I Einzige onabhSuglg« Tageszeitung Veutschlands Nummer 43— 2. Jahrgang Saarbrücken, Mittwoch, den 21. Februar 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Ans dem Inhalf SxaqodU ästecceichftchex Juden Seite 3 Deutsche JCcisenzaMeti Seite 4 QöcUiqs fäeqnadiquttqscecht Seite 5 Jxankceichs Situation Seite 7 Sei lii&en»Jianxter Seine JUänAen und seine Sdtande SSer ist der größere Verbrecher? Ter Knabenschlächter Haarmann in Hannover oder der Frauen-Massenmörder Kürten in Düsseldorf? Aus diesem Niveau bewegt sich eine Aussprache, die zur Zeit in der internationalen Presse zwischen dem deutschen Reichskanzler Adolf Hitler und dem österreichischen Bundeskanzler Dr. Engelbert Dollfuß geführt wird. Es ist ein edler Wettstreit um die Frage, wer von beiden die ivenigsten oder die meisten Volksgenossen hat niederschießen und niederschlagen lassen. Der deutsche Reichskanzler ist in dieser Frage außerge- wöhnlich bescheiden. Er beteuert: „Wie sind die Tatsachen? Die Gesamtzahl unserer in Unruhen getöteten Gegner betrug 27, und die Zahl der Verwundeten 15 0. Unter ihnen befanden sich weder eine Frau noch ein Kind. Auch ist kein Haus zerstört, kein Laden geplündert worden. Genau also 27 Tote der deutschen Revolution! Auf welches Material stützt sich der Reichskanzler? Zur selben Stunde, in der Hitler diese Zahl dem Korrespondenten der„Daily Mail", Ward Price, nannte, log der deutsche Reichspropa- ganöaminister denselben Korrespondenten desselben Blattes an, daß Hitler«in Wirklichkeit mit kaum einem Dutzend Toten die größte Revolution der moderneu Weltgeschichte durchführen konnte". Göbbels schwindelt so sehr wie Hitler. Das, was die beiden wahrheitswidrig eine Revolution nennen, hat taufenden Deutschen durch seige Ermordung oder durch bestialische Folterungen das Leben gekostet. Min- bestens tausend solcher Nazimorde sind jetzt ia schon nachweisbar. Die Liste wird sich um Tausende k' vermehren, wenn einmal die Freunde und Hinterbliebenen der Opfer in Freiheit reden können. «Kein Haus ist zerstört, kein Laden geplündert worden." Das wagt der deutsche Reichskanzler der Welt vorzulügen angesichts der Tatsache. daßzehntauscndeArbeiter- Wohnungen und Arbeite rbüros verwüstet u n d z e r st ö r t w o r d e n s i n ö. In jedem einzelnen Falle ist im Auftrage der nationalsozialistischen Regierung die Polizei hinter den Bewohnern her gewesen und hat ihnen unter Drohungen mit Gefängnis und Konzentrationslager verboten. Fotografien der Verwüstungen herstellen zu lassen. Dennoch liegen fotografische Beweisstücke hinreichend vor. Der deutsche Reichskanzler erzählt der Welt, daß viele Tausende aus den Konzentrationslagern bereits wieder freigelassen worden seien. Er unterschlägt aber, daß mehr neue Verhaftungen als Entlassungen vorgenommen wurden. Nichts sagt er der Welt von den sadistischen Orgien, die natio- nalsozialistische Führer auch jetzt noch an wehrlosen Ge- fangenen sich austoben lassen. Eben erst ist uns von einem früheren Mitgefangenen des einstigen preußischen sozialdemokratischen Fraktionsführers Ernst H e i l m a n n ein Bericht über dessen Folterungen zu- gegangen. Die genauen Angaben können erst jetzt erfolgen, da sich unser Gewährsmann zunächst im Ausland in Sicher- heit bringen mußte. Der Bericht eines Augenzeugen, den wir dem verlogenen deutschen Reichskanzler widmen, lautet: „Nachdem ErnstHeilmaun, FritzEbert und einige andere Prominente schon bei ihrer Ankunft im Lager ordent- lich mit den Kolben traktiert worden waren, sollten Heilmann und Ebcrt auf ihre Arbeitsfähigkeit geprüft werden. Zu diesem Zweck hatte man eine drei Meter tiefe Grube hergerichtet. Dort hinein mußte zuerst Ebert und dann nach Zählen(1— 2— 3) Moor auswerfen. Und stehe da, was die vertierte SA. nicht geglaubt, Ebert konnte mit der Schippe umgehen. Nun mußte Heilmann hinunter. Da er an einer Kriegsverletzung leidet, war es ihm nicht möglich, das von oben durch Zählen angegebene Tempo bei» zuhalten. Deshalb bekam Ebert das Kommando, seinenGenosscnzu verprügeln. Ebert lehnte das jedoch ab. Da fielen 10—15 der Bestien über Heilmann und Ebert her und schlugen sie solange, bis die beiden Unglück- lichcn sich fast nicht mehr bewegen konnten. Nach einigen Tagen mußte Heilmann in eine Grube, in die Klosettkübel entleert wurden und in der die Fauche drei- viertel Meter hoch stand. Er mußte unter Nachhilfe mit Kolbenstöben den Kot mit den Händen klein kneten und nach Holzstückchen durchsuchen. Alle S—4 Minuten mußte er den Schnurrbart mit kotbeschmiertcn Fingern ausstreichen. Und so ging es jeden Tag mit Heilmann. BeimWaschen im Waschraum konnte man sehen, daß am ganzen Körper kein heiles Fleckchen mehr war. Trotzdem gab es jeden Tag neue Mißhandlungen. Einige Tage später stülpte man Heilmann einen Korb über den Kops und dann richtete eine Bestie in Menschenge, alt die Frage an ihn:„Wie heißt der Gruß der 2. Internationale?" Heilmann gab keine Antwort. Unter Kolbenhieben wurde ihm erklärt, der Gruß heiße«Wauwau". Und dann wurde Heilmann solange mißhandelt, bis er wauwau sagte. Nach diesen Torturen war Ernst Heitmann nicht in der Lage, zu gehen. Er torkelte wie er schwer Betrunkener. Beim Gehen zog er stets das linke Bein nach und siel immer wieder nach hinten über. Eines Tages jedoch mußte E. H. Entsetzliches passiert sein, denn er wurde von einigen SS.-Leutcn in den. sogenannten Bunker gezerrt.?lls er wieder herauskam, war sein Gesicht nur noch eine verzerrte Fratze, die furchtbar anzusehen, daß auch die tapfersten Sozialdemokraten nicht mehr die Tränen zurückhalten tonnten. Es wird nun angenommen, daß E. H. mit dem Leben Schluß machen wollte, um diesen Torturen zu entgehen. Nachdem er einige Abschicbszeilen an seine Frau zu Papier gebracht hatte, wankte er wie ein Krüppel durch die Posten- kette hindurch ungeachtet der Haltruse. 20 Karabiner gingen in Anschlag. Ein SS.-Führer schrie:„Nicht schießen! Bedenkt, Heilmann ist kein Unbekannter in der Welt. Es würde im Ausland Aussehen geben." Aber trotzdem krachten mehrere Schüsse und Heilmann brach zusammen. Es war gut, daß die Bestien die Karabiner immer in Bauchhöhe hielten. Ernst H. hatte einen Oberschenkelschnß und wurde nach Papenburg ins Krankenhaus geschafft. Weihnachten lebte er noch. Sollte er wieder herauskommen, dann nur als Krüppel. Das ist nur eiu Fall. Im selben Lager wurden auch Eggerftädt, Polizeipräsident von Altona, Heinz Alexander aus Breslau und sieben andere Sozialdemokraten gemordet." Weiß von alledem der deutsche Reichskanzler nichts? Er weiß es wohl. Die Bestien, die solche Schandtaten verüben, find in Hitlers Geiste erzogen und grüßen mit„Heil Hitler!" Hinter den Stacheldrähten der Konzentrationslager wirb ge- foltert und gemordet. Keiner der Täter wird auch nur gerügt, geschweige denn bestraft. Der Reichskanzler schützt seine Kameraden, wie er die Mörder von Potempa begnadigt hat. Vor der ausländischen Presse aber spielt er den Mann der Zivilisation und des Friedens. tl Die Leutnants Mussolinis Das diplomatische Spiel um Oesterreich Drohung aus Rom Die wahren Hintergründe DNB. Paris, 20. Febr. Die radikalsozialistische„Republi- gue" beschäftigt sich mit der Lage in Oesterreich und den Er- klärungen, die Vizekanzler F e y der Presse gegenüber ab- gegeben hat und in denen er betonte, daß er gegen die Nationalsozialisten ebenso vorgehen werde wie gegen die Soziali st en Das Blatt schreibt in die- fem Zusammenhang: Wir erlauben uns, diese Worte als d i e Worte Mussolinis zu bezeichnen. Bundeskanzler Doli fuß, Major Fey und Fürst Star Hemberg sind in Oesterreich die Leutnants Mussolinis, ebenso wie G ö m- bö s in Ungarn. Man kann deshalb behaupten, daß sich nicht Major Fey an den Führer der österreichischen National- sozialisten Habicht gewandt hat, sondern Mussolini an Hitler. Das ist es. was wir seit langem erwarteten. Der von uns vorausgesehene Kampf wird sich weniger zwischen Racismus und Faschismus entspinnen, als zwischen Deutschland und Italien. Fortsetzung siehe 2. Seite Der„gotfesldsternde Priester" In Schutzhaft, weil er einem zum Tode Verurteilten zu viel religiöse Tröstungen gespendet hatte... Das Gaupresseamt der NSDAP, teilt folgendes mit:„In Hessen mußte der katholische Anstaltspfarrer eines großen Gefängnisses in Schutzhaft ge- nommen werden, weil er sich anläßlich der Hinrichtung eines kommunistischen Mörders die denkbar größten Entgleisungen zuschulden kommen ließ. Dem geistigen Herrn lag kraft sei- ner Eigenschaft als beamteter Anstaltspsarrer die Pflicht ob. einen Kommunisten, der einen Hitlerjungen bestialisch mit dem Messer abgeschlachtet hatte, vor seiner Enthauptung seel- sorgerisch zu betreuen. Der Delinquent war ein übel- berüchtigter Messerheld, der schon einmal einen Menschen durch einen Dolchstich lebensgefährlich verletzt hatte und bei dem kirchliche Regungen und christliche Nächstenliebe niemals beobachtet worden waren. Der Geistliche hatte seine Auf- gäbe nicht darin gesehen,, für den dem Gesetz verfallenen Mörder die Gnade des Uebcrirdischen zu erbitten. Er hat vielmehr.in dem Verurteilten die Vorstellung erweckt, daß er ein Märtyrer sei. dem Heiland gleich, der mit Ruhe seinen letzten Leidensweg antreten könne und ausgelitten habe wie sein Herr und Heiland. Mit diesem„letzten Gebet" hat der Geistliche unter der Maske eines gottergebenen Seelsorgers den komm»- nistischen Mörder gegen die irdische Gerechtigkeit aufzuhetzen versucht. Der Vergleich eines Mörders mit Christus bedeutet aber zudem eine gemeine Blasphemie und Geschmacklosigkeit, die daS Ansehen des Priestcrgcwandcs in den Augen rechtlich denkender Menschen und Christen ans das schwerste zu gefährden geeignet ist. Für solche Priester ist kein Platz im Dienst des„dritten Reiches" Die an den kommunistischen Mörder verschwendete christliche Nächstenliebe wird wahrhaft christlich empfindende Volksgenossen abstoßen. Selbstverständlich ist dieser gotteslästernde Priester aus seinem Staatsamt mit Nachdruck für dauernd entfernt worden." rraindsdiaN! Ein Wort des Gedenkens Und der arme Mann im zerrissenen Gewand, Er wirft auf mein Grab die Schollen. Er wirft sie darauf mit seiner Hand, Der harten, der schwielenvollen. Einen Kranz auch bringt er ans Blumen und Mai n, Zu ruhen aus meinen Wunden. Den haben sein Weib und sein Töchterlein Nach der Arbeit für mich gewunden. Frciligrath Wie an der Gruft des treuesten Freundes, so stehen wir heute vor dem leichenbesäten Feld, auf dem die Sozial- demokratie Oesterreichs, das edelste Reis am Baume des internationalen Sozialismus, niedergesunken ist: eine stolze Rebellenleiche. Jahrzehntelang hat sie vornean gestanden, in kühnem Kampf wie in segenschaffender Auf- bauarbeit. Run aber teilt sie, nach rühmlicherem Wider- stand, das Schicksal der größeren reichsdeutschen Be» wegung. Ihre Wurzeln lagen im Reiche. Im Anschluß an die reichsdeutsche Sozialdemokratie ist sie entstanden. In den achtziger Iahren zerfiel sie unter dem Druck des Aus- nahmezustands in zwei einander hart bekämpfende Rich- tungen: eine scharf, bis zum Terrorismus revolutionäre und eine matt reformistische, im Hilfskassenwesen stecken gebliebene. Es ivar die große Leistung und die Lebensarbeit V i k- tor Adlers, diese beiden widerstrebenden Fraktionen zu einer starken, einheitlichen Partei zusammenzufassen, die beider Borzüge vereinigte, ihre Mängel vermied. Diesen großen und gütigen Menschen machten eindrin- gende theoretische Erkenntnis, tapfere Entschlossenheit, kühl-praktisches Können und tiefinnerlichste Menschen- liebe zu einem politischen Führer von unerreichter Voll- kommenheit. Auf dem Hainfelder Parteitag(1889) trat die geeinte Partei ins Leben. In jahrzehntelangen Kämpfen um Wahlrecht und Koalitionsfreiheit, um Brot und Bildung, gegen Willkür und Gehässigkeit, Schlam- perei und Dummheit der verschiedensten Gegner, in opser- vollster Kleinarbeit in Stadt und Land wie in kühnem Geistesflug der besten Köpfe ist sie, jeden erkämpften Fuß- breit Landes sorgsam untermauernd, erst zu kleinen Er- folgen, dann zu großen Siegen geschritten und zum voll- kommensten Glied der Arbeiterbewegung aller Länder geworden. In Oesterreich entfalteten sich alle Zweige der Bewe- gung, die im Reich sich zumeist erst in nutzlos quälenden Reibungen mit verknöcherten Theorien durchringen Mußten, unter der klugen Fürsorge des großen Gärtners, ijem sich ein wachsender Stab der besten Kräfte aus Ar- . beitern und Intellektuellen zugesellte. Da gab es keine Kämpfe zwischen politischer und Gewerk schafts- bewegung. Die Genossenschaften fanden nicht un- vemiinftigen Widerstand, sondern verständnisvolle För- derung. Die unvermeidlichen Gegensätze der Rich- tungen wurden nicht zu unfruchtbarer Gehässigkeit zu- gespitzt, sondern im wertvollen Meinungsaustausch und gemeinsamer Arbeit zu fruchtbringender Fülle verarbeitet. Und wie lebenstüchtig erwies sich die Triebkraft eines feit Jahrhunderten in monarchischer und klerikaler Ver- dummung niedergehaltenenLlrbeitervolkes. das in weitem ■ Ausblick seine Blicke in die Welt richtete, seine leiblichen und geistigen Kräfte stählte. Schon vor dem Krieg war eine weitgespannte Bildungsarbeit großen Stils ins Leben gerufen worden. Unter Führung und Vorbild Adlers wurde— ein Zeichen von Verantwortungsbewußt- sein und sittlichem Mut den Genossen gegenüber— plan- vorder Kampf gegen den Alkohol, als Feind'der Volksgesundheit und Hemmnis im Befreiungskampfe, ge- führt. Neben Belgien war Oesterreich ein Vorbild für unsere Arbeiterjugendbewegung. Treffliche Arbeit leisteten Sport- und Naturfreunde- Bewe- . gung mit zahllosen Schutzhütten und wissenschaftlicher Verarbeitung ihrer Fartenergebnisse. Und die edelste Frucht des proletarischen Idealismus, die Bewegung der K i n d e r f r e u n d e, stammt aus Oesterreich. Von ihr übernahm die nach ihrem Vorgang im Reich geschaffene den schönen Gruß:„Freundschaft!", der in Oesterreich "überall unter den Sozialisten zu hören war. Freundschaft!— welch ein Schatz von Menschen- liebe und Herzlichkeit klingt in diesem volkstümlichen Wort! Welch klarer Gegensatz der Klassenkämpfe! gegen eine Welt voll Eigennutz und Lüge. Gehässigkeit und bru- . taler Gewalt. Es ist ein bezeichnendes Sinnbild, daß im „gemütlichen" Oesterreich heute dieser Gruß als staats- gefährlich verdammt ist. Im Kampfe mit dieser Welt, Mit den kläglichen Nachfahren verstaubter reaktionärer Staatskunst und den von Eigennutz und Haß geschwol- lenen Nachläufern der Heimwehrdemagogie hat sich die kampferprobte Sozialdemokratie bei allem Heldenmut als nicht stark genug erwiesen. Eid- und Verfassungs- bruch, in„Ordnung" umgelogen, können nun den Kampf der Arbeiter für ihre verfassungsmäßigen Rechte als Auf- rühr schmähen. Der grimmig gehaßte Feind der Besitz- demagogen war die zu Zweidritteln sozialdemokratische Gemeinde Wien, deren vorbildliche Wohnungsbau-, Fürsorge- und Schulpolitik immer den Parteien des Bodenwuchers und der Volksverdummung ein Dorn im Äuge gewesen ist. Es ist wahrhaft sinnbildlich, daß neben den herkömmlichen Greueltaten einer planmäßig kanalisierten Soldateska mehrere der weltberühmten Wohn- Höfe, benannt nach den geistigen Vätern des Sozialis- mus, der Artillerie der„Ordnungs"bestie zum Opfer gefallen sind. Die Wut der Grundstücksspekulanten gegen die billige Wohnungen schaffende, der dummen Trottel der Heimwehr gegen die geistesstolze Wiener Sozialdemo- kratie können nun in Rachetaten und verleumderischen Schmähungen der Kämpfer und ihrer tapferen Führer sich austoben. So konnten die seit vielen Iahren den Bürgerkrieg vorbereitenden Mächte der Reaktion eine Bewegung niederwerfen, die ihre Aufggbe in friedlicher Wirtschaft- und Kulturarbeit gesehen und sich darum nur unzu- reichend zum Kampfe mit dem„Rüstzeug der Barbaren" vorbereitet hatte. Nun waltet der Henker seines Amtes gegen treue Freiheitskämpfer. Die Errungenschaften mühsamer Arbeit von Jahrzehnten werden zerstört. Finsternis und Wucher triumphieren. Nicht für lange. Oesterreichs Schicksal, über das die Arbeiterbewegung nun einstweilen nicht mehr mitzureden hat, geht weiter seinen Gang zum Abgrund. Ob Bestand- teil des braunen Despotenreichs oder Mussolini-Kolonie: Oesterreichs Unabhängigkeit wie seine Bedeutung für Kultur- und soziale Arbeit sind dahin. Heute wissen wir, und Wien hat es aufs neue bestätigt, daß das Zeitalter friedlicher sozialistischer Aufbauarbeit zu Ende ist. Der Gedanke der Wirtschaftsdemokratie, des sozialen Aufstiegs im Rahmen der kapitalistischen Wirt- schaft ist gescheitert an dem b o s e n W i l l e n d e r h e r r- sehenden Mächte, die keine Entwicklung, nur Still- stand und Rückschritt, keine aufsteigende, nur eine ge- knechtete Arbeiterklasse wollen. Heute wissen wir. daß die Aufklärungs- und Erziehungsarbeit der sozialistischen Bewegung gegenüber.einem.feinde, der nur die Gewalt kennt, der Ergänzung durch die Mitte! der Geivalt bedarf, die allein den schwer gerüsteten Feind zu überwinden vermag. Auch für Oesterreich wird der Tag der Befreiung kommen. Auch die österreichische Arbeiterbewegung bleibt das Wort des Dichters:„Einst rieht ich rasselnd mich in die Höh, einst kehr ich reisiger wieder!" Freundschaft Eckhard. Pas Meweste In dem vom Finanzausschuß der Kammer verabschiedeten Hauohaltvoranschlag befindet sich ein Artikel über die Sonderbefteuernng ausländischer Arbeiter in Frankreich. Nach dem Wortlaut dieses Artikels sollen alle ausländischen Arbeiter, die weniger als 10 Jahre in Frankreich ansässig sind, mit einer Sonberfteuer von 10 Prozent ihres Ein« kommend belegt werden. Für die nordsrauzösischen In« dnstrie- und Grubenbczirkc, in denen es an einheimischen Arbeitern mangelt, soll jedoch eine Ausnahme gemacht werben. Außenminister Rarthon empfing am Montagabend de» polnischen Botschafter Chlapowski. Ueber den Gegen- stand der Unterredung ist amtkicherseits nichts vcrlantbart worden. Die kommunistische„H«maust c" teilt mit, daß die Ge- neralvcr'ammlnun de, Arbeiter der Pariser Gasanstalt am Montan beschlösse» habe, einen Ausschuß von l» Arbeitern zu wählen, der sich nach Berlin begebe« soll, um dem dem- nächst zur Verhandlung gelangenden^ Prozeß gegen den llommunistensllhrer Thälmann zu folgen. Vor ihrer Abreise nach Berlin sollen die Zehn sich aber zur denischen Bot- chakt in Parts begeben, nm rom deutschen Botschafter die Freilassung der in Deutschland verhafteten Kommunisten z« fordern. Fortsetzung von Seite 1 England und Oesterreich DNB. London, 20. Febr. Unter Hinweis auf die Ber- lesung der Dreimächteerklärung über Oesterreich durch Simon sagt die„Times" in einem Leitaufsatz, die Aufrechterhaltung der österreichischen Unabhängigkeit sei tatsächlich ein bestimmtes Ziel der Politik der drei Länder geworden. Es sei. zweifellos sehr wichtig für Italien und Frankreich, daß Oesterreich unter den Bedingungen weiterlebe, die im Friedensvertrag geschassen wurden» und daß die kleine Re- publik nicht von einem anderen Staate ausgeschluckt oder auch nur ihm gleichgemacht werde. Die„Times" fährt fort, es sei allerdings die Feststellung am Platze, daß sich die bri- tische Ansicht mit der italienischen und französischen nicht völlig decke. Unter Hinweis auf die Erklärung, die Simon vor einer Woche abgegeben hat, sagt das Blatt, die Drei- mächteerklärung sollte im Lichte dieser Erklärung gelesen werden. Sie stelle nicht die Uebernahme einer neuen Ver- pflichtung dar. Sie schließe keine andere Garantie als d i p l o- m a t t s ch e Unterstützung in sich und habe nicht zu bedeuten, daß der finanzielle und wirtschaftliche Beitrag, den England bereits geleistet habe, gestärkt oder geschwächt werden solle. Dies sei der Eindruck, so erklärt die„Times" weiter, den die Erklärung in der britischen Oefsentlichkcit hervorrufe. Diese Feststellung sei wohl angebracht, denn letzten Endes könnte die britische Regierung eine bestimmte Aktion in Mittel- europa nicht ohne Billigung ber großen Mehrheit der öfsent- lichcn Meinung Englands unternehmen. Es sei hochwichtig» daß andere Länder nicht mehr aus der britischen Erklärung herauslesen als darin ausgedrückt werden solle. Die Erklä- rung müßte angcmesienerweise so ausgelegt werden, daß die Wünsche der Mehrheit des österreichischen Volkes in der von der im Amte befindlichen Regierung ausgedrückten Form stets Beachtung finden werben, und daß das österreichische Volk, solange es sich für ein eigenes unabhängiges Regime entscheidet, die diplomatische, finanzielle, wirtschaftliche und moralische Unterstützung Großbritanniens finden werde. Sturm im Unterhaus London, 20. Febr. Der Labour-Abgeordnete W e d g e- w o o d fragte im Unterhause den Außenminister Simon. Sir John Simon erklärte, daß der englische Gesandte t« Wien der österreichischen Regierung den Wunsch der briti- schen Regierung zum Ausdruck gebracht habe, baß nach de» Unruhen eine Politik der Milde und Be- f r i e b u n g Anwendung finden möge. Wedgewood fragte weiter, ob die Uebereinkunft, der- zufolge die drei Großmächte Oesterreich unter- st ü tz e n würden, vor dem Blutbad in Wien zustande ge- kommen sei. Unter dem lebhaften Protest der Konservativen wünschte er ferner Auskunft darüber, ob sich die Ansichten der Regierung in bezug aus die Ber« teidigung der Unabhängigkeit Oesterreichs«icht aus Grund der Art und Weise, in der die Wiener Regierung gegen die Arbeiterklasse vorgehe, geändert hätten. „Ich glaube," erwiderte S i r I o h n S i m o n, als sich der Tumult etwas gelegt hatte,„daß die allgemeine Frage, ob der Friede Europas durch den Zusammenbruch des öfter- reichische!! Aufstandes gesichert sei oder nicht, schwerlich durch die Ereignisse der letzten Tage ge- ä n d e r t w o r d e n i st." Daraufhin fragte der Arbeiterabgeordnete Major Attlee den Minister, ob die Oesterreich gewährte finanzielle und politische Unterstützung künftighin von der ge- rechten Behandlung der Arbeiterklasse ab- hängig gemacht werde. Sir John Simon wiederholte auf diese Frage, daß die britische Regierung Vorstellungen in Wien zugunsten der MildeundderBefricdung erhoben habe. Als Abg. Wedgewood jetzt von neuem zum Angriff übergehen wollte, verlangte die ganze konservative Mehrheit stürmijcheinenOrbnungsrufsürWedgcwood, woraüf ber Präsident der Diskussion ein Ende machte. Titulescu schwächt ab DNB. Paris, 20. Febr. Der„Petit Parisien" schreibt heute zu den Erklärungen, die der rumänische Außenminister Titu- lcscu dem Belgrader Vertreter des Blattes am Montag ab- gegeben hatte, eine Reihe von Ausführungen Titulescus seien durch die indirekte Wiedergabe des Korrespondenten weitestgehend entstellt worden und stimmten nicht mit der Absicht Titulescus überein. Dies beziehe sich in erster Linie auf die österreichische Frage und die Halt«ng Italic n s. ans dem Land des Galgens Hlrdte und Dhtiba" Frommes, Allzufrommes Wiener Zeitungen melden: Der Erinnerung au die glückliche Abwehr des Wien und Oesterreich bedrohenden Aufruhrs soll der Neubau der Gertrud-Kirche in Alt-Währing gewidmet sein. Im Früh- jähr ivird mit dem Neubau begonnen werden. Bundes- ianzlcr Dr. Dollsuß hat den Ehrenschutz über den Kirchenbau übernommen. Die neuen Fünsschillingstücke werden das Bild der Schutz- frau Oesterreichs tragen, und gerade der„Mariazeller Mutter": soll in Währing eine Kapelle im rechten Seitenschiff gevaut werden, wo eine getreue Nachahmung des Mariazeller Gnadenaltars den künftigen Geschlechtern die Dank- barkeit der Wiener für die glückliche Errettung künden soll. ver Nenher arbeitet Wallisch hingerichtet Wien, 10. Febr. Das Standgericht hat am Montag zwei neue Todesurteile gefällt. Der Schutzbündlcr Krbcc wurde zum Tode durch den Strang verurteilt, später aber begnadigt. Dagegen wurde das Todesurteil an dem Kommunistensührer Koloman Wallisch in später Abendstunde vollstreckt. Etthrer und Massen Was eine Engländerin berichtet Die Sonderkorresponbentin des„Da«ln Herald", Lady Drummond Hau. veröffentlicht fortlaufend Berichte über die Ereignisse in Wien. Sie hebt insbesondere hervor. daß die Bombardierung der großen Wvhuhausbautcn„völlig uner- wartet erfolgte, daß keine Warnung kam und daß das Mili- tär und die Polizei auch keine Aufforderung ergehen ließen, das Gebtindc zu räumen... Ich fragte die Leute im Scklin- gerhof, ob sie ihre sozialistischen Führer verurteilten, daß sie Der Inhaber eines in Nizza erscheinende» Blattes und&« Ausschusses zur Untersuchung ber blutigen Nnrnhcnvomii. Februar und der folgen- den Tage beschlossen. all dieses Unglück über sie gebracht hätten. Ohne eine ein- zige Ausnahu.e erklärten sie, daß sie ihre Führer nicht tadeln könnten.„Diese schreckliche Lage wurde uns Sozialisten auf- gezwungen, erklärten sie". Der„Dailn Herald" teilt ferner mit. baß stanbgericht- lichc Verurteilungen auf Grund der Zeugenaussage eines vierzehnjährigen Knaben erfolgen, der als Spion der Vater- ländischen Front tätig war und die Angeklagten mit dem Finger bezeichnet, die angeblich geschossen haben. Lady Drummond Hay teilt auch mit, baß es nie- wanden gestattet ist, mit den Verwundeten zu sprechen. Es sei ihr lediglich möglich gewesen, mit einem vierjährigen Knaben einige Worte zn reden, der vo« Soldaten gemeinsam mit seiner. Mutter ans der Flncht angeschossen»nd schwer verletzt wnrde. Die Regierung der christlichen Leuker fürchtet offenbar-die Narchichten von ihren Schreckenstaten, die auf öici« Weise ins Ausland gelangen tönnlen. „entsetzen Ober eine soldie Grausamkeit..." Protest aus der Tschechoslowakei Prag, 19. Febr. Von tschechischer Seite wurden zwei im Ausdruck sehr ähnliche offene Briefe an den österreichischen Bundeskanzler gerichtet, der eine von einer Reihe hervor- ragender tschechischer Dichter und Wissenschaftler, darunter Karel Eapck, Vancura und Professor Krcsci, der andere vom Vorstand der tschechoslowakischen Sozialdemokratischen Par- tet. Darin heißt es u. a., die gesamte tschechoslowakische Be- völkerung sei starr vor Grauen über die Ereignisse, zu denen es unter der politischen Verantwortlichkeit des Bundes- kanzlers gekommen sein. Die Hinrichtung schwerverivundeler Gefangener rufe bei dein tschechoslowakischen Volk Entsetzen über eine solche Grausamkeit hervor, wie sie iy der Geschichte der zivilisierten Menschheit kein Beispiel habe. Da? sei weder Justiz noch Politik, sondern Rache, geübt von Auf- rübrerm denen keine gewaltsame Usurpation auch nur den Anschein der Legalität geben könne. Eden in verlsi Keine großen Erwartungen in London Berlin, 20. Febr. Auf seiner Rundreise durch die euro- päischen Hauptstädte ist am Montag um 28.55 Uhr der englische Großsiegelbewahrer Minister EdeninBerlincin- getroffen. Paris, 20. Febr. Die Pariser Morgcnpresse besaßt sich nur zu einem geringen Teil mit dem Besuch des englischen Staatssekretärs im Foreign Office Eden in Berlin. Der „Ercelsior" ist der Ansicht, baß man Eden in Berlin sehr vor- sichtig behandeln und ihm eine herzliche Aufnahme zuteil werben lasse, weil man an die Unterredungen große Hofs- nungen knüpfe. Es sei sogar nicht ansgeschlossen, so betont das Blatt, daß sich die Reichsregierung mit dem neuen Mac- donald-Plan einverstanden erklären werde vorbehaltlich einiger Detail'ragen, die sich insbesondere auf die SA. und SS. beziehen dürften. Der„Petit Paristcn" will auS gut unterrichteter englischer Quelle erfahren haben, daß man in englischen Regiernngs- kreisen über den bisherigen Verlauf der Besprechungen Edens enttäuscht sei. Ter Bericht, den Eden nach seiner Pariser Unterredung an seine Regierung geschickt habe, s r i nicht e r m u t i g e n d g e w e s e n. Eden habe darauf hin- gewiesen, daß die französische Regierung angesichts des deutschen Nüstungsstandes und der zweideutigen Erklärungen der Reichsregierung in der Kontrollfrage sowie der nach französischer Auffassung ungenügenden Ticherheitsgarantien in der englischen Denkschrift vom 20. Januar fest auf ihrem bisherigen Standpunkt beharre, wonach eine Herabsetzung der französischen Rüstungen nicht möglich sei und sie einer Aufrüstung Deutschlands nicht zustimmen könne. Auch über den Ausgang der Besprechungen in Berlin gebe man sich eng- lischerseits keinen Illusionen hin. Die englische Regierung verfolge vielmehr den Zweck, bei der englischen Oefsentlich- keit den Eindruck zu erwecken, daß sie nichts unversucht ge» lassen habe, um die Abrüstungsfrage zu regeln. Mit 234 gegen 4 Stimmen! Eine überraschende Abstimmung Papcns saar-Rezepf! Am vergangenen Tonntag fand in Gulzbach die General» Versammlung des Konsumvereins für Berg- und Hütten» arbeitcr Tulzbach statt. Selbstverständlich hatte die sogenannte «deutsche Front" dafür gesorgt, daß ein Antrag aus Gleichschaltung des Konsumvereins in die General- Versammlung lanciert wurde. Dieses Verlangen wurde nicht »ur von den freigewerkschaftlichen, sondern auch von den christlichen Arbeitern der General-Bersammlung heftig bekämpft und die Redner sprachen sich in großer Mehrheit gegen die Gleichschaltung aus. Daun wurde zur Abstimmung geschritten. Anwesend waren 288 Delegierte: Der Antrag aus Gleichschaltung wurde mit 284 gegen 4 Stimmen abgelehnt! Der Konsumverein für Berg- und Hüttenarbeiter Sulzbach wird also nach wie vor nicht gleichgeschaltet geleitet, was ge- gewist nicht zum Schaden der Mitgliedes und der Güte und Billigkeit seiner Ware« sein wird. Aber dieses Beispiel reiht sich an andere ähnliche an, über die wir an dieser Stelle bereits berichtet haben. Wiederholt ist der Versuch zur Gleichschaltung saarländischer Lrgauisa- tioneu in d e m Augenblick gescheitert, in dem die Mitglieder geheim abstimmen konnten. Wiederholt haben deshalb Gleichgeschaltete versucht, g e» Heime Abstimmungen durch öffentliche zu ersetzen, weil sie die Furcht vor Terrorisierungsmast, nahmen des Nationalsozialismus und vor der Drohung mit Rache nach einer evtl. Rück- gliederung im Jahre 1885 nur zu genau kennen. In solchen Fällen ist ihnen dann selbst da die Gleichschal- tnng geglückt, wo vorher in geheimer Abstimmung die Gleichschaltung abgelehnt worden war. Wir empsehlen dieses Beispiel der ganz besonderen Ausmerk- samkeit desGeuferDreier-Komitees zur Borderei- tnng der Fragen über die Saarabftimmung. Es besagt mehr über die wahre Stimmung des Saarvolkes, soweit sie in wirklich geheimen Wahlen zum Ausdruck kommen kann, als die schönsten gleichgeschalteten Reden aus den Saarvereinstagungen. Ebenso aber zeigt ihr Gegenteil, die ö s s e n t l i ch e Wahl, das Mast des Gcwisiensterrors und der Zwangs- und Drohvorstellungeu, unter die man das Saarvolk durch die Nationalsozialisten gesetzt hat. Tragödie Osfcrrctdilsdicr laden Ultimatum der Vaterländischen Front (ZTA.) Die Vaterländische Front, die neben der Heim- wehr auch andere die Regierung Dollfuß heut^ noch unter- stützende Fronten in sich vereinigt, hat dem Bundes- Kanzler in der Form eines Ultimatums eine Reihe For- derungen unterbreitet, die auf die Ausschaltung der Juden aus dem gesamten öffentlichen Leben hinausgehen. Der genaue Text des Ultimatums wird noch geheim ge- halten. Wie Herr Smolar jedoch erfährt, enthält dieses außer der Forderung nach Beschränkung der konstitutio- nellen Rechte der Juden auch die Forderung, daß die Uni- versitäten und Hochschulen in Oesterreich judenrein ge- macht werden sollen. Ferner soll die Industrie, auch die Inhaber von privaten industriellen Betrieben, als An- gestellte einzig und allein Mitglieder der Vaterländischen Front(bie bekanntlich judenrein ist) beschäftigen. Im Wiener Auswärtigen Amt erklärte ein hoher Re- gierungsbeamter Herrn Smolar:„Die Juden haben keinen Anlaß zu befürchten, daß unter der jetzigen Re- gierung zu irgendwelchen antisemitischen Maßnahmen in Verwaltung und Gesetzgebung gegriffen werde." Gleich- zeitig aber gab der Regierungsbeamte zu. daß einfluß- reiche Führer der Regierungsparteien den Bundeskanzler Dollfuß drängen, einen Numerus clausus gegen die''luden nicht allein an den Universitäten, sondern in allen Zweigen des öffentlichen Lebens, in akademischen Be- rufen wie in der Wirtschaft, einzuführen. Der Beamte betonte, daß Dollfuß diesem Druck mit Aufrichtigkeit und Kraft standhält.„Die Nationalsozialisten." sagte er weiter, „haben gar keine Aussicht, in Oesterreich zur Macht zu kommen: jedoch hängt viel von der Haltung ab, die Eng- land gegenüber dem von uns vorbereiteten Appell> den Völkerbund einnehmen wird. Inzwischen geht die Regie- rung nach wie vor mit äußerster Strenge gegen die nationalsozialistische Propaganda vor: soeben hat die Wiener Polizei den Strahenverkauf der oerkappt nationalsozialistischen Zeitung„Depeschen" verboten. Diese Zeitung, die sich auf antijüdische Agitation Konzen- trlerte. ist die fünfte oerkappte Nazizeitung, deren Straßenverkauf verboten ist und die nur durch die Post versandt werden darf." Der..Oesterreichische Antisemitenbund", der nicht nur alle Elemente der verbotenen nationalsozialistischen Partei, sondern auch eine Anzahl die Regierung Dollfuß noch unterstützende antisemitische Gruppen einschließt, verbreitet soeben eine Proklamation, in der dargelegt wird, wie die„Iudenfrage" in Oesterreich„gelöst" werden wird, falls die Antisemiten zur Macht gelangten. In der Proklamation wird erklärt: 1. Inden, auch in Oesterreich geborene, werden nicht mehr als Glieder der österreichischen Nation gelten: nur wer arischen Blutes ist, reiht sich in die österreichische „Bolkssamilie" ein. 2. Die Juden werden als„sremdrassige nationale Minderheit" behandelt werden und keineswegs den christ- lichen Bürgern gleichgestellt sein. 3. Numerus clausus wird für jüdische Beamte, Aerzte, Anwälte, Richter und Notare nach dem Verhältnis der Juden zur österreichischen Gesamtbevölkerung eingeführt werden, dergestalt, daß„Oesterreichcr durch Oesterreicher und Juden durch Juden vertreten werden". 4. Mischehen zwischen Ariern und Juden sind verboten. - S. Das Rassenprinzip wird in der Weise durchgeführt. dast die österreichische Nation vom jüdischen Geist befreit wird. 6; Eine Volkszählung wird durchgeführt, um festzustellen, in welchem Ausmaße Oesterreich bereits vcrjudet ist: die Zahl der Juden. Judenstämmlinge und Mischfomilien wird genau festgestellt werden. 7. Die Kinder in den Schulen und Erwachsene in Ber- sammlungen und durch Schriften werden eingehend über den bösen Einfluß der Juden auf die Völker und den Ruin, den die Juden der Welt bringen, unterrichtet werden, da- mit die völlige Befreiung Oesterreichs von der jüdischen Herrschaft erreicht werde. Zum Schluß wird erklärt, daß die Juden und die Neger die verdorbensten Rassen der Welt und daß ins- besondere die Juden, die keine Bauern und keine Arbeiter- schaft haben, ein„Parasitenoolk" seien. Aus zuverlässiger Quelle erfährt B. Smolar, daß Bundeskanzler D o l l f u ß zwar ungehalten ist darüber, daß seine antisemitischen Anhänger ihn mit Bezug auf die Iudenfrage unter einen starken Druck gesetzt haben, daß aber Persönlichkeiten seiner Umgebung der Ansicht sind, daß der Bundeskanzler im Interesse der Aufrecht- erhaltung einer Koalition mit der Heimwehr sich zu Kom- promissen wird herbeilassen müssen Gewisse Kreise der Christlichsoziolen schlagen eine Lösung in der Weise vor, daß die Juden freiwillig auf gewisse Rechte verzichten, die ihnen sowieso in absehbarer Zeit genommen werden würden. Ein freiwilliger Rechtsverzicht, so meinen diese „gemäßigten" Antisemiten, werde dem Antisemitismus entgegenarbeiten. Die Antisemitenkreise glauben, daß man in Oesterreich— ohne den Vertrag von St. Germain direkt zu verletzen— den Numerus clausus gegen die Juden einführen könne, durch den der Prozentsatz der Juden in den verschiedensten Berufen auf 5 Prozent— dies das Verhältnis der Juden zur allgemeinen Zahl der Bevölkerung— festgesetzt werden würde. Der Regierung Dollfuß nahestehende Zeitungen unterstützen diese These durch aufgebauschte oder falsch verwendete Ziffern, indem sie erklären, in Wien seien 85 Prozent, in der Provinz 60 Prozent aller Anwälte Juden, ebenso seien in Wien 70 Prozent, in der Provinz 60 Prozent aller Aerzte Juden. Die Führer der österreichischen Juden haben, beunruhigt durch die geschilderten Umtriebe zur Herbeiführung einer Entrechtung der Juden und durch die allgemeine Stim- mung, die Verhandlungen zur Bildung einer Ein- heitsfront aller österreichischen Juden, in die sich die zionistischen Parteien, die Union österreichischer Juden und die Orthodoxie einreihen sollen, wieder aufge- nommen. Zwar besteht ein gewisses Vertrauen in die Regierung Dollfuß. daß diese einerseits gegen die natio- nalistischen Versuche, die Ordnung zu stören, schärfstens vorgehen wird, andererseits den Bestrebungen zu totaler oder teilweiser Entrechtung der Juden Widerstand ent- gegensetzen wird, allein es bestehen Anzeichen dafür, daß selbst in der christlich-sozialen Partei, der Kerntruppe der Regierung Dollfuß, die auf Minderung der jüdischen Bügerrechte und Einführung des Numerus clausus für Juden an Hochschulen und in freien Berufen gerichteten Tendenzen im Wachsen begriffen sind. Wie B. Smolar zuverlässig erfährt, sind die Führer der österreichischen Iudenheit allesamt entschlossen, nie und nimmer freiwillig auf irgendwelche jüdischen Rechtezuverzichten, sondern im Gegentell für die- jenigen Rechte, die ihnen bisher noch vorenthalten werden, wie z. B. die Rechte als nationale Minderheit und. hiermit verbunden, die Ansprüche auf Beisteuer des Staates für jüdische kulturelle und erzieherische Einrich- hingen, weiterhin zu kämpfen. Die jüdischen Führer hoffen, daß der Völkerbund sich einer Entrechtung der Juden in Oesterreich, das laut dem Vertrag von St. Germain zur Wahrung der Rechte der Minderheiten verpflichtet ist. energisch widersetzen wird. Die Ansicht ge- wisser Christlichsozialer, daß man z. B. den Numerus* clausus einführen könne, ohne den Vertrag von St. Germain zu verletzen, wird in jüdischen Kreisen als absurd bezeichnet. * Beruhigende Erklärungen lZTA.) Einer jüdischen Delegation, die im Innenministerium vorsprach, um eine unzweideutige Aeußerung der österreichischen maßgebenden Regierungsstellen über die von der Regierung geplante Judenpolitik zu veranlassen, wurde erklärt, die jüdische Bevölkerung könne versichert sein, daß die Regierung keine gegen die Juden speziell gerichtete Maß, nähme« plane.... Zahlreiche amerikanisch-jüdische Medizinstudenten und Aerzte, die Tpezialvorlesungen in Wien besuchten, sind von ihren Angehörigen telegraiisch aufgefordert worden, die Heimreise anzutreten. In den Kreisen der amerikanisch- jüdischen Kolonie ist man empört über Haussuchungen, die unter dem Borwand der Suche nach sozialistischem Material bei einzelnen ihrer Mitglieder vorgenommen wurden. Polen und die Antisemiten Keine Rassen- und Pogromhetze sZTA.s In der Sitzung des polnischen Sejm, in ber das Budget des Innenministeriums behandelt wurde, hielt der Nationaldemokrat Bielecki eine antisemitische Hetzrede. Er erklärte, die Regierung favorisiere die Juden und terrori- siere die echten Polen. Die Lage werde erst dann entspannt sein, wenn ein Teil der Juden Polen verlassen und der Rest fest in die Hand genommen wird. Wird uns die Polizei nicht gegen die Juden schützen, so werden wir zum Selbstschutz greisen! Innenminister Pieracki erwiderte:„Ich benutze die Ge- legenheit um nochmals unmißverständlich festzustellen, daß wir keinerlei Terror, sei er individueller oder kollektiver Art. dulden werden. Wir werden nie eine,. Rassen- und Nationalitätenkamps zulassen, da ein solcher dem geschicht- lichen Geist unieres Volkes zuwider ist. In Polen bildet die Gleichberechtigung aller-Bürger die Hauptgrundlage der Staatsmacht." Saarbrüdien, 20. Februar. Bekanntlich sieht der Versailler Vertrag drei recht» mäßige Lösungsmöglichkeiten für die Saarfrage vor. Diesen Versailler Vertrag hat Hitler mit der Unterschrift unter den Viererpakt erneut unterschrieben und dabei ausdrücklich die territorialen Bestimmungen des Ber» träges noch einmal besonders ratifiziert. Das hat den Vizekanzler Hitlers, den Saarbevollmäch- tigten der Reichsregierung, Herrn von Papen, nicht daran gehindert, am Sonntag in Koblenz zu erklären, daß dann, wenn die a u s f i ch t s v o l l st e dieser rechtmäßigen Lösungsmöglichkeiten, nämlich der Status quo, vom Völkerbundsrat beschlossen werden würde, das eine G e- fährdung des Friedens bedeuten würde! Mit anderen Worten: Herr von Papen versteigt sich zu einer Kriegsdrohung für den Fall, daß ein von seiner Regierung unterschriebener Vertrag s o durchgeführt wird, wie sie ihn unterschrieben hat. Dieser Herrenreiter von Papen ist zwar nur ein Reiter über den Bodensee. der nicht einmal weiß, o b und wann er das andere Ufer nicht aus eigenem, sondern lediglich aus Glückszufall erreichen wird— aber nach Art der Kavalleriediplomatie, mit der er Amerika in den Krieg gegen Deutschland hetzte und an die Engländer die Generalstabspläne des Hauptquartiers in Nazareth ver- lor, macht er jetzt auch S a a r p o l i t i k. Es fragt sich nur, wie lange sich der Völkerbundsrat und die an der Saar besonders interessierten Mächte sich diese unver- schämten und frechdreisten Drohungen gefallen lassen wollen. Aber diese Provokation Popens zielt bewußt auf die Mentalität bestimmter Staaten in Europa hin. die vor der Androhung mit kriegerischen Verwicklungen seitens der Hakenkreuzstrauchritter gerne zurückzucken und glauben, man müsse dem neudeutschen, bis zur Weißglut erhitzten Kriegsmoloch einige Kinder wie die Saar opfern, dann werde er sich wohl zufrieden geben— ohne zu be- merken, daß bei ihm der richtige Appetit erst beim Ver- schlingen kommt! Sollte dabei Herr von Papen aber nach der Art der Etappenkrieger beim Generalstab wirklich an eine be- waffnete Auseinandersetzung über die Saar denken, dann darf er sich darauf verlassen, daß ein großer Teil der Saarbevölkerung auf der Seite der Freiheit, der Menschenrechte, des Rechts und der Wahrheit gegen die braune Despo- tie des„dritten Reiches" kämpfen wird! Was aber die schmalzigen Phrasen des Herrn von Papen gegen eine unausbleibliche Wirt- fchaftsverödung der Saar unter Hitler an- belangt, so werden wir uns erlauben, darauf in den nächsten Tagen mit einigem Zahlenmaterial ein- zugehen. Für heute aber möchten wir gegenüber diesen hoch- trabend-schwülstigen Versprechungen, die billig wie Brom- beeren sind, eine kleine Feststellung machen: Nach dem letzten amtlichen Ausweis der Reichsbank verfügt sie nicht einmal mehr über soviel Deckungsmittel an Gold und Devisen zusammen, daß sie als Gegenwert die Saargruben kaufen könnte, ganz zu schweigen davon, daß sie in der Lage wäre, die Gruben in bar gegen Gold zurückzukaufen! Und dieser Don Ouichate auf seiner Hakenkreuz- rosinante will das Saarvolk glauben machen, es lange außerdem noch zu allen möglichen Neuinvestierungen a n und für die Saar und zur Gesamtaufnahme des saarländischen Exports, der heute zu 60 Prozent nach Westen geht! Man sieht, daß die Göbbelsmethoden auf den Edelmann von Papen mehr abgefärbt haben, als bei diesem Manne, der doch zugleich Saarindustrieller ist. erlaubt sein darf. Aber schließlich: Was soll man von einer Tagung anders erwarten, auf der Hermann Röchling, der es ebenfalls besser weiß, auch erklärt hat, es würden 90 Prozent der Saarbevölkerung für Hitler stimmen. Bliebe die Frage, wem von beiden der e r st e Preis in der Handhabung der Schwindelm-^oden des„dritten Reiches" zugesprochen werden müßte.... M. B. Das Wichtigste Gasschutzkeller Deutschland sJnpreß.j Wie sehr sich die Nazis auf einen Gaskrieg vor- bereiten, bestätigt noch einmal mehr der„Angriff", der sich in einem großen Artikel mit der Herstellung bombensicherer Häuser befaßt.„Vor allem kommt es daraus an," schreibt das Blatt,„jetzt bei der Errichtung von Neubauten dem Gesichtspunkt des Schutzes gegen Bomben Rechnung zu trogen. Am wichtigsten, zugleich aber auch am schwierigsten ist in dieser Hinsicht der Schutz gegen die Wirkung von Sprengbomben. Diese Art von Bomben bildet die Haupt- gelahr, und deshalb muß jede Untersuchung einer luitschutz- technischen Ausbauweise immer vom Sprengbombenschutz ausgeben... Nähere Untersuchungen haben zur Aufstel- lirng von Grundsätzen geführt, die als erste Anhaltspunkt« dienen können, wie auf eine„sprengsicher« Ausbauweise" hin- gearbeitet werden kann. DaS Höchstmaß von Sprengsicher- heit stellt in diesem Falle ein Gcrippebau dar, dessen Wand- und Deckenbaustosfe dem Gasdruck von Bomben, die am Ge- bäude verknallen, rasch nachgeben und so eine Zerstörung des Gerippes verhindern." Erziehung zum Soldaten Im Armanen-Berlag setzt L. Gruenberg das Ziel der moderne» deutschen Schule in einem Buch:„WeHrgedanke und Schule" so auseinander:„Beim Eintritt in den ernst- haften Wehrdienst muß der innere Soldat schon fertig sein. Hier liegen die wehrpolitischen Erziehungsaufgabcn de Schule." Duell- und Mensurpflicht Nach einem Erlaß des Führers ber Deutschen Studenten- schaft müssen„Duell- und Mensurpslicht" zu einer„all- gemeinen Ausfassung" gemacht werden, denn:„verletzte Ehre kann nur mit Blut gereinigt werden". „Deutsche Freiheit", Nr. 13 ASBI1T UMD WISTSCHAf? Mittwoch, den 21. Februar 1934 Deutsche Krisenzahlen Widerlegung des amtlichen Optimismus Mit unverkennbarer Deutlichkeit schreitet die Teuerung in Deutschland fort, von Woche zu Woche erhebt sie immer drohender ihr Haupt, und selbst die deutsche Tagespresse kann sich nicht mehr in Stillschweigen hüllen. Zunächst redet man freilich noch von„kleinen Erhöhungen in den Kosten der Lebenshaltung", aber die Statistik zeigt, daß es sich längst nicht mehr um„Kleinigkeiten" handelt. Index der Großhandelspreise am 20. Januar 1933 90,9, am 20. Januar 1934 96,3; Index der AgrarstolTe am 20. Januar 1933 80,7,«in 20. Januar 1934 92,8. Diese Tabelle ist auf Grund der regelmäßigen Berichte des Deutschen Instituts für Konjunkturforschung zusammen, gestellt; wer aber noch immer nicht glaubt, daß die Teuerung gerade in den letzten Wochen rasend fortschreitet, dem sei die Kurve vorgehalten, die zum Beispiel der Index der industriellen Rohstoffe beschrieben hat: 21. Januar 1933 87,3, 23. Dezember 1933 89,2, 6. Januar 1934 89,5 und am 20. Januar 1934 90.1. Auch die Mitteilungen der sogenannten„Statistischen Korrespondenz" sind sehr lehrreich für alle, die sich nicht auf das Phrascitzeug der offiziellen Veröffentlichungen verlassen wollen. Da wird in dem letzten Heft eine Erhebung über die Lebenshaltungskosten in einer deutschen Großstadt(es handelt sich um Breslau) angestellt. Zieht man aus dem Zahlenwust das Resultat, so ergibt sich: Für blanke Lebenshaltung (Ernährung, Wohnung, Beleuchtung und Beheizung) galt im Oktober 1933 die Richtzahl 123, im November 124, im Dezember 125. Und die Kosten der Ernährung im vierten Quartal 1933 lagen um 2,4 Prozent über denen des dritten Quartals 1933 und um 5,5 Prozent über denen des vierten Quartals 1932. Die Steuerbehörden jammern! Dem geringen Mehr- aulkommen bei den Verkehrs- und Besitzsteuern stehen gewaltige Einbußen bei den einst so ertragreichen Verbrauchsabgaben gegenüber; hier macht es sich deutlich bemerkbar, daß weniger und immer weniger gekauft und verbraucht wird. Schon heute bleibt das Aufkommen dieser \ erbraudissteuern de facto um mehr als 50 Millionen Reichsmark hinter der planmäßig angesetzten Summe zurück. Dabei muß immer wieder betont werden— entgegen allen deutschen Behauptungen—, daß der Steuerdruck ärger geworden ist, als er in den letzten Jahren war. Gelegentlich schlüpft doch in dieser oder jener Fachschrift eine Bemerkung über dieses Anziehen der Steuerschraube durch, wie zum Beispiel in Nr. 3/4 des„M anufakturis t"; diese führende Fachzeitung des deutschen Textilhandels beklagt sich bitter darüber, daß die Unkosten dieser Branche in letzter Zeit gestiegen seien, und in der Aufstellung der einzelnen Positionen heißt es dann wörtlich:„Steuern(früher 3 Prozent) jetzt 3,5 Prozent". Der„Manufakturist" muß sich freilich mit dieser kleinen Bemerkung begnügen, mehr darf er nicht sagen— aber es genügt, um zu beweisen, daß die Steuerlast im„dritten Reich" zunimmt. Ist es unter solchen Umständen nicht selbstverständlich, daß sich im Wirtschaftsleben immer stärkere Anzeichen eines drohenden allgemeinen Zusammenbruches bemerkbar machen! Im Dezember zählte man im Tagesdurchschnitt zehn Insolvenzen, in der ersten Januarwoche stieg die Zahl bereits auf zwölf und heute gibt es täglich vierzehn Insolvenzen in Deutschland, davon nicht weniger als elf Konkurse! Pro Tag! Die deutsche Margarineerzeugung ging von 500 000 Tonnen im Jahre 1932 auf 360 000 Tonnen im Jahre 1933 zurück, zugunsten des Verbrauches von Butter und Schmalz, die zwar erheblich teurer sind, aber der ostelbischeu Agrargesellschaft zugute kommen. Eines der größten deutschen Unternehmen, die„Deutsche Industrie-Werke A G." in Berlin Spandau, schließt ihre Bilanz mit einem Gesamtverlust von fünf Millionen Reichsmark und schreibt wörtlich in ihrem Berieht: Der ausgewiesene Verlust ist in der Hauptsache dadurch entstanden, daß infolge der Stillegung der Fabrikationswerkstätten nur ein Teil der Aufwendungen gedeckt werden konnte.„Stilliegung der Fabrikationswerkstätten?" Das ist ja etwas ganz Neues, wo man doch immer nur von dem„Aufbau" und den „Ständigen Arbeitseinstellungen" las! Aber auch die weltberühmten Siemens-Schuckert müssen einen dividendenlosen Verlustahschluß vorlegen, und mit einem noch größeren Verlust wartet Mix& Genest auf, die bekannte Tochter der AEG. Ueber den Krupp-Bericht ist mehr als genug gesprochen und geschrieben worden; hier verdienen nur zwei Punkte festgehalten zu werden: einmal Schuheinzelhandel miierabel Im Schuhhandel ist der Umsatz im Januar nach einer Mitteilung des Reichsverbandes Deutscher Schuhhändler im Vergleich zu dem sehr lebhaften Geschäft im Dezember stark zurückgegangen, durchschnittlich etwa über 50 Prozent, in nicht seiteneu Fällen aber auch um erheblich mehr. Gegenüber der gleichen Vorjshreszeit waren die Umsätze im Januar allerdings noch etwas über 12 Prozent größer, hauptsächlich infolge Verwertung von Bedarfsdeckung«- scheinen. Die Preise der Fabriken waren fest, vor allem in regulärer Ware. Für vereinzelte Lederartikel wurde eine Preiserhöhung von 2 bis 5 Prozent von den Herstellern beansprucht Im Einzelverkauf sei indessen Preiserhöhung nicht durchzusehen. Im allgemeinen wurde von den Verbrauchern fast ausschließlich billige Schuhwaren verlangt. Absatzrückgang Die Wicküler-Brauerei-A.-G., die wieder 6 v. IL Dividende verteilt, berichtet, daß das Berichtsjahr unter ungünstigen Wirtschaftsverhältnissen verlief, doch waren Zeichen beginnender Besserung nicht zu verkennen. Der Absatzr Uckgan g habe sich in mäßigen Grenzen gehalten, doch könne eine Rentabilitätsbesserung erst nach der unbedingt notwendigen Ermäßigung der Reichs- und Gemeindebiersteuer eintreten. Deutschland exportierte nach Sowjetrußland in den ersten neun Monaten des Jahres 1932 für 254 Millionen Rubel Waren, in der gleichen Zeit des Jahres 1933 aber nur noch für 131 Millionen Rubel. Und schließlich noch ein charakteristisches Bild: der deutsche Steinkohlen außcuhandel. Deutschland exportierte diesen wertvollen Handelsartikel im Jahre 1929 in Höhe von 530 Millionen Reichsmark, im Jahre 1931 in Höhe von 409 Millionen Reichsmark, im Jahre 1933 in Höhe von 208 Millionen Reichsmark. Großhandelsindex etwas niedriger Der Index der Großhandelspreise stellt sich für den 14. Februar auf 96,2; er ist gegenüber der Vorwoche(96,4) um 0,2 Prozent zurückgegangen. Die Richtzahlen der Hauptgruppen lauten: Agrarstoffe 91,1(— 0,6 Prozent), industrielle Rohstoffe und Halbwaren 90,5(— 0,1 Prozent) und industrielle Fertigwaren 114,4(unverändert). Zuviel ehrenamtliche Arbeit Da trotz des allgemeinen Rückgangs der Arbeitslosigkeit noch viele tüchtige Angestellte keinen Arbeitsplatz gefunden haben, hat sich die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung veranlaßt gesehen, darauf hinzuweisen, daß zahlreiche Verbände und Institute nicht nur vorübergehend und stundenweise, sondern dauernd und in voller Arbeitszeit ehrenamtliche, unbezahlte Kräfte in Arbeit stellen und Buchhalter, Stenotypisten, Kontoristen usw. ohne zwingenden Grund beschäftigen. Die ehrenamtliche Tätigkeit im Interesse des Volksganzen hat gewiß ihre Berechtigung und wird auch voll und ganz anerkannt. Sie hat aber ihre Grenzen, wenn sie zu einer Beeinträchtigung des Rechts der großen Zahl arbeitsloser Angestellten auf Arbeil führt. Aus„Arbeit und Staat". Deutsche Sorgen Der amtliche Preußische Pressedienst teilt mit: Dem Preu» ßischen Minister des Innern und dem Preußischen Justiz- minister gehen fortgesetzt Antrüge aus kostenlose Verdeutschung sremdklingenöer Ramrn zu. Alle diese Eingaben wer- den von den Ministerien den Regierungspräsidenten— in Berlin dem Polizeiprälidenten— tiberjandt, da diesen die Entscheidung über Anträge dieser Art allgemein übertragen worden ist. Es wird daher eine beschleunigte Erledigung er- reicht, wenn solche Anträge fortan den Regierungspräsidenten. in deren Bezirk die Gesuchsteller wohnen— in Berlin dem Polizeipräsidenten— unmittelbar eingereicht werden. »er deufsdic üDOenhonde! der trotz„nationaler Wiedergeburt" nicht zu leugnende Verlust von drei Millionen Reichsmark und sodann die Tatsache, daß zwar die Zahl des Personals um 14 000 Köpfe stieg, daß sich aber gleichzeitig die Summe der Löhne und Gehälter mn zwei Millionen Reichsmark senkte. Das zeigt die Richtung, in welcher sich die deutsche Wirtschaft weiterbewegen wird. Um die Mauer des Widerwillens zu durchbrechen, die heute den größten Teil der Welthandelstreibenden umgibt, muß Deutschland spottbillige Waren auf den Weltmarkt werfen und aus diesem Grunde muß und wird es die Löhne und Gehälter senken, was um so eher zu„inneren" Unruhen führen wird, als gleichzeitig die Inlandpreise ansteigen. Wie der deutsche Arbeitsmarkt aussieht, ist im Moment nicht zu erfahren, denn seit genau drei Wochen bleibt die betreffende Spalte im Bericht des Konjunktiirinstituts unausgefüllt. Dafür liest man an anderer Stelle der amtlichen Berichte: Das Arbeitseinkommen hat allerdings bis jetzt noch nicht den zehnten Teil des vorangegangenen Absturzes aufgeholt. Es wird für die nächsten Monate darauf ankommen, daß der Aufschwung sich möglichst gleichmäßig auf alle Teile der Wirtschaft ausdehnt. Die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden in Deutschland ist im Dezember von 46,6 auf 45.4 Prozent der Kapazität, die Zahl der beschäftigten Arbeiter von 51,2 auf 49,7 Prozent gesunken. In den einzelnen Zweigen ist die Entwicklung uneinheitlich. Die größte Belebung weist die Sektindustrie aus, die ihre Belegschaft gegenüber November fast verdoppelt hat. Also die Sektindustrie blüht, und dieser Umstand wird die Arbeiterschaft ganz gewiß mit der Senkung aller Löhne und Gehälter aussöhnen, von welcher der Herr Reichswirtschaftsminister bereits gesprochen hat; er nannte es„A u f 1 o c k e- rung der Entlohnung"... Die monatliche Bewegung in Zahlen Wie wir schon berichtet haben, war der deutsche Außenhandel im Januar, seit 4 Jahren zum ersten Male, wieder passiv. Die Einfuhr überstieg den Wert der Ausfuhr um rund 31 Millionen Mark. In Monatszahlen ergibt sich seit November 1932 folgende* Bild: Zeitra um 1932 November, Dncmhcr 1933 Min?"! Mal.'! juli.!; September Okiober. November D-rember 1934 llosats- 41935 durch-: 1932 schnitt 1 1931 t£JS Jl-S x*£ Ii 1-§! it i£ I«s I l i X 5 Mi 11. RM 395,3 4237 116.1 127 4 214.6 59.4 231 8 i 60 4 367.6 547,1 361.5 321.1 535.2 556.6 360,2 346 8 337.0 347 0 351.4 374 4 Ii 0.9 92.5 101.8 85 7 87 7 84 2 81.7 80 7 74 7 89,0 99.7 103,8 213 6 20n,2 200 4 177,5 189 6 212 1 217,8 209.8 201.0 193,3 195 1 208 1 581,0 50.8 51.8 565 55.4 540 38 3 58 2 53 8 58 0 59.9 53.5 59.9 88 7 l 233 5 I 55 5 350.3 388.9 5606 90.2 124.4 164,1 201.7 201.0 289.8 53.8 60,8 K2.I Ausfuhr L£i s.H ---1 »_ ,, 1* 1-S Hj'f! MIM KM 473 3 490 9 31.6 189 8i r 84 4 371,1 387 3. 390.3 375.6 435.6 381,8 421 8 384.3 385.2 413 5 433.3 445.4 394'3 433,8 156 14.2 i 11.3 I 10.7 1 11.8 i 12 I 10 4 I 13 8 180 19.0 17,2 74 7 74,1 76 2 68,5 7<,9 73.4 75,9 78 I 77.5 82 6 73 ,4 37.7 349,8! 13 0 77 6 405.9 474.3 799,9 14,3 i 73,3 17,0; 86,0 29.9 151,1 299.2 284,4 337 I 301 I 333.3 299 3 298 4 320 I 3364 342.9 3023 331.4 238 6 315 6 374 I 615.0 Woltnnngsbau nahm zn Im Jahre 1933 Es gibt eine sehr starke, besonders in der Landwirtschaft einflußreiche Richtung innerhalb der deutschen Wirtschaft, die den Export- und Dumpinggedanken der offiziellen Stellen hartnäckig bekämpft und die„Autarkie zwecks Verbesserung der Außenhandelsbilanz" fordert. Diese Kreise wünschen eine Verringerung der Einfuhr, einmal in der lieber» zeuguiig. daß sich die Ausfuhr doch nicht mehr auf die alte Höhe bringen läßt, sodann aber aus dem eigensüchtigen Motiv, die inländischen(also hauptsächlich ihre eigenen landwirtschaftlichen) Produkte zu schützen. Es sind die gleichen Herrschaften, die an dem Fortbestehen des deutsch- polnischen Zoll- und Handelskrieges aus Gründen der billigen Fleischeinfuhr interesaiert sind; und so ergibt sich das Kuriosum, daß Deutschlands Handelskrieg mit dem östlichen Nachbarn noch fortdauert, obwohl andererseits ein militärischer Nichtangriffspakt existiert. In der Generalversammlung der„R u h r• S t a h 1• A.• G", die einen Hauptpfeiler des heutigen Stahltrustes darstellt, sprach man goldene Worte hinsichtlich des fürchterlichen Exportrückganges; nodi im Vorjahre betrug der Anteil des Exports an der Produktion 25 Prozent, jetzt ist er auf 12 Prozent gesunken. Was ist aus der einst so herrlichen deutschen Maschinenausfuhr geworden? Man vergleiche! Deutschlands Ausfuhr an Maschinen betrug: 1930 1516 Millionen Reithsmark, 1931 1221 Millionen Reichsmark, 1932 813 Millionen Reichsmark und Januar bia Ultimo November 1933 519 Millionen Reithsmark. Nach„Wirtschaft und Statistik" wurden in sämtlichen Gemeinden mit 10 000 und mehr Einwohnern 96 700 Wohnungen erstellt, d. s. 25 300 oder 35 Prozent mehr als 1932, in welchem Jahr allerdings die Bautätigkeit ihren bisher tiefsten Stand erreicht hatte. Unter Zugrundelegung der beantragten, genehmigten und begonnenen Wohnbauten dürften auf 1934 außerdem 35— 40 000 unfertige Wohnungen übernommen worden sein. Die Teilung alter, meist größerer Wohnungen hatte bereits 1932 zugenommen. Sie entfaltete sich aber auf Grund der erhöhten Staatlichen Förderung erst ganz im Jahre 1933. Im ganzen wurden 31 500 Wohnungen(1932: 12 900 oder 44 Prozent sämtlicher in den Groß- und Mittelstädten erstellten Wohnungen durch Umbau geschaffen(1932: 24 Prozent, 1931: 5 Prozent). Der gesamte Wohnungsbestand in den Groß- und Mittelstädten dürfte sich Anfang 1934 auf insgeaamt 6.5 Mill. Wohnungen beziffern, von denen etwa 1,2 Mill. oder 18.6 Prozent aller Wohnungen nach dem 1. Juli 1918 erstellt worden sind. Die Durchschnittsgröße der erbauten Wohnungen hat in den Groß- und Mittelstädten wieder etwas zugenommen Die Luterstützung der Neu- bau tätigkeit mit öffentlichen Mitteln ist im Jahre 1933 weiter erheblich eingeschränkt worden. Insgeaamt sind 1933 nm 49 Prozent(70 Prozent) aller durch Neubau erstellten Wohnungen mit Unterstützung aus öffentlichen Mitteln errichtet worden. nodikonfunktur... in Ehestandsdarlehen Die Nachfrage nach Ehestandsdarlehen übertrifft, wie das Reichsfinanzrainisterium mitteilt, alle Erwartungen. Es war hei Erlaß des Gesetzes über Förderung der Eheschließungen in Aussicht genommen worden, ab 1. August 1933 monatlich rund 20 000 Ehestandsdarlehen zu gewähren. Die Zahl der gewährten Ehestandsdarlehen hat jedoch in den ersten sechs Monaten, August bis Januar, 183 000 erreicht. Der Monatsdurchschnitt der bis jetzt gewährten Ehestandsdarlehen beträgt demnach 30 500. In den ersten zehn Tagen des Februar sind weitere 10 000 Ehestandsdarlehen gewährt worden. Die Summe der gewährten Ehestandsdarlehen übersteigt bereits erheblich das bisherige Aufkommen an Ehe- standahilfen der Ledigen. Diese Tatsache bedingt, in der Erteilung von Ehestandsdarlehen eine Unterbrechung bis zum 3 1. März eintreten zu lassen. Onfcrnehmer in Sdiufzltoff Ein Renommierstück? Wie der Pressedienst der„Deutschen Arbeitsfront Bayern" mitteilt, wurde in Eggenfelden vor kurzem der Inhaber der Firma Straßner wegen unsozialen Verhaltens in Schutzhaft genommen. Ueber den Fall erfahren die MNN. u. a.:„Schon seit längerer Zeit herrschte unter den Arbeitern der Firma ungeheure Erbitterung. Verschiedene Volksgenossen waren körperlich mißhandelt, verschiedene Arbeiterinnen mit nicht wiederzugebenden Schimpfnamen belegt worden. Sie wagten ea jedoch nicht, sich zur Wehr zu setzen, weil sie Straßner wegen seiner Brutalität fürchteten. Außerdem bezahlte der Unternehmer etwa 20 Prozent unter Tarif, und vom Betriebsrat darauf aufmerksam gemacht, erklärte er, daß er den Tarif nicht anerkenne und unter Umständen seinen Betrieb schließen würde, wenn man auf der Einhaltung dea Tarifa bestehe." Elend der„Arbeitsschlacht" h. b. Das Arbeitsamt in Lübeck hat dieser T age eine öffentliche Bekanntmachung erlassen, die eine Warnung an diejenigen Arbeitslosen enthält, die in der Hoffnung nach Lübeck kommen, dort Arbeit in der Industrie oder bei Behörden zu bekommen. Meist seien es verheiratete Erwerbs- lose, die, von Not getrieben, diesen Weg be- • diritten. Da ea bei der Arbeitslage in der Stadt Lübeck unmöglich sei, diese Arbeitslosen in Beschäftigung zu bringen, das Arbeitsamt es auch ablehnen müsse, die Arbeitsuchenden vordringlich zu vermitteln, werden alle Arbeitslosen vor dem Zuzug nach Lübeck gewarnt. Sie würden nur die Zahl der dem Elend anheimfallenden Volkgenoasen vergrößern. Darum werden sie aufgefordert, auf dem Lande au bleiben, denn dort seien eher Uuterbringungsmöglidtkeiteu vorhanden als in der Stadt, i Görina erhält das Begnadigungsrecht voiimacnt an osrlng Beamtenernennungen und Begnadigungen Denlsdic Jarlsfcn Ober das Lobbe-Urteil .?'5."Deutsche Juristen-Zeitung" schreibt:„Verhandlung uno Urteil im van-der-Lubbe-Prozeß haben in der Oessent- nchkeit geteilte Ausnahme gesunden. Während der beiden ">ken M>>!e des am 21.«cptewber begonnenen und am Dezen...r abgeschlossenen Prozesses ließ die Spannung, au' große„Ueberraschung" gewartet wurde, keine Kritik auskommen. Als die Aussichten auf die Ueberraschung mit dem Fortschreiten der Verhandlungen immer geringer wurden, nicht nur, weil vorher angekündigte Sensationen in »er Regel ausbleiben, sondern weil auch den naiveren Ve- vbachtern allmählich die Erkenntnis ausging, daß der nüch- terne Sachverhalt für eine lleberraschung überhaupt keinen Raum bot, und der Prozeß sich auch im Dezember noch fort- letzte, da stimmten weite Kreise dem unerwartet aus van der ^ubbeö Mund kommenden Wort bei, daß er mit dem Prozeß unzufrieden sei. Gegenüber der sich auch nach der Urteils- verkündnng meldenden, mehr aus dem impulsiven Gefühl «IS ans der vcrstandesmäßigcn Abwägung der Tatsachen schöpsenden Krtttk ist es vielleicht angebracht, sich einmal daran zu erinnern, nm was es eigentlich bei dem altdeutschen Rcchtsinstitut der„UrtetlSschelte" ging. Di« unterliegende Partei, sa jeder im Gericht Anwesende, vermocht« den gefun- denen Urteilsspruch als„unrichtiges Recht" zu schelten. Er warf darin dem Minder des Urteils bewußten oder irrtüm- lichcn Mangel an Weisheit und Wahrheit vor. Einzig der Zweikampf zwischen Scheiter und Gescholtenem, also das Anrufen höchster Weisheit und Wahrheit in Gott, besaß dann die Kraft zu entscheiden., der zum Schutz« der Religion und der Sitten eingesetzt ist, verdammen die Herren Kardinäle nnd stellen aus den Inder der verbotenen Bücher das Buch, was sich nennt: Alfred Rosenberg„Ter Mythos des 20. Jahrhunderts". DaS Buch verachtet das gesamte Dogma der katholischen Kirche, damit zugleich die Fun- damente der christlichen Religion und lehnt sie völlig ab? es kämpft für die Notwendigkeit einer neuen Religion und einer einzurichtenden deutschen Kirche, und stellt da? Prinzip aus,„man müsse heute einen neuen mythischen Glauben sorbern, einen mythischen Glauben de? Blutes: ein Glaube, in dem geglaubt wird, daß auch die göttliche Natur de» Menschen durch Blut verteidigt wird: ein Glaub«, der durch die hohe Wissenschast bestätigt sei, durch welche festgestellt sei. baß das nordische Blut jenes Mysterium darstelle, wonach die alten Sakramente überwunden und besiegt worden wären". Pius, durch Heilige Vorsehung Papst Pins XI., nach der üblichen Zusammenberukung der Räte des Heiligen Okfi- ziums» billigte den vorgelegten Entschluß der Kardinäle, bestätigte ihn nnd befahl die Veröffentlichung. Rom. im Hause des Heiligen Offiziums, am 9. Februar 1934. gez. Josef V e n t u r i, Notar der Höchsten Heiligen Kongregation des Heiligen Offiziums. Rosenberg wird antworten Nationalsozialistische ZeitungSmeldung: ^ Der Beauftragte des Führers zur Ueberwachnng der Schulung und Erziehung der gesamten nationalsozialistischen Bewegung. Reichsleiter Alfred Rosenberg, spricht in Gegenwart des Führers am 22. Februar, 8 Uhr abends, vor geladenen Gästen im Sitzungssaal des Reichs- tage? in der Kroll-Oper. DaS Thema lautet:„D e r K a m p f u m d i e W e l t a n s ch a u u n g". Der Vortrag wird vom Deutschlandsendcr übertrage» und dann weitergeleitet nach Süd- nnd Nordamerika, Afrika»nd Asien. Die Führung deS Deutschen Sängerbundes Se- suchte am Mittwoch den Beauftragten de« Führers zur Ueberwachnng der geistigen und weltanschaulichen Er- zlehung der gesamten nationalsozialistischen Beivegung, Reichsleiter Alfred R o s e n b e r g. und ersuchte ihn. die Ehrcnbiirgerschaft des Bundes zu übernehmen. Reichsleiter Rosenberg entsprach dieser Bitte. Damit hat sich eine Mil- lion deutscher Sänger unter die Betreuung durch Pg. Rosen- berg gestellt. Was werde» die Katholiken unter den Sängern zu Ihrem Erzieher Rosenberg sagen? Laut dem„Osservatore Ro- mono" hat die Kongregation des heiligen Offiziums sol, gende nationalsozialistischen Bücher als mit der katholischen Religion unvereinbar und äuf den Index gesetzt: A. Rosenberg:„Ter Mythos des 29. Jahrhundert»" und Ernst Bergmann:„Die deutsche nationale Kirche". » Superintendenten amlsenlhotzenl Berlin, 19. Febr. Die DIktalurverordnung des Reich»- btfchofs wird»»» in der Praxis durchgeführt. Auf Anord- nung des Reichsbischok» sind heute durch den schlestschcn Landesbischos acht Superintendenten, und zwar In Görlitz, Steinau, Strtegau, Ohburg, Lähn, Hirschberg, Strehlen nnd Bcuthen, ihrer Aemter enthoben worden. Die Maßreglung erfolgte, weil die Superintendenten die Er- klärung de? Psarrer notbundes im Gottesdienst verlesen oder zu der Verlesung ausdrücklich ihr« Zustimmung gegeben hatten. Im Reichsgesctzblatt wird folgender Erlaß des Reichskanz- lers über Beamtener nennungcn und Ausübung des Begnadigungsrechts in Preußen veröffentlicht: „Aus Grund der mir durch die Erlasse des Reichspräsiden- ten über die Ernennung und Entlassung der unmittelbaren LandcSbeamte»»nd über die Ausübung des auf den Reichs- Präsidenten übergegangenen Begnadigungsrechts der Länder vom 3. Februar 1934 erteilten Ermächtigung übertrage ich die mir dänach zustehenden Befugnisse aus den Preußi- s ch e n M i n i st e r p r S s t d e>i t e n, der ermächtigt ist, sie weiter zu übertragen." »eulsffles klungeriand 250 000 Deutsche in Not Es geht diesmal nicht um die Wolgadeutschen, die nach den deutschen Berichten eine angeblich unfähige und hart- herzige Sowjetregierung verhungern läßt, sondern um Deutsche im Herzen Hitlerdeutschlands. Die„Saarbrücker Zeitung" veröffentlich einen Aufruf von Dr. Ludwig K ü h l e, der u. a. sagt: Verzweiflung wohnt in den R h ö n d ö r f e r n. AuS eigener Kraft können sie sich nicht Helsen und die Regierungen der letzten 14 Jahre haben dem Notstand, soweit sie ihn erkannten, tatenlos zugesehen oder nur mit unzulänglichen Mitteln zu beheben versucht. Es gib» auch in anderen Teilen Deutschlands Notgebiete, aber in keinem sind die Verhältnisse so h o i s n u n g s l o s v e r f a h r e n und keines ist so groß: 2 59 999 deutsche Menschen sind hier vom wirtschaftlichen, kulturellen und rassischen Untergang bedroht. Nehmen wir einmal an, es wäre so. daß die Regie- Hingen der letzten 14 Jahre„tatenlos" zugesehen hätten, wo sind aber nun die Taten der auch schon ein Jahr lang am Ruder befindlichen Hitlerregierung geblieben? Mit Zeitungsaufsätzen ist da doch wenig getan. Oder müssen die Leute, die jeden Tag Gott und die Welt anlügen, in Deutschland brauche in diesem Winter niemand zu hungern und zu frieren, erst öffentlich an ihre Pflichten ge- mahnt werden? Sehr interessant ist dos Eingeständnis, daß es auch in anderen Teilen Deutschlands Notgebiete gibt. Sonst heißt es doch, daß die Arbeitsschlacht siegreich fortschreitet und denen, die noch nicht in Arbeit und Brot gebracht werden können, ausreichend geholfen wird. Dank dem deutschen „Sozialismus". Wahr ist, daß ganz Deutschland ein einziges Notstands- gebiet ist, die versorgten Nazibonzen und die anderen Nutznießer des Kapitalismus natürlich ausgenommen. Nene Reichsgesetze Die Realsteuersperre— Lichtspielgesetz mit starken Staatseingriffen Das Reichskabinctt genehmigte ein Gesetz über d i e Real st«versperre 1934, weil b i e gegen war- tigen wirtschaftlichen Verhältnisse einen Verzicht ans die R e a l st c n e r s p e r r e nicht zu- lassen. Durch die Ausgabe der Realstenersperre würde die Wirtschast der Gefahr erhöhter Belastung ausgelebt werden. Den Gemeinden, die für das Rechnungsjahr 1988 ihre Steuersätze gesenkt hatten, soll die Möglichkeit gegeben werden, im nächsten Rechnungsjahre unter bestimmten Vor- aussetzungen ans den normalen Stand zurückzukommen, wenn sich die Fortsetzung der Senkung als untragbar er weisen sollte. Eine besondere Rcglnng sieht das Geietz für den Fall vor, daß ein Land ein anderes Land in sich auf- nimmt. In diesem Falle tritt eine Vereinheitlichung der Steuersätze ein. Das Kabinett nahm serner ein Gesetz über Hinaus- s ch i c b u n g der Besteuerung der toten Hand an, die für notwendig gehalten wird, weil sich Schwierigkeiten hauptsächlich wirtschaftlicher Art der Erhebung der Steuer entgegenstellten. Die Veranlagung nnd Erhebung dieser Steuer wird bis auf weiteres ausgesetzt. Es handelt sich hierbei um eine Erjatzsteuer zur Grnnderwerbsstencr für Grundstücke, die ihren Eigentümer nicht ober selten wechseln. Schließlich verabschiedete da» RcichSkabinett das vom ReichSmintstettum für BolkSaufklärnng und Propaganda vorgelegte Licht spitlgesctz. daS eine völlig neue Reglung der Filmprüfung nnd auch neue Bestimmungen für das Lichtspielgewerbe enthält. Wäh- renb bisher die Wirkung der gesamten Reglung des Licht- spielwesens insbesondere aus dem Gebiet der Filmzensür eine rein negative gewesen ist, erwächst dem neuen Staat die Ausgabe und Verantivortung. positiv am Werden des deutschen Ftlms mitzuarbeiten. Dieser Ausgabt kann der Staat nur gerecht werden, wenn er dem gesamten Herstellungsvorgang de» Filmschaffens feine Aul- merksamkeit zuwendet. DaS neue Gesetz regelt die Aufgaben und Rechte des ReichSfilindramaturgen, dem die Vorprüfung der Filme obliegt. Die Verantwortung der Reichsregie- rnng wird durch dieses Gesetz auch au» dem Gebiet des Filmwesens eine größere werden als bisher. Partelstellen-> Reldisslelien Der korrupte Parteistaat Der Reichsjustizminister hat in einem Rundschreiben darauf hingewiesen, daß die Frage, in wieweit Auskunft über Verurteilungen zu erteilen ist, im Rahmen der allgemeine» Strairechtsreforin bei Ueberprüfnng des Strastilgungs- gesetzes neu zu erörtern sein werde. Er sei jedoch der Aus- iasiung. daß die obersten Stellen der Parteileitung der NSDAP,(oie Reichsleitung und der Verbiiidungsstabi den in j 4 de» Straftilgungsgesetzes ausgekühlten oberste» Reichsbehörden gleichzustellen seien ußd daher schon jetzt ein Recht auf unbeschränkte AuSknnkt hätten. Die LandeSjuftiz- Verwaltungen werden gebeten, die Strafregisterbehörden in diesem Linne zu verständigen. Illegales Material Ans Bermersheim wird gemeldet: Die zuständige Gendarmerie fand ank einem Boot bei der Kontrolle zwischen Wörth und Germersstcim in der Matrosenkajüte eine Anzahl auS Frankreich eingeführter illegaler Schriften, die beschlagnahmt wurden. Neue Kategorie:„Stänkerer" sInprcß) Der in Weingarten, Aools-Hitltr-Platz. wob- nende Fritz Günther wurde wegen„politischer Stänkereicn gegen Gemcindebeamte" verhaftet. Deutsche Stimmen•(Beilage zur.Deutschen Freiheit"• Ereignisse und Beschichten Das musikalische 1 Becufsstand:„Deutscht JCanwanisten" Mittwoch, den 21. Februar 1934. Der Aecmsten!Rcot den Verlegern gewährt würden, und in ähnlicher Weise durch Zuschüsse an die Veranstalter der sonst nicht zu finanzierenden Ausübung bedeutender Werke zu ermöglichen." Richard Strauß darf sich freuen, daß der„Führer der großen revolutionären nationalsozialistischen Erhebung" erst im Jahre 1933 diese„Bahn" frei gemacht hat. Vor zwanzig Jahren quälte Strauß noch seinen Opernlibrettisten Hugo v. Hoffmannstal um libertinistische Texte, und der halbjüdische österreichische Dichter half ihm bei der Begründung seines Weltruhms. Hoffmannstal lebt nicht mehr. Zu seinem Glück! Denn er stände heute mit vielen anderen in der Reihe der„unerfreulichen Erscheinungen". Dann ernannte Kommandant Strauß seine Unterkommandanten:„Richard Strauß gab Kenntnis von der organisatorischen Gliederung des Berufsstandes der deutschen Komponisten. Zu seinen direkten Beauftragten, die die Geschäfte der Reichsleitung zu besorgen haben, berief er Hugo Rasch, Gerd Kärnbach und Dr. Julius Kopscfa. In den Führerrat berief er Max Donisch, Willi Geisler, Prof. Dr. Paul Graener, Prof. Josef Haas, Geh.-Rat Prof. Dr. v. Hausegger, Prof. Paul Hindemith, Eduard Künneke, Prof Hans Pfitzner, Prof. v. Reznicek, Prof. Clemens Schmalstich, Prof. Dr. Georg Schumann und Prof. Hermann Unger.— Für den Großen Rat ernannte er 16 Vertreter der verschiedenen Fachgebiete. Weiter wurden Gauobleute eingesetzt. Als Gauobleute wurden zunächst berufen: Karl Zander(Gau Berlin und Kurmark), Prof. Hermann Unger (Gau Rheinland und Westfalen), Ludwig Luermann(Gau Nordmark) und Dr. Sachsse(Gau München).— Richard Strauß betonte weiter, für den Erfolg der Arbeit werde es von großem Wert sein, die natürliche Verbundenheit, die zwischen den Komponisten aller Kulturländer bestehe, zu pflegen und auszubauen. Er schloß mit einem Dank an den Schirmherrn der Künstler in Deutschland, den Volkskanzler Adolf Hitler, und den Reichsminister Dr. Göbbel s." Es reizt uns, diesen Heldengesang Richard Straußens durch einige Kraftstellen des Ochs von Lerchenau aus dem„Rosenkavalier" zu würzen. Denjenigen, die Neigung dazu haben, sei das Textbuch dringend empfohlen. Nun sitzen zwei prominente goldene Harfner der älteren Generation an den braunen Gewässern: neben Gerbart Hauptmann auch Richard Strauß. Hauptmann freilich nicht mit voller Legitimation. Wegen seiner jüdischen Frau. Eine Wunderblüte befindet sich in Straußens Liste. Unter seriösen Musikern entdecken wir auch den Namen des Operettenkomponisten Eduard Künneke. Künneke schrieb vor Jahren die hübsche Operette„Der Vetter aus Dingsda". Ihr Schlager ist das wild-exotische Hawai-Lied, eine wahrhafte Eruption kulturbolschewistischer Lüste. Pfitzners„Palestrina" wird große Mühe haben, dieses Konzilium nichtarischer Leidenschaften wieder zu dämpfen. a. h. Das Brot der Allerärmsten ist der Schlaf, Er sammelt neues Leben und er wärmt. Da gibt es keinen, den der Hunger härmt, Venn ihn die Nacht im tiefen Schlummer traf. Im Schlaf allein kann er sein Los vergessen, Der Schlaf allein gibt ihm das bißchen Kraft. Drum sucht der Aermste ihn mit Leidenschaft, Ihm ist das mehr, als dir und mir das Essen. Der allerärmste sucht so oft den Tod. Sein Hunger war so hart, so stark, so tief, Daß er sich niemals Sättigung erschlief. Da wollte er unendlich viel von diesem Brot.«< tieanaca JCnoßCich Sie sieht jetzt die wahre Kunst Im„Deutschen Nahrungsmittelarbeiter"(6) schreibt E I e•• nora Knoblich:„Der Nationalsozialismus hat uns deutschen Frauen nicht nur eine äußere, sondern auch eine innere geistige Erneuerung gebracht. Auf uns alle hatte der Marxismus mit seiner jüdischen Schundliteratur verflachend gewirkt. Es war ein schöner Augenblick, als damals vor dem Universitätsgebäude in Berlin diese Schundbücher von deutschen Jungens und deutschen Mädels ins Feuer geworfen wurden. Wir haben uns auf unser deutsches Volkstum besonnen Wir wissen, daß wir alle zu einer Einheit,„dem Blut nach", zusammengeschmolzen sind. Wir haben wieder Sinn für deutsches Wesen und damit wieder Verstehen für wahre deutsche Kunst. In der vergangenen Zeit fiel es uns oft so schwer, Kitsch von Kunst zu unterscheiden, weil wir unser Wesen durch Fremdes, Falsches entwurzelt hatten. Wir hatten uns von Schundliteratur blenden lassen. Es war gerade in der Schriftstellerei zu Massenproduktionen gekommen. und so verlor der Schöpfer den Zusammenhang mit seinem Werk. Es ist unmöglich zu sagen, daß z. B. Schiller in seinen„Räubern" etwas ihm Fremdes oder Unpersönliches geschaffen habe. Schiller und seine Werke gehören zusammen. Niemals hätte ein anderer ein ähnliches Werk schaffen können. Um diese Kunst aber ganz zu verstehen, muß man etwas dem Schöpfer Wesensverwandtes haben. Das aber, was uns mit dem Künstler vereint, ist die rassische Verbundenheit. Nur Deutsche können deutsche Kunst voll und ganz verstehen. Wir sehnen uns, nachdem soviel Falsches und Wesensfremdes aufgetischt worden ist, nach Wahrheit. Wie in der Schriftstellerei, wurden uns auch in der Musik und allen anderen schönen Künsten Dinge geboten, die deutscher Art völlig fremd waren. Bis jetzt war es ja auch so, daß der Wohlhabende es sich leisten konnte, die Kunst zu genießen und Nutzen daraus zu ziehen. Mit diesem Widersinn hat aber unser Führer aufgeräumt, denn er will als wahrer Volksführer, daß das Volk in seiner Gesamtheit teil hat an der deutschen künstlerischen Schöpfung. Er hat die Organisation„NS.-Gemeinschaft Kraft durch Freude" ins Leben gerufen, die die Mittlerin wahrer deutscher Kunst für die Volksgemeinschaft darstellt." dec kramen9taad SOS Einen„Deutschen Komponistentag" gab es am Sonntag zu Berlin. Das musikalische Deutschland, das gegenwärtig die deutsche Seele noch hingegebener strapaziert als die Gemeinschaft der braunen Dichter,'versammelte sich zum Appell vor dem Leiter der Reichskultiarkammer, in dessen Auftrag Vizepräsident Staatssekretär Funk den vollen Saal begrüßte. So fing er an:„Alle echte Kunst entspringt aus dem Leben des Volkes. Die nationalsozialistische Regierung hatte daher die Aufgabe, die Kunst wieder an das Volk und das Volk an die Kunst heranzubringen. Auch die deutsche Kunst, die Musik und die deutschesten Künstler, die Musiker, hatten in der Zeit des Liberalismus den festen Boden des Volkstums verlieren müssen, weil es dieses Volkstum nicht mehr gab. Es geht uns nicht um die Richtung der Kunst, sondern um die Art der Kunst. Das Volk soll wieder in der Kunst und der Künstler im Volke leben! Das ist die erste Aufgabe der nationalsozialistischen Kunstpolitik." Man sieht: diese Herren Redner bedürfen eigener Gedanken nicht mehr. Die zuständige Kulturstelle liefert ihnen Formulare, in deren leere Stellen man mit dem Gummistempel je nach Bedarf hineindrucken kann:„Dichtung", „Theater"— und jetzt„Musik". Dieser Funk hat den heiligen Funken jenes musikalischen Schaffens der großen Einsamen, die sich gegen die herrschende Strömung durchsetzen mußten, nie gespürt. Beethoven würde von Funk niemals die höhere Weihe der Zulassung erhalten haben. Er hätte sich nicht gut„eingliedern" können, von seiner zweifelhaften Erbmasse ganz abgesehen.^ Funk machte seinen Hörern eine Reihe von Versprechungen: Vermittlung von Musikaufführungsrechten, neues Urheberrecht und— man lese das wörtlich—„Ausmerzung des Partei- und Klüngelwesens in der Musik". Der Rosenkavalier dieser jungen Ehe zwischen Musik und Hitlerstaat ist Richard Strauß. Der alte Mann ist nach langer Bearbeitung aus seinem Komponistenhause herausgelockt worden und darf jetzt als„Führer" bewundert werden. Amtlich wird über seine Rede berichtet: „Er dankte der Reichsregierung für ihre Teilnahme an dem Schicksal des musikalischen Schaffens und dafür, daß sie die rechtlichen Mittel für die Errichtung einer einheitlichen umfassenden Rerufsorganisation gegeben habe und dieser Organisation eine innere und äußere Autorität verlieben habe. Der schaffende Künstler brauche ein Recht und einen festen, berufsständischen Rat, um sich ideell und wirtschaftlich behaupten zu können Die Führer der großen revolutionären nationalsozialistischen Bewegung hätten verkündet, daß dem gesunden Schaffen die Bahn frei gemacht werde. Dabei sei keinesfalls an eine Unterdrückung von Kunstrichtungen gedacht, vielmehr vor allem an die Ausmerzung jener höchst unerfreulichen Erscheinungen, daß ererbtes Kulturgut gewerbsmäßig ausgeschlachtet und jämmerlich verschandelt werde. Er hoffe, daß es gelingen werde, die Drucklegung wertvoller Kompositionen durch finanzielle Beihilfen, die Die'Union Winke, Winkel Die„Union Nationaler Schriftsteller e. V.", gebildet aus den Ueberresten der deutschen Gruppe des Penklubs, hat an die Schriftsteller aller Ländet einen Aufruf gerichtet, in dem sie unter Zurückweisung kommunistischer Tendenzen an die Schriftsteller aller Länder die Bitte richtet, von nun an nicht mehr den Haßausbrüchen einer zum Absterben verurteilten Emigrantenliteratur zu glauben, sondern aus der deutschen Schriftstellerschaft die Stimme der deutschen Geschichte zu vernehmen. Die deutsche Schriftstellerschaft sei das Erbe und die Tradition jenes Reiches, das seit tausend Jahren den Begriff und die Leistung Europas kämpfend miterschaffen habe.„Wir sind die deutschen Schriftsteller", so heißt es in dem Aufruf weiter,„und wir tun hiermit den Schritt, die Schriftsteller der anderen Länder aufzufordern, unsere Anschauungen nachzuprüfen und uns wissen zu lassen, ob sie bereit sind, mit uns an die Gründung der Union Nationaler Schriftsteller zu gehe n". Der Aufruf schließt mit der Frage, ob die anderen Schrftsteller Geschichten aus dem„Simpticus" Umgekehrt Nach Abschluß der letzten Berliner Gläubigerkonferenz nimmt Schacht einen amerikanischen Delegierten zur Seite. „Sehen Sie, lieber Herr, wir könnten ja unsere Schulden bezahlen, wenn wir einen großen Auslandskredit bekämen!" „Aber, Herr Präsident, wer soll Ihnen noch etwas borgen!" „Erlauben Sie mal, bieten wir denn nicht genügend Sicherheiten?! Wir haben noch unermeßliche Schätze unter der Erde. Und außerdem unsere hervorragenden Führer!" „Wissen Sie, wenn es umgekehrt wäre... Wenn Sie Ihre Führer unter der Erde und Ihre Schätze über der Erde hätten... dann ließe sich vielleicht über eine Anleihe reden!" Der Druckfehler In Deutschland ist wieder einmal ein verantwortlicher Zeitungsredakteur ins Konzentrationslager gewandert. In seiner Festrede zum Jahrestag des Hitler-Regimes hatte Göbbels in seiner Rede im Sportpalast gesagt:„In Deutschland herrscht keine Diktatur, sondern veredelte Demokratie." In der betreffenden Zeitung hieß der Passus:„In Deutschland herrscht keine Diktatur, sondern verekelte Demokratie." Sicher ist sicher Als der große Antisemit Lueger Oberbürgermeister von Wien war, ließ sich der damalige Fürst Löwenstein Wert- gewillt seien, mitzuarbeiten am Aufbau einer neuen menschlichen Gemeinsamkeit aller von der äußeren wie inneren Auflösung gleichermaßen betroffenen Vaterländer. » Die Autoren dieses Aufrufs sind zu rühmen, weil sie mit ihren Schmerzen nicht hinter dem Berge halten. Ueberall im Auslande, wo sich die deutsche Zunge vernehmlich machen kann, liest man nämlich die Bücher der„zum Absterben verurteilten Emigrantenliteratur", die zur Zeit beneidenswert hohe Auflagenziffern erreicht. Wie würden sie erst steigen, wenn d>e Zensur ihnen eine Bresche zum Eindringen nach Deutschland ließe! Hier aber liegen die deutschen Hakenkreuzautoren als Heimwehr der„deutschen Geschichte" auf der Lauer. Die Interessen der Staatsräson sind identisch mit denen der Konkurrenzangst. Kummervoll für die Jobsts, Bluncks, Molos. Schauweckers und Scholzen, daß ihre Bücher im Ausland unverkäuflich sind Kein ausländischer Schriftsteller, der etwas auf sich hält, wird bereit sein, dieser„Union" Kränze um die Stirnen zu winden, in denen nie ein Gedanke an ihre mißhandelten, geächteten und vertriebenen Kollegen erwacht ist. heim Freudenberg bei ihm melden. Lueger ließ ihn warten. Der Fürst ersuchte den Amtsdiener, ihn nochmals zu melden. „Wie war der Name?" fragt Lueger ungeduldig.„Löwenstein Wert heim Freudenberg!"— antwortete der Amtsdiener.„Ach was," brummt Lueger. ,J bab' zuviel zu tun— schmeißen s die drei Juden einfach naus!" Die Wahl Die beste Parodie auf die letzte deutsche Wahl gibt es in Wien in einer Revue von Fritz Grünbaum zu sehen. Da geht der Vorhang auf und es stehen Männer um einen Tisch. Einer spricht: „Wir kommen nunmehr zur Wahl unseres Vorsitzenden! Wer dafür ist, stehe auf; wer dagegen ist, setze sich!" Da gar kein Stuhl auf der ganzen Bühne zu sehen ist, sind alle Fünf gezwungen, stehen zu bleiben. „Damit ist unser Führer einstimmig gewählt!" stellt der Sprecher fest, und schnell schließt sich der Vorhang über dieser Szene. Unmöglich ist ... daß Hitler jemandem die Leviten liest, ... daß es Röhm kalt über den Rücken läuft, ...daß Göbbels mit jemandem auf gutem Fuße steht, ... daß es Göring nur unter den Nägeln brennt, ...daß Ley sich nur an seinen eigenen Worten berauscht Neuorganisation in der Praxis Das seit 64 Jahren bestehende und durch wertvolle Kulturarbeit, besonders auch im Ausland, bekannte Philharmonische Orchester in Dresden steht vor dem Zusammenbruch, mit hervorgerufen durch die Neuorganisation auf dem Gebiet des Musiklebens, die Zusammenlegung der Sender, den Zusammenbruch der bisherigen Besucherorganisationen, die Unterbindung fast sämtlicher Gast^eisen usw. Die Stadt Dresden hat zunächst 5000 RM. aufgewandt, um di« Kiimtl«' vor äußerster Not zu bewahren. Die Sargen dec grafischen Jugend Wir finden in der„Grafischen Jugend"(6) folgende philologische Unter,„chung:„Sieg Heil, Sieg-Heil oder Siegheil? Wenn in der Sprache neue Wortschöpfungen auftauchen, für die mau nicht gleich eine sprachliche Erklärung zur Hand hat, erleben sie meistens auf dem Gebiet der Rechtschreibung eine„regellose" Zeit. Erinnert sei nur an die Kurzwörter. Etwas Aehnliches können wir jetzt bei dem Gruß Sieg Heil! feststellen. Welche Schreibung ist richtig: Sieg Heil! Sieg-Heil! oder Siegheil!? Für die Schreibung Siegheil dürfte kaum eine sprachliche Begründung zu finden sein; denn hier liegt keine solch innige Verschmelzung der Wörter vor wie zum Beispiel bejm Kampfbund. Hier dient der Zusatz„Kampf" zur näheren Bestimmung der Art des Bundes. Der Kampfbund ist ein Bund, der einen kämpferischen Charakter hat; aber Sieg Heil! ist keinesfallsein Heil, daseinen„siegenden" Charakter hat. Soll der Gruß dann mit Bindestrich geschrieben werden? Auch dieser dürfte nicht am Platze sein. Der Bindestrich verbindet zwei oder mehrere Wörter zu einem Begriff; aber unser Ruf Sieg(!) Heil! gibt zwei Begriffe, von denen jeder einen besonderen Wunsch enthält. Sieg-Heil wäre ein Heil, das im Siege besteht. Das ist nicht«e- meint. Dieser Gruß ist wohl eine Ganzheit geworden; er besteht jedoch aus zwei Wünschen: Sieg! und Heil! In Fachkreisen wird mit Recht die Schreibung Sieg Heil! bevorzugt und damit begründet, daß es das gleiche sei wie Gut Heil! Frei Heil! Diese Begründung ist nicht richtig, da gut und frei Objektive sind, die zu Heil gehören und es näher bestimmen. Sieg ist aber Subst-utivum, das neben Heil eine selbständige Bedeutung hat: Sieg!-Heil! Es kann also nur so richtig sein: Sieg Heil!" Bestiale Poesie Was erlebt man doch Geschichten! Tolle Zeiten, tolle Moden! Denkt doch: deutsche Hasen dichten Jetzt und auf die Löwen Oden. Georg Herwegb Frankreichs SHoafion Das Ministerium Doumergue „Echo de Paris" läßt sich berichten: In Berliner politischen Kreisen haben wir von Persönlichkeiten, die sich schmeicheln, der Entwicklung der Vorgänge in Frankreich mit Aufmerksamkeit zu folgen, gehört, daß sie über gewisse Urteile erstaunt sind, die v«n offiziösen Pariser Agenturen verbreitet werden. Aus diesen Telegrammen, die sogleich nach Berlin zurückgedrahtet wurden, geht hervor, daß das Kabinett Doumergue in der deutschen Presse eine günstige Aufnahme gefunden habe. Wir fragen uns, welche Artikel es sein konnten, die unseren Kollegen eine so optimistische Meinung vermittelten und durch was Tur geschickte' Ausschnitte ein Journalist dazu kommen konnte, in der Fülle der groben Artikel, die über die französische Krise veröffentlicht wurden, die vereinzelten Zeilen zu finden, die diese optimistische Meinung zu rechtfertigen vermochte. Wir waren auch unsererseits begierig, in der Berliner Presse den Ausdruck aufrichtiger Zufriedenheit zu entdecken, doch war es uns leider unmöglich davon auch nur die geringste Spur zu finden. Nein, die Einsetzung des„Kabinetts der Siebzigjährigen" fso bezeichnet man es in Berlin), hat in der Hauptstadt des Heichs keine der Hoffnungen entstehen lassen, welche die .Uebernahme des Ministeriums des Auswärtigen durch Dala- dier aufkommen ließ. Einige unserer deutschen Kollegen haben wohl voller Achtung auf die Hingabe des Präsidenten an das allgemeine Wohl aufmerksam gemacht und dem Marschall Petain dazu gratuliert, daß er eingewilligt hat, sich auf die Regierungsbank neben den Zahnarzt Marquet zu setzen(siehe Deutsche Allgemeine Zeitung vom 11. Februar!, aber in der Gesamt- , heit sind Regierungskreise und öffentliche Meinung enttäuscht. Alle Zeitungen des Reichs haben darauf hingewiesen, daß die auswärtige Politik Bartheus, des früheren Präsidenten der Reparationskommision und der Urheber des Gesetzes über die dreijährige Dienstzeit, wahrscheinlich weniger ent- > gegenkommend sein würde als die der letzten radikalsozialistischen Minister, die am Quai d'Orsay aufeinandergefolgt . sind. Die Anwesenheit von Tardieu und Herriot im Schöße der neuen Regierung verursacht auch eine, gewisse Beunruhigung, und die Germania von heute morgen hebt hervor, daß diese beiden Minister ohne Portefeuille sehr gut mit dem Ministerpräsidenten ein„Triumvirat" mit dem Auftrage bilden könnten, viele wichtige politische Entscheidungen zu treffen. Das verstärkt noch die schon offen ausgesprochenen Befürchtungen. Diese Auffassung veranlaßt die deutsche Presse, das Ministerium Doumergue als Regierung der Uebergangszeit zu betrachten. Die Pariser Korrespondenten der großen deutschen Zeitungen, deren Telegramme zu Recht besonders geschätzt werden(u. a. die der„Vossischen Zeitung" und der..Deutschen Allgemeinen Zeitung"), meinen, daß die ersten Maßnahmen des Kabinetts die Lage, nicht ganz geklärt haben, daß die eingeschlagene Politik zu nüchtern.sei npd„var. Das war Hilfsarbeit, anerkannte Frauenarbeit, sehr billig, ziemlich dreckig und namenlos langweilig. Und irgendwo mußte es doch stecken, all das Spannende und Interessante, das man vom Leben der Erwachsenen erwartet hatte. Wenn die Arbeit im ein- tönigcn Gleichtakt-durch ihre Hände lies oder wenn sie Frei- tag abends, am Boden hockend, das ölige Gestell ihrer Maschine putzte, bann träumte die.Tandl voin Willi Fritsch, vom Hans Albers und besonders gerne vom Ivan Petro- vttch. Als sie in die sozialistische Arbeiterjugend eintrat, nannte man sie zuerst abwechselnd die schöne oder die häßliche Vandl. Denn niit ihrer biegsamen Gestalt und ihren ungeschickt heftigen Bewegungen, mit ihrem blatternarbigen Gesicht und ihren flammenden Augen war sie ein solches Gemisch von großer Schönheit und großer Häßlichkeit, daß kein Mensch sich auskannte. Aber schon nach einer kurzen Zeit hatten ihr alle übereinstimmend den gleichen Namen gegeben:„Die verliebte Xnndl". Die 5'andl verliebte sich eifrig und unaufhörlich, verliebte sich sozusagen am laufenden Band. Fehlte ibr ein paar-Tage lang die Gelegenheit dazu, so kam ihr das ganze Leben ver- dreckt und sinnlos vor. wie die ölige Arbeit an ihrer lang- weiliaen Maschine. War sie verliebt, so teilte sie es jedem, der es hören wollte, gewissenhaft mit, und schwärmte und schmachtete mit unentwegter Deutlichkeit. Einmal war eine Referentin zu ihnen gekommen, eine dicke, freundliche Aerztin„„d ba'te über seruelle Probleme gesprochen und da war die I'andl aufgestanden, um sine Frage zu stellen. Mit Ihrem tranmfchweren Kopf, ihren flammenden, blatter- narbigen Wangen, ihren schönen.-ungeschickten«Miedern war sie dagestanden, sehr schön und sehr häßlich zugleich und hatte kein Wort hervorbringen können. Und da waren schließlich die Burschen herausgeplatzt:„Ich glaub halt, Genossin, sie möcht gern wiffen, warnm's allweil aso verliebt is." Tie lachten sie aus, die verliebte£attd.L aber im Grunde sah es bei ihnen allen nicht viel anders aus. Gewiß, es siel sonst niemandem ein, sich so offenkundig lächerlich zu machen. Aber heimlich nisteten sie doch in jedem Schädel, die Liebes- träume, die Himbeerlräumc, die Kitschiränme, ließen sich von keiner Not, von keiner Sorge und von keinen Parole» ver- scheuchen, verstrickten die Burschen und Mädels immer mehr in ihre dünnen, süßen, klebrigen Fäden. Man verliebte sich, befreundete sich, wollte ganz ineinander ausgehen, auf gut kinodramatisch die ganze Welt vergessen und vergaß zunächst einmal die Organisation mit ihrer harten politischen Klein- arbeil. Immer enger wurde der Kreis, der bei den Per- sammlungen ansyielt, immer neue Paar fanden sich und verschwanden, um lang? Spaziergänge zu machen und erst am Schluß der Diskussion wieder aufzutauchen mit weich gewordenen Stimmen und weich gewordener Weltanschauung. Und man trödelte und man blödelte und es lohnte sich ja auch garnicht politische Interessen zu haben, die alten Genossen sagten einem ohnehin bei jeder Gelegenheit etwas von Rotzbnb und Goschen halten und Nochnichtversteben und nassen Windeln. Und gegen wen sollte man eigentlich kämp- fen. die Arbeitslosigkeit war ein gespenstssch namenloser, gitassig weicher Sumpf, der einen zu verschlingen drohte, aber einen richtigen Feind, eine» Feind, der sichtbar und greisbar vor einen hintrat, den hatte man eigentlich nicht. Und die Paare fanden sich und verschwanden, fanden sich und verschwanden. Mit der.Vandl war es bereits ein offener Skandal. Seit sie mit dem Ferdl ging, war sie blind und taub und liebes- toll geworden, sah nur ihn. hörte nur ihn, sprach nur von ihm. Der Ferdl hatte schmale, langbewimperte Augen und diese Augen hatten jederzeit die Fähigkeit, ein Mädel so stark in ihren Blick zu hüllen, daß sie erschauerte. Ter Ferdl - traf das ebenso geschickt und unfehlbar, wie sein Bruder Franzi mit den Ohren wackeln konnte und er war auch nicht weniger stolz darauf. Für die Xandl aber mit ihren nn- erfahrenen und phantastischen Sinnen war diele Blicke ein wildes und berauschendes Gift, das sie nicht mehr entbehren konnte. Wenn der Ferdl fortging, dann lpaz'erte sie treu- herzig hinter ihm her und wenn er blöde Gans zu ihr sagte, dann fragte sie eifrig:„Geh Ferdl, warum bin ich denn eine blöde Gans?" Der Frühling kam der warme rastlose Frühling von 1082. Man rüstete zu den Aprilwahlen und Karli, der Obmann, bemühte sich verzweifelt, tue Leute aufzurütteln. Er hatte die Vandl daran erinnert, daß sie heute Abend in die Ver- sammlung kommen sollte. Das war ihr wurfcht. Sic'war mit dem Ferdl um acht vor dem Weltspi'egel-Kino ver- abredet und sie konnte die Stunde nicht mehr erwarten. Grün war er und bunt, der Gürtel, diese jagende Landstraße des Großstadtvagabunden, und die verliebte Landl ging und ging und wenn sie an Ferdls begehrende Blicke dachte, dann konnte sie nicht mehr ruhig gehen und sie sing zu laufen an. Und dg war sie unversehens beim Urban-Loritz- Park angelangt, sah ein Paar aus einer Rank sitzen,„ein vielbeschäftigtes Paar", wie man in ihrer Gesellschaft sagte und erkannte plötzlich den. Ferdl. drehte sich um und rannte den Gürtel zurück. Bor dem Weltfpiegel-Kino blieb sie stehen, auf allen Plakaten sah sie nur den Urban-Loritz-Park, sah FerdlS Hand und den Rücken des fremden Mädchens. Die dünnen süßen klebrigen Fäden, in die sie schon so lange verstrickt war, schnürten ihr Herz zusammen, ihren Hals, ihre Beine. Es war dreiviertel acht. Sie wollte nicht aus den Ferdl warten, sie wollte ihn aufsitzen lassen, sein. Wohin sollte sie gehen? Irgendwohin. Also m die Versammlung. Weil sie es dem Ferdl auch einmal zeigen wollte. Lauter Lärm ist im Saal und ein paar Bursche» sangen bei ihrem Eintritt zu singen an:„Da kommt die kleine Alexandra". Tic fährt zusammen. Seit ihrer Schulzeit hat sie nicht mehr ihren ganzen Namen nennen gehört. Nun sitzt sie im Eck und der Karli schwingt eine große Red«, die sie nicht interessiert, und Schmerz und Wut haben sie milde gemacht und sie schlummert halb. Und sie sieht wieder den Urban-Löritz Park. es schnürt sie brennend zusammen und zwischendurch sieht sie das Bild auä ihrer Äindcrzcit. Ale- pander den Großen. Nicht nur ihren Namen trägt er. er trägt nun auch ihr Gesicht. Alexandra läuft über die Welt, die-ganze Welt ist eine jagende Straße wie der Lerchenjelder- Gürtel, und Alexandra will Asien erobern. Der König von Gordian lacht arrogant und zeigt ihr den nralien, den ver- wirrten und verwickelten Knoten, den niemand lösen kann. Denn der Ferdl nennt sie dumme GanS und sie liebt ihn nur noch mehr, und seine Hand liegt aus einem fremden Rücken und sie liebt ihn nur noch mehr, und Kunstschlosserin hat sie nicht werden dürfen und sie ist die verliebte.kandl geworden, verdammt noch einmal, und sie zieht ihr Schwert. „Marrtftenplatte! Pülcher! Rote Bagage!" Die Xandl fährt in die Höhe. Ein Haufen Nazibttrfcken ist ins Versammlungslokal eingedrungen, sie wollten die Wahlvorbereitungen stören. Die Vandl reibt sich die Augen und ist schon miltendrinn in einer Rauferei. Mit beiden Fäusten verteidigt sie sich, und mit jedem Schlag wirbs ihr leichter. Und auch in ihre verschlafene Gesellschaft ist Leben gekommen, man schreit, man boxt, man wirst die Angreifer hinanS. Und die.Vandl ist aus den Tisch gesprungen und ruft: „Genossen! Jetzt haben wir einen. Feind vor uns, den wir sehen und angreifen können. Jetzt wissen wir, gegen wen wir zu kämpfest habe». Gegen die Nazi braucht die Partei vor allein die Jugend, vor allem uns. Jetzt wird uns nie- wand mehr ins Winkerl schicken. Jetzt wird uns niemand mehr unsere Rotznasen vorwerfen. Aber darum dürfen wir uns auch»'cht länger so verweichlichen, ich sag'S euch, weil ich am meisten Butter am Kops Hab. Schluß damit, wir wollen kämpfen." Als die Xandl unter brausendem Beifall vom Tisch her- unter steigt, sieht sie an der Türe den Ferdl stehen. Sie gekt langsam zu ihm hin, unterwegs träumt sie sich noch rasch einen kleinen Traum zusammen. Alexandra, wird der Fee dl sagen, du bist eine Heldin und ick bewundere dick. Nie wieder iverdc ick mit einem anderen Mädchen gehen, denn ich liebe nur dich allein. „Du hast mich zum Weltfpiegel-Kino hinbestellt. Ferdl, was. hast du mir denn sagen wollen?" Er antwortete nickt gleick. sondern betrachtete sie mit verdrossener Anerkennung. Das ist nicht mehr das Mädel, das man so schön in seinen Bann zwingen, kleinkriegen, kleinmachen konnte.„Nix Be- solideres Hab'ch dir sagen wollen", brummt er schließlich. Und sein Blick, sein wunderbarer Blick, wirkt nicht mehr und will auch garnicht mehr wirken. Mit einem Satz ist die Xandl aus der Straße und über der großen Häßlichkeit und der großen Schönheit ihre? emporgeworfenen Gesichtes schlägt der kalte Rausch der Freiheit zusammen^' Pariser Berichte Von Montag, deir 19. Februar, an wird die Umsteigestation der Linien 21 A und 21 B nach Fantin, Les Limites verlest. Die Linie 21 D erhält Omnibusse. Die Linie 21 C wird ihre alte Strecke Oper-Noisv-le See wieder erhalten; Omnibusbetrieb. Die Linie F. N. wird Fantin(Limites)-Ville- monble begrenzt sein, und die Verbindung durch Omnibus „21" wird zwischen Oper und Fantin, Limites verkehren. * Den Steuerzahlern in der französischen Republik ist Frist his zum l. März gewährt worden. Wer bis zu diesem Datum seine Steuern nicht abliefert, unterliegt einem Zuschlag von 10 Prozent. * Der Louvre(dessen neue Säle demnächst dem Publikum zugängig werden) schließt neuerdings an den Sonntagen, den Tageft des freien Eintritts, von 12 bis 2 Uhr mittags und ist dann nur bis 4 Uhr nachmittags geöffnet. * Sechs Särge proletarischer Opfer der Unruhen wurden von 200 000 Arbeitern in feierlichem Zuge nach dem Pere La chaise geleitet. Die Fahnen der beiden Arbeiterparteien wurde mit dem Rufe„Unite" begrüßt. * Eine Viola da gamba, eine Wundergeige aus dem lß. Jahrhundert, die unter seltsamen Umständen vor zwei Monaten einem jungen englischen Mädchen in der rue Notre-Dame- des-Champs gestohlen worden war, ist jetzt in einem Nachtasyl der rue de Tocqueville wiedergefunden worden, wo sie an einem Bettpfosten hing. Ein junger Bleigießer hatte sie gestohlen, ohne ihren Wert zu kennen. Palästinas Gewerkschaften für die österreichischen Flüchtlinge Nach einer Mitteilung an den..Populaire" hat das palästinensische Gewerkschaftskartell 500 Pfund Sterling an das Sekretariat des InternationalenGewerkschafts- b ü r o s gesandt als erste Zahlung für die Opfer des österreichischen Faschismus, der eine zweite Rate folgen wird. Die palästinensischen Gewerkschaftsmitglieder haben beschlossen, eine Kopfquote zu erheben, um den österreichischen Kämpfern und ihren Familien zu Hilfe zu kommen. Das Geheimnis des„roten Autos" In Marseille sind die Mitfahrer des„roten Autos", das auf der Cannebiere verbrecherisch auf Schutzleute geschossen hat, ermittelt und verhaftet worden. Es sind ein Docker J a b o c, ein Schwager des Eigentümers Liotardo (der sich in seiner Zelle erhängt hat), ein Heizer C a z a- n o v e, Freund des Liotardo, und ein Mann namens T o t i, ebenfalls ein Korse. Das Kleeblatt hat vor der Schießerei in zwei Bars gezecht. Die drei behaupten, geschossen habe nur Liotardo. Oesterreich-Debatte im„Deutschen Klub" Der frühere Pariser Abgeordnete Lucien Le Foyer hielt im Pariser Deutschen Klub einen Vortrag über„Die Ansieht des Durchschnittsfranzosen über das heutige Oesterreich und das heutige Deutschlan d". Der Redner wies auf die große Gefahr hin, die für Frankreich darin liege, zwei faschistische Staaten, Deutschland und Italien zu Nachbarn zu haben, und die für Europa darin liegen würde, wenn jetzt ein faschistischer Block Italien-Oesterreich-Deutschland entstehen sollte. Die Vorgänge in Oesterreich zeigen erneut, daß ein republikanisches Regime nicht den Faschismus auch nur als Hilfstruppe aufpäppeln darf. Die Linke hat den Sinn für „Gerechtigkeit" und löst daher leider nie die Militärverbände der Rechten auf, bis eine Rechtsregierung später die Auflösung der Linksorganisationen anordnet. Das geschieht dann immer mit um so größerer Leichtigkeit, als die Linksformationen schwächer sind, weil sie kein Geld haben, während die Rechtsgruppen reich sind, weil die Großindustrie hinter ihnen steht.„Koramt die Krise in Frankreich," sagte der Redner weiterhin,„so teilen die französischen Sozialisten und Kommunisten sicher die gleiche Illusion und gehen in das gleiche Verderben." Auf den Vortrag folgte eine interessante Debatte.— Zum Schluß wurde bekannt gegeben, daß am nächsten Samstag Helmuth von Gerlach über„Die internationale Lage und die Kriegsgefahr" sprechen wird. Der Hitler-Mulatte freut«ich Der in die Stavisky-Affäre verwickelte Mulatte Pierre D a r i u s, Chefredakteur des hitlerfreundlichen Pariser „Midi", hatte im Gerichtspalast zu Bayonne jetzt eine große Freude, weil er glaubte, er käme frei. Der, wie immer, sehr elegant angezogene Dunkelhäutige hatte dem Richter auseinandergelegt, daß ein Nachrichtenblatt nicht dieselbe Verpflichtung zur Quellenprüfung habe wie ein anderes^ Mit dieser seltsamen Auffassung vom Journalismus glaubte er gewonnenes Spiel zu haben. Auf dem Korridor tanzte er herum und freute sich schon auf seine vorläufige Freilassung und die erste Nacht, die er in Bordeaux verleben wollte. Indessen, die Männer im Talar vernichteten die Hoffnung und sperrten ihn weiter e i n. Bonnaure, der Abgeordnete des Pariser Temple- bezirks, wurde im Krankenhaus von Bayonne in ein anderes Zimmer mit vergittertem Fenster übergeführt. 20|ahre Weltgeschichte in 700 Bildern) Einleitung von Fr. Sieburp Gelegenhetts» Angebot»tan 29.30 Fr.»etzt nur 8,55 Fr Spfort zu beziehen durch BUCHHANDLUNG de. „Volksstimme" Saarbrücken, Bahnhof str. 3/ N'eunkirchen, HBHenhercstr Steuerfragen Gesellschaftsgründungen Wenden Sie sich an F* BRIQUEU LICENCIE EN DROIT ehemaliger Kontrolleur der direkten. Steper» behörden, um vom offiziellen Standpunkt aus beraten zu werden. 25, Bd. Boone.Nouvellei PARIS(2), Telefon Louvre 22.93 r and FRAUENKRANKHEITEN Heilung von Krampladern and offenen Beiovondeo Neueste Behandlungsmethoden Elektn- sität Impfungsverfahren Irypafle vino Einspritzungen Blut» und Harn»Untrrsuchungea Spcr» makultur Salvarsan Wismut usw. Sprechstunden täglich»o» 10— 12«nd von 4—B Uhr bonntags von 9—12 Uhr Konsultationen von 25 Fr. ab. 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Zaire: Les Folies Amoureuses(14), Monna Vanna(20.45). Odson. L'Avare, Crispin rival de son maitre(14.15), Tristan et Iseut 20.30). Atelier.— Richard III.(20.45). Gymnase.— Le Messager von Henry Bornstein mit Gaby Morlay(21). Madeleine.— Le Passage des Princes(Offenbach)(20.45). Michodiere.— Les Temps difficiles(20.30). Michel. Parole d'honpeur(21). Oeuvre.— Une Femme qu'a le coeur.rop petit, von Crom- melynck(21). Palais-Royal.— La Familie Vauberlain(21). Theatre de Paris.— Tavaritch(20.45). Sarah-Bernhardt.— Alibi 14 von Jean Guitton(20.15). Chatelet.— Rose de France(20). Gaite-Lyrique. Le pays du sourire(Das Land des Lächelns) von Lehar(20.45). Mogador.— L'auberge du Cheval Blanc(Im weißen Röss'l. Pigalle.— La Chauve-Souris(Die Fledermaus). Regie: Max Reinhardt(20.30). Porte Saint-Martin.— Wiener Walzer(Operette von Johann Strauß, Vater und Sohn), mit Andre Range(20.30). Casino de Paris.— Revue: Vive Paris mit Cecil Sorel. Im 2. Akt: Maitresses de Rois, von Sacha Guitry(20.30). Folies-Bergere.— Folies en Folie, Revue mit Mistinguett. (20.30). Kinos Actualites L'Auto(31, Bd. des Italiens). Wochenschau-Programm. Galawoche. 33jähriges Jubiläum der Zeitschrift „L'Auto". Eine Auswahl von Mickey-Mouse-Trickfilme und Sally-Sinfonien in Farben. Der Match Deglange gegen Mal- eieviez(Ringkampf).(Von 10 bis 2 Uhr nachts.) Agriculteurs(8, rue d'Athene). The Story of Temple Drakc (Miriam Hopkins), amerikanische Originalfassung(Täglich 15 u. 21; Sbds., Sonnt., Ftgs. 14.30, 17, 21.) Bonapartc(Place St-Sulpice). Madame Bovary(Valentine Tessier), ein Film von Jean Renoir.(Täglich 15 und 21, Sbds., Sonnt., Ftgs. 14.30, 17, 21.) Champs-Elysees(118, av. des Champs-Elysees). As you desire me(Greta Garbo und Erich v. Stroheim), amerikanische Originalfassung mit französischen Untertiteln.(Täglich ununterbrochen von 14.30 bis 19; Sonnabends und Sonntags von 13.45 bis 20.15.) Cine-Opera(32, av. de l'Opera). Madame Bovary(Valentine Tessier), ein Film von Jean Renoir(Täglich ununterbrochen von 14 bis 20; abends um 21.) Colisee(38, av. des Champs-Elysees). Melody Cruise.(Täglich ununterbrochen von 14.30 bis 19.30; Abendvorstellung 21.) Elysee-Gauraont(79, des Champs-Elysees). Je ne suis pas uu Auge(Im no Angel).(Täglich von 14.30 bis 20 und um 21.) Ermitage Club Ursulines(72, av. des Champs-Elysees). Les Sans-Soucis(Pack up your troubles) mit Laurel und Hardy. (Täglich von 15 bis 21 Uhr; Sonnabends und Sonntags 14.30, 17, 21 Uhr.) Madeleine(14, rue de la Madeleine). Esquimaux(ein Film von van Dyke), amerikanische Originalfassung, französische Untertitel.(Tageskino von 14 Uhr ab.) Mesange(3, rue d'Arras). Anna und Elisabeth(Lertha Thiele und Dorothea Wieck). Miraeies(100, rue Reaumur). Katharina von Rußland(Elisabeth Bergner, Dong. Fairbanks jun.).(Täglich 16 u. 21 Uhr; "Sonnabends, Sonn- und Feiertags 14, 16 30, 21 Uhr.) Paramount(2, Bd. des Capucines). Les Miserables. Tageskion von 9.30 bis 2 Uhr morgens.) Bühnenschau. Pantheon-Cinema(13, rue Victor-Cousin). Brennendes Geheimnis(Willy Forst, nach Stefan Zweigs Novelle), deutsche Originalfassung. Raspail 216. The Silver Cord(I. Dünne). Täglich 14.30, 16.30, 20.30, 22.30 Uhr.) Studio Universel(31, av. de l'Opera). Torch Singer(Chan- rikanische Originalfassung mit französischen Untertiteln). (Tägl. 14.30, 19, 21.15; Sonnt, u. Ftgs. 14.20. 20.15.) Studio Etoile(14, rue Troyon). Symphonie inarhevee(Leise flehen raeine Lieder). Deutsche Originalfassung.(Tägl. von 14.30 bis 19 Uhr; 21 Uhr.) Studio 28(10. rue Tholoze). International House.(Tägl. von 15 bis 21; Sonntags ununterbrochen von 15 bis 19 Uhr.) Studio Universal(31, av. de l'Opera). Torch Singer(Chan- teuse de Cabaret) mit Claudette Colbert. Täglich von 14 bis 20 Uhr; Abendvorstellung 21 Uhr.) Ursulines(10, rue Ursulines). La rue saus nom, mit Gabriel Cabrio und Const. Remy; Von Wilson bis Roosevelt(ein Rückblick auf die Geschichte Amerikas).(Täglich 15, 21; Sbds. u. Sonnt. 14.30, 17.) Washington Magellan(14, rue Magellan). Mad Age(Big Money), französische Untertitel.(Ununterbrochen v. 14.30 bis Mitternacht.) Verungiiidfter SdiienenomnlDus 16 Tote önb. Mailand, 19. Febr. Auf der Bahnstrecke Piombino—Campiglia, südlich von Livorno, ereignete sich Sonntag abend ein schwerer Unglücksfall. Eine sogenannte Liltorina(ein Schienenomnibus, wie er auf verschiedenen Strecken in jüngster Zeit von der italienischen Staatsbahn stark eingesetzt worden ist) stieß in einer Geschwindigkeit von 129 Stundenkilometer auf einen von Piombino kommenden, in voller Fahrt be- sindlichen Sonderzug. Die Liltorina wurde bei dem Anprall völlig zertrümmert und geriet in Brand. Nach den letzten Meldung sind lk Tote zu beklagen und 15 Schwerverletzte. Zwei Tote konnten bisher erst ge- borgen werden. Röchling-Prozeß Da« Urteil önb. Saarlouis, 20. Febr. In der Berusungsverhandlung des Prozesses gegen Äommerzienrat Hermann Röchling, Berlagsdirektor Hall sonne die drei Mitbeteiligten Mercher, Hillmann und Tibo wurde heute das Urteil verkündet. Ta- nach wurde Äommerzienrat Röchling unter Verwerfung der Berufung der Staatsanwaltschaft wegen einer durch Ver- breitung von Flugschriften begangenen Beleidigung gegen den Bergmann T o r s ch e i d zu 800 Franken Geldstrafe verurteilt, Berlagsdirektor Hall wegen Beihilfe zu 800 Franken, die anderen drei Angeklagten ebenfalls wegen Bei- Hilfe zu je 50 Franke» Geldstrafe. Im übrigen erfolgte Frei- sprechung. BRIEFKASTEN MRL. Wir danken für den Ausschnitt einer katholischen süd- deutschen Zeitung. Ta wir glaube», dem Blatte nur zu schaden, ivenn wir es zitieren, wollen wir nicht daraus zurückkommen. Prag-Lieben. Brief erhalten. Wir erwarten den Besuch. Inzwischen haben Sie ja gelesen, daß wir auch zu andern Nazi-Oppositionellen Verbindung habe». Bus Stuttgart. Tank für die Bilder. Die deutschen Zeitungen und Illustrierten bringen fast täglich solchen„Landesverrat". Tr. F. B., straßburg, Wir werden hier die verschiedenen in Be- tracht kommenden stellen vor diesem„Emigranten" warnen. Bindex. Der Aussatz ivird erscheinen. Aufruf und Sammlung kann nur durch die nationalen und internationalen Organisationen er- folgen, nicht durch uns. Man kann solche Aktionen nicht verzetteln. Wir finden das alles ja auch recht schwerfällig, aber wir allein können es nicht ändern. Wir haben auf unserem eigenen Arbeits- gebiet Schwierigkeiten und Sorgen in Uebersülle und sind leider ganz auf uns allein angewiesen. „T>e Pslichtarbeiter". Aich« entfernt druckreif. Warum schicken Tie uns eine so ernste Sache nicht in Prosa, sondern in einer Reimerei, die Sie irrtümlich für ein Gedicht halten? Gebe» Tie uns bitte einen streng fachlichen Bericht. Wir drucken ihn gerne ab. An mehrere. Tie Aussätze des Razi-Emigrantensührers werden sortgesetzt. Er hatte in den letzten Wochen sehr triftige persönliche Gründe, nicht publizistisch zu arbeiten. In einigen Tagen dürsten e- und die Familienmitglieder, die er gefährdet hat, in Sicherheit sein. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann P i tz in Dudweiler: für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Vertag: Verlag der Volkssttmnie GmbH., Saarbrücken 3, Schützenstraße ä.— Schließfach 776 Saarbrücken. An unsere j| Bezieherund Leser! Wir erhalten in letzter Zeit Beschwerden da« rüber, daß die„Deutsche Freiheit" entweder verspätet oder auch gar nicht ankommt. Wir bitten alle Beschwerdeführer, sich an ihrem Ort mit der Post oder der Bahn in Verbindung zu setzen, da von Saarbrücken aus die Zeitung nach wie vor pünktlich jeden Tag abgeht. An der Post oder Bahn des Auf« gabe»Ortes liegt die Verzögerung nicht, davon konnten wir uns überzeugen. Verlag der„Deutschen Freiheit"