I Sinzigs unabhSugige Tageszeiiung Veuifchiands Ein mitkämpfet beuchtet übet den Jbiitqeckcieq. in Oesteeteich Seit« 3 ]B Stellt sidt der Papst zum Mampf? Die Herausforderung des deutsthen Weltansthauungsdibtators erregt gewaltiges Aufsehen Alarmberithte der deutstfken Gasthöfe- Jthirath proklamiert die Auflösung aller katho- listher Jugendverbünde bis tnde 193b $>te Weltanschauungsrede des deutschen Kulturdiktators «"vsenberg ist ein erschütterndes Beispiel dafür, in Welchem Umfange die Freiheit des deutschen Geistes und der Wille zur Selbstbehauptung unter dem Zwange des braunen Terrors erloschen ist. Ueberblickt man die deutsche Presse, so Heht man kaum eine einzige Zeitung, die ein selbständiges Wort zum weltanschaulichen Totalitätsanspruch des Ratio- oalsozialismuö zu sagen wagt. Der deutsche Korporalsgeist herrscht heute unbeschränkt über alle Lebensäußerungen. Das gilt auch für den deutschen Katholizismus, der nur noch wenige Kämpfer vom Rang eines Faulhaber besitzt. Die scharfe Herausforderung und die Ankündigung des Kulturkampfes, die in den entscheidenden Stellen in der Rede Rosenbcrgs enthalten sind, werden in der gesamten katho- Uschen Presse wenn nicht unterdrückt, so doch mit Still- schweigen übergangen. Eine schwache matte Stimme meldet sich, soweit wir es »ia zur Stunde übersehen können, aus dem Saargebiet. Die „^-aarbrücker Landeszeitung", baS führende katholische Blatt, letzt sich mit Rosenberg auseinander, um„einige schiefe Auf- lassungen zu berichtigen und einige Lücken auszufüllen". Wir gehen kurz darauf ein, um zu zeigen, wie vor sich- ttg die katholischen Blätter selbst im Saargebiet zu schreiben pflegen, obwohl sie das volle Recht der freien Meinung?- außerung zur Verteidigung katholischer Interessen besitzen. Einige Stichproben aus einem großen Aufsatz des Blattes mögen als Exempel genügen. Rosenberg hatte behauptet, früher sei erklärt worden, die R a s s e n k u n d e sei anti- christlich. Diese Bemerkung zielte offenkundig auf die katho- «sche Kirche. Welche Antwort gibt das katholische Blatt? Rassenkunde sei, so sagt es, einfach eine Wissenschaft, als solche also weder christlich noch autichristlich. Wohl aber müsse betont werben, daß einzelne praktische Folgerungen, me aus der Rassenkunde gezogen worden seien, sich mit den Lehren des Christentums nicht vereinbaren ließen. Hier fehlt me Feststellung, daß diese„praktischen Folgerungen" ein Be- standteil der nationalsozialistischen Weltanschauung sind, wo- durch erwiesen ist. daß sie selber mit den Lehren des Christentums„nicht vereinbar" seien. Immerhin befinden sich in dem katholischen Blatte deS Saargebietes folgende Abschnitte, die den Gegensatz, trotz aller formalen Gleichschaltung in der„deutschen Front" aufs deutlichste erkennen lassen. „Wenn Rosenberg in diesem Zusammenhang weiter er- klärt» daß das Hakenkreuz heute sowohl von katholischen wie von evangelischen Kirchen wehe und damit die äußere Anerkennung der neuen Wissenschast, nämlich der Raffen- lehre» vollzöge» sei, so liegt hier ein unhaltbarer Fehlschluß vor. Wenn heute von einer katholischen Kirche die Hakenkreuzsahne weht, so weht sie nämlich nicht als ein Symbol für die Anerkennung irgend einer Rassen- lehre, sondern ausschließlich als das von der rechtmäßigen Obrigkeit bestimmte Hoheitszeichen des Staates» dem die Kirche ihrer eigenen Lehre gemäß das gibt»„was des «aisers ist".. „Wenn deshalb Rosenberg weiter die Ehrfurcht vor sich selbst als die tiefste Religio» bezeichnet, so gibt es keine Brücke mehr» dt, von der christlichen Lehre zur religiösen Anschauung Rosen- bergs führt. Nicht Ehrfurcht vor sich selbst, sondern Ehrfurcht vor Gott ist die Grundlage aller Religion. Denn die erster? führt zur Selbstvergottung, die letztere weist dem Mensche», die ihm allein zukommende Rangordnung, die in gleicher Weis, zur Selbstachtung wie zur Demut ver- Pflichtet. Daß mit dieser Haltung ein berechtigter„Stolz auf deutsches Wesen" sehr wohl vereinbar ist» braucht nicht bewiesen zu werden." „Zum Schlüsse seiner Ausführungen hebt Rosenberg her« vor. daß heute um eine Neuordnung der Werte gerunge» werbe. Der höchste Wert sei die nationale Ehr«, und kein Gott könne mehr von uns verlangen, als aus allen Gebieten des Lebens im Sinne dieser nationalen Ebre zu wirken. Wir könnten ihm durchaus zustimmen, wenn er nicht ausdrücklich auch das„religiöse Prinzip" in seine Wertordnnng mit hineinbezogen hätte DaS aber ist nicht znläfsia. Die Religion steht ienseits aller natürlichen Werte, steht ans einer anderen, und zwar ihrem Wesen nach übergeordneten Ebene, und läßt deshalb keinen Vergleich mit irdischen Gütern zu." Wir finden, daß die Thesen Rvsenbergs ein einziger Angriff auk die Grundlehren des Christen, tu m s sind. Kein Zweifel daß er im vollen Bewußtsein und au? aktuellen politischen Gründen erfolgt ist. Der AuS- fchlteßlichkeitSanspruch für die nationalsozialistische Welt- onschauung wurde von ihm so formuliert, daß sich keine andere Weltanschauung mehr neben ihm behaupten kann. Immer schärfer wird der Ton der national» sozialistischen Presse gegen die katholischen Organisationen. Die Rede Rosenbcrgs war nichts anderes als die theoretische Begründung für ihre nahe Ber- nichtung, die inzwischen auch der Führer der Hitlerjugend, Baldur von Schirach, ganz offen angesagt hat. Wird sich unter diesen Stürmen das Konkordat noch be- haupten? In Rom wird man täglich pessimistischer. Die deutschen Kardinäle schicken täglich Hiobsposten zum Heiligen Stuhl. Seit dem zweistündigen Besuch des Kölner Kardinals Schulte bei Hitler, der völlig unbefriedigend und ergcb- nislos verlief, ist kein Versuch zur Annäherung mehr er- folgt. In eingeweihten Kreisen ist man der Meinung, daß die Rede Rosenbergs im Ein- „Die moralische« Prinzipien sind jenseits von Zeit und Nationen. Man hat gesa g t, daß derReligion dient.moralisch sei. hingen alle Völker.« en wendet sich die ge- der vernehmen Hitlers unmittelbar an Adresse der deutschen Kardinäle richtet sei. Elte 1934 zu Ende lsl... Baldur v. Schirach proklamiert das Ende katholischen Jugendverbände Berlin, 23. Febr. Bei einer Führertagung der Berliner Hitler-Jugend und des Jungvolks sprach der Reichsjugenb- führer Baldur von Schirach über die Aufgaben ber Führer. Er führte unter anderem aus: Von den alten Kämpfern empfängt die Jugend den echten Geist und den revolutionären Schwung des deutschen Sozialismus. Es setzt sich nur eine Bewegung durch, die das Prinzip der bedingungslosen Unterordnung und der treuen Gefolgschaft vertritt. Die Geschichte der deutschen Jugend- bewegung ist das beste Beispiel dafür. Sie scheiterte an der Zersplitterung und an dem Fehlen des autoritären Führer- prinzips. Nur langsam entwickelte sich die Hitlerjugend, ver- kannt von der bündischen Jugend, nach den strengen Gesetze» des Kameradschaftsgeistes und des Führerprinzips. Nach ber Regierungsübernahme Adolf Hitlers ging die Kontrolle sämtlicher Jugendorganisationen an die Reichsjugend- führung über. Durch das Prinzip ber besseren Leitung ist die ganze deutsche Jugend in die Hitlerbewegung eingegliedert worden. Rur der Block der katholischen Jugendorganisationen steht noch außerhalb. Aber ehe das Jahr 1034 zu Ende gehen wird, wird auch sie in die Hitlerjugend eingegliedert werden. (Stürmischer Beifall.) Den Geist der Hitlerjugend dürfen nicht konfessionelle Konflikte zersetzen. Aufgabe der Hitler- jugend ist eS, den Nachwuchs für da? politische Führertum heranzubilden. Wir brauchen die innere Eroberung der gleichgeschalteten Bünde, und eine der wichtigsten Aufgabe der Führer ist es. die Hinzugekommenen zu echten National- sozialisten zu erziehen und sie mit der großen Idee Adolf HitlerS zu erfüllen. Ein Dodi Eanlhabers Es darf in der Oeffentlichkeit nicht zitiert werden Der Papst hat bekanntlich Alfred RosenbergS heidnisches Buch„Der Mnthus des 50. Jahrhunderts" auf den Index gesetzt. Alfred Rosenberg, der hitlerdeutsche„Papst", ha« sich nunmehr an dem römischen Papst dadurch gerächt, daß er gegen das Ruch des Kardinals Faulhaber„Judentum, Christentum, Germanentum" vorgegangen ist: Er hat zwar nicht gewagt, das Werk des ihm geistig weit überlegenen Kardinals auf de» germanischen Index«nd aus den Scheiter, Hausen deS Herrn Göbbels zu bringe», aber er hat der deutsche» Presse»erboten, Zitate ans dies er Kampfschrift»n veröffentlichen. Dieses Ruch deS«Sjährigen dentfchen Kardinals enthält die Predigten, die Faulhaber an den vier Adventssonntagen und am Silvesterabend 1033 in der Münchener Kirche St. Michael als Kanzelredner über die religiösen, sittlichen und sozialen Werte des Alten Testamentes und über die Be- ziehnngen von Christentum nnd Germanentum gehalten hat. In ihm steht das Wort: „DemBaterland ist mit aufrechtenJüngern des Evangeliums besser gedient, als mit krierSlu'igen Altgermanen". Bekanntlich hat Rosenberg darauf zunächst reagiert mit der Anremplung des Kardinals unter der Bezeichnung„diese Leute". Seine Hetze führte»n den Schüsse» in dos Palais des großen römischen Priesters. Die Antwort Fa»'- HaberS daraus bestand in folgendem Satz einer Fastenpredigt: alles, was Die christliche Moral analleZeitundan,, Der Kardinal-Erzbischos, der bereits vor zehn Jahren ein« mal der Gegner Hitlers war, ist reif für das Konzentrat,ans- lager, denn er hat dem neuesten Ahnenkult der jüngsten Germanen um Rosenberg«nd Schi, räch folgende Bosheit gesagt: „Der schönste Ahnenkult wird darin be- stehen, daß man dem Unguten der Erzväter, in nnserm Fall der Blutrache, der Faul- heit und Trunksucht der alte« Germanen w i d e r s a g t." Fürwahr, der Kardinal lästert die neue Heidenreligion deS Obcrphilosophen im Hakenkreuz! Was wird mit ihm geschehen? * Faulhaber spricht von Sabotage Der Münchener Erzbischof, Kardinal Faulhaber, hat in einer Predigt in der St.-Michael-Kirche die Naziführer aus das heftigste angegriffen und sie angeklagt, das zwischen dem Vatikan und Deutschland geschlossene Konkordat zu s a b o- t i e r e n. Augenzeugen, die dem Gottesdienst beiwohnten, schätzen die Menge, die sich eng zusammengepreßt in der Kirche befand, auf 8000. Eine große Menge hatte sich außer- dem vor der Kirche versammelt. Es kam, wie Jnprcß meldet, zu tätlichen Auseinandersetzungen zwischen der Menge und der Polizei. Verordnete Religion! Der Reichsbischof beruft das neue geistliche Ministerium wird durch den DNB. Berlin, 23. Febr. Kirchenamtlich Evangelischen Pressedienst mitgeteilt: Der Reichsbischof hat zu Mitgliedern deS geistlichen Ministeriums berufen: Den Pfarrer D. Dr. Forsthosi, zur Zeit stellvertretender Landespsarrer in Koblenz, den Pastor D. Engelke, Direktor des Rauhen Hauses in Hamburg. Das reformierte Mitglied des bisherigen geistlichen Ministeriums, Studiendirektor Pfarrer Weber aus Elber- feld, führt die Geschäfte kommissarisch weiter. Die Mitglieder des geistlichen Ministeriums führen ihr Amt ehrenamtlich. Die Amtsbezeichnung„Kirchenminister" fällt in Zukunft fort. Das geistliche Ministerium wird am Donnerstag nächster Woche zusammentreten und eine Er- klärung abgeben. Es laufen die Oiothen... Die Partei ist da Der Reichsbischof hat in einem Rundschreiben an die obersten Behörden ber evangelischen Landeskirchen die An- regung gegeben, die am 24. und 28. Februar stattfindenden Gautage der NSDAP, durch ein Glockengeläut am Freitag, dem 23. Februar abends einzuläuten. Da im Hinblick auf de« Volkstrauertag besondere Gottesdienste anläßlich der Gau- Parteitage nicht möglich sein werden, empfiehlt der Reichs- bischof, in den Gottesdiensten des Trauertages anf die am gleichen Tage stattfindenden Gautage der NSDAP, einzu- gehen. ♦ Feiertage: Antreten! Berlin, 22. Februar. Da? Gesetz über den Neuaufbau deS Reiches macht u. a. auch die Beseitigung der bisherigen Ber« fchiedenheit der Termine bestimmter Feiertage notwendig, zu- wul, da sich diese Verschiedenheit häufig störend auch für daS Wirtschaftsleben erwiesen hat. Der Reichsinnenminister wird,»nie eine Korrespondenz meldet, in Kürze eine einheit- liche Neuregelung der staatlichen Feiertage für daS ganze Reichsgebiet bekanntgeben und den Schutz dieser Feiertage mit Sonntagsruhe usw. sicherstellen. In Zukunft soll es im ganzen Reichsgebiet z. B. einen einheitlichen Büß- und Bet- tag geben. Weiter dürfte der alljährliche Heldengedenktag auf den fünften Sonntag vor Ostern festgesetzt werden. ES wird den Kirchen unbenommen bleiben, im Rahmen ihrer eigenen Zuständigkeiten kirchliche Feiertage über de» Rahmen der staatlich anerkannten Feiertag« hinaus zu be- g-'^'n: nur soll dann der staatliche Schutz im allgemeinen kort- fallen. Mussolinis Dreibund Pat lteue,te Unruhe um Italien-Oesterreich«Ungarn Das in Budapest vorbereitete Abkommen politischer und wirtschaftlicher Natur zwischen Italien, Oesterreich und'Ungarn hat sowohl in Paris wie in Prag, insbeson- dere aber auch in Jugoslawien, das sich durch die neue Gruppierung von Norden her eingekreist fühlt, lebhafte Beunruhigung hervorgerufen. Zwei Gruppen stehen sich gegenüber: Italien, Oesterreich und Ungarn auf der einen und Deutschland. Rumänien und Jugoslawien auf der anderen Seite. Zwischen beiden stehen Frankreich und die Tschechoslowakei, nachdem die polnische Regierung schon ihre Neutralität in der österreichischen Frage erklärt hat. . Budapest und Rom bemühen sich nun, den Besprechungen in Budapest eine möglichst hormlose Deutung zu geben. Man schiebt die wirtschaftlichen Interessen vor und betont, daß auf.diesem Gebiete Deutschland und die Kleine Entente einbezogen werden müßten. Die amtliche Ber- lautbarung des ungarischen Telegrafischen Korrespondenzbüros läßt aber keinen Zweifel darüber, daß es sich um die Vorbereitung sehr weitgehender enger politischer und wirtschaftlicher Abkommen handelt, die demnächst bei dem Zusammentreffen von Mussolini, Doli- fuß und Gömbös in Rom Bertragscharakter erhalten sollen:. Der Besuch des italienischen Staatssekretärs FiUnio Suvich. den ei im Namen des Duce als Erwiderung deS vorjährigen römischen Besuches der ungarischen-taais- männer unternahm, liefert einen neuen Beweis des zwischen den beiden Staaten bestehenden innigen freundschaftlichen Verhältnisses. Dieser Besuch hat selbstverständlich die Gelegenheit ge- boten, daß Staatssekretär Suvich, der ungarische Minister- Präsident und die Mitglieder der ungarischen Negierung alle jene sowohl politischen wie Wirtschaft- lichen Fragen besprachen, die die beiden Staaten näh« berühren. Das Interesse, das der italienische Regierung?- ches den mitteleuropäischen Fragen entgegen- bringt, ist allgemein bekannt, wie auch sein Bestreben be- kannt ist, wonach die Lösung aller in diesen Bereich lallen- den Fragen— seien sie politischer ober w i r t- schaftlicher Natur— zur Konsolidierung der Lage dienen und zur Besserung ber Verhältnisse nicht nur Zentral-, sondern ganz Europas vertragen möge. Ter Besuch des Staatssekretärs Suvich und die mit ihm ge- führten Besprechungen haben das zwischen den beiden . Staaten bestehende innige, freundschaftliche Verhältnis neuerlich b e f e st i g t und Itcfern den Beweis, daß- hinsichtlich aller Beziehungen der er- wähnten Fragen zwischen den Regierungen der beiden Staaten volles Einverständnis bestehe. Diese nunmehr beendeten Budapester Besprechungen boten An- laß dazu, den Boden für die beiden Regierungen zur weiteren Tätigkeit im Interesse ber Verbesserung und Konsolidierung vorzubereiten. In Berlin ist man über die Verhandlungen in Budapest recht erbittert. In halbamtlichen Kommentaren wird von einem machtpolitischen Instrument Italiens gesprochen, das sich über Oesterreich nach Ungarn hineinschiebe und somit die Lander der Kleinen Entente räumlich vonein- ander trennte: Das Deutsche Reich und seine Politik werden von diesen Vorgängen besonders dadurch bertihrt, daß dem öfter- reichischeu Brudcrland bei Verwirklichung des neuen Paktes jede selbständige Entscheidung genommen wird und daß Oesterreich dadurch Gesahr läuft, zu einer europäischen Mandschurei zu werden. „Europäische Mandschurei." Ein gefährliches Schlag- wort. Um die asiatische Mandschurei brach der russisch- japanische Krieg im Jahre 1905 aus. Um die Mandschurei gruppieren sich auch jetzt wieder die Kriegsgefahren im Osten. Um die„Europäische Mandschurei", aus der im Jahre 1914 die ersten Flammen des Weltkrieges empor- schlugen, häufen sich auch jetzt wieder die Zündstosse, die eine Weltexplosion hervorzurufen drohen. Snvldi in Wien? dnb. Budapest, 24. Febr. Der italienische Staatssekretär Suvich, der gestern mit dem Nachtschnellzuge abreisen wollte, hat seine Abfahrt auf den heutigen Samstag verschoben. Als Grund wird das Bankett angeführt, das Außenminister Kanya ihm zu Ehren am Freitagabend gab. Nach einer LeS- art, die hier verbreitet ist, reist jedoch Suvich erst heut« morgen ab. um bei Tag« in Wien einzutreffen, wo er angev- ltch feine Reise unterbrechen will, um mit führenden Per» sönttchkeitcn zu sprechen. Ob das zutrifft, ist hier unkon- trollterbar. Tatsache ist, daß Suvich mit dem 8-Uhr-Zuge nach Wien abreist. „Mgyariag(rechtsradikale Opposition), das seinerzeit die erste Meldung über eine angebliche Drcierbegegnung Musso- lont-Gömbös-Dollt'uß brachte, weiß heute als einziges Blatt zu melden, daß GömbSS und Außenminister Kanva stch am ist. März nach Rom begeben werden. Die Informationen deS Blattes darüber, ob auch Dollfuß nach Rom reist, sind weniger bestimmt. rranhreldi nnd Dolgarien Parts, 24. Febr. Außenminister Barthou erklärte Presse- Vertretern nach seiner Unterredung mit König Boris von Bulgaien, baß sich die Aussprache hauptsächlich auf Balkan- fragen und aus daß österreichische Problem bezogen habe. Der Balkanpakt habe ihn besonders interessiert. Bulgarien habe sich diesem Pakt zwar noch nicht angeschloffen, aber die Zeit werde auch hier ihre Arbeit verrichten. Man dürfe die Er- eignisse nicht überstürzen. ES sei schon sehr viel, in Sofia einen König zu haben, der neben setner Intelligenz fran- zösisches Blut in den Adern habe, jung und aktiv sei und der Frankreich sein« Sympathien versichere. Litauen beitraft antideutschen Boykott ftowno, 19. Febr. fZ. T.«.) Der Borsitzende ber Jüdischen «Gemeinde in Poniewiesch, Wcller, und der Gemeindesekretär wurden ivcgen Propagierung des antideutschen Boy- kottS in Litauen zu je einem Monat Gefängnis, ablösbar durch eine hohe Geldsumme, verurteilt. DaS Ruhrgebiet, mit seinen rund.'» Millionen Einwohner«, zählt gegenwärtig nahezu eine Million Arbeitslose. Die in der Pfalz wegen Brotpreiserhöhung verhake» Bäckermeister sind wieder freigelassen worden. Gelegentlich einer Rosettensammlnpg des WHK- kam es i« Oberhai« z« ei.»em Zwischensall. D-r in 9«™ Verhältnissen lebend« Landwirt Lch. lehnte die Abnahm einer Rosette ab. Als seine Tochter das Abzeichen kaus-n wollte, geriet Sch. in Wut und drängte den ammler au seine« HauS. Unter de» Einwohnern des Ortes^ntstan große Erregung, so daß stch die zuständigen Stellen veranloi» sahen, Sch. inSchutzhastzu nehme». D«r französische Senatsansschuß für auswärtige Angele« genheitcn hat die Bildung eiu-S Unterausschuffes siir«a»o- nale Verteidigung beschlossen. Fm Zusammenhang mit dem St avi S ky« Skan dal ist jetzt die Entdeckung gemacht worden, daß wichtig« Akten übe diesen Fall im französische» Arbeitsministerinm spurlos» fl* schwanden find. In Lille fuhr«in Personenwagen, dessen Bremsen oickt sanktionierten, über den Bordstein in eine Gruppe von a« Frauen und Kindern. Ein achtjähriger Junge, der—«i« herausstellte— der eigene Sohn des Autofahrers war, wuro- ans der Stelle getötet. Bon den übrigen sieben Personen mnrden mehrere so schwer verletzt, daß an ihrem Auskommen gezweifelt wird. Die Gesellschaft der französischen Autodroschkenfahrer, die etwa 1500 Tarisübrer vereiniat, hat es ihren Mitgliedern a« Freitag anheimgestellt. die Arbeit wieder aufzunehmen, im sie in dem Streik nicht mehr ein genügend starkes Kampf' mittel sieht, um ihre Forderungen durchzusetzen. Wenn d«r Dariführer, wie vorauszusehen ist, die Arbeit wieder aus- nehmen, so würde auch der Kamvi der anderen Ehauiseur- oerbände kaum noch durch den Streik weiter ausgcsochte« werden können. Di« Schwnrgerichtsverhandlungen gegen die an dem Aus- stand beteiligten Schutzbündler find aus Anfang März gesetzt worden Die Zahl der politische« Häfil>» ge beträgt 14 9 9. Außer dem englische» Kommunistensührer Tom Mann wurde am Freitag, dem Borabend der große« Hyd«park« Kundgebung der„Hungermärschlcr", auch der Kommunisten' führ«r Harry Pollitt verhaftet. Beide sollte» die Hauptred- »er bei der Kundgebung sein, für di« bereits weitgehend« Vorsichtsmaßnahmen von der Londoner Polizei ergriffe» worden sind. Die beiden Kommnnistensübrer werden sich 00* einem Polizeigericht wegen aufwieglerischer Rede«»erant- worten müssen. Am Freitagabend versuchten zwei Eingeborene in S• 6'' Bel.AbbeS in eine dortige Bant einzudringen, wobei sie von dem anwesenden Wärter üherrascht wurden. Sie mehrere Revolverschüsse anf ihn ab nnd verletzten ihn too- lich. Der Direktor der Bank eilt« hinzu, wnrde aber eben- falls durch eine Kngel in den Kaps getötet. Den 1. B»E- halter, der die Verbrecher an der Flucht verhindern«"""e, ereilte daö gleiche Schicksal. Aus der Straße»ersuchte-m Vorübergehender, der dnrch die Schüsse aufmerksam gemach' worden war, sich den Mördern entgegenzustellen. wurde alter dnrch mehrere Schüsse schwer verletzt. Die Täter konnte« schließlich entkommen. a. Vier Hlngcrldifde Im„Neuen Vorwärts" schreibt ein Mitkämpfer folgenden Nachruf für vier Hingerichtete: Koloman Walliich ist nach hartem Kampf gefangen genommen, in wenigen Stunden angeklagt, verurteilt und nmer dem Schutz von Maschinengewehren und von Miiitärkompanien in Leoben hingerichtet worden. Er war 4b Jahre alt. Er stammt« aus dem Burgenlaitd, seine Eltern waren Arbeiter, und er selbst ivar ein Arbeiter. Als er aus dem Weltkrieg in die bürgen- ländtsche Heimat zurückkam, nahm er als Sozialdemo- k r a t an der ungarischen Rätebewegung teil. Wegen seiner revolutionären Haltung in ber ungarischen Kommune ver- folgte ihn der Haß der magyarischen Magnaten. Als das Burgenland österreichisch wurde, war Walltsch bereits in der steyrischen Arbeiterbewegung tätig. In kurzer Zeit gelang es ihm, das Vertrauen seiner Abettskameraden in Bruck an der Mur zu erwerben. Er war einer von denen, die die Zu- iammenarbeit der ungarischen Revanchebcwegung mit der steyrischen Reaktion aufdeckte. Die Waffenafsären von St. Gotthardt und Hirtenberg wären ohne die Aufmerksam- keit und Mitwirkung Koloman WallischS niemals an das Licht der europäischen Oesjentlichkcii gekommen. Erst wenn man diese Tatsachen kennt, begreift man, wieso es möglich ivurbe. daß die steyrischen Christlichsozialen und Hcimwchren gerade aus diesem Mann da? Zerrbild eine? brutalen, vor nichts zurückschreckenden Teufels machten, von dem sie immer ivieder in ihren AgitationSversammlungen die wider- sinnigsten Legenden und Märchen erzählten. In Wahrheit war dieser breitschulterige, untersetzte Mann mit den zwei lustigen Augen und dem dunkelblonden Schopf voll Gutmütigkeit nnd von größter Liebe zu tedem Arbeiter und zu jeder Arbeiterin, die sich an tkn als ihren Vertrauensmann um Hille wandten. Wenn Walltsch in einer Arbeiterversammlung sprach, dann begrüßte ihn schon der Jubel der Genossen, aber das machte ibn niemal« eitel, das brachte ihn niemals dazu, des Beifalls ivegen zu sprechen, und er wußte seine Meinung auch dann durchzusetzen, wenn sie unpopulär war und zunächst nicht auf die Zustimmung der Masse rechnen konnte. Aus einem der letzten Parteitage, aus dem die österreichischen Genossen viele Freund« aus der .Internationale begrüßen dursten, crgrifi Wallisch das Wort zu einer kurzen Rede: ein Beifallsjubel aller Delegierten begrüßte ihn, ber damals von den Bürgerlichen besonder? beschimpft wurde, aber Walltsch, verwirrt von dem Applau«. der ihn begrüßte, wehrte mit ungeschickten Handbewegungen die Kundgebung der Genossen ab. Beifall, Lärm. Patheiik ist ihm immer fremd geblieben. Er bat viele Bücher gelesen, er hat sich ans jede Rede, die er zu basten hatte, auf da» sorg- faltigste vorbereitet. Aber er wollte nie etwas anderes sein als ein Arbeiter, der zu,Arbeitern spricht, und er wollte nie anders leben als sie selbst Man muß ihn unter seinen Ge- nassen in Bruck an der Mur gesehen haben: an diesem Ver hästnts käßi sich der Begriff der proletarlschen Disziplin lernen Er war der Führer der Arbeiter von Bruck, aber er war und er war immer bereit, jede *—* sich mit ihr auseinanderzusetzen. Auch•' w-":'-'""d als er ber LandeSsekre- tär d'*'■'" Dunkel und Hochmut fremd•" all ein Vertrauensmann, und ein Vertrauensmann ber Arbeiter war er mit jeder Faser seines Wesens. Koloman Wallisch war ein Sozialdemokrat, und zwar ein sehr disziplinierter Sozialdemokrat. Ais Sozialdemokrat hat er gelebt, als Sozialdemokrat ist er bis zum Schluß bei seinen kämpfenden Arbeitern geblieben, und sür sie ist er gestorben. Feuerwehringenieur Weinel war ein Intellektueller. Mit 18 Jahren kam er zum Militär, nach dem Umsturz zuerst an die Universität und dann an die Technik. Er war in der sozialistischen Stndentenbewegung tätig, und schon die ersten Demonstrationen, die die sozio- listtschen Studenten Ende 1918 und 1919 gegen die deutsch- nationalen Studenten und Professoren an den Hochschulen organisierten, hat er mitgemacht. AIS nach den Februar- mahlen im Jahre 1919 die sozialistischen Soldaten über die Ringstraße marschierten, standen auf der Freitrepp« der Uni- versität etliche sozialistische Stubenten, mitten unter ihnen Georg Weissel. Keiner von denen, die damals dabei waren, werden es vergessen, wie Weisse! schon damals auseinander- setzte, daß die österreichische Freiheit immer davon abhängig sein werde, ob man Inf di« Wehrmacht Einfluß zu behalten vermöchte. Damal», al» die Geschütze über die Ringstraße fuhren, die Mündungen mit roten Nelkensträußen angefüllt und die Rohre mit Kränzen umwunden, dachte keiner von uns daran, daß wir einmal im Bürgerkrieg der öfter- reichlichen Wehrmacht gegenüberstehen könnten. Ter Bor- sitzende de« Standgerichts soll Weissel als einen Fanatiker bezeichnet haben. Wenn man unter einem Fanatiker einen Menschen mit Scheuklappen versteht, der einer blutleeren Idee nachläuft, ohne nach links oder nach recht« zu sehen, dann ist diese Charakteristik fauch. Wenn man aber unter einem Fanatiker einen Menschen versteht, der stch eine eigene Welt- und LebenSbetrachtuna geistig erarbeitet hat und dann ihren Grundsätzen in vollkommener Treue und Hingab« folg, und niemals bereit ist, um einen Gehalt oder einen Posten ober ein Avancement ein Krompromiß zu schließen, dann war Weissel«In Fanatiker. Biel« Wiener Genossen haben Weissel in Diskussionen und als Referenten sprechen gehört. Wenn man ibn so sah. hätte man in ihm eher einen Bückermenschen als einen Soldaten vermutet, eher einen Schreiber als einen Krieger. In seiner Art zu sprechen war weder etwas Prcdigerhastes noch etwas Fanatisches. Aber jeder, der mit ihm jemals zu tun hatte, mußte den Eindruck bekommen, eS mit einem aanze» Mann zu tun zu haben,. er nicht nur feine sozialistische Gesinnung ausspreche, sondern sie auch lebe. Wenn also Weissel ein Fanatiker war, dann war er es nicht mehr und nicht weniger als der Kein der österreichischen Arbeiterbewegung, in der Weissel sein ganzes Leben lang gelebt hat und der sei» letzte« Wort galt. Karl Münichreiter entstamm» einem Wiener Bezirk, in dem es neben engen nnb ichlechten Arbeiieranartieren die lurnriösesten Villen Vi Reichen gibt, dem 19. Wiener Bezirk, Hietzing. Der Kapt iaUSmnS hat den jungen Genossen MItnichreiier schon einmal verwundet. Er war«in ArbeitSinvaltde. Seine li,'c Hand war schwer verstümmelt, und er hätte e» nicht not- wendig gehabt, der Arbeiterbewegung militärisch zu dienen. AVr e? hat wohl keinen gegeben, der«S gewagt hätte, da? dem Genossen Münichreiter zu lagen: denn jeder wußte, daß er gerade au» als Soldat für di« Id»e des Sozialismus einstehen wolle. Münichreiter hatte zu dem kleinen Kreis jener Genossinnen nnd Genossen gehört, die std> innerhalb der österreichischen Sozialdemokratie als linle bt- zeichnet hatten und die seit März 1938, seit der BeseU gu»k des Parlaments durch Dollfuß, hen Standpunkt vertrete» hatten, es sei zunächst durch den Ausstand der Massen b e zerrissene Verfassung wieder herzustellen, und Arbeiter»»' Bauern hätten dann ihre Macht auszubauen. In viele» Diskussionen hat Münichreiter seine Meinung vertreten. Kr blieb auch dem, ber nicht setner Meinung war, immer der Genosse. Er hatte ein gutes und kluges Gesicht mit große» braunen Augen, die man nur dann zornig sah. wenn eS eine» Feind der Arbeiterbewegung abzuwehren galt. AlS Muntch- reiterS Schutzbundgruppc alarmiert wurde, war er sofort aus seinem Posten. Er war einer der ersten Verwundeten. Er bekam einen Schuß in die Schulter, hielt aber aus. Erst nach einer zweiten Verwundung, angeblich einen Bauchschuß, wurde er gelangen genommen und ins Inautsttenspttal ge- füssrt. Seine Verwundungen waren so schwer, daß die Aerztc seine nahenden Tod voraussagten. Dennoch wurde er in diesem Zustand aus einer Bahre vor das Standgericht ge- tragen und zum Tode verurteilt. Die österreichische Re- gicrung, die stch immer auf ibr Christentum beruft und die eine Verfassung vorbereitet, die mit den Worten beginnt: »Im Namen GotteS...", schreckte nicht davor zurück, den sterbenden Genossen dem Henker zu überliefern. Sein letzte« Wort war der Schutzbundgrnß:„Freiheit". Das Grazer Standgericht hat den ,'stjährigen Sekretär der steyrischen Metallarbeiter, den Genossen Stanek zum Tobe verurteilt, nnb der öfterrcitftifcfic BundcSprästdeak bat von seinem Begnadigungsrecht keinen Gebrauch gemalt. Stanek war ein überaus rubtger und in Verhandlungen nnt den Unternehmern niemals nervöser Gewerkschafter. Aller- ding«, er war auch niemals bereit, die Liebenswürdigkeit der steirischen Unternehmer für bare Münze zu nehmen. Er wußte sehr genau, daß die Unternehmer gerade in der Steter- mark immer wieder den Versuch machten, durch Gründung von gelben Gewerkschaften die freien Gewerkschaiten zu zerstören. So ruhig und böslich Stauet sein konnte, so energisch und un- nachgiebig wurde er. wenn eS galt, die Anmaßung der Unter- nehmer und der von ihnen bezahlten gelben Gewerkschafter abzuwebren. Stanek war. lo lange es eine Arbciterkammer gab, treigewerkschastlicheS Mitglied der Grazer Kammer und hat dort manchen Zusammenstoß mit gelben Gewerkschaftern gehabt. So machten dle Unternehmer und die Gelben in der Steiermark aus ihm einen brutalen Bandilenbäitpiling, denn die Herren brauchten solche Porträts als eine Rechtstrtiguni ihres sinnlosen Hasse«. Als«in Opfer dieses Hasses'st Sianek gefallen. Die Standgerichte arbeiten weiter, und auch die Henker haben zu tun. Es sind österreichische Sozialdemokraten, Kämpfer der österreichischen Arbeiterbewegung, die für dns Recht und für die Berkasinna gekämpft ßnben, während die Richter nnd Zenker, die Dollfuß, Fco. Starbemberg, die kie Kommandanten des neuen Staates sind, Recht und Ber- Rüting zerrissen haben. Feder von denen, die gekämpft haben, teder von denen, die vor den Richtern standen und stehen, wußte genau, wornm eq atnq. Es alng darum, zunächst die Verfassung wieder herzustellen und dann: weiter zn.'Lmv'en Mir Freiheit, Selbstbestimmung. Herrschaft der Arbeite rk'asie. Dafür sind di« Genossen gestorben, und dafür arbeit?« die Ueberlebenden. {h lUfkämpfcrbaKMct Ober Wen Vorgcsdiidile und Verlauf des Bürgerhrieges- Persönliches Heldentum und sadilidie Fehler- Ernste Lehren ihr alle! Der nachfolgende sehr ausführliche, aber auch sehr inhaltsreiche Bericht über den österreichischen Bürgerkrieg stammt von einem Mitkämpfer, der nicht zu den „Bonzen" gehört. Er stand bis vor kurzem als Arbeiter im Betrieb und ist seit einiger Zeit erwerbslos. Seine Niederschrift ist unmittelbar nach den letzten Schüssen verfaßt. Es ist daher um so bewunderswerter, wie nüchtern und mit welcher Distanz der proletarische V er» fasser über die Vorgänge urteilt. Darin unterscheidet er sich von vielen, die fern vom Schuß aufgeregte illusionäre Betrachtungen über die Kampftage und ihre Möglichkeiten anstellten. Ob der Kamerad in allen Einzelheiten recht hat, bleibe dahingestellt. Jedenfalls zeigt er die sehr schwierigen Fragen militärtechnischer und psychologischer Art auf, die jeder zum Bürgerkrieg sich steigernde Aktion den Führern und den Massen stellt; Fragen, die lange vor dem Ausbruch des Kampfes geklärt sein müssen. Auch der Bürgerkrieg bedarf der gründlichsten Vorbereitung an Menschen und Material, und ist schon deshalb kein Gebiet für Dilettanten und gern in blutigen Worten schreibenden Literaten, weil es um Leben oder Tod, um Sieg oder Niederlage für das Arbeitsvolk geht. Bei so furchtbar schweren Ereignissen wie denen in Oesterreich und ihren Auswirkungen für die sozialistische Bewegung muß möglichste Klarheit auch über die Fehler der Offiziere und der Mannschaften gewonnen werden. Wenn über manches, schon aus Rücksicht auf die vielen Gefangenen, zur Zeit nur mit Zurückhaltung gesprochen werden kann und auch unser Kamerad diese Zurückhaltung übt, erfordert die stürmische Anteilnahme der Antifaschisten überall an den Vorgängen in Oesterreich doch, daß jetzt schon gesagt wird, was möglich und notwendig ist. Redaktion der„Deutschen Freiheit". L Die entscheidenden Tage Heldenmütig geschlagen Ueber die Ereignisse in Wien und Oesterreich mit der gebotenen Objektivität und Leidenschaftslosigkeit zu be- richten, ist, wo man noch unmittelbar unter dem Ei-*e der erschütternden Ereignisse dieser Tage steht, fast un- Möglich. Es soll aber dennoch geschehen, schon aus uem Grunde geschehen, damit unsere Freunde des Auslandes. « welche von ihrer bürgerlichen Presse nur die stark und tendenziös gefärbten Berichte der österreichischen amtlichen Stellen oder gar die unverschämten Fälschungen durch das österreichische Radio erhalten haben, ein Bild der Er- eignisse bekommen, wie sie sich tatsächlich abgespielt haben. Eines sei gleich vorweggenommen: die österreichische Arbeiterschaft hat sich heldenmütig geschlagen! sie hat die Fahne der Internationale, die sie 1926 ver- liehen erhielt, nicht feige verraten; die österreichische Sozialdemokratie wurde geschlagen, aber nicht ver- n i ch t e t. Ehrenvoller Friede verhindert Die politischen Verhältnisse dieses Landes ließen die Wahrscheinlichkeit einer friedlichen Lösung des seit dem März 1933 währenden Versassungskonfliktes in den letzten Wochen nicht als unwahrscheinlich erscheinen. Mußte doch Bundeskanzler Dollfuß erkennen, daß trotz des unge- Heuren Terrors, der auf die öffentlichen Angestellten aus- geübt wurde, die Sozialdemokratie weder inneren Kämpfen ausgesetzt wurde noch den fortgesetzten Prooo- Kationen der Regierungsstellen hereinfiel. Mit g e- radezubewunderungswerterGeduldhielt Parteimitgliedschaft Disziplin. Das im Früh- sommer über die Nazis verhängte Parteioerbot bewies nur zu deutlich, daß diese nicht schwächer, sondern stärker wurden. Dasselbe Experiment mit uns zu versuchen, schien schon aus Gründen der einfachsten politischen Ver- nunft ausgeschlossen. Dollfutz wußte genau, daß er nur in der Sozialdemokratie auf Hilfe bei bewaffneten Aus- einandersetzungen mit den Nazis rechnen konnte, ist doch selbst die nunmehr zu so trauriger Berühmtheit gelangte Staatsexekutive— Polizei, Gendarmerie, Militär— bis in die höchsten Beamtengrade nazidurchseucht. Alle sind wohl bei der„Vaterländischen Front"— eingeschrieben; das ist aber auch alles. Wie wertvoll solche erpreßte und erzwungene Bundesgenossen sind, ist von Haus aus aus- zurechnen. Nur die engstirnige Verblendung der christlich- sozialen Parteiführung, die sich immer mehr und mehr in die Abhängigkeit der unter aristokratischer Führung stehenden, faschistisch orientierten Heimwehr begab und wo es so weit kam, daß Dollfuß. vom Machtwahne de- rauscht, auch innerhalb der eigenen Partei eine schranken- lose Diktatur ausüben konnte, oerhinderte einen ehren- vollen Frieden mit der Sozialdemokratie, welche wahr- lich genug Opfer an Ansehen gebracht hatte, um dem Lande den Frieden zu erhalten. Noch war es Zeit zur Einkehr und Umkehr, als im Januar offenkundig wurde, daß große Teile der Heimwehr unter Führung des Grafen Alberti zu den Nazi hinüber- gewechselt hatten. Zu dieser Zeit hielt Dollfuß seine Rede an die Arbeiterschaft, die allgemein als Weg zur Ver- ständigung betrachtet wurde, die Arbeiterschaft selbst ant- wartete durch ihren Parteirat, dem nur Leute aus den Betrieben, also weder Parteibeamte noch öffentliche Mandatare, also keine ,.V o l k s v e r h e tz e r" oder„Bonzen" a n g e- Härten, in versöhnlicher Form. Zwei Tage später kam wieder eine Dollfuß-Rede. die von gänzlicher Vernichtung der Partei sprach. Ein Besuch des Heim- wehrführers Starhemberg bei Dollfuß und der un- glaubliche Einfluß des Heimwehrführers und Vizekanzlers F e y, eines alten Berufsmilitärs, des eigentlichen Führers der Regierung, bewirkte diesen Umschwung. Die Heimwehr, zahlenmäßig schwach(bei den Wahlen des Jahres 1939 erhielt sie nicht einmal 19 Prozent der Stimmen und hatte im Nationalrat nur 6 Mandate von 163). jedoch dank italienischen Geldes gut ausgerüstet, ging zur Offensive über; in allen Bundesländern wurde die so- fortige Auflösung der Landtage und die Einsetzung der Landeshauptleute als autoritäre Führer unter fast aus- schließlichem Einfluß eines beratenden Ausschusses von Faschisten gefordert. Tirol, das kulturell rückständigste und reaktionärste Bundesland, ging damit voran. Steier- mark und das Burgenland folgten. In allen Ländern wurde auch die Forderung nach Auflösung der Sozial- demokratie als erster und wichtigster Punkt gestellt. Doll- fuß wollte die Behandlung dieser Forderungen hinaus- schieben und fuhr nach Budapest; die Verhandlung über die Forderungen der Heimwehr sollte am 12. Februar beginnen. „Morgen gehen wir an die Arbeit" Am 11 Februar hielt der Vizekanzler Fey in einem un- bedeutenden Provinzneste eine Rede, die in die Worte ausklang:„Morgen gehen wir an die Arbeit!" Dieser Satz konnte nicht mehr mißverstanden werden. So kam es am Montagvormittag in der Hauptstadt des Bundes- landes Oberösterreich zum Zusammenstoß, welcher die anderen Ereignisse auslösen wollte. Eine Abteilung Heimwehr, welche den Ausspruch ihres Führersnichtrichtigverstandenhatte.ging zum Angriff auf das Parteihaus über; sie wurde aber mit Maschinengewehrfeuer empfangen und in die Flucht geschlagen. Die Nachricht von den Ereignissen verbreitet sich innerhalb einer halben Stunde in ganz Oesterreich. In Wien traten die Arbeiter des Elektrizitätswerkes in Streik und leglen vorerst den Straßenbahnverkehr still. Dies war das Zeichen für den Republikanischen Schutzbund zum Gene- ralalarm. In allen bedeutenderen Orten Oesterreichs ent- brannten gleich der Bundeshauptstadt sofort heftige Kämpfe zwischen der Staatsexekutive einerseits und dem Schutzbund andererseits. Die Schlacht in Wien InWien tobten die Kämpfe am h^!.gj..n aui D i e n s- t a g. Die großen Wohnhausbauten der Gemeinde Wien lagen stundenlang unter schwerstem Artilleriefeuer mit 13-Zentimeter-Haubitzen und Minenwerfern. Nur dem elenden Schießen der Artillerie ist es zu danken, daß die Gebäude nicht dem Erdboden gleichgemacht wurden. D i e Besatzung wehrte s i ch wahrhaft heroisch, wußten sie doch, daß ihnen der Galgen drohte, wenn sie gefangen werden— denn mittlerweile wurde das Standrecht ver- kündet. Als Brennpunkte des Kampfes seien ange- führt: der riesige Gebäudekomplex Sandleiten, eine kleine Stadt für sich; dort wurden auch in der vorgelagerten Parkanlage unserseits Schützengräben ausgeworfen, des- gleichen in der roten Hochburg Favoriten am Laaerberg; sehr schwere Kämpfe spielten sich in dem rein proletari- schen Floridsdorf und in Simmering ab; ersteres konnte erst nach zweitägigem erbitterten Kampfe nach heftigster Artillerievorbereitung genommen werden. Das gleiche galt für den herrlichen Goethehof gegenüber der Reichs- brücke. Die größteHeldentatwurde aber im Marxhof vollbracht. Dieser Riesenbau, von fünf mächtigen, gut 59 Meter hohen Türmen gekrönt, ist mehr als ein Kilometer lang. Dort wurde noch am Donners- tagmittag gekämpft; Artillerie war auf der gegenüber- liegenden Anhöhe„Hohe Warte" aufgefahren und hielt den Bau ununterbrochen im schwersten Feuer. Außer- dem waren gut 2999 Mann Ordnungstruppen aufgeboten; sie waren nicht in der Lage, die Kämpfer zum Schweigen zu bringen. Noch heute würde dort gekämpft werden, wenn man die Frauen und Kinder(gegen 2599 an der Zahl) hätte abziehen lassen; die Ordnungsbestie des Herrn Dollfuß hielt die Bedauernswerten inmitten des Artillerie- feuers gefangen! Erst als ein Schrei der Empörung durch ganz Wien ging, als auch in bürgerlichen Kreisen dieses beispiellos barbarische Verhalten aufs schärfste verurteilt wurde, als die Auslandspresse diese unerhörte Lumperei anprangerte, konnten die Wohnungen und Keller geräumt werden. Zahllose Opfer sind dort unter den NichtKämpfern zu beklagen. Wieviele Regimenter Schutzbund haben also diesen Bau gehalten und haben sich nicht ergeben und konnten ungehindert abziehen? AHkMannmitdrei Maschinengewehren waren die Besatzung auf dem berühmten Mittelturm! Noch Donnerstagmittag, als an den meisten Kampfplätzen Ruhe eintrat, wurde von dort aus geschossen, am N a ch m i t- tag war die Besatzung spurlos verfchwun- den. Hut ab vor solchem Heldentum! Diese drei Maschinengewehre reichten aus, den Eisenbahnverkehr auf der Strecke nach der Tschechoslowakei vollkommen zu unterbinden. Der Bau hat sehr schwer unter dem Feuer gelitten, nur die solide Eisenbeton-Bauweise und die mise- rable Artillerie haben ihn davor bewahrt, ein Trümmer- hausen zu werden. Das Floridsdorfer Arbeiterheim wurde in Brand geschossen, das Ottakringer Arbeiterheim nach 48stündigem schwersten Feuer im Sturm genommen, nachdem zwei Stunden vorher das Feuer unsererseits ein- gestellt wurde und den Stürmenden sich niemand entgegen- stellte, da die Kämpfe rdurch die Kanäle da- vongingen. So ließen sich in die Hunderte Episoden erzählen und werden einst mit goldenen Lettern in die ruhmvolle Geschichte der österreichischen Sozialdemokratie eingetragen werden. Auch die Provinz hielt sich überaus tapfer, voran die steirische Arbeiterschaft des Mürz- und Murtales. In Kapfenberg und Bruck an der Mur tobten tagelange Kämpfe; nur die Artillerie vermochte die Stellungen zu erschüttern. Schwere Versager Es darf nicht verhehlt werden, daß Wut und Erbitte- rung die Kämpfer über dasVersagenderFü h r u n g befallen hat. Zahlreiche Wiener Bezirke wurden gar nicht in den Kampf eingesetzt, da sie keine Befehle erhielten. Erst Dienstagabends begann der Verbindungsdienst zu funktionieren und frohe Hoffnung erfüllte die Partei- Mitgliedschaft aufs neue, um am Mittwoch eine neue Ent- täuschung zu erfahren. Die Unterführer waren viel zu wenig selbständig und verließen sich viel zu sehr auf die Befehle des Generalstabes, die aber nicht kommen wollten. Gut 19999 Mann wurden auf diese Art in Wien nicht in den Kampf eingesetzt und wurden dadurch mutlos und verdros- s e n. Waffen und Munition gab es— aber vielfach wur- den die Lagerplätze, welche naturgemäß nur wenigen Leuten bekannt waren, gar nicht gefunden. Von den Prooinzkräften, insbesondere des ausgezeichnet organi- sieden Wiener Neustädter Gebietes, welches vor den Toren Wiens liegt, gar nicht zu reden. Dort kam es überhaupt zu keinen ernstlichen Kämpfen, aber leider auch nicht zum dringend notwendigen Entsätze Wiens. Noch Mittwoch früh wäre die Situation zu retten gewesen — wenn.... Allerdings hat die Regierung maßgebende Schutzbundführer einige Tage vorher verhaftet. Der Oberkommandant. Nationalrat Deutsch, und sein Sekretär Heinz haben getan, was sie konnten— aber es war zu wenig, trotz aller Hin- gäbe und persönlicher Aufopferung. Nicht vergessen darf aber bei einer objektiven Würdigung die v o l l k o m- mene Erschöpfung der Kämpfer werden, welche fast 72 Stunden bei gar keiner oder sehr mangelhafter Ver- pflegung in der grimmigen Kälte, ohne auch nur eine Viertelstunde schlafen zu können, ausgeharrt haben. Sie haben wirklich bis zum äußersten ihre Pflicht erfüllt. Die Lügenhetze Verschiedene andere Umstände, welche schließlich zum Erlöschen des Kampfes geführt haben, seien noch erwähnt: das Radio brachte halbstündlich die entstellten Berichte: so daß die Führer geflohen wären und die Arbeiterschaft im Stiche ließen. In einem Atemzuge wurde aber auch verkündet, daß Bürgermeister Seitz und alle Abgeord- neten, Stadträte. Gemeinderäte. Bezirksvorsteher. Be- zirksräte und was es sonst noch an öffentlichen Funktio- nären gibt, soweit man sie erwischte, verhaftet wurden. Immerhin trugen diese Nachrichten bei, eine gewisse Mut- losigkeit zu erzeugen; durch das bereits geschilderte Ver- sagen der obersten Führung erhielt diese Tatarennachricht einen Schein von Glaubwürdigkeit. Einen außerordent- lich geschickten Schachzug machte Dollfuß mit dem bis Donnerstagmittag befristeten Generalpardon, die Führer ausgenommen. Donnerstagmittag waren denn auch die Kampshandlungen(mit Ausnahme des Marx- Hofes) beendet. „Nein, auch die Massen!' Ha t nur die Führung versagt? Nein, auch die Massen der Nichtkämpfer! Das ist die sehr traurige Wahr- heit, wenn man über die Durchführung des General- st r e i k e s reden will. Schon Dienstag funktionierte wieder die Stromversorgung, aber nicht durch technische Nothilfe: die 199prozentig organisierten Arbeiter der Elektrizitälswerke standen wieder auf ihren Plätzen; die Straßenbahn begann Donnerstag zu fahren, aber nicht aus dem Willen der Streikenden heraus, sondern weil es die Regierung aus strategischen Gründen nicht früher wollte. Die Großbetriebe begannen ebenfalls Donnerstag zu arbeiten. Der General- streik— eigentlich richtiger Teilstreik, denn er erfaßte nur die Großbetriebe— war zusammengebrochen und eine alte Lehre wurde aufs neue bestätigt, daß ein Generalstreik nur dann zum Ziele führt, wenn er inner- halb 24 Stunden durchgreift. Die staatlichen und städ- tischen Aemter, Post und Telefon, arbeiteten fast normal, desgleichen die Eisenbahnen, sofern nicht der Schutzbund die Bahnhöfe besetzt und unter Feuer hielt, was bei den meisten Bahnen der Fall war. Gestreikt hat die ein st so berühmte Elitetruppe der Eisen- bahner nicht— sie allein hätte dem Kampfe ein anderes Gesicht geben können. Warum hat also die sonst so geschlossene Arbeiterschaft der Streik- parole nicht Folge geleistet? Zwei Gründe liegen vor: 1. Manwarteteaufdie Parole; 2. Furcht vor Verlust des Arbeits? Platzes. Bei 1. sieht man. was allzugute Disziplin unter Umständen an schädlichen Wirkungen haben kann; 2. in einem Lande mit fast 699 999 Arbeitslosen, also zirka 39 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung, wo jeder Ar- beitsplatz doppelt und dreifach besetzt werden kann, i st dieDurchführungeinesStreiksnichtmehr Sache der politischen U e b e r z e u g u n g. son- dern der kühl abwägenden Vernunft. Wenn Hunger Weib und Kind bedroht, wenn jahrelange Ar- beitslosigkeit mit allen ihren Schrecken drohend aufsteigt, dann wird selbst der radikalste Versammlungsschreier, dem die Parteiführung nie radikal genug war, im Ernst- falle besonnen wie ein gelernter Staatsmann. Das ist die bittere Erkenntnis, die viele nicht für wahr halten wollten: Streiks zu führen ist in Zeiten normaler Wirt- schaft leicht, jedoch doppelt zu überlegen bei den der- zeitigen wirtschaftlichen Verhältnissen auf der ganzen Erde! Die Lehren, die Oesterreich daraus gezogen hat. mögen unsere Freunde wohl beachten, denn sie wurden mit dem Blute Tausender bezahlt. IL Die Sdiuldfragc Nach 1918 Der Oesterreicher ist ein von Hans aus friedliebender und umgänglicher Mensch, der sich nicht gerne in das Getriebe der grasten Politik mengt. Er ist zufrieden, wenn er fein materielles Auskommen findet und hält sich im übrigen an den alten Wiener Grundsatz„Leben und leben lassen" und „Menschen san ma alle, Fehler hab'n ma jeder gnua ige- nugjZum Unterschiede von seinen reichsdeutschen Stam- mcsbrüdern ist er weicher, fast möchte man sagen, lyrischer gestimmt, vor allem der Wiener. Er ist kein Freund rascher Entscheidungen, neigt eher zu Kompromissen um des lieben Friedens willen. Der Anblick eine» mißhandelten TierrS kann ihn zur Raserei bringen, und dennoch diese blutigen Tage? Ein innerer Widerspruch tut sich da auf, dem Aus- länder, welcher Wie» und die Wiener zu kennen glaubt, ganz unverständlich. Diese Tage waren auch gänzlich un- österreichisch und auch deren Grundursachen. Um alles zu verstehen, müßte man schon in die Lage des November- Umsturzes 1818 zurückgreifen. Der Ocstcrrcicher ivird nie diese Zeit mit„Revolution" bezeichnen und mit Recht,' die alten Gewalten der kaiserlichen Monarchie brachen nach dem vierjährigen Morden des Krieges wie ein ausgehöhlter Raum von selbst zusammen. Alle bürgerlichen Parteien hatten gründlich beim Volke abgcwirtschastet, waren sie doch die Hauptschuldigen, vor allem die Christlichsoziale Partei. Die einzige wirklich vorhandene Macht war die Sozial- demokratie mit ihrer straffen Organisation,' ihre ent- schiedene Kricgsgegnerschast hatte ihr Sympathie in wei- testen Krcijen eingebracht. Alle Macht im Staate siel unS von selbst zu, die gesamte Exekutive gehorchte bedingungslos den neuen Führern. Tie Kriegsschuldigen, die Generale, Politiker und KriegSoerdiener verkrochen sich vor dem Zorne des Volkes) die Ehristlichsozialc Partei, gestützt aus die mächtige katholische Kirche des katholischen Oesterreich, ivelchc die rückständigen Massen der Gebirgsbauern voll- kommen beherrscht, erholte sich am raschesten. Schon die ersten Wahlen des Februar 1910 brachten uns nicht die er- hoffte Mehrheit) es war uns eben nicht beschicken, die Riesennvt der Kriegszeit mit einem Schlage zu beseitigen. Nach 1920 1020 brachte die notwendige Klärung, wir traten aus der Regierung ans und seither regieren im Bunde ausschließlich Bürgerl-che! Der Austritt aus der Regierung war eine befreiende Tat n»d Rettung der Partei- cinheit in letzter Minute) die damals hochgehenden kom- munistischen Wogen hatten uns bereits hart bedroht. Jede Wahl brachte uns trotz des zu einer Einheitsliste zusammen- geschlossenen Bürgertums neue Erfolge und brachte uns der Mehrheit ziemlich nach? szuletzt 42 Prozent aller abgegebenen Stimmens. Unsere Position wurde durch die Erobe- rung des Wiener Rathauses mit stets größer werdender Mehrheit ziemlich nahe szuletzt 42 Prozent aller abgege- gebessert) eine musterhafte Finanzverwaltung, die rigorose Erfassung des Besitze» und die Verwendung der Steuer- gelber zu wahrhaft volkstümlicher Ausbauarbeit, man denke nur an die All 000 erbauten, prächtigen VolkSwohnungen, wurde weltbekannt und war den Bürgerlichen ein Dorn im Aug«. Die Ausraubung Wien» Seit Jahren bemühten sich die Zentralstellen, dem roten Wiener Rathause die Einnahmen zu beschneiden und damit die Aufbauarbeit unmöglich zu mache». Solange es»och ein Parlament gab, waren alle diese Bemühungen fast er- folgloS) mit Riesenschritten ging eS ab März 1983 abwärts Vor Ausbruch der proletarischen Erhebung hatte die Gemeinde Wien mehr als ein Drittel der Einnahmen an die Staatskassen zur Stopfung des riesigen Bundesdefizits begeben müssen: dies alles geschah nicht auf.Grund eines Gesetzes sondern einer Verordnung aus der Kriegszeit„zur Versorgung der Bevölkeung mit wichtigen Bedarfsartikeln". Richtiger gesagt: die Gemeinde wurde einfach ausgeraubt. Bundeskommissär nichts anfangen. griffe auf das von den Arbeitern über alles geliebte rote Wien brachte die politischen Leidenschaften bedenklich zum Steden und war eine der Ursachen des Aufstandes. Doch darüber ein andermal. Der Ruf nach Gewalt Als im März 1988 das Parlament durch eine» Gewalr- streich der Regierung am Zusammentritt verhindert und so der Auftakt zu den Fieberereignissen des Jahres 1984 ge- geben wurde, scholl immer stürmischer der Ruf aus der Ar- beiterschast, die Entscheidung durch die Gemalt der Massen zu suchen,' heute wird behauptet daß damals die Erhebung siegreich gewesen wäre. Vieles spricht dafür,vieles dagegen. Was dafür spricht, ist der Umstand, daß die Ttaatsexe- kutive zu diesem Zeitpunkt bei weitem nicht die heutige Stärke erlangt hatte. Damals gab es nur Polizei, Gen- darmerie und Militär als gesetzliche, jene der Heimwehr als ungesetzliche Formationen. Die Gesamtstärke in ganz Oesterreich dürste zirka 80—85 000 Mann betragen haben, denen allein in Wien 20 000 gut ausgebildete Mitglieder des Republikanischen Schutzbundes, davon die meisten gediente Soldaten des Krieges, gegenüberstanden. Tie Gesamtstärke de? Schutzbundes hat man begreiflicherweise nie erfahren: es dürsten in ganz Oesterreich 00 090 b i S 7 0 000 Mann gewesen sein. Rein ziffernmäßig be- trachtet, waren wir also zweifellos unter der Voraussetzung überlegen, daß der Ausstand in ganz Oesterreich zu gleicher Zeit losbricht. In der Bewaffnung war uns die Exekutive schon durch das Vorhandensein von Artillerie überlegen, die auch die wirkliche Entscheidung i» diesen Kämpfen gebracht harte. Es fehlte aber auch an der notwendigen Bewalfnüng) Gewehre und Maschinengewehre waren nnr nnzulängiich vorhanden: auch an Munition sehlte es. Es war also zweifellos richtig, daß die militärischen Führer des Schutz- bundes, durchweg ehemalige Offiziere, den Zeitpunkt als noch nicht gegeben erachteten und fieberhaft aufrüsteten: es war allen klar, baß nur ein Wunder oder die Rückkehr zu verfassungsmäßigen Zuständen die Austragung des Bei- sassungSkonsliktes ohne Waffengewalt unnötig mache» würde. Aber auch schwere politische Bedenke» sprachen zu diesem Zeitpunkte gegen das Losschlagen. Die RaziS. durch die Machtergreifung Hitlers in Deutschland gewaltig in ihrem Selbstgefühl gesteigert, wuchsen täglich und hatten vor allem au» den Mittelschichten kolossalen Zulauf. Hätten wir uns in einen bewaffneten Konflikt eingelassen, dann hätten die Nazis jederzeit als die lachenden Dritten den Kamps für sich entscheiden können. Wer immer gesiegt hätte, die Nazis hätten ihm um die Früchte des Sieges gebracht. Hätten wir gesiegt, dann hätte Hitler erst recht einen Vorwand zum Einmärsche gehabt) sein Freund Mussolini hätte nicht ge» zögert, sich diesem Beispiele anzuschließen: die Tschecho- slowakei, Ungarn und Jugoslawien hätten versucht, sich ihren Beuteteil zu sichern. Unabsehbar wären die Folgen dieses Kampfes gewesen, ein neuer Weltbrand hätte daraus ent- stehen können. Unseren Lesern wird vielleicht damit klar, welche ungeheure Verantwortung die Parteiführer auf sich lasten hatten und welchem Drucke sie ausgesetzt waren. Ans der einen Seite das unzufriedene, hocherregte Proletariat, auf der anderen Seite die immer mehr ins faschistische Fahr- wasser geratende Regierung und im Rücken die braune Ge- fahr! Die vielgeschmähten Volksverhetzer haben damals dem Vaterlande wahrlich einen wertvolleren Dienst er- wiesen als alle die großmäuligen faschistischen Heimatschiitzer. Der Kur» gegen Rot Diese staatSmännische Klugheit wurde uns schlecht gelohnt. Der Kurs gegen Rot wurde trotz der immer drohender werdenden braunen Gefahr immer schärfer: die Regierung, wohl wissend, daß wir uns niemals mit den Nazis gegen sie verbünden können, nützte unsere Zurückhaltung in ihrem Kampfe gegen die Braunen in der unverschämtesten und undankbarsten Art aus. Ja, eine Zeitland hatte es den An- schein, als ob es zu einer Koalitionsregierung mit den Braunen kommen würde) nur die allzuhohen Ansprüche der Nazis machten da» Geschäft unmöglich, Dollfuß und seine Kumpane hatten inzwischen den Wert gutgepolsterler Ministersessel schätzen gelernt. Als nun die Nazis zu offener Gewalt griffen, als es Sprengstossattentate gab, wurde die Nazipartei verboten. Da sie aber zahlreiche Freunde in der hohen Bürokratie, in allen Aemtern und vor allem in der Exekutive hat, wurde jede ernstliche Maßnahm« prompt verraten. Zu Weihnachten und am Beginn des neuen Jahres, als große Teile des Heimatschutzes in das Lager der Nazis abgewandert waren, schien Dollfuß einen Moment zu Besinnung zu kommen, daß er ohne uns im Kampfe gegen die Nazis verloren wäre: er hielt eine ver- nünftige Rede. Am nächsten Tage hatte er sich eine» Bei- seren besonne» und die Angriffe gegen uns wurden aufs neue verschärft. Wettrüsten Der Schutzbund war schon im Frühjahr ausgelöst worden: daß er damit nicht beseitigt wurde, wußte die Regierung sehr genau, ebenso war sie von den Rüstungen des Schutzbundes unterrichtet) nur über das Ausmaß war sie sich im unklaren. Sie traf nun ihrerseits fieberhaft Gegenmaßnahmen. Die Heereostärte wurde»ermehrt, es wurde ein Asfistenzkorps durch sre'willige Werbung ausgestellt, Arbeitslose wurden zum Eintritt in die Heimwrhr mit ganzer Verpflegung und einem Tagessolde ausgesordert und leisteten dem Rufe auch zahlreich Folge: viele gute Parteigenossen waren in dieser Formation, so daß wir über alle Borgänge genau unter- richtet waren und anderseits der kampseSwert dieser Truppe bedenklich herabgesetzt wurde. Herrn Mussolinis Geld war also schlecht angewendet. Die Turnvereine nnd die sonstigen reaktionären Formationen, wie Frontkämpfer. die christlichsozialen S t u r m s ch a r e n, der F r e i h e i t S b u n d und zum Schlüsse auch die Krieger- vereine wurden für das Freiwillige SchntzkorpS auf- geboten. Die Kosten zahlte freigebig die Regierung) große Teile der mühselig zusammengebrachten Trefseranleihe wurden so zum Fenster hinausgeworfen und damit die Mög- lichkeit wirklicher Arbeitsbeschaffung verschüttet. Mittler- weile stellte die Heimwehr in den ersten Februartagen in allen Bundesländern ultimative Forderungen rein faschisti- scher Art) Ausschaltung aller Landtage und Bestellung eines Landessührers, Auslösung aller Parteien, vor allem der sozialdemokratischen, Reinigung der Aemter von allen Ttaatsfeinden, also Freimachung der Futterkrippe. Auf Tod und Leben Die Entscheidung darüber behielt sich Dollfuß für den 15. Februar vor. Wir wußten nunmehr: jetzt geht es aus Tod und Leben, die Spannung wuchs in» Unerträgliche! Am 11. Februar hielt der böse Geist der Regierung, Vizekanzler Fey, eine aufreizende Rede, die darin gipfelte:„Morgen machen wir Ordnung!" Seine Mannen verstanden ihn sehr richtig, so ging eine Abteilung Heimwehr bewaffnet gegen das Linzer Parteihaus vor, wo sie mit schwerstem Feuer empfange» wurden. Da? Unheil hatte damit begonnen, die weiteren Ereignisse sind bekannt und müssen nicht mehr wiederholt werden. Ursachen der Niederlage Eine der Ursachen der Niederlage war der Umstand, daß die Bewegung nicht von Wien aus ihren Anfang genommen hatte: die Borfälle in Linz kamen überraschend und mußten nunmehr auch die Aktion in Wien auslösen. Zahlreiche Führer wurde» schon in der Vorwoche verhaftet, bis auf General Körner, der als Bundesrat, und Nationalrat Deutsch, der als Abgeordneter immun war. Am Beginn des Abwehrkampfes wurde auch General Körner in einer Sitzung des Parteivorstandes verhaftet! Die» ist bei einem so erfahrenen Militär wie Körner es ist(er war General- stabSchef der Jsonzo-Armeen im Weltkrieges, das Unsaß- barste! Im übrigen hatte man die politischen Führer nicht lange suchen müssen: die Prominentesten, mit Bürgermeister Zeitz an der Spitze, wurden alle In dieser historischen Sitzung auf einen Hauten verhastet. Die Kämpie spielten sich an der Peripherie ab. DaS war ein Fehler. Bei größeren Massen kann die Artillerie ver- beerend nnd demoralisierend wirken. Ter Ttraßenkampk in Hunderten von Gruppen wäre vielleicht richtiger gewesen. Aber eS kam überhaupt nicht zur Durchführung einer ein beitlichen Aktion. Erst am Dienstagabend funktionierte der Nachrichtendienst, a!S schon In allen Bezirken ungemein v«r- lnstreichr Sinzelaktionen der entschlossenen Unterführer ein- gesetzt hatten. Zehn Bezirke mit etwa 10 009 Mann haben nicht einen Schuß abgegeben, man wartete ans B e- fehle! Diese Kräfte hätten die Entscheidung schon auS dem Grunde bringen können, weil dadurch die Regierungs- truppen an vielen Stellen gebunden gewesen wären. So konnte die Regierung ein AusstandSgebiet nach dem anderen mit großer Kräftezahl niederkämpfen. Die Provinz, vor allem Steiermark und Oberösterreich, allen voran Linz, die rote Stadt Steyr, Kapfenberg, Bruck a. Mnr nnd dir Umgebung von Graz, kämpften wie d' Löwen. Auf sich allein gestellt, mußten sie ans dem gleichen Grunde wie die Wiener Arbeiter besiegt werden. Das grüßte Bundesland, Niederösterreich, das rnnd 1! 00V Schutz- bündler stellen sollte» kam, von unbedeutenden Einzel- akttonen abgesehen, überhaupt nicht ins Gesecht.^Ter Landesstthrer, Abgeordneter Püchler, ivnrde einige-rage vorher wegen einer kleinen Rauierei verhaftet. Wien wartete umsonst aus Entsatz. Das Problem der Führung ist nicht bloß eines der O s s i z i e r e, sondern noch mehr der Unteroffiziere. Die Unterführer waren durchwegs kriegsgediente Leute) jedoch die iv e n i g st e n hatten wirkliche Führer- qualitäten. ES sehlte an Selbständigkeit, Entschlußkraft und Initiative: man wartete immer auf die Befehle, die niemals kommen sollten. Dabei war lein Mangel a n Waffen aller Art) Freund und Feind waren von der glänzenden Ausrüstung mit Maschinengewehren und Handfeuerwaffen sowie Handgranaten überrascht. Wir waren da der Exekutive weit überlegen. Im rein Technischen hätte es geklappt»nd auch bei den taktischen Uebungen.... Versagt hat auch der Berpslegungsdienst) die Kämpfer waren oft 72 Stunden ohne einen Bissen Eßwaren, ohne einen warmen Schluck. Dabei herrschte bittere Kälte, Ablösung der abgekämpften Truppen gab es nicht, weil keine Verbin- dung herzustellen ivar) daher gab es auch keine Atinute Schlaf. Die Gefangenen fiele» bei der Einlieserung aus der Stelle in tiefen Schlaf. So mußte aus viele» Unterlassungs- sünden, aus echt österreichischer Oberflächlichkeit, Tchlam- perei und Sorglosigkeit heraus eine so heroisch kämpfende Arbeiterarmee geschlagen werden. Ter Abend des 15. Fe- bruar war der bitterste im Leben Zehntausender von Partei- genossen. Der fromme Mikia» Noch am Montagmittag, als der Generalstreik einsetzte, schien es, als ob das Aeußerste vermieden werden könnte. Bürgerliche Politiker erschienen beim Bundespräsidenten Miklas und beschworen ihn um seine Vermittlung) er lehnte rundweg ab! Herr Miklas, Ritter des EhristuSordens, frommer Katholik, der täglich in der Kirche Gott»m Beistand anfleht: ein Wort hätte genügt, um die Waffen zu senke», um Herrn Dollfuß zur Besinnung zu rufen. Dieses Wort wurde nicht gesprochen) Herr Miklas, Sie Hauptschuldiger an all den Wirre» dieses Landes, Tie, der Tie unverschämt entgegen Ihrem Eide die Verfassung gebrochen haben, Hnndertemale gebrochen haben, Sie, der indirekt das Leben Tausender Söhne diese» Landes auf dem Gewissen hat: um Ihre S te r b e st n n d e beneide ich S i e n i ch t I Auch Ihr Gott kann Ihnen dieses Verbrechen nicht verzeihenI Die Rache der„Lieger" Die Regierung, anf einen raschen Sieg hostend nnd die»m ihre Freiheit kämpfenden Arbeiter als„Verbrecher" be- schimpfend, die zn besiegen eine Musikkapelle und ei» nasser Fetzen genüge, mußte es bald billiger geben. Am Mittwoch- abend erschiene» die Gesandten der Großmächte bei Dollsuß nnd verlangten kategorisch, daß mit dem Morden und mit den Standgerichtsurteilen Schluß gemacht wird) Dollsuß ver- sprach de» Kämpfern— nicht aber den Führern— Pardon: damit wurde weiteres und nunmehr nach der taktischen Lage auch unnützes Blutvergießen vermieden. Aber die Ausbeute an gefangenen Kämpfern mar sehr mager: die meisten ver- zichteten aus die„Gnade" und nahmen die Waffen in die Ber- stecke wieder mit. Welche schlotternde Angst die Regierung v.r der Arbeiterschaft noch immer hat. beweisen Sie Waffen- Prämien: für ein Maschinengewehr werden S. 50.— für eine Handfeuerwaffe S. 20.— bezahlt und Straflosigkeit zngestchert. Fieberhast wird nach den versteckten Depots gesucht, Tag»nd Nacht werden Hansdurchsuchungen vorgenommen, der Erfolg ist sehr kläglich. Um der Welt ihre„Stärke" z» beweisen, ivnrde alles, ivas irgendwie eine höhere Funktion in der Arbeiterbewegung oder in den Gewerkschaften bekleidet, ver- haftet. To alle öffentliche Mandatare, die allermeisten Ge» werkschaftssührer. Rechtsanwälte, Aerzte, ja sogar d'e An- gestellten der Partei. Gegen 100 Arbeiterorganisationen, darunter sämtliche Gewerkschaften, alle Kulturvereine welcher Art immer, sogar der Arbeit«r-Tiersch«tzverein, wurden auf- gelöst. Das Vermögen soll eingezogen werden, bis auf jenes der Gewerkschaften. Tiefe sind meist auf verfichernngStech- nischer Grundlage ausgebaut) ein Raub dieser Gelder würd« die kaum gebändigte Arbeiterschaft anfs neue ausbringen. Da wird von Staats wegen vorgesorgt, in welcher Art. ist noch nicht feststehend. Ebenso wurden die Kollektivverträge durch Notverordnungen verlängert. Tie bedeutenden Ver- mögenswerte der Partei und Gewerkschaften sind aber schon vor Monaten in den Besitz ausländischer Arbeiterorganisaiio- neu übergegangen: der beut-hungrige Faschismus wird viele fette Brocken davonschwimmen sehen... Tie berühmten Wiener Arbeiterbnchereie» wurden sämtlich ausgeräumt und „sichergestellt", wahrscheinlich will man forgsättig sichten, ehe man den Arbeiter weder lese» läßt. Arbeiterblätter gibt es nicht mehr, die Zeitungen unter dem Regiernngodrucke brin- gen nur die der Regierung genehme Nachrichten. Nach den Beschimpfungen des ersten Tages bekamen aber die bürger- lichen Blätter doch ein wen'g Achtung vor den heldenhafte» Gesinnungstreue der Wiener Arbeiterschaft und die Be- fchimpfungen beschränken sich je nach Konsession aus die„Bon- zen" oder„jüdischen Führer", welche die Masse im Stich ge- lassen hätten. Im gleichen Atem bericht-t mau, daß mehr als tausend Führer, darunter der gesamte Parteivorstand verhaftet ist. Aus den Kommandanten des Schutzbundes, Nat.- Rat Deutsch, richtete sicki die Wirt und Verleumdung ganz besonders: er wäre feige ins Ausland geflohen und hätte die Truppe im Stich gelassen. Bis offizielle tfchech'jche Behörden mitteilten, daß Deutsch schwer verwundet am Donnerstagabend— also nach Schluß der Kämpfe— in Preß- bürg angekommen sei. Die Volksstimmung Die Bevölkerung stand in ihrer erdrückenden Mehrheit auf feiten der Arbeiterschaft: auch streng bürgerliche Men- schen, welche ansonsten für uns nichts übrig haben, bewunderten die Gefinnungstreue nnd den Idealismus der Kämpfenden. Für die Heimwehr hat man sehr wen'g übrig) es befinden sich sehr zweifelhafte Elemente krimineller Art in ihr So wurde in den erstürmten Gemeindebanken ge- haust wie im Feindesland, Kleider und Wäsche zerschnitten, Geschirr zertrümmert, alles kurz und klein geschlagen, wo man auch nur ein Seitz-BUd vorfand, ja selbst Linderspiel- zeug wurde finnlos vernichtet. Und dabei haben die Ord- »ungsstützen aestohlen wie die Raben. Ich habe Wohnungen Fortsetzung Seit«? JWsche Freiheit", Nr. 4? MMIT UMP WIBTSfflAF Sonntag/Montag, 25. 26. Februar 1934 «Zinsbrechen" lächerlich I henk- und BörsenffQrsten verhöhnen den unglücklichen Feder zu billigeren Zins« müsse zu einem In Berlin war dieser Tage der Große Ausschuß des Zen- tr«lverbandes des Deutschen Bank- und Bankiergewerbes ^rsammelt. Ueber„Das Bankgewerbe im heutigen Staat" •prach Staatsrat Friedrich Reinhart. Seine Rede eine einzige Verhöhnung der nationalsozialistischen '»Theorien 44 und ein Bekenntnis zu kapitalistischen Wirt* 'duftsgrundsäfyeo: »Fehler, die in der Vergangenheit gemacht worden»eien, "ien seiner Meinung nach fast ausschließlich Fehler Personen gewesen, nicht Fehler des yitemi... Unter Brechung der Zinsknecht- 1 4* f t begreife niemand, der die Dinge wirklich '"»teilt, die Aufhebung des Zinses. Der °rwurf, die Banken seien an möglichst hohen Zinssätzen 'Oteressiert, sei unberechtigt. Der Versuch, den Staats- ^ te dit im Gegensag zu den allgemeinen *rktverhältnissen '* 5 e n au befriedigen,«»•'»>"» Stoßen Mißerfolg führen. Im deutschen Bank- Wwerbe bestehe kein Zweifel darüber, daß wir bald wieder einem Zinsfuß von etwa 4 Prozent für erstklassige An- 'gen und etwa 5 Prozent für erstklassige Hypotheken *°inmen müßten. Es bestehe auch keine Meinung»- *' r*chiedenheit darüber, daß die Zinsherabsetzung freiwillig "ud organisch sein müsse. Erfreulich sei die Aenderung des '"kgesetjes, wodurch der Reichsbank die Möglichkeit ge» l^en ist, durch Aufnahme von schwimmendem Material eine j* n»Ppheit an Wertpapieren herbeizuführen. Reinhart streift ®spn das Thema der Dienstleistung der Banken ohne Entgelt. deutsche Wirtschaft werde sich damit '^finden müssen, daß die Rentabilität Banken eine Voraussetzung für ihre j'*h e r h e i t und ihre wirtschaftliche p'istungsfähigkeit ist und daß ein angemessenes -ntg P lt fjj r wirtschaftlich-nützliche Dienste der Banken unter »einen Umständen der Gesamtwirtschaft abträglich sei. !j e g'onalbanken seien sicherlich ein sehr nützlicher Typ des "'nkgewerbes, aber nur dann, wenn sie wirklich Regional- f'uken seien, die das Kapital und Betriebsmittel innerhalb '"•er Region aufbringen könnten- Ein fundamentaler Irrtum •'i es zu glauben, daß die einzelnen Zweige und die einzelnen Gattungen des Bank- und Kreditgewerbes zu ewiger Feindschaft gegeneinander verurteilt seien. Das ganze Privatbankgewerbe sehe mit Staatssekretär Feder in den Sparkassen das Wunder des deutschen Sparwillens. Die Großbanken hätten ein lebhaftes Interesse an der Wiederaufrichtung eines gesunden, kapitalkräftigen und leistungsfähigen Privatbankierstandes. Es müsse aber eine reinliche Scheidung der verschiedenen Aufgabenkreise der einzelnen Zweige der Geldinstitute mit dem Ziel, jeweils darin Vollendetes zu leisten, angestrebt werden. Bei Ausgestaltung der staatlichen Aufsicht über das Bankwesen bestehe die Gefahr, daß der Initiative des deutschen Bankwesens Beschränkungen auferlegt werden, die nicht im Interesse der Allgemeinheit liegen. Soweit das nicht zutreffe, werde sich das deutsche Bankgewerbe gegen Ueberwachungsmaßnahmen keineswegs sperren. Den Vorrang der Politik vor der Wirtschaft erkenne das Bankgewerbe ohne jede Einschränkung an. Schließlich zur Frage einer Verstaatlichung des Bankwesens Stellung nehmend, wies der Redner darauf hin, daß für das Bankgewerbe, das Hilfsgewerbe sei für alle übrigen Zweiee der Wirtschaft, dieselben Eigenschaften notwendig seien wie für die Produktions- und Handelssphäre. Der Reichsbankpräsident Dr. Schacht stellte zur Zinsenfrage fest, daß es der Reichsbank gelungen sei, das Kursniveau sämtlicher festverzinslichen Werte an der Berliner Börse in den ersten zwölf Monaten der nationalsozialistischen Regierung um 13 Prozent zu heben. Wenn in den letzten Tagen das Interesse am Rentenmarkt nachgelassen habe, so sei der eine der beiden Gründe hierfür das dauernde Gerede von einer bevorstehenden, mit mehr oder minder großem Druck verbundenen Rentenkonvertierung auf einen niedrigeren Zinsfuß. Die Reichsregierung aber, betonte Dr. Schacht, legt den größten Wert darauf, daß jede Zinskonversion von der freudigen und freiwilligen Mitarbeit der großen Sparermassen getragen wird und daß sie davon absieht, irgendeinen Dank in der Zinssenkungsfrage auszuüben. Eine Markabwertung lehnte Dr. Schacht entschieden ab. u Teure Agrarwirfsdiaft Im„drillen Reidi Planmäßige Preissteigerung durdi Zwangshartelle Fast in der ganzen Welt ist mit dem Eintreten der Agrar- r'»e die Agrarwirtschaft zur dirigierten Wirtschaft ^Worden. Auf dreifache Weise wird versucht, eine Besserung er Lage der landwirtschaftlichen Bevölkerung herbeizufüh- fe n. Durch Währungsentwertung oder direkte Zwangsein- pfiffe in die privaten Kreditverträge, durch Herabsetzung der 'ypothekenschulden und der Zinsen oder direkte Staatszu- ••hasse wird die Erleichterung der Schuldenlast '•strebt. Durch rücksichtslose Opferung der industriellen Ex- P°rtinteressen wird im Wege der Zollpolitik der Inlandsmarkt der heimischen Agrarproduktion vor- Ehalten, das billigere ausländische Angebot von der K„-i--•----- In den Ueberschußländern, wo sucht man durch hohe staatliche Präeiner Einschränkung der Produktion |.—«HCl "ukurrenz ausgeschlossen. 'pses Mittel versagt, "hen die Bauern zu bewegen. den Ländern mit Zuschußbedarf reizt man umgekehrt "Urch Subvention zur Steigerung der Produktion an, um Womöglich von der ausländischen Zufuhr ganz unabhängig werden, was besonders als wichtige Maßnahme der Kriegsrüstung erscheint. ^«iließlich geht i tan im steigenden Maße zu einer Zwangs- •rtellierung, zu Preisfestsetzungen und Kontrolle des Ab *fees über. ^>e Manipulierung hat am frühesten in Deutschland 'pgeseßt und seit der nationalistischen Machtergreifung ein "rmisches Tempo eingeschlagen. Denn jeder Widerstand ??äen die agrarische Preisteuerung— und darauf laufen alle '!**ßnalimen hinaus— ist ja durch die Niederwerfung der /beiterschaft beseitigt worden. Es handelt sich dabei um '"e immer weiter fortschreitende Kartellierung, die der 'Sat zwangsweise herbeiführt und deren Durchführung er jf'äodig überwacht— eine zur Totalität strebende Zwangs- evv irtschaftung. I F>abei bedient sieh der Staat im steigenden Maße der die •»dwirtschaftlichen Erzeugnisse weiterverarbeitenden I n u r «Iii 1 "Strien. Die Kontrolle über die Einhaltung der Be- I"Rungen braucht dann nicht bei den zahllosen zersplitterten '^wirtschaftlichen Betrieben, sondern muß bei den viel p'niger zahlreichen industriellen Unternehmungen durchgehet werden. Die Zwangskartelle werden zu Organen des Staates, durch die die vom Staat verordneten Wirtschaftsmaßnahmen den 'ahllosen bäuerlichen Betrieben gegenüber durchgesetzt •"erden. • Den Anfang hat man dort gemacht, wo es technisch am ''-?N. e"M'« Deutsdke Stimmen•(Beilage%uw ,.Deutschen&teifteit"• Ereignisse und Geschichte 11 Sonntag-Montag, den 25. und M. Februar 1>34 Stimme deutschet Jugend Sazialisnuis ist das Ziel Der nachstehende Aufsag ist unter der Ueberschrift „Zwei Welten" in der„Frankfurter Zeitung" vom 21. Februar veröffentlicht worden. Verfasser int Reinhold Schairer. Wir hoffen, daß es der hochverdiente Führer des Deutschen Studentenwerks aushalten kann, wenn die.,Deutsche Freiheit'' seinen Aufsag ihren Lesern zum Nachdenken über die mögliche Entwicklung in Deutschland vorlegt. Reinhold Schairer kennt die Geistes- und Gefühlswelt der deutschen studentischen Jugend mehr als die allermeisten, die über diese Jugend dozierend reden oder schreiben. Er kennt insbesondere ihre leibliche und. seelische Not und ihr bestes Streben. Wir tun gut, den Aufsag dieses Mannes, einem Katholiken übrigens, von dem wir nicht wissen, ob er inzwischen Partei-Nationalsozialist geworden ist, recht aufmerksam zu lesen. Es geht ja nicht nur darum, revolutionäre Losungen zu finden und zu propagieren. Entscheidend ist, in Deuts dt land alle Kräfte zu wecken und vorwärts zu treiben, die eine grundlegende sozialistische Umgestaltung anstreben. Schon aus soziologischen Erkenntnissen kann der revolutionäre Sozialist dabei nicht an der ihren früheren Lebensbedingungen und Lebenszielen entfremdeten intellektuellen, mittelständischen und bäuerlichen Jugend vorübergehen. Das industrielle Proletariat allein schafft es in Deutschland nicht. Es muß die zahlenmäßig und an Willenskräften bedeutende Jugend der bisherigen Mittelschichten hinzukommen. Der Aufsog Schairers zeigt, daß diese Jungen über die Hit- lersche Demagogie hinaus zu einem sozialistischen Deutschland hinauf wollen. Noch sind sie Suchende und harren der großen revolutionären sozialistischen Führung. Nur wenn diese in klaren wirklichkeitsnahen Konzeptionen, in neuer parkender Sprache, in glaubensstarken Kämpfern und Propheten, in willensmächtigen Männern vor die jungen Menschen tritt, werden sie für uns erobert werden. Erste Vorbedingung ist, daß wir auch diese Jugend kennen lernen, wie sie ist: gerade auch diese Jugend! Das Gestern ist zugrunde gegangen. Man gehört nicht schon dem Morgen, weil man einen Geburtsschein aus dem Jahr 1910 oder 1912 oder noch jüngeren Datums besigt. Das Morgen erobert nur. wer sieht, welche Wege in die Zukunft führen und entschlossen ist, sie zu gehen. Redaktion der„Deutschen Freiheit" Der gefährliche Umweg Noch vor vier Jahren hat Hoover im besten Glauben die Parole ausgegeben, daß alle Jugendliehen, die keine Arbeit linden, die Zeit benutzen sollten, die Schulen weiter au besuchen. Das hat in Amerika zu einer großen Aufblähung des höheren Schul- und Hochschulwesens geführt. Dort wie auch in vielen andern Ländern wurde die Entwicklung vom Lehrerstand fast ausnahmslos freudig begrüßt, jeder Versuch, auf die Gefahr dieser Leberfüllung hinzuweisen, wurde vielfach als eine bildungsfeindliche Rückständigkeit angegriffen. Die Bedürfnisfrage wurde kaum geprüft, und allen Einwänden gegenüber hielten die Lehrer aller Länder die Theorie aufrecht, es sei doch besser, die Jugend in den Klassen als auf der Straße zu wissen. Wie stellt sich aber jetzt das Bild dar, wenn diejenigen, die diesen Weg beschritten haben, in einem viel höheren Grade auf der Straße stehen, weil in den oberen Berufswegen die Arbeitslosigkeit der jüngsten Jahrgänge noch größer ist! Viele von denen, die diesen Weg gingen, gehören dem oberen Teile der Begahtenschicht an, sie hätten in einem einfachen Berufe leichter Arbeit gefunden als jetzt in den gehobenen Berufen. Wollen sie aber mit 18 oder 23 Jahren sich wieder in die Reihen der Lehrlinge stellen, so steht ihnen ihre eigene Verschulung, ihr Alter und das Urteil der Meister und Arbeitgeber entgegen, die behaupten, dieser Rückweg habe sich nie bewährt. So führt dieser Umweg über die höhere Schulung vielfach zu einer Katastrophe des einzelnen, er wird aber für die Allgemeinheit zu einer Verschärfung der Gefahr, mit der man rechnen muß. Diese Entwicklung hat nämlich dahin geführt, daß in dem Augenblick, in dem die. Arbeitslosigkeit sich von einer Saisonerscheinung zu einem Dauerschicksal für Millionen entwickelte, gleichsam ein neuer Stand der Arbeitslosen sich bildete, ein neuer„fünfter Stand", der nicht mehr nur aus Arbeitern besteht, in der vielmehr Akademiker, Angestellte. Bankbeamte, Junglehrer in reicher Zahl eingemischt sind, so daß sich hier fast eine komplette eigene Welt auftut, in der nur— die Kapitalisten und die Arbeitgeber fehlen! Während früher die Arbeitslosen doch in irgendeinem Sinne eine negative Auslese der weniger Tauglichen darstellten, ist es mit dieser Annahme jetzt zn Ende. Hohe Intelligenz, leidenschaftlicher Ehrgeiz, bürgerliches Ressentiment des zn Unrecht Deklassierten und alle daraus entspringende Bitterkeit sind jetzt in diese Massen eingebettet, alles das dazu noch in der frischen jugendlichen, leidenschaftlichen Form, die noch durch keine Berufserfahrungen abgedämpft ist. So bildet sich nicht nur eine Elends- und Armuts- psychose. sondern alle Sprengstoffe, die sonst immer revolutionäre Spannungen erzeugt haben, sind in diese Massen eingeschlossen. und was schlimmer ist: die Furcht, daß die Kinder in dieses graue Elend der Hoffnungslosigkeit hinabsinken können, ist bis hinauf in die ältesten Kulturfamilien vorgedrungen. Arbeitslosigkeit ist selbst bei ihnen nicht mehr ein Problem der sozialen Fürsorge für andere, sondern der unmittelbaren eigenen Sorge geworden. So vermehrt sich überall die Spannung gegen das System und die Hoffnung auf ein Morgen, in dem unter neuen Fahnen alle diese Gefahren und Nöte ein Ende finden sollen. Die Stehenden und die Sitzenden Hat man schon beobachtet, wie in einem überfüllten Straßenbahnwagen, der nach einem langen Arbeitstag müde Menschen nach Hause fährt, diese sich teilen in zwei verschiedene Weltanschauungen: die der Stehenden und die der Sitzende»„Warum macht er mir nicht Platz?" denkt dort das Mädchen.„Aber auch ich bin müde!" sagt sieh der Mann, der ans ihren Augen die Weltanschauung der Stehenden abliest. Bald zerfällt der Wagen in eine zufriedene Gruppe, die auf sich die unfreundliche Spannung der andern, der Stehenden, gerichtet fühlt. Dieses kleine Beispiel des täglichen Lebens, nur in ungeheure Dimensionen und Tiefen übertragen, trennt die Welt derer, die in der Arbeit festsitzen, von denen, die vor der Arbeit stehen oder sich in Gefahr fühlen, von ihr ausgeschlossen zn werden. Warum macht er mir nicht Platz oder sorgt dafür, daß auch ich Platz bekomme? Das ist die eigentliche Grundeinstellung, die in tausend Variationen, Denkformen, Gefühlen und Parolen sich ausdrückt. Aber es wäre verkehrt, die Trennung in die Welt von Gestern und in die Welt von Morgen mit dieser andern Teilung gleichzusetzen. Sicher ist die Zahl der„Stehenden" unter den dem Morgen Verschriebenen besonders groß, sie würde aber schnell sich verkleinern, wenn die meisten wieder Arbeit gefunden hätten. In diesem Sachverhalt aber liegt die größte Spannung, wenn es nicht gelingt, die„Stehenden" wieder in Arbeit zu bringen und alle diese Sinnlosigkeiten auszugleichen, die der Jugend in allen Ländern der eigentliche Stein des Anstoßes sind und deren Aufzählung sich überall fast mit den gleichen Worten wiederholt: Berge von Getreide, Kaffee und Baumwolle werden verbrannt, und anderwärts hungern und frieren die Menschen, Maschinen stehen still, Millionen Hände feiern und werden daran verhindert, sie zu bedienen, um Kleider und Schuhe für die Frierenden zu machen, man zieht Hunderttausende von Schweinen und Kühen hoch, um sie nachher wieder mit Mühe zu destruieren, unbegrenzte Strecken des schönsten Landes liegen offen und die Menschen sind in die Arbeiterviertel zusammengepreßt, oder wie eine norwegische„Parole" es ausdrückt:„Sonnenschein und Saatengrnnd im Ueberfluß,aberwo ist dieLieb e?" Sozialismus, die große Parole Alle diese Mißstände und Rätsel sind gemeint, wenn immer wieder unter der Jugend aller Länder gerade bei den Besten das Wort„Sozialismus" als die große Parole auftaucht. Dieses Wort umschließt die verschiedensten weltanschaulichen und menschlichen Begriffe. Das Gemeinsame darin, das, was dieses Wort auch unter der jetzigen nationalsozialistischen Jugend Deutschlands zu dem großen Losungswort gemacht hat, ist der immerwährende und immer erneute Protest gegen die bisherige kapitalistische und imperialistische Methode, die für diese Mißstände verantwortlich gemacht wird, dieses die Welt beherrschende System, unter dem alle diese Dinge geschehen. Wer etwa glauben wollte, daß bei uns in Deutschland dieses Wort Sozialismus in einer milderen Form, in einem übertragenen Sinne'gemeint sei. daß darunter etwa nur die ehrenwerte soziale Gesinnung, die Bereitschaft, den Armen durch Almosen zu helfen, verstanden werde, der tut gut daran, diesen Irrtum zu beenden. Er soll sich einmal vertiefen in die zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften dieser Jugend, die von Millionen gelesen werden. Hier weht in diesem Punkte wahrhaftig kein milder Wind. Der Profitgier und dem Geldsack wird hier manches gesagt, was man zunächst nicht hier vermutet hätte, und bei dem Ziele des National Sozialismus wird der Hauptnachdruck auf den zweiten Teil des Wortes gelegt, der erste Teil versteht sich von selbst. Der Spießer wird gebeten, zu schweigen, und die feinen, geschniegelten Jämmerlinge, selbst im neuen Deutschland, bekommen manches harte Wort zu hören. Welches sind diese Zeitungen? Daß man immer wieder selbst von Männern des öffentlichen Lebens danach gefragt wird und man dann erst auf die ,.F a n f a r e", den„Siurmlrup p", den ,.A k t i v i s t e n" und die Studentenzeitungen hinweisen muß, das zeigt eben, daß das, was Millionen der Jugend mit Begeisterung erfüllt, bei den Erwachsenen vielfach noch nicht bekannt ist, daß man also in diesem Sinne selbst in Deutschland noch in zwei Welten lebt, von denen die eine von der anderen noch wenig weiß. Weiß die andere von der einen? Damit wird eine der ernstesten Fragen der Zukunft Deutschlands, der Welt, berührt, zugleich aber auch die Schicksalsfrage der leidenschaftlichen und begeisterten Führer, die in allen Ländern an der Spitze derer stehen, die für die Welt von morgen eintreten und kämpfen. Noch nie zuvor ist in der Jugend so viel Entschlossenheit, Tatkraft und Bereitschaft zu finden gewesen. Diese Jugend verlangt in ihrem Sinn für Sachlichkeit und Ernstheit eine scharfe und klare Absage an bloße Schlagworte; sie erwartet. daß jedes Wort, jedes Versprechen durch die Tat eingelöst werde. Diese Tat mag lange Zeit in Anspruch nehmen, aber sie muß unerbittlich und mit aller Klarheit versucht, gewollt und— gekonnt werden. Wer die Wirtschaft in einen neuen Geist hinüberführen will, muß in den Grundgesetzen des Wirtschaftens den besten Spezialisten der alten Schule gewachsen. überlegen sein. Die unwiderstehliche Spannung, die hier geschildert werden mußte, hat in der Jugend Unerbittlichkeit erzeugt. Wer gegen sie rechnet, ist auf der falschen Seite, wer ihr den gerechten Ausweg mit allen Mitteln zu schaffen sucht, hat die Zukunft für sich. Sind die Führenden in allen Ländern dazu bereit und vorbereitet? An einer Stelle z. B. ist die Rede davon, daß man in Deutschland einige tausend junge Wirt schal tsführer brauche, die bereit seien, die Wirtschaft künftig gegen Generalstabsgehälter zu führen. Ist nicht gerade die Frage der Spezialisten mit idealistischer Grundhaltung überall eine der schwersten? Hat nicht das Schachspiel zwischen Gestern und Morgen schon begonnen, und müssen nicht die Männer von Morgen erst während des Spieles die Regeln und Meisterzüge lernen, in denen die anderen Experten sind? Manches Spiel wird zunächst verloren gehen, aber die Männer von Morgen haben den unbesiegbaren Glanben. daß sie doch am Ende gewinnen und die besseren Spieler sind. Diese Gewißheit ist es, die sia aufrechterhält und ihnen die große Ruhe gibt. Sie stammt aus d"« Glauben, daß sie nicht für sich, sondern für eine höher« Welt kämpfen. Dieser Glaube kann Berge versetzen. Ursprung und Ziel im Geistigen So wenig das Ziel des jungen Sozialismus der von Morgen in irgend einer äußeren materiellen Lösung reicht ist, so wenig zieht diese Bewegung selbst ihre Kraft•«' der sichtbaren Welt und ihren Zusammenhängen. Denn g«* rade der Weltauffassung des Positivismus und Materiali«®« 1 der letzten Jahrzehnte ist der schärfste Kampf angesagt' Ihnen tritt gegenüber die Jugend, die weiß, daß die®ä tigsten Kräfte der Welt sich nicht in den Rahmen der Si® barkeit einspannen lassen, und daß sie sich durch uicss trockene Greisenlehre nicht totmachen lassen, daß Volk nB Gemeinschaft, Führerschaft und Treue, aber auch viele•« deren weniger feierlichen Werte keineswegs nur Erfindung" 1 sind, um die Dummen zu fesseln, daß die Form des Lehen' selbst, die Gestaltungskraft des Künstlers, die Begeistern«? und vor allem die Liebe keine Illusionen sind, sondern«' die Jugend über die ganze Erde im Aufbruch ist, die'" 1 höchsten^ erten die Form zu geben, die„die geiuein' r' Welt befremden", der Jugend selbst aber das Leben'« neuem Sinne zurückgeben soll. Damit ist freilich auch gegeben eine Kampfansage an de® Totalitätsanspruch der Schule jeder Gattung und Stufe,' davon ausging, daß ihr es obliege, die Erziehung des j an^!j Menschen, seine Formung für Zeit und Ewigkeit verantcret lieh vorzunehmen. Dieser Anspruch wird weichen müssen«« Anschauung, daß neben die Schule die Gemeinschaft der J« gend als ein überragend wichtiger Erziehungsfaktor tritt.«« allem aber das Leben selbst in seinen tausendfältigen*«' men des Handelns und der Führung, aus dem immer noch«' wirklich großen Führer das meiste gelernt haben. Damit kehrt die Jugend in allen Ländern zurück v«° einem gefährlichen Irrweg, der beinahe die Lebenskraft handelnden Menschen gekostet hätte, indem er ihn ei»« mechanistischen Denkweise unterordnen wollte, sie beg r", wieder die alte Weisheit, daß das beste Lernen das dur die Handlung, durch die Tat ist. T)ec antikücqectiche Affekt Der antibürgerliche Affekt ist kein Haßgefühl. Er ist E' 1« Ressentiment oder Rachegefühl, er ist ein. nderssein<>"« Absicht.(Er hat— nm etwaigen Mißverhältnissen vor'« beugen— nichts, gar nichts mit der Bohemeschlamperei e>« vergangenen Literaten-Typus zu tun.) Er trat, das muß u der Gerechtigkeit willen nachgetragen werden, zum er j, Male lebendig, wenn auch noch unreif, in der frühen dog«« bewegung Deutschlands zutage. Dort war er allerdings wußter Widerspruch und„Auflehnung"— und deshalb«« anregend, aber nicht gestaltend. Was bedeutet nun dieser autibürgerliche Affekt für un»« r Zukunft?— Es ist doch ganz unverkennbar, daß auch h«u wieder das„bürgerliche Leben" weitergeht und seinen N"®( wuchs erzieht. Gewiß. Aber das Entscheidende ist, daß<1 1. Führung in Zukunft nicht mehr aus de bürgerlichen Leben mit seinen W« r', Setzungen hervorgehoben wird. Hier liegen lieh ganz große Möglichkeiten. Wir stehen am Beginn. W-« kommende Geschlechter der Deutschen den Sinn ihres Lebe« — in der führenden und entscheidenden Schicht— Dl mehr in der bürgerlichen Sicherheit ihres Lebens sehe«' dann kommt ein neues Prinzip in die Weltgeschichte. We« nämlich der Wille und die Bereitschaft zur Entsagung" nicht aus den engen und bigotten Empfindungen entwiche' und in dem dumpfen Räume kleinbürgerlicher Erwer« existenz befa.-gen bleiben, sondern aus der Erkenntnis gr»«^ Ziele und hoher Verpflichtung erwächst— dann freilich«"'j eine solche„Entsagung" vom augenblicklichen Vorteil«« von dem kleinen Glück der Selbstgerechtigkeit Kräfte Deutschen zu unvorstellbaren Möglichkeiten freisetzen u" 4 züchten. Und das ist der Sinn des antibürgerlichen Affe''( in der besten deutschen Art Mensch. Die Erkenntnis, daß^ sich nicht verlohnt in einer Welt der ent'' f teten Herrschaft des Geldes ein br«'' Bürger zu sein, daß andererseits der Typus dieses»""f „Wirtschaftsführer" entwickelten Tüchtigen keineswegs geblich für die Zukunft des deutschen Menschen sein kann diese Erkenntnis brach durch in den Besten, als der Krieg Gelegenheit wurde, eine ganz andere„Entsagung" zu üb««' die des Soldaten. Aus dem Buche„Deutscher Aufstand— die Revolnti«« des Naehkriegs". Herausgegeben von Kurt Hotz« (Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart). Wie 1914 Blätterst Du heute in deutschen illustrierten Zeitschrift««' so schlägst Du erstaunt zum Titelblatt um und schaust n« dem Datum.—- j Sie strotzen von Feldpostbriefen, von Schützengräben«« Luftkrieg, von Handgranaten, Minenwerfern und Rüstung wie neuzehnhundertundvierzehn— Hörst Du heute den deutschen Rundfunk? Hetz- und Brandreden durchschwirren den Aether,— daneben mildes Friedenssäusein und Beteuerung der edelsten deutschen Absicht— Liest Du die Briefe des dentssehen Spießers ins Ausland. Noch niemals gings ihm so gut, wie unter der braunen Knut"' Noch niemals feiert' man Feste der Arbeit.— Stolz unterschreibt er Heil Hitler und schwillt vor Patriotismus wie neunzehnhundertundvierzehn— Einstmals klang in den Straßen Deutschlands die Int« f nationale.— Einstmals sprach auch der Arbeiter sein Wort und schuf Werke des Friedens, baut' Schulen und mensche«' würdige Wohnungen. Wo suchst du heute den deutschen Proletarier? Geduld nur, der Funke glimmt schon im Dunkel und lodern wird er zur Flamrae wie neunsehnhundertundachtzehn!— A r ch i b« 1 gigantischer Kräfte und des Willens bedarf, die a in viele Gruppen gespaltene Arbeiterbewegung insgesamt erst wieder einmal ihrer eigentlichen sozialistischen Bestimmung entgegenzuführen. Wenn auch die Aussichten, daß dieses Ziel in absehbarer Zeit erreicht wird, leider nur gering sind, so bleibt doch erfreulich, daß auf pllen Seiten schon ein paar mutige Worte gesprochen wurden, die-— folgen ihnen auch Taten— Bresche in die Bollwerke schlagen könnten, die zwischen den Parteien verschiedenster proletarischer Tendenz noch aufragen. Wie gesagt, könnten...! Nicht alles verboten An der K e h 1 e r Brücke ereignete sich vor einigen Tagen folgendes erheiterndes Vorkommnis: Ein Deutscher, der wieder einmal einige Stunden den mannigfachen Freuden des ,.dritten Reiches" entflohen war und sich in Straßburg von den Anstrengungen des deutschen Wiederaufbaus unter dem AGENGE LIBERTE 2. petite rue d'Austerlitz STRASBOURG Generalvertretung der „Deutsche Freiheit" lür Elsass-Lo bringen Annahme von Abonnements und Inseraten: IIBRAIR1E PCPULAIRE, 2, rue Sidillot Strasbourg (Hinter der Börse) ABONNENTf NWERBER in allen Orten des BAS. RHIN und HAu'T.fcHlN'sofort gesucht. Librairie PROGRES" 66, Lg. rue du Vanneau AN VERS- Tel- 276.98 Moderne deutsche Buchhandlung, Leih» bibliothek, Zeitschriften und Zeitungsvertrieb Vertrieb der„Deutschen Freiheit" für Antwerpen und Annahme von Inseraten „BRAUNBUCH" vorrätig glorreichen Adolf erholt hatte, kehrte zurück. Aber, o Graus, als der Grenzkontrollbeamte, das Abteil betrat, fiel ihm ein, daß er ja einige französische Zeitungen gekauft und sie noch nicht beseitigt hatte. Schon sah er sich Im Ceist in einer der bekannten Erziehungsanstalten für unverbesserliche Staatsfeinde und unter lautem Herzklopfen überreichte er dem Beamten eine hier in Straßburg erscheinende Zeitung, von der unser Freund allerdings nicht wußte, daß sie ihr Gift gegen das„korrupte demokratische System in Frankreich" verspritzt, während sie mit beiden Augen zu dem wunderbaren Idealbild bitlerschen Staatsumbaus hinüber- schielt. Tausend Entschuldigungen, wollte unser armer Sünder vorbringen, als ihm der Grenzbeamte lächelnd bedeutete — nachdem er einen kurzen Blick auf die fragliche Zeitung geworfen hatte—. daß dieses Papier in Deutschland nicht verboten sei. An sich eine erfreuliche Feststellung: es gibt noch französische Zeitungen, die in Deutschland nicht verboten sind. Allerdings die„Republique". die..Freie Presse", die„Neueste Nachrichten" usw. gehören nicht dazu. Worüber man nicht klagen, sondern erfreut sein sollte!. Könige in Strallburg Auf der Durchreise nach Belgien zu den Beisetzungsfeierlichkeiten trafen am Sonntag der neue König der Belgier, Leopold III., mit seiner Frau und am Donnerstag der bulgarische König Boris am Bahnhof ein. Beide wurden vom Präfekten Herrn Roland-Marcel begrüßt. Eine Ohrfeige mit tragischen Folgen In einem Großbetrieb der Elektrobranche ohrfeigte im Verlauf eines Streites ein Monteur einen Ingenieur Der Monteur wurde entlassen. Da er unter diesem Schlag seelisch zusammenbrach, verübte er Selbstmord. Ein kühner Springer Kurz vor Mitternacht ereignete sich auf der Rabenbrücke ein ungewöhnliches Intermezzo. Ein junger Straßburger, der den Sommer zur Betätigung seiner Springer- und Schwimmerleidenschaften nicht mehr abwarten konnte, stürzte sich von der Brücke in die wahrhaft kühlen Fluten der III. Er schwamm etwa hundert Meter stromabwärts, stieg ans Land und wiederholte sein Kunststück noch einmal. Das kalte Bad schien ihm trotz der ungewöhnlichen Stunde, zu der er es nahm, gut bekommen zu sein. Fröhlich begab er sich im Kreis seiner Freunde nach Hause. Hoffentlich holte sich der Mann keinen Schnupfen. Schutzimpfung in der Scharlachgasse Eltern, die ihre Kinder gegen Diphtherie impfen lassen wollen, können sich beim städtischen Gesundheitsamt in der Scharlachgasse in dort aufliegende Listen eintragen lassen. Ausgerechnet in der Scharlachgaste! Entmenschte Eltern In die Fadengasse eingeliefert wurden die in wilder Ehe lebenden Jules L o e b und Maria Reinhardt. Loeb soll ein Kind, das seine Geliebte zur Welt brachte, erwürgt und verscharrt haben. Vorerst leugnet das Paar hartnäckig. „Die Kirche und der Krieg" Im Aubettesaal spricht am Dienstag im Auftrag der Freidenker Herr L o r u I o t- Paris über das Thema: L' E g 1 i s e et 1 a goer re. Der Vortrag wird auch in die deutsche Sprache übersetzt. Freigesprochen Der der fahrlässigen Tötung eines tunesischen Soldaten angeklagte Jean Bertha rion, dem man vorwarf in der Nacht zum 5. November durch mehrere Schüsse den hier in Garnison liegenden Abdel Salem getötet zu haben, wurde jetzt von der Strafkammer mangels hinreichender Beweise freigesproch eh. 1000 Franken zu verdienen In der Aubette wurde am Sonntag ein Astrachan-Pelzmantel gestohlen. Wer den Täter feststellen kann, erhält eine Belohnung von 1000 Franken. Mitgliederstand der Krankenkasse Bestand: 71 366 Mitglieder, ausgezahlt wurde Krankengeld an 2653 Mitglieder in Höhe von 272 916.70 Franken, insgesamt an Krankengeld und Unterstützungen anderer Art 302 849,80 Fr. Kunstkalender Im überfüllten Sängerhaus-Saal erstritten sich die bekannten Wiener Sängerknaben mit a-capeila-Ciiüren und dem Mozartschen Einakter„Bastien und Bastienne" einen großen Erfolg. Das Publikum war begeistert und überschüttete die jungen Künstler mit Beifallsstürmen, als sie noch populäre Wiener Lieder zum Abschluß sangen. Wiener Lieder ... in Wien donnerten die Kanonen! Weniger Glück hatte Madame Jack H y 11 o n, die im gleichen Saal, allerdings vor leeren Stühlen ein Jazz Konzert gab, das keinen Vergleich aushielt mit den Leistungen der Kapelle ihres Mannes, der einige Wochen zuvor hier gastierte. Warum überhaupt„Madame Jack Hylton"? Mit einem Klavierabend eroberte sich der junge Alexandre Brailowsky im überfüllten Sängerhaus die Herzen der kunstbegeisterten Straßburger. Im Stadttheater vermochte sich die deutsche Truppe mit dem allerdings auch inhaltlich mageren Kindermärchen„Das tapfere Schneiderlein" von Robert Bürckner nicht recht durchzusetzen. Vielleicht wäre es besser gewesen, das Stück in der Weihnachtszeit herauszubringen. E. D. „Denfsdie rrelhelfs-Dlblloflick" Eine Gründung in Paris In Paris Hat ssck vor einiger Zeit unter der Führung von Romain Rolland. Proiesior Levy-Bruhl, H.(ä. Wells, Lion Feuchiwanger und anderen WissenschaiUern, Schriftstellern, Künstlern und Intellektuellen ein Initiattv-Komitee zur Schaffung einer„Deutschen Freiheits-Bibliothet" gebildet. Diese Bibliothek soll alle im„dritten Reich" verbrannten, verbotenen, zensurierten, totgeschwiegene» Werke enthalten, von G. E. Lessing bis Heinrich Plann, von Heine bis Wasser- mann, von Marr bis Stalin, von Voltaire bis Andre Gide. Neben diesem Stamm an wissenschaftlicher, politischer und schöngeistiger Literatur wird die„Deutsche FreihettS-Biblio- rhek zahlreiche Bibliotheken deutscher Emigranten enthalten, die auf einen ersten Appell hin bis heute schon mehr als 20000 Bände zur Verfllaung gestellt haben. Endlich werben in dieser Bibliothek alle jene Werke zur allgemeinen Benutzung bereitgestellt sein, die zum Studium des internationalen Faschismus, insbesondere des Hitler-Faschismus«nentbrhi- lich sind', von H. St- Ebambersain bin Roseub-ra. von Dllhring biS Hiller. Ihre prattssche Ergänzung w>6 die Bibliothek im Internationalen Antifaschistischen Archiv An unsere Bezieherund Leser! Wir erhalten in letzter Zeit Beschwerden da. rüber, daß die„Deutsche Freiheit" entweder verspätet oder auch gar nicht ankommt. Wir bitten alle Beschwerdeführer, sich an ihrem Ort mit der Post oder der Bahn in Verbindung zu setzen, da von Saarbrücken aus die Zeitung nach wie vor pünktlich jeden Tag abgeht. An der Post oder Bahn des Auf. gabt-Ortes liegt die Verzögerung nicht, davon konnten wir uns überzeugen. Verlag der„Deutschen Freiheit" finden. baS bis heute schon mehr als 200 000 Zeitungsaus- schnitte in zirka 700 Abteilungen und Tausende von Flug- schriften, Broschüren, Pamphleten gesammelt hat, die ins- gesamt eine komplette und haiMiche Materialsammlung über alle Ereignisse des Jahres 1933 in Deutschland darstellen. Dem Initiattv-Komitee haben sich außer den bereits ge- nannten Initiatoren: Romain Rolland, Professor Levu- Brühl, H. G. Wells. Lion Feuchiwanger zahlreiche euro- päische Schriftsteller und Wissenschaftler angeschlossen, unter ihnen Professor Hadamard, Professor Wallon, Edmond Fleg, Monsieur Gallimard. Irans Masereel Maitre Campinchi, Bertrand Russell, Professor Haldane, Mr. Wickham Tteed, Professor Laskn. Ladn Orford, Heinrich Mann, Josef Roth, Ernst Toller, Professor Georg Bernhard. Theobor Plivier, Anna Seghers, Rudolf Olden usw. Das Initiativ-Komitee hat durch eine umfangreiche Werbekampagne bis zum 10. Mai die Mittel auszubringen, die zur Errichtung und Aufrecht- erhaltung der Deutschen FreiheitsBibliotbek notwendig sind. Am Jahrestage des Autodafe in Deutschland, am 10. Mai, wird die Bibliothek eingeweiht werden. Es war ein snmbo- lischer Akt der Barbarei, der zeigen sollte, daß unter dem Regime des Nationalsozialismus die Werke der Ausklärung, der Soziologie, des menschlichen Fortschritts überhaupt keinen Raum mehr haben. Es ist ein symbolischer Akt, daß das Initiativ-Komitee gerade diesen Tag gewählt bat. um zu demonstrieren, daß alle diese Werke der Kultur nicht per- loren sind, baß gerade ihre äußere Vernichtung und Unter- drückung sie zum innersten und unverlierbaren Besitz aller Kampier für Freiheit und Fortschritt und eine bessere Orb- nung gemacht hat. Das Initiativ-Komitee bittet die Oessentfichkeit um Mit- Wirkung in seder Weise. Alle Anfragen. Büchersendiinaen find zu richten an die provisorische Adresse: Placard Nr. 18, 22 rue St. Augustin, Paris 2. Kreuzer im Nebel Hilflos vor Dover London, 24. Februar. Der englische Kreuzer„Curacao", mit dem der Admiral Ttr Roger Keyeö und Feldmarschall Lord Allenby nach ihrer Teilnahme an der Beisetzung König Riveris in Brüssel von ZeebrÜgge nach Dover zurückkehrten, geriet am Freitagabend in einen schweren Nebel und konnte den Hafeneingang von Dover nicht finden. Das Kriegsschiff sandte Signale aus und warf schließlich eineinhalb Meilen von Dover entsert Anker Der Admiral und der Feldmar- schall sowie d: c ebenfalls mit dem Kreuzer zurückkehrenden Marine- und Fliegcrabieilungen, die der Beisetznngsseier beigewohnt hatten, mußten auf Zubringerbooten an Land gebracht werden und trafen mit sechsstündiger Verspätung in London ein. Ein Zusammenstoß zwischen zwei griechischen Schiffen ereig- net: sich in der Nacht zum Tamtstag bei dichtem Nebel aus der Themse. Beide Schiffe wurden beschädigt und mußten ihre Fahrt unterbrechen. „Deutsche MowtetneHi&pceise: im Monat Saargebiet Frankreich Luxemburg Belgien Neubelgien (Eupen-Malmedy) Holland Dänemark Schweden Schweiz Oesterreich T schechoslo wakei England Palästina Spanien Polen Rußland Argentinien fr. Fr. fr. Fr. belg. Fr. belg. Fr. belg. Fr. tl. Kr. Kr. schw. Fr. Schilling Kr. sh sh Peseta Zloty Rubel Peso 12. 12, 15,- 15,- 12,- 1,50 3,20 2,60 2,40 7,50 30,- 4,- 4.- 6.- 4,20 1- 3- Einzeli verkauf 0,60 0,60 0,70 0,85 030 0,12 0,20 0,20 0,20 0,30 1,20 3 d Bei Zusendung unter Kreuzband durch die Post sind die Portogebühren vom Beiteller mit dem Abonnementsbetrag zu entrichten Pariser Beruhte Pariser Straßenhalender M. Bastid, der neue Vorsitzende des auswärtigen Ausschusses der Kammer, ist geborener Pariser, Anfang 40, alter Ecole Normale-Schüler und Professor in Lyon und Mitglied der radikalen Partei. * Neue fünfprozentige Obligationen der französischen Post, auf die man sich an den Bankschaltern einschreiben kann, werden zu 985 bei einem Nominalwert von 1000 Franken in Stücken zu tausend und nochmals tausend ausgegeben. Die Zinsen der Papiere, die steuerfrei sind, betragen fünf Prozent und werden halbjährlich, erstmals am 20. August, fällig. * An Stelle des Sonderparteitages in Lille findet am 11. März fn Paris eine Tagung des sozialistischen Landesausschusses, u. a. mit dem Thema:„Kampf gegen den Faschismus" statt. Der ordentliche Parteitag am 20. Mai bleibt. Zyromsky sprach über Einheitsaktionen. * Das Projekt einer internationalen Ausstellung 1937 zu Paris, das der Staat nicht verwirklichen will, ist von der Stadt Paris aufgenommen worden. Bis 15. Mai soll ein Entwurf von M. Francjois-Latour, dem Generalberichterstatter des Budgets der Stadt, ausgearbeitet werden. Der in Beirut verhaftete syrisch-französische Bankier Elie Sakazan wird demnächst von Marseille nach Paris übergeführt werden. * Von Paris hatten sich 15 000 Menschen nach Brüssel zur Teilnahme an der Bestattung des verunglückten Königs der Belgier begeben. Der Mont St.-Michel wird angestrahlt Am 17. Juli dieses Jahres soll zum ersten Male die Insel Mont St.- Michel,„das Wunder des Occidents", durch große Scheinwerfer angestrahlt werden. Den Anlaß zu dieser Festlichkeit bietet die Tatsache, daß im Juni 1434, also vor 500 Jahren, der letzte Angriff der englischen Truppen auf die befestigte Abtei, die die Insel krönt, abgeschlagen werden ko.<-. 19 Ritter, jeder ui.terstütct durch sechs Mann n Waffen, konnten dank der von der Natur begünstigten Lage der Insel einer Armee von 8000 Engländern widerstehen. Der Mont St.-Michel ist eine 78 Meter hohe Felseninsel im Aermelkanal zwischen Normandie und Bretagne, ihr Umfang beträgt nicht einmal einen Kilometer, und bewohnt wird sie von zur Zeit 228 Einwohnern. Eine einzige schmale Straße führt in ununterbrochener Steigung zu der seit 700 Jahren bestehendem Abtei hinauf, die in immer enger werdenden Terassen den Bergkegel hinaufklimmt, abgeschlossen und ins Unendliche hiniibergefübrt von der Statue des heiligen Michael auf der Kirchturmspitze. Z««»«»«««««NWALttSvAiZSQSCSNav Einkauf und Auslosung vom Versatzamt BRILLANTEN. GOLD SILBERWAREN. UHREN Ugliche GeleKenheiU»V#rkauff BUTTER, 49. FAUBOUKC» MONTMAK I KU KSKtaa® MAN SPRICH! DEUTSCH Oamenscftneider I. Mastchenko 1, Rue du Mard»4 St. Honori.• Tai. Optra 72-79 Kleider, MBntel,« Umarbeitung, Reparierung Unabhängiger, geschäftsgewandier Fr anzosa möchte mit Emigranten Unferneftmen gründen. Offerten an die „Deutsche Freiheit 44 Saar- brücken unter Nr. 478 Wichtige Kammerbeschlüsse Versammlung der Liga Frankreich r«l. TrinilÄ 43-13 MOtro P l o a 11 e Deutsche Po liklinik Paris, OZ, ßue de la Rochefoucauld t) Allgemein« Konsultationen mit 9 SpeiCUnm. b) Chirurgie c) Gebortshülliche Klinik d) Zahnärztliche« Kabinett Innere Medizm. Augen.. Ohm-, Nu«- und Kehlkopfkrank. Zirei«tacfcigw|Sini«ncliuin,aMndt. Vieretöekige« Gebinde. Zimmer Zahn- tmd Monddurargie. GoM» outen. Röntgen. Diathermie. Elektrotherap-- c-U-- 1' 1 1 n-r-c."~-----■•-" Inns bei Blut«. Harn« o. Geschlechtskranl «leiten. Röntgen. Diathermie. Elektrotherapie. Spezulbehand« Kleine, mittlere and große Chirur. mit 1 bis 4 Betten. 3 Aerzte. 3 Heb- und Porzellankronen-«Brücken " ankheites gie. Die aller modernste Einrichtung tarnen und 2 Operationssäle. Kautschuke Arbeiten Ordination IHgllch von 9-12 und 2-8; Sonntags und Feiertags von lO—12 und Z—4 Uhi Pone cnomperrci noiei Grill-Boom Berliner >»- 173. 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Sebastopol.— Sprechstunden v. 9—12 u. 2—8 Uhr; Sonntags vormittags Nase, Hals, Ohren: Sprechstunden täglich von 5— 7 Uhr. Drs.G.und M.Spltz« r 3. avenue de la RCpublique, Pari*. Mä'ro Rfpublique, Tel. Oberkarapf 86-23.. Sprechstunden: 1-3« n d 6-tU* Sprechstunden: 1-3 und o-® Hanf«, Gönch echts«, innere und Kinderkranknaiw® Epilation Diathermie Bakelit-Pressteile Jeder Art Sli Luminlte. Paris. 127. I*. Hdrs-Ho'»'» Fachberatung In deutscher Sprac Telefon Roq. 11 9/ der» über da§ Verhältnis zu der befreundeten französischen Liga, und die Tätigkeit der deutschen Rechtsschutzstelle. An Stelle des als Gastprofessor nach Lyon berufenen Professor G u m b e 1 wurde ein bekannter Berliner Anwalt als Vorsitzender gewählt. Von nun an sollen des öfteren Versammlungen der Ligamitglieder einberufen werden. Tag des verbrannten deutschen Buches Es ist bemerkenswert und erhebend zugleich, wie lebhaft weite Kreise der französischen Jugend sich für die Arbeiten des„Antifaschistischen Archivs" und für den „Tag des verbrannten deutschen Buches" interessieren. Der Propagandaempfang für dieses kulturlle Werk, der in den Räumen des Marquins de Brion veranstaltet und von führenden französischen und deutschen Geistigen besucht wurde, legt hierfür wieder ein sprechendes Zeugnis ab. Die bisherige Leistung des„Antifaschistischen Archivs" ist schon g,.altig. Der Ideailismns, von dem seine Arbeiten und Pläne getragen sind, verbürgt das weitere Gelingen. In tiefer Ergriffenheit folgten die Anwesenden der Lektüre zweier Briefe Romain Hollands, in denen der große Dichter und Friedenskämpfer jeweilig einem Deutschen und einem Franzosen die Gründe erläutert, aus denen ihm jedes Paktieren mit Hitler unmöglich erscheint. Weiterhin gelangte die Uebersetjung des Stenogrammes der Reichsgerichtsrede Dimitroffs zu integraler Wiedergabe. Diese und ungezählte andere Dokumente finden sich im zweiten Braunbuch gesammelt, dessen Erscheinen unmittelbar bevorsteht. H. A. v. M. Studio Universel(31, av. de l'Opera). Tordi Singer(Chan- rikanische Originalfassung mit französischen Untertiteln/. (Tägl. 14.30, 19, 21.15; Sonnt, u. Ftgs. 14.20, 20.15.) Studio Etoile(14, rue Troyon). Symphonie inachevee(Lei»« flehen meine Lieder). Deutsche Originalfassung.(Tägl. von 14.30 bis 19 Uhr; 21 Uhr.) Studio 28(10. rue Tholoze). International House.(Täg*. y®® 15 bis 21; Sonntags ununterbrochen von 15 bis 19 Uhr.) Studio Universal(31, av. de l'Opera). Torch Singer(Chan- teuse de Cabaret) mit Claudette Colbert. Täglich von 14 bis 20 Uhr; Abendvorstellung 21 Uhr.) Ursulines(10, rue Ursulines). La rue saus com, mit Gabriel Gabrio und Const. Remy; Von Wilson bis Roosevelt(ein Rückblick auf die Geschichte Amerikas).(Täglich 15, 211 Sbds. u. Sonnt. 14.30, 17.) Washington-Magellan(14, rue Magellan). Mad Age(Big Money), französische Untertitel.(Ununterbrochen v. 14.30 bis Mitternacht.) Washington-Club(14, rue Magellan). Three cornered moo« (Claudette Colbert). Mardi, jeudi, samedi, dimanche, 3 et 9,30(Sous-titres franecais). Pariser Pheater Dimanche, 25. Fevrier Kinos Agriculteurs d'Athene). Madame Bovary(Valentine Tessier!' "1-«nnnt F'-S 14 30 17. 21.) Die ausländischen Arbeiter in Frankreich sind, wie bereits gemeldet, durch das neue Finanzgesetz einer zehn- prozentigen Steuer auf Lohn und Gehalt unterworfen worden. Vom 1. März auf 1. April verlegt wurde die Inkraftsetzung der carte d'identite fiscale. Die Einheitspreisgeschäfte wurden einer Sondersteuer unterworfen. Bonaparte(Place St-Sulpice). Madame Bovary(Valentine Tessier), ein Film von Jean Renoir.(Täglich 15 und 21, Sbds., Sonnt., Ftgs. 14.30, 17, 21.) Champs-Elysees(118, av. des Champs-Elysees). As you desire me(Greta Garbo und Erich v. Stroheim), amerikanische Originalfassung mit französischen Untertiteln.(Täglich ununterbrochen von 14.30 bis 19; Sonnabends und Sonntags von 13.45 bis 20.15.) Cine-Opera(32, av. de l'Opera). Madame Bovary(Valentine Tessier), ein Film von Jean Renoir(Täglich ununterbrochen von 14 bis 20; abends um 21.) Colisee(38, av. des Champs-Elysees). Melody Cruise.(Täglich ununterbrochen von 14.30 bis 19.30; Abendvorstellung 21.) Die paliers locatifs von 15 Prozent auf die Miete wurden nach einem Ausschußbeschluß, der vom Plenum angenommen werden dürfte, auf fünf Jahre aufgehoben. Im Hause der Liga für Menschenrechte zu Paris fand eine Mitgliederversammlung der deutschen Ortsgruppe Paris statt. Eine Reihe interessanter Persönlichkeiten, Juristen, Schriftsteller usw. waren versammelt, die vielleicht bei der Gestapo einiges Interesse erregen würden. Unter dem Vorsitz des Herrn von G e r 1 a e h wurde hauptsächlich über die Haltung in Frankreich gesprochen, beson- Elysee-Gaumont(79, des Champs-Elysees). Designe for living(Fred March, Miriam Hopkins, Gary Cooper). Tägl. von 14 30 20 und um 21.) Ermitage Club Ursulines(72, av. des Champs-Elysees). Le« Sans-Soucis(Pack up your troubles) mit Laurel und Hardy. (Täglich von 15 bis 21 Uhr; Sonnabends und Sonntag* 14.30, 17, 21 Uhr.) Madeleine(14, rue de la Madeleine). Esquimaux(ein Film von van Dyke), amerikanische Originalfassung, französische Untertitel.(Tageskino von 14 Uhr ab.) „N€U£r Will Wi.rifc wird lll Paris jeden Freitag in allen großen Zeitungskiosken und in den Bahnhofs- u. Untergrundbahnbuchhandlungen verkauft. Preip 1,60 Fr. Das Blatt ist in den bedeutendsten französischen Städten erhältlich, auch in Monaco, Marokko und Algerien. Wegen der Aufnahme von Inseraten und von Abonnements in Frankreich wende man sich schriftlich an 't<- c— /. acuuur guidr Miraeies(100, rue Reaumur). Katharina von Rußland(Elisabeth Bergner, Dong. Fairhanks jun.).(Täglich 16 u. 21 Uhr, Sonnabends, Sonn- und Feiertags 14, 16.30, 21 Uhr.) Paramount(2, Bd. des Capucines). Les Miserables. Tagnskion von 9.30 bis 2 Uhr morgens.) Bühnenschau. Pantheon-Cinema(13, rue Victor-Cousin). Brennende* Geheimnis(Willy Forst, nach Stefan Zweigs Novelle), deutsche Originalfassung. Kaspail 216. The Silver Cord(I. Dünne). Täglich 14.30, 16.30, 20 30, 22.30 Uhr.) Opera. Belache. Opera-Comique. Carmen(14). Les Pecheurs des perles. Les Rendez vous Bourgeois. Comedie-Fran^aise. La belle Aventure(14). Monna Vann* (20.45). Odeon. Colomba. Tempete sur les cotes(14.30). Romanos (20.30). Atelier. Richard III.(20.45 Uhr.) G y m n a s e. Le Messager von Henry Bernstein mit Gaby Morlay.(21. Uhr.) M a d e 1 e i n e. Le Passage des Princes(Offenbach). (20.45 Uhr.) Michodiere. Les Temps difficiles.(20.30 Uhr.) Michel. Parole d'honneur.(21 Uhr.) Oeuvre. Une Femme qu'a le coeur trop petit, von Crom- melynck.(21 Uhr.) Palais» Royal. La Familie Vauberlain.(21 Uhr.) Tbeatre de Paris. Tavaritch.(20.45 Uhr.) Sarah-Bernh ardt. Alibi 14 von Jean Guitton. (20.15 Uhr.) C h a t e 1 e t. Rose de France.(20 Uhr.) Gaite-Lyrique. Le pays du sourire(Das Land del Lächelns) von Lehar.(20.45 Uhr.) M o g a d o r. L'Auberge du Cheval Blanc(Im Weißen Roß l). Musik: Benatzky. Regie: Erik Charell.(20.30 Uhr.) L e Pavillon. Au Pays des Femmes nues, Operette mit Rollin, Odette Barancey und" den Girls von Lysana.(Täglich um 14.30 und 20.30 Uhr.) P i g a 1 I e. La Chauve-Souris(Die Fledermaus). Regie: Max Reinhardt.(20.30 Uhr.) Porte Saint-Martin. Wiener Walzer(Operette von Johann Strauß, Vater und Sohn), mit Andre Bange. (20.30 Uhr.) Trianon-Lyriqne. Rigoletto.(20.30 Uhr.) Casino de Paris. Revue: Vive Paris mit Cecile Sorel. Im 2. Akt: Maitresses de Rois von Sacha Guitry.(20.30.) Folies-Bergere. Folies en Folie. Revue mit Mistin- guett.(20.30 Uhr.) Trocadero. Le petit Duo(Trian. Syr.)(14.30). Für btn Gesamtinhalt verantwortlich: Johann P i tz in Dud« weiler; sür Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volfsstimme GmbH„ Saarbrücke»& Schützenstraße 5.— Schließsach 776 Saarbrücken. BORIS SKOMROSKY— 141 rue Broca— Paris(13e). Postscheckkonto(Ch6que postaux): Paris 1260 98. Das Abonnement kostet: 12 Monate 65 Fr., 6 Monate 35 Fr., 3 Monate 18 Fr. Dr. Specialiste 36, rue de Rlvoli— Metro. Ghaieie RADIKALE HEILUNG von BLUT», 4AUT» nnd FRAUENKRANKHEITEN Heilung von Kramptidern and offenen Beia wanden Neueste Behandlungseethoden Elektri. -.ität. impfungsverfahren Trvpafle vine- Einspritzungen Mut« nnd Harn« Untersuchung** Sper« nakultur. Salvarsan. Wismut usw. prechstunden täglich von 10» 12 umi /on 4-Ü Uhr sonntags»o* 9—12 Ubr Konsultationen von LS Er. ab. 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