I Linzige unabhängige Tageszeitung veutschlands Nummer 49— 2. Jahrgang| Saarbrücken, Mittwoch, den 28. Februar 1934| Chefredakteur: M. B r a u n Ans dem Inhalt Suac-Spanüd gestützt Seite 3 Ao/. Dessauecs Jiactgc'uun Seite 7 Ostedeichs Jüntacchismus Seite 2 JjtsecatenteU beachten! Deutschlands Kriegsprofessor Aufregung in England Ober das Buch deutschen Eroberungswahns London, 26. Februar. Die englische Presse hat eine neue Sensation, die leider Wieder einmal aus Kosten Deutschlands lebt. Das berechtigte «Kit„Wchrwisscnschaft" des Braunschweiger Professors Ewald Banse ist soeben iu englischer Ucbersctzung erschienen» »nd schon wimmelt die cuglischc Presse von Kommen- iareu, Zitaten, strategischen Karten, die sie dem Buch entnimmt und zum Entsetzen des britischen Zeitungslesers in grosser Aufmachung ausbreitet. Das Buch gleichzeitig auch in französischer Sprache erschienen. In Frankreich ist die Ausnahme indessen kühler, weil man hier ichon ähnliches gewöhnt ist. Für den Engländer dagegen hat es etwas Bestürzendes, »«» der Feder Banfes zu erfahre«, dass es für ein aus- «ierüftetes Deutschland leicht wäre, mit zwei Armeen an der englischen Südost-Küste in Kent und Sufsolk zu landen«nd gleichzeitig von der Basis Irland aus Liverpool und Manche st er im englischen Norden und Westen zu besetzen. Banse versieht diese Plaue mit folgender Randbemerkung: Er gestehe, es sei für uns Deutsche eine grosse Freude, über dir Zerstörung nachzusinnen, der dieses stolze und an- scheinend unbesiegbare Bolk früher oder später anHeim fallen müsse, das zum letztenmal im Fahre 1066 besiegt worden sei. Es werde noch einmal einen fremden Eroberer kennenlernen; ans alle Fälle werde es sein Kolonialreich abtreten müssen. Bon Italien schreibt Banse, dass es im Kriege zwar nirgends gesiegt habe, trotzdem aber von den Alliierten den vollen Preis für seinen Verrat bekommen habe» nämlich ganz Südtirol mit seiner deutschen Kultur. Biel beachtet wird auch, dass Banse eine Austeilung der Schweiz verlangt. Die deutsche Grenze müsse von der Mlln- dang der Somme bis zum Schweizer Jura reichen, also aanz Nordost-Frankreich mit Saint Ouentin, Berdun, Toul, Nancy, Spinal und Belsort umfassen. Zu diesem neuen Reich gehört selbstverständlich auch Belgien, dieses„elende Staats- weseu", das entgegen alUn nationalen Grundbedingungen am Rande des deutschen Gebietes geschaffen worden sei. Ebenso wie Belgien soll zu dem künftigen„dritten Reich" derdeutscheTeilderSchweiz gehören. Das gleiche gilt für die dcutschsprechenden Teile Italiens, Polens, der Tschechoslowakei, Dänemarks und Litauens. Der Verleger der englischen Ausgabe, Losat Dickson. hat Banfes Buch gegen den Willen des Autors veröffentlicht. Es liegt also ein ähnlicher Fall vor, wie bei der französische» Ausgabe von Hitlers„Mein Kampf". Herr Dickson begründet sei» Verhalten damit, dass es eine politische Notwendigkeit für das englische Bolk sei, dies Buch kennenzulernen, da es „Kriegsvorbereituugen enthülle, die noch unendlich schreck- IgnoUis: licher seien, als die von 1914". u nelmlldier Kampf um fliflers„Hein Kampf London, 27. Februar. Die deutsche Botschaft in London hat gegen die Berössent- lichung einer englischen Uebcrsetzung des Buches von Banse Widerspruch erhoben. Sie behauptet gleichzeitig, daß Banfes Än>chauungen nichts mit den Auffassungen des offiziellen Deutschland zu tun hätten. Dem wird hier entgegengehalten, daß Banse nach wie vor Professor an der technischen Hoch- schule zu Braunfchweig sei. Ausserdem weist man darauf hin, dass eine Abschiittclung Banfes wenig Bedeutung habe, s o- lange noch des Reichskanzlers kriegshetze- r i s ch e s Buch„Di ein Kampf" nicht zurück- gezogen sei. Unsers Wissens ist bereits vor einiger Zeit von offiziellen deutschen Auslandsvertretungen in Berlin darauf hinge- wiesen worden, daß es für die Beziehungen Deutschlands zu seinen ehemaligen Kriegsgegnern von entscheidender Be- deutung wäre, wenn das Werk„Mein Kampf" vom Verfasser offiziell zurückgezogen würde. Es wurde jedoch nichts erreicht, ausser einer gelegentlichen zweideutigen Erklärung des R-ichspropagandaministers Gövbels, dass Hitler in seinen Ansichten sich heute über sein ehemaliges Werk hinaus weiter entwickelt habe. Da diese gänzlich unzureichende Abschüttelung nicht einmal von Hitler selbst vorgenommen wurde, hatte sie naturgemäß keine Wirkung und wurde rasch wieder ver- ges'en. In Deutschland erscheint nicht nur„Mein Kampf" nach wie vor in Millionenauslagen. Es ist auch eine alte Ausgabe seiner Reden aus den Fahren 1922/28 neu aufgelegt worden, in denen England als Raubstaat,„der Indien aus- gegaunert" habe, beschimpft wird. Zuspitzung London, 27. Febr. In unterrichteten Kreisen wird zuge- geben, daß sich Lordsiegelbewahrer Eden in Rom mit Mussolini nicht nur über die Rüstungssrage, sondern auch über die österreichischen Sorgen besprochen hat, die der eng- tischen Regierung sehr ernst zu sein scheinen. Man hält die innerpolitische Lage Oesterreichs nach wie vor für sehr gefähr- lich und zu Erplosionen und Abenteuern geneigt. In den letzten Tagen sei statt einer Entspannung eine weitere Zu- spitzung erfolgt. Rüstungswettlauf beginnt Forderungen der englischen Konservativen DNB. London, 27. Febr. In der konservativen Presse wird heute dringend ein Aufrüsten Englands gefordert. „Daily Telegraph" sasst: Der Haushalt des Lust- sahrtministeriumS, der demnächst dem Parlament unter- breitet werden wird läßt die Luftverteidigung Groß- britanniens, verglichen mit der anderer Mächte, in einer noch ungünstigeren Lage als gegenwärtig erscheinen. Der Haushalt fordert die Mittel für drei neue Geschwader(jedes Geschwader hat in der Regel zwölf Flugzeuges. Hierdurch wird die kgl. Luststreitmacht aus 42 Geschwader verstärkt, womit sie aber noch immer um sieben Geschwader unter der Grenze zurückbleibt, die in dem vor elf Jahren abgegebenen Gutachten als Mindestgrenze für die Sicherheit des Landes bezeichnet wurde. Inzwischen verstärken andere Mächte, be- sonders die Ber. Staate», Frankreich. Japan und Sowjet- russland. ihre Luftstreitkräfte in grösserem Masse. Aber die britische Regierung bleibt entschlossen, alles zu unterlassen, was im Auslande falsch ausgelegt werden könnte. * „Morning Po st" beklagt die beunruhigende Schwäche der britischen Kriegsflotte. Ein heute veröffentlichtes Blau- buch über die Stärke ber Kriegsflotten der Well bietet dem Blatt Anlaß, den Nachweis zu versuchen baß die britische Flotte weiter hinter den anderen Kriegsflotten der Welt zurückbleibe. Im Fahre 1936- bei Ablauf des Londoner Flottenabkommens, werde Großbritannien z. B. nur drei oder vier nicht veraltete Schlachtschiffe gegenüber achl ameri- konischen und fünf japanischen besitzen. An Kreuzern werde es 1935 nur die Hälfte der erforderlichen Mindestzahl be- sitzen. Auch die Zahl der veralteten Fahrzeuge unter den Zerstörern sei beunruhigend hoch. Tie britische Nation müsse von dem Irrtum lassen, daß sie Sicherheit in Abrüstungs- vertrügen und im Völkerbund finden könne. Die Aeusserungen der englischen Presse geben in der Tat Ausfassungen wieder, die sich immer stärker der öfsentlichcn Meinung des Jnsellandes bemächtigen. Während aber noch vor wenigen Jahren die Aufrüstungswünschc gewisser eng- lischer Kreise mit dem Hinweis auf die starke Bewaffnung Frankreichs begründet wurde, sind es heute Deutschland und Japan, die das englische Sicherheitsgesühl beunruhigen. Von Deutschland gilt dies insofern, als es der Regierung Hitler gelungen ist, den ursprünglichen Gedanken der Abrüstungs- konferenz auf den Kops zu stellen und aus ihr praktisch eine Aufrüstungskonserenz zu machen. Die britische Diplomatie hat diese Verwandlung von Abrüstung in Aufrüstung offiziell durch ihr vielgenanntes Memorandum anerkannt/in dem iie den deutschen AufrüstungSwiinschen weit entgegenkam. Wie sehr die öffentliche Meinung Englands sich mit dem Gedanken der Ausrüstung vertraut macht, beweist ber starke Erfolg eine' kürzlich erschienenen Buches„Hinter dem Rauch-Vorhang" von General Grones, in dem den englischen Regierungen der Nachkriegszeit in heftigen Ausführungen eine Vernach- läffigung der britischen Luftstreitkräfte vorgeworfen wird. # Das„Journal" berichtet aus London, dass die britische Regierung am Montag dem f---.it,»gl,*?« JW»er ci„c neue Rote üderr-'/bi*<>{"•,»«■'.'~>r allgemeiner Wirli bailsrcrh,. dlum.^n per Grundlage des statns quo einverstanden erkläre, Enropäisdie Gedanken Kriegspsychologie in Europa— Frontenbildung in Mitteleuropa— Deutschland und Italien— Italienisches Dilemma— Bedrohliche Unsicherheit Es ist erschreckend, wie sich das politische Denken in Europa im Laufe eines Jahres gewandelt hat. Wir denken heute eigentlich schon mehr in strategischen als in politi- schen Begriffen. Wir denken an die Fronten, wenn von den Grenzen die Rede ist. Ein politisches Manöver wird eben als ein Manöver, als eine Verlagerung der noch un- sichtbaren Heereskräfte empfunden. Es wird zwar immer noch über die Abrüstung verhandelt, man meint aber nicht mehr die Beseitigung der Kriegswaffen, sondern lediglich eine gewisse Verschiebung der Kräfteverhältnisse. Sprechen wir das, was ist, aus: Die Welt lebt in Erwar- tung des Krieges. Und diese Erwartung ist schon an sich eine ungeheure Gefahr. Der Krieg wird unver- weidlich, wenn er als unvermeidlich emp- funden wird, und wenn sich die Politik zu einer Form der Kriegsvorbereitung gestaltet. Das ist aber heute schon in einem sehr starken Maße der Fall. Auch wenn man der Meinung ist, daß alle Sicherheit?- Vorrichtungen, die seit 1919 zum Zwecke der Verhinderung der Kriege geschaffen wurden, völlig unzureichend waren, so sehen wir heute doch, daß schon die Vorstellung von dem Bestehen solcher Vorrichtungen große psychologische Be- deutung hatte. Freilich dienten diese Vorrichtungen zu- gleich der Erhaltung der bestimmten europäischen Orb- nung, die durch die Friedensverträge festgelegt war und mit der mehrere Staaten unzufrieden waren. Es besteht aber keine Möglichkeit, die Ordnung überhaupt, d. h. in unserem Falle den Frieden, zu erhalten. ohne eine be- stimmte Ordnung zu schützen. Wer den Frieden will, muß sich mit der Tatsache abfinden, daß die Möglichkeiten, eine bestehende zwischenstaatliche Ordnung ohne Krieg zu rem- dieren, sehr beschränkt sind. Es ist sehr billig, in allgemein gehaltenen Redewendungen von der Notwendigkeit der Revision der Friedensverträge zu sprechen. Die größten Schwierigkeiten und Gefahren liegen aber in jeder Kon- kretisierung der Revisionsprobleme.»Die Revision i st Krieg," sagen Staatsmänner der Kleinen Entente. Wir hören aber auch aus Italien:„Der Anschluß ist K r i e g." Und dies, trotzdem die Italiener ständig von der Revision der Verträge reden. * Die Sicherheitsvorrichtungen waren unzureichend. Wenn sie aber jetzt verschwinden, so werden hierdurch die psycho- logischen Grundlagen des Friedens völlig erschüttert. Es entsteht ein allgemeines Unbehagen, das allmählich uner- träglich zu werden droht. In unserem Zeitalter sind die Kriege zur Angelegenheit der Völker geworden, und die Gesetzmäßigkeit der Volksbewegungen gilt mindestens in gewissem Maße auch für die Kriege. Wie in der innen- politischen Entwicklung eine Politik der Interessenoer- tretung nicht ausreicht, um Revolutionen auszulösen, und jeder revolutionäre Ausdruck seine besonderen psycho- lagischen Wurzeln hat. so entscheidet nicht mehr politische Berechnung allein über Frieden oder Krieg. Die Politik der Regierungen behält zwar ihre Bedeutung, hat aber auch ihre Grenzen, und manchmal ruft sie die Geister auf, die sie zu meistern nicht mehr imstande ist. Der Sieg des Faschismus in Oesterreich läßt eine sehr wichtige Sicherheitsvorrichtung verschwinden. Denn die österreichische Republik war eben eine solche Vorrichtung. Sie war nicht nur entwaffnet, sondern auch wirklich nicht militaristisch und faktisch ein neutralisiertes Land. Oester- reich wurde zu einer Sicherheitsvorrichtung durch seine eigenartige Zwischenlage. Es schützte durch die Tatsache seiner Existenz Jugoslawien gegen italienische Angriffe und stellte eine Art neutrale Zone innerhalb des Gürtels der Staaten der Kleinen Entente dar. Ungarn, das diesen Gürtel durchbricht, war nicht nur durch seine Entwaffnung, sondern vielleicht noch mehr durch seine eingekreiste Lage neutralisiert. Deutsche Kriegslust mußte auf den unüber- windlichen Widerstand stoßen, solange Deutschland im ,„,y ljn j, j m Don£ cn r"'•>:■ Ländern Polen und Tschechoslowakei zu jemen Nachbarn hatte, während Ungarn durch Rumänien Unb Jugoslawien in Schach gehalten wurde. Bei solcher Lage hätte auch Italien für den Fall des beutsch-italiem> sehen Bündnisses die notwendige enge Verbindung mit dem gewaltigen Apparat der deutschen Industrie gefehlt. Tie Aenderung der Lage wurde von Deutschland sowie von Italien angestrebt, aber nicht in einer gleichen, sondern in entgegengesetzten Richtungen. Deutschlands Ziel war und bleibt die Eroberung Oesterreichs. Italien will zwar eine Verbindung, aber kein Nachbarschaftsver» hältnis mit Deutschland und will nicht der schwächere, sondern der stärkere im Bunde sein. Es wollte aber auch nicht, daß Oesterreich faktisch ein neutralisiertes Land bleibt. Sein Ziel ist, Oesterreich unter seinem Protektorat zu haben, und es versucht jetzt dieses Ziel zu serwirklichen. Dieser Aufgabe dienten die Besuche von Suvich in.Buda. pest unh Wien. ItalienbekämpftdiedeütscheLösung. Da es in Italien keine unabhängige Presse gibt, so kann auch kein Zweifel darüber bestehen, daß die Haltung der italienischen Presse von der Regierung gebilligt, wenn nicht direkt inspiriert wird. Diese Presse führt heute in ihrer Polemik gegen die deutsche Politik eine ungewöhn- lich scharfe Sprache. Namentlich wird Herr Habicht außerordentlich scharf und geradezu grob angegriffen. Sein Ultimatum an Dallfuß wird in einem Blatt t,.Messaggero") als„wahnsinnige und verbrecherische Provokation" be- zeichnet. Ein anderes Biatt f„Popole di Roma") verlangt für ihn eine„Zwangsjacke". Es tritt dabei eine durch- sichtige Taktik zutage: es wird Hitler suggeriert. Habicht fallen zu lassen, um das Wohlwollen Italiens wiederzu- gewinnen. Das würde aber der Verzicht Deutschlands auf feine Lösung der österreichischen Frage bedeuten. Tie italienische Regierung weiß das und will auf Deutsch- land durch zweifachen Druck wirken: erstens dadurch, daß der Anschluß als aussichtslos dargestellt wird, und diesem Hweck dient die gemeinsame Erklärung von Frankreich. Italien und England. Zweitens soll durch die engste Ver- bindung zwischen Oesterreich und Ungarn die Widerstands- fähigkeit Oesterreichs selbst gestärkt werden. Nachdem die Regierung Dollfuh den italienischen Wünschen entsprechen und die österreichische Sozialdemokratie, d. h. die wichtigste, gegen Hitler orientierte inner« Kraft zer- schlagen hat. soll nun Ungarn die mangelnde innere Widerstandskraft ersetzen! Italien beschränkt sich aber auf diesen doppelten Druck flicht. Es versucht auch mit einer großen Verlockung zu wirken. Wenn Deutschland auf die Eroberung Oester- reichs verzichtet, so eröffnet sich dafür die Aussicht eines Bündnisses mit einem von Italien beherrschten Staaten- block, d. h. mit Italien, Oesterreich und Ungarn. Die Be- deutung einer solchen Umlagerung der Fronten in Mittel- europa ist wohl klar: auf diese Weste wäre die Um- kreisung Deutschlands für den Fall des Krieges gesprengt. Und nun stelle man sich vor, was jeder Tscheche empfinden muß, wenn er die Karte seines Landes ansieht und dabei an ein solches Bündnis und unvermeidlicherweise an den Unsicherheit entsteht? Und in Jugoslawien, wo man Oesterreich schon als Durchmarschgeblet für die italienischen Truppen zu sehen beginnt? Es muß dann auch in Polen, trotz des Freundschaftsvertrages mit Deutschland, der sich sehr leicht als ein Fetzen Papier erweisen kann, der Gedanke aufkommen, daß Polen sehr bald an die Reihe kommen kann. Kann nun Frankreich sich mit dem Gedanken abfinden, daß seine östlichen Verbündeten auf diese Weise der deutschen Kriegslust und Persidie der italienischen Politik ausgeliefert werden? Man ist aber auch in Italien sehr nervös geworden. Das Spiel erscheint doch als außerordentlich gefährlich. Wird es gelingen, die Geister zu meistern? Wird es vor allem gelingen, Deutschland vom Gegenangriff auf Oester- reich abzuhalten? Wenn nicht, dann wird Italien mit dem Land im schärfsten Konflikt sein, auf das es als Hauptstütze für seine Machtstellung rechnet. In Rom scheint man auf den Gedanken, Oesterreich zu okkupieren, verzichtet zu haben, da man heute schon weiß, daß dann die Staaten der Kleinen Entente nicht passiv bleiben und nicht zulassen werden, daß die italienischen Truppen o l l e l n Oesterreich besetzen. Soll dann sich Italien mit der Kleinen Entente liieren und aus diese Weise seinen Gegenspieler wesentlich stärken, ja vor ihm sogar faktisch kapitulieren? Der österreichische Bürgerkrieg hat in Italien eine Siegesstimmung ausgelöst, heute sind schon bange Sorgen da. Das gefährliche Spiel geht aber weiter. Was wird das Ende sein? Vor Spitzbuben gerettet Die ftsterreichischen Arbeiterorganisationen sicherten die Arbeitergroschen DNB. Wien, 26. Febr. Die Untersuchung gegen die auf- gelöste sozialdemokratisch« Arbeiterbank hat ergeben, daß von der Leitung der Bank in der letzten Zeit für fünf Millionen Schilling Grwerkschaftsgelder durch Ankauf ausländischer Wertpapiere bei ausländischenBanken tnö Ausland gebracht worden sind und auf Grund von Akkreditivbriefen der Arbciterbank von geflohenen Gewerkschaftsfunktionären z. T. bereits abgehoben worden sind. So hat der geflüchtete Obmann der Eisenbahnergewerkichaft bei einer Züricher Bank das gesamt« Konto der Eisenbahner- gewerkschaft in Höhe von 1,6 Millionen ab- gehoben. Die Polizei hat ferner ein« R-tbe von Gebelmionten der Sozialdemokratischen Partei, insgesamt vier Millionen Schilling, beschlagnahm!. Gegen die verantwortlichen Veiter der Arbeiterbank ist ein Strafverfahren wegen Betruges ein- geleitet worden. * Das Verfahren gegen den Vetter der Arbeiterbank ist ein« Willkür, da di« Organisationen da» Recht haben, nach Be« lieben über ihr Geld»u verfügen. Es ist erfreulich, wenn sie aus dem deutschen Beispiel gelernt haben und das Arbeiter- vermögen vor Spitzbuben aller Art sicherte».. Deutsch- polnische Entente? ir in den Fragen der öffentlichen Meinungsbildung Berlin, 27. Febr. Amtlich wird mitgeteilt:„Im Zusammenhang mit der in Warschau ratifizierten deutsch-polnijchen Er- klärung vom 26. Januar d. I. haben zwischen den zu- ständigen Berliner Stellen und dem zur Zeit hier weilenden Pressechef des polnischen Außenministeriums Herrn Przesmycky und seinem Stellvertreter Herrn Rückert Besprechungen stattgefunden, um eine ständige Füh- l u n g einzuleiten. Um die Auswirkungen der deutsch-polnischen Vereinbarung zu gewährleisten, haben die Vertreter beider Teile ihren übereinstimmenden Willen dahin festgestellt, in allen Fragen der öffentlichen Meinungsbildung in den beiden Ländern in fortlaufender Zu- sammenarbeit darauf hinzuwirken, daß das gegen- fettige Verständnis immer mehr geweckt und t>a- durch eine freundschastliche Atmosphäre ge- währtet stet wird. Ueber die aus den einzelnen Gebteten der Presse, deS Schrifttums und des Radio-, Kino- und Theaterwesens einzuleitenden Schritte ist dabei volles Ein- Verständnis erzielt worden. Die beiderseitigen Vertreter sind darin übereingekommen, die hergestellte Verbindung ständig zu unter- halten. In diesem Sinne wurde vereinbart, die nächste Begegnung in Warschau stattfinden zu lassen. * Schon ehe diese» Abkommen in Kraft getreten ist. wurde in Ost-Oberschlesten ein katholisches Blatt wegen einer Hitler» Karikatur verboten. Aus der deutschen Presse sind längst alle Angriffe gegen Polen, ja sogar alle kritischen Bemerkungen gegen die„Pollacken" und gegen den„Saison-Staat" ver- schwunden. Zwischen Deutschland und Rußland In Ost-Europa zirkulieren Gerüchte, nach denen der deutsch-polnischen Verständigung geheime militärische Ab- machungen zugrunde lägen. Die beiden Regierungen rech- neten in naher Zeit mit einem rusfisch-japanischen Konilikt. Deutschland und Polen würben dies« Situation ausnützen, um russische Randgebiete zu besetzen. Während Polen sich ukrainisches Gebiet aneignen wurde, werde Deutschland die ehemals russischen, heute selbständigen Randstaaten im Bal- tiknm okkupieren. Demgegenüber wird in Warschau erklärt, daß eine der- artige Politik einen Selbstmord Polens bedeuten würde. Die Existenz Polen? hänge von seiner Stellung zwischen den ungefähr gleichstarken Mächten Deutschland und Rußland ab. Würde eine der beiden Mächte ein entscheidendes Ueber- gewicht erlangen— und das wäre bei einem deutschen Ein- marsch in die Randstaaten der Fall— dann wäre«S mit der Stellung Polen? als selbständige Großmacht ein für allemal vorbei. Professor Dessaocrs Martyrium Der haoerioilfe Kampf gegen den Kathollhenlflhrer Der in Saarbrücken erscheinende„General-Anzeiger" weis zu berichten: Der aus dem München-Gladhacher-Prozeß bekannte katho- lifche Professor Dessauer wirb seit seinem Freispruch von den herrischen nationalsozialistischen Dunkelmännern mit einem Haß verfolgt, der einem liberal gestellten Menschen überhaupt nicht verständlich ist. Nichi allein, daß man sein Vermögen beschlagnahmt hat— ohne irgend einen gesetzlich stichhaltigen Grund zu nennen.— Man schreckt auch nicht vor offener Gewalt zurück. Vor einigen Wochen erschienen aus einmal abends vor der Villa des Professors in der Frankfurter Sirciemannstraßc eine Rotte junger Leute tu Zivil, etwa 60 an der Zahl, und markierten schon aus der Straße die berüchtigte„erregt« Volksmenge". Sie rissen die Latten aus dem Gartenzaun, beivasfneten sich mit«reinen und drangen in die Villa ein. wo sie schon im Vorraum alles kurz und klein schlugen und die Fenster zertrümmerten, die Rolläden zerbrachen, kurzum, wie Bandalen hausten. Der Hauseigentümer, Professor Dessaucr. flüchtete aus den Boden und schloß sich dort ein. Seiner Frau gelang es. das Uebersallkommanöo zu alamiereu. Als die Schupo anrückte, waren die Eindringlinge durch de» Cwrteu ent- wiche», wobei unser Gewährsmann behauptet, man hgbe ihm erzählt, der Polizeiivagc»— die Polizeikaserne ist,höchstens 2 Minuten vom«chanplatz entfernt~ sei mit merkwürdiger Verspätung angelangt. Man nahm den Professor in eine, diesmal wirklich berechtigte Schutz ha sr und gab an die Franksnrter Presse den strickten Befehl: kein Wort Über den Fall zu veröffentlichen. Andern MorgenS stand vor dem HauS ein Wachtposten der Tchupo, der keinen in die Villa ließ. An den Fenstern, Rolläden»nd am Zann wurde fieberhaft gearbeitet. Nach einem Tag war äußerlich nichts mehr von dem angerichteten Schaven ftmlbar. Was im Innern der Villa an Zerstörungen augerich:«! wurde, entzieht sich der Kenntnis unseres Gewährsmannes. Bis jetzt hat man aber kein Wort davon gehört oder gelesen, daß di« Täter— es war eines jener berühmten TS.-RollkommanboS — erkannt und zur Verantwortung gezogen worden feien. Schweren Lands rtedensbruch. Bedrohung, Sachbeschädigung und wessen sich diese Herren sonst noch schuldig gemacht haben: das alles darf man alio, wenn es sich um«inen angeblichen politischen Staatsieind handelt, im„dritten Reich" offenbar ungestraft, sozusagen unter den Augen der Polizei, begehen. Und 3 Wochen nachher kräht kein Hahn mehr danach. Der rohen Gewalt folgte die moralische Pression. Der Anlaß zu der Vermögensbeschlagnahme des katholische» Professors ivird erst klar, wenn man erfährt, daß das Frankfurter Zentrutnsblatt. die Rhein-Mainische Bo-lkS- z e t i u n g, zu öl Prozent dem aenannten Professor Dessauer gehörte, und daß gerade dieses Blatt den hessischen Naztssett Monaten einDornimAuge ist. Durch die Beschlagnahme hat man erreicht, was man auf andere Weise nicht erreichen konnte: man hat dt« Majorität deS Verlags in die Hände des preußische» Staates gespielt, der also nur formell Mit- besitze, der Zeitung ist. Was das zu bedeuten hat, wird jedem Kinde klar sein. Der Verlagsdirektor. jener im Vollsvereinsprozcß Mitangeklagte Dr. Knecht, wurde so- fort entlassen. Ter Chefredakteur Dr. Scharp. ein De- mokrat von altem Schrot und Korn, erhielt die Kündigung. Tie ganze Zeitung wird Innerlich umgeschichtet und äußer- lich gleichgeschaltet. Unter der Maske einer katho» tischen Zeitung, die angeblich die religiösen Belange ihrer Leier nach wie vor vertritt, segelt sie sürbcrhin im Fahrwasser der andern gleichgeschalteten mainischcn Blätter, die sich an Liebedienerei gegenüber den neue» Machthaber« übertreffen. Aber das Publikum darf davon natürlich nichts erfahren. Und. Gott seis geklagt. cS merkt auch nichtS davon. Es i st v i e l zu dumm und zu s e i g e g e» worden, um überhaupt noch etwas zu merke». Kardinal Schulte gegen Duell und Zensur Immer neue KonlliKle drohen Unter dem Druck der nationalsozialistischen Studenten« stthrnng haben sich, wie wir in Kürze derichteten, die alten katbolischenStudentenvcrbin düngen nicht nur offiziell gleichgeschaltet, sondern auch ihr religiös« konfessionelles Sonderlcben selber preisgeben müssen. Ter katholische Student ist fortan ein Glied der studentischen braunen Bataillone. Er darf zwar in die Kirche gehen, doch mit Kommilitonen Wclianschauungssragen erörtern, ist ihm verboten. Aber nicht genug damit. Die katholische» Studenten- Verbindungen haben sich gezwungen gesehen, aus ihre grundsätzliche Gegnerschaft gegen Duell und Mensur zu verzichten. Das bedeutet einen tiefen Einbruch nicht nur in die katholischen Glaubenslehren, ivn- der» auch einen offenen Verstoß gegen zahlreiche, kirchliche Anordnungen, die den katholischen Studenten grundsätzlich die Teilnahme an Mensuren verboten haben. Daraus entwickelt sich jetzt»in neuer Konflikt. Am ver» gangenen Sonntag wurde von der Kanzel der Erzdiözöle in Köln den Gläubigen erneut das Mensur»«nd Duell» verbot des Lardi«al- E rzbischos ö von Köln. Dr. Schult«, vom Jahre 1926 in Erinnerung gebracht. DaS bedeutet eine förmliche Kampfansage an den Reichs- sührcr der Studentenschaft Dr. Stäbel, der noch vor kurzem erklärte, daß jeder verstoß gege» di« national« sozialistische Weltanschauung, verübt von theologifch-konfel« Honetten Stodentcngruppen aus keine Duldung mehr rechnen könne. Zu der nationalsozialistischen Welt» anschauung gehört aber di« grundsätzlich« Bejahung der Mensur. * Die Haltung des Kardinals Dr. Schulte ist umso beutet- trnswerter, als er vor vierzehn Tagen von seiner großen Aussprach« mit dem Reichskanzler ohne Ergebnis nach Köln zurückgekehrt ist. Ans der gleichen Linie liegt die Förde- »ung der katholischen Ordensiätigkeit In der Erzdiözese Köln, die einen gewaltig«« Zulans hat. Die hier tätigen Priester heben mit wachsender Energie die Gegensätze der«athvlischeu Glaubenswelt»» bestimmten„Irrlehren" heraus. Die Gläubigen wissen, wa« gemeint ist. In den katholischen Bezirken Westdeutschlands wachsen Erbitterung und Widerstand. Jagd hinter katholischen Priestern Der katholische Gefängnisgeistliche der hessischem Straf- anstatt Butzbach. Dr. Lausend« rg. ist jetzt mit svsor« tiger Wirkung anS dem hessischen Staatsdienst e nt lasse« worden. Lausenberg hatte«S, wie wir kurz berichteten, ge? wagt, einen zum Tode verurteilten jungen Kommunisten mit den letzten religiösen Tröstungen zu versehen wobei er angeblich nationalsozialistische Gefühle verletzt haben soll. Lausenberg wurde sofort nach seiner„Tat" mißhandelt unch in Schutzhaft genommen. Aus dem kleinhelsischcn Ort Lützel-Biebelsbach wird ein ähnlicher Vorfall berichtet: Der katholische Ortsgeistliche, der gegen gewisse Maßnahmen der Hitler-Rcgie- Hing aus religiösen Gründen Stellung genommen hatte, wurde ausgewiesen und muht« schleunig st seinen Wohnsitz verlassen. Man hatte vor seinem Hause Demo»- stratlonen organisiert, ohne daß die Behörden einschritten. * Der Oberpräsibent der Provinz Westfalen hat bie in Dortmund erscheinende Zeitung„Trcmonia". di« früher eines der bedeutendsten ZcntrumSblätter de? Bezirks war, für vipr Tage verboten. Anlaß zu dem Verbot gab ei» Aufsatz„Seelsorger und Arzt". Katholiken an der Klagernaner So weit ist es schon Die katholische„Taarpfalz" schreibt u. a.t Rur nicht an der Klagemauer sitzen. Wer hindert dich daran, mit guten Freunden in deinem Heim zuiammenzu- kommen und über die großen katholischen Fragen zu sprechen? Niemand kann es dir verwehren, einen kleinen Lesezirkel zu gründen, in dem aus wichtige katholische Bücher und Zeitschristen hingewiesen wird. Unzählige Möglichkeiten bietet das Privatleben, in das vorläufig doch kein Mensch hineinregieri. Die Zeit ist gekommen, in der erfinderische Liebe wieder«in großes Feld vor sich sieht. Kann man nicht in Kolonnen marschieren, so kann man in Schützenlinien ausschwärmen. Wir sind nicht an bestimmte Methoden gebunden, und wir können uns jedenfalls Helsen, solange t,i llebergangözeiten noch kein sicherer Weg in die Zukunft gefunden ist. Der Aufsatz schildert die„Freiheiten" des„dritten Reichs". Im Saargebiet haben die Katbaliken nach all« Bürgerrechte. Man kann sich vorstellen, wie sehr sich der Katholizismus an der Saar danach seknt. unter die Knut« Hitlerdeutschland» zu kommen.,. Ein Dokument »Alle 18—35jährigen wehrfähigen Männer" ifrar t. Königsberg Pr., den 23. 1. 34. Saar-johrcr Spaniol ücstorzt SA. der NSDAP Standarte 43 An Betr. Sportabteilung(Spa). Jeder deutsche Mann hat in Zukunft die Pflicht, seine ganze Kraft dem Baterlande zur Verfügung zu stellen. Wer sich nicht einsetzt für das Aufbauwerk der Regierung, hat keinen Anspruch auf-Arbeit und Brot und wird als Saboteur und Landesverräter behandelt. Durch Befehl der Ober st en SA.-Führung sind alle 18- bis 82jährigen Männer zu Sport-Abteilungen zusammenzuschließen und unter Führung von SA.-Führern sportlich und politisch zu schule». Jeder in eine Sportabtei- lung eingegliederte Volksgenosse wird durch SA.-Aerzte aus seine Tauglichkeit untersucht. Für die Spa. kommen nicht in Frage: SA., SS. und Amtswalter. Sie sind derSportabteilung des Sturmes 0/00 zugeteilt und haben sich er st malig am 0. Februar um 0 Uhr vor der Bastion Li- -tauen zum Dienst zu melden. Eine Weigerung, dem Befehl Folge zu leisten, zieht Zwangsvorsührung nach sich. F. d. R. Der Führer des Sturmes 0/n Fetzen herunter, am Kopf befand sich eine Narbe neben der anderen." John Scheer Paris, 20. Febr.(Jnpreß): Das Internationale Befrei- ungskomitee erhält folgenden Bericht auS Teutfchand: Es ist nicht wahr, dast John Scheer auf der Flucht erschossen worden ist. Scheer war körperlich überhaupt nicht mehr in der Lage, einen Fluchtversuch zu machen. Bon Mitgefangenen erfahren wir, dast seine Handgelenke durch Fesseln, die er ununterbrochen tragen mustte, und die zu eng waren, dick angeschwollen waren; Rücken und Brust hatten keine Haut mehr, sondern bestanden aus einer blutigen Flcischmasse. Tie Haut der Schenkel, deS Gesäßes und der Niercnpariien war dadurch, dast man Tcheer mit Gewalt an einen glühenden STfeit im Keller der Gestapo geprestt hatte, verbrannt. Einen Teil seiner dichten Haare hatte man ausgerissen. Jedes Wort zu der Nazibehauptung, daß Scheer einen Fluchtversuch im« ternommcn habe, ist auf Grund dieser Tatsachen überflüssig. Tie erklären aber gleichzeitig auch, warum die Hitlerrcgie- rung jede Obduktion der Leiche verweigerte und selbst die engsten Angehörigen an der Teilnahme der in aller Heim- lichtest erfolgten Beerdigung hinderte, um jede Möglichkest auszuschalten, baß sie den Ermordeten noch einmal sehen könnten. Korruption oder Nazi-Demagogie? Verfahren gegen bayerischen Minister Regensburg, 26. Febr. Die Staatsanwaltschaft Regcnsburg hat gegen den ehemaligen baue- r i s ch e n L a n d iv i r t s ch a s t S m i n i st e r W n tz l h o f e r einen Hastbefehl erlassen. Es werden ihm Vergehen gegen das Genossenschastsgesetz und auch'Betrügereien zur Last gelegt. Wie die Blätter melden, soll Wutzlhoser flüchtig sein und stch in England aufhalten. Die Beschuldigungen gehen dahin, daß der frühere Minister sich infolge Fehl- spekulationcn Betrügereien habe zuschulden kommen lassen, die sich auf 50» 600 Mark beliesrn. Gegen Wntzl- hofcr, der als Vertreter des Bayerischen Bauernbundes der bayerischen Regierung von März 1620 biö Ende 1924 ange- hörte und der dann in das landwirtschaftliche Genossenschaftswesen zurückkehrte, sind schon im Jahre 1961 bei dem Konkurs der von ihm und von seinem Sohn geleiteten Straubinger Genossenschast schwere Vorwürfe erhoben morden. Man warf ihm schon damals unzulässige Privatgeschäfte und vertust- reiche Transaktionen zum Schaden der Genossenschaft vor. Auch damals wurden die Schädigungen der Genossenschaft auf über eine halbe Million beziffert. Es handelt sich jetzt wohl um die Verfolgung dieser selben Angelegenheit durch die Staatsanwaltschaft. Triumph des Parfeihuchheamfenfums Der ärztliche Oberbürgermeister Laut Bekanntmachung des Bürgermeisteramtes Ptrmaiens wurde der praktische Arzt Dr. Rudolf Ramm zum ersten Bürgermeister der Stadt Pirmasens gewählt. Ter lang- jährige Oberbürgermeister Geheimrat Strobel soll angeblich aus Gesundheitsrücksichten zurückgetreten sei». Das ist natür- lich Schwindel. Strobel mußte sich bei der Machtübernahme der Nazi damals verpflichten, innerhalb eines Jahres zurückzutreten und einem Parteibuchbeamten Platz zu machen. ^ Im alten„System" wurde eine juristische Vorbildung zur Hauptauflage für die Wahl zum ersten Bürgermeister einer <-tadt gemacht. Wer infolge seiner praktischen Befähigung und aiif Grund des Vertrauens der Bürgerschaft zu einem solchen Posten gewählt war, aber die juristische Vorbildung nicht aufweisen konnte, wurde von den Nazis in der schofelsten Weise als Parteibnchbeamtcr beschimpft. Dr. Ramm ist heute 1. Bürgermeister einer Stadt von 60 000 Einwohnern und hat nicht nur keine juristische Vor- bildung, er hat auch während seiner Stadtratstätigkeit bc- wiesen, daß ihm jede Befähigung für einen solchen Posten fehlt. Also ein typischer Partcibuchbcamtcr. Aufbruch zur Futterkrippe Ein Schulbeispiel nationalsozialistischer Korruption Die Deutsche Reichsbahngesellschast teilt mit: „Hervorragende Verdien st ethrerBeamtcnund Arbeiter um die nationale Erhebung will die deutsche Reichsbahngesellschast durch Förderung im Dienstverhältnis anerkennen. Eine solche Förde- rung sollen diejenigen erhalten, die vor dem 60. Januar 1936 als Angehörige der SA. und SS. und des Stahlhelms oder als Amtswalter der politischen Organisationen der NSDAP, durch Tat und Wort besonders für die nationale Erhebung eingetreten sind und die Gewähr bieten, daß sie auch fernerhin vorbildlich und erzieherisch im Sinne der nationalsozialistischen Bewegung wirken werden." Wir schlagen vor: Für jede schwere Körperverletzung im Dienst der„nationalen Erhebung" gewähre man fünfzig Prozent, und für jeden einwandfrei nachweisbaren Feme- Mord an„marxistischen Untermenschen" 80 Prozent Gehalts- zuschlagt Das Ganze heiße: Gemeinnutz geht vor Eigennutz! 0 Ehescheidung wegen Kassenverschiedenheit Das Wiener Oberlanbesgerscht Hat zum erstenmal ein Urteil bestätigt, durch das Rassenverschiedenheit als Tchei- dnngsgrnnd anerkant wird. Die Vorinstanz hatte der Klag? eines katholischen Arbeiters stattgegeben, bei die Trennung feiner im Jahre 1928 mit einer Jüdin geschlossenen Ehe aus Gründen der Rassenverschiedenheit verlangt hatte. In der Begründung des Urteils wurde ausgeführt, Verschiedenheit i er Rasse wirke sich auf das Familienleben ungünstig aus. Oranienburg Ans dem „Wie die Verrückten schlugen sie auf uns los" (Gerhart Seger) „Notenkraker", Amsterdam Oranienburg" M Dieser Ttäotename wird in die Geschichte eingehen als der Inbegriff des Granenß und des tierhaften Menschentums. Oranienburg— Dachau— et tutti quantt— wird man einst der heranwachsenden Jugend nah? bringen, nl? die große, niemals auszutilgende Schande, in die Teutschland während seiner Hitlerbarbarei verfallen war. Alle? waS man persönlich erlebt haben mag, steht zurück vor der Schilderung, die Gerhart Seger mit minutiöser Ge- nauigkeit in seinem im Graphia-Verlag Karlsbad er- schienen«» Werkchen„Oranienburg" niedergelegt hat. Dieser ehemalige ReichStagsabgeordnete hat alle wesentlichen Ge- schehnine im Verlauf von sieben Monaten, die sich in Oranienburg abspielten, nach einer tollkühnen Flucht, in diesem Buche der Oesfentlichkeit unterbreitet. Man fühlt sich beim Lesen in das dunkelste Mittelalter versetzt und mehr als einmal muß man sich fragen, wie eS möglich ivar und»och ist, daß Wesen, die sich Menschen nennen, andere Menschen mit solcher Fülle von Qual und tierhaftem Sadismus überschütten können. Seger hat fast leidenschaftslos, aber in seinem einfachen, nackten Bericht, um so furchtbarer in der Wirkung, der Welt ein Dokument geschenkt, das seinesgleichen sucht. Wer das Hitlerdeutschland und waS von ihm erwartet werden kann, kennen lernen will, der lese diese sachliche Dar- stellung Gerhart Seger«. Es wäre wünschenswert, wenn alle Parlamentarier, alle Politiker, alle Diplomaten in einer stillen Stunde den Mut kätzden, dieses Dokument über das wahre Deutschland zu lesen. Aber auch jeder Bürger sollte sich in dieses Tatsachenmaterial vertiefen, um zu begreife», wie unermeßlich tief der Sturz eines Volke? sein kann, daß sich im Verzweiflung?- taumel dem Tullurwtdrigen Faschismus ausliefert. Dieses Buch„Oranienburg" bedeutet für alle Demokratien ein„Menetekel" vor diesem Rattenfänger eines tot- wunden Kapitalismus, dem menschenschändenden Faschis- mus.*• V. „Anii-Draunhuch" Von einem sadistischen Verbrecher geschrieben DNB. Berlin, 26. Febr. Wie wir einer Ankündigung des Verlages„Buch- und Tiefdruck-Gesellschaft m. v. H." ent- nehmen, wird in den nächsten Tage in diesem Verlage das Antibraunbuch über das erste Konzentrationslager unter dem Titel„Konzentrationslager Oranienburg" erscheinen. Der Verfasser dieser Aufklärungsschrift ist TA.-Sturmbann- führ« Schäser, der Lagerkommandant von Oranienburg. SA.-Gruppenführer Ernst hat zu diesem Buch ein Vorwort geschrieben. * Ter Lagerkommandant Schäfer, der Verantwortliche für zahllose Roheitstaten in Oranienburg, ist ein verlumpter Verbrecher, und cS kennzeichnet das ganze braune System, daß er beauftragt worden ist, ein„Antibraunbuch" zn schreiben. Die Wahrheit über Oranienburg steht in dem Buche des früheren ReichstagSabgeordneten Seger, der diesen Burschen Schäfer als wehrloser Gefangener erlebt hat. Was sollen da überhaupt noch Ableugnungen'? Das Schicksal der erst in Fesseln gelegten und nun nach dem Frei- spruch nicht freigelassenen Dimttrosf und Torgler offenbart der ganzen Welt, welche Verbrecherbanden in Deutschland am Werke sind. Im Januar: 3 Todesurteile, 447 labre Gefängnis- und Zudithaussiraien Unermüdlich produziert die Justizmaschine im Hitler- Deutschland eine unabsehbare Reihe härtester Urteile gegen Antifaschisten. Ter Justizapparat als willfähriger Helfer gegen die immer unzufriedener werdenden Massen arbeitet präzis, rasch und besehlsgehorsam. Schloß der Monat De- zember mit einer Bilanz von•176 Jahre» Zuchthans und 117 Jahre» Gefängnis für politische Vergehen ab, so steht der erste Monat im neuen Jahr nicht dahinter zurück. Viermal in einem Monat rief man den Henker: Van der Lübbe wird für immer zum Schweigen gebracht,' drei Arbeiter, vor wenigen Wochen erst verurteilt, werden hin- gerichtet. Gleichzeitig ergehen drei neue Todesurteile und zwei frühere Verurteilungen zur Todesstrafe werden bestätigt, die Rechtsmittel der Verurteilten verworfen. To werden„legal" die politischen Gegner beseitigt. Aber vergessen wir nicht in dieser grauenhaften Statistik deS Monat? Januar die nieder- trächtige Ermordung der vier antifaschistischen Führer Tcheer, Steinfurth, Schwarz und S ch ö n h a a r, die unter dem Vorwand, daß man sie in Potsdam verhören wolle(!), an einer einsamen Stelle in der Umaebung Ber- lins planmäßig„aus der Flucht" erschossen wurden. Nach der noch unvollständigen Statistik der„Roten Hilfe Deutschland"(viele Urteile werden nicht ber Oesfentlichkeit bekanntgegeben), sind im Monat Januar 12« Antifaschisten zu Freiheitsstrafen verurteilt worden. Einer von ihnen zu lebenslänglichem Zuchthaus, die andere» zu insgesamt 477 Gefängnis für Denunzianten Vor dem Altenburger Schöffengericht ivaren ein Hand- lnngSgehilfe und eine geschiedene Frau angeklagt. Tie bei- den hatten dem Oberbürgermeister der Stadt Material über die frühere politische Betätigung eine« ange- sehenen städtischen Beamten übergeben. Leitmotiv war der Wunich. diesen Beamten auS dem Dienst zu entfernen. Bei der Verhandlung stellte es sich heraus, daß alle Angaben falsch wäre». DaS Gericht verurteilte den Verleumder zu vier Monaten, die Frau z» sechs Wochen Gefängnis. nriei aus Singen a. noheniwlei Herrliche Zeiten sind im„dritten Reich" für den Arbeiter angebrochen. Der große parteiamtliche Bettel preßt auS den armen Teufeln heraus, waS nur herauszupressen ist. Natür- lich geschieht das alles freiwillig. Die vielen„freiwilligen Spenden" sind keine Abzüge oder gar Stenern. Da? behanp- ten nur die Marxisten. So wäre es auch eine Greuelnachricht, wenn jemand behaupten wollte, der Lohn fei abgebaut worden. In einem Großbetrieb in Singen am Hohentwiel hat man den Arbeitern nicht etwa 6,5 Prozent Lohn abgebaut, man hat lediglich dem Unternehmer erlaubt,„zugunsten der Arbeiter" 6,5 Prozent weniger zu verrechnen. Das ist nach nationalsozialistischen Auffassung kein Abzug. Dem Betriebs- Vertrauensmann ist anscheinend der Mut zur Verteidigung Jahren Gefängnis und Zuchthans. So gehört eö zu den Mitteln des politischen Terrors im heutigen Teutschland, pro Tag durchschnittlich 15 Jahre Freiheitsentzug durch die ordentlichen Gerichte aussprechen zu lassen. Noch aber zeigt sich die nationalsozialistische Rachsucht nicht befriedigt. Entrüstung und blutgieriges Toben ging durch die deutsche Presse, als der Maikowski-Prozeß mit einem zu „milden" Urteil endete.(Bekanntlich wurden bei einem völlig unaufgeklärten Tatbestand 38 Jahre Zuchthaus und 95 Jahre Gesängnlöstrafe verhängt.) Und schon kündigt das Gericht willfährig an, daß der Prozeß noch einmal aufgerollt wirb. Es besteht größte Gefahr für die Angeklagten. Hatte sich bis- her selbst das faschistische Gericht geweigert, den belastenden Aussagen offenbarer Provokateure Glauben zn schenken, so wird es sich bei der neuerlichen Verhandlung unter dem ver- stärkten Druck von Regierung und Presse über seine Bc- denken hinwegsetzen. Bewußt wird hier ein Rache»rteil vor- bereitet, ein Fehlurteil, das alles in Schatten stellen wird, was die faschistische Justiz bisher schon„geleistet" hat. Die Angeklagten im Maikowski-Prozeß schweben in Todes- getahr! 44 zum Tode verurteilte Antifaschisten sitzen in ihren TodeSzellen, jeden Augenblick de» Henker erwartend. Eine Blutbahn ist der Weg der faschistischen Gerichtsbar- keit.— Der Weltöffentlichkeit darf das nicht vorenthalten bleiben,— die Weltöffentlichkeit muß die Stimme des Pro- testeS gegen den Blutterror im Hitler-Teutschland erhebe». der Arbeiterrechte in seine hohe» Stieseln gerutscht. Hätte sich im zweiten Reiche ein Vertrauensmann der Arbeiterschaft in gleicher Weise benommen wie er, hätten gerade die Kreise, die ihm heute den Mund verbinden,„Volksverräter" und „Arbeiterverräter" geschrien. Es scheint überhaupt, als ob eine riesige Begriffsverwirrung in unserem Volke Immer stärker um sich greift. WaS vor einem Jahre„Arbeiter- verrat" und„VolkSuerrat" genannt wurde, ist heute„Dienst an der Volksgemeinschaft". Wie sich übrigens die herrlichen Zeiten auswirken und wie der„Wohlstand" der Arbeiterklasse beschaffen ist, darüber gibt eine Notiz der NS.„Bodcnsce-Rundschau", Konstanz. Nr. 85 vom 10. Februar 1984 Aufschluß. Es befindet sich da unter den amtlichen Betteleien folgende Notiz: Eine herzliche Bitte! Für ein armes Ehepaar wird eine Bettstelle mit Rost gesucht. Ein Deckbett und zwei Kopfkissen. Wer etwas entbehren kann, wird herzlich gebeten, seine Adresse dem Winterhilfswerk Engen bekannt zu geben, da- mit es abgeholt werben kann. Ein armes Ehepaar wartet darauf und sagt schon zum voraus dem edlen Wohltäter ein herzliches„Vergelts Gott!" SA.-Volkswohlfahrt und WinterhilfSiverk Kreisleitung Engen. Wir haben es wirtlich schon herrlich weit gebracht. Sin Arbeiter« freutstfhe Stimmen•-Beilage mm„Deutschen Freiheit"• Ereignisse und Qesdkidkten nuiiiii Sllllj Mittwoch, den 2a. Februar 193» tclebuis zwischen AI» die österreichische Tragödie ansetzte. bockte ich, durch Zufall verschlagen, in einer fremden Stadt. Der Freund, den ich hatte antreffen wollen, war durch widrige Umstände anderswo festgehalten worden; ich mußte warten, zwei Tage oder drei. Es ist niemals angenehm, sinnlos unter Fremden seine Zeit verstreichen zu lassen, aber diesmal wurde es zur Marter. leb habe einmal achtundvierzig Stunden hindurch am Sterbebette des mir liebsten Menschen gesessen. Ich sah ihn während einer unendlichen Zeitdauer unter Schmerzen dahinschwinden. Nichts aber war für mich so qualvoll wie das Lefiihl der völligen Ohnmacht, mit der ich dem l eiden dieses Menschen gegenüberstand, dem alle meine Liebe nicht eine Sekunde seines Todeskampfes ersparen konfate. Das gleiche Gefühl überfiel mich jetzt, als ich die Depeschen aus Oesterreich las. Dies entsetzliche Nichthelfenkönnen, wenn Freunde mit dem Tode ringen. Dieses marternde Seben-Müssen und nichts, gar nichts Tun-Können! Dazu noch in der ganzen Stadt ein Mensch, dem ich mein Gefühl hätte offenbaren, in den ich mein bedrängtes Herz hätte ausgießen können. * "ch! Die Arbeiter sollten in die Museen gehen. Ihre eigenen Leiden würden ihnen von den Wänden entgegenstrahlen, verklärt durch die Martyrerkrone, die ihnen die Menschlichkeit großer, unvergänglicher Meister aufs Haupt setzt. Diese alten Bilder, sie sprechen einen großen Trost, denn ein jedes verklärt die wehrlosen Opfer und verdammt die viehischen Henker. Etwas von den Versen Lonaus strahlt aus diesen Bildern: Und müssen wir vor Tag zu Asche sinken mit heißen Wünschen, unvergoltenen Qualen, so wird doch in der Freiheit goldenen Strahlen Erinnerung an uns als Träne blinken. Ich verließ das Museum nicht getröstet, nicht versöhnt, aber reicher um ein Erlebnis, um das unkünstlerischste und doch das Erschütterndste, das jemals die Werke alter Meister mir übermittelt haben. A lex ander. Dieses Lied ist in den letzten Jahren immer mehr zum offiziellen Lied der österreichischen Sozialisten geworden. Mit seinen Klängen sind die Protestversammlungen gegen die Morde der Standgerichte in aller Welt eröffnet worden. Wir sind das Bauvolk der kommenden Welt, Wir sind der Sämann, die Saat und das Feld, Wir sind die Schnitter der kommenden Mahd. Wir sind die Zukunft und wir sind die Tat. So flieg, du flammende, du rote Fahne, voraus den Wegen, die wir ziehn. Wir sind der Zukunft getreue Kämpfer. Wir sind die Arbeiter von Wien- Herrn der Fabriken, ihr Herren der Welt, endlich wird euere Herrschaft gefällt. Wir, die Armee, die die. Zukunft erschafft, snrengen die Fesseln der engenden Haft. So flieg, du flammende, du rote Fahne, voraus den Wegen, die wir ziehn. Wir sind der Zukunft getreue Kämpfer, Wir sind die Arbeiter von Wien. Wenn uns die Lüge auch schmähend umkreist. Alles besiegend erhebt sich der Geist, Kerker und Eisen verlieren die Macht, Wenn wir uns ordnen zur letzten Schlacht. So flieg, du flammende, du rote Fahne, voraus den Wegen, die wir ziehn, Wir sind der Zukunft getreue Kämpfer, Wir sind die Arbeiter von Wien.. Fritz Brügel. Zwei Hole Ossip Schubin Fast achtzig Jahre alt ist die Romanschriftstellerin 0-s si p S c h u b i n(Aloisia Kirchner) gestern in Prag gestorben. Die Erzählungen dieser resolut damenhaften Schriftstellerin — ihr Lebenswerk war formal einwandfreie, weltanschaulich aufgemachte Unterhaltungsliteratur— hatten einst in der bürgerlichen Lesewelt Ruf und Ruhm. Es gab eine Zeit, da man ihre Schriften als revolutionär empfand.— Die Zeit ist vorbei. Ossip Schubin hat sich in damenhafter Emanzipation und frauenhafter Anpassung schriftstellerische Mittelwege zu den verschiedenen Weltanschauungen gebahnt und ihre vielseitigen, nun fast vergessenen Erfolge schließlich mit Interesselosigkeit an ihren Schöpfungen bezahlen müssen. Die Schriftstellerin Ossip Schubin hatte Format, Rang und Bedeutung für ihre Zeit. Fedor von Zobeltin In Berlin ist am Samstag der Schriftsteller Fedor v. Zobel t i tz im Alter von 75 Jahren an Herzschwäche gestorben- Fedor v. Zobeltitz war im wilhelminischen Deutschland ein vielgelesener Autor, er verstand es mit handwerklicher Geschicklichkeit, Romane aus der Welt der deutschen Offiziere und Junker anzufertigen. Mit der Zeit, in.der er seine Erfolge errang und der er diente, ist er versunken; sein Publikum hat ihn bald vergessen und der übrigen Leserwelt hat er ja nie etwas zu sagen gehabt. Persönlich war der alte Herr mit dem jovialen Gesicht in jeder Hinsicht honorig. Zuletzt gehörte seine ganze Liebe dem Sammeln kostbarer Bücher und literarischer Kuriose. Die allgemeine Gleichschaltung hat er nur äußerst widerwillig mitgemacht. Der alte Offizier hatte keine Liebe sur Subordination und zum Kommiß. Jedem AtAeitec seinen Smoking, iin echt sozialistischec Wunsch des„Jühcees" Aber nein! Ihr tut ihm Unrecht, wenn ihr behauptet, er kaue stets nur öde Stammtischphrasen wieder, er schwatze vor der Volksversammlung und im Reichstag ungefähr das gleiche gedankenarme Zeug daher wie Herr Pachulke nach der fünften Haiben. Mag das im allgemeinen zutreffen, so kennen wir doch ein Wort von ihm, ein Wort— Feinschmecker muß man sein, um es ganz zu genießen. Der Arbeitsfront-Unteroffizier Ley hat es enthüllt und WTB. hat es verbreitet, das markige Wort Adolf Hitlers:„Wenn ich könnte, ich würde jedem Arbeiter einen Smoking schenken." Das Wort sie sollen lassen stahn! Was ist Heinrich IV., der jedem Bauern ein Huhn in den Topf wünschte, neben Adolf, der jedem Arbeiter seinen Smoking wünscht! Auf den Smoking kommt es an; der Smoking macht es. Da haben alle Professoren dicke Wälzer über die soziale Frage zusammengeschauert und von Kapitalprofit und Arbeitslohn orakelt, aber auf die geniale, die schöpferische Idee, daß die Lösung im Smoking stecke, ist keiner verfallen; in der gesamten nationalökonomischen Literatur findet sich das Wort Smoking nicht. Wie hätte gar der Jude Mardochai alias Marx die Nuß knacken können! Er besaß, obwohl er bekanntlich von der Goldenen Internationale ausgehalten wurde, überhaupt keinen Smoking; er hatte oft nur einen einzigen tragbaren Rock, der überdies— rechte Lumpenwirtschaft!— zuweilen noch auf dem Pfandhaus lag. Aber was schlimmer ist: er hatte nicht einmal Sehnsucht nach einem Smoking. Er begriff das Wesentliche nicht. Darum suchte er die Köpfe der Arbeiter mit verlogenen und hetzerischen Phrasen vollzupfropfen: Eroberungen der politischen Macht, Expropriation der Expropriateurs, Vergesellschaftung der Produktionsmittel, Uebergang in die sozialistische Gesellschaft. Alles Blech! Smoking allein schafft es. Es mußte ein Oe- und Anstreicher kommen, dem eigentlich der Kittel näher sein sollte als der Smoking, um dem blinden Jahrhundert den Star zu stechen. Und wirklich, aus seinem Wort fällt es wie das Licht von tausend Scheinwerfern auf den ganzen Hakenkreuz-Trödelkram und seinen Firmeninhaber Wer sieht ihn nicht, den kleinen Spießer mit Minderwertigkeitskomplexen, wie er sich in seiner Wiener Periode schäbig und abgerissen, manchmal doch in ein Tanzkaffee stiehlt. Und wenn er die„Kavaliere", die Portokaa- senjünglinge im flotten Smoking gewahrt, schwillt sein Minderwertigkeitsgefühl ins Gigantische, und mit blassen Lippen schwört er sich zu:„Auch ich muß eines Tags..." Als er denn an der Spitze der größten Spießerbewegung der Geschichte steht, lebt in seinem Unterbewußtsein immer noch die Sehnsucht nach dem Smoking. Zwar erfindet er eine andere Tracht, aber er wirft gewissermaßen mit der Wurst des Braunhemdes nach dem Schinken des Smoking. Man könnte auch sagen: Per aspera ad astra! Durchs Braunhemd zum Smoking! Und wes das Herz voll ist, des geht das Mundwerk über; eides Tages sieht er seinem Ley ins tränende Alkoholikerauge und vertraut ihm an:„Wenn ich könnte, ich würde jedem Arbeiter einen Smoking schenken." Denn wer einen Smoking hat, denkt nicht an die politische Macht, sondern an Tanzcafe, sitzt gehoben mit Expropriateurs am gleichen Tisch, strebt nicht nach der sozialistischen, sondern nach der feinen Gesellschaft. Heute aber, so er im stillen Kämmerlein über sich nachdenkt, staunt er nicht, daß er Reichskanzler ist und mit einem kaiserlichen Generalfeldmarschall fast zwanglos verkehrt; er staunt nur, daß er es endlich zu einem Smoking gebracht hat. Und tritt vor den Spiegel, um sich zu überzeugen. Stimmt! Heil Hitler! Die soziale Frage ist gelöst! Durch Adolf? Bewahre! Für Adolf— er hat einen Smoking! Karl Max, Jwxht in Jxiec Göring, der bereits auf dem Gymnasium in Nürnberg als „Käser", d. h. als anmaßender, überspannter Bursche bekannt war, leidet nicht nur an Morphiumsucht, sondern auch an krankhaftem Protz. Nachdem er Trier verlassen hatte, wo er die bekannte pompös-phrasenhafte Rede gehalten hatte, hieß es mit einem Male: „Göring darf nicht wieder nach Trier herein gelassen werden!" „Aber warum denn nicht?", fragte man zurück „Ja, die Leute haben Angst, er könnte den Heilige Rodt auch noch anziehen 1" Hut Soldaten diiefen studiecen Der Reichsführer der Deutschen Studentenschaft, Dz- S t ä b e 1, erklärte anläßlich eines„Generalappells" der Studentenschaft der beiden hannoverschen Hochschulen, daß die Erziehung des jungen deutschen Studenten nur in der SA. und dem Arbeitsdienst erfolxen können. Man werde jeden, der sich dort nicht bewähre, vom Hochschulstudium ausschließen. Nur zwei Zeugnisse würden künftig Geltung haben: das gute Dienstzeugnis der SA. und das Zeugnis über das gut bestandene Examen. ZeU=7lotizen Kluge Köpfe unerwünscht Der Reichsstatthalter von Sachsen, Fabrikant Mutschmann, erklärte bei einem Appell der politischen Leiter und Amtswalter der NSDAP, des Kreises Mittweida, man müsse nicht nur allen Gerüchtemachern und den ewig Unzufriedenen entgegentreten. sondern auch denen, die jetzt der Bewegung ihre „klugen Köpfe" zur Verfügung stellen wollten, müsse man zurufen:„Hinten antreten," Braun, nicht schwarz In Berlin gingen in diesen Tagen Gerüchte um, nach denea für die Hitlerjugend(14 bis 18 Jahre) die schwarze Hos# eingeführt werden soll. Die Gebietsführung Berlin tritt nunmehr in einer öffentlichen Verlautbarung diesem Gerücht energisch entgegen. Die vorschriftsmäßige Hose der Hitlerlugend bleibt laut PPD. nach wie vor braun. Antreten zum Rassekursus! Die Staatsmedizinische Akademie in Berlin-Charlottenburg veranstaltete auf Veranlassung des preußischen Justizministers vom 12. bis 14. Februar im Hörsaal des Harnadc- Hauses in Berlin-Dahlem einen Rassekurs, zu der 125 Richter und Strafanstaltsdirektoren amtlichbefohlen wurden! Gleichschaltung der Drehbücher Eine soeben herausgekommene Verordnung bestimmt, daß das Reichspropagandaministerium das Recht besitzt, nicht nur die Filme nach ihrem Erscheinen, sondern schon vor dem Beginn der Produktion die Drehbücher zu zensiere«, SdiwerpnnkMn Poris Gerede um Edens Rüstungsreise DNB. London, 27. Febr. Im Anschluß an Edens Unter- "düng mit Mussolini glaubt der Berichterstatter deS„Daily Telegraph" in Rom, Sab die Aussichten, eine Grundlage sur eine Abrüstungsvereinbarung zu erreichen, weniger un- «unst.g sind als vor einiger Zeit. Zwei Punkte hatten sich auf Edens Reise nach den drei großen europäischen Haupt- städten ergeben: l. die britische Denkschrift bleibt die Grund- tage der künstigen Erörterungen: 2. der nächste Schritt der britischen Regierung wirb in erheblichem Maße davon ab- bangen, was die französischen Minister dem Lorduegel- bewahrer zu sagen haben werben, wenn er ihnen über seine Besprechungen berichtet. Mussolini sei sehr freimütig in leinen Aeußerungen gewesen, habe aber gegenüber gewissen Punkten der britischen Dcnks ch r> f t "nnakbaiebiakeit gezeigt. Die Besprechung sei so erschöpfend gewesen, daß Eben imstande sein werbe, früher ess geplant nach Paris weiterzufahren. Von maßgebender Tette verlautet, daß daS Gerücht, wonach eine Verschmelzung °cr britischen und der italienischen Denkschrift vorgesehen s'tn soll, völlig unbegründet sei. Die britische Dcnkschritt bleibe die alleinige Grundlage der weiteren Erörterungen. Rom habe sie nicht abgelehnt, und Deutschland sei bereit, sie als Grundlage anzunehmen.^, Im Bericht deS.TimeS«-Beri»terstatters in Rom heißt es u. a.. der Schluß der amtlichen Verlautbarung scheine den Eindruck zu bestätigen, baß Edens Besprechung mit Mussolini durchaus ermutigend war. Das Schwergewicht der Sendung Edens liege jetzt offensichtlich in Paris. Oesfcrreldilsdicr tfonordtfms fm vormarsdi Bleib! Staatspräsident Mihlas?- Die Habsburger melden sldi Um Dlmifroii »»Jeder anständig Empfindende tief unglücklich Margot Oxford richtete folgenden Brief an den Her- ausgeber der„Times":..„ Ihr ausgezeichneter Leitartikel in der heutigen„Times Über Dimttroff muß das Gewissen jedes menschlichen Wesens aufrütteln. Aber nichts hat mich mehr überrascht als zu sehen, wie wenig unsere gedankenvolle Preste die Führung der Öffentlichen Meinung zu einer richtigen Ausfassung der Tachx verwirklicht, die nicht nur Deutschland, sondern den Moralischen Bestand jeder zivilisierten Nation betrifft. Wenn fsd Zeit hätte, dann könnte ich Tausende von Unterschriften für diesen Brief sammeln, denn es gibt keine MeinungS-. perschiebenheit über die Ungerechtigkeit, einen vom höchsten deutschen Gericht freigesprochenen Mann in den Zellen der Geheimen Staatspolizei in Berlin festzuhalten. Räch dem Prozeß von Leipzig gab es eine große Welle von Bewunderung in England für die Unparteilichkeit deutscher Gerichte und viele von uns kühlten, baß wir Hitler viel- leicht Unrecht mit der Annahme getan hatten, er befürchte die Freisprechung von Torgler, Dimitross und Genossen. Wir bewunderten den Richter Dr. Bünger wegen seines Mutes und seiner Unparteilichkeit. Aber nun ist jeder anständig Empfindende tief unglücklich und bis diese unschuldigen Männer nicht freigelassen sind, können wir nicht an die Ehr- lichkeit der deutschen Regierung glauben. 21. 2. 34. Margot Oxford. HliierDcstlalltälen an rranrnl Mord, Föteerungeri und Kindesraub an kreiden, die nicht für Hitler sind Die Antifaschisten Erna Knoth ans Chemnitz wurde 10 Tage lang jeden Tag auf den Gesängnishof zum Erschießen ßesührt und am letzten Tage dieser Tortur in ihrer Gefängniszelle von SA.-Leuten vergewaltigt, viehisch gefoltert, und dann tot geschlagen. Grete Groh, LandtagSabgeordncte der kommunistischen Jugend in Sachsen, wurde von SA.- und SS. nach langen Folterungen totgeschlagen. Die Frauen Strut in Hamborn, Kät« Schuhold in Duisburg, Anna Röder. Klara Wagner, Schwane, und die 00 Jahre alte Frau Weiß in Berlin wurden von de» Nazis umgebracht. Die Arbeiterin Grete Messing aus Selb wurde erschossen. Die Arbeiterin Abes, Verlin, würde„aus der Flucht er- schössen". Anna Müller aus Aue i. Sachsen wurde durch.„Selbst- Word" erledigt,.. Zwei antifaschistische Mädchen ans Krassen und Worms wurden laut Polizeibcricht.„als Leiche" ausgefunden, bzw. «in» Voskshan? erschossen". Die Schauspielerin Heddy Eisler, Berlin, und die Lehrers- kraii Schubert. Berlin, deren Mann ermordet wurde, endeten laut Zeitungsbericht der Geheimen Staatspolizei„durch Selbstmord". Als die SA. Soldateska auf die Frau des Kommunisten Böhm in Schwerte schoß, wurde das ctnsährtge Kind, da? sie aus dem Arm trug, hingemordct. Bei der Verhaftung einer Kommunistin in Hamburg, wurden die zwei Kinder ins Waisenhaus gebracht. Nach der Rückkehr aus dem KonzentrationSlaaer wurde Ihr bis zum heujigen Tage die Herausgabe ihrer Kinder verweigert. Und wer kann neraeNen. daß bei dem Blutbad daS die österreichischen Faschisten nach Hitlers Vorbild entfesselten, fast 200 Frauen und 73 Arbeiterkinder erschossen wurde». 3400 HHIermorde » c r H n, 24, Febr. sFnpreß) Zu der Behauptung Hitlers, daß die„nationale Revolntion" nur 27 Todesopfer erfordert habe, stellt ble illegale Rote Hilfe fest, daß nach sehr gewissen, hasten Feststellungen bisher allein di« Nam«,i von 3463 er- mordeten Antifaschisten, darunter die 27 Hingerichteten, be- kannt sind. Mehr als Zlltl gelten als„vermißt", die webe» in Konzentrationslagern noch Gefängnissen festgestellt werben konnten. Inden- steine Nadrfw&drier Die Gemeinde Sterbsritz lKreis Schlüchtern) hat aor kurzem aus Sparsamkeitsgründen beschlossen, keine bezahlten Nachtwächter mehr z» beschästigen, sondern jede» Hauohal- tungsvorstand zu vcrvtl'chten, auf Aufforderung der Gern« tn bebe Hörste eine unentgeltliche Nachtwache zu uellen.^.as „Frankfurter Volksbtaii" veröffentlicht»un folgende Er- kläruna Slerbfritzer Bürgers„Wir Slerbfritzer lehnen es aber ganz entschieden ab. daß uns die«Kerbfritzer Iudeir ebenfalls dewachen«ollen. Man bat e» taNachltch fertig ge. bracht, die Sterbiritzer Juden mit diesem Vertrauensposten zu beanftraaen. Daraufhin glaubt« sogar«'» Nachtwächter- Jude derechna' zu fein das ZA-Lokal zu kontrollieren. Da solche Zustände ip»er h-eiigen Ortsgruppe grüßt!! Unruhe hervorrufen können hat OrtSgruPvenkeiter Pa Schreiber dem hiesigen Bürgermeister Anweisung erteilt, künftig keine Juden mit dem Nachtwächter-Dienst zu betrauen. Oesterreich steht vor neuen Entscheidungen. Die„Steger" über die Sozialdemokratie müssen sich nun unter sich aus- einandersctzen. Sie tun das auch in dem Grade, als sie sich zur Zeit nicht so stark vom Hitlcrfaschismus bedroht fühlen und der Muflolini-FaschiSmuS sie gewähren läßt. Also ist der Kamps entbrannt zwischen.Monarchisten und Heim-, wehrfaschisten. Die Monarchisten glauben in der„sieg- reichen" Armee ihre Deckung finden zu können, während die Heimwchrfaschisten bestrebt. sind, alle ehemaligen sozio- listischen Einrichtungen in die Hand-zu bekommen und ihre Macht in den BerwaltungSapparat einzubauen. Nun scheint aber in dieser Situation der Präsident MIklaS mit feiner abgekündigten Niederlcgung der Präsidentschaft Ernst machen zu wollen. DaS bedeutet P r ä s i d e n t sch a s t s w a h l e n. und diese fordern die beiden Gruppen, die Habsburger, die Heimwehrsaschisten, heraus. Es ist möglich, baß sich die beiden wieder verständigen und sich in die Macht teilen. ES kann aber auch sein, baß die Habsburger den Kampf au« dle Prä- sidentschaft über Oesterreich aufnehmen, zumal sie mit einem Umschwung der Stimmung bei dcu Christlichsozialen rechnen, die, entgegen Dollfuß. von dem Starhemberg-FaschiSmus nicht entzückt sind. Vorläufig liegen folgende Meldungen über die,eS Spiel unter der Decke vor: Heue„Verfassung" Wien, 23. Febr. Man erklärt, daß die Borarbeiten sÜc die neue Verfassung Oesterreichs bereits in zehn bis vier» zehn Tagen abgeschlossen sein werden. Die Verfassung soll unmittelbar darauf veröffentlicht werden und in Kraft treten. Obwohl man daS Inkrafttreten der neuen Verfassung ans der bisherigen Verfassung aufbauen will, ist man sich noch keineswegs darüber klar, ans welchem Weg« dies erreicht werden kann, da die Einberufung des Parlaments, das allein für die Aenderung der Verfassung zuständig ist. unbedingt vermieden werden soll. Man scheint daher jetzt daran zu Hlrdienhontllkf iladiert wieder auf? Düsseldorf, 26. Febr. Der Konflikt in der evaiigelischen Kirche, der durch die Machtmittel des Staates unterdrückt worden war, flackert auf. In. Barmen versammelten sich fast sämtliche Delegierte der evangelischen Kirche des Rhein- laudes und beschlossen eine Erklärung, in der festgestellt wird, daß die Krise durch ketzerische Angriffe gegen daß Fun, dement der Doktrin hervorgerufen worden ist, Angriffe, deren sich sogar mehrere Würdenträger der Kirche schuldig gemacht haben. Die freie Synode weigert sich, die Autorität der kirchlichen Organisation anzuerkennen, die im Sommer des'letzten Jahres geschaffen wurde. Tie Milgltcdcr der Synode appellieren an die Gläubigen, den Befehlen der heutigen kirchlichen Autoritäten nicht zu folgen, da sie der Heiligen--Schrift> w I de r f p r*chi> it?'• te J m'b fpsfatztot Pfarrer müßten in-4hrc früherem Tteltung'sn wieder hineingebracht werden.■'■""Mg äs.. wi-xr&iqt Protest gegen Niernollers Absetzung Berlin, 26. Febr. Die Kirchenvertrelung von Dahlem, wo der abgesetzte Führer des-Psarrernotbunde».- Dr. Nie- möller, amtierte, saßt« in ihrer letzten Sitzung eine Rc- solution worin sie erklärt, daß die Amtsenthebung Nie- Möllers nicht anerkennt werde da sie gesetzwidrig sei und die kirchliche Doktrin verletze. Dr. Nicmöller wurde eingeladen, sein Amt auch weiterhin zu versehen. Im Talar Ins Gefängnis Zu der Verhaftung des P k a r r e r S W e l g e n b a n ans Waldenburg wird mitgeteilt, daß es richtig ist, daß der Pfarrer vor der protestantischen Jugend erklärt hat. Baldur von Schirach sei ein Jude und beiße eigentlich Baruch Mcncr. Pfarrer Welgcnban wurde von einer Trauung weg verbaitet. Er weiaerte sich, den Talar auszuziehen, man führte ihn deshalb dann im Talar»n d mit der Bibel tu der Hand ins Gefängnis. GOrreslwns-iiO. Neue Strafen für Maus und Stocky Köln, 28. Febr. Vor dem Schöffengericht wurde am Ton- nerstag gegen die früheren Geschäftsführer der Görres- hauS A.- G. Generalkonsul Maus und Konsul Stocky wegen.tichtabführuug von Versicherungsbeiträgen perhan- delt. Maus und Stock« wurden aus der Halt vorgeführt, Vom. 1. Januar bis April 1038 würden 24 000 Mark au Bit- trägen zu den Krankenkassen, zur Arbeitslosenversicherung, Arbeitslosenhilfe und.Invalidenversicherung bei der GörreS- hauS-A.-G. von den Angestellten und Arbeitern eingehalten, aber an die Kassen nicht abgeführte außerdem vom 1. Mai 1082 bis April 1038.9000 Mark Angestellten Versicherungsbeiträge. Das Urteil lautete gegen M a u s« u i sieben und gegen S't o cky auf fünf Monate fflesä.» gnis. Dänemarks Asuiredif Eine kommunistische Schwindelmeldung Man schreibt uns aus Dänemark: Ein Pariser Juristen- oder Bcsreiuugskomitee bat an da» dänische Außenministerium ein Telegramm gerichtet und darin gegen die Ausweisung politischer Flüchtlinge protestiert. Dazu muß mit aller Enoschiedenheit festgestellt werden, daß die dänische Regierung keinerlei Auaweisungen vo>> pvliti- schen Flüchtlingen vorgenommen und auch nicht damit gedroht Hot. Es handelt sich bei dieser Behauptung um eine komm»- »istische Schwindelmeldung. Es ist deshalb bedauerlich, daß das Pariser Komitee aus diesen kommunistischen Schwindel hereingefallen ist und ihn zum Anlaß einer. Aktion gegen die dänische Regierung genommen hat. Es wäre besser, gewesen, auch sür das Ansehen des Komitees selbst, wenn es vor seiner Ak.-ion sich erst einmal richtig« Informationen verschafft hätte Die Kommunisten sind darüber entrüstet, daß der dänische Iustizminister einig« deutsche Kommunisten, die sich als pvtt- tische Flüchtlinge in Dänemark aufhalten, aufgefordert hat. lieber nach Sowjetrußland zu fahren. Es wäre doch zweck- mäßiger für sie, im sozialistischen Rußland zu arbeiten, als denken, die Verfassung durch einen einseitigen Akt des Bundespräsidenten aus Grund des Notstandsrcchtes in Kraft z« setzen und ste sodann nachträglich von de« vorgesehene« Körperschaften bestätigen zu lassen. Miklas• Wien, 26. Febr. Die seit längerer Zeit bereits um» lausenden Gerüchte über den bevorstehenden Rücktritt des Bundespräsidenten Miklas, de» aus grundsätzlichen Er, wägungcn bereits mehrfach seinen Rücktritt angeboten haben soll, habe« sich setzt wieder dahin verdichtet, daß Mittag be, reits in der nächsten Zeit seinen Posten ausgeben wird.- Es verlautet, daß seitens der Regierung ernsthaste Be, mühnngrn im Gang« sind, nm den Bundespräsidenten Miklas vvrläusig von den RücktriltSabstchten abzubringen und die Neuwahl deS Präsidenten erst im Rahmen der neuen Ber» fassung vorzunehmen. Erzherzöge... In unterrichteten Kreisen weist man hierzu daraus hin, daß die in den letzten Tagen wieder stärker hervortretenden leg i t im t st i sche n fließ: monarchistische»! Strömungen anf einen baldigen Präsidentschaftswechsel drängen,«m durch die Wahl einer der legitimistischen Anpassung nahestehenden Persönlichkeit di, Ueberleitung zur mon» archtsti schen Staatssorm vorzubereiten und damit die endgültige Ausschaltung der Anschluß frage z» erreichen. Gerüchtweise verlautet, daß in legitimistischen Kreisen der Staatssekretär sür das Heerwesen Fürst Schünburg-Harten- stein sowie der in Basel lebende Erzherzog Engen für die Präsidentschaft auserlesen seien. Nach der geltenden Verfassung hat im Falle eines Rücktritts des Vundeßpräst- denten der Bundeskanzler Dollsnß als stellvertretender Bundespräsident d!e A"rs«qeschät<, des Präsidenten weiter- zuführen. arbeitslos Im kapitalistischen Dänemark zu sein. Die kommunistische Presse berichte ja. baß in Rußland keine Arbeits- losigkctt sei und daß die Arbeiter dort»»ter geradezu idealen Bedingungen arbeiteten. In Dänemark mit seinen mehr als 130 000 Arbeitslosen bestehe aber nicht di« geringste Aussicht sür sie, jemals Arbeit zu bekommen. Tie sollten sich deshalb um eine Einreiseerlaubnis in Sow- jetrü bland bemühen Das ist alles. Und daraus machen die Kommunisten ciye'solche Aktion. Anstatt sich zu freuen, ins„Vaterland der Arbeiter" fahren zu können, weh- ren sie sich mit Händen und Füßen dagegen und beschimpfen mit verlogenen Behauptungen d'e dänische Regierung. Im übrigen darf hinzugefügt werden, daß die politischen Flüchl- linge in Dänemark mit größter Empörung Kenntnis von dieser Aktion genommen haben. Wenn man sich beim Matte- otti-Komitee erkund'gt hätte, könnte man nur die allgemeine Anerkennung über das Entgegenkommen der dänischen Be- Hürde» feststellen.-- Pas Neues*« Mehrere u a t ionalistische Bereinigungen des 23. Pariser Bezirks hielten am Montagabend eine Versammlung ab, die durch»1 o m m u n i st e n gestört wurde. Diese zogen vor das Vcrsammlunosgebändc und warfen mit Steinen die Fenster ein. Die Versammlungsteilnehmer stürmten darauf aus die Straße, wo eine regelrechte Straßrnschlacht cnt, brannte, bei der zahlreiche Teilnehmer verletzt wurden. Ein starkes Ucberfallkommando konnte erst nach energischem Et,,, greisen die Ruhe wieder herstellen. Ein Kommunist ist im Lause der Noch! seinen schweren Verletzungen erlegen. Die Zahl der Verhaftungen wird nicht angegeben, soll aber ziem- lich hoch sein. Nach einer Reutermcldung ans I st a n, b n l wurde der zweite Sekretär der Sowjetdotlchast i» Ankara, Mitschi«, im Badezimmer des Sowjetkonsulat» in Iftambul tot ansgesunden. Es soll sich nm Selbstmord handeln. Mitschin hatte Weisung erhalten, nach Moskau zurüchzn- lehren, und hatte bereits aus dem Dampfer„Tlchltschcrin" eine Kabine»ach Odessa belegt. Es wird behauptet, daß er, zwar offiziell aus der Diplomatcnlifte stehend, tatsächlich ein Agent der OGPU. gewesen sei. Er war etwa 83 Jahre alt und pflegte zwischen Ankara und Iftambul hin und her z» reisen. In Flensburg wurden 23 Kommunisten verhaftet, die versucht hatten, einen kommunistische» Propa, gondaapparat auszuziehen. Auf dem Iahresbankett der Pariser Bantie» Vereinigung vertrat Finanzministcr G c r m a i n Martin seine bereits im Senat verteidigte Ansicht, daß Frankreich weder an eine Inslation noch an eine Abwertung seiner Währung denken dürfe. Die Besitzerinnen eines kleinen Bauernhofes in der Näh» von RenneS hatten ihre sämtlichen Ersparnisse tn Höbe von Iltttlltt» Franke» in ein Kopstissen versteckt und dieses mit einer Schicht Stroh bedeckt. Als sie nach längerer Zeit einig- Tausender brauchten»nd di«„Schatzkammer"»ssneten, fanden sie nur»och eine» zersetzte» Papierhausen vor, die Bank- ,>oten wäre,, von Ratten zernagt worden. Aua Madrid werden starke Schneefälle«nd Regen- güHe in Mtttelspanicn gemeldet. Die Landbevölkerung soll über diesen Witternngsumlchwung hocherfreut sein, da die seit Wochen herrschende Trockenheit die gesamte Ernte zu vernichten drohte. Bei Tetnan sSpanisch-Marokkoi sing ein Militär, s l u g z e« g. das gegen eine Berqkuppe gestoßen war, Feuer und stürzte brennend ad. Der Pilot kam nms Leben. 20 Tole Schweres Eisenbahnunglück in den Ver. Staaten DNB. Ncuyort, 27 Febr. Tie Schneestürme, die gegen- wältig die Vereinigten Staaten heimsuchen, haben zu einem schweren Eisenbahnunglück geführt. Bei Pittsbnrg im Staate Pennsulvanien entgleiste die r'vlomorive eines Schnellzuges in dem Augenblick, als eine Brücke passiert wurde. Mehrere Wagen stürzten jn die Tiefe. Tic Zahl der Toten wir» mit zwanzig angegeben. Wahrend der Nacht zum Dienstag Hot der Schneefall im< vermindert angehalten. In»er limgegen» von Neunork herrscht durch»Ic oerschnet'en Straßen und Bahnlinie« ein Verkehrschaos. Mehrere Züge sind eingeichneit. Da die Zu- fuhren ausbleiben, mixd für Neuyork Kohlenmangel bc- fürchtet.■■->.' Pariser Berichte Deutsche Poliklinik i) Allgemeine Konsultationen mit 9 Spezialisten. b) Chirurgie c) Geburtshilfliche Klinik d) Zahnärztliches Kabinett Innere Median, Augen', Ohren«, Nasen« und Kehlkopf krank« Zweistöckiges)SanatorhzmsgebSnde, Vierstockiges Gebäude. Zimmer Zahn- und Mundchirurgie. Gold« heiten. Röntgen, Diathermie. Elektrotherapie, Spezialbehand« Kleine, mittlere und große Chirur* mit 1 bis 4 Betten. 3 Aerzte, 3 Heb« und Porzellankronen.«Brücken, lung bei Blut«, Harn« u. Geschlechtskrankheiten gje. Die aller modernste Einrichtung emmen and 2 Operationssäle. Kautschuk« Arbeiten Ordination täglich von 9—12 und 2—6; Sonntags und Feiertags von 19—12 und 2—4 Uhr Steuerfragen Gesellschafts* gründungen Wenden Sie sich an F» BRIQUEU LICENCIE EN DROIT ehemaliger Kontrolleur der direkten Steuer« Behörden, um vom offiziellen Standpunkt aus beraten zu werden. 25. Bd. 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Zahlreiche Pariser Künstler wohnten diesem udgewohnten Akt bei. * Abgeordneter Guernut, der Vorsitzende der neuen Unter- suchungskorainission der Kammer, erklärte der Presse, er sei jetzt weder Radikaler noch Linker, sondern lediglich Untersuchungsrichter. Abgeordneter Guernut entstammt bekanntlich dem Kreise der französischen Liga für Menschenrechte. .....*....>.... Ein rumänischer Bankier in Paris namens Constantin Costachesco, der ein Bankgeschäft in der rue des Italiens betreibt, wurde in seiner Wohnung rue Lyautey wegen Schwindeleien verhaftet. * Der bekannte Journalist und Literaturkritiker Haus Jacob, ausgezeichneter früherer Dolmetscher des Völkerbundes, hielt in der neuen Emigrantenschule in der Mutua- lite einen Vortag„Leerlauf des Völkerbundes", in dem er auf manche Mißerfolge dieser Institution hinwies. * In der Academie des Sciences murales et politiques erklärte der französische Pastor Marc Boegner, Vorsitzender der Föderation protestante de la France, daß in Deutschland gegenwärtig 7000 Pastoren gegen die Direktiven des„dritten Reiches" seien lind daß das Hitlertum hier ein ernstes Hindernis fände, da diese Geistlichen bereit seien, auch unter der Drohung der Aberkennung ihrer Bezüge und der Verbringung ins Konzentrationslager, ihren Standpunkt aufrecht zu erhalten. * Das Pariser PoliVcikommissariat Montrouge ist in das neue städtische Gebäude 32, avenue de la Republique verlegt worden. * Von der gare de Lyon fuhr ein neuer Trupp Flüchtlinge nach Marseille'ah, um sich nach Palästina zu begeben. Es waren ungefähr 83 Refugies, in der Mehrzahl Leute mit Fachkenntnissen. Auch Familien waren untör den neuen Bewohnern des Landes der Balfour-Deklaration. * Wie wir hören, erzeugt die von dem Matteotti-Comite betriebene Cooperative jetzt Radio-Apparate. * Ein neues Kollektiv namhafter Berliner Kabarettisten spielt am Samstag, dem 3. März, 20.45 Uhr, zum erstenmal in der salle Adyar, 35, avenue Rapp. Man sieht u. a. Therese Bärwald(früher Katakombe), Max Fromm(Kabarett der Komiker), Moosbarher(Tingel-Taugel), Basson(Kabarett für alle), G. Riischin(Truppe 31), Julia Marcus(Städt. Oper, Berlin), J. Kosma(Komponist). Songs, Sketches, Parodien, Conference, Tanz. Eintritt 6 und 10 Franken. « Am Mittwoch wird die französische Kammer über die Miethöhe beraten. * Die Verkehrskommission des Senats hat einen Antrag angenommen, der die Automobilisten gesetzlich verpflichtet, sich gegen Schäden gegenüber dritten zu versichern. Französischer Unferridif Der Pariser Deutsche Klub gibt bekannt: Am Dienstag, dem 27. Februar, um 20.30 Uhr, beginnt der französiche Unterricht, den der Klub organisiert. Für Gäste: 1 Fr. pro Stunde, für Klubmitglieder umsonst. Jeden Dienstag 20.30—22.30 Uhr in der Taverne Martel, 6, rue Martel(Metro: Chäteau d'Eau). Die Frage der Ausländer Aener Der Finanzausschuß des französischen Senats hat einige besonders auch für die Deutschen wichtige Beschlüsse der Kammer in Sachen des Finanzgesetzes geändert. Grundsätzlich soll nach dem Willen der Senatoren kein Paragraf eingeführt werden, der das Leben verteuert. Infolgedessen wurde zunächst die Sondersteuer für die Einheitspreisgeschäfte wieder aus dem Gesetzestext beseitigt. Auch die Erhöhung der Steuer für die großen Warenhäuser gefällt den Männern im Palais Luxenhourg nicht. Vor allem ist aber der Artikel 9 bis, der die Ausländersteuer von 10 Pariser(Theater Mercredi, le 28. Fevrier 1934 Opera. Perkain. Le Spectre de la Rose(20.30). Opera-Comique. La Vie de Boheme Paillasse(20). Comedie-Frangaise. L'Age du Fer(20.45). Odeon. Romance(20.30). Atelier.— Richard III.(20.45). Gymnase.— Le Messager von Henry Bernstein mit Gaby Morlay(21). Madeleine.— Le Passage des Princes(Offenbach)(20.45). Michodiere.— Les Temps difficiles(20.30). Michel.— Parole d'honneur(21). Oeuvre.— Une Femme qu a le coeur trop petit, von Crom- melynck(21). Palais-Royal.— La Familie Vauberlain(21). Theatre de Paris.— Tavaritch(20.45). Sarah-Bernhardt.— Alibi 14 von Jean Guitton(20.15). Chatelet.— Rose de France(20). Gaite-Lyrique. Le pays du sourire(Das Land des Lächelns) von Lehar(20.45).^ Mogador.— L'auberge du Cheval Blaue(Im weißen Röss 1). Pigalle.— La Chauve-Souris(Die Fledermaus). Regie: Max Reinhardt(20.30). Porte Saint-Martjn.— Wiener Walzer(Operette von Johann Strauß, Vater und Sohn), mit Andre Bange(20.30). Casino de Paris.— Revue: Vive Paris mit Ceeil Sorel. Im 2. Akt: Maitresses de Rois, von Sacha Guitry(20.30). Folies-Bergere.— Folies en Folie, Revue mit Mistinguett. 120.30). Prozent für ausländische Arbeiter durch den Arbeitgeber vorsah, gestrichen worden. Auch mehrere andere wichtige Bestimmungen wurden beseitigt. Natürlich ist diese Eliminierung aber noch keine endgültige, da nunmehr das Plenum des Senats noch seine Stimme abzugeben hat. Die Journalisten der Emigration In den Räumen der Föderation Internationale im Palais Royal traten die deutschen emigrierten Journalisten, die für die Pressefreiheit eintraten, zu ihrer ersten Mitgliederversammlung seit Konstitutionierung des neuen Verbandes zusammen. Georg Bernhard sprach in seinem Referate über die Frage der Ueberführung in andere Berufe. Was die Ausländerfrage angeht, so muß man auch die Gegenseitigkeitsverträge berücksichtigen. Auf die Entschließungen der drei elsaß-lothringischen Handelskammern gegen die Ueberfrem- clung machte der„Matin" eine Erhebung, bei der sich herausstellte, daß der Anteil der deutschen Flüchtlinge unerheblich ist. Im ganzen ist die wirtschaftliche Auswanderung deutschen Kapitals sehr bedeutend. Es werden Versuche gemacht, bei neuartigen Großunternehmungen Deutscher auch einen Prozentsatz deutscher Flüchtlinge unterzubringen. Alle Mitglieder des neuen Presse-Verbandes eint das Bekenntnis zur Pressefreiheit. An diesem Prinzip scheiden sich die Weltanschauungen. Im weiteren Verlauf der Sitzung wurde nach Annahme der Satzungen der Vorstand auf sieben Mitglieder verstärkt. Georg Bernhard ist erster Vorsitzender, H. v. G e r 1 a c h Schriftführer. Als Vertreter der Journalisten in Service Juridique, der im Hause der Liga für Menschenrechte arbeitet, wurde Dr. Werner C. Thormann gewählt. Festgelegt wurde, die Pflicht des Verbandes, mit jeder französischer Organisation, die sich mit dem Schicksal der Flüchtlinge beschäftigt, durch Vertrauensmänner zusammenzuarbeiten. Die Sendungen des Eiffelturms Infolge der Entscheidungen der internationalen Rundfunkkonferenz in Luzern muß der Eiffelturm bekanntlich seine Wellenlänge auf 206 Meter verkürzen. Aber die Umbauten werden mehrere Monate dauern, während derer der Turm noch auf langer Welle sendet. Dadurch entsteht nun internationaler Wellenwirrwarr, besonders in den Abendstunden. Also hat das französische Postministerium verfügt, daß der Eiffelturm von 19.30 Uhr an bloß in halber Stärke funkt. Die übrigen Tagesstunden bleibt er normal. Diese Aenderung ist bereits in Tätigkeit getreten. Jeudi, le 1. Mars 1934 Opera.— Relache. Opera Comique.— Madame Butterfly(20). Comedie-FranQaise.— Zaire, Les Folies Amoureuses(14), Monna-Vanna(20.45). Odeon.— L'Avare, Crispin rival de son Maitre(14.15), Colomba, Tempete sur les Cotes(20.30). Tm-ndero-P"'tinni'iis(Odeon) 14.15. Atelier.— Richard III.(20.45). Ojiuuase.— Le Messager von Henry Bernstein mit Gaby Morlay(21). Madeleine.— Le Passage des Princes(Offenbach)(20.45). Michodiere.— Les Temps difficiles(20.30). Michel.— Parole d'honneur(21). Oeuvre.— Une Femme qu'a le coeur trop petit, von Crommelynck(21). P»I«s Royal.— La Familie Vauberlain(21). Theatre de Paris.— Tavaritch(20.45). Sarah-Bernhardt.— Alibi 14 von Jean Guitton(20.15). Chatelet.— Rose de France(20). Gaite-Lyrique. Le pays du sourire(Das Land des Lächelns) von Lehar(20.45). Mogador.— L'auberge du Cheval Blaue(Im weißen Röss'l). Pigalle.— La Chauve-Souris(Die Fledermaus). Regie: Max Reinhardt(20.30). Porte Saint-Martin.— Wiener Walzer(Operette von Johann Strauß, Vater und Sohn), mit Andre Bange(20.30). Casino de Paris.— Revue: Vive Paris mit Ceeil Sorel. Im 2- Akt: Maitresses de Rois, von Sacha Guitry(20.30). Folies-Bergere.— Folies en Folie, Revue mit Mistinguett. (20.30). Dr. Sp6cialfiste 96, rue de Rivon— M6lro Chaieio RADIKALE HEILUNG von BLUT», HAUT, nad FRAUENKRANKHEITEN Heilang von Krampfadern and offenen Beioff nudeo Neueste Behandlungsmethoden Elektn» zität implungs verfahren Trypafi^ vine» Einspritzungen Blut» and Harn« Untersuchungen. Sper» makuitur. Salvarsan. Wismut usw. Sprechstunden täglich vo» 10—12 und von 4—8 Uhr Sonntags von 9—12 Uhr Konsultationen von 25 Fr. ah. Mao spricht d e n t• c b BRIEFKASTEN Dr B. Tie machen uns daraus aufmerksam, die„Morning Veft* ifllt« sich aus Rom melden:„dap die italienischen Faschisten Weisung erhalten hätten, den römischen Gruß jetzt in anderer Weise auszu- sühren. In Zukunft sei der Arm nur waagerecht bis zur Schulter zu erheben, nicht mehr 45 Grad darüber. Man habe festgestellt, daß die alten Römer so grüßten. Ferner soll der Gruß mit dem linken Arm ausgeführt werden, da die alten Römer mit der rechten Hand ihre Toga festzuhalten pflegten."— Damit hätten die Faschisten also auch im Gruß sich von dem Hitlers distanziert. Das wird ihnen aber nichts helfen. Wenn nächstens irgend ein Prosestor Wirth feststellt, daß die alten Germanen mit der Rechten das Bärenfell fest- hielten, werden die Nazis auch mit der Linken grüßen. Technisches Bersehen. Tie„Frankfurter Zeitung" ist ein Muster- eremplar sournalistischer Korrektheit. Am Ende eines Artikels über das große Bereidigungslheater veröffentlicht sie folgende Berichtigung:„Bei der Vereidigung der H R0 0 0 0 politischen Leiter, auf die wir bereits hinwiesen, handelt es sich nur um die politischen Leiter der Reichshauptstadt Berlin, welche Feststellung durch ein technisches Versehen unterblieben ist. Schristleitung."— (560 000 politische Leiter allein in Berlin! Eine imponierende Zif- ser. Aus süns Berliner, Säuglinge mit eingerechnet, kommt dem- nach bereits ein eigener politischer Leiter. Schriebe es nicht eben die„Frankfurter Zeitung", möchten wir es nicht glauben. H. S. Luzern. Ihr kritischer und anregender Brief war uns eine Erfrischung. Wir warten geradezu auf sachliche Kritik gut unter- richteter und vernünftig urteilender Menschen. Wir hoffen also, daß sie uns nicht zum letzten Male geschrieben haben. St. R. Ihr Beitrag zur sozialdemokratischen Programmdebatte ist ganz unzulänglich. Daß wir die sehr ablehnende Stimme Ans- häusers veröffentlicht haben, zeigt Ihnen, daß wir alles andere al? engherzig sind. Ungelesenes und undnrchdachteS Zeug mit überlebten unverstandenen Begriffsformeln lehnen wir ab. Tie sind ein Wort- setischist, aber kein Revolutionär. Das Revolutionieren mutz im eigenen Denken beginnen. Sie leben trotz Ihrer Jugend im Ber» gangenen. Anonymus. Noch immer schreiben Sie uns diese entsetzlich langen Briefe. Sie ringen mit sich selbst und glauben, daß wir uns in einem ähnlichen Zustand befinden. Darin irren Sie sich. Für uns ist Sozialismus Erkenntnis und Glauben, und in beidem sind wir unerschütteri. Setzen Sie doch endlich mal Ihren Namen unier ein Schreiben. Auf unsere Verschwiegenheit können Sie sich verlassen. Lesen können wir diese viel zu langen Brief- nicht. Wir begnügen uns mit einigen Bruchstücken, die ja einigermaßen erkennen lassen, worauf Sie hinauswollen. Paul, Zamadeu. Sie schicken uns eine» Aussatz eines Herrn P a ul Magka aus dem„Westdeutschen Beobachter" in Köln, der mit diesen klassischen Sätzen beginnt:„Uebcr ein Jahrzehnt hindurch konnte man dem deutschen Bolle ein ihm angeborenes Recht, die deutsche Kultur, vorenthalten. Das Deutschtum, wurzelnd in seiner Stärke, dem Volkstum, wurde beivußt und mit klar zu erkennender Absicht von gewissenlosen, jüdisch-marxistischen, hcimatfremdcn Literaten verleugnet. TaS Schrifttum des verflossenen marxistischen Systems hat es immer wieder klar und eindeutig bewiesen, wie wesensfremd es dem deutschen Volke gegenüberstand. Verhetzendes und zersetzendes Schcinliteratentum halte nichts mehr mit dem hohen Wert einer völkischen Dichtung zu tun."— Also Herr Magka. Sie schreiben uns dazu, daß Sie selbst es ei» Jahr vor der„nationalen Revolution" gewesen seien, der diesen Herrn auf seine dringende Bitte hin de» Weg z»„gewissenlosen, jüdisch-marxistischen, Heimat- fremden Literaten" geebnet hätte, damit sie seine Gedichte ab- drucken und für ihn einen Gang zum Rundfunk unternehmen. Magka mag ka— ncn Juden leiden, aber ihre Hilfe nahm er einst gern. Heut schmettert er ihnen auf kölsch seine Verachtung entgegen. U. R. Bei allem Verständnis müssen wir Ihnen doch sogen: Wie Sie sich„zutiefst empören" können, wenn Gcrhart Seger die Wahr- heii über seine Erfahrungen im Konzentrationslager berichtet, ist uns unerfindlich. Wenn in dem Konzentrationslager auch„Kommunisten", das heißt Kerle, die sich zu Unrecht so bezeichneten, sich schandbar gegen sozialdemokratische Gefangene benahmen, so hatte Seger die Pflicht, auch das nicht zu verschweigen. Wir wollen die Wahrheit wissen über Freund und Feind! Sie sind übrigens der einzige Leser, der an den Scgcrschcn Veröffentlichungen, für die Sie merkwürdigerweise uns verantwortlich machen, Kritik geübt hat. Und, wie Sie zugeben werden, nicht gerade in einer Form, die Ihrem Namen Ehre macht. Wir sind nicht leicht zu verletzen. Viel- leicht dürfen wir Ihnen den Rat geben, sich in solchen harten Zeiten nicht nur„aufwühlen", sondern stets auch den Verstand sprechen zu lassen. Ter gebietet aber, Schäden und Schädlinge in der Ar- beiterbcwegung aufzuzeigen, wo sie sich finden. Wir verwehren Ihnen die Kritik an der Sozialdemokratie nicht: die hat sie reich- lich verdient. Wenn Sic aber in dem Schmerz über den Opsertod zahlreicher Kommunisten— sind nicht auch viele Sozialdemokraten als Märtyrer gefallen?— die schweren politischen und menschlichen Mängel i« der KPD. übersehen, werden Sie bei Ihrem Gefühls- Überschwang allzu bald die schwersten Enttäuschungen erleben. Für den Gesamtinhal« verantwortlich: Johann P i tz in Dud- weiler: für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Bolkssttmme GmbH., Saarbrücken 8, Schützenstraße 5.— Schließfach 776 Saarbrücken,