Ur. 82. Kbonnements- Zedingungen: Abonnements- Preis pränumerando: Bierleljährb 3,30 Mb, monatl. 1,10 Mb, wöchentlich 28 Pffl. frei ins Hau». Einzelne Nummer 3 Pfg. Sonntags- Nummer mit tllustrirter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitungs- Preisliste für 13S7 unter Nr. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und cesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Erscheint täglich suftrr Montag». Vevliner Volksbl�kk. 14. Jahrg. Die Insertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonsl- zeile oder deren Raum 40 Pfg., für Bereins- und Verfammlungz-Anzeigen. sowie Arbeitsmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abendS, gn Sonn- und Festtagen bis g Uhr vormittags geöffnet. Zernsprecher: Amt I, Nr. 1508. Telegramm- Adresse: „Soiialdeniokrnl Berlin". Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. ZiednIUiott: SW. 19, Weuly-Straße 2. Spedition: SW. 19, Beuth-Straße 3. / �Älttdctvbeifvvloos in Oflelbien. Trakrhucil! Man braucht nur den Namen dieses bc- rnhmtesten aller preußischen Gcftüte zu hören, und unwillkür- lich denkt Ulan an glanzende Pserdelciber, die durch ihr Herr- liches Ebenmaß das Auge des Künstlers und Kenners cnt- zücken, reiche, ivohlgcpflegtc Weiden, an Mustcrftallnngen, die für den Landivirth und Züchter vorbildlich sind. Aber Trakehnen hat auch seine dunklen Winkel und Ecken, voll von Verkommenheit und Verwahrlosung— ilicht dort, wo die Pferde wohnen, sondern da, wo die leider nicht ganz zu entbehrenden Menschen Hausen. Hier stehen die ältesten baufälligen Hütten, die überhaupt nicht mehr reparaturfähig sind, zu deren Neuaufbau man sich jedoch lange Jahre hindurch ebensowenig entschließen konnte. Hier sind die Insassen in einer Weise zusammengepfercht, daß nicht nur Gesundheit und Sittlichkeit zum Teufel gehen, daß vielmehr die geduldigsten Arbeiter selber gegen eine solche Herab Würdigung sich aufzulehnen beginnen.„Bisher war es noch möglich, Wärter zu bekommen... An diese Verhältnisse war mau früher in Ostpreußen gewöhnt und hat sie ertragen; jetzt aber, wo der Zug von Osten nach Westen geht, wo die Leute von dem Westen nach dem Osten wieder zurückziehen, andere Verhältnisse kennen gelernt haben, steigern sich die Ansprüche und sie nehmen mit den alten Verhältnissen nicht mehr vorlieb und verlassen eventuell die Heimath. Die sozialen Bedürfnisse schreiten vor- wärts, man muß ihnen Rechnung tragen, sonst erleidet nian Schaden." Diese Erwägungen zwangen endlich den preußischen Land- fvirthschaftsminister v. H a m m e r st e i n— an dessen persön- licher humaner Gesinnung wir übrigens keinen Augenblick zweifeln— in den Etat des eben begonnenen Finanzjahres einzustellen 126 40t) M. für den Bau von acht Vierfamilicn- Häusern, also für 32 Arbeiterfamilien in Trakehnen. Die Debatte im preußischen Abgeordnetenhans über die Forderung selber war belanglos. Nur der Freiherr v. D o b e n e ck wollte die ausgeworfene Summe auf die Hälfte herabgesetzt sehen und verwahrte sich dagegen, gleich tabula rasa zu niachen und alles neu zu bauen;„dabei kommt das Portemonnaie barbarisch schlecht weg." Von größtem Interesse waren jedoch die bei dieser Gelegenheit gegebenen Schilderungen der bis- herigen Barbarei gegen die Menschen, die ihr Unstern gerade nach der königlich preußischen Mnsteranstalt verschlug. Es wäre bedauerlich, wenn diese Bilder sozialen Elends mit untergingen in d«m großen Haufen von Makulatur, den sonst die Reden des Abgeordnetenhauses im allgemeinen bilden. Wir gebe» sie daher in ihren Grundzügen wieder. Hören wir zunächst den L a n d w i r t h s ch a f t s m i n i ster selber. Nach ihm leben die Wärter in Wohnungen, die ans einer Stube, einer Kammer und einem„kleinen" Feuer- Herd bestehen. Wie soll eine solche Wohnung reichen für Mann, Frau und Kinder, von denen ein Theil vielleicht schon halb oder ganz erwachsen ist? Doch daneben, versichert uns Herr v. Hammerstein, besteht die Verpflichtung, einen ganz fremden Scharwerker und Drittgänger in dieser Wohnung mit unterzubringen! Meine Herren, machen Sie sich doch einmal klar, daß i» einem solchen Hanse eine ansteckende Krankheit ausbricht, in einer Stube und Kammer, in der so viel Menschen znsaiiimenivohnen. Tn muß doch die ganze Familie angesteckt werden. Denken Sie sich, daß jemand im Hanse stirbt, wo sollen die Leute mit der Leiche bleibe», wenn die ganze Familie, acht bis zehn Personen,»ur auf zwei Räume beschränkt ist? Da mußten die Lebenden während der Zeit, wo die Leiche noch über der Erde ist, mit dieser Tag und Nacht in demselben Raum verweilen. Vom sozialpolitischen Standpunkt ans sind die bestehenden Zustande unhaltbar, nicht menschenwürdig, des Staates nicht würdig. Derartige Wohnungsverhällnisse dürfe» vom Standpunkt der Sittlichkeit, vom Staudpunkt der Sanitätspolizei aus nicht geduldet werden." Noch drastischer war die Schilderung des Abgeordneten Landraths Dr. Sch» ändert. Die Trakehner„Leute" müssen nach ihm sowohl einen Schariverkcr als auch einen Dritt- gänger stellen und in ihre verfallenen Stuben mit aufnehmen. Ter Drittgäuger ist in der Regel ein Mädchen,„und wer in diesen Verhältnissen Bescheid weiß, wird auch ivissen, daß an jeder dieser Driltgängerinnen auch noch ein oder zwei unehe- liche Kinder hängen". Eine solche Menge von verschieden- artigen Elementen hudelt man also in einer Stube zusammen. Und in was für Stuben? Landrath Schnanbert meint: Wenn Sie durch Trakehnen fahren... und einen Blick in die Häuser werfen, in die kleinen weißgestrichenen Feldsteinbauten mit Strohdach, die sämmtlich noch aus dem vorige» Jahrhundert oder aus dem Anfange dieses Jahrhunderts datire», so werde» Sie finden, daß dieselben auch bescheidenen Ansprüchen durchweg nicht genügen. Eine Fainilienwohnung besteht hier aus einem ganz kleinen Zimmer, außerordentlich niedrig— es ist nicht viel über zwei Meter hoch—. und einer Kanimer. Die Zimmer sind alle gleichmäßig eingerichtet: in der einen Ecke das große Bett für Mann und Frau; daneben in fast feuer- gefährlicher Nähe der Herd; in der Mitte ist eine Fallthüre, die in einen kleinen Keller hinunterführt, und wo noch Platz ist, sind die Wirlhschastsutensilien zwischen den Betten der jüngeren Kinder und der meist auch noch vorhandenen alten Mutter ans- gestellt. Neben dem Zimmer befindet sich eine ganz kleine Kammer, ein feuchter, kalter Raum, meist nur mit e i n e m h a l b e n Fenster; darin ist zunächst ein Bretterbode» hergestellt, unter welchem die Habseligkeiten der Insassen liegen; oben daraus schlafen Scharwerker und Drittgänger mit den älteren Kindern zusammen. Meine Herren, welche Konsequenzen sich daraus ergeben, daß alle diese Personen zur Nacht auf einem engen Räume eingepfercht sind und zusammen schlafen, brauche ich nicht näher auszuführen. Meine Herren, das sind Zustände, die unerhört, geradezu ein Skandal sind und eigentlich schon ein polizeiliches Einschreiten erheischen. Die Verhältnisse sind so trostlos, daß ich bedauere, sie hier zur Sprache bringe» zu müssen. Ich hätte es auch nicht gethan, wenn nicht ein Antrag auf Streichung dieser Position gestellt worden wäre, die doch einem eminenten, unabweislichen Bcdürfniß entspricht. Ich bitte Sie daher, die ganze Summe von 126 000 Mark, den Anträgen der Budgetkommisfion entsprechend, zu bewilligen. Wir haben diesen Urtheilen, die geradezu vernichtend sind für die bisher von der königlichen Gcstütsverwaltung bewiesene Arbeitcrfürsorgc, nichts hinzuzufügen. Wie mag es zuweilen erst aussehen auf den übrigen osl elbischcu Gutshöfeu, die oft nicht so aus dem Vollen wirthschaften können wir eine staatliche Anstalt? Und auch hier die alte Erfahrung: Nicht die erweiterte Kcnntniß von dem Bestehen solcher nnivürdiger Verhältnisse bildet den eigentlichen Ansporn zur Reform seitens der Be Hörden oder Unternehmer. Dazu schreitet man erst dann, als der nothwendige Arbeiterzufluß zu versiegen droht. Die Ar- beitcr haben im Westen höhere Bedürfnisse erworben,„man muß ihnen Rechnung tragen, sonst erleidet mau Schaden ist ein einfaches geschäftliches Rechencxempel, das hier das Schicksal von Schaaren von Menschen entscheidet. •x ichey politische Mvbeelkchk. Berlin, 6. April 1397. Ans dem Neichstage. Die Fortsetzung der Berathung des Handelsgesetzbuches ging auch heute im raschen Tempo vor sich, indem das Hans fast in allen Punkten den Beschlüssen seiner Kommission folgte. Nur bei den Z§ 339—343, deren Streichung die Kommission beantragt hatte, kam es zu einer lebhafteren Debatte. Die Kommission hatte, wie bemerkt, diese Paragraphen, welche von den Konventionalstrafen, der Bürgschaft und der Kün digung bei kaufmännischen Geschäften handeln, gestrichen und damit auch für das Handelsrecht die gleichen Grundsätze eingeführt, wie sie im Bürgerlichen Gesetz buch vorgesehen sind. Gegen dieses Vorgehen machte nun der Großhandel mobil, welcher die bisher üblichen Geschäfts Usancen nicht aufgeben will. Die Vertreter für Hamburg und Lübeck im Buudesrath legten Lanzen für die Wiederherstellung der Regierungsvorlage ein, in welchem Vorgehen sie von den Abgg. L e n z m a n n und F r e h s e(Bremen) unterstützt wurden. Die Parteien waren fast alle getheilter Meinung, besonders in bezug auf den§ 339, welche besagt, daß eine Konventionalstrafe, die von einem Kaufmann im Betriebe seines Handelsgewcrbes versprochen worden ist, durch gericht liches Urthcil nicht herabgesetzt werden kann. Diese Bestimmung ist bisher geltendes Recht gewesen, da aber durch das neue Gesetz der Kreis der unter das Handels- recht fallenden Gewerbetreibenden wesentlich vergrößert wird, so machten sich vielseitig Bedenken gegen die Beibehaltung geltend. Man befürchtet, daß besonders kleinere und mittlere Geschäftsleute die Gefahren dieser Bestimmung nicht genügend beachten werden. Die Abstimmung ergab bei Probe und Gegenprobe eine schwache Mehrheit für Wiederherstellung der Regierungsvorlage. Dasselbe war mit den§Z 340, 341 und 343 der Fall. Kurz debattirt wurde auch noch der Paragraph, welcher die Entschädigung der Aufsichtsräthe von Aktiengesellschaften regelt und dann der Rest der Vorlage einstimmig en bloo angenommen. Morgen 11 Uhr: Vertrag mit der Schweiz und dritte Lesung des Handelsgesetzbuches.— Das preußische Abgeordnetenhaus überwies heute zunächst die Vorlage betreffend das Charitce-Krankenhnus und den Botanischen Garte» in Berlin a» die Budget- kouuuissiou. Ueber dies famose Projekt, bei dem der Finanzminister von neuem zeigt, daß es ihm»ur darauf ankommt, hohe Ueber- schlisse zu erzielen und daß er diesem seinem Grundsatz zu liebe gern die wichtigsten Kulturaufgabe» vernachlässigt, ist von uns bereits wiederholt eingehend berichtet worden, sodaß es erübrigt, nochmals näher daraus einzugehen. Die Debatte gestaltete sich zu ciuem Redetournir zwischen de» Abgeordnete» Dr. L a n g e r h a n s (frs. Vp.) und Dr. W e b e r» Halberstadt(natl.) auf der einen, dem Finanzmiuister Dr. v. M i q u e l und dem Geheimrath A l t h o f f vom Kultusministerium auf der anderen Seite. Abg. Dr. Langer- Hans erhob Bedenken gegen die Einrichtung der hauptsächlich wissenschaftlichen Zwecke» dienenden Kliniken. Namentlich be- mäugelte er das Fehlen einer Station für Versuchslhiere, ohne die ein so großes Institut nicht auskommen kann, wenn es seinen wissenschaftlichen Aufgaben gerecht werden soll; er verlangte ferner eine andere Art der Aufnahme und die Errichtung einer Station für irre Verbrecher, erklärte sich aber doch im all- gemeinen mit der Charitee- Vorlage einverstanden. Die Verlegung des Botanischen Gartens hält er hingegen nicht für nöthig, zumal durch die Vernichtung desselben Bäume und Sträucher von seltener Größe und Schönheit dem Untergänge geweiht werden. Die Rede» der Regierungsvertreter bewegten sich in den bekannten Phrase», daß man der Stadt Berlin kein Geschenk machen könne, daß Berlin durch die Charitee große Bortheile habe u. dergl. Interessant war das Zugcständniß, daß die Charitee nicht mehr ausreiche. Nur schade, daß diese Erkennlniß den Herren erst jetzt dämmert, die Berliner Arbeiterschaft war schon vor Jahre» von der Nothwendigkeit eines Umbaues der Charitee durchdrungen, aber damals wurde ihr Vor- gehen natürlich für unberechtigt erklärt. Minister v. Miquel zog auch die in letzter Zeit aufgetauchten Zweifel, ob der Fiskus alleiniger Eigenthümer des Botanischen Gartens sei oder ob die Krone auch auf einen Theil desselben Anspruch habe, in die Debatte und er- klärte, daß der König sich dahin entschieden habe, daß diese Frage die Verlegung nicht hindern solle; es solle vielmehr für die Betheiligten an die Stelle des Grundstücks der Kaufpreis treten. Hierauf beschäftigte sich das Haus mit dem Antrag von S ch e n ck e n d o r f f(natl.) betreffend die Förderung d e S Fortbildungs-schulwesens. Die Kommission, der der Antrag überwiesen war, schlägt vor, die Regierung aufzufordern, zur Förderung der gewerblichen und ländliche» Fortbildungsschulen höhere Mittel in den Etat einzustellen und namentlich obligatorische Fortbildungsschulen zu unterstützen, Mädchen-Forlbildnngsschiilcn und Haushaltungsschulen staatliche Beihilfen zu gewähren und Kosten zur Ausbildung von Lehrern zu bestreiten, Mittel zur Unter- ftützuug von Gemeinden und Innungen für Fortbildungsschulzivecke zur Verfügung zu stellen und den Unterrichtsstoff den Bedürfnissen des bürgerlichen Lebens und den örtlichen Verhältnissen anzupassen. Außerdem beantragte Abg. Plettenberg(k.), auch auf die sittliche Förderung der Schüler durch konfessionellen Religionsunterricht Bedacht zu nehmen. In der Debatte er« klärten sich sämmtliche Redner im großen und ganzen mit den Kommissionsautrag einverstanden, der Handelsminister Brefeld betonte, daß der Unterschied zwischen obligatorischen und faknlta- tiven Fortbildungsschulen bestehen bleiben müsse, und daß die Re« gierung bereit sei, die Fortbildungsschulen zu unterstützen überall da» wo dieselben zur Hebung des wirthschastlichen Lebens beilragen. Gegen die obligatorischen Fortbildungsschulen wandte sich Abg. Dr. L a n g e r h a n s(frs. Vp.), der in den fakultativen Schulen ein festes Bollwerk gegen dieSozialdemokratie erblickt. Dr. Langerhans scheint, wie aus seiner Rede ersichtlich, von der Ansicht auszugehen, daß je gebildeter das Volk wird, desto schwerer cS de» sozialdemokratischen Ideen zugänglich ist. Die Erfahrung lehrt das Gegeulheil.— Der Kommissionsantrag wurde schließlich mit dem Antrag Plettenberg angenommen. Morgen stehen nur Petitionen auf der Tagesordnung. Am Donnerstag wird das Haus in die Ferien gehen.— Nationalliberale Fälscher und die„Iltis"-Katastrophe. In der Generaldebatte dritter Lesung des Reichshaushalts-Elals kam Liebknecht bekanntlich auf den Untergang des„Iltis" zu sprechen, und tvies an der Hand des Materials, das bei dem Offen- burger Prozeß seitens unserer Genossen mit so durchschlagendem Erfolgs vorgebracht worden ivar, die Seeuntüchtigkeit des unter- gegangene» Schiffes so schlußkräftig nach, daß der Vertreter der Admiralität sich lediglich darauf beschränkte, jede Schuld zu bestreiten. Ueber diese Debatte, die Miseren Marine- schwärmern natürlich ebenso wenig angenehm war, wie den Marinebehörden, hat nun die„nationale" und„patriotische" Presse, besonders in marinetollen Kreisen Süddeutschlauds sich dadurch hinwegzuhelfen gesucht, daß sie den Neichstagsbericht auf das Frechste fälschte. In einer Anzahl von nationalliberale» Blättern— darunter Amts-Blättcr— namentlich SüddeutschlandS, die uns zugesandt worden sind, z. B. Badische Landeszeitunx, Breisgauer Zeitung ic. lautet der Bericht über die betreffende Rede Liebknecht's und die sogenannte Antwort Büchsel's wörtlich wie folgt: In der Generaldebatte erklärt Abg. Liebknecht(Soz.): Seiner- zeit habe ich den„Iltis" hier als seeuntüchtig bezeichnet. Die sozialdemokratischen Blätter, die diese Aeußernng nachdruckten, sind wegen Beleidigung der Marineverwaltnng verurtheilt worden. Trotzdem hat sich meine Behauptung als wahr er- wiesen. Solche Schiffe hätten nicht in See geschickt werden sollen. Wir haben die Flotteuvermehrung abgelehnt, nicht weil wir ver- gessen hätten, daß die Werften viele Arbeiter beschäftigen, sondern weil es Unsinn wäre, wenn wir anderen Mächten eS in der Floltenvermehrung glcichthun ivollte». Lieber sollte der Klassen- haß weniger von oben geführt werden. Direktor im Reichs-Mari»e-Amt Kapitän z. S. Büchsel: Der Chef der Reichs- Marineverwaltung hat bereits erklärt, daß der „Iltis" vollkommen seetüchtig war. Wenn er zu früherer Zeit einmal schadhaft war, so ist das auch damals reparirt worden. Man sieht, die Fälscher verwandeln die Freisprechung de? Offenburger„Volksfreund" zu einer Verurtheiluug, und nehmen so der Argumentation Liebknecht's, dem auch sonst der reinste Unsinn in den Mund gelegt wird, die Hauptstütze und die Haupt- spitze. Das nennt sich„patriotisch" und„national".—> Die orientalische Politik der Großmächte scheint in, Augenblick eine cinmüthige zu sein. Im englischen Unterhanfe wurden gestern seitens der Regierung Erklärungen abgegeben, die der offiziösen Kundmachung der russischen Regierung im „Journal de St. Petersbourg" im wesentlichen entsprechen. Das„Reuter'sche Bureau" meldet ans Petersburg, Die Mächte haben den Vorschlag des Grasen Murawjew an- genommen, sowohl Griechenland als die Türkei zu benachrichtigen, daß, wenn einer der beiden Theile zu einem angriffsweisen Handel» an der Grenze übergehe, der angreifende Theil verantwortlich ge- macht und ihm nicht gestattet werde, den geringste» Bortheil aus einem solchen Vorgehen zu ziehen. Eine diesen Beschluß enthaltende Note ist a» die Regierungen beider Länder gesandt worden; inzwischen soll die Blockade nicht sofort durchgeführt werde». Der„Staudard" meldet aus K a n e a vom gestrigen Tage: Die Admirale bericthen heute über die Einzelheiten der in Vor« schlag gebrachten Blockade des Golfs von Athen. Admiral Canevaro machte die Mittheilung, daß ihm von der italienischen Regierung die Weifung zugekommen sei, nicht als ältester Offizier der internatio- nalen Flotte zu fungire». Der Korrespondent der„Times" in Rom erfährt: Die Botschafter i» K o n st a n t i» o p e l hätten einen äußerst umfassenden Entwurf für die Autonomie Kretas' ausgearbeitet. Hier- nach solle die kretensifche Volksvertretung das Recht erhalten, de» Gouverneur der Insel zu wählen; die Wahl solle hinterher durch den Sultan bestätigt werde». ®ie„Times" melden aus Athen vom gestrigen Tage: Aufle»>chei»lich mächst die Aolksleideiischaft; in den ver- fchi, denen Gegenden der Stadl höre man Rnfe, welche die Un- Ihäligkeil des Königs und der Regierung ladeln und sofortige Kriegserklärung fordern. Es gehl d.rs Gerede, daß. wenn die Re- gierung die Vollziehnng des»alioualeu Mandates»och länger auf- schieben sollte, ein Ausbruch des Patriottsinus erfolgen würde, und zivar nicht an der Grenze, sondern in Ältheu.— Chronik der Majestätsbeleidigniigs-Prozcfse. Infolge einer Denunziation des Tabakspinners Gründler standen am Dienstag die Tnbakspinuer Bang und R a ß m u s s« n, nachdem s,e sechs Wochen in Nntersuchnng-Hast gesessen haben, vor der II. Straf- kammer am Landgericht I unter der Anklage der Majestäts-Be- leidignng. Die Aiiaeklaglen sollen»ach Angabe des Denunzianten eine unanständige SSemerkimg über den Kaiser gemacht haben, und zwar in der Fabrik, nachdem einige Arbeiterinnen das Lied: Heil Dir im Siegerkranz gesungen hatte». Der Vorgang hat sich im Dezember abgespielt, aber erst im Februar reickste der Denunziant, nachdem er einen Streit mit de» Angeklagte» gehabt hatte, die Anzeige ein. Der Gerichtshof vernrlheille Bang zu 6 Monaten Gefängniß, unter Anrechnung von 1 Monat Untersuchungshaft. R a ß>» u s s e u, dessen Schuld nicht eriviesen werden konnte, wurde freigesprochen. Tcutschrö Reich. I>v e i N a ch>v c> h l«» j>i m R o I ch Z t a g e. Nicht bto3 für iluseren verstorbene» Genossen Schullze muß eine Nachwahl in de» Reichstag stattfinden. Auch dein Wahlkreise Wiesbaden- Rheingan- Untertanmls ist der Vertreter, Kominerzienrath Köpp (srs. Vg.), durch de» Tod enirisse». Das Slimmenverhällniß bei der Hanptivahl im Jahre IS93 war in diesem Kreise das folgende: Freisinnige Vereinigung 62S9, Freisinnige Volkspartei 489S, Zentrum 5027, Anliseiniten I2IS, Sozialdemokraten 6253. In der Stichwahl siegte dann der Kandidat der Freisinnige» Ver- einiguilg mit 11 870 Stimme» über unseren Kandidaten, der 9563 Stimmen erhielt. In Königsberg war das Stiumienverhältniß bei der Hauptwahl: 10 963 sozialdemokratische, 7296 nationalliberale und 6952 Stimmen für die Freisinnige Volkspartei; in der Stichwahl siegte der verstorbene Genosse Schnitze mit 13 136 gegen 10 450 nationalliberale Stimmen.— — Grober Unfug. Die„München« Freie Presse" ist wegen eines Artikels über die Habererprozesse in alle» Instanzen auf gruud des Grobe» Unfng-Paragraphen zu 150 M. Geldstrafe ver- urtheilt worden. Ii» einer Besprechung der Vernrlheilnng hatte das Blatt gesagt, diese Anwendung des Grobe» Unsug-Paragrapben sei selbst grober Unfug. Wie das Blatt nun mittheilt, hatte der Staats- anwall wegen dieser Aeußerung ebenfalls Klage erhoben, die aber vom Landgericht und Oberlandesgericht abgelehnt wurde.— — Begnadigung. Aus Schneidemnhl wird der„V.-Ztg." privatim telegraphirt: Der wegen allerlei Durchstechereien von der Echneidemühler Slraskanuner zu 3 Monate» Gefängniß verurtheilte Polizei-Sergeant Angnst Luedtke aus Nakel ist zu 300 M. Geld- strafe begnadigt»nd wieder in Rakel als Polizei-Sergeant angestellt worden, nachdem er nach seiner Vernrlheilnng aus dem Dienst eul- lassen worden war.— — Im k o b u r g- g o t h a i s ch e» Landtage sind zwei- ftatt der bisher vierjährigen Etatsperiode» und die Einführung des Reichstags-Wahlrechts für den Landtag beschlossen worden. Wird die Regierung sich wieder den Wünschen des Volkes und seiner Vertreter entgegenstellen?— — Für den bayrischen Landtag finde» im kommenden Sommer neun Landtagswahlen statt. Fünf Mandate sind durch den Tod der Abgeordneten, drei durch Beförderung der Vertreter in ein höheres Amt und eins durch Mandatsniederlegung erledigt. Nach ihrer Parteirichlung gehörten füns der liberalen und vier der klerikalen Fraktion an. — Der Weltfriede ist mm wieder gesichert. Der Konflikt zwischen den beiden Ncuß ist nun doch beigelegt. Wie nämlich die„Greizer Zeitung" meldet, ist der Vertreter des Landrathes in Greiz, Frhr. v. Uslar-Gleichen, seines Amtes enthoben worden. Derselbe hatte bekanntlich am Tage der Hundertjahrfeier eine preußische Fahne, die von einem preußischen Staatsangehörige» ausgesteckt war, entfernen lassen.— Oesterreich. Wie«, 6. April. Das Aintsblatt pnblizirt zwei Verordnungen der Minister des Inner», der Justiz, der Finanzen, des Handels und des Ackerbaues vom heutigen Datum. Die erste betrifft die sprachlichen Qualifikationen der bei den böhmischen Behörden angestellten Beamten und verfügt, daß die nach dem I. Juli 1901 angestellten Beamten der fenannten Refforls die K e n n t n i ß beider Landes- prachen in Wort und Schrift nachzuweife» habe», entweder bei der bisher vorgeschriebenen prak- tischen Prüfung oder bei einer Prüfung ad hoc, der sich der Be- werber spätestens drei Jahre nach seinem Dienstantritt unterziehen muß. Eine weitere Verfügung schreibt vor, daß nach Thunlich- k«tt für die Besetzung der Behörden durch sprachkundige Beamte nach Maß des Bedürfnisses Vorsorge zu treffen ist. Die zweite Verordnung betrifft den Gebranch der Landes- spräche bei den böhmischen Behörde» der genannten Ltcfforts und ver- fügt im wesentlichen, daß im Strafgerichls-Verfahren, im Zivilgerichts- Verfahren sowie bei alle» Erledigungen und Entscheidunge» sowohl die Verhandlungen als die Erkenntnisse in jener der beiden Landes- sprachen zu erfolgen habe», deren sich die Partei bedient. Für den Verkehr mit den Behörden außer Landes und de» Zentralstellen bleiben die be- stehenden Vorschriften in Geltung. Die Sprache der Militär- dehörden und der Gendarmerie bleibt durch die Verordnung un- berührt. Die Verordnung tritt mit dem Kundmachungstage in Wirksamkeit. Scimmtliche deutsche Fraktionen des Abgeordnetenhauses mit Ausnahme der Klerikalen und Christlich-Sozialen wollen Dringlich- ieits-Anträge zun» Zweck der Aushebung dieser Verordnung ein- dringe». So stehe»»vieder nationale Debatte»», an denen man den Ge- schmack schon verloren hat, dem österreichischen Volke bevor.— Wie«, 6. April. Das Abgeordnetenhaus»vählte mit 258 Sljmnien Dr. Kathrein zum Präsidenten. Für den Grafen Attems»varen 114 Stimme» abgegeben ivorden. Das Sttmmenverhältniß beweist, daß die klerikal-slavischnationale Mehrheit das Heft in Hände» hat, und daß die Vertreter der deutschen Bourgeoisie keine Aussicht haben, auf die Entschließungen der Regierung»nd ans die Thätigkeit des Abgeordnetenha»lses bestimmte» Einfluß auszuüben.— Wie», 6. April. Abgeordnetenhaus. Dr. Kathrein übernahm den Präsiden lensttz, begrüßte die neue»» Vertreter der fünften Kurie und gab der Ueberzengnng Ausdruck, daß sie sich mit den übrigen Mitgliedern des Hauses zu fruchtbringender Arbeit vereinigen»vürden. Zu Vizepräsibeutei»»vurden David Abrahmnoivicz und Kramarz gewählt. Jaworski und Genossen, desgleichen Nitsche und Genossen brachten Anträge betreffend Beantwortnng der Thronrede durch eine Adresse ein und verlangten die Dringlichkeil für ihre Anträge. Das Haus erkannte die Dringlichkeit a» und beschloß, einen aus 43 Mit- gliedern bestehende» Adreßausschuß einzusetzen.— — Der christlich-soziale ReichsrathS-Ab- geordnete Mitter mayer ist gerichtet und bald vernrtheilt. Seine Klage wegen Ehrenbeleidigung gegen unseren Parteigenossen Schuhinaier»vurde abgewiesen und die Akten des geständigen Diebes Mittermayer dem Landgericht übenviesen. Lueger's trauriger Trost ist, baß in seiner Partei Mittermayer zahlreiche würdige Genossen hat.— Ungarn. Vndapcst, 6. April. Abgeordnetenhaus. Minister- Präsident Baron Banffy beantragte, einen aus 21 Mitgliedern be- stehenden Ausschuß zum Zwecke der Revision des Jnkompatidilitäls- gesetzes zu ernennen; der Antrag fand allgemeine Zustinuiiung. A>n Freitag»vird die Wahl des Ausschnffes erfolgen. Im Verlaufe einer dieser Sitzung vorangegangenen Konferenz in» Klub der liberalen Partei erklärte der Ministerpräsident Baron v. Banffy, er»verde morgen in» Abgeordnetenhause die Einsetzung eines Ausschusses von 15 Mitgliedern beantragen, welcher zur Behebung der bei der Jukompatibilitätssrage aufgetauchten Schnnerig- keiten die Vorberathung eines Gesetzentwurfs übernehmen solle, der einerseits genügende Gewähr bieten müsse, daß nicht Personen vom Parlament nnsgeschlossen»vürden, deren Mitgliedschaft im Interesse des Landes»othwendig sei, andererseits aber auch Vorsorge treffen müsse, daß sich i» der Gesetzgebung keine»»berechtigten Ein- flüsse gellend machen können. Die Erklärung»vnrde beifällig ans- genommen. Selbstverständlich paßt es den Liberale», iveiin die Abgcordnele» der Regierungspartei Verivaltunzsralhssitze bei Aktien- gesellschaflen und Abgeordnetenmandale künftighin anstandslos ver- einigen könneil,»vorauf ja nach der Erklärung des seiner korrupten Anhänger»vürdigen Ministerpräsidenten»vohl die Arbeiten des Aus- schnsses hinzielen werden.— Budapest, 5. April. Der I u st iz- A n ssch u ß des Ab- geordneten Hauses berieth heute den Gesetzentwurf über die Geschworenengerichte und nahm denselben einstimmig an. Der Berichterstatter Chorin hob die Bedenken gegen den Paragraphen hervor, welcher de» Jiislizimiuster ermöchligt, die Geschworcnen- gerichie in» ganzen Lande oder in einem Theile desselben aufzuheben. Der Justizminister von Erdely erklärte sich bereit, den Paragraphen fallen zu lassen,»IM die einstimmige Annahme der Vorlage zu er- möglichen.(Lebhafter Beifall.) Schweiz. Zürich, 6. April.(Eig. Ber.) Im Kanton Z ü r i ch fanden gestern die B e z i r k s w a h l e n und in der Stadt W i n t e r t h n r Ersatzwahlen für den zum Regisruiigsrath gewählten Genossen Ernst statt. Die Züricher Genossen hatte» nur zwei Kandidaten aufgestellt: M a n z für den Bezirksrath mid Redakteur M e t t» e r für die Bezirks-Schulpflege, letzterer war auch von de» anderen Parteien als Kandidat akzeptirt worden. Gegenüber den 5139 bis 7612 Stimmen der gewählten bürgerliche» Kandidaten blieb Mauz bei schwacher Wahlbetheiligung mit 3030 Stimmen in der Minderheit; Mettier»vnrde mit der größten Stimmenzahl von 6464 gewählt. I» W i n t e r t h n r hatten unsere Genoffen keinen eigenen Kandidaten für de» Stadlrath auftreiben können und sie akzeptirten daher den von den Demokraten auf- gestellten arbeiterfrenndlichen Lehrer I s l e r, der mit 1711 gegen 1298 Stimmen,»velche ans den Kandidaten der Kapitalisten fielen, geivählt»vnrde. In den Kantonsrath»vnrde der sozialdemokratische Kandidat Advokat Dr. Benz, von dessen Parteizuverlässigkeit man freilich nicht überzeilgt ist, mit 1687 gegen 1317 Stimmen der Liberalkouservativen gewählt. Für Benz stimmten auch mehrere hundert Demokraten. Dem Statthalter(Land- ralh)»var zur Demonstration»vegen zu zahlreicher Bewilligung von Arbeitszeit- Verlängerung in de» Fabriken ein Gegenkandibat in Friedensrichter Werner gegenübergestellt worden. Der- selbe erhielt in ber Stadl Winterthnr 1145, Benz 1963, und im ganze» Bezirk 2143 gegen 5972 Stimmen. Herr Benz»vird sich trotz Wiederwahl den Protest der Arbeiter gegen seine laxe Durch- führnng der Älrbeiterschntz-Gesetze merken. In die Bezirksschulpflege wurden die bisherige» drei Vertreter der Sozialdemokraten»vieder- gewählt. Frankreich. PariS, ö. April. Die D e p u t i r t e n k a in»i e r nahm infolge einer Interpellation über geivisse M i ß b r ä u ch e bei der straf- gerichtliche» Untersuchung mit 317 gegen 130 Stimmen eine von der Regierung genehmigte Tagesordnung an, durch»velche die Unzuträglichkeiten des geheimen Untersl»chu»gsverfahre>»s an- erkannt»verde». Der Untersuchungsrichter Le Poitevin hat eine neue Unter- suchnng gegen 12 ehemalige Parlamentarier begonnen. Lockroy brachte ein Amendement zur Kreditvorlage des Marine- Ministers ei», in ivelchem 200 Millionen für Neubauten ver- langt»verde», die auf vier oder fünf Annuitäten zu vertheile» »vären.— Ii» Carmanx, der klassische» Stadt französischer Klassenkämpfe, hat die Bourgeoisie es bekanntlich fertig gebracht, die Wahl des Ge- uossen C a l v i g n a c znin Mai« mehrmals zu kassire». Er»vnrde jedoch stets»vieder gewählt. Jüngst»vnrde die Wahl abermals zu nichte gemacht, und zivar durch eine Berurtheilung»vege» angeb- licher Widersetzlichkeit gegen die Anordnungen und Organe der Be- Hörden. Das Verbrechen bestand darin, daß Calvignac die Störung einer Versamnilnng, in dcr Jaurös seinen Wählern Bericht«stattete, zu verhindern suchte. Da die Störung von Herrn Res ssgui er, dem ins Französische übersetzten„König" Stumm at»sgi»g, und die Polizei bei den» Radau mitwirkte, so»vnrde Calvignac von servilen lltichtern vernrtheilt nnd infolge dessen seines Amtes verlustig erklärt. Es mußte aber eine Neuwahl vorgenommen»verden. Diese fand an, Sonntag statt und führte zur Wiederwahl Calvignac's im ersten Wahlgang. Die Attenlate des Herrn Resssgui« nnd seiner Polizei- trabanten habe» den Sozialismus also nicht„veruichlet",»vie die internationale Ordnungspreffe triumphirend verkündet hatte.— Dänemark. Kopenhagen, 6. April. Die Reformpartei der Linken hat sich der Regierung gegenüber b«eit erklärt, die für die Beschaffung von Kanonen geforderte Summe zu bewilligen, hält dagegen an ihren übrigen Weigerungen hinsichtlich des Militärbudgets fest. In den» heutigen Ministerrathe wurde beschlossen, das Augebot nicht anzu- nehmen. In ber gemeinschafllichen Finanzkommission des Reichstages kündigte Anberg(gemäßigte Rechte) für morgen die Einbringung von Bermiltelungsanträgen an. Afrika. AuS de« südafrikanischk» Repnblike«. Nach einer Meldung der„Times" aus Kapstadt»st der Volksraad des Orauje-Freistaates gestern eröffnet worden. In seiner Eröffnungsrede besprach der Präsident die Frage des engeren Anschlusses an Transvaal und er- klärte, daß die in der jüngst stattgehabten Konferenz getroffenen Ver- einbarungen ohne Zweifel ratifizirt»verde»»»vürden.— Amerika. Caracas, 5. April.(„New-Iork Herald".) Der Kongreß von Venezuela ratifizirte einstimmig den durch die Vereinigten Staaten vermittelten Vertrag»nit England betreffend die Einsetzung eines Schiedsgerichts in der Guyana-Grenzfrage. Präsident Crespo werde den Vertrag am 9. d. M. unterzeichnen.— VeirhskÄg. 207. Sitzung von, 6. April 1897. 1 U h r. Am Tische des Bundesraths: N i e b e r d i n g. Die zweite Berathnng des Handelsgesetzbuches wird fortgesetzt im dritten Abschnitt des zweiten B»»ches: Aktiengesell- schasten. Zu 8 238 hat die Komuiisston einen Zusatz gemacht, der dahin geht:„Die Mitglieder des Vorstandes und die Beamten der Gesell- schast dürfe» an der Wahl des Aussichlsraths nicht theilnehlne»." Abg. v. Stumm(Rp.) beantragt, diesen Zusatz dahii» zu ändern, daß er nur für Aktiengesellschasten gilt,„deren Aktien nicht auf Namen lattten." Ich bin eigentlich für Streichung des ganzen Zu- satzes, weil der Koimnissionsbeschlnß ein Schlag ins Wasser ist bei den Aktiengesellschaften, deren Aktien an der Börse gehandelt »verden; dem» die Beamte» brauche» jbann ihre Aktien nur an einen Stellvertreter abzugeben, der in ihrem Sinne»vählt. Anders liegt die Sache aber bei den Familien-Aktten-Gesellschaflen.'ivo die Leiter des Betriebes einen großen Theil der aus Namen lautenden Aktien selbst besitzen. Hier sollte man eine»vettere Mobilisirung der Aktien verhindern. Abg. Gamp(Rp.) schließt sich diesen Ausführungen an nnd bemerkt ferner, die Generalversammlung muß ermächtigt sei». Per- sonen, die sich eines Vertrauensbruches n. s.»v. schuldig gemacht haben, schon durch einfache Mehrheit zu entfernen. Staatssekretär Nieberding: Die Annahme des Antrages Gamp würde nicht zweckmäßig sein. Wenn die Anssichtsraths-Mitglieder objektiv verivatten wollen, müssen sie auch dagegen geschützt sein, daß sie durch einfachen Mehrheitsbeschluß verdrängt»verde» können. illbg. Leuzmann(srs. Bp.) empfiehlt die Wiederherstellung der Regierungsvorlage. Abg. Spahu(Z.) spricht sich für die Aufrechterhaltung des Kommissionsbeschlnsses ans. § 233»vird angenommen unter Streichung des von der Kom- missio» beschlossenen Zusatzes. Nach§ 240 soll die Vergütung der Mitglieder des Zlufsichts- rathes, wenn sie in einem Antheil an» JahreSgewinn besteht, vom Reingewinn berechnet»verde» nach Vornahme sämmtlich« Ab- schreibnngen und Rücklagen, sowie nach Abzug eines für die Aktionäre bestimmten Betrages von vier vom Hundert des ein- gezahlten Grundkapitals. Abg. v. Stumm beantragt, diese letzten Worte von„sowie" ab zu streichen. Staatssekretär Nieberdiug kann nur dringend bitten, dem Vor- schlage des Vorredners zuzustimmen. Nbg. Triuibor»(Z.) beantragt eine anderweite redaktionelle Fassung des 8 240. Aus Antrag des Abg. t>. Stumm wird die Berathnng ausgesetzt, bis der Antrag gedruckt vorliegen wird. Nach§ 260 müssen Ansprüche an die persönlich haftenden Gesellschafter oder Aussichlsraths- nnd Vorstandsmitglieder geltend gemacht werde», wenn die Generalversammlung dies mit einfach« Mehrheit beschließt oder wenn es von einer Minderheit von einem Zehntel des Grundkapitals verlangt wird. Abg. v. Stumm beantragt die Wiederherstellung der Negierungs- vorläge, nach»velcher eine Minderheit von einem Fünftel des Grund- kapitals erforderlich ist. Die Abgg. v. Strombeck(Z.) und Höh«(b. k. Fr)»vider- sprechen dem Antrage von Stnnim. Geheimrath Hofnli»«»» cnipfiehlt den der Regierungsvorlage entsprechenden Aulrag von Stumm, während die Abgg. Frcge(k.) und Spahn(Z) die Zinnahme des Kommissionsbeschlnsses empfehlen. Das Hans schließt sich dem Antrage der Kommission mit großer Mehrheit an. Zu§ 280,»velcher von der Herabsetzung des Grund- kapitals handelt, beantragt Abg. v. Strombeck(Z)«inen Zusatz folgenden Inhalts: Die Herabsetzung des Grundkapitals vermittels Zusammen- legung mehrerer Aktie» zu einer einzigen ist ungiltig. Dagegen kann diese Herabsctzling durch gleichmäßige Herabsetzung des Renn- betrages sämmtlich« Aktien der nämlichen Gattung auf einen Nennbetrag von mindestens 200 M. erfolgen." Geheimrath Hofmann»veist darauf hin, daß ans die Höhe der Akticnabschnitte von 1000 M. sehr großer Werth gelegt wird; dieser Bestimmung»vürde der Antrag»vidersprechen. Der Antrag»vlrd abgelehnt. Zu Z 293,, velcher von der Liquidation der Aktiengesellschasten handelt, wird vom Abg. Stephan(Z.) folgender Zusatz beantragt: „Stellt sich nachträglich noch weiteres der Verldeilnng unter- liegendes Vermöge» heraus, so hat auf Antrag eines Betheiligte» das Gericht des Sitzes der Gesellschaft die bisherigen Liqm- datoren erneut zu bestelle» oder andere Liquidaloren zu berufen." Staatssekretär Nieberdiug hat keine Bedenken gegen den Antrag. Der Autrag»vird angenommen. Der Rest des ziveite» Buches »vird'ohne»veitere Debatte erlebigt. Es folgt das dritte Buch: Handelsgeschäste. Nach ß 336 kommen ans ein Rechtsgeschäft,»velches für einen der beiden Theile ein Handelsgeschäft ist, die Vorschriften des Handelsgesetzbuches in Anwendung. Abg. t>. Wcrdeck(k.) stellt fest, daß seine Freunde gegen diese Bestimmung lebhaste Bedenken geltend zu machen hätten. 8 336 wird angenommen. Die 88 339—343,»velche von der Vertragsstrafe, von der Bürgschaft»c. Handel». und die Bestimninngei» des Bürgerlichen Gesetzbuches hierüber außer krast setze», sind von der Kommission gestrichen ivorden. Die Abgg. L e» z>» a n» und Träger(srs. Vp.) beantragen die Wiederherstellung der Vorlage. Lübeckischer Bevollmächtigter Dr. Klügmann bittet um die An- nahm« der gestrichenen Vestimm»lngen. Abg. Lenzma»»«(srs. Ap.) hält die Aenderung für eine solche Verschlechterung des Handels- Gesetzbuches, daß er nicht anstehen würde, die Beschlußfähigkeit des Hauses zu bezweisel», um dem Hause Gelegenheit zu geben,»vährend der Osterserien sich die Sache noch einmal zu überlege».(Unruhe.) Hamburgischer Bevollmächligter Blirchard bittet ebenfalls dringend, die gestrichenen Vorschriften der 8ß 369—343 wieder her- zustelle». Abg. Roercu(Z.): Es scheint, als»veiin die in der Kom- Mission mit großer Mehrheit gefaßten Beschlüsse in» Hal»se heftig bekämpft»verden nnd keine Gegenliebe finde». Es handelt sich hier darum, die Begünstigung, welche das Bürgerliche Gesetzbuch allen Deutschen bringt, zu beseitige», weil einige aus- ländische Gesetzgebungen diese Begünstigung nicht enthalten. Abg. Frese(srs. Vg.) tritt ebenfalls als Mitglied des Kauf- mannsstandes sür die Ausrechterhaltung des geftrichene» Paragraphen ein. Abg. Basserman«(natl.): Ich kann mir denken, daß die Kaufleute großen Werth legen ans die Wiederherstellung des§ 341 wegen der Bürgschaft, obgleich ich mit den» Abg. Lenzmann i» der Kommission der Meinung»var, daß dafür die schriftliche Form nothivendig wäre. Abg. Gamp(Rp.): Weshalb soll denn d« Kaufmann anders behandelt»verde», als der kleine Grundbesitzer? Die Mac Kinley- Bill beiveist, daß auch sür Kauflent� Zufälle eintreten können, »velche die Zahlung einer Konventionalstrafe hinfällig mache» sollten,»veil sie geradezu unsittlich»vird. Wenn ein Amerika»»« sich eine Sendung sichert zum 15. April,»veil am 16. April vielleicht die Mac Kinley-Bill in krast tritt, so ist eine Komientionalstrafe gerechtfertigt. Wem» aber die Bill erst an» 1. Mai in kraft trill, so entsteht kein Schaden,»venn die Sendung«st am 16. April eintrifft. Abg. Spahn(Z.): In der Kommission ist die Rücksicht ans die ausländischen Geschäfte erst»ach Abschluß der Berathnng geltend geinacht worde». Die Kommission konnte, da sie keine dritte Lesung mehr machen konnte, keine Ausnahmebestimmungeu dafür treffen. Hamburgischer Bevollmächtigter Bnrchard bleibt dabei, daß in den Kreisen der Kaufleute die ideale Anffassnng von dem ge- gebenen Worte herrsche und daß man es schiver euipfinden»vürde. »venn diese Ausfassung in der Gesetzgebung nicht zun» Ausdrucke kommen»vürde, Der Rest des dritte» Buches wird ohne Debatte erledigt. DaS Haus kehrt nunmehr zurück zu den» zurückgestellten 8 240, zu welchen» der Antrag Trimbor» vorliegt, welcher folgendermaßen de» ganzen § 240 gestalten»vill: „Erhalten die Mitglied« des Aufsichtsraths für ihre Thätigkeit eine Vergütung, die in einen» Antheil am Jahresgeivinn besteht, so ist der Antheil von den» Reingewinn zu berechne», welcher nach Vornahme sämmtlich« Abschreibungen und Rücklagen, soivie nach Abzug eines sür die Aktionäre bestimmten Betrages von mindestens vier voin Hundert des eingezahlten Grundkapitals verbleibt. „Ist die de» Mitgliedern des Aussichlsraths zukonnnende Ver- gütung im Gesellschaftsvertrage festgesetzt, so kann«in« Abänderung de?(Zeskllschaflsvtttrngis, durch welche die Bergiiiimg heradgcsehi wird, von der Generalversammlung mit einfacher Stimmenmehrheit beschlossen werden. „Den Mitgliedern des ersten Nnfstchisralhs lann eine Vergütung für iiire Thätigkeit nur durch einen Beschluß der Generalversammlung deivilligt werden. Der Beschluß kann nicht früher als in der- jenigen Generalversammlung gefaßt werden, mit deren Be« endignng die Zeit, für welche der erste Anssichtsrath gewählt ist, abläuft." Abg. Münch- Fcrber(natl.) erklärt sich für den Antrag der Koinmifstvu, weil dadurch die Aktionäre in dein Bezug ihrer Divi- dende gesichert werden und iveil derartige Bestimmungen bei den süddeutschen Aktiengesellschasten bereits gelten. Abg. Hahn und Gamp empfehlen ebenfalls den Antrag Trim- bor 11. Abg. v. Ttnmm beantragt auch, im Antrage Trimborn die Bestimmung über die 4 pCt. zu streichen. Zur Ermäßigung der Taulieme der Verwaltungsräthe wird dieser Zlntrag nicht führen, denn die Aussichtsräthe werden sich die Zahlung eines Fixums aus- machen. Gegen die Stimmen des Abg. v. Stumm und der Freisinnigen wird der Antrag v. Stumm abgelehnt und Z 240 nach dem Antrage Trimborn angenommen. Das vierte Buch: Seehandel und das Einführungsgesetz werden ohne Debatte eir bloo angenommen. Die Resolutionen werden bei der dritten Berathung erledigt Verden. Schluß gegen o Nhr. Nächste Sitzung Mittwoch 1 Uhr. (Dritte Lesung des Vertrags mit der Schweiz und dritte Lesung des Handelsgesetzbuches.)_ Z�ÄVlolnrenkAvisrhes« Die Kommission für die Handwerkervorlage hielt gestern ihre erste Sitzung ab. Die Berathung wurde bei ß 100 begonnen, der die Bestimniuiige» über die Zwangsorganisation enthält. Nach längerer Debatte ivurde einem Antrag Gamp zugestimmt, der als ein weiterer Schritt zur Zwangsorgaiiisatio» betrachtet werden kann. Der Paragraph erhielt die Fassung, daß auf Antrag der Bctheiliglcn die höhere Berwaliungsbehörde unter bestimmten Vor- ailsfetzungen die Genehmigung zur Zwangsorganisation ertheilen kann. Es bedarf hierbei nicht der Zustinimung der Gewerbetreiben- den, wie es im Enhvurf der Regierung vorgesehen war. Von den Vertretern der Regierung wurde der Antrag bekämpft und kein Zweifel darüber gelassen, daß wahrscheinlich der Bnndesraih dieser Ausdehnung der Zwangsorganifation ablehnend gegenüberstehen tvürde.— Tie Berathungen werden nach den Osterserien fort- vcsetzt.._ t Die Parteigenossen der Provinz Brandenburg werden wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß alle für die unterzeichnete Kommission bestimmten Briefe und Sendungen ausschließlich an den Genossen E a r l D i m m i ck in Berlin 80, Elisabeth- U f e r SS, zu richten sind. Bei Nichtbeachtung dessen ist auf eine regelrechte Erledigung eventueller Wünsche mit Bestimintheit nicht zu rechnen. Mit sozialdemokratischem Gruß Die Agitations- kom Mission für die Provinz Brandenburg. Betreffs der sächsischen Landtags-Wahlen faßte eine Partei- Versammlung für den 6. sächs. Reichstags- Wahlkreis Dresden Land(Plauenscher Grund zc.) einstimmig eine Resolution, worin als das wirksamste Mittel zur Bekäinpsnng des Klassen-Wahlsystems die Betheiligung an der Landtags-Wahl erklärt und der Erwartung Ausdruck gegeben ist, daß da? Resultat der Landesversammlung in Chemnitz in dieser Angelegenheit ein«inmüthiges, g e- s ch l o s s e n e s Vorgehen der gesammten sozialdemokratischen Partei Sachsens sein wird. Das Parteiorgan der dänischen Sozialdemokratie, der „Sozialdemokraten", feierte in diesen Tagen das Jubiläum seine- LSjährigen Bestehens. Das Blatt wurde seiner Zeit unter dem Titel(„Sozialisten") gegründet und führte de» Untertitel:„Ein Tageblatt für die berechtigten Forderungen der Arbeiter." Heute ist das Blatt eines der größten und das verbreitetste des Landes. Möge unser dänisches Bruderorgan kräftig weiterblnhen und gedeihen! In Prag soll in den nächsten Monaten ein sozialdemokratisches Tageblatt in c z e ch i s ch e r Sprache herausgegeben werden. Die erste sozialdemokratische Arbeiterzeitung in slovakischer Sprache wird an, 1. Mai in B u d a p e st herausgegeben. Sozialistenhetze in Kroatien. Die Budapester„Volksstimme" schreibt: Graf Khuen-Höderväry, der Banns von Kroatien und Slavonien, ist ein Staatsmann von genau derselben Art, wie sei» Borgesetzter, der ungarische Ministerpräsident Bänffy. Als Wahlmachcr ist er diesem vielleicht noch überlegen. Keiner versteht es besser als er, durch Polizei und Geld die Opposition im Lande mundtodt zu machen, und der„autonome" Landtag von Kroatien-Slavonien hat stets und immer eine erdrückende Mehrheit von Regierinigsmameluken aufzuweisen. Vierzehn Jahre regiert der erlauchie Herr i» dieser friedlichen und segensreichen Weise, aber seit den letzten Jahre» sind ihm schlimme Störenfriede in sein Land gekommen. Die sozial- demokratische Bewegung beginnt sich jetzt auch in diesem kulturell zurückgebliebenen„Königreiche" auszudehnen, und zwar sehr rasch und mit großem Erfolg. Industrie giebt es wohl äußerst wenig in Kroatien- Slavouieu, aber der Bauernstand ist in einem solchen Maße verarmt, daß die sozialdemokratische Agitation gerade auf dem Lande den fruchtbarsten Boden findet. Bei dem zweiten sozialdemokratischen Parteitag in Agram waren bereits Vertreter aus den meisten Gegenden des Königreiches Kroatien-Slavonien anwesend, und die wunderbar erfolgreiche organisatorische Thätigkeit, die sich an diesen Parteitag anschloß, schreckte die Regierung des Banns aus ihrer Ruhe auf. Steht doch die Auflösung des kroatisch-slavonischen Landtages vor der Thür, und die Sozialdemokraten, die in den Wahlkamps eintreten werden, haben trotz des ungemein beschränkten Wahlrechtes keine ganz ungünstigen Aussichten. Da heißt es nun für den Banns— vorbauen. Und wie noch jede Regierung, die sich zum ersten Mal einer stärkeren sozialdemokratischen Bewegung gegenüber befindet, so versucht es auch Khuen-Höderväry mit der Polizeigewalt. Daß dabei recht pandnrenhasl zu Werk gegangen wird, ist bei dem allgemeinen Re- giernngsgrundsatz des Grafen nur selbstverständlich. Zuerst wurden die Obmänner und die übrigen Funk- tionäre der neubegründeten Vereine vorgeladen und wegen „Staatsgefährlichkeit" in Untersuchungshast genommen, dann mehrere Mitglieder der Parteileilung. Tie Form der Verhaftungen ist die aus den Sozialistenverfolgungcu der übrigen Länder über- lieferte. Die Verhafteten werden in Ketten geschlossen, von Gen- barmen mit aufgepflanzten Bajonnetten ins Gefängniß geschleppt. Aber schließlich wird bei der übergroßen Zahl der Verhafteten dieses Beruhigungsmittel für den Staat etwas zu kostspielig, und in den kleineren Orlen werden einfach die Kotier zu enge. Da sind die Bezirksgewaltigen auf ein geradezu prächtiges Auskunftsmittel gekommen: die Leute, für die man im Kolter keinen Platz hat, die stellt man einfach unter Polizei-Anssicht. An alle bekannten Sozialdemokraten werden lithographirte Zuschriften versendet, worin ihnen bekanntgegeben wird, daß sie unter außerordentliche Polizei- Aufsicht gestellt würden. Die„Begründung" dieser Maßregel er- zäblt den köstlichsten Gallimathias von„umstürzlerischen Reden", „Verleitung zur Sozialdemokratie",„im anarchistischen Sinne gehaltenen Ansichten"». f. w. Gleichzeitig wird über einzelne Genieinden von den betreffenden Bezirks- Administratoren ein förmlicher Belagernngszustand verhängt. Eine Kundmachung des Tovarnitzer Administrators verordnet,„weil die sozialdemokratische Irrlehre in dem Gebiete dieser Gemeinde so sehr überhand genommen hat": I. Zusammenkünfte werden sowohl in Wirthshänsern als auch in Privalhäusern verboten; hierher gehören auch„xosjda" und„prela"(ortsübliche Zusammenkünfte der Bursche und Mädchen, wobei gesponnen, Kukuruz geschält wird und dergleichen). 2. Spiele in Gast- und Privalhäusern ohne Bewilligung der Bezirksbehörde sind verboten. 3. Gast-, Wirlhshäuser und Wein- schänden müssen um 9 Uhr abends vollkommen geschlossen werden. 4. Ansammlungen an den Straßen lind an den Ecken sind streng verboten. Was mit dem Bemerken zur allgemeinen Kenntniß ge- bracht wird, daß jede Uebertretung dieser Verordnung mit Geld- strafe bis zu 70 fl., resp. mit entsprechender Arreststrafe geahndet wird. Es wäre überflüssig, bemerkt die„Volksstimme", eine Bemerkung hinzuzufügen, die Thatsachen sprechen für sich selbst. So hat man in allen Polizeistaaten am ersten Anfang der Arbeiterbewegung gegen die Sozialdemokraten gewirthschaftet. Der stark asiatische Anstrich, den die Polizeimaßregeln in Kroatien-Slavonien bekommen, erklärt sich aus den allgemein überlieferten Regierungsgewohnheiten in diesem Lande. Die Wahle« zu den Gewerbe-Schiedsgerichte»(vonseil äe VenäRornines) in Belgien haben ein weiteres Unisichgreifen der sozialistische» Ideen unter den dortigen Arbeiter» gezeigt. In Gent, wo die Katholiken namentlich in den Laiidgemeinden noch immer eine große Macht besitze», erlangte unsere Liste 9730 Stimmen, die der Gegner 10 III. Gegen 1S93 habe» die Sozialdemokraten um 3050 Sliinmen zugenommen. Davon kommen 1000 Stimmen aus die Landgemeinde»; gerade die letztere Thalsache jagt den Klerilalen einen nicht geringen Schrecken ein. Polizeiliches, Gerichtliches ,e. — Im Gesängntß zu Gommern hat am Montag der Partei- genösse F r a n z B e t h g e aus Magdeburg die zweimonatige Freiheitsstrafe angelrele», die ihm als Redakteur der„Volksftinnne" wegen Beleidigung der Schöffen in Delitzsch auferlegt ist. Außer ihm weilt noch der Redakteur Genosse Joh» dort, der wegen„in- direkter" Majestäls- und einer aiideren Beleidigung ein volles Jahr feines Lebens im Kerker vertrauern muß. — Der Parleigenosse Ad 6 in Leipzig hat die dreimonatige Gefängnißflrase verbüßt, die ihm wegen Majestätsbeleidigung auf- erlegt war. — Ist das Saninieln von Abonnenten aus Zeitschriften strafbar, rvenn die betreffenden Personen ohne Legiii niationskarte und ohne Gewerbeschein von Haus zu Haus gehen? Diese für die Zeitungen sehr wichlige Frage ist vom mecklenbnrgischen Ober-Landesgericht unter bestimmte» Voraussetzungen verneint worden. Veranlassung zu der Eiitscheidung gab folgender Thatbcstand: Einige Parteigenossen hatten von Rostock ans in de» umliegenden Orischaften die„Mecklenburger Volks- Zeitung" verbreitet, um Aboinienten zu sammeln. Aus einen gegen die Parteigenosse» wegen Mangels des Geiverbescheins rc. ergangene» Strafbefehl wurde richterliche Entscheidung beantragt und vor dem Schöffengericht in Doberan und dein Landgericht in Rostock Frei- sprechung erzielt. Ebenso entschied dasOber-Laudesgericht.dessenUrtheil sich im wesentlichen darauf stützt, daß die Verbreiter der Zeitung nicht als im Dienst des Gewerbe-Unlernehmers stehend(gemäß Z 44 der Gewerbe-Ordnung) angesehen werden können. Der Begriff des Gewerbebetriebes im Umherziehe» erfordere aber nicht, daß jemand außerhalb des Geineindebezirks seines Wohnorts in seinem Betriebe verschiedene Orte berührt, oder daß er lhatsächlich an mehreren Tagen den Betrieb ausgeübt hat. Wenn aber jemand, wie die An- geklagten, nur au eine»> Tage Waarenbestellungen ausgesucht hat, ohne die Älbsicht, diese Thätigkeit später irgendwie forlzusetzen, so könne man von einem Gewerbebetrieb im Umherziehen nicht mehr spreche»._ GewevkfchÄftliches. Deutsches Reich. Neber die Situation des Braudeiibnrger ManrerstreikS wird uns von der Lohnkommisfion folgendes berichtet: Nach der am So»»abe»d vorgenommenen Baukoiitrolle arbeitete» am Mittivoch, den 31. März, 357 Maurer. An den folgenden Tagen legten 345 Maurer die Arbeit nieder, so daß jetzt noch 12 Man» in Arbeit stehe». Hiervon sind die Mehrzahl Poliere und Postengesellen. Bon den Bauarbeitern betheiligen sich 64 an der Bewegung. 246 der Streikenden sind verheirathet und haben 483 Kinder, 163 sind unverheirathet. 87 waren bis Montag Mittag bereits ab- gereist. Bekanntlich hatten die Maurermeister ihren Arbeitern die Weisung gegebe», ans einem Bau in Arbeit zu treten, über den die Arbeiter die Sperre verhängt hatten, weil der betreffende Uiitcniehmer fortgesetzt die Verbandsmitglieder, die sich tinter seinen Arbeitern befanden, maßregelte. Die Arbeiter fügten sich der Weisung nicht, fondern legten die Arbeit nieder und stellten u. a. folgende Forderunge»: Anerkennung der Organisation und 40 Pf. Miiiiiiial-Stundenloh», Abschaffung der Akkordarbeit. Die Haltui g und der Geist u»Ier den Streikenden ist vorzüglich. Wir sind uns bewußt, daß die Kollege», sowie alle Arbeiter uns unterstützen und de» Zuzug nach hier streng fernhalten werden. Im Auftrage der Kommission: Chr. Kluge, Restaurant Mengert's Volksgarten. Ter Sekretär der deutsche» Sektion der internationale» Organisation der Bergleute, Reichstags-Abgeordneter H. Möller, veröffentlicht in belgischen, französischen und eng- tischen Blätter» einen Aufruf an die Bergleute des betreffenden Landes, worin er sie benachrichtigt, daß alle deutschen Bergarbeiter- verbände die Forderung auf 10 pCt. Lohnerhöhung gestellt habe», und worin er weiter das Ersuchen an die ausländischen Bergleute richtet, für den Fall, daß nnerwünschterweise i» Deutschland ei» Ausstand unvermeidlich werden sollte, keine Ueberstunde» beziehent- lich Extra-Schichten zu machen, um dadurch die Vermehrung der Zufuhr ausländischer Kohle zu verhindern und somit die deutschen Berg- leute bei ihrer Lohnbewegung zu unterstützen. Ucber die vorjährige Lohnbewegung im Steinsetzer- gewerbe wird uns geschrieben: Der Verband der Steinsetzer (Pflasterer) nnd Berufsgenossen Deutschlands hat im Jahre 1896 eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Lohn- kämpfen zu führen gehabt und zwar mehr, als in den seit Bestehe» des Verbandes vorangegangenen neun Jahren zusammeiigeiionimen. Jnsgesannnt traten die Steinsetzer re. i» 19 Städten in die Loh»- bewegung. In acht derselben wurde die Bewilligung der aufgestellte» Forderungen, zumeist Verkürzung der Arbeitszeit und Lohuerhöhnng, stellenweise auch noch Regelung des Arbeitspensums, in vollem Umfange auf dem Wege der Unterhandlung erreicht. In weiteren zwei Städten wurde auf demselben Wege theilweise Bewilligung errungen. Zu Streiks kam es i» Bernbnrg, Käthen i. A., Halle a. S., §ambiirg, Harburg, Oscherslebe», Querfurt nnd Reichcnbnch i. V. ii Brandenburg a. H. brach nach der Bewilligung der Forderunge» ein Streik aus, weil die Steinsetzer theilweise die Arbeit der Rannner mitbesorgen sollten. Endlich kam es noch in Hannover zu einer theilweisen Arbeitseiustellung von nur einigen Stunden Daner, um eine Lohnherabsetzung abzuwehren, was auch von Erfolg war. Von den Angriffsstreiks endeten die in Harburg a. E. und Halle a. S. mit vollständigem Erfolg. Sie dauerten 24 und 26 Tage. Mit theilweise»! Erfolge für die Arbeiter endeten die Streiks in Bernburg, Köthen, Oschersleben und Reichenbach i.V. Der Streik inOuerfurt wurde als aussichtslos aufgegebe», jedoch hat von den am Streit bethei- ligt gewesenen Arbeiter» bis heute»och nicht ein Mann bei einem Quer- snrter Meister Arbeit genoinmen. Die Streikbrecher habe» etwas höhere Löhne bekommen. Der Streik in Brandenburg mußte eben- falls»ach sieben Wochen aufgegeben werden, da sich die nöthigste» Arbeitskräfte gefunden hatten. Es handelt sich im ganzen nur um 6 Mann. Der Hamburger Streik wurde 1896 nicht beendet, und ist es auch jetzt noch nicht. Er nahm am 18. September v. I seinen Anfang, nachdem ihm ein vier Monate langer Abwehrkanipf vorausgegangen war, bei welchem die Zahl der Gemaßregelten bis auf 99 gestiegen war. An den Streiks betheiligt waren im ganzen«61 Arbeiter, davon waren vrganistrt 616, Auf Hamburg kommen allein 600 Streikende,(fämmtlich organisirt). An Kosten verursachten diese Streiks insgesammt 33 357,67 M.> davon der Hamburger allein 29 942.72 M. Bon diesen Beträgen hat der Verband aufgebracht 22 343,42 M.(beziehentlich 19 185,80 M. für Hamburg). Bemerkenswerth ist noch, daß an dem Streik in Hamburg Über ein Sechstel der Mitglieder der ganzen Organisaiion betheiligt ist. Die Lohnbewegung im vorigen Jahre war für den Verband eine harte Probe, die er aber glänzend überstanden hat. In ebenso erfreulichem Maße hat sich der Verband im vorigen Jahre auch nach außen hin entwickelt, indem die Zahl der Filiale» von 62 aus 73 gestiegen ist. Namentlich hat er in dieser Zeit in Siiddentschland Boden gesaßt, wo er lange garnicht vertreten war. Aus Königsberg i. Pr. wird telegraphirt, daß die Zimmerer wegen Lohndifferenzen die Arbeit eingestellt haben, nachdem längere Verhandlungen zu keinem Resultat führten. In Luckenwalde fordern die Holzarbeiter de» Zehn- stundentag und 10 pCt. Lohnerhöhung. Sie ließen durch die Lohn- kommission an die Innungen der Holzindustrie das Ersuchen richten, eine Kommission zu wählen, mit der gütlich verhandelt werden könne. Darauf antwortete der Borstand der Drechsler-Innung: „daß sich die Meister von der Lohnkommisston keine Vorschriften machen lasse»;>vem die Arbeit, die er gegenivärtig hat, nicht einträglich genug ist, möge sich andere Arbeit suchen". Und der Ober- meister der Tischler-Jnnung erwidert«, daß dieselbe das Gesuch der Lohnkommission gänzlich abgelehnt habe. In KottbuS haben säinmttiche Tischler der Bautischlerei von H« i» r l ch M i t t a g, die ansschlictzlich für Berli» arbeitet. am Montag die Arbeit eingestellt. Vor mehreren Wochen ist in der Fabrik eine Schlitz- und Zapseiischneide-Maschrne ausgestellt und in- folge dessen der tarifniäßige Akkordpreis um 15—20 pCt. reduzirt worden. Der Abzug beträgt z. B. bei einem 4flügligen a/*" Fenster 0,84 Pf. Mit diesem Abzug waren die Tischler nicht einverstanden; sie wandte» sich an den Chef, um in mündlicher Verhandlung eine Verständigung herbeizuführen. Die Antwort erfolgte brieflich: wer die Abzüge zu hoch befinde, könne kündigen. In der darauffolgenden Besprechung beschlossen nun die Tischler, einmnthig die Arbeit so lange auszusetzen, bis eine Einigung zu stände kommt. In Hildesheim waren vor zirka einem Jahre die dortigen Gewerkschaften durch den Polizeidirektor Dr. G e r l a n d als „politisch" erklärt worden. Der Holzarbeiter-Verband führte dagegen Beschwerde und drang— wenn wir nicht irren— beim Ober- Verwaltungsgericht durch, das die Verfügung für ungiltig erklärte. Die meiste» Gewerkschaften halten es versäumt, den Beschwerdeweg zn betreten. Neben aiideren hatte sich indessen die Töpfergewerk« schaft ihrer Haut gewehrt. Als ihr das Eintreffen der Antwort etwas z» lange dauerte, ließ sie bei der Hildesheimer Polizeidirektion anfrage», wie es um die Sache stehe. Daranf erhielt sie folgend« Aiilwort:„Nachdem der Herr Regierungspräsident mir dazu die Gestattung ertheill hat, ziehe ich meine Verfügung vom 28. April 1896, wonach der allgemeine Verein der Töpfer und Verussgenossen Deutschlands für einen politischen erklärt worden ist, hiermit zurück. Dr. Gerland." Dt« Schnhmncher Bremens haben eine Reihe von Forde- runge» gestellt, darunter die nach dem Zehirstundentag, Lohnreguliruiig und kostenfreier Lieferung der Fourmtnren durch den Meister. 18 Unternehmer, die zusammen 33 Gehilfen beschäftigen, bewilligte»; bei den übrigen haben insgesanimt 135 Gehilfen die Arbeit nieder« gelegt. Zuzug ist streng fernzuhalten. In Verde» haben, da die Maurermeister den Maurern den geforderte» Lohnsatz von 33 Ps. pro Stunde nicht bewilligen wollten, etwa 40 bis 45 Gesellen die Arbeit niedergelegt. 10 bis 12 Maurer arbeiten zn dem alten Lohnsatze von 35 Pf. bei einer tägliche» Arbeitszeit von 10 Stunden weiter. Ans dem Höuucthaler Kalkwerk bei Menden in Westfalen streiken die Bohrer. Sie machte» bisher die Arbeit meterweise im Akkord und erhielten infolge dessen natürlich auch das werthlose Gestein bezahlt; jetzt sollen sie pro Waggon des gebrochenen Kalk- gesteius bezahlt werden. Dem Unternehmer gereicht daS selbst« verständlich zum Vortheil, nicht aber den Arbeitern. Tie Töpfer Breslaus haben zur Durchführung ihres Lohn- tarifs de» partiellen Streik begonnen. Die Leipziger Schneider habe» mit ihren Forderunge»: Ein- führnng von Beiriebswerkstätten vom I. Februar 1333 ab, Regelung der jetzt gezahlte» Löhne und nneutgeltliche Lieferung der Zuthaten, kein besonderes Entgegenkominen bei den Unternehmern, vor allem nicht bei der Innung gefniiden. Bewilligen wollen dies« Herren, irotzdei» sie die schlechte» Zustände im Gewerbe anerkennen müssen. fast nichts. Um einen Ausgleich zu schaffen, wollen die Meister einzeln mit ihren Arbeitern verhandeln. Die Gehilsen halten dem« gegenüber a» ihren Forderunge» fest. In GeringSwalde i. S. haben die im Ausstand befindlichen Arbeiter der vier S t u h l f a b ri k e n von den Fabrikante» die Aufforderlliig erhalten, die Arbeit wieder aufzunehmen, da sie kontraktbrüchig geworden seien. Wenn dies geschehe», wollen die Fabrikanten auf Verhandlungen eingehen. Die Streikenden haben aber die bedingungslose Wiederausnahme der Arbeit verweigert und den Beschluß gefaßt, an ihren Forderungen festzuhalten. Streik- brecher haben sich bisher nicht gefunden, jedoch sind von den in den vier Fabriken beschäftigt gewesenen 313 Arbeitern 19 Mann stehen geblieben. In Nürnberg streiken 30 Huf- und Wagenschmiede, nachdem Verhandlungen mit den Meistern bei der Mehrzahl zu nichts geführt haben. Die Arbeiter fordern: Abschaffung des Kost- und Logisivesens, täglich 10 stündige beziehentlich wöchentlich 60 stündige Arbeitszeit, einen Mi»i»>al-Woche»lohn von 16 Mark, 25 pCt. Zuschlag für Ueberstunde». Drei Meister haben die Forde« rungen bewilligt, bei ihnen wird gearbeitet. Aus Kissingen wird gemeldet, daß der Streik der Bau- a r b e> t e r durch Vergleich beendigt ist. Unter anderem ist de« Zehnstundentag bewilligt. Die Zwicker der Wessel' schen Schuhfabrik in Ober« Hausen bei Augsburg stehen wegen Maßregelung eines Käme« raden im Streik. Sie wollen die Arbeit nur ausnehme», wenn der Entlassene wieder eingestellt und der von ihnen eingereichte Lohn« taris bewilligt wird. Beides lehnt der Unternehmer ab, Ausland. In Kopenhagen stehen gegen 800 Schneider im Streik. Seit Jahren streben sie die Abschaffung der Heiniarbeit an. Aus dem Schneiderkongreß im Sommer 1895 ivurde beschloffen, die Durch- führnng der Errichtung von Belriebsiverkstätten bis zum 1. April 1897 zu bewerkstelligen. I» den meisten Provinzialorten ist das in, Lauf« der Zeit auch gelnnge». die Kopenhagener Sch»eidern>eister ließen sich aber aus keine Berhandlungen darüber ein, saglen vielmehr den bisherigen Tarif zum 1. April d. I. auf, ohne einen neue» Vor» schlag zu machen. Infolge dessen stellten die Gesellen am 1. April die Arbeit«i». Ferner streiken in derselben Stadt sämmtliche Strumpf» stjr i ck e r i n n e n der Firma Simon Olesen, weil ihnen ei»« Lohureduktiou angekündigt worden war. In Pautin in Frankreich streiken 600 Arbeiter der dortigen Waggonfabriken. Die Unternehmer halten eine Lohnherab« setzung von 20 pCt. angekündigt. Außerdem sind die Arbeiter mit der dort üblichen monatlichen Lohnzahlung nicht einverstanden. I« Pretoria, der Hauptstadt Transvaals, ist Ende Jannar ein Arbeiterverein Pretoria gegründet worden, der den Zweck verfolgt, die Arbeiter über alle ihre Lage betreffenden Fragen aufzuklären, ihre Interessen zu verfechten, für gegenseitige Unter« stütznng in Nothfällen zu sorgen und die Geselligkeit zu pflegen. Der Verein besteht zur Zeit auS 40 Mann, ausschließlich Deutsche» lind einigen Schweizern. Der Eintritt ist jedoch den Arbeitern aller Nationen gestattet. Bedingungen sind: 16. Lebensjahr und Unbescholtenheit. Mttkevttrsimev-VrvbQttve. DaS westfälische Kokes-Syndikat hat im vergangenen Jahr S 574 6SS Tonnen Kokes abgesetzt, ISVz pCt. mehr als im Jahr 1S95, Darunter befinde» sich 434 880 Tonnen, die das ivestfälische Syndikat innerhalb seines Bereichs für das belgische Kokes- Syndikat mitverkanfte, Ueber diese Internationale hat bis jetzt noch kein Blatt der„staalserhaltendcn" Parteien gezetert, auch der Eisenbahnininister Thielen nicht, der neulich auf die Syndikate amtlich ein Loblied sang, aber den Arbeitern und Beamten seines eigenen Ressorts die Roalilionssreiheit vermehrt, obwohl diese au internationale Verbindung garnicht denken, sondern lediglich einen uationülen Verband bilden wollen. Die„Leipziger Monatsschrift für Textilindustrie" bringt eine Mittheilung, wonach die deutschen Wollkäiiiincreien thatsächlich das Abkommen getroffen, habe», für das laufende Jahr eine P r o d u k t i o n s e i n s ch r ä n k n n g von 20 p C t. herbeizuführen. Weiler haben sie beschlossen, daß jede Fabrik die Kammzug- Produktion für eigene Rechnnng im Jahre 1898 auf eine» bestimmten Theil der Gesamniterzengnng herabsetzen soll. Die Woll- kämmereien nage» nichts weniger als am Hungertuche,»m Prvduklionseinschränknngen so»ngeheneren Umsangs vornehmen zu müssen; sie streichen im Gegentheil sehr hohe Gewinne ein; es handelt sich demnach für sie nicht darum, einem„Nothstand" abzuhelfen, fondern die Produktionseinschränknng hat de» Zweck, die hohen Gewinne dauernd einzuheimsen. Das möchte angehen, wenn nicht die Arbeiter darunter zu leiden hätten. Für sie bedeutet die Prodtcktionseinfchrnnkung Verlust an ihrem ohnehin mageren Ein- kommen und Arbeitslosigkeit. Unter diesen» Gesichlspruikt erhält die Maßregel der Prodl»klionseinschränkung, noch dazu um den hohe» Betrag von 20 pCt., den Charakter der brutalsten Selbstsucht, und selbst der heutige Staat, d.er z. B. im Interesse der Agrarier den Terminhandel von Getreide und Mühlenfabrikation verbot, hätte viel dringendere Ursache. das Syndikatsivesen der Unternehmer einer Regelung zu unterziehen, damit diese bei der Verfolgung ihrer Interessen nicht so schrankenlos schalten und»valten können»vie jetzt,»vo die Arbeiter und Konsumenten tanzen müsse», wie jene Herren pfeifen._ Soziales. Kraukeukasseiiwrse». Das Reichskanzleramt hat der Kranken- und Sterbe- Unterstützungskasse des Vereins Hannoverscher Kellner zu Hannover(E. H.) und der Kranken« und Slerbekasse„Morgen- stern"(früher der vereinigten Brotträger)(E. H.) in Hamburg von neuem die Bescheinigung ertheilt, daß sie. vorbehaltlich der Höhe des Krankengeldes, den Ansorderungen des§ 7S des Kranken-Versicherungs- gesetzes genügen. Die Errichtung cincS städtische» Arbeitsamts ist in B r a u n s ch>v e i g im Werke. Nach den, Entivurse. den der Magistrat den Stadtverordnete» vorgelegt hat, hat das Arbeitsamt die Aufgabe,„zivischen Arbeitgebern einerseits, Arbeitern und Arbeiterinnen andererseits(einschließlich der Lehrlinge, jedoch mit Ausnahme der D i e n st b o t e») Arbeit zu vermitteln." Warum die Dienstboten ausgenoinmen sind, ist nicht zu begreifen. Für sie, die vermnthlich auch in Braunschiveig jetzt ans die privaten Stellenbureaus angeiviesen sind, ist der städtische Arbeitsnachivcis gerade am ersten nöthig. Fiir die schweizerische BergwerkSiudustric ist im Jahre 1396 ii» der Person des Herrn R o c c o in Bern ein eidgenössischer Bergiverksinspektor bestellt. Nach der Fabrikstalislik von 1895 umfaßt dieselbe 67 Betriebe mit 1433 Arbeitern,»vovoi» nur 2 unter 18 Jahre» und alle den» männlichen Geschlechte angehöre». Die Arbeitszeit beträgt 3, 9, 10, 11 bis 12 Stunde»; eliva die Hälfte arbeitet unter und bis 10, die andere Hälfte bis 11 Stunde». Die Tagesverdienste schivanken zivischen 2,50 bis 3,—, 3,30 bis 3,50 und 3,50 bis 3,60 Fr. Nur 1 Betrieb arbeitet mit Motor, und blos 3 Betriebe haben mehr als je 100 Arbeiter. Nacht- und Sonntagsarbeit kommt nicht vor. In 26 Schieserrvcrken arbeite» 507, in einer Eisenerz- 160, in einer Goldgrube 149, in 13 Kalk- und Zementgruben 296 Arbeiter n. s. w. Tie schiveizerische Berg- »verksindustrie hat sonach keine große Bedeutung, im Interesse der Arbeiter ist aber ihre Kontrolle doch geboten. Handelsbilanzen. Die Einfuhr Italiens betrug im vorigen Jahre 1173,07 Mill. Lire(1 Lira— 80 Pf.), die Ausfuhr 1057.88 Mist. Gegenüber dem Jahre 1895 hat die Einfuhr nm 14,31 Mill. ab- genommen,»vährcnd die Ausfuhr um 14,12 Mill. stieg. Der Außenhandel Spaniens stieg in den Jahren 1894 bis 1396 von 530 Mill. Pesetas(ä 80 Pf.) auf 872 Millionen. Die Ausfuhr vermehrte sich nm fast 300 Millionen, die Einfuhr aber Nl»r hin 24 Millionen. Griechenland führt« im Jahre 1896 für 113,6 Millionen Frauken Maaren ein»nid für 72,8 Millionen aus. Gegenüber den» Jahre 1895 stieg die Einsuhr nm 4 Millionen, die Aussuhr uu» 1.7 Millionen Franke». Rußlands Einfuhr betrug in den ersten 10 Monaten des vorigen Jahres 452,35 Millionen Rubel, die Aussuhr 556,19 Millionen. Die Zlnsfuhr»ahm um 1.3 pCt. ab,»vährend die Einfuhr um ,926 pCt. stieg. Von der Ausfuhr kamen 58,77 pCt. aus Lebens- mittel und von diesen»vieder 82,3 pCt. aus Getreidesrüchte. Wohin die staatliche Begiinstignng der Zuckerinduftric geführt hat. ist auch den Russen sehr unangenehm fühlbar ge- , vorden. Kürzlich kostete in England ein Pud des russischen »veißen Znckersandes 1 Rllbel 54 Kopeken,»vclchen Preis die Engländer als zu hoch zu finde» scheinen, denn die Stimmung auf der russischen Börse»var„flau". Zur selben Zeit ivnrde» in Kiew, in» Zentrum der russischen Zuckerindustrie, 30 000 Pud Zucker zun» Preise von 4 Rubel 70 Kopeken das Pud verkauft. In England»var also der russische Zucker trotz der Kosten des Transports um 200 pCt. billiger als i» Sinßland. Die Direktion der staatlichen Maunfaktnren Frankreichs veröffentlicht das Ergebniß ihres Betriebs im Jahre 1396. Die T a b a k»» a n u s a k t u r erzielte durch den Verkauf von Tabak eine» Reingeivin» von 311 370 742 Fr. Geraucht, geschnupft und gepriemt rvurden in» vergangenen Jahre in Frankreich 36 Mill. 5kilo; in» Durchschnitt kam auf jeden Franzosen 1 Kilo Tabak. Von in Frankreich gebautem Tabak kamen 25 531 343 Kilo zur Ver- »vendniig,»velche der Regie' 85 Fr. pro 100 Kilo kosteten. Vo» ausländischem Tabak»vurden 16 114 343 Kilo gebraucht. Hiervon kosteten 100!rilo 132,33 Fr. Schließlich kaufte die Verivaltuug 9 672 195 Havanazigarre» zum Durchschnittspreise von 211,90 Fr. pro Mille. Der Reinertrag des Z ü» d h o l z»> o» o p o l s belief sich ans 20 115 933 Fr. Es, vurden 29 443 678 620 Zündhölzer fabrizirt und außerdem in» Auslände»och 3 747 937 000 Stück Zünd- Hölzer gekauft._ Soziale Vechkspflege. Unfall bei einer Gesälligkeitslcistnng. Der Besitzer Heidt und seine Ehefrau kamen am 12. Mai 1896 von einem Markte per Achse zurück,»vo sie landivirthschastliche Produkte,»vie Butter und Eier, feilgehalten hatten. Auch hatte» sie Kutschsielen eingekanst. Unterivegs begegnete ihnen ein Nachbar, der die Frau Heidt darum bat, doch sein Fuhnverk»irrt»ach Hause zu nehmen. Die Heldt's gingen darauf ein. Als die Frau de» Wagen bestiegen hatte, ging das Pferd des Nachbars durch und schlenderte sie vom Fuhriverk herab. Heidt»vollte eiligst seiner Gattin zu Hilfe komme», verivickelte sich aber in die eigene Pferdeleine, stürzte und wurde zieinlich unglücklich verletzt. Seine Arbeitsfähigkeit litt unter de» Folgen des Unfalles. Er be- antragle daruu» die Gewährung einer Nnsallrente,»vurde aber von der landivirthschastliche»» Berussgeuossenschast abgeiviese». Das Schieds- gericht erkannte in» gleichen Sinne; das Rcichs-V erficher ungsamt vernrthcilte jedoch die Berufsgenossenschaft zur Zahlung der Rente. Zur Begründung führte der Vorsitzende aus, die Reise der Eheleute Heidt habe im Jntereffe ihres landivirthschastliche» Betriebes gelegen und auch die Gefälligkeitsleiflung gegenüber den» andere» Landwirth sei noch diesen» Betriebe zuzurechneii. Derartige Gefälligkeils- leiftungeii seien auf dem Lande allgemein üblich und könnten im Interesse der sehr oft nothivendigen gegenseitigen Aushilfe»»icht ab- gelehnt»verde», und vor allem seien sie durch den landivirthschaft- »che» Betrieb bedingt. Bcrnfssängcr, die ohne vorherige Bestellung auf Gastspiel- Reisen gehen und deren Gesang ein höheres Interesse der Knust nicht für sich beanspruchen kann, bedürfen»ach den»„Gesetz über den Geiverbebctricb im Umherziehen" eines Wander-Gewerbescheins und »nllssen Ge>verbeste»ier zahlen. Eine Sängergesellschaft, Neumann und Genossen, die nach Art der hiesige»„Stetliuer Sänger" Konzerte veranstaltet, wurde wegen Vergehens gegen jene Bestimmung in Anklageznstand versetzt. Unter anderem»vars man den Leuten auch Geiverbesteuer-Kontravention vor. Der Sachverhalt ist kurz solgen- der. Ein Gastivirth in Itzehoe hatte den Angeklagten gelegentlich eines Gastspiels in seinem Saale zugesagt, daß sie nächstens»vieder mal bei ihn» austreten könnte». Als die Sänger nach einiger Zeit in Hamburg gastirten, erinnerten sie sich jener Zusage und schrieben nach Itzehoe. Die Antivort fiel günstig aus, der Wirlh theilte ihnen»nit. daß sein Saal an einige»— von ihm näher bezeichneten— Tagen frei sei und sie sich den Tag ansivählen könnten. Das geschah denn auch und die Soiree nahm ihren ordnungs- mäßigen Verlauf. Das eingenommene Entree erhielten die Sänger. In der Berufungsinstanz»vurde» die Angeklagten freigesprochen, nachdem das Schöffengericht sie verurtheilt hatte. Die Strafkanuner nah»», a», daß sie nicht als Wander-Geiverbetreibende anzusehen seien, weil sie auf vorherige Bestellung nach Itzehoe gekommen wären. Die Staatsanivallschafl legte jedoch llievision ein und machte gellend, es läge hier keine B e st e l l n» g vor. Der Begriff der Bestellung sei voin Landgericht verkannt»vorden.'Die Leute hätten sich ja einen beliebigen Tag aussuchen dürfen. Der Strafsenat des Kainmergerichls folgte der Staatsanivallschafl indessen»»icht, sonder» beließ es bei der Freisprechung. Unter den oblvaltcnden Umständen sei doch eine Bestellung anzunehmen, und die Angeklagien hätten deshalb keinen Wander-Geiverbe- schein gebraucht und es auch nicht nölhig gehabt, die fragliche Steuer zu zahlen. Es giebt doch 5 pCt. llnfallrentc! Das Schiedsgericht einer landivirthschaftlichei» Berufsgenossenschaft hatte einem Mädchen»vegen der Steifheit ihres einen Zeigefingers 5 pCt. der Vollrentc zuerkannt. Hiergegen legte die Berufsgenossenschaft Rekurs ein und erhob den bekannten Einivand, daß bei einer Eriverbs- beschräukung von»veniger als 10 pCt. sich der Schaden garnicht »virthschaftlich berechnen lasse und es deshalb unzulässig sei, 5 pCt. zu beivillige». Das Schiedsgericht betonte auch besonders den Ein- fluß, de» der Mangel an landivirthschastliche»» Arbeitskräften ans die Gestaltung der Lohnverhältnisse misiibe. Schon darum würde die Klägerin nicht zu kurz kommen.(!) Das R e i ch s- V e r- s i ch e r n n g s a m t unter dem Vorsitz des Geh. lliegierungsralhs- raths Stolzmann»vich aber in diesem Falle von der von uns ge- kcnnzcichneleu Praxis ab, keine Renten unter 10 pCr. zuzubilligen, und belics es bei der fünsprozentigcu Ziente der Klägerin. Betriebsunfall in der HanSwirthschaft. Die Disnstmagd Braun, die bei einem Landivirlh in Stellung»var, verletzte sich beim Reiiiigen eines Küchenschrankes derart die Hand, daß sie in ihrer Eriverbsfähigkcit erheblich beschränkt, vurde. Sie»vandle sich dann an die landivirthschastliche Berufsgcnoffenschasl mit dem Antrage, ihr eine llnsallrente zu gewähren. Man»vies sie jedoch»nit der Begründung ab, es läge kein landivirthschaftlicher Vetriebsunsall vor. Schiedsgericht und Jieichs-Versichernngsamt billigten aber der Klägerin die Rente zu, nachdeu» festgestellt»vorden»var, daß der fragliche Küchenschrank»eben anderen Zivcckei» stets und nuch am Unfalltage dem Zivecke diente, die in der Landivirthschaft gewonnene Milch anfzubewahrci». Das lllckursgericht erblickte hierin den ur- sächlichen Zusammenhang zwischen dem Betriebe und dem Unfall, der erforderlich ist, einen Unfall als«»lschädigungspflichligen Be- lricbsunsall erscheinen zu lassen. Gvrnszls Die Frage, ob„Jnngbicr" vom„Gewerbebetrieb im Uniherziehen" gcschlich ansgcschlosse» sei, beschäftigte de» Strafsenat des K a in>i> e r g e r i ch t s in seiner letzten Sitzung. Ter Branereibesttzer Hildebrandt ließ i» der Umgegend Berlins von einem Kutscher Jungbier ansbieten. Es ist dies ein noch nicht genußsädiges Bier(Brannbier, Weißbier), das erst genießbar wird, »venu die Abnehmer es steh»nit Wasser i» Kruke»„anstelle»"; das Bier»vird genießbar nach drei bis viertägiger Gähruug. Hildebrandt ist vor längerer Zeit angeklagt»vorden, de»§ 56 Abs. 1 der Geiverbe- Ordnung dadurch verletzt zu haben, daß er geistige Getränke in» Umherziehen habe feilbieten lassen. Schöffengericht n»d Land- gericht verurlheilte» ihn zu einer Geldstrafe. Er legte Revisioi» ein und»nachte geltend, das Jungbier gehöre»icht zu den geistige» Getränken, den»» im Moment seines Verkaufs enthalte es noch keine» Alkohol. Alkoholhallig»verde es erst infolge der Gähruug, die eintrete,»venu es die Käufer auf Flaschen gezogen hätte». Das Kammergericht nahm letzteres auch an, wies aber dennoch die Revision als unbegründet zurück. Das Landgericht habe mit recht das vom Angeklagten verkaufte Jungbier zu de» geistige» Getränken im Sinne des Z 56,1 der Geiverve-Orduung gerechnet. Nicht allein solche trinkbaren Flüssigkeiten, die im Augenblick des Feilbictens Alkohol enthalten, seien geistige Gcträirke im Sinne des ge»a»»»tsn Paragraphen. Es gehörten dazu auch diejenigen Getränke,»velche dein» Verkauf»och»icht fertig seien und die erst a»f gruud natür- licher Entivickeluug Alkohol ansetzten. Das Aufsehen erregende Attentat,»velches am Abende des 4. März an der Waterloo- Brücke stattsnud, beschäftigte gestern die z»veile Strafkaiumer des Landgerichts I. Als an dem genannte» Abende die KnufinannS- Ehefrau I.»nit ihrer 14 jährigen Tochter vo» einer Gesellschaft kam, mußte sie die Waterloo- Brücke über- schreiten. Hier begegnete ihnen ein Man», der durchaus nichts Auf- fälliges hatte. Er ging an der rechte» Seite der Frau I. vorbei. In diesem Augenblick spürte die letztere einen heftigen Schmerz im rechten Oberschenkel; sie fühlte, daß das Blut an ihrem Körper herabrieselte. Sie sank gleich darauf zu Boden. Ter Manu halte ihr im Vorbeigehen das Messer in den Schenkel gejagt. Derselbe hatte dann die Flucht ergriffen. Ei» Radfahrer»ahm seine Ver- folgung auf und holte ihn am Halleschc» Ufer ein. Auf der Wache wurde der Attentäter als der Arbeiter Hermann D ie tz festgestellt. Die verletzte Frau mußte erst nach der Sanitälswachc gebracht werde». wo ihr ei» Nolhverband angelegt wurde. Der Thäter versicherte vor Gericht unter Thräuen, daß es ihm völlig unbegreiflich sei, wie er dazu gekommen sei, die ihm völlig fremde Dame zu verletzen. Er habe so handeln müssen. Angetrunken sei er nicht gewesen. Der medizinische Sachverständige, Kreisphysikus Dr. Leppmann, hielt es doch für g-rathen, den Angeklagte» ans seinen Geisteszustand unter- suchen zu lasse», der Fall lieg- psychologisch zu eigenartig. Der Gerichtshof beschloß darauf, den Angeklagten auf sechs Wochen in die Jrrenablheilung der Charitee zu schicken. Der Wirth Keller in der Köpnickerstraßs halte dem Fabrikanten R. auf dessen Verlangen den großen Festsaal seines Lokals für einen bestimmten Abend reservirt gehalten. Als eine Zeit lang darauf der Fabrikant absagen ließ, verklagte Keller den Mann auf Eni- schädigung für entgangenen Gewinn und erzielte sowohl vor dem Landgericht, wie vor dem Kammergericht ein obsiegendes Urtheil. Der Fabrikant hat an Keller die verlaugte Summe vo» 406,25 M. zu zahlen. Wege» Urkmidensiilschung«nd Betruges wurde gestern vor der vierten Strafkammer des Landgerichts I gegen de» Landwirth Adolf Krabs verhandelt. Der Angeklagte hat die Enkelin eines hochstehenden Militärs geheirathet. Er soll durch unlautere Mittel und unwahre Angaben über seine Verhältnisse dies Ziel erreicht haben. Er gab sich als ehemaliger österreichischer Offizier aus u»d be- hauplete, in Ungar» große Ländereien zu besitzen. Thalsächlich ist weder das eine noch das andere wahr, dagegen war der An- geklagte in der preußischen Armee Avantageur. Der Angeklagte verstand es, dem Großvater seiner Frau 500 M. abzunehmen, indem er vorgab, einen Sohn desselben damit zu pflegen. Der Angeklagte benutzte indessen dies Geld, um seine eigene» Schulden zu bezahlen. Daun reiste der Angeklagte nach Berlin, gerieth bald in Geldverlegenheit und griff zur Urkundenfälschung, indem er einen Wechsel über 300 Mark mit der Unter- schrist des hochstehenden Militärs versah und einem Gastivirth als Sicherheit für eine Zechschuld übergab. Im Termine war der Angeklagte in betreff der Urkunden- sälschung geständig, er bestritt dagegen den Betrug. Er habe mit dem Gelde die Schulden des Kranken und nicht seine eigenen bezahlt. Der Staatsanwalt hielt das ganze Ver- halten des Augeklagten für so strafbar, daß er gegen ihn eine Zuchthausstrafe von 2 Jahren 1 Monat beantragte. Der Verlheidiger, Rechtsanivalt Dr. Schwindt, erzielte, daß der Augeklagte wegen Betruges freigesprochen und daß ihm in betreff der Urlundensälschung mildernde Umstände zugebilligt wurden. Das Urlheil lautete aus 6 Monate Gefängniß. Versrnttmlungett. Die Kirchcnanstritts- Kommissiou veranstaltete am Montag eine gut besuchte Versammlung in den Viktoriasäleu zu Rixdorf. Das Referat hielt Reichstags-Abgeordneter P e» s, welcher über die Stellung der Sozialdemokratie zur Kirche sprach. Er will dem Kirchenaustritt nicht unbedingt das Wort reden, aber auch nicht unbedingt dagegen auftreten. Wer mit der Lehre der Kirche zerfallen ist, möge, wenn ihm keine Hinderungsgründe entgegen- stehen, ausscheiden, aber nicht als Sozialdemokrat, sonder» als aufgeklärter, inoder» denkender Mensch. Die Diskussion bot inchls Bemerkenswerlhes. Maurer. In der Mitgliederversammlung der Zahlstelle 2 des deutschen Maurerverbandes berichtete am 4. d. M. der Dclegirle Fritzsche über den Magdeburger Verbands tag. Die Versammlung drückt durch die Annahme einer Resolution ihr Ein- verständniß mit den Beschlüssen des Berbaudslags aus. Dann wurde der Antrag Borms angenommen, das Protokoll des Verbandstagcs obligatorisch einzuführen. Zum zweiten Punkt derTagesordnung verlas der Kassirer die Abrechnung voin I. Quartal 1397. Er hatte eine Ein- »ahme von 336,19 M. und eine Ausgabe von 879,49 M., bleibt Bestand von 6,70 M. Ii» Vergnügungsfonds waren 140,50 M., davon Ausgabe 27,25 M., bleibt Bestand 113,25 M. Der Streikfonds beträgt 2.50 M. Dem Kassirer wird Decharge ertheilt. Dann trat die Versammlung in die Wahl von fünf Ausschußmitgliedern ein; gewählt wurden die Kollegen Silbe rschmidt, Pcnser, Vorm, Frenze! und Beganz. Zum Schluß wurde noch der Antrag angenommen, die Mitgliederversammlungen Punkt 10 Uhr zu eröffnen. Die Kistcnmachcr waren am 5. April in der Annenstr. 16 versammelt, um ihr Eiuverständniß mit den Neuregelungen und Erweiterungen der Thätigkeit der Gcwerkschaftskouimission zu dokumeutiren, nachdem T s ch e r» i g die Anwesenden mit den von den Genossen Millarg, Massini und Winkler entworfenen Resolutionen vertraut gemacht halte. Im Anschluß hieran wurde die Beitragsleistuug für Erhaltung des Geiverkschaftsbureaus als zu hoch befunden, im Gegensätze zu anderen Gewerkschaften, und die Versammelten erklärte», daß der Beitrag von 30 Mark den Verhältnisse» der Kisteumacher entspreche, 40 Mark dagegen zu viel seien. Bezüglich des I. Mai schlösse» sich die Kisten« uiachcr dem Vorschlage der Gewerkschaftskommission an und be-. schloffen, daß>/« des Tagesverdienstes, jedoch nicht unter 50 Pf., von denjenigen Kollegen an de» Vertrauensmann abzuführen sei, die am I.Mai arbeiten müßten. Am I.Mai haben sich die Feiern- den früh 9 Uhr bei Mehner, Oranienstr. 134, einzufinden, um von dort»ach der„Neuen Welt" zu gehen. Der Rechenschaftsbericht des Vertrauensmannes Tschern ig vom ersten Quartal 1897 weist ein Defizit vo» 12,30 M. auf. Nach Abzug des Defizits verblieb vom vierten Quartal 1396 ein Bestand von 41,92 M. Die Richtig« keit wurde von den Revisoren bestätigt und der Kassirer entlastet. Gross-Lichtcrfeldc. In einer M a u r e r- V« r s a m m l u n g am 30. März sprach Kollege F r ä n z e l über die jetzige Lage des Baugewerbes. I» der Diskussion betouten mehrere Redner die Nothwendigkeit einer guten Organisation. Zu 3»vurde Kollege Paul M o e r k e r t als Delegirter zur Provinzialkonsereuz, Kollege Ferdinand Lehm a.» n als Delegirter und Kollege F. K i r s ch n e r als Stellvertreter zum Gewerkschaslskartell und Kollege Heinrich Lehmann als Bertrauensniann gewählt. Zu 4. wurde bekannt gegebe», daß die Kollege» aus Zehleudorf eine eigene Zahl- stelle des Zentral- Verbandes gründen. In betreff des Lichter- seider Streitsouds wurde ei» fester Beschluß nicht gesaßt, sondern zur nächsten Versammlung verschoben. VepeMett und letzke Mnrhvichken. Königsberg i. Pr., L. April.(B. H.) Wie der„Ostpr. General-Anz." meldet, sind in der Lehrer Grütter'schen Mordsache die Maurer Anton und Franz Lewandowski aus Schwetz, die in der Nähe von Moditten auf dem Felde bei den städtischen Kanalisations« arbeiten beschäftigt waren, verhastet worden. Ihr Transport nach Posen steht bevor. FrAukfurt a. M., 6. April.(B. H.) Die Stadtverordneten erklärten sich heute nach längerer Erörterung damit einverstanden. daß die Staatsanstalt für Serumforschung von Steglitz»ach Frank- fnrl a. M. verlegt wird und ermächtigten den Magistrat zum Abschlüsse des entsprechenden Vertrages mit der Regierung unter der Bedingung, daß die Stadt im Falle eines Fehlbetrages zu den Betriebskosten jährlich höchstens 10 000 M. zuzuschießen hat. Lemberg, 6. April.(B. H.) Die Stadt Chodorow wurde von bei»» Bahnbau beschäftigten'Arbeitern überfalle». Mehrere Ein- wohner wurden getödtet und mehrere verwundet; zahlreiche Häuser wurden geplündert. Kavallerie und Infanterie ist von Lemberg nach Chodoroiv abgegangen. Miökolcz, 6. April.(B. H.) In dem in der Nähe der Stadt gelegenen Grubenbergwerk sind Erdmassen eingestürzt. Mehrere Arbeiter wurden dabei verschüttet; zwei derselben sind bereits als Leichen geborgen. PariS, 6. April.(B. H.) Anläßlich des griechischen National- festes wurde heute in der griechischen 5iirchs ein Ted« um abgehalten, nach welchem der Archimandrid eine Ansprache hielt. Der griechische Gesandte und die Mitglieder der griechischen Kolonie wohnten der Feier bei. Nach Schluß derselben zogen 200 Studenten zum Grabe Corays, des Helden der griechischen Unabhängigkeit, und legten daselbst einen prachtvollen Kranz nieder. Paris, 6. April.(W. T. B.) Nach Meldungen aus Montceau les Miues fand in de» dortigen Gruben eine Explosion schlagender Wetter statt, durch welche zwei Bergleute getödtet und drei schwer verwundet wurden. Rom, 6. April.(W. T. B.) Deputirteukammer. Das Haus ist stark besetzt. Nachdem eine Anzahl vo» Deputirten den Eid ge- leistet hat, wird zur Wahl des Präsidenten geschritten. Es wurden 431 Stimmzettel abgegeben, von denen 303 auf Zanardelli lauten, während 106 Stimmzettel weiß sind und der Rest sich zersplittert. Die Wahl Zanardelli's wird mit Beifall begrüßt. Athen, 6. April.(B. H.) Anläßlich des heutigen NationnIfesteS prangt die Stadt im reichsten Flaggenschmuck. Die Straßen sind ungemein belebt von der festlich gekleideten Menge. Zettel mit der Ausschrist:„Es lebe der Krieg" werden verlheilt. Heute Morgen wurde der übliche Gottesdienst und die Parade abgehalten. Stach- mittags sollten große Volksversammlungen und Umzüge stattfinden. Verantwortlicher Redakteur: Slugust Jacobcy in Berlin, chiir den Jnserateutheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Dunk und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu S Beilage« u. ll»terhal>»»ü«blnti. Nr. 82. 14. ZchMg. 1, DtÜÜHt NaMzemsntt und Genomen. / Erster Tag. Vor dem Schwurgericht des hiesigen Landgerichts I begannen gester», Dienstag, die Verhandlungen gegen die vermeintlichen Ur- Heber des„Mordanschlags", der angeblich am letzten Tage des Jnni 1895 gegen den Polizei-Oberst von Berlin, 5krause, ausgeführt werden sollte, aber noch rechtzeitig vereitelt sein soll. Die Erwitte- lnng der„Thäter" und die ktlarlegung der Thalumstände hatte der Kriminalpolizei bezw. der Staatsanwaltschaft eine so schwere Ans- gäbe bereitet, daß es erst jetzt, nach l3/4 Jahren, möglich ist, die An- klage der Prüfung des Gerichts zn unterbreiten. Angeklagt sind: 1. der Mechaniker Heinrich Paul K o s ch e- man», geb. 9. Februar 1874 zu Kriedhausen, Kreis Kleve, Dissident, dem Landsturm überwiesen, bestraft am 22. Januar 1396 wegen Verbreitung der anarchistischen Schrift„ G r e t ch e n und Helene" mit 9 Monaten Gefängniß, die er zum theil verbüßt hat; 2. der Metallarbeiter Oskar Max Westphal, geb. 6. No- mmber 1863 zu Berlin, Dissident, unbestraft, seit 21. Juli 1896 in Untersuchungshaft; 3- die geschiedene Ehefrau des letzteren, Elise W e st p h a l, geb. Wingert, geb. 25. Dezember 1865 zn Stettin. unbestraft, seit 21. Juli 1896 verhaftet. Dissidentin; 4. der Schuhmacher Wilhelm Karl Eduard Weber, geb. 39. Januar 1869 zu Nieder- rvildnnge» Kr. Edar, unbestraft, Dissident, seit 21. Juli 1896 in Haft; 5. die Händlerin, verehelichte Josephine Gürtler geb. Sncgowsky, geb. 13. März 1353 zn Rogowo, Kreis Mogilno, seit 19. Sept. 1896 i» Hast. Tie Anklage beschuldigt Koschemaun und Max Westphal, iin Jahre 1395 durch dieselbe Handlung a) gemeinschaftlich die Ausführung des Ver- brcchens vorsätzlich durch Anwendung von Sprengstoffen Gefahr für das Eigenthnm, die Gesundheit und das Leben des Polizei- Oberst Krause herbeizuführen, verabredet zu haben; b) einen Mordversuch gegen den Polizei- Oberst Krause unternommen zu habe».— Elise W e st p h a l und Weber werden angeklagt, von dem Vorhaben der Ermordung des Polizei- Oberst Krause zu einer Zeit, in welcher die Verhütung des Ver- brechens möglich war, glaubhafte Kenntniß erhalten und es unterlassen zu habe», hiervon der Behörde oder dem Polizei-Oberst Krause zur rechten Zeit Anzeige zu machen und zivar, nachdem ein strafbarer Versuch des Mordes begangen worden ist.— Josephiue Gürtler beschuldigt die Anklage, nach Begehung des Verbrechens dem Koschemaun wissentlich Beistand geleistet zu haben, um ihn der Bestrafung zu entziehen. Bei ihr läuft daneben noch eine Anklage wegen M a j e st ä t s b e l e i d i g u g. Die Thatsachen stellen sich nach den Angaben des Staats- a n w a l t s wie folgt dar: Am Sonnabend, 29. Juni 1395, abends zwischen 7 und 3 Uhr, wurde auf deni Postamle zu Fürsteuwalde als unfrankirtes Poftpacket eine Kiste aufgegeben, die in braunes Packpapier eingehüllt war. Neben der Ndresse war auf weißem Papier ein Glas abgezeichnet. Die Adresse lautete: Herrn Oberst Krause, Berlin KO., Alexander- Platz 2. Auf der Packetadresse stand als Absender„C. Becker, Fürsten« walde". Das nachts 11 Uhr 3 Minuten von Fürstenwalde ab- gegangene Packet ist um 12l/s Uhr auf dem hiesigen Schlesischen Bahnhof augekommen und um 2 Uhr nachts auf dem Poslpacketamt in der Oranienburgerstraße eingegangen. Dort bemerkte der Post- Hilfsbote Borck, daß aus dem Packet eine Flüssigkeit tropfte und als er es näher besichtigte, nahm er einen starken Bezingernch wahr. Nachdem das Gewicht der Kiste auf 11 Kilogramm 689 Gramm festgestellt war, wurde sie unter Anwendung der denkbar größten Vorsichtsmaßregeln geöffnet. Da blickte nian denn in das Innere einer vollständigen „Hölleitmaschiue". Eine in der Mitte befindliche kleine Holzkiste war mit Pulver- behältern versehen, rechts und links davon lagen sechs mit Heller Flüssigkeit gefüllte und mit dunkle» Schnüren und weißen Gips- tuten versehene Flaschen. Eine wettere Flasche war zerbrochen und der Inhalt zum größten Theil ausgelaufen. Eine kleinere Kiste, welche ein Uhrwerk in sich schloß, war ans dem Boden der größeren Kiste festgeschraubt. Das Innere des Flaschenhalses und der Hülle der um die kleinere Kiste herumgepackten Nothwein-Flaschen war mit Pulver gefüllt und mit einer Zündschnur in Verbindung gebracht, die Zündschnüre führten nach dem Innern der kleineren Kiste und endeten in einem Pulvermagazin. Letzteres bestand in einem extra dazu gebauten Papierkarton und war an der schmalen Innenfläche der kleineren Kiste festgeklebt. Unmittelbar vor diesem Pulvermagazin befand sich die Mündung eines kleinen Taschen- revolvers; letzterer war an einem kleinen Holzpflock festgenagelt und künstlich mit einem Uhrwerk in Verbindung gebracht. Die Uhr war eine gewöhnliche Weckeruhr, durch sinnreiche Hilfsmittel sollte es ermöglicht werden, daß zu einer bestimmten Stunde durch das Abschnurren des Weckers eine Schnur san dem SHevolver- abzug auf eine Rolle aufgewickelt und der Revolver durch den Ab- zng erst gespannt und gleichzeitig abgeschossen werden würde. Der Revolver war mit Patronen geladen. Das Geschoß der ab- geschossenen Patronen sollte vcrmuthlich die Hülle des Pulver- Magazins durchschlagen und eine Oeffnung sür die folgende Feuer- garbe bilden. Durch das Pulvermagazin mußten die Zündschnüre zu den Flaschen entzündet, die Flaschenhälse durch das darin befind- liche Pulver zersprengt und der Inhalt der Flaschen zur Explosion gebracht werden. Um die Wirkung noch zu erhöhen, waren sowohl die Flaschen als auch sonst die Innenwände der größereu Kiste mit sogenannlen Schlagröhren versehen, deren Zündschnüre auch nach dem Pulvermagazin führten. Da die Weckeruhren nur auf 12 Stunden einstellbar sind, die Explosion aber wahscheinlich erst nach 24 Stunden erfolgen sollte, ist durch eine mechanische Vorrichtung auch diese Möglichkeit erreicht worden. Endlich führte von dem Revolverabzuge noch eine Schnur über eine der Wirbelrollcn hinweg nach dem Deckel der Kiste. Diese Schnur soll den Zweck gehabt haben, de» Abzug des Revolvers bei einem etwaigen früheren Oeffnen der Kiste loszureißen und die Kiste zur Explosion zu bringen. Nach dem Gutachten des Redakteurs Schulz von der „Deutschen U h r m a ch e r- Z e i t u n g" ist die Uhr eine so- genannte Junghans-Weckeruhr aus der Fabrik der Gebr. Junghans in Schramberg. Die Vorbereitungen an der Uhr waren so getroffen, daß die Explosion der Kiste am Sonntag, den 39. Juni 1895, vor- mittags l9>/2 Uhr. erfolgen mußte, aber auch schon früher, wenn vorher der Kistendeckel abgenommen wurde. Nach dem Gutachten des Dr. Jeserich enthielt die Kiste in ihren verschiedenen Theilen 293 Gramm Pulver. Hierzu kommen noch aus drei Papierröhreu 25 Gramm Pulver, ferner enthielt jede der sieben Flaschen einen Zünder mit 4—5 Gramm Pulver. Unter der Weckeruhr befand sich noch eine Mauserpatrone mit 4Vs Gramm Pulver. Die 7 Flaschen enthielten insgesammt beinahe 5999 Gramm Ligroin, das häufig als Benzin verkauft wird und viel leichter flüchtig als dieses ist. Die Anordnung war so getroffen, daß der ganze Raum, in dem die Explosion stattfand, mit brennender Flüssigkeit erfüllt worden wäre. Das verwendete Papier ist Zeitungspapier, und zwar meistens vom „Verl. Lokalanzeiger"; es fanden sich auch Theile der Zeitung„I-a c6te libre", des„Dresdener Anzeigers" und der„Frankfurter Oder- zeitung" vor. Der Revolver ist ein sogenannter Füiifmillimeter- Lefaiicheux geringerer Güte; das Packpapier, mit dem die Kiste um- hüllt war, war mit einem Petschaft gesiegelt, auf dem die Buch- staben C. B., von einer Schleife umgebe», standen.— Die Anklage- behörde vertritt auf grund ihrer Ermittelungen den Standpunkt, daß ein persönlicher Racheakt nicht anzunehmen ist, es sich vielmehr um eine anarchistische Schrecke nsthat handelt. Als die eigentliche» Urheber der letzteren werden die beiden ersten Angeklagten von der An- llagcbehörde angesehen. Ko schein an», der wegen Verbreitung des Amörls" Seri« i der anarchistischen Broschüre„Gretchcn und Helene" mit 9 Monaten Gefängniß bestraft ist, ist nach der Meinung des Staatsanwalts Anhänger der Propaganda der That; er hat die anarchistische, ob ihrer Radoniontaden von uns Sozialdemokraten viel belachte Most'sche Zeitung„Die Freiheit" direkt aus Amerika bezogen. Bei der Haussuchung bei ihm soll neben anderen„verdächtigen" Sachen eine K i st e aufgefunden worden sein, auf welcher ein Uhr- werk angeschraubt war. Es wird ferner behauptet, daß er sich im Jahre 1895 eine solche Junghans-Weckeruhr gekauft habe, wie sie in der Attentatskistc Verivendiiiig gefunden hat. Die Anklagebehörde hat eine ganze Reihe von Zeugen geladen, die den Auflieferer der Attenlatskiste gesehen haben und mit mehr oder wenigerBestimmlheit be- künden sollen, daß esKoschemaun gewesen sei. Letzterer bat bisher m i t a l l e m N a ch d r u ck bestritten, mit d e m A t t e n t a t das gering st e zu thun zu haben, wie er auch leugnet, Anhänger der Propaganda der Thal zu sein. Er halte die Ab- seudnng der Kiste für einen Akt des Spitzelthums und hat einen umfangreichen A l i b i b e w e i s angetreten, der aber nach der Ansicht der Anklagebehörde Belastiingsbeweis geworden ist. Die Anklage nimmt an, daß Koschemaun und Westphal gemeinschaftlich die Atlentatskiste hergestellt haben. Westphal soll auch Anarchist und Anhänger der Propaganda der That sein. Auch bei ihm sind bei der Hanssuchnng allerlei angeblich verdächtige Gegeiislände, anarchistische Broschüren, Knpferdraht, Uhrräder, Patronenhülsen, eine Schachtel mit einer Weckeruhr, ein Brief aus Johannes- bürg, in dem die dort stattgehabte Dyiiamitexplosiou näher be- schrieben war,:c. zc. vorgefunden worden. Er hat bisher be- hauptet, daß er am 29. Juni 1895 von nachmittags 53.'i Uhr bis zur Nacht nnnnterbroche» mit Koschemaun zusammen gewesen sei, er soll sich aber in vielfache Widersprüche verwickelt haben. Frau Westphal ist gleichsfalls Anarchistiu, Weber wird als Anhänger der Propaganda der That geschildert, der damals sehr viel und intim bei Westphal's verkehrte. Nach der Ansicht der An- klagebehörde kann beiden die Herstellung der Kiste nicht entgangen sein. Bei Weber ist bei seiner Festnahme ein Zettel mit Sprengstoff- Rezepten gesunden worden, doch bestreitet er, den Zettel geschrieben zuhaben. Die Angeklagte G ü r t l e r war eine intime Freundin von Koschcman». Sie soll alles daran gesetzt habe», um Koschemaun vor der Polizei, die ihm auf den Fersen war, zu warnen und um die Wittive Koschemaun zu bewegen, den Anzug ihres Neffen, nach welchem bei ihr gesucht wurde, unter keinen Unistände» heraus- zugeben. Nach Ansicht der Anklage war die Gürtler Mitwisserin des ganzen Planes. Ihr werden noch mehrere Mnjestätsbeleidigungen zur Last gelegt, doch auch sie bestreitet, wie die übrigen Angeklagten, ihre Schuld. Die Veehandlniige» finden im großen Schwurgerichtssaale statt, dessen Zuhörerraum bei Eröffnung der Sitzung nur mäßig gefüllt ist. Ein kleines Auf- gebot von Schutzleuten unter Führung eines Polizei-Offiziers hält vor dem Saale die Ordnung aufrecht. Zwei Schutzleute überwachen die Anklagebank. Auf dem Zeugentisch steht die aus zwei Theilen bestehende Explosionskiste, umgeben von den Rothweinflaschen, in denen die Säure enthalten war. Auf einem zweiten größeren Tisch sind von der Kriminalpolizei zahlreiche Akten und Briefschaften ausgebreitet. Seitens des Chemikers Dr. Jeserich ist ein größeres Packet mit Photographien in den Saal geschafft worden. Als die Angeklagten durch den Gerichtsdiener Blankenfeld in den Aiiklageraum geleitet werden, geht ein Murmeln des Staunens durch den Saal: so unbedeutend und mädchenhaft, wie sich der Hauptangeklagte Koschemaun zeigt, hätte sich auch der ängstlichste Philister einen Anhänger der„Propaganda der That", an- geblichen Höllenmaschinen-Verferliger und Mordsgesellcn kaum vor- stellen können. Er macht mit seinem völlig bartlosen Gesicht und in seiner ganzen Haltung den Eindruck eines Sekundaners, dem die blonde Dichterlocke in die Stirn hineinstrebt. Die Angeklagten West- phal nnd Weber sehen viel energischer aus. Den Vorsitz des Gerichtshofes führt Landgerichtsdirektor Rieck, die Anklage vertritt Staatsanwalt K a n z o w, die Vertheidigung führen: Rechtsanwalt Dr. W e r t h a u e r, Rechtsanwalt Dr. S ch ö pjs und Referendar Koch(für Koschemann), Rechtsanwalt Bieber für die vier übrigen Angeklagten. Die Geschworenenbank, von der, wie sonst aus der bürgerlichen Klassenjustiz Arbeiter ferngehalten sind, wird gebildet durch die Herren: Kaufmann Heinrich B o r ch a r d t, Kaufmann Georg von Teschen, Apotheker Dr. Paul Richter, Kaufmann Alfred Händel, Chemiker Oskar Ney, Kunstvcrlegcr Paul Sonntag, Buchhändler Alexius K i e ß- l i n g, Apotheker Richard Busch, Fabrikdireklor Ludwig jk e i l i n g, Ingenieur Felix Brock, Kaufmann Gustav K r a f s t, Fabrikant Gottsried Gebhardt. Da die Verhandlung 5 Tage dauern wird, werden als Ersatzgcschworene ausgeloost: Die Herren Hof-Tischlermeister Hermann Schütze, Baumeister Louis Simon, Kaufmann Karl M i e l e n tz. Als Zeugen und Sachverständige werden ca. 199 Personen in den Saal gerufen, unter den ersteren der Polizeioberst Krause, Polizeirath Wolfs aus Frankfurt a. M.� Kriminalkommissar Bösel, unter den letzteren Redakteur Schultz, Gerichtschemiker Dr. Jeserich, Graphologe Langenbruch, Obermeister Beutel, Sanitätsrath Dr. M i t t e n z w e i g, Sekretär Altrichter und Sekretär B a u d o u i n. Der Vorsitzende Rieck. Bei dem Hinweise der Zeugen auf die Eidespflicht macht der Vorsitzende diejenigen Zeugen,„die sich etwa von dem Glauben an Gott abgewendet haben", mit besonderem Nachruck darauf aufmerksam, daß sie durch diese Thatsache nicht davon befreit werden, unter Anrufung des Namens Gottes zu ver- sichern, die reine Wahrheit zu sagen nnd daß sie sicher die Strafe Gottes und die irdische Strafe des Zucht- h a u s e s t r e f f e n w e r d e, wenn sie i h r e E i d e s p f l i ch t verletzen! Was die Berhandlnngen selbst betrifft, so erklärt der Vorsitzende: Er habe die Vernehmung der Zeugen auf fünf Tage vertheilt. Er hoffe, das umfangreiche Material in dieser Zeit be- wältigen zu können, wenn er von allen Seiten unterstützt werde und von keiner Seite unnöthige Schwierigkeiten gemacht werden. Sollte es nicht gelingen, bis zum Sonnabend fertig zu werden, so sei er fest entschlossen, so lange zu verhandeln, bis der Ab- schlich erreicht ist, er werde dann in die Osterwoche hinein- gehen, eventuell über Ostern hinaus, und weun's sein muß, bis Pfingsten tagen.(Heiterkeit s.'j). Es gebe darüber nichts zn lachen, die Sache sei zn ernst. Die Zeugen bitte er folgendes streng zu beachten: Ueber diese Sache sei viel geschrieben, gesprochen nnd gedruckt— namentlich das letztere— so viel, daß mancher nicht mehr wissen werde, was er gehört und gelesen: eins widersprach immer dem andern! Er bitte die Zeugen, alles über Bord zu werfen, was ihnen mündlich, schriftlich oder gedruckt über diese Sache näher getreten sei. Es sei manches gedruckt worden, von dem man nicht wisse, ob es den Zweck habe, der Justiz beizu- springen, oder aber, um ihr ein Schnippchen zn schlagen und Verbrecher ihrer verdienten Strafe z u e n t z i e h e n. Er ersuche die Zeugen dringend, nur das zu be« schwören, was sie selbst aus eigener Wissenschaft aussagen können. Er bitte auch die Geschworeiien, nur das zu berücksichtigen, was ihnen in diesem Saale vorgeführt wird. Einspruch de» VertheidigerS. Als die Zeugen entlassen werden sollen, erklärt der Vertheidiger K o s ch e m a n n' s, daß dieser sehr kurzsichtig sei und bitte, seiner Tante, der Wittwe Koschemann, auszugeben, ihm ans dem Kasten des in seiner Wohnung stehenden Tisches einen Kneifer oder eine Brille mitzubringen. Auf Wunsch des Staatsanwalts wird der Zeugin Koschemann ein Kriminalbeamter mitgegeben, um festzustellen, . Mitlwoch, 7. April 18S7. ob die Behauptung Koschemann's der Wahrheil entspricht. Der Präsident erklärt, nunmehr in die Verhandlung eintreten zu wollen. Der Vertheidiger Koschemann's erhebt folgende Einweiiduiigen: Die Vertheidigung habe keine Kenntniß von den Kassibern, welche gegen die Angeklagten ausgespielt werden sollten. Die Vertheidigung müsse sich für beschränkt erklären in ihrem Rechte, wenn ihr nicht in vollem Umfange Gelegenheit gegeben werde, sich über die Art, wie die Kassiber in die Hände der Anklagebehörde gelangt seien, zu orientiren, sowie die Kassiber selbst, über welche schon Sach- verständigen- Gutachten eingeholt seien, zu prüfen. Zweitens solle sich noch in letzter Zeit bei der Staatsanwaltschaft ein Z e u g e ae- meldet haben, welcher eine b e l a st e n d e Aussage gegen Kosche- mann machen wollte. Auch über die Qualität dieses Zeugen habe sich die Vertheidigung nicht in- f o r in i r e n können und aus diesen beiden Gründen werde eine Vertagung beantragt, bis die Vertheidigung Gelegenheit gesunden habe, de» Gegenbeweis in vollem Umfange vorzubereiten. Staatsanwalt K a u z o w erklärt zu ersterem Punkte, daß der Versuch gemacht worden sei, Zeuge» zu beeinflussen, als Koschemann eine Zeit lang ans freiem Fuß gesetzt worden war. Es sei deshalb bei einer Person namens W a r s ö n k e eine Haussuchung vor- genommeu worden, bei der zwei Kassiber gefunden worden seien, die nach Annahme der Anklagebehörde von Koschemann herrührten. Gegen die betreffende Person schwebe ein Versahreu wegen Ver- l e i t u n g zum Meineide und so lange dies Verfahren nicht beendet sei, könnten die Kassiber der Vertheidigung nicht zur Verfügung gestellt werden. Zum zweiten Punkte er- klärte der Staatsanwalt, daß der erwähnte Zeuge, der sich gemeldet habe, ein vielfach vorbestrafter und deshalb unglaubwürdiger Zeuge sei, er verzichte deshalb aus dessen Vernehmung. Die Verlheidigniig hielt den letzten Punkt für erledigt, beharrte aber aus dem ersten Grunde auf den Vertagungsantrag. Der Präsident erklärte sich damit einverstanden, den Vertheidiger» bis Sonnabend Frist zu geben, um sich über die Kassiber genügend zu unterrichten; würden die Vertheidiger im Laufe der Verhandlung dann noch eine weitere Frist beanspruchen, so könne eine weitere Vertagung auf drei Tage erfolgen; zu Ende solle die Sache aber geführt werden und wenn sie bis Psingsten dauere.— Rechtsanwalt Bieber ersucht namens seiner vier Klienten, den Vertagungsantrag abzulehnen, da diese ein dringendes Interesse haben, die Sache zu Ende geführt zu sehen.— Der Gerichtshof zieht sich zur Berathung zurück, nach deren Be- cndigu.ig der Vorsitzende verkündet: Der Antrag, der Vertheidigung die Untersuchungsakten in Sachen Warsönke vorzulegen, wird ab- gelehnt, da es vor Schluß der Voruntersuchung nicht gestattet ist; der Antrag aus Vertagung wird gleichfalls abgelehnt, weil die Vertheidigung von dem Tage der ihr zugegangenen Verfügung bis zum Beginn der Hauptverhandlung genügende Zeit zur Orienlirung zur Verfügung gestanden habe. Nachdem die Angeklagten ihre Personalien, wie oben angegeben, bestätigt haben, erklären sie sich auf Befrage» des Präsidenten s ä m n> t l i ch sür n i ch t s ch u l d i g. Der Angeklagte Koschema»». Ueber seinen Lebenslauf giebt Koschemann an: sein Vater sei Grenzausseher gewesen. Er habe zunächst in Kriedhausen die Ge- »leindeschule besucht, dann bei Uebersiedelung seines Vaters nach Zeitz die dortige Mittelschule. Er sei dann bei einem Mechaniker in Zeitz in die Lehre gekommen, sei dann Elektrotechniker geworden und habe als solcher in Zeitz, in Nürnberg und in Budapest ge- arbeitet. Dann sei er aus die Wanderschaft nach dem Salzkaiumer- gnt und die Schweiz gegangen nnd habe sich einige Zeit in Zürich aufgehalten. Bis dahin habe er sich mit politischen Angelegenheiten nicht beschäftigt. Als er nach Berlin gekommen, sei er bei der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft in der Ackerstraße thätig gewesen. Im April 1895 habe er seine Arbeit eines Augenleidens wegen auf- gegeben; als er wiederhergestellt worden, sei er bei Ludwig Löwe in Martinickenfelde in Arbeit getreten und habe dort gearbeitet, bis er verhastet wurde. Hier habe er sich mit technisch- wiffenschaftlichcn Werken beschäftigt, aber auch mit Geschichtswerken, wie Schlosser, Voigt, sowie mit philosophischen Werken von Kant, Schopenhauer, Büchner. Er glaube, die letzteren auch verstanden zu haben. In Budapest und Zürich habe er zwar Vereinen angehört, es seien dies aber nur gewerkschaftliche Vereine gewesen. Hier in Verlin sei er mit Anarchisten in Verbindung getreten, über die Persönlichkeiten aber verweigere er die Aussage. Er habe auch anarchistische Gedanken in Versammlunge» ausgetauscht; wo solche stattgefundeu, wolle er auch nicht sagen. Aus Befragen des Präsidenten giebt er zu, daß eine solche Versammlung einmal bei Späth stattgefunden habe. Mit Westphal sei er als Arbeitsgenosse freundschaftlich in Verbindung gekommen, aber nur als Mensch, nicht als Parteigenosse. Soviel er wisse, stehe Westphal auf dem gleichen wirthschaftlichen Boden. Auf Befragen des Vorsitzenden giebt der Angeklagte in längerer, durch viele Zwischensragen des Vorsitzenden unterbrochenen Aus- führung ein Bild von seiner Weltanschauung und dem Ideal des gesellschaftlichen Zustandes, wie er es sich vorstelle. Er spricht von der freien Eiitwickeluug der Produktionsweise, von dem harmoni- scheu Zusammenschluß der Produktionskräfte, der Befreiung vom Zwange, dem Austausche und der gerechten Vertheilung der Mittel zur Befriedigung der Lebensbedürfnisse:c. ec. Die Anarchisten wollen, wie er sagt, die Gewalt nicht, das wollen vielmehr nur die Terra- risten. Nach seiner Ansicht gliedern sich die Anarchisten in drei Gruppen: in den Individualismus der Stirner und Nietzsche, den Kollektivismus Mackay's und den Kommunismus, den er sür den vernünstigsten halte und der nach seiner Ansicht zum theil schon jetzt durchführbar sei. Aus Befragen des Vorsitzenden giebt der An- geklagte zu, daß ihm bekannt sei, daß der Kommunismus einmal in Paris blutige Szenen verursacht(?) habe. Dies entspreche seinen Ansichten ebenso wenig, wie die Greuelszenen in Barcelona. Seine Mitangeklagten kenne er. es sei ibm aber nicht bekannt, daß Weber mit der geschiedenen Frau Westphal zusammen lebte. Bei Frau Gürtler, die einen Kolportagehandel betrieben, habe er Mittagbrot gegessen und ihr auch wiederholt Geld gegeben. Schließlich erklärt er, daß er den„Sozialist" und die Most'sche„Freiheit" gelesen habe. Ein Geschworener bittet nach der Ver- nehmuiig Koschemann's um Sluskunft, ob einmal der Geistes- zustand des Angeklagten untersucht worden sei. Koschemann erklärt, daß dies nicht der Fall und daß ihm noch nie ein Zweifel über seineu Geisteszustand gekommen sei. Die Vertheidigung be- hält sich einen Beweis dafür vor, daß den Gesängnißbeamlen, die mit Koschemann zu thun gehabt, doch solche Zweifel gekommen seien. Ter Angeklagte Westphal giebt au, daß sein Vater erst Klempner, später Gastwirth war. Diesem sei es zuletzt schlecht gegangen und er sei unter fremde Leute gekommen. Er habe von Hause aus Tapezirer gelernt, beschäftige sich aber seit 1887 als Elektrotechniker und sei auch ca. IVe Jahre bei der Reichspost als Telegraphenarbeiter beschäftigt gewesen. Hier sei er entlassen worden, weil er sich mit dem Werkmeister nicht ver« ständigen konnte. Als er in den„Allgemeinen Elektrizitätswerken" beschäftigt war, habe er die Bekanntschaft von ikoschemaun gemacht. Ziichtig sei, daß er Abonnent des„Sozialist" sei, er gehöre zu den unabhängigen Sozialdemokraten und nicht zu den Anarchisten, von denen er wisse, daß sie Gewalt- maßregeln jeder Art für zweckmäßig hielten, um ihr Ziel zu er- reichen. Eine Zeitlang habe er sich von Koschemann zurückgezogen, weil er ihn im Verdachte hatte, daß er sich seiner Frau in nn- erlaubter Weise nähere. Er habe regelmäßig die Diskntirabende be- sucht und dabei wohl bemerkt, daß sich darunter Leute befanden, welche sür Geivaltmaßregeln waren. Er habe nicht diese Ansicht vertreten. Mit Koschemann sei er wenig zusammengekommen und von der Höllenmaschine wisse er nichts. Die Ehefrau W e st p h a l erklärt, daß sie im Jahre 1882 nach Werlin gekommen, erst Dienstmädchen und dann Mäntel- naheri» gewesen sei. Im Jahre 1386 habe sie geheirathet. Auch sie sei wiederholt in anarchistischen Versammlungen gewesen, ebenso Weber, der 1895 zu ihr gezogen sei. Ihre Ehe sei wegen des angeblich von ihr betriebenen Ehebruchs geschiede» worden. Bon der Herstellung der 5kiste wisse sie ebensowenig wie der An- geklagte Weslphal. Angeklagter Weber erklärt auf Befragen des Vorsitzenden: er sei nicht Anarchist, sondern Anhänger E g i d y' s ch e r G e- danken, habe aber allerdings anarchistische Versammlungen be- sucht. Ans diesen Versammlungen wisse er, daß es Anarchisten giebt, die da verlange», daß diejenige», die nicht gutwillig in das anarchistische Ideal wollen. n>it Gewalt hineingetrieben werden müßten. Von dem Plane, dem Polizei- Oberst Krause eine Explosionskiste zuzusenden, habe er keine Kcnnlniß gehabt. Hätte er rs gewußt, würde er in einem anonymen Briefe davor gewarnt haben. Auf die Frage, ob er es von seinem Standpunkte ans für erlaubt halte, mit einer verheirathetcn Frau zu verkehren, verweigert er die Aussage. Frau Gürtler giebt zu, wegen Diebstahls mit drei Tagen Gefänaniß vorbestraft zu sein, sie bestreitet auch nicht, eine zeillang unter sitlenpolizeilicher Kontrolle gestanden zu haben, giebt aber dazu folgende Erklärungen: Ich habe anarchistische Versammlungen besucht und da ich weiß, daß man über die Tiefen der Menschheit nur sprechen kann, wenn»ran sie s e l b st durchgemacht hat, mußte ich auch dieses Stadium überwinden, um mich zu meiner jetzigen politischen Anschauung durchzilringen.— Sie giebt zu, mit Koschemann bekannt gewesen zu sein und auch Geld für dessen bessere Verpflegung im Untersuchnngsgcsängniß eingezahlt zu haben. Sie habe letzteres aus reinem Menschlichkeitsgefühl und i» dem Beivußtsein getha». daß sie das Geld richtig zurückerhalte. Von der Absendung der Kiste an de» Polizei-Oberst Krause habe sie erst durch die öffentliche Bekanntmachung Kenntniß erhalte». Hierauf tritt eine Mittagspause ein. Die Beweisaufnahme. Nach Wiederaufnahme der Verhandlung wird mit der Ver- nehmung des Postschaffners B o r ck s begonnen. Er war im Juni 1895 ans der Packetpost in der Oranienburgerstraße angestellt und � hatte Nachtdienst. In der Nacht zum 36. Juni ging dort das an den Obersten Krause adressirte Packet mit der ent- � sprechenden Bcgleitadresse ei». Das Packet war von einem angcb- lichen Becker in Fürstenwalde am 29. Juni zwischen 7 und 8 Uhr abends aufgegeben ivorden und sollte I2Vz Kilo wiegen. Der Zeuge bemerkte, daß das Packet Flüssigkeit absetzte und letztere nach Benzin roch. Die ausgelaufene Flüssigkeit brannte auch mit einem starken Knall, als brennendes Papier heran gehalten wurde. Es brannte mehr als zivei Meter hoch. Der Zivischenfall erregte natürlich die Aufmerksamkeit der anwesenden Beamten und die Kiste wurde vorsichtig geöffnet.— Ter Postschaffner W o r b s be< . stätigt diese Darstellung. Als er das Packet gewogen, wog es 11 51ilo 68» Gramm; es war stark verschnürt und versiegelt und das Einhüllepapier bedeckte das Holz der Kiste vollständig. Als die Dcckelseite sich nicht lösen ivollte, drehte der Zeuge die iiiste um, löste behutsam den Boden ab und sah nun die Höllen- Maschine in ihren einzelnen Theilen. Da man sofort sich darüber klar war, daß hier ein Verbrechen vorlag, wurde das Packet vor- sichtig auf den Hof getragen und die Polizei herbeigeholt. Auch die Bekundungen der übrigen Postbeamten, des Postpackmeisters Neuen» dorf, des Postassistenteu Dobrozowski, des Postsekretärs F i n st e r stimmen hiermit übcrein.— Polizeilieutenant H e t s ch k o giebt eine genaue Schilderung von dem Zustande, in welchem er die Kiste vorgefunden, wie er die Zündschnüre, die von den einzelnen Flaschen zur Pulverkammer führten, vorsichtig durchschnitten, wie er die einzelnen Flasche» herausgenommen:c. zc. Die Kiste ist gennu so wiederhergestellt worden, wie sie beschaffen rvar, die Flaschen sind ergänzt und mit anderer Flüssigkeit gefüllt worden und die G e s ch ,v o r e n e n nehmen b i S ins Einzeln« die K o n st r u k t i o n des U h r w e r k s n n d der g e- s a m m t e n H ö l l e u ni a s ch i n e in Sl u g e n s ch e i n. Auch die Angeklagten besichtigen die einzelnen T h e i l e. Das Uhrwerk ist in seiner Konstruktion in der Zwischenzeit etwas locker geworden und es bedurfte erst der Ueberwindung verschiedener vergeblicher Versuche, um den Geschworenen vor Augen zu führen, wie es erreicht worden, daß die Uhr den Wecker erst nach 24 Stunden in Bewegung setzte. Polizeilieutenant H e t s ch k o hat durch Versuche festgestellt, daß in der That beim Los- schnurren des Weckers der vor dem Pulvermagazin angebrachte Revolver losging. Ter Wecker der Uhr war auf Kst/s Uhr eingestellt. Nach der Bekundung des Postsekretärs Finster würde nach der Bestellordnung das Packet zwischen 1» und 11 Uhr bei dem Polizei-Oberst Krause abgegeben worden sein. Gcrichtschcmiker Dr. Jcscrich, welcher die in der Höllenmaschiue befindliche Explosiv- und Zünd- stoffe untersucht hat, giebt folgendes Gutachten ab: In dem Uhrwerk, welches von dem Kasten umhüllt ist, befanden sich zunächst mehrere Patronen, welche mit Pulver und einer pulverartigen Substanz gefüllt waren. An diese» Patronen befanden sich Zündschnüre, welche mit befeuchtetem Pulver imprägnirt waren. Um die Explostonskrast der vorhandenen Pulverröhren, nämlich 2 an der Längsseite, 2 am Deckel und eine an der Schmal- feite besindliche, zu ermitteln, war es nölhig, den Inhalt bezw. den Gehalt jeder einzelneu Röhre an Pulver festzustellen. In den Röhre» waren insgesamint etwa 12» Kubikzentimeter Pulver enthalten. Der viereckige Kasten, welcher sich der Revolvermündung gegen- über befand, hatte einen Inhalt von 92,4 Kubikmeter. Das Gcsammt- gewicht des Pulvers betrug 203 Gramm, wozu noch etwa 25 Gramm kamen, die in den aus Zeitungspapier hergestellte» Zündröhren her- gestellt waren. Daß solch eine erhebliche Menge Pulver eine starke Explosion herbeiführen könne, sei klar. Die Explosion würde zweifellos mit voller Gewalt die ganze Umhüllung und sogar die äußere Kiste auseinaudergerissen und iu der Nähe befindliche Personen durch die umher- schleudernden Stücke schwer verletzt haben. Die Anordnung der kleinen Zündpatronen in den Flaschenhülsen müsse als eine äußerst intelligente bezeichnet werden. Diese Patronen gingen nämlich nicht bis vollständig durch den Korken durch, weil sonst ein Ausfließen des Inhalts der Flaschen zu be- fürchten gewesen wäre, sondern nur ein gut Theil i» den Flaschenhals hinein und waren mit Gips nach allen Seiten bis auf die schmale Zündungszuführung vollständig umhüllt. Wenn das Pulver dieser Patronen, welches einem guten Gewehr- schuß entspricht, zur Explosion kam, mußten unbedingt die Flaschen- Hälse gesprengt werden und der Inhalt der Flaschen in demselben Moment auslaufen. Dafür, daß während die Sprengung der Flaschen durch das Pulver geschah, noch Funken und Fenerbildung vorhanden war, sorgte der Inhalt der die Kiste um- schließende» Läugsröhren. Derselbe bestand nicht aus reinem Gewehrpulver, sondern sogeiiaiiiitem Mehlpulver, welches. seines höheren Kohlenstoffgehalts wegen, langsamer und mit intensiverer Flamme verbrennt. Die Röhren auf der Außenfläche des das Uhrwerk umhüllenden Kastens mußten demnach unter starker Feuerentwickelung brennen, wenn die Flaschenhälse der Benzin enthaltenden Flaschen durch die Pulver- Patronen gesprengt wurden. Ein Versuch, der ganz im kleinen angestellt wurde, bestätigte dies. Die Flüssigkeit war nicht in allen Flaschen genau dieselbe. Von den sieben Flaschen war eine zerbrochen, die übrigen Flaschen enthielten t h e i l s Benzin, thels das noch viel leichter entzündliche L i g r o i n. Wenn man bedenkt, daß der Inhalt aller sieben zweifellos durch die Flaschenhals- Palronen zersprengten Flaschen sofort mit der Stichflamme iu Be- rührung kam und durch die Explosion des Pulvers Theile umhergcschleudert wurden, so ist anzunehmen, daß der ganz« Raum, in dem die Explosion erfolgen mußte, über und über mit brennender Flüssigkeit erfällt werden und alles, was sich in demselben befand, verbrennen mußte. Waren doch etwa s ü u s Liter von der leicht brennbaren Flüssigkeit in der Kiste. Versuche' haben ergeben, daß das Entzündungsuhrwerk sehr gut funktionirte und den Revolver prompt zum Abschuß brachte. Die ganze Konstruktion zeuge davon, daß ein großes Maß von Intelligenz dabei in Amvendniig gebracht worden sein muß. Der Sachverständige Schulz, Redakteur der„Deutschen Uhrmacher-Zeituug", der den Geschworenen auseinandersetzt, wie der Wecker durch Zuthaten verwerthet worden ist, um den Revolver am 3». Jnni, lOVz Uhr, zum Abschuß zu bringen, hat sich durch eigene Versuche überzeugt, daß dieses Ziel wohl erreicht werden konnte. Der Sach- verständige vertritt die Ansicht, daß ein Uhrmacher schwer- lich die Konstruktion so gemacht haben würde, wie sie vorliegt, ebensoiveuig ein Metallarbeiter.— Auf Vorhalten des Vorsitzenden giebt der Sachverständige aber doch die Möglichkeit zu, daß auch ein Metallarbeiler, wenn er nicht in seiner Werkstatt, sondern vielleicht gchcininißvoll im Keller oder an anderen ver- schwiegeueu Orten arbeiten müsse, eine solche Konstruktion als Roth- behelf machen würde. Die Uhr sei ein wenig geölt gewesen, es sei nicht üblich, daß man bei dem Kaufe einer solchen Uhr sich diese erst noch ölen läßt. Nach der auf der technischen Erfahrung be- ruhenden Ueberzeugung des Sachverständigen würde die Uhr nicht wehr richtig funktionirt haben, wenn sie lange vorher schon eingepackt worden wäre; nach seiner Meinung würde etwa 4 oder S'/j Uhr der letzte Termin der Einpackung sein, 3 Uhr würde nach seiner Ansicht zu früh sein, doch könne er bestimmtes darüber nicht sagen. Ober- Telegraphenassistent Stegen- Wilmersdorf ist von der Vertheidigung als Sachverständiger vorgeschlagen. Nach seiner Ansicht hätte jeder Mechaniker die Vorrichtungen an der Kiste anders hergestellt, als dies geschehen ist. Die Sache sei so wenig kunstgerecht und so st ü m p e r h a f t. daß man eine» Mechaniker nicht für den Verfertiger halten könne. Nach einer Reihe von Kreuz- und Querfrage» der Vertheidiger an die Sachverständigen erklärt der Angeklagte Koschemann, daß ein Mechaniker sicherlich Sagespähne in die Kiste eingefüllt hätte. Nach seiner Ansicht sei die Kiste nur hergestellt worden, um jemand hincinzukegen. Zwei Zeugen, die darüber vernommen wurde», auf welchen Ursprung wohl die in der Kiste vorgefundenen deutschen und französischen Zeilungen zurückzuführen seien, sind ohne Belang. Polizei-Obcrst Krause erklärt bei seiner Vernehmung, daß er verschiedene a n o n y m e Zuschriften erhalten habe, welche sich ans das Attentat bezogen. Die eine trägt die Unterschrift„Magistratsfckretär W i e r i n g, Friedrichstraße", und enthält nur die Mittheilung, daß er den Älbsender der Kiste kenne. Der Zeuge erklärt, daß die an- gegebene Persönlichkeit, die sich„Wiering" nannte, nicht e x i st i r e. Ein zweiter Brief war in Fürstenwalde auf- gegeben und lautete solgenderniaßen:„Wenn Sie etwas von dem Urheber des Attentals wissen wollen, so er- laude ich mir, Ihnen meine Adresse aufzugeben, nämlich die des Gutsbesitzers C. B i e r m a n n zu K a r l s h o f bei Fürstenwalde. Wenn die Adresse stimint, werde ich bei Ihnen vorkommen, u m mir die 1000 Mark Belohnung z u holen".— Der Zeuge v e r n e i n t die Frage, ob er je mit der Ueberwachuiig von Anarchisten und Sozialdemokraten zu thun gehabt habe. Nur e i n ni a I habe er bei einem Krawall t h ä t l i ch eingreifen müssen, das sei im Jahre 1892 bei dem Krawall der Arbeits- losen gewesen. Eine Bermuthniig in betreff des Thäters habe er durchaus nicht.„Wenn die Kiste au- genommen und geöffnet worden wäre, so wäre wahr- schein lich mein Sohn das Opfer des Anschlags g e w o r d e«" erklärt der Zeuge mit bewegter Stimme. — Der Vertheidiger Koschemau n's richtet au den Zeugen die Frage, ob er die Gesinnuiig der Schutzleute gegen sich kenne und ob er bei seinen Untergebenen als streng gelte. Der Zeuge erwidert, daß dies möglich sei, aber jedenfalls würden sie ihm auch das Zeugniß geben, daß er gerecht fei. Die Frage der Vertheidigung, ob er wiederholt Drohbriefe bekommen, beantwortet der Zeuge dahin, daß er nach dein Alicntat wohl eine stieihe von Znschristen des aller. unfiäthigsten Inhalts erhalten habe, darunter sogar eine Karte, welche behauptete, er habe sich die Kiste selb st be st ellt. Er versichere ans seinen Eid, daß er von der Kiste erst an jenem Morgen Kenntniß erhalten habe, als er durch die Nachtglocke geweckt und von einem Kriminalbeamten gefragt wurde, ob er eine Kiste ans Fürstenwalde erwarte.— Ans die weitere Frage der Ver- lheidigung, ob er Schntzleule entlasse» habe, antwortet der Zeuge, daß die Disziplinarsachen natürlich alle durch seine Hand gehen. Eine ganze Reihe anderer Fragen der Ver- t h c i d i g n n g beziehen sich auf die Familienverhältnisse des Polizei-Oberst Kraus e und erstrecken sich auf die Kinder des- selben erster Ehe und auf die von diesen geschlossenen ehelichen Verbindungen bezw. eingegangenen Verlobungen. Der Zeuge erklärt, daß er keinerlei Verdacht nach dieser lltichtung hin habe.— Koschemann erklärt, daß die Kiste gar nicht an den Polizei-Oberst Krause von dem Postbeamten abgeliesert worden wäre, da sie nur „an den Oberst Krause" und nach Alexanderplah 2 adrcssirt war, während Polizei-Oberst Krause Alexanderplatz 5 wohne. P o st s e k r e t ä r F i st e r bestätigt, daß in einem solchen Falle der falschen Adressirnng der betr. Postbote nicht berechtigt gewesen wäre, die Kiste kurzer Hand selbst nach Äilexanderplatz 5 zu bringen, sie vielmehr zunächst nach dem Postamt hätte zurückbringen müssen. — Ein Schutzmaiiii K o s ch e l s bekundet, daß er an einer B e d ü r f u i ß a u st a l t am F r i e d r i ch s h a i n folgende mit Bleistift hergestellte Inschrift gefunden habe:„Nieder mit ihm! Wir sind unser Acht— Krause nimm Dich in Acht— Wenn nicht zu Hause— So geschieht's nach einer Pause! Acht entlassene W." — Schließlich wird noch ein von der Vertheidigung vorgelabener Kaufmann H i u tz e aus Frankfurt a. O. vernommen, welcher be- kündet, daß er in seinem Geschäfte auch Petschafte von der Art, wie eins bei der Siegelung der Kiste verwendet worden, führe.— Nach 5 Uhr vertagt der Vorsitzende die weitere Verhandlung aus Mittwoch 9'/« Uhr._ Bierboykott, Gleichberechtigung des Arbeiters und Acuße- riiuge» Kaiser Wilhelms». spielen in einer vom Reichstags- Abgeordneten Richard R ö s i ck e gegen die„Konservativen Kvr- respondeiij" geführten Polemik eine Rolle. Eine dem„Berliner Tagebl." zugegangene Erklärung des Direktors der Schultheiß- Brauerei lautet: „Aus einer Notiz der„Kons. Korrespondenz" ersehe ich, daß die Redaktion über meine Aussübrnngen in der Sitzung des Reichstages vom 26. März, betreffend die Gleichberechtigung der Arbeiter hin- sichtlich der G-ltendmachuiig ihrer politischen Ansichten außerhalb der Arbeitsstätte, sehr unzufrieden ist. Indem sie die Ucberein- stiinmuug meiner Ansichten mit meinen Handlungen zwar anerkeuiien muß, sucht sie die letzteren dadurch zu verdächtigen, daß sie von neuem das Märchen austischt, ich und meine Berliner Bernfsgenoffen hätten sich gelegentlich des Boykotts im Jahre 1894 nach einem „glänzenden Siege der Sozialdemokratie" dem„Diltuni" derselben unterworfen, und darauf sei das Wachsthum der Sozialdemokratie innerhalb des Braugewerbes zurückzuführen. So viel Worte, so viel Uuwahrherten! Der betreffende Artikelschreiber hat jedenfalls keine Ahnung von den Opfern, die jener Kampf nicht nur einer großen Zahl von Arbeitern, sondern auch den Brauereien selbst auferlegt hat— Opfer, die ich und einzelne andere Leiter der größten Betriebe, wie auch der Sozialdemokratie sehr wohl bekanni war. allerdings noch lange hätten ertragen können, die wir aber weder unseren schwächeren Bernfsgenoffen noch den bctheiligien Arbeitern länger zumuthen durften, als der Zweck es erforderte. Und dieser Zweck, der lediglich in der Aufhebung des Boykotts unter Ab- lehnung der von der Sozialdemokratie seinerzeit aufgestellten Forde- rungen bestand, ist auch erreicht worden. Unter diesen Umständen wäre es geradezu ein Unrecht gewesen, zur Genugthiimig einiger außer Schußweite bestndlicher„Staatsretter" in die dargebotene Friedens- Hand nicht einzuschlagen, nur um die Anhänger der Sozialdemokratie die Uebermacht des Kapitals noch länger fühlen zu lassen. Was den Erfolg jenes Kampfes betrifft, so werden die Be- hauptungen der„Konservativen Korrespondenz" am besten durch die Thatsache widerlegt, daß das Berhäliniß zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmerii im Berliner Braugewerbe seitdem ein durchaus zu sried cn stellend es ist, und daß insbesondere der damals mit einigen Abänderungen wieder eingeführte, auf völliger Gleichberechtigung basirende Arbeitsnachweis— wie selbst frühere Gegner desselben offen zugestehen— sich als ein Hort des sozialen Friedens erwiesen hat. Ob ich qualifizirt bin,„im Sinne der Staatserhaltnng Regeln zur Behandlung der Arbeiterschaft aufzustellen", darüber kann jeden- salls die„Konservative Korrespondenz" uinsoweniger ein Urtheil abgeben, als sie sich mit ihren Ansichten in Widerspruch setzt mit Kaiser Wilhelm II. selbst, der am 6. Februar 1889 in einer dem Präsidenten B ö d i k e r und m i r gewährten Audienz wörtlich sagte,„es käme überhaupt darauf an, den Arbeitern die Ueberzeugung zu verschaffen, daß sie ein gleichberechtigter Stand seien und allseitig als solcher anerkannt würde n". Im Dezember vorigen Jahres lobte der deutsche Kaiser be- kannttich die Hamburger Unternehmer für die Stellung, die sie den Hasenarbeilern gegenüber einnahmen, welche für geringe Verbesserung ihrer traurigen Erwerbsverhültnisse kämpsten; am 27. Februar dieses Jahres ist der„Berk. Ztg." zufolge ans dem Festbankett des Provinziallandtages aus gleichem Munde das Wort von„Edel und Unfrei" erschollen und die Aufforderung ergangen, die P e st der Sozialdemokratie bis auf den letzten Stumpf auszurotten. Der„Kons. Korr." wird es ein leichtes sein, diese und ähnliche Aussprüche des Kaisers dem Herrn Rösicke gegen- über ins Feld zu führen, nachdem er sich einmal darauf eingelassen hat, mit de» Preßtrabanten derer um Stumm herum zu polemisiren. Sich über die Wirkung des Arbeitsnachwciscs auszulassen, ist Sache der bctheiligten Brauerei- Arbeiter; was Herr Rösicke über den l894er Boykott sagt, ist nicht ne», jedoch historisch immerhin schätzenswerth. Der ZeutrakailSschuß hiesiger kaufmämiischer. gewerblicher und industrieller Vereine will die Unternehmer auf schlaue Weise von einem wesentlichen Theil der Pflichten befreien, die ihnen in der beabsichtigten Ausdehnung der Krankenversicherung auf alle Haus- industriellen zugedacht sind. Der Ausschuß macht von einem Gut- achten, das die gewerbliche Deputation des Magistrats von dem berühmten Verein Berliner Kaufleute und Industrieller erbeten hat, ans die„Schwierigkeiten" aufnierksam, die sich iiament- lich in dem Falle ergeben sollen, wie die Hausindustriellen von Z w i s ch e n m e i st e r n eingestellt werden. Der Ausschuß beantragt, die Vcrsicherungspflicht erst an dem Tage beginnen zu lassen, au welchem die Hansindustrielle»„erstmalig eine Lohnzahlung erhalten oder solche nach dem Arbeitsvertrage zu fordern haben", und ferner als Arbeitgeber im Sinne des Antrages der Gewerbedcputation den- jenigen Gewerbetreibenden zu betrachten,„dem nach dem Arbeits- vertrage die Lohnzahlung au die verstcherungspflichligeu Personen obliegt".— Wenn dieser Autrag Gehör findet, so ist es für die Unternehmer 5iinderspiel, die ihnen zukommeiiden Pflichten fast ständig auf Zwischenmeister abzuwälzen. � Eine heitere Zcntcnarfeicr- Geschichte giebt ein Lokal- berichterstatter zum besten: Einen verspäteteuZenieuarfeier-Kommers vollzogen(!) am Montag die B u r e a u- H i l s s a r b e i t e r der Stadt im Saale des Berliner Haiidiverkervereius. Ursprünglich war für den 19. März cr. ein gemeinsamer Kommers der Magistrats- sekretäre, Diätare und Hiljsarbciter geplant, doch kam derselbe nicht zu stände, weil dem Präsidenten des ganzen Arrangements, Herrn Magistratssekretär Thiele, durch den Bureaudirektor Werkmeister mitgelheilt wurde, daß man sich an vorgesetzter Stelle sehr darüber wundere, wie die Sekretäre gelegentlich dieser der mit den Hilfsarbeitern gemeinsame Sache machte». nter diesen Umständen müsse Oberbürgermeister Zell«, der sein Erscheinen bereits zugesagt hatte, es ablehnen, sich an der Feier zu b e t h e i l i g e n. Dieser Wink genügte natürlich, den in Aussicht genommenen Kommers zu iichibircii, weshalb die Hilfsarbeiter allein ein Fest arrangirlen, das in animirler Stimmung verlief. Die Festrede hielt der Vorsitzende des Orlsvereins der Berliner Gemeindebcaniteii, Licntenant a. D.!i o r b a ch. An den Kaiser wurde eine vom Hilfsarbeiter E p l e t t st ö ß e r entworfene kunst- volle Adresse abgesandt, deren Text folgenden Schlnßpassus hat: „Wenngleich es uns durch mißliche Verhältnisse nicht vergönnt war. in Gemeinschast mit anderen Geineindebeamten dieses Fest recht- zeilig zu begehen, mögen Eure Majestät allerguädigst die lieber- zeugnng gewinnen, daß"...(folgt Gelübde der Treue und Anhänglichkeit.)" Der Berliner Turnlehrer- Bcreiu hat eine Reihe Thesen aufgestellt, in denen gefordert wird, größeren pädagogischen Werth auf das Turnen und seine Lehrer zu legen. Es werden für alle Lehranstalten wöchentlich mindestens drei Turnstunden gefordert. Bedauerlicherweise wollen die Turnlehrer das von ihnen betriebene Unterrichtsfach anscheinend durch allcrhandAsterpatriotismns versimpelt iviffc»; es ist in den Leitsätze» vom„deutschen Turnen als eines nationalen Erziehungsmittels", sowie von„vater- l ä ii d i s ch e n Schulfeiern" die Rede. Ter Arbdter-Turuvereiu„Fichte" hielt vor einigen Abeiiden wiederum ein Schauturnen seiner D a m e n a b t h e i l n n g ab. Das Ereigniß, welches in der Turnhalle am Mariannen- Ufer vor sich ging, gab Kunde von den Fortschritten, welche diese Abtheilung im Lause des letzten Winters gemacht hat. Die Uebungen wurden gewandt und mit Eifer vollführt; man sah den jungen Mädchen, die tagsüber meist au harte, einförmige Arbeit gebannt sind, an, wie wohlthuend das Turnen auf ihren Körper wirkte. Die Damen- abtheilung deS Turnvereins„Fichte" scheint auch unter den Ar- beiterinnen mehr und mehr Beachtung zu finden; wie wir»r- fahren, hat die Mitgliederzahl sich in wenigen Monaten sast ver- doppelt. Ständige Richter erhielt, wie ein hiesiges Blatt meldet, am Montag, dcii 5. April, das Berliner Gewerbegericht. Bisher waren säinmlliche Richter, selbst der erste Vorsitzende des Gewerbegerichts, am Gewerbegerichi nur im Nebenamt thälig. Dieses System brachte einen häufigen Wechsel der iHichter mit sich, und es kam daher auch vor, daß fast glcichliegende Fälle je nach der Anschauung des einen oder andern tltichters eine verschiedenartige Beurtheilung erfuhren. Mit der Berbreitcrniig der Südseite der Köiiigstrafte ist iinnmehr begoimen worden. Die Jsrael'schen Hänser von der Sömgstraße 10 bis zur Spandauerstraße werden jetzt abgerissen, uin dem von der Firma geplanten kolossalen Neubau Platz zu machen. Iu Sachen deS Botanische» GarteuS hat sich, wie ein Berichlerstatter meldet, die Regierung neuerdings auch mit der Frage beschäftigt, inwieweit die gellend gemachten Vorkaussrechte früherer Eigenthümer von Gcbietsstreifen, die zum Votanischen Garten genommen wurden, noch iliechtsvcrbindlichkeit haben. Ans Anfragen, die der Magistrat hierüber vor Monalea an das zu- ständige Ministerium gerichtet hatte, ist von viesem jetzt ein Antwort- schreiben eingegangen, worin der Fiskus sich u. a. über diese Frage dahin äußert, daß jene Vorkaufsrechte heute als rechtsverbindlich nicht mehr erachtet werden könnten. Dem Veruehmen nach wird der ooni Magistrat eingesetzte Ausschuß zur Vorberathung der An- Gelegenheiten des botanischen Gartens iu seiner nächsten, auf Moni, ig, 12. d. M, anberaumten Sitzung diese und die sich darnii unkiiüvsru- den Fragen erörtern. Vorsitzender dieses Ausschusses ist Stadlraih Berichterstatter sind die Stadtuithe Geh. Reg.-Rath Friede!, �vchhaua und Marggraff. Im Passage- Panoptikum werden die Samoanerinnen mir noch kurze Zeir'zn sehe» sein. Direktor Neninann ist direkt in die Sahara gereist mid bringt von dort asrikanische Wüstenbelvohner hierher. Während ciiicr am Sonntag in der Urania von dem Berliner Diskalirklub„Südost" veranstaltete» Sondervorstellung „Der Kampf um den Nordpol", war der Fuhrer der„Germania", Herr Admiralitätsrath K o I d e w e y, und der Führer der„Hansa", Herr Kapitän I! e g e>» nun, aus Hamburg zugegen, welche ge- legentlich der Nansenfeier nach Berlin gekomme» waren. Herr Dr. Schwahu brachte während der zweiten Pause ei» Hoch auf die beiden deutschen Polarfahrcr aus, deren Erfahrungen im eisigen Norden ja auch dazu beigetragen haben, daß das große Unter- nehmen des gegenwärtig in Berlin gefeierten kühnen Norwegers von so glänzendem Erfolge begleitet war. Die Anwesenden stimmten be- geistert i» die Ovation ein. /[ In der Rugelegeuheit der Fran Panmcister Rothenburg ist dem Sohne der schwergeprüfte« Fran nunmehr vom Amts- gcricht I folgende Verfügung zugestellt worden:„Dem von Ihnen weiter gestellten Antrage, von Amts wegen Ermittelungen über den Geisteszustand Ihrer Frau Mutter anzustellen, vermögen wir umso weniger zu entsprechen— müssen vielmehr unsere Verfügung vom 29. Juni 1895 aufrecht erhalten— als das uns vorliegende Material eine'Annahme, daß Ihre Frau Mutter geistig gesund sei, nicht recht- fertigt. Ucberdies sind die Hindernisse, welche der Beschaffung eines ärztlichen Attestes während des Ausenthalles Ihrer Frau Mutter in Herzberge nach Ihrer Angabe entgegenstanden, durch deren Ent- lassung aus der Anstalt nunmehr beseitigt." Seitens der schwergeprüften Dame und der tveiterhin Be- tl, eiligten wird nunmehr demgemäß der weitere Jnstanzengang in Anspruch genommen werden müsse» unter Beibringung entgegen- gesetzter ärztlicher Zeugnisse, zumal niemand aus der näheren und weiteren Umgebung der Dame vordem wie gegenwärtig die geistige Gesundheit derselben je in Ziveifel gezogen hat,— abgesehen von denjenigen Elementen, welche die 8jährige Jnternirnng der Danie direkt und indirekt bekanntlich bewirkt habe». Es zeigt somit sich auch jetzt in diese,» Fall wiederum, wie schwer es ist. u»ter den gegenwärtigen, beklagenswerth einseitigen gesetzlichen Bestimmungen unseres so reformbedürftigen Jrrenrechts, selbst solchen ärztlichen Gutachten, die durchaus nicht auf objektiv wahre» Thatbestände» erbaut sind, wirksam im Wege des Entmündigungs-Prozeßrechtes entgegentreten zu können. � Wegen der Sonntagsruhe an den nächsten SoinitarfiTn gellen folgende Bestimmungen: Am letzten Sonntag vor Ostern dürfen nach Z 2 der Polizeiverorduung vom 29. Juni 1392 im Handelsgewerbe Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter auch in der Zeil von 2-6 Uhr nachmittags beschäftigt werden, die Läden also auch in dieser Zeit offen sein. Für die Oster- und Pfingstfeiertage ist die nach§ 1 der Polizeiverordnung vom 2l. März 1895 zu erlassende besondere Verordnung noch nicht erfolgt, aber wohl in den nächsten Tagen zu erwarten. Ueber die Frühkonzcrte au den ersten Oster- und Pfingstfeiertage» ist den Polizeimannschaflen vom Polizeipräsidium eine Verfügung zugegangen, wonach diese Konzerte durch diese Polizeiverorduung vom 19. Oktober 1896 nicht verboten sind, für sie aber die Einschränkungen des Z 12 Absatz 3 gelten. Danach dürfe» an diesen Tagen Musikaufsührungen, Gesangs- und deklamatorische Vorträge, Schaustellungen von Personen und theatralische Vor- slellungen in Schanklokalen nur stattfinde», wen» der ernste, de» Feiertage« entsprechende Charakter gewahrt wird. Silbniissionsbliithcn. Wie Jnnungsineister das Handwerk zu heben bestrebt sind, davon geben die gelegentlich der Subinisfions- Vergebung der Pflasterarbeiten für das Etatsjahr 1897/93 i» der X. Berliner Stadlbau-Jnspektion abgegebenen Angebole wieder ein beredtes Zeugniß. Unter den Submittenten befand sich nur ein einziger, welcher kein Jnnungsmeister war. Die abgegebenen Gebote schwankten zwischen 67 999 M. und 37 299 M. als höchste und niedrigste Grenze. Das letzte Gebot, welches also um über 39 990 M. niedriger ist, als das höchste Angebot, wurde von dem Jnnungsmeister B a u m a n n gemacht. Das ziveitniedrigste Gebot, nämlich 33 869 M., hatte kein Geringerer als der Herr Obermeister D e l l o s selbst abgegeben. Und so folgten sich die Herren Jnnnngs- meifter auf der Stufenleiter der Preisdrückerei in bunter Reihe. Als weißer Rabe fignrirte der Nichtinnungsmeister alich hinsichtlich der Preisforderungen, denn derselbe halte das zweithöchste Gebot mit 54 535 M. gemacht. So wird das Handwerk von de» Jnnnngs- brüdern„gehoben"! Die Steuereinziehung hat im Etatsjahre 1695/96 in Berlin, nach dem jetzt vorliegenden Bericht der städtischen Steuerdeputation, im ganzen ein verhältnißmäßig günstiges Ergebniß gehabt,— wenn Man in betracht zieht, daß infolge der am 1. April 1895 in krast getretene» Steuerreform die Geschäfte der Steuerkasse sich schwieriger gestalten mußten.(Aus letzterem Grunde ist auch eine Vergleichung mit den Vorjahren nicht gut angängig.) Von den verschiedene» Steuerarten sind die wichtigsten die Einkommensteuer». Vei der Gemeinde- Einkommensteuer wurden vom Steuersoll(einschl. Reste aus Vorjahren) 3,31 pCt. ivegen NichtVerpflichtung, 1,60 pCt. wegen llnbeitreiblichkeit niedergeschlagen. In Rest blieben 1,62 pCt. Die Einnahme betrug 93,47 pCt. nach Abzug von 2,39 pCt. Rückzahlungen und 91,98 pCt. des Solls. Bei der Staats- Einkommensteuer wurden vom Soll(einschließlich Reste) 3,19 pCt. wegen Nichtvcrpflichtung, 1,36 pCt. als unbeitreiblich niedergeschlagen, während 1,59 pCt. im Rest bliebe». Eingenommen wurden 94,94 pCt., nach Abzug von 1.24 pCt. Rückzahlungen 92,89 pCt. des Solls. Werden jedoch die Einkommen bis 3999 M. von denen über 3999 M. getrennt, wie es der Bericht für die Staats-Einkommensteuer thut, so ergeben sich für die kleineren Ein- komme» 7,13 pCt. des Solls als nichtverpflichtet, 6,54 pCt. als un- beitreiblich, 2,85 pCt. als Ziest, für die größeren dagegen nur 2,16 pCt. als nichtverpflichtet, 9,17 pCt. als unbeitreiblich, 1,17 pCt. als Liest. Eine noch weitergehende Spezialisirung nach Einkommen- stufen, die übrigens auch für die Gemeinde- Einkommensteuer zu wünschen wäre, würde voraussichtlich noch stärkere Gegen- sähe ergeben. Bei der Gemeinde- Einkommensteuer hat die Wiederheranziehung von ca. 169 999 mit 669—999 M. Einkommen veranlagte» Personen viel Arbeit gemacht und wenig eingebracht. Die Steuerzahler dieser Stufe gehören meist zu der am stärksten fluktuirenden Bevölkerung. Manche ziehen im Jahre sogar mehrere Male um, weil sie der oft wechselnden Arbeitsgelegenheit nachgehen müsse». Der Bericht erklärt die 1895/96 eingetretene starke Vermehrung der Reste zum theil aus dem Verzug vieler Steuerpflichtiger dieser Stufe. Außerdem wird aber auch darauf hingewiesen, daß„die für viele Steuerzahler noch immer un- günstigen Erwerbsverhältnisse nicht ohne Einfluß auf die Zunahme der Reste geblieben sind." Raufbolde. Ein Zweikampf auf Pistolen hat am Montag früh abermals im Grunewald stattgefunden. Es handelt sich, wie ans dem wenigen,>vas über die Angelegenheit laut geworden ist, hervor- geht, um die Fortsetzung eines früheren Streites. Der eine Gegner soll erst kürzlich wegen Zweikampfes eine Festungshaft verbüßt habe», durch de» ersten Waffengang aber noch nicht zufriedengestellt gewesen sein. Diesnial fand ein dreimaliger Kugelwechsel statt, der Kampf soll aber trotzdem unblutig verlausen sei». Die Veranlassung liegt, wie gerüchtweise verlautet, in einer schweren Kränkung, die von einer Seite der Familie der anderen zugefügt worden sein soll. Diese Prngclgcschichle klingt ja beinahe wie eine zweite Auflage des Falles Kotze. Herr Wilhelm Tappert bezichtigte gestern in verschiedenen Berliner Blättern Herrn Kcrr, der ihn der unlauteren Zugänglich- keit für Geldzaben und Mißbrauch des Amtes angeklagt halte, der Lüge und Verleumdung und theilte mit, daß er die gerichtlichen Schritte bereits eingeleitet habe. Der zweite Beschuldigte, Herr Lnckowitz, hat bisher nichts von sich hören lassen. Herr Kerr wird also, ivie es scheint, von der Bereitwilligkeit, mit der er bekanntlich seine Anschuldigungen vor Gericht zu vertreten versprach, vorläufig nur in einem Falle Zeugniß abzulegen haben. Wurst von kranke» Thieren. Das königl. Polizeipräsidium theilt mit: Dem Pächter der auf dem hiesigen städtischen Schlacht- Hose errichteten Anstalt zur Verarbeitung des beanstandeten Fleisches schwachsinniger und geringgradig tuberkulöser Thiers ist die Er- laubniß ertheilt worden, aus solchem Fleisch nach erfolgter Kochung bezw. Sterilisation Kochwurst herzustellen und in den Verkehr zu bringen. Die in der gedachten Anstalt hergestellte Wurst ist an jedem Ende mit dem Stempel:„Sterilisirt, Städtischer Schlachthof" versehe». Auch nach dieser Wurst wird sich die ärmere Bevölkerung wohl ebenso drängen, wie bisher nach dem gekochten Fleische. Gegen die„Konsumvereine" im Südwesten der Stadt wollen sich auch die Kolonialwaarenhändler und Grünkrainhändler organistren. k-' Vom Schlachtfelde der Arbeit. Am Montag früh gerieth in der Pianomechamk-Fabrik von Langer n. Ko., Blumenstr. 23, der 22jährige Schloffer Otto Rosemund beim Abnehmen eines Treibriemens von einer in Bewegung befindlichen Welle mit der linken Hand in das Getriebe und wurde mehrere Male herum- geschleudert. Hierbei wurde ihm der linke Arm zuerst gebrochen, dann völlig ausgerissen. Er wurde in das Krankenhaus am Friedrichshain gebracht. Auf dem Wege zum Armeuvorstcher gestorben ist der 76 Jahre alte Almosenempfänger Gellncr aus der Oudenaarderstr. 19. Der Greis wollte de» Vorsteher im Hause Hennigsdorferstr. 26 ans- suchen und hatte die Wohnung beinahe erreicht, als er auf der Treppe zusammenbrach und auf der Stelle verschied. Wie kam es, daß ein so entkräfteter Mann sich selber auf den Weg machen mußte, um von dem Armenvorsteher etwas zu erlangen? Zu«« dritten Male seine» Angehörige» durchgebrannt ist der dreizehnjährige Otto Richter, der bei seinen Stiefeltern, de» Schlosser B l o s e l' scheu Eheleuten in der G r ä f e st r a ß e 31 wohnt. Der Knabe ist mittelgroß, hat dunkelblondes Haar und braune Augen und trägt einen dunklen Anzug, Schnürstiesel und eine blaue Mütze. Vou eine»» größere« Fener wurde in der vergangene» Nacht die Teppich- und Möbelstoffsabrik von H. Thomas, Oranienstr. 126, betroffen. Ans noch nicht aufgeklärter Ursache im Erdgeschoß entstanden, hat das Fener fertige Teppiche und Möbelstoffe ergriffen. Die Feuerwehr halte längere Zeit mit der Bewältigung der Flammen zu thun. Theater.„Das Stiftungsfest", bekanntlich der lustigste Schwank G. v. Mofcr'S, geht morgen im Schiller-Theater zum ersten Mal in folgender Besetzung in Szene: Dr. Schefiler: Herman Blank, Bertha: Hedwig Pauli), Bolzau; Julius Eyben, Wilhelmine: Serasine Detschy, Ludmilla: Paula Ävermann, Dr. Steiukirch: Max Reimann, t artmiß: Albert Patry, Brimborius: Adolph Steinccke, Schnake: Alfred chmasow.— In„Heirath auf Probe", Posse mit Gesang nach Reiner u Buchbinder von Jean Kren, Gesangstcxte von Gustav Gvrjj, welche am Sonnabend zum ersten Male im Thalia-Theater in Szene geht, sind in den Hauptrollen die Damen Theren, Boje. Frcdi-Franle», sowie die Herren Sachs, Böttcher, Ewald, Junkermann und ein neuengagirtes Mit- glied Herr Grantzor beschäftigt. Die Musik ist vom Komponisten und Kapell- meister Herrn Leopold Kuhn.— Im Alexanderplatz-Thcater soll — entsetzlich aber wahrt— Prinzessin Chimay draniatisirt werden.— Im O st c n d- T h e a t e r hat Herr Jos. Dill am Freitag sein Benefiz. Gegeben wird„Klein Geld"._ Alis den Nnchbarorte«. lieber eine furchtbare Blutthat, die noch dringend der Auf- klärung bedarf, gehl uns folgende Mittheilmig zu: Am Sonntag Nachmittag passirte ein Berliner Ausflügler die Grunewald-Chaussee zwischen Westend und Köuigsgarten und trat, etwa eine Stunde von Westend entfernt, seillich in den Wald. Der betreffende Herr ging auf ein Gebüsch zn und als er sich diesem näherte, entdeckte er zu seinem Entsetzen die Leichen von zwei Männern, welche an- scheinend mit ei» und demselben Revolver getödtel worden waren; die beide» Leichen lagen etwa fünf Schritte von einander entfernt. Der jüngere der Männer, welcher etwa 29 Jahre zählen mochte, war durch einen Revolverschuß in die Schläfe getödtel, die Wunde ist ihm anscheinend von dem zweiten, einem 45- bis 59jährige» Manne, beigebracht worden, welcher sich sodann ebenfalls eine Revolverkngel durch die Stirn in de» Kops gejagt hatte. Der Revolver, welcher von der Obersörsterei mit Bc- schlag belegt wurde, hatte eine Länge von ca. 25 Zentimeter. Im Gebüsch lag noch eine halb geleerte Weinflasche,'ans welcher die Beiden dem Anschein nach getrunken hatten. Ueber den furchtbaren Fund war bisher Näheres noch nicht zu ermitteln, da irgend welche Papiere bei den Tobten nicht vorgefunden worden sind. Ein Lcichcnfund bei Wilhclmineuhof ist noch nicht auf- geklärt. Die dort aus der Spree gelandete Leiche eines Mannes, dessen Schädeldecke eingeschlagen war und an dessen Hals an einem Strick eine Thonröhre hängt, ist gestern Montag ans Veranlassung des Amtsgerichts zu Köpnick gerichlsärztlich geöffnet worden. Die Obduktion hat indessen, da die Leiche durch langes Liegen im Wasser bereits stark in Verwesung übergegangen war, die Todesursache nicht feststellen könne». Auch über die Persönlichkeit des Mannes ist noch nichts ermittelt. Der unter dem Verdacht des Raubmordes auf dem Aus- waiidererbahnhof Ruhleben vor 14 Tagen verhaftete russische Kauf- mann Razemohr ist am Sonnabend nach der Grenze gebracht worden, um an die russische Behörde ausgeiiesert zu werden. Der Thalort soll Warschau gewesen sein. Die Berliner Firmenschildcr-Verordnung ist jetzt auch auf den Regierungsbezirk Potsdam ausgedehnt worden. Auf Bahnhof Friedrichshagc» ist gestern früh 7 Uhr 19 Min. die Maschine eines noch leeren Persoueuzuges, der nach Berlin be- stimmt war, entgleist. Sie legte sich quer über das Geleise, das sie so für den Verkehr sperrte. Der Unfall ging ohne Beschädigung des Dienstpersonals ab. Der Personenzug wurde dann vom Nebengeleise nur durch eine Güterzugmaschine mit anderthalb Stunden Verspätung nach Berti» geschleppt. Ein Neuntel ihres GesammtetatS bestreitet die Gemeinde Weißenfee aus Polizeiftrafen. Iii der Sonnabendsitzung des Amts- ausschusses wurde der Etat für 1397/98 mit 39 999 M. festgestellt, von weichem etwas über die Hälfte, nämlich 17 999 M., von der Gemeinde aufgebracht werde», während die Polizeiftrafen mit 3372 Mark in Ansatz gebracht sind. Da mit den Polizeistrasen die erforder- lichen Einnahmen nicht gedeckt werden, muß der Kreisausschuß natürlich noch einen Zuschuß von 3499 M. leisten. Gegen die Bestätigung der Wahl des Bürgermeisters Jähue zum Oberbürgermeister von Potsdam hat die Potsdamer Schlächterinnung Einspruch bei dem Minister des Innern erHobe». Dieser Einspruch stützt sich auf Vorkommnisse im städtischen Schlacht- Haus, da Jähue der Vorsitzende der Schlachthausdeputation war. Die deutMe Fuptiz setgen Kievleiiee- veveine. D er V e rb a nd d er T ö p f er, ein Verein, der aus öffentliche Angelegenheiten einwirken will. Der genannte Verband, der sich über ganz Deutschland erstreckt, hat sich in seinem Statut ein rein gewerkschaftliches Programm gesetzt, wie andere Zentralverbände auch. Im Falle von Streiks ist dem Zentralvorstande sofort Anzeige zu machen, der dann den Streik entweder ausdrücklich billigt oder seine Billigung den Betheiligte» versagt. Wird der Streik gebilligt, dann sorgt der Zentral- vorstand für Absperrung des Zuzugs und für Geldunter- stntzung, im anderen Falle nur für Absperrung. Der Vor- sitzende K o r m a n n der Fttiale Osterfeld des„Allgemeine» Vereins der Töpfer und Berufsgcnoffen Deutschlands", wie sich der Verband nennt, war seinerzeit angeklagt worden, die§§ 2 und 13 des Vereinsgesetzcs übertrete» zu haben. Er hatte es nämlich unter- lassen, von dem Austritt eines Mitgliedes der Polizeibehörde binnen drei Tagen Meldung zu machen. Polizei und Staatsanwaltschaft sahen in der Filiale einen selbständigen Verein, der auf öffentliche Angelegenheiten einzuwirken bezwecke. Die Vorsitzenden von Vereinen mit solchen Zielen sind gesetzlich verpflichtet, von jeder Veränderung im Mitgliederbestande die Polizei des Ortes zu benachrichtigen. Das Schöffengericht sprach K. frei, die Strafkammer verurtheilte ihn aber trotz seines energischen Protestes gegen die Annahme, der Ver- band und die Filiale wollten auf öffentliche Angelegenheiten einwirken, zu 15 M. Strafe. Das Landgericht meinte, der Verein der Töpfer Deutschlands gehe mit seinen Zwecken über private Einzelintereffcn hinaus, er wolle die„sozialen Verhältnisse fördern", berühre das Gemeinintereffe und gehöre sonach zu den im tz 2 des Vereinsgesetzes gekennzeichneten Vereinen.— In seiner Revision betonte der Angeklagte, der Verein beschäftige sich nur mit privaten Dingen, mit der Regelung des Lohn- und Arbeitsverhältnisses zwischen bestimmten Parteien, dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer. Der Strafsenat des Kamme rgerichts wies die Revision zurück. Die Filiale i» Osterfeld, die als ein besonderer Verein zu betrachten sei, beschränke sich nicht auf Eingriffe in Privatverhältnisse, sondern wolle gleich dem allgemeinen Verein statutengemäß eine günstigere Gestaltung der Eriverbsverhältnisse des ganzen Töpferftandcs Deutschlands durch eine im großen Stile organisirte Unterstützung von Streiks anstreben. Darin liege aber eine Förderung der sozialen Interessen im Gemeinwesen, also die Beschäftigung mit einer öffentlichen An« gelegenheit im Sinne einer Einwirkung auf die letztere. Kormann als Vorsitzender der Filiale hätte deshalb den Erfordernissen des § 2 nachkommen müssen._ Dovsnttnttlttttgen. Sattler nnd Tapezirrr. In einer nur mäßig besuchten Mit- glieder- Versammlung der Filiale I, welche am 27. März im „Englischen Garten" tagte, sprach Genosse Wagner über„Volks- bildung nnd Klassenbewußtsein". Von einer Diskussion wurde Ab- stand genommen. Unter Vercinsangelegenheiten wurde der Arbeits- Nachweis einer herbe» Kritik unterzogen. Die Chemiegraphe« hielten Donnerstag, den l. d. Mts., ihre Generalversammlung bei Z u b e i I ab. Nach Erledigung des Vec- waltungsberichles kam der Vorsitzende auf die Entwickelung d-s Vereins z» sprechen, dabei betonend, daß trotz des verhältnißmäßig gute» Mitgliederbestandes doch noch viel Arbeit vorhanden wäre nicht allein nur die Fernstehenden heranzuholen, sondern auch jene aufzuklären, welche wohl Mitglieder, jedoch noch nicht ihre wirkliche Lage erkannt haben. Hierauf gab Kollege G r a g e n den Kassen- bericht»nd wurde demselben ans Antrag K u b» g Decharge er- theilt. Die Neuwahl ergab folgendes Resultat: 1. Vorsitzender: Kollege S a h m wiedergewählt, 2. Vorsitzender: u b i g, Kasstrer: Grageu wiedergewählt, 1. Schriftführer: Volkert, 2. Schrift- führer: Schulz wiedergewählt; als Revisoren: Meier, Krüger und Götz. Da Kollege W o h l e r sein Mandat als Hauplkassc»- Revisor niederlegte, wurde Kollege B o s e mit diesem Amt betraut. Eine öffentliche Bäckerbersammlung lokaler Richtung, von 59 bis 69 Theilnehmeru besucht, tagte am Dienstag Nachmittag bei Gründel. Es wurden zunächst Schneider und Barth als Vertrauensmänner der lokalen RichUmg, n»d K l a m m e ck und Schneider als Delegirte zum Kongreß der Lokalorganisationen gewählt. Dann wurde über das Verhalte» des Gesellcnausschuffes der Innung„Konkordia"gcsprochen, welcher den Meistern seine Unterstützung zugesagt hat bezüglich der Abschaffung der Nachtarbeit. Dies Ver- halten ist dem Ausschuß— wie Barth sagte— theilweise ver- »bell worden. Auch im„Vorwärts" habe gestanden, die Ab- schaffnng des Kost- und Logiswesens im Hause des Meisters sei wichtiger, wie die Beseitigung der Nachtarbeit.*) Von anderer Seile, unter anderen auch von Most, wurde be- tont, daß die Abschaffung des Kost- und Logiswesens mancherlei Uebelstände, namentlich bezüglich der Schlafstellen mit sich bringen würde, so lange die Nachtarbeit noch bestehe. Ans diesem Grunde sei es also gerechtfertigt, wenn der Gesellen- Ausschuß die Meisler in ihrem Bemühe» um Abschaffung der Nacht- arbeit unterstütze. Fischer machte Most den Borwurf, er habe im Gesellenausschuß sich für Beibehaltung des Kost- und Logiswesens ausgesprochen, was M o st entschieden bestritt, und betonte, der Ge- sellenausschuß werde stets die Jutereffe» der Kollegen wahrnehmen. Folgende Resolution wurde angenommen: Die Versammlung spricht dem Gesellenansschiiß der Bäckerinnung„Konkordia" für sein Ver- halte» ihr volles Vertrauen aus und verpflichtet denselben, in der bisherigen Weise weiter zu arbeite». Eine von Fischer eingebrachte Gegeuresolutioii wurde somit als abgelehnt betrachtet. Aebeit-e-KIlioingsl'chul«. Scmester-Ferlen bis Mitte April. Di» K«s»IiaII» d«r Atl>»it»»Kild>»>s«sch>tt«, Brunnensir. 25, ist wochentags von e—9 Ubr, Sonmags von<— v Uhr, unentgeltlich für iederman» geöffnet: die G e s ch ä f t s fl e I l e der Schule X., Biunnenftrabe 25, die den«ereins- vorständen zur Vermittelung von Vorträgen wissenschafttichen EharakterS zur Verfügung steht, ist ebensaus von 6—» Uhr nachmittags geöffnet. Arv«it»r-Dii„a»rl,>»>d VerlinS und Umgegend. Vorflhsnder Ad. Noumann Pafewalkerstr. s. Alle Aenderunge» im Vereluelalender stnd iil richte» an Zstledrlch ft v r l ii tu, Manie» ffelftr.«o, v. 2 Hr. euiiciici-- Jimnhciiumb Kerlln« und tlmgigend. Aeiideruilgen im Vereinskalender sind zu richte» an Hermann B ra UN sch w e ig, jvresdcner- straße so, 2. Hof, t Tr. tZ»i,d d-r gesellig»» A»i,»it»rv»r»>ii» H»»li»s»nd plingigend. Alle Zuschriste», den Bund belresfead, sind zn richten an H. B e n d t r, Alerandrinen- stratzc loa. fvllaiverei» der Konditor«». Donnerstag, den s. April, abend» o»hr, abiel, Rofeitthaleistr. 67; Mitglieder- Versammlung. Siatutenveralhung deS Jnduflrieverbandss. zandomniinschoft d»r Kchleoniig-Kolftein»». Heute, abend? Sfj Uhr, in S. Feuersteins Festsälen, Alle Jalobstr. 75: Generalversammlung. Oongkellorv, English COnversational- and Reading-Club. S o'cloeU at Tettenborns' Pestaurant, Wall-Strasse 91. Guesls are welcome. Devciii für Körper- nnd N>»turIt»IU«und». Heule, abend» sr Uhr, Alexanderftr. 270: Versammlung- Vortrag über:„Bertehrie stindererziehung." Ref. Herr Grundmann. Eingelanfene Druckschriften. Von der ,.V»u«n Zeit"hwo»«r, Moderne Opfer. Drei Bilder aus dem Lehrerleben der Jetztzeit. M. Glünecke's Verlag, Berlin C. Witterniiflsiibcrsicht tiom 6. April 1807. Wetter-Prognose für Mittwoch, den 7. April 1807. Kühl, theils heiter, theils nebelig bei schwachen nordöstlichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbureau. *) Das ist nicht ganz richtig; wir halten eines so wichtig, wie das andere. Nur gegen die Anschauung hatten wir uns seinerzeit gewendet, als ob die Abschaffung von Kost und Logis beim Meiner für die Gesellen gar keinen Werth habe, solang« die Nucht« arbeit bestünde. Red. d.„Vorm." Briefkasten der Redaktion. Slrbriter-Bilduttgsschule. Vom Oktober 1896 biS 31. März 1897 nui.Kii ein: Geschenke: L. i» L. 400 M. Allg. deutscher Tapezircr- Verband 3,—. Lese- und Diskutirklub..Pcstallozzt" 20,—. Mücke 6.—. ftoiokmnöki 2,-. Dr. Mehring 3,-. Tischler der Finna Fork, Kretichnier u. Co. 30,—. Frau Behrendt für die Lesehalle 2,—. Unbekannt 2,-. Gast der N.-Schule 1,-. RauchNub„Ringelwolle" 10,-. a h r c s- B e i t r ä g e: R. Flatow 6,—. Dr. jur. Herzseldt 20,—. Direktor Sölden 10,-. Paul Singer 100,-. Mar Babing 30,-. Gründe! 5,-. Freirelig. Gemeinde 50,—. Dr. phil. Herzseldt 5,—. Heinr. Frees e 10,—. Jl. Bebel 20,—. Dr. Friedeberg 10,—. E. Niemann 10,—. S. Brünn 100,—. mau Dr. Braun 6,—. Paul Grimm 5,—. Heinr. Schulz 5—. A. Böttcher 7.—. Frl. Stahl 5,—. Paul Hirsch 5,—.' Benihard Weniger 5,—. Tellers« in ml u» gen: Gründel 8,20. Arminhallcn 27,45. Cohn's Fe,lsaal 48,20. Keller's Festsaal 76,97. Gründcl's Saal 15,95. Joäl's Saal 11,90. CohN'S Festsaal 34,05. Cohlüs Festsanl 13,50. Summa 1128,22 M. Auvcrdem gingen von verschiedenen Seiten Bücher für die Bibliothek ein. Den Gebern dank. Der Vorstand. 3- A.: H.K ö n i g s. Kassircr, Diesfenbachstraße 30. K. B. Fragen Sic an bei Ä. Hosfmann, Blumenstr. 14, Berlin O. , Ag.«om. Schuhmacher. In Ihrer Korrespondenz mit uns müssen Sie sich schon derjenigen Schrift bedienen, die jedermann lesen kann. Wir haben keine Zeit, Ihre Hieroglyphen zu entziffern. Tträck, Weberstraste. Niemals. K. M. Reform. Nennen Sie Ihren Namen oder besuchen Sie uns bitte. ».Mailieb." Möchten wir lieber nicht bringen. Charlottenburg E. La petite republique, Paris, 12 Eue Paul- Lelong. ®. 8. 100. Wir haben keine Ziehungslisten der 1896er Gewerbe- Ausstellungslotterie mehr zur Hand. Sie würden auch selbst ini Glücksfall ihren Gewinn nicht mehr einheimsen können, da die nicht abgeholten Gewinn- gegenstände längst verkauft sind. I. P. 100. 1. Dieselben Papiere wie ein Inländer, im übrigen hängt es davon ab, welche Staatsangehörigkeit der betreffende besitzt. 2. Nein. 3. Ueberall gleich.— M. H. Nein; sprechen Sie indejz lieber m i t dem Papier in der Sprechstunde vor.- Schulz. Nein.- S. 18. Nichts.— Brandschadeu. Eine Anklage könnte höchstens wegen fahrlässiger Brandstistung erhoben werden; indeß liegt nach Ihrer Darlegung keinerlei Befürchtung zur Erhebung einer solchen vor.— Otto H. 2». Die Klage wäre leider aussichtslos.— 100 Cutin. Bei Leistung des Offenbarungseidcs niujz alles im Eigenthum des Schwörenden Stehende angegeben werden, also auch die Anzüge, Möbel und Forderungen. Ist der Offenbarungseid geleistet, so kann der Schuldner selbstverständlich erwerben, was er will; ebenso kann der Gläubiger so ost pfänden wie er will.— Alter Abonnent. 1. Nein. 2. Unverständlich.— M. B. 123. 1. Nein. 2. Es muff der volle Vor- und Zuname der Frau in der Firnia enthalten sein. Dem Zwecke entspräche also etwa als Firma der Name der Frau mit dem Zusatz: E. T. Nachfolger. A. S. Z.» Swinemünderstr. Sie können beim Amtsgericht auf Rückgabe der Nähmaschine, eventuell Rückzahlung der 30 M. klage».— 001. P B. Die Bestimmungen der InLaliden-Versicherungsnovelle sind in der zweiten Woche vorigen Monats im„Vorwärts" dargelegt.— G. B. Die Kosten sind von der zum Annenrecht verstatteten Partei nicht zu er- statten. Die Rechnung ihres Anwalts geht ihr trotzdem zu.— 101. M. M. 1. und 2. Nein. 3. Ja.— G. M. A. 13. Sprechen Sie in der juristi- schcn Sprechstunde vor.— W. W. 8» Rothe 116». Ja.— Hilbesheim» Zu Schöneberg.— D. in Rixdorf. 1. Nein. 2. 1 Jahr. 3. Ist wahlberechtigt.- C. T. 28. Der Wirth.- Oesterle. 1. Ja. 2. 2-3 Mark. - N. G. 1864. 1. Steglitzerstraffe 55, ist aber dort nicht zu sprechen. 2.„Schlcswig-Holsteinische Volkszeitung" in Kiel.— Hg.» Wi. Nein. — H. T. O. in H. Ja.— Gr. Gr. Die Ehemündigkeit des männ- lichcn Geschlechts tritt mit dem vollendeten 20., die des weiblichen Ge- schlcchtS mit dem vollendeten 16. Lebensjahre ein. Dispensation von dieser Altersgrenze ist zulässig.— Lord. Der Empfang unentgeltlicher Lehrmittel in Berlin ist lein Almosen, nimmt also keineswegs das Wahlrecht.— •6. B. 17. 1. Ja. 2. Fortgehen; sie muh aber den Beweis führen können. 3. Ja. 4. 6—12 M. für die Entbindung und 1—2 M. für jeden Gaim.— 1000 Charlottenburg. 1. Nein. 2.-4. Ja. 5. Nein. — C. 8. Frauen können die Erstattung der Hälfte der fiir sie geleisteten Klebcmarken verlangen, wenn sie mindestens 235 Marken vor Eingehung der Ehe geklebt haben und den Anspruch auf Erstattung innerhalb drei Monaten nach Abschluff der Ehe bei dem Vorstand der Versichcrungs- anstatt, an welche zuletzt Beiträge entrichtet sinb, geltend gemacht haben. ZM"" AGlllg! Donnerstag, de»» 8. Zlpril, abends 8 Uhr, in Tonis Vellvv s IsrUfnirn» Voppen � SirsHe ÄS: Kr. öllkMede Maurer-Versammlung. Tagesordnung:.!. In wie weit sind die Forderungen der Maurer Berlins zum Durchbruch gelangt und gedeuten dieselben in diesem Jahre die Lohnforderung zu erhöhen? 2. Diskussion und Befchlufffassung. 3. Bericht des Delcgirten zur Gelvertschafts-Kommissioil und Neuivahl desselben. Wichtige Tagesordnung, vornehmlich der erste Punkt, erfordert eine gewissenhafte Prüfung und ist es nothwendig, daff, falls ein diesbezüglicher Bcschlub gefafft wird, derselbe von der Mehrheit der Maurerschast ?« iq uut' betragen werden muff. Es ist deshalb nöthig, daff kein Berliner Maurer dieser Bersammlung fernbleibe. l'ks/lO Die Lohnkoimulsslou der Haurer Berlin» und Uingcafcnd._ Orts-KrMenKasse der Klempner. DeMer Berichtigung. In der gestrigen Annonce des Verbandes soll fondem BilelienniOKel.'riGehler heiffen. Druckerei entstanden. es nicht Kisteumacher. Der Fehler ist in der Bildhauer Berlins. Heute Mittwoch, 7. April, abends präzise 8l/2 Uhr, Auneiistr. 16: OrPfentlicho Vorfsumulung. Zahlreiches Erscheinen der Kollegen ist erforderlich 21/14 Ber Vertrauensmann. Verein zur Wahrnng der Interessen der Gast- und Schankwirthe Berlins und Umgegend. Am Freitag;, den 9. April, nachmittags 5 I hr, beim JKoIlcgen Brüder, Waldcmnrstr. General- Versammlung TageS-Ordnung: 1. Bericht der Siebeuer-Kominission. 2. Jahresbericht deS Vorstandes. Kassenbericht und Bericht der Rechtsschutz-Aviniiiission. 3. Ersatzwahl des Vorsiandes und der Rechtsschutz-Kommission. 4. Ansnahme neuer Mitglieder. 5. VereinSangelegenheitcn und Verschiedenes. SV* Die Mitglieder werden aus Z 4 des Statuts aufmcrlfani gemacht. 69/9 _ I. A.: A. Günther, Frankfurter Allee 10. Verband der Fabrik-land-Hilfsarbeiter u. Arbeiterinnen Deutschlands.(Zahlsteile Berlin.) Donnerstag, den 8. April, abends S1/, Ihr. im Lokal vo» A. Wen mann, Pasewal k"e r» t r. 3, Mitglieder-Versammlung. � Tages- Ordnung: I.Vortrag des Genossen Georg Wagner über: ..Volksbildung und Klaffenbeivusttseiu." 2. Diskussion. 3. Kassen- bericht. 4. Anträge des Vorstandes. 5. Verbandsangelegenheiten. Jedes Mitglied muff in dieser Versanimlung erscheinen. s64/3 Die Bevollmächtigten. Verem der Arbeiter und Arbeiterinnen der Wasche und Kravattenbrauche. , 7. April, abends 8V2 Uhr. bei Sehnin, Nene Kö»igstr.'7>: Versammlunsi."WD Mittwoch, Tagesordnung: 1. Bortrag des Genossc» A. Hofmann über: Glaube und Vernunft. 2. Diskussion. 3. Vierteljahresbericht. 4. Wahl der 2. Schriftführerin. 5. Verschiedeucö. 251/13 WM- Am 9. Mai, 1 Uhr, findet eine liranla- Vorstellung statt. Zur Aufführung gelangt: Der Kampf um den Nordpol.— Billctö sind bei H e r g t, Landwehrstr. 1 und S t a n 0 w s k y, Höchstestr. 48, H. I, zu haben. In jeder Versamnilung werden neue Mitglieder aufgenommen. Gäste sind willkommen. Der Vorstand. Donuerstag, de» P. April, abends 8y, Uhr, in Cohu's Festsälen. Beuthstrasse Nr. 20-22: Große öffentliche Versammlung Tagesordnung: 1. Situationöbericht über Lohn- und Arbeitszeit. 2. Stellungnahme zum 1. Mai. 3. Bericht des Delegirten der Gewerkschasts-Komnitssion. 4. Bericht der Revisoren. 277/3 Um zahlreiches Erscheinen ersucht _ Die liOhnkommlsslon._ Metallarbeiter! Doiuierftag, den 8. April I8S7, abends 8 Uhr, im Lokal von Ziihlke, Dennewitzstr. l»: Kresse eiientlielie Versammlung. Tages-Ordnung: »Die gegcnloärttge Lage der Metallindustrie und ivelche Bor- theile vermag die Organisation den Arbeitern zu bringen. Referent: Paul I.itün. Zu dieser Versammlung sind besonders eingeladen die Kollegen der Firmen: Mix u. Genest, Bülowstr. 57, Bras?». Hertslet, Kreuzbcrg- straffe 42 a, Freudenstein u. Eie., Tenipclhof, Pfeiffer n. Drurkenmüller, Schöneberg, Tempelhofer Weg 46/47 und Orenstein». Koppel, Tempclhof. Der Vertrauensmann der Berliner Metallarbeiter. 167/2_ Otto N a e t h c r, N., Anklamerstr. 44.___ Grundmann, prakt. Natmiieilkundiger, spricht heute, Mittwoch, abends 8»/, Uhr, Alexanderstr. 27e, über: Verkehrte Muber-Erzlehuug kür Frauen und Zlünner. Gäste willkoinmen. Eintritt frei. Um zahlreiches Erscheinen bittet Verein kür Kürper- u. Xu In rhe 11 künde Alcxanderstr. 8. Zu der am Sonntag, den 11. d., vorni. 10»/- Uhr, bei Stabernack, Jnfelstraste Nr. 10 stattfilidenden ordentllehen Ge»eraIvef8ammluoN werden die Herren Vertreter d. Kassen- Mitglieder u. der Arbeitgeber hiermit ergcbenst eingeladen. Tagesordnung: 1. Verlesung der Protokolle. 2. Bericht des Rechnungsausschusses und Dccharge-Ertheilung. 3. Wahl eines Vorstandsmitgliedes der Arbeitnehmer. 4. Beschlußfassung über Abänderung der W 13, 17, 20, 23 u. 38 des Statuts. 5. Verschiedenes. 13546 Der Borstand. Lrts-KrailktilW für tos S ColMiiilicklitiiittbe. Ordentliche Geiieralversammlung sämmtlicher Herren Vertreter der Arbeitgeber und Kassenmitglieder am To»»crstag, den 13. April er., abends 8l/2 Uhr präz. im„Dres- dener Garten-'(Gr. Saal), Dres- denerstraffe 45. T a g c s- O r d Ii u n g: 1. Jahresbericht pro 1896. 2. Bericht der Revisoren und Antrag auf Er- theilung der Decharge. 3. Abänderung des§ 13, Ziffer 3 und§ 31, Abf. 1. 4. Verschiedenes. Um pünktliches Erscheinen ersucht der Vorstand. I. A.: E. Davidshäuser, Vorsitzender, Elisabcthstr. 45. b. Berlin, den 6. April 1897. llllterstihiingg-Pmiil her Küjistrsllinliehe w* Deutschland. Filiale Berlin. Sonnabend, 10. April, abends 9 Uhr Veukriü-Versaiumhmg bei Herrn Feind, Weinstr. 11. Orts-Krankenkaffe der Kupfer- schmiede. Gc».-Versammlung am Donnerstag, d. 15. April, ab. 8l/j Uhr, in Röllig's Salon, Roseuthalerstr. ll/12. TageS- vrdnung f. übers, d. V._[14186 Möbel-Vvvsrttuf Kchübinftr. 3, passendste Gelegenheit für Brautleute. 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Den Mitgliedern zur Nachricht. daff der Kollege 88/8 M i v k e am Dienstag, den 6. April, verstorben ist.— Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 8. April, nachmittags 4 Uhr, vom Krankenhause am Urban ans statt. Um rege Betheiligung ersucht Die OrtSverwaltung. Dodes-Anzeige. Am Montag, den 5. April, vor- mittags 11 Uhr, verschied nach langem Leiden mein guter Mann, der Tischler Gustav Wittsang, im 38. Lebensjahr an der Proletarier- krankheit. 1423b Die ticftraucrnde Wittwe Bertha Wittsaug, Franlftirterstr. 73. Danhsagnng. Für die liebevolle Theilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, deS Schraubendrehers Frist Schulz sage ich allen Freunde» und Bekannten sowie der Firma B u y k e u. K o. und dem Metallarbeitcr- Verband meinen herzlichen Dank. 1421b Die trauernde Wittwe Augnstc Mehnlz, geb. K ll d e. DanksaKiin*;. Für die vielen Beweise herzlicher Theilnahme bei dcrBcerdiaung meines liebe», unvcrgefflichen ManncS und unseres Vaters, des Restaurateurs Fritz Harms, sprechen wir allen lieben Verwandten, Freunden und Bekannten unseren aus- richtigsten, herzlichsten Dank aus. Wittwe Bnlda Hanns nebst Kindern. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten, insbesondere seinem hoch- verehrten Chef, sowie Kollegen der Finna I. MicSler, sage ich hiermit für die zahlreiche Betheiligung an dem Begräbnisse meines lieben Mannes, nieinen besten Dank. Wittwe Köhler liebst Kindem. Fattensteinstr. 20. Warne hiermit jeden, meiner Frau aus ineiiicii Namen etwas zu borgen. da ich für nichts aufkoininc. 1413b .Heinrich Horn, Metallarbeiter. ufallsachen, Klagen, Eingaben Putzjrcr. Stcglisterstr. 65. !t WMmkt. Achtung, Hshtthtiter! In der Werkstatt bon J. CS. Fls- bolz, Krantstr. 32(Gewerbehoi), haben 45 Tischler wegen Lohn- disserenzeu die Arbeit niedergelegt. Zuzug ist fernzuhalleu! Die Drts- Vem'altnna d.deutich. Holzarbeiter-Verbandes _ ZnMctte Berlin. 88/7 Sskweize. Glasbläser gesucht. Vorarbeiter für größere Glasbläserei für danerndc Stellung bei gutem Lohn gesucht. Offerten mit Angabe der LohnansvrÜche sub Chiffre OF 1302 an Crtll Fuftli, Aiinoncen, Zuri ch. I.ehrmädehen für Piitzsedern gegen sofortiges Gehalt und dauernder Beschästiguilg verlangt Rosen,"fÄÄr 30 MW KkssMemliml ans Singer-Ringschisschen geübt, fiir leichte Handarbeit. 1414b Belnrleh Qaroli, _ Schmidtstr. 9. Wirthschasterin. Eine ältere Frau ohueAnhang sucht Stellung Gitschiner- straffe 82, H. r. 3 Tr. Siegel. 1412b Kartou-Ardtiteriunen sucht sofort ZAa» Blehn, Koppen- straffe 60. 1411b Für Nähmaschinen- Reparalur sc. suche j. Schlosser oder Mechaniker. Offerten mit Zeugiiiffabschristen post- lagernd unter„Nähmaschinen" Post- amt 43. Fayoullreber sofort verlangt. Schraubenfabrik Eharlottenbiirg. Potödamerstr. 35. DKNKsngung. Unsere» herzlichen Dank allen, die dem Reichstags- Abgeordneten Karl Schultze die letzte Ehre erwiesen haben. Die unendlich zahl- reichen Zeichen der Liebe und Anerkennung, die seinem Andenken aus alle» Schichten der Arbeiter- schaft gewidmet wurden, die herzerquickenden Worte, welche die Neichstags-Abgeordueten Singer und V o g t h e r r am Grabe gesprochen haben, sowie die innige Theilnahme, die sich im engeren Bekannten- kreise des Dahingeschiedenen kundgab, biirgen uns dafür, daß sein Leben und Wirken nicht umsonst gewesen ist und sollen uns in unserem tiefen Schmerze als Trost dienen. Tie trauerllheil WeMiebeiltit. 1433L« Empfehle Freunden nnd Bekannten niein Weih- nnd Knirisch-Kier- Lokal nebst Bereinszimmer und Garten zur freundlichen Benutzung. Vertehrslokal n. Arbeitsnachweis der Musttinstrumenten-Arbelter. Richard Heinrich, taiitinw 78. „Drobirengeht überStudiren" Vo f Z Ügli chßS r'-~»"ilsner BIER, General Vertretung» a htßl®' Ri�hürd Malilz, Bcrlin.S.W "»W ,I.eM TiuJjWr. 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Welche sonderbaren Ansprüche die Zünftler an die Gesetzgebung stellen, Mnstrirt eine Petition der„Deutschen Buchbinder-Jnnung", die an den Reichstag das Ersuchen richtet, ein Gesetz zu erlassen, welches 1. den Buchbindern den Bezug säinmtlicher für den Schul» gebrauch von den Behörden zugelassenen Bücher und insbesondere den Bezug der für den kirchlichen Gebrauch von den Behörden eingeführten Gesangbücher in ungebundenein Zustande und zu billigerem Preise sichert, als eingebundene Exemplare desselben Buches abgegeben werden; 2. den Herren Geistlichen und Lehrern, sowie deren Aiege- hörigen den Betrieb von Handelsgeschäften und insbesondere das Handeln mit Gesangbücher», mit Schulbücher», mit frommen Sprüchen, Bildern, Karten und Kalendern, mit Papier, Schreibhefte», Zeichenheften, Schreib- und Zeichenmaterialien, sowie das Besorgen dieser Artikel für Gemeindemitglieder oder Schulkinder bei Strafe untersagt, und zivar ganz gleich, ob bei dem Verkauf oder Besorgen ein Gewinn erzielt werden soll oder nicht. Die Sache selbst würde uns kaum interessiren, wenn nicht die Begründung manches enthielte, das iverth ist, weiteren Kreisen bekannt zil werden. Nachdem in der Petition geschildert ist, wie die Großindustrie den kleinen Buchbindermeister, der sich die theuren Maschinen nicht anschaffen kann, immer mehr in seiner Existenz gefährde», wenden die Petenten die Ausmerksamkeit auf die Geschäftspraktiken der Berlagsgeschäfte, die Schreibmaterialien, Schulbücher und Gesang- bücher nur noch in gebundenen Exemplaren abgeben, und dadurch de» kleinen Bnchbindermeister gänzlich von der Konkrirrenz ausschließen. Natürlich empfinden die Bnchbiudermeister die Beseitigung ihrer Konkurrenz umso schwerer, als sie bisher diese Arbeiten auf Lager anfertiaen konnten und sich so in der stillen Geschäftszeit dnrchhalfen. Längst schon zum Händler herabgedrückt, tritt ihnen auch auf diesem Gebiete eine weit eingreifende Konkurrenz durch den Verkauf derartiger Schriften seitens der Lehrer, Geistlichen ent- gegen und nun verlangen sie den Schutz der Gesetzgebung. In der Begründung ihres Verlangens stellen sie das Verhältniß der Verlags- geschäfte zu de» Lehrerinnen und kirchlichen Kasten wie folgt dar: „Ein Theil der Herren, bei denen diese Schulbücher bez. diese Gesangbücher erscheinen, haben einen bestimmten Antheil am Ge- winn, oder bestimmte Abgaben an Lehrervereine, an Wittwen- und Waisenkassen, an kirchliche Kaste» zu leisten. So will man in Rheinland- Westsalen 300 000 Mark aus dem Neuen Evangelischen Gesangbuch für Rheinland- Westfalen ziehe». So ist in dein ans Pommern angeführten Fall in der er- wähnten Sitzung der Provinzialsynode vom 19. Oktober 1896 offen ausgesprochen worden, daß ans dem Verkaufe nur gebundener Gesangbücher eine Einnahme von jährlich 12 000 M. von dem Unternehmer zu erwarten sei, und sogar Beschluß gefaßt, wozu diese 12 000 M. zu verwerthen seien! Und zwar handelt es sich in dem genannten Falle keineswegs um ein bloßes Aequivalent für das Verlagsrecht, denn dann müßte die Abgabe für alle Bücher die gleiche sein." Aus Pommern führt die Petition 87 Geistliche und SS Lehrer an, die einen schwunghaften Handel mit Büchern treiben. Ein wie ausgiebiger Gebrauch aber von der Kanzel und dem Katheder gemacht wird, um Handelsartikel anzupreisen, dafür nur ivenige Beispiele. Der Superintendent G. in Ueckermünde empfahl bisher ganz regelmäßig von der Kanzel herab gewisse Sorten von Kalender. Der Pastor St. in Bublttz meldete gleichfalls Kalender und Gesangbücher von der Kanzel herab an. Der Pastor L. in Pflugrade kündigte von der Kanzel an, man könne bei ihm von einem bestimmten Datum ab neue Gesangbücher bekommen. Der Pastor Z. in Ruhnow gab von der Kanzel herab bekannt. daß er Gesangbücher bedeutend billiger abgeben könne als das Buch- gewerbe, letzteres wollte bei Gesangbüchern 65 pCt. und mehr ver- dienen w. Er schickte ein Zirkulär zu den Gemeindemitgliedern herum, die Leute sollten unterschreibe», wie viel Gesangbücher jeder kaufen wollte. Er erhielt auch in der Thal so Bestellungen auf 420 Stück Gesangbücher. Noch stärker trieb es der Herr Pastor D. in Dobberpsuhl, Kreis Cammin i. Pom»»., derselbe schickte(er ist auch Schul- inspektor) seine Lehrer in de» betreffenden Ortschaften von Haus zu Haus und ließ anfrage», wieviel jeder Gesangbücher habe» wolle; wurde das erste Mal nicht bestellt, dann schickte er zum zweiten Male hin. Der Pastor in der Kirche zu Langenhagen bei Treptow a.d. Regg verkündete von der Kanzel herab, daß gewisse Sorte» von Karlen mit frommen Sprüchen wieder angekommen und bei ihm zu haben seien. Ebenso ist in Treptow a. R. von der Kanzel verkündet, daß eine bestimmte Sorte Kalender wieder angekommen und beim Geist- liche» zu haben sei. Der Pastor B. in Jakobshagen sendet im Winter sogar zwei Kolporteure ans, und betreibt mit Hilfe derselben einen schwung- hafte» Handel mit Gebelbüchern, Kalendern, Karle», Sprüche» ec. Außerdem schickte derselbe vor Weihnachten sogar sein Dienst- m ä d ch e n mit Kalendern zum Hausiren aus, und hat dasselbe auch in der That solche Kalender verkaust. Ja er ging so weit, daß er sogar am Jahrmarkt vor Weihnachten durch Aus- klingeln bekannt machte, es seien im Schulhause zu passenden Weihnachtsgeschenken zu haben: Gebetbücher, Wandsprüche ec.:c. Der Pastor F. in Daberkoiv. jetzt in Werder, ließ sogar durch Schulkinder mit Kalendern Hausiren, und ließ für jeden Kalender, den dieselben verkaufte», ihnen 10 Pf. zukomme». Manchmal ist es auch nicht der einzelne Geistliche, sondern die Synode, die als solche Kolportage treibt. So hält z. B. der Synodal- Kolportage- Verein zu Gartz a. O. einen Kolporteur, der alle Dörfer der Synode abklappert. So halten in der Remlinger Gegend(Bayern) die Geistlichen einen eigenen Hausir er, einen früheren Schneidermeister. Wenn dieser Kolporteur in die Ortschaften kommen soll, so wird vorher von den Kanzeln in aller Form bekannt gemacht, daß der Dekanatsbote bald komnien wird; die Leute sollen gute, fromme Bücher ic. vo» demselben kaufen. Damit ist das sehr umfangreiche Material keineswegs erschöpft, aber wir begnügen uns. Am Schluß holen die Herren Jnnungs- meister noch zu einem sehr kräftigen Hieb ans, indem sie wie. folgt resümiren: „Und glaubt man denn wirklich, daß wahrhast christliche An- dächtige in der Kirche Ankündigungen von 5kalender», Karlen und ähnlichen Zeugs anhören wollen! Schon jetzt ist der Fall vorgekommen, daß sich bei solchen Atikündigungen die Kirchen ent- leerten! Schon jetzt ist das Wort gefallen „Ich dachte, es spräche der Diener Gottes in der Kirche und nicht der Handelsmann!" Mein Haus soll ei» Bethans sein— heißt es i» der Geschichte von der Reinigung des Tempels; man hüte sich daher ans dem- selbe» ein Kaufhaus oder etwas anderes zu mache»!" Steingut fK 1 de*1 nti61 0°. S 0® Tassen, H � SaUlnäpfe, 18» 25"■ Bralenscliasseln, zÄw. 30, 38, 80, 75, 90 l,--» blau Zwiebel- rnuster 25 u. 45 i Pf. Butterdosen, Uocion kür Salz und Mehl RlCalvllblau Zwiebelmustor1 Flasclien 28 kl. BlumentSpIe,»>»»>- 85». Pf. •taö Waschgarnituren, 5 Teile einfarbig 1,75 und 8,45 Mk. 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Da sich nicht sämmtliche Kollegen solidarisch erklärten, so kam die Versammlung zu folgendem Ergebniß: Die Versammlung verurtheilt entschieden das unsolidarische Verhalten der»och bei Riemer beschäftigten Mitglieder. In Erivägung aber, daß der Gemaßregelte ans eine Wiedereinstellung bei R i e-m e r destnttiv Ver« zrcht geleistet und auch bereits anderweitig Stellung gefunden hat. erklärt die Versammlung die weitere Verfolgung der Angelegenheit als nutzlos und die Difseienze» als erledigt. Bezüglich der I. Mai- feier schließt sich die Gemerkschaft den vo» der Gewerkschafts- kommission arrangirten Gruppenversannnlungen an. Die Barbiere, Friseure und Pcrriickeumacher hielten am 1. d. M. eine öffentliche Versammlung ab, in der S t a r o s s o n einen Vortrag hielt über„Die soziale und rechtliche Lage unserer Bernfsangehörigen". Dem beifällig ausgenommenen Vorlrag folgte eine kurze Diskussion. Nach Annahme einer Resolution, in welcher die Versammlung ihr Einverständniß mit dem Referenten betonte, traten mehrere Kollegen dem hiesigen Zweigverein unseres Verbandes bei. Als Ersatzmann wurde von der Versammlung Kollege B e i e r in die Agitationskonimission gewählt. Bekannt gegeben wurde noch, daß am Donnerstag den 8. April Rosenthalerstr. 57 die nächste Per- sammlung stattstttdet, in der Kollege Simson über„Die geplante Preiserhöhung" spricht. Tic Vergolden hielten am Montag in de» Arminhallen eine öffentliche Versammlung ab. in der Genosse Wagner über: „Streiflichter aus der Evolutions-Theoric" referirte. Der sehr' interessante Vortrag wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen, eine Diskussion hierüber wurde nicht beliebt. In die GewerkschaflS- kommission wurde S ch o r r e delegirt, nachdem Stahmann als bisheriger Vertreter über die Thätigkeit derselben berichtet halte und eine Wiederwahl ablehnte. In bezug auf die Maifeier wurde nach längerer Diskussion, in der einige Redner die strikte Arbeitsrnhe forderten und ihr Mißfallen über- die Art der bisherige» wirkungslosen Demonstration äußerten, beschloffen, überall dort die Arbeit ruhen zu lassen, wo dies ohne Maßregelungen zu gewärtige» angängig ist. Vormittags soll eine Versammlung stattfinden und wurde der Agitationskommifflon au- heim gegeben, eine geeignete Kontrolle auszuüben, um die Be- theiligung der einzelne» Werkstätten festzustellen. Für den Abend wurde die Theilnahme an den allgemeinen Feiern empfohlen. Unter Verschiedenem wurde das Verhalten der Farbig-. macher von der Firma Werkmeister kritisirt, die sich ge-' legentlich der Zcntenarfeier veranlaßt sahen,„freiwillig"� die Arbeit ruhen zu lassen. Vo» mehreren Rednern wurde ge- wünscht, daß die belreffenden Arbeiter nun einheitlich für die Frei-' gäbe des I. Mai eintreten. Zum Schluß wurde ans ein Inserat in der„Volks-Zeitnug" hingewiesen, in dem eine Hamburger Firma. die sich sehr häufig in Differenzen init den Arbeitern befindet, Ver- golder verlangt. Die Lohne und überhaupt die Arbeitsbedingungen sollen bei dieser Firma sehr viel zu wünschen übrig lassen, so daß den Arbeitern empfohlen werden muß, bevor sie dieser Offerts Folge' leisten, erst genaue Informationen über die dortigen Verhältnisses einzuziehen. "W irtschaftsartikel Kompottschalen, vow»,?»»«, genppt, s, 15, 19, 25, 30, 40, 45, 60 Satztöpfe mit Ys«ick mo"' 60 pk 6 Stück 1,80, 1,65 Mk. 2 Mk. mit Platte, y 6 Teile 4,50 Mk- KuchenschSsseln, Ealleeservices ( Blumenmuster Q nn I 0 Teile Mk. Tafelservices ■B�>Teüe.6Per6.25m 60„ 12„ 28 Mk. n 80„ 12.. 45� Glas Kompottsehalen 6 pt iBierbecher 9 pf Kompotlschalen ��/MBulleriiosea 12- Käseglocken 88 p*| Fruchtschalen mit geschliffen 95 h. Emilie-Eimer, blau, ca. 28 cm Durchmesser, 70 Ff. "i* w K»».. 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Mittwoch, den 7.»Peil 1807. abends 7>/z Uhr: JablUbrnns-VomtellHng. Durchschlagender Erfolg. Z u m 73. Male: A»»s der Mappe eines .Außerdem: Der ostpreußische Hengst Bkvirdel lOriginal-Dreffur). Hterailf Monstre-Dablcau von 70 der edelsten Freiheitspferde, vorgeführt von Frau Robert Renz. Eine Schnlquadrille, frttten von 8 Herren. Zweites uftreten der berühmten Künstler- Fanrili« Agoust voui Kryslallpalast in London, in einer neuen und originellen Jongllrfzene, betitelt: Ein Pariser Restaurant. Austreten der Schulreiterin Frl. Wally Renz (Tochter des DirettorS) mit den« Schul- pferde Cromwell und dein Steiger Alep. Donnerstag, den 8. April cr., abends- 7V-> Uhr: Aus der Mappe eiues Rlesengebirgs- Phantasten. Auf- treten der berühmten Künstler-Familie ü�ous«. g>_ Central- Theater. Alte Jakobstr. 30. Dir. Rich. Schultz. NM" Borlebte Woche l-W« £inil Thomas a. G. Leopold Deutsch a. G. Zum 6%. ltlale: An sideler Abend. Burleske dramatische Revue in einem Vorspiel und 3 Bildern v. I. Freund und W. Mamistädt. Musik von Julius Einödshofer. Anfang li'2S Uhr. Morgen und die folgenden Tage: Ein fideler Abend. Schluß der diesjährigen Possen- Saison unwiderruflich Sonntag, den 18. April. Volks-Theater 34. Rcichenberger- Strafte 34. Pfcrdebahnstation: Kottbuser Thor. Heute zum ztoeitcn Male: Dopfenrath�g Erben. Volksstück mit Gesang in S Bildern von Heinrich Willen. Musik von G. Michaelis. I. Bild: Wcibcr-Regiment. 2. Bild: Ein Brauerball. 3. Bild: In der Aristokratie. 4. Bild: Wiedersehen in der Volks- küchc. b. Bild: Arbeit und Frieden. Ansang Wochentags 8 UM. BtT" Sonntags 7 Uhr. AlexMernlah-Theatcr, Alexanderstr. 40. Gastspiel des urkomischen Bendix. Nur noch drei Aufführungen von Die Tauzfeida. Berliner Posse mit Gesang und Tanz in 3 Alten(4 Bildern) von Heinrich Wilker. Musil von Albert Wichcr. Sonnabend, zum ersten Male: Prinzeft Chimay. Burleske Posse mit Gesaug und Tanz in 3 Akten. Sensationelle Novität. 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