'V- A'■. v 1 i'.'/.'v\\ x-'.i Sinzigs unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nummer 31— 2. Jahrgang Saarbrücken, Mittwoch, 7. Februar 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Ans dem Inhalt Jxankceich an Oesteueich Seite 2 Ahstimnunqskäntpfe an du Saat Seite 3* 4, Emiqcatuxns Statistik Seite 3 Deutschland und Alldeutsche Seite 5 Röhms Mordbefehl! Mit dem Einverständnis des Reichskanzlers Vor uns liegt folgender Geheimbefehl an die SA., der gezeichnet ist:„Der Chef des Stabes Röhm": Der Oberste SA.-Führer Ch. Rr. XXXX /88 Mönchen, am 81. 7. 1983. Betreff: Disziplin Verteiler l/IIl. Ich bin bestrebt, in jeder Richtung die Rechte der SA. als staatlich anerkannter Truppe der nationalsozialistischen Revolution zu sichern nnd zu wahren. Die bevorstehende Beiordnung über die SA.-Gerichtsbarkeit wird diesen Be» strebungen die gesetzliche Grundlage geben. Ich decke auch und verantworte gerne jede Hand» lung von SA.- Männern, die zwar den gesetz- lichen Bestimmungen nicht entspricht, aber den ausschließlichen Interessen der SA. dient. Hierzu gehört z. B., das, als Söhne sör den Mord an einem SA-Mann durch den zuständigen SA.-ftüHm bis zu 12 Angehörige der feindlichen Orga- u Motionen, von der der Mord vorbereitet wurde, gerichtet werden dürfen. Dieses Gericht ordnet jedoch der Föhrer an; es wird kurz und soldatisch voll« zogen.... Der Mann, der durch diesen Befehl die SA. auffordert, jedes Gesetz zu brechen, wenn es die Interessen der SA. erfordern, ist der nächste Mitarbeiter des Reichs- kanzler. Er ist Reichsminister. Die Organisation, die durch ihren Chef des Stabes zu Morden an„den Mitgliedern feindlicher Organisationen" befohlen wird, untersteht dem deutschen Reichskanzler als ihrem obersten Kriegsherrn. Der deutsche Reichskanzler ist es, dessen Mund durch Röbm befiehlt, für jeden getöteten SA.-Mann zwölf politische Gegner zu„richten". Nach dieser Methode sind vor einigen Tagen die vier Kommunisten„auf der Flucht erschossen" worden. Für den angeblich von Kommunisten ermordeten Kattner, der als früherer Kommunist nun den Nazis als Polizeispitzel diente, wurden vier Kommunisten„gerichtet".„Nur" vier! Herr Reichsminister Röhm wird unzufrieden sein, daß die volle Zahl zwölf noch nicht erreicht worden ist. Aber er darf über- zeugt sein, baß man im Sinne seines Befehls sich bemühen wird, auch die an der Rache sehlenden acht Kommunisten noch zu„richten". Neuer Mord! Im Sinne Röhm-Hitlers„gerichtet" In Hamburg wurde vor in Tagen der in Arbeiterkreisen sehr bekannte kommunistische Funktionär Willi D o l g n e r verhaftet. Bereits am Tage darauf wurde den Angehörigen Dolgners die lakonische Mitteilung zuteil, daß der Ber- haftete„Selbstmord" begangen habe. Nach sicheren, Jnsor- Wationen ist Dolgner bereits in derselben Nacht, um An- gaben von ihm über seine noch in der Illegalität arbeitenden Kameraden herauszupressen, stundenlang mit Ketten und Peitschen so lange geschlagen worden, bis ihm das Fleisch in Fetzen herunterhing. Ter Gemarterte blieb standhaft, nicht ein Wort zur Belastung seiner Kameraden kam über seine Lippen. In ihrem Blntrausch haben dann die entmenschten Peiniger Dolgners ihn in seiner Zelle er- hängt, um einen Selbstmord vorzutäuschen. Alle Meldungen ber letzten Zeit aus Deutschland kündigen eine neue Welle eines gesteigerten Terrors an. Das Leben Hunderter, ja Tausender hängt von der Kraft und Cnt- fchlosienheit ab, mit der die Millionen Menschen in allen Ländern gegen den Blutterror des Hitlersystems auf den Plan gerufen werden. Die lüge vom Fluchtversuch öas nächtliche Verbrechen von Nowawes Das Internationale Befreiungskomitee schreibt uns: In Berlin sind am 3. Februar aus einer Landstraße unweit uen Berlin vier jührende kommunistische Funktionäre er- schössen worden. Unter ihnen befand sich John Scheer, der nach der Ber- Haftung Ernst Thälmanns die Führung des politischen Sekre- «artats der KPD. innehatte. Eugen Schönhaar, der Organi- sator der illegalen KPD.-Presse. Erich Steinfurth, der ehe- Aalige Leiter des Bezirks der Roten Hilfe und der Arbeiter Rudolf Schwarz. Die Geheime Staatspolizei beeilt sich, in großen Er- »iärungen in der deutschen Presse mitzuteilen, daß diese vier in nächtlicher Stunde erschossenen Antifaschisten bei einem „Fluchtversuch" umgebracht worden fein. Jedoch der Bericht der Gestapo selbst läßt offenbar werben, was die Welt ohne- hin weiß Bier Menschen sind bewußt, systematisch und kalt- blütig aus direkten Befehl der Hitler-Göring-Göbbels- Regierung ermordet worden. Beweis: Am Morgen der Erschießung der Bier wurde in Berlin bekannt, daß ein Polizeispitzel namens Kattner von einem Unbekannten erschossen worden sei. Der Bericht der Gestapo teilt darüber mit: „Im Zusammenhang mit den in der Sache geführten Ermittlungen sollten vier kommu- nistischc Spitzenfunktionäre die sich schon seit einiger Zeit in Haft befinden, über die Art der Vorbereitungen des Fememords Auskunft geben. Aus diesem Grunde wurden die vier Kommunisten von Berlin aus zur Staatspolizei- stelle Potsdam zur Gegenüberstellung und Ber- n e h m u n g überführt." Wir stellen fest: John Scheer befand sich seit Mitte November in Hast, im Hause der Geheimen Staatspolizei in Berlin, dem sogenannten Columbia-Haus. Zur gleichen Zeit wurde Eugen Schön haar in Berlin verhastet. Erich Steinfurth befand sich bereits seit März in Haft. Rubi Schwarz war vor mehr als vier Monaten ver- haftet worden. Was also sollten diese Leute, die seit viele« Wochen, ja seit Monate« in Haft waren, sör eine„Auskunst" geben über die Art der Borbereitung des Fememordes"? Hinzu komm» noch daß alle vier von ganz verschiedenen Stelleu zusammengeholt worden waren. Scheer saß. wie gesagt, im Columbia-Haus, T chü nhaar im Untersuchungsgefängnis, der Aufenthalt von Schwarz war zur Stunde unbekannt. Jeder Unbefangene ersieht schon aus dieser Tatfache die ganze Verlogenheit des Berichts, den die Gestapo ausgibt. Und mehr noch, die Frankfurter Zeitung meldet am 8. Februar: „.... Man habe sie zu einer Gegenüberstellung in einem offenen Streifwagen der Polizei nach Potsdam gebracht." Vier wie die Gestapo schreibt, führende kommunistische Funktionäre werden in einem offenen Auto zu einem an- geblichen Verhör transportiert. Das ist so plump, das ist so dumm, daß man auch nur ein Wort davon glauben wird. Zur gleichen Zeit, in der die Nazis den kleinsten Flugblatt- Verteiler mit einem pomphaften Aufgebot von SA., SS. und Polizei bei Transporten umgeben, in der sie die Hun- dertausende kleiner Funktionäre in Konzentrationslagern durch viele Zehntausende SA.- und SS.-Leute bewachen lassen, dieie Lager mit elektrischen Drähten umgeben, wollen sie der Welt einreden, daß sie aus die Weise führende Funk- tionäre der KPD. transportieren! Wo in aller Welt werden so wichtige Gefangene in offenen Wagen transportiert? Sei es wie es fei. In allen Ländern weiß man daß es geschlossene Gefangenentransport- wagen gibt. So unsäglich primitiv und brutal zugleich ver- sucht man der Welt einen„Fluchtversuch" plausibel zu machen. Doch hört, welchen schweren Stand die Bewachungsmann- schatten dieser vier wehrlosen Gefangenen haben mußten. Wieder ist es die„Frankfurter Zeitung", die in ihrem Bericht, den ihr die Gestapo gab, schrieb: „Während das Anto wegen einer bergischen Stelle der Straße habe langsamer fahren müssen, seien die vier Schntzhästlinge aus dem Wagen gesprungen und in den Wald gcslohen. Da sie auf Anrufe hin nicht stehen geblieben seien, sondern die Polizisten anzugreifen versucht hätten, habe die Polizei von der Schußwaffe Gebrauch gemacht nnd sie getötet." Man stelle sich vor, vier wehrlose Menschen, seit Monaten in Einzelhast nnd Konzentrationslagern, allen Schrecken des braunen Terrors ausgeliefert, werden in einen offenen Wagen gesetzt. Das Ziel ist ihnen unbekannt. Sic wissen nicht warum— sie wissen nicht wohin—, aber ihr Instinkt warnt sie, und sie ahnen, daß das die Fahrt in den Tod sein soll. Sie find umgeben von kräftigen, bis an die Zähne bewass- neten Polizisten, die der sogenannten Bereitschaft zur be- sonderen Verwendung der Göring-Garden angehören. Es ist nachts, sie fahren durch das Berlin mit seiner Licht- rcklame in einem offenen Wagen, vielleicht, denken sie, sie werden in ein anderes Gefängnis überführt. Doch beharrlich fährt der Wagen. Sie kommen in die Außenviertel der Stadt, bald liegt Berlin hinter ihnen, einsam, mit ihrer unHeim- lichen Bewachung fahren sie nun auf die Landstraße. Und diese Leute sollten nicht gewußt haben, was man hier plant. Fjortsetzung steh« i. Settels Massentod in China 4000 chinesische Soldaten niedergemetzelt? 700 Todesopfer bei einem Bergwerksunglück in der Mongolei DNB. Schanghai, 8. Febr. Ans chinesischer Onelle verlautet, daß 1999 chinesische Soldaten durch die aufrühre- rischeu Truppen des Generals Snntienying niedergemetzelt sein sollen. Man befürchtet, daß die Aufständischen nunmehr die Stadt Pinglo in der Provinz Ninghsia sinnere Mongolei) besetzen werden. Mißtrauen in Polen Trotz freundlicher Ministerreden Der polnische Außenminister Beck hat am Montag im Anßenausschuß des Senats n. a. ansgesöhrt: „Bei der ersten Fühlungnahme mit dem Reichskanzler Hitler nnd seiner Regierung haben wir eine klare und mutige Sprache in der Behandlung unserer Beziehungen gefunden. Diese Art der Behandlung der Fragen, die vollends den?lnschaunngen unserer Regierungen entsprach, hat sofort die Grundlage für den Ausbau dauerhafter Formen eines gutnachbarliche« Verhältnisses geschaffen. Es ist ein neues Dokument des Friedens entstanden, eine Erklärung über die Nicht- anwendung der Gewalt, die durch ihre Bedeutung über die gewöhnlichen Beziehungen hinausrcicht. In dem Te^t haben wir bereits der Ucbcrzengung Ausdruck ver- liehen, daß dies ein sehr wesentlicher Beitrag zur Sicherung des europäische« Friedens d a r st e ll t." Wie der Paßt mit Hitler-Deutschland in Polen wirklich aufgefaßt wird, darüber unterrichtet folgender Aussatz eines Mitarbeiters in Warschau: Nach dem polnisch-russischen Nichtangriffspakt von 1938 hat die Pilsudski-Regierung jetzt einen ganz ähnlichen Pakt für zehn Jahre mit dem Deutschen Reich Adolf Hitlers abgeschlossen. Am Tage vor der Unterzeichnung berichtete der stellvertretende Kriegsminister im Sejm über die Entwicklung der polnischen Heeresorganisation: „Besonders befriedigend ist der Stand unserer schweren Artillerie. Unsere Luftflotte wird jetzt mit neuen erst- klassigen Motoren versorgt, die wir im Lande selbst bauen. Wir haben Maschinenkarabiner eingeführt, die den Leistungsrekord von 1399 Schuh in der Minute erzielen. Wenn wir unsere Heeresausgaben in diesem Jahre um 7 Prozent herabsetzen, so ist das durch die Verbilligung der Rohstoffe und Lebensmittel möglich geworden. Die Schlagkraft der Armee wird nicht darunter leiden. Eine Rüstungsverminderung kommt angesichts des Standes der Genfer Konferenz nicht in Frage." Deutlicher als die wohlklingenden Kommentare zu dem neuen Pakt zeigen solche Worte, die nicht gerade wirkliches Vertrauen zu dem Vertragspartner die regierenden polnischen Militärs zur Unterzeichnung dieses diplomatischen Aktenstückes veranlaht hat. Welches Ziel verfolgen die Diktatoren mit solchen Pak- ten? Sie wollen dem ahnungslosen Teil des eigenen Volkes, aber vor allem des Auslandes die Friedlichkeit ihrer Absichten beweisen. Doch das ist nicht der einzige Zweck der Uebung. Mit kühler Offenheit erklärte das führende Warschauer Regierungsblatt in seinem Kommen- tar zu der Unterzeichnung des deutsch-polnischen Abkom- mens:„Man kann diesen Vertrag brechen oder auch halten. Aber man kann nicht an ihm herumdeuteln." Ob der zehnjährige Friede eingehalten wird, ist also eine blohe Machtfrage. Aber solange er dauert, müssen auftauchende Streitfragen irgendwie geregelt werden, und die Form dafür wird in diesem Pakt festgelegt. Der größte Teil der deutsch-polnischen Interessengegen- sätze wurde bisher auf dem Wege über Genf geschlichtet. Nach seinem demonstrativen Austritt aus dem Völkerbund will Deutschland diesen Weg nicht mehr gehen, obwohl ihm noch für einige Zeit das Recht dazu offenbleibt. Mit dem neuen Nichtangriffspakt sucht Hitler zu zeigen, dah es auch einen direkten Weg zur Reglung aller Streitig- keiten außerhalb der Liga der Nationen gibt. Soeben war der polnische Außenminister noch Vorsitzender des Völker- bundrates. Daß er sich jetzt darauf einläßt, soweit wie möglich mit Deutschland ohne die Anrufung dieser Instanz einig zu werden— wobei er sich durch sein Verbleiben ini Völkerbund alle seine Rechte vorbehält—, darin liegt Hitlers Haupterfolg bei diesem Abschluß. Er bezahlt ihn damit, daß Polen, das im Viermächtepaktplan Mussolinis noch als Staat zweiten Ranges behandelt wurde, jetzt als gleichberechtigter Partner des Deutschen Reiches auftreten kann. Aber Hitler mußte den polnischen Unterhändlern noch weiter entgegenkommen. Beide Regierungen stellen fest. !>aß ihre Vereinbarung sich„nicht auf solche Fragen er- streckt, die nach internationalem Recht ausschließlich als innere Angelegenheiten eines der beiden Staaten anzu- sehen sind". Das bedeutet eine weitgehende Preisgabe des Schutzrechtes, welches das Deutsche Reich bisher gegenüber der deutschen Minderheit im polnischen Staat in Anspruch nahm. Als Mitglied des Völkerbundrates konnte Deutsch- land sich auf die allgemeinen Minderheitenschutzverträge berufen.. Darauf hat es bei seinem Auszug aus Genf ver- zichtet. Jetzt verzichtet es auch auf die Möglichkeit, diese Fragen einem direkten Schlichtungsverfahren zu über- geben. Wenn nach einer kurzen Uebergangszeit das Mandat der jetzt noch in Oberschlesien tätigen Völkerbund- Kommission erloschen sein wird, bleiben die Deutschen in Polen ausschließlich dem Wohlwollen der Pilsudski- Regierung überlassen. Was hätte wohl eine Regierung Hermann Müller oder Stresemann von den Nazi zu hören bekommen, wenn sie eine solche Reglung vorgenommen hätte? Das polnische Volk hat den Abschluß des neuen Pakts mit Mißtrauen aufgenom- m e n. Eine Rechtsgarantie, die die Anwendung von Ge- walt zur Aenderung des jetzigen Standes der Dinge aus- schließt, ist zwar jedermann in Polen willkommen, zumal nachdem Völkerbund und Locarnoverträge Deutschland gegenüber an Wert so sehr verloren haben. Aber niemandhältdendeutschenGewaltverzicht für endgültig. Selbst in einem angesehenen Blatt 'der Regierungspartei konnte man die Befürchtung finden. Hitler habe sein Ostprogramm keineswegs aufgegeben, er umgehe nur Polen als allzu starken Gegner und versuche jetzt auf den Linien geringeren Widerstandes voranzu- kommen: dem Ostufer der Ostsee entlang und im Südosten über Oesterreich, Ungarn und Rumänien. Gelänge dieser Plan, so käme Polen von Norden und Süden her in die deutsche Zange... Tie Warschauer Regierung ist offen- bar optimistischer. Sie rechnet damit, daß in den Ostsee- staaten die russische Politik, in Oesterreich die Be- mühungen andrer Mächte dem nationalsozialistischen Vor- dringen entgegentreten. Da die Befürworter einer Revision der Friedensverträge nicht mehr in allen Fragen zusammenhalten, sieht Pilsudski auch die bedingungslose Einheitsfront der Revisionsgegner nicht mehr als poli- tische Notwendigkeit an. Er ist als alter Mann zu vor- sichtig geworden, um jetzt gemeinsam mit Hitler auf oft- europäische Abenteuer auszugehen. Aber feine Pakt- Politik, die eben noch mit Moskau über die Sicherung der Ostseestaaten gegen Deutschland verhandelte, um gleich darauf zum Abschluß mit Berlin zu kommen, erweckt ein Mißtrauen in Ost und West, das am Ende Polen selbst in eine gefährliche Isolierung bringen kann. Böhms raordbefehl! Fortsetzung von der 1. Seite Sie wußten nur eines: vor diesen unbarmherzigen Mördern, wenn es noch eine allerletzte Chance gibt, nicht gemordet zu werden, dann ist es die, sich auch nicht um eine Haarbreite provozieren zu lassen. Doch die Henker hatten ihren Befehl! Der Magen hält und der„Fluchtversuch" wird befohlen. Die Wehrlosen sollten stch, das will uns die Gestapo wahr machen,«ach dem angeblichen Fluchtversuch auf ihre schwer« bewassueten Henker geworfen haben. Obwohl auch das unwahr ist, obwohl man ste niedergeschossen hat, auö nächster Nähe. Doch unterstellen wir sogar, daß das Unwahrscheinlichste wahr wäre: habt ihr jemals einen un- bewaffneten Menschen gesehen, der sich in unmittelbarer Nähe des Lautes des Revolvers auf seinen Gegner stürzte? Zu plump, zu plump! Man mordet und will dann noch die Welt von der Schuld der Opfer überzeugen. Niemand glaubt es! Ein schamloser systematisch vorbereiteter und kalt- blütig durchgeführter Mord. Das ist die Geschichte der vier Kommunisten von Nowawes. „In Her schwebe" London, 6. Febr. Zur gestrigen Sitzung de? Abrüstungs- ausschusses des Kabinetts sagt der parlamentarische Korrc- ipondent der Times: Das Kabinett hatte den dringende» Wunsch, daß der Lord-Geheimsiegelbeivahrer Eden bald nach der heutigen Debatte abreisen sollte, um Paris. Berlin und Rom zu Besprechungen über die britische Denkschrift zu besuchen. Aber im Augenblick sjud die Pläne yoch in der Schwebe. Man sieht ein, daß die Schwierigkeiten der trau-, zösischen Regierung und der Beschluß des österreichischen Kabinetts, stch an den Völkerbund zu wenden, eine neue Lage geschaffen haben. Es fei daher notwendig, daß Eden seine Abreise vorläufig aufschiebe. Du» deutsch-französische Rüstungsgespräch Paris, ß. Febr. Die am Samstag erfolgte Veröffentlichung der deutschen Antivortnote ist infolge der teilweise« Kabinettskrise stark in den Hintergrund getreten. Die meisten Blätter veröffentlichen den Text der deutschen Note, ohne dazu Stellung zu nehmen. Ter„Petit Pa eisten" behauptet, die deutsche Note erschwere die von der Genfer Konserenz gesuchte Lösung mehr denn je und mache jede Verständigung unmöglich. Der letzte von der englischen Regierung unternommene Versuch, eine Verständigung zu erleichtern, scheine daher zu einem vollständigen Fehlschlag verurteilt zu sein. Der„Temps" fährt ganz schweres Geschütz auf, indem er d'r Reich sregierung vorwirst, sie sei nicht ge- neigt, ein Abrüstungsabkoinnien zu unter- zeichnen, sondern habe überhaupt nur die A u f r ü st u n g Deutschlands im Auge. Es sei sonderbar, daß man sich über diese„gefährliche Lage" in London nicht aufrege und in Rom zur Annahme geneigt sei, zwischen der italienischen und der deutschen Formel bestehe kaum ein Unterschied. Die eng- lische Formel dagegen, welche die Ausrüstung Deutschlands mit der Abrüstung Frankreichs zu verbinden suche, überrasche selbst die Deutschen, ohne daß man glauben könne, daß die Annahme dieser Formel die Genfer Konferenz vor einem unvermeidlichen Zusammenbruch retten könne. Paris In Unruhe Sicherheitsmaßnahmen und Zwischenfälle Paris, 6. Febr. Das Kabinett tritt am heutigen Dienstag vor das Parlament unter Umständen und in einer Stimmung, die außergewöhnliche Maßnahme» erheischt. Ter offiziöse Petit Parisien bestätigt die angeblich vom Innen- Ministerium dementierte Nachricht, daß nicht nur die gesamte Pariser Polizei und die Pariser Garnisonen alarmbereit stehen, sondern daß auch aus anderen Garnisonen Truppen- Verstärkungen im Lause des Montag in Paris eingetroffen sind. An den für heute abend geplanten Kundgebungen gegen die Negierung werden sich auch verschiedene Siudentenver- cinigunge» beteiligen, die in der erst vor kurzem gegründeten „Universitätsfront" zusammengefaßt sind. Die Presse, obwohl einheitlich in der Beurteilung der Siegesmöglichkeiten, die das Kabinett in der.Kammerdebatte hat, schwankt bei der Frage, ob die Regierung Bestand haben wird. Die Linksblätter reden einer autoritären Links- regierung das Wort. In dieser erblicken aber die Blätter der Opposition nickts anderes als e»ne Linksdiktatur, der man so schnell wie möglich den Garaus machen müsse. Bei den Zusammenstößen zwischen Mitgliedern des Front» kämvferverbandes und der Polizei ereignete sich folgender Zwischenfall: Ein berittener Polizist zog seinen Säbel, als die Menge einen Angriff zu machen versuchte. Das war für die Menge das Signal einem wütenden Angriff, bei dem die Fahnenstange der Feucrkreuzsabne zerbrach. Die Menge holte den Polizisten vom Pferde herunter, schleifte ihn vor die zerbrochene Fahne, zwang ihn niederzuknien und vor der entweihten Fahne um Bcrzcibuna zu bitten. Der Borsitzende der Frontkämpfervereinigung„Feuer- kreuz" hak wegen dieses Zwischenfalls an den Präsidenten der Republik ein Schreiben gerichtet, in dem gegen die En!- weihung der Fahne des Feuerkreuz durch die Polizei schärfster Protest erhoben wird. Frankreich fordert von Dollfuß klörnnf Ilm das Schichsaal der österreichischen Sozialdemokratie! DNB. Wien, den 3. Februar. Die österreichische Regierung hak am Montag nach mehr als fünfstündigen Beratungen beschlossen, dem Bundeskanzler Dollfuß die Ermächtigung für die einleitenden Schritte zur Anrufung des Bölkerbundes im deutsch-österreichischen Konflikt zu erui- l e n. Ueber den Ministerrat wird im Berlaufe des Abends eine amtliche Berlaulbarung veröffentlicht. London, 5. Febr. Dem„Daily Telegraph" wird ans Wien berichtet, daß infolge der Ereignisse in Tirol die Lege in Oesterreich so schwierig geworden sei, daß der französische Gesandte vergangenen Freitag von Bundeskanzler Dollsuß Aufklärungen verlangt habe. Der Kanzler habe bei dieser Gelegenheit erklärt» daß ex sich außerstande sehe» noch längere Zeit sein Versprechen zu halten» gegen die österreichischen S o z ialisten'keine Maßnahmen vorzunehmen. Der französische Ge- sandte legte Protest ein. Der Landeshauptmann von Tirol teilte dem Vorstand der sozialistischen Partei in Innsbruck telegrafisch mit, daß er die Forderung der Hcimwchr aus Verbot der sozialdemoira- tischen Partei als nicht erfolgt betrachten könne. # Die Lage Oesterreichs wird immer schwieriger. In dem Augenblick, wo seine Regierung einen Appell an den Völker- bund gegen Hitler-Dcutschland beschließt, wird Dollfutz in Tirol von dem radikalen Flügel seiner Gefolgschaft durch einen Putsch überrumpelt und in neue Kon- flikte hineingezwungen. Nach bekanntem Nazi- mustcr setzen die Hcimwehrlcute bereits desondere Ausschüsse neben die verantwortlichen Regierungsstellen in Tirol und suchen vollendete Tatsachen zu schaffen. Tie Besetzung der sozialdemokratischen„Volkszeitung" beweist, daß dieser AustrofaschiSmus in gewissen gewalttätigen Methoden ein allcrgetreuester Schüler des angeblich feindlichen braunen Terrors ist— wenn es gegen die Arbeiterschaft geht. . Diese innerpolitische Wirrnis wird weder England noch Italien geneigter machen, der österreichischen Beschwerde über Hitler-Deutschland ernsthast nachzugehen. Eben haben sie Teutschland das Recht zur Aufrüstung offen zugesprochen. Genfer Resolutionen oder Untcrsuchungskommissioncn sind in der gegenwärtigen Lage nur eine Flucht aus dem Problem. Es gibt nnr zweierlei: ernsthafte Finanzhilfe für Oesterreich oder scharie Aktion gegen Hitler. Weder das eine noch das andere wird geschehen. Angesichts der Willensschwäche der westeuropäischen Demokratie und des zwiespältigen Ver- Haltens Italien? wird man Dvllfuß in Genf viele Kompli- mente machen, aber sich im übrigen nicht allzu sehr engagieren. ♦ DNB. London, 5. Febr. Im Unterhaus erklärte Sir John Simon ans die Frage, ob die Politik der britischen Regierung für die Unabhängigkeit Oesterreichs eintreten werde, die Regierung verfolge die Entwicklung der Dinge in Oesterreich mit gespanntester Ansmcrksamkeit. Die Hat- tung der britischen Regiernng sei dem Hause von ihm de- reit» am St. Dezember mitgeteilt worden und jener Dar- legung entspreche noch immer die Politik Englands. Ans die Frage des konservativen Unterhausmitgliedcs Williams, wie denn England die Unabhängigkeit Oesterreichs aufrecht- erhalten wolle, wenn es Heer, Marine und Luftstreitkräfte abschaffe, gab Simon keine Antwort. Die Frage SirAustenChambcrlains, ob man das HauS nicht über den neuesten Stand der österrcichisch-deut- scheu Beziehungen informieren könne, beantwortete Simon dahingehend, daß er im gegenwärtigen Augenblick nichts darüber sagen könne? er verwies erneut auf seine Dar- legungeu am 21. Dezember. Starhemberg putscht Heimwehrleute besetzen die„Innsbrucker Volks» zeitung" DNB. Wien, 5. Febr. Die Tiroler Heimwehren haben am Moutagvormittag das Gebäude der Innsbrucker sozialdemo- Irakischen„B o l k s z et tu n g" besetzt. Vom Vcrlagsdircktor wurde die Polizei zur Hille herbeigerufen, die von den Heimwehre« die sofortige Räumung des Gebäudes verlangte. Das Gebäude deS sozialdemokratischen Organs wird gegen- wärtig von der Polizei bewacht. Es scheint sich bei dem Vor- gehen der Hcimwehrcn darum gehandelt zu haben, die Ver- össcntlichung des sozialdemokratischen Ausrufs an die Ar- bciterichaft zu verhindern. DNB. Innsbruck, 5. Febr. Die Erfüllung der Forderung der Tiroler Seimwehr nach Einsetzung eines autoritären Landesausschuües ist, wie bekannt wird, dadurch ermöglicht worden, daß sich ein großer Teil der Bauernbundsmitglieder gegen die von der Ehristlich-Sozialen Partei gewählten Mandatare ausgesprochen hat. Ob der neu ernannte Landes- ausschuß neben der bisherigen vom Landtag gewählten Lan- desregierung amtieren oder diese ersetzen wird, ist noch nicht bestimmt. Znr Zeit sind im Sandeshausc Besprechungen im Gang, um die Lage zu klären. Die weiteren Forderungen der Heimwehr nach Auslösung der politischen Parteien werden zur Zeit nicht mehr als dringend bezeichnet: doch erklären die Heimwehrführer, daß sie von dieser Forderung auch in Zukunft nicht abgehen Bulgarische Außenpolitik Wien, 6. Fcbr Entsprechend der Absicht Bulgariens, st a t t des Beitritts zum Balkanpakt mit allen Balkan st aaren N i ch t a n a r i f s s- und Freund- schaftsverträge abzuschließen, hat der Ministerpräsident M u s ch a n o w ein R u n d s ch r e i b e n an sämtliche bulgarischen Gesandten in allen Staaten gerichtet und sie auf- gefordert, den Regierungen, bei denen sie akkreditiert sind, den Plan Bulgariens zu unterbreiten, mit allen diesen Staaten Freundschaftsverträge abzuschließen nach der Art des zwischen Bulgarien»nd der Türkei vereinbarten Abkommens. Ministerpräsident Muschanow wird übrigens würden und weiterhin darauf dringen, daß der parteilose Führerstaat in nächster Zeit verwirklicht wird. Für heute>N die Ankunft neuer Hcimivchrsormationen aus dem t.anoe in Innsbruck angekündigt, um der Erfüllung dieser^oroe- rungen erhöhten Nachdruck zu verleihen.. Zu einer Abordnung der Sozialdemokratischen Partei, die bei der Landesregierung gegen die Forderung der Hetmwcyr nach Auslösung der Sozialdemokratischen Partei vorsprach, sagte Landeshauptmann Dr. Stumpf, daß eine Auflösung nicht vom Lande Tirol, sondern nur durch die Wiener Regte- rniig verfügt werden könnte. Die Landesvcrsassuna wurde auch sonst in keiner Weise verletzt werden. Stimme ans dem Vatikan „Osservatorc Romano" zu der deutschen Antwort an Oesterreich Paris, 5, Februar. Wie Havas berichtet, schreibt der„Osservatorc Romano" mit Bezug auf die deutsche Antwort an Oesterreich:„Das wesentliche Motiv des Konflikts zwischen Deutschland und Oesterreich ist folgendes:'Nach deutscher Auffassung ist Oesterreich bereits für den Nationalsozialismus gewonnen, der durch die Dolltuß-Regierung unterdrückt und daran ge- hindert wird, zur Macht zu gelangen. Im Gegensatz hierzu ist Oesterreich der Ansscht, daß der deutsche Stand- punkt in sich bereits eine Bestätigung für die E i n in i>' ch u n g der deutschen Politik in die inneren Verhältnisse eines souveränen Staates darstellt. Für Oesterreich ist der National- iozialismus lediglich eine Bewegung, die von einem anderen Staat ahhängig ist und eine terroristische Aktion lalso eine ungesetzliche Aktion, die unterdrückt werden muß« gegen die aur Grund deS allgemeinen Stimmrechts gebildete Regie- dung ausübt. Mehrfach bat die öffentliche Meinung Gelegen- heit genommen, ihre Billigung und Sympathie in b e- dingung s loser Weise für die Politik d e S Herrn Dollsuß zum Ausdruck zu bringen. Gegenwärtig stellt man eine neue imposante Sympathiekundgebung für die Politik der Regierung Dollfuß fest: eine Kundgebung, die, wie die gestrige von tststststs' Bürgern in. Wien, jede Voranssetznng für die Unpopnlarilät der Regierung Dollsuß Lügen straft." GroOmöchte in Verlegenheit DNB. London, 6. Febr. Der gestrige Beschluß des öfter- reichlichen Kabinetts, den Völkerbund anzurufen, findet in der Presse allgemein Beachtung. Die meisten Blätter ssnd der Ansscht, daß Dr. Dollsuß und seine Kollegen noch zögern und daß auf jeden Fall ein Schritt beim Völkerbund nicht vor nächster Woche erfolgen werde. * DNB. Paris, 6. Febr. Einen einlach lächerlichen Rückzug nennt der Außenpolitik«! des„Echo de Paris" den Beschluß der österreichischen Regierung, an den Völkerbund zu appcl- lieren. Seit zwei Wochen droh« sie Deutschland damit, und gestern sei der Bundeskanzler nun ermächtigt morden, den Genier Weg, falls er es für richtig halte, zu beschreiten. Offensichtlich fürchte der Bundeskanzler, daß der Völker- bundsrat vor aller Welt die Zerfetzungserfcheinungen in Oesterreich und die Ohnmacht des Bundeskanzlers aus- breiten könnte. Italien, England und Frankreich seien für diesen Rückzieher verantwortlich. Warum hätten sie auch die Demarche Oesterreichs in Berlin zugelassen, wenn sse ssch nicht stark oder nicht stark genug fühlten, ihn zu unterstützen? Mehr als skeptisch bleibt auch„Le Iour". Das Blatt fragt: Wie wird der seltsame Völkerbundsorganismus auf diese Stimme in der Wüste reagieren? Frankreich sei wobl in ihm vertreten, aber für einige Zeit lahmgelegt. Aus Mussolini könne man nicht rechnen, und in London spreche man nur noch von AbrüstungSdcnkschristen. Iu Warschau habe Außen- minister Beck den Rubikon überschritten. Er habe sein Erpose gehalten, das ernst sei wegen dessen, was darin steht, aber noch ernster durch das, was nicht gesagt sei. Er erklärte, daß er niemals das Mißtrauen Europas gegen Hitler geteilt habe, lieber Frankreich gleitet er hinweg»nd Oesterreich erwähne er überhaupt nicht, und dieser Beck werde die Genfer Sitzung leiten, in der über Oesterreichs Appell be- raten iverdc! „Action Francaise" erklärt, Oesterreich werde aufgegeben. Die letzten Tage der österreichischen Republik rückten näher und näher. Aber niemand rühre sich. Auch Frankreich nicht. Das„Oeuvre"stcllt mit Bedauern fest, daß Frankreich heute mehr zu tun habe als sich um Oesterreich zu kümmern, und hoist, daß die angebliche Absscht Englands, ein Dreier- komitee unter dem Vorsitz eines Italieners zur Prüfung der österrcichifch-deutfchen Lage einzusetzen. Wirklichkeit werde. Heute könne niemand mcbr glauben, daß der Völker- bundsrat einstimmig die wirtschaftlichen und politischen Sanktionen geaen Deutschland, die wegen Verletzung vo» Artikel tl des Völkerbundspakts in Frage kämen, cinn-b'.ncn würde. Aber die Zeit eile. Mitteleuropa gleiche in keiner Weise dem südamerikanischen Kontinent. im Lause des Frühjahrs den angekündigten Besuch in Bnda- pest abstatten. Hebt üclzgcr verhaltet Wegen„Schwarzschlachtungen" Biberach, 6. Febr. Auf Anordnung der Politischen Polizei in Ulm wurden a ch t M e tz g e r m e i st e r tn Schutz ha'' genommen, weil sie Schwarzschlachtungen vorgenommen' Steuern hinterzogen und das Flcischbeschaugesetz nicht«>»' gehalten hatten. Außerdem wurde die Schließung thre< Geschäfte verfügt. Vorkämpfe f ttr 1935 Freiheit und Terror an der Saar Ja 1935" Rettet Dlmitrofl! So beginnt der Abstimmungskampf..» Im Saargebiet wird seit einiger Zeit ein neues Abzeichen getragen. Aehntich der Plakette, die bei der Volksabstimmung in Hitler-Deutschland eingeführt wurde, nur daß außer dem„Ja"nochdieZahl„1933"daraufvermerkt ist. Das Tragen politischer Abzeichen ist im Taargebiet ver- boten. Trotzdem gibt es natürlich Unentwegte, die diese funkelnden Nickelbuchstaben zur Schau tragen und sich als Märtyrer fühlen, wenn sie sich dadurch eine Polizeistrase zuziehen. Eine Frage der privaten Anschauung, die seder mit sich auszumachen hat. Anders aber liegt der Fall, wenn dieses Abzeichen getragen wird von Beamten in öffentlicher Funktion. So wird es von einem Teil der Saarbrücker Beamtenschast, bei der Sparkasse und in anderen öffentlichen Büros mit starkem Publikumsverkehr während des Dienstes zur Schau gestellt. Eine Provokation für das Publikum. Im übrigen ist aber auch nicht ersichtlich, welche Frage mit diesem„Ja" beantwortet werden soll. Bei der Abstimmung stnb drei Fragen zu beantworten, die der Rückkehr zu Teutschland, der Einbürgerung nach Frankreich und die nach der Ausrechterhaltung der Autonomie. Bei der städtischen Beamtenschaft der Stadt Saarbrücken besteht noch eine vierte Möglichkeit: In den letzten Tagen ist bekannt geworden, daß der Oberbürgermeister die Absicht hat. nach der Rückgliede- rung 1935 etwa 149 Beamte abzubauen, die dann durch eine Neuorganisation überflüssig werden. Vielleicht wollen sich die Träger des Ja-Abzeichens dem Herrn Oberbürgermeister zum freiwilligen Abbau empfehlen? Man weiß ja nickst, wozu diese Gleichgeschalteten aus lauter Vaterlandsliebe fähig sind... Große rreiheitskundgebungen Säle wegen Ueberfüllung geschlossen Wenn die Freiheitsfront ruft, sind alle Säle an der Saar weitaus zu klein, um die, die trotzdem kommen, zu fassen. Jedesmal müssen Hunderte umkehren— und dennoch zwängen sich jedesmal mehr Menschen in die Säle, und harren aus, bis der gemeinsame Freiheitsrus und der Ab- gesang der Internationale die Kundgebung beenden. So war es in S u l z b a ch und in S a a r l o u i s. In Sulz- bach mußte eine Parallelkundgcbung veranstaltet werden, und Volkshaus und Rcichsbannerhe'm waren gleich über- füllt. Heber 1500 Menschen waren in beiden Räumen unter- gebracht. Und immer wieder dröhnten die Frciheitsrufe und die Beifallskundgebungen durch die Täte. Unter Mitwirkung des Arbeitergesangsvereins, des Ar- beitertambourkorps, der Roten Funken und der Jugend wurde das eigentliche Programm des Tages, die Reden der drei Referenten Max Braun, Richard Kirn und Paul Baders abgerollt. In S a a r l o u i s. wo leider viele, viele umkehren mußten, weil die Raumverhältnisse nicht mehr als 090 dicht gedrängt stehenden Menschen Aufnahme bieten konnten, sprachen die gleichen Referenten. Zur Geschäftsordnung bat ein Kom- mun'st darum, daß ihm Max Braun fünf Fragen beant- worten möge, die er»'christlich heraufgab und auf die Braun in seinem Referat gründlich einging Auch hier in Taarlouis war die Kampfstimmung ausgezeichnet und die Begeisterung für d'e Ziele der Freiheitsfront nicht weniger groß als in Sulzbach. Täglicher Saar-Terror Ein Ebert-Bild zerhackt In Sulzbach wurde eine halbe Stunde vor Reginn der Gemeinderatssißung aus dem Sitzungssaal des Rathauses das Bildnis des ersten Reichspräsidenten der deutschen Republik. Friedrich Eberl, gestohlen, dann in Stücke zerhackt und aus einen Abort des Rathauses geworfen. Typisch ist. daß weder ein Mitglied der nationalsozialistischen sogenann- ten„deutschen Front" im Gemeinderat, noch ein« der gleich- Seschalteten Ortszeitungen dafür kein Wort des Bedauerns, er Kritik oder der Ablehnung gesunden hat. Statt dessen aber wurden in der gleichen Sitzung neue Boykottmaßnahmen gegen die nichtgleichgeschaltetc Bevölkerung und deren Presse beschlossen. Anonyme Briete Sie kennzeichnen die Lage an der Saar Ortsführer der Freiheitsfront in Ensdorf, Michael Schmidt hat folgenden Brief erhallen: „Schmidt Michel du Elender da die deutschen Zeitungen des Sargebietz mit ausnähme der Sepperatisten Presse dich Landesverätter meiner Ansicht nach nicht genug gebrand- markt haben auf deine Sepperatisten Kundgebung hin im Bergmannsheim zu Ensdorf so möchte ich noch einen be- sonderen Senf hinzugeben. Wenn mir rein deutschen uns auch jetzt in der öffentlichkeit etwas zurückhaltend dir und deinen Anhang gegennüber benehmen so möchte ich es doch nicht verheimlichen um es dir auf diesem Wege beizubringen daß du 1935 das letzte Wort unter den lebenden gesprochen hast. Sollten die Bäume von deiner Wohnung bis zu dem Sepparatisten Schacht duhammel nicht ausreichen für dich und deine getreuen aufzuhängen so werden wir dich Schurke und oberveräter hoch oben an dem Sepperatisten Schachtbock aushängen. Bis dahin kannst du dir wählen was dir am liebsten ist. Auch diese gewaltigen Grubenpolizisten von heute werden bann als Puplikum um dich herum baumeln. dem Adolf Hitler haben wirs geschworen dem Hackenkreutz die Treie' Heil H i 11 e r 1 tn Sdiüsse in Püttlingen Nazis schießen auf Antifaschisten und verletzen ihn schwer Am 5. Februar zwischen 5 und 5.30 Uhr wurde der Anti- saichist Becker in Püttlingen durch zwei Lungenschüsse lebensgefährlich verletzt. Der Täter ist National- sozialist und der Sohn des Gastwirtes Schmidt. Becker, der sich mit noch drei andern Antifaschisten in dem Lokal iStahl- Helmverkehrslokal) befand, warf aus Versehen ein Bierglas um. Er erklärte sich bereit, dasselbe zu ersetzen. Daraufhin stieß Schmidt Becker um, so daß B. zu Boden fiel. Als er sich aufrichtete gab Schmidt auf ihn mehrere Schüsse ab. von denen zwei in die Lunge trafen. Schmidt ist verhastet. Das Ueberfallkommando traf bald nach der Tat in Püttlingen ein. Die ganze Bevölkerung befindet sich in grober Erregung gegen den Täter. ^Tas nationalsozialistische Deutsche Nachrichtenbüro, Filiale Saarbrücken suchte die Sache so dqrzustellen, als seien die A n t i f a s ch i st e n schuld daran, daß der National- ' o z i a l> st— geschossen hat. Aber es ist ja die alte Nazi- taktik: Nicht der Mörder, sondern der Ermordete ist schuld! Verb o! der„Saar-Front" Wegen ihrer Emigrantenhetze Die Negierungskommission hat die nationalsozialistische Tageszeitung.Saar-Front" wegen des Artikels„Wieder Emigranten? Warum das?" in der Nummer 39 vom 3.4. Februar 1934 aui die Dauer von drei Tagen verboten. Anlaß dazu war ein verlogener und herausfordernder Ar- tikel über die Emigranten an der Saar. Emlgrations Statistik Berat, Aller, Bekenntnis Für alle Hilfsmaßnahmen einer produktiven Flucht- lingsfürsorge ist eine statistische Erfassung der beruflichen Fähigkeiten der sozialen und gesundheitlichen Verhält- nisse wichtige Voraussetzung. Wenn man mit den freien Gewerkschaften und der sozialistischen Partei an eine planmäßige Arbeitssuche und-Vermittlung herangehen will, die auch von der jetzt in Paris neu gebildeten deutschen Kommission ai'i ihr Programm gesetzt ist, muß man natürlich einen G mtüberblick haben, welche Art von Arbeitern und Kräften zur Verfügung stehen und untergebracht werden sollen. Namentlich für den Flücht- lingskommissar des Völkerbundes. Herrn Macdonald, und seine Mitarbeiter in Lausanne wird es von großer Bedeutung sein, sich bald eine klare Uebersicht darüber zu verschaffen. Im Pariser Matteotti-Comitö ist vor einiger Zeit eine Ueberprüfung unter diesen Gesichts- punkten vorgenommen worden, die zu folgenden Ergeb- nisten geführt hat: Die gelernten und ungelernten Arbeiter bildeten 37 Prozent der vom Matteotti-Comite Betreuten, und zwar waren 34 Prozent gelernte Facharbeiter, wäh- rend nur 3 Prozent Ungelernte waren. Die Zahl der aus kaufmännischen Berufen, Gewerkschaften und Kranken- Kassen Vertriebenen betrug 26 Prozent der Gesamtzahl. Unter ihnen waren 12 Prozent selbständige Kaufleute, Gewerbetreibende oder an leitenden Stellen in einer Ar- beiterorganisation. 14 Prozent dagegen als Angestellte tätig gewesen. Aus freien und künstlerischen Berufen stammten 17 Prozent: die größte Gruppe unter ihnen stellten die Schriftsteller und Journalisten mit 8 Prozent, während die ausübenden Künstler(Maler, Bildhauer, Musiker. Schauspieler. Sänger) ebenso wie die Aerzte und Zahnärzte sowie die Juristen für jede ihrer Gruppen nur rund 3 Prozent stellten. Auch die Beamten aller Kate- gorien waren nur in einer Zahl von 15 vertreten, die etwa 3 Prozent entsprach. Die Zahl der Lehrlinge, Schüler und Studenten belief sich endlich auf b Prozent Im Verhältnis von Frauen und Männern stellten die ersteren nur 11 Prozent, die Männer 89 Prozent der Vertriebenen. Da es sich durchweg um politische Flücht- linge handelt, kann dieses Verhältnis nicht erstaunen, da in vielen Arbeiterfamilien der Mann oder der Sohn aus dem Konzentrationslager oder vor der Verfolgung sich retten, die Familie aber zurückbleiben mußte, weil die Mittel zur Flucht fehlten. Welches Elend hinter diesen Zahlen an Trennung und Leid steckt, wissen nur die Be- troffenen. Zur Altersgruppierung ergibt die Untersuchung gleich- falls ein wichtiges Bild. Die Zahl der Kinder ist verhält- nismäßig gering, kaum 3 Prozent, während sie bei den unpolitischen Flüchtlingsstellen viel größer ist. Die Gruppen zwischen 15 und 20 Iahren mit 10.4 Prozent. 20—25 Iahren: 25.6 Prozent. 25—30 Iahren: 24,5 Prozent ergeben zusammen 60 Prozent jugendliche, noch voll elastische Menschen. Berücksichtigt man die oben festge- stellte starke Beteiligung der gelernten Facharbeiter und den Umstand, daß aus der gewerkschaftlichen und politi- schen Arbeit gerade die aktivsten Kräfte zur Flucht ge- zwungen wurden, so wird deutlich, daß in dieser Zahl wert- vollstes Menschenmaterial auch für einen beruflichen Neu- aufbau zur Verfügung steht, das nur in rechter Weise verwendet werden muß. Die mittlere Altersgruppe be- trägt zwischen 30 und 40 Iahren 26,1 Prozent, zwischen 40 und 50 Iahren 8,1 Prozent. Die Flüchtlinge zwischen 50 und 60 Iahren stellten dagegen nur 2 Prozent, die noch Aelteren sogar nur 0.6 Prozent der Gesamtzahl dar. spielen also zahlenmäßig nur eine geringe Rolle. Inner- halb der Arbeiter waren die Metallarbeiter mit 11 Prozent am stärksten vertreten, ihnen folgen die Arbeiter des Be- Kleidungsgewerbes mit 4 Prozent, während die übrigen Gruppen nur in geringerer Zahl auftreten. Bemerkens- wert ist, daß hierbei nur eine kleine Zahl von landwirt- schaftlichen Arbeitern, namentlich einige Gärtner, vor- Händen sind. Für die Probleme der Siedlung wird man daher mit einer überwiegend der Landarbeit etwas ent- fremdeten Arbeiterschicht rechnen müssen. A. K. Der bekannte amerikanische Advokat Gallagher, der nach seiner soeben von der Hitler-Regierung versügten Aus- »oeisung von Berlin in Paris eingetroffen ist, übermittelt dem Befreiungökomitee für Dimitross, Thälmann, Torgler, Popoff. Taneff und alle in Deutschland eingekerkerten Anti- saschisten folgenden Appell an die Weltöffentlichkeit: „Arbeiter, Werktätige und Intellektuelle der Welt! Jetzt sind sechs Wochen nach dem Freijpruch des unschuldig angeklagten Dimitross und seiner Kameraden verstrichen. Es zeigt sich, daß dieser von der öffentlichen Meinung der Welt erzwungene Freispruch von der Hitler-Regierung als eine Farce betrachtet wird. Entgegen dem in allen kulturellen Staaten gellenden Rechtsbegriff sind die Freigesprochenen weiter eingekerkert. Ich habe mich in den letzten Wochen meines Berliner Aus- enlhalles von neuem mit eigenen Augen von der ganzen Rücksichtslosigkeit der faschistischen Hitler-Justiz überzeugen können. Der Mutter Dimitrosss, seiner Schwester und der Frau Tanests, die sämtlich nicht ein Wort deutsch sprechen, wurde durch einen einfachen Willkürakt der Dolmetscher durch eine Ausweisung entrissen. Mir, dem einzigen Rechts- beistand Dimitrosss und seiner Kameraden sowie ihrer Familie, wurde das gleiche Schicksal zuteil. Hilflos sollen nach dem Willen der faschistischen Machthaber die drei Frauen, ohne Einfluß auf die Geschicke ihrer Angehörigen nehmen zu können, in Leipzig verbleiben. Diese Handlung kennzeichnet die ganze heimtückische Feigheit des heute in Teutschland herrschenden Systems, das nicht gewagt hat, die Mutter Dimitrosss selbst auszuweisen, sondern ihr einlach alle Möglichkeiten nimmt, um für ihren Sohn in Leipzig wirken zu können. Alle diese Schläge haben weder den heldenhaften Dimitross, noch seine nicht minder heldenhafte alte Mutter getrosten. Ungebeugt harrt die nun mehr als siebzigjährige alte Frau bei ihrem Sohn inmitten eines faschistischen Landes aus. Dimitross und sie sind sich gewiß der ganzen Solidarität aller ehrlichen und anständig denkenden Menschen der Welt. Gestützt auf die Solidarität dieser Millionen in allen Ländern sind bisher für den Leipziger Prozeß und für die Erhaltung der Familie des Freigesprochenen große Geld- mittel ausgebracht worden. Tie Hitler-Regierung glaubt, daß diese Solidarität jetzt versiegen und sie auf diesem Wege die unbequeme Familie Dimitrosss zur Abreise bewegen kann, um dann ihren Rachegefühlen freien Lauf gewähren zu können. Nie und nimmer darf das geschehen! Darum appelliere ich an alle Arbeiter, Werktätigen und Intellektuellen der Welt: Laßt nicht nach im Kampfe um die Befreiung Dimitrosss und seiner Kameraden, für deren Leben und Sicherheit unter den heutigen Zuständen in Teutschland niemand garantieren kann. Duldet nicht, daß die Gefangenen ohne den Schutz ihrer Familien in Leipzig bleiben und bringt hierfür die not- wendigen Mittel auf. Sammelt wo Jh'- könnt und überweist die Gelder dem Besreiunqskomitee für Dimitross. Thälmann. Torgler Popoff. Taneff und alle in Deutschland eingekerkerten Antifaschisten(10, ruc Notre Dame de Loretto, Paris 9, Postifbeckkonto: Hoa. Paris 999 45s. das Euch öffentlich über den Eingang der Gelber quittieren wirb. Leo Gallagher. Bevollmächtigter Dimitrosss und sein-r Familie. » Jnpreß Wir erfahren, daß Dimitross, Pop off und Taneff in aller Stille von Leipzig nach Berlin ins Polizeipräsidium, Alexanderplatz, überführt worden sind. Dann hat sich ihre Spur verloren. Im Reichsinnenministc- rium sind gestern zahlreiche Telesonanruie aus London, Paris und anderen Städten angekommen, deren Zweck es war. Auskunft über das Schicksal der drei Freigesprochenen zu erhalten. Zunächst wurde erklärt, daß die Nachricht der Ueberführung von Leipzig nach Berlin nicht stimme. Schließ- lich, als der Abtransport nicht mehr geleugnet werden könnte, gab Dr. Erbe vom Reichsinnenministerium auf die Frage, ob es stimme, daß die drei Bulgaren sich in den Händen der Geheimen Staatspolizei befinden, die Antwort: „Ich denke:. Schriftsteller John Strachey ein. Er begab sich zur Geheimen Staatspolizei um festzestellen. ob über Dimitross und seine Kameraden bereits Entscheidungen durch die Regierung ge- fällt worden seien. Bisher sind keine Resultate über die Unterredung, die Ttrachey führte, bekannt geworden. Die Mutter Dimitrosss, d'e sich gleichfalls nach der lleberführung der Gefangenen nach Berlin begeben hat, ist bis zur Stunde noch ohne Verbindung mit Dimitross, der angeblich mit seinen Kameraden in das Gefängnis der Gestapo überführt worden sein soll. Ter schreckliche Geiselmord an führenden kommunistischen Funktionären, die aus Beseht der Geheimen Staatspolizei erschossen wurden, ist ein alarmierender Appell an alle sich für das auss äußerste gefährdete Leben Dimitrosss und seiner Kameraden einzusetzen. * Ausweisung nach Rußland Berlin, 5. Febr In unterrichteten Kreisen wird behauptet, es stehe die Ausweisung der drei in Leipzig freigesprochenen Bulgaren nach Rußland bevor. Die Ausweisung werde mehr als nur eine Ausweisung sein, nämlich ein Staatsakt von Bedeutung. Die Wiedergabe der Freiheit an Dimitross, Popofs und Taneff bedeuten eine freundliche deutsche Geste gegen- über Rußland, wie denn auch in letzter Zeit deutscher- feit« alles daran gesetzt werde, die gestörten Beziehungen zu Rußland wieder freundlicher zu gestalten. Und Torgler? Die Basier„Rational-Zeitung" meldet: Torgler befindet sich in der S t r a f a n st a l t P l ö tz e n- see bei Berlin. Man will ihn demnächst in ein K o n- zentrationslagcr überführen, um ihn danneben- falls bald sreizulassen. Torgler hat es durch seine kluge und zurückhaltende Berteidigungstaktik in Leipzig er- reicht, die früher sehr starken gegnerischen Spannungen z u seinen Gunsten erheblich zu mildern. Zwei jähre Zuchthaus! „Das kommende Tribunal" Berlin, 5. Febr.(Jnpreß.) Für die Bemerkung in einem Brief an seinen Freund:„Die Zeit ist nicht mehr weit, in der wir die roten Richter sein werden", wurde der Lüneburger Arbeiter Steinmetz vom Berliner Kammergericht zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. ,.Deutsche Freiheit", Nr. 31 ffßSüfc BfaP ¥&$& A jffl W^ß«5^r wmml H M>M H H jig JSWB& B1 flj Mittwoch. 7. Februar 1931 Fraiuöslsdie Kursverluste AI» Folge der politischen Skandale Rückgang der französischen Börsenkurse Der Rückgang der französischen Börsenkurse seit Ende De- zember, der sieh an den in der nachstehenden Tabelle aufgeführten Hauptpapieren der Pariser Börse erkennen läßt, zeigt die Beurteilung der wirtschaftlichen und staatsfinanziellen Aussichten der Zukunft. 3proz. ewige Rente.... 67 65,30 4.5proz. Rente v. 1932 A. 85,10 80,35 Banque de Paris 1486 1 453 Credit Lyonnais 2110 1980 Union d'Electricite.... 815 772 Littoral Elektr 931 885 Lens Kohlen...... 408 386,50 Nord et Est Stahlw..,,, 505 460 Schneider Creusot.... 1580 1530 Kuhlmann Chemie.... 633 612 Citroen Auto 507 432 Peugeot Auto 372 356 Es sind keine plötzlichen Kursstürze eingetreten, auch nicht, als die Regierung Chautcmps zurücktrat. Die Kurse gleiten langsam. Zustande! Allen Jugendlichen bis 25 Jahren die Unterstützung gesperrt In der gleichgeschalteten Presse wird geklagt: Der Arbeitsdienst ist vorläufig auf ein festes Kontingent von 250 000 Stellen beschränkt, so daß schon aus diesem Grunde keineswegs jeder erwerbslose Jugendliche bis zu 25 Jahren in den Freiwilligen Arbeitsdienst eintreten und dort bis auf weiteres bleiben kann. Dieser Ansieht scheinen allerdings manche Gemeinden zu sein, an die sich ein Erlaß des preußischen Innenministers wendet. Gewiß müssen auch die Kommunen sparen und versuchen daher möglichst viele Unkosten auf andere Instanzen abzuwälzen. Manche Gemeinden sind deshalb dazu übergegangen, allen Jugendlichen bis zu 25 Jahren die Unterstützung zu sperren und ihnen zu sagen, sie sollten in den Freiwilligen Ar» b>.tsdienst eintreten. Sie verkennen dabei eben, daß nur ein Teil der Jugendlichen bei einem Kontingent von 250 000 Arbeitsdienststellen erfaßt werden kann und daß der Arbeitsdienst in der Regel nach einem halben Jahr endet. Der Arbeitsdienst setzt sich zudem nur aus Freiwilligen zusammen und ist keine Strafanstalt für Arbeitsscheue. Nicht die Schlechtesten, sondern die Besten sollen durch die große Schule des Arbeitsdienstes geben, und daher wehrt sieh die Leitung des Arbeitsdienstes mit Recht dagegen, wenn gefordert wird, man müsse vor allem alle diejenigen jugendlichen Elemente ins Arbeitslager bringen, die sich irgendwie gegen die Ordnung vergangen haben. Es gibt noch immer Behörden, die Strafen ermäßigen oder aussetzen oder von Zwangsmaßnahmen gegen Jugendliche absehen, wenn die Jugendlichen sich bereit erklären, in den Freiwilligen Arbeitsdienst einzutreten. Der Arbeitsdienst hat andere Aufgaben als eine Besse» rungs- oder, wie es im alten Amtsdeutsch so schön hieß, Korrektionsanstalt für schwer erziehbare oder entgleiste junge Menschen zu sein. Die Frage bleibt allerdings, ob, da jetzt infolge der Kontingentierung große Teile der arbeitslosen Jugend nicht im Arbeitsdienst untergebracht werden können und die Gemeinden ihnen Unterstützung zahlen müssen, diese Beträge nicht besser dem Arbeitsdienst zugelegt werden könnten. Mehr Jugendliche könnten dann im Arbeitsdienst wieder eine sinnvolle, geregelte Tätigkeit finden, und auch die Allgemeinheit hätte den Nutze» davon. „Gewisser Stillstand" Der Rückgang in der Keramik Industrie An der Gestaltung der deutschen Außenhandelsbeziehungen ist die feinkeramische Industrie in besonders hohem Maße interessiert. An ihrer GdSamterzeugung gemessen, beträgt z. B. der Auslandsabsatz der Steingut- und Porzellangeschirrindustrie, die seit jeher eine Exportindustrie ersten Ranges war, im Durchschnitt 40 bis 50 Prozent. \ on der gesamten deutschen Fertigwarenausfuhr, die im letzten Jahr 3,8 Milliarden RM. betrug, entfallen auf die Ausfuhr feinkeramischer Erzeugnisse 48.2 Millionen RM.(i. V. 52.7 Millionen). Seit 1929(mit einem Ausfuhrwert von 136.6 Millionen) ist die Ausfuhr ständig zurückgegangen. Das mengenmäßige Ergebnis stellt sich im vergangenen Jahr auf 821 c40 dz.(!. V. 788 276 dz. bzw. 1 459 192 dz im Jahre 1929). Während sich also wertmäßig gegenüber 1932 eine Einbuße von 8.6 Prozent ergibt, war mengenmäßig eine Steigerung um 4.2 Prozent zu verzeichnen. In dieser Entwicklung glaubt man nach den Jahren stetiger Rückgänge einen gewissen Stillstand erkennen zu können Die Fruchte verfaulfeii Wegen de» Zuckerwuchers Die DAZ.(Nummer 48 9) klagt: In der Tat ist eine Ermäßigung der Zuckerpreise für das Gemeinwohl dringend erforderlich. Einmal ist Zucker eines der wichtigsten Volksnahrungsmittel, dann aber hängen vom Zuckerpreis zahlreiche andere Berufsstände ab, deren Förderung im allgemeinen Interesse liegt, wie der deutsche Obstbau und die Konservenindustrie. Sehr erhebliche Werte an Beerenobst, besonders Johannisbeeren, sind im vorigen Jahre an den Sträuchern verfault, weil selbst zu einem Preise von 15 bis 20 Pfg je Pfund infolge des hohen Zuckerpreises von ungefähr 40 Pfg. je Pfund(gegen 24 Pfg. in der Vorkriegszeit) die Ware nicht abzusetzen war. Dabei ist der Zuckerpreis kein natürlicher Preis, sondern entspringt einer monopolistischen Reglung, muß also, so wie es bei den Getreidepreisen geschieht, vom Staat nach den Grundsätzen des Interessenausgleichs und des Gemeinwohls überwacht werden. Die Auflagen der Zeitungen die seit 5. 1. angegeben werden müssen, kommentiert die „Deutsche Volkswirtschaft" so:..Einen Rekord in der Auflagenentwicklung stellen insbesondere diejenigen Blätter auf, die es verstanden haben, sich die guten Eigenschaften der Generalanzeigerpresse anzueignen. Weniger befriedigend blieb der Absatz der reinen NS.-Kampfblätter, offenbar, weil diese Zeitungen ihre Kampfstellungen verlassen mußten und dadurch ihre Leser zur gleichgeschalteten bürgerlichen Presse und deren reicheren Inhalt an allgemeinen Nachrichten abwies." Im übrigen verlangt das Blatt die Fortführung des Kampfes gegen die nicht offizielle übrige Presse,„die sich noch nicht auf eine nationalsozialistische Gesinnung berufen darf". * Das Pressesterben (Inpreß.) Die Heidelberger„Bürgerzeitung", die zuletzt als„Kurpfälzisehe Zeitung" erschien, ist eingegangen. Rückwärts rückwärts! Zurück zum Handsatz! Der„Bayrische Staatsanzeiger" enthält folgende Bekanntmachung:„Bekanntmachung sämtlicher Staatsministerien vom 11. 1. 1934, Nr. VI. 363 über die Verwendung von Handsatz bei Druckarbeiten: Das Buchdruckgewerbe leidet zur Zeit noch in besonderem Maße unter der Arbeitslosigkeit. Eine Möglichkeit, eine größere Zahl von beschäftigungslosen Facharbeitern wieder der Arbeit zuzuführen, besteht darin, daß in den Drucke reibet rieben an Stelle des Maschinensatzes nach Möglichkeit wieder der Handsatz verwendet wird, der ohnehin für einen Großteil der Druckarbeiten unentbehrlich ist. Die Behörden haben deshalb dafür Sorge zu tragen, daß bei Vergebung von Druckarbeiten, soweit dies bezüglich der Kosten usw. irgendwie vertretbar erscheint, die Herstellung im Handsatz vorgeschrieben wird. Bei ungefähr gleichwertigem Angebot sind die Druckereien, die den Auftrag in Handsatz ausführen, vorzuziehen."— Dieser Erlaß bedeutet unerhörten Lohndruck; denn nun muß der Handsatz genau so billig kommen wie der Maschinensatz. Der „Korrespondent", das Druckergewerkschaftsblatt der DAF., nennt das Vorgehen der bayrischen Regierung„in jeder Beziehung vorbildlieh". Das sind Gewerkschaften! V|an sollte auch die ganze Buch- di uckerei abschaffen und Bücher und Zeitungen s dl r e i b e n und malen— wie vor Gutenberg. * Gegen die Vervielfältigungsapparate wird im Namen der Arbeitsbeschaffung Krieg geführt. Dieser Krieg hat mehr Erfolg als man meinen sollte. Der Präsident des Landesarbeitsamtes Brandenburg sagt dazu:„Ich darf in diesem Zusammenhang mitteilen, daß ich die Beschaffungsstelle beim Arbeitsamt Berlin-Mitte, bei der der Druckbedarf für sämtliche mir untergestellten Arbeitsämter einschließlich beschafft wurde, zum Ende des Etatsjahres auflösen werde, um den einzelnen Arbeitsämtern Gelegenheit zu geben, die örtlichen Arbeitnehmer des grafischen Gewerbes in Nahrung zu setzen". Hungerremen Kürzung der Altersrenten Der Eingriff in die Sozialversicherung wird am besten durch Beispiele gezeigt, und zwar durch solche, die die Nazi selbst anführen, um zu beweisen, daß die Kürzungen nur gering sind. 1. Ein Angestellter, der seit dem 1. 1. 1913— 31. 3 1945 mit Gehältern zwischen 200—300 Mark versichert war. erhält monatlich statt 97 Mk. nun 88 Mk. 2. Ein von 1913—1958 mit Gehältern von 100—420 Mk. Versicherter erhält statt 128 Mk. 112 Mk 3. Ein Versicherter mit Gehältern zwischen 580—750 Mk. erhält nach dreißigjähriger Versicherung statt 193 Mk. nun 183 Mk.— Die Kürzungen sind nicht imstande, die Versicherungen zu sanieren. Es wird daher eine weitere empfindlichere Kürzung bald folgen. Abbau Im Warenhaus Wronker Das Kaufbaus Wronker in Hanau teilt mit, daß es, um zu einer weiteren Gesundung des Mittelstandes beizutragen, mit dem heutigen Tage seine Lebensmittel- und Konfitürenabteilung schließt. Der Hanauer Lebensmitteleinzelhandel habe die Angestellten dieser Abteilungen übernommen. Gleichzeitig sind die Abteilungen für Uhren, Ketten und Schmuck aufgelöst worden Der Erfrischungsraum ist schon seit längerer Zeit geschlossen. Deutsches Recht Parteijustiz Im„Deutschen Arbeitsrecht"(1, 94) wird ausgeführt: „Bei Entlassungen wegen politischer U n- zuverlässigkeit, mögen sie vor oder nach dem 7. 4. 1933 erfolgt sein, ist die Entscheidung über die Wirksamkeit der Entlassung und über die Berechtigung des Kündigungseinspruchs unter Ausschluß der Nachprüfung durch die Gerichte den obersten Reichs- oder I.andesbebl'rden oder den von diesen bezeichneten Stellen übertragen. Eine Frist für die Herbeiführung dieser Entscheidung ist nicht vorgesehen. Trotzdem verliert der Arbeitnehmer durch längeres Zuwarten das Recht, eine Entscheidung herbeizuführen(nachträgliches Einverständnis). Selbst wenn der Streit über die Berechtigung der Entlassung zugunsten des Arbeitnehmers durch Vergleich oder Urteil erledigt, aber Vergleich oder Urteil noch nicht erfüllt sind, ist die Entscheidung der obersten Reichs- oder Landesbehörde über die Zulässigkeit der Entlassung herbeizuführen. Ist ein Lirteil zuungunsten des Arbeitnehmers erfolgt, so behält es dabei sein Bewende n." Künstlicher Konjnnhlurkrampi 600 Millionen für Uniformen der Hitler-Jugend Die„Vossische Zeitung" orakelt: Mannigfaltige Wege sind im Laufe des letzten Jahres beschritten worden, um zusätzliche Arbeit zu schaffen. Jetzt gilt es, das Erreichte festzuhalten und weiter vorzustoßen. Eine neue große Arbeitsbeschaffungswelle ist in Vorbereitung, und damit tauchen wieder mannigfache Vorschläge auf, von denen viele nicht durchführbar sind, andere zum mindesten nicht einen sicheren Erfolg erkennen lassen, eine Reihe aber sicher brauchbar ist. Die Gemeinden gewähren zum Teil recht erhebliche Zuschüsse oder langfristige Teilzahlungen. Manche Verwaltungen haben hier Großes geleistet und dadurch viel zur schnellen Herabminderung der Arbeitslosigkeit beigetragen. Aber man kann diese Methode nicht unbegrenzt fortsetzen. da sieh die Absatzmöglichkeiten verengen und die Gemeinden finanziell belastet werden. Ein großer Teil des späteren Konsums wird auf diese 44 eise vorweggenommen. Durch Massen-Aufträge— dazu gehören auch die großen Bestellungen für Festanzüge der Arbeitsfront in Sachsen— werden Sonderkonjunkturen entstehen, die leicht für andere Wirtschaftszweige eine Einschränkung des Verbrauchs zur Folge haben können. Diese Konsumverschiebungen werden sich nicht vermeiden lassen, aber neue Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und Konsumlenkungen müssen ausgleichend wirken. Zunächst heißt es, Arbeit schaffen, dabei müssen auch die sich vielleicht ergebenden Verschiebungen im Konsum in Kauf genommen werden. Das Wesentlichste ist, daß überhaupt Anregungen geschaffen werden, sei es nun durch den Anzug der Arbeitsfront oder durch die Einkleidung der Hitler-Jugend, die 500 bis 600 Millionen erfordert. Wirklidi angekurbelt... ... werde» die Drehorgeln Die„Vossische Zeitung" meldet: Um zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit beizutragen, hat die Polizeidirektion Bremen versuchsweise bis zum 31. März 1934 einer Anzahl älterer Mitglieder der Zunft der Drehorgelspieler die Erlaubnis zum Spielen im Bremer Stadtgebiet erteilt. Kartelle fe»t geschlossen! Die„Deutsche Volkswirtschaft" Nr. 3 sagt:„De Auseinandersetzungen im großen Stickstoffsyndikat sind vom Standpunkt des Nationalsozialismus aus betrachtet, recht unerquicklich und atmen noch keineswegs den neuen Geist Ein Syndikat dient ja noch lange nicht dem gesamten Volke, sondern in erster Linie den Inhabern der Quoten. Der „Völkische Beobachter" hat daher bemerkt, daß ein geschlossenes Syndikat nur dann vom Nationalsozialismus begrüßt werden könne, wenn es die Gewähr gebe, Dienerin des V olksganzen zu sein, und nicht einseitigen Schutz und Gewinn dem Produzenten zum Nachteil der Konsumenten bedeute. Gewiß ist der Beschluß einer Preissenkung recht zeitgemäß, aber die vielfachen Zusammenstellungen aus Syndikatskreisen über Preise, Löhne und dergleichen zeigen, daß man leider noch allzu sehr in einer libcralistischcu Beweisführung befangen ist." Hauszinssteuer muß bleiben! Der Ministerialdirektor im Preußischen 1 inanzministenum Dr. Hog Berlin stellt im„Deutschen Woluiungs-Archiv(1) fest, daß von einer Steuersenkung für den Hausbesitz keine Rede sein kann:„Abgesehen von der I rage der Tragbarkeit der Steuer für den Hauseigentümer bleibt aber die frage bestehen, ob und inwieweit ihre Senkung im Rahmen der Wirtschaftsbelebung noch geboten und möglich ist. Die Lage der öffentlichen Finanzen macht, wie noch näher darzulegen sein wird, zur Zeit eine Aufhebung oder auch nur entscheid ende Senkung der Ha uszinssteuer schlechterdings unmöglich, solange nicht die sonstigen Steuern entsprechende Mehreinnahmen bringen. Wenn auch bei einer weiteren Belebung der Wirtschaft, zu der ja gerade der Abbau der Hauszinssteuer beitragen soll, die Erwerbslosenlasten weiter zurückgehen, und auch zu erwarten ist, daß gewisse Steuerarten besser fließen werden, so ist doch auch heute noch ausgeschlossen, daß dadurch die Lücke in dem nötigen Ausmaß und vor allem in dem nötigen Tempo ausgefüllt werden könnte." Großhandelsindex steigt Berlin, 3. Febr. Die Richtzahl der Großhandelspreise für den 31. Januar 1934 hat sieh mit 96,3 gegenüber der Vorwoche(96,1) um 0,2 v. II. erhöht. Dadurch ist der in der Vorwoche eingetretene Rückgang wieder ausgeglichen. Die Richtzahlen der Hauptgruppen lauten Agrarstoffe 92,8(plus 0,3), ind. Rohstoffe plus 0,1, ind. Fertigwaren 114,2(plus 0,1). Kellner ctatt Kellnerinnen Die Ortspolizeibehörde in Landeshut in Schlesien hat verfügt, daß sämtliche Kellnerinnen in den Gaststätten der Stadt binnen drei Tagen durch männliche Arbeitskräfte zu ersetzen seien. Die Durchführung der Verfügung erfolgt unter schärfster Kontrolle der Polizei. Zugelassen sind in den Gaststätten lediglich noch Stützen im Haushalt Reklame und Gewerkschaften Im Rahmen der sogenannten Bildungstätigkeit der DAF. werden Reklamevorträge für einzelne Firmen gehalten, so z. B. für die Farbenfirma Springer u. Möller AG. Leipzig. Ohne jede Tarnung macht man„GewerkschafIs"versammlun- gen, wo der Werbeleiter dieses Unternehmens für seine Firma predigt. Die Außenpolitik des.dritten ücidies und die Alldeutschen t. B. las Charakteristische an der stürmischen Entwicklung, die wir seit 1914 durchleben, ist die Vergeßlichkeit der Menschen, die die Politik machen. Diese Vergeßlich- keit erlaubt es dem Nationalsozialismus, sich als neue, noch nie dagewesene Bewegung zu tarnen. Tos ist für das„dritte Reich" eine Lache von größter Wichtigkeit; denn in dem Augenblick, da das Ausland die Gedanken- quelle zu erkennen imstande ist, die den Nazismus speist, ists auch mit der Tarnung vorbei und jedermann ist dann in der Lage, die Tinge so zu sehen, wie sie wirklich sind. Wir behaupten, daß der innen- und außenpolitische Kern der Nazibewegung aus dem alten„Alldeutschen Verband" und seiner Agitation für den so- genannten Siegfrieden stammt. Man muß die Tarnung der braunen und schwarzen Uniformen und den Scheinsozialismus entfernen, der ja heute nach dem Arbeitsgesetz jedermann deutlich geworden ist, um das zu sehen, was die Nazibewegung wirklich ist: D i e F o r t- setzung des Weltkrieges mit(vorläufig) anderen Mitteln. Wir sind in der Lage, unsere Be- hauptung mit einer Fülle von Publikationen aus Kriegs- und Nachkriegszeit nachzuweisen. Wir wollen den Leser nicht ermüden und aus unserem Material auswählen. Sprechen wir zunächst von der Außenpolitik, der ja im „dritten Reich" alles untergeordnet ist: ihre Grundzüge sind in der Flugschrift„Zum deutschen Kriegsziel" von Iustizrat Heinrich C l a ß(Lehmann. München, 1917) aufgezeichnet. Ende 1914 schrieb Clah seine Darlegung als„handschriftlich gedruckte vertrauliche Denkschrift" und sandte sie an„etwa 2099 ausgewählte führende Persönlichkeiten". Pfingsten 1917 gab er sie verändert an die Oeffentlichkeit: zweifellos ist diese Fassung wesentlich milder und diplo- matischer, aber sie ist immer noch deutlich genug. Die Denkschrift geht aus von der„vorgeschrittenen völkischen Gesinnung", die zunächst nur wenige Deutsche besaßen,„die aber bald die große Mehrzahl aller Deutschen durch die Macht der Tatsachen zu Gesinnungsgenossen ge- wann": darin steckt der ganze Rassenantisemitismus, dessen außenpolitische Bedeutung als Agitationsmittel für die Ausländsdeutschen und als Sprengmittel für die Ratio- nalitätenstaaten Mitteleuropas(Tschechoslowakei, Rumänien. Südslawien. Westpolen) von den Nazi besser erkannt wird, als von ihren Gegnern. Das Rassengerede ist kein Ornament des deutschen Faschismus, sondern ein wesent- licher Bestandteil seiner ganzen politischen Ideologie und Taktik. Dieses völkische Deutschland stellte 1914 und 1917 das folgende„allgemeine Kriegsziel" fest:„Nach außen Sicherung unseres Zukunft vor ähnlichen Uebersälten durch Niederkämpfung und Schwächung unserer Feinde— nach innen die Gesundung unseres Volkes, die Gewähr- leiftung ferner körperlichen und sittlichen Gesundheit für alle Zeit." Zur Erreichung dieses Programms hilft das „erste Gesetz für uns: abtun alle weltbürgerliche Ge- sinnung, jene unpolitische Neigung der Deutschen, sich in Fremde zu versetzen, jene gefährliche Objektivität zu- gunsten der Fremden, die uns ungerecht gemacht hat. gegen uns selbst.." So sieht in aller Kürze— und wir könnten sie noch viel ausführlicher darstellen— die Philosophie der Siegfriedler aus: schon aus dem wenigen läßt sich die ganze Theorie. Ideologie und Taktik des Naziwesens ableiten: wir wollen es daher genug fein lassen, um zu realen Gegenständen überzugehen, nämlich zur politischen Sicherung des Reiches und zur Tatjache, daß die Pläne der Siegfriedler auf diesem Gebiet wiederum identisch sind mit den Nazi- Plänen. Nach der Denkschrift der Siegfriedler(S. 28 ff.) hat für die Behandlung Belgiens der Grundsatz zu gelten: „Belgien muß aufhören zu bestehen, sein König werde des Thrones entsetzt, das ganze Land bleibe kraft des Rechtes der Eroberung deutsch." Der Grund, der für diese Er- ledigung Belgiens aufgeführt wird, ist 1. ein militärischer: „Bleibt dieses Land nicht unter deutscher Herrschaft, so ist der Krieg politisch ohne weiteres für uns verloren- unter dem Gesichtspunkt der Zukunft aber auch, militärisch, denn geben wir Belgien preis, so wird das die Aufforde- ruug an unsere Feinde, uns bald wieder zu überfallen. Der dann kommende Krieg würde aber von uns nach Westen unter den ungünstigsten Umständen durchgekämpft werden müssen." 2. werden völkische und rassenmäßige Gründe für diese Erledigung angeführt, die Flamen sind an sich Niederdeutsche und„die Wallonen sind verwelschte Moselfranken". Belgien ist belgisch geblieben: bleibt süc das..dritte Reich" die Ausgabe, das Land innenpolitisch so zermürben, daß es kampfunfähig wird und daß es abermals die Rolle von 1914 spielen kann. Zu diesem Zweck werden die belgischen Faschisten unterstützt, zu diesem Zweck wird die slawische Bewegung ins Kalkül gezogen und zu diesem Zweck werden die deutschen Minderheiten in Eupen-Malmedy und Altbelgien eingesetzt. Auf diese Tinge hat die„D. F." mehrfach hingewiesen: der soeben erschienene„Auslandsdeutsche"(herausgegeben vom Deutschen Auslands-Institut, Stuttgart) befaßt sich wiederum mit diesen Fragen. Der Hauptfeind ist zur Zeit der Denkschrift genau so wie heute Frankreich. Auf die Fantasien über Be- Handlung und Aufteilung Frankreichs einzugehen, hat wenig Sinn. Nur auf eines sei hingewiesen: die Denk- schrift schlägt allen Ernstes vor, Frankreich müsse seine Gebiete menschenleer abtreten:„Wir müssen um unserer militärischen Sicherheit willen unbedingt französischen Boden erwerben— er wird aber, nach wie vor von Fron- zosen bewohnt, für seinen Zweck nicht tauglich sein. Dann bleibt nichts anderes übrig, als ihn dadurch tauglich zu machen, daß wir das Land ohne Bewohner erwerben, d. h. im Friedensvertrag mit Frankreich wäre auszumachen, daß dieses die Bewohner der abgetretenen Landstriche in sein verbleibendes Gebiet übernimmt, dort wiederum feß- Haft macht und auf französische Kosten entschädigt." In seinen Erinnerungen beschreibt Iustizrat Heinrich Claß (Wider den Strom, Köhler, Leipzig, 193 2!), daß sich die Siegfriedler in einer Ausschußsitzung in den ersten Kriegsmonaten gerade mit diesem Gedanken befaßten: „Die Aussprache, die sich auch wieder mit den Einzelfragen der Kriegsziele befaßte, bestätigte die früheren Beschlüsse, und ich wurde schließlich ermächtigt, sie vor dem Gesamt- vorstände zu vertreten. Besonders eingehend war über die Forderung„Land frei von Menschen" geredet worden und dabei der Wunsch zum Ausdruck gekommen, sie, wenn es an der Zeit sei, möglichst vielseitig und eingehend zu be- gründen."(3. 343.) Nach der Meinung der Siegfriedler, die genau so wie heute die Nazi den Machtstaat wollten, war diese BeHand- hing Belgiens und Frankreichs„Sicherung unserer Z u k u n f t". Bei Hitler wird das so ausgedrückt:„War vor dem Kriege die Aufgabe einer deutschen Außenpolitik di, S i ch e r st e I l u n g der Ernährung und seiner Kinder auf diesem Erdball durch die Vorbereitung der Wege, die zu diesem Ziele führen konnten, sowie die Gewinnung der dabei benötigten Hilfskräfte in der Form zweckmäßiger Bundesgenossen, so ist sie heute die gleiche, nur mit einem Unterschiede: Vor dem Kriege galt es der Er- Haltung des deutschen Volkstums zu dienen unter Berück- sichtigung der vorhandenen Kraft des unabhängigen Machtstaates, heute gilt es, dem Volk erst die Kraft in der Form des freien Machtstaates wieder zu geben, die die Voraussetzung für die spätere Durchführung einer praktischen Außenpolitik im Sinne der Erhaltung, Förderung und Ernährung unseres Volkes für die Zukunft-ist."(Mein Kampf. Ausgabe 1939, S. 687.) Wer meint, daß Hitler mit seinem Gerede über Ernährung i usw. nicht dasselbe meint wie die Denkschrift des Claß. dem zeigen wir noch(S. 15 kl. der Denkschrift) über„Er- Haltung. Förderung und Ernährung" folgenden Gedanken des Claß:„Das Land, das wir in Europa den Feinden abnehmen, soll in der Hauptsache dazu dienen, eine plan- volle innere Kolonisation mit dem Ziele der Schaffung einer kräftigen, leistungsfähigen Landbevölkerung zu er- möglichen: die abzutretenden Kolonialgebiete sollen— wiederum in der Hauptsache— unserer Industrie Rohstoffe liefern, die wir im Mutterlande nicht hervorbringen, und Absatzmärkte für die ArbeitserZeugnisse sichern, die im Inlands nicht verbraucht werden können: die Kriegsentschädigungen sollen— abgesehen von der Ausgleichung der unmittelbaren Schäden der einzelnen und des Ganzen— dazu dienen, die Mittel für die innere Kolonisation aus dem Lande und für die Sicherung der V o I k s g e s u n d h e i t in den Städten... zu er- möglichen." Und wem auch hiermit die Identität zwischen Siegfriedlern(die ja klarer sprechen konnten und durften als der Hitler) mit dem Naziwesen noch nicht deutlich genug geworden ist, der sei darauf hingewiesen, daß der Grundsatz„Land frei von Menschen" von dem bekannten Banse verfochten wird und daß gerade dieser Grundsatz, der als Erfindung Banfes genommen wurde, größte Beachtung gefunden hat. Schließlich sei an den in der „T F." häufig zitierten General Haushofer und seine Geopolitik erinnert, die sich in ähnlichen Gedankengängen zu bewegen liebt. * Die Einbruchsoersuche der Nazi ins Baltikum und Finnland sind so deutlich in Erinnerung, daß sie hier nicht neuerlich geschildert werden müssen. Auch sie entsprechen den alldeutschen Kriegszielen. Hat doch schon Claß ge- sagt, daß„durch Befreiung des Restes(das ist der von den Zentralmächten noch nicht besetzte Teil, Anm. d. Verf.) der alten Baltenlande auch die V o I k s e h r c restlos gewahrt würde", welchem Satz der faktische Vorgesetzte Neuraths, der Balte R o s e n b e r g. bestimmt nicht widerspricht. All- deutsches Kriegsziel ist es:„den Osten deutsch zu machen". Wer nazische Literatur und Rundfunk kennt, kann auch in diesem Punkt die Identität tausendmal belegen.„Nach Ostland wollen wir reiten!" ist vielleicht das am häufigsten gesungene Lied im deutschen Aether, seitdem es verboten ist, Frankreich siegreich, wenigstens im Chorgesang zu schlagen. * Bleibt die Frage, was wollten die Siegfriedler mit Polen machen.„Wir haben Kongreß-Polen nicht um der schönen Augen der Polen willen befreit, sondern um unseren russischen Feind zurückzuwerfen...", daher will Claß. daß Polen zwar dem Reich nicht einverleibt, sondern angegliedert(S. 57) werde, als„Schutzstaal", wie die Denkschrift sagt. Nun vergleiche man hiermit die in Berlin sehr ernst genommenen Versuche. Polen von der Kleinen Entente und Frankreich loszulösen. Daß das Illusionen sind, weiß man außerhalb Teutschlands: a'.er schließlich waren ja auch die Kriegsziele der Alldeutschen Illusionen und tausende Deutscher sind für diese Illusio- nen zugrunde gegangen: warum sollte man sich nicht wiederum in Illusionen außenpolitisch bewegen, da maus ein Jahr lang schon innenpolitisch tut. Serbien hat nach Meinung der Alldeutschen(2. 59) zu verschwinden. Die Bombe im Agramer Expreß, die Unterstützung kroatischer Verschwörer in Berlin zeigt, daß man auch in diesem Fall heute den alten Gedankengängen folgt. In einem Punkt weicht vorläufig das Nazi- Konzept vom alldeutschen ab: England, da ist man(heute noch) vorsichtig. Aber die Versuche, England faschistisch zu verseuchen, sind deutlich genug. Wenn man bedenkt, daß im Reich die Kolonialpropaganda eingesetzt, daß die Nazi- agitation in die Kolonialgebiete übergegriffen hat, wenn man sich schließlich der kolonialen Gedanken des Generals Haushofer erinnert, dann wird einem klar, daß auch auf diesem Gebiet(man denke nur an Haushofers in der „D. F." zitierte Stellung zum Problem Indien) Hitler die Nachfolge der Alldeutschen antreten wird. Sie ist äugen- blicklich invpportum: sie wird in dem Augenblick möglich, da sich die Lage in Mitteleuropa ändert, da eine Eni- spannung Deutschland-Frankreich eintritt. Wenn das Naziregime bleibt, dann m u ß es auch England gegenüber die Stellung der Alldeutschen früher oder später ein- nehmen. Was die Alldeutschen von England wollen, zeige ein Satz der Denkschrift(S. 91): Es steht für den Sieg- friedler fest:„daß wir England besiegt haben müssen, daß wir ihm als Herren der belgischen Küste auf dem Halse sitzen und die außenpolitische Ebenbürtig- keit durchgesetzt haben müssen." Welcher Satz auch deshalb interessant ist, weil er den richtigen Ausdruck für die Hitlersche„Gleichberechtigung" enthält. Der antiken Tragödie hatte das Satirspiel zu folgen. Wem erscheint es heute nicht als Satirspiel, wenn er liest, wie die Alldeutschen in ihrer Denkschrift die Juden anzu- siedeln gedenken? Zwei Möglichkeiten werden erwogen, 1. die Juden auf einem von Rußland abzutretenden Ge- biet anzusiedeln, 2. Palästina als Iudenstaat unter türkischer Oberhoheit!(Denkschrift, Seite 59 51.) Es liehe sich noch aus sehr vielen Gebieten die Identität der Alldeutschen mit dem Naziwejen außenpolitisch nach- weisen: nicht nur das, sie ist in wichtigen Punkten auch innenpolitisch vorhanden, worüber noch gesprochen werden soll. Heute wolle» wir mit dem Hinweis darauf schließen, daß der Führer der Alldeutschen, Claß. diese Identität anerkennt. Er schließt das Vor- wort seiner Erinnerungen mit den Worten:„Ich glaube an das Gesetz von der Erhaltung der geistigen Kraft und sehe mit Genugtuung und Zuversicht, daß manche frucht- bare Gedanken, die ich mit meinen Freunden zuerst aus gesprochen und vertreten habe, den Weg in die Seelen von Millionen und aber Millionen unserer Volksgenossen gefunden haben und eine bessere Zukunft vorzubereiten scheinen." Auch dieser Satz soll als Zeugnis für unsere Darlegung nicht übersehen werden. Amtliche Parfeierzichung Markenkleben mit Horst-Wessel-Lied Tie Pressestelle de» ReichSpostministcriumS teilt mit: Ter "at-onalsozialistische Staat muß von seiner Bcamtcnichast verlang?» daß sie iich durch Schulung Immer mehr mit der Weltanschauuna des Nationalsozialismus vertraut macht, eine Schulung die in erster Linie der politische» Organisation der NSTAP und dem Amt ftir Beamte zustehen. Ter "teichsponminister hat angeordnet, dag darüber hinaus die politische Schulung der Beamten der Deutschen Reichspost auch durch dienstliche Vorträge gefördert werden soll. Zu Vortragenden werden im Einvernehmen mit dem Leiter dcS Amtes für Beamte des zuständigen Gaus nur politisch be- K'nderS erfahrene Beamte ausgewählt. Rassenschande »Jüdische Gardinen" lInpreß) Tie„Westfälische LandeSzeitung". strüher Tort- wundci General-Anzeiger» schreibt über zwei Dortmunder Lehrerinnen, die früher für das Zentrum eintraten und Bht,»wenigstens nach außen hin. den richtigen„Dreh" gc- siinden haben":„.... Als Lehrerinnen, die mit berufen stnd, dit heranwachsende Jugend in nationalsozialistischem Sinne zu erziehen, scheuen sie sich nicht, bei Inden zu kaufen. Tagtäglich werden sie durch Gardinen, die der Jude geliefert hat. die braunen Bataillone auf der Straße marschieren sehen—" Wirklich Konjunktur In Verhaftungen (Inprcß.) Ter Polizeipräsident von Tortmund. Tchep- mann, Gruppenführer der SA., veröffentlicht in der Essener „National-Zeituiig" eine Statistik über Verhaftungen aktiver Kommunisten ab Februar 1038 bis Dezember. Es wurden in Haft genommen: Februar 4.', Personen August 225 Personen März 580„ September 180„ April 300„ Oktober 170„ Mai 215„ November 263„ Juni 125„ Dezember 173» Juli 213 Tas find allein im Bezirk des Polizeipräsidiums Tort- muiiö 2568 Personen. Warum verhüten? Weil die Frauen ihre Rechte fordern Rcichsministcr Heß hat im Namen Hitler» alle Frane»- organisationen innerhalb der NTTAP. sowie die Neben- Organisationen— Schwesternschaften, Braune Schwester» und Rote Hakenkreuzschwestern— mit sofortiger Wirkung aus- gelöst und Neubildung verboten. Ti? Begründung hierzu liefert die Kopcnhagencr„Politiken". Sic schreibt unter anderem:»Tie deutsche Frauenführeri» Roggc-Börncr hielt vor einigen Tage» aus einer großen Frauenversammlung in Hamburg eine Rede. Frau Rogge-Börner wies darauf hin, daß in der Germanenzeit M ä n» c r n n d F r a u c» gleichgestellt waren. Wen» die Frauen seht zur Seite geschoben werden, so hat das mit germanischer Auf- saüung nichts zu tun. Tie deutschen Frauen müssen ans der Wacht sein, sie dürfen sich nicht dazu erniedrigen lasse» recht und schlecht„Zuchttiere" zu werden." Auf einem Kostümfest in Hamm wurden«in Bank- direktor und ein Rechtsanwalt wegen Saboticrung des Winterhilfswerk» in Schutzhaft genommen. Deutsche Stimmen• Beilage xuw„Deutschen Freiheit"• Ereignisse und Geschichten Mittwoch, den"7. Fabruar 1934 Stütz Siedet S)ec Vatec xLes chemischen 3icieq.es Der Name des Chemikers Friß Haber, der soeben im Alter von 65 Jahren gestorben ist, steht mit goldenen und mit blutigen Lettern im Buche der Weltgeschichte. Wenn nun angesichts seiner Leiche der Ruhm dieses Mannes in allen Ländern verkündet wird, so ehrt man nicht nur einen der hervorragendsten Chemiker Deutschlands, nein, der ganzen Welt, sondern auch gleichzeitig einen der größten Wohltäter und Verderber der Menschheit. Denn die Bedeutung des wissenschaftlichen Wirkens Friß Habers kann nicht hoch genug eingeschäßt werden: sie geht weit hinaus über die Laboratorien des Berliner Kaiser-Wilhelm-Instituts für physikalische Chemie, dessen Leiter er bis vor kurzem war, sie ist von wirklich welthistorischem Ausmaß. Die Wichtigkeit der Arbeiten Habers liegt vor allem darin, daß sie nicht auf das Gebiet der wissenschaftlichen Theorie beschränkt blieben, sondern praktisch in das Leben aller eingriffen. Haber ist vor allem durch sein Verfahren zur Gewinnung von Stickstoff aus der Luft in aller Welt berühmt geworden. Diese Entdeckung, die er gemeinsam mit Karl B o s ch bis zur höchsten Vollendung ausgebaut hat, ist zunächst volkswirtschaftlich deshalb bedeutungsvoll, weil das Rohmaterial, aus dem der„künstliche Stickstoff" erzeugt wird, das biligste und verbreiterte ist, das man sich nur denken kann: nämlich in der Luft. Haber ist es gelungen, Stickstoffverbindungen aus der Luft herzustellen. Wozu braucht man den Stickstoff? Nun, Stickstoff ist vor allem für das Leben der Pflanzen unentbehrlich und damit auch für die auf Pflanzenkost angewiesene Menschheit. Auf Grund des Haberschen Verfahrens ist es gelungen, künstlichen Dünger, der zum wesentlichen Teil aus Stickstoffverbindungen besteht, zu erzeugen. Die Entdeckung Habers hat also nicht nur der Industrie, sondern auch in der ganzen Landwirtschaft geradezu revolutionierend gewirkt. Welcher Segen ist damit aus dem Gelehrtenzimmer Habers über die ganze Menschheit gekommen! Dec teeue Staus. Sciedcich Das Schicksal ruht in dir, Du sollst es entfalten; Gott will dich selbst und hier. Dein ist das Gestalten. Geseß ist nimmer das gleiche, Ist jedesmal neu. In seinem unendlichen Reiche Gilt eins nur: Bleib dir treu! Hans Friedrich Blunck Vorsißender der Reichsschrifttumskammer. ♦ Lri„»„n- ,ispruch finden wir in einem Buch, das Geleitsprüche zu dem am Samstag in Anwesenheit aller braunen Honoratioren pompös gefeierten Fest der Berliner Presse enthält. Es war eine einzige Versammlung von Treuen. Unter ihnen blühte rosig der Schädel des allergetreuesten Hans Friedrich, der vor vierzehn Monaten mit warmherzigen Blicken aus blaufunkelnden Augen republikanischen Führern versicherte, für die Idee der Freiheit und der Volksrechte den leßten Tropfen seines Herzblutes hergeben zu wollen. Aber:„Geseß ist nimmer das gleiche." Gott befohlen! damit kann man sich trösten und Präsident werden. JCnudsea mit dec£atecne Der Leiter der Fachschaft für Theaterkritik im Reichsverband deutscher Schriftsteller Doktor Hans K n u d s e n befaßt sich in einem Artikel mit der gegenwärtigen Lage des Theaterlebens. Im Jahre der nationalen Revolution, so schreibt er. hat sich natürlich eine Unmenge von Leuten für das Theater zum Wort gemeldet, die zwar über Begeisterung und gute Gesinnung verfügen, leider aber keine dichterischenTalente aufweisen, und so machten sie es sich sehr einfach. Sie entnehmen aus der politischen Bewegung die Requisiten und stellen die Nationalsozialisten den Marxisten gegenüber. So einfach komme natürlich ein nationales Zeitdrama nicht zustande. Die Arbeit der Lektoren und der zuständigen Stellen werde mit so viel Gewissenhaftigkeit geleistet, daß eine wirklich dramatische Begabung heute praktisch nicht unerkannt bleiben könne. In diesen einzelnen Betrieben treffen täglich fünf bis sieben Arbeiten Aber man braucht Stickstoff nicht nur für Kunstdünger, sondern auch für— Explosivstoffe. Die furchtbare Gewalt der Sprengstoffe beruht zum wesentlichen Teil auf Stickstoffverbindungen. Bis zum Kriege hat Deutschland zur Deckung seines Stickstoffbedarfes den natürlichen Salpeter, welcher Stickstoff enthält, aus Chile einführen müssen. 1914 waren die Munitionsvorräte Deutschlands viel zu gering, als daß es einen längeren Krieg hätte durchhalten können. Da kam den Deutschen das Habersche Verfahren zu Hilfe, für die Munitionserzeugung wurde nunmehr Luftstickstoff verwendet. Ohne Haber wäre Deutschland im Weltkrieg binnen kürzester Zeit zusammengebrochen! So blühten aus der Erfindung dieses Mannes nicht nur Weizen und Gerste in goldener Pracht, sondern auch die Feuergarben mörderischer Explosionen. Aber nicht genug der Zerstörung! Haber war auch der erste, der Anleitung gab zur Verwendung von Giftgasen im Kriege. Er hat die Sachlichkeit des Wissenschaft- liehen Mordes geschaffen, er hat in trockenen Tabellen, in nüchternen Ziffern angegeben, welche Mengen Giftgas nötig sind, um einen Menschen aus dem Leben in einen grauenhaften Tod zu befördern. Habers Arbeiten auf diesem Gebiet waren für den Gaskampf bahnbrechend. Er war der Vater des chemischen Krieges. Haber, der für sein Wirken mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde, hat gezeigt, wie die Wissenschaft nicht nur dem Aufbau, sondern auch der Vernichtung dienen kann. Er hat im Krieg sein ganzes Können dem deutschen Staat zur Verfügung gestellt. Er war aus tiefstem Herzen Deutscher. Aber er hatte einen Fehler. Er war Jude. Deshalb war für ihn, für den Mann, der Deutschland vor dem frühzeitigen Zusammenbruch im Weltkrieg bewahrt hatte, kein Plaß mehr im„dritten Reich". War auch sein ganzes, furchtbares Können dem nationalsozialistischen Deutschland zugute gekommen— jeßt fort mit ihm, dem Juden! Als Hitler die Macht im Deutschen Reich zufiel, verließ Haber das Kaiser- Wilhelm Institut. Jeßt ist er in der Fremde gestorben. ein. Es wäre nicht auszudenken, was geschehen sollte, wenn die.vc alle gute Stücke wären. Knudsen schließt mit dem Bekenntnis: Es wird mit der Laterne nach dem Stück gesucht, das die Zeit gestaltet und in die Zeit hineinruft. Wir ersehnen es, wir erwarten es! Die JUediqt im„ dcUten Sieiche" Pastor P. F i e b i g zeigt unter diesem Titel eine sieben Seiten starke Schrift(Verlag Heinsius, Leipzig) an, deren Inhalt kurz und bündig so wiedergegeben wird:„Die Predigt muß dem Geschwäß von Selbsterlösung viel klarer zu Leibe gehen. Das wirklich Heldische wächst erst aus der Erlösung." — In seinem Sammelwerk„Jugend bekennt sich zu Christus und Nationalsozialismus"(Dresden. Günther) wird ausgeführt:„Nicht der Jugend überhaupt war es vorbehalten, die Weltanschauung des NS. glaubenswürdig zu erfassen, sondern insbesondere der christlich orientierten". Auch eine Gegenschrift gegen all den Unsinn verdient es. verzeichnet zu werden: H. Vogel,„Acht Artikel evangelischer Lehre um der gegenwärtigen Irrlehren willen"(Berlin. Furche-Verlag), darin die Feststellung:„In der Bibel geht es nicht um Helden". Ali ihee Stette... Eine gründliche Ausmerzung „Neben anderen Einrichtungen liegt es den städtische» Volksbüchereien oh, zur Pflege und Verbreitung nationalsozialistischen Schrifttums, soweit wie irgend möglich, beizutragen. Die Schriften und Bücher der überlebten Epoche wurden gründlich ausgemerzt und an ihre Stelle die Werte der nationalsozialistischen Erhebung geseßt. So haben die nationalsozialistischen Gemeinden die Aufgabe, auf kulturpolitischem Gebiete alles das zu fördern, was wahre deutsche Kultur ist. Zusammen mit dem großen Feierabendwerk der Deutschen Arbeitsfront und geleitet von der kulturpolitischen Führung der Reichsregierung, wird es ihnen gelingen, die ihnen gestellte Aufgabe in der geistigen Gewinnung des Menschen zu vollführen." Walter Frielingsdorf, Pressechef der Stadt Köln. 'Ufa-Silm Ein blondes Mädel. Millionär der Vater. Sie liest Grimms Märchen grade im Salon und singt:„Ich hab' neu blaugetupften Kater!" Da schrillt das goldgefaßte Telefon: Ein armer Junge. Von den Arbeitslosen. „O, falsch verbunden!" sagt er. Sie hört zu. Dann singt er:„Schenk mir Nelken oder Rosen!" Ünd morgen ist das erste Rendezvous. Er hat nur Schuhe mit zerfeßten Sohlen, Drauf glaubt sie prompt: ein Millionär mit Spleen. Und als er sich beim Mondenschein empfohlen, da liebt er sie und sie— na, was?— liebt ihn! Doch eines Tags, im I00-PS-Wagen fährt sie vorbei, wie er beim Stempeln steht... Sie sieht's und singt:„Mein Schaß hat keinen Kragen!" Da hupt zum Abschied der Chauffeur diskret... Verzweifelt irrt der Junge durch die Pläße und singt:„Mein blonder Traum vom Glück!" zehnmal. Doch plößlich hat er Geld und Riesenschäße— Verdient im Krieg als tapfrer Korporal! Und nun kommt endlich auch die große Wende: ihr Troß versiegt beim Drucke seines Knies. Sie reichen sich vor dem Altar die Hände, der Glocken und des Jubels ist kein Ende und junge Gänschen seufzen leis':„wie süß!" S a t i s. Die Jiädchemothsschule heute In der nazi-offiziellen Zeitschrift„Das deutsche Frauen- werk" vom Januar 1934 schreibt die Rektorin Ella Schubert: Wir wollen hiermit klarlegen, was heute eine Mädchenvolksschule leisten muß: Rassen- und Familienkunde, Vererbungslehre, Auslandsdeutschtum, Luftschuß stehen im Vordergrund des Gesamtunterrichts; Schwimmen, Kochen, der Wandertag, die Pflege der Hausmusik, Heimkultur, Büchermesse und die Fülle deutscher Geschichte wollen bewältigt sein.— Demzufolge„forscht" die deutsche Mädchenschule „in guten Buchwerken nach den Rassemerkmalen des deutschen Blutes,„schaut" und erkennt" die„Zwiespältigkeiten des Mischlings". Slumpelstilzchen beweist es Soeben erschien:„Gift, Feuer, Mord! Augenblicksbilder aus dem Reichstagsbrandprozeß" von A. Stein(Rumpelstilzchen),„herausgegeben vom Gesamtverband deutscher anti- kommunistischer Vereinigungen, Berlin W." Dazu sagt der Verlag:„Wie ein wirres Phantom sind die Verhandlungen des Reichgerichtes an uns vorübergegeistert. Man hat in die täglichen Zeitungsberichte hineingesehen, aber sie waren lang und der ganze Prozeß dauerte Monate.— Einer aber saß dabei, dessen Beobachtungssinn und Gestaltungskraft unübertrefflich sind—„Rumpelstilzchen". Hier beweist er das wieder aufs Glänzendste. Sein spannendstes Buch ist ein Stück Weltgeschichte und seine große Lesergemeinde wird begeistert nach Rumpelstilzchens neuestem Werk greifen. Und darüber hinaus wird dieses erschütternde Dokument jeder andere lesen." CAcencettunq dec Sememocdec Ein Friß Karl Roegels hat ein Buch erscheinen lassen: „Die Verräter und ihre Volksrichter", über das der Verlag sagt:„Dieses Buch ist die Zusammenfassung all der Taten der national aktivistischen Jugend, die, sei es mit der Pistole oder mit Bomben, Deutschland, die Heimat, rein und sauber sehen wollte. Die das wahr machten, was dem gesunden Volksempfinden entspricht, daß unlautere Elemente ausgemerzt werden, zum Wohle Deutschlands. Wie wurde doch über die Fememörder gelogen und wie wurde über diese Leute gerichtet! In diesem Buch mit seinen Bildern, die zum Teil sehr schwer zu beschaffen waren, wird dem deutschen Volke einmal gezeigt, wie deutsche Männer in-chwersten Fällen des Vaterlandes ihr Leben einseßten, um die Schma-h von Deutschland abzuwenden. Diese Ehrenrettung der Fememörder wird im neuen Deutschland der Sauberkeit und Ordnung die verdiente Aufnahme finden." Aber, meinen wir, auch in anderen Ländern. £5 wac nichts, los Durch die späte Abendstunde gellen die Signale der Feuerwehr. Ein Löschzug rast heran. Winker und Lichter glühen rot. Vier Fahrzeuge jagen heran, biegen ein, halten an der leßten Straßenecke. Radfahrer schwärmen hinterdrein. Die einsame Straße wird lebendig. Füße trappeln im Laufschritt. Schuhe an, Mantel an, Hut auf— hin! Kipling hat schon recht:„Einmal ein Journalist, immer ein Journalist!" Als wir vor dem Hause ankommen, rückt die Feuerwehr schon wieder ab. Ein Mannschaftswagen steht noch da. Das Hans sieht aus wie immer. Leute schauen aus den Fenstern. Das Treppenhaus ist erleuchtet; Hausbewohner stehen drinnen beisammen. In einem Kohlenkeller hat es ein wenig gehrannt; es ist schon vorbei. Die Feuerwehrleute kommen heraus, klopfen sich die geschwärzten Hände ab, sißen auf. Der Wagen fährt ab; rot glühen die Lichter— um die Ecke ■— aus. Die Neugierigen gehen davon, sprechend, lachend und sichtlich enttäuscht: es war nichts los. Es gab kein prasselndes Feuer, keine Flammenglut in der.Nacht, keine händeringen- den Leute, keinen in den Straßenschmuß geschleppten Hausrat. Es war nichts los— es gab kein Schauspiel! Denn das Unglück der anderen ist immer ein Schauspiel.' Ein Bild in einer Zeitschrift aus den Berliner Revolutionstagen nach dem Kriege bleibt unvergeßlich: Ein Mann wird standrechtlich erschossen— ei steht an der Wand, furchtbar allein in einem leeren Raum. Gewehre sind auf ihn gerichtet. Zuschauer stehen im Kreis um den Schreckensort — sie müssen dabei sein und sehen, wie ein Mann erschossen wird! Und ein Reporter hat die Szene fotografiert, hat sorglich Belichtungszeit und Blende eingestellt, hat durch den Sucher geblinzelt und geknipst, eine Sekunde vorm Kommando„Feuer!". Nie vergißt man diese vier Meter leeren Raum zwischen dem Fotografen und dem Manne an der Wand. Flintenläufe, Zuschauer und ein Reporter, der ihn fotografiert— das war sein leßter Anblick, eine Sekunde vorm Sterben. Kein Schrei, der ihm half, kein empörter Retter— nur Zuschauer. Ein Schauspiel sein Tod. Als nach Hitlers Gewaltstreich die Gewerkschaftshäuser, die Arbeitersportheime, die sozialdemokratischen Zeitungen gestürmt und beseßt worden waren, hatte sich in einer Stadt das Gerücht verbreitet, daß am nächsten Tage auch die Ortskrankenkasse und die Konsumvereinsgebäude beseßt und die „Bonzen" herausgeschmissen werden würden. Stundenlang wartete eine vielhundertköpfige Menge auf das Erscheinen der SA., auf das Schauspiel. Leute darunter, die bestimmt schon einmal Krankengeld von der Kasse, ihrer Kasse, empfangen, die bestimmt häufig in diesem Warenhaus des Konsumvereins, ihres Vereins, Einkäufe gemacht hatten. Sie waren wehrlos— ja, aber sie blieben diesem schmachvollen Schauspiel n i ch t fern— sie standen da, wie sie bei einem Schadenfeuer, einem gestürzten Gaul, einer Hochzeitskutsche vor der Kirche— und auch bei einer öffentlichen Hinrichtung stehen wurden, neugierig und schaulustig; sie standen da und warteten auf das Schauspiel. Es fand an diesem Tage nicht statt, und enttäuscht nach stundenlangem Warten gingen die Leute schließlich davon— es war nichts los! Und nun stehen sie im„dritten Reiche" und schauen zu. Fackelzüge, Aufmärsche, Gefangenentransporte, Luftschußübungen, Judenmädchen am Pranger, Massentrauungen in SA.-Uniform, Verhaftungen, Fahnenweihen ziehen vorüber — es ist v i e I los! Es ist die alte Geschichte: Panem et eircensis— Brot und Spiele! Nein— ein Wunder hat Hitler doch vollbracht. Er ist das Brot schuldig geblieben und hat nur die Spiele, Schauspiele geboten. Und die Menschen sind geduldig; sie laufen den Spielen nach und glauben, daß Hitler auch noch das Brot dazu geben wird. Einmal aber wird den geduldigen Menschen der Betrug nicht länger mehr verborgen bleiben können. Einmal wird Deutschland wirklich erwachen und erkennen: Troß den. Schauspielen— es war nichts los! M inf r e d- Pariser Berichte Pariser Sfraßenhalcnder Auf der neuen Ausstellung im GJaspalast befindet sich in Saal 32 ein Bild„Les exiles allemands" von Nelly Marez- Darley. Dargestellt ist eine Flüchtlingsfamilie, Vater, Frauen, ein Kind im roten Mantel mit der Zeitungsinschrift:„Des enfants proseipts ont fairn, secourez-les!" * Der Streik der Taxi-Chauffeure gab in Paris Anlaß zu einer stärkeren Ueberfüllung der Autobusse und zum Auftauchen der verschiedensten Vehikel an den Straßenecken. * Stefan Zweig hat in der Sorbonne im Hörsaal Deseartes über die Dichtkunst und die bildenden. Künste Oesterreichs gesprochen. * Lotte Schoene wird dem Vernehmen nach demnächst ibrvs Holle in der Reinhardtschen„Fledermaus" wieder übernehmen. ,.* Der unbekannte Gewinner des großen Loses der 5. Ziehung der französischen Staatslotterie hat durch Vermittlung einer Pariser Bank anonym 30 000 Franken für die Waisenkinder gestiftet, die das Los gezogen haben. #' Pelleas und Melisande von Debitssy wird das nächste Mal am 9. Februar in der Opera Comique unter der musil" tischen Leitung von Albert Wolff wiederholt. * Die neue Kältewelle ist erheblich. Es schneit seltsamer Weise bis in die Gegend von Casablanca. *•'■- Die Witwe Rayton, die auf dem GlichyPlatz beim Chauffeurstreik Schutzleute behindert und beleidigt hatte, erhielt 13 Tage Gefängnis, eine andere Demonstrantin Juliette Lefiliatre und der Blechschmied Pierre Pain 8 Tage, aber alle drei mit Bewährungsfrist. * In den unteren Räumen des Grand Palais ist zur Zeit eine Haushaltsausstellung im Gange, die bis 18. Februar dauert. Die Messe von Lyon Die Internationale Messe von Lyon hat einen Katalog für die Aussteller herausgegeben. Die Frühjahrsmesse findet _ in der Zeit vom 8. bis 18. Mai statt. Der Katalog gibt eine "Reihe von Vergünstigungen für Meß-Besucher der berühmten französischen Handelsstadt an Die Auslieferung erfolgt gratis an Interessenten 1. boulevard Malesherbes, Paris durch das Pariser Büro der Messe oder durch die administration de la Foire, rue Menestrier, Lyon. Bayonne, die Stadt der Bajonette Bayonne. die jetzt so bekannt gewordene kleine Stadt der ''ityronäen, tfie durch" Tfsäer" iind Stirn skv find ändfrÄ Welt °?uhm erlang hat(übrigens sehr zum Unwillen der braven '28 000 Einwohner am Ufer des Adour) W ar vordem Tiaupt- -sächlich als Nainenspatroinn, der Bajonette in die Zeit- geschickte eingeführt. Das Bajonett, später In Deutschland Seitengewehr genannt, wurde hier zuerst fabriziert; der Feldherr Ludwigs XIV. Louvois ließ es zuerst von der Infanterie aufpflanzen. Bayonne ist eine alte prächtige Stadt mit einem wunderbaren Stadtbild— obwohl es seine jetzigen bedeutenden Bewohner wie den Journalisten Dubarry und den Mulatten Darius mehr nach Pau zieht, wohin sie eingeliefert wurden. Die alte baskische Stadt stammt natürlich in ihren ältesten Steinwerken schon von den Römern, die der Stadt den Namen Lapurdum verliehen, wenigstens dem Teil, der jetzt Petit-Bayonne heißt. Lapurdum aber heißt, auf Knüppellateinisch oder Baskisch, wie die gelehrten Leute berichten, man staune:„Stadt der Diebe", obwohl das Volk der Gascogner, das ringsum im heutigen Labourd wohnt, doch die alleredelsten Eigenschaften hat. Aber vielleicht ist die Stadt, die den Wahrspruch„Numquam pullutat" hat („Niemals beflecken!"), im Altertum schon mal einem Stavisky in die Hände gefallen... Wechsel im Hause Molieres Dem politischen Kulissenwechsel, der neben einigen Ministern auch den Polizeipräfekten Chiappe hinweggerafft hat, ist unerwarteter Weise auch ein Szenenwechsel im Hause Molieres gefolgt. Der bisherige Direktor der Sicherheitspolizei Thome, dem dichterische Eigenschaften und Be, herrschung der schönsten Künste in einem Momente nachgesagt werden, wo andere mehr nach Marokko blickten, ist zum Nachfolger im Hause Molieres ernannt. Der bisherige Administrator an der rue Richelieu Emile Fahre muß der politischen Raison weichen. Fahre verwaltet das große Haus der französischen Schauspielkunst schon seit 1914. Unzweifelhaft hat er manche Verdienste, zuletzt noch führte er in einer neueren Ueber- tragung den„C o r i o I a n" von Shakespeare auf. Aber diese gewaltige Peripetie eines politischen Dramas brachte die Besucher wegen gewisser aktueller Stellen, die Shakespeare 1608 in ihrer heutigen Wirkung nicht voraussehen konnte, in Aufruhr und veranlaßte Kundgebungen,' an denen Shakespeare ganz unschuldig ist. Sölten diese Wirkungen auf das Publikum der Anlaß zu Fabres Gehen sein, so ist wieder einmal der Beweis geführt, daß es eine eigentlich zeitlose Kunst nicht mehr gibt, nicht mal im konservativsten Parkett von Frankreich. Die repräsentativste Bühne des Landes, mitten in der Saison ihres Leiters beraubt, beginnt eine neue Epoche ihrer großen und ehrwürdigen Geschichte. „Verbotene Musik" W. Jacob schilderte im Pariser Deutschen Klub in fesselnder Weise die Behandlung, die verschiedenen großen Musikern seit Eintritt der Gleichschaltung in Deutschland zuteil wurde. „In der Musik dürfen die Juden weiter führend bleiben", hatte einst der Kronprinz für den Fall eines Umschwungserklärt. Aber Bruno Walter, der sich für den Vollblut- Antisemiten P f i tj n e r eingesetzt hatte und Otto Klein- p e r e r(Schüler Gustav Mahlers), dem man seine Entlassung nach Budapest nachtelegrafierte, konnten von der Wahrheit'. clifSeä Satzes nicht? bemerken. Busch wurde in Presden während einer Vorstellung durch einen Nazi-Partoi- mann ersetzt, M u ck in Mamburg trat ohne Angabe von Gründen zurück, Rabe tritt vor Erreichung der Altersgrenze ab. Die„marxistische Musik", die Musik, die bewußt eine neue Bindung an die Masse des Volkes, des Proletariats anstrebt, wurde verbannt. Die jüdische Musik ist nicht verboten, sondern sie darf noch in Privatzirkeln aufgeführt werden(Mendelssohn, Mahler, Korngold). Die ,-Ncue Musik" Führung durch die Ausstellung der Unabhängigen Der Eintritt ins Grand Palais(Metro Champs Elvses-Cle- • uienceau) kostet 5 Franken. Die Ausstellung mit ihren über 4600 Bildern und Skulpturen ist eine Schau dessen, was die A französische Kunst— unter einem Pariser Himmel, der selbst ein blauer Pinselstrich eines göttlichen Malers ist— in dem halben Jahrhundert eines Cezanne, des Offenbarers in der Form, und eines van Gogh, des Offenbare« der inneren Geheimnisse des Inhalts.,für die Welt geleistet hat. Aber man muß dabei eingedenk bleiben, daß Malerei sinnlich nur als Farbensymphonic denkbar ist. - Die Säle der älteren Meister unter diesen Revolutionären beginnen links vorn Eingang. Da man den fünfzigsten Gc- -burutag der.juryfreien Ausstellung junger Stürmer feiert, sind ihre jungen Werke vielfach den heutigen Produkten der .Reife(oder auch der Rübe) kontrastiert. Da ist etwa Girieud mit einer Versuchung des heiligen Antonius, seltsam giftgrün und voll verborgener Künste in der Primitivität(2). Da ist Metzinger mit dem Blauen Vogel, Bild mit gelbem Haar und lebender Haut, ähnlich in Rot eine Jonglierende. Da sind die trächtigen Garten- und die Blütenfarben, die der Impressionismus so. inbrünstig erfunden hat. Da sind die braunen Badenden von Fries/.(2), in gebändigter^Konzeption. Da ist Matisse(2). einst und jetzt, und Vlaminck mit einer Seine in trübem Ton klagend und dem Stilleben mit Ente von heut, nach beendetem Kampf(4). Da ist die Wand von Paul Signac, dem Präsidenten, prachtvolle, hellichte Töne, zart und stark(3). Da ist, sehr modisch, van Dongen mit einer schwarzen Pariserin mit blauem Topfhut von 1910 ohne Kopf, und einer heutigen Frau. Da ist Lhote(8) mit einer Genesenden, Orangeton und verwunderter Ausdruck. Da ist die braune Ernte von Dubreuil und, sehr interessant kontrastiert, von Goerg ein Mann mit Frauen im Bordell öder wo und eine Frau mit Männern im Kampf(8). Daneben Ghagall mit seinem alten Pogrombilde: Tierkopf, Gefäße, Blut, Chaos und der neueren roten Erscheinung: eine einschwebende Frau. Jude, Luftmensch, Geige. Dis Chaos treibt viele zur Ausweglosigkeit Bezeichnend sind: sehr viele Dadaisten, Angreifer, Karikaturisten und Spötter. Erst sind es brutale Verulker, so: die Verspottung der Familie durch Maillons(7) oder das Katzenleben(6), der dicke Holzprophet breit daliegend(8) oder der nackte Oberkörper in Holz mit Zylinder. Daneben geht der Kubismus seine eigenen Wege der Reinigung, sichtbar in den weißen Farben mit Blau und Strichen •eines Klassikers Leger(8). Andere sind auf der Cottsuche, sehr bezeichnend sucht Andre Foy das Etre irreel in einem alten Colt mit Bart und blauem Schein, den ein Kind fragt(13). Deville(14) malt einen Christus als Narren mit Dornenkrone, einen last- nachtsgott, arm, elend, tief und verhöhnt. Verwandt sind teils auch die jüdischen Motive: der A'uu- derrabbi(22 bis) von Mane-Katj. das wilde und chaotisch- verzweifelte Ghetto der Vjera Biller etwa(39). Der Krieg bringt kaum»anze Leidenschaften hervor: manches sieht fast aus wie alte Schlachtenmalerei, bloß etwas kontemplativer geraten, bekenntnisvoller aber der braune Wald mit schießender Infanterie von Fraye(11) oder „Horreurs de la Guerre, Pourquoi?" von Alexandre Dupre, der die Ermordung eines Bruders sieht. Unter den proletarischen Gegenständen überwiegt das Anschauen des Handwerks und der Arbeit. U as soll uns zum Beispiel ein blau-weißes Zitroncnpflücken? Stark aber Chinesische Schlepper(20) von Clau.lot. dann..Dans la Mine"(26), sehr begabt, von Geo Cim. und ebenso„Streik der Sardinenfischer" von Dehcly(42), der bunt und schicksalhaft und ein wahrer Volksmaler ist, auch in seinem bretonischen Bilde. Sehr anregend ist gewesen ein Wettbewerb„Faits Divers" („Vermischte Nachrichten") zur Darstellung eines Zeitungs- ereignisses. Eingegangen sind u. a. Darstellungen von Sittlichkeitsattentaten, Moritaten, Katastrophen, Selbstmord einer Tänzerin, Schwefelbad des Sarret, Verhaftung eines Diebes durch zwei Polizisten, auch der Barackenbrand auf den Pariser Fortifikationen(14) ist dargestellt. Der„Tod des Zigeuners" von Jean de Botton(13) ist ein prachtvolles Bild dieser Gattung, bunt, Pinselstriche durch das Leben, Farbenkomplexe aus der Natur der Leidenschaften. Die Neueren endlich der letzten Jahre malen Nackte, Harlekine, Fleisch und grelle Natur, alles durcheinander. Ain auffallendsten ist neben dem Ungebärdigen eine durchaus positive Rückkehr zum Volksleben, zu den Gefühlen der Masse: wir nennen Allain,„Extreme-Orient"(24), dann Ber- joles ergreifende, echt neuzeitliche„Pariser Vorortromanze" mit Leierkasten und Weibern(22 bis). Savignol, der ein vollendeter neuerer Volksmaler ist(31), wohl auch den verzweifelt in der Unterwelt suchenden Tauzin(33), einen seltsamen Ankläger mit der Vision„Kragenknopf" mit einem Mann mit einem mageren Weib und einem ebenso fantastischen Zeilungsdetail. Vor dem Ausgang endlich steht, viel bestaunt und beraunt, 'das„Rätsel des Wilhelm Teil" des bekannt gewordenen jungen Spaniers Salvador Dali,— das ist ein surrealistischer Mystiker von seltsamem Leichenton in anderen Bildern, der hier einen Menschen mit aufgeblasenen Ballons, die ihm aus dem Körper wachsen, in die klassische Dichtung hinein- malt,—i der Verkünder einer Sphinx, über di««r sich anscheinend lustig macht- Baptiste. schließlich; alle Musik, die sich in den letzten 20 Jahren als neuer Wert durchsetzte, ist ganz verpönt. Arnold S eh ö n e b e r g nimmt eine besondere Stellung zu diesen drei Musikgruppen ein: er gehört den drei Gruppen gleichzeitig an, daher ist er aus Europa emigriert. Von Mendelssohn, dessen 125. Geburtstag neulich in Deutschland nirgends beachtet wurde, ist in den öffentlichen Konzerten Deutschlands heute kaum noch etwas zu finden. Audi der„Jüdische Kulturblind" kümmert sich nicht um ihn, da er assimiliert und getauft ist. Später vereinigte Gustav Makler alles Gute, was Deutschtum und Judentum in einem Menschen zusammentragen können. Die Werke von Goldmarck, Brüll und Joachim werden seit langem nicht mehr aufgeführt.-— Offenbach wird man auf lange Jahre nicht mehr zu hören bekommen.— Korngold, der einst als Wunderkind begonnen hat und der in Paris immer bekannter wird, dürfte wohl in Deutschland ausgespielt haben. Vielleicht wird man seine Werke ohne Benennung des Verfassers vorführen.— Audi Schönberg darf in einem Lande nicht bestehen, das die Kritik und die. Analyse verbietet. Das Gleiche gilt für Weill, einem Schüler Busonis, der ein Könner ist wie wenige und für Eißler, dessen vergriffene Platten zur Zeit in Holland neu gepreßt werden. Schließlich folgen die jungen Komponisten: Cosma, Dessau, Toch. Sie schreiben für das Kino, das Radio, schreiben Sketsdi» und Lehrstücke und Song-Musik, es ist eine neue Musik, die dem Leben des Alltags, dem Leben des Volks verbunden sein will. Ein Jahr Nazi-Herrschaft genügte, um alles zu zerstören, was mühevoll in Jahrzehnten aufgebaut wurde. Jetzt regiert wieder der biedere Männergesangverein. Das Niederreißen der Nazis war groß, wenn auch planlos. Deutschland hat aus seinen Reihen geradezu das verbannt, was in die Zukunft weist— Zu diesem Vortrag wurden Musikstücke der verbotenen Komponisten vorgetragen. Hans Peters; der jahrelang an der Berliner Krolloper wirkte, sang mit klarer, schöner Stimme„Sei getreu bis in den Tod" und„So ihr mich von ganzem Herzen suchet" aus dem„Paulus" und dem„Elias von Mendelssohn, ferner„Lieder eines fahrenden Gesellen von Gustav Mahler und„Das Lied vom Meer"(Text von Pli- vier) von Cosma, der persönlich anwesend war. Als Begleiterin am Klavier zeichnete sich Frau Lilly Jacoby aus. Aach in Kanada Braunhemden mit deutschem Gruß Montreal. 5. Febr.(Innre».) Die kanadische national- sozialistische Partei, die im Herbst 1988 durch einen gewissen Whiltacker gegründet wurde, steht in enger Beziehung zu dem Chcs des Ankenpolitischen Amtes der NSDAP, Alfred Rotenberg. Sie ist nach deutschem Vorbild organisiert? ihre Anhänger tragen das Braunhemd und grünen sich mit dem „deutschen Kruft". Das Parteizeichen ist allerdings nicht dg? Hakenkreuz, sondern daS Rutenbündel mit Beil. Als Haupt- ziel bezeichnet die Partei den„Stampf gegen die Bersudun» Kanadas" den Bonfott der jüdischen Händler und der rück sichtslosen Unterdrückung des Kommunismus. Das Ende von€. V. und K. B. Die katholischen Studentenverbände heben das konfessionelle Prinzip auf! Berlin. 5. Febr. Die Leiter des CV. uüd des KB per» öffentlichen folgende Erklärung:„Der EV(jkarlellvctzland der karbenlragenden katholischen deutschen Siuöentenverbin- dungeni und die Katholische Burschenschast haben das Be» fenntniö zur nationalsozialistischen Nevolntion zur Grund- läge ihrer Erziehungsarbeit genommen. Daraus ergibt sich, das) die durch die Verhältnisse des liberalen Staates der Ver- gangenheit bedingte konfessionelle Begrenzung ihrer Mit, gliederschaft im neuen Staate nicht mehr begründet ist. Eigenart und Verfassung der beiden Verbände werden anch in Znkunkt jedem Volksgenossen katholischen Bekenntnisses die Bürgschaft dafür geben, daft er ihnen angehören kann. Der Führer des EV., Pa. Forschbach, MdR.. und der Führer der KB.. Dr. Hank, ordnen deshalb im Einvernehmen mit dem Führer der deutschen Studentenschaft, Dr. Oskar Ttäbel, MdR., an. dah die den beiden Verbänden angeschlossenen Korporationen künftighin jeden deutschen Studenten, der Mitglied der Deutschen Tiudentenschast ist, ausnehmen können". Hierzu erlässt der Reichs'ührcr der nationaliozia- listischen deutschen Studentenschaft und des Deutschen Studentenbundes, Dr. Stäbe l, folgenden Aufruf:„Die Erklärung der Führer der grossen katholischen Studenten- verbände stesst den letzten Schritt zur Einigung der deutschen Tiudentenschast aus echt nationalsozialistischer Grundlage dar. Die konfessionellen Schranken innerhalb der deutschen Studentenschaft sind mit dem heutigen Tage gefallen. Ich danke den Führern der beiden katholischen Verbände für ihre entschlossene nationalsozialistische Gattung und ermarte von den noch übrig bleibenden konfessionell studentischen Verbänden, da» sie sich diesem Schritt in Kürze anschliesten." Das ist al>o da? Ende eines mächtigen katholischen Or- ganisationsgebildes, Fast alle katholischen Akademiker sind durch diese Verbindungen gegangen und haben hier„Be- ziebnngen" gewonnen, die ihnen später beim Einzug in Amt und Würden von grösstcr Bedeutung waren. Die katko- tischen Verbindungen waren- darüber hinaus Sammelpunkte zur Pflege katholischer Weltanschauung. Die Preisgabe des konfessionellen Prinzips auf dieser traditionsreichen Ebene zeigt mehr als alles andere den terroristischen Druck, dem sich die Institutionen des Katholizismus nacheinander urPcr- werfen müssen. Entscheidend für Abiturienten Die völkische Bewährung Auf einer Lehrerkonfercnz in Meiningen teilte der thüringische Volksbildnngsminister Wächtlcr mit, bau Tssü- ringen demnächst eine Anordnung erlassen werde, nackt der für die Abiturienten das Urteil der HJ.- und TA.» Führung einzuholen sei, che die Berechtigung zum Studium erteilt werde. Der Minister begründete diese Anordnung damit, dass die Berechtigung zum Universität?- studium nicht mehr nach alten Anschauungen erteilt werden dürfe. Nicht der Streber sei der Tücht'gc. sondern der innge Mann, der sich als Hitlerjunge oder als SA.» Mann mit seinem Volk bis zum letzten verbunden fühlt«. 830 Gesetze und Verordnungen (Fnprcss.l Auf einem Gebiet hat die Hitler-Regierung un- bestritten einen Rekord erzielt: sie erlieh während des einen Jahres ihrer Existenz 221 Reichsgesetze und 360 Berord- nungcn und zahlreiche Erlasse. Insgesamt ergibt sich dt« Zahl von rund 850. r<£L Triniiö 43-13 M6lro P i g a 11 e Deutsche Poliklinik Paris, 02, Rue de la Rochefoucauld a) Allgemeine Konsultationen Sp.zt,ii.t^. b) Chirurgie c) Geburtahfflliche Klinik d) Zahnäriiliche» Kabine« Innere Medizin, Augen«, Ohren-, Nasen» and Kehlkopflczank. ZwtisläckigeslSznztortuinsgzblode. Vierstöckige. z'"°"'.'j" neuen. Röntgen. Duthermie. Elektrother.p.e SpczJb«hand. Kleine, mittler, und große Chirur. mit 1 b.. ♦ Betten. 5 Aerzte. 3 Heb. mtd PorteU^tkronen.-Brucken, lung bei Blut». Harn- u. Geschlechtskrankheiten gie. Die allerinodemsteEinrichtung«mmen and 2 Operationssäle. Kautschuk-Arbeiten Ordination täglich von ö— 12 und 2-6; Sonntags und Feiertags von lO—12 und 2— 4 Uhi «w Lawinen in Italien Viele Menschenopfer- vor allem auch Kinder Italien, vor allem die Insel Korsika, sind von schweren Lawinenkatastrophcn heimgesucht worden, die vielen Menschen das Leben kosteten und sehr großen Sachschaden verursachten. Rom. 3. Februar. In den Appenine» in der Gegend von Ancona ist eine gc- waltige Lawine niedergegangen Mehrere Ortschaften sollen unter den niederstürzenden Schnee- und Erdmassen gelitten haben. Truppen wurden an Ort und Stelle zur ersten Hilfe- leistunq entsandt. Am schwersten sind die Orte Bo 1 ogno 1 a und Rubbiano mitgenommen worden. Noch in der Nacht zum Sonntag brachen auf Anordnung der Behörden Milizsoldaten. Pvlizeisoldnten und Studenten zur Hilfeleistung auf. Sie mußten aber etwa 25 Kilometer vor dem Ort Halt machen, weil sämtliche Straßen durch den Schneesall unpassierbar geworden waren. Die Zahl der Todesopfer in Bolognola beträgt nach den letzten Meldungen neunzehn. Aus Rubbiano werden ebenfalls Tote und Verwundete gemeldet. Man spricht von acht Toten und fünfzehn Verletzten. Hier ist es gelungen, die erste Hilfe zu bringen. Ferner sind in Monte Gallo acht Tote zu be- klagen. In Tauta Julia ist die ganze Olivenernte vernichtet. Sämtliche Gebirgsbäche sind angeschwollen undteilwcise über die User getreten. Auf Korsika Ans Ajaccio wird gemeldet: In einem Dorfe Ortiporio ereignete sich in der Nacht zum Sonnlag eine schwere Laminenkalaslrophe. Seit mehreren Tagen waren sämtliche Verbindungen mit diesem Orte unterbrochen. Mit Donner- getöse kam die Lawine den Berg hinunter und verschüttete innerhalb weniger Sekunden 10 Häuser, die krachend zu- sammenbrachcn. Aus den Trümmern wurden nach stunden- langen Bemühungen 3» Tote geborgen. Unter den Opfern befinden sich mehrere Familien mit o, ki und 7 Kindern. Mehrere andere Dörfer in der Nähe sind durch die Tchneemasien von der Außenwelt vollkommen ab- geschnitten. An gewissen Stellen liegt der Schnee 5 Meter hoch. Mehrere Rettungsmannschaften sind in die bedrohten Ortschaften hinaufgestiegen. In Bizzapona wurde gestern abend ein Schrankenwärterhaus verschüttet. 0 Personen sind dort eingeschlossen. Ein anderes Tors mußte vollständig geräumt werden, da unter dem gewaltigen Druck der Schneemassen ein Erdrutsch zu befürchte» ist. Die Versdiuldung warnst! Allein Preußen 200 Millionen Mark mehr! Die Schulde» der deutschen Länder haben, wie sich aus den Berechnungen des Statistischen Reichsamts ergibt, ihre Aus- wärtsbewegung auch nach dem Abflauen der Krise im Herbst 1932 fortgesetzt. Tic beliese» sich im September 1933 bei den Ländern auf 2973,1 Millionen, bei den Hansestädten auf 754,3 Millionen RM. Vom 1. Oktober 1332 bis 39. September 1333 ergab sich für die Länder und Hansestädte zusammen eine Schuldenzunahme von 192,7 Millionen RM. oder 9,6 v. H. gegenüber 182 Millionen RM. oder 6,4 v. H. in der vorher- gegangenen Jahresspanne. Bon der absoluten Zunahme der Länderschukden seit Okto- her 1332 in Höhe von 249,5 Millionen RM. entfallen die größten Beträge auf im Inland begebene verzinsliche Schatz- anweisungen, nämlich 143.8 Millionen, und auf Schulden aus öffentlichen Mitteln, nämlich 89,1 Millionen, Ansehn- liche Zugänge ergaben sich auch bei den langfristigen Schul- den, nämlich um rund 34 Millionen an Jnlandsschuldver- schreibungen und 56,3 Millionen an sonstigen langfristigen Anleihen. Andererseits sind in beachtlichen Beträgen mittel- sriftige und seit April 1333 auch kurzfristige Darlehen zu- rückgezahlt morden, nämlich 33,8 und 85,9 Millionen RM. Bon den einzelnen Länder weist Preußen mit rund 299 Millionen Reichsmark oder 29 v. H. die größte Schulden- Vermehrung auf. Preußen hatte namentlich im Winter des »ergangenen Rechnungsjahres Kasse nschwierigkei- ten zu begegnen. Es mußten daher kurzfristige Darlehen aufgenommen werden, von denen am 39. September 1333 noch 77,6 Millionen geschuldet waren. Ernst August verliert Der Prozeß zwischen dem Land Braunschweig und dem früheren Herzog Ernst A u g u st ist nunmehr end- gültig entschieden. Das Gesamthaus Braunschweig-Lüneburg hatte sich geweigert, seinen finanziellen Verpflichtungen gegenüber der Museums- und Bibliotheksstiftung in voller Höhe nachzukommen. Im Auseinandersetzungsvertrog zwischen Staat und Herzoghaus war dem Herzog die Hälfte des Eigentums am Landesmuseum in Braunschweig und an der Landesbibliothek in Wolsenbüttel zugesprochen worden mit der gleichzeitigen Verpflichtung, die Hälfte der Unter- Haltskosten dieser beiden Institute zu tragen. Bor einigen Iahren hatte das Haus Braunschweig-Lüneburg erklärt, es sei infolge des Rückganges seiner Einnahmen aus Land- und Horstbesitz nicht mehr in der Lage, mehr als 836 399 Mark jährlich zu zahlen. Die Klage, die der Staat damals an- strengte, war in erster Instanz zu seinen Gunsten entschieden worden. Die Revision des Hauses Braunschweig-Lüneburg wurde jetzt vom 7. Zivilsenat des Reichsgerichts ver- morsen, so daß der Herzog also die Unterhaltskosten in der früher festgesetzten Höhe weiterhin zahlen muß. Aerzte im Zudithaus Offenburg, 5. Febr. Im Ossenburger Tterilisations- prozeß, der durch das Reichsgericht zur erneuten VerHand- lung an die Vorinstanz zurückgewiesen worden war, erging jetzt das Urteil. Es wurden verurteilt: Medizinalrat Dr. Karl Merk aus Achern, wegen Ver- brechen 88 224, 225 RStGB. rechtlich zusammentreffend in einem Fall mit versuchter Abtreibung, in einem weiteren Falle mit vollendeter Abtreibung zur Gesamtstrafe von z w e i I a h r e ii s e ch s M o n a t e n Z u ch t h a u s,' die prak- tische Aerztin Dr. Paula Bauer-Hauß aus Leutersheim wegen in zwei selbständigen Handlungen verübter Beihilfe zu Verbrechen gegen die 88 224 und 225 RStGB. in einem Falle in rechtlichem Zusammentreffen mit Abtre'bung zur Gesamtstrafe von einem Jahr und drei Monaten Gefängnis: Dr. Julius Weber aus Kehl, auch dort wohnhaft, wegen in zwei selbständigen Handlungen ver- übler Beihilfe zu den Verbrechen gegen die 88 224 und 225 RStGB. zu zehn Monaten Gefängnis. Das Ver- fahren gcqen die Angeklagte Frau Dr. Mauer-Hauß wegen Verbrechen nach 88 224 und 223 im Falle des Erösfnungs- beschlusses wurde eingestellt. Wegen der hohen Strafe und Fluchtverdachts wurde gegen M.'dizinalrat Dr. Merk und Frau Dr. Paula Bauer-Hauß Haftbefehl erlösten. * Die Verurteilung der Aerzte in der erneuten Verband- lung ist. so teilt die„Frankfurter Zeitung" mit. teils wegen Abtre'bung, teils wegen unzuverlässiger Sterilisation er- folgt. In diesem letzteren Falle wurden sie wegen schwerer Körperverletzung sBerstoß gegen die 88 224 und 225) bestraft. Tie Entscheidung ist zwar ergangen auf Grund der Rechtslage, wie sie vor Inkrafttreten des neuen Tterilisierungsgesetzes bestand, jedoch wäre der Spruch des Gerichts sdies sei zur Klärung der Situation Hinzugeiügt) au ch nicht anders ausgefallen, wenn das Sterilisierungsgesetz damals schon Geltung gehabt hätte. Die vom Gesetz jetzt erlaubten oder aber zwangsweise verlangten Unfruchtbarmachungen be- ruhen nämlich ausschließlich auf eugenischer Indikation, also auf dem Zweck der Verhütung erbkranker Nachkommenschast: die Erlaubnis zum Eingriff oder dessen Anordnung aus engenischen Gründen ist überdies Sache der Erbgesund- h e i t s g e r i ch t e. Tie Fälle, über die das Gericht in diesem sogenannten„Ossenburger Prozeß" zu entscheiden hatte, be- trafen jedoch ssoweit sie ittcht aus medizinischer Indikation hervorgingen und damit straflos blieben) sämtlich Abtrei- bung oder Unfruchtbarmachung mit sozialer Begründung. Diese sozialen Indikationen sind nach wie vor strafbar, bxi Abtreibung aus 8 218, bei Unfruchtbarmachung als schwere Körperverletzung aus den 88 224 und 225. Pas Menes»« Einer Havasmeldung zufolge sind zwei Karabinieri, die vor dem Gebäude des deutschen Konsulats in M a l a g a Wache hielten, angeschossen worden. Bei dem Empfang von Presteoertretern in Madrid ließ der Innenminister durchblicken» daß innerhalb der Regierung große Meinugsvcrschiedenheiten bestehen. In der Presse wird eine Regierungskrise für unvermeidlich angesehen. Am Dienstag sind in Warschau Wirtschastsverhandlungen zwischen Danzig und Polen aufgenommen worden. In Rumänien haben starke Schneestürme ein- gesetzt. Der Eisenbahnverkehr ist sehr erschwert. Auf den Landstraßen ist der Berkehr fast vollkommen unterbrochen. In Braila geriet der ganze Straßenverkehr ins Stocken. Im Hasen sind alle Schisse eingefroren. Die Telefon- und Telegrafenleitungen sind zerstört. Die Gendarmerie unter- nimmt überall Streifen, um die Wölfe zu erlegen oder mindestens zu vertreiben, die zur Landplage geworden sind. In Hnsi am Prutte drang in den Abendstunden von Frost und Schneesturm getrieben ein Rudel Wölke in die Stadt nnd gelangte bis zum Bahnhos, wo es von Polizisten und Bahn- bcamtc» unter Fencr genommen wurde. „Getarnte Journaille" Im wilden Konkurrenzkampf Die„nationalsozialistische„Deutsche Wochenschau" ver- öffentlich! soeben interessante Einzelheiten über die Verhält- nisse und„den wahren Charakter der Gleichschaltung bei den jüdischen und judenfreundlichen Blättern." Man erfährt be- merkenswerte Einzelheiten aus den Rebaktionsstuben des „Berliner Tageblattes", der„Frankfurter Zeitung" und an- derer früherer Asphaltblätter. Die„Deutsche Wochenschau" schreibt u. a.:„Ein einziges Beispiel nur soll heute ein Licht werfen auf die„Gleichschaltung" des„Berliner Tageblattes". Obwohl von den Reichsministcrn und den führenden Natio- nalsozialisten seit der Machtübernahme immer und immer wieder betont worden ist, daß die deutsche Presse zum min- besten von volkssremhen Elementen gereinigt werden müsse, hat die Moise-Direktion die tschechische Jüdin G u st i Hecht, die Freundin der Landesverräter Ossietzki und Kon- sorten, bis zum letzten Moment hartnäckig ausgchalten: die jüdische Dame böhmischen Ursprungs ist erst mit dem In- krasttreten des Schristleitergesetzes ans dem MostehauS ent- fernt worden. Ter Hauptdreh dieser Blätter vom„Berliner Tageblatt" bis zum„8-Uhr-Abendblatt" war die Uebcrsüh- rung der jüdischen Redakteure in ein Mitarbeitsverhältnis. Demgemäß bekam Redakteur K. oder Redakteur S. sgemeint sind hier die Redakteure Kirchhofen jetzt Herausgeber des „8-Uhr-Abenbblattes" und Heinz Seuster) weiter sein nicht sehr kleines Gehalt, konzentierte daher seine Arbeit auf den privaten Schreibtisch und vertrat sein Klatsch- oder Hetzblatt nach wie vor bei den Ereignissen der..großen Welt". Er war ja„nur noch unbekannter Reporter", in Wirklichkeit aber Hauptinspirator des äußerlich„Heil Hitler" rufen- den Blattes, das sich vielleicht von einer bürgerlich- nationalen Redaktion einen Renommiergoj borgte, der möglichst ein Monokel trägt. Hiermit gewappnet, fühlt sich die„ehemals" jüdische Presse tabu und versucht nun in schärfstem Konkurrenzkampf, die neue Presse der National- sozialttten mit dem Gedanken des Nationalsozialismus dreist zu bekämpfen." 5teii erfrageii Gesellschaffsgründungen Wenden Sie sich an p. BRIQUEU LICENCIE EN DROIT ehemaliger Kontrolleur der direkten Steuer» behörden, um vom offiziellen Standpunkt aus beraten zu werden. 25, Bd. Bonne-Nouvelle, PARIS(2), Telefon Louvre 22-93 SAVSVQQASLSLKQSSQAQSSQSSSQc ^ EiukjuJ und Auslösung vom Vcrsstzcmt C % BRILLANTEN. GOLD I % SILBERWAREN. UHREN» ^ täghebr Cieleg.nheits.Verk.ut, $ BETTER,*9, PAIFBOLRG MONTMARTRE§ «SHMSCBSÖ MAN SPRICHT DEUTSCH OöößöO* Dr. Sp6cialiste rue de Klvoli— Metro: Chaieie RADIKALE HEILUNG« ob BLUT., HAUT, and FRAUENKRANKHEITEN Heilang ton Krampfadern and offenen Beio w anden Neueste Behandlungsmethoden Elektrizität Imptungsverfahren Irypafle eine Einspritzungen Blut« und Harn»Untersmchungen. Sper* makultur. Salvarsan. Wismut usw. Sprechstunden täglich von 10—12 end von 4—8 Uhr Sonntags von 9—12 Ubr Konsultationen von IS Er. ab. Maa apriabt daalaeb raschisfenversammlung verhindert Krach in Mülhausen Mülhausen i. E., 6. Febr I' Mülhausen hatte die erst kürzlich gegründete faschistische Vereinigung„Neue Front" ihre Anhänger zu einer Versammlung in einem Hotel der Stadt geladen. Vor dem Hotel sammelten sich sozialistische und kommunistische Gruppen, die die Versammlung ver- hindern wollten. Polizei und Gendarmerie säuberten den Platz. Die Kommunisten zogen unter dem Gesang der Jnter- nationale ab. Die Faschisten zogen es vor, ihre Versammlung nicht abzuhalten. BWItKASItl I. P., Graz. Adressen von Emigranten geben wir grundsätzlich nicht bekannt. Wir werden uns bemühen, Ihren Pries an H. ge, lange,; zu lagen.<5s liegt dann bei chm, ob er antworten will. Sie werden diese Vorsicht verstehen. Tie Spitzel der Geheimen Staats- Polizei sind überall. Es wäre gut, wenn daran etwas mehr gedacht würde. Matches. Wo? Wann? Wer? Katholik Zaarlouis. lieber das weitere Schicksal Professor Tegauers ist uns nichts bekannt. Nur haben wir gelesen, dag ein Nazi zum«Treuhänder" seines Vermögens bestellt worden ist. Man wird wohl nicht eher ruhen, bis man den Katbolikensllhrer wirtschaftlich ruiniert hat, nachdem man ihn moralisch nicht er- ledigen konnte. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann P i tz in Dud- weitere für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH« Saarbrücken S, Schlltzenstratze S. Deutsches Zahnärztliches Institut U, RUE DE OOUAl Mitral Stuck., Pi,«l»[tL TriaM«.27 Sprach*tu« 1.12, 2.»(Jhi özhn- u. Mundkrankh. Röntgen Elektrotherapie, Prothesen. Kronen. Brücken in Gold. Platin u. Porzellan NEUHEIT: PORZELLAN.KRONEN UND BRUCKEN Umarbeitung schlechtsitzender Gebisse mit voller Garantie lür guten Sitz. Reparaturen binnen J Stunden SCHON ENDSTE BEHANDLUNG FÜR NERVÖSE UND HERZKRANKF MISSIGE PREISE. UNTERSUCHUNG U. BERKU4S KOSTENLOS Die Wissenschall im Dienste der Aesthetik Der Einfluss der Jahre auf das Aussehen kann beseitigt werden Die bis jetzt angewandten Verfahren, um das Gesicht zu verjüngen und die Runzeln verschwinden zu lassen, basierten mehr auf kosmetischer als aut wissenschaftlicher Methode.— Der Erfinder der neuen Behandlung m t Serumplasma ist ein Gelehrter von Ruf. der sich durch seine btolo. «sehen Arbeiten an der medizinischen Fakultät in Paris berühmt gemacht hat. Die Runzeln sind die Folge einer Gewebs-Frschlaffung, welch le-ztere wiederum das Ergebnis einer träger werdenden Blutzirkulation ist. Während man mit Crfmes u. Schminken bestenfalls die Spuren der Zeit verwischen konnte, vermag ein Präparat, das aut Grund eines Blutserums hergestellt ist, das Übel an der Würze zu bekämpfen und sehr schnelle Wirkungen zu erzielen. Das Pferd. Symbol der Schönheit und Kraft, hat schon zu vielen Medikamenten gegen Blutarmut Stoff geliefert. Das Serumplasma ist die Nutzanwendung dieses wundervollen Lebensborns als Schönheits-Elexier. Schon in früheren Zeiten kannten die erfahrenen koketten Damen das Ge- heim.Mittel, das dann bestand, nachts eine Scheibe Fleisch auf die Gesichts- Haut zu legen. Das Serumplasma bringt dieses alte Verfahren unter Benutzung moderner wissenschaffhcherTechnik wieder zu Ehren. Die Frauen haben den Wunsch, schlank zu sein wie es die Mode verlangt; sie sehen es nicht gerne, K!mnfmütH aa rv r f r r- Ut; der^>nt schlaff und matt wird; dagegen haben sie Kampfmittel: Diat, Gymnastik, Schminke, Farben... aber was nutzt das alles, nen"lirfr Fzlt ma j^ c nze l n besswrkhar machen, sich abzuzeichnen begin. IS u'ÄÄSSS ÄÄ'Ä SÄ 3 i R© IF A R M. J.-M. RICARDOU. Pharmacien Nke nC TbI Briri«b a p PariS ev'd 5 n" i. S,or* 461 r* P'erre-Charron Dipöt i w" lv hL I P P^rmacy. R Mercier. 16, av. de la V IC toire.- Si ROF*R '' Pam' TeL; C^rnot 68- 35- VORFÜHRUNGEN GRATIS