jz/ti/f ^ Sinzigs unabhSugige Tagsszeiiung Veuifchiands Nummer 50— 2. Jahrgang Saarbrücken, Donnerstag, den 1. März 1934| Chefredakteur: M. B r a u n Ans dem Inhalt föecau&unq. det JCeiegsoßfee Seite 3 Wie uxitd emiqciecten JnteClektuelCen geholfen Seite 4 Die Wienee Qceuel Seite 5 JCciegsgefahe im Osten Seite 7 T>eutseh naticnaie Jxau scheeilt Seite 7 Monarchie Oesterreich? Dimilrolls Sieg Scharfe französische Warnung Paris, 28. Februar 1984. . Die Rückkehr der Habsburger nach Oesterreich soll nach h»«r vorliegenden, vorläufig noch unbestätigten Meldungen, unmittelbar bevorstehen. Die französische Außenpolitik ist dadurch über Nacht gewissermaßen aus Alarmstufe gebracht worden, wie die drohende Sprache der Presse beweist. Frank- reich kündigt mit den schärfsten Wendungen an, daß es nicht ssewillt sei, sich durch eine monarchistische Ueberraschung in Oesterreich von Italien diplomatisch au die Wand spülen 5« lassen. »Oeuvre" erinnert daran, daß in der diplomatischen Ge» schichte der Nachkriegszeit ein Präzedenzfall vorliegt. Zur Zeit der Regierung Poincarc im Jahre 1921 hat die Bot- schasterkonserenz der alliierten Mächte festgestellt, daß eine damals in Frage stehende Rückkehr der Habsburger nach Ungarn ohne Ermächtigung der Botschafterkonferenz aus- geschlossen sei. Der französische Außenminister B a r t h o u, so erklärt das Blatt, sei gegen jede monarchistische Restauration in Oe st erreich ebenso wie aegen einen Anschluß an Deutschland. Dazu sögt das Blatt die aufsehenerregende Warnung: Frank, reich werde es auf den schwersten wirt, schastlichen Druck gegen dl« Länder, die die Unabhängigkeit L e st e r r e i ch s bedrohten, ankommen lassen. Jedenfalls läßt es sich nicht mehr leugnen, daß Mussolini aus der gemeinsamen französtsch-italicnischeu Front zum Schutze der österreichischen Unabhängigkeit bereits wieder ausgebrochen ist, ja, daß diese Front eigentlich nur einen kurzen Augenblick lang als Vision bestanden hat. Einig sind die beiden Mächtegruppen— Italien und Ungarn auf der einen, Frankreich und die Kleine Entente aus der anderen Seite— lediglich in ihrem gemeinsame« Wider- stand gegen den deutschen Nationalsozialis- « u s. Im übrigen sucht aber Mussolini aus der augenblick- licheu Schwächung des Nationalsozialismus in Oesterreich sofort Sondervorteile herauszuschlagen. Der von ihm ge- plante österreichisch-ungarische Wirtschastsblock, der in der Ferne auch die Möglichkeit der Beteiligung eines ge- fügig gewordenen Deutschlands osseu läßt, bildet für die mit Frankreich verbündeten Staaten der Kleinen Entente, namentlich die Tschechoslowakei, eine geradezu lebensgesähr- liche Bedrohung. Zur Vorgesdildite Paris, 28. Februar 1984. Ueber die Vorgeschichte der gegenwärtigen österreichischen Ereignisse glaubt das»Echo de Paris" neue Mitteilungen machen zu können. Mitte Januar, so schreibt das Blatt, märe fast ein Abkommen zwischen Hitler und Doli fuß ab- geschlossen morden, wonach Habicht als Vizekanzler in das österreichische Kabinett eintreten und das Innen- und das Heeresministerium mit zwei anderen Nationalsozialisten besetzt werden sollten. Dieses Komplott sei durch Major F e y, der als Vertrauensmann Mussolinis gelte, aufgedeckt worden und Dollfuß habe auf einen Wink Mussolinis Berlin den Rücken kehren müssen. Erzherzog Eugen im Hintergrund Basel, 27. Febr. Ter angekündigte'Rücktritt des öfter- reichischcn Bundespräsidenten Miklas scheint mit Plänen gewisser Kreise zusammenzuhängen, die auf dem Wege über das Amt des Bundespräsidenten das.Haus Habsburg wieder an die Macht bringen wollen. Der siebzigjährige, gegen- wärtig in einem Baseler Hotel lebende Erzherzog Eugen gilt nach einer Wiener Meldung als Kandidat für den Posten des Bundespräsidenten. Aus der Umgebung des Erzherzogs wird dazu der Schweizerischen Depeschenagentur versichert^ diese Meldung sei für den angeblichen Anwärter völlig neu. Der Erzherzog selbst hat sich geweigert, einen Vertreter der„Baseler Nationalzeitung" zu empfangen. Er erklärte, er wisse nicht mehr als in der Meldung stehe und müsse es ablehnen, sich weiter zu der Angelegenheit zu äußern. Der Erzherzog, der im Weltkrieg Oberstkomman- dterender der Tiroler Front war, scheint also zumindest für seiner Person sich alle Möglichkeiten offen halten zu wollen. Vier nackte, kalte, graue Wände... Die Pritsche dort—. und hier als Tisch ein Brett! Tot ist die Zeit und ohne Ende... Ich möchte fort! Oh, daß die Kraft ich hätt' den dumpfen Kerker auszureißen—— Hoch über mir steht dann der Himmelsrand, an dem verblaßt die matten Sterne gleißen, vom Brand der Erde nicht ersaßt! Und da— in seinem blutigroten Schein,— da seh ich sie marschieren, die Lebenden und Toten, in ungeheuren Rcih'u! Die Hörner jubilieren! Die rote Fahne weht! Im Gleichmaß dröhnt der Schritt, aus dem die»cne Zeit ersteht—— Und ich— marschiere mit.... Boll, 1984. D. F. lassung Meldung über die Frei- bulgarischen Kommunisten Taneff versucht zu ent- Holland liefert Vier Emigranten über die deutsche Grenze gebracht■■ Auflösung eines geheimen Jugendkongresses aus! Amsterdam, 28. Febr. sEig. Berichts Die vier Deut- schen, die nach der Aufhebung des Kongresses zur Errichtung einer vierten Jugendinternationale in der Kochenend- Herberge»De Toorts" ins Polizeigefängnis des Städtchens Laren gebracht wurden, sind durch den Bürgermeister von Laren Jonkheer Nispen, ohne dem Rechtsbeiftaud der Ber- hasteten Kenntnis zu geben, überdiedeutscheGreuze gesetzt worden. Sieben von den fünfzehn sestgenom- menen Ausländern, die ins Polizeigesängnis Amsterdam eingeliefert worden sind, sind per Schub über die belgische Grenze gebracht worden. Einzelheiten über die Verschickung der Vier nach Deutschland waren nicht zu bekommen, selbst nicht für den Rechtsbeistand Mr. Benno I, Stokvis-Amster- dam, da der Bürgermeister von Laren, nachdem er An- Weisung zur Verschickung nach Deutschland gegeben hatte» verreist war. Wie jetzt bekannt gegeben wird, war der Kongreß ein- berufen von der„Kommission Centrale Internationale des Jeuues", die zugehört zur„Ligue Communiste Jnternatio- naliste" sBolschewiks-Leninistss. Die Ausweisung der vier in Laren festgenommenen Deutschen über die deutsche Grenze kommt einer Ausliefe- r«ng an Nazideutschland gleich. Denn über das weitere Schicksal der Vier besteht wohl kaum ein Zweifel. Dieser Bruch des Asnlrechts wirst ein krasses Schlaglicht aus die zunehmende Faschisierung Hollands, vor allem in den kleineren Städten. Wiederholt ist es vorgekommen, daß Bürgermeister kleinerer Orte, vor allem im Osten des Landes, versucht haben, deutsche politische Flüchtlinge über die deutsche Grenze zu setzen, obwohl der Artikel 12 des Fremdengesetzes ausdrücklich sagt, daß der Fremde, der als eine Gefahr für die öffentliche Ruhe erachtet wird, über d i e Grenze gesetzt wird, die er selbst angibt— sosern dies wöglich ist. In diesem Falle hätte durchaus die Möglichkeit bestanden, die vier jungen Deutschen über die belgische Grenze zu setzen. I« früheren Fällen gelang es durch Ein- greisen der zentrale» Instanzen, die Ausweisung nach Deutschland unmöglich zu machen. Der Bürgermeister von Laren hat die Auslieferung an Deutschland vorgenommen, ohne den Rechtsbeistand der Verhastete« in Kenntnis zu setzen und damit das Asylrecht geschändet. Ein Eingreifen zugunsten der Bier von Amsterdam aus war unmöglich, da die Bier bereits an oder gar über der Grenze waren, als ihre Ausweisung bekannt wurde. Die Erregung in der holländischen Arbeiterschaft über diese grausame Willkür des Bürgermeisters von Laren ist sehr groß. Ein kurzer, amtlicher Bericht über die Aushebung des Kongresses besagt, daß die Verhaftung erfolgte, weil die Festgenommenen das Verbot der politischen Betätigung von Fremdlingen in Holland verletzt hätten. »* Amsterdam, 28. Febr. sEig. Bericht.) Die holländische Polizei hob am Samstag in der Nähe von Laren bei Amsterdam einen sozialistischen Jugendkongreß auf, der z u r Errichtung einer IV. Jugendtnter nationale einberufen worden war. Sämtliche ausländischen Delegier- ten, im ganzen 19 Personen, darunter 8 Vertreter Deutsch- lands, ferner Vertreter ber Norwegischen Arbeiterpartei, der Moni Tag Partei jedenfalls Norwegen) und acht Vertreter der Internationalen Kommunistischen Liga sTrotzkisten) wurden verhastet, da sie entweder ohne gültige Pässe waren oder kein Ausenthaltsvisum der Fremdenpolizei hatten. Fünfzehn der Verhafteten wurden auf Lastautos ins Amster- damer Polizeigefängnis und ins Amsterdamer Unter- suchungsgefängnis eingeliefert, da das Larener Polizei- gesängnis nur über 4 Zellen verfügt. Die Delegation der Trotzkisten bestand aus zwei Amerikanern, einem Belgier, einem Franzosen, zwei Schweizern und zwei Deutschen. Die Fortsetzung siehe 2. Seite« Die amtliche deutsche und Ausweisung ber D i m i t r o f f, P o p o f f und schuldigen, daß die vor zwei Monaten Freigesprochenen jetzt erst in Freiheit gesetzt wurden. Die Ausweisung habe bisher nicht erfolgen können, weil die bulgarische Regierung die drei Kommunisten nicht als bulgarische Staatsangehörige anerkannte und ihre Uebcrnahme ablehnte. Nachdem sie russische Staatsangehörige geworden seien, habe die Ab- beförderung nach der Sowjetunion erfolgen können. Diese Sätze kennzeichnen die Verlegenheit der Reichs- regierung, die nicht zugestehen will, daß sie erst durch die Empörung der Weltöffentlichkeit und wiederholte Schritte der russischen Regierung gezwungen worden ist, sich einiger- maßen den Gepflogenheiten eines Rechtsstaates anzupassen. Wenn sie das freiwillig hätte tun wollen, würbe sie niemand gehindert haben, die freigesprochenen Bulgaren sofort zu ent- lassen und sie unter Polizeiaufsicht zu stellen oder ihnen die Abreise nach einem beliebigen Lande freizustellen. Es ist bisher nicht bekannt geworden, daß andere Länder ihnen die Einreise verweigern wollten. Und wie steht es übrigens mit Torgler? Wird dieser deutsche Kommunist etwa von der deutschen Reichsregierung nicht als deutscher Staats- bürger anerkannt? Wird seine„Uebernahme" außerhalb der Gefängniszelle von Deutschland abgelehnt? Daß er ein- gekerkert bleibt, beweist, daß die Reichsregierung sich nur widerwillig unter dem Druck des Auslandes zur Freilassung der drei Ausländer verstanden hat. Der Deutsche Torgler bleibt weiter außerhalb der Garantien eines Rechts- staates. Die Verlogenheit der Reichsregierung äußert sich in dem Hinweis, sie habe darauf warten müssen, daß Dimitroff und Genossen russische Staatsbürger wurden. Rußland würde den drei Kommunisten die Einreise auch nicht verweigert haben, wenn sie nicht die russische Staatsbürgerschaft besessen hätten. Das mußte die Reichsregierung. Dennoch blieben die Freigesprochenen in der Gewalt Görings, dessen Rache sie vernichten wollte. Erst als eine Freilassung anders nicht zu erreichen war, hat Sowjetrußland, zögernd genug, den drei Kommunisten das russische Staatsbürgerrecht verliehen. Als auch das nicht ohne weiteres die Freilassung bewirkte, mußte die russische Botschaft zweimal sehr ernst bei der Reichs- regierung vorstellig werden. Das erste Mal durch mündliche Borstellungen und dann durch die Uebcrreichung einer dringend gehaltenen Verbalnote. Beide Schritte blieben erfolglos. Die Verbalnote wurde nicht beantwortet. Ein weiterer Schritt des russischen Botschafters stand bevor, und die Angelegenheit drohte gh einer neuen schweren Belastung der deutsch-russischen Beziehungen zu werden, auf deren Entspannung die Rcichsregierung in ihren öffentlichen Reden so viel Wert legt. Nicht zuletzt auch deutsche Wirt- schaftskreise haben schließlich sich ins Mittel gelegt. Sie befürchteten, daß jede Hoffnung auf Belebung des Russen- geschäfts schwinde, und der Weltboykott gegen deutsche Waren durch den.Abscheu vor der deutschen Regierungs- barbarei einen neuen Auftrieb erhalte. So wurde der Reichskanzler allmählich mit wirtschaftlichen und außenpolitischen Gründen für die Freilassung gewonnen. Er legte sich durch sein dem„Daily Mail" gegebenes Jnter- view öffentlich fest^ Görinn, der stur und haßerfüllt blieb, sagte derselben„Daily Mail" im Gegenteil, Dimitroff bleibe in seiner Gewalt. Schließlich mußte auch der Galgenminister widerspenstig und protestierend sich fügen. Man bestach den seelisch kranken preußischen Staatsführer, der sich in Henker- fantnsien wiegt, durch ein Geschenk an seine immer un- befriedigende Eitelkeit. Da er über alle ihn erfreuenden Uniformen schon verfügt, machte man ihn am Jahrestage des Reichstagsbrandes zum Ehrenbürger von Berlin und bestätigte ihm in feierlicher Urkunde, bah er die Reichs- Hauptstadt in jener Brandnacht vor einem kommunistischen Ausstand gerettet habe. Dieser lächerliche Schwindel, den nur noch eine Minder- heit im Reiche und im Ausland niemand glaubt, kann die furchtbare Niederlage Görtngs nicht verdecken. Ihn, der die Vernichtung des Kommunismus als seine Lebensaufgabe betrachtet, hat ein Kommunist vor der ganzen Welt besiegt. Erst im Gerichtssaal zu Leipzig und nun hadurch, daß er als freier Mann Deutschland verläßt und als Triumpbator in Sowjet-Rußland einzieht, von wo er den Völkern der Erde— trotz aller furchtsamen Absperrung auch vielen Deutschen— sagen wird, was er im Reiche der Hitler und Göring erlebte. Wie hat der allmächtige Ministerprästdcnt Preußens vor dem Reichsgericht, das den wehrlosen Angeklagten vor dem General und dem Minister nicht zu schützen wagte, dem „Gauner" Und„Verbrecher" den Tod geschworen. An den Galgen sollte Dimitrofs.„Warten Tie nur. bis Tie hier herauskommen..Er kam heraus und besiegte Göring noch einmal, indem er lebend und denkend nun den Boden Rußlands betritt. Es ist ein persönlicher Sieg des Bulgaren, seiner hohen Aeistlgkett und seiner unerhörten Kampfkraft. To bat er gewaltige moralische Kräfte in der ganzen Welt für sich mobilisiert. Bei weitem nicht nur Sozialdemokraten und Kommunisten, gerade auch religiöse Mächte setzten sich siir Leben und Freiheit Dimitroffs ein. Noch immer gibt es ein Weltgewissen. Auf die ReichSregiernng würde es freilich keinen Eindruck gemacht haben. Sie wurde erst gefügig, als schwere wirtschaftliche Nachteile drohten. Rußland bereitet großartige Ehrungen Dimitrosks vor. Er ist zum Obersten der Noten Armee ernannt und ein Kavallerieregiment ist ihm verliehen worden. Seine Reise durch Towjet-Rußland wird zu einer Triumphiahrt werden und zu einer kommunistischen Agitation größten Stils. Die Dimitroff-Fciern werden durch den Moskauer Tender ver- breitet. Millionen und Abermillionen werden den Mann durch den Aether sprechen hören, dessen Schicksal sie monate- lang in Spannung hielt. Der kleine van der Lübbe ist ermordet, aber der große Dimitrofs lebt. Die blinde Rechtsbarbarei des deutschen Fa- schiSmus hat sich durch ihre eigenen Verbrechen einen Gegner von Weltformat geschaffen. Dimitrofs ist für die Hitler und Göring ein Schrecken und für ungezählte Millionen Kamps und Hoffnung auf Sieg. * Moskau, 27. Febr. Die drei Bulgaren Dimitrofs, Popoff und Taneff sind am Dienstagabend im Mos- kauer Flughafen eingetroffen. Goflesslreller Niemöller Zum deutschen Kirchenkonflikt Berlin, 26. Febr. Der Leiter der oppositionellen Rot- gcmeinschaft der evangelischen Pfarrer, Dr. Niemöller, dessen Absetzung von seiner Gemeinde nicht anerkannt worden ist, hat am Sonntag in seiner Kirche in Dahlem den Gölte»- dienst geleitet. Die Kirche war überfüllt und es waren in ihr viel« Uniformen zu sehen. Der Gottesdienst galt besonders den Toten des Weltkriege». Wegen dieses Eharakter« de» Gottesdienste» wurde nichts von dem sich wieder verschärfen- den Konflikt in der evangelischen Kirche gesprochen. ES wird aber zweifellos bei einer passenderen Gelegenheit die Resolution, des Gemeinbekirchenrates verlesen werden, in der Dr. Niemöller— entgegen der Order der Kirchen- führung— zum Verbleiben in seinem Amte aufgefordert worden ist. In diesem Sonntagsgottesüienst war die Wahl dev Textes Römer 8, SS lWeder Hohes noch TiefeS noch keine andore Kreatur mag uns scheiden von der Liebe Gotte», dir in Christo Jesu ist, unserm Herrn) bezeichnend. Daneben siel auf, daß im Kirchengebet in keiner Weise der Führer des Staates gedacht wurde. Diese Tatsache beweißt, wie groß jetzt wieder die Spannung in der evangelischen Kirche ist. Die Haltung von Dr. Nicmöller und setner Gemeinde ist nur ein Excmpel von vielen, die jetzt in den verschiedensten Teilen des Reiches zu erleben waren. Die Notgemeinschaft der Pfarrer lebt noch. Die„Freie Sunode", eine Bewegung, die im Rheinland zuerst entstand, hat sich inzwischen aus Pommern ausgebreitet. Dort sind vor kurzem eine Anzahl Pfarrer ihre? Amtes enthoben worden, weil sie in der oppositionellen Bewegung eine führende Stellung«in- genommen hatten. Eine„Freie Snnode" der fünf reformier- ten Gemeinden von Pommern fand in Stettin statt. Sie yahm eine Resolution an, die in ihrem Inhalt voll den Erklärungen der rheinischen„Freien Synode" entspricht. »Ostunßs-Pesslmismus Edens schwierige Reise London, 28. Febr. Ueber das englifch-italienische Ad- rüstungSkompromtß, da» zwischen Eden und Mussolini zu stände gekommen sein soll, wird bekannt, daß c» sich auf folgende Punkte beschränkt: 1. Aufrechterhaltung des Statu» quo für die b e w a ff n e t e n Rationen,' 2.Internationale Vereinbarung über die Beseitigung de» chemtschen KriegeS: 8. Vereinbarung über eine wirksame Kontroll«, bei der vor allem Deutschland leinen guten Willen zeigen soll: 4. Besondere Vereinbarungen übek die mtlitärähnltchen Or- ganisationen. Hinsichtlich der Ergebnisse dev Besuchs Eden« in Berlin wird nun der Pessimismus nicht mehr verheimlicht. Nicki nur die deutsch-französische Kluft ist unübcrbrückt. auch zwischen dem englischen nnd dem deutschen Standpunkt sind große Meinungsverschiedenheiten. * Der Außenpolitiker deS'.Jour" schreibt, man sei am kri- tischen Punkt de» Manövers angelangt. Man müsse den Mut haben, nein zu sagen, ohne Angst vor der etwaigen Beschuldigung, daß wir die Abrüstung»um Scheitern ge- bracht haben.— Die Außenpolitikerin des„Oeuvre" rechnet damit, daß die französischen Minister Lord Eden eine Art passiven Widerstandes entgegensetzen werben. Sie würden ihm nicht verheimlichen, daß ans jeden Fall die halbmilitärischen Verbände, ob kontrolliert oder nicht, ob entwaffnet oder nicht, in die in Aussicht genommene 890 999- Mann-RetchSwehr einbegriffen werden müßten, und daß außerdem Garantien für die Durchführung de» geplanten Abkommen»»u schaffen seien. Holland liefert aas! Fortsetzung von der 1. Seite. Trotzkisten vertraten außerdem Kanada, Australien, die Tscheche! und Polen. Nur England war nicht vertreten. Ebensalls verhaftet wurde ein Dolmetscher, der Schweizer Staatsangehöriger ist. Er ist im Lause de» Sonntag» frei- gelassen worden, da er seit Jahren in Holland wohnt, und nur zur Vcrdolmetschnng engagiert war. Die geheime Konserenz war durch Spitzel der Polizei«er» raten worden. Wir erfahren dazu folgende Einzelheiten: Die Konferenz hatte gegen 18 Uhr in der bei Laren ge- legenen und einem unabhängigen Soziattstcn gehörigen Lagerhcrberge„De ToortS" begonnen. Außer den 19 Ausländern nahmen 12 Holländer, Vertreter der Sozialistischen Jeugdvercenigingn Holland verbietet, jenes Rundschreibens, da» auch sch?8 Anlaß zur strengen Bestrafung des deutschen Romanschrift- steiler» Heinz Liepmann gab. » Protest gegen Liepmanns Verhaftung Pari», 27. Febr.(Jnpreß.) Wir erfahren, daß das folgende Telegramm an den holländischen Justizminister abgeschickt worden ist:„Der Schutzverband Deutscher Schriftsteller protestiert gegen die willkürliche Verhaftung deS Kollegen Liepmann und erwartet, daß das Heimalland Multatuli» den Hitler-Hcnkcrn keine Henkcrsdienste leistet." Liepmann wurde bekanntlich in Holland wegen„Beleidigung" Hinde»' burgs zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Das Neueste Nach eine» Verordnung der österreichischen Bunde»regie» rung kann da» Bundeskanzleramt aus Gründen der Ans» rechterhaltung der öffentlichen Ruhe, Ordnung und Sicher« heit Personen, die in einem öffentlich«*«#** lichen Dienstverhältnis stehen, ihre» Die«' fte» enthebe«. Die Bezüge der Enthobenen können i* diesem Fall bis auf zwei Drittel herabgesetzt werben. Die gleichen Bestimmungen gelten für das privatrecht» liche Dienstverhältnis jener Personen, deren Dienst« geber öffentlich-rechtliche Körperschaften oder öffentliche Fonds stnd, die von öffentlich-rechtlichen Körperschaften vtu waltet werden. Ausdrücklich wird in der Verordnung daront hingewiesen, daß auch di« österreichischen Bundesbahn«» dazu gehören. Die militärischen Operationen in Marokko haben leb« hasten Protest der sozialistischen«nd kommunistischen Presse hervorgerufen. Insgesamt sollen 11 996 Quadratkilometer nicht unterworfenen Gebiete» im äußersten Lüdwesten besetzt werden. Zn diesem Zweck sind 89 999 Mann«in» geborene Schützen eingesetzt worden, deren Vormarsch durch eingeborene HilfStruppen, durch Artillerie, Pioniere»nd Fliegerabteiinngen unterstützt wird. Der französische Ministerrat, der am Dienstag fpäi abend» unerwartet einberufen wurde, beschäftigte sich in etnstündiger Beratung mit dem Stavisky-Skandal nnd bestätigte die Amtsenthebung de» Generalstaatsanwalts Preflard. Der französische Senat hat den Artikel de» HanShaltS« planes, durch den die Regierung ermächtigt wird, aus de« Verordnungswege alle erforderlichen Einsparungen zu machen, angenommen«nd der Regierung daS Vertraue« ausgesprochen. In einer Fabrik für Feuerwerkskörver von Dreines lDepartement Jsere) ereignete sich bei elektrische« Bohrarbeiten eine Ervlosion, durch die der leitende Ingenieur und sieben Facharbeiter schwer verletzt wnrden. Der 18jährige deutsche Schüler Kurt Matzing wurde in Riga aus der Straße von einem 19jährigen lettischen Schüler erstochen, angeblich weil er ein deutsche» Lied vor sich hin sang. Neber die neuen Methoden der amerikanische» andelSpolttik sind Einzelheiten bekannt geworden, anach vlant Rooscvelt eine Herabsetzung der Schutzzölle für Industriewaren, damit das Ausland, daS amerikantfch« Farmerzengntsse kauft, Industriewaren in Amerika ein» führe« kann. Hierdurch solle« die Preise der amerikanischen LandwirtschastSerzeugnisse erhöht werden. Di« Pariser Autodroschkensahrer streiken noch immer. Die Disziplin hat sich allerdings gelockert. Eine ganze Reihe von Antodrosckken war wieder im Pariser Straßenbild z« sehen. Die Streikenden sind über diesen Äbsall außerordentlich er» bittert. Fast täglich kommt es ,« kleineren Zusammenstöße», die manchmal zn blutigen Schlägereien ausarten. In Straßburg wurde eine von kommnnistischer und sozialistischer Seite einbernsenc Freidenkerversam«» l n n g von rechtsstehenden Besucher» gesprengt. ES kam»« lebhaften Zusammenstößen, bei denen mehrere Teilnehmer verletzt wurden. Polizei griff ein nnd ließ den Saal räumen. Die Möglichkeit einer Umbildung des britischen Kabinetts wird nach wie vor in der Presse erörtert: doch geht ans maß» gebenden Aeußernngen hervor, daß eine Neubesetzung wich» tiger Minifterposten frühestens im Mai erfolgen wird. In der„Daily Mail" heißt eS, daß dem Premierminister die Schaffung eines Propagandaministeriums nahe» gelegt worden sei. Schneesturm In England DNB. London, 28. Febr. Weite englische Gebietsteile er- lebten am Dienstag schwere Schneefälle. In Hull sollen mebr alS eine Million Tonnen Schnee gefallen fein. 600 Teleiondrähte wurden abgerissen. An der Nordoftküftc Eng- lands herrichte ein schwerer Schneesturm mit einer Wind- stärke von 199 km'h. Im Hafen von Scarborough wurden Schiffe von ihrer Vertonung losgerissen. In Brtdltngton schlug ein großer Kugelblitz ins Wasser. Darauf folgte ein heftiger Donnerschlag und ein schwerer Hagelsturm. OrancnhoHe Bluttat Weil sie sich von ihm trennen wollte DNB. Dresden, 28. Febr. Eine schwere Bluttat wurde am DienStag in der Wallotstraßc verübt. Dort hatte die 82 Jahre alte geschieden« Laborantin Erdmann eine Wohnung innc, die sie mit dem 31jährigen Psnchografologen Artur Kill- guß teilte. Wegen verschiedener Streitigkeiten wollte sie sich von Killguß trennen und am Dienstag ihre Sachen aus der Wohnung holen. Zu ihrem Schutze hatte sie sich einen Be- kannten mitgebracht. Es kam zu einer heftigen Auseinander- setzuna mit Killguß. der der Frau die Kehle durchzuschneide» versuchte. Al» der Bekannte der Frau zu Hille kam, wandte sich Killguß gegn ihn»nd brachte ihm schwere Stichver- letzungen am Arm. Brust und Rücken bei. E» gelang der Fratt und ihrem Begleiter, aus der Wohnung zu flüchten. Während der Auseinandersetzung hatte das vierjährige Söhnchen Herbert deS Killguß die Wohnung betreten. Ali die Polizei eintraf, fand sie das Kind mit durchschnittener Kehle H svPr«FSKPZBFSKPZ BFSKPZ BFSK Halsschlagader tot aus. Killguß hatte sich schwere Stichver- letzungen beigebracht und den Gashabn ausgedreht. Di« Ver» letzten wurden dem Krankenhau» zugeführt. Kriegsopfer werden beraubt Angehörige„staatsfeindlicher Parteien" dürfen verhungern Berlin» 27. Febr. Die Reichsregierung hat folgendes Ge- setz beschlossen, das hiermit verkündet wird: „Artikel 1 1.§ 18 des Gesetzes über den Ersatz der durch den Krieg verursachten Personenschäden in der Fassung vom 22.' Dezember 1027 sRGBl. 1, S. 515) erhält folgenden Absatz 2: Keinen Anspruch auf Versorgung nach den Vorschriften des Absatzes 1 begründen Gesunbheitsschädigungen, die je- mand als Angehöriger einer staatsfeindlichen Partei oder ihrer Hilfs- oder Ersatzorganisationen oder bei der Förde- rung der Bestrebungen einer staatsfeindlichen Partei im Zusammenhang mit inneren Unruhen erlitten hat. Der Reichsarbeitsminister bestimmt im Einvernehmen mit dem Reichsminister des Innern, welche Parteien als staatsseind- lich im Sinne dieser Vorschrift zu gelten haben und welche Organisationen als Hilfs- oder Ersatzorganisationen dieser Parteien anzusehen stnd. 2. Die Absätze 2 und 3 des K 18 werden Absatz 3 und 4. Artikel 2 Eine auf Grund des§ 18 des Kriegspersonenschäden- gcsetzes zuerkannte Versorgung kann entzogen werden, wenn der Beschädigte im Zeitpunkt der Beschädigung An- gehöriger einer staatsfeindlichen Partei oder ihrer Hilfs- oder Ersatzorganisationen war, oder wenn er die Be- schädigung bei der Förderung der Bestrebungen einer staats- feindlichen Partei im Zusammenhang mit inneren Unruhen erlitten hat. Die Entscheidung trifft der Reichsarbeits- minister; sie ist für die Gerichte bindend. In der Begründung des Gesetzes wird noch darauf hin- gewiesen, dast für§ 18 die Zulassung einer Ausnahme nicht notwendig erscheint, da in solchen Fällen, die bei den bereits bei den Versorgungs- oder Spruchbehörden anhängigen Sachen vorkommen können, die Bewilligung einer Ber- sorgung durch Härteausgleich möglich ist. Soweit die Entziehung der Entschädigung in Betracht kommt, soll sie von den Verhältnissen des Einzelsalles ab- hängig gemacht werden. Auch darüber entscheidet der Reichsarbeitsminister." * Dieses ungeheuerliche Borgehen der Reichsregierung be- beutet, dast einer grasten Anzahl von Kriegs« opfern die Renten geraubt werden sollen. Wen die Herrschaften unter„staatsfeindlicher Partei"»er- stehen, ist bei ihrer Einstellung ja bekannt. Praktisch heistt es, dast man jedem Kriegsopfer, das nicht zur Nazibewegung gehört, die Rente streichen bzw. kürzen kann. Die Kautschuk- Bestimmungen werden von dem Reichsarbeitsminister aus- gelegt. Die Einschaltung, dast die Angehörigen„staatsseind, licher Parteien", wenn sie„im Zeitpunkt der Be« schädigung" einer solchen Partei oder auch nur der Hilss- oder Ersatzorganisation angehörten, die Rente ge- kürzt bzw. geraubt bekommen sollen, bedeutet, dast der Will- kür Tür und Dor geöffnet ist: denn nach der Nazi-Auifassung waren alle Angehörigen von Parteien mit Ausnahme der ihren, und die gab es während des Weltkrieges nicht, „staatsfeindlich". Ein Gipfel „Nationale" Kämpfer sind versorgungsberechtigt Aber nicht weniger bezeichnend ist ein gleichzeitig erlassenes besonderes„Gesetz über die Versorgung der Kämpser für d i e nationale Erhebun g". E- sieht vor. dast Angehörige der NSDAP, und des Stahlhelms sowie ihrer Gliederungen aus Antrag wegen der die Gesundheit schädigenden Folgen von Körper- Verletzungen, die sie während der Zugehörigkeit zur NSDAP., zum Stahlhelm oder ihren Gliederungen vor dem 13. November 1933 im Zusammenhang mit dem politischen Kamps für die nationale Erhebung erlitten haben, unter ent- sprechender Anwendung der Borschriften des Reichsver- sorgungsgesctzes Versorgung erhalten. Das gleiche gilt für ihre Hinterbliebenen. Die Vorschriften finden auch Anwendung aus frühere Angehörige der NSDAP, und des Stahlhelms sowie ihrer Gliederungen, ferner aus Angehörige inzwischen aufgelöster nationaler Verbände und ihre Hinterbliebenen, Die Rente eines Ge- schädigten beträgt 29 v, H. der nach dem Reichsversorgungs- gesetz zu gewährenden Gebührnisse, wenn er das 14. Lebens- jähr noch nicht vollendet hat und wenn dem Unterhalts- Pflichtigen infolge der Gesundtsichädigung besondere Auf- Wendungen erwachsen. 30 v. H„ wenn er das 14. Lebensjahr vollendet hat, 60 v. H., wenn er das 15. Lebensjahr vollendet hat, 80 v. H., wenn er das 16, Lebensjahr vollendet hat und 100 v, H., wenn er das 17. Lebensjahr vollendet hat. An die Stelle der im Reichsversorgunngsgesetz vorgesehenen Mili- tärdienstzeit tritt bei dieser Verordnung der Zeitpunkt der Schädigung. Hinterbliebenen von Personen, die infolge einer Schädigung gestorben sind. steht Sterbegeld zu. auch wenn der Verstorbene nicht Rentenempfänger gewesen ist. Auf die nach diesem Gesetz Versorgungsberechtigten finden die Vorschriften des Gesetzes über die Beschäf- tigung Schwerkriegsbeschädigter entsprechend Anwendung. * Man überlege die Konsequenz dieses ungeheuerlichen Gesetzes. Jeder„nationale" Kämpser, der als Mitglied von Rollkommandos bei der Attacke auf„Staatsseinde" zu Schaden kam ist entschädigungs- und versorgungsberechtigt. Er wird besser gestellt als der angeblich staatsfeindliche Kriegsbeschädigte, dem man nach dem neuen Gesetz mit seinen Hinter- bliebcnen die Renten vollkommen streichen kann. Die Teilnahme an.politischen Kämpfen" brachte also Ehrensold und Ehrenrente. Wer wird sich da nicht an der Mitwirkung an„politischen Kämpfen", an Ueberfällcn, Mist- Handlungen und Sturmangriffen auf Vogelsr^e reisten! Die dürfen nachher noch froh sein, wenn sie nicht den Richtern des„dritten Reichs" ausgeliefert werden. Versteht sich, dast die Versorgung aus den Mitteln der All- gemeinheit erfolgt. Sie ist dazu da, das Söldnerheer des totalen Staats auz Leben und bei Leuten zu erhalten, sobald die braunen Bonzen gesättigt sind. Aus der Begründung: „Die siegreiche Durchsetzung der von der NSDAP. ver- tretenen Weltanschauung und die Niederringung der komm», nistischen Gefahr wäre nicht möglich gewesen, wenn nicht die politischen Kämpser der NSDAP sich rückhaltslos für dieses Ziel eingesetzt hätten. Das deutsche Volk schuldet ihnen für ihre heroischen Leistungen in gleicher Weise Dank und An- erkennung wie den Volksgenossen, die im Kriege Gesundheit uud Leben für das Vaterland geopfert haben."— Im einzelne» wird bemerkt, dast der Entwurf die Versorgung nur für die Vergangenheit vorsteht, denn er hat lediglich die Versorgung der Kämpfer für die nationale Erhebung und ihrer Hinterbliebenen sicherzustellen. Dieser Kamps ist aber nunmehr abgeschlossen. Als Zeitpunkt der Beendigung ist der 12. November 1033 deshalb festgesetzt worden, weil das deutsche Volk an diesem Tage durch sein- Abstimmung ein- mütig bekundet hat. dast die Politik der nationalen Regierung seinem Willen entspricht. Saarländer- vogcllrel? Wieder eine Verhaftung im„dritten Reich" Wie die„Bolksstimme" erfährt, ist am Mittwoch ver- äangener Woche, also bereits vor acht Tagen, wiederum ein «aarländer im„dritten Reich" verhaftet worden. Es handelt bch um^den 37 Jahre alten erwerbslosen Elektriker Theo- ««r« e h n aus Püttlingen. Sehn ist in Güchenbach ge- «vre» und nach Püttlingen verheiratet. «Die„Volksstimme" erfährt zu der Angelegenheit aus Tuttlingen noch folgende Einzelheiten: Seh» fuhr< jjn vergangenen Mittwoch mit einem Saar- vrucker Spediteur nach Worms, um dort die Möbel eines 'hm befreundeten Kollegen helfen aufzuladen. Da Sehn ^erbslos ist, tat er seinem Kollegen diesen Gefallen, zumal »ch der Preis des Transportes dadurch erheblich niedriger gestaltete In Worms angekommen, begannen sie sofort mit oem Ausladen der Möbel. Während des Aufladens erschien e> n S A.- F ü h r e r in Uniform und verlangte die Pässe ues Chauffeurs und des Sehn. Er sagte darauf, daß sie, suenn sie fertig aufgeladen hätten, zur Polizei kommen sollten. Nachdem sie den Wagen fertig geladen hatten, be- gaben sich Sehn und ber Chauffeur zur Polizei. Dort wollte man beide behalten. Der Chauffeur erhob jedoch gegen diese Festnahme Widerspruch und machte die Polizei aus die Folgen aufmerksam, die dadurch entstehen würden, wenn man ihn Endlos festnehmen würde. Darauf ließ man den Chauffeur Selbstverständlich hat auch Sehn gegen seine Festnahme protestiert, jedoch ohne Erfolg. Es wurde ihm gesagt, er sei schwerer Kommunist und müßte da, bleiben. Seither hat man von ihm nichts mehr vernommen. Soweit «er Tatbestand.._ Es unterliegt keinem Zweifel, daß auch diese Verhaftung wieder aus Benachrichtigung der deutschen Polizei durch saarländische N a t i o n a l s o z i a- ^ i st e n zurückzuführen ist. Wie wäre es sonst möglich, daß sich die reichsdeutsche Polizei in Worms des Ausspruchs be- dient hätte. Sehn sei schwerer Kommunist. Es wäre nach all diesen Ersahrungen endlich an der Zeit, wenn der Völkerbundsrat gegen einen derartigen Unfug und die willkürliche Verhaftung von Saarländern, für deren Leben und Freiheit er die Verantwortung übernommen hat, e n e r g i f. Jannar, den Engländern und den Juden mal wieder gründlich geben iverde— mit einer Demonstration. Tie Parolen, unter denen marschiert werden sollte, waren die alten: Beschränkung der jüdische» Einwanderung: kein Land- vertaus an Juden. Man war gespannt. Wird die für Jerusalem und alle andern Städte Palästinas angesagte Demonstration statt- finden- legal oder illegal? Wird wieder Blut stieße»— wie in Jerusalem am 13, in Jaffa am 27., in Haifa am 28., in Jerusalem am 2». Oktober? Die Kämpfe, die in jenen heißen Herbsttagen die englisch geleitete Polizei, gebeckt von einem dichten KriegShanien schwer bewaffneter Soldaten, durchführte, waren für die Mandatarmacht Prestige- schlachten. Die arabischen Demonstrationen waren verboten gewesen, ihre Führer wiederholt, zuletzt sogar vom High- Eommisstoner Wauchope selbst, gewarnt worden. Ob die Polizei richtig vorgegangen ist? Eine UntersuchungSkom- mikfion tagt noch jetzt hinter verschlossenen Türe»... Nachdem die von der arabischen Exekutive i» wirtlich unverantwortlicher Weise in die Feuerlinie geschickten Opfer, arme Fellachen zu meist, zur Ruhe bestattet waren, begann— eine unruhige Zeit, allerdings nur für die Juden. Die Polizei veranstaltete eine wilde„Tonristenjagd" aus jene paar tausend Immigranten, die sich mit einem abgelaufenen Touristenvisum oder überhaupt ohne Ausweis widergefetz- I ck, jm Lande aufhalten. Wer geiaßt wurde, sollte erstens der Bestrafung und zweitens der LandeSgrenze zugeführt werden: mag er selbst sehen, wie und wo er weiterlebt... Angeber»nd Spitzel witterten Beute. Die Pechvögel unter ihnen wurden erkannt und fürchterlich verhauen. Die „Glückspilze" verdienten iich ihren Kopilvhn. Man erfuhr die Namen derer, die die Paraarapheu'chlinge sing: es waren alles brave Men'che». die Arbeit hatten und keinem, am wenigsten aber dem Staate, zur Last kielen. T»t nicht«, der J»de wird— verbannt?o kam ein„illegaler" Schuhmacher in« GtläNanlS. der feit seinem ersten Lebenslahr In Palästina lebt, jedoch in günstigeren Zelten versäumt hatte, sich legalisieren zu lallen. Ddr jüdischen BendN-rnna vemächtlate sich eine grolle Er- regung. In einem 7>all gelang e«.„Illegale", die abtransportiert werden sollten, vom Polizeiauio herunterzuholen nnd aewokMam z» betreten Aber wenlner belächelt als dieses Zmskchenlplet wurde der Tan. an dem in Tel Aviv die anS- schließlich ist bische Pol!»»! der StaM sich einem aegen die englische Politik oroiestierenden Dewnnstrationszug der .sttynisten-Nevisianisten entgegenstellte Es gab Verwundete. In der oanzen Welt»an Meten» nro'e«'e)» Brnder- kam»f Ma" war erstaunt. lt»d nicht zuletzt»n'er dem(*tn- d»,,-k der Weltmeinung wurde der Tonristeniand Halali gebloten In» Nebriaen bat k* hir E!»mand»rnnasvrar>s der Man- ba-Sreoiernng nicht geändert. Znaelasie» werden K->v!tgsIsien mit 1000 Pfund. Handwerker mii 250 Pfund und diejenigen, die ei»6 der der Jewifh Ageney für die Zeit vom Oktober bis März bewilligten Zertifikate bekommen haben— wobei aber zu betonen ist, daß diese Zertifikatzisfer einen Bruchteil der von den jüdischen Institutionen, insbesondere auch von den Gewerkschaften, als wirtichastsberechtigt errechnete» darstellt. In Palästina herrsch» Arbeitermangel. Und daß der gegen- wärtige wirtschaftliche Aufschwung des Landes im Gegensatz zur Scheinprosperität von 1026 nicht konjunkturell begrenzt sein durfte, wird auch von nichtjudtschen englischen Experten bestätigt. Was»vollen nun eigentlich die arabischen Quertreiber? ES kreuzen sich hier mehrere Interessen. Ein paar tausend Studenten möge» von einem Groß-Arabien träumen und von dem Wunsche, erst die Juden und dann die Englander aus dem Lande zu werfen. Tie grvßagrartfchen Hinter- mann« der arabisch-faschistischen Bewegung, die EnendlS, hassen die jüdische Arbeiterschaft alS Importeur des sozialen Forlschritts. Aber sv direkt sagt man das nicht. Man erzählt vielmehr den Massen, daß im Jahre 103S hunderttausend Juden ins Land gekommen seien. In Wahrheit sind eS noch keine zehntausend. Und man erzählt ihnen, daß die„Geiahr" einer jüdischen Mehrheit drohe. Tatsächlich stehen heute etwa 230 000 Inden etwa 800 000 Mohammedanern und 100 000 Christen, unter denen auch noch viele Araber sind, gegenüber. Zugegeben nun, daß die faktische Macht einer Be- völterungSgruppe nicht in ihrer Kopfzahl zum Ausdruck zu kommen braucht, haben nicht die Juden ihren Wille», mit den Arabern zusammenzuarbeiten, tausendsach zu erkennen gegeben nnd ist es nicht so, daß diese Znsammenarbeit auch schon z» beobachte» ist»nd sich zum Vorteil der Araber be- währt? Und die Darlegung wäre unvollständig, wenn nicht hinzugefügt würde, baß die Erkenntnis dieser Tatsache allen nichtsaschistischen Arabern bewußt ist»nd oft genug von ihnen zum Ausdruck gebracht wird. Die hebräischen Zeitungen von rechts biS links waren bis zum 1«. Januar begreiflicherweise voll Erörterungen in dieser eine» Richtung. Volksversammlungen klagten in bürgerlicher Sentimentalität, daß es tm Leben der Völker keine Dankbarkelt gäbe.„Was haben wir den«rabern Gutes aetan, daß sie so mißtrauisch sind!" erklärte einer in witziger Ueberspitzung. Ein gewisses Machtge'ühl stärkte den ara- bischen Nattonalismus. in den letzten Wochen fühlte er sich wirklich oben. In subjektiv kluger Politik gaben ihm die Engländer das Zuckerbrot der beschwichtigenden Sympathie. Die seinerzeit«estgenommenen Führer der illegalen Demon- strallonen wurden mit geringfügigen Geldbußen oder Überhaupt nicht bestrast. Die Einwanderung blieb gedrosselt— abgesehen davon, ball infolge der Oktobernnruhen und der übertreibenden Unrubegerüchte die kapitalistische Immigration sowtcso nachgelassen hatte. Kam die Zionistische Exekn- tive mit dem Hinweis aus den in vielen Ländern grassieren- de» Antisemitismus, insbesondere mit der ein sichere? Re- infliurn rechtfertigenden prekäre» Lage der Juden ist Deutschland. Märten die Enqländer die Erregung der Araber in« Dreisen und warteten im klebrigen ab: statt bindender Erklärungen gab es allgemeinverbindliche Worte. Am 6. Januar begegnete der Sigh-Eommissioner dem eng- tischen Kolonialmtnlstrr Eunltsf-Sister ln Kairo. Offenbar wurde beschlossen, die Demonstration zuzulassen, nachdem liche Lehrkräfte in den USA. und eine Anzahl Tierärzte in China. Zahlreiche neue Stipendienstellungen könnten in kürzester Zeit verwirklicht werden, wenn das Komitee über seine erheblichen laufenden Verpflichtungen hinaus die nötigen zusätzlichen Mitteln hätte. Für jeden ge- schaffenen Platz müssen rund 2400 schw. Fr. im Jahre 1934 gerechnet werden. Wäre das nötige Geld vorhanden, dann könnten von den 2000 Fällen, die das Komitee in Behandlung hat, Zug um Zug 600 in Arbeit und Brat gebracht werden. Der Voranschlag sieht für 1934 an Ausgaben allein für laufende oder sofort realisierbare Fälle die stattliche Summe von 281 550 schw. Franken vor und erwähnt ferner die Notwendigkeit der Beschaffung von 88 700 schw. Fr. für sofort besetzbare Posten, für die noch keine Deckung vorhanden ist. In ihrer unbarmherzigen materiellen und seelischen Not mag vielen Flüchtlingen die Bilanz dieser Arbeit gering erscheinen. Durchgängig erleben ja die heroischen Kämpfe- rinnen und Kämpfer der gesamten privaten Flüchtlings- ürsorge bei allen Gruppen von Flüchtlingen die Auf- assung, daß sie ein Recht auf diese Hilfe hätten. Neben viel Mißbrauch, den die allmählich eingespielte Kontrolle aller Komitees fast ganz ausgeschaltet hat. findet sich weiter in vielen Fällen ein passive« Abwarten auf den Augenblick, in dem ein Ruf des Komitees in fertige Ver- Hältnisse einweisen soll. Gegen diese Auffassungen kann nicht energisch genug im Interesse der Flüchtlinge selbst Front gemacht werden. Alle Geldmittel dieser Riesen- arbeit und sie selbst sind freiwillige Opfer von Privatpersonen. Freiwillig und ohne jedes An- spruchsrecht sind auch die Zuwendungen und Ein- Weisungen. Freiwillig aber müßte und stolz in der Ueber- Windung des Ungeistes, der sie vertrieb, die Mithilfe und das Vertrauen der Flüchtlinge selbst sein! vir loten reden Ein illegale* Flugblatt Paris. 28. Febr.(Jnpreft): Die Pariser Zeitschrift„AeHeüe* veröffentlicht ei»« Reportage„Das unterirdische Deutsch- land". Ans dem Abschnitt„Die Toten stehen aus" entnehmen wir: „Ich saß in der Straßenbahn, ein Arbeiter neben wir. Er stieg früher g»s. Aus dem freien Platz fand ich ei» kleines, zusammengefaltetes Blatt Papier. ES war mit der Maschine geschrieben. Erst zu Hause las Ich cL. Von den zahlreichem illegale» Flugblättern, die heute in Teutschland aus geheim- nisvollen Wegen zirkulieren, ist dieses Flugblatt sicherlich das eindrucksvollste. Zwei in K. zum Tobe verurteilte Antifaschisten haben die- sen Brief kurz vor ihrer Hinrichtung geschrieben und einem guten Freund beim Abschied mit folgendem letzten Wunsch übergeben: Schreib diesen Kettenbrief, wenn Tu ei» Freund deS Voltes bist, viermal ab. Verstelle Deine Schrift oder schreibe mit der Maschine. Sende ihn an vier Personen tn der St>adt. auf dem Lande mit der Post, doch benutze nicht De'ne Postanstalt. Bedenke, aus 4 wird 16,128, 512 usw. bis 2194 30t, biS 16 Millionen, wenn alle Ihre Pflicht tun. Verkünde und verbreite unser letztes Vermächtnis: Sie konnten uns morde», doch der Kommunismus lebt. Schließt Tnch zusammen! Unterwühlt das Dritte Reich! Duldet nicht länger, daß die Armen anS tausend Wunden bluten und alle Opfer tragen. Rächt unfern Tod! Dir sterben im Vertrauen auf Euch, unsere Brüder. Lebt wohl. Mit die- fem Brief kämpfen ivir in Euren Reihen weiter." man mit dem Verbot im Oktober so schlechte Erfahrungen gemacht hatte. Am 16. Januar war daS arabische Fasten zu Ende, nun sollte also das laiigerwartrte, von den arabischen Faichincn gewünschte große Judensressc» beginnen— wenn auch „diszipliniert" und nur in„Demonstrationen". Aber an- gesagte Revolutionen finde» nur ln seltenen Fälle» statt. Plötzlich entdeckten nämlich die Araber, daß cd zweckmäßig sel, das große Ereigins noch um einen Tag z» verlegen, aus „Jd ul Fltr", den 17. Januar. Und dann brach ganz un- erwartet, und gewiß nicht in die politische Rechnung gestellt, der Winter aus— die Deutschen haben ihn mitgebracht, hieß es—: richtiger Winter mit Nebel, Schnee und scharfer Kälte? die Oelbäuine zitterten und die Palme» schüttelten sich. Wie das nun so ist, wenn eS in Jerusalem schneit: das seltene Ereignis bringt das Geschäftsleben zum Stocken, der Kauf- mann vergißt daö Brot zu schicken, Cafehäuscr»nd Kinos bleiben leer, nnd alles verkriecht sich hinter die armseligen Petroleumöfen, die schlecht riechen»nd qualmen, aber nur in Ausnahmefällen wärmen. Und die Araber? Sie froren genau io ivie die Juden, vielleicht sogar noch mehr. Die Hitze ihrer Kriegslust schlug um zur Eisluft der Gleichgültigkeit. Und die Schneelast, die am t0. Januar über Jerusalem lag, bedeckte ihre Pläne wie ein Mantel der mohammedanischen Nächstenliebe—. Am 17. Januar war das Wetter wieder schön, aber das ver- snhrerische Lächeln der Sonne kam zu spät,»in jetzt»och Schaden anrichte» zu können. Wegen de» Wetters der Vortage war der Massenzuzug an Beduinen, den die Städte vom Lande her erwartet hatten, ausgeblieben, und so fiel die ganze Revolution ln den linzwischen weggeschmolzenenj Schnee. Die Demonstrationen fanden zwar überall statt, aber daß dem tm Orient nie ganz harmlosen Propagandatier schon vorher die GUtzähne ausgebrochen waren, geht daran! hervor, daß selbst dir vorsichttasten Jude» Ihre Geschäfte ge> öffnet ließen. In Jerusalem marschierten etwa I50j Menschen, in Jaffa weniger alS taufend. In Hatka ungefähr 2500. Auch in Sage«, Nablus, Gaza. Bethlehem, Tulkerem, Hebron, Ramleh nnd Jericho verlief alles ruhig. Nnr wenige Demonstranten trugen Stöcke: die arabischen Pfadsinder folgten ihrer Fahne: zum Schluß der Märsche wurde eine Proklamation verlesen. Die Polizei bekam so gut wie nichts zu tun— abgesehen davon, daß sie eine Reihe indischer und arabischer Komuninlsien verhaktet« nnd in arabisch abgeküßt« Pamphlete beschlagnahmte, in den?» alle„Arbeiter, Fellachen, Beduinen, Nationalisten. Studenten nnd Revolutionäre" an'» gefordert werden, keine» Zehnten und keine Stenern melir zu zahlen, daS in den Hände» der Zionisten nnd(InendiS befindliche Land unter die Fellachen auszuteilen, die be- wailnkten Streitkräfte niederzuschlaaen. die enaljsche Re- gitrung zu stützen, sie durch eine Arbeiter- und Bauern- regiernna zu ersetzen und schließlich die Balsour-Deklaration zu zerreißen... Bis sich diele sich nicht aerade durch Bescheidenheit auszeichnenden Dünsche erfülle» werden, dürste noch viel Waller den Jordan kinabiließe». Aktueller ist die Sorge, ob die Regierung nun endlich die paar tausend„Illegalen", die im Lande sind, amnestiere» nnd legalisieren wird. Oder zerrinnt aucb diele so menschliche, so natürliche Hoffnung wie der Schnee am Rhamadan? Gottgetreu-Jerusalem« 14 Punkte Aufgestellt von der Pariser Ortsgruppe der SPD. Noch ehe der Parteiaufruf erschienen war, hat die Pariser Ortsgruppe der SPD. folgende Forderungen aufgestellt: Die SPD. kann und darf— zumal in der Emigration— ihren Kampf um den Sozialismus nicht nur führen als einen Kampf gegen Hitler und den Faschismus, sondern muß ihn positiv und eindeutig führen mit der Zielsetzung, den Faschismus durch den Sozialismus abzulösen. Die Erfahrungen aus der Niederlage der deutschen Arbeiterklasse und dem Versagen unserer Partei haben eindeutig gezeigt, daß die Demokratie in der klassengespaltenen Gesellschaft der Arbeiterklasse und ihren Organisationen zwar gewisse Freiheiten und Entwidclungsmög- lichkeiten bietet, zugleich aber den machtmäßig überlegenen kapitalistischen Gegnern ausreichende Garantien gewährleistet, die Arbeiterklasse an der Verwirklichung wirklich sozialistischer Forderungen zu verhindern.. Die Zusammenarbeit mit Klassengegnern des Proletariats in der kapitalistischen Gesellschaft, wie sie der Reformismus zum Prinzip erhob und wie sie in der Wirtschaftsdemokratie ihren Ausdruck fand, verhindert, daß die Arbeiterklasse jemals allein die Madit erobert. Sozialismus kann niemals mit Hilfe von Klassengegnern, sondern immer nur im Kampf gegen die herrschenden kapitalistischen Mächte verwirklicht werden. Ohne die Eroberung der ganzen Macht für die Arbeiterklasse und ohne den entschlossenen Willen, diese Macht mit allen Mitteln zu halten und zu verteidigen, ist die Verwirklichung der sozialistischen Wirtschaft und die Schaffung einer sozialistischen klassenlosen Gesellschaft nicht möglich. Erst nach der Machteroberung und nur in der klassenlosen, sozialistischen Ge- selschaft kann Demokratie verwirklicht werden! * Die Zerschlagung der faschistischen Diktatur und der Sieg des Sozialismus kann nur das Werk der ganzen Arbeiterklasse sein. Die SPD. darf weder darauf hoffen, noch opportunistisch darauf warten, daß der Faschismus wirtschaftlich oder durch einen Krieg zusammenbricht. Die SPD. hat eine geschichtliche Berechtigung allein als zielbewußter Gestalter der sozialistischen Gesellschaft, niemals aber als der Zufallserbe eines chaotischen Zusammenbruchs. Der Kampf der Arbeiterklasse wird geführt nicht zur Wiederherstellung der demokratischen Republik, sondern zur Errichtung der Diktatur des revolutionären Proletariats als Basis der klassenlosen, demokratischen Gesellschaftsordnung. Nur durch klare, sozialistische Zielsetzung, die kein Kompromiß und keinerlei Konzessionen verträgt und kennen darf,— und nur durch äußerste Aktivität für die Erreichung dieses Zieles mit allen Mitteln kann die deutsche Arbeiterklasse geeint und zum Sieg befähigt werden! Die Gegenwartsaufgabe der Sozialdemokratie ist es, die deutsche Arbeiterklasse in diesem Kampf für die Errichtung der proletarischen Herrschaft zu führen. Ein dringendes Erfordernis für die SPD. ist es deshalb, sich von allen Belastungen der Vergangenheit und von allen Hemmnissen zu befreien, die über ihre revolutionäre sozialistische Zielsetzung Zweifel bestehen lassen und die Breitenwirkung ihrer Aktionen im Proletariat beeinträchtigen könnten. Unter diesem Gesichtspunkt der Verantwortung gegenüber der sozialistischen Idee und insbesondere im Interesse der Herstellung der Einheit der deutschen Arbeiterklasse muß die Fühlung der Partei und die Leitung der Aktionen Menschen übertragen werden, die mit der Vergangenheit nicht belastet sind! Welfrevoluflonare a. v Von Stalin zu Hitler Zwei kommunistische Führer aus Leipzig sind zu Hitler übergelaufen. E» sind der frühere Vorsitzende der che- maligcn foinmunislischen Tiadtverordnctetisraktion Fritz Tasecke und der frühere Vorsitzende der ehemaligen kommunistischen BczirkSsraktion Walter Otto. Sic haben eine Broschüre über ihre Wandlung veröffentlicht- In der sie Hitler lobhudeln und vor Ibm ans dem Bauche rutschen. Diese beiden, die früher die Sozialdemokratische Partei aus das widerlichste bckampst haben, haben die Broschüre nicht unter Druck geschrieben. Wohl waren sie wie viele zehn- tauscnde sozialdemofraiischer und kommunistischer Arbeiter in Schutzhaft, aber sie sind feit Monaten bereits wieder in Freiheit. Tie haben die Broschüre geschrieben, um als makcl- lose Faschisten an der Karriere im„dritten Reich" teilnehme» zu können! Im Schutzhaftlager find die beiden aemeinlam mit dem früheren kommunistischen Stadtverordnetenvorstehcr aus Ehemnitz Wesche als Propagandisten für Hitler tätig gc- wesen. Sie rühmen sich dessen In ihrer Schrift. Die sozial- demokratslcken Arbeiter haben sich von ihnen mit Verachtung abgewandt, bei Ihren kommunistischen Parteifreunden fanden sie leichtere? Spiel:.Der Einbruch ins sozialdemokratische Lager war bedeoirnd schwieriger"— so heißt es in der Rene- gaienbroschiire. Bewunderung und Anerkennung für Hitler, gemischt mit schmnüiasten Beschimpfungen aeaen die Sozialdemokratie, das Ist der Inhalt dieser Broschüre. Wa? haben die Kom- niunisten anderes gelernt, als ank Sozialdemokraten zu schimpfen?(„Neuer Vorwärts".) Harle Ccf&nifnissfrafe »Für kritische Aeußerungen" Tas Sondergericht in Friedberg(Hessen) verurteilte einen mehrfach vorbestraften Schuhmacher, der'"ich in Butzbach in beleidigenden Aeußerungen gegen die Reichsregierung er- gangen hatte, zu sechs Monaten Gefängnis unter Anrechnung von einem Monat Untersuchungshaft.-«in Brauerei- arbeiter war angeschuldigt, in einer Friedberger Wirtschaft unwahre bzw. grob entstellte Behauptungen angestellt zu haben, die da? Ansehen der Reichsregierung zu schädigen geeignet waren. Das Gericht erkannte ani ein Jahr Gelang- nis unter Anrechnung von einem Monat Untersuchungshast. — Wegen ähnlicher Aeußerungen mußte sich ein Butzbachcr Schneidermeister verantworten. Er.erhielt acht Monate Gefängnis. Nr sozialistische Diktatur Ein Beschluß der polnischen Sozialisten (I.I.) Der 23. Parteitag der polnischen sozialistischen Partei(PPS.) trat am 2. Februar in Warschau zusammen. Seine Beratungen, die unter dem Ehrenvorsitz der Brester Gefangenen(Barlicki, Ciolkosz, Dubais. Lieberman und P r a g i e r) stattfanden, dauerten drei Tage. 227 Delegierte aus 43 Parteikreisen waren zu- gegen. Den faktischen Vorsitz führte der Generalsekretär des Gewerkschaftsbundes, Z u l a w f k i. Ter grundsätzliche Beschluß des Kongresses, bezüglich der programmatischen und taktischen Aufgaben der PPS. zerfällt in 8 Absätze. Sie behandeln: 1. Die Krise und die Kartelle, 2. den Faschismus und den Staat im allgemeinen, ß. die Lage der arbeitenden Schichte», 4. die Stellungnahme der besitzenden Klasse in Polen, 5. den Faschismus in Polen, 6. das Proletariat und die Bauernschaft, 7. das wirtschaftliche Programm des Soziallsmus und schließlich 8. das politische Programm.' Dieser letztere Absatz, dessen Inhalt den Hauptstreit- punkt in der allgemeinen politischen Debatte bildete, lautet wie folgt: „Um das Programm des sozialistischen Neuaufbaus Polen» zu verwirklichen, strebt die PPS. die Einsetzung einer Arbeiter- und Baucrnregicrnng an, die ihren Stützpunkt in den Massen haben und deren Kontrolle unter- liegen wird. Diese Regierung muß mit d i k t a t o- r i s ch c r Macht ausgestattet sein, die in der Ucbergangszcit unentbehrlich ist, um jeden kontcr- revolutionären Versuch Im Keime ersticken zu können. Sie wird der Ausdruck des Willens und der Interessen der arbeitenden Massen sein und sie wird ani Grundlagen ans- gebaut werden, die den Massen den entscheidenden Einfluß auf das Staatsleben gewährleisten. Nach der Nieder- ringung der reaktionären Elemente wird die Arbeiter- und Baucrnrcgierung folgende Aufgaben lösen: endgültige Begründung der Freiheit und Selbstverwaltung der großen Volksmassc, Selbstverwaltung der nationalen Minderheiten, Demokratisierung der Staatsverwaltung, der Gerichtsbarkeit und Wehrmacht und die allgemeine Volksbewaffnung nach den Grundsätzen bei Milizsystems. Eine solche Regierung kann nur als Ergebnis de8 MasscukampfeS der Arbeiter und Bauern entstehen und nachdem die Illusion in den Massen endgültig überwunden sein wird, daß ihr Los ohne die vollständige Beseitigung der Herrschaft der besitzenden Klassen und die Zertrüm- mcrung ihrer Macht im Staate sich irgendwie in erheblicher Weise bessern könnte... In den Massrnkämpieit der Bauern und der Arbeiter, deren Schauplatz Polen in der letzten Jett war, erblickt die PPS. die Gewähr, daß Apathie, Gleichgültigkeit und Tatenlosigkeit geschivundcn ist und daß die Sehnsucht nach der Einheitsfront der Arbeiter- und Bauerumasse in aller Herzen immer gcwal- tiger zum Turchbrnch gelangt..." Der Kongreß hat überdies ein ausführliches Agrar- Programm, das in 16 Punkten sämtliche Probleme des Bauernlebens und der Bauernwirtschaft aufrollt, be- schlössen. Berichterstatter war G u m p l o w i c z. Das Programm basiert hauptsächlich auf dem Prinzip der Enteignung des Großgrundbesitzes zu- gunsten des ländlichen Proletariats und der Kleinbauern. Der neue Parteirat wurde fast einstimmig gewählt. An der Spitze der Neugewählten befinden sich sämtliche Brester Gefangenen. Sodann wurde die Wahl einer Kommission beichlossen, die das Parteiprogramm reoidie- ren, es ebenso wie die Parteinstanzen der veränderten Situation und den veränderten Bedürfnissen anzupassen haben wird. In seinem Schlußwort sagte der Vorsitzende Zulawski unter anderem folgendes:„Sie haben nichl einmütig, sondern mit Stimmenmehrheit beschlossen, daß die Regierung des sozialistischen Neubaues der mensch- lichen Gesellschaft in der Uebergangsnzeit mit diktato- rischer Gewalt ausgestattet werden müsse. Vergebt nicht, daß wir nur dann nicht als lächerliche, kleine Menschen aller Welt vorkommen werden, wenn man sehen wird, daß hinter unseren Resolutionen eine wirkliche reale Kraft steht. Unsere allererste Aufgabe ist somit, diese wirkliche Kraft durch die unermüdliche Zusammenarbeit aller Parteimitglieder zu schaffen." vis Wiener Greuel Tatsachenbericht eines Kampfers von FlorICUdorf Ter Karlsbader„Volkswille" erhielt von einem Florids- dorfer Funktionär, der an den schwersten Kämpfen an diesem Wiener Stadtteil teilgenommen hat. eine Schilde- rung der Bestialitäten der Dollfuhschen Soldateska. Aus dem umfangreichen Bericht veröffentlichen wir nach- stehenden Auszug: Proletarisches Heldentum Nirgends hat die Arbeiterschaft angegriffen. Sie wehite sich nur gegen ihre Entwaffnung. Als die Maschinengewehre der entmenschten Soldateska und der Polizei in Aktion traten, griff natürlich auch der Schutzbund an. Er eni- waffnctc einige Polizciwachstuben und sperrte die ge- sangenen Polizisten, denen kein Haar gekrümmt wurde, in Kellern ein. Dabei erbeutete der Schutzbund Gewehre und etwa 1GU000 Schuß Munition. Vorher hatte Moniaguiittag Bundeshecr das Floridödorfer Arbciicrheim besetzt. Es entwickelten sich schwerste Kämpfe beim Gcmeinöcbau auf dem ehemaligen SAE.-Sportplatz, in dem etwa 300 Familien wohnen und der einige Stunden später von einer schweren L>aubitzenbaiicrie unter Granatenscuer genommen ivurde. Es gab dort eine Unzahl Toter, die noch am Sportplatz lagen, wohin sie von den Heimwchrfaschistcn zu- sammengcschlcppt worden waren. Darunter waren Gliedmaßen von durch die Granate» zerfetzten Frauen und Kindern. Schwerste Kämpfe entwickelten sich um das Ar- beiterheim. Im Verlauf von zwei Tagen»nd zwei Nächten ivechselte das Arbeitcrhcim viermal den Besitzer. Tie Faschisicnbande, unvermögend, den Schutzbund aus dem Ar- beiterheim trotz dcS GranatenseucrS wieder hinauSjU- werfen, vcranlaßte die uniformierten Bestien, daS Arbeiter- Heim mit Brandgcschossen zu belegen. Noch zwei Stunden kämpften die Schutzbündler mit übermenschlicher Kraft im brennenden Arbeiterhcini. Keinen sollten sie ledendig haben AIS die Hitze unerträglich wurde und ein Verbleiben nicht mehr möglich war, deckten vier brave Genossen den Rück- zug der übrigen und feuerten unablässig. AlS der Rückzug vollzogen war, hatten die Genossen sich selbst er- hängt, bevor die Faschisten einbrachen. Furchtbar gekämpft wurde um den riesigen Gemeinde- Häuserblock„Schlingerhof". Obwohl hier etwa 400 Familien wohnen, wurde auch dieser unier Haubitzenfeuer genommen. Der Heldenmut, mit dem die Genossen trotz der entsetzlichen Wirkungen der Granaten einen Tag und eine Nacht weiter- kämpften, war unbeschreibltch. Um den Schlingerhof von rückwärts zu nehmen, wollten die bestialischen Faschisten diesen umgehen. Da griffen von der Brunnerstraße her die Genossen Straßenbahner, die sich in der dortigen Straßcnbahnivagenrcmise verschanzt hatten, ein. Tie Poli- zei wollte im Sturm die Remise nehmen. Sic wurde glänzend zurückgeschlagen und mußte 26 Tote liegen lassen. Taraufhin wurde die Remise, die ein leichtes Dach hat, die ganze Nacht unter Tchrapnellfeuer genommen. Trotz schwerster Opfer hielten die Straßenbahner stand. Zu ihrer Entlastung griff die unweit davon stationierte Florids- dorfer Feuerwache unter Führung be» Feuerwehr- kommandanten Genossen Ingenieur Weiße! ein. Sie ver- brachten mehr als Heldentaten»nd zwangen die Artillerie zur Einstellung de» Schrapnellscuers. In derselben Zeit drangen starke Hceresteile und Polizeitruppcn auf der Prager Straße in der Richtung gegen Ieblcsee Strcbersdorf vor. Sie wurden nach schwerstem Kampfe von den Tchutzbllndlern zurückgeworfen. So tobten fast aus allen Straßen und in allen Häuserblocks von Montags nachts bis Mittwochs abends ununterbrochen die schwersten Kämpfe. Zwei Tage bemühten sich starke Truppenkörper, unterstützt durch Heimwehr, den Häuserblock„Gartenstadt", der von etwa tausend Familien beivohnt ist, zu nehmen. Zwei Nächte de» schwersten Kampfes wäre» vergangen. Ten Schntzbündlern, denen in mutigster Weise von den Frauen die Munition zugetrogen und etwas Essen gebracht wurde, hielten stand. In der Nacht von Dienstag aus Mittwoch nahm im Ueberschwemiiiungsgebiet des Tonanstrome» unterhalb der Floridsdorfcr Brücke eine schwere Hanbttzenbatterie Aufstellung. Diese bekam um 7 Uhr früh von den kvmman- diercndcn entmenschten Bestien den Auftrag, die Garten- stadt unier schweres Granaicnseuer zu nehmen. Ich war mit einem anderen Schutzbündler gerade beschäftig», von der Gartenstadt hinauskommend, gegen den Tonauschutz- dämm zu gehen, um die Stärke der Faschisten zu erkunde». Da siel die erste Granate zwischen dem letzte» und vor- letzten Stockwerk der Seitenfront ein. Tie Erploston der Granate hatte eine ungeheure Wirkung. Granaten gegen schlafende Kinder Ein Teil des letzten und vorletzten Stockwerkes flog niit einer furchtbaren Staub- und Ranchivolke in die Luit. Ein wahrer Regen von Möbelstücke» und HauSrat prasselte mit den Schuttmassen nieder. Die Granate hatte auch Tuchcntcn und Polster zerfetzt, so daß die Federn wie Schnee herumwirbcltcn. Tas zu einer Zeit, wo die Kinder noch in den Betten waren. Es folgte eine zweite Granate, die den dritten Teil des tiirmartigen Ausbaues, in dem auch eine Reihe von Woh- »unge» sind, mit allem Inhalt niederräumie. Ter Kanonen- donner vermischte sich mit wahnsinnigem Geschrei der ver- letzten Kinder. Frauen und Männer»nd Wutausbriichcn Hunderter Mensche», die in den ncbcnstchcndcn Privat- Häusern mit Entsetze» aus ihre» Fenstern dt« Wirkung der Tollfnß-Fey-Gra»atcn ansahen. Einige Minuten später ginge» einige z» hoch geschossene Granaten über das Ge- bände hiniveg. Ihr Einschlagen irgendwo an der Stadt- grenze oder in Strebersdorf war wie ferner Tonner zu hören. Tann folgte eine scheinbar zu kurz geschossene Granate. Tic fuhr direkt in da? HanStor der Stiege 1 des riesigen Häuserblocks. Kurz zuvor hatte eine Anzahl von Franc» und Kindern vom Konsumverein, der gegenüber liegt und für kurze Zeit geöffnet hatte, Brot geholt und waren diesem HanStor zugelaufen. Nach furchtbarem Krach war dieser Teil in eine ungeheure Staub- und Rauchwolke gehüllt. Wir wurden durch den Luftdruck an das Nebenhans geschlendert. Entsetzt blickten wir hin. Veredeltes Christentum Da sah ich auS der Staubwolke einen Frauenkops über den Gehsteig ins Rinnsal rollen. Gelähmt vor Entsetzen konnte ich nicht weiter. Als sich der Staub und Rauch verzogen, sah ich eine Unzahl von kleinen»nd großen Menschensüßrn und«Händen«nd sonstigen zerfetzten Gliedmaßen im Schutt liegen, durch de« das Blut drang. Für heute genug, den» ich kann nicht mehr weiter. Freiheit! Oesferre'diisdies Wiegenlied Schlafe. Kindchen, schlafe ein, Für dich ist nicht der Sonnenschein. Dein Vater ist nur ein Prolet, Der ans der Barrikade steht. Schlafe, Kindchen, schlaf. Schlafe, Kindchen, schlafe ein, Zum Sterben bist du noch zu kleisi. Herr Tollfuß ist ein guter vhrist, Er wartet, bis du größer bist. Schlafe, Kindchen, schlaf. Schlafe, Kindchen, schlafe ein, Dein Vater kann nicht bei dir sein, Er kämpft um ein Stückchen Brot, Der Kanzler schoß ihn darum tot. Schlafe, Kindchen, schlaf. Schlafe, Kindchen, schlafe ein, Die Zukunft ist noch immer dein. Veratß es nie: es waren drei: Tollfuß, Starbcinberg und Fe». Schlafe, Kindchen, schlaf. Kling. Deutsche Stimmen•(Beilage xur„Deutschen Freiheit"• Ereignisse und Geschichten Ii Ü Donnerstag, den 1. Marz 1934 Die Ecziehung zuc ilmtenschtichheU Eutdcäche aus SaacMächen ..Ach wie schön!", ruft ein Bübchen vor dem Schaufenster «ines Spielwarengeschäfts, hinter dem neben SA. und SS. in allen möglichen Formationen nicht weniger als 38 Pistolen und 3 Kanonen ausgestellt sind. Die Eltern stehen dabei und überlegen, was von den schönen Sachen sie ihrem Söhnchen schenken sollen. Ein Stückchen weiter begegnet uns ein Haufen Hitlerjungen, die bekanntlich nur zur Friedensarbeit gedrillt werden und noch nie daran gedacht haben, Frankreich siegreich zu schlagen. Drüben hat die Reichsleitung jedem Jungen einen Dolch als Ehrenzeichen mit der Inschrift:„Blut und Ehre" verliehen, wobei es dem Ermessen der Träger anheim gestellt bleibt, ob die Ehre aus dem Blut der eigenen Rasse abgeleitet wird oder aus dem Blut der„Feinde" und dem Judenblut, das nach dem schönen Liede vom Messer spritzen soll. In der evangelischen Kirche von St. Johann hören wir eine Passionsmusik von Bach. Plötzlich werden wir aus den Melodien des Meisters und dem Eindruck erbaulicher Gesänge aufgerüttelt. Der Rezitator trägt einen Aufruf von Paul Ernst vor, der mit starker dichterischer Kraft die einseitigste und unwahrhaftigste nationalsozialistische Hetze zum Ausdruck bringt. Man fragt sich erstaunt, ob denn das die Gefühle sind, die in die religiösen Stimmungen der Passionszeit gehören, ob etwa in den vordem feindlichen Nachbarländern die alten Anklagen gegen Deutschland auch in der Kirche und gerade in der Passionszeit, die doch einer innerlichen Sammlung und der Erhebung zu ewigen, der ganzen Menschheit gemeinsamen Empfindungen gewidmet sein sollte, zum Vortrag kommen. Ja, es läßt sich leider nicht leugnen: das bürgerliche Deutschland befindet sich heute in einem nationalistischkriegerischen Fieberwahn. Und es wendet skrupellos alle Mittel an, uro diese lebensgefährliche Krankheit auf die weitesten Schichten und mit grauenvoller Methodik vor allem auf die Jugend von frühester Kindheit an zu übertragen, Mittel, denen in Ermangelung ausreichender Gegenkräfte, die ja im Reich radikal unterdrückt und ausgerottet werden, leider der Erfolg nicht fehlt. Gobineau bringt in seiner„Renaissance" einige Szenen, in denen die Entflammbarkeit und zugleich die Wandelbarkeit der Kindesseele schlagend dargetan wird. Es handelt sich um Savonarola, den edlen Fanatiker, der in seiner Empörung gegen die sündigen Freuden der Welt weiteste Volkskreise begeistert, uro nachher einer raschen Wandlung der Volksgunst zum Opfer zu fallen. Da sehen wir, wie Kinder lUüet JCcauses Aufsic/U Vom Ateliec Ms nie(Zeusuc Wie der deutsche Film jetzt betreut wird, dafür gibt folgende amtliche Benachrichtigung an die Presse wertvollen Aufschluß: Die Neufassung des Lichtspielgesetzes mit der Schaffung der Stelle des Reichsfilmdramaturgen hat den Verband der Filmindustriellen veranlaßt, seine sämtlichen Mitglieder zu einer Sitzung zusammenzurufen. An ihr nahmen der Vizepräsident der Reichsfilmkammer, Oberregierungsrat Räther, der Reichsfilmdramaturg Willi Krause und aus der Industrie sämtliche dem Verband der Filmindustriellen angeschlossenen Herstellungsfirmen mit ihren wirtschaftlichen und künstlerischen Leitern, der Vorstand der deutschen Vereinigung für Filmaußenhandel, der Arbeitsgemeinschaft der Filmverleiher Deutschlands und deren als Auftraggeber an der Füroherstellung besonders interessierten Mitgliedfirmen teil. Der Leiter des Verbandes der Filmindustriellen, Direktor C o r e 1 I, bezeichnete das neue Lichtspielgesetz mit der Einsetzung des Reichsfilmdramaturcen als eine befreiende Tat, weil es durch die Errichtung der von der Industrie schon lange geforderten Vorprüfung die größtmögliche Sicherheit für die Vorzensur gebe. Unrecht hätten also diejenigen, die wieder einmal von einer akuten Krise sprächen. Die Produktion habe es noch nie leicht gehabt und stehe auch jetzt wieder vor schweren Aufgaben mit Rücksicht auf die gesunkene Besucherzahl im Inland und die bekannten Ausfuhr- sdiwierigkeiten. Auf Grund des neuen Gesetzes und des allen Mitgliedsfirmen zugegangenen Erlasses des Ministers sei jetzt im Benehmen mit dem Reithsfilmdramaturgen zur Ueberwindung der Schwierigkeiten der Weg zu finden, nämlich der Weg zur Schaffung des Films, der, wohlvereinbar mit der Weltanschauung des neuen Staates, auch dem Alnterhal- tungs- und Entspannungsbedürfnis des Publikums gerecht werde und dennoch auslandmarktfähig sei. Reichsfilmdramaturg Krause äußerte sich über die Art, wie er seine Arbeit praktisch zu handhaben gedenke. Er wies insbesondere darauf hin, daß er vom Reichsminister Dr. Göbbels eingesetzt sei nicht zur Hemmung, sondern zur Förderung und Unterstützung der Industrie. Er stehe den Filmherstellungsfirmen jederzeit zur Verfügung. Man möge sich in allen Zweifelsfragen vertrauensvoll an ihn wenden. Er sei auch bereit, Anregungen für neue Stoffe zu geben und werde sich nicht mit einem Gutachten über vorgelegte Manuskripte begnügen, sondern den Film bei seinem Entstehen im Atelier verfolgen und bis durch die Zensur begleiten. Vor Drehbeginn sollen die Beanstandungen, die früher gewöhnlich erst durch Sachverständige von der Prüfstelle vorgebracht worden seien, beseitigt sein, so daß die zukünftigen Filme einem Zensurrisiko kaum noch ausgesetzt sein könnten... ASUS Bietet sich au 11 Sack Konzentrationslyrik, Marke„Blut und Boden", sortiert nach Antisemythos und Wehrwillen, zu Ramschpreisen nach Uebereinkunft. Für alle jene deutschen Dichterlinge, deren einziger Befähigungsnachweis eine arische Großmutter ist, herrscht im „dritten Reich" endlich die ersehnte Konjunktur.(Prospe- rity for Ewers.) Nun gilts, den Anschluß nicht zu verpassen. Rührige Geschäftspoeten versenden zu diesem edlen Zweck Offerten, wie etwa die nachstehende, an die versmaßgebenden Stellen: An die Abteilung„Poesie" des Reichspropagandamysteriums Berlin- Sehr geehrte und hochgeschätzte Literaturführer! Ich beziehe mich auf Ihren geschätzten Erlaß betreffend die Erneuerung der deutschen Dichtkunst im Sinne einer erdgebundenen und schollendampfenden Wiedergeburt und offeriere Ihnen hiermit, franko Verstand, diverse Dichtungsmaterialien wie folgt: 10 Stück nationale Dramen aus Ia historischen Stoffen ab Wallensteins Lager, mit erstklassigen völkischen Pointen, garantiert humanitätsfrei, Abend- und bei Zwangsvorstellungen auch kassefüllend, zum Preise von 150,— Mark pro Stück, rasserein netto. 6 Gros tiefempfundene Gedichte in sadistischen und Gummiknüttelversen, Kleinodien aus einer deutschen Reimschmiede; darunter 2 Dutzend Hymnen an den Führer und je 1 Dutzend einmaliger Gefühlsausbrüche einer germanischen Seele und Haßgesänge wider den Erbfeind, Preis pro Dutzend 16,80 Mark,' zuzüglich 4,5 Prozent Geisteskrisenzuschlag. 780 Meter Festprologe für Gleichschaltungsfeiern, Bücherverbrennungen und Führergeburtstage. Auf Wunsch auch nach Maß. Preis 4.25 Mark pro laufender Meter. 15 Stück Germane(das sind aufgenordete Romane), mit heldischem Ueberschwang in vier Stärkegraden, spannend, belehrend, national erhebend. Darunter acht Uebersetzungen von Systemliteratur ins Neudeutsche. Preis 120,— Mark pro Stück. 75 Stück Greuelmärchen, für die reifere Hitler-Jugend bearbeitet, aus dem Ableben gegriffen, zum Preise von drei Monaten Einzelhaft pro Stück. Indem ich hoffe, daß Sie mich baldigst mit poetischen Aufträgen beehren werden, zeichne ich, mit Vorbedacht Ihren Diensten gewidmet, heilhitlervoll P g. Asus. (Für die Abschrift: Karo.) Zeitgemäße Elegie in wildem Eifer für die Gebote des Profeten selbst vor der Denunziation der eigenen Eltern nicht zurückschrecken— und wie sie in einer der nächsten Szenen Hölzchen anspitzen, um damit den inzwischen gefallenen Heiligen, wenn er als Märtyrer zum Scheiterhaufen schreitet, zu peinigen. Wer zweifelt daran, daß unsere Schulkinder, die heute auch zum Denunzieren ihrer Eltern mißbraucht werden, wenn man ihnen einige Wochen lang die Helden des„dritten Reichs" in ihrer wahren Gestalt und die Herrlichkeit des Kriegs in ihrer wirklichen Furchtbarkeit darstellte, eben so rasch ihre Besinnung wiederfinden und sich vor den grausamen Unmenschlichkeiten, zu denen man sie heute dressiert, mit Abscheu lossagen würden! Es ist ein furchtbarer Gedanke, wie widerstandslos biegsam sich die Kinderseele jedem Einfluß ausliefert, mit welch geringem Aufgebot von Ehrlichkeit, Gewissenhaftigkeit, gutem Willen sie sich zur menschlichen Betrachtung und Behandlung der Lebensvorgänge und der Mitmenschen bilden ließe— und mit welch teuflischer, planmäßiger Beharrlichkeit sie heute zur Unmenschlichkeit erniedrigt wird: zum blutigen Haß angeblicher Feinde, zu angeblich nationaler Raubgier, zur Gehässigkeit und bis zur Grausamkeit gehenden Unduldsamkeit gegen die Altersgenossen, die von anderer Art oder Sprache sind oder, dank besseren Einflüssen, im allgemeinen Taumel sich noch ihre natürliche Menschlichkeit bewahrt haben. Im Reiche ist dieses fluchwürdige Erziehungssystem nun an der Macht und wird erst mit der Herrschaft der Gewalthaber gestürzt werden. Aber warum im Saargebiet, das doch eine Brücke der Völkerversöhnung, eine Insel im Meere der nationalistischen Tollheit bilden sollte ohne Widerspruch einer doch nicht von dieser Tollwut befallenen Regierung diese menscheuverderbendeu, schließlich das deutsche Volk selbst zur Vernichtung treibenden Methoden sich ungehemmt austoben dürfen, das gehört zu den Rätseln, die wohl mit dem ganzen Wesen des Völkerbundes und seiner Hilflosigkeit gegenüber den Ausschreitungen nationalistischen Wahns zusammenhängen. Aber muß das so bleiben? Es gibt wahrhaftig so viele ausgezeichnete, in Erkenntnis und Methodik hochstehende Pädagogen deutscher Zunge, die sich dieser Verseuchung gegenüber immer erwiesen haben, daß es der Regierungskommission nicht schwer fallen könnte, hierzulande eine Lehrerbildung zu schaffen, die einen starken Halt gegen diese blutbesudelte Schlammflut bilden, die Schule zu ihrer wirklichen Aufgabe, der Menschenbildung im Sinne Pestalozzis umgstalten könnte. Eckart. Zum andern Male senken sich die Fahnen Der Freiheit und der Liebe in der^ elt. Tyrannen ziehn auf blutgetränkten Bahnen, Umringt von Söldnern und von Scharlatanen. Den Menschen schlagend für der Krämer Geld. Es ist sehr dunkel in der Welt geworden, Bevor sie noch den hellen Tag gesehn. Entsetzlich gellt das Kriegsgeschrei der Horden, Die kalten Blutes ihre Brüder morden.— Es ist so schwer, die Menschen zu versteh». H oratio. £uetgeheunes Joenistee Qebet dec(Deutschen 0 lieber Herrgott, mach mich stumm. Damit ich nicht nach Dachau kumm. 0 lieber Herrgott, mach mich taub, Damit ich jeden Unsinn glaub'. 0 lieber Herrgott, mach mich blind, Damit ich alles in Ordnung find'. Und bin ich blind, stumm, taub zu gleich, Dann paß' ich für das„dritte Reich". Der nationalsozialistische Rechtsanwalt Luetgebrune, Berlin, der von den Fememördern bis zu den Brüdern Lahusen seit je alles verteidigt hat. was das Hakenkreuz im Herzen, Blut und Dreck an den Fingern trug, schreibt in der Zeitschrift„Der Gerichtssaal", Stuttgart: „Wenn man sich nicht dem Vorwurf aussetzen will, daß sich anders als sonst in Menschenköpfen die Welt male, ist es nicht leicht, seine Meinung darüber auszusprechen, wie sich die Tätigkeit des Anwalts im neuen Staat gestalten wird." Wir glauben es! In dem gleichen Aufsatz schreibt Luetgebrune: „Die Idee des Rechtsstaats ist im neuen Deutschland nicht verlassen, sie ist vielmehr vertieft... Das Recht des neuen Staates wird nicht von Ministerialburokraten gemacht. Das Recht des neuen Deutschlands trägt der SA.-Mann im Tornister." Neben Stullenpaket. Dolchmesser, Stahlrute und einem Bändchen Hans Heinz Ewers. (Reclam gleichgeschattet Die Reclamsche Universalbibliothek war bisher aus der praktischen Arbeit des Volksbildners nicht zu streichen; da nun nach und nach der einst stolze Bau des deutschen Volksbildungswesens zerbröckelte und da heute nichts mehr von ihm übrig ist, hat sich der Verlag Philipp Reclam jun- bedenkenlos geichgeschaltet. In letzter Zeit erschienen folgende Bändchen: des Osafs letzte Reichstagsrede, die der Waschzettel natürlich als„Markstein in der Geschichte des deutschen Volkes" bezeichnet; da Hitlers Rede für ein Re- clambändchen zu dünn ist, hat der geschäftstüchtige Verleger Fricks Rundfunkrede vom 31. Januar dazugetan. Weitere Bände, die die schöne Verquickung von Geschäft und Politik dartun: Ministerialrat A. Müller:„Der Kampf um die Saar"; Hermann Gackenholz:„Das Diktat von Versailles und seine Auswirkungen";„Hitlergesetze" bis jetzt 6 Bändchen, herausgegeben von Amtsgerichtsdirektor Rudolf Beyer; Leers:„Geschichte auf rassischer Grundlage".— Diese Entwicklung der Reclamschen Universalbibliothek ist ein Symbol für den deutschen Buchhandel. 7 laziptesse in den(fchulen Rust verfügt unter U II C 20 090:„Es wird berichtet, daß Organisationen und Zeitschriften verleget an die Leiter und Lehrer herangetreten sind, um sie zum Bezug bestimmter, besonders in der allerletzten Zeit neugegründeter Zeitschriften, Zeitungen usw. aufzufordern. Sie kommen vielfach mit Empfehlungen, die amtlichen oder halbamtlichen Charakter haben und mit denen ein gewisser Zwang auf die Schulen ausgeübt werden soll.— Um Klarheit zu schaffen, wird folgendes angeordnet: Es ist verboten, Zeitschriften, Zeitungen usw. in einer Form zu empfehlen, die den Anschein eines amtlichen oder halbamtlichen Zwanges erwecken könnte. Es kann somit auch niemand zum Bezug solcher Zeitschriften, Zeitungen usw. verpflichtet werden. Es muß der Schule, den Lehrern und Schülern vollkommen freigestellt bleiben, sich für ein Buch, eine Zeitschrift, Zeitung usw. zu entscheiden, die sie selbst aus dem Verzeichnis empfehlenswerter Bücher und Zeitschriften gewählt haben. Ich ersuche die Herren Oberpräsidenten und Regierungspräsidenten, unnachsichtlich gegen alle Schulleiter und Lehrer vorzugehen, über die wegen Ausübung eines Zwanges Beschwerden einlaufen sollten." Rust hat also durch das erwähnte Verzeichnis den unsystematischen Kaufzwang in ein System gebracht. Zeit=7lotit, die überlieferten politischen Machtverhältnisse, den ihnen immer mehr widerstrebenden wirtschaftlichen Verhältnissen gegenüber aufrechtzuerhalten. Der e'nzigc Ausioeg, die Voll- endung der bürgerlichen Revolution hinauszuzögern und der Abdankung des Feudalismus zu entgehen, ist der Krieg. Denn der andre, der seltsame japanische Faschismus, die Verbrüderung der Ritter mit den Proletariern gegen d'e „kapitalistischen Haifische" im Namen des Mikados, ist ja nur auf eine kurze Strecke gangbar. Was der japanische Feudal- adel braucht, ist der Krieg in Permanez, der Krieg als Mit- tel, eine durch den WirtfchaftSwandel immer unhaltbarer werbende Herrschaft zu behaupten Es soll daran erinnert werden, daß die„Zivilisten", die Regierung in Tokio, damals eine Parteienregierung, im Herbst 1031 von dem Ucbersall der japanischen Truppen auf Mukden nicht weniger über- rascht wurden als die Chinesen in Mutten selbst. So widerspruchsvoll es auch erscheint, die wieder begin- nende Opposition bürgerlicher Elemente gegen einen neuen Krieg steigert nur die Kriegsgefahr. Wenn daS Militär sieht, daß sich seinen Plänen Gchwtertake'ten entgegenstellen, innere, aus dem Gefügt der japanischen Gesellschaft kom- mende, die notwendigerweise, gewinnen sie mir wieder etwa» Raum, schnell wachsen müsse»— dann wird es»m so eher zum Losschlagen drängen. D'e beste Antwort a»f das Mur- ren der Zivilisten ist ein Grenzzwischenfall am Amur. Die Kriegsgefahr ist größer denn je. Brief einer Henfsdinallonalen Iran Zor Stimmung im Reidie Eine deutichnattonale Frau schrieb an eine deutsche Freundin im Ausland: ... Es hat mich interessiert zu lesen, daß Sie auch von anderer Seite aus Deutschland hören und anscheinend nicht viel Gutes. Aus meinem letzten Brief konnten Sie ja auch eine reichliche Portion Skeptizismus gegen die jetzt Herr- schendcn Zustände herauslesen, und ich habe doch eigentlich so geschrieben, daß ein„Lobgesang", wie Sie meinen, daraus nicht zu entnehmen ist. Ich habe allerdings die Hoffnung, zum Ausdruck gebracht, daß der jetzige gewaltsam entfachte Ratio- nalismus nicht eines Tages ins Gegenteil umschlägt und mir doch noch den Kommunismus bekommen. Und das wäre sehr schlimm. Jetzt märe es viel schlimmer, als wenn wir erst den Kommunismus und bann eine anständige Regierung bekommen hätten. Sie haben recht, wenn Tie sagen, Deutsch- land wird zur Zeit sklavisch beherrscht. Niemand darf an der jetzigen Methode Mängeln, alles wird vorgeschrieben, und zu allem wird man„freiwillig" gezwungen. Die Zeitungen sind voller Lobhudelei über die eigene» Taten, jedes Wort, jeder Artikel, ganz gleich ob über Buch» rezensionen, Rundfunk, Wirtschast, Politik, Kirche wirb so geschrieben, daß man vor lauter schönen Worten über den Nationalsozialismus zum Schluß nicht weiß, wa» rigcnt» lich drinstand. Unser Propaganbaministerium ist sehr aus der Höhe, oh ja. Glauben Sie übrigens ja nicht, daß diese Regierung durch Zusammenlegung von kleinen Regierungen und Behörden weniger Beamte beschäftigt: dafür sind die unmöglichsten Ministerien neu gegründet worden, denn all die National- jozialisten-vollen und sollen untergebracht werden. Sicher waren manche Institute veraltet, und sicher gab es allerlei zu organisieren: doch geschieh, jetzt bestimmt viele« nur. um an maßgebende Stellen Nazi» zu setzen. Die Postenjägcret durch Parteimitgliedschaft ist größer als jemals. Wer den größten Mund hat und am besten mit den Hacken klappen kann, wird was., In den Versammlungen, zu denen die Bern,statinen gehen müssen, wenn mvali» mit Gesang durch die«trauen, wird mit fabelhaftem Wort- und Stimmaufwand von den ver- lchiedenen Rednern immer dae'elbe uber dcn berr.chen Nationalsozialismus geredet. Die mannlichen Mitglieder der nationalsozialistischen Be t r' 1^1*«$«! D1-^bisfie rl icht mich eine Art ttniwrm sich anschaffen. Die bisherigen SÄ-Uniform.« sollen geändert werden. Das kostet doch alles Geld' Aber cft ist aan, undenkbar, sich irgendwie auszuschließen. »l, eilt•»»6H||l«« W«»»< l/e»iel,, »S--Ä»-»- im mi-.« Mund»erbrannt, weil ich es bemängelte, daß ich bereits gewarnt worden bin; denn es kamen auch Frauen in» Konzentrationslager! Aus hen Zeitungen, die ich Ihnen inzwischen schickte, haben Sie vielleicht gelesen, wie viel Häftlinge zu Weihnachten aus solchen Lagern entlassen wurden auf dem Gnadenwege. Die Lager müssen also gut gefüllt gewesen sein. Es ist soviel Widerspruchsvolles in den Menschen und in der Zeit. Dt« einen, und zwar nach meiner Erfahrung die gebildeten Kreise, finden fast alles jetzt richtig und gut. soweit sie nicht besonders geschröpft werden und weil sie den Kommunismus fürchten, der sonst dieses Regime ablösen könnte. Dabei kann ich natürlich nicht die Leute tn Betracht ziehen, die be- reits eine Ftthrerstellung haben— und das sind sehr viele — odet die sonst von der Unfehlbarkeit überzeugt sind. Viele Handwerker und kleine Leute sagen mindestens, cS Ist alles Theater, wenn sie sich nicht schärfer ausdrücken. Daß die Abstimmung im November in Deutschland wegen des Anstreteiiö der deutschen Regierung in Gens so zu- gunstcn HitlerS aussallen würde, hat sich auch der glühendste Nazi nicht träumen lassen. Und da konnten die Leute sich ja äußern, da es„geheime" Wahl war, aber die Frage, die zu beantworten war, war so geschickt gestellt, daß man gar nicht anders konnte als Ja sagen. Sie hätten mal sehen sollen, wie- viel Hakenkrcuzfahnen an diesen Tagen der Abstimmung hcranshingen! In manchen Gegenden mit ausgesprochen kleinen Wohnungen an Balkon neben Balkon. Die Straßen erschienen ganz rot. ES paßt eben einer auf dcu andere» aus. Auch z. B. bei de» Winterhilfe-Sammlungen: diese Pakete wurden durch die Hauswalterleute eingesammelt, so daß jeder damit reck- ne» mußte, wenn er nur ein kleines Paket spendete, wird er durch das Hau» verklatscht. Die Warenhäuser und Kauileutc, die Fabriken, sie könnest gar nicht anders alS fortwährend spenden. Dabei sind die Sammler zudringlich: Kinder von der Hitler-Ingend haben kürzlich gleich sünimal hintereinander bei n»s an der Tür geläutet.. Für den Lutttchntz wirb eitrig gciammelt. d. h. man soll beitreten, damit man monatlich zahlt. Alle Gelber sollen in einen großen Tops fließen, wozu? Sir haben von der Reichs- kulturkammcr gelesen: nicht wahr? Die Handwerker müssen wieder alle in Innungen sein, die Freizeit soll organisiert werden ES soll eben jeder unter Aufsicht sein. Die monat- lichen Abzüge wachsei, ständig, mindestens ein Viertel des Lohne? bekommt man nicht zu sehen. Den iungcn Leuten und den Kindern macht das Nnikormtragen und durch die Stra- ßen mit Gesang rennen in«paß. Aber auch da paßt einer aus den andere» auk. und vor allem denkt jeder, er könnte ein bißchen Iw-ln werden, irgend so ein kleiner Führer einer Gruppe vielleicht. Die Minister, Göring ganz besonders, find natürlich mit ihrem Troß nnd Staatsräten usw. s» überzeugt von ihrer Sendung und Größe, daß«an nur de« Kopf schütteln kann. Nun liest man in den Zettungen manchmal Artikel, daß die anderen Länder die Juden auch nicht wollen und daß sich nationale Grüppchcn bilden, so daß man ja wirklich nicht weiß, waS aus allein mal wird und ob die Deutschen setzt nicht recht hatten, lkebrigens soll durch Rundfunk gesagt wor- den sein, daß man auch in nicht-arischen Geschäften lausen kann, da diese Leute ia auch Steuern zahlen! Man sieht wohl bereits ein, daß ste zu Anfang das Kind mit dem Bade ausgeschüttet haben. Ebenso sollen die Gehässigkeiten gegen die christliche» Logen sehr nachgelassen haben. Ich glaube, Hitler denkt setzt schon manchmal: die Götter, die ich rief, dl« werd' sch nun nicht loS. Die Arbeitslosensrage ist auch solch Problem. Von einem weiß ich: er bekam als junger unverheirateter Mann mittler- weile von der Wohlfahrt 8,— Mark pro Woche. Run muß er bei Straßenarbeiten helfen, wogegen ja an sich gar nicht» einzuwenden ist: dafür bekommt er für fünf Tage 4,— Mark mehr. D. h er erscheint nnn nicht mehr in der Arbeitslosen« statisnk, bekommt aber unverhältnismäßig wenig bezahlt. Bei diesen Notstandsarbeiten bezüglich Wegebau, Fluß- reguliernngcn usw., die für die Arbeitslosen erdacht sind, werden auch die seltsamsten Dinge gemacht, um nicht zu sagen die dümmsten. Aber dadurch, daß das Reich die Wirtschaft ankurbeln will durch Vergebung von Arbeiten und Neichs- zuschnssen. werden gänzlich sinnlose Dinge ausgeführt und vor allem sucht jeder iviedcr seinen eigenen Prosit. Viele Ar- bcitSlose wollen gar nicht mehr arbeiten: sie bekommen ihr bestimmtes Geld, sehr billige Lebensmittel, Kohlen, Frei- fahrten und allerlei gespendet und mancher, der Arbeit bat, bekommt vielleicht doppelt soviel Geld, braucht ober andere Kleidung, Fahrgeld nnd muß iininerz» spenden. Alle Stu- deuten müssdn kür die Folge eine Arbeitslagerzeit absolvie- ren, wozu denn? Sic verlieren dadurch ein Semester: sie sollen auch braune Anzüge tragen. Den Bauer« wird durch viele Maßnalinicn, z. B. die Erbhosvcrleihung, so der Ooch- »int gestärkt, daß die Auswirkungen«ich, abzusehen sind. Ich hoftc, bald wieder von Ihnen zn hören... „Geschmacklosigkeit" strafbar lJiiprcß.f Der frühere Abteilnngsdirek,or und Prokurist Dr. Kurt Tch., ein früherer Offizier, Baltikumkämpser nnd Zeitfreiwilliger gegen das„rote Hamburg", wurde vom Sonbergericht zu vier Wochen Gefängnis verurteilt, weil er über die nationalsozialistische Bewegung und deren Führer Bemerkungen gemacht hatte, die mehr als„grobe Geschinack- lostgkeit" gewesen sein sollen. Line Nazibliite sJnpreßj Der Nazilehrer Wilhelm Fesche au» Dorimun»- Barop hat aus Winterhilfsgeldern 1700 Mark unterschla»««. rei. rnniie 43-13 M£iro P I o o 1 1 e Deutsche Poliklinik Poris, OZ, Rue de la Rochefoucauld 1) Allgemeine Konsultationen mit 9 Spezialisten. b) Chirurgie c) Geburtshilfliche Klinik d) Zahnärztliches Kabinett Innere Medizin, Augen«, Ohren», Nasen» und Kehlkopfkranic» ZweistöckigesJSanatoriumsgebäude. Vierstöckiges Gebäude. Zimmer Zahn- und Mundchirurgie. Gold» aeiten. Röntgen, Diathermie. Elektrotherapie. 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Carnot 27-63 58, RUE DE PASSY, T.l Aut.uil 33-61 Pariser Berichte Pariser SfraßenKaiender Neunhundert russische streikende Chauffeure in Paris haben dem zaristischen russischen Blatt„La Renaissance"' einen Protest wegen seiner tendenziösen Haltung im Chauf- feuerstreik und seiner Unterstützung von Streikbrecherdiensten geschickt. * Die alte kleine Kirche Saint-Julien-le-Pauvre, die in Alt- Paris gegenüber von Notre Dame auf dem linken Ufer liegt, wurde nach einer griechischen beziehungsweise arabischen Messe von dem neuen recteur, Mgr. Chiniara, übernommen. Die Kirche dient dem griechisch'-unierten Ritus, einer mit der katholischen Kirche vereinten Glaubensgemeinschaft, und ist insofern ein Zeichen der Internationalität von Paris. * Nach einem Beschluß der Sozialisten der Seine vertritt Marceau Pivert diese Föderation auf dem großen Meeting anläßlich des Jahrestags des Reichtagsbrands zu Magic-City am Dienstagabend. * Der„Populaire" veröffentlicht in französischer Sprache in großem Druck den neuen Aufruf des Matteotti-Comites zugunsten der deutschen Flüchtlinge. Wie uns der Pariser Deutsche Klub mitteilt, hält er seinen wegen der Unruhen verschobenen Maskenball nunmehr am Samstag, dem 3. März, im Hotel Littre(Bahnhof Mont- parnasse) ab. Beginn 21.30 Uhr, Mitglieder frei, Gäste 15 Fr. (ermäßigte Karten für Stellungslose 6.75 Fr.). Ein großes künstlerisches Programm ist ausgearbeitet. Julia Marcus, früher Städtische Oper Berlin, bringt neueste Tänze. Deutsche Leihbücherei Monatsabonnements von Fr. 12 aufwärts. Umtausch beliebig oft. Lieferung ins Haus. Librairie du Luxemburg. 73. Bd St. Michel Telef. Odeon 30*60 öivef will Keine Konzentrationsiager Im Kreise der zahlreichen Protest Versammlungen und Kundgebungen gegen den Faschismus, die durch ganz Frankreich gingen, ist besonders die Entschließung von Givet bemerkenswert. Givet liegt oben in den Ardennen, ein kleiner Industrieort neben der belgischen Grenze. Die dortigen Proleten aller Richtungen sind zusammengekommen und haben ganz einfach erklärt, sie wollen nicht Konzentrationslager kennen lernen, wie ihre Kameraden in Deutschland und Italien, den benachbarten Ländern. Mit dieser einfachen Logik beschlossen sie die Einheitsfront. Beerdigung eines Kameraden An der Mairie Bietre trafen sich an einem dieser Februar- morgen, in denen Paris im Lichte des Vorfrühlings liegt, die Kameraden des Reichsbanners, vertriebene Sozialisten und Gewerkschaftler, um einen der Ihren, der auf fremdem Boden gestorben ist, zu bestatten. Der deutsche Transportarbeiter Jakich, der drüben in„Feindesland"' in einer Strafanstalt gefangen war und nach vielen Leiden entlassen wurde, weilte hier im gastlichen Frankreich als einer der vielen, die ihre Heimat verloren haben. Jetzt starb er infolge mancher Entbehrungen an einem Lungenleiden. Auch er ein Opfer derer, die die Menschlichkeit aus dem deutschen Lande vertrieben. Die Kameraden standen an seinem Sarge und senkten mit einer Gedenkrede eines der Freunde vom Matteotti-Comite den Leichnam in die kühle Erde des Pariser Vororts. Abermals Bocholt des Hakenkreuzes In der Bretagne, der Normandie, an der Gironde usw. haben sich die französischen Hafenarbeiter systematisch geweigert, Schiffe zu entladen, die mit der Hitler-Flagge ankommen. Ein neuer Fall wird jetzt vom Mittelmeer gemeldet. In Nizza liegt zur Zeit das deutsche Schiff„Gonu" mit dem Hakenkreuz auf blutrotem Grund, aber die Docker der Azurküste weigern sich, die Ladung der Hitler-Firmen an Land zu bringen. (Pariser(fheater Jeudi, le 1. Mars 1334 Opera.— Belache. Opera Comique.— Madame Butterfly(20). Comedie-Fran?aise.— Zaire, Les Folies Amoureuses(14), Monna-Vanna(20.45). Odeon.— L'Avare, Crispin rival de son Maitre(14.15), Colomba, Tempete sur les Cotes(20.30). T--."-dero I 1''-nn'fi'«(0 leon) 14.15. Atelier.— Richard III.(20.45). Gjnmase.— Le Messager von Henry Bernstein mit Gaby Morlay(21). Madeleine.— Le Passage des Princes(Offenbach)(20.45). Michodiere.— Les Temps difficiles(20.30). Michel.— Parole d'honneur(21). Oeuvre.— Une Femme qua le coeur trop petit, von Crommelynek(21). Palais-Royal.— La Familie V auberlain(21). Theatre de. Paris.— Tavaritch(20.45). Sarah-Bernhardt.— Alibi 14 von Jean Guitton(20.15). Chatelet.— Rose de France(20). Gaite-Lyrique. Le pays du sourire(Das Land des Lächelns) von Lehar(20.45). Mogador.— L'auberge du Cheval Blanc(Im weißen Röss'l). Pigalle.— La Chauve-Souris(Die Fledermaus). Regie: Max Reinhardt(20.30). Porte Saint Martin.— Wiener Walzer(Operette von Johann Strauß. Vater und Sohn), mit Andre Baugc(20.30). Casino de Paris.— Revue: Vive Paris mit Cecil Sorel. Im 2. Akt: Maitresses de Reis, von Sacha Guitry(20 30). Folies-Bergere.— Folies en Folie, Revue mit Mistinguett. (20.30). Rlesensdimnggel aus dem..drillen Reidi" Wie aus Straßhurg berichtet wird, ist dort ein wohlorganisierter Schmuggel aus dem Reiche Adolfs aufgedeckt worden. Eine Pascherbande, die Filialen an verschiedenen Orten des gleichgeschalteten Landes unterhielt, schmuggelte mit großer Kunst vor allem Seidenstrümpfe und Thermosflaschen über die elsässische Grenze. Der Betrag der ausgeführten Waren wird auf mehrere Millionen Franken errechnet. Ein neuer Beweis, wie ausgezeichnet es der neue Volkskaiser versteht, der Korruption, der er das Haupt zertreten wollte, Herr zu werden. Der neue britische Botschafter Die politische, aber auch die gesellschaftliche Stellung des Botschafters der Vereinigten Königreiche in der französischen Hauptstadt ist überragend. Sir William Tyrrell, der scheidende Diplomat aus der Schule Edward Greys, war Irländer und Katholik, Sir Georg Rüssel Clerk, sein Nachfolger, der„der distinguierteste britische Diplomat" genannt wird, ist ein internationaler Fachmann von besonderer Sprachenkenntnis. Sir Georg Rüssel Clerk begann seine Tätigkeit in der Türkei als erster Botschaftssekretär in der entscheidenden Zeit des Goldenen Horns, ein paar Jahre vor dem Weltkriege. Er wurde dann Botsi'.after bei der von Massaryk und Benesch errichteten jungen tschechoslowakischen Republik und ging als Botschafter an die Angora-Türkei zurück. In Brüssel, auf seinem letzten Botschafterposten, weilte er nur wenige Monate, als Durchgangsstation. Auch die Gemahlin des Botschafters, Lady Clerk, gehört zum Pariser Leben; sie hat vor einigen Jahren durch Ausstellung einer bedeucenden Aquarell-Sammlung von sich reden gemacht. Die Korsaren des Kaisers Paul J o 1 i d o n, ein im Saargebiet wohnenaer Verfasser, hat bekanntlich mit seinem Roman„Un Alsacien avec les corsaires du kaiser"(„Ein Elsässer unter den Korsaren des Kaisers") den Romanpreis des„Temps", der angesehensten Pariser Zeitung, erhalten. Die„Hessische Landeszeitung", ein gleichgeschaltetes Blatt, hat jetzt in ihrer Ausgabe vom 18. Februar einen Aufsatz „Die französische Propaganda an der Saar" veröffentlicht, den der Oberst von X y 1 a n d e r geschrieben hat. Der Oberst entdeckt, daß der Preis nur aus Gründen der„Propaganda" an Jolidon gegeben sei.(Denn da in Deutschland alles Eintopfgericht mit Propaganda ist, ob Kohl, Literatur oder Weltanschauung, so kann sich der Herr Oberst das eben nicht anders vorstellen.) Comptoir du Chocolat et de l'Alimentation 14, Bd. 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Sprechstunden täglich von 5— 7 Uhr Tatsache ist, daß Paul Jolidon, heute Beamter im französischen Zoll, dereinst Matrose in der kaiserlichen Marine, im Jahre 1919 im Saargebiet wohnhaft war und also stimmberechtigt bei der Saar-Abstimmung ist.„Mau glaubt," erklärt Oberst von Xylander,„auf diese Weise mit Sicherheit seine Stimme für Frankreich gewonnen zu haben." „Dieser Scherz ist etwas stark," bemerkt dazu der„Jour". „wenn man bedenkt, daß der Preis des„Temps" 20 000 Franken betrug. Das scheint ein bißchen viel für eine einzige Stimme, die noch nicht einmal im Parlament sitzt 5,5 Millionen Pfund jüdisches Kapital in Palästina im Jahre 1933 investiert Im Verlaufe d. J. 1933 haben Juden, wie aus den der JTA. vorliegenden halboffiziellen Zahlen hervorgeht, in Palästina 5 500 000 Pfund investiert; das bedeutet gegenüber 1932 mit nur 3 250 000 Pfund Investionskapital eine Erhöhung von 2 250 000 Pfund. In der zweiten Hälfte d. J. 1933 wurden in Palästina 133 Fabriken errichtet, 50 weitere Fabriken befinden sich im Bau. BRIEFKASTEN «Ans lääln". Es ist uns bekannt, baß der katholische Polizet- Präsident Sinnens von Köln einer katholischen Jngendgrnppe erlaubt hat, bei der Beerdigung eines ihrer Mitglieder«in Rlnst und nfii Kähnen" auszumarschieren. Ihre Vermutung, daß das ein Entgegenkommen an den Kölner Kardinal sei, teilen wir nicht. Der Nazi-Gebietssührer Wallwey stellt ausdrücklich öffentlich fest, dag es kein Zurückweichen ans der bisherigen Sinie gibt:„Fort mit allen Jugendverbänden! Die deutsche Jugend gehört aus- nahmslos zur Hitlerjugend." Es bleibt also bei dem nationalsozia- listischen Kulturkampf gegen die katholischen Jugendvereine. Max GL, Amsterdam. Sie fragen, ob A l s r e d B r a n n, der einstmals dem Berliner Rundfunk Gesicht und Farbe gab, noch im Kon» zentrationslager oder im Gefängnis sei. Aiir geben Ihnen gern Antwort. Braun ist bekanntlich im Sommer gleichzeitig mit Fritz Ebert, Ernst Heilmann und Direktor Magnus von der Rundfunk» geselljchast im Lager Oranienburg„eingeliefert" worden. Hier blieb er einige Monate. Später kam er ins Poiizeigesängnis unter der Anschuldigung der Korruption, die sich ans nichts anderes als ans seine Bezüge stützte. Er wurde ans einmal entlassen, ohne dag in der Oeffentlichkeii darüber berichtet wurde. Jetzt lesen wir in Schweizer Blättern, dag Alfred Brann in der Schweiz zusammen mit E r n st Busch tu Veranstaltungen anstritt, die«Das Lied der Zeit" heißen und sich eines sehr starken Zuspruchs erfreuen. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann Pitz tn Dui- weiter: für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH., Saarbrücken S, Schützenstrage 5.— Schließfach 776 Saarbrücken. 6e Ein flrzt entdeckt ein verbiüJendes Schönheitsmittel Es ist jetzt leicht, alte und welke Haut zu verjüngen und sie frisch und weiß zu machen. 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