Wr. 83 AbonnemtMs-Kedingungen: Abonnements-Preis pränumerando: Bierteljährl. 3�0 MI., monatl. l,10Ml., nzocheulltch 2S Pfg. frei ins HauS. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntag»- Nummer mit illustrirter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zettungs- Preisliste für 1387 unter»r. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. 14. Jahrg. Die Jnftrtwils- Gebühr beträgt für die sechSgespaltens Kolonel- i«il« oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und VersammlungS-Anzeigeu, sowie ArbettSmarlt 20 Pfg. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochenlagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis g Uhr vormittags geöffnet. Erscheint täglich autzer Wonlug«. Verlinev Volksbl�kk. Zrrnsprrcher:»ml I,»r. 1303. Telegramm- Adresse: „SoiialdemoKrat»rrlin". Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Zlednlltion: 8V. 19, Neuly-Straße 2. Spedition: 8V. 19, Wenth-Straße 3. Nns Httndelsgesvtzbuth ist gestern in dritter Lesung vom Reichstage durch einstimmige An- nähme seiner 8g7 Paragraphen und der 28 Artikel seines Ein- führnngsgesetzes angenommen. Das fertig gestellte �»aiidelsgefctzbuch war nothwendig, nm die Vorschrislen des jetzt giltigen Handelsgesetzbnches mit dem Inhalt des Bürgerlichen Gesetzbuches in Einklang zu bringen. Die wirlh- schaftliche Entwickelung und die Thatsache, daß die moderne bürger- liche Gesellschaft ans der Industrie und dem Handel, und nicht mehr ans dem feudalen Grnndeigenthnm beruht, hatten es trotz aller reaktionären Nückschrittsbestrebiingen nothwendig gemacht, in das Bürgerliche Gesetzbuch eine Reihe von Sätzen aufzunehmen, die bis dahin allgemein nur für das Handelsrecht gegolten hatten. Fast jede Seile des im Bürgerlichen Gesetzbnck) geordneten Obligationenrechts enthält daher Rechtssahungen, die früher fast nur für das Handelsrecht Geltung hatten. So sind die Grundsätze von Treu und Glauben, von der tormlosigkeit der Verträge, vom kaufniännische» Kauf ic. ans einem onderrecht der Kaufleule zu einem allgemeinen Recht der Gesainmlhcit geworden. Diese Folge ist durch die wirthschastliche Entwickelung, durch die Ausdehnung des Verkehrs, durch die Mobilisirnng des Besitzes und durch die Kapitalisirung der Produktion sowie durch die politische Einigung gezeitigt worden. Dieser Neugestaltung des allgemeinen Rechts entsprechend mußte da? jetzt giltige Handelsgesetzbuch in seinem Umfange erheblich modi fizirt iverden. Der jetzt in dritter Lesung verabschiedete Entwurf hat erfreulicherweise bei dieser rein formellen Aufgabe nicht Hall gemacht. Er hat vielmehr die wirthschaftliche Entwickelung und die auf grund der wirthschaftliche» Entwickelung hervorgetretenen Forderungen der Interessenten auch nach der sozialpolitischen Seite hin nicht unberücksichtigt gelassen. So selbstverständlich die Rücksicht auf die wirthschaftliche Entwickelung sür einen Gesetzgeber sei» sollte und so wenig wir verkennen, daß das Gesetz die von sozialdemokra- tischer Seite aufgestellten Forderungen bei weitem nicht voll erfüllt hat, so erscheint uns doch inmitten eines sonst herrsebcnden brutal-egoistischen Stumm'schen Gesetzgebungssystems die thatsächliche Rücksichtnahme eines Gesetzes auf die wirthschaftliche» Bedürfnisse hervorhebens werth. Der wirthschaftliche Fortschritt tritt unZ zunächst bei der Aus dehnung des Begriffs einesKanfmanns und eines Handelsgewerbes entgegen. DaS Gesetz nähert sich dort der Einsicht, daß die Agrikulturbetriebe heutzutage industrielle Betriebe geworden sind und daß die Feudalherren zu Fabrikanten von Bieh, Korn, Wolle, Runkelrüben, Schnaps u. s. w. geworden find, die mit Jndustrieprodnkten Handel treiben wie jeder andere Handelsmann. Daß das Gesetz nicht die volle» Konsequenzen aus dieser Thatsache gezogen hat, haben wir in unserem Leitartikel vom 11. Februar d. I. des nähere» dargelegt Immerhin bedeuten die diesbezügliche» Bestimmungen des Handels- gesetzbucheS wie feine Bestimmungen überhaupt keinen Rückschritt, sondern einen, ivenn auch keinesivegs über den Schellendans zu lobenden, Fortschritt. Bei einer von ostelbischer Junkerbegehrlich- keit und Verständnißlosigkeit für die Bedürfnisse der Gesammlheit so durchseuchten Gesetzgebung wie sie zumeist in Deutschland besteht, ist das erfreulich. Dafielbe Urtheil darf über die Bestimmungen gefällt werde», welche sich auf die Rechte und Pflichten der Handlungs- g e h i l f e» beziehen. Die zähe Arbeit der sozialdemokratischen Ab- geordneten im Plenum und in der Kommission und nicht minder die öffentliche Agitation, welche Sozialdemokraten und ein Theil der Handlungsgehilfen zu gunsten der Gestallung der Rechts- Verhältnisse der Handlungsgehilfen entfalteten, ist nicht nn- fruchtbar geblieben. Wenn auch bei weitem nicht alle Forderungen auf diesem Gebieteerreicht sind, wenn es ins- besonder« nicht gelungen ist, die Arbeitszeit gesetzlich zu regeln und die Konkurrenzklansel gänzlich zu beseitigen, so sind doch nicht nn- erhebliche Vorlheile auf diesem Gebiet erreicht. Daraus werden die vorgeschritteneren Handlungsgehilfen selbstverständlich keine Ver- anlaffung nehmen, nun die Hände in den Schooß zu legen, sondern im Gegentheil ihre, allerdings fast ausschließlich von sozial- demokratischer Seite mit Energie vertretenen Forderungen von neuem zu stellen und über die Klassenkampf. Nothwendigkeit den großen Theil ihrer noch indifferenten, ja standesdünkelhasten Kollegen aufzuklären. Es mag am Platz sein, aus dem Vertrags- verhältniß zwischen Prinzipal und Handlungsgehilfen die wesentlichsten Bestimmungen des neue» Gesetzbuches anzuführen, zumal der Theil des Gesetzes, der sich auf diese Verhältnisse bezieht, infolge eines Antrags der Sozialdemokraten bereits am 1. Jannar 1398 in kraft tritt, während das gesammte Handelsgesetzbuch erst mit dem 1. Januar 1990 Gesetzeskraft erlangen wird. Bislang fehlte jede Borschrift über die Einrichtung der häufig gesundheitsgefährlichen Geschäfts- und Verkaufsräume. Das Bürger- liche Gesetzbuch hat in Zß 613 und S44 in Anlehnung an die Ge- werbe-Ordnung sür alle Bertragsverhällnisse die Vorschrift getroffen, daß der Arbeitgeber Räume, Vorrichtungen und Ge- rälhschaften, die er zur Verrichtung der Dienste zu beschaffen hat, so einzurichten und so zu unterhalten, und die Dienst- leistungen, die unter seiner Anordnung oder seiner Leitung vorzu- nehmen sind, so zu regeln, daß der Arbeiter gegen Gefahr für Leben und Gesundheit soweit geschützt ist, als die Natur der Dienst- leistuna eS gestattet. Das Handelsgesetzbuch verlangt in Anlehnung an diese Borschrift und theilweise über sie Hinausgehend: „Der Prinzipal ist verpflichtet, die Geschäftsräume und die für den Geschäftsbetrieb bestimmten Vorrichtungen und Geräth- schasten so einzurichten und zu unterhalten, auch den Geschäfts- betrieb und die Arbeitszeit so zu regeln, daß der Handlnngs- gehilse gegen eine Gefährdung seiner Gesundheit, soweit die Natur des Betriebs es gestaltet, geschützt und die Aufrcchterhaltuug der guten Sitte» und des Anstandes gesichert ist." Gleichfalls dem Bürgerlichen Gesetzbuch schließt sich folgende Vor- schrist an:. „Ist der Handlungsgehilfe in die häusliche Gemeiuschaft auf- genommen, so hat der Prinzipal in Ansehung des Wohn- und Schlasraums. der Verpflegung, sowie der Arbeits- und Erholungs- zeit diejenigen Einrichtungen und Anordnungen zu treffen, welche mit Rücksicht auf die Gesundheit, die Sittlichkeit und die Religio» des Handlungsgehilfe» erforderlich sind." Im Bürgerlichen Gesetzbuch war es zwar gelungen, ausdrücklich festsetzen zu lassen, daß der Lohn für die Zeit unerheblicher und unverschuldeter Behinderung(z. B. durch Krankheit, durch Kontroll- Versammlung, kurze militärische Uebunge» u. s. w.) gezahlt werden muß. Aber es ivaren die weitergehenden Anträge abgelehnt und sogar festgesetzt, daß die für solche Zeiten zur Auszahlung gelangte» Krankengelder abzuziehe» sind.§ 62 des Handelsgesetzbuchs hat nach hartem Kampf in der Kommission folgende weil günstigere Fassilng erhalten: „Wird der Handlungsgehilfe durch unverschuldetes Unglück an der Leistung der Dienste verhindert, so behält er seinen Anspruch aus Gehalt und Unterhalt, jedoch nicht über die Dauer von sechs Wochen hinaus. Der Haudlungsgehilfe ist nicht verpflichtet, sich den Betrag anrechnen z» lassen, der ihm für die Zeit der Ver- Hinderung aus einer Kranken- oder Unfallversicherung zukommt Eine Vereinbarung, welche dieser Vorschrift zuwiderlänsl, ist nichtig." Dadurch ist einer ähnliche» Regelung zu gunsten aller Arbeits Verhältnisse vorgearbeitet. Die Zahlung des Gehalts soll nach Z 63 deS Gesetzes spätestens am Schluß eines jeden Monats erfolgen; eine entgegen stehende Vereinbarung ist ungillig. Als Kündigungsfrist sind, wie im jetzigen Gesetz, sechs Woche» zun, ersten des Ouartals aufgestellt. Wesentlich ist die tinznfngung; daß bei Vereinbarung kürzerer oder längerer nndignngssriste» die Fristen sür Prinzipal und für Gehilfen die gleichen sei» müssen und— abgesehen von Vertragsverhältnisse» mit über blWO M. GeHall und zu vorübergehende» Aushilfen, die drei Monate nicht übersteigen— nicht weniger als einen Monat betragen dürfen, auch daß die Kündigungen nur für den Schluß eines Kalcndermonats zugelassen sind. Daß ein Handlungsgehilfe ein Z e u g n i ß über die Art und Daner der Beschäftigung und ans Verlangen über die Führung und Leistung bei Beendigung des Dienstverhältnisses verlangen kann, schreibt das bestehende Handelsgesetzbuch nicht vor.§ 630 des Bürgerlichen Gesetzbuchs und i» Wiederholung dieser Vorschrift tz 72 des gestern verabschiedeten Gesetzes füllen diese Lücke aus. Ei» allgemeines Verbot der berüchtigten Konkurrenz- k l a u s e l durchzusetzen ist leider nicht gelungen. Z 73 schränkt aber die Zulässigkeit der Konkurrenzklauseln erheblich ei». Er lautet „Eine Vereinbarung zwischen dem Prinzipal»nd dem Handlungsgehilfen, durch welche dieser sür die Zeit nach der Be- cndigung des Dienstverhältnisses in seiner geiverblichen Tbätigkeit beschränkt wird, ist sür den Handlnngsgehilscn nur insoweit ver- bindlich, als die Beschränkung»ach Zeit, Ort und Gegenstand nicht die Grenzen überschreitet, durch welche«ine unbillige Erschwerung des Fortkommens des Handlungsgehilfe» ans- geschlossen wird. Die Beschränkung kann nicht auf einen Zeit- raun, von mehr als drei Jahren von der Beendigung des Dienst- Verhältnisses an erstreckt werden. Die Vereinbarung ist nichtig, wenn der Handlungsgehilse zur Zeit des Abschlusses minder jährig ist." Eine weitere Beschränkung der Konknrrenzklansel-Ausbcutung liegt in der Vorschrift, daß der Prinzipal seine Rechte aus solcher Klausel verliert, wenn er dein Handlungsgehilfen durch Vertrags- widriges Verhalte» Grund zur Auflösung des Verlragsverhältnisjes gegeben hat. Dasselbe Ziel verfolgt die Bestimmung, daß der Prin- zipal entweder sür die 3 Konknrrenzklansel-Jahre das GeHall zahlen mnß oder den Gehilsen nicht ohne erheblichen Anlaß entlassen darf Endlich ist aus dem Bürgerliche» Gesetzbuch ausdrücklich die Be- sliminiing herübergenommen, daß Konventionalstrafen, wie sie in solchen Konkurrenzklansel-Verträge» in enormer Weise bedungen zu werden pflegen, vom Richter herabzusetze» sind. Aus den Bestimmungen über das kaufmännische Lehr- l i n g s w e s e n heben wir de» ß 89a hervor. Danach wird der Prinzipal mit Geldstrafe bis 150 M. bedroht, wen» er seinen Pflichten in einer die Gesundheit, Sittlichkeit oder Ausbildung des Lehrlings gefährdenden Weise verletzt. Eine ähnliche Be stimmniig für das gewerbliche Lehrlingswesen ist dringend er- forderlich. Mit Beendigung der Berathnng über das Handelsgesetzbuch trat der Reichstag in die Osterferien. Sein Arbeitspensum ist»och lange nicht erledigt. Aber fast scheint es, als sollten alle»och nn- erledigten, Arbeiterintereffe» besonders angehende Gesetzentwürfe— vor allem die Unfallgcsetz-Novelle und die Jnvalidenversicherungs- Novelle unerledigt bleiben. polikifche Mebevflchk. Berlin. 7. April 1897. Aus dem Reichstage. Die Ferien winken und damit war alle Streitlust verschwunden. Dieser Ferienstimmung ist es zu verdanken, daß heute die dritte Lesung des Handels Gesetzbuches ohne Debatte zu Ende gebracht und der Entwurf schließlich er, dloo angenommen wurde. Auch unsere Genossen schlössen sich diesem Vorgehen an, womit aber nicht gesagt sein soll, daß von unserem Standpunkte aus keine Wünsche mehr zu erfüllen übrig blieben. Unsere Abgeordneten stimmten dem Entwürfe zu, weil er zweifellos Verbesserungen gegen den bisherigen Rechts- zilstaild bringt und sie widersprachen der en bloc Annahme nicht, weil nur auf diese Weise die Erledigung vor den Oster- serien möglich war. Ein Hinausziehen über die Ferien schloß aber die Gefahr ein, daß neue und vielleicht erfolgreiche Ver- suche gemacht würden, die Verbesserungen, ivelche der Entwurf peziell für die Handelsangestelllen enthält, bei der späteren dritten Lesung fort zu redigiren. In einer kurzen Erklärung legte Genosse Singer die Gründe dar, welche unsere Partei bestimmten, gegen die außer- zeschäftsorduungsmäßige Erledigung der Vorlage keinen Wider- spruch zu erheben. Die Forderungen aber, welche unsere Partei in bezng auf den Arbeiterschutz auch für das Handelsgewcrbe erhebt, legte Genosse D i e tz in eingehender Weise bei Be- gründung der von unserer Partei zu der Vorlage gestellten Resolution dar. Diese Resolution hat den Reib der Sozialpolitiker des.Zentrums erweckt, und da sie da- gegen nicht stimmen konnten, ohne ihrer„Arbeiterfreundlich- keit" Schaden zu thun, dafür aber nicht stimmen mochten, weil natürlich von den Rothen nichts Gutes kommen kann, so kamen sie auf den erprobten Ausweg, eine Konkurrenz- Resolution einzubringen, welche zwar annähernd das- selbe besagt, wie unsere Resollltion, aber als Z e n t r u m s- Antrag natürlich den Vorzug verdient. Genosse Dich kennzeichnete diesen„unlauteren Wettbewerb", erklärte aber zu- gleich, daß eS uns mehr auf die �vache wie den Wortlaut ankäme. Ii» der Diskussion über die Resolutionen sprach sich nur der Abgeordnete G a m p gegen jeden derartigen Antrag aus, während H e r t l i n g und Hitze vom Zentrum sowie R ö s i ck e und L e n z m a n n für die Zentrums-Resolution sprachen. Der Regicrungskommissar Dr. Woedtke sagte,' zu, daß die Regierung im Sinne der Resolutionen weiter lvirken iverde. Bei der Abstimmung wurde die Resolution Hertling gegen ivenige Stimmen(Stumm und Genossen) angenommen, nach-' dem vorher die sozialdemokratische Resolution mit allen gegen die Stimmen unserer Genossen abgelehnt worden war. Hierauf kündigte der Präsident die Vertagung des Hauses bis zum Dienstag, 27. April, mittags 1 Uhr an. DaS preußische Abgeordnetenhaus erledigte heute nur Peiitioueu ohne aligemeines Interesse. Morgen stehen ebenfalls nur Petitionen auf der Tagesorduung.— Mit der Maifeier beschäftigt sich fortwährend die Geld- protzeu-Presse, und das Geschimpfe wird UNI so lauter, je näher der Tag koniuit. Jetzt beiuühe» sich die Söldlinge der goldenen und silbernen Internationale, die echte» Proletarier gegen die Talini- Proletarier aufzuhetzen, die an der Spitze»userer Partei stehen sollen/ Die guten Leutchen scheinen vergessen zu haben, daß„der Appell an die schwielige Faust", den einst die Herren Wageuer. Bismarck und andere dieser reaktionären Sippschaft versuchten, erfolglos geblieben ist; und heute bat er noch weniger Aussicht alS damals. Die deutschen Arbeiter haben sich feit Jahrzehnten die Talniiproletarier und Talniisozialisten vom Halse geschafft, und die Lockpfeife der Siöcker, Naumann und Kompagnie zieht ebenso wenig, wie weiland die Lockpfeife der Wappenherolde des sozialen Königthuins. Inzwischen rüstet die Arbeiterschaft der ganzen Erde zuu»� I. Mai, der nach allen uns zukommende» Nachrichten auch dieses- Jahr wieder von größeren Masse» begangen werden wird, wie in- früheren Jahren. Da? Fest der Arbeil bürgert sich immer mehr' ein, und es wird im Laufe der Zeil ein allgemeines Weltfest � werden— die Möpse möge» sich heiser bellen.— Martiny»j-. In diesen Tagen hat die Partei einen ihrer, dem Lebensalter nach ältesten Parteigenossen verloren. Ans D a n z i g kommt die betrübende Nachricht, daß Justiz- rath Martiny, ein Ehrenmann im vollsten Sinne des � Wortes, im 78. Lebensjahr verstorben ist. Martiny gehörte 1848 dem Frauksurler Parlament an alL- Abgeordneter für Schlochau-Flalow. Er zählte zu der äußersten � Linken der Fraktion des Dounersberg, an deren Spitze Arnold � Rüge, Julius Fröbel, Schafsrath, Ludwig Simon und andere' standen. Beim Ausbruch der badischen Revolution ging er nach! Baden, um an derselben theilzunehuicn. Deshalb wegen Hochver-' raths angeklagt, saß er 19 Monate i» Untersuchungshaft, nmrve aber durch das Schwurgericht i» Könitz freigesprochen. Justizminister Sinion versetzte ihn nun nach Kankehiuen als Richter. Martiny ging zur Rechtsauivaltschast und blieb bis Anfang 1869 in Kaukehineu. 1861 wurde er in das preußische Abgeordnetenhaus gewählt, legte aber 1863 sein Mandat nieder, weil«in scharfer oppositioneller Antrag von ihm nicht angenommen wurde. Zu jener Zeit stand er in engster Fühlung mit Lassalle. Er war auch Be- vollrnächtigter des allgemeinen deutschen Arbeitervereins. Im Januar 1369 wurde er als Rechtsanwalt und Notar nach Danzig versetzt. Im Jahre 1879 wählte ihn die wcstpreußische Anwaltlammer zu ihrem Vorsitzenden. Bis in sein Hohes Aller behielt er seine geistige Frische. Vor einigen Jahren beging er in Danzig sein fünfzig- jähriges Dienftjubiläum. Martiny hat seit Ende der sechziger Jahre sich zur Sozial- demokralie bekannt und hat namentlich während der Dauer des Sozialistengesetzes durch finanzielle Bei« träge das Loos der Ausgewiesenen und ihrer Familien zu bessern gesucht. Die Danziger Parteigenossen unterstützte er bis in die letzte Zeit seines Lebens. Agitatorisch hat er sich an der Bewegung nicht betheiligt, daran hinderten ihn die Ansprüche an seine Zeit und seine Kräfte, die seine Stellung mit sich brachte. Die Partei wird sein Andenken in Ehre» halten.— Die Kreta-Fsrage scheint in daS Stadium der Ver- s n in p s u n g zu treten. Verschiedene Symptome deute» darauf hin. So wenig harmonisch auch das europäische Konzert ist, so starke Dissonanzen in ihm obwalten— keine der Mächte, die dasselbe zusammensetzen, will jetzt den. Krieg, obgleich sie alle den Krieg vorbereiten. Wer nun immer das arme Griechenland nach Kreta ge« lockt hat— Rußland, oder England oder wer sonst— das kretische Abenteuer ist Rußland und seinen' Satelliten unbequem geworden, und da nicht blos die Ab- wescuden, sondern auch die Schivachcn stets unrecht haben, so wird das unglückliche Griechenland wohl die Zeche bezahle» müssen. Die griechische Drohung, auf die Blockade deS PiräuS werde mit einer Kriegserklärung an die Türkei geantwortet werden, war offenbar nur eine Verzweiflungskanonade zur Maskirung deS Rückzuges. Bei der erdrückenden Uebcrmacht der Türken liefe die Drohung darauf hinaus, daß Griechenland sich den Schädel einrennen wolle. Und das thnt doch kein Ver- nünftiger. Die vor vier Tagen erlassene Tagesordnung des Kronprinzen, der thcatralischcrweise den altgriechischen Kaiscrnamcn Constantin erhalten hat, verrieth schon ein starkes Be- dürfniß der Nbiviegclung. Und inzwischen ist in Athen so stark gebremst worden, daß die Regiernngs- Maschine außer Ordnung gekommen zu sein scheint. Gestern und heute ging es vor dem Palast sehr stürmisch zu. Die Wahrheit wird vertuscht. Seit mehreren Tagen stehen die Telegramme in Griechenland unter Zensur— was für sich allein schon zur geniige das kritische der Lage beweist. Nach einer Depesche, welche den Eindruck macht, stark„redigirt" worden zu sein, sind gestern vor dem Schloß in Athen viele Menschen verwundet worden. Es hat also ein Zusammenstoß stattgefunden. Kurz, der Augenblick ist gekommen, wo Griechenland cntivcder einen Ausweg aus der Sackgasse suchen, oder mit dem Kopf durch die Wand stürmen muß. Das Spiel in Kreta war thatsächlich vor sechs Wochen verloren, als die französische Kammer sich mit erdrückender Majorität gegen die Parteinahme für Griechen- land erklärte. Nur eine Diversion der kleinen Balkanstaaten hätte noch helfen können, allein diese wurden durch Oesterreich und Rußland im Schach gehalten— und vielleicht noch mehr durch die über Erwarten gelungene Mobilmachung eines Theils der türkischen Armee. Daß die griechische Regierung die Hoffnungen derer nicht erfüllten würde, die im kretischen Aufstand den Beginn der Revolution sehen, wurde vor 5 Wochen bereits von Bar- dato eingesehen und vor 10 Tagen von C i p r i a n i ge- ahnt, der einen recht kleinlauten Brief aus Thessalien nach Paris an die„Petitc Republique" schrieb. Für die Revolution ist das kein Schaden. Inzwischen wird Könkg Georgios die europäischen Blockade- schiffe mit Sehnsucht erwarten— für alle Fälle verbürgen sie ihm wenigstens eine sichere— Heimfahrt. AuS Athen meldet die„Agence Havas": Die Note, welche die Gesandten nach einer gemeinsamen Be- sprechung und nach gemeinsamen Instruktionen seitens ihrer ilie- gierungen dem Minister des Auswärtigen überreicht haben, hat folgenden Wortlaut:„Der Unterzeichnete hat auf Befehl seiner Negiernng die Ehre, Sr. Exzellenz dem Minister des Auswärtige» von Griechenland niitzutheilen, daß im Falle eines bewaffneten Zu« sammeustoßes an der griechisch-tiirtischen Grenze die ganze Verant- wortlichkeit dafür der Angreifer zu trage» habe, und hat ferner be- kannt zu geben, daß, wie auch immer der Ausgang des Kampfes sein möchte, die Mächte fest entschlossen seien, den allgemeinen Frieden aufrecht zu erhalten, und sich entschieden haben, aus keinen Fall zu gestatten, daß der Angreifer auch nur den geringste» Vorlheil aus seinem Angriffe ziehe." Aus K o n st an t i n o p e l wird unterm 6. April tele- graphirt: Die Botschafter überreichten heute dem Minister des Aeußeren eine Verbalnote, in welcher es bezüglich eines etwaigen Ausbruchs von Feindseligkeiten zwischen Griechenland und der Türkei heifel, daß der Angreifer die ganze Verantwortlichkeit zu tragen haben werde und daß die Mächte nicht gestatten würden, das der Angreifer aus dein Ausgange des Kampfes Nutzen ziehe. Eine analoge Note ist in Athen überreicht worden. DaS Ergebnis! deS im Mdiz-Kiosk abgehaltenen Ministerraths war, daß ein Zirkular an die türkischen Vertreter im Auslande ab- gesandt wurde, in dem dieselben angewiesen werden, die Nufmerk- samkeit der Mächte auf den unerträglichen Ziistand zu lenken, der durch die Haltung Griechenlands und durch die endlose Verlängerung der kretischen Krise verursacht sei. Das Wiener„Frcmdenblatt", das Sprachrohr deS österreichungarischen Auswärtigen Amtes, schreibt von gestern aus Athen: Die in Konstantinopel überreichte Verbalnote der Großmächte zeigt neuerdings, daß sie es zu einem Ausbruche im Orient nicht kommen lassen wollen. Die Lösung der Kretafrage kann einzig und allein in der Autonomie gesehen werden; ein Krieg, wie immer er ausfiele, vermöchte daran nichts zu ändern. Die friedliche Blockade des Meerbusens von Athen wäre nach dem Ausbruche der Feindselig- leiten möglicherweise nicht aufrecht zu erhalten. Europa hätte dann auch dafür zu forgen, daß kriegerische Bestrebungen nicht in Bul- garien und Serbien sich geltend mache», die die bisherige vollkonnnen korrekte Haltung hoffentlich auch weiterhin beivahren werden. Andernfalls dürfte die Einwirkung Gesammt-Europas. aber auch der direkte Einfluß der geographisch am nächste» liegende» Mächte stark genug sein, die Aufrechterhaltung der Ruhe zu verbürgen. Indessen hofft daS Blatt noch immer, daß Griechenland vor dem Aeußersten zurückschrecken werde. Duell-Chroui». Zu einer Woche Festung verurtheilte die Kölner Etraskammer den Referendar a. D. und Architekten Braun wegen Herausforderung zun» Duell.— Chronik der MajestätsbeleidignngS-Prozeffe. Die Straf- kammer zu Schweidnitz hat einen stellenlosen Schniiedcgesellen wegen MajestätS- und Beamtenbeleidignng zu ll Monaten Gefäugniß ver- urtheilt.— •• * Deutsches Reich. — Ein Nachklang zum Prozeß L e ck e r t- L ü tz o w. Man erinnert sich noch an die eigeuthümliche Hallung des bekannten Sofrath Otto de Grahl in dem letzten großen Sensationsprozeß. eine Thätigkeit als Hofberichterstatter, die wir auch sonst zu kennzeichnen Gelegenheit halte», wird durch folgende Erklärung ge- kennzeichnet: Um unbegründeten Kombinationen vorzubeugen, theilen wir mit, daß die von uns am 1. April verbreiteteMeldung überein Glückwunsch- Telegramm Sr. Majestät des Kaisers an den Fürsten Bismarck uns von Herrn Hofrath Otto de Grahl mit dem Bemerken schrift- lich übermittelt wurde, er habe die Nachricht nicht für den Hos- bericht erhalten, sie sei aber durchaus zutreffend. Auf wiederholte Anfrage hat uns Herr de Grahl noch am Abend deS 3. April brieflich die Nichtigkeit dieser Nachricht be- stätigt. Erst am Sonntag, den 4. April, früh erfuhren wir aus mehreren Blättern, daß wir getäuscht waren. K o n t i n e n t a l- T e l e g r a p h c n- K o»n p a g n i e A.- G. Bans«. Mantler. — Ueber daS Befinden des General-Post- meisters von Stephan wurde am Mittwoch Mittag folgendes Bulletin ausgegeben:„Die Kräfte des Kranken sind in bedrohlicher Weise im Abnehinen. v. Bergmann."— — Die LandtagS-Wahlen i,n Groß Herzog t h u m S a ch s e n- W e i m a r geben schon jetzt einer Anzahl Be- umten die beste Gelegenheit, in Willkür und Unterdrückung vorzüg- liches zu leisten. Im Neustädter Kreise sollten am Sonnabend und Sonntag mehrere Versammlungen stattfinden, in welcher unser Ge- vosse B a u d e r t über die Thätigkeit des weiinarischen Landtages und die bevorstehende Landtags-Wahl sprechen sollte. Jedoch alle Versammlungen wurden verboten und den Einberufern von den Ge- meindevorständen— gleichlautend— die Gründe miigetheill, was darauf schließen läßt, daß man höheren Orrs den Brei für die Bürgermeister zurecht gemacht hat. An Originalität läßt dieser Ukas aus Molbitz bezüglich des Inhaltes und der Orthographie nichts zu wünschen übrig, weshalb wir dem Schriftstück die weiteste Lerbreilnna wünschen. Derselbe lautet wörtlich: .An den Einberufener H. Riedel zu Niustadt/O- Die für Sonntag, d. 4. d. Nachmittags 3 Uhr im Saale zu Molbitz zusammen berufene Volksversammlung wird hiermit ver- boten und zwar aus folgenden Gründen: 1. der Landtagsabgeordnete Baudert, ist Gewerbsmäßiger Sozialdemokratischer Achittator. 2. das gewählte Thema und insbesondere derjenige Theil desselben, welcher sich mit der nächsten Landtagswahl beschäftigen soll, ist von solcher Beschaffenheit, daß dessen Behandlung in der Hand eines Parleiagitators geechnet ist, eine dringende Gefar für die öffentliche Ordnung und Sicherheit in sich zu schließen, indem bewährte Einrichtungen der Verfassung des Großherzog- thnms in den Stand gezogen werden, an der Thätig- keit deS Verflossenen Landtages eine Partheiisch, einseitige Jrrefihrende Kritik ausgeübt und für die nächste Landtags-Wahl eine Agitation ins Leben gerufen wird, deren Zweck offenbar darauf berechnet ist, die Eintracht, und Zufriedenheit in den Bevölkernngsklassen zu erschittern und damit zum Klaffenhaß aufzureihen. Molbitz, den 3. April 1837. Der Gemeindevorstand das. W i t t i g. Und mit solchen Mitteln hofft man die Opposition auZ dem weiinarischen Landtage fernzuhalten l— Gotha, 7. April. In der heutigen Sitzung des gemeinschaft- lichen Landtages wurde ern Antrag ans Einführung des allgemeinen, gleichen Wahlrechts abgelehnt.— Gera, 7. April. Di« von der„Greizer Zeitung" gemeldet« Amtsenthebung des Regierungsaffeffors Freiherrn v. Uslar-Gleichen ist falsch. Der Genannte ist nur von der Stellvertretung des beurlaubten Landraths entbunden worden und an seine Stelle ist Regiernngs- und Konsistorialrath Camman zum stellvertretenden Landrath ernannt worden, was amtlich bekannt gemacht wird.— Niiruberg, 6. April.(„Franks. Ztg.") Die gegen die Redakteure Nuppel und Vierheilig vom„Nürnberger Anzeiger" wegen Zeugniß- veriveigerung in Sachen einer Soldatenmißhandlung verhängte Strafe von 100 Mark ist auf griind der eingelegten Berufung zurückgezogen worden. Die Kosten werden aus die Staatskasse überbürdet.— — Dr. PeterS ist in London die Anklageschrift zugestellt worden.— Oesterreich. Wie», 6. März. Die Auhänger Stojalowskt's, die Abgeordneten der polnischeu Volkspartei und die drei oppositionellen Ruthe»«» haben sich mit den Sozialdemokraten zu einer Gruppe von 26 Manu geeinigt, um sich, beziehungsweise dem Rutheueu Jarosieivicz eine Schriflführerstelle(anstatt des Abgeordneten Barwinski) und im Ausschuß für den Fall Szajer ein Mandat für den Ab- geordneten Danielak zu sichern. Es handelt sich hier nicht um eine dauernde Vereinigung, sondern um ein Abkommen aä üoc, allein man sieht daraus, daß die«-ozialdemokraten alles ausbieten,»in diese drei Gruppen an sich zu fesseln, und es steht zu befürchten, daß dieses Vorhaben nicht erfolglos bleiben werde, da innerhalb dieser drei Fraktionen wirklich sozialdemokratische Tendenzen wahrzunehmen sind. So schreibt das Organ der Christlich-Sozialen, daS„Deutsche Volksblatt", dessen Hintermänner schon in die Welt posaunt hatten, daß sie die unabhängigen galizischen Abgeordneten ins Schlepptau genommen hätten. Daher die Thränen.— Wien, 6. April. Der Sozialdemokratische Ver- band. Es wurde beschlossen, sich an der Wahl deS Präsidiums nicht zu betheiligen.— Sodann wurde mit Zustimmung des Herrn Abgeordneten Dr. Jarosieivicz, der der Sitzung beiwohnte, be- schloffen, schon in der morgigen Sitzung des Hauses einen Dring- lichkeitsantrag auf Einsetzung eines parlaineiitarischen Ausschusses zur Untersuchung der groben Wahlmißbräuche, die in mehreren Pro- viuze», insbesondere in Galizien, bei den letzten Reichsrathswahlen verübt worden, zu stellen. Die sofortig« Einbringung dieses Antrages nnbeschadet des in Aussicht genommenen weitergreifenden Vorgehens erscheint als nothwendig, um trotz der durch die Krise eingetretenen Verzögerung der'Arbeiten des Parlaments es sicherzustellen, daß die Wahlvorgänge noch vor den Osterferien im Parlament zur Sprache kommen. Abgesehen davon, daß der einzusetzende Untersuchungs- ausschnß sofort seine Thätigkeit beginnen könnte, erscheint eS angesichts der in weiten Bevölkerungskreisen herrschenden hoch- gradigen Erregung über diese Dinge dringend geboten, jede Möglichkeit einer Verschleppung im vorhinein zu vereiteln. Der Antrag wird von den drei Gruppen, Sozial- demokraten, Radikale, Ruthenen und polnisch-christliche Volks- partei, eingebracht werden und von den Abgeordneten DaZzynSki, Dr. Danielak und Oknniewski gezeichnet sein. Morgen wird auch nebst zwei Jnlerpellationen der Dringlich- keitianirag betreffend die Auflösung der Eisenbahnerorganisation eingebracht werden. Die beiden Dringlichkeitsanträge kanten: Dringlichkeitsantrag der Abgeordneten DaszynZki, Dr. Danielak, Dr. Okuniewski und Genoffen. Die Unterzeichnelen stellen den Antrag: Das Zlbgeordnetenhaus möge beschlteßen, es sei behnfS einer unparteiischen und gründlichen Untersuchung der bei den letzten Reichsrathswahlen insbesondere in Galizien vorgefallenen Wahl- inißbräuche ein Ausschuß von 36 Mitgliedern einzusetzen, dem das Recht zustehen soll, Zeugen mündlich oder schriftlich zu vernehmen. Dringlichkeitsantrag der Abgeordneten Dr. Verkauf. Schrammet und Genoffen. Mit Entscheidung des k. k. MinisteriumZ des Innern'wurden säiNintliche Organisationen der Eisenbahner sowie der Verband der Beamte», Hilfsbeaniten und Unterbeamten der österreichischen Eisenbahnen aufgelöst. Die AnflösnngSerkenntniffe berufen sich in der Begründung auf Ereignisse, die sich vor einem Jahre abgespielt haben, vielmehr in Wirklichkeil ganz anders, als behauptet wird, sich abspielten. Dieses gesetzwidrige Borgehen der Behörden hat nicht nur in den zunächst betheiligten Kreisen der Eisenbahn-Ange- stellten, sondern auch in der gesammteii organinrten Arbeiterschaft die größte Erbitterung hervorgernse». Die Willkür und Rücksichts- losigkeit der unteren behördlichen Organe haben dazu beigetragen, daß die verschiedensten Gerüchte kolporltrt und gegen die Regierung schiverwiegende Anschuldigungen erhoben wurden. Es ist deshalb dringend geboten, daß das Parlament im Sinne des§ 21 des Gesetzes vom 2l. Dezember 1867, Nr. 141 R.-G.-Bl., die geschilderten Berwaltungsakte einer unbefangenen und gründ- lichen Prüfung nuterziehe. Es wird deshalb beantragt. daS Abgeordnetenhaus wolle einen Sonderausschuß, bestehend aus 36 Mitgliedern, einsetzen, der die Gesetzmäßigkeit der Auslösung der Organisationen der Eisenbahn- Zlligtstellren vorausgegangenen und nachgefolgten Verivaltungsakte sowie die Art und Veranlassung der Auflösung prüf» und binnen vier Wochen Bericht erstatte.— Wien, 6. April. Am Sonntag Nachmittag und am Montag Vormittag und Nachmittag war daS galizisch« Städtchen Ch odorow der Schauplatz großer Ausschreitungen, welche masurische Eisenbahnarbeiter gegen Inden wegen angeblicher Uebervortheiluiig verübten. Thüren und Fenster wurden einge- schlagen und Läden wnrden geplündert, auch wurden auf beiden Seiten mehrere Personen verwundet. Zur Wiederherstellung der Ruhe ist eine Schwadron Dragoner und eine Kompagnie Infanterie in Chodorow eingetroffen; behnfs Einleitung der Untersuchung hat sich heute eine Gerichtskommission nach Chodorow begeben. Die letzte Nacht und der heutige Tag sind ruhig verlaufen.— Im Abgeordneten Hanse wurde heute von Eugen Abrahamowitsch eine Jnter- p-llation wegen dieser Vorgänge eingebracht. Wie», 7. April. Das Abgeordnetenhaus nahm nahezu einstininiig die Dringlichkeit eineS von DaSzynsky(Sozialdemokrat) eingebrachten Antrages an auf Einsetzung eines Ausschusses zur P r tt f u u- der bei den letzten ReichSrathSwahlen, insbesondere in Galizien, vorgekommenen Wahls m i ß b r ä n ch e. — Wettlaus um die Gunst der Arbeiter. Die christlich-soztalen Abgeordneten Schneider, Bielohlawek und Genössen stellen folgenden Antrag: Das hohe Haus beschließe: Die k. k. Regierung wird aufgefordert, sich mit den Regierungen der anderen Staaten zum Zwecke der Veranstaltung einer internationalen Konserenz ins Einvernehmen zu setzen, dainit die noth- wendige Herabsetzung der Zlrbeitszeit für die industriellen Arbeiter ermöglicht werde. Dieser Antrag ist einem aus dem vollen Hanse zu wählenden Ausschüsse von 36 Mitglieder» zuzniveisen. Ueber die wahren Gesinnungen der Schneider, Bielohlawek, Mittcrmayer. Lueger und Konsorten werden sich die österreichischen Arbeiter doch nicht täuschen lassen.— Frankreich. Paris, 8. April.(Eig. Ber.) Das soeben vertheilte zweite G e l b b n ch über Armenien enthüllt noch denilicher als das erste die passive und aktive Mitschuld der türkischen Behörden— vom Gouverneur und Militärbesehlshaber herab bis zum letzten Gen- darinen— an den Metzeleien. Ueber die Metzeleien von Diarbekir schreibt der dortige französische Bizekonsul:„Die Muselmanen ver- anstallele» die Metzeleien ohne Heranssordernng. Der General- gonverneur, der Militärkommandant, der Gendarmeriechef sind gleichgiltig geblieben gegenüber den grausigen Szenen.... Ich habe mit meinen eigenen Augen gesehen, wie die Soldaten und Gendarmen(Zapties) sich den Muselmanen»nd Kurden anschlössen, um auf die Christen zu schießen. Diese machten von ihren Waffen Gebrauch nur im Falle der äußersten Nolhwehr. Die Polizei und die Truppen griffen nur ein, um die Opfer zu überfallen..." Die Metzeleien dauerten drei Tage hinler- einander. Sie begannen zu einer festgesetzten Stunde, auf ein gegebenes Signal hin... Schaudererregende Dinge werden ferner berichtet aus Cesarea, wo„die Straßen buchstäblich vom Blute der Opfer geröthet waren." Zur Bergung der Leichen waren 70 Karren nolhivendig. In Orfa hatten sich gegen 3000 wehrlose Menschen, meist Frauen, Mädchen und Kinder, in die Domkirche geflüchtet. Die Muselmanen brachen die Thür««in und„mordeten so lange, bis ihre Arme ermatteten," worauf sie die Ueber- lebenden»nit Petroleum übergoffen, so daß die„durch das Eisen Verschonten in den Flammen umkamen... In den Kellergewölben ber Kirche starben 400 Personen an Erfticknng." Neben der Abschlachtung und Ausplünderung die Vergewaltigung und Etttführnng von Frauen und Mädchen. Noch im November 1896 wurden innge Arineuierinnen in Aleppo auf offenem Markte, halb- nackt, verkauft. Der französische Konsul, der darüber berichtet, fügt hinzu, daß„die Behörden von dem Verkauf christlicher Sklavinnen wissen, aber nichts dagegen lhun". Daß Leben. Ehre und Vermögen der Armenier ausschließlich vom Verhalten der Behörden abhingen, zeigen die Vorgänge in Angara. Im November 189S, als den Mördern freie Hand gelassen wurde, wurden die Armenier wie überall abgeschlachtet und ausgeplündert. Im September 1396 genügte dagegen die Pflicht- gemäße Haltung des neuen Gouverneurs Tewfik-Pascha, um die Uu- ruhen" im Keime zu ersticken. Politisch am werlhvollsten ist daS Dokument über das Ber« halten Rußlands Ende 183V. In einer Depesche des französischen Gesandten in Petersburg, Montebello, an den damalige» Minister des Auswärligen, Berthelot, werden Lobanoff's Ansichten wie folgt wiedergegeben:„Man kann nieht aus jedem Anlaß auf den Sultan einen Druck ausüben". Es genüge,„ihm die kontrollirten Thalsachen(d.i. die Metzeleien) zur Kenntniß zu bringen, ohne aber ihn dafür verantwortlich zu machen... Das von England s n g g e r i r t e System der Kolleklivvorstellungen würde schnell dahin sühre», mit der Pforte neue Schwierigkeiten zu schaffen...." Da hat man also den dokumentarischen Beweis, daß die z a r i sch e Regierung s i ch sörmlich zum Schutz- patron deS blutbefleckten Sultans gemacht hat. Das Wohlwollen der Pforte ist Lobanoff thcuerer als daS Leben von zehntausendtii Armentern. Der alte Berthelot besaß aber den Muth, der Hanotanx fehlt. Dieser wurde erst durch den Druck der öffentlichen Meinung zu einer— freilich n»r scheinbaren— humanen, d. h. gegen Rußlands Wünsche gehenden Stellungnahme in der armenischen Frage gedrängt, während Berthelot schon im Herbst lSSS, als die Metzeleien der Oeffenllichkeit unbekannt waren, die energische Aktion d«S sranzösischen Gesandten in Konstantinopel nachdrücklich unterstützte.— Pari», 7. April. Der Untersuchungsrichter in lder Panama- Angelegenheit soll gester» erklärt haben, daß das Aktenmaterral gegen Arlon keine hinreichenden Beweise mehr enthalte, um gegen weiler« Parlamentarier strafrechtlich vorzugehen. Der Untersuchungsrichter erllärte ferner, in dem Ehekontrakt RouvierS sei kein Beweisstück für dessen Schuld gefnnden worden. Man sieht, die französische Regierung sucht die unangenehme Affäre z» vertuschen. Viele haben das gleich« Interesse wie sie. Ans die Dauer wird sie mit dieser unehrlichen Politik kein Glück haben, für den Augenblick mag ihr dies gelingen.— Niederlande. Haag, 7. April. Die zweite Kammer nahm mit 63 gegen 7 Stimme» den Vertrag mit Deutschland betreffend die Schifsfahrteinrichtungen auf Borkum und an der U n t e r- E m s an. Der Minister des Aeußern wie? ausdrücklich auf eine Erklärung der deutschen Negiernng hin, daß spätestens 1899 bis 1900 mit dem Kanalba» zwischen Almelo und Nordhorn begonnen werden sollte.— «ngland. London, 7. April. Der Korrespondent deS Herold Telegraphen- Bnreau hatte gestern eine Unterredung mit Charles Dilke, der er- klärte, Oberst* Willonghby habe deshalb vor der parlamentarischen Untersttchungskommission in Sachen Dr. Jameson seine Antwort verweigert, weil, wenn er die Wahrheit sagen würde, sich heran?- stellen müßte, daß, wenn er an der Jameson-Rffäre sich belheiligt, er dem Befehle der englischen Regierung gehorcht habe. Sein Schweigen sei von großer Wichtigkeit.— London, 6. April. Eeton-Karr bringt einen Antrag ein, in welchem es heißt, die A b h ä n g i g k e i t E n g l a n d s von der s r e m d e n Einfuhr bezüglich der Lebensbedürfnisse und die hieraus möglicherweise entstehenden Folgen erfordern die ungesäumt« Aufmerksamkeit der Regierung. Selon-Karr befür- w o r t e t serner die Einführung eines Zolles auf Weizen sowie die Errichtung staatlicher Getreide- s p e i ch e r. Der Erste Lord deS Schatze? Balsour erklärte, alle Redner billigten den Zweck Seton-Karr's; über die Abhilfsmiliel gingen die Ansichten weil auseinander; einige wollten Schutzzölle, andere seien absolut dagegen. Die Schutzzölle würde» vom Volke nicht gebilligt. Die Einrichtung st a a t l i ch e r Korn- peicher sei zu kostspielig und würde den Schatzkanzler in eine prekäre, unhaltbare Lage bringen. Obschon auch er für eine Union mit den Kolonien für kommerzielle und militärische Zwecke sei, so könne er nicht sehen, wie ein Zollverein mit denselben England ans der Verlegenheit helfen solle. Es sei nur eine geringe Wahrscheinlichkeit, daß Rußland und Amerika sich zur Zer- störung des englischen Handels vereinigten. Was die Schwierigkeit der Zufuhr von Nahrungsmitteln betreffe für de» Fall, daß England in einen Krieg mir Frankreich und Rußland verwickelt werde, so würden die Vereinigten Staaten es nie zulassen, daß Weizen für Kriegskontrcbande erklärt werde, und im Verein mit Amerika sei England stark g«»"g. jeder denkbaren Vereinigung von Mächten zu begegnen. Englands Sicherheit hänge von seiner Flotte ab, und wenn diese hinreiche, so brauch« es Hunger nicht zu fürchten. Somit spitze sich die Debatte zu der Frage ,n. ob die Flotte stark genug sei. In betreff dieses Punktes übernehme die Regier»»« die Veraiuworilichkeit, welche der Antrag ihr anserlege, die Pflicht. daraus zu sehen, daß die Flotte stark genug sei zur Vcrthcidl'guiig der Küsten sowie de? Handels mit NahrungSstossen und Roh- Materialien.— Rnmiiiuen. Bukarest, 7. Aprll. Der Ministerpräsident Aurelian erllärte heute im Parlament, daß das Gesammtkabinet seine Entlassung eingereicht und der König sich seine Entscheidung vorbehalten habe.— Asien. Manila, 7. April. Die Orte Sau Francisco und Malabo», wo fast der gesannnte Rest der Aufständische» sich verschanzt hatte, wurden von den Spanier» genommen. Die Aufständische» flohen »ach erbittertem Kampfe, bei welchem sie sehr starke Verluste erlitten. Wieder einer der bekannten endgilligen Siege der Spanier ans den Philippinem— Afrika. NuS Sansibar wird gemeldet, der Sultan habe beschlossen, die Sklaverei abzuschaffen.— Amerika. RnS New-Bork wird der„Franks. Ztg." telegraphirt, daß die Nepnblikaner bei den L o k a l w a h l e n überall große Verluste erlitten. Zweifellos ist das Wahlergedniß die Folge der neuen Tarifbill. I» Chikago siegte der demokratische Bürger- mcister'Kandidat mit einer Mehrheit von 75 000 Stimme».— MeichskAg. 208. Sitzung v o in 7. A p r i l 1837. 1 U h r. Am Tische des BundcsrathS: N i e b e r d i n g. Das Haus ehrt das Andenken des gestern früh verstorbene» Abg. N ö p p(Wiesbaden) in der üblichen Weise. Ohne Debatte erledigt daS Haus in dritter Lesung den Ver- trag zwischen dem Reich und der Schweiz, de- treffend die Einrichtung schweizerischer Reben- Zollämter. Es folgt die dritte Berathnng des Handels- Gefetz- b u ch e s. Eine Generaldebatte findet nicht statt. Beim Eintritt in die Spezialberathung beantragt Abg. Bachem(Z.), da Anträge nicht gestellt sind, also wohl alle Parteien mit dein Ergebnisse der Berathung einverstanden sind, die on dloo-Annahme des Gesetzes, da die Beralhung sonst doch nur aus dem Aufrufen der einzelnen Paragraphen bestehen würde, Abg. Weist(frs. Vp.) will der o» dloo-Annahme nicht wider- sprechen, trotzdem seine Freunde große Bedenken bezüglich der Konknrrenzklausel haben. Abg. Singer(Soz.): Auch wir haben Bedenken wegen der Konkurrenzklausel; wenn wir trotzdem dem Entwürfe zustimme», so geschieht daS, weil in sozialpolitischer Beziehung entschiedene Verbesserungen für die Handlungsgehilfen durch das Gesetz herbei- geführt werden. Darauf wird daS HandelS-Gesetzbuch einstimmig en bloc angenommen. Es folgt die Berathung der von der Kommission vorgeschlagene» Resolutionen: 1. Baldthunlichst die Vorlegung eines Gesetzentwurfes zu ver- anlassen, wonach zur Entscheidung von Streitigkeiten zwischen Prinzipalen einerseits und Handlungsgehilfen und Lehrlingen andererseits kaufmännische Schiedsgerichte errichtet werde»; 2. zu veranlassen, daß über das Verfahren bei Ausstellung der Dispache und Über die Ausführung derselben in dem i» Art. I des Einführnngsgesetzes zum Bürgerliche» Gesetzbnche vorgesehenen Gesetz über die Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit Bestimmungen getroffen werde». Beide Resolutionen werden mit großer Mehrheit angenommen. Es folgt� die von.den Sozialdemokraten beantragte Reso- lution:. „Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, baldthunlichst die Vorlegung eines Gesetzentwurses zu veranlassen, wodurch: 1. für Handlunasgehilsen und Lehrlinge die Arbeitszeit geregelt und eine Beschäftigung derselben in der Zeit von 8 Uhr abendS bis 6 Uhr morgenS im allgemeinen ausgeschlossen wird; 2. die Gewerbeinspeklion aus das Handclsgewerbe ans- gedehnt und die Beaussichtigung besonderen Handelsinfpektoren übertrage» wird." Hiermit wird verbunden die Berathung der von dem Zentrum (Hertling und Genosse») beantragten Resolution: „Die verbündeten Regierunge» zu ersuchen:») in Erwägung darüber einzutrete», in wie weit und mit welcher Maßgabe die Beftiminungen der KZ 120» bis I20s und 134a bis 139b der Gewerbe- Ordnung(Arbeiterschutz- Bestimmungen) unier zweck- entsprechender Anpassung an die besonderen Bedürfnisse auf das Handelsgewerbe auszudehnen sind; b) thnulichst bald dem Reichs- tage einen entsprechende» Gesetzentwurs vorzulegen." Abg. Diel}(Soz.): DaS Zentrum ist. nachdem wir unsere Resolution beantragt hatte», denselben Weg gewandelt wie wir. Es ist immerhin anerkennenswerth, daß es Schulter an Schulter mit uns den auf diesem Gebiete unzweifelhaft vorhandene» Uebel- ständen entgegentrete» will. Hoffen wir, daß es seine Mitwirkung auch bei anderer Gelegenheit nicht versagt, wenn es darauf an- kommt, gesetzgeberische Maßregeln zu treffen. Unsere Stesolution wünscht die Uebertragung der Bestimmungen der Gewerbe-Orduung auf das Handelsgewerbe, sie will also etwas nachgeholl wisse», was für die Arbeiter, auch die jugendlichen und weiblichen Arbeiter bereits eingesührt ist. Der Effekt unserer Wünsche würde der sein, daß in den Ladengeschäften von 8 Uhr abends bis 0 Uhr morgens überhaupt nicht gearbeitet werden darf. Es haben sich im Handelsgewerbe Zustände herausgebildet. die jeder Beschreibung spotten' Die Ermittelungen darüber ver- danken wir der Kommisston für Ardeiterstatistik. Sie haben ergeben, wie außerordentlich nolhwendig es ist für die Handlungsgehilfen, männ- liche wie weibliche, und für die Handlnngslcyrlinge, Schntzvorschriften zu erlassen und ihre Ausführung durch die Geiverbe- Inspektoren überwachen zu lassen. Nach den Ermittelunge» jener Kommission haben mehr als 50 pCt. der Angestellten im Handelsgewerbe eine mehr als lsstündige Arbeitszeit. Eine sehr große Anzahl hat«ine weit längere Arbeitszeit.(Redner theilt die bezüglichen Angaben aus der Statistik mit.) Wie schlimm es damit namentlich im Bpothekergewerbe steht, beweist ein Artikel der „Pharmazeutischen Wochenschrift", in dem auch Mittheilungen ge- macht werden über die unzulänglichen Wohnungs- und GesnndheitS- Verhältnisse der Gehilfen und Lehrling«. Besonder? beschwerlich ist der Nachtdienst. Von morgens 7 bis abends 8—10 Uhr haben die Angestellten zu thun und dann noch bei Nacht bei jedem Schellen der Glocke aufzustehe». Freie Zeit wird ihnen nur i», ge- ringsten Umfange gewährt. Diese übermäßige lange Arbeits- zeit muß für Leben und Gesundheil der Angestellten die bedenklichsten Folge» habe», wie es den» auch thatsächlich der Fall ist. Aber auch die geistige Fort- und Ausbildung der Angestellten muß dar- unter leiden. Kaum 30 pCt. der Lehrlinge können die Fortbildungs- schul« besuchen» und waS soll der Unterricht überhaupt für einen Nutzen haben, wenn der junge Mensch übermüdet ist. So sind denn die Handlungsgehilfen thatsächlich schlimmer daran als Arbeiter und Handwerker. Es müßte den Gehilfen und Lehrlinge» genügende Zeit znr Einnahme der Mahl- zeiten, zur körperlichen und geistigen Erholung und Ausbildung gelassen werden, so daß sie den Tag über nicht länger als 10 bezw. 8 Stunden zu arbeiten haben. Die Aufsicht der Gewerbe-Jnspektoren ist ei» unentbehrliches Korrelat unserer ersten Forderung.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. von Hertling(Z.): Das Handelsgesetzbuch ist an der Frage des Ardeiterschutzes nicht ganz vorübergegangen. Die Kommission ist über die Bestimmung, welche die Regiernngs- Vorlage empfiehlt, noch etwas hinausgegangen. Meine Freunde sind der Meinung, daß es dabei nicht sein Bewenden haben könne, sondern"daß noch weiter gegangen werden müsse. Die in den Berichten der Kommission für Arbeiterstalislik nieder- gelegten Ziffern beweisen, daß über die Hälfte der Ladengeschäste ihre Gehilfen über 14 Stunden beschäftigen. Di« daraus sich er- gebenden Unzuträglichkeiten für die Gesundheit sowohl als auch für die geistige Ausbildung der Handlnngsgehilfen liegen ans der Hand. Auch für die religiöse Ausbildung der Handlungsgehilfen muß etwas geschehen können. Unser Antrag geht weiter als der der Sozial- demokraten, der sich nur ans die Regelung der Ar- beitszeit bezieht, während wir die ganze Arbeiterschntz-Gesetz- gebung ans die Handlungsgehilfen angewendet wisse» wollen. Für große Magazine und Waarenhäuser wird man sogar eine Arbeitsordnung vorschreiben können. Eine große Schnnitzkonknrrenz wird oft getrieben in den kleinsten Handelsgeschäften, auf Kosten der lange» Arbeitszeit der Gehilfen»nd Lehrlinge. Wir sind auch für die Erhallung des Mittelstandes, auch der kleinen Kanfleute; aber diese EthalUmg darf nicht geschehen auf Kosten der Gehilfen in diese» initlleren Geschäfte». Direktor im Reichsamt des Innern d. Woedtke: Die Resolutionen sind in sofern schon überholt, als seitens der Reichsverwaltung schon in Erwägung darüber eingetreten ist, wie weit Bestimmungen der Gewerbe- Ordnung auf das Handelsgewerbe ausgedehnt werden können. Die Bor- bereitnngen sind von der Kommission für Arbeiter- statistik bereits getroffen. Der Reichskanzler hat Veranlassung ge- »oinmen, die Sache dem preußischen Slaatsministerium zu unier- breiten; die Verhandlungen dort sind noch nicht beendet, werden aber binnen kurzer Zeit jpim Abschluß gelangen. Wenn ein Ein- greife» der Gesetzgebung für nothwendig gehalten wird, so werden sich die verbündeten Regierungen dieser Aufgabe nicht entziehen. Gegen die Resolution des Herrn Hertling aä a habe ich nichts ein- zuwenden. Ob ein Gesetzentwurs vorgelegt werden wird, hängt von dem Ergebnisse der Erwägungen ab. Die Resolution Dietz geht aber zu weit. Abg. v. Frcge(!.): Nach den Ausführungen des Regierungsvertreters könnte die Resolution als überflüssig betrachtet werden, weil die Sachen schon in Fluß sind. Trotzdem werden meine Freunde für den ersten Theil der Resolution v. Hertling stimmen. Abg. Bassermanu(natl.): Meine Freunde werde» den sozial- demokratische» Antrag ablehnen und den Antrag Hertling unter a annehmen; ein Bedürfniß für den Antrag unter b liegt aber nicht vor»ach den Erklärungen der verbündeten Regierungen. Durch die von der Kommission für Arbeiterstatistik angestellten Unter- suchungen ist festgestellt, daß im Handelsgewerbe eine Lehrlings- züchterei im großen Maßstabe und eine übermäßige Arbeitszeit für die Gehilfen besteht. Abg. Lenzmann(frs. Vp.) erklärt sich namenS seiner politischen Freunde für den Antrag v. Hertling. Das Handels- Gesetzbuch bringe einige sozialpolitische Fortschritte, indem es eine die Ge- sundheit gefährdende Ausdehnung der Arbeitszeit verbietet. Es muß aber die Gesetzgebung nunmehr eine feste Regelung der Arbeitszeit herbeiführen. Abg. Gamp(Rp.): Wir werden die Anträge ablehnen. Durch daS Handelsgesetzbuch wird eine Verbesserung der Lage der Handlungsgehilfen herbeigeführt; sie sind jetzt durch daS Gesetz ge- schützt. Abg. Rösicke(wild): Ich wundere mich, daß die Sozial- demokraten diesmal so genügsam sind, daß sie nur eine zehn- stündige Arbeitsruhe vorgeschlagen haben. Beim Handelsgewerbe ist eine solche scheniatische Regelung der Sache nicht möglich, weil die Arbeitszeil sich nicht regelt»ach der Produktion, sondern nach den Bedürfnissen des Konsums. Die Einführung einer Arbeits- ordnnng und auch einer gewissen Inspektion ist iwthivendig; die Hamburger Rheder habe» ja auch ihrerseits eine solche Inspektion für Hamburg vorgeschlagen. Ich werde auch für den Antrag Hertlnig unier b stimmen. Abg. Singer(Soz.): Der Abg. Rösicke hat gemeint, daß wir in unseren Fordernngeu bescheidener geivordcn seien. Zu dieser Be- Häuptling lag kein Grund vor. Wir haben mit unserem Antrag keine» prinzipielle» Verzicht auf den Achtstundentag ausgesprochen. Wir Halle»»ach wie vor daran fest, und glauben, daß es bei der gegenwärtigen Lage der Industrie und des Handelsgewerbes" bei einigem guten Willen der Unternehmer durchaus möglich wäre, den Achtstundentag allgemein einzuführen. Mit unserer Zustimmung zum ganzen Handelsgesetze ist keineswegs gesagt, daß wir einer I4stün- digen Arbeitszeit zustimmen. Die Pansen übersieht Herr Rösicke. Erwägungen halten wir nicht mehr für nothwendig, die Sache ist spruchreif. Der Koup des Abg. Rösicke, die Well mit der Eni- yüllung zu verblüffen, daß wir unsere prinzipielle Stellung verändert haben, ist gänzlich wißglückt. Abg. Hitze(Z.): Das Zentrum ist mit seinem Autrage aller- dings etwas späler fertig geworden als die Sozialdemokraten, eS ist aber dabei auch gründlicher vorgegangen; denn der sozial- demokratische Antrag verlangt nur eine Regelung der Arbeitszeit, läßt aber die andere» Fragen außer betracht. Damit schließt die Diskussion. Unter Ablehnung der Anträge der Sozialdemokraten gegen die Stimmen der letzteren wird der Antrag v. Hertling nnter a) gegen die Stimme deZ Abgeordneten v. Stumm, uuter b) gegen die Stimmen der Konservativen an- genommen. Die zum Handelsgesetzbuch« eingegangene» Petitionen werden für erledigt erklärt. Schluß 3>/« Uhr. Nächste Sitzung Dienstag, den 27. April. 1 Uhr.(Erste Lesung des NachtragZeiatS, Nechiinngsvorlage und AuswanderungSgesetz.)_ Nvozetz MopchemKnn und GeuoZsen. Zweiter Tag. LandgerichtS-Direktor R i e ck eröffnet die Sitzung um O'/' Uhr. Als erster Zeuge wird Polizeirath Wolfs aus Frankfurt a. M. vernommen. Er hat in seiner früheren Eigenschaft als Berliner Kriminalkommissar de» Auftrag gehabt, in Sachen der Höllen- Maschine Recherche» anzustellen. Er hat nichts ermitteln können, waS daraus deutete, daß dem Anschlage ein persönlicher Rache-Akt zn gründe liegen könnte. Speziell hat er Ermittelungen bezüglich des gester» genannten Biermann angestellt, die ebenso wenig Erfolg hatten wie die Ermiltelnngen, die er über die etwaige Thäterschasl eines ehemaligen PolizeilientenantS, der dem Polizei-Oberst Krause notorisch feindlich gesinnt ist, in die Wege geleilet hat. Er hat auch in Frankfurt a. O Nachsorschungen angestellt, da unier dem Deckel der Ex« plostonskiste kleine Leisten verwendet>varen, die offenbar Fragmente einer anderen Kiste darstellten, aus welcher die Schriflzeiche»„C. P. ..... surt a. O." erkennbar waren. Auch diese Ermittelungen sind erfolglos geblieben. Die Ermittelungen in Fürstenivalde habe» »nr das Ergcbniß gehabt, daß mehrere Personen als Aufgeber der Kiste einen jungen Mann bezeichneten, der de» Eindruck eines ver« kleideten Mädchens gemacht habe. Da die politische Polizei den Verdacht hatte, daß eS sich hier um ein anarchistisches Attentat handele, wurde in der Nacht zum 30. Juni Koschemaun verhaslet, aber wieder entlassen, weil er sein Alibi nachweise» konnte. Später ist Koschemann in der Sache der Berbreitung aufrührerischer Schriften, in welcher er zn neun Monaten Gefängniß verurtheill worden ist. wieder verhaftet. Die politischePolizei gab bald ihre Ansicht, daß es sich um einen anarchistischen An- schlag handele, ans, der Zeuge hat sich aber doch zn seinen Recherchen Beamte der politischen Polizei beigebe» lassen. Die Nachsorschungen wurde» auch nach der Richtung! der Familien- glieder des Polizei-Oberst Krause ausgedehnt, ergaben aber gleich- falls nichts, ebenso wenig die Nachforschungen, die nach der Richtung hin angestellt wurden, daß vielleicht ein Racheakt irgend eines entlassenen Schutzmanns, Nachtwächters und dergleichen vor- liege. Ans Befragen der Vertheidignng bestätigt der Zeuge, daß die Zeitungen, welche in der Sprengkiste vorgefunden wurden, vom August 1834 dalirt waren. Der nächste Zeuge, Güterexpedient Schulz- Erkner hat einmal den Verdacht ausgesprochen, daß die Adresse und der Begleitschein der Sprengkiste Schriflzüge zeigten, die der Handschrift des in Erkner wohnenden PolizeilieulenantS a. D. Rafchke ähnlich sähen. Der Zeuge behmipl« auch heute noch, daß er die Schriftzüge für ähnlich halle. Zeuge Bösel über die«narchiste». Zeuge Kriminalkommissar Bösel giebt einen kurzen Ueberblick über den Gang der anarchistischen Bewegung in Berlin. Diese erhielt, wie der Zeuge ausführt, in den Jahren 1393/94 einen be- sonderen Aufschwung durch die Schandthaten eines Ravachol. Vaillmit u. a. Diese üblen ihren unverkennbaren Einfluß auch auf die Berliner Anarchisten aus, die zu dem Gedanken kamen, sie müßten doch nun auch einmal zeigen, daß sie da sind. Namentlich zeigte» die jüngeren Anarchisten die Verquickung ihrer Neigung zum politischen Radikalismus und zum gemeinen Verbrechen. Sie begeisterten sich an dem Gedanken der Gewalt« thnt. Daß dies nicht blos Geschwätz war, zeigte ein Vorfall. dessen Bedeutung seinerzeit dem Publikum nicht recht k l a r ge- worden war. Ein gewisser V or welcher ging mit einem Mann namens Molden au er nach den Müggelbergen und machten Sprengversnche, wobei sie verunglückten. Eine Strafverfolgung konnte damals nicht eintreten, weil es an einer gesetzlichen Hand- habe fehlte, da die Leute behaupteten, daß sie im wesentliche» nur Pulver verwendet hätte». Der eine der Verunglückten ist gestorben. Vormelcher ist Mitglied des anarchistischen D i s k u t i r k l n b s bei Späth gewesen. Die Anarchisten hatten zwei Sammelpunkte: der eine war das L a u b e n t e r r a i n in der Petersburgerstraße und namentlich die Laube der Florentine Weber, der andere das Späth'sche Schau klokal in der Georgenkirchstraße. Zu erinnern ist dann auch an den Znsammenstoß, den die Anarchisten S ch e w e und Träger mit den Schutzleuten Busse und F i n k e hatten und wobei aus die Schutzleute geschossen wurde. Finke hat infolge der dabei erlittenen Verletzung penfionirt werden müssen. Dieser Vorfall gab Anlaß zu Haussuchungen bei bekannten Anhängern der Propaganda der That. die die Angaben durchaus bestätigten, wonach die Leute sich auf Gewallthaten vorbereiteten. Die hohen Strafen, die über Schewe und Träger ausgesprochen wurden(Schewe erhielt 12 Jahre Zuchthaus, Träger 5 Jahre Gefängniß), hatten einen sehr heilsamen Einfluß. Diese Kategorie der Anarchisten war vorläufig lahm gelegt. Dan» kam die andere Kategorie. Im Juni 1834 wurde der anarchistische Diskutirabend bei Späth eingerichtet. Gleich am ersten Abend wurde über einen Artikel der Most'schcn „Freiheit" und die dort empfohlenen Stoß- und Explosiv- Instrumente diskutirt. Zu den eifrigen Besuchern dieses Diskutirabends gehörten Westphal, Wilhelm Weber und K o s ch e»> a n n. Letzlerer hat wiederholt dort so radikale Redens- arten geführt, daß er für einen axont xrovovatsur gehalten wurde und auch einmal durchgeprügelt worden sein soll.— Innerhalb dieses Klubs bildeten Koschemann, Westphal. Weber und Frau Westphal eine kleine eng an einander geschlossene Gruppe. Gelegentlich einer Haussuchung ist bei Koschemann ein Dolch vor-' gefunden worden, bei einer Festnahme des Weber ist ei» anscheinend von ihm selbst geschriebenes Sprengstoff-Rezept vorgefunden, welches noch nicht einmal in dem Most'schen Buch über die revolutionäre Kriegführung enthalten war. Dies war nicht lange vor dem Attentat aus den Polizei-Oberst Krause. Als letzteres sich ereignet hatte, hat er mit seinen Beamte» sofort die Ueberzeugnng erhalten, daß,' wenn überhaupt ein anarchistisches Attentat vorliege, diese? nur von der Gruppe Koschemann ausgegangen sein könne. Sie waren aber nicht der Ansicht, daß ei» solches anarchistisches Attentat vorliege. Man hielt es für möglich, daß sich unter den entlaffenen Schutzleuten ein persönlicher Feind des Obersten Kraus« befinden könnte, serner wurde damals das Nachtwachtwesen»mgewaudelt und die Entlassung mancher Nachtivächtcr konnte bei einzelnen Personen ja auch böses Blnt erregt haben. Auch der verstorbene Polizeirath v. Mauderode vertrat die Ansicht, daß ein persönlicher und nicht ein politischer Racheakt dem Attentat zu gründe liege. Deshalb wurden die Ermittelungen nicht der politischen, sondern der Kriminalpolizei übertragen. Politische nnd Kriminalpolizei beim Attentat. Zeuge Bösel fährt fort: Die politische Polizei beschäftigt« sich aber doch mit der Sache und man ließ bei mehreren be- kannten Anarchisten, u. a. bei den Angeklagte» Koschemann und Westphal, Haussuchung vornehmen. Das Ergebniß be- wies zwar, daß die Genannten Anarchisten, aber dafür, daß sie mit dem Attentat in Verbindung standen, ergaben sich nicht genügende AnHaltepunkte. Im Stillen wurden die Beobachtungen aber fortgesetzt, zumal die Annahme, daß doch ein politisches Attentat vorliege, wieder an Boden gewonnen halte. Es wurde bemerkt, daß die Angeklagten Koschemann und Westphal ein verändertes, scheues Benehmen zur Schau trugen. Bald darauf wurde Kosche- mann wegen Verbreitung anarchistischer Schriften zur Haft gebracht. Aus dem Gefänanisse kam die Nachricht, daß auch dort Koschemann ein angsterfülltes Wesen zeige, als sei sein G«vifl«n von einer schweren That bedrückt. Der Verdacht gegen ihn habe neue Nahrung gewonnen. Daß die Polizei mit großen Schwierigkeiten zu kämpfe» haben würde, daraus war man vor- bereitet. War es doch anzunehmen, daß der Thäter, alS er mit der Kiste das HauS verließ, um sich nach dem Bahnhofe zu begeben, auch die geringste Spur hinter sich verwischt hatte. Es wurde alle» Personen, die die verdächtige Person gesehen haben wollte», die Photographie Koschemann's gezeigt. Einige derselben waren in betreff der Wiedererkennung bestimmter. Am 19. Juli 1396 wurde noch einmal«ine Haussuchung in der Kosche- mann'schen Wohnung vorgenommen. Es flalt diesmal, den hellgrauen Anzug»u finden, den der jungt Mann mit der Niste getragen haben sollte. Frau Koschemann leugnete anfangs be- Harriich, daß ihr Neffe einen hellgrauen Anzug getragen habe, später habe sie aber dem Untersuchungsrichter gestanden, daß sie die Un-. Wahrheit gesagt habe. Der graue Anzng sei denn auch gefunden worden, eS sei derselbe, den er jetzt trage. Auffallend sei der Um- stand, daß mehrere Abendblätter bereits die Nachricht von der B e- s ch l a g n a h in e des grauen Anzugs brachten, bevor dieselbe erfolgt war. Dies spreche doch gewiß am denllichsten gegen die, ebenfalls in einigen Blättern kundgegebene Unlcrstellung, daß die Polizei selbst erst den grauen Anzug in die Koschemann'sche Wohnung geschmuggelt habe, um eine Handhabe gegen Koschemann zu bekommen. Uebrigens müsse der Zeuge noch nachhole», daß im Hause Alexanderftr. 2 niemals ein Oberst Krause gewohnt habe. Man habe der Polizei auch den Vorwurf gemacht, daß sie in den Versa in m l» n g e n der Anarchisten Spione hielte, welche zu aufrührerischen Reden anreizen müßten. Er, der Zenge, müsse sich entschieden dagegen verwahren, daß er solche Mittel anwende. Es sei dies selbst vor einiger Zeit in einer Anarchisten-Versannnlung a n« r k a n n t w o r d e n. Er b e d a u e r e es sehr, daß er die Benutzung von Agenten nicht vermeiden könne, dies liege aber einmal in den Verhältnissen. Bösel nnd Koschemann im Krenzverhör. Der V c r t h e i d i a e r Kosche m a n n s: Ist cS richtig, daß sich unler den Leuten, die Ihnen Nachrichten zutragen, auch b e- strafte Personen befinden?— Zeuge: Es mag möglich sein, aber ich kann es nicht ändern; n>enn ich im stand« sein soll. die Ausführung von verbrecherische» Plänen zn verhindern, muß ich sie auch rennen.— Verth.: Nun behauptet Koschemann, daß die Anarchisten gar nicht so schlimm seien, als die Terroristen; die letzleren seien die eigentlichen Vertreter der Propaganda der That. — Zeuge: Ausgesprochen nnd gedruckt ist es;a, daß sich unter den Anarchisten nur wenig« befinden, welche vor keiner Thut zurückbeben, aber es wird ja immer Leute geben, die sich heroorthim und besonderen Zvtuth haben. Die Angeklagten Koschemann und Westphal geben zu, daß sie Nbonnenren der in Newyork erscheiueiiden„Freiheit" sind, Weber will die Zeitung ohne sein Zuthnn regelmäßig zugeschickt erhalten haben.— Rechtsanwalt Bieber: GeHörle» vi« männlichen Angeklagte» z>: denjenigen Personen, welche die Versammlungen von Anarchisten schärferer Richtung in der Petersburgerstraße besuchten'1— Zenge Bösel: Ich weiß tt n i ch t.— Verth.: Wie sind Sie zu der Annahme gekommen, daß auch Weber mit dem Gedanken umging, nach A m e r i k a auszuwandern!— Zeug-: Es ist mir zu Ohren geromuien.— Verth.: Weber bestreitet enljchieden, daß er daran gedacht habe.— Verth.: Ist dem Kriminalkommissar die Broschüre von Tucker:' . Die Lehre des Anarchismus" bekannt und weiß er, daß Tucker in New-Jork als einer der hervorragendsten Lehrer des Anarchismus bekannt und angesehen ist?— Z e u g e: Ja.— Verth.: Dann werden Sie wohl bestätigen, daß diese Lehrer des Anarchismus mit der Propaganda der Thal nichts zu thnn haben.— Zeuge: Das ist richtig, die Anarchisten und die Angeklagten lesen aber doch auch andere Bücher.— Staatsanwalt K a n z o w: Tie An- geklagten haben doch auch die Most'sche„Freiheit" gehalten, und in diesem Blatte hat einmal gestanden, daß Mr. Tucker ein philo- sophischer Quatschkopf fei.— Rechtsanwalt Wert hau er: Ich möchte bei dieser Gelegenheit noch folgendes anrege». Ich glaube ja nicht, daß der Angeklagte Koschemann hier die That begangen hat oder damit zusammenhängt. Es könnte aber doch sein, daß er vielleicht den wirklichen Absender kennt. Da möchte ich Auskunft von ihm erhalten, ob er nach seinen anarchistischen Anschauungen sich verpflichtet hielte, den Absender nicht zu nennen?— Kosche- mann: Ich kann nur versichern, daß ich den Absender nicht kenne und mit der ganzen Sache nichts zu thnn habe.— Präs.: Das ist keine Antwort auf die Frage des Vertheidigers. Er will wissen, ob Sie den Absender der Kiste eventuell nennen würden?— K o s ch e m a n n: Ich würde mich im allgemeinen auf den Stand- Punkt Weber's stellen.— Präs.: Was heißt das?— A n g c k l.: Ich würde unter Umständen den Adressaten gewarnt haben.— Präs.: Sie drehen und wenden sich auch heute wie gestern. Können Sie denn nicht präzise„Ja" oder„Rein" sagen?— Angekl.: Wenn ich meinen Kopf dabei zu Markte tragen würde, würde ich vielleicht die Person nenne».— Präs.: Das sind alles absolut gewundene Erklärungen.— K o s ch e>» a n n: Ich erkläre mit gutem Gewissen, daß ick unschuldig bin. Wenn ich aber den Absender wüßte, dann könnte es möglich sein, daß ich ihn nenne.— Präs.: Es ist also ans Ihnen nichts heraus zn bringen!— Angeklagter: Ich kann nur sagen: es könnte möglich sein.— Der Kriminalwachtmeistcr F r i ck und Kriminal- schutzmann Busse bestätigen kurz, daß die Nachforschungen nichts ergeben habe», was ans einen persönlichen Racheakt schließen könnte. — Seitens der Vertheidigung war auf einen jetzigen Modiste», ehe- maligen Schutzmann R a n ch als der That verdächtig hingewiesen worden. Dieser Zeuge ist seinerzeit ans dem Polizeidienste entlassen worden, weil er einmal während des Dienstes ein Schnnklokal be- sucht hatte. Das Beweisthcma ging dahin, daß dieser Zeuge an dem fraglichen Tage an seinen Bruder, welcher Vizefcldivcbcl ist. einen Brief geschrieben hat, in welchem die Stelle vorkommt:„Um l l Uhr ist alles vorbei!" Der Zeuge erklärt, daß diese Stelle ausschließlich aus seine Dienstentlassiing bezng hatte. Er war an jenem Tage zn 11 Uhr aufs Bureau bestellt worden und wußte ganz genau, daß dies seine Entlaffung bedeute. Er habe von der ganzen Höllenmaschinen- Angelegenheit erst aus der Zeitung Kenntniß erhallen, daraus ergebe sich, daß er selbst nicht der Absender der Kiste sei und auch den Absender nicht kenne.— Verth.: Ist dem Zeugen bekannt, daß Polizei-Oberst Krause bei den Schutzleuten als besonders strenge sehr gehaßt war?— Zeuge: Mir ist nichts davon bekannt, daß Polizei-Oberst Krause verhaßt war. Ich weiß nur, daß er als ein gerechter Mann bekannt ist. Nach kurzer Pause wird zur Charakteristik Koschemann's das Urtheil der I. Straskammer verlesen, welches seinerzeit gegen Grätz und Genossen wegen der Verbreitung der anarchistische» Druck- schrift„Gretchen und Helene" gefällt worden ist. Koschcmann wnrde, wie schon erwähnt, damals zu S Monate» Gcfänguiß ver- nrtheilt. Nochmals die„Höllenmaschine". Präs.(zu Roschemann): Angeklagter, Sie setzten vorhin schon einmal a», um auseinander zu setzen, wie Sie über die Abfendung der Kiste denken.— Koschemann: Nach meiner Ansicht kann es nur ein persönlicher Racheakt oder ein Akt des S p i tz e l t h n in s sein.— Präs.: Sie haben gehört, daß nach de» angestellten Recherchen ein persönlicher Racheakt ausgeschlossen erscheint. Was verstehen Sie unter„Spitzelthnm"?— Koschemann: Daß etwas provozirt wird, um Haussuchungen zn veranlassen, Ausnahmegesetze zu begründen und die Zügel straffer in die Hand zu bekommen.— Präsident: Was hat das Spitzel- lhum mit dieser Kiste zu thu»?— Koschemann: Die Kiste kann nur ein Laie gemacht haben.— Präs.: Sind denn alle Laien„Spitzel?" Sind denn alle Personen, die im Zuschauerraum fitzen und doch wohl Laien sind,„Spitzel?"— Angekl. K o s ch e- m a u n: Unter Spitzel ist verschiedenes zu verstehen, zum theil sind es ggsnts provocateurs, die in Versammlungen erscheinen und verschwinden, nachdem sie Leute aufgeputscht habe». Ich erinnere an den Lütticher Anarchisten-Prozeß, wo ein nnfgetretener Zeuge v. U n g e r n- S t e r n b e r g sich als gekauftes Individuum entpuppte, der unschuldige Leute hineinlegen sollte.— Präs.: Von wem sollen solche Leute gekauft sein?— K o s ch e m a n n: Von der Polizei- behörde selbst. In Zürich haben Agenten einem unschuldigen Menschen Sprengstoff ins Hans geschafft, sie waren aber beobachtet worden und der Sprengstoff wnrde schnell beseitigt. Unmittelbar darauf erschien die Polizei auf der Bildfläche, um daselbst eine Haussuchung abzuhalte». Bei der Kiste handelt es sich sicher nicht um eine politische Sache; bei irgend welcher ernstlichcn A b- ficht wäre es doch sehr leicht ge w e se n, ein Auslaufen der Flüssigkeit zu verhindern. Kriminalkoinmissar Bösel: Gegenüber der Behauptung, daß die Polizei sich Leute kaufe zn solchen Attentaten, erkläre ich bier unter ausdrücklicher Berufung auf meinen Eid: I ch habe die Ab- sendung der Kiste nicht veranlaßt und habe auch nichts er- ulittelt, daß dasAttentat bezahlte Arbeit wäre.— Rechtsanwalt K a n z o w: Wenn es Polizeiarbeil wäre, würde doch die Polizei sofort mit der Behauptung gekommen sein:„Seht, hier ist ein anarchistisches Attentat!"— Koschemann: Das ist ja auch sofort geschehen.— Präs.: Sie haben bei einer Vernehmung in der Voruntersuchung auch einmal gesagt: Das germanische Blut fei ruhiger, als das romanische, welches zu solchem persönlichen Racheakte leichter geneigt sei,— Koschemann: Das ist auch meine Meinung.— Der An- klagte We stpbal erklärt auf Befragen, daß nach seiner Meinung die Absendung der Kiste nur ein persönlicher Racheakt sein könne.— Der Vorsitzende bringt hierauf einige Seiten aus dem M o st- schen Buche„Handbuch der revolutionären Kriegs- k u n st" zur Verlesung, in welchem Anweisungen zur Anfertigung von Explosionsstoffen, Höllenmaschinen unter Anwendung von Benzin jc. ertheilt wird.— Präs.: Koschemann, ist es Ihnen nicht aufgefallen, daß eine dieser Anweisungen sehr ähnlich derjenigen ist, die bei der Kiste zur Ausführung gekommen ist?—Angekl.: Das muß ich zugeben.— Auf Befragen der Vertheidigung wird fest- gestellt, daß das Most'sche Handbuch bei keinem der Angeklagten vorgefunden wurde, sondern dem Kriminalkommissar Bösel von ein em Anarchisten Machner übergeben worden i st.— Koschemann meint, so viel ihm bekannt ge- ivorden, soll der betr. Machuer") im Prozeß Leckcrt-Lützow als Polizeispitzel entlarvt worden sein.— Sämmtliche Angeklagte bestreiten, daS Most'sche Buch zu kennen. lieber das Aussehen des Angeklagten Koschemann im Sommer 189S werden verschiedene Schutzleute vernommen, die da- malS mit seiner Beobachtung beauftragt waren. Abgesehen von einer Abmagerung im Gesicht, die ans die längere Haft zurück- zuführen ist, habe Koschemann sich wenig verändert. Uebcrein- stimmend bekunden diese Zeugen, daß Koschemann die An- qewohnheit hatte, mit beiden Händen durch seine Haare zu fahre». um sie aufzulockern und zurückzustreichen. Er habe auch einen etwas mädchenhaften Gang gehabt. Die Zeugen habe» wahrgenommen, daß Koschemann sich wieder- doli nach den Wohnungen der Angeklagten Westphal und der Frau Gürtler begeben hat. ') Machner ist unseres Wissens die Person, die im vorigen Sommer vom Kriminalkommissar Bösel zu Spitzelzwecken gekauft werden sollte; Bösel wurde jedoch von Machner böse gennssnhrt.__ ' Verantwortlicher Redakteur: Äug, ist Jacobry in Berlin. Mr den Inst Koschemann'ö FUß«. Hierauf muß Koschemann aus dein Anklageraum heraustreten und sich die Stiesel ausziehen. Der Sachverständige. Obermeister der Schuhmacherinnung Beutel nimmt eine Zeichnung von der Form und den Umrissen der Füße und giebt sein Gutachien dahin ab: Der Fuß ist im ganzen ein normaler Männersuß. als Damenfuß würde er etivas groß sein. Der Fuß sei aber weich und schmiegsam und der Angeklagte würde den Fuß cveut. auch leicht in engere Stiefel hineinbringen, ohne große Unbequemlichkeiten zu haben. Wen» beispielsweise der Angeklagte als Frau ver- kleidet einen Maskenball hätte besuchen wolle», hätte er ganz gut einen Damenschuh anziehen können.— Sanitätsrath Dr. Mitten« zweig schließt sich diesem Gutachten durchaus an und bekundet noch, daß keinesfalls der Fuß jetzt kleiner geworden sein kann wie vor zwei Jahren. «» Nach kurzer Mittagspause erklärt Angeklagter Rosche- m a n n auf Befragen des Vorsitzenden, daß er den Polizei-Oberst Krause erst seit dem 1. Juli 1895 kenne, als dieser Name nach seiner Verhaftung ihm von der Polizei genannt wurde. Vorher habe er von Herrn Polizei-Oberst Krause nichts gewußt.— Kriminal- kommissar Bösel, vom Vorsitzenden danach befragt, bekundet, daß die polizeiliche Beobachtung des Koschemann ans dem Grunde statt- gefunden habe, weil er der Polizei als gefährliche Person bekannt war.— Angekl. Koschemann: Ich möchte doch mal den Kommiffar frage», von wem ich als ein gefährlicher Mensch der Polizei gemeldet worden bin?— Zeuge: Dies zn sagen lehne ich ab.— Angeklagter: Dan» kann dies nur aus Denunziation beruhen. Hierauf werden die sämmtliche» Zeugen hereingerufen, die s. Z. den vermeintlichen Absender der Kiste zu verschiedenen Momenten gesehen haben. Koschemann muß aus dem Anklageraum heraus- treten und wiederholt vor den Auge» dieser Zeugen in verschiedenen Gangarten auf- und abgehen. Er muß sich dann eine grau-grüne Soinmcrjoppe, die auf dem Rücken eine Schnurre hat, überziehen.— Koschemann: Dagegen möchte ich doch prolestiren, ich habe nie eine solche Joppe besessen oder mir geliehen.— Nachdem dem Angeklagten die Joppe angezogen und der Hut aufgesetzt worden war, muß sich der Angeklagte den Zeugen noch einmal vorstellen. Die Zeuge» treten dann wieder ab und werde» nun einzeln hereingerufen. Tie Zeugen ans Fiirstenwalde. Briefträger S ch w e m in e r hat am 29. Juni in Fürstenwalde die Kiste von dem unbekannten Aufgeber in Empfang genommen. Er schildert diese» als einen Mensche», der sehr viel Mädchenhaftes an sich hatte: eine kleine schlanke Figur mit frischem, bartlosem Gesicht und lockigem, blondem Haar. Er trug einen hellen Anzug und dunklen Hut. Er war sehr scheu und ans die Frage des Beamten, ob denn die Kiste nicht frankirt werden solle, hat er sich sehr schnell ent- fernt. Der Zeuge kann den Angeklagte» nicht mit Bestimmtheit als den Aufgeber der Kiste wieder erkennen. Ihm scheint, als ob die Joppe dem betreffenden jungen Manne praller gesessen hätte. Zur Er- länternng sei bemerkt, daß ein Zeuge Rähse, der den Mann mit der Kiste hier ans dem Schlesischen Bahnhofe ge- schen zu haben vermeint, angegeben hat, daß der Betreffende eine derartig grünlich-graue Joppe getragen habe. Danach ist dann nachträglich die jetzt dem Koschemann angezogene Joppe angefertigt worden. Aus den Akte» wird festgestellt, daß der Zeuge seinerzeit aus der Photographie den Angeklagten als Einlieferer der Kiste nicht wieder erkannt hat. Auch bei spätere» persön- lichen Vorstellungen hat der Zeuge die Meinung vertreten, daß der Angeklagte die betreffende Person, die er für ein ver- kleidetes Mädchen gehalten, nicht sei. Der Zeuge ist seinerzeit sofort am 30. Juni 1395 vernommen worden; er hat damals nichts von dem verkleideten Mädchen angegeben, mit dieser Version ist er erst nach einem Jahre, als er ivieder vernommen wnrde, hervorgetreten. Frl. Jobanna Schwan dt aus Fürstenwalde, die seinerzeit daselbst als Dienstmädchen im Dienst stand, hat den Mann mit der Kiste am Postschalter gesehen. Er tbat sehr schüchtern und hatte einen ins Graue gehenden Rock an. Auch sie ivill nicht behaupten, daß der Angeklagte der betreffende junge Mann sei. Bei einer früheren Vernehmung hat die Zeugin gesagt, daß der von Rosche- mann getragene Anzug dem üluznge jeuer Person ähnlich sei, ebenso die Figur. Die Zeit, zu welcher die Kiste aufgegeben worden, wird von der Zeugin zwischen 7 und 3 Uhr angegeben. Es folgt nun eine Grnppe von Zeugen, die Wahrnehmungen auf dem Schlesischen Bahnhose gemacht haben. Polizeiwnchlmcister F r i ck hat festgestellt, daß seinerzeit der Zug nach Fürstemvalde Nr. 203 um 6 Uhr 5 Min. abends fahrplanmäßig abgehe» sollte uud am 29. Juni mit 4 Minuten Verspätung, d. h. um 6 Uhr 9 Min. abgegangen ist. Er traf mit 6 Minute» Verspätung um 6 Uhr 57 Min. in Fürstenwalde ei». Der Fabrikant S ch ü tz e hat an jenem Abend etwa um die frag- liche Zeil auf dem Schlesischen Bahnhofe eine Person bemerkt, die er für ein verkleidetes Franenzimmer hielt. Nicht weit davon stand ein in grünes Tnch gehülltes Packet, welches er für eine Kiste hielt. Tie Person halte einen grauen, sogenannten Pfeffer- und Salzanzug an. der mit Koschemann's Anzug nicht übereinstimmte. Die Haare schienen ihm auch dunkler zu sein, die Statur erscheint ihm anders.— Wachtmeister F r i ck bekundet, daß Koschemann dem Zeugen auch einmal in Plötzensee vorgeführt worden ist; bei dieser Gelegenheit habe der Zeuge erklärt, daß die Gesichtszüge des K. ähnlich denjenigen seien, ivelche die Person auf dem Schlesischen Bahn- hose halte. Der Zeuge erklärt, daß er gleichzeitig gesagt habe, daß die Statur doch eine andere sei. Auf wiederholtes Befragen der Vertheidigung erklärt der Zeuge, daß er seinerzeit beim Anblick der betreffenden Person sofort die Meinung gehabt habe, daß es sich um eine ver- kleidete Frauensperson handele. Die„grobe Ungebühr" des Vertheidigers. AlS Rechtsanwalt Dr. Werthauer den Zeugen nochmals Fragen bezüglich der Farbe des Anzuges vorlegen will, erbittet sich der Vorsitzende Auskunft darüber, ob dies in dieser Weise fortgehen soll, daß immer wieder Fragen wieder- holt werden sollen, die er schon selbst gestellt hat und die von den Zeugen schon beantwortet seien. Anf diese Weis« würde ffs doppelte der Zeit für die Verhandlung in Anspruch genommen Der Verlheidiger erwidert, daß er es als sei» Recht in Anspruch nehme, Fragen noch einnial zu wieder- holen, wenn ihm d i e T h a t s a ch e n nicht genügend geklärt scheinen.— Vors.: Tann bitte ich mir bestinnnt zu sage», ob diese Methode fortgesetzt werden soll, denn dann muß ich Anträge an den Herren Präsidenten stellen, um genügende Zeit für die Herren Richter und den ge- nügenden Raum für die Verhandlung zur Verfügung zn er- halten.—Verth.: So lange der Herr Vorsitzende, sicherlich unbewußt, seine Fragen in e h r im Sinne der Anklage stellt, Halle ich es für meine Pflicht, die Frage» mehr i>n Sinne der Vertheidigung zu st e l l e n. Der Staatsanwalt wird sich auch das Recht vorbehalte», Fragen, die nicht genügend in seinem Sinne beantwortet erscheinen, zn wiederhole».— Präs.: Ich bitte de» Vertheidiger. das, ivas er eben gesagt hat, näher zu erläutern.— Verth.: Ich will nicht den Schalten eines Vorwurfes erheben, aber wir sind doch alle Menschen, auch der Herr Vorsitzende. Bei uns ist es ja leider nicht so wie in England, daß Kreuz- und Querfragen ge- stellt werden, bei uns hat der Vorsitzende das Fragerecht und da kann es doch jedem Menschen passiren, daß er ganz un- bewußt— wenn er sich überhaupt eine Meinung gebildet hat— die Fragen im Sinne seiner Meinung stellt. Da kann die Ver- lheidigung nicht auf das Recht verzichten, auch ihrerseits Fragen zn stelle», selbst wenn einmal dabei eine Wiederholung ttnterlaufen sollte.— Präs.: Der Gerichtshof zieht sich zur Berathung zurück.— Nach kurzer Beutlhimg verkündet der Vorsitzende: Der Vertheidiger bat mit seiner Bemerkung den Vorwurf der Parteilichkeit gemacht. Er hat atcutheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von£ zwar hinzugefügt, daß er nicht den Schatten eines Vorwurfs erheben wolle; der Vorivnrf der Parteilichkeit wird damit aber nicht aus der Welt geschafft. Der Gerichtshof erblickt in dem Verhalten des Vertheidigers eine grobe Ungebühr und nimmt ihn in eine Ordnungsstrafe von Ivo M. Ter nächste Zeuge ist der Hilfs-Weichensteller Theodor K r o m o s k i. Auch er hat auf dem Schlesischen Bahnhof die betreffende Person gesehen, die er auch für ein verkleidetes Mädchen hielt. Die Person hatte eine» grauen Zwirnanzug an, aber von anderer Farbe als Koschemann's grauer Anzug. Die Kiste, die die Person mit sich führte, war etwa in der Größe der Sprengkiste. Wahrend der Zeuge Schütze ans- gesagt, daß die Person eine„frische, gesunde" Gesichtsfarbe hatte, schildert Kromoski die G-sichsfarbe unentwegt als „b l a ß". Die Haare seien röthlich-blond gewesen. die Person sei aber entschieden kleiner gewesen, als Koschemann. Sein Kollege Gladisch sagte ihm damals gleich, die Person habe Ohrlöcher. Zeuge Schilderstccher Gladisch, der von Kromoski auf die Person aufmerksam gemacht wurde, hat sich diese genau angesehen und ist fest davon überzeugt, daß es eine Frauensperson war, die eine Perrücke trug. Er will auch Sommersproffen auf der Nase der Person und Ohrlöcher i» ihren Ohren bemerkt haben. Es wird festgestellt, daß Gladisch s. Z. auf Befragen des Kriminalschntzmanns Busse daS Vorhandensein von Ohrlöchern verneint habe. Der Zeuge erklärt dies so: er habe sich nicht verp sichtet gefühlt, dem Busse die Wahrheit zu sagen, weil dieser sich nicht als Kriminalbeamter l e g i t i m i r t habe. Zeuge Busse be« streitet letzteres. Stationsassistent Horn schildert die Gesichtsfarbe der Person, die auf dem Schlesischen Bahnhose als verkleidete Frauensperson galt, als„auffallend blaß." Die Kiste, die die Person bei sich hatte, war nicht i» Tnch oder in Papier gewickelt, sondern roh. Koschemann könne er als die Person nicht erkennen, die Person sei kleiner und voller gewesen. Koschemann muß wiederholt hervortreten, der Zeuge erklärt aber i m m c r wieder, daß die Figur des Angeklagte» eine andere sei. Zeuge Schiihmacherincister Joseph B e t h g e ist mit dem Vor- zeugen der Meiming, daß die Person kleiner und voller als der Angeklagte gewesen sei. Frau Hausverwalter Rähse stimmt dem Vorzeugen bei, ihr Ehemann dagegen hält die Gesichtszüge Koschemann's für sehr ähnlich mit jener Person, jedoch habe diese im Gegensatz zum Angeklagten dunkelbraune Augen gehabt, sei auch kleiner gewesen und habe eine Perrücke getragen. Das Haar, welches unter der letzleren hervorsah, sei in der Farbe dem Koschemann'schen Haare ähnlich gewesen. Bei seiner Vernehmung am 21. Dez. 1898 hat der- selbe Zeuge zweimal erklärt, die Augen der Person seien dieselben gewesen, wie die des Koschemann, auch hat er die Möglichkeit zu« gegebe», sich in der Größe der Person zu täuschen. Ein Geschworener wünscht, daß möglichst dafür Sorge getragen werde, daß Koschemann das Haar möglichst so frisirt trage, wie er es im Jahre 1895 getragen habe.— Koschemann erklärt den Geschworenen, daß er zu der Zeit, alS der betreffende Mann die Kiste ausgegeben, das Haar sich habe schneiden lasse» und gar nicht so lang getragen habe. Dies wird vom Angekl. Westphal und der Angeklagten Gürtler bestätigt. Westphal meint, daß Koschemann sein Haar halblang getragen, aber allerdings die Angewohnheit gehabt habe. sich mit der Hand hindurch zn fahren. Rechtsanwalt Dr. Schöps stellt fest, daß man in der Untersuchungshaft ein ganzes Jahr daS Haar Koschemann's absichtlich un geschnitten gelassen habe. Um den Zeugen Gelegenheit zu geben, die Augen Koschemann'» bei vollem Tageslicht zu betrachten, vertagt der Borsitzende um 6'/s Uhr die Sitzung anf Donnerstag 9V, Uhr. Parteiliteratur. Ans die„Maizeitung» haben ein, Anzahl Partei-Orte ihre Bestellungen noch nicht aufgegeben. Di» Buchhandlung Vorwärts hat soeben ein Zirkular versandt. wonach Bestellungen, die nicht umgehend erfolge», nicht mehr ausgeführt werden können. Als ReichStagS-Kandidat für den 2. schleswig-holsteinischen Wahlkreis Apenrade-Flensdurg ist der Parteigenosse Holz« Häuser in Flensburg aufgestellt. Bei den Gewcrbcgcrichtö-Wahlen in Iserlohn siegten dir Kandidaten des Gewerkschaflskartells. Depepchen nnv letzte Mftcheichtett. München, 7. April.(Privaidepesche des„Vorwärts".) Di« Schneider stehen im partiellen Streik. Vier der größten Ge« schäste haben Lohnerhöhung bewilligt. Die Schuhmacher sind ebenfalls im Ausstand. 25 Meister bewilligte». Zuzug ist streng fernzichalle». Frankfurt a. M., 7. April.(B. H) Die„Franks. Ztg." meldet aus Stnltgarl: Ter Schriftsteller Hugo Nosenlhal-Bonin, früher Redaklenr i»r„Ueber Land und Meer", ist hier gestorben. Wie», 7. April.(W. T. B.) Abgeordnelenhans. Zn dem An- trage Daszynski nimmt Ministerpräsident Graf Badem das Wort. Er betont, daß die politische Sicllung des Polenklnbs, sonn« dessen gemäßigtes, das Slaatsinteresse wahrendes Verhalte» subversive» Elementen stets ein Dorn im Auge gewesen sei; er habe die Vorfälle, von denen der Antragsteller spreche, sofort unter- suchen lasse»; dabei hätte» sich die bezügliche» Nachrichten der Zeitungen als unrichtig herausgestellt. Graf Badeni verliest den Bericht deS Statthalters von Galizren. ans welchem hervorgeht, daß die radikalen Elemente in Ost-Galizien seit mehreren Jahren eine sehr leidenschaftliche Tbätigkeit entwickelten. Anläßlich der Reichsralhswahl seien unrichtige Darstellungen der gesetzlichen Bestimmung«» vertheilt worden, was zur Folge halte, daß an die Wahlleiter unbegründete Forderungen gestellt n»d bei Nicht« berücksichtlgung derselben GewaUtdätigkeilen verübt ivurden. Dadurch sei die ruhige rnthenische Bevölkerung zn bedauerlichen A»Z» schreitungen verleitel worden. Die Regierung habe in dem während der Wahlkampagne herrschenden Zustande der Gäh« rnng mit wahrhafter Selbstverleugnung, oft mit persönlicher Gefahr ihre Pflicht erfüllt. Nach Verlesung des Berichtes erklärt« Gras Badeni unter Ehrenwort, daß er bei seiner kürzlichen Anweten« heit in Lemberg den Bezirkshauptleuten keinerlei Wahlinstrultionen ertheilt habe. London» 7. April.(W. T. B.) Das Unterhans nahm mit 169 gegen 91 Stimmen die zweite Lesung der Vorlage an, nach welcher vom Auslande eingeführtes Fleisch und ausländischer Käst obligatorisch unter Androhung von Geldstrafen als auswärtige zn bezeichnen sind. Im Laufe der Debatte erklärte der Landwirldschas rs« mniister Long, er billige das Prinzip der Bill, deren Einzelheiren jedoch einem Sonderausschüsse überwiese» werden müßte»». Die Vor» läge»vurde schließlich einen» Sonderansschnsse überiviesen. Roin, 7. April.(W. T. B.) Depntirtenkammer. Musst (radikal) wird zum vierten Vizeprändenten geivählt. Hierauf nimmt Zanardelli unter lebbafle» Beifaliskundgebuiige» des Hauses dm Präsidenten Jltz ein. Die Kammer beschließt, ans die morgige Tages» ordnung die Besprechung der Interpellationen über die orientalisch« Frage zu setzen. Turin, 7. April.(B. H.) Wie die„Stampa" nicldet, hat di« Staaisanivaltschast zu Bologna die Absicht, bei der Kammer di Ermächtigung nachzusuchen, gegen Crispi das Strajveisabren der Angelegenheit des verhastcteu Banldirektvrs Favilla et» zuleite». lax Babing tu Berlin. Hierzu 1 Beilage u. Unlcrhaltnngsblatl- gt. zz. i4. mm Keilllze des„Nmiirts" Kerlmer KldsdlÄ. MommunÄles. Der AnSfchnß der Stadtverordneten- Bersammlnug zur Vorberathung der Magistratsvorlage hinsichtlich Festsetzung von Fluchtlinien siir die zu verlegende Stall- st r ß e, s o w i e für d i e S t r a ß e n„W e i d e n d a m nt" u n d in K u p f e r g r a b e n" ic. hat unter Vorsitz des Stadtverordneten Schwalbe und in Anwesenheit des Stadtraths Voigt und des Bau- raths Gotheiner beschlossen, der Versammlung zu empfehlen, die Anträge des Magistrats: 1. die Feststellung von Fluchtlinien für die zu verlegende Siallftraße, sowie für die Straßen„Weidendamm" und„Am Kupfergraben"; 2. den Austausch einiger Flächen Am Kupfergraben zc., 3. daß die Regulirung und Pflasterung der verlegten Slallstraße auf städtische Kosten, unter Verzicht auf orts- statutarische Beiträge erfolgt, 4. daß für den Bau der Brücke über den Kupfergraben der Betrag von 200 000 M. gezahlt wird, welcher Betrag in den Etat 1398/39 aufzunehmen ist, S. daß für de» Fall, daß eine Verbindungsstraße zwischen der über die Spree geplanten Brücke und der Oranieuburgerstraße ohne Lauderivcrbskosten für die Stadtgemeinde ausgeführt werden kann, die Kosten des Baues dieser Brücke im Betrage von etwa 300 000 M. von der Stadt- gemeinde übernommen werden, mit der Maßgabe zu ge- nehniigen, daß der Bau dieser letzteren Brücke (zu 5.) nicht eher in Angriff genommen werde, als bis das für die Anlegung der ganzen Straße erforderliche Land der Stadt kostenlos über- wiesen ist. Hierbei soll die Versammlung dem Wunsche Aus- druck geben, daß prinzipiell die Genehmigung zur Durchführung der Straßenbahn über die Straße „Unter den Linden" durch die Charlotten st raße ertheilt werde. Bis zum Eintritt des neuaewählten Stadt-Banraths Krause versehen dessen Dienstgeschäfte bei der Tiefbauverwaltung Baurath Gottheiner, bei der Kanalisation Stadl-Bau-Jnspektor AdamS. Die städtische Schuldcpntatiou hat beschlossen, das Schulgeld, welches die Stadtgemeinde für Freischülerinnen in Privalschulen zahlt, von 36 M. auf 60 M. zu erhöhen. Infolge des Lehrer- besoldungs-Gesetzes ist die Ausstellung einer neuen Gehaltsordnnng erforderlich. Zur Vorberathung dieser Angelegenheit wurde eine Kommisston eingesetzt._ Lokales. Die Freie Bolksbiihne veranstaltet am kommenden Sonntag für die II. Abtheilung(blaue Karten) eine zweite Aufführung der Shakespeare'schen Komödie„Der Kaufmann von Venedig". Da auch die II. Abtheilung in dieser Woch� geschlossen werden muß. beschloß der Vorstand, eine III. Abtheilung einzurichten, für welche voraussichtlich die dritte Aufführung des„Kaufmann von Venedig" am 25. April erfolgen wird. Die Monatsschrift„Die freie Volksbühne" von Dr. Conrad Schmidt wird vorläufig nur noch in den Zahlstellen zum Preise von 10 Pf. verkauft und werden die Mitglieder gebeten, sich vor der Vorstellung damit zu versehe«, da im Theater ein Verkauf der Schrift nicht stattfindet. Für den Monat Mai ist die Aufführung des Schauspiels von Georg Hirsch- selb„Die Mütter" in Aussicht genommen! Der Vorstand. I. A.: G. Winkler, Kassirer. J Ettee polizeiliche Haussuchung hatte gestern der Vertrauens- fiiian» des 4. Reichstags-Wahlkreises(Südost), Genosse Erbe, in seiner Wohnung, Ciivnzftr. 25, über sich ergehen zu lassen. Gesucht wurden die bekannten Liederbücher, Jahrgang 1396. Resultat: Null. — Soeben wird uns mitgetheilt, daß, wohl im Zusammenhang mit der vorstehend gemeldeten Haussuchung, die Genossen Erbe. Borg- mann, Schultz und Klose aus dem vierten und sechsten Wahlkreise in Haft genommen worden find. Ein hiesiges Autisemitenblatt hat es über sich vermocht, den schönen Akt der Pietät: daß der Bureaudirektor deS deutschen Reichstags, Geheimrath K n a a ck, dem verstorbenen Reichstags- Abgeordneten Schultz« die letzte Ehre erwies, zu einer gemeinen Denunziation zu benutzen. Warum nicht den Reichstags- Präsidenten dennnziren, weil er die Reichstagsmitglieder auf- fordert«, sich zn Ehren des Verstorbenen von den Plätzen zu er- heben? Und warum nicht die Reichstags- Abgeordneten d e n u» z i r e n, die dieser Aufforderung Folge leisteten? Daß daS Bureau des Reichstags bei dem Begräbniß von Reichs- tags-Abgeordneten vertreten wird, ist übrigens eine ebenso alte, als selbstverständliche Sitte, über welche sich nur antisemitische Dreckseelen aufhalten können. Die„Bossische Zeitung" bringt in ihrer letzten Nummer. indem sie an die von Herrn Reichstags-Abgeordneten Rösicke ver- öffentlichte„Erklärung" anknüpft, einen Leitartikel über die Gleich- b e r e ch t i g u n g der Arbeiter. Am Schlüsse desselben macht sie folgende Reservation: Gleichberechtigung ist freilich nicht Herr- s ch a f t und nicht Willkür und setzt beispielsweise kein Recht voraus, ohne Kündigung die Arbeit einzustellen oder am 1. Mai zu feiern. Derartig« Ansprüche können auch mit dem Worte des Kaisers nicht begründet werden." Bei Aufwerfung dieser Fragen hätte die Beleuchtung eines von den hauptsächlichsten Stützen der heutigen Gesellschaftsordnung ge- übten„Rechtes" dem liberalen Blatte außerordentlich nahe gelegen. In den Tagen des letzten Nationalfestjnbels haben die„a n- g e s e h e n st e n" Berliner Unternehmer— Leute, die höchst- wahrscheinlich gerade bei der„Vossischen Zeitung" in außer- ordentlich gutem Renommee stehen— ihre Arbeiter wider deren Willen feiern lassen.(Siehe sämmtliche Nummern deS„Vorwärts" aus letztverflossener Woche.) Dies wäre an sich noch erträglich gewesen, wenn die Patrioten nicht so schofel gewesen wären, den Arbeitern geflissentlich den Lohn vor- zuenthalten, den sie, die ordnungsstützenden Millionäre, den elend gestellten Proletariern von gesetzesivegen schuldeten. Daß das so sehr für„Gleichberechtigung" eingenommene Blatt auch ver- g e s s e n mußte, bei dieser so günstigen Gelegenheit die Schufterle- Praktiken unserer Prozenpatrioten zu beleuchten! Zur„Seßhaftigkeit" der Berliner Bevölkerung.„Lang. jährige Mtether" sind aus Anlaß des April-Umzngstermins wieder mehrfach öffentlich genannt und als ein Zeichen guten Ein- Vernehmens zwischen Wirth und Micthern hingestellt worden. Schon aus dieser Hervorhebung einzelner Fälle wird der spätere Chronist schließen können, daß das„gute Einvernehmen" zwischen den Ber- liuer Hausbesitzern und ihren Miethern am Ende des 19. Jabrhunderts in der Regel nur von kurzer Dauer war. Leider ist die Seßhaftig- keit der Berliner Bevölkerung im allgemeinen wirklich recht gering. Ost treiben Zerwürfnisse mit dem Wirth oder Miethssteigerungen die kaum eingezogeneu Mietber bald wieder hinaus. Daneben giebt es aber noch hundert andere Gründe, die Wohnung zu wechseln. Namentlich der Arbeiter, auch der verheirathete, wird durch die Unsicherheit des Erwerbs bald hierhin, bald dorthin geworfen und zu einem richtigen Nomadenleben verurtheilt. Die Dauer des Wohnverhältnisses der Haushaltungsvorstände(also nicht der Einmiether, Chambregarnisten und Schlafburschen, die die Wohnung bekaimtlich noch öfter wechseln) wird bei den Volks- Zählungen ermittelt. Bon der letzten Zählung liegen hierzu noch leine Veröffentlichungen vor, doch sind auch die Ergebnisse der vorletzten Zählung noch heute von Interesse. 1890 waren von je 1000 Wohnungen bezogen: 314 seit unter I Jahre, 441 seit 1 bis uuter 5 Jahren,!42 seit 5 bis unter 10 Jahren, 103 seit 10 und mehr Jahren. Dabei hat sich ergeben, daß, je rleiner die Wohnungen sind, die Bewohner um so kürzere Zeit darin bleiben. Von je 1000 Wohnungen mit 0, l, 2, 3 u. s. w. bis 10(und mehr) heizbaren Zimmern waren erst seit unter 1 Jahre bezogen: je 452, 364, 285, 252, 232, 133, 132, 160, 163, 141, 124 Wohnungen, dagegen z. B. seit bereits 10 und mehr Jahren: je 64. 74, 103, 133, 163, 174, 135, 136, 221. 263, 299 Wohnungen. In der Angelegenheit der Berliner Musikkritiker wird mitgetheilt, daß auch Herr L a ck o w i tz inzwischen die Beleidigungs- klage gegen Herrn Kerr angestrengt hat, bis zum Austrage des Prozesses aber von seinem Amte suSpendirt wurde. Herr Tappert schwingt nach wie vor sein kritffches Richtschwert im„Kleinen Journal". Den„nationalen" Festtagen war, wie noch erinnerlich sein wird, von der Stadt- und Ringbahn-Direktion dadurch eine be- sondere Weihe gegeben worden, daß sie die Giltigkeit der Arbeiter- Wochenkarten für den 22. März ohne vorherige Ankündigung aufhob und somit eine große Anzahl arbeitswilliger Proletarier in nicht geringe Verlegenheit setzte. Jetzt ist den Arbeitern, die sich über diese befremdliche Maßregel beschwert hatten, vom Vorstande der Verkehrsiuspektion zu Berlin mitgetheilt worden, daß die Fahrkarten- Ausgabestellen Anweisung erhalten haben, ihnen den am gedachten Tage für gewöhnliche Fahrkarten ausgelegten Betrag zurück- zuzahlen. Die Nichtzulassung am genannten Tage zur Fahrt auf Arbeiter-Wochenkarten habe auf einem Mißverständnisse beruht! Ter Minister des Innern hat dem bürgerlichen Komitee gegen die Verfrommungsordnung zugesagt, daß er eine eingehende Prüfung der vorgebrachten Wünsche und Beschwerden vornehmen werde. Was mag dabei herauskommen in einem Lande, wo die Orthodoxie Trumpf ist? Tie Frnhjahrs-Kvntrollversaminluugen der in Berlin wohn- haften und von dem Landwehr-Bezirkskommando I kontrollirten Mannschaften werden in der Zeit vom 20. bis 30. April d. I. ab- gehalten werden. Die Beorderung zn den Kontrollversammluiigen erfolgt nur durch die Säulenanschläge; besondere Gestellungsbefehle ergehen nicht. Bei den Reservisten der Jahrgänge 1331 und 1892 finden Fußmessungen statt. Die Militärpapiere sind mitzubringen. Welchem Jahrgange jeder einzelne zugehört, ist auf dem Deckel des Mililärpasses vermerkt. Für die in den Vororten Wohnenden er- folgt besondere Bekanntmachung durch die Kreis- pp. Blätter und in einzelnen Orten durch öffentlichen Anschlag. Ei» patriotischer Kommerzicnrath. Die„Voss. Ztg." meldet: „Der Kommerziellrath B. Loeser zu Berlin, der seinerzeit für die Armee die vaterländischen Schriften des Konsistorialrathes Dr. Hnysen stiftete, hat aus Anlaß der Hundertjahrfeier auch die Festschrift „Unser Heldenkaiser" von Professor Oncken für die einzelnen Truppen- theile gestiftet. Die Festschrift wird bei jedem Regiment vornehmlich der Bibliothek derjenigen Kompagnie einverleibt werden, die bei der diesjährigen Schießübung das beste Ergebniß aufzuweisen hat. Bon der Firma Loeser u. Wolfs ist ferner dem Nalionaldank für Veteranen eine namhafte Summe überwiesen worden, woraus einer größeren Anzahl Kriegsveteranen in Berlin und in den Provinzen zur Hundert- jahrseier Geldgeschenke gestiftet wurden." Als vor einigen Jahren die elend entlohnten Arbeiter und Arbeiterinnen der Firma Loeser u. Wolff Schrille zu einer Lohn- bewegung unternahmen, war bei den Herren auch keine Spur von Generosität zu bemerken. I» der alte» Urauia hielt am Dienstag Abend Herr Dr. Kronecker einen durch Projekliousbilder veranschaulichten Vor- trag über das Hochgebirgsland Kaschmir im Westen des Himalaya. Aus dem Vortrage war zu entnehmen, daß auch dies ehemals sagen- umwobene Land in den Bann der modernen Kultur eingezwängt ist. Jetzt benutzen die Engländer aus Indien die Höhen von Kaschmir als Sommerfrische. Der Vortragende entwarf ein interessantes geographisches Bild von dem Hochgebirge deS Himalaya und gab manches Erlebuiß aus seiner im vorigen Jahre nnternommenen Reise zum besten, ohne auf die wohl noch wenig erforschten sozialen Zustände jenes Landes näher einzugehen. Lebhafter Beifall belohnte den Vortrag. A» einer Bohne erstickt ist in der vergangenen Nacht ein fünfjähriger Knabe. Diesem war, wie der Vater angiebt, vor acht Tagen eine weiße Bohne, die er verschluckt hatte, stecken geblieben. Ein Arzt, der zu Rathe gezogen wurde, erklärte das liebet für un- bedenklich, da es sich nicht um einen scharfen oder harten Gegen- stand handle, sondern um eine Bohne, die sich zersetze und von selbst ihren Weg nehmen werde. In der That schien auch alles unbedenklich zu verlaufen. In der letzten Nacht um 2 Uhr aber wurden die Eltern des Kleinen durch ein starkes Röcheln des Kindes aus dem Schlafe geweckt. Es hatte sich eine starke Alhemnoth eingestellt und der Zustand war so bedenklich, daß die Eltern sich mit dem todtkranken Kinde sofort in eine Droschke setzten und nach der Charitee fuhren, um hier noch in letzter Stunde Hilfe zu suchen. Als man eben um ll'/s Uhr am Krankenhause angekommen war, hob man eine Leiche ans der Droschke. Der Knabe war unterwegs erstickt. Die Eltern hatten ihn schon längst ins Krankenhaus bringen wollen, es aber unterlassen, weil der Arzt davon abrieth, da eine Krankrnbehandlung nicht nöthig sei. Die Kuraustalt deS Vereins der Wafscrfreunde, Komman- dantenstr. 7/9, ist nach Meldung der Zeitung„Im Zeichen d. Berk." an die Herren Dr. Munter und Dr. Danelins auf acht Jahre gegen jährlich 27 000 M. verpachtet worden. Auf der Polizeiwache ist am Dienstag Abend gegen 3 Uhr der 41 Jahre alte Former Fritz Bötticher aus Rixdorf plötzlich ver- starben. den man, wie es heißt, in trunkenem Zustande in der Brunnenstraße ausgefunden und aus die Wache des 46. Polizeireviers in der Brunnenstraße Nr. 36 gebracht hatte. Hier starb er bald, ohne das Bewnßlsein wieder erlangt zu haben, wahrscheinlich an einem Herzschlage. Die Angabe, daß Herr OSkar Renz den Feenpalast ge- pachtet habe, wird uns von dm Herren Winkler und Fröbel als unrichtig bezeichnet. Die beiden genannten Herreu haben das Lokal für das nächste Jahr wieder gepachtet. Nach einer Bekanntmachnna der Ober-Postdirektion ist der Fernsprechverkehr mit Brake(Oldenburg) eröffnet worden. Die Gebühr für ein gewöhnliches Gespräch bis zur Dauer von 3 Minilten beträgt 1 M. Ter bisherige Verlauf der Uutersnchnng wider den Studiosus Jiitcrdogk hat ein Ergebniß zu tage gesördeit. welches in allen Punkten der Darstellung widerspricht, welche der stuck, weck. K. über die Opiumvergiftung des Supernumerars Heyne am Dienstag in die Presse lanzirt hat. Die vom Untersuchungsrichter beschlag- nahmte Opiumflasche, welche Jülerbogl in der Tafelrunde hcriim- gehen ließ, war nämlich eine Tropsflasche und mit einem Etikett versehen, aus welchem deutlich gedruckt stand„Opium- tinktur". Ltuck. weck. K. kann demnach unmöglich der Meinung gewesen sein, daß die verhältnißmäßig kleine Flasche guten„Slonsdorfer Bittern" enthielt; er mußte, zumal er angeblich selbst daraus getrunken, über den Inhalt der Flasche im Klaren sein. Um so leichtfertiger war es von ihm. der als Mediziner die Wirkung des Opiums auf den Menschen besser kennen muhte, als der Thierarzneischüler, daß er den Verstorbenen nicht am Trinken verhinderte und daß er nicht, als er die Wirkung des Opiums sab, für ärztliche Hilfe sorgte. Die Zeugen des Vorfalles werden heute von dem Untersuchungsrichter Landrichter Telle vernommen und von dieser Veriiehmuug wird es abhängen, ob stuck, mock. K. in die Anklage wegen fahrlässiger Tödtung mit einbezogen nicd. Explosion. Montag Nachmittag gegen 8V2 Uhr fand auf dem Grunduück Leipzigcrstr. 9 im Keller des Quergebäudes eine Explosion statt, durch die niehrere Fensterscheiben zertrümmert wurden. Per- sonen sind nicht verletzt. Die Söhne der Hauseigenthümerin, Wilhelm und Ernst Englcr, wollten ein Zweirad aus dem Keller heraufholen.! Als sie den Keller betraten, bemerkten sie einen Gasgeruch und riefe» i das Dienstmädchen Luise Sternkiker herbei, die mit einem breaneirde» Streichholz die Decke des Kellers ableuchtete. Als sie mit dem Streich- holz einem undichten Kugelgelenk der Gasleitung zu nahe kmn, er- folgte die Explosion. Im Krankcnhanse gestorben ist die 71 Jahre alte Schuhmacher- wittwe Marie Wiese aus der Raunynstr. 16, die vor einigen Tage» beim hastigen Essen einen Knochen verschluckte, der sich im Halse so festsetzte, daß man einen Eingriff von außen niacheu mußte, um ihn zu entfernen. Die Greifin ist etner Herzlähmung erlegen. Zopfabschneider treiben, wie vielfach geklagt wird, seit einiger. eit in den Abendstunden in den sehr belebten Geschäftsstraßen des' stenS und Südostens wieder ihr Unwesen. So wurde der siebzehn- jährigen Fabrikarbeiterin Martha Döring, als sie vor einem Schau- fenster in der Großen Franksurlerstraße stand, mit einer Scheere der Zops glatt abgeschnitten. Ein ähnliches Attentat wurde auf ein. Schulmädchen in der Brandenburgstraße versucht. Den Thätern gelang es in beiden Fällen, unbemerkt zu entkommen. Zwei Schulmädchen sind am Sonntag wegen TaschendiebstahlS! verhastet worden. Die 12jährigen Mädchen L. und G.. welche beide> die 148. Gemeiudeschule in der Stralsunderstraße besuchen, haben den Sonntag Nachmittag dazu benutzt, sich auf der Vogelwiese umherzutreibe». Die L., welche bereits in der Schule des öftere»! durch VerÜbung von Gelegenheitsdiebstählen sich einen bösen Ruf erworben hat, brachte es auch bald fertig, einem Manne daS' Portemonnaie aus der Tasche zu ziehen. Den Ertrag des Raubes' gedachten die beiden Mädchen zu vernaschen. Doch kam es anders. Ein Kriminalschutzmaiin hatte sie beobachtet und nahm die L. auf! frischer That fest, während die G. sich aus dem Staube machte. Am Montag wurde auch sie wie die„Germ." miltheilt, durch einen j Kriminalschutzmaiin aus der Schule abgeholt. Auf die Besserung durch Polizei und Gericht darf man gespannt sein. Der kürzlich in Köln verhaftete Laufbursche Müller, der der. hiesigen Bankfirma Priester u. Co. mit 13 000 M. durchgegangen war, scheint die Wahrheit gesagt zu haben mit der Angabe, daß rhi» der größte Theil des gestohlenen Geldes von einem Fremden Namens Schnabel abgenommen worden sei. Man hat diesen zweiten Spitzbuben jetzt in Holland erwischt und bei ihm noch 6000 M. vor- gefunden. Unglücksfälle im Straßenverkehr. Am Montag Abend fiel in der Brüderstraße der 42 Jahre alte Arbeiter Eduard Göbel von einem Kohlenwagen, au den er von hinten aufzuhocken versuchte und gerieth dabei uuter die Räder eines gerade vorüberfahrenden Ge- schästswageus. Er erlitt einen Bruch des rechten Oberschenkels und' eine schwere Verletzung am Kopfe und wurde in die Charitee ge-! bracht.— Auf dem Hofe des Grundstücks Seydelstr. 9 starb nach-! mittags der 63 Jahre alte Arbeiter Hermann Gladow plötzlich in- folge eines Herzschlages. Die Leiche wurde nach dem Schaubanse gebracht.— Beim Spielen fielen uachmiltags der neunjährige Sohn des Dienstmanns Gustav Claus vom Dache eines ZIbortgebändes Weiustr. 21 und zog sich eine schwere Verletzung an der Stirn zu.' Er wurde in das Kraukeuhaus am Friedrichshain gebracht.— Als nachmittags gegen drei llhr der Stallmeister Friedrich Munthal mit' einem zwcispäunigen Wagen über die Alsenbrücks fuhr, wurden die Pferde durch das Bellen eines Hundes scheu und gingen durch. Hierbei stieß der Wagen gegen einen Laternenpfahl und Munthal wurde vom Bock geschleudert. Er trug anscheinend innere Bei- letzuugen davon. In den von Dr. Köppo» und Dr. Stoedwer in der alten Urania (Jnvalidenstraße 57— 62) veranfialteteu,„populär-wissenschaftlichen Borträgen aus dem Gebiete der neueren Kunst und Kultur" hält am nächsten Sonntag nachmittags 5 llhr der bekannte Kunstschriftstellcr Herr Fritz Stahl zum zweiten Male den Projcttioiisvortrag über„Max Klinger's Leben und Werke". Billets sind noch im Vorverkauf zu haben in der alte» Urania(9— 12 Vorm.): bei Amsler u. Ruthardt. Behrenstr. 29»; Spever. u. PeterS, Unter den Linden 43; Raabe u. Plothow, Poisdanierstr. 7a, und■ Trautwein, Leipzigerstr. 8._ Aus deu Nachbarorte»». Trrptow-Baunischulcnweg. Wir machen die Genossen und Leser des„Vorwärts", welche nach Baumschuleniveg zugezogen sind, auf unsere Spedition des„Vorwärts" zc. aufmerksam. Bestellungen nimmt jederzeit entgegen der Vertrauensmann Rich. Ulbricht, Marienthalerstr. 13, I. Die Festung Oderbcrg in der Mark soll auf Abbruch verkauft worden sein, wie mit großer Bestimmtheit von dort ge- nieldet wird, so daß die Reste dieser aus dem 14. Jahrhundert stammenden alten Feste(Bärenkasten genannt) bald verschwinde» werden. Die königliche Regierung zu Frankfurt a. O. soll mit dem Domänenpächter Gustav Hopf zu Neuenhage» einen Vertrag abgeschlossen haben, wonach der letztere sich verpflichtet, gegen einen an den Fiskus zu zahlenden Betrag von— 600 M. den Abbruch inner- halb seiner Pachlzeit anszusühren. Ten Bewohner» der Nordbahn-Bororte hat dieser Tag« eine Notiz mit voller Bestimnitheit in Aussicht gestillt, daß bereits vom 1. Mai d. I. ab, sobald der für den Neubau des Stetttner Bahnhofs erforderliche Jnterims-Bahiihof fertiggestellt sei, die sämmt- lichen Züge der Nordbahn vom Slettiner Bahnhof abgelassen werden würden und der Vororlbetrieb von der Bernauerstraße aus voll- kommen eingestellt werden solle. Diese Verheißung entspricht leider nicht den T h a t s a ch e n. Denn die Zurückverlegung des Bor- ortsverkehrs der Nordb h> hängt nicht von der Errichtung jencS tnterimistischcn Bahnho s-Gebändes ab, sondern von der Fertig- stellnng der übrigen Bahnhofs-Umbauten, namentlich der umfang- reichen und schwicrigen Arbeiten an den Geleise-Anlagen. Diese aber sind noch lange nicht ihrem Ende nahe. Zu dem unaufgeklärten Leichenfund im Grunewald erfahren wir noch: Die beiden Selbstmörder sind allem Anschein nach polnische Arbeiter, welche vermutlich bei den umfangreichen Arbeite» für die Wasserleitung am Tenfelssee beschäftigt gewesen waren. Der ältere der beiden Todlen, der etwa fünfzig Jahre zählte, hatte dunkelblondes, volles Haupthaar und einen starken diliikelblonde» Schnurrbart; der jüngere, zirka fünfuiiddreißig Jahre alt, halle ebenfalls dunkelblondes, aber stark gelichtetes Kopfhaar und einen kleinen Schnurrbart. Beide trugen Feiertags« kleidnng, wollene Hemden und rothe Halstücher. Bei den Leichen wurden zwei Weinflaschen gefunden, welche mit Schnaps gefüllt gewesen sind; die eine war völlig, die andere zur Hälfte ge- leert. Abgesehen von einem alten Portcuiomiaie, welches sich in der Tasche des jüngeren Mannes befand, wurde bei den Todlen absolut nichts vorgefunden, weder ein Pfennig Geld, Wertbsacben. noch Papiere, die über die Personalien der nach dem Selbstmörder- Friedhof bei Schildhorn Ueberfiihrteu Auskunft geben könnten. Bis gestern Abend hat eine Rekognoszirung der beiden Todlen nicht stattgefunden. Am Hochzeitstage ist die Frau der Kaufmanns Inst aus der Gürtelstraße in FricdrichLberg wahnsinnig geworden. Die Unglück- liche wurde«ach Schöueberg in die Kaisern de Sante gebracht. Gewerkschaftliches. Berlin nnd Umgebung. Achtung, Schuhmacher? Die Schuhmacher(Schooßarbeitcr) Berlins beabsichtigeu, in nächster Zeit die von den Meistern im Laufe des Jahres reduzirten Lohnsätze wieder tarifniäßig zu er- böhen, und werden deshalb die Kollege» Deutschlands, Dänemarks. Schwedens und Norwegens ersucht, Berlin bis auf ferneres zu meiden.— Alle Arbeiterblätter werden um Abdruck ßebeten,— SlßüationHojnmiffion der Schuhmacher Berlins. Achtung Steinnrbeiter! Der Ausstand in der Marmor- maarenfabrit von C. Fink, Blücherplatz 1, dauert unverändert fort. Zuzug ist streng fernzuhalten. Die Hausdiener und Berufsacnosfen halten am Donnerstag. den ö. April, eine öffentliche Versammlung ab, in»velcher zum I. Mai Stellung genommen wird und der Vertrauensmann Hoff- >» a ii n abrechnen mich. Wir bitten die Kollegen, recht zahlreich diese Versammlung zu besuchen. Der Vertrauensmann. Die Angestellten der Berliner Omnibns-Gescllschaftcn streben, wie„die Zeit" mitzntheilen weist, eine Verkürzung ihrer bisherigen, übermästig langen Arbeitszeit an. Uns ist gegenwärtig von einem solchen„Bestreben" zwar nichts bekannt geworden, wir würden es aber selbstverständlich begrüßen, wenn auch diese Arbeiter- kategorie endlich daran gehen würde, die Verbesserung ihrer Lage energisch zu betreiben. Das kann aber nur mit Erfolg geschehen, wenn die betreffenden Arbeiter über eine starke Organisation ver- fügen; andernfalls werden auch ihre berechtigsteu Wünsche ungehört bleiben. Die auS dem Verbände der Deutsche» Buchdrucker aus- geschlossenen Mitglieder Gasch, Kressin, veyserth, Kunath und Hnth in Leipzig haben bei der Zivilkammer des Berliner Landgerichts gegen den VerbaudSvorstand die Klage um Zurücknahme des Ausschlusses angestrengt. Der Termin ist auf den LS. Mai angesetzt. Deutsches Reich. An die Arbeiter Deutschlands! Die streikenden Schuhmacher O f f e n b a ch s wenden sich mit der Bitte an Euch, sie rhatkrästig materiell zu unterstütze». Von den 500 Ausständigen sind ein Theil abgereist und einige in den Geschäfte» untergebracht, welche bewilligten. Die Arbeiter der größten Fabriken sind noch im Ausstand, sodaß noch 340 Kollegen und Kolleginnen zu unterstützen sind; dieselben sind alle schon seit Jahren organisirt. Die Streikenden haben in n>ehrfachen Unterhandlungen die Hand zum ehrenvollen Vergleich geboten und zwar dadurch, daß sie die Einführung der SVestündigcn Arbeitszeit nach vierwöchigem Kampfe anstrebten. Aber trotzdem beharren die Fabrikanten aus ihrer For- derung:„Bedingungslose Unterwerfung." Darauf erklärten die Streikenden, auch ihrerseits auf ihrer prinzipiellen Forderung: Sstündige Arbeitszeit, zu beharren. Die Offeubacher Schuhmacher haben die beste Organisation am Orte seit Jahrzehnten und zeigten bei jeder Gelegenheit die größte Opferwilligkeit. Einer bedingungslosen Unterwerfung kann schon aus diesem Grunde nicht stattgegeben werden, da sie auf die Unter- stützung der gcsammte» organisirten Arbeiterschaft rechnen. Die Fabritanten suchen durch großartige Versprechungen Arbeitslose jeder Branche zur Bedienung der Maschinen, doch ist mit diesen Leuten die Abeit nicht fertig zu stellen. Arbeiter Deutschlands! Unterstützt die Streikenden soweit es möglich ist. Was wir seither gethan, werden wir auch in Zu- kunft thun. Anfragen und Geldsendungen sind zu richten an: I oh. Neun, Schloßstr. 6. Das Gewerkschaftskartell in Offenbach a. M. An alle lokalorganisirtcn oder auf Grund des Vertrauens- mänucrsystcms zcutralisirten Gewerkschaften Deutschlands. Laut Beschluß der am 19. Februar stattgehabten Versammlung von Vertretern obengenannter Gewerkschaften soll der Kongreß am Montag, den 17. Mai d. I., vormittags 9 Uhr, im Faulmann- schen Saale, Gartenstrahe 7 zu Halle a. S. seinen Ansang nehmen. Ter Zweck dieses Kongresses wird Euch allen genügend bekannt sein. Wir wollen durch diesen Kongreß einen engeren, festeren Zusammenschluß obiger Gewerkschaften in Deutschland be- Hufs gegenseitiger agitatorischer Unterstützung und zwecks Er- ringung einer unserer Parteizugehörigkeit entsprechenden Stellung in der Partei- und Gewerkschaftsbewegung. Wir wollen alle auf dem Boden des Klassenkampfes stehenden Arbeiter, gleichgiltig welcher Organisationsform sie sich angeschlossen haben, zur Erkenntniß der Jnteressengemeinsamkeil bringen. Wir wollen durch diesen Kongreß den Frieden und durch den Frieden die Stärke der Gewerkschaften fördern. Die Tagesordnung des Kongresses lautet: 1. Die Stellung der Gewerkschaften zur Politik. Neferent: Keßler, Berlin. 2. Der Zu sammenschluß der lokalorganisirten oder auf grund des Vertrauens- männer-SystemS zentralisirten Gewerkschaften Teutschlands. Referent: Ricke, Braunschweig. 3. Die Presse. Referent: Obst, Schöneberg. 4. Agitation. Referent: Thieme, Berlin. 5. Anträge der Delegirte». Parteigenossen! Wir fordern nunmehr alle obengenannten Ge- werkschaften auf. obigen, voraussichtlich höchstens 3 Tage währenden Kongreß zu beschicken. Die Delegirten dürfen aber nicht in Vereins- Versammlungen, sondern sie müssen in öffentlichen Versammlungen gewählt werden, und hat das Bureau dieser Versammlung den Delegirten ihr Mandat auszustellen. Die am Sonntag, den 16. Mai, in Halle a. S. eintreffenden Delegirten werden am Bahnhose von Genossen, erkenntlich an rothen Alpenröschen, erwartet. Zu- schriften, betreffend Logis:c. sind zu richten an Gust. Kttstenbrück, Zimmerer, Halle a. S., Kleine Ullrichstr. 31. Also Genossen, auf zum Kongreß! Mit sozialdemokratischem Gruß Die Kommission der lokalorganisirten Gewerkschaften Berlins. I. A.: C. Blaurock. Gipsslr. 16. In der Spielwaaren- Fabrik von Emil Weise in F i u st e r w a l d e haben am Sonnabend 26 Tischler wegen Ab- lehnung ihrer Forderungen gekündigt. Der Streik in den Möbelfabriken Lübecks, worüber wir bereits berichteten, betrifft die Firmen Gebr. Wasser st radt, W. Sensf, Ad. Heß, H. M. T h. B ahrdt, I. P. H. P a m p e r i n, F. Schräm m, Dem u th u. K o., sowie L. D. I. Banger t. In auswärtigen Blättern werden nun 150 Möbeltischler sür dauernde Arbeit bei einem Lohn bis 27 M. gesucht, während nur ca. 60 im Streik stehen, und zwar deshalb, weil die Möbelfabrikanten nicht die mäßige Forderung aus 33 Pf. Norinal-Stundenlohn bewilligen wollen, wo doch die Jnnnngs- meister sich sainmt und sonders mit den Arbeitern gütlich geeinigt haben. Vermeide also jeder Möbeltischler streng den Zuzug. Ueber den Streik der Schuhmacher Bremens berichtet unser dortiges Partei-Organ, die„Bremer Bürger-Zeitung": Die Lage des Streiks hat sich»ur insofern verändert, als noch bei einigen Meistern die Gehilfen die Arbeit einstellten. Die Zahl der Streikenden beträgt jetzt>72. Der Rückgang resnltirt daraus, daß 30-40 Streikende abgereist sind. Bewilligt haben bis jetzt 22 Ge- schäste mit insgesammt 33 Gehilfen. Jnsgesammt arbeiten etwa 350 Gehilfen am Orte, davon reichlich 100 in der Meyer- schen Schuhfabrik am Doventhorssteinweg, denen die ge- forderten Arbeitsbedingungen bereits zustanden. Nur etwa 30—40 der in Werkstätten arbeitenden Gehilfen bethciligen sich nicht am Streik. Nachdem die Verhandlungen von der Innung abgebrochen waren, stellten die Schuhmacher folgende Forderungen auf: Errichtung von Betriebswerkstätten. Abschaffung von Kost und Logis beim Arbeit- geber, zehnstündige Arbeitszeit, 20—30 pCt. Lohnausschlag für Llkkordarbeiter, 10—15 pCt. Lohnaufschlag für die, welche jetzt auf Logis arbeiten, 18 M. Minimallohn sür Wockenarbeiter. Sämint- liche Fournituren sind vom Unternehmer zu stellen. In einer auf der Innung unterbreitet gewesenen Werkstattordnung sind noch einige andere Forderungen enthalten, darunter die, niemand zu maßregeln, der am 1. Mai die Arbeit ruhen läßt. Das Gewerbegerichl sucht als Einigungsamt«inen Ausgleich zu stände zu bringen. In Nordenhamm in Oldenburg streiken seit Freitag sSinmt- liche Maurer wegen Aussperrung ihrer Lohnkommission. Sie fordern Verkürzung der bisher elsstündigen Arbeitszeit ans 10 Stunden und Erhöhung des Stundenlohns von 41 auf 45 Pf. I» der Schloßfabrik von Arnold Kleckert Söhne in H e i I i g e n h a n s bei Velbert in der Rheinprovinz kündigten 40 Arbeiter, weil ihre Forderung auf Ivstündige Arbeitszeit und 15 pCt. Lohnerhöhung nicht bewilligt wurde.— Die Arbeiter der A k l i en- G e se l l s ch a f t für Schloß- und Riegel- f a b r i k a t i o n fordern ebenfalls den Zehnstundentag und eine Lohn- crhöhung von 50 Pf. täglich. Die Former der Gießerei von Eger u. Kleine in Eckesey bei Hagen stehen wegen Lohnabzugs und wegen anderer Differenzen im Streik. I» Magdeburg haben etwa 30 Hafenarbeiter die Arbeit niedergelegt, weil ein Kamerad, der der Organisation an- gehört, von der Hafenverwallung ohne Angabe des Grundes ent- lassen worden ist, was als ein Angriff auf die Organisation be- trachtet wird. In Miihlhanscn i. Th. fordern die Maurer Erhöhung des Stundenlohnes von LS und 29 Pf. auf 32 und 33 Pf., ferner 1>/estündige Mittagspause an stelle der jetzt nur einstündigen. Tic Ziuimcrer in Gera forderten den Zehufinndentag und 35 Pf. Stundenlohn. Die Unternehmer bewilligten IG/estnndige Arbeitszeit und 32 Pf. Stundenlohn. Mit dem erstcren Zugeständniß habe» sich die Zimmerer einverstanden erklärt, hinsichtlich des Stunden- lohns soll aber die Lohnkoinmission die Verhandlungen fortsetzen. Die Arbeiterinnen der Stärkefabrik von Basser- mann u. Herrschet in Mannheim haben die Arbeit nieder- gelegt, weil ihnen trotz des gegebenen Versprechens der Tagelohn sür die Arbeilsruhe bei der Z e n t e n a r f e i e r nicht bezahlt worden ist. Ferner fordern sie Verlängerung der einstündigen Mittagspause auf 1>/z Stunden. In den DraiS-Fahrradwerkcn in Mannheim haben 96 Arbeiter gekündigt, weil die Direktion ihre Forderungen rundweg ablehnte. Die Maler Stuttgarts bcfchloffen am Dienstag, die Arbeit nicht eher wieder aufzunehmen, bis sich die Malergenossenschafl dazu versteht, mit der Lohnkommission der Gehilfe» zu unter- handeln. Tie Schuhmacher Nürnbergs haben in einer Versammlung einstimmig dein Vergleich zugestimmt, den ihre Lohnkommission mit der Schnhmacher-Junung abgeschlossen hat. Der Vergleich ist unter- schriftlich vollzogen und lautet: I. Alle Geschäfte, die den ersten und zweiten Tarif nicht bezahlen, haben einen Mindeflstundenlohn von 20 Pf. zu gewähren; 2. Heimarbeiter müssen zum ersten Tarif 10pCl. Zuschlag erhalten; 3. der Arbeitgeber hat die Fournituren zu stellen oder eine Entschädigung von 20 Pf. per Woche zu bezahlen; 4. Die Arbeitszeit beginnt morgens 7 Uhr und endet abends 7 Uhr; die Mittagspause beträgt eine Stunde, Frühstück und Vesper- pause je eine halbe Stunde; jede weitere Stunde ist als Ueberstnnde zu betrachten und mit 20 pCt. Zuschlag zu vergüten; 3. Sonntags- arbeit darf nicht stattfinden; 6. Der Arbeitsnachweis ist gemein- schaftlich zu führen. Die Innung stellt den Einbringemeister, der Verein deutscher Sckiubmacher den Kontrolleur. Die Kosten tragen beide Theile gemeinschaftlich. Ans München wird uns geschrieben: Auf neuerliche Vor- flellung haben die Zimmerer von der Meister- Genossenschaft abermals das Versprechen erhalten, daß dieselbe alles thun werde, um den 1890 vereinbarten Stundenlohn von 45 Pf. allgemein ein- zuführen. Die Schuhmacher beabsichtigen, am Mittwoch die Arbeit niederzulegen, wenn bis dahin nicht eine Einigung mit den Meister» betreffs des von den Gehilfen verlangten Lohntariss und der Werk- stätten-Ordnung erreicht ist. Anö Straffburg i. E. berichtet die„Münchener Post", daß die Aussperrung der S t e i n h a u e r nach sechswöchiger Dauer beendet sei, nachdem die vom Bangewerkverein den Arbeitern aufoktroirte Arbeitsordnung, die die Veranlassung zu den Differenzen ivar, in wesentlichen Punkten in einem den Arbeitern günstigen Sinne abgeändert worden sei. Ausland. I» Gablonz in Böhmen streiken die Schneider wegen Ver- Weigerung ihrer Lohnforderungen. Ans Zürich wird uns geschrieben: DaS Unglück des Streiks und des rapiden Kurssturzes der Aktien hat die Direktion der Nordost bahn menschlich weich gestimmt. Ohne Schwierigkeiten und Umstände hat sie mit dem Sekretär der Eisenbahner-Organisation Dr. S o u r b e ck, die letzten Differenzen betreffend die Anstellungs- und Gehaltsverhältnisse der Angestellten beglichen und auch den Werkstättenarbeilern zu den Zugeständnissen vom Anfang März noch einige weitere hinzugefügt. Dieselben betreffen die Erhöhung der minimalen Stundenlöhne von 37 auf 33 Cent, sür Handlanger, von 33 auf 40 für Handwerksgehilsen und von 40 aus 44 Cent, für die Handwerker, welche Löhne indeß auch als Minimalsätze immer noch sehr bescheiden sind. Die Maximalsätze betragen 44, 52 und 70 Cent. Die neuerlichen Erhöhungen treten mit dem 1. Juli 1397 in kraft mit Steigerung um je eine Stufe, welche dann in der Folge reget- mäßig alle zwei Jahre erfolgen soll. Noch nicht völlig beglichen sind dagegen die Differenzen betreffs der Lohnverhällniffe der Güterschuppen- und Taglohnarbeiter, doch berechtigt auch da die Haltung der Direktion zu der Erwartung aus eine befriedigende Regelung. Die organisirten Arbeiter Zürichs ersuchen die Unternehmer, da der 1. Mai diesmal aus einen Sonnabend fällt, den Lohn bereits am Freitag auszuzahlen. I» Balcnza(Italien) streiken die Arbeiter und Arbeiterinnen einer Spinnerei. Der Besitzer der Fabrik ist der Bürgermeister der Stadt. Die Aermsten verdienen täglich bei 14st ünd ig er Arbeits- zeit nur etwa 80 Ceutesimi(64 Pf.). Sie verlangen Reduzirung ver Arbeitszeit und Erhöhung des Lohnes. Mntvvnrhinrv�Vevbiinde. Zu der im Barbier- und Friseur- Gewerbe geplanten Preiserhöhung für Rasircn und Haarfchncide» ist in der am Montag abgehaltenen Quartalk-Versammlung der Berliner Barbier-, Friseur- und P e r r ü ck e n m a ch e r- I n- nung, unter Leitung des Obermeisters Wollschläger, die von ca. 600 Jnnungs-Mitgliedern besucht war, folgende Resolution einstimmig beschlossen worden:„Die Versammlung erklärt, daß bei den heutige» Zeitverhällnissen, den Anforderungen der Kundschaft und den an die Kollegen herantretenden geschäftlichen Bedürfnissen die durchschnittliche Bezahlung für ihre Arbeiten zu gering ist. Sie beschließt den Preis von 15 Pf. für Barbieren und 40 Pf. für Haarschneidcn als minimale Bezahlung und betrachtet eS als Ehrenpflicht, daß jeder einzelne Kollege diese Preise in seinem Geschäft einführt. In der Voraussetzung, daß es nur dieser Anregung bedarf, um die Kollegen zur Einführung der obigen Minimal- preise zu veranlassen, in der ferneren Voraussetzung, daß unsere Kundschaft diese Preise als berechtigt anerkennen und auch gern ge- nehmigen wird, erwartet die heutige Versammlung, daß sämmtliche Kollegen diese nothwendige Preiserhöhung einführen." j Dieser Beschluß soll sofort in kraft treten. L Wie wir schon früher ausführten, ist gegen die Preiserböhitfig im Barbiergewerbe kaum etwas einzuwenden. 15 Pf. für Rastren und 40 Pf. für Haarschneiden ist unserer Ansicht nach als Minimal- bezahlung nicht zu hoch. Aber die Barbierladen- Inhaber haben »ach der Preiserhöhung um so mehr die Pflicht, nun endlich auch die fast durchweg überaus elenden Arbeitsbedingungen ihrer Gehilfen und— nicht zu vergessen— der Lehrlinge zu verbessern. Dann können sie auf die Sympathie des Publikums rechnen, sonst nicht. Soziales. Der Borstand der Knappschafts- Berufsgenossenschaft zu Halle schreibt uns: „Die Nummer 63 Ihrer Zeitung vom 16. März er. enthält einen Artikel„Bummelei der Berussgenossenschaften", in welchem gesagt ist. daß dem am 13. Mai 1896 verunglückten Arbeiter K. erst am 16. Februar 1897 seitens der Knappschafls-Berussgenosseuschast z» Halle mitgetheilt worden sei, demnächst werde ihni der Renten- feslstellnngsbescheid zugehen; bis zum 16. März d. I., also zehn Monate nach dem Unfälle, sei ihm noch kein Bescheid geworden. Diese Mitlheilung entspricht nicht den thatsächlichcn Verhältnissen. Der Kutscher K. erlitt am 18. Mai 1396 einen Bruch des rechten Oberarms am Schultergelcnk nebst Quetschung des reckten Ellbogengelenks und hat vom Unfalllage ab bis 28. Januar 1897 Krankenhauspflege genossen. Die Unfallversicherung halte für den Ver- letzten am 18. August 1896 einzutreten und es wurde dem 51. wegen der Krankenhauspflege gemäß ß 7 des Unfallversicherungsgesetzes am 2. September 1896 ein Bescheid ertheilt. Ein RenlenseststeUnngs- Kescheid gemäß Z 61 des Unfallversicherungs- Gesetzes erging am 9. Dezember 1896, in welchem die Renten für die Angehörigen des K.— Ehefrau und 2 Kinder— vom 18. August bis 31. Dezember 1896 aus 193,64 M. festgestellt wurden. Von diesen Renten ge- langten in der Zeit vom 5. September bis 7. Dezember 1896 in vorlänsigen Raten im ganzen 190 M. zur Auszahlung. Ter Rest von 3,64 wurde am 17. Dezember 1896 gezahlt. Außerdem bezogen die Angehörigen anfangs Januar 1897 vorläufig 40 M. für Januar 1397, sowie der am 23. Januar 1897 als geheilt und arbeitsfähig entlassene Verletzte selbst am 15. Februar d. I. für den Monat Februar 15 M. und am 11. März d. I. 20 M. für März 1897. Der Krankenhausarzt hat in seinem Gutachten vom 12. Februar d. I., welches dem K. am 16. Februar er. abschriftlich zugesandt worden ist. die Einbuße an Erwerbsfähigkeit auf 30 bis 35 pCt. geschätzt und es stellt sich die Rente von 30 pCt. auf 17 M. 40 Pf. monatlich." Dieses Schreiben berichtigt nichts von dem, waS wir gesagt haben. Wir schrieben unter dem 14. März wörtlich:„Der Kutscher K. verunglückte am 18. Mai 1896 im Betriebe, am 16. Februar 1897 theilte ihm die Knappschafls-Berufsgenossenschaft zu Halle mit, demnächst werde ihm der Rentenscststellungs- Bescheid zugehen. Bis heule, also 10 Monate nach dem Unfall, ist ihm noch kein Bescheid geworden. Selbst Haftpflicht- Prozesse wurden schneller entschieden." Diese unsere Mittheilung ist in allen Punkten zutreffend und durch die„Berichtigung" des Genossenschaftsverbandes lediglich bestätigt. Tie Knappschasls« Berussgenossenschaft scheint die Kenntniß unserer Leser über den Inhalt des Unsallversicherungs-Gesetzes doch etwas sehr gering eingeschätzt und danach ihre„Berichtigung" formulirt zu haben. Nach ß 5 des Unfallgesetzes steht dem Verletzten Ersatz der Heilungskosten und die Uufallrente zu. Nach§ 7 tritt jedoch an Stelle beider Berechtigungen, wenn und so lange der Unfallverletzte Aufnahme in einem Kranken- haus findet, freie Krankenhausbehandlung ein; in diesem Fall erhält die Familie die sogenannte Hinterbliebenenrente. Der Be- scheid, der diese für die Daner des Aufenthalts im Kranken- hause zu zahlende Familien-Untcrstühung ausspricht, wird in der Regel sofort nach Aufnahme im Krankenhaus ertheilt. Auch das ist, wie wir aus dem Bescheide der Knappschafts-Berufsgenossenschafl ersehen, nicht geschehen. Der unmittelbar nach dem 18. August zu erlassende Bescheid ist vielmehr erst am 9. Dezember ergangen. Der Bescheid, der die nach Z 5 zu zahlende Rente des selbst nach Annahme der Knappschafts-Berufsgenossenschaft noch um 30 pCt. erwerbsunfähigen Verletzten festsetzt, ist, wie wohl der Ver- letzte bereits am 28. Januar aus dem Krankenhause entlassen ist, am 14. März noch nicht ertheilt gewesen. Violmehr ist der Verletzte unter dem 16. Februar von der Knappschafts- Berufs- genossenschaft mitgetheilt worden, daß ihm„demnächst" der vientenseststellungs-Bescheid zugehen„werde". So der Sachverhalt — und diesem aktenmäßig feststehenden Sachverhalt gegenüber wagt der Vorstand der Berufsgciiossenschafl seine Einsendung als„Berichtigung" zu bezeichnen. Hält e r sie wirklich dafür? Und glaubt er wirklich, daß ein Haftpflichtprozeß, dem der am 28. M a i 1896 verunglückte K. angestellt hätte, noch nicht am 14. März 1397 in erster Instanz entschieden wäre, wenn K. in einem nicht Unfall- versicherungspflichtigen Betrieb verunglückt wäre? Zu der neueste» Explosion in der Borsig'schen Hedwig. w u n s ch- G r u b e. wodurch 25 Bergleute„leicht" verletzt wurden, wird jetzt berichtet, daß diese sämmtlich wiederhergestellt seien. Wie groß ober die Gefahr war, zeigt sich darin, daß bei dieser neuesten Explosion vier Pferde in der Grube umgekommen sind. Die Re- cherchen nach der Ursache der Explosion sind noch nicht abgeschloffen. Sie werden vom Ober-Berghauplmann Pinna aus Breslau perfön- lich geleitet. Und abermals eine Grnbenkatastrophe! Aus Paris wird telegraphirt: Nach Meldungen aus Montceau lcS MineS fand in den dortigen Gruben eine Explosion schlagender Welter statt, durch welche zwei Bergleute getödtet und drei schwer verwundet wurden. Man sieht, wie außerordentlich gefahrvoll die Arbeit de? Berg- manns ist! Zu dieser Gefahr steht die Bezahlung der Bergleute meist in geradezu lächerlichem Gegensatz. Gevirfzk-s-Seikung. Tie Boruntcrsnchung gegen den Kriminal-Kommissar v. Tausch ist nun so weil gediehen, daß diesem in den nächsten Tagen die Anklageschrift zugehen wird. Soweit bis jetzt bekannt ist, wird der Termin zur Hauptverhandlung auf Montag, den 24. M a i, angesetzt werden und Landgerichtsdirektor Röslcr die Verhandlungen des Schwurgerichts, welche etwa eine Woche lang andauern werden, leiten. Dem Angeklagten v. Tausch steht augenblicklich nur Rechtsanwalt Dr. Schwindt zur Seite. Sein zweiter Vertheidiger Rechtsanwalt Dr. Sello weilt zur Zeit zur Kur in Karlsbad, wird aber bis zur Hauptverhandlung wieder zurückgekehrt sein. Vom Bashford. Die Thätigkeit des Korrespondenten des „Daily Telegraph", Bashford. wird demnächst der Prüsung des hiesigen Schöffengerichts unterworfen werden. Herr B. hat gegen zwei hiesige Zeitungen und de» Vertreter einer Wiener Zeitung die Privalklage erhoben und zwar mit illückstcht darauf, daß die Be- klagten über ein Vorkommniß im Lessing-Theater, in welchem der Kläger gegen die üblichen Umgangsformen angeblich verstoßen haben soll, in einer den Kläger bektzM�utten Weise berichtet haben sollen. Die Bellaglen wollen den Wahrhmsbeweis führen und dabei auch das bekannte Renkontre des Herrn B. ans den, Telegraphen-Amt und sein Verhalten ans der Journalisten-Tribüne des Reichstages dem Gerichte vorführen. Nm ein WilhclmS-Dcukmal. Die„Breslauer Zeitung" erfährt, daß der Hofbildhauer Niggl beim Breslauer Landgericht gegen Pro- scssor Behrends einen Prozeß angestrengt Hai. Behrends soll in der architektonischen Ausgestaltung des von ihm geschaffenen Kaiser Wilbelm-Denkmals in Breslau die Urheberrecht« des Klägers ver- lelM habe». w Zu der am Sonntag anS Braunschweig gemeldeten Gerichtsverhandlung erhalten wir folgende Zuschrift:„Ich bin in der Gerichtsverhandlung gegen den Bahnhofs-Buchhändler Nolle zu Braunschweig nicht als Zeuge vernommen worden, sonst würde ich der anscheinend von pp. Nolle herrührenden durchaus unzutreffenden Sachdarstellung mit der Bekundung entgegengetreten sein, daß nicht ich ihn nm pikante Lektüre angesprochen habe, sondern daß er mir dieselbe, ohne baß er meiner. seits dazu veranlaßt worden ist, angeboten hat. Der Vorstand des Berliner MännerbundeS zur Bekämpfung der Unsittlichkeit, van dem die Anzeige gegen Nolte ausgegangen ist, hat die herzogliche Staatsanwaltschaft zu Braunschweig gebeten, Berufung einzulegen und mich zu der erneuten Verhandlung als Zeugen zu laden. Berlin W., 7. April 1897, E. Frirsch, Pfr." Vielleicht äußert sich der Braunschweiger Gerichtskorrespoudent zu dieser Mittheilung. Versammlungen. Eine Kellncrinncn-Vevsainnilnng war am Dienstag Nacht von der„Christi, ch-theosophische» Geselischafl" einberufen. Außer den Arrangeuren und einigen Gastwirihsgehilfen hatte sich nur eine ganze Anzahl Berichterstatter und ein Trupp junger Bürschchen ein- gefunden, denen man anmerkte, daß sie sich einen billige» Ulk zu verschaffen gehofft hatte». Kellnerinnen waren gar nicht erschienen. in den Häusern der„Edelsten der Nation" sind die Erfahrungen, die die Referentin als ehemalige Gouvernante in den adlige» Familien gemacht hat. Mehr noch, als in den bürgerlichen Häusern. seien die weiblichen Angestellten dort und zwar speziell von den Familienangehörigen sittlichen Gefahren aus- gesetzt.— Die von der früheren Kellnerinnenbewegung her bekannte Frau D m o ch will für die Kellnerinnen eine» Verein und einen Arbeitsnachweis gründen; bei ihren Reden sucht sie den An- schein zn erwecken, als ob sie die organisirte Arbeiterschaft zu vertreten habe. Einige Redner von den Gaftwirths- gehilfen wiesen diese Anmaßung der Frau D m o ch zurück. Die Redner hielten, nach de» gemachten Erfahrungen, die Agitation unter de» Berliner Kellnerinnen, bei denen die Prvletarisirnng so- rveit fortgeschritten ist, daß eine Organisaliousfähigkcil überhaupt nicht mehr vorhanden, jedweden Erfolg für ausgeschlossen, und eine Besserstellung der Angehörige» dieses Bernfes nur dann für möglich, wenn die Umgestaltung der wirthschastlichen und politischen Vor- hällniffe, wie sie die Sozialdemokralie anstrebt, erfolgt ist. Ein Resultat zeitigte die Versammlung nicht; trotzdem wollen die Ein- beruser die Sache weiter verfolgen. Eine öffentliche ivcrsammluna der Bäcker tagte am 6. April im„Englischen Garten". Gleich zn Beginn der Versammlung tadelt der Vorsitzende das Vorgehen der Lokalorganisirten, weil sie heute zur selben Zeit auch eine Versammlung einberufen habe». Der Referent erledigt seinen Vortrag in ausführlicher Weise. Er legt nochmals die wichtigsten Punkte der Verhandlungen der Kommission für Arbeiterstatistik klar. Er führt anS, daß die Gegner des Maximal. Arbeitstages ihre Reden»nr halten, nm sich bei den Meistern ihres Wahlkreises beliebt zn machen. Weiter bedauert er, daß unter den Bäckern solche Zänkereien vorherrschen. Zum Schluß ermahnt er die Kollegen nochmals, sich zu organisire». An der Diskussion be- theiligen sich verschiedene Kollegen. Als Vertrauensmann wird Schlüter gewählt. Folgende Resolnlionen wurde» von der von ungefähr 300 Kollegen besuchten Versammlung angenommen: 1. Die Versammlung mißbilligt das Vorgehe» der Kollegen lokaler glichtung, welches eine Schädigung der allgemeine» Beivcgung der Bäcker- Berlins zur Folge haben muß. Nach früheren Beschlüssen haben nur die Vertrauensmänner das Recht, öffeulliche Versammlungen der Berliner Bäcker einzuberufen. Die Bäcker- Berlins sind dieserhalb nicht in der Lage, die dort gefaßten Be- fchlüsse für die Bäckerbewegung Berlins anzuerkennen. 2. In Er- ivägung, daß die Abschaffung des Kost- und Logiswesens beim Meister den Bäckergeselle» die erste Möglichkeit giebt, ein niensche»- würdiges, familiäres Leben zu führen, und durch daffelbe der Kampf der Bäckergesellen um ein besseres Dasein gefördert wird, dies auch aus dem Kongreß der Bäcker Deutschlands 1891 zu A l t e n b u r g einstimmig anerkannt, und die Abschaffung der Natural- beznge vom Arbeitgeber beschloffen worden ist; in weiterer Erwägung, daß es in Berlin schon einige Bäckereien giebt, wo Kost und Logis in Geld gezahlt wird, prolestirt die heutige öffent- liche Versammlung der Bäcker Berlins ganz entschieden gegen das Verhalten des lokalorganisirten Gesellenansschnffes der Innung „Concordia" und spricht ihre schärfste Mißbilligung darüber aus. Sie erwartet. daß«in solches die Allgemeinheit schädigendes Vor- gehen nicht mehr vorkommt. Die Versannnlung erklärt, nach wie vor fest ans der Forderung zu beharren, daß das Kost- und Logiswesen beim Meister abgeschafft werden muß. Tic Maurer der zentralen Richtung waren am Dienstag zahlreich im Louisenstädtischen Konzerthaus versammelt, um zu der am 19. und 20. April in Berlin tagenden Konserenz der Maurer der Provinz Brandenburg Stellung zu nehmen. Einleitend erläuterte Silbe rschniidt den Zweck der Konferenz, sowie die in Aus- ficht genommenen Punkte der Tagesordnung. Anschließend an den Bericht der Agitationskommisston der Provinz wird die Konserenz «in planmäßiges Vorgehen zur Beseitigung der verschiedenartige» Mißstände zn berathen haben. Der Redner, der sich für eine thalkräftige Unterstützung der großen Slädte bei der Agitatio» in den kleineren Orten ausspricht, hält eine Aenderung der Taktik insofern sür nolhwendig, als nicht wie bisher, die Referenten die verschiedenen Mißstände in bezng aus Baubuden, mangelhaste Gerüste, Akkord- und Ueberstundenarbeit u. s. f. durcheinander de- handeln, sondern sich einheitlich ans einzelne Punkte beschränke». Im weiteren werden die Telegirten über die Taktik bei Streiks, deren eine große Anzahl in der Provinz bevorsteht, diskntiren, um in dieser Frage geeignete Maßnahmen zn treffe», und ferner die Unfall- Verstchernngsnovelle einer eingehenden Prüfung über ihren Werth für die Arbeiter unterziehen. De» Ausführungen folgte eine längere Diskussion, in der sich säniiniliche Redner im Sinne des Referats aussprachen und zum Anschluß der Unorganisirten an de» Zentral- verband sowie zur regen Agitation für denselben aufforderten. Als Telegirte wurden Wilknitz, Baganz. Fritzsch, Fränzel und W u r m gewählt. Der Konferenz einpfiehit die Versammlung, die Agitationskoinmission für die Provinz Brandenburg, die ihren Sitz voraussichtlich wieder in Berlin habe» wird, aus den Reihen der an- wesenden Telegirten und den Mitgliedern der bisherigen Kommission selbst zu wählen. Hierauf berichtete S i l b e r s ch m i d t über de» Streik der Maurer und Bauarbeiter in Brandenburg, mit dessen Leitung er betraut wurde, und den Streik in Köpenick. Nachdem eindringlich ersucht worden war, den Zuzug nach den betreffenden Städten fernzuhalten, wurde zu», Schluß bekannt gegebe», daß am Donnerstag, den 8. d. M., eine große öffentliche Versammlung bei Keller, Koppeustr. 29,»nd am Freitag eine Wanderversammlung des Verbandes bei Spitzig, Frankfurter Allee, stattfindet. Z,»-b»it»»--KUdu»g«lch«,r. Souiiflcr-Feric» bis M,„e April. Hi, Zrsrl>«„> der Arbrit>e-Ki,»«»o»s>»i>llr, vrunnenslr. 2«, ist wachen- lagS von o— o Uhr, Tonnlogs von 4—0 Uhr,»»entgellllch für jederman» geöffnet; vi«(B es ch et I l s st ell e der Schule N., Brunneustrabe 25, die de» Deretns- vorstSudcn zur«crintltciung von Vor, läge» ivtssenschastliche» tlharalters zur Verfügung lieh,, ist ebensall« vo»«-» Uhr nachmittag» geöffnet. Zirdeiter-Ktiiigerdiiiid Berlin«»nd„»Igegend. Voesigender Ad. Neuma»» ikofeivoilerstr. s. Alle Aendcrunge» im vereiuelalender find zu richten an Friedrich ltortni», Mauleuffelstr.«», v. 2 Tr. Arbeiter- Diaxcherbuud Keriin« und 1,»Igegend. Ae»der»»ge» Im vereinslaieuder find zu richte» an Hermann Braunschweig, Treidcner. straße»0,». Hof, 4 Tr. «und der gelettigeu A» ixUerverein« Herlln» und Dtingegend. Alle Zuschriften, den Bund belreffend, sind zu richten an H. B e n d i x, Attiandrinen- straße loa. Arbeiter. Nndfahrrererrin Korlin. Heute, abends 8)j Uhr, bei Wille, Andreasstr. 26:(Seneralversammllmg. verein für Körper-«nd N-turheilkund». Heute, abend»»!* Uhr. Adnnralstrofie 18c; Vortrag über:„F.aucnrranlhell-n". Referent Herr Erund- """'«.rband deutscher«arblere. Friseur, ,»>.d. V-rrü�,nn,ach.r. Wrhitsen lZweigverein Berlin.) Heute, Vit Babiel, Rosenthalerstr.«?. Ver- '°m"Ä... Nntnrheilver,»«». Heute, abend« 8li Uhr.«in«aale de« Vereins lunger«aust-ui-, Beuthstraße 2°; Vortrag für Tamen. Frl. Torneltu» spricht über:„Bleichsucht, ihre Entstehung, Bedeutung und»aturgemape Be- Handlung."__ oerliner Arbeitervertreler• Ncrein tagt jeden Tienstag nach dem ersten im Monat bei Bus le,»renadierstr. ss, abend« e% Uhr. Unentgeltlicher Rath wird erlhettt�,�.. Fjir Unfall-, Invalidität«- und Alter«- Bersiche- rung, abend« von 7—-9 Uhr: W. Buch holz, Husfitenftraße 36, v. 3 Tr. A 3)a ch 11c, Temminersir. 66, v. 3 Tr. K. tSnt b e tt, Wtesenstr. 2»», vo» «-» Uhr abend«. F. P ies chel, Gartenslr. öS, v. 2 Tr.«. S ima n 0 w S li. Sartensir. 73. Portal 2. 2 Tr. ivt. Stuhl»> a» n, Oderbergerstr. 37. 4 Tr., von 6-9 Uhr abends. R. Tamm. Hussilenslraßc 6, vo» 3-9»hr abends. A. Voigt. Wiesenstrasie 4l— 42. E. Warnst, Kotberaerstra»-- 7, von 6- 7 Uhr abend«.- R u r für Invalidität«- und AliersverstcherunS: F. B l u m-. Stretiherstr. 68. P. R e i m a n n, Bellermannstr. 33. F. Trapp, Schuistr.»6, VOn Am 8 Jt 0 rd �' chfle n- Nur für Invalidität«- und AllerSverstcherung: W. Moh«. Schönhauser Alle- 62..„„ Km«stc»! Nur sür Jnvalidilä,«- und Alt-reversich-rung:«.Bader, Gr. Fraulfurterstr. 34, v. 4 Tr.__ An. Süd■«»»«: Für Unfall-, Jnvaliditül«- und AllerSverstcherung: Echalthoss, Michaellirchslr. 13... Z»> Süd«,,! Für Unsail-, Jnvalidltäl«- und AlterZverstcherung: F. Slugcl- m a ic r, Sriminstrahe 33.— N u r>-....."■ P. Keller,«amphausenftr. 6. .iimuio- uuu• zj. w i« a v für JuvaltditälS- und Altersversicherung: ..... L j v*'.,, 1, 4� 44 1 v» 1 1 s w• ae» f», Süd zvcste»: Nur sür Unfallversicherung: K-»-d-K>r|t«»: Nur sür Unfallverstcherung: I Krause, strahe IS. R. E t e p h a u, Lesstngstr. 34. WtlSuacler- .-«I Zeiitr»,»: Nur für Unfallverstcherung: s. Lölfler, Klosterftr. St. Bei lämmtlicheti vorgenannten Personen, bei denen hier keine Tprechzetl au- gegeben, ist dieselbe Wochentag« von 7—9 Uhr Briefkasten der Redaktion. Tie juristische Gprechstniibe findet Montags, Dienstags, Freitags und Sonu abends, abends von 7—8 Uhr statt. (5-»>cft. Ihre Angelegenheit ist im lolalcn THeik der Nr. 78 unseres Blattes erledigt worden. Lvriier-Proßnosc für Donnerstag, de» 8. April t8S7. Ziemlich kühl, zeitweise heiter, vielfach wolkig mit geringe» Niederschlägen und schwache» uördlicheu Winde». Berliner W e t t e r b u r e» u. hur de» Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Pnblikn», gegenüber Bera« ttvortu» keinerlei jentcr. Donnerstag den 8. April. Opernhaus. Uudine. Schauspielhaus. König Heinrich IV. Deutsches. Einsame Menschen. Berttner. Das neue Gebot. Lessing. Niobe. In Zwil. Schiller. Das Stiftungsfest. Neues. Trilby. Westen. Reif-Reistingen. Belle-Alliance. Onkel Bräfig. Lind«». Prinz Methusalem. Thalia. Frau Lieutenant. Zentral. Ein fidelcr Abend. Residenz. Associes. «lexanderplah. Die Tanzsrida. Osteud. Klein Geld. Friedrich- WtlhelmftäbtischeS. Bor Sonnenaufgang. BolkS. Hopfcnrath s Erben. APolo. Spezialitäten. American. Lumpe-Gastspiel: Ritter Benno von Schreelenßew. Passage-Panoptikum. 32 Mädchen aus Samoa._ Volks Theater 34. Reicheuberger- Strafte 34. Pferdebahnstation: Kottbuser Thor. Heute zum dritten Male: Dopfemath's Erben. Bollssmck mit Gesang in 5 Bildern von Heinrich Willen. Mustk von G. Michaeli?. 1. Bild: Weiber-Regiment. 2. Bild: Ein Brauerball. 3. Bild: In der Aristokratie. 4. Bild: Wiedersehen in der BolkS- küche. b. Bild: Arbelt und Frieden. Anfang Wochentags 8 Uhr. mr* Sonntags 7 Uhr."MG Sckillev'-T lzrÄtrr Donnerstag, abends 8 Uhr, ziiin ersten Male: DaS Stiftuiigsfeft. Freitag, ab. 8 Uhr: Das Stiftinigs- fest. Thalia-Theater. lvornials Adolph«ernst-Theater). Vorletzte Aufiührung! „Frau Lienteuaut.« BaiidevlNe in 3 Akten. Morgen: Frau Licutenaut. Ansang 7V, Uhr. Sonnabend, de» 10. April, zum I.Male: Heirath auf Probe. Posse in 3 Alten von Jeau Kren. Musik von Leopold Kuhn._ flmanio Tauben- Strasse UlftUla, Xo. 48-49. Naturkundliche Aiiöstellung täglich geöffnet von lg llhr vorm. ab. «-intritt S« Pf. Wissenschaftl. Theater abends 8Uhr ÄtKk'ttkNlkptKA''välibenstr. hl 162 AtklN IVUllk Lehrter Stadtbahn Hof. Täglich von Wz Uhr abends ab 50 Pf. Fi» Theater-Saale täglich 8 llhr abends Vorträge, mit Erpen- lnente» u. gr. Lichtbildern ausgestattet. Näheres die Tagcsanschläge. Central-Theater. Alte Jakobstr. 30. Dir. Rick. Schultz. S0- Borlehte Woche k"ML klinil Tbaina«, a. G. Leopold Deutsch a. G. Xum 03. Slale: Ein fideler Abend. Burleske dramatische Revue in einem Borspiel und 3 Bildern v. I. Freund und W. Manns, ädt. Mustk von Julius Einüdshofer. Anfang VzS Uhr. Morgen und die folgenden Tage: Gin fideler Abend. Schluß der diesjährigen Possen- Saison»nwiderrnfiich Sonntag. den 18. April. Donnerstag, den 15. Anril: Abschieds-Yorstellung. Circus Renz Karlatrasse. (Jubiläums. Saison 1896/97.) Donnerstag, den 8. April 1897, abends 7'/, Uhr: Clala-Vorstellnng:. Durchschlagender Erfolg. Aus der Mappe eines Außerdem: Das Springpferd Nazar- Beq. Hierauf Mazud und Atharguel, arabische Hengste, dreff. und vorgef. von Herrn Hugo Herzog. Prinz, ostpreuß. Rapphengst, in der hohen Schule geritten von Mr. Gaberel. Quadrille ä la cour, geritten von 8 Damen und 8 Herren. Auftreten der berühmten Künstlerfamilie Agoust vom Krystallpalast in London, in einer neuen und originelle» Jongltr- szene, betitelt: Ein Pariser Restaurant. Freitag, den 9. April er., abend« 7i/, Uhr: AuS der Mappe eines Riesengebirgs- Phantasten. Auf treten der benis Agoust. llhinten Künstler-Familie Koirceffta Sanssouci, Kottbuaer Strasse 4a. Donnchag/de��loril: 5000. Soiree der Stettiner Sänger in Berlin (Mensel. Pietro. Britto», Steidl» Krone. Röhl, Schneider und Schräder). verbunden mit Jnstrumental-Konzert. gr Fest. Prolog."WS Bei de Stettiner rc. rc. Jiistruulental-Potpourri v. Meysel. Nach der Sotrse: TansKrtta-eben. Entree(ittkl. Tanzkränzchen) 00 Ps. Borverkauf SV Pf. Ansang 7'/, Uhr. Morgen. Freitag, 9. April: Vorletste Soir6e i. dBiktoria-Brauerei. PnelMmmer°.SÄ Louisen-Ufer 2a. Passage Panopticum. Nur noch kurze Zeit! 32 SllS Siunos. Vnstsn's kKllvMeuw. J; Pygmäen die kleinsten Meilschell der Welt! Damen-Wettschtoimmeu. Ostend-Theater. Ar. Frankfiirterstr. 132. Dir. E. Weift. Heute: Klei» Geld. Posse mit Gesang in drei Akten von E. Pohl. Musik o. Conradi. Anfang 8 Uhr. Morgen: Benefiz sür den Regisseur Jos. Dill. Klein Geld. Anfang 8 Uhr. C|*«* iftcus i.■. tr■ 'BUSCH Bahnhof BUrse. Schlaft der Saison am IS. April. Donnerstag, den 8. April 1897. abend«?:/, Uhr: Gr. aufterordentliche Borstellung. Zum 105. Males Nach Sibiriett. Wiederholung d. Dodes- fayrt mit dem Fünfgespaun. WW Außerdem: 6 trakehner Hengste und 4 Fuchshengste alS Thunnspringer, dress. und vorgef. vom Dir. Busch. Conversano II, dress. und ger. von errn Foottit-Bnrghardt. Qravd uadt'iUs a la«avalier. Mr. »oleman mit s. dress. Hunden und Katzen. Spezialitäten erst«: Ranges. Vorzügliche Klowns. Morgen: Nach Sibirien. Sonnabend: Parade. Gala-Bor- ftellung zum Benefiz für Frau Dir. Busch. Goncopliia Variste-Theatep Brnnneasti-. 154. Täglich: Oi-ossc Theater-»nd Hpczlalithtcn-TofHtcIliing: Großartiges April- Programm l Neu!«jil'and Attraktioii. Oebr. Forre, Jnstrunieutalist. Neu! Hertha I.orenzl, brillante Kostümsoubrette. Knospe und Stengel. Posse in 1 Alt. An allen 3 Ostcrfcicrtagen: Neues excllcntcö Programm. Anfang Wochentags"V- Uhr. Sonntags 6 Uhr. Umtausch- Billcts habe» Giltlgkeit. Alvam Var1st«»Theater I.Banxes. DreSdeuerstr. 5S/S3(Citp-Passage) Direttion-. Richard Winkler. Aglich: Kr. Vorsleiiung. Rur Boranzeige l Freitag, den 9. April: Benefiz für Geschwister Gottlieb. MV" Nausen'« Nordpolsahrt mit palcntirtem Schneefall. Anf.Sonntags 7Uhr. Wochentags 8 Uhr. Entree SO Pf."WK Fe«,.Palast, ,Ä. Direktion Winkler& Prttbel. Kün�ler- Personal Zum ersten Male: i\n schwarzes Wierjenkind. Komische Operette, unter Mitwirkung des Direktors W i l h e l in F r ö b e l. Verlängertes Gastspiel der lehencken Photo»» aphlen mit dem Scnsattonsbilde: Endlich allein! Anfang?>/, Uhr. Sonntags 7 Uhr. D»- Entree 30 Pf �- Welt-Restaurant Variete- nnd Spezlalltttten- Theater. DreSdenerstrafte 97. Nord nnd Süd! Liederspiel von Blehar«! Thiele. Hauptrollen: llätd» Rionda.— Walter Krönlng. RudoK Schanis.— Max Röwer. Otto Wandt. Im vorderen Saal täglich: Grosses Künstler-Frei-Konzerl. Ansang: i Entree: Wochen t. 8 Uhr. Wochentags 20 Pf Uhr.----- Sonntags 6 | Sonntags 30 Pf. Apollo-Theater. Friedrichstr. 218. Dir. I. Glück. ZTiiglich Auftreten der s Sisters lorrlson. Der französischen Dänzer-Xroupe lies Varia sowie der urkomischen Klowns vibb und Lobb. Ferner: IS hervorragende Kitnstkräfte. ST" Zum Schluß der-ML ICmstogR'sisk mit den Orignal- Ailfliahiiien der Centenar-Feier ST" und das unvettvüstliche"VS Endlirlz n klein! Kaisenerössniing G1/, Uhr. Ans. 7«/, Uhr. Evteppdeck., Gardin., Bor- vNlllll, düren, Stores, Sommer- palctots, Wäsche, Anzüge, Hofen, Reg»- lator.,Re»iontoirl>ltr.,Goldwaar.sP0ttb. Pfandleihe Necnwrstr. v.* Empfehle mein Weiss- nnd Bayrlschbier- T.okal allen meinen Freunden nnd Bekannten. .A-iij-nst Bieberstein 13930*1 Lausiüerplah ISa. Ecke Eiscnbahnstr., fr. Lausitzer Platz 2. Mr 36 Mark liefern seinen Anzug n.Maaß. Für 30M. ff. Sonimer-Paletot nach Maaß. Für 8—12 M. seinste Hosen»ach Maaß. Bedeutendes Stofflagcr.* Xrausenslr 14.!. kein kaden. Knaben-Garileroben für das Alter v. 2—18 Jahren empfiehlt in größter Auswahl 13b7L» zu billigsten Preisen. Flicken gratis. K. Huslädl, 0., fl0Äf5' 2 Min, v. Schlestschen Bahnhof. Kaste. Kaste. tofenreste, jed.Rest eineHerrenhosc, öM ommerpaletotrcste, jeder Rest einen Paletot, 10 Mark. 1Z73L* Knabenanzugrcste, sehr groß, 2—3 M. Herrenanzllgreste in grüftler AnStvahl. Krllllstitßr.14, 1., keitt Laden. Als Vermählte eiitpfehlen sich: OsKor Jenlscli Anna Hoeger. Berlin SO., 7. April 1897. U41B nniiMi—iiHi—iii nam DodeS-Anzetge. 1110b§ Am Dienstag, den 8. d. Mtö., vorn«. IVU Uhr, verschied nach langem, schwerem Leiden nieinc liebe Frau ZIaN-Ialene, geb. Zager. Um stilles Beileid bittet Emil Müller, Maler, liebst Sohn nnd Verwandten, Chamisio-Platz 8, III. r. Die Becrdigimg findet Sonntag, den 11. April, nachm. B Uhr, von der Halle des Hl. Krcuz-Kirchhvses zu Mariendorf statt. Danksagung. Für die liebevolle Theilnahnie und reichen Kranzspenden anläß- lich der Beerdigung meines unvergeßlichen Mannes sage ich allen Betheiligten, den, Verein Berliner Weißbierwückhe, dein Berliner Raucherbund imd den j Stammgästen meinen innigsten Dank. 1442b Im Namen der Hinterbliebenen: Die tiefbetriidte Wittwe Ida Purbs. alle» Freunden u. Bekannten mein Weiss-, Bnlrlsebbler» und gr. Sucisegesehttflt. Reichhaltiges Frühstück von 30 Pf., Mittag mit Bier BO Pf. sowie Abendtisch ä la carte von 30 Ps. all. 2 Bereinszimmer mit Klavier sür 20— BO Personen.• H. Strwni, Rest., Ritterstr. 183. Julius liedlke, 4% Rcichenbergcrstr. 48, empfiehlt fein Lager von* Schnlm-aaren aller Art. Zum bevorstehend. Osterfest empfiehlt seine als vorzüglich bekannten gr Menlsortcn Tf® zum Preise v. 12—20 Pf. pr. Pfund, sowie alle Backzuthaten bissigst 142SL*?. Herrgulli, Müllerstr. 180(Wcdding Plaft). s billig. Ostbahn-Gebäude «Vtzv vtz.1 am Küsttiner Platz.* Kanarienvögel, gute Zuchthähne, Verl. Krebs, Köpnickcrstr. 1B4a, IV. Reslaurant und Festsäle v. Julius Wernau Sohwedter- Str. 28—24. Empfehle meinen Saal, BOO Personen fassend, zu Versammlungen u. Festlich- ketten. Einige Sonnabende u. Sonntage (uach der 1. Mai), sind noch im kommenden Sommer zu vergeben. Jlk Wjgste Vmgsqutlle für Clgarren fnr Bhndler, Bestanratenre nnd Wlederverhiinfer 1 Permanentes Lager von über 1 vvv vvv gelagerter Eigarrcn in vorzüglicher Qualität und gediegener solider Arbeit, sowie in allen FayonS von Barh 82,- pro Mille an. 13210* Anstellimgen. Preislisten F T Dainh0lf Rlxdorf, Bcrgstr. 67, gem zu Dienste». W. nCltliCll, am Ringbayuhvf. Empfehle allen Freunden niib Genossen luetii Weiß- und Boirisch« bicr-Lokal nebst großem Bereinszinime» zur gefälligeii Beachttlng. 1431d Frist Karg, Ansbacherstr.'>4. Ein Bercinszinimer mit Klavier itt noch einige Tage sr.Swinemündcrstr.l/. Zimmer mit Seil sucht anst. iniigeS Mädchen. Nähe Patts. sadcnstr. bei alleinstehender Frau. Adr an Dh. M. Postamt 18. 142? st Damen und Herren, tvclchc gewillt stnd, sich einem wtssenlchastlichen Bcr- ein anzuschließen, wollen sich gefälligst an Albert Driepel, Fürstenstr. 19, v. 3 Tr. r. wenden. 14291, Sofa, gut erhalten, billig Bcsscl- straße 18, 3 Tr.. Adler. 1431b �rbeiter-jjildnngs-Schnle Freitag, den». April, abends V2® I hr, In den Arminhallen(oberer Saal), Kommandantcnstr. SO; Ordentliche General- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes und der Eevisoren. 2. Dnrch welche Organlsationsforni wird§ 3 des Statnts am yollkommensten erreicht? 3. Diskussion. 4. Eventuelle Statutenänderungen. 5. Neuwahlen. 5/18 Jahreskarte oder Mitgliedsbach legitimirt. Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung erwartet zahlreichen Besuch Der Torstand. Textilarbeiter-Berband. Filialen I, II, III, IV n. T Berlins. Sonntag, den II. April 1897, nachmittags 4 Uhr: iirvfmjtmlmm bei Keller, Koppenstraste Nr. SS(großer Saal). Tagesordnung: 1. Wahl des zweiten Vorsitzenden für den Zentralvorstand. 2. Vervauds- angelegenheiten. 3. Experimental- Vortrag über:„Die Röntgen- Strahlen" von Herrn Clausen. 197/9 Nach der Versammlung: Gemüthliches Beisammensein mit Tanz. Herren, welche daran theilnehmen, zahlen 30 Pf.— Um zahlreiches Er- cheinen bitten Die Vorstände. Hausdiener, VackevHntschev,Mövei- transportardeiter n. f. w. W Donnerstag, den 8. April, abends 8Vz Uhr:-WE Große öffentliche Uersammlung in den Arminhalle», Kommandantenstraste Nr. SS. Tages-Ordnung: 1. Der Achtstundentag und unsere Stellung zum 1. Mai. Referent: Herr D e n: p w 0 l f. 2. Abrechnung des früheren Vertrauensmannes Hoff- 3. Wahl einer Sonntagsmh-Kommission. 4. Verschiedenes. mann. 85/1? Die Vertrauensleute. FreieYolksbfiluiG. Sonntag, den II. April, gelangt für die II. Abtheilung (blaue Karten) im Belle- Alllance-Tneater zur Aufführung; Der Kaufmann von Venedig. Anfang 3 Uhr. Beginn der Verloosung S Uhr. Die Karten müssen von den Zahlstellen-Inhabern mit 2 Marken in der 1. Rubrik versehen werden. Da die II. Abtheilung ziemlich gefüllt ist, werden Anmeldungen zur' III. Abtheilung in allen Zahlstellen entgegen genommen. DM" Die Monatsschrift„Die fi-eie Volksbühne'* ist in allen Zahlstellen käuflich ä 10 Pf., da dieselbe vorläufig im Theater nicht verkauft wird. Der Theaterzettel ist in dem Heft mit enthalten. 230/17 Für Mai ist als 2. Aufführung in Aussicht genommen:„Die Mütter", von Hirsohfeld. Der Vorstand. teilt der Arbtitemnen an BnOrnck-SchnellMen. Sonnabend, den 10. April 1897, im„Konzerthaus Sanssouci", Kottbnserstraße 4a: 7* Stifkmgs Fest unter gütiger Mitwirkung von Mitgliedern der„Thpographia", Gesang- vereiir Berliner Buchdrucker und Schriftgieher, sowie von Mitgliedern des „Berliner Dheatervereins". 1430b Nach dem Konzert: Gvotzev Vall. Herren, die am Tanz theilnehmen, zahlen 50 Pfennige nach. Anfang 8'/- Uhr. Gintritt 3« Pf. GCtllUiDUlim, prakt. Natnrheilknndiger, spricht heute, Donnerstag, abends 8Vz Uhr. Admlralstr. 18 c, über: Frauenkrankheiten» erklärt an Präparaten. Nur Frauen willkommen. Eintritt frei. Um zahl- reiches Erscheinen btttet Verein für Körper- n. Vatnrhellknnde Alexanders tr. 8. Achtung, Frauen! F rauen-llortrag zu Charlottenburg am Freitag, den 9. April, abeuds 8V2 Uhr, in den Hohen- zollern-Festsülen(Paprltz), Berlinerstraste 89, gr. Saal (Erdgeschoß). Franlein Minna Kube prakt. Natnrheilkundige über: �vcuisnlsiciSD (speziell Krebs, schlimme Brüste, offene Füße), Entstehung nnd Heilung durch die Naturheilkunde. jede Mutter ist verpflichtet, diesen Vortrag zu besuchen. Berliner fioek-Brauerei Ad-Gesellschaft Ausschank: Tcmpelhofer Berg, Fidicinstrasse No. 2—6 Letzte Wocbe. Ausschank Original-Bockbier Grosser Bock-Jubel. Wein- und Coynac-Auktion. Auf dem Alten könlgl. Packhof In Berlin, Kleine Museumstrasse, am Lustgarten, sollen am Freitag, den 9. April, von 10 Uhr ab zur Auktion gelangen: ca. 3000 Flaschen der edelsten Bordeaux-, Rhein- und Moselweine, X grosse Posten ff. Cognac, Kum und diverse Sorten Liqueure, X desgl. Madeira-, Sherry- und 10 Oxhoft gute Eothweine X 1 Lager fßinStOP Portweine, Champagner, wobei Roederer, X Pomery X Deutz u. Geldermann, Jul. Dumez etc., sowie ein grosses Lager guter QU dl i tätS'G 1�3�60 in beliebigen Partien. Proben werden bei der Auktion verabfolgt. Kammer, gerichtlicher Taxator und Auch, Weissenburgerstr. 1. Hcrrcnrower, Touren- 1, rower, Damenrowerbill. Kasse. Theilz. gestatt. Brunnenstr. 10, 1. Kanarienhähne eigner Zucht, billig, große Auswahl. 166b Wache, Gneisenaustr. 115. Fabrikate von Ä. L. MOHR Altona-Bahrenffeld. Mohr'sclie Margarine besitzt nach Gutachten erster deutscher Chemiker denselben Mtthr- werth nnd Gesclimack wie gute Katnrbntter und ist als billiger und vollständiger Ersatz für feine Butter zu empfehlen, sowohl zum Aufstreiehen auf Brot, als zu allen Käohenzwecken, Wegen der vielen Mach. ahninngen meiner Marken verlange man ans drück* lieh: « Mohren-KaiFee bestehend aus einer Mischung von feinem Bohnen-Kaffee mit besten Kaffee-Ersatzmitteln, ist wohlschmeckender und bedeutend hrttftlger als reiner Bohnen- Kaffee mittlerer Qualität und giebt dem Kaffee ein volles Aroma und eine vorzügliche goldbraune Farbe. Pfund 60 Pfg. Mohren-Cacao unter Garantie des durchschnittlich gleichen Nährwerthes und Geschmacks wie alle anderweitig angebotenen theureren Cacao- S orten, für Kinder nnd schwüchliehe Personen anentbehrlich. „Garantirt rein!4 Pfund Mk. 1,40. IfiP lleberall kauf lieh! §■ ll O oö o« �5 11 Damm Miintel-MbÄ Engro, Ai*ihur> Pelz«»»»" 41-43 Knr- Straße 41-43 verkauft im Einzelnen zu anerkannt billigen Fabrik- Preisen neueste Modelle in Eouleurte u. schwarze Kragen und Capes 2,50—3,50—4�—12 M. Kragen mit Perlstickerei 5,50-6,50-7-/«-20 M. Sammtkragen in großer Auswahl 3-/.-4-/«-5, 50-30 M. Jaquetts in schwarz und couleurt e'/j— 15 M. 13498* Bei Rückgabe dieser Annonce Fahrt-Vergütigung. Künstliche Zähne. F. Steffens, Rosenthalerstr. 61, 2 Tr. *] Theilzahlung pr. Woche 1 M. Möbel auf Theilzahlung. I. Kellcrmann. Reue Jakobstr. S«.* Fraget jede Hausfrau, welche Karol Weil s Seifcnextract Vü benutzt hat, und sie wird Euch sagen: „Es gieht nichts Besseres; viel leichter ist die Arbeit, viel billiger das Waschen und viel länger hält die Wäsche. Karol Weil's Seifcnextract, die beste trockene Seife in Pulverform, ist nur echt, wenn in grauen Packeten gepackt mit der Schutzmarke Waschfass. Das Vorzüglichste zur Toilette: Karol Weil's„Karola'S _ Lieblingsseife der Damenwelt._ Wer Geld will sparen, dein biete ich die günstigste Gelegenheit. Durch Einkauf von grasten Posten verkaufe ich von heute ab: Hocheleg. Einseguungs- Anzüge..... von 9,50 an Hcrren-sommer-Paletots„ 9,75„ Hochs. Rock- u. Jaqnet- Anzüge...... 12,50„ Herren-Hosen....„ 2,75„ Kellner- Hosen, Westen und Jaquetö...„ 4,75„ Leder- und Arbeits-Hoscil zu 2,35 M. Herren-Jaquets, Westen und Röcke in allen Größen, Knaben- und Burichen- Anzüge, Hüte, Schirme, Stöcke, Wäsche, Stiesel, Koffer, Openigläser, Kessel, Revolver, Tcschings, Stockflinten, Har- monikas, Geigen, Zither», Uhren, Ketten, Ringe u. s. w. zu enorm billigen Preisen. Gustav Lueke, M a AvenhÄUS, Berlin, Lmienßr. 131. 13618* Schlafsophas. Sitzauszug, große Auswahl, von 33 Mark, Paneelsopha's mit Schnitzerei 75, PMschgarnituren, alle Farben, 100, Ruhebetten nebst Decke 33, Bettstellen (Federmatratze) 30, Marn!ortoilettcn27, Wäschespinden, Kleidcrspindcn, einfach 20, Mahagoni, Rußbaum 36, Kom- moden 16, Sophatische 10, Auszieh- tische 16, Küchenspinden 15, Rohrstühle 2Vz, Bücherspinden 60, Schreibtische, Büffets, Trumeaux, Pianos aller- billigst. Möbel gegen Ratenzahlung unter solidesten Bedingungen. Schier, Möbelfabrik, Neanderstr. 13. leatral-fr.- u. Sterte- kasse der Dachdecker Deutschi.„Einigkeit". (E. H. 69.) Filiale Berlin. 54/5 Versammlang am ersten Osterfeiertag, nachmittags 4 Uhr, im Lokale Weinstr. 11. Tagesordnung: 1. Vortrag des Dr. Wehl. 2. Abrechnung vom I.Quartal. 3. Verschiedenes in Kaffenangelegen- Herten.— Nach Schluß der Verla mm- lung gemüthliches Beisammensein. Der Ortsvorstand der Filiale Berlin. I. A.: Oskar Barenthin. Achtang! Achtnng I Künstliche Zähne von 3 M. an, Theilz. wöchentl. 1 M., wird abgeholt. Zahnziehen, Zahnreinigen, Nervtödten bei Bestellung umsonst. ßlinlkal Lausitzerplatz 2, Elsasser- UUtRCl, ftr. ig, Steglitzerstr. 71 L Gr. Mibelverkauf wegen Umzugs des Möbelspeichers Rosenthalerstr. 13. Um die ganz bedeutenden Transporttosten zu er-' sparen, verkaufeich jetzt zu jedem au- uehulbaren Preise. Zun: Umzüge und für Brautleute ist somit Gelegenheit gegeben, ganze Ausstattungen, sowie einzelne Stücke ganz besonders billig einzukaufen. Es stehen viele einfache, mittlere u. hochelegante Einrichtungen aar Lager, auch gelegentlich angekaufte herrschaftliche Möbel, sehr billig. Ver- liehen gewesene und gebrauchte Möbel spottbillig: Kleiderspinden 15, Kommoden 10, Küchenspinden 10, Stühle 2, Bettstelleu mit Sprungfedermatratzen 18, 23, 30, Trumeaux 30, 60, Büffets, Zhlindcrburcatix.eleg.echtnubb.Damen- schreibtische 40, 60, Garnituren 50, 70, Spiegel in allen Arten und Größen,� Frisir-Toiletten, Sophas 16, 23, 36M.:c. Eigene Tapezier- u. Dekor.- Werkstatt, vier große Möbel-Lagerräume. Ein- richtungen auch auf Theilzahlung, Be- amten ohne Anzahlung. GekaufteMöbel können beliebige Zeit stehen bleiben/ werden durch eigene Gespanne sauber transportirt und in der Wohnung ans- gestellt, auch außerhalb._ 14348* Fertige Betten, großer Stand Oberbett, t,Un terbett, zwei Itiopstrffen, mit gereinigten neuen Fe- I dern, vonl» M. an, s-rtige Inlett», »Bettwäsche, Matratzen jeder Art, I Stepp-, Schlaf-, Bendecken u. Polster- I Benstellen empf. billigst das als streng I reell belannte, 1870 gezr. Spez.-Desch. IS.PolIack,«ranienstr.kl, a.Moritzpl. Rohtabak. Größte Auswahl! Billigste Preise! Guter Brand! Vorzügliche Qualität! Sämmtliche (Neue Formen, sehr gr. Ausw. ä 1,10 M.) Mau verlange Preis- Verzetchniß. 1068?« Heinrich Armuf, Nr. 183, Brunnenstr. Nr. 185. 66- Resterhandlung. 66* Billig Reste zu Knabcn-Anzügen von! I M. Große Anzüge von 7 M. an,! bis zum feinsten Kammgarn, auch paff.! zu Einscgnungs-Anzügeii. Große Aus- wähl in Paletotstoff., sowie zuMänteln/ Faqucts, Plüsch, Atlas, Seide. sl42SL* Aus Wunsch alles zugeschnitten, auch angefertigt. Fertige Knaben-Anzstge. K0. Karle, Waldemarstr. 00. Telephon Amt IV. 1597. Albeitmarkt. Alhtll«g, Holzarbeiter! In der Werkstatt von J. G. Eis« holz, Krautstr. 3S(Gelverbehof), haben 45 Tischler lvegeu Lohn- differenzeu die Arbeit niedergelegt. Zuzug ist fernzuhalten: Die Drts- Ver Haltung d.drutsch. Holzarbeiter-Verbandes Zahlstelle Berlin. 88/7 Meckuuiker und Installateure mit Sprachkenntnissen per sofort gesneht. DeuW Gas-Selbstznilber- Aktiengesellslhast Berlin C., Anij.StMbahil18. Klavierspieler für Sonntag oerl. A. Günther, Frankfurter Allee 16.[1433b Plätterin auf Kragen u. Manschetten und Arbeiterin sucht Danipfwäscherct Köpnickerstr. 33a._ 14285 Zeichner Confect. Stickerei 14326 nur erste Kraft verlangt _ David Riefe, Fägerstr. 25. Ein Arbeitsbursche, der bereits in der Kartonsabrik mit dem Stanzen und Holzleistenschncidcn gearbeitet hat, verlangt 14356 Stallschreibcr» straße 29. Masiker- Lehrlinge unter sehr günstigen Bs- dingungen werden nach kl. Stadt bei Berlin verlangt 1436h E. Sparfeld, Perlebcrgcrstr. 26f. i */***/ vvnunyt Tb. Nathan, Geübte Maschinennäherin sowie Languettirerin, auch zum Lemen, erb. dauernde Beschäftigung. 14376> Frau A. Mcsch, Lychenerstr. 3. s Gchiosser auf Gitterbau erfahren, verlangt 14388 P. Heinrichs, Hauptstr. 149. Berantwortlicher Redakteur: August Jacobcy in Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.