Einzige unabhängige Tageszeitung Veuischiands Nummer 30— 2. Jahrgang Saarbrücken, Dienstag, 6. Februar 1934| Chefredakteur: M. B raun rronkrddL wohin? Ein Ruf nach starker Fahruns Ans dem Inhalt Wild.ec 3iidtutkaM.pl im RfieinCand Segecs Stcafantcag. JUiestec fttc ecmocdetc JCommunisten Seite 3 Jeccoc an dec Saat Seite 5 7 tlgtfuxs VlussoCini Seite 8 H. W. Seit Samstag sind die 13 Rüstungsfragen, die Hitler-Deutschland als Antwort aus das französische Aide Memoire vom 1. Januar an Frankreich gestellt hat, im Wortlaut bekannt. Diese Fragen lassen zwar eine sehr lange und ausgiebige Diskussion zwischen den beiden Regierungen zu, führen aber unmöglich zu einer deutsch-französischen Konvention und von einer Rückkehr Deutschlands in den Völkerbund ist in dem deutschen Memorandum nirgendwo die Rede. Es enthält lückenlos die Aufrüstungs- forderungen Hitler-Deutschlands, an deren Verwirklichung während des diplomatischen Gesprächs fieberhaft gearbeitet wird. Wie wird Frankreich reagieren? Wird es sich noch weiter hinhalten lassen oder nun rasch Klarheit schaffen über die Grenzen, die der deutschen A u f r ü st u n g— etwas anderes kommt praktisch nicht mehr in Betracht— gezogen werden sollen. Die Antwort auf diese Frage setzt eine Regierung von starker Autorität nach innen und nach außen voraus. Als vor einer Woche das neue Kabinett Dalabier ans Ruder kam, begrüßte es der Führer der oppositionellen Rechten, der frühere Ministerpräsident Tardieu, in der„Liberte" so: Ein Kabinett Daladier im Februar 1933 ließ sich zur Not rechtfertige«, aber ein Kabinett Daladier im Februar 1 9 8 4 ist unerträglich. Daladier ist der Mann des Macbonald-Planes, der Frankreich entwaffnet, er ist der Mann des Viermächtepaktes, der Frankreich isoliert, er ist der Mann der Sonderbesprechnnge« mit Hitler, die de« Schatten Napoleons Hl. herausbeschwören. Er ist der Mann der Vierzigstundenwoche und der Mini- «allöhue. Der letzte Satz offenbart, daß die Nationalisten in Frank- reich, wie überall, in ihrem hochgestimmten Patriotismus die Portemonnaie-Jnteresien der Besitzenden nicht vergessen. Die programmatischen Sätze Tardieus zeigen aber auf jeden Fall klar, mit welchen Mitteln und zu welchen Zielen die Rechte in wachsender oppositioneller Kraft gegen das Kabi- nett Daladier anrennen wird. Das Kabinett hatte eine achttägige Besinnungs- und Stabilisierungspause zwischen seiner Ernennung und seiner ersten Bewährung vor der Deputiertenkammer. In dieser «tuen Woche hat es die Fäden, die zwischen dem von links unter st ützten Kabinett und Gruppen der Rechten bestanden, zerrissen. Der Polizeipräsekt Chiappe von Paris, der politisch zur Rechten gehört, aber trotz dem Linkssiege im Jahre 1332 im Amte gehalten und von dem halb Dutzend radikalen Kabinetten seither im Amte gelassen worden war, ist unter dem Druck der Sozialisten entlassen worden. Der Pariser Polizeipräfekt ist in Frankreich einer der mächtigsten Män- ner, und es gehört zu den größten politischen Seltenheiten, daß seine Abberufung erfolgt. Die Regierung wollte das Ereignis dadurch abschwächen, daß sie Herrn Ehiappe anbot, Generalresident von Marokko zu werden. Er hat das schroff abgelehnt und richtete an den Ministerpräsidenten einen Brief, der deutlich die Schwere der innerpolitischen Spannung anzeigt: Zur Erleichterung einer politischen Operation— denn ein anderes Motiv liegt Ihren Entscheidungen nicht zugrunde — kann ich auf keinen Fall meinen persön« lichen Ruf und das Ansehen opfern, das ich meinem bisherigen Amt und Titel verdanke. Das Haus, das Sie mich zu verlassen zwingen, habe ich als reicher Mann betreten. Ich verlasse es als armer Manu. Die unerklärliche Besörderung, die mir allzu großzügig angeboten wird, ist in meinen Augen und zu dieser Stunde nur ein Mißtrauensvotum. Des- wegeu lehne ich sie ab." Der Kriegsminister F a b r y, der Finanzminister P t e t r i und der Unterstaatssekretär Doussain haben sofort de- missioniert. Wenige Stunden später waren Paul-Bon- cour zum Kriegsminister, der radikalsozialistische Abgeord- nete Marchan dcau zum Finanz- und Haushaltminister und der radikalsozialistische Abgeordnete Jaubert zum Unterstaatssekretär im Finanz- und Budgetministerium er- nannt worden. Ministerpräsident Daladier hat also sein Kabinett energisch zu einer reinen Linksregie, rung umgebildet. Die Unterstützung der Linken ist ihm sicher, wobei allerdings sehr zweifelhaft ist. wie lange er finanzpolitisch und außenpolitisch an der Seite Leon Blums bleiben kann. Die rasch aufeinanderfolgenden Ministerkrisen nähern sich einer Krise des parlamentarischen Systems, die allerdings nicht so tiefgreifende Umwälzungen mit sich bringen würde wie die deutsche, da die französische Wirtschast und der fron- zösische Gesellschaftsaufbau bei weitem nicht die Erschüt- terungen und Zersetzungen erlitten haben wie in Deutsch- land. Die Krise ist viel mehr psychologischer Natur und kann mit psychologischen Mitteln zurückgedrängt werden. Minister- Präsident Daladier hat eine große Möglichkeit, die moralische Niederlage des französischen Parlamentarismus mit mora- tischen Kräften auszugleichen: die rücksichtslose Untersuchung der Stavisky-Affäre und die schonungslose Ausmerzung und Bestrafung der Schuldigen. Daladier hat seinen Entschluß dazu kundgetan. Ter sofort nach der Wiedereröffnung bcS Parlaments zusammentretende Untersuchungsausschuß werde alle Dokumente, auch die vollständige Liste der Stavisky- Schecks erhalten. Diese geheimnisvollen, von vielen und bedrohlichen Ge- rüchten umgebenen Schecks! Werden sie nicht von neuem führende Politiker kompromittieren? Werden sie der Rechten nicht neue gefährliche Waffen gegen den Kern der Regierung, die radikalsoztalistische Partei, liefern? Wird die Unter- suchung, wenn sie gründlich geführt wird, nicht erst recht die innerpolitische Krise verschärfen? Erfolgt aber keine ener- gische Untersuchung, so wird sich das Mißtrauen gegen den Parlamentarismus, das von der Rechten geschürt wirb, noch tiefer fressen. Die französische Linke steht vor großen Entscheidungen, deren Lösung sie in sich selbst suchen muß, indem sie von den Fehler« der Linken in Deutschland lernt. Es ist nicht die Stunde der gelehrten aber entschlußlosen Doktrinäre, son- der« die Stunde willensstarker, autoritätsbewußter Politiker, die durch starke innen- und außenpolitische Aktionen das französische Volk hochreißen gegen die Gefahren, die an den Grenzen und im Innern des Landes drohen. Auch in Frank- reich ist die Zeit, in der man Kabinettskrisen als das unver- «eidliche Spiel von Kräften und Gegenkräften betrachten konnte, vorbei. Routiniers und Führer, die ängstlich von jedem veränderten Hauch der Bolksstimmung bewegt werden, erhöhen nur die Verwirrung. Wir wünschen der französischen Republik, daß ihr aus der Linken» deren Geist weithin die französische Politik beherrscht, eine Reihe von Männern erwachsen, die Frankreich in republikanischer, sozialer Gesin- nnng das bringen, wonach das französische Volk sich sehnt: die starke Führung. Nicht nur Frankreich, sondern die Kultur ganz Europas braucht eine starke französische Regierung, denn die letzte und wichtigste Entscheidung über das Borherrschen der Zivilisation oder Barbarei in Europa fällt in Paris. Eine sozialistische Stimme Der„Populaire" schreibt: Die Nachricht von der Absetzung Ehiappes wirkte wie eine Bombe. Sie hat bei den Reaktionären große Bestürzung hervorgerufen, da dort anscheinend die Auffassung vertreten war, der Polizeipräfekt sei„tuba". Di« öffentliche Meinung wird die Absetzung Ehiappes mit Genugtuung aufnehmen. Die Bevölkerung von Paris war dieses mächtigen Polizeimannes überdrüssig, der den Willen der Regierungen im Schach gehalten hatte und versuchte, aus der Polizei einen Staat im Staate zu machen. Anflparlamenfarlsdie Treibereien Von rechts her aufgeputschte Kundgebungen Paris, 5. Febr. Bei den Kundgebungen, die die Anhänger der Action Franeaise und anderer rechtsstehender Verbände am Sonntagabend aus den großen Boulevards veranstaltet haben, wurden 7S Verhaftungen vorgenommen. Der neue Pariser Polizeipräfekt Bonnefoy-Tibour leitete persönlich die polizeilichen Abwehrmaßnahmen. In der„C o m e d i e Franeaise" kam es während der Aufführung von Shakespeares„Coriolan" ebenfalls zu Kundgebungen. Nach dem Bericht des«Echo de Paris" erhob sich, als der Vorhang hochging, in einer Galerie ein Zu- schauer und hielt an das Publikum eine Ansprache, in der er gegen die Entfernung des bisherigen Intendanten Favre mit der Erklärung protestierte, daß niedrige politische Machenschaften daran schuld seien. Der Redner wurde von dem im Saal anwesenden Ordnungsdienst zum Schweige n Fortsetzung sieh« 2. Seit« Thomas Masaryk. der über 80 Jahre alte Staatspräsident der tschechoslowakischen Republik seit ihrem Bestehen, dessen Amtszeit am 27. Mai des Jahres abläuft. Tie Neuwahlen wurden jetzt für den 17. Mai angesetzt, doch nimmt man an, daß Präsident Masaryk auch zum drittenmal wiedergewählt wirb. An sich sieht die tschechische Verfassung eine Wieder- wähl des Präsidenten nicht vor, nur für Masaryk wurde in Anbetracht seiner überragenden Verdienste nm die Selb- stänbigkcit der Tschechoslowakei eine Ausnahme gestattet. Masaryk ist inmitten der«Diktaturen" ein überzeugter und erfolgreicher Vorkämpfer echter Demokratie. IGNOTOS: Europäische Gedanken Kriegserklärung an Oesterreich— Oesterreichs Innenpolitik außenpolitisch bestimmt— Eroberung durch Hitler Anfang März— Gesamtlage und Gesamtlösung Ich fürchte, es war eine verlorene Mühe, die Memo- randen der englischen, der italienischen und der französi- schen Regierung Satz für Satz durchzuprüfen. Tie Situ- ation. die durch diese Dokumente wiedergespiegelt wird, ist die Situation von gestern. Sie hat ihre Aktualität gewiß nicht ganz verloren und wird wahrscheinlich nach einer ganz kurzen Zeit wieder als bedeutsam erscheinen. Jeder Tag hat aber seine Sorgen, und die größte Sorge von heute ist die sich immer schärfer zuspitzende Entwicklung zwischen Oesterreich und dem„dritten Reich". Nicht überall wollte man wahrnehmen, daß die Rede Hitlers in den Stellen, die sich auf O e st e r r e i ch be- zogen, eine sehr ernst zu nehmende Drohung war. Wie gerne möchte man in manchen europäischen Hauptstädten, vor allem in Rom und in London, diese Stellen überhaupt nicht gehört haben! Man möchte doch glauben, daß Hitler wirklich eine ehrliche— Friedensrede gehalten hat. Das Blatt des Lords Rothermere,„Daily Expreß", das früher eine so große Reklame für Hitler gemacht hatte, findet es„erstaunlich und unglaublich", daß der große Teil der englischen Presse diese Rede als eine große Friedensbotschaft empfangen hat. Wir staunen nicht mehr. Gewiß hat„Daily Expreß" recht, indem es schreibt, daß Hitler gar nicht ernsthaft den Frieden vorschlägt, sondern den bestimmten Kriegsplan durchführt, der darin besteht, daß seine Gegenpartner voneinander getrennt werden sollen, um dann einzeln geschlagen zu werden. Man glaubt aber halt das, was man glauben will. Namentlich in einer so trostlosen Zeit, wie die unsere. Die Reichsregierung hat aber selbst durch die Veröffent- lichung ihrer Antwort auf die österreichische Vorstellung dafür gesorgt, daß ihre Drohungen gegen Oesterreich jetzt überall gehört werden müssen. Diese Antwort ist eine Kriegserklärung— wie es auch die Rede von Hitler war. „Es ist selbstverständlich, daß d u r ch d i e p o l'i t i s ch e n Grenzen zwischen dem Reich und Oesterreich das Ge- fühl völkischer und geistiger Verbundenheit nicht beseitigt und das Uebergreifen volksbewegender Ideen nicht aufgehalten werden kann," so heißt es in der deutschen Note, d. h. in einem immer noch in diplomatischer Sprache gehaltenen Schriftstück.„Die letzte Habsburger Monarchie hat 1918 den Verrat, den Kaiser Karl begangen hat. mil dem Zusammenbruch und der Vernichtung bezahlen müssen. Die traurigen, nur durch gegenseitige Eifersüchtelei am Leben erhaltenen Nachfolger jener Dynasten werdendenneuenVer- ratgleichfallsbezahlenmüssen"— so schreibt die offizielle Presse(„Angriff"). Nur die Ausdrucksweise ist verschieden, der Sinn ist genau derselbe. Und die Voraussage des Zusammenbruchs ist sehr wohl begründet. Wenn von der deutschen Seite mit Nachdruck betont wird, daß der Zusammenbruch in Oesterreich durch seine innenpolitische Entwicklung verursacht sei, so ist das nicht unrichtig, besagt aber nicht die ganze Wahrheit, nämlich die Wahrheit, daß diese innenpolitische Entwick- Wicklung im stärksten Maße von außen bestimmt ist. Die Innenpolitik Oesterreichs ist heute zugleich seine Außenpolitik. Die Lage der Dollfuß-Regierung wird un- haltbar, weil sie sich erstens auf eine nicht mehr beträcht- liche Minderheit des Volkes stützen kann, und weil zweitens sich der Regierungsapparat selbst in fortschreiten- der Zersetzung befindet. Das sind scheinbar die Tatsachen von rein innenpolitischer Natur. In der Wirklichkeit sind sie außenpolitisch begründet. Es wäre in Oesterreich möglich gewesen, gegen den österreichischen Nationalsozialismus eine Front zu schaffen, die die große Mehrheit des Volkes umfassen und sich auf eine völlig ausreichende materielle Macht sf.tzen würde. Es handelte sich aber nicht allein und nicht einmal in der Hauptsache um den österreichischen National- sozialismus selbst, sondern vielmehr um den gewaltigen Druck des reichsdeutschen, zum deutschen Staat ge- wordenen Nationalsozialismus. Gegen diesen Druck von außen braucht Oesterreich auch einen Schutz von außen, und es hat diesen Schutz in erster Linie bei seinem Nach« barn Italien gesucht. Eine reaktionäre Regierungs« Kombination mit starken faschistischen Neigungen war für das Bündnis mit Italien zweifelsohne am besten geeignet. So bestimmte die außenpolitische Orientierung den Charakter der österreichischen Regierung. Das war eine Wechselwirkung, da es für die Christlichsozialen und erst recht für die Heimwehren das gegebene war, vor allem die Anlehnung an Italien zu suchen. Da Mussolini der schärfste Gegner des Anschlusses und diese Gegnerschaft noch viel stärker ist als die freundschaft- liehen Gefühle dem deutschen Faschismus gegenüber, so er« schien er als der gegebene Beschützer der österreichischen Regierung, die um die Unabhängigkeit ihres Landes kämpft. Mussolini wurde aber somit zugleich zum maß- gebenden Faktor der österreichischen Innenpolitik: er hat vor allem die Kampfstellung der Dollfuß-Regierung gegen die Sozialdemokratie verstärkt und hierdurch die Bildung einer breiten Front gegen den Nationalsozialismus ver- hindert. Er hat den Austrofaschismus unterstützt, ge- fördert und zur Verwirklichung eines„der österreichischen Eigenart entsprechenden" Faschismus getrieben. Mit dem Erfolg, daß der Kampf der Dollfuß-Regierung allmählich zu einem Krampf wurde. Jetzt wird Dollfuß gezwungen, den Weg zu gehen, der der italienischen Regierung sehr wenig sympathisch ist: er wird den Völkerbundsrat anrufen.„Die deutsche Regie- rung," heißt es in der deutschen Note,„ist jedenfalls nicht der Ansicht, daß das vorliegende Problem, das seine Wurzeln letzten Endes in einem rein innenpolitischen Kon- flikt in Oesterreich hat. der internationalen Behandlung zugänglich wäre und auf diesem Wege gelöst werden könnte." Der„rein innenpolitische" Charakter des Kon- flikts wird in der Note selbst am besten durch den Hinweis unterstrichen, daß die nicht zustandegekommene Zusammenkunft zwischen Dollfuß und Herrn Habicht durch Vermittlung derReichsregierung vereinbart war. Gehört denn die Reichsregierung zu den öfter- reichischen innenpolitischen Kräften?• Der außenpolitische Charakter des Konfliktes wird außerhalb des „dritten Reiches" nicht bestritten. Seine int er- nationale Behandlung ist nicht mehr zu vermeiden, nachdem Italien allein nicht mehr imstande ist. die deutsche Offensive aufzuhalten. Was tut Italien? Es schweigt vor- läufig. Frankreich war von vornherein bereit, den öfter- reichischen Schritt zu unterstützen. Und England? Henri de Iouvenel, der jetzt Minister im Kabinett Daladier ist, schreibt in der„Depeche de Toulouse":„Zwar sind die Absichten Englands nicht zweifelhaft, aber es kann sich nicht zu einem Entschluß aufraffen." Diese Formel ist leider sehr treffend. Allerdings hat die englische Regie- rung auf den Gedanken der„freundschaftlichen Vor- stellungen" in Berlin verzichtet und ihre Einwände gegen die Anrufung des Völkerbundsrates durch Oesterreich fallen lassen. Nach den uns zugegangenen ernsthaften Informationen hofft man im„dritten Reich" mit Oesterreich etwa Anfang März fertig zu werden. Das wird zwar nicht angekündigt, aber mit großer Bestimmtheit erwartet. Wie die deutsche Note betont, sind die Bestimmungen„über den Verkehr und den Handel mit Sprengstoffen" in Deutschland streng, und die Grenze wird von den zuständigen deutschen Be- Hörden in verschärftem Maße überwacht. Hierdurch beweist die Reichsregierung selbst, daß die Sprengstoffe in großen Mengen nicht ohne ihren Willen noch Oesterreich geschmuggelt werden können. Sie bestreitet natürlich die Tatsache selbst. Die deutschen Sprengstoffe sind aber da. Der österreichische Staatsapparat wird zu- gleich immer stärker zersetzt, woran die Regierung Dollfuß selbst in starkem Maße Schuld trägt. Der uns angegebene Termin erscheint hiermit nicht als unwahrscheinlich. Und Pippa tanzt. Verzeihung: und es werden die Ab- rüftungs- oder Aufrüstungsvorschläge ausgearbeitet und umgearbeitet, es werden Zwischenlösungen vorgeschlagen, durch die keine einzige Frage gelöst werden kann, es wird nach Kompromissen zwischen den sich gegenseitig aus- schließenden Standpunkten gesucht. Die Absichten sind zwar nicht zweifelhaft, man kann sich aber zu keinem Entschluß aufraffen. Wird endlich die äußerste Zuspitzung der österreichischen Frage zu Entschlüssen zwingen müssen? Wird man nicht endlich einsehen, daß es heute keine Abrüstungsfrage und sogar keine österreichische Frage als nur solche gibt, sondern alle Fragen der europäischen Politik zu einem Knoten verbunden sind, der früher oder später aufgelöst oder zerschnitten werden muß? Sonst kann Europa weder leben noch sterben. Wer aber will, daß es lebt und nicht bis zum Tode seiner Kultur aus- blutet, der soll keine partiellen oder Zwischenlösungen, sondern die Gesamtlösung für das Gesamtproblem anstreben. Umbildung der spanischen Regierung Parts» 5. Febr. Nach Meldungen aus Madrid steht eine Umbildung der Regierung bevor, da die Agrarier um Gil RobleS zum Einritt tn die Rcg'erung bereit fein sollen. Lerroux würbe, wie man erklärt Ministerpräsident bleiben, die parlamentarische Mehrheit sich aber etwas nach rechts verschieben. f Frankreich, wohin? Fortsetzung von Seite 1 gebracht, was die Zuschauer empörte, die Hochrufe auf Fabre ausbrachten, die Entfernung des neuen Intendanten Thome forderten und im Chor riefen: Pfui Daladier, Demission, Demission! Der Lärm dauerte minutenlang, und das Stück konnte erst beginnen, als die Menge ihrem Unmut durch einen Pfutgcsang auf Daladier nach einer bekannten Schlagermelodie Ausdruck gegeben hatte. Nach jedem Auf- tritt wieberholten sich diese Szenen. Verschiedene rechtsstehende politische Verbände haben für Dienstagabend große Protestkundgebungen angekündigt. Die Bereinigung der Jungpatrioten fordert durch Mauer- anschlüge die Bekämpfung der Diktatur einer Clique. Der nationale Frontkämpferverband lädt seine Anhänger zu einer energischen, aber würdigen Protestkundgebung ein. Di: politische Auoschlachtung der Regierungsumbildung wirkt sich m der Rechtspresse besonders aus. Die Opposition sagt der Regierung und ihrer Linkömehrheit schärfste Fehde an. Das„Echo de Paris" behauptet, daß Innenminister Frot die Rundfunkverbreitung des Schreibens Chiappes an Dala- bier unterbunden habe. Frot Hab« auch gelogen, wenn er erkläre, daß die Pariser Bevölkerung die Maßnahmen der Regierung ruhig hingenommen habe.— Le Jour befürchtet, daß das gesamte Parlament in Mißkredit gebracht werde, und wiederholt seine Forderung, die Kammer aufzulösen. Der„Ouotidien" fragt, ob Daladier, der doch die Sozia- listische Partei zerschlagen und die Konzentration versucht habe, heute geeignet sei, den Block der Linken zu repräfcn- tteren. Die Linkspresse versucht, die verschiedenen Zwischen- fälle zu bagatellisieren und sieht in dem Vorgehen der Re- gierung nur den Beweis für ein autoritäres Eingreifen, das ihr auch ein« parlamentarische Stabilität sichern werde. Der Beschluß der Sozialisten, ihre feindselige Haltung gegenüber dem Kabinett aufzugeben, wird von diesen Blättern begrüßt und als Wiederaufleben des Kartells der Linken gefeiert. Hochspannung In Paris Paris, 5. Febr. Tie Spannung tn Paris ist fast bis zum Siedepunkt gestiegen. Nicht nur fordern die rechtsstehenden Verbünde ihr« Anhänger auf. am Dienstag gegen die Re- gierung zu manifestieren, die„eine Herausforderung an alle ehrlichen Elemente" sei, sondern auch die Kommunisten scheinen sich zu rühren. Die Sozialisten ihrerseits haben eine Art Alarmbereitschaft eingerichtet. Die„Action Francaise" hat die Parole ausgegeben, sich für einen neuen Schlag gegen das verwerfliche Regime bereit zu halten. Angesicht» dieser von den verschiedenen politischen Richtungen angekündigten Kundgebungen hat die Regierung es für angebracht ge- Oeslerreidiisdies Die Krall der Arbeiterbewegung Wie du mir.. 15 österreichische Nationalsozialisten gefesselt in ein Konzentrationslager gebracht Innsbruck, 5. Febr. 15 Nationalsozialisten auS Tirol wurden am Sonntag tn ein Konzentrationslager nach Niedervstcrreich gebracht. Umer ihnen befindet sich der Vor- sitzende der Deutschen Gesellschaft für Erdkunde, Sanitäts- Professor Dr. Friedrich Metz. Die Häftlinge wurden ge- fesselt abgeführt. Vor dem Konflikt? Sonntag mittag sprach in Innsbruck bei einem Appell von Heimwehrabteilungen Starhemberg. Mit außer- gewöhnlicher Schärfe wandte er sich ausschließlich gegen die Führer der chriftlich-sozialen Partei. Die Verhandlungen zwischen Heimwehr und Bundesregierung wegen dex be- kannten Forderungen haben sich so zugespitzt, daß mit einem offenen Konflikt gerechnet werden muß. Bedenken in London? London, 5. Febr. Zur Frage einer Anrufung de. Völkerbundes durch Oesterreich schreibt der diplomatische Korrespondent de»„Daily Telegraph": Das österreichische^ Kabinett ivird morgen über seinen nächsten Schritt im Streit mit Deutschland entscheiden. Es ist für eine Berufung an den Völkerbund, würde aber gern vorher Gewißheit darüber haben, daß eS die Unterstützung FrankrcikS, Großbritanniens und Italiens erhält. Wäh- »cnd des Wochenende» empfing Dr. Dollsuß die Vertreter der drei genannten Mächte in Wien, und die österreichischen Gesandten in London, Paris und Rom suchten die dortigen Außenministerien aul. Tie britische Regierung ivird einer Berufung WienS an Genf kein Hindernis in den Weg legen, denn als Mitgliedsstaat hat Oesterreich nnzweiselhail oas Recht dazu. In London und Rom bestehen aber beträchtliche Bedenken hinsichtlich der Frage, ob ein solche» Verfahren und der dafür gewählt« Augenblick am besten geeignet für die Lage sind. Wien, 4. Februar 1934. Die Titnation ist so verwirrt und so unüberstchtltch ge- worden, daß der alte Satz über österreichische Politik wieder Wahrheit wird:„Die Lage ist verzweifelt, aber nicht ernst." Denn das, waS im RegtcrnngSlager vorgehl, mag in Zeitungömeldiingen martialisch aussehen, in Wirklichkeit ist es kläglich: in Wirklichckit ist es die altösterrcichischc Mischung auS Brutalität und Schlamperet. Ttandrecht und Militärmusik, die über die verzweifelte Lage der Regierung nicht hinwegzutäuschen vermag. Der AI. Januar war ein Naztgroßkampitag: Böller an allen Ecken und Enden, kein Mensch erschrickt mehr über sie: eine demonstrative Erklärung des einst christlichsozialen Universitätsprofessors Hugclmann für das„dritte Reich" und eine sehr wirkliche Höllenmaschine in der Universität, die vor Ablauf ihrer Zeit gesunden wurde. Ihre Erplosion hätte die Aula in Trümmer gelegt und viele Menschen umgebracht. Der Kriminalbeamte Baumann mußte versetzt werden: dieser Mann war de» ständig« polizeiliche Schützer des Bundeskanzlers und hat noch beim Naziattentat auf Doll- fuß den Attentäter Dertil verhaftet, heute steh» er im«er- dacht, fein Parteigenosse zu sein, auch wenn das dementiert wird. Gegen freie Fahrt und 5 Schilling hat die Regierung eine Masse von Bauern nach Wien kommen lassen, damit sie für halten, ihrerseits Vorkehrungen zu treffen. Einige Blätter berichten, daß nicht nur die Pariser Polizei und Garnison zum Einschreiten bereit stehe, sondern daß auch verschiedene Garnisonen tn der Nähe von Paris Befehl erhalten haben, sich marschbereit zu halten. L« Jour behauptet, daß sogar einige Tanks aus Compiegne nach Parts unterwegs seien und daß man insgesamt zwei Divisionen bei den um Pari? liegenden Garnisonen angefordert habe.... Europarundreise Edens Vier-, Fünf-, Sechs- oder Achtmächtekonferenz DNB. London, 5. Febr. Von unterrichteter englischer Seite wird erklärt, daß das englische Kabinett wahrscheinlich bereit sein würde, den Lordsiegclbewahrer Eden mit einem Be- such der verschiedenen europäischen Hauptstädte zu beauf- tragen, falls weitere„Aufklärungen" über die«nglti.heii^>b- rüstungspläne gewünscht werden sollten. Der politische Mit- arbeiter der„D a t l y Mail" rechnet damit, daß E d e n am kommenden Donnerstag abreisen und Paris, Berlin und Rom besuchen werde. Hierbei werde er nicht nur eine An- nähme der englischen Abrüstungsvorschläg« befürworten, son- dern auch einen zur Zeit von der englischen Regierung er- wogenen Vorschlag Mussolinis auf Einberufung einer&ünf= Mächtekonferenz(Deutschland, England. Italien, Frankreich und die Vereinigten Staaten) zur Sprache bringen. Der diplomatische Mitarbeiter des„Daily Tele- g r a p h" spricht von der Möglichkeit einer Biermächte- oder einer Sechs- oder Achtmächtekonserenz. Jedenfalls sei es wahrscheinlich, so meint der diplomatische Mitarbeiter, daß die Stellungnahme der Regierungen zu den englischen Ab- rüstungsvorschlägen zunächst nicht in formellen und klar um- rillenen Noten festgelegt, sondern durch mündlichen Mei- nungsaustausch aus den normalen diplomatischen Wegen dargele t werden würde. Auf diese Weis« sollte es möglich sein, festzustellen, ob die Zeit für eine persönliche Fühlung- nähme zwischen den verschiedenen Regierungschefs und Außenministern entweder in der Form von Zweimächte- besprechungcn oder in der erwähnten Form einer Konle- renz mehrerer Mächte gekommen sei. Bei der Besprechung Hendersons mit den führenden Beamten der Abrüstungs- konferenz am 13 Februar iverde möglicherweise festgestellt werden, daß der bisherige Fortgang der Verhandlungen noch nicht die sofortige Einberufung der Abrüstungskonferenz rechtfertige. Das Konfcrenzbüro könne jedoch vielleicht zusam- mentreten, um einen Bericht über die neueste Entwicklung der Verhandlungen entgegenzunehmen. * Wie jetzt feststeht, wirb Außenminister Sir J-hu Simon die Abrüstnngsanssprache im Unterhaus am Dienstag er- öffnen. Ferner werden sprechen: Sir Austen Chamberlain. Churchill, Samuel, der stellvertretend, Führer der Arbeiter, parte! Kripps«nd der Lordfiegelbewahrer Eden. Chaos infahl den grünweißen Heimwehrkur» demonstrieren: zahlreiche Arbeitslose haben diese billige Reisegelegenheit ausgenützt. Gleichzeitig beginnen neue Schwierigkeiten in Tirol. Dort hat die Hctmwchr sich kurzerhand, angeblich um die NaziS niederzuschlagen, die einen Putsch für den SO. Januar geplant haben sollen, tn den Besitz der öffentlichen Gebäude gesetzt. Sie überreichten der Regierung ein Ultimatum, das die vollständige Faschisicrung Oesterreichs forderte. Der Tiroler„Führer" der Heimwehr, Stetdle, und der Unter- richtsminiftcr Schuschnigg, der die chrtstlichsoziale Wehr- formation der„Ostmärkischen Sturmscharen" kommandiert, begaben sich von Wien nach Innsbruck. Aus der Umgebung des Kanzlers wird da» Gerücht kolportiert, daß sich Oester- reich nicht mehr an Abmachungen mit Frankreich gebunden fühle, Abmachungen, dir der Faschisierung entgegenstanden. Im Bundeskanzleramt gingen die Diplomaten ein und au»: eS war ein lebhafter 1. Februar, ein seltsamer Fasching. Wie sich die Dinge weiter entwickeln, ist kaum zu sagen: denn die Antwort der deutschen Regierung wird von der österreichischen als unzureichend bezeichnet. Sie müßte dem- nach nun den Weg nach Genf antreten. Was sie in Gens ver» trete« wird, ist kein Staat mehr, es ist das ChaoS. Man sollte meinen, daß Dollluß daher alle Ursache hätte, eine Entspannung herbeizuführen.„Gelernte Oesterreicher" aber ivissen, daß er gerade deshalb die Entspannung so zu er- zielen versuchen wird, daß er versucht die Sozialdemokratie und die Gewerkschaften tn einer großen Attacke niederzu- schlagen, wobei er sich die Finger gründlich verbrennen wird. Es ist anzunehmen, daß der Bürgerkrieg der österreichischen Republik nicht erspart bleiben wird Außer der Regierung weiß jedermann, daß die Kraft der Arbeiterbewegung intakt ist und mit angespannten Nerven darauf wartet, von ihrer Klasse das deutsche und italienische Schicksal abzuwehren. Arsenik? Güttingen, 8. Febr. Di« Kriminalbehörden stehen vor der überraschenden Ausklärung eines Todesfalles. Bor einigen Jahren starb in Hörde am Harz die Osfizicröivitwe F r a» von Berk« seid, eine m der Gegend bekannte und ge- achtete Frau. Ihre Pflegerin, eine Fran Großkopf, machte alsbald gegen die Erben der Verstorbenen Ansprüche geltend: sie legte einen DarlehnSvertrag mit Frau von B. vor. nach dem sie der Offizierswitwe angeblich 8000 Mark geliehen haben wollte, die sie nun zurückverlangte. Da die Erben Einspruch erhoben, kam es zu einer Zivilklage vor dem hiesigen Landgericht. Im Lause des Prozesses wurde die überraschende Feststellung gemacht, daß die Unterschrift der von B. g e f ä l s ch t war. Die Staatsauwaltschalt erhielt von dem Borsall Kenntnis und ordnete die Ausgrabung der Leiche an Der Sektionsbesund war überraschend. Die Leiche enthielt ein solches Quantum Arsenik, daß man damit eine ganze Familie hätte umbringen können. In- zwischen wurde auch ermittelt, daß die Großkopf sich tatsäcki- lich Arsenik verschafft hatte und durchaus nicht die makellose Frau war, für die man sie überall hielt. Sie ist wegen Be- truges bereits vorbestraft. Frau Großkops wurde fest- genommen und ins Götlinger Untersuchungsgefängnis gebracht. Adif lote! Rom.\ Febr Bei dem schweren Lawintnunglück sind nach den neuesten Meldungen ach: Tote zu betlagen. Zehn Per- sonen wurden oerletzt geborgen. Wilder Kulturkampf im Rheinland Die Verniditnngsaklion gegen die katholisdie Jugendbewegung I Müht, 4. Februar. 3/ie Hitler-Jugend hatte heute auf dem Neumarkt eine große Kundgebung gegen die„konfessionellen Jugendvcr- Hetzer" einberufen. Die Redner, u. a. der Gebictssührer Mittelrhein Walt w e y erklärten, daß die Hitler-Iugend allein berufen sei, die gcsanite deutsche Fugend in ihrer Organisation zu erfassen und zu erziehen. Es gebe nur eine Jugend: die Hitler-Iugend. Für die Er- reichung dieses Zieles setze sich die Hitler-Iugend in i t allen Kräften ein und sage allen andern, die sich diesem Ziele widersetzten, den schärfsten Kampf an. Nach den Reden und Gcsäilgcn marschierte ein großer Demonstrations- zug durch die«ladt. Immer wieder kam es inmitten der Erzbischvfsstadt zu lärmenden Mafsenrusen gegen den Kleri- kalismus. Tic katholischen Jugendorganijationcu hielten sich, eingeschüchtert durch die strengen Verbote des katho- tischen Polizeipräsidenten Bingens und des katholi- scheu Regierungspräsidenten zur Bausen, zurück. lieber die Ausbreitung und die gehässige Art der Hitler- Kämpfe gegen die katholischen Jugcndvereine unterrichtet folgender parteiamtlicher Aufruf des Gebietsftthrers A. Wallwey: Wie ein Lauffeuer und voll innerster Empörung aufge- Kommen, ist am Montag die Nachricht durch das katholische Köln geeilt, daß sich selbst am heiligen S v n n t a g katholische P r i e st e r nicht gescheut haben, ivüste Angriffe gegen die Hitler-Iugend zu richten. Was ist geschehen? Zeit Monaten hetzt die soaenannte„katholische Fugend- bewegung", hetze» alle diejenigen, die den weist des neue» Deutschland mit den Mitteln mittelalterlicher Fnquisitio» unterdrücken wollen. Täglich häufen sich die Meldungen aus dem Lande, nach denen einzelne Hitler-Fungen von einer fanatifierten Menge feige überfallen und zusammen- geschlagen werden, wonach aufrechte und ehrliche HF.-Führer in Schule und Beruf zurückgesetzt und der Seelenfrieden junger Menschen und ganzer Familien durch leichtfertige volks- und hochver- räterische Reden und Anspielungen von der Kanzel herab und im Beichtstuhl gefährdet werden. Daß sich unter diesen Umständen innerhalb der in vorder- ster Linie kämpfenden Scharen und wesvlgschasre» der HF. eine bis zur Siedehitze gesteigerte Empörung gegen diese Volksverführer angesammelt hat, ist nur zu verständlich. Das wissen auch unsere Gegner. Sie missen aber weiter, daß die HF. in eiserner Disziplin ihren Weg fortsetzt und sich durch nichts— auch nicht durch die liblen Kläffereieu und Lügen der Zentrumsseite— ans ihrer Marschrichtung bringen läßt!... Als am Spätnachmittag des letzten Sonntag einige kleine Gruppen der Marine-HF. an der St.-Agnes-Kirche vorbei- kamen, mußten sie zu ihrem Erstaunen sehen, daß in dieser Kirche eine Zusammenkunft von u n i f o r m i e r- ten Angehörigen der katholisch-bündischen Fugend stattge- snnden hatte, obwohl der Poiizcipräfident für diesen Sonntag das Tragen von r;ü'cn und das Mitführen vön Wim- petu des Bundes Ncudeutfchland wegen der fortgesetzten Provokalionen dieser Verbände gegenüber der HF. oer- boten hatte! Offenbar um die erstaunten Fragen der wenigen und ohne Führer anivcsenden HF.-Mitglieder zu klären, ergriffen die in großer Anzahl erscheinenden Mitglieder der katholischen Verbände einen Hitler-Fungen, oer- schleppten ihn in die St.-Agnes-Kirche und sperrten ihn in die Sakristei ein, um ihn dort nach ihren beivährten Methoden weiter zu„behandeln"! Dieses unerhörte Vorgehen ivurdc selbstverständlich sofort der Gebietsführung der HF. gemeldet, die sich ungesäumt zum Talort begab, um die inzwischen maßlos gestiegene Er- reguilg auch anderer vorbeikommender H F.- Gruppen z u beruhigen und die ganzen ungeheuer- lichen Vorfälle durch die Staatsbehörden klären zu lassen. Damit sahen allerdings die Hetzer ihre sämtlichen Felle davonschivimmen! Sie gingen dafür hin und alarmierten die Staatspolizei(die natürlich keine Ahnung haben konnte, worum es sich handelte», indem sie die diensttuenden Be- amten auf das Niederträchtigste belogen! Insbesondere schrien sie um Hilfe mit der aus den Fingern gesogene» Behauptung, randalierende Horden der HF. seie» bereits mit stürmender Hand in die Agneskirche und das Pfarrhans eingedrungen. Sie riefen die Polizei um auf diese Weise nichtunterrichtete Beamte zu ihren unfreiwilligen Helfern zu machen und hinter Gardinen und schützenden Mauern zuzusehen, wie durch katholische Beamte katholische deutsche Fugend vor ihren Augen niedergeknüppelt würde... N u» aber i st die Geduld de r H F. n m Ende! Diejenigen, die es jetzt noch wagen, gegen die Reichseinheit, gegen den Nationalsozialismus, gegen den Führer und gegen den stteichsjngendführer in irgendeiner Form ihre Giftpfeile zu schießen, denen wird die HF. in geeigneter Weise die Waffen so aus der Hand zu schlagen wissen, daß sie sie nie wieder gebrauchen! Die HF. wird sich immer aufs leidenschaftlichste gegen die schwarze Reaktion und Dolchstößlerei verwahren, die jetzt allenthalben in unserer westlichen Grenzmark ihr finsteres, mittelalterliches Haupt erhebt, die unter einem ganz ab- scheulichem Mißbrauch von Priesterwürde, Kanzelrecht und Kirchengewalt die Gewissen junger Menschen vergewaltigt und terrorisiert! Die HF. bläst zum Kampf, nicht gegen die irregeleiteten Mitglieder der konfessionellen Verbände, sondern gegen die Leute, die uilter religiöser Bemäntelung geschäftspolitischer Interessen ihrem unersättlichen Machthunger frönen wollen! Die HF. ist allerdings ganz felsenfest davon überzeugt, daß den jungen Menschen, die heute noch in den kümmer- l i ch e n Restbe st ä n d e n der konfessionelle u Jugendbewegung ihr Schattendasein führen, auch eines Tages die Schuppen von den Augen fallen werden und sie erkennen werden,' daß sich die Sprache des Blutes auch von frenrhen Einflüssen und Hey- m e t h o d e n nicht überschreien läßt. Priester für ermordete Kommun sten Die hl. Messe für die in Köln Hingerichteten s Arbeiter Ueher die Vor kurzem erfolgten Verhaftungen katholischer Prieater bringt das„Achtuhrblatt" in Nürnberg(Nr. IT) einen Bericht, der mit großer Deutlichkeit die nationalsozialistische kathoiikeu- Iietze offenbart: Bit einem der Geistlichen Handelt es sich um den Pfarrer Josef Sturm von Waldhausen, Oberamt Neresheim, der am 8. Oktober in der katholischen Kirche in Waldhauseu in seiner Predigt ausgeführt habe, die nationalsozialistische Bewegung sei nicht von Gott, sondern vom Teufel geschaffen und somit eine Teufels- bewegung. Sie werde auch kein weiteres Bestehen haben. Diese Aeußerung wurde im Laufe des llntersnchnngs- Verfahrens von zahlreichen Zeugen bestätigt. Pfarrer Sturm hat bei seiner protokollarisch festgelegten polizeilichen Ber- nehmung selb st zugegeben, diese Aeußerung getan zu haben. Stadtpfarrer Dangelmaier aus Metzingen hat in der katholischen Kirche in Metzingen für die sechs in Köln hin- gerichteten Kommunisten eine heilige Messe gelesen. Zwischen ihm selbst oder der Einwohnerschaft Metzingens und den Hingerichteten Kommunisten bestehen nachgewiesener- maßen keinerlei Beziehungen. Ferner hat er in der Christen- lehre, die sich an den Gottesdienst anschloß, den Kölner Fall in vollkommen einseitiger Weise mit den Kindern erörtert. Bei seiner Vernehmung durch einen höheren Beamten der Württembergischen Politischen Polizei gab er selbst zu. daß er den Kölner Fall als eine hochpolitische Angelegenheit an- »ehe. Die gegen ihn verhängte Schutzinhastierung war aus Grund dieser Vorkommnisse, die von ihm mündlich bei seiner Vernehmung und überdies in einem von ihm bei der Bürttembergischen Politischen Polizei eingereichten Schrift- fatz bestätigt worden sind, notwendig geworben. Trotz der eindeutigen Tatbestände und trotz der eindring- lichen Verwarnung wagen es verschiedene Kreise, die Maßnahme der Württembergischen Politischen Polizei zum Anlaß zu nehmen, weiterhin eine lebhafte gegnerische Tätigkeit zu entfalten. So wird der Versuch gemacht, die beiden in Verwahrung genommenen Geistlichen als die un- schuldigen Opier einer„bösartigen Verleumdung" hinzu- stellen, obwohl die Untersuchungen ergeben haben, daß die ihnen zum Vorwurf gemachte zersetzende Tätigkeit den Tat- sackten entspricht und obwohl beide von den zuständigen Stellen auch die schwerwiegendsten der ihnen zur Last ge- legten Verstöße selbst eingestanden haben. Feder Versuch, die beiden Geistlichen als unschuldig oder als Opfer einer„kirchenseindlichen Willkür" hinzustellen, wird daher von der Württembergischen Politischen Polizei als eine bewußte Untergrabung der Ttaatsantorität an- gesehen, die entsprechend»erfolgt wird. Die Württembergische Politische Polizei sab sich auch bereits veranlaß: Saboteure der staatliche« Ordnung*" Maßnahmen durchzuführen So"• und Landwirt Nikolaus Funk in Waldhauseu u«v de» Schreiner Anton Kaufmann in Afalterwang bei Waldhausen in Schutzhaft genommen, weil sie sich in diesem Sinne führend betätigt und Unterschriften unter eine Protesterklärung gegen die Schutzhast des Pfarrers Sturm gesammelt hatten. Fit der Protesterklärivig wird gesagt, daß die in der von zuständiger Stelle, also dem Württembergischen Innenministerium, Württembergische Politische Polizei, veröffentlichte Mitteilung über den Pfarrer Sturm„nicht richtig, sondern verdreht" fei. Eine von den beiden Besch Fdigten einberufene Protest- Versammlung gegen die Fnschutzhastnahme wurde von der Außenstelle der Württembergischen Politischen Polizei verboten. Tie von den zuständigen Stellen durchgeführten Unter siichungen über die an derartigen llmtrieben beteiligten Personen haben ergeben, daß als beionderer Unruheherd lind Treffpunkt für die Drahtzieher der Gasthof„Zum Fäßle" in Waldhausen, Inhaber Nikolaus Funk, in Frage kommt. Zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe und Ordnung wurde daher der Gasthof mit sofortiger Wirkung bis aus weiteres geschlossen. Weiterhin haben die Nachforschungen ergeben, daß das geistige Haupt dieser sich gegen die Maßnahmen der Re- gierung richtenden Umtriebe der Pfarrer Leißle aus Elchingen O. A. Neresheim ist. lieber die Betätigung dieses Pfarrers liegt das protokollarisch festgelegte Ergebnis zahl- reicher polizeilicher Zeugenverböre vor. Außerdem befinden sich bei den Akten eine Anzahl Protestschreiben des Pfarrers Leißle. in denen zu der Schutzhaft des Pfarrers Sturm in ungebührlicher Weise Stellung genommen wirb. In einem Schreiben an den Kreisleiter des OberamtS Neresheim droht? Pfarrer Leißle n. a., die Angelegenheit nicht nnr den zuständigen Stellen der Landes- und der Reichs« regierung, sondern auch„i« Rom" vorzulegen. Diese Drohung mit einem Appell an eine aoßerdeutsche Fn« stanz ist für die politische Einstellung dieser Geistlichen be- sonders bezeichnend. Wenn sich in der Oesfentlichkeit gewisse Vorstellungen von den„überstaatlichen Mächten" hartnäckig erhalten, muß die Erklärung dafür in solchen Methoden deutscher Mitglieder des katholischen Klerus ge- sucht werden. Ferner verstieg sich Pfarrer Leißle in Briefen an den in Schutzhast genommenen Pfarrer Sturm zu der Behauptung, daß das Eingreisen der Staatsbehörden aus Grund von „Verdrehungen, gehässigen Unterstellungen, persönlichen Racheakten" und ähnliches mehr bestimmt worden sei. Fn einem weiteren Brief an Pfarrer Sturm behauptet er außer- dem, der Bericht der Württembergischen Politischen Polizei sei„unrichtig". Durch dieie Behauptungen werden Behörden und staatliche Organe beschimpft und böswillig verächtlich gemacht. Er macht sich ferner die Auffassung seines Amts- bruders zu einen, indem er diesem in das Schutzhaftlager Knbberg wörtlich schreibt:„Dein? Worte waren inhaltlich und korw-N unanareikbar und find katholisch« Wahrheit." Pfarrer Leißle mußte ebenfalls in Schußhaft genommen «erde«. Oranienburg Segers Strafantrag gegen die Mörder Soeben ist die Schrift des aus dem Konzentrationslager Oranienburg geflüchteten früheren sozialdemokratischen Abgeordneten Gerhart Seger— Sechs Monate Oranien- bürg, Verlagsanstalt Graphia Karlsbad— erschienen. Ihrem Nachtrag ist zu entnehmen, daß Seger das Manuskript seines Buches, in dem besonders die SA.- Sturmbannführer Schäfer und Krüger, Sturmbannführer Stahlkopf und SA.-Mann Müller-Teerofen des Mord e s, des Totschlags, der Körperverletzung mit tätlichem Ausgang und der Beihilfe zu diesen Verbrechen beschuldigt werden, als T t r a f a n z e i g e an den Reichsminister der Justiz in Berlin, den Oberreichsanivalt in Leipzig und die sonst zuständigen Strafverfolgungsbehärden gesandt hat. Seger stützt sich dabei auf den§ 346 des Strafgesetzbuches, der Justizbeamten Zuchthausstrafe bis zu fünf Iahren an- droht, wenn sie die Verfolgung ihnen bekannt gewordener strafbarer Handlungen unterlassen. Da Angehörige der SA. inzwischen einer besonderen Gerichtsbarkeit unterstellt worden sind, so ist die Anzeige auch dem S-ab'chef der SA., Reichsminister Röh in, zugegangen. Der Brief hat folgenden Wortlaut: „Ich überreiche Ihnen gleichzeitig das Mau trlpt meiner Schrift:„Oranienburg". Erster authentischer Bericht eines aus dem Konzentrationslager Geflüchteten. In dieser Schrift werde ich über Verbrechen gegen dos Leben und gegen die Gesundheit wehrloser Gefangener im Konzentrationslager Oranienburg berichte-». Die Namen der Beschuldigten sind genau bezeichnet. Dadurch wird ihre strafrechtlich: Verfolgung möglich. Das Manuskript meiner Schrift„Oranienburg" sende i h gleichzeitig an den Oberreichsanivalt beim Reichsgericht, Dr. Werner, an de» Generalstaatsanwalt l, Berlin, an den Oberstaatsanivalt Anhalt in Dessau. Ferner sende ich das Manuskript dem Stabschef der SA., Röhm, in München, zur weitere» Verfolgung, da mir aus der.Presse bekannt wurde, daß SA. und SS. einer besonders strengen- Gerichtsbarkeit unterstehen sollen. Ich ersuche alle diese Stellen, meine Mitteilungen als Strafanzeige zu behandeln. Sic werden sich dieser Pflicht nicht entziehen können, ohne gegen de» Paragraf 346 des Strafgesetzbuches zu verstoßen, der Fusiizbeamte» Zucht- hausstrafe bis zu fünf Fahre» androht, wenn sie d: c Verfolgung ihnen bekannt gewordener strafbarer Handlungen unterlassen." Amüsant ist das Nachspiel, das die Flucht Segers ge- funden hat. Der Nazigewaltige von Anhalt. Reichsstatt- Halter Loeper-Dessau, hatte eine so große Wut über die Flucht gerade dieses Opfers seiner Willkür, daß er un- gesäumt nach Oranienburg fuhr und dem Lager- Kommandanten Sturmbannführer Schäfer eigenhändig ein paar Ohrfeigen versetzte. Das geschah auf dem Hofe des Lagers in Gegenwart von SA.-Leuten und Ge- fangenen! Dieser Schäfer schreibt jetzt auf Befehl von Göbbels ein Gegenbuch über Oranienburg. vie Spikzbubenfahne Auf dem gestohlenen katholischen Volksvereins■ haus Aus M.-Gladbach wirb berichtet: Auf dem ehemaligen Volksvereiushaus in M.-Gladbach, das ebenso wie das gesamte übrige Vermögen des Volks- Vereins für das katholische Deutschland und des Volks- vereins-Verlags, sowie der Rheinischen Druckerei AG. aus Grund des Gesetzes über die Einziehung volks- und st a a t s s e i n d l i ch e u Vermöge n s vom Regierungs- Präsidenten in Düsseldorf zugunsten des preußischen Staates eingezogen wordin ist, wurde feierlich die Hakenkreuzsahue gehißt. Fortan soll das Saus den Namen führen: Natio- volsozialiftisches Volksdaus. Die Kreisleitung der NSDAP. Gladbach-Rheidt, die NS.-Hago und nationalsozialistische Fachichaften nehmen darin ihre» Sitz. Frage für 1985 an die Katholiken Im Saargebiet: wie werden bei einer Rückgliederung an Hitlerbeutschlanb die katholischen Vereinshäuser an die Nazi-Organisationen verteilt? „Idi bin ein lump" Am Pranger! Fn Hamm i. W. wurde ein Manu durch die Straßen der Stadt geführt, der auf Brust und Rücken große Schilder trug mit der Fnschrift: Ich bin ein Lump!"„Fch habe die mir von der NSV. und vom Wohlfahrtsamt gespendeten Sachen für mich und meine Familie versetzt und das Geld durch- gebracht." Es war ein Erwerbsloser. Seine Anprangerung erfolgte, weil er seine Frau und seine zwei Kinder zu Hause hungern und frieren ließ, ivähreud er selbst die ihm von verschiedenen Seiten zugeflossenen Nnierstützungen, so- fern sie nicht schon in Geld bestanden, zu Geld machte und durchbrachte. Und wann, so fragen wir, werden die Nazibonzen, die sich am Winterhilfswerk bereichert haben, durch die Straßen geführt? Wann stehen im Saargebiek die Nazibonzen am Pranger, die— wie amtlich festgestellt ist an*'in»> Armen gesammelten Summen ein Pe. angeschafft haben? Iieier bangen! Sudelfritzen Professor Theodor Lessing wurde vor einigen Neonaten in der Tschechoslowakei von gedungenen Nazibanditen meuchlings ermordet. Der weltberühmte und in allen zivilisierten Ländern hochgeachtete Sexualforscher Magnus Hirschfeld wurde vertrieben und lebt in der Emigration. Das alles hält eine verkommene Journaille nicht davon ab, weiter ihr Gift gegen diese Männer zu verspritzen. Da lesen wir in einer mit dem Hitlerbild geschmückten Broschüre die nachstehenden Gemeinheiten: „Th. Leffing empfahl auss angelegentlichste das Buch eines ausländischen Zuhälters, das eine einzige Sammlung von Zoten ist. Hirschseld entfaltete eine maßlose und schäm- lose Propaganda der Perversitäten aller Art, angefangen von ber Homosexualität und geendet mit dem Lustmord, der nicht mehr als ein Verbrechen, sondern als eine in- teressante Abart des Geschlechtstriebes hingestellt wird." Was bliebe wohl von faschistischer Betätigung übrig, wenn ihr die Dreckschleuderei verwebrt werden könnte. Aus„Der Freidenker". „Deutsche Freiheit" Nr. 30 ARBEIT UM» WIRTSCHAFT Dienstag, 6. Februar 1931 Zorn Itollcnlsdicn Korporationengesetz 4,30 Lire oder 0,95 RM. Taglohn Wie herrlich weit der Faschismus es nach mehr als zehnjähriger Tätigkeit auf dem Gebiete der wirtschaftlichen Existenz gebracht hat, das zeigt vielleicht am besten der nachstehende Artikel, den wir der„Nation" entnehmen und der von einem italienischen Mitarbeiter geschrieben ist. Wie groß ist Mussolini! Mit einem kleinen Gesetz von 15 Artikeln, welches die Kammer in einer einzigen Sitzung und sogar nach einer einzigen Rede angenommen hat, begrub> r die historische Aera der kapitalistischen Wirtschaft und verrammelte für immer jede Möglichkeit einer sozialistischen Wirtschaft Der Korporationenstaat, der mit diesem Gesetzlein von 15 Artikeln eingeführt werden soll, überwindet alle Erbschaften der Vergangenheit und vernichtet alle bisherigen Zukunftsdoktrinen. Die 15 Artikel sind nichts anderes als eine Umschreibung der einzelnen Punkte der von Mussolini dem Nationalrat der Korporationen vorgeschlagenen Tagesordnung, welche an dieser Stelle vor zwei Monaten kommentiert wurde. In der Tat besteht die große Reform hauptsächlich darin, daß die Abgeordnetenkammer ersetzt wird durch den Nationalst der Korporationen, was das Ende des parlamentarischen Staates und der Beginn der kontrollierten Wirtschaft sein soll. In Wirklichkeit aber wird am Stande der Dinge von heute nichts geändert. Mit dem Wahlgesetz, das am 25. März zum letzten Mal angewendet werden soll, bestellt ein einziger Wähler— Mussolini— 400 Abgeordnete. Wenn das neue Korporationsgesetz in Kraft tritt, wird wiederum ein einziger Wähler— Mussolini— die Mitglieder des Nationalrates bestimmen. Den einzigen Unterschied wird man im Namen des Rates und in der Zahl der Abgeordneten zu suchen haben. Der Nationalrat der Korporationen wird weniger zahlreich sein als die Abgeordnetenkammer. Was deren Befugnisse anbelangt, bedeuten diejenigen der Kammer nichts, da jedem Abgeordneten, wenn er von dem ihm theoretisch zustehenden Recht, die Gesetzesvorlagen zu diskutieren, freien Gehrauch machen wollte, die Partei, d h. Mussolini ihm schnell die Abgeordnetenkarte entziehen würde, was das Ende seiner parlamentarischen Tätigkeit bedeutete. Gleich Null werden aber auch die Kompetenzen des Nationalrates der Korporationen sein, weil dieser die von der Regierung vorgelegten Vorschläge nur beraten kann; Gesetz aber werden sie erst dann, wenn der Regierungschef sie durch Dekret im Amtsblatt veröffentlichen läßt. Also ändert sich nichts auf dem politischen Boden. Wie stehts jedoch mit der angeblichen wirtschaftlichen„Revolution"? Die Theoretiker des korporativen Staates behaupteten, daß die kapitalistische Wirtschaft ihre Möglichkeiten ausgeschöpft habe und sich nunmehr außerstande erweise, die Wohlfahrt der Völker zu gewährleisten, während diese gleiche Wohlfahrt durch die Kollektivwirtschaft, die sich auf den Klassenkampf stütze, nicht gesichert werden könne. Nur das dritte System, das korporative, das sich auf die Zusammenarbeit der Klassen stütze, vermöge den tragischen- Konflikt unserer Zeit zu lösen. Wenn es notwendig wäre, diese Doktrinen ernsthaft zu diskutieren, so könnte man darauf hinweisen, daß die Zusammenarbeit der Klassen im kapitalistischen System durchaus verwirklicht wird: wenn auch auf der Grundlage eines unsicheren Gleichgewichts, das manchmal gestört wird durch Armierungen in den Marktverhältnissen und dann wieder hergestellt werden muß, sei es durch einfache Unterhandlungen der beteiligten Interessenkreise oder auch etwa durch einen Streik oder eine Aussperung. Anderseits kann man einwenden, daß, wenn die Aktiengesellschaft die extremste Form des Kapitalismus darstellt, es interessant ist, festzustellen, daß die neueste Doktrin, eben die Korporative die Leiter der großen Industrien jedenfalls nicht abschreckt, da doch Dr. Alb. Pirelli den Vorsitz in der Korporation der Industrie übernommen hat, trotzdem er zugleich Präsident ist von drei der größten Aktiengesellschaften des Landes und zudem auch Vorsitzender der italienischen Vereinigung der Aktiengesellschaften. Wenn aber die „Zusammenarbeit der Klassen" im faschistischen Sinne den großen Industriellen bekömmlich sein kann, so ist sie sicher den mittleren und kleinen Industriellen weniger zuträglich. In einer Rede vom 20. Dezember letzten Jahres führte nämlich der Generalsekretär des italienischen Arbeitgeherver- bandes, Gino Olivetti, u. a. folgendes»aus:„Ich weiß sehr w-ohl, daß zahlreiche Industrielle in diesen schwierigen Zeiten ihre Stellung gerne vertauschen würden gegen diejenige eines einfachen leitenden Beamten irgendwelcher staatlichen Unternehmung, die den drohenden Gefahren des Bankerottes entzogen sind, weil für sie auf jeden Fall eine Hilfe von außen vorgesehen ist. Aber an dem Tage, an welchem eine solche Mentalität zur allgemeinen würde, hätte auch die Privatindustrie zu existieren aufgehört und der Industrielle nichts mehr zu tun..." So weit sind wir also im faschistischen Korporationsstaat, nach eigenem Eingeständnis selbst der interessierten kleinen und mittleren Industrie, und das nach einer„Zusammenarbeit der Klassen", die schon seit acht Jahren andauert (das erste Korporationengesetz datiert vom Jahre 1926). Und was die Arbeiter anbelangt, genügt es aus dem „Lavoro faschista", dem Organ der faschistischen Arbeiterorganisationen, einen Fall zu zitieren, wonach ein Arbeitsgericht in Süditalien darüber zu urteilen hatte, daß die Landarbeiter nur 3.50 Lire Tagelohn erhielten, anstatt 4,30 Lire, wie der Kollektivvertrag es vorsieht.(4,30 Lire entsprechen ungefähr 0,95 RM.) Die Veröffentlichung erfolgte als Demonstration dafür, wie streng das faschistische Regime die Einhaltung der Kollektivverträge beaufsichtige. Lassen wir den effektiv bezahlten Taglohn beiseite und halten wir uns an den vereinbarten Taglohn von 4,30 Lire, so müssen wir jedoch sagen, daß ein solcher Taglohn— 0,95 RM., und ohne Beköstigung selbstverständlich!— eine eigentliche Schmach darstellt, etwas, das unter anständigen Leuten unserer Zeit außerhalb der Rechtssphäre sieb befinden sollte. Deshalb hat ein italienischer Nationalökonom in einer Volksversammlung in Paris mit Recht erklärt: Jedermann, der mir die theoretischen Vorteile des faschistischen Regimes lobpreisen will, antworte ich nichts anderes als dies: „Vier Lire dreißig! Vier Lire dreißig! Vier Lire dreißig!" Es ist dies wohl tz demzufolge die Einwohner Berlins weniger Rechte haben als die Neger in einein Hottentottenkral, die wenigstens ihren Häuptling oder Dorfältesten selbst bestimmen dürfen, sagt Ober- regierungsrat Dr. W Loschelder aus dem preußischen Innen- Ministerium:„Die Selbstverwaltung des neuen Gemeinde Verfassungsgesetzes ist echte Selbstverwaltung. Es ist für deren Wesen ohne Bedeutung, ob in ihr der Bürger im Wege der Abstimmung mitwirkt, ob der Leiter der Gemeinde gewählt oder ernannt wird, wesentlich ist vielmehr nur, daß den''Vstverwaltun;skörperschaften die eigenverantwortliche Wahrnehmung gesetzlich übertragener oder freiwillig übernommener Aufgaben unter Heranziehung der ehrenamtlichen Mitwirkung der Bürgerschaft verbleibt. Dieser wesentliche Inhalt der Selbstverwaltung ist in dem neuen Gemeinde- Verfassungsgesetz voll erhalten, das in allem von dem Gedanken getragen ist. eine echte und lebendige Selbstverwaltung wieder aufzurichten." Solche Hexenmeister sind die Nazis: sie nennen von nun ab die brutalste und gemeinste Diktatur einfach„Selbstverwaltung"; daher gibt» keine Diktatur mehr, sondern nur noch „echte Selbstverwaltung". „Negersteuer" wMisf Verbrauchssteuern gehen zurück Im Halbjahr April-Oktober 1933 hat die Bürgersteuer eine Ertragssteigerung von 35 v. H. erfahren. Rückläufig dagegen waren, wie bei den Reichssteuern, fast durchweg die Verbrauch*- und Aufwandssteuern. Die Kaufkraft ist also gesunken Bürgersteuer aber, die von den Nazis in der Agitation leidenschaftlich bekämpft wurde, wird mehr erprest denn je. Warum? Nazibonzokratie und Presse Nummer 2 der„Deutschen Volkswirtschaft" trägt folgenden Erlaß an ihrer Spitze:„Parteigenossen, die Rang und Stellung eines Reichsleiters, Gauleiters(bzw. Gebiets- oder Reichsinspekteurs) besitzen oder als Reichsstatthalter, Minister oder Beamte im Staatsdienst stehen oder in einer Gauleitung tätig sind, dürfen vom 1. Januar 1934 ab nicht mehr als Gründer. Herausgeber oder Schriftleiter von nationalsozialistischen Zeitungen oder Zeitschriften zeichnen. Ebensowenig dürfen sie direkt oder indirekt Verleger oder Besitzer von Zeitungsvcrlagcn sein. Ihr Naine darf in der Druckschrift in keinem Fall ständig vermerkt sein." gez.: Rudolf Heß. Da der Verlag Franz Eher ein Buch vertag und kein Zeitungsverlcg ist, bleiben Hitlers Rechte an ihm unangetastet. Auel, sonst verbirgt dieser Erlaß reichlich viel. Die Nürnberger Bauspargesellschaft m. b. H., Nürnberg, ist bekanntlich in Konkurs gegangen; aus einer Mitteilung des Konkursverwalters, Rechtsanwalt Josef Tittus, geht hervor, daß von den bisher anerkannten Gläubigerforderungen (rund 521 000 RM.) 11 Prozent verteilt werden konnten. Es ist fraglich, ob über diese Summe hinaus noch ein Betrag überhaupt zur Verteilung gelangen wird. Produhfionsbesdiräiihiiiig in der Strumpf- und Handschuhappretur und Strumpffärberei Durch eine sofort in Kraft tretende Anordnung des Reichs- wirtschaftsministers wird verboten, ohne Einwilligung des Ministers Strumpf- und Handschuhappreturen oder Strumpffärbereien neu in Betrieb zu nehmen, die Leistungsfähigkeit eines bestehenden Unternehmens zu erweitern und Betriebe, die länger als drei Monate stillgelegen haben, wieder zu eröffnen. Zur Begründung dieser Maßnahme wird offiziel folgendes ausgeführt: Die Appreteure der Strumpf- und Handschuhindustrie, die im wesentlichen in Chemnitz und Umgegend sitzen, befinden sich i n außergewöhnlicher Notlage. Von 1925 in Chemnitz vorhandenen 71 Apprcturanstalten sind in den folgenden Jahren 3 0 eingegangen,dafür aber 57 neu eröffnet worden. Bestehen infolgedessen schon zu viele selbständige Betriebe, so haben sich in den letzten Jahren zahlreiche Strumpffabriken noch eigene Appreturen zugelegt und dadurch die Lage für die kleinen selbständigen Appreteure noch mehr verschlechtert Das gleiche gilt für die Strumpffärbereien. Um zu verhindern, daß weiter durch die Angliederung eigener Appreturen oder Färbereien an Strumpffabriken und Neugründungen aus zusammengebrochenen und vielfach bereits durch die verschiedenste Hände gegangenen Unternehmen die ordnungsmäßig arbeitenden selbständigen Anpretnran«talten geschädigt werden, bat der Reichswirtschaft-.mini.iter bis Ende 1934 obige Maßnahme getroffen. Damenkonfektion Noch geringerer Umsatz als 1932 Nach der Umsatzstatistik des Verbände» der deutschen Damen Oberbekleidungs-lndustrie haben die in ihm zusammengeschlossenen rund 500 Firmen 1933 einen Umsatz von 280 Millionen erzielt. Beteiligt sind daran die Gruppe Mäntel (—• 1 Firmen) mit 172,7 Millionen und die Gruppe Kleider (223 Firmen) mit 107,1 Millionen). Der Umsatzrückgang gegenüber dem\ orjahrc beträgt bei den vergleichbaren Firmen rund 5 Prozent(bei den Mäntelfirmen allein 8 Prozent und bei den Kleiderfirmen allein 2 Prozent). Die Ausfuhr belief sieh auf 66 2 Mill"»«-• P ozent des Gesamtumsatzes. Auflösung Nach zweijährig,.,..»Gesellschaft für Bausparwesen ihre Auflösung in diiujotn. weil zu einer fruchtbaren Weiterarbeit alle Mittel fehlen. Weltkirdienbond gegen flauer Eine vernldifende Abrechnung im Namen evangelischer Grundsätze Ter Weltbund für internationale Freund- schaftsarbeit der Kirchen besitzt überall größtes An» sehen und stärkste Autorität. Sein Anreger und Leiter war der verstorbene schivedische Bischof Söderblöm, der cS verstanden hat, die Kundgebungen des Weltbundes zu gc- waltigen Offenbarungen christlichen Erncucrungswillcns zu gestalten. Auch die Vertreter der deutschen evangelischen Kirche ivarcn im Weltbund offiziell vertreten und gelobten bei jeder Gelegenheit ihr enges Gemeinschaftsgefühl mit den Bestrebungen des Weltbundes. Jetzt ist der VerwaltnngSrat des Weltbundes in Ehichcstcr in England zusammengetreten, um die Lage der evange- lisch?» Kirche in Deutschland zu besprechen. Die Grundlage der Beratung bildete ein Briefwechsel zwischen dem st! e i ch s b i s ch o f Müller u n d d e m Bischof von Ehichestcr Dr. Bell, dessen Ausgangspunkt die Gewalt- anwendung und die Verhaftungen von zahlreichen protestan- tischen Geistlichen war. Nach langer Beratung hat der Ver- waltungsrat einen Beschluß gefaßt, der für die deutsche evangelische Kirche geradezu vernichtend ist. Es heißt darin, daß Unterdrückung und Gewaltanwendung im Gegensatz zu dem Evangelium ständen, vom christlichen Gewissen verurteilt würden und der Kirche Christi schäd- lich seien. Darum billige der Verwaltungsrat den Brief des Bischofs von Chichester an den Rcichsbischof Müller. Dieser Brief, der gleichzeitig zur Veröffentlichung ge- langt, stammt vom Ist. Januar 1984 und läßt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Er läßt gleichzeitig die Zwic- Gültigkeiten und die Hintergründe des deutschen Kirchen- streitcs besonders klar erkennen. Bischof Bell spricht in seinem Briefe von der schweren Gewissensnot und dem Schmerz, den er und die Angehörigen der christlichen Kirche in der weiten Welt angesichts der deutschen Ereignisse empfunden hätten. Wir geben aus dem Brief die folgenden Stellen im Wortlaut wieder: „In Beantwortung meiner ersten Frage über den A r i e r p a r a g r a f e n sagten Sic. die Anwendung des Arierparagrafen aus Geistliche lKirchenhcamtcs komme nicht in Frage. Diese Zusicherung wurde nicht gehalten. In Beantwortung meiner zweiten Frage bezüglich der Unterdrückung aller Opposition und des den oppositionellen Geistlichen auferlegten Schweigens, antworteten Sie, Sie würden Ihr Möglichstes tun. um die völlige Einigung aller kirchlichen und theologischen Kräfte zu erreichen, und daß Sie die hierzu erwrderliche Umbildung des Kirchen- > Ministeriums vornehmen würden. Heute besteht das Kirchcnministerium nicht mehr. Alle Opposition und alle Kritik werden verhindert, offensichtlich werden noch härtere Methoden der Gewalt geplant. Ich frage: Wie kann ein solcher Zustand in Einklang gebracht werden uiit den Grundlagen des Christentums und de« E v a n g c l i n m S? Verzeihen Sie mir, Herr Rcichsbischof, wenn meine Aus- drücke hart sind aber meine Empfindungen sind auch hart: ich würde Tie täuschen und meine Pflicht als Präsident des Weltbundes der christlichen Kirchen verletzen, wenn ich Ihnen nicht erklärte, daß solches Vorgehen und solche Politik allgemeine Bestürzung hervorrufen! ivenn Tie bei Ihrem Vorgehen beharren, w e r d e» T i e den s» ä r k st e n Protest der ch r i st l i ch e n KirchenindcrwcitenWelthcraus fordern, derselben christlichen Kirchen, an die Sie sich in Ihrem denkwürdigen Brief vom 1. September und in Ihrer Antrittsrede als stteichsbischof gewendet haben. Gerade wegen Ihres mehrfach geäußerten Wunsches nach Aiisrcchtcrbaltung guter Beziehungen zu den christlichen Kirchen anderer Länder sehe ich mich gezwungen, Sie daraus aufmerksam zu machen, wie die christlichen Kirchen die Anwendung von Gewalt und Zwang gegen jene Geistliche beurteilen werden, deren Treue zu den Grundsätzen des Evangeliums, deren Eifer für Christus und deren Liebe zu ihrem Vaterland nicht bezweifelt werden könne»." A»s dem Brief erfährt man weiter, daß Reichöbischof Müller eine gemeinsame Aussprache angeregt hat. Bischof Bell lehnt jedoch eine solche Aussprache ab— mit der be- merkenswerten Begründung, daßdasneuepreubifche Gesetz den Theologen verbiete, die in den deutschen evangelischen Kirchen schwebenden Fragen zu be- sprechen ober zu diskutieren. Damit werde einer inter- nationalen Zusammenkunft jede Grundlage genommen. * Mit den Beschlüssen des Weltbundes, dessen Erklärungen von bemerkenswerter Entschiedenheit sind, ist die deutsche evangelische Kirche i» der Welt nahezu isoliert und ausgestoßen aus den Bezirken evangelischer Grundsätze. Ihre Gleichschaltung hat zu einer religiösen„Autarkie" geführt, die von den wahrhaft Gläubigen mit nicht geringerem Be- fremden und nicht geringerer Mißachtung beurteilt wirb alS die Art, wie die evangelische Kirche in Deutschland unter Führung der„deutsche!! Christen" und ihre« SieichSbischofs sich hemmungslos zum Rassenwahn bekennt und alle Untaten des braunen Terrorregiments deckt. Rund um die Saar Terror mit Kuriosa Allen Ableugnungen zum Trotz: der Terror im Saar- gebiet geht weiter und nimmt immer schärfere Formen an. Vor uns liegt ein Flugblatt, das in Ensdorf im Saargebiet verbretct wird und die„saardeutschcu Volksgenossen" gegen die„Schmutzblätter an der Saar mobilisiert. Tic entscheiden- den Sätze lauten:„In keine Familie, in kein deutsches Hau« eine solche Zeitung. Es wird zum ersten und letzten Male vor diesen Blättern gewarnt. Wer trotzdem für sie wirbt oder sie bezieht, unterstützt und vertreibt, bekennt sich damit offen als Gegner des Deutschtums und hat mit einer dem- e n«spreche u de n Behandlung zu rechnen. Das Daargebiei kehrt 1935 heim zum Mutterlande und darin ist lein Platz für Leute, die sich der Rückgliederung entgegen- setzten und unsere Feinde und deren Blätter untcrstützic». Vis auf den Tag!" Deutlicher kann nicht gesagt werden, was denjenigen droht, die Blätter nach eigenem Geschmack lesen und von ihrem Recht der freien Meinungsäußerung Gebrauch machen. Hier liegt eine dreiste Aktion gegen die Bestimmungen des Ver- faillcr Vertrages vor, die von der Voraussetzung einer freien, unbeeinflußten und geheimen Abstimmung ausgehen. Die VölkerbundSkoinmisfion wirb sich dieses Flugblatt be- sonders genau ansehen müssen. Inzwischen wird es freilich in der„deutschen Front" immer unsicherer. Auseinandersetzungen und Austritte find an der Tagesordnung. In Ensheim ist eine in vieler Hinficht charakteristische Geschichte passiert. Der einzige National- svzialist im Gemeinderat stellt« jüngst den Antrag, daß die Stelle eines der beiden Adjunkten eingespart werden sollte. Das wurde auch mit den sozialistischen Stimmen beschloffen. Nun brach das„dritte Reich" an. Jetzt ivollte der gleiche Nationalsozialist, ans dessen Antrag die Adjunkten- stelle gestrichen worden war, selber Adjunkt w e r d e n. Kur,, der nationalsozialistische OrtSfiihrer präsentierte ihn als Kandidaten. Diesmal machten jedoch die Katholiken nicht mit. Sie stellten gegen die sogenannte„deutsche Front" einen eigenen Kandidaten an Stelle des Nationalsozialisten«"i, der mit den Stimmen der Katholiken und der Arbeiter- fraktion, also mit großer Mehrheit, auch gewählt wurde. Ensheim bat also jetzt auf Antrag der Naiionalsozialütcn wieder einen zweiten Adjunkten llnd die Leute von de> „deutschen Front" beschimpfen sich gegenseitig. «- Noch eine Kuriosität: Vor einigen Monaten gewann Herr Göbbcls drei sogenannte Kommunisten aus dem Warndt, die Herren Reinhard, Ullrich und Becker zu einer Flugzengrene ins„dritte Reich". Sic kamen auftragsgemäß als begeisterte Freunde Hitler-Tcutschlands zurück. Tie allgemein ver- achteten Renegaten haben nun überraschende Hilfe erhalte». Alan gründete ihnen ein politisches Wochenblatt, genannt. „Der Rufer im Warndt", denen erste Nummer alle Schimpfereien genen die Nichtgleich^esch^lteten, mit..uu Braun an der Spitze, noch nbergipselt. Man riecht von weitem das Röchling-Geld. i- Unter den Beamten und Angestellte» der Stadt ver- waltnng Saarbrücken herrscht große Erregung. Oberbürgermeister Dr. Neitc« hat dem zuständigen Ans- schuß jüngst mitgeteilt, daß nach der Rückgliederung der Beamtenapparat um rund l 4 9 P c r s v n c n ver ini n c er werden müsse. Durch den Uebergang verschiedener Behörden und Rcichöstellcn ginge im Falle der Rückgliederung irr Bedarf an städtischen Beamie» automatisch zurück, dann müsse auch ein Abbau des Wohlfahrtsamtes erfolgen. Man kann sich die Stimmung unter der Bcamtenichast sehr lebhaft vorstellen. Dabei machen sie sich die ganze Wahrheit noch gar nicht klar. Sie sollen verdrängt werden damit in der Saarbrücker Stadtverwaltung der gleiche Paz'vonz.a- Apparat aufgezogen werden kann wie in den Grvßsta.ien des Hitlerreiches. Senator Kant Zu der Gleiivitzer Affäre Pant bemerkt der-»Christliche Ständestaat"(8):„Senator Pant, der verdienstvolle Fuhr.r der deutschen Katholiken Polens, sollte, wie fetzt bekannt wirdt folgende Kritik an .dem in Berlin gedrehten Wilhelm-Tell-Film: Wir alle kennen da« Riitli. die stille Wie«e am See, im Film wird irgend auf einer Alp. viel au hoch oben, die Riitli- szene gedreht. Wenig Gegend der Stätte, wo»ich das Ganze abgespielt haben soll und was man noch zu sehen bekommt, trägt das Gesicht von 1933. Wenn man schon Naturszenen verwendet, dann soll man in der Auswahl der Stoffe mehr Rechnung tragen. Dann der Stoff selbst, in groben Ziigrn blieb m an bei..Slang e". doch fehlen die Verbindungen au verschiedenen Orten. Es ist eine Toufilwauf- nähme, was aber gesprochen wird, ist eher ein Telegraium- zilat. das durch die Handlung Präguanz erhalten sollte. Diese aber bleibt aus. weil die Ausdrucksmittel au vielen Stellen zu primitiv sind.>1eigen die Leute auch wortkarg gewesen sein, so haben sie sicher sich nicht mit Gebärden ausgedrückt in Situationen, wie sie im Film stellenweise gezeigt werden. Im Gedächtnis Schillers Wilhelm Teil befremdet die Sprache, die Form des Ausdrucks und mahnt au die neue seit Hitlers Herrschaft in nationalsozialistischen Kreisen gebrauchten Redewendungen. Darin drückt sich mit aller Schärfe das Unschweizerische und vor allem im Gegensatz zu dem heute noch in jenen Gegenden heimische Denken aus. So suchten wir denn dem Film doch noch etwas abzugewinnen. Die Spieler? Sicher, es hat prächtige Darsteller darunter, die spielten, was ihnen das Drehbuch vor- schrieb. Konrad Veith. Hans Marr waren glänzende Darsteller von Gebier und Teil. Dir Liebesszenen waren unecht und wurden in einer den Ursdiweizern beute noch fremden Art gespielt. In Berlin mag man die Liebe so ausdrücken. 1' s y ch o I o g i s uli wird der Film den s ch w e i z e r i- 'dien Auflassungen 11 i ch t g e r e ch t. Einige Entschädigungen bieten die Naturaufnahmen, die dann aber sporn- «ticscebs wieder verdorben werden durch das Spiel in ihnen. Man kann last empfinden, welches die„Eingeborenen" und welche« die..Fremden" sind. Das Gehen im Gebirge lernt man von Kindesbeinen auf, darum wirkt es komisch, wenn Meichthal auf der Alp gekünstelt über die Steine geht. Da für vermag der Spieler jedoch nichts, der sonst einen wirklichen Meichthal gespielt hat. Was echt war. war die Grausamkeit, mit der das Volk behandelt wurde. Warum hat man jene Svenen der Geschichte gewählt, die ausgerechnet diese Grausamkeit bergen? Liegt es in der Ideologie unserer Zeit, daß eine deutsche Filmgesellschaft der Grausamkeit Ausdruck gibt! Der Ueberfall auf Baumgartens Weib, das Blenden des allen Meichthal und die damit verbundenen Szenen. Die Apfelsthußszane. in der Gebier mutig vom Pferde steigt und unter das Volk gebt, einem kleinen Kind den Apfel aus den Händen windet und dem Walter auf den Kopf setzt, mit dem Befehl:„Schießt!" Im Grunde aber den Tod des Kindes durch den eigenen Vater erwartet. War die Sturm s/ene auf dem See kiuc-matographisch etwas Gewaltiges, wird sie mit der F I u ch t Teils direkt zur K o m i k. Arhulicb ergeht es einem in den Schlnßbildern. Ist die Erstürmung der Burg überzeugend, so vernichtet die Kiitliszene den ganzen letzten guten Eindruck. Spenglers ttausveriag iu der Miincheuer(Kaiser) VI ilhelm- straße hat seine politischen Schriften, das„Prenßentum und Sozialismus" voran, als Volksausgabe herausgebracht. Das kurze Vorwort hat Spengler früher geschrieben, das Buch selbst ist aber ein Geschenk des Jahres der„nationalen Revolution", wie Spengler ihren ersten und höchsten Lehrer repräsentiert. Auch ihr Kriegsgeist ist echt Spengler:„Vi eltgeschichte ist St aal engeschichte. Staatengescbichte ist lie Geschichte von Kriegen."-—„Wenn die Waffen zwischen den Staaten ruhen, wird man nie im Bürgerkrieg erheben." Daß Spengler wegen seiner neuesten Broschüre, die das neue Regime da und dort kritisiert, in Ungnade fiel, ändert an diesen Tatsachen nichts. Es ist eigentümlich, daß eine ganze Bibliothek sich mit dem„Untergang des Abendlandes" beschäftigt bat— sich schwer bemühend, eine im Grunde unwahre und wirkungslose Schrift(deun wer liest heute noch, nach kaum zehn Jahren, diesen„Untergang") zu widerlegen; daß aber, uu- aeres Wissens, noch kein Namhafter sich an das..Prenßentum und Sozialismus" heranwagte. An dies folgenschwere politische Pamphlet gegen Entwicklung, Ziel und Menschheits- ideal, das in meisterhafter Kürze und Sicherheit, iu einem großen Stil, der einer besseren Sache würdig wäre, seine These entfaltet:„Marx ist tot. Der Sozialismus als Daseinsform(das heißt ein technischer Feudalismus unter dem Oberbefehl preußischer Beamteiioffiziei e) steht an seinem Anfang. Der Sozialismus als Souderbeweguug des deutschen Proletariats aber ist zu Ende. Es gibt für den Arbeiter nur den preußischen Sozialismus oder nichts." Nun. es wäre ein lächerliches Unterfangen, hier zu zitieren. Das Unwahre und Widerspruchsvolle im einzelnen herauszufinden aus diesem lawinenartig heran- und herabstürzenden Reichtum tiefer und verhängnisvoller Gedanken, die den armen Leser geradezu überwältigen. Es hilft da wahrhaft kein schulmeisterliches Zitalentiim. nur der„physiognomische Takt", der den„Sinn des Geschehens" versteht, der aus dem Ganzen das Ganze herausfühlt. Der erlebt, daß hier der geistigen Elite eines Volkes, die mit der„marxistischen Nivellierung" unzufrieden ist. insbesondere aber der Jugend eines Volkes, das seine Ideen schwermütig ernst nimmt, ein Itlsdtes Ideal vorgelegt wird— ein Ziel. das. Wirklichkeit werdend, zu einer neuen deutschen und europäischen Katastrophe führen muß. Wftn'"-J'-ictoiüwW Mau gab uns ein Textbuch iu die Hand, die geschwollene unschweizerische Gehabenheit reiht sich würdig an den Film an und mögen die schönsten Redewendungen und aufgeblasenen Phrasen das Fehlende nicht zu ersetzen. Es scheint die Tragik der Filmmeincheii zu«ein, daß es ihnen nie gelingen wird, was die Natur schuf, was aus ihr lebte, wiederzugeben. Da gibt es etwas, was mit der Rassen throrie etwelche Bewandtnis hat.-W as mau nicht ist, kann man nicht sein." Nie wird ein Berliner einen Schweizertyp mimen können, auch dann nicht, wenn er sich noch so sehr anstrengt, denn schon die Anstrengung wird ihn betrügen. Jene urwüchsige Kraft der Urschweizer, die nur in Freiheit so sich bilden konnte, der unerschütterliche Wille,«ich diese Freiheit selbst mit dem Einsatz des Lehen« zu erhalten, kann mau nicht spielen, wenn mau nicht seihst iu heiliger Glut, als Mensch an der Freiheit hängt. Wie eiue deutsche Filmgesellschaft, protektiert von den Göttern der NSDAP., einen„Wilhetn Teil" filmen kann, kann nur dem unerhörten Zynismus des Nationalsozialismus entsprungen sein. Wo Freiheit als höchstes Gut gilt, drehen Menschen einen Film, die die Freiheit mit denselben harbarischen Mitteln wie die Geßler. Laudenberg und Wolfen- schießen vernichten wollen Ist es die Reagenz des eigenen Seins, das sich hier ausdrückt? Methode, Sprache und Ausdrucksmittel sind in den Kellern der SA.- und SS.- Kasernen neu erstanden, das allein aber legitimiert noch nicht, den Kampf für die Freiheit zu filmen, berechtigt nicht, uns Schweizern glauben machen zu wollen, daß man in Berlin die Freiheit achtet. Vielleicht ist der Film so wenig überzeugend, weil die W i r k 1 i ch k e i t in Deuts chland den Film Lüge» straft. * Aus einet deutscheu Jicitik „Spotten ihrer selbst"... „Da erfühlt man, wie aus der Allgewalt, aus der Heiligketi und Unantastbarkeit der Heimaterde eines freien Landes mit seinen Wäldern und Matten, seinen schneeigten Gipfeln und felsigen Graten, seinen tausendfältigen Klüften und Schluchten, seineil Wildbichen, Wasserfällen und Seen die Urkräfie eines Volkes: Gottesglaube, Gemeinschaftsgefühl, der Sinn für Freiheit. Ehre unil Recht und der unerbittliche Rächer• geist für alles, ivas dem zuwiderläuft, herauswächst. In diese Schweizer Landschaften aus der Kamera Sepp Allgeiers bin- ein haben Half Scotoni und Heinz Paul Szenen von holz- schnittartiger Wucht und unvergeßlicher Bildhaftigkeit gestellt. Da begegnet uns Teil(Hans Marr). der Jäger ohne Furcht und Tadel, der Einzelgänger, der freie Mann, der nur cur seinem Gotle sich in die Knie beugt, und den nur»ins beseelt: die Einigung der Schweizer Stämme: bei ihm Hedwig, sein treues, sich sorgendes Weib(Enirny Somieuiaun) und V alter, das mutige Sohnchen, bei dein der Schweizer Stolz schon wach ist." „Pirmaseiiser Zeitung", 21._1. 34. Denn was ist das Ziel Spenglers? Die kollektive Zusammenarbeit vielleicht? Eine Solidarität, in der die Begabung des einzelnen eine Pflicht der Allgemeinheit gegenüber bedeutet, in der Geführte sich im inneren\ ertrauen zum Führer erbeben? Eine Tendenz der Entwicklung, die die größten Denker und Dichter der Menschheit erblicken und erstreben.' Nein! Spengler kennt keinen anderen Sinn, als den starken Einzelnen, den Ueber wältigenden, der siegen will und siegen kann. Der den allzuvielen. die ihn hassen und die er verachtet. Brocken heranwirft, wie jene„Wikinger, die den Besiegten Reste ihrer Siegermable berabwarfeu. Der Mensch ist des Menschen Wolf: Der Adler— heißt es in ..Mensch und Technik"— haßt nur seinesgleichen. Er beneidet niemanden, er verachtet viele, alle." t „Mit dieser psychischen Einstellung wird dann verkündet — ja verkündet, denn das ist ein Prophetenstil, daß die. Geschichte eine Kriegsgeschichte sei. daß die Weltgeschichte von Katastrophe zu Katastrophe rase. Also der alte, gut bekannte„Untergang des Abendlandes"! Nur eben nicht mehr bloß Bauten und Dichtungen berücksichtigend. schöngeistig,„philologisch", also belanglos. Sondern da» Ganze des gesellschaftlichen Lebens ins Auge fassend— im„physiognoraischen Takt" eines fabelhaften Könners.(Daß inzwischen, seit dem„Untergang", Spengler von Marx sehr viel gelernt hat— daß er Marx haßt wie seinesgleichen, nur nebensächlich.) Ein Meister der Herrenideologie, ein Condottieri der Feder und des Wissens wird da auf das geistige Werden eines ganzen Volkes losgelassen. Denn es ist nicht zu vergessen: Große und kleine Propagandisten des„dritten Reiches" ernähren sich, ob sie es eingestehen oder nicht, von Spengler. Das ist eine wahre Katastrophe. Desider Hort. Iß deinen Pudding, Sklav, und halt da« Maul! war die Ordonnanz der alten Tyrannei. Die neue rückt etwas weiter und sagt: Gib deinen Pudding, Sklav, und halt... J. C. Seume WlülLec sieht mit viel Vecdcufi Wie man im„dritten Reich" agitiert, zeigt die einst mit Recht angesehene Monatsschrift„Zahlenbilder"'. Diese Zeitschrift ist so eingerichtet, daß jedes Blatt ein Zahlenbild darstellt. das bei Lichtbildervorträgen im Episkop verwendet werden kann. Heute dient die Zeitschrift der plumpen N a z i h e tz e. Zweifellos wird jede« dieser Lichtbilder i« lausenden von Vorträgen gezeigt, der vom Verlag vorgeschriebene Text wird vielen vielen Menschen eingehämmert. Z. B. über den Völkerbund:„Lassen wir England und Frankreich mit ihren Kolonial Völkern unter sich, dann sind wenigstens die diplomatischen Verhältnisse klar und eindeutig." Oder: auf einer Karte, die Deutschlands Entraili- tarisierung zeigt, ist Paris als-— große Festung, deren Kanone gegen das Reich gerichtet sind, dargestellt. Ein eigenes Bild agitiert für den Boykott nichtdeutscher Kraftwagen; die Agrarpolitik der Hitlerei wird dargestellt als der Weg zur Unabhängigkeit Deutschlands „Ein Volk, das sich nicht selbst ernähren kann, ist unfrei. Deutschland aber will endlich wieder frei werden und das ist das Ziel, das der Nationalsozialismus dem deutschen Volke zu geben verstand. Auch die vielen Abzeidten und Rangmerkmole, die der Untertan kennen muß. sind schön abgebildet. Man erfährt, daß nicht nur sie sondern auch ihnen ähnliche Zeichen verboten sind, wenn man keine Erlaubnis bat, ein Trost aber bleibt:-Dagegen ist es jedem freigestellt. Hakenkreuze in anderer Form sich anzustecken." Auch die Poesie fehlt nicht. Die Hausreparaturaktion wird so bedichtet: „Müller sieht mit viel Verdruß, daß hier was geschehen muß. Die Regierung hilft dem Mann, der nicht alles seiher kann. Und imstande ist er jetzt, daß sein Haus instand gesetzt. Rollt das Geld von Hand zu Hand, leben Haus und Stadt und Land. Und der Staat ersegt sogar Müllers. Unkosten in bar. „Seht", sagt Müller, unser Staat, hilft uns allen durch die Tat." M"!!»r. so fügen wir hinzu, wird später dichten: Und wenn mir auch das Herze br'cht: Der Hitlerstaat, der half mir nicht- JJiea schceilt einen J&cief Die Nibelungentreue einer Filmautor!» Es wird viele Kinobesucher interessieren, daß Thea v. Hirbon, die bekannte Verfasserin vieler Drehbücher, die ihr Gatte Fritz Laug verfilmt hat(so„Die Nibelungen"), dem Naziregiuie in Deutschland mannhafte Treue hält. Wie die „Neuen Deutschen Blätter". Monatsschrift, mitteilen, hat die Filmautorin einem Schriftsteller, mit dem sie vorher in den freundschaftlichsten Beziehungen stand, den untenstehenden Brief geschrieben: Berlin-Dahlem, 31. Oktober 1933. Ich habe erfahren, daß Sie ein Buch gegen Hitler geschrieben haben, von dem Sie sich im Ausland ein großes Geschäft versprechen. Daß ein deutscher Schriftsteller iu der heutigen Zeit seinem Land oder dessen Regierung—- was in diesem Falle absolut identisch ist— auf solche Weise in den Rücken fällt—, die Beurteilung dieser Stellungnahme überlasse ich Ihrem Gewissen. Aber nehmen Sie mir es nicht übel, wenn ich daraus dir Konsequenzen ziehe, und meinerseits jede Verbindung mit Ihnen löse. Ich gehöre weder zur Partei, noch stehe ich der Regierung nahe, noch habe ich den mindesten Grund. Menschen zu verteidigen, die es nicht nötig haben. Mein Entschluß entspringt nur meinem Saubrrkeitsgefühl und dem Erstaunen darüber, daß ein Außenstehender Dinge zu beurteilen wagt, die sich im Fluß befinden, und die zu beurteilen man bestenfalls nach den nächsten fünf Jahren in der Lage sei» wird. Lassen Sie mich nur noch hinzufügen, daß. nach meinem Dafürhalten, eine Handlungsweise wie die Ihrige, all« Maßnahmen der Regierung, die auf Ausschluß einer bestimmten Schicht von Volksgenossen hinziehen, vollauf rechtfertigt. Thea v H< r b o u- ZeU:7loä über viele/» andere;»nr. Tagesordnung übergehen, wäre der Komponist der Sotu uicr nachts trau wniusik, des berühmten ^iolin:Konzc;rtes, dfr.^Schöpfer der„Lieder ohne Vogt«" und eiper Reihe you Gesängen, die bis zum Ans- brück des„dritten Reiche*: ,4«iuche Volkslieder waren,.eine so allgemein anerkannte und populäre Erscheinung auch in der außerdeutschen Musikwelt, daß sein Werk in einer ununterbrochenen europäischen Tradition gepflegt und als lebendiges Ganzes erhalten bliebe. Leider ist dies nicht der Fall. Trotzdem der Schüler Zelters, der die besondere Gunst Goethes genossen hat, große Studien- und Konzertreisen in den europäischen Westen und Süden unternommen hat(die Schottische nnd Italienische Symphonie, seltene Ausnahmeerscheinungen in dem Konzertprogramm der großen Orchestervereinigungen, sind ihre kompositorischen Früchte), obwohl England den Komponisten der Oratorien„Paul u s" und„Elia s" einst als„zweiten Händel" gefeiert hat, obwohl Shakespeares„Sommernacht»träum" in allen Ländern der unsterblichen Mendelssohnschen Bühnenmusik versdiwi- stert ist, obwohl das Violinkonzert und einiges aus Lied- und Klavierkomposition in das internationale Repertoire eingegangen ist,— die eigentliche Auswirkung des so jung(am 4. November 1847) verstorbenen Komponisten und Interpreten Mendelssohn ist im wesentlichen doch auf das deutsche Musikleben beschränkt geblieben. Denn obwohl er alle Gebiete musikalischen Schaffens fast bebaute, war die kleine Form sein eigentliches Reich. Er hat, als typischer Vertreter romantischer Geisteshaltung, das musikalische Genrebild entdeckt und geschaffen, jenes Genrebild, dessen Kultivierung ein wesentliches Merkmal gerade deutscher Musikkultur bis in unserer Zeit hinein war. Man soll dem„Mendelssohn- niariismus", jenem süßlichen Liedertafel- und Gesangsver- einsstil, den ein schwaches Epigonentum schuf, und mit dem erst die Arhe'itersängerbewegnng endgültig aufgeräumt hat, gewiß, keine Träne nachweinen, aber man soll diese seichte Nachahmung nicht mit dem Original gleichsetzen. Der Komponist und stärker vielleicht noch der Dirigent Mendelssohn hat eine neue Epoche der Musikgeschichte mit eingeleitet,. Und wenn manches aua seiner schöpferischen Ar« beit heute verblaßt erscheint, so ist das Werk des Interpreten in seiner Auswirkung um so lebendiger geblieben: Mit der ersten Wiederaufführung der Matthäuspassion nach Bachs Tode, die Mendelssohn im Jahre 1829 wagte, hat nicht nur die Bach- und Händel Bewegung des 19. Jahrhunderts begonnen, es beginnt gleichzeitig auch die Epoche des historischen Konzertprogramms überhaupt die ständige Pflege der geschichtlich überkommenen neben der jeweils zeitgenössischen Musik. Die Tradition des von Mendelssohn zur Höhe geführten Leipziger Gewandhaus-Orchesters schien(über Nikigeh, Furtwäugler, Bruno Walter) unvergänglich zu sein. Und das Leipziger Konservatorium, das er 1843 gemeinsam mit Robert Schumann geschaffen hat, behielt seine Bedeutung bis in die Gegenwart. Erst die nationalsozialistische Revolution des Jahres 1933 hat ueb eu allem anderen auch das Erbe Mendelssohns zerstört. Und damit sind wir bei der überpersönlichen Bedeutung dieses Gedenktages angelangt: längst wissen wir, daß die Erhaltung echten deutschen Kulturgutes heute in den Händen der Emigranten— der inner-, und außerdeutschen— gelegt ist. Und wenn die Kräfte derer, die heute außerhalb der Reichsgreiizen für Deutschland und gegen die Barbarei wirken, noch zu schwach sind, um in Publikationen und Veranstaltungen größten Umfangs der Kulturwelt immer von neuem die Größe und den Wert all dessen aufzuzeigen, was in ihrer Heimat verbrannt, verboten, verfemt und totgeschwiegen ist, so werden sie doch jede und auch diese Gelegenheit benutzen, um wieder und wieder Bilanz jener Werte zu ziehen, die sie zu verwalten und dereinst wieder jn ihre Rechte einzusetzen haben werden. Werk und Andenken dieses deutschen Romantikers, der den Namen. eines großen Philosophen trägt, wird nicht an le$ter Stelle dabei stehen. P.W. Muflios Mussolini Wir entnehmen den folgenden Abschnitt dem im Europa-Verlag in Zürich erschienenen Buche Ignaz Silones„Oer Faschismus". «Es gibt einen Mythos Mussolini. Daß die Gestalt dieses Mythos sehr, aber sehr weit entfernt ist von dem wirklichen Benito Mussolini, dem in Praedappio im Departement Forli geborenen Sohne Alexanders, mag eine Talsache sein, die wichtig ist für Biographien und Psycho- logen, aber nicht für uns... Alle die Hilfsmittel, die einer modernen Diktatur zur Verfügung stehen(Kino, Presse, Theater, bildende Künste, Architektur, Musik, Schule, Kirche, Universität, Gerichte und Heer), sie alle werden täglich mobilisiert, um den Mythos Mussolini zu erhalten und auszubauen, um dessen Gestalt als den Mann zu verherrlichen, der von der Vorsehung gesandt und von den Propheten des Vaterlandes seit vor- geschichtlichen Zeiten verkündet worden ist, den Mann, um den alle Völker Italien beneiden. Die antifaschistischen Schriftsteller, die im Ausland leben, haben sich bemüht, den Mythos zu zertrümmern und an seine Stelle die wirkliche historische Gestalt Mussolinis zu setzen, die Gestalt des kleinen Bürgers, der„Glück gehabt hat" und der emporstieg, indem er seine Freunde verriet. 1914 verriet er die Soziali- stische Partei und wurde„Interventionist" der Linken) 1919 verriet er die„Interventionisten" der Linken und wurde Exvansionist) 192(1 verriet er die Expansionisten jd Annunzioj und wurde Agrarier und unterschrieb einen Friedenspakt mit den Sozialisten) darauf verriet er den Pakt und kehrte zu den Agrariern zurück) 1922 schloß er als Republikaner ein Abkommen mit der Monarchie, als Antiklerikaler ein solches mit den Katholiken) 1923 verwirklichte er, der durch die Kleinbourgeoisie mit einem kleinbürgerlichen Programm zur Macht gehoben wurde, ein Programm, das jenem voll- kommen entgegengesetzt war. Die Distanz zwischen dem wirklichen Mussolini und der Gestalt des Mythos ist nicht gering und hat in manchen einfachen Herzen Zweifel wach- gerufen. „Wenn Mussolini im Grunde nur ein kleiner machtvoller Bürger ist, wie lassen sich sein Erfolg und sein Ansehen erklären?" Diese Frage kann ich nicht besser beantworten als mit Trotzki. der in bezug auf Hitler sagt: „Naive Leute glauben, die Königswürde stecke im König selbst, iu seinem Hermelinmantel und in der Krone, in ieinem Fleisch und Bein. Aber die.Königswürde ist ein Ver- Hältiiis zwischen Menschen. Der König ist nur darum König, weil sich in seiner Person die Interessen und Vorteile von Millionen Menschen widerspiegeln. Wenn dieses Verhältnis vom<-trom der Ereignisse weggespült wird, erweist sich der König bloss als ein verbrauchter Herr mit herabhängender Unterlippe. Davon dürfte, ans frischen Erlebnissen, jener erzählen können, der sich einst Alfons XI11. nannte, -i er Unterschied zwischen dem Führer von Gottes und Volkes Gnaden ist der, dass dieser daraus angewiesen ist, iich felbst den Weg zu bahnen oder wenigstens den Um- ständen zu helfen, ihn zu entdecken. Aber jeder Führer ist immer ein Verhältnis zwischen Menschen, ein individuelles Angebot aus eine kollektive Nachtrage. Die Erörterungen über die Persönlichkeit Hitlers sind um so hitziger, je mehr man das Geheimnis seines Erfolges in ihm selbst sucht, .indes ist es schwer, eine andere politische Gestalt zu finden, die in einem solchen Masse Knoten unpersönlicher geschicht- Ucher Kräfte^ wäre.— Nicht jeder erbitterte Kleinbürger konnte ein Hitler werden, aber ein Stückchen Hitler steckt in jedem von ihnen." iL. Trotzki, Porträt des National- sozialismus,„Tie neue Weltbühne", II, Nr. 28.) Es genügt dies, um zu begründen, warum wir hier darauf verzichten, ein biographisches Profil Mussolinis zu ent- werten. Tie Analyse der Kräftebeziehungen der italienischen Geschichte in der'Nachkriegszeit erklärt den Mythos Musso- lini viel besser als eine psychologische Charakterdefinition.— Deshalb haben wir in diesem Buche der Persönlichkeit MufioltniS nicht viel Platz eingeräumt, das heißt, wir haben ihr den Platz eingeräumt, den sie verdient. Ei» jedes Mal, ivenu wir Gelegenheit hatten. Mussolini zu erwähnen, so geschah es. um daraus hinzuweisen, dass der Faschismus bei leder Wendung, die seine Entwicklung nahm, eine Richtung einschlug, die der von ihm ursprünglich ins Auge gefaßten diametral entgegengesetzt war. Es mar dies seine grund- fegende politische Qualität." Älldil Frieden, sondern Krieg Eine englische Stimme, die den Reichskanzler kennt „X a i 1 1) Expre ß", das Blatt von Lord Rothermere, hat längere Zeit eine große Reklame für Hitler gemacht, «ein deutscher Korrespondent begleitete Hitler bei seinen Äahlflügen und ist aus vielen Bildern mit der Besatzung des hitlerschen Flugzeuges zusammen zu sehen. Um so beachtenswerter ist die Stellung, die„D a i l y E x p r e ß" jetzt der letzten Rede Hitlers gegenüber eingenommen hat. Erst hat das Blatt es überhaupt nicht für nötig ge- halten, über diese Rede zu schreiben.* Es geschah aber, wie es im Leitartikel des Blattes vom 1. Februar heißl, etwas„Erstaunliches. Unglaubliches". Der„Humbug" von Hitler ist ernst genommen worden,„der größere Teil der englischen Presse hat die Reichstagsrede als Friedens botschaft empfangen". Angesichts dieser„erstaunlichen, unglaublichen" Tatsache äußert sich nun das Blatt folgendermaßen: „Hitler schlägt nicht ernsthaft den Frieden vor. Er führt einen Kriegsplan durch. Seine Strategie geht da- hin, die Gegner voneinander zu trennen, um sie einzeln zu ichlagen. Er will gewinnen bataillonsweise, nicht durch einen MassenangriU auf der ganzen Linie. Ter Druck an der östlichen Grenze wirb gemildert, um sich gegen Süden zu richlen. Die Spitze des augenblicklich geführten Angriffes ist gegen Oesterreich gerichtet. Dieses Land wird bald in seiner jHitlers) Macht sein. Fast ein Siebentel der Wiener Bürger sind Juden. Ihre Flucht aus der Stadt wirb dem neuen Exodus ähnlich sein. Hitlers Dreschflegel wird geschwungen und sie(die Juden) werden zerstreut in alle Richtungen, wie die vom Wind aufge- triebene Spreu." In gleicher Nummer werden an anderer Stelle in großer Aufmachung die„enormen" Kriegsoorbereitungen Deutschlands geschildert, und der Leitartikel macht dann die Leser auf diese Schilderung besonders aufmerksam. ..ver besorgte Osal" Jedem Deutschen„ziviler" Luftschutz Eine Korrespondenz sLGK.» versendet folgende Nachricht: „Bei Um- und Ausbauten zu Zwecken des zivilen Luftschutzes beträgt der Reichszuschuß AI Prozent der Aufwen düngen in bar und Zinsvergüiungsscheine zu jährlich 4 Prozent der zweiten 59 Prozent. In einem Runderlaß»er Reichsminister der Finanzen vom 19. Oktober 1933, der in kSl rnniie 43*13 M6iro P i o a 11 e Deutsche Pollklinik Paris, 02.. ßue da la ßoctiefoucaulc •I Allgemeine Konsultationen mit 9 Spezialisten. b) Chirurgie e) GeburtahflUich« Klinik d) Zahnärztliche» Kabinen Innere Medixm. Augen.. Ohren-, Naien. und KehlVopfkrenk. Zweirtdckige^Senatortmn Utende. Vietjtöckig*. GeUude. Ztame, Zahn und Mundehirurre. Gold, •leiten. Röntgen. Diathermie. 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Für den Gebäudeeigentümer ergibt sich folgende Berechnung: 1999 RM.= 59 Prozent Reichszuschuß in bar, 249 RM.= Zinsvergütungsscheine zu sechsmal 4 Pro- zent von 1999 RM., fällig 1934—1939. rund 199 RM.— Ermäßigung der Einkommensteuer in- folge der Erhöhung der Werbungskosten gemäß dem Rund- erlaß des Reichsministers der Finanzen vom 19. Okt. 1933, 199 RM.— Ermäßigung der Einkommensteuerschuld ge- mäß 8 1 des Gesetzes über Steuererleichterungen vom 15. Juli 1933»Abschnitt 9, Abs. 3 der amtlichen Erläuterungen vom 29. August 1933». Aus dem Wörtchen„zivil", das dem Wort„Lustschutz" vor- angestellt ist. sieht man, wie friedlich die ganze Sache ist. Der „zivile Luftschutz" soll die Deutschen davor schützen, daß ihnen ein Flugzeug der Lulthansa aui den Kops fällt. So vorsorg- lich ist des Osais humanitäre Regierung. Die Gattin des Rennfahrers Caracciola durch Lawinen-Unglück getötet haben wiederholt die Urkunden vorgelegt werden müssen, und man kann sich vorstellen, welches Aufsehen es immer wieder aus den Aemlern erregte, wenn der längst zu einer handelssähigen Antiquität gewordene vergilbte Geburtsschein von 1799 auftauchte und sein lebendes Recht beanspruchte. Aber die Sache hat ihre volle Richtigkeit. Der damals 32jährige Herr hat im Jahre 1872 seine jetzt noch lebende Gatt'n als junges Mädchen von 13 Jahren geheiratet. Und da wir beträchtlich ältere Kriegsteilnehmer von 1879 haben, die sich hoffentlich noch recht lange einer gesegneten Gesundheit erfreuen, so ist der Fall gar nicht so merkwürdig, wie er auf den ersten Blick erscheint, und es ist zu erwarten, baß diese wohl älteste Pension Deutschlands ihrer sehr munteren und rüstigen Empfängerin noch auf weitere Sicht zugute kommt. Dai Neueste Die Balkankonferenz wurde am Sonntag schlössen. Der Balkanvertrag wurde paraphiert. abge« Ter Rennfahrer Rudolf Earaeeiola mit seiner Gattin. Frau Earaeeiola. die sich zum Wintersport in Arosa aufhielt, wurde auf einem Ski-Ausfiug zwischen Arosa und Lenzer- Heide von einer Lawine ersaßt und verschüttet. Erst nach vielen Stunden konnte sie ats Leiche geborgen werden. I7S0 geboren... Ein Pensionskuriosum In Weimar lebt eine hochbetagie Dame, die wohl den Anspruch erheben darf, den ältesten begründeten Pen- s i o n s a n s p r u ch unter allen Zeilgenossen zu genießen. Sie bezieht eine gar nicht unbeträchtliche Pension als Galtin eines früheren thüringischen Hosbeamten— man kann schon sagen, aus altlhüringischer Zeit. Denn ihr verstorbener Ge- mahl, der diesen Anspruch erarbeitet hat, ist sage und schreibe im Jahre« 1799 geboren! Von seiner Geburt ab bis heute wirb also ein Zeitraum von mehr als 149 Jahren überbrückt. Bei den verschiedenen Neuordnungen der Nachkriegszeit Zwei japanische Bombenflugzeuge find in 5 Meer gestürzt. Alle Insassen sind ertrunken. * Zwei Güterzüge stießen in Preiskretscham in Schlesien zusammen. EinSokomotivsührerwurde getötet. Zwei Beamte sind schwer verletzt worden. * Aus Sapulpa fOklahomaj wird gemeldet: Bei eine« Kamps zwischen Polizei und vier Banditen wurden zwei Polizisten getötet. Bon den Banditen wurden zwei gciöiet und die beiden anderen, einer von ihnen schwer verwundet, verhaftet. Als die Verhafteten inS örtliche GesänqniS ge» bracht worden waren, versammelte sich alsbald eine auf» geregte Volksmenge, nnd die amerikanischen Behörden schick« ten schleunigst eine Kompanie Miliz an Ort und Stelle ab. um einen Lynchversuch zu verhindern. Ein Sijähriger römisch-katholischer Geistliche« namens John Earden wurde in seinem Hause in Selmia. ungefähr 1« Kilometer von Kairo entfernt, ermordet. Die Verbrecher hatten ihm offenbar nach heftigem Widerstand die Kehle durchschnitten und dann das Haus geplündert. Ans zahlreichen Fingerabdrttcken und Fußspuren schloß die Polizei, daß drei Personen an dem Verbrechen beteiligt waren. Später wurden drei verdächtige Männer verhastet. — Der Ermordete hat als Armeekaplan am Weltkriege teil- genommen und war mehrfach in Depeschen rühmlich erwähnt worden. BmEFKaSTiOS Arosa. Sic schicken un» den folgenden Ausschnitt aut der„KS!» nischen Zeitung":„Ter erste Llymp!a-Borbereitung»lauf der Lang- streckenläiifer im Tegeler Forst war ein voller Erfolg. Unter den rund 109 Teilnehmern befanden sich neben der besten Berliner Klage auch einige Läufer aus Minden und Leipzig. Um die be- sondere Eignung der Kandidaten für die verschiedenen Strecken zu erproben, waren drei Klagen über B, 12 und 18 Kilometer vorgesehen, die durchweg durch recht hügeliges Gelände führten. Ta« Hauvtinterejje beanspruchte der Lauf über 18 Kilometer, in dem der deutsche Waldlaufmeister Kohn iPolizei»«ine ganz überlegene Rolle spielte. Er übernahm bald nach dem Start die Führung und lief ein Rennen für sich nach Hause, um mit über zwei Minuten Borsprung das Ziel als Sieger zu passieren."— Sie sehen also: selbst im„dritten Reich" drängen sich die Juden vor. „Weltsront". Befreit hat, wie die soeben erschienene erste Februar- Nummer der„W e l t f r o n t" mitteilt, die Belegschaft der Ehem- niyer Textilsabrik Witt ihren roten BetriebSratSoorsitzenden au» dem Konzentrationslager. Diese Nummer der„Weltfront" erbringt die Beweise dafür, daß Japans Luftflotte, die heute die Städte der Mandschurei verheert, von Hitler und Göring mit deutschen Flugzeugen und Motoren ausgerüstet wird. Packende Episoden au* dem Kamps der französischen Bauern und de» deutschen Prole- tariat», die welterschütternden Zahlen des zweiten Fünfjahre»- planes und die Abrechnung mit einem Jahr Hitler-Diktatur— da» ist eine kleine Auslese au» dem reichen Inhalt diese» sür jeden Werktätigen bedeutsamen und gut unterrichteten Kampforgan». Für den Gesamtinbal» verantwortlich: Johann P I tz In Tu»- weller: sür Inserate: Tito Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der BolkSsttmme GmbH„ Saarbrücken& Schützenstratze 5. Berufsumschichtung Unser Siedlungswerk hat au» der von uns erwors benen Domäne ,.La Grande Canau" 5CO ha groß an der Gironde bei Bordeaux begonnen. Siedlungen led'-r Art und Größe. Ausbildune von Siedlern und Praktikanten in allen landw.rischaftlichen, gärtne« rischen und handwerkl chen Fächern und der Hauswirtschaft durch erste deutsche und franzö* sische Fachleute. Prospekte auf Wunsch durch uns oder unser Pariser Büro. Unser Pariser Büro gibt Interessenten alle näheren Auskünfte. Sprechstunden: täglich außer Samstag und Sonntag von 15 bis 17 Uhr Paris(16«), 113 bis RUE DE LA TOUR. I Stock lmlu. TELEFON NUMMER: Troc. 60.66 E- G- A Explo»stions Gsnirales Agricoles S. A „LA GRANDE CANAU" ST»VIVlEN»MEDOC(Depart Gironde) INSERIEREN BRIN6T tiEWINN Deutsches Zahnärztliches Institut U. 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