Linzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands krummer 37— 2. Jahrgang Saarbrücken, Mittwoch, den 14. Februar 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Ans dem Inha lt Oestecceichs Jbiicqetkcieq Seite 3 Jhhuüeciqkeiten deutschet 9Cande£spatitik Seite 4 £afouc JUutq und Jliistunqsfcaqe JUisudskis neuec Staatsstceich Seite 5 freibelfsscblacbf der Sozialdemokratie Oesterreidis bewaffnete Arbeiter retten die Ihre und zeigen den Zukunftsweg Wenn wir noch knien könnten, wir lägen auf den Knien; Wenn wir noch beten könnten, wir beteten für Wien! Doch lange schon verlernten wir Kniefall und Gebet— Der Mann ist uns der beste, der grad und aufrecht steht, Die Hand ist uns die liebste, die Schwert und Lanze schwing» Der Mund ist uns der frommste, der Schlachtgesänge singt. Wozu noch bittend winseln? Ihr Männer, ins Gewehr— Heut ballt man nur die Hände, man faltet sie nicht mehr! Es ist das Händefalten ein abgenutzt Geschäft— Die Linke an die Scheide, die rechte Hand ans Heft! Die Linke an die Gurgel dem Sklaven und dem Schuft, Die Rechte mit der Klinge ausholend in der Luft! Ein riesig Schilderheben, ein Ringen, wild und kühn— Das ist zur Weltgeschichte, das rechte Flehn für Wien! Freiligrath. D. F. Tie Sozialdemokratie Oesterreidis kämpft. Mit dem politischen Generalstreik nicht nur, sondern mit der Waffe in der Hand. Sie hat wahr gemacht, was sie immer warnend angekündigt hat: die waffenfähigen Mann- fchaften verteidigen die Volksrechte unter Einsatz des Lebens. Es ist in der Geschichte der Sozialdemokratie oller Länder das erste Mal. datz die sozialdemokratische Arbeiterpartei im Bürgerkrieg steht. Auch die öfter- reichische Sozialdemokratie hat gezögert, bis ihr nur noch die Entscheidung blieb, Kampf- und ruhmlos abzutreten, oder alle ihre außerparlamentarischen Machtmittel ein- zusetzen. Sie hat sich für den bewaffneten Widerstand ent- schieden. Wie der Kampf enden wird, ist zur Stunde un- entschieden. Gewiß aber ist, daß die mutige zu allem ent- schlössen« Haltung der österreichischen Sozialdemokratie das durch den deutschen Zusammenbruch schwer erschüt- terte Vertrauen in den Ernst des Kampfwillens der Sozialisten wieder beleben wird. Auch wenn der Helden- mütige Widerstand der österreichischen Sozialdemokraten gegen überlegen bewaffnete Polizei- und Heerestruppen mit dem militärischen Siege der Bundesregierung e-den sollte, bleibt das Beispiel sozialistischen Heroismus, das von Oesterreich her gegeben ist, bleiben die unversiegbaren Glaubens- und Kampfkräfte, die dieses Heldentum neu in die Reihen der Sozialisten und insbesondere ihrer Jugend tragen wird. Die österreichische Sozialdemokratie zeigt den Geist und die Moral, die für die harten Ent- scheidungen der kommenden Jahre unerläßlich sind. Sie stellt den Soldaten der faschistischen Diktatur die Sol- baten der sozialistischen Freiheit entgegen—: Anders als durch militante Demokratie und militanten Sozialismus werden die drängenden Lösungen in den großen Gesell- schaftskonflikten des überlebten europäischen Kapitalis- mug nicht zu finden sein. Die österreichischen Nationalsozialisten haben, wie nie- wand anders erwartet hat, jede Solidarität mit den kämpfenden Sozialdemokraten abgelehnt und gleichzeitig erklärt, daß sie die Regierung Dollfuß„mit aller Macht" bekämpfen würden. Daran ist soviel wahr, daß die Nationalsozialisten hoffen, der Schlag des Bundeskanz- lers gegen Links werde den Austrofaschismus stürzen und den reichsdeutschen Faschsimus zur Macht bringen. Die einen wie die anderen aber hetzen mit der Verleumdung, die Sozialdemokratie befinde sich„im bolschewistischen Aufstand. Das ist die große Lüge, die den in Oesterreich fehlenden Reichstagsbrand ersetzen soll. Wahr ist indes, daß die Bundesregierung sich im Auf st and befindet gegen die von ihr beschworene demokratische Verfassung und die Sozialdemo- kratie gegen Staatsverbrecher, die Polizei und Heer zum Staatsstreich mißbrauchen, die Volksrechte und Volksfrei- heiten verteidiat. Das Ziel der Sozialdemokratie ist, die legale Bundes- Verfassung aufrechtzuerhalten, das Ziel der Regierung und ihrer Verbündeten aller Art ist. illegal dem Volke eine faschistische Verfassung aufzuzwingen. Das sind die beiden großen Gegensätze. Innerhalb der faschistischen Front be- stehen nur Kämpfe um die Verteilung der Beute. Die Austrofoschisten wollen eine österreichische Diktatur unter Anlehnung an Italien, die Hitlerfaschisten wollen die dik- tatarische Gleichschaltung mit Deutschland und die Aus- schaltung aller ihrer Gegner, auch der Klerikalen, nach deutschem Muster. Beide erstreben Verfassungszustände. die von den jetzigen parlamentarisch-demokratischen For- men nichts mehr übrig lassen. Beide können ihre Ziele nur durch Gewalt und Eidbruch erreichen. Die Sozial- demokrotie hat von Millionen verfassungstreuen Oester- reichern das Mandat, diese Anschläge zu vereiteln. Wenn sie nun dos Wirtschaftsleben Oesterreichs stillzulegen und die Staatsoerbrecher mit Flinten und Maschinengewehren abzuwehren versucht, führt sie diesen Volksauftrag aus. Die Sozialdemokratie erfüllt ihre staatsbürgerliche Pflicht. Sie ist Verfassung und Gesetz. Der Bundeskanzler und die Seinen stehen außerhalb der Gesetze. Wenn sie sich behaupten oder andere Faschisten an ihre Stelle treten sollten, so lehrt das die Sozialisten aller Länder nur ein- dringlicher denn je. daß jedes Recht verloren ist, wenn es gegen seine Feinde nicht mit überlegener Gewalt ge- schützt werden kann. Die nach der ersten Kampfnacht vorliegenden amtlichen Meldungen berichten von vielen Toten und Verwundeten der Regierungstruppen und der Polizei. Wieviele Sozialdemokraten ihre Treue zum Arbeitsvolk und dessen Frecheitsidealen mit ihrem Blute und ihrem Leben besiegelten, ist noch nicht zu erfahren. Da die Bundesregierung alle Heereswaffen, auch Artil- lerie, eingesetzt hat, wird der Bürgerkrieg in den Reihen der Sozialdemokraten viele Tote und Verletzte gefordert haben. Die Sozialisten, die Republikaner, die Anti- faschisten in aller Welt ehren diese Opfer und grüßen Oesterreichs heldenmütige Sozialdemokratie. Keine Kapitulation! Widerstand bis zum Letzten Wien, den 13. Februar 1931. iEig. Bericht f In den Vormittagsstunden entwickelten sich neue Kämpfe in den Außenbezirken, von wo man lebhaftes Maschinen- gewehrfcuer hört. Der Rückzug der Sozialdemokraten aus die Vorstädte entspricht dem Plan, die innere Stadt und die bürgerlichen Bezirke preiszugeben und sich in den prolctari- scheu Stadtteilen festzusetzen, wo die Bevölkerung den kämp- senden Arbeitern einen Rückhalt im Widerstand bietet. Die Versorgung mit Elektrizität ist im Lause des Vormittags zum Teil wieder ermöglicht worden, jedoch nur sehr unregcl- mäßig und sehr unvollkommen. Der gesamte Straßenbahn- verkehr liegt still. Die polizeilichen und militärischen Ab- sperrungen nehmen noch zu. Ueberall werden Maschinen- gcwehre in Stellung gebracht. Die Bundesregierung läßt ver- künden, daß sie Herrin der Lage sei, doch trifft dies zur Stun- de keinesfalls zu. Mindestens in Wien, in Linz und in dem steiermärkischc» Industriezentrum Bruck wird erbittert gekämpft und ist der Widerstand der Sozialdemokraten un- gebrochen. Die Bundesregierung versucht, durch Zweck- Meldungen die Arbeiterschaft z» verwirren und einen Teil der Führer zu diffamieren. So wurde erst gemeldet, Dr. Deutsch und Otto Bauer seien verhastet. Dann hieß es, sie seien ins Ausland geflohen. Beides ist unrichtig. Dr. Deutsch und Otto Bauer befinden sich dort, wohin sie in dieserStunde gehören: bei den kämpfenden Arbeitern» Der Generalstreik wird weithin durchgeführt, allerdings sind heute Vormittag die Zeitungen, die gestern durch de« Setzerstreik lahmgelegt waren, wieder erschienen. Es ist also gelungen, ein Teil des Buchdruckereipersouals aus der Streikfront loszubrechen. Gcgc« mittag ist es überraschend auch in der inneren Stadt Wie« zu schweren Zusammen- stöben gekommen, über deren Eharalter und Umfang im Augenblick noch nichts zu ermitteln ist Artillerlehämpie Generalstreik und Bürgerkrieg Wien, 13. Febr. Die Wiener Zeitungen find am DienS- tag infolge des Streiks in wesentlich kleincrem Umfang er- schienen. Die beiden sozialdemokratischen Blätter, die „Arbeiterzeitung" und das„Kleine Blatt" sind natürlich nicht erschienen. In den Morgenstunden bietet die Umgebung der Polizei, direktion das Bild strengster Absperrung und Bewachung. Die Straßenbahnen und die Autobusse haben den Verkehr noch nicht wieder ausgenommen. Aus der Ferne hört man weiterhin Kanonendonner. Das Fahrkorps der Vaterländischen Front ist aufgeboten worden, um einen Verbindungsdienst aufrechtzuerhalten. Auf diese Weise sei es, wie die Vaterländische Front mitteilt, gelungen, auch in den Ländern die Landcslcitungcn und Be- zirksstellen in Verbindung zu halten und darüber hinaus einen Relaisdienst für das gesamte Bundesgebiet vorzusehen. Die Vaterländische Front hat ferner ein Aufgebot Arbeits, williger veranlaßt, und sich mit der Leitnng des staatlichen Arbeitsdienstes ins Einvernehmen gesetzt, um für eine aus- reichende technische Rothilse Vorsorge zu treffen. Mit ihrer Hilfe sei es gelungen, in allen staatlichen Betrieben wie Post, Telegraf, Bundesbahnen und dergleichen einen be» schränkten Betrieb sicherzustellen. Die Heimwehrcn haben ihre gesamten Kräfte mobil ge- macht. Die sür Dienstag einberufene Bundessührertagunq, an der auch die befreundeten vaterländischen Organisationen hätten teilnehmen sollen, ist aus unbestimmte Zeit verschoben worden. Die Wiener Polizeidirektion gibt bekannt, daß die Ereku- tioe in Oesterreich am Montag den Verlust von LI Mann zu verzeichnen hat. Die Verluste der Aufruhrer sind noch nicht bekannt. Es ist aber anzunehmen, daß die Zahl der Toten nnd Verletzten ziemlich erheblich ist. Es beginn! erst in Wien! Die Auflösung der Sozialdemokratischen Partei Wien, 13. Febr. sEig. Drahtb.s Bei der Berhängung des Standrechts in Wien, über ganz Rieder-Oesterrcich, Kärnten und die Steiermark sind die verzweifelten Versuche der öfter, reichischc« Arbeiterschaft, sich gegen den Heimwehrterror zu wehren, noch verschärft worden. Im ganzen Lande er, folgen Einzelaktionen mit vielfach blutigen Kämpfen. Wien befindet sich in vollkommener Panikstim- mung. Ueberall Stacheldrahtverhaue und militärische Kor» dons. Rur an bestimmte« Stellen dürfen die Straßen pas« siert werden. Alle Geschäfte sind von Käufern übersüllt. Jeder will sich noch schnell mit Brot, Mehl und Kerzen eindecken. Die Stadt ist erfüllt von Gerüchten über Schießereien und Blutvergießen. An mehreren Stellen der Stadt sieht man Panzerwagen. Am Dienstagmorgen erfuhren die Wiener Arbeiter die in der Rächt vom Kabinett beschlossene Auslösung der österreichischen Sozialdemokratischen Par» t e i. Die Meldungen über Verhaftungen der Führer wider- sprechen sich. Angeblich soll Bürgermeister Seitz festgenommen worden sein: nach andern Nachrichten ist er noch im besetzten Rathausc unter polizeilicher Aufsicht. In den Randbezirken sind die Arbeiter noch vielfach Herren der Lage. Im Arbeiter- bezirk Simmering, wo sich die wichtigsten städtischen Werke befinden, wurde noch in den Morgenstunden heftig gekämpft. Vor allem befindet sich das Elektrizitätswerk noch wie vor in der Hand der sozialdemokratischen Arbeiter. Polizei und Militär umringen die Gebäude und erwarten Verstärkungen des Bundcshccres, das angeblich mit Ar- tillerie anrücken soll. Ein Hanptmann des Bundesheeres und fünf Polizeibeamte wurden bei verschiedenen Zusammen- stößen getötet. Die Zahl der Gesamtopfer ist bis zur Stunde •itdji festzustellen. Die Erbitterung der Kampfe wächst stau» dig. Während ans der Provinz gemeldet wird, daß es hiex im allgemeinen wieder ruhiger geworden sei, scheint es >n Wien jetzt erst richtig loszugehen. Starhem- berg hat das Aufgebot des gesamten österreichischen Heimat» schutzes angeordnet, der an der Seite des Bundesheeres, der Gendarmerie und der Polizei gegen die sozialdemokratischen Arbeiter eingesetzt werden soll. Mit der Berhängung des Standrechts wurde« in Oesterreich sämtliche Schulen ge» schlössen. Die wogende Schladt! Die blutige Fastnacht dnb. Wien» 18. Febr. Die strenge« militärischen Ab» sperrunge« und Kontrollmaßnahmen werden in der ganzen Stadt aufrechterhalten. Der Straßenbahnoerkehr ruht voll- ständig. Dagegen ist der Fernsprechverkehr ebenso wi« Was- ser» und Gaszasnhr wieder im Gange, zum Teil auch die Elektrizitätsversorgung. Die Läden find zum größten Teil bis aus die Lebensmittelgeschäfte geschlossen. Die Bevölke- rung bewahrt große Ruhe. Artillerie- und Maschinengrwchrsener find nnunterbrochen zu hören. Die Regicrnng geht jetzt mit rücksichtsloser Schärfe und mit allen vorhandenen militärischen Mitteln unter be» sonderem Einsatz von Artillerie und Haubitzen vor. Die Stellen, an denen in Wien noch am Vormittag ge« kämpft wird, befinden sich in Ottakrtng, Simmering und Dödling. Im Bezirk Ottakring handelt es sich um die groß« Wohnbauanlage Sandleiten und um das Arbeiterheim. Hier konnte am Montagabend nur ein Teilersolg erzielt werden. Der Kamps ging unter sortdauerndem Maschinengewehr- und Minenwerserseuer und Einsatz von Artillerie die ganze Nacht weiter. Gegen 8 Uhr Morgens setzte verstärktes Artilleriefener auS zwei Hanbitzen, zwei kleinen Geschützen und auS Mineuwrrfern ei». Auch um den Karl-Marx-Hof in Döb» ling wird noch immer heftig gekämpft Auch hier spielt Artillerievorbereitung die Hauptrolle. Die Geschütze sind aus einem beherrschende« Punkt, der sogenannten Hohen Warte, ansgefahren worden. Nach Bericht«« aus Graz ist aus Sggenberg noch Artille» riefeucr zu hören. In Bruck a. d. Mur hatten sich die Truppe» bereits in de» späten Abendstanden der Stadt be- mächtigt. Im Laufe der Nacht find sie jedoch ans einigen Stadtteilen wieder verdrängt worden. Durch Einsatz er- heblicher Artilleriekräste ist die Wiedereinnahme diese? Teile gelungen. Ans dem obersteirischen Industriegebiet liegen in Graz Berichte nicht vor, da die Fernsprechverbindungen dorthin unterbrochen sind. Die Gesamtverluste im Grazer Stadtgebiet wurden von de« örtlichen Behörden Montag abend aus 50 Tote geschätzt. „Vorläufig".... 37 Tote, Wien, 18. Febr. Die Regierung hat i«.einem Minister« rat das Verbot der Sozialdemokratischen Partei Oesterreichs beschlossen. Die Verluste bei den Kämpsen in Wien werden auf Regierungsseitr vorläufig mit 20 Toten und 6 tf Schwerverletzten angegeben. Der Kamps konzentrierte sich in den späten Nachtstunden aus den Ost- bahnhof, wo von den Truppen ein Panzerzug und Ar- tillerie eingesetzt worden sind. Die Regierung hat der Press« einen Ausruf übermittelt, in dem erklärt wird, daß fic Herr der Lage sei. Der Landeshauptmann und Bürgermeister von Wien, Seitz, ist verhastet und in das Polizeigesäuguis ein- geliefert worden. Nach Meldungen aus Steiermark stud bei den dortigen Zusammenstößen 87Totez«verzetchnen. wechselreiche SlraOenhämpfe Wien, 18. Febr. Polizei und Militär ist es gelungen, das Arbeiterheim im Bezirk Ottakrtng zu besetzen. Dafür flammte allerdings der Widerstand an andere« Stellen wieder ans. So hat bei der im gleichen Bezirk liegenden Wohnbauanlage Sandleiten der Kampf neuerdings begonnen. Bei einer Säuberungsaktion in Floridsdors wurden zehn Wachbeamte und ein Stabshauptmann getötet. Im gleichen Bezirk find Panzerwagen eingesetzt worden. In einer der dortigen großen Wohnanlagc der Gemeinde, im Schlingerhof, haben sich die Sozialdemokraten verbarrikadiert. Auch in Meidling müssen drei wiederum von den Roten besetzte Gemeinde- hänser erstürmt«erde«. Im Umspannwerk in Ottakrtng ist die militärische Besatzung eingeschlossen und wird von Sozialdemokraten unter Feuer gehalten. In Simmering geht die Säuberungsaktion nur laugsam vor sich. Der Tchlachtviehhos in St. Marx ist in die Hände der Roten gefallen. * Nach Meldungen aus Linz stammt dort der Kamps aus dem Frelenberg wieder aus. Ueber Tirol ist das Standrecht oerhängt worden. Weitere Meldungen aus Oesterreich Seite 3. Oesterreich und der Völherhnnd Frankreich mit der Anrufung einverstanden dnb. Paris, 18. Febr. Am Montagnachmittag trat ein Ka- binettsrat zusammen, in dessen Verlauf Außenminister Varthou seinen Kollegen den Wortlaut der Note vorlas, die er der österreichischen Regierung als Antwort auf ihre An- kündigung der bevorstehenden Besatzung deS Völkerbunds- rates mit dem deutsch-österreichischen Konflikt zu überreichen beabsichtigt. In der Note erklärt sich die französische Regie- rung mit der österreichischen Absicht einverstanden. Außen- minister Varthou gab nach dem Kabinettsrat der Presse eine Erklärung ab, in der er». a. betonte, nach französischer Ansicht habe die österreichische Regierung das Recht, den Völkerbund mit dieser Frage zu betrauen. Frankreich habe sich jedoch nicht mit den von Oesterreich in den Vordergrund geschobenen Fragen zu befassen, denn diese beträfen einzig und allein den Völkerbund. ♦ dnb. Paris, 13. Febr. Außenminister Barthou empfing am Montagnachmittag nach dem Kabinettsrat den öfter- reichischen Gesandten in Paris. E g g e r- M ö l l w a l d, dem er. wie aiigcnomme» wird, den Wortlaut der französischen Antwort ans die Ankündigung der österreichischen Regierung betr. die Besatzung des Völkerbundes mit dem deutsch-öster- reichischen Konslikt überreichte. Sechs lodesttrleiie beantragt Berlin, 18. Febr. Fm Prozeß wegen der angeblichen Ermordung des SS-Mannes von.der AH^ beantragte de. Staatsanwalt am DlenStag gegen die Angeklagten H d t t i g, Krumpholz, Fischer, Mofemann, Rabenow und Marian S z«l l a g, die sich aktiv an den Mtßhand- langen beteiligt haben» die Todesstrafe. Außerdem be- ontragte der Anklagevertreter, diesen Angeklagte« die bür- gerliche« Ehrenrechte auf Lebensdauer abzuerkennen. Gegen zehn Angeklagte beantragte de? Staatsanwalt Zuchthaus- und Gefängnisstrafen in Höhe von 8—IS Fahre». Für zwei Angeklagte bat er mangels Beweises um Frei, sprach. Organisierung neuer siralosphörenflOge Moskau. 8. Februar.(FSU.) Der Unfall des Stratospha- renballonS„Ossoavtachim" ist keineswegs der Anlaß zu einer Abschwächung der Borbereitungen zur Erforschung der Stra- tosphäre. Sowohl der Führer der ersten Stratosphären-Ex- pedition Professor Prokofiefs, als auch die Leiter der Luft- sahrt-Akademie haben erklärt, daß der Bau von Stratosphärenballons sortgesetzt werden wird. Drei Gruppen von Ballonführern haben sich bereits freiwillig für die nächste Stratosphären-Expedition gemeldet. Gegenwärtig wird ein neuer Stratosphärenballon ausprobiert. linier der Pyramide Große Funde bei den Ausgrabungen unter der Sakkar-Pyramide dnb. London, 13. Febr. Die Ausgrabungen, die unter der Stusenpnramide von Sakkar ausgeführt werden, haben, Berichten auS Kairo zufolge, wieder sehr bemerkenswertes Material zutage gefördert. Fm Uenterba» der Pyramide ist ein etwa 30 Meter langer Gang ausgedeckt worden, in dem sich Tausende von Schüsseln. Kelchen und Schalen befanden. Die meisten sind aus kostbarem Alabaster, andere aus Diorit, Porphvr und Quarz hergestellt. Leider sind die Ge- fäße sämtlich zerbrochen, doch glaubt man. einige Hunderl wieder zusammensetzen zu können. Mehrere Vaiep trogen Inschriften in schwarzer Tusche. Einige scheinen zum Erbgut der Familie des Pharao gehört zu haben, der im 28. Fahr- hundert vor Christi Geburt regierte und die Tiusenporamide erbaut hat. Andere Inschriften bezeichnen die Namen und Titel von Edelleuten und das Fest, auf dem ste ihnen an- geboten wurden. Pas Neueste Der italienische Staatssekretär Suvich wird am Samstag oder Sonntag zn einem dreitägigen Ausenthalt in Budapest eintreffen. Wie amtlich erklärt wird, solle« alle Fragen erörtert werden, die Europa im allgemeinen und de« Südosten im besonderen betreffen. Nach dem„Mattu" werde dem General Dachen« die Nachfolge des zum Kriegöminister ernannten Marschalls Petain als Generalinspektor der Verteidigung zur Lust übertragen werden. Der rabikalsoziglistische Abg. B o n a» r e, dessen Jmmu- nität anfgehoben worden war und gegen den der Unter- suchnngSrtchter von Bayoaue einen Vorsührnngsbesehl er- lassen hatte, hatte bekanntlich ein ärztliches Zeugnis beige- bracht, wonach er angeblich nicht reisesähtg sei. Ein Gerichts» arzt erklärte ihn jedoch für sehr wohl reisesähig, und Abg. Bonnanre hat am Montagabend, von zwei Polizeibeamten begleitet, ben Zug nach Bavonne besteigen müssen. Als sich die Polizeibeamten in die Wohnung Bonnanres in Paris begaben, warteten vor der Türe mehrere hundert Personen, bis sie wieder herauskamen und stießen gegen Bonnanre den Ruf aus: Tötet den Dieb! Nach«ochenlangen Verhandlungen fällte das Militär- gericht in Rarna am Montagabend in einem Riesenprozeß gegen 70 Kommunisten das Urteil. Es bandelte sich bei den Angeklagten hauptsächlich«m Angehörige der Barnaer Marineabtetlung, die wegen Zellenbildnng innerhalb der Garnison ans der Anklagebank saßen. Zwölf Kommunisten wurden zum Tode verurteilt. Bei vier weiteren wurde die an sich verwirkte Todesstrafe wegen Minderjährigkeit in je l5 Fahre Kerker umgewandelt. l5 Angeklagte erhielte« Ker- kerstrasen zwischen süns und 7", Fahren. Die restlichen 88 Angeklagten wurden freigesprochen. Der griechisch« 1000-Tonnen-Damvser„MeanöroS" ist am Montagabend im Aermelkanal be! Si. Catherine Point im dichten Nebel mst dem englischen 1000-Tonnen-Dampler „Dartsord" znsammenaeftoßen und gesunken. Ein Mitglied der Besatzung deS ariechischen Schiffes wurde gerettet. Ueber das Schicksal der übrigen ist nichts bekannt. Der Dampfer „Dartsord" ist am Vag schwer beschädigt. Suggestive Vokabeln Von einem deutschen bürgerlichen Politiker wird un» geschrieben: Unter den unwahrhaftigen Mitteln, mit denen der Rationalsozialismus in Deutschland die Macht errungen hat und behauptet, spielen die suggestiven Vokaheln eine wichtige Rolle. Niemals vorher ist es einer Bewegung wie dieser gelungen, einprägsame Schlagworte durch geschickte tendenziöse Anwendung und unermüdliche Wiederholung als unechten Begriffsersatz der öffentlichen Meinung ein- zuverleiben. Die kritische Beleuchtung solcher Vokabeln darf von den Gegnern des Nationalsozialismus umso- weniger vernachlässigt werden, als er gerade diese Bazillen so geschickt auszunutzen versteht, daß sie über Zeit- und Landesgrenzen hinaus ihre oergiftende Wirkung ausüben. Da» erste dieser Schlagworte, das zwar nichl geistiges Eigentum des Nationalsozialismus, aber von ihm eifrig aufgegriffen und auf das intensivste ausgenützt worden ist und wird» ist das vom„Marxismus". Es ist sicher, datz keiner von denen, die sich seiner in dem jetzt üblichen Sinne bedienen, jemals eine Zeile von Karl Marx gelesen hat. Es ist auch von keinem Propagandisten des„dritten Reiches" jemals versucht worden, die marxistische Theorie zu bekämpfen. Diese für eine„Arbeiterpartei" bedenk- Iiche Klippe konnte getrost vermieden werden, da es ja mur darauf abgesehen war. dem ohnehin gefühlsmätzig ontimarxistisch eingestellten Bürgertum eine Vokabel zu bieten, oermöge deren die Sozialdemokratie mit dem Bolschewismus in einen Topf geworfen, gesellschaftlich geächtet und um ihre politische Koalitionsfähigkeit mit den^bürgerlichen" Parteien gebracht wurde. Was ver- schlug es. daß seit dem ersten Tage des bolschewistischen Regimes in Rußland zwischen seinen Parteigängern und der Sozialdemokratie der erbittertste Hätz herrscht, datz dieser Hätz gerade deshalb ins matzlose gewachsen ist, we:l die deutsche Sozialdemokratie nach dem Zusammenbruch von 1818 das Bürgertum vor dem Uebergreifen des Bolschewismus auf Deutschland dewahrt hat— das Wort „Sozialdemokratie" verschwand geräuschlos aus dem Sprachschatze der Rechtsparteien, man sprach nur noch von „Marxisten", zeigte auf das„marxistische" Rußland, brandmarkte die„Marxisten" als e in e homogene Sturm- truppe gegen die herrschende Gesellschafts- und Wirt- fchaftsordnung, und fertig war der Bürgerschreck, den man braucht, um die Nutznießer dieser Ordnung zu einer geschlossenen Phalanx gegen die Sozialdemokratie zu vereinigen. Damit wurde seit 1830 erreicht, datz selbst die politischen Parteien der Mitte nicht mehr daran dachten, ein tak- tische» Bündnis mit der Sozialdemokratie einzugehen, was der einzige Weg zur Rettung der demokratischen Republik hätte sein können. Aber das genügte nicht, um Hitler zur Macht zu bringen. Mit einem Butsch nachzu- helfen, scheute man sich nach den üblen Erfahrungen von 1823. So entschloß man sich zu einer aus List und Brutalität gemengten Methode, die man mit der Vokabel„Legalität" tarnte. Während man ein Kabinelt nach dem anderen durch unterirdische Intrigen zu Fall brachte, die Reichstagswahl vom 6. März 1933 durch einen wilden Terror beeinflußte und schließlich durch die offenbar verfassungswidrige Kassation der kommunistischen Mandate und Verhaftung einer Anzahl sozialdemokratischer Abgeordneter die absolute Mehrheit der Nationalsozialisten herstellte» drüstete man sich unentwegt der—„Legalität"! Immerhin, diese Vokabel patzte nicht für alle, auf die man Rücksicht zu nehmen hatte. Sie patzte für Herrn von Hindenburg zur Verdickung einer der grandiosesten Treulosigkeiten der Weltgeschichte, patzte für einen Teil der Bürokratie zur Gewissensbeschwichtigung, patzte für das Gros der Bourgeoisie, das die offene Illegalität von rechts unter dem Gesichtspunkte des gefährlichen Präzedenzfalls nicht gern gesehen hätte. Sie patzte nicht für die nationalsozialistische Kerntruppe, die man die langen Jahre hindurch zur Anbetung der Gewalt und Hur Verachtung des Rechts erzogen hatte. Für sie wurde eine andere Bokabel in Umlauf gesetzt, das Schlagwort von der„nationalen R e v o l u t i o n". Es kann zwar keine größere Verfälschung des Revolutionsbegriffs geben, als seine Anwendung aus die Hitlersche Macht- erschleichung. für die keiner seiner Anhänger sein kost- bares Leben einzusetzen brauchte, und deren Revolulions- charakter erst dadurch der Mitwell zum Bewußtsein gebracht werden mutzte, datz der„Führer" eines Tages die „Revolution", die gar nicht begonnen hatte, für beendet erklärte. Es ist auch ein grotesker Unfug, dos Wort „national" zum Schmuck einer Staatsumwälzung herabzuwürdigen. deren außenpolitische Folgen sich bald daraus in ungeahnten Spitzenleistungen an mehr oder minder ehrlichen nationalen Verzichten— Südtirol, Eisatz- Lothringen. Korridor— äußerten. Es klafft natürlich auch ein unüberbrückbarer Gegensatz zwischen dem Sinn der Worte„legal" und„Revolution". Aber das sind Zwirnsfäden, über die eine Regierung, die keine unab- hängige Presse duldet und die Wahrheit mit Zuchthaus bestraft, nicht stolpert. Es bleibt also dabei, datz sich die Landsknechte des„dritten Reichs" als Helden der „diszipliniertesten" und(für sie)„unblutigsten" Revolution aller Zeiten fühlen und feiern lassen dürfen. Doch die wirksamste aller bisher angewandten fug- gestiven Vokabeln ist vielleicht diejenige, die man benützt, um dem Reichstagsbrand eine historische Bedeutung bei- zulegen und zugleich dem Nationalsozialismus das so not- wendige Alibi zu verschaffen. Er soll das„Fanal" zum kommunistischen Gegenaufstande gewesen sein. Der sack- liche Kern dieser Legende ist durch den Leipziger Prozeß für immer zerstört. Danach kann nicht mehr bezweifelt werden, daß ein kommunistischer Plan, den Reichstag zur Entfesselung eines Gegenaufstandes anzuzünden, niemals bestanden, und datz die aus seiner Kuppel aussteigende Flamme tatsächlich nur der Hitlerregierung den ersehnten Vorwand für Massenverhaftungen und Zeitungsverbote geliefert hat. Schon vorher war jedem denkenden Menschen klar, datz die An.zündung eines leeren Gebäudes, dessen repräsentativer Charakter überdies durch die systematische Verhöhnung der„Quasselbude" von Rechts- und Linksradikalen stets verwischt worden ist, für die politischen Zwecke der Kommunisten so ungeeignet wie möglich gewesen wäre. Und dennoch: die Bokabel „Fanal" wurde in die Hirne der Zeitgenossen ein- gehämmert und blieb dort so fest sitzen, daß sie sogar in der Begründung des Reichsgerichtsurteils— zugunsten der Richter sei unterstellt, aus Gedankenlosigkeit—_ mit denselben irreführenden Attributen, mit denen die Hitler- regierung sie ausgestattet hat. wiederkehrt. Diese kurze, keineswegs vollständige Zusammenstellung suggestiver Vokabeln de»„dritten Reichs" ist weit davon entfernt, den Zweck einer Sprachstudie zu verfolgen. Tie foll zeigen, in wie hohem Matze die suggestiven Vokabeln zu dem Erfolge des Nationalsozialismus beigetragen haben. Sie soll eine Mabnnng sein, künftig aufmerksamer als bisher der Katze die Schelle umzuhängen. Und sie soll nicht zuletzt die Ueberzeuguna festigen, daß ein System- das mit solchen Mitteln arbeiten mutz, nicht von Dauer sein wird. Oesterreichs Arbeiter Im Kampf um die Freiheit Fe» gibt das Signal Generalstreik und Standrecht Wien. 12. Februar. Mg. Meldung.! Was zu erwarten war. ist eingetroffen. D oll fuß ist «ach den„Einerseits" und„Andererseits" in die Klemme geraten und hat dem Vizekanzler Fey freie Hand ge- geben, um den neuen Austrofaschismus einzuführen. Nach den Methoden Gö rings geht Fey vor. Seit Mittwoch voriger Woche werden systematisch die sozial, demokratischen Büros durchstöbert, die Häuser der Arbeiter, schaft durchsucht. Es wird nach berühmtem Beispiel wie iu Berlin vor einem Jahre gearbeitet.„Katakomben" werden „entdeckt", die zwar nachher keine sind, aber immerhin für den Moment braucht man das zur Stimmungsmache. Es werden Wassenlager„entdeckt" und in Wirklichkeit wurde nichts gefunden. Die Reichstagsbrandpsychose soll auch in Oesterreich angefeuert werden. Der Hergang Freitag abend im Ministerrat wurden ent- scheidende Beschlüsse gefaßt, die die Einführung eines diktatorischen Regiments tu den Bundesländern und in Wien, also iu ganz Oesterreich bezwecken und die als erste Voraussetzung das Verbot und die Ber» uichtung der Sozialdemokratische» Partei anstrebt. Grundsätzlich ist auch demgemäß beschlossen worden, wie aus zuverlässiger Ouelle berichtet wird. Bundeskanzler D oll fuß hat zwar in diesem Sabinettsrat mit Fey ernstlich gerungen, da er mit der Erhebung der Arbeiterschaft gegen den Verfassungsbruch rechnete und weil Key mit brutaler Gewalt die faschistische Alleinherrschaft aus. richten will. Aber zuletzt hat Dollsoß keine Schritte gegen Fey unternommen und so hatte dieser freie Hand. Verkettungen Im Laufe des Samstags wurden in Wien allein SS führende Sozialisten, darunter alle Bezirks, obmänner des ehemaligen Schutzbundes, v e r h a s t e t. Das Bundeskanzleramt hat durch einen Geheimbefehl an sämtliche Bezirkshauptmannschafteu diese . beaustragt, sofort Listen aller sozialdcmokra, tischen Vertrauensmänner anzufordern, die 1 nach der Auflösung dar Partei i» Kouzentra, tionslager überführt werden sollen. Samstag und Sonntag hänften sich dann auch die Aktionen gegen die Sozialdemokratie, die eindeutig erkennen liehen, was be» zweckt war, nämlich die Vernichtung und Auflösung der Partei und der Arbeiterorganisationen in ihrer G«wm»heit. Die ersten Streiks Noch Samstag in später Abendstunde fand wieder eine vertrauliche Sitzung des Bundes, kanzleramtes statt. Teilnahmen Dollfuh, Fey. Starhcmberg und ein Vertreter der monarchi» stische» Sturmschareu. In dieser Sitzung wurde er, wogen, wie die Beschlüsse des gestrigen salso vom Freitags Ministerrats schneller in die Tat umgesetzt werden können wud welche Form für die„Gleichschaltung" ge- wählt werden solle. Schon Samstag abend wurde der Landtagsabgeordnete und sozialdemokratische Vize- bürgermcifter der niederösterreichischen Industriestadt Wiener-Neustadt unter Mißachtung seiner Immunität verhaftet. Die Arbeiterschaft von Wieuer-Reuftadt legte sofort die Arbeit nieder und veraustal. tete aus dem Hauptplatz der Stadt eine m' ch» tige Kundgebung gegen den Faschismus. Letzter Appell Die Sozialdemokratie hat gegenüber dem offenen Ber, fassuugsbruch in der Nacht zum Montag eine« Aufruf an das österreichische Volk gerichtet und durch Flugzettel über ganz Oesterreich ver« breitet. Der Aufruf befaßt sich mit den Verfassungsbruch, aktionen des Vizekanzlers Fey, der von einer„Verschwörung des republikanischen Schutzbundes gegen die Sicherheit des Staates" redet, um sich damit den Borwand für einen ent, scheidenden Schlag gegen das Wiener Rathaus und gegen die Sozialdemokratische Partei zu schassen. Es heißt in diesem Ausrus: Herr Fey, der die Arbetterschast bis aufs Blut reizt, wag« es von einem„verbrecherischen Anschlag bolsche« wistisch-marxistischer Elemente" gegen die Bevölkerung zu reden. Die Wahrheit ist, daß die Sozialdemokratie niemanden, weder Bürgern, noch Bauern, angreise. Sie halte sich aber zum Kamps mit der Waffe für den Fall bereit, falls Faschisten es wagen sollte«, die beschworene Verfassung der Republik vernichten z« wollen. Wenn der Eid und die Verfassung gebrochen würden und die Freiheit in Gefahr geriete, dann werde die Arbeiterschaft zu den Waffen greifen. Fey hat ans die warnenden Stimmen der Sozialdemokratie nicht gehört. Er will sein Werk des Verfassungs, bruches vollenden und Oesterreich in die Arme des Nationalsozialismus treiben. Denn Hitler wird der Sieger dieser Aktion sein Ein Austro-Faschismus ist die Einbildung der Starhembcrg-Fey-Männer, hinter der keine Massen stehen, die sich lediglich mit Hilfe der Polizei, und Militärmacht vorläufig betätige» könne». Die Herr, schastcn werden sich irre«. Für Oesterreich gibt es nur zwei Gruppen, die«inauder gegenüberstehen. Die eine ist der nationalsozialistische Faschismus nach Hitlers Muster und die andere Gruppe ist die Sozialdemokratie, die für Verteidigung der Ber» sassuug und der in der Verfassung niedergelegten Rechte des gesamten österreichischen Volkes kämpft. Dieser Bürgerkrieg» dessen erste Zusammenstöße heute ersolgt sind, ist voraus, sichtlich nicht in den ersten Tagen und Woche» zu End«. Blutiger Kampf in Linz Sfliwere Feaergefedite mit Artillerie- Zahlreldte Tote Liuz an der Donau, 12. Febr. In den Morgenstunden des heutigen Montags ist es hier zu einem schweren Zusammen- stoß zwischen der Bundespolizei und dem sozialistisch-republi- konischen Schutzbund gekommen. Als die Polizei am Montag früh vom Schutzbund die Räumung des Hauses und die freiwillige Herausgabe sämtlicher Waffen verlangte, wurde vom Parteihaus mit scharfen Schüssen geantwortet. Die Polizeibeamten zogen sich zurück, gingen, nachdem Ver- stärkung eingetroffen war. wiederum vor und verlangten erneut die Herausgabe der Waffen und die Räumung Aus dem Parteihaus wurde abermals als Antwort aus die Polizei gefeuert. Die Polizei schritt nun zusammen m i t militärischer Verstärkung zum Sturm auf das Parteihaus. Der Kampf ist zur Stunde noch im Gange. Linz au der Donau, 12. Febr. Der Kamps mit deu sozialistischen Schutzbündlern nimmt immer größere Aus- dehuung an. In verschiedeneu Stadtteilen find gegenwärtig heftige Straßeukämpfe im Gange. Eine Polizeiwache im Innern der Stadt wurde von den Schutzbündlern mit Maschinengewehre« überrascht, jedoch nach längerem Kamps von Heimwehr und Polizisten wieder zurückgenommen. Ferner soll seit den Mittagsstunden ein Fenergesecht aus dem oberhalb der Stadt gelegenen Freie« Berge im Gange sein, wo sich die Sozialdemo« traten im Lause der Nacht verschanzt hatten. Heber Linz ist das Standrecht verhängt worden. Läden und Restaurants find geschlossen. Aus der Umgebung soll ein starker Zuzug von Sozialdemokraten im Gange sein. Die Zahl der Toten und Verwundeten läßt sich jedoch bisher noch nicht seststellen. Bor dem sozialdemokratische» Parteihaus find zwei Alpen» jägerkompanie« mit Maschinengewehren eingesetzt worden, die aus Dachbödsn und Luken heraus das Haus beschießen und den»erschanzten Sozialdemokraten mit Handgrouaten zu Leibe rücken. Im Parteihaus werden vier Polizeibeomte von den Sozialdemokraten als Geisel« gefangen genommen. Wien, 12. Febr. Nach noch nicht bestätigten Meldungen ans Linz hat das Militär nach heftigem Kamps das sozial, demokratische Parteihaus, das Hotel Schiff, im Sturm ge- nomme». Angeblich sollen bisher IS Tote festgestellt worden sein. sNach anderen Meldungen wird die Zahl der Toten zwischen 20 und 30 angegeben.) Gegen eine Schule, die z. Z. noch von Sozialdemokraten besetzt ist, ist eine größere Aktion im Ganae. bei der Artillerie eingesetzt worden ist. „Ruhe" Um 18 Uhr ist die Ruhe in Linz im großen hergestellt worden. An einzelnen Punkten sind jedoch Zusammen« rottungen noch im Gange. Trotz der starken Ausbreitung der Bewegung sind das Militär und die Polizei nach wie vor Herren der Lage und konnten bisher den Widerstand brechen. Eine weitere amtliche Mitteilung aus Linz besagt, daß ber Widerstand der Sozialdemokratie jetzt im großen als zu- sammengebrochen angeschen werden könne, jedoch wird aus Linz berichtet, daß bewaffnete Sozialdemokraten sich immer noch an einzelnen Stellen der Stadt, am Gaswerk und an der Neuen Brücke, halten und daß das Feuer auch an den Stelleu, wo die Polizei die Ordnung hergestellt hat, immer wieder aufflackert. Die Lage in Linz wird daher noch nicht als endgültig geklärt beurteilt. Nähere Angaben über die Ver- luste an Toten und Verwundeten auf beiden Seiten liegen bisher noch nicht vor. Weiter wird von Regierungsseite erklärt, daß die meisten in Linz und Oberösterreich von den Sozial- demokraten besetzte» Plätze jetzt von den Truppen und der Polizei genommen worden seien. In Steyr ist eS gleichfalls zu heftigen Zusammenstößen zwischen Schutzbündlern und der Polizei gekommen. Auch in Graz Wien, 12. Febr. Nach Berichten aus Graz liegt auch dort die Hauptstadt im Dunkeln. In einem Grazer Arbeiter« viertel haben Schutzbündler eine Wachstube gestürmt und sich dort verschanzt. Sie werden gegenwärtig von Polizei und Militär belagert. Bei den Kämpfen in Eggenberg sind nach den bisher vorliegenden Berichten drei Personen getötet und 14 schwer verletzt worden. Auch der Kampf in Bruck an der Mur gestaltet sich sehr blutig und dauert noch au. Meldungen über Einzelheiten fehlen, da der Fernspreck- verkehr unterbrochen ist. Auch aus Leoben und dem ganzen vbersteirischen Industriegebiet werden Zusammenstöße ge« meldet, bei denen auch Militär eingreisen mußte. Die Besetzung des Wiener Rathauses Generalstreik- Die Stadt ohne Licht dnb. Wien, 12. Febr. Das Wiener Rathaus ist in den heutigen Abendstunden von einem größerenAusgebot von Truppen, Polizei und Gendarmerie be» setzt worden, ohne daß von sozialdemokratischer Seite ein ernsthafter Widerstand geleistet wurde. Hierbei ist eine Reihe von sozialdemokratischen Beamte» verhaftet worden. Ebenso ist der Bizebürgermeister der Stadt Wien, E m m e r l i n g, der Leiter der gesamten städtischen Betriebe, iu deu Abend- stunden verhaftet worden. Die Regierung beabsichtigt, wie verlantet» dem sozialdemo» kratischen Bürgermeister von Wie«, Seitz, ein Ultimatum zu stellen, entweder freiwillig zurückzutreten und die Macht sofort der Regierung zu übergeben, andernfalls er der Ge- walt werde weichen müssen. Weiter soll nach der Besetzung des Rathauses ein Regierungslommissar für Wien ernannt werde«. Ohne Licht Wien, 12. Febr. Ei» allgemeiner Proteststreik der Wiener Arbeiterschaft ist Montag mittag hier infolge der Borfälle in Linz ausgebrochen. In de« Betrieben erschienen kurz vor 12 Uhr die sozialdemokratische« Betriebsräte und teilte» de« Arbeitgebern mit, daß die Arbeiterschaft einer allgemeinen Streikparole folgend die Arbeit Punkt 12 Uhr mittags niederlege« werde. Der gesamte Wiener Straßen, bahuverkehr ist damit nm Punkt 12 Uhr zu« Stillstand gekommen. Die Elektrizitäts» und Gaswerke sind gleichfalls iu deu Proteststreik eingetreten. Punkt 12 Uhr setzte gleichfalls der elektrische Strom in der ganzen Stadt aus. Die Polizeidirektion hat eigene Strommoschine» für deu telegrafischen und tele« souischen Polizeidienst iu Kraft gesetzt. In dem lokalen Telefonverkehr find gleichfalls Störungen infolge der Aus« schaltung des elektrischen Stromes eingetreten. Die Dauer des Proteststreikes ist zur Stuud« noch nicht zu übersehen. Ausgestorben... Aenßerst strenge AbsperrungSmatznahmen sind in der ganzen Stadt mit einem riesigen Aufgebot von Polizei und Militär, Maschinengewehren und Drahtverhauen durch. geführt worden. Die Stadt macht einen ausgestorbenen Ein- druck. Die auf den Schienen stehenden, von der Mannschaft verlassenen Straßenbahnwagen sind in den Abendstunden von der Polizei mit Kraftwagen abgeschleppt worden. In den Straßen ist die Polizeikontrolle außergewöhnlich scharf. Alle verdächtigen Personen werden durchsucht. In den Hauptstraßen ist der Personenverkehr vollständig gesperrt. Die Borstellungen der Theater und Kinos sind ausnahmslos abgesagt worden. Alle Restaurants müssen bis 8 Uhr abends geschlossen sein. In der Stadt herrscht vollständige Ruhe, jedoch ist es in den einzelnen äußeren Arbeiterbezirken zu heftigen Zusammenstößen und Schießereien zwischen der Polizei und den Arbeitern gekommen, bei denen von Arbeiterseite Maschinengewehre verwendet worden sind. Die Polizeiaktion in den äußeren Stadtbezirken ist bisher noch nicht zum Abschluß gelangt. Seit den Mittagsstunden find keine Zeitungen mehr erschienen. Bewaffneter Widerstand Wien. 12. Febr. In den Montagabendstunden habe» die Unruhen in den Wiener Arbeiterbezirken wieder erheblich zugenommen. Stärkere Schießereien sollen in den Bezirken Ottakring, Simmering und in Dornbach zur Stund« im Gange sein. Die bisherigen Polizeiangaben von 2 toten und 18 verletzten Polizisten werden bereits als überholt be» zeichnet. Polizei und Truppen sollen bisher nicht stark genug sein, um den stündlich zunehmenden Wider, stand der bewaffneten Sozialdemokraten gewachsen zu sein. Erhebliche Truppenverstärknngen sind insolgedessen in die Vororte entsandt worden. Seitz, Deutsch, Renner verhaktet? W i c n, 12. Febr. In den späten Abendstunden wurde« der Wiener sozialdemokratische Bürgermeister Seitz und acht Stadtratsmitglieder verhastet. Gerüchtweise verlantet, baß auch die Sozralistensührer Deutsch und Renner sowie General Körner verhastet sind. In den Bororten Wiens dauern die Schießereien in der Nacht au. An einigen Punkten habe die Polizei und die Truppe den Ausstand niedergeschlagen. Aus seiteu der Polizei werden o i e r T o t« gemeldet. „Deutsche Freiheit" Nr. 37 ARBEIT UMD WIRTSCHAFT Mittwoch, 11. Februar 1931 ßeldi und Saargebiel Güteraustausch im Jahre 1933 Im Monat Dezember wurden aus dem Saargebiet nach dem Reich insgesamt 1 825 551 Doppelzentner ausgeführt gegenüber I 618 988 Doppelzentner im November. Mengenmäßig hatte die Ausfuhr an mineralischen und fossilen Rohstoffen mit plus 154 337 Doppelzentner die stärkste Zunahme aufzuweisen. Saisonmäßig bedingt ist bei den Erzeugnissen der Eisenindustrie ein Rückgang um 41 984 Doppelzentner auf 462 097 Doppelzentner eingetreten. Die Gesamtausfuhr des Saargebiets nach dem Reich erreichte 1933 18 227 000 Doppelzentner im Werte von 116,319 Millionen Reichsmark gegenüber 15 498 000 Doppelzentner im Werte von 89,199 Millionen Reichsmark im Jahre 1932. Die Kohlen ausfuhr nach dem Reich betrog 9 520 260(9 134 770) Tonnen Steinkohlen und 163 970(243 240) Tonnen Koks im Werte von 15,9(16.4) bzw. 0,275(0,463) Millionen Reichsmark. Die Ausfuhr aus dem Reich ins Saargebiet ist mit 7,569 (6,679) Millionen Doppelzentner um 0,889 Millionen Doppelzentner gestiegen, wertmäßig dagegen mit 82.19(89,077) Millionen Reichsmark um 6,887 Millionen Reichsmark gesunken. Die Kohlenausfuhr ins Saargebiet betrug 1 533 510 (980 660) Tonnen Steinkohlen, 358 820(355 840) Tonnen Briketts sowie 267 970(87 640) Tonnen Koks, wertmäßig 1.88(1,29) bzw. 0,64(0,61) bzw. 0,43(0,189) Millionen Reichsmark. . GSnstlger GMerverKchr Noch 11 v. H. niedriger als 1932 Die nationalsozialistische Presse berichtet unter der Ueber- sehrift„Günstiger Güterverkehr": Die Arbeitsschlacht hat ihre Auswirkungen in alle Zweige der Wirtschaft hinein bemerkbar gemacht. Ein Beispiel dafür ist der Güterverkehr der Reichsbahn im Dezember 1933, der gegenüber dem Vormonat zwar den üblichen jahreszeitlich bedingten Rückgang aufweist, ohne sich jedoch in dem sonst beobachteten schroffen Maße auszuwirken. Betrug der Rückgang in den letzten Vorjahren 16 und 20 Prozent, so belief er sich 1933 nur auf etwa 11 Prozent. Der Dezemberverkehr 1933 war sogar stärket als der in den beiden vorhergehenden Jahren 1932 und 1931. Neben der Besserung der allgemeinen Wirtschaftslage ist das günstige Ergebnis sum großen Teil auch darauf zurückzuführen, daß infolge der Vereisung der Wasserstraßen viele eilige Transporte vom Wasserwegauf dieSchiene abwanderten. Außerdem zwang die starke Kälte zu stärkerem Bezug von Hausbrandkohle, und auch der Lastkraftwagen war durch die Witterungsverhältnisse da und dort behindert. Die Tsdiedienhrone Die tschechoslowakische Devalvation Der endgültig gefaßte Devalvationsbeschluß der Ischecho- slowakischen Regierung hält sich noch durchaus im Rahmen des Grundsätzlichen, während für die Einzelheiten zwar ein im wesentlichen gebilligter, aber noch nicht verabschiedeter Entwurf vorliegt. Nicht einmal das Ausmaß der Devalvation ist vollständig sicher festgelegt, wenn auch als wahrscheinlich anzunehmen ist, daß der im Entwurf enthaltene Satz von'/#, also von 16*/» Prozent, beibehalten werden wird. Fest steht, daß diese Senkung sieh in der Form vollziehen wird, daß durch Gesetz ein neuer Goldgehalt der tschechoslowakischen Krone festgelegt wird. Unbekannt ist zur Zeit noch das Datum, an dem der Devalvationsbeschluß in Kraft treten wird, zumal ja die feste Absicht besteht, neben der Neureglung der Währung auch sonstige grundlegende wirtschaftliche Maßnahmen, vor allem durch Krediterweiterung und Auftauung unbeweglich gewordener Schulden zu treffen, für die natürlich ebenfalls bereits Entwürfe, aber noch keine Einigung innerhalb der Koalitionsparteien vorliegen. Die wichtige Frage der Exportförderung hofft man ebenfalls durch die Devalvation im wesentlichen gelöst zu haben. Kein. jOdlsdics" Unfernehmen Wenn das Geschäft verpachtet ist Das Oberlandesgericht in Königsberg hat in einem Falle entschieden, daß ein Unternehmen, das einem Juden gehört und an einen Nichtjuden verpachtet ist, nicht als ein jüdisches Unternehmen anzusehen sei. Der Entscheidung liegt folgender^Tatbestand zugrunde: Der Inhaber eines Konkurrenzunternehmens hatte wiederholt gesagt, die Firma des Pächters sei ein jüdisches Unternehmen. der Pächter sei nur ein vorgeschobener Strohmann. Daraufhin hat der Pächter im Prozeßwege verlangt, dem Beklagten zu unteisagen, derartige Behauptungen über die Firma des Klägers zu verbreiten, wejl sie nicht erweislich wahre Tatsachen in bezug auf das Erwerbsgeschäft und die Person des Klägers als Inhabers oder Leiters darstellten und geeignet seien, seinen Betrieb zu schädigen(§§ 1, 14 des Reichsgerichtes gegen den unlauteren Wettbewerb). Das Landgericht hatte den Antrag des Klägers abgewiesen, weil die Behauptungen des Beklagten zuträfen. Auf die Berufung des Klägers hat das Oberlandesgericht dem Antrag des Klägers entsprochen. Wären die Behauptungen des Beklagten zum Rassenpunkte wahr, so heißt es in der Begründung, dann würden sie einen Unterlassungsansprnch des Klägers nicht begründen. Die Behauptungen, die der Kläger beanstandet, seien aber u n i i c h t i g. Sein Pachtvertrag mit dem jüdischen Eigentümer sei ernstlich gemeint. Der Kläger habe in der Rechtsstellung als Pächter volle Selbständigkeit in dem Unternehmen, sei he! dessen Betrieb in keiner Weise von Vorschriften des Verpächters abhängig. Möge er auch vom Gewinn seines Erwerbsgeschäfts einen beträchtlichen Teil als Pachtzins an den jüdischen Verpächter abführen müssen, so ändert da« nichts an der Tatsache, daß er das Erwerbs- geschäft leite und im eigenen Namen und für eigene Rechnung führe. Dr. Jan Severin: Die Schwierigkeiten der deutschen Handelspolitik Nachdem jetzt Deutschland nicht weniger als hundert der wichtigsten französischen Einfuhrwaren der Kontingentierung unterworfen hat, ist die unklare handelspolitische Situation, die bereits seit einigen Wochen zwischen beiden Ländern besteht, einem klaren Zustande gewichen, nämlich demjenigen des offenen Handelskrieges. Was diese Tatsache bei der jetzigen europäischen Lage auch in politischer Hinsicht bedeutet, und was sie für Folgen haben kann, bedarf kaum näherer Erklärung. Mit Finnland lebt Deutschland bereits seit längerer Zeit in dem Zustande eines offenen Zollkrieges. der durch immer neue und verschärfte Kontingentmaßnahmen aus Berlin und Helsingfors von Zeit zu Zeit seinen Ausdruck findet. Die Beziehungen zu den anderen skandinavischen Staaten sind höchst unerfreulich und erst letzthin hat sich Schweden der englischen Demarche gegen die Unbilligkeiten der von deutscher Seite mehr oder minder eigenmächtig vorgenommenen Transferreglung angeschlossen. Die wirtschaftliche Erbitterung der englischen und amerikanischen Außenhandelskreise tritt in der Presse der beiden Länder fast von Tag zu Tag deutlicher hervor, und sie wird neuerdings in den USA. noch durch ständige, mit präzisen Zahlenangaben belegte Hinweise darauf verstärkt, daß Deutschland die aus der NichtÜberweisung der Zinsen ersparten Beträge vorwiegend dazu benutzt, um seine Anleihen zurückzukaufen. Kurzum, die handelspolitische Lage Deutschlands war seit den Inflationsjahren vielleicht noch niemals so schwierig, wie grade heute. Es handelt sich hierbei um keinen Zufall, sondern vielmehr um das unausbleibliche Resultat einer verfehlten Handelspolitik, die übrigens noch weit in die Jahre vor der Machtergreifung Hitlers zurückdatiert, im Laufe des Jahres 1933 aber eine geradezu bizarre Entwicklung genommen hat. diese Versuche 1933 völlig aufgegeben. Wie sehr z. B Frcuk- reich der vernünftigen kaufmännischen Ueberlegung, daß man es seinem Finanzschuldner ermöglichen müsse, in Ware zu zahlen, nachgegeben hat, ging deutlich aus dem deutsch- französischen Handelsvertrage vom August 1927 hervor, Jtr bis Ende 1933 eine für die deutschen Interessen sehr wertvolle Basis der gegenseitigen Wirtschaftsbeziehungen darstellte. Das handelspolitische Passivem Frankreichs aus diesem Vertrage wurde von Jahr zu Jahr größer. Trotz gelegentlicher Kritik sah man dieser Entwicklung in Paris aber ruhig zu, weil man immer wieder in Betracht zog, daß allein durch dieses Handel sah livum Deutschland in der Lage sein könnte, seine Reparationsschulden zu zahlen. Die deutsch-französische Handelsbilanz war zwar für Frankreich ungünstig, aber man nahm dies in Kauf, weil die Zahlungsbilanz beider Länder auf diese Weise ausgeglichen werden konnte, d. h. weil Deutschland durch seinen Exportüberschuß instand gesetzt werden konnte, die Zahlungen an Frankreich zu leisten. Nach der französischen Statistik ergibt sich folgendes Bild des Handelsverkehrs heider Länder für die letzten vier Jahre(in Millionen Franken): Frankreichs Einfuhr aus Ausfuhr nach Deutschland Deutschland 1930 7937 4155 1931 6141 274» 1932 8618 1689 1933(9 Monate) 2-301 1216 Betrachtet man den heutigen Stand der Dinge, so wird man auch hei der nüchternsten Ueberlegung immer wieder zu dem Ergebnis gelangen, daß Deutschland, das jetzt, angeblich unter größter Anstrengung 30 Prozent seiner Zinsen transferiert, nicht nur den Transfer in der bisherigen Höhe von 50 Prozent, sondern sogar in vollem Umfange von 100 Prozent aufrechterhalten könnte, wenn e« auf den Rückkauf der Anleihen im Auslände verzichten würde, und wenn es seine Exportüberschüsse und den Goldzuwachs der Reichs- hank in erster Reihe zu diesem Zwecke verwenden wollte. Um die heutige, fast ausweglose Lage der deutschen Handelspolitik richtig zu verstehen, muß man sich darüber klar sein, daß die handelspolitische Linie seit vielen Jahren in Deutschland so angelegt war, daß man der Abdeckung der Verbindlichkeiten an das Ausland mit allen Kräften bewußt entgegenarbeitete. Die einfachste Ueberlegung sagt, daß derjenige Staat, der große Finanz Verpflichtungen an das Ausland hat, das größte Interesse daran zeigen sollte, den Umfang der internationalen Handelsbeziehungen auszudehnen oder doch wenigstens aufredet zu erhalten. Da internationale Verbindlichkeiten schließlich nur in Waren beglichen werden können, hat niemand ein größeres Interesse an dem guten Funktionieren des internationalen Güteraustausches, als ein Sdiuldnerstaat. Die deutsche Handelspolitik hat sich nun aber seit Jahr und Tag in genau entgegengesetzter Richtung bewegt. Das Hauptziel war, die Unabhängigkeit vom Auslände für den Kriegsfall, insbesondere also Autarkie der Lebensmittel- und wenn möglich auch der Kriegs Rohstoff- Versorgung zu erreichen.'' Seit Jahren verfolgt man eine Politik der Absperrung vorn Weltmarkt und hat, diesem Phantom zuliebe., nicht nur sich selbst vom internationalen Handel immer mehr ausgeschlossen. sondern was noch wichtiger ist— in außerordentlich hohem Maße hierdurch zu einer Vernichtung des Welthandels überhaupt beigetragen. \ ernünftige Handelspolitiker, die übrigens keineswegs nur den Linksparteien angehörten, haben in Deutsch!>s.d seit Jahren auf die unausbleiblichen Folgen dieser Politik immer hingewiesen. Man hat sie nicht gehört und woll.-e sie nicht hören, weil man sich vollständig klar darüber war, dal! der Absatz deutscher Waren im Auslände auf diese Weise zurückgehen müsse. Man war bereit dazu, diesen Exporiachwuitd in Kauf zu nehmen, mau wußte auch, daß früher oder später diese Politik zur deutschen Zahlungseinstellung gegen t!»?r den ausländischen Gläubigern— den Staaten sowie den Privatgläubigern— führen mußte, aber das trügerische /itl einer in Wirklichkeit doch niemals erreichbaren\utarkie, das man aus Gründen militärischer und politischer Natur anstrebte, stand stets höher, als alle nüchternen haudelspoli- tischen Erwägungen. Während man aber früher trotz der immer bestimmter auftretenden Wünsche des Großgrundbesitzes und der Schwerindustrie immerhin wenigstens äußerlich versuchte, lie Meistbegünstigung als Grundsatz der deutschen Handelspolitik aufrechtzuerhalten und eine Art Synthese zwischen diese» Autarkie wünschen und den auf diesem Gebiete ziemlich übereinstimmenden Interessen der werktätigen Schichten, also des Konsums, und der Export Industrien zu schaffen, hat man Nachdem die Zahlung der politischen Schulden aus den bekannten Gründen aufgehört hatte, ist es hegreiflich, daß eine Fortsetzung der Handelsbeziehungen auf dieser Grundlage für Frankreich nicht mehr in Frage kommen konnte. Eine Verlängerung des Handelsvertrages hätte nämlich nichts weiter bedeutet, als daß Frankreich, das in nur sehr geringem Umfange zu den Privatgläubigrrn Deutschlands gehörte, durch ein Passivem seiner Zahlungsbilanz dazu beigetragen hätte, Deutschland die Zahlungen an die anderen ausländischen Privatgläuhiger zu erleichtern. Da Deutschland aber die privaten Auslandsschulden nicht oder nur zu einem minimalen Bruchteile zahlt, hätte Frankreich in der Praxis mit seinem Handelspassivum die Rückkäufe der deutschen Anleihen im Auslände, die forcierte Einfuhr von Kriegsrohstoffen und manche andere Dinge bezahlt, an denen es nicht gerade besonders interessiert ist. Der deutsch-finnische Handelskrieg wird von deutscher Seite zwar recht oberflächlich damit begründet, daß sich Helsingfors sehr stark am Boykott deutscher Waren beteiligt hat und daß Finnland den Vertrag nur deswegen gelöst habe, weil es jahrelang aus ihm Vorteile gezogen habe, jetzt aber bessere Geschäfte mit England machen könne. In Wirklichkeit liegen die Dinge aber so, daß die zunehmende Autark!- sierung der deutschen Lebensmittelversorgung und die jetzt eingeführte Monopolisierung der Butter-, Käse- und Eier- Wirtschaft das finnische Interesse am deutschen Geschäft um so mehr vernichtet haben, als tatsächlich der finnisch- englische Handelsvertrag Helsingfors beträchtliche Vorteile bot. In diesen beiden Fällen ist es zum offenen Konflikt gekommen, in anderen stehen aller Wahrscheinlichkeit nach unliebsame Ueberraschungen noch bevor. Bei der gewaltigen Bedeutung, die allein das Aktivum im Handelsverkehr mit Frankreich für Deutschland hat. wird man wohl annehmen dürfen, daß man sehr bald wieder recht entschieden auf die zunehmenden Schwierigkeiten der Devisenlage hinweisen wird. Herr Dr. Schacht hat auch bereits damit gedroht, daß es keineswegs ausgeschlossen sei, daß Deutschland eine neue Transfer-Reduktion vornehmen müsse. Nach den bisherigen Erfahrungen pflegt auf solche Ankündigungen in Berlin fast immer sehr bald die Tat zu folgen. Die Einschränkungen des Transfers haben also im Laufe des vergangenen Jahres zu immer weiteren Transfereinschränkungen geführt. Die Autarkiewünsche haben immer neue Autarkiewünsche ausgelöst. In der inneren Wirtschaftspolitik gibt es heute keine Möglichkeiten mehr, hemmend auf diese Entwicklungen einzuwirken, da die großen Konsum-Schichten, der Uebersee- Exporthandel und übrigens auch ein großer Teil der Exportindustrien selbst gegenüber dem Großgrundbesitz und der Schwerindustrie politisch völlig einflußlos geworden sind. Diese Entwicklung muß geradezu automatisch zur völligen Einstellung der deutschen Zahlungen führen, schon weil die Zahl der Staaten ständig wächst, die das deutsche Dumping, die forcierte Einfuhr von Kriegsrohstoffen und die Nichtzahlung der Privatschulden keineswegs durch Verlängerung der unter ganz anderen Verhältnissen abgeschlossene» Handelsverträge erleichtern wollen. Die ständige Verschärfung der handelspolitischen Schwierigkeiten ist als Vorbote der kommenden Zahlungseinstellung und als Ergebnis einer seit mindestens 1928 völlig verfehlten und gefährlichen Handelspolitik Deutschlands zu werten. .Braune Messe" schließt Juden aus Herren-Konfektion meldet Belebung; Ungeachtet der Order Frick-Göring, daß das Arierprinzip in der Wirtschaft nicht gelten dürfe, werden die Bemühungen, die Juden aus der Wirtschaft Deutschlands hinauszustoßen, unentwegt fortgesetzt. Die Leitung der vorn 9. bis 24. Juni in Bremen stattfindenden zweiten Braunen Messe gibt bekannt, daß Juden von der Teilnahme ausgeschlossen sind. Als Ziel der Messe wird die Förderung des arischen Kleinhandels angegeben. Die Vereinigung nationalsozialistischer Kaufleute, die gemeinsam mit dem Institut für deutsche Wirtschaftspropagauda die„Braune Hansa-Messe" organisiert, kündigt die Eröffnung einer Schule zur Ausbildung von Propagandisten an und erklärt, daß sie die Unterstützung der Parteiautoritäten und der NS.-Arbeitsfront hat. In den Herrenkleiderfabriken wird die Möglichkeit seit Jahresbeginn ausschließlich vom Frühjahrsgeschäft beherrscht. Die regere Kauflust des Einzelhandels beruhte auf der Notwendigkeit, die sehr desortierten Läger durchgreifend aufzufrischen und mit den Neuheiten der Frühjahrs- und Sommersaison auszustatten. Besonder i d ie Anieh i(- fung des Festanzuges für die Arbeitsfront verspricht dem Geschäft einen starken Antrieb zu verschaffen. Abgesehen davon zeigt sich bei den Abnehmern der Herrenkleiderfabriken ein lebhaftes Interesse für farbige modische Herrenkleidung. Nicht wenig hat wohl auch die anhaltende Wollhausse dem Einzelhandel Anlaß gegeben, seine Dispositionen in reichlicherem Ausmaße vorzunehmen. ' i labour Party zur Riistungsfrage i\ (I. 1.) In der Unterhausdebatte vom 6. Februar übet das englische Memorandum zur Abrüstungskonferenz sprachen für die Arbeiterpartei die Abgeordneten Alllee, C o ck s und Sir Stafford Gripps. Wir geben ihre Reden auf Grund des Berichts in der„Times" vom 7. Februar wieder: Attlee(Limehouse) Meine Parteifreunde haben nie erklärt, daß sie mit den Vorschlägen des Abrüstungskonventionscntwurfs zufrieden feien und sie sind nicht im allermindestcn zufrieden mit dem neuen Memorandum, Es scheint nur ein äußerst bedauer- liches Elaborat als Ergebnis der Abrüstunqsberatungen zu fein und es gilt zu erkennen, wie sehr dieses Resultat den früheren Dehlern der britischen und anderen Regierungen zuzuschreiben ist. Im Verlause der Debatte über die Abrüstung haben wir eine allmähliche Acnderung der Ausdrucks- weise erlebt. Seinerzeit sprachen wir von Abrüstung allein,' dann tauchten Fragen der Möglichkeit der Wieberausrüstung aus! und nun ist man in der Rede des Außenministers bis zur Regulierung der Rüstungen und der Wiederaufrüstung gelangt. Wir gingen aus von der Grundlage, daß die Welt abrüsten solle: nun sagt man uns, daß es keine Möglichkeit gebe, die Waffen sofort auszugeben, die den abgerüsteten Ländern verboten wurde», iveil es sich um Offensivwaffen handelte, man erzählt uns, daß ossenkundig eine solche Lö- sung gegenwärtig praktisch unerreichbar sei. Das Memoran- dum schivcigt sich allerdings darüber aus, warum das un- erreichbar sei. Das Memorandum ist in der Hauptsache ein Vorschlag für die Aufrüstung Deutschlands lVeifall bei der Opposition!. Praktisch sagen nur wiederum, daß Teutschland eine Armee, und zwar eine vergrößerte Armee haben solle. Zunächst haben wir zugestimmt, daß eine Kommission für die Ab- schassung der M i l i t ä r l u f t f l o t t e tagen solle, aber man hat so wenig Zutrauen dazu, daß besondere Flugzcugabwehr- geschtttze für die zwei Jahre vorgesehen sind, in denen die Kommission tagen soll Daraus ergibt sich vollkommen klar, daß wir nicht ernsthaft daran glauben, daß die Abschaltung der Luftflotte erzielt werden kann. Sir John Simon hat besonders die absolute Notwendig- keit hervorgehoben, Deutschland die Gleichheit zuzugestehen. Er hat das dargestellt, als wäre das eines der Ariomc, die niemand überhaupt in Zweifel ziehen könne. Was mich besonders berührt, ist. wie vlöülich die Bekehrung des Außenministers und derer, die ihm Beifall klatschten, gr- kommen ist. Deutschlands Stellung nach dem Vertrag von Versailles ist immer wieder hervorgehoben worden. Deutschlands Fordc- runqen wurden immer wieder abgelehnt und erst jetzt ist die große Erleuchtung über den Außenminister gekommen und er hat entdeckt, daß es ein Axiom sei, daß Gleichberechtigung bestehen müsse. Ter Außenminister ist ein großer Rechts- anmalt und die Frage. die die Welt seit dem Kriege bewegt bat. war die. ob die Gewalt oder das Recht herrschen soll. Der große Rechtsanwalt hat mcbr für die Herrschaft der Ge- I walt gegen die Herrschaft des Rechts getan als irgend ein anderer Außenminister tBeisall bei der Opposition!. Deutschlands Gleichberechtigung wird zu spät gewährt: sie wird nicht der Vernunft, sondern der Gewalt gewährt. In der Tat hat der Außenminister gesagt, daß der Weg, etwas durchzusetzen, der sei, die Abrüstungskonferenz z» Ramänisdie Faschisten Die blutige Barbarei wird fortgesetzt Temcsvar, den 6. Februar 1081. Tie blutigen faschistischen Terrorakte in Rumänien nahmen mit der Ermordung de? Ministerpräsidenten Duca kein Ende. I» Temesvar wurde der SSjährigc progeffive Maler Julius Podlypny von dreißig nationalsozialistischen Hochschülern halbtot geprügelt— der Führer der Terrorgrnppe war ein b tierischer Schwabe. Julius Podlipnn, der als Grafiker in Mitteleuropa einer der größten ist, wurde an der Temes- varer Hochschule für bildende Künste zum Professor ernannt, da er aber ungarisch-tschechischer Abstammung gilt, provozierte seine Ernennung den Rassenhaß der rumänischen Studenten gegen den ungarischen Künstler. Der Fall ist um so krasser, da Podlipnn als Invalide nur eine Hand besitzt. Tic inländische reaktionäre Presse versuchte den Fall zu verschweigen, trotzdem diese Tat in Mittel- curopa als faschistischer KulturanarchiSmnS beispiellos da- sieht. Ter mit der höchsten Auszeichnung der Budapestcr Kunstakademie dekorierte Künstler, im Inhalt seiner Kunst progressiv, sich von jeder alltägliche» Politik ferne haltend, isi in Rumänien als ein Apostel des internationalen mensch- lichen Geistes bekannt. Die Rote Armee Ibre Motorisierung Dem Referat des Volkskommissar» für Heer und Marine Woroschiloff, das bereit? in der Presse ausführlich besprochen wurde, entnehmen wir noch folgende interessante Angaben >>ber die Motorisierung der Rote» Armee. Während im Jahre 19W auf jeden Rotarmisten PS motorische Kräkte iAutomobile, Traktoren, Tanks! entfielen, waren es 1030: 8.07 und 1983: 7,74 PS. Dies ist wesentlich mehr als in der sranzösischen und amerikanischen Armee und sogar mehr als 'n der englischen Armee, in der die Mechanisierung am Meisten fortgeschritten ist. Das hat zur Folge gehabt, daß der Anteil der technisch qualifizierten Kräfte in der Roten Armee erheblich gewachsen ist. Gegenwärtig beträgt Anzabl der technischen Kräfte in der Roten Armee VI Prozent, zu denen noch rund SO Prozent der Maschinengewehr-Abteilungen kommen. Das bedeutet, daß rund 70 Prozent der Rotarmisten bei ihrem Ausscheiden aus b» Armee mit Mechanismen vertraut sind und damit ihre berusliche Qualifikation tiir die Fricdcnszcit wesentlich erhöht haben. Radioindustrie in Rußland Moskau. 11. Febr. sFSU.! In einer Unterredung mit 5'nem Vertreter der Zeitung.Isivestija" machte der Direktor des Moskauer ForlchungS-Jnstitutes iür clektniches Verbindungswesen. Prof. Lapirow-Skobl«. die Mitteilung baß es dem Institut gelungen sei. einen Ultrakurzwellen, sinder von 2 Kilowatt zu konstruieren, der auf der Wellen- ^nge von 0.8 Meter arbeitet. Dabei ist es gelungen, de» Apparat so zit vervollkommnen, daß die Sendung auch bei „Deutschlands Gleichberechtigung wird nicht der Vernunft« sondern der Gewalt gewährt" sondern mit Manövern für die nächsten Kriege erfüllt wärt tBeisall bei der Opposition!. Cocks(Broxtowe) Das Verspreche» der Gleichberechtigung an Deutschland hat sowohl den sricdenssrcundlichen Elementen in Deutsch- land als auch der Abrüstungstonserenz selbst einen Streich versetzt. Deutschland verlangt volle Ausrüstung zu Land, zu See und in der Lust, in Durchführung seiner Politik, das Wort Friede» aus dem Wörterbuch der Welt zu streichen. Deutschlands Ziel ist nicht die Gleichheit, sondern die mili- rärische Vormacht in Europa, um seinen Willen de» Stach- barn aufzuzwingen und schließlich den Versaillcr Vertrag zu zerreißen. Dennoch schlägt die britische Regierung vor, Deutschland die Waffen zurückzugeben, die man ihm iin Ver- sailler Vertrag»ahm. Glaubt irgend jemand wirklich, daß ein von Deutschland unterzeichneter Nichtangriffspakt über- Haupt etwas wert sei? tHört, hört!! Angesichts der gegenwärtigen Lage in Deutschland sind die Vorschläge im Memorandum lächerlich. Da Deutschland den Völkerbund aus eigenem Willen verlassen hat, sollte kein Versuch gemacht werden, es wieder dorthin zurückzuführen. Wenn Deutschland draußen ist, soll cS draußen bleiben, so- ferne eS nur die Bestimmungen der verschiedene» Verträge beobachtet, die es unterzeichnet hat. tHört, hört!!. Der einzige Weg, Sicherheit zu erzielen, besieht für alle Volker darin, einen eindeutigen Vertrag abzuschließen, wo- nach jeder von ihnen, der nach Schiedsgerichtsbarkeit»nac- recht angegriffen wird, von allen anderen unterstützt ivird. Ein Teil dieses Paktes muß eine Definition des Begriffs „Angreifer" sein. Sir Stafford Cripps Das Memorandum entspricht nicht der Wirklichkeit. Es ignoriert be'annte uud entscheidende Faktoren der intcr- nationalen Lage. Will Herr Eden ausdrücklich erklären, o'' wir, wenn andere Regierungen bereit sind, bis ans das Niveau von Deutschland abznrüsten und alle Offensiv- wafsen abzuschaffen, bereit wären, dasselbe zu tun? Wenn die Regierung diese Frage nicht beantworten kann, ist es absolut falsch, daß sie im Memorandum Erklärungen abgibt, aus denen hervorgeht, daß der Fehler nicht bei ihr liegt. Tie Wahrheit scheint zu sein, daß kein Land bereit ist. sich den Gefahren wirklicher Abrüstung auszusetzen, ohne mehr zu empfangen als bloße Papiersicherheit. Ter Umstand, dag wir selbst bestimmen wollen, ob ein Angriff vorliegt, macht die Sicherheit für die anderen Vertragsparteien un- gewiß. Solange diese Lage besteht, ist es unmöglich, wirk- lichc Abrüstung zu erzielen. Das Einzige, was zu tun ist, besteht darin, irgend ein: Form internationaler Polizei zu errichten. Wenn nicht irgend etwas dieser Art geschaffen wird, kommen wir nie- inals über die Hanptschwierigkcit der Sicherheit hinweg, ohne deren Ueberwtndung die Diskussion über die Größe der Hecrcöstände, die Zahl der Tanks, Gewehre usw. bloße Zeitvcrschwcndung ist. Ich mochte ferner fragen, ob bei der geforderten allgemeinen Zustimmung auch Japan ringe- schlössen ist, andernfalls wäre das Dokument für den Pap' korb bestimmt. Tie Länder, die die Abrüstung wollen, müssen den krtegsstistcndcn Ländern erklären, da« sie sich entscheiden müssen und daß sie sich abseits stelle»-Müssen, wcnu sie nicht die Regel» akzeptiere» wolle», die die andere» Länder wünschen. verlassen, aus dem Völkerbund auszutreten und kriegerische Reden zu führen: dann erhält man Konzessionen tBeisall bei der Opposition!. Dasselbe hat der Außenminister schon früher gemacht, indem er die Herrschaft des Rechts in der Frage des Fernen Ostens zugunsten der Herrschast der Gewalt stürzte tBeisall bei der Opposition!. Tie Herren Deutschlands haben offen gesagt, daß Japan ein Vorbild dafür sei, wie man die übrige Welt behandeln müsse. Das wirkliche Versage» der Abrüstungskonferenz ist nicht in der Hauptsache den Schwierigkeiten bei der Erörterung von 0- oder 30-Tonnen-Tanks oder von Acroplanen zuzuschreiben, sondern dem Umstand, daß der Grundsatz der Nichtanwendung der Gewalt in internaliona- lcn Angelegenheiten überhaupt nicht durchgesetzt worden sei. Wenn man im Memorandum liest, daß„das Ziel die Aus- rechterhaltung des Friedens ist. Obwohl die Steigerung der bewaffneten Kräfte aus Gründen der Verteidigung erfolgen mag, ist sie ein Zeichen der Furcht vor Angriffen von anderen und ein Maß für die Erregung»nd die Zwietracht zwischen den Völkern," so ist das ein Beweis sllr den Mangel an Ver- trauen zum System kollektiver Sicherheit des Völkerbundes und zu allen Vertragsgarantien sBeisall bei der Opposition!. Die ganze Idee der Sicherheit brach zusammen, als die Welt sich in der Angelegenheit des chinesisch-japanischcn Konfliktes nicht durchsetzen konnte lVeifall bei der Opposition!, was tatsächlich bedeutete, daß man zur Weltgarantie kein Ver- trauen haben könne. Waö nützt es, ivenn man im Memoran- dum glaubt, die Forderung nach Sicherheit durch die Tamm- lnng einer Anzahl Papiergarantien erfüllen zu können und schließlich erklärt,„mnn hat ein Recht zu erwarten, daß, wenn diese Bestimmungen und Verpflichtungen feierlich ein- gegangen würden, sie nicht leichtfertig verletzt würden und jeder Verletzung auf die praktischste und wirksamste Weise dadurch begegnet würde, daß die Regierungen und Staaten sokort zur Unterstützung des Weltfriedens und zur Her- stellung deS Einvernehmens gegen den Friedensstörer und Rechtsverletzer zusammentreten". Das Schlimme ist, daß gegenwärtig kein wirklicher Glaube an Sicherheit besteht. Die Labour Party hat nie- mal» ihre Ueberzeugung verschwiegen, daß um der Sicher- heit willen die volle Abrüstung verwirklicht werden müsse. Sic wurde als Kriegshetzcrin angeprangert, als sie vor- schlug, daß England sein Wort erfüllen solle, was nicht notwendigerweise Krieg bedeute. ES bestehen zahlreiche andere Wege, den Frieden z» erzwin- gen, aber wepn man an ein Kollcktivsnstcm glaubt, müssen gewisse Sanktionen dahinter stehen. Vielleicht ist das Wissen um den Umstand, daß Sir John Simon niemals bereit war durchzuhalten, wenn es zu diesem Punkte kam, dafür ver- antwortlich, daß wir immer wieder zurückweichen mußten. Es hat keinen Sinn, wenn der Außenminister sich stark macht, da es bekannt ist. daß er niemals um irgend einer Sache willen, nicht einmal um der kollektiven Sicherheit willen, das Schwert ziehen werde. To lange die Welt von den Grundsätzen innerer Konkur- renz und von gegnerischen Parteien zerrissen wird, die den nationalen Enthusiasmus für ihre eigenen Zwecke ausnützen, so lange werden wir mit der Abrüstungskonferenz nicht weit kommen. Die Labour Parin ist der Meinung, daß das Acußcrste, waS gus diesem Dokument, selbst wenn es von Deutschland. Frankreich und den. anderen Mächten ange- nomine» würde, berausgebolt werden könnte, eine sehr kurze Atempause ist, die nicht mit Arbeit für den Frieden, Pllsudshis driller Staatsstreich Der Veriassungssdiwlndel des Diktators Man schreibt der„II.": Ten ersten Staatsstreich vollzog der polnische Allein- Herrscher durch die bekannte dreitägige blutige Strafen- schlacht im Mai 1926. Trotzdem die volle Staatsmacht in feine Hände fiel, lietz er die durch und durch demokra- tische Verfassung im großen Ganzen bestehen. Ter zweite Staatsstreich war die Einkerkerung der Oppositions- fuhrer in der militärischen Festung Brest-Litowsk und die sich daran anknüpfenden Greuel, wodurch Piisudski die Bevölkerung vollständig einschüchterte und im Herbst 1936 zu einer willfährigen Majorität im neugewählten Parlament gelangte. Gleich zu Beginn der Parlamentssession wurde vor der Opposition, mit unseren Genossen an der Spitze, die be- rühmte Interpellation eingebracht, worin die an den Ge- fangenen in Brest verübten Greuel geschildert wurden. Ein Sturm der Entrüstung ging dHch das ganze Land. Um die Aufmerksamkeit der öffentlichen Meinung von diesen Ereignissen abzulenken, brachte die Regierung?- parte! im Parlament einen neuen Verfassungsentwurf ein, der die bestehende, von Piisudski aber vollständig mißachtete demokratische Verfassung abzulösen hätte. Tie darauf in Szene gesetzte Agitation, um für das Reform- werk im Volke Stimmung zu machen, verfehlte ihr Ziel. Tie Massen schenkten der offiziellen Propaganda keine Beachtung, ebensowenig wie den Sitzungen des parlamen- tarischen Verfassungsausschusses, die sich volle drei Jahre hinschleppten. Tic Opposition hielt sich von diesen Sitzungen fern, um ihre Feindseligkeit gegen jede von dem sogenannten..Brester" Parlamente unternommene Reform der geltenden Verfassung zu demonstrieren. Nach drei Jahren öder und geistloser Tebatten, die sich einzig und allein im engen Kreise der Regierungspartei abspielten, beschloß dieser Rumpfausschuß, dem Plenum einen Bericht über den Stand seiner Arbeiten sowie auch seine sogenannten Thesen zu unterbreiten, welche letztere die Grundzüge zusammenfaßten, auf denen die neue Ver- sassung aufzubauen wäre. Ueber die„Thesen" wollte der Distanzen bis zu 120 Kilometer dazwischen liegende Hindcr- nisse überwindet. Der Apparat ist als gleichzeitiger Sende- und Einpfangsapparat ausgebaut. Weiterhin wurden neue Antennennwdelle für Kurzwellen-Tendunq auf große Distanzen erbaut. Ferner ein 20-Kilowatt-Sender für Kurz- wellen, der ausschließlich mit NormalleitungSstrom arbeitet. Dem 17. Parteitag wurde ein Fernsch Apparat vorgeführt, auk dem die Bildwicdergabe auf einer Bildfläche von 24X80 Zentimeter erfolgt. Ausschuß eine Beschlußfassung herbeiführen, um dadurch, wie sich der Bericht äußerte, eine Richtschnur„für die weiteren Arbeiten" zu gewinnen. Warum schlug die Re- gierungspartei diesen ganz und gar ungesetzlichen, der geltenden Verfassung zuwiderlaufenden Weg ein? Weil ihr ungefähr 36 Stimmen zur qualifizierten Zweidrittel- Majorität fehlten, um ihren Reformentwurf zum Ver- fassungsgesetz zu erheben, schlug man den Umweg über' die„Thesen" ein. Auf diese Weise wollte man den O.t- schein erwecken, daß die überwiegende Mehrheit des Volkes und ihrer„Vertreter" die Verfassungspläne des Diktators billigen und ihm das Recht geben, sich über die an eine Verfassungsreform geknüpften konstitutiv- nellen Rechtsgarantien hinwegzusetzen. Am 26. Januar kam der Bericht auf die Tagesordnung. Bezeichnend für die Absichten und Pläne der herrschenden Oberstenclique ist, daß zum Berichterstatter ein Herr Ca r, der als Iustizminifter im Jahre 1930, zur Zeit des Schurkenstreichs von Brest Litowsk fpolnisch Brzesc am Bug), dem Diktator Piisudski zur Seite stand, auserkcren wurde. Die Opposition gab in der Tebatte Erklärungen ab, darunter im Namen der PPS. Ezu pinski, der die Verlogenheit und Verfassungslosigkeit dieses Thesen- Rummels brandmarkte. Nachher verließ die ganze Oppo- sition den Saal. Tie Majorität nahm nach durchgeführter Abstimmung die Thesen an. Nach einer kurzen Unter- Krechting der Sitzung erhob sich sodann Herr Car und beantragte, die„Thesen" in„Verfassung" umzutaufen, worauf sie als Verfaffungsgesetz in zweiter und dritter. Lesung einstimmig von der allein im Saale zurückgeblie- denen Regierungspartei und ihren Anhängseln angenommen wurden. Man kann sich nun denken, wie kurios und schleuderhaft diese neue„Verfassung" aussehen muß. da sie ja doch als einleitendes Elaborat für einen später auf Grund der„Thesen" auszuarbeitenden Gesetzentwurf gedacht worden war. So kam es zum dritten Staatsstreich Pilsudskis, der eher als echter Gaunerstreich anzusehen ist. Dieser Schwindel hat selbstverständlich im ganzen Lande große Entrüstung hervorgerufen, worüber die offiziell befoh- lenen Freudenfeste nicht hinwegzutäuschen vermögen. In der Tags darauf abgehaltenen Sitzung des Budget- ausschusfes hat Zaremba der Entrüstung der Sozia- listen über den feigen Verfassungsschwindel und den da- mit verbundenen Rechtsbruch Ausdruck gegeben. Ten Beschluß des Sejm hat er unumwunden als Staatsstreich bezeichnet. Der Erklärung Zarembas haben sich die an- deren Oppositionsparteien angeschlossen. deutsche Stimmen•(Beilage zu*.^Deutschen 3*eifkeit"•£*ei£nisse und Gesefkiditen Illlllllililll': llllllillHflllillilFlllllill Mittwoch, de» 1934. IIS! I Untecwecfung odet Schweigen ßie hcaune£ehcfceiheit Antifaschistische Das Internationale Archiv schreibt uns 1 In der Oeffentlichkeit ist der Eindruck entstanden, als ob die Eingriffe in die Lehrfreiheit, in deren Zeichen im Frühjahr 1933 Deutschland stand, insbesondere die Entlassung freiheitlich gesinnter Hochschullehrer, die die ganze Welt in Erregung versetzte, seit längerer Zeit seltener geworden seien. Ein Blick in die Ministerialblätter der einzelnen deutschen Länder beweist aber, daß dies keineswegs der Fall ist. So wurde, wie die„Hessische Landeszeitung" meldet, erst jüngst dem bekannten ordentlichen Professor der Literaturgeschichte und Philosophie Dr. Walter Kinkel an der hessischen Landesuniversität Gießen die Lehrbefugnis entzogen. Gleichzeitig hat der württembergische Kultusminister den Professor der katholischen Theologie an der Universität Tübingen, Dr. Adam, wegen eines religiösen Vortrags zunächst seines Amts entsetzt und ihm erst nach Abgabe einer Unterwerfungserklärung die Wiederaufnahme seiner Vorlesungen gestattet. Aus Frankfurt am Main wird gemeldet, daß die Studenten der Frankfurter Universität den Professor Dr. R i e z 1 e r in der Abhaltung von Vorlesungen gewaltsam hindern. Diese Entwicklung der„wissenschaftlichen Lehrfreiheit" findet die volle Billigung aller amtlichen und parteiamtlichen nationalsozialistischen Stellen. Sie wird durch folgende Ausführungen des„Völkischen Beobachters" noch unterstrichen: „Der nicht nationalsozialistische Wissenschaftler hat sich lediglich darauf zu beschränken, sein Fachgebiet zu lehren und die Frage der Politik der Geisteshaltung und Sie hohen JConjunktuc Aber:„Die andere Seite des Problems"... Im„Börsenblatt für den deutschen Buchhandel"(2. Januar 1934) schreibt einer von der Literatur-SA., der weithin unbekannte Schriftsteller Josef Martin Bauer, über die Aufgaben des Buchhandels im„dritten Reich". Da stimmt er an mit hellem, hohem Klang: „Jetzt aber haben wir Konjunktur. Wir deutschen Dichter ■ werden aufjenePlätjederVorlegetischchen hingelegt, auf denen früher weiß Gott wer sich einem zugriffbereiten Publikum gezeigt hat. Jetzt gehen die Menschen, wenn sie uns draußen in den Fenstern gesehen haben, herein und nehmen ohne langes Ueberlegen einen braven Deutschen. Nicht wahr? Jetzt klagen wir nicht mehr über unsere eingemotteten dreitausend, jetzt legt man siebentausend auf und dann laufend immer zehntausend, bald werden die verbilligten Volksausgaben kommen, sie werden sich bezahlt machen, denn jetzt ist unsere Zeit, wie eben noch die Zeit anderer Leute war: Konjunktu r!" Im Jubelruf erklingt das echteste Wort des gleichgeschalteten Kulturbetriebes: Konjunktur! Jetzt haben wir Konjunktur; nicht mehr die Thomas und Heinrich Mann, sondern wir, die Josef Martin Bauer, gestern noch talentlos, heute gottbegnadet, liegen auf den besten Plätzen der Vorlegetischchen und machen sich bezahlt, es ist eine Lust, zu leben. Dem Jubelruf aber folgt das Klagelied: „Von der Seite der Führung finden wir Vertrauen, diese eine Seite ist klar..., die andre Seite des Problems fordert von uns ein hartes Dienen in klarer Bejahung, ein Dienen, das in sich selbst die Befriedigung trägt und heute wirklich nicht fragen kann nach dem baren Entgelt... Daß man uns schon in naher Zeit ausraufen wird oder daß man nun Bücher, die wirklich aus deutscher Seele kommen, so herumzeigen wird bei jeder geselligen Möglichkeit, wie man früher andre Bücher inj Herzeigen bewußt empfohlen hat, das dürfen wir uns nie erwarte n." „Die andere Seite des Problems" sind nämlich die deutschen Leser, die trotz dem Führerplätzchen auf den Vorlegetischchen nichts von dem neuen Literaturdreck wissen wollen — was jedermann begreift, wenn er nur einige Kostproben aus dem Kauderwelsch des Josef Martin Bauer zu sich genommen hat. Dec Qauieitec hat die Entscheidung. Wer studieren darf Der preußische Kultusminister Ruit hat jetzt in Durchführung des Gesetzes gegen die Ueberfüllung deutscher Schulen und Hochschulen und des Erlasses des Reichsinnenministers für das Land Preußen die Zahl der Abiturienten und Abiturientinnen, denen im Jahre 1934 die Hochschulreife zuerkannt werden darf, auf 10 734 festgesetzt (darunter 1048 Abiturientinnen) und die Reglung der Anerkennung der Hochschulreife getroffen. Nach diesem Erlaß erfolgt die Ausstellung der Hoch- Schulreifezeugnisse im Rahmen der den einzelnen Provinzen zugewiesenen Zahlen durch den Oberpräsidenten. Nur auf Antrag des Abiturienten hin wird das Hochschulreifezeugnis erteilt. Die Anträge werden von den Anstaltsleitern im Anschluß an die bestandene Reifeprüfung an den Oberpräsidenten weitergereicht. Jedoch hat der Anstaltsleiter unter eigner Verantwortung in jedem Falle zur Frage der besonderen Hochschulreife ausführlich gutachtlich Stellung zu nehmen. Der Oberpräsident wird von den Anträgen dem zuständigen Gauleiter der NSDAP. Kenntnis geben mit der Bitte, etwaige Bedenken gegen die politische Zuverlässigkeit des Antragstellers mitzuteilen. „cJtiitet Euch i H Zeü=7lotizen Verboten laut Kriminalpolizeiblatt 1763/1766 folgende Druckschriften: „Bibelkommentare"(Prag); Franz Blei,„Formen der Liebe" (Verlag und Ort nicht angegeben);„Blumen-, Frucht- und Dornenstücke"(Berlin Buchhandlung Buchholz);„Tempo" (Wien);„Cahiers Juifs"(Herausgeber: Leon Palombo); „Kennzeichen des großen Abfalls"(herausgegeben von der Deutsrh-österreichsiche Mission, Berlin);„Hitler, wie er wirklich ist! Unbekanntes von Hitler!"(Bratislava, Verlag E. Peck);„Schweizerische Republikanische Blätter" (Rapperswil). Heß wird porträtiert „Jeder Deutsche muß neben dem Bilde des Führers auch das seines Stellvertreters besitzen! Der bekannte Maler C. Horn in München, der das große Hitlerbild geschaffen hat, das einzige Bild, zu dem der Führer eine Sitzung gewährte, ist auch Schöpfer dieses Bildes von Rudolf Heß. Es ist ein künstlerisch ganz hochwertiges Bild des sympathischen, klugen und energischen Mannes. In Heliogravüre mit Röteluntergrund hergestellt, ist es der schönste Schmuck für jedes deutsche Haus und als Geschenk für die Angehörigen der SA. und SS. und alle deutschen Männer und Frauen besonders geeignet." Wie in Nazi-Deutschland Die Wiener Universität hat drei Arten von Studentenkarten eingeführt: eine für die österreichischen„Arier", eine für Ausländer und die dritte, auf gelbem Karton, für Juden. 7lea=Sozialismus der Weltanschauung denen zu überlassen, die vielfach oder sogar meistens ohne das Fachwissen des Akademikers mehr davon verstanden oder verstehen." Wie verträgt sich diese Erklärung i_.. der Behauptung, der„Nationalsozialismus sei eine Weltanschauung, die das gesamte geistige Leben der Nation bestimmt"? Die Nationalsozialisten zeigen selbst, daß diese Behauptung eine Phrase ist. Sie können auch der Wissenschaft nichts anderes gebieten als Unterwerfung oder Schweigen. Das bedeutet für die deutsche Wissenschaft den Weg zum Bankrott. Zur Förderung der wissenschaftlichen Arbeiten des „Internationalen Antifaschistischen Archivs" haben eine Reihe Politiker, Schriftsteller und Gelehrten ein Protektoratskomitee gegründet, zu dem u. a. Professor Levy- Brühl, Romain Rolland, Professor W a 1 1 o n, Gräfin Catherine Karolyi, Ciaire Sheridan, Professor Georg Bernhard, Dr. Lion Feuchtwanger, Dr. Kurt Rosenfeld, Rudolf Leonhard, Joseph Roth ihren Beitritt erklärt haben. Das Komitee hat sich vor allem die Aufgabe gestellt, den Aufbau einer Bibliothek des in Deutschland verbrannten und verbotenen Schrifttums zu fördern, es wendet sich an die Oeffentlichkeit mit der Aufforderung, diese bedeutungsvolle Arbeit durch Ueberlassung von Material(an die Adresse: 22 rue Saint Augustin, Piacard No. 18, Paris 2) zu unterstützen. Eine Reihe von Fachberatern sind bereits zur Mitarbeit für die verschiedenen Abteilungen gewonnen. liefern. Wir wissen aber auch, daß unser Ruf in aller Welt von lieben Freunden so schlecht gemacht worden ist, d a ß e r nicht übler mehr werden könnte. Er würde durch Maßregelung giftiger Schlangen nicht besser, aber auch nicht schlechter werden.... Hütet Euch fein, wir leben nicht mehr zu Zeiten Bismarcks, sondern Hitlers!" (Deutsche Wochenschau, 28. 1. 1934.) Hört es, meine lieben Arier und Christen: Wir sind alle Sozialisten! Nein, blicken Sie nicht verstört und wild: Es steht doch deutlich auf unserem Firmenschild. Ziehen Sie vor allem dies in Betracht: Damit haben wir ja eigentlich des Rennen gemacht' Gewiß, der Marxismus ward ausgerottet, gerädert, erschossen, zerstochen, zerrissen— aber andernteils ward er auch nur verschrotte!. Bitte, fragen Sie Vogler und Thyssen. Ja, meine Lieben, mit Gunst: Das war kein Kunststück mehr, dies war Kunst! Ich frage Sie ehrlich und ohne Spott: Wo säßen wir ohne den herrlichen Schrott? Und natürlich ohne die weisen und fixen Leute, die ihn ergänzen und mixen? Was trugen die alles dazu herbei! Fabrikgeheimnis!.... Ein Wunderbrei, der hier als Ursubstanz entstand für ein sozialistisches Vaterland. Man schmiert ihm dem Kinde, dem Buben und Mädel nicht nur in die Mäuler, nein, auch in die Schädel, klatscht ihn in die Ohren, gießt ihn in das Blut, das senkt die Löhne und hebt den Mut. Ob Proletarier, Prinz, ob Professor— sie fressen ihn gierig mit Löffel und Messer, Besonders kann er getrocknet uns taugen. (Zwischenruf: Als Sand für die Augen!) Haha, kleiner Schäker!... Schluß... Für den Chronisten: Wir sind alle, alle Sozialisten— wie das deutlich in unserer Firma steht Auf dem Londoner Friedhof in Highgate hat sich einer im Grabe umgedreht. M. I. Grant. 7 TliCitäcfuuseum JCMenz Im Wilhelmi-Haus zu Koblenz wurde ein militärhistori• sehe, Museum eröffnet. Die Nazipresse berichtet darüber: „In dem hochinteressanten Museum sind prachtvolle Uniformen aller Waffengattungen der alten Armee, besonders der Reiterregimenter, Waffen aller Art wie Säbel, Gewehre, Karabiner, Geschützmodelle usw. in ihrer historischen Entwicklung zu sehen. Einen Glanzpunkt der Ausstellung bildet die 500 Stück umfassende Ordensschau, wo alle soldatischen Auszeichnungen, angefangen vom„Pour le Merite" bis zum „Eisernen Kreuz" zusammengetragen sind. Eine Bildersammlung eindrucksvoller Schlachtendarstellungen, umfassend die Zeit von 1813 bis 1919, vervollständigen die Ausstellung."—- Fotos von Kriegskrüppeln werden nicht gezeigt. JCultuc&aCscheuxismus mac schied Nachdem früher, so lesen wir in der„Kölnischen Zeitung", die Einrichtung eines Familienbades in Aachen an Bedenken der Zentrumspartei im Stadtparlament gescheitert war, wurde vor kurzem beschlossen, den Hangeweiher zum Familienbad anzubauen, und neuerdings soll auch die Schwimmanstalt in der Elisabethstraße an einem Nachmittag in der Woche für Familienbadeverkehr freigegeben werden. Jädischec Chicucg teilet SA*!£ühcec Der Leiter des israelitischen Krankenhauses in Berlin, Prof. Dr. Rosenstein, erlebte in diesen Tagen ein« seltene Ueberraschung. Die Reichskanzlei rief telefonisch an, um mitzuteilen, daß ein SA.-Chef aus der Umgebung Hitlers im Hospital ankommen werde und sofort durch Rosenstein operiert werden müsse. Der berühmte Chirurg machte darauf aufmerksam, daß es sich um ein jüdisches Krankenhaus handele und erhielt folgende Antwort:„Das macht nichts, keine Diskussion— bereiten Sie die Instrumente vor." Eine halbe Stunde später geschah die Operation. Das Leben des SA.-Führers wurde gerettet. „Wir Nazis sind eine verschworene Brüderschaft und nicht etwa sanfte Lämmlein geworden. Wir haben diese Welt erkannt samt ihren Hetzmitteln. Wir haben kein Interesse daran, gewissen Greuelzentralen mit G e w a 11 Nahrung zu JCad jugn Der bekannte englische Publizist Wickham S t e e d hat an den Herausgeber der„Times" folgenden Brief gerichtet, der in der Nummer vom 23. Januar veröffentlicht ist. In einer Zeit, da das Zögern der deutschen Regierung, Dimitroff und die zwei andern Bulgaren, die von der Mitschuld an dem Reichstagsbrand freigesprochen sind, freizulassen, wie sie so eindrucksvoll zeigten, Besorgnis im Auslande erweckt, kann es hoffnungslos scheinen, die Aufmerksamkeit auf das Los anderer politischer Gefangenen lenken zu wollen. Trotzdem bitte ich, entsprechend dem dringenden Wunsch einer großen Anzahl deutscher Schriftsteller und anderer Männer des öffentlichen Lebens, die sich heute in der Verbannung befinden, um die Erlaubnis, von dem harten Geschick Carl von Ossietzkys zu sprechen, einem sehr bekannten deutschen Schriftsteller und Journa'!«ten, der seit Monaten in dem Konzentrationslager Sonuenburg festgehalten wird. Nach zuverlässigen Zeugenberichten ist Ossietzky heute in gebrochener Mann, der die Qualen, die ihm zugemutet werden, kaum mehr lange wird ertragen können. Körperliche Mißhandlungen, Unterer,"hrung, ein schwerer militärischer Dienst und wiederholter Dunkelarrest haben seine Gesundheit gebrochen— wenn auch nicht seinen Geist. Der Qnhn eines Hamburger Kaufmanns und schon vor dem Kriege überzeugter Anhänger der Friedensbewegung, tat Ossietzky trotzdem seine Pflicht als deutscher Soldat an der Front, und wurde nach dem Krieg Herausgeber einer liberalen Zeitschrift. Mit einigen anderen organisierte er die „Nie mehr Krieg"-Bewegung, die eine Zeitlang in Deutschland tonangebend war. Er wirkte ferner an der Gründung zweier Blätter mit, die die Weimarer Republik unterstützten- Aber seinen Ruf als Schriftsteller erwarb er im wesentlichen durch seine außerordentlichen Leistungen erst als Mitarbeiter, dann als Herausgeber der Wochenschrift„Die Weltbühne". Zwei deutsche Institutionen— die Sozialdemokratische Partei und die Reichswehr— waren die Hauptobjekte se'ner Kritik, und beide vergalten ihm das durch besondere Feindschaft. 1931 machte man ihm wegen einer Bemerkung über die Reichswehr einen Hochverratsprozeß, und das Reichsgericht in Leipzig verurteilte ihn zu 18 Monaten Gefäi. nis Er weigerte sich, ins Ausland zu flüchten und ging im Frühjahr 1932 ins Gefängnis. Eine große Zahl deutscher Schriftsteller begleiteten ihn an das Gefängnistor. Im Winter 1932 33 erließ die Regierung des Generals- von Schleicher eine Amnestie, und obwohl die Sozialdemokraten Ossietzky nicht wohl wollten, bestanden sie doch darauf, daß sie auch ihm zugute kam. In der Tat wurde zu diesem Zweck ein eigener Paragraf in das Amnestiegesetz eingebaut — ein schlagender Beweis für die Schätzung und Hochachtung, die Carl von Ossietzky ge.. jß. Damals hatte er neun Monate im Gefängnis gesessen. Trotz des Drängens seiner Freunde, das Land zu verlassen, blieb Ossietzky auch noch nach der Machtergreifung der Hitler-Regierung in Deutschland und wurde am Morgen nach dem Reichstagsbrand festgenommen. Beim Reichstagsprozeß wurden die wildesten Beschuldigungen gegen ihn er'-ben, aber es wurde ihm nicht gestattet, als Zeuge zu erscheinen- Heute steht er, als Folge der Haft, der dauernde mil'* tärischen Uebungen und der Unterernährung, an der Schwelle des Todes. Wenn es zu viel wäre, auf seine Befreiung zu hoffen, so sollte sein Anspruch auf das Mit* gefühl der ganzen zivilisierten Welt, wie ich denke, nicht ungehört verhallen. Sar™**' Die Dilanz des Generalstreiks Vor der Kündigung des französisch-englischen Handelsvertrages dnb. Paris, 18. Febr. In der Note, die die französische Regierung in London hat überreichen lassen, erklärt die französische Regierung, sie betrachte mit dem Zeitpunkt des Inkrafttretens der englifchcrfeits angedrohten Repressalien, also vom 12. Februar Mitternacht ab, daS französifch-eng- tische Handels- und Schiffahrts-Abkvmmen vom 26. J. 1820 und dos französisch-englische Handels- und Secabkomme» vom 28. 2. 1882 als gekündigt. Diese Kündigung wird sich infolge der dreimonatigen Kündigungsfrist erst am 12. Mai voll auswirken. In gutunterrichteten französischen Kreisen betrachtet man die Kündigung der Handels- und Schiffahrtsvcrträgc als erste Antwort der französischen Regierung auf die englische Zollerhöhnng um 26 Prozent, und fügt hinzu, man würde französischerseitS noch andere Maß- mahmen ergreifen, falls der französische Außenhandel nach England infolge des 26- prozcntigcn Zollzuschlages stärker zurück- gehen würde, als der englische Außenhandel nach Frankreich aus Grund der französischerseitS angeordneten Kontingentseinschränkung. Die Kündigung des Vertrages von 1820 sei erforderlich gewesen, weil dieser Vertrag mit dem von 1882 eng verbunden sei. Der Vertrag von 1820 habe den englischen Handelsschissen alle TchissahrtS- bedingungen eingeräumt, namentlich in den Gewässern der französischen Kolonien, wie den französischen Schissen, und zwar gegenseitig. * i dnb. Paris, 18. Febr. Ter„Excelsior" glaubt zu wissen, baß das englische Handelsministerium gestern in Paris habe wissen lassen, daß England aus drei Monate die Inkraftsetzung der Zollzuschläge aussetzen würde, wenn Frankreich für die gleiche Zeit von den KontingentSeinschränkungen ab- sehen würde, damit auf diese Weise eine Gesaintprüsung der französisch-englischen Handelsbeziehungen durchgeführt wer- den könne. „AMehnnng!" Die neue französische Abrüstungsnote dnb. Paris, 13. Febr. Das„Journal" kennzeichnet den Jühalt der neuen französischen Abrüstungsnotc kurz als ^.Ablehnung der deutschen Ansprüche". DaS„Echo de PatiS" erklärt, die französische Antwort sei eine Ablehnung. Wenn Hitler und seine Ratgeber den Wort- laut der Note lesen, werden sie merken, daß am Quai d'Orsay etwaS mehr als lediglich ein Personenwechsel statt- gefunden hat. ISZZ Die Juden des Saargebietes und der Völkerbund Das„Israelitische Wochenblatt für die Schweiz" gibt hin- sichtlich der Zrlkünft der Saarländer Juden Besorgnissen Ausdruck, die in weiten streisen gehegt werben. Was wird aus den Saarländer Juden, wenn das Saar- gehixt wieder zu Deutschland kommen sollte? Werden sie dann das Schicksal der anderen deutschen Juden tragen müssen? Oder kann der Völkerbund sie davor bewahren? Die Zeitung weist darauf hin, baß der Völkerbund gemäß seinem Beschluß am 21. September 1622, wiederholt im Oktober 1688, verpflichtet gewesen wäre, sich der verfolgten und entrechteten deutschen Juden anzunehmen. In dem er- wähnten Beschluß wird die Hoffnung ausgedrückt,„daß die Staaten, welch« gegenüber dem Völkerbund durch keine legale Verpflichtung betreffend der Minorität gebunden sind, nichtsdestoweniger in der Behandlung ihrer rassischen, religiösen oder sprachlichen Minderheiten zumindest jenen Grab von Gerechtigkeit und Duldung beobachten werden, der gemäß den Verträgen und dem zuständigen Brauch deS Rates verlangt wird."' Wenn auch, meint die Zeitung, in dieser Resolution die Forderung nach gerechter Behandlung der Minderheiten in die Worte gekleidet ist, daß die Völkerbundsversammlung „die Hoffnung ausdrückt", so bedeutet das nicht etwa, daß der Beschluß nur ein frommer Wunsch ist, sondern diese Formu- lierung entspricht der diplomatischen Art, wie man in Genf zu reden pflegt. Wie nun wird sich der Völkerbund ver- halten, wenn er daran geht, das Saargebtet auf Grund der i. I. 1636 vorzunehmenden Abstimmung aus setner unmit- tclbaren Obhut zu entlassen? Ist er dann nicht verpflichtet, dafür zu sorgen, baß alle Sicherungen getroffen werden, damit auch»ach dem Aufhören seines direkten Einflusses in dem von ihm bis 1686 regierten Gebiete Zustände Herr- schen, wie sie während seines Regimes bestanden haben? Die Antwort kann nicht zweifelhaft sein. Die Art und Weise, wie der Völkerbund in der Saarsrage handelt, wird einen Prüfstein dafür abgeben, ob der Völkerbund sich selbst ernst nimmt und zu seinen Grundsätzen steht. Dreifach ist die Auf- gäbe, die dem Völkerbund in der Saar-Angelegenhett ob- liegt: Er ist verpflichtet, alles zu tun, nichts zu unterlassen und nichts zu dulden, was dazu angetan sein könnte, die jetzt im Saargebiet geltenden rechtlichen Zustände zu Un» gunsten auch nur eines einzigen Bewohners des Saar- gebtetes zu ändern. Daß derartige Befürchtungen nicht bloß theoretische Spekulation sind, braucht nicht weiter bewiesen zu werben. Es genügt der Hinweis auf die Möglichkeit, daß das Saargebiet unter die Herrschaft des„dritten Reiches" komme. Dort aber sind jetzt Gesetze in Geltung, welche die Juden entrechten und zu Parias stempeln. Der Völkerbund darf nicht, ohne seinen feierlichen Beschlüssen und seinen Prinzipien direkt zuwiderzuhandeln, in irgend eine Regelung willigen, die die rechtlichen Zustände der Juden in Deutschland ans die Inden im Saargebicte überträgt. Einwanderung in Palästina Im Unterhaus richtete Sir Nairne Steward Sandeman an den Kolontenmintster eine Anfrage über den Umfang der Einwanderung nach Palästina während der letzten drei Mo- nate. Für den Minister antwortete Maleolm Macdonald, daß im November 3668 Einwanderer nach Palästina gekommen seien. Die Ziffern für Dezember und Januar lagen noch nicht vor. Die Einwanderung betreffe so ziemlich zur Ganze Juden. vi« Parole stark befolgt Nicht nur in Paris, sondern auch in den übrigen französi- schen Großstädten und in den Industriezentren ist die Generalstreikparole sehr umfassend befolgt worden. Der Generalsekretär der EGT. Jouhaux gab eine Erklärung bekannt, in der es u. a. heißt: „Tie E. G.?. konnte heute die Feststellung machen, daß daS werktätige Paris mit Begeisterung ihrem Rufe gefolgt ist. Ter 12. Februar war eine glänzende Antwort auf die faschistischen und hitlerischcn Kundgebungen vom letzten Dienstag. Die Sympathie der Oeffentlichkett für unsere Kundgebung hat sich an verschiedenen äußeren Anzeichen be- kündet. Die Arbeiterklasse wollte durch diese erste Warnung den Feinden der Republik den Weg versperren. Tic wird, falls es notwendig ist, noch weiter gehen." * „Fast vollständig" Wasser-, Gas» und Elektrizitätözusuhr blieben ausrecht- erhalten. Bei der Post- und Tetegrasenvcrwaltung waren etwa 16 Prozent Arbeitswillige, alle übrigen waren der Streikparole gefolgt. Im Hose der Postzentrale kam es zu einer Kundgebung, bei der die Streikenden die Streikbrecher au der Ausnahme der Arbeit verhinderten. Am Nachmittag konnte keine Post in Paris ausgeliefert werden. In den Städtischen Betrieben streikten die Arbeiter fast vollständig. Der Straßenbahnverkehr mußte unterbrochen werden. An der Place»'Italic wurde ein Omnibus umgestürzt. An anderen Orten wurden Wagen mit Steinen beworfen. Die Autobuögesellschaft stellte den Verkehr ein. Am Nachmittag kam es in Paris zu großen sozialistische» und kommunistischen Kundgebungen, die ohne Zwischen- sälle verliefen. Der polizeiliche Ordnungsdienst war ver- stärkt worden. Im Laufe des Tages wurden 807 Streikposten verhaftet. pariser Deridtfe Pariser Straftenhalender Stadträte mit Trikoloreschärpen wohnten der Bestattung der ersten Opfer bei. Der Leutnant der Reserve Rossignol, auf der Place de la Concorde getötet, hinterläßt eine junge Witwe und einen zwölfjährigen Knaben. Der Artillerieleutnant der Reserve Roubaudi, 85jährig, war Vertreter eines bekannten Seidenhauses. Der in Paris getötete Elsässer Aufschneider, dessen Leiche nach Schiltigheim gebracht wurde, war Kammerdiener beim Grafen de Vogiie und wurde vor dessen Tür am quai d'Orsay getötet. « Auf der gare d'Austerlitj nahmen die Pariser Medizinstudenten Abschied von der Leiche des Externen Jean Fahre, der vor sechs Minuten sein Examen gemacht hatte. Die Leiche wurde nach Limoges übergeführt, wo der Vater des Getöteten Arzt ist. Ein Bruder ist Schüler von St. Cyr. ■• Die Gerichtsurteile gegen Demonstranten, die mit der Waffe in der Hand betroffen wurden, schwanken zwischen 1 und 15 Tage, mit Bewährungsfrist. Ein Mann, der mit geladenem Revolver loszog, erhielt 2 Monate, ein anderer, der noch eine Kugel im Lauf hatte, 4 Monate Gefängnis. * Wie wir hören, wird der Ertrag des Konzertes des berühmten Pianisten Moritz Rosenthal am 15. in der salle Gaveau ausschließlich für die Gründung von Existenzen von Flüchtlingen verwendet werden. Die Plätze kosten 10 bis 75 Franken. Vorbestellung bei allen bekannten Agenturen, in der salle Gaveau und telefonisch Suffren 70—07. * Die Pariser Oper gibt am Samstag, dein 17., einen Ravel- Abend mit„Spanischer Stunde" und„Daphnis und Chloe", unter Gaubert. * Im Saale der Ecole Normale, der bekannten Hochschule, gastiert Jacques Dalrroze am Samstag und Sonntag mit rhythmischer Gymnastik.^ Wegen des Generalstreiks am Montag, dem 12., wurde die Mitgliederversammlung der Journalisten der Emigration auf - Unruhen Die Unruhen In der Provinz DNB. Paris, 13. Februar.Die Unruhen und Zusammen- flöße am Streifmontag in der Provinz haben teilweise ernsteren-Charakter getragen. Zu Marseille wurde nach Mitternacht, als die Polizeistreifen die Ablösung vornahmen, eine Abteilung Polizeiradsahrcr hinter der Börse aus dem Hinterhalt durch meherc Personen unter Schnellfeuer ge- nommen. Ein Auto der Polizei versuchte, der Täter Hab- Haft zu werden, diese konnten jedoch im Dunkel der Nacht entkommen. Im Laufe des Abends sind in Marseille 80 Verhaftungen vorgenommen worden. Bei der Schießerei an der Börse wurden vier Personen, darunter ein Polizei- Oberinspektor, verletzt. Zweimal bemühte sich der Sicher- hcilsdicnst. zweier Auios habhast zu werden, aus denen her- aus auf die Polizei geschossen wurde. In einem Falle konnte das Auto gestellt und die drei Insassen— anscheinend AuS- tandcr— verhaftet werden. In Lille find an den Straßeubahnschiencn zwei Sabotageakte vor- genommen worden. An eincrStelle wurden48Personen über- rascht, als sie eine Weiche abschraubten, und bei Denain sind mit Pflastersteinen nicht weniger als fünf Sperren von den Kundgebern errichtet worden. In Valencienne kam es nach der Verhaftung eines Betrunkenen zu ziem- lich heftigen Zusammenstößen zwischen Polizei und Mani- sestantew wobei 17 von dieser verhaftet wurden. Roch nach 1 Uhr nachts dauerte die Kundgebung am— In Toulon stießen Kundgcber mit Arseualarbeiiern zusammen, die unter dem Schutz der Polizei zu ihrer Arbeitsstätte wollten. Drei Polizeibeamte und drei Zivilisten wurden verletzt. Das Arsenal schloß am Nachmittag eine Stunde früher als ge- wöhnlich, um ähnliche Zwischenfälle zu vermeiden. Montag, den 19. Februar, 21 Uhr, 2, rue Monlpensier(Palais Royal), verlegt. * Igor Stravinsky tritt am Samstag als Solist im Konzert Siohan bei Pleyel auf. * Wir erfahren wieder von einer Emigranten-Tragödie: Ein Geflüchteter namens Erich Eichhorst hat sieh vor einiger Zeit in einem kleinen Hotel der abgelegenen Passage Cardinet, still und unbemerkt, vergiftet. * Pariser Witz in allen Lebenslagen. Das„Journal" bringt eine Zeichnung des bekannten Poulbot: Zwei„Clochards". Gespräch: „Wo pennste denn heute?" „Wenn ich das wüßte— mein Quartier auf der Bank am Boulevard haben se verbrannt." rraniffsisdier Senat und Saar Paris, 12. Februar. M. Henry Berengar, der Vorsitzende det auswärtigen Ausschusses des Senats, hat diesem über seine Besprechung mit Gaston Doumergue berichtet. Anschließend gab M. Maurice O r d i n a i r e Auskunft über die Ereignisse im Saargebiet seit dem Machtantritt Hitlers. Diese Rede gab Anlaß zu einer Debatte, an deren Schluß Senator Bereuger beauftragt wurde, der Regierung die Auffassung des Ausschusses in Sachen: Organisation der Saar-Abstimmung und Sicherung der W a h I f r e i h e i t mitzuteilen. Dentsdie unter den Verhafteten Wir haben die deutschen Flüchtlinge ausdrücklich aufgefordert, sich, unbeschadet ihres Interesses und ihres grundsätzlichen politischen Auffassung, in die Vorgänge der französischen Innenpolitik nicht einzumischen und sich an Kundgebungen nicht zu beteiligen. Wir sind grundsätzliche Anhänger eines hitlerfreien, mit Frankreich verbündeten Deutschlands. Leider sind aber anscheinend unter den vielen Verhafteten vom Freitag, anläßlich der Tumulte am Platz der Republik, auch Deutsche festgesellt worden. Das „J o u r n a I" meldet, daß 43 Ausländer auagewiesen würden und spricht von weiteren 10 Ausländern, die dem Nachrichtendienst zur näheren Feststellung übermittelt seien. Unter den verhafteten und verwundeten Meuterern, so schreibt das Blatt,, befänden sich mehrere * Was Ihnen lehne... Paris, 13. Februar. Im„Maiin" wird eine Aufstellung über das, was den Bewohnern von Paris gestern infolge des Streiks fehlte, und über das. ivas sie halten, gemacht. Unter den Sachen, die der Bevölkerung fehlten, werden auf- gezählt: Telephongespräche über das Fernamt. Telegraphen- verkehr, Brief- und Trucksacheiivcrteilung, Zolldienst, staat- liche Tabak- und Zündholzsabrik, Theater. Unter den Sachen, die trotzdem gestern normal waren, werden ausgezählt Wasser, GaS, Elektrizität, Eisenbahn, automatischer Sprech- verkehr. Müllabfuhr, Kino und Lebensmittelversorgung. Die Untergrundbahnen funktionierten normal bis in die frühen Abendstunden und schloffen erst 26 Uhr 36. Der Autobus- und Straßenbahnverkehr funktionierte nur am Vormittag etwa? langsamer, der Rundfunk sunktionierte nur bei der staatlichen Seudestation des Postministeriums, die erst um 18 Uhr ihren Betrieb wieder ausnahm, nicht.--- In der Industrie war der Streik nur teilweise durch- geführt.' Die Meldung von der Verhaftung des aus Paris slüch- tigen, wegen Betrugs gesuchten Bankiers Saeazau bestätigt sich. Barazan ist in Beirut festgenommen worden. In Le Havre versuchten Kundgebet', einen Bahnhof zu stürmen, sie brachen Portale ans, wurden aber von der Polizei bald wieder ver- trieben. In Dünfirche» kam es zu einem Handgemenge zwischen Polizei und Dock- arbeitern. Ein Polizeiossizier ivnrbe am Kops verletzt. Schließlich liegen noch ein paar Ziffern über die Streik- beteiligung in N o r d f r a n k r e i ch vor. In Valencienne fehlten gestern etwa 26 Prozent der Bergarbeiterbelegschast, in der Metallindustrie etwa ein Viertel, in Bouchain mußte die Flugschiffahrt wegen des Streiks unterbrochen werden. 2iTo(e Die Opfer der Kundgebungen Paris^15. Febr.'Der„Matin" gibt die Bilanz der Toten bei den Kundgebungen vom 6., 7. und 6. Februar einschließ- lich der fnLiöischen Gestorbenen mit PI an, darunter ein Mit- glieb der Republikanischen Garde und eine Frau. Vier Ver- letzte sind gestern ihren Verletzungen erlegen. Im Kranken- hause liegen 186 Verwundete, barunter 23 Mitglieder der Mobilgarbc und 11 Polizeibeamte. deutsche Kommunisten, deren Identität noch zu prüfen sei; man frage sich, wie es möglich sei, daß sie die Grenze überschreiten konnten. An dieser Stelle setzt das Blatt einige Gedankenpunkte. Man weiß ja, welches dringende Interesse gewisse Spitzelkreise haben. Mißtrauen zwischen Frankreich und den Emigranten zu säen. Wie dem aber auch sei, wir erklären deutlich, daß die übergroße Mehrheit der Flüchtlinge, politisch-demokratische, sozialistische, wirtschaftliche usw. mit den Vorgängen am Flatz der Republik nicht das Geringste zu tun hat, jedes öffentliche Auftreten in Frankreich vermeidet und von gewissen„Parolen", die in Deutschland wie in Frankreich Unheil angerichtet haben, nichts wissen will. Paul Valfru Ober Pttain Der berühmte Dichter Paul Va I er y hat den Sieger von Verdun bei seinem Eintritt in die Akademie, am 22. Januar 1931, mit folgenden Worten begrüßt: „Sie, mein Herr, sind eingeschlossen in die große Stille, fast legendenhaft, die das Vertrauen auf die Dauer bestätigt, behütet von dieser wachen Vernunft, die Sie auszeichnet, von dieser Klugheit und Voraussicht, die aus Ihnen die Weisheit der Armee gebildet haben, Sie, der Sie wie eine Grenze Ihrer Gedanken ein Schweigen bewahren, das man befestigt mit Taten fühlt, fest begründet in der Tiefe,— Sie sind durchaus der seltene Mensch, den die schwierigsten Kritiker, die schärfsten Polemiker fast schonen müssen, selbst jene, die ohne Unterlaß den Ruhm vermindern möchten und sich dem Brauche widmen, im Geiste der Oeffentlichkeit jede Größe, die sich dort abzeichnet, zu zerstören. Die Kritik selbst scheint Sie zu respektieren—, jene, die da lebt von ungerechten Sachen." Der Marschall und jetzige Kriegsminister hat auf die Frage, was er tun werde, geantwortet, er werde sich nur der Armee widmen!— Kradi beim jüngsten Paar von franhreidi Man entsinnt sich noch, daß im Herbst der Maire von Catillon das jüngste Paar von Frankreich traute, mit Erlaubnis des Präsidenten der Republik, worauf es mit Erlaubnis des Papstes auch vor dem Altar verbunden wurde: das war Henri Pinteau, junger Landarbeiter, 17 Jahre alt, und seine Braut Adrienne Delamarre, 13jährig. Die Braut brachte ihren entzückenden Sprößling mit, den sie als Zwölfjährige geboren hatte. Das ganze Dorf nahm an der Hochzeit teil. Zahlreiche Pressefotografen waren anwesend. Das junge Glück hat aber nicht lange gedauert. Schon veröffentlicht Vater Delamarre in einem Blatt der Oise- gegend die Nachricht, daß er für Schulden seines Schwiegersohnes Henri Pinteau nicht länger hafte. Henri Pinteau hat das eheliche Gemach im Hause der Schwiegereltern verlassen und ist zu seiner Mama zurückgekehrt. Vielleicht wird sogar eine Scheidung eingereicht. M. et Mme. Pinteau haben anscheinend, wie man meint, den Ehrgeiz, vom„jüngsten Ehepaar" nun auch das„jüngste Scheidungspaar" zu werden. Furtwängier In Poris Wie uns mitgeteilt wird, sollen die beiden Konzerte des Berliner Philharmonischen Orchesters unter Furtwängler in der Pariser Großen Oper nun also am 17. und 19. April stattfinden. Bruno Walter wird am 26. April ein Festkonzert der Wiener Philharmoniker in der Pariser Großen Oper dirigieren. Für den 14. März ist ferner Mozorts„Don Juan", neugestaltet in der Uebersetzung von Adolphe Boschot, unter musikalischer Leitung von Bruno Walter angesetzt. Auf wessen Seite die Sympathien des Publikums liegen, bedarf keiner Frage. Mozart und Wien,— diesem süßen Klange wird der Vertrauensdirigent des Braunen Hauses und des Göbbels vergebens Sympathien entfremden!, Theater Mittwoch, 14. Fevrier Opera. 8 Uhr. La Traviata, Soir de Fete. Opera Comique. 8.15 Uhr Carmen. ComedieFran^aise. 8.15 Uhr Coriolan(Shakespeare). 0 d e o n. 8.30 Uhr Tristan et Iseult. Atelier. Richard III.(20.45 Uhr.) G y m n a s e. Le Messager von Henry Bernstein mit Gaby Morlay.(21. Uhr.) M a d e 1 e i n e. Le Passage des Princes(Offenbach). (20.45 Uhr.) Michodiere. Les Temps difficiles.(20.30 Uhr.) Michel. Parole d'honneur.(21 Uhr.) Oeuvre. Une Femme qua le coeur trop petit, von Crotu- melynck.(21 Uhr.) Palais-Royal. La Familie Vauberlain.(21 Uhr.) Tbeatre de Paris. Tavaritch.(20.45 Uhr.) Sarah-Bernh ardt. Alibi 14 von Jean Guiiton. (20.15 Uhr.) Chatelet. Rose de France.(20 Uhr.) Gaite-Lyrique. Le pays du sourire(Das Land des Lächelns) von Lehar.(20.45 Uhr.) M o g a d o r. L'Auberge du Cheval Blanc(Im Weißen Röß'l). Musik: Benatzky. Regie: Erik Charell.(20.30 Uhr.) Le Pavillon. Au Pays des Femmes nues, Operette mit Rollin, Odette Barancey und den Girls von Lysana.(Täglich um 14.30 und 20.30 Uhr.) P i g a I I e. La Chauve-Souris(Die Fledermaus). Regie: Max Reinhardt.(20.30 Uhr.) Porte Saint-Martin. Wiener Walzer(Operette von Johann Strauß, Vater und Sohn), mit Andre Bange (20.30 Uhr.) Trianon-Lyrique. Rigoletto.(20.30 Uhr.) Casino de Paris. Revue: Vive Paris mit Cecile Sorel. Im 2. Akt: Maitresses de Rois von Sacha Guitry.(20.30.) Folie t-Bergere. Folies en Folie. Revue mit Mistin- guett.(20.30 Uhr.) ist. Trinite 43-13 Mörro P i q a 11 e Deutsche Poliklinik Paris, OZ. Rue de la Rochefoucauld •I Allgemeine Konsultationen m» 9 SpttUllttra. b) Chirurgie c) Geburtshilfliche Klinik d) Zahnärztliches Kabinett Innere Medizin, Augen*, Ohren», Nasen» und Kehlkopfkranke ZweistöckigesJSanatoriumsgeblude. Vierstöckiges Gebäude. Zimmer Zahn- und Mundchirurgie. Gold» aeiten. Röntgen. Diathermie. Elektrotherapie. Spezialbehand. Kleine, midiere und große Chi rar. mit 1 bis 4 Betten. 3 Aerzte, 3 Heb» und Porzellankronen«»Brücken, lung bei Blut». Harn« u. Geschlechtskrankheiten gie. Die aller modernste Einrichtung immeo and 2 Operationssäle. Kautschuk» Arbeiten Ord In Alton lüglich von 9—12 und 2—Ä; Sonntags und Feiertags von 19—12 und 2—4 Uhr m Kinos Äctualites l'auto(31, Bd des Italiens) Wochenschau- Programm. L'equilibre(Sportfilm); Peur des Histoires (Sketch mit Pauley); La Boite ä musique.„Ouvertüre 1812" von Tschaikowsky(verfilmt). Ein Trickfilm.(Von 10 bis 2 Uhr nachts. 2 und 3 Fr.) Agriculteurs(8, rue d'Athene). The Story of Temple Drake(Miriam Hopkins), amerikanische Originalfassung. (Täglich 15 und 21 Uhr; Samstags, Sonntags und Festtags 14.30, 17 und 21 Uhr.) Bonaparte(Place St. Sulpice). Madame Bovary(Valentine Tessier), ein Film von Jean Renoir-(Täglich 15 und 21 Uhr; Samstags, Sonntags und Feiertags 14.30, 17 und 21 Uhr.) Champs-Elysees(118, av. des Champs-Elysees). As you desire me(Greta Garbo und Erich v. Stroheim), amerikanische Originalfassung mit französischen Untertiteln.(Täglich ununterbrochen von 14.30 bis 19 Uhr; Samstags und Sonntags von 13.45 bis 20.15 Uhr.) Line-Opera(32, av. de l'Opera). Madame Bovary(Valentine Tessier), ein Film von Jean Renoir.(Täglich ununterbrochen von 14 bis 20 Uhr; abends um 21 Uhr.) C o 1 i s e e(38, av. des Champs-Elysees). Melody Cruize. (Täglich ununterbrochen von 14.30 bis 19.30 Uhr; Abendvorstellung 21 Uhr.) Elysee-Gaumont(79, des Champs-Elysees). Je ne suis pas un Ange(I'm no Angel).(Täglich von 14.30 bis 20 Uhr und um 21 Uhr.) Eremitage Club Ursulines(72, av. des Champs- Elysees). Les Sans-Soucis(Pack up your troubles) mit Laurel und Hardy.(Täglich von 15 bis 21 Uhr; Samstags und Sonntags 14.30, 17 und 21 Uhr.) M a d e 1 e i n e(14, rue de la Madeleine). The Stage Mother (Danseuse etoile).(Tageskino von 14 Uhr ab.) M es ange(3, rue d'Arras). Fille de Feu(Clara Bow); Le Barbier de Seville(A. Bange). Miracles(100, rue Reaumur). Katharina von Rußland Elisabeth Bergner, Doug. Fairbanks jr.).(Täglich 16 und 21 Uhr; Samstags, Sonntags und Feiertags 14, 16.30 und 21 Uhr.) Paramount(2, Bd des Capucines). Les Miserables. (Tageskino von 9.30 bis 2 Uhr morgens.) Bühnenschau. Pantheon-Cinema(18, rue Victor-Cousin). Brennendes Geheimnis(Willy Forst, nach Stefan Zweigs Novelle), deutsche Originalfassung. R a 8 p a i 1 216. The Silver Cord(I. Dünne). Täglich 14.30, 16.30, 20.30 und 22.30 Uhr.) Studio Caumartin(25, rue Gaumartin). Lady for a day(amerikanische Originalfassung mit französischen Untertiteln).(Täglich 14.30, 19 und 2115 Uhr; Sonntags und Feiertags 14.20 und 20.15 Uhr.) Studio Etoile(14, rue Trovon). Symphonie inathevee (Leise flehen meine Lieder).(Täglich von 14.30 bis 19 Uhr und 21 Uhr.) Studio 28(10, rue Tholoze). International House.(Täglich von 15 bis 21 Uhr; Sonntags ununterbrochen von 15 bis 19 Uhr.) Studio Universel(31, av. de l'Opera). Torch Singer (Chanteuse de Cabaret) mit Claudette Colbert. Täglich von 14 bis 20 Uhr; Abendvorstellung 21 Uhr.) Ursulines(10. rue Ursulines). La rue sans nom, mit Gabriel Cabrio und Const. Remy; Von Wilson bis Roose- velt(ein Rückblick auf die Geschichte Amerikas).(Täglich 15 und 21 Uhr; Samstags und Sonntags 14.30 und 17 Uhr.) Washington-Magellan(14, rue Magellan). Three cornered moon(Claudette Colbert), französische Untertitel.(Ununterbrochen von 14.30 bis Mitternacht.) Film-Anzeiger Kurt Gerron dreht, mit Pierre Brasseur in der Hauptrolle, seinen neuen Film„Incognito". Enrico Caruso jr. wurde soeben von Warners für einen spanischen Film verpflichtet, in dem er als Sänger und Schauspieler debütieren wird. Bernard Shaw hat die Erlaubnis zur Verfilmung zweier seiner Werke gegeben:„Der Teufelsschüler" und „Die heilige Johanna" werden in nächster Zeit von„Radio" gedreht werden. Katharine Hepburn wird die Jungfrau von Orleans spielen. Charlie Chaplin beabsichtigt eine Neufassung von „The Kid" zu drehen, dessen Hauptrolle einst Jackie Coogan spielte. Paulette Goddard soll als Star in dieser neuen V er- sion beschäftigt sein. Roman Novarro wird der Partner des Komikerpaares Laurel und Hardy in ihrem nächsten Film„Babes in Toyland" sein. Emma Grammatica. die italienische Tragödin, dreht augenblicklich einen Film„Servizio di Notte". Der dänische Arktisforscher Peter Freuchen hat der Pariser Premiere des von ihm als wissenschaftlichen Berater mitgeschaffenen Films„E s q u i m e a u x" beigewohnt. Die indische Zensur hat den Marlene-Dietrich-Film „The Song of Songs" verboten. Emil Jannings wurde von Warner Bros für die männliche Hauptrolle in„La Dubarry" mit Kay Francis als weiblichem Star verpflichtet. Außerdem soll sich eine anglo- französische Gesellschaft gegründet haben, die mit Jannings als Hauptdarsteller und Jacques Feydor als Regisseur einige Filme in englischer und französischer Version drehen will. Walter Disney will in diesem Jahre ein Dutzend Micky-Mouse- und ebensoviele Silly-Symphonie-Filme drehen. BRIEFKASTEN (Immer wieder. Manuskripte und Briefe nicht an einzelne Rebaktcure adressieren, sondern an die Redaktion der„Teutschen Freiheit". F.©. London. Solches Material haben wir aus direkten Quelle« reichlich veröffentlicht. Zeitungsausschnitte, zumal aus deutschen Provinzzeitungen, sind uns immer willkommen. Jeder Ausschnitt sollte den Namen, den Erscheinungsort, Nummer und Datum tragen. H.©.,®t.©allen. Sie übersenden uns die„Appenzeller Zeitung", die sich u. a. schreiben lägt:„Tie Handlungsweise des Herrn Adolf Hitler verdient unter die Lupe genommen zu werden. Er hat wirklich die Gehälter der Bürgermeister und andern Beamten gehörig reduziert und hat mit der ihm eigenen Bescheidenheit dem deutschen Volke gelobt, als Reichskanzler auf ein Gehalt verzichten zu wollen. Nun aber kommt die Kehrseite der Medaille. Tiefer gleiche Herr Hitler ist Verleger und Inhaber des„Völkischen Beobachter»?, des Amtsblattes, das eine Million Abonnenten hat und dem anspruchslosen Herrn eine Jahreseinnahme von 700 000 Mark oder 875 000 Schweizer Franken verschafft, das ist eine Summe, die im zweiten Reich von niemand bezogen wurde. Adolf Hitler hat bekanntlilst auch ein Buch„Mein Kamps" geschrieben und herausgegeben. Ta da? Werk von sedem Deutschen erworben werden muß, hat es ihm in einem einzigen Jahr mindestens 8 Millionen Mark eingetragen. Wir halten es nicht für nötig, eine derartige Selbstlosigkeit lobend hervorzuheben. Es folgt der allgewaltige Herr Göring. Er ist edensall» ein Freund de? armen, ausgepreßten deutschen Volkes und heimst jährlich 03000 Mark oder 117000 Schweizer Franken ein. Ter preußische Justtzminister, der früher 50 000 Mark einstrich, schmunzelt heute angesichts der 75 000 Mark, dle ihm jährlich zugesteckt werden. Die jetzige Reichsregierung fühlte sich bemüßigt, den kostspieligen Beamtenapparat zu vereinfachen, indem sie 13 Reichsstatthalterämter ins Leben rief, deren Inhaber je 33 000 Mark verschlingen. Sogar für das bedrängte und gequälte Oesterreich wurde ein Statthalter bestimmt, obschon er noch keinen Wirkungskreis hat." Tarrnstadt. Sie machen uns auf das Programm des Gau-Partei» tags 1834 aufmerksam. Da wimmelt es nur so von Kommandos: „Eintreten!— Abmarsch!— Antreten!" Ferner:„Während des Musikstückes 14 Salutschüsse ll4jährigeS Bestehen der Partei!!. lind schließlich: Tie Eidesformel lautet:„Ich schwöre Adolf Hitler unverbrüchliche Treue, ihm und den mir bestimmten Führern unbedingten Gehorsam." Na sä, Goethe hat schon im„jVaust" den deutschen Bürger spreche» lassen:„Gehorchen soll man mehr als immer und zahlen mehr olS je vorher." „Tie Büchergilde". Albort Biksten, der beliebte nordische Erzähler, verössentlicht im Februarhest der Zeitschrist„B ü che r g i l d e" eine vorzügliche Novelle:„Kriegszustand in Koskiyaure" über den Siedler Pelle Karlsson, dir nach Lavpland zog, um dort eine neue Existenz zu gründen. Er erlebte allerhand Abenteuer und kehrt schließlich enttäuscht und entnervt in seine Heimat zurück. Weitere Novellen von Otto Krille und Emil Schibli, sowie Zeichnungen von Oans Tombrock u. a. ergänzen diese Zeitschrift der Büchergilde Gutenberg, die allen Mitgliedern unentgeltlich zugestellt wird. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann PI tz in Dudweiler: für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH., Saarbrücken S, Schützenstraße 5. Steuerfragen Gesellschafts» gründungen Wenden Sie sich an F» BRIQUEU LICENCIE EN DROIT ehemaliger Kontrolleur der direkten Steuer» behörden, um vom offiziellen Standpunkt aus beraten zu werden. 25, Bd. 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