Linzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nummer 33— 2. Jahrgang| Saarbrücken, Freitag, S. Februar 1934| Chefredakteur; M. B r a u n Aus dem Inhalt Saac=Tla den Straßen aus, zertrümmerten Gasleitungen und zündeten das ausströmende Gas an. Sechs Polizeibeamte wurden dabei schwer verletzt. Der'Berwaltungsansschuß de? Allgemeinen Gewerkschaftsbundes hatte be- schlössen, für den 12. Februar einen 2 4 stlindtgen Generalstreik auszurufen, der nach einem neueren Beschluß noch vorverlegt werden soll. * Der polizeiliche Ordnungsdienst ist um 2 Uhr früh in Paris zurückgezogen worden. Bei den Unruhen in der Nacht zum Donnerstag ist anch der Direktor der städtischen Polizei. Marchand, schwer verletzt worden. Auch ein Mit- arbeiter des„Jntransigeant" wurde schwer verletzt vom Platze getragen. Insgesamt wurden 800 Verhaftungen vorgenommen. Zehn Polizisten werden als verletzt gemeldet. Das Eake Weber an der Madelaine war wieder als Verbaudöstelle eingerichtet worden. Neue Demonstrationen Paris, 8. Febr. Tie kommunistische„Humanite" fordert in einem Ausruf die Arbeiter und Arbeiterinnen von Paris auf. am Freitag um 20 Uhr auf der Place de la Republique zu demonstrieren. Andererseits fordert der Allgemeine Arbeiterverband die ihm angeschlossenen oder nahestehenden Bereinigungen wie Liga für Menschenrechte und die sozialistischen Vereinigungen der verschiedenen Richtungen aus, an dem 24stündigen Protest- streik am Montag teilzunehmen und auch all- geplant-n Demonstrationen in der Hauptstadt und d" Provinz zu beschicken. Di« Jugend ruft Paris, 8. Febr. Einige jüngere Abgeord".kt- erlassen in dem radikalen Blatt„La Republique" einen Ausruf zur Ver- teidigung der republikanischen Verfassung durch Betrauung junger Elemente, die nach neuen Grundsätzen und mit jungem Geist daS Regime zu retten in der Lage seien. Der Au/ruf trägt die Unterschriften der Abgeordneten D e a t lNch,soztalisk>. Zay(Radikalsozialist), Vienot(rechts-- vertrauen fflr Lerroux Revolutionäre Arbeit der Sozialdemokratie DNB. Madrid, 8. Febr. In namentlicher Abstimmung hat das^Parlament der Regierung Setrom mit 285 gegen 54 stimmen das Vertrauen ausgesprochen. In der vorhergehenden politischen Aussprache forderte der Führer der katholischen Volksaktion. Eil RobleS, ein schär- icreö Borgeben der Regierung gegen den täglich mehr um sich greisenden Anarchismus, andernfalls seine Partei, die bekanntlich mit den Radikalen die Hauptstütze dieses Kabinetts bildet, der Regierung ihr Vertrauen entziehen müsse. Der Innenminister wandte sich gegen die S o z i a l d e m o- k r a t t e. Er erklärte, daß bei der Weiterbauer ihrer gestrigen Agitation zu überlegen sei, ob die Sozialdemokratische Partei n-cht als außerhalb des Gesetzes stehend proklamiert werden solle. Die Antwort deS ehemaligen Ministers und Sozialisten- fiiHrerS Prieto war die Erklärung, daß mit allen Mitteln auf die Revolution hingearbeitet werden müsse und werde. Müller erläßt Klrdiengesctze Zur Niederzwingung der Opposition Die jüngste Zusammenkunft der evangelischen Bischöfe hat dem Reichobischos Müller erneuten Mut eingeflößt. Soeben hat er in seiner Eigenschaft als preußischer Landes- bifchof drei wichtige Verordnungen erlassen, die dazu bestimmt find, die Opposition einzuschüchtern. Nach diesen Verordnungen können Geistliche bis auf weiteres im Interesse des Dienstes durch den Landesbischof aus dem von ihnen bisher betreuten Pfarreramt versetzt werden. Kirch- liche Amtsträger können bis aus weiteres durch den Landes- bifchof in bcn einstweiligen Ruhestand versetzt werden, wenn(nach seiner Auffassung) die Boraus- fetzungen für eine Versetzung vorliegen. Während der Dauer des einstweiligen Ruhestandes erhält der kirchliche AmtS- träger ein Wartegelb in Höhe von 80 Prozent feines Einkommens. Hat der kirchliche Amtsträger zur Zeit setner Versetzung In den einstweiligen Ruhestand eine ruhegehaltsfähige Dienstzeit von 25 Jahren noch nicht zurückgelegt, so erfolgt eine anderweitige Regelung, wobei 'jedoch daS Wartegeld mindestens 50 Prozent vom Dienstetnkommen betragen muß. Müller hat also neue Machtbefugnis erhalten. Diese neuen Bestimmungen sind eine scharfe Waffe gegen opponierende Pfarrer. Bemerkenswert ist dabei der stark betonte Hinweis auf wirtschaftliche Schädigungen, wovon man sich anscheinend eine besondere Wirkung verspricht. Man muß abwarten, ob der Angriffsgeist der im Pfarrernotbund vereinigten Geist- lichen stark genug ist. um sich gegen diese unzweideutige Existenzbedroht»»« unerschütterlich zu behaupten. stehender Sozialist), P o m a r e t(Sozialrepublrkaner), Serre(Linksunabhängiger) und des Hauptschriftleuers der„Republique", Lange. Ueberau Zusammenstöße Das Fieber in Frankreich Paris, 8. Februar. Aus der Provinz treffen Meldungen ein, die beweisen, daß die Stimmung nicht auf die Hauptstadt beschränkt bleibt, sondern das ganze Land ergriffen hat.. In Nantes demonstrierten links- und rechtsstehende Vereinigungen gegen die auf dem Marktplatz versammelte berittene Polizei. Mehrere Pferde ivurden von der Menge, gegen die die Polizei anritt, durch Messerstiche schwer verletzt. — In Naney durchzogen Anhänger der Action Francalse und der Patriotischen Iugendverbände die Straßen. Auch hier wurde berittene Polizei eingesetzt und von den Demon- stranten mit Waffen aller Art empiangen.— In Bou- logne-s»r-Mer veranstalteten 500 bis 000 Arbeitslose einen Straßenumzug. Sie sangen dabei die Internationale und verlangten Arbeit oder Brot. Ein Polizeikommissar, der sich den Demonstranten entgegenstellte, wurde niedergeschla- gen. Eine Person wurde verhaftet.— Selbst in Algier kam e? zu Zusammenstößen zwischen patriotischen Jugend- verbänden und Polizei. Aus beiden Seiten gab es Verletzte. Bei allen diesen Kundgebungen sind viele Verhaftungen vorgenommen worden. Leon Daudet und Maurras Das Verfahren gegen die„Action Francaise" Wie der„Popnlaire" mitteilt, haben Leon Daudet und Gemahlin Paris vor den Unruhen in Richtung Brüssel verlassen. Das Verfahren gegen den Leitartikler de? Blatte? Charles Maurras wegen Aufreizung zum Mord dürfte daraus zurückzuführe» sein, daß ManrraS anläßlich der Er- mordung de? rumänischen Staatsmannes Dura geschrieben hat. es sei gut. wenn man einen Staatsmann umbringe, der die Juden nicht bluten lasse. Die Ausgabe des ronalistischen Blattes wurde nach der Sturmnacht der Eamelots beschlag- nahmt. Engllsdie Stimmen London, 8. Febr. Die Borgänge in Paris werden mit ge- spanntcr und unruhiger Aufmerksamkeit verfolgt. Es wird beklagt, daß Frankreich i» einer so kritischen Zeit wie der jetzigen keine wirkliche Regierung habe. Die französische Oesseiulichkeit habe unzweifelhaft genug von dem Schau- spiel, das ihr jahrein, jahraus vom Parlament geboten wird: Eine unzulängliche Regierung nach der anderen sei g«- bildet worden und wieder zerbrochen, und die Parteien trieben mit jedem einzelnen Minister ihren kleinliä>en und korrupten Kuhhandel. Die vaterländische Selbstlosigkeit des früheren Präsidenten Donmergue, der aus dem Ruhestand ins politische Leben zurückkehrt, findet warme Anerkennung. Times sagt: Es ist ein gutes Zeichen, daß alle wichtigen politischen Parteien mit Ausnahme der Sozialisten sich ge- einigt haben, eine„nationale" Regierung Doumergue zu unterstützen, aber die Erbitterung der letzte» Tage hat die Spaltung zwischen den Parteien derartig vergrößert, daß diele Vereinbarung sich vielleicht als eine brüchige Grund- läge für ein neues Kabinett erweisen wird. Wie andere Blätter spricht auch Times von itr Möglichkeit, daß schließlich eine Parlamentsauslöiung wird erfolgen müssen. Pas Neueste Eine Familientragödie, die zwei Todesopfer forderte, hat sich am Mittwoch in Euxhaven zugetragen. In feiner Wohnung erschoß der Kriminalkommissar Fritsch seine Frau und beging dann Selbstmord. Dex Beamte dürfte dl« Tat wegen der langjährigen Krankheit seiner Frau begangen haben. * Die englischen Blätter schenken einer Mitteilung eines Unterhausmitgliedes vom gestrigen Mittwoch über ein neu- artiges Kampsflugzeug große Beachtung. Es wird mitgeteilt, daß dieses Flugzeug„wie ein Fahrstuhl" steigen und in kurzer Zeit die erforderlichen Höhen erreichen könne, um einen feindlichen Lnstüberfall abzuwehren. Drei Flugzeuge dieses Typs kosteten ebensoviel wie ein Bombenflugzeug. Als weiterer Vorzug dieser neuen Maschine wird der Um- stand angeführt, daß sie keinen großen Flngradius habe und nicht genügend Bomben mit sich siihren könne, nm ein seind- liches Land anzngreisen, daß sie also nur als Berteidiguugs- wasse Wert habe, als solche allerdings sehr großen Wert. * Fünf Tonnen Gold find im Laufe des Mittwochs mit dem Flugzeug von ParisnachLondo» abgegangen. * Nach einer Reuter-Meldung aus Barcelona explo- dierte dort Mittwoch am späten Abend im Zentrum der Stadt aus der Straße eine Bombe und tötete einen Fuß- gänger. Ei», zweite Bombe explodierte im Hanse des vor- fitzenden des Fabrikantenverbandes der Stadt Tarrasa. Ein Dienstbote wurde schwer verwundet. m Der polnische Anßrnminister wird nach amtlichen Mit- teilungen aus Warschau am 11. Februar in Moskau ein- trefsen. ♦ AuS Mexiko wird berichtet, daß der Bürgermeister von Guadalajara und drei seiner Freunde von Banditen in einen Hinterhalt gelockt und ermordet wurden. DaS Ver« brechen, das große Erregung hervorgerufen hat, wird aus politische Beweggründe zurückgeführt. Nach 14 I&iiren Die Leiche im Kuhstall DNB. Gründers, 8. Febr. In Sidschin. ftreiS Grünberg, ist der Landwirt OSkar Walter unter dem Verdacht ver- haliet morden. Anfang 1020 seine Frau kurz vor dem Ehe- scheidnngstermin ermordet zu haben. Der jetzt 65 Jahre alte Landwirt hatte damals angegeben, seine Frau habe ihn heimlich verlassen und sei wahrscheinlich nach Polen ge- gangen. Die Landjägerei nahm jetzt die Nachforschungen wieder aus und veranlagte mit Hilfe des Arbeitsdienstes Nachgrabungen im Kuhstall. Man fand tatsächlich in der Mitte des Stalles unter dem Dünger etwa 1*/» Meter tief menschliche Knochenreste, die zweifellos von der Ermordeten stammen. Besonders belastend sind Zeugenaussagen, nach denen Ansang 1920 Schreie in der Scheune gehört morde» sind. Saar-Nazis unter sich Einfopireden Mit Blechmusik »Einigkeit" hinter der Hakenkreuzkulisse Der Widerstand zahlreicher nationalsozialistischer Kreise gegen den sogenannten Landesführer Spaniol wird nnmer schärfer. Bekanntlich vor einigen Wochen eine Anzahl führender Nationalsozialisten bei einer Reise ins Hrtlerreich verhaftet worden, als sie maßgebenden Stellen Anklagematerial gegen Spaniol und eine Reihe anderer Führer in der zweiten Linie erheben wollten. Aus einer Veröffentlichung der„Volksstimme" ist jetzt erkenntlich, womit sich die Vertreter der wahren Volksgemeinschaft an der Saar gegenseitig beschuldigen. In dem Dokument ist davon die Rede, baß die heutige Landesführung der NSDAP, und der sogenannten„deutschen Front" deren Sache hinsichtlich der Rück- glrederung zu Hitler zum Scheitern bringe. Große und wachsende Teile der Saarbevölkerung dächten k>^uz anders darüber, als es äußerlich durch Fahnenschmuck und Gleichschaltung zum Ausdruck komme. Aus den Unter- lagen geht hervor, daß sich vor allem zum Kampf gegen »paniol drei verschiedene Richtungen zusammengefunden haben. Erstens die Richtung des psäl- Suchen Gauleiters Bürckel, die Hermann Röchling zum Landesführer der„deutschen Front" erheben möchte, zweitens eine Richtung E h r e ck e, die darauf abzielt, Viesen früheren, von der Regierungskommission ausgewie- jenen Gauleiter Ehrecke wieder nach dem Saargebiet zu ziehen. Drittens die Richtung der Akademiker und &. e r F ntellektuellen, denen der arrivierte Spaniol, ein Mann ohne akademische Grade, nicht genehm ist. Diese Richtung wird unterstützt von den ehemaligen politischen Größen der Saar, die unter Naziterror gleichgeschaltet wurden. Bon hier aus gehen, so sagt die„Volksstimme", Verbindungslinien zu Papcn—Röchling. Um den Anschuldigungen, die teilweise sogar krimineller Natur sind, besonderes Gewicht zu verleihen, wird in den Unterlagen auch der frühere Parteichef der Zentrumspartei. Rechtsanwalt Steegmann, heftig angegriffen. Man will noch radikaler sein als die offizielle Parteileitung und be- dauert, daß die Gleichschaltung nicht mit einer stärkeren Unterdrückung der ehemals zentrümlichen und liberalen Presse zugunsten der Saar-Front, geführt habe. Die„Volks- Oer wichtigste Beamte Die Ehrenspesen des Scharfrichters unpfändbar! Bei allen zivllisierten Völkern gllt der Henker-Beruf als etwas Verächtliches. Wer ihn ausübt, ist ein Mitbürger, dem man nicht mit achtungsvollen Blicken begegnet. Nicht so im ^dritten Reich". Dort ist er w i ch t i g st e r Funktionär. Sein Bell ist das Argument seines Staates, der sonst keines hat. Das zeigt mit grauenvoller Deutlichkeit ein Beschluß des Landgerichts Magdeburg, den mau als neudeutsches Kulturdokument festhalten muh. Hier der in der gleich- geschalteten„Juristischen Wochenschrist" veröffentlichte Beschlutz: „Der Vergtttungsanspruch des Scharfrichters an den Staat kann weder abgetreten noch gepfändet werden. Die beanstandete Pfändung deS Vergütungsanspruchs des Scharfrichters an den Staat ist unzulässig. Er erhält als Vergütung für seine Tätigkeit monatlich 125 Mark, die durch die Auswendungen für Lieferung. Aufstellung und Ab- nützung des gesamten zur Vollstreckung notwendigen Werk- zeuges abgegolten werden. Für jede einzelne Vollstreckungs- Handlung erhält er außerdem eine Sondervergütung von 60 Reichsmark für sich selbst und von 50 RM. für jeden seiner GehUsen, ferner die Auslagen für den Transport der Richt- Werkzeuge erstattet. Diese Geldleistungen des Staates an den Scharsrichter können nicht auf eine Stufe mit sonstigen Geldleistungen an Angestellte oder durch Bertrag zu Dienst- letstungen. verpflichtete Personen gestellt werden. Der Scharfrichter wirkt bei der Ausübung desjenigen Hoheits- aktes des Staates hervorragend mit. der nach außen hin den nachhaltigsten Eindruck macht. Der Scharfrichter soll durch die Geldleistungen des Staates in einer Weise abstimme" sagt:„Diese Leute befürchten eine langsam fort- schreitende Auslaugung und Berwässerung des„national- sozialistischen Gedankengutes" und dadurch eine unheilvolle Schwächung der Abstimmungsfront für Hitler." Die„BolkSstimme" kündigt weitere interessante Veröffent- lichungen an. * Inzwischen geht der Kampf um das bekannte Interview, das Herr Spaniol dem schwedischen Journalisten Binde gegeben hat, mit voller Schärfe weiter. Wir berichteten gestern, daß die katholische„Saarbrücker Landeszeitung" dem ableugnenden Spaniol vorhielt, daß Binde in einer Erklärung zu jedem Satze des Interviews stehe, und daß Spaniol tatsächlich Aeußerungen über Hitler, den „deutschen C h r i st u s und den deutschen P a p st", genau so getan habe wie er, Binde, es niedergeschrieben habe. Unter der Ueberschrift„Nun ists genug!" geht nun die restlos gleichgeschaltete„Saarbrücker Zeitung" zum heftigen Angriff gegen die katholische„Saarbrücker Landeszeitung" vor, obwohl bekanntlich die gesamte katholische Presse und— wie wir jetzt wissen— auch die katholische Geistlichkeit hinter der Veröffentlichung des Interviews stand. Die„Saar- brücker Zeitung" wirft ihrer katholischen Kollegin vor, daß sie der Aussage eines Ausländers größeren Glauben schenke als der eines„verantwortlichen deutschen Politikers"!(Ob- wohl dieser, nämlich Herr Spaniol, seinen Eid angeboten habe.) Wenn der Landesführer von einem Mangel an Loyalität spreche, so geschehe das zu Recht. Das B e r- halten der„Landeszeitung" sei„illoyal bis zur Hinterhältigkeit". Schon spricht die„Saar- brücker Zeitung" von den verhängnisvollen Folgen dieser Auseinandersetzung. Jedenfalls könnten die Gegner der „deutschen Front" im Saargebiet mit den politischen Wirkungen zufrieden sein. Kurz:„So d a r f e s nicht weiter- gehen!" Das ist ein sehr berechtigter Wunsch, der freilich kaum in Erfüllung gehen dürste. Fassade wie Innenseite der„deutschen Front" sind zersetzt. DaS Zankkonzert der sogenannten Führer und ihrer Presse wird, wenn nicht alles trügt, in den nächsten Wochen noch ein Crescendo erleben. gegolten werden, die eine würdige Vergütung für höchstpersönliche Dienste darstellt, damit er das Bewußtsein hat, daß seine Tätigkeit entsprechend anerkannt wird, und damit auch die Oesfentlichkeit seine Sonder- und Bertrauensstel- lung im Staate als solche erkennt. Diese Bedeutung der Vergütung kann nur dann gewahrt werden, wenn sie vor jedem Zugriff sichergestellt wird. Sie ist als Dienstaufwandsentschädigung anzusehen. Bei der einzig- artigen Stellung des Scharfrichters würbe es auch dem ethischen Empfinden widersprechen, wenn der Staat die aus- schließlich für die Vornahme von Hinrichtungen bestimmten Geldbezüge an irgendwelche andere Personen, Zessionare oder Pfändungsgläubiger zahlen müßte. Gerade in diesem Fall trifft die Best. 8 800 BGB. ganz besonders zu. Die Forderung des Scharfrichters an den Staat aus Vergütung kann daher weder abgetreten, noch gepfändet werden." (LG. Magdeburg. Beschl. v. 27. Nov. 1033 6 T. 390(33)." Relchsangehdrlgkelt An Stelle der„Staatsangehörigkeit" Berlin, 7. Febr. Amtlich wird mitgeteilt: Nachdem die Länder durch das Gesetz über den Neuaufbau des Reiches ihre Hoheit verloren haben, war eine Aenderung des bis- herigcn Staatsangehörigkritsrechtes geboten. Ter Reichs- minister des Innern Dr. Frick hat eine Verordnung erlassen, in der bestimmt wird, daß die Staatsangehörigkeit in den deutschen Ländern fortfällt. Es gibt von jetzt an nur eine deutsche Staatsangehörigkeit(R e i ch s a n g e h ö r i g k e i t). Die Länderregierungen treffen jede Entscheidung auf dem Gebiet,' de? S'aa'sgnaahörtgkeitArechtes von jetzt an im Namen u»! Wu;.ra_ des Reiches. Aus Wuppertal wird berichtet: „Der im Eintopfgericht zum Ausdruck kommende Gemein- schaftsgedanke hatte in Wuppertal am gestrigen Eintops» gericht-Sonntag einen besonderen Ausdruck gefunden, indem Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam an einem Tisch bei demselben Eintopfgericht in großer Zahl versammelt waren. Unter Leitung der Ortsgruppen Barmen und Elber- feld der NTBO. und der Deutschen Arbeitsfront waren in vier großen Gastwirtschaften der Stadt gemeinsame Tafeln ausgestellt worden, an denen der Fabrikdirektor mit seinem Arbeiter, der Fabrikant mit seinem Buchhalter gemeinsam Erbsensuppe mit Einlage zu demselben Preis von SO Psg. aßen. Unter nbern wurden in der Elberfelder Stadthalle fast 1200 Personen um die gemeinschaftliche Erbsensuppe mit Speck vereinigt. Man sah auch Vertreter der verschiedensten andern Berufe, so u. a. den Landgerichtspräsi- denten, Beigeordnete und Vertreter der höheren Beamtenschaft. Bei dem Essen, das im Stadtteil Barmen im Barmer Ratskeller veranstaltet worden war und an dem u. a. auch große Teile der Belegschaft der verschiedenen städtischen Werke, des Gas-, Elektrizitäts- und Wasserwerks, insgesamt etwa 700 Personen teilnahmen, war auch der Oberbürgermeister mit dem größten Teil des Bei, geordnetenkollegiums anwesend. Ueberall wurden Reden gehalten, in denen der hier praktisch zum Ausdruck kommende Gedanke der Gemeinschaft von Führer und G e f o l g- s ch a f t im Betrieb unterstrichen wurde. Ueberall gab es da- zu Musik, meist ausgeführt von Kapellen der politischen Ab- teilungen und der N«VO., und überall gab es eine h a r- manische und angeregte Stimmung. Insgesamt hatten sich über 2400 Personen am gemeinsamen Eintopfgericht beteiligt." Von„EinheitSgehalt" wird nichts berichtet. Nacks dem schönen Einheitsessen waren schon beim Bezahlen die Klassengegensätze wieder da, denn 50 Psg. für einen Ein- heitstops sind ganz etwas anderes, je nachdem sie der Ober- bürgermeister oder ein Kurzarbeiter bezahlt. Gewissensklausel imimpfgesetz? Entgegenkommen an die Impfgegner Berlin, 8. Febr. Die bevorstehende Revision des Impf- gesetzes wird nach dem Vorgang anderer Länder, z. B. Eng- lands, Hollands, voraussichtlich die sogenannte©«- Wissensklausel bringen, durch die grundsätzlichen Gegnern der Impfung die Möglichkeit gegeben wird, unter bestimmten Voraussetzungen die B e f r e i u n g von Zwangsmaßnahmen zur Durchführung der Impfung zu erreichen. Im Hinblick hierauf hat der Reichsminister des Innern an- geordnet, daß in den Regelfällen außerhalb der Zeiten be- sonderer Gefährdung des Volkes durch Epidemien von Maßnahmen zur zwangsweisen Impfung und von der Einleitung der Strafverfahren wegen Unterlassung der Impfung einst- weilen A b st and genommen wird. Erwachende trauen Der Kochtopf allein tuts nicht (Jnpreß.) Tie Hamburger Frauenstthrerin, Frau Sophie Rogge-Börner, seit Jahren Borkämpferin des National- sozialismus, betreibt jetzt eine Kampagne gegen die„völlige Verbannung der Frau in die Küche". In ihrem Blatt„Die deutsche Kämpferin" schreibt sie:„Alles, wa6 die Frauen in den letzten hundert Jahren geschaffen und erreicht haben, wird als egoistisch, liberalistisch und unvölkisch gebrand- markt... Während die Männer sich„Menschen des deutschen Jahrhunderts" nennen, sollen die Frauen in einen primi- tiven Urzustand zurückversetzt und nur deshalb für die Ge- sellschaft Wert haben, weil sie Kinder zur Welt bringen können... Wann werben sich die Mütter endlich erheben und sich gegen einen solchen Geist wehren?" „Deutscher Gruß" beim Salutschießen Die Marinestation der Ostsee teilt mit: Bekanntlich er- Halten die deutschen diplomatischen Vertreter im Ausland, wenn sie einem Kriegsschiff einen Besuch abgestattet Haben, beim Verlassen des SibiUeS einen Salut. Dieser Salut wird nach den neuesten Vorschriften mit dem deutschen Gruß er- widert. Deutschlands herrschende K.'asse Ministerpräsident Göring auf dem Presseball.— Er spendet von seinem Hunderttausend-Mark- Einkommen einige Scheine für das Winterhilfswerk. Vor einigen Jahren war er noch bettel- arm. Er ist einer der Konjunkturgewinner der sogenannten Revolution und jetzt Vertrauen«» mann des Hochkapitalismus. Bild oben rechts: Bon rechts nach links- Ministerpräsident Göring. der Führer, Reichswehr- minister von Blomberg Vizekanzler von Papen. Major Freiherr von Waldensels, der Führer der deutschen Reiter. Bild unten rechts: Tie deutschen Sieger auf dem internationalen Reitturnier. „Deutsche Freiheit", Nr. 33 ARBEIT UMD WIRTSCHAFT Freitag;, 9. Februar 1934 Deofsdilands Kriegssfoff-Iager wachsen Während die deutsche Ausfuhr trotz aller Dumping Maßnahmen in jedem einzelneu Monat hinter derjenigen des gleichen Zeitraumes im vergangenen Jahre sehr stark zurückbleibt, während man sich in Deutschland seihst auch an den am meisten gleichgeschalteten Stellen der Wirtschafts- und Konjunkturpolitik darüber klar ist, daß hei allen Anstrengungen die Ausfuhrwerte der letzten Vorjahre nicht mehr so bald erreicht werden können, steigt die deutsche Rohstoffeinfuhr ständig in ganz enormen Ausmaßen Da die Exportindustrien diese riesigen Rohstoffmengen nicht in umgearbeiteter Form als Fertigware auszuführen vermögen, stellt diese ständig zunehmende Anhäufung immer größerer Rohstoff-Läger gewaltige Ansprüche finanzieller Natur an das Wirtschaftsleben des„dritten Reiches". Finanziert wird diese gewaltige Einfuhr von Materialien, die man erst später im geeigneten Zeitpunkte zu Kriegszwecken verwerten will, und auch heute nur höchstens teilweise in Rüstungsmaterial umarbeitet, auf zwei Wegen: Erstens durch die zahlenmäßig eindeutig nachgewiesene Ausgabenbeschränkung am Sozialetat, die man in der neudeutschen Ausdrucks« eise gelegentlich auch als„Arbeitsbeschaffung" bezeichnet, zweitens mit dem Gelde der ausländischen Gläubiger, das man diesen vorenthält, zumal es auf diese Weise am leichtesten möglich bleibt, in der Form des Sperrmark-Dumpings wenigstens das jetzige. Minimum des Exportes aufrecht zu erhalten. Der Gegensatz zwischen der ständigen Schrumpfung der Fertigwarenausfuhr Hitler-Deutschlands auf der einen und der enormen Erhöhung der Rohstoff-Importe auf der anderen Seite spricht eine deutlichere Sprache zum Kapitel der Friedensliebe der jetzigen Berliner Regierung, als alle weitschweifigen Proklamationen, als alle Reichstags wählen und die mehr oder minder geglückten Verhandlungsversuche. Um die ganze Bedeutung dieser Ziffern der deutschen Rohstoffeinfuhr zu erfassen, ist es nicht nur nötig, die Exportschrumpfung zu berücksichtigen, sondern man muß auch bedenken, daß Deutschland heute nicht gerade leicht Kredite bekommt und daß die Rohstoffpreise an eleu Weltmärkten auf vielen Gebieten sehr erheblich angezogen sind, so daß sie die Rohstoffbeschaffung anderer Industrieländer, die Materialien wirklich zur baldigen Weiterverarbeitung benötigen, aufs äußerste erschweren. Wie wenig diese internationalen Preissteigerungen der für die Kriegsindustrie' wichtigen Rohstoffe die immer wieder betonte Devisennot und die nicht wegzuleugnende Tatsache der Exportschrump- fung Deutschland daran gehindert haben, eine Vorversorgung in Rohstoffen durchzuführen, die sich heute so bald kein anderes Industrieland gestatten kann, mögen folgende Ziffern zeigen, die der gleichgeschalteten Statistik entnommen sind, also ganz gewiß zum mindesten keinegrößere Einfuhr vorspiegeln dürften, als sie tatsächlich erfolgte: Mengenmäßige Einfuhr Deutschlands an wichtigsten Rohstoffen Januar bis Oktober in Mi», dz. Baumwolle Wolle Eisenerze Kupfer Bau- und Nutzholz Holz zu Holzmasse 1930 1931 1932 1933 3.45 2,86 3.35 3.96 1,63 1,61 1,42 1.66 122,42 63.41 28.07 37.98 1,7 1.63 1,39 1 68 30.12 1425 9.42 10.29 18.7 12,24 9.26 20,73 Stab- und Formeisen 4.38 2,88 2,36 3.32 Das bedeutet eine Steigerung der für die Kriegs-Texlil- Wirtschaft so ungeheuer wichtigen Baumwolleinfuhr von 18 Prozent gegenüber 1932 und eine Steigerung von nahezu 35 Prozent gegenüber 1931. Die W o 11 importe haben sich im Vergleich zum Vorjahre um 17 Prozent erhöht. Bei der Eisenerz- Einfuhr konnte man sich eine Steigerung von 35 Prozent, bei dem für die Rüstungsindustrie ebenfalls äußerst wichtigen Kupfer, dessen Inlandsproduktion übrigens gleichfalls erheblich ausgebaut wurde, eine solche um 20 Prozent gestatten. Nicht geringer als 40prozentig ist die Einfuhrsteigerung bei Stab- und Formeisen. Die Papierholzeinfuhr aber-— auf die Bedeutung der Zellulose für die Sprengst off Fabrikation ist schon oft genug hingewiesen worden— hat sich sogar um 120 Prozent im Vergleich mit 1932 und um 80 Prozent gegenüber 1931 erhöht. Audi die Devisenkontingentierungen haben diesen Prozeß kaum beeinträchtigt, denn in einem Artikel, wo sie von kaum überbietbarer Schärfe sind, wie bei Wolle, hat man bereits wieder einen Einfuhrstand wie im Jahre 1931 erreicht, obwohl die Finanzierung gerade hier besonders schwierig gewesen sein dürfte, weil Wolle an den Weltmärkten ganz gewaltige Preissteigerungen erfahren hat. Bei der Papierholzeinfuhr, über die man in den amtlichen Publikationen des„dritten Reiches" aus naheliegenden Gründen ebenso ungern spricht, wie über das vollständige Aufhören der Zuckerexporte, muß man immerhin zugeben, daß„die Holzlager bei den Papierfabriken so geschrumpft sind, daß infolge der Belebung der Papiererzeugung seit 1932 nicht nur der gesamte deutsche Papierholzanfall aufgenommen, sondern auch eine so erhebliche Einfuhrsteigerung notwendig wurde".(..Frankfurter Zeitung" Nr. 864 vom 13. 12. 1933.) Daß der weitaus größte Teil der deutschen Papierindustrie im Zusammenhange mit der Gleichschaltung der Presse stillliegt und daß Auslandsgeschäfte seit mindestens einem halben Jahr trotz der größten Anstrengungen so gut wie überhaupt nicht mehr getätigt werden, während die skandinavische Papierindustrie auf lange Zeit hinaus ausverkauft ist, wird hierbei natürlich nicht berücksichtigt, denn irgendeinen Grund muß ja diese riesenhafte Auffüllung der deutschen Zellulose-Läger schließlich der Form wegen haben. Wenn trotz dieser gewaltigen Vorversorgung mit Rohstoffen der deutsche Gesamt-Import in den einzelnen Monaten keinen so großen Kontrast zur Export Schrumpfung darstellt, wie man es eigentlich erwarten müßte, so ist hieran vor allem das fast völlige Versickern der deutschen Lebensmitteleinfuhr aus dem Auslände schuld, die wieder die sogenannte„Rettung des deutschen Bauern" durch das Auftürmen eines immer unsinniger anmutenden Preisniveaus für die einfachsten Lebensmittel des inländischen Massenkonsums ermöglicht. Der Entzug der Unterstützungen, die Nichtzahlung der Schulden an die Auslandsgläubiger, mit anderen Worten also der genau überlegte Raubzug gegen die Lebenshaltung der arbeitenden Schichten und des Mittelstandes in Deutschland und gegen die Sparer im Auslande, ermöglichen dem„dritten Reich" die Beseitigung aller Finanzierungssorgen beim Aufstapeln von Rohstofflägern für den kommenden Krieg, das sonst in diesem Ausmaße für Deutschland niemals durchführbar wäre. Die Schlußfolgerungen aus diesen Tatsachen sollen im vorliegenden Aufsatz nicht gezogen werden. Er behandelt wirtschaftliche Fragen mit nüchternen wirtschaftlichen Maßstäben. Die Folgerungen gehören in das Gebiet der Politik. Aber das Tatsachenbild ist eindeutig: Deutschland wird zu einem gewaltigen Rohstoff- Arsenal. Jan Severin. Wie die hieinen Gesdiäftslcute„opfern" müssen Aus dem Reiche wird uns geschrieben: Zu den begeistertsten und treuesten Anhängern Hitlers gehörten die kleinen Geschäftsleute. Hitler war der Retter, der den Mittelstand vor dem Untergang bewahren wollte. Er würde mit den Warenhäusern, den Banken, den Einheitspreisgeschäften, die alle den Kleinen jede Lehensmöglichkeit nehmen, kurzen Prozeß machen. Ein Jahr ist schon vergangen, aber statt des versprochenen goldenen Zeitalters wird der Strick um den Hals der Kleinen immer enger gezogen. Statt des Aufschwungs schrumpft der Absatz, und statt der erwarteten Geschenke müssen die Kleinen spenden, immer wieder spenden. Erst gab der kleine Geschäftsmann aus Begeisterung. Man konnte eine Dauerplakette erwerben. Auf ihr steht auf weißem Feld der Kochtopf, von roten Flammen umzüngelt, mit der Aufschrift in blauer Umrandung:„Wir helfen im Kampf gegen Hunger und Kälte." Oder man erwarb die Monatsplakette. Auf diese Weise hatte man seine Pflicht getan, und löste jede weitere, Hilfsspende ah. So versicherten die nationalsozialistischen Organisationen. Kaum aber hatte man seine Gabe geopfert, kamen immer neue Rufe an das gute und nationale Herz des kleinen Mannes. Da gab es Eintopfsammlungen und Pfundsammlungen, Lose und immer neue Abzeichen. Es war natürlich eine freiwillige Pflichterfüllung zu opfern. Dann erschienen SA.-Leute bei dem kleinen Ladeninhaber und wollten wissen, wieviel Brote, wieviel Konserven, Strümpfe, Hemden usw. usw. er zu stiften bereit sei.(Solch nützliche Geschenke erhält natürlich die hilfsbedürftige SA.) Der kleine Geschäftsmann beginnt, genug zu haben. Hatte er nicht schon wiederholt»eine Winterhilfe-Spende abgelöst. Aber es handelt sich ja um die Nationalsozia- listische Volks w ohlfahrt. Die sei wieder etwas ganz anderes. Sie zu unterstützen sei die Pflicht eines jechn echten Nationalsozialisten. Der kleine Geschäftsmann ist schon längst nicht mehr überzeugt, daß ihn der Nationalsozialismus retten wird. Aber er darf nichts sagAi, er muß geben. Sonst wird ihm die Pistole auf die Brust gesetzt. ErsolleineQuittungdarüber ausstellen, daß er nichts spendet. Eine Quittung? Jawohl! Jede Gabe sei selbstverständlich freiwillig, aber wenn einer nicht geben will oder kann, muß er das s ch r i f t I i ch bestätigen. Und es ist selbstverständliche Pflicht der nationalsozialistischen Kunden, jene Geschäftsleute, die größere Opferbereitschaft beweisen, zu unterstützen. Glaubt der Geschäftsmann, jetzt gehts nimmer weiter, bieten ihm SA.-Werber Hitler- und Göring-Bilder au, kommen Zeitungswerber und gehen nicht so bald wieder. „Sind Sie schon auf den„Völkischen Beobachter" abonniert? Oder auf die„Braune Post", den„Illustrierten Beobachter" usw.?" „Ich kann mir keine Zeitung mehr halten, mein Einkommen wird immer geringer. Der Umsatz schrumpft ein." „Aha, Sie lesen sicher die reaktionäre oder die Judenpresse." Der kleine Laeleninhaber oder seine Frau bekommen einen Schreck. Haben Sie vielleicht zuviel gesagt? Und nachdem eine ungeheure Wortflut über sie ergeht, haben sie sich, ohne sich dessen zu versehen, verpflichtet, auf ein Jahr irgendeine Zeitung, die sie nicht haben wollten, zu abonnieren. Jetzt aber geht es dem kleinen Geschäftsmann schon so schlecht, daß er kaum etwas zu verlieren hat. Er beginnt sich zu wehren. Warum wendet man sich bei den Sammlungen nicht an jene, die viel haben? Die Warenhäuser, die Banken, die Einheitspreisgeschäfte existieren ja immer noch. Die SA. kann die Monatsplakette des WHW. nicht mehr los werden. Während im November fast jedes Geschäft, besonders in den Großstädten, mit diesem Abzeichen ge- rc4'"i"ckl war. sieht man im Januar kaum noch welche. Betritt jetzt ein Sammler den Laden, beginnt der kleine Geschäftsmann zu jammern und zu klagen. Ja, die SA.- Leute müssen sogar offene Anfeindungen über sich ergehen lassen. Mit\nzeigen drohen sie sc! on jetzt viel wenieer da sie selbst unzufrieden sind, sie wollen schon gar nicht mehr sammeln gehen. Die Bezirksführung Köln des WHW. sah sich deshalb genötigt, amtlich zu erklären: „Die Waschweiberkritik des ewigen Nörglers soll uns nicht der Pflicht entbinden, unsere Schaffenskraft und Opfer- hereitschaft Tag für Tag in den Dienst des Volkes zu stellen." Diese ewigen Nörgler mit ihrer Waschweiberkritik sind die einstigen Anhänger der Nazis. Zam Drechen Der verhinderte Brecher der Zinsknechtschaft In Gleiwitz ließ sich Staatssekretär Feder also vernehmen: „B rechung der Zinsknechtschaft sei die Voraussetzung für den Wiederaufstieg der Wirtschaft überhaupt. Diese Frage sei sehr schwierig und könne nur auf Grund einer Gesamtplanung gelöst werden. Wenn wir nicht mehr vier Millionen Arbeitslose haben, dann wird man auch daran gehen, der deutschen Wirtschaft eine neue Form zu geben, die Form der ständischen Wirtschaft. Die Regierung wird der Wirtschaft gern die freie Willensbestimmung zurückgeben im Rahmen der ständischen Ordnung, die sich aufbaut auf dem Grundsatz: Gemeinnutz geht vor Eigennutz." Aussichten gut... aber Geschäft schlecht Ueber die Werkzeugindustrie des Remscheider Bezirks wird berichtet: Die Aussichten werden für die Zukunft hoffnungsvoll beurteilt, und es ist bemerkenswert, daß die Käufer in zunehmendem Maße wieder Qualitätswerkzeuge bevorzugen. Die Absatz Verhältnisse auf den Auslandsmärkten sind zwar schwierig geblieben, eine weitere Verschlechterung ist aber nicht eingetreten. Mengenmäßig lag die deutsche Werkzeugausfuhr im Jahre 1933 über der von 1932, dagegen waren die wertmäßigen Ergebnisse ungünstiger. Die gesamte deutsche Werkzaugausfuhr belief sich im Jahre 1933 auf 45 3 Mi». RM, dagegen im Jahre 1932 auf 48,6 Mi». RM. In der Schloß-, Bau- und Möbelbeschlagindustrie im Nieder- und Mittelbergischen ist ein gewisser saisonmäßiger Rüchgang im Auftragseingang eingetreten, wodurch verschiedentlich einige Einschränkungen im Beschäftigungsumfang erforderlich wurden. rraide am WerU Durch 3000 Entlassungen In der AEG., Berlin, sind Massenentlassungen vorgenommen worden, nicht weniger als 3000 Arbeiter wurden aufs Pflaster gesetzt. Gleichzeitig stellte die Firma einen fast 1500 Meter langen Tonfilm her, der sich„Freude am Werk" betitelt, eine Spielhandlung enthält und in den Werkanlagen der AEG. gedreht wurde.— Den können sich die entlassenen Arbeiter zum Trost ansehen. Die luffliansa (Inpreß.) Die Deutsche Lufthansa konstatiert in ihrem Jahresbericht für 1933 eine„erhebliche Erneuerung des Flugzeugparks". Die Fahrtgeschwindigkeit, wird berichtet, die bisher durchschnittlich 170 Kilometer pro Stunde betrug, ließ sich infolgedessen auf 230 Kilometer erhöhen. Vom Typ ,.Ju 52", dem großen dreimotorigen Junkersflugzeug, das bei einer fahrplanmäßigen Geschwindigkeit von 250 Kilometer 15 Passagiere aufnehmen kann, wurden zwölf Stück in Dienst gestellt. Für das Jahr 1934 wurden weitere 24 Stück von diesem Typ in Auftrag gegeben,— von einem Typ, der einem Typ schwerer Bombenflugzeuge verzweifelt ähnlich sieht. Und neben„Ju 50". das mit 8 Mann Besatzung 250 Kilometer pro Stunde zurücklegt, wurde als Clou des Jahres das„Blitzflugzeug" Heinkel H E 70 in den Betrieb der Lufthansa genommen, Spezialapparate für große Strecken, 300 Kilometer Durchschnitt pro Stunde, mit 6 Mann Besatzung. Trotz Millionen Uniformen und Festanzügen kein beträchtlicher Aufschwung Ueber die Lage der deutschen Textilindustrie berichten folgende Zahlen: 1930 1931 1932 1933 Prod. Index'1928= 100) 90.0 87,7 80.0 90,3 Geleist. Arh.-Stunden i. v. H. 65.6 56,5 50,4 55.2 Tägl. Arbeitszeit in Stunden 7,18 6,98 6,83 7,06 Monatl. Einfuhr v. Rohstoffen, 1000 t 67,2 61,1 64,5 74,0 Preise für Rohstoffe und Halbwaren(1930- 100) 105,5 76,3 62 6 65,0 Einfuhr von Getreide und Oel Eine Giuppe deutscher Industrieller hat mit einer rumänisch-deutschen Gruppe unter Billigung und Hilfe der Reichsregierung einen Vertrag geschlossen, demzufolge die rumänische Gruppe Halbfabrikate, Maschinen usw. kauft, wofür die Reichsregierung für 12,5 Millionen Mark Getreide und pflanzliche Oele von Rumänien abnimmt. Die Reichsbank hat sich prinzipiell bereit erklärt, den Betrag von 12,5 Millionen Mark in Markdevisen der rumänischen Nationalbank zur freien Verfügung zu stellen. Hamburgs Passagierverlust Im Westwärtsverkehr hatten im Jahre 1933 Hamburg- Amerika-Linie 18 768 und Norddeutscher Lloyd 39 129 Passagiere. Die Zahlen der in der Kabinenklasse beförderten Passagiere sanken verhältnismäßig wenig auf 23 861(26 331). Die 1. Klasse dagegen erfuhr einen stärkeren Rückgang auf 29 834(38 080). Der gesamte Hamburger Passagierverkehr war 1933 mit 95 906 um 4,7 Prozent geringer als i. V. mit 100 589(1931: 111 819). Berufskleidung im Gaststättengewerbe Auf Grund der Vereinharungen zwischen dem Deutschen Arbeiterverband des Nahrungsmittelgewerbes und dem Reichseinheitsverband des deutschen Gaststättengewerbes wird in dem Bezirk Rheinpfalz eine Einheitskleidung für Kellner eingeführt. Als Termin zur endgültigen Einführung des Einheitsanzuges wird der 1. Mai 1934 festgesetzt. In Großhotels soll die Einführung dieser Kleidung nur mit dem Einverständnis des Geschäftsinhabers erfolgen.— Item: in den erstklassigen Hotels bleibt es wohl beim Frack. ) Antiklerikaler jernkMunüskampf Gegen die Konfessionelle Jugendbewegung Aus Köln wird uns geschrieben: Tie Erbitterung, mit der zwischen der Hitlerjugend und den katholischen Geistlichen um die katholische Jugend ge» rungen wird— dies ist beinahe körperlich zu nehmen sit unbeschreiblich. Nie haben sich Geistliche so von Jugendlichen anflegeln lassen müssen wie jetzt von Hitler- jungen und Hitlermädchen. Es ist wohl nur ganz selten vorgekommen, daß Kommunisten Priester auf der Straße verhöhnt haben, jetzt ist das nicht ganz vereinzelt durch Hitlerjugend geschehen. Am Sonntag vor acht Tagen haben Hitlerjungen eine Kirche und das Pfarrhaus um- stellt, weil sie behaupteten, einer von ihnen würde ge- fangen gehalten. Tie katholische Geistlichkeit hat von ollen Kanzeln Kölns eine Erklärung gegen dle verlogene Berichterstattung des„Westdeutschen Beobachters" erlassen. Diesen auhergewöhn- iichen Weg haben die Geistlichen wählen 'Nüssen, weil keine katholische Zeitung im deutschen Rom wagte, die Interessen der »at Holischen Iugendvereine und ihrer Präsides wahrzunehmen. So weit ist es'im deutschen. Rom gekommen, dem Sitze eines Kardinal- rrzbischofs mit einem katholischen Polizeipräsidenten und einem katholischen Regierungspräsidenten. In der Kundgebung der katholischen Geistlichen wird gesagt, an vier oder fünf katholischen Kirchen sei am ver- gangenen Sonntag katholische Jugend von Hitlerjugend herausgefordert und tätlich w i ß h a n d e l t worden. Am letzten Sonntag hat unter viel Zulauf eine Kund- gebung der Hitlerjugend auf dem Neumarkt stattgefunden. Tort wurde der Befehl erteilt, die Zerschlagung der Konfessionellen Iugendvereine bis zur Vernichtung als Aufgabe des nächsten Kämpfabschnittes zu stellen. Wärt- sich schreibt der„Westdeutsche Beobachter": „To werden die nächsten Wochen nnd Monate im Zeichen des Kampfes um den letzten deutschen Junge», um das letzte deutsche Mädel in den anderen Verbänden stehen. Das Ziel ist und kann nur sein: die Ver- n i ch t u n g der andern als nicht national- sozialistische Jugendorganisationen und ihre Ucberfiihrung in die HJ. Als besonders furchtbares Verbrechen wird in dem nationalsozialistischen Blatte mitgeteilt: Wieweit die konfessionellen Verbände und ihre Führer zu gehen aber entschlossen sind, zeigt eine nun im Besitz der HJ. befindliche Fahne einer katholischen Jugcndorganisa- tion, bei der festgestellt ivurde, daß sich unter den weissen Feldern nach Abtrennen dieser Decksircifcn gelbe Ttoif- bahnen befanden und damit aus ehemals schwarz- r o t g o l d e n e n Abzeichen nun durch Aufnähen einfach schwarzweissrote gemacht worden sind. Vielleicht hofft man aber drüben aus der andern Teile in Bälde womöglich durch Entfernen der weissen Ausnäher den alten Zu- stand schwarzrotgoldener Herrlichkeit wieder begrüben zu können! To liegen die Tinge heute. Taker muss nunmehr der Kamps mit verschärfter Taktik gegen die konfessionellen Verbände geführt werben m i t d c m a u s s ch l i c ß l i ch c n Ziel ihrer Beseitigung. Katholische Freunde, mit denen ich aus früherer Reichs- bannerkameradschaft gesprochen habe, baten mich, an Sie zu schreiben, damit im Saargebiet die wüsten Katholiken- Verfolgungen bekannt werden und die saarländischen Katholiken sich rechtzeitig schützen gegen den Terror, der sofort nach der Rückgliederung eintreten muß. Tie Nazi können nicht anders als Andersdenkende nieder- zutreten, denn zu einer geistigen Auseinandersetzung fehlen alle Voraussetzungen. Krawalle! Eine weitere Zuschrift aus katholischen Kreisen lautet: In A a ch e n kam es in der vergangenen Woche an ver- schieden?» Punkten der Stadt zu Schlägereien, so dass schlich- lich das Uebcrfallkommando eingreifen mußte. Ernsthafte Schlägereien spielten sich zwischen der Deutschen Jugendkraft soivie dem katholischen Jungvolk einerseits und der Hitler- Jugend andererseits auf dem Lindcnplatz und Bergdricsch ab. An der Ecke Elisabethstrassc/Hartmannstrasse wurde ein Mitglied des Jungvolks von einer Abteilung der Hitler- Jugend überfallen und schwer misshandelt. Die Strassen- Passanten wurden mit Speeren bedroht und gezwungen, die Strasse zu räumen. Zu der von dem kommissarischen Leiter am Freitag, dem 2b. Januar, im Lokale Wilden einberufenen Versammlung der ausgelösten Deutschen Jugcndkraft ist kein einziges Mitglied erschienen. Dieselben Gründe haben am Tonntag in Köln zu Krawallen geführt. Ein Aufmarsch des katholischen Neuen Deutschland swurde wegen Gefährdung der öffentlichen Ruhe und Ordnung verboten. Trotzdem marschierten die vorgenannten Organisationen singend und mit entrollten Fahnen durch die Stadt. ES kam dann an verschiedenen Punkten der Stadt zu Zusammenstößen mit der Hitler- Jugend. Nachdem bekannt ivurde, daß die Hitler-Jugcnd die Pfarrei St. Agnes besetzt hätte, konzentrierten sich die katholischen Jugendorganisationen dorthin. Die Hitler- Jugend iv» r d e buchstäblich hinauSgeprügelt nnd kam sehr stark ins Gedränge. Aus dickem Grunde griff schliesslich das Ucberfallkommando ein, welches hier wie an allen Orten sehr schnell zur Stelle ist. wenn es den Hitler- Trabanten an den Kragen geht, und nur dann nicht z>> finden ist, wenn andere Menschen auf offener Strasse Miss- handelt werden. Eine Menge Verhaftungen w u r- den vorgenom me n. de vorgenommen. Ueberau Verbote! Auch in Tiegb» rg hat setzt die OrtSpolizeibehörbe mit sofortiger Wirkung alle Veranstaltungen der konfessionellen Jugendorganisationen bis auf weiteres verboten. Gleichzeitig ist bis auf weiteres das Tragen von Uniformen oder Kluft seder Art sowie von Abzeichen für die betreffenden Organi- sationen untersagt. Die Staatspolizei für den Regierungsbezirk M ü ii st e r hat für den Bereich des ganzen RegierungS- bezirkö den konfessionellen Jnqendverbänden das Tragen von Uniformen oder nnjsormähnltcher Kleidung sowie das geschlossene öffentliche Auftreten mit Wimpeln und Fahnen untersagt. Zum Tragen von Uniformen find nur die Or- ganisatione» der NSDAP, berechtigt. vic unbeliebte„Winterhilfe Oeifentlidie Warnung—„freiwillige" Sammlung N Wir haben jüngst eine Zuschrift aus Berlin veröffentlicht, die Korruptionserscheinungen im ..Winterhilfswerk" nachwies. Aus der Pfalz wird uns nun ein Rundschreiben zugestellt, das deutlich die allgemeine Unzufriedenheit mit der Parteibettelei offenbart: «veegc n offen! In letzter Zeit haben wir bei der Sammeltätigkeit zum Wtntcrhilsswerk und zur Volkssozialistiichcn Selbsthilfe beobachten müssen dass einzelne Volksgenossen versuchen, siegen die von der Reichärcgierung und von unserm Gau- jeitcr Bürkel für den Kamps gegen 11 n 9 e r u n d Kälte geschaffenen Wohlfahrlseiurichtungcn offen und ver- neckt zu arbeiten. ES ist selbstverständlich, dass jeder deutsch: Volksgenosse Je nach Möglichkeit zu diesem Hilfswerk für notleidende Volksgenossen beisteuern muß. Keiner aber ist gezwungen, jnehr zu geben, als es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. Wir verlang:« nur. dass jeder Volksgenosse sich als Glied der grossen Deutschen Volks- und TchicksalSgemein- Ichast betrachtet und je nach seinen Kräften mithilft, die Not oes Winters zu überwinden. Gauleiter Bürkel gab in seinem Ausrufe seinerzeit die Parole bekannt: Gebe jeder s 0 v i e l, als er geben kann und loviel, als ihm der notleidende Volksgenosse wert ist." Es ist selbstverständlich Ehrenpflicht eines jeden Volks- genossen, dass er die wöchentlichen und monatlichen Spenden, für die er sich im Herbste v. I. verpflichtet hat. unter allen Umständen bis zur Beendigung des Hilfswerkes nach Ablauf ^er Wintermonate, möglichst in voller Höhe weiter gibt. Wer aber im gemeinsamen K a m p f e g c g e n Hunger und Kälte treulos die Fahne verläßt, Jst ein Fahnenflüchtiger, ein Verräter a n «er deutschen Volksgemeinschaft. In det Mehrzahl sind es die sogenannten Biertisch- Politiker und Bicrtisch-Ztratcgen. die an der Organiiaüon Winterhilfswerkes der Gemeinde Lemberg ständig zu 111'.'geht und zu kritisieren haben und denen eS niemand recht wachen kann Betrachtet man sich diese„Volksgenossen" lläher und schaut sich hernach die Sammelliften an, so kann Man die Feststellung machen, dass das grosse Getue dieser »Biedermänner" im umgekehrten Verhältnis zu ihren Leistungen steht., Auch diejenigen Volksgenossen die deswegen verschnupft sind, weil sie nicht sehen können, dass der bedürftige Nachbar ei» Paar Schuhe ein Hemd oder einen Zentner Kohlen vom ^ nierhilfswcrk mehr bekommen Hai als sie selber, müssen hier genannt werden. Wer nur sein eigenes„Ich" kennt, und seinem notleidenden Mitmenschen nicht die kleine Hille aus dem V'interhillewcrk gönnt, ist ein kalter herzloser Egoist. Dass es auch solche Volksgenossen gibt, die seither aus öcm Wintcrhilfswerk ziemlich reichlich bedacht wurden und dann, als sie auch einmal zur Sammeltätigkeit antreten sollten, sich zu drücken versuchten, sei hier nebenbei erwähnt. Für diesmal wollen wir uns mit Andeutungen begnügen. Sollten diese Fälle wieder vorkommen, werden wir Namen nennen. An die Betriebsobmänner der NSBO. in den Lem- bcrgcr Betrieben ergeht die letzten Mahnung, dafür zu sorgen, dass eine reibungslose Ablieferung der Beträge durch die Tammelobmänner gewährleistet ist. Auch hier wurde die Beobachtung gemacht, dass sich einzelne Volksgenossen von ihren Spendenvcrpflichtungen drücken wollten. Zu Schlüsse richten wir noch an die mit der Tammel- tätigtest betrauten Volksgenossen die ernste Mahnung, weiterhin ihre Pflicht zu tun und in ihrem Eifer nicht nach- zulassen: ihr Amt ist ein Ehrenamt und ihre Arbeit ist un- eigennütziger Dienst an der Volksgemeinschaft. Wir warnen alle, die noch weiterhin den Versuch machen sollten, gegen das Winterhilfswcrk der Reichsregierung und gegen die Polkosozialistische Selbsthilfe unseres Gau- leitc'rs zu arbeiten. Wir werden künstig diese Sorte von „Volksgenossen", als Schädlinge an der Volksgemeinschaft, rücksichtslos a n den P r a n g°e r stellen. NSDAP., Ortsgruppe Lemberg. H e i l H i t l e r! Ortswalter des Winterhilfswerkes. * Das deutsche Winterhilfsiverk gibt an Arbeitslose, die nicht„staatsfeindlich" eingestellt sind, Lebensmittel- gutscheine aus; diese Gutscheine werden von den Lebens- mittelhändlern als Bezahlung angenommen und der „Reichsführung" des Winterhilfswerkes verrechnet. Nun veröffentlicht die gleichgeschaltete„Vossische Zeitung" fol- genden Aufruf: Um der besonderen Anteilnahme des mittelstäudischeu Einzelhandels mit seiner Verbundenheit mit dem Ge- danken, der nationalsozialistischen Bewegung Ausdruck zu verleihen, hat die Hauptgcmcinfchaft des Deutschen Einzel- Handels alle LebenSmittelhändler aufgefordert,„frei- willig" eine Anzahl der Lebensmittelgutfcheinc mit dem Vermerk„ungült'g" zu versehen und als Sonderspende an die Rcichsführuug des Winterhilfswerkes des deutschen Volkes 1933 34, Finanzabteilung. Berlin NW, Reichstag, direkt einzusenden. Das Wort„freiwillig" wurde nicht von uns. son- dern von den Verfassern des Aufrufes unter Anführungs- zeichen gesetzt; die Lebensmittelhändler wissen, was das bedeutet. Ohne die Anführungszeichen Könnten sie am Ende glauben, es handle sich wirklich um eine frei- willige Spende und der Verzicht auf Einlösung der Gutscheine hänge von ihrem freien Willen und von ihrer AGENCE LIBERTfi 2, petite rue d'Austerlitz STRASBOURG Generalvertretung der „Deutsche Freiheit" tür Elsass-Lothringen Annahme von Abonnements und Inseraten: LIBRAIRIE POPU1.AIRE, 2, rue S6dillot Strasbourg (Hinter der Börse) ABONNENTI N WERBER in allen Orten des BAS- RHIN und HA JT-RHIN sofort gesucht. Leistungsfähigkeit ab; die Anführungszeichen aber be- lehren sie nachdrücklich, dah sie auf die Einlösung der Gut- scheine so„freiwillig" verzichten müssen wie die Insassen der deutschen Konzentrationslager„freiwillig" für Hitler gestimmt haben und die selbstgemordeten Prole- tarier„freiwillig" aus dem Leben gegangen sind. Tie Freiheit des deutschen Menschen im„dritten Reich" wird durch nichts anschaulicher illustriert als durch das unter Anführungszeichen gesetzte Wort„Freiwillig". Ausbeuter und Nasdtinensfttrmer Deutschlands Wirtschaftsaussichten In„Technik und Wirtschaft"(1) untersucht Dr. Otto Bredt die Aussichten des deutschen Export». Seine Dm legungen sind nicht eben optimistisch; er ist nämlich klug genug, das Problem der deutschen Ausfuhr losgelöst von de» Gesetzen Schachts zu sehen, der die Ausländer zu deutschen Einkäufen zwingt. Wenn einmal die Anslan.dsverpslich- tnngcn Deutschlands geregelt sind, dann beginnt erst das Problem in Wirklichkeit:„Dann wird Deutschland nicht nur ganz allgemein importieren müssen, um exportieren zu können, ganz gleich, ob der Handels- nnd Zahlungsverkehr mit einem einzelnen Land nun einen lleberfchnss oder Fehl- betrag bringt. Vielmehr ivird, wie bereits an vielen Stellen die derzeitige Entwicklung zeigt, jedes Land der Welt in Zu- kunft im internationalen Geld- und Güterverkehr den Gegendienst(Export— Import seiner Erzeugnissei für seine Dienste lJmport— Export der Erzeugnisse des andern Volkes! verlangen und damit den Ausgleich der Handels- und Zahlungsbilanz von Volk zu Volk." Aber diese libera listischc Betrachtung— soweit sind die Nazi mit dem Antar- ktcgercdc gekommen— wird noch übertrofktzn. Bredt schließt:„Allerdings sind wie im heimischen Markt auch im internationalen Güteraustausch nicht allein Preis „>»* Gli'e der ati'cntauschenden Waren von Bedeutung, sondern vor allen Dingen auch der Kredit und damit Au- sehen und Vertrauen, welche der einzelne oder das Volk auf Grund keines bisherigen Handelns nnd Leistens geniekn. Hier in dielen materiell osi nicht fassbaren, trotzdem aber stets zu spürenden inneren Bindungen von Mensch zu Mensch und von Volk zu Volt liegt die beste Gewähr, sich die Welt als Feld für die Vermehrung und Verbesserung des eigenen Leistungsertrages zu erschließen. Hier liegt weit- und volks wirtschaftlich gesehen auch der Schwerpunkt jeder zukünftigen deutschen Auslands- und Annenhandelsvolitik."— Diele Sätze bedeuten die offene Rückkehr zum liberalistisch- kavita'sstifchen Denken; wir waren ja immer der Meinung, daß die Nazi eine Kombination von Ausbeutern und Maschinenstürmern sind. Dir Ausbeuter beginnen sich immer offener zu deklarieren; die Moichlnenstiirmer haben die Geschichte des Sozialismus, nom Maschinenstürmer zum K lanen- kämvi'cr, am eigenen Leib zu erleben. Sic sind mitten im Kursus. vis„Deutsche Freiheit" Einzig« unabhängige Tageszeitung Deutschlands rnufj man regelmäßig lesen Bestellschein Ich ersuche um regelmäßige Zusendung der„Deutschen Freiheil" Name: Straf}«: Orb .. dl «n Unterschrift Verlag der„Deutschen Freiheit" Saarbrüden 3 Schützenstraf)« 5■ Postschließfach 776 Aus Havanna wird gemeldet: 800» Studenten, die gegen die Abschaffung der Todesstrafe demonstriert hatten, stießen nach der Kundgebung mit Poli- zeikräsien zusammen. Die Polizeibeamten machten von der Schusswasse Gebrauch. Acht Studenten und sechs Polizisten wurden verletzt, ein Unbeteiligter wurde von einer verirrten ««gel getötet. Deutschie Stimmen föeilage zur.Deutschen Freiheit"• trciönisse und Geschichten f n«iM iM ij tu m Freitag, den S. Februar 193» »pyr 1"" 1 £im JMmkulisse Es war kaum ein O-du-mein-Wien-Film denkbar ohne einige Szenen beim Heurigen in Grinzing. Daß es eine Kulisse war, aufgebaut im Glashause des Filmateliers, berankt mit künstlichem Weinlaub, beschienen vom Mondlicht der Jupiterlampen— das tat der berechneten Wirkung keinen Abbruch. Und wer nach Wien kam, fuhr bestimmt auch eines Abends nach Grinzing hinauf, suchte die Filmkulisse dort in der Wirklichkeit— und fand sie! Das heißt: wenn Kundige ihm den richtigen Tip gegeben hatten. Denn durch das ganze, lang bergauf ziehende Grinzing reiht sich beinahe lückenlos Weinschank an Weinschank. In der Ortsmitte steht ein Pfahl mit vielen Tafeln, auf denen angezeigt wird, wer im Wechsel gerade„au6g'steckt" hat. l/eberall hängen die einladenden Tannenreiskränze als Schankzeichen und nachts signalisieren grüne Glühbirnen an langen, schräg über die Straße ragenden Stangen: Hier gibts Heurigen! Manche dieser Heurigenstuben sind denkbar einfach. Der Weinbauer— so nennt man hier die Weinbauern— räumt seine Stube aus, stellt ein paar Tische und Bänke hinein und schenkt seinen Wein aus, solange der Vorrat reicht. Manchmal klimpert ein alter Mann auf einer noch älteren Zither. Die richtigen Wcinbeißer sitzen stillgenießend hinter ihrem soundsovielten Viertel, denn hier ist der Wein die Hauptsache, wenn auch da und dort ein schwärmendes Pärchen sich dafür hält und in seiner Tischecke alle« andre vergißt. Im engen Hof stehen Tische und Bänke unter einer Weinlaube aus krummen Stangen— ein leeres Sommergerüst; jetzt im Winter ist das kahl und kalt und die Liebe zu Wein und Mädchen betut sich in der Stube, in der es gar nicht wie im Film aussieht. Das sind die alten, herkömmlichen Heurigenstuben, wie sie es in den Winkeln von Nußdorf und Grinzing, Heiligenstadt und Klosterneuburg und sonstwo noch gibt, Det Sußtritt tut SA*Stiefet spricht Die Pressestelle der SA. der Gruppe Berlin-Brandenburg bringt in ihrer Korrespondenz einen Artikel vom Sturmführer Haffke, in dem es u a. heißt: „Die SA. ist im letzten Jahr ein beliebtes Thema geworden! Für uns ein viel zu beliebtes Thema, denn viel„Literatur" davon ist von Leuten verfertigt worden, die sich lieber einen anderen„Stoff' 1 hätten aussuchen sollen. Denn durch diese Schreiblinge, die, wenn es anders in Deutschland gekommen wäre, wenn unser Führer am 30. Januar 1933 das Steuer nicht fest in die Hand genommen hätte, dieselben Heldengesänge auch auf die Kommune angestimmt hätten, braucht sich die SA. nicht verherrlichen zu lassen. Wir SA.-Männer verbitten es uns ganz energisch, daß man aus uns Salon- beiden, die den Heldenfiguren amerikanischer Kitschfilme verdammt ähneln, machen will. So, wie gewisse Literaten unseren Kampf schildern, war er nicht. Ich behaupte, daß man 50 vom Hundert der vielen SA.-Bücher, die von geschäftstüchtigen Verlegern herausgegeben wurden, getrost mit einem Umschlag versehen könnte:„Wie der kleine Morifj sieh den Kampf um Deutschland vorstellte." Wenn man einige dieser Schreibseleien gelesen hat, kommt man in Versuchung, sich den SA.-Mann etwa wie folgt vorzustellen: Mindesten» zwei Meter groß, versehen mit der Kraft eines Boxweltmeisters, der ständig schwülstige Jeden führt. Nein, so sahen die alten Kämpfer, die die Pharussaalschlacht schlugen, nicht aus. Aehnlichen Unsinn erzapfen leider heute noch die Berichterstatter mancher Zeitungen Meine Herren Berichterstatter, schreiben Sie nicht jedesmal, wenn Sie SA.- Aufmärsche schildern, daß die Fahnen flatterten; schreiben Sie nicht immer vom klingenden tiae Jüdin ecMt das neue Deutschland Von Lilli Körber Im V erlag der Buchhandlung Richard Lanyi in Wien) Schauspielerin ist sie, aus der Provinz kommt sie nach Berlin. Man schreibt eben das Jahr 1933. Kurz vorher hat sie ihren geliebten Freund geheiratet. Christ ist er, ein lieber. Monder, gutmütiger Mensch. Sie schaffen sich ein behagliches Zuhause. Sie sind angefüllt von ihrem Beruf: er von der Arbeit, die ihm Brot und Geborgenheit gibt, sie vom Theater, das ihrem Dasein erst den Sinn schenkt... Bis die .nationale Erhebung" beginnt. Was ist alle äußere Gestaltung einer Handlung in diesen paar hundert Seiten? Hier geht es um einen einmaligen Menschen, den der Nationalsozialismus völlig aus der Bahn schleudert. Eine bewußte Jüdin war sie nie die Frau des Christen, so wie Tausende ihrer Schwestern. Ins positive Judentum kann sie nicht hineinfinden. Die Bereitschaft für Palästina, die ihrer Familie den Weg in die Zukunft weist, wird nie in ihr aufleben. Aus dem Beruf gestoßen, der ihr Lebensinhalt war, fühlt sie sich zu Recht aus der deutschen Volksgemeinschaft, die sie erfüllte, gedrängt. Plötzlich wächst, von Woche zu Woche, von Tag zu Tag unüberbrückbarer, eine Kluft zwischen ihr und ihrem Manne. Aus einer glücklichen Großstädterin ist ein armer, gehetzter Mensch geworden, dem nur noch ein Ausweg offen steht: der Tod. Mit dieser kleinen Schauspielerin zerbricht die Epoche, die sie auf ein Piedestal gestellt hatte, vom schmeichelnden Rampenlicht erleuchtet. Es ist nicht der erste Roman, den Lilli Körber schrieb. Es wird hoffentlich nicht das letzte sein, was diese Schriftstellerin den Leidensgefähi tiunen in der Emigration zu sagen hat. Die Frau, die über das Erlebnis des roten Alltags in Rußland wesentliches schrieb, ist uns schuldig, Bücher zu schreiben, die aus dem Uferlosen auf die andere Seite, in den fällt um Und dann gibt es, in Abstufungen nach oben auch den Preisen nach, die anderen Wirtschaften, in denen der„Betrieb" die Hauptsache ist, Betrieb mit Schrammelmusik und Jazzband, mit Geldschneiderei und forcierter„Stimmung", hinter der man den Motor surren hört, der den Rummel antreibt— er wird von der Kasse aus angekurbelt. Draußen warten die Autos und die großen Gesellschaftswagen mit den Fahrtschildern„Wien bei Nacht". Die Chauffeure treten hin und her und warten, bis ihre Fahrgäste drinnen genügend„Wiener Volksleben beim Heurigen" genossen haben. In diesen Gaststuben sieht es genau so aus und geht es genau so zu wie in den Filmszenen„in Grinzing"— Kulisse ist beides. Und nun ist solch eine Kulisse umgefallen.„Der Ruckenbauer", der bekannte Grinzinger Heurigenwirt, dessen Gaststätten eben wegen dieses Grinzinger Betriebs berühmt waren, hat um Ausgleich gebeten. Er, der Nachfahre einer uralten Weinbauerndynastie und Repräsentant einer ganzen Familiensippe mit mehreren Geschäften dieser Aufmachung, hatte den Stimmungsbetrieb aus dem Filmatelier in seine Gasträume verpflanzt— oder haben umgekehrt die Filmregisseure ihr Kulissen-Grinzing beim Ruckenbauer abgeguckt? Genau läßt sich das nicht sagen. Da nun aber das goldene Wiener Herz nicht einmal mehr im Film weiterzuleben vermag, da das wirkliche Wien immer tiefer in eigener und in österreichischer Not versinkt, kommt auch der Grinzinger Fremdenbetrieb nicht mehr auf die hohen Kosten. Die eingesessenen Weinbeißer haben sich schon seit langem aus den geräuschvollen Stimmungslokalen in die einfachen Heurigenstuben zurückgezogen. Ruckenbauer geht entblößt von allem Stimmungszauber in den Ausgleich— eine Filmkulisse ist umgefallen und unbezahlte Rechnungen wirbeln hoch. Manfred. Spiel, sehen Sie sich lieber einmal die Gesichter der vorbeimarschierenden Männer an; schreiben Sie über die von ihnen vertretene kämpferische Weltanschauung; schildern Sie weniger das glänzende Bild, das sich Ihnen bot, schreiben Sie vielmehr davon, welches Opfer jeder einzelne der Marschierer bringen muß, um dieses Bild gestalten zu helfen; berichten Sie, daß sich die meisten der Männer ihre Uniform mühsam zusammengespart haben. Und dann erwähnen Sie nicht bei jeder Gelegenheit die Toten unserer Bewegung. Haben Sie Achtung vor denen, die fielen, benutzen Sie sie nicht, um damit Ihren Bericht zu„würzen". Und dann, meine Herren von den Provinzzeitungen, wenn Sie über einen SA.-Führer Ihre« Bezirkes schreiben, dann tun Sie es in schlichter Form, ohne dabei auf den Schmus der vergangenen Jahre zu verfallen. SA.-Führer lehnen es ab, in den Zeitungen ähnlich wie einst Filmgrößen beweihräuchert zu werden." * Das ist bitter und deutlich. Wie gut dieser Haffke seine Pappenheimer kennt. Dieser Sturmführer scheint seine Erziehung in der liberalistisch-marxistiscfaen Aera genossen zu haben und noch von ihr zu zehren, denn sonst wäre er außerstande, sich außerhalb des Sieg-Heil-Kitschs zu halten und den Wert der braunen Literatur in seiner wahren Bedeutung zu durchschauen. Seine Beobachtung, daß die jähen Heldensänger der Kommune zu einem großen Teil mit der gleichen Andacht gedient hätten wie jetzt dem„dritten Reich", macht unseren Haffke sogar verdächtig, im geheimen der materialistischen Geschichtsauffassung zu frönen. Kampf der Zukunft, in die Gestaltung der Zukunft weisen. Der rote Alltag war ein Versprechen, die Jüdin im neuen Deutschland hat es erfüllt. Man liest noch einmal die Abschnitte der„nationalen Erhebung", eingebettet in ein Menschenschicksal, das unsere Teilnahme gewinnt. Das kommende Buch muß mehr sein. Kein entsagendes, den Vorhang herunterlassen der kleinen Ruth, sondern Kampf, meinetwegen im Alltag der Emigration, dem wir m>''o"~'''dien Psychosen nicht zu entrinnen vermögen. Ellinor Werrer. JCosmetischec^Bolschewismus Der„Völkische Beobachter" donnert in seiner Nummer 19 gegen das„Schminken am hellichten Tag":„Dieser kosmetische Bolschewismus, der uns von artfremden Menschen aufgehängt wurde, ist gottlob überwunden. Aber es ist noch genug geblieben, was gleichfalls ausgerottet werden muß." „Kosmetischer Bolschewismus" ist bildschön... wobei nur zu bedenken ist, daß Stabschef Böhm, der öffentlich gegen die Spießer wettert und für die ungehemmte Schminkfreiheit der deutschen Frau plädiert, damit also zum kosmetischen Bolschewiken" avanciert wäre. Jiaesch ins Jiäcchentand Der Verlag Otto Beyer, Leipzig-Berlin, der auch schon einmal bessere Tage gesehen hat, kündigt in der reichsdeutschen Presse ein Märchenbuch von Marie Falkenheim an, das den schönen Titel trägt:„Rechtsum, marsch ins Märchenland!" Das sind ja wirklich zackige Träumereien an neupreußischen Kaminen! Formierung der Märchenfront! Wer sich nicht ei reiht, wird nach beliebtem Muster„auf der Flucht" erschossen! tmiqcant schceilt an JCecmann Q. Von Lot Anker Ministerpräsident Hermann Göring hat W einem neuen Erlaß die Polizeibehörden aufgefordert, in kürzester Zeit Listen aller Emigranten aufzustellen und in ihnen wenn möglich deren gegenwärtigen Aufenthaltsort(!) anzugeben. Lieber Hermann! Dank für Deine werte Sorge um mein Wohlergehn! Kaum, daß ich von Deiner Sorge hörte, mußte ich vor Rührung in mich gehn. Und nur schluchzend kann ich Dir dies schreiben, denn ich fühle: Hermann denkt an mir! Tat er mich aus Deutschland auch vertreiben, will er in Konnex doch mit mir bleiben und sich zeigen als ein Kavalier. Schimpft auch Adolf weiter unversöhnlich auf das Emigrantenpack— nun, ich nehme das nicht so persönlich, denn des Kanzlers Deutsch ist halt gewöhnlich, stets holt es den Knüppel aus dem Sack. Sind's auch emigrierte Kreaturen—: Göring denkt; nun sei's des Grolls genug; drum errötend folgt er ihren Spuren, Weil sie einfach außer Landes fuhren ohne Hermanns Abschiedshändedruck. Siehst Du, Hermann, sind wir auch Marxisten, rührt uns doch Dein Sehnsuchtsschrei. Endlich gibt's, was wir bis jetzt vermißten: Offizielle Emigranten-Listen Deiner braunen Wohlfahrtspolizei. Ganz genau willst Du von jetzt ab wissen, wie es in der Fremde uns ergeht. Ob wir heimattreu den Heil 1-Gruß hissen oder ob aus Greuel-Gabelbissen unser täglich Gratisbrot besteht. Nicht platonisch nur ist Dein Interesse, nein, Du bist für Präzision, Du bist scharf auf Namen und Adresse und daher, eh' ich's vergesse: ich persönlich hab' auch Telefon! Willst nicht mal fernmündlich mit mir fluchen?! Zwischen 2 und 4 ruf' mal an bei mir! Besser noch. Du kommst mich mal besuchen. Darauf wär'n wir Emigranten scharf! — Drahte, wenn ich Dich erwarten darf! JCeause, JUichstilmdcamatucq Reichsminister Dr. Göbbels hat im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda die Stelle eines Reichsfilmdramaturgen geschaffen und in sie den Schriftleiter de» Angriff Willi Krause berufen. Der Reichsfilmdramaturg hat die Aufgabe, die Filmindustrie in allen wichtigen Fragen der Filmherstellung zu beraten, die ihm vorzulegenden Manuskripte und Drehbücher zu prüfen und rechtzeitig zu verhindern, daß Stoffe behandelt werden, die dem Geist der Zeit zuwiderlaufen. Das Arbeitsgebiet des bisher bei der Reichsfilmkammer bestehenden dramaturgischen Büro# ist damit auf den Reichsfilmdramaturgen übergegangen. Alle Manuskripte und Filmentwürfe sind daher künftig nicht mehr der Reichsfilmkammer, sondern dem Reichsfilmdramaturgen einzureichen. Die„Vossische Zeitung" sagt dazu:„Nene Hoffnung im Film." Der verluderte, verkitschte, von Jahr zu Jahr langweiliger werdende deutsche Film soll nun von der Kritik her erneuert werden. Krause muß es schaffen. JCam ein flottec IBucsch qeq.anq.en Die Wochenbeilage zur„Göttinger Zeitung", betitelt„Die Frau in Heim und Beruf" zitiert in ihrer Nummer 42 einige Sätze aus dem Buche des deutschen Philosophen Professor Ernst Bergmann„Erkenntnisgeist und Muttergeist" folgenden Wortlauts: „Einehe auf Lebenszeit ist widernatürlich und artschädlich. Wo sie wirklich durchgeführt wird— und beim Menschen ist dies trotz aller Gesetze glücklicherweise nicht möglich gewesen—, muß die Art verkümmern. In einem richtig gebauten Staat ist das Weib, das nicht geboren hat, unehrenhaft. Zur Begattung der vorhandenen Frauen und Mädchen finden sich willige und fleißige Männer und Jünglinge genug, und glücklicherweise genügt ein flotter Borsch für zehn bis 20 Mädchen, die den Willen zum Kind noh nicht ertötet haben, bestände nur nicht der naturwidrige Kulturunsinn der monogamen Dauerehe." ^Büchece'nq änqe Ingenieur P aul Jansen• Dei Krieg im Aether r dit'on COTSF., Paris 1934.— Ingenieur Paul Jansen Radio für alle. Jaed-Verlag, Paris. Internationale Literatur(Herausgeber internationale Vereinigung revolutionärer Schriftsteller.) Es ist Schande für die Deutschen, daß ein Fremder sie beeinträchtigen kann; und es ist noch größere Schande für sie, daß ein Fremder ihr Retter sein soll. J. G. Seume. Keine„Barbaren" Im Mittelpunkt der Berliner„Grünen Woche" steht eine „Entwicklungsschau", über die die Nazipresse schreibt: ,,E» soll aufgeräumt werden mit der Darstellung, als ob unsere Vorfahren kulturlose Barbaren gewesen seien. So soll die „Grüne Woche" sozusagen zur Ehrenrettung des deutschen Bauern werden und nachweisen, daß unsere Vorfahren schon in graue: Vorzeit zuweilen eine kulturelle Höhe erreicht haben, wie fast nie wieder." Dlmlfrotl spricht rar Welt »Göring wünscht, mich hinrichten zu lassen" $er„Daily Expreß" veröffentlicht ein Interview mit Dimitrosf— das erste, das in der Presse erscheint, seitdem sich die Tore der Gefängnisse hinter dem Verhafteten schlaf- sen. Die Unterredung fand im Büro des Kriminalrats Hel- ker statt, das sich im Gebäude der Geheimen Staatspolizei >n Berlin befindet. ^„Eine Tür öffnet sich" schreibt der Korrespondent,„und Dimitrosf tritt ein, begleitet von einem Wärter... Seine ersten Worte zeigten mir, daß er deprimiert war. „Körperlich fühle ich mich gutsagte er.„Gewiß, ich rauche zu viel— aber geistig, nun gut, Sie können verstehen. Fünf Monate in Ketten, drei Monate vor Gericht und schließlich dies. Nein, ich bin nicht in guter Form. Dix Einkerkerung bekommt einem Menschen wie mir schlecht. Ich beklage mich nicht über schlechte Behandlung. Die Behörden nehmen Stück- ficht aus mich, aber was ich zu wissen wünsche, ist: Warum läßt man mich nicht frei? Ich kann verstehen, daß Göring wünscht, mich hinrichten zu lassen. Ich würde wie er fühlen, wenn ich Mitglied der deutschen Regierung wäre, aber daß man einen Menschen nach einem Freispruch in Gefangen- schaft hält— das kann ich nicht verstehen. Ich protestiere dagegen, und ich hoffe, daß auch Sie für mich protestieren werden." „Für einen Augenblick" schreibt der Korrespondent,„stand der alte Dimitrosf vor mir, trotzend den Richtern. Anwälten und Zeugen... ein Mensch, der um sein Leben kämpft." „Wenn ich befreit bin," erklärte Dimitrosf.„werde ich nicht nach Rußland gehen. Rußland ist die Heimat jedes Re- volutionärs, aber ich habe nicht meine bulgarische Staatsangehörigkeit verloren, und ich will in mein eigenes Land gehen. Ich habe einen Brief an den bulgarischen Minister- Präsidenten Muschanow gesandt, aber ich habe keinen Zwei- sel daran, daß er mich an der Grenze verhasten lassen wird." Aus die Frage des Journalisten, ob er nach einer Frei- lassung etwa nach Amerika gehen werde, erklärte Dimitrosf: „Selbstverständlich nicht. Ich werde für meine kommuni- stischen Ideale weiterkämpfen. Ich bin ein Kommunist, ein wahrer Kommunist, und ich werde immer ein Kommunist sein." Nicht, um Filme zu machen. Der heroisdie Dünifrolf «.Nicht ohne Widerwillen" „Der heroische Dimitrosf und seine Kameraden sind ver- schwundcn," schreibt„RheyNvldS".„Sie sind nicht nur für ein Verbrechen eingekerkert, dessen das höchste Nazigericht sie für nicht schuldig befunden hat: sie sind in ein Geheim- gefängnis geworfen worden, entgegen den Augen der Welt, unerreichbar für ihre Freunde, ihnen zu helfen und ihnen ihre Sympathie zu bekunden." „Times" veröffentlicht den Brief eines Lesers:„Die ..deutsche Regierung," heißt es in dem Brief,„muß kurz- sichtig sein, wenn sie annimmt, daß die öffentliche Meinung sich für Dimitrosf nicht mehr interessieren wird, der sich einen Platz unter den Unsterblichen erworben hat. Solange Dimitrosf im Gefängnis festgehalten wird, ist es meiner Meinung nach absolut unmöglich, an die deutsche Regierung ohne Widerwillen zu denken." „llnaiaublldie Dinge" Der„Manchester Guardian" geißelt in einem Leitartikel die völlig unmotivierte und einem jeden Rechtsgefühl Hohn- sprechende Gcfangenhaltnng der Freigesprochenen. DaS große englische Blatt schreibt: ... Was bedeutet das? Fast ein Jahr nach ihrer Bcrhas- tung, sieben Wochen, nachdem der öffentlich« Ankläger ihren Freisprach gefordert hatte, sechs Wochen» nachdem das höchste deutsche Gericht sie freigesprochen hat, sind Dimitrosf und feine Gefährten nicht frei. Das ist aber nicht alles. Die P.enßische Staatspolizei, der nnnmehr die Bewachung Dimitrosss und seiner Gefährten obliegt, untersteht dem Rcichsinnenminister, ist aber unter dem unmittelbaren Be- fehl des Generals Göring. Wer hätte General Göringö Aus- sprach im Reichstagsbrand vergessen? Offizielle Sprecher haben erklärt: die Bulgaren seien nicht eigentlich in Hast, sie seien lediglich in Schutzhaft, solange die deutsche Regierung erwägt, ob sie es zulassen kann, solche gefährliche Agitatoren zn befreien. „Der Schaden, den ihr Tausende von Dimitrosss im And- land zufügen könnten, steht nicht im Vergleich zu dem Scha- den, den sie sich selbst znsügt, wenn sie in ihrem empörenden Unrecht verharrt. Das ist keine Frage politischer Tym- pathien. Das ist eine Frage elementarer Gerechtigkeit.... Es scheint unglaublich, daß die deutsche Regierung ernstlich beabsichtigt, diese nnschuldigen Männer ihren Feinden zu übergeben, die an der erbärmlichen Ausrede festhalten, daß die Bulgaren gefährlich werden könnten, wenn man sie in Freiheit setzt. Unglaubliche Dinge sind in Deutschland ge- schehen und geschehen noch!..." Der nationalsozialistische„Westdeutsche Beobachter" be- richtet: In einem Abteil eines Huges.vo^ Bochum nach Köln fuhr am 10. Oktober«oetgen Jahres«in« jüdisch« Schwester in der Tracht des Roten Kreuzes, die sich beb ihre» Mitreisenden öurch die Art ihrer Gespräche übet bemertbar machte. Wenn sie nicht ihr Schwcsternklcrd und ihre«ricgsordeu getragen hätte, auf die allgemein Rücksicht genommen wurde, hätte sie noch etwas erleben können. In Dortmund stieg ein neuer Fahrgast in das Abteil, dem sich die Schwester gleich als Neu- ling zuwandte. Sie wetterte in sehr scharfer Weise über die heutige Re- gierung, nnd als sie auf der audern Seite kalte Ablehnung gewahrte, fuhr sie noch schwereres Geschütz auf. Mit sich selbst zufrieden, setzte sie sich in ihre Ecke, um den Erfolg ihrer Wichtigtnerei in aller Ruhe abzuwarten. Blieb den übrigen Fahrgästen ob dieser Unverfrorenheit und Frechheit aus- gerechnet einer Schwester erst die Sprache weg, so ver- warnte sie aber der neue Fahrgast ganz energisch, jn solchen Beleidigungen weiterzuleben. Aber das wollte sie gerade, daß man sich mit ihr befaßte, damit sie ihre Weisheit wenigstens an de» Mann bringen konnte. Frech erwiderte sie dann auch, daß natürlich die deutschen Zeitungen nicht die Wahrheit brächten, aber wer sich Über die tatsächlichen Zustände und Verhältnisse im ncnen Reich einmal informieren wolle, de? brauche seine Rase nur in eine ausländische Zeitung zu stecken. Die deutschen Zeitungen hätten selbstverständlich auch nichts Geheimnis der Stratosphäre Die russischen Forscher sind die ersten Opfer des Strato- sphärentlugeo geworden, und angesichts ihres tragischen Schicksals erhebt sich die Frage, ob der theoretische und prak- tische Wert der Erkenntnisse, die bei einem solchen Flug ge- wonnen werden können, den hohen Einsatz des Lebens lohnt. Nach unseren bisherigen Erfahrungen über die Stratosphäre können wir sagen, daß bis zur Höhe von etwa zwölf Kilo- meter fam Aequator 17 Kilometer) die Temperatur ständig abnimmt. Dann aber sinkt die Quecksilbersäule auf einmal nicht weiter. Wir gelangen in eine Schicht, in der eine gleichmäßige Temperatur von etwa minus 54 Grad herrscht, die sich bis zu einer Höhe von 85 Kilometer erstreckt. Da oben in 85 Kilonieter Höhe wird es dann plötzlich wieder wärmer. Genaues über die Temperaturen in dieser Höhenlage weiß man noch nicht. Aber wärmer wird es sicher, das weiß man aus einem Experiment, das uns der Krieg gelehrt hat. Denn den Kanonendonner hörte man erstmals in 100 Kilometer Ilmkreis, dann kam eine Zone des Schweigens und abermals IM Kilometer weiter kam wieder ein breites Band, in dem man den Schall wieder vernahm. Diese Erscheinung läßt sich nur so erklären, daß die jenseits der Zone des Schweigens auftretenden Schallwellen in großen Höhe» von ihrer Bah» abgelenkt und wieder zur Erde zurückgebeugt worden sind. Diese Ablenkung des Schalles kann man nur auf zweierlei Art verstehen: Entweder tit- da oben ein leichteres GaS, etwa Wasserstoff oder Helium, das die Atmosphäre erfüllt, oder es müssen dort oben höhere Tem- peraturen herrschen. Die erste Annahme kann man mit Sicherheit ausschließen. Es bleibt also nur die zweite, die jetzt auch allgemein angenommen wirb. Woher kommt nun diese plötzliche Erwärmung? Dr. Paul Götz vom Observatorium Arosa gibt in„Fortschritte und jzorschungen" öie Antwort daraus. Es gelangt nicht alles Licht der Sonne zn uns. Ein großer Teil der ultravioletten Strahlen ivird durch eine Schicht von Ozon, die sich wie ein Filter um die Erde legt, abgefangen, verschluckt. Diese Ozon- schicht hat ihren Schwerpunkt in 28 Kilometer Höhe über dem Erdboden und hört in 35 Kilometer Höhe ganz plötzlich auf, nachdem sie dort eben die höchste Konzentration erreicht hat. Die Umkehrschicht, in der die Schallwellen heruntergebeugt werden, befindet sich also in gleicher Höhe wie die obere Ozongrenze, d. h. vielleicht, daß die Erwärmung der Atmo- sphäre oberhalb des Ozons durch den Teil des kurzwelligen Sonnenlichts erfolgt, der weiter unten von dem Ozonfilter abgefangen wird und nicht in die Stratosphäre und nicht zu uns gelangen kann. Hier liegen die eigentlichen Probleme der Stratosphärenflüge. Einmal wird es ja doch wohl ge- lingen, mit Registrierballons, vielleicht mit solchen, die hoch oben vom Stratosphärenflugzeug ausaelassen werden, die Schicht zu durchdringen, die uns einen Teil des kurzwelligen Sonnenspektrums wegschluckt. Die Kenntnis des Baues und der Zusammensetzung der Stratosphäre und der Ozonschicht ist wichtig für daS Ver- stäiidniS des irdischen Lebens überhaupt. Wahrscheinlich ist ja Leben nur möglich, weil die dünne Ozonschicht uns töd- licke Strahlen fernhält— ganz zu schweigen davon, ob sie nicht auch aus. die Höhenstrahlung bremsend wirkt, jene härtesten Strahlen unbekannter Herkunft, die nach den neuesten Forschungen Kohlhörsters einen Ttahlblock von der Höhe der Siegessäule(61 Meter) glatt durchschlagen würde». Die Aufrechterhaltung der negativen Erdladung läßt sich vielleicht mit dem Vorhandensein solcher Strahlen erklären. Und abgesehen von all diesen in erster Linie Wissenschaft- lichen Problemen lockt die Stratosphäre auch auS praktischen Gründen. Falls eS möglich ist, in geschlossenen Gondeln bei künstlicher Atmung dort oben zn existieren, lo könnten wir mit Motoren von einer Stärke, wie wir sie bereits besitzen, in der verdünnten Luit der Stratosphäre Geschwindigkeiten bis zu IMst Kilometer erreichen, das heißt, die Entfernung Berlin—Neuyork in fünf Stunden zurücklegen. Weshalb sie inSchntzhait Hamen Bankdirektor und Rechtsanwalt Hamm«Wests.). 7. Febr. Zu einem Zwischenfall kam es auf dem Kostümscst eines hiesigen Klubs. Einem Verkäufer von Losen der Winterhilsslotterte, wurde, als er Lose an- biete» wollte, der Zutritt durch einen Bankbirektor und einen Rechtsanwalt verboten mit dem Hinweis, man wünsche nicht, daß die Festlichkeit durch Losvcrkäuse gestört werde; mau habe keine Zeit und wolle seiern. Da ein Bermittlungs- versuch des Oberbürgermeisters vergeblich blieb, erklärte dieser seinen Austritt auS dem Klub und ließ die anwesenden Parteigenossen auffordern, daS Fest sofort zu verlassen. Am Montagabend fand vor dem Klubgebäude eine Protz-stknnd» gebung statt, in der sich der Kreisleiter der RSBO. in scharien Worten aeqen die Sozialreaktionäre wandte, die die Volksgemeinschaft noch nicht begriffen hätten. Zum Schlüsse gab der Kreisleiter der NSBO. ein Schreiben be- kannt, wonach Bankdirektor Steinhäuser nnd Rechtsanwalt Kaiser in Schutzhast genommen worden seien. Auch Sympathie ist strafbar! Das Tondergcricht Stuttgart verurteilte jüngst einen 22 Jahre alten Gipser ans Nürtingen, der nicht der NSDAP, angehörte, aber ein Abzeichen trug, das dem amtlichen Par- teiabzeichen außerordentlich ähnlich war nnd sich nur durch die Umschrift„Deutschland erwache" davon unterschied, zu zwei Monaten Gekänanis. Das Sondergericht stellte sich da- mit ans den vom ReichSiustizministcrinm aebilligten Stand- vnnkt des Sonderaerichts Berlin, daß auch das uubesugte Tragen der den amtlichen Abzeichen ähnlichen„S y n> p a- t h i e a b.z e! ch c n" si r a f b a r sei. Die Unahbänaiakeit der braunen Sonderaerichte zeiat sich darin, daß sie ihre Urteile von der Billigung deS Reichs- jnstizministeriumS abhängig machen. SA. Sellen Feder? 57jährige Rofc-Krenz Sdiwcsicr erhält Gefängnis Well sie als Jüdin die Wahrheit über die Judenverfolgung sagte darüber berichtet, wie die Joden bei uns zusammengeschlagen worden seien. Als die» allseitig mit Entrüstung bestritten wurde, erkkgrtc sie mit frecher"Stirn, daß man-sich schon auf ihre Auslage unbedingt verlassen könne, weil sie ja selbst diese mißhandelten'Juden alö Schwerer gepflegt habe. Jetzt saß sie in ihrer Tracht vor dem Jondergcricht auf der Anklagebank, In die sie aüS' def Untersuchungshaft vor- geführt wurde, und nun schien alle Frechheit von ihr gewichen zu sein. Die 57jährige Feodora Herz, die als Schwester des Roten Kreuzes in der Front im Osten gewesen war, hätte sich eigentlich in Grund und Boden schämen müssen. An den Aenßerungen, die sie gemacht hatte, war nicht zu zweifeln, aber auf echt jüdische Manier versuchte sie jetzt die Haupt- schuld von sich zu wälze». To gab sie an, erst durch das Ge- rede der Mitreisenden gereizt worden zu sein. Tann sei sie sowieso schon in einer krankhaft-nervösen und gereizten Stimmung gewesen, weil sie gerade von der Beerdigung ihrer Schwester in Bochum gekommen sei. In Anbetracht dessen, daß gerade sie alö Schwester solche haltlosen und unwahren Behauptungen aufgestellt hatte, dies dazu noch in aller Oeffentltchkeit in einem Eisenbahn- zugc, beantragte Ttaatsaiiivaltschaftsrat Porten gegen sie eine Gefängnisstrafe von 15 Monate». Das Sondergericht, unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor G r e e v e n. rechnete der Angeklagten aber ihre damalige Gemütsverfassung zugute, berücksichtigte auch ihre bisherige straflose Vergangenheit und ihre Kriegsteilnahme und kam daher zu einem Urteile von einem Jahr. Bin Unglückswurm Die politische Zeitschrift„Deutsche Wochenschau", die bis vor kurzem dem Staatssekretär Feder nahe stand, vielleicht »och in Beziehungen zu ihm steht, ist verboten morden. Zur Begründung teil» da? Presseamt der obersten SA.-Fiihrnng noch mit:„.Der Artikel,, iveaen dessen das Verbot der Zeit- schritt anSaesp'rochen werden mußte, enthält eine Reihe von Behanvtüngen. die den Tatsachen in gröbster Weise wider- sprechen. Es ist unerträglich. daß in einer Zeit, in der die SA. m Mittelvnnkt des ö"entlichen Anterelles steht in der deutschen Presse Aussätze über sie veröffentlicht werden, die jedes VerantwoxjunaSbemußtfein nermissen lassen. ES m»ß daher von der deutschen Prelle verlang) werden, daß sie ihre Berichterstattung über die?A fv soratältia und vrrovt- wortilnasbemiißi aestaltet. wie es der Bedeninna der SA. als der wichtiasten ii"d größten ErzichungSschule deS deutschen Volkes entspricht." Hein„deufsdier Gruß" In den Gefängnissen Wie der„Amtliche Pressedienst" mitteilt, hat der p r e u- Nische I u st i z m i N ist e r folgende Anordnung erlassen: Nach den bestehenden Dienstvorschriften haben die Gefangenen die AnstaltSbeaniten durch Abnehmen der Kopf- bedecknng..und,» n» sie keine Kopfbedeckung tragen, durch Annehmen einer straffen Haltung zu grüßen. Der deutsche Grüß als Grüß des freien deutschen Mannes kommt für Gefangene nicht'in Frage. Er kann äü? Straf- gefangene allgemein nicht zugcsassen werden. Aus Gründen der Ordnung steht er aber auch den Unters üch u n g s- h ä t t l i» g c n n i ch t z u. Da eine Erwiderung des deutschen Grnßrs lHir* Gefangene nicht in Frage kommt, ist von seiner Anwendung dnrrfi Beamte gegenüber Gefangenen abzusehen. - Demnach st die Sache so: im deutschen Reichszuchthaus muß jedermann„Heil Hitler!" brüllen. Nur in der Straf- anstatt gewinnt er soviel persönliche Freiheit wieder, um nicht gegen«eine Ueberzeugung grüßen zu müssen. Sie beliebte SA. Wenn sie schnorrt Die„Westfälische Lgndeszciii,..,, uott oeu gute» Deutschen also in Gewissen: ^Treppauf, treppab geht es. um bei den Volksgenossen die Spenden einzuziehen. Die Schelle an der Haustür läßt sich an diesem Tage wohl öfters hören als sonst. Der Wohnungs- inbaber ober unsere Hausfrau schaut oftmals verärgert zur Tür hinaus, und wer steht draußen? Ein SA.- oder SS.-Mann, die Hacken zusammenschlagend, die Rechte zum Freiheitsgruß erhoben, so steht er da. Sein:„Spende für das Winterhiltsiverk" oder„Spende für das Eintopsgericht" kommt mitunter etivas stockend heraus, weil er so oft an der Tür unfreundliche Gesichter sehen muß. Laßt es uns daher diesen SA.» und SS.-Männcrn doch nicht so schwer machen! Sie tun in der Woche ihre Pflicht und verrichten ihre Ar- beit in den Werkstätten, Bergwerken oder Büros. Außer ibrer Arbeit versehen sie noch freudig und pflichtbewußt ihren Dienst. Wenn dann der SA.- oder ST.-Mann am Sonntag, dem einzigen Tage, wo sie sich mal ausschlafen können, früh morgens antreten und begeistert für des Führers großes WinterhiliSwerk sammeln gehen, dann sollte man ihnen doch wenigstens ein freundliches Gesicht zeigen! Ob bei den einzelnen Volksgenossen Not ist oder nicht, das kann der SA.- oder ST.-Mann ia von draußen nicht sehen. Ein bißchen Freundlichkeit kostet ja nichts als U e b e r w i n d u n g. * Soweit ist es also schon, daß den Volksgenossen die gute Laune vergeht, wenn sie einen Jüngling im braunen Ebren- tleid erblicken, und nur mit Ueberwindung gelingt ihnen ein freundliches Gesicht. ch fInpreß.) Im Konzentrati'onSsager Brandenburg, in dem etwa 8f>0 SA.-Leute gefangen gehalten werden, die von den übrigen Gefangenen streng gesondert sind, wurden zwei SA.» Leute..auf der Flucht" erschossen. fInpreß.) Aus dem Motortturm Berlin-Nauenbeimer- straße, der bereits dreimal aufgelöst nnd wieder neugebildet wurde, stnd sieben Mitglieder ins Konzentrationslager über- führt worden. fInpreß.).Zwei Mitglieder de? SA.-S^nrmes Tchmargen- dorf wurden ins Konzentrationslager gebracht. » fInpreß) Das Amsterdamer deutsche Konsulat schrieb an eilten in Amsterdam lebenden deutschen Staatsangehörigen, der stch weigerte, eine'- Vorladung, auk dem Konsulat z» er- scheinen. Folge zu leisten, diesen Drohbrief:„Fall? Sie eS wiederum ablehnen, dieser Anweisung nachzukommen, wird das deutsche Konsulat leider gezwungen sein, durch andere Mittel Ihr Erscheine» z» sichern." In dem gleichen Brief»orderte das Konsulat den Emp- länger auf, zwei weitere Deutsche zu veranlassen, aus dem Konsulat zu erscheinen oder, deren Adressen, anzugeben. Pariser Berichte Pariser Sfraßenhalender Es erregt in Pariser Theaterkreisen allgemeine Befriedigung, daß der Administrator der Contedie Franchise Emile Fahre auf seinem Posten bleibt. Zugleich wird angekündigt, daß eine einheitliche Leitung der Staatstheater eingesetzt werden solle. Der bisherige Leiter der politischen Polizei Thome hat auf den Posten im Hause Molieres unter dem Druck der öffentlichen Meinung verzichtet. * Die französischen sozialistischen Gruppen bereiten den Kongreß von Lille vor. » Auf der Ausstellung der Unabhängigen fällt auch ein Model] eines Briand-Denkmals auf, mit Briand als Bürger auf einem Postament an dessen Flächen vier Figuren stehen, aus der Hand des Bildhauers Kosloff. • Die internationale Skimeisterschaft von Frankreich wird vom 21. bis 25. Februar zu Luchon-Superbagneres in den Pyrenäen ausgetragen. Eine neue Skiabfahrt vom Pic Cecire in Höhe von 2241 Meter, die Rekordgeschwindigkeiten ermöglicht, soll in Betrieb genommen werden. Es liegt Pulver-Schnee von etwa 1,25 Meter. ♦ Der neue Seine-Präfekt Villey hat der Presse erklärt, daß er ein Mann ohne Geschichte sei, wie er im Kriege ein einfacher Soldat gewesen sei, und daß seine einzige Absicht wäre, im Interesse der Bevölkerung zu verwalten. « Nachdem sich der Gewinner des großen Loses der 5. Ziehung der französischen Staatslotterie, der in der Gegend von Roubaix und Lille vermutet wird, immer noch nicht gemeldet hat, fand jetzt die 6. Ziehung der neuen Lotterie ir Trocadero statt. * Im selben Moment, wo bekannt wird, daß M. Ponsot, nach der Ablehnung Chiappes, Generalresident in Marokko bleibt, meldet die Agence Fournier eine Kundgebung der französischen Kolonisten in Rabat, an der mehrere tausend Personen teilnahmen. Ponsot empfing eine Delegation. Vom Pariser Rathaus— Der Tag der Demonstrationen Paris, Dienstag nachmittag. Das Hotel de Ville— das gewaltige Gebäude iu nachgeahmter Renaissance— hat schon eine lange Geschichte. Bei allen historischen Ereignissen dieses bewegten Landes stand das Rathaus im Vordergrund. 1794. nach der großen Revolution, war es Sitz der Kommune. 1830 wehte hier die Trikolore. 1848 stand hier Louis Blanc auf der Treppe und rief die zweite Republik aus. Am 4. September 1870, zwei Tage nach der Gefangennahme des Kaisers„Badinguet" (wie ihn Marx nannte), rief das Volk von Paris von diesem Hause abermals die Republik aus. 1871 war es Sitz der Kommune, ging beim Abzüge der Besatzung in Flammen auf. Später baute man das Haus mit den 110 Statuen berühmter Pariser wieder auf. Die Stadt Paris hat, das ist bekannt, im Gegensatz zu den meisten anderen Großstädten des Landes, eine Mehrheit der Rechten. Paris war immer schon, wie etwa das Auftreten Derouledes bewies, einer nationalen Agitation zugänglich, während sich in proletarischen Vierteln wie Vincennes oder Saint-Quen die Geister von Ciara und der Jakobiner hielten. Aber das Wahlrecht ist den proletarischen Vierteln nicht günstig. Die Weltstadt an der Seine hat eine wesentlich andere Verfassung, als etwa Berlin sie in den demokratischen Zeiten der Städtefreiheit innehatte. Der Seine-Präfekt, ein hoher Verwaltungsbeamter, genießt etwa die Stellung eines Stadtoberhaupts. Der Conseil Municipal, mit seinem Präsidenten Fiquet an der Spitze, hat mehr die Stellung eines Gemeindeausschusses. Die Reglung der einzelnen Verkehrsfragen etwa ist sehr kompliziert. Die Polizei ist zum erheblichen Teil kommunal, der Polizeipräfekt dagegen staatlich, neuerdings ist eine Reihe von Funktionen für den staatlichen Dienst abgezweigt worden. Anläßlich des Abschieds der beiden Präfekten C h i a p p e und R e n a r d hatte die rechte Mehrheit des Stadtrats die Absicht, einen Beschluß zugunsten der beiden Unzertrennlichen zu fassen. Aber die Versammlung trat offiziell nicht zusammen. Dagegen versammelte sich ein Teil der Stadträte im Büro seines Präsidenten und faßte unter Ablehnung eines Antrages, der eine Manifestation wollte— einer der Herren sprach sogar von einem Zuge mit Schärpen unter Vorantritt der Gefeierten ins Palais Bourbon—, einen Protestbeschluß Die Wahl des Rathausplatzes zum Versammlungsraum der „Patriotischen Jugend"(I. P.) läßt keinen Zweifel, daß der historische Ort der Trikolore abermals in den Streit der Meinungen gezogen werden soll. Der Platz der Concorde, der alte Platz der Guillotine(nebenbei bemerkt durch den Kölner Architekten H i t t o r f in seiner jetzigen Gestalt angelegt) ist natürlich erst recht historisch. Bei dem Obelisken von Luksor, den der Bürgerkönig Louis Philippe vom Vizekönig von Aegypten zum Geschenk erhielt, marschierten die nationalen Frontkämpfer auf und zogen in die elysäischen Felder. Andererseits klebten die Studenten der Patrioten-Jugend im lateinischen Viertel, von dessen Hauptboulevards vorher der neue Polizeipräfekt Bonne- f o y die letzten eisernen Baumgitter entfernt hatte, Plakate an in denen von einem„Staatsstreich der Linken" und einer„Diktatur der Freimaurer" und einer„Stunde der nationalen Revolution" die Rede war. Auch ein neuer „Front Universitaire" zog los und schimpfte mächtig auf die„Feiglinge, Verräter, Betrüger". Die Pariser Polizei, vordem 7000, hat heute 14 000 Mann, und außerdem, wie verraten wird, Reserven. Die Leute des bourbonischen Antisemiten Leon Daudet, die„Croix de Feu", die sich in den Straßen gerne selbst leben lassen, die Patrioten Liga und die der Steuerzahler, die Frontkämpfer uticl die Studenten an diesem bewegten Tage der Kammerer itfnung'— während nach Arbeitsschluß die Armee der Arbeiter aus den Fabriken auf Geheiß der Sozialisten an den Sektionsplätzen zum Schutze aufmarschiert, das kostet einige Nerven. Die Republik gegen die Camelots aller Arten, das ist die Losung! r«i rnnne 43-13 M6iro P l o o 11 e Deutsche Poliklinik Paria, OZ. Rue de !a Rochefoucauld a) Allgemeine Konsultationen mit9 Spei»!*««. b) Chirurgie c) Gel)aiuhfltHebe Klinik i) Zahnärztliches Kahl—0 Innere Medizin, Augen«, Ohren«, Nasen««md Kehlkopfkrznk» ZweistäckigesfSarutortamsgebitsde. Vierstöckiges Gebäude. Zimmer Zahn und Mundchirurgie. Gold» aeiten. Röntgen. Diathermie. Elektrotherapie Spezialbehand« Kleine, mittler* und groß« Chirur- mit 1 bis 4 Betten. 3 Aerzte, 3 Heb- und Porzellan krönen,«Brücken lune bei Blut«. Harn« u. Geschlechtskrankheiten gie. Die allermoderastrEinrichtung emmen und 2 Operationssäle. Kautschuk-Arbeiten Ordination täglich von 9—12 und Z—S; Sonntags und Feiertags von lO—12 und 2—4 Uhr v» 9d6riH^e6dude !Oafknfäot XuxemAurS NEUBAU 1200 qm. Helle Ateliers im ganzen oder geteilt zu vermieten. Geeignet zu jedw. Fabrikation evtl. Beteiligung, Handelsermächtigung sicher. 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Aber die Russen, die einheitlich mitstreiken, erhielten jetzt von ihrer Gesellschaft ein Schreiben, in dem diese erklärte, daß die Einführung fester Löhne sie zwingen würde, nur noch 10 Prozent Aulsänder zu beschäftigen. Das heißt also, daß die meisten Russen entlassen würden. Die Pariser Gewerkschaften stellten demgegenüber durch Kite.au, den Sekretär der Konduktöre, fest, daß der Prozentsatz der ausländischen Fahrer in einer Verordnung festgelegt ist, die nach Verhandlungen mit den Unternehmern und den Chauffeuren verlassen wurde. Diese Bestimmungen grundsätzlicher Natur können natürlich nicht durch Aende- rungen in der Lohnfrage berührt werden. Außerdem wird festgestellt, daß die Meldung eines Blattes, die Firma Citroen wolle Autocars von St-eikbrecheru fahren lassen, nicht zutrifft. Der Weber-Konflikt in Lille. Der Textilkonflikt im industriellen Norden Frankreichs ist offenbar als Kraftprobe von erheblicher Bedeutung. Der Arbeitsminister hat jetzt die Vertreter der Unternehmer veranlaßt, die geplante Herabsetzung der Löhne auf den 15. Februar zu verschieben, damit er die von ihm begonnene Vermittlung weiter fortsetzen kann. Der üralstempel enldedrt! „Ter Berg des Grals ist M o n t s e g u r: die ganze wagnerische Mystik geht von ihm aus. Parstsal— das ist der Perceval Frankreichs, und der Gral, das Gesäß, ln dem Joseph von Arimaihia das Blut Christi am Kreuz auffing, dieser Schatz, der ein unschätzbares Symbol darstellt, tst in Montsegur zu finden, wo man ihn hütete." Das stnd die Ergebnisse langjähriger Forschungen des deutschen Gelehrten Otto Rahn. die er jetzt in einem wissenschastltche» Werke„Kreuzzug gegen den Gral" veröffentlicht. Bereits französische Forscher, u. a. P. B. G H e u s i hatten die These ausgestellt, daß die Burg des wagnerischen Mythos, Parsisals und Lohengrins sich in den Pyrenäen befinde. Die genauen Nachforschungen des Deutschen Rahn bestätigen die Richtigkeit ihrer Behauptungen. Der Berg Montsegur im Departement Ariege, unweit Tarascon, war von jeher von Geheimnissen umwobcn. seitdem er seine geschichtliche Rolle ausgespielt hatte: Am 12. März 1244 wurden die letzten Albigenser, die sich sechs Monate laug in dem in 1200 Meter Höhe gelegenen Schlosse aus dem Montsegur verteidigten, gesangen und lebendig verbrannt. Im Laufe der langen Belagerung konnte man einen Teil der Schätze in Sicherheit bringen— so berichten die Chroniken. Was ist mit dem Rest geworden?— Sie stnd wahrscheinlich im Boden unterhalb des Schlosse, von dem noch heute eine imposante Ruine mit Grotten steht, vergraben worden. Die Grabgewölbe enthalten, wie man vermutet. die Gräber der Teilnehmer des Conzils der Katharer, die sich den Berg als Itättc ihres Wirkens ausgewählt hatten, und voraussichtlich auch allerhand wertvolle Gesäße und Dokumente. »er neue Poiizcidiei tob Paris rormalrechfllche Entscheidung Der neue Polizeipräfekt Bonnesoy-Sibour, hat als Nach- folg« des entlassenen Polizeigewaltigen Chiappe eine schwie- rige Erbschaft übernommen. Nachdem schon seit Wochen Paris eine Zeit der schwersten Straßentumulte durchmacht, muß man sich jetzt nach der Entlassung Chiappes aus die ge- sährliche Opposition aller rechtsgerichteten Kreise einrichten, die immer wieder ihre Anhänger zu Demonstrationen aus die Straße schicken. hellner auf Agitation Nazis im Auslande Wir machten bereits daraus aufmerksam, daß man die deutschen Kellner im Ausland zu ersassen bemüht ist, um sie in den Agitationsdienst der NSDAP, einzugliedern. Nun geht man daran, deutsche Kellner ins Ausland zu bringen. Alle Kellner, die fremde Sprachen lernen wollen, haben sich für eigene Kurse bei ihrer„Fachschaft" zu melden. Wie weit diese Pläne der Nazis bereits gediehen sind, darüber unter- richtet die folgende offizielle Verlautbarung:„Zwischen der Berbandsleitung des DAVN. und dem Zentralkomitee des AGB.(Genier Verband) in Zürich ist mit Wirkung vom 1. Oktober 1033, unter Zustimmung der DAF., ein Ab- kommen über die gegenseitige Gewährung der Freizügigkeit für die Mitglieder der Sparte 1 der Fachschast Gaststätten- Angestellte getrosten worden. Durch diese Vereinbarung ist die Anwartschast der Mitglieder des ehemaligen Genfer Ber- bandes, Sandesverein Deutschland, aus die Leistungen der Altersrentenkasse des AGB. sichergestellt worden. Nach einem bereits in Arbeit befindlichen Plan werden diese Leistungen nach einheitlichen Grundsätzen und unter bestimmten Vor- ausietzungen aus alle Mitglieder der Sparte 1 ausgedehnt, wofür von diesen die festgesetzten Sonderbeiträge zu ent- richten sind. Durch das Abkommen erhält auch die von der ReichssachschastSleitung vor kurzem eingeleitete Aktion zu einer Bcrvielsochung der Möglichkeiten eines Austausches mit dem Ausland eine wertvolle Unterstützung. Mit der Pflege der Verbindung mit dem Zentralkomitee in Zürich ist in allen beruflichen und sachlichen Angelegenheiten bis aus weiteres Reichsiachlchastswart Pg. Sander, in allen finanziellen Fragen Pg. Wagner beauftragt worden. Dem Verbandsleiter Pg. W o l k e r s d ö r s e r ist es zu danken, wenn nunmehr mit einem schnellen Hieb auch dieser gordische Knoten zum Besten der deutschen Gaststättenanqestellten zer- hauen und damit viel Unklarheit und Ungewißheit beseitigt wurde. Nähere Mitteilungen über die Reglung der Alters- rentenkasse, die Freizügigkeit, den Austausch usw. ergehen demnächst." Wie sie fälschen (Anpreß.) Die Klage einiger jüdischer Bürger aus Kairo gegen den Präsidenten des Deutschen Klubs wurde vom Ge- mischt-Gericht bekanntlich mit der Begründung zurückgewiesen daß einzeln« nicht zur Klageburchsührung er» »nächtigt seien, wenn, wie in vorliegendem Fall, ei« ganzes Volk beleidigt worden sei. Dieses Urteil wird von dem Kairoer Nazikorrespondenten Diewerge, der ans Aegypten eine Prozeß-Reportage für den Deutschen Rundfunk gab. folgendermaßen verfälscht:„Mit diesem Urteil eines international zusammengesetzten Gerichtes steht lest, daß die jüdischen Lüaen über das Deutschland Adolf HitlerS vor unparteiischen Menschen nicht bestehen können." in Island Auf Nazidruck verboten Kopenhagen, 5. Febr.(Jnpreß.) Aus Verlangen deS deutschen Generalkonsuls hat die isländische Regierung die sozial- demokratische Zeitung„Althydubladid" oerboten und den verantwortlichen Redakteur unter Anklage gestellt, weil Hitler in einem Artikel als Sadist bezeichnet wurde. BBICFKASTCN „Arbeiter-Zettung" Saarbrücken. Ties«» kommunistische Blatt teilt ihre Woche in Tage aus, in solche nämlich, wo e« uns be- schimpft, und in solche, wo es uns„verwendet". Wir veröffentlichten zuerst Rühm» Morderlaß an die ZU. Anderntags finde» mir ihn in der„Arbeiter-Zeitung" mit folgender Einleitung:„In der Press« wird ein Dokument RöhmS verösfentlicht, das»um bestialischen Geiselmorb auffordert. Ter Blutbesehl Röhms wurde im Einverständnis mit Hitler an all« SA.-Leitungen erlagen." Diese»ort ausgedrückte publizistische Entlehnung buchen wir al» verschämte» Bekenntnis zur Einheitsfront. Wir bieten dieser Kol- legi» gern unsere» gesamten Inhalt zum Abdruck ohne Quelseu- angab« an. «Rene Deutsch« Blätter". Da» Hest Nr. 8 der„Neuen Deutschen Blätter", Prag, enthält unter anderem einen E»ay von Marti» Andersen-Ne^S„Der neu« Mensch", in dem der dänische Dichter sich mit den Erscheinungen de« Faschismus und Bolschewismus auseinandersetzt, Agnes Smedley veröffentlicht zum erstenmal, nachdem ihr« bekannten Ehina-Reportagen in der„Frankfurter Zeitung" nicht mehr erscheinen, eine größere Arbeit„Die Sirenen von Hunan", die eine Streikbewegung im südlichen China zum Gegen- stand hat. Außer Romankapitel» von Han» Borchardt und Walter Schönstedt enthält da» Hest einen Aussatz von Otto Heller, der eine umfassende, vom marxistischen Standpunkt au» vorgenommen« Analyse der seit HitlerS Machtantritt erschienenen Literatur zur Fudenfrage gibt. Beiträge von Fritz Brttgel, F. C. WeiSkopf und Erich Weinert vervollständigen das Heft, dessen besondere Be» deutung wieder in der Rubrik„Die Stimme au» Deutschland" be- steht. Nicht gleichgeschaltete Schriftsteller, die illegal in Deutschland leben und arbeiten, gestalten hier den heroischen Alltag der gegen Hitler-Deutschland kämpfenden Arbeiter und Intellektuelle». Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann P i tz in Dudweiler: für Inserate: Cito Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der BolkSftimme GmbH., Saarbrücken K Schütz-nsttaß«&