedarsSdeckiingSwirlschast deS nationalen Sozialismus entgegen. Dem NachkriegsimperialiSmuS. der den Untergang Eurv- pas heraufbeschwört, setzen wir den Unabhängigkeitswillen freier, selbständiger Böller entgegen, die in inleresienmäßiger Zusammenarbeit die Sicherheit und Zukunft Europas gegen- über den alten und neuen Weltreichen wahren. Fn diesem Rahme» liegt auch die Lösung der«uro- p ä i s ch e n Minderheitenfrage, die unter anderem im Problem des FudentumS so brennend geworden ist. Unter Anerkennung des Grundsatzes der Verschiedenartig- feii, aber der Gleichwertigkeit aller Völker und unter Hochhaltung der gleichen Menschen würde iver- den die Minderkeiten cnblidi jene Eingliederung finden, die ihr Eigenleben ebenso sichert wie das Interesse des Staats- volkes. Der Unterdrückung durch partes- oder klassenmäßig be- gründete Diktaturen setzen wir die Forderung ständischer und nationaler Selbstverwaltung aeacnüber. gesichert durch die sich bildende Führerschicht der höheren Leistung und deS festeren Charakters! An uns jungen Deutsche», an unS revolutionären und nationalen Sozialisten ist es, diese große Sendung durch- zuführen. DaS Aktions-Komitee der Deuilchen Revolution wird diese Fdeen und Forderungen in die Fugend werke» und fortlaufend bie Richtlinien deS Kampfe» bestimmen. ES fordert alle deuKdien Sozialisten, alle deutschen Frei- keiiskämvker. alle denikchen Revolutionäre aus, sich nach die- sen Richtlinien zum Kampf zu formiere»: Gegen den i n l e r n a t I 0 n a l e n Kapitalismus — für de» nationalen Sozialismus! Gegen Faschismus n n d Reaktion— für B 0 l k S g e m e I n s ch a k t und T e I b st v e r w a l t u n g! Gegen das Bersailler Diktat ivie gegen jeden FmperiallSmnS— für Deutschlands Freiheit im freien Eu r 0 pa l 30. Fannar 10*4. Da« Aktions-Komitee ber Deutiche» Revolution: gez. Dr. Otto Ttraßer. * >vie üblich. Als er fertig ist. steht einer aus und ruft:„Da? „dritte Reich" hat uns beschissen, jetzt kommt da» vierte Reich dran, Heil Moskau." Der Mann war betrunken und konnte sich kaum ausrecht halten. Sofort fallen zivei SA.-Leute über ibn der und verhauen ihn schrecklich, bis er von anderen Leuten in„Schutzhaft" genommen wird. Der Verprügelte ist Vorarbeiter und wurde am Montag fristlos entlassen. Damit nicht genug, wurde er am Mittwochabend verhaltet und nach einem Konzentrationslager gebracht. Wohin, ist bis letzt noch nicht bekannt, auch bei seiner Familie nicht. Impfgegnervereinigungen verhüten Der preußische Minister de» Innern hat die Fmpsgegner- und JmpszwangSgegnervereinigungen für Preußen auf- gklöst und verboten. Gleichzeitig wird jede öffentliche impf- gegnerische Betätigung verboten. ver teilte lad in Berlin Polizeiliche Vernehmungen lagen hinter einem, die Aussicht, In die„Volksgemeinschaft" eingeordnet zu wer- den. vor mir. Was blieb, war die Flucht, Schnell wurden die notwendigen Sachen verpackt und alleo, was nicht mitgenommen werden konnte, in Kisten verstaut. Ein Arbeiter von der Straße hals beim Transport zu Bekannten. Zuerst vorsichtiges Abtasten der polltischen Heber- zcnaungen. Dann „DaS mit der Ehestandshilke ist auch ein richtiger Mist. Wer kriegt da? Die Nazis. Nur zuverlässige Leute." „Sie sind also kein Nazi?", fragte ick. „Pfui Teuiel. Sehe ich so aus? Meine Hand bekommt keiner koch. Fch mar bei den Arbeitersporllcrn." „Na, Genosse, dann können mir ja ruhig reden. Schöne Zeiten hier, ivaS?" „Wir halten durch. Vier Millionen Nelnsaaer— das sind Kampfer. Und wieviel mögen cS in Wirklichkeit gewesen sein? Aus meinem Wahlbezirk kenne ich drei, die bestimmt mit..Nein" gestimmt haben. Der amtliche Bericht gab aber nur Fg-Stimmen an.« ..Alles Schwindel. Ein Bekannter von mit. der sich zum Scheine aewanbelt bat, ivar im Wablvorstand. Die Nein- Stimmen wurden einfach in die Eck? geworfen. Aber die Wahlzettel hättest Du lesen sollen, sagte er zu mir.„Nieder mit der braunen Mordpest" war noch dgS Harmloseste. waS oben stand. Wir leben und stnd nick' zu unterdrücken." „Fa." antwortete mein Genosse.„Geb mir aber weg mit dem feigen Gesindel, das nur„zum Scheine" mitmacht. Wenn Du mit den braunen Gesellen diskutierst, macht jeder Einschränkungen und AuSklüchi«. beim Schlagen sind sie aber alle dabei. Und Iva» erlebt man nicht alles von den eigenen langjährigen Genollen! Kommt dock unlängst ein Arbeiter- sportler in der braunen Uniform»n mir berank. Na. Karl, sagte er.„zwischen unS bleibt doch alles beim Alten." Fch antwortete:..Du ivaost vor mir ko zu erscheinen? Für mich bist Dn erlediai."„Na. Karl. daS mußte dach verstehen." meinte er...Fch bin schon lange arbeitslos. Fetzt bekomme ich die Kluft und einen freien MiitagStUch. Das Geld von der Wohle kann ich setzt für alles andere verbrauchen." „Na, Fritz, hast Dich eben kaufen lassen, nicht wahr?", ant- nwrteie ich ihm nur kurz und machte die Tiir zu. Fch sage Dir, Genosse, wir weiden aus alle sehen, aus die, die fest geblieben sind und auf die. die zu Verrätern geworden find. Mit den Starten werden wir eine neue Welt bauen." „Das stimmt." „Wer bei diesem Terror, den da? Gesindel gegen uns durchführt, hinüberläust, ist ehrlos. Und glaube nicht, daß es setzt ruhiger geworden ist. Tic Methoden sind nur un- durchsichtiger geworden. Fch konnte es in meinem Hanse beobachten. Und es ist wahr— so wahr, wie ich jetzt mit Dir spreche. Fm dritten Stock wohnte ein kommunistischer Funk- ttonär. Was geschah? Ein elegantes Auto fuhr eines TageS cor. Vier dem Acnßeren nach harmlose Zivilisten stiegen auS, gingen nach oben und schlugen den Mann halbtot. Dan« warien sie ihn ans dem Fensler. Fch stand an» dem Hole. Ein blutiges Fleischbündel lag vor mir. Rasch lies ich zum nächsten Telefonautomaten und alarmierte das Nebenan- kymmando. Als ich wieder zurück war, standen die Burschen vor dem Manne. Er lebte noch.„Ein Selbstmordversuch!", erklärte znnisch der eine. Dann kam die Polizei. Ein ivider- Ischer Streit entstand, in welche« Krankenhaus der Halbtote gebracht werden tollte. Die Herren vom Siaatspolizeiaint— so legitimierten sich jetzt die Lumpen— verlangten Ueber- iiihrung in ein SGatSkrankenhauS. Der Fall wäre noch nicht abgeschlossen! So geschah es auch. Das Blut erstarrte in meinen Adern vor soviel Rodelt und Gemeinheit. Und das gib weiter. Genosse, wenn Du ins Ausland kommst. Verbreite die»— und sage, daß die Lumpen jetzt nicht mehr in Unikorm verhaften aehen. Sic scheuen die Meinung de» Auslands. Fit eleganten Autos fahren sie vor. Es geschieht alle» kachle, auf leUen Sohlen, in Zivil." „Fch werde es überallhin mitteilen. Und nun danke ich Dir Gr Deine Hilf«. Bleibe seit und balle durch. Einst wird der Tag kommen, an dem werden w! r die Richter kein." „Und Du, grüße die Genossen im Auslände. Sage ihnen, wir sind da und bleiben da." * Dann folgte noch ein kurzer Abschied von andere» Freunden. Fch ging nochmals meiner Wohnung zu. Meine Wirtin öfinete. „Fliehen Sie. fliehen Sie," sagt« sie rasch durch den Tür- ipalt.„Bor einer Stunde war Polizei da und wollte sie verhaften." Fn der Dunkelheit verließ ich Berlin, Deutschland. Wie? Das bleibt vorläufig ein Geheimnis. Deutsd ie Bimmen• Beilage zur..Beutstfien JreifieU"» Ereignisse und SesdHdi<«n ■Uli'' I» Samstag. cfsn 3. Wniar 1*34 „Jcft^iie Mündt dec falschen Jceunde nie mehc lecühcen" 3Ceincich Jiann an Qechact Seqec Wir haben schon berichtet, daß im Verlag ,.Graphia"\ Karlsbad, das Buch„0 ranienkurg" von Gerhart S e g e r erscheint, in dem der Verfasser, ehemaliger sozialdemokratischer Reichstagsabgeordneter, seine Erlebnisse in diesem Konzentrationslager und die schauerlichen Zustände in dieser vertausendfachten Schrrckenskamiuer schildert. Heinrich Mann hat zu diesem Buche dieses Vorwort geschrieben: Sehr geehrter Herr Gerhart Seger! Sie sind einem der übelsten Orte der Welt entronnen, ich will Sie vor allem beglückwünschen und Ihnen meine Teilnahme aussprechen an Ihrer heutigen Rettung wie an Ihrem vergangenen Leid. Sie haben im Konzentrationslager Oranienburg körperlich und seelisch gelitten, und alles wurde Ihnen zugefügt von Wesen mit Menschengesicht, denen Sie nichts Böses getan haben, denen Sie vielmehr, nach Ihrer Gesinnung und Ihren Kräften, ein besseres Leben hatte bereiten wollen. Vielleicht noch trauriger war es, als Sie sogar unter Ihren Leidensgefährten, den Opfern derselben Peiniger, noch Feinden, ja Verrätern begegneten. Das müssen beschämende, erdrückende Erfahrungen gewesen sein für jemand, der, wie Sie. ein gewisses Maß von Vertrauen gesetzt hatte in die Gattung Mensch, in die Gesellschaft der Deutschen. Ich fürchte sehr, daß Sie, nach sechs Monaten Oranienburg, anders in die Welt blicken als vorher und daß Ihre Hoffnungen, dieser Gattung, dieser Gesellschaft wäre zu helfen, arg herabgestimmt sind. Unser aller Hoffnungen haben gelitten, auch wenn wir dem Grauen eines solchen Lagers rechtzeitig ausgewichen sind. Das Jahr 1933 hat jeden von uns um mehr als nur dieses Jahr älter gemacht, es hat auch einen zweiflerischen Sinn schwerer enttäuscht als seine ganze vorige Lehrzeit. Es wäre schon furchtbar genug, wenn in einem Lande, das wir für das unsere hielten, feindliche Orte, wie der von Ihnen verlassene, bestehen, wenn sie von den Regierungen aufrecht erhalten und von der Nation geduldet werden. Aber das ist noch nicht alles. Auch außerhalb der Konzentrationslager häuft sich im ganzen Lande eine unvorstellbare Masse von Ltirecht und Abscheulichkeit, den Ausschweifungen widerlicher Triebe. Ueberall mißbrauchen schlechte Gewalthaber ihre unverdiente Macht, und Unterdrückte beugen sich ihnen angstvoll. Ein ganzes Volk wird in Scbreckeu erhalten, es wird durch Schrecken entsittlicht und verbraucht. Die Uu- sittlichkeit derer, die es beherrschen, liegt offen zu Tage: das sind Schwindler, Lügner. Mörder au Leibern und Seelen, es sind stumpfe oder freche Verächter der Menschennatur, auch ihrer eigenen. Indessen ist es schließlich genau so erniedrigend. Unrecht zu dulden, wie Unrecht zu tun. Deutschland duldet es ohne Gegenwehr. Dies Volk läßt das durchaus Schlechte über sich ergeben ohne einen Versuch des Widerstandes. Es wagt nichts, sondern duckt sich. Andere sagen von ilirti ohne Achtung, daß es sich zum Martyrium nicht berufen fühle. Aber allein mit Ergebung ist es nicht getan für ein Volk, das seine Freiheit einmal aufgegeben bat. Immer mit Schrecken und schlechtem Gewissen hat es sich dennoch verleiten lassen, allmählich dieselbe Geisteshallung anzunehmen, die seine neuen Herren gleich fertig mitgebracht hatten. Die Grausamkeiten au Schwächeren haben um sich gegriffen, die Ausnutzung unverantwortlicher Vorteile ist Uebung geworden iiu Bereich der Einzelnen, nach dem Muster, das der Staat und seine Nutznießer aufstellten. Erpressungen. Denunziationen, die gnadenlosesten und erbärmlichsten Mittel zur Vernichtung von Ln- 1üic meinen In einer nationalsozialistischen deutschen Frauenzeituug klagt eine Frau ihr Leid. Es ist herzzerreißend, was sie zu berichten weiß: „Um gleich mit der lür ins Haus zu fallen: wir weinen im Grunde genommen viel zu wenig. Es ist geradezu ein Jammer, daß das herzhafte Weinen im Laufe der Jahre so aus der Mode gekommen ist. Man hat uns die Japaner und nachher die Amerikaner als leuchtendes Vorbild hingestellt und»IIS das ewige Lächeln aus Herz gelegt. Das Lächeln gilt als Beweis gntei Kinderstuben und noch anderer guter Eigenschaften... Aber da» WeiueU. das gesunde, herzhafte Weinen, hat man eigentlich verlernt." Ueber zwei Spalten ergießt sich die tränenreiche Klage. Selbst die hellenischen Helden Achilles, der„liehe Ajax" und der kühne Irrfahrer Odysseus. durften bei..passenden Gelegenheiten ihren Tränenstrom fließen" lassen und die ..kühnen Krieger und Könige der Geschichte schämten sich ihrer Tränen nicht". Nur die arme deutsche Hitlerike soll es sich weiter gefallen lassen, daß das„Weinen so aus der Mode gekommen" ist. Das Weinen, das„eine seelische Aeußeruug von hoch- „... muff jedec gelesen höhen!" W ir wiesen unlängst darauf hin. daß den V elegern die Büdicranpreisuugen führender Nazis verboten wurden. Aber — die Herren scheren sich nicht darum: da ist ein Buch erschienen:„Deutsche Fliegerei, Ein Appell an Deutschlands Jugend, hgg. von dein HJ.-F ührer Gerhard Zirwas, Staffel- tührer der Danzig-Flieger". Aus dem Inhalt: Wahlspruch von dem Rcichsluft fahrt minister H. Göring. Ziel und Weg der Sportflicgerei, Fliegen als Beruf. Kriegsflieger und Jugend. „II itlerjugendgruppen sind auf das Buch hingewiesen. werden sich mit ihm beschäftigen— welcher Hitlerjunge interessiert sich nicht für Fliegen.' Schulbüche- bequemen— alles, wovon ehemals das Gesetz und menschliche Scheu noch den innerlich Unanständigen zurückhalten, es ist jetzt freigegeben für den ganzen Umfang der mensch liehen Beziehungen, es ist erlaubt und erlernt, ist alltäglich und gilt sogar für ein Kennzeichen der echten Volksgenossen. Entschuldigungen findet jeder Private in dem Zustand der Oeffentlichkeit. und Rechtfertigungen werden geliefert von den Propagandisten des Regimes. Wozu gäbe es den nationalsozialistischen Fanatismus! Eben, damit man die eigene Feigheit und Schwäche beschönigen, dabei aber geistig und sittlich so hemmungslos verwahrlosen kann, wie nur je durch Fanatismus. Uebrigens war Fanatismus immer vereinbar mit vollendeter Ungläubigkeit. Auch dieser nationalistische ist gesättigt mit Heuchelei, er ist die Art. wie Menschen ohne innere Art und Verpflichtung sich daraus eine Waffe machen, daß sie zur gemeinen Menge gehören und aufgehen in der Gemeinheit. Was vorgeht, ist der Versuch einer erniedrigten Nation, sich für erhoben auszugeben, und erwacht will sie scheinen, während soeben tiefe Nacht über sie hereingebrochen ist. Den Blicken enthüllt sich ein Taumel der verkommenen Leidenschaften, gleichzeitig aber ertönen Reden über einen .Vernunftstaumel", der überwunden und vorbei sei. Es ist allerdings um die Vernunft geschehn. aber die Unvernunft ist deshalb noch nicht ehrlich. Zergliedernde Erkenntnisse, die man schon längst hätte haben können und auch hatte, werden nickt wirklick rückgängig gemacht, wenn man sie plötzlich für eine heroische Ungebrockenheit erklärt...Arier", in deren eigenen Lehrbüchern steht, daß es keine gibt, begründen vergebens ihre Ueberhebung über Mitmenschen mit einem ungeglaubten Wort. Zuletzt weiß man durchaufl wafl man tut und wohin man treibt. In Katastrophen natürlich, und sie müssen so ungeheuer sein wie die vorhergegangene Selbstaufgabe. Wir können uur abwarten, bis der schwere und harte Ordnungsruf. den das Schicksal einer so weit abgewichenen Nation nickt ersparen wird, erfolgt ist und die Besinnung eingesetzt liat. Eine Frage: möchten Sie vorher zurückkehren'/ Ith meine, zurückkehren unter verbürgter Gefahrlosigkeit, wenn es denkbar wäre, und mit freiem Geleit sozusagen? Ich selbst dann nickt. Das Land, an dem auch ich mit meinem Dasein beteiligt gewesen bin, bedrückt und quält mich schon aus der Ferne genug, seine unmittelbare Gegenwart ertrüge ick nickt, und ick kenne die Verzweiflung mancher, die sie ertragen müssen. Ich will nickt Menschen wiedersehen, die sich dazu verstanden haben, das alles mitzumachen, es auch noch zu verherrlichen, es zu idealisieren. Sick und anderen täuschen sie eine neue großartige Geisteshaltung vor. aber nur die nackte Gewalt war ihr Anlaß. Nur das armselige Interesse und die schimpfliche Auflösung ihres Gewissens verbergen sich hinter all den Ausreden. Idealisten, die in der Atemnähe von Konzentrationslagern wohnen, sind von jeder geistig Ehrlose gewesen: und die geistige Ehrlosgikeit ist der Allfang jeder andern. Sie haben Ehren und Pnesionen von der Republik empfangen und nehmen dasselbe und noch mehr ton dem Regime, das ihre Kameraden martert oder austreibt, sie aber blühen, gedeihen und singen das Lob ihrer Ernährer. Ith will die Hände der falschen Freunde nie wieder berühren. will an Gestalten, die mich, aber zuerst sich selbst verraten haben, nie mehr auch nur das leerste Wort richten müssen. Ich muß es auch nicht, und Sie. Herr Gerhart Seger, müssen es ebensowenig. Dies Gute hat die Verbannung, so bitter sie uns sonst schmeckt. Heinrich Mann. stein Niveau" ist und in dem vor allem die..Seele, die deutsche Seele, mitschwingt"... * Unendlich viel Leid ist seit Anbruch des„dritten Reiches" über deutsche Frauen gekommen. Unendlich viele Tränen sind seit der„nationalen Erhebung" von deutschen Frauen geweint worden. So viele Tränen, daß ihre Quelle versiegt ist und daß die gequälten Frauen keine Tränen mehr fanden. Sie sind verhärtet und verschlossen. Sie verzichten auf diese„seelische Aeußeruug von höchstem Niveau", weil sie keine Seele mehr haben dürfen. Sie sind zu stolz, ihre Wunden bloßzulegen, und sie lesen solche Ergüsse mit der ohnmächtigen Empörung dessen, dem zum Schmerz auch noch der Hohn wird. Sie lernen lächeln über zusammengebissenen Zähnen und mit brennenden Augen. Weil in ihnen der Mut lebt, an das Morgen zu glauben und weil sie in sich die Kraft spüren, auszuharren bis zu dem Tage, der das Ende dieses Verkrampftseins bringt. Vielleicht werden sie dann wieder Tränen finden. Tränen der Erlösung und Befreiung. Und vielleicht werden dann auch d i e wieder weinen lernen, die heute so bewegt darüber klagen, daß sie es v e r lernt haben... r e i e n wird so soeben durch Erlaß mehrere Laudesi.nter- richtsbehörden zur Anschaffung empfohlen,..." Und schließ lieh bekommt man faksimiliert folgendes:„Das Bude Deutsche Fliegerei von meinem Kameraden Gerhard Zirwas muß jeder deutsche Junge gelesen haben. Solche Bücker sind besser und notwendiger als lange Romaue. Baidur von Sckirack." Das Buch kostet 3,50 Reichsmark. Wieviel bekommt der Sckirack für die fabelhafte Reklame?— Die„Auslandabteilung-Reicksleitung" der NSDAP, empfiehlt das Buch des gleichgeschalteten Josef Ponten„Im Wolgaland". Es halten sich also weder die „Führer" noch die Parteistellen selbst an das Verbot. Reklamen zu unterlassen. „JCindec haqecn zum Skelett.. Ein deutscher Dichter über das Hitler-Elend Das Dasein der deutschen Massen nach einem Jahr Hitler muß grauenhaft sein. Das folgende Gedicht des nationalsozialistischen Schriftstellers Richard Euringer bricht aus diesem Entsetzen wie ein wilder Anklageschrei. Ahnungslos hat ihn Göbbels„Angriff" vom 24. Januar auf Seite 4 veröffentlicht. Wir haben die Macht: jawohl, die Macht. Aber noch ist's nicht vollbracht. Frost bleibt Frost, Schnee bleibt Schnee. Und der Hunger tut immer noch weh. Nicht beim Glas Bier, und nicht im Gedickt — auch nicht beim Eintopfgericht—, aber in den Elendsquartieren, wo zähneklappernd Menschen frieren, und Mütter hocken in eiskalten Zimmern, und Würmer um was Warmes wimmern, wo Mannleut heulen am Hals der Frauen und aus den Fingern Pläne kauen: Not, Not Not! Kinder, und kein Brot, Herd, und kein Brand. Mensch, bleib bei Verstand. Wir sind nickt Kommunisten, nein, aber Na-.is wollen wir sein. Christen, nicht im Vorkriegsstil, da mal vom Tisch ein Brosamen fiel: „Und nun bettelt andre an. Wir hier haben genug getan." Wer? Wer bat genug getan? Herrgott, der Winter fängt erst an. Gott sei's getrommelt und gepfiffen: wir haben's noch nickt mal begriffen; Kinder hagern zum Skelett, sechs Menschen kriechen in ein Bett, mit leeren Därmen sich zu wärmen, sich vor Erbarmen zu umarmen, und in Vergessen zu begraben, daß sie nichts gegessen haben. Mord und Totschlag— sie haben's gedroht, da war Deutschland von Sozis rot. Heut" hilft Hitler. Kopf hoch. Mann. Der Sozialismus fängt erst an. Nein, wir kommen nickt, zu kneifen. Endlich laßt's uns nur begreifen. An Herz und Händen faßt euch an: Wir haben nickt genug getan. Für Volk und Führer, bis zum Tod: Dem letzten Volksgenossen Brot! Wahrhaftig, das ist ein Jubiläunisgedickt zum 3(1. Januar, wie Hitler es sich wahrscheinlich nicht bestellt hat. Das Ergebnis eines Jahres barbarischer Triumphe ist: Not, Not. Not... Der Groll frißt sich immer tiefer in die Massen, sie wollen die ewigen Siegesgesänge der dankbaren und befriedigten Postenjäger nickt mehr hören, selbst Göbbels muß ihnen bereits gelegentlich die Wahrheit sagen. Und die volle Wahrheit liört jeder, der Ohren hat, aus den mühsam gestammelten dünnen Hurrareimen am Schluß des Gedichts— die Herreu haben bereits: Angst, Äugst, Äugst.,, Jmmet miedet: Verboten wurden laut Kriminalpolizeiblatt 1761 62 folgende Druckschriften:„Heraldo de Madrid"(Madrid);„Ga- zetta Gornicza"(Karwin); Hofer,„Offener Brief an all' Deutschen und ihre Führer"; Werbeschrift der Concordia- Lebensversickerungshank. A G., Köln:„Bauern und Reicks- erbhofgesetj"; Kirchsteiger:„Das Beicktsiegel", Wien, Anzen- grubervrrlag: H. Breunerburg.„Vererbung erhöhter Intelligenz auf die werdende neue Generation", Volksverlag, Berlin; F. Rickel,„Der Vertrag von Versailles. Das Dokument deutscher Schande", Altona, Verlag unbekannt; 3. Juni, Flugblatt„Die Rote Fahne";„Gos ludu"(Hindenburg- Zabrze, Polen);„Walka"(Posen);„De Fabrieksarbeider" (Amsterdam).— Die Beschlagnahme der Broschüre„Der Judenstaat" von Theodor HerzI, Wien, Verlag R. Löwit, i» 1 mit 16. Januar 1934 aufgehoben(II D 1853 33, Berlin, Geh. StaPA.). ZeUzTloäzeu, Deutsche Pressefreiheit. Vom Reicksverband der Deutsche" Fresse und dem Reicksverband Deutscher Schriftsteller wird mitgeteilt:„Es bestehen keine gesetzlichen Vorschriften, wonach die Schriftleiter verpflichtet sind, nur Manuskripte von Mitgliedern des RDP. und RDS. zu veröffentlichen. Jeder Schriftleiter ist in seiner Entscheidung über die Aufnahm' oder Nichtaufnahme eines Artikels frei. Entscheidet er sie" für die Aufnahme eines Artikels, so trägt er für ihn d>' Verantwortung nach§ 20 des Schrift leitergesetzes." -Martern aller Art. E. S. Mittler und Sohn publiziert 1 „Sanitäts-ABC", 30 Abbildungen, 3 farbige Tafeln. 1 Mk. „Unter Zugrundelegung der Sanitätsvorschriften der Arm'*' ergänzt durch neuzeitliche Erfahrungen, wird vor allem dt' Verbandlehre, alle Arten von Verletzungen(Hieb-, Schnitt-- Stich-. Schuß-. Quetsch- und Rißwunden, Knochenbrück'' Wundlaufeu und Wundheiten), Unglücksfälle, Kampfg'*' Vergiftungen behandelt..." Bedeutung eines Gesetzes Mehrere Verleger haben zusammengetan, um den Deutschen eine Ausgabe des„G'' setjes zur Ordnung der nationalen Arbeit" liefern zu können- Die Ankündigung sagt schlickt und gut:„Die außerordentliche Bedeutung des Gesetzes ist schon daraus ersichtlich, da' es fast die gesamte arbeitsrecktlicke Gesetzgebung der N«*' kriegszeit aufhebt". menig... Zwischen Bibel und Urlinda Hochstapler der Feder- Vom Schlachtfeld der Fälscher- Jahrmarkt der Fälschungen je In Hitlerdeutschlanb ist ein Streit entbrannt um jene »F r i e s e n h a n b s ch r i f t", die der teutonische Professor W i r t h in den Handel gebracht hat. Historiker von Rang erklären diese angeblich aus germanischer Vorzeit stammende Chronik als Fälschung aus der Zeit der Romantik, mährend der Rasseprofessor in seiner Verteidigung ctivas unsicher von den rassischen Belangen des„dritten Reiches" redet. Ein erwachendes Volk kehre„zu Erbmasse, Heimat uns Ahnen- erbe zurück" und lasse sich„durch keine Autoritätserklärung er cathedra einer akademischen Zunft mehr abfertigen", er- klärt der Runengcrmane und hüllt sich und seine„Urlinda" damit rettungslos in die Urnebel der Nazisprache. So ähnlich ging es bei allen litcrarisch-politischen Fälichnngen zu. Es ist ein Spiel, das sich bei allen Völkern in Zeiten politischer Erregung und Verwirrung wiederholt und ist so alt wie die Kulturgeschichte der Menschheit. Von den gefälschten Briefen des Euripides bis zur„Friesen- Handschrift" führen jene dunklen Pfade, aus welchen sich Ver- rückte, Narren. Streber. Fälscher und gerissene Spekulanten «n die Chroniken der Geschichte eingeschlichen haben Wir wollen hier einige jener typischen Fälle herausgreifen, in denen literarischer Dokumentcnschwindel besonders starke soziale Wirkungen zeitigte und ganze Nationen bewegte. Die falschen Dekretalen Außerordentlich zahlreich und unübersichtlich bleiben die Fälschungen innerhalb der Kirchen. Tie Bibel ist eine Sammlung ungeniertester„Uebersetzungen". Roch heute ist es nicht möglich, in den Frühwerkcn der christlichen Kirche Ordnung zu schassen, das Gefälschte vom Echten zu sondern. Am bekanntesten wurden die„falschen Dekretalen". Sie ent- halten Beschlüsse von Konzilien, Briefe und Auszeichnungen von Päpsten, kirchliche Dokumente in großer Zahl und be- einflusien das Weltgeschehen seit dem frühesten Mittelalter. Von ihrem Erscheinen an— um die Mitte deS 9. Fahr- Hunderts bis ins 15. Fahrkundert hatten sie unbedingte Autorität. Zugeschrieben werden sie dem gelehrten Erzbischof von Sevilla, Isidor, der 686 starb. Bestimmt sind sie das Er- zeugnis mehrerer Geistlicher. Zweck: Emporsteigen des Episkopats, Förderung der kirchlichen Interessen, Erweiterung der päpstlichen Macht, Stärkung der Unsehlbarkeits- lehre. Der kalvinistische Geistliche David Blondel bereitete ihnen 1628«tue endgültige Entlarvung. Wahrheit nur Reis und Früchte», ließ die Leute dort über 109 Jahre alt werden, ließ sie Schlangen fressen und Ele- fanten, Rhinozerosse, Kamele, Flußpserdc zu nützlichen Haus- tieren zähmen. Der ganze Blödsinn wurde ivon ihm selbst illustriert» gedruckt und mit Begeisterung gelesen— auch von Gelehrten. Seine demagogische Bestleistung war eine ior- mosanische Uebersctzung des englischen Katechismus. Nicht nur Bischöfe und Geistliche huldigten diesem Schmarrn, son- dcrn einige Sprachforscher erklärten seine sormonasischc Sprache begeistert für eine wirkliche Sprache, weil sie so regelmäßig und grammatikalisch und„so verschieden von allem sei, was sie von Worten und Mundarten kannten.. Diese phantastischen Geschichten fanden deshalb besonderen Widerhall, weil sie den damals in England unbeliebten Jesuitenorden gewaltig bekleckerten, indem sie den Jesuiten die prekäre Lage der Christen in Japan aufs Konto schrieben. Den sormosanischen Missionaren, die die Insel wirklich kannten und die dem Hochstapler grobe Irrtümer nachwiesen iso sprach er Formosa den Japanern zu, während es in Wahrheit zu China gehörte», glaubte man nicht. Jahr- zehntclang blieb der Schwindel in Kraft, bis sich der„alte Formosaner" schließlich zu einem zerknirschten Widerruf ge- zungen sah. Die Ossjan-Fälschungen Andere, mehr literarische Fernwirkungcn hatK: die Fälschung altirischer Balladen durch den englischen Schrift- steller M a c p h e r s o n, der alte Epen umdichtete, als lieber- setzungcn aus dem Gälischen herausbrachte und sie einem Ossian Held des sübiriichen Sagenkreises, zuschrieb. Diese Verballhornung vorzeitlicher Sagen triefte von patriotisch- sentimentaler Uebcrsteigcrung. Da sie den Neigungen eines Zeitalters der Empfindsamkeit entsprachen, beeinflußten sie den Stil und die Motive der deutschen Dichtung von Klopstock bis zur Romantik beträchtlich. Bald nach Veröffentlichung der Gedichte entstand zwischen Schotten und Engländern ein Streit über die Echtheit, ein Streit, der auch zu politischen Verschärfungen führte. Das Luch de» König» Eine der raffiniertesten royalistischen Fälschungen war die „Eikon Basilike", die, von dem englischen Monarchisten John Gauden versaßt, als Karls 1. literarischer Nachlaß bald nach der Enthauptung des Königs in Ilmlauf gesetzt wurde. Dieses „Buch des Königs" hat nach Karls Tod wegen seines mensch- lich sympathischen und frommen Inhaltes viel dazu bei- getragen, die Reaktion zu stärken, den König nachträglich beliebt zu machen und die einige Jahre später erfolgende monarchistische Restauration vorzubereiten. Englische Edle und Kirchenfürsten wußten um den frommen Betrug und schwiegen, bis einer der Herausgeber selber von dem Schwindel abrückte. Aber die politische Wirkung blieb. Der Formosaner Palmanazar Um 1700 lebte in England ein Mann, der sich Georg Pal- manazar nannte und vorgab, ein Eingeborener der Insel Formosa zu sein: von den schrecklichen Bräuchen des Heiden- tums habe er sich zu Christus bekehrt. Durch solche Er- Zählungen erwarb er sich hochmögende Freunde: Bischöfe und Gelehrte glaubten ihm alles aufs Wort. Palmanazar, der in Wirklichkeit ein Mittelenropäer dunkler Herkunft war, er- zählte und schrieb Wunderdinge über die Insel Formosa, die er nie gesehen. Er ließ von Heiden in neun Tagen 1800 Knäblein der Gottheit opfern ldie Formosaner opferten in Ein Fürst der Fälscher Ter französische Schreiber Vrain-Denis-Lueas, der eine geringe Schulbildung besaß, sich aber später einiges Wissen aneignete, iabrizierte Mitte des neunzehnten Jahr- Hunderts unechte Briese großer Leute zu Tausenden und stellte mit dieser Massenleistung einen Rekord auf. Er führte M. Michael Ebaile damit an, einen Mathematiker und Astronomen von Weltruf. In der Zeit von 1861 bis 1870 drehte er ihm nicht weniger als 27 820 gefälschte Briefe aus. Der Betrogene zahlte etwa 140 000 Fr. dafür. Dieser lite- rarische Großbetrtiger Lucas war ein ausgezeichneter Patriot und log fürs Vaterland, was er konnte. Er entwand nicht nur Newton den Ruhm der Entdeckung des Gravitations- gesetzes und schob ihn Pascal zu, sondern er fertigte serien- weise alte Dokumente an, die Galliens Ruhm erhöhten. To fabrizierte er Brieke Maria Magdalenas an den König der Burgunder. Alexander des Großen an Aristoteles— alleS mit gepfeffertem Lob Galliens und seiner Bewohner. Ein gallischer Doktor schrieb sogar einen Brief an Jesus Christus, in dem die Gallier glänzend abschnitten. AlS LncaS wegen dieser einträglichen Betrügereien verhastet wurde, berief er sich nachdrücklich, aus seine patriotische Gesinnung. Die Königinhofer Handschrift Nahezu ein halbes Jahrhundert ging der Streit um e.ne tschechische Sammlung lyrisch-epischer Nationalgesänge, die von dem mäßigen Dichter Wenzel Hanka 1818 in die Welt gesandt wurden. Diese handschriftlichen lieber lieke- rungen alttschechtschcr Geschichte und Dichtung wollte Hanka auf Pergamcntblättcrn im Turmgewölbc der Königinhofer Kirche, unter hussitischen Pfeilen gefunden haben. Macphersons irischer Ossianschwindel ivar noch nicht entlarvt und die deutsche Romantik traf mit ihrer Berherr- l'.chung jeglichen mittelalterlichen Plunders bei den kleinen Völkern ringsum auf verwandte Stimmungen. HankaS Pergamentpapier war zweifellos echt, nur die Handschriften ivarcn es nicht: sie bestanden aus Heldenepen, die Hanka aus ukrainischen, russischen und eigenen Dichtungen zulammen- gebraut hatte und deren Stoff sich über fünf Jahrhunderte erstreckte. Schlachten ussd Kämpfe wurden darin geschildert, die nie stattgefunden hatten, aber von slawischen Heldentaten nur so strotzten. Deutsche wie slawische Historiker bemühten sich eifrig um die Zeitrechnung dieser heroischen Vorgänge. Bald schössen ähnliche Funde aus böhmischem Boden— und alle in Hankas Umgebung. Deutsche Dichter wie Herber, Goethe, Grimm, Stifter fielen auf die Königinhofer Handschrift begeistert herein. Leise Zweifel regten sich zioar schon 1880, aber erst Ende der Fünfziger Jahre begann der Kampf gegen die„Handschrift- lichen Lügen". Gustav Freytag zeichnete den Autor Hanka in der„Verlorenen Handschrist" ironisch als Magister KnipS. Tschechische Historiker waren es schließlich, die den. Betrug nachwiesen, an ihrer Spitze ein unbeirrbarer Vorkämpfer der Wahrheit: Masaryk. Aber so schön war der nationale Traum, daß noch 1911 der anerkannte Prager Archäologe Pic das„älteste Denkmal der böhmischen Sprache" zu retten suchte, mit Einzelblättern nach Paris und Mailand reiste und an die dortigen Forscher appellierte. Tie tschechische Gc- lchrtenwelt jedoch ging über die mageren Ergebnisse der Reise zur Tagesordnung über, worauf sich der enttäuschte, verbitterte Gelehrte das Leben nahm. Hanka erlebte den Zusammenbruch seines Werkes nicht mehr: er wurde 1861 prunkvoll zu Grabe getragen. Ob ihn Geltungssucht, national-roinantischer Uebcrschwang oder Ge- winnstrcben zu seinem Tun antrieb— wer vermag das zu sagen? Die Weisen von Zinn Die niederträchtigsten aller litcrarisch-politischen Lügercien verdankt die Welt zweifellos dem versoffenen russischen Mönch und Polizeispitzel N t lu s. der im Austrag der zaristischen Ochrana 1907 die angeblichen Protokolle„der Weisen von Zion" zusammenbraute, ein Machwerk, dessen Entstehungsgeschichte schon ausführlich bargestellt wurde. Hitler bält trotz aller Entlarvungen noch beute an dem Schwindel'est und zitiert die„jüdischen Protokolle", die nie cristiert haben, sonder Scham und Scheu in seinen Memoiren. * Denn die Lüge gekört nun mal zu den Säulen des„dritten Reiches", und wenn Zeiten grosser politischer Erregung obne- bin fruchtbar für literarische Fälscher sind, so harrt ihrer im Nazireich eine Hochkoniunktur ohnegleichen. Darum werden die braunen Rassespekulanten die friesische Urlinda trotz wissenschaftlicher Geoenbeweise nicht preisgeben, und weitere germanische Ausgrabungen dürften baldigst folgen. Allein die dillctantifche Unverfrorenheit, mit der die Pg. beute Rassengeschichte fälschen, dürfte kommenden Soziologen ein neuer Beweis dakür kein, welch tolle, pscndowissenfchaft- liche Blödsinns'Erzesse sich eine kran-ke Walt.bieten läßt. Jedenfalls zeigt die Chronik der literarischen Fälschungen, daß der Lau«' der Geschichte von Lünen mindestens lo stark beeinflußt wird, wie von der Wahrheit: das haben nicht erst Faschismus. NastonalsozialiSmuS und braune Bonzerie be- wiesen. Denn Schwindel und Bluff kommen der mensch- lichen Wundersiicht entgegen, während die Wahrheit sich an die nnbcanemc Welt der Tatsachen bält. Aber wie die Do'»° mente der Liiae immer d>e grossen Erkrankungen anzeigten, so leiteten die Si