Sinzige unabhängige Tageszeitung venkschlands Nummer 40— 2. Jahrgang Saarbrücken, Samstag, den 17. Februar 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Aus dem Inhalt Julius Deutsch- Otta!Bauee Seite 2 Vieczig. TJlinen auf. ein Maus Seite 2 Die Welt-qeqen Dollfus Seite 3 tnttäuschte tBauecn Seite 4 Jccutkceich Met SA und SS Seite 7 Gegenrevolution and ttrieüsüeialir Europäische Folgen der österreichischen Blutarbeit gegen die Sozialdemokratie > Mitteleuropäische Explosion Paris, 16. Februar. A. Sch. Wenn die Banden Feys und Starhembergs das ganze Wien besetzen werden, wird die Faschisierung des deutschen Mitteleuropa restlos durchgeführt werden. Aber es wird kein endgültiger Sieg des Faschismus sein. Erst jetzt wird sich die ganze Schwäche und Faulheit des Systems Dollfuß-Fey-Starhemberg erweisen. In wenigen Tagen werden die blutbefleckten Sieger, die Gallifets in Lederhosen, von neun Zehnteln des öfter- reichischen Volkes abgelehnt und veranlaßt, sich mit dem echten, dem hitlerschen Faschismus auseinandersetzen müssen. Ohne jede Massengrundlage im Lande, mit dem zerfetzten Staatsapparat, innenpolitisch ausgehöhlt, außenpolitisch auf tönernen Füßen, wird der Heimwehr- faschismus das blutende Land und den angriffslustigen, gierig auf seine Beute lauernden Hitlerfaschismus vor sich 2. n* T"~~~" r"* v-~ r. A.v.1,1, op.n Anfang der mitteleuropäischen Explosion. Der Ab- schluß bedeutet den Krieg, wie auch der Kampf um die österreichische Erbschaft, einmal zwischen Deutschland, Italien und der Kleinen Entente entbrannt, zum Krieg führen muß.-> u Der deutsche Faschismus wollte die„Süd-Nord"-Rich- tung von Schleswig bis Sizilien durchstoßen und für seine Bündnispläne offenhalten, auf solche Weise die„West- Ost"-Richtung der europäischen Politik durchbrechen, Frankreich von seinen Verbündeten im Osten trennen. Jetzt hat er diese„Nord-Süd"-Richtung vor sich, kann ober ihre inneren Gegensätze nicht bewältigen. Der Traum Hitlers, sich in Braunau feiern zu lassen oder gar im Stefansdom in Wien zum deutschen„Volkskaiser" pro- klamiert zu werden, kann teuer bezahlt werden. Jetzt wird ganz Europa erfahren, und selbst die konservative englische und französische Presse muß das heute gestehen, daß die österreichische Sozialdemokratie der letzte Schutz- wall des Friedens in Mitteleuropa war. Mit der Besitz- ergreifung Oesterreichs schlägt sich die Gegenrevolution in den Krieg um. Die Heimwehrfahne über dem Wiener Rathaus bedeutet nicht den Anfang der faschistischen Sta- bilisierung, sondern die Heraufsetzung des roten Hahnes auf das Dach des faschistischen Mitteleuropa. Das in Oesterreich einmal gestörte europäische Gleichgewicht kann mit den Mitteln der kapitalistischen Außenpolitik nicht mehr hergestellt werden. Der über die Leichen der öfter- reichischen Arbeiter marschierende Heimwehrfaschismus ist der Brandstifter Europas. Zum zweiten Male wird der europäische Krieg in den Kämpfen um die Donau vorbereitet. Bewaffnete Intervention? »Für den Augenblick" nicht— Die Lage beunruhigend dnb. P a ris, 16. Febr. Der offiziös«„Petit Parisie»" tritt de« Gerücht eines bevorstehenden militärische» Eingreifens Italiens bzw. der vier Mächte, die durch den Bertrag von lözz, die Unabhängigkeit Oesterreichs garantiert haben lFrankreich, England, Italien, Tschechoslowakei), entgegen. Dieses Gerücht beruhe für den Augenblick o»f keiner ernsten Grundlage. Es sei gegenwär- tig nur von der Anrulnng des Völkerbundes die Rede, die durch den Bundeskanzler auch noch nicht osfiziell vorgenommen morde» sei. Im- werhin sei die Lage beunruhigend. Sie beschästige in starke« Mahe auch das englische Kabinett, das bisher in der öfter» reichjsche» Frage eine gewisse Gleichgültigkeit zur Schau ge» tragen. «ein rinmarsdi Aber... Prag, I«. Febr. Z» den Ereignissen in Oesterreich er» klärte Minister Dr. K r o s t a, daß die Nachrichten und Gerüchte, wonach die Tschechoslowakei in Oesterreich einmar. schiere« würde, um dort Ordnung zu machen, nicht zu» träfen. Wenn aber irgendein Staat die Grenze überschreite oder in die österreichi» scheu Verhältnisse eingreisen würde, so würde die tschechoslwakische Regierung nicht schweigen. Große diplomatische Aktion? dnb. Paris, 16. Febr. Dem„M atin" wird aus Rom gemeldet: Man fühle dort, daß die Niederzwingung des Ausstandes in Oesterreich nicht das Problem löse, das da, rin bestehe, das Ansehen und die Unabhängig- keit des Staates restlos wiederherzustellen. Man wisse, Hast die Hitlersche Propaganda das Spiel nicht verloren gebe, im Gegenteil, das Nationalsozialismus werde die Untcrdrückungömastnahmen auszubeuten suchen und»er» lochen, den Rolkshah sür sich auszunutzen. Aus all diesen Gründen sei Rom der Ansicht, dast es höchste Zeit sei, eine internationale Verständigung und Aktion zu unternehmen, um in Oesterreich die Zentralregiernngsmacht zu stärken und ■ Deutschlano emzntzyuanern. du wt t- 1« u u B s u u»» tausch der letzten beide« Tag« scheine zu einer gemeinsamen feierlichen Erklärung der Mächte führen zu sollen. England, Frankreich und Italien würden gemeinsam ihren entschiedene« Willen betonen, die Wiener Regierung zu stützen und nicht zuzulassen, dast der Sicherheit der klei» neu österreichischen Republik Abbruch getan werde. Was die Inanspruchnahme des Völkerbundes an- betreffe, so scheine Italien, obwohl es dieses nicht als daS best« Mittel, zu einem positive» Ergebnis zu kommen, be- trachte, sich mit einer Anrufung des Völkerbundes einver- standen erklären, wenn die österreichische Regierung dies wolle. Das„Echo de Paris" wirft übrigens die Frage aus, ob es nicht angebracht wäre, dast angesichts des Zögerns der österreichischen Regierung eine andere Macht als gerade Oesterreich de« notwendigen Antrag beim Völkerbund stelle. Vanderveide an den Vbfherbund Eingreifen des Völkerbundes gefordert Genf, 16. Febr. Der Präsident der 2. Internationale hat an den Generalsekretär des Völkerbundes ein Telegramm gerichtet, worin der Völkerbund ersucht wird, unverzüglich in den Konflikt zwischen der österreichischen Sozialdcmokra- tie und der Exekutive einzugreifen, der eine öffentliche Be- brohung des Friedens darstelle und internationale Ver- Wicklungen nach sich ziehen könne. * Henderson hat gewarnt dnb. London, 16. Febr. Dr. Hugh D a l t 0 n, der in der letzten Arbeiterregierung Unterstaatssekretär des Aeustern war, sagte am Donnerstagabend in einer Rede: Als Hen- berson noch Staatssekretär des Aeustern war. richtete er an die österreichische Regierung eine ruhige Warnung, die be- sagte, wenn die Regierung eine» Bürgerkrieg hervorrufe, werde sie mit einer ungünstigen Haltung der britischen Re- gierung zu rechne» haben. Hätte die jetzige Regierung ge- meinsam mit der französischen Regierung eine solche War- nung ergehen lasten, so hätte dem Blutvergießen in Wien Einhalt getan werben können. Dalton fügte hinzu, Hcnder- sons Warnung sei privatim erfolgt. Dlmitroff russischer Borger Vor Görings Rache gerettet? Moskau, 16. Febr. Durch Vermittlung der Sowjet» botschaft in Berlin ist den bulgarischen Kommunisten Dimi. troff, Poposs und Taness, die sich in Deutschland in Hast be» sinden, das Bürgerrecht der Sowjetunion zugestanden worden. Nun muh sich international der Ruf verstärken, die dre» Bulgaren und den mit ihnen freigesprochenen ErnstTorg- l e r in Freiheit zu setzen. Der prcustische Ministerpräsident hat vor Gericht die wildesten Rachedrohungen gegen Dimi- troff ausgestostcn, und er ist der Mann, sie zn halten. Mörder genug stehen seinem Befehl zur Verfügung. Wir fordern Dimitrofss und seiner Freunde Entlastung und freies Geleit sür die Sowjetbürger nach Rnstland. * London. 16. Febr. Der Ministerialrat Dr. Erbe vom Reichsinnenministerium gab dem Berliner Korrespondenten »on„NHvS(lhronicle" über das Schicksal von D i m i t r 0 f f, Poposs und Taness folgende Erklärungen: „Fch habe wiederholt festgestellt, dast es sich bei Dimitrofs um einen kommunistischen Agitator handelt, der für Deutschland gefährlich werden könnte, wenn er jetzt frei» gelassen würde. Das must klar genug sein. Aber was ich nicht verstehen kann, ist die Entrüstung des Auslands über die ReHandlung Dimitrofss. Wir werden den Gefangenen freilasten, wenn die Erregung ihrer kommunistischen Kollegen im Ausland sich in einem solchen Umfang beruhigt hat. dast sie Deutschland nicht mehr gefährdet. Natürlich kann ich nicht sagen, wie lang das danern wirb." Und diese Leute wundern sich, wenn Hitler-Deutschland keine Freunde im Ausland hat! „Hlnrlditungsorgle dnb. London» 16. Febr. In der Presse, deren Hauptinter- esse nach wie vor den österreichischen Vorgängen gilt, wird allgemein die Hoffnung ausgesprochen, dast es nicht zu der von den Sozialisten vorausgesagten„Hinrichtungsorgie" komme» werde. Der diplomatische Korrespondent des„Daily Telegraph" erfährt, die britische Regierung habe in der bis- kretesten und freundschaftlichsten Weise dem Bundeskanzler und der österreichischen Regierung gegenüber der Hoffnung Ausdruck gegeben, dast diese Milde zeigen werde. Die neue französische Regierung habe, wie es heißt, in Wien ähnliche Ratschläge gegeben. Großbritanniens Rat sei im Verlause diplomatischer Erörterungen gegeben worden und habe kei- nen formellen Schritt bedeutet» 12. Februar 1934 VonMarius Alter An demselben Tage, an dem die Pariser Arbeiter in der langersehnten Einheitsfront den friedlichen Demon- strationsstreik von imponierender Wucht durchführten, bricht ein anderer Generalstreik auf Tod und Leben aus. Nein, er wird eigentlich schon mit der Gewißheit des heldenhaften Unterganges von der österreichischen Ar- beiterschaft unternommen. Die tragische Stunde der öfter- reichischen Sozialdemokratie kommt heran— der nieder- trächtige Faschismus der Mnssolini-Heimwehren holt zum Schlage aus. Der Austro-Marxismus, der stets auf Vorposten der 2. Internationale stand, rettet diesmal wirk- lich in heldenhaftem Todeskampfe die Ehre des deutschen, ja des gesamten europäischen Proletariats. Die Artillerie- geschosse der Mussolini-Banden zerstören die Wohnbauten, die sich die Wiener Arbeiterschaft in jahrzehntelanger Ar- beit aufgebaut hatte. Aber die Maschinengewehre des Schutzbundes antworten ihnen. Das Versagen deutscher Arbeiterführer am 26. Juli 1932 und bei anderen Gelegenheiten hat die österreichische Ar- beiterklasse mit in diese Katastrophe hineingerissen. Aber einen neuen 29. Juli erlebt sie an ihrem 12. Februar nicht. Der Fleck der kampflosen Kapitulation, der die deutsche Arbeiterklasse brannte, wird an diesem Tage ausgetilgt. Schwerer ja noch als die physische war die moralische Niederlage des deutschen Proletariats gewesen. Und mehr noch als das Sinken seiner Kampfkraft in der Krise hatte die Ver- wirrung des Bewußtseins seine Niederlage verursacht. Auch die österreichische Arbeiterschaft muß physisch in einem ungleichen Kampfe unterliegen. Da sie in seelischer Einheit mit sich selb st und in starkem Glauben an die Wahrheit der sozio- listischen Idee von momentaner Ueber- macht bezwungen wird, kann ihr Endkampf nicht vergebens sein. Der 12. Februar 1934 sah die Einheitsfront der Pariser Arbeiter und den Heldenkampf der Kommune von Wien. Von diesem Tage wird ein neuer Abschnitt in der Ge» schichte der europäischen Arbeiterbewegung beginnen. Die Fehler der Vergangenheit werden gesühnt, die Schwächen des Glaubens überwunden werden, die Zerrissenheit wird einem starken, in sich einigen Bewußtsein weichen. Die Pariser Kommune, die 1871 unter dem Stiefel des Militärs verröchelte, erlebte ihre Auferstehung im Peters- burger und Moskauer Sowjet. Die österreichische Sozialdemokratie wird wieder auferstehen in der revolutionären marxistischen Ein- heitspartei, die dem Faschismus den Todesstoß versetzen wird. Nach dem entsetzlichen Kollaps der deutschen Arbeiterbewegung von 1933 war die Aufrichtung einer neuen Fahne notwendig, eine neue Tat mußte geschehen, an der sich die Gegenwart auf- richten, von der die Zukunft melden kann. Ein neuer Mythos mußte geschaffen werden, um ihn all den eklen Lügen-Mythen der Faschisten entgegenzustellen. Im Herbst 1933 wurde der Eine Dimitroff zum weithin ficht- baren Sinnbild. Jetzt aber ist endlich die Klasse selbst wieder kämpfend, wenn auch noch nicht siegend, auf den Plan der großen Geschichte getreten. So müßte es mit dem Teüsel zugehen, wenn dies kämpfende Ende nicht zugleich der Beginn würde für die Epoche des Gegen- fchlags. Es geht mit dem Teufel, denn es geht mit dem Faschismus zu! Aber noch immer ist eine mit der Zukunft im Bunde stehende Klasse mit solchen Teufeln fertig geworden! Höher zählt im Haushalt der Geschichte die Niederlage im Kampfe, selbst als der zufällige und nicht -erkämpfte Sieg. Jawohl, Du lieber kämpfender Genosse und Sänger der Wiener Arbeiterschaft:..Das Gesetz der Zeit steht im Manifest und im 13. Brumaire!" und wir grüßen Euch überall, wo ein sozialistisches Herz schlägt. Euch...Bauvolk der kommenden Welt. Euch Arbeiter von Wien!" »er Marsch nach Ebensee Die Stadt Ebensee im Salzkammergut ist vom Schutz- bund besetzt worden In den frühen Morgenstunden über- fielen Schntzbünöler die Polizei und, ohne daß ein Schub fiel, gelang es ihnen, die gesamten Polizeikräfte von etwa . 15 bis 20 Mann zn entwaffnen und einzusperren, daraus- hin besetzten sie die Salzwerke und die TertiUabrik, wo ste die Arbeiter zur Niederlegung der Arbeit zwangen. Dann wurden die Straßen zwischen Gmnnden und Ebensee verbarrikadiert. Die Bergstraße, die an einer Felswand vrobeiführt. wurde durch eine Sprengung der Bergwand verschüttet. Das Post- amt ist besetzt worden. Regierungstruppen befinden sich auf dem Marsch nach Ebensee, doch erwartet man. daß sie aus hartnäckigen Widerstand stoben werden, da die Schutzbttndler ausgezeichnet bewaffnet sind und sich in einer strategisch vor- teilhatten Lage befinden. Auf der einen Seite ist das söge- nannte Feuervogelgebirge, während auf der andern Seite von Ebensee der Traunsee liegt. Die verschiedenen Berg- straften sind von Maschinengewehrnestern auf beiden Set- ten der Wege besetzt, fo daß herannahende Truppen ins Kreuzfeuer genommen werden können... Julius Dcufsdi- Otto Bauer Die EOhrer bis znletzl In der Kompfllnie Vierzig Minen! Auf einen einzigen Gebäudekomplex Mit wahrer Tapferkeit und mit welchem eisernen Wider- standowillcn von den sozialdemokratischen Schntzbttudlern ge- kämpft wurde, zeigt vi» T«ts«ch«, d»b««««« ►«««so»»»• gerhof im 21. Bezirk vierzig Minen geworfen wpr- den, eh« er sich ergab. Man erwäge, daß diese grauenhaste Kampshandlung der Regierungstruppen sich gegen einen Hausblock abspielt«, in dem sich viele hundert« Frauen und Kinder aushielten. Im belagerten Karl-Marx-Hos, der von über 2000 Fami- lien bewohnt ist, vergistete sich während der Kämpfe eine Mutter mit ihrem Kind, weil sie die furchtbaren Ereignisse nicht mehr ertragen konnte. Der als Schwerverwundeter zum Walgen geschleppte Schutzbündler Munichreither hinterläßt Frau und drei Kinder. Fn der Floridsdorker Kampfzone soll ein Raubmörder die Gelegenheit zu einem persönlichen Racheakt bcntttzt haben» indem er ein Ehepaar ans dem Hin- terhalt erschoß. Nach bürgerlichen Pressemeldungen sollen bis Donnerstag« vormittag bei mehreren Polizeikommissaren»ud Wachst»« den»4 Maschinengewehr-, 1000 Gewehre, mehr als 10 000 Schuß Munition«nd eine groß« Anzahl von Handgranaten abgeliefert worden sei«. H Säuberung" und Raub Nach deutschem Vorbild Wien, 10. Febr. Wie das„NeuigkeitS-Relthlatt" meldet, gibt die Generalbircktion der Bundesbahnen einen Dienst- bekehl aus, wonach sämtliche Bahnbeamtcn die sozialdcmo- kratischen Mandate innehaben, sich»pfort bei ihren vorgesetz- ten Dienststellen zu melden haben. Gegen die Beamten wer- den eventuell«in Strafverfahren eingeleitet oder der Antrag ans Strafverfolgung durch die zuständigen Gerichte gestellt. Tie Bediensteten würden zur effektiven Dienstleistung nicht zugelassen, fondern sofort suspendiert oder in den dauernden Ruhestand versetzt.— Es besteht in Regierungskretsen die Absicht, zur Gutmachung der durch die Ereignisse der letzten Tage entstandenen wirtschaftlichen Schäden in Wien und einzelnen Bundesgebieten die Privatvermögen der geslüch- teten oder verhafteten sozialdemokratischen Führer, die ein Mitverschuldcn an den Ausschreitungen trifft, einzuziehen. Der Besitz d:r sozialdemokratischen Gewerkschaften soll der Regierung verfallen. Sdinsse ans Nervosität dnb. Wien. 10. Febr. Gegen Mitternacht kam es am Don- irerStag in drei verschiedenen Stadtteilen zu Schießereien, die sich jedoch bei sorgfältiger Nachprüfung als Ergebnis der Nebermttdung und Nervenanspannung der Erekuiivorgane darstellten Ein Posten hatte ans einem kleinlrchen Anlag einen Schuß abgegeben und ganze Postenketten hatten dar- auf das Feuer ausgenommen. Aber zur gleichen Zeit begann bereits die Lockerung der Alarmbereitschaft. Zahlreiche Mannschaften sind in ihre Quartiere zurückgekehrt. Das Heerlager im Polizeipräsidium hat aufgehört. „Ruh-" Alarmzustand und Standrecht Wien. 10. Febr. Fn de» Abendstunden beS Donnerstag» herrscht« i» btt Stadt Ruhe. Der allgemeine Alarm,»stand Prcßburg, 10. Februar 1904. sEtgener Bericht.) Der Tchutzbundführer Dr. Julius Deutsch und der österreichische Nalionalratsabgeordncte Otto Bauer sind hier eingetroffen. Deutsch ist durch einen Granatsplitter ver- mundet. Die beiden sozialdemokratischen Führer erklären, daß sie mit Rücksicht auf ihre in den Händen der Bundesregierung befindlichen Genossen noch keine näheren Angaben über die Kampftage in Wien und ihre persönlichen Erlebnisse machen wollen. Gegenüber unwahren Behauptungen der Regierung aber erklären Deutsch und Bauer: Als der Justizminister Schuschnigg am Radio behauptete, beide Genossen seien geflohen und hätten die Arbeiter aus den Barrikaden allein gelassen, befanden sich Deutsch und Bauer inmitten der kämpfenden Arbeiter Wiens auf ihrem Posten. Als der Vizekanzler Fey am Radio verkündete. Deutsch und Bauer seien in Prag eingetroffen, standen beide nach wie vor in der Wiener Kampflinie. Erst als überall die Kampfhandlungen aufgehört hatten, die beiden Führer isoliert und abgeschnitten waren, haben sie, nm der unmittelbar drohenden Geiaßr der Gelangen- nähme und der Aburteilung zu entgehen, Wien verlassen und sind aus verschiedenen Wegen zur tschechoslowischen Grenze gelaugt. In der Nähe von Preßburg haben auch 47 FloridSborser Schuybündler, die sich auf dem Rückzug von Floridsüorf bis an die Grenze durchgeschlagen haben, tschechischen Boden be- treten. Die Schutzbündler sind von den tschechsichen Be- Hörden entwaffnet worden. Der llebermadit erlegen Heimkehr der„siegreichen" Truppen Wien, den 10. Februar 1034. Nachdem der Laaer Bera»nd die Stützpunkte in FlortdSdori, Kagran, Stablau und der Karl- Marx-Hof sich ergeben haben, sind die letzten Hauptwider- itandszentrcn der Schutzbttndler durch die Ncbermackt der Exekutive niedergekämpft. Aeußerlich herrscht vollständige Ruhe in Wien, und man steht Artillerie, Infanterie und Polizeimannschaften abgekämpft in ihre Kasernen einrücken. In einzelnen Gemeindebauten. die noch gestern umkämpft waren, sind schon Handwerker an der Arbeit. Eö ist aber durchaus noch mit neuen Zusammenstößen zu rechnen, da große. Gemeindehäuscrhlocks noch nicht nach Waisen durchsucht werden konnten. Die Reste der schütz» bundlruppen, die sich nach Kagran und Hirschstetten zurückgezogen haben, mußten sich am Tonnerstagmittag den Regierungstruppen ergeben. Aus dem Karl-Marx-Hos und den anderen großen Gemeindehäusern wehen a»S zahlretchcu Fenstern und von den Dächer» weiße Fahnen aus Lernen» tttchern..,. Die Re g i e r u n g meldet, baß auS den Gemeindehäusern in sechs Bezirken nach der Rundfnnkaniprache des Bundes- kanzlers Abordnungen der Mietparteien bei der Polizei er- schienen und ihre bedingungslose Unterwerfung unter die Staatsgewalt erklärt hätten. Nach derselben Mel- d u n q soll sich der frühere Kommandant de» aufgelösten Republikanischen Schutzbundes der Polizei gestellt haben. Das Vermögen der ausgelösten Sozialdemokratischen Partei, der freien Gewerkschaften und der sonstigen sozialdemokratischen Bereine, mit Ausnahme der Krankenkassen, wird vom Staate eingezogen und als verfallen erklärt. Bon dem geflüchteten Kominnnistentübrer Kolomau Wal- lisch wird angenommen, daß er sich nach Sttdslawien in Sicherheit zu bringen trachte. Auch der sozialdemokratische Bürgermeister von BottSberg, Steiner, ist geflüchtet. Diktatorisches Vorgeben Sicherung des„Sieges" Ulagensurt, 16. Febr. Der Kärtner Lanbeshauvtmann K e r n m e i e r. der den Nationalsozialisten nahesteht, ist vom Buudeskanzler Dr. Dollftiß telegrafisch aufgefordert mor- den, seine Funktionen zurückzugeben. Taraushin bat er, wie das„Neuigkeits-Weltblatt" meldet, geantwortet, daß er«in frei gewäblter Vertreter der Bevölkerung sei und keinen Anlaß finde, der Aufforderung des Bundeskanzlers nachzu- kommen. Das Blatt erwartet, daß entweder die Bundes- regieruna von ihrer Autorität Gebrauch machen und den Landeshauptmann direkt abberufen werde, oder daß per Landtag dem widersätzlichcn Landeshauptmann ein Miß- tranenSvotum erteilen werde. Wie daS„NeuigkettS-Weltblatt" mitteilt, bat gestern vor- mittag die ch r i st l i ch- s o z i a l e Fraktion des Parka- ments einstimmig das energische Borgehen der Landeöregie- rung gegen die Aufrührer sowie die Auslösung der Sozial- demokratischen Partei gutgeheißen. Die Fraktion wird mit dem Bundeskanzler in den nächsten Tagen in Fühlung tre- ten und ihn noch einmal der Nuterstützung der Partei bei seinem Aufbauwerk versichern. Auch sei der Gedanke erwogen worden, das Parlament wieder einzuberufen, da ia durch die Auslösung der Sozialdemokratischen Partei die soziakdemo- kratischen Mandate ruhen müssen und der Regieruna zur Beschließ»»» eine? besonderen Bollmachtengesctzes eine ab- solute Mehrheit zur Verfügung stünde. und das Standrecht bleiben weiter bestehen, da Immer noch mit der Möglichkeit eines neuen Auftlackcrns der Kämpfe gerechnet wird. Tie Entwasfuungsaktiou gegen die Schutz- bündler wird weiter fortgeführt. Die Anzahl der Toten steht immer noch nicht fest. Nach einer privaten Schätzung soll der Schutzbund ongcsähr 1000 Tote in Wien und ZOO Tote In den Ländern zn beklage» haben. Die Untersuchung nach der Her- knnst der Massen der Schutzbttndler hat ergeben, daß ein Teil aus hrm Welte»!»«««•••»i.»>» UU* Zweifel tschechoslowakischer Herkunft ist. Die Rettungsgesellschaft dnb. Wien, 10. Febr. Einen gewissen Anhaltspunkt bei der Abfchäyung der Verwundeten der gesamten Kainpkhandlun- gen ftndet man>n einem Bericht der Freiwilligen Rettungs- gelellschaft, die die Zahl der StabtanSkahrten auk mehr als >00 angibt. 10 Aerzte, 11 Beamte. 00 SanitätSgebilsen und 20 Chauffeure als Berusspersonen und außerdem eine statt- liche Reihe von Aerzten als freiwillige außerordentliche Hel- ftr seien ständig in Tätigkeit gewesen, und ununterbrochen seien die 20 Rettungsautos und außerdem freiwillige Auto- mobilisten an die bedrohten Stellen gefahren. Grenzsperre dnb. Budapest, 10. Febr. Laut einer Meldung auS Oeden- bürg hat die österreichische Regierung daS Überschreiten der österreichisch-ungarischen Genze zu Fuß und mit Fahrzeugen btS auf weiteres verboten. Ein deutsches Todesurteil Im Ahe-Prozeß dnb. Berlin, 16. Febr. Das Berliner Sondergericht»er» friede,«sbruches in Tateinheit mit'versuchte« Mord zu« Tode uud zum dauernde» Verlust der bürgerliche» Ehre», rechte. Die übrigen Angeklagten wurden zn Zuchthaus dz». Gefängnisstrafen verurteilt. Ein Spionagelan? Verhaftung eines Saarländers in Metz dnb. Paris, 16. Febr. Savas berichtet aus Metz, baß dt« Sicherheitspolizei in Metz einen Saarländer namens M ül- l e r wegen angeblicher Spionage zugunsten einer auölän- bischen Macht verhaftet habe. Müller sei eS gelungen, sich mit Personen in Verbindung zu setzen, von denen er bestimmte Angaben über die Bestückung und über die Truppen der Garnison Metz habe erfahren wollen. Man habe bei dem Ver- hafteten ein Notizbuch mit Adressen und gewisse Schrift- stücke beschlagnahmt. Konkordatsverhandlaiigen zu Ende? Die deutsche Delegation in Rom vor der Abreise Seit zehn Tagen verhandelte im Vatikan eine deutsche Delegation unter Führung des Ministerialdirektors Butt- mann mit dem Hl. Stuhl über die Aussührungsbestim- mungen des Konkordais. Ihnen lagen zahlreiche Wünsche und Beschwerden des Papstes zugrunde über die Art, wie die braunen Autoritäten gewisse Bestimmungen des Konkordats in der Praxis ausgelegt haben. Jetzt sind diese VerHand- lungen jäh abgebrochen worden. Im Auftrage Hitlers ior- berte Buttmann die Erlaubnis, daß die katholischen Jugend« verbände in die Hitlerjugend eingegliedert»erden solle«. Die Beauftragten des Papstes lehnte« dies« Forderungen ab. Man rechnet mit der Abreise der deutschen Delegation in den nächsten Tagen. Inzwischen ist hier bekannt geworden, daß die zweistündige Aussprache zwischen dem Kölner Kardi- nal Erzbischos Schult« und Hitler vollkommen unbefriedigt verlief. Hitler hörte sich zwar die Beschwerden des Kardinals an. setzte ihnen aber schroff den Machtivillen seiner Diktatur entgegen. Der Kardinal, der neue Gefahren für das katholische Eigenleben im„dritten Reiche" kommen sah, ist in tief- ster Besorgnis nach Köln zurückgekehrt. Man hofft in Rom auf neue Verhandlungen. Angeblich soll Pape« um die Osterzeit eine» neuen Versuch zur Verständigung unter- nehmen. Aber am Hl. Stuhl ist das Vertrauen zu Pape» tief erschüttert. Von den heiligen Versprechungen, die er im vorigen Jahre im Namen HttlerS abgegeben hatte, ist nahezu nichts erfüllt worden. Es fehlt nicht an prominenten Stimmen aus der nächsten Umgebung des Papstes, dt« Pape» der Unwahr- hafttgkett bezichtigen. Seine berühmte Rede, in der er das „dritte Reich" als vollkommenste Erfüllung katholischer For- derungen auf politischem und gesellschaftlichem Gebiete dar- stellte, hat größtes AergerniS erregt. Index-Rosenberg Hitlers Kulturdiktator Die tiefe Verstimmung gegen Hitlerdeutschland und seine Machthaber äußert sich auch in der scharfen Absage an die Ideen des Hitler Vertrauten A l f r e d R o s e n b e t g, dessen Buch„Der Mythos des 20. Jahrhunderts" auf den Index gesetzt worden ist. DaS Buch RosenbergS wird verdammt und verurteilt. Der Papst, der die Judexkonkregation präsidierte, erklärte zu dem Buche Rosenbergs, wie zu dem des Leipziger Professors Ernst Bergmann, daß es„unmöglich sei, von ge- wissen gewaltsamen und hinterlistigen Ber« wirrungen keine Kenntnis zu nehmen, die die Welt»u verdunkeln und des Christentums zu berauben suchen, um hier eine heidnische Gestalt wiederzugeben." ♦ Rosen ist nicht der erste beste. Er ist Chefredakteur beS „Völkischen Beobachters", Letter des außenpolitischen AmteS der NSDAP, und neuerdings traft einer besonderen Ernennung Hitlers zum Kulturdtktator und Weltanschauung»- erzieber für das gesainte Organisationsleben im„dritten Reiche". Dieser Mann ist der Führer im Kampfe gegen Katholizismus und Papst. Daß nun der Papst sein Buch auf den Index setzt, ist ein Gegenangriff, der in Berlin ivobl verstanden werden wird. Bon Irgend einem Ausgleich zwischen Berlin und Rom könne unter diesen Umständen keine Rede sein. Die Zuspitzung wird immer deutlicher. ♦ Auch die Hetze gegen den Münchener Kardinal Faul- baber wird sortgesetzt, besonder» tut sich darin der „R e i ch s w a r t" des Grälen Reventlow hervor. Man lieft da:„Bis in die kleinsten Hütten wirken setzt hie Un- Wahrheiten Faulhabers, deshalb bitte ich um einige Rum« mern von.Der Kardinal probtertS einmal'. Gerade in die- fer von Pfaften verhetzten Ecke ist die Aufklärung nötig. Aber auch Berlin sollte man aufklären, wie groß die Ber- h e tz u n g d e r P f a f f e n ist:»um Bürgerkrieg, der dauernd von ihnen an die Wand gemalt wird." Eden reist Versteifung der Lage— Eine Neunerkonferenz? dnb. London, 16. Febr. Die französische Antwortnote auf die letzte deutsche Denkschrift und die heute bevorstehende Abreise des Lordgeheimsiegelbewahrers Eden zu seinen Besuchen in Paris, Berlin und Rom, haben die Auf- merksamkeit wieder aus die Abrüstungsfrag: gelenkt. Der Parlamentskorrespondent der„Tirneä" schreibt: Bei seinen Besuchen in den drei Hauptstädten wird Eden die bri« tische Abrüstung S de nkschri st erörtern und sestzu- stellen suchen, wieweit sie eine Grundlage für Deutschlands Rückkehr zur Abrüstungskonferenz und zum Völkerbund und schließlich für eine Abrüstungskonventton bilden könnte. Es wird nicht angedeutet, daß die Denkschrift das letzte Wort über den Gegenstand darstellt. Aber die britischen Minister glauben, daß sie Möglichkeiten für eine vereinbarte Reglnug der noch nicht überwundenen Schwierigkeiten bildet. Eden hofft, den Ministerpräsidenten Doumergue und den Außenminister B a r t h o u am Samstag zu sprechen. Er wird am Montag nach Berlin Weiterreisen. In Rom wird Eden am 26. Februar mit Mussolini zusammentreffen. In einem Leitaufsatz macht„T t m e ä" die Andeutung, daß England vielleicht in der Sicherheitsfrage unter ge- wissen Boraussetzungen ein Angebot machen werde, das über das der letzten Denkschrift hinausgeht. Der diploma- tische Korrespondent des„Daily Telegraph" berichtet: Aus der gestrigen Sitzung des KabinettSausschusses für die Abrüstungsfrage wurde die französische Note geprüft. ES herrscht hie Auffassung, daß sie eine entschiedene Versteifung der französischen Haltung zeigt. Eden wird sich keine Illusio- neu über die Schwierigkeiten seiner Mission machen. Der diplomatische Korrespondent des„NewS Chronicle" schreibt u. a., wenn Eden bei seiner Rückkehr einen leidlich hoffnungsvollen Bericht erstatten könne, dann bestehe gute Aussicht daraus, daß die britische Regierung vorschlagen werde, eine Konferenz von acht oder neun Staaten nach einem anderen Ort als Gens einzuberufen. t. Nazis in Indien Propagandisten überall i Soumyendranath Tagore, der Neffe Rabindranath Ta- gores, schreibt in der Pariser Zeitschrift„Monde" über die faschistische Propaganda in Indien: „Die nationalsozialistische Propaganda in Indien ruht nicht, und der deutsche Konsul in Kalkutta hat sich die aktive Mitarbeit einer gewissen Anzahl deutscher und hinduistischer Agenten gesichert. Ich schrieb für die Presse der Inder eine Artikelreche über den Nationalsozialismus. Der deutsche Konsul in Kalkutta richtete daraufhin an das Blatt, das meine Berichte veröffentlichte, einen heftigen Protestbries. Der nationalsozialistische Diplomat behauptete unter an- derem:„Es gab einige bedauerliche Zwischenfälle, einige Gewalttaten— während der erste» Tage der nationalen Revolution in Deutschland.. Es ist wenig großzügig und ungerecht, eine Regierung zu tadeln, die alle möglichen Maß- nahmen getroffen hat, sie zu oerhindern und die Erfolg da- mit gehabt hat." „Selbstverständlich", betont Tagore,„kann keine wirksam« nationalsozialistische Propaganda in Indien ohne die Dienste hinduistischer Agenten durchgeführt werden. Der deutsche sessör Benvytamär Sartar von der Universität" m^Kalfutta zögerte nicht, seine Dienste anzubieten.... In einem Ar- tikel, der in einer nationalsozialistischen Tageszeitung in Kalkutta erschien, schrieb der Professor Sarkar:„Hitler ist der größte der deutschen Erzieher und Propheten seit Fichte. ... Die Prosperität, die Arbeit und der Wohlstand der Arbeiterklaffe werden sich unter dem nationalsozialistischen Regime kaum verkleinern...." Tagore teilt weite, mit, daß Sarkar sich seit einigen Monaten aktiv mit der Durchführung nationalsozialistischer Meetings besaßt. Der Hauptredner in diesen Beranstal- tunge« ist der deutsche Bize-Konsul in Kalkutta, ein gewisser Dr. Richter. Seine Reden waren selbstverständlich nur ein Versuch, die Nazi-Barbarei zu rechtfertigen. Sarkar macht sich darüber hinaus zum Interpreten eines ertremen hin- duistischen Nationalismus: er hat behauptet, daß die Hindus die Mohammedaner dem gleichen Schicksal unterwarfen, wie Hitler es den Juden bereitete. «Es ist notwendig," schließt Tagore,„die Bedeutung der Jugend-Bewegungen in den kolonialen Ländern nicht zu unterschätzen, und die Arbeit muß ernsthaft begonnen wer- den, bevor eS zu spät ist." Dollfuß, Deonflraijter Mussolinis Anklage gegen ihn ans der ganzen Welt Parisern(Theater Samedi, 17. Fevrier Opera.— La Korrigane. Daphnis et Chloe(20). Opora-Comique.— Mme. Butterfly, Valaea(20.15). Comedie-Francaiae.— Primerose(20.45). Odeon.— Colomba, Tempte sur les cotes(14.30); La Fleur merveilleuae(20.30). Theatre Populaire Nationale.— Mirelle(0p. Com.)(20.30). Atelier. Richard III.(20 45). Gymnaae. Le Meaaager von Henry Bernatein mit Gaby Mor- lay(21). Madeleine. Le Paaaage dee Princea(Offenbach)(20.45). Michodiere. Le Tempa difficilea(20.30). Michel. Parole d'honneur(21). Oeuvre. Une Femme qu'a le coeur trop petit, von Cromme- lynck(21). Theatre de Paria. Tavaritd,(20.45). Sarah Bernhardt. Alibi 14 von Jean Guitton(20.15). Chatelet. Roae de France(20). Gaite-Lyrique. Le Paya du«ourire(Daa Land dea Lächeln«) von Lehar(20.45). Mogador. L'auberge du Cheval Blanc(Im Weißen Röß'l) (20.30). Le Pavilton. Au Paya dea Femme« nuea, Operette mit Rollin. Pigalle. La Chauve-Souria(Die Fiedermaua). Regie: Max Reinhardt(20.30) Porte Saint Martin Wiener Walaer(Operette von Johann Strauß, Vater u. Sohn), mit Andre Bauge(14.30 u. 20.30). Caaino de Paria- Revue: Vive Paria mit Cecile Sorel. Im 2. Akt: Maitreaaea de Roia, von Sacha Guitry-(14.30„. 20.30) Foliea-Bergere. Folie« en Folie. Revue mit Miatinguett (14.30 und 20.30).•• Der heldenmütige Kampf der österreichischen Sozial- demokratie hat in Frankreich und England eine lebhafte Erregung ausgelöst. Die Linksgruppen stehen überall mit ihren Sympathien auf der Seite der Freiheitskämpfer in Oesterreich. Aber auch die Rechtsgruppen erkennen, daß Dollfuß mit den Heimwehrverbrechern im Auftrage Mussolinis handelt, der ein von ihm abhängiges Oesterreich durch Dollfuß schaffen will, um so seinen Machtbereich in das Herz Europas zu erweitern. Die Staaten der Kleinen Entente fühlen sich durch diese Aktion stark beunruhigt und schließlich auch bedroht. Sie werden durch die Faschisierung Oesterreichs eingeklemmt in den Faschismus muslimischer und nationalsozialistischer Couleur B en e sch war in London und hat bestimmt bei dieser Gelegenheit auch das englische Außen- Ministerium auf die in Zentraleuropa durch den Staats- streich der Heimwehren heraufbeschworene gefährliche Situation aufmerksam gemacht. Simon hat auch im Unterhaus auf die Anfrage des Arbeiterparteilers Attlee von den„ernsten und sehr betrüblichen Er- e i g n: s s e n in O e st e r r e i ch" gesprochen, die die eng- lische Regierung genqu beobachte. Auch ist es so gut wie sicher, daß im Völkerbundsrat die Lage anläßlich des An- rufens dieser Institution durch Dollfuß wegen des Ein- bruchs der Nationalsozialisten ernstlich besprochen wird. Die Attacke Fey-Starhemberg-Dollfuß zieht demnach auch ihre außenpolitischen Kreise. Die engllsdie Regie rung besinn! London, 15. Febr. Im Unterhaus stellte der Abgeordnete A t t l e e im Namen der Opposition die Frage, ob der Außen- minister angesichts der Ereignisse in Oesterreich Schritte zur Herbeiführung einer baldigen Sitzung des Völkerbundes tun wolle. Simon erwiderte hieraus, daß die„ernsten und s hr betrübliche« Ereignisse" in Oesterreich von der englischen Regierung genau beobachtet würden. Dem Unterhaus sei be- kannt, daß die österreichische Regierung im Zusammenhang mit der internationalen Lage beschlossen habe, den Böl- bnud anzurufen, sas die innere Lage Oesterreichs betreffe, so sei er überzeugt, das Haus werde den Grundsatz be- herzigen, daß ein Land nicht berechtigt sei. sich in d.. inneren Angelegenheiten eines anderen Landes einzumischen. Der Arbeiterabgeordnete G o ck s erklärte dazu, daß Oesterreich doch in einer besonderen Lage sei und daß die Mächte sich andauernd in seine Angelegenheiten einmischten. Der konser- vative Abgeordnet« Sooerville meinte, daß die sozio- listische Agitation alle Verwirrung in Oesterreich verursacht habe. Hierauf ertönte lautes:„Nein, nein!" von den Bänken der Arbeiterpartei. Der Arbeiterpartetler Wedgwood fragte dann, ob die englische Regierung der österreichischen Regierung klar machen wolle, was für einen schlechten Ein- druck daS Aufhängen von österreichischen Sozialdemokraten in England mache.(Rufe von der Ministerbank: O, o!> Der Arbeiterabgeordnete B e v a n fügte hinzu:„Und das Nieder- schießen von Frauen und Kindern!" Thorns(Arbeito Partei) fragte schließlich:„Sind die Sozialisten nicht die sried- lichsten Leute der Welt?" Auf die letzten Fragen wurde von der Regierung keine Antwort mehr erteilt. Amerika sagt:„Dollfuß schwächt seine Lage" Reuqork, 15. Febr. lieber die Entwicklung der blutigen Er- eignisse in Oesterreich wird von der Presse seitenlang mit großen Schlagzeilen berichtet.„N e u y o r k Times" be- merkt in einem Leitartikel, es sei nahezu unmöglich, aus der Ferne genau festzustellen, wer für den Bürgerkrieg verant- wortlich sei. Hingegen urteilt„Herald Tribüne", daß selbst aus den zensierten Nachrichten, die aus Oesterreich ein. treffen, immer klarer hervorgehe, daß Dollfuß einen Fehler begangen habe. Das Vertrauen der Welt in Dollfuß sei er- schüttelt, und dadurch, daß er nunmehr Haß gegen sich selber erzeuge, schwäche er seine Lage. her Nora an Sdiwervenefzten Die Welle der Empörung Preßburg, 15 Febr. Es werden jetzt Eiuzelhetten über die Hinrichtung des Schutzbundsührers Munichreiter bekannt. Die Hinrichtung dieses Schwerverletzte» durch die Wiener Eixetutivbehörde hat die Erbitterung der Bevölkernug ins Unermeßliche gesteigert. Mnnichreither, der durch mehrere Schüsse schwer verletzt war, wurde danach aus einer Trag» bahre zum Standgericht, ebenfalls auf einer Tragbahre zum Galgen geschafft, von der Bahre aus unter den Galgen gesetzt und— obwohl fast bewußtlos- erhängt. Auch zahlreiche Ausländer haben ihrer ungeheuren Empörung über die bestialische Hinrichtung eines Schwerverletzten durch die Re« gierung Dollsnß Ausdruck gegeben und erklärt, daß damit auch die letzten Sympathien für das Gewaltsyftem Dollsnß bei ihnen geschwunden seien. ..Degnadlgl" Zehn Jahre Kerker Wie«, 15. Febr. Der am Donnerstag vom Standgericht zum Tode durch de« Strang verurteilte Schutzbündler Salab ist z» 16 Jahren schwere« Kerkers begnadigt worden. In Regierungskreisen wird jetzt zu den in Wie«, Steyr und St. Pölten einberufenen Standgerichtsverhandlungen die Ausfassung vertreten, daß Todesurteile nur für die Führer(von denen man aber doch verleumderisch be» hauptete, daß sie geflohen seien! des Schutzbundes, nicht aber für die von den Führern zur Teilnahme am Aufstand„ge- zwnngenen"(Das ist eine niederträchtige Verleumdung der Freiheitskämpfer. D. Red.) Arbeiter in Frage kommen könne«. Wettrennen am fasdiistenguiisf Jeder wollte der Erste sein... DaS DNB. bringt folgende Enthüllungen über das Tech- telmechteln der Heimwehrführer mit den Nazis, das das Jntrigantenspiel, das dem Fey-Putsch vorausging, in ein neues Licht setzt. Demnach haben die Heimwehrakteure zwischen Hitler und Mussolini geschwankt und sich dann so eingesetzt, wie es der Meistbietende wollte. Hier die Meldung: dnb. Berlin, 15. Febr. Es ist bereits bekannt, daß die drei österreichischen Machthaber Dollsnß, Feq und Starhem- berg sich gegenseitig mißtraue» und jeder hinter dem Rücke« des anderen versucht, mit den Rationalsozialisten Fühlung zu nehmen. Dollsnß hat vor einiger Zeit anch die Fühlung- «ahme mit den Sozialdemokraten versucht, bis die Ereignisse ihn dann in die jetzige Richtung gedrängt haben. Bekanntlich stellte der uiederösterreichische Heimwehrsührer Graf A l b e r t i, der in der Wohnung des Wiener Gauleiters der NSDAP., Franenfeld, verhaftet und in das Konzentra, tiouslagcr Wölkersdorf gebracht worden war, fest, daß er die Verhandlungen mit Franenfeld im Austrage von Starhemberg geführt Hab«. Er ließ einen Aufrus an den niederösterreichischen Heimatschutz herausgehen, in dem er bereits feststellte, daß er die Verhandlungen mit Frauen» feld im Anstrage Starhembergs geführt habe. Er sei nur zurückgetreten, um dem Heimatschntz die Lage zu erleichtern. Starhemberg stritt alles ab. beschimpfte Graf Alberti und bezichtigte ihn der Anzettelung einer Verschwörung hinter seinem Rücken. Die nationalsozialistische„Schlesische Tageszeitung" in Breslau ist nun in der Lage, eine Erklärung Graf A l b e r t i s über diese Vorgänge im Faksimile zum Abdruck z« bringen. Damit ist der schlüssige Beweis erbracht, daß Starhemberg seine eigenen Untergebenen verrät und ins Konzentrationslager schickt, wen» es ihm gerade gut erscheint, obwohl sie doch nur in seinem Austrage handelten. Der Brief hat folgende« Wortlaut: 1«. Januar 1984. Für de» Fall meiner Verhaftung erkläre ich, daß ich die Niederlegung der Landessührerftclle widerrufe. Ich habe alle Besprechungen mit den Nazis m i t K e n u t, nis«ud Zustimmung des Bundsssührers geführt und ihm über alles berichtet. Die Niederlegung meiner Führerstelle in NO. erfolgte nnr deshalb, um dem BF. und dem Hesch die Situation zu erleichter«. Graf Albert' „BF." ist der Bnndessührer,„Hesch" der Heimatschutz»ud „NO." bedeutet Niederösterreich. . Welte, wir halten gesiegt" Bis zuletzt heldenhafter Widerstand Wien, 15. Februar 1984. Die Regierung bemüht sich„SiegeSkundgebungen" zu ver- öffentlichen. Der Bezirk Simmering ist jetzt bis zu der von den Truppen gezogenen Sperrlinie, dem Bahndamm der Aspern- Bahn, gesäubert worden. Das jenseits liegende Gebiet soll heute nacht gesäubert werden. Der Bezirk Simmering zeigt überall die Spuren s vt schweren Kämpfe der letzten Tage. Fast alle Häuser weisen Spuren von Schüssen auf. Besonders schwer sind e Ge- meindet.iuser mitgenommen, um die einzeln gekämpft wor den ist. Granaten haben tiefe Löcher in das Mauerwerk geschlagen. Muschinengewehrsalven haben überall deutl e S-ren hint rlassen. Hier wurde Gebirgsartillerie eingesetzt. Die Einnahme des seit Tagen schwer umkämpften La, er Berges vollzog sich, wie verlautet, am Donnerstagnach- mittag entgegen allen Erwartungen ohne weitere Kampf- Handlung. Aus die Aufforderung der Truppen zur Urberg'"'« räumten die Schutzbündler den Laaer Berg und flohen in großer Zahl über Zäune und Mauern. Die Besetzung des Laaer Berges, der als strategisch wichtiger Punkt angesehen wurde, vollzog sich dann in aller Ruhe. Auch der Karl- Marx-Hof ist jetzt ohne Kampf von den Truppen besetzt worden. Die Wasfensuche ist dort in vollem Gange. Es braucht nicht alles richtig zu sein, was hier die Regie- rung für das österreichische Publikum zurechtmacht. Jeden- falls geht aber auch auS diesen Meldungen hervor, daß die Sozialdemokraten die Positionen bis znletzt gehalten haben und die Verteidiger sich nach verlprenen Gefechten zurück- ziehen mußten. Wäre es anders, dann hätte bestimmt der Regierungsbericht auch eine größere Zahl von Gefangenen ausgeführt. Das Land Tirol Kalter Putsch im Landtag Innsbruck, 15. Febr. Der Donnerstag nachmittag z» einer außerordentlichen Sitzung zusammentretende Tiroler Landtag soll, wie bekannt wird, die Auslösung des Landtages beschließen. Dadurch wäre der Weg zur Einsetzung der von der Tiroler Heimatwehr geforderten autoritären Landes- regterung freigemacht. Die neue Landesregierung dürfte vom Bundeskanzler ernannt werden. Außer dem bisherigen Laudeshauptmann Dr. Stumpf und seinem Stellvertreter Dr. Peer sollen je ein Vertreter der Heimatwehr und der Chriftlich-Sozialen Arbeiterschaft sowie des Bauernbuudes der neuen Landesregierung angehören. Di« Landesregierung hat de« infolge der Auflösung der sozialdemokratische« Partei beschlußunfähig gewordenen Gemeiuderat der Landeshauptstadt Innsbruck ausgelöst und den bisherigen Bürgermeister Franz Fischer zum Regie- ruugskommissar bestellt. Weiter hat die Landesregierung die Gemeindevertretungen von Htttting, Wörgl, Kirchbichl und Häriug aufgelöst. Deutsche Freiheit-' Nr. 40 ARBEIT UMD WIRTSCHAFT Samstag, 17. Februar 1934 Karfelle fest gesdilossen? Ein neuer Verband für viereckige Drahtgeflechte ist gegründet worden; er umfaßt die Großhandelsgeschäfte, auch die bisherigen Außenseiter, für den Kleinhandel werden regionale Preisregelungeu getroffen werden.— Zwischen dem Verband der Silberwarenfahrikanten und dem Facheinzelhandel für silberne Bestecke ist ein Preisschutz vertrag abgeschlossen worden.— Das Kupferblechsyndikat soll völlig reorganisiert werden.— Das Messiugröhren-Mindestpreisab- konimen ist aufgehoben worden.— In der Gerbereimaschi- nenindustrie ist ein Verband gegründet worden, der den Konkurrenzkampf ausschalten soll. Für Hauswirtschafts- Maschinen ist eine Preiskonvention abgeschlossen worden.— Der t'erhand deutscher Nähmaschinenfabrikanten ist in Neu- oiganisierung begriffen.— Die Zechenkokereien der deutschen Ammoniak-Verkaufsvereinigung haben sich dem Stickstoffsyndikat angeschlossen.— Das Kartell für Kaltasphalt hat seine Preiskonventionen verlängert.— Nach einer Mitteilung des Reichswirtschaftsministeriums bleibt es dem Hüttenzement verband unbenommen, nach eigener Entscheidung dem Markt noch weitere Mengen Hüttenzement zur Verfügung zu stellen.— Der Norddeutsche Zementverband hat den heftigsten Kampf gegen die Außenseiter aufgenommen; zwei Zementwerke sind aus dem Verbind ausgetreten, der Verband droht mit seiner Auflösung, um den Schmitt zu einer Zwangskartellierung zu bringen. Um es dem Schmitt leichter zu machen verweist man darauf, daß sich die beiden ^ ef ke in holländischem und dänischem Besitz befinden; es wird apeh si.f ein drittes Werk verwiesen, das in belgischem Besitz befindlich ist Auch im Westdeutschen Zementverband hat ein Krieg begonnen.— Ein Kartell und Verband der Flachglasveredler vom Groß- bis zum H indwerksbetrieb ist geschlossen worden.— Unter der Bezeichnung„Verkaufs- Stelle deutscher Gußglasfabriken Köln" haben sich verschieden« Gruppen der deutschen Glasindustrie zu einem Syndikat zusammengeschlossen.— Zwischen dem Flachglasgroßhändlerverband und dem Tafelglas-Syndikat ist ein Preisabkommen geschlossen worden.— Im Zellstoffsyndikat sind die Außenseiter zum Beitritt»ezwungen worden.— Ilc-i V erein württembergischer Holzinteressenten hat die Liefersperre gegen Außenseiter beschlösse, Die Staalsforstvecwcl- tungen von Bavern und Baden haben sich angeschlossen.— Zwischen den Salinen- und Steinsalzwerken ist ein Quorvi- abkommen getroffen worden. Sprühende zahlen) Von der Arbeitsschlacht Vir entnehmen einem gleichgeschalteten Blatt: Von 58 550 Buchbindern sind 38 214 vollbeschäftigt; 9 400 Mitglieder sind Kurzarbeiter. Im Chemiegraphie-, Kupfer-, Licht- und Tiefdruckgewerbe waren im Dezember 1933 1 908 Arbeiter auf den Arbeitsnachweisen eingeschrieben, dein standen 127 offene Stellen gegenüber.— In Sachsen beträgt der"-Brutto* höchstlohn für kunstsCwrrKinär tmd sonstlgr w* HlltcTn- Handarbeiten pro Woche 15 RM., in der Heimarbeit; im Bezirk beträgt der Höchstlohn für Heimarbeit für Berufs- und Sportkleidung 24 RM.— Am 31. 12. 1933 waren bei den Arbeitsämtern insgesamt 4 518 209 Arbeitssuchende gemeldet. im November 4 236 090. In Ostpreußen gab es 37 474 Arbeitslose, die Zunähme betrug von November zu Dezember 22 693 oder 153,5 Prozent. Insgesamt beträgt die Zunahme der Arheitslosenzahl im Reich 9.3 Prozent. Im gesamten norddeutschen Küstengebiet sind 19 297 Seeleute arbeitslos. Zwiespältig gegenüber Warenhäusern Neuer Parteierlaß Der„Völkische Beobachter" veröffentlicht eine Bekanntmachung des Stahsleiters des Stellvertreters des Führers, Reithsleiter B o r m a n n, zur Ware»hausfrage. Die Stellungnahme d. r Reichsleitung der NSDAP, und ihre Veröffentlichung erfolgt im Auftrage des Stellvertreters des Führers. In der Bekanntmachung erinnert der Reichsleiter Bor- mann an die bekannte Verfügung des Stellvertreters des Führers vom 7. 6. 33, worin dargelegt wurde, daß vorerst «in aktives Vorgehen gegen Warenhäuser und ähnliche Be- triebe mit dem Ziele, sie zum Erliegen zu bringen, u n- terbleiben müsse. Bei Erlaß der Verfügung, so heißt es in der neuen Bekanntmachung, geht die Reichsleitung von der eigentlich selbstverständlichen Voraussetzung aus, daß die Inhaber bzw. Leiter der Warenhäuser und warenhausähnlichen Betrieben sowie jüdische Firmen diese unsere Haltung damit beantworten würden, daß sie sich ihrerseits äußerste Zurückhaltung und Takt in ihrer Ge- achäftaführung, Werbung und sonstigen Auftreten auferlegen. Hierzu gehört, daß die oben gekennzeichneten Geschäfte Svmbole der nationalen Bewegung weder zeigen, anbieten noch verkaufen. Außer Haken- kreuzfahnen gehören hierzu jede Art Bilder unserer Führer, Uniformen und Uniformstücke sowie alle auf die nationale Bewegung Bezug nehmenden Gegenstände wie z. B. auch Kinderiiniformen, SA.-Puppen und dergleichen. Die bedauerliche Feststellung, daß gegen diese und andere Selbstverständlichen Gebote von Zurückhaltung sehr häufig verstoßen wird, ist der Anlaß zu dieser erneuten ausdrücklichen Bekanntgabe der Stellung der NSDAP, zum Waren- hsuäprohlem. Bei dieser Gelegenheit wird wiederum betont, daß es Mitgliedern der NSDAP nicht gestattet ist, für Warenhäuser zu werben oder sie in Uniformen zu treten. „Nichtdeutsche Geschäfte" In der Hauptversammlung der NS.-Hago und der GHG. H i I d e» h e I m erklärte Kreispropagandaleiter Schwalenberg, daß noch immer selbst Handwerker und Gewerbetrei- b-nde heim Kauf in nichtdeutschen Geschäften angetroffen würden. Diese Mitglieder würden für die Folge a u s g e- a ch I o• s e n werden. Enttäuschte Bauern Man schreibt uns aus dem Reiche: Das sogenannte Erbhofgesetz sowie Maßnahmen der Viehverwertung, Eier- und Butterveraorgung haben starken Unwillen in Bauernkreisen erregt. Der Schreiber dieser Zeilen, der seit Jahren fast ausschließlich mit ländlichen Kreisen verkehrt, kann einwandfrei feststellen, daß ein Umschwung in der Stimmung sich stärker bemerkbar macht in einer Ablehnung des herrschenden Systems. Ein überaus großer Teil der Bauernschaft ist ihm jetzt feindlich. Nur Furcht uud Angst sind es, die besagte Kreise noch bei der Stange halten. Der Bauer fühlt sich in seinen Urrechten, in seiner Existenz unfreier als früher und bedroht. Obwohl es ihm auch in den zurückliegenden Jahren nicht rosig erging, sagt er jetzt, daß er es vorher doch besser gehabt habe, als er noch über seinen Grund und Boden und Eigentum verfügen konnte. Die neugegründeten Verwertungsgenossenschaften jeder Art befriedigen den Landmann keinesfalls. Dies trifft besonders auf den Viehhandel zu. Der Bauer wünscht meist sein Vieh wieder vorzugsweise an seinen altangestammten Viehhändler abzusetzen. Doch die Ausschaltung des altberechtigten Handels macht ihm dies unmöglich. Falls er trotzdem diesen Weg beschreitet, setzt er sich allen möglichen Schikanen aus. Dem jüdischen Viehhändler ist jede Lebensmöglichkeit genommen. Er ist entweder gezwungen aus Deutschland auszuwandern oder im Inland völlig zu verarmen. Daß die Maßnahmen und die Boykottbewegungen sich in jüdischen kaufmännischen Kreisen stark auswirkt, obwohl jeder Boykott laut Zeitungsmeldungen unerwünscht ist, bleibt klar. Nicht allzu rosig ist auch die Stimmung in den Beamtenkreisen. Die vielen„freiwilligen" Abgaben und Spenden schmälern den Lebensstandard derart, daß die Unzufriedenheit wachst. Blutige Terrorfälle gegen Nichtarier sind sehr häufig, ohne daß man den Betroffenen den gebührenden gesetzlichen Schutz angedeihen läßt. In den meisten Fällen greift die Behörde nicht einmal ein, und seihst wenn, dann sind Nazizeugen vor Gericht immer unbedingt glaubwürdig. Der Ruf„Deutschland erwach?" scheint allen Anzeichen nach doch noch in Erfüllung zu gehen. Gegen Kräuter Vernünftiger Erlaß in Bremen Der Senator für Inneres und Justiz teilt mit:„Wie aus einem Schreiben des Reichsarbeitsministers an den Reichsstand des deutschen Handwerks hervorgeht, ist die bedauerliche Beobachtung gemacht worden, daß nicht alle dem Handwerkerstande angehörenden Volksgenossen den auch für sie segensreichen Maßnahmen der Reichsregierung das richtige Verständnis entgegenbringen. Das Reich hat die erheblichen von ihm gewährten Mittel zur Förderung der Bauarbeiten in erster Linie deshalb bereit gestellt, um eine Entlastung des Arbeitsmarktes und der Arbeitslosenhilfe zu erreichen. Es liegt jedoch Anlaß zu der Annahme vor, daß Handwerker durch erhöhte persönliche Arbeit und durch vermehrte Arbeitsleistung ihrer Familienmitglieder und der vorhandenen Arbeitskräfte die an sich erforderlidt werdenden Vcueinstelltingen von Arbeitslosen zu vermeiden suchen. Gegen diese eigennützigen Bestrebungen wird nunmehr mit aller Schärfe vorgegangen werden. Das Gewerbeaufsichtsamt wird die Kontrolle der Arbeitszeit in geeigneter Weise durchführen und Verstöße gegen die gesetzlichen, tariflichen oder sonst vorgeschriebenen Bestimmungen über die Arbeitszeit zur Anzeige bringen. Neben der zu erwartenden exemplarischen Bestrafung bleibt die öffentliche Bekanntgabe aller Saboteure des Kampfes gegen die Arbeitslosigkeit vorbehalten." Mobilisierung der Goldborte Ungewöhnliche Gewinnmöglichkeiten Da sich ungewöhnliche Gewinnmöglichkeiten für die Goldarbitrage aus der Differenz zwischen dein Pariser, Londoner und Neuyorker Goldpreis ergeben, ist eine kräftige Mobilisierung der privaten Goldhorte eingetreten. Besonders die im Verlauf der Krise eingekapselten europäischen Horte werden teilweise liquidiert und gehen neben dem neuproduzierten Gold in großen Posten in amerikanischen Besitz über, auch wenn sie vorläufig noch äus technischen Gründen in London verbleihen. Bei diesen privaten europäischen Horten handelt es sich um sehr erhebliche Beträge; so schätzt man die schweizerischen privaten Goldbestände auf etwa sfr. eine Milliarde; die Londoner Goldborte, unter denen sich wohl auch erhebliche private amerikanische Bestände befinden, auf mehr als Gold-Lst. 50 Mill., so daß eine Gesamtliffer für Welteuropa von RM. 3 Mrd. wahrscheinlich eher zu niedrig als zu hoch gegriffen ist. Hinzu kommt jedoch, daß die beträchtlichen indischen Horte, von denen Teile in der ersten Zeit nach dem Abgehen Englands von Goldstandard stark, in den letzten Monaten jedoch nur langsam nach London flössen, durch die Gewinnmarge erneut in Bewegung geraten sind. Es wird berichtet, daß in der zweiten Februarwoche der bisher nie erreichte Höchstbetrag von Gold Lst. 400 000 Gold von Indien unterwegs ist, von dem ein Teil direkt nach Neuyork verschifft wurde. Das Wiederverfügbarwerden dieser privaten Goldhorte für monetäre Zwecke bildet aber einen starken Puffer für die unter Goldabgabedruck stehenden Notenbanken, denen die schwierige Uebergangsphase bis zur Anpassung des Dollarsurses an die neue Goldparität wesentlich erleichtert wird. Abgesehen daavon, dürfte dein Vergang aber keine unmittelbare währungspolitische Fruchtbarkeit zukommen, da vorläufig nur eine Um lagern ng der Horte von Europa nach Amerika erfolgt, ohne direkte Rückwirkung auf das internationale Preisniveau. Es wird einer späteren Zeit vorbehalten bleiben müssen, die auch von Roosevelt gewünschte Neuverteilung der monetären Gold- bestände vorzunehmen. Fahrräder und Schreibmaschinen Die Triumph-Werke Nürnberg A.-G. teilen mit: Der Fahrradabsatz, besonders in billigen Marken, konnte im Inland atückzahlmäßig erhöht werden. Der Umsatz in Motorrädern und Schreibmaschinen hatte gleichfalls den Erwartungen entsprochen. Der Gesamtumsatz blieb aber gegenüber dem Vorjahr zurück. 1 255 000 Schulentlassene Die Berufsberatung steht für den diesjährigen Unter- termin vor sehr schwierigen Aufgaben. Schätzungsweise werden diesmal doppelt so viel Volksschiiler wie 1932 zur Entlassung kommen, und zwar 600 000 Knaben und 600 000 Mädchen. Dazu kommen dann insgesamt 40 000 Abiturienten und etwa 15 000 sonstige Abgänge, so daß aich eine Gesamtzahl von I 225 000 ergibt. Ueber 12 000 preußische Gemeinden weniger Auf Grund der Volkszählung am 16. Januar 1933 gibt es in Preußen zur Zeit 30 466 Gemeinden. Seit der vorletzten Volkszählung im Jahre 1925 hat die Zahl der preußischen Gemeinden um 12 280 abgenommen. Diese außerordentlich« Verminderung ist eine Folge von Eingemeindungen und der Aufteilung von Gutsbezirken, die zwischen den beiden Volkszählungen in außerordentlich starkem Umfang« Itzttgefun- den haben. Plauener Spitzen Und eine kleine Rechnung Hb Auch ein Propagandaministerium kann im Neberetser einmal die Wahrheit sagen. In den letzten Iamiartagen ging durch die gesamte gleichgeschaltete Presse ein dreispaltiger Artikel, der sich mit Riesenüberschristen und vielem Fettbruck über die gewaltige Arbeitsbeschaffung für die Plauener Spitzenarbeiterschaft ausließ. Bekanntlich sollen die deutschen Männer und Frauen im Monat Februar ihre mehr oder weniger keuschen Busen mit einem Stern aus Plauener Spitzen schmücken, um au dokumentieren, daß sie die„frei- willige" Steuer sitr die Winterhilfe entrichtet haben. Sieben Millionen solcher Sterne wurden In Austrag ge- geben. Tie ganze Stadt Plauen ist nach dem amtlichen Be* in cht von einem Freudentaumel befallen, da es sich um die erste ArbettSmöglichkeit fett Jahren handle. Sechs Pfennig zahlt die Wlnterhllfe für leben Stern Siebentausend Arbeiterinnen und Arbeiter haben bis Monatsende zu tun. Ter Gesamtauftrag bringt der Plauener Industrie eine Bruttoeinnahme von 420 000 Reichsmark. Nehmen wir an, daß die Halste dieser Einnahme für Vöbue aufgewandt wird, io ergibt sich eine?ohnsumme von 210 00«! Reichsmark für 7000 Beschäftigt« oder von 80 RetchSmark pro Mann und Monat. Am Monatsende ist selbst mit dieser kläglichen Vohneinnahme wieder Schluß. Und darüber schreibt man im„dritten Reick" begeistert dreispaltige Festarttkel. Wie gesagt; Auch ein Propaganda- Ministerium... Notwendig! Schärfere Stra'verfolgung von Konkursvergehen „Tie Strafvorschriften der Koukursordnung ermöglichen es, Personen zur Verantwortung zu ziehen, die sich nicht rechtzeitig ihren Gläubigern oiienbart und durch den Fort- betrieb ihres an sich überschuldeten Unternehmens die Gläubiger aeichädia« haben. Zahlreiche Zuwiderhandlungen gegen d!e Strasbestimmungen der KO bleiben ungelühni, weil iich niemand findet, der den Tätbestand aufdeckt und Anzeige erstattet. Seit Iahren ist immer wieder darüber Beschwerde geführt worden, baß Personen, die ihre Gläubiger in unverantwortlicher Weise geschädigt haben, straffrei bleiben und vieliach sogar ein neues Geschäft errichten oder das bisherige Unternehmen weiterführen. Wie das BTZ. Büro meldet, hat die Berliner.industne- und Handelskammer mit Vertretern der beteiligten Ministerien. KonkurSrtchtern. Konkursverwaltern und An- gehörigen der Wirtschaft über eine Abstellung dieses Mißstandes beraten. Man stellte sest, daß zwar in allen Konkurs- fällen eine strafrechtliche Nachprüfung erfolgt, bezeichnete es aber als Mangel, daß in den meisten Fällen, in denen die Eröffnung des Konkursverfahrens wegen Geringfügigkeit der Maiie abgelehnt wird, eine strafrechtliche Nachprüfung nicht vorgenommen wird. Es soll deshalb bei der Industrie- und Handelskammer eine Stelle eingerichtet werden, die diese Nachprüfung vornimmt. Tie Industrie- und Handels- kammer erwartet, daß ihr bei den der Allgemeinheit dienen- den Prüfungen keine Schwierinkeiten erwachsen. Tollte etiva durch Vorenthalten der Geschäftsbücher die Vornahme der Prüfungen erschwert werden, so reichen die geltenden Be- stimmungen ans. um derartige Ttörungsverincke zu oer» hindern." Ig gibts denn nach der Arbeitsmarneschlacht noch Konkurse? Abbau der rarsorge Wie weit der Fiirsvrgeabbau geht, zeigt ein Rnnderlaß des Reichsinnenministers(IV. W 1000 12. 10) an die Gemeinden: „Ter in den letzten Monaten seitens verschiedener Bezirks- fiirsorgeverbäiide durchgeführte Abbau von Fürsorgerinnen iWoftlsahrisptlegerinneni ist stellenweise über das gebotene Maß hinausgeaangen. Selbstverständlich mußte auch der Stand der Fürsorgerinnen von solchen Elementen gereinigt werden, die ihrer Persönlichkeit nach dem nationalen Staate Tienste nicht leisten konnten. ES liegt jedoch n l ch t im Sinne des nationalsozialistischen Staats, grundsätzlich alle weiblichen Beamten und Anaestellten ihres Geschlechtes wegen aus den öffentlichen Diensten zu entfernen Tie öffentliche Wohlfahrtspflege kann zu einer sachgemäßen und sparsamen Turchführuna ihrer sürsoraerischen Ausgaben die Mitwir- knng von sachlich vorgebildeten Fürsorgerinnen nicht ent- behren." Arbeitsschutz— umgeschaltet Ter Beirat des ArbeitSschutzmuseum» ist ausgelöst worden. (Deutsche Zeitschrist für Wohlfahrtspflege.) Gemärt Zelter: Bericht ans dem Konzentrationslager Im Verlag„Graphia" in Karlsbad ist da. Buch de, früheren Reichstagsabgeordneten Gcrhart Seger über seine Erlebnisse und seine abenteuerliche Flucht aus dem Konzentrationslager Oranienburg erschienen. Der schon von uns veröffentlichte Abschnitt aus dem Buche hat großes Aufsehen erregt, und viele Leser baten uns, ein weiteres Kapitel abzudrucken. Vir erfüllen diesen Wunsch, verweisen und hoffen, daß die Proben aus diesem authentischen Bericht über ein Konzentrationslager recht viele Freunde und Gegner veranlassen werden, nun zu dem Buche selbst zu greifen. Landsknechte und Folterknechte Xio SA.-Wache deS Pagers bestand durchschnittlich aus acht- bis Hundert Mann, unter denen Hin und wieder ein Wechsel einer Anzahl von Posten stattfand. Ter größte Teil der SA.-Leute slaminte ans der näheren Umgebung Berlins, ein geringerer Teil kam auS andern Gegenden des Reiches, es gab Rheinländer, Sachse», Thüringer, Tchlesier unter thnon. Die meisten SA.-Peute waren Bauernjungen und Kill- der von Arbeitern, die oft genug im politische» Gegensatz zu lhren Eltern standen. Die wenigsten hatten etwas gelernt oder schon einen Beruf dusgelibt,' verheiratete Pente waren schr selten dabei, am häusigsten waren die SA.-Peute eben Angehörige jener bedauernswerten Generation von Nach- kriegojugend, die fast nichts andres als die Arbeitslosigkeit fennengelernt hat und in völliger Unkenntnis Wirtschaft- l'cher und politischer Zusammenhänge dem Nazischwindel aufgesessen ist. GS wäre völlig verfehlt, bei dem durchschnittlichen SA.- Mann irgendeine noch so bescheidene politische Meinung zu vermuten. Soweit die SA.-Peute im Pager, besonders als Posten bei den Außenkommandos, sich in Gespräche mit den Gefangenen einließen, ergab sich bis aus geradezu verschwin- dende Ausnahmen immer und immer wieder, daß die Zuge- Hörigkeit zur TA. in erster Pinie eine Art Versorgung darstellt. Romantik hatte die Jungen» vielfach zuerst in die nationalsozialistische Bewegung hineingcsührt: von der Ro- niantik nächtlicher Unternehmungen, der Romantik eine» Räuber- und Solbateuspicis mit politischen Gegnern, der Romantik des Berstelkenspiclö mit der Polizei bis zu der allerdings schon bösartigen Romantik der Versammlung»« sprengnugen,' allmählich entwickelte sich aus der TA. die be- zahlte Prätoriancrgard« Hitlers und die Romantiker rückten in besoldete Formationen ein, deren Führung und Aufbau dem militärischen Bedürfnis vieler junger Menschen ent- gegenkam. Der Mangel an politischem Interesse— von politischen Kenntnissen ganz zu schweigen!— bei der TA. ist wahrhaft verblüffend. Als die Reichstagswahlen und die Bolksabstim- mutig vom 12. November bevorstanden, gab es hie und da eittmül ein kurzes Gespräch über den voraussichtlichen Wahl- ausgangi aber abgesehen davon, dass sich auch da» auf wenige «•«.. 4ä. a C... frn r t." Vl-o.... »ttcrfc wie etwa die Aussichten SchmelinaS in einem Bo» kämpf oder die einer Fuhballmannschaft bei einem Pändcr- spiel. Als die Wahlen vorüber waren, sprach Sie TA. deS Kagers überhaupt nicht mehr davon,' von irgendeiner ge- Hobenen Stimmung, die bei einem innerlich beteiligten, be- geisterten Parteigänger angesichts des Hitler-Triumphes doch sehr verständlich gewesen wäre, war auch nicht Im>n!u- besten die Rede. Tie Unterhaltungen der SA.-Peute unter- einander drehten sich nur um ihren Sold, die davon gemach- tcn Abzüge, ihre Schulden, Ihre Saufgelage, ihren Geschlechts- verkehr. Es ist wahrhaftig nicht nur keine Ucbertreibung, sondern der einzig treffende Ausdruck, wenn man das Da- sein des durchschnittlichen TA.-ManneS Im mittelalterlichen cinne des Wortes ein Pandskncchllebe» nennt. Ter Oranien- burger Sturmbannführer Krüger liest sich eines Tages an die Wand seines Zimmers den sinnigen Spruch malen:„Passt die Soldaten trinken, spielen, küsse»— wer weist, wie bald s>« sterbe» müssen!" Dieser Wandspruch kennzeichnet die Welt des TA.-Mannes einigermasten erschöpfend. Ich Hab« in den sechs Monaten Oranienburg eine grosse Anzahl TA.-Männer persönlich kennengelernt und viele, viele Unterhaltung mit ihnen gehabt. Ich bin nicht einem, nicht einem einzigen jungen Menschen iu der SA. begegnet, der auch nur eine Stunde seines an freier Zeit reichen SA.- Dasein» bcnützt hätte, um zu Büchern zu greifen und auS eigenem Antrieb etwas zu lernen. Wenn man aus eigener Jugendersahrung weist, welch eine Summe von Willenskraft und Fleiss ganze Generationen sozialistischer Arbeiterjugend aufgebracht haben, um in harter Arbeit an sich selbst die BolkSschnlbildnng zu ergänzen, sich weit über ihren Stand hinaus emporzuarbeiten, meist nach langer Arbeitszeit in Werkstätten und Fabriken, und vergleicht das mit der Jugend in der SA.— um Himmels willen, welch ein Abstand! Wie viele TA.-Peute haben überhaupt erst durch die Berührung mit uns politischen Gefangenen einen blassen Schimmer da- von bekommen dass er ausser Gewehr»8, Armecrevolver OS, Gummiknüttel, Tkatkarte», Bier und Geschlechtsverkehr noch andre Velten gibt! Kein Wunder, daß sich in einer solchen TA.-Jugend genug Kreaturen finden, bereit, die Rolle des Henkers und deS Folterknechtes zu spielen. Erziehung zur Roheit In der Pagcrwache in Oranienburg gab es einige anstän» digc TA. Männer, es gab welche, die den Gefangenen gegen- Über osken von den verbrechen ihrer Kameraden abrückten und auch diese Gesinnung durch die Tat, durch ihr eigenes Verhalten gegenüber Gesangenen bewiesen. Es gab TA.- Pente, die gutmütig, es gab solche, die darüber hinaus vor- nehm waren und handelten, denen mancher Gefangene hie und da eine Erleichterung und mal eine erträgliche Stunde verdankte— und diese SA.-Peute können gewiss sein, dass ge- radc inmitten der Oranienburger scheußlichen Barbarei jeder solche wohltuende Beweis von Menschlichkeit in den Herzen der Gefangenen gut ausbcioahrt wird. Aber weil ich alles so gerecht als nur mögt ch betrachten, weil ich so objektiv wie nui denkbar dem politischen Gegner gegcnübertreten will, indem ich nicht dem mi erablen. verächtlichen Beispiel des nationalsozialistischen Verhalten» uns gegenüber folge, darf und muß ch seststellen: die Wahrheit ist, dass diese SA.- fcente eine Ausnahme bilden: eine erfreuliche, eine hervorzuhebende Ausnahme— aber eben, leider, eine Ausnahme. Die Roheit ist in der TA. ungemein viel weiter verbreitet als die Menschlichkeit: die Taktlosigkeit sehr, sehr viel häusi- ger als selbst bescheidenste Rücksichtnahme,' die Brutalität, die Neigung zum Verbrechen der Gefatigenenmißhandlung sehr, sehr viel stärker als beamtenmässige Korrektheit des Verhaltens. Schliesslich ist dieser Zustand bei so vielen SA.- Leuten ja nicht nur die Folge ihrer eigenen Veranlagung, sondern— was noch viel schlimmer ist—er ist das Erzeugnis einer planmäßigen„Erziehung" zur Körperverletzung, zum Mord, die in der nationalsozialistischen Bewegung von scher geübt worden ist. Wenn der Führer den grausigen Mord von Potempa verherrlicht, wenn er ein Tympathietelegramm an vertierte Verbrecher schickt, bie zu fünft einem schlafenden Mann im Beisein seiner Mutter mit Stiefelabsätzen den Kehlkops zertraten— wenn das der Führer tut, wie soll dann das Verhallen der von ihm Geführten anders aussehen, als es uns tn so mancher entsetzlichen Nacht in Oranienburg entgegentrat'? Wenn in einer Bewegung jede Menschlichkeit als„Humanitätsduselei" verspottet, wen» im Lande der Dichter und Denker daö Henkerbeil zum StaatSsymbvl wird — wie soll es dann anders in der TA. zugehe», als unS das aus die grauenvollste Weise in Oranienburg offenbar wurde? Und endlich: die SA.-Peute folgen ja nur dem Beispiel ihrer Führer im Lager selbst, dem Beispiel der Sturmbannführer Schäfer und Krüger, der Sturmführcr Stahlkopf und Ewe. Da die unmittelbaren Vorgesetzten im Lager sich an den wehrlosen Gefangenen austoben— weshalb sollte sich die SA. dann irgendeinen Zwang auserlegen? Das taten sie denn auch nicht. Einige TA.-Peute haben Morde aus dem Gewissen, eine bestimmte Anzahl hat sich an den feigen Exzessen auf Zimmer 10 beteiligt, eine grössere Zahl war bei Gefangenenmtsshandlungen sonst im Pager da- bei, und viele haben ihr Mütchen an un» gekühlt, beim Straf- exerzieren, bei der Strafarbeit im Pager und brausten, bei jeder Gelegenheit. Schr viele haben natürlich auch moralische Mißhandlungen der Gesangenen verübt, manche auS Dummheit, ohne zu wissen und zu sühlen, was sie anrichteten — die grosse Mehrzahl aber aus Gemeinheit und Niedrig- kcit der eigenen Gesinnung. Kurz nach der Etitlieferuitg des Sohnes des ersten beul- schen Reichspräsidenten, des Abgeordneten Fritz Eberl, ins Lager begegnete ich ihm frühmorgens auf dem vorderen Hose und begrüßte ihn natürlich mit Handschlag. Als wir kurz darauf zu dem Forstkommando, tn dem ich mehrere Monate gearbeitet habt, antraten, fragte mich einer der un- screm Kommando zugeteilten Posten: „Hast du Nicht eben dem Bonzenschwein Eberl die Hand gegeben?" Daraus ich:„Jawohl!" Der Posten, SA.-Mann Kleint:„Tu kennst wohl den Kerl ganz genau?" Ich antivvrtcte:„Natürlich, wir waren doch mehrere Jahre hindurch Retchslagsloilege)t," aw-M{(Wnhite>„i^> mm«,! Dil hättest das Schwein lieber in den R.... treten sollen!" und verfltgt«, daß ich an diesem Tage, weil ich einem befreundeten Genossen frith- morgenS die Hand gegeben hatte, aus den Marsch zur Ar- beitsstättt strafweise allein den für die SA.-Posten immer iniigeführten Kaffee zu tragen halte, ebenso auf dein Rück- weg den Mantel des betreffenden Postens. Horn Augenblick des Schlafengehens an bis zum morgend- lichen Wecke» patrouillierten zwei TA.-Posten in dem Gang auf und ab, au dem die Schlafsäle lagen. Bei diesen Posten mußte» sich die Gefangenen melden, wenn sie des Nacht» Zur Verrichtung eines Bedürfnisses de» Schlafsaal verlassen wollten, und es ist natürlich gar nicht zu zählen, wie oft die SA.-Posten solche Gelegenheiten zum Schikanieren der Ge- saiig-ne» benützl haben. Ist cS an sich schon eine uuerträg- liche Demütigung, daß ein erwachsener Mensch einen solche» Jungen fragen muß, ob er ein unabweisbares körperliches Bedürfnis befriedigen darf, so wird diese Demütigung zur moralischen, ja zuweilen sogar körperlichen Mißhandlung, wenn niederträchtige Posten, wie das leider sehr oft geschah, ihren Uebcrmut oder ihre Gemeinheit an den Gefangenen ausließen, die nach den erste» Erfahrungen dieser Art ohnc- hiu nachts ihren Tchlassaal nur verließen, ivenn es gar nicht anders ging.. Besuch Die Reglung der Besuchszeit für Augehörige hat sich lm Pause der Zelt Im Konzentrationslager Oranienburg wieder- holt geändert. Bevor unser erster anhaltischer Transport Mitte Juni eingeliefert wurde, hatte cS, so war nnS bertch- tct worden, Wochen gegeben, wo man die Angehörigen an den Sonntagnachmittagen mehrere Stunden lang zu den Ge- sangencn InS Pager Hereinließ und auch die Gespräche nicht besonders streng überwachte. Tann kamen Sonntage, an denen nur für die Berliner, andre Sonntage, an denen all- gemeine Besuchssperre fiir alle Gefangenen war. Das ivurde zuweilen, ie»ach Panne des despotischen Kommandanten, so kurz vor dem betreffenden Sonntag verfügt, dass nur bemit- telte Gefangene ihre Angehörigen noch telegrafisch benach- richtigen konnten,' Hunderte von armen Franc» standen an solchen Sonntagen vor dem geschlossenen Tor de» Pager» und fanden nichts als das Plakat:„B e s u ch»sp c r r e." Welche Szenen haben sich da abgespielt,' Frauen schluchzten, Kinder weinten und schrien»ach ihrem Vater— das allcS hat aber weder den Kommandanten gerührt noch die TA., die an sol- che» Tagen den Befehl bekam und prompt ausführte, die Angehörigen der Gefangenen von der Straße vor dem Lager wegzujagen. Im Juli wurde eine neue Reglung eingeführt, die sich der Tturmführer Ewe ausgedacht hatte. ES sollte»war nun jeden Sonntag Besuchszeil gebe», aber für jeden Zug jeder Gefaiigeiikompanie nur eine halbe Stunde.' mit dem An- und Abmarsch jedes Zuges von Gefangenen und jedes gleicherweise drillmässig behandelte» Zuges der entsprechenden Angehörigen bedeutete das praktisch, daß etwa zwanzig Minuten reine Sprechzeit übrigbliebe». Man saß an langen Tischen im Tagesaufenthaltsraum des Lagers, aus der einen Längsseite die Gefangenen, aus der andern bie Angehörigen, an jedem Kopfende deS Tisches fast je ein überwachender SA..Mann, außerdem gingen der SA.-.Offtzier" und „Unteroffizier" vom Dienst und mehrere SA.-Lcute bau- ernd beobachtend im Saal« herum. Di« Gefangenen, die Besuch aus ihrer von Berlin weiter entfernt liegenden Hei- mal erhielten, also zum Beispiel«nhaltiner oder Mecklenburger hatten in diesen Woche» ersreulicherweis« zwei Stu». den Besuchszeit, da sie schon wegen der Kosten der Bahnfahrt naturgemäß nur in mehrwöchigem Abstand Besuch bekamen. Aber auch diese verlängerte Besuchszeit für»ns Anhalliner stieß zuerst auf de» Widerstand des«turmsührcrs Ewe. Als dieser degenerierte Sadist eines Sonntags„Offizier" vom Dienst war. psisf er die Besuchszeit nach einer knappen halben Stunde ab. auch für die Frauen, die acht Stunden und länger mit der Bahn unterwegs gewesen waren. Selbst der SA.- Führer von der Wache mischte sich zn unseren Gunsten ein und wies den Tturmführer Ewe darauf b'n, dass doch durch allgemeine Anordnung die. anhaltifchen Gesangenen längere Besuchserlaubnis hätten. Als der Wachthabende dies tat. standen wir im vorderen Lagerhos,' ivenige Meter von mir entfernt meine Frau, zwischen uns der Sturmsührer Ewe: meine Frau und Ich»i't Herzklopfen— würden wir»od» miteinander sprechen können? Man ivusslc i» diesem Lager doch nie, wann und ob überhaupt man sich wiedersah. Ber- gebe»». Auch die Freundlichkeit des Wachthabenden nützte nichts. Meine Frau ivurde von Ewe weggejagt, ich seh« es noch vor mir, wie sie zögernden Fußes ging, alles an ihr zitterte, so niederträchtig konnte doch kein Mensch sein! Audi kein SA.-Mann? Oh, wie wenig Ahnung hatten so viele gutherzige Frauen, wessen ein menschgewordencr Teufel wie der Sadist Ewe sähig sein konnte! In solche» Augenblicken fiel mir dann ein, ivas Hitler so alles in schönen Reden über die von ihm beabsichtigte Wiederherstellung des deutschen Familienlebens versprochen hat. Besuchssperre für zwei Sonntage Ende August gab es, als d'e Hindeiiburg-Eichc ans dem Tcmpelhoser Feld be- seitigt worden war. Es war zivar absolut sicher, dass die>e Tat von keinem Insassen des Oranienburger Lagers verübt worden ivar,' aber den oder die Täter hatte man nicht, uns dagegen hatten die Nazi in ihrer Gewalt, also hielten sie sid, im Sinne der neuen deutschen„Gerechtigkeit" an Unschuldige. Zwei Woche» BesuchZspcrr:, drei Tage kein warmes Mittag- essen. Tie meisten Gefangene» hatte» nach dieser Besuchsipcrre von ihren Angehörigen gerade bie Ankündigung des nächsten Besuches erhalten, da kam eine neue Besudissperre: diesmal nicht für zwei Wochen, sondern für zivei Monate, verbunden mit zwei Monate» Postsperre, so dass wir zwei Monate lang vom Schicksal unserer Familien»id>ts erfuhren»nd sie nichts von unserem. Kann sich e'ii Leser vorstelle», welch eine unendlich lange Zeit zwei Monate sein lönnen? Für die gefangenen Männer, bie nichts wissen, ob ihre Frauen noch Unterstützung bekommen, ob sie und ihre Kinder noch etwas zum Leben haben,' für die Frauen aber erst, die Tag»nd Nacht das Höllenb'ld dieses Lagers vor Augen habe», die nicht wissen, ob nicht ihr Mann inzwischen halbtot geschlagen worden ist? Göring, y* bind das Grcuclmärdien? Ein offener Brief Gerhart Segers Der frühere sozialdemokratische Reichstagsabgeordne.'e Scgcr sDessa») hat folgenden offene» Bries an den prenssi- scheu Ministerpräsidenten Göring gerichtet: „Sie spreche» in einem Artikel i» der englische» Zeitung „Morning Post" von einer„Flut seiger«nd niedriger Ber- leumduiigen«nd Greuelmärchen", die im Auslände dnrdi „Kreaturen" verbreitet würden, die„feine Ehre und fei» Vaterland haben." Ich war vom 14. Juni bis znni 4. Dezember 1033 als Lchutzhastgesangcner im Konzentrationslager Oranienburg. Ich war Opfer und Augenzeuge zahlloser Mißhandlungen, und ich frage Sie daher vor der Oessenl- lichfeit der ganze» Welt: Wagen Sie es als ein„Greuelmärchen" zu bezeichnen, daß der SA-Stnrmbannsührer Krüger am IS. Juni lSS« mit zwei SA.-Leuten im Zimmer 1« des Verwaltungsgebäudes den Arbeiter Hagedorn aus Eoswig stundenlang so auf die Nieren geschlagen hat, daß daö Opfer dieser Mißhandlungen tags daraus starb! Wage» Sie es ein„Greuelmärchen" zu bezeichnen, dass am 27. Juni 1083 der Arbeiter Tens ans Zerbst dnrdi die Blut- stauuilgen infolge stundenlanger Schläge, die ihm der SA.- Sturmbannführer Krüger nnd zivei TA.-Lentc im Zimmer. 10 deS Verwaltungsgebäudes im Konzentrationslager Oranienburg zufügten, an Herzschlag gestorben ist? Wagen Sie es als ein„Greuelmärchen" zu bezeichnen, dass der Kommandant des Konzentrationslagers Oranienburg, SA.-St»rmbannführer Schaler im August 1038 vier Arbeiter aus Friedrichsthal von nachts tS Uhr bis zum Nachmittag des nächsten Tages 17 Uhr mit blossen Füssen aus dem Hos des Lagers Oranienburg ununterbrochen im Kreise Heruni- lausen ließ, bis ihnen die Haut in blutigen Festen vo„ den Füssen hing? Wagen Sie es als ein„Greuelmärchen" zu bezeid»ten, daß der Kommandant des Konzentrationslagers Oranienburg SA.-Tturmba»iitllhrer Schäfer Dnnkelarrcstzcllen einrichten ließ, die eine Grundfläche von 00 zu 80 Zentimeter haben und den darin eingeschlossenen Gefangenen nur das Stehen erlauben? Wagen Sie es al« ein„Greuelmärchen" zu bezeichnen, dass der Schutzhaftgefangene Neiiniann im September l083 in einer dieser Stehzellen acht Tage, 192 Stunden, stehend eingeschlossen war? Wagen Sie eS al» ein„Greuelmärchen" zu bezeichnen, was ich in meiner in der Verlagsanstalt„Graphia", Karlsbad, er- schienencn Schrift„Oranienburg" an erlebten und erlittenen Tatsachen von der Behandlung der Schutzhaftgesaiigencn im .Konzentrationslager wiedergegeben habe»nd was ich vor jedem unparteiischen, unabhängigen Gericht der Welt eidlich zu beträstigcii bereit bin? Sie beschimpfen die Opfer des nationalsozialistischen Terrors in Teutschland, die der Welt über ihre Erlebnisse die Wahrheit sage», als„Kreaturen", die„keine Ehre und kein Vaterland" hätten. Tie Tatsache meine» Teilnehmerschast am Weltkrieg, an den Fronten in Galizien. Frankreich und Italien, und meine Kriegsnarbc» schützen mich und alle meine Kameraden, die das gleiche hin- ter sich haben, davor, baß uns dieser Anwurf von Ihne» trifft." Deutsche Stimmen•'Beilage zur..Deutschen Freiheit"• Ereignisse und Geschichten Samstag, den 17. Februar 1934. WWW Äie„ Jdea&uw&uccwz" QMelssche. Variationen übet das JJiema„Stau" " enn w i r die Frau aus den Gebieten des öffentlichen Lebens ausschalten, so nicht, weil wir sie entbehren wollen, sondern weil wir ihr die eigentliche Ehre zurückgeben wollen. Wir sehen nicht den Ausdrude höherer Frauenehre dann, daß die Frau sich mit dem Mann auf männlichen Gebieten mißt, sondern darin, daß das große Gebiet des Frauenlebens in Ideal- konkurrenz tritt zu dem des Männerlebens.(Dr. Göbbels im Sportpalast). Auf der großen Tagung der NS.-Frauenschaft im Berliner Sportpalast hat der Reichspropagandaminister Dr. Göbbels das Idealbild der Frau im„dritten Reiche entworfen.„Wir, die Nationalsozialisten", so stellt er fest,„haben ohne viel Worte in unserer Arbeit das neue Männerideal geschaffen. Nun ist es Aufgabe der Frauen, dem ein neues Frauenideal gegenüberzustellen.' In wem die Frau die Verkörperung dieses Männerideals sieht, bleibt ihr überlassen.(In dem tollwütigen Henker Göring oder dem löwenmäuligen Göbbels. Vielleicht auch in den blutrünstigen Banden der SA.- Landknechte...) Wenn ihr die Wahl schwer fällt, Herr Göbbels zeigt den Ausweg: Das. was an dem neuen Männer- ideal der Frau etwa nicht gefallen würde, gehört in die „Drecklinie" der Politik. Und da soll sie um Gotteswillen nicht hineingezogen werden. Ueber den Weg zu dem neuen Frauenideal, meint Herr Göbbels, gibt es noch keine endgültigen Meinungen. Es gibt nur„Variationen über ein Thema, persönliche Ansichten, gemischt mit gesundem Menschenverstand und Erfahrungen aus dem täglichen Leben". Soviel aber steht fest: Nach der persönlichen Auffassung des Herrn Reicbspropagandaministers ist es Aufgabe der Frau, die„Linien und Formen mit Farbe zu erfüllen", die der Mann festlegt. ..Die Gebiete der Richtung- und Formgebung muß der Mann absolut und einschränkungslos beanspruchen. Denn schon die Verschiedenheit der Geschlechter, von der Natur aus gesehen, weist darauf hin, daß sich die Frau mehr für das Leben hinter den Wänden des Hauses, weniger aber für das Leben in der Oeffentlichkeit eignet In weniger geschickten Journalistendeutsch heißt das: die Frau bleibt am besten in ihren vier Wänden, was draußen im Leben vorgeht, davon versteht sie ja sowieso nichts. Gewiß, keine vernünftige Frau wird es als erstrebenswertes Ziel ansehen, sich zur Volksrednerin auszubilden oder Obersturmtruppführerin bei der SA. werden zu wollen. Wie aber wtll Herr Göbbels die„ideale Arbeitsgenossin", von der er weiter spricht, formen, wenn er ihr nicht die Möglichkeit gibt, über den engen Rahmen ihrer Hauswände hinaus Zusammenhänge erkennen zu lerOön? Zusammenhänge. die notwendig sind, um dem Manne ttberüaupt die Gefährtin sein zu können, die mit ihm in„Idealkonkurrenz" zu treten vermag. Denn der„gesunde Menschenverstand" und die„Lebenserfahrungen" beweisen, daß die„innere Lebensgestaltung"— die Herr Göbbels als ureigenstes Gebiet der Frau anspricht— befruchtet wird von der Enge oder Weite des jeweiligen Erlebnishorizontes.— Es ist ohne Zweifel richtig, daß der höchste und vornehmste Beruf der Frau die Mutterschaft ist. Aber es ist ebenso zweifellos, daß nur die Frau als Erzieherin und Gestalterin neuen Lebens Bestes zu leisten vermag im Sinne des Volksganzen, deren Blick geschult ist an großen Erkenntnissen. Das Muckertum, das weibliche Spießertum und die moralinsaure Beschränktheit vieler Frauenvereine, gegen die Herr Göbbels mit Recht wettert, ist ja gerade auf diesem Boden so üppig gewachsen. Jene Frauen, die über ihre vier Wände nicht hinauskommen und deren Leben sich im Rahmen von Küche, Kind und Klatsch bewegt, sind typischste Beispiele. Herr Dr. Göbbels proklamiert die Frau zur„souveränen Königin" in der Familie und hat damit viele der Frauen zu brausendem Beifall hingerissen. Sie haben in der Freude ijber den romantischen Vergleich vergessen, wie wenig er der Wahrheit entspricht und wie eng die Grenzen sind, innerhalb deren sich ihr„Königinnentum" entfalten kann. Ein paar Sätze weiter gibt es denn auch einen Dämpfer: „Macht die Frau dem Manne die großen Gesetze des Lebens streitig, so ergibt das den kleinen Haustyrannen, der aus Wut und Verärgerung, daß ihm von der Frau Konkurrenz gemacht wird, sein Mütchen an der Frau im Familienleben zu kühlen sucht." Qauch sieht die T>ie neue Wissenschaft „Somit können wir das rassenkundliche Grundgesetz aufstellen: Es gibt kein körperliches und seelisches Merkmal, das einen Begriff Menschheit im Unterschiede zu den Tieren rechtfertigen würde, sondern nur Unterschiede zwischen dem nordischen Menschen einerseits und dem Tiere überhaupt einschließlich des nichtarischen Menschen oder Untermenschen als der Uebergangsform andererseits." „Die urnordisch-germanisehe Runenkunde offenbart uns das Geheimnis des Aufbaues der Sprache und läßt unsere jetzige germanische Sprache im Wesen als die gleiche Lautsprache der alten urnordischen Gesittung und Rasse erkennen, von der sich die andern durch Entartung ?emäß ihrer Rassemischung ableitet Die reine Aussprache der Laute findet sich ungetrübt im allgemeinen nur bei der nordischen Rasse; bei stark nichtnordischen Menschen und Völkern ist die Aussprache unreiner, die einzelnen Laute sind verwaschener und gleichen mehr den„tierischen Lauten, dem Bellen, Schnarren, Niseln, Quint- t c h e n". „Daß Vögel am besten sprechen lernen, ergibt sich aus ihrem dem Nordischen ähnlichen hoch-schmalen Mund- und Zungenbau, So spricht auch der Nordische Mensch mit seinem gegenüber dem Hirnschädel verkürzten Mundschädel und Zungenbau, seinem schmalen, hohen und mit der Hinterhauptausladung längeren Gaumen, seinen ebenmäßigen Lippen, seinem mit der Kinnentwicklung tieferen Zungenboden und seiner ausgesprochenen Kinnverstrebung der Zunge viel deutlicher und leichter als der nicht nordische Mensch mit seinem gegenüber dem Hirnschädel langen, flach- breiten Mundschädel(Lippen-Nacken-Durchmesser), seinem niedrigen Gaumen, seinen schwerfälligen und behinderten Lippen und seiner plumpen Kinnverstrebung. Die Nordische Gaumenform läßt eine bessere Bewegung zu, weswegen das nordische Sprechen und Singen voller ist. Rassige Unterschiede, die für die rassige Sprachverschiedenheit ebenfalls ursächliche Bedeutung haben, ergeben sich auch im Gaumenzäpfchen, am Zungenbein und am Kehlkopf, vor allem in Anbetracht des mehr runden und vorwärtsgeneigten, den Affen ähnlichen nichtnordischen Hals- Jceiheitsuxeise Den Helden Wiens Von V in de x Im Sportpalast erhob sich Heiterkeit bei diesem Satz- Genau gesehen, birgt er eine sehr ernste Wahrheit. Jede Fran hat daraus zu entnehmen: Es ist zweckmäßig, mit der eigenen Meinung zurückzuhalten, auch dann, wenn sie vielleicht die vernünftigere ist. Denn der Mann bestimmt die „großen Gesetze" des Lebens. Die Frau hat sich nach dieser Gesetzgebung zu richten. Tut sie das nicht, dann darf sie sich nicht wundern, wenn sie einen„Haustyrannen" hat. Also: kluge Frauen fügen sich... Dafür spricht ihnen Herr Göbbels denn auch eine„neue Ehre" und tröstet:„Der wahre Mann weiß immer, was er der Frau zu verdanken hat..." Im übrigen teilt er großzügigerweise der Frau noch ein weiteres„ureigenes Gebiet" zu: die„Fürsorge für das kommende Geschlecht. Das Recht der Erziehung." „Sie braucht sich ihres Einflusses auf die Gestaltung des Lebens unseres Volkes nicht zu begeben, denn sie hat ja in der Urquelle die Möglichkeit, diesen Einfluß geltend zu machen." Aber— und hier kommt der Pferdefuß: „Beansprucht in späteren Jahren der Mann den männlichen Nachwuchs für sich zur Erziehung, so kann die Frau das dem Manne ruhig überlassen, wenn sie die Jahre vorher das männliche Geschlecht in Obhut genommen hat." Mit sehr viel Gewandtheit und Schmiß hat Herr Göbbels hier die gefährliche Klippe umschifft. Und die Frauen haben es nicht einmal gemerkt Der Reichspropagandaminister ist klug genug um zu wissen, daß die„Verschiedenheit der Geschlechter, von der Natur aus gesehen", bei der Frau ein anderes Erziehungsideal bedingt als bei dem Manne Die nationalsozialistische Bewegung ist männlich. Von Msnner für Männer geschaffen.„W irerziehendie Jugend zu dem Männertyp des Heroismus und der Bereitschaft, sich für eine große Sache hinzugeben." Diese Zielrichtung ist,im letzten — von der Natur gesehen— zerstörerisch. Sie opfert Leben um einer Sache willen. Die Frau in ihrem ureigensten Wesen als Schöpferin, Gebärerin und Erhalterin des Lebens ist in diesem Betracht naturnotwendigerweise Gegnerin des natio- nalsozalistischen Erziehungsideals. Gewiß, auch sie freut sich darüber und ist stolz darauf, wenn ihre Söhne zu gestählten, mutigen und entschlossenen Männern heranwachsen. Aber sie begreift nicht immer die Männerwelt, die unter Schmerzen geborenes Leben bedenkenlos aufs Spiel setzt. Denn nur sie kennt die Leiden des Gebärens und setzt infolgedessen den Wert des Lebens höher ein als der Mann. Herr Göbbels weiß auch um diese letzten„blutgemäßen Unterschiede". Deshalb beananrucht er Männer für die großen Gebiete des Lebens. Und deshalb erklärt er der Frau, sie könne ruhig ihre Kinder in späteren Jahren dem Manne anvertrauen, was dann noch kommt, sei nicht so wichtig... Er macht sehr, sehr geschickte Ablenkungsmanöver, indem er gegen die Männer polemisiert, die ihren Frauen Vorschriften machen wollen inbezug auf die Kleidung, den Bubikopf und die Zigarette. Er quittiert lächelnd den jubelnden Beifall der Frauen, die sich endlich„verstanden fühlen. Er prophezeit, daß die Frau in„k u r z e r Z e i t d i e anonyme Beherrscherin des Lebens unseres Volkes sein könnte, wenn sie sich konsequent auf ihre eigensten, Gebiete zurück- z ö g e". Und er hat recht damit. Bliebe die Frau konsequent, würd sie es nicht„ruhig dem Manne" überlassen, wie ihre Söhne im entscheidenden Alter erzogen werden. Dann erhielte sie ihren Einfluß aufrecht und würde dadurch tatsächlich das Leben unseres Volkes mit beherrschen. Das bedeutete keineswegs, wie so oft behauptet wird, eine Verweichlichung, ein Weibischwerden der männlichen Jugend. Es bedeutete vielmehr, daß eine höhere Achtung vor dem Menschenleben wieder in unserem Volke Platz greifen würde. Ehrfurcht und Demut statt der jetzigen Gefühlsrohheit und wegwerfenden Geringschätzung alles Lebens, sofern es der Gegner atmet. Herr Göbbels propagiert die„Idealkonkurrenz" und entzieht ihr gleichzeitig den Boden, auf dem sie sich in der entscheidenden Phase entwickeln kann. Weil er weiß, daß diese„Idealkonkurrenz" in höchster und kultiviertester Form dem Bestand des„dritten Reiches" gefährlich werden könnte Leonore Kersting. Die der Freiheit hingegeben Leib und Leben, werden alle wiederkehren in gewaltigeren Heeren, als drin ihr sie heute seht. Hört es, ihrer aller Henker, also spricht der Zeitenlenker, dessen Namen ihr mißbraucht: Sie sinds, die euch einstmals richten, die ihr wähntet tu vernichten, Kämpfer nahen, unverbraucht. In den Enkeln wirds geschehen, alle müssen Rede stehen denen, die der Geist durchhaucht. Die sie heut Marxisten schelten, Wegbereiter neuer Welten: ein Altar des Dankes raucht. Männer Wiens und mutge Frauen, Jünglinge voll Volkvertrauen, euer Leben bleibt geweiht. Wieder werden Mörder heißen, die et sind, und Meineidlinge. Einzeln wird man euch einst preisen, danken in dem Völkerringe. Komm, komm bald, du mutge Zeit! b a u e s." •- Glu c h: „Neue Grundlagen der Rassenforschung." tin tfchofhiindcheit huicct Die deutsche gleichgeschaltete, nicht sozialistische Presse hat es schwer. Ihre Lobgesänge auf die Helden und die Taten des„dritten Reiches" finden keine Anerkennung- Der Herr über Presse und Kultur, Reichsminister Göbbels. hat kürzlich auf der Tagung der Präsidenten und Präsidialräte der Reichskulturkammer über den sogenannten bürgerlichen Teil der deutschen Presse die ätzende Lauge des Spottes ausgegossen„Sie kuscht wie ein Schoß* hündche n," erklärt der Reichskulturdresseur. Das ist nun der Dank für das Opfer des Verzichtes jeder eigenen Meinung. Der Lohn für die restlose Verleugnung alles dessen, was früher als Moral und Anstand galt. Was zuviel ist, ist zuviel. Der„Frankfurter Zeitung" versucht mit der gebührenden Hochachtung für die erteilten Fußtritte vor dem Zeus der deutschen Kultur sich zur Wehr zu setzen „Der Vorwurf trifft tief, denn da aus guten «rkuuuvu Si-li*€iWll-vv«v- vaarvcj|w#^t- Presse aus Deutschland verschwunden ist, so gilt die andere Seite der Alternative vom Reichsminister Dr. Göbbels umso heftiger und bitterer: Es wird der deutschen Presse eine fatale Geflissentlichkeit zur Last gelegt. Eine solche Feststellung muß um so mehr sehmerzen, als sie aus dem Munde eines Mannes kommt, der zweifellos eine hohe Vorstellung von den Möglichkeiten des heutigen Pressewesens besitzt.... Es scheint uns gar kein Zweifel, daß jene, edle Kritik, die als wichtiges von der Presse gefordert wird, von Reichsminister Dr. Göbbels als die Furcht einer ganz hohen Idee von den echten Formen des Geistes begriffen sein will.... Nur Sachkenntnis rechtfertigt die Zeitung..,. Was Sachkenntnis alles umfaßt, kann hier nicht einmal angedeutet werden..• Pressefreiheit bedeutet immer ein Wagnis und die Entwicklungen, die einen bis ins Letzte erschütterten Volkskörper vom Schicksal auferlegt waren, haben es recht- fertigen können, Wagnisse ihm dazu ersparen, wo irgend eine Möglichkeit bestand.... Gerade weil die Freiheit sich nicht nuancieren oder abstufen läßt,istsieschwerzuertragen. Das öffentliche Aussprechen einer Meinung bleibt immer ein Wagnis..> Die Presse ist soviel wert, als die Menschen, die sie schreiben. Die wiederum wachsen mit ihren höherei*.Auf- gaben." Frage: Hat Göbbels Unrecht? WisseuschafUec begehen Selbstmord Dr. med. H a n s t e i n, Berlin-Wilmersdorf, der beste Kenner der Geschichte der Syphilis, war Mitte vorigen Jahres verhaftet und kurze Zeit danach wieder entlassen worden. Am 12. November lag erneut Haftbefehl gegen ihn vor. Um sich der nochmaligen Verhaftung zu entziehen, hat sich Hanstein, wie wir erfahren, vergiftet. Dem weltbekannten Professor der Zahnheilkunde Moral aus Rostock, der im Laufe der Jahre viele Lehraufträge von Universitäten des In- und Auslandes erhielt, wurde auf Grund seiner jüdischen Abstammung vor einigen Monaten die Lehrberechtigung entzogen. Professor Moral hat daraufhin Selbstmord verübt. Was man sich zufiüstect „Gestern ist Bernhard verhaftet worden." „So ein anständiger Mensch. Und weshalb?" „Na, deshalb." Zwei Ausländer gehen über den Korfürstendamm.— Eine SA Truppe kommt vorüber. Ein Mann, der die braune Horde nicht respektvoll grüßt, wird fürchterlich verprügelt. Die Ausländer grüßen ebenfalls nicht, legitimieren sich und bleiben unbelästigt. „Seltsame Leute," sagt der eine Ausländer,„den verprügeln sie und uns lassen sie ungeschoren, nur weil wir Ausländer sind— „Du verstehts eben nichts von wahrer Volksgemeinsch ft," belehrt ihn lächelnd der andere, „Die Wahrheit" Saar Anssdinß in Genf Doamergaes Zwei dr III ei- Mehr hell Gründliche Arbeit Kens» IS. Febr. Mg. Bericht.) Die zweite Tagung des Saarausschunes, den der Völkerbundsrat in seiner Januar- sitzung angesetzt hat, hat bis jetzt zwei Sitzungen abgehalten. Dem Kommissionsausschuß lagen die Ausfüllung des Frage- bogens der Regierungskommission und ein Bericht des Herrn Präsidenten Knox vor. Es wurde beschlossen, Herrn Knox telegrafisch zur mündlichen Erläuterung der Situation an der Saar nach Gens einzuladen. Gleichzeitig wurde beschlossen, die Verhandlungen des Ausschusses geheim vorzunehmen und lediglich nach Ab- schlub der Sitzung der Presse eine Gesamtverlautbarung zu übermitteln. In der Nachmittagssitzung trat die Kommission in eine Generalaussprache ein, von der bis jetzt gesagt wer- den darf, daß sie den Anschaungcn des Versaillcr Vertrages über die Taarabstimmung vollkommen gerecht wurde. Die hitlerische Presse, darunter auch die gleichgeschaltete de? Saar- gebietes, versuchte bereits eine üble Brunnenvergistung gegenüber der Hallung der Kommission, die gemäß ihrem Auftrage aus der letzten Ratstagung das gesamte Problem der Abstimmung behandelt und sich nicht, wie es die Httlert- den wünschen, anf ein paar nebensächliche, technische Kragen beschränken läßt. Di« Verhandlung wird voraussichtlich entgegen den ersten Meldungen länger dauern müssen und vor Samstag abend nicht zu Ende gehen können. Die verhafteten Saar-Nazis Eine Untersuchung des Generalstaatsanwalts Die vier verhasteten oppositionellen Rationalsozialisten auS dem Saargebiet, die kürzlich in LudwigShafcn verhaftet wurden, als sie aus der Reise zu Hitler waren, um sich gegen die linientreue saarländische Razileitung zu beschweren, sitzen immer noch im Gefängnis der Gestapo in Berlin in Haft. Obwohl eö feststeht, daß die Verhafteten nicht daran gedacht hoben, sich im Reich irgendwie politisch zu betätigen, werden sie— wie wir jetzt zuverlässig erfahren— beschuldigt, im Reich den Versuch zur Bildung einer neuen politischen Partei unternommen zu haben. Da die Verhaftung der oppositionellen Saarnationalsozialisten nur das Werk saarländischer Denunzianten aus den Reihen der NSDAP. sein kann, ist— wie wir soeben er« fahren, beim General st aatsanwalt beim Ober, ften Gerichtshof des Saargebietes in Saar» Tinis ein Untersnchnngsversahren eingeleitet worden! JOdlsdie Selbsterniedrigung „Freudig bewegt" In Hamburg erscheint im 3(5. Jahrgang das»Israelitische Kamilieublatt". In Nr. 5 vom 1. Februar finden wir einen Leitartikel zum 30. Januar, den wir ohne Kommentar in seinen entscheidenden Stellen wiedergeben: .Die deutsche Regierung hat, seitdem Reichskanzler Adolf dt« der Nätjönqlsoziallemus in Jahren kämpferischet Bor .bereitung ausgebildet hatte, durchdrang das gesamte össent- sliche, ja in vielfacher Beziehung auch das privat« Leb«n der deütfchen Nation mit einer in der Geschichte Teutschland« noch nie dagewesenen Folgerichtigkeit. In zwölf Monaten gelang es der Regierung, zahlreiche Verhängnis- volle Fehler ihrer Vorgänger zu beseitigen und ihre Auf- sasiung von einem neuen, wiedererwachtcn Deutschland weit- .gehend in die Tat umzusetzen. Wo noch vor einem Jabr parlamentarische Taktik, da« Hin- und Herlavieren zwischen entgegenstehenden politischen . Meinungen die Möglichkeit straffer einheitlicher Führung nahezu, ausschloß, beherrscht heute ein Wille, der Wille deS Reichskanzlers und seiner Regierung, das Geschehen des TagcS und fite Entwicklung deS Reiches. Dies festzustellen und zu begrüßen, ist au diese« Tage Recht und Pflicht eines jeden deutschen Staatsbürgers und darum nicht minder auch der deutsche« Juden. Es kann somit nicht als unangebracht mißdeutet werden, wenn auch wir die großen Leistungen der Regierung in diesem Augenblick voller Genugtuung konstatieren: die Zusammenrafsung von Volk und Staat, die zielbewußte, dem Ansehen Teutschlands in der Welt dienende Anßenpolttik, die außerordentlichen Anstrengungen zu wirt- schaftlicher Gesundung, die noch vor einem Jahre kaum denkbar waren... Rückschauend sei heute aber auch auf die grundlegende Wandlung hingewiesen, die unsere, der deutschen Juden, Lage in diesem ersten Jahr nationalsozialistischer Staatsfiibrnng erfahren hat. Eine Fülle von Elnzelbestimmungen schrän- ken unser« wirtschaftlichen Möglichkeiten ein. Aber nicht das ist das Entscheidende! Entscheidend ist die grundsätzliche Haltung de« neuen Deutschland zur Judenfragc und damit dum deutschen Juden: die Auffassung, daß er, weil anderer Blutmischung und rassischer Herkunst, darum neben den Ereignissen, neben dem Volke zu stehen habe... .. Wir schämen uns unserer Blutmischung, unserer Herkunft ebenso ivenig wie jeder anständige Mensch anderer Rasse. Wir wissen— und in den Spalten dieses Blattes ist es häufig genug gesagt worden—, daß eö ein schwerwiegender Fehler der letzten Generationen deutscher Juden war. Un- terschiede, die bestanden und bleiben werben, oft genug hin- wegzudiSkutieren und neben der tiefgekühlten Einheit mit dem deutschen Volke, die bestand und besteht, eine Einheit auch dort, wo sie nickt bestehen konnte, zu unterstellen. Was wir aber glauben, ist dieS gerade wenn man diese Grenzen erkennt und achtet, gerade und erst dann verschließen die Unterschiede des W oh c r nicht de» Weg zn einem gemein- samen Wohin. Treue zu Glauben und Stamm, dem man entspringt, ist nickt nur vereinbar mit täliger Treue zu Dcutscklanb. jener größeren Gemetnsckaft, in die unsere Ge- meinschakt gestellt wurde: sie ist für dies« vielmehr erst der sickerst? Bürge. - Daß biete Erkenntnis nickt nur unsere Erkenntnis bleiben möge, sei an einem Tage anSaesprocken. an dem ganz Deutsch- land. freu big bewegt des setzt zu Ende geganaenen ersten Jahre« der Reaieruna HHer und der großen Perspektiven gedenkt, die dieses Jahr für die dentsche Zukunft er« tfslMt."..« Das Vertrauensvotum— Scharfe Opposition der Sozialisten .' u f; Beifall und Lärm Paris, 15. Februar. Die heutige Kammersitzuug begann mit wiederholten kom- munistischen StörungSversuchen. Tie Sitzung wurde um 15 Uhr Pariser Zeit vom stellvertretenden Kammerpräsi- dcnten Moncelle eröffnet. Als Ministerpräsident Dou- mergue im Saal erschien, wurde er von der Rechten und der Mitte stehend mit lebhaftem Beifall begrüßt, dem sich auch die meisten Radikalsozialisten anschlössen. Bon den Bänken der Kommunisten wurde im Sprechchor gerufen:.Mörder! Mörder! Mörder! Nieder mit Tardieu! Niedr mit dem Faschismus! Nieder mit der nationalen Union!" Diese Rufe wiederholten sich, als Doumergue die Rednertribüne betrat, um Mt Regierungserklärung zu verlesen. Immer wieder wurde er von den Kommunisten unterbrochen, die ihm vorwarfen, er habe Arbeiter getötet und sei ein Vertreter der Klassenjustiz. Die Kommunisten verlangten ferner die Verhaftung Chiappes. Der Kammer bemächtigte sich eine sichtbare Erregung: doch gelang es, die Ruhe wieder- herzustellen. Tie Regierungserklärung wurde von der Mehrheit mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Die Sozialisten ent- hielten sich jeder Kundgebung, ipährcnd die Kommunisten den Lärm fortsetzten. die faschistische Gefahr, woraus er von der Rechte« mit dem Zuruf.Provokateur!" unterbrochen wurde. Die Ausführungen Leon BlumS waren infolge der hau- iigen Zwischenrufe teilweise nicht zu verstehen. Um so beut- sicher klang sein Mahnruf durch den Saal:.Auslösung! Aus« lösung!", ivoMit er den von den Sozialisten neuerdings vcr- tretenen Standpunkt bekräftigte, daß dem Lande baldmöglichst Gelegenheit gegeben werden müsse, sich zur neuen Lage durch Neuwahlen zu äußern. ..-.-;* Paris, 15. Febr. Die Kammer hat mit 4 02 gegen 125 Stimmen bei 88 Stimmenthaltungen dem Antrage der Regierung aus Vertagung der Interpellationen zu» gestimmt und ihr damit das Vertrauen ausgesproche». „Wenn Sie nicht blind und taub sind" Nach der Regierungserklärung verlas der Kammerpräsi- dent die Liste der Interpellationen und richtete an die Regte- rung die Frage, wann sie die Behandlung der Jnterpella- tionen vornehmen lassen wolle. Ministerpräsident Ton- mergue beantragte die Vertagung sämtlicher Interpellationen bis nach Verabschiedung deS Haushaltsplans. Er sprach in diesem Zusammenhang auch einige Worte der Be- gründnng für seine Haltung, wobei er insbesondere auch auf die Beweggründe einging, die ihn zur Uebernahme des oer- antwortungsvollen Postens in dieser schweren Zeit oer- anlaßt hätten. Er habe sich zur Ausgabe gemacht, die Justiz walten zu lassen, den Haushalt zu verabschieden und wachsam zu verfolgen, was im Auslande vor sich gehe.„Wenn Sie nicht blind und taub find," rief Doumergue in diesem Zusammen- hang aus,.müssen Sie sehen, daß das, was im Ausland stellenweis« vor sich geht, äußerst gefährlich ist." Er knüpfte dakan die Mahnung zur Ruhe und Einigkeit, die wiederum von den Kommunisten mit wildem Lärm beantwortet ivurde. Leon Blum Nachdem ein Abgeordneter der äußersten Rechten, der alS Interpellant vorgemerkt war, sich mit dem Bertagungs- Vorschlag deS Ministerpräsidenten einverstanden erklärt hatte, erhielt Leon Blum das Wort zur Darlegung des Stand- punktes seiner Fraktion. Er legte förmliche Verwahrung gegen die Vertagung der Interpellationen ein. Die Kammer stehe heute nicht nur einer neuen Regierung, sondern einem ganz neuen politischen System gegenüber. Es sei daher eine Zumutung, eine Vertagung der Interpellationen ,« ver« langen. Leon Blum wandte sich mit äußerster Schürfe gegen IJii*', Die Reglerungserlfiflrniig bnb. Paris, 15. Febr. Tie Regierungserklärung, die am Nachmittag in der Kammer vom Ministerpräsidenten Doumergue und im Senat vom Justizminister Cberon ver- lesen wird, umfaßt zwei knappe Tchreibmaschtnenseiten und hat folgenden Wortlaut: Die Regierung, die sich dem Parlament vorstellt, ist gebildet worden zur Herstellung des Burgfriedens der Parteien. Nach den tragischen, schmerzlichen Ereignissen der letzten Tage hat sie allen Grund zu der Annahme, daß dieser Burgfried« den Wüntchen des Landes und des Parlaments entspricht. Er« dringliches Werk der Gerechtigkeit ist durchzuführen. Der Burgfriede und die Beruhigung der Geister werden es er, möglichen, diese Ausgabe zu verwirklichen, ohne jede Leiden» schaft, aber auch mit dem Willen, die Schuldigem wo sie auch stecken mögen, aussindig zu machen. ,n verfolgen und zu treffen. Reben diesem Werk der Gerechtigkeit gibt es ein anderes nicht weniger dringliches, daS der moralrlchen Gesundung, die die freiwillige Uebernahme einer gewisse« Disziplin erfordert. Sie verlangt bei den führenden Kreisen Konsequenz und Autorität und bei denen, die geführt werden, den Respekt vor der BerusSpsllcht. Der Burgsriede ist auch notwendig, damit daS Land schleunigst einen StaatShauS, haltsplan erhält, den es erwartet und dessen schnelle Ber- ablchiedung. die Festigkeit der französischen Währung schützen soll. Ein ausgeglichener Staatshaushalt und eine feste.Mäh- rnng werden den Erzeugern und Verbrauchern Vertraue« einflößen. Die Rückkehr des Vertrauens wird stark zur An« kurbelung der nationalen Wirtschast und zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit beitragen. Auch die anßenpolitischen Fragen erheischen gebieterisch den Burgfrieden der Parteien und die Beruhigung der Geister. Der Friede unter den Franzofen ist ein starkes Element der Garantie des Wettsriedens sowie der Sicherheit Frankreichs. Rnr dieser innere Friede wird unS die notwendige Autorität geben, eine nützliche Rolle im Völkerbund und auf inter» nationalem Boden zu spielen. Rur er wird es und erlauben, im Einvernehmen mit Bürgern unseres Landes die wirk« samen Sicherheitsmaßnahmen z« ergreifen, die Frankreich gegen gefährliche Ueberraschnngen schützen. Wir verlangen von Ihnen, uns Ihre volle Unterstützung zum Wohle Frank» reichs, zum Schutz der parlamentarischen Einrichtungen nnd der republikanischen Freiheiten zu gewähren. Unser Sand tat es in kritischen Stunden steig verstanden, sich ansznraffe«. Eine solche Anirassnn« ist heute geboten. Wir vertrauen darauf, daß Sie die? begreifen und«uS helfen. Wir bitte« Sie, uns das gleiche Vertrauen entgegenzubringen. *»X^!*:; i5'■ nie)ii'it.«Mfe}• fr t*<•;;\ Frankreich über SA. und SS. Die Antwort wirft die Frage nach dem militärischen Charakter der Hitler-Formationen auf und lehnt die Beantwortung des deutschen Fragebogens ab. Paris, 15. Febr. Die französische Antwortnote auf die deutsche Abrüstungsbenkschrift vom Ist Januar wird nunmehr veröffentlicht. Die französische Regierung nimmt darin einleitend den Geist ber Loyalität und Aufrichtigkeit für stch in Anspruch, indem sie ein mit der Genier Konferenz in Einklang stehendes Programm ausgestellt habe. Gleichivohl glaube die deutsche Regierung von neuem behaupten zu können, baß.die hauptsächlich in Betracht kommenden hoch- gerüsteten Mächte innter denen zweifellos Frankreich ein- begriffen werden müsse! zu einer wirklich einschneidenden Abrüstung nicht bereit seien". Die französische Note be- mängelt dann mit Ausdrücken des Bedauerns und der Ber- wunderung, daß die deutsche Regierung ihre Borschläge nicht abmildern zu sollen glaubte und deren Tragweite nicht prä- zisiert habe, daß die französische Regierung in der deutschen Denkschrift auch keine genügende Aufklärung über die St-llnngnabme zu der Kontrollsrage gesunden habe. Die Note fährt fort: Vergleichbare Fersonalbestände C8 ist der deutschen Regierung sicherlich nicht entgangen, daß die in dem Arde Memoire vom t. Januar gemachten Vorschläge in zwei Punkten nach Ansicht der französischen Regierung grnndsätziichen Charakter hatten Der Vergleich der srai,,östschen und drntschen Truppendeständ« kann nur auf vergleichbare Personalbestände angewendet werden, d. h. ans diejenigen, die znr Verteidigung des Mutterlandes be- stimmt sind, und ist nnr dankbar, wenn alle Streitkräfte, die in irgendeinem Grade militärischen Charakter besitzen, unter die festzulegenden Beschränkungen fallen. Die Gleichschaltung aus dem^Gebiete des Materials, d. h. die Zuweisung des- jeoigen Materials an Deutschland, das die anderen Nationen behalten, das aber Deutschland augenblicklich verboten ist» kann erst aus die Umbildung deS deutschen Heeres und die Aussaugung der vor-«vd avßermilitäriscken Lrganisa- tionen durch die regulären, von der Konvention begrenzten Personalbestände erfolgen. Indem die deutsche Regierung in dielen beiden entscheidenden Fragen die Vorschläge beiseite schiebt, die ihr gemacht worden waren, und deren Absicht und Tragweite sie nichi mißverstehen konnte, hat sie das gesamte in dem Aide Memoire vom 1. Januar skizzierte Programm abgelehnt. Unter diesen Umständen sehe die französische Regierung nicht, welchen Nutzen der umfangreiche, der letzten deutschen Denkschrift beige>Ügte Fragebogen haben könnte. Welche Hilfsquellen hat Deutschland Die französische Regierung kommt hier wiederum auf ihre alte Forderung, diese Fragen nur unter Beteiligung aller interessierten Staaten zu Ende zu bringen, zurück. Eine vor- bereitend« deutsch-sranzösiiche Erörterung hierüber könnte nur dann von Nutzen sein, wenn bereits Einigkeit über be- stimmte Grundsätze herrsche.^Leider sei dies nickt im ent- ferntesten der Fall, wie dies durch nur zu offenkundige Tat fachen bewiesen werde. Es ergebe sich z. B. aus veröffent- lichte» Dokumente». Die braune Armee daß das deutsche Heer bezüglich seiner Organisation, seiner Effektivstärken sowie bezüglich des Matertals bereits jetzt Hilfsquellen besitze, die zu den Vertragsbestimmungen in keinem Verhältnis ständen und sttr spätere Vergleich« znr Grundlage genommen werden müßten. Ehe die Zukunft in Betracht gezogen werde, müßte, besonders auch zu ihrer Aufklärung, die Gegenwart in Betracht gezogen werden Die französische Regierung glaubt dann zwei wesentliche Mißverständnisse ausklären zu sollen. Bei der Forderung einer sofort wirk- samen Kontrolle mit dem Inkrafttreten ber Konvention handele es sich n mtzichts, was die Ehre der deutschen Regie- rung verletzen könnte. Di« deutsche Regierung bezweifle offenbar den Willen der französischen Regierung, eine Ve- grenzuna ihrer überseeischen Personalbestände ins Auge zu fassen. Nicht sei unrichtiger als das. Ebenso ist die fron- zösische Regierung ist stets der Anficht gewesen daß die feit- zusetzenden Höchstzahlen sich auf die Gesamtheit der Kräne beziehen müssen, die. militärischen Charakter tragen, und die ha: es als feststehend betrachtet, daß die Formationen der SA. und SS. diesen Charakter haben." T»e französische Regierung hält ihr« früheren Angaben hierüber voll nnd ganz aufrecht und erklärt, ihre Unterschrift unter keine Konvention letzen zu können, die erst der Zu» knnft die Entscheidung darüber überließe, ob dt? Forma» tionen der SA. nnd SS. einen militärischen Wert hätte«. Eine ans diesem Grundsatz beruhende Konvention wäre ans einer falschen Grundlage aufgebaut. Letzter Verhandlungsweg Zum Schlub versichert die französische Regierung ihrer An- ficht, daß eine vollständige und lonale Einigung mit Deutsch- land sowohl die Bedingung, alS auch die Garantie für die Besserung der Lage wäre. Aber andererseits wäre nicht» ge- sährltcher, als eine U n k l a r h e i t. Es liege bei der deutsche» Regierung, dieie. Unklarheit aufzuklären: die französische Regierung habe die Pflicht, die von ihr begründete Auffassung ausrecht,«erhalten, die dem in ihrem Aide Memoire vom t. Januar festgelegten Programm zugrunde liege. „Ohne die Gegenseitigkeit und Aufrichtigkeit der gleichen Absichten, der deutschen Regierung in Frage z» stellen, ist sie der Ueberzengüng, daß eine Verhandlung nicht dabei ver- liert, wen» sie Meinunosverschiedenhelten, die einer end- gültigen Ejngnng im Wege gestanden haben, erkannt, ein- ander angenähert und sogar einander gegenübergestellt werben." Der Buf nach Soldaten (Jnpreß): Im.Völkischen Beobachter" lesen wir:.Tie Frau, die die Wiegen füllt, ist mächtiger als all« Armeen der Welt— schrieb einmal eine amerikanische Zeitung. Ader Deutschlands Geburtenzahl ging von S04 000<10131 auf 292 000(1932) zurück." mS», p?< ,S'i, 2 Deutsche Pollklinik t) Allgemeine Konsnltationen m i 9 Spezialisten. b) Chirurgie c) Geburtshilfliche Klinik d) Zahnärztliche» Kabine«) Innere Medizin. Augen». Ohren», Nasen» and Kehlkopfkrank' ZweistöckigeslSanatoriumsgebSude. Vierstöckige» Gebäude. Zimmer Zahn und Mundchirurgie. Gold» .leiten. Röntgen. Diathermie. 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Sie hat sich in ihrer Haltung durch die wüsten Beschimpfungen von kommu- nistischer Seite nicht beirren lallen und den Bruderkamps innerhalb der Arbeiterschaft nicht mitgemacht. Auch heute ließe sich der Grundsatz ihrer Haltung in der Erklärung zu- sammenfassen: Die Sozialdemokratische Landespartei Saargebiet erklärt sich jederzeit bereit, in der Einheitssront der Arbeiter- organisationen mitzuwirken. Boraussetzung ist, daß der Bruderkampf eingestellt wird und daß alle Beschimpfungen der Organisation und dex Führer unterbleiben. In dieser Erklärung verlangen wir von den anderen nicht mehr als von uns selbst. Wir wissen, daß die Verschieben- heit der Auffassungen nicht von heute auf morgen ver- schwinden kann, und haben selbstverständlich gegen die fach- lichen kritischen Auseinandersetzungen, die den ehrlichen sozialistischen Willen der andersdenkenden Mitkämpfer achten, nichts einzuwenden. Eine Bereinigung ist aber des Namens„Einheitsfront" nicht wert, wenn innerhalb dieser angeblichen Kampfgemeinschaft ein Teil den anderen ständig beschimpft und als„Verräter" behandelt. Mit„Verrätern" geht man keine Kampfgemeinschaft ein. Ist es ein Zeichen des ehrlichen Willens zur Einheitsfront, wenn die Kommu- nistische Partei an dem Tage, da alles atemlos auf die Nach- richten vom Kampf der Sozialdemokratie in Oesterreich horcht, ein Flugblatt mit dem Aufruf zur Einheitssront ver- breitet, in dem die wüstesten Beschimpfungen der Sozial- demokratie noch einmal wiederholt werden? Man liest in diesem Flugblatt: „Das wird durch das Austreten der„Deutschen Front" wie der S P d S. in Genf bestätigt. Beide betätigen sich als Agenten der deutschen und französischen imperia- listtschen Räuber, die die Saar als Ausplünderungsobjekt und Aufmarschgebiet für ihre Kriegstreibereien brauchen. Die Röchling und Spaniol, die in Genf vor dem Völkerbund um Gehör winselten und die Braun und P e t r n, die die Arbeiterklasse verraten, sind nicht Ver- treter, sondern Todfeinde des Saarvolkes. Wir begnügen uns mit diesen Blüten. Tie zeigen den Geist, der mit der Einheitsfront unvereinbar ist. Wer mit diesem Geist an die große Sache der Bereinigung der anti- faschistischen Kräfte herantritt, der fördert die Einheitssront nicht, sondern verhindert sie. Sollten wir zusammenkommen, um uns gegenseitig zu beschimpfen? Da wir die Einheits- front wollen und überzeugt sind, daß sie kommen wird, wollen wir alles vermeiden, was vorhandene Gegensätze nicht mildert, sondern verschärft. Wir verzichten selbst nicht nur auf alle Beschimpfungen, sondern auch ans jede scind- selige Polemik. Das und nur das verlangen wir von den anderen, denn nur ank dieser mrunbrage in ein ge- meinsamer Kampf mögli lind wir wollen den gemeinsamen Kamps, nicht die gegenseitigen Beschimpfungen zur Frende der Faschisten. Unsere Türen stehen jedem osten, der mit dem Freiheitskampf gegen den Faschismus eS ehrlich meint. Fn der„Freiheitsfront" habe» wir einen breiten Rahmen für eine wirkliche Kampfgemeinschaft nnd wir haben keinen größeren Wunsch, als daß dieser Rahmen so stark und so breit wie nur möglich ausgefüllt und ausgebaut wird. Abschied von den Luisen Stettin, 15. Febr. Auf einer Führerinnentagung des Bundes Königin Luise, Landesverband Pommern, entschlossen sich die Landessührerinnen nnd die Gauführerinnen nach längerer Besprechung zum Austritt aus dem Bunde Es wurde einmütig beschlossen, die gesamte Organisation in die NS.-Frauenschait zu überführen. Die Landesstihrerin, Frau v. Wedel-Fürstensee, legte das Abzeichen des Bundes ab und empfahl das gleiche allen Kameradinnen. In Gegenwart der Bunbesführerin, Freifrau von Hadeln, gaben die gesamten Gauftthrerinnen des Bundes ihre Abzeichen zurück. Heinz Liepmann verhallet Holländischer Dienst für Nazis Amsterdam, 13. Febr. Auf Veranlassung der Hiesigen Staatsanwaltschaft ist der deutsche marxistische Schriftsteller Heinz Liepmann, dem es vor einiger Zeit gelang, aus einem deutschen Konzentrationslager zu entfliehen und nach Hol- land zu entkommen, verhaftet worden. Ferner sind alle Exemplare eines von Liepmann verfaßten Buches, das den Titel„Das Baterland" trägt und bei dem Amsterdamer Verlag van Kampen und Zonen erschienen ist, beschlagnahmt worden. Die Staatsanwaltschaft begründet ihr Vorgehen damit, daß in dem genannten Buch eine Stelle vorkomme, die als eine Beleidigung des deutschen Reichspräsidenten aus- gefaßt werden müsse Bon dem Buch sollen inzwischen bereits im Ausland französische und englische Uebersetzungen er- schienen sein. Eine holländische llebersetznng ist zur Zeit im Verlag der Amsterdamer marxistischen Arbeiterpresse in Bearbeitung. Herabsefznng der Tsdiedienhrone DNB. Prag, 15. Febr. Die Regierung unterbreitete dem Abgeordnetenhaus einen Gesetzentwurs, dnrch den der Gold- gehalt der tschechischen Krone um ein Sechstel, von 44,58 aus 87,15 Milligramm herabgesetzt wird. Die Natinnalbank wird verpflichtet, eine Golddeckung von mindestens 25 Prozent des gesamten Banknotennmlaufs, zu dem aus Sicht zahlbare Verpflichtungen hinzugerechnet werden, aufrechtzuerhalten. Die Golddeckung bildet einzig gemünztes oder unqemünztes Gold. Der Zuwachs an Gold- wert, der aus der Umrechnung gemäß dem neu festgesetzten Goldgehalt der tschechischen Krone entsteht, wird ans die StaatSnotenschuld verrechnet werden Bisher be'rv' die Golddeckung 30 Prozent, wobei bis zur Hälfte statt Gold auch Golbdevisen verrechnet werden konnten. pariser Berichte Pariser Straßcnkalendcr Eine Anzahl bedeutender Pariser Schriftsteller und Maler wie Andre Malraux(Träger des Goncourt-Preises), die Maler Paul Signac und Andre Lhote und viele andere unterzeichneten eine Kundgebung gegen den Faschismus. * In Paris wurden 500 Dosen Konserven(mit Fischen, Fleisch, Gemüse, Früchten) auf das Bestehen einer.,Konservenkrankheit" wissenschaftlich untersucht. In der Akademie der Medizin wurde jetzt mitgeteilt, daß der Genuß von Konserven gesundheitlich ungefährlich ist. * Die 7. und 8. Ziehung der französischen Staatslotterie finden am 27. Februar und 13. März im Trocadero statt. ♦ Den französischen Anwälten, die Parlamentarier sind, ist durch neue Verfügung bekanntlich das Recht entzogen worden, Prozesse gegen den Staat, die Departements, Gemeinden und öffentlichen Einrichtungen zu übernehmen. Außerdem wird den Anwälten verboten, die Presse über Prozesse, die sie führen, zu unterrichten. * Wie wir hören, hat Professor Gumbel seine neue Stellung als Gast-Professor in Lyon angetreten. * Lucien Le Foyer, früherer Pariser Abgeordneter, spricht Samstag abend, den 17. Februar, um 21 Uhr im Deutschen Klub, Universite du Parthenon, 64, Rue du Rooher, Paris 8" (am Bahnhof St. Lazare) über„U'avis du Framzais moyen sur PAllemagne actuelle". Der Vortrag wird übersetzt. Danach Debatte. Gäste willkommen. Eintritt 5 Fr., für Stellungslose 2 Fr. Ausweisungen von Deufsdten Nunmehr werden die Namen von Deutschen bekannt, die infolge Teilnahme an den Unruhen Frankreich verlassen mußten. In Richtung belgische Grenze vom gar du Nord aus abgeschoben, in Begleitung dreier Inspektoren des politischen Dienstes, wurden die beiden deutsehen Flüchtlinge Alfred Katzenstein, geboren den 14. Mai 1915 zu München, ohne Beruf, und Ernst L o r c h e r, geboren den 17. Februar 1907 zu München, Student. Diese beiden hatten gemeinsam in einem Hotel des Boulevard de la Villettte ge- ™4,„ u...-.4, d.-Ktiuiig«..—......... Landsleuten unterhalten. Mit ihnen zusammen im seihen Zuge wurden der Tsrhechoslowake Hans F r a e n k e 1 und der Pole Stanislaw Birnholc ausgewiesen. Weiter wurden noch die beiden Deutschen Ernst K a u f f- mann, geboren 6. Februar 1915 in Mannheim. Student an der Pariser philogogischen Fakultät, und Hans Schneller, geboren den 26. November 1899 in München, angeblich Journalist, von der Ausweisung betroffen. Auch gegen einen Griechen, den Buchhalter Smyrnio- t i a(wegen Flugblatt-Verteilung), einen Polen Farnes(be- rufs- und wohnungslos, Mitglied der Kommunistischen Partei), einen Italiener V e n e z i a. Zahntechniker, in Konstantinopel geboren(wegen Flugblatt Verteilung, bereits früher wegen einer Strafe ausgewiesen), einen Armenier Manu- c h i a n, Arbeiter(verhaftet, als er das kommunistische Büro rue Lafayefte verließ), einen Polen Birnolvock, Studenten, rue Mouffetard wohnhaft, wurde die Ausweisung angeordnet. Wir haben bereits wiederholt zum Ausdruck gebracht, daß die übergroße Mehrheit der deutschen Flüchtlinge mit diesen Vorgängen nichts zu tun hat und sich jeder Einmischung in die innere französische Politik enthält. Steuerfragen Gesellschaftsgründungen Wenden Sie sich an F» BRIQUEU LICENCIE EN DROIT ehemaliger Kontrolleur der direkten Steuer» Behörden, um vom offiziellen Standpunkt aus beraten zu werden. 25, Bd. Bonne-Nouvelle, PARIS(2), Telefon Louvre 22-93 Für SUD-AFRIKA werden verlangt Perfekte Zuschneiderin und Modistin tüi Kleider aller Alt Perfekte M^schiuenstickerin 2 perfekte Senne der nnen für Konfektion Persönlich vorzustehen TOURIEL, Ltd. 15 rue d'Hauteville.—— Höchstlöbne und Dreijahis» kontrakt«ür die geeigneten Leute. Ebenso werden alle Spesen vorgelegt.— Nur deutsche u d• i wolisu sich neiden »mii itriü Gewinn Die Niederlage von Max Schmeling Die Niederlage von Max Schmeling in Philadelphia, der nach Punkten von Steve Hamas geschlagen wurde, hat in Pariser Sportkreisen nicht überrascht. Das Ausmaß der Niederlage war allerdings vielleicht nicht zu erwarten. Steve Hamas buchte von den 12 Runden 8 für sich. Schmeling hatte es sehr schwer, sich zu verteidigen. Steve Hamas griff mit beiden Fäusten an und schlug immer die Paraden Schmelings durch, der sich vergebens anstrengte, den Kampf in Distanz zu halten. Schmeling war sechs Monate außerhalb des Rings. Sein Gegner ist Ungar und 24 Jahre alt. Englische Kirchen für deutsche Flüchtlinge Aus den Erträgnissen des Appells der englischen Kirchen für die deutschen Flüchtlinge wurden jetzt, als erster Beitrag, 86(1 Pfund für praktische Flüchtlingshilte verwandt. 150 Pfund wurden an den International Student Service, 100 Pfund an das Britische Komitee zur Unterstützung von Angehört- gen freier Bernte, 100 Pfund an die Schule für Flüchtlings- kinder in Haslemere, 400 Pfund an die„Entr' Aide" in Paris, die für Berufsausbildung hauptsächlich nichtjüdischer Flüchtlinge sorgt, und 250 Pfund an„Agrienlture et Artina- sat", eine jüdische Organisation gleichen Charakters, über- wiesen. BRIEFItflSTEH Au mehrere. Wir haben Ihre Briefe erhalten. Ihren Wunsch, Paul Löb« kräftiger anzugreifen und entschiedener abzuschütteln, tonnen wir nicht erfüllen. Wir haben schon in einem Aussatz gesagt, dah uns der Wortlaut des Interviews bischer nur aus der gleich« geschalteten Presse bekannt ist Es ist also billig und verständlich, dah wir es aus Grund des Originals kennen lernen möchten. Tos aber ist bis zur Stunde nicht in unseren Händen. Aber selbst, wenn sich eine vollkommene Uebereinstimmung ergäbe, was wir durchäuS bezweifeln, so gebietet es einfache menschliche Gerechtigkeit, diesen Fall Paul Löbe anders zu behandeln, als Sie es tun Witzen Pie, was dieser Mann, der sich durch eisernen Fleiß den Weg vom ein- fachen Buchdrucker zu der höchsten Stelle der deutschen Bolls- Vertretung bahnte, für die sozialistische deutsche Arbeiterbewegung geleistet hat? In jenen harten Borkriegsjahren, wo hinter jedem Redaktionssessel Polizei und Staatsanwalt stand, sah er in der Redaktion der„Breslauer Volksmacht" Tag und Stacht, wenn er nicht auf Werbereisen für die Sozialdemokratie unterwegs war. Im Jahre tstsisi wurde er wegen Aufreizung zum Klasjenhah von der BreSlauer Justiz zu einein Jahre Gefängnis verurteilt— eine Strafe, die er ohne Vergünstigung bis zur letzten Stunde absah- Amnestie gab es damals nicht, llm Begnadigung bot kein Sozial- demokrat. Tie ruhgeschivärzte und konfiszierte Nummer der„Volk»- wachst', die den inkriminierte» Artikel enthielt, gehörte lange zu den geschichtlichen Tekumenten der Borkriegskämpse. Man konnte später mit dem Reichstagsabgeordneteii und ReichstogSpräsidenten Paul Löbe oft nicht einer Meinung sein, aber die persönliche Wert« schätzung des immer schlicht und bescheiden gebliebenen Paul Löbe im Konzentrationslager und im Gefängnis— ein schwer nieren. und leberkranker Mann obne Existenz, ohne Verbindung mit seinen Freunden, ein Verlassener und ein Verzweifelter, der jetzt nicht einmal instand? ist, sich gegen Behauptungen über einen politischen Gesinnungswechsel zu mehren. Löb« ist politisch ein erledigter Mann. Wir sagen es mit Ihnen, und er sagt es ja selbst. Er hätte schweigen sollen. Nachdem er geredet hat, muh er sich bitterste Kritik gefallen lassen, der körperlich und seelisch Zusammengebrochene. Steine wollen wir auf den müde beiseite getretenen Kämpfer von einst nicht wersen. In einem weiteren Bruchstück der Unterredung mit Löbe. das uns soeben erreicht, sieben noch folgende Sätze:„Ich bin mittellos und ich muh mit Ml Jahren das Leben neu beginnen. Ich bin durch die Ströhen gegangen, um Arbeit zu erhalten, aber vergeblich. Ich hosse, in Kürze als Korrektor unterzukommen." „Und in der Zwischenzeit?" „Löbe zog ein paar Münzen ans seiner Tasche und legte sie aus den Tisch.„Meine erste, wöchentliche Arbeitslosenunterstützung," erklärte er.„Ich erhielt sie heule: tl Mark Ein Politiker mutz auf das Auf und Ab vorbereitet sein." Für den Gesamtinhal« verantwortlich: Johann Pitz in Dud« weiier: für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH., Saarbrücken 8, Schützenstrahe 5. Dr. Speclallste *>, rue de Rlvoii— MAtro. Chaieic RADIKALE HEILUNG von BLUT., MIAUT, und FRAUENKRANKHEITEN Heilung von Krampfadern und offenen Beiowonden Neueste Behandlungsnethoden Elektrizität Impfungs verfahren Trypafle vtno Einspritzungen Blut* und Harn'Untersachungeu Sper« makultur Salvarsan Wismut usw. Sprechstunden täglich*o» 10— 12 und von 4—8 Uhr Sonntags von 9—12 Uhr Konsultationen von 25 Er. ah. IHas sprich* deiteck Doktor Wachtel und Doktor Axel Geschlechtskrankheiten, Männer and Frauen 123, Bd. Sebastopol.— Sprechstunden v. 1—12 u. 2—8 Uhr; Sonntags vormittags Maae, Hai». Ohren. t>prechstunden täglich von 5.—? Uhr. i SEROKLINIK VON PARIS 71, Boulevard de Cllchy Metro Blanche Harnleiden, chronisch« und irischer Tripper, Militärgicht,_ Cystitis, Prostata. FRAUENLEIDEN Blutkrankheiten, Venenentzündung H," Ausschlag, Psoriasis.— Neue Benandh ...»rgi—. 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