Sinzige uuadhSugige Tageszeitung veutfchlands Nummer 45— 2. Jahrgang] Saarbrücken, Freitag, den 23. Februar 1934| Chefredakteur; M. B r a u n Ana dem Inhalt Tlach xiet estccceichischen Schlacht Seite 2 tdens heikle. Mission> Seite 2 £cutdestcauee und Acheitetmocd Seite 3 Seite-I Seite 7 lOeltkcise nimmt tu Qeschichtliche JacaUelen Braune Bestien ffliiioniir Löhe Dokumentarische Zeugnisse Knaben Im Konsentrationslager Paris, 21. Febr.(Ftiprefj.) Der Internationale Untersuchungsausschuß zur Aufklärung des Terrors in Hitler-Deutschland trat im Saale der„Societe pour I'Encouragement de l'Industrie", Paris, 44, Rue de Rennes, zu seiner zweiten öffentlichen Sitzung.zusammen. Angesichts der Scheußlichkeiten und Verbrechen, die un« aufhörlich und mit grauenhafter Steigerung gerade wieder in den letzten Wochen von Nationalsozialisten verübt worden sind, hielt es der Untersuchungsausschuß für seine Pflicht, die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf die blutigen Methoden der Hitlerdiktatur durch eine neue öffentliche Sitzung hinzulenken. Die Vernehmung einer Reihe von Zeugen wurde geleitet von dem Deputierten der französischen Kammer, dem be- kannten Pariser Rechtsanwalt Campinchi: von den Mitgliedern des Untersuchungsausschusses waren er- schienen: Frau Professor Lahy-Hollebecque. Professor Prenant, die Rechtsanwälte Chanvin. Drugeon, Milhaud, Kieffe, Jean Rous und die Aerzte Cord. Martini, Taeger und Weißmann-Netter.„Was wir, Franzosen und Deutsche, die das Gefühl für Recht besitzen, heute zu unter- nehmen beabsichtigen," erklärte Capinchi,„ist, die Wahr- heit festzustellen. Was in Deutschland geschieht, entehrt ein Land, das zivilisiert ist oder das wir für zivilisiert ae- halten haben." „Der Hund lebt noch" Der Saal der„Societe pour l'Cneouragement de IJn- dustrie" war von Zuhörern, die den Vernehmungen mit stärkster Anteilnahme und oftmaligen Entsetzensruten solgten, dicht besetzt. Als erster Zeuge erschien der frühere kommunistische Reichstagsabgeordnete und P a r- t e i s e k r e t ä r Hans B e i m l e r aus München, der im April vorigen Jahres von sechs Kriminalbeamten, die das Hakenkreuz trugen, verhaftet, zunächst ins Polizeigefängnis abgeführt und dann von drei Nazis gesesselt in einen Keller- räum des Ausstellungsgebäubes„Weißer Saal" transportiert wurde. In diesem Kellerraum mußte Beimler sich völlig entkleiden, man warf ihn über einen Tisch und schlug so lauge wähl- und ziellos von Kopf bis Fuß aus ihn ein, bis er keinen Laut mehr von sich geben konnte. Nach einiger Zeit führte man ihn in den„Weißen Saal" zurück, in dem sich 50 bis 60 Nazis und Stahlhelmer aufhielten, schreie empfingen ihn. Die Luft war mit Todesdrohungcn geladen. „Was. der Hund lebt noch!" brüllten die Nazis.„Schlagt ihn tot!" Schläge und Tritte hagelten auf ihn nieder, man trat ihn derart, daß er im Saal zusammenbrach: heute noch ist sein Körper nicht frei von Schmerzen. Schließlich schleppte inan ihn aus dem Saal und warf ihn in eine Gemeinschasts- zelle des Polizeigefängnisses, die für 14 Personen berechnet war, in der sich jedoch durchweg 24 Häftlinge befanden. Die Gefangenen mußten auf dem Boden schlafen, das Fenster der Zelle war klein, die Lust verpestet, die Verpflegung schlecht, das Ungeziefer unerträglich. Hölle Dachau Nach einem kurzen Ausenthalt im Gefängnis wurde Beimler ins Konzentrationslager Dachau überfuhrt.„Na« meiner Einlieserung mußte ich alle Gegenstände, die ich be- saß, abgeben. Ich vergaß dabei-'«vergaß es wirklich-, eiüen kleinen Bleistift aus meiner Tasche zu nehmen Der SS-Mann Stcinbrenner fand ihn.„Herr Kommandant, rief Steinbrenner,„er wollte einen Beistift schmuggeln.- „14 Tage Arrest," rief der Kommandant zurück. Ich wurde in eine Zelle gebracht, in der sich, als das Gebäude des Kon- zentrationslagers noch als Pulverfabrik verwandt wurde, ein Abort für die Arbeiter befand. Wieder mußte ich mich entkleiden. Jetzt aber schlugen die Nazis nicht nur mit Gummiknüppeln, sondern mit 60 bis 70 Zentimeter langen Ochsenziemern. In den ersten vier Tagen wiederholten sich diese Mißhandlungen vormittags, mittags und nachts Ich erhielt Seife und Handtuch, aber kern Wasser. Ich erhielt Eß- schüllel, Gabel und Messer, aber kein Essen. Am fünften Tag brachte man mir die erste Nahrung: eine dimne Scheibe Wurst, ein Stück Brot und ein Glas warmen Tee Es war das einziae Mal daß i« etwas ,nm Tunken oder Essen bekam! das warm war. Sonst erhiel. I* Wasser Wr*. ,,„d Prügel." „Selbstmord" Diese barbarischen M b"den äenüa'en den Nazis nicht. Man wollte Beimler beseitigen. Man wollte ihn durch „Selbstmord" beseitigen Der Verwalter des Lagers brachte dem Gefangenen einen Strick, ließ ihn an einem Wasser- leitungsrohr, das sich von früher her noch> in der Zelle be- fand, befestigen und erklärte mit zynischer Offenheit: Wenn Du irgendwelche Zweifel bekommen solltest, dann steht Dir der Strick zur Verfügung." Tagelang erschien der Komman- dant des Lagers bis zu siebenmal täglich in der Zelle. „Der Strick ist immer noch unbenutzt," sagte er.„Du lebst also immer noch? Mach doch Schluß. Du kommst doch nicht mehr lebend heraus." Tag um Tag wurde der Gefangene gedrängt, Selbstmord zu begehen. Tag um Tag wurde er furchtbar mißhandelt. Nach einigen Wochen stellte man ihm ein Ultimatum:„Jetzt ists 2 Uhr. Du hast Zeit bis 5 Uhr. Wenn es dann nicht erledigt ist, wird es von uns erledigt." Man führte ihn in die Zelle des ermordeten Gefangenen Dressel. Dressel lag nackt auf dem Boden: der ganze Körper war schwarz und blau: die Pulsadern waren geöffnet.„Wir wollen Dir nur zeigen," sagte der Kommandant,„wie man es macht, wenn mir es machen." Mit der rettenden Ausrede, baß sein Sohn gerade heute Geburtstag habe, erwirkte Beimler Aufschub bis zum nächsten Morgen.„Aus Liebe für Deinen Sohn," erklärte Stein- brenner.„Aber gibt mir Dein Ehrenwort, daß morgen um 7 Uhr alles erledigt ist." In dieser Nacht gelang es Beimler, aus dem Konzentrationslager zu entfliehen. Auf die Frage des Vorsitzenden Campinchi, ob die Ge- sangenen durch den Ausenthalt im Konzentrationslager an ihrer Ueberzeugung irre würden, erklärte Beimler:„Wer durch das Studium des Marxismus-Leninismus und durch seine früheren Erfahrungen nicht Kommunist geworden war, wird es im Konzentrationslager." Die Liste des Grauens Der zweite Zeuge, Rohlfing, der aus dem Ruhrgebiet stammt, gehörte bis 1926 der SPD. und später keinerpolitischen Partei an. Er wurde abends verhastet, weil er„gegen die Hitlcrregierung sei", und am nächsten Morgen wieder frei- gelassen. In dieser einen Nacht wurde er— in einem Lyzeum in Witten a. d. Ruhr— von mehreren SA.-Leuten mit Stuhl- deinen so lange mißhandelt, bis er bewußtlos zusammen- brach. Als er aufwachte, mußte er feststellen, daß er aus einem Auge fast erblindet war. Auch ein weiterer Zeuge, der. seinen Namen nicht nennen kann, weil seine Eltern sich noch in Deutschland befinden, wurde— und zwar in Stuttgart— von Nazis bis zur Be- wußtlosigkeit geschlagen. Er war im Konzentrationslager Heuberg während vier Monaten interniert: die Gefangenen wurden mit schwersten Arbeiten, in Steinbrüchen und beim Straßenbau, beschäftigt. Die Witwe eines Berliner kommunistischen Funktionär? sagt aus, daß ihr Mann verhastet worden war und daß sie zunächst über sein Schicksal nichts erfahren konnte. In der Strafanstalt Tegel, wo sie sich erkundigte, legte man ihr drei Fotos vor und fragte sie, ob das ihr Mann sei. Tie bejahte. Dann fragte sie, wo sich ihr Mann befinde.„Wissen wir nicht." Die Frau fragte in Moabit.„Wissen wir nicht." Nach sechs Wochen erkundigte sie sich im Horst-Wesiel-Haus und erhielt die Antwort:„Der Lump lebt nicht mehr." Der fünfte Zeuge, Heinemann, war in den Konzentra- tionslagern Mooring und Oranienburg interniert worden, weil er Jude ist. Während der ersten 18 Tage ließ man ihn fast nicht schlafen:„Man schlug mich Tag und Nacht. Man wollte Geständnisse erpressen. Alle Juden, Marxisten und marxistische Juden, die mir bekannt seien, sollte ich angeben. Am 18. Tag brach ich fast leblos zusammen. Ich mußte ins Hospital transportiert werden, aber die SS.»ersuchte, den Transport zu verhindern, weil mein Körper sich in einem grauenerregenden Zustand befand. Schließlich wurde ich in einem Einzelzimmer des Hospitals untergebracht, damit keiner der andern Kranken mich sah." Das Bild des Schreckens wurde ergänzt durch die AuS- sagen eines Jungen von 18 Jahren. Feldmann, der, ohne einer politischen Partei anzugehören, im Konzentrations- lager Oranienburg interniert wurde, weil er Jude ist. Er befand sich dort mit Kameraden, deren jüngster 13 Jahre alt war. Der Vorsitzende. Rechtsanwalt Campinchi. schloß die Sitzung mit einem Appell an die Oeffentlichkeit: es sei, er- klärte er, Aufgabe eines jeden Einzelnen, sich mit allen seinen Kräften gegen die Grausamkeiten zu wenden, die un- unterbrochen in Nazi-Deutschland begangen werden. ch Der frühere OrganisationZleiter des Unterbezirks Eisenach der KPD., Zieger, der seit Mai vorigen Jahres mehrfach verhaftet worden war. aber immer wieder entlassen werden mußte, weil ihm nichts nachgewiesen werden konnte, ist jetzt nach erneuter langer Haft in seiner Zelle tot, mit geöffneten Pulsadern, aufgefunden morden. Schulkinder ohne Schuhe iJnpreß.) Nach Ermittlung des Karlsruher Schulamts aibt es in Karlsruhe 3900 Schulkinder, die kein normales Schuhzeug besitzen. Viele Kinder müssen in' billigen Turn- schlappen und sogar in Strümpfen bei Schnee und Eis zur Schule gehen. 42 Prozent aller Schüler und Schülerinnen sind bedürftig. Und nun bezieht er Arbeitslosenunterstützung? Soeben erscheint eine Biografie des Präsidenten der Arbeitsfront Dr. Robert L e y. Die Herren haben es alle recht eilig, sich biografisch verherrlichen zu lassen, denn mau kann nicht wissen, wie lange es noch möglich ist. In dem kleinen Buch wird mit besonderem Stolz das Räuberstückchen vom 2. Mai erzählt: der Ueberfall auf die Gewerkschastshäuser und der Diebstahl des marxistischen Arbeitervermögens. Zum ersten Male wird öffentlich zuge- geben, daß der Reichskanzler von dieser angeblich nichtamt- lichen Aktion wußte, sie ausdrücklich gebilligt hat und die Polizei Besehl erhalten hatte, sich passiv zu verhalten. Also ein durchaus„legaler" Akt ganz im Sinne der Eide Adolf Hitlers und seiner Spießgesellen. Bei der Schilderung des Einbruchs in die Gewerkschasts« lassen werden natürlich auch die„Bonzen" als Inhaber großer Bankkonten vorgestellt. So heißt es u. a.: „Es stellte sich heraus, daß der Proletarierführer Löbe ein Konto von über 3 Millionen Mark hatte. Es war aller» höchste Zeit, daß eingegriffen wurde. Es ist dankenswert, daß Löbes 3 Millionen Mark, von denen man so lange nichts mehr gehört hat, nun noch einmal auftauchen. Inzwischen wird überall im Auslande ein Jnter- view Löbes verbreitet, in dem er schildert, daß er Arbeit suchend durch die Straßen Berlins pilgert wie Hundert- taufende andere auch und 11 Mark Arbeitslosenunterstützung die Woche bezieht wie zahlreiche Leidensgefährten auch. Wie reimt sich das mit dem Bankkonto von 3 Millionen Mark zusammen? Will sich der Dr. Robert Ley nicht dazu äußern? Gewiß gäbe es die Möglichkeit, daß Paul Löbe die 3 Mil- lionen Mark unrechtmäßig erworben gehabt hätte, aber bann würde ihm doch längst ein großer Korruptionsprozeß nnge- hängt worden sein und mir hätten schon hundertmal in allen deutschen Zeitungen von der Verworfenheit dieses marxistischen Spitzbuben gelesen. Die 3 Millionen Mark wären mit Glanz und Gloria enteignet worden, aber das wäre be- stimmt nicht still und rücksichtsvoll mit Rücksicht aus Löbes Reputation geschehen. Wahrheit ist natürlich, daß Löbe diese 3 Millionen Mark nie besessen hat, so wenig wie Severing jemals die 2 Mil- lionen Mark, deren Diebstahl ihm während des vor- jährigen März-Wahlkampses von allen Plakatsäulen Deutsch- lands vorgeworfen morden ist. Es herrscht in Deutschland eine Bande von Verleumderin Die Lüge von Löbes 3-Millionen-Konto erweist es von neuem. Alle Bäckermeister In Schutzhaft! Der pfälzer Gauleiter macht seine Drohung wahr! Aus der Pfalz vird gemeldet: Sämtliche Bäckermeister von Winnweiler, serner einer von Rockenhausen wurden durch den Sonderkossimissar beim Bezirksamt Rockenhausen in Schutzhaft genommen, weil sie den Brotpreis um 10 Pfennig für den Laib erhöht hatten. Diese Maßnahme erfolgte ans Anordnung der Gauleitung, die auf dem Standpunkt steht, daß eine Preiserhöhung des wichtigsten Lebensmittels bei gleichbleibendem Einkommen der Arbeiter einer Sabotage gleichkomme. Line Aktion gegen unsoziale Wohnräume des Personals von Fleischern und Bäckern Berlin, 21. Febr.(V&Z.) Tie Reichssachfchaftswarte der Fleischer und Bäcker in der Deutschen Arbeitsfront haben etile Anordnung erlassen, wonach vom 15. Februar ab in Verbindung mit den Obermeistern der zuständigen In- nungen-eine Generalkontrolle sämtlicher Schlafstellen und Unterkunftsräume aller bei Meistern ivohnenden Gesellen, Lehrlinge und Verkäuferinnen vorzunehme» ist. Bei Schlaf- räumen, die nicht dem Gutachten des Reichsgesundheits- amtes entsprechen, ist dem Meister eine Frist von 14 Tagen zur Abstellung dieser Mißstände zu geben. Sollten dennoch einzelne Meister sich weigern, die Räume in Ord- nung zu bringen, so ist unverzüglich Strafanzeige zu erstatten. Die Bezirkssachschafts warte hasten mit ihrer Person dafür, daß die Schlafstellen der Gesellen, Lehrlinge und Verkäuferin- n e n ab 15. März in Ordnung sind. Lehrlingserziehung In der„Arbeitsrechts-Samminng"(LAG. Nr. 32j finden wir folgenden pädagogischen Grundsatz:„Ein IsjäHriger Junge, welcher in der Familie eines kommunistischen Stadt- verordneten aufgewachsen ist, hat keine eigene politische Mei» nung, er ist irregeleitet und muß erzogen werden, um auf den rechten Weg zu kommen. Wenn er«Heil Moskau" ruft, so ist dies als Dummeriungenstreich anzusehen, und der Meister wird ihm derartige Streiche durch Anwendung der gesetzlich erlaubten Zuchtmittel austreiben können und müssen." Ermutigend aber- heikel Edens ROstungsgespräche In Berlin London, 22. Febr. Die'Meldungen der Berliner Bericht- erstatter der englischen Presse über, die Besprechungen des Lorbsiegclbewahrers Eden mit den Mitgliedern der Reichs- «gierung sind in einem ziemlich optimistischen Ton gehalten. Ter Berliner Korrespondent der„Morning Post" will von einer zuverlässigen Seite erfahren haben, daß in der Kon- sercnz vom Mittwoch eip ermutigender Fortschritt in Bich- tnng giif.cin englisch-deutsches Einvernehmen in der Ab- rüstuugsfragc erzielt morden fei. Am Abend eines arbeits- reichen Tages seien die. Aussichten so gar noch verheiszungs- voller gewesen als am Dienstag, wenn sich auch die Verhandlungen immer noch in einem heiklen Stadium befänden. Die Verlängerung des Aufenthaltes Eden um 24 Stunden werde als ein Zeichen dafür betrachtet, daß' die Verhandlungen Früchte zeitigten. Eden habe in Berlin einen bemerkens- werten persönlichen Erfolg erzielt. Seine Jugend und der Umstand, dasi er am Kriege teilgenommen habe, sicherten ihm gpnz von selbst Achtung in einem Lande, wo die Kriegs- generation am Ruder sei. Auch in dem Bericht des Berliner Korrespondenten des „Taili, Telegraph" heißt es, dasi die Aörüstungsmission Edensln sehr besricbigcnder Weise vonstatten gehe, Es werde nicht als ungünstiges Zeichen angesehen, dasi die Berhand- hinge» länger dauerten als ursprünglich erwartet worden sei. Ter heutige Donnerstag werde der entscheidende Tag sein. Tic Lage könne als heikel, aber aussichtsvoll bezeichnet werden. Ter Berliner Korrespondent der„Daily Mail" meldet, es herrsche die Ansicht, daß der gestrige Meinungsaustausch sehr förderlich gewesen sei. Der Berliner Korrespondent der„Times" meldet: Der nach den ersten Besprechungen entstandene günstige Eindruck dauert an. Eden hat seinen Aufenthalt verlängert, nicht weil die Erörterungen sich als schwierig erwiesen haben, sondern weil die am Mittwoch geleistete Arbeit äußerst förderlich war und die Fortsetzung der Besprechungen als vorteilhaft er- scheinen ließ. Ueber die Besprechungen, die auf manche Einzelheiten der britischen Denkschrift und die deutsche Hal- tnng'sehr genau eingehen, läßt sich nichts Endgültiges sagen. Es sollte nicht vergessen werben, daß von diesen Wer- Handlung e n keine formelle Vereinbarung erwartet werden kann, sondern daß sie dazu bestimmt sind, alle ctw argen Mißverständnisse anszu- klären und womöglich zu zeigen, wie die internationale Prüfung der Borschläge am besten fortgesetzt werden kann. Pari« Weife! shepüsch Deutsch-französische Gegensätze unvermindert DNB. Paris, 22. Fcbr. Die Pariser Morgenpresse ver- folgt nach wie vor sehr aufmerksam die Berliner Unter- redungcn des englischen Lordsiegelbewahrers Eden. Wenn man auch zugibt, daß auf beiden Seiten die größten An- strenhungen gemacht werden, um eine Einigung in der bezeichnet Eben als einen Optimisten, der die Diplo- matte so auffasse, als ob sie in der Verneinung der äußerst schwierigen Lage bestehe, in der sich die Abrüstungsfrage befinde. Wenn auch nicht bezweifelt werden könne, daß eine Verständigung möglich sei, so dürfe man andererseits nicht vergessen, daß sich die französische und die deutsche Auffassung nicht genähert hätten. Der„P o p u l a i r e" glaubt ans dem Umstand, daß Eden seinen Berliner Ausenthalt verlängert hat, die Schlußfolge- rung ziehen zu können, daß die Besprechungen bisher wenige oder gar keine Fortschritte gemacht hätten. Deutschland verfolge inzwischen die alte Taktik, die darin bestehe, alle Zugeständnisse auszunützen, um seine Forderungen immer höher zu schrauben und den Kamps mit vorgeschobenen Posten weiterzuführen. Der Berliner Sonderberichterstatter des„I o u t" will wissen, daß sich die gestrigen Besprechungen in Berlin aus die Frage der Tanks. Flngzcugabwehrgeschühe und die E f f e k t i v b e st ä n d c des Heeres bezogen hätten. Die Kommentare, die in offiziösen Kreisen an diese Besprechungen geknüpft würden, ließen darauf schließen, daß die Reichs- regierung, die sich bisher aus die Forderung nach Ber- tcidigungswaffen beschränkt habe nunmehr sämtliche Waffen- gartungen fordere, über die die anderen Mächte verfügten, und zivar unter dem Borwand, daß Frankreich sich jeder Auf- rüstung widersetze. Unter diesen Umständen müsse man zu- geben, daß die Verhandlungen ziemlich an Umfang zu- nähmen, und man könne sich nicht mehr der Gegensätze ver- schließen, die zwischen der französischen und der deutschen Auffassung bestehe. 4400 deutsche Fi ugzcuge Görings Forderungen Paris, 22. Febr.(©ig. Berichts. Die Erklärungen Görings gegenüber dem Bcrtreter der„Daily Mail", der 40 Prozent der Luftflotte aller benachbarten Staaten verlangte, hat in diplomatischen Kreisen stärkstes Aufsehen erregt. Plan rechnet auö, daß«Döring danach 4400 Apparate haben will, indem man als Basis eine unter den Auspizien des deutschen Luft- Ministeriums veröffentlich:« deutsche Broschüre nimmt,, nach welcher Frankreich 4500, England 24'0, Rußland 20 000, Belgien 300, Polen 1000 und die Tschechoslowakei 750 Appa- rate haben. Franftreich und die Saargruben Starkes Interesse DNB. Paris, 22. Febr. Der Nancyer Sonderberichterstatter des„Maiin" berichtet seinem Blatt die Ziffern der Kohlen- Produktion der französischen Domanialgruben im Saar- gebiet ssir das Jahr 1032, die sich auf 10 561000 Tonnen beliefen. Das Defizit der französischen Produktion im Gegen- satz Verbrauch belaufe sich für das vergangene Jahr auf 21 Millionen Tonnen. Allein diese Tatsache, so schreibt der Sonderberichterstatter, beweise das große Interesse, das Frankreich a» der Beibebaltuna der Saargruben auch nach der Volksabstimmung habe, besonders ivenn man berücksichtige. daß die deutsche Kohlenproduktion sich,gu.s 120 Millionen Tonnen belaufe.---. Na® der Merreidiisdien S®ia®( Das dlploma!is®e Spiel um Wien Aus der illegalen österreichischen Sozialdemokratie wird uns geschrieben: Die Arbeiter von Wien haben eine Schlacht, aber keinen .Krieg verloren. Wer die Tinge miterlebt hat, iver den kaum vvrstcllbaren Heroismus der Wiener Proleten gesehen.hat, der ivciß daß eine Beivegung, die Menschen mit solcher Kampfkraft zu erfüllen weiß, nicht zu töten ist. Und ta- sächlich: während die grpn-iveißen Fahnen ans dem gestvhle- nen Rathaus wehen, während die Standgerichte arbeiten, begleitet von christlichen Reden, beginnt die Reusormierung der Partei. Ungebrochen steht sie da und die aktiven Ge- Nossen haben bereits mit der illegalen Arbeit begonnen! So laut und heftig sich der Dollfuß-Fey-Faschismus gebärdet, er ist nach feistem Sieg schwächer denn vorher. Das klingt absurd. Doch man überlege: die größte Partei des Landes, die Verbindungen und An-erkeunung bis weit in die Lager der Bürgerlichen hatte, ist in die Illegalität gedrängt, ist unkontrollierbar geworden, über ihre Kräfte, Arbeiten und Methoden, die in der Demokratie klar zu Tage lagen, kann sich die Regierung nicht mehr unterrichten. Jeder öfter- reichische Sozialdemokrat weiß, daß die Partei immer wieder den Versuch gemacht hatte, mit den demokratischen Elementen des Bürgertums gegen den Hitlerismus zusammen zu arbeiten,' bis zum letzten Augenblick— das weiß jeder öfter- reichische Vertrauensmann— bestand im roten Lager die Bereitschaft zu einer demokratischen Kooperation. Diese Tat- fachen sind dokumentarisch zu beweisen und sie werden beut- licher und früher als die Hängcchristen in Wien das wünschen, der Weltöffentlichkeit vorgelegt werden. Tie Verantn^rtung für das, was geschehen ist, liegt uneingeschränkt auf den Schultern der Tollfuß. Fey, Schmitz, die nun mit blutigen Hg irden um die vermeintliche Beute zu strcitcu beginnen. Im Innern des Landes werden die Herren einige Zeit im Besitz der Beute bleiben. Oesterreich war immer ein außenpolitisches Problem.'Nun, nach dem Sieg des grünweißen Faschismus' ist es nur noch ein außenpolitisches. Der Sieg der Heimwchren bedeutet eine Niederlage Frankreichs, bedeutet eine schwere Gefähr- dnng der Tschechoslowakischen Demokratie und dtr kleinen Entente überhaupt. Ungarn und däs Gcgenösterreich sollen offen zum Gegenspieler der kleinen Entteiiie gemacht. Met- den. Es unterliegt.keinem Zweifel,'daß die enge Verbindung zwischen Ungarn und Oesterreich von monarchistischen Kreisen stqrk gefördert wird, keinem Zweifel, daß Dollfuß, Fey, Sjarhemberg Anhänger der Habsburger sind und daß Italien, um die österreichisch-ungarische Position zu halten, auch d'c Habsburger in Kauf zu nehmen bereit ist. Aber weder die heutigen Machthaler noch die Habsburger sind eine wirkliche Gefahr für di? Wiener Arbeiterbewegung. Die wirkliche Gefahr sind di: N>rr vehementen Agitation eingesetzt haben/als ob sie der ganzen Welt so recht zum Bewußtsein bringen wollten, daß Tvllfuß einen Schutzwall des europäischen Friedens und der europäischen Demokratie mit der Arbeiterbewegung zerstört hat. um seine Kombination von Galgen und Heurigenmustk zur Herrschaft zu bringen. Wer Augen hat. um zu sehen, der muß bemerken, daß in dem„neuen" Oesterreich, das in Wirklichkeit vor Alter stinkt, der kommende Weltkrieg schläft.' Schon beginnen die italie- irischen Agenten Versöhnungssaden von Berlin»ach Wien zu spinnen. In diesem Augenblick schickt sich die Heimmehr an, auch die Auflösung der Ehristlichsvzialen zu beginnen: so bleibt der Partei des Dollfuß selbst nur die eine Chance, ihr Leben um eine kurze Koalition mit den Nazis zu verlängern. Aus verläßlicher Quelle erfahren wir, daß mit Dollsnß über die Ausnahme des ehemaligen Gauleiters Frauenfeld in die Regierung verhandelt wird. Die Meinung der Christlich- sozialen, sich so erhalten zu können, zeugt von übertriebenem Optimismus. Aber dieser Optimismus ist eine europäische Krankheit und Europa wird an ihr, von Oesterreich aus- gehend, den zweiten Weltkrieg erleben. »eine NafesfeurgerFlonarfflie Benesch gegen einen österreichisch-ungarischitalienischen Block London, 22. Fcbr. Zweifellos im Hinblick aui den Besuch des italienischen Staatssekretärs Suvich in Budapest hat der tschechische Außenminister Dr. Renesch einem Tonder- berichteritatter der„Morning Post" u. a. erklärt, daß d i e W i e d e r a ii i r i ch t u i! g einer ö st e r r e i ch i s ch- u n- garischen Monarchie außer Frage stehe. Ebenso glaube er nicht, daß das Projekt eines faschistischen W i r t- s ch a i t s b ll n d n i s s e ö zwischen Oesterreich und Ungarn, das Gerüchten zufolge von Mussolini empfohlen wurde, sich durchführen lasse. Taftir sei die mitteleuropäische Frage viel z u kompliziert. Sie erheische eine Zu- sammenarbeit aller mitteleuropäischen Länder. Ein faschistischer Block in Mitteleuropa würde nur neue Feindschaft hervorrufen ober auf jeden Fall neue Gegen- sätze zu den Ländern, die die Kleine Entente bilden. Oester reich und Ungarn hätten bereit? einen beträchtlichen Handel mit Rumänien, Slldslawien und der Tschechoslowakei. Sie würden diesen Handel verwirken, wenli sie in das geplante System eintreten sollten. Ein österreichisch ungarisch italienischer Block würde im Herzen Europas eine gekünstelte Lage schassen, die für den Frieden Europas Schwierigkeiten hervorrufen würd.e. Es sei eine Tatsache, daß alle in Frage kommenden Länder zusammenarbeiten müßten. Sic sollten ein System der Zusammenarbeit schassen, das sowohl die Zu stimmnng Deutschlands als auch Italiens finden könnte. Mussolini gegen Nails Hitler-Organisation in Triest aufgelöst! Trieft, 19. Febr. Die Polizei verhaftete hier einen Deutschen und zwei Oesterreicher, die in zwei Kosfern 40 Tränengas- und Rauchbomben mit sich führten, die sie nach Oesterreich einschmuggeln wollten. Anschließende Unter- suchungen führten zur Entdeckung eines Lagers, enthaltend 310 Bomben gleicher Art wie oben, automatische Pistolen und Flugblätter gegen Oesterreich. Als Folge dieser Berhastungen und Waffenfnnde hat die faschistische Polizei von Triest die dortige Naziorganisatiou aufgelöst. Fngland schieb! Nazis ab Verunglückte SA.-Reise London, 22. Febr. Die beiden in London in voller Uni« form im Flugzeug eingetroffene» deutschen Nazis haben England sang- und klanglos verlassen müssen, und zwar auf Anweisung der deutschen Behörden. Die beiden wollten den Faschisten Englands einen Besuch abstatten, hatten aber über- all einen frostigen Empfang, zumal niemand mit ihnen deutsch sprechen konnte. Man hat ihnen Zivilkleider geliehen und sie sind bereits nach Berlin zurückgeflogen. Hungermarsch 10 000 Hilfspolizisten dnb. London, 22. Febr. Die oberste Polizeibehörde von London, Scotland Nard, hat Pläne für die Ankunft ber „Hungermärschler" ausgearbeitet, die am Wochenende in Lvndon eintreffen werden. Besondere Vorsorge ist für die Hyde-Park-Masscnkundgebung getroffen worden. Von 20 000 als Hilfspolizisten eingeschriebenen Zivilisten werben 10 000 einberufen werden. Die Besitzer von Läden in der Nähe deS Hyde-Parks treffen Borsichtsmaßnahmen, um bei etwaigen Ruhestörungen ihr Eigentum vor Schaden zu bewahren. Puvland und Japan Neuer Zwischenfall dnb. London, 22. Febr. Die Sowjetbehördcn tu Wladiwostok haben die japanischen Gebote bei den Ftschversteigerungen für ungültig erklärt, weil die hinterlegten Gelder den alten Rubelkurs zur Grundlage hatten. Ein Wortführer des japanischen Außenministers erklärte am Mittwoch, dieses Vorgehen sei ein Vertragsbruch. Japan erhebe nicht nur Einspruch, sondern verlange auch Abbitte. Der Wortführer klagte auch darüber, daß die maßgebenden Stellen in Moskau japanischen Diplomaten gegenüber nicht die genügende.Höf- lichkeit zeigten. Am 13. und 19. Februar hätten der Bot- schaster Ota und der Botschafter S'kö gewünscht. Litwin'öw und den Leiter der fernöstlichen Abteilung, Pusekevitsch, zu sprechen. Tie seien aber bedeutet worden, daß die Genannten zu beschäftigt seien, um sie zu empfangen. Indianer wehren sich Gegen weiße Ausbeuter . DNB London, 22, Febr. Wie die„Time s" ans Port of ' Span, fTrirti&nM meldet, wurde die Kommission zur Regelung der Grenze zwischen Venezuela und Columbia des Nachts von'Mmilcme-:>ndiancrn ikberfallen. Di? Indianer, die mit Giitpieilen schössen, töteten drei Beamte und ver- mundeten neun Arbeiter. Der columbianischc Kommissar Don Juan Arbelah berichtet, daß die Motilone gelobt hätten, sich dem Eindringen der Weißen ani ihr Gebiet bis zum Tode zu widersetzen. In den letzten Jahren hätten sie zahl- reiche Angriffe auf Lager von Weißen unternommen, die ge- kommen ivaren, um die Bodenschätze des Landes zu unter- suchen. Ans freundschaftliches Anerbieten der Weißen wollten sie sich nicht einlassen. Tänzerinnen spionierten? Staviskys Freundinnen Paris, 22. Febr. Die Meldungen über eine angebliche Tpivnagetätigkcit der Schauspielerinnen Rita Georg und Marianne Kupfer in Verbindung mit der Staoisky-Asfare erregen großes Aufsehen. Rita Georg hat in Wien, wo sie sich jetzt aufhält, der Presse gegenüber bestritten, mit der Spionage etwas zu tun gehabt zu haben. Ebenso Marianne Kupfer, die von London nach Paris zurückgekehrt ist. Der österreichische Industrielle Karl Bloch-Bauer, der eben- falls in Verbindung mit der Affäre genannt wurde, ist schwedischer Konsul in Wien. Er hat dem bekannten Pariser .Korrespondenten Geo London erklärt, daß er Beziehungen gehabt habe zu Frau Schnellhorn, der Frau eine? Beamten der deutschen Botschaft in Paris, ber heute in der Wilhelm- straße beschäftigt ist. Diese Dame sei geborene Oester» reicher!». Es habe sich aber nur um gesellschaftliche Be- ziehungcn gehandelt. D-Zug verungliiA! 14 Leichtverletzte DNB. Dortmund, 22. Febr. Der am Mittwoch um 23.86 Uhr in Dortmund eingelaufene D-Zug 199 fuhr kurz vor dem Bahnsteig 3 in stark gebremstem Tempo gegen eine Lokomotive. Bei dem Anprall wurden hauptsächlich schon tu den Seitcngängen stehende Reisende, die in Dortmund den Zug verlassen wollten, in Mitleidenschaft gezogen. Es mel- beten sich 14 Reifende mit leichten Verletzungen, die aber sämtlich den Heimweg antreten bzw. die Reise fortsetzen konnten. Eine Entgleisung erfolgte nicht. Die Untersuchung über die Schuldfrage wurde sofort eingeleitet. Marineflugzeug zerschell! Fünf Tote, ein Schwerverletzter DNB. Tokio, 22. Febr. Wie aus Söul s.Koreai gemeldet wird, kam es bei dem Fluge eines aus 17 Flugzeugen be- stehenden japanischen Marineslugzcuggesch.vaders, das von Omura lKiuschui nach Heijo sAvreaj unterwegs war. zu einem schweren Unglücksfall. Ein Flugzeug, raste infolge des Nebels gegen einen Felsen nnd zerschellte. Bon der ans sechs Marineoffiziere» bestehenden Besatzung wurden fünf getöte' und einer schwer verletzt. * Nach einer in Paris vorliegenden Meldung aus Greus «Spanien! sind gauze Rudel von Wölfen in die Wälder in der Nähe von Camba Laza vorgedrungen nnd haben bisher nicht weniger als«Ott Schafe zerfleischt. Die Bevölkerung zeigt sich außerordentlich beunruhigt und fordert von Madrih Hilfsmaßnahmen, nm dieser Plage ein Ende zu mache«. Dr. Arthur Sämid: Arbeiter fallen- ein König stirbt bie österreichischen Opfer und Belgiens Trauer Dieser Tage wurde der Tod von König Albert I. ge- Meldet. Die Meldungen waren anfangs etwas unklar. Später gab man detaillierte Berichte über das Bor- kommnis. Fast gleichzeitig mit der Todesnachricht kamen die Nach- richten von der Landestrauer, die in Belgien herrsche. Im schweizerischen Radio verkündete man, daß die Anteilnahme des Schweizervolkes an dem tragischen Tod des Königs der Belgier groß sei. Diese Mitteilung wurde in einem Moment verkündet, in welchem der kleinste Teil des Schweizervolkes die Todesnachricht er- halten hatte. Es handelt sich also in erster Linie um eine Hoflichkeitsmeldung. Die Regierungen beeilten sich, dem belgischen Ministe- rium und dem belgischen Volke Beileidstelegramme zu senden. Auf den Regierungsgebäuden wurden die Fahnen auf halbmast gesetzt. Der belgische König ist nicht ganz 60 Jahre alt ge- worden. Wir haben den Eindruck, daß er ein guter Mensch und, so weit das in seinen Verhältnissen möglich war, ein gerechter König war. Sein Tod fällt in eine Zeit hoch- politischer Spannung! in eine Zeit, wo auch dem kleinen Belgien, das im Weltkrieg so unendlich viel gelitten hat. wiederum die Kriegsgefahr vor Augen steht. Sicher ist es. nach den diplomatischen Gepflogenheiten unserer Tage, verständlich, daß die Höflichkeitsformeln in der Teilnahme am plötzlichen Tode des belgischen Königs zum Ausdruck kommen. Aber kennzeichnet das nicht die ganze heutige Situation, wenn man auf der andern Seite das Schweigen über die gefallenen Helden in Oesterreich diesem lebhaften Beileidssturm beim Tode des Königs gegenüberstellt? Dabei geht man in den Kreisen der herrschenden Diplomatie noch viel weiter. Man schweigt nicht nur, sondern man lobt Dollfuß und sichert ihm sein Regime. So sprechen nicht nur die Diplo- maten Mussolinis, sondern auch die Diplomaten Englands und Frankreichs. * In Oesterreich sterben Männer des Volkes, tapfere und mutige Arbeiter und Angestellte, intelligente und wert- volle Menschen. In Oesterreich werden Führer des Schutz- bundes und der Sozialdemokratie gehängt. In Oester- reich herrscht die Ungerechtigkeit und namenloses Elend. Wegen der toten Helden in Oesterreich werden keine Beileidstelegramme versandt. Es wird nicht auf halbmast geflaggt. Es wird am Radio nicht verkündet, daß ein großer Teil des Volkes warme Anteilnahme für die öfter- reichischen Helden und ihre Hinterlassenen empfindet. Das Radio ist in den Händen der Machthaber. Die Regierungen haben diplomatische„Pflichten". Man nimmt als Leitsatz für alles Handeln, wenn es um tote Freiheit?- Helden geht, Sprüche, wie:„Man darf sich nicht in fremde Angelegenheiten einmischen. Es geziemt Zurückhaltung!" Die Wahrheit darf also nicht ausgesprochen werden. Die Gerechtigkeit ist zu verleugnen. Aus diplomatischen, politischen und Gründen der Klassenzugehörigkeit muß das ganze Geschehen in Oesterreich entweder totge- schwiegen werden oder, was noch schlimmer ist. in das Gegenteil verkehrt werden. Der Hauptschuldige an der österreichischen Tragödie, Dr. Dollfuß. empfängt die Pressevertreter in Wien Die Depeschenagenturen und die Radiosender verkünden, daß der Bundeskanzler Dr. Doli- fuß eine große Rede vor der ausländischen Presse ge- halten habe. Ein paar Minuten später verkünden sie, daß es in Oesterreich sehr wahrscheinlich nicht mehr lange dauern werde, bis alle Parteien aufgelöst werden. Die Christlichsozialen würden sich sehr wahrscheinlich selber auflösen. Ein paar Minuten später verkünden die Sender, daß der Metallarbeitersekretär Styonek in Graz vom Standgericht zum Tode verurteilt und einige Stunden später gehängt worden sei. Ein paar Stunden später ver- künden die Sender, daß man Kolman Wallisch, auf dessen Kopf eine Prämie von 5000 Schilling ausgesetzt war. ge- fangen genommen habe, und sie vergessen nicht, um ihn in den Augen aller ruhigen Bürger zu diskreditieren, bei- zufügen, daß er an der Räteregierung in Ungarn beteiligt gewesen sei und andere Sender erklären, daß man in Wien erwarte, daß er zum Tode verurteilt und gehängt werde. Aber über die Trauer, die in den Herzen des arbeiten- den Volkes herrscht, wird am Radio nichts gesagt. Man schweigt das alles tot. Die Millionen von Radiohörern sollen den Eindruck haben, als ob das Land, für das der Sender spricht, alles das in Ordnung findet, was der Sender bekannt gibt. Damit erweckt man bewußt den Eindruck, daß die österreichische Tragödie erledigt sei, und daß man in dem betreffenden Land sich mit diesen Tat- fachen abgefunden hätte. Das ist ein Mittel, um die Coli- darität der Gerechtigkeit und des Mitleides nicht zum Ausdruck kommen zu lassen. Das ist ein Mittel der Herr- schaftsmethoden der heutigen Herrschenden. Ein König verunglückt— die ganze Welt spricht davon. Helden des Sozialismus werden in schwerem Kampfe überwunden. Man schweigt über sie oder versucht, ihre Sache schlecht zu machen und sie zu diskreditieren. In solchen Stunden müßte es allen Arbeitenden und allen Gerechtdenkenden und allen jenen, die nach Freiheit und Gerechtigkeit dürsten, klar werden, daß jede Ab- lenkung und jede Unklarheit schädlich ist. Nie werden die Mittel der Herrschenden in den Dienst der Wahrheit und der Gerechtigkeit gestellt, denn wir leben in einer Welt des Unrechts und der Un- freiheit. Wir leben in einer Welt, in der die Diplo- matie herrscht. Wir leben in einer Welt, wo man sich von oben bis unten fragt:„Darf man das so oder darf man das anders sagen? Was nützt es der oder jener Schicht, wenn man es so sagt und wenn man es nicht anders sagt?" Wenn man diese Zustände sieht und sie endlich klar sieht, dann ist das schon ein großer und gewaltiger Fort- schritt. Aber die Erkenntnis, die aus diesem Fortschritt des Denkens resultiert, wird ewig unfruchtbar bleiben, wenn man sich damit begnügt, über die Ungerechtigkeit dieser Welt zu jammern und Anklagen zu erheben gegen die Herrschenden. Mit diesen Anklagen allein istesnichtgetan. Das nehmen die Herrschaften nicht tragisch. So wenig wie sie es tragisch nehmen, daß in Oesterreich eines der größten Kulturverbrechen begangen wurde. Die großen Massen des Volkes müssen endlich einmal zur Einsicht kommen, daß von ihnen und nur von ihnen und sonst von niemanden anders in der Welt das Schicksal der Völker abhängt. Dabei müssen sie sich auch klar sein, daß die Macht der Arbeiterklasse unendlich groß ist. Nichts hat das deutlicher gezeigt, als die österreichische Tragödie. Nur ein ver- hältnismäßig geringer Teil des arbeitenden Volkes hat in diesen Kämpfen mitgewirkt. Ein anderer Teil ist seiner täglichen Arbeit nachgegangen, auch wenn sein Leid bei den Kämpfenden war. Ein anderer Teil war bei den Henkern. Das waren jene, die ihre Seele ihnen schon längstens verkauft hatten. Das arbeitende Volk wäre unbesiegbar, wenn es aktiv wäre. Aber die Aktivität kann nicht durch einen Wunsch und nicht durch ein Wunder herbeigeführt werden. D i e Aktivität erwächst aus dem kleinen täg- lichen Geschehen heraus. Die Aktivität erwächst aus der klaren Erkenntnis dessen, was ist. Die Aktivität wächst und wächst und wird zur realen entscheidenden Macht, wenn das Volk einmal erkennt, daß es im Alltag und zwar jeden Tag handeln muß. Wer der Meinung ist, daß wir das Radio besitzen müßten, daß wir die bürgerliche Presse besitzen müßten, daß wir die bürgerliche Verwaltung besitzen müßten und alle Machtmittel des heutigen Staates, um etwas tun zu können, der ist im Grunde genommen ein großer Pessimist, ein Kleingläubiger, wie er im Buche steht. Solche Gedanken können nur ablenken von der täglichen Arbeit. Solche Gedanken können nur schädigen. Mit solchen Gedanken erobert man die Machtmittel des Staates nicht. Gerade in diesen Tagen, wo man über den Tod eines Königs so viel schreibt, so viel spricht, so viele Telegramme versendet, so viele Fahnen auf halbmast setzt, und wo man in den Kreisen der Herrschenden über das gewaltigste Ge- schehnis dieses Jahrzehnts, über den Heldenkampf des österreichischen Proletariats schweigt, müßte es dem letzten Arbeitenden, dem letzten Mann und der letzten Frau klar werden, daß auf ihnen eine schwere und gewaltige Ver- antwortung liegt. Die Verantwortung nämlich, daß sie handeln müssen. Wenn das Radio schweigt über die Helden von Oester- reich, dann müssen die Menschen sprechen. Jene Menschen, in denen das österreichische Leid widerhallt und die von einer seelischen Not erfüllt sind. Der Wunsch, aus dieser Welt hinauszukommen, genügt nicht, so begreiflich dieser Wunsch ist. sondern es ist eine unumgängliche Pflicht, daß man trotz Leid und dem brennenden Gefühl der herrschen- den Ungerechtigkeit zur Tat übergeht. Und diese Tat ist, die Menschen wachzurütteln. sie zu erfüllen mit dem. was Wahrheit ist und was das Radio und die offi- zielle Presse verschweigen. Hier nützt kern Schimpfen und kein Toben, sondern nur die tiefgehende, aus der mitempfundenen Not resultierende Aufklärung?- arbeit. Aber die muß jeder einzelne tun. Wenn man das erreichen könnte, daß die Massen schließlich sich als die Aktiven und Verantwortlichen fühlen, daß jeder einzelne seinen Teil des Handelns auf sich nimmt, dann würden die Machtmittel der Feinde der Arbeiterschaft in sich zusammenbrechen. Das ist die große Lehre, die in diesen Tagen be- herzigt werden muß. Man darf die Tage, in denen die Menschenherzen zittern und sich nach Wahrheit sehnen, nicht in müßiger Selbstbeschaulichkeit, und auch wenn es die Selbstbeschaulichkeit der Trauer ist. vorübergehen lassen. Man darf sich nicht damit trösten, daß einmal das rote Wien wieder auferstehen wird und daß aus dem Blut der Märtyrer die Saat der Freiheit aufgehen wird. Wer sein Herz nur an diese Gedanken hängt und in diesem schönen Glauben nichts tut, versäumt die Stunde der Ent- scheidung und vergißt, daß er zur Tat und nicht zum Philosophieren geboren ist. Die Sache der Arbeiterklasse war trotz dem Schweigen des Radios, trotz den Lügen einzelner bürgerlicher Zeitungen noch nie günstiger, als in diesen Tagen. Aber man muß den Augenblick erfassen und man muß ihn nützen. Wenn der einzelne das tut, jeder einzelne, dann werden die Hoffnungen zur Wirklichkeit werden, die er in seinem innersten Herzen hegt. Jeder muß ein anderer Mensch sein nach diesen Tagen, und dann wird die Welt anders. Er muß endlich brechen mit allem Schlendrian, mit aller Gleichgültigkeit, mit aller Ab- lenkung und er muß ohne Rüchsicht auf die andern seinen Weg der Verantwortung restlos gehen. Dos ist die Tat, die wir den Märtyrern, den Helden von Oesterreich, schuldig sind.. Ganz gleich, ob das Radio schweigt und die Henker ver- leumdeni wenn das arbeitende Volk handelt und wenn es die Wahrheit durchsetzt, dann werdendieOpfernichtumsonstsein! Ein Sdiwarisender Etwas rätselhafte Geschichte Vor dem Strafrichter hatte sich der 32jährige Grafiker Klein aus Dortmund-Eving wegen Vergehens gegen das Runbfunkgesetz zu oerantworten. Das Schöffengericht 3 hatte ihn am 21. Dezember 1233 bereits zu 6 Wochen Gefängnis verurteilt, weil es der Ansicht war. daß ein Schwarz- sender eine bedeutende Gefahr für bie Re- gierung und die Volksgemeinschaft sei, denn auf diesem Wege sind schon allzuviel« Greuelmärchen ins Ausland gelangt. Klein hatte gegen dieses Urteil Berufung eingelegt mit der Maßgabe, daß die Strafe zu hoch sei, denn er habe mit der Erteilung der Genehmigung zum Bau eines Kurzwellensenders von feiten des Reichspo st- Ministeriums bestimmt rechnen können. Nur dieses Strafverfahren habe die Genehmigung abgestoppt. Klein ist von 1327 bis 1332 eingeschriebenes Mit- gl ed der SPD. gewesen und hat in Osnabrück einen Parteisender geleitet. Später war er technischer Leiter des Arbeiter-Radio-Clubs. Beruflich arbeitete er in Osnabrück in einem SPD.-Verlag. in Dort- mund im Berlage Geriich. der die Westfälische Allgemeine Bolkszeitung herausbrachte. Kriminalpolizei und Telegrafenamt der Reichspost hatten im einstigen SPD.-Hause Kielstraße bei einer Durchsuchung verschiedene Teile einer Großlautsprecheranlage beschlag- nahmt und man beschloh. auch bei verschiedenen führenden Mitgliedern des Arbeiter-Radio-Clubs nachzuforschen. Man traf den Klein zunächst nicht in Eving an. Bald darauf stellte man ihn und der ehemalige technische Leiter des Clubs ver- sicherte, kein« Teile einer Anlage zu besitzen. Die Nachsuch« ergab nichts. Anfang Oktober 1333 fingen die R u n d su n k-U eb e r- wachungsstellen plötzlich eine Sendung auf, die unbe- dingt von einem Schwarzsender kommen mußte. Ein SA.- Sturmführer meldete außerdem, daß aus dem Dort- munder Norden Funkzeichen sTelegrafiel kamen. Er wollt« sogar seinen ganzen Sturm zur Nach- forschung ansetzen. Doch die Reichspost hielt zurück, um den Schwarzsender nicht vorzeitig zu warnen. Eine Nachricht aus Osnabrück wies dann auf Klein und dessen Osnabrücker Tätigkeit hin. Wieder war ein Funkspruch aufgefangen worden, der an eine bestimmte inländische Station gerichtet war. Man hörte den Empfänger antworten:„Sie dürfen nicht senden!" Der andere erwiderte:„Das weiß ich, ich stimme nur ab." Am 7. Oktober fand man bei Klein einen vollbetriebs- fertigen Kurzwellensender, mit dem am 11. Oktober eine ausgezeichnete Sendung erzielt wurde. Das war ein Zeichen dafür, daß der mit großem Geschick gebaut« Sender fertig auf eine bestimmte Welle abgestimmt war, daß mit ihm also bereits gefunkt worden war. Klein gab zu. die vorher er- wähnte radiotelegrafische Unterhaltung u Versuchszwecken geführt zu haben. Er fügte aber hinzu, daß er als lang- jähriges Mitglied des deutschen Amateursendedienstes fDATD.I Berlin, über den Sendcdienst beim Reichspost- Ministerium am ö. August die Sendegenehmigung beantragt habe. Gleichzeitig habe er mit dem Bau der Anlage begonnen, bie er am 3. Oktober fertigstellte. Er wollte also bei der ersten Durchsuchung seiner Wohnung di« Wahrheit gesagt haben. Es wurde ein Schreiben des DASD. verlesen, in dem es hieß, daß Kleinunweigerlichmitder Erteilung der Genehmigung habe rechnen können. Man stellte ihm sogar als tüchtigen Rabio-Amateur, wie auch als politisch einwandfreie Persönlichkeit das beste Zeugnis aus. In einem Satze hieß es sogar, daß die Sendegenehmigung bereits beim Postministerium gelegen habe. Dasselbe hatte der als Zeuge auftretende Elektromeister Hamer gehört, der als einziger Amateur in Groß-Dortmund die Sende- genehmigung des Ministeriums besitzt. Das Gericht unterstellte schließlich als wahr, daß Klein damit habe rechnen können, daß er bie Sendegenehmigung erhielt. Das Bergehen aber blieb, obwohl es jetzt ein wesent- lich anderes Gesicht bekommen hatte. Die erstinstanzliche Freiheitsstrafe wurde ausgehoben und Klein zu einer Geld st rase von 133 Mark verurteilt. Alte Arbeiterfrau schreibt Der Brief einer 73jährigen sJnpreß.) Von einer 73jährigen Berliner Arbeiterfrau er- hielt die Internationale«Rote Hilfe" dielen erschüttern- den Brief:»Darf man etwas im faschistischen Deutschland sagen oder nicht? To muß man sich immer fragen. Welches Gespräch man auch immer führen mag, man läuft immer Gefahr, baß man von der faschistischen Regierung und ihren Knechten am Kragen gefaßt und eingesperrt wird. Das De- nunzieren ist jetzt in Deutschland Mode und auf der Tages- ordnung. To wurden mein Sohn und meine Tochter plötzlich aus unerklärliche Weise verhaftet. Meine Tochter hatte man. ich weiß nicht warum, auf drei Monate inS Frauengefängnis gesteckt— ohne einen vorhergegangenen Prozeß—, und mein Sohn mußte drei Monate im Polizeipräsidium sitzen, wo man ihn, einen gesunden Menschen, taub geschlagen hat— einen Mann von 13 Jahren. Nachdem man ihn einer bestialischen Tortur unterzog, hatte man noch das Herz, meinen Sohn in das Konzentrationslager nach Sonnenburg zu befördern, und wer weih, wie lange er dort noch wird sitzen müssen. Nicht allein, daß man mir, als Mutter, bie schon 73 Jahre alt ist. so viel Leid antut, mein Sohn besitzt auch eine 12jährigc Tochter, die mutterlos ist und von meinen Töchtern, die mit- tellos sind wie ich, ausgezogen wird..." ,,Deutsche Freiheil", Nr. 45 ARBEIT UMD WIRTSCHAFT Freilax. den 23. Februar 1934 Die Weltkrise nimmt Der Welthandel stockt Die leichte Belebung de» Welthandels im Herbst 1933 hat nicht angehalten. Die Weithandelsumsätje sind nach den Berechnungen des statistischen R e i ch s a in t s in den letzten Monaten 1933 konjunkturell nicht weiter gestiegen. Zwar hat der auf Reichsmark berechnete Wert des Außenhandels von 52 Ländern vom dritten zum vierten\ ierteljahr 1933 um fast 6 Prozent zugenommen, doch kann diese Steigerung ausschließlich als saisonbedingt angesehen werden. Vor allem pflegt um diese Zeit die Verschiffung landwirtschaftlicher Produkte stark zuzunehmen. Die Zunahme ist auch geringer als im V orjahr und im Durchschnitt der Jahre 1925 28. Der Umsatzwert liegt im letzten Vierteljahr 1933 um fast > Prozent niedriger als im Vorjahr. Etwas stärker sind freilich die Preise in der Zwischenzeit zurück- gegangen. Es ist deshalb wahrscheinlich, daß die umgesetzten Mengen etwas größer sind als im Vorjahr. In den europäischen Ländern haben in der Berichtszeit Einfuhr und Ausfuhr zugenommen. Doch hat die Zunahme zumeist nicht das saisonübliche Maß erreicht. Vor allem ist die Einfuhr von Lebensmitteln infolge der günstigen Getreideernte und der immer mehr zunehmenden Bestrebungen der Selbstversorgung in Europa verhältnismäßig gering. Auch die Einfuhr von Rohstoffen hat weniger zugenommen als in früheren Jahren. Hierzu dürfte die verhältnismäßig große Voreindeckung im letzten Vierteljahr 1932 und im Sommer 1933 heigetragen halten. Vor allem aber ist in Betracht zu ziehen, daß die Belebung sich wie in Deutschland, so auch in anderen Ländern, im besonderen auf Industriezweige erstreckt, die Masdilnenlndusfrie notleidend Trotz aller optimistischen Sprüche Der erste Monat des neuen Jahres brachte, wie der Verein Deutscher Maschinenbau-Anstalten mitteilt, eine weitere Zunahme sowohl der Anfragen der Inland kundsdiaft wie auch eine Vermehrung der Aufträge. Anfragen vom Ausland gingen zwar auch in größerer Zahl ein als in den letzten Monaten, der Umfang der Auslandsaufträge war jedoch nadt wie vor ganz ungenügend. Im Laufe des Januar konnten weitere Neueinstellungen von Arbeitskräften vorgenommen werden. Die im November und Dezember 1933 vielfach unter dem Druck kurzfristiger Aufträge stärker erhöhte Arbeitszeit wurde im Januar nach deren Ausführung an mehreren Stellen wieder gesenkt, so daß der gesamte Beschäftigungsgrad der Masch inen Industrie, der an der Gesamtzahl der tatsächlich geleisteten Arheitersfunden von jeher gemessen wird, keine nennenswerten Aenderungen erfuhr. Die Maschineiiindustrie bedarf, wie der Verein Deutscher Der große Magier Von Paul Szende Wir entnehmen diesen Beitrag einer der letzten Nummern der inzwischen verbotenen„Wiener Arbeiter-Zeitung": Die Befestigung der nationalsozialistischen Herrschaft und die Verteilung der Beute geht mit Hilfe allermodernster kapitalistischer Organisationsformen und iiherrationalisierter Waffentechnik in stürmischem Tempo vor sich. Mit demselben Kraftaufwand wie die Eroberung der Kommando- steilen und der Futterplätze wird zugleich die Unterjochung der Seelen betrieben. Zauberer und Magier sind am Werke, um das Fühlen, Denken und Wollen des deutschen Volkes auf den Stand primitives, längst dahingeschwundener Zeiten zurückzuschrauben und Triebe und Leidenschaften, die durch die unausgesetzte, jahrtausendlange Arbeit der Kultur bereits gezähmt waren, mit wilder Wucht wieder aufleben zu lassen. Nicht die Wissenschaft, nicht die Kontrolle der Erfahrung, nicht die Kritik, geübt durch die Vernunft, sollen von nun an über das Wohl und Wehe des Volkes entscheiden, sondern die neuen Magier, die glauben machen wollen, daß sie und nur sie sowohl in der weißen als auch in der schwarzen Magie Bescheid wissen, daß sie gute Geister zu beschwichtigen. böse hingegen zu bannen imstande sind. Es ist ein Rückfall um mehrere tausend Jahre... » Liest man die Geschichte der Nachkriegszeit in nationalsozialistischer Darstellung, so wähnt man in der Mythologie uralter Völker zu blättern. Die Bildung der neuen Welt ging aus dem schrecklichsten Chaos um den Preis furchtbarer Opfer vor sich und erst durch die Ueberwindung mächtiger Dämonen und feindlicher Geister gelang es dem großen Magier, dem Hauptzauberer, eine Herrschaft der Ordnung und des Guten auf dieser Erde aufzurichten. Die Dämonen sind zwar geschlagen, aber nicht vernichtet. Die bösen Geister — Marxismus, Juda, Freimaurertum, Rom, Weimar, Republik, neuestens sogar die Monarchie— sind nur von der Oberfläche verschwunden und setzen aus ihren Verstecken einen zähen Kampf gegen die neue Welt, das„dritte Reich", fort. Es kann keinen Waffenstillstand gehen, der mit übermenschlichen Kräften ausgestattete Oberzauberer muß stets auf der Hut sein, um eine Rückkehr der gestürzten Dämonen abzuwehren. Das deutsche Volk muß ständig in einem überhitzten Sr eleuzimtaiid der Allfurcht und Allhoffnung erhalten werden. Ihm droht ständig ein Unglück, wenn es der alten Welt der Weimarer Dämonen gelingt, ihre Macht zurückzugewinnen. Diese Gefahr kann nur durch eine schier unübersehbare Reihe von Geboten und Verboten gebannt werden. Neue Gegenstände der Anbetung, neue Fetische werden dem Volke zwangsweise auferlegt, alte Ideale in Bann getan, als Tabu, als verbotene Dinge, erklärt. Die neue Magie kennt nur zwei übermächtige Gefühle, die sie der Bevölkerung mit aller Gewalt auerziehen will: ehrfürchtige seilen vor allem, was der gegenwärtigen Herrschaft einen verhältnismäßig geringen Bedarf an ausländischen Rohstoffen haben. Nur in Großbritannien hat die Einfuhr erheb- 1 i eh zugenommen, da hier einige von der Belebung besonders stark erfaßte Wirtschaftszweige(Hochhau, Wollindustrie u. a.) großen Bedarf an ausländischen Rohstoffen hatten. In Rußland ist dagegen die Einfuhr zur Erzielung eines Devisenüberschusses stark eingedämmt worden. Die Ausfuhr zeigt bisher in den meisten europäischen Ländern keine größere Belebung. Die Handelshemmnisse haben ja auch im vergangenen Jahr eher zu- als abgenommen. In Uebersee ist die Einfuhr weiter zurückgegangen. Besonders stark hat die Einfuhr der Vereinigten Staaten abgenommen; doch dürfte hierin in der Hauptsachs ein Rückschlag auf die ungewöhnliche Steigerung der Einfuhr in den Sommermonaten zu erblicken sein. In einzelnen anderen Ländern, so vor allem in Japan, Australien und Brasilien, scheint sich die Aufnahmefähigkeit weiter erhöht zu haben. Im übrigen dürfte die Stagnation noch überwiegen. Die Ausfuhr der Ueberseeländer, deren Steigerung die Entwicklung des Welthandels im vierten Vierteljahr sonst vor allem kennzeichnet, ist in der Berichtszeit gegenüber früheren Jahren besonders stark zurückgeblieben. Hierzu dürften vor allem der rückgängige Bedarf der Vereinigten Staaten, die geringe Einfuhr der europäischen Industrieländer an Rohstoffen und ihr Minder- bedarf an Nahrungsmitteln beigetragen haben. Nur die Ausfuhr der Vereinigten Staaten hat, gefördert durch die Dollarabwertung, sogar in Gold gerechnet in etwa saisonüblichem Umfang zugenommen. Maschinenbau-Anstalten in seinem Bericht betont, einer weiteren pfleglichen Behandlung ihres Inland- und Auslandabsatzes, da zur Zeit noch immer rund 360 000 Arbeiter und Angestellte arbeitslos sind. Zintknedifetiiaft Nur 12 v. H. h. b Die amtlichen„Flensburger Nachrichten" bemühen sich in jeder ihrer Nummern mit Eifer und Fleiß, nachzuweisen. daß die Führung der NSDAP, nicht ein Jota der unabänderlichen 25 Punkte aufgegeben habe, daß vielmehr die Durchführung dieses Programmes mit Riesenschritten voranschreite. Darum haben sie sicher auch in ihrer Nr. 31 folgendes Inserat veröffentlicht: Geschäftseinlage von 5000 RM. gesucht von nachweislich rentabl. Unternehmen gegen gute Sicherheit und Rückbürgschaft. 12 Prozent jähri. Verzinsung garantiert. Angebot nur von Selbstgebern unter P. 290 an die Geschäftsstelle der„Fl. Nachr." Aufwärts! Die Schulden der deutschen Länder nehmen zu Die S ch u 1 d e n der deutschen Länder haben ihre Auf- wärtsbeweguug auch im Jahre 1933 fort g e setzt. Die gesamten Schulden der Länder und Hansestädte betrugen in Millionen Mark: Zunahme 30. Sept. 1931 2177,8 30. Sept. 1932 2338,6 160.8 21. März 1933 2493,3 154.8 30. Juni 1933 2559,5 66,2 30. Sept. 1933 2379,1 19,6 Bei der Verteilung auf die einzelnen Länder und Hansestädte ergibt sich folgendes Bild: aegen Vortermin IIan*e# Städte 680.9 702.2 715.3 723.7 754.3 Zunahme gegen Vortenn n 21,2 13.1 8,4 30,6 30. September 1933 Länder Preußen Bayern Sachsen Württemberg Baden Thüringen Hessen Mecklenbg.-Schwerin Oldenburg Braunschweig Anhalt Lippe Mecklenbg.-Strelitj Schaumburg-Lippe Insgesamt: Hansestädte Hamburg Bremen Lübeck M 11. Mark 1197,3 390,8 340,0 53.4 135,8 143,7 88.5 68.6 34.3 64,2 26.0 13.4 OJ•> *1,8 Mark je 31,36 52,96 68.08 20,69 58.74 89,38 65,67 101,75 62,98 128.01 74,10 82,14 191.93 36.88 30. Sept. 1932 Mill Marl 996.7 420,2 311,5 35.7 140,9 130.8 79,9 67.8 32,6 61.1 25.4 13.2 20.9 1,9 2579,1 441.8 254,5 58,0 42,43 409 44 862,83 478.81 2338,6 412.7 232,5 57,0 Insgesamt: 754,3 504,50>02,2 Die Konsolidierung der Staatsschulden ist, da der Kapitalmarkt noch nicht aufnahmefähig genug war, inzwischen nur unerheblich gelungen. Allerdings konnte ein Teil der kurzfristigen Schulden der Länder in mittelfristige umgeformt werden, so daß ihr Anteil seit dem Höchststand Ende März bis Ende September wieder auf 36,5 Prozent zurückgegangen ist. Dabei sind an Tilgungsrück- ständen insgesamt nur 0,70 Mill. verzeichnet. Die n o ch zu fundierenden Beträge belaufen sich am Stichtag auf rund 1.3 Mein., davon entfallen fast'/« Mein, auf kurzfristige Schulden. Vor allem in hezug auf die Steuereinnahmen und die Einwohnerzahl ist die Verschuldung groß in einigen kleineren Ländern(wie Oldenburg, Braunschweig, Lippe, Mecklenhnrg-Strelitz, Bremen,*Lühcck, aber auch in Sachsen und Thüringen. nützt, und Abscheu vor allem, was ihren Bestand gefährden könnte. Zwei Begriffe, die unter dem Einfluß der steigenden Allgemeinbildung aus dem Wortschatz des politischen Lebens bereits seit Jahrhunderten verschwunden waren: Besudelung und Reinigung feiern eine fröhliche Auferstehung und werden zu Hauptideen neudeutschcr Geistigkeit. Alles, was in den letzten Jahren vor sich ging, wird als frevelhafte Besudelung betrachtet; es gibt Magier, die behaupten, diese Besudelung der völkischen Seele beginne bei Karl dem Großen, mit der Ausrottung der urgermanischen Religion. Diese Seele wird nun durch die nationalsozialistische „Revolution" gereinigt und der Schmutz mit Feuer und Eisen ausgetilgt. Daneben herrscht die Tendenz, jedes Unglück, das dem deutschen Volke zustößt, durch feindlichen dämonischen Zauber, durch Behexung zu erklären; das Glück kann nur kommen, wenn die neuen Machthaber fähig sind— und sie sind es—, durch einen ausgiebigen Gegenzauher diese Verwünschung unwirksam zu machen. Tag für Tag werden neue Sündenböcke ausfindig gemacht, denen die Krankheiten und Sünden des niedergegangenen Zeitalters auferlegt werden können; sie reihen sich würdig der bereits vorhandenen stattlichen Herde bewährter Sündenböcke an. Auch das Bestreben, den hundertmal verfluchten Klassenkampf auszurotten und dadurch eine goldene Harmonie der Seelen zu verwirklichen, wurzelt in dem magischen Glauben graner Urvorzeiten. die jedem Streit und jeder Unzufriedenheit einen unheilbringenden Einfluß zuschrieb. In Amerika nannte sich der Führer der Ku-Klux-Klan- Bewegung— ein Vorbild der jetzigen faschistischen Organisationen— der große Zauberer. Auch die nationalsozialistische Mystik verleiht ihrem Führer den Charakter des obersten Zauberers und Magiers, der allein befähigt ist, mit geheimnisvollen Kräften und Geistern in Berührung zu treten, sie zu beeinflussen oder zu bannen. Er teilt dieses geheimnisvolle Wissen seinen Untergebenen, den mittleren und kleineren Zauberern mit; auf Grund und nach dem Ausmaß dieses Wissens baut sich eine neue Hierarchie auf, eine neue Berufsschichtung kommt zustande. Was außerhalb dieser privilegierten Schichten steht, wird als im Dienste böser Geister und Dämonen befindlich bekämpft und von allen Lebensmöglichkeiten verdrängt. Im Mittelpunkt des neuen magischen Glaubens steht die Blutseele, die sich vererbt, die Ueberzeugung von den geheimnisvollen mystischen Tugenden des Blutes. Nur eine einzige Rasse besitzt diese Blutseele: die nordische. Die Anhänger dieser Blutsbruderschaft können sich mystisch nur denjenigen verbunden fühlen, die desselben Blutes sind Das Blut andrer Rassen hat nur die eine Bestimmung, zu Ruhm und Ehre der ausgewählten Rasse in möglichst großen Mengen vergossen zu werden: das Töten derjenigen, die im Dienste böser Geister stehen, ist eine heilige Pflicht. Aus dieser Blutsgemeinschaft werden Milliarden von Menschen ausgeschlossen, aber heilige Tiere werden in sie aufgenommen: so plant Göriug die Züchtung von Wisenten in neu anzulegenden heiligen Haineu, ein andrer führender Magier will das Schwein zum heiligen Tier erklären, weil sein Genuß den Semiten verboten ist. Jede ausländische Einrichtung, die den Machthabern nicht paßt, wird als der Blutseele feiudlich zurückgewiesen. Eine neue Welt bricht an, in der Uniformen, Abzeichen und verschiedene Gegenstände nicht nur eine praktische Bestimmung haben oder Mittel der Unterscheidung sind, sondern mit magischer Kraft ausgestattet erscheinen. Sie werden zu Fetischen, die einerseits Gegenstände der Kulthandlungen, der Zeremonien und Riten sind, andererseits als Zauberobjekte Zauberwirkungen hervorrufen. Der Name des Führers wird bei allen möglichen und unmöglichen Anlässen in Wort und Schrift und als Gruß wiederholt: schon von dem Aussprechen seines Namens erwartet der Gläubige eine Zauberwirkung— eine alte Erscheinung auf dem Gebiet der Mystik. Besonders bei den Völkern Asien» ist es eine weitverbreitete Gewohnheit, den Namen der obersten Gottheit solange zu wiederholen. bis der Zustand der mystischen Verzückung und damit die Bewußtlosigkeit eintritt, die jedes logische Denken ausschließt. Das Bild des obersten Magiers findet sich an jeder Wand, auf allen möglichen und unmöglichen Gegenständen, um Unheil zu verhüten und Glück zu bringen. Für die verschiedenen Bevölkerungsklassen werden verschiedene Bs- kleidungsVorschriften geschaffen, für die der unteren Stünde werden die Kleidungsstücke der oberen zu Tabus. Auch die Hausgeräte und Möbel sollen in den Dienst dieses Zauberglaubens gestellt werden, die Kunst soll zu ihren Anfängen zurückkehren, wo sie ausschließlich dazu diente, die guteil Geister zu preisen und zu beschwichtigen und die bösen unschädlich zu machen. Eine bisher undenkbare Häufung der magischen Zeremonien und Riten geht vor sich, seihst die kleinsten Kinder werden in diesen Rausch der Kulthandlungen hineingezogen. In früheren Zeiten stand im Mittelpunkt der Kulthandlung der Tanz. Jetzt wird der Tanz durch militärische Aufmärsche und Paraden ersetzt, der magische Zweck aber ist derselbe geblieben: er will die Furcht bannen, die den Anhängern des Regime» innewohnt, er erzeugt den heiligen Rausch, er versinnbildlicht die Stärke, er ist eine ständige Drohung gegen die Dämonen, dft diese Herrschaft im Ii und Ausland gefährden. « Von den römischen Hohepriestern, den Auguren, hieß es, daß sie niemals einander begegnen konnten, ohne zu lachen, da sie wohl wußten, wie sehr ihr Zauberhandwerk Lug und Trug war. Auch die neudeutsehen Magier und Zauberer lachen einander zu, wenn der Pöbel nicht dabei ist. Dies ändert aber nichts an der Tatsache, daß ihre magische Kunst von größtem Erfolg begleitet ist; Millionen und aber Millionen deutscher Bürger befinden sich in einem Zustand mystischer Verzückung. Nur der Druck furchtbarsten wirtschaftlichen Elends, nur große politische Katastrophen werden imstande sein, sie aus diesem Dämmerzustand zu erwecken. Saar-Intermezzi II Katholische Opposition Die««schwarze Fahne"- Legafionsral Katzenberger Hoher Reichsbeamter terrorisiert Saar-Redakteur 9» einer Reihe von Zeitungen wird die Krage erörtert, ob Legalionsrat.Calenberger aus Verlin an der Auf- sichtSralssitzling der Taarbrücker„Landeszeitung" teilgcnom- nwn hat, die den Chefredakteur Hosfmann beurlaubte, und Zwar wegen des in dem Blatte, wie in allen andern katholi- scheu Zeitungen des Saargebiets, veröffentlichten Protestes gegen die Beschimpfung katholischer Einrichtungen durch den Landesftthrer Spanivl. W>r sind in der Lage zu bestätigen, daß Legationsrat Katzenberger nicht nur an der Sitzung teil- genommen, sondern als Vertreter der Aktienmehrheit gegen anfänglich lebhaften Widerstand die Beurlaubung, das heistt die Maßregelung und Entlastung Hoffmanns durchgesetzt hat. Katzenberger hat im mittelbaren Auftrage der Reichs- regierung, insbesondere des Vizekanzlers von P a p e n gehandelt. Ter als Nachfolger Hoffmanns in Aussicht ge- uommeiie linientreue Nazi wurde nach Berlin befohlen»nd wurde dort von Beauftragten der Reichsregierung auf seine Politische Zuverlässigkeit geprüft, ehe weiter über die Leitung der„Landeszeitung" mit ihm verhandelt wurde. Ftir Göll and VolK- gegen Hifler Das Jahr 1034 hat erst begonnen, aber täglich verschärst sich der Kamps an der Saar und nimmt nenartige Formen nuter Bildung neuer Fronten au. Aus der eine» Seite bröckelt es von der „deutschen Front" in wachsendem Umfange ab: auf der anderen Seite finden sich nahezu täglich andere Männer und andere Organisationen, die sich aus den verschiedensten politischen und wirtschaftlichen Erwägungen wie ans weltanschaulichen Gründen zu den Gegnern Hitlers schlagen. Tie ehemalige christlich soziale Partei des Saargebietes, die ein Teil der radikalsozialen V i t u s- H e l l e r- B c- weguilg war, veröffentlicht einen Aufruf von Katholiken an Katholiken, der eine einzige Kampsansage gegen das „dritte Reich" ist. Tas ein Jahr Hitlerherrschaft, so heistt eS darin, habe bewiesen, dast die elementarsten Grundsähe der christlichen Religion mit Fitsten getreten werden. Zwar habe Hitler die Gottlosen-Verbände der Linksparteien abgeschafft, an Ihre Stelle sei aber ein widerlicher Heidenkult getreten. Man habe einen Vertrag mit der katholischen Kirche abgeschlossen, den zwar die Kirche voll ausfüllen müsse, wäh- rend der Staat mit ihm Tchindluder treibe:„Tas Sterili- sierungsgeseh, die vielen Todesurteile, die Verfolgung der armen Juden, ja auch die Verfolgung, Einkerkerung, Folterung und Erschießung sozialdemokratischer und kommri- uistischer Parteianhänger können von ehrlich empfindenden Katholiken nur mit tiefen Widerwillen angesehen werben." Man habe das„raffende" Kapital„germanisiert", indem man die Aufsichtsräte mit nationalsozialistischen Krippenjägern besehte. Das Kapital selber herrsche»nver- ändert weiter in brutalster Weise. Alle Rechte der Arbeitnehmer seien abgeschaift, denen mau als Ersah die Organt- sation„Kraft durch Freude" geschaffen habe. Pfarrer In Sdiufzhaif „Kränkende Schilderungen der alten Armee' Aad Aibling, 20. Febr. sTNB.) Tas Bezirksamt Bad Aib- ling teilt mit:„Pfarrer Bergmeier von Grostkarolinen- ield wurde auf Anordnung des Sonderkommissars bei der Regierung in Oberbayern in T ch u h h a s t genommen, weil er tu der von ihm herausgegebenen„Beilage zum„Aib- linger Tagblatt" ein Aufsah des Michael Hirschvogel er- schienen ist, in dem dieser bei der Schilderung seiner Kriegs- crlebnisse sich in kränkenden Schilderungen der Offiziere der alten Armee ergeht. Tie Heransgabe der Beilage wurde auf die Tauer von vier Wochen unter- sagt." tt 11 Zuriidtiialiende Geisliidte Der Herr Minister in Angriff München, 21. Febr. In dem Münchener Vorort Teisen- hosen sprach Kultusminister S ch c m m über das The- ma„Volk, Staat und Kultur". Dabei übte er Kritik an dem Fernbleiben der katholische» Geistlichen von der Versammlung. Ter Minister betonte, dast die katholischen Geistlichen von Deisenhofen bei der Versammlung nicht hätte» fehlen dürfen. Tie Entschuldigung, es handele sich um eine politische Versammlung, und die Begründung, den Geistlichen sei die Teilnahme an politischen Versammlungen nach dem Konkordat verboten, könne nicht gelten, denn nir- gcnbS enthalte das Konkordat ein derartiges Verbot. Im übrigen sei es das erste M a l, dast, seitdem er als Minister spreche, die Geistlichkeit bei einer von ihm gehaltenen Vor- sammlung fehle. Unter stürmischen Beifall erklärte dcc Mi- nistcr, dast die Herren Pfarrer heute überhaupt nicht mehr auf der Kanzel predige» könnten, wenn nicht der National- sozialismns gekommen wäre. ßisdiof„üedtei" Berlin, 21. Februar. Ter Reichsbischof hat, wie der Evangelische Pressedienst kirchenamtlich mitteilt,, das kirch- liche Am! für auswärtige Angelegenheiten bei der deutschen Evangelischen Kirche' skirchliches Anstenamti errichtet. Zum Leiter dieses Amtes hat der Reichsbischof Oberkvnsistorialrat T. Theodor H e ck e l ernannt und ihm den Titel„Bischof" mit dem Recht zum Tragen eines bischöflichen Amtskrenzes verliehen. TaS kirchliche Anbenami hat die in der Verfassung fest- gelegte Ausgabe, die enge Verbindung der deutichen evange- tischen Kirche mit den evangelischen Deutschen itt Auslände zu pflegen und zu festigen. * Das heistt mit andern Worten aus gut Deutsch: Ter Name der evangelische Kirche soll nun auch irr. Auslande zu nationalsozialistischer Propaganda mißbraucht werden. sammelt sich Legationsrat Katzenberger Jetzt sei die Stunde gekommen, die gebieterisch ein Abrücken von diesen b r a rt tt e n Mördern und Lügnern verlange. Man zwinge katholische saar- ländische Zeitungen, die gegen die Germanisterungsreden der 2t«.-Vertrauensleute protestierten, ihre Redakteure zu ent- lasten. Ter unterzeichnete Bund und seine Vertrauens- leute hätten erkannt, dast dieser Staat ehrlos sei und ehrlos machen wolle.„Wir wollen sein eine Sammlung aller Katholiken, die gegen die Hitleregierung sind, weil sie gott- los ist und nur den Interesse» des Mammons dient. Am Schlüsse des Ausrufes heistt es: Gegen Hitler— das ist: Für Gott und Volk. Gegen Hitler— das ist: Für Freiheit und Recht, Gegen Hitler— das ist die Ausgabe jedes ausrechten Katholiken au der Saar. Katholische Front I. A.: I o s. W o l l, Hüttigweiler." „Sdmarze Fahne" Wie die„Bolksstimme" meldet, erscheint am Mittwoch, dem 28. Februar, die erste Nnnimer einer neuen Wochcnzeitung des Saargebietes:„Tie schwarze Fahne", unabhängige natio- nale Wochenzeitung". Es handelt sich um das Oppositions- organ der zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossenen Nazi-Oppositionsgruppen des Saargebietes, die mit Schärfe gegen die Rückgliederung des Saargebietes für Hitler unter gleichzeitiger Betonung des absolut deutschen Charakters des Saargebiets kämpfen. Diese Bewegung fordert eine Verschiebung der Saar-Abstimmnng um zehn Jahre und für die gleiche Zeit die Beibehaltung des Völker- bnndsregimes. Sie ist zugleich ei» scharfer Gegner der ge- samten Hitlerschen Politik und bezichtigt ihren einstigen Führer des Verrats an seiner Gefolgschaft und des Ver- brechend am deutschen Volke. Einige„deutsche Front" Inzwischen geht der Kampf gegen den„Führer" d:r dent- scheu Front. Spaniol, weiter. Tic„Volksstimme" veröffentlicht einige Briefe, die darüber bemerkenswerte Aufschlüsse geben. Jüngst waren die Gauleiter B ü r ck e I und Simon mit anderen Nnzigrösten in Saarbrücken, um Ordnung zu schaffen. Gleichzeitig ivird um die vier verhafteten oppvsitlo- nellen Nationalsozialisten gekämpft. In einem Briefe an den pfälzischen Gauleiter Bürckel heistt es darüber:„Tie NegierungSkommissio» und das Oberlandesgericht in Saar- louis entfalten eine fieberhafte Tätigkeit wegen der vier ver- hafteten Pg.s, die sich noch in Berlin befinden. Wir hatten diese Woche nochmals den allerletzten Versuch unternommen, eine Einigung mit der Landesleitung herbeizuführen, leider ohne Erfolg, und es must nun in aller Kürze unbedingt ein Ausweg geschaffen werde», damit die Bombe nicht zur Eni- ladung kommt, denn dann ist der Schaden für die Bewegung unberechenbar." Das also sind die Leute von der„Volksgemeinschaft". Man zankt und organisiert sich auseinander und verkündet nach außen herrliche deutsche Einheit und Einigkeit. Pas Weiteste Ter preußische I u st i z m i» i st« r Kerrl hat sich einem Vertreter des nationalsozialistischen Zeitungsdicnstes gegenüber über die Rcserendarlager geäußert, wobei er n. a. unterstrich, er werde sich dafür einsetzen, daß das R c f e- rendarlager zu einer Reichscinrichtung werde. Ter Marxist Licpmann in Amsterdam ist wegen Ae- leidigung des deutschen Reichspräsidenten zn Gefängnis ver« urteilt worden. Ter Landesrat der S o z i a l i st i s ch e n P a r t e i tritt am lt. März in Paris zusammen, um sich mit der politischen Lage und mit dem Kampf gegen den Faschismus zu beschäs- tiaen. Ter Landesrat wird außerdem Ort und Zeitpunkt für die kommende Landeotagung iestktzen. die angesichts der letzten innenpolitischen Ereignisse verschoben werde», mußte. In unterrichteten Kreisen erklärt uian hierzu, daß diese Landrstagnng am 2». Mai in Lille stattfinden werde. Im Lustsahrtausschuß der sranzökilchen Kammer wurde bei einer Aussprache über das Militärflugwesen die Not- wendigkeit betont, neue Mittel für eine durchgreifende Re, form des Flugwesens anzufordern. Ter Marineausschuß des Senates sprach sich gegen eine Herabsetzung der Streitkräfte Frankreichs aus. Zu dem Resuch des italienischen Staatssekretärs S u v i ch in Budapest verlautet, dast am Mittwoch politische und wirt- jchastliche Fraaen durchgesprochen worden sind. Grundsätzlich soll an dem Plan einer italienisch-österreichisch-ungarische» Zollunion festgehalten werden. Ein uniformierter F a s ch i st der Mosley-Organi- sation wurde am Mittwoch in dem östlichen Londoner Bor» ort Leytonftone von mehreren unbekannten Männern über« fallen und durch Schläge und Fußtritte lebensgefährlich ver- letzt. Tie Polizei hat eine Untersuchung eingeleitet. Im Unterhaus nahm Außenminister Simon zur öfter- reichischen Frage Stellung und lehnte eine Auskunft über die Haltung Englands ab, bevor auch Teutschland Gelegenheit gegeben wird, sich dazu zu äußern. Tie in Budapest geführten deutsch-ungarischen Wirtschasts- Verhandlungen haben am Mitt»voch zur Unterzeichnung einer Zniatzvereinbarnng zum deutsch-ungarischen Handelsvertrag geführt. Opposition gegen Macdonald Zur Stimmung in England Bei den Nachwahlen in Portsmoukh wurde der konser- vative Kandidat, Admiral a. D. Sir Rogers KeyeS mit einer Majorität von 5678 Stimmen gegen den Kandidaten der Arbeiterpartei gewählt. Tic konservative Majo- rität beiden letzten Wahlen ivar 14 14!> Stim- m e n. Nene Dadisdte Landeszeitung" Das große Zeitungssterben unter Göbbels Führung Wie aus Mannheim berichtet wird, stellt die„Nene Badische Landeszeitnng" in Mannheim am l. März ihr Erscheinen ein. Tie Zeitung, die im 70. Jahrgang erscheint, gibt iit ihrem Impressum noch eine Auslage von 18 700 an. Durch die Einstellung des Zeitungsbetriebes werde» 100 Arbeiter und Angestellte brotlos. Der übrige Betrieb, Akzidenz- drnckerei und Buchverlag, wird fortgeführt. * Die„Neue Badische LandeSzeitung" gehörte zu den großen und angesehenen deutschen Provinzzeitnnge», deren politische und geistige Haltung daS Leben in den Großstädten Deutsch- landS mitbestimmte. Eine Reihe hervorragender Federn, vor allem im Feuilleton, gaben ihr eine Bedeutung, die über Mannheim und über Baden weit hinauöreichte. Während Wöbbels alle Augenblicke die Presse zum Appell versammelt und sie mahnt, unter seinem Diktat keine„Schoß- Hündchen" z» werden, sterben die besten Kompanien der deutschen Zeitungen an Auszehrung. Uebrig bleiben all- mählich nur die amtlich dotieren Kläffer, die von Anfang an die siegreiche Hundemarke am Halse trugen. » ii Ifeimtüchisdier Angriff Was mag er gesagt haben? Vor dem Sondergericht Darmstadt hatte sich, nun einem Untergebenen angezeigt, der Prokurist Tr. Kurt T ch ii l l e r von Tarmstadt wegen fahrlässigen Vergehens gegen die Ver- ordnung zur Abwehr heimtückischer Angriffe gegen die Regie- rnng zu verantworten. Es wurde» ihm in drei Füllen herab- würdigende Acusterungen gegen die R c g i c r u» g und den Reichskanzler z n r L a st g e l c g t. Ter An- geklagte führte zum Beweis für seine nationale Gesinnung an, dast er während des ganzeil Krieges an der Front seine Schuldigkeit getan, im Hamburger Spartakusaufstand als Zeitfreiwilliger gekämpft n»d in den letzte» Jahren in Ans- landsbriesen und auf Dienstreisen im Ausland für daS neue Deutschland geworben habe. Seine nationale Gesinnung wurde ihm auch durch einen Studienfreund bestätigt. Aber es wurde nachgewiesen, daß er in zwei Fällen Beleidigungen gegen de» Reichskanzler und Unwahrheiten über die Regie- rnng gesagt hat. Er wurde zu vier Wochen G e s ä» g- nis abzüglich elf Tage Untersuchungshaft verurteilt. KPD. Abgeordneter zum Tode verurteilt Angeblich den Sohn ermordet Das Schwurgericht verurteilte den früheren kommnnisti- scheu Landtagsabgeordnete» Schulz ans Dittersbach, Kreis Waldenburg, wegen Mordes an seinem zehnjährigen Sohn Horst zum Tode. Schulz war bereits 1082 vom Waldenburgs» Sondergericht wegen schwerer Mißhandlung seines damals elfjährigen Sohnes Werner zu vier Jahren Ge- sängnis verurteilt worden. Die gleichgeschaltete Presse berichtet dazu: Horst Schulz war seit den Sommerserien 1082 verschwunden. Seine Leiche wurde im März 1088, in einen Sack gewickelt, aus der Weistritztalsperre Breitenhain gezogen. Schulz, der bisher behauptet hatte, sein Sohn wäre in Rußland, gab damals an, der Knabe wäre vom Rade gestürzt und dabei tödlich verunglückt. Im Verlaufe des Prozesses kamen die furchtbaren Mißhandlungen zur Sprache, denen sowohl die beiden Kinder als auch die zweite Frau des Angeklagten ausgesetzt wäre». Der Staatsanwalt kam in seinem Plädoner zu dem Er- gebnis, dast die Tötung des Knaben vorsätzlich erfolgt sei, RGO. besteht noch tInpreß.l Tie Große Strafkammer des Leipziger Land-» gerichts verurteilte drei Angeklagte zu je drei Monaten Gefängnis, die nach dem Verbot der RGO.(Revolutionäre Gewerkschastsopvositionj noch Beiträge an diese Organi- sation entrichtet hatten. Mehr als 30 Fersonen verhaftet fJnpreß.) In Kiel sind mehr als SO Verhaftungen vorge- nommen worden, über die die Nazipresse bisher nicht be- richten durfte. Tie Verhaftete» stehen im Verdacht, im Ans- land erscheinende deutsche Zeitungen gelesen zu haben. „^Deutsche jkteiheit" Aßwnementspceise: Saargebiet Frankreich Luxemburg Belgien Neubelgien (Eupen-Malmedy) Holland Dänemark Schweden Schweiz Oesterreich T schechoslowakei England Palästina Spanien Polen Rußland Argentinien fr. Fr. fr. Fr. belg. Fr. belg. Fr. belg. Fr. 11. Kr. Kr. schw. Fr. Schilling Kr. sh sh Peseta Zloty Rubel Peso im Monat 12.- 12.- 15- 15.- 12- 1,50 3.20 2,60 2.40 7,50 50- 4.- 4- 6.- 4.20 1.- 5- Einzel verkauf 0,60 0,60 0,70 0,85 0,50 0,12 0,20 0,20 0,20 0,30 1,20 3 d l Bei Znsendung unter Kreuzband durch die Post sind die Portogebühren vom Besteller mit dem Abonnementsbetrag zu e ltrichten. 'Deutsche Stimmen• föeilage zur..Deutschen Freiheit"• Ereignisse und Geschichten Freitag, den 23. Februar 1 934 Deutsches JJheatee- heute aupsdiCußceichec JliutdMick Hermann Lepel gibt in der Basler„National-Zei- tung" den folgenden aufschlußreichen Rundblick über die Situation der deutschen Bühne zu Beginn des Jahres 1934. Die Zwischenzeilen stammen von uns. Redaktion der„Deutschen Freiheit". Das eben erschienene„Deutsche Bühnenjahrbuch" gibt über die zahlenmäßige Entwicklung des Theaters im nationalsozialistischen Deutschland Auskunft. Danach hat sich die Zahl der Theaterunternehmungen von 199 auf 205 erhöht, die gemeinnützigen Bühnen sind von 147 auf 161 gestiegen. Die Zahl der deutschen Privatbühnen hat sich um acht vermindert. Wenn der Almanach meldet, daß 3618 Arbeitnehmer neu in die Bühnenarbeit eingestellt werden konnten, so ist hier freilich anzumerken, daß durch den Ausschluß aller nichtarischen oder politisch nichtgenehmen Bühnenkünstler mit einem Schlag eine bedeutende Anzahl freier Stellen innerhalb des deutschen Theaters künstlich geschaffen wurde. Jedenfalls werden auch heute noch in Berlin nicht weniger als 1200 arbeitslose Bühnenangehörige gezählt Aus den zahlreichen offiziellen Beschwörungen zu fleißigem Theaterbesuch(die sich gegenüber der Beamtenschaft zu regelrechtem„Theaterzwang" steigern) geht deutlich hervor, daß es mit dem Theaterbesuch im allgemeinen nicht allzu rosig bestellt ist. Noch immer muß der amtliche Hinweis auf die sogenannten Sünden der theaterfreudigen Weimarer Republik herhalten:„Helft dem durch Fehlwirtschaft der vergangenen 15 Jahre schwer geschädigten Theater"! ruft der preußische Theaterkommissar H i n k e 1 auch jetzt wieder aus. Trotzdem werden namentlich außerhalb des festen Theaterabonnements sehr oft katastrophale Besuchsziffern (vor allem in Karlsruhe, in Darmstadt, in Wiesbaden, in Braunschweig) gemeldet. In Braunschweig griff die nationalsozialistische Partei ein, um die Existenz des bedrohten Landestheaters zu retten: sie übernimmt an 16 Abenden im Monat das Landestheater und stellt jeden Theaterabend unter das Patronat einer anderen Parteiinstitution. 1. Das Fehlen des„artfremden Publikums" Die Münchner Kammerspiele rufen— nach eben erfolgter Sanierung— die Behörden und die Presse zu einem Diskussionsabend zusammen, um über das Weiterbestehen des Theaters zu beraten. Einer der Diskussionsredner, der Münchner Oberregierungsrat Ebner, rührte mit dem Satze, „man darf sich durch das Ausfallen artfremden Publikums nicht beirren lassen" an den Kern des deutschen Publikumsproblems; der strammste Antisemit kann nun einmal nicht bestreiten, daß die gebildeten jüdischen Kreise sozusagen die Stammtruppe des deutschen Theaterpublikums darstellten; der deutsche Theaterdirektor konnte auf das Theaterinteresse dieses jüdischen Publikums(mochte es auch einen äußerlichen Starkultus■ oder eine bestimmte Sorte von l lieatersnobismus begünstigen) Häuser, volle Häuser bauen. Der Verfall des von Max Reinhardt begründeten„Deutschen Theaters" in Berlin ist in der Hauptsache auf das Ausbleiben dieser Publikumsschicht zurückzuführen; ein neues Publikum, dessen Interesse die Theaterarbeit eines ganzen Jahres begleiten könnte, ist erst im allerersten Werden begriffen. 'Außerdem beziehen die breiten Massen des„dritten Reiches" ihre seelischen Emotionen direkter aus der Politik, als aus dem bürgerlichen Theater. 2. Führerprinzip Manchmal nimmt die Theaterwerbung im heutigen Deutschland seltsame Formen an: so, wenn vor der Oldenburger Uraufführung des Schauspiels„Hochseefischerei" der Reichsstatthalter Roever vor den Theatervorhang tritt und — für die Hochseefischerei wirbt,— oder wenn der hessische Staatsminister Jung jeder Frau mit mindestens drei Kindern monatlich einen Theaterbesuch verspricht. Durch ein amtliches Rundschreiben des Theaterkommissars Hinkel ist jetzt an den deutschen Bühnen das„F ü h r e r p r i n z i p" durchgeführt:„Keine Organisation hat das Recht, diesem verantwortlichen Führer bei seiner Arbeit hinderlich zu sein, keine Organisation darf weder künstlerisch noch wirtschaftlich den Bestand eines Theaters gefährden oder schädigen". Trotzdem hat der Stettiner Gauleiter nach der sehr erfolgreichen Stettiner Uraufführung von Zemlinskys „Kreidekreis"(die der Berliner voraufgingj weitere Aufführungen(wegen des„dem deutschen sittlichen Bewußtsein" zuwiderlaufenden Textbuches) sofort inhibiert. Am Berliner Staatstheater hat die kameradschaftliche Zusammenarbeit zwischen Dr. Ulbridi und Hanns Jobst einen bösen Riß bekommen: Hanns Jobst hat seinen sofortigen Urlaub erbeten und bekommen; auch in Darmstadt, wo jeder der voraufgegangenen Intendanten: Härtung, Ebert, Legal eine langjährige planvolle Aufbauarbeit geleistet hatte, ist schon nach sechs Monaten eine Direktionskrise ausgebrochen: Generalintendant Dr. Prasch, der Nachfolger Gustav Hartungs, ist um seine Enthebung eingekommen; man hat ihm den Kölner Schauspieler Franz Everth als Nachfolger gegeben. Die preußischen Theater in Berlin, Wiesbaden, Hannover und Kassel werden wieder wie früher in einheitliche Regie genommen und dem Ministerpräsidenten Göring unterstellt. Kaum hatte Gering vor dem versammelten Personal der Staatstheater in seiner Antrittsrede das künstlerische System der verflossenen 15 Jahre gegeißelt und der Auffassung Ausdruck gegeben, die Ehre der Arbeit an den Staatstheatern müsse höher geachtet werden als das„Bankkonto", als vom Propagandaministerium an die Redaktionen der Berliner Blätter die lakonische Mitteilung herausging:„Die Ausführungen des preußischen Ministerpräsidenten vor den Mitgliedern der preußischen Staatstheater in Berlin dürfen nicht veröffentlicht werden". 3. Kitsch und Thing In diesen Tagen versammelte sich in Berlin der vom Propagandaministerium besonders unterstützte„Reichsbund für Volks, und Freilichtschauspiele", dessen letzte größere Tat die Aufführungen von Kurt Eggers„Job, der Deutsche" in der Kölner Festhalle waren Inzwischen scheint man eingesehen zu haben, daß mit der Darbietung solcher dichterisch wertlosen, ad hoc zusammengeschriebenen, nichts als gesinnungstüchtigen Festspiele für die Sache des deutschen Volkstheaters wenig gewonnen sei— ausdrücklich erklärte der„Reichsdramaturg" Dr. Rainer-Schlösser, daß man die nationalen Ereignisse von heute erst bei größerer zeitlicher Distanz wirklich dichterisch bewältigen könne. Im übrigen wurde die beschleunigte Errichtung von 20 Thingplätzen beschlossen, auf denen man durch Sprechchöre und Volksspiele die nationalen Feiern begehen will.— In Berlin hat das Propagandaministerium soeben das große Schauspielhaus gepachtet, um im Rahmen der Feierabendorganisation„Kraft durch Freude" das„Theater der Nation" zu verwirklichen; als erste Aufführung gingen Schillers„Räuber" in einer als Massenschauspiel angelegten Inszenierung dort in Szene. 4. Wettbewerb Um der deutschen Bühne aber ein neues„Massenschauspiel" zu verschaffen, werden eben alle„deutschblütigen" Dichter des In- und Auslandes durch den Leiter des Kulturamtes der„deutschen Arbeitsfront" zur Beteiligung an einem Wettbewerb aufgerufen; die fertigen Massenkunstwerke müssen aber bereits am 1. März zur Auswahl bereit liegen. — Eine weitere staatliche Neugründung stellt das Berliner „Theater derjugend" dar, das Herbert Maisch im Schillertheater auf Veranlassung von Staatskommissar Hinkel von Grund auf neu aufgebaut hat. Nach den Aufführungen von„Wilhelm Teil" und den Eichendorff sehen „Glücksrittern" hat Maisch aus zwei eingereichten„Lange- marck"-Stücken ein drittes destillieren lassen, das mit dem Untertitel„Opfergang der deutschen Jugend" den höheren Schulen von Berlin als Erinnerung an den Sturmtag von Langemarck vorgeführt wird. 5.„Husarenfieber" mit Kapelle Wenn man heute die deutschen Spielpläne überliest, so fällt sofort auf, daß die meisten deutschen Bühnen ihren Bedarf an heiteren Stücken vorzugsweise aus der Lustspielliteratur unserer Großeltern decken: das uralte„Krieg im Frieden" begegnet uns immer wieder, der Magdeburger Intendant aber läßt zum„H usarenfieber" gar eine echte Kavalleriekapelle spielen und trifft damit so ins Schwarze,„daß der Erfolg", wie ein Kritiker meldet,„viel größer war als bei der Uraufführung vor 28 Jahren". Und selbst ein moderner Regisseur wie Faickenberg in München rühmt die Wiederaufnahme des alten Kostümstücks„Heimliche Brautfahrt" von Leo Lenz als besondere Leistung des „Neuen" Schauspielhauses.(Der Bühnendichter Lenz wurde übrigens soeben als stellvertretender Führer der deutschen Dramatiker in den Reichsverband berufen; der Führer der deutschen Bühnenschriftsteller aber heißt Richard Bars.) Im Bereich des ernsten Schauspiels hält man wieder bei Wildenbruch, dessen„Rabensteiner" das Münchner Staatstheater zu fröhlicher Urständ erweckt. Der heute maßgebende Theaterkritiker Münchens hat bei dieser Gelegenheit eine besondere militärisch dramatische Eigenart von Wildenbruchs dramatischer Kunst entdeckt: das Anhören Wildenbruchscher Stücke erzeugt gute und stramme körperliche Haltung. Hören wir es in den„Münchner Neuesten Nachrichten":„Ganz im Gegensatz zu niederziehenden Stücken, die am Abbau der Welt arbeiten, sah man hier den Einfluß der guten, schlichten, männlichen Dichtung Wildenbruchs sich unmittelbar in Gesicht und Gang der Zuschauer ausdrücken. Das Stück gibt Kraft durch Freude; seine Menschen haben ein Schicksal, und sie gestalten es tapfer, den Blick auf die Zukunft gerichtet... So sah man die Zuschauer in der Pause freudig einhergehen..."(Joachim Ringelnatz hat einstens die„Turngedichte" geschrieben,— wer schreibt unseren erhobenen Tagen das„Turndrama" der Gegenwart? 6. Die„Goldene Harfe" in Stendal Gerhart Hauptmann hat sein bereitwilliges„pater, peccavi" wenig genützt: seine„Goldene Harfe" hat Monate nach der Münchner Uraufführung endlich die zweite Bühne gefunden und es war ausgerechnet das kleine Stendal, das den ehemals angesehensten Dramatiker Deutschlands nachzuspielen wagte. Auf der Suche nach dem neuen repräsentativen Dramatiker haben die staatlichen Stellen den Lessingpreis dem Schriftsteller Friedrich Grise für sein Schauspiel „Mensch, aus Erde gemacht" verliehen; auch dieses Schauspiel, das eine dumpfe Bauernbegebenheit auf Barlachsche Manier, aber ohne die sprachliche Symbolkraft Barlachs auf die Bühne stellt, wurde noch in der vorhitlerischen Zeit des „Niederganges" auf vielen deutschen Bühnen gespielt. Die offizielle Begründung der Verleihung des Lessingpreises ist nicht ohne Interesse:„Friedrich Grise wurde der Preis zugesprochen, weil in seinem dichterischen Schaffen die Doppelgestalt des deutschen Schicksals„B I u t und Boden" und ,.K r i e g" auf einer weltanschaulichen Höhe dargestellt wurde, die sich hoch über den Durchschnitt der allgemeinen Heimats- und Kriegsschriftstellerei erhebt".— Innerhalb des vom nationalsozialistischem System anerkannten Dramatikerkreises aber tobt der Konkurrenzkampf nicht minder scharf wie in den geschmähten Zeiten des übe- ralistischen Zeitalters weiter. 7.„Den Römischen die Hiebe" Einen merkwürdigen Fall des Zusammenspiels von Theater und Politik stellt die Aufführung von Jobsts„Propheten" im Berliner Staatstheater dar, die gar nicht anders denn als eine den„deutschen Christen" gewährte künstlerische Hilfeleistung gewertet werden kann. Der Protestantismus, den Jobsts Luther von der Bühne vertritt, ist der Protestantismus des Reichsbischofs Müller. Das Stück beginnt mit einem„falschen" Wunder, das der römisch-katholische Theologe Eck mit einer gläubigen deutschen Frau inszeniert: er hat die Hand des Weibes mit Phosphor bestrichen, die Frau hält sich nun für stigmatisiert. Bruder Martinus Luther entlarvt das falsche Wunder. Im übrigen finden in diesem Schauspiel, das in Ermangelung eines dramatischen Kerns und wirklicher dichterischer Charakterzeichnung nur als Tendenzstück gewertet werden kann, die Thesen der„deutschen Christen" Szene für Szene ihre Erfüllung: Luther wird als Verkünder einer ausgesprochenen„Deutsch* kirche" vorgeführt(„Deutschland stürmt sich seinen^Hinjs mel!"),— er führt einen Priester von„nichtarischer Ah* stammung, der die Lehre verfälscht, ad absurdum, er macht sich zum Sprecher einer germanischen„Erdverklärung:„I® will, daß jede Mutter eine Heilige sei. Wir sollen das Sakrament der Liebe, der Schöpfungsgnade, die Zeugungskraft nicht länger verhimmeln. Irdisch will ich die Madonna un von Fleisch und Blut, daß die Erde fromm werde! Und Jobsts Gesang der deutschen Bürger im preußischen Staatstheater könnte Reichsbischof Müller ohne weiteres in sein neues Gesangbuch übernehmen: „Wir lesen den Text der Texte Das Evangelium. Der Papst, der uns behexte, Den bringt die Wahrheit um Wir sind des Luthers Streiter Und seiner Lehr Kumpan, So singen wir uns heiter Gen Wittenberg hinan. Den Römischen die Hiebe, Dem Spanier zum Tort. Für Deutschland unsre Liebe, Für Luther unser Wort!" Man stelle sieh die Wirkung auf ein heutiges Berliner Publikum vor, wenn in diesem modernen Glaubensstück ein Jude(dramaturgisch ohne Grund) mit den Worten:„Ein Jud ist immer zwanzig Ruten wert zur Auspeitschung ge schickt wird, wenn in der nächsten Szene ein anderer Jude auf der Bühne gehängt werden soll und schließlich in derselben Szene gleichfalls ein Jude, weil er den Christen flucht, lebend auf den Pestkarren geworfen wird: hier heißt Jobsts Regiebemerkung„Die Spaten knirschen im Schädel des Alten". Obwohl der Regisseur Fehling schon dadurch für Realismus gesorgt hatte, daß er den Monolog eines wucherischen Juden durch Einfügung hebräischer Worte(und zwar der heiligsten Worte des alten Testaments) glaubhaft zu machen suchte, gab es doch wegen der realistischen Ausführung der Hängeszene Differenzen, deren Konsequenz schließlich Johstens Beurlaubung war. * So erscheint zu Jahresbeginn das dynamische Prinzip im deutschen Theater restlos durchgeführt: es ist alles, aber auch alles in Bewegung und niemand vermag noch zu erkennen, was sich schließlich herauskristallisieren wird. Dee eiste deutsche JMagpCatz In der Nähe von Halle wurde der erste Spatenstich zum ersten deutschen Thingplatz in Anwesenheit von mehr als 100 000 Mitgliedern der„deutschen Arbeitsfront", der Belegschaften der benachbarten Arbeitsdienstlager und von Abordnungen der SA., SS. und der Hitlerjugend getan. Der stellvertretende Propagandaleiter der NSDAP. Fischer erklärte in einer Ansprache u. a„ der erste Spatenstich stelle einen symbolischen Akt dar, denn„die schaffenden Menschen der Stirn und der Faust reichten sich in der gemeinsamen Arbeit im Werden einer neuen deutschen Kunst die Hand". Der neue Thingplatz wird dem Landschaftsbild angepaßt. Am Nordhang der sogenannten Brandberge sollen in weit geschwungenem Bogen die amphitheatralisch ansteigenden Sitzplätze für über 5000 Zuschauer geschaffen werden. Ihnen gegenüber steigen terrassenförmig übereinanderliegend die Vor-, Mittel- und Hauptbühne an. Unter der Hauptbühne wird ein Ehrenmal der Arbeit in Form einer Halbkugel entstehen. Die Rückseite des Ehrenmals öffnet sich zu einem riesigen Aufmarschgelände. Jbactneistecs JCüche Aus eins mach sechs Soeben wird bekannt, so lesen wir in nationalsozialistischen Blättern, daß die Städtischen Bühnen Düsseldorf(Generalintendant Iltz) noch in dieser Spielzeit das Drama„Pippin der Krüppel" von Ernst Bacmeister zur Uraufführung bringen. Mit dieser Uraufführung tritt das außerordentlich seltene Ereignis ein, daß von einem lebenden Dichter in ein und derselben Saison sechs verschiedene Stücke fast gleichzeitig gespielt werden. Nämlich außer dem„Pippin" die Dramen:„Siegfried"(Uraufführung in Augsburg), „Hauptmann Geutebück"(Uraufführung in Stuttgart), „Maheli"(Halberstadt),„Die dunkle Stadt"(Landestheater für Pfalz und Saargebiet) und die Komödie„Barbara Stossin"(Stettin).„Der lange verkannte Dramatiker Ernst Bacmeister, der in Wangen am Bodensee lebt, hat sich nach 30jähriger Schaffenszeit einen ersten Platz im deutschen Spielplan erobert. Noch vor kurzem kannte die große Oeffentlichkeit kaum den Namen des Dichters!" SmuqedUhte Einem Vielgenannten Er bläht sich über alle hinaus. Die anderen sind ihm Luft— Und ist doch bei allem Saus und Braus Nur ein ganz gewöhnlicher Schuft. Replik Er sei kein ganz gewöhnlicher Schuft? Du liebst wohl auch einen starken Duft? Doch überbrück ich gern die Kluft: Er ist ein außergewöhnlicher Schuft. Demselben Du hast zwar eine eherne Stirn und ein frechheitgepanzertes Herz doch trifft dich eine eiserne Faust, dann bricht das mürbe Erz. Drum treib es munter wie bisher— ich seh' die Stunde kommen, da wird dir deine ganze Kunst nicht im geringsten frommen. Dann kommt ein eiserner Besen daher und wirft dich auf die Seite. Du triebst im großen dein Geschäft-> drum gibts eine große Pleite. „Sdinäpse" Weniger Lohn als Unterstützung h. b. Der berüchtigte Oberbürgermeister D. Hesse (Braunschweig) hat in den letzten Ianuartagen vor acht- hundert Zwangsarbeitern eine Rede gehalten, in der er erstens die in Arbeit genommenen Erwerbslosen ver- höhnte, zweitens aber ein wichtiges Geständnis machte. Er sagte: „Ich bin mir wohl bewußt, daß diese Ausgabe(der Ar- beitsbeschaffung) äußerst schwierig ist, auch daß, obwohl die meisten von euch sich freuen, endlich wieder in Arbeit zu kommen und damit Recht statt Almosen zu bekommen, dieser oder jener dabei ist, dem es nicht ganz nach der Mütze ist. Aber darauf legen wir Nationalsozialisten ab- solut keinen Wert. Außerdem werden euch heute zwei kleine Schnäpse eingeschenkt werden." Und dann Kam das wichtigste: „Ich weiß, daß es noch eine gewisse Härte für die kinderreichen Familien gibt. Das erkennen wir voll und ganz an. Es sind schon Schritte unternommen und in Vorbereitung, daß sich die kinder- reichen Familien nicht schlechter stehen, wenn sie Arbeit bekommen, als vorher bei der Unterstützung." Was wir immer behauptet haben, wird hier amtlich be- [tätigt. Es gibt im Zuge der Hitlerschen Arbeitsbeschaf- fung weniger Lohn als Wohlfahrtsunterstützung.„Die unternommenen und in Vorbereitung befindlichen Schritte" werden daran nichts ändern. Auch dürfte der einmalige Ausschank von zwei kleinen Schnäpsen nicht lange über diese Tatsache hinwegtrösten. ver taumelnde Salonion Sechs Monate Gefängnis für den Täter h. b. In Ncumünster hat in diesen Tagen ein politischer Prozeß stattgesunden, dessen Ausgang große Erregung her- vorgerufen hat. Der sünsundreitzigjährige Dreher Willi Otte wurde wegen schwerer Körperverletzung zu einer Gefängnis- strafe von sechs Monaten verurteilt. Dem Urteil lag folgen- der Vorfall zugrunde. Am II. November, also am Tage vor der„Reichstagswahl", stand der lSjährige Hitlerjunge Hermann Solomon(sie!) vor dem Fabriktor der Lederwerkstätten von Adler und Oppen- heimcr? um Flugblätter zu verteilen, in denen zur Teil- nähme an einer nationalsozialistischen Versammlung ansge- fordert wurde. Der Dreher Otte lehnte es ab, einen solchen Zettel anzunehmen. Der junge Solomon lief schimpfend hin- tcr ihm her. Otte, der wußte, daß mit einem Hitlerjungen nicht gut anzubandeln ist. auch wenn er Salomen heißt, "schwang sich wortlos auf sein Fahrrad. In der Aufregung rutschte er mit dem Fuß von der Pedale ab. Unglücklicher- weise geschah das gerade in dem Augenblick, als Solomon den Radfahrer erreicht hatte und von ihm verlangte, ein Flug- blatt anzunehmen. Der Hitlerknabe erhielt also einen gelinden Stoß, von dem der offizielle Prozcßbcricht sagt er sei so heftig gewesen, „daß Solomon zurücktaumelte". Darauflun wurde Otte von seiner Firma fristlos ent- lassen und jetzt wegen schwerer Körperverletzung verurteilt. Keinerlei jfldisdie Versammlungen ^•Generelles Betätigungsverbot- Der SA.-Standar- tetzsührer Gr n nert, hat zur Aüfrechterhaltung der ösfcnt- ticheu Ruhe, Ordnung und Sicherheit angeordnet, daß, nach- dem die von ihm gegebenen.Richtlinien von Versammluiigs- leitern und Rednern wiederholt durchkreuzt ivordeir sind, bis aus weiteres säintlicheu jüdischen Vereinen verboten ist, Z u s a m»i e n k ü n f t e in jeder Form tauber Gottes- dienst in der Synagoge) zu veranstalten. Hierunter fallen auch die sportlichen Betätigungen von Sportvereinen. Ebenso fst es untersagt, besondere Propaganda durch Rundschreiben usw. zu betreiben. Jeder wird gesdiröpif Auch der ärmste„Volksgenosse" Die„Westfälische Landeszeitung" schreist: Lünen. Es gibt noch immer Volksgenossen, die sich ihrer Pflicht gegenüber der Gemeinschaft nicht bewußt sind und es daher ablehnen, die Spende zum Eintopfsonntag abzuführen. Wer so handelt, st e l l t sich bewußt außerhalb der deutschen Volksgemeinschaft. Volksgenossen, die trotz Ausforderung am kommenden Sonntag die Spende nicht in genügender Höhe oder überhaupt nicht abführen, werden öffentlich an ihre Pflicht erinnert werden. Es ist wieberholt daraus hingewiesen worden, daß nie- m a n d von der Abgabe für das Eintopsgericht befreit ist. D i e große Plakette befreit auch nicht von der Spende. Die Befreiung der unter Tage arbeiten- den Bergleute von der Beitragslcistung zum Winter- Hilfswerk gilt ebenfalls nicht für die Eintopf- gerichtsabgabe. Außer der Sammlung zum Eintopsgericht findet auch am Sonntag e i n e B tt ch s e n s a m m l u u g und ein Verkauf von Ansteckabzeichen statt. Es wird von der Bevölkerung der Stadl Lünen erwartet, daß sie den Sammlern ihre schwere Aufgabe dadurch erleichtert, daß sie bei der Ab- holuug der Eintvpfgerichtsabgabc diesen keine Schwierig- ketten bereitet und in genügendem Maße spendet. An einer anderen Stelle beklagt sich das Naziblatt, baß die Sammler unfreundlich empfangen werden. Man möge ihnen doch ein freundliches Gesicht machen,— wenn es auch schwer fällt. -Ein lleldenskiididien Ihren eigenen Raub beschlagnahmt h. b. In Flensburg ist in diesen Tagen ein Kusgrenstück- chcn der Hitlerjugend ausgeführt morden, das trotz aller Bitternis den Reiz des Komischen an sich hat. Die Nazispelunke in Flensburg heißt„Deutsches Haus. In den Kellergewölbcn dieser Gaststätte entdeckten kürzlich einige Angehörige der Hitlerjugend marxistische Fahnen. Es handelte sich um eine Fahne des Reichsbanners, eine des Roten Frontkämpferbundes und eine der Eisernen Front. Da nun aber mit dem braunen Klapphöschen eines jeden Hitlerjungen polizeiliche Befugnisse verknüpft sind,„bc- schlagnahmten" die Jungen ihren Fund. Die Presse wurde alarmiert. Flensburg stand Kopf vor der sensationellen Frage: Wie kommen die staatsfeindlichen Fahnen ansge- rechnet in das Hauptquartier der NSDAP.? Des Rätsels Lösung ließ aber nicht lange auf sich warten. Schon am nächsten Tage mußte man klein und häßlich zu- geben, daß die beschlagnahmten Fahnen von der TS. aus P o l i z e i V e st ä n d e n requiriert worden waren. Aus diesem Vorgang erhellt wieder einmal, daß die nationalsozialistischen Schützer des Privateigentums in man- chcn Dingen höchst eindeutigen Rechtsbegrisscu huldigen. Sumpfblumen In Gestalt von Polizeipräsidenten Aus Wuppertal wird uns folgender Korrupuoumall aus der NSDAP, mitgeteilt: Ter in Wuppertal vor einiger Zeit eingesetzte Polizeipräsi- dent und Nazi--.,Führer" V e l l e r ist ebenso schnell, wie er auftauchte, von der.Bildslüche verschwunden. Vis vor lur- zcm wußte nmn hier nichts was aus Herrn Beller geworden ist. Durch die Unvorsichtigkeit eines Nazisten wurde jetzt be- kannt, daß Herr Bester den Sessel des Polizeipräsidenten mit der Pritsche im Konzentrationslager eingetauscht hat. Herr Voller, der als einer der Führer dazu berufen war, dem Volk in der Praxis die Anwendung des nazistischen Wahl- spruchs vom„Meinnutz" klar zu machen, hatte zu diesem Zwecke Unterschlagungen begangen, die sich, wie wir zuver- lästig misten, auf etwa 180 000 Mark belaufen. Deutschland ist Moorland geworden. Sumpfblumen gedei- hen ausgezeichnet! Gründe für Sdiulzhafl Kleines Allerlei Der jüdische Inhaber der Möbelfabrik Schuhmacher in Grünstadt(Pfalz), Albert Seelenberge r, wurde von der Polizei mit seiner Frau in Schutzhaft genommen. * In Schutzhaft genommen wurde der Tagncr Johannes Schuster, geb. 13. 3. 1875, wohnhaft zu Kaiserslautern, Am Enkenbach«! Weg Nr. 23, weil er trotz polizeilicher Warnung einen Gefangenentransport zum Hauptbahnhof Kaiserslautern begleitete und sich an Sammclschubwagen heranmachte. Dort versuchte er mit einem Gefangenen in Verbindung zu kommen und ihm etwas zuzustecken. Dies sei eine Warnung für diejenigen, die es nicht lassen können, beim Abtransport von Tchutzhastgefangenen aus Neugierde oder sonstigen Gründen zugegen zu sein. * Die fortgesetzten Schwindeleien, die von verschiedenen Zeit- genossen zum Schaden des Winterhilsswcrks verübt werden, veranlaßten die maßgebende Stelle zu einschneidenden An- griffen. Einige Fälle sind nach und nach bekannt geworden. Die Folgen stellten sich für die Betrüger rasch ein. Ber- gangene Woche wanderte eine Auslese in Schutzhaft. In- zwischen liefen aus der Bevölkerung heraus, die sich aus gesundem Rechtsbcwußtsein gegen diese Sorte Schmarotzer wendet, neue Anzeigen ein. Der gewesene Fabrikarbeiter Ernst Theobald, 33 Jahre alt, aus der Pfarrgasse 0, ist gestern ebenfalls in Schutzhaft genommen worden. Much ihm kam der Gedanke, den Kohlenbezugsschein nach seinem Da- iürhalten besser verwerten zu können, als Brennstoff sür feine Familie zu beschaffen. Er gab ihn einem hiesigen Friseur als Ratenzahlung hin, um sein Schnldcnkonto für Rasieren, Haarschneiden und Zigaretten herabzndrücken. Die Geschichte kam aber rasch auf. In letzter Minute versuchte er die ganze Angelegenheit zu bemänteln, gab die Tat dann doch zu und will es nicht wieder tun." Die Möglichkeit zu einer Fortsetzung wirb ihm auch für einige Zeit fehlen. Erwerbsloser und Nazlpaskor Aus Puttkamerun „In der Wohnung des Arbeiters Wilhelm Schulz zu Zanow in Pommern erschien Ansang Januar der Arbeiter Richard Kliv und teilte Schulz mit: er.sei durch den K ö s l i n e r Arbeitsnachweis zu Planicrungsarbei- tcn aus dem Zanower Friedhof bestimmt. Gleichzeitig fragte Klitz: ob Schulz geneigt sei, wieder in die Kirche einzutreten. Schulz verneinte dies, worauf Klitz ihm sagte, er möge sich bei dem Kaufmann D i t t b e r n e r, eben- falls zu Zanow, melden. In dieser dann stattfindenden Unterredung sagte schließlich Diitberner zu Schulz: aus Arbeit dürfe er nicht rechnen, da er nicht in der Kirche sei. Schulz überreichte daraus dem Herrn Dittberner die Verfügung des Stellvertreters des Führers vom 13. Okiober 1933. worauf er ihm das Btait wieder zurückgab mit den Worten:„Heß, Heß, Donnerwetter, der wiegelt ja die g a n- z e ii Leute a u f!" Schulz verlangte nun eine Bescheinigung dafür, daß er nicht arb'iteu dürfe. Man bat ihn, diele Forderung zu widerrufen. Slls er aber aus seinem Standpunkt blieb, schickte man ihn zum Zanower P a st o r e n Herrn L ü p k e. Dieser versuchte zunächst. Schulz zum Wiedereintritt in die Kirche und zum Christentum zu bekehren. Schließlich gab der P a st o r an Schulz die verlangte B e s ch c i n i- gung. Dazu schreibt der„Rcichswart": „Hier unterstehen sich ein Pastor und die. unter seinem Einfluß stehenden Bürger, wahrscheinlich Mitglieder des Magistrats und des Kirchcnvorstandes. den grundlegenden Gedanken des Nationalsozialismus zu durchbrechen und da- mit zu verneinen: daß jeder Volksgenosse das Recht auf Arbeit hat. D'e Anmaßung dieser Herren ist geradezu naiv und kann wohl höchstens durch ihre» bornierten Fanatismus iiberlmupi erklärt iverden... Eine edle Methode, eine christliche Methode, das muß mau sagen! Und eine Auflehnung gegen den Stell- Vertreter des F ii h r e r s und Reichsminister, die nicht überboten werden kann!" (Rcichswart, 3. 2. 34.) GesdiädifJlche Parallelen 1. Konfiskationen ■ Karl Marx erinnert in seinem„Achtzehnten Brumaire des Louis Bonaparte" an das Wort Hegels, daß alle wcltgefchicht- licht» Tatsachen und Personen sich sozusagen zweimal er- eignen. Und er fügt hinzu: das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als F a r c e. Dieses Wort wird jedesmal in uns lebendig, wenn wir im„Rcichsanzeiger" die Liste des konfiszierten„staatS- und volksfeindlichen Vermögens" lesen, wenn da konfisziert wird eine„staatsfeindliche" Näh- Maschine, ein„volksfeindliches" Sparkassenbuch, Einrich- tungsgegenstände„ Bibliotheken oder gar der Rückkausswcrt einer Lebensversicherung. Wir erinnern uns dann der s ü r ch t c r l i ch st e ii und sinnlosesten politischen K o n f j? k a t i v n S t r a g ö d i e, die in der Geschichte deS Abendlandes verzeichnet steht: der Konfiskationen unter dem zweiten römischen Triumvirat. Wenige wissen, daß der als milde und gerecht gepriesene Kaiser Augustus über schlimme Verbrechen an die Macht gelangt ist, die allerdings eine berechnende Geschichts- schreibung auf seinen Iugcndnamen O k t a v i a n verbucht hat. Die heutige kapitalistische Presse fragt ja auch nicht nach den Mitteln, die einstmals der V2jährige R o ck e f e l l c r angewandt hat, um der reichste Mann der Well zu werden? und die Verbrechen, die der Machtergreifung Hitler.? voran- gingen, bleiben nur lebendig, weil sie nach der Macht- crgreisung fortdauern, ja, sich steigern. Ter bei der Ermordung seines Oheims und Vorgängers, des großen Julius E ä s a r, knapp zwanzigjährige Jüng- ling Oktavian befand sich gegen Ende deS Jahres 43 v. Ehr. in sehr unangenehmer Lage. Um die Nachfolgerschaft des er- mordeten Diktators war ein Bürgerkrieg unter 4 oder 5 Feld- Herrn entbrannt— derlei war Rom nun schon seit Jahr- zehnten gewohnt—, aber der Sieg entschied sich weniger durch Schlachten als dadurch, daß jeder Prätendent dem andern seine Truppen abspenstig zu machen suchte. Es ging dabei zu wie heute in der kapitalistischen Konkurrenz: die gröberen Unternehmer in Truppen-Aniverbiingen verschlangen ihre kleineren Mitbewerber und schließlich schlössen die Ucbrig- bleibenden sich za'cinem Kartell zusammen, dem sogenannten zweiten Triumvirat(Dreimännerkollegiuin), durch das Oktavian. Marc Anton und Lepidus die Herrschaft über das Reich unter sich aufteilten. Die drei Männer hatten nun die gesamte Macht in der Hand und— sie hatten die gesamte Heercomaste aus dem Halse, die teils durch eigene Werbung, teils durch Ueber- laufen vom Gegner zusammengeströmt war:'ünfzig und mehr^cftioitcn. ein nne eA ilJoitt vovficr und nachher nicht in solcher G U>- beieinander gehabt hat Aber dieses Heer war zwecklos und viel schlimmer es war nicht zu besolden, da jeder der Heerführer daraus spekuliert halte, daß der besiegte Gegner die Kosten zahlen würde. Eine Meuterei der Massen schien unausbleiblich, und die ehrsamen drei Männer, vor denen Rom zitterte, sie zitterten selber um ihr Leben, eingedenk peinlicher Präzedenzfälle, in denen meuternde Legionen ihre Führer kurzerhand totgeschlagen hatten... In dieser Not verfielen die drei Männer auf einen fürchterlichen Ausweg: sie schrieben Proskriptionen (Aechtungcn) aus. Derlei war auch in früheren Bürger- kriegen geschehen, Marius wie Sulla, Cäsar wie Pompejus hatten politische Gegner prvjkribiert. Aber in diesem Falle, wo sich die Gegner ja geeinigt hatten, ging man mit un- verhüllter Schamlosigkeit auf das wirkliche Ziel zu: man präskribierte nämlich alle Reichen, etwa 20M Personen, ohne jeden Unterschied der Partei. Jeder der Trinmvire opferte seine eigenen Freunde und Verwandten, damit seine Partner das gleiche taten. Eine furchtbare Metzelei brach los, zu den Opfern zählte auch der greise Redner Marcus Tullius Cicero. Nach der Tötung der Opfer folgte die Hauptsache: die E i n- zichung ihrer Vermögen. Verschleuderung und Unterschleife waren an der Tagesordnung, die Beute siel daher weit geringer auS, als man gehofft hatte. Natürlich bereicherte sich die engere Umgebung der Trinmvire nach Leibeskräften und das Endresultat war eine Schicht neuer Reicher, erheblich ungebildeter, brutaler und kulturloser als die der alten! Tatsächlich ist im Jahre 43 v. Ehr. die gesamte Bourgeoisie Roms enteignet worden. Wa? diesen Vorgang aber wider- lich und gemein macht, ist die Tatsache, daß diese Enteignung unter keinem höheren Gesichtspunkt erfolgte, nicht etwa zum Zwecke einer besseren Gesellschaftsordnung, sondern als nackter staatlicher Raub. Dieser Riesenraubzug hat dem Lande daher auch keinerlei Segen gebracht, er schuf nur eine Schickst von Parvenüs, die alle Fehler ihrer Vorgänger über- trafen, ihre kulturellen Vorzüge aber nicht besaßen. Als späterer Kaiser Augustus hat Oktavian dann vergeblich ver- sucht, eine neue Aristokratie aus dieser Schicht zu züchten. Er erließ Gesetze, die fabelhaft an Hitlers„dritte? Reich" er- innern: Gesetze gegen Ehelosigkeit. Sondersteuer auf Iung- gcfellentum, Bevorzugung Kinderreicher— aber auch das hielt den Verfall Roms nicht aus. Bisher konnte man die Konfiskationen des Jahres 43 v. Ehr. für die sinnlosesten der Geschichte halten, weil eine ganze Schicht von Besitzenden enteignet wurde, ohne auch nur den Versuch, dafür eine gerechtere Besitzreglung herbcizu- führen. Aber das Hitlerrcich zeigt, daß noch größere Sinn- losigkeit möglich ist: es enteignet die Bewegung der Armen zugunsten der Reichen, zugunsten der Thyssen, Schröder, Schmidt und Genosten, lieber dem Raubzug der Triumvire leuchtet die düstere Glut eines Abendrotes, das den Unter- gang der alten Welt ankündigt. Die Nähmaschinen, Möbel- stücke, Bücher, Versicherungspolicen aber, nach denen die braunen Machthaber angeln, das sieht alles nur aus nach ein paar pfiffigen Mauschake n allcrllciusteii Formates. — Selbst in Verbrecherkreisen gibt es einen gewissen Vc- russstolz. Ein zünftiger Geldschrankknacker z. B. würde es entrüstet ablehnen, wenn jemand ihm zumuten wollte. Wäsche von ber Leine zu stehlen! Die Matadorc des„dritten Reiches" kennen solchen Berufsstolz nicht: sie fingern noch nach der letzten alten Hose des„Staatsseiudes" und sind gebläht vor Stolz, iveiiu sie einen Koffer mit getragener Wäsche ab- sangen. Aber schließlich: so müssen sa die Konfiskationen einer Regierung mehr oder weniger aussehen, deren eiqent- liches Ziel die Erhaltung der grobe.-'»er- mögen ist und die lediglich die A' v;i: daß sie einmal nach Höherem strebten. 2. Ruere in servitiurn Da wir einmal beim Zeitalter de.'' i Ge» schichtsschreiber TacitnS sagt von den.n diese, Epoche: Ruere in servttium... Sic stürzten in die Knechtschaft. Sie gaben die Republik auf und heimsten dafür eine Kette immer grausamer werdender Despoten ein: auf Augustus lolgten der mißtrauische Tiberius. der vom Cäsaren- Wahnsinn gepackte C a l i g u l a. der blutgierige Claudius und schließlich jener sadistische Schöngeist Nero, dessen An- zündung Roms früher die berühmteste Brandstiftung der Weltgeschichte war und jetzt nur noch die zwcitbcrtihmtcstc ist. Immerhin: daß die freien Römer soweit verfielen, ihr Haupt unter den Fuß von Bestien zu beugen, dazu hatte eS dreier Generationen voller Bürgerkrieg und fürchterlichen Gemetzels von Tausenden bedurft, worin die herrlichsten Köpfe unter- gegangen waren, sowohl von den Aristokraten wie von den Demokraten: Die beiden Gracchen. Seipio der Jüngere, PompcjuS, Cäsar, Cicero, Erastus Eatilina, Eato. BrutnS, Eassius, Antonius und noch Dutzende erlauchter Namen- keiner von ihnen ist eines natürlichen Todes gestorben. Erst nach Hekatomben blutiger Opfer war der Rest zur Knecht- schüft reiß Trotz der scheinbaren Blütezeit des augustäii'che« Zeitalters aber bedeutete dies den tatsächlichen Still stand, der den unaufhaltsamen Verfall der römischen Kultur einleitete. Die Deutschen? Ohne jede Entschuldigung wird die Ge- schichte von ihnen einst vermelden:„Ruere in scrvitium." Und es drängen sich noch immer Millionen hinterher, die gar nicht schnell genug in die Knechtschaft kommen können: in Oesterreich, im Saargebiet, die Fa'chistenaruppen in Dänemark, Belgien, Holland, den baltischen Staaten usw. Von den Deutschen wird man— im Gegensatz zu den Römern— nur melden können: im Grunde seien sie noch niemals innerlich freie Menschen mit Bllrgerstolz und Zivilcourage gewesen. ?>m großen gesehen, steht hinter der Erscheinung abermals das Wort: Verfall. Der Verfall Ev ms, der besiegelt ist, wenn die Freiheit ber europäischen Nationen untergeht. Pariser Beruhte Pariser StraOenhalcnder Im internationalen Studentinnenheim auf dem Boulevard Saint-Michel wurde nach einem Vortrag..Ewiges Prag" ein Film von Prag und den Slowakendörfern der Karpathen vorgeführt. * Am Freitag, 23. Februar, spricht, wie angekündigt, der Gründer der deutsch-französischen Gesellschaft Dr. Otto Grautoff, jetzt emigriert, über den berühmten Isenheimer Altar in Kolmar, mit Lichtbildern im Instiut d'Art et d'Archeologie, 3, rue Michelet, 13.45 Uhr. -i- Wie wir erfahren, sind in der deutschen Spielwarenfabrik, die hier wiederholt als„Kollektiv der blauen Elefanten" erwähnt wurde, erhebliche Neueinstellungen zu erwarten. Die Fabrik unterhält bereits eine eigene Verkaufsstelle an einer Verkehrsecke der großen Boulevards. * Yvette Guilbert, über deren mutiges Hitlerkonterfei in der Ausstellung der revolutionären Künstler hier berichtet wurde, hat soeben einen ihrer bekannten Vortragszyklen „Französisches Chanson aus drei Jahrhunderten" beendet. Die Künstlerin wurde begeistert gefeiert. * Emile Jaques-Dalcroze gab zwei vielbeachtete Vorführungsabende mit seinen Schülern in der Ecole Normale de Musique. Dalcroze machte vor dem Kriege bekanntlich Dresden-Hellerau zu einem neuen Kunstzentrum. Die Hetze, die man gegen ihn während des Krieges entfesselte, als er das Dokument gegen die Beschießung der Kathedrale von Reims unterzeichnete, setzte seiner deutschen Tätigkeit ein Ende. Man muß angesichts seiner letzten Vorführungen zugeben, daß keine musikalische Volkserziehung der Zukunft an seinem System wird vorbeigehen können. Der ermordete Pariser Richter Der als verstümmelter Leichnam wahrscheinlich nach.nenn verbrecherischen Ueberfall auf den Bahngeleisen bei Dijon gefundene Rat am Pariser Appellationsgericht Albert Prince ist international dadurch hervorgetreten, daß er 1920 Generalstaatsanwalt am Gerichtshof für Oberschlesien wurde, wo er zwei Jahre arbeitete. Prince, der an das Krankenbett seiner alten Mutter fuhr, war ein eleganter, schwarzer, energisch aussehender Fünfzigjähriger von noch mehr jugendlichem Gesichtsschnitt. Am Tribunal der Seine arbeitete er seit 1925, meistens in Finanzprozessen, in denen er große Fachkenntnis entwickelte, die zu seiner Berufung an das Appellationsgericht führte, erst Staatsanwalt, dann als Rat. Sein Sohn entschuldigte ihn in den letzten Tagen vor einer Sitzung mit der Angabe, daß die alte Mutter seines Vaters ihn in einer schweren Krankheit zu sich gerufen habe. Prince, der den ganzen Krieg mitgemacht hatte und zweimal verwundet war, wohnte in Paris in der rue de Babylone. Künstler, die Hitler-Deutschland meiden, in Paris Künstler, die in Deutschland seit einem Jahre nicht mehr auftreten, konnten in den letzten Tagen in Paris außerordentliche Erfolge erzielen: Professor Arthur S ch n a b e 1, der bedeutende Pianist und Pädagoge, der jetzt ständig in London wirkt, und der die Aufforderung des Herrn Staatsrat Furtwängler, in einem Konzerte als Solist mitzuwirken, ausgeschlagen hat, gab einen Beethoven-Sonaten- Abend im Saal Gaveau. Im letzten Abonnementskonzert des Conservatoire spielte Joseph S z i g e t i das Violinkonzert von ßrahms. Beide Künstler wurden vom Pariser Publikum stürmisch gefeiert. DSL TriniKS 43-13 Mötro P I g a 11 e Deutsche Poliklinik Paris, 02., Rue de la Rochefoucauld •1 Allgemeine Konsultationen mit? SpedaUrten. b) Chirurgie c) Gebnrtshfliliche Klinik rf) Zahnärztliches Kabinett Innere Medizin, Augen», Ohren», Nasen» and Kehlkopfkrank» ZweistöckigesJSanatorhunsgebjnde. Vierstöckiges Gebäude. Zimmer Zahn» und Mundchirurgie. 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Sie hängen meistens mit den großen französischen Warenhäusern zusammen. Die Agitation hat jetzt zur Folge gehabt, daß den Geschäften, die zahlreiche Filialen haben oder die Einheitspreisgeschäfte sind, vom Ausschuß der Kammer eine Umsatzsteuer von 1,2 pro Tausend auferlegt wurde. Ausländische Ware wurde einer Steuer von 10 Pr--<-nt unterworfen. Die melsfbesndifen Sehenswürdigkeiten Frankreichs Statistik für 1933 ergibt Besucherzunahme Die amtliche Besuchsstatistik der dem französischen Staat gehörenden Museen und historischen Bauwerke für das Jahr 1933 ergibt, daß die Zahl der Besucher in den neun raeist besuchten Sehenswürdigkeiten durchweg— mit alleiniger Ausnahme des Louvre-Museums— gegenüber dem Vorjahre gestiegen ist. Das L o u v r e(das jetzt seine 40 neuen Säle eröffnet hat) hatte 256 669 zahlende Besucher(im Jahre 1932 298 537), das Versailler Schloß steht an zweiter Stelle mit 205 483 (185 972) Besuchern, dann folgt an dritter Stelle der Moni- S t.- M i c h e 1, der in Frankreich„Das Wunder des Okzidents" genannt wird, mit seiner Abtei. Er wurde von 193 885 Touristen besucht(im Jahre 1932 135 465). Den vierten Platz nimmt das Schloß in Fontainebleau ein(108 848), den fünften die SainteChapellein Paris(91 648), der Are de Triomphein Paris steht an sechster Stelle mit 76 369 Besuchern, die für den Aufstieg auf die Plattform Eintrittsgeld bezahlt haben. Dann folgt an siebter Stelle das berühmte Loire- Schloß Chambord bei Blois, das 58 294 Besucher gegenüber 56 203 im Jahre 1932 aufzuweisen hatte. Das Palais Luxembourg in Paris hat den achten, die Kathedrale Notre Dame den neunten Platz. BRIEFKASTEN H., Strafjlrarg. Tic Wochenzeitung„Westland" erscheint nicht im Verlag der„Volksstimme". sondern wird nur in der Buchdruckerei der„Volksstimme" im Lohndruck hergestellt. Es ist eine durchaus selbständige Zeitschrift, die mit der Sozialdemokratie gar nichts zu tun hat. Das weist natürlich auch die kommunistische Zeilschrist genau, die ihre Polemik auf die dem Laien naheliegende Verwechslung zwischen„Verlag" und„Druck" aufbaut. Minow. Sie schicken uns die MiltwochauSgabe der kommu- nistitchen„Arbeiter-Zeitung" in Saarbrücken und streichen diese Neberschrist rot an:„Schuybiindler Koloman Wallisch hingerichtet— 20|ahre Weltgeschichte in 700 Bildern Einleitung von Fr. Sieburg Gelegenheits-Angebotstab 29,30 Fr. letzt nur 8,55 Fr Sofort zu beziehen durch BUCHHANDLUNG de, „Volksstimme" Saarbrücken, Bahnhof str. 32 Neunkirchen, Hbttenberestr Dr. Sp6cialiste *j, rue de(Uvoti— Metro: Chaleie RADIKALE HEILUNG von BLUT«, HAUT, aad FRAUENKRANKHEITEN Heils b! tob Krampfadern und offenen Beistandes Neueste Behandlungsmethoden Elektrizität impfungsverfahrea Irypafle rine Einspritzungen Blut» und Harn«Untersuchungen. Sper» makultur. Salvarsan. Wismut usw. >prechstunden täglich eo» 10—12 und von 4—8 Uhr Sonntags vou 9—12 Uhr Konsultationen von 25 Fr. ah. Man spricht desteck Besitzer eines bedeutenden Landgutes in der Provence sucht stillen oder tätigen Teilhaber mit Kapital für die Exploitation. Zuschiift an Publicite Metzl. 51, rue de Turbigo, Paris,.Walle' SPOe.-Fllhrer Otto Bauer rühmt sich seines Verrats."— Was wir dazu sagen? Sie werden begreifen, dast die wortwörtliche Wieder- gäbe der Ucberschrist hinreichend genügt. um zu zeigen, welch täglich« Heye jeden Versuch zu einer antifaschistischen Front unter der Arbeiterschaft im Keime erstickt. Schweizer. Ihr deutscher Freund schreibt Ihnen unter anderm: „Fch komme öfters beruflich nach der Schweiz, und es ist selbst« verständlich, dast ich immer die„Deutsche Freiheit" kaufe. Ich hob« schon manche Nummer ins gelobte Hitlerland geschmuggelt und so meinen Freunden grohe Freude bereitet. Wenn die ein Stück von der„Freiheit" bekommen, fressen sie fast die Buchstabe« samt Papier. Einer der alten Freunde sagte mir, so eine Zeitung wie die„Deutsche Freiheist- sei für ihn ein Heiligtum, und mir geht es auch so." Viel mehr als über die Anerkennung freuen wir uns über den Geist des Kampfes und der Treue, der aus diesen Zeilen spricht. Der uns gleichzeitig eingesandte deutsche Arbeiterbrief wird abgedruckt und der andere Wunsch wird erfüllt werden. Anstreicher aus Wien. Vielleicht wenden Sie sich einmal an „Agence Liberte", 2 rue Petit d'Austerlitz, Strastburg. Amsterdam. Die Schändung des jüdischen Friedhofes in Köln« Tcckftein ist von uns schon mitgeteilt worden. Süd-Wrftecke. Nein, Richard K. ist nicht mit Fhrem Freunde identisch, dieser K. ist eingesessener Saarländer. Grttste. Dr. H. K., Paris. Ankündigungen eines derartigen Buches können wir erst veröffentlichen, wenn uns das Werk vorliegt. Beritas. Fhre Mitteilungen sind unk durchweg bekannt und haben zum grösttcn Teil schon in unserm Blatte gestanden. Mit ihnen sind wir der Meinung, daß groste Teil« de» Katholizismus im Reiche und im Saargebiet sich jämmerlich benehmen. Gilt übrigen» auch für Protestanten, Juden und andre Menschen. in n h o n i e" auf. Beide so selten gespielte Werke wirken.tuf das Publikum fast wie Novitäten: Die frische, farbsatte Sprache des italienischen Reisetagebuches. Die schon in der Form(rhapsodische Verbindung der Einzelteile zu einem G samtsatz größter Proportionen) weit in musikalisches Neuland vorstoßende„Schottische Orchesterfantasie". Sie nimmt in der Tonsprache Wagnerisches und sogar Straußi- sches vorweg. Es zeigt sich, daß die Orchestermusik Mendelssohns lange zu Unrecht vernachlässigt worden ist. Seine Ouvertüren, seine Symphonien könnten unser eingefrorenes Konzertrepertoire sehr gut bereichern; wo aber findet sich ein„Wiederentdecker" dieses Romantikers? * Der Zufall fügt es, daß in dem gleichen Konzert, in dem das Publikum der Symphonie des in Deutschland verpönten Mendelssohn begeisterten Beifall spendet, Florent. Schmitt mit seinem„Refletsd'Alleraagne" erscheint. Florent Schmitt hat vor einigen Wochen in einem Konzsrt durch „Vive-Hitler-Ruf" gegen einen deutschen emigrierten Komponisten Stellung genommen. Das Programmheft der„Concerts Pasdeloup" bemerkt lakonisch. Schmitt sei wohl schon im Jahre 1904, dem Entstehungsjahre dieser Suite musikalischer Erinnerungsbilder, ein Paladin Hitlers gewesen, da er„W i e n als deutsche Stadt bezeichnet".— Ein ernster Witz, gerade in diesen Tagen— und ernst stimmt auch die Komposition, ein Gelegenheitswerk, das den Charakter einiger deutscher Städte in Tanzformen festhalten will: das hier geschilderte Deutschland existiert heute nicht mehr. Dieses romantische Heidelberg, dieses idyllische Koblenz, das karnevalistische München und schließlich auch das walzerselige Wien... es war einmal, was heute davon noch da ist, ist Kulisse, hinter der sich die Tragödie des mitteleuropäischen Kulturverfalls abspielt. * Neben dem Florent Schmitt steht in diesem Konzert der jüngere P o u I e n c mit seinem 1932 auf dem Venediger Musikfest uraufgeführten Konzert für zwei Klaviere und Orchester, das sowohl die Linie der alten Concerti gross! wie auch die jüngere Tradition der Virtuosenkonzerte fortsetzt. Die Damen van Barentzen und W e i 11, die die Solopartien mit größter technischer Sicherheit und denkbarer Ausgeglichenheit interpretieren, benutzen die Gelegenheit, um auch das selten aufgeführte Konzert für zwei Klaviere und Orchester(C-Dur) von Bach zu spielen. Ein Genuß seltener Art, der größtes Interesse für den angekündigten Duoabend dieser beiden Pianistinnen(im Saal Gaveau) weckt. * Ein„Con jrto" steht auch im Mittelpunkt des Novitäten- Programms, das Pierre M o n t e u x mit seinem unvergleichlichen Orchestre Sympkonique de Paris veranstaltet hat. Ein Konzert für Geige, Cello, Klavier und begleitendem Orchester von Alfredo C a s e 1 1 a, dem Führer der italienischen Sektion in der internationalen Gesellschaft für Neue Musik. Es ist mit einem nationalsozialistischen Vorwort(über die neue Bodenständigkeit, die nationale Volksverbundenheit und wie diese interessanten braunen und schwarzen Schlagworte sonst heißen mögen) versehen und Herrn Erich Kleiber, dem Generalissimus der nordischen Faschistenzentrale gewidmet. Casella selbst sp'elt mit seiner Kammermusikvereinigung die Soloinstrumente. Man hört ein ausgezeichnet gearbeitetes Stück moderner Musik und ist erstaunt, nach so vielen nationalsozialistischen Phrasen doch eigentlich gar nichts typisch„Italienisches" zu hören. Es ist der neoklassizistische Konzertstil, der heute in allen Musikzentren Europas gekonnt und geschrieben wird. Casella hätte das Stüde wahrscheinlich in Oberbayern oder Kanada ebenso schreiben können wie bei seinem groß angekündigten süditalienischen Ferienaufenthalt. und die Ton- und Formensprache eine* deutschen Hindemith-Schülers wird von der eines italienischen Casella-Schülers für unsere Ohren in den meisten Fällen nicht gar so verschieden klingen. Also wozu der Lärm?!— » Ansonsten eine farbig-kontrastierende und doch stilvoll- registermäßige Instrumentation einer Französischen Suite Bachs von Honegger, zwei problematische, aber begabte Stücke junger Franzosen: eine Symphonie Marcel Del i n- n o y 8 und das„Poeme" Henry Barrands. Zwei Ballettsuiten, die„Songes" von M i I h a u d, szenisch zusammen mit Brecht-Weills„Ballett 1933" im vorigen Sommer in Paris und London aufgeführt. Albert R o u s s e 1 s„Bacchus", choreographische Musiken ganz verschiedener Richtung, aber doch mit soviel musikalischer Substanz, das ihre Aufführung im Konzert rechtfertigt und lohnt. * Eine kleine Sensation sei schließlich noch vermerkt: Marie Dubas, die sonst auf der Revuebühne und im Brettl zu Hause ist, hat den Sprung aufs Konzertpodium gewagt. Es ging nicht ganz ohne Proteste ab, aber ihr Auftreten im Rahmen der„Concerts Pasdeloup" mit z. T. erstaufgeführten Chansons von Rosenthal, Larmanjat und Aubert war schließlich doch ein Erfolg. Man erinnert sich an das Aufseben, das zu Anfang dieser Saison das Auftreten des Tänzers Serge L i f a r in einem Monteux-Konzert erregte, und man begrüßte immer wieder diese„Außenseiter" auf dem Konzertpodium, weil sie, ebenso wie auch die umstrittenste Uraufführung, noch unsere sonst versandende Konzertform durchstoßen und dem Musikleben neues, interessiertes Publikum zuführen können. Paul Walter.