Sinzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nummer 36— 2. Jahrgang I Saarbrücken, Dienstag, den 13. Februar 1934 I Chefredakteur: M. B r a u n Ans dem Inhalt !Eischafi yegen Popen Seite 2 (Kittec füe Saacteuac Seite 3 Schicksat des Doltacs Seite 4 Smdecqecicht mietet Seite 5 Brief an inner Cln Schweizer schreibt dem Reichskanzler Sm schweizer Bürger stellt uns folgenden Brief zur Verfügung, den er an den Reichskanzler Hitler ge- schrieben hat: In Ihrer Rede vom 30. Januar 1934 vor dem Deutschen Reichstag haben Sie, von der Stellung der deutschen Regierung zur österreichischen sprechend, den Satz gesagt: „Deutsche aber, die heute im Ausland reisen, sind abegesehen von den Emi- granten, immer Nationalsoziali st e n." . Da Sie nicht nur von Oesterreich, sondern vom Ausland >m allgemeinen sprechen, habe ich als Schweizer die deutschen Männer und Frauen, die vom 30. Januar 1933 bis heute als Gäste in unser Haus kamen, oder die ich als Bekannte in den Straßen unserer Stadt auf der Durchreise traf, gemustert. Es sind 14 Leute aus verschiedenen Gegenden Deutschlands, aus verschiedenen Kreisen der Bevölkerung, von verschiedenen Altersstufen gewesen, so daß ich dieses Grüpplein Deutscher wohl als kleinen, aber bezeichnenden Ausschnitt aus dem deutschen Volke betrachten kann. Nur fünf von ihnen waren Be- kannte von früher, die also unsere politische Einstellung kennen konnten: die anderen traten mir als neue Er- scheinungen entgegen. Ich will sie Ihnen in Kürze nach der Reihenfolge ihres Kommens vorstellen, um Ihnen zu zeigen, wie diese im Ausland reisenden Deutschen zum Nationalsozialismus standen und heute stehen: 1. A., um seiner deutschen Gesinnung seit Jahren bekannter Kunstler. älterer Mann, spricht begeistert vom Nationalsozialismus, ist aber nicht Pg. Wir unterhalten uns lebhast über das neue Deutschland, können uns natürlich gegenseitig nicht überzeugen. Ein Brief dieses Mannes aus dem Herbst dieses Jahres spricht ebenso enttäuscht, ja erbittert von der herrschen- den Partei, wie er im Frühjahr begeistert war. 2. B., ältere Frau auS Akademiker-Kreisen in Mittel- deutschland, ist sehr besorgt über die neuen Verhältnisse und sucht als Astrologin in den Sternen Trost zu finden, aus keinen Fall kann sie als National- sozialistin betrachtet werden. 1 CT., jüngerer kaufmännischer Angestellter aus nord- deutscher Großstadt, kommt zu einem Krankheits-Urlaub in die Schweiz mit deutschem Paß und Sichtvermerk, hat vor dem 80. Januar keiner politischen Partei angehört. Er ist auch heute noch nicht Nationalsozialist. 4. D.. zirka SSjährige Dame aus Mitteldeutschland, aus Akademiker-Familie, die wir als gut national kennen. Da wir annehmen, sie werde selbstverständlich National- sozialistin sein, vermeiden wir erst politische Gespräche. Bei einem Waldspaziergang am Pfingstmontag, als das ganze Gehölz von Volksliedern widerhallt, überrascht sie uns durch den Ausspruch:„Gottlob, einen ganzen Tag hört man das Horst-Westel-Lied nicht," und entpuppt sich als Gegnerin des Nationalsozialismus. 5. E., kaufmännischer Angestellter, auf der Radreise durch die Schweiz, besucht er seinen bei uns weilenden kranken Freund C. Großer, blonder Junge. Typus des arischen Deutschen, aber erklärter Gegner des National- s o z i alismus: ist es auch heute noch. 6. F„ mitteldeutscher Staatsbeamter, Akademiker, N a- t i o na l s o z i a l i st, Pg. seit Sommer 1932, kommt mit richtigem Auslandspaß als mir völlig Unbekannter zu mir mit der Bitte, ihm zu einer Stellung in der Schweiz behilflich zu sein. Grund: Arier-Paragraph. Jüdische Schwiegermutter, die vor seiner Heirat gestorben war? er ist über das ihm widerfahrene„Unglück", da seine zwei Kinder, beide„Hitler-Jugend". unarischer Herkunft sind, ganz untröstlich, will aber trotzdem von den Seinen nicht lassen. Ich versuche ihn zu trösten, er als National- sozialist werde doch keine Schwierigkeiten bekommen, woran» er mir antwortet:„Ich kenne meine Pg., sie sind unerbittlich!" Während ich mich um ihn leider er- folglos bemühe, kommt er öfters zu uns, wir und C. wundern uns, wie stark er trotz seines„Unglücks" noch in nationalsozialistischer Ideologie lebt. Um ihm seine * Stellung klarzumachen, lese ich ihm eine von mir ver- faßte, scharf ablehnende Darstellung des Nationalsozia- lismus vor. Er bemerkt dazu:„Es ist scharf,, was Sie geschrieben haben, aber ich muß zugeben. Sie habe» Recht." Betrübt reist er nach Verlauf seines Urlaubes nach Deutschland zurück, ließ seitdem nichts mehr von sich hören. Wie ich ihn kennen gelernt habe, wirb er heute noch Pg. sein. Mit welcher Begeisterung und mit wie gutem Gewissen, wird sich der Herr Reichskanzler denken können! 7. G., jüngere Frau aus Mitteldeutschland, läßt im Ge- spräch zwar nichts aus den Herrn Reichskanzler kommen, der„nicht alles wisse, was in seinem Namen geschehe", Wien im Fieber DoIUuO zwisdien nelmwchr und Sozialdemokratie Widerstand Wien, den 12. Februar. sEig. Bericht! Die Ernennung des Polizeipräsidenten von Wien, Seidl, zum Bundeskommissar für das Land Wie» hat keine un- mittelbare praktische Bedeutung. Seine Zuständigkeit erstreckt sich nur aus das Sicherhcitswesen der Hauptstadt, das schon bisher, da es sich um Staatspolizei handelt, der Bundes- regierung unterstand. Durch die Ernennung des Bundes- kommissars find allerdings instanzenmäßig Schwierigkeiten ausgeräumt worden und die Ernennung kennzeichnet den Kurs. Die Erklärungen des christlich-sozialen Gemeinderats Kauscha k, die in der Sozialdemokratie lebhaften Wider- hall gesunden haben, werden nur von einem Teil der Christlich-Sozialen, und zwar den Arbeitern und bäuerlichen Schichten, gebilligt. Eine Annäherung zwischen der Sozialdemokratie und dem Bundeskanzler Dollsuß ist nicht erfolgt. Der Kanzler scheint seinen verhängnisvollen innerpolitischen Weg fortsetzen zu wollen, wenn er auch noch immer zögert, die entscheidenden Maß- nahmen gegen die Sozialdemokratie zu tressen. Die schwere innere Krise, hinter der die Gefahr des Bürgerkrieges lauert, dürfte sich aber nur noch einige Tage hinziehen lassen. Man rechnet mit der Möglichkeit, daß Bundeskanzler Dollsuß sich bereit finden läßt, die sozialistische Landesregierung Wiens und zum„unparteilichen" Ausgleich auch den dcutschnatioua- len Landeshauptmann von Kärnten abzusetzen und alle Landeshauptleute dem Bundeskanzler zu unterstellen. Die Absetzung der sozialistischen Regierung des Landes Wien würde, wie allgemein angenommen wird, den Kriegsfall für die Sozialdemokratie bedeuten und die Partei veranlassen, ihre Anhänger zum Widerstand gegen den Verfassungsbruch aufzurufen. Oirlstlldie Arbeiter ond Sozialdemokratie Ein Bündnis? Wien, 12. Februar. Tie Hauptstadt steht unter dem Eindruck des unverhüllten Bündnisses, das die Christlich-Sozialen und die Sozialdemo- kraten, die sich seit vielen Jahren im Wiener Gemeinderat erbittert bekämpfen, durch ihre offiziellen Sprecher abge- schlössen haben. Dieses Bündnis dient der Ausrechterhaltung und der einigermaßen freien Betätigung des Parteiweicns. Die Christlich-Sozialen, die zuerst zum Worte kamen, ließen durch ihr an Dienstjahren ältestes Mitglied erklären: Der Feind unserer Stadt, unseres Heimatlandes und dessen in der Geschichte als deutsche Sendung verankerten Eigenlebens, das aber ist die Entartung des dcutschen Gei- stes im Nationalsozialismus. Diesem entgegenzuwirken und positiv ausbauend zu wirken an der Seele unseres Vol- kes und ihm die wirtschaftlichen Bedingnisse des Lebens zu sichern, das ist der Weg, den uns die Stunde zu gehen heißt. Auf diesem Wege gibt es eine Weggemeinschast, die über viele Gegensätzlichkeiten hinweg auch heterogene Elemente zu gemein'amer Arbeit zusammenzuführen vermag. Als erste Voraussetzung hierfür gilt der reine Wille und die sittliche Kraft, das Trennende zu meiden, das Einigende zu suchen. Wer andern seine Meinung eventuell auch mit Brachialgewalt aufzwingen will, der allerdings ist für diesen Dienst am Volke, für dies-u heiligen Dienst am Baterland unbrauchbar. Die Sozialdemokraten ließen durch Danneberg. einen seit Jahrzehnten führenden Parteigenossen antworten: Die Zeiten find gewiß ungewöhnlich ernst, vielleicht viel ernster ,als viele in der Bevölkerung Wiens und außerhalb Wiens und Oesterreich meinen. Es gibt sicherlich Wege, die auch»n dieser schon sehr ernst gewordenen Lage zum Ziele führen können. Die Gesinnung, aus der heraus Stadtrat Kunschak hier gesprochen hat, zeigt, daß es aus alle,, Seite,, Männer gibt.diebcstrcbtsind, Wege aus den, Chaos zu suchen. Bürgermeister Scitz faßte den Sinn der Kundgebung in die Worte zusammen: Eine Stadt wie unser Wien, mit dieser Geschichte, mit dieser Kultur, mit dieser Wirtschast und mit den intcrnatio, nalcn Zusammenhängen in dieser Wirtschaft, kann nicht auf Gewalt eingestellt werden. Aufsehen erregt ein Aussatz im„Volksruf", dem Wochen- blatt der christlichen Arbeiter in Tirol, der sich in klaren Worten zum Klassenkampf bekennt. Unter dem Titel„Baga- tellisierung des Klassenkampfes" schreibt das Blatt: Blätterstimmcn aus jüngster Zeit legten eine ganz eigen- artige Auffassung über den Klassenkampf an den Tag. Der Klassenkampf sei tot, er entbehre heute jeder Be- rechtigung und ähnliche Auslegungen bevölkerten die Spalten der Presse. Weil es sich hier um Auffassungen handelt, die TO in Zukunft denkbar verhängnisvoll aus- wirken können, weil sie einfach einen Tatbestand ableugnen, sei hier die Frage gestellt: Lebt der Klassenkampf noch? Oder vielmehr: Lebt er noch mit Berechtigung? Was ist der Klassenkamps? Welche Ziele»msaßt er? Der Klassenkampf ist derKamps gegen das kapi- t a l i st i s ch e S v st c m. Er ist nicht der Kampf um die Herr» schast einer Klasse. Der Klassenkampf ist der Kamps gegen ein System, das dem Arbeitnehmer die Existenzgrundlage raubt! Der Klassenkamps ist der Kamps gegen ein System, das Tausenden den gerechten Lohn vorenthält! Der Klassen- kämpf ist der Kamps gegen ein System, das die Massen um ihren gerechten Anteil an den Gütern der Erde betrügt! Der Klassenkampf ist der Kamps gegen ein System, das wenig Auserwählte mit allen Schätzen der Erde überhäuft! Mit diesen Tatsachen mögen sich jene auseinandersetzen» die den Klassenkampf zu einer Bagatelle degradieren. Diese Herrschasten sind sich bei solchem Beginnen scheinbar nicht dessen bewußt, daß sie damit den Kampf der Arbeiterschaft um Gleichbercchtgiung zu einer Lappalie erklären und die größte soziale Ungeheuerlichkeit in die Welt setzen. Die„Christlich-Soziale Arbeiterzeitung", das Blatt des christlich-sozialen Gcmeinderats Kunschak, behandelt die Putschversuche der Heimwehr- und anderer Wehruerbänöe sehr ablehnend und erklärt, daß die christlichen Arbeiter und Angestellten diesem hinterhältigen Vorgehen ihr„starkes Nein" entgegensetzen. Dieses Aufbegehren ist erklärlich, weil die Forderungen der Heimwehrführer nach wie vor die Ausschaltung aller ihnen nicht genehmen Bolkskräfte, auch die der christliche» Arbeiter, fordern. Wie in Tirol, so haben beispielsweise in Niederösterreich die Heimwehren, obwohl sie dort nur eine kleine Minderheit bilden, gefordert, daß die ganze öffentliche und beschließende Gewalt an die vaterländischen Verbände übergehen solle. Alle marxistischen Amtsträger sollen ihrer Mandate enthoben, alle„staatsfeindlichen" Elemente sollen ihrer Aemter beraubt werden. Die nicht minder scharfe Kampfstellung der Heimwehren gegen den Nationalsozialismus hält an. Zwei Kirchcnfürsten, der apostolische Administrator von Nordtirol und Borarl- berg, Bischof Dr. Waitz und der Bischof Dr. G füll»er von Linz, haben sich zu den Forderungen des Heimatschutzes bekannt und gleichzeitig sehr entschiedene Erklärungen gegen die Nationalsozialisten abgegeben. Deren Preise beschuldigt sie infolgedessen, daß sie ihr Hirtenamt mißbrauchten und parteiisch politisch Stellung nähmen. ist aber keine Nationalsoziali st in, sogar scharfe Gegnerin der„Deutschen Christen". 8. H., früherer Gewerkschaftsführer aus Süddeutschlanb, Typus des sozialdemokratischen Arbeiters: Emi- graut. Seine Stellung zum Nationalsozialismus ist damit gegeben, aber vielleicht interessiert Sie, Herr Reichskanzler, seme Antwort auf unsere Frage, was er zu Ihren Friedenskundgebungen im Reichstag meine. Er sagte:„Er muß schon Frieden halten, denn wollte er das deutsche Boll bewaffnen, so würden die Gewehre in der falschen Richtung losgehen!" Eine Emigranten- Ansicht, die uns doch überraschte! 9./10. I. u. K., süddeutsches Lehrers-Ehepaar. Er ist Kriegs- teilnehmer, uns seit Jahren als idealgesinnter Deutscher bekannt. Aber weder er, noch seine Frau sind N a t i o n a l s o z i a l i st e n: er hat seither ent- pflichten lassen, da er nicht guten Gewissens dem Heu- tlgen System in der Schule dienen könne. 11. L., junger Schriftsteller aus Berlin, bittet mich, ihm literarische Arbeit zu verschaffen. Ich frage, ob er öegcn üi€ denfsdien ROsünigsfordernngen Das französische Kabinen einig in der Rttsfungspollflk Am Samskagnachmtttag hat die erste Sitzung des Kabi- «ettsDoumcrauc stattgesunden. Sowohl„Echo de Paris" wie „Oeuvre" melden neben andern Zeitungen sehr verschiedener Richtung, daß iy der Rtistungssrage vollkommene Einigung besteht: Tie Regierung sei der Meinung geivescn, das! keine Aenderungen an der bisherigen französischen Politik vor- "gduomnrcn iverdcn. Frankreich werde nicht darin einwillt- gcu. dag nach dem Wunsche Hitlers die mili>ärähnlichc„ Nazi- formationen i«A., SS. usw.j bei der Berechnung der Essel- livstärke des deutschen Heeres ausgeschlossen werden. Nach denselben beiden Zeitungen hat die Frage der Verabschiedung des Haushaltes kür 1934 den größten Teil der siabliiettsberatung beansprucht. Der neue Finanzminister Germain-Martin wolle neue provisorische Kredite vermeiden und daher darauf dringen, daß das Budget in globaler Form bis Ende Februar verabschiedet wird. Das heißt, es solle für jedes Ministerium nur eine Gesamtsumme angegeben wer- dfcfi, Sie vom Parlament zu billigen sei. Tie Verteilung der Kredite auf die einzelnen Kapitel jedes Budgets soll dann ytf dem Verordnnngswcge erfolgen. Auf diese Weise hofft rian die Budgetdebatte abzukürzen und bis zum Monatsende die Verabschiedung des gesamten Budgets durchzusehen. Zur Aufstellung eines solchen Budgets soll morgen zwischen dem Finanzminister und vier Kabincttsmitgliedern, die früher schon Finanzminister waren lEheron, Flandin, Lamoureux und Pietricl eine Konferenz stattfinden. Das Ergebnis ihrer Arbeit soll dann einem am Montagabend stattfindenden Kabi- iicttSrat unterbreitet werben. Es ist anzunehmen, daß diese Lösung, so wünschenswert sie auch sein mag, in der Kammer aus heiligen Widerstand stoßen wird. Paul-Boncour führt die Völkerbundsabordnung dub. Paris, 12. Febr. Außenminister Barthou erklärte vor Pressevertretern, der frühere Außenminister Paul-Boncour bliebe auch weiterhin der Führer der französischen Ab- ordnung für den Völkerbund. „Ziemlich ungünstig" Das Urteil in England dnb. London, 12. Febr. Der diplomatische Berichterstatter des„Daily Telegraph" bezeichnet die Aussichten der letzten britischen AhrüstuggSvorschläge angesichts der Zusammen- setzung des neuen französischen Kabinetts als ziemlich un- günstig. Die neue französische Regierung dürfte, so sagt der Korrespondent, nicht bereit sein, einer baldigen und wesentlichen Verminderung der Mannschaftsstärke oder des Mate- rials der französischen Armee zuzustimmen. Überdies habe Außenminister Barthou bereits angedeutet. Frankreich werde darauf bestehen, daß„Hilfsstreitkräste" wie die national- sozialjsti'-ben Verbände zur deutschen Hecresstärke hinzu- gerechnet werden müßten. Barthou werbe sich nicht damit zufrieden geben, solche Verbände entsprechend dem britischen Vorschlag lediglich einer internationalen Aufsicht zu unter- werfen. Der Generalstreik 2* 80 Prozent in Paris befolgt Soldaten statt Briefträger Paris, 12, Febr. Der Generalstreik ist zu 5N Prozent be- folgt worden. Erwartungsgemäß ist der Streik am vollstän- Ü!". 1 P? stwescn. Es ist jedoch wahrscheinlich, daß die Briefkästen ein- oder zweimal durch Militär geleert werden. D»e Sortierung der Briefe wird ebenfalls durch Soldaten erfolgen, doch ist es zweifelhaft, od die Post auch ausgetragen werden kann. Es wurde erwogen, die Briefträger durch Pol,ze,bcamte zu ersetzen, wie dies bereits einmal bei dem großen Poststreik vor mehreren Fahren der Fall war. Das Wasser-, Elektrizitäts- und Gaswerk wurde von dem Gene- ralstreik ebenfalls nicht berührt. Die großen Geschäfte blieben offen. Obgleich die Lehrervcreinignng beschloß, sich der Streikbewegung anzuschließen, hat der Unterrichts- minister angeordnet, baß die Schulen unbedingt gcössnet bleiben müssen. Die Zeitungen erscheinen nicht. Der Streik der ttraftdroschkenlübrcr, der bereits über zehn Tage an- dauert, wird ebenfalls fortgesetzt. Im Rundfunk wird vor- aussichtllch keine Störung eintreten. Dagegen bleiben die Theater am Montag geschlossen. Die Filmopcratenre werden icde Vorstellung zwei Minuten unterbrechen, um ihre Soli- darität zu beweiten. Der Eisenbahnverkehr wurde in vollem Umfange aufrechterhalten. Straßenbahn. Untergrundbahn und Antobnste verkehren in Varls nur in geringem Umfange. Die sozialistischen und kommunistischen Gewerkschaften haben ihre Mitglieder zu einer Kundgebung am Montagnach- mittag aufgerufen.„Popnlairc" nnd„Humanite" haben Sonntag nachmittag Sonderausgaben herausgegeben, in denen sie ihre Anhänger noch einmal ausfordern, sich gc- schlössen hinter die Generalstreikbeweqnng zu stellen.„Popu- laire" forderte die lottern ans, ihre Kinder am Montag nicht in die Schule z« schicken. Frauen nnd Mädchen, die in den Geschäften oder Fabriken beschäftigt sind, sollen ihre Arbeits- stellen verlassen und sich an der Rietenknudgebung beteiligen. Auch in der französischen Provinz ist die Generalstreik- parole weitgehend befolgt worden. In verschiedenen Provinz- städten haben schon am Sonntag Kundgebungen stattgesunden, die überall reibungslos verlausen sind. lDNBi Paris. 12. Februar. In den größeren französischen Provinzstädten sind umfangreiche Ordnungsmaßnahmen ge- troffen worden, um ein Ausarten des Generalstreiks von 24 Stunden zu verhüten. In Brest haben 12 Prozent der Arie- nalarbeiter 24 Stunden Urlaub bekommen. Die Freiheit der Arbeit wird für die gewährleistet werden, die sich am Streik nicht beteiligen wollen. In Brest streiken die Lehrer, die Straßenbahner und die Hasenarbeiter. Sämtliche Truppen werden von 7 Uhr früh ab in Alarmbereitschaft gehalten. In Marseille und in Straßhurg halten die Zeitungsdrucker den 24-Stunden-Streik ebenso ein wie in Paris. Nur eine Zeitung in Paris Paris, 12. Febr. Am heutigen Montag früh, dem Beginn des Streiktages, ist tatsächlich als einzige Morgcnzcitung nur die royalistische„Action Francaise" erschienen, deren Be- schasfnng übrigens auch ziemlich schwierig ist, da Streikposten die Verbreitung dieser Zeitung zu verhindern suchen, die entgegen der Abmachung, die.alle anderen Zeitungen getrof- sen haben, doch erscheint. Ju den frühen Morgenstunden sind die telefonischen MonatSgcspräche mit dem Ausland aus-, geführt worden: auch konnte man lit den frühesten Morgen- stunden h*»«* Stadt telefoniere«''?»"■' In S t r a ß b n r g ist der Stkeik bis setzt ruhig verlaufen. Ein Zwischsnsall ereignete sich nur im Vorort Bischheim, wo Streikende Straßenbahnwagen umwarfen. Im übrigen ist der Ttraßenbahnverkehr wie gewöhnlich, auch der Straßenverkehr bewegt sich ruhig nnd wie sonst. Um 9 Uhr fand eine Versammlung der Gewerkschaften statt, die gegen Mittag noch andauerte. Im übrigen find die Arbeiter der öffentliche» Betriebe in vollem Umfange am Streik beteiligt. Der Disdioi im Trier warnt... Ein tlirtensdireiben gegen nationalsozialistische Theorie nnd Praxis- Was sagt Papen dazu? Die Fastenhirtenschrcibcn der deutschen Bischöfe bieten in jedem Jahre einen guten Ueberblick über die Lage und die Sorgen des Katholizismus, wenn man sie nur richtig zu lesen versteht. Bisher waren sie je- doch meist religiös-weltanschaulicher Natur. Wenn eine ge- sellschastliche oder gar politische Frage berührt wurde, so geschah es immer mit äußerster Vorsicht und Zurückhaltung. Das erste diesjährige Fastenhirtenschrciben, das uns vor- liegt, trägt in seinen entscheidenden Teilen einen gänzlich anderen Charakter. Der Bischof Vornewasser von Emigrant sei, und erhalte die merkwürdige Antwort: ^Leiber nein, sonst hätte ichs leichter. Ich bin politisch unbehelligt zu meinen Papieren gekommen, aber ich bin nicht Nationalsozialist und will ins Ans- land. weil ich es in Deutschland seelisch nicht mehr aus- halte Er hat e»ne Stellung in Afrika erhalten. 12. M., älterer, süddeutscher Herr, Kriegsteilnehmer, n: cfj t Nationalsozialist. Ich treffe ihn auf der Straße und frage, wie cö in Deutschland gehe. Er antwortet: „Fragen Tie lieber nicht. Es ist eine greuliche Verlogen- : Heil bei unS." 13./14 N und O. sind Juden, der eine Emigrant, der.uidcre mit Auslandspaß und Sichtvermerk. Ihre Ansichten vom„dritten Reich" können Sie nicht weiter inter- sssieren. So sieht die Wirklichkeit aus. Herr Reichskanzler, die ich Ihnen klar und ehrlich geschildert habe. Ich will an- nehmen, daß Sie diese Wirklichkeit nicht kennen, daß Sie l sich von Ihrer natürlich ganz nationalsozialistischen Umgebung über die Stimmung und Lage in Deutschland .täuschen lassen. Es ist ja von jeher das Schicksal der Herrschenden gewesen^ belogen zu werden, in Wahn und Selbsttäuschung zu leben. Wäre es nicht so. so wäre ja Ihre Behauptung in der Reichstagsrede, daß die im Aus- land reisenden Deutschen alle Emigranten oder National- sozialisten seien, bemühte Unwahrheit. Jedenfalls ist sie nach meiner Erfahrung, die sehr viele Schweizer bestätigen können— nur richtig. Auch das Ergebnis der Abstimmung vom 12. November darf Sie nickt täuschen. Ich könnte Ihnen, wenn Siemes wünschen, auch darüber Tatsachen mitteilen, die Sie ebenso enttäuschen mühten, wie meine kleine Besuchs- statistik. Und auch, wenn Sie nur noch eingeschriebene Pgs. über Ihre Landesgrenzen liehen, der Fall F. wird Ihnen deutlich genug zeigen können, dah auch dann Ihre Illusion„Deutscher gleich Nationalsozialist" sich nicht auf- recht erhalten läßt. Erwachen Sie, Herr Reichskanzler, aus Ihrem Traum! Ich fühle mich als Schweizer, der das deutsche Volk ebensosehr liebt, wie er Unterdrückung und Unwahrheit haht, verpflichtet, Ihnen das zu schreiben. Rudolf Schwarz. Basel. Dem Brief an den Reichskanzler war folgendes Schrei- den beigefügt: An lue Herren Beamten der„Reichskanzlei", die beiliegendes Schreiben vermutlich dem Herrn Reichskanzler nicht vorlegen werden. Geehrte Herren! Sie haben gewiß viele Gründe, den Herren Reichskanzler nicht mit meinem Schreiben behelligen zu wollen. Wenn Sie deshalb mein offenes Wort unterschlagen, so bestätigen Sie ja gerade dadurch da», was ich sage: daß Ihr„Führer" die Wahrheit über sein Land und sein Volk nicht erfahren darf. Wie soll er aber dann ein Führer sein? Was soll das Ausland dann von einem so oisenkuirdig unrichtigen Satz, wie den von mir durch eigene Erfahrung geprüften in der Reichstagsrede, halten? Muß es dann den Herrn Reichskanzler nicht als einen Lügner oder einen Betrogenen ansehen? Beides nützt dem Ansahen Ihres Landes iveuig. Jehcnfalls muß die horreude Übertreibung, die zum mindesten in dem widerlegten Satz stand, irgendwie berichtigt werden. Ich werde deshalb meinen Brief an den Herrn Reichskanzler und diesen an Sie gerichteten der Presse zur Verfügung stelle». Rudolf Schwarz. Trier veröffentlich ein in seinen entscheidenden Teile» bewußt hochpolitisches Dokument. Selbst der kirchliche Kurialstil kann die scharfe Absage an nationalsozialistische Lehren und Methoden nicht im mindesten abschwächen. Der Bischof wendet sich zunächst gegen das neue Heiden- Christentum, dessen Erscheinungen er erst jüngst in seiner Diözese kennen gelernt hat: nämlich aus dem Schweden- Interview des saarländischen„Führers" Spaniol sHitler. deutscher Papst usw.j. Bischof Bornewasser sagt: Aber ist es denn wirklich wahr, daß mir Menschen ohne die Gnadenhilfe Gottes nichts für unsere Erlösung und Seligkeit tun können? Jesus Christus, die ewige Wahr- heit, hat es uns bestätigt. DassolltedenMenschen genügen. Trotzdem wird in gewissen Kreisen sehr viel und sehr laut von der Selbsterlösung des Menschen ge- redet. Macht nnd Wille sei alles. Gnade sei überflüssig und bedeute nichts. Ja, man sagt sogar, es sei des nordisch-ger manischen Menschen unwürdig, sich selbst vor Gott demütig und erlösungsbedürstig zu fühlen, auf seine Gnade zu warten oder gar um sie zu bitten. Der Mensch müsse sich selbst erlösen durch eigene Kraft und seinen Willen. Ist das nun peinlicher Mangel an Selbst- erkenntnis? Ist es Hochmut? Ober ist es beides? Ter Hochmut hat schon oft so geredet und hat die Menschen, die seiner Sprache lauschten, ins Elend ge- bracht. Die wahre Kraft, auf den Höhenwegen eines glau- bcnsstarken und sittenrcinen Lebens zu gehen, gibt Gott. Womöglich noch deutlicher wird der Bischof bei der Er- Währung der katholischen Jugendorganisationen. Hier geht er zum offen Gegenangriff gegen ihre nationalsozialistischen Bedrücker vor: Große Sorge habe ich um unsere guten katholischen Iugendvereine. In dem zwischen dem Hl. Ratcr und der deutschen Reichsregierung gc- schlössen?» Bertrage, Reichskonkordat genannt, übernimmt die deutsche Regierung grundsätzlich den Schutz aller dem Bischof unterstellten katholischen, nicht politischen Organi- sattonen nnd Rcrbände in ihren Einrichtungen nnd in ihrer Tätigkeit. Trotzdem die ernsten Verhandlungen zwischen Kirche und Reich noch fortdauern, um einen für beide Teile gangbaren Weg zur praktischen Ausführung dteses Vertragspunktes zu finden, unternahmen in letzter Ze,t einzelne Blätter, Zeitschriften und Plakate einen«nseinen Kamps gegen ka iholischen Iugendvereine. Ich bedauere tief diesen Kampf, aus Liebe zu unserem teuren Bater, laude, bedauere ihn auch aus Interesse an der Autorität der deutschen Relchsrcgiernng, die sich doch ernstlich bemüht, eine friedliche Lösung dieser Frage zu finden... Die Schlußbemerkung des Bischofs ist eine reine Höflich- keitsiormel. Bischof Bornewasser weiß natürlich genau, daß ein einziger Befehl von der obersten Spitze des„totalen Staates" genügt, um dem Treiben gegen die katholischen Iugendverbände ein Ende zu machen. Das aber geschieht nicht. Die Hetze gegen die Iugendverbände hat sogar neue Nahrung erhalten durch Verfügungen westdeutscher Polizei- und Regierungspräsidenten. die den katholischen Jugend- organisationcn das Tragen eigener Kleider und besondere Sportveranstaltungen verboten haben. Der Kamps der Hitler-Jugend gegen ihre Konkurrenten gehört zum osft- zielten Programm des Reichstngcndftihrers Valdur v. Schi räch, der ein Anhänger des Heiden- Christentums ist, und der die München« Feldherrnballe als feinen„Mtar" bezeichnet hat. .... Jus Bereich- der g r» n d sä tz l i ch e n Auseinander- I e tz u n g c n. bei denen es nur ein Hüben und Drüben gibt, tritt der Bischof mit folgenden Bemerkungen über„R a s s e und Blut": Ihr lest und hört hente viel von Rasse und Blut. Das sind zweifellos ernste und wichtige Fragen für ein Volk. Auch die Kirche hat nichts dagegen einzuwenden, die Eigcn- art eines Volkes rein zu erhalten. Die Verschiedenheit der Rassen liegt ja auch im Wcltenplan Gottes. Auch er bejaht, was der ehrlichen Rassenpflege dient und der Gesundung dos Blutes, solange dies nicht dem Naturgesetz nnd dem göttlichen Recht widerspricht. Auch muß der Mensch sich vor der Auffassung hüten, die Rasse, in der er selber geboren ist. für die höchste und einzige wahre Kultur schassende anzu- sehen. Es gehl mit den Raffen ivie mit den Einzelmenschen. Jede hat ihre Licht- und ihre Schattenseiten, ihre Vorteile nnd ihre Nachteile. Die Geschichte zeigt, daß d>c edelsten Knltorwerte vielfach dort entstanden, wo der Geist der eine» Rasse durch de« Geist der anderen befruchtet wurde. Aber noch vor einem anderen möchte ich vom christlichen Standpunkt aus warnen. Rasse und Blut sind nicht das höchste und letzte im Leben des Menschen. Das höchstte und letzte im Menschenleben ist die Pflege seiner Seele, der von Gott ihm gegebenen und zu Gott wieder hinstrebendcn»n- sterblichen Menschenseele. Letzten Endes muß diesem Hin- streben der Menschenseele zu Gott als ihrem eigentlichen, letzten und höchsten Lebensziele, alles dienen. Das Jrbi- icke hat für die gläubigen Christen einen um so höheren Wert, je mehr es der Erreichung dieses Zieles dient. Die scharfe Ablehnung der nationalsozialistischen Rassen- lehr? mit ihren Ausschließlichkeitsansprüchen beweist, daß die katholische Kirche hier zu grundsätzlichen Konzessionen nicht bereit ist. Bei allem taktischen Entgegenkommen kann de? katholische Itniversaliömus, ohne sich selbst preiszugeben, eine einzige„Rasse" als wichtigste Kulturschöpfertn nicht aner- kennen. Auch in der Beurteilung des Faktors„Blut und Boden" sind unüberbrückbare Gegensätze vorhanden. Wäh- rend der deutsche Faschismus ihn vergottet nnd vergötzt, ist die Kirche für immer an ihren Appell an die unsterbliche Mcnichenseele gebunden. Zur Diözese des Bischofs Bornewasser gehört einer der prominentesten deutschen Katholiken, der Vizekanzler Franz v. Pape», Tchloßherr auf Wallerfangen. Am 14. Januar sprach er vor der„Arbeitsgemeinschaft katholischer Deutscher" In Gleiwitz über die christlichen Grundlagen des„dritten Reichs". Hier versuchte Paven den Nachweis, daß noch niemals ein Staat die heiligen Grundsätze der katholischen Kirche so weit verwirklicht und so folgerichtig durchgeführt habe, wie das Reich Hitlers. Das päpstliche , Rundschreiben gnadragesimo anno vom Jahre 1932 hat nach der Meinung des Herrn von Papen im„dritten Reiche" seine erste und einzige Verwirklichung gefunden. Das Fastcnhirtcnschreiben des Trierer Bischofs entlarv» den katholischen Baron. Niemals waren die deutschen Bischöfe so besorgt um den Katholizismus wie heute, wo ihr reprä- sentativer Glaubensbruder die staatspolittsche Mitverantwortung trägt. Dieser„Ritter ohne Furcht und Tadel" ist ein Störenfried der Kirche in ihrem Kampfe um ihre An- sprüche, viel gefährlicher als alle Gottlosen, weil er sich an- maßt, das katholische Bister unter besonderen Privilegien zu kragen. DlmifroNs dunkle Kellerzelle lJnpreß.» Dimitroff, Popoff und Taneff befinden sich gegenwärtig im Gebäude der Geheimen Staatspolizei, Berlin, Prinz-Albrecht-Straße, inunterirdischenZellen. Die Zellen find so dunkel, daß es den Gefangenen selbst am Tage fast unmöglich ist, zu lesen. Messer und Gabel werden den Freigesprochenen vorenthalten, sie sind gezwungen, mit den Händen zu essen. Segen Dimitroffs Mutter and Schwester Dem bekannten englischen Schriftsteller John Strachey, der in Berlin wegen des Schicksals der drei freigesprochenen Bulgaren vorstellig wurde, erklärte der Kriminalrat Heller von der Geheimen Staatspolizei, daß die Mutter und Schwester Dimitroffs sowie die Frau Taneffs aus- gewiesen worden würden, wenn„die Lügen- und Hetz- kampagne im Ausland nicht eingestellt wird". Die Frauen sollen sich verpflichten, an niemanden mehr Informationen zu geben. Mit dieser Drohung kündigt die Hitlerrcgierung nach der Ausweisung des Uebersetzers D a n o w s k i und des amerika- nischen Advokaten G a l l a g h e r nunmehr das gleiche Ber- sahreu gegen die Angehörigen der Gefangenen an. Wenn irgendwie in der Presse Stellung zur Lage Dimitroffs ge- nommen wird, so soll das zum Borwand einer Aus» Weisung der drei Fraueu genommen werden. Mit diesen schändlichen Methoden wird die völlige Isolierung Dimitroffs betrieben und der Versuch gemacht, ihn unter Ausschluß der Oc f s e n t l i ch k e i t den Willkür» akten der Göringsche» Geheimpolizei ans- z u l i e f e r n. Illegale Arbeit der KPD. Durch Spitzel verraten Nürnberg, ll. Febr. Die Polizeidirektion Nürnberg- Fürth gibt einen längeren Bericht über die Aushebung einer k o m m u n i st i s ch e n O r g a n i s a t i o n. In diesem Bericht wird daraus hingewiesen, daß sich nach längerer Pause am Ende des Jahres 1933 wieder Anzeichen ernst- haiter und systematischer Arbeit der Kommunisten in Nürnberg und Franken bemerkbar machten. Die Entsen- dung eines schon aus den früheren Jahren bekannten kom- munistischen Vorkämpfers durch das BerlinerZentral- komitee der KPD. nach Nürnberg war der Austakt für den beginnenden Ausbau der organisatorischen Zusammen- fassung der noch vorhandenen kommunistischen Kräfte. Die politische Polizei beobachtet sorgfältig den unter größten Bor- sichtsmaßnahmen fortschreitenden Ausbau der neuen„KPD.- Bezirksleitung Nordbayern". iDas heißt: es hatten sich Polizeispitzel eingeschlichen. Red. d. T. F.» Der vom Zentralkomitee eingesetzte Bezirksleitcr leitete von seinem in der Nürnberger Borstadt Steinbllhl gelegenen Büro aus die gesamten Aufbauarbeiten. Es wur- den Stadttetlleiter und Stadtteilkassicrer ernannt, Literatur- obleute bestimmt, Borkehrungen für Propaganda und inten- sive Flugblattverbreitung getroffen usw. Tie Mitglieder- Organisation war nach dem sogenannten„Dreier- system" aufgezogen, wonach in fortgesetzter Staffelung je zwei Leute einem Dritten als ihrem Führer unterstellt sind, der seinerseits wieder mit zwei anderen Dreiersührern eine um einen Grad höher gestellte Dreiergruppe bildet. Die polizeilichen Zugriffe begannen vor etwa einer Woche. Hierbei konnte auch ein gerade hier weilender Auslandskurier des Zentralkomitees, ein bereits aus der Zeit des Hamburger Ausstandes bekannter führender Kommunist, festgenommen werden. Im Verlauf der Aktion sind insgesamt 2 5 Funktionäre in Haft genommen worden. Tie neue Bezirksleitung der KPD. in Nordboyern ist damit zerschlagen. Der Koke Kommissar Die Berliner Besprechungen Macdonalds lJnpreß.» Der Hohe Kommissar des Völkerbundes für die deu.lchen Emigranten ist von Berlin nach London„urück gekehrt, nachdem er im Namen von vierzehn Nationen und zwölf internationalen Organisationen mit dem deuri.hen Anßevministerium verhandelt hat. Eine offizielle Aeußcrnng über die Art der besprochenen Fragen liegt noch nicht vor. Wir erfahren jedoch, daß Macdonald versucht bat. von der deutschen Regierung die Zusage zu erhalten, daß innerhalb des Wirtschaftslebens eine Unterscheidung zwischen Juden Nazl-amflidier Saarterror Rudolf neo droht offiziell mit l»ZZ Die NTK. meldet: Der Stellvertreter des Führers Rudolf Heß gibt über die Frage der Zugehörigkeit von Saar- deutschen nach der Abstimmung zur NSDAP, des Reiches folgendes bekannt: „Eine ganze Anzahl von Anfragen aus dem Saargebiet, die die spätere Zugehörigkeit zur NSDAP, des Reiches und die notwendigen Boraussetzungen für eine solche spätere Mitgliedschaft betreffen, haben mich veranlaßt, den Führer Adolf Hitler um eine Entscheidung zu bitten. Nach Rück- spräche mit dem Führer bin ich durch ihn ermächtigt worden, bekanntzugeben, daß die Mitgliedschaft zur NSDAP, des Saargebiets an sich noch keinen Anspruch darstellt a u f eine spätere Uebernahme als Mitglied in der Reichspartei. Schon deshalb nicht, weil die NSDAP, des Saargebietes völlig selbständig ist. Nach der Abstimmung kann jeder Deutsche, der sich um die deutsche Sache bei der Abstimmung besonders verdient ge- macht hat. ohne Rücksicht auf sein« bisherige Zugehörigkeit Mitglied der Reichspartei werden. Hingegen bleibt bedingungslos all denen der Zugang zur NSDAP, ge- sperrt, die in der Zeit des Abstimmungskamples Partei- oder weltanschauliche Fragen in einer Form erörterten, durch die der Zusammenhalt der Deutschen irgendwie gefähr- det werden könnte. Denn an der Saar gibt es für alle Deutschen jeder Konfession, jeder Partei und jedes Standes nur eine Parole:„Zurück zu unserem Deutschland!". Diese Parole hat alle zusammengeführt, die zusammenstehen wollen für das große gemeinsame deutsche Baterland. Wer diese Parole sabotiert, hat in aller Zukunft kein Recht, sich Nationalsozialist zu nennen, und er wird deswegen auch niemals in die Partei aufgenommen werden. Nach der Wieder- Vereinigung des Saargebietes mit dem Reiche wird der- jenige von der Aufnahme in die NSDAP, aus- geschlossen, der irgendwelche Drohungen gegen Dritte ausspricht(??), die Zwangsmaßnahmen nach der Ab- stimmung ankündigen. Mit diesen Bekanntgaben ist die nötige Klarheit l?s geschaffen, in der der Sieg erfochten wird: Deutsch die Saar! München, den 10. Februar 1934." und Nichtjuden nicht mehr gemacht und der jüdischen Aus- n anderung dadurch ein Ende bereitet werde. Eine weitere wichtige Frage ist die, daß viele Emigranten erheb'iche Vermögenswerte in Deutschland besitzen, während sie in, Ausland oft dem Elend ausgesetzt sind. Die deutsche Regierung zieht Nutzen aus dieser Situation, weil sie zur Konfiskation solcher'Vermögenswerte ichrcilet und dem Ausland die Last aufbürdet, für die Entrechteten zu sorgen. Wir glaüben zu wissen, daß Macdonald sich von den unter- nommenen Schritten einen Erfolg verlpricht. London, 12. Februar. lZTA.» Der Hochkommissar des Völkerbundes sür Emigrantenfragen, James G. Macdonald, hat am 9. Februar an Bord des Dampfers„Paris" die Reise in die Vereinigten Staaten angetreten. Der Hochkommissar, der sich mit Rücksicht aus die ihm zugegangene Nachricht von der Erkrankung seiner Tochter um eine Woche früher als ur- sprünglich beabsichtigt, nach Amerika begibt, beabsichtigt dort mit einer Anzahl von Organisationen in der Ausbringung von Geldmitteln für die Durchführung des Emigrantenbilfs- werks zusammenzuarbeiten. Vermißt- versdiollen I Aus zuverlässiger Quelle erfährt das Wclthilsskomitee für die Opfer des Hitlersaschismus von dem Verschwinden eines aktiven antifaschistischen Funktionärs in Berlin. Ende März v. I. wurde der Arbeiter Willy Nabel in Berlin- Mariendorf, Rathausstraße 91, verhaftet, weil er den Nationalsozialisten als früherer Leiter des Roten Front- kämpferbundes in Mariendorf bekannt war. Der wurde acht Tage lang von der TA in der General-Pape-Straßc so miß- handelt, daß sein Rücken nach vier Monaten noch nicht ver- heilt war. Im August kam er bann ins Konzentrationslager Sonnenburg, wo sich durch die vielen Wunden eine furcht- bare Furunkellose entwickelte, wozu sich noch eine Gelbsucht gesellte. Auf Grund dieser Erkrankungen wurde er dann ins Staatskrankenhaus überführt, von wo er nach längerer Zeit entlassen wurde. Ernst Itaedtel Anläßlich der 109. Wiederkehr des Geburtstags Ernst Haeckels wird man auch außerhalb Teutschlands nicht ohne Würdigung dieses Gelehrten vorübergehen, der, weit in die Welt wirkend, entscheidend mitgeholfen hat. die natürliche Entwicklungs- und Abstammungslehre zum Siege zu führen. Noch als Darwins Lehre von der„Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl" lebhaft umstritten und bekämpft wurde, ergriff der junge Zoologieproiessor entschieden die Partei des großen Engländers. Da er über ein Wissenschaft- liches Rüstzeug wie wenige verfügte, vermochte er sie so zu unterstützen, daß der Darwinismus zunächst auf der ganzen Linie siegte. Durch seine, für das damalige biologische Wissen geradezu genial konzipierten Werke„Natürliche Schöpfungs- geschichte". in der er bereits einen auch heute noch in den Grundzüqen anerkannten Stammbaum der Tierwelt aus- stellte, und„Anthropogenie", in der er mutig auch die wich- tigsten Tatsachen der menschlichen Entwicklung folgerichtig der allgemeinen Abstammungslehre eingliederte, gewann er weite Kreise der Gebildeten für seine Anschauungen. Uner- Mödlich weiter wirkend, von fernher mit Forschungsaufträgen bedacht und selbst Forschungsreisen unternehmend, hat der Jenaer Professor, zu dem die Studierenden aller Länder strömten, von zahlreichen Mitarbeitern unterstützt, das kühne Gebäude seiner Lehren dann solide sundamentiert.Als er 1393 auf dem internationalen Zoologenkongreß zu Cambridge seinen berühmten Vortrag„Ucber die gegenwärtige Kenntnis vom Ursprung des Menschen" hielt war bereits allgemein anerkannt, daß auch der Mensch wie alle Lebewesen in jahrmillionenlanger mühseliger Entwick- lung aus niedrigsten Organismen zu seiner heutigen Da- selnshöhe emporgediehen ist. In den breiten Massen des Volkes, denen Haeckels Lehren durch mehr oder minder ge- schickte PovularUatoren nahe gebracht wurden, ist diese Er- kenntnis oft einfach umgedeutet worden in den Satz„der Mensch stammt vom Affen" ab. eine Behauptung, die weder Haeckel noch einer seiner Schüler jemals aufgestellt haben. Nach ihm wie nach Darwin sind Mensch und Asse allenfalls entfernte Vettern, Endergebnisse gemeinsamen Ursprungs vielleicht, doch gewiß vollkommen divergenter Entwicklung. Trotzdem dürften im Deutschland der Bücherverbrennungen heute auch Haeckels Werke wie andere Erzeugnisse des ver- fehmten„Bulgärdarwinismus" dem Zugriff aufklärungsbedürftiger Leser entzogen und in den Buchhandlungen und Bibliotheken wenigstens„weggelagert" sein. Wie werden sich die gleichgeschalteten Federn, die zu Erinnerungsartikeln sich spitzen, mit dieser Tatsache abfinden, und wie mit Haeckels volkstümlichstem Werk„Die Welträtsel", in dem so vieles steht, das sür Naziohren peinlich zu hören ist? Es wird amü- sant sein, dies zu lesen. Denn wollen sie den deutschen Ge- lehrten wirklich seiern, so hilft nur verschweigen oder um- frisieren der Tatsachen... In den in fast 400 009 Exemplaren verbreiteten„Welt- rätseln" hat Haeckel versucht, sein Werk philosophisch zu er- weitern zu einer„natürlichen" Weltanschauung. Doch wie Deutsche zumeist ein wenig unkritisch und reichlich demago- gisch sind lund das sollte den heutigen Machthaber» in Deutschland diesen Haeckel eigentlich sympathisch machen!», ist Haeckels„Monismus", um mit Schopenhauer zu reden, nur ein„höflicher Atheismus", pantheistisch verklärt zwar, aber im übrigen ein naiver Materialismus, der nicht einmal konsequent ist. Künstlerisch begabt, wie Haeckel war. wußte er jedoch seine Lehre so dichterisch umhaucht und so menschlich warmherzig vorzutragen daß es begreiflich, daß sie eine große Anhängerschaft gesunden hat. Nicht aus Hae^els Veranlassung, aber doch unter seinem Patronat ist 1905 der„Monistenbund" entstanden. Obwohl in Haeckels antikonfessionellen und besonders antikarholiichen Auslassungen sich vieles findet, was den„deutschen Christen" enehm sein dürfte, ist heute im„dritten Reich" der Monisten- .und verboten. Doch alle Schmähungen des„Bulgärdarwi- nismus" können auch dort nicht Haeckels große Bedeutung auslöschen, die, als er am 9. 8. 1919 die Augen für immer schloß, in der ganzen Welt anerkannt war. Sein„Biogene- tisches Grundgesetz", das die Keimesgeschichte lOntogenie'. «ine abgekürzte Wiederholung der Ttammcsgeschichte lPhylo- genie» ist,, wird auch künftig in der biologischen Forschung fruchtbare Geltung behalten. t Obiger Erlaß ist praktisch gesehen eine Existenzvernich- tungsdrohnng für Taufende von Saarländern. Nicht um- sonst bemüht sich alles, was irgendwie ein Profitchen ver- leidigen oder später machen will, nach der Rückkehr um eist« Mitgliedskarte der NSDAP. Alle diese Leute wissen, wie es ihren Kollegen im Reiche geht, die nicht das Mitglieds- buch in der Tasche haben und vorzeigen können. Der Erlaß mischt sich aber auch in das Recht der freien Meinungsäußerung. das im Saargebiet Gottseidank noch in etwas be- steht, ein und bedroht alle diejenigen schon heute mit der Existenzbeschränkung, die nicht die Naziparole genau so aus- legen und befolgen, wie es von den Naziführern im Reiche befohlen wird. So bebeutet das Ganze eine schwerwiegend« Einmischung in die Angelegenheiten des SaargebieteS und in die Rechte der vom Völkerbund auf Grund deS Saar- statuts eingesetzten Regierungskommission. Wenn im übrigen Heß noch d i e mit dem Ausschluß aus der NSDAP, bedroht, die gegen Dritte falsa nicht gegen Zweite» Zwangs- maßnahmen nach der Abstimmung ankündigen, so ist das. wie schon der Ausdruck„gegen Dritte" beweist, eine hinter Scheinheiligkeit versteckte Provokation., Sdiwarze Fahne Uber Nazl-Dlatt Ein Intermezzo Saarbrücke«, 12. Februar 1984. Samstag nachmittag wurde plötzlich auf der Druckerei deS „Abendblattes" eine schwarze Fahne gehißt. Später wurde« in der Stadt an verschiedenen Stellen Flugblätter ausgeteilt, worin die Bevölkerung aus die H i s s u u g der schwarzen Fahne aus dem Saarb rücker „Abendblatt" ausmerksam gemacht wurde. Es handelt sich um einen Streich der nationalsozialistischen Oppofitiov, der allgemein beachtet wird. Hier und da kam es im Verlaus des Spätnachmittags zu lebhaften Auseindersetzunge« zwischen linientreuen und oppositionellen Nationalsozialisten. Gärungsprozeß in der Nazibewcgung nimmt im Saargebiet, wie dieses Beispiel beweist, größeren Umfang au Bor ungefähr sechs Wochen erhielt Nabel plötzlich wieder eine Vorladung zur Vernehmung. Da an diesem Tage ge- rade seine Frau ein Kind bekam, ersuchte er die Vernehmung auf den folgenden Tag zu verlegen, was auch.genehmigt wurde. Bei seiner am Tage darauf erfolgten Vernehmung erklärte ihm ein Beamter, er solle sich vorsehen, daß er nicht wieder nach Tonnenburg käme. Am nächsten Tage ging Nabel zu seinem zuständigen Arbeitsnachweis stempeln, da er als bekannter Antifaschist nicht auf Arbeit rechnen konnte. Von diesem Gang ist er nie wieder zurückgekehrt. Alle Nachfor- schungen der Angehörigen und auch die angeblichen Nach- forschungen der Polizei sind ergebnislos.'Jetzt ist Nabel offiziell polizeilich„für vermißt" erklärt worden, oder aber, um es auf deutsch zu sagen, ermordet worden. Il Die verbotene Rote Hilfe Teutschlands, die in tiefster Jlle- galität arbeitet, bittet uns um Veröffentlichung folgender Tatsachen: Am 11. Juli v. I. wurden in Berlin die führenden Funk- tionäre der Roten Hilfe Deutschlands, Walter Dittbender und Hans Bogelsang verhastet. Beide sind, wie man er- fahren konnte, schwer mißhandelt worden. Dittbenders Name ist in der Oeslentlichkeit über Deutschland hinaus im Zu- sammenhang mit dem Reichstagsbrandprozeß genannt wvr- den. Dort trat er als Zeuge auf. Sein Verhalten zeigte, daß die Faschisten seinen Geist nicht brechen konnten. Gegen Hans Vogelsang wurde in der ganzen deutschen Presse eine besonders wütende Kampagne unter dem Morto: „er sei ein Agent Moskaus" geführt. Seit vielen Wochen ist von diesen beiden Antifaschisten keine Nachricht mehr zu erhalten. Niemand weiß, wo sie sind. Nie- mand w*iß, was mit ihnen geschieht. Das W-lthilfskomitee für die Opfer des Hitlersaschismus wird auf Grund dieser Mitteilung alles tun. um durch Dele- gationen bei den deutschen Botschaften festzustellen, was aus Dittbender und Vogelsang geworden ist. Es wird nicht mhen. bis restlos aufgeklärt ist, was den beiden Antifaschisten zu- stieß. „Geführte" Parfeirlditer Juristische Kommandostellen der Nazis In einer ausführlichen Darlegung über„Rechtspflege und Verwaltung, Justizverwaltung und Richtertum" äußert sich Staatssekretär Dr. Freister in der„Deutschen Juristen- zeitung" auch über die Stellung des Richters im national- sozialistischen Staat. Dabei sagt er u. a.. daß, wenn in den letzten Monaten scharfe E i n g r i f f e in den Personenbestand des Richtertums stattgefunden hätten, sie nur vom Stand- punkt derjenigen aus scharf erschienen, die eine Berech- tigung zur kritischen Betrachtung nicht be» säßen, weil nicht sie die Einheit der inneren Haltung bei Volkes erkämpft hätten, weil sie also auch nicht geeignet seien, das Maß des zur Sicherstellung dieser Einheit Notwendigen zu bestimmen. Im übrigen seien diese Eingriffe lediglich Bestandteile der notwendigen SäuberungS- aktion, die derjenige immer vornehme, der ein Haus für sich selbst bewohnbar machen wolle. Das Verhältnis von Justizverwaltung und Richtertum werde künstig überhaupt kein Problem sein: eS werde grund- sätzlich dasselbe Verhältnis sein, das zwischen ber Leitung einer Gesamtarbeit und ihrer Ausführung immer be- stehen müsse: Unzählig viele Richter im ganzen Lande draußen sollten als autorisierte Berkünder der Forderung des Volksgewissens tätig sein. Sie bedürfen hierzu der F ü h- r u n g. die ihnen in der Spitze des organisatorischen Auf- baues der staatlichen Rechtspflege gegeben werde. „Sisyphus Hitler" Einer der Führer des Bundes Nationalsozialistischer Deut- scher Juristen, der Gauiührer Rechtsanwalt Krämer aus Köln ist offenbar der hochverräterischen Au»fassung,. daß alle Bemühungen Hitlers zur Zwecklosigkeit verdammt'istd. In dem Programmheft, das zur Bundestagung herauskommt, schreibt Krämer:„Eine Sisyphusarbeit hat unser Führer und Kanzler zu bewältigen". „Deutsche Freiheit", Nr. 36 ARBEIT UMD WIRTSCHAFT Dienstag, 13. Februar 193 t Zu hohe Zinsen Und da« unter dem Zinsbrecher Feder Der Personalkredit für Gewerbetreibende und Einzelhändler, den das Reich im November v. J durch eine Ausfallbürgschaft in Höhe von 10 Millionen Mark ermöglicht hat, ist bisher nur in verhältnismäßig geringem Umfange in Anspruch genommen worden. Die Ursachen dafür dürften zum Teil iu der Höhe der Zinsanforderungen liegen; bekanntlich bedingt der Kredit zweieinhalb Prozent über Reichsbankdiskont und zwei Prozent einmalig als Einzahlung in eine Garantiekasse. Zur Zeit sind Bemühungen der zuständigen Spitjenorgani- sationen im Gange, um eine Ermäßigung des Zinssatzes i erreichen. Außerdem aber bereitet offenbar die Frage der Voraussetzung für die Kreditwürdig/reit gewisse Schwierigkeiten. « Goldverluste der Reichsbank Nach dem Ausweis der Reichsbank vom 7. Februar 1934 hat sich in der verflossenen Bankwoche die gesamte Kapitalanlage der Bank in Wechseln und Schecks, Lombards und Wertpapieren um 59.8 Millionen auf 3533,2 Millionen RM. verringert. Die Bestände an Gold und deckungs- fähigen Devisen- haben sich um 19,4 Millionen auf 363,6 Millionen RM. vermindert. Im einzelnen haben die Goldbestände um 21,7 Millionen auf 354,5 Millionen RM. abgenommen und die Bestände an deckungsfähigen Devisen um 2,3 Millionen auf 9,1 Millionen RM. zugenommen. D i e Deckung der Noten betrug am 7. Februar 10.9 Pr ozent gegen 11,1 Prozent amUltimo Januar d. J. Die Rundiunkkonjunkfiir Inlandbelebung— Auslandrückgang Abweichend von dem aus frühern Jahren bekannten Verkauf haben Erzeugung und Beschäftigung der Funkindustrie im Dezember 1933 noch zugenommen. Im November 1933 war die Ausnutzung der Betriebe nach der Zahl der beschäftigten Arbeiter um 25 Prozent größer als im Vorjahr. Während im Jahre 1932 die Beschäftigung vom November zum Dezember bereits um 19 Prozent zurückgegangen war, hat sie sich 1933 vom November zum Dezember noch um 1,4 Prozent erhöht Ueber 96 Prozent der in den Betrieben der Funkindustrie vorhandenen Arbeitsplätze waren besetzt. Das bedeutet gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung um rund 50 Prozent. In den nun abgeschlossenen fünf Monaten des neuen Rundfunkjahres(August bis Dezember 1933) wurden mit 1.1 Million Empfangsgeräten(gegenüber 651 000 im gleichen Vorjahrszeitraum) bereits mehr Empfangsapparate abgesetzt als im gesamten vorangegangenen Rundfunkjahr(1932 33). Im Dezember 1933 war die Herstellung von Empfangsapparaten mehr als doppelt so groß wie vor einem Jahr, Durch die Belebung des Inlandabsatzes der Funkindustrie im Jahre 1933 wurde der weitere Rückgang der Ausfuhr (wertmäßig um 33.6 Prozent, mengenmäßig um 30 5 Prozent) gegenüber 1932 mehr als ausgeglichen. Die Ausfuhrposition 912 A umfaßt allerdings außer Empfangsgeräten auch.Sendeapparaturen und Bestandteile aller Art. Immerhin gingen im Dezember 1933 nur etwa 7 Prozent des Gesamtabsatzes von Rundfunkempfangsgeräten ins Ausland gegenüber noch 25 Prozent im Dezember 1932. „Donk" on die fronen Einschränkung der Berufsarbeit Zur Frage der Frauenarbeit, namentlich in der Industrie, wird jetzt in den amtlichen Veröffentlichungen des Aufklärungsamtes für Bevölkerungspolitik und Rassenpflege für eine Einschränkung der Frauenarbeit Stellung genommen. Bisher haben die Nationalsozialisten, die ja bekanntlich besonders durch die Stimmen der weiblichen Wähler zunächst ein so starkes Anwachsen aufweisen konnten, immer behauptet. die Frauenarbeit werde nicht angerührt werden. Nun soll gerade das Geeenteil geschehen. Es sind schon wiederholt Maßnahmen gegen die Frauenarbeit durchgeführt worden. Das Aufklärungsamt schreibt: Neben den billigen Löhnen und den kurzfristigen Arbeitsverträgen wird von der Industrie für die Frauenarbeit geltend gemacht, daß die Leistung der Frau in gewissen Arbeitszweigen bei weitem gtößer sei als die des Mannes und daß sich die Frau liier sogar als unersetzlich erwiesen habe. Der Einwurf der Konkurrenzfähigkeit werde aber sofort hinfällig, so heißt es, wenn keinem Betrieb gestattet sein werde, Frauen zu beschäftigen. I" Ibst wenn es in Zukunft nicht gelingen sollte, endgültige Abmachungen in dieser Beziehung durchzudrücken. könne jedoc'i auf nationalem Boden auf große Teile der zwar billigen, aber schädlichen Frauenindustriearbeit verzichtet werden. Das Aufklärungsamt will den Frauen diese Tatsache besonders mundgerecht machen, indem es auf die volksbiologischen Nachtei'e der Frauenarbeit verweist. Zum Schiuß heißt-s dann:„Um den Kampf, den der Nationalsozialismus gegen die unsoziale Frauenarbeit aufgenommen ha!', siegreich zu beenden, sei ein völliges Umdenken großer Kreise der Wirtschaft erforderlich." Dennoch Streik! In Dortmund streikten die Molkereiarbeiter gegen eine vorgenommene Lohnkürzung während zweier Tage. Dann griff die Polizei ein. verhaftete die als Streikführer verdächtigen Arbeiter, darunter mehrere NSBO.-Leute. Unter dem Druck der Polizei mußte der Streik abgebrochen werden. Arbeiter und„Winterhilfe" Auf einer Schachtanlage in Duisburg-Hamborn protestierte die Belegschaft gegen die hohen Abzüge für die Winterhilfe. Die Direktion ließ daraufhin eine Liste kursieren, in der sich jeder eintragen sollte, der gegen die Höhe der bisherigen Abgaben für die Winterhilfe sei. Von der 1000 Mann betragenden Belegschaft zeichneten sich 900 ein. Ullstein schrumpft weiter Der Zeitungskonzern Ullstein hat am 31. Januar 300 Leute entlassen; weitere 200 stehen noch in Kündigung. Dr. Richard Kern: Das Schicksal des Dollars Stabilisierung der Währung— Keine Festigung der Wirtschaft In der internationalen Wirtschaftspolitik ist eine Entscheidung von großer Tragweite erfolgt. Am 1. Februar, sogleich, nachdem der amerikanische Kongreß das auf zwei Jahre befristete Währungsgesetz angenommen hatte, das den Präsidenten ermächtigt, den Goldgehalt des Dollars auf höchstens 60 Prozent und mindestens 50 Prozent seines früheren Gewichts festzusetzen, hat Roosevelt von seiner Vollmacht Gebrauch gemacht. Der neue Dollar wird 59,06 Prozent der alten Geldmenge enthalten, das heißt 15"/» Grains von * io Feinheit. Der Preis der Unze Feingold beträgt 35 Dollar. ^ ar der alte Dollar seinem Goldgehalt gleich 4,20 Reichsmark, so ist der neue gleich 2,48 Reichsmark oder 15,12 französische Franken. Das Bedeutungsvollste der Maßnahme besteht zunächst darin, daß die Quacksalberidee eines stets veränderlichen Dollars— einer Währung, die nicht beständig ist, sondern durch fortwährende Eingriffe so manipuliert werden sollte, daß die Preise der Waren dieselben bleiben— aufgegeben zu sein scheint. Die neue Währung ist eine Goldkernwährung. Von der klassichen Goldwährung unterscheiden sie sich dadurch, daß keine Goldmünzen für den inneren Umlauf ausgeprägt, der gesamte Goldschatz vielmehr bei der Notenbank gesammelt bleibt. Aber das hat die neue amerikanische Währung mit fast allen anderen Celdsystemen der Nachkriegszeit gemeinsam. Das Wichtigste ist, daß jetzt der Mechanismus der Goldwährung wieder hergestellt wird, zu dem festen Preis von 35 Dollar wird jede angebotene Goldmenge von der Notenbank(respektive dem Schatzamt) angekauft und jede angeforderte Goldmenge(nach Abzug von'/« Prozent als Unkostensatz) verkauft. Der Dollar wird also stabilisiert, seine Schwankungen können sich nur in ganz bestimmten Grenzen bewegen. Denn würde der Dollar z. B. in Paris unter die Parität von 15,12 Fr. sinken, dann wäre es für den amerikanischen Zahlungsverpflichteten unpraktisch. seine Zahlung in dem unterbewerteten Dollar zu inachen, er wird mit seinen Dollars Gold kaufen und dieses nach Paris senden. Steigt umgekehrt der Dollar über die Parität, so würde der Franzose, der in den Vereinigten Staaten Dollarzahlungen zu leisten hat, seine Franken nicht zum Ankauf der zu teuer gewordenen Dollar verwenden, sondern zum Kauf der entsprechenden Menge Gold bei der Bank von Frankreich, dieses nach Neuyork senden, es dort in Dollar umwandeln und damit die Rechnung begleichen. Die Schwankungen des Dollar sind so begrenzt durch die Versendungskosten des Goldes, die stets nur den Bruchteil eines Prozentes des Wechselkurses ausmachen. Man wird in der Annahme nicht fehlgehen, daß die Stabilisierung des Dollars, deren Verweigerung die Londoner Wirtschaftskonferenz gesprengt und die Weltwirtschaft neuen Erschütterungen durch die Währungeunsicherheit ausgesetzt hatte, Roosevelt vor allem durch die finanzielle Lage aufgezwungen worden ist. Das ungeheure Defizit macht in nächster Zeit die Aufnahme von ungefähr 6 Milliarden Dollar nötig. Solange aber das Publikum mit einem weiteren Sinken des Dollars rechnen muß. ist die Anlage in festverzinslichen Anleihen ein schlechtes Geschäft. Deshalb mußte der Abwertung ein Ende gemacht, den Zeichnern die Sicherheit gegeben werden, daß Kapital und Zinsen ihren Wert behalten werden. Die Slabiliserung des Dollars würde nach nicht zu langer Zeit zu einer Stabilisierung der anderen Währungen, namentlich des Pfundes führen und damit den zerrüttenden Wäh- rungswirren ein Ende machen. Trotzdem wird dieses Ereignis, dessen Tragweite offenkundig ist, mit merkwürdiger Zurückhaltung aufgenommen. Die Gründe sind mannigfaltig. Der tiefste Grund ist wohl die psychologische Verfassung der kapitalistischen Welt. Sie hat jedes Zutrauen zu sich verloren. Sie glaubt nicht mehr redet an die Heilungsmöglichkeiten. Sie erlebt so ununterbrochen die Vergewaltigung der ökonomischen Vernunft durch die in der Krise zur Macht Gekommenen, daß sie selbst einer richtigen Maßnahme nur noch wenig Vertrauen entgegenbringt. Und die 4 erwüstung, die angerichtet worden ist, ist in der Tat so groß, daß sie zu Kleinmut alle Veranlassung hat. Diese Stimmung wird noch dadurch gesteigert, daß in der Tat in dieser verrückten kapitalistischen Welt auch vernünftige Maßnahmen ihre merkwürdigen Mucken haben und zunächst Wirkungen hervorbringen können, die die augenblickliche Verwirrung noch steigern. Zum ersten ist auf Roosevelt und seine Leute ja kein Verlaß. Der Präsident selbst hat die neue Reglung nur als vorläufige bezeichnet, mit dem ausdrücklichen Vorbehalt, sie wieder„den Interessen der Vereinigten Staaten entsprechend zu ändern". Was nützt aber eine Stabilität, eine„Festigkeit", die jederzeit geändert werden kann, wenn auch die untere Grenze bei 50 Prozent der alten Parität gezogen ist, der Spielraum also wenigstens bekannt ist? Dazu kommen aber zweitens andere Untersicherheitsmomente. Die Staatsfinanzen zeigen ein ungeheueres Defizit. Ob die Deckung durch die Anleihen gelingt, steht dahin. Versagt aber die Anleiheaufnahnie, dann bleibt nur die Notenpresse, also die unmittelbare Inflation, da dem Rooseveltregime seiner politischen Natur nach sowohl Steuererhöhungen als Ausgabensenkungen kaum möglich sind. Ob aber die Inflation sich dann begrenzen läßt, ist immerhin zweifelhaft. Man sieht, die Stabilität steht auf unsicheren Füßen. Zudem sind die Anhänger einer weiteren Inflation politisch noch sehr stark. Die Preissteigerung namentlich der Agrar- produkte und der Rohstoffe ist hinter den von Roosevelt selbst erweckten Erwartungen stark zurückgeblieben. Die Gründe sind eigenartiger Natur. Die Agrarprodukte und Rohstoffe sind Exportwaren, die in der Krise im Uebermaß vorhanden sind. Ihren Absatz müssen sie zum größten Teil im englischen Weltreich, in Skandinavien und in anderen Ländern finden, die noch vor Amerika ihre Währungen entwertet haben, deren Aufnahmefähigkeit dadurch vermindert worden ist. Dieser verringerten Nachfrage stand das Angebot von Waren gegenüber, die um jeden Preis exportiert werden mußten. Kein Wunder, daß Preiserhöhungen selbst in der jetzt entwerteten Dollarwährung nur sehr schwer und sehr allmählich durchzusetzen sind. Die von Roosevelt erstrebte rasche Preissteigerung ist deshalb ausgeblieben. Auf lange Sicht gesehen, wird sie sich durchsetzen, das amerikanische Preisniveau wird sich allmählich dem verminderten Goldwert des Dollars anpassen. Aber wie lange Zeit zu der Ueberwindung der Reibungswiderstände erforderlich sein wird, hängt von dem weiteren Verlauf der Weltwirtschaftskrise ab und von der Wirksamkeit der anderen Maßnahmen, die Roosevelt zur Belebung der amerikanischen Konjunktur unternommen hat: der Einschränkung der Rohstoff- und Agrarproduktion, der Aufwendungen für Arbeitsbeschaffung usw., Maßnahmen, deren Milliardenkosten man kennt, aber deren Effekt man nicht kennt. Man muß deshalb unter Umständen mit einem neuen Ansturm der Inflationsanl änger rechnen. Bleiben aber die amerikanischen Preise zunächst niedrig, dann bleibt auch ihre erhöhte Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt. Die Furcht vor dieser Konkurrenz hält England und die anderen Länder mit entwerteter Valuta nicht nur davon ab, ihrerseits zu stabilisieren, sondern England scheint geneigt zu sein, das Pfund wenigstens teilweise dem Sinken des Dollars folgen zu lassen. Jedenfalls ist in den letzten Tagen ein weiteres Sinken des Pfunds erfolgt und die Unsicherheit über die englische Währung hat die Situation auf den Devisenmärkten wieder verschärft. Die fortschreitende Entwertung des Dollars hatte in Amerika zu Kapitalflucht und zu Ansammlungen amerikanischer Fluchtgelder in Europa geführt. Die werden jetzt zum Teil nach Amerika zurückströmen. Von den neuen Währungsbestimmungen verspricht man sich auch eine Hausse in amerikanischen Wertpapieren, da ja die Effektenpreise am raschesten sich dem Geldwert anpassen. Das wird viele europäische Gelder zu spekulativen Anlagen in Neuyork anreizen. Neue Geld- und Kapitalbewegungen größeren Ausmaßes künden sich an. Amerika wird Geld aus Europa anziehen. Bei der kaum überwundenen Panikstimmung bilden diese Abzüge eine gewisse Gefahr für die wenigen Länder mit Goldwährung, und neue Besorgnisse tauchen auf. Man versteht also, daß die kapitalistische Welt des Heils nicht recht froh wird, das ihr die neue Botschaft Rooscvelts verspricht. Die Angst verläßt sie nicht, daß das, was unter anderen Umständen rettende Medizin sein könnte, ihrem geschwächten Körper zum schlimmen Gift werden könnte. Die Goldparität des Dollars Nach der Einführung des neuen Goldwertes Mit der formellen Einführung des neuen Goldwertes des Dollar im Ausmaß von 59,06 Prozent des alten Goldwertes haben sich entsprechend auch die Goldparitäten grgenüb-r den Währungen der Länder mit Goldwährung geändert. Wir geben hier untenstehend eine Aufstellungderneuen und alten Paritäten gegenüber den Währungen, die tatsächlich oder nominell am Goldstandard festgehalten haben. Diese Paritäten sin>> in Kraft seit dem 31. Januar, 3.10 Uhr nachmittags(Ne'» irker Zeit). Neuyork Währung alte Parität neue Parität Dollar Dollar Berlin 100 RM. 23,821 40,332 Paris 100 frs. 3,9179 6,6335 Rom 100 Lire 5,263 8,911 Warschau 100 ZI. 11,218 18,993 Amsterdam 100 hfl. 40.196 68.057 Prag 100 Kr. 2.963 5.017 Brüssel 100 Belgs 13.904 23,541 Zürich 100 sfr. 19.295 32.669 Budapest 100 Pengö 17,49 29,613 Bukarest 100 Leu 0,5982 1,013 Diese neuen Paritäten von Neuyork auf nie genannten Plätze erhält man durch Multiplizierung der alten P. rität mit 1.693125. Um die neuen Paritäten anderer Plätze auf Neuyork zu erhalten, muß man die alte Parität mit 0 5<>062?f multiplizieren Keine Tarifsenkung! In einem Vortrag vor der Verwaltungs-Akademie Düsseldorf machte ain Montagabend der Präsident der Reichsbahndirektion Köln, Dr. ing Remy, Ausführungen über die Finanzlage der Reichsbahn und ihre nächsten Baupläne. Die Durchführung dieses Programms bedürfe natürlich eines festen Willens. Angesichts dieser großen Aufgaben i->, die Frage einer Tarifsenkung im Augenblick nicht akut. Die Reichsbahn kann überhaupt nur ein blühendes Unternehmen bleiben, wenn jetzt nicht zu große Anforderungen an sie gestellt werden. Vbwärts! Die Kokserzeugung des westoberschlcsischen Reviers war im Jahre 1933 weiter absteigend. Es wurden nur 859 590 Tonnen erzeugt gegen 867 424 Tonnen i. V. Der höchste Stand wurde 1929 mit 1 697 511 Tonnen erreicht. Anfang des Jahres läge» noch 443 440 Tonnen Koks auf den Halden, am Ende waren es dagegen nur noch 358 349 Tonnen. Eine nachhaltige Besserung des Koksabsatzes ist erst dann zu erwarten, wenn die Eisenindustrie wieder in stärkeren Maß als in den letzten Jahren als Koksverbraucher auftritt, Parteiuniform in Kirdien •Sowohl bei der Firmung wie bei der Konfirmation iTNB.i München. 12. Februar. Ter„Völkische Beobachter" meldet: Aus wirtschaftliche» Gründen ist es von der Rcichsjugendführung gestattet nnb erwünscht, daß die HJ., oas Jungvolk und Angehörige des Bundes Tculschcr Mäd- che» und Jungmädchen bei der Konfirmation und Firmung o>c Dienstkleidung und die Dicnsttracht tragen. Aus Anfrage be,m bischöflichen Ordinariat Augsburg er- mclten wir, so schreibt das Blatt weiter, folgende Antwort: 031 zur Kenntnis genommen und erheben keine Eruincrung, wenn Angehörige der HJ., des JB., des BTM. und IM. bei der heiligen Fir- mung die Dienstkleidung bzw. Diensttracht tragen.— gez. Eberle. Wir erwarten, so schreibt der„Völkische Beobachter", daß auch die übrigen bischöflichen Ordinariate uns in dieser Hin- »cht keine Schwierigkeiten bereiten. Bei einer Kundgebung zur Eingliederung der Solinger evangelischen Jugend in die HJ. in Solingen, gab Super- lNtendent Thicme bekannt, daß nach einem Erlaß des evangelischen Oberkirchcnrats keine Bedenken bestehen, wenn die Korsirmandcn in der Tracht der Hitler-Jugend erscheinen. Alle deutsdien Jugendklassen »Wichtige Erklärung des Jugendamtes der DAF." „Das Jugendamt des DAF. gibt folgende Erklärung ab, oa einzelne Zeitungen die Informationen des JA. der DAF. unrichtig ivicdergegcbe» haben: Tic Vereinbarung besagt, daß in Zukunft kein Beitritt Jugendlicher(Altersgrenze bei männlichen 18 Jahre voll, bei weiblichen 21 Jahr: voll) in die TAF. mehr erfolgen kann, vorausgesetzt den Fall, daß die zur Zeit bestehende Sperre für Einzclmitglicdschaft bei der TAF. wieder aus- gehoben werden sollte. Es ist damit völlig klar gestellt, daß in Zukunft für die ganze deutsche Jugend der genannten Altersklassen nur noch eine einzige anerkannte Organisation besteht, die Hitlerjugend tBdM.j und daß vor Vollendung der genannten Lebensjahre kein Jugendlicher anderen an- erkannten Organisationen angehören kann. Tie bis jetzt durch die Berufs- und Fachverbändc mittelbar oder durch Einzelinitaliedschast unmittelbar in der TAF. erfaßte Jugend hat d'c Mitgliedschaft der Arbeitsfront beizubehalten. Es erfolgt in kurzer Zeit eine Regelung der Beiträge kür jene, die zugleich der Hitler-Jugend lBdM.) angehören, Tie Ein- glicderung der aktiven Jngendarnppen der Arbeitsfront ist im Gange. Tcm Einzelbeitrit! Jugendl'chcr aus der Ar- bcitsfront in die Hitler-Jugend steht nichts im Wege, gez. Fr. Langer, OBF. und Referent in der NIF. Letter des Jugendamts in der TAF. gez. Artur Axmann, Obergebi-tsführer in der NIF., Soziales Amt." Heil Hitler! Torturen on Hindern sgnpreß.j Ter Korrespondent deS„Tailu Herald" in Teutschland schildert die Unmenschlichkeit der antisemitischen Propaganda in den Nazischulen. Nicht nur, daß die jüdischen■ Kinder in besonderen Bänken untergebracht sind, in denen sie sich die Reden der Lehrer über„höhere" und„niedere' Nasse» anzuhören haben:„Tie Kinder", schreibt der Bericht- erstatter,„brechen oft in Tränen aus, und ich selbst kenne ei» jüdisches Mädchen im Alter von neun Jahren, das einen hysterischen Anfall in der Klane bekam, weil der Lehrer sich über die Berderbthcit der silbischen Rasse verbreitete. Das Kind mußte bewußtlos ans dem Klassenzimmer fortgetragen werden." Pas Neueste Tie rheinischen Städte stehen seit Samstag i m Zeichen des Karnevals. Sowohl in Köln als auch in Düsseldorf entwickelte sich das Maskentreiben zu wahren Volksfesten. Sämtliche Lokale und Straßen waren überfüllt. Im Miinchener Faschingszng war das Glanzstück der Prunk- wagen der großen Kölner»arnevalsgefellschast mit der Ber- tretung der Stadt Köln. Drei Kinder einer im dritten Stock wohnenden Familie in Köln stürzten am Sonntag morgen beim Spielen aus dem Fenster. Ein sechsjähriger Junge blieb tot liegen, feine beiden Geschwister wurden schwer verletzt. In Pirmasens ist eine illegale kommunistische Organi- sation entdeckt worden. Etwa Sil ehemalige Kommunisten wurden oerhastet und eine große Menge belastendes Mate- rial ist sichergestellt worden. Ter neusozialistische Abgeordnete Auguste R e y n a u d ist aus der neusozialiftischen Partei ausgetreten. Er mißbilligt die nene und— wie er sich ausdrückt— ziemlich überraschende politische Einstellung dieser Partei. Tie Tauziger Regierung hat eine Verordnung iium Schutze des Wirtschaftslebens erlassen, die schwere Strafen für unzulässige Eiogrisse in die Wirt- ichaft vorsieht. Tie Tanziger Wirtschast untersteht in Zu- kunst der Führung und dem besonderen Schutze des Staates. Ter polnische Außenminister Beck hat sich am Montag »ach Moskau begeben. Ter Moskauer Parteitag wurde am Sonntag abend nach einem Schlußwort Molotosfs abgeschlossen. Ter Zweite Fünfjahresplan wurde mit einigen Ab- ändcrunge» vom Parteitag einstimmig angenommen. Havas berichtet ans Belgrad: In Serasewo fanden Protestkundgebungen gegen die Beamtenunterschleise statt, in die tftg Beamte und Politiker»erwickelt find und bei denen der Staat um mehrere-»ig Millionen Dinar geschädigt worden iein soll. Tie«nndaeber zogen durch die Straßen unter dem Bus:„Zwangsarbeit für die Volksausschneider! Nieder mit den Kapitalslsicktlingen!" Tie Kundgcber begaben sich dann vor d«e Gedenktafel, die zur Erinnerung an den Serben Gavrilo Prinzip, der 1914 den Anschlag aus den österreichisch- ungarischen Thronfolger ansgesührt hatte, wo sich ihre Knnd- pebung unter dem Rns:„Eo lebe der König! Es lebe Süd» slawien!" auslöste. . In Drogheda sGrasschast Louthi kam es am Sonntag zu schweren Ruhestörungen. Angehörige der Bereinigten Jr- iand-Partci iBlauhemdens bildeten einen geschlossene« Zug, "»> sich nach dem Bahnhos zu begeben und von dort aus»ach Tundalk zu fahren, wo der vormalige Präsident Eoograve eine Rede halten sollte. Große Menschenmassen drangen vlötzlich ans den Seitenstraße» hervor und eS kam zu einem Handgemenge. Die Polizei unternahm eine Anzahl Knüppel- g»grisse. Soldaten, die zu Hilse gerufen wurden, feuerten blinde Schüsse ab und gebrauchten Tränenaasbombcn Ungesähr 20 Personen wurde« verletz«. In Tundalk wurde °m Sonntag abend eine Bombe in ein Wohuhaus geschleu- bert. Ein« 70jährige Fron und ihre Enkelkinder im Alter von ktwa sieben Jahren wnrden verletzt. VI« SA.-Studenten Theoltratle des„Führers" ««• In einer Kundgebung in der Berliner Philharmonie wurde am Mittwoch die neue Studentenversassnng vcr- kündet. Es handelt sich dabei um die vollkommene Unter- wcrfung studentischer Selbständigkeit unter SA.-Zwang, der bis in die feinsten Verästelungen der organisatorischen Eigenheiten und der geistigen Selbständigkeit durchgeführt wird. Tie deutsche Studentenschaft und die deutsche Fach schulschaft bilden nach djeser Verfassung zusammen die Reichsschaft der Studierenden an den Hoch- und Fachschulen. Tie Erziehung zur Wehrhastigkeit liegt bei dem SA.-Hoch- schulamt, die politische Erziehung innerhalb der deutschen Studentenschaft ist dem NSTSTB. lNativnalsozialistijchcr deutscher Ttudentenbunds übertragen worden. Hitler selbst hat, umgeben von seinen„getreuen Paladinen", das Wort geführt. Natürlich kreisten seine Ausführungen wieder um die Rassensrage und um die These von der„arischen Herren- raffe". Hitler hat keinen Blick dafür, daß einerseits die soziale Not den Boden für die Niederlage von 1018, andererseits der Selbstauffrischungstrieb des internationalen Kapitalis- muS den Weltkrieg herbeigeführt haben. Daher kann er denn auch bei der Erörterung des Versagcns von 1018 unv:rm!t- tclt auf die Rassenfrage übergehen und ihrer Verkennung die tiefere Schuld zuschieben. Im gleichen Wortzugc, mit welchem er über die„deutsche Geistigkeit" den Stab bricht, zeigte er der Studentenschaft, was er von ihr will. 1030 sagte er de» Erlauger Studenten: „Wenn Ihr mir folgen werdet, so werde ich Euch zuerst zu den Herren Teutschlands und dann zu den Herren der Welt machen." In Berlin hob er dieses Wunsch-Zicl mit folgenden Sätzen hervor: „Man dachte in Ttaatsgeschichte und hatte keine Ahnung von der volklichen und rassischen Grundlage des mensch- lichc» Gcmcinschaflslebens TaS deutsche Volk selbst stellt ein Konglomerat a»S verschiedenen rassischen Gründete- mcnten bar... Wenn wir auf die Erhaltung der Ge- meinschaft des deutschen Volkes überhaupt Wert legen, müsse» wir d'e politische Führung autoritär jenem Bc- st a n d t e i l e übertragen, der nicht nur hierzu von Natur auS geeignet ist, sondern auch durch seine geschichtlich fest- stellbare Tätigkeit die Bildung des deutschen Volkes er- möglich!? und vollzog." Tiefer Teil der Rede bildet einen durchschlagenden Beiveis dafür, daß die Zerklüftung des deutschen Volkes in Herren und Knechte fortgesetzt werden soll. Denn wer der zur auto- ritärcn Staatssührung berufene„rassenbeste" Bestandteil des Rassenkonglomerates sein soll, ist durch das Gesetz über die Einheit von Partei und Staat geklärt worden: Die RSDAP.-Bonzokratie! Tie einschlägigen Gedanken stam- mcn ab:r nicht von Hitler, sondern von Alfred Rosenberg, der in seinem„Mythus" die These aufgestellt hat, diejenigen Arier, welche sich frühzeitig in den Kamps der NSDAP, aktiv einreihen würden, handelten als Ausfluß ihrer be- sonders gut erhaltenen arischen Charakterqualiiäten. Aus diese Weise vollziehe sich ganz natürlich und automatisch eine Auslese der für die Staatssührung rassisch brauchbaren El.'- mente. Wenn aber der bereits halb„induziert irre" ge- machte Student etwas von„Ftthrerauslese" hört, glaubt er, daß es sich dabei um eine Auslese an Hand der tatsäch- lichcn fachlichen Leistungen handele, wovon natürlich gar keine Rede sein kann! Es ivundert uns natürlich nicht mehr, daß d'csc Studenten Zuhörerschaft das Bekenntnis des Führers zur Theokrat'e mit'hm selber als Oberpriester gar nicht begriffen hat, als er die Sätze aussprach: „Es ist aber aus die Dauer unmöglich, ein Volk oder gar einen Staat erfolgreich zu führen, wenn nicht über die wc- scntlichsten dieser Gemeinschaft zugrunde liegenden Lebens- gesctze eine einmütige Auffassung herrscht... Nicht nur ans dem Gebiet ber Wirtschaft, sondern noch viel mehr ans dem Gebiete der Moral, der allgemeinen Kultur und auf dem Gebiete der Politik muß ein Volk wenigstens in großen Zügen von gleichmäßigen Auffassungen beherrscht sein." Man beachte die Stellung des Staates über das Volk nnb erinnere sich daran, daß Rosenberg in seinem„Mythus" empfiehlt und Hitler in seinem„Mein Kampf" nachbetet, „Weltanschaungen" seien unduldsam nebeneinander. Tes- wegen müsse die eigene Weltanschauung den Widersachern einfach aufgezwungen werden. Man beachte weiter, daß Hitler für sich die Herrschaft unter Berufung auf seine allein maßgebend: Weltanschauung begehrt, um die Airsgangssätze der Thcokratie zu erkennen. Insbesondere Tr. Leu, der sogenannte Führer der deutschen Arbeitsfront, hat für dielen Tatbestand aus dem Kölner Gaukongresse im Januar dieses Jahres folgende Worte gefunden: Unser Kampf ist ein heiliger, ein religiöser Kampf und darum verlangen wir auch de» Anspruch ans Tot»- lität... Willst Tn ei» revolutionärer Typ sei», der diese Revolution zum Ziel: führt, dann mußt Tu zuerst gehör- che» gelernt habe» und Prediger zugleich sein. Dich muß cm heiliges Feuer erfaßt hoben, daß Dich reden läßt, Dein Herz bewegt. In Deiner Gemeinde mußt Tu der Mittel- punkt aller Begeisterung sein." Ter Berichterstatter des„Westdeutschen Beobachters" brach darob in den Satz aus: „Das find keine Politiker mehr, keine Parteiführer, nicht Staatsmänner: das sind Prediger einer erhabenen Weltanschauung, einer göttlichen Idee, des neuen Glaubens." Das Sondergcridit wütet Urteile aus Breslau im Kampf gegen die Wahrheit Das Breslau er Tondergericht ist voll beschäftigt. Es tagt bald in Breslau, bald iu anderen Orten. Seine Hauptfunktion ist die Ausübung des Iustizterrors gegen die Wahrheit. Es hagelt Gefängnisstrafen gegen alle, die zu kri- tisieren oder die Wahrheit zu sagen wagen. Hier ist ein Aus- schnitt aus der Tätigkeit dieses Sondergcrichts in der letzten Zeit. Ter Bauarbeiter Max T i n i b e l hatte den Moskauer Sender abgehört. Er hatte das Gehörte dem Schlosser M a x Walter weitcrberichtct Urteil: Tinrbel 1 Jahr g M o n a t e Gefängnis, Walter 1 Jahr 2 M v n a t e Gefängnis. Ter Schachtmeister August Dohnalck auö Habel- schiverdt hatte Hitler einen österreichischen Deserteur ge- uannt: 1 Monate Gefängnis. Frau Maria Alte aus Breslau hatte eine Denkschrift über Mißhandlungsfällc ausgearbeitet. Tic Denkschrift wurde nicht verbreitet. Allein die Ausarbeitung galt als strafbar: 2 Monate Gefängnis. Bauarbeiter Oskar Münster, ein Schwcrkriegsbeschä- digter, hatte sich über die Prassereien der Nazibonzen in Nürnberg aufgehalten: V Monate Gefängnis. Kraftwagenführer Willy P o l k c r t s soll Hitler bclei- öigt haben: 0 Monate Gefängnis. Schlosser Erich Schröter ans Breslau wegen Belcidi- gung deö Fememörders und fetzigen Polizeipräsidenten Heines: 5 Monate Gefängnis. Frau Erna Jammer aus Protsch wegen Verbreitung von„Grcuclnachrichten": 1 Monat Gefängnis. Siedler Paul Weihrauch aus Protsch, ebenfalls wegen Verbreitung von„Greuelnachrichten" 2 Monate Ge- f ä n g n i s. Zimmerer Karl Leu schlier aus Tulnau für die Be- hauotung, daß die Nazis den Reichstag angezündet hätten: 10 Monate Gefängnis. Modelltischler Wilhelm Welt ans Peterwitz, weil er die Regierung eine Gummiknüppclregicrung genannt hat: 4 Monate und 2 Wochen Gefängnis. Aus der weiteren Tätigkeit des Brcslaucr Sondergerichts in G l a y berichten wir: Arbeiter Joses Netoschil aus Engersdorf soll Hitler beleidigt haben: 1 JahröMonateGefängnis. Gcmcindediener Joses Nahlik aus Zühlzdcnbors hatte die Nachrichten über die Abschaffung der Arbeitslosigkeit in Ostpreußen als unwahr bezeichnet: 0 Monate Gcfäng- n i s. Bergarbeiter Bruno Schubert aus Kunzendorf hatte über schwere Schlägereien zwischen SA. und Stahlhelm bei 2,5 Millionen SA? Berlin, 10. Febr. sJnpreß.f TaS Verbot der national- sozialistischen, bis vor kurzem von Gottfried Feder heraus- gegebenen„Deutschen Wochenschrist" Ist erfolgt, weil in einem Artikel ausgeplaudert worden war, daß„nach einer Zahlenangabe, die von Stabschef Röhm stammt, d i c SA. gegenwärtig 2'/* Millionen Mann umfaßt"» der llebcrnalime des Stahlhelmarbeitslagcrs in Passendorf geredet: 5 Monate und l W o ch c® esän g n i s. Folgende Leistungen vollbrachte das Tondcrgcricht in Ratibor: Schlosser Puls aus Ratibor hatte daran Zweifel ge äußert, daß die Kommunisten Urheber des Reichstagsbrands seien und hatte auf die wahrscheinliche Schuld der Nazis hin- gewissen: 1 I a h r 3 M o n a t c G e f ä n g n i s. Schuhmacher Rudolf Schäter wegen angeblicher Be- leidigung Hitlers: 10 M o n o t c Gefängnis. Landwirt Kurt Schindler aus Kostcntal wegen an geblich beleidigender Aeußerungen gegen Leu, Göbbels, Rosenberg und Kube: 2 Monate G c s ä n g u i s. Arbeiter V i k t o r K o r u S aus Glciwitz: 1 I a h r 2 M o- nute m-1* ngnis wegen„unglaublicher Aeußerungen gegen Hitler". ^.er<'vruyende diese? Terrorgerichtcs ist der Land- g c r i ch t s d i r e k t o r S ch a u w c ck e r in Breslau. Tas Brcslauer Sondergericht hat einen 58 Jahre alten erwerbslosen Schlosser zu f ü n s M o n a t c n G c f ä n g n i s verurteilt, weil er die Wahrheit gesagt bat. Ter Erwerbs- lose— mit.18 Jahren ist er gänzlich hoffnungslos— zog umher und bettelte. Das ist das Los aller, die keinerlei Unterstützung mehr erhalten, weil die Statistik von ihnen gesäubert werden mußte! In dem schlesischen Ort Kanlli wurde ihm in einem Nazigasthaus entgegengehalten: E s gibt überall Arbeit, es gibt keine Arbeitslosigkeit mehr, wer Arbeit sucht, der findet sie— da schrie er die Wahrheit hinaus: Schwindel ist alles, was die gleichgeschalteten Zeitungen schreiben! Ueberall suche ich Arbeit, aber umsonst! Ich. kann keine Arbeit finden. Ostpreußen sollte von Arbeits- losen frei sein— alles Schwindel! Als ich in Sachsen war, hieß eS, Breslau sei von Arbeitslosen frei; ich habe mich aus den Weg gemacht, das ist alles Schwindel! Für diese unbestreitbaren Wahrheiten soll er ans fünf Monate inS Gefängnis wandern, und die richterlichen Ber- solger der Wahrheit diktierten ihm außerdem- o blutiger Hohn!— Ucbcrwcisnng ins Arbeitshaus zu. Das ist eine Antwort, die des heutigen Systems würdig ist! Als der Kapitalismus in seine Ansängen das mensch- lichc Rohmaterial verwüstete, als ausgemergelte Arbeiter unter längster Arbeitszeit seufzten, während ein Heer von Arbeitslosen hungerte, war seine Antwort aus jeden Ani- schrei der Gepeinigten Gefängnis und Landesverweisung. Und da? Hitlersystem kopiert diese Methoden: Tie Heuchelei, die Lüge und die Brutalität gegen den Aufschrei der gepeinigten Kreatur. Sturz des kapitalistischenSn stenis— eS gibt keine andere Wahl gegenüber diesen Zuständen! „Kein Grund für Beleidigungen" fJnpreß.) Tic«Hessische LandeSzeitung" teilt mit:„Ein hiesiger Fuhrunternehmer soll auf seinem Lagerplatz seinem Mißfallen über die neue Regierung Ausdruck gegeben haben, obwohl er." setzt das Blatt sinnig dazu,„keinen Grund hierzu gehabt hat. Vom Amtsgericht Tarmstadt wird er deshalb in eine fühlbare Geldstrafe von 300 Mark genommen." 3>eutsdke Stimmen•(Beilage zur„Deutsefken 9reifkett"• Ereignisse und Qesefkidkten Dienstag, den 13. Februar 193» Hast Tlacht Von Tflyttcma Wje ein Wolkenbruchband lag der Regenbogen über dem Bauch de» Himmele, unter dem dae rnnenalte Zauberland Hintlerien schon ein Jahr lang seinen inneren Jubel verkniffen hielt; ab und zu entlud eich der in bescheidenen Boykottchen und Progrömchen. Jetzt aber beginnt ein frisches Jahr, die starke Rinde des Ernstes schmilzt, und der Pogrom ■wird zum Fasching. Für den barbarischen Pöbel des neuen Mittelalters ist der Jude wie der Satan auch eine lustige Person. Die(seit etlichen Jahrzehnten) wunderschöne Wahnfred klagte einschmeichelnd gegen den Regierenden:„Mein Ver- lührerlein. man hat solchen Raubbau getrieben, daß zur I astnacht das Pogrommaterial auszugehen droht. Entsetzlich!" „Recht hast, mein Millionenscfaönchen," schmatzte der weniger hochbeftgte als vielmehr tiefumnachtete Landespapa, „ich lasse für dieses Wild eine Schonzeit ausrufen." Er drückte auf den Radiosilberknopf seines Westentaschen- Apparats:„Propaghandi!" „Geh' nicht zu weit, mein Eisbeutelchen," warnte die(halb «o gefährliche) Alte,„schone ein paar Prozent, das genügt." Man hatte die Akademiker, die Elite Hintleriens, auf Abasver gehetzt, und kultiviertes Gesindel räumt restloser auf. Man mußte stoppen. Abasver allerdings bequemste Zielscheibe der Blitze, die sich sonst gegen die Hintiermänner und-Weiber gerichtet hätten. Aber man wollte jetzt schonen, denn der Antise-Mitmensch, der den Juden vernichtet, begeht Selbstmord. „Es war geplant," erklärte der Propagauner,„das Ghetto wiederherzustellen. Den Volksgenießern läuft das Wasser schon im Munde zusammen." Hintier I. zupfte an seinem Zahnbürstenbärtchen:„Ihr verludert mir das Judenmaterial. Wartet mit der Langen- roessernacht! Erst mästen, dann abkehlen. Schonzeit! Irgendwie Leuten beizubringen. Etwa:„Jude schließlich leider auch Mensch" oder so.Aerzte zu dirigieren, daß Juden wie Kaninchen hecken. An Rabbi hebräisch stilisiertes Hakenkreuz." Propaganef berief Ministerkonferenz:„Ich fürchte," stampfte er mit seinem Klumpfuß,„das Volk, das bekanntlich ebensogern„Hosianna!" wie„Kreuzige!" ruft, wird das Kreuzigen just am Fasching verlernen."„Falsche Psychologie," meckerte der außerordentlich äußerliche Innenminister,„eingeklemmte Affekte fahren nur desto toller heraus. Das Standesamt z. B. verdrängt nur den Zank, der nach dem Honigmond um so knalliger explodiert. Wer Krieg will, hihihi, muß Frieden zu machen scheine n." „Ducis voluntas suprema lex," behauptete seltsamerweise der Dux selber: Eigenhändig heftete er das hakenkrenz- artige Wappen Davids an die Rockklappe des Rabbi und ließ ihm sein Antlitz leuchten:„Ich genehmige Dankgottesdienst in der Synagoge." Kraft Propagockels ausgezeichneter Regie schrie unten das Volk:„Juda, du Recke!" Und Wahnfred stickte den Teppich vorm Allerheiligsten des Tempels. Hast du nicht gesehen, stürzte sich die Volksliebe voller Wut auf die bisher Massakrierten. Wo man nur einen Juden sah, trug man ihn im Triumph auf Händen. Börsenmaklern wurden die Motoren ausgespannt. Mythologin Gagda Möbbels entdeckte, daß Wotan im Profil wie Jehova ausschaut. Man übernahm sich dermaßen im anbefohlenen Philosemitismus, daß Wahnfred wieder nach einem Pogrom schluchzte. Hintier I berief die Minister. Da war guter Rat teuer. Die Masse arrangierte nämlich umgekehrte Pogroms voller Judenliebe. Nazis ließen sich beschneiden. Der Reichswehrpfarrer schlug das Alte Testament auf. Das Volk, berauscht, litt nicht, daß man seinen Juden das krause Haar krümme. Vergebens ver- propagiftete man die Presse. Sogar der Mob der Philosophieprofessoren geriet nicht mehr in die hochnotwendige Pogromekstase. Der geniale Propakotzebue erfand den Ausweg:„Bon!" radjohlte er,„es lebe der Jud'! Aber es gibt ja noch tote Juden. Auf dem Friedhof!" Hei, das war ein Hieb- und Stichwort! Unter Vorantritt der geist- und leibvollsten Dozenten verwandelten die gelehrigen Studenten den wohligen Ruhein den frivoligsten Rummelplatz. Tote können gar nicht tot genug sein. Man applanierte Gräber, entwertete Leichen zu Fußlatschen, schlug sich mit ihren Knochen wie mit Karnevalpritschen Professor v. Goj-Roosche spürte mit Wünschelrute nach Goldgebissen Jobst schlug vor, ein russisches Karussel zu machen. Ans Grabgittern baute man ein Riesenrad, worin Leichensteine als Schaukeln hingen. Man bestrich sie mit braunen Farben, und hinterher waren die Röcke der Studentinnen tiefsinnig mit Nekrologen bedruckt. Särge gaben herrliche Wippen ab. Richtig witterte das Volk Lunte. Einen derartigen Fasching mochten sich auch die enragiertesten Philosemiten lieber doch nicht rauben lassen. Umsonst rang der Rabbi die Hände. Man machte einen Hampelmann aus ihm, der neckisch von einer Schaukel herabhing.— Da platzte der Regenbogen, der wie'n Wolkenbruchband über Hintleriens Himmelsbauch gespannt war, und Wahnfred, die mit Gefolg im Auto herbeisauste, schmeckte die Dusche des heftigsten Wassersturzes:„Welch symbolische Taufe!" rief der Propaguckguck. Noch im Verscheiden äußerte maliziös ein bissiger Semit:„Jüngster Tag bestes Kosmetikum für überalterte Beautes." Professor v. Goj-Roosche— mit einem bis zum Bersten gefüllten Rucksack voller Goldgebisse— nieste obenhin:„Der Intellekt ist'ne jüdische Erfindung, muß weg. Dann wird unser Leben zum Mardi gras ohne allen Aschermittwoch." 3-qii tuten&pieget im Jleich von TJlucfd Zu Köllen an der Spree aber verdingte sich Tyll, der Schalksnarr, an einem Meister, der ihm zwanzig Silberschillinge als Wochenlohn verhieß. Wie aber die Woche geendigt war,, zählte der Meister ihm nur fünfzehn Schillinge hin, dann hielt er inne. „Was stockt Ihr, Meister," fragte Tyll,„haben wir doch zwanzig Schilling ausgehandelt." „Mag sein," brummte der Meister,„gehn aber ab zwei Schilling freiwillige Spende zum Winterhilfswerk und drei Schilling freiwilliger Beitrag zur Arbeitsbeschaffung." „Freiwillig?" staunte Tyll Eulenspiegel,„habt Ihr mich um mein Einverständnis doch nicht gefragt." „Larifari," knurrte der Meister,„so ist et jetzt des Landes Brauch. Ist in der Zeitung angekündigt worden, wieviel jeder Geselle beizusteuern hat. So Ihr Euch nicht dem fügen wollt, was die Regierung heischt, komme ich für nichts auf." Der Schalksnarr verzog keine Miene:„So ich mich aber füge und tue, wie die Regierung heischt, wollte Ihr wohl dafür aufkommen, Meister?" „Selbstverständlich,- du närrischer Kauz," sagte der Meister und ging. Der nächste Tag war der Sonntag. Wie der Meister des Montags die Werkstatt betrat, war er sehr erstaunt, seinen Gesellen nicht anzutreffen. Dafür aber stand die Lade offen, darin der Meister sein Geld aufzubewahren pflegte, und es fehlten an fünfundzwanzig Speziestaler daraus. Wie aber der verstörte Meister die Lade durchstöberte, fi-l ihm ein Brieflein in die Hand, das der Schalksnarr ihm hinterlassen hatte. Er las: Treuer Meister! Willen», den Wünschen der Regierung nachzuleben, habe ich mir die Zeitung gekauft. Fand ich erstlich darinnen die Anmahnung: Besucht das Theater! Di» deutsche Kunst ist dem Untergang ausgeliefert, wenn die Theater leer stehen. Habe ich gehorsam ein Kärtlein erstanden und hätte auf einem Polstersitz schier vier Stunden verschlafen, würden nicht die Akteure zum Schlüsse gräulichen Lärm mit Mu-keten und anderem Feuergewehr vollführt haben. Als es geendigt war, las ich in der Zeitung zum zweiten: Geh auch mal aus! Tausende von Volksgenossen verlieren ihr Brot, wenn die Gaststätten leer stehen. Ergo: habe ich vielen Volksgenossen Brot gegeben, bin in mehreren Gaststätten gewesen, zuletzt in einer, wo die Wände gar prächtig von geschliffen Glas und Marmor geglänzt haben. Ist ein Mann in schwarzem Schoßrock herbeigeschossen, was ich wohl wollte trinken. Habe ich zum dritten in der Zeitung gelesen: Deutsche, trinkt deutschen Sekt! Adolf Hitler hat die Sektsteuer aufgehoben. Jede Umsatzsteigerung dient dem Wiederaufbau. Hab ich wacker dem Wiederaufbau gedient und ein Räuschlein davon getragen, daß ich heute blau zu machen genötigt. Ist auch mein Geldbeutel total leer. Hab ich zum Glück mich entsonnen, wie Ihr, Meister, mir versprochen habt, für alles aufzukommen, so ich dem Wunsche der Regierung nachlebe, und habe nur meine Unkosten ersetzt. Ihr findet eine genaue Aufstellung anbei über 24 Speziestaler, sieben Groschen drei Pfennig für Theater, Wirtshausbesuch und Sekt, woraus Ihr verstehen wollet, daß ich nicht einen Pfennig zuviel oder unrechtmäßig mir angeignet habe. Dünkt mich auch billig so. Denn heischt die Regierung, daß der Handwerker allenthalben Geld dalasse, so muß sie ihm den Lohn erhöhen und nicht, wie sie tat, durch vielerlei Abzüge schmälern. Solches ist total widersinnig. Meldet das Eurem Herrn Bitler, Euer Geselle und Schalksnarr Tyll Eulenspiegel. '«< die Tatsache, daß es in Deutschland so gut wie gar keine Bettler mehr gibt... Das Winterhilfswerk hat dieses Problew mit einem Schlage gelöst. Die Bettelei ist in Deutschland ab* geschafft. Nur noch wenige hartnäckige Berufsbettler sind hin und wieder zu bemerken. Der Bedürftige wird nicht länger zum Almosenempfänger herabgewürdigt. Das Winterhilfswerk hat sich seiner angenommen, prüft seine Notlag« und sorgt mit unerbittlicher Unparteilichkeit dafür, daß ihm nach Kräften geholfen wird. Die Mauler und Meckerer sind freilich auch jetzt noch nicht zufrieden. Sie lachen nur höhnisch, wenn man ihnen sagt, daß die Bettelei in Deutschland abgeschafft sei- Sie sagen im Gegenteil, es sei in Deutschland noch nie so vi« gebettelt worden, wie gerade heute, und sie meinen dam' 1 die aufopfernde Sammeltätigkeit der ehrenamtlichen Helfer des Winterhilfswerks. Solche Bemerkungen sind eine glatte Unverschämtheit. Si« beweisep nur, daß die betreffenden noch nichts vom Gei» 1 der heutigen Zeit verspürt haben. Es ist eine Ehre, für das Winterhilfswerk sammeln zu dürfen, und jeder, der daran zweifelt, stellt sich außer* halb der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft." (8-Uhr-Abendblatt, 19. 1. 1934.) lüec&uttg(iit deutsches JCuCtuegul Dem„Filp-Kurier" wurde folgendes Programm übersandt: Spielplan: Der große Militär-Lachschlager mit Hörbiger — Heidemann— Kampers. Drei stramme Jungens— hoch zu Roß! Die ganz gefährlichen Entfacher des„Ulanenfiebers''« die drei kessesten und raffiniertesten Burschen der ganzen Schwadron! Drei von der Kavallerie (Liebe und Erotik in der Garnison). Eine leichtgeschürzte, delikate Angelegenheit von unseren buntberockten Schrappen, die als lustige Ulanen ein sorgloses Kleinstadt-Idyll mehr als angenehm„beleben"(?!). Di« tollen Streiche eines dreiblättrigen liebesdurstigen Ulanen- Kleeblattes!!!! Ein wahrer Schrecken aller Garnisondienstmädchen, Köchinnen und dito Haustöchter. 2Jec JxuAtnana Der Reichspropagandaminister Göbbels hat, wie wir seh Ott berichteten, den 26jährigen„Angriff-Redakteur Willi Krause zum Reichsfilmdramaturgen ernannt. Der Jüngling mit dem pompösen Titel hat sich seinen neuen Posten ehrlich verdient. Mag er sonst von filmischen Dingen keine Ahnung haben, er ist doch als alter Fachmann anzusehen. Krause ist gleichsam eine historische Persönlichkeit; war er es doch, der bei den Nazi Krawallen anläßlich der Aufführung des Films„Im Westen nichts Neues" in» Berliner Mozartsaal die erste Stinkbombe ge' w o r f e n und damit das Signal zum Sturmangriff mit Nieß- pulver und weißen Mäusen gegeben hat! Das sind Herrn Krauses Beziehungen zum deutschen-Film- Kammerpräsident Bouisson Eine Trennung von der Sozialdemokratie Die„Frankfurter Zeitung" meldet aus Paris: Der Kammerpräsident Fernand Bouisson, der bekannt- lich der Sozialistischen Partei angehört, ist aus dieser Partei ausgeschieden. Herr Bouisson hat sich zu diesem Schritte an- Sesichts der Feindschaft feiner Partei gegenüber der Regie- rung der nationalen Einigkeit, an deren Zustandekommen er sehr aktiv mitgearbeitet hat. veranlaßt gefühlt. Wie erinner- lich, war er es, der zusammen mit dem Präsidenten des Senats die Vorbereitungen tür die Bildung der neuen Regie- rung getroffen hat, als Doumergue noch nicht aus der Pro- vinz in Paris angekommen war. Für Herrn Bouisson, der eine große Autorität in der Kammer hat, eröffnen sich mit seiner Loslösung von der Sozialistischen Partei ganz neue politische Möglichkeiten.... Marsdia!! and Mobilgarde Es war durch Trompetensignale gewarnt worden (DNB.) Paris, 12. Februar. Nach Blättcrmcldungcn hat Kriegsminister Marschall Petaiv bei der Besichtigung der Mvbilgarde, die zur Bekämpfung der Straßenunruhen am 6- Februar eingesetzt worden war, die beiden Trompeter aus- gefragt, um zu klären, ob vor dem Befehl zum Schießen die vorschriftsmäßige letzte Warnung an die Menge durch Trom- petensignal gegeben worden ist. Beide Trompeter meldeten dem Kriegsminister, daß sie am vergangenen Dienstag be- schlsgemäß in Richtung auf die anströmende Menge vorge- treten seien und das vorgeschriebene Warnuugssignal ge- blasen hätten. Sie waren kaum damit zu Ende, als die Menge gegen sie vorstieß, so daß sie sich schleunigst in den Schutz ihrer Kameraden zurückziehen mußten, nicht ohne daß die Trompete des einen stark vcrbculi wurde, denn der eine der Trompeter benutzte sie als Schild gegen, die Wurfgeschosse der Menge. Mussolini droüt Gegen die Gleichschaltung Oesterreich« Rom, 11. Februar. Die italienische Presse wendet sich sehr energisch gegen die nationalsozialistische Politik in Oesterreich und ihre Dirigierung durch relchsdeutsche Nationalsozialisten. Aus der gemeinsamen Sprache könne nicht das Recht aus staatlich-politische Einheit hergeleitet werden. Man verweist auf Belgien und die Schweiz. Bon der Schweiz jagt„(Äiornale d'Jtalia": Die Schweiz, deren historische und politische Ein- heit außer jeder Diskussion bleibt, besteht, getrennt von den drei Mutterstaaten, aus denen- ihre Nationalität'zusammen- gesetzt ist Ausschlaggebend sind eben nicht nur die nationalen Landkarten, sondern die Summe aus der politischen Gc- schichtsentwicklnng und dem Eigenleben der Völker, aus denen sich das Recht aus Unabhängigkeit ergibt. Demohraflsdie Offensive Die antifaschistische Propaganda in Holland (FF.) In„Het.Poll" schreibt Abgeordneter F. W. SCE6 die d.ä iinftr:>en£.DUe(, Misere ^Offensive sjir die Demokratie", näch einem Hin- """weis auf dir! faschistische Propaganda und ihre ' Wirkungen:':" . Es ist ein'Umschwung eingetreten, für den die Propa- gstndaßkttnpägne unserer Partei treffende und sogar über- naschende Beweise lieferte. Selten,, ja vielleicht niemals sahen wir einen solchen Massenandrang nach den von un- serer Partei veranstalteten Versammlungen, s Jleberall übertrifft die. Besucherzahl, diejenige der spannendsten Wahlperioden. Man spürt nichts mehr von der Bedrückt-, heit, unter der unsere Bewegung eine Zeit laijg gelitten hat infolge dec. enssxtzlichcp Ereignisse in Deutschland und der Enttäuschungen des Wahlergebnisses in Holland. In den großen und kleinen Orten des Landes gebricht es uns'. an. Sälen, um den.Männern.und Frauen. dje sich m.it uns gegen den Faschismus kehren, Platz zu bieten. Ein neues Kraftgefllhl durchströmt unsere Partei und einen großen Teil, der Arbeiterklasse, In warmer. Sympathie ver- einigen sich, mit uns viele.Menschen aus änderen, sozialen-- Klassen, um in unseren von Begeisterung getragenen' Veranstaltungen ein eindrucksvolles Bekenntnis gegen die Diktatur und für die Demokratie abzulegen. Marfnepolffllf Flottenbegeisterung darf bei der allgemeinen Wehrpolitik nicht fehlen Soeben beginnt zu erscheinen:„Tic F lag gc"/ eine illu- strirrtr"Zweimonatsschrnt, deren Programm so lautet:„Es. handelt sich um eine illustrierte Zeitschrift zur Förderung aller Bestrebungen zur Stärkung unserer Tecgeltungs- und Mariueintcressen zur Wiedercrstarkung unserer Flotte, zur Ertüchtigung und Wehrhasimachnng de? Volkes auch zur See. DaS Sortiment sollte durch Auslage und Verkauf dieser Hefte, die alle Kreise unseres Volkes angehen, dazu beitragen, daß auch diese'nationalen Hochziele ivibdcr er- reicht werden."* Ein H■•••»,. An der Place St. Michel beginnen die lustigen Kneipen, iti denen Violette Nozieres verkehrt hat. Iii den lustigen Kneipen sitzen die Ausländer gedruckst, und Violette schläft im Petite Roquette, um sie ist es still. Rechts und links in. Ast Paris öffnen sich die Balkan- kneipen, die Strichbälle,, die kleinen Arbeiterstraßen, die angemalten Apachen verließe für die nächtliche Ruödfahrt der Fremden, die Paris noch nicht kennen. Irgend in einer bulgarischen Kneipe essen wir einen Pilaf. Allerhand Ausländer sitzen herum. Der Geist Dimitroffs geleitet uns. Den breiten Boulevard hinauf bis zur Rousseau Ecke am Pantheon stehen- zahlreiche Posten. Lateinische, Schüler, Pariser, schwarze Süclfranzosen, Aegypter, Ostasiaten, Russen, Spanier, Rumänen ziehen die Straße herauf. Irgendwo klingt die Marseillaise. Die Höhlen der weggeräumten Eiscngitter grinsen. Bei Cap.roulacie sind alle Plätze voll. Die Bilder der Verwundeten stehen schwarz in den Abendblättern. Ein Bon! Mich'-Mädel, das jeder kennt, steht mit langen Stiefeln unA langem Haar am Luxenihourg-Garten. Ein Straßenredner redet. Drinnen spannen die Barscher die Arme;„Ah, la jolie mnmr." Die schwarze Baretträgerin wirft ihnen einen wütenden Blick zu und liest die..Artion Franchise". Drüben, von den gotischen Griffeln an der Seine, in der drei Polizisten ertrunken sind, klingt immer noch die Marseillaise. s Baptiste. Theater Dienstag, 12. Fevrier Opera. Reläche. Cotoedie Francaige. 2 Uhr Le Malade Imaginaire (Moliere), Le Monde ou l'on sennuie(Pailleron) 8 Uhr Le Maitre de son coeur. Operi-Conique 2 Uhr La Tosca, 8.15 Uhr Le Jongleur de Notre Dame et le SiriJien. O d e o n. 2.30 Uhr Tristan et Iseut. 8.30 Uhr Coriolan (Schakeapeare). Atelier. Richard III.(20.45 Uhr). G y m n a s e. Le Messager von Henry Berngtein mit Gaby Morlay.(21 Uhr). M a d e 1 e i n e. Le Passage des Princes(Offenbach).(20.45 Uhr). Michodiere. Les Temps difficiles(20.30 Uhr) Michel. Parole d'honneur.(21 Uhr). Oeuvre. Une Femme qu'a le coeur trop petit, von Crommelynck.(21 Uhr). Pailaig-Royal. La Familie Vauberlain.(Werktags 21 Uhr, Donnerstags, Sonntags und Feitertags 15 und 21 Uhr). Theatre de Paris. Tavaritch.(20.45 Uhr). Sarah-Bernhardt. Alibi 14 von Jean Guitton.(Werktags 20.15 Uhr, Donnerstags und Sonntags 13.15 und 20.15 Uhr). C h a t e 1 e t. Rose de France.(20.00). G'aite-Lyrique. Le pays du sourire(Das Land des Lächelns) von Lehar.(20.45). M o g a d o r. L'auberge du Cheval Blanc(Im weißen Rößl). Musik: Benayky. Regie Erik Charell.(20.30). L e Pavillon. Au Pays des Femmes nues, Operette mit Rollin, Odette Barancey und den Girls von Lysana.(Täglich um 14.30 und 20.30). P i g a I 1 e. La Chauve,Souris(Die Fledermaus). Regie: Max Reinhardt.(20.30). Porte Saint-Martin. Wiener Walzer(Operette von Johann Strauß, Vater und Sohn), mit Andre Bauge.(20.30). Trianon-Lyrique. Rigolelto(20.30). Casino de Paris. Revue: Vive Paris mit Cecile Sorel. Im 2. Akt: Maitresses de Rois, von Sacha Guitry.(20.30). Folies-Bergere. Folies en Folie. Revue mit Mistinguett. (20.30). Cranicn- f»urg Flucht von Gerhard Seger au< dem Konzentrationslager Oranienburg. Preis 7,50 Fr. Versand nach auswärts einschl. Porto 8 Fr. Ina Aus'and 8,50 Fr. Librairie Populaire 7, mc Sedillot, b. d. Bourse Strasbourg jMsecatmcutaafutte FÜR ST RAS B O U R G £ibcaicie JhpuCaice 2, RUE SEDILLOT 2 HINTER DER BÖRSE W» Mittwoch, 14. Fevrier Opera. 8 Uhr. La Traviata, Soir de Fete. Opera Comique. 8.15 Uhr Carmen. ComedieFran^aise. 8.15 Uhr Coriolan(Shakespeare). 0 d e o n. 8.30 Uhr Tristan et Iseult. Atelier. Richard III.(20.45 Uhr.) Gymnaie. Le Messager von Henry Bernstein mit Gaby Morlay.(21. Uhr.) Madeleine. Le Passage des Princes(Offenbach). (20.45 Uhr.) Michodiere. Les Temps difficiles.(20.30 Uhr.) Michel. Parole d'honneur.(21 Uhr.) Oeuvre. Une Femme qu'a le coeur trop petit, von Crom- melynck.(21 Uhr.) Palais-Royal. La Familie Vauberlain.(21 Uhr.) Theatre de Paris. Tavaritch.(20.45 Uhr.) Sarah-Bernh ardt. Alibi 14 von Jean Guitton. (20.15 Uhr.)' C h a t e 1 e t. Rose de France.(20 Uhr.) G'aite-Lyrique. Le pays du sourire(Das Land des Lächelns) von Lehar.(20.45 Uhr.) Mogador. L'Auberge du Cheval Blanc(Im Weißen Röß'l). Musik: Benatjky. Regie: Erik Charell.(20.30 Uhr.) L e Pavillon. Au Pays des Femmes nues, Operette mit Rollin, Odette Barancty und den Girls von Lysana.(Täglich um 14.30 und 20.30 Uhr.) P i g a I 1 e. La Chauve-Souris(Die Fledermaus). Regie: Max Reinhardt.(20.30 Uhr.) Porte Saint-Martin. Wiener Walzer(Operette von Johann Strauß, Vater und Sohn), mit Andre Bauge. (20.30 Uhr.) T rianon-Lyrique. Rigolelto.(20.30 Uhr.) Casino de Paris. Revue: Vive Paris mit Cecile Sorel. Im 2. Akt: Maitresses de Rois von Sacha Guitry.(20.30.) Folies-Bergere. Folies en Folie. Revue mit Mistinguett.(20.30 Uhr.) rilm Paris Mit der Premiere des ersten Teils der„Miserables"-Trilogie nach Victor Hugo im Paramount zugleich kam u. a. der französische Film„Mireille" nach dem berühmten proven- zalischen Werk von Mistral mit einer Musik von Gounod heraus(Olympia). „La rue lans No m"(Ursulines) ist ein Vorstadtfilm mit Elendsbildern, Liebe und Männergier, nach einem Roman von Marcel Ayme. In„T r o i s p o u r Cent"(Gaumont Palace), dem ersten Sprechfilm mit Signoret(in der Hauptrolle) entwickelt sich eine nette Kleinbürger-Komödie, die teils in Viehy spielt. Die„Malernelle", der berühmte französische Film, zieht in den Gaumont-Palace ein.„La B a t a i 1 1 e" mit Charles Boyer und Annabella ist seit Wochen der Erfolg im r«l. TrinilÄ 43-13 Mäito P I o a 11 e Deutsche Poliklinik Paria, 62,, Rue de la Rochefoucauld a) Allgemein» Konsultationen mit 9 SpMUliawn. b) Chirurgie c) Geburtshilfliche Klinik d) Zahnärztliches Kabinett Innere Median, Augen*. Ohren-, Nasen, and Kehlkopfkrank, ZweiftöckigesPanarorTOmtgeblnde. Vierstöckiger Gebäude. Zimmer Zahn, and Mundehirurgie. Gold- beiten. Röntgen. Diathermie. Elektrotherapie Speaalbehand- Kleine, mittlere und große Chirur. mit 1 bis 4 Betten. 3 Aerzte, 3 Heb- und PorzeUankronen,•Brucken, lung bei Blut«, Harn« u. Geschlechtskrankheiten gie. Die aller modernste Einrichtung smmen und 2 Operationssäle. Kautschuk-Arbeiten Ordination füglich von 9—12 und 2—8; Sonntags und Feiertags von 10—12 und 2—4 Uhr M, Marignau. Im Theatre des Champs Elysees wird der neue S t roh e i m• Film gegeben. „Georges et Georgettes" in dem mit der gleichgeschalteten Ufa in engsten Beziehungen stehenden Aubert-Palast ist ein Reinhold-Schünzel-Unterhaltungsfilm in französischer Version. Im„Madeleine" wird„E s q u i m a u x" gegeben, ein Natur- und Volksfilm, der an der Polarküste von Alaska gedreht wurde. Kinos Actualites l'auto(81, Bd des Italiens) Wbchenschau- Programm. L'equilibre(Sportfilm); Peur des Histoires (Sketch mit Pauley); La Boite ä musique.„Ouvertüre 1812" von Tschaikowsky(verfilmt). Ein Trickfilm.(Von 10 bis 2 Uhr nachts. 2 und 3 Fr.) Agriculteurs(8, rue d'Athene). The Story of Temple Drake(Miriam Hopkins), amerikanische Originalfassung. (Täglich 15 und 21 Uhr; Samstags, Sonntags und Festtags 14.30, 17 und 21 Uhr.) Bonaparte(Place St. Sulpice). Madame Bovary(Valentine Tessier), ein Film von Jean Renoir.(Täglich 15 und 21 Uhr; Samstags, Sonntags und Feiertags 14.30, 17 und 21 Uhr.) Champs-Elysees(118, av. des Champs-Elysees). As you desire me(Greta Garbo und Erich v. Stroheim), amerikanische Originalfassung mit französischen Unter- titeln.(Täglich ununterbrochen von 14.30 bis 19 Uhr; Samstags und Sonntags von 13.45 bis 20.15 Uhr.) Cine. Opera(32, av. de l'Opera). Madame Bovary(Valentine Tessier), ein Film von Jean Renoir.(Täglich ununterbrochen von 14 bis 20 Uhr; abends um 21 Uhr.) C o I i s e e(38, av. des Champs-Elysees). Melody Cruize. (Täglich ununterbrochen von 14.30 bis 19.30 Uhr; Abendvorstellung 21 Uhr.) Elysee- Gaumont(79, des Champs-Elysees). Je ne suis pas un Ange(I'm no Angel).(Täglich von 14.30 bis 20 Uhr und um 21 Uhr.) Eremitage Club Ursulines(72, av. des Champs- Elysees). Les Sans-Soucis(Pack üp your troubles) mit Laurel und Hardy.(Täglich von 15 bis 21 Uhr; Samstags und Sonntags 14.30, 17 und 21 Uhr.) M a d e I e i n e(14, rue de la Madeleine). The Stage Mother (Danseuse etoile)..(Tageskino von 14 Uhr ab.) Me sänge(3, rue d'Arras). Fille de Feu(Clara Bow); Le Barbier de Seville(A. Bauge). Mirioles(100, rue Reaumur). Katharina von Rußland Elisabeth Bergner, Doug. Fairbatiks jr).(Täglich 18 und 21 Uhr; Samstags, Sonntags und Feiertags 14, 16.30 und 21 Uhr.) Paramount(2, Bd des Capucines). Les Miserables. (Tageskino von 9.30 bis 2 Uhr morgens.) Bühnenschau. Pantheon-Cinema(18, rue Victor-Cousin). Brennendes Geheimnis(Willy Forst, nach Stefan Zweigs Novelle), deutsche Originalfassung. R a s p a i 1 216. The Silver Cord(I. Dünne). Täglich 14.30, 16.30, 20.30 und 22.30 Uhr.) Studio Caumartin(25, rue Caumartin). Lady for a day(amerikanische Originalfassung mit französischen Untertiteln).(Täglich 14.30, 19 und 21.15 Uhr; Sonntags und Feiertags 14.20 und 20.15 Uhr.) Studio Etoile(L4, rue Troyon). Symphonie inachevee (Leise flehen meine Lieder).(Täglich von 14.30 bis 19 Uhr und 21 Uhr.) Studio 28(10, rue Tholoze). International House.(Täglich von 15 bis 21 Uhr; Sonntags ununterbrochen von 15 bis 19 Uhr.) Studio Universel(31, av. de l'Opera). Torch Singer (Chanteuse de Cabaret) mit Claudette Colbert. Täglich von 14 bis 20 Uhr; Abendvorstellung 21 Uhr.) Ursulines(10, rue Ursulines). La rue sans nom, mit Gabriel Gabrio und Const. Remy; Von Wilson bis Roose- velt(ein Rückblick auf die Geschichte Amerikas).(Täglich 15 und 21 Uhr; Samstags und Sonntags 14.80 und 17 Uhr.) Washington-Magellan(14, rue Magellan). Three cornered moon(Claudette Colbert), französische Untertitel.(Ununterbrochen von 14.80 bis Mitternacht.) BRIEFKASTEN E. P.. Basel. Der Ertrag der Lohnsteuer ist in den ersten neu« Monaten des Rechnungsjahres 1988— April bis Dezember— um 24 Mill. Mk. zurückgegangen. Er sank aus 542 Mill. In den letzte« drei Monaten hat sich der Ertrag im Vergleich zum Vorjahre() folgendermaßen entwickelt: Oktober 1933 59,8 Mill.(61,4), November 58,6 Mill.(59,6), Dezember 62 Mill.(61,8).' Zaba. Besten Dank. Wird verwandt. Süd-We stecke. Nein, K. ist mit dem Ihnen bekannten Herrn nicht identisch. Gruß! Oradea-Mare(Rumänien). Tie schreiben unS:„Ihre Zeitung ist hier eine der meistgelesenen radikalen Zeitungen." Das ist er- sreulich zu hören. Wir erwidern Ihre Grüße. Die Pariser TPT.-Gruppe sendet uns folgende Entschließung, die wir wunschgemäß veröffentlichen: „Tie Pariser SPD.-Gruvve, die in ihren Reihen zahlreiche Genossen zählt, die bis zur letzten Zeit in Teutschland illegal tätig waren, protestiert einmütig auss energischste gegen den Aufruf und den darin enthaltenen Führungsanspruch des Partei- Vorstandes in Prag. Sie wiederholt ihre Forderung, unverzüglich die Führung Genossen zu übertragen, die mit der Vergangenheit nicht belastet sind." Hoffentlich habt Fhr Eure Entschließung auch direkt nach Prag ge- schickt, da der SPD.-Vorstand nicht verpflichtet ist, täglich die „Deutsche Freiheit" zu lesen. Nach unserer in parteiorganisatorischen Kragen ganz unmaßgeblichen Meinung kann der SPD.-Borstand Euerm energischen Verlangen, Harakiri zu machen, gar nicht ent- sprechen. Ueberlegt mal in Ruhe mit uns, die wir vom PV. weder finanziell bezuschußt(leider nicht), noch politisch beeinflußt werden, also unabhängig urteilen können. Der PV. bat sein Mandat von der letzten in Deutschland noch möglich gewesenen Reichsiagung der SPD.— im April 1988— erhalten. Unmöglich kann er dieses von der Gesamtpartei beschlossene Mandat aus das Ersuchen von einigen Sozialdemokraten in Paris oder Amsterdam oder Brüssel oder Zürich abgeben. Und an wen denn? Soll der PB., zu dem Ihr kein Vertrauen habt, selbst seine Nachfolger bestimmen? Das könnt Ihr nicht wollen. Wer aber soll die Nachfolger berufen? Die über viele Länder verstreute Emigration? Die illegale Organisation im Reiche? Beides ist jetzt unmöglich. Also dürfte man es zweckmäßig bei dem jetzigen Zustande lassen, bis eine einigermaßen legitimierte Tagung von kämpfenden Sozialdemokraten aus dem Reiche und aus der Emigration die neue Führung wählt. Bis dahin dürfte man gut tun, sich um Personen»nd um Namen weniger zu kümmern als um die Arbeit, die sie leisten. Uns scheint auch, daß allzu viele sich mancherlei Illusionen hingeben über die Art, wie wir einst ins Reich zurückkehren werden. Die Eharakterprobe, die dann jeden erwartet, dürste hart und schwer fein. Der Abgrund, der uns von dem Bergangenen trennt, ist unüberbrückbar, und zwischen jetzt und den kommenden Dingen liegen Geschehnisse, an denen gemessen unsre Resolutionen und persönlichen Kritiken nichtig sind. P. H., Paris. Die Taktik in der Behandlung der Saarfrage kann nicht durch uns, die wir hier nur Gäste sind, sondern nur durch die Saarländer selbst, in diesem Falle also durch die saarländische Sozialdemokratie bestimmt werden. Von Paris aus lassen sich dix wirklich sehr schwierig liegenden Verhältnisse nicht überblicken.— Was die Kämpfe des totalen Staates gegen katholische und evangelische Christen angeht, so bringen wir im allgemeinen nur Tatsachen und überlasten unfern Lesern, sich über die Bedeutung der Bor- gänge selbst ein Urteil zu bilden. La«desbischof Sie. Dr. Dietrich. Sie haben im„Gesetz- und Ber- ordnungSblatt der Evangelischen Landeskirche, Nassau und Hessen" Ihre Schäslein wie hflgt ange—predigt: „Pott hat an unserem Volke ein großes Wunder getan. I« entscheidender Stunde hat er unS als sein Werkzeug den Führer gesandt. Die Mächte der Finsternis, die unsere höchsten Güter mit Vernichtung bedrohten, sind niedergeworfen. An Stelle von Un- ordnung, Parteihader und Klastenhaß ist eine festgefügte Einheit getreten. In kurzer Zeit sind unerhörte Leistungen im Neuaufbau eines ganzen Volkes vollbracht worden. Wir stehen mitten drin in diesem machtvollen Geschehen." Die Antwort steht in Psalm 63, 12:„Die Lügenmäuler sollen verstopft werden." * „Die nene Weltbühue", Prag 1, Melantrichova 1. Heft 6 ist soeben erschienen und enthält folgende Beiträge: Willi Schlamm: Der viel zu bescheidene Hitler: Wilhelm Stefan: Kanzler Fe«: Karl Hartkopf: Selbstgespräche am Radio: Louis Fischer: Planwirtschast braucht graues Leben: Englische Faschisten: Agnes Smedlen: Schanghai, Auto 4223: Interview mit Ludwig Börne: Fritz Kreil: Was wird aus der Mark? Bemerkungen— Antworten. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann PI tz in Dudweiler: für Inserate: Otto Kuhn In Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag.: Verlag der Volksstimme GmbH., Saarbrücken 8, Schlltzenstraße 6. Dr. Sp6ciallste Je, rue deRIvou- Metro Chaielei RADIKALE HEILUNG von BLUT», HAUT, and FRAUENKRANKHEITEN Heil aas von Krampfadern and oMbdch Beiotanden Neueste Behandlungsmethoden Elektro . zitit impfungs verfahren Trypaflc Tin» Einspritzungen Blut* and Harn-Untersuchung« Sper» tnakuitur. Salvarsan. Wismut usw. Sprechstunden täglich ro» 10—12 nnd von 4—8 Uhr Sonntags won 9—12 Uhr Konsultationen*oa 25 Fr. ah. 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