Ans dem Inhalt Aufcut dec JugenämteaiaÜMiaU Seite 2 Jtampf um die Saat tüte deutsche Jtau Seite 3 Seite 4 Sinzigs unabhängige Tageszeiiuug Veuifchiauds Nummer 41— 2. Jahrgang Saarbrücken, Sonntag Montag, 18.19. Febr. 1934 1 Chefredakteur; M. B raun Was mied aus dec Mach? Seite 5 Lucopa u. Ostedeichs föücqetkeieq. Seite 7 T>ec Jtuetwehcinqenicut tum Jiocidsdocf Seite 8 Anschluß verboten Europäische Aktion für Austroffaschismus gegen Hitlerdeutschland Paris, 17. Februar. Im französischen Avßenministe- rium sind mit den Vertreter« Italiens, Englands und der Tschechoslowakei Besprechungen über die Beröf» sentlichung einer gemeinsamen Erklärung geführt worden, in der die Mächte die Notwendigkeit der Ausrechterhaltung der österreichischen Unabhängigkeit feststellen wollen. Ministerpräsident Doumergue hatte mit dem österreichischen Ge- sandten eine Unterredung, die offenbar ebenfalls der Unab» hängigkeitserklärung zugunsten Oesterreichs galt. Sie Drelmädileerkiärung Für Oesterreichs Unabhängigkeit London, 17. Febr. Der Pariser„Times"- Berichterstat- ter meldet zu der angeblichen italienischen Anregung einer Dreimächteerklärung für die Unabhängigkeit Oesterreichs, man glaube, daß die englische Regierung erklärt habe, sie sei nicht gewillt, einen solchen Schritt zu unternehmen. Der Pariser Reuter- Berichterstatter sagt, die Antworten der drei Mächte England, Krankreich und Italien aus das öfter» reichische Dossier über die angebliche deutsche Einmischung und die beigefügte Note, daß Oesterreich eine Anrufung des Völkerbundes beabsichtigte, hätten Meinungsverschieden- heiten hervorgerufen. Besonders Italiens Haltung habe Oesterreich hinsichtlich der geplanten Anrufung des Völker- bundes entmutigt. Um etwaigen Gerüchten von Meinungs- Verschiedenheiten über grundlegende Punkte zuvorzukom- wen, habe— so will der Reutervertreter erfahren haben.— die italienische Regierung die gleichzeitige Veröffentlichung einer Verlautbarung in den drei Hauptstädten vorgeschlagen, die den gemeinsamen Wunsch der drei Mächte aussprechen würde, daß die Unabhängigkeit und Unversehrtheit Oester- reichs geachtet werden müsie. Macdonald wünscht Paris, 17. Febr. Die Morgenpresse beschäftigt sich ein- gehend mit dem angeblichen Plan einer Erklärung Eng- lands, Frankreichs und Italiens zugunsten der Unabhängig- keit Oesterreichs. „Echo de Paris" schreibt, die beabsichtigte Erklärung der drei Mächte hätte normalerweise gestern aufgesetzt werden sollen. Jetzt bezeichne man eine Verzögerung um 24 oder 48 Stunden als unvermeidlich. Das Hindernis liege beim Foreign Office. Macdonald habe nämlich zu der Erklärung einen Zusatz vorgeschlagen, der zum Ausdruck bringen solle, daß die drei Mächte die Erklärung nicht als Billigung der in Oesterreich ergriffenen Gewaltmaßnah- men ausgelegt sehen wollten. „Oeuvre" schreibt, die Massakrierung der Tozialdemo- traten in Oesterreich mache heutzutage jeden Schritt Oester- reichs beim Völkerbund unmöglich. „Figaro" schreibt, wenn die Erklärung der drei Mächte so platonisch ausfalle» werde wie die früheren Erklärungen, so könne man sicher sein, daß der Anschluß unverzüglich wirklicht werde. Zoll-Union? London, 17. Febr.„Daily Telegraph" behauptet, die eng- tische Regierung habe bereits bekanntgegeben, daß sie keinen Einwand erheben werde, wenn Teutschland und Oesterreich eine Zollunion abschlöffen. Auch würde sich England nicht zur Einmischung veranlaßt fühlen, wenn Oesterreich durch eine Volksabstimmung nationalsozialistisch würde und entschloffen wäre, sein Geschick mit dem des nationalsozialistischen Deutschland zu verbinden(?). Nach den Kämpfen Die letzten Schlisse... Wie», 17. Februar Die letzten Schüsse fielen nach dem polizeilichen Bericht am Donnerstag um 11.80 Uhr aus dem Äarl-Marr-Hos, der sich somit am längsten gehalten hat. Erst auf die Androhung neuen Artilleriefeuers ver- stummten die Schüsse und aus etwa 40 Fenstern wurden weiße Wäschestücke als Zeichen der Kapitulation heraus- gehängt. Die verhafteten Schutzbündlcr— es handelt sich um einige Tausend— werden in Not-Arresten unter- gebracht, die zum Teil provisorisch in der Ttiftskaserne und in einer Wagenfabrik im 9. Bezirk eingerichtet werden mußten. Zahllose Geflüchtete kehrten die ganze Nacht und den Morgen über zu ihre» Familien zurück. In einzelnen Fällen kam es zu tragischen Szenen. Einige Schutz' bündler begingen Selbstmord wegen der Niederlage ihrer Sache, so u. a. auch der ehemalige sozialdemokratische Landeshauptmann von Niederösterreich, Johann Sever, deffen Frau im Verlause der Kämpfe tödlich verwundet worden war. Es wird jetzt ein allgemeiner Abbau aller Sozialdemo- kraten, die sich in leitenden Stellungen befinden, durch- geführt. In den sozialdemokratisch eingestellten und in den städtischen Betrieb» werden Aufsichtspersonen eingesetzt, so- wie umfangreiche Entlastungen in den leitenden Stellungen vorgenommen. Die Bilder sozialdemokratischer Persönlichkeiten in den Amtszimmern und den Schulen werden durch Bilder von Lueger bzw. Dollfuß ersetzt. Im Ttadtschulrat werden nach der Absetzung seines Direktors Glöckel weitere Entlassungen vorgenommen, und schließlich werden neuer- dings weitere 26 sozialdemokratische Vereine aufgelöst und zahlreiche Versammlungslokale sozialdemokratischer Ver- eine gesperrt und beschlagnahmt. Auch wird äußerlich durch die Wiedereinführung des alten Wiener Stadtwappens, des doppelten Adlers der freien deutschen Reichsstätte, dem Wandel Aus- druck gegeben. Ebensee in Oberösterreich konnte rasch und ohne Blut- vergießen„erobert" werden. Wie die„Rcichspost" mittetlt, sind die A r b e i t e r b a n k und deren Wechsel st üben polizeilich gesperrt und der Direktor dieses Instituts Otto Großmann ver- haftet worden. Die Arbeiterbank, deren Präsident Dr. Jac- ques Freundlich ist, verfügt über ein Aktienkapital von 4 Millionen Schilling, bei einem Einlagenbestand von ea. ach, demokratischen Unternehmungen, von denen die„Jnva" und die„Kida" die bekanntesten sind. Amtliche Bilanz Minister Ludwig vor der Presse Wien, 16. Febr. In einer Pressekonferenz führte Minister Ludwig u. o. aus: Es sei auch nicht beabsichtigt, die sozial- demokratischen Konsumvereine und andere Wirt- schaftsunternehmungen zu vernichten, wenn sie auch unter ander« Leitung kommen werden. Oesterreich habe nie eine kommunistische Bewegung gekannt. Der Minister schätzte serner, daß insgesamt etwa 2 0000 Sicherheitstrup- pcn allein in Wien eingesetzt wurden, denen 14 bis 13 000 Angehörige des Schntzkorps gegenüberstanden, doch konnte sich der Minister für die Richtigkeit der Zahl nicht verbürgen. Demgegenüber ist es interessant, daß im Karl- M a r r- H o s allein etwa 6000 Personen wohnen, von denen allerdings nur ein verschwindend kleiner Teil sich an den Kämpfen beteiligte. Der angerichtete schaden an den Ge- bänden ist nach den bisherigen Feststellungen nicht so groß, wie man befürchtet hatte. Selbst im Karl-Marx-Hof brauch- ten nur etwa 60 bis 70 Prozent der Mieter ihre Wohnungen zu räumen. Es wurde dafür Vorsorge getroffen, daß nie- mand, auch nur vorübergehend, obdachlos bleibt. Für die Hinterbliebenen Waisen werde gesorgt werden. ♦ Es verdient noch vermerkt zu werden, daß in den ober- österreichischen Schulen künftighin als Gruß der Schüler beim klassenweisen Verlassen der Schule das Gelöbnis:„Treue O e st e r r e i ch c r!" eingeführt wird. ..Ihr könnt das Wort verbieten!" Der Geist lebt Wien. 17. Februar. In der amtliche» Verlautbarung über die Ministerratssitzung, die sich bis Samstag früh l Uhr hinzog und in der sich der Ministerrat für die sofortige Aus- Hebung des Standrechtes in Tirol und im Burgenlande und die baldige Aushebung in den übrigen Ländern aussprach, wird ferner mitgeteilt, daß der Bundespräsident de» Staats- sekretär für Arbeitsbeschaffung Ncustädter-Stür.rer, der bisher den He im mehren angehörte, zum Minister für soziale Verwaltung und den bisherigen S o z i a l m i n i- st e r Schmitz, der Bundeskommissar für die Gemeinde Wien geworden ist, zum Minister ohne Portefeuille ernannt BollloS gegen„Deutsdie Freiheit" Der Mörder fürchtet uns Prag, 17. Februar.(Eigener Berichts. Die in Saarbrück«» erscheinende Tageszeitung„Dentsche Freiheit" ist henke sll> das ganze österreichische Bundesgebiet verboten worden Das Blatt gehörte zu den deutschen Tageszeitungen, die in den Wochen der kritischen Zuspitzung einen große« Leserkreis in Oesterreich gewonnen hatten. Seine Berichterstattung an« Wien ermöglichte de« österreichischen Lesern Kenntnis über österreichische Vorgänge zu erhalten, die von der bürgerlichen österreichischen Presse verschwiegen wurden und in de» unter Vorzensur stehenden sozialdemokratischen Presse nicht ge» bracht werden durften. Wien Fortsetzung siehe 2. Seite Das Blatt des Vorstandes der Sozialdemokrat tischen Partei Deutschlands, Sitz Prag— der „Neue Vorwärts"— schreibt über„D i e Februar schlacht von Wie n"; Der Vortrupp des österreichischen Proletariats hat sich zur Verteidigung der Freiheit erhoben in einem Kampf von geschichtlicher Größe, dessen Eindruck und dessen Lehren jahrzehntelang in der revolutionären Arbeiter- bewegung fortwirken werden. Aus der unheilschwcren Gewitterwolke, die drohend über Europa liegt, ist ein jäher Blitz herniedergezuckt. Der Krieg in seiner grauen- haftesten Gestalt hat sich in Oesterreich erhoben. Die Tage von Wien sind ein schreckliches, Unheil verkünden- des Vorspiel. Was kommt danach? Wien! Das wird für immer fortleben in unserem Gedächtnis. Es wird immer leben als Bekenntnis zur revolutionären Arbeiterbewegung, voll Begeisterung und Trauer werden wir in Zukunft immer das Wort aus- sprechen. Wien! Das ist eine düster rot leuchtende Fackel, die uns die Zukunft erhellt. Die heldenmütigen Arbeiter des sozialdemokratischen Schutzbundes in Wien haben ge- kämpft. Gekämpft! Das ist Schicksal und Bestim- mung der revolutionären Arbeiterbewegung in der Hu' Kunst. Revolutionäre Arbeiterbewegung— das heißt Uebereinstimmung zwischen Wort und Tat, zwischen Programm und Kampf. Die Gewalt unterdrückt die Frei- heit in der Welt— Gewalt gegen Gewalt und die Frei» heit erobern! Die revolutionäre Arbeiterbewegung ist eine Tatsache. Die Faschisten aller Länder wissen nach Wien: Die Hoff- nung ist eitel, daß die Krise alle revolutionären Energien in der Arbeiterschaft gebrochen hat, so daß sie nun Kampf- los ihre Handgelenke den Fesseln der Knechtschaft ent- gegenstreckt. Freiheit und Kampf sind untrennbar ver- bunden— wir werden es nie wieder vergessen. Wien! Das ist einer jener geschichtlich weithin leuch- tenden Kämpfe um Freiheit, aus denen die Arbeiterschaft ihre revolutionären Energien und ihr Kraftbewußtsein zieht, es ist die Besieglung ihres moralischen Rechts und ihres Freiheitswillens mit dem Blute der Besten. Ihr Kameraden vom Schutzbund, auf die wir voll Stolz und Freude und Hoffnung geblickt haben, ihr lehrt uns, und mit uns allen, die heute noch in Sicherheit und Frei- heit leben, daß d ie Freiheit nicht ein Geschenk ist, das den Tatenlosen und Hoffenden zufällt, sondern daß sie aus Kampf und Opfer emporsteigen muß. daß sie ein Vermächtnis ist, das mit dem Einsatz der ganzen Kraft bewahrt und heilig gehalten werden muß! Ihr habt gekämpft und euer Kampf hämmert uns die Lehre ein: zu Vorstoß und Verteidigung müssen wir immer vorbereitet und wach sein. Niemals dürfen die Arbeitermaffen ganz von der Bühne der Geschichte ab- treten, niemals dürfen ihre revolutionären Energien durch Erfolge und besseres Leben sich abschwächen lassen. Auch in der Demokratie müssen sie zum Schutze der Frei- heit immer lebendig sein! Der erste Schritt von der Bahn der Demokratie, das ist der Schritt zur Gewalt, zur Brutalifierung der Freiheit. Gegen Gewalt aber hilft nur die Gewalt! Der Satz vom Kampf mit revolutionären Mitteln hat einen tragisch realen Hintergrund erhalten— er steht heute vor dem heldenhaften Kämpfen und Sterben der Besten aus Oesterreich! Das dramatische Geschehen zeigt die Linie des großen immerwährenden Klassenkampfes klar herausgehoben aus den zufällig geschichtlichen Bedingtheiten der euro- päischen Verstrickung. Wien war für uns die Stadt der kampfesfrohen Sozial- demokraten, des Fortschritts und des Aufbaues, eine un- vergeßliche Verheißung des Sozialismus. Wien— dos waren die großen, schönen hellen Arbeiterwohnsiedlungen, die Werke des Friedens und der Gemeinschaft, das war der Aufstieg aus Wohnhöhlen und engen Gassen, das waren die Heimstätten, Sonne und Leben für das Prole- tariat und seine Kinder. Der Faschismus: das sind die Granaten in diese Werke des Friedens, das sind die zusammenbrechenden Fronten der Arbeiterheimstätten, das ist die Vernichtung des Guten, Schönen und Großen, das die Sozialdemokratie geschaffen hat. Was euch gehört, e u r e F r e i h e tt, eure Selbstbestimmung, euren Anteil« m. Leben, ihr müßt es verteidigen gegen den räu- berischen Faschismus, wenn es sein muß. mit der Waffe in der Hand— das ist die LehrevonWien! Dieser Untergang der hellen Werke der roten Ge- meinde Wien unter dem Granatregen der Diktatur— das ist das Verbrechen, das ist die Weltschande des Faschismus, die Schande jener gewissenlosen Abenteurer um Dollfuß, Fey und Starhemberg. Dollfuß ist Hitler und Fey ist Göring! Das ist der Haß, der abgründige Haß gegen jede Frei- heit, gegen die Arbeiterkultur und das Menschentum, der Haß, der zu demütigen und in den Staub zu werfen trachtet, was groß und schön aus dem Volke selbst erwachsen ist. Das ist der.Haß, der die Völker zerspaltet und den neuen Krieg gebiert! Ein Volk, dessen Arbeiter ihrer Freiheit sroh Werke der Kultur für sich und ihre Kinder errichteten, die dem Elend die Stirn boten, ist ein Spielball der Politik der Mächte geworden. Sein Selbstbestimmungsrecht ist gleichgesetzt worden mit den Plänen einer Abenteurerbande, die sich auf einige Zehntausende Bajonette stützt. Von den Mächten bewaffnet gegen. den Hillerfaschismus, haben diese Landsknechte den österreichischen Faschismus mit Blut begründet! Im Spiel um die Vorbereitung eines neuen Krieges, der über den Völkern wie eine drohende Wolke hängt, ist an der österreichischen Arbeiterschaft ein ungeheures Verbrechen verübt worden. Die Westmächte haben Hitler stark werden lassen. Ihr Zaudern hat alle Diktaturlüsternen ermutigt. Die Errichtung der Filiale des Mussolini-Faschismus in Wien— das ist die Folge : ihrer Politik! Das Gewissen der Welt schläft— das war die Stunde .für die großen Verbrecher des Faschismus. Mit atemloser Gespanntkeit hat die Welt den beispiellosen Kampf in Oesterreich verfolgt.— Wenn die Spannung weicht, muß . ein Schrei des Entsetzens und der Empörung sich erheben gegen das Verbrechen der Dollfuß. Fey und Starhemberg. Das düstere Feuer der Wiener Erhebung leuchtet weit- hin. Wir, die wir nach Deutschland blicken und um Deutschland ringen, sehen in seinem Scheine den Weg und die Aufgabe vor uns: ungeheuer, voll Ernst und Opfer, wir sehen, daß jeder Schritt vorwärts zur Freiheit .erkämpft werden muß. Revolutionäre Sozialdemokratie! lieber dem Wort leuchtet riesengroß der Feuerschein von Wien! Menetekel für piacdonaid Wahlniederlage der Regierung London, 17. Febr. In Lowestoft bat eine Nachwahl siatt- ' gefunden. Der konservative Abgeordnete gewann, obwohl die Stimmen für die Regierung um 7909 zurückgegangen sind. Wären hie beiden Oppositionsparteien, nämlich die Labour Party und die Unabhängigen Liberalen, zusammen- gegangen, so wäre der Regicrungskandidat geschlagen wor- den. Der Tieg ist somit eigentlich eine Nieder- läge für das Kabinett Macdonald Die Stimmen zahlen ivaren: Konservative 15912,. Labour 18.992, Unabhängige Liberale 8894. Die niedrige Ttimmenzahl. die die Liberalen erreicht haben, zeigt erneut, daß die Zeit dieser einstmals für England so einflußreichen Partei vorüber ist. Paul Löhe Der„Neue Vorwärt«" zweifelt In der neuesten Nummer des in Karlsbad erscheinenden „N ciieti Vorwärt s" lesen wir über das angebliche Löbe-Itttervicw: Die Hitlerpropaganda verbreitete dieser Tage ein angeb- lichcs Interview, das der Berliner Mitarbeiter der„Libre Bclgique" mit Paul Löbe gehabt haben will. Derselbe Korrespondent, dessen Unzuverlässigkeit bekannt i st, h a t kürzlich auch die Bekehrung Torglers zur NSDAP, gemeldet. Man kann also aus seiner Meldung keineswegs mit Bestimmtheit ent- nehmen, ob Lüde etwas zu ihm gesagt hat und was er ge- jagt hat. Ter belgische aber offenbar auch dem Berliner Propa- gandaministerium nicht fernstehende Journalist läßt Löbe selber sagen, daß er nur gegen das Versprechen, sich nicht mehr politisch zu betätigen, freigelassen worden sei. Hätte sich Löbe bann dennoch politisch geäußert, so wäre das ein offenbarer Widerspruch. Kein Mensch darf beute in Deutschland ein Wort sagen, das den Despoten mißfällt. Wer unter solche» Umständen ein Wort zu ihrem Lobe sagt, der entwürdigt sich selbst. Wir können uns daher nicht denken, daß Löbe gesprochen hat, wie der belgische Korrespondent berichtet, 64 fahre Zuchthaus Für fünf Kommunisten Das Sondcrgericht in Dortmund verurteilte fünf Kam- munisten zu 64 Iahren Zuchthaus. Sie sollen im Jahre 1932 einen Feuerübersall auf Nazionalsozialisten gemacht haben. Zwei davon sind verwundet worden? einer der Verletzten ist bis heute noch nicht wieder hergestellt. raulhahers Hirtenbrief „Die Gesetze der Sittlichkeit sind übervölkisch" Berlin, 17. Febr. Kardinal Faulhaber hat zu Beginn der Fastenzeit wieder eines seiner grundlegenden Rundschreiben erlassen. Man müsse. so heißt es am Anfang, die staatliche Obrigkeit durch Mitarbeit unterstützen. DaS sei auch der tiefste Sinn des Reichskonkordats: die Abwehr- und Aus- baukräste des Staats und die sittlich erzieherischen Kräfte der Kirche sollten eine vertrauensvolle Arbeitsgemeinschaft Fortsetzung von der 1. Seite hat. Beide sind bereits vereidigt worden. Die Aufgaben des bisherigen Staatssekretärs Neustädter-Stürmer gehen aus das Handelsministerium über. Bundesminister Schmitz wird weiterhin mit der ständischen N c u ge sta l t u n g be- traut. Schließlich wird ausdrücklich als Beschluß des Ministerrats festgestellt, daß die Verordnung über das Betäti- gungsverbot für die sozialdemokratische Partei dahin aus- gedehnt Ivird, daß sämtlich« Mandate, die aus Grund eines sozialdemokratischen Wahlvorschlages erworben wurden, als erloschen zu gelten haben. Diese Kassierung braucht man, um eine künstliche Mehr- heit für vcrfassungswichtige Beschlüsse zu fassen. Dollsuß kopiert Hitler in der Blutarbeit und in der Gesctzgebungs- arbeit. Verbindung durch die Kanalisation? Paris, 17. Februar. Nach einer Meldung der Agentur Sud-Est ans Wien habe die Polizei die Gewißheit erhalten, daß die verschiedenen Widerstandszentren bei den Unruhen durch die Kanalisation Wiens miteinander in Verbindung gestanden hätten. Daraufhin sind.in den Kanalisationen von Wien mehrere Polizeistreifen durchgeführt worden. Das gleiche sei auch in Linz der Fall gewesen. Dollfuö und der üenher Drei Kämpfer am Galgen Wien, 17. Febr. Die vom Standgericht in St. Pölten gefall- ten beiden Todesurteile sind am F r e i t a g a b e n d vollstreckt ivorden. Auch in Wien ist eine neue H i n r ich t u n g erfolgt. Sechs weitere vom Wiener Stand- gericht verhängte Todesurteile sind vom Bundespräsidenten i n s ch>v e r e Kerker st rasen umgewandelt worden. Ueber die Zahl der in den letzten Tagen gelöteten und ver- letzten Personen ist eine neue amtliche Ausstellung heraus- gegeben ivorden, ivonach insgesamt aus Seiten der Exekutive 191 Personen getötet und 819 verwundet wurden, während die Verluste der Aufständischen mit 187 Toten und 889 Ver- wundeten angegeben werden.— Die iv der. ausländischen Presse umlausenden Gerüchte über ernste MelnungSverschte- denheiten im Kabinett Dollsuß sind dementiert ivorden. bilden. Dann aber fährt. Faulhaber fort:„Die sittlichen Gesetze müssen nicht nur dem einfachen Volk, sondern auch den Großen der Erde verkündet werben. Die Gebote Gottes sind ewig souveräne Majestäten und daher der Willkür der Menschen entzogen. Lichter, die von Menschen angezündet wurden, können auch von Menschen wieder gelöscht werden. Die ewigen Sterne Gottes aber, die nicht von Menschenhand angezündet wurden, können von Menschen auch nicht aus- gelöscht werden. Gewohnheiten und Sitten, wissenschaftliche Lehren und technische Verkehrsmittel blühen und vergehen wie Blumen des Feldes. Die Grundgesetze der Sittlichkeit aber sind überzeitlich und über- völkisch, ewig und souverän." ramilientragftdie Eine Bluttat und ihre Beweggründe Paris, 17. Febr. In Metz hat ein 32 Jahre alter Bank- angestellter namens Rörich seine beiden Schwestern erwürgt und dann Selbstmord zu begehen versucht. Ueber die Ver- zweiflungstat werden noch folgende bezeichnende Einzel- heiten bekannt: Die Familie Rörich— Mutter, Sohn und ,wei Töchter— bewohnte eine bescheideue Zweizimmer- wohnung und nährten sich ausschließlich von in einer Kaffee- mühle gemahlenem Weizen. Die ganze Familie lebte, seit der Bankangestellte seit 1« Monaten arbeitslos war. von der 599 Franken monatlich betragenden Pension der Mutter. Die Mutter war nun vor 8 Tage» gestorben, ohne daß die Die lange Ausdehnung des heutigen Ministerrats spricht aber alles andere als für Einigkeit. Die Verlustliste gilt anscheinend nur für Wien und bleibt auch für die Bundeshauptstadt weit hinter der Wahrheit zurück. Noch 2 Todesurteile Wien, 17. Febr. Das Standgericht hat in dem Prozeß ge- gen fünf Straßenbahner des Straßenbahnhofes von FloridS- dorf zwei Angeklagte zum Tode durch den Strang verurteilt. Die übrigen drei Angeklagten wurden an das ordentliche Gericht verwiesen. Es wird jedoch angenommen, daß der Bundespräsident die Todesstrafe in Freiheitsstrafen um- wandeln wird. ver Arbeiterschlächter Höchster österreichischer Orden Wien, 17. Febr. Bundespräsident Miklas empfing den Vizekanzler F e y zur Berichterstattung und widmete ihm Worte höchster Anerkennung für die Niederwerfung des Aufstandes. Dann überreichte der Bundeskanzler dem Vizekanzler den h o ch st e n ö st e r r c i ch i ich c it Orden, die Jnsignien des Ehrenzeichens am Bande. Nach deutschem Muster Die Judenverfolgung beginnt Prag, 17. Febr. Die in Prag einlaufenden Züge sind voll von jüdischen Flüchtlingen ans Oesterreich. Unzählige haben die österreichischen Städte und Dörfer fluchtartig Verlanen, weil sie Pogrome befürchten, wenn der Widerstand der Ar- bester endgültig gebrochen sein wird. Man erfährt von den Flüchtigen, daß zahlreiche Wiener Inden bereits aus ihren Stellungen entlassen worden find. Jüdischen Kaufleuten wurden die Bankkredite beschränkt. Warschau, 17. Febr. Die Züge, die aus Oesterreich kommen, bringen eine größere Anzahl jüdischer Flüchtlinge über die polnische Grenze, die vor den erwarteten und schon begin- nenden Verfolgungen der Juden Oesterreich verlassen hohen. Wien, 17. Febr. Die österreichischen Nazis haben an die Heimwehren das Anerbieten gerichtet, eine gemeinsame Front zur Niederschlagung, der Juden und Marxisten zu bilden. Kinder ihr Ableben meldeten. Der Tod der Mutter hinter- ließ bei den drei Geschwistern im Alter von 32, 29 und 26 Jahren so große Verzweiflung, daß sie beschlossen, sich mit Alkohol zu vergiften. Der Bruder besorgte mehrere Liter Branntwein und trank sie mit seinen Schwestern, ohne daß der Tod eintrat. Um ihn nun doch herbeizuführen, erwürgte der Bruder die beiden Schwestern und brachte sich selbst, mit einem Rasiermesser Schnittwunden am ganzen Körper bei. Das Neueste Die französische Kammer beschloß die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses zur Nachprüfung der Skandale. Sir John Simon erklärte in einer Rede in Brighton zur Abrüstungssrage, daß es notwendig sei, daß die eng- tischen Bemühungen nunmehr auch von den anderen Mächten energisch unterstützt würde«. In der Tat: ein weisheitsvoller ganz neuer Standpunkt! Das preußische Staotsminifterium hat ein Ge- setz zur Aenderung des Gesetzes über den Provinzial» r a t vom 17. Inli 1938 beschlossen, das vorsieht, daß dem Pro- vinzialrat auch der Vizepräsident des Oberpräsidiums ange« hört und daß bei der Zusammensetzung des Provinzialräis dem wirtschaftlichen Ausbau der Provinz und den Besonder« heiten der Gelchäste des PorvinzialverbandeS Rechnung ge» tragen werden soll. Der Unterstaatssekretär nnd englische Lordsiegelbewahrer Eden ist Freitagabend in Paris eiugetroffen. Nicht umsonst gefallen.. Ein Ruf«er Jugend-Internationale Mit heißem Herzen und mit leidenschaftlichster Anteil- nähme verfolgt die sozialistische Jugend der ganzen Welt den Kampf der ö st e r r e 1 ch i s ch e n Arbeiterklasse um ihre Freiheit. Gegen eine Uebermacht von Feinden, gegen die wohlgerüstete Macht der Staatsgewalt haben sich die österreichischen Arbeiter mit der Waise in der Hand erhoben, um den faschistischen Staatsstreich abzuivehren. Beispiellos ist das Heldentum, das Oesterreichs Ar- beiter in diesen Februartagen bewiesen haben. In lagelan- gem, opferreichem Ringen haben tausende von Proletariern dieser Kampf auch endlich entschieden werden möge,- er wird für alle Zeiten in der Geschichte der internationalen soztali- Nischen Arbeiterbewegung fortleben als leuchtendes Bei- spiel von höchstem KampseSmut und bedingungsloser Hin- gäbe kür die Ideale und Ziele des internationalen Sozia- lismus. Im Namen der sozialistischen Jugend der ganzen Welt dankt die Sozialistische Jugend Internationa e den viter- reichlichen Kämpfern, und mit Stolz grüßt sie tue öster- reichische arbeitende nnd sozialistische Jugend, mit der sie ncy in unzertrennbarer Kampfgemeinschaft verbunden werß. In einer Zeit, in der in weilen Gebieten Europas der Faicnis- mus herrscht, in der in allen Ländern die Reaktion die Ar- beiterklasie in die Einklußlosigkeit einer Sekte znrttckzudrän- gen versucht, in der im sozialistischen Lager selbst Zweifel in die Sieghastigkeit unserer Ideen einzudringen droben, bat die österreichische Arbeiterklasse der arbeitenden Jugend ein l e u ch t.e n d e s B e i s p i e l gegeben. Die Opfer dieses Kampfes sind nicht umtonst.gefallen. Die sozialistische Jugend wird das Vermächtnis dieser Toten erfüllen. Sie wird in ihrem Geist arbeiten und kämpfen bis zur endgültigen Nie- derringung de? Faschismus. Sie wirb nicht ruhen, bis die alte Welk des Kapitalismus Überwunden und die Welt des Sozialismus Wirklichkeit geworden ist. Wir rufen die sozialistische Jugend auk. unverzüglich in allen Ländern Sympathiekundgebungen für die österreichische Arbeiterklasse zu veranstalten und die arbeitende Jugend in Wort und Schrift anzufeuern, den Kamps für ihre Zukunft, für den Sozialismus zu führen mit dem unbeugsamen, todeSverachtenden Kampfeswillen, der in die- sen Tagen uns alle, Freund und Feind, in seinen Bann ge- zwungen hat. Wir rufen die sozialistisch« Jugend ans, ihre ganze organi- tatarische und materielle Kraft einzusetzen für eine g»pße internationale Solidaritätsaktion der sozial!- st i s ch e n I n g e n d für die arbeitende Jugend Oesterreichs. Es gilt, den Opfern des Kampfes zu Helsen, die Not der Frauen und Kinder zu lindern und der Bewegung die Fortführung des Kampfes zu ermöglichen. Gebt, was in.euren Kräften steht und beweist so durch die Tat eure Solidarität. Prag, den 15. Februar 1934. . C» Das Büro der Sozialistijcheti Jugend-Internationale. Kundgebung französischer Sozialisten „Freundschafts"-Rufe in Paris Paris, 17. Febr. Die französische sozialistische Parter hat eine Kundgebung veranstaltet, um die Lage in Oester» reich zu erörtern. Mehrere Parteimitglieder hielten Reden, in denen das Vorgehen der österreichischen Sozialdemokraten gebilligt und gegen die Maßnahmen der Regierung Dollsuß protestiert wurde. Als einer der Rebner ausrief:„Die Wie- ner Kommune wird in der Pariser Kommune ihre Revanche erhalten" stimmten dje Versammlungsteilnehmer die Inter- nationale an. Darauf wurde, zu Ehren der Opfer des Wie- »er Aufstandes eine Minute Schweigen gewahrt. Als letzter Redner ergriff Leon Blum das Wort und erklärte, die öfter- reichischen: Sozialisten opferten sich für die Ehre des Sozia- lismus. Die direkt Verantwortlichen für. den Wiener Auf- stand seien die Kundgeber, die am k. Februar in Paris auf der Straße erschienen seien. Paradoralerweise würden also die französischen Feuerkrenzler Hitler und der deutschen völ- kischen Bewegung das Tor Oesterreichs öffnen. Das Vorhan- densein der Sozialdemokratie sei die einzige Schranke ge- wesen, die in Europa gegen den Krieg habe bestehen können. Schließlich forderte Blum die Anwesenben auf, in deutscher Sprache das Losungswort der Wiener Sozialdemokraten, das Wort„F r e u n d s ch a fl" auszusprechen. Der Kampf um die Saar Das Vordringen der deutschen Freiheitsfront Vor denSaar-Entsdieidungcn Die Unterkommission tagt Saarbrücken, 17. Februar 1934. Man muß es dem Dreierkomitee des Völkerbundsrates Zur Vorberatung der Saarabstimmung lassen: Die Herren arbeiten ebenso g r ü n d l i ch wie s a ch k u n d i g und sind aufrichtig bemüht, ganze Arbeit zu leisten. ^ Daß sie für dieses verdienstvolle Werk nicht die Zu- stimmung Hitlers und seiner Pressekulis haben sdie sich sonst nicht genug tun können in der Behauptung, daß sie die Saarabstimmung öllprozentig sicher in ihren Händen halten), kann man bedauern— ist aber andererseits nur ein Beweis mehr dafür, wie objektiv, loyal und unbeeinflußt das Komitee arbeitet. Sowohl der Vorsitzende, der italienische Baron A l o i s i. wie der spanische Botschafter Madariaga und der argentinische Botschafter C a n t i l o legen eine Energie, Umsicht und vornehme Neutralität an den Tag, die wirk- lich andere Kommentare verdient hätten, als sie ihnen von der Hitlerpresse, durch den hitleramtlichen Rundfunk, dos hitleramtliche Deutsche Nachrichtenbüro und— die gleichgeschaltete Saarpresse zuteil werden. Wir müssen aller- dings gestehen, daß wir sowohl die Haltung des Komitees wie deren Beurteilung durch die Nazioten gar nicht anders erwartet haben. Besonders hervorgehoben werden muß auch das absolute Einverständnis, das zwischen dem Präsidenten der Regierungskommission. Herrn K n o x, und dem Rats- Komitee besteht und erneut bestätigt worden ist. Außer- dem hat das Ratskomitee der Regierungskommission ein besonderes Vertrauensvotum ausgesprochen, indem es keine besondere Abstimmungskommission neben der Regierungskommission vorschlägt, was als eine er- neute schwere Niederlage der Greuel» märchenpolitikdersogenannten,.deutschen Front" in Genf und im übrigen Auslande zu werten ist. Außerdem scheint das Komitee mit dem Vorschlage von Knox, vor. während und n a ch der Abstimmung eine internationale Polizeitruppe zur Aufrecht- erhaltung der Ruhe, Sicherheit und Ordnung an der Saar zu unterhalten, einverstanden zu sein, und hat einer neutralen sachverständigen Juristen- Kommission über die beiden Fragen der gemeinde- oder bezirksweisen Abstimmung und der genauen Hai.d- habung der Wahlberechtigung, zugestimmt. Auch wird man von anderen Sachverständigen Entscheidung?- grundlagen für bestimmte Teile des gesamten' uf- gabenkreises einfordern und sich voraussichtlich am 4. 3. wieder in Genf versammeln. Auf absolut zuverlässigem Wege ist uns trotz der streng gehüteten Geheimhaltung der Sitzungen und der selbst auferlegten Schweigepflicht der Ratsmitglieder noch f*l» gende hochinteresfanteundfehrwesentliche Einzelheit aus der ersten General- ausspräche vom Donnerstag nachmittag bekannt geworden: Herr Madariagafyit die Frage d»s Abstimmungsdatums angeschnitten und die Aus- spräche der drei Herren gelangte zu dem ein st immigen Ergebnis, daß vorläufig weder das Dreierkomitee einDatumvorschlagennochdieMaitagung desRatesumdieFestsetzungeinessolchen bitten werde: Er st müsse de facto d i e absolute Sicher st ellung einerfreien und unbeeinflußten Abstimmung erfolgt sein, ehe man dieser Frage nähertreten könne. Das entspricht der Auffassung, wie sie die F r e i h e i t s- front des Saargebietes in Genf, im übrigen Auslande und gegenüber der ausländischen Presse immer wieder gefordert hat und wir sind glücklich, daß diese Forderung die des R e ch t e s, des V e r t r a g e s und der Billigkeit ist! Wer ein wirklich ehrliches und wahrheits- gemäßes Abstimmungsergebnis haben will, muß diese Stellungnahme des Dreierkomitees mit allen Kräften und aus ganzem Herzen unterstützen. Wer das n i ch t tun zu können glaubt, beweist nur die e i g e n e U n f i ch e r h e i t in bezug auf das Abstimmungsergebnis und jenen Mangel an fair play, der dag Kennzeick en fehlender Güte der eigenen Sache ist. M. B. Die Truppenfrage vertagt Genf, 17. Febr. Der für die Bordereitun« der Abstim» «ung im Saargebiet eingesetzte Ausschuß hat die Frage der evtl Entsendung von Truppen nach dem Saargebiet bis zu« Mär,»ertagt, da eine Einigung über diese Frage nicht«iig- lich war. rrclhelfsfroiri wird Einheitsfront Große Kundgebung in Saarbrücken Saarbrücken, den 17. Februar 1984. Die Freiheitsfront hatte Freitag zu einer Kundgebung ge- rufen. Kopf an Kops standen- die Stühle waren ausgeräumt worden- die Menschen im großen saal des«W.-Hauses, dix Teilnehmer einer gewaltigen Demonstration wurden. Der erste Redner des AbendS war GewerkschaftSsekretär Wilhelm Kaupp der in sehr prägnanter und präziser Weise die Schluß- folgerungen aus den tragtsch-gewaltigen österreichischen Vor- gängen zog und lebhasten Beifall erntete. Dann trat der Jungführer unserer SSB.-Kameraden an die Rampe und leistete im Namen aller Freiheitskämpfer folgenden Schwur: „Wir schwören! Bei den Opfern des Freiheitskampfes der sozialdemokratische« Arbeiter Wiens Treue der sozialistischen Idee, ihren Organisationen dem Führer! Bereitschaft zu jeder Stunde, zu jeder Tat! Einsatz von Gut und Blut! Standhaftigkeit bis zum Sieg!" Sodann forderte er die Versammelten auf. in Ergriffenheit und Andenken an die österreichischen Fretheitsopser eine Minute Stillschweigen mit erhobener Freiheitssaust einzu- legen, während gedämpft die Trommeln wirbelten. Dann setzte das Tambourkorps mit einem Freiheitslied ein, woraus Max Braun sprach. Seine ganze Rede war ein einziger glühender Appell an die Einheit und Schlagkraft des Proleta- r l a t s der mit immer wiederholten stürmischen Zustim- mungen unterbrochen wurde. Dann sang die ganze Ver- sammlung mit Begeisterung die„Internationale" und unter Freiheitsrufen leerte sich der Saal, das Treppenhaus und das Restaurant. Die Freiheitsfront des Saargebietes wird zugleich zur Einheitsfront des Saar- Proletariats. Von Woche zu Woche wird der Zuström zu den Freiheitskundgebungen der Saar größer, der Kampswille entschlossener und die Beg eiste- rung unaufhaltsamer. Dasselbe Bild zeigten übrigens auch die gleichzeitigen Kundgebungen in Neunkirchen und sulzbach. In Neunkirchen war der Andrang so stark, daß er für eine sofortige gleichgesüllte Parallelversammlung gereicht hätte — leider fehlt uns dazu ein entsprechender Raum. In Neun- kircken sprachen Richard P k a s f und Richard Kirn während in Sulzbach Karl Etienne und Hermann P e t r i die überfüllte Versammlung mit sich fortrissen. Meli ans Obersdileslen Katholisches Blatt über Max Braun Wenn man die W a h r h e i t aus katholischem Munde hören will, muß man zu katholischen Blättern außerhalb des„dritten Reiches" und unabhängig von den Kasten- schränken Göbbels greisen, um die wahre Stimmung des Katholizismus zu hören. So schreibt beispielsweise d,e „Katholische V o l k s z e i t u n g" in Oberschlesten über die Saarverhältnifse: „Die Dinge im Saargebiet spitzen sich zu. Rein äußerlich ist allerdings eine gewig« Entspannung zu verzeichnen.. im Innern jedoch geht der Terror unverändert weiter."... Die nich»gleiä)glschultete» Zettungen—„Volksstimme",„Chronik", „General-Anzeiger".„Taarlouiser Journal". ,.Westland". „Deutsche Freiheit".„Arbeiterzeitung",„Neunkircher Echo", zu denen in diesen Tagen noch die„Deutscht BoltS-Zeitung", und „Die schwarze Front" hinzukommen werden- führen gewigen, hckst über ihn Buch, unter Anführung genauer Einzelheiten ieden einzelnen Falle», und e» vergeht kein« Woche, in de, sie nicht gezwungen sind, über mehrere Dutzend Fälle von Beschimp- fungen, Tätlichketten, heimtückischen Uebersällen. Bedrohungen mit„Rache nach t98.V, Mißhandlungen. Tchikanterungen in den Betrieben usw. zu berichten. Daß die Verfügungen der Re- gterung, vor allem da» Uniform- und Abzeichenverbol. täglich en mage übertreten werden, daß die verbotene SA. und SS. in Wirk» lichkeit nach wie vor bestehen und sogar bei offiziellen Anlägen ungetarnt in Erscheinung treten, und daß die zum großen Teil „gleichgeschalteten" unteren Erekutiv-Drgane von alledem in den meisten Fällen prinzipiell„nicht» sehen", erscheint demgegenüber schon betnahe belanglos. ES ist, kurz gesagt, daSselb« Bild wie während de» AbstimmungSkampse» in Ober» s ch l e s t« n. In der letzten Zeit ist nun aber auch die Abwehr aktiv ge» worden. Die FreiheitSfront. die in dem noch jungen, von den Nazi» tödlich gehaßten Max Braun einen energischen, um» sichtigen Führer, wortgewaltigen Agitator, gewandten Diplo» maten und ganz hervorragenden Organisator besitzt, hat sich einen Schutzbund geschaffen: die hauptsächlich auf der Sozialdemokratie aufgebaute FreiheitSfront und die an anderen für die Beibehaltung de» Statu» quo eintretenden Organisationen(Verband der Saarbergleut«. Saarländische Sozialisten-Partei, Saarländische WirtschastSvereinigung, Unabhängige Bürger- und Bauernpartei, Katholisch« Arbeitsgemeinschaft, Verband der Saar- Franzosen, Französisch-Saarländisch« Vereinigung und so weiter! entfalten eine überaus reg« Propaganda- und Versammlung»- tätigkeit, und auch die Regierungskommission hat«in« New« durchgreifender BesterungSmaßnahmen getroffen... Di« katholische Opposition... verstärkt sich von Tag zu Tag. Neuerding« macht sich auch eine protestantisch« Oppo- fition bemerkbar.. Und außerdem ist e» einigen Otto- Straßer.Anhängern gelungen, die nationalsozialistische Opposition, die Stahlhelm-Opposition und die mon- archiftischen Kreise zu einer gemeinsamen Kampffront zusammen, zusahen. All- diese(»ruppen haben verschiedene Ziel«. Jede geht ihren eigenen Weg. Aber in der energischen Ablehnung der lllSä- Rückgliederung der Saar an Hitler-Deutschland sind sie alle einig. Saarlfaflioiihen gegen Sterilisierung Saarbrücken, 17. Februar. In Saarbrücken sprach der katholische Studienrat Lück vor den Mitglieder deS katholisch-kaufmännischen Vereins über die Frage der Sterilisation. Es ist bemerkenswert, daß der Vortragende zu einer außerordentlich scharfen Ablehnung dieser neudeutschen Einrichtung aus allen, hier in Betracht kommenden Gesichtspunkten heraus, kam. Studienrat Lück behandelte das Thema von der medizinischen, sittlichen, moralischen, eugenischen nick» kirchlichen Seite aus. Seiner dieser Gesichtspunkte könne» so führte der Vortragende auS» dem Borgeheu der ReichSregieruna eine Stütze sei«! Niemand aus Erde« se» unfehlbar! Anch Regierungen nicht! Sie habe also auch kein Recht sich Rechte über Menschen auzumaßen, die allein in Gottes Macht stünden. Nichts anderes als Diebstahl am Menschen sei es. was jetzt das Sterilisationsgesetz vorschreibe— Diebstahl, zu dem auch der Staat kein Recht habe! Aber auch von einem anderen Standpunkt aus sei daS neue Gesetz sehr bedenklich und wieder seien es keine unve- wiesenen Behauptungen, sondern Erfahrungstatsachen aus Amerika So sei die Folge von Sterilisation dort gewesen, daß sich unzählige Menschen freiwillig sterilisieren lasten wollten-» sterilisieren lassen wollten, um bester ihren schlich- ten Leidenschaften fröhnen zu können! Wie sehe ein „Notwehrrecht" deS Staates, wie es das jetzige Sterilisationsgesetz sein solle, aus. wenn Hemmungslosigkeit seine Folge sei! Auch dieser Gesichtspunkt der deutschen Reichsregierung sei also absolut unzutreffend. Schließlich müsse auch berücksichtigt werden, wie denn zahl- reiche heutige Kriminelle, zahlreiche heutige Asoziale aus die schiefe Bahn gekommen seien. Sei es nicht der Krieg und seine Folgen gewesen, der hier verheerend gewirkt habe? Geradezu absurd sei es, wenn der„nationale" Staat diese Leute jetzt berauben wolle! Derselbe Staat, der im Kriegssalle jede Selbftverftümm- lung bestrafe! Auch die angeblich mit dem Gesetz beabsichtigte Verhütung von Erbkrankheiten sei nichts als eine unbewiesene Behauptung. Der Redner ging hier auf einen Zwischen- ruf ein. der Beethoven erwähnt hatte und betonte, daß ja schon dieses Beispiel des tauben Beethoven zeige, wie es um die menschliche Kenntnis der„Erbkrankheiten" stehe! Am Ende seiner stark beachteten Rede»erlaS der Redner die Botschaft deS PapsteS vom Dezember, in der katholischen Aerzteu und Schwestern jede Mitwirkung bei Sterilisationen strengstens unterfaßt wird.— Es ist für die heutige Lage an der Saar kennzeichnend, daß der Bortrag stürmischen Beifall fand!— * Wir fügen hinzu: Wo bleibt die Konsequenz dieser Aus- führungen in der Politik? Eine schärfere Ablehnung der Hitlermethoden konnte man sich in dem Rahmen des Vor- träges gar nicht denken Die saarländischen Katholcken können mit vollem Recht verlangen, daß die katholische Kirche, die durch einen ihrer Vertreter in so eindeutiger Weise die Sterilisation als eine Barbarei erklärt, auch den Mut zur Entscheidung hat. Kann sie es verantworten, daß die katholische Bevölkerung des Saargebietes einer solchen Barbarei ausgeliefert wird?! Ueber den Referenten, den katholischen Geistlichen Dr. Lück. äußerte sich nach dem Vortrage ein prominenter Nationalsozialist:„Intelligenzbestien von der Art des Dr. Lück gehören im„dritten Reich" ins Konzentrationslager." Die überfüllte Versammlung war von dem Referat be- geistert. Eine Emigranten-Verordnung Meldepflicht Die Regierungskommission des Saargebiets hat eine Polizeivervrdnung betr. Regelung der Aufnahme politischer Flüchtlinge im Saargebiet erlassen. Es heißt darin: Artikel 1 Personen, welche aus politischen oder kulturellen Grünben ihren Heimatstaat verlassen haben und im Saargebtet Ausent» halt nehmen wollen, sind verpflichtet, innerhalb 8 Tage nach der Ankunft sich bei der Regierungskommissio«, Abteilung Verkehrswesen, zu melden. Artikel 2 Dem Meldepslichtigeu wird nach Prüfung seiner Angabe« ein besonderer Personalausweis ausgestellt, der ihn b»> rechtigt, im Saargebiet Ausenthalt zu nehmen. Artikel 8 Die Aufenthaltsgenehmigung kann insbesondere zurückgezogen werden, wenn sich herausstellt, daß 1. bei Beantragung des Personalausweises falsche Angaben gemacht worden sind? 2. wenn der Inhaber eines solchen Ausweises im Saar, gebiet eine politische Tätigkeit entfaltet, die nach Völkerrecht» lichen Grundsätzen mit der Gewährung des Asqlrechtes un- vereinbar erscheint. Sdiutz des OewerhsdialfSYeraiögens „Auf Grund des Artikels 19 Abs. 8 der Verordnung vom 81. Mai 1933 betr. Abänderung und Ergänzung des Reichs- Vereinsgesetzes vom 19. April 1998(Amtsblatt 1933, Nr. 278) und i« Erwägung, dast das Vermögen des frühere» BerbandesderBerg» bauindnftriearbeiter Deutschlands, Sitz Bochum, welchem der Berband deutscher Bergbau- iuduftriearbeiter für das Laargebiet, Sitz Saarbrücken, bis zum 7. Mai 1888 als Bezirk angehörte, von der Firma H. Hansmann«. Co., Sitz Bochum, verwaltet wnrde, verordnet die Regierungskommissio« aus Grund ihres Beschlusses vom 1». Februar 1984: Die Verwaltung des im Saargebiet belegene« Teiles des beweglichen und unbeweglichen Vermögens der Firma H. Hausmann u. Co.. Sitz Bochum, wird bis zur endgültigen Feststellung der BermögensverhSltnisse durch die saarländi. scheu Gerichte der„Vermögensverwaltung des Verbandes deutscher Bergbanindnstrie- arbeite» für das Laargebiet G. m. b. H., Sitz Saarbrücken", übertrage». ..Deutsche Freiheit" Nr. 41 MW WU D W MM DU^ E£r r» Ei» U tSw- m 4tiP IfiMlil 3 Sonntag Montag, 13. 19. Februar 1934 Slismallcafclioranici. verlängert Was wird ans der Mark? Bis 1935 ohne wesentliche Aenderungen Berlin, 16. Februar. Die am 5. Februar 6. J. in Berlin unter dem Vorsitz von Frank C. Tiarks(London) zusammengetretene Stillbahekonferenz ist am 16. Februar beendet worden mit dem Ergebnis, daß das am 28. Februar 1934 ablaufende Stillhalteabkommen(Deutsches Kredit- abkommen von 1933) durch ein neues Abkommen mit Laufzeit bis 28. fehruar 1935 verlängert wird. Eine allgemeine Kürzung der Kredite, wie sie in den Abkommen von 1932 und 1933 vorgesehen war. findet diesmal nicht statt, was um so befriedigender ist. als Deutschland in Anbetracht der sich wieder belebenden Wirtschaft ein gewisses freies Kreditvolumen für die Finanzierung von Ein» und Ausfuhr behalten muß. Ebenso einsichtig trug man der deutschen Devisenlage und der durch das Transfermoratorium gegenüber den außerhalb der Stillhaltung stehenden Auslands gläubiger» geschaffenen Lage Rechnung. Es wurde eine vorläufige Aufschiebung der Ratenzahlungen vereinbart, die die deutsche Golddiskont- bank aus ihrer Garantieverpflichtung bis Ende Februar 1935 zu leisten hätte. Das im vorjährigen Abkommen eingeführte System einer gewissen Auflockerung und Verbesserung der Stillhnltekre- clite, insbesondere durch die Schaffung des Registermark- Systems, das sich für Deutschland wie für die ausländischen »laubiger gut bewährt hat, wird mit geringfügigen Veränderungen unter dein neuen Abkommen fortgesetzt. Die Einführung der Registermark bat es ermöglicht, das Gesamt- >olumei, der Kredite erheblich zu ermäßigen ohne Devisen- hergäbe durch die Rrichshank. Im all gelaufenen Jahr wurden etwa 500 Millionen Reichsmark Registermark abgerufen. Im übrigen weist das neue Abkommen, abgesehen von einigen im wesentlichen ebenfalls nur der Verfeinerung oder größeren Klarheit dienenden Aenderungen keine grundlegende Neuerung auf. Das Kreditvolume», das durch das neue„Deutsehe Kreditabkommen von 1934" erfaßt wird'»eträgt zu jetzigen Devisenkursen noch rund 2.6 Milliarden RM.. worin zirka 270 Millionen RM. unbenutzte Linien enthalten sind. Deulsdi sdtweiierisdtes Transferabkommen Berlin, 16. Februar. Am 16. Februar wurde in Bern zwischen dein Deutschen Geschäftsträger, Gesandtschaftsrat Dankwart und dem schweizerischen Minister Stucki ein neues deutsch schweizerisches Transferabkommen unterzeichnet, das bestimmt ist, die deutsch-schweizerischen Transferfragen für das erste Semester 1934 zu regeln. Das Abkommen beruht auf einer ähnlichen Grundlage wie das letzte, d. h. es werden die Zinsguthaben schweizerischer Gläubiger zu 100 Prozent transferiert, indem gewisse Warenmengen, die die Schweiz aus Deutschland einführt, in den Dienst dieser Regelung gestellt werden. Vorübergehende französische Goldabgaben Der Ausweis der Bank von Frankreich zeigte erwartungsgemäß eine erhebliche Verminderung des Goldbestandes, und zwar um 1978 Millionen Franken gegen nur 193 Millionen in der Vorwoche. Dieser Goldabgang ist bekanntlich durch die Goldsendungen nach den Vereinigten Staaten verursacht worden, die im Gefolge der neuen amerikanischen Währungspolitik notwendig geworden sind. Die Pariser Goldverschif- fungen sind in Wirklichkeit noch bedeutender gewesen, doch wurden sie teilweise durch Gotdzugänge aus europäischen Goldwäbrungsläudern aufgewogen. Die inzwischen eingetretene innerpoiitische Beruhigung und der Umstand, daß die Goldarhitrage sich sowohl zwischen Paiis und Neuyork als auch zwischen den europäischen Ländern und Paris eingespielt hat, hat inzwischen zu einer weitgehenden Normalisierung der Verhältnisse auf den Devisenmärkten und zu einer V e r I a n g s a m u n g der französischen Goldversetiif- fungen nadt USA. geführt, so daß der nächste Bankausweis einen wesentlich geringeren Goldabgang als in der Berichis- woche zeigen wird. In Millionen Franken 10. 2. 1933 9. 2. 1934 Goldbestand 81 581 74 883 Auslandsguthaben.... 2902 14 Auslandswechsel.... 1 232 837 Handelsweihesl.... 2 686 5 212 Vorschüsse an Effekten.. 2 601 3 001 Vorschüsse an Gold...— 1416 Bons d. Aut. Am.-K.... 6 674 6 114 Versch. Aktiven....— 2 187 Notenumlauf 83 942 81 393 Tägl. fällige Verpflicht.. 20 892 14 870 Davon Tresorgutliahen., 50 102 Gth. d. Aut. Am.-Kasse.. 2 076 1 947 Privatguthaben.... 18 547 12 619 Verschiedenes 220 203 Geldumlauf insgesamt.. 104 834 96 263 Davon Gold gedeckt in°/o. 77,82 77,79 gegen Vorwoche — 1978 + 1 — 43 + 1040 — 12 + 27 unver. — 179 + 333 — 1237 — 47 — 272 — 890 — 28 — 904 — 1.31 A'liitiltluvvi Frankreich überflügelt Deutschland Nach amerikanischen Schätzungen betrug die Welterzeu- guug von Aluminium im letzten Jahr insgesamt 135 600 metrische Tonnen gegen 153 368 Tonnen im Jahre 1932. Auf die einzelnen Länder verteilt sich die Produktion wie folgt: Die unbedingte Aufrechterhaltung der Währungs-Stabilität war unter den zahllosen Versprechungen, die Hitler bei seiner Machtergreifung dem Inlande und der ganzen Welt gab, wohl diejenige, die am häufigsten und mit den geringsten Einschränkungen wiederholt wurde. Im Grunde genommen ging es allerdings bei dieser Zusage nicht viel besser, als bei allen anderen Prophezeilnisigen. Der Unterschied bestand lediglich darin, daß es durch ein sehr geschickt angelegtes und recht kompliziertes System gelang, die Tatsache der ständigen Wertschrumpfung der Reichsmark dem Inlande fast völlig zu verbergen, "während nur das Ausland schon bald recht klar erkannte, daß mit der Geburt des„dritten Reiches'" ein Leidensweg der deutschen Währung beschritten wurde, bei dem es keinen Aufenthalt mehr geben konnte. Zur Illustration dieser Entwicklung nur wenige Zahlen und Tatsachen: Der Goldbestand der Reichsbank betrug im Dezember 1932 806 Millionen Reichsmark, Ende 1933 hingegen nur mehr 386 Millionen. Der Bestand an deckungsfähigen Devisen ging im Laufe des Jahres 1933 von 114 auf 9.4 Millionen zurück Der Notenumlauf zeigt hingegen keine größeren Veränderungen, denn die leichte Erhöhung von 3550 auf 3645 Millionen Reichsmark fällt nicht allzu stark ins Gewicht. Wenn man sich also sklavisch an die These halten würde, daß eine Inflation nur dann vorliest, wenn dei Notenumlauf in seiner absoluten Höhe künstlich aufgebläht wird, so müßte man zugeben, daß eine Inflation in diesem allzu genauen Wortsinne nicht vorliegt. Die Deckung dieses einigermaßen gleich gebliebenen Notenumlaufes in Gold und Devisen hat sich aber von Ende 1932 hi- Ende 1933 um reichlich 4.3 Prozent vermindert. Dieser Schrumpf untispt ozeß, der dem deutschen Notenumlauf trotf aller Transfermorutorien, Zirissturtdiingen und trotj eines Systems der Devisengeseeeebung, dessen Bestimmungen heute bereits> in Buch füllen, das weit umfangreicher ist, als das Bürgerliche Gesefjbuch und das Straf- gesetfbuch zusammen. immer mehr von sei Deckungsbasis eplziiht, ist noch 7r<'"»'lcegs abgeschlossen. Man sorgt zwar dafür, daß diese Schrumpfung der Decklingsmittel an den international notierten Börsenkursen der Reichsmark nicht erkennbar wird, aber selbst die oberflächlichsten Betrachter der deutschen WährungsVerhältnisse im Auslände wissen längst, daß diese manipulierten..offiziellen" Mark-Kurse kein richtiges Bild vom wirklichen Wert der deutschen Währung mehr gehen. Ein richtiges Bild gibt schon eher die Tatsache, daß derjenige, der deutsche Mailc zum Kauf von Effekten braucht, sie zu einem Kurse ton etwa 37 Prozent unter der offiziellen Notiz als„Effehten-Sperrmark" erwerben kann. Derjenige, der deutsche Waren kaufen will, kann sich als Ausländer zu diesem Zweck die von Herrn Schacht sinnreich erdachten„Scrips" besorgen, für die man jetzt 67 Prozent des aufgediuckteii Wertes, zu dem sie bei Warengeschäften entgegengenommen werden, zahlen muß. Wenn man ein noch eindeutigeres Bild von der Entwertung der deutschen Reichsmark haben will, so betrachte man sich einmal die sogenannte ,.E x p o r t v a I u t a". Das sind ausländische Zahlungsmittel, die der deutsche Exporteur für den Verkauf seiner Waren ins Ausland erlöst bat. Einen Teil dieser Dollars. Pfunde, Franken usw. braucht er nun der Reichsmark nicht zur Verfügung zu stellen. Auf Grund eines ziemlich komplizierten System, bei welchem der Rückkauf deutscher Ausländsanleihen eine besondere Rolle spielt, läßt man ihm diesen Teil seines Ausfuhrerlöses zur freien Verfügung. Diese nichtab- gabepflichtigte..Exportvaluta" kann er nach eigenem Ermessen verkaufen. Bereits Ende 19.33 erzielte er hierfür ein Aufgeld von 28 Prozent. Im Laufe der ersten Wochen des neuen Jahres ist der Preis dieser Exportvaluta, der.ans naheliegenden Gründen in keiner nationalsozialistischen Zeitung veröffentlicht wird, sondern nur bei genauer Durch- siebt der wirtschaftlichen Fachzeitschriften Deutschlands und natürlich in den großen ausländischen Finanzblättern festgestellt werden kann, immer weiter gestiegen, so daß das Aufgeld jetzt 45 bis 48 Prozent beträgt. In diesem Agio der Exportvaluta kommt die bisherige Entwertung der deutschen Mark bereits klar zum Ausdruck. Die Situation ist also bereits recht heikel geworden und wie wenig man mit ihr fertig werden kann, geht auch deutlich daraus hervor, daß Anfang Februar die Transfer-Verhandlungen gescheitert sind, da man sich jetft außerstande sieht, den Gläubigern irgendwelche Zugeständnisse zu machen Der Kern dieses neudeutschen Währungselends liegt in der nüchternen Tatsache, daß man einen unverhältnismäßig hohen Rohstoffimport für die Zwecke der Rüstungsindustrie (in der ueudeiitsrlien Terminologie auch„Arbeitsbeschaffung" genannt) aufrecht erhalten will, eine Rohstoff-Einfuhr, die naturgemäß den Rest des noch vorhandenen Goldbestandes und der Devisendecke immer rascher aufzehrt. Unter normalen Verhältnissen würden diese für die Rohstoffe!,i- fuhr verwandten Devisen durch den Export der aus den Rohstoffen hergestellten Fertigfabrikate immer wieder ersetzt werden. Wenn man aber aus der amerikanischen Baumwolle, die mit Dollars bezahlt werden muß, nicht exportfähige Tuche und Kleider, sondern braune Uniformen für die Hitler-Jugend. die SA., den Arbeitsdienst usw. herstellt, xvenn man aus importiertem Kupfer und Nickel Heeresmalerial fabriziert, das man im Inlande behalten will und muß, so ist es nur selbstverständlich, daß man schließlich au einem Punkte anlangt, wo neue Devisen nicht mehr zur Verfügung stehen. Mau kann diesen Zeitpunkt natürlich hinausschieben und man bat dies im Laufe des Jahres 1933 mit einer oft geradezu virtuos anmutenden GeschäftsRichtigkeit auch getan, indem man keine Ausländszinsen bezahlt, das Geld für alte Lieferungen schuldig bleibt, die vorhandenen Läger von Fertigwaren zu Schleuderpreisen ausverkauft nsw. Aber auch mit diesen Methoden geht es eines 7 ages nicht mehr weiter. Die Gläubiger drängen und die bisherige Taktik, sie unterschiedlich zu behandeln, die zunächst und vorübergehend über manche schwierige Situation hinweg geholfen hat. wirkt sich schließlich als höchst nachteilig aus, weil jeder an den Vorteilen der anderen teilnehmen möchte und hiervon seine Zustimmung zu weiteren Stundungen abhängig macht. Man steht also vor dem Dilemma, entweder den Rolistof.- Irnport für die Rüstungsindustrie einzuschränken und zwar zu einem Zeitpunkt, an dem das langersehnte ganz große Geschäft für bestimmte Kreise der deutschen Kriegsindustrie erst richtig in Gang zu kommen schien oder aber auf die Stabilität der Mark zu verzichten, um sich durch eine fortgesetzte und ständig verschärfte Entwertung der deutschen Valuta vielleicht noch die Frist eines zweiten Jahres zu verschaffen. Venn es in Hill erden Ischl and stimmungsmäbige Hemmungen innerpolitischer Natur heute noch in dem Maße gäbe, wie sie selbst noch etwa bis zum Sommer 1933 bestanden haben dürften, so würde Herrn Hitler und Herrn Schacht eine solche Entscheidung ungeheuer schwer fallen. Mit einein offenen Verzicht auf die Stabilität der Währung, die in Wirklichkeit schon seit vielen Monaten nicht mehr vorbanden ist, würde man vielleicht die letzten Hoffnungen zertrümmern, die wenigstens die kleinbürgerlichen Massen do'h auf das Nazi-Regime gesetzt haben. Ein solches Risiko konnte man im vergangenen Jahr nicht eingehen. Aber heute.'" Abgesehen davon, daß die Spargroschen des Mittelstandes, auf die man von Woche zu Woche neue Attacken unternommen bat, zusammengeschrumpft sind. i«t die Hitler- Regierung beute auf ihre ehemalige Gefolgschaft nur noch in sehr geringem Maße angewiesen. Vor allem steht Herrn Schacht aber jefft ein neues demagogisches„Argument" zur Verfügung, nämlich der Hinweis darauf, daß die Verhältnisse in der Weltwirtschaft und im internationalen W ührungswesen, unter denen damals beim „Aufbruch der Nation" diese Wcihrungsverspreihungen abgegeben wurden, heute völlig geändert sind. Diejenigen Staaten, die den Goldstandard aufgegeben haben, beginnen jetzt damit, die inzwischen erfolgte Entwertung ihrer Valuten, insbesondere also des Dollars und des Pfundes, als endgültig zu fixieren, die anderen aber, die bis 1933 unbeirrt am Goldstandard festgehalten hallen, diskutieren jetzt mit wenigen Ausnahmen die\ oriiahiue einer Devalvat'on. Es ist kein Zufall, daß gerade die wochenlang! n Währungsdebatten in der Tschechoslowakei durch die gleichgeschaltete deutsche Presse in einer Ausführlichkeit übermittelt wurden, cjje über diejenige der Prager Blätter weit hinausging. Man versucht also die Devalvation, zu der sich andere Staaten mehr oder minder freiwillig und aus ganz anderen Erwägungen vielleicht entschließen, als etwas durchaus selbstverständliches für Deutschland hinzustellen und das Publikum nach und nach an den Gedanken zu gewöhnen, daß es von der Fiktion der stabilen Mark heute ebenso Abschied nehmen muß, wie von so manchem anderen. Braucht man noch hinzuzufügen, daß eine TlerabseffUng des offiziellen Wertes der Marls in keiner Hinsicht einr endgültige Lösung der zahllosen schweren Wirtschafts- und l'inanzprobleme darstellen kann, die für Hitler-Dcutschlancl heute bestehen. Hier wie auf allen anderen Gebieten des W irtschaftslebens kommt es den heutigen Machthaber» überhaupt nicht darauf an, Probleme zu lösen, sondern auf etwas ganz anderes.* — auf Zeitgewinn Die Fortsetzung der RiistungJ konjunktur, deren Früchte für die hitlrrdeiitsche Schwerindustrie jetzt eben in der Ge"talt lang ersehnter Dividenden zu reifen beginnen, die weitere„Arbeitsbeschaffung", di? geistige und körperliche Militarisierung des Volkes, der gaiutt vielgerühmte W' e Ii r g e i s I und a'le anderen Segnungen, die das„dritte Reich" gebracht hat, können sehr bald nur noch auf dein Wege einer offiziellen Devalvation der Mark finanziert werden. Das wäre allerdings ein neuer Woi t- bruch— aber was kommt es darauf in Berlin heute sch*r noch an? Dr. JanSeverin. T V er. Staaten Kanada Frankreich Schweiz Deutschland Oesterreich 1932 47 575 17 960 14160 13 780 14 110 . 3 200 1933 .38 600 16150 14 300 12 400 13 700 950 England Norwegen Italien Spanien 1932 1933 8 860 11 600 19 310 14 900 13 413 12 000 1 000 1 000 Insgesamt 153 368 135 600 Nach dieser Berechnung hat also Frankreich erstmalig Deutschland überflügelt. Die Steigerung der englischen Produktion ist der staatlichen Förderung und der Zollpolitik zuzuschreiben. Die norwegische, weitgehend vom amerikanisch-kanadischen Aluininiumtrueutsd ic Stimmen• föeilage xur.Dcutsthen^reifkeit"•£weigmisse und Qesdkidkten Sonntag-Montag, du 1». und 1». F«bni«r<>34 twwecmiQ um JXusse Von lüattec Wie mag sich das von unten her anaehen? Vielleicht aehen die Fische im Flußwasser die dicke Eisdecke über sich wie eine Oberlichtverglasung; es schimmert grünlich gedämpftes Licht in die Wassertiefe, traumhaft leuchtend dicht unter der Eisdecke, wolkig getrübt, zwischen Steinen, faulendem Holz und schleimigem Wassergewächs versinkend auf dem Grunde. Netzförmige Sprünge durchziehen das Eis. Manchmal nachts knallt ein Schuß von Ufer zu Ufer. Dann hat ein neuer Sprung das Eis zerrissen. Die Fische stört es nicht; hören sie es überhaupt? Hören sie die Tritte der Männer auf dem Eise, das Krachen der langgestielten Aexte. Runde Löcher brechen auf. Das Licht des Himmels sinkt wie Ampelschimmer ins Wasser. Und in jedem dieser sich öffnenden Lichtkegel schwebt ein Wurm, eine unwiderstehliche Lockspeise, von einer Aureole umleuchtet. Ein Fisch schnellt draufzn, ein silbern aufblitzender Schimmer im Wasser— da spießt sich ihm jäh der verborgene Haken in den Gaumen, in die Kiemen, ein Wölkchen Rot trübt das Wasser, und im nächsten Augenblick flattert der Fisch hochgerissen an der Angelschnur in der tödlichen Luft. Noch einige schnellende Schläge mit der ganzen Kraft des silbernen Leibes— dann liegt der Fisch, aufgeschlitzt und blutend auf dem Eise. Flach und rund glotzen die Augen in das maßlose Licht. Sein Blut gefriert zu rosen- farbenem Eis. Die herausgerissenen Eingeweide versinken langsam in der Schattentiefe des Wassers. Und wieder flitzt die Angelschnur mit Köder und Haken in das Loch im Eise. » Im himmlichen Lichte schwebt dei Tod.... Es hat gar nichts miteinander zu tun, aber die Erinnerung drängt sich auf. Es war ein Tag an der Front. Eine lockere, weißgraue Wolkenschicht schwebte unterm Himmel, schwebte langsam dahin. Wenn man auf dem Rücken lag und hinaufschaute, schienen die Wolken stille zu stehen und die Erde, mit uns, Sie Maden den 9ie£m festet! £c&feUul!BcoiüsCam TCuMcmann im Anmatsch „Der jüdische Geiger Bronislaw Hubermann ist gebeten worden, doch wieder in Deutschland konzertieren zu wollen, mit der Begründung,„Einer muß ja den Anfang machen, die trennende Wand durchbrechen". Als Antwort hat Hnbermann eine hochmütige Ablehnung erteilt. Hubermann bezeichnet darin die an ihn gegangene Bitte als Versuch einer„Rettung des Konzertwesens vor der drohenden Vernichtung durch die Rassereiniger". Er rühmt in gleichem Atem Toscanini wegen seiner Absage an Bayreuth und Paderewski wegen seiner Teilnahme am Pariser„Hilfskonzert". Diese Solidarität nennt er„gleiche Sorge um den Bestand unsrer Kultur". Hnbermann fährt fort, keinen Kompromiß! Er forderte eine„weitergehende Grundlage für seine Wiederbeteiligung am deutschen Musikleben", und diese Grundlage ist für ihn einzig die Beseitigung des Rassegedankens. Und zwar nicht nur in der Musik und im Konzertsaal! Er schreibt: „Denn zum Begriff der Kunstpflege im allgemeinen gehören in erster Linie die Lehrinstitute und Kunstsammlungen, und zum innersten Wesen der Musikpflege im besonderen gehören die staatlichen und städtischen Opernhäuser, und doch ist mir nicht bekannt geworden, daß nunmehr die Wieder- Anstellung jener Museumsdirektoren, Kapellmeister und Musiklehrer beabsichtigt sei, die wegen ihrer jüdischen Abstammung oder abweichenden politischen(! lies: kommunistischen).... Einstellung entlassen wurden." Da sieht man doch wo und wie. Das Wort Moritz Goldsteins soll wieder Wahrheit werden:„Wir Juden verwalten die deutsche Kultur." Es soll den Lehrern an den erwähnten Anstalten unmöglich gemacht werden,„immer neue Definitionen über Rassereinheit gegenüber dem noch ungereiften Kunstjünger... anzuwenden"; darum: fort mit ihnen und Juden an ihre Stelle! Verlangt Hubermann. Aber der höchste Gipfel kommt erst! Hubermann wirft den heutigen„bestellten Hütern deutscher Kultur" vor(Sie werden es nicht glauben, aber es ist so): „.... geflissentliche Unterschlagung der nunmehr einwandfrei nachgewiesenen halbjüdischen Abstammung Richard Wagners...." Darauf antworten wir:„Herr Hubermann! Diese Ihre Behauptung ist eine geflissentliche Unterschlagung der nunmehr einwandfrei nachgewiesenen arischen Abstammung Richard W igners, und nur die betonierte Stirn, die Sie und Ihresgleichen zu kennzeichnen pflegt, kann es fertig bringen, die feststehende Wahrheit immer wieder aufs frechste zu beleidigen und hinwegzulügen!" Herr Hubermann faßt dann noch einmal die Voraussetzungen„seiner europäischen Kultur"(die es nicht gibt) zusammen: „Die Freiheit der Persönlichkeit und ihre vorbehaltlose, von Kasten und Rassefesseln befreite Selbst Verantwortlichkeit!" Das alles haben wir gehabt: wißt ihr es nicht mehr? Deutsche Männer, deutsche Künstler: bindet den Helm fester!" Otto Trohes. ch Dieses Dokument altgermanischen Heldengeistes beweist uns, daß die braunen Mannen vor jedem Ansturm der Persönlichkeiten gesichert sind. Kaum hat Hubermann mit seiner Geige gedroht— da haben die SA Sturmkolonnen schon ihre blasse Furcht Uberwunden und binden den Helm fester. d)ie Vecanhetten Das Führerprinzip im Buchhandel Ohne Debatte wurde auf der außerordentlichen Hauptversammlung des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler die„Verankerung des Führergrundsatzes" ausgesprochen. 859 stimmten für den Fiihrergrundsatz, 2 dagegen und 26 Stimmen waren ungültig. Damit ist die seit März faktisch betriebene Politik der Buchhändlerorganisation auch in den Statuten festgelegt. Immerhin erfordert die Haltung der..Auslandsbuchhändler" Aufmerksamkeit. Im Protokoll der Hauptversammlung heißt es hierüber:„Herr Lang- Bern bekundet das besondere Interesse der Aus landsbuchhändler an der Satzungsänderung. Die Auslands- vereine haben sich untereinander verständigt und die Abgabe folgender Erklärung beschlossen: Die Auslandsvereine sind mit der Umstellung der Satzung des Börsenvereins auf den Führergrundsatz einverstanden, sie bitten aber in Berücksichtigung der besonderen Verhältnisse, unter denen sie die Arbeit für das deutsche Buch zu leisten haben, die Selbstverwaltung des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler zu erhalten und ihnen entsprechende Einflußnahme auf Führung und Verwaltung des Börsenvereins zu sichern. Sie vertrauen darauf, daß die neue Satzung eine Fassung erhält, durch die die Jahrhunderte alte kulturelle Zusammengehörigkeit des deutschen Sprachgebietes und seines Buchhandels nicht erschüttert wird." Der Vorsitzende sagt zu. daß den ausgesprochenen Wünschen nach Möglichkeit Rechnung getragen werden soll. Den Auslandsvereinen wird der Entwurf der Satzungsänderung vor der Abstimmung zu Kantate zui Kenntnis gegeben werden, damit sie etwaige Wünsche noch geltend machen können... Im Hinblick darauf, daß in den nächsten Tagen ein Jahr nationalsozialistischer Revolution verflossen ist, erhebt sich die Versammlung au einem„Sieg-Heil" auf den Reichspräsidenten und den Reichskanzler von den Plätzen. Immerhin sei festgehalten, daß die schweizerischen, sudetendeutschen und österreichischen Buchhändler bei der Faschisierung des inner- und auslandsdeutschen Buchhandels offiziell und deutlich mitmachen. Die Erklärung des Herrn Lang- Bern ist doch wohl im Einvernehmen mit diesen genannten Vereinen gemacht worden. Oder wurde sie nur im Einvernehmen mit dem Führer Oldenbourg gemacht? Der deutsche Buchhandel wird die bittere Lehre empfangen, daß der Führergrundsatz noch immer kein Mittel gegen den Konkurs sei. Ttlänneckes Ulateciatisition Geist wird in Hitler Fleisch A. Männecke veröffentlicht wiederum im..Deutschen Nahrungsmittelarbeiter"(5) einen Vorabdruck ans der „D. F.":„So wurde unser Führer bei der Berufung zu seiner welthistorischen Mission, als er, fast erblindet, im Lazarett au Pasewalk 1918 von dem Unglück Deutschlands erfuhr, von der Idee der.Rettung Deutschlands" so gewaltig ergriffen, daß er von ihr„besessen" wurde. Die Idee„Deutschland s",„nichts als Deutschland" wurde so in unserem Führer„F leise h". Sie trat damit sozusagen als geistig gestaltete Materie in die Erscheinung und übte ihre alles beherrschende, die Umwelt formende Macht Juusend Jcle mit allem, schwebte langsam und feierlich durch de» Tag. Ueberall, an vielen Stellen, waren Lücken in der Wolkendecke, durch die wie durch runde Fenster das himmlische Blau darüber leuchtete. Wir hatten das feine helle Singen schon heranklingen gehört, aber nicht weiter beachtet. Da erschienen die feindlichen Flieger, schimmernd wie seidige Motten, über den blauen Himmelsfenstern. Sie zogen mit singenden Motoren durch das Blau. Einer nach dem andern erschien für Augenblicke über den Wolkenlücken, erschien und verschwand. Es war ein großes, breit gestaffeltes Geschwader. Plötzlich explodierten rings um unser Lager die Bomben. Vulkane von Rauch und Erde sprangen brüllend auf. Feurige Sträucher schössen zwischen Wagen und Pferden empor. Wir rannten durcheinander. Die Pferde rissen wie wahnsinnig an den Zügeln. Geschrei. Gellende Explosionen. Peitschendes Geprassel von Erde, Steinen und Splittern. Ein Baum sprang mitsamt dem Wurzelballen hoch in die Luft. Pferde zappelten im Blut. Nach dem Fliegerüberfall trugen wir vier Kameraden weg. Einer war tot. Als ein Sergeant den aufgerissenen Pferden den Revolver in die Stirnen abfeuerte, plärrten— nach dem Spektakel der Explosionen— die Schüsse lächerlich dünn. Die Wolkendecke schwebte wie zuvor, weißgrau mit blauen Fenstern in den Himmel. * Es hat gar nichts miteinander zu tun. Es ist nur eine Erinnerung. Die Angler auf dem Eise sind harmlose Männer. In den Gärtnereien haben sie die warm dampfenden Komposthaufen nach Würmern durchwühlt. Nun stehen sie, dick angezogen, mit Ohrenschützern unter den Mützen, hacken Löcher ins Eis und hängen die Angel ins Wasser, einen scharfen Haken mit dem Köder für die dummen Fische. Wie mag sich das von unten her ansehen? Diese Löcher in der Eisdecke— Todesfenster unterm Himmel. Nur diese Vorstellung erinnerte mich an jenen Tag... Tausend Tote! Der Zeitungsbote bringt et in mittelmäßigen Lettern. Menschen lesen s und blättern weiter,— mehr oder weniger ernst oder heiter,— denken vielleicht, wenn tie's gelesen: Im Krieg sind es doch Millionen gewesen! Tausend Tote, was ist das schon! Tausendmal Bruder! Tausendmal Sohn! Tausendmal röchelndes Todes-Grauen... Ihre Frauen, tränenlos, falten die Arbeits-Hände im Schoß, senken die müden, schweren Lider, warten, als kämen sie jemals wieder, warten still ohne Hoffnung und Sinn, leben dahin.., Zweitausend tote Augen starren stumpf in den gläsernen Himmel hinein... Schließlich kommen Beamte und scharren sie ein.... Doch bedeckt man auch ihr Gesicht,— wir, die wir leben, vergessen sie nicht? Denn wir haben ihr Sterben geseh'n—— Und wir wissen: Wofür— und durch wen—— f Boll 'Deutsche JCunsi in 9totland Der erste Versuch, einem ständigen Ensemble emigrierter deutscher Schauspieler in Holland wirtschaftlichen und künstlerischen Raum zu schaffen, ist mit der Auflösung der sogenannten Jeßner-Truppe kläglich gescheitert. Leopold Jeßner und seine Truppe haben sich, nachdem sie stürmisch von der holländischen Presse begrüßt worden waren, mit sehr häßlichen gegenseitigen Beschimpfungen in derselben holländischen Presse, voneinander getrennt. Als Jeßner mit Schillers„Kabale und Liebe" zum ersten Male in Haarlem an die Oeffentlichkeit trat, hatte er einen schlechten Publikums-, aber einen großen Presseerfolg. Wer das deutsche Theater kannte, fühlte im voraus, daß dieser Versuch, eine deutsche Truppe in Holland zu domizilieren, fehlschlagen mußte. Jeßners Spieler waren z. T. gute Chargenspieler, a. T. Anfänger, a. T. Schauspieler, die jahrelang erwerbslos gewesen waren— alle in Deutschland ziemlich unbekannt— nur Jeßners Namen war das große Reklameschild. Erfolg im Ausland kann aber nur eine Truppe haben, die Standardleistung der Regie, des Spiels und des Spielplans bringt. Außer in Holland spielte Jeßner auch in England. Dort soll auch der Publikumserfolg groß gewesen sein. Wie sich jetzt herausstellt, spielte die Truppe auf der Basis eines mißverstandenen Kollektivs: die Truppe verlangte von Jeßner die Aufführung von Kassenstücken. Jeßner hatte Angst, seinen künstlerischen Ruf zu verlieren. Man trennte sich und nun werfen sich Leiter und Trappe oder vielmehr einzelne Schauspieler der aufgelösten Truppe gegenseitig Verrat vor, als wären sie noch in Deutschland und nicht in der Emigration. Dem Ansehen der deutschen Künstler in der Emigration wird dieser schauderhafte aber unnütze Pressedisput nicht nützen, zumal einige minderwertige österreichische Ensembles, die unter der Flagge deutscher Truppen segelten, schon einige holländische Kritiker gegen deutsch-sprachige Gastspiele auf den Plan gerufen haben. Jeßner inszeniert zur Zeit alt Gast bei den Rotterdamsch- Hoofdatadtooneel(Direktion Cor van der Lugt-Mel- a e r t) Schillers„Teil". Die Aufführung wird mit großer Spannung erwartet. Wiederholt hat die Presse über die Proben berichtet. Den holländischen Theatern fehlt nämlich der große Regisseur. Es gibt in Holland kein einziges staatliches oder städtisches oder mit staatlichen oder städtischen Mitteln subventioniertes Theater, nur 14 im ganzen Land gastierende Theatergruppen, die in dem kleinen, inzwischen von der Krise ebenfalls längst erfaßten„reichen Holland" schwer zu kämpfen, haben. Die Truppe, die unter der Direktion von Cor van der Lugt-Melsert spielt, ist die größte und eine der künstlerisch erfolgreichsten. Die holländische Presse erörtert seit einiger Zeit das Problem, ob ein großer Regisseur imstande wäre, die künstlerische Krise des holländischen Theaters— denn die gibt es als Folge der wirtschaftliche Krise natürlich auch— zu beheben. Wie verlautet, ist Jeßners Regiegastspiel bei dem Ritter- dam-Hoofdstadtoonee! ein Versuch in dieser Richtung. Havo, Zeits Tlotizea ,,D er Hochgesang" „Das Horst Wessel Lied Wege eines deutschen Volkslied. Quellen— Ursprung— Werden unseres nationalen Hochgesangs. Ferner: Musik im„dritten Reich"— Kraft durch Freude— Beethoven, der Revolutionär u. a. m. bringt„die Musik" in ihrem reichen Februarheft." Verboten laut Kriminalpolizeiblatt 1769 78:„Die Einheitsfront der Tat";„Mit Sichel und Hammer", Nr. 8;„Der Zeitspiegel", Nr. 13 und Nr. 14;„Jewish Daily Bulletin"(Neuyork); „The passing show"(London); Otto Heller:„Der Untergang des Judentums";„La Ein du Judaisme"; A. M. Frey, „Die Pflasterkästen", Berlin, Kiepenheuer. „Vermögen" beschlagnahmt Unter den Namen der deutschen Schriftsteller, von denen die Geheime Staatspolizei„Vermögen" beschlagnahmt hat, befinden sich Johannes R. Becher, Bert Brecht, Dr Wolf- gang Bretholz, Max Brod, Leonhard Frank, Oscar Maria Graf, Thomas Theodor Heine, Erich Kästner, Else Lasker- Schüler. Rudolf Leonhard, Beider Olden, Rudolf Olden, Ernst Ottwald Theodor Plivier. Joseph Roth. Anna Sechers, Eridi Weinert, Arnold Zweig. Ocsfcrrcidis Bürgcrhrlcg . i Die Nafasfropüe Mandiester Guardian: Der österreidiisdie Bürgerkrieg wird mit allen Sdiretken «'es modernen Straßeukampfes fortgeführt. Die Regierung hat zur Bombardierung der großen Siedlungshäuser, wie des Karl-Marx-Hofs mit seinen fünftausend Bewohnern, Artillerie herangezogen. Polizei und Soldaten ersticken mit Hilfe der Heimwehr und der ehristlidi-sozialen„Sturmscharen" nach und nach den Widerstand im äußeren Ring der Wiener Vororte, sowie in den kleinen und mittelgroßen Industriestädten der Steiermark und Oher- und Nieder- Österreichs. Es ist ein langwieriges und grausames Geschäft, kine Kundgebung der Regierung versucht, die Schuld an der Katastrophe auf die Sozialisten abzuwälzen. Keiner, der die Politik der Sozialdemokraten und der Regierung (oder hesser der Heimwehr) während der letzten Monate verfolgt hat, kann diese Erklärung gelten lassen. Zu wiederholten Malen hat die Sozialdemokratische Partei der Regierung die Zusammenarbeit angeboten und nur sehr bescheidene Sicherungen des Rechts verlangt, Koalition einzugehen und zu wählen; sie war sogar bereit, eine..korporative" Verfassung anzunehmen; ihre unerbittliche Haltung gegen die drohenden Nationalsozialisten machten sie oder hätten sie zum besten Werkzeug der Verteidigung von Oesterreichs Unabhängigkeit gemacht. Die Regierung wies alle ihre Angebote zurück und wandte sich iiber ihren Kopf an die Arbeiter; sie hat es vorgezogen, sich auf die Heimwehr zu stützen(die mit den Nationalsozialisten verhandelte und möglicherweise wieder verhandelt), anstatt sieh auf die einzige wirklich verläßliche antinationalsozialistische Kraft zu verlassen. Es ist wahr, daß der Kampf mit dem Widerstand gegen Waffendurchsutkungen in Linz begann, aber diejenigen, die den Befehl zu diesen Haussuchungen gaben, hofften auf diesen Widerstand, der als Vorwand für die Unterdrückung dienen sollte. Der Kampf ist noch nicht vorüber, aber der Ausgang kann nicht ungewiß sein. Eine große Gemeinde wie die Wiener, von der annährend zwei Drittel Sozialisten sind, kann nicht in einem Tage unterworfen werden: die Industriestädte wie Graz und Linz ragen wie feste Inseln des Sozialismus aus der ländlichen Umgehung hervor. Es wird, noch mehr Blut fließen, ehe der Widerstand der Sozialisten gehrochen ist. Aber diejenigen, die diesen sifiamlosen Bürgerkrieg begannen, haben ihre kurzsichtigen Berechnungen sehr exakt geführt. Ein moderner Regierungsapparat, der von einem gutbewaffueten Privatheer unterstützt Wird, kann die zerstreuten Gegner zermalmen, auch wenn die Opposition ein Drittel von ganz Oesterreich umfaßt und die Angreifer im höchsten Fall ein Sechstel. Es bleibt der Generalstreik, der passive Widerstand, der den Kapp-Putsch in Deutschland im Jahre 1920 unterdrückt hat und der seitdem eine übertriebene Wertschätzung als Verteidigungswaffe genießt. Das Oesterreich von 1934 unterscheidet sich grundsätzlich von dem Deutschland des Jahres 1920. Ein großer Teil der Bevölkerung hält sieh fern und beobachtet die Aps,rottong>-def Soziabb mokratischetr Partei mit Beifall.' Annähernd fünfhundert tausend Arbeitslose Vomiiieh als mögliche Streikbrecher hinzu. Die Kampfmacht der Gewerkschaften wurde im vergangenen Jahre empfindlich geschwächt, als dir Eisenbahner und Postbeamten gezwungen wurden,- der„Patriotischen Front" der Regierung beizutreten. Aus Berlin wird berichtet, daß ein Infanterieregiment in Wien zum Teil zu den Sozialisten übergegangen»ei. Wenn das wahr ist, so beweist es, wie wenig Gefallen sogar eine ausgesuchte und lang dienende Armee, aus der alle„verdächtigen" Ehemente sorgsam ausgemerzt worden wären, an verbrecherischen und sinnlosen Kämpfen gegen die eignen Landsleute hat. Den endgültigen Ausgang stellt das allerdings nicht in Zweifel. Oesterreich hat gezeigt, wie leidet eine Revolution von oben her aufgezwungen werden kann, obgleich sogar die Regierung, die den Zwang ausübt, weiß, daß'sie bei einer freien Wahl nur die Stimmen einer geringen Minderheit erhalten würde. Die österreichischen Sozialisten habe große Verdienste. Sie benutzten die fünfzehn Jahre ihrer Herrschaft in Wien, neu die soziale Fürsorge und das Wohn* system dieser Stadt vorbildlich zu gestalten. Sie gebrauchten das Koalition»- und Verleidigungsredit,' das sie für die Arbeiter Oesterreichs erlangt hatten, mit Maß. Ihre Feinde beschuldigten sie, in Wien eine verschwenderische Verwaltung eingerichtet zu haben, aber sie entnahmen die Summen lür dje Entwicklung der Stadl aus den Steuereingänjjen und machten im Gegensatz zu so vielen deutschen Städten und zur. üstereiehischeii Bundesverwaltung nur eine einzige Anleihe,- und diese war nicht hoch. Sie haben stets die Tradition der Demokratie geachtet, was ihre Feinde, die ihnen so gern einen„marxistischen Bolschewismus" vorwerfen, keineswegs taten. Wenn die österreichische Verfassung verletzt worden ist und die Gesetze übertreten wurden, so geschah das nicht durch die Sozialisten, sondern durch ihre Feinde. Wenn hunderte, vielleicht lausende von Oestereichern niedergemetzelt werden, so liegt die Schuld nicht hei den Sozialisten, sondern hei ihren Feinden. Das Verschwinden der österreichischen Sozialdemokratie bedeutet die endgültige Unterdrückung des österreichischen BuIldessystems mit der weitgehenden Selbstverwaltung der Provinzen. Die Tschechoslowakei bleibt jetzt das einzige Land in Mittel- und Osteuropa. in dein demokratische Grundsätze herrschen. Das> t eine sehr bedeutsame Tatsache. Und was für ein Oesterreich wird aus diesem blutigen Kampf hervorgehen? Ein Oesterreich. das mit Geschützen und Maschinengewehren von der reaktionärsten Clique Europas regiert wird. Diese Heim- vchrheldep teilen den Haß der Nationalsozialisten gegen die Demokratie und den Marxismus: sie sind im Herzen sö antisemitisch wie ihre deutschen Genossen. VI as für ein Hindernis besteht da, den Nationalsozialismus anzunehmen? Sie sind anseheinend der Ansicht, daß„den Proletariern im Dritten Reich zu viel Aufmerksamkeit geschenkt wird"! Sie fühlten sich durch die Angriffe der deutschen Regierung auf die Monarchisten in ihrem monarchistischen Knncr- vativismus verletzt.und durch die Beachtung, die Hitler den Massen schenk.: sie waren durch die neue deutsche Leiden- sekift für die Anpassung et schreckt. Man bringe ihnen für diese Einstellung Verständnis hei. und sie werden entzückt sei mit de Na»onalsozialisten zusammen zu arbeiten. Sie, sind in der gleichen Lage wie die Regierung von Papcn und Schleicher in Deutschland im Jahre 1932, wie die Re- gi. gen. die stürzten, um den Nationalsozialisten Pia" zu machen. Wie lange wird es dauern, bis sie den Weg Papens gehen? Sie haben, hei den Demokratien in Westeuropa allen Anspruch auf Sympathie verwirkt, und es wäre gut, wenn sie -ich darüber klar würden. Die Freiheit stirbt in Europa I.'Echo de Paris: Die weiß-grüne Fahne der Heimwehren flattert auf dem Wiener Rathaus, und der Bürgermeister Dr. Seitz ist in Polizeigewahrsam gebracht worden. Die österreichischen Sozialdemokraten haben sich in den Straße tisch lachten am 12. und 13. Februar tapfer gehalten, man hat mehr als 400 Tote gezählt. Bundeskanzler Dollfuß war seit langem entschlossen, mit dem„Marxismus" aufzuräumen. Allein das Veto der französischen Regierung hinderte ihn daran. Louis Barthou hat das Veto, das vorher von Paul-Boncour ausgesprochen worden wac, hei seinem Amtsantritt am Quai d'Orsay bekräftigt. In Paris konnte man in der Tat — wenn man alle Ideologien beiseite läßt— nicht verstehen, was Dollfuß gewinnen würde, wenn er die Sozialdemokraten, die zumindest gegen Hitlei-Deotsdiland eingestellt waren, zu seinen erbitterten Feinden machte. Unglücklicherweise konnte der Quai d'Orsay Montag, als die alarmierenden Nachrichten aus Wien kamen, durch den Generalstreik, der nicht einmal das internationale Telefon verschonte, keine Verbindung mit seinem Wiener Vertreter erhalten. Man übertreibt also nicht, wenn mau behauptet, daß Leon Blum, Jouhaiix usw. dazu beigetragen haben, die österreichische Sozialdemokratie zu vernichten Durch diese einfache Tatsache möge man ermessen, welche Folgen eines Tages das anerkannte Recht auf Streik für die Funktionäre des Staates haben kann. Bundeskanzler Dollfuß bildet sich ein, Herr des Aufruhrs zu sein und von nun an wirksamer dem nationalsozialistischen Angriff widerstehen zu können, der von Berlin subventioniert und unterstützt wird. Gott möge ihn erhören! Wie dem auch sei, die Gefahr ist nahe, und sie wird nur dann beschworen werden, wenn der Führer und seine Truppen das Gefühl haben, daß gelegentlich Italien, das an Oesterreich grenzt, Frankreich und England mit Waffen» gew alt auf die Beibehaltung des Artikels ßO des Versailier Vertrags, der sich auf die Unabhängigkeit Oesterreichs bezieht, bestehen würden. Diesen Augenblick nun wählt das Londoner Kabinett, um sich für eine Reihe von Kundgebungen herzugehen hei denen seine Begeisterung für eine Revision der Verträge zutage tritt. Nur gezwungen nimmt Sir John Simon zur Kenntnis, daß die Wiener Regierung in Genf Berufung einlegt. Aber was die Haltung abgeht, die er im Völkcrbuudsrat annehmen wird, so ist dafür keine Sicherung vorhanden,— weit entfernt. Wir sind nicht sicher, oh der Kanzler Dollfuß nicht hinter den Kulissen entmutigt worden ist. Es genügt, an.die These.ä" denken, die von dem Staatssekretär des Foreign Office in der geschlossenen Sitzung des Rats unterstützt worden ist. in der Mitte Januar die Frage der Volksabstimmung an der Saar besprochen wurde, um den Eifer richtig einzuschätzen, mit dem er zur Verteidigung des Artikels 80 beitragen würde. Nach der Meinung des Sir John Simon ist es nicht Sache der Regierungskommission in Saarbrücken, am Abstimmungstage die öffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten. Sie ist nur für das Oeffnen der Wahlurnen verantwortlich. Ihn geht es nichts an, oh die Wähler die Freiheit haben oder nicht, einen Stimmzettel abzugeben, der ihre aufrichtige Meinung zum Ausdruck bringt. In dieser geschlossenen Sitzung cnthülhe Knox, der englische Präsident der Regierungskominission, furchtbare Tatsachen: er erzählte zum Beispiel, daß 1^ 000 saarländische jiin»e Arbeiter unter dem Verwand, sie in Fabriken einzustellen, nach Deutschend geschickt worden seien, die einige Monate später nach Hause zurückkehren, nachdem sie in Arbeitslagern militärisch ausgebildet worden waren. Zeugen erzählten mir. daß Sir John Simon während dieser Erzählung dem Präsidenten Knox gegenüber kaum sUnapHnld rhergen konnte. Ein Zwischenfall, der sich erst in den letzten Tagen ereignete, lüftet auch seinerseits den Schleier eher die Tendenzen des Foreipn Office. Als griechische Zeitungen, die Meldung brachten, daß der Gesandte Seiner Britischen Majestät in Athen den Unterzeichnern de» Balkanpaktes gratuliert hatte, veröffentlichte die englische Gesandtschaft ein Kommunique, um die Nachricht zu dementieren und fügte vor allem hinzu, daß London nicht über den Abschluß eines Vertrage» erfreut«ein könne, dem Bulgarien nicht angehöre. Dieser Text verursachte eine so heftige Erregung, daß der Gesandte es für angebracht hielt, die Unterzeichner zu Tisch einzuladen. Aber die Tatsache bleibt: ein Vertrag, der die bestellenden Grenzen bestätigt, wird in Downing Street mit Mißfallen aufgenommen, wo Macdonald täglich von einer Konferenz träumt, die die Friedensverträge nach seinen Diktat neu schreibt. Wird Baldwin, der für eine solche Politik letzten Endes verantwortlich ist, wird er, der sanftmütigste aller Menschen, schließlich erkennen, daß er seine Ministervasallen die Gewalten de» Krieges errechnen läßt- Pertinax. Aufruhr Journal de.» Dcbals: Die Ereignisse in Oesterreich sind von außerordentlicher Gefährlichkeit. Man sah sie kommen. Das Vorgehen der Heimwehren in Tirol in der vergangenen Woche ließ eine allgemeine Offensive von dieser Seite voraussehen, die das Ziel haben sollte, alle anderen Organisationen vollständig zu unterdrücken, indem sie hei den Sozialdemokraten anfing und dann zum Angriff auf die Christlich-Sozialen überging. Es handelt sich um eine Art Faschistenherrschuft. gemäß einem Plan, der von Italien empfohlen worden ist. Dieser Plan konnte nicht ohne einen blutigen Kampf verwirklicht werden, denn in Oesterreich sind alle bewaffnet: die Heimwehren, die Nationalsozialisten und Sozialisten; diese letzteren stellen den Heimwehren ihren Schutzbund entgegen. Die Feindseligkeiten sind zuerst in Linz zum Ausbruch gekommen; sie wurden duich einen Angriff, cTet von dem Generalstal) des sozialistischen Schutzbundes ausging, ausgelöst. Der Aufstand verbreitete sich wie ein Lauffeuer in den verschiedenen Gebieten, in den die Sozialdemokraten iiher Streitkräfte verfügen: nach Oherösterreich in der Steiermark, schließlich und vor allem in Wien, das ihre Zwingburg war. Nactl den letzten Nachrichten scheint sich dieser Bürgerkrieg zu Gunsten der Heim wehren zu entscheiden. Heute morgen wurde die Schlacht, in der man mit Kanonen gegen die Sozialisten vorgeht, in den Vororten weitergeführt, wo sich die Mitglieder des Schutzbundes verschanzt haben, vor allem in Oltakring und Hei Ilbenstadt. Dollfuß scheint von einer Bewegung, die stärker ist als er. mitgerissen worden zu sein. Er hat sicher immer an eine Zusammenfassung der Macht durch Ausmerzung aller gegnerischen Elemente gedacht, aber es lag nicht in seiner Absicht, überstürzt vorzugehen. Ei konnte dem Drängen der Heimwehr nicht widerstehen. Dem Namen nach Herr Oesterreichs- kann er in Wahrheit seine Politik nicht wirksam durchführen. Mail muß sagen, daß der Druck des Fürsten Starheiuherg und seiner Truppen mit dem Italiens zusammenkam, lim ihn zu einer ausgesprochen faschistischen Revolution zu drängen. Um dem Anschluß zu widerstehen, konnte man zwei Arten von Taktik anwenden: die eine bestand darin, alle die Kräfte zu vereinigen, dje einer deutschen Besetzung feindlich entgegenstanden, die andere hatte die Erreichung eines totalen faschistischen Staates zum Ziel. Ro n hat sein ganze» Gewicht zu Gunsten der zweiten Lösung eingesetzt. Was Frankreich und England betrifft, so haben sie sieh damit begnügt, die Ereignisse mitanzusehen, ohne den Versuch zu machen, sie zu leiten. Heute morgen beglück wünschen sich die italienischen Zeitungen zu den Vorgängen in Oesterreich; sie versichern, daß sie nur eine Verstärkung der Regierung, die clor Verteidigung der Unabhängigkeit günstig sei, zur f olge haben können. Wir fürchten, daß diese Gesichtspunkte sehr kurzsichtig sind, wie immer, wenn sich die auswärtige Politik von innerpolitischen Betrachtungen leiten läßt. In Rom hat man seinerzeit den Erfolg Hitlers und Görings, die man als Jünger des Duce betrachtete, mit Vergnügen gebucht; das rassenfanatische Alldcutsohtuin stellt indessen für Italien nur eine schwere; Bedrohung dar. Wenn sich auch zu Anfang der Faschismus der Heimwehren nach dem Beispiel Roms zu bilden Sellien, so würde er sich zweifellos bald nach dem Nationalsozialismus orientieren. Deutschland hat für Oesterreich eine viel stärkere Anziehungskraft als Italien. Eons neuerliche Rede des Fürsten Starhemhcrg. der— unter der Voraussetzung gewisser Regelungen im Innern dem Reich ein gemeinsames Vorgehen nach außen anbot—, war übrigens von symptomatischer Bedeutung. Die Nationalsozialisten verfügen im Innern Oesterreichs iiher Streitkräfte, die auf der Seite der italienischen Faschisten keinerlei Aequivalent haben. In Berlin beobachtet man die Ereignisse. Man muß sieh hüten, die Kommentare, die ihnen in den nationalsozialistischen Organen gewidmet werden, wörtlich zu ncjimeu; rtian würde Gefahr laufenj sich täuschen zu latsch, ebenso wie wenn man das, was sie uns iiher die friedlichen Gefühle Hitlers und seiner Paladine sagen, mit naivem Beifall aufnimmt. Es ist klar, daß dir Deutschen auf die Gelegenheit lauern, ihre Hand auf Oesterreich zu legen; dabei würden sie sich sogar vorübergehend eiuei Regierung bedienen, die de.a Namen na Hl unabhängig bleiben würde. In Wahrheit kann Oesterreich nur durch eine weitblickende und energische Politik der Mächte gerettet werden. Diese Politik wird unglücklicherweise nicht angewendet. Während Polen für einen trügerischen Vorteil dem Dritten Reich alle Handlungsfreiheit zu lassen verspricht, verfolgt Italien seine besonderen Wege, die vor allem durch seine Feindschaft gegen die Kleine Entente diktiert sind. England folgt noch dem edlen Beispiel des Pontius Pilatus. Frankreich ermutigt Oesterreich in einer Note, die es ihm gestern übermittelte, seinen Fall dem Völkerbiindsral vorzulegen,«her nichts weist darauf hin. daß es bereit sei. mit der Entschlossenheit Stellung zu nehmen, die allein die Luge retten könnte. Während die Absorption Oesterreichs durch Deutschland sich vorbereitet, wird nirgendwo ein Wille spürbar, der fällig wäre, ein Vorgehen, das immer bedrohlicher wird, zu verhindern, obwohl alle in der Ansicht übereinstimmen, daß es sich hier um die größte Gefahr für die Zukunft de» europäischen Friedens handelt. Dies ist schlimmer als Sadowa. Man könnte sagen, daß seil Jahren jeder nach Kräften dazu beiträgt, das Aildculschtuni zu fördern. Da» ist wirklich seltsam. Pierre Bernus, Diese Allslandsstimmen sind der in Saarbrücken erscheinenden Wochenschrift„Vestland" entnommen. Der helgisdie SozieiisIenHiltrer Eine Aeußerung Vänderveldes Le Teinps: V andervelde, der in seiner Eigenschaft als Präsident der zweiten Internationale yon„Le Pcuple" interviewt wurde, gab folgende Erklärung ab: Seit langer Zeit schon hatten unsere österreichischen Genossen ihren festen Entschluß geäußert, sich nicht ohne Widerstand.die Freiheiten der Arbeiter rauhen zu lassen. Wir kapnten sie gut genug. um zu wissen, daß sie Wort halten würden und daß man ihnen, was auch immer kommen möge, nicht den Vorwurf werde machen können, daß sie die Stellungen ohne Kampf aufgegeben hätten, die sie im Jahre 1918 erobert hatten. Wir leben in einer Zeit des Zusammenbruchs der Herrschaft lies Kapitalismus, in einer Zeit, in der der Sozialismen unter schwierigen Bedingungen gegen furchtbare feindlich!» Strömungen kämpfen muß. Ich gehöre zu denen, die sich durch Köcks,!.!üge niederwerfen lassen, die in allen großen, historischen Epochen häufig den siegreichen Revolutionen vorausgegangen sind. Bis jetzt zum mindesten hat der Faschismus in allen»einen Formen keine einschneidende Wirkung auf ein Land g, habt, dem die Demokratie n'Hct aufoktroyiert worden war. sondern daß sie selbst durch seine Arbeiter erobert hatte. Der revolutionäre feuerwehringenleur von Wien Ein Kampfer vor dem Standgericht. Das„Neue Wiener Tagblatt"(Nr. ii) berichtet ausführlich über die Standgerichtsverhandlung gegen den Feuerwehringenieur Weissei, der wenige Stunden nach dem schwerverwundeten Schuhmacher M unichr eit her zum Tode verurteilt und gehängt wurde. Selbst der Bericht in dem regierungsfreundlichen Blatte zeigt, daß ein großer revolutionärer Idealist mannhaft blieb bis in den Tod: Der Angeklagte Ingenieur Georg Weisse! ist in Wien am 28. März 1899 geboren, zuständiger Wiener, konfessionslos, rüher katholisch, verheiratet. Vater eines Kindes im Alter von vier Jahren. Er hat die Technische Hochschule ob- solviert und zwei Semester an der philosophischen Fakultät in Wien studiert. Er erklärt, unbescholten zu sein. Nach sei- ner Angabe rückte er im Jahre 1917 zum Deutschmeisterregi- ment ein und war zuletzt Einjährig-Fretwilligen-Zugsfüh- rer. Bei der städtischen Feuerwehr bekleidete er den Rang eines Brandoberkom m i s s ä r s und war K o m m a n- dant der Feuerwache in Floridsdorf. Der Angeklagt« ist ei« mittelgroßer, starker Man« mit charakteristischen energischen Zügen, die dichten schwarzen Haare sollen ihm wild in die Stirn. Er ist sichtlich gefaßt, nur seine unruhig flackernde« Augen verraten seine Er» regang. Er verantwortet sich ruhig und ist der ihm zur Last gelegten Tat geständig. Aus dem Vortrag des öffentlichen Anklägers erfährt man den Sachverhalt. Der Staatsanwalt sagt, es handle sich um einen sehr traurigen, aber ziemlich einfachen Fall. Der Angeklagte hat am Dienstag früh um 8 Uhr einen Rüst- ivogen von der Hauvtwacke abgesandt, der Wagen kehrte, mit Gewehren, Munition und zwei Maschinenge- wehren beladen, zurück. Die Feuerwehrleute wurden be- massnet, ein Teil leistete Widerstand und flüchtete in den Keller. Bon der Hauptwache aus wurde dann das nahe gelegene P o l i z e i k o m m i s s a r i a t unter Feuer genommen und aus einem Ma- schinengewehr und aus Gewehren Schüsse abgegeben. Die Polizei erwiderte das Feuer, konnte dann in daS Haus eindringen: der Angeklagte bat sich mit der Erklärung ergeben, daß er als Funktionär und Komman- dant es kür seine Pflicht gehalten habe, sich dem Ausruhr zur Verfügung zu stellen. Der Angeklagte erklärt sich zum Teil schuldig. Am Montag wurde er von der Feuerwehrzentrale Am Hof telefonisch an- gerufen und ihm mitgeteilt, daß der Generalstreik ausge- brachen sei. Bon der Berhängung des Ttandrechts habe er erst s p ä t e r Kenntnis erlangt. Am nächsten Tag wurde er verständigt, daß die Straßenbahner sich bewaffnet haben. Dann war ihm bekannt geworden aus einer seinerzeitigen Weisung des Bürgermeisters Seih, daß bei Ausbruch von Unruhen die Gemeindeangestellten bewaffnet werden sollten.— Bor- sitzender: Wissen Sie, daß der Vizebttrgermeister in Haft ist? — Angeklagter: Nein.— Vors.: Seit wann waren^ Sie bei dem Republikan kchen Schutzbund?— Angekl.: Seit dem Jahre 1922 bis 1930 als Bataillonsführer. Als der Schutzbund aufgelöst wurde, war ich bereits ausgetreten, weil ich mit verschiedenen Vorgängen nicht einverstanden war.— Vors.: Wußten Sie, daß eine Aktion gegen die Regierung im Gange ist?— Angekl.: Gewiß.— Vors.: Sind alle Ihre Leute ohne weiteres mitgegangen?— Angekl.: Ja, ich habe meine Leute in der Hand gehabt.— Vors.: Wie kommt es, daß einzelne Feuerwehrmänner in den Keller flüchteten und nicht mittun wollten?— Angekl.: Das höre ich heute zum erstenmal.— Vors.: Haben Sie auch geschossen? — Angekl.: Ich habe einmal einen Schuß in das Stiegenbaus abgegeben.— Vors.: Sie wurden aber von einem Jnaenieur namens Huntner gewarnt, er hatte vorher das Feuer- wehrkommando Am Hof von der Bewaffnung verständigt, und es wurde Ihnen von der Zentrale vom Branddirektor Wagner der Auftrag gegeben, die Waffen sogleich abzugeben. Warum haben Sie dann trotzdem die Bewaffnung durchge- führt? Vielleicht aus Ueberzeuaung?— Angekl- Ja. - Vors.: Sie hätten doch noch Gelegenheit gehabt, von Ihrem Vorhaben zurückzutreten?— Angeklagter: Diese Gelegenheit hatte ich eben vertänmt. Ich habe dem Branddirektor erklärt, daß ich nicht zurück» treten könne, wir stünden aus dem revolutionären Stand» punkt. Als man mich neuerdings aufforderte, war es schon zu spät, der Rückzug von der Polizei bereits abgeschnitten.— Vors.: Warum haben Sie sich der Polizei ergeben?— Angekl.: Weil wir zu wenige waren.— Vors.: Und wenn Sie mehr ge- wesen wären, hätten Tie sich nicht ergeben?— Angekl.: Dann selbstverständlich nicht. In der Feuerwache waren etwa sech- zig Mann, aber nur ein Teil bewaffnet.— Staatsanwalt: Sie dachten wohl, daß Revolution ausgebrochen sei?— Angekl.: Wir haben aus Verstärkung gewartet und da- niit gerechnet. Die Verstärkung ist aber ausgeblieben. Auf Befragen feines Verteidigers erklärt Ingenieur Weis- sei, er habe damals von Montag aus Dienstag ununter- brachen Dienst gemacht, sei sehr übermüdet gewesen und habe die ganze Nacht nachgedacht, ob aus der Situation ein andrer Ausweg möalich wäre. Als aber Dienstag früh günstigere Nachrichten über den Aufstand einliefen, besonders aus dem 21. Bezirk, habe er sich zum bewaffneten Borgehen entschlossen. Einvernahme des Branddirektors Wagner Branddirektor Wagner, der als Zeuge vernommen wurde, ist, wie er angibt, seit gestern in Pension. Er berichtet, daß er von Ingenieur Rutterer Dienstag um 8 Uhr früh angerufen worden sei und die Meldung erhielt, Ingenieur Weisse! bewaffne die Wache. Daraufhin habe er den Be- kehl gegeben, die Mannschaft sofort zu entwaffnen. Weisse! mischte sich in das Telefongespräch ein, sagte, das gehe nicht,„das mache er nicht." Branddirektor Wagner kragte ihn. ob er denn wahnsinnig geworden sei. und Weisse! antwortete:„Ich verlasse meine Kameraden nicht" und bängte ab. Ruttner meldete sich wieder, und der Zeuae gab ihm den Befehl, über die Hofmauer zu klettern und diePolizeizuver ständigen. Beim nächsten An- rus meldete sich der Telegrafist Maus, der wieder Weisse! rief.- Dieser äußerte sich auf deu Befehl, die Waffen abzuliefern: „Das tue ich nicht, ich bin ein Revolutiouär." Branddirektor Wagner verständigte daraufhin das P o l i- zeipräsidium. Er versuchte auch das Ehrgefühl der Feuerwehr zu wecken, denn die Feuerwehr habe mit einer solchen Schmach ihr Ansehen gröblich verletzt. Sie habe 250 Jahre lang makellos Dien st getan.— Vors.: Der Angeklagte hat gesagt, Bürgermeister Seitz hätte an alle städti- scheu Angestellten die Weisung herausgegeben, sich zu be- waffnen.- Zeuge: A u s g e s ch l o s s e n. Ich habe mit Bür- germeister Seitz noch ein paar Tag« vorher gesprochen, und wir haben festgestellt, daß die Feuerwehr einzig und allein zu Rettungszwecken verwendet werden darf.— Der Staatsanwalt fragt den Angeklagten, warum er sich von seinen Vorgesetzten nicht eines Besseren habe belehren lassen. „Weil Tie ein Fanatiker sind?" fragt der Borsitzende:— Angekl.: Man kann es auch so nennen. Das Zeugenverhör Ingenieur Alfred Ruttner bezeugt, er habe sich teleko- nisch an die Zentrale gewendet und um Weisungen gebeten, was mit den Waffen zu geschehen habe, die der Angeklagte holen ließ. Branddirektor Wagner beauftragte ihn, die Was- fen zu sammeln und in den Park zu bringen. Alle Feuer- wehrmänner, die keine Waffen genommen hatten, begaben sich auf seinen Befehl mit ihm in den Keller. Es waren ungefähr'zwanzig Mann. Als der Polizeikommissär erschien, sagte Zeuge zu ihm: Bitte, wir haben keine Waffen, führen Tie uns aus die Polizei.— Vors.: Waren Sie auch beim Republikanischen Schutzbund?— Zeuge: Nein. Staatsanwalt Dr. WachSmann bringt zur Kenntnis, es sei ihm eine Mitteilung der Polizei zugekommen, daß bei Durchsuchung der Räume in der Feuerwache haufenweise ausgeschossene Patronen und leere Gewehr- magazine ausgefunden wurden. Das sei ein schlüssiger Beweis, baß aus der Feuerwache stark hinausgeschossen wurde. Zu dieser Polizeinote wird Polizeirat Dr. Eduard Le- wisch, der die Durchsuchung.voraenommen, einvernommen. Dr. Lewisch bestätigt, daß zahlreiche leere Patronenhülsen und ausgeschossene Magazine ausgefunden wurden. Damals wurde vom Tchlinger-Hos aus das Polizeiamt Floridsdorf unter Feuer genommen. Dann sagt der Zeuge: Heute wurde ein Mann namens Rudolf Lukacs mit der Waste in der Hand aufgegriffen, der angab, es sei geplant gewesen, falls der Angriff aus das Polizeiamt mißglücke, das KommiOariat mit Chlorgas zu vergasen, und dazu sei der Gas- offizier Weisse!(der Angeklagtes ausersehen gewesen. Aus eine Anfrage des Staatsanwaltes gibt der Ange- klagte zu, er sei Spezialist für G a s s ch u tz w e s e n. Der Autoschlosser Rudolf Lukacs, der sich in Polizeihaft be- findet, gibt an. er sei vor längerer Zeit Ohrenzcuge eines Gespräches gewesen, das Weisse! mit andern Schutzbündlern führte. Weisse! habe damals gesagt:„Wenn nichts andres zu machen ist. ist das Kommissariat mit Chlor zu vergasen." — Vors.: Wann war das?— Zeuge Lukacs- Vor etwa fünf Monaten.— Anaekl.- Weisse!: Eine solche Bemerkung habe ich nie gemacht, die Durchführung einer Vergasung wäre auch technisch unmöglich. Der Vorsitzende verliest sodann die Straffarte und Leumundsnote des Ingenieurs Weisse!. Ans dieser geht bervor, daß Weissel bereits 1919 an Demonstrationen bei der Universität teilgenommen bat. Das Verkabren wurde jedoch 1925 wegen Veriäbruna eingestellt. Er habe sich schon als Hochlchüler volit-tch betätigt. 1929 fei aeaen ibn die Anzeige erstattet worden daß er Kommunist kei 19.10 sei er zum Obmann der Aegde-n-f^en ä«a?^„Kbnns"6 gewählt worden. Er ist in Floridsdorf als radikaler Sozial- d e m 0 k r a t bekannt. Staatsanwalt Holrat Dr Wackismann stibrt in seinem Plädoner aus. es sei togoisch baß ein begabter iunger Mensch einem so kläglichen Ausgang zustrebe. Ich muß leider den Antrag stellen, dem Angeklagten die Schwere deS GeletzeS fühlen zu lassen. Der'Verteidiger stellt den Antrag auf Ueber- leitung in das ordentsjchx Versahren, da der Tatbestand nicht vollkommen geklärt sei. Ein Schlußwort de» AngeM*-»»en Angeklagter Wessel erbittet sich das Wort und sagt: Hohes Standgericht!^>ch bedaure die Ereignisse, die durch meine Schuld entstanden sind deshalb, weil viele Männer unver- 'chuldeteriveise viel erleiden mußten. Ich will aber auch be- tonen, baß mein Vorgehen eigentlich ein Versuch mit untauglichen Mitteln war, sowohl in bezug auf das Material als auch in bezua auf die Manschen Die Zeugen haben sich daraus berufen, daß iw angeblich hinter fedem mit der Pistole gestanden bin. um iedew meinen Willen aufzuzwingen. Aber mit solchen Menlchen kann man eine Aktion nicht durchführen und sie ist daher auch kläglich gescheitert. Mehr habe ich nicht zu sagen. Das Todesurteil Um 9 Uhr 48 Minuten nachts erschien der Gerichtshof wie- der im Saale, und der Vorsitzende Vizepräsident H a n e l verkündete das Urteil: Der Angeklagte Georg Weisse! wird des Verbrechens des Aufruhrs schuldig befunden und gemäß§ 74 StG. zum Tode durch den Strang verurteilt. Weisse! nahm das Urteil völlig unbewegt auf? aus die Frage des Vorsitzenden, ob er das Urteil verstanden habe, entgeg- nete er mit lauter, fester Stimm«: I a. Vors.: Gegen dieses Urteil gibt es kein Rechtsmittel. Und auch ein Gnadengesuch hat keine ausschiebende Wirkung. Ich Mit Artillerie gehen sie gegen die sozialdemokratischen Arbeiter vor! Das zerschossene Gebäude des hartumkämpften Arbeiter- heims im 16. Bezirk nach der Einnahme durch Regierungs- M truppen. c 5t. Pölten \ruria Liesinq^p Mödlmg^ LAAERBER6 NE DER-*Badcn ÖSTERREICH 1 U/itnerNeustadf^|/ UNOARN Ntunkirchcri^/ ^öloggnitz Karte der Umgebung Wiens mit den wichtigsten noch von dem Schutzbund besetzten Ortschaften sschwarz gezeichnet!. Diese Orte geben eine strategische Linie, die sich an der öfter- reichlichen Südbahn hinzieht. gebe Ihnen bekannt, daß nach dem Gesetze die Todesstrafe nach zwei Stunden zu vollziehen ist. Ich kann Ihnen aber noch eine Stunde Frist darüber gewähren.— Angekl.: Ich bitte darum.— Vors.: Wollen Sie einen geistlichen Beistand? — Angekl.: Nein. Verteidiger Dr. Prosenbaum erklärt, daß er im Namen des Angeklagten das Gericht und den Staatsanwalt bitte, ein Gnadengesuch,- das er sofort an den Bundespräsidenten einbringen werde, zu befürworten. Der Borsitzende nimmt das zur Kenntnis und stellt fest, daß das Standgerichtsurteil um 9 Uhr 43 Minuten gefällt worden ist. Der Verurteilte verneigt sich kurz vor dem Gerichtshof und wird abgeführt. Die Justifizierung ist bald nach Mitternacht vollzogen worden. Wa^nuO^u von der Volksabstimmung im Saargebiet wissen? Preis Fr. 1 t SO Buchhandlung der Volksstimme Saarbrücken 3 BahnhotstraOo 32 Neunkirchen HUttenbergsiraOe 41 An unsere Bezieher und Leser! Wir erhalten in letzter Zeit Beschwerden darüber. daß die„Deutsche Freiheit" entweder verspätet oder auch gar nicht ankommt. Wir bitten alle Beschwerdeführer, sich an ihrem Ort mit der Post oder der Bahn in Verbindung ru setzen, da von Saarbrücken aus die Zeitung nach wie vor pünktlich jeden Tag abgeht. An der Post oder Bahn des Auf« gabe«Ortes liegt die Verzögerung nicht, davon konnten wir uns überzeugen. Verlag der„Deutschen Freiheit" Straftbnrger Wodienberidit Strasbourg, 16. Februar 1934. Die Stadt im Generalstreik Die. Generalstreikparole fand am vergangenen Montag auch in Strasburg einen recht lebhaften Widerhall und grobe Unterstützung. Dies ist um so bemerkenswerter, als die Arbeiterschaft im Sommer des letzten Jahres einen opferreichen und mit zäher Verbissenheit durchgefochtenen Generalstreik 'erlebte, der bekanntlich mehrere Wochen dauerte und die ganzen Kräfte der Arbeiterbewegung in Anspruch nahm. Die Zeitungen erschienen— wie in ganz Frankreich— auch hier nicht, dagegen verkehrten die Straßenbahnen wie gewohnt. Der Großteil der Arbeiterschaft hatte der Parole der Führung Folge geleistet und erschien vormittags auf dem Contades. Dort sprachen vor etwa sieben- bis achttausend Menschen die Kameraden I m b s und Dinker von der CGT. und Mohn für die CGTU. Die Massen formierten sich dann zu einem Demonstratiouszug, der sich in mustergültiger Ordnung durch die Stadt bewegte und am Börsenplatz mit einer Kundgebung beendet wurde. Einige, kleinere und völlig bedeutungslose Zwischenfälle vermochten das Bild der Geschlossenheit nicht zu trüben. In Bischheim wurde ein leerer Straßenbahnwagen umgeworfen, der Schulunterricht fiel aus. da das gesamte städtische Dienstpersonal am Streik beteiligt war und infolgedesen die Heizung nicht funktionierte. Auch die für diesen Abend vorgesehene Theaterauffiihrung konnte nicht stattfinden. Die Arbeiter hatten es— obwohl der Streik nicht hundertprozentig allgemein war— verstanden, einen recht sichtbaren Beweis ihres antifaschistischen Kampfwillens zu liefern. In der Hinsicht hat die Aktion ihren Zweck also völlig erreicht! Generalstreik und Gemeinderat , Zu Beginn der am Tage des Generalstreiks festgesetzten Gemeinderatssitzung gab der Vertreter der KPO. eine Erklärung ab. die die Aktion der Arbeiterschaft begrüßt. Die ,Erklärung wurde von den meisten Rednern gebilligt. Der Antrag des sozialistischen Gemeinderats 1 m b s, zum Zeichen der Sympathie die Sitzung ausfallen zu lassen, fand bei dei Mehrheit keine Unterstützung. Dafür stimmten die Sozialisten, die Kommunisten beider Richtungen und Herr ,D a h 1 e t. Der Einbrecher im Gewerkschaftshaus gefaßt Endlich gelang es am Sonntag, den Einbrecher zu ver haften, der jetzt schon zum dritten Mal innerhalb ganz kürzet Zeit dem Gewerkschaftshans in der nie St. Gotthard seinen Besuch abstattete. Es handelt sich um einen Schweizer Notariat Forte Marti Notar zu MI»->-> Am Freitagt dem 23. Februar 193-4, nachmittags 2 Uhr, zu St»AvoM im HotehRestauration de la Motette(Inhaber Kreamer) auf Anstehen de« Herrn Paul Nicola« Kreamer findet die Versteigerung eines Hausanwesens mit mod. Kino»Theater, gelegen zu St.Avold im Zentrum der Stadt statt, umfassend 2 Wohnhäuser, moderner Tbeatereaai,(gebaut im Jahre 1926 t mit Theat rhühne, Balkon und 6Ü0 Sitzplätzen sowie kompletter moderne Tonfilm«Einrichtung..-. p St'Avold liegt im Zentrum der oat*lothringer Kohlenindustrie und ist Garnisonstadt.:: Nähere Auskunft durch den unterzeichneten Notar Martz, Notar. namens Keller. Er war in der Narht zum Sonntag wieder durch ein Fenster im ersten Stock eingestiegen. Als der Sekretär der Metallarbeiter am Sonntag gegen elf Uhr sein Büro aufsuchte, stand er plötzlich dem überraschten Einbrecher gegenüber, der sofort den Revolver gegen ihn zog. Kamerad M a s t n y ließ sich jedoch nicht einschüchtern, griff den Gesellen an, der daraufhin durch, Fenster über einige Dächer kleinerer Gebäude flüchtete. Er konnte aber bald eingeholt und der Polizei übergeben werden. Der Dieb war wiederum mit zwei Revolvern und modernen Werkzeugen ausgestattet. Wahrscheinlich vermutete er, daß am Sonntag das Büro unbesetzt sei. Er glaubte dann ungestört tagsüber arbeiten zu können. Infolge des für Montag angesetzten Streiks herrschte aber im Gewerkschaftshaus großer Betrieb. Es handelt sich um einen Berufseinbrecher, der noch viele Straßburger Einbrüche auf dem Kerbholz hat. Trotz allem sollte sich die Polizei die Mühe machen zu untersuchen, ob er nicht ein Werkzeug im Dienste bestimmter deutscher Stellen ist. Denn die Umstände, unter denen die drei Einbrüche verübt wurden, deuten darauf hin, daß der Dieb ea auf Geld n i ch t in erster Linie abgesehen hatte. Lob der österreichischen Freiheitshelden Die Vorgänge in Oesterreich werden auch hier in allen freiheitlich gesinnten Kreisen mit leidenschaftlicher Anteilnahme verfolgt. Weit über den Kreis der sozialistisch organisierten Arbeiterschaft hinaus findet der heroische Kampf der österreichischen Sozialdemokraten Anerkennung. So schreibt u. a. die„Republique", das radikalsozialistische Organ, in seinem gestrigen Leitartikel folgendes:„Der Arbeiter kämpft um seine ganze straffe Organisation wie um seine letzte Schanze. Nachdem er nicht zu tun wagte, was seine Gegner heute tun— weil er in zwei feind- lidhe Lager gespalten war—, sieht er sich heute gezwungen, mit dem Blute seine Freiheit zu erkaufen. Wenn er sie nur erkaufen könnte... Seine Lage ist tragisch. Sein Mut verdient Respekt. Wenn er unterliegen soll, so will er es in Ehren tun. Und was muß man sehen? Solche, die die deutsche Sozialdemokratie tadelten, weil sie nicht den äußersten Widerstand leistete, schreiben heute, man hätte dieses Blut sparen können, der Kampf sei von vorneherein aussichtslos gewesen... t-ibt es etwa. Blöderes, nicht wahr, ihr Klugheitsprediger, als sich noch zu wehren, wenn man die Hand des Würgers am Halse spürt?" Der Mord im Wolfsgäßchen Vor dem Schwurgericht des Bas-Rhin stand der 58 Jahre alte Maler M i n e I I a, der im Wolfsgäßchen im August Vorigen Jahres einen Hausbewohner niedergeschoaaen hat. Im Streit, der aus nichtigen Gründen entstanden war, geschah die unselige Tat, die Minella nun mit zwei JahrenGefängniszu büßen hat, da die Geschworenen die Frage der Notwehr und der Provokation verneinten. Im Schadenersatzverfahren wurde der Täter außerdem zur Zahlung von 42 000 Franken an die Familie des Getöteten verurteilt. ßohnerwachsfabrik in Brand Durch ein gewaltiges Schadenfeuer wurde die Bohner- wachsfahrik Bronn er in Bischheim vernichtet. Der Feuerwehr gelang es, mittels Schaumlöschverfahren den Brand einzudämmen und die angrenzenden Gebäude zu schützen. Der Schaden beträgt schätzungsweise 300 000 Fr. Die Brandursache bleibt noch festzustellen. In Neudorf brannte eine Werkstatt nieder, Schade" etwa 140 000 Fr. Neue Volkswohnungen Bis Juli sind die von der städtischen Baugesellschaft errichteten Volkswohnungen an der Basler Straße in Nendorf beziehbar. Welcher Beliebtheit sich diese Wohnungen ob ihrer mustergültigen Ausstattung und der niedrigen Mieten erfreuen, geht daraus hervor, daß die Zahl der Bewerber auch jetzt schon wieder, wie bei allen früheren Bauten, größer ist, als die Zahl der verfügbaren Wohnungen. Omelette von 4000 Eiern Am Bahnhof kippte ein Handkarren um. mit dem ein Dienstmann 4000 Eier zum Markt fahren wollte. Für die dadurch entstandene Riesenomelette interessierte sich neben den schadenfrohen Schaulustigen nur noch die städtische Straßelireinigung, die nicht jeden Tag solch kostbaren Schmutz zu entfernen hat. Fasching in den Lokalen Der Straßbnrger Fasching war in diesem Jahr auf den Straßen ikaum zu bemerken, dagegen herrschte in den meisten Lokalen am Sonntag und Dienstag ein lebhaftes Treiben. Masken blieben äußerst rar. Unter dem Eindruck der Ereignisse in Paris, der gespannten politischen Lage, tat die Bevölkerung von sich aus. wozu sie auch von der Präfcktur in einem Aufruf gebeten wurde: sie vermied den Lärm auf der Straße. Die auf Halbmast gesetzten Fahnen der Republik mahnten zur Landestrauer, zur Ruhe und Besonnenheit. Verkehrssünder Im Monat Januar wurden von der Verkehrspolizei nicht weniger als 817 Protokolle gegen Personen ausgestellt, die in irgendeiner Form die Verkehrs Vorschriften nicht beachteten. In zehn' Fällen entschloß man sich dazu den Sündern den Führerschein auf die Dauer von zwei Wochen big zu drei Monaten zu entziehen. Kunstchronik Im Stadttheater gab die Truppe des Cbario/, die von Herrn Olivier geleitet wird, ein Gastspiel mit Molieres„L'Ecole des Femme.g" und..Le Medecin inalgre lui". Das Haus war gut besetzt und das Publikum unterhielt sich ausgezeichnet. Die Aufführung hielt ein beachtliches Niveau ein. Noch eine französische Truppe. Galas Kar- s e n t y, gastierte mit dem Lustspiel„Treis et utie" von Amie.l und erfreute durih ausgezeichnetes Spiel. Das deutschsprachige Ensemble, dessen Leistungen starke Beachtung finden, rührte mit dem Schauspiel„Der Fall Erna S." von H. Zeitz an Probleme, an denen man so oft achtlos vorübergeht. von deren Wucht immer wieder von neuem Menschen zerbrochen werden. Das Spiel des Ensembles hinterließ bei den Besuchern einen tiefen Eindruck. Die. berühmten und weltbekannten Coinedian Ilarmonists singen am 26. Februar im Palais des Fetes. Das siebte Abonnementskonzert, vom Direktor des Konservatoriums geleitet, findet am Mittwoch. 21. Februar, statt, das fünfte Kammermusikkonzert, in dem das Pro-Arte-<)uar- CablnetJurldiquelnternational International, Juristisches Büro Strasbourg 8, rue des Francs-Bourgeois, Building, chambre 93. Beratung und Bearbeitung von deutschen Rechtsangelegenheiten und Prozessen- Wirtsdiafts- und Finanzberatung- Vermögensverwaltungen- treuhandtätigkeit. 20|ahre Weltgeschichte in 700 Bildern! Kinleuun«; von Fr. Sieburg Gelegenheit«» Angebot statt 29,30 Fr. ietz» nur 6,33 Fr. Sofort'«u beziehen durch: BUCH HANDLUNG der „Volksstimme" )aarbrücken, Uatiuhoistr. 32 leunkirchtm, Hüttenbergftr. tett Werke von Mozart uiid Beethoven spielt, am Freitag, 23. Februar. Auszeichnung einer Straßburger Schriftstellerin Fräulein Anne-Louise Salomon hat von der Academie franraise einen Preis erhalten für ihr Buch über „Frederic-Rodolphe Saltjmann. son role dans l'histoire de la pensee religieuse ä Strasbourg". Henri Bach gestorben In Robertsau starb der beliebte Illustrator und Zeichner Henri Bach im Alter von 44 Jahren. Ueber eine deutsche Schachreform Ans der Schachecke des totalen Staates wird gemeldet, daß neuerdings auch das Brett der 64 Felder nach dem Aulori- tätsgedanken schreit. Ein hitlerdentscher Simultanspieler macht den\ orschlag. dem Königsbauern dieses uralten Spiels eine neue Funktion zu verleiben. Er soll, wie der Schachteil des..Temps" meldet, die Kräfte von Dame und Pferd vereinigen. also die stärkste Figur des Spieles werden, ein ungekrönter Selbstherrscher. Gerade aus. schräg und seitwärts ausschlagend soll er den Namen„Führer" erhalten. Das ist kein Witz. Eine andere Pariser Zeitung, der..Intran" meint daraufhin, dann solle man den Beförderten schon lieber gleich Adolf Hitler nennen. Gewiß hat diese Lösung vieles für sich, indessen scheint sie uns nicht genügend mit dem Rassenprinzip vereinbar. Leider ist nämlich der Prozentsatz der nordisch bestimmten Blindspieler außerordentlich gering, sicherlich würde Dimitroff zum Beispiel im Schachspiel den General Görina ohne weiteres klein kriegen, und ob Alechin oder Lasker. von Mieses zu schweigen, die für ein arisches Matt nötige Großmutter aufbringe>. scheint uns sehr zweifelhaft. Capablanca erst recht gehört wahrscheinlich zu den dunklen Rassen. Es kann also einem Feldberrn wie Hitler keineswegs zugemutet werden. unter der Verdecknng einer Schachfigur' gegen solche Fehlfarben spanisch zn eröffnen. Sicherlich hat auch das..dritte Reich" seine Leute, die das alje Spiel der Perser gut verstehen. Fritz Thyssen zum Beispiel kann ausgezeichnet rochieren, dennoch ist nicht genügend verbürgt, ob Wotan etwa mit seinen zwei Rahen! von denen einer Hugin hieß, abends unregelmäßig eröffnete. Der richtige Freiheitskämpfer wird auch in dieser Beziehung gerne die Spielregeln der Demokratie verschmähen. Ihm liegt eine Lösung näher, wie sie ein neuerer komischer Roman anwendet, wo ein Meister glatt seinem Gegner e i 11 e n T u r m vom Brette klaut, diesen in die Tasche steckt und dadurch gewinnt. Nur diese revolutionäre Lösung-scheint uns mit dem Geiste der Konzentrationslager und der Behandlung staatsfeindlichen Eigentums vereinbar. Baptist- Pariser Berichte Pariser Straßenkalendcr Die Stadt Paris hat die Absieht, die bei den Unruhen niedergebrannten Zeitungskioske in Beton neu zu errichten. # Der Leiter des Orchesters der Großen Oper Henri Busser und der Sekretär des Komponistenverbandes Carol-Berard sind nach Berlin abgereist, wo der Musikkongreß unter Leitung von Richard Strauß stattfindet, dessen neue Oper „Arabella" gespielt wird. # Celia Salvador! gab die Charlotte im„Werther" der Komischen Oper. * Moritz Rosenthal veranstaltete ein Konzert für die deutschen Flüchtlinge mit starkem Erfolg. Sc Der Schutzverband deutscher Schriftsteller veranstaltete in der Mulualite eine Kundgebung für Ludwig Renn und Freilassung der politischen Gefangenen in Deutschland. » Eine neugebildete„Deutsche Emigrantenschule" hielt ihren ersten Abend in der Mutualite ab, bei dem E. Lorenz über die materialistische Dialektik sprach. Am Donnerstag, dem 22.. hält Hans Jacob einen Vortrag über„Leerlauf im Völkerbund".# Im Hotel Drouot wurden 36 silberne Teller, gearbeitet von dem Goldschmied A. Drentwell in Augsburg(um 1747). für 15 200 Franken versteigert.^ Drei Rauschgiftbändler, Charles Beguelier(Schweizer), Ludwig Lutfag(Rumäne), Samuel Mischouzierski(Rumäne), wurden in der rue La Boetie verhaftet. Beguelier hatte ein Kilo Heroin bei sich, das er aus Konstantinopel hergebracht hatte. Die Doriser Traoerlelern Als Opfer der Unruhen wurden u. a. beigesetzt eine Made- moiselte G o u r 1 a n, Zimmermädchen, die auf der place de la Concorde beim Herausschauen aus einem Hotelfenster getötet wurde und drei parteilose Büroangestellte, von denen einer Inspektor einer großen Industriegesellschaft war. Von Blauhemden geleitet wurde der Sarg des Delegierten Die„Deutsche Freiheit" Einzige unabhängig« Tageszeitung Deutschlands mufj man regelmäßig lesen Bestellschein Ich arsucha um ragalmaljiga Zusandung dar„Dauischan Freihält" _^ J#n v Unterschrift Verlag der„Deutschen Freiheit" Saarbrücken 3 Sdiützenstrafje 5• PostjchliefjlecTi 776 der So Ii da rite Francaise de Nobletis aus der rue de ^augirard. Einige andere Opfer waren Mitglieder der Patrioten-Jugend. Ein dreißigjähriger Einwohner, der mit der auf Moll umgeschriebenen Marseillaise bestellt wurde, war durch eine verirrte Kugel auf der Convorde-Brücke zu Tode getroffen. Der Kommandeur der republikanischen Garde, Oberst G i b e a u c, sprach am Grabe des getöteten Mitglieds dieser Truppe Marcel F I a n d r e. In der griechischen Kirche in der rue Bizet wurde ein getöteter Grieche nach dem Ritus der orthodoxen Kirche gesegnet. Stadträte der Stadt Paris nahmen an allen Trauerfeiern teil. Drei wundete sind noch in Pariser Kliniken gestorben. Die„Freiheit" als Erzieher Wir haben hier wiederholt unser Erstaunen ausgedrückt, daß die Werbestelle der deutschen Reichsbahn auf der avenue de 1' Opera zu Paris jeden Hinweis auf Hitler und seine Armee der Braunhemden unterläßt. Audi bei einer Neuausstattung des Ladens nach Neujahr, zum Wintersport, war nicht ein Atom von Adolf sichtbar. Nunmehr haben unsere ständigen Zureden aber doch geholfen. Die deutsche Reichsbahn, die sich offenbar schämt, die braunen Abzeichen im Auslande zu zeigen, weil sie, mit Recht, von deren Werbekraft nicht sehr überzeugt ist, wurde nun doch veranlaßt, dem Hitlertum wenigstens etwas Raum zu gestatten. Offenbar hat Adolfs Pariser Dienst, der die «.Deutsche Freiheit" mit Eifer ließt, ein Maditwort via Berlin gesprochen. Die neue Dekorierung der Reichsbahnstelle an dem bekannten Pariser Verkehrspunkt bringt neben Bildern schöner alter Städte in den Hauptauslagen, zaghaft seitwärts, etwas versteckt rechts vom Eingang, jetzt auch einige Hitler-Fotos. Man sieht eine Aufnahme vom Nürnberger Parteitag, Göb- bcls spricht, aber, damit nur ja nicht zu viel gesagt und das Hakenkreuz gewissermaßen salonfähig gemacht wird, erblickt man dazwischen eine Aufnahme vom Berliner Reiterturnier mit den ausländischen Offizieren und Siegern. Aus den Inschriften erfährt man noch, daß es jetzt Vier- Wochen-Kuren zu festem Preis(außerhalb der Konzentrationslager) gibt, daß 60 Prozent Ermäßigung für Wintersport möglich ist und daß„weltmännische Zerstreuungen" in Deutschland geboten werden. Wer sich also danach sehnt... Wir selbst nehmen mit Genugtuung zur Kenntnis, daß Adolf unsere guten Ratschläge so brav befolgt. Wir hoffen, daß uns dafür ein Platz in Walhalla von ihm gesichert wird.— Der Karneval von Nina... An der selben blutigen Fastnacht, in der der Heimwehrstiefel die schönste Arbeitersiedlung der Welt zertrat, fand in Nizza die berühmte Blumenschlacht und der Rosenkorso satt. Eine Fahrt in einer„Viktoria", von Rosenguirlanden behängt, während der zwei Stunden des Umzugs kostete die Kleinigkeit von 20 000 Frauken(kein Druckfehler). Das Motto des„Carneval de Nice" hieß dieses Jahr:„Die Galanterie im Laufe der Jahrhunderte." Die Hauptperson des Festes war eine reiche Ausländerin M. S ch w a r tz, die mit einer Rosen-Victoria fuhr, die von Schimmeln gezogen wurde. Der Wagen trug ein Schild..Ich bleibe Nizza treu". Die Kommunisten machten eine Gegendemonstration. Der auf der Straße aufgebaute Prinz Karneval, die Zigarre im Schnabel, schaute dumm auf die rote Fahne. Eeueraofos in Marseille In Marseille erregten Feuerüberfälle auf der Cannebiere, der berühmten Hauptstraße, gewaltiges Aufsehen. Eine Lehrerin in der Mädchenschule auf dem Oddo-Platz entdeckte eines Abends, daß ihr kleines Auto, das vor der Schule stand, verschwunden war. Am nächsten Morgen stand es wieder da, aber mit Schußspuren im Schutzblech und im Verdeck. Die Polizei stellte fest, daß es das Auto war, aus d Banditen während der Nacht mit einer Maschinengewehr-Pistole auf Polizeibeamte in der Nähe der Börse geschossen hatten, wobei fünf Personen verletzt wurden. In der nächsten Nacht schössen fünf^oder sechs Individuen aus einem Auto, das in der rue Montevideo hielt, auf heimkehrende Polizeibeamte. Die Inspektoren antworteten. Darauf entflohen die Täter unter Zurücklassung des Autos. Dies Auto, offenbar gestohlen, gehört einem Pariser Einwohner, M Andre Neblet aus der rue de Charenton. Und am nächsten Abend, 19 Uhr, bei vollem Leben auf dir Cannebiere, wiederholte sich das Schauspiel. Diesmal war aber die große Straße schon von der Polizei abgeteilt worden, und das Verbrecher-Auto wurde gestoppt. Die beiden Insassen wären fast gelyncht worden. Sie wurden unter den Flüchen der Menge in das Polizeigefängnis gebracht. Diese beiden Uebeltäter hatten vorher in den Hauptwaffengeschäfteii versucht, sich Waffen zu besorgen, was aber wegen des erlassenen Verbots des^X'affenverkaufs nicht möglich war. Ein als Fahrer eines Verbrecherautos verhafteter Dockarbeiter erhängte sich nachts in seiner Zelle. Die läge der Sfaafsfheater Die letzten zwei Pariser Theaterwochen waren von den politischen und wirtschaftlichen Vorgängen, die Frankreichs Hauptstadt beherrschten, überschattet. Zweimaliger Kabinettswechsel, Streik der Taxichauffeure, Generalstreik und insbesondere die blutigen Unruhen haben den 1 heaterbetrieb schwer beeinträchtigt. Es ist eine schwer zu beantwortende Frage, wann, wie weit und— vielleicht sogar— ob sich die laufende Spielzeit von allen diesen Schlägen erholt: mit Sicherheit ist wohl zu erwarten, daß eine Reihe schwach fundierter Direktionen sich außerstande zeigen wird, der durch alle die genannten Ereignisse erschwerten Krise zu trotzen. In.einer eigenartigen Weise ist der Betrieb der staatlichen Bühnen— und insbesondere der der-Comedie-P ranejaise' durch die politischen Vorgänge in Mitleidenschaft gezogen worden. Die bedauerliche Absetzung Emile I abres, des hochverdienten Generaladministrators im..Hause Molieres, desen Posten einem unliebsam gewordenen hohen Polizei- beamt-n durch die Daladier-Regierung übertragen worden war, hat zwar unter dem solidarischen Druck des gesamten französischen Geisteslebens einen schleunigen Widerruf er- m*t2*S? q Deutsche Poliklinik a) Allgemeine Konsultationen mit 9 Spezialisten. b) Chirurgie c) Geburtshilfliche Klinik, rue de Rlvon— Merro• Chaieiei RADIKALE HEILUNG von BLUT., RAUT. and FRAUENKRANKHEITEN Heil a o Neueste Behandlungsmethoden Elektri» xität Imptungsverfahren Trypafle rine» Einspritzungen Blut» und Harn» Untersuchungen. Sper* cnakuttur. Salvarsan. Wismut usw. Sprechstunden täglich»o» 10— 12 and von 4—8 Uhr Sonntags von 9—12 Uhr Konsultationen von 25 Er. ah. Mao spricht deatacb BRÜSSEL Laden(Strumpf und Wirkwaren) in guter Lage, 2 Schaufenster mit Wohnuug(Zentralheizung) Gutgehend. Umständehalber günstig zu verkauf. Angebote sind zu richten an..Deutsche Freiheit" Brüssel-XL, Rue d'Edimbourg 38. SEROKLINIK VON PARIS 71, Boulevard de ClIcEav- Metro Blanche Harnleiden, chronischer und frischer Tripper, Militäreicht, Cystitis, Prostata. FRAUENLEIDEN " norrhoiden Syphilis, Haut« und Ausschlag, Psoriasis.— Neue Behandlungsmethode auf elektrischem Wege und durch ultraviolette Konsultationen von 9—12 Blutkrankheiten, Venenentzündung Hämorrhoiden Syphilis, Haut« und Kopfhauterkrank Ausschlag, Psoriasis.— Neue Behandlungsmethode auf elektrischem Wege und< Strahlen, Serotherapie and Auto• Hemo• Therapie— Massiges Honorar. und 14—20 Uhr. Sonntags von 9—12 Uhr. Deutsches Zahnärztliches Institut M. RUE OE OOL Al«Ulro■ Bludi., Plgall. Tri. TrUitt<0.27, Sprechatmukai 9.12, 2.8 Uhr Zahn. n. Mundkranich.. Röntgen. Elektrotherapie. Protheeen, Kronen. Brücken in Gold. Platin n. Porzellan NEUHEIT: PORZELL AN.KRONEN UND.BRUCKEN Umarbeitung ichlechtsitaender Gehirne mit»oller Garantie für guten Sita. Reparaturen binnen 3 Stunden SCHONENDSTE BEHANDLUNG FÜR NERVÖSE UND HERZKRANKE NISSIGE PREISE. URTERSUCHUNG U. BERIIUIG KOSTENLOS GrBBt« Verdtenstchance für alle Länder zu vergeben. Fabelhafte Erfindung verblüffend. Größter Massenschtager, da in jedem I PA-RIS-CTOILt O, RUE D-A.RMAILLE CIE2 K1RNIL0FF Berühmt durch seine vortreffliche Küche iL sein» Spezialitäten. Stark besucht von deutschen Gästen Telephone Etoile 52*49( Haushalt und vielen Betrieben benötigt. Zuschriften nur vo seriösen Reflektanten mit Kupi atnachwets an: PUBL. METZL, 51, tue Turbigo. Paris, Nr. 480\ Porte Chomperrei tioiei Grill-Boom Berliner 173. Bd. öerthieri täi. Uarnot 72-47. Möblierte Wohnungen. Aller Komfort Badezimmer Küche uffw Monatlich und wöchentlich. Nach Wunsch Pension Mäßigt Preise. Metro Champerret. Auf. SCB. 9-bu. CA. BY. 53 X. I T Einkau! und Auslösung vom Versatzamt « BRILLANTEN. GOLD «SILBERWAREN. UHREN 5'äglichr Gelcgenhntt-Verkaul._ I BETTER, 49, FAUBOUKU MONTMARTRE I GaSSHMKCt man SPRICHI DEUTSCH«SSLöS«« feinste jüdische Setctmacen* und Wienet Jlächecei Qeschäfte fatis 58, AVENUE WAGRAM, Int. Camot 27-63 SS, RUE DE PASSY, Ul Autsud 33-61