Linzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands ummer39— 2. Jahrgang Saarbrücken, Freitag, den 16. Februar 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Massen und Führer der Sozialdemokratie in Oesterreich schlugen sich heldenhaft. Mißtraut den faschistischen und den kommunistischen Verleumdungen! Oesterreichs sozialistischer Heroismus leitet eine neue Epoche des Kampfes für den Sieg des Sozialismus ein. Den Gefallenen der februarschlacM Der Tag wird kommen! Der Tag wird kommen! Für die Menschheit seid im schweren Kampfe ihr dahingesunken, in diesem Kampfe, der seit grauer Zeit noch stets der Besten Herzblut hat getrunken, in jener Schlacht, die gegen Tyrannei die Unterdrückten aller Länder schlagen,— Es kommt der Tag, der Sklave atmet frei, ihr habt das Banner ihm vorangetragen. Der Tag wird kommen! Eure Schatten gehn durchs Erdenrund und werben rastlos Streiter; allüberall wo niedre Hütten stehn, wo Leid und Pein und Hunger die Begleiter bedrängter Menschenkinder sind, da kehrt ihr ein, um in die Herzen Glut zu werfen. Es kommt der Tag! So flüstert ihr und lehrt der Arbeit Volk zum Kampfe Waffen schärfen. Der Tag wird kommen! Mögen fort und fort die Mächtigen den Schrei der Not verachten! Mag ihre Faust durch Kerker und durch Mord die freien Geister zu vernichten trachten! Was frommt die Kette und was frommt der Strick, wenn alle die Enterbten Schwerter schwingen? Es kommt der Tag! Sein künftiges Geschick wird sich das Volk in Sturm und Kampf erzwingen! Der Tag wird kommen! Euer Schweigen wird machtvoller sich als euer Reden zeigen. Die Kerker fallen, keine Kette klirrt, kein Angstschrei tönt, kein Haupt braucht sich zu neige in feiger Furcht, ein freies Menschentum hat diese Welt zu eigen sich erworben. Es kommt der Tag, für den zu eurem Ruhm rld unsrer Schmach besiegt ihr seid gestorben. Drescher. Schlachtfeld des Heldenkampfs Kampf bis zum letzten Hann- Die Regierung läßt Frauen und Kinder erschießen- Rachefeldsug der Mörder Tausende Tole 350 Opfer im Karl-Marx-Hof dnb. London, 15. Februar. Der Wiener Korrespondent der„TimeK" sagt in einem Bericht: Die Berlustliste muß eine schreckliche Höh« erreicht habe«. Schätzungen der Sozialisten geben di« Zahl ihrer Toten nur bis Dienstag« abend aus nicht weniger als 1500 an, und es ist bekannt, daß die Schlacht, die jetzt in Kloridsdorf tobt, die blutigste von allen ist. Es heißt, daß in dem Karl« Morx-Hof genannten großen Wohngebäude allein SSV Personen getötet wur« den. nicht nur Schutzbündler» sondern auch Bewohner. Die Regierungsstreit- tröste haben ebenfalls schwere Verluste erlitten. Im weiteren Verlaus seiner Schilderung sagt der Korrespondent: Eine derartige Zusammenbrängung menschlichen Leidens auf engem Raum kann es in ganz Europa seit dem Kriege kaum gegeben haben. „Abgeschlachtet" Die Schuld der Mörder dnb. London, 15. Februar. Au den blutigen Ereignissen in Oesterreich vetgsfentlicht Reuter eine Meldung, in der es heißt, unzwciselhast seien viele von den Toten und Verwundeten nicht am Kamps beteiligt gewesen. Sin höherer Ossizier der regulären Armee habe in Kloridsdorf im Gespräch mit einem Vertreter des Reuterbüros zugegeben, daß die meisten Verluste wahrscheinlich unter unschuldigen Personen zu verzeich« uen seien, die nicht aus ihren von der Artillerie des Bun» desHeeres beschossenen Wohnhäusern entkommen konn» t e«. Die Reutermeldung gibt der Ansicht Ausdruck, daß ein Ergebnis der Ab« schlachtung von Richtkämpsern eine Zunahme der Erbitterung der Arbeiterklasse gegen die Regierung Dollsuß sein werden. „Dailp Telegraph" bringt einen Aufsaß seines Korrespondenten für Zen- troleuropa Gedye, in dem ausgeführt wird, daß man in Oesterreich nicht von einem kommunistischen Ausruhr sprechen könne. Der Aufruhr sei viel- mehr von den Heimwehrsührern ausgegangen» die Dr. Doll- fuß gezwungen hätten, die Bestrebungen durchzuführen, die sie in ihrem eige- neu Putsch vom IS. September ISIS ersolglos zu verwirklichen versucht hätten, einen Putsch, aus den keine Todesurteile und nicht einmal Verurteilungen zu Gefängnisstrafen gefolgt seien. Der Korrespondent sagt, die Regierungs- artillerie führe jetzt das Ende der demokratischen Republik herbei, wenn auch für einen furchtbaren Preis von Menscheuleben. Wen« Dr. Dollfuß dieses Schlachtfeld hinter sich habe, werde er sich einem anderen von äußerster Tat» kraft und Entschlossenheit erfüllten Feinde gegenüberseheu, nämlich dem Nationalsozialismus. * Wien, 15. Februar.(Eigener Bericht s In der Nacht zum Donnerstag hat der Bundeskanzler Dollsuß höchst persönlich im Wiener Rundfunk einen Bericht über feine Mordarbeit gegeben. Die Zahl der Toten und der Ber- mundeten, unter denen sich viele Frauen und Kinder befinden, hat er ver- schwiegen. Die furchtbare Ziffer wird amtlich niemals wahrheitsgemäß bekannt- gegeben werden. Als der Bundeskanzler sprach, war der Kamps zwar mili« tärisch schon zugunsten des Heeres und der Polizei entschieden, wie bei deren Uebermacht niemand hatte anders erwarten können, aber die sozialdemokra- tischen Schutzbündler leisteten und leisten noch immer an zahlreichen Stellen heldenhaften Widerstand. Der Bundeskanzler brachte nicht einmal die ritterliche Geste auf, den tapferen Kämpfern freien Abzug zu gewähren. Er machte ihnen ein verletzendes Angebot, das die gemeine Gesinnung der Bundesregierung deutlich offenbart: „Wer sich von jetzt ab, 11 Uhr abends, jeder ungesetzlichen oder feindseligen Handlung strikte enthält, und morgen, Donnerstag, den 15. Februar von 7 Uhr früh bis Ii Uhr mittags den Exekutivorganen stellt, kann, ausgenommen die verantwortlichen Führer, auf Pardon rechnen." Dollsuß will also die sozialdemokratischen Kämpfer aus ihren Posi- tionen herauslocken, um sich dann diejenigen auszusuchen, die er vor seinen Standgerichten aburteilen und wenige Stunden nach dem Urteilsspruch hän- gen lassen will. Schon hat der Henker seine Arbeit begonnen und viele, viele wird der fromme Bundeskanzler Dollsuß den Weg zum Galgen antreten lasten. Nach amtlichen Meldungen sind allein in Wien 2 0 0 0 Personen festgenommen worden. Dieselbe Meldung behauptet, daß die Sozialdemokraten einen Angriff mit Chlorgas geplant gehabt hätten. Wenn das der Fall gewesen sein sollte, so würde« sie sich lediglich ähnlicher Waffen wie die Regierung bedient haben, denn deren Truppen haben die Wohnblocks vergast, in denen sich die Verteidiger von Gesetz und Recht und Freiheit verschanzt hielten. Ohne Rücksicht ans Frauen und Kinder sind die Regierungstruppen mit den furchtbarsten Mitteln moderner Kriegführung vorgegangen. Viele Frauen und Kinder befinden sich unter den Toten. Wenn es wahr ist, was die Negierung behauptet, daß Frauen auch aktiv an den Kämpfe« sich beteiligt haben, und wie es heißt,„also keines- wegs unschuldige Opfer waren", so ist dies ein hohes Heldenlied auf die kämp- senden Proletarierinnen. Die Regierung will aber mit ihrer Behauptung nur Ignotu»: Mutiges Geschäft Helden und Händler stehen gegeneinander. Aus der einen Seite der heldenhafte Kampf für die Idee, noch ein Todeskampf der Freiheit. Auf der anderen Seite ein schmutziges und blutiges Geschäft. Die Händler siegen, tue Helden sterben. Das ist österreichische Tragödie. Ein telefonischer Bericht, den„Le Temps" am 13. Feb- ruar aus Rom erhalten hat, enthüllt das Geschäft.„Poli- tische Kreise(in Rom) erklären sich zufrieden mit den energischen Matznahmen der Regierung Dallfutz. Sie sind der Auffassung, daß der Aufstand als gescheitert betrachtet sein kann, und sie begrüßen(„ils applaudissent"; sie klatschen Beifall!) die Auslösung der Sozialdemokra- tischen Partei. Man darf nicht vergessen, datz Italien immer von der Auffassung ausging, datz eines der besten Mittel für Oesterreich, den Widerstand gegen die rote sowie die hitlersche Gefahr zu leisten, die U e b e r- nähme der faschistischen Methoden sei. Aus diesem Grunde hat Rom immer die Heimwehren er- muntert, die ihm als die repräsentativsten Elemente des österreichischen Faschismus erschienen." Die Regierung Dollfutz macht Oesterreich zum faschisti- schen Vasallenstaat. Das ist der Preis, den Italien für den Schutz Oesterreichs gegen Hitler erhalten soll. Der französische Senator Berenger, der Borsitzende der aus- wärtigen Kommission des Senates, also ein autzer- gewöhnlich gut informierter Politiker, schreibt sogar in einem Artikel, datz Oesterreich von Italien i- scher Seite ganz bestimmte Versprechen er- halten hat im Sinne der Besetzung irgend- welcher Form des österreischischen Bodens durch Italien, um auf diese Weise diesen Boden gegen die deutschen Unternehmungen zu schützen. Italien benutzt die verzweifelte Lage Oesterreichs, um es faktisch zu seiner Provinz zu machen.- Nun hätte die Lage Oesterreichs gar nicht so verzweifelt werden müssen, hätte nicht Italien von vornherein auf die Faschisierung Oesterreichs gedrängt, d. h. auf die Unterdrüchung des großen Teils des Volkes und eben des Teiles, der für den Kampf gegen den Nationalsozialis- inus und für die Unabhängigkeit Oesterreichs in erster Linie in Frage kam. Italien hat eine an sich nicht bedeu- tende Minderheit unterstützt, die bereit war, sich als eine besondere österreichische Abart des Faschismus zur Ver- fügung zu stellen. Die Massen, soweit sie hinter diesem Austrofaschismus stehen, werden noch ihre bitteren Enttäuschungen erleben. Nutznießer des Geschäfts hoffen die machtlustigen, reaktionären politischen Cliquen zu werden, die nicht imstande wären, ohne italienische Unter- stützung an der Macht zu bleiben. Sie hoffen es. Sie hoffen, datz sie, nachdem sie sich im Marxistenblut gebadet haben, gegen die Angriffe des Nationalsozialismus immun geworden sind. Sie glauben: der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr... darf bleiben. Herr Dollfutz war gebunden durch die Verpflichtungen, die er dem französischen Außenminister Paul-Boncour gegenüber übernommen halte. Er benutzte den Regie- rungswechsel in Frankreich, um seine Verpflichtungen zu brechen und den Bürgerkrieg, dem in Rom Beifall ge- klatscht wird, auszulösen. Er hat feierlich den öfter- reichischen Schritt bei dem Völkerbund angekündigt, hat sich durch sein Kabinett die Vollmacht zu diesem Schritte geben lassen und ist dann nach Budapest gefahren. Es wurde allgemein anerkannt, daß diese Reise an sich ohne irgendwelche politische Bedeutung war. Offenbar diente sie nur dem Zweck, den Schritt bei dem Völkerbund zu verzögern. Italien war nämlich gegen den österreichischen Schritt. In Paris ist stark die Auffassung vertreten, datz Dollfutz vielleicht überhaupt auf die Anrufung des Völkerbundes verzichten und sich allein aus den ver- sprochenen Schutz Italiens, voraussichtlich durch die ita- lienische Okkupation, verlassen wird. Die andere Mög- lichkeit ist. datz Italien eine„Bereinigung" der inneren Lage, d. h. die Vernichtung der Sozialdemokratie und die Sicherung der faschistischen Gleichschaltung vor der Anrufung des Völkerbundes verlangte. Auf jeden Fall wollte Dollfutz vor dieser„Bereinigung" den Völker- bund nicht anrufen. Er fuhr nach Budapest und seine Mitarbeiter bereiteten die Aktion gegen die österreichische Arbeiterschaft vor. Werden sich die Hofsnungen des Herrn Dollfutz er- füllen? Wird der Moyr, der feine Schuldigkeit mit solchem Aufwand von Blut getan hat. bleiben oder gehen? Es bleibt noch die dritte Macht, mit der ab- gerechnet werden mutz: der deutsche Nationalsozialismus. Wird nicht Italien versuchen, mit Hitler zum Kompromiß in der österreichischen Frage zu kommen, und wird es nicht bereit sein, zu diesem Zwecke seine heutigen Werk- zeuge morgen zu opfern? Italien ist auch schärfster Gegner des Anschlusses. Es liegt nahe, datz Italien ein Kompromiß mit Hitler zu erreichen versuchen wird, etwa auf der Gründlage: Oesterreich unter dem ita- lienischen Protektorat,„unabhängig", d. h. vom„dritten Reiche" getrennt, aber mit ihm eng verbündet, und auf anderer Seite deutsche Aufrüstung, von Italien tatkräf- tig unter st ll tz t, vielleicht auch ein for- melles deutsch-italienisches Bündnis. Wo- zu wird Italien dann noch den von der übergroßen Mehr- heit des österreichischen Volkes gehatzten Dollfutz brauchen? Es wird schon für die italienische Provinz ein besserer Statthalter zu finden sein. Trotz aller Zurückhaltung, die in Paris geübt wird, läßt die französische Presse durchblicken, daß die Besorg- nisse außerordentlich stark sind. Die Faschisierung Oesterreichs unter dem italienischen Pro« tektoratmutzauch in Frankreichals ein un- geheurer Schlag gegen die französische Politik empfunden werden. Auch wenn es wirk- lich gelingt, was noch gar nicht sicher ist. den national- sozialistischen Anschlag auf Oesterreich abzuwehren, so er- scheint auch die Perspektive eines faschistischen Blocks, der das Mitteleuropa von Meer zu Meer beherrschen würde, als sehr gefährlich. Die Kleine Entente und Polen, von Frankreich durch faschistisch begrenzten Raum abgetrennt, würden dann diesem Faschistenblock völlig ausgeliefert. Namentlich würde dann faktisch Italien zwischen der Tschechoslowakei und Jugoslawien liegen. Jugoslawien sFortsetzung von der 1. Seite.) darüber hinwegtäuschen, daß die Frauen uao Kinder, du nicht aus den umkämpften Wohnungen hinauskommen konnten. von den Kugeln und Granaten der Regierung getötet worden find., Di? Verheerungen in den Kampfgebiete« sind furchtbar. Das Floridsdorser Arbeiterheim liegt vollstän- big in Trümmern. Nach einer Behauptung haben es die Ver- teidiger vor der Uedergade in Brand gesteckt, nach einer andern ist das Gebäude durch eine Explosion gesprengt wor, den. Die Straßen von Floridsdors sehen aus wie eine Stadt im Krtcgsgebiet. Biel« Häuser sind durch Granatsener zcr» schoflen und die Straßen sind mit Schutt und Scherben de- deckt. Viele Tote tonnten noch nicht beiseite geschafft werden, obwohl man immer wieder Totenautos durch di« Stadt sah- ren sieht. Breite Blutlachen zeugen von den erbitterten Kämpfen. Auch in den Bezirken, in denen nach den Angaben der Rc- gicrung die Truppen und die Polizei vollständig Herrin der Lage sein soll, und wo man in der Tat zahlreiche lang« weiße Fahnen aus halb zerstörten Häusern wehen sieht, bleiben Truppenteile und Artillerie schußsertig. Mindestens in Sim- niering, in Meidling und in Floridsdors gibt eö noch mit »»erhörter Tapserkeit verteidigte Widerstandsnester. Der einer Festung gleichende Karl-Marx-Hos ist zum Teil und einige andere Häuserblocks sind noch nicht genommen, und es wird jeder Bewaffnete, der sich nähert, von den Bertei- digern beschoffen. Im Karl-Marx-Hos wird um jedes Zimmer gekämpft. Ein Teil der Schnßbündlcr haben sich nach Sagran zurückgezogen, wo sie angeblich Schützengräben ausgeworfen hoben sollen. Die Regierung bat aus dem Bisamberg eine Batterie Haubitzen in Stellung gebracht, nm den Widerstand zu brechen. Die Bundesregierung geht mit der grausamsten Brutalität vor, weil sie befürchtet, daß bei einer Fortdauer der Kämpfe ihre Position gegenüber den Rationalsozialisten unhaltbar werden könnte. Die Truppcukonzentrationen richten sich jetzt gegen Wiener Neustadt, Kagran, Stadlau und Kirchenstädteu. „Slegesbollelln" Die erste Kopfprämie Wien, 15. Febr. DaS Bundeskanzleramt teilt mti: „Die rote Revolte ist vollkommen niedergebrochey. Aus allen Teilen des Bundesgebiets laufen die Meldungen über einen vollständigen Zusammenbruch der roten Revolte ein. Es wird überall normal gearbeitet und fast keinerlei Widerstand geleistet. Selbst in den H a u p t z e n l r e n des bisherigen Widerstandes, wie in Oberste icrmarkz. B. befindet sich der Schutzbund aus der Flacht. Der Leiter deS dortigen Widerstandes, der frühere sozialistische Abgeordnete Koloman W a l l i s ch, ist mit etwa 120 Schutzbünölcrn flüchtig und hat sich in die Wälder der Umgebung von Bruck an der Mur zurückgezogen. Ans seine Ergreifung ist von Vizekanzler Fcu eine Prämie von 1000 Schilling ausgesetzt worden. In Wien hat die Eröffnung des Artilleriefeuers auf die von den Sozialdemokraten besetzten Teil« von F l o r i d s- darf bewirkt, daß sie ihre Stellung verlassen haben und auf einer Anzahl von Gemeindehäusern weiße Fahnen hißten. Die letzten Widerstandsnester werden rücksichtslos niederkämpft werden. Anch in S! m M e r i« g wurde auf mehreren roten Gemeindehäusern die weiße Fahne gehißt. Die Ticherheitöwache. Schutzkorps und Bnndesheer haben in Linz eine vollständige Säuberung vorgenommen." » Trotzdem bleibt wahr, daß noch immer tausende Schutz- bündler die Waffen nicht gestreckt haben und sich wehren bis zum letzten Mann. ..Widerstand bis znm AeuBerslen" Im Gebirge Paris, 15. Febr. Di« Agentur Sud-Est berichtet a»S Wie», baß«S 2000 Schntzbündleru gelungen sei, sich auf dem Laaer Berg südlich von Wien zu sammeln. Sie schienen reich- lich über Waffen und Munition zu verfügen. Räch der gleichen Quelle sollen die Sozialdemo- traten zahlreiche Flugschristen zur Verteilung gebracht haben, in denen zum Widerstand bis zum Aeußer- st e n aufgefordert und angekündigt werde, daß demnächst 40 000 Schutzbündler in Wien eintreffen würden,»m die belagerten Punkte z» verstärken»nd«m zu versuchen, gegen die RegicrungSstreitkräste die Offensiv« zu ergreifen. Schönfärberei and Rache Halbamtliche Berichte bnb. Wien, 15. Februar. Der Wiener Jnb», striellenverband hat bekanntgegeben, daß am Mitt- wach in allen Betrieben, soweit sie nicht in den»mkämpsten Gebteten liegen, die Arbeit bereits wieder ausgenommen worden sei. Die Keneralstreikparole habe keinen Widerhall gesunden. Bielmehr seien die Belegschaften nahezu voll- ständig wieder erschienen. Wie die halbamtliche Politische Korrespondenz meldet, stünden in jedem Bundesland höch- ftens«och die Belegschaften von ei« bis zwei Betrieben im Streik»- lediglich in Steiermark hätten fünf bis zehn Be- trieb« die Arbeit«och nicht wieder ausgenommen. würde durch Italien, die Tschechoslowakei durch Deutsck)- land, Ungarn und Italien auf bedrohlichste Weise um- zingelt sein Wenn man dieses Bild vor Augen hat, so spürt man schon die Fronten des neuen Weltkrieges. Diese verhängnisvolle Entwicklung kann nur durch eine wirklich energische politische Gegen- offensive aufgehalten werden, und die Mitwirkung Englands wäre für diese Gegenoffensive von entscheiden- der Bedeutung. Vorläufig äußert sich die italienische Politik in Orakelsprüchen. Wiro es Frankreich gelingen, die Klarheit über die Haltung Englands herbeizuführen? Wird es ihm gelingen. England für die tatkräftige Unter- stützung seiner Bemühungen zu gewinnen? Das sind heute die Fragen, von denen unendlich viel abhängt. Händler siegen, Helden sterben. Das unheimliche Ge- schüft geht weiter. Es ist aber neue Kraft in der Welt entstanden: Die Fahne der Freiheit, die noch einmal vom Blute der sozialistischen Arbeiter rot gewcrden ist. Unsere österreichischen Brüder haben gezeigt, wie gekämpft wird. Diese Lehre wird ab heute den Gang der Geschichte be- einflussen. E» wird die Stunde der Helden kommen. In Wien ist der Direktor der Städtische« eeichenbestattuugshalle seines Amtes ent» hoben worden, weil es unter seiner Leitung möglich ge» wcscn sei, daß der Republikanische Schutzbund aus dem Zentralsriedhos ei« Wasscnlager angelegt Hab«. In Niederösterreich find die Mandate von 4121 sozialdemokratischen Gemcindevertretern erloschen. Rund 150 Gemeindevertretungen find ausgelöst worden. In an- deren Bundesländern, die weniger stark industrialisiert find, sind die entsprechenden Ziffern geringer. In politischen Kreisen ist«an der Anficht, daß es der Regiernng»och Ab- erkennnug der sozialdemokratische« Mandate keine Schmie- rigkeite« mehr dereite» würde, den Rationalrat ein- zubcrnsen«ad aus diesem Wege eine Bersassuugsändcrnng auf„legalem" Wege durchzuführen. Die„Reichspoft" macht den Borschlag, ans dem Vermöge» der Auftro-Marxisten einen Fonds zu bilden, der dann zu» Wiedergutmachung der durch die Kämpfe angerichteten Schäden zu verwenden sei. Amflidie Greoehneldong Schutzbündler„massenhaft" niedergemacht Wie amtlich mitgeteilt wird, wurden in ThomaSroltst (Oberösterreich) vier Wchrleute, die einen schwer- verletzten Kameraden bergen wollten, von Schntzbündleru beschoflen, so daß drei von den Wehrmänncrn sielen. Als das BundeSheer in das dortige Arbeiterheim eindrang, das die weiße Fahne gehißt hatte, wnrde es wiederum» bä» schoflen. Die Soldaten erwiderten das Feuer und machte» alle Schutzbündler an Ort«nd Stelle nieder. In Linz wnrde ein Auto, in dem ein Oberleutnant eines Alpenjägerrcgiments, drei Mann und der Chauffeur saßen, beschoflen. Alle fünf Insassen des AntoS wurden getötet. Selbst diese zweifellos gefärbte amtliche Meldung läßt erkennen, mit welcher Grausamkeit die Regierungstruppen Rache nehmen. Die entschuldigenden Angaben in der Mel- dung sind zweifellos nur eingesiigt worden, um daS furcht» bare Maflakre an den Schntzbündleru einigermaßen zu rechtfertigen. Die verhütteten 50 sozialdemokratische Führer in Oesterreich verhaftet Wien, 14. Febr. Außer dem ehemaligen Bürgermeister von Wien S e t tz sind jetzt über 50 sozialdemokratische Führer verhaftet worden, unter denen sich der bekannte Sozialdemo- krat Dr. Karl Renner, ferner der ehemalige General und Schutzbundführcr Theobor Körner, zwei Bundesräte, fünf Stadträte, zahlreiche Gcmcinderäte und Bürgermeister, Magistratsdirektoren, der Obmann der sozialdemokratischen Parteiorganisation Frey, der Oberinspektor des Elek- trtzitätswerkcS, der Chefredakteur deS sozialistischen „Kleinen Blattes" befinden. Wettere Verhaftungen von sozialdemokratischen Führern sollen bevorstehen. 10 Beamte deS„ReichsocrcinS der Bankbeamten" sind unter dem Verdacht»erhastet worden, Gelder aus den De» pots des Reichsvereins abgehoben und dem Schutzbund zn» geführt zu haben. Die zwclle Hinrichtung Wien, 15. Febr. Nachdem das Todesurteil an dem auf» ständischen Führer Munichreither bereits am Rachmittag vollstreckt worden war, ist um 0,42 Uhr auch der zum Tod« verurteilte Kommandant der Floridsdorser Hauptsener» wache, Ingenieur Wetflel, hingerichtet worden. DieGewerksdiattsliKernaflonaie Solidarität, gleichviel wie der Kampf auslaufen möge dnb. Paris, 15. Febr. Der Vorstand der Gewerkschaft»« internationale hat in Paris eine dringliche Sitzung ab- gehnlten und in einer Entschließung beschlossen, alle erior- dcrlichcn Maßnahmen zu ergreisen, um praktisch die inter- nationale Arbettersolidarttät gegenüber dem österreichischen Proletariat zu zeigen, gleichviel wie der Kampf auslaufen möge. Die Entschließung erhebt Einspruch gegen das Vorgehen der Polizei und der Truppen gegen Frauen und Kinder sowie gegen die Repressalien gegen Männer, die ihre Freiheiten verteidigten. Vorkommnisse, die internationale Verwicklungen hervorriefen. Zwei»Nette Kommunisten In einer eigenen Meldung aus Wien vom 14. Februar, die durch Vermittlung eines österreichischen Vertrauens- mannes unmittelbar aus dem Kampfgebiet stammte» haben wir berichtet: Die Versuche, sozialdemokratische Führer zu diffa- Mieren, werden diesmal nicht gelingen. Ohne Widerstand verhaftet wurden nur greike Veteranen der Partei, die auf ihren politischen Posten in der inneren Stadt auf Partetbekehl aushalten mußten, wie etwa der siebzig- jährige Bürgermeister Seitz, der schwer herzleidend im Gesängnislazarett liegt. Dr. Fulius Deutsch und Otto Bauer haben sich führend und aktiv an den Kämpfen beteiligt und den Arbeitern«in Beispiel per- sönlicher Tapserkeit gegeben. Otto Bauer konnte sich nach dem Zusammenbruch seines Frontabschnittes in Sicher- heit bringen, lieber das Schicksal von Dr. Julius Deutsch, den Gründer und Führer des Schutzbundes und früheren Wehrminister, ist zur Stunde nichts bekannt. Das kommunistische Blatt in Saarbrücken nimmt aus dieser Meldung den vorletzten Sah heraus und fälscht also die Tatsachen in ihr Gegenteil um. Selbst die Faschisten haben die Tapferkeit von sozialdemokratischen Führern und Massen in Oesterreich anerkannt. Es genügt, die Gemeinheit einer solchen Leistung der kommunistischen Presse wiederzugeben. * Faschisten In einem Berliner Telefonat über das Echo der öfter- reichischen Kämpfe sagt die Basler„National-Zeitung", daß die tapfere Haltung der österreichischen So- z t a l i st e n, die ganz ander» als die deutschen für iftr Ideal zu sterben wissen, weit herum, ja selbst bei National« Die ersten Originalbilder von den blutigen Kämpfen in Wien MUitärabteilung auf Lastwagen vor dem Wiener Rathaus, das besetzt wur^.. Oben rechts: Der Karl-Marx-Hof, eine große Mustersiedlung im Wiener Norden, in der sich die Schutzbündler verschanzt hatten und trotz Einsetzung von Artillerie verzweifelten Wider- stand leisteten— Unten rechts: Schulkinder bringen einen Wagen der Straßenbahn, der infolge des Streiks stromlos geworden war. ins Depot. Verzweifelt wird weitergekämpft Die Lage in der Prov ns Das Deutsche Nachrichten-Büro meldet aus München. 14. Februar: Nach den dem österreichischen Pressedienst vor- liegenden Nachrichten ans Oesterreich ist die Lage im ganzen Lande nach wie vor sehr ernst. In der Stadt S t e y r in Obcrösterreich ssnd die Aus- ständischen immer noch Herren der Lage, nachdem sie ledig- lich einen Teil der Stadt nach heftigem Artillerieseuer räumen mußten. Die Stadt ist vom Bahnoerkehr ab- geschnitten, da die Marxisten die Bahngleisc nach St. Ba- lenti« gelprengt haben. Eine Gendarmcrieabteilung wnrde von den Marxisten überfallen und ließ elf Tote am Platze surück. Im Salzbnrger Bahnhof wurde am Mittwoch eine Lokomotive aus der Drehscheibe vor dem Lokomotivschuppen umgestürzt, so daß die anderen Lokomotiven nicht ausfahren konnten. Der Bahnhof wurde später von einer Abteilung des Schutzkorps besetzt. In der Nähe von Puch sprengten die Marxisten einen Elektrizitätsmaft der wichtigen Bahnstrecke Salzburg—Bischosshosen, so daß der Berkehr nur noch ein- gleissg ausrechterhalten werden kann. In Zell am See weigerten sich Angehörige der Heimwchren, zum Schutzkorps einzurücken nnd weinten, als sie dazu gezwungen wurden. An Hallein befürchtet man den Ausbruch von Unruhen. NN Mann der Salzburger Garnison wurden dorthin ab- kommandiert. Die Stadt Graz war am Dienstag abend ohne Licht. Die Straßenbahn und die Bundesbahn konnten nicht ver- kehren. Die Fernsprechverbindungen sind zum größten Teil unterbrochen Die Stimmung aus der Regicrungsleite ist äußerst gedrückt. Der Kommandant der berittenen Polizei ist in den Kämpfen gefallen. Die Heimwehr wurde bisher lediglich zur Bewachung von Parkplätzen eingesetzt. In Eggeuberg bei Graz war es am Dienstag nachmittag erneut zu schweren Kämpfen gekommen. Die Kasernen der Gendarmerie und Polizei wurden von Sozial- dcmokraten gestürmt. Was sich zur Wehr setzte, wnrde nieder- gemacht, die übrigen gesangen genommen. Fe ein Ucbersall- auto der Polizei und der Gendarmerie, die zur Hilse geeilt waren, mußten sich nach kurzem Handgemenge ergeben. Später wurden Alpenjäger und weitere Verstärkungen der Gendarmerie eingesetzt, woraus sich die Sozialdemokraten in der Richtung ans Göfting zurückzogen. Aus feiten der Marxisten wurden hier in den Straßenkämpsen auch Minen- werser benutzt, die unter den Regierungstruppen verheerend gewirkt haben sollen. Schließlich wurde Artillerie eingesetzt, die die Stellungen der Marxisten die ganze Nacht über un- unterbrochen beschossen. Die Glasfabrik Göfting ist nnr noch ein Trümmerhaufen. Bisher wurden über 60 Tote gezählt. Größere Unruhen werden auch ans Obersteiermark gemeldet. Im oberen Ennstal hat die Gendarmerie mehrere Tote zu verzeichnen. * In Bruck Ott der Mur haben die Schutzbündler noch immer die wichtigsten Punkte in der Hand. Der Eisenbahn- verkehr ist teilweise lahmgelegt. * In Wien, wo die ganze Nacht zum Mittwoch und auch am Mittwoch vormittag unausgesetzt Maschincngewchrseuer und Kanonendonner zu hören war, befinden sich das Leo- poldsauer Gaswerk nnd das Elektrizitätswerk immer noch in den Händen des Republikanischen Schutzbundes Die Rc- gierung wagt es nicht, diese städtischen Anlagen mit schwerem Fener zn belegen, um diese lebenswichtigen Anlagen nicht der Gefahr der Vernichtung auszusetzen. in den Wiener Vororlen Oltakring- He dJing- Floridsdorf Wien, 14. Februar. Die Kampshandlungen haben am Mittwochvormittag wieder in größerem Umfange eingesetzt. Die Kämpse er- strecken sich jetzt hauptsächlich aus den Abschnitt Floridsdorf. Die Regierungstruppen nahmen nach längerer Artillerie- Vorbereitung die Garteustadt sowie einen größeren Ge» meindebau. Floridsdorf soll gegenwärtig von allen Seiten von den Regierungstruppen eingeschlossen sein. Den Schutzbündlern soll ein um 12 Uhr ablausendes Ultimatum gestellt worden sein, die Waffen abzuliefern und sich zu ergeben, andernfalls das gesamte Gebiet, in dem sich die Schutzbündler verschanzt haben, vollständig mit Artillerie zusammengeschossen würde. Aus St. Pölten sind am Bormittag die Artillerie und Regierungstruppen eingetroffen und sofort in Floridsdorf in den Kamps eingesetzt worden. Die Zahl der Schutzbündler in Floridsdorf wird halbamtlich mit 6000 Mann angegeben. Schwere Kämpfe sollen gegenwärtig auch an der Philadelphia- brücke im Gange sein. Auch aus Ottakring werden Kämpfe gemeldet. I« den Mittagsstunden des Mittwoch wird von a m t- l icher Seite sdaher braucht es auch nicht so ganz zu stimmenj mitgeteilt, daß der letzte Kampsabschnitt, der noch in größerem Ausmaße im Besitz der Schutzbündler war, näm- lich die Stellungen in Floridsdorf, von ihnen geräumt worden sind nnd sich nunmehr vollständig im Besitze der Re- giernngstruppen befinden. Die Schutzbündler haben sich in Floridsdorf ergeben nnd die weiße Fahne gehißt. Auch die Kämpfe an der Philadelphiabrücke sind gegen Mittag zu Ende gegangen. Anch In den anderen Kampfabschnitten sind die Schutzbündler im Rückzug. Aus einzelnen Arbeiterhäusern sind bereits weiße Fahnen gehißt. Bei der Besetzung wnrden Mengen von Waffen nnd Munition ansgesunden. Im 12. Be« zirk ergab sich ebensalls eine große Anzahl von Schutz- bündlern. Da die Polizei zum Abtransport der Gefangenen nicht ausreichte, wurden die in der Umgebung liegenden Magazine besetzt und die Gefangenen dort sofort eingesperrt. Die Truppen haben am Bormittag eine systematische Durch- snchung sämtlicher roten Gemeindehäuser vorgenommen, die von den sozialdemokratischen Gemeindeverwaltungen seit Jahren mit össentlichen Mitteln als strategische Stützpunkte für einen etwaigen Bürgerkrieg hergerichtet waren. Das Gaswerk Leopoldsau an der Grenze von Floridsdorf, das bisher ununterbrochen von Schutzbündler« besetzt war, ist ebensalls in die Hände der RegierungStruppen gefallen. Im Judeuhos, ebenfalls in Floridsdorf, versuchten sich die Schutz- bündler zunächst i« Stellungen einzugraben. Das Polizei- kommissariat im Bezirk Floridsdorf, das seit Beginn des Ausstandes inmitten des Schußfeldes sowohl von selten der Regierungstruppen wie auch der Schutzbündler lag, hatte schon in den Bormittagsstunden Lust bekommen, so daß es zum erstenmal seit diesen Tage« verlassen werden konnte. Bei dieser Einzelaktion sollen 100 Gefangene gemacht worden sein. Die Leiche des am Dienstag getöteten Bezirkshanpt- mannes Friedrich wnrde in Floridsdorf gefunden. Im Schlingerhos sFloridsdorsf, der von den Regierung«- truppen mit Minen beschossen worden war, sind jetzt 5 II Tote aufgesunden worden. *, In Meidling haben die Schutzbündler noch den Wiener Berg besetzt. W i e n, 14. Febr. Im Bezirk Meidliug setzten heute mittag Regiernngstruppen zum Angriff ans das Meidlinger Ge- meindehaus, einen ausgedehnte« Gebäudekomplex, an, in dem sich die Schutzbündler verschanzt hatten. Die Regierung«- trnppen beschossen daS Gebäude zwei Stunden lang mit Maschinengewehren. Schließlich wurde ein Panzerwagen ein- gesetzt. Bor Erössuung des Feuers war den Frauen und Krndern gestattet worden, mit ihren Sachen das Gemeinde- Haus zu verlassen. Bon den Schutzbündler« wurde aus allen Fenstern das Feuer heftig erwidert. Eine Frau wnrde durch Querschläger getötet. Der Kamps ist zur Stunde noch im Gange. Die Krönung 36 sozialdemokratische Verbände und Vereine aufgelöst Wien, 14 Febr Die amtliche Nachrichtenstelle teilt mit: Das Bundeskanzleram: hat die Auflösung von insgesamt 3» sozialdemokratischen Vereinen verfügt. Darunter bestn- den sich, sämtliche Zentralorganijationen der österreichi che» sozialdcinölratischcii Partei. eimchließlich der freien Ge- werkfchaften. deren Spiyenverband, der Buno der Freien Gewerkschaften Österreichs, ebenfalls der Auflösung ver- fallen ist. Die übrigen sind die sozialistischen Arbeiter- vereine, die Touristen- und Sportvereini- g u n g c n sowie die gesellschaftlichen Bereinigungen, die unmiitclbar der sozialdemokratischen Pariei angegliedert waren. »cid ranaldircBt&cr Der Schwerverwundete gehängt... Wien. 14. Febr. Das vom Standgericht gegen den Schutz, bündler Karl Munickreither verhängte Todesurteil ist um 16.41 Uhr durch den Strang vollzogen worden. * Drei Stunden nach dem ungeheuerlichen Urteil des Wiener Standgerichtes wurde im Namen des Verfassungs- bruches. im Namen des Staatsstreichs der Schutzbund- führer Munichreither..gerichtet". Der Schwer- verwundete mußte also die Rache der entmenschten Soldateska sehr schnell über sich ergehen lassen. Eine Ungeheuerlichkeit, die die ganzen verbrecherischen Methoden der österreichischen Gewaltmenschen und Faschisten der großen Öffentlichkeit enthüllt. Das ist kein Richten, das ist grausamer barbarisch- st e r Mord. Der Schutzbündler Munichreither war ein Held. Er wurde von der Meute der Reaktion kaltblütig und wohl- überlegt gemordet. Wie das die christlichen Heuchler, die in Oesterreich triumphieren wollen, mit ihrer Religion in Einklang bringen, bleibt allen religiös und menschlich Empfindenden unerklärlich. Munichreither ist tot. Die kämpfende Arbeiterschaft der ganzen Welt wird ihn und die Helden des Kampfes um Wien in ewiger Erinnerung behalten Auf der Tragbahre... Wien, 14. Febr. Ter Senat des Standgerichtes, der aus drei Oberlandesgerichisräten zusammengesetzt ist. trat heute zum ersten politischen StandgerichtSprozcß zusammen. Gegen zehn Mitglieder des Sozialistischen Schutzbundes ist Anklage auf Aufruhr im Sinne des TtandrechteS erhoben worden. Zwei der Angeklagten, die bei den letzten Kämpfen schwere Verletzungen erlitten hatten, mußten auf Trag« bahren in de« Sitzungssaal gebracht werden, sie wurden se- doch vom Gericht für verhandlungsfähig erklärt. Bei den Angeklagten handelt es sich überwiegend um er- werbslose Arbeiter. Ein Abschluß der Verhandlung ist für heute noch nicht zu erwarten. Weitere Standgerichte zusammengetreten Wien, 14. Febr. Am Nachmittag sind drei weitere Stano- gerichte zusammengetreten. Angeklagt ist u. a. der Komman- dant der Hauptfeuerwache in Floridsdorf, Ingenieur Weizcl. Von dieser Wache wurde die Polizei wiederholt beschossen, wobei zehn Wachbeamte, darunter der Stabshauptmann Friedrich, getötet wurden. .Deutsche Freiheit" Nr. 39 SsP HV B B|f^ of gf B B MM% B B fl B Freitag. 16. Februar 1931 .Revolution der Jugend Volksgemeinschaft des Spatens (ITF.) Nach einem Jahre nationalsozialistischer Diktatur ist die Lage der deutschen Jugendarbeiter noch schlechter all in der Republik. Von eineindrittel Millionen arbeitslosen Jugendlichen erhält nur ein kleiner Teil Unterstützung; die Jungarbeitslosen sollen sich beim Erwerbslosen oder schlecht entlohnten Vater mit durchhungern. 400 000 Jungarbeiter müssen als Landhelfer und im freiwilligen Arbeitsdienst ohne Bezahlung schwerste Arbeit leisten. Als Landhelfer erhalten sie nur freie Wohnung und Verpflegung, der Großbauer r!er Gutsbesitzer aber, dem sie als kostenlose Arbeitskraft zur Verfügung geteilt werden, erhalt noch monatlich bis zu 25 Mark bar ausgezahlt. Die 165 000 Landhelfer und Landhelferinnen drücken durch ihre billige Arbeit dich Löhne der Landarbeiter und verdrängen vor allem die Frauen der Deputanten. Die Jugendlichen in den Arbeitslagern erhalten 27 Pfg. pro Tag, doch wird ihnen nicht einmal die-o Summe aus- geaahlt, sondern zunächst ein Zwangsbeitrag für die NSDAP, abgezogen. Denn mit dem Eintritt in das Arbeitslager wird man automatisch Mitglied der Arbeitslager-Ortsgruppe der Hitlerpartei und untersteht damit der verschärften Parteijustiz. Für den Arbeitsdienst ist eine besondere Uniform Vorschrift und eine straffe militärische Ausbildung im Wehrsport. Hitler hat am 1. Mai 1933 eine begeisterte Rede über„die Volksgemeinschaft des Spatens" gehalten und erklärt, jeder, ob reich oder arm. müsse zur Zwangsarbeit ins Arbeitslager. Aber nach wie vor können Reiche sich vor dem Arbeitslager drücken. Silvester 1933 hat die Reichcregierung noch ein- mil ausdrücklich dementiert, daß sie an die Einführung der Arbeitsdienstpflicht auch nur dächte. Im„dritten Reich" ist Arbeitsdienst eine Strafe. * Zwangsarbeit In der Zeitschrift„Ziel und Weg" des NS. Deutschen Aerttebundes, sagt Ministerialrat Dr. Bartels in einem Aufsatz„Unzucht und Volkstum" über die Aufbringung der Kosten von Geschlechtskranken:„Die Kostendeckung hat weitgehend durch die Erkrankten selbst zu erfolgen; selbst auf dem Wege der Zwangsarbeit in allen Formen!" Rfldfgang der Anslandssthulden Entlastung der deutschen Volkswirtschaft um 4 Milliarden Interessant ist der ständige Rückgang der deutsehen Auslandschulden. Nach den Angaben des Konjunkturinstituts, wobei es sich übrigens um nicht immer zuverlässige Schätzungen handelt, hatte die politische und kommerzielle Auslandsverschuldung Deutschlands Mitte 1930 ihren Höhepunkt mit 26—27 Milliarden Reichsmark erreicht. Die Abzüge des Auslands bis zum Eintritt der Bankenkrise drückten den Betrag auf 23.8 Milliarden herab. Davon waren rund 13 Milliarden kurzfristig. Seit Juli 1931 bat sich die Gesamtvrrsrhuldung auf 14.6 Milliarden, im September 1933. d. h um 9,2 Milliarden vermindert durch Abzüge der ausländischen Gläubiger, durch die Entwertung des Pfundes und des Dollars sowie durch vorzeitige und freiwillige Zurückzahlung. Dabei ist am interessantesten, daß jetzt durch das Konjunkturinstitut unsere Schätzung bestätigt wird, daß die durch die Valutaentwertung bewirkte Verminderung bis September 1933, etwa 3,9 Milliarden betrug. Das heißt,— seit September 1931, dem Beginn der englischen Pfundentwertung. hat die deutsche Volkswirtschaft eine Entlastung von 4 Milliarden Reichsmark erfahren— ein Geschenk, das ihr in den zwei schwersten Krisenjahren zugefallen ist, in der Hauptsache in dem Jahr der Hitler-Diktatur! Die Krise hätte sonst einen noch schwereren Verlauf genommen. Luxusartikel Butter hb. Der Handelsteil der„Flensburger Nachrichten" meldet in Nr. 17: Auf den deutschen Bultennärkten fällt es gegenwärtig sehr schwer, das reichliche Angebot unterzubringen, da die Konsumnachfrage nach einer vorübergehenden Besserung wiederum sehr zurückgegangen ist. Die Ueberschüssc mußten in die Kühlhäuser eingelagert werden. Ja, lieber Handelsredakteur, die Löhne. Die Löhne! Auch ein„Wohlstands"zeichen Das ReichsposI mini Sterinen teilt mit, daß bei ihm und bei anderen Stellen viele Anträge eingegangen sind, den Kreis der Personen us w., denen die R u n d- • unkgebühren erlassen werden können, zu erweitern. Die in der Angelegenheit mit den beteiligten Reichsministerien bisher geführten Verhandlungen haben ergeben, daß es aus grundsätzlichen Erwägungen und zur Aermeidung von Berufungen sowie mit Rücksicht auf ditwirtschaftliche Lage des Reichs zur Zeit nicht möglich ist. den Anträgen zu entsprechen. Infolgedessen ist eine Aenderung der geltenden Bestimmungen über den Erlaß von Rundfunkgebühren vorläufig nicht zu erwarten. Jedem Deutschen sein Abzeichen Einer Delegation der Pforzheimer Wirtschaft wurde von Berliner amtlicher Stelle mitgeteilt, daß anläßlich des 1. Mai 30 Millionen Abzeichen hergestellt würden, worin die Pforzheimer Industrie auch wesentlich beteiligt würde. Treudeutsches Schlachtvieh Unter der Uebersdirift:„Ariergrundsatz beim V i e b v e t k a u f" berichtet die„Frankfurter Zeitung": Ueber eine Generalversammlung der Viehverwer- tungsge. nnisenschaft Butzbach und U rage g e 6 d(Oberhessen) wird der„Bauernzeitung Rhein- Arbeitelosensdmindel und unbelehrbare Käufer Die größte Propaganda treiben die Nationalsozialisten mit der angeblichen Abnahme der Arbeitslosigkeit. Sie soll die Richtigkeit der nationalsozialistischen Maßnahmen beweisen. Zwei und eine Viertel Million Arbeitslose weniger, verkünden Trommeln und Trompeten. Es ist nicht ganz leicht aus dem gleichgeschalteten statistischen Material ein auch nur annähernd klares Bild über die Lage des Arbeitsmarktes zu bekommen.(Verzeihung, so etwas profanes haben wir nicht mehr, wozu gab es sonst eine nationalsozialistische Revolution). Aller auch das was die nationalsozialistischen Statistiken zugehen, genügt, um eine Zu- und nicht eine Abnahme der Arbeitslosigkeit feststellen zu können. Im Juni 1931 war die Zahl der Beschäftigten 15,253 Millionen. Die der Arbeitslosen aber 3,954 Millionen. Im Dezember 1933 war die Zahl der Beschäftigten 13,253 Millionen, die der Arbeitslosen aber 4,658 Millionen. Die unsichtbare Arbeitslosigkeit(die Schar jener, die ohne jede Unterstützung hungern müssen), stieg um 1.960 Millionen. Seit 1931 aber sind jede Ostern 400 bis 600 Tausend Jugendliche erwerbsfähig geworden. Das ist natürlich nicht alles. Im„dritten Reich" rechnet man als in Arbeit stehend: Notstandsarbeiter(allein ihre Zahl wird amtlich mit einer halben Million angegeben), Pflichtarbeiter, Arbeitsdienstfreiwillige, die früher als Arbeitslose gezählt wurden. Weiter gelten Arbeitslose, die über 60 Jahre alt sind, nicht als Erwerblose, ebensowenig verheiratete Frauen, auch wenn sie jahrzehntelang eifrig ihre Arbeitslosenversicherungsbeiträge entrichtet haben. Man kann statistische Angaben wunderschön frisieren. Schade nur, daß die breiten Käuferschichten, die doch der wichtigste Faktor eines wirtschaftlichen Aufschwunges bleiben, die i underbaren Erfolge des glorreichen Hitler-Jahre« so gar nicht zur Kenntnis nehmen. Der Umsatzrückgang betrug bei den Fachgeschäften im Jahre 1933: nach amtlicher Statistik 3 Prozent(nach Angaben der Fachgeschäftsverbände sogar 8 Prozent), bei den Viarenhäusern war der Umsatzrückgang 19 Prozent, bei den Kaufhäusern 13,5 Prozent. Es fand also nicht wie behauptet wird eine Abwanderung der Käufer aus den Warenhäusern in die Fachgeschäfte statt, sondern der Kundenverlust der Warenhäuser war noch größer als die der Fachgeschäfte. Und welche Fachgeschäfte profitierten von der Umschichtung? Etwa die des Mittelstandes? Weit gefehlt. Nur dem Automobilhandel ging es glänzend. Er konnte seinen Umsatz um 4 Prozent erhöhen. Wahrscheinlich kaufen sich jetzt die Proleten und Angestellten Autos. Und Sekt. Denn auch dieses einst bürgerliche Getränk wurde in bedeutend größeren Massen vertilgt, als zur Zeiten des Systems. Das Ergebnis 1933 wäre aber noch ungünstiger ausgefallen, hätte man für das Weihnachtsgeschäft nicht besondere Maßnahmen ergriffen. Leider hielten die nicht lange an. Leise jammert darüber die„Frankfurter Zeitung": „Was die Umsatzentwicklung betrifft, hat der Januar wieder einen erheblichen Rückschlag gebracht. Was sonst die Sonderwochen brachten, war teilweise durch die Maßnahmen vom Dezember dem Weibnachtsgeschäft zugute gekommen. Die giinsti»eren Dezemherzahlen bewiesen demnach allem Anschein nach noch keine grundsätzliche Umkehr in der Haltung breiter Käuferschichten." Nein, diese breiten Käuferschichten, wie sind sie doch unbelehrbar! Volle Sdtenncn, knurrende Hoden Die Hungernden wollen Brot, aber das Getreide ist nicht für sie. da Die kleinen Bauern brauchen dringend Geld, aber das Geld ist nur für die Reichen da. Die Großagrarier erhalten hohe, von der Regierung garantierte und subventionierte Getreidepreise, während der Kleinbauer mit Hilfe hoher Zölle gezwungen wird, teuren Weizen und Roggen als Viehfutter zu verwenden. Schon das Jahr 1932 zeigte, wie katastrophal sich auf die Lage der Landwirtschaft sich die sinkende Kaufkraft der Arbeiter und Angestellten auswirkt. Ein großer Teil der Ernte 1932 blieb unverkäuflich. Er muß auf Speichern für teure Lagerkosten verfaulen. Andere Teile wurden vernichtet und für die menschliche Ernährung unbrauchbar gemacht. Wie aber siebt das Jahr 1933 aus. das nach den offiziellen Regierungsherichten, die„große Wende" für die deutsche Landwirtschaft gebracht hatte? Die Veröffentlichung des Statistischen Reichsamtes und der Berichtsstelle beim Reichsnährstand über die Ergebnisse der Vorratserbebungrn der Ernte 1933, sagen etwas ganz anderes aus, als die Nazi-Versicherungen über den großen Aufschwung in Deutschland. Der ganze Irrsinn von den vollen Scheunen und knurrenden Magen zeigt sich nur noch krasser. Während Proletarier, Landarbeiter, Angestellte sieh kein Weißbrot mehr leisten können, werden eingestandenermaßen riesige Mengen Weizen als Viehfutter verwendet. Trotzdem steigen die Vorräte beträchtlich. Die Getreide- bestände erster Hand aus der Ernte 1933 sind um etwa 130 000 Tonnen höher als die im vorigen Jahr. Unvergleichlich schlimmer aber siebt die Sache aus, wenn man die Lagerbestände zweiter Hand, nämlich die bei den Mühlen mit 1932 vergleicht. So waren die Weizenbestände 1933: 1130,3(Dezember 1932: 675,3). Roggen 1933: 878,3(Dezember 1932: 518,8). Die Großagrarier versuchten eine für sie günstige Abhilfe zu schaffen. Hohe Zölle sollten die Einfuhr eiweißhaltiger Futtermittel verhindern. Die kleinen Bauern, die«ich hauptsächlich durch Viehzucht erhalten, werden gezwungen, das Vieh mit Weizen und Roggen zu füttern, während sie kaum in die Lage kommen, sich mit Brot satt zu essen. Da sich aber diese Maßnahmen als ungenügend erwiesen, bat man einen neuen Schlag gegen die Kleinbauern vorbereitet, um die Großagrarier zu retten. Man will ihn zwingen, weniger anzubauen. In der schlichten Sprache der nationalsozialistischen Machthaber wird das folgendermaßen ausgedrückt: „Für die neue Marktordnung gilt dagegen ein Grundsatz. den der Führer selbst in aller Schärfe herausgearbeitet hat: Der durch die berufsständische Marktordnung und die Autorität des nationalsozialistischen Staates im Bereich der Ernährurigswirtschaft gewährleistete gerechte und feste Preis gilt nur für diejenigen Erzeugungsmengen, die dem wirklichen Bedarf des deutschen Volkes entsprechen." Das heißt ganz einfach: Der kleine Bauer soll wenig anbauen, damit der Großagrarier hohe Preise erzielen kann. Aber die Widersprüche sind zu groß: Wenn der Kleinhauer mit seiner Familie nicht verhungern will, müßte er seine paar Acker möglichst intensiv bewirtschaften. Das wird ihm verwehrt. Man verlangt von ihm dagegen hohe Preise für Viehfutter. Doch wovon soll er zahlen? Die Löhne fallen, die Agrarpreise steigen. So muß das heillose Durcheinander nur wachsen. Die unverkäuflichen Getreidemengen werden immer größer, während die deutschen Werktätigen sich nicht sattessen können. Main-Neckar" gemeldet, es sei bekanntgegeben worden, daß den Mitgliedern der Genossenschaft der Verkauf von Schlachtvieh an Juden verboten ist; wer gegen dieses Verbot verstößt, werde aus der Genossenschaft ausgeschlossen und der Geschäftsanteil eingezogen. Der„Vater des Trusts" Am Dienstag starb im Alter von 84 Jahren der Kaufmann und Bankier Charles Ranlett Flint, der unter dem Spitznamen„Vater der Trusts" bekannt war. Seine Interessen waren ungemein vielseitig. Als Teilhaber der Firma Gilchrist, Flint& Co. war er Generalkonsul von Costariea und Nicaragua in den Vereinigten Staaten. Während er Mitglied der Internationalen Konferenz amerikanischer Republiken war, kaufte er anläßlich des chinesisch japanischen Krieges von 1895 einen Kreuzer von Chile und verkaufte ihn an Japan. Ferner rüstete er eine vollkommene Kriegsflotte für die brasilianische Republik und gründete die pazifische Küsten* dampferlinie Neuyork—Sanfrancisco. Später wurde er Vertrauensmann für die amerikanische Regierung bei Verhandlungen über Kriegsschiffe und verkaufte in dieser Eigenschaft 20 Torpedoboote und Unterseeboote an die russische Regierung. Im letzten Abschnitt seines Lebens hatte er»ich i lit der Gründung von Kaugummigesellschaften und Schiff» fahrtslinien und mit der Leitung von Kohlenbergwerken befaßt. auch war er an vielen Kautschukgesellschaften interessiert. Im Jahre 1923 veröffentlichte er seine„Erinnerungen aus einem arbeitsreichen Leben". Er war zweimal verheiratet. llnznreidiende Brennstoffe In der Leningrader Industrie Moskau, 6. Februar. Aus der Rede de* Sekretär« der Lenin- grader Gebietsorganisation, Kirow, auf dem Parteitag gehl hervor, daß die Leningrader Industrie in steigendem Maße zum Gebrauch von Naßtorf und Schiefer«ur Deckung des gewaltigen Brennstoffbedarfs de» Leningrader Industriegebiets übergeht. Kirow unterstrich den Vorteil der Verwertung des Torfes, durch den es möglich wird, einen sich«uf natürliche Weise erneuernden Brennstoff in der Industrie zu verwerten. Die bestehenden Schwierigkeiten sind vor allem darauf zurückzuführen, daß es bisher noch nicht gelungen ist. die Torfziegel in einer die Selbstentzündung ausschließenden Weise aufzubewahren. Die Schieferlagerstätten des Nordgebiets sind im Laufe der letzten zwei Jahre erschlossen worden. Die Schiefergewinnung stößt auf die Schwierigkeit, daß die Lagerstätten sich unter dem Grundwasser befinden, aber nach Kirows Mitteilungen ist es gelungen, den Schieferbahnen zu sichern, was die Möglichkeit der Schaffung einer Del Schiefer Destillations Industrie im Leningrader Gebiet eröffnet. Dies wäre deshalb von Bedeutung, weil auch die Errichtung neuer Wassertransportwege allein nicht imstande sein wird, die Schwierigkeiten der Brennstoff- Versorgung der Leningrader Industrie zu heben Berliner Hnrzbrlel Krampf der BVG. Tie baltlos« Vage der Berliner BerfeHrSgeiellichast. über die mir fürzlich berichteten, wird uns durch einen Berliner Brlei bestätigt, besten Inhalt wir hier kurz wiedergeben. Tie Verfehrspolitik In Berlin bat formen angenommen, die den Zusammenbruch der BVG. deutlich erfennen lasten. Obwohl dauernd Straßenbahnlinien eingezogen werden, täuscht man die Oeiientlichfeit noch immer durch Ialschmel» düngen. To sollen durch, die neuen Bestimmungen bei der BBG. feine Arbeiter entlassen worden sein. Tatsache aber ist, daß In Groß-Berlin etwa tausend Straßenbahner und genau 68 Kontrolleure entlasten worden. Wie aus zuverlästi« ger Quelle mitgeteilt wird, stand die BVG. furz nach Weih- nachten vor der Pleite, die im letzten Augenblick durch da» Eingreifen der auch verschuldeten städtischen Behörden ver- hindert wurde. Tie Stadt selbst mußte infolge ihrer eigenen Verschuldung aus dem Wege über Preußen beim Reich vor» stellig werden, um eine Subvention zu erhallen. dic Downcrgnc-idsnng Ku Aland und Sanan A. Seh. Tie Lösung der französischen Krise entspricht 1^1 A. Seh. Tie Lösung der französischen Krise entspricht nicht der ungeheuren Spannung, mit der die Krisentage geladen waren. Als die Rechte ihr nächstes Ziel erreichte und die Regierung Taladier stürzte, hat es sich erwiesen, daß sie keine aus weite Sicht gerichtete Ziele hat. Tos Verhalten der Demonstranten auf den Straßen war am .Tage der Revolte toll aggressiv und in diesem Sinne, äußerlich gesehen, überfaschistisch. Aber politisch hat sich der französische Faschismus noch nicht ausgereift, er ist zunächst nur noch Reaktion. Tie aggressiv ge- wordene Rechte hat keine Vision des totalen Staates; sie schwärmt nicht für die Diktatur; sie verlangt für sich nicht einmal die parlamentarische Alleinherrschaft. Nach, der Hochspannung der Krise kam nicht die Fortsetzung der Offensive von rechts, sondern die Ruhe ist zur Parole der Mehrheit auf der Rechten geworden. Vor allem die soliden bürgerlichen Elemente waren durch die Perspek- tive vom Chaos abgeschreckt. Und so wußte die Rechte keine andere Parole und keine andere Lösung, als eben diese: Toumergue. Tie jungen Faschisten, die am 6. Februar den Sturm auf das Parlament vornahmen, haben sicher nicht gewußt, welche politischen Folgen die Erschütterung jener Tage hervorrufen wird. Denn am Ausgang dieser Krise hat das französische Bürgertum auf die solidesten und kon- servativsten Reserven der Tritten Republik zurück- gegriffen. Ter Sturm auf das System führte zur Wieder- aufrichtung des Systems. Denn Toumergue und seine nächsten Mitarbeiter verkörpern gerade die klassische Kon- servative Tradition der Dritten Republik. Wiederum ist die Vorkriegsgeneration, ja selbst die Generation der Jahrhundertwende an die Macht gelangt mit Barthou an der Spitze, der bereits 1894 Minister war. Als die Ver- treter der reaktionären Frontkämpfer-Organisation von Toumergue die Minister aus der Kriegsgeneration ver- langten, antwortete ihnen darauf Toumergue, daß er Männer mit Erfahrung vorzieht. Tie jungen Radikalen, die dreißigjährigen Minister, kommen in dieses Kabinett nicht wieder. Die weisen Staatsgreise sind jetzt wiederum in Frankreich Mode geworden. Mit Toumergue, der selbst aus der Radikalen Partei hervorgeht, kommt der gemähigte Konservativismus an die Macht. * Das Kabinett Toumergue ist ein solider Bürgerblock, die Notgemeinschaft sämtlicher bürgerlicher Parteien. In diesem Sinne bedeutet er die Wiederholung des Experi- ments von Poincare 1926. das auch eine Linksmehrheit abgelöst hat. Heute ist indessen die Rechtsschwenkung noch empfindlicher. Tie Radikalen sind sehr stark an die Wand gedrückt worden. Innenpolitisch wird der frische Luftzug, den die Radikalen mit sich nach dem Wahlsieg 1932 gebracht haben, abgestoppt. Noch wichtiger ist die außenpolitische Wendung. Damals, unter Poincare, ist Briand Außenminister geblieben. Heute verlieren die Radikalen die Führung der Außenpolitik. Es ist bekannt, daß Toumergue in best letzten Iahren seiner Präsident- schast die Außenpolitik Btiands nicht billigte und u. a. gegen die vorzeitige Evakuation des Rheinlandes war. Ter neue Außenmini st er Barthou ist der Mann seiner persönlichen Wahl. Tie Außen- Politik der Radikalen hat eine breite europäische Per- spektive und stützte sich vor allem auf den Völkerbund. Bei den Radikalen wollte Herriot eine breite Front: Paris-London-Washington-Moskau, ohne Rom und gegen Berlin. Taladier war für die Verständigung mit Rom und war nicht abgeneigt, mit Berlin zu verhandeln. Paul» Boncour nahm die mittlere Linie ein. Ten Kurs Dala- dier, vor allem im Punkte der deutsch-französischen Ver- Handlungen, kann man für erledigt halten. Inwieweit es Herriot, der im Kabinett sitzt, gelingen wird, seine außenpolitische Linie durchzusetzen, bleibt abzuwarten. Die Außenpolitik der Rechten geht von der nationalen Sicherheit und der Bünd- n i s p o l i t i k aus. Tie russisch-französische Bündnis- Politik wird indessen problematisch. Von Boncour konnte man noch erwarten, daß er Moskau besucht. Barthou wird sich dazu kaum entschließen können. Man wird in Mos- kau kaum vergessen können, daß es Barthou war, der 1 92 2 auf der Konferenz in Genua sich erbittert gegen die Verständigung mit den Sowjets wandte. Berlin hat von Barthou nichts Gutes zu erwarten: der heutige Außenminister ist Vorsitzender der Reparationskommis- sion gewesen, und die Trikolore über Mainz war für ihn das Symbol der französischen Macht und Sicherheit. In der französischen Politik ist Barthou der Mann, der die Tradition Poincares am konsequentesten fortsetzt und vertritt. 1926 hat jedenfalls Poincare auf jede außenpolitische Aktivität verzichtet und überließ hier Briand die Führung. Anfang 1934 wird der Nachfolger Briands durch den-nächsten Mit- arbeiter Poincares als Außenminister ersetzt. ch Ter solide Bürgerblock ist da. aber es glimmt unter der Asche. Tie Kaders des französischen Faschismus haben am 6. Februar ihre Feuertaufe erhalten. Ter aufgespei- cherte Haß, die gewonnene Erfahrung, werden noch ihre Früchte bringen, aber zunächst bleibt der französische Faschismus noch gespalten, er ist noch keine politische Partei. Der eine Flügel, die„Action Francaise", ist monarchistisch, aber mit deyi alten Bourbonenplunder ist in dieser überhitzten Zeit nicht viel anzufangen. Ter an- dere Flügel, die„Ieunesse Patriot?" von Tattinger ist bürgerlich-konservativ. das beeinträchtigt seine politische Schlagkraft. Gerade die Doumergue-Lösung ist für den französischen Faschismus wenig günstig. Gegen Tou- mergue und seine Gefolgschaft kann er nicht mehr vor- stoßen. Ter Kleinbürger von der Straße ist neutralisiert und wird den stürmenden gegenrevolutionären Elementen für die nächste Zeit nicht Gefolgschaft leisten wollen. Ter Faschismus wird in Frankreich nur dann die Initiative ergreifen können, wenn es zu neuen innerpolilstchen Er- schütterungen kommen wird, wenn entweder die Kammer aufgelöst, oder die Verfassungsrevision auf die Tages- ordnung gesetzt wird. Aber gerade für diese beiden Falle ist mit emer starken Aktivierung der Linken zu rechnen. Die Sozialistische Partei, von jeder Tolerierungspolitik entlastet» ist die stärkste politische Massenorganisation im Lande. Der Kriegsausbruch ver 30 Jahren In Tokio feiern sie Feste. Vor dreißig Iahren, in der Nacht vom 8. zum 9. Februar 1994, begann der erste russisch-japanischc Krieg. Japan, das Land der verachteten und verlachten Inselzwerge, hatte es gewagt, mit der ersten Großmacht der Welt, dem an Menschen- zahl und an Gewalt der Waffen doppelt und dreifach über- legenen russischen Koloß, Krieg zu beginnen. Es hat glanzvoll gesiegt. Wenn es jetzt zum zweitenmal zum Waffengang zwischen den alten Gegnern kommt, wird wiederum der Enkel der Sonnengöttin die Mächte der Finsternis schlagen. Ter Sieg von 1994 ist das Unterpfand des Sieges von 1934. So sagen sie in Tokio... Was nach der russischen Revolution aus den geheimen Staatsarchiven ans Licht kam. hat endgültig gezeigt, daß der Hauptschuldige an dem Tode einer halben Million russischer und japanischer Bauern der Zar gewesen ist. Tie Gegensätze zwischen dem jungen aufstrebenden japa- nischen Imperialismus und der ländergierigen russischen Eroberungspolitik in Ostasien waren gewiß groß, unüber- brückbar waren sie nicht. Seit den siebziger Iahren hatte Rußland den Aufstieg Japans zu einer modernen Groß- macht zu hindern gesucht. Es hatte Japan 1875 gezwungen, ihm die nördliche Hälfte der Insel Sachalin abzutreten. Es hatte, von Teutschland unterstützt. Japan genötigt, auf die Früchte seines Sieges über China zu verzichten. Tie Häfen Port Arthur und Talny, die Japan 1895 von den Chinesen für 99 Jahre„gepachtet" hatte, mußten auf Be- fehl Rußlands an China zurückgegeben werden. Drei Jahre später„pachtete" Ruhland die beiden Häfen selbst und baute Port Arthur zu einer erstklassigen Festung aus. Rußland setzte sich, ungeachtet aller Proteste Japans, in der Mandschurei fest und begann schon Korea als seine Kolonie zu behandeln, obgleich dort Japan wirtschaftlich und politisch besser begründete Rechte geltend machen konnte. Rußland trat Japan, wo und wie es nur konnte, in den Weg. Daß diese Politik früher oder später zum Krieg führen müßte, war allen besonnenen russischen Staatsmännern klar. Graf Witte warnte oft und stets vergebens. Er hielt eine Expansion Rußlands über die Mandschurei hinaus für überflüssig und gefährlich. Er fand die Unterstützung des Kriegsministers Kuropatkin. der die Aussichten in einem Krieg mit Japan ziemlich pessimistisch beurteilte. Aber der Zar wollte den Krieg. In der Zeit vom August 1993 bis zum Februar 1994 legte Japan nicht weniger als zehn Pläne zur Abgrenzung der gegenseitigen Interessen- Iphären in Petersburg vor. Jeder fand die Billigung Wittes, jedem stimmte Kuropatkin zu und jeden lehnte der Zar schroff ab. Ein paar Großfürsten hatten Konzessionen zur Ausbeutung der Wälder an der koreanischen Grenze erworben. Sie drängten zum Krieg. Graf Plehwe drängte zum Krieg. Tie Zarin hetzte zum Krieg. Die engste Um- gebung des Zaren, vor allem die baltischen Barone, be- stärkten den Zaren in seinem Grundgedanken: Krieg, um der Revolution zuvorzukommen. Auf eines der vielen Memoranden Kuropatkins, in denen der Kriegsminister seine Bedenken vortrug, schrieb der Zar an den Rand: „Der Pöbel muß abgelenkt werden." Ter Krieg begann ohne Kriegserklärung. Am 5. Februar wurden die Verhandlungen zwischen Rußland und Japan abgebrochen, am 8. überfielen die Torpedo- boote des Admirals Togo die russische Flotte im Hafen von Port Arthur und brachten ihr schwere Verluste bei. Japan konnte ungestört seine Truppen auf dem Festland landen. Am 1. Mai kam es zum ersten größeren Zusammenstoß. Die Russen wurden geschlagen. Kuropatkin. der, von bösen Ahnungen bedrückt, den Oberbefehl übernommen hatte, wollte den vormarschierenden Japanern so lange ausweichen, bis er ihnen an Zahl wesentlich überlegen wäre. Sein? Unterführer gehorchten ihm nicht. Rückzug vor den gelben Affen?„Ein Georasritter zieht sich Nicht zurück," teilte Sassulitsch seinem Ooerkommandanten mit und wurde dafür am Ialu schändlich geschlagen. «- Mitte Juni scheiterte der Versuch, das eingeschlossene Port Arthur zu entsetzen. Als die dort blockierte Flotte durchzubrechen versuchte, schoß Togo sie in Trümmer. Port Arthur blieb auf sich allein gestellt. Die Rüsten, zwischen dem einzig richtigen Plan, der hinhaltenden Kriegführung, solange sie nicht zahlenmäßig stark über- legen waren, und einem ihre Kräfte verzettelnden Generalangriff hin- und herschwankend, überließen dem japanischen Oberkommandanten Oyama aus diese Weile alle Initiative. Als er sie Anfang September bei Liauyang angriff, wehrten sie sich zwar ziemlich hartnäckig, mußten aber den Rückzug doch fortsetzen. Mitte Oktober kam es zu der zehntägigen Schlacht am Schaho, die unentschieden endigte. In allen Einzelkämpfen waren bis dahin die Japaner Sieger geblieben, obwohl sie es nahezu immer mit einem überlegenen Gegner zu tun gehabt hatten. Port Arthur, von General Stössei verteidigt, fiel am 2. Januar 1995 mit 32 999 Mann. Damit war die Be- lagerungsarmee frei geworden. Trotzdem standen den 256 999 Japanern bei Mukden 299 999 Russen gegenüber. 1499 Geschütze ihren 999. Am 1. März griffen die Japaner- konzentrisch an. am 19. März hatten sie die russische Armee geschlagen. Sie verloren 45 999 Plann, die Russen mehr als das Doppelte. Kuropatkin trat zurück. Es trat ein Stillstand in den Operationen zu Land ein. Tie Eni- scheidung sollte nun zur See fallen. Mitte Oktober 1994 hatte die russische Ostseeflotte Libau verlassen, um Port Arthur Hilfe zu bringen. Es war eine groteske Fahrt ge- worden. Am 21. September war den Russen der einzige Sieg in dem ganzen Feldzug vergönnt: als Admiral Roschestwenski auf der Toggerbank einige englische Fischerboote, die er für japanische Kriegsschiffe hielt, zusammenschoß; es wäre darüber beinahe zum Krieg zwischen England und Rußland gekommen. Tie Ostsee- flotte brauchte ein halbes Jahr, bis sie in die japanischen Gewässer kam. Am 27. Mai 1995 wurde sie bei Tsuschima restlos vernichtet. * Der Pöbel muß abgelenkt werden, hatte der Zar ge- meint.„Der Pöbel" dachte nicht daran, sich so betrügen zu lassen. Er begrüßte jede Niederlage des verhaßten Blutregimes mit Jubel.„Port Arthur ist gefallen," schrieb der Führer der russischen Sozialdemokraten Marlow in der illegalen Zeitung„Iskra",„und die Mauern der Peter-Pauls-Festung gerieten ins Wanken." Zwanzig Tage, nachdem General Stössei Port Arthur übergeben hatte, zogen die Petersburger Arbeiter vor das Winter- palais. Hunderte fielen unter den Kugeln der Soldaten. Am nächsten Morgen hörte man in den Arbeitervorstädten das über Nacht entstandene Lied: Besiegt im Osten, Siegec nur im eigenen Lande, sei verflucht, du Zar-Tyrann, blutbesudelt deine Hände! Im Rücken der geschlagenen Armee erhob sich die Revolution. Damit war der Krieg verloren. Am 9. August 1995 be- gannen in Portsmouth die Friedensverhandlungen, am 23. August wurde der Friedensvertrag unterzeichnet. Ruß- land mußte an Japan die Hälfte von Sachalin abtreten, Japans Vorherrschaft in Korea anerkennen, die Mandschurei räumen und die südliche Strecke der mandschurischen Eisenbahn Japan übergeben. Ohne die Niederlage auf den Schlachtfeldern wäre die Revolution in Rußland um Jahre später ausgebrochen. Ter frevelhaft provozierte Krieg hat sie nicht verzögert, sondern beschleunigt. Und 1995 war nur das Vorspiel zu 1917. Weniger sichtbar, aber nicht weniger tiefgreifend waren die revolutionären Wirkungen, die von dem Sieg Japans in Asien ausgingen. Zum erstenmal hatte ein asiatisches Volk über eine europäische Großmacht gesiegt! In Indien, in China, in Indonesien horchten die Unter- drückten auf. Mit dem Jahre 1995 beginnt der Aufstieg der nationalreoolutionären Bewegung im Osten. Sunyatsen trat mit seinen Versckwörergenossen den Sturm gegen die verrottete chinesische Monarchie an. in Java entstand der revolutionäre Bund Budi Utomo. Ein Kontinent begann sein Erwachen zu spüren. Wenn heute Japan Rußland angreift, werden die unter- drückten Koreaner, die geknechteten Bewohner der Mandschurei, die mißhandelten Chinesen auf der andern Seite stehen. Holländische Stimmen Die katholische Kirche in Deutschland In dem Monatsblatt der Römisch-katholischen Staats- partei wird eine sehr wenig optimistische Beschreibung ge- geben von der Opposition der katholische» Kirche in Deutsch- land. Die Katholiken wurden von Hitler betrogen: daS spiegelt sich deutlich wieder in den Reden von v. Papen. Seine Bürgschaft hat ihnen nicht geHolsen. Wir lesen u. a. in oben genanntem Blatt: „Wir kennen seitdem dic Tterilisationsgcsetze, die Ver- schickung von Geistlichen' i» die Konzentrationslager, die Unterdrückung der katholischen Presse, die Gleich- salso Aus-j schaltung der katholischen Jugendorganisationen, kurz gesagt: eine antikatholischc Welle braust über ganz Deutsch- land dahin, ohne daß die Katholiken als freie Staatsbürger die Möglichkeit haben, sich zur Wehr zu setze». Welche Tragik! Da setzten Katholiken ihr volles Vertrauen aus den Führer, und nun müssen sie zu der Erkenntnis kommen— auch wenn sie es noch nicht öffentlich zugeben— daß ihr Vertrauen blind, d. h. gefährlich gewesen ist." Neue Blutwelle über Deutschland Wir entnehmen der„Post Scripta" der„Haagschen Post" die folgenden Absätze: „Eine Warnung scheint für Teutschland im Augenblick nicht unangebracht. Der revolutionäre Kurs ist in der letz- ten Zeil«ehr verschärft. Man läßt den Anhängern wieder einmal Spielraum. Tie Folge davon ist, daß die Klagen, die nach draußen durchdringen über die Mißhandlungen innerhalb und außerhalb der Konzentrationslager wieder zahlreicher werden. Wir hören wieder, wie in den ersten Monaten der Revolution von dem berüchtigten„Erschießen aus der Flucht". Diese Woche waren es vier Kommunisten zugleich. Man nimmt sich nicht einmal mehr dic Mühe, einen solchen Fall glaubhaft darzustellen. Es ist gefährlich, wenn man den wüsten, revolutionär gesinnten Legionen soviel Freiheit des Handelns läßt. Nach der ersten revolutionären Welle hat man den Zorn der radikal gesinnten Elemente mit Ach und Krach noch aushalten können. Warum läßt man sie jetzt wieder los?" Die betrogenen Gläubiger Ein nicht unerquickliches Pröbchen, wie Teutschland in Oesterreich Nazi-Propaganda betreibt, erhielten wir dieser Tage von gut unterrichteter Seite. Vor kurzem hat man in Oesterreich nicht weniger als sechzigtaujend Radio- cmpfangsstelleu gratis eingerichtet. Ter Preis per Stuck betrug achtzig Mark. Tieie waren so eingerichtet, das man damit nur die von deutschen Stationen ausgesendete Nazi- Propaganda hören konnte. Natürlich hat sich die österreichische Negierung beeilt, ihrerseits, die Apparate, womit man ihre Untertanen beglückt hatte, durch eine kleine tech- nische Aenderung so korrigieren zu lasse», daß man damit ausschließlich noch Wien hören konnte. Ob man heute mit diesem Apparat ausschließlich nach Strauß' Millionenwalzer lauscht, wußte unser Gewährsmann nicht. Es wäre wol>l für die Tausende der getäuschten Gläubiger Teutschlands inter- essant, einmal zu vernehmen, woher die beinahe fünf Milliv- nen Mark, die man sich diesen Propagandaspaß hat kosten lassen, so auf einmal gekommen sind. Vermutlich wird Herr- Schacht darüber Aufschluß geben können, wen» er wieder einmal eine Gesellschaft von protestierende» ausländischen Gläubigern mit leeren Händen nach Hause schickt." Das„indische" JCapital Wenn gegen« Judenkapital ihr eifert. Daß euch der Haß aus allen Mäulern geifert. Wißt ihr«ehr gut, wie ihr das Volk belügt; Denn hinter eurem kunstgerechten Schnauben Vollnebt sich ungeniert das große Rauben Des Christenkapitals, das keiner rügt. 3>eutsdke stimmen•(Beilage xur..Deuiscften freiftett". Ereignisse und SesdkidUen a.n 18. e.Bruar iflsö—^——■ OUakcinq Und sie standen in den Höfen, dort vom Schutzbund hinbefohlen, Josef Müller und Franz Seidler, keiner brauchte sie zu holen. Jeder wußte, wo die Flinte hing. Freund, wir lassen Wien uns nicht verderben! Was wir schufen, soll kein Dollfuß erben— Also wars in Ottakring. Floridsdorf und Semraering, dorthin schössen Feys Haubitzen, Häuser rissen auseinander, Kinder sanken in die Pfützen, Die im Februar noch eisbedeckt. Matter wurden schon die müden Hände, Doch kein Kämpfer dachte an das Ende, Der noch eine Kugel sich versteckt. Nein, die Donau ist nicht blau und kein Himmel voller Geigen, Keiner darf mit einem Liedel noch hinauf nach Grinzing steigen, Denn in breiten Bächen steht das Blut Adler tauchen kreischend ihre Flügel In den zitternd dunkelroten Spiegel, Wo das Herz der Freiheit ruht. Starben viele auf dem Rasen, drüben an der Straßenecke, Faust geballt zum letzten Schwüre, ohne Segen, ohne Decke, Nur allein dem Recht geweiht Ihre Fahnen werden nie mehr sinken, Jeder rote Flecken ihnen winken, Wenn wir befreit Andreas Howald. Die qcoße Wildenl cucfuade Das Getümmel det Acaunen£itecatue Von Agnes Abel. In Deutschland gastiert gegenwärtig eine Seuche: das Pathos! Es greift um sich und fordert immer neue Opfer, ^icht jenes Pathos, das aus dem großen Gefühl oder Gedanken aufglüht und neue Kräfte entfacht, sondern jenes andre, das Denken und Fühlen durch Phrase und Geste ersetzt. Der sogenannte„heroische Stil", der sich anfangs nur in Theater, Roman und Rundfunk breitmachte, greift nachgerade auf Milch- und Eierinserate, auf Wurst- und Schuh- putjreklame über. Es wird zur„hehren Pflicht" des Deutschgesinnten", dies oder jenes heimische Erzeugnis zu konsumieren; wer die deutsche Landwirtschaft, ihre Produkte verzehrend, unterstützt, trägt eine Dankesschuld an„Blut und Scholle" ab. Die Hirne werden so hoffnungslos mit dem neuen Gift verkleistert, daß alle gesunden Maßstäbe schnell und sicher zum Teufel gehen. Schon werden viele halbwegs normale Mazedonier von unstillbarem Brechreiz befallen, schon wagen sich in schöngeistigen Zeitschriften— dem Zensor zum Trotz— manche Warner hervor. „K etzer isch und verwerflich" Im Januarheft der„Literatur"(Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart) lesen wir: Es taumeln nicht nur Dutzende von Konradin- und Canossa- Fachen Leuten offenbar unverstandene weltanschauliche Brocken zu hören bekommt, deren Herkunft aus einem „populären" Radiovortrag unverkennbar ist. Das sind Zeichen der Auflösung, die bedenklich stimmen. Jenseits der politischen Willenbildung durch den Staat, die der Funk natürlich zu übernehmen hat ist darum, so kotjerisch das klingt, die Unterhaltung die eigentliche Aufgabe der Programme, und das Verlangen so vieler Hörer:„Mehr Musik— weniger Vorträge!" ist keineswegs so verwerflich wie man oft geglaubt hat." Man sieht— die vorsichtigen Mahner betrachten sich selbst als„Ketzer" und Teufelskerle, weil sie überhaupt sanft zu widersprechen wagen. 2 4 Stunden heroisch Wie hoch aber muß die Kurve der Kitschfabrikation gestiegen sein, wenn sogar ein Alfred Rosenberg— den sicher niemand zu den Vernunftmenschen zählt— die Bühnenleiter in einem Interview(Völkischer Beobachter) anfleht, auch mal weniger gespreizten Autoreu das Wort zu gönnen: „Alles glaubt sich jetzt um jeden Preis auf den„heroischen Stil" einstellen zu müssen. Aber niemand von unsern Volksgenossen U und kann 24 Stunden am Tage heroisch durchs Leben gehen." In der Tat führt das heldische Gedröhn und Gefasel unaufhaltsam zu Ruin des deutschen Theaters, denn das Publikum— dem immer noch der Ausweg bleibt, sich den Blödsinn auf Stelzen nicht anzuhören— meidet die Stätten literarischen Grauens. Die Theaterdirektoren wiederum sind in einer Klemme: was dürfen sie bringen, was nicht? Wo hört die„Asphaltliteratur" auf. wo fängt die Volkskunst an? Nicht mal„Nathan der Weise" darf sich offiziell blicken lassen, er flüchtete auf die jüdische Bühne. Manche Leiter helfen sich, indem sie Kindertheater machen, zu dem sie die Erwachsenen freundlich einladen. Und siehe: die Erwachsenen kommen, kommen in hellen Haufen! Jüngst hat zum Beispiel da» Stadttheater in Mainz ein„Seeräub stück für deutsche Jungens" von Walter Bat(„Pitt kapert den Pirat") in den Abendspielplan aufgenommen. Trotzdem dieser Reißer, wie die„Literatur" feststellt,„nur Kolportage ist mit einem Einschluß vaterländischer Moral", füllten sich zum ersten Male seit langer Zeit die Kassen, denn— so stellt die„Literatur" weiter fest,„neuerdings läßt sich eine auffällige Vorliebe für kindliche Darstellungen und kindhafte Stoffe in der Literatur beobachten, die als Hinwendung zum Naiven und Ueberdruß am Problematischen zu erklären ist."— So ihr nicht werdet wie die Kindlein....1 Vermottete Nichtskönner Den Kritikern ist in ihrer Haut genau so unbehaglich zu Mute wie den Theaterleitern. Weiß denn so ein armer Schreiber auf seinem wackligen Stühlchen, in welchem Grade der Autor irgendeines Schmarrens mit irgend einem Oberoder Unterführer verwandt ist? Weiß er denn, ob er darf, wie er möchte? Wissen wir denn, ob er möchte, wie er muß?— Zeitschriften, die noch ein offenes Wort gegen die pathetische Seuche riskieren, werden verboten, ehe sie sichs versehen. Es sollte uns nicht wund,..., wenn die„Tat" (sie stand früher dem General Schleicher nahe und wagt noch gelegentlich vorsichtige Opposition) demnächst diesem Schicksal verfiele. Sie brachte jüngst einen Aufsatz von Karl Rauch„Neue Literaturkritik", in dem es wörtlich heißt: „Es geht ernstlich nicht an, sich an der Feststellung herumzudrücken, daß die Literaturkritik im sogenannten nationalen Lager nicht erst unterm Weimarer Regime, sondern bereits im Vorkriegsdeutschland elendiglich versagt hat.... Und wie steht es heute?— Die vermotteten Nichtskönner trumpfen mit der wogenden Ernte vieler Jahrzehnte auf. während derer sie, die sich berufen Wähnenden, schmählich..im Schatten gestanden" haben. Es taumeln nicht nur dutzende von Konradin- und Canossa- Dramen über die Bühnen, an deren Gehalt und Niveau gemessen man Wildenbruch zum Aeschylus der Deutschen ernennen möchte. Eine Flut von Romanen ist während der letzten Monate hervorgeprasselt, deren vaterländische Gesinnung ohne allen Zweifel die lauterste ist, was leider nicht ausschließt, daß die Begabung und künstlerische Berufung ihrer Verfasser vielfach gleich Null gesetzt werden muß. Der kleinste Unterhalter wird von gewissen unqualifizierten. aber einflußreichen Tageszeitungskritiken als„geniale Begabung" bejubelt, was nicht nur dem Gelobten den Kopf verdreht und dilettantischen Dünkel züchtet, sondern jeden Instinkt innerhalb der Leserschaft abtötet und dazu beiträgt, alle Wertbegriffe von Unter- haltungssrhriftstellerei, guter Druchschnittsleistung und wirklicher Dichtung noch ärger durcheinanderzurütteln." Die„einflußreichen Tageszeitungskritiker" aber haben ihre Beziehungen und sind unantastbar— Karl Rauch und die„Tat" sind leichter anzutasten. Wir sind gespannt, wie oft wir ähnliche herzerfrischende Aufrichtigkeit noch zu lesen bekommen. Ciitlach und packend komisch Die Ursachen der Völkerwanderungen hat die neue deutsche Wissenschaft endlich entdeckt. Im Verlag der Ura-Linda-Chronik erscheint die nicht minder wissenschaftliche Darlegung von Edmund Kiß:„Die kosmischen Ursachen der Völkerwanderungen." Auf 116 Seiten wird folgendes ausgeführt:„Warum entstand die uralte arktische Hochkultur im Zeitalter ewigen Frühlings gerade im hohen Norden, und welche Ursachen erzwangen die Abwanderungen ganzer Rassen nach Süden? Diese Völkerwanderungen sind schicksalshaft erzwungen, sie worden einfach und packend kosmisch begründet mit der Flutwirkung von Erdmonden. Besonders lesenswert ist die überzeugende Darstellung der Ursachen der Eiszeiten, die Begründung der nordischen Riesengletscher über Entfernungen von mehr als 1000 Kilometer bis in die Gegenden Mitteldeutschlands. Das Buch ist ein wahrhaft volkstümlicher Beitrag zur Neugestaltung unseres Weltbildes." „Wie, Fischer, Sie auch im Braunhemd?" „Was soll man machen? Wer kann bei den Einnahmen noch weiße Heraden bezahlen?" Und von den armen jüdischen Proleten, Die ebenso wie euer„Volk" getreten. Schweigt ihr beharrlich, denn das macht sich schlecht. Doch wißt ihr wohl, daß sie die Mehrheit bilden, Und daß in ökonomischen Gefilden Bei allen Rassen gilt das gleiche„Recht"! Daß also wie bei Juden so bei Christen Die gleiche Herrenschicht mit gleichen Listen Die Massen um das Lebensrecht betrügt. 'Jnd wenn ihr schreit, es gäbe keine Klassen, ;!s gäbe nur den Machtkampf zwischen Rassen, Dann lügt ihr, wie nur euresgleichen lügt! H o r a t i o Ttlit dem Jtyeil dem Doyen Nazideutschland, das mit den fürchterlichen Errungenschaften der modernsten Technik, mit Flugzeugen, Fliegerbomben. Giftgasen, Cholerabazillen zum nächsten Krieg rüstet, bereitet längst auch sein Kanonenfutter, seine Kinder, auf die seelischen Erbauungen dieses Sterbens in Gestank und Feuer vor. Jedoch Blaukreuz und elektrische Fernzündung sind zwar wunderbare Mittel, um in wenigen Minuten das Zehnfache dessen auszurotten, was sich vor fast zweitausend Jahren in tagelangen Kämpfen in der Schlacht im Teutoburger Wald gegenseitig umgebracht hat, aber für Heldenpathos ist das leider doch nicht recht geeignet. So lernt denn, was ein Häkchen werden und dereinst vierzig Kilometer weit tragende Brandbomben abschießen will, beizeiten den Bogen krümmen und mit Pfeilen schießen. Darum plädiert die„Deutsche Allgemeine Lehrerzeitung" für eine„Waffenweihe der deutschen Jungen": „In die Hand des in die Mannbarkeit tretenden deutschen Jungen gehört die blitzende Waffe und in die Faust des jüngeren Bruders der Speer und der Bogen. Im Umgang mit der Waffe und Auge in Auge mit der Gefahr gehen ihm die tiefsten Geheimnisse seines Wesens und Wertes ahnungsvoll durch die Seele und lassen ihn nicht mehr los" O ahnungsvoller Engel, wart' nur. bis du mit der blitzenden Waffe der Flammenwerfer verkohlt im Straßenkot liegen wirst und bis dich die tiefsten Geheimnisse der Vergasung für Zeit und Ewigkeit nicht mehr loslassen werden, deutsche Jugend, du wirst dann wissen, warum du just im„drittep Reich" in die Mannbarkeit treten mußtest. In der Faust den Speer, im Gürtel Handgranaten, im Tornistet Schopenhauer und Nietzsche, in den Eingeweiden Hunger, im Hirn Mord und Totschlag— wahrhaftig, vor zweitausend Jahren haben in der Barbarei der Urwälder Germaniens bessere Menschen gelebt.... lüiedec kaseenieet Oberregierungsrat Dr. Müller vom Polizeipräsidium Essen begründet die Kasernierung der Prostitution so:„In der Erkenntnis, daß nur eine solche Regelung des Dirnenwesens den Erfordernissen der nationalen Erhebung gerecht werden kann, die unter radikaler Ausnutzung der gesetzlich gegebenen Möglichkeiten die Dirnen aus dem öffentlichen Verkehrswesen herausbringt, hat der Polizeipräsident in Essen durch feine Dienstanweisung für die Ueberwachung der Dirnen die Kasernierung der Prostitution angeordnet. Diese Dienstanweisung geht von der Erwägung aus, daß nach der Außerkraftsetzung der Artikel 114 und 115 der Reichsverfassung auch im Gegensatz zur Ausschließlichkeit des Gesetzes zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten und über dessen Rahmen hinaus Raum gegeben ist für eine allgemeine ordnungs- und sicherheitspolizeiliche Ueberwachung und Beeinflussung des Dirnengewerbe s." ZeU=Tloti