Sinzige unabhängige deutsche Tageszeitung Nummer 42— 2. Jahrgang Saarbrücken Dienstag, 20. Februar 1934 Chefredakteur: M. Braun Ans dem Inha lt J-ntecnatianale(Hilfsaktion Seite 2 Die Meine Entente bemcuhiqt Seite 2 Qefechts&ildec mn xLec ü&tecceichischen Jxont Seite 3 Wae Deutschland veefudet (Das Scfmacituch) Seite 7 reucrbrand künftiger Kampfe tt Aufruf der Internationale an die Arbeiter aller Länder Revolution und Konterrevolution Ein erster Bericht Von einem Führer der österreichischen Sozialdemokratie Es ist noch zu früh, die blutigen Ereignisse, die sich in Oesterreich abspielen, darzustellen. Aber über den unmittel- baren Anlast des revolutionären Ausbruchs in Oesterreich kann und must jetzt schon einiges festgestellt werden. Seit dem 7. März 1938, dem Tage des Staatsstreichs der Regierung Dollsuß-Fey, hat die österreichische Sozialdemo- kratie die gröhten Anstrengungen unternommen, um eine friedliche und verfassungsmäßige Lösung der politischen Krise Zu ermöglichen. Die Sozialdemokratie hat elf Monate lang die größte Zurückhaltung geübt. Sie hat auf die Ausschaltung des Par- laments und die Etablierung eines absolutistischen Notver- vrdnungSregimcss auf die Auflösung des Republikanischen Schutzbundes, auf eine ganze Reihe von Notverordnungen, die in verfassungswidriger Weise das Versammlungsrecht der Arbeiterschaft und die Pressefreiheit aushoben, die sozial- politischen Errungenschaften der Arbeiter abbauten, die sozialdemokratische Gemeindeverwaltung Wiens ihrer Ein- nahmen beraubten und dadurch leistungsuntähig machten, nicht mit gewaltsamem Widerstand geantwortet. Sie hat im Gegenteil immer wieder bis in die allerjüngste Zeit alle Anstrengungen unternommen, um z« Berhand, laugen mit der Regierung Dollsuß und mit dem nicht» faschistischen Flügel der christlich-sozialen Partei über eine friedliche Verständigung und die Bildung einer Einheits» front gegen die Rationalsozialisten zu gelangen. Aber diese friedliche und zuwartende Haltung der Sozial- demokratischen Partei hat die Regierung Dollfust-Fen nur zu immer feindlicheren Maßregeln gegen die Arbeiterschaft und gegen die Sozialdemokratie ermutig. Alle Versuche, zu Ver- stänöigungsverhandlungen zu gelangen, hat Herz» Dollsuß bis in die allerjüngsten Tage in der hochmütigsten und be- leibigendsten Weise abgelehnt. Auf der anderen Seite ist die Erbitterung der Ar- b e i t e r s ch a f t über den Regierungskurs immer mehr an- geschwollen. Sie wurde in hohem Maße gesteigert durch eine Verordnung de"? Ministers Schmitz, gemäß der alle frei- gewerkschaftlie,»'organisierten Arbeiter von der Arbeit bei Arbeiten uqnd und wenig Patronen in der Tasche gegen die Geschütze und Maschinengewehre oe? Feindes die republikanische Freiheit und die Rechte der Ar» better verteidigen. BZ tote«linier Leichenfunde in Wien dnb. Paris, 10. Febr. Der sozialistische„Populatre" gibt eine Information aus Wien wieder, wonach in Sandlcitcn die Leichen von 85 Kindern unter l4 Jahren gefunden worden seien, die bei den blutigen Kämpfen der letzten Tage getötet wurden. Das Blatt fügt hinzu, Dolliuß habe sich im Namen des Christentums und der Familie zum Mörder gemacht. In einem weiteren Artikel wendet sich der„Populaire" gegen die zum Teil tendenziöse Einstellung der Pariser Presse gegenüber den Ereignissen in Oesterreich. Man vermisse nicht nur jedes bewegte Wort über die Opfer der Straßenkämpte, sondern überhäufe den„unausstehlichen Ziverg Dollluß" mit abscheulichen Lobhudeleien und habe die Stirn, ihn als den Kanzler ber österreichischen Unabhängigkeit hinzustellen. Proteste und mite Die Weltehflon l«r die österreichischen Kämpfer Die Weltaktion für die österreichischen Kämpfer Aus der ganzen Welt treffen Berichte ein, die von der ungeheuren Empörung der Öffentlichkeit Uber die Henker des österreichischen Proletariats, die Dollfuh und Fey, aber auch von der glühenden Solidarität der Arbeiter» Massen in asten Ländern mit dem kämpfenden öfter- reichischen Proletariat Zeugnis ablegen. Bon den uns erst teilweise vorliegenden Berichten veröffentlichen wir nach- stehend einen Ausschnitt: Großbritannien Der Gemeinsame Nationalrat der britischen Arbetterbewe- gung, der die Arbeiterpartei, den Gewerkschaftskongreß und die Parlamentsfraktion der Arbeiterpartei vertritt, hat in einer Erklärung seine volle Solidarität mit dem österrcicht- schen Proletarial in seinem Kampf für die Freiheit Oester- reich» ausgesprochen. Er hat unverzüglich eine Sammelaktion für die Opfer der Kämpfe eingeleitet, die schon in den ersten 24 Stunden einen sehr großen Geldbetrag erzielt hat, obwohl die Sammlung erst in Gang kommt. Der Präsident deS Gewerkschaftskongresses, Conley, hat in einer Rebe dem Abscheu der Öffentlichkeit in Großbritannien über die ver- brecherischen Schandtaten der österreichischen Regierung und der Hilfsbereitschaft der englischen Arbeiter Ausdruck ge- geben. Frankreich Die französischen Sozialisten haben in einem Telegramm an die österreichische Sozialdemokratie ihre volle Solidarität mit den österreichischen Arbeitern ausgesprochen. Das Blatt der französischen Sozialisten„Le Populaire" beschäftigt sich in seitenlangen Ausführungen mit den furchtbaren Eretg- ntssen in Oesterreich. Da» Blatt der französischen Gmerk- schasten„Le Peuple" schreibt am 16. Februar: „Vor uns steht eine große Pflicht. Die österreichischen Ar- beiter sind besiegt. Viel« konnten die tschechoslowakische Grenze überschreiten und sind vor der Rache der Faschisten geschützt. Es gilt, ihnen ohne Verzug zu Hilfe zu kommen, die Solidaritätsaktion, die sie aus eigenem begonnen haben, zu unterstützen. Zahlreich?! aber noch find die Gefangenen und jene, die noch in die Hände der Armee und der Heimwehren fallen werden. Sie stehen unter der Gefahr des Standrechtes, sie sind bedroht vom Henker oder von furchtbaren Verurtetlun» gen. Es gilt, sie zu verteidigen. Die Arbeiterklasse aller Länder muß sie rette«, muß unermüdlich die Provokation und die Verbrechen des Herrn Dollfuß und setner Verbtin- beten brandmarken, ihnen ihre Opfer entreißen. Diese Aufgabe muß sofort erfüllt werden. Niemand kann sich ihr entziehen." Vereinigte Staaten Aus Nenyork erhalte» wir folgende» Telegramm: Ilcbermtttelt den österreichischen Genosien. daß die ameri- kanische öffentliche Meinung aus ihrer Seit« ist. Vterhundert- tauseyd Arbeit«! haben in Neuyork einen Sympathiestreik durchgeführt. Vor einer Massenversammlung von 80 000 Menschen sprach der Oberbürgermeister von Neuvork und führende Personen der Arbeiterbewegung. S000 Arbeiter und Arbeiterinnen demonstrierten vor dem österreichischen Konsulat. Die gesamte Presse, sogar sehr weit rechts stehende Blätter, rühmt den Kamps gegen Dollfuß. Im ganzen Lande finden Kundgebungen statt." Di« amerikanischen Sozialisten haben ferner in einem Telegramm ihre Soldarität mit den österreichischen Käme- radcn ausgesprochen, die„für den Wellfrieden, die Demo- kratie und die Kultur kämpsen". T schechoslowakei Tie gesamte tschechoslowakische Arbeiterbewegung, deutsch« und tschechoslowakisch« Sozialdemokratie und Gewerkschaft«» haben unter Mitwirkung der tschechoslowakischen national- sozialistischen Partei sPartet Dr. Beneschj am Donnerstag von 11 bis 11 Uhr 5 Min. vormittags in der gesamten tschechoslowakischen Republik einen Sympathiestreik für die kämpfenden österreichischen Arbeiter durchgesührt, der ungeheuren Erfolg halt«. Rur die Kommunisten lehnte« die Beteiligung ab. Im auswärtigen Ausschuß der Kammer gaben für die vte«leine Entente beunruhigt Paris, 19 Februar. Ter rumänische Außenminister Titu- lesen gab dem Belgrader Vertreter des„Petit Parisien" eine Erklärung ab, die die Haltnnq der kleinen Eniente zur Lage tu Oesterreich und über die Absichten der drei Großmächte Frankreich, England und Italien kennzeichnet. TituleScu. der sich nach der Unterredung mit dem südslawischen Außenminister auf ber Rückreise nach Bukarest befand, erklärte u. a., daß die Kleinen Entente die Ereignisse in Oesterreich mit einer gewissen Beunruhigung verfolge. Ter Abschluß der Straßenkämpfe bedeute»och nicht,. daß die österreichische Frage nun geregelt sei. Im Gegenteil, der Haupttampf werde erst jetzt geliefert werden müssen. In diesem Zusam- menhang müsse man feststellen, daß sich Tollsun die Unter- stützung der einzigen Partei versagte, die ihm bei dem Kampf gegen die Anschlußbestrebungen hätte von Nutzen sein kön- neu. Der Augenblick sei gekommen, wo diejenigen, die ihm bei der Niederwerfung der Sozialdemokraten geholfen hät- ten, den Psei» für ihre Hilfe verlangen würden. Der Bericht-erstatter fügt htnzte es sei unzweifelhaft, daß di« Bestrebungen Italiens, einen italienisch-österreichi'ch- ungarischen WirtschastSblock zu bilden, in Kreisen der Älet- nen Entente eine lebhaste Reaktton ausgelöst hätten, da man in solchen Plänen einen Versuch zur Wiederherstellung der alten Lage sehe mit dem erschwerten Umstand, daß Italien sich dieser Lage bedienen werde, um im Donaubecken gegen die Kleine Entente zu arbeiten. Man seh? andererseits auf fetten der Kle>ycn Entente in den„stcrrcichisch-ungqrischen AnnäherungSbestrebungen die Gefahr eine» doppelten An- schlusses. die man als nicht weniger bedeutungsvoll betrachte. Der Eindruck, daß Jtal'en von den Großmächten den Auf- trag erhalten habe, in Mitteleuropa und besonders ln Wien zu operieren, fei nicht dazu angetan, die Gemüter der Klei» nen Entente zu beruhigen. Belgrad, Prag und Bukarest be» faßten sich ernstlich mit alle« Möglichkeiten, denen sie ge- aebenensalls gegenüberzutreten hätten. Man könne schon jetzt behaupten, daß dos Eingreiien Italiens in di« tnneren Ber- hältnisse Oesterreichs ein? sofortig, Reaktion in Südslawien auslösen würde, das sich gezwungen sehe, geeignete Maß- nahmen zu ergreifen, um sein« Grenzen und seine Sicher- heit zu schützen. Die gemeinsame Erklärung der drei Groß» mächte, so betonte der Berichterstatter des„Petit Parisien", »ei noch Auffassung der Kleinen Entente nicht genügend, um die Lage zu klären und den Laus der Ereignisse aufzuhalten. Die Dreimflchte-Erhtörang Der Wortlaut Paris, 18. Februar. Das französische Außen- m t n i st e r I u m gibt folgendes Kommunique bekannt, das eine gemeinsame Erklärung der drei Mächt« England. Frank- reich und Italien in der österreichischen Frag« darstellt und inhaltlich schon tn unserer vorigen Ausgabe veröffentlicht worden ist: „Im Hinblick auf die Ausrechterhaltung der öfter- reichlichen Unabhängigkeit hat sich die österreichische Re- giernng an die Regierungen Frankreichs, England« und Italiens gewandt, um deren Ansichten über das Dossier kennen zu lernen, daS sie vorbereitet Hai mit dem Zweck, die deutsche Einmischung tn die inneren österreichischen An- gelcgenheiten festzustellen und wovon sie den drei Mächten Kenntnis gegeben hat. Die Besprechungen, die zwischen den drei Regierungen in dieser Frag« stattgefunden haben, haben die gemeinsamen Ansichten hinsichtlich der Not- wendigkett aufgezeigt, die Unabhängigkeit und Integrität Oesterreichs gemäß den in Kraft befindlich«« Verträgen aufrechtzuerhalten." tschechoslowakische und die deutsche Sozialdemokratie Witt* t e r und Schäfer, im Senat H e l le r Erklärungen der innigsten Verbundenheit mit der„herrlichen, unvergleicb» ltchen Arbeiterschaft Oesterreichs" ab. Dänemark Ein Telegramm au» Kopenhagen teilt mit: „Das dänische Matteotti-Komitee hat heute in der ganze« Partetprefie«inen Ausruf veröffentlicht, einen Stundenlohn für eine Hilfsaktion für die österreichischen Arbeiter auf» zubringen. Am 18. Februar fand im Faelledparkcn eine Riesenkundgebung für Oesterreichs Arbeiterschaft statt. gez. Aising Anders««.' Holland Das Zentralorgan der holländischen Sozialdemokrati«„Hct Volk" schreibt: „Der Heldenmut, mit dem die sozialistische Arbetterbewe- gung Oesterreichs den verbissenen Kamps geg«n di« saschisti- schen Gewalten führt, wird tn ganz Europa Frücht« trag««- Das Blut unserer österreichischen Genoäen fließt nicht ver- gebens. Mehr wollen wir augenblicklich, wo wir mit be- benden Herzen den Verlauf der Gefechte verfolgen, nicht sagen. Es solle genügen, daß man begreift: Der Kamps ist von großer internattonaler Bedeutung. Dadurch werden in unserem Weltteil die Verhältnisse»wischen den Klassen und Staaten verändert. Zum»wetten Mal wirb unser« Bewegung in Oesterreich »um Pionier der Demokratie aus einem der Tchlttsselpunkte Europas." Schweiz Die Presse der schweizerischen Sozialdemokratie drückt die Stimmung nicht nur der schweizerischen Arbeiterschaft, son- dern auch weiter Kreise des Bürgertums aus, wenn sie fest- stellt, daß die Schuld an den blutigen Ereignissen in Oester- reich ausschließlich bei der Regierung liegt, di« di« Arbeiter zum Bürgerkrieg herausgefordert hat. Eine Hilfsaktion für die Waisen ber österreichischen Frei» heitskämpfer und die Kinder der Gefangenen ist bereit» im Gange. Spanien „Die Sozialistische Arbeiterpartei Spaniens spricht ihr« Solidarität mit den heldenhaften österreichischen Genosse« aus. ge». Largo Caballero, Vorsitzender der sozialistischen Partei de Francisco, Sekretär." Palästina Die sozialistische Arbeiterpartei telegrafiert ans Avivi „Beugen uns vor proletarischem Heldenkampf Btr Arbeiter Oesterreichs. Sind bereit zu jeder Hilfe* Italien Die italienischen Emigranten bekunden in Brieten, Ttit* grammen und ihrer Presse ihre Bewunderung für die „großen Schüler Viktor AdlerS". Litauen Im Namen aller Zweige der litauischen Arbeiterbewegung, sozialdemokratische Partei, Jugend und Gewerkschaften, sprechen ihre Borstände in einem Telegramm ihr„tiefstes SoltdaritätSgefllhl und ihre Bewunderung für den Helden- kämpf der österreichischen Arbeiterschaft für ihre und die Weltsache deS Sozialismus, und ihre tiefste Trauer über die gefallenen Kämpfer" aus. Die Fache dnb. Wien, 19. Febr. Vom BundeSkommissar für Wien wurden acht Direktoren höherer Lehranstalten ihre» AmteS enthoben. AIS Ursache wird ihr politisches Verhalten an- gegeben. Sie haben"die Weisung erhalten, am Montag nicht mehr aus ihrem Posten zu erscheinen. te- ScfinfihnH iOr Betriebsleiter Aktion der NSBO. dnb. Rensalz, 19. Febr. In Nensalz kam e» zu einer Kuno- gcbung gegen den Betriebsleiter ber Ziegelei Blumcnthal in Lübschütz. GenS. ES war bekannt geworden, daß die Ziegelei ihre Arbeiter unter Tarif bezahlte. Aus diesem Grunde wollte der Ortsgrnppenleiter der NSBO. und Ar- bettSfront, Pg. Mosig, mit dem Betriebsleiter verhandeln. Dieser wurde jedoch tätlich gegen den Vertreter der Ar- bettSfront und beleidigte ihn aus dao schwerste. Die NSBO. veranstaltete aus diesem Grunde«ine Protestkundgebung durch Neusalz zum Rathaus, wo OrtSgruppenleiter Bei- geordneter Hanke zu der Arbeiterschaft sprach. ES wurde «in Schild mitgefühlt, aus dem die Unterbringung des ge» walttätigcn Betriebsleiter» in ein Konzentrationslager ge- fordert wurde. Gen» wurde aus Veranlassung de» Land» rate» in Schutzhaft genommen. Pai neueste In Bayonne fanden die Wahlen für die neuen Stadt» verordneten statt, öle an die Stelle der im Zusammenhang mit b«r Staviöky-Angelcgenhctt zurückgetretenen trete» werden. Die Liste der republikanischen Bereinigung, b. h. ber a«»gesproch«nen Gegner des im Gefängnis fitzenden ehe, maligen Bürgermeister» von Bayonne, Garat, hat auf der ganzen Linie gesiegt, und nur«in einziger Kandidat d«r z», rückgetretenen Stadtverordneten kommt am kommenden Sonntag tn di, Stichmahl. Bei den Abqeordneicnwahleu in Ntort ward« der radikalloztaliftilch« Kandidat mit Unter« stützung der Sozialisten gegen den Kandidaten d«r«n» abhängigen Linken gewählt. Auch bei einer Senatoren- mahl in TonrS wnrd, ein raditalsozialistischer Kandidat iu der Stichwahl gewählt. Der Zustand deS im Bayonner Krankenhaav liegenden Ab« geordneten Ronnoare, der unter polizeilicher Bewachung steht, gibt zu ernsten Besorgnissen Anlaß. Bonuaure leidet an schwerem Asthma und hat große«tembeschw. iden. Die Her»»« haben sich am Sonntag noch nicht üd«r seinen Znstaud aus« sprechen könne». I« Roy«« in Frankreich ward« bei Ebb««in« riesig« Anfterubank entdeckt, ou« der bi« Fischer t«»nrzer Zeit nicht weniger als»9 906 Austern sammelte» Bilder fon der Oslerreldilsdien Bürgerkriegsfroiit Kampf nm Sfeur Die Erwerbslosen im Gefecht Die„NeueZüricher Zeitung" berichtet: Unzweifelhaft eine der schlimmsten Episoden des sozial- demokratischen Aufruhrs war der dreitägige Kamps um Steyr. Die zwischen anmutigen Hügeln eng eingeschlossene «ladt mit ihren prächtigen Barockkirchen und Bürgerhäusern ist plötzlich zum Schauplatz blutiger Ereignisse geworden. Steyr hat kaum 22 000 Einwohner und wäre im Ausland wohl nur wenigen Liebhabern der Barockkunst bekannt, hätte nicht die hiesige Automobil, und Waffensabrik den Namen Steyr in aller Welt bekannt gemacht. Jenseits der Enns liegen die ausgedehnten Gebäulichkciten des gro- ßen Industrieunternehmens. Ein zweites Steyr ist mit dessen Ausblühen erstanden, das zu dem alten Barock-Steyr in merkwürdigem Gegensatz steht. Während des Krieges be- schädigten diese Stenrer-Werke an die lllllM Arbeiter, heute kaum noch lSOf). Mehr als ein Drittel der Bevölkerung ist arbeitslos, ein großer Teil davon schon seit fünf, seit zehn Jahren. Räch übereinstimmendem Urteil erleiden diese Mensche« die schlimmsten Entbehrnngen. Sie schreien nach Brot und Arbeit, nicht weil verantwortungslose Arbeiterführer sie dazu aufhetzen, sondern weil sie ein schreckliches Ende vor sich sehe«. Bei den letzten Wahle« ist die Sozialdemokratie mit Zweidrittelmehrheit als Siegerin aus dem Kampf her» vorgegangen, denn Steyr war seit dem Kriege immer eine rote Hochburg. In den letzten Jahren ist es auch zu einer Hochburg des Radikalismus geworden. Psychologische Boraussetzungen kür einen Macht- und Ber- hweiflungskampf waren in Steyr auch durch den politischen Borstoß der oberösterreichischen Heimwehren gegeben. Die rote Hochburg fühlte den Vorstoß der Heimwehr gegen sich und gegen die sozialen und politischen Rechte der Arbeiter- schast gerichtet. Tiefe Haßgesühle trennen auch hier schon seit Jahren Sozialdemokratie und Heimwehren. Der gemein- same Abwehrkamps gegen den heftig agitierenden National- sozialismus hat diesen scharfen Gegensatz nie zu überbrücken vermocht. ES bedurfte nur eines leisen Anstoßes, um den furchtbaren Verzweiflungskampf auszulösen. Diesen Anstoß haben scheinbar die in Linz zwischen Schutzbündlern und Polizei gewechselten Schüsse, wohl eher die aus Wien einge- laufene Parteiparole gegeben. . Die Unruhen begannen am Montagvormittag mit einem Streik in den Tteyrer-Werken. Gegen Mittag wollte ein Polizeidetachement zum Schutze der Ingenieure und Ange- stellten sich in die Waffensabrik begeben, wurde aber nach Ueberschreiten der Bahnlinie von heftigem Gewehrfeuer empfangen und mußte umkehren. Wie sich bald herausstellte, hatten Schutzbünbler den Streikenden die Parole auSge- geben: bewaffnet euch. Jenseits der EnnS, direkt ober- halb des Bahnhofes, liegt aus einem die ganze Stadt domi- nierenden Plateau eine große Arbeiterkolonie genannt Ennsleite. Nur eine schmale Bahnunterführung und ein steil ansteigendes Sträßchen führen von der Stadt hinüber. Die Abhänge des Plateaus sind offen und waren zudem in diesen . Tagen gänzlich vereist. Die Schutzbündler hatten die Häuser am Rande des Plateaus besetzt, die im Wohnviertel besind- liche Polizeiwache überwältigt und sperrten nun mit ihrem Gewehr- und Maichinenaewehriener den Zugang zu ihren Stellungen vollständig ab. Mit Hilfe einer Kompagnie des in Steyr liegenden Alveniäqerregiments versuchte die Polizei am Nachmittag Ennsleite zu erstürmen, mußte aber,' da keine Deckungen vorbanden waren, wegen des Maschinen- gewehrieuers zurückgehen. Bereits rauschten über die Dächer der Stadt hinweg die Maschinengewehrsalven: niemand konnte mehr die Babnlinie überschreiten, die erschreckte Be- völkerung merkte, daß sich dort ein blutiger Kampf austobte. Zu gleicher Zeit hatten andere Gruppen von Schutzbünd- lern ans der entgegengesetzt liegenden Seite der Stadt, in Steyrsdors, versucht, den Truppen in den Rücken zu fallen »nd hatten auch die Bahnlinie Linz- Steyr gesprengt. Am Montagabend war der Kamps unentschieden; Polizei und Bundesheer waren zu schwach, um die taktisch sehr starke Position der Ennsleite anzugehen. Heber Nacht ,jg man eine halbe Batterie zehn Zentimeter- Haubitzen, eine Schwadron Kavallerie und verschiedene Heim- wehrabteilungen herbei. Am Dienstag begann die Artilleriebeschießung der Maschi- nengewehrnester in den vordersten Häusern ber Ennsleite. Schutzbundler hatten über Nacht ihre Stellungen vor- trefflich ausgebaut, Fenster mit Sandsäcken verschanzt, Schießscharten durch die Außenmauern gebrochen und vorge- schoben« befestigte Posten errichtet. Kanonendonner und Ma- schlnengewehrserien dröhnten über die Stadt, während die erschreckten Bürger sich in Deckung brachten. Am Nachmittag stelltey sich die verstärkten Regierungstruppen ssast in Regt- mentsstärke) in den schon Montag von den Schutzbündler« geräumten Steyr-Werken auf und gingen aus der Flanke zum Angriff über. Beinahe ohne Verluste gelang ihnen der Sturm. Die Widerstandsnester wurden nun einzeln gesäu- bert und nachher das ganze Wohnviertel abgesucht. Es war 17 Uhr des zweiten Kampftages.— Immer wieder flackerte das Gewehrfeuer auf; die mit den Oertlichkeiten wohlver- trauten Schutzbündler flüchteten, wurden indessen in großer Zahl von Heimwehrabteilungen, die die Ennsleite von hin- ten angegriffen hatten, abgefangen. Einige Schutzbündler ge- langten auf Ichleichwegen nach Steyrsdors hinüber. Schon den ganzen Tag hatten auch dort Kämpfe stattgefunden. Das unregelmäßig überbaute und wellige Terrain erschwerte die Aktionen sehr: versprengte Gruppen leisteten auch dort bis Mittwochvormittag Widerstand. Die Berlnste aus selten der Truppe« und der Polizei find gering und beweisen, daß die Anordnungen mit großer Borsicht getroffen wnrde«: drei Tote, sieben Verwundete. Die Aufrührer hingegen mußten 12 Tote zurücklasse»; 15 Schwerverletzte liegen in den Spitälern, etwa fünfzig wur- de««nr leicht verwundet. Die genaue Zahl der betroffenen Schutzbündler kann nicht angegeben werden, da viele von ihnen sich versteckt halten oder geflohen sind. Groß sind die Schäden an jenen Wohn- Häusern auf der Ennsleite, i» denen die Schutzbündler ihre Maschinengewehre hatten und die deshalb mit Artillerie be- arbeitet wurden. Es ist ein Bild grausiger Verwüstung, das sich da den vielen Neugierigen zeigt. Granaten und Schrap- nelle haben nicht nur die Außenwände durchschlagen und im Innern ganze Zimmereinrichtungen zu Staub zermalmt, auch innen wurden ganze Wände herausgerissen. Sonst sind die baulichen Schäden nicht groß: man schätzt sie auf etwa 25 MN Schilling. die man aus den beschlagnahmten Kassen der Sozialdemokratischen Partei flüssig zu machen beabsichtigt Angesichts der Zerstörungen muß man sich eingestehen, baß die Truppen alles getan haben, um nicht Unschuldige zu treffen. Dicht neben einer vollkommen zerstörten Wohnung gibt es noch Haussassaden, in denen kerne einzige Scheibe zertrümmert ist. Militär und Polizei haben sich, wie feststeht, überaus tapfer gehalten und sind doch zugleich schonend vor- gegangen. Wenn gegenwärtig die Zeitungen nur die Leistun- gen der Heimwehren erwähnen, so geschieht dies aus partei- politischen Motiven. Die schwere Arbeit haben indessen Bun- desheer und Polizei geleistet. Die Ausregungen der Kampftage sind vorüber, vollkom- mene Ruhe ist wieder hergestellt, aber ein schwerer Druck lastet über der Stadt. Die schreckliche Episode hat sich den Bürgern zu tief eingeprägt, als daß sie sie schon vergessen könnten. Sie fragen sich verängstigt, was aus-der Stadt und Bevölkerung werden soll, deren Bürgermeister der Anführer der Schutzbündler war? Eine sozialdemokratisch? Mehrheit von gestern wird nicht schnell zu einem vaterländisch gesinnte« Block von morgen, besonders wenn die Heimwehren von nun an die führende Rolle im Staate und in der Gemeinde übernehmen sollten... Arbeiferhelm Otlahring Nach der Erstürmung In der Koppstraße. Ecke Panikengasse. Eine typische braun- gelbe Borstadtstraße. An den Häusern Einschüsse. Zerklirrte Fensterscheiben. Bröckelnder Mörtel. Hier stand eine Barri- kade. Aus den Fenstern wurde geschossen, Major Wrabel verwundet. Noch erbittertere Kampsspuren aber zeigt der nächste Häuserblock zwischen Kreitnergasse und.Klausgasse. Das Militär konnte sich in den engen, scharfbeschosseyen Schächten dieser Gassen nicht entwickeln. Erst in der Nacht gelang es, an der Ecke Maschinengewehre aufzustellen. Die Artillerie des Bunbesheeres postierte sich draußen in dtr Längsachse der Gasse auf einem Erdbttgel. Tie Feldkanonen gaben halbdirekte Schüsse ab. Sechs Treffer sitzen im Arbei» terheim. Aber dieses Gebäude mußte Meter um Meter er» obert werden. Infanteristen dringen von rückwärts in den Hof des Eates, sehen sich von allen Seiten beschossen, finden den Ttieqenausgang lange Zeit nicht, nachdem er endlich entdeckt, dringen sie höher»nd höher und müssen um jedes Stockwerk blutig ringen. In einem Stock finden sie am Fensterkreuz einen Erhängten. Selbstmord? Racheakt? Man weiß es nicht. Ter Konsumverein ist ein wirrer Hausen von Büchsen. Waren. Balken, Brettern. Irgendwo liegt noch ein Blind- gänger. Man muß in das Lokal springen. Denn vor dem Eingang klafft ein breites, tiefes Mauerloch. Geschütz- einschlug. Man erinnert sich unwillkürlich mancher Bilder aus dem Weltkrieg. So zum Trümmerhaufen geschossen waren die Häuser von Monkalcone. Die Aufständischen der Klausgasse waren vorzüglich bewaffnet, aus den Fenstern regnete es Handgranaten. j„Neues Wiener Tagblatt") Ilm den Goefliehof Dachschützen beschossen die Brücke mit Maschinengewehren. Barrikaden aus Eoloniakübeln und Ttraßenbänken sperrten die Straße ab. Mittwochmittag wurde das Artillerieseuer von der Reichsbrücke aus eröffnet. Eine Zehnzentimeterhaubitze schlug eine Bresche in die Fassade. Ein Ueberläuser erschien und meldete, die Schutzbündler seien abgezogen. Das Truppenkommando traute der Meldung nicht. An den Fenstern zeigten sich weiße Fahnen. Das Kommando entsendet einen Parlamentär am Vormittag: man solle die Frauen und Kin- der wegschaffen. Oder man solle die Waffen zu den Fenstern herauswerfen. Die Antwort blieb aus. Nun mußte das Wir- kungsieuer eröffnet werden. In dem Komplex wohnen 35nn Personen. Als man den Hof genommen hatte, fand man nicht einen Toten oder Verwundeten: alles mit einer unheimlichen Geschicklichkeit weggeschafft wie in Heiligenstadt... Das Eafe in diesem Riesenbau ist gänzlich ausgebrannt. Die Wandslächen der Seitentrakte zeigen schwere Geschoß- einschlüge, viele Stellen tiefe, schwarze Wunden... Und dies alles spielte sich unter dem Namen Goethe ab, des größten deutschen Denkers. Drüben leuchtet die Krone der Rotunde im Abcndlicht auf, die Jubiläumskirche streckt ihre spitzen Türme in die dunkelnde Luft. Man d-nkt an den edelsten Verkünder der Humanität. Sdiofibündler-Tragtidieii Die es nicht überleben mochten Wiederholt hat es sich in den letzten Tagen ereignet, daß Angehörige der sozialdemokratischen Partei mit ihren Fami- lienmitgliedern teils infolge seelischer Depression, teils auS Angst vor behördlichem Einschreiten Selbstmord begangen haben. In der vergangenen Nacht wurden in der Wohnung am Dreimarkstein Nr. 7 der Batteriewärter der städtischen Elektrizitätswerke Karl Mager, seine Frau Leopoldine und der 11jährige Sohn des Ehepaares durch Leuchtgas betäubt aufgefunden. Aerzte der Rettungsgesellschaft leisteten ihnen Hilfe. Karl Mager gab an, er seit seit 23 Jahren Mitglied der sozialdemokratischen Partei und seit dem Jahre 19*27 Mitglied des früheren Republikanischen Schutzbundes gewesen. Im vergangenen Herbst habe ihm ein Unbekannter verlötete Blechkisten in die Wohnung gebracht, die 1200 Patronen für Militärgewehre enthalten hatten. Als Mager gestern nach- mittag vom Dienste heimkam, teilte ihm die Frau mit. daß dem Appell des Bundeskanzlers zufolge nur dann Pardon gewährt werde, wenn verborgene Waffen und Munition bis 12 Uhr mittags abgegeben wären. Da diese Frist überschrit- ten ivar, hat er aus Verzweiflung und aus Furcht vor ge- richtlicher Verfolgung beschlossen, mit setner Frau und dem Sohn in den Tod zu gehen. Sie haben Ritzen der Tür und Fenster verklebt, dann den Gashahn geöffnet, um zu sterben. Durch einen glücklichen Zufall konnten sie aber noch im letz- ten Augenblick gerettet werden. Brate Geiangnisbeamfe Ein Trick als Lebensretter Einer der am Freitagabend Verurteilten, dessen Hinrich- tuNgsstunde auf Mitternacht festgesetzt worden war. konnte nur durch einen Trick der Gesängnisbeamten gerettet wer- den. Die Nachricht von seiner Begnadigung zögerte sich bis über die für die Hinrichtung angesetzte Stunde hinaus. Um ihn zu retten, stellte« die Beamten die Gesänguisuhr um eine Stunde zurück und verlängerten so die gewährte Drei- stundenfrist eigenmächtig um eine weitere Stunde. Zehn Minuten nach Mitternacht traf dann auch der Anwalt des Verurteilten mit der Nachricht von der inzwischen erfolgten Begnadigung ein. Nadidenklldies, sehr Nadidenklldies Diesmal in der„Weltbühne" Willi Schlamm schreibt: „Jawohl, Politik und Strategie dieser Parteiführung waren bis zum Tag der Eruption unselig und Verhängnis- voll. Aber dlese österreichische Sozialdemokratie hat im Todes- kämpf die Ehre des Sozialismus gerettet. Es ist vollkommen unwichtig, ob einer aus ber unverdienten Geborgenheit des Augenblicks sich zur österreichischen Sozialistenpartei bekennt, die an diesen Thermopylen des 12. Februar kämpst und fällt, wie es ihr das Gesetz des Lebens, der Würde, der Frei- heit befahl; aber es ist vielleicht gerechtfertigt, da dieses Be- kenntnis von einem kommt, der die Partei vor fünfzehn Jahren verlassen hat, damals, als sie zur Macht kam. Es sei abgelegt vor aller Welt, weil eine Sorte infamer Bur- s ch e n, die sich, von kommunistischen Arbeitern noch immer geduldet.„K o m m u n i st e n" nennen dürfen, selbst jetzt nichts anders im Kops haben— den Me. Jnsamierten zyr Verteidigung der Arbeiterschaft in die Schlinge des Henkxrs stecken— als die Jusamieruug der sozialdemokratischen Füh- rer Oesterreichs: Die einzige Zeitung der Tschechoslowakischen Republik, die das absichtsvolle Lügengist des Fey über die „feige Flucht von Otto Bauer und Julius Deutsch" breit und mit Behagen weitergab, war der kommunistische„Rudy vecernik" in einer Extraausgabe. Damit gibts jetzt und ni- mehr eine Diskussion." * Wozu mir uns zu bemerken erlauben: Solche„Koyrmu- nisten", solche„infamen Burschen" gab es während der .Kompstage in den„kommunistischen" Redaktionen allüberall. Wenn Willi Schlamm in Zukunft seinen Scharfsinn auch ge- gen die äußerste Linke behält, wird er solche Infamien täglich beobachten können. II Willi Schlamm schreibt noch: „Panzerzüge, Minenwerser, Flugzeuge verteidigen m Wien das Recht auf steuerfreie Mossage-Jnserate. Die Panzerzüge, Minenwerser und Flugzeuge der Arbei- ter,— alles das zusammen.ist.der Generalstreik. Und der ge- lang nicht. WaS seit einem Jahr mit der ganzen österreichi- schen Arbeiterschaft als Signal zum Generalstreik vereinbart war, trat alles an einem Tag ein: das Wiener RathauS be- setzt, Partei und Gewerkschaften verboten, Parteivorstand verhaftet, Arbeiterpresse zum Schweigen gebracht. Achtzig» tausend Schutzbündler und Parteifunktionär« setzten ihr Le» den ein; und die große Masse der Arbeiterschaft ging stumpf in die Fabriken. Ihre Häuser wurden vernichtet, ihre Käme- raden und ihre Führer rannten mit beinahe leeren Fäusten gegen Kanonen,— sie aber, müde und mitrb, bedienten die Maschinen, deren Still st and wohl alles geret- t e t hätte. Zwei Monate vorher streikten die Wiener Zei« tungsarbeiter nm zwei Schilling Lohndifterenz: als es um die Differenz zwischen Schlächterei«nd Sozialismus ging, verfertigten fif—„brave Arbeiter" nannte sie der Minister ~-''„Mmigg im Radio— den Schlächtern journalistische Bomben. Gewiß kann man selbst da? noch erklären: Jahre lang haben die österreichischen Arbeiter vergeblich auf die Aus- einandersetzung gewartet: in Hungcrjahren verloren sie das Vertrauen in ihre Gewerkschaften, die untätig dem Fortschritt d->- Mnt»Iiaelehen haben: so oft machte der Parteivorstand nicht Ernst, daß sie ihn. als er es endlich tat, nicht ernst nah- men, All daS ist richtig— n n d all das erklärt gar nichts. DaS Brüllen der Kanonen, die ein Stück steinge- wordener Zukunft niederlegten, übertönte in allen Fabriken Wiens den Maschinenlärm: draußen rannte« ausgezehrte Arbeiterleiber gegen Panzerautos— und drinnen wurden Schuhe genäht, Lokomotiven gebeizt, Zeitungen gesetzt. Was- serwerke instandaebalten. Das närrisch einfache Begriffs- paar:„die" revolutionäre, kamptgewillte Arbeiterschaft— ..die" verräterische, bremserische Führung ist seit dem 13. Februar 1984 vollends unerträglich? ma« wird zulernen müssen." * Wozu w i r unS zu sagen erlauben: Wohl dem, der noch zulernen kann. Es sah auch früher schon in der Arbeiterbewegung manches anders aus. ie nachdem, ob man eS vom verantwortlichen Fiihrerstand oder vom Schreibsessel gutgemeinter und geist- voller Kritik beurteilte. Schwerste Kerkerstrafen für Wiener Straßenbahner dnb. Wien. 17. Febr. Im Dtandrechtsverfahren gegen die Straßenbahner, die an den Kämpfen im FloridSdorf teilge- nommen haben, wurde der Straßenbahner Giller zu lebens- länglichem schwerstem Kerker, der Straßenbahner Sokoll zu 15 Jahren schwerem verschärftem Kerker verurteilt. Die sechste Hinrichtung durch den Strang dnb. Graz, 17. Febr. Der vom Standgericht zum Tode ver- urteilte Schutzbündler. der Sekretär des Metallarbeiter- Verbandes Stanek. ist Samstag nachmittag durch den Strang Hingerichtet worden. Damit sind bisher insgesamt 6 Todesurteile vollstreckt worden. Die gesamte reichsdeutsche Presse in Oesterreich verboten dnb. Wien, 17. Febr. Das Bundeskanzleramt hat heute ein uneingeschränktes Verbot für die gesamte reichsdeutsche Presse aos die Dauer eines Monats jvom 1«. Februar bis 16. Märzf erlassen. Das Verbot erstreckt sich ausnahmslos auf den Poftverfaud und de« Straßenverkauf. Das Standrecht in Salzburg aufgehoben dnb. Salzburg, 17. Febr. TaS am 12. Februar über das Bundesland Salzburg verhängte Standrecht ist mit dem Samstag aufgehoben worden. Neues Standgerichtstodesurteil dnb. Wien, 17. Febr. Das Standgericht beim Landesgericht Wien 1 verurteilte am SamStagnachmittag den Angeklagten Jakob Morauf wegen Aufruhrs zum Tode durch den Strang. „Deutsche Freiheit", Nr. 42 ARBEIT URO WIRTSCHAFT Dienstig. den 20. Februir 1934 Neue Goldverluste Nur noch IC,4 v. H. Notendeckung Nach der Verminderung des Goldbestandes der Reichshank in der Vorwoche um 21,7 Millionen ist in dieser Woche wieder ein Abgang um 21,2 Millionen festzustellen, dem hei den deckungsfähigen Devisen ein Zugang von nur 0,9 Millionen gegenübersteht, so daß sich eine Gesaint Verminderung der Deckungsmittel um 20,3 auf 343,3 Millionen ergibt. Der Ranknotenumlauf zeigt eine Verminderung von 37 auf 3295 Millionen, Sdieidenmünzenumlauf um 18 auf 1390 Millionen. Der gesamte Geldumlauf bewegte sich mit 5208 gegen 5121 i. V. und 5287 im Vormonat weiter leicht über Vorjahrshöhe. Die Notendeckung betrug am 15. Februar 10,4 Prozent gegen 10,9 Prozent am 7. Februar. Die nassen hundern Lebensmittelurnsätze noch tiefer wie 1932 Die Forschungsstelle für den Handel errechnet für 1933 einen Umsaftrückgang des Kleinhandels um 3 v. H., nämlich von 21,5 auf 21 Milliarden Mark. Unter den für einzelne Zweige und Betriebsformen des Einzelhandels Zugegebenen Zahlen fällt auf, daß es vor allem die Entwicklung der Nahrung*. und Genußmittelumsätze ist, die nach Feststellung des Konjunkturinstituts das Gesamtergebnis ungünstig beeinflußt haben muß, und zwar bis zum Schluß des Jahres. So soll der Umsatz der Lebensmittel- und Kolonial Warengeschäfte im ganzen Jahr um 6,4 Prozent und selbst noch im Dezember um 1,6 Prozent niedriger gewesen sein als im Vorjahr. Als weitere Gruppen, deren Umsatz hinter dem des Vorjahrs noch wesentlich zurückgeblieben ist, werden, abgesehen von den Waren- und Kaufhäusern(Rückgang insgesamt 18,7 bzw. 13,5 Prozent), folgende genannt: Dez.: Gesamtjahr: Rutterfilialgeschäfte....— 5,3 Pzt.—13,5 Pzt. Filialunternehmungen für Kaffee und Tee.,.—13,5 Pzt.— 8,0 Pzt. Abstorz Deutschlands Linoleumausfuhr Der Auslandabsatz der deutschen Linoleumindustrie hat seit Ausbruch der Weltwirtschaftskrise einen anhaltenden Rückgang aufzuweisen. Deutschlands Ausfuhr von Linoleum- Fußbodenbelag ist, nachdem sie 1929 einen Rekord von 146 622 Doppelzentner erreicht bat. im Jahre 1930 um rund 11 Prozent auf 130 434 Doppelzentner, 1931 um 23 Prozent auf 101 011 Doppelzentner, 1932 um 32 Prozent auf 68 709 Doppelzentner und im abgelaufenen Jahr erneut um 14 Prozent auf 58 791 Doppelzentner gesunken. Die Ausfuhr war somit im letzten Jahr der Menge nach um annähernd 60 Prozent geringer als im Rekord jähr 1929. Dem Wert nach hat sich die Ausfuhr gleichzeitig sogar tim etwas über 64 Prozent vermindert, nämlich von 16,91 Millionen Reichsmark 1929 auf 15,44 Millionen Reichsmark 1930, 12,28 Millionen Reichsmark 1931, 7,70 Millionen Reichsmark 1932 und 6,03 Millionen Reichsmark 1933. Ausfuhr in dz nach 1929 1931 1932 1933 Schweden 29 383 15 378 12 566 12 571 Schweiz 16 178 12 214 9 531 10 688 Holland 11 564 3 668 5 192 5 807 Norwegen 7 138 7 382 7 209 5 299 Finnland 7 153. 5723 4949 4515 Dänemark 11 018 10 814 6 441 4 151 Tschechoslowakei,,. 16933 11 921 3 890 2 461 Frankreich 14 136 7 565 5 851 2 253 Oesterreich 8 164 9 814 3 337 1 241 PfJidiflnflungen Der Reichswirtschaftsminister hat im Einvernehmen mit dein Reichsarbeitsminister den Landesregierungen ein Rundschreiben üfyer die Durchführung des Gesetzes über den vorläufigen Aufbau des deutscheu Handwerks zugehen lassen. Er kündigt darin an, daß die zur Durchführung des Gesetzes erforderlichen Vorschriften in Kürze erlassen würden. Auf dem Gebiete des Innungswesens würden sie grundlegende Aenderungen bringen, da an Stelle von freien Innungen und Zwangsinnungen in Zukunft nur noch Pflichtinnungen bestehen würden. Deshalb sei es, wie der Mininister betont, völlig unerwünscht, etwa jetzt noch freie Innungen für das Handwerk zu errichten. Entsprechende Anträge sollten abgelehnt worden. Auch die Errichtung von Zwangsinnungen erscheine nicht mehr zweckmäßig. Wohl über sei zu empfehlen, daß schon jetzt durch die Handwerkskammer, und Verbände Pläne für die künftige Pflichtorganisation entworfen würden, so daß diese nach Erlaß der Verordnung jm allgemeinen aofort in Kraft gesetzt werden könne. Der Bezirk der einzelnen Pflichtinnungen solle möglichst mit den Grenzen unterer Verwaltungsbezirke abschließen. Wo die Zahl der Betriebe des gleichen Handwerks zur Bildung einer lebensfähigen Innung nicht ausreiche, sollten verwandte Gewerbe zusammengeschlossen, und die noch übrig bleibenden Betriebe auf die Innungen nach ihrem nächsten Verwandtschaftsgrad verteilt werden. Bei Handwerkszweigen, die zum Reichsnährstand gehörten, empfehle es sich, nur reine Fach Innungen vorzubereiten. Keine Zurücksetzung! In einer Buchdriickerversaminlnng in Wuppertal sprach Pg. Thann Er betonte, daß eS feine Zurücksetzung der übrigen deutschen Volksgenossen sei, wenn alle verantwortlichen Stellen nur mit Nationalsozialisten besetzt würden, denn die Negierung müsse Sicherheiten haben, daß ihre Aufmerksamkeit am deutschen Bolfe auch wirklich durch- geführt wird. Der erste Spatenstich Ter neudeutsche Bonze beschäftigt sich. Bor ausgehungerten Arbeitslosen Vollzieht er in Stulpen und braunen Hosen Symbolisch den erste» Spatenstich. Tann überläßt er die weitern Gnädigst de» Zwangsarbeitern. Er hält eine Rede.(Marke: Leitsaden für Geistesschwache.) Tie Nede ist Sache! Also, mal herhören, Volksgenossen. Heil Hitler! Hoch mit den dreckigen Flossen. Wir schlagen die siegreichste Arbeitsschlacht der Welt. Und unsere ErwerbSlosenziffer. die fällt, Seitdem wir statistische Eintopfgerichte kochen Ununterbrochen. Das ist phänomenal! Pyramidal!! Kapital!!! Uebrigens: Kapital. Tiefe marxistische Einrichtung ist vollkommen ex. Ter Führer besiegt sie im Geiste des Hitlerjungen Ouex. Marxistiich-kapitalistischer Tariflohn wird nicht mehr jgezahlt. Damit der Stern unserer Volksgemeinschaft Heller erstrahlt Ten» es steht in unseren sämtlichen unabänderlichen ^Programmen: Volk und Führer gehören eisern zusammen. Ihr seid das Volk. Ihr habt gemeinschaftlich zu parieren Wir find die Führer. Wir befehlen und profitieren.^ Ihr seht, wir sind füreinander da. Das übrige regelt die SS. und TA. Achtung! Marxist Meier, nehmen Sie die Nase gerade in Idas Gesicht. Hier wird setzt umgehend feierlich gespatensticht. Stillgestanden! Schultert Schaufel, Hacke und Spaten. Abteilung marsch! Euer Brot ist die Ehre, Ihr Arbeits. ffoldaten. TaS Ist die Rede. Anschließend ivird dann spatengestichelt, Und abends wird steuerermäßigter Sekt gepichelt. Recht so. ihr geistige» Schicksalskrttppcl. Knutct das eigene Volk mit Lüge. Hunger und Knüppel. Aber merket: Jeder Spatenstich, den ihr gefeiert habt. Ist ein Stich zu dem Grabe, das ihr euch selber grabt. Ter Rote HanS. JrOhlidi Pfalz'" Ein Bericht Jede Unterhaltung mit Angehörigen der verschiedensten Erwerbslosenschichlen ergibt, daß niemand aufrichtig von einer Besserung seiner Lag: sprechen kann. Tie zahlreichen schweren Bestrafungen wegen kritischer Aeußerungen ver- mochten nicht die Stimme der Kritik zu ersticke». Wer den Umfang und die Schärfe der Kritiken kennt, ist erstaunt, daß, an der Schärfe gemessen, mit der alle Miesmacher ausgerottet werden sollen, eigentl'ch sehr wenig Anzeigen erfolgen. Es wirb nicht nur geschimpft llber die persönlich fühlbaren Aus- Wirkungen verfehlter Maßnahmen, auch Gerüchte über Streitigkeiten unter den Führern, über schlechten Lebens- wandet, sittliche und strafrechtliche Verfehlungen werden sehr fleißig kolportiert und verbreiten sich bis in die ent- legendsten Dörfer. Da die Zeitung nicht mehr interessant ist, blüht die Verbreitung von Sensationen aus dem Weg der gegenseitigen Zuflüsterung, wobei das, was kolportiert wirb, auch so z'emlich jedermann erfährt. In einer solchen Atmosphäre mußte natürlich die Ver» breitnng von Flugblättern, in denen bekannte Führer als Säufer. Schlemmer und Plünderer der öffentlichen Kasten und des Winterhilsöwerks beschuldigt werden, großes Auf» sehen erregen. Trotz schärfster Maßnahmen. Durchsuchungen, Verhaftungen, Verstärkung des Kriminaldienstes uiw. geht das Flug- blatt immer noch von Hand zu Hand, bringt sogar über den Berteilungsbezirk weit hinaus und bildet nun seit zwei Wochen das Tagesgespräch, wobei mit teilweise sehr massiven Beweisen die Richtigkeit der Anklagen unterstrichen wird. In bieiem Zusammenhang war dieser Tage der Ausspruch eines ehemaligen Naziwählers vom Lande interessant, der sagte:„ES wird wohl richtig sein, daß eS unter den frühere» Regierung?» Leute gab. die zu stark für sich sorgten. Aber gegenüber den habgierigen und eigennützigen Bonze^ von heute waren sie sicher harmlos". Ter Tvnderkvmmissar Dr. Easpary hat au mehr als 4000 Wobttabrlsarbeiter wegen der Flugblattverteilung eine Rede gehalten, die viel besprochen wird. Neben der üblichen Androhung von Schutzhaft und standrechtlicher Erschießung soll er auch dem Sinne nach gesagt haben:„Ihr habt nichts zu tun a!» zu arbeiten und eure von uns aufgetragenen Pflichten zu erfüllen. Ihr habt weder zu denken, noch zu kritisieren. Wir denken und handeln für euch, ihr habt euch zu fügen und zu gehorche»." Einer sehr scharfen Kritik wird die sogenannte„Winter- hilse" unterzogen E>. kann natürlich nicht verborgen bleibe», baß zunächst einmal ganz offen parteiisch»erfahren wird. Tabei erhalten Leute Unterstützung, die es gar nicht nötig hätten, während dringend Bedürftige leer ausgeben. Im Verhältnis zu den kolossalen Anforderungen a» alle Schich- ten der Bevölkerung bei der Sammlung wird sehr wenig geholfen Barauszahlungen erfolgen überhaupt nicht. Tic Ausgabe von Lebensmitteln Ist äußerst gering, fast nicht nennenswert Mit den Gutscheine» dürfe» nur Bckleidongs- stücke gekauft werden. Ten meisten Bedürftige» fehlt es aber In erster Linie an der Nahrung. Sie verkaufen deshalb ihre Gutscheine, um sich Nahrung kaufen zu können. Tie Verhaftungen wegen diesem„Verbrechen" sind deshalb jetzt eine fast alltägliche Erscheinung. Der Spießbürger ist an einer wunde« Stelle getroffen durch die rigorosen Steuercintreibunge», hie auch ei» Lb- jel« scharfer Kritik bilde». Staat und Ge»iel»de» gehen dabei schärfer vor, als es jemals der Fall war. In SiadtratSsitzungen und in den Lokalzeitungen wird immer wieder an das vaterländische Pflichtbewußtsein appelliert, das die pünktliche Abführung aller Abgaben verlange. Säumige werden als Saboteur« des Neuaufbaues de« Reiches bezeichnet. In den Dörfern, die früher jede Bllrgersteuer ablehnte» und sich auch nicht einschüchtern l'eßen durch den Entzug der Zuweisungen für die Erwerbslosen, weil sie gar kein Interesse halten an deren Unterstützung, ist jetzt fast überall auf Befehl die Bürgersteuer durchgeführt worden und hat die Bauern, die wirklich an die Aushebung aller Steuern unter Hitler glaub- ten, sehr verschnupft. Tie Erregung wege» dem Erbhosgesetz vergrößert sich aus dem Lande von Tag zu Tag. Ter Bitte um nähere Aufklärung darüber, was bis jetzt in der Sache bekannt ist, wurde übereinstimmend von eint- gen Bauer» in folgender Weife entsprochen: Jeder Hof von 25 Morgen ab, von Fall zu Fall auch kleinere Höfe, vererbt sich automatisch auf das älteste männliche Glied der Familie. Bei kleineren Gütern auf de» Jüngsten. Ter Erbhoserbe ist den übrigen Familienmitgliedern gegenüber zu nicht? verpflichtet, als zur Gewährung de» Lebensunterhalts. Ties wird als Fronarbeit der entschädigungslos Enterbten bezeichnet. Tie Erbhossamilie ist ohne jede geldliche Leistung zur Arbelt verpflichtet und verliert jede Freizügigkeit. TaS wird als Rückfall in die Feudalzeit bezeichnet. Sobald ein Erbhof beurkundet ist, wird«in Entschuldungsverfahren eingeleitet. Ter Staat löst die Hypotheken ab und ver- wandelt sie In langfristige Darlehe». Tie Ableistung an den Staat darf n: cht höher sein, als der jährliche ErtragSübcr- schnß. Zwangsmaßnahmen zur Eintreibung von Schulden sind ausgeschaltet. Ein Verkauf von Grund und Boden kann nicht stattsinden. Ter Erbhosberechtigte hat nur noch Ver- sügungSgewalt über eine Kredithöhe bis zu 450 Mark. Er hat also die Verfügungsgewalt über seinen Besitz verloren. Ist der Erbbos ohne männliche Nachkomme», so erben die männlichen Nachkommen väterlicherseits. Tie Töchter gehen also leer aus. To ist also den Bauern die Sache bekannt und da von den Erzählungen der Großväter her die früheren traurige» Verhältnisse der Bauern sehr gut bc- kannt sind unh auch die Namen Stein— Hardenberg bei den Bauern einen guten Klang haben, ist die Erregung verständlich. Wenn die Unterdrückung nicht zu brutal wäre, wen« auch nur die Verteilung von Flugblätter» auf dem Lande mög- lich wäre, könnten die dem Mittelalter zusteuernden Macht- Haber von heute ihr blaues Wunder erleben. Jedenfalls verdient die ungeheure Beunruhigung der Bauernschaft die größte Beachtung. Auf die Ankündigung im Herbst, es würden In größerem Umfang Staatsdarlehen»um Wohnungsbau verteilt, meldete» sich zahlreiche Interessenten aus Stadt und Land. Nun wurde den Leuten erklärt, die Tarlehen könnte» Führer der Kochkunst Pg. Wolkersdörser hat die„Gesellschaft zur Förderung der Kochkunst" gegründet. Verwaltungsorgane der Gesell- schast: Ter Führerrat und das von ihm bestellte Kurato- rium. Wolkersdörfers Schlußwort bei der Gründung „klang aus in ein dreifaches Tieg-Heill auf den Führer". wegen Mangels an Geld nicht gewährt werden, aber es werde empivhlen, dem Baumeister«inen langsr'ftlgen Wechsel zu unterschreiben, so daß alle Bauvorhaben durch- geführt werde« könnten. Es wäre sehr interessant zu er- fahren, ob solche Vorschläge auch in anderen Teilen deS Reiches gemacht wurden. Das wäre natürlich ein unge- Heurer Schwindel. Ter Geldmangel ivürbe augeblich durch gut gedeckte Wechsel behoben. Aber es ist ja bekannt, daß ein fertiggestellter Neubau gegenwärtig nirgends zur Her- steUnngSiumute verkaust werden kann. Niemand hat in den letzten Jahren Häuser gebaut zum Verkauf. Das wäre nicht möglich gewesen. Nur mit Hilfe der billigen Staalsdarlehen oder infolge genossenschaftlichen Zusammenschlusses war es möglich. dem Bedürfnis nach Wohnungen entgegenzukommen. Da sich dieser Zustand nicht geändert hat, wären die an Stelle von Ttaatsdarlehen ausgegebenen Wechsel ein großer Schwindel und dies scheinen die Belustigen auch begriffen zu haben. Wir sind aus guter Quelle darüber unterrichtet, daß innerhalb de» katholische» Geistlichkeit ziemlich heftige Aus- einandersetzunge» darüber stattfinden, ob ein weiteres still- schweigendes Zulehen gegenüber de» sehr onchristliche» Vorgänge» angebracht ist oder nicht. Vereinzelt haben die Nazis bereits Kenntnis von der Einstellung opponierender Geistlicher und drohen mit Ver- Haftung. Ter früher gewohnte Respekt vor der Geistlichkeit schwindet durch die Art, wie die Nazi« mit ihnen umgehen, immer mehr. Daraus resultiert auch hauptsächlich der Wille, sich aufzubäumen. Die Erziehung zur Wehrhastigkeit des Volkes ist nun schon soweit gediehen, daß von verschiedene« Qrte» über- einstimmend gemeldet wird, daß sogar für die Schuljugend schon Schießübungen abgehalten weiden. DI« llbungSmärsche und Geländeübungen der TA. sind bereits cin gemobnteS sonntägliches Bild und werden auch bei Schnee und Kälte fortgesetzt. Dieser Drill löst natürlich auch bereits scharfe Kritiken aus. Man erzählt sich gegen- wärt ig. ein müde und durchnäßt heimgekommener TA.- Mann habe seine Kleider auf den Stuhl geworfen, sich ins Bett gelegt und seiner Mutter zugerufen, da aus dem Stuhl liegt der SA.-Mann und im Bett der Kommunist. Von den zahlreichen pfälzischen Schutzhäftlingen, die nach Dachau kamen, sind nur etwa 4—5 bis seht entlassen worden. Sie sind sehr eingeschüchtert und völlig schweigsam, was man bei der bekannten Methode und der Gefahr neuer Ver- Haftungen wohl verstehen kann. Dem Faschingsrnmmel ist im Hinblick auf die Arbeits- beschafsung und WirtschaftSanknrbelnng weiter Spielraum gelassen worden, aber weder die Geichäftsinleressenten noch die Vergnügungssüchtige» find nach den bisherigen Er- fahrungen aus Ihre Rechnung gekommen. Als einziger Fortschritt ist zu verzeichnen, baß rück» ständige Betriebskrankenkassc« aufgelöst und d«n OrtS« krankenkasse« einverleibt wurden. Gegenwärtig laufen anch Verhandlungen, sogenannte Distriktskrankenkassr« mit den QrtSkrankenkassr« des BezirkSamtssttzes zu»erschmelzen. Zahlreiche NotstandSarbeiten und Projekte für Wohl- fahrtserwerbslose mußten wegen der ungünstigen Wit- terung eingestellt werden. In zahlreichen Gemeinderals- berichten liest man das Bedauern über die Ablehnung vor- geschlagener Projekte wegen Geldmangels, Gcni und die Saar-Absfloiiiioiui Zum Abschluß de? 2. Tagung des Genfer Dreier-Ausschusses! Es steht nunmehr endgültig fest, was wir bereits am Samstag berichteten: Tie Regierungskommission wird während der Abstimmung ihre normalen Funktionen beibehalten und nicht vor einem Abstimmungsaus- schuh d e m i s s i o n i e r e n. Tie Aufgaben des technischen Abstimmungsausschusses sollen durch den Iuristenausschuh näher umrissen werden, aber der hitler-amtliche Wunsch nach einer vorherigen Beseitigung der Regierung?- Kommission hat keinerlei Aussichten. Ten ganz wilden Schmerz über diese Niederlage kleidet das hitler-amtliche Deutsche Nachrichtenbüro(das damit zugleich die Sams- tag-Meldung des Saarbrücker„Abendblattes" demen- tiert) in folgenden amtlichen Kommentar:„Sehr be- benklich erscheint uns, datz zweifellos die Absicht besteht, auch der Regierun gskom- Mission des Saargebietcs bestimmte Auf- gaben für die Durchführung der Abstim- mung zuzuweise n." Wir kondolieren! Bedenklicher noch Ist aber die Tatsache, datz die gleichgeschaltete Saar- presse diesen Satz des amtlichen Nachrichtenbüros fälscht: Sie unterschlügt die Worte: sehr bedenklich! Wirk- lich sehr bedenklich! Ter Treier-Ausschutz hat seine 2. Tagung am Samstag beendet, nachdem er in seiner Schlußsitzung nochmals mit dem Präsidenten der Regierungskommission, Herrn Knox, konferiert hatte. Er hat ein Kommunique her- ausgegeben, das einen sehr grundlegenden Unterschied macht zwischen„allen Fragen, die mit der Vorberei- tung und Durchführung der Volksbefragung z u s e» m* inenhängen" und den„verwaltungstechnischen und j u r i st i s ch e n Ausgaben, die sich im Laufe der Abstimmung ergeben werden". Das hitler-amt- liche Deutsche Nachrichtenbüro hat dem noch hinzugefügt, daß die Frage der Polizeitruppen oder die der Berstär- kung der lokalen Polizeitruppen als noch nicht spruchreif vertagt worden seien. Die„Saarbrücker Landeszeitung" versieht diese Meldung mit folgendem Kommentar:„Das ist— wenn Worte einen Sinn haben sollen— kein leicht zu nehmendes Wort in einer wich- tigen Erklärung. Der Treier-Ausschutz hat damit rlso zu verstehen gegeben, datz für ihn die Frage der Entsendung von..Polizeikräften" noch spruchreif w i r d." Dazu kann man nur sagen: Wenn der Terror der so- genannten„deutschen Front" so weiter gehtwiebisher.dann dürfte wohldie„Lan- deszeitung" recht behalten— dann hätten sich allerdings auch die Gleichgeschalteten selb st zuzuschreiben, datz der Ausschutz zu diesemMittelgreift. Selten noch hat ein Bölkerbundsausschuh so re st los (natürlich bis auf die ewig unzufriedene Hitlerei!) den Beifall, die Zustimmung und die einstimmige Anerken- nung der gesamten Weltöffentlichkeit und ihrer Presse gefunden, wie das Dreier-Komitee des Bölkerbundsrates zur Vorbereitung der Klärung der Fragen zur Saar- abstimmung. Und zwar gilt dies ausnahmslos von allen drei Herren der Kommission, und nur die Presse-Kulis Hitlers versuchen, auf höhere Anweisung, in der plump- stcn Weise einen Keil zu treiben zwischen den gleich ernsten Bemühungen der Herren Alois! und M a d a. r i a g a. Auch ist erneut übereinstimmend in der ganzen Weltpresse registriert worden, wie vertrauensvoll und eng das Zusammenarbeiten zwischen dem Dreier- Komitee und der Regierungskommission, insbesondere ihrem Präsidenten Herrn Knox gewesen ist. die k i n- dischen und lächerlichen Diffamierungsversuche der Hirler-Presse gegen den Präsidenten der Regierungs- Kommission sind dadurch erneut mit einer lässigen Hand- bewegung der Kommission unter den Tisch gefallen. Für die 3. Tagung Mitte März eröffnen sich damit gute Perspektiven einer erfolgreichen weiteren Förderung des Gesamtproblems. X. B. Frei, geheim und ehrlich Der Genfer Dreierausschuß W( n f, 17. Februar 1984. Ueber das Ergebnis der Tagung be« Dreieransschusses zur Vorbereitung der Saarabstimmnng wird folgende Mit» teilong aoogcgeben: Der Dreierauoschuß hat vom 15. bis 17. Februar unter dem Vorsitz des Barons A l o i s i getagt. Ihm lag eine Deut- schritt des Präsidenten der Regierungskommisston des Saar- gebiets. Knox, vor. Der Ausschuß hat alle Fragen, die mit der Vorbereitung und Durchführung d«x Volksbefragung zusammenhängen, gründlich geprüft mit dem Ziel, die Freiheit, das Geheimnis und die Ehrlichkeit der Abstimmung zu sichern im Einklang mit dem Austrag, den ihm der Völkerbundorat am 20. Januar erteilt hat. Er hat eine gewisse Zahl von Fragen juristischer Art einer Prüfung durch Juristen vorbehalten. Er hat weiter die vcrwaltnngötechnischcn und juristischen Ausgaben geprüft, die sich im Lause der Abstimmung ergeben werden, um sie zwischen dem Bölkerbundsrat. der Re- gierungskommission und denjenigen Organen auszuteilen, die zu diesem Zwecke eingelegt werden müßten. Im Sin» blick aus die Berichte der Juristen, die ebenso berücksichtigt werden sollen wie die offiziellen Ansichten der RegierungS» kommisston, hosft der Ausschuß in seiner nächste» Tagung die Vorschläge vorbereiten zu können, die der Völkerbunds« rat von ihm für seine Maitagnng verlangt hat. # Die nächste Tagung deS Dreierausschusses über die Volksabstimmung im Saargebict findet voraussichtlich am 15. März statt. Bis dabin hofft man von dem Juristen- ausschust eine Antwort auf eine Reihe von Fragen erhalten zu haben, deren Fragebogen noch geheim gehalten wird, der aber zweifellos die Frage, wer abstimmungsberechtigt ist, die Frage der gemeinde- oder bezirksweisen Abstimmung und die Frage der Kompetenzabgrenzung zwischen der Re- gierungskommission und dem technischen Abstimmungs- ausschuß enthält. Herrenreiter Papen Ein„Führer" auf einer"Ogenannten Führertagung Auf der sogenannten Führertagung des Bundes der Saar- vereine sprach in Koblenz am Sonntag unter anderen Vize- kanzlcr v Papen. Nach dem Bcrcht des deutschen Nachrichtenbüros sagte er unter anderem wörtlich: „Für uns kommt keine andere Lösung an der Saar in Frage, als die vollständige Rückgliederung des Saarlandes zum Reich. SincLSsung aus der Grundlage des flatus quo ist keine Lösung, die den Frieden in sich trägt oder den Frieden garantiert." Damit wiederholt Papen, nur in etwas deutlicheren und un- Schulz den Redakteuren I Ein« bemerkenswerte Verordnung Die Regierungskommission des Saargebietes Hot dem Landesrat einen Verordnungsentwurf nebst Begründung zugehen lassen, dessen entscheidende Sätze lauten: Artikel 1. 8 240 a. 38er es unternimmt, widerrechtlich einen Redakteur, c>n anderes Mitglied einer Redaktion oder den Verleger einer periodischen Druckschrist durch Gewalt oder Drohungen zu einer bestimmten Gestaltung des Inhaltes einer periodischen Druckschrist zu nötigen, wird mit Gefängnis nicht unter 6 Monaten bestraft. Sind mildernde Umstände vorhanden, so tritt Gefängnis» strafe nicht unter einem Monat e'u.• Die§§ 42 a und 42 b StGB, finden keine Anwendnng. Artikel 2. Diese Verordnung tritt in Kraft einen Tag nach ihrer Veröffentlichung im Amtsblatt. Alle ihr entgegenstehenden Bestimmungen werde» ausgehoben. Die Begründung „Gegen das Verbrechen der Nötigung!" Am 27. Januar 1934 wurde in einer Saarbrücker Tageszeitung ein Schriftstück folgenden Inhalts veröffentlicht: „An die Redaktionen! Ich habe mit Entrüstung festgestellt, daß einzelne Redak, tionen dazu übergehen, in der Denkschrift der Deutschen Front des Landesrates gewisse Säfte, die den Präsidenten Knox betreffen, herauszustreichen. Diese mangelnde Zivil- kurage sieht den Kollegen, die das t«n. zum Berzweiseln ähnlich. Leider bewahrheitet sich mit diesem Verhalten das Zitat: Deutsch die Saar immerdar- nur gegen bar! Um keine Mißverständnisse auskommen zu lassen, soll damit lediglich gesagt sein, daß entgegen den Bestimmungen deS nun in»rast tretenden Schriftleiter. gesefteS anscheinend die Kollegen, statt dem Ethos ihres Berufes,n dienen, noch geschäftliche Interessen vertreten, die sie, was ich ausdrücklich betone, gar nichts angehen. Ich mache daraus ausmerksam, daß ich diese Methode mit allen mir zur Rersüguug stehenden Mitteln unterbinden werde. Ich ersuche die Redaktionen dringend, um die Ein- heitlichteit der Berichterstattung zu gewährleisten, und der Regiernngskommisston keine Handhabe»u geben, gegen eine einzelne Zeitung vorzugehen, derartige Maßnahmen, sosern s>e getrossen sind, sosort zu inhibieren. Ich werde mit Herrn Staatsrat S p a n i o 1 zusammen, der mit mir diese Auslageuachricht ansdrückltch festgelegt hat, ans das strengste daraus sehen, daß die Kollegen Solidarität wahren. Ich gehe sogar so weit, jeftt schon den Ausschluß an» dem Zierein der Saarpress« anzu- drohen und darüber hinaus auch zu ver» sichern daß ich bei dem Urteil über die Ausnahme in d i e Bcrusslifte diejenigen Kollegen, die sich ein derartig«nkolle- gialeö Benehme» zuschulden kommen lassen, mit Entschiedenheit ablehnen werde. Pressereserent der NSDAP. Saargebict und der Deutschen Front. Die?lussührungen, die der Pressereserent In der vor« liegenden?!nordnung macht, werden vo« mir restlos ge- billigt und gedeckt. Spaniol, Preußischer Staatsrat." Auf diese Veröffentlichung bin erschien in der Tagespresse vom 29. und 20. Januar 1934 ein Artikel, in welchem daS tatsächliche Bestehen des vorstehenden Schrei» b e n S zugegeben>v urdc. Der Inhalt dieser Veröffentlichung kennzeichnet gewisse Bestrebungen, die»uter den jetzigen im Saargebict obwal- tendc» Umständen daraus hinausgehen, die berufliche Freiheit des I o u r n a 1 i st e n st a n d e S zu untergraben. Derartigem Vorgehen muß die Regierung?- kommisston entgegentreten, da ihr die Pflicht obliegt, im Saargebiet unter allen Umständen Schutz gegen solche u n- statthafte D r» ck m a ß n a h m« n z» gewähren. Wenn auch im vorliegenden besonders krassen Falle die bestehende Gesetzgebung den zu- ständigen amtlichen Stellen die Möglichkeit einer st rasgerichtlichen Verfolgung gegeben hat. erscheint e» doch erforderlich, die für ä h n l i ch e F ä l l c unter U m st ä» d e n u n z u l ä n g- l i ch e n st r a f r e ch t l i ch c n B v r s ch r i f t c n c n t s p r e> chend zu ergänzen. Diesem Gesichtspunkte entspringt der vorliegende Berord- nuiigsentivurf, der sich an daS allgemeinste der gegen die persönliche Freiheit gerichteten Verbreche» der Nötigung anlehnt. verhüllteren Wendungen, Hitlers stereothpcn«atz. daß nur »och die Saar zwischen Deutschland und Frankreich— und dem europäischen Frieden stehe! Im übrigen hat darüber, ob der Status gno eine Lösung ist oder nicht, nicht Herr von Pape» oder Herr Hitler zu befinden, ja, sie haben sogar nicht einmal mehr mit darüber zu bestimmen, seitdem sie aus dem Völkerbund ausgcschicdeu sind,— sondern diese Frage entscheidet einzig und allein der Völkerbund. Nicht einmal die Abstimmung des Saarvolkes selber, so bedeutungsvoll sie auch ist, ist dafür das einzige und entscheidende Kriterium, sondern lediglich die Gesamtbcurteilnng der Frage durch de» Rat, wie sie der Bertrag vorsieht! Und auch Kriegsdrohungen ändern daran nichts! Herr von Papen hat dann noch ein Eingeständnis gemacht: Er fürchtet, datz bei einer Rückkehr der Saar zu Deutsch- land„die T a a r iv i r i s ch a f t einschrumpfen iv i r d" mtft löst dann dieses ganze, schwierige und komplizierte Pro- blem mit dem schönen phrascnrcichcii Satz:„Die Reichsrc- gicrung ist bestrebt, die gesamte Saarprvduktiou im eignen Räume iiuterzuvringen!" Da kann man nur sagen: Leicht beieinander wohne» die Gedanken, doch hart im Räume stoßen sich die Sache»! Hitler-Teutschland wirb niemals in der Lage sein, die gesamte Saarproduktion auch nur an- nähernd in seinem eigenen Räume unterzubringen: Alle! n a. der Ruhr liegen Kl Millionen Tonnen Kohlen auf Halden' und sind prozentual doppelt so viele Bergarbeiter zur Eut- lasiiing gekommen, als an der Saar! Aber Herr von Papen ist ein guter Herrenreiter und hat schon in vielen Sätteln gesessen. ES kommt ihm auf einen Sattel mehr nicht a», auch wenn er die Mähre, die er darunter spornt, zu schänden reiten sollte! Wachsende rreiheilsfroni Ueberfüllte Kundgebungen Die Zahl der Anhänger der deutschen Freihcitssront an der Saar wächst von Woche zu Woche. Ein deutlicher Beweis für das gesteigerte Interesse, dem sie begegnet, sind die machl- vollen Kundgebungen. So fanden am vergangenen Sonntag in F i s ch b a ch, Völklingen und W e IJ e s i» e i l e r Versammlnngen statt, die den Rahmen des liebliche» im Saargebiet bei weitem überschritten. In Völklingen hatte sich die Besucherzahl gegenüber der letzten Kundgebung um das Dreifache gesteigert. In Fischbach, mo gerade die Gleichschaltungsivelle ihren Höhepunkt erreicht hat, war das Interesse großer als je. In Wclleswciler hatten sich über tausend Personen eingesunden. Tie als Sprecher a»>- tretende» Genossen Mar B r a u n, P a u I V aber s und R i ch a r d K I r n fanden eine ausgezeichnete Stimmung und starken Kampfwillcn vor. Vor allem die letzten Ereignisse in Oesterreich haben aufrüttelnd im Saargebict gewirkt. Die Front der Freiheitltebeiiden an der Saar schließt sich fester zusammen. Alhert I Der jähe Tod des Königs der Belgier Unter seltsamen Umständen, die trotz umfangreicher Mel- düngen keineswegs geklärt sind, ist am Samstagnachmittag Albert I„ der König der Belgier, ums Leben gekommen. Er fuhr in Begleitung seines Kammerdieners in die Ardennen in der Nähe, von Nanu» und erklomm dann allein einen 200 Meter hohen Felsen. Später entdeckte man in einer Schlucht leine Leiche. Ter Kopf des Königs war zcr- schmettert: der Tod muß ans der Stelle eingetreten sein. König Albert vvn Belgien gehörte zu den europäischen Staatsoberhäuptern, von denen man nur wenig sprach. Er besaß menschliche Eigenschaften, die ihm auch bei Republi- kauern und Sozialisten große menschliche Sichtung eintrugen. ZltS 1014 die deutschen Heere in Belgien eindrangen, begab er sich zunächst nach Frankreich: später stellte er sich an die Spitze der belgischen Truppen und kämpfte tapfer. Fn der Oeffentlichkcit sah man ihn noch bis zuletzt in der gelben Khafi-Uniform der Soldaten. Er besaß in seinem Lande eine nicht geringe Popularität.?ln einem stärkeren äußeren Hervortreten hinderte ihn schvn die belgische Verfassung. Die ihm auferlegten repräsentativen Pflichten erfüllte er immer mit Zurückhaltung und Objektivität. Emil Vandervelde, der mit dem König häufig in grundlegenden politischen Fragen des Landes beraten mußte, rühmt ihn anläßlich seines Todes als einen Mann, der höchste persönliche Wert» schätzung immer verdient hat. Albert I. ist 59 Jahre alt geworden. Als Nachsvlger Levpold II. bestieg et am 17. Dezember 1909 den belgischen Thron. Seit 1900 war er mit der bäuerischen Prinzessin Elisabeth vermählt. Sein ältester Sohn Levpold, der jetzt 32 Jahre alt ist, wird sei» Nachfolger. In Belgien hat der jähe Tod des Königs große Trauer hervorgerufen. Bis zur Vereidigung des neuen Königs übernimmt der Ministerrat die Rcgierungsgeslhäite. Ans allen Teile» der Welt laufen Beileidstelegramme ei». Große Beisctzungsfeicrlichkeilen sind tu Vorbereitung. ♦ Offizielle Iraner: n Parts Paris, 19. Februar. Ti S. Rechisberaiung». Jnterestenvertret. ,8 60o 3 522 4,79 ^ Bildung. Erziehung. Unterricht^ 4. Theater. Musi lg«werbe~, 48680 lo4° 8,1' ■naZf™* 400 683 1526 0M Krankenanstalten. Heilanstalten, tollfcll,, ft-. „ Siechenheime m. 100 607 141j°-' 4 7. Gottesdienst. Anstalten und vereine religiöser Zwecke 48 282 1 025 2.18 > »• Künstler. Privatgelehrt«,«-hrMit. U«S 849 7,29 ^ VohlfahrtSpslege u. soziale Fürsorge 40 M 698 l.,. Lichtspielwesen J* 64* 604^ li. Apotheken 18 Am größten ist, wie man sieht, der Anteil der Juden an dem Berufszweig„Künstler, Privatgelehrte, Schrift- steller". Ihm kommt zunächst die Abteilung„Offene. Krankenpflege", bei der es sich in der Hauptsache um private Betriebe handelt. Ihr gegenüber ist die Betei- ligung der Juden am öffentlichen Gesundheitsdienst nur sehr gering. Denselben Unterschied sehen wir ganz ähn- lieh zwischen„Rechslderatung" einerseits und„Vermal- tung, Rechtspflege und Strafvollzug" andererseits. Immer dort ist der jüdische Anteil beträchtlich größer, wo es auf Selbständigkeit und private Initiative und auf die Wahl des Publikums ankommt, und geringer, wo eine amtliche Anstellung vorliegt. Ein ähnliches Bild ergibt sich aus der folgenden Tabelle, die die freien Berufe Preußens betrifft. Hier liegen ge- nauere Zahlen vor, als für ganz Deutschland. Eigentümer u. Direktoren Angestellte u. Beamte Gesamtzahl Juden Gesamtzahl Juden abs. Pro,.> abs. Proz. 1. Rechtsanwälte 8 301 2 208 26,60 258 81 12,00 2. Herzt» 28 668 8 670 15,51 6 816 885 15,71 8. Kahnärzte 4 805 713 14,79 981 65 7,00 4. Schriftsteller 2 906 874 12,88 725 78 10,09 5. Kindergärtnerinnen 331 38 10,00 17 865 893 2,20 6. Sänger 298 113 8,70 4 177 330 7,90 7. Schauspieler 412 81 7,52 5 898 808 6,81 8. Chemiker 653 44 6,74 5 822 191 3,28 9. Apotheker 8 928 281 5,81 5 641 206 8,65 10. Redakteure 740 41 5,54 8 475 192 5,52 11 Maler u. Bildhauer 5 912 282 4,80 1 06» 35 8.30 12. Zahntechniker 7 770 286 8,68 5 804 159 2,74 18. Musiker 12 074 419 3,47 29 485 4S0 1,63 14. Varietskünftler 969 25 2,58 4 521.150 8,32 15. Ingenieure und Architekten 18 938 468 2,47 70 180 885 1,26 16. Krankenpfleger und Krankenschwestern 4 211 68 1,61 78 934 489 0,62 17. Lehrer■' 8 803—— 186 520 1 851 0.72 18. Regisseur«——— 598 65 10,90 zusammen: 105 709 9 000 6,52' 426 672 6 298 1,48 Wir sagten schon, daß verhältnismäßig wenig Juden dort beschäftigt sind, wo es sich um eine Anstellung handelt. Das ist vor allem festzustellen bei den Einrich- tungen, die vom Staat abhängen. Es gab an Juden unter allen von öffentlicher Hand Beschäftigten 0,16 Prozent unter den höheren Beamten 0,29 Prozent unter den mittleren und niederen Beamten 0.17 Prozent unter den Arbeitern 0,06 Prozent Für Preußen liegen genauere Zahlen vor, aus denen wir nur einige Einzelheiten erwähnen wollen, die uns besonders bemerkenswert scheinen. Es gab im Post- und Telegrafenwefen unter 1689 höheren Beamten 2 Juden 0,12 Prozent unter 167 304 technischen Beamten 154 Inden 0,09 Prozent Noch geringer stellte sich der Prozentsatz in Heer und Marine, und zwar unter 8702 höheren Beamten 2 Juden 0,05 Prozent unter 71 757 technischen Beamten 26 Juden 0,04 Prozent Hierzu ist zu bemerken, daß auch die 2 höheren Beamten bei Heer und Piarine aller Wahrscheinlichkeit, nach nicht Offiziere gewesen sind. Wir haben die Gründe, die dafür sprechen, oben erwähnt. Einen höheren Anteil unter den von der öffentlichen Hand geführten Anstalten hatten die Juden nur in V e r- waltung und Rechtspflege und zwar unter 22 242 höheren Beamten 871 Juden 1,67 Prozent unter 822598 mittleren Beamten 1108 Juden 0,34 Prozent Die Zahlen des jüdischen Anteil» am Staats- d i e n st scheinen uns deshalb von besonderer Wichtigkeit zu sein, weil über dieses Gebiet große Irrtümer in der Welt verbreitet sind. So hat der deutsche Botschafter Dr. Luther in einer Rede, die er in Mount Bernon N. 2). am 24. Mai 1933 hielt, einem Bericht der„Neuyork Times" vom 25. Mai 1933 zufolge sehr fehlerhafte An- gaben gemacht: „Luther führte aus. daß ein Grund für die judemeindlicheit Gefühle in Deutschland die Tatsache bildete, daß nahezu 50 Prozent der Regicrungsbeämten(governmental office holder«) Juden waren, während die Juden nur 1 Prozent der Bevölkerung ausmachten." Man sieht, daß selbst ein so hoher Funktionär wie Herr Luther, der früher jahrelang Oberbürgermeister der Großstadt Essen und nachher Reichs minist er. Reichsbankpräsident und Reichskanzler war. einem Irrtum verfallen konnte, der in der national- sozialistischen Partei sehr populär ist. Aber er-ist nicht der einzige darin. Der fetzige Reichskanzler. Herr Adolf Hitler, gab amerikanischen Pressevertretern ein Interview, über das Herr Bernard H. Nidder, der Verleger der„Neuyorker Staaiszeitung", am 8. Mai in seiner Zeitung wie folgt be- richtete: „Als Hitler zur Macht kam. fand er 62 Prozent aller Regie- rnngsämter von Inden besetzt. Die Entlassung dieser Juden war lediglich eine parteipolitische Maßregel, genau so wie die meisten der Revublikaner hier hinausfliegen, wenn die Demokraten zur Macht kommen, und umgekehrt." Es ist nicht unsere Aufgabe, den Irrtum zu widerlegen, den Herr Nidder begeht, wenn er den einzigartigen Bor- C der Iudenverlreibung aus den öffentlichen Stelen. in Deutschland mit einem ganz anders gearteten normalen und sich regelmäßig wiederholenden amerikani- schen Vorgang vergleicht,. Interessant ist für. uns/ nur. daß Herr Hitler sich einer so grundlegenden Täuschung über den jüdischen Anteil an der öffentlichen Verwaltung hin- gibt. Auch in bezug auf die Beschäftigung der Juden in den sogenannten liberalen Berufen werden immer wieder irrige Vorstellungen bei nationalsozialistischen Führern festgestellt. Wir wollen an Stelle vieler Aeuße- rungen, die in diese Richtung gehen, nur eine einzige wiedergeben. Herr Alfred Rosenberg, Ehefredakteur des „Völkischen Beobachters" und Leiter des Außenpolitischen Amtes der NSDAP., äußerte in einer Rede, die er anlätz- lich der Kundgebung gegen den Friedensvertrag von Ber- failles am 28. Juni 1933 im Reichstagssitzungssaal der Kroll-Oper zu Berlin hielt, dem Bericht des„Völkischen Beobachters" vom 29. Juni zufolge: „Wir glauben, daß teder unvoreingenommene ausländische Beobachter es als unmöglich begreifen wird, daß von allen Anwälten der Reichshauplstadt 74 Prozent Juden waren, wenn die Krankenanstalten zu 80 bis 90 Prozent jüdische Aerzte hatten." Der Anteil der Juden an beiden genannten Bernsen war zwar sehr groß, keineswegs aber so groß, wie Herr Rosenberg glaubt. Wir verweisen demgegenüber auf die weiter oben von uns gebrachte Tabelle, nach der unter den Anwälten Preußens 26.6 Prozent Juden waren, unter den angestellten Aerzten Preußens 15,71 Prozent Juden. Tie Zahlen für Berlin liegen uns nicht vor. Sicherlich sind sie höher, was sich aus der allgemeinen Tatsache der Zusammenballung der Juden in den großen Städten ergibt. Der„Völkische Beobachter" selbst gibt sie in einer statistischen Zusammenstellung, die er am 2V. August 1933 brachte, mit 50,2 Prozent Juden unter den Rechtsanwälten Berlins, und 47,9 Prozent unter den Aerzten Berlins an fWozu bemerkt werden muß, daß die Zahl der Aerzte an öffentlichen Krankenanstalten aus den oben dargelegten Gründen weit geringer gewesen sein muß als 47.9 Prozent, und nicht etwa höher, wie Herr Rosenberg annimmt. Auch Herr Rosenberg ist also ein grober Irrtum unterlaufen, den sein Blatt berichtigte, allerdings ohne die früheren falschen Angaben seines Chefredakteurs zu erwähnen.....) Endlich wird es voy Wichtigkeit fein, die Entwicklung des jüdischen Anteils am Hochschulstudium wiederzugeben. Die Zahl der jüdischen Studenten an preußischen Uni- versitäten betrug Im Jahre 1886 87' 1813».«1 v. H. im Jahre 1902/08' 1676 9,88 v. H. im&cthre 1911' 2212 8,00 v.l\ im Jahre 1980> 2675 5,08 v. H. Der jüdische Anteil am Hochschulstudium sank also ständig. Das entspricht keines- wegs dem nationalsozialistischen Weltbild. Es wird von Interesse sein, da die nationalsozialistische Propaganda gern von einer Ueberschwemmung Deutsch- lands durch die Ostjuden spricht, noch einige Zahlen über die Einwanderungsbewegung zu hören. Die„Frankfurter Zeitung" brachte in ihrer Ausgabe vom 12. August 1933 eine offiziöse Mitteilung des Conti-Büros, wonach das preußische Innenministerium eine Erhebung veranstaltete, in deren Rahmen die Ostjudenfrage berücksichtigt wurde. Sie schreibt weiter: „Es ergab ssch, daß in den Jahren von 1919 bis 1931 rund 130 000 EinbürgcrungSanträge gestellt wurden, die auch im großen und ganzen bewilligt worden sind. Dabei muß man berücksichtigen, daß es sich hier nur um Einbürgerungs- anträge handelt, die das jeiveUige Familienoberhaupt ein- reicht, so daß die Gesamtzahl der tatsächlich Eingebürgerten wesentlich höher ist... Das preußische Innenministerium hat nun auch versucht, eine Untergltederung der Einbürge- rungözahle» vorzunehmen: Mau hat zunächst die Ein- bürgerungaanträge der Teulschüämmtgen ausgezählt und . festgestellt, daß von den rund 130 000 etwa 114 000 Anträge von deutschstämmigcn Fainilienoberbäüptern stammen. Daun hgt man cine Gruppierung der Nichtdcutschstämmigcn ' nach den Herkunftsgebicten vorgenommen, und zwar ob die Eingebürgerten anS Ländern östlich oder westlich Deutschlands stammten. Bei dieser Unterscheidung zeigte sich, daß der Anteil der sogenannten„O st- A u s l ä n b e r" mit rund> 1 500 E i n b ü r g e r u n g s a n t r ä g e n b e i weitem den der West ausländer mit 4.5 0 0 übersteigt. In der Gruppe der 11 500 Etnbllrge- 'rungsanträge von Ost Ausläudern sind nun auch die Co» s ü de n enthalte», deren Zahl mit einer besonderen Methode ermittelt wurde. Hier eraab die Erbebuna, die keineswegs einlach ivar, daß in den z iv öl f Jahren etwas mehr a l s 5000 Einbürgerung»- antrage gestellt wurden..." Wieviele.von ihnen genehmigt worden sind, wird nicht mitgeteilt. Aber es ist bekannt, daß die Anträge von Ost- juden großen Schwierigkeiten begegneten. Aber auch die angegebene Ziffer entspricht in keiner Weise den Bor- stellungen, die regelmäßig in der nationalsozialistischen Agitation hervorgerufen werden. Da man endlich in der nationalsozialistischen Propa- ganda häufig von der großen Zahl der jüdischen Politiker sprechen hört— das vergangene Regime wurde gewohn- heitsmäßig als„Iudcnrepublik" bezeichnet—. so seien auch noch einige Zahlen aus der Politik wiedergegeben. Nach einer Berechnung der„Neuen Zürcher Zeitung", wiedergegeben in der„Jüdischen Rundschau" vom 20. Juni 1933, gab es in den 19 Rachkriegskabinetten unter 250 Ministern 6 Juden, unter ihnen 2. die der jüdischen Konfession angehörten: im letzten Reichstag unter 608 Abgeordneten 14 Juden. Jedoch waren. Nach unserer Kenntnis, unter den letzteren 13 D i s s I> d e n t e n. also„Richtarier" und nur ein Jude der Rasse und Konsejsion nach. 121 jiidisdie Oräbcr gesdtändd! Man schreibt uns aus Köln: In der ersten Woche beS Monat» Februar wurden durch Nazihände in Köln auf dem jüdischen Friedhofe in Deckstein 121 Grabsteine zer- trttmmerl. Mehrere Angehörige der Verstorbenen wurden bei dem Herrn Regierungspr/tsidenten vorstellig. Der erklärte:„Es ist unmöglich, daß Naziangehörige so etwas machen." Er lehnte jede Wiederherstellung des Friedhofs ab. verlangte vielmehr, baß die jüdische Gemeinde unverzüglich die Auf- räumung vornehme. 50 jüdisch« Familien aus Deutschland werden in MetuIIah angesiedelt In der nördlichsten jüdischen Kolonie Palästina», in Me- tullah. sollen demnächst 50 jüdische Familten auS Deutsch- land angesiedelt werben. ES verlautet, daß den neuen Sied, lern insgesamt 2500 Dunam zugewiesen werden sollen. All wirtschaftliche Grundlage der Siedlung sind Viehzucht, Obst- bau. Imkeret und Geflügelzucht in Aussicht genommen. Pariser Beruhte Pariser Sfraßenhaiendcr In einem Hotel zu Meudon, avenue Gallieni, hat sich eine junge Deutsche, Philippine Kate, dreiunddreifiig Jahre alt, vergiftet. Sie war Sekretärin in der Internilen Handelskammer. Der Chef vom Dienst, M. Harold King, erklärte, daß sie lebensiiberdriissig gewesen sei und gesagt habe, sie werde sich in die Seine werfen. * Streikende Chauffeure verprügelten einen der seltenen Streikbrecher, einen Russen Alexis Benedictowitch, dem die Fensterscheiben seiner Taxe eingeschlagen wurden Ein anderer Streikbrecher namens Auguste Pommaret wurde mit Steinen beworfen. * Die Confederation des travailleurs intellecturls, gegründet 1920, hielt ihre Jahresversammlung ab, bei der mitgeteilt wurde, daß die Gesellschaft die beiden Künstler-Mittags- tische: Cercle Ronsard auf dem Montparnasse und Gerde Fran;ois Villon auf dem Montmartre tatkräftig unterstützt und fast 30 000 Franken an arbeitslose Künstler verteilt hat. * Die französische Akademie ist bei ihrer Durchsicht des W örterbuchs bis zum Worte„refuser" gekommen. Das Wort „reflexe", bisher bloß Eigenschaftswort, wurde auch als Hauptwort eingesetzt. Trauerfeiern Pariser Arbeiter Am Samstagnachmittag wurden die Feidien der in den Unruhen gefallenen Arbeiter feierlich unter Teilnahme der Sozialisten und der sozialistischen Jugend, die sich auf der place Mazas, in der Nähe der Bastille vereinigte, beigesetzt: Zwei verwundete Arbeiter sind noch in Kliniken gestorben. Der eine ist Vincent Moria, von Malakolf, der am 12. Februar einen Lungensrhuß erhielt, der andere, der parteilose Zimmermann Eugene Boudin, wurde in der Nähe des Buttes- Chaumont abends, als er auf seine Frau wartete, schwer verletzt. Ferner wurde der kommunistische Zellenleiter Perdereau beigesetzt, der in Chaville bei der Errichtung einer Barrikade in der Nacht vor dem Generalstreik auf nicht aufgeklärte Weise getötet war. Beisetzung von der Moschee In der Pariser Moschee, einem prachtvollen arabischen Gebäude mit orientalischen Gärten, fand am Freitag die Totenfeier für einen bei den Unruhen getöteten Mohammedaner statt. Im Trauerzuge marschierten die nationalistischen Blauhemden mit, auch Frauen in Blaublusen. Einige der Teilnehmer aus den Verbänden der nationalen Jugendvereine erschienen mit Verbänden um den Kopf. Kampf gegen die Schwarzsender in Frankreich Das französische Mnisterium des Innern unterhält eine eigene Radiopolizei, die Jagd auf Schwarzsender macht. Von einem Punkte aus wird der Aether systematisch belauscht. Bei dieser Abhörung sind 410 Schwarzhörer, wie das..Radio Magazine'" feststellt, festgestellt worden. Bei 13 entdeckte der Abhörer die allgemeine Herkunft der Geräusche, bei 18 das Departement, bei 60 die Stadt, bei 19 die mutmaßliche Wohnung. 26 dieser Schwarzsender arbeiteten mit einer Frequenz, die den Amateuren verboten ist. 14 sandten verbotene Meldungen. 18 brauchten verpönte Zeichen. 32 brauchten ein Code-Wort. Einer sandte Meldungen, die in Code-Text abgefaßt waren. Einer arbeitete außerhalb der zugelassenen Zeiten. Drei machten irreguläre Sendungen amtlicher Stationen. Lohnkonflikt bei Renault Die bekannte Auto-Fabrik Renault in Billancourt hat den Arbeitern, die am Montag am Generalstreik teilgenommen haben, nach einer Meldung des„Populaire" einen nach dem andern gekündigt. Der Textilkonflikt in Lille Der Liller Arbeitskonflikt war bekanntlich dadurch hinausgeschoben worden, daß der(vorige) Arbeitsminister intervenierte und die Industriellen zur Hinausschiebung der angedrohten Lohnherabsetzung bis 15. Februar vermochte. Nach der Liller Zeitung ,,Depeche" haben die Industriellen etwa 700 Arbeiter in Roubaix-Tourcojng ausgesperrt. Eine Gesellschaft habe ihren 250 Arbeitern anheimgestellt, sich zu den neuen Bedingungen wieder zu melden. Die Gewerkschaften vertreten die Arbeiterinteressen. Eden und Barthon Die Meinung der„Times" London, 19. Fcbr, Der Berichterstatter der»Time i" in Paris meldet u. a.: B a r t H o u und Eden erklärten sich mit dem Ergebnis ihrer Aussprache recht zufrieden. Man war sich von Ansang an klar darüber, daß Edens Besuch mehr den Zweck hatte, die Ansicht der französischen Regierung über die britische Denkschrift ein- z u h o l e n, als im jetzigen Stadium irgendwelche genaue Borschläge für ihre Annahme zu machen. Ein zweites Ziel war. Aufklärungen über die französische Antwort an Deutsch- land zu verlangen. Daß die britische Denkschrift anfänglich recht kühl aufgenommen wurde, ist kein Geheimnis. Dieser Umstand hat zu der Behauptung in der Presse Anlaß gegeben, sie habe keine Aussicht als Grundlage der künstigen Aus- spräche. Ich höre, daß die Auffassung unzutreffend ist. Eden hat es sich angelegen sein lassen, darzutun, daß in der Frage der Sicherheit die britische Denkschrift über alles bisher Zu- gestandene beträchtlich hingusgehe. Sieht sie doch für den Fall einer Verletzung des Abrüstungsabkommens die sogenannte Konsultation vor. Damit bleibt sie allerdings ein gutes Stück hinter dem zurück, was die Franzosen znsriedcn- stellen würde. Eden wurde aus die Entschließung des fran- zösischen Senatsausschusses für auswärtige Angelegenheiten aufmerksam gemacht, die besagt, daß Frankreich weitere Ber- Minderung seiner Rüstungen nicht bewilligen könne. Auch der Vorschlag, eine kleine Konserenz von acht oder neun Mächten an einem anderen Platz als Gens abzuhalten, findet bei den maßgebenden französischen Stellen kein günstiges Chr.' r<£L Triniich 43-13 M 6 ito Pigalle Deutsche Poliklinik Paris, 02., Rue de la Rochefoucauld a) Allgemeine Konsultationen? Sp«c.u«-n. t>) Chirurgie c) Geburtshilfliche Klinik<0 Zahnärztliches Kabinett innere Median. Auren-, Ohren-, Nasen- and Kehlkoptkrank. Zwd.töckigtiPin«tOTtun ,«*eMo